Produced by Jens Sadowski, Norbert H. Langkau, and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net 42. Band. Jeder Band ist vollstndig abgeschlossen. Preis 10 Pf. (15 Heller.) Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Im Todeskrater des neuen Planeten. [Illustration: Kapitn Mors und sein treuer Gefhrte kmpften verzweifelt gegen die Ungeheuer der Vorzeit.] Druck- und Verlags-Gesellschaft Berlin Im Todeskrater des neuen Planeten. 1. Kapitel. Die Fahrt ins Unbekannte. Es war Nacht, unten rauschte das Sdmeer, oben in den Lften heulte der Sturm, der die Wolkenmassen vor sich herjagte. Was war das Seltsame, Ungeheure, was da mit fabelhafter Geschwindigkeit emporscho? Was sich unbekmmert um die Gewalt des Sturmes von der Erde entfernte? Menschenwerk war es, das Werk eines genialen Mannes, der seiner Zeit um hunderte von Jahren vorausgeeilt war. Ein metallnes Fahrzeug war es, das Weltenschiff des Kapitn Mors. Dies wunderbare Werk hatte wieder einmal die geheimnisvolle Insel im Sdmeer verlassen. Meteor war der Name des seltsamen Fahrzeuges, welches den Elementen trotzte. Der Riesenmagnet, der die Anziehungskraft des Erdballs aufhob, war der Erde zugewendet und mit furchtbarer Schnelligkeit scho das mchtige Fahrzeug hinauf, den Luftozean durchkreuzend, dem Weltraume zustrebend. Kapitn Mors befand sich im sogenannten Lenkraum des Weltenfahrzeuges. Ihn begleitete einer seiner Ingenieure, der treue Star, auch der Professor, der obgleich Gefangener des Kapitn Mors, diese Gefangenschaft doch als das grte Glck seines Lebens empfand. Sie lie ihn ja die Wunder der Sternenwelt schauen. Kapitn Mors besa noch andere europische Gefhrten, die ehemals zur Besatzung eines Unterseebootes gehrten. Sie hatten ihm Treue geschworen und wenn auch einige von ihnen, wie es in einem frheren Bande dieser Schilderungen erzhlt wurde, Meuterei verbten, so waren doch die anderen unbedingt zuverlssig. Dennoch hatte der Kapitn diesmal nur einen Teil der Europer mit sich genommen und dafr einigen seiner Inder auf deren dringendes Bitten die Teilnahme an der Weltenfahrt gestattet. Kapitn Mors tat das allerdings nicht gern, denn er hielt auf die Inder groe Stcke und da hatte er bemerkt, da diese an ein tropisches Klima gewhnten Mnner nach solchen abenteuerlichen Fahrten krnkelten. Deshalb whlte er nur diejenigen, die aus den indischen Berglndern stammten und an Klte und Strapazen gewhnt waren. Unter diesen Mnnern befand sich auch der treue Lindo. Nun, Kapitn, fragte Star, der neben dem berhmten Luftpiraten stehend die Instrumente beobachtete. Nicht wahr, diesmal geht es zum Monde? Ich habe mir den Trabanten der Erde als Zielpunkt der Fahrt ausersehen, erwiderte Mors mit der gewohnten eisigen Ruhe. Aber ich klammere mich nie an etwas Bestimmtes. Ich rechne stets auf Schwierigkeiten, auf Hindernisse und wenn auch der Mond das Endziel unserer diesmaligen Fahrt sein soll, so will ich doch auf dem Wege dahin ein anderes Rtsel zu lsen suchen. Darber kann ja Professor van Halen sprechen. Bei den letzten Worten wendete sich Kapitn Mors an den Astronomen, dessen Gesicht eine gewisse Ungeduld verriet. Die Ungeduld, neue, unbekannte Wunder zu schauen. Ja, so ist es, bemerkte van Halen, als sich der Kapitn an ihn wendete, ich habe schon bei den letzten Fahrten eine eigenartige Strung beobachtet und diese kleine Strung kann nur durch einen kleinen Planeten bewirkt werden, der sich in einer hchst merkwrdigen Bahn bewegt, dieser Planet mu sich von Zeit zu Zeit zwischen dem Monde und der Erde befinden. So, meinte Star. Da wundert es mich nur, da man ihn nicht schon lngst entdeckt hat. Bei solcher Nhe mten ihn doch unsere Astronomen lngst gefunden haben. Der Professor zuckte die Achseln. Das kann man nicht so ohne weiteres behaupten, erwiderte er. Man sieht die Meteoriten auch nicht, als bis sie bei Nacht in den Luftkreis der Erde zur Erhitzung gebracht als Feuerstreifen und Sternschnuppen aufflammen. Jedenfalls ist dieser Weltkrper ein Liliputplanet, ein winziges Ding, welches vielleicht das Sonnenlicht wenig reflektiert und mit ungeheurer Geschwindigkeit durch den Weltenraum saust. Dieser kleine Planet hat sicherlich eine ganz eigenartige Bahn, immerhin hat er Strungen hervorgerufen, die ungemein feinwirkende Instrumente anzeigen. Auf der Erde selbst konnte man diese Strungen nicht beobachten und nicht feststellen. Das war erst mglich, wenn man sich im Weltenraum befand. Da hat mir einer der Registrierapparate die Existenz eines solchen noch unbekannten Planeten verraten, es ist vielleicht ein verirrter Weltkrper, wer kann das alles wissen? Genug, ich habe Kapitn Mors gebeten, diesmal nach diesem rtselhaften Wanderer im Weltenraum Ausschau zu halten und der Kapitn will meinem Wunsch entsprechen. Na gut, erwiderte Star, ich bin auch neugierig, da gibt es wieder ein Abenteuer, denn das ist gewi, bei unseren Weltfahrten ist allemal etwas passiert und mehrmals sind wir zur schnellen Rckkehr gezwungen worden. Hoffentlich ist es diesmal nicht schlimmer, als wie andere Male. Was mich betrifft, Kapitn, so wit Ihr es ja, ich gehe mit Euch, wenn ntig, in die Hlle! Kapitn Mors drckte die Rechte seines treuen Gefhrten und begab sich dann mit dem Professor in den Beobachtungsraum des Weltenfahrzeuges. Die beiden Schwestern, Anita und Lucy Long, nahmen diesmal nicht an der wunderbaren Fahrt teil. Anita hatte bei den letzten Abenteuern eine leichte Verletzung erlitten und da sollte sie sich erst vllig erholen. Selbstverstndlich war Lucy bei ihrer Schwester zurckgeblieben. Whrend Star den Riesenmagneten bediente, setzte sich der Professor an seine Instrumente, wahren Wunderwerken menschlicher Technik, whrend Kapitn Mors einige Berechnungen machte. Das Weltenfahrzeug befand sich noch in der Luftzone, bei deren Passieren stets die grte Vorsicht beobachtet werden mute. Da kam ja jedesmal die sogenannte elektrische Zone, aber Kapitn Mors kannte jetzt schon die Gefahren, welche dort warteten, und es war ihm ein Leichtes, diese Hindernisse zu berwinden. Stunden vergingen, ohne da ein Wort zwischen den beiden Mnnern gewechselt wurde. Dann erhob sich Kapitn Mors und betrachtete die an der Wand hngenden Instrumente. Wir haben diesmal recht schnelle und glatte Fahrt, sprach er zu dem Gelehrten, der sich Notizen machte. Die Luftzone der Erde ist berwunden. Wir befinden uns bereits im Weltenraum. Das Gesicht des Professors strahlte. Hastig arbeitete er an den Hebeln, welche die groen Schieber vor den dicken Glasscheiben bewegten. Der eine Schieber schob sich langsam seitwrts und da konnte der Blick durch das dicke Glas in den Weltenraum hinausschweifen. Schwarz war der Himmel, nachtschwarz, die Sterne funkelten nicht, sie standen da wie weie, schimmernde Punkte, seitwrts sah man die gelbe, strahlenlose Scheibe der Sonne. Es war ein wunderbares Bild und obwohl Professor van Halen es schon oft gesehen, verriet er dennoch neues Entzcken. Auch der Mann mit der Maske sah gedankenvoll in die Tiefen des Weltenraumes. So, Kapitn, sprach van Halen nach einer Weile, jetzt mchte ich darum bitten, da das Weltenfahrzeug in dieser Zone kreuzt, treffen meine Berechnungen zu, so mssen wir in dieser Gegend den neuen kleinen Planeten entdecken. Mors griff sofort zum Telephon, welches den Beobachtungsraum mit dem Lenkraum verband. Er lutete und gab Star, der sich dort befand, seine Weisungen. Das groe Fahrzeug schien pltzlich zu zittern, aber dies geschah dadurch, da Star den pfeilschnellen Lauf des Weltenfahrzeuges verlangsamte. Nach kurzer Zeit fuhr es nur mit der Schnelligkeit eines mit vollster Geschwindigkeit dahinsausenden Schnellzuges. Hierauf wendete es wieder und fuhr in anderer Richtung zurck, um bald danach eine neue Richtung einzuschlagen. Es kreuzte also im Weltenraum wie ein Schiff auf offenem Meere. Dieses eigenartige Manver gelang durch die Art und Weise, wie der Riesenmagnet bewegt wurde. Der wurde nach verschiedenen Richtungen gedreht und gewendet und damit konnte man die Bewegungen des Fahrzeuges regulieren. So ist es richtig, sprach Mors, als er die Instrumente eine Weile betrachtet hatte. Ihr Wunsch ist erfllt, Herr Professor, wir kreuzen jetzt in der von Ihnen als verdchtig bezeichneten Zone. Ich will nur wnschen, da Ihre Beobachtungen zutreffen. Dann mssen wir ja den eigentmlichen Wanderer treffen, hoffentlich ist er zur Stelle oder wird doch bald erscheinen. In der Tat, erwiderte van Halen zuversichtlich. Sonst mte ich mich in meinen Beobachtungen gewaltig irren. Bis jetzt habe ich mit meinen Berechnungen selten Tuschungen erlebt. Sind aber meine Berechnungen richtig, so mssen wir den unbekannten, geheimnisvollen Planeten binnen kurzer Zeit in nchster Nhe erblicken. Daraufhin wurde die Aufmerksamkeit verdoppelt. Kapitn Mors wute ganz genau, mit welcher Schnelligkeit Weltenkrper durch die unendlichen Rume dahinsausten. Allerdings war das Weltenfahrzeug ausnehmend fest gebaut, aber es konnte schlielich zertrmmert werden, wenn es mit vollster Schnelligkeit gegen einen Weltenkrper sauste. Dann wre dies Wunderwerk sicherlich in Atome zersplittert worden. Wenn man aber auf der Erde den hier vermuteten Planeten noch nicht entdeckt hatte, mute man ihn doch hier im Weltenraum sehen. Die Sonne mute diesen geheimnisvollen kleinen Planeten bestrahlen und da hatte man auf dem Weltenfahrzeug Zeit genug, einem drohenden Zusammensto auszuweichen. Und wieder vergingen die Stunden. Abwechselnd wurde Wache gehalten, Kapitn Mors begab sich manchmal nach dem Lenkraum, um dort seinen getreuen Star abzulsen. Es waren wohl acht Stunden vergangen, als Kapitn Mors, der gerade den Lenkraum verlie, einen Ausruf des Professors vernahm. Im Nu befand sich der Luftpirat bei dem Gelehrten. Er ist da, er ist da, rief der Professor in frmlicher Ekstase, whrend er mit beiden Hnden nach der dicken Glasscheibe deutete. Seht, Kapitn, dort kommt der neue Planet in rasender Eile herangezogen. Noch erscheint er erst wie ein mattes, flimmerndes Pnktchen. Aber er ist es, er wird bereits von der Sonne beleuchtet. Er scheint tatschlich wenig Licht zu reflektieren. Befinden wir uns in der Bahn des Weltkrpers? fragte Kapitn Mors mit groer Ruhe. Nein, erwiderte Halen. Er wird gewissermaen unter uns vorberlaufen, wenn man das Wort unter uns berhaupt hier im Weltenraum gebrauchen darf. Aber ich habe eine Bitte, knnen wir nicht eine Weile in der Nhe des geheimnisvollen Weltenkrpers verweilen? Wird unsere eigene Schnelligkeit das erlauben? Das bezweifle ich, erwiderte Mors. Aber, es ist gar nicht ntig, da wir unsere Schnelligkeit aufbieten. Wir schalten einfach die Kraft unseres Riesenmagneten aus und berlassen uns der Anziehungskraft dieses so rtselhaften Weltenkrpers. Dann werden wir mit ihm zusammen durch den Weltenraum dahinfliegen und dann knnen Sie ungestrt Ihre Beobachtungen ausfhren. Der Professor war entzckt und wute sich vor Freude gar nicht zu lassen. Der Gedanke, eine noch unbekannte