Produced by The Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Print project.) [ Symbole fr Schriftarten: _gesperrt_ : =Antiqua= : #fettgedruckt# ] Conversations- und Reisebibliothek. =Dr.= Moritz Busch. Die Mormonen. Leipzig Verlag von Carl B. Lorck. 1855. ------------------------------------------------------------------------ Die Mormonen. Ihr Prophet, ihr Staat und ihr Glaube. Von =Dr.= Moritz Busch. Leipzig Verlag von Carl B. Lorck. 1855. Erstes Kapitel Sectenwesen in Amerika. Wenn schon das politische Leben der Vereinigten Staaten eine betrchtliche Anzahl von Erscheinungen zeigt, die dem Fremden erst nach einem tiefern Studium von Land und Leuten einigermaen verstndlich werden, so ist dies bei den Gestalten, in welchen sich hier das religise Element ausgeprgt hat, noch bei Weitem mehr der Fall. Lassen sich dort in der bunten Mannigfaltigkeit der Parteien immerhin zwei groe Grundmchte unterscheiden, die, zwei Trieben oder Zgen in der menschlichen Natur entsprechend, wie Ebbe und Fluth die Interessen der Gesammtheit tragen und ausgleichen, so entzieht sich das Gewimmel der Secten Amerika's beinahe jeder Eintheilung. Wir haben ein vollkommnes Chaos vor uns, in dem die Stoffe in wildester Weise durcheinanderghren, und vor welchem derjenige, den die Wissenschaft nicht an hnliche Perioden in der Kirchengeschichte erinnert, an einen Verwesungsproce des Christenthums glauben kann. Das stupideste Festhalten am Buchstaben der Schrift mischt sich mit den wahnwitzigsten Ausschweifungen der Phantasie. Die augenflligste Tuschung findet bei Tausenden und aber Tausenden von Menschen, die in weltlichen Dingen sich der schrfsten Sinne erfreuen, Augen, die Schwarz fr Wei ansehen, Ohren, die der Lge wie einer Offenbarung aus der Hhe lauschen, und Kniee, die sich vor Charlatanen wie vor Sendboten Gottes beugen. Hier baut die steifnackige Rechtglubigkeit ihren Tempel auf. Dort stellt der absolute Zweifel den seinen hin. Da wieder hebt das unter dem Boden brennende vulkanische Feuer der Schwrmerei die Decke, und rasch schwillt die anfangs unscheinbare Blase zum mchtigen Dome, in welchem Fanatiker oder Betrger eine vllig neue Religion verknden. Gleich den Prairiebrnden und Ueberschwemmungen des fernen Westen verbreiten sich neue Heilsbotschaften ber die Gemther. Wie der Tornado im Urwald die Eichen, werfen die Worte ihrer Apostel zahlreiche Versammlungen auf die Kniee. Reden in Zungen, himmlische Gesichte, Heilungen durch Handauflegen, Engelserscheinungen und Teufelsaustreibungen sind in manchen Kreisen so alltglich wie in den Zeiten des Urchristenthums. Wunderliches wird wunderbar, Carricaturen verwandeln sich in Heroen. Bald scheinen die Dmonen, die einst in Sue fuhren, bald wieder scheint der Geist der Pfingsten die trbe Fluth zu bewegen. Nichts ist so voll Widersprche, nichts verstt so sehr gegen Sitte und Gewohnheit, da es nicht einen Kreis von Glubigen um sich sammelte, wenn ein beredter Mund es vortrgt, ein spitzfindiger Verstand es aus der Bibel rechtfertigt, und ein organisirendes Talent ihm kirchliche Gestalt giebt. Ja gerade das Barocke und Bizarre ist es, welches die grte Anziehungskraft auszuben scheint, wenn es auch hufig nur angenommen wird, um Tags darauf mit einer noch seltsameren Verkehrtheit vertauscht zu werden. Dieser dem Wechselfieber, Amerika's verbreitetster Krankheit, vergleichbare Zustand, bei dem Leute, die im Laufe weniger Jahre einem Dutzend Kirchen und Confessionen nach einander angehrt haben, keine Seltenheit sind, vereinigt in sich fast alle Symptome, welche die Kirchengeschichte seit ihrem Beginn bis heute hat zu Tage treten lassen. Die Ebioniten, die Gnostiker, die Klster in ihrer Urgestalt, die enthusiastischen Secten des Mittelalters, die Wiedertufer von Mnster, die Camisarden, sie alle finden mehr oder minder ihr Ebenbild in diesem transatlantischen Wirrsal, und nicht ohne wesentlichen Gewinn fr das Verstndni jener lteren Erscheinungen drfte eine genauere Untersuchung dieser ihrer Wiederholungen in der Gegenwart sein. Andeutungen ber die Ursachen dieses auffallenden Phnomens im amerikanischen Leben sind an einem andern Orte gegeben worden[1]. Hier haben wir es nur mit der sonderbarsten und zugleich mchtigsten Ausgeburt dieses eigenthmlichen Dranges zur Sectengestaltung zu thun -- einer Erscheinung, die berdies, indem sie gewissermaen ein =mixtum compositum= der Ergebnisse aller hnlichen ist, uns das gesammte Sectenwesen wiederspiegelt, und schlielich sehr belehrende Streiflichter ber die letzten Grnde des politischen und socialen Dichtens und Trachtens in der transatlantischen Musterrepublik wirft. [1] Wanderungen zwischen Hudson und Mississippi, von Moritz Busch, Stuttgart und Tbingen, Cotta'scher Verlag, 1854. Da die Quker in den Vereinigten Staaten ihren Hauptsitz haben, ist bekannt: ebenso da die verschiedenen Secten der Wiedertufer hier gegen zwei Millionen Bekenner zhlen. Die Campmeetings oder Lagerversammlungen der Methodisten mit den halb grauenvollen, halb komischen Aeuerungen ihrer Inbrunst, ihren Abrahams a Sancta Clara, ihrem verzckten Jauchzen und ihrer an das Treiben Besessner grenzenden Zerknirschung sind uns wiederholentlich geschildert worden. Weniger bekannt dagegen drfte sein, da um die Mitte des vorigen Jahrhunderts Ann Lee, die Frau eines Hufschmieds aus England, nach Albany kam, die sich fr den in weiblicher Gestalt wiedererschienenen Christus ausgab, den Eintritt des tausendjhrigen Reichs verkndete, die Vermischung der Geschlechter unter allen Umstnden, und somit auch die Ehe fr Snde erklrte, Gott durch Tanz zu verehren lehrte und fr diese wunderlichen Heilswahrheiten eine verhltnimig nicht geringe Anzahl von Glubigen fand, deren Gemeinschaft noch jetzt unter dem Namen der Shaker in achtzehn klosterartigen Niederlassungen mit etwa viertausend Bewohnern fortgesetzt wird. Weniger bekannt mag ferner sein, da, von einer andern Englnderin, Jane Southcot, gestiftet, in der Stadt Neuyork eine Secte besteht, welche nebst andern Ceremonien auch die Beschneidung unter sich eingefhrt hat, da die Swedenborgianer zahlreiche Gemeinden in Amerika haben, da die Geisterklopferei sich unter dem Titel Spiritualismus zu einer Art Kirche gestaltet hat, da in Pennsylvanien, in Ohio und bei Buffalo pietistische Communisten-Niederlassungen blhen, und da auch Cabet's Icarier hier leidlich gedeihen. Weniger bekannt endlich ist wohl, da vor etwa zehn Jahren William Miller, der Widderhornprophet, die Union durchzog, der mit Hilfe der Bibel, der Mathematik und seiner Phantasie die schreckenvolle Gewiheit herausgerechnet hatte, da die Welt am 21. Mrz 1844 untergehen msse, und der mit seiner Predigt im Osten wie im Westen Massen schwachsinniger Seelen zum Verkaufe ihrer Habseligkeiten bethrte. Alle diese und manche verwandte Erscheinungen finden in der Vergangenheit des christlichen Europa ihr Seitenstck. Die aber, von welcher wir nun handeln werden, hat, als Ganzes betrachtet, soviel uns bekannt, weder in der christlichen Welt, noch im Entwickelungskreise irgend einer andern Religion Ihres gleichen. Das _Mormonenthum_ ist einzig in seiner Art. Es konnte nur dem Boden der neuen Welt entkeimen, nur unter amerikanischer Sonne gedeihen, und wenn es gestattet ist, Phnomene durchaus unerhrter, den gewhnlichen Voraussetzungen des Geschehens allenthalben widersprechender Art Wunder zu nennen, so stehen wir hier bis auf Weiteres vor einem der grten Wunder unseres Jahrhunderts. Die Geschichte der Mormonen oder der Latter-Day-Saints, wie sie selbst sich nennen, ist die Geschichte einer tauben Nu, die, in den Humus der transatlantischen Welt gepflanzt, in einer auf den ersten Blick miraculsen Weise zum riesigen Baume erwuchs und Frchte erzeugte, die keineswegs alle faul sind. Es ist die Geschichte einer Lehre, die, ursprnglich ein ziemlich plumper Puff, allmlig durch Hereinnahme einer Anzahl von mystischen Glaubensstzen den Schein eines tieferen Inhalts gewann und sich in staatlicher Beziehung zu einer bisher noch nicht dagewesenen Theo-Demokratie ausbildete. Im Stifter der Secte sehen wir unzweifelhafte Talente, groe Menschenkenntni, bewunderswerthe Ausdauer, auerordentlichen Scharfblick in der Wahl seiner Mittel mit unglaublicher Frechheit, tiefer sittlicher Verworfenheit, und einer in ihrer Naivett oft geradezu drolligen Unwissenheit gepaart. Mag man ihn in einigen Zgen mit Mohamed, in andern mit Cromwell vergleichen, so erinnert er in weit zahlreichern Aeuerungen seines Charakters an Barnum, den Napoleon der Windbeutelei, und war er unleugbar ein ungewhnlicher Mensch, ja darf man ihn als das personificirte Genie des Yankeethums bezeichnen, so erklren sich seine Erfolge doch noch mehr als aus seiner Begabung aus den Verhltnissen, in die er sich gestellt sah. Diese Verhltnisse aber, unter denen es mglich war, da eine Secte, die im Jahre 1830 nur aus der Familie ihres Grnders und zwei Freunden bestand, im Laufe von zwanzig Jahren trotz grausamer Verfolgungen und trotz mannigfacher Gelegenheiten zur Erkenntni der Lgen, die ihr Kern waren, zu einer wohlgeordneten Kirche wurde, deren hunderttausend Bekenner ber die ganze Erde zerstreut sind: diese eigenthmlichen Verhltnisse haben fr unser Jahrhundert und insbesondere fr Amerika ebenso viel Beschmendes als Trstliches. Sie zeigen, da in unserer Zeit das Licht der Bildung noch lange nicht so weit leuchtet, als man gemeinhin annimmt und da namentlich die Vereinigten Staaten und England mit dem Prdicate einer aufgeklrten Nation, das sie sich so gern zulegen, etwas sparsamer umzugehen Ursache haben. Sie zeigen aber auch, da da, wo freie Institutionen herrschen, und wo die edlen Eigenschaften der angelschsischen Race das Ganze durchdringen, selbst der Betrug bald eine Gestalt annehmen mu, die nach einer Seite hin wenigstens Anerkennung und selbst Bewunderung verdient. Die folgende Darstellung wird erkennen lassen, ob damit zu viel gesagt ist. Zweites Kapitel. Joseph Smith der Schatzgrber und Prophet. -- Sidney Rigdon und der offenbarende Engel. -- Ein Roman und die Verwandlung desselben in eine Bibel. Der Stifter des Mormonenthums war Joseph Smith, am 23. September 1805 zu Sharon im Staate Vermont geboren, und spter mit der Familie seines Vaters nach dem Dorfe Manchester bei Palmyra im Staate Neuyork ausgewandert. Seiner Selbstbiographie zufolge stand sein Sinn schon in frher Jugend auf gttliche Dinge, und als er siebzehn Jahre alt war, wurde dieser Hang dadurch noch mehr genhrt und aufgeregt, da ein beredter Methodistenprediger in der Nachbarschaft eine groe Erweckung der Seelen bewirkte. Hufig schttete Joseph sein Sehnen nach Erkenntni vor Gott im Gebete aus, und oft brtete er Tage lang ber den rechten Weg zur Erlangung des Heils. Als er nun bei einer solchen Gelegenheit in die Nacht hinein wach geblieben war, und kniend den Herrn um Erleuchtung anflehte, welche von den verschiedenen Secten und Kirchen die rechte sei, siehe da wurde sein Gemach pltzlich von himmlischem Lichte erfllt, und er erblickte einen Engel neben sich, der ihn ber den Pfad zur Gerechtigkeit vor Gott unterwies und ihn zugleich belehrte, da es auf Erden keine echte Kirche mehr gbe. Das Christenthum habe die gttliche Ordnung mit Menschensatzung vertauscht, den Glauben verunstaltet und den ewigen Bund gebrochen, wofr zur Strafe schon vor funfzehnhundert Jahren das Priesterthum von ihm genommen worden sei. Endlich erfuhr Joseph von dem Boten aus der Hhe, da sein Gebet Wohlgefallen vor Gott gefunden habe und in die Bcher des Lebens eingetragen worden sei, da der Herr ihn liebe, und da er den Auftrag erhalten solle, die Priesterschaft nach der Ordnung Melchisedek's unter den Menschen wiederherzustellen und eine Kirche wahrer Glubigen zu grnden zum Empfange des Herrn, dessen tausendjhriges Reich nahe sei. Bei einem spteren Besuche des Engels, der am 21. September 1823 stattfand, ward ihm die Erffnung, da er erwhlt worden, ein heiliges Buch, welches in der Nachbarschaft vergraben sei, und welches, von altindianischen Propheten verfat, die Wahrheit ber den Ursprung der Ureinwohner Amerika's und deren Schicksale seit ihrer Einwanderung aus Juda enthalte, wieder zu finden und zu Nutz und Frommen der Welt zu verffentlichen. Am folgenden Morgen nach der Stelle, dem Gipfel eines Berges zwischen Canandaigua und Palmyra, den die Mormonen Cumorah nennen, gefhrt, fand er nach kurzem Suchen eine acht Zoll hohe steinerne Kiste, auf welche der Deckel mit Mrtel befestigt war. Er machte wiederholentlich Versuche, sie aufzubrechen, bis ein Schlag von unsichtbarer Hand ihn zurcktrieb. Auf sein inbrnstiges Gebet um Erklrung dieses Widerstandes empfing er die Antwort, der Grund davon, da er keinen Erfolg gehabt, liege darin, da er den Einflsterungen des Satans Gehr gegeben, welcher auf dem Wege neben ihm hergegangen sei und ihn beredet habe, den Inhalt der Kiste zur Frderung seiner zeitlichen Angelegenheiten zu verwenden. Dies war Snde. Der Gedanke, dadurch berhmt zu werden, war unheilige Ehrbegier, dadurch zu Reichthum zu gelangen, strafbarer Geiz. Du kannst diese Urkunden noch nicht bekommen, sagte der Engel. Niemand kann sie bekommen, wofern sein Herz unrein ist, weil sie das enthalten, was heilig ist. Siehe, obwohl Du jetzt geschaut hast die Macht der Finsterni, woran Du frderhin allezeit den Bsen gewahr werden kannst, so will ich Dir noch ein anderes Zeichen geben, an welchem Du inne werden sollst, da der Herr Gott ist, und da die Kunde, welche diese Ueberlieferung enthlt, zu allen Vlkern, Geschlechtern und Zungen unter dem Himmel getragen werden soll. Dies aber ist das Zeichen: Wenn es bekannt wird, da der Herr Dir diese Dinge gezeigt hat, werden die Gottlosen Deinen Sturz suchen. Sie werden Lgen verbreiten, um Deinen guten Ruf zu zerstren, und man wird Dir sogar nach dem Leben trachten. Aber merke, wenn Du getreu bleibst und fortan den Geboten des Herrn nachlebst, so sollst Du bewahrt bleiben und zu rechter Zeit Erlaubni erhalten, die Urkunden von hier zu holen. Diese Verheiung erfllte sich nach Verlauf von vier Jahren, whrend welcher Zeit Joseph sich fortdauernd eines Gott wohlgeflligen Wandels befleiigt, eifrig der Wahrheit nachgestrebt, und vielfache lehrreiche Besuche von dem Engel empfangen hatte. Am 22. September 1827 ffnete ihm dieser die Steinkiste, zeigte ihm den Inhalt, der in dem Schwerte Labans, einem Brustharnisch, einer Prophetenbrille, Urim und Thummim genannt, und den Tfelchen bestand, auf welche die Urkunden eingegraben waren, und gestattete ihm, einen Theil dieses Schatzes mit heimzunehmen. Das Schwert, in der Zeit Zedekias aus Jerusalem nach Amerika gelangt, war vom feinsten Stahl und hatte einen goldenen Griff. Die Brille war von der Form eines kleinen Bogens, in dessen Oesen zwei helle durchsichtige Steine eingesetzt waren, und man konnte mit ihr in der Vergangenheit und Zukunft lesen. Die Tafeln, die das Aussehen von Gold hatten, sieben Zoll breit, acht Zoll lang und nicht ganz so stark wie gewhnliches Blech waren, wurden durch drei an der einen Seite hindurchgehende Ringe zu einem Bande zusammengehalten und waren auf beiden Seiten mit gyptischen Charakteren gefllt. Ein Theil derselben war durch ein Siegel verschlossen. Joseph nahm die Urkunden mit sich nach seines Vaters Haus, und als die Nachricht von seinem Funde sich in der Gegend verbreitete, erfllte sich, was der Engel geweissagt. Man streute nach allen Richtungen hin falsche Darstellungen der Sache aus, man spottete und hhnte ber die wunderbare Erffnung. Pbelhaufen bestrmten das Haus der Familie Smith, und mehrmals wurden Versuche gemacht, dem Propheten mit Gewalt die kostbaren Goldplatten zu entreien, soda er sich endlich entschlo, nach dem benachbarten Pennsylvanien auszuwandern. Hier, wo in der Nhe des Susquehanna sein Schwiegervater wohnte, bertrug er mit Hilfe der Urim und Thummim und eines Schreibers, Namens Cowdery, den unversiegelten Theil des Urkundenbuchs ins Englische, welcher spter unter dem Titel das Buch Mormons im Druck erschien. Bis hierher folgten wir der Darstellung der Sache, wie sie von Smith selbst und dem Mormonenapostel Orson Pratt erzhlt wird. In Wahrheit verhielt es sich sehr wesentlich anders damit. Zwar mag der Prophet bei der Erweckung der Nachbarschaft durch jenen Methodistenprediger einige Eindrcke empfangen und sich mit den Hauptthesen des Sectenstreites unter seinen Landsleuten bekanntgemacht haben. Statt aber im Rufe von Frommen zu stehen, galten Joseph Smith und seine ganze Familie vielmehr allenthalben als leichtsinnige, lgenhafte Taugenichtse. Statt zu arbeiten, streiften sie in der Gegend als Schatzgrber umher. Sie bedienten sich dabei eines sogenannten Sehersteins, bisweilen auch einer Wnschelruthe. Die Sage wollte, da in den westlichen Grafschaften des Staates Neuyork groe Reichthmer aus der Zeit de Sotos verborgen lgen, und Joseph hatte sich bei den Aberglubischen den Ruf zu erwerben gewut, diesen unterirdischen Schtzen mit Glck nachzuspren. Im Jahre 1825 machte er in dem pennsylvanischen Orte Harmony die Bekanntschaft einer Mi Emma Hale und beredete sie, sich von ihm entfhren zu lassen und heimlich seine Frau zu werden. Zu derselben Zeit beschwatzte er einen gewissen Lawrence, sich mit ihm zu verbinden, um am Susquehanna eine von ihm entdeckte reiche Silbergrube auszubeuten; als sie inde nach dem angegebenen Orte kamen, war nichts von einem Erzgange zu entdecken, und Lawrence hatte sein Geld umsonst ausgegeben. 1826 dupirte er in hnlicher Weise den Farmer Stowell zu Bainbridge, indem er demselben vorredete, er habe in einer Hhle nicht weit von Manchester einen Goldklumpen entdeckt, von dem er ihm gegen das Versprechen, ihn nebst seiner Frau aus Pennsylvanien nach dem Wohnorte seines Vaters zu schaffen, die Hlfte zu geben sich anheischig machte. Stowell ging darauf ein und erfllte seinen Theil des Vertrags; als Smith aber nun auch seiner Verpflichtung nachkommen sollte, entzog er sich derselben durch die Ausflucht, er knne seine junge Gattin nicht allein unter Fremden lassen, und der getuschte Farmer kehrte heim, um seiner Kohlbeete zu warten und dazu ber den Eulenspiegel zu schimpfen, der ihn so schmhlich am Narrenseile herumgefhrt hatte. Dies ist in der Hauptsache die wirkliche Geschichte des neuen Propheten in der Zeit zwischen der ersten angeblichen Engelserscheinung und dem Punkte, wo es zu verlauten begann, da er an der Uebersetzung seines Fundes arbeite. Aber auch ber den letzteren wurde bald eine vllig andere Kunde laut, als die, welche Smith und seine Freunde der Welt aufbinden zu knnen geglaubt hatten. Das Buch Mormon war nichts weniger als eine Sammlung von Urkunden, von indianischen Propheten vor Jahrhunderten geschrieben. Es war vielmehr das Erzeugni der Muestunden eines gewissen Spalding, welcher von 1809 bis 1812 im Stdtchen Conneauct in Nordohio in Gemeinschaft mit einem gewissen Lake ein Eisenwerk betrieben hatte. Es war eine Art historischer Roman, in welchem die auch sonst in Amerika hufig gehrte Ansicht durchgefhrt war, da die Ureinwohner des westlichen Continents Nachkommen der Kinder Israel's seien, und welcher zu dem Zwecke weitlufige Berichte ber ihre Wanderungen von Jerusalem nach Amerika und ihre Schicksale in diesem Welttheile enthielt. Das Eisenwerk bezahlte sich nicht, und da Spalding mittlerweile auf die Idee gerathen war, er knne durch Verffentlichung seines Buchs ein wohlhabender Mann werden, so begab er sich im Jahre 1812 nach Pittsburgh, wo er die Entdeckte Handschrift -- so hatte er nmlich das Product getauft -- dem Drucker Lambdin zum Verlag anbot. In dessen Verwahrung verblieb das Manuscript -- wie die Einen sagen -- kurze Zeit, kam dann an den Verfasser zurck, wurde nach dessen bald darauf erfolgtem Ableben von der Witwe mit nach Hartwick, nicht weit von der Wohnung jenes mit Smith befreundeten Farmers Stowell, genommen und gelangte von hier um das Jahr 1820 nach dem Hause ihres Bruders zu Onondaga Hollow, nicht fern von Manchester, dem damaligen Aufenthaltsorte Smiths. Hier wurde es, behauptet man, von Joseph aus dem Koffer, wo es mit anderen Papieren Spaldings gelegen, entwendet und in ein Religionsbuch umgebildet. Diese Angaben sind, wo nicht geradezu unglaubwrdig, doch zu wenig begrndet. Weit richtiger scheint die folgende Erklrung. Die Entdeckte Handschrift war mehrere Jahre und auch dann noch in Lambdins Verwahrung verblieben, als Spalding im Frhling 1816 starb und einige Zeit nachher die Firma Lambdin und Patterson Bankerott machte. Nun hielt sich von 1823 bis 1826 ein gewisser Sidney Rigdon in Pittsburgh auf, der frher Buchdruckergehilfe gewesen war und jetzt in der Eigenschaft eines Predigers der Reformers oder Disciples wirkte. Er war, wie sein spteres Verhalten zeigt, ebenso schlau als ehrgeizig und nie um die Mittel zur Erreichung seiner Zwecke verlegen. Er stand auf ziemlich vertrautem Fue mit Lambdin und verlie, als dieser starb, seinen bisherigen Aufenthaltsort, um sich in Mentor, einem Stdtchen im nrdlichen Ohio, eine Gemeinde zu bilden, der er hnliche Dinge wie die, welche der Engel Joseph Smith verkndet, vortrug. Eine andere Thatsache, die zu Schlufolgerungen berechtigt, ist die, da Rigdon whrend des Herbstes von 1826 hufige Reisen von Mentor nach Pittsburgh unternahm, von wo es nicht weit bis zum Susquehanna und dem damaligen Wohnorte Smiths ist. Als nun im Jahre 1830 das Buch Mormon oder wie es in der ersten Ausgabe heit, die goldene Bibel im Druck erschien und von Glubigen und Unglubigen mit Begier gelesen wurde, erklrten Spaldings Witwe und sein Bruder, erstaunt und entrstet zugleich, dasselbe sei in der Hauptsache nichts anderes, als die ihnen noch sehr wohl erinnerliche Entdeckte Handschrift ihres verstorbenen Gatten und Bruders. Die Namen der Personen und Orte, ja was noch mehr, die psychologischen Unwahrscheinlichkeiten und aufflligen Stylmngel waren fast durchgngig beibehalten, und der Bearbeiter hatte nur etwas mehr religises Material hinzugethan. Ihre Einsprache gegen den Betrug, auf welche Rigdon lediglich mit Schmhungen und Grobheiten antwortete, wurde durch das Zeugni des einstigen Compagnons von Spalding, sowie durch einen groen Theil der Bewohner Conneaucts bekrftigt, und so scheint das Rthsel sich dahin aufzulsen, da Lambdin, nachdem er mit seiner Druckerei Bankerott gemacht, die in seiner Verwahrung befindlichen Manuscripte in der Absicht durchsah, sich durch eine Speculation mit einem aufflligen Buche wieder emporzuhelfen, da er zu diesem Zwecke kein besseres Mittel als die Entdeckte Handschrift whlen konnte, deren Verfasser ihm berdies kein Hinderni mehr in den Weg zu legen vermochte, da er dieses Werk an Rigdon bergab, um es nach seinem Ermessen zu feilen und zu ndern, und da dieser den Roman in eine Bibel umprgte. Der Tod Lambdins machte Rigdon zum alleinigen Besitzer des Geheimnisses und seines mglichen Gewinns. Letzterer wurde sicherer, wenn das Buch in miraculser Weise an den Tag gebracht wurde. Das damals sich verbreitende Gercht, in Canada sei eine goldene Bibel ausgegraben worden, lenkte auf den Gedanken, auch die Urkunden Mormons auf Goldtafeln geschrieben sein und dem Schoose der Erde entsteigen zu lassen. Es war endlich ein Gehilfe zu suchen, der im Rufe eines Schatzgrbers stand, da, wenn man diesen den Fund thun lie, der Verdacht nicht auf Rigdon fiel, und hierzu war Joseph Smith nach dem Vorigen der rechte Mann. Derselbe ging auf Rigdon's Antrag ohne Bedenken ein, und wenn er einige Zeit nach der ersten Besprechung mit dem Urheber des Plans nach Pennsylvanien zog, so geschah dies nicht wegen Gefhrdung seines Lebens daheim, sondern deshalb, weil er am Susquehanna seinem Genossen nher war und sich dort ungestrter von ihm seine Rolle einben lassen konnte. Die weitere Entwickelung wirft aber noch mehr Licht auf das Verfahren, womit die beiden Schwindler ihr ffentliches Auftreten einleiteten. Weder Smith noch Rigdon war im Besitze der Mittel zur Verffentlichung des Fundes durch den Druck. Ersterer wendete sich deshalb zuerst an den Quker Crane, um ein Darlehen zur Frderung des Werkes Gottes, wurde aber mit spttischen Worten abgewiesen. Er warf sodann seine Augen auf den Farmer Harris, einen leichtglubigen Tropf, welcher bereits einem halben Dutzend Secten nach einander angehrt hatte. Er trat ihm eines Tages in den Weg, verkndete ihm, da der Herr ihm geboten, sich von ihm funfzig Dollars zum Beginn des Werks der Uebertragung seines Indianerevangeliums geben zu lassen, und empfing von dem durch Verheiung groen Lohnes bestochenen Harris wirklich die verlangte Summe. Noch krftiger bearbeitet, streckte dieser nach und nach gegen dreitausend Dollars vor und gab sich sogar selbst zum Schreiber her, dem Smith seine Uebersetzung dictirte. Da er inde der Feder nicht recht mchtig war, so wurde er durch Oliver Cowdery, einen Schulmeister, ersetzt, welcher die Arbeit bis zum Drucke vollendete. Smith legte dabei die Pseudo-Goldplatten in einen Hut, hielt sich die Prophetenbrille der Urim und Thummim vor die Augen und dictirte die Worte der Urkunde, die sich vermittels dieses Instruments aus neugyptischen in englische verwandelten, dem Schreiber, von dem er durch einen Vorhang geschieden war, in die Feder. Ins Natrliche bertragen heit das, er las das Manuscript Rigdons, das er in seinem Hute verborgen, ab, oder sagte, was er davon fr den Tag auswendig gelernt hatte, aus dem Gedchtnisse her. Anfnglich scheint weder Rigdon noch Smith an die Stiftung einer neuen Religion gedacht zu haben. Man hatte lediglich den Zweck im Auge, der angeblichen Entdeckung eines Buchs aus der Urzeit Amerika's dadurch, da man sie als von Engelserscheinungen begleitet und von einem Nimbus aus der Hhe umflossen darstellte, die Gemther der zahlreichen Wunderglubigen im Lande zuzuwenden. Kurz vor dem Erscheinen des Buchs Mormon im Druck aber mssen die Ansichten der Beiden ber den Weg, den sie einzuschlagen, eine Aenderung erfahren haben, indem am 6. April 1830 zur Grndung einer Kirche aus den Heiden verschritten wurde. Ehe wir jedoch diesem Treiben unsere Aufmerksamkeit zuwenden, sei ein Ueberblick des Inhalts der Mormonenbibel gestattet, die gegenwrtig in englischer, walisischer, franzsischer, italienischer, dnischer und deutscher Sprache zu haben, ja selbst in die der Sandwichsinsulaner bersetzt und in mehr als einer halben Million Exemplaren verbreitet ist. Das Buch Mormons zerfllt in die Bcher Nephi 1 und 2, Jacob, Enos, Jarom, Omni, Mosiah, Alma, Helaman, Nephi des Jngern, Mormon, Ether und Moroni, die zusammen so viel Stoff enthalten als das alte Testament ohne die Apokryphen. Der Inhalt aber ist in Kurzem folgender: Als der Herr, um den Bau des Babelthurms zu vereiteln, die Sprachen der dort zusammengestrmten Menschen verwirrte, erbarmte er sich der Jarediten ob ihres frommen Wandels und belie sie im bisherigen Gebrauche ihrer Zunge. Von Gott dazu angeregt, verlieen sie das Land Schinear und wanderten nach der Westkste des Oceans, von wo sie in acht Schiffen nach dem nrdlichen Amerika fuhren. Hier wohnten sie anderthalb Jahrtausende, wurden zu einer zahlreichen und mchtigen Nation, versanken aber allmlig in Unglauben und Laster und wurden in Folge dessen um das Jahr 600 vor Christi Geburt von Gott so vollstndig vertilgt, da von ihnen nichts brig blieb, als die Trmmer ihrer Stdte und die von ihrem Propheten Ether auf Goldplatten verzeichnete Geschichte ihres Aufblhens und Untergangs. Um die Zeit ihrer Ausrottung wurde eine jdische Familie vom Stamme Josephs, der fromme Lehi mit seinem Weibe Sariah und seinen vier Shnen, auf wunderbare Weise aus Jerusalem nach der Westkste Sdamerika's geleitet, und elf Jahre spter brach ein dritter Zug von israelitischen Auswanderern, worunter etliche vom Stamme Juda, gleichfalls nach dem groen Festlande jenseit des Stillen Oceans auf. Sie landeten in Nordamerika, begaben sich inde spter nach dem Sden, wo sie nach Verlauf von ungefhr vierhundert Jahren von dem einen Theile der Frhergekommenen entdeckt wurden und mit ihnen zu einem Volke verschmolzen. Die Nachkommen Lehi's nmlich schieden sich einige Zeit nach ihrer Ankunft auf amerikanischem Boden in zwei Stmme, eine Spaltung, welche dadurch veranlat wurde, da einige von ihnen die Uebrigen wegen ihrer Gottesfurcht anfeindeten und verfolgten. Diese Frommen, die sich nach dem sie fhrenden Propheten Nephiten nannten, wanderten nach Centralamerika und von dort nach dem Norden aus, whrend jene Gottlosen, nach ihrem Feldherrn Lamaniten geheien, im Sden zurckblieben. Die Lamaniten brachten durch ihres Herzens Hrtigkeit und Bosheit viele und schwere Heimsuchungen auf sich herab. Namentlich verwandelte der Fluch Gottes ihre von Natur weie Farbe in ein schmutziges Roth. Sie waren Leute von roher und blutgieriger Sinnesart und ihren Brdern, den Nephiten so beraus aufsssig, da sie dieselben mehrmals in zahllosen Horden mit Krieg berzogen, Angriffe, die jedoch allenthalben siegreich zurckgeschlagen wurden. Die Nephiten waren in allen Stcken das Gegentheil dieses bsen Volkes. Sie hatten in ihrem Besitze eine Abschrift des Gesetzes Moses und der Propheten bis auf Jeremia, in dessen Tagen ihr Stammvater Jerusalem verlassen hatte, und diese Ueberlieferungen aus dem Lande ihrer Vorfahren, die auf Erztfelchen gegraben waren, erhielten eine Fortsetzung in anderen Tafeln, welche von den Weisen und Sehern der Nation mit den Thaten ihrer Knige und Helden, sowie mit den Gesichten, Wundern und Offenbarungen, deren Gott das fromme Volk wrdigte, gefllt wurden. Und der Herr segnete sie mit Gedeihen, und sie wuchsen und breiteten sich aus nach Osten, Westen und Norden, bedeckten die Thler und Ebenen mit Stdten und Drfern, Tempeln und Burgen, erbauten alle Gattungen Getreide in Ueberflu und zogen zahlreiche Arten von Hausthieren. Sie kannten zugleich die Gewinnung und den Gebrauch von Gold, Silber, Kupfer und Eisen. Knste und Wissenschaften blhten unter ihnen, ja selbst einige Zweige der Maschinenbaukunde waren ihnen bekannt. Die geistigen Interessen wurden durch Propheten besorgt, die in die fernste Zukunft schauten und nicht blos die Erscheinung des Messias im Fleische, sondern sogar seine Wiederkunft und die Errichtung seines tausendjhrigen Reiches weissagten. Dessenungeachtet wichen auch die Nephiten endlich von den Wegen des Herrn, verfielen in Snden und Laster und tdteten die Propheten, die sie davon abmahnten. Da ergrimmte der groe Jehova ber sie und suchte sie mit schweren Strafen heim. Finsterni sank auf die Erde herab, ein grauenvolles Erdbeben wthete von einem Meeresstrande zum andern, Berge sanken zu Thlern ein, Thler schwollen zu Bergen, Seen flutheten an der Stelle verschlungener Ortschaften, und der grte Theil der Nephiten und Lamaniten wurde vernichtet. Die aber, welche diese furchtbare Katastrophe berlebten, wurden mit einer persnlichen Erscheinung Christi, der kurz vorher in Jerusalem gestorben, auferstanden und gen Himmel gefahren war, begnadigt. Er zeigte ihnen Seitenwunde und Ngelmaale, predigte ihnen das Evangelium, setzte die Sacramente ein, heilte Lahme und Blinde, erweckte einen Todten und machte dem frommen Volke alle Dinge bis ans Ende der Tage bekannt. Ein Theil seiner Reden und Thaten ist im Buche Mormons zu lesen; der grere und wichtigere Theil derselben aber wartet vorlufig noch der Uebertragung aus dem neugyptischen Originale. Nachdem der Erlser sein Werk in Amerika vollendet, stieg er wieder (wer denkt bei diesem Auf und Ab nicht an die Papierdrachen, welche unsere Knaben steigen und sinken lassen, wie und wenn sie wollen?) in den Himmel. Die zwlf Jnger aber, die er gewhlt, zogen durch das Land, predigten allenthalben die frohe Botschaft, thaten Wunder und bekehrten nicht blos alle bis dahin dem Gesetze Mosis unterthanen Nephiten, sondern auch viele Lamaniten. Der dadurch hervorgerufene gottselige Zustand des amerikanischen Volkes erhielt sich lnger als dreihundert Jahre in seiner Reinheit. Allmlig jedoch rissen wieder Unglauben und Ungerechtigkeit ein, und gegen das Ende des vierten Jahrhunderts der christlichen Aera hatte die Ruchlosigkeit einen solchen Grad erreicht, da die Langmuth des Herrn sich in strafenden Zorn verwandelte. Ein schrecklicher Krieg brach zwischen den Lamaniten im Sden und den jetzt nur noch in Nordamerika wohnenden Nephiten aus, und dessen Ausgang war die beinahe gnzliche Ausrottung der letzteren auf dem Berge Cumorah, wo sich der Rest der Nation in einem meilenlangen Lager verschanzt hatte. Unter den Ueberlebenden waren der Prophet Mormon und sein Sohn Moroni, von denen der Erstgenannte einen Auszug aus den Ueberlieferungen seiner Vorvter gemacht hatte, den er vor seinem Tode dem Sohne zur Vollendung bergab, whrend jene Traditionen von ihm auf Gottes Gehei im Berge Cumorah verborgen wurden. Moroni fhrte die Chronik seines Vaters noch einige Jahre fort, und wir erfahren von ihm, da die unvershnlichen Lamaniten die wenigen von den Kindern Nephi, welche jener Vertilgungsschlacht entronnen waren, so lange verfolgten, bis das ganze Geschlecht, ihn ausgenommen, vernichtet war. Er berichtet fernerhin, da nach dem Untergange ihrer Gegner die Lamaniten unter sich selbst in Streit geriethen, und da ganz Amerika lange Zeit nichts als ein groer Schauplatz von Gewalt, Raub und Blutvergieen war. Er schliet endlich seine Geschichte im Jahre 424 nach Christi Geburt, um die Platten, auf die sie geschrieben, ebenfalls in den heiligen Berg zu vergraben. Drittes Kapitel. Die Mormonen in Missouri und Ohio. -- Zion im Westen. -- Verfolgungen in Missouri und Triumphe in Illinois. -- Die Wunderstadt Nauvoo und ihr Tempel. -- Die Ermordung des Propheten und der Auszug aus Aegypten. Wir kehren nun zu der Geschichte Smiths und der von ihm am 6. April 1830 gegrndeten neuen Kirche zurck. Dieselbe bestand anfnglich nur aus dem Propheten selbst, seiner Frau, der Familie seines Vaters und seinen Freunden Martin Harris und Oliver Cowdery. Nach dem Sprichworte, da ein Prophet in seinem Vaterlande nichts gilt, fanden sich in Manchester nur Wenige, die der Predigt von dem erdentstiegenen Pseudoevangelium ein geneigtes Ohr leihen mochten. Dagegen wurden in den Grafschaften Fayette und Colesville Zweiggemeinden zu Stande gebracht. Trotzdem wrde schwerlich etwas Bedeutendes erreicht worden sein, wenn die Helfershelfer Smiths nicht auswrts wichtigere Erfolge vorbereitet htten. Im August 1830 reiste (die Mormonen sagen: zufllig) ein Campbelliten-Prediger aus Lorrain-County in Ohio auf dem Canale durch Palmyra, hrte hier von der neuen Religion, besuchte den Propheten, las das Buch Mormons und wurde zum Glauben an seine Echtheit bekehrt. Dies war Parley Peter Pratt, spter einer der beredtesten und feurigsten Vertheidiger und einer der fruchtbarsten Hymnendichter des Mormonenthums, jetzt Prsident seiner zahlreichen Gemeinden auf den Inseln des Stillen Oceans. Bei seiner Rckkehr nach Ohio, wohin ihn Cowdery begleitete, bergab er die Goldne Bibel dem in der Nachbarschaft lehrenden Rigdon, der dadurch zu einer Reise nach Manchester bewogen wurde, wo er sich nach einigem Struben gleichfalls bekehren lie und sofort zum Aeltesten, Oberpriester und Schriftfhrer ernannt wurde. Heimgekehrt rief er unverzglich seine Gemeinde zusammen, trug ihr in einer zweistndigen Rede voll glhender Begeisterung seine Erfahrungen im Staate Neuyork vor, ermahnte, flehte, weinte Zhren des Kummers und der Wonne, fiel einige Male in Ohnmacht, sah den Himmel offen und bewirkte durch diese und hnliche Mittel, da der grte Theil der Versammelten sich von ihm und Cowdery taufen lie. Um diese Vorgnge begreiflich zu finden, mu man wissen, da Pratt ein alter Bekannter Rigdons war, und sich erinnern, da Letzterer schon seit drei Jahren die buchstbliche Deutung der biblischen Weissagungen, die bevorstehende Sammlung des Hauses Israel zum Empfange des wiederkommenden Messias, die Aufrichtung des tausendjhrigen Reiches und die Nothwendigkeit wunderbarer Gnadengaben in einer Kirche, welche sich die rechte nenne, gelehrt hatte. Man wird dann auch die zufllige Reise Pratts zu Smith fr eine verabredete, und das Struben Rigdons fr ein blos scheinbares halten drfen. Vor allen Dingen aber erklrt sich daraus die Flle eigenthmlicher Dogmen, welche nun in der Form unmittelbarer gttlicher Eingebungen im Kreise der Jnger Smiths auftauchten, ein Conglomerat von Tollheiten, das spter in dem zweiten groen Religionsbuche der Secte, dem Book of Doctrine and Covenants dem ersten an die Seite trat. Die Zusammenkunft Rigdons und Smiths hatte im October 1830 stattgefunden. Im Januar des nchsten Jahres empfing der Letztere eine Offenbarung, in welcher den Gemeinden im Osten geboten wurde, nach der Stelle auszuwandern, welche, wie Rigdon schon lngst erklrt hatte, sich an der Markscheide des Erbes der Heiligen befand, ein Erbtheil, welches sich von dort bis an das Stille Meer erstrecken sollte. Der Prophet und die Seinen zogen in Folge dessen nach dem Stdtchen Kirtland in Nordohio, wo Pratt, Rigdon und Cowdery bereits eine Gemeinde von einigen hundert Seelen beisammen hatten. Hier entwickelte sich ein Schauspiel der seltsamsten Art, und eine Masse Neugieriger strmte von allen Gegenden herbei, um Zeuge dieser Vorgnge zu sein. Der Wahnsinn der methodistischen Lagerversammlungen tobte hier in gesteigertem Grade. Verzckungen waren an der Tagesordnung. Mnner und Frauen fielen bei den ffentlichen Versammlungen zu Boden, sthnten, kreischten, wlzten sich zuckend und zappelnd umher, wiesen gen Himmel, wo eine Wolke heiliger Zeugen schwebte, sprachen in Zungen, namentlich in denen der Indianer, zu deren Bekehrung sie aufbrechen zu mssen erklrten, fuhren wie besessen zu den Thren hinaus und wieder herein, fielen in Ohnmacht, sprangen wieder auf, stellten sich predigend und singend auf Zune und Baumstmpfe und verkndeten den Anbruch des jngsten Tages. Einige hoben Steine auf und lasen auf ihnen sonderbar klingende Inschriften, wo Andere bloes Moos erblickten. Einigen fielen pltzlich Pergamentrollen vom Himmel auf den Kopf, welche mit dem Siegel Christi gesiegelt waren, und welche sie nicht so bald abgeschrieben hatten, als sie wieder verschwanden. Die rasendste Aufregung herrschte in ihren Zusammenknften, jedes einzelne Mitglied der Secte war durch diese Ausgieung des heiligen Geistes zum Schauer und Offenbarer geworden. Diese Allgemeinheit des Prophetenthums konnte als Zeugni fr die Echtheit der neuen Religion gelten. Ihre Dauer jedoch war begreiflicher Weise nicht nach Smiths Geschmack, der so nur =primus inter pares= gewesen wre. Er mute den Brand, den er entzndet, migen, dem Eifer der Brder und Schwestern Schranken setzen, und so predigte er eines Tages, wie er eine Offenbarung empfangen habe, in welcher Gott die Heiligen warne, sich der Gewalt, die ber sie gekommen, zu arglos hinzugeben, indem der Satan dabei die Hnde im Spiele habe und die Gaben des heiligen Geistes zu seinen Zwecken verkehre. Verschiedene andere Offenbarungen folgten, von denen die eine die Glubigen anwies, den Seher mit allem Nthigen zu versorgen, da er nicht mehr fr seinen Unterhalt weltliche Arbeit thun solle, die andere einige aufsssige oder lssige Gemeindeglieder tadelte, eine dritte endlich die Gabe des Schauens und Weissagens auf =Mr. Joseph Smith junior= beschrnkte. Er allein sollte frderhin das Vorrecht haben, mit Engeln zu verkehren, und ihm sollten Alle als dem Dolmetsch der Befehle Jehova's gehorchen. Dies geschah. Um sich aber fr die Zukunft sicher zu stellen, und einestheils dem Eifer der Schwrmer einen Abzugscanal zu schaffen, anderntheils die einflureichsten und ehrgeizigsten Mitglieder der Secte auf eine Weile von sich zu entfernen, entwarf der schlaue Prophet einen andern Plan. Im Juni 1831 hatte er eine weitere Offenbarung, in welcher Gott die Aeltesten der Kirche anwies, paarweise nach Westen zu wandern, auf dem Wege zu predigen und zu einer bestimmten Zeit am Ufer des Missouri zusammenzutreffen, wo Cowdery vorher das Land nach einer passenden Stelle zur Grndung der zuknftigen Hauptstadt des Reiches Gottes auf Erden ausgekundschaftet hatte. Diese Stelle war in der Nhe des in der Grafschaft Jackson in Westmissouri gelegenen Stdtchens Independence. Sie war mit groer Umsicht gewhlt, und nicht vllig unglaubwrdig klang es, wenn der Prophet verkndete, da hier einst der Garten Eden und Adams Altar gestanden. Bei Weitem herrlicher aber war die Aussicht, welche Smiths Prophetengeist in die Zukunft dieses Neuen Jerusalems der Heiligen erffnete. Hier sollten sich einst alle Glubigen anbauen, hier alle Knige der Erde ihren Tribut entrichten, hier eine ungeheure Stadt sich erheben, deren Straen mit Gold und Edelsteinen gepflastert sein sollten -- und was dergleichen Ueberschwnglichkeiten mehr sind. Manche dieser Weissagungen wrden sich, wie die Folge zeigen kann, wenigstens annhernd erfllt haben, wenn die Fhrer der Secte sich nicht in den bereits hier wohnenden Hinterwldlern verrechnet htten und nicht gleich Anfangs mit unmigen Ansprchen aufgetreten wren. Die Sendboten Smiths zogen, dreihundert an der Zahl, seinem Befehle gehorsam nach Missouri. Das neue Zion wurde zu bauen begonnen, der Grundstein zum Tempel gelegt, und bald hatten sich von Denen, die unterwegs bekehrt worden waren, gegen zwlfhundert als Ansiedler in Jackson County niedergelassen. Smith und Rigdon, die bei der Grundsteinlegung zugegen gewesen waren, begaben sich bald nachher nach Kirtland zurck, welches sie in Shinear umgetauft hatten. Hier verbrachte der Prophet die Zeit bis zu Ende des Januar 1832 theils mit Predigen und der Anfertigung neuer Offenbarungen, die Rigdon stylisirte und Smiths Frau, Emma, die auserwhlte Dame niederschrieb, theils mit Arbeiten in seinem Kramladen und seiner Mhle, theils mit der Leitung des Baus eines Tempels, der vierzigtausend Dollars kostete und noch heute steht. Die Secte wuchs noch immer, hatte jedoch schon jetzt mehrere Abtrnnige, die sich dann gewhnlich in erbitterte Verfolger verwandelten. Von einer Rotte derartiger Bursche, die von dem Campbelliten-Prediger Rider angefhrt war, wurden Smith und Rigdon, als sie in dem Drfchen Hiram sich aufhielten, in der Nacht vom 25. bis 26. Januar berfallen, aus den Betten gerissen und so grausam getheert und gefedert, da es Joseph gerathen fand, sich auf einige Monate zu den Brdern in Missouri zu flchten. Hier wurde er anfnglich mit allen Ehren empfangen, spter jedoch monarchischer Gelste bezchtigt, eine Anklage, welcher er, als sie zu einer Spaltung zu fhren drohte, unter dem 18. Mrz 1833 von Kirtland aus mit einer Offenbarung entgegentrat, in der ihm Jehova gebot, seinen Knecht Rigdon und einen gewissen Williams durch Handauflegung zu gleicher Macht und Wrde mit ihm im Amte der Schlssel zu Gottes letztem Knigreiche zu erheben. Diese Nachgiebigkeit stellte die Ruhe wieder her, und beide Niederlassungen fuhren fort zu blhen. Um die Mitte des Jahres 1833 waren die Mormonen in Missouri durch Zuwanderungen aus dem Osten auf mehr als dreitausend Seelen angewachsen. Sie hatten mehrere Fabriken und Mhlen errichtet und besaen in Independence ein gemeinschaftliches Magazin, der Speicher des Herrn genannt, sowie eine Zeitung, den Evening and Morning Star. An ihrer Spitze standen der Bischof Partridge und Elder Phelps, der Redacteur des ebengenannten Blattes. Es schien, als mte Zion gedeihen, als sich pltzlich unter den Bewohnern von Jackson-County Demonstrationen feindseliger Natur vorzubereiten begannen. Das Volk hielt mehrere Versammlungen, in denen die Mormonen verschiedener Verbrechen angeklagt wurden, und in deren letzter man den Beschlu fate, hinfort keinem Mitgliede der