Welt schauen zu knnen, brachte ihn in groe Erregung. Kapitn Mors aber gab wieder Befehle nach dem Lenkraum und nach wenigen Augenblicken vernahm man ein eigentmliches Summen und Surren. Der Riesenmagnet stellte seine Ttigkeit ein, fast im gleichen Augenblick, wo der unbekannte Weltenkrper mit furchtbarer Schnelligkeit vorbersauste. Aber das Weltenfahrzeug ri er mit, das begleitete ihn jetzt durch seine Anziehungskraft gehalten. Es schwebte scheinbar unbeweglich ber diesem rtselhaften Planeten. Knnen wir uns diesem Monde oder was es sonst sein mag, noch mehr nhern? fragte der Gelehrte, in dessen Augen das Fieber des begeisterten Forschers glnzte. Warum nicht, erwiderte der Kapitn. Ich denke, wir werden uns zunchst tausend Meter ber der Oberflche des Planeten schwebend erhalten. Von da aus knnen wir ja auf die neue Wunderwelt hinabschauen. Wieder arbeitete das Telephon, wieder vernahm man das seltsame Summen und Surren. Die Instrumente verrieten, da das Weltenfahrzeug sank, bis es pltzlich wieder mit einem Ruck innehielt. Es schwebte jetzt tausend Meter ber der Oberflche des neuentdeckten Weltkrpers. Eigentlich schwebte es hher, den Kapitn Mors hatte die Entfernung von den Berggipfeln des kleinen Planeten berechnet, die ziemlich hoch emporragten. Der Professor schtzte die Berge teilweise auf fnf- bis sechstausend Meter Hhe. Dabei war der neuentdeckte Planet sehr klein, seine Oberflche mochte vielleicht die Gre von Irland besitzen, dennoch zeigte der kleine Planet eine ungemein groe Mannigfaltigkeit von Oberflchenformation. Da gewahrte man Ringgebirge, hnlich wie auf dem Monde, man sah Tler und glnzende Wasserbecken, viele dunkle Flecken schienen auf eine ungemein reiche Vegetation hinzudeuten. Der Blick auf den Planeten war nicht klar. Es schien, als ob da alles verschwommen sei, ein Beweis, da der neuentdeckte Weltkrper eine ungemein dichte Atmosphre besitzen mute. Diese Atmosphre schien ganz mit Wasserdampf gesttigt zu sein, man sah groe Wolkenmassen, die sich in heftiger Bewegung befanden. Auf diesem kleinen Planeten, den man mit gutem Recht eine Miniaturwelt nennen konnte, schienen ungemein starke Strme zu herrschen. Der Kapitn und der Professor standen hinter den dicken Glasscheiben und betrachteten diese Wunderwelt, die sich ihren Blicken darbot. Sehen Sie, Kapitn, was ist das dort? rief der Professor pltzlich, indem er mit der Rechten auf eine Stelle des Weltenkrpers deutete. Tusche ich mich oder sehen Sie es auch? Die rtliche Stelle, die sich immer mehr verbreitert und die schwarze Masse, welche die Wolkenhlle unterbricht? Ich sehe es auch, erwiderte der Kapitn, es ist zweifellos ein ungeheurer Vulkan, der sich in voller Ttigkeit befindet. Wir bewegen uns langsam darauf zu und werden binnen kurzer Zeit ber dem feuerspeienden Berge schweben. 2. Kapitel. Eine unerwartete Katastrophe. Das Weltenfahrzeug bewegte sich jetzt auffallend langsam, es war kein Wunder, es wurde ja doch in der Atmosphre des neuentdeckten Planeten schwebend von diesem auf seiner Bahn fortgerissen. Kapitn Mors setzte jetzt das Telephon an den Mund. Nicht so nahe an den Vulkan heran, rief er nach dem Lenkraum hindurch. Wir mssen uns in einiger Entfernung von dem feuerspeienden Berge halten. Star gab keine Antwort, wohl aber ertnte jetzt das Schrillen einer Glocke. Es war das Alarmsignal, welches aus dem Lenkraum ertnte. Dieses Alarmsignal lie sich nur dann vernehmen, wenn irgend eine unvorhergesehene Schwierigkeit entstand. Kapitn Mors eilte sofort nach dem Lenkraum und der Professor folgte ihm auf dem Fue. Star befand sich in voller Ttigkeit, ri hier und da an den Hebeln, er drehte die Schwungrder, aber der Erfolg schien nicht den gehegten Erwartungen zu entsprechen. Nun, was gibt es? fragte Kapitn Mors, als er eintrat und den Eifer seines treuen Gefhrten gewahrte. Die vertrackten Maschinen gehorchen nicht, Kapitn, erwiderte Star grimmig. Es ist gerade als wenn der Teufel dazwischen sitzt. Wir werden immer mehr in den Bereich des Vulkans getrieben. Mors neigte den Kopf und sah den Professor von der Seite an. Das sind eben Naturkrfte, sprach er, und vielleicht unbekannte Naturkrfte, die ihre Wirkung uern. Da scheint eine besondere Anziehungskraft stattzufinden, aber wir werden etwas hher steigen. Das gelang auch, aber die Anziehungskraft des unheimlichen Vulkans dauerte fort und nach kurzer Zeit schwebte der Meteor ber dem donnernden Krater. Dieser war nicht zu sehen, da ihn dichte Dampfwolken bedeckten, aber man konnte hren, wie er sich in furchtbarer Ttigkeit befand. Man hrte durch die dicken Wnde des Weltenfahrzeuges das schreckliche Prasseln und Krachen, man vernahm das Wten der Naturgewalten, die da drinnen in den Eingeweiden dieser kleinen Welt tobten. Was sagen Sie dazu, Professor? fragte Kapitn Mors. Nun, ich sage, da diese Welt hier noch um viele, viele tausend Jahre in der Entwicklung zurck ist. Das beweist schon die dicke Luft, die man hier bemerkt, und die gewi stark mit Kohlensure gesttigt ist. Dieser kleine Planet befindet sich noch in den Entwicklungsstadien, hnlich wie in der Vorzeit der Erde. Daher sind wohl auch noch die Naturkrfte mit solch furchtbarer Macht ttig. Pltzlich verdoppelte sich das Krachen, welches man dort unten vernahm und unmittelbar darauf sah man glhende Massen durch die Dampfwolken emporschieen. Der Riesenkrater befand sich in voller Ttigkeit, es war ein furchtbarer Ausbruch, der Vulkan schleuderte glhende Lavablcke empor und zwar bis in ungeheure Hhen, es schien, als ob da ein riesiges Geschtz kolossale glhende Bomben in das Unendliche emporschleuderte. Hoffentlich werden wir von keinem dieser glhenden Blcke getroffen, meinte der Professor. Knnen wir nicht noch hher steigen, Kapitn? Mors wollte eben antworten, als das Krachen und Brllen mit dreifacher Strke durch die Wnde des Weltenfahrzeuges tnte. Wieder schossen die glhenden Massen aus den Dampfwolken empor und stiegen bis in ungeheure Hhen, jetzt sah man sie links und rechts am Weltenfahrzeug vorbeisausen. Da schien es, als wrde das Fahrzeug von einem heftigen Schlag getroffen, als zitterte es und unmittelbar danach schallten im Verbindungsgang die hastigen Schritte eines herbeirennenden Mannes. Es war Star. Kapitn, rief er. Der Riesenmagnet ist getroffen. Die Verbindungsstange scheint demoliert zu sein. Das Fahrzeug beginnt rapide zu sinken. Kapitn Mors rannte nach dem Lenkraum. Aber er fand dort die Angaben des treuen Gefhrten besttigt. Die Hebel und Schwungrder versagten, tiefer sank das Weltenfahrzeug, immer tiefer, es mute auf dem neuen Planeten landen. Glcklicherweise war die Schnelligkeit keine allzu groe und Kapitn Mors bot all seinen Scharfsinn auf, um den Absturz zu mildern. Er setzte eine jener furchtbaren Maschinen in Ttigkeit, die bei der letzten Fahrt die Meuterer zu Asche verwandelt hatten. Dies rettete das Weltenfahrzeug und die Kraft, welche die Maschine entwickelte, bewirkte es auch, da der Kolo eine groe Strecke vom Vulkan entfernt niederkam. Rings umher sah man ein Gewirr von Steinblcken, von Klften, Schluchten, Felsen, dann folgte ein harter Ruck, ein Sto, das Weltenfahrzeug hatte den Boden des neuen Planeten erreicht und blieb dort in ziemlich schwieriger Lage hngen. Das Hinterteil des Weltenfahrzeuges lag in einem ausgebrannten Krater, das Vorderteil ragte schrg empor und lag auf zackigem Gestein, so ruhte das Weltenfahrzeug des Kapitn Mors wie ein Schiff, welches auf dem Meer zwischen Klippen gestrandet ist. Es schien in der Tat zum hilflosen Wrack geworden zu sein. Star zeigte jetzt jene Ruhe, die er im Verkehr mit dem Kapitn gelernt, ebenso benahm sich der Professor. Die Inder und die anderen europischen Mannschaften des Weltenfahrzeuges kamen jetzt herbeigerannt und schauten fragend auf Kapitn Mors. Sie wollten in seinen Mienen lesen. Aber die Ruhe des seltsamen Mannes teilte sich auch ihnen mit, und als die Leute sahen, da Kapitn Mors keine Miene verzog, und da seine Augen feurig wie immer blitzten, warteten sie ruhig ab, was der berhmte Fhrer nunmehr beginnen wrde. Untersucht zunchst die Innenrume des Weltenfahrzeuges, klang die Stimme des Luftpiraten. Seht zu, ob Ihr irgend einen Schaden entdecken knnt. Ich erwarte dann sofort Bericht. Vor allen Dingen aber darf niemand das Fahrzeug ohne meine Erlaubnis verlassen. Dazu versprten die Mnner auch keine Lust, obwohl sie sahen, da man sich auf einem mit Luft versehenen Weltkrper befand. Die Atmosphre war sicherlich dichter als die auf der Erde. Kapitn Mors besichtigte zunchst den Schaden im Lenkraum und betrachtete durch ein Glasfenster die zerstrten Verbindungsteile. Das lt sich alles wieder gut machen, erklrte er nach kurzer Betrachtung. Reserveteile haben wir im Ueberflu, aber, es wird freilich einige Zeit vergehen, es ist gar nicht ausgeschlossen, da wir mehrere Tage, ja Wochen auf diesem unbekannten Planeten verweilen mssen. Bald erschienen auch die brigen Mannschaften, aber sie hatten nichts Bedenkliches zu melden. In den unteren Rumen des Fahrzeuges war alles in Ordnung, da hatte man keine Beule, kein Leck gesehen. Selbst die Rhren, welche die flssige Luft verteilten, waren unbeschdigt. Somit blieb nur der Lenkapparat zu reparieren und das war gerade die Hauptsache und mute mit grter Sorgfalt geschehen. Kapitn Mors wollte mit Star und Lindo diese Arbeit verrichten. Ich erforsche unterdessen den neuen Planeten, rief der Professor begeistert, als ihm Kapitn Mors seine Absicht mitteilte. Der Luftpirat schien mit der Antwort zu zgern. O, ich laufe Ihnen gewi nicht davon, Kapitn, fuhr der Professor mit einiger Bitterkeit fort, da er das Zgern des Kapitns falsch deutete. Ich kehre schon wieder, mein Wort darauf! Ich will ja noch mehr Fahrten in diesem wunderbaren Fahrzeug unternehmen. Sie miverstehen mich, Professor, erwiderte Kapitn Mors. Ich wollte damit kein Mitrauen uern. Sie wissen ja, da Sie der Umstnde halber immer bei mir bleiben mssen, aber andererseits denke ich nicht im Traume daran, Ihnen diese Gefangenschaft zu zeigen oder Sie gar zu qulen. Mein Zgern entspringt einzig und allein der Sorge um Sie, denn Sie stehen mir nahe, und ich habe Sie sehr gern. Es gibt wenig Menschen wie Sie auf der Erde, gbe es viele solche, wre ich vielleicht nicht der Luftpirat geworden. Mein Zgern rhrt einzig und allein davon her, da ich fr Sie Sorge trage, denn hier knnen sich tausende von Gefahren verbergen. Deshalb bitte ich Sie, einstweilen noch im Weltenfahrzeug zu bleiben. Verzeihen Sie, Kapitn, erwiderte der Professor, indem er die Rechte des Maskierten fate. Ich will nichts gesagt haben. Aber ich denke, mit unseren Hilfsmitteln knnen wir jeden Gefahren Trotz bieten. Nicht immer, lautete die Antwort, solche Gefahren kommen oft blitzschnell und unerwartet, so da selbst die Hilfsmittel der modernen Technik versagen. Jedenfalls mssen wir unsere Umgebung beobachten. Dann wird es sich zeigen, ob wir das Fahrzeug verlassen drfen. Ist dies der Fall, so knnen Sie Ihren Forschungen nachgehen. Sie haben ja auch das Recht darauf. Sie sind ja gewissermaen der Entdecker des neuen Planeten. Der Professor drckte nochmals die Rechte des seltsamen Mannes. Dann ging es an die Arbeit. Mors war nicht der Mann, der die Hnde in den Scho legte, er wollte vor allen Dingen sein Weltenfahrzeug instand setzen. Nun galt es, erst die Luft zu prfen und sich zu vergewissern, ob man diese ertragen konnte. War dies nicht der Fall, so mute man eben die Lufthelme benutzen. Kapitn Mors unternahm wie gewhnlich das Wagnis selbst. Er begab sich nach den Doppeltren, die den Einla in das Fahrzeug vermittelten, ffnete die innere Tr und versuchte dann vorsichtig die auen befindliche Luft zu proben. Sie war dick, schwer, reichlich mit Kohlensure gesttigt, aber sie lie sich immerhin atmen. Man hatte nur, wenn man lngere Zeit diese Luft atmete, das Gefhl eines leichten Rausches, einer Beklemmung, aber diese wurde wieder durch andere Vorteile aufgehoben. Der Planet war ja klein, viel kleiner als der Mond, er war eine Miniaturwelt und da muten sich natrlich ganz andere Lebensbedingungen ergeben. Hier mute man ungeheuer hoch springen knnen, hier wog ein schwerer Mann nur so viel, wie ein kleines Kind auf der Erde. Das mute dann die Arbeitskraft verdoppeln und verdreifachen. Von auen mute man arbeiten, um den Riesenmagneten wieder in Funktion treten zu lassen. Kapitn Mors rief jetzt seine Leute herbei, die er nacheinander die Luft atmen lie. Da zeigte sich denn, da die ehemalige Mannschaft des Unterseebootes die Luft absolut nicht vertragen konnte. Die Leute taumelten umher, drehten sich im Kreise und benahmen sich wie sinnlos Betrunkene. Aehnliche Symptome zeigten auch die meisten Inder und selbst Star, dem eisernen Mann, war die Luft hchst unangenehm, es berkam ihn ein Schwindel. Dagegen vertrug Lindo die Luft vortrefflich und da Kapitn Mors zur Reparatur hchstens ein oder zwei Gehilfen gebrauchte, beschlo er, mit Lindo die Arbeit zu vollenden und mit dieser auf der Stelle zu beginnen. Der Schaden wurde zunchst besichtigt und die Reparaturteile aus dem Innern des Fahrzeuges hervorgeholt. Es war freilich ein recht unangenehmes Arbeiten, da man in die Kluft hinuntersteigen mute. Der Krater zog sich seitwrts noch ziemlich tief in das Innere der Erde fort, dort, wo rabenschwarze Finsternis herrschte. So, sprach Kapitn Mors, als er sich mit Lindo zur Arbeit fertig machte. Wir beginnen. Auf der Galerie des Weltenfahrzeuges aber mssen immer ein paar Wchter stehen, die die Umgebung im Auge behalten, damit wir vor unliebsamen Ueberraschungen gesichert sind. Was meint Ihr denn, was es hier gibt, Kapitn? fragte Star, der diese Worte vernommen. Ich habe auch schon berall umhergesehen, aber nirgends etwas Lebendes bemerkt. Der Weltenkrper ist ja so klein, hier gibt es wohl gar kein tierisches Leben. Hast Du nicht die reiche Vegetation auf verschiedenen Stellen des Planeten gewahrt? fragte Mors. Eine ppige Vegetation ist es, tropisch, wie in der Vorzeit der Erde. Wo sich solche Vegetation befindet, gibt es auch Tierwelt. Es fragt sich nur, in welchem Stadium sich dieser Planet befindet, aber das kann uns wohl der Professor sagen, der wird schon seine Beobachtungen anstellen. In der Umgebung scheint alles tot und starr zu sein, meinte Star. Da gibt es keine Vegetation, da sieht man nur zackige Felsenspitzen, ausgebrannte Krater, Klippen und Felsblcke. Wenige Minuten spter verlie Mors mit Lindo und einigen anderen Indern die Galerie des Weltenfahrzeuges. Man benutzte eine Leiter, um die nchsten Klippen zu erreichen. Hierauf begann man die Umgebung des Absturzes zu erforschen. Man sah nichts als Klfte, ausgebrannte Krater, Steinmassen von den wunderlichsten Formen. In einiger Entfernung donnerte der Vulkan und schleuderte seine glhenden Lavablcke in die Hhe. Aber diese strzten nicht in der Nhe der Landungsstelle herunter, von dort brauchte man nichts zu befrchten. Pltzlich deutete Lindo mit der Rechten in eine der Klfte. Kapitn, rief er. Was liegt dort? Seht doch mal, das Weie! Das Ding sieht ja unheimlich aus. Wahrhaftig, Kapitn, das Ding mssen wir mal genauer untersuchen! Der Kapitn schritt mit seinen Indern hinber. Da lag neben einem Steinblock das Ding, welches Lindo mit seinen scharfen Augen erspht. Ein weigebleichter Schdel von wahrhaft ungeheuren Formen. Aller Wahrscheinlichkeit nach war es ein Tierschdel, aber niemand konnte sagen, zu welcher Gattung dies Geschpf gehrt hatte. Neben diesem Ueberrest sah man einige ungeheure Knochen. Diese waren zerbrochen und Lindo beugte sich jetzt zu diesen Ueberbleibseln nieder. Kapitn, rief er. Seht diesen zerschmetterten Knochen hier an. Das ist aber kein Bruch, nein, seht die Eindrcke, wie zackig und spitz dieselben sind. Kapitn, dieser Knochen ist zweifellos von den Zhnen eines unbekannten riesigen Ungeheuers zerbissen worden. 3. Kapitel. Eine abenteuerliche Expedition. Kapitn Mors konnte nur die Beobachtung seines getreuen Lindo besttigen. Die Knochen, die hier lagen, rhrten von einem Ungeheuer her, und sie waren anscheinend von einem anderen Ungetm zerbissen worden. Man hoffte Auskunft von dem Professor, der jetzt eilend herbeikam, und der ja nicht allein Kenntnisse in der Sternenkunde besa, sondern auch, wie es viele Astronomen zu tun pflegen, langjhrigen geologischen Studien obgelegen hatte. Er betrachtete mit Erstaunen und Interesse diese Ueberreste. Der Schdel liegt noch nicht lange hier, Kapitn, rief er endlich. Er ist rein abgenagt und solche Schdel habe ich oft genug in den Museen der Erde gesehen. Es sind die Schdel von ungeheuren Tieren der Vorzeit, aber dieses Tier hier ist mir vllig unbekannt. Doch mchte ich annehmen, da es zu den Sauriern gehrt, zu jenen furchtbaren Rieseneidechsen, die einst auch die Erde bewohnten. Schne Bescherung, meinte Star, indem er forschend umherblickte. Da knnte pltzlich solch Beest auftauchen. Herrgott, hat das Ding einen Rachen! Da wre unsereiner nur ein Bissen als Frhstck, da mssen wir uns hllisch in acht nehmen. Der Professor hrte diese Worte. Ich glaube aber nicht, da wir jetzt etwas zu frchten haben, es sieht so aus, als htte sich hier vor kurzer Zeit Wasser befunden, welches durch irgend eine Ursache in die Tiefen der Erde abgeflossen ist. Diese Rieseneidechsen aber hielten sich immer in der Nhe des Wassers auf. Unmglich ist es freilich nicht, da sich da unten in den Felsenklften noch Wasseransammlungen befinden. Gut, sprach Kapitn Mors. Da mssen wir eben wachsam sein und immer die Augen offen halten. Es scheint mir aber, als wenn wir in dieser trostlosen Gegend nichts zu frchten htten. Etwaige tierische Bewohner des Planeten knnen sich drben in den tropischen Wldern aufhalten. Man sah es dem Professor an, da er frmlich danach lechzte, diese Seltsamkeiten kennen zu lernen. Er war befriedigt, da es ihm vergnnt war, einen Blick in die Vorzeit zu tun, da er sich auf einem kleinen Planeten befand, der noch um viele hunderttausend Jahre in der Entwicklungsgeschichte zurck sein mute. Kapitn Mors aber sorgte fr Vorsichtsmaregeln. Er begann mit Lindo sofort die Reparaturarbeiten vorzunehmen, whrend einige Wchter auf der Galerie die Umgebung im Auge behielten. Lange arbeiten konnte man freilich nicht, da die eigenartige Luft zu fterem Ausruhen mahnte. Selbst Kapitn Mors fhlte schon nach wenigen Stunden eine Erschlaffung, die er kaum mit seiner eisernen Energie besiegen konnte. Unter diesen Umstnden konnte der erzwungene Aufenthalt auf dem kleinen Planeten lngere Zeit in Anspruch nehmen. Verdchtiges zeigte sich aber nicht, nichts Lebendes war zu erblicken, die Wchter sahen keine befremdlichen Erscheinungen. Man hrte nur das Donnern des Vulkans, der sich aber immer mehr zu beruhigen schien. Als am dritten Tage der Professor seine Bitte wiederholte, gab Kapitn Mors nach. Ich gehe selbst mit, sprach er. Lindo kann whrend meiner Abwesenheit die Arbeit allein fortsetzen. Selbstverstndlich nehmen wir unsere elektrischen Waffen mit, auch wollen wir uns nicht allzu weit entfernen. Unser Marsch geht nach dem Walde hinber. Der Professor strahlte vor Entzcken, der sonst so ernste Mann wute gar nicht, wie er seine Freude beherrschen sollte. Er brannte vor Ungeduld, einen Blick in diese Wunderwelt zu tun, whrend Kapitn Mors seine gewohnte Ruhe und Geistesgegenwart zeigte. Star sollte auch zurckbleiben. Kapitn Mors bestimmte drei Inder, die ihn und den Professor begleiten sollten. Hierauf versah man sich mit Lebensmitteln, mit Instrumenten, die ein Verirren verhindern sollten, ferner mit den furchtbaren elektrischen Waffen. Der Planet besa eine ungemein schnelle Umdrehung, und da er sehr klein war, so dauerte der Tag wenig mehr als eine Stunde, ebenso war es mit der Nacht, jedoch erleuchtete whrend der Finsternis zuweilen der Mond die seltsame Umgebung. Damit mute man also von Anfang an rechnen, und Kapitn Mors beschlo, whrend der Dunkelheit verdchtige Distrikte zu meiden. Er setzte sich mit seinen vier Begleitern in Marsch und nun ging es ber das unebene Terrain nach der Vegetationszone hinber. Die eigenartige Luft tuschte und der Wald war ferner, als man geglaubt hatte. Durch die mitgenommenen Fernglser konnte man schon unterscheiden, da sich dieser Wald von allem, was man auf der Erde gesehen, bei weitem unterschied. Anfangs konnte man die Waldbume fr Palmen halten, aber bei nherer Betrachtung glichen sie eher riesigen Farren, alles hatte einen unheimlichen, schier gespenstigen Anblick. Man sah keinen Vogel, keinen Schmetterling, freilich waren hier noch immer die kahlen, nackten Felsen. Drben im Walde konnte es anders sein, da konnte sich ein merkwrdiges Tierleben zeigen. Aber jetzt vernderte sich die Formation des Bodens, das Felsgestein verschwand allmhlich, der Boden war weich und sumpfig. Acht geben, klang Kapitn Mors' Stimme, die ganz eigentmlich in der dicken Luft ertnte. Acht geben, wir mssen im Gnsemarsch gehen. Einer hinter dem anderen. Sonst versinken wir hier ins Bodenlose. Das ist ein Sumpf der Urzeit. Ein Morast, in dem wir spurlos verschwinden knnen. Aber hier geht eine Felsenrippe hindurch, die mssen wir benutzen. Es war in der Tat die grte Vorsicht geboten, um so mehr, als der ausnehmend kurze Tag ja schon wieder zu Ende ging und die eben so kurze Nacht herannahte. Kapitn Mors und seine Begleiter aber hatten elektrische Laternen mitgenommen und so konnten sie den steinernen Weg durch den Sumpf verfolgen. Diese Felsenrippe war der einzige Pfad, welcher zu dem Wald hinberfhrte. Es wurde schnell dunkel, aber das elektrische Licht zeigte den Weg. An einer Stelle, wo sich der Felsenpfad verbreiterte, wurde kurze Rast gemacht. Nach anderthalb Stunden wurde es schon wieder Tag, da sich der Planet mit riesiger Geschwindigkeit um sich selbst drehte. Links und rechts war der Morast, aber dort war alles still. Kein Laut unterbrach das unheimliche Schweigen. Endlich war man am Walde angelangt, aber Kapitn Mors