Secte die Niederlassung in der Grafschaft zu gestatten, von den darin bereits Angesessenen den Abzug binnen bestimmter Frist zu fordern, die unverzgliche Schlieung der Arbeit in ihrem Magazine und ihren Fabriken zu bewirken und der Herausgabe der Zeitung ein Ende zu machen. Wieviel von jenen Anklagen Wahrheit, wieviel Eingebung der Misgunst war, mu dahin gestellt bleiben. Da die Mormonen unvorsichtig geprahlt haben mgen, das ganze Land sei ihnen von ihrem Jehova beschieden, scheint ausgemacht. Da sich viele rudige Schafe unter der Heerde befanden, litte auch dann keinen Zweifel, wenn der Prophet sie nicht ausdrcklich in mehreren Offenbarungen getadelt htte. Ebenso wahr jedoch ist, da die Bevlkerung von Missouri den Jngern Smiths schon deshalb, weil sie meist Yankees waren und mehr noch deshalb nicht wohl wollte, weil sie keine Sclaven hielten. Ebenso wahr ferner, da Prediger, denen bei dem reienden Zulaufe zu der Secte um ihre Gemeinden, das heit, um ihren Brotkorb bange wurde, diese Abneigung zum Hasse schrten. Ebenso wahr endlich, da die Hinterwldler des westlichen Grenzlandes, dieser Schaum, den die schwellenden Wogen der Zivilisation hierher gesplt, ungemein wenig Ursache hatten, ber etwaige Viehdiebsthle und sonstige Ungehrigkeiten als ber etwas unter ihnen Unerhrtes die Entrsteten zu spielen. Das Schlimmste aber war, da man, als die Mormonen der am 20. Juli an sie ergangenen Aufforderung nicht gleich Folge leisteten, zu Gewaltmaregeln schritt und ihre Druckerei zerstrte, sowie den Bischof Partridge theerte und aus seinen eigenen zerschnittenen Betten federte. Nach diesem Vorfalle verstanden sich die Fhrer der Secte dazu, zu Anfang des folgenden Jahres mit den Ihrigen die Grafschaft zu verlassen, und hiermit erklrten sich die Verfolger zufrieden. Als aber gegen Ende des October verlautete, die Mormonen dchten nicht mehr an Erfllung ihres Versprechens, brach ein neuer Sturm gegen die Heiligen los. Der Pbel von Jackson-County rottete sich zusammen, prgelte, theerte und federte mehrere Mitglieder der Secte, warf ihnen die Fenster ein und plnderte den Speicher des Herrn aus. Die Mormonen griffen nun zu den Waffen, und es erfolgte ein Zusammensto, bei welchem zwei von der Partei der Angreifer erschossen wurden. Dies rief eine ungeheure Aufregung im Lande hervor, und die Mehrzahl der Secte machte sich sofort zum Abzuge nach der jenseit des Missouri gelegenen Grafschaft Clay auf, wo das Stdtchen Liberty ihr Hauptquartier wurde, und wo ihnen im Juni 1834 der Prophet an der Spitze des Heeres von Zion, einer wohlbewaffneten Leibwache von hundertfnfzig Aeltesten und Priestern, einen kurzen Besuch abstattete. Die obersten Behrden des Staates und alle Freunde der Gesetzlichkeit waren emprt ber diesen Sieg des Pbels und forderten die Mormonen auf, bei den Gerichten um Schadloshaltung einzukommen. Es wurde ein Proce anhngig gemacht, allein die Stimmung der niedern Classen war den Heiligen so ungnstig, da der Attorney-General selbst den Rath ertheilte, die Klage fallen zu lassen -- in der That ein trauriges Zeugni fr die Rechtsunsicherheit in der vielgepriesenen Musterrepublik. Jenseit des Missouri schienen die Verhltnisse der Latter-Day-Saints sich anfnglich befriedigender gestalten zu wollen, und bald waren weite Strecken der dortigen Wildni in Felder und Fluren verwandelt. In Kirtland wurde im Jahre 1835 eine Theologenschule erffnet, an welcher mehrere hundert Aelteste Unterricht namentlich im Hebrischen empfingen. Im Frhling des folgenden Jahres kamen einige dieser Herren mit zahlreichen Schaaren von Glubigen nach Clay-County, und dieses Herzustrmen der Mormonen in Masse, sowie die treffliche Organisation der Secte, die sie stets planvoll und gemeinsam handeln und dadurch rasche Erfolge erzielen lie, erweckte den Argwohn des Volkes auch hier. Man trat zu Versammlungen zusammen, whlte Ausschsse und bewirkte durch Zureden, da die Mormonen nach den benachbarten Grafschaften Davies, Caldwell und Carroll auswanderten. Hier wuten sie, in der Hoffnung, ferner nicht mehr gestrt und vertrieben zu werden, mit ihrer rhrigen, regsamen Weise und ihrem fast immer gut rechnenden Verstande sich's bald bequem zu machen. Wo das Jahr zuvor nur der unstete Jger gehaust und der Urwald gerauscht, erhoben sich mit Maisfeldern und Mhlen, Werksttten und Speichern die Stdtchen Dewitt, Far West und (an der Stelle, wo der Erste der Menschen, einer Offenbarung Smiths zufolge, einst seine Kinder gesegnet) Adam-On-Diahman, und im Frhling 1837 war die Zahl der Glubigen in Missouri bereits auf zwlftausend gestiegen. Aber die Kirche war fortwhrend von Zwistigkeiten zerrissen. Ehrgeizige Heuchler mischten sich in ihr mit ehrlichen Bethrten, ja selbst entschiedene Schurken und Verbrecher suchten in ihrer Mitte eine Zuflucht und einen neuen Wirkungskreis. Ein Theil der Brder machte falsches Geld. Die Mehrzahl widersetzte sich dem, aber nicht eher wurden die Uebelthter verjagt, als bis Smith selbst, der jetzt auf immer nach dem Westen kam, sich ins Mittel schlug. Auch ber Shinear-Kirtland nmlich war Unglck hereingebrochen. Die Yankeenatur des Propheten und seiner Freunde hatte ihn bewogen, ein Bankgeschft zu errichten, das auf den nach einer Offenbarung den Mitgliedern der Secte auferlegten Zehnten von allem ihrem Besitze gegrndet war. Diese Bank hatte, trotzdem da ihr die gesetzlich erforderte Besttigung vorenthalten wurde, Noten ausgegeben, betrchtliche Summen ausgeliehen, noch betrchtlichere aufgenommen u. s. w. Das war eine Weile trotz der ziemlich unbesonnenen Verwaltung des Geschfts ganz leidlich gegangen. Aber pltzlich wendete sich das Blatt. Die Bank mute ihre Zahlungen einstellen, die Glubiger machten einen Proce wegen Schwindelei anhngig, und Smith und Rigdon muten, um dem Sheriff und seinem Verhaftsbefehle, ja vielleicht dem Zuchthause in Columbus zu entgehen, sich bei Nacht und Nebel aus dem Staate flchten. Sie gingen nach Zion in Missouri, wo es Smith sehr bald gelang, die etwas gelockerte Disciplin unter den Heiligen wiederherzustellen, wo aber andrerseits seine und noch mehr Rigdons Predigten dazu beitrugen, die Entladung des Gewitters, das auch hier ber den Huptern der Secte hing, zu beschleunigen. Lauter nmlich wie je vorher wurde jetzt verkndigt, da der ganze Westen den Mormonen dereinst als Erbtheil zufallen und da der Herr ihre Feinde durch das Schwert vertilgen und alle Heiden, d. h. alle Unbekehrten von dort vertreiben werde. Mancher Mormone mochte dadurch zu der Ansicht kommen, da das Eigenthum Nichtglubiger schon jetzt eigentlich den Kindern Zions gehre und da folglich eine Entfremdung desselben nur eine Vorausnahme der Zukunft, nur eine Herstellung des richtigen Verhltnisses der Dinge, nur eine Erhebung der schlechten Wirklichkeit in die wahre sei. So mgen hin und wieder Kuh- und Pferdediebsthle vorgekommen sein. Dazu kam der Umstand, da die goldne Bibel die Indianer von den Hebrern abstammen und sie bei ihrer nahebevorstehenden Bekehrung ihre Wiedereinsetzung in ihren Besitz als Ureinwohner des Landes hoffen lie, woraus die Missourier, von denen viele mit ihrem Blute den Rothhuten ihren Grund und Boden bezahlt hatten, den erklrlichen, wenn auch nicht sehr logischen Schlu zogen, die Jnger Smiths htten ein Bndni mit den Wilden im Sinne, um einen Vernichtungskrieg gegen sie zu beginnen. Man sieht, es waren hier wie dort Misverstndnisse. Alle Beschwerden auf Seiten der Gegner des Mormonenthums aber begleitete unzweifelhaft der Neid, der den Heiligen die Errungenschaften ihres Fleies nicht gnnte, und die Habgier, welche dieselben gern ohne Kaufschilling an sich gebracht htte. Im Sommer 1838 kam es bei Gelegenheit einer Wahl von Beamten in Caldwell-County, wo man die Mormonen nicht stimmen lassen wollte, zu Thtlichkeiten zwischen den feindlichen Parteien. Es erfolgten mehrere Verwundungen, und einer der Heiligen wurde erstochen. Im Herbste nahmen die hierauf sich entspinnenden gegenseitigen Neckereien den Charakter ernstlicher Feindseligkeiten an. Eine aus den eifrigsten Jngern Smiths gebildete Schaar, Daniten oder Wrgengel genannt, verbrannte die Ortschaften Gallatin und Millport, wogegen die Antimormonen, unter dem Oberbefehle des Methodistenpredigers Bogard, der spter wegen Mordes nach Texas flchtete, mehrere Farmen der Heiligen beraubten und zerstrten. Endlich griff ein Haufe Mormonen eine Milizcompagnie, die von dem Anfhrer im Dunkel der Nacht fr eine Rotte Pbel gehalten wurde, mit Flintenschssen an, und diese mute sich mit Verlust mehrerer Todten zurckziehen. Damit war der Brgerkrieg im Kleinen da. Der Gouverneur Boggs rief die Miliz des Staates Missouri zu den Waffen, um den Ruhestrungen ein Ende zu machen. Diese Landwehr war vom brennendsten Hasse gegen die fanatische Secte erfllt, und so war ihre nchste Waffenthat, da sie in einem Blockhause bei Hauns Mill vierundzwanzig wehrlose und unschuldige Mormonen, meist Frauen, Greise und Kinder, mit kaltem Blute niederscho. Einige Tage nachher erschienen die Generale Clark und Lucas mit 3500 Mann vor Far West. Beim Anblicke dieser offenbaren Uebermacht ergaben sich die Heiligen, die damals 1100 Streiter zhlten, legten ihre Waffen nieder und lieferten auf Verlangen sechs ihrer Fhrer, darunter den Propheten, zur Bestrafung aus. Diese wurden nur durch das Dazwischentreten des Generals Doniphan vor dem Erschieen bewahrt, in's Gefngni gebracht, um unter der Anklage des Hochverraths, des Mordes und der Brandstiftung vor Gericht gestellt zu werden. Die groe Masse des unseligen Volkes aber mute mit ihrem gesammten Eigenthume die Kriegskosten bezahlen, und mitleidlos trieben die Vollstrecker der Befehle des mindestens nicht unparteiischen Gouverneurs die Armen mit Weib und Kind mitten im November ber die Grenzen des Staates auf die den Prairien von Iowa, wo Massen von ihnen durch Klte, Hunger und Krankheit den Tod fanden. Das war eine schwere Heimsuchung. Aber ihr folgte eine Glanzperiode, deren man eine Secte von so gemeinem Ursprunge und so gemischtem Wesen nicht fhig halten sollte. Die Exulanten wurden von dem Nachbarstaate Illinois freundlich aufgenommen, und nachdem sie sich hier in Quincy und dessen Umgebung einige Wochen aufgehalten, whlten sie, von =Dr.= Gallant auf diesen gut gelegenen Punkt aufmerksam gemacht, das Stdtchen Commerce zum bleibenden Aufenthalte, welches sie in Nauvoo -- das heit auf neugyptisch die Schne -- umtauften. Diese neue ewige Wohnung der Heiligen vom jngsten Tage lag in Hancock-County auf einem Hgelvorsprunge am Mississippi, nicht weit vor den Des Moines-Wasserschnellen, am Rande einer prachtvollen, wellenfrmigen Prairie, die durch den Flei der Ankmmlinge rasch in reichtragende Felder verwandelt wurde. Commerce war ein Haufe elender schmuziger Blockhtten gewesen, Nauvoo war schon nach Verlauf von drei Jahren die grte und schnste Stadt in Illinois. Smith und die anderen Fhrer der Secte, welche mit ihm in's Gefngni gebracht worden waren, benutzten den 4. Juli, wo ihre Wchter den Jahrestag der Unabhngigkeitserklrung durch allzureichlichen Genu geistiger Getrnke gefeiert hatten, zur Flucht ber die Grenze. Bei den Ihrigen eingetroffen, wuten sie zu bewirken, da die Gesetzgebung von Illinois den Mormonen auergewhnliche Vorrechte zur Frderung ihrer Colonie gewhrte, und mit diesen versehen, wuchs dieselbe mit unerhrter Schnelligkeit. Rasch entstanden Straen und Pltze, Huser und Blumengrten. Die benachbarten Smpfe, welche Anfangs tdtliche Fieberluft aushauchten, wurden durch groartige Drainirungsanstalten entwssert. Meilenweit in's Land hinein sah man auf eingezunten Aeckern Mais und Weizen reifen, whrend die Prairie herrliches Viehfutter gewhrte. Kaufleute erffneten Lden mit den Erzeugnissen des Ostens, welche die Dampfboote auf dem Strome herzufhrten. Eine Freimaurerhalle und ein Concerthaus, eine Universitt und ein groer Gasthof, zu dessen Wirthe Jehova in einer feierlichen Offenbarung vom 19. Januar 1841 den Propheten selbst bestimmte, wurden erbaut. Einer Gesellschaft, zur Betreibung der Landwirthschaft im Groen wurde Concession ertheilt, und als die Mormonen eine Legion zur Vertheidigung ihrer Niederlassung errichteten, lieferte ihnen der Staat die Waffen dazu. Die Krone des Ganzen aber versprach der Tempel zu werden, zu welchem am 6. April 1841 der Grundstein gelegt wurde. Das Modell dazu hatte der Prophet von einem Engel empfangen. Die Ausfhrung mute einem heidnischen, d. h. einem unglubigen Baumeister bertragen werden, welcher, als Smith ihm den Bauplan des Herrn beschrieb, anfnglich Schwierigkeiten machte, sich aber schlielich einverstanden erklrte. Smith hatte erkannt, da ein solches Centralheiligthum ein gutes Bindemittel sein werde, und so wurde seine Errichtung in allen auswrtigen Gemeinden als religise Pflicht gepredigt. Die Kosten des Werkes, welches nach seiner Vollendung gleichsam als versteinertes Charakterbild der wunderlichen und doch zugleich imposanten Secte, die es geschaffen, die Stadt berragte, beliefen sich auf mehr als eine halbe Million Dollars, ungerechnet die Arbeitstage, womit unvermgende Mormonen ihren Beitrag abgezahlt hatten. Es war ein hundertachtundzwanzig Fu langes, achtzig Fu breites und sechzig Fu hohes Viereck, dessen flaches Dach auf dreiig Pfeilern von eigenthmlicher Structur ruhte. Die Basis war ein Halbmond, und die Kapitler bestanden aus einem strahlenumkrnzten Menschenantlitze, ber dem zwei Hnde zwei Posaunen hielten. Zwischen diesen Pfeilern liefen um das Viereck vier Reihen Fenster, zwei im Rundbogenstyle und zwei kreisrunde. Drei Thren, zu denen man auf je vier Stufen emporstieg, fhrten ins Innere, und ber dem Ganzen erhob sich ein hundertfunfzig Fu hoher Thurm. Ein gewaltiges Marmorbassin, getragen von zwlf kolossalen Stieren, sollte im Erdgescho als Taufbecken dienen. Das Material des ganzen, mit Ausnahme des Thurms, nicht unschnen Bauwerks war weier Kalkstein. Und wie der Tempel und die Stadt des Mormonengottes, so wuchs auch sein Reich und die Zahl seiner Anbeter. Wie ein Magnet wirkte Mormon Joe trotz der Streitschriften, womit die Geistlichkeit aller Secten ihn bekmpfte, bis ber das Meer hinber. Alle Jahre wurden zweimal Generalconferenzen abgehalten, in welchen Missionaire fr Europa, Afrika und Asien gewhlt wurden. Bei einer Conferenz wurden deren mehrere Hunderte hinausgesendet, und obwohl sie sich binnen drei Tagen zur Abreise ohne Beutel und Stab bereit zu machen hatten und nicht selten Jahre lang von Familie und Geschft entfernt blieben, trat nie der Fall ein, da einer sich dem Auftrag aus der Hhe zu folgen geweigert htte. Die zwlf Apostel Smiths, denen die Beaufsichtigung der fremden Gemeinden oblag, fanden fast allenthalben die Arbeit dieser Prediger mit Erfolg belohnt, und nicht allzusehr bertrieben scheint es, wenn die Mormonen sich im Jahre 1843 rhmten, allein innerhalb der Vereinigten Staaten an hunderttausend Bekenner ihres Glaubens zu haben. Nicht weniger verbreitet war die Lehre Smiths in Grobritannien, wo die Apostel Young, Parley Peter Pratt und Heber Kimball namentlich in den Manufacturdistricten Englands sowie in Schottland, vor Allem aber unter der unwissenden Landbevlkerung von Wales groen Anhang gewonnen, und durch Ueberreichung des Buchs Mormons an die Knigin sogar bei Hofe Proselyten zu machen versucht hatten. Der auerordentlich thtige, sprachenkundige Apostel Taylor ging nach Jerusalem, um die dortigen Juden zu bekehren. Andere schifften nach den britischen Besitzungen in Ostindien und Australien, noch Andere sogar nach den Inseln der Sdsee, wo ihnen die Eingeborenen in Masse zufielen. Mnner, die in Amerika fr Gelehrte gelten konnten und allenthalben fr ziemlich geschickte Sophisten angesehen werden drften, vertheidigten die sich jetzt immer mehr mit mystischen Doctrinen fllenden Katechismen des Mormonenthums. Vier Zeitungen, wovon eine in England erschien, stritten fr die geistlichen und weltlichen Angelegenheiten der Secte. Die Verhltnisse in Nauvoo ordneten sich von Tage zu Tage besser, und von einem baldigen Erlschen des Trugbildes, welches wie ein ungeheures Irrlicht alle unklaren Kpfe im Bereiche des anglo-schsischen Lebens in seinen Sumpf lockte, konnte nicht mehr die Rede sein. Die Mormonen gestatteten auch Nichtglubigen die Niederlassung in Nauvoo, und die glnzenden Aussichten, welche die Stadt hatte, fhrten viele tchtige Krfte dahin. Allein die Einwanderung beschrnkte sich nicht auf diese. Pferdediebe und Falschmnzer, Ruber und Betrger aller Art flchteten unter die Fittiche der neuen Colonie, deren Behrden, wenn sie sich zur Taufe bequemten und den Zehnten zahlten, nicht sehr nach der Vergangenheit solcher Neophyten fragten. Auch Speculanten auf Baustellen in der Stadt stellten sich ein; da dieselben jedoch weder von der Taufe, noch von dem Zehnten etwas wissen wollten, so wurden sie schnell misliebig und die Herren vom Rathe fanden Mittel, sich ihrer zu entledigen. Man bot ihnen eine gengende Summe fr ihren Grundbesitz, und gingen sie darauf nicht ein, so wurden sie fortgeschnitzelt. Drei Mann bekamen den Auftrag, sich gegen eine Geldvergtung fr die aufgewendete Zeit mit einem Stuhle, einem Taschenmesser und einem Stckchen versehen, vor das Haus des Hartnckigen zu verfgen, sich niederzusetzen und in bekannter Yankeemanier ihr Schnitzeln zu beginnen. Kam der Betreffende aus der Thr, so starrten die Schnitzler ihn an, sagten aber kein Wort. Ging er auf den Markt, so folgten sie ihm, sprachlos weiter schnitzelnd. Er mochte sie auslachen, mochte schimpfen, drohen, fluchen, es wurde durchaus keine Notiz davon genommen. Die Straenjugend sammelte sich und erfllte die Luft mit Geschrei und Gelchter, die Schnitzler kmmerte auch das nicht. Sie arbeiteten mit einer Andacht fort, als ob sie dem lieben Gott seine Sterne zu schnitzeln htten. Ihr stierer Blick folgte dem Unseligen vom Morgen bis zum sinkenden Abend. Kehrte er heim, so setzten sie sich gelassen wieder vor seine Fenster und schnitzelten. Bei einem Beispiele soll die menschliche Natur ganze drei Tage diese sonderbare Tortur ausgehalten haben. In den meisten Fllen jedoch wurde das Opfer weit eher mrbe. Es verkaufte dann sein Hab und Gut fr den angebotenen Preis und eilte, der aus dem Anblicke der Schnitzmesser hervordrohenden Verrcktheit zu entfliehen. Weniger friedsamer Natur waren die Mittel, deren man sich gegen eine aus abgefallenen Mitgliedern der Secte entstandene Partei bediente, und jetzt stehen wir vor dem groen Wendepunkte in der Geschichte des Propheten und seiner Secte. Smith hatte den Gipfel seiner Macht erreicht. Er war von der Stadt Nauvoo zu ihrem Mayor, von der Legion zum General ernannt worden. Alle Klagen, die gegen ihn anhngig gemacht wurden, fielen bei den Geschworenen durch. Er hielt die Schlssel zum Himmelreiche in der Hand, und sein Wort war auch in irdischen Dingen Gesetz. Im Mai 1844 hatte er sogar die Khnheit, mit Verffentlichung eines politischen Glaubensbekenntnisses, worin er unter Anderm sich fr Errichtung einer Nationalbank, fr Verminderung der Beamten und der Congremitglieder, fr Aufhebung der Strafen wegen Desertion in Heer und Flotte, und fr Entlassung aller in den Zuchthusern verwahrten Verbrecher (die durch Liebe und Weckung ihres Ehrgefhls gebessert werden sollten) aussprach, neben Clay, Calhoun und Benton als Bewerber um die Prsidentschaft der Vereinigten Staaten aufzutreten. Es geschah dies lediglich zur Augenweide der Seinen, wiewohl die Mormonen behaupten, der Prophet wrde unzweifelhaft bei der nchsten Wahl gesiegt haben, wenn er sie erlebt htte. Die Ereignisse schnitten die Gelegenheit zu einer nochmaligen Bewerbung ab. Unerwartet zogen sich dunkle Wolken ber dem Haupte des Himmelsstrmers zusammen. Die Nachbarn in Hancock-County begannen sich zu beschweren, da die Bewohner von Nauvoo sich an ihrem Vieh vergriffen, und da gegen die Diebe bei den Behrden der Stadt kein Recht zu erlangen sei. Die Zeitungen von Illinois sprachen von einer Verschwrung, durch welche die Mormonen die Verfassung umzustoen und an ihre Stelle eine Priesterschaft einzusetzen beabsichtigten. Gerchte verbreiteten sich, da Joseph Smith und einige andere von den Leitern der Secte in sogenannter geistlicher Ehe ein Leben voll Unzucht und Ausschweifung fhrten. Die letztere Beschuldigung wurde vorzglich von der bereits erwhnten Partei in Nauvoo selbst erhoben. Mehrere einflureiche und talentvolle Mormonen, die sich entweder in der Heiligkeit des Propheten oder -- und das war wohl der hufigere Fall -- in der Hoffnung, durch ihn zu Macht und Vermgen zu gelangen, getuscht sahen, verlieen seine Fahne und begannen ihn ffentlich als Wollstling, Trunkenbold und hochmthigen Tyrannen darzustellen. Eine gewisse Mi Brotherton klagte, er und Brigham Young haben sie unter dem Vorgeben, Gott habe sie Joseph zur zweiten Frau gegeben, verfhren wollen. Smith griff diese Gegner in seiner Zeitung The Wasp mit dem Stachel bittersten Hasses an. Die Abtrnnigen, gefhrt von einem gewissen =Dr.