machte vorlufig keine Anstalten, hineinzugehen. Der kurze Tag war schon wieder zu Ende. Sollen wir nicht ein Feuer anznden, Kapitn? fragte Lindo. Es wrde schwerlich brennen, erwiderte Kapitn Mors, denn Du siehst ja, hier ist alles mit Feuchtigkeit frmlich gesttigt und dann glaube nur nicht, da sich die Wesen, die hier leben, durch das Feuer abschrecken lassen. Im Gegenteil, sie mchten neugierig hinzukommen. Bald wurde es wieder dunkel, aber nun hrten die fnf Mnner, die am Rande des Waldes harrten, seltsame Tne, die aus dem scheinbar undurchdringlichen Dickicht herberschallten. Furchtbare Tne waren es. Man hrte ein Schnaufen, ein Aechzen, als wenn der Sturmwind wehte. Dann krachte es und brach es zwischen den farrenartigen Bumen, als ob sich massige Krper hindurchwlzten. Auch in den Lften lieen sich sonderbare, schreckliche Laute vernehmen, ein Klatschen und Flattern, ab und zu hrte man ein durchdringendes schrilles Pfeifen, einige Male war es den Mnnern auch, als ob ein groer schwarzer Schatten durch die Luft und Finsternis segelte. Als es aber nach anderthalb Stunden hell wurde, war alles ruhig, da war nichts zu hren und nichts zu sehen. Also gibt es auch hier ein Nachtleben, sprach der Professor zu Mors. Eine nchtliche Tierwelt. Die lebt da drinnen in dem Dickicht und sicherlich war es ein Urvogel oder eine riesengroe Fledermaus, die whrend der Dunkelheit ber unseren Huptern dahinflatterte. Jetzt versuchte man in das unheimliche Dickicht einzudringen, aber das erwies sich als unmglich. Der Boden war weich, durchlssig, wie ein Schwamm, beim ersten Schritt in das Dickicht mute man bis an den Leib einsinken. Als Lindo es dennoch versuchte, krachte und prasselte es neben ihm in dem undurchdringlichen Gebsch, der Inder prallte zurck, aber er glaubte noch etwas unheimlich Groes gesehen zu haben, welches sich durch das Dickicht fortwlzte, dunkel, schleimig, ein Untier, welches offenbar sein Heil in der Flucht suchte. Sicherlich ist das eine der Rieseneidechsen gewesen, sprach der Professor. Die hausen hier in dem undurchdringlichen Farrenwalde. Merkwrdig, da uns der Kolo nicht angegriffen hat. Das ist ein Beweis, da selbst diese Giganten vor dem Anblick der Menschen erschrecken. Wir mgen dem Riesentier allerdings sonderbar genug vorgekommen sein. Einer der brigen Inder war inzwischen auf einer anderen Stelle in den Wald gedrungen, aber auch nur wenige Schritte vorwrts gekommen. Er kehrte rasch zurck und erzhlte, da er ein schlangenartiges Ungetm gesehen htte, welches von einem der Farrenbume herabglitt und dann spurlos in dem undurchdringlichen Unterholz verschwand. Nun, Professor? fragte der Kapitn. Was sagen Sie dazu? Wollen wir wirklich in den Wald eindringen? Wir mten allerdings schon wie die Affen von Baum zu Baum klettern. Aber wenn Sie Lust haben, ich bin dazu bereit. Der Professor bewunderte den khnen Mann, der so kaltbltig in das furchtbare Dickicht hineinblickte. Er wute, da Kapitn Mors nicht scherzte, da dieser mit ihm ging, wenn er den Wunsch aussprach, den schrecklichen Wald nher untersuchen zu wollen. Nein, ich denke, wir lassen es lieber, erwiderte der Professor. Das hiee direkt mit dem Tode spielen. Ja, wenn der Tag lnger dauerte, aber bei dieser kurzen Zeit wrde uns ja wieder die freilich kurze Nacht berraschen. In der Nacht mchten wir den Ungetmen, die den Wald bewohnen, fast wehrlos gegenberstehen. Auch wei ich bereits genug. Dieser Planet befindet sich in einem Zustand, wie ihn die Erde auch durchgemacht hat, nmlich zur Zeit der groen Saurier und schlielich wird auch fr diese Miniaturwelt die Zeit kommen, wo sich das allgemeine Lebensprinzip erfllt, wo intelligente Wesen anstelle der Ungeheuer hier treten. Wer wei, vielleicht ist der Keim zu menschenhnlichen Wesen in dieser kleinen Welt schon verborgen, vielleicht lebt schon ein Wesen in diesem Dickicht, aus dem sich dereinst ein vernunftbegabter Bewohner dieses kleinen Planeten entwickelt. Es gibt hier noch andere Dinge, die man erforschen kann, daher ist es besser, wenn wir umkehren. Kapitn Mors gab seine Einwilligung zu erkennen, es hatte ja auch nicht den geringsten Zweck, da man vordrang. Die Farrenbume wuchsen in einem Morast, dort liefen die khnen Eindringlinge Gefahr, spurlos im Sumpf zu verschwinden. Nun ging es wieder ber die Felsenklippe zurck, wo die Dunkelheit die Wanderer berraschte. Da hrte man vom Walde her wieder die schrecklichen Tne, das Aechzen, das Rauschen und Prasseln, den durchdringenden Schrei und das Flattern des Riesenvogels oder der ungeheuren Fledermaus, welche durch die Lfte flog. Dann kehrte man, als es hell wurde, wieder in die Steinwildnis zurck, wo der Meteor in dem erloschenen Vulkan lag. Man sah Lindo und Star, die von einigen Indern untersttzt, an dem Riesenmagneten hantierten. Die Mnner winkten eifrigst, als sie Kapitn Mors und dessen Begleiter erblickten. Die Rckkehrenden glaubten schon, da ihre Gefhrten in Besorgnis gewesen seien. Lindo kam dem Kapitn mit groen Sprngen entgegen. Es sah sonderbar aus, wie er mit der Leichtigkeit eines Federballs ber ziemlich hohe Felsblcke hinwegsprang, aber das war ja kein Wunder, auf diesem kleinen Weltkrper konnte der um so vieles leichtere Menschenkrper auch hhere Sprnge unternehmen, ohne sich im mindesten zu verletzen. Was gibt's? fragte Mors. Ist etwas Besonderes vorgefallen? 4. Kapitel. Die Geheimnisse des Feuerberges. Da unten in dem ausgebrannten Vulkan ist es nicht ganz richtig, meinte Lindo. Der ist wohl blo scheinbar erloschen. Wir haben schon mehrmals sonderbare Tne vernommen, ein Zischen und Fauchen und zwar als es dunkel war. Das ist ja hier eine merkwrdige Geschichte. Tag und Nacht ist so rasch, da man kaum zur Besinnung kommt. Da unten in dem Krater sind vielleicht die unterirdischen Gewalten ttig. Genug, da knnte es leicht sein, da uns pltzlich ein Lavastrom berraschte. Das wre doch eine bedenkliche Sache. Kapitn Mors ging sofort nach der Stelle, wo der Meteor halb aus dem Krater hervorragte. Er bog sich hinab und lauschte nach der Oeffnung hin, die seitwrts in das Innere des Planeten hineinfhrte, denn dort waren wohl ehemals die Lavastrme hervorgekommen. Es blieb aber alles ruhig, es lie sich nichts Besonderes vernehmen. Es war sicherlich siedende Lava, sprach Lindo, es brauste und zischte, wie in einem Hllenkessel. Da links aber, wo sich die groe Hhlung befindet, da war es auch nicht richtig. Da hinter den Felsblcken haben wir auch ein sonderbares Gerusch vernommen, was freilich ganz anders klang. Ich sage Euch, Kapitn, die unterirdischen Gewalten ruhen nicht, die knnen bei der ersten Gelegenheit hervorbrechen. Da wre es mit unserem Meteor vorbei, da knnten wir unser Leben auf dem unheimlichen Planeten beschlieen. Diese Erklrung Lindos brachte Kapitn Mors auf den Gedanken, vorerst weitere Wanderungen auf dem merkwrdigen Weltkrper zu unterlassen und seine ganze Energie der Wiederherstellung des Weltenfahrzeuges zuzuwenden. Der Professor freilich schwrmte noch immer von diesen Wundern einer Welt, die fr den Erdenkrper seit hunderttausenden von Jahren verschollen waren. Er glhte vor Forschereifer, er wollte auch die Geheimnisse des groen Feuerberges erforschen. Da gab es allerdings Geheimnisse genug, denn dieser Ausbruch war ganz anders, als eine Katastrophe auf dem Erdball. Man konnte diese Vulkanausbrche mit den regelmigen Atemzgen eines schlummernden Riesen vergleichen. Zeitweise war alles still, diese Ruhe dauerte manchmal eine viertel oder gar eine halbe Stunde. Da lag der ungeheure Vulkan so ruhig, als wre das unterirdische Feuer vollstndig erloschen. Dann aber hrte man ein dumpfes, langanhaltendes Grollen, dem ein merkwrdiges Aechzen und Schnauben folgte. Es war, als ob das riesige Ungeheuer, welches in der Tiefe zu ruhen schien, Atem holte und so zu einer gewaltigen Kraftanstrengung Luft schpfte. Dann tnte das Grollen von neuem, unmittelbar darauf folgte eine Art schreckliches Gebrll, aus dem hochragenden Gipfel stieg eine frchterliche Dampfwolke empor, gleichzeitig sah man durch diese ungeheuer groe Lavastcke in die Lfte fliegen. Sie wurden mit einer solchen Gewalt emporgeschleudert, als ob sie aus der Mndung eines kolossalen Geschtzes ausgestoen wrden. Das war ein groartiger Anblick, noch groartiger aber war es, wenn dieser Ausbruch in der Dunkelheit erfolgte, wenn diese riesigen glhenden Lavablcke auf den Abhngen des Vulkans niederschmetterten, zerplatzten und einen Feuerregen umherschleuderten. Es war ein natrliches Feuerwerk, welches aller menschlichen Begriffe spottete. Die Leute im Weltenfahrzeug wurden nicht mde, diese entfesselten Naturgewalten anzustaunen, aber Kapitn Mors winkte jetzt seinem treuen Lindo, da er sich beeilen sollte, denn es galt nun, die schwierigste Arbeit zu verrichten. Die metallnen Gelenke muten wieder auf den Diamanten montiert werden und da war die grte Vorsicht geboten. Die beiden Mnner muten mit Gummihandschuhen arbeiten, damit nicht etwa ein pltzlich auftretender elektrischer Strom sie zu Boden schleuderte oder gar tdlich verletzte. Solche Entladungen aber waren in der mit Elektrizitt gesttigten Atmosphre des kleinen Planeten keine Seltenheit. Unablssig bildeten sich Wolken, aus denen der Donner grollte und furchtbare breite Blitze herniederzuckten. Dann brachte auch wohl eine vorberschwebende schwarze Wolke einen frchterlichen Regengu, soda der Kapitn und Lindo ins Weltenfahrzeug flchten muten. Da niemand den beiden Mnnern helfen konnte und nur Mors und Lindo diese Reparatur herzustellen vermochten, entschlo sich der Professor, mit Star und einigen Indern nach dem Vulkan zu gehen, um dort die Ausbrche zu betrachten. Kapitn Mors ermahnte sie zur grten Vorsicht und empfahl ihnen, sich nicht in die Nhe der herabstrzenden Lavablcke zu wagen, sonst war nichts dort zu befrchten. In der Nhe des Vulkans gab es kein Tierleben. Dort htte selbst eins der Ungeheuer des Waldes dem Wten der Naturgewalten erliegen mssen. Der Professor war sehr froh, da er den Vulkan untersuchen konnte und nahm einige Instrumente mit, die ihm zu verschiedenen Beobachtungen dienen sollten. Gleichzeitig wollte er die Anziehungskraft und verschiedene andere Eigentmlichkeiten dieses Miniaturplaneten messen. Die ehemaligen Mannschaften des Unterseebootes aber verlieen das Weltenfahrzeug nicht, da sie sich absolut nicht an die dicke Luft gewhnen konnten. Sie blieben also lieber in den Mannschaftsrumen, wo man mit Leichtigkeit eine Luft herstellte, die der der Erde gleichkam. Mors und Lindo arbeiteten aber unentwegt an dem Riesenmagneten weiter. Der Professor und Star aber brachen mit den brigen Indern auf und turnten binnen kurzem mit unglaublicher Gewandtheit ber das spitze Felsengestein nach dem Vulkan hinber. Hier waren ja die Krper so leicht, hier konnte man scheinbar unberwindliche Strapazen mit unglaublicher Schnelligkeit berwinden. Es sah ordentlich drollig aus, wie die Mnner, die noch dazu die Instrumente trugen, wie