= Foster, auf dessen Frau der Prophet es gleichfalls abgesehen haben sollte, fuhren dagegen in dem Nauvoo Expositor eine Gegenbatterie auf. Dieses Blatt bewarf in seiner ersten Nummer das Haupt der Kirche mit einer solchen Masse Schmuz, da der Stadtrath dagegen einschreiten zu mssen glaubte. Elf Mitglieder von zwlfen erklrten den Expositor fr eine Schmach von Nauvoo, und nicht zufrieden damit, begab man sich unverweilt nach der Druckerei des Blattes, zerstrte die Pressen, verstreute die Typen in die Strae und verbrannte die vorgefundenen Exemplare der Auflage. Smith und sein Bruder Hyrum lieen sich von ihrem Verdrusse ber die Enthllungen Fosters verleiten, die von dieser Gewaltthat Zurckkehrenden zu beloben und ihnen sogar Belohnung zu verheien. Foster und seine Partei dagegen suchten gerichtliche Hilfe nach, und es erging ein Verhaftsbefehl gegen die Tumultuanten. Allein dieselben wurden durch ein sogenanntes Habeascorpus sogleich in Freiheit gesetzt. Der mit Ausfhrung des Verhaftsbefehls beauftragte Beamte wendete sich nun, von der Stadtbehrde zurckgewiesen, an die Grafschaftsbehrde und erschien im Auftrage dieser mit bewaffneter Macht, um die Verhaftung der Schuldigen zu bewirken, aber das Volk von Nauvoo rottete sich zusammen und verhinderte ihn an seiner Absicht. Als darauf die Miliz zusammenberufen wurde, um das Ansehen der Gesetze gegen die Anmaung der Mormonen zu vertheidigen, antwortete Smith in seiner Eigenschaft als Mayor und General damit, da er die Stadt in Belagerungszustand erklrte. Damit war die Angelegenheit auf einen Punkt gediehen, wo der Trotz der Mormonen biegen oder brechen mute. Der Gouverneur von Illinois erschien in Carthage, dem Sitze der Grafschaftsbehrden, und forderte Smith, indem er ihm Sicherheit seiner Person verbrgte, auf, vor ihm zu erscheinen, um sich zu verantworten. Der Prophet schickte, statt selbst zu kommen, zwei Gesandte, Taylor und Bernhisel, um mit Ford zu verhandeln. Dieser, damit nicht zufrieden, beorderte drei Compagnien Miliz unter einem Obersten nach Nauvoo, um den Propheten nebst seinem Bruder, dem Patriarchen ins Gefngni zu bringen. Darauf flchteten die Beiden ber den Mississippi nach Iowa, kehrten inde, da der Stadtrath es fr das Beste erklrte, sich zu unterwerfen, und da berdies eine Freisprechung zu hoffen war, zurck und brachen nach Carthage auf. Auf dem Wege dahin begegneten sie Abgesandten des Gouverneurs, welche den Auftrag hatten, die Legion von Nauvoo zur Niederlegung der Waffen aufzufordern. Sie gingen mit diesen nach der Stadt zurck und bewirkten, da man dem Befehle nachkam. Hierauf begaben sie sich nach Carthage, wo sie nebst zweien von den Aposteln, Richards und Taylor, ins Gefngni gebracht wurden, um dort die Entscheidung der gegen sie erhobenen Anklage zu erwarten. Ford glaubte damit vorlufig die Sache beigelegt zu haben. Er entlie die Mehrzahl der zusammengezogenen Truppen, verfgte sich nach Nauvoo, ermahnte hier die Mormonen, sich ruhig zu verhalten, da allen Parteien Gerechtigkeit geschehen sollte, und begab sich dann nach Carthage zurck. Auf dem Wege begegnete ihm ein Eilbote, der ihm meldete, da whrend seiner Abwesenheit der Pbel das Gefngni von Carthage gestrmt, die Wache berwltigt, und den Propheten nebst seinem Bruder erschossen habe. Dies war am Nachmittag des 27. Juni geschehen. Ford befrchtete, die Mormonen wrden sofort in Masse aufbrechen, um den Mord ihres Propheten zu rchen, und rieth den Bewohnern von Carthage, den Ort zu verlassen, whrend er selbst sich, um das Weitere zu erwarten, nach Quincy verfgte, und nur ein schwaches Detachement Miliz unter General Denning in Carthage zurckblieb. So endete die Laufbahn eines Mannes, dessen wahre Biographie noch zu schreiben ist und vielleicht nie geschrieben werden wird. Seinen Verehrern ist er der groe Mrtyrer des neunzehnten Jahrhunderts, seinen Gegnern ein Schurke der schwrzesten Art, dem nur allzu spt zu Theil ward, was ihm gebhrte. Da er ungewhnliche Talente besa, wird Niemand leugnen knnen. Aus allen seinen Maregeln leuchtet eine tiefe Kenntni der Menschen und Verhltnisse hervor. Der Muth und die Ausdauer, die er inmitten unablssiger Verfolgungen entwickelte, waren der besten Sache wrdig. Wenige verstanden so gut zu organisiren. Wenige wuten so geschickt wie er mit Geistern umzugehen, die im Genusse der unbeschrnktesten Freiheit aufgewachsen waren. Wenige nur mchten sich finden, die der Aufgabe gewachsen wren, ein Gemisch der widersprechendsten, allenthalben mit unreinen Trieben durchdrungenen, in irdischen Dingen von Selbstsucht, in himmlischen von wilder Phantasie bewegten Elemente in dem Grade zu bndigen und zu leiten, da dieses Chaos Resultate gebre, wie das Mormonenreich und seine Hauptstadt Nauvoo. Viele von den Zgen in seinem Charakter sind fr ein europisches Auge nahezu unbegreiflich. Ein Prophet in Frack und weier Ballweste, der sein Evangelium mit Gassenhauern und Witzen der Strae wrzt und Reden in der Sprache der Lasttrger mit Citaten aus den Classikern durchflicht, gehrt in's Reich der Mglichkeit, wird aber immerhin zu den seltnen Erscheinungen zhlen. Ein Mann, der neben den Pflichten, die ihm sein Amt als oberster Priester, als Offenbarer gttlicher Geheimnisse, als Pfrtner an der Thr des Himmelreichs auferlegt, auch noch Zeit findet, die Geschfte eines Bankdirectors, eines Brgermeisters, eines Generals und eines Hotelwirths zu besorgen, steht unserm Gefhle nach an der Grenze des Wahrscheinlichen und schon eine Strecke jenseit derselben. Wenn aber Mormonen selbst die folgenden Anekdoten von ihrem Propheten erzhlen, so wei man in der That nicht, ob neben dem Geiste Mohamed's nicht auch ein gutes Stck des seligen Eulenspiegel in ihm wiederaufgelebt war. Mehrmals nmlich geschah es, da Joseph pltzlich die Maske des Gottgesandten fallen lie, auf ffentlicher Strae einen Neubekehrten zum Ringkampfe herausforderte und den verblfften Heiligen nicht eher von dannen lie, bis er ihn seiner ganzen Lnge nach auf den Boden hingelegt und dadurch den Beweis gefhrt hatte, da der Ruf athletischer Kraft, in dem er stand, nicht gelogen habe. Mehrmals auch kam es vor, da von Neulingen, die sich bei dem Propheten meldeten, all ihr Geld als Darlehen fr den Tempelbau verlangt und dann nicht die mindeste Notiz mehr von ihnen genommen wurde, soda der Arme genthigt war, sich als Tagelhner mit Schaufel und Axt sein Brot zu verdienen. Hielt er diese Prfung seiner Treue einige Monate aus, so wurde er eines Tages pltzlich zum Propheten berufen, und dieser verlieh ihm ein entsprechendes Stck Land nebst den Mitteln, es sich darauf bequem zu machen. Die Mehrzahl der Mormonen war auf die Nachricht von Smith's Ermordung fr sofortige Erffnung des Vertilgungskriegs gegen die Heiden. Dumpf rollte die Lrmtrommel durch die Straen, allenthalben sammelten sich drohende Gesichter, selbst die Weiber riefen zur Rache auf. Die Fhrer aber wuten das Volk fr den ersten Tag zu beschwichtigen, um ihm am nchsten, wo die Hitze sich durch Ueberlegung gemigt, zu beweisen, da man nicht stark genug sei, um das Schwert der Strafe selbst zu schwingen, und so begngte man sich mit der Hoffnung, da die Zeit nahe sei, wo Gott den Mord seines Knechtes rchen werde. Als Gouverneur Ford sich versichert hatte, da die Mormonen keine Ungesetzlichkeit begehen wrden, so entlie er die Miliz, die sich rasch gesammelt hatte, und der Kriegszustand wurde aufgehoben. Nauvoo fuhr fort zu blhen, und die Zahl seiner Einwohner stieg bis auf 20,000. Zwar erhoben sich Streitigkeiten ber den Nachfolger Smith's, dieselben wurden aber durch die Energie Brigham Youngs, des Vorstehers der zwlf Apostel, sehr bald beigelegt. Rigdon, der die letzten Jahre dem Namen nach mit Joseph und Hyrum die Prsidentschaft ber die gesammte Kirche getheilt, von dem Propheten aber seit geraumer Zeit schon mit Mistrauen betrachtet und hintangesetzt worden war, kam von Pittsburgh herbei geeilt und berief eine Versammlung, in welcher er seine Ansprche auf den erledigten ersten Platz geltend machte. Er theilte zugleich eine Offenbarung mit, nach welcher die Heiligen nach Pennsylvanien ausziehen sollten, whrend er sich nach England zu begeben, dort die Knigin zur Bekehrung aufzufordern und wenn sie sich der Taufe weigerte, vom Throne zu stoen habe. Seine Zeit war inde vorber, und es gelang Young, nicht blos seine Plne zu vereiteln, sondern auch seine Ausstoung aus der Gemeinde zu bewirken. Getuscht in seinen Erwartungen und von Young feierlich dem Teufel und seinen Engeln berantwortet, kehrte er nach der Stadt zurck, wo er Spaldings Roman in eine Bibel verwandelt hatte, und dort ist er seitdem verschollen. Ein andrer Schismatiker war der Aelteste Bishop, der ganze Bnde von Gesprchen mit himmlischen Geistern aufzuweisen hatte, aber trotz dieser Testimonia seiner Beliebtheit bei Jehova ebenfalls beseitigt wurde. Einem dritten Bewerber um die Stelle des Propheten, William Smith, erging es nicht besser; auch er verschwand spurlos. Etwas mehr Erfolg fand der Apostel Lyman Wight, welcher in Texas eine Colonie grndete. Die bedeutendste Stelle endlich nimmt unter diesen Abtrnnigen James Strang, ein junger Advocat aus dem Staate Neuyork, ein, welcher, 1843 der Secte beigetreten, kraft einer besiegelten Offenbarung, die Joseph Smith ihm kurz vor seinem Tode mitgetheilt haben sollte, zu Voree, auf den Prairien von Wisconsin die Heiligen als Knig um sich sammeln wollte. Auch ihn traf der Bannstrahl der Zwlfe, er jedoch fuhr fort zu predigen und zu weissagen, und es gelang ihm, eine ziemlich zahlreiche Gemeinde um sich zu bilden, deren Hauptsitz gegenwrtig Beaver-Island, eine Insel des Michigansees nicht weit von Mackinaw ist, wo die Unterthanen dieses geistlichen Zaunknigs im Jahre 1852 in mehrfache, zum Theil blutig endende Conflicte mit den Nachbarn geriethen. Die bei Weitem berwiegende Mehrheit der Latterday-Saints aber blieb in Nauvoo, wo sie unter Brigham Young an der orthodoxen Lehre festhielten und fleiig am Tempel fortbauten. Der neue Prophet, Seher und Offenbarer war ganz der Mann dazu, das Werk, das Smith begonnen, weiterzufhren. Er hatte durchaus keine Anlage zum Mrtyrer, aber er war ein ungemein kluger, weitschauender, durch und durch politischer Kopf, und eines solchen bedurfte die Secte gerade jetzt, wenn sie nicht untergehen sollte. Die Leidenschaften waren ringsum gegen sie aufgeregt, und nur mit der grten Migung und Nachgiebigkeit waren Angriffe der Nachbarn auf Nauvoo fernzuhalten. Auf die Dauer aber wollte auch dies nicht gelingen. Schon im Herbste 1845 fingen Feindseligkeiten an auszubrechen. Dieselben steigerten sich, und endlich verstanden die Fhrer der Mormonen sich im Namen der Gesammtheit zu dem Versprechen, im Laufe des nchsten Jahres ber die Westgrenze des angesiedelten Theils der Union auszuwandern. Im Frhlinge 1846, besagte dieses Uebereinkommen, sollte eine auserwhlte Schaar aus der Mitte der Heiligen aufbrechen, um jenseit der Felsengebirge eine neue Heimat fr ihre Brder zu suchen. Dagegen machte der andere contrahirende Theil sich anheischig, die Zurckbleibenden so lange unbehelligt in Nauvoo zu lassen, bis die Vorausgehenden ihre Wahl getroffen und die Uebrigen Gelegenheit gefunden htten, ihr Eigenthum in Illinois nach seinem wahren Werthe zu veruern. Der Pbel von Hancock-County respectirte jedoch den Vertrag nicht. Bald zeigten sich Symptome eines abermaligen Sturmes, und so muten jene Kundschafter, unter denen sich die Hupter der Secte befanden, schon am letzten Februar sich auf den Weg machen, wiewohl die Klte noch so gro war, da den Mississippi eine Eisdecke berzog, ber welche sie mit Wagen und Pferden gehen konnten. Die Leiden, die sie in Folge dessen erduldeten, waren unsglich, ja um so furchtbarer, als sie sich in der Hast nur unvollkommen mit den Bedrfnissen zu einem Marsche durch die winterliche Wste hatten versehen knnen, und als es bald an Lebensmitteln und Futter fr das Vieh zu mangeln anfing. Nach Nauvoo umzukehren war schlechterdings unmglich, und so pilgerten sie weiter durch die Schneestrme der Wildni von Iowa, sehnschtig dem Frhling entgegenschauend, Trost in den Verheiungen ihres Glaubens suchend und die Lieder Zions singend, whrend ihnen der Athem an die Augenlider gefror. Der ersehnte Frhling kam endlich, aber er brachte nur neue Beschwerden. Regengsse verwandelten den fetten Boden der Prairie in einen unermelichen Morast, durch den die Karawane nur langsam vorwrts kam, und die Winde trugen von den schlammigen Ufern des Plattestroms und des obern Missouri Krankheitsstoffe herzu, denen die von Mhen und Entbehrungen erschpften Wanderer schaarenweise erlagen. Die Lager wurden zu Spitlern, und als man das Gebiet der Sack- und Fuchsindianer erreicht hatte, mute Halt gemacht werden, um sich fr die weitere Reise zu erholen. Inzwischen hatten die Feinde der Mormonen in Illinois ihre Angriffe auf Nauvoo erneuert. Die Farmen auerhalb der Stadt muten gerumt werden. Im Innern aber hielt man tapfer Stand; denn noch immer stand der Tempel unvollendet, den Gott zu bauen geboten. Dieses Werk des Glaubens und der Liebe jedes Einzelnen mute zu Ende gefhrt werden trotz aller Bedrnger und Verfolger, und es ward vollendet. Der Tag der Einweihung war ein hohes Fest. Von allen Seiten, aus der Nhe und aus der Ferne kamen Priester, Aelteste und Bischfe als bestaubte Wanderer herbei, um sich, in ihre Talare gekleidet, an der Feier zu betheiligen. Vom Hochmittag bis tief in die Nacht hinein war ganz Nauvoo eitel Frohlocken und Lobgesang. Da stand es, das Haus des Herrn, der Stolz des Mississippithales. Hell blinkte auf der Thurmspitze der goldne Engel mit der Posaune. Die innern Rume strahlten von Lampen und Fackeln, der groe Altar und die Kanzeln der Priester waren mit Blumengewinden und Laub geschmckt. Gesnge erschallten, Gebete und Segenssprche stiegen empor. Dann wurden alle Heiligthmer von beweglicher Art weggeschafft, um Tags nachher, wo die letzten der Fhrer mit einer mehrere tausend Mann starken Heersule von Glubigen den vorausgegangenen Brdern folgten, nach der neuen Heimat abgefhrt zu werden. Der Rest der Mormonen wurde einige Wochen spter von dem Pbel der Nachbarschaft nach hartnckiger Gegenwehr mit Waffengewalt zum Abzuge gezwungen. Seitdem hat die Stadt der Heiligen halb wste gelegen. Cabets Icarier, die sich spter hier niederlieen, haben sie nicht wieder zu der alten Herrlichkeit zu erheben vermocht. Der Tempel wurde, nachdem die Jesuiten von St. Louis in Verhandlungen getreten waren, um ihn zu einem Seminar anzukaufen, 1848 von einem Nichtswrdigen in Brand gesteckt. Ein Tornado warf im nchsten Jahre den grten Theil des stehengebliebenen Gemuers um, soda jetzt von dem stattlichen Baue nur die eine Wand und ein Haufen Ruinen noch brig ist. Der Engel mit der Posaune aber wird gegenwrtig in Barnums Museum gezeigt, -- eine seltsame Fgung des Schicksals, welche die Spitze dieses Triumphs des Mormonenthums in das Rarittencabinet des Napoleons der Windbeutelei fhrte! Kehren wir zu dem Vortrab der Auswanderer in dem Indianerlande zurck, so treffen wir sie am obern Missouri bei Council Bluffs, wo sie in der ersten Hlfte des Juni angelangt waren, und wo sich zwei Monate spter die Tausende des Hauptheeres allmlig mit ihnen vereinigten. Da der Herbst sich nherte, so mute die Weiterreise bis zum nchsten Frhjahre aufgeschoben werden. Um diese Zeit brach der Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Mexiko aus, und General Kearney erhielt den Auftrag, unter den Mormonen ein Bataillon von 520 Mann zur Theilnahme am Kampfe zu werben. Die Regierung wute von ihrer Absicht, nach Californien zu ziehen und glaubte (wie die Vertheidiger der Maregel sagen) ihnen einen Gefallen zu thun, wenn sie auf diese Art einen Theil der Kosten ihres Abzuges bernhme und ihnen nebenbei Gelegenheit gbe, sich als gute Patrioten zu zeigen. Die Mormonen aber sahen die Sache anders an und meinten, man wolle die waffentchtigsten Leute von ihnen nehmen, um den Rest den Angriffen der Indianer erliegen zu lassen. Es wre eben nicht zu verwundern gewesen, wenn man dem General eines Staates, der ihnen gegen ihre Feinde niemals Recht verschafft hatte, eine abschlgige Antwort ertheilt htte. Aber die Vaterlandsliebe trug den Sieg ber die erlittene Unbill und ber die Sorge um die Zukunft davon. Die Aeltesten beriefen eine Versammlung, in welcher zunchst die Unverheiratheten zu Rekruten ausgeschieden, und dann die jngeren Familienvter hinzugefgt wurden. Innerhalb drei Tagen war das Bataillon vollzhlig, bewaffnet, eingesegnet, und nachdem zum Abschiede ein frhlicher Ball stattgefunden, marschirten die Truppen im Namen des Herrn aus dem Lager. Die Zurckbleibenden rsteten sich nun fr den Winter und verwandelten ihre Zeltlager in hlzerne Stdtchen, von denen das grte, auf den Lndereien der Pottowattamies gelegen, nach dem Freunde und Begleiter der Mormonen whrend ihres Auszugs, Oberst Kane von Philadelphia, Kanesville genannt wurde. Der Winter kam, um die Wanderer in der Wste von den Plagen des Sommers, Wechselfiebern und scorbutartigen Krankheiten zu erlsen, brachte ihnen aber andere Leiden und Beschwerden in Menge. Er war die schwerste ihrer Prfungen und zugleich der Wendepunkt ihres Geschicks. Ganz frh im Jahre 1847, ehe die Prairie zu grnen begann, brach eine Vorhut von 143 Mann mit 70 Wagen, gefhrt von Brigham Young und mehreren Gliedern des hohen Rathes von den Winterquartieren im Lande der Omaha-Indianer auf, um weiter nach Westen vorzudringen. Sie beeilten sich so sehr, als es das schwierige Terrain gestattete, setzten ber den Loup-, den Horn-, den Platte-, den Bren- und den Weberflu und stiegen endlich, sehr erschpft zwar, aber ohne einen Mann verloren zu haben, ber die wildzerklfteten Felsenberge des Utahlandes in das Becken des groen Salzsees hinab. Der Vortrab traf hier am 21., die Prsidentschaft der Kirche am 24. Juli ein, und der letztere Tag sah das Haupt der Mormonen den Boden segnen, wo nun der Grund zu einem dritten Neujerusalem im Westen gelegt wurde. Er ist in der Folge zum grten Festtage der Secte geworden, und einer der Apostel erklrte ihn bei Gelegenheit der dritten Jahresfeier sogar fr den wichtigsten Tag in der Geschichte der Menschheit, mit alleiniger Ausnahme der Tage, da Adam geschaffen und Jesus Christus geboren worden. Die Kundschafter waren zeitig genug in der neuen Heimat angelangt, um fr eine den nchsten Herbst zu haltende Ernte ihr Wlschkorn pflanzen zu knnen. Ihnen folgte aus dem Hauptlager am Missouri einen Monat spter ein Heer von ziemlich 4000 Mann mit 566 Wagen, auf welchen sie groe Massen von Mais und Weizen mit sich fhrten, die sie, gleichfalls glcklich im Thale des Salzsees eingetroffen, noch im Stande waren, auszusen, ehe der Winterfrost eintrat. Im Herbste stieen zu ihnen ein Theil des Mormonenbataillons und andere Kirchenglieder, die aus Californien und von den Sandwichsinseln kamen, und im Frhling und Sommer von 1848 zogen beinahe alle noch auf den Prairien verweilenden Heiligen in einer Aufeinanderfolge bald kleinerer, bald grerer Karawanen ihren Brdern nach, soda zu Ende dieses Jahres bereits 8000 Ladderday-Saints in den verschiedenen Niederlassungen der Thler am Groen Salzsee angesiedelt waren. Viertes Kapitel. Die Geschichte der Niederlassung am Salzsee. -- Das Land Utah. -- Die Heuschreckenplage. -- Heimsuchung durch das Goldfieber. -- Der Krieg mit den Rothhuten. -- Die Erfolge der Mormonen in Europa. -- Neujerusalem. -- Der groe Tempel und die Fahne aller Nationen. Seit dem Eintreffen der ersten Heerhaufen am Salzsee ist die Geschichte des Volkes Joseph Smiths eine fast ununterbrochene Kette glcklicher Ereignisse, ein stetes Wachsen und Wohlbefinden gewesen. Ehe wir diese Geschichte aber weiter betrachten, werfen wir einen Blick auf das Land, das die Mormonen jetzt bewohnen. Dieses, von den Mitgliedern der Secte meist schlechthin das Thal genannt, liegt ungefhr in der Mitte zwischen der Westgrenze von Missouri und dem neuen Staate Californien. Es ist, rings von unbewohnbaren Wildnissen umgeben, gleichsam eine Oase in der Wste. Im Westen streckt sich gegen hundertachtzig deutsche Meilen weit ein baumloses Prairieland, welches mit den riesigen Felsketten der Rocky Mountains endigt, im Osten befinden sich, zuweilen von steilen Hhenzgen durchschnitten, drre Salzsteppen, und im Sden wie im Norden ragen wildzerrissene schroffe Gebirge. Die Mormonenansiedelungen liegen in einer Einbiegung des Beckens, dessen Grund im Norden der groe Salzsee bedeckt, ungefhr in der Mitte der Rocky Mountains, einer ber sechzehn Lngegrade sich ausbreitenden Kette mehrerer von Norden nach Sden parallel laufender Hhenzge, die von durchschnittlich fnf Meilen breiten Thlern von einander geschieden und hin und wieder von schroff abfallenden Schluchten, sogenannten Kanyons, in der Quere durchschnitten sind. Diese Kanyons bilden die einzigen Straen durch das Gebirge. Die bekanntesten sind der Sdpa, welcher nach dem groen Kohlenbecken fhrt, durch das der Greenriver strmt, und der Pa am Brenflusse. Letzterer wurde von den Mormonen benutzt und ist die gewhnliche Strae der Auswanderer vom Osten nach Californien. Das groe Becken liegt mehr als viertausend Fu ber dem Meeresspiegel, zwischen den Wahsatsch- und Nevadabergen. Es trgt den Charakter einer Wste. Nur hart am Fue der Hhen, die sich gegen dreitausend Fu ber die Umgebung erheben, ziehen sich Streifen fruchtbaren Landes hin. In der Mitte des Bassins ist durchaus kein Wasser; denn der Schnee, der sich auf den Bergen im Winter sammelt, reicht nicht hin, um Bche und Flsse auf die Dauer zu nhren. Das Becken hat ungefhr hundert deutsche Meilen Durchmesser, und im Nordosten desselben ist es, wo die Mormonen sich angesiedelt haben. Hier boten verschiedene Flsse Gelegenheit, den von Natur nur eine Meile breiten Streifen fruchtbaren Bodens durch Drainirung zu erweitern. Das Land ist in der unmittelbaren Nachbarschaft des Salzsees flach und steigt gegen Sden und Westen unmerklich mehrere Meilen an, bis die Auslufer des Gebirgs sich hereindrngen. Es ist hier durchweg sandig und nirgends fr die Zwecke des Ackerbaues zu verwenden. Im Norden zieht sich nur ein schmaler Streifen brauchbaren Landes zwischen dem See und dem Gebirge hin. Im Osten ist die Gelegenheit zum Anbau etwas besser. Im Sden endlich strecken sich ber der unfruchtbaren Wste, getrennt durch das Oquirrh Gebirge und geschieden von der Sandebene darunter durch den Kamm des Traverse Mountain, die schnen Thler des Jordan und des Tuilla. Die Sohle derselben ist von zahlreichen Bchen durchstrmt und fortwhrend mit fettem Grase bedeckt. An den Bergwnden dagegen wchst nur das sogenannte