die Gemsen von Stein zu Stein hpften und breite Spalten ohne Anstrengung bersprangen. Es schadete nicht einmal etwas, wenn man strzte, wenn man nur nicht zu tief fiel, denn bei der Leichtigkeit des Krpers war der Aufschlag ein so geringer, da man sich bei solchen Fllen nicht weh tat. Das einzig Unangenehme war nur der kurze Tag, denn man mute nach Verlauf von ein bis einundeinhalb Stunden anhalten, da man trotz der elektrischen Laternen in der kurzen, aber dunklen Nacht leicht in eine unbekannte Tiefe strzen konnte. Je nher man dem Vulkan kam, desto mehr zeigten sich die unterirdischen Gewalten. Da hrte man ein Brodeln, ein Zischen und Kochen. Es waren die Lavabecken, die da unten brodelten, siedeten und kochten. Mitunter leuchtete auch der Feuerschein herauf und zwar ganz seltsam, es waren blaue, grne, gelbe und rote Flammen, im buntesten Gemisch. Diese sonderbaren Flammen verrieten, da es ganz eigentmliche Elemente sein muten, die sich hier im glhenden Zustande in der flssigen Materie befanden. Weiter drangen die Mnner vor, bis sie endlich den kolossalen Vulkan erreichten. Dort hatte eins der emporgeschleuderten Lavastcke den Riesenmagneten des Weltenfahrzeuges getroffen und dies wunderbare Werk des Kapitn Mors zum Absturz gebracht. Beim Aufstieg mute man den Vulkan sorgfltig vermeiden. Das war nicht leicht, denn es schien, als ob eine besondere Anziehungskraft in diesem Vulkan wohnte, als ob diese das Metall aus welchem der Rumpf des Weltenfahrzeuges bestand, beherrschte. Man mute also die uerste Vorsicht walten lassen. Daran hatte auch der Professor gedacht und er freute sich jetzt, da er dem Kapitn einen Dienst leisten konnte. Er wollte die Anziehungskraft des Feuerberges untersuchen, dann wrde man schon Mittel und Wege finden, um das Weltenfahrzeug aus der gefhrlichen Nhe des Kraters bringen zu knnen. Dann konnte man auch diese Miniaturwelt wieder verlassen. Die Inder zeigten sich hier recht tollkhn, aber das war kein Wunder, Feuerberge waren ihnen nicht fremd und in ihrer Heimat befanden sich die Riesen der indischen Bergwelt, die weit ber die Wolken hinausragten. Star und der Professor muten die Ungeduld der Inder sogar zgeln, denn die waren jetzt sehr unternehmungslustig. Sie stieen sogar noch glhende Lavablcke an den Abhngen des Vulkans hinunter, damit sie der Professor besser untersuchen konnte. Der Professor hatte alle Hnde voll zu tun, er schttelte wiederholt verwundert mit dem Kopf. Das Gestein, aus welchem der Feuerberg bestand, war ganz eigenartig. Es enthielt ein Metall, welches auf der Erde unbekannt war, aber sicherlich hohen Wert besitzen mute. Die Instrumente wurden aufgestellt und an verschiedenen Stellen des Feuerberges angebracht. Professor van Halen war unermdlich und da machte er die absonderlichsten Beobachtungen. Hier auf dieser kleinen Welt gab es eine Menge Wasser, aber das war wohl meist in dampffrmigem Zustande, die feuchte Hitze, welche hier herrschte, bewirkte eine unvergleichlich schnelle Verdunstung. Der Professor glaubte auch die Wahrnehmung zu machen, da nach den frchterlichen Regengssen, die von Zeit zu Zeit eintrafen, die Ausbrche des Vulkans hufiger wurden. Es war sicherlich noch der alte Kreislauf der Dinge, wie ehedem in der Urzeit, hier folgten die Naturgewalten unmittelbar und erschienen deshalb um so schrecklicher. In der Nhe des Feuerberges war die Atmosphre so dunstig und trbe, da man nur selten einen Ausblick erhielt, das Weltenfahrzeug konnte man nie sehen, obwohl es gar nicht weit entfernt war. Der Professor berlie sich ganz seinen Beobachtungen, aber Star empfand eine innere Unruhe, es war ihm immer, als ob sich in der Nhe des Weltenfahrzeuges etwas Absonderliches zugetragen haben msse. Er lachte zwar ber diese Gedanken und verbarg sie vor dem Professor, aber er konnte doch nicht hindern, da er immer und immer wieder an die Zurckgebliebenen mit Besorgnis zurckdachte. Aber auch der Professor hatte Bedenken, die freilich etwas anderes betrafen. Seine Beobachtungen brachten ein Resultat, welches ihn mit groen Befrchtungen erfllte. Die Instrumente verrieten nmlich pltzlich eine ungemeine Spannung, die immer mehr und mehr zunahm und zwar in einer Weise, da man irgend eine Naturkatastrophe erwarten konnte. Ob sie bald eintreten wrde, stand freilich noch dahin, aber dem Professor war es, als mte demnchst auf dem kleinen Planeten ein Aufruhr der Elemente stattfinden, der alles bisher Gesehene bei weitem bertreffen mte. Da stand wohl ein furchtbarer, vulkanischer Ausbruch bevor und da konnte der Feuerberg in die frchterlichste Ttigkeit treten. Aber der Professor dachte noch an etwas anderes, an die Mglichkeit, da die Lavamassen aus dem scheinbar erloschenen Krater, wo das Weltenfahrzeug lag, hervorbrechen wrden, dann konnte dort ebenfalls eine frchterliche Katastrophe erfolgen. Jedenfalls nherte sich der kleine Planet der Sonne und dieser Umstand war es wohl, der eine gigantische Anstrengung der noch immer entfesselten Naturkrfte drohen lie. Van Halen hielt es daher fr das beste, wenn er jetzt zurckkehrte und den Luftpiraten warnte. Sowie es hell wurde, brach man auf, aber der Professor lie einige seiner Instrumente zurck, in der Ueberzeugung, da er noch einmal zurckkehren wrde. Am Weltenfahrzeug fand man alles unverndert, die europischen Mannschaften verbrachten ihre Zeit meist mit Nichtstun oder Reinigen der Maschinen. Lindo und Mors waren unablssig mit der Reparatur des Riesenmagneten beschftigt. Der Luftpirat kam dem Gelehrten entgegen. Haben Sie das Brausen und Zischen wieder vernommen, Kapitn? fragte Halen, als er einen Hndedruck mit dem Maskierten getauscht. In der Tat, lautete die Antwort. Es scheint immer drohender und unheimlicher zu werden. Auch will Lindo andere unheimliche Tne gehrt haben, aber davon habe ich nichts vernommen. Der Professor dachte nur an das Brausen und Zischen, das waren zweifellos die glhenden Lavamassen. Er begab sich nach der dunklen Kluft und richtig, dort machte sich eine auerordentliche Wrme bemerkbar. Dann teilte er Kapitn Mors seine Beobachtungen am Feuerberg mit. Das ist in der Tat bedenklich, meinte Kapitn Mors. Da mssen wir uns beeilen und noch eifriger arbeiten. Uebrigens eine Frage, bester Professor, knnen Ihre Instrumente den bevorstehenden Ausbruch genauer anzeigen? Sicherlich, rief der Gelehrte. Wenigstens dreiig Stunden vorher. Fr die Zeit von vierundzwanzig Stunden knnte ich mich geradezu verbrgen. Das ist gut, erwiderte Kapitn Mors. Da mchte ich Ihnen einen Vorschlag machen. Sie sagen ja selbst, da Sie in den Klften des Feuerberges ein ganz bequemes Unterkommen fanden. Kehren Sie also mit Star und den Indern zu Ihren Instrumenten zurck und signalisieren Sie mir, wenn Gefahr droht. Sie brauchen ja nur einen Eisenstab mitnehmen und daran eine blutrote Fahne aufziehen, die knnte ich von hier aus gewahren. Im uersten Falle der Not wrde ich meine Reservemaschinen in Ttigkeit setzen. Es ist zwar gefhrlich, aber in der Not knnte ich mein Weltenfahrzeug von dieser gefhrlichen Stelle hinwegbringen. Aber, wie gesagt, es ist nur fr den Notfall. Dagegen lie sich nichts einwenden, denn dieser Ausweg war der beste. Man versah sich also mit neuen Vorrten, die in reicher Menge vorhanden waren. Auf dem Weltenfahrzeug befanden sich Lebensmittel, die fr einige Jahre reichen konnten. Das Wasser auf dem kleinen Planeten war, wenn auch an manchen Stellen stark metallhaltig, doch an verschiedenen Stellen trinkbar. So brauchte man fr den Bedarf an dem wertvollsten Lebenselement nicht in Sorge zu sein. Star, van Halen und die Inder kehrten also nach dem Feuerberg zurck, um dort die Beobachtungen fortzusetzen. Der Kapitn sollte im entscheidenden Moment gewarnt werden. Dann war ja immer Zeit genug, das Weltenfahrzeug durch Anwendung der Reservemaschinen nach einer anderen Sttte zu versetzen, freilich war ein solches Gewaltmittel immer gefhrlich. War es aber dunkel, so sollte eine blutrote Laterne die Stelle der roten Fahne ersetzen. Kapitn Mors und sein getreuer Lindo arbeiteten also unablssig weiter. Sie strengten alle Krfte an, sie arbeiteten sogar beim Schein der elektrischen Laternen, wobei ihnen noch der Mond behilflich war, der jetzt des Nachts sein strahlendes Licht verbreitete. Die Atmosphre war klarer geworden, in der Nacht sah man hufig die Sterne funkeln. Die Wolken hatten sich teilweise nach den Wldern zurckgezogen. Aber es war noch etwas, was Lindo beunruhigte. Die sonderbaren Tne, die er zuweilen aus der Kluft vernahm. Der Kapitn hielt es fr Tuschung, aber Lindo hegte Bedenken, er meinte immer, da in dieser dunklen Kluft sich irgend etwas verbergen knnte, etwas Gefhrliches, was es aber war, wute er nicht und konnte es auch nicht wissen. Kapitn Mors kmmerte sich nicht darum und meinte, es wre nur eine Tuschung. Lindo aber warf whrend der Arbeit oft einen Blick nach der Gegend, wo die Felsblcke lagen. Er glaubte, dort sei etwas Rtselhaftes, etwas Unheimliches verborgen. Dort aus der Kluft knnte pltzlich das Verderben hervorbrechen. 5. Kapitel. Die Ungeheuer der Tiefe. So vergingen die Tage und die ebenso langen Nchte rasch dahin, Mors und Lindo gnnten sich nur die notwendigste Ruhe. Die in dem Weltenfahrzeug befindlichen Leute muten fortwhrend nach dem Feuerberg Ausguck halten und nachsehen, ob sich nicht etwa die rote Laterne oder die rote Flagge zeigte. Bis jetzt war aber nichts zu sehen gewesen. Die Gefahr lag also noch fern. Noch hatte der Professor das Warnungssignal nicht gegeben. Inzwischen nherten sich die Reparaturarbeiten ihrem Ende. Die Verbindungen waren schon wieder hergestellt, aber nun kam die schwierigste Arbeit. Man mute die neuen Gelenkstangen auf die in dem Weltenfahrzeug angebrachten riesigen Diamanten montieren. Das geschah auch auerhalb des Fahrzeuges, dort waren sogar die wichtigsten Arbeiten zu verrichten, und die beiden Mnner versahen ihre Aufgabe mit wahrem Feuereifer. So lange die Sonne schien, brauchten sie kein knstliches Licht, aber sobald die Dunkelheit kam, arbeiteten sie mit ihren elektrischen Laternen. Die Warnungssignale am Berge aber waren immer noch nicht erschienen. Kapitn Mors glaubte schon, da gar keine Gefahr drohe und da das Ungewitter wieder vorbergezogen sei, vielleicht hatten die Spannungen, die der Professor an den Instrumenten beobachtet, schon wieder nachgelassen. So war wieder einmal die kurze Nacht gekommen. Der Himmel war klar, die Sterne funkelten, der Mond schien so hell, da die beiden Mnner kaum der elektrischen Laternen bedurften. Da vernahm man das Zischen und Brausen, welches zeitweise in den Eingeweiden dieser Miniaturwelt hrbar wurde. Es sind die Lavamassen, meinte Lindo. Heute ist es strker, als sonst, aber der Professor scheint noch keine Gefahr zu befrchten, sonst wrde er das Signal zeigen. Das Brausen und Zischen dauerte fort, da man es aber so oft gehrt, kmmerte man sich nicht weiter darum. Jedenfalls kamen die Lavamassen noch nicht hervor, die tobten noch tief unter der Erde. Mit einemmal hielt Lindo in der Arbeit inne. Hrt, Kapitn, hrt, rief er stutzend, hrt Ihr nicht die seltsamen Laute? Das ist etwas ganz anderes, das ist das, was Ihr immer nicht glauben wolltet. Es kommt von jener verdchtigen Kluft her, es ist ein richtiges Schnarchen und Rcheln! In der Tat hrte Kapitn Mors jetzt selbst die Tne, von denen Lindo mehrmals erzhlt und die er fr Tuschung gehalten. Der Eingang der Kluft war von dem Ort, wo die beiden Mnner hantierten, durch einige emporragende Felsen verdeckt. Bald schien auch das Rcheln und Schnarchen zu verstummen. Kapitn Mors wendete sich wieder seiner Arbeit zu, als Lindo von neuem aufschrie: Kapitn, da seht -- da, eine Schlange! Eine ganz seltsame Schlange! Der Luftpirat fuhr herum. Richtig, dort ber der Klippe, hinter der die Kluft lag, ragte etwas hervor, was wie der Hals einer riesigen Schlange aussah. An diesem Hals aber hing ein sonderbarer Kopf, von ganz merkwrdiger Form, der war nicht schlangenartig, sondern fast eckig, aus diesem Kopf ragte eine lange, gelbe Zunge heraus, der Rachen war geffnet und in diesem sah man geradezu grauenvolle Zhne. Aber am frchterlichsten waren die Augen an diesem Kopf, denn die standen wie auf Sockeln, sie waren so gro wie Fuste und flimmerten wie Karfunkel. Dieser Kopf betrachtete die beiden Mnner, dann kam das seltsame Rcheln und Schnarchen aus dem geffneten dampfenden Rachen hervor. Der erste Gedanke Kapitn Mors' war, die elektrischen Waffen zu holen, aber die befanden sich im Innern des Fahrzeuges. Das Ungetm aber, welches da hinter dem Felsen emporragte, befand sich der Tr, welche in das Innere des Weltenfahrzeuges fhrte, viel nher, als die beiden Mnner und konnte sie daher bei einem Rckzug mit Leichtigkeit abfangen. Kapitn, da ist noch solch Ding! schrie Lindo, indem er nach dem Felsen deutete. Das sieht ebenso frchterlich aus. Nehmt Euch in Acht Kapitn, die Beester schnappen! In diesem Augenblick fuhren die langen Schlangenhlse auf die Mnner zu. Kapitn Mors und Lindo aber wichen gewandt aus und sprangen seitwrts, indem sie unwillkrlich hinter einem anderen Felsblock Schutz suchten. Jetzt konnten sie seitwrts auf die Ungetme schauen, aber da gewahrten sie etwas ganz Merkwrdiges. Das waren keine Schlangen, sondern die langen Hlse saen an einem plumpen, frchterlichen Krper, der so dick wie der eines Elefanten war, dieser Riesenkrper war graubraun und schleimig, das Tier mit dem langen Schlangenhals und den funkelnden Augen war ein Vierfler und an den plumpen Fen schienen sich mchtige Krallen zu befinden. Zwei dieser Bestien waren da, und sie rutschten jetzt mit ziemlicher Geschwindigkeit heran. Sie suchten die beiden Mnner anzugreifen. Kapitn Mors war jetzt alles klar. Diese bisher unbekannten Untiere, welche sicherlich zu den Riesensauriern gehrten, hausten dort in der Kluft und kamen nur von Zeit zu Zeit an die Oberwelt, um Beutezge anzutreten. Sie waren es sicherlich, welche die groen Knochen, die da auf dem Stein lagen, durchgebissen hatten. Das konnte man diesen frchterlichen Zhnen schon zutrauen. Nun galt es, sich zu verteidigen, denn die Ungetme schienen sich merkwrdig schnell zu bewegen, so plump sie auch aussahen, waren die Bewegungen doch rasch und verhltnismig gewandt. Es war etwas Eidechsenartiges, Bewegliches in der Art und Weise, wie sich diese plumpen Massen vorwrtsschoben. Die beiden Mnner waren mit ungengenden Waffen ausgestattet. Kapitn Mors besa ein wohl fulanges, haarscharfes Dolchmesser und Lindo hatte eine schwere gleichfalls haarscharf geschliffene Axt aufgegriffen. Kapitn, sie werden uns einholen, rief der treue Inder ganz verzweifelt. Die Bestien bewegen sich so gewandt wie die Aale. Ja, ich sehe es, Lindo, sprach Mors, der mit seinem treuen Begleiter von Stein zu Stein sprang. Es wird uns nichts brig bleiben, wir mssen kmpfen, wir mssen uns so gut es geht gegen die Ungeheuer der Tiefe verteidigen. Lindo bi die Zhne zusammen, aber er verlor die Geistesgegenwart nicht. Treu wie er war, wollte er sogar Mors die Axt als die bessere Waffe einhndigen und dafr das Messer nehmen. Der Luftpirat wies dies edelmtige Anerbieten zurck. Nimm nur die Axt, treue Seele, sprach er. Das Messer gengt mir. Nun will ich Dir einen Rat geben. Du siehst, da diese Ungetme sehr lange und dnne Hlse haben, die scheinbar gar nicht zu den massiven Krpern passen. Haue mit Deiner Axt nach der Stelle, wo sich dieser lange Schlangenhals mit dem Krper vereinigt und suche dort die Halswirbel zu durchhauen. Nun pa auf. Da kommen sie angeglitten. Die beiden Ungeheuer schnarchten entsetzlich, man hrte, wie ihr furchtbares Gebi zusammenklappte. Jedenfalls waren es Fleischfresser und die Bestien lechzten nach Beute. Freilich mochten ihnen diese seltsamen Geschpfe, die Menschen, hchst absonderlich vorkommen. Aber es waren Lebewesen, und die Kolosse vertrauten auf ihre ungeheure Strke. Sie waren auch wohl hungrig und nun kamen sie herangeglitten, mit aalartigen Bewegungen, unheimlich schnell, man konnte diesen Ungetmen nicht entrinnen. Der Rckweg zu dem Weltenfahrzeug war den beiden Mnnern abgeschnitten. Es half nichts, sie muten das Abenteuer bestehen. Kapitn Mors wandte sich gegen das grte Ungetm, whrend Lindo beherzt den Angriff des zweiten, kleineren Ungeheuers erwartete. Im Moment, als Kapitn Mors sich gegen das schnarchende Ungetm wendete, warf er einen flchtigen Blick auf die Kluft, aus der die Ungetme hervorgestiegen sein muten. Da gewahrte er noch etwas Bewegliches, da kam ein dritter Schlangenhals zum Vorschein, ein drittes Ungetm kam rchelnd und schnarchend aus der Kluft hervorgekrochen. Aber Kapitn Mors hatte keine Zeit, sich mit weiteren Beobachtungen abzugeben, er mute handeln, die Gefahr drohte, sie war sogar aufs uerste gestiegen. Das riesige Ungetm vor ihm richtete sich halb auf, der Schlangenhals schwebte hoch ber Kapitn Mors' Kopf, die Augen glhten und schillerten, das Tier selbst war vom Mond grell beleuchtet. Jetzt hockte das Tier in einer sitzenden Stellung und suchte Kapitn Mors mit den viel krzeren Vordertatzen zu fassen. Aber Kapitn Mors war auf seiner Hut und es kam ihm zu statten, da er sich auf dem kleinen Planeten mit grter Leichtigkeit bewegen konnte. Blitzschnell wich er den Hieben der drohenden Tatze aus und sprang zur Seite. Dann blitzte das lange Messer, Kapitn Mors stie es in den langen Schlangenhals des Tieres und zog den Griff der Waffe mit krftigem Schnitt nach der Mitte der Brust hinunter. Dunkelrotes Blut spritzte hervor, es war eine furchtbare Wunde, aber das Tier schien sich wenig darum zu kmmern. Es schnarchte greulich, der lange Kopf auf dem Schlangenhals fuhr herab und wieder sah Kapitn Mors das frchterliche Gebi mit den drohenden Zhnen. Das Ungeheuer schien jedoch seine Beute weniger mit dem Gebi packen, als mit den Krallen erhaschen zu wollen, dabei hpfte es auf den Hinterbeinen sitzend, auf Mors zu, soda seine Bewegungen an die eines riesigen Kngurus erinnerten. Jedenfalls war das Tier mit den sogenannten Llaps verwandt, ein Tier der Vorwelt auf Erden, welches einem riesigen Knguru hnelte, nur, da dieses Tier den langen Schlangenhals besa, der ihm das schlangenartige Aussehen sicherte. Kapitn Mors konnte sich jetzt nicht um Lindo bekmmern und gewahrte nur bei einem gedankenschnellen Blick, da sein treuer Gefhrte mit dem zweiten Ungeheuer kmpfte. Jetzt kam der Riese wieder herangehpft, schnarchte laut und suchte mit seinen beiden gewaltigen Tatzen Kapitn Mors zu packen. Diesmal bckte sich der Luftpirat nur und fhrte einen furchtbaren Sto nach der Stelle, wo er das Herz des riesigen Ungeheuers vermutete. Ein gewaltiger Blutstrahl sprudelte hervor, fast wie aus einem Springbrunnen. Kapitn Mors duckte sich schnell und entwischte gerade noch aus den Krallen des Ungeheuers, die ihn zu packen drohten. Wieder tnte das Schnarchen, grliche Wut malte sich in den wei leuchtenden Augen des Ungetms, aber seine Bewegungen waren nicht mehr so schnell wie vorhin, es schien die Wirkung der blanken Waffe zu spren. Das Blut scho wie eine Fontne aus der Wunde in der Brust und es war mglich, da der Stich das Herz verletzt hatte. Die Bestie warf schreckliche Blicke auf den Menschen, der jetzt mit Befriedigung die entschwindenden Krfte des Angreifers bemerkte. Inzwischen war Lindo auch nicht mig gewesen und hatte mit der Axt auf die von Mors bezeichnete Stelle losgehauen. Der Brave hieb zu, als wollte er einen Baumstamm fllen, aber das war sein Glck. Es gelang ihm, mit der haarscharf geschliffenen Axt den Halswirbel des Ungeheuers zu durchschneiden und das Rckgrat an der Stelle zu trennen, wo der Schlangenhals mit dem massigen Leibe verbunden war. Auch dieses Ungeheuer stie ein frchterliches Schnarchen aus, welches aber fast einem Gebrll hnelte, dann drehte es sich ein paar Mal rund herum, fiel auf den Rcken und begann im Todeskampf schrecklich zu zappeln. Da sah Kapitn Mors, der eben noch seine Aufmerksamkeit seinem Gegner zugewendet, das dritte Ungeheuer lautlos herangleiten. Kein Zweifel, es wollte Lindo von hinten packen. Drehe Dich um Lindo, schrie der Luftpirat mit furchtbarer Stimme. Es ist noch eins hinter Dir! Rasch, rasch, es will Dich fassen! Der Inder sprang blitzschnell bei Seite und das war sein Glck, da im selben Moment das Ungetm an der Stelle, wo er gestanden, anlangte. Es rchelte und schnarchte und drehte den langen Schlangenhals bald nach rechts, bald nach links, indem es die beiden Mnner mit den frchterlich leuchtenden Augen anstarrte. Aber jetzt wurde es von den beiden Mnnern angegriffen. Bald von links, bald von rechts, soda die Bestie gar nicht wute, wohin sie sich zuerst wenden sollte. Lindo hieb mit der Axt auf die Halswirbel der Bestie los, Kapitn Mors aber bohrte ihm das fulange Dolchmesser in die Seite. Jedesmal schnarchte das Tier laut und fuhr herum, um seinen Gegner zu packen, der aber sprang alsdann gewandt zurck, whrend sein Gefhrte den Angriff erneuerte. Immer lauter wurde das Schnarchen, das Rcheln; aber jetzt spritzte auch das schwarzrote Blut von allen Seiten hervor, das Ungeheuer taumelte. Kapitn Mors hatte sicherlich das Herz getroffen. Lindo aber hatte ihm mit einem furchtbaren Axthieb den Halswirbel fast ganz durchgeschlagen. Inzwischen waren auch die beiden anderen Ungetme verendet, und nun sahen die zwei Mnner auf die Kampfsttte, auf die drei Riesen der Tierwelt, auf die Lachen geronnenen, schwarzroten Blutes. Aber da kam auch schon wieder der Tag heran, die kurze Nacht ging zu Ende, die Sterne verblichen, die Sonne erschien und beleuchtete die massigen Gestalten der erlegten Ungetme. Vom Weltenfahrzeug herber hrte man die Schreie der Mnner, welche die Besatzung bildeten. Aber die waren ber den Anblick dieser unheimlichen Riesentiere so entsetzt gewesen, da sie gar nicht wuten, was sie tun sollten. Jetzt aber erschienen sie auf der Galerie und wollten ihren Augen nicht trauen, als sie die beiden Helden noch lebend sahen. Na, Ihr habt uns schn im Stich gelassen, rief Lindo rgerlich. Da seht mal, was der Kapitn wieder mal geleistet hat. La es nur gut sein, erwiderte Mors. Du hast Dein redliches Teil dazu beigetragen. Ich bin stolz auf Dich. Du hast gekmpft, wie ich es erwartete. Wir sind Sieger geblieben. Hoffentlich kommen nicht mehr heraus, meinte Lindo, indem er nach der Kluft hinblickte. Am Ende befindet sich eine ganze Herde darinnen. Das glaube ich nicht, erwiderte Kapitn Mors. Das halte ich fr ausgeschlossen. Diese Tiere leben sicherlich nicht in grerer Menge, und ich glaube wohl, da wir ein Prchen dieser Kolosse mit einem ausgewachsenen Jungen bekmpfen muten. Genug, das Abenteuer ist vorber und wir sind die Sieger geblieben. Da deutete Lindo nach dem Vulkan hinber, der von der Sonne beleuchtet wurde. Kapitn, schrie er. Das Zeichen, das Signal! Kapitn, da weht die rote Fahne! Jetzt droht uns Gefahr von den Elementen der Tiefe! Da zischt es, da braust es schon wieder! Da will die Lava aus den Eingeweiden der Erde hervorquellen! 