Bunchgras und auch dieses nur in den warmen Monaten des Jahres. Es besmt sich im Sommer, keimt whrend der herbstlichen Regenzeit und wchst im Winter unter dem Schnee. Wenn sich im Frhling die Schneelinie nach den Gipfeln zurckzieht, folgen ihr die Heerden und die Antilopen, um das nahrhafte Futter abzuweiden, bis der Schnee (etwa um die Tag- und Nachtgleiche) wieder zu fallen beginnt. Regnet es in den Thlern, so schneit es auf den Bergen, und whrend der Winterszeit liegt der Schnee in den Schluchten oft mehrere hundert Fu hoch. Das Weideland auf dem Grunde der Thler eignet sich aber auch vortrefflich zum Ackerbau. Die Kartoffel gedeiht auerordentlich gut, und die Zuckerrbe erreicht eine unglaubliche Gre. Rechnet man nun, da der Acre unter den Pflug genommenes Land zweitausend Pfund Weizenmehl giebt, so kann man annehmen, da die Quadratmeile ungefhr viertausend Menschen ernhren kann, wobei die eine Hlfte als Weideland abgezogen ist und das Bedrfni an Fleisch deckt. Eine so groe Zahl von Bewohnern wird sich inde schwerlich jemals hier zusammenfinden. Doch kann das Territorium auf alle Flle eine Million Menschen ernhren. Bedenkt man dazu, da dasselbe sich nach Sden ber den Strand des groen Beckens in eine Gegend erstreckt, wo die Baumwollenstaude und das Zuckerrohr gedeiht, da es allenthalben eine Flle von Eisenstein und unerschpfliche Steinkohlenlager in seinem Schooe birgt, da es die trefflichsten Weiden zur Schafzucht hat, und da sich aller Orten Wasserkraft zur Anlegung von Fabriken findet, so ist kein Zweifel, da sich hier ein reicher und mchtiger Staat entwickeln kann. In Central-Utah liegen drei Salzseen, von denen der grte so stark mit Salz geschwngert ist, da die in seinem Wasser Badenden nur bis an die Schultern einsinken. Die Ufer seiner Buchten sind im Sommer mit den Gerippen der Insecten und Fische bestreut, welche sich aus den Flssen in ihn hinunter wagen; denn kein lebendes Wesen dauert in seiner Fluth aus. Die Salzsieder behaupten, da sie aus drei Ma Wasser zwei Ma Salz gewinnen. Der See ist achtzehn deutsche Meilen lang und umschliet mehrere sehr anmuthige Eilande, von denen das grte von Bergen durchzogen ist, die an zweitausend Fu Hhe haben. Wahrscheinlich bedeckte der See einst den ganzen Boden des Kessels, und ein Naturereigni vulkanischer Art, welches das Land terrassenartig emporhob, beschrnkte das Wasser auf seine jetzigen Grenzen. Rings um den See entspringen zahlreiche warme Quellen, die sich in Pfuhle und Teiche sammeln. Hier tummeln sich unzhlbare Schwrme von Wasservgeln, die, da in der Umgebung kein Schnee liegen bleibt, auch den Winter ber hier verweilen. An einigen Stellen befinden sich Quellen von verschiedener Temperatur dicht bei einander, einige so hei, da man die Hand nicht ohne Schmerz hineinstecken kann, andere eiskalt, einige salzig, andere mit starkem Schwefel- oder Stahlgehalt, whrend noch andere die Umwohnenden mit dem herrlichsten Trinkwasser versehen. Die Berge und Thler haben Ueberflu an Wild, Bren, Panthern, Antilopen, Hirschen und Hasen. In den rasch strmenden Flssen der Kanyons schwimmen die kstlichsten Forellen, in den langsamer flieenden Gewssern der Ebene wimmelt es von Hechten und anderen guten Fischen. In dem Rhrichte der Salzmarschen nisten zahllose Enten und Gnse, und von den Inseln der Seen holen die Hirtenbuben ganze Khne voll Eier, welche die Mven, die Pelikane, die Reiher und die Kraniche dort legen. Ein schwerempfundener Mangel ist der an Holz. In der Ebene wchst nur das strauchartige Cottonwood und auch dieses lediglich am Ufer der Flsse. In den Bergen trifft man auf kleine Wlder von Fichten und Cedern, mitunter auch auf Zwergahorne und Eichen; aber Mancher hat zur Beschaffung des nthigen Bau- und Feuerholzes Reisen von zehn bis zwlf Meilen zu unternehmen. Die offeneren Striche des Landes sind den Feuern ausgesetzt, welche die Indianer anznden, um die Grillen zu tdten und zu braten, die sie im Sommer sammeln, um sie im Winter zu verspeisen. Die Mormonen haben ihnen dieses Verfahren, wo sie konnten, gewehrt, und so steht zu hoffen, da die Ebenen, welche jetzt blos mit Gras bewachsen sind, allmlig auch Bsche und Wlder tragen werden. Die Luft des Thales ist sehr gesund, und so rein, da das Athemholen geradezu ein Vergngen ist. In der Wste kommen namentlich im Sommer hufige Luftspiegelungen vor, welche einen einfachen Spazierstock in einen thurmhohen Balken, einzelne Wanderer in ganze Heere verwandeln und auf die kahle Steppe Terrassen herrlicher Grten hinzaubern. Die Moskitos sind blos in der Nhe der Salzsmpfe beschwerlich, in der Nhe der Schluchten vertreibt sie der kalte Zug, der fortwhrend von Thal zu Thale streicht und die Sommerhitze in erquickendster Weise migt. Damit haben wir eine Skizze der Natur des zuknftigen _Staates Deseret_ gegeben. Deseret heit neugyptisch: die Honigbiene, und das Verfahren der Mormonen bei der Grndung von Drfern und Stdten in diesem Lande ist von der Art gewesen, da es diesen Namen durchaus rechtfertigte. In fnf Tagen war ein gewaltiges Stck Wiesenboden umgepflgt und mit Kartoffeln bepflanzt und der Bach eingedmmt, der mit Hilfe von Grben das Feld bewssern sollte. Drei Wochen spter hatte sich ein starkes Fort, bestehend aus Blockhusern, die mit Pallissaden versehen waren, erhoben, und im folgenden Jahre stand auf der Stelle, wo die Kundschafter am 24. Juli hier lasset uns Htten bauen! gerufen, eine Stadt, welche ber 6000 Einwohner hatte. Wie aller Anfang schwer ist, so auch hier. Der Winter von 1847 zu 1848 allerdings war so mild, da er den Ansiedlern gestattete, ihre Feldarbeiten fortzusetzen, aber die Lebensmittel, die man mitgebracht hatte, waren fast alle aufgezehrt, und um nicht zu verhungern, a man die Hute der geschlachteten Thiere und grub mit den Ureinwohnern des Landes nach Wurzeln. Eine noch schrecklichere Heimsuchung kam ber das Volk Gottes im nchsten Frhlinge. Als die unter so traurigen Umstnden bestellte Saat aufging und zu den schnsten Hoffnungen berechtigend fett und krftig emporwuchs, stiegen von den Timpanogabergen Heere gefriger Heuschrecken, um sie zu vertilgen. Es war ein grlich gestaltetes Thier: flgellos, plumpleibig, schwarzfarbig, mit einem dicken Kopfe und ungeheuren Augen, einer grulichen Riesenwanze gleich, wie ein Mormone aus Liverpool sich ausdrckte, stieg es auf drathartigen Beinen in das Thal herab, und Strich auf Strich des jugendlichen Korns verschwand unter den Zhnen dieser Saatmrder wie mit der Sichel abgemht. Umsonst umgaben die unglcklichen Farmer ihre Felder mit Wassergrben. Umsonst versuchten ganze Familien das schwarze Heer mit Zweigen und Brnden zurckzuschlagen. Die Thiere schwammen ber das Wasser, umgingen die Vertheidiger ihres Besitzthums und richteten unermelichen Schaden an. Vergeblich wurde das Zerstrte an einigen Stellen drei- und viermal durch neues Aussen und Pflanzen ersetzt. Es blieb nichts brig, als die Kraft des Gebets. Man versuchte es mit ihr, und siehe da, der groe Jehova that ein Wunder. In zahllosen Schwrmen kamen von den Inseln des Salzsees weie Vgel mit rothen Schnbeln und Fen den Bekmpfern des schwarzen Gog und Magog zu Hilfe, und schneller als die Heuschrecken das Korn, verzehrten die Mven die Heuschrecken. Vom grauenden Morgen tafelten sie bis zum sinkenden Abend. War der Magen gefllt, so entleerten sie ihn wie einst Vitellius durch Vomiren, und kehrten gleich diesem rstigen Esser zu der Arbeit des Verschlingens zurck, bis der Tisch, den die Natur so reichlich gedeckt hatte, vllig abgerumt war. Dieses Wunder, welches den grten Theil der Ernte rettete, wiederholte sich seitdem alle Jahre, und es wird deshalb erlaubt sein, es fr ein natrliches Ereigni zu halten, welches schon vor der Ankunft des neuen Israel in dieser Gegend alljhrlich stattfand. Die von diesen Bundesgenossen beschtzten Felder aber gaben einen so reichlichen Ertrag, da die Auswanderer, welche im nchsten Jahre vom Golde Californiens angezogen, in Masse durch Deseret passirten, ihr Korn hier billiger kauften, als in dem Fort Laramie, welches der Civilisation um vierhundert Meilen nher liegt. Jenes californische Gold aber brachte ber die junge Colonie eine Prfung, die sehr leicht mit ihrem Untergange htte endigen knnen. Die Mormonen, die unter General Kearney den Feldzug gegen Mexiko mitgemacht hatten, waren gerade zu der Zeit und selbst in der Gegend, wo man die ersten Krner des kostbaren gelben Staubes fand, entlassen worden, und es wird sogar behauptet, da die Arbeiter Sutters, welche diese folgenschwere Entdeckung machten, abgedankte Soldaten des Mormonenbataillons gewesen seien. Mag dem sein wie ihm wolle, viele Mitglieder der Secte hatten Gelegenheit gehabt, in Californien fleiig Gold zu graben, und als sie nun beladen mit dem Ergebnisse ihrer Arbeit zu ihren armgebliebenen Brdern in den Bergen kamen und ihnen die Schtze zeigten, die keine hundertfunfzig Meilen vom Thale des Salzsees mit bloen Hnden aufzulesen waren, mte es wunderlich zugegangen sein, wenn das gelbe Fieber, das in ganz Amerika wthete, nicht auch hier die Gemther ergriffen und zum Abzuge nach Ophir gedrngt htte. Dies geschah in der That. Allein die Fhrer waren zu klug und zu einflureich, um die Begier zur That merken zu lassen. Sie warnten in einer Proclamation vor einem sofortigen Aufbruche nach den Diggings, welcher einer Auflsung der ganzen Gemeinschaft gleichgekommen sein wrde, und siehe da, ihre Ansprache wirkte, so stark auch die Versuchung und so wenig klar auch dem Auge des gemeinen Mannes die Gefahr war, welche sich hinter der Lockspeise barg. Nur einige Hundert gingen, und diesen ertheilte man den freundschaftlichen Rath, sich auf Nimmerwiederkehr zu verabschieden. Spter aber gebot der Mormonengott durch den Mund seines Propheten Young den Heiligen, von Zeit zu Zeit auf einige Monate Trupps nach den Minen zu senden, von wo sie mit reicher Beute zurckkehrten. Mit ihren Nachbarn, den Utahs und anderen Stmmen des Gebirgs, vertragen sich die Mormonen gegenwrtig ziemlich gut. Anfangs inde war dem nicht so. Der Punkt, wo sie sich zuerst ansiedelten, liegt auf den Kriegsgrnden der Schlangengrber und der Utah-Indianer, also auf neutralem oder Niemand gehrigem Boden. Als die Mormonen sich aber nach Sden und Norden ausbreiteten, kamen sie auf Stellen, welche die Indianer als ihr Eigenthum betrachten, wo sie allein fischen und jagen zu drfen glauben. Sie klagten, da man ihnen ihre Winterlagerpltze wegnhme und ihnen das Wild verscheuche. Die Schoschones drohten mit einem Angriffe, berlegten sich's aber eines Bessern und hielten Frieden. Nicht so die Utahs. Im Winter 1849 begannen sie allerlei Neckereien, erschossen mehrere Stcke Vieh, welche den Mormonen gehrten, und rhmten sich dessen, drangen in einzeln gelegene Farmhuser, um die Frauen zu erschrecken und Lebensmittel zu rauben und zwangen endlich die Colonisten, sich in das Fort des Utahthales zurckzuziehen. Im Hauptquartiere der Secte versuchte man zuerst gtliche Mittel, und als diese bei den Rothhuten nicht anschlugen, wurde der Krieg beschlossen. Zu der waffenfhigen Mannschaft des Utahthales stieen zwei Compagnien der Legion von Zion, und sofort wurden die Indianer angegriffen. Sie hatten sich in den ausgetrockneten Canlen des Timpanogaflusses aufgestellt, wo sie von den Cottonwoodbschen und Weidenstmpfen, die dort wuchsen, gedeckt waren. Nichtsdestoweniger wurden sie nach einem dreitgigen Scharmtzel, bei welchem die Angreifer sich des Abends immer in das Fort zurckzogen, durch die Bchsen und die Kanone, welche die Mormonen bei sich hatten, aus ihrem Verstecke verjagt. Die Mormonen hatten dabei nur einen Todten und mehrere Verwundete. Die Rothhute dagegen verloren, da gerade die Masern unter ihnen grassirten, whrend ihres Rckzugs nach den kalten Schluchten des hhern Berglandes sehr viele Leute und unter andern auch den Alten Riesenhirsch, einen Huptling, der lange Zeit der Schrecken des Utahthales gewesen war. Ein Theil der Geschlagenen wurde den Tafelberg hinaufgetrieben. Man vermochte sie aber durch Zureden, herabzukommen und sich zu ergeben. Man bewachte sie die Nacht ber und befahl ihnen am Morgen die Waffen niederzulegen. Sie weigerten sich dessen, und stieen Drohungen aus. Da gaben die Mormonen Feuer auf sie, und beinahe alle wurden getdtet. Der Rest versuchte, nachdem er die Vorpostenkette durchbrochen, sich ber die Eisdecke des Sees zu retten. Sie wurden jedoch von Reitern verfolgt und smmtlich niedergemacht. Im nchsten Jahre erhielten die Utahs eine abermalige Zchtigung und ihr Huptling, Patsowits mit Namen, wurde gefangen genommen und aufgeknpft. Dieses summarische Verfahren aber hat einen solchen Eindruck auf sie gemacht, da sie sich seitdem ruhig verhielten. Sie hatten im Ganzen etwa vierzig Todte, und die Kriegsbande des alten Stick in the head, eines berhmten Huptlings, war so geschwcht, da er sich um Frieden zu bitten genthigt sah. Eine groe Menge Gefangene wurden gemacht, meist Frauen und Kinder. Man brachte sie unter den Kanonen des Forts Utah in Zelten unter, bis sie unter die Familien im Thale vertheilt werden konnten. Man reichte ihnen reichliche Lebensmittel, und es war eine Freude, sie, die Halbverhungerten, schmausen zu sehen. Der Versuch aber, sie in die Familien aufzunehmen und sie dort an ein civilisirtes Leben zu gewhnen, schlug gnzlich fehl; denn sobald der Sommer kam, verlieen sie die Farmen und flohen in die schneeige Heimat im Gebirge zurck. Nach dem Buche Mormon und der Lehre Smiths sind die Indianer Nachkommen der Lamaniten und ein zwar von Gott abgefallnes und entartetes, aber der Barmherzigkeit des Himmels noch nicht entrcktes Geschlecht, das einst durch die Apostel der wahren Kirche bekehrt und dann in sein Erbe wieder eingesetzt werden wird. In Betracht dessen ist es allerdings seltsam, da die Mormonen, deren Mission es wre, die Rothhute durch das Schwert des Geistes zu bezwingen, sich so rasch genthigt glaubten, sie mit leiblichen Waffen zu unterjochen. Aber trotzdem bleiben sie dabei, da diese Leute einst die Weissagung des Propheten erfllen werden, nach welcher ein Volk in Einem Tage geboren und die Indianer durch Gottes Gnade in eine Nation von schnem Aeueren und weier Hautfarbe verwandelt werden sollen. Und in der That, ein kleiner Anfang zwar nicht der Hutung, aber der Bekehrung ist gemacht. Derjenige von den Huptlingen der Utahs, welcher gegenwrtig das strkste Kriegsgefolge um sich versammelt und in Folge dessen auf alle brigen Stammesglieder den meisten Einflu bt, ist ein Freund der Mormonen, und ein Halbbruder von ihm, Namens Walker, der sich durch fleiige Pferdediebsthle in Mexiko Vermgen und Ansehen unter seinem Volke erworben hat, ist sogar durch die Taufe ein Heiliger vom jngsten Tage geworden. Er ist ein schmucker, krftiger Bursche, ein vollendeter Reiter, ein trefflicher Schtz und ein ungemein guter Kenner von Pferdefleisch. Eine Menge junger Rothhute erkennen ihn als Befehlshaber an, und sie sind ihm sogar gefolgt, als er sich entschlo, dem Herumschweifen und Rauben zu entsagen und sich in der Niederlassung von San Pete als Ackerbauer und Viehzchter anzusiedeln. Die Mormonen betrachten ihn als Trophe oder Erstlingsfrucht der berzeugenden Kraft ihrer Religion und thun ihm alle erdenkbare Ehre an. Allein ehe sie sich's versehen, kann er in seine alten Snden zurckverfallen und die Absicht seiner Freunde, ihn zum Oberhaupte des ganzes Stammes zu machen, auf immer vereiteln. Inzwischen grndeten die Mormonen fortwhrend neue Colonien. Die erste derselben blieb inde der Hauptsitz. Sie liegt am rechten Ufer eines schnen klaren Stromes, den die Fhrer der Secte, die nicht ganz ohne Ursache in ihrer Geschichte allenthalben Wiederholungen der Ereignisse und Verhltnisse im Leben des Volkes Israel zu sehen meinten, den westlichen Jordan genannt haben, und durch den sich ein Swassersee, von den Mormonen See Tiberias getauft, in den etwa hundert Fu tiefer gelegenen groen Salzsee ergiet. Man nannte diese Hauptniederlassung, die zunchst nur ein Fort, umgeben von einem Zeltlager war, sich aber schnell in eine Stadt von Blockhtten und kleinen Ziegelhusern verwandelte, Neujerusalem. Wie rasch und unverdrossen die Ansiedler arbeiteten, zeigt der Umstand, da jenes Fort, welches ein Viereck bildete, dessen Seiten zusammen 7788 Fu lang waren, nur sechs Monate zu seiner Vollendung bedurfte, und da man in derselben Zeit 6000 Aecker Land umpflgte, besete und mit einer dreizehn englische Meilen langen Fence einzunte. Dies geschah im Jahre 1847, in welchem zugleich fnf Sge- und Mahlmhlen angelegt, mehrere Straen gebahnt und weite Strecken der Umgebung untersucht wurden. 1849 nahmen die Mormonen das im Vorigen erwhnte Utahthal, sowie die Thler von Tuilla und San Pete in Besitz, sendeten zahlreiche Missionaire nach Frankreich, Dnemark, Schweden und Italien und wurden durch bedeutende Zuzge aus den Staaten im Osten und aus Grobritannien verstrkt. 1850 wurde eine Universitt gestiftet, vier Schulen erffnet, mehrere Stdte gegrndet, Farmen im Thale des Kleinen Salzsees angelegt, zwei Eisenbergwerke in Bearbeitung genommen, ein groes Rathhaus und zwei Magazine zur Aufnahme der eingelieferten Zehnten vollendet und die Berieselung des Landes ber weite Strecken fortgesetzt. Sehr bald nach Ueberwindung der ersten Schwierigkeiten in Bezug auf die Colonisirung wurde zur Regelung des Verhltnisses der Gemeinschaft zu den Vereinigten Staaten geschritten. Man entwarf unter dem Vorsitze der Priester eine Territorialverfassung, zog dieselbe zurck und vereinigte sich hierauf zu einer andern, in welcher der in der Bildung begriffene Staat _Deseret_ genannt, unter den Grenzen desselben ein Strich von der Kste des Stillen Oceans beansprucht, das Halten von Sclaven innerhalb des darin bezeichneten Gebiets untersagt, sonst aber nichts von den Constitutionen der brigen Glieder der Union Abweichendes aufgestellt war. Die Centralregierung in Washington, der dieser Entwurf zur Kenntninahme und Beschlufassung eingesendet wurde, sah sich nicht gemigt, die Wnsche der Mormonen in ihrer vollen Ausdehnung zu bewilligen. Sie ignorirte den neugyptischen Namen Deseret, indem sie den indianischen Utah wahrscheinlich wohlklingender fand, und glaubte den Antragstellern die von ihnen zur Verbindung mit dem Meere und zu ihrer vlligen Unabhngigkeit von anderen Staaten geforderte Kstenstrecke vorenthalten zu mssen. In der Bill, welche als Antwort auf jenen Vorschlag der Bewohner von Deseret 1850 im Congresse durchging, heit es, da das neue Territorium im Westen vom Staate Californien, im Norden vom Gebiete Oregon und im Osten und Sden von der Wasserscheide begrenzt sein solle, welche die Flsse, die in das groe Becken (des Salzsees) strmen, von denen trennen, die in den Rio Colorado und in den mexikanischen Golf flieen. Durch denselben Congrebeschlu wurde eine Territorialregierung fr das Gebiet eingesetzt, und im October 1850 ernannte der Prsident Fillmore die betreffenden Beamten, sieben an der Zahl, von denen auer Brigham Young, der zum Gouverneur bestimmt war, noch Drei aus der Mitte der Mormonen selbst genommen waren. Mit dieser vorlufigen Ordnung der Dinge war man in Deseret zwar nicht zufrieden, inde fgte man sich dem Unvermeidlichen und bezeugte dies dadurch, da man den Congre, wie die Verfassung dies vorschreibt, durch Delegaten beschickte und die im Jahre 1851 anlangenden nichtmormonischen Territorialbeamten hflich aufnahm. Bald jedoch brachen Zwistigkeiten zwischen diesen und den Fhrern der Secte aus. Der Oberrichter Brandebury und der Richter Brochus fanden nichts zu thun, indem die Mormonen sich zur Schlichtung ihrer Rechtsstreitigkeiten an ihre Bischfe wendeten, welche oft anders entschieden, als es das gewhnliche Recht verlangte. Young verwendete die Einnahmen des Territoriums, nach der Berechtigung, die ihm durch sein Amt als geistliches Oberhaupt verliehen war, zu andern Zwecken, als wozu ihn sein Amt als Gouverneur verpflichtete. Wiederholentlich wurde den Herren aus dem Osten zu verstehen gegeben, da man sich nur der Nothwendigkeit fge, wenn man sich den Beschlssen in Washington unterwerfe; wiederholentlich lie man ihnen merken, da sie als Heiden in der Gemeinschaft der von Gott regierten Kirche, die zugleich der wahre Staat sei, nur geduldet und berhaupt berflssig seien. Sie sahen dies ein und kehrten nach Hause zurck, worauf ihre Stellen vorlufig durch Mitglieder der Secte besetzt wurden. Damit war der Zwiespalt zwischen der Priesterherrschaft in Deseret und der Regierung in Washington offenkundig geworden. Young inde wute einen Bruch noch zu vermeiden. Um aber derartige Conflicte fr die Zukunft unmglich zu machen, und so rasch als thunlich die mglichste Selbststndigkeit fr die wachsende Theokratie herbeizufhren, setzte man alle Hebel in Bewegung, um die ber die ganze Erde zerstreuten Glubigen zur Einwanderung in das Gebiet zu gewinnen und dadurch die Zahl der Bewohner desselben bis zu der Hhe zu steigern, welche die Constitution der Vereinigten Staaten vorschreibt, wenn ein Territorium den Charakter und Namen eines Staates annehmen will. Dringende Aufrufe ergingen von Seiten des Apostelcollegiums an die Heiligen in aller Welt, sich der religisen Pflicht des Hinzugs nach dem Neuen Zion im Westen ferner nicht zu entziehen. Bedeutende Summen wurden verwendet, um den Aermeren die Erfllung dieser Obliegenheit durch Vorschsse zu erleichtern. In Liverpool wurde das schon seit lngerer Zeit bestehende Auswanderungsbureau, dem einer der Apostel prsidirte, zu erweitern und zu krftigerer Wirksamkeit zu befhigen gesucht. Endlich wurden allenthalben auf der Strae durch die Vereinigten Staaten und durch die westliche Wste Stationen mit Bevollmchtigten zur Untersttzung und Befrderung der Pilger errichtet. Der Erfolg entsprach den Erwartungen. Schaarenweise gehorchten die Glubigen in England, Schottland und Wales dem Rufe ihrer Oberpriester in Amerika. Schiff auf Schiff mit zuknftigen Brgern von Deseret verlie die Rhede von Liverpool, und Karawane auf Karawane dieser gehorsamen Shne der Kirche berstieg die Felsengebirge, um sich den Brdern im Thale der Verheiung anzuschlieen. Um den Abgang der Auswanderer in der Heimat zu ersetzen und fortwhrend neue Zuzugsquellen zu erffnen, wurde die Bekehrung der europischen Heiden noch eifriger betrieben, als seither. Ueberall suchten die Missionaire Brigham Youngs sich festzusetzen und Proselyten zu machen, und wenn ihnen dies nicht berall gelang, so liegt die Schuld nicht an ihrem Mangel an Eifer und Geschick. Sie pilgerten nach Frankreich, nach Norwegen, nach Ruland, selbst nach Italien, wo die Revolution ihnen Thor und Riegel geffnet. Sie erschienen in Palstina, um die Juden zu belehren, da der Messias und sein Reich nahe sei. Sie riethen auf den Mrkten von Kairo und Alexandria, auf den Pltzen von Calcutta und Bombay der Welt zur Flucht vor dem Zorne Gottes. Sie wuten sich selbst das Reich der Mitte zu ffnen. Sie thaten alles Dieses, ohne zu Anfange etwas von den betreffenden Sprachen zu verstehen, ohne die Verhltnisse zu kennen, und ohne diesen doppelten Mangel durch einen wohlgefllten Beutel ausgleichen zu knnen. Die Missionaire der Mormonen wenden sich bei ihren Zuhrern ebensowohl an die Begier nach Reichthum als an die Sehnsucht nach himmlischen Gtern, stellen ihnen neben Befriedigung ihrer religisen Bedrfnisse auch irdisches Wohlbefinden in Aussicht. Unverdrossen und unabgeschreckt durch schroffe Abweisung, durch Spott und Hohn, wandern sie von Ort zu Ort, sprechen in einzelnen Husern ein, knpfen mit Leuten auf der Strae ein Gesprch an, arbeiten bisweilen als Handwerker in einer Werksttte und bringen auf diese Art das, was ihnen auf dem Herzen liegt, an den Mann. So ungebildet sie meist sind, besitzen doch fast alle eine groe Uebung in sophistischen Fragstellungen und Schlssen, und eine nicht geringere Kenntni der Bibel. Wer ihnen zugiebt, da die letztere Norm der Wahrheit sei, wird unausbleiblich in ihrem Netze gefangen und kann sich nur durch gewaltsamen Durchbruch befreien. Gewhnlich beginnen sie ihren Anlauf zur Eroberung der Herzen mit der Frage, ob die christliche Urkirche nicht gewisse Gnadengaben gehabt habe, welche das heutige Christenthum nicht mehr besitze, dann setzen sie auseinander, wie die Heiligen vom jngsten Tage mit allen diesen Gaben als Heilung durch Handauflegen, Weissagung, Teufelaustreibung, Reden in Zungen u. s. w. von Neuem beschenkt worden, und nachdem damit Grund gelegt ist, entwickeln sie die am Wenigsten aufflligen Lehren der Secte, beweisen sie mit einer Flle von Sprchen vorzglich aus den alttestamentlichen Propheten und der Offenbarung Johannis, und nehmen fr ihr amerikanisches Zion smmtliche Verheiungen in Anspruch. Ist der Zuhrer kein Mann von Vermgen, so erfhrt er, da an ihn wie an alle Menschen der Ruf ergangen ist, sich nach Zion in den Bergen zu begeben, wo Milch und Honig flieen und wo das schnste Land um einen Spottpreis zu haben ist, der noch berdies nicht sogleich bezahlt zu werden braucht und durch Arbeit abverdient werden kann. Hat der Mann das Reisegeld nicht, so bedarf es nur einer Erklrung zum Beitritt, und es wird ihm aus dem Ewigen Wohlthtigkeits-Fonds vorgestreckt. So sind Hunderte und Tausende verlockt worden. Die Lehre, da drben im heiligen Lande jedes Weib einen Mann hat, jede Magdalena durch die Taufe rein gewaschen wird, sichert den Beifall des schnen Geschlechts. Mit Leuten von berlegener Bildung hten sich die Propheten und Apostel zu sprechen. Werden sie dazu genthigt, und wird ihnen dann die Abgeschmacktheit ihrer Behauptungen nachgewiesen, so klagen sie ber gelehrte Sophisten, die den Geist Gottes nicht haben und ihn darum auch nicht begreifen, und schweigen, wenn sie nicht mehr zu antworten wissen. Hufig wird gleich mit einem Wunder begonnen. So in Wales, wo 1845 aus einem Weibe zwei sehr starke und freche Teufel ausgetrieben und dabei zahlreiche Seelen gewonnen wurden. Und ebenso fing der Apostel Forsden in Schweden im Jahre 1851 seine Wirksamkeit damit an, da er seinen Begleiter, der natrlich gleichfalls Mormone war, durch Handauflegung vom Fieber heilte. Die Sache machte Aufsehen und zog viele Leichtglubige nach dem Hause, wo das Wunder geschehen war. Diesen erzhlte Forsden in seiner einfachen Weise die Geschichte von dem groen Propheten und Mrtyrer im Westen und die Wiederverleihung der bernatrlichen Gaben des Urchristenthums an seine Kirche. Die Bauern glaubten ihm zum Theil. Andere verbreiteten wenigstens die Kunde von dem neuen Evangelium aus Amerika. Forsden predigte nun an den Straenecken. Die Behrde lie ihn verhaften und ertheilte ihm einen Verweis. Dies aber war es gerade, was er gewollt. Es verhalf ihm zu einem wohlfeilen Mrtyrerthum. Er wiederholte seine ffentlichen Vortrge und wurde abermals verhaftet, mit einer Geldstrafe belegt und ernstlich ermahnt, von solchen Ketzereien abzustehen. Er entgegnete demthig und gelassen, da er nichts als Jesum Christum, den Gekreuzigten gepredigt habe, und da er, da Gott ihm dies geheien, nicht davon ablassen, sondern Gott mehr gehorchen werde als den Menschen. Den Zuhrern erklrte er, da ihn weder Gefngni noch Tod abschrecken werde, den Pflichten, die der Herr ihm auferlegt habe, nachzukommen -- eine Redensart, die er sehr wohl brauchen konnte, da man heutzutage Niemand mehr des Glaubens halber hinrichtet, die aber gleichwohl Eindruck auf unberlegsame Menschen machte. Man steckte ihn auf ein paar Tage ein. Aus dem Gefngnisse entlassen, pries er den Herrn auf der Strae mit Wort und Gesang, da er ihn gewrdigt, zu leiden um sein heiliges Wort. Man wute ihn nicht anders los zu werden, als dadurch, da man ihn in einen Wagen setzte, nach dem Sunde brachte und nach Dnemark hinberspedirte. Der Samen des Unkrauts aber, den er geset, blieb haften, und noch jetzt verbreiten mehrere durch ihn Bekehrte als Apostel die Lehre Joseph Smiths in Schweden. Von unglaublichem Eifer beseelt, folgen diese Straenprediger dem Worte Schreie laut und schone nicht buchstblich und taufen zu Dutzenden alle, die ihre Bereitwilligkeit bezeigen, in diesem Namen ihre Knie zu beugen. Viele kommen mit erschpften Lungen und gebrochener Gesundheit von solchen Anstrengungen heim; dann aber entschdigt sie der Ruhm besonderer Frmmigkeit und die Ehre, die ihnen wird, wenn die Brder auf sie hinweisend sagen: Siehe, das ist der heilige Mann, der durch unermdliche Predigt in den Straen Londons dem Herrn so viele Seelen gewonnen hat. Ihre Erfolge sind verschieden gewesen. In Grobritannien hatte die Kirche der Heiligen vom jngsten Tage im Jahre 1851 nicht weniger als 30,747 Mitglieder, und binnen vierzehn Jahren hatten die Priester derselben ber 50,000 Personen auf das Neue Evangelium getauft und davon beinahe 17,000 nach Amerika gesendet -- Zahlen, die erstaunlich klingen wrden, wenn man nicht wte, da die niedern Schichten der Bevlkerung von England und Wales in einer wahrhaft ungeheuerlichen Unwissenheit hinvegetiren, und wenn andererseits nicht auch materielle Vortheile als Magnete nach dem Thale des Salzsees hinzgen. Ein zweiter Hauptsttzpunkt des Mormonenthums sind, wie bereits bemerkt, die Sandwichs- und die Freundschaftsinseln, und zwar sollen hier sich bereits 5000 Eingeborne zu dem Glauben der Latterday-Saints bekennen. Endlich haben Dnemark und Norwegen im Jahre 1853 einige Hunderte ihrer Bewohner, meist Landleute, als Beitrag zur Bevlkerung Deserets abgehen lassen. In Frankreich befinden sich unsres Wissens bis jetzt nur zwei schwache Gemeinden, in Havre und Paris, welche sich durch Verbreitung des von dem Apostel Taylor ins Franzsische bertragenen Buchs Mormon und durch die Zeitung Etoile du Deseret zu vergrern bestrebt sind. In der Schweiz und in Ruland scheint kein Erfolg erreicht worden zu sein. Dagegen drfte in der Uebersetzung des genannten Buchs ins Italienische vielleicht ein Beweis liegen, da man dort Hoffnung hat, zu reussiren. In Deutschland endlich lieen zu verschiedenen Zeiten und an verschiedenen Orten Mormonenemissaire von sich hren. Ihre Hoffnungen wurden inde sehr bald durch das Einschreiten der Polizei vereitelt. 1851 kam Taylor nach Hamburg, um dort eine Zeitung zu grnden, welche den Namen Zions Panier fhrte, aber nachdem vier Nummern erschienen waren, aus Mangel an Theilnahme einging. Ihm folgte 1852 ein anderer Sendling vom Salzsee, Daniel Cairn, aber nur, um beim ersten Versuche zu ffentlichem Auftreten aus der Stadt gewiesen zu werden. Keine bessern Resultate wurden von den im Sden und Westen Deutschlands sich zeigenden Mormonen erreicht, und mit der inzwischen bersetzten Indianerbibel wird man schwerlich auf die Kosten kommen. Endlich ist noch ein Vorfall aus der neuesten Zeit zu erwhnen, welcher zeigt, bis in welche Regionen die Erwartungen der Fhrer sich versteigen. Die Prsidentschaft in England hatte erfahren, da der Knig von Preuen sich fr die Mormonen interessire und sich von seinem Gesandten in Washington Aufklrung ber sie erbeten habe. Sie deuteten sich dieses Interesse als Neigung, und so erschien im Herbste 1854 eine frmliche Gesandtschaft aus der Mitte der Secte, um dem Knige eine Adresse zu berreichen. Die Herren waren aber nicht sobald im Bahnhofe ausgestiegen, als die Polizei sich einstellte und sie zu sofortiger Umkehr nthigte. Wir beschlieen dieses Kapitel und die Geschichte des Mormonenthums berhaupt mit einem Rckblicke auf das Thal des Salzsees und die dort emporblhenden Ansiedelungen. Von einem vergleichsweise kleinen Flecken Landes haben dieselben sich allmlig ber eine Strecke von mehr als fnfzig deutsche Meilen Lnge, vom Box Elder Creek im Norden bis an den kleinen Salzsee im Sden und von dort bis San Diego ausgebreitet. Wo die Sierra Nevada nach Sdwesten einbiegt, ist ein Rancho angekauft und in eine Station verwandelt worden, von wo aus eine Kette von Posten bis ans Ufer des Stillen Meeres eingerichtet werden soll. Neun Meilen nrdlich von der Hauptstadt liegt Ogden City, auch Brownsville genannt, in einer ungemein anmuthigen Gegend in der Nhe des Zusammenflusses zweier schnen Bche, und vierzehn Meilen nach Sden hat sich am Fue der Timpanoga-Berge ein anderes schmuckes Stdtchen erhoben. Dreiig Meilen weiter sdlich steht die rasch wachsende Stadt Manti. Dabei befinden sich im Thale von San Pete zahlreiche einzelne Farmen. Paroan oder die Eisenstadt, so benannt nach den groen Lagern von Eisenstein, die hier aufgefunden worden sind, liegt im Thale des kleinen Salzsees, wo eine sehr betrchtliche Strecke fruchtbaren oder doch fruchtbar zu machenden Landes entdeckt wurde. Endlich ist noch die Niederlassung im Tuillathale zu erwhnen, welche, etwa sieben Meilen von der Metropole des Territoriums entfernt, in mehreren Farmen, zehn Sgemhlen und acht Mahlmhlen besteht. Die gegenwrtige Haupt- und Centralstadt[2], von den Mormonen _Neujerusalem_, von den Profanen schlechthin Saltlake-City, d. i. die Salzseestadt genannt, liegt, wie erwhnt, auf derselben Stelle, wo die Vorhut der Auswanderer von Nauvoo am 24. Juli 1847 von den Bergen in das Thal herabsteigend, zuerst Halt gemacht hatte. Der untere Theil bedeckt einen kaum bemerkbaren sanften Abhang, der nrdliche dagegen streckt sich ber eine Art Terrasse hin, welche im Winkel der von Sd nach Nord sich hinziehenden Hauptkette der Wasatch-Berge und einem mchtigen Auslufer derselben liegt, der gerade nach Westen hinstrebt und eine halbe englische Meile vom Jordan endigt. Der Raum, den die Stadt bedeckt, betrgt genau vier Quadratmeilen (englisch), eine Ausdehnung, die sich im Vergleich mit der Einwohnerschaft nur dadurch erklrt, da jedem Brger bei der Anlage eine Baustelle von drei Viertel Acre Land zugetheilt wurde, da in Folge dessen die einzelnen Huser durch betrchtliche Zwischenrume getrennt sind, und da die schnurgeraden, sich in rechten Winkeln durchschneidenden und hundertzweiunddreiig Fu breiten Straen sich in kurzen Entfernungen folgen. Die Huser, meist einstckig und von Adobes, an der Sonne getrockneten Ziegeln von blulichem Lehm erbaut, haben ein geflliges Aeuere, welches dadurch noch gehoben wird, da sie von Grten umgeben sind. An den zwanzig Fu breiten Fuwegen zu beiden Seiten der Straen laufen in Canlen die klaren Fluthen eines Gebirgsbaches, welche neugepflanzte Alleen bewssern und auch in die Grten geleitet werden knnen. Im Westen berhrt die Stadt das Fluufer. Oeffentliche Gebude von Bedeutung hat das neue Jerusalem begreiflicherweise noch nicht. Das Staatshaus, wo die Regierung des Territoriums ihren Sitz hat, das Bethaus und die zur Aufnahme der Naturalsteuern bestimmten Speicher sind gerumige Bauten, die inde keinen Anspruch auf Schnheit machen. Aber fr die Zukunft tragen sich die Leiter der Gemeinde mit den groartigsten Plnen, auch in Betreff der Verschnerung ihrer Stadt. Die jetzige Universitt, fr welche der Staat jhrlich 5000 Dollars aussetzte, ist nur ein schwacher Anfang zu dem, was die Anstalt einst sein wird. Sobald man dazu Zeit gewinnt, wird man ein groartiges Gebude fr Lehrer und Lernende errichten. Dasselbe wird auf der ersten breiten Terrasse stehen, welche sich im nrdlichen Theile der Stadt erhebt. Der Stadtbach hat durch dieses Tafelland einen tiefen Canal gewhlt, und seine Wasser sollen an der geeigneten Stelle gefat und nach dem Platze vor der Universitt geleitet werden, um denselben durch Springbrunnen zu verschnern, die Haine, Blumenbeete und botanischen Grten zu bewssern und die Bassins ausgedehnter Bade- und Schwimmanstalten zu speisen. Ein groes Viereck ferner soll zu einem Turn- und Fechtplatze sowie zur Reitschule eingerichtet werden. Sodann wird man eine Sternwarte, zu der bereits die nthigen Instrumente beisammen sind, eine Anstalt zur Ausbildung von Ingenieuren und Landvermessern und eine Bergschule mit dieser Universitt verbinden, und schlielich werden an ihr auch Landwirthe ausgebildet werden. [2] Es ist im Werke, im Paroanthale eine zweite Hauptstadt zu bauen, welche Fillmore heien und der Sitz der weltlichen Behrden sein soll. Man wird aber nicht allein vielerlei, sondern auch viel lernen an dieser Hochschule. Die Mormonenphilosophen werden eine Unzahl von Geheimnissen aufthun und eine Menge von Rthseln lsen, wie sie die Welt bisher noch nicht gesehen hat. Sie werden das Reich der Wissenschaften vollstndig revolutioniren und die grten Gelehrten namentlich in der Mathematik und in den physikalischen Wissenschaften des Irrthums berfhren. Der Geolog und der Chemiker wird von ihnen die tiefsten und merkwrdigsten Aufschlsse ber die Wunder der Tiefe erhalten, der Botaniker und Zoolog bei ihnen Belehrung ber die Principien des Lebens in Thier und Pflanze empfangen. Denn nachdem sie zuerst nach dem Reiche Gottes getrachtet haben, erwarten sie jetzt Erfllung der Verheiung, da ihnen alles andere Wissen von selbst zufallen solle; doch fgen sie sehr verstndig hinzu, da der Herr denen hilft, die sich selbst helfen, und da der Geist nur durch eisernen Flei fhig gemacht werde, die Weisheit aus der Hhe aufzunehmen. Die grte Umwlzung wird auf dem Gebiete der Astronomie hervorgerufen werden. Hier wird das ganze bisherige Weltsystem durch Aufschlsse ber die Zahl, die Ordnung und das Verhltni der Planeten, Fixsterne und Kometen durchaus modificirt werden. Was fr Belehrung wir in diesem Kreise zu erwarten haben, findet der Wahrheitsfreund in dem _Buche Abraham_ angedeutet, welches einst nebst einigen gyptischen Mumien nach Nauvoo gebracht wurde, wo der Prophet Joseph einen Theil der Schrift (die von dem glaubensreichen Erzvater whrend seines Aufenthalts am Nil verfat worden) bersetzte. Eine andere Probe dessen, was der Wissenschaft von den Gelehrten Deserets bevorsteht, haben wir in dem Aufsatz eines ihrer Mathematiker, in welchem derselbe whrend seines Aufenthalts in England allen Ernstes den Versuch machte, die Newton'schen Theorien von der Schwerkraft, der Attraction und Repulsion umzustoen und an ihre Stelle eine Intelligenz des Grundstoffes oder eine Eingieung und Gegenwart des heiligen Geistes in der Atomenmasse zu setzen. Wir haben nicht Raum, die Grnde dafr anzufhren, und knnen nur bemerken, da man aus ihnen gewahr werden wrde, wie auerordentlich viel wir noch aus der Bibel lernen knnen. Ein wunderlicher Gedanke ist es, wenn man vorhat, an der zuknftigen Hochschule den altschsischen und celtischen Classikern eine Stelle unmittelbar neben den griechischen und rmischen anzuweisen. Die altschsischen htten vielleicht ein Recht dazu, aber woher man altceltische Classiker bekommen wird, lt sich vorlufig nicht absehen; man mte den Macphersons Ossian meinen, der bekanntlich so echt ist wie das Buch Mormon. Was die Hupter der Kirche von dieser Universitt denken, spricht sich sehr deutlich in der Rede aus, mit welcher einer der Regenten, der Apostel Phelps bei der Feier des 24. Juli im Jahre 1851 dieses Instituts gedachte. Die Stelle ist so charakteristisch, da wir sie im Auszuge mittheilen mssen. Der Redner sagte unter Anderm mit der ihm eignen Salbung: Wir bitten die ganze Kirche, zum Herrn unserm himmlischen Vater zu flehen, da er uns einige der Vorsteher der groen Universitt im Himmel droben herabsende, gleichwie er sie zu Noah, Moses und Andern sendete, um seinen Knechten die innersten Grnde und Anfnge der Weisheit und Wissenschaft zu erffnen. Was werden alle die Herrlichkeiten der Zeit, die Erfindungen des Menschen, die geschichtlichen Urkunden von Japhet in der Arche bis auf Jonathan im Congresse, was werden der gesammte Witz und Geist, die gesammten Errungenschaften des Verstandes mit aller ihrer Methode dem Heiligen des jngsten Tages werth sein, wenn unser Vater im Himmel seine Regenten herabsendet, seine Engel aus der groen Bibliothek des himmlischen Zion, wenn er sie herniederschickt mit einer Abschrift der Geschichte des ewigen Lebens, den Urkunden der Welten, dem Stammbaum der Gtter, der Philosophie der Wahrheit, dem Verzeichnisse unserer Namen aus dem Buche des Lebens auf dem Schooe des Lamms, und den Gesngen der seligen Geister? Mglich, da die hier angedeuteten Manuscripte aus der Bibliothek des Mormonengottes wirklich noch einmal in Deseret zum Vorschein kommen. Jetzt hlt man sich an menschliche Bcher, und so nahm man es mit groem Danke an, als im Jahre 1851 die Freigebigkeit des Congresses den Delegaten von Utah, =Dr.= Bernhisel mit den Mitteln versah, fr die neue Colonie eine gute Bibliothek auszuwhlen. Trotz jenes vornehmen Herabsehens auf die Resultate der Wissenschaft und trotz der abgeschmackten Einflle, womit man sie corrigiren zu wollen sich den Anschein giebt, wei man sie sehr wohl zu schtzen. Dies beweist schon die Errichtung der Universitt an sich, es wird aber auch durch verschiedene andere Manahmen und Kundgebungen dargethan. Ein eigenthmlicher Zug in dem Erziehungswesen der Mormonen ist die Errichtung einer Schule zur Bildung von Familienhuptern. Brigham Young, der Prsident und Seher, achtete es nicht fr seiner unwrdig, diese Schule selbst als Zgling zu besuchen, und war dies auch nur eine Demonstration, bestimmt, die Vorurtheile des Volks gegen Schulanstalten fr Erwachsene zu zerstreuen, so zeugte es nichtsdestoweniger von einem richtigen Verstndnisse der Dinge und von einer gewissen Achtung vor der Bildung. Wenn man anderwrts eine herrschschtige Priesterkaste bestrebt sieht, die ihr Unterworfenen in Dunkelheit und Unwissenheit zu erhalten, so befolgt man hier allenthalben eine andere Politik. Da man freilich die Wissenschaft um ihrer selbst willen liebe, ist von Leuten dieses Schlags nicht zu verlangen. Man will Bildung, weil Bildung Macht ist und Ruhm giebt. Da man sich mit ihr einen Feind erzieht, der das ganze Kartenhaus ber kurz oder lang umstrzen wird, scheint man im Vertrauen auf die bisherigen Erfolge und schon aus dem Grunde nicht zu ahnen, weil (nach ihren Schriften zu urtheilen) auch die kenntnireichsten und klgsten unter den Huptern der Secte lediglich dilettantisirende Autodidacten sind, keiner von ihnen im eigentlichen Sinne des Wortes ein Mann von Bildung ist. Man will die Wissenschaften ins Land ziehen, wie man sich um tchtige Tpfer, Schlosser und Uhrmacher bemht. So ist es zu verstehen, wenn es in der vorletzten Proclamation der Prsidentschaft an die Glubigen in aller Welt heit: Es ist hchst wnschenswerth, da die Brder, die uns zuziehen, jede Gelegenheit benutzen, wenigstens ein Exemplar von jeder werthvollen Abhandlung ber Erziehung und jedes Buch, welches ntzliche oder anziehende Gegenstnde enthlt, mitzubringen, um den Kindern Lust und Liebe zum Lernen einzuflen. Wir haben eine Druckerpresse, und Alle, die gutes Druck- und Schreibepapier nach dem Thale mitnehmen wollen, werden sich und der Kirche einen Dienst leisten. Desgleichen wnschen wir allerlei mechanische und mathematische Instrumente, sowie Alles, was von Kunstwerken und Naturseltenheiten herbeigeschafft werden kann, und wenn die Heiligen in dieser Angelegenheit Eifer zeigen, so werden wir hier bald das beste, ntzlichste und anregendste Museum auf Erden haben. Auf einem freigelassenen Platze im Centrum der Stadt wird ein Tempel errichtet werden, schner und grer als bisher irgend einer auf Erden stand und nur dem nachstehend, den das Volk Gottes am Ende der Tage erbauen wird, wenn der Herr es heimgefhrt hat nach Missouri, dem Lande der Verheiung. Schon ist eine vier englische Meilen lange Holzbahn oder Riegelstrae nach den Steinbrchen am Red Butte vollendet, um von dort das Material zu jenem mchtigen Baue, einen schnen rothen Sandstein, herbeizuschaffen, und schon sammeln, von Young beauftragt, die Missionaire der Secte in Europa, Asien und Polynesien seltene Bume, Blumen und Samenkerne fr den Garten, der