6. Kapitel. Im Todeskrater. In der Tat hatte der Professor mit seinen Gefhrten das Warnungssignal erteilt. Geschwind, Lindo, rief Mors, fr den das furchtbare Abenteuer schon vergessen zu sein schien. Jetzt ist jeder Augenblick Zeit kostbar. Wir mssen die Arbeit am Riesenmagnet beenden. Ich denke, Star wird bald zur Untersttzung herbeikommen. Darin sollten sich die beiden Mnner nicht tuschen. Bald kam die kurze Nacht, aber die Ungeheuer der Tiefe lieen sich nicht mehr blicken, als es aber wieder hell wurde, kamen die Inder, Star und der Professor vom Vulkan herber. Die staunten nicht wenig, als man ihnen das Abenteuer erzhlte und als sie die Krper der getteten Ungetme gewahrten. Der Professor verga sogar die Nachricht, die er brachte und mute erst von Kapitn Mors daran erinnert werden. Dann erstattete er seinen Bericht und deutete auf die Instrumente, die man wieder mit zurckgebracht. Die Katastrophe droht, sprach der Professor. In sptestens vierundzwanzig Stunden werden die Lavamassen aus dem Innern der Erde hervorbrechen, und wenn wir bis dahin nicht das Weltenfahrzeug aus dem Krater befreit haben, ist alles verloren. Die Lavamassen wrden das Fahrzeug mit einem hunderttausende von Zentnern schweren feurigen Mantel bedecken. Ich wei, erwiderte Mors. Star, hierher, Du bist der einzige, der uns jetzt helfen kann. Wir arbeiten jetzt, so lange wir knnen. Wenn die Gefahr nahe rckt, mu ich zum letzten Mittel greifen, wenn es auch noch so gefhrlich ist, es geht eben auf Tod und Leben. Da wurde kein Augenblick verloren. Auch der Professor bot seine Hilfe an, aber Mors konnte nur Star und Lindo zu der Arbeit verwenden. Diese beiden waren die einzigen, die bei der Herstellung des Riesenmagneten und der Fertigstellung der Gelenkverbindungen Hand anlegen konnten. Diese Mnner muten sich jetzt die Lufthelme mit den dazu gehrigen Apparaten aus dem Weltenfahrzeug holen, denn die Luft wurde dermaen dick und schwer, da sie kaum noch zum Atmen geeignet schien. Sie war jetzt nicht nur von Kohlensure, sondern auch von Gasen gesttigt. Der blaue Himmel verschwand und an seine Stelle traten ungeheure dicke Wolken die ein schreckliches Aussehen hatten. Zuweilen krachte der Donner und dann zuckten Blitze von einer solchen Helligkeit und solch enormer Ausdehnung, wie es die so viel gereisten Mnner noch nie gesehen hatten. Es war ein Aufruhr der Elemente, der geradezu frchterlich erschien und alles rhrte, wie der Professor behauptete, nur von den unterirdischen Gewalten her, die sich zu einem geradezu frchterlichen Ausbruch vorbereiteten. Von dem mchtigen Vulkan war nichts mehr zu sehen, diesen bedeckten die ungeheuren Wolken, aber es krachte und prasselte unablssig in diesen dichten Massen. Man hrte ein greuliches Rollen und Poltern, ein Beweis, da der riesige Vulkan sich bereits in voller Ttigkeit befand, da sein Krater glhende Lavamassen emporschleuderte. Aber nun begann es sich auch in der Nhe des Weltenfahrzeuges zu regen. Lindo blickte zuweilen nach der Kluft hin, aus der die Saurier hervorgekommen waren, befanden sich dort noch mehr, so mute sie der Aufruhr der Elemente aus ihren Schlupfwinkeln hervortreiben. Aber das geschah nicht, die drei Tiere, welche dort gelebt, waren von Lindo und dem Kapitn gettet worden. Von den Bestien dieser neuen Welt war jetzt nichts mehr zu frchten, wohl aber von den Elementargewalten. Die unheimlichen Tne kamen aus dem alten Krater, in welchen das Weltenfahrzeug gestrzt war. Dort rauschte und zischte und brodelte es, das war ein richtiger Hllenkessel geworden. Dort kam die Lava langsam empor, die feurige Masse, welche so lange in der Tiefe geschlummert hatte. Man vernahm die unheimlichen Tne, welche diese siedenden Massen hervorbrachten. Die Hitze nahm zu, zuweilen glaubte Lindo schon, die glhenden Massen leuchten zu sehen. So arbeiteten die drei Mnner mit fieberhafter Hast an der Herstellung des Weltenfahrzeuges. Es war aber vorauszusehen, da die Elemente schneller arbeiteten, als die Menschenhand. Die Lava mute hervorbrechen und das Weltenfahrzeug erreichen. Geschah dies, so wurde das geniale Wunderwerk in die glhenden Massen eingebettet und dann war es fr alle Zeiten verloren. Kapitn Mors holte jetzt den Professor, nicht um ihn arbeiten zu lassen, sondern damit van Halen die langsam empordringende Lava beobachtete. Der Astronom konnte die Arbeitenden noch rechtzeitig warnen, damit sie sich mit ihm in das Weltenfahrzeug flchteten. War aber dann die Arbeit noch nicht getan, so mute eben Kapitn Mors zum uersten Mittel greifen, zu dem letzten Ausweg, der noch eine Rettung versprach, obwohl diese Hilfe das Fahrzeug und seine Insassen in die hchste Gefahr brachte. Der Professor versah sich ebenfalls mit dem Lufthelm, und begab sich zu der schrecklichen Kluft. Dort war bereits alles rtlich erleuchtet, der Widerschein der glhenden Lava, die langsam, aber unaufhrlich hher und immer hher drang, die zuletzt den unheimlichen Todeskrater berfluten mute. Dazu donnerte der Vulkan, man hrte sein Brllen, man sah, wie die Lavablcke durch die Dunstmassen heruntersausten. Man hrte das Aufprasseln der gewaltigen Massen, die auf dem steinigen Boden in tausend Stcke zersprangen. Aber niemand hatte Zeit, einen Blick auf dies ebenso grausige, wie wunderbare Bild zu werfen. Die Sorge fr das Weltenfahrzeug nahm alle Sinne in Anspruch. Pltzlich kam der Professor zurckgerannt. Seine Stimme klang dumpf und hohl in dem aus Metall und Glas bestehenden Helm. Er deutete mit der Rechten nach der Kraterkluft hinber. Es war gar nicht ntig, da er sprach und die drei arbeitenden Mnner auf die Gefahr aufmerksam machte. Diese sahen bereits, wo die Gefahr nahte. Dort bei dem Kraterkessel war ja alles in wilder Bewegung, da stieg eine leuchtende, rote Masse hervor, rotglhender Brei flo zwischen den schwarzen Steinen hindurch, es war die glhende Lava, die einen Weg nach auen suchte. Noch lag das Weltenfahrzeug hher, als die feurige Masse, aber es durfte keinen Augenblick Zeit verloren werden. Diesmal klang Kapitn Mors' Stimme dumpf und hohl, aber jedem verstndlich. Er forderte seine Begleiter auf, da sie sich auf der Stelle nach dem Weltenfahrzeug begeben sollten. Der Professor eilte hinber, Lindo und Star folgten, nachdem sie die Werkzeuge zusammengerafft hatten. Sie warfen dabei bedauernde Blicke auf den Lenkapparat, der noch immer nicht ganz in Ordnung war. Der Riesenmagnet konnte noch nicht in Ttigkeit treten. Der Kapitn folgte als letzter und schlo hastig die beiden metallnen Tren. Dann kam er nach dem Maschinenraum, wo Star, Lindo und der Professor auf ihn warteten. Wir htten uns ohnehin zum letzten Mittel entschlieen mssen, sprach der Luftpirat, als er den Lufthelm abgenommen. Die Instrumente sind ja alle in wildester Verwirrung, wie es bei solchem Ausbruch elementarer Naturgewalten nicht anders sein kann. Da wre es sehr fraglich gewesen, ob der Riesenmagnet gearbeitet htte. Selbst wenn er sich in gutem Zustande befand, htte also doch die Maschine, die hier fr den Notfall aufgestellt ist, in Ttigkeit treten mssen. So, jetzt ist es Zeit, Professor, gehen Sie nach dem Mittelraum, damit Sie keinen Schaden nehmen. Wir wissen schon, wie wir uns hier schtzen knnen. Lindo, Star, Ihr beide tretet hinter die Panzerwand, jetzt kommt die Entscheidung. Wenige Minuten spter befand sich Kapitn Mors mit Star und Lindo allein im Maschinenraum. Der Ingenieur und der Inder waren hinter die Panzerwand getreten, welche die Mnner gegen die Wirkungen der Maschinengewalt schtzte. Kapitn Mors aber hantierte an jenem eigenartigen Apparat, welcher bei einer frheren Fahrt die beiden Meuterer zu Asche verwandelt hatte. Er zog an Hebeln, er drehte Schwungrder und bald erschallte ein Lrm, der die Sinne betuben konnte. Die seltsame Maschine war in voller Bewegung, die Schwungrder wirbelten mit frchterlicher Schnelligkeit herum, man sah leuchtende Strahlen und zuckende Blitze, die zuweilen im Innern der Maschine entstanden, die sich gleich elementaren Blitzen kreuzten. Die Maschine war eine Erfindung des Kapitn Mors, er hatte ber ihre Konstruktion stets den Schleier des Geheimnisses gebreitet. Die Beschreibung dieser Maschine und ihre Wirkung war in der Bibliothek verwahrt und lag dort in einem sthlernen Kasten, dessen Schlssel Kapitn Mors niemals von sich lie. Er war auch der einzige, der diese gefhrliche Maschine in Ttigkeit setzen konnte und imstande war, bis zum letzten Augenblick in der Nhe der herumwirbelnden Schwungrder auszuhalten. Pltzlich sprang der Luftpirat mit mchtigem Satz hinter die Panzerwand, welche Lindo und Star schtzte. Nun kommt die Entscheidung, sprach Mors, whrend seine feurigen Augen nach der Maschine hinberblickten. Entweder kommen wir jetzt aus dem Krater heraus, oder wir werden samt dem Weltenfahrzeug in Atome zerschmettert. Menschliche Kraft und menschliches Wissen sind aufgeboten, aber jetzt stehe ich an der Grenze des Erreichbaren. Im Maschinenraum tobte jetzt ein wahrer Hllenlrm, das rtselhafte Werk des Kapitn Mors arbeitete, als wrde es von bsen Geistern bedient und getrieben. Es war ein Sausen und Brausen, ein Knattern und Krachen, ein Zischen und Summen, da Lindo und Star sich die Ohren zuhielten. Pltzlich ging ein Ruck durch das Weltenfahrzeug, dem bald darauf ein zweiter und dritter folgte. Nun geschah etwas anderes, schier Unheimliches, Star und Lindo hatten die Empfindung, als ob das Weltenfahrzeug emporgehoben wrde. Die Lava ist unter unserem Fahrzeug, rief Star, als sich der Sto wiederholte. Nein, sonst wre alles vorber, erwiderte der Kapitn. Die Maschine hat jetzt ihre volle Kraft entwickelt und diese Kraft ist es, die uns emporhebt und uns ein Stck von der gefhrlichen Stelle hinwegtragen soll. Gelingt dies nicht, so kann auch ich nicht mehr helfen. Eine unheimliche Ruhe lag in diesen Worten des Kapitn Mors, ein Beweis, da diesem Manne der Tod gleichgiltig war. Der Ruck aber wiederholte sich und wieder hatten Star und Lindo die Empfindung, als wenn eine unheimliche Gewalt das Fahrzeug emporhebe und es gewaltsam hin- und herschttelte. Wir schweben, erwiderte Kapitn Mors. Ich habe den Kurs des Fahrzeuges nach Osten gerichtet, denn dort war eine ebene, wenn auch steinige Flche. Aber dort droht kein vulkanischer Ausbruch. Das Weltenfahrzeug schwankte hin und her, aber es schwebte offenbar. Sicherlich flog es nicht hoch und Star frchtete, da es jeden Moment gegen eine der nahen Klippen rennen mchte, zumal sich diese oft mehrere hundert Meter hoch erhoben. Aber Kapitn Mors hatte den Kurs des Fahrzeuges aufs Genaueste berechnet und die Richtung des Fahrzeuges so bestimmt, da es zwischen den drohenden Felsen hindurchfuhr. Wieder schwankte der Kolo hin und her, dann erhielt es pltzlich einen Sto, noch einen und das Weltenfahrzeug stand unbeweglich. Ich glaube, wir sind gerettet, rief der Luftpirat. Star wollte hinter der Panzerwand hervorkommen, aber Kapitn Mors hielt ihn krampfhaft fest. Strze Dich nicht ins Verderben, sprach er ernst. Du siehst doch, da die Maschine noch immer in Ttigkeit ist. Es dauert noch eine Weile, ehe sich die gigantische Kraft beruhigt. Diese Warnung war notwendig, denn im Maschinenraum leuchtete es zuweilen unheimlich auf. Es waren bluliche und grnliche Blitze, welche die Maschine schleuderte, und jeden Menschen, der sich in ihren Bereich wagte, mit Verderben bedrohten. Diese Entladungen lieen allmhlich nach, auch die Schwungrder arbeiteten nicht mehr so wild wie erst. Sie drehten sich langsamer, immer langsamer, bis sie endlich unbeweglich stehen blieben. Der Kapitn aber betrachtete mit stolzen Blicken dieses Werk, das sein Genie geschaffen. Ich habe viel von dieser Maschine erwartet, sprach er halb fr sich, halb zu seinen Leuten. Aber, sie hat meine Erwartungen bertroffen. Jetzt, Star, kannst Du einen der Schieber vor dem Glasfenster ffnen. Der Ingenieur tat, wie ihm geheien, der schwere Schieber bewegte sich seitwrts, ein roter Schimmer drang in das Innere des Maschinenraumes. Star stie einen Ausruf des hchsten Staunens aus, als er ein nie geschautes Bild erblickte. Lindo und Kapitn Mors waren sofort an seiner Seite. Das Weltenfahrzeug lag auf einer steinernen Hochflche, wenigstens tausend Meter vom Todeskrater entfernt, aus dem es das Geschick und das Genie seines Erbauers emporgehoben hatte. Dort aber war jetzt der Tod und das Verderben entfesselt, deutlich sah man von diesem hochgelegenen Standpunkt aus die Lavastrme aus dem scheinbar erloschenen Krater hervorbrechen und allgemach die Umgebung berschwemmen. Man sah, wie die glhenden Lavamassen die Krper der drei getteten Rieseneidechsen umsplten und wie die Kolosse unter der Lava zu Asche verbrannten. Dann bildeten die glhenden Massen einen kleinen See, aus dem nur die hheren Felsen aus der Nhe des Todeskraters hervorragten. Dazu kam noch das Gebrll des Vulkans, den man aber noch immer nicht zu sehen vermochte. In der Nhe des Feuerberges wirbelten jetzt dicke Mengen von Dampf und Qualm, die nur zuweilen durch die herniederprasselnden, glhenden Steine erleuchtet wurden. Star betrachtete dieses groartige Bild, er sah, da auch weiterhin Ausbrche stattfanden. Die Oberflche des kleinen Planeten schien jetzt ein Bild des Grauens und der Verwstung zu bieten. Es scheint, als ob der ganze Weltkrper auseinander gehen wollte, sprach der Ingenieur endlich zum Kapitn, der mit eiserner Ruhe das groartige Bild betrachtete. O nein, lautete die Antwort, das mag hier fters vorkommen, und so ist es auch frher auf der Erde gewesen. Das sind eben noch die entfesselten Naturgewalten, die in der Erde nur noch in der Tiefe schlummern. Hier ist die Kruste, welche diese Erde bedeckt, noch nicht stark genug, um die tobenden Elemente zu bndigen, aber mit der Zeit wird auch hier die Erstarrung eintreten. Damit sah Kapitn Mors nach rechts und links, um die Umgebung des Weltenfahrzeuges in Augenschein zu nehmen. Er war offenbar befriedigt. All seine Berechnungen waren in Erfllung gegangen, der Meteor lag an einer Stelle, wo ihm keine Gefahr drohte. Hier konnte man, wenn die Luft wieder reiner geworden war, die Reparatur des Lenkapparates beenden und den unheimlichen, kleinen Planeten verlassen. Nicht weit von der Flche sah man Wald, der ebenfalls von Sumpf umgeben war. Der Wald schien sich berhaupt nur an Stellen zu befinden, wo der Sumpf die tieferen Stellen des Planeten bedeckte. In diesem Walde war alles in Bewegung, die tierischen Bewohner schienen sich zu flchten. Man sah zuweilen groe graue Massen, die am Rande des Gehlzes sichtbar wurden, aber sofort wieder in dem undurchdringlichen Unterholz verschwanden. Am wunderbarsten aber sahen jene fledermausartigen Geschpfe aus, die jetzt durch das Toben der Elemente aufgestrt, zuweilen ber den Kronen der Palmen oder der Riesenfarren auftauchten und mit sonderbaren gaukelnden Bewegungen hin- und herflatterten. Es war jetzt gerade der kurze Tag und da konnte man diese Tiere durch Fernglser genauer betrachten. Sie waren halb Vgel, halb Eidechsen und besaen Flughute wie die Fledermuse, sowie groe mit spitzen Zhnen besetzte Rachen. Man konnte sogar im Weltenfahrzeug die schrillen Laute hren, welche die flatternden Ungetme ausstieen. Sie wuten offenbar nicht, wohin sie sich wenden sollten und waren auch wohl durch das Licht der Sonne geblendet. Dann aber verschwand wieder alles und es war, als ob sich ein dichter Schleier auf diese Landschaft legte. Aschenwolken verhllten die Landschaft, sie senkten sich vom Vulkan herab und die Asche bedeckte die ganze Umgegend mit einer silbergrauen Schicht, die sich zuletzt zollhoch anhufte. Aber das war ein gutes Zeichen. Kapitn Mors wute, da groe Vulkanausbrche gewhnlich mit einem Aschenregen zu enden pflegen. So war es auf der Erde, so war es auch hchstwahrscheinlich auf dem neuen Planeten. Er tuschte sich nicht, denn das frchterliche Donnern lie allmhlich nach, das Krachen und Prasseln verstummte, der Boden zitterte nicht mehr so wie bisher, der Vulkan ging zur Ruhe. Noch mute man stundenlang ausharren und es wurde abwechselnd Nacht und Tag, aber dann konnte man das Weltenfahrzeug verlassen und sogar die Lufthelme zur Seite legen. Freilich war die Luft noch immer dick und schwer, aber viel reiner als vor dem Vulkanausbruch, die ungeheuren Naturgewalten schienen die Wirkung eines Gewitters gehabt zu haben. Sie hatten die Luft gereinigt. Dort aber am Todeskrater, wo das Fahrzeug gelegen, brodelte und kochte ein Feuersee, dort war die Lava hoch emporgestiegen, der Krater war vollstndig ausgefllt, spter mute dann diese brodelnde Masse erstarren. Mit Bewunderung betrachteten die Mannschaften des Weltenfahrzeuges den genialen Fhrer, der sie alle vom Tode rettete und der jetzt, als wre nichts geschehen, mit Star und Lindo die Arbeit am Lenkapparat fortsetzte. Freilich hatte das Fahrzeug andere Beschdigungen erlitten. Als es durch die unheimliche Maschine emporgehoben den Todeskrater verlie, war es ziemlich schwer, ja unsanft auf die Steine gestoen. Die Rhren, welche die flssige Luft im Fahrzeug verteilten, waren zum Teil verbogen, gequetscht, auch die Einrichtung fr die Luftversorgung hatte gelitten. Freilich reichte der Vorrat der verwendbaren Luft noch einige Zeit, aber eine Fortsetzung der groen Fahrt konnte vorerst nicht unternommen werden. Man mute die vorhandenen Vorrte benutzen, um zunchst nach der Erde zurckzukehren. Die Fahrt nach dem Monde mute von neuem unternommen werden. Aber Kapitn Mors gehrte ja zu jenen Mnnern, die nie die Geduld verlieren, er wute, da dies, was er unternommen, von niemand anders auf der Erde geleistet werden konnte. Er hatte auch keine Veranlassung, alles, einem verzweifelten Spieler gleich, auf eine Karte zu setzen. Sowie der Lenkapparat in Ttigkeit gesetzt ist, nehmen wir Kurs nach der Erde, sprach der Kapitn, indem er auf die kleine, seltsam leuchtende Scheibe zeigte, die jetzt wieder am Himmel sichtbar wurde. Das war die Erde, dorthin ging der Lauf, nach dem irdischen Planeten zurck, dessen Beobachter nichts von dem Vorhandensein des kleinen Planeten ahnten. Nach harter Arbeit war das Werk vollendet, der Riesenmagnet konnte wieder in Ttigkeit treten, der Lenkapparat gehorchte der Hand des Meisters und als wieder eine der kurzen Nchte vorber war, erhob sich der Meteor stolz von der Oberflche des kleinen Planeten. Durch die dicken Glasfenster aber sahen die Mnner herunter auf den kleinen Planeten, auf dem sie so viele Abenteuer erlebt hatten. Sie sahen den Todeskrater oder vielmehr die Stelle, wo sich derselbe befunden. Sie sahen den glhenden Lavasee und den Vulkan, aus dessen Krater noch immer dicke schwarze Dampfwolken stoweise emporfuhren. Sie sahen die Wassermengen in den tiefen Tlern, die Smpfe, die unheimlichen Wlder, welche eine noch unheimlichere Tierwelt bargen, aber das alles entschwand in wenigen Minuten. Kleiner, immer kleiner wurde der seltsame Planet, jetzt zeigte er schon die Kugelgestalt, dann schrumpfte er allmhlich zum Stern zusammen, ein winziges Teilchen des Weltalls wurde der kleine Planet, whrend das Weltenfahrzeug mit furchtbarer Schnelligkeit zurck nach der Mutter Erde sauste. Das Weltenfahrzeug schwebt im Weltenraum. Links unten sieht man die Oberflche des Mondes mit seinen Ringgebirgen; rechts den Planeten Saturn mit seinen eigenartigen Ringen, die den Planeten umkreisen. 1. Der Metallrumpf des Weltenfahrzeuges. 2. Fenster aus strkstem Glas, durch Gitter geschtzt und durch Metallschieber verschliebar. 3. Die Tr zur Auengalerie, luftdicht verschliebar. 4. Treppe zur oberen Galerie. 5. Der Ausguck. 6. Obere Galerie. 7. Der Scheinwerfer. 8. Der Riesenmagnet. 9. Die Leitungen fr den Riesenmagneten, mit ungeheuren Diamanten. 10. Lenkapparat. 11. Die Kraftzentrale. 12. Einrichtung fr die Luftversorgung. 13. Elektrizittsbehlter. 14. Metallbehlter. 15. Rhren fr flssige Luft. 16. Apparat fr Gegenwirkung des Riesenmagneten, auf Diamanten montiert. 17. Beweglicher Metallring. 18. Klappen, zu luftleeren Rumen fhrend. 19. Das Gelenk des Riesenmagneten. 20. Der elektrische Lichtkegel. Anmerkungen zur Transkription Dieser Text wurde nach einem Nachdruck-Auswahlband transkribiert: Heinz J. Galle (Hrsg.): Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff. Dieter von Reeken, Lneburg, 2005, S. 123-160. Moderne Zustze und Anmerkungen wurden nicht bernommen. Eine Ungereimtheit findet sich in Kapitel 3: Lindo, der eigentlich die Arbeiten am Weltenfahrzeug fortsetzten sollte, ist pltzlich doch unter den Teilnehmern der Expedition anzutreffen. Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Auch Variationen in der Schreibweise von Namen wurden nicht verndert. Lediglich offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. End of the Project Gutenberg EBook of Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 42: Im Todeskrater des neuen Planeten, by Anonymous License: Share Alike