den Riesentempel umgeben soll. Im Norden des Tempelplatzes aber erhebt sich ber der Stadt der Hgel des Paniers. Mit ihm endigt der vorhin erwhnte Auslufer der Wasatch-Berge, und er ist auf weite Strecken hin in der ganzen Nachbarschaft sichtbar. Auf diesem Berggipfel nun wird demnchst die prchtigste Fahne entfaltet werden, die je in den Lften flatterte, eine Fahne, gemacht aus den Nationalfarben aller Vlker, zum Zeichen der einst sich vollendenden Einheit der Menschheit in Glauben und Liebe. Wenn dann dieses Symbol der Verbrderung aller Nationen ber dem heiligen Tempel flattern wird, dann ist die Erfllung des Prophetenwortes, Jesaia 18, 25. gekommen, und die Zeit ist da, von der es dort heit: Alle, die ihr auf Erden wohnt, und die im Lande sitzen, werdet sehen, wie man das Panier auf den Bergen aufwerfen wird und hren, wie man die Trompete blasen wird, und es wird sich begeben in den letzten Tagen, da der Berg des Hauses des Herrn auf den Gipfeln der Gebirge aufgerichtet und ber die Hgel erhoben werden wird, und alle Vlker sollen hineinstrmen. Sehen wir ab von dieser phantastisch ausgemalten Zukunft, so findet sich schon in der Gegenwart ein Umstand, der als sehr erfreulicher Schlu der Geschichte dieses seltsamen Volkes, wie wir sie in diesem und den vorhergehenden Kapiteln verfolgten, dienen kann. Im Jahre 1852 sendeten die Hupter der Gemeinde durch alle Zweigcolonien im Gebirge Boten, um sich zu erkundigen, wie viele von den Heiligen etwa geneigt sein wrden, sich zur Aufnahme in ein etwa zu erbauendes Armenhaus zu melden, und siehe da, man fand deren unter mehr als dreiigtausend Menschen, welche zum bei Weitem grten Theile erst vor wenigen Monaten und meist arm in das Thal eingewandert waren, nur zwei, und so konnte sich die Prsidentschaft begngen, ein Armenfeld von vierzig Aeckern fr eine zuknftige Aenderung der Zustnde zu reserviren. Fnftes Kapitel. Der Glaube der Mormonen. -- Die Quellen und das Princip. -- Die Metaphysik der Secte. -- Der groe Hauptgott und Gttervater im Centrum des Universums. -- Die Schpfung und der Sndenfall. -- Krieg im Himmel. -- Die Existenz der Menschengeister vor dem Leben auf Erden. Wie die ueren Verhltnisse der Secte sich im Verlaufe der vierundzwanzig Jahre seit ihrem Entstehen vllig gendert haben, so auch und noch mehr die Glaubenslehren derselben. Von Jahr zu Jahr wurden neue Ingredienzien in den Teig hineingewirkt, aus dem die Prsidentschaft ihren Glubigen das Brot des Lebens buck. Alle christlichen Secten der Gegenwart, die Neuplatoniker und die Gnostiker, der Islam und der Parsismus, das Bramanenthum sogar muten Beitrge liefern, die Phantasie der Propheten und Offenbarer that von dem Ihrigen hinzu, und so ist ein Pudding entstanden, der an Unverdaulichkeit Alles berbietet, was bis heute dem Magen der Menschheit auf religisem Gebiete geboten worden ist. Wir bedauern, durch den Zweck dieser Schrift und den uns zugemessenen Raum verhindert zu sein, auf eine grndliche Analyse der wunderlichen Mixtur einzugehen, und geben im Folgenden nur einige Hauptzge, wobei wir bemerken, da die allmlige Umbildung der Grundlehren des Mormonenthums -- welche von den Glubigen dem heiligen Geiste zugeschrieben wird, der ihnen fortwhrend neue Wahrheiten offenbare -- in der Hauptsache von Orson Pratt herrhrt, der in seinem Eklekticismus es nicht verschmht, selbst Ergebnisse der neuern Philosophie in seinen Topf zu werfen. Smith scheint dazu nur den Namen hergegeben zu haben, und das Tollste und Khnste ist erst lange nach seinem Tode ans Licht gefrdert worden. Als Hauptquellen ihres Glaubens sind folgende anzusehen: das Buch Mormon, das Buch der Lehre und der Bndnisse, die Warnungsstimme (von Peter Parley Pratt), der Spiegel des Evangeliums, das Buch Abraham (soll von Smith auf Grund gttlicher Offenbarung verfat worden sein, ist jedoch, da es erst in den neuesten Schriften der Secte erwhnt wird, wahrscheinlich sptern Ursprungs), Spencers Briefe, die Zeitungen Times and Seasons (von Taylor whrend der Jahre 1839 bis 1844 in Nauvoo herausgegeben), Millennial Star (in England erschienen), The Seer (seit 1853 von Orson Pratt in Washington verffentlicht), endlich die Generalepisteln der Prsidentschaft in Deseret. Die folgenden Mittheilungen sind eine Blumenlese aus diesem Garten der Willkr und des Unsinns. Das Glaubensbekenntni der Mormonen, wie es der Frontier Guardian, eine von dem Apostel Orson Hyde in Kanesville herausgegebene Zeitung, mittheilt, weicht nicht sehr erheblich von den Bestimmungen unserer Dogmatik ab. Es lautet: Wir glauben an Gott, den ewigen Vater, und seinen Sohn Jesus Christus und an den heiligen Geist. Wir glauben, da die Menschen fr ihre eigenen Snden und nicht fr Adams Uebertretung Strafe empfangen werden. Wir glauben, da vermge des Shnopfers Christi durch Gehorsam gegen die Gebote und Verordnungen des Evangeliums alle Menschen selig werden knnen. Wir glauben, da diese Verordnungen folgende sind: 1. Glaube an den Herrn Jesum Christum, 2. Bue, 3. Taufe durch Untertauchen in Wasser zur Vergebung der Snden, 4. Handauflegung durch die Gabe des heiligen Geistes, 5. das Mahl des Herrn. Wir glauben, da die Berufung der Menschen zum Heile durch Inspiration und durch Handauflegung derer erfolgen mu, welche in rechter Weise Auftrag erhalten haben, das Evangelium zu predigen und seine Gnadengaben auszuspenden. Wir glauben, da die Organisation der Urkirche in Apostel, Propheten, Pastoren, Lehrer und Evangelisten wiederhergestellt werden mu. Wir glauben an die Krfte und Gaben des ewigen Evangeliums, als die Gaben des Glaubens, des Erkennens von guten und bsen Geistern, der Weissagung, der Offenbarung, der Gesichte, der Heilungen, des Redens in Zungen und des Verstndnisses der Zungen, der Weisheit, Barmherzigkeit und Bruderliebe. Wir glauben, da das Wort Gottes in der Bibel aufgezeichnet ist, glauben aber, da es auch im Buche Mormon und allen andern guten Bchern sich findet. Wir glauben alles, was Gott offenbart hat, und jetzt offenbart, und wir glauben, da er in Betreff des gttlichen Reichs und der Wiederkunft des Messias noch viele und groe Dinge offenbaren wird. Wir glauben, da Israel buchstblich gesammelt werden wird, wir glauben an die Wiederbringung der verlorenen zehn Stmme, an die Aufrichtung Zions auf dem westlichen Festlande, an die tausendjhrige Herrschaft Christi auf Erden und an die Verneuerung der Erde zu paradiesischer Herrlichkeit. Wir glauben an die Auferstehung des Leibes und da Gott die Todten nach Verlauf der tausend Jahre wieder ins Leben rufen wird. Wir nehmen das Recht in Anspruch, Gott nach den Eingebungen unsers Gewissens anzubeten und gestehen allen Menschen das gleiche Recht zu. Wir glauben, den Knigen, Frsten, Herrschern und Obrigkeiten Gehorsam und Ehrerbietung, den Gesetzen Folgeleistung schuldig zu sein. Wir folgen der Ermahnung Pauli, wir glauben Alles, wir hoffen Alles, wir haben sehr Vieles erduldet und hoffen Alles erdulden zu knnen. Alles was lieblich ist, was wohllautet, dem streben wir nach, indem wir unsern Blick auf den Tag der Vergeltung richten. Aber ein Trger oder Fauler -- schliet das curiose Symbolum pltzlich -- kann kein Christ sein und selig werden. Er ist eine Drohne und bestimmt todtgestochen und aus dem Bienenkorbe geworfen zu werden. -- Das sind nun die Umrisse der Mormonenlehre. Die Hauptsache kommt erst zu Tage, wenn man die Interpretation derselben hrt. Leute von schwachem Verstande und geringem Glauben erfahren nur diese im Ganzen wenig anstigen Stze. Die Starken im Glauben aber entfernen sich vom Christenthume beinahe vollstndig. Diesen wird in Bezug auf die Bibel gelehrt, da die englische Uebersetzung, welche durch Knig Jacob beschafft worden im Allgemeinen den richtigen Sinn der vom heiligen Geiste dictirten Urschrift getroffen habe, aber mehrere Verflschungen und Misverstndnisse enthalte. Diese sind nach den Mormonen von Joseph dem Seher, dem der Schlssel zu allen Sprachen verliehen war, berichtigt worden, und wir haben in Kurzem eine Ausgabe der auf diesem Wege emendirten und vermehrten Bibel zu erwarten. Eine Probe davon giebt Orson Hyde in jener Zeitung. Sie betrifft gleich das erste Kapitel der Genesis, wo es (an die Kabbalah anklingend) zu Anfang der Schpfungsgeschichte heien mu: der Obergott brachte die Gtter hervor. Er berief sie dann zu einem Rathe zusammen, der im Himmel gehalten wurde und wo sie sich ber die Erschaffung der Welt besprachen. Die Bibel gilt demnach als Grundbuch, nur mu sie einige wesentliche Aenderungen erleiden. Niemand aber darf sie im bildlichen Sinne auffassen. Der Inhalt ist allenthalben buchstblich zu nehmen; denn Gott ist ehrlich, wenn er mit den Menschen redet und fern von aller Wortspielerei und Doppelsinnigkeit. Allein das Wort Gottes findet sich nach der Meinung der Mormonen nicht blos in der Bibel, sondern unter andern heiligen Schriften vornehmlich auch im Buche Mormon und dem Buche der Lehre und der Bndnisse, welches letztere aus einer Abhandlung ber den Begriff Glauben von Sidney Rigdon und einer Anzahl sogenannter Offenbarungen Gottes an Joseph Smith besteht. Diese Bcher bilden mit der Bibel eine dreifache Schnur der Kundgebungen Gottes auf Erden, eine Schnur, die noch fortgesponnen wird, indem Smiths Nachfolger im Mittleramte noch von Tage zu Tage je nach dem Bedrfnisse der Kirche Belehrungen und Gebote vom Himmel empfngt. Dies ist nach der Behauptung der Mormonen die Ursache, da sie der heidnischen Welt so weit an Kenntni und Verstndni der gttlichen Dinge voraus sind. Eure Professoren und Doctoren, sagen sie, knnen Euch nichts Neues von Bedeutung mehr lehren, uns dagegen leitet der Herr durch seinen Offenbarer unaufhrlich zu hherer Erkenntni. So kann man als unterscheidendes Merkmal ihrer Kirche das setzen, da ihre Dogmatik stets eine nur provisorische, da ihr Princip, wenn das Wort hier berhaupt eine Stelle hat, ein stetes Imaginiren ins Blaue hinein, und da der Fels, auf den Joseph Smith seine Kirche gebaut, jene angebliche Offenbarungsthtigkeit Gottes ist, die unaufhrlich neue Sinnlosigkeit an die Stelle der alten schiebt. Da dabei von einem Felsen nicht die Rede sein kann, und da die Offenbarungen sich hufig widersprechen, ficht sie nicht an, indem es sich ihnen aus den verschiedenen Umstnden erklrt, unter welchen der Herr zu den Seinen redet. Einem solchen Proteus lt sich nun schwer die rechte Gestalt ablauschen, und daraus mag es sich der Leser erklren, wenn im Folgenden Manches schwankt und in verschiedenen Farben schillert. Wir betrachten zuvrderst die _Lehre der Mormonen von Gott_. Die Gottheit ist nach den uns vorliegenden Quellen eine Dreieinigkeit oder richtiger eine Einheit von zwei Personen. Gott Vater ist ein vollkommener Mensch, aber in den Attributen seiner Natur, seinem Glauben, seinem Wissen und seiner Kraft in Vergleich mit uns so erhaben, da man ihn den Unendlichen nennen kann. Die Philosophen unter den Mormonen wissen aber noch mehr. Sie kennen seinen Anfang, und zwar nennen sie diesen Urgrund alles Seins das ewige Evangelium. Die Art ihres Speculirens klingt hier bald an die Schelling'sche Identittsphilosophie, bald an die Aeonenlehre der Gnostiker an. Vor dem Anfang aller Dinge, sagen sie, gab es zwei durch sich selbst existirende Principien: Verstand und Grundstoff, Intelligenz und Leiblichkeit. Das Zusammenwirken derselben war das Gesetz, durch welches die Urgtter entstanden. Wie der Obergott wurde, lt der Prophet selbst dahingestellt. Er sagt darber blos, da er sich nicht selbst habe schaffen knnen. Seine Nachfolger drcken sich ber diesen schwierigen Punkt dahin aus, da in der fernen Ewigkeit zwei Grundtheilchen der Materie ihre Intelligenz mit einander verglichen und dann ein drittes Atom zur Berathung riefen, worauf sie zu Einem Willen zusammengingen, der die erste Kraft war. Als solche vereinigten sie mehr und mehr Atome mit einander, und daraus erwuchs eine Flle von Kraft, die alle andern Atome in ihr Gesetz zwang. Aus dieser Intelligenz (wir bersetzen die betreffende Stelle wrtlich) wurde nach dem Gesetze ein Gott erzeugt, nicht gemacht, und die brigen Gtter gingen aus ihm als Kinder hervor. Durch das Gesetz der allgemeinen Ordnung wurde die Geschlechtlichkeit als gleich ewig mit allem sittlichen Dasein und Leben gesetzt, und so entstanden nicht nur Knige des Himmels, sondern auch Kniginnen. Letztere wurden, mit den ersteren vermhlt, die Mtter anderer Gtter und Geister, von denen jeder seine bestimmte Sphre im Universum hat. Ein solcher Gott ist nun auch der, den wir zunchst verehren. Die zweite Person der Gottheit ist der Sohn, Jesus Christus, geboren von der Jungfrau Maria. Der ewige Vater stieg auf die Erde herab, freiete sie durch seinen Heroldsengel Gabriel, Brutigam und Braut trafen sich auf den Gefilden von Palstina, und das heilige Kind, welches geboren wurde, war der Leibestempel (=tabernacle=) fr den geistigen Sohn, und daraus wurde ein Gott. Der heilige Geist ist der einig gehende Wille von Vater und Sohn, welcher allgemeine Harmonie des Gedankens, Wissens und Seins durch ihr ganzes Reich wirkt. Er unterscheidet sich von Gott dem Vater und Gott dem Sohne dadurch, da er nur eine geistige Existenz hat, nie leiblich geworden ist wie die anderen Gtter. Wir knnten dieses Thema hiermit erledigt zu haben glauben, wenn das Weitere nicht in genauem Zusammenhange mit den brigen Lehren der Secte stnde, und wenn diese Lehren nicht dadurch an Wichtigkeit gewnnen, da sich bereits Hunderttausende zu ihnen bekennen. So fahren wir denn in der peinlichen Aufgabe mglichster Sichtung dieses Wustes von Hirngespinnsten fort. Wir haben gesehen, da es mehrere Gtter giebt, und da jeder derselben vermhlt ist und Kinder ebenfalls gttlicher Art besitzt. Wir haben ebenfalls gesehen, da jedem Gotte eine bestimmte Sphre im Universum angewiesen ist. Hat derselbe nun diese Sphre, oder um deutlicher zu sprechen, diesen Weltkrper mit seinen Kindern in dem Grade bevlkert, da sein himmlisches Erbtheil zu klein wird, um sie alle zu bewegen und zu nhren, so schafft er, um den Ueberschu unterzubringen, einen neuen Stern, nach welchem die Geister der jungen Gtter als Bewohner gesendet werden. Diese verehren dann ihren Vater als Gott, gerade sowie dieser mit seinen Brdern im Universum seinen Vater als Gott ehrt, und so fort zurck bis zum Ur- und Hauptgotte, der im Centrum der Welt auf seinem Sterne Kolob thront. So ist der Gott, den wir zunchst verehren, der Vater unserer Geister. Um diese Materie oder vielmehr, um die Art, wie die Mormonen ber diese Materie phantasiren, deutlicher zu machen, mssen wir dem Leser zumuthen, dem folgenden Auszuge aus Orson Pratts Abhandlung ber die Prexistenz des Menschen seine Aufmerksamkeit zu schenken. Es heit da: Die Zahl der Shne und Tchter Gottes, welche vor der Schpfung dieser Erde im Himmel geboren wurden, ist uns nicht bekannt. Sie mu inde auerordentlich gro gewesen sein, wenn wir die ungeheure Menge von Menschen betrachten, welche whrend der vergangenen sechs- oder siebentausend Jahre vom Himmel gekommen sind, um unsern Planeten zu bevlkern. Nehmen wir an, da whrend eines Jahrhunderts etwa tausend Millionen Menschen auf Erden geboren werden und sterben, so wrde das in sieben Jahrtausenden siebzigtausend Millionen geben. In der Urzeit gab es nun zwar bedeutend weniger Menschen, whrend des tausendjhrigen Reiches aber werden unzweifelhaft weit mehr als gegenwrtig die Erde bewohnen. Siebzigtausend Millionen wre demnach ungefhr die Zahl der Shne und Tchter Gottes, welche im Himmel geboren und, weil sie sich in reinem Zustande erhielten, vom Vater wrdig erfunden wurden, eine neue Welt zu bewohnen und dort, in fleischlichen Leibestempeln, in einen zweiten Zustand einzugehen. Man mu jedoch wissen, da diese siebzigtausend Millionen nur zwei Drittel der groen gotterzeugten Geisterfamilie sind. Das letzte Drittel verblieb nicht im Stande der Unschuld, sondern lehnte sich auf und ward aus dem Familienkreise verstoen. Sie blieben aber immerhin Gottes Kinder, und so beluft sich die Gesammtmenge der letztern auf nicht weniger als hundertundfnftausend Millionen. Die Zeit, welche zur Erziehung dieser Geister nthig war, mu jedenfalls eine sehr lange gewesen sein. Einige der ltesten mssen Millionen von Jahren in ihrem Urzustande gewesen sein, ehe sie in das Erdenleben eingingen. Whrend dieser Periode haben sie unzweifelhaft Gelegenheit gefunden, ber alle Gesetze des geistigen Daseins sich aufs Grndlichste zu unterrichten. Indem sie bei ihrem Vater wohnten und durch ihn in die Gemeinschaft der anderen Gtter, seiner Brder, eingefhrt wurden, mute es ihnen leicht werden, sich die gediegensten Kenntnisse anzueignen. Auf dieser Hochschule des Himmels lernten sie wahrscheinlich vor Allem, woraus Welten geschaffen, wie ihre Grundstoffe zusammengesetzt und wie sie regiert werden mten. So viel sie aber auch Weisheit sammeln mochten, gab es doch etwas, worber sie keine Belehrung empfangen konnten: sie konnten die Gefhle und Empfindungen sich nicht aneignen, welche Geister haben, wenn sie in Leibestempeln wohnen. Keine Sprache konnte ihnen davon auch nur die entfernteste Vorstellung geben. Es wre gerade, wie wenn man von einem Menschen, der in einem dunklen Kerker geboren und erzogen worden, verlangen wollte, zu wissen, was das Sehen, was Licht, was Grn, Blau, Roth oder Gelb sei. Diese Empfindungen konnten die Geister nur durch Erfahrung kennen lernen. So knnen Geister in einigen Dingen den hchsten Grad des Wissens erreichen, whrend sie in andern vollkommen unwissend bleiben. Nun giebt es aber viele nur durch sinnliche Wahrnehmung und Erfahrung zu erreichende Wahrheiten, ohne deren Besitz ein intelligentes Wesen nicht vollkommen glcklich sein kann, und daher ist es nothwendig, da jene Geister Fleisch und Gebein anziehen und ein Menschenleben fhren. Diejenigen, welche sich in ihrem ersten Zustande gehorsam bewiesen haben, bekommen Erlaubni dazu; die, welche die Gesetze ihres Urzustandes verletzt haben, mssen in der Unvollkommenheit bleiben. Mit jener Rebellion im Himmel aber verhielt es sich folgendermaen. Im Anfang der Zeiten hielten die Gtter unter dem Vorsitze ihres Vaters einen Rath im Himmel. In demselben kam die Schpfung der Erde zur Sprache, und da Gott den Sndenfall der Menschen voraussah, so fragte er im Kreise seiner Shne unter denen sich die beiden ltesten Christus und Lucifer, der Sohn des Morgens, befanden, wie dieselben zu retten und zu erlsen sein wrden. Lucifer antwortete: Siehe, sende mich hinab, ich will als Dein Sohn erscheinen und alle Menschen erlsen, soda keine Seele verloren sein soll; darum gieb mir deine Ehre! Christus aber, der Eingeborene und von Anfang Erwhlte, erwiderte: Vater, Dein Wille geschehe, und Dein sei die Herrlichkeit in Ewigkeit[3]. Gott der Vater beauftragte darauf Christum mit dem Erlsungswerke, und dies verdro den Sohn des Morgens so sehr, da er in offener Emprung gegen den gttlichen Willen ausbrach. Dabei ri er ein Drittel der Shne und Tchter Gottes mit sich fort. Die andern zwei Drittel aber kmpften unter der Anfhrung Michaels des Erzengels mit ihm und seinen Schaaren, und das Ende dieses Kriegs im Himmel war, da Satan, wie Lucifer jetzt hie, auf die inzwischen von den Gttern geschaffene Erde hinabgeworfen wurde. [3] Nach einer andern Version versprach Lucifer den Menschen _in_ seinen Snden zu erlsen, whrend Christus ihn _von_ seinen Snden erlsen wollte. Unter den Zurckbleibenden waren viele, die whrend des Kampfes sich parteilos verhalten und vielleicht sogar zu Satans Partei hingeneigt hatten, deren Snden jedoch von der Art waren, da sie durch Glauben an das zuknftige Leiden des Eingeborenen des Vaters und durch aufrichtige Reue und Besserung Vergebung erlangen konnten. Wren alle Zurckgebliebenen gleich treu und tapfer gewesen, woher sollte denn der Unterschied zwischen den Menschen, in die sie spter verwandelt wurden, kommen? Alle Geister sind, wenn sie auf Erden anlangen, um einen Leibestempel zu beziehen, unschuldig, das heit, wenn sie im vorherigen Leben Snde begangen haben, so haben sie dafr Bue gethan und im Glauben an das Leiden des Lamms Vergebung erlangt. Was also ihre Seelenreinheit anbetrifft, so betreten sie diese Welt vllig gleich. Aber sie betreten sie unter verschiedenen Umstnden. Die eine Classe kommt in die Leiblichkeit, wenn das Priesterthum und Reich Gottes auf Erden herrscht, und hat deshalb Gelegenheit das Evangelium zu hren und anzunehmen; Andere gelangen in Zeitaltern der Finsterni in die Welt und werden in allerlei irrthmlichen Meinungen erzogen. Einige Geister nehmen Leiber in Geschlechtern des auserwhlten Samens an, durch den das Priesterthum fortgepflanzt wird; andere fahren in die Leiber afrikanischer Neger oder in das Geschlecht Kanaans, dessen Nachkommen der Fluch traf, nie unter die Priesterschaft aufgenommen werden zu knnen. Wie kommt dies? Woher diese Ungleichheit, bei welcher die Einen Lichter und Herrscher der Kirche werden und die Flle der himmlischen Herrlichkeit erreichen, whrend die Andern in aller Art von Ruchlosigkeit und Aberglauben erzogen werden, nicht eher als im Gefngnisse nach dem Tode das Evangelium hren und es nach der Auferstehung nicht zu himmlischer, sondern nur zu irdischer Glorie bringen? Die Antwort ist, da die verschiedenen Umstnde, unter welchen die Geister diese Erde betreten, ein Ergebni des verschiedenen Verhaltens derselben im Urzustande vor diesem Leben ist, ganz ebenso wie unser Zustand nach diesem Leben nach dem Verhalten auf Erden bemessen sein wird. Kehren wir aber in die Zeit vor und whrend der Schpfung der Erde zurck, so war, nachdem Satan mit seinen Engeln besiegt und die Klage um ihr Wehe, er ist gefallen, er ist gefallen, der Sohn des Morgens verhallt war, das erste groe Werk der Gtter, die Geister auf die neue Erde in Leiber von Fleisch und Gebein zu pflanzen, wo sie eine zweite Reihe von Prfungen durchmachen und sich durch erfolgreiche Bekmpfung des Bsen zu gleicher Herrlichkeit mit dem Vater emporschwingen konnten. Der erste Leibestempel wurde aus dem Staube des Erdbodens geschaffen, der erste Geist, der in einem Leibe wohnte, war derjenige, welcher die Heerschaaren der Kinder Gottes gegen Satan und die abgefallenen Geister angefhrt hatte und von der Schrift Michael, der Alte der Tage mit Haaren wie Wolle genannt wird. Er hie als Mensch Adam. Drei Jahre vor dem Tode Adams, sagt eine Offenbarung Smiths, rief derselbe Seth, Enos, Kainan, Mahalaleel, Jared, Enoch und Methuselah zu sich, welche Hohepriester waren, um ihnen seinen letzten Segen zu ertheilen. Dies war im Thale Adam-On-Diahman. Und der Herr erschien ihm und nannte ihn Michael, den Frsten, den Erzengel. Und der Herr sprach Adam Trost zu und sagte zu ihm: Ich habe Dich als das Haupt der Menschen gesetzt, eine groe Zahl von Vlkern soll aus Dir hervorgehen, und Du sollst ihr Frst sein ewiglich. Die Uebersetzung der Bibel, die wir gebrauchen, ist nach Smiths Erklrung ungenau. Erstens wurden Pflanzen und Thiere in der Schpfungsperiode der sechs Tage nicht geschaffen, sondern nur vorbereitet oder wie die Mormonen sich ausdrcken, geistig geschaffen. Zweitens ruhte Gott am siebenten Tage nicht, sondern schuf den Menschen leiblich, dann Eva und die Thiere. Drittens sind unter den Tagen nicht unsere vierundzwanzigstndigen, sondern Gottestage, die nach den Umdrehungen des Planeten Kolob gemessen waren und tausend Jahre umfaten, zu verstehen. Als die Erde, die Thiere und Pflanzen und alle Dinge vollendet waren, nannte der Herr das Ganze sehr gut. Und so war es in der That. Das trockene Land war eine einzige ungeheure Insel inmitten eines einzigen ungeheuren Meeres. Es war eine schne Ebene mit sanft anschwellenden Hgeln und lieblichen Thlern. Der Wechsel von Hitze und Klte, Trockenheit und Nsse war regelmig und durchaus angenehm. Auf blumigen Auen schwebte ein ser Duft und die ganze Schpfung hauchte Gesundheit, Frieden und Freude. Der Mensch sprach Angesicht zu Angesicht mit Gott und kannte gleich allen Thieren den Tod nicht. Ein Fluidum strmte wie jetzt das Blut durch seine Adern, wodurch sein Leib vor dem Vergehen bewahrt wurde. Nun wuchs aber im Garten Eden ein Baum, dessen Frchte die Eigenschaft hatten, dieses Fluidum zu verderben, es in sterbliches Blut zu verwandeln. Adam, der bei seinem Eingehen ins Fleisch alles sein frheres Wissen von Gut und Bse verloren hatte, lie sich vom Satan verfhren, von dieser giftigen Frucht zu essen, und so verlor er die Unsterblichkeit, tauschte aber durch seinen Fall ein Wissen fr den Verlust ein, das Wissen nmlich von Schmerz, Leiden und Tod, welches zu seiner Vollkommenheit nothwendig war, soda man sagen kann, der Fall sei zugleich ein Steigen, der Verlust zugleich ein Gewinn gewesen. Die Folgen allerdings waren zunchst trauriger Art, und zwar nicht blos fr den Menschen, sondern auch fr die Erde. Dieselbe seufzte mit dem ungehorsamen Paare unter ihrer Brde von Disteln und Dornen, und die Snde zeugte andere Snde, bis der Herr als Rcher und Reiniger auftrat, und allen Unrath mit Wasser von der Erde schwemmte. Als Merk- und Denkmal dieser Katastrophe blieb die Erde nach der noahischen Fluth in verschiedene Theile zerrissen, zwischen die sich der Ocean drngte. Durch Christus wurde ein Versuch gemacht, die Menschen und die Erde in ihre Ursprnglichkeit zurckzufhren. Das verlorene Priesterthum wurde wiederhergestellt und zwar zunchst auf dem stlichen und hiernach auf dem westlichen Continente. Eine Flle gttlicher Krfte ward ausgegossen ber die Menschheit. Allein dieser gottselige Zustand erhielt sich weder hier noch dort. In Amerika kamen groe Strafgerichte, Erdbeben, Pestilenz und Krieg ber die Abtrnnigen. In Asien und Europa gingen wenigstens alle Charismata der urchristlichen Zeit verloren. Da endlich, im Jahre 1827 erbarmte es den Herrn, und er verlieh dem von ihm erweckten Propheten das Priesterthum der Ordnung Melchisedek aufs Neue und beauftragte ihn, die rechte Kirche wieder aufzurichten und die Welt dadurch vorzubereiten auf die Wiederkehr Jesu Christi und sein tausendjhriges Reich, dessen Eintritt nahe bevorsteht. Sechstes Kapitel. Noch ein Wort ber die Natur des Menschen. -- Seelenwanderung und Auferstehung. -- Die Gnadengaben und Gnadenmittel der erneuerten Kirche. -- Die Art des Gottesdienstes in Deseret. -- Ein Mormonenconventikel in Dayton. -- Die Priesterschaft Aarons und Melchisedeks. Wir sind im Vorhergehenden vorzglich den Abhandlungen Orson Pratts gefolgt, der als Hauptdogmatiker der Secte gilt und in der That nicht ohne eine gewisse Begabung ist, auch ziemlich gute Kenntnisse in verschiedenen Zweigen des Wissens zu besitzen scheint. Das schliet inde nicht aus, da hin und wieder andere Mormonen abweichenden Meinungen huldigen. So heit es denn z. B. in der letzten Predigt Smiths, da der Mensch nicht geschaffen, sondern erzeugt sei, da jeder Einzelne als Geist oder Gott im Himmel die Wahl habe, auf die Erde herabzusteigen und durch Annahme eines Leibes sich grere Herrlichkeit zu erwerben, als die himmlische. Wenn der Geist Besitz von seinem Leibestempel nimmt, so entsteht ein Mensch oder eine lebendige Seele. Diese ist eine Dualitt, zusammengesetzt aus grberer Materie oder Leiblichkeit, und feinerer oder Geist. Letzterer durchdringt und belebt die erstere. Er ist sterblichen Augen nur durch ein Wunder sichtbar, der Schwerkraft nicht unterworfen, und dennoch Materie. Er geht durch den Krper wie das elektrische Fluidum durch die Erde. Er ist trotz seiner feineren Natur doch substantieller und dauerhafter als der Leib, ja er ist unsterblich wie Gott selbst. Der Tod scheidet ihn vom Krper nur zu einem ntzlichen Zwecke; dann aber wacht der Geist ber jedes Theilchen seines geliebten einstigen Wohnsitzes, bis das Werde der Auferstehung ertnt, den Geist wieder mit dem Leibe bekleidet und den Menschen auf diese Weise zum Gotte erhebt. Diese Gtter, in welche die auferstandenen Frommen verwandelt werden, haben die Macht, fr sich einen neuen Planeten zu schaffen und denselben zu bevlkern. Dies wird als die Gewalt endloser Lebensspendung bezeichnet. Die Ungehorsamen und Unglubigen dagegen werden im Himmel nur einer geringen Herrlichkeit theilhaft werden, sie werden den himmlischen Kniginnen die Schleppe tragen, Holzhacker, Schuhputzer, Kchenjungen u. s. w. sein; denn die zuknftige Welt ist nur die verklrte Wiederholung der jetzigen. Ferner heit es im Widerspruche mit dem Obigen, Adam sei nach einer Voraussehung Gottes oder nach einer nothwendigen Bestimmung der Heilskonomie gefallen und habe den Apfel mit vollem Bewutsein der daraus sich ergebenden Folgen gegessen. Es soll dies geschehen sein, auf da knftighin sterbliche Leiber von Weibern geboren wrden, um Wohnungen fr die Geister zu sein. Entspricht ein solcher vom Himmel gestiegener Geist seiner Bestimmung nicht, kommt er den von ihm gehegten Erwartungen nicht nach, besteht er die Prfungszeit nicht, verscherzt er, wie der Kunstausdruck lautet, sein Erbe durch ble Auffhrung, so wird ihm nach seinem Ableben ein geringerer Leibestempel und eine niedrigere Daseinsstufe angewiesen. Ist er auch auf dieser nicht gehorsam, so verbannt ihn Gott auf eine noch niedrigere, und so fort, bis er sich fgt und zur Unterwerfung unter das Gebot des Herrn zurckkehrt, worauf ihm gestattet wird, Grad fr Grad wieder emporzuwachsen in die Herrlichkeit der Kinder Gottes. Ein Beispiel dazu bildet die Geschichte, die einst mit einem ihrer grten Heiligen sich ereignete. Er war in Zweifel verfallen und dachte bereits an den Austritt aus der Kirche. Da erschien eines Tages ein Bote aus der Hhe vor ihm und warnte ihn vor der Gefahr, die ihm drohte. Es stehe ihm nmlich, sagte der Engel, nichts Geringeres bevor, als ein baldiger Tod und nach diesem die Verbannung seines Geistes in einen Negerkrper. Nur durch sofortige Umkehr auf den rechten Weg knne er sich davor schtzen. Der fromme Mann erschrak und ging in sich; denn ein Schwarzer kann nach ihrer Lehre, wie erwhnt, nicht zum Priester geweiht werden, mu allerwrts, auch jenseits eine dienende Stellung einnehmen und hat im Himmel nur auf einen geringen Theil von Seligkeit und Herrlichkeit Anspruch. Er stellt die tiefste Stufe der Menschheit dar. Bedeutend hher steht die kupferfarbene Race. Die Rothhute sind nur auf Zeit zu der unschnen Farbe verdammt, und der Tag wird kommen, wo sie, in ihre Rechte wieder eingesetzt, wrdig sein werden ihrer Abkunft vom Samen Abrahams. Sind diese Stufen der Erniedrigung nicht hinreichend, den rebellischen Geist zur Umkehr zu veranlassen, so wird er in ein Thier verwiesen, und so mag es nicht ungehrig sein, wenn ein tckisches Pferd, ein bissiger Hund oder eine zornige Otter Einem zu Leibe geht, sich zu erinnern, ob in der Bestie nicht vielleicht ein ungehorsamer Geist seine Straf- und Prfungszeit verbt. Mit dem Satan und seinen Engeln konnte ein solcher Reinigungsproce nicht vorgenommen werden, da sie nicht in der Leiblichkeit sndigten. Der einstige Sohn des Morgens ist nach den Mormonen berhaupt nicht so schlimm, als er gemeiniglich angesehen wird. Er besitzt noch gar manche seiner frheren nobeln Eigenschaften und ist noch immer Miltons: =Archangel ruined and a perfect gentleman.= Die Anekdoten inde, die unter den Heiligen ber diesen vollendeten Gentleman umlaufen, wollen nicht recht zu unseren Begriffen von einer wrdigen und anstndigen Haltung passen, ja er betrgt sich bisweilen recht ungezogen und rpelhaft. Sidney Rigdon, der wrdige Mitstifter der Secte, wute davon ein nichts weniger als erbauliches Lied zu singen. Er lag eines Abends im Bette und schlief, als ihn pltzlich eine so gewaltige Hand beim Genick packte und schttelte, da er sofort inne wurde, wie er es mit keiner irdischen Gewalt zu thun habe. Es war kein Geringerer, als Seine hllische Majestt. Aber nicht zufrieden damit, den unseligen Rigdon so unsanft geweckt zu haben, machte er sich nun daran, seinem Opfer die Bettdecke wegzuziehen und es auf das Abscheulichste durchzuprgeln. Dann ergriff er Ehren Rigdon bei den Fen, schleppte ihn aus der Kammer und, unbekmmert darum, da das graue Haupt aufs Jmmerlichste auf jede Stufe aufschlug, die Treppe hinab vor das Haus, wo er ihn in den Rinnstein warf und sodann wie ein Dampf verschwand. In dieser Weise mishandelte er Rigdon zwei Nchte hindurch. Bse Zungen zwar wollten behaupten, es knnte eine menschliche Hand im Spiele gewesen sein, etwa ein Schabernack liebender Mormonenjngling. Aber diese Vermuthung wurde mit spttischem Lcheln als ungereimt abgewiesen. Hatte man sich doch nach dem ersten Male genau nach der Farbe der Haare, den Gesichtszgen und anderen Erkennungszeichen, an denen Smith seine Jnger den bsen Feind zu entdecken gelehrt, erkundigt, und stimmte doch Rigdons Beschreibung bis in die geringsten Einzelheiten. Der Krper der Auferstandenen wird vollkommen derselbe sein, den sie im Leben hatten. Nur das Blut wird fehlen, wie es im Krper des auferstandenen Christus fehlte, welcher das Vorbild aller Menschen ist. Aber ganz so wie der Mensch gehen auch die Thiere und Pflanzen einer Auferstehung und Erhebung in die himmlische Herrlichkeit entgegen. Wenn die Welt erlst wird, so ist die Pflanzen- und Thierschpfung in diesen Vorgang eingeschlossen; denn auch sie hatten ja eine geistige Existenz vor der leiblichen auf Erden. Wenn die Pflanze in den himmlischen Boden gesenkt wird, so zieht sie ihre Nahrung aus demselben, und das Fluidum, das sie auf diese Art einsaugt, circulirt durch die Poren und Zellen des Pflanzenleibes, bewahrt denselben vor Verwitterung und Fulni und erzeugt einen geistigen Samen, welcher gepflanzt zu einem geistigen Halme, Strauche oder Baume erwchst, der sich darin von der vterlichen Pflanze unterscheidet, da er keinen Leib hat. Diese geistigen Pflanzen oder diese Pflanzengeister werden aus dem Himmel auf die Erde geschickt, wo sie Leiblichkeit gewinnen und gleich den Thieren zu Nahrung fr einen Theil der animalischen Schpfung werden. So sind denn -- schliet Orson Pratt diese treffliche Beweisfhrung -- die Geister sowohl der Pflanzen als der Thiere Sprlinge mnnlicher und weiblicher Aeltern, welche von den Todten auferweckt und mit der Welt, auf der sie wohnten, aus einem gefallnen Zustande erlst worden sind. Hiermit mge unsere Blumenlese aus der Metaphysik der Mormonen beschlossen sein. Ein Urtheil darber ist unnthig, und wir knnen uns sofort zu begreiflicheren und nherliegenden Dingen wenden. Die Gnadengaben, in deren Besitz die Latterday-Saints zu sein sich rhmen, und deren Vorhandensein sie als eine Art Zeugni Gottes fr die Wahrheit ihrer Lehre und die Echtheit ihrer Kirche ansehen, bestehen, wie bereits bemerkt, in der Gabe der Weissagung (die indes auf den Seher und Offenbarer beschrnkt ist), in Heilungen durch Handauflegung, Austreibungen von bsen Geistern aus Besessenen, von denen namentlich in Wales ganze Rudel -- beinahe so viele wie in Weinsberg -- spukten, im Reden in Zungen und in der Deutung dieser modernen Glossolalie. Diese Erscheinung, welche sich ber alle Heiligen erstreckt, whrend die brigen sich auf die Priester beschrnken, und welche auch bei anderen Secten Amerikas bisweilen vorkommt, ist, wenn man die Erzhlung vom Pfingstwunder in der Apostelgeschichte wrtlich nimmt, nicht dieselbe, welche die Jnger befhigte, der vor ihrem Hause versammelten vielzngigen Menge in verschiedenen Sprachen den Wahn zu benehmen, sie seien voll sen Weines. Es ist vielmehr im besten Falle eine Art Stammeln, Lallen oder Gurgeln ohne Sinn und Verstand, hervorgegangen aus krankhafter Gemthsaufregung, zuweilen hnlich dem Phantasiren von Fieberkranken, mitunter eine Folge unzusammenhngender englischer oder indianischer Worte, hufiger aber ein bloes Ausstoen willkrlich zusammengeworfener Vocale und Consonanten. Der in Zungen Redende selbst wei nicht, was fr Ideen er damit ausgesprochen hat. Aber Andere wissen es um so genauer, und oft erfhrt die erstaunte Zuhrerschaft durch diese Dolmetscher die wundersamsten Dinge. Wie man aber zu zweifeln Grund hat, da die Theologen der Secte in ihren Schriften und Predigten immer ehrliche Phantasten gewesen sind und nicht auch manchmal, ja hufiger absichtlich und zweckbewut den Unsinn zusammengehuft haben, den wir bei ihnen finden, so wird auch mit dem Reden in Zungen mancherlei Tuschung getrieben werden. Smith liebte es, seine Predigten damit zu schmcken, und das Folgende klingt fast wie eine Anweisung zum Betrgen. Wenn Jemand sich zum Sprechen in der Gemeinde gedrungen fhlt -- sagt der Prophet -- aber keine Worte findet, die Gedanken seines Herzens auszudrcken, so mu er sich getrost auf seine Fe erheben, sich im Glauben an Christum anlehnen, seine Lippen ffnen und in irgend einer beliebigen Tonart und Weise einen Gesang hren lassen. Der Geist des Herrn wird es dann zur Rede machen und einen Dolmetscher dazu schaffen. Diese Verheiung erfllte sich bei der folgenden Anekdote, wenn auch der Dolmetscher, den der Herr schaffte, nicht ganz genau das Rechte getroffen haben drfte. In einer ihrer Versammlungen sprang ein vom heiligen Geiste ergriffnes Weiblein auf, sprach in Zungen und schrie: Melai, Melei, Meli! Dies wurde von einem jungen Manne, der in sich die Gabe des Dolmetschers empfand, sofort mit: =My leg, my tigh, my knee= (Mein Bein, mein Schenkel, mein Knie) bersetzt. Man forderte ihn vor den hohen Rath und klagte ihn der Snde wider den heiligen Geist an. Er blieb aber hartnckig bei seiner Behauptung, da seine Deutung die richtige sei, und so mute man ihn ohne Strafe lassen. Man ermahnte ihn inde, auf der Hut zu sein, da der Satan ihn nicht in seinen Schlingen fange. Von den Gnadenmitteln oder Sacramenten kennen die Mormonen nur Taufe und Abendmahl. Die erstere mu durch Untertauchung des Tuflings vollzogen und durch Handauflegung vollendet werden, sonst ist sie eine leere Ceremonie. Sie hat ferner zu dem Zwecke der Vergebung der Snden stattzufinden, ein Zweck, der bei der Handlung zu nennen ist. Sodann hat nur die aus der Hand von Mormonenpriestern der Ordnung Melchisedek empfangene Taufe die Wirkung eines Sacraments. Die Kindertaufe wird verworfen. Man nimmt an, da der Mensch im achten Lebensjahre zurechnungsfhig werde. Dann mssen die Eltern das Kind taufen lassen. Ein seltsames Seitenstck zu den Seelenmessen der katholischen Kirche ist das mormonische Institut der Taufe fr die Verstorbenen. Die Berechtigung zu dieser Ceremonie entnehmen sie aus einer Bibelstelle, wo der Apostel nach der Auffassung der Mormonen die Frage aufwirft: Was anders sollen die thun, welche fr die Todten getauft sind, wofern die Todten nicht auferstehen? Warum dann sind sie fr die Todten getauft? Joseph Smith behauptet darauf hin: Jedermann, der einen Freund in der ewigen Welt hat, kann ihn erlsen, es wre denn, da er die eine Snde begangen htte, die nicht vergeben wird. So knnt Ihr sehen, wiefern Ihr Erlser sein knnt: denn der Apostel sagt: Sie ohne uns vermgen nicht zur Vollkommenheit zu gelangen. Das Nhere der Sache aber ist Folgendes: Die Mormonen glauben, da Niemand ohne in gebhrender Weise getauft zu sein, in's Himmelreich eingehen knne. Nun kann aber ein Heiliger den Wunsch hegen, auch diejenigen seiner Freunde und Verwandten einst bei sich zu sehen, welche entweder durch Ungunst der Umstnde oder weil sie das Sacrament misachteten, ohne echte und wahre Taufe aus der Welt gegangen sind. Dies wird dadurch erreicht, da sie sich stellvertretend fr jene taufen lassen. Die Jenseitigen befinden sich in einem Prfungszustande, hnlich dem Fegefeuer der Katholiken. Sie haben bereut und Bue gethan und sehnen sich nach dem unerllichen Ritus der Untertauchung in Wasser zur Vergebung der Snden. Daher erwchst die Pflicht ihrer Verwandten auf Erden, sich dieser Ceremonie fr sie zu unterziehen. Sie befriedigen damit den Wunsch der Abgeschiedenen und erwerben sich zugleich das Verdienst, Mehrer des Reichs Gottes zu sein. So geschieht es, da Einzelne wohl ein Dutzend Mal getauft sind, einmal fr den Vater, dann fr die Mutter, dann fr die Groltern, dann fr die unbekannten Vorfahren bis hinauf zu dem Urahn, von dem man annimmt, da er noch in heiliger priesterlicher Zeit gelebt habe. Andere wieder werden dabei von dem Hinblicke auf die Macht geleitet, welche sie sich dadurch erwerben, und so lassen sie sich auch fr Todte taufen, welche nicht zu ihrem Geschlechte gehrt haben. Es heit nmlich, da alle die, welche von dem Stellvertretend-Getauften auf diese Weise erlst worden sind, knftig bei der Auferstehung zu dem Haushalte und Gefolge desselben gehren werden. Derselbe, der auch als Pathe (=sponsor=) bezeichnet wird, wird zuerst aus seinem Grabe steigen und dann thun wie Christus vor der Gruft des Lazarus that, d. h. er wird jene aus dem Todesschlafe rufen. Dann aber wird er als der Vornehmste unter ihnen ber sie als Patriarch herrschen, und sein Rang unter den Gttern und kniglichen Heiligen wird sich nach der Zahl derer richten, welche er erlst hat. Das heilige Abendmahl wird zur Erinnerung an den Leib und das Blut des Sohnes genossen, auf das die Heiligen allezeit seiner eingedenk seien und seine Gebote halten, und damit sie stets seinen Geist bei sich haben. So wenigstens drckt sich das Buch Mormons aus. Brot und Wein sind als Symbole zu gebrauchen wie in der reformirten Kirche. Durch eine Offenbarung jedoch wurde es verboten, sich des von den Heiden gebauten und gekelterten Weines zu bedienen (dies geschah aber erst in Deseret und zwar zu einer Zeit, wo Wein, wie alle anderen Luxusartikel, selbst Kaffee und Zucker, kaum zu bekommen war, und die Offenbarung war nur ein Hilfsmittel, gewissenhafte Leute, die es mit der Form der kirchlichen Ceremonien bis aufs Pnktchen genau zu nehmen gewohnt waren, zu beschwichtigen), und so trinken die Mormonen bis sie sich Wein von selbstgebauten Reben verschaffen knnen, Wasser statt des Saftes der Traube. Denn es ist gleichgiltig, was ihr essen und was ihr trinken werdet, wenn ihr das Sacrament genieet; wenn ihr es nur so genieet, da ihr die Augen blos auf meine Herrlichkeit richtet; darum so sollt ihr keinen Wein trinken, es sei denn, er wre von euch selbst gekeltert, sagt jene Offenbarung. Man feiert in Folge dessen die Communion in der Art, da die Bischfe unter den Sonntags im Bethause Versammelten mit Brot und einem Wasserkruge, woran ein Glas oder Blechbecher hngt, herumgehen und Jedem auf seinem Sitze das Sacrament anbieten. Es ist Sitte, dieses Anerbieten nicht abzulehnen, und so genieen die Mormonen das Abendmahl alle Sonntage. Nachdem hinreichende Zeit verflossen ist, um den Tempel in Zion zu vollenden, knnen Taufen fr die Todten nur noch hier und in Jerusalem (dem in Palstina) stattfinden. Im Hause des Herrn wird ein gewaltiges Taufbecken aufgestellt werden; denn diese Taufe wurde vor der Erschaffung der Welt eingesetzt, und anderswo, sagt der Lord unser Gott, kann sie mir nicht wohlgefllig sein; denn in ihr sind die Schlssel des heiligen Priesterthums verordnet, auf da ihr empfanget Ehre und Herrlichkeit (=Book of Doctrine and Covenants=). Der Tempel hat berhaupt in gewisser Beziehung sacramentale Bedeutung, ja man kann nach der gewhnlichen Definition des Begriffs Sacrament selbst das Wohnen in Deseret als eine Art Sacrament betrachten. Die sechste allgemeine Epistel der Prsidentschaft an die Heiligen in aller Welt fordert dieselben auf das Dringendste zur Einwanderung nach ihrer wahren Heimat, zur Entrichtung des Zehnten und zum Baue des Tempels auf. Es heit darin: Um fr einen himmlischen Himmel vorbereitet zu sein, bedrfen sie eines irdischen Himmels, und wenn Einige die Gnadenmittel sich verschaffen, ohne alle die gebhrenden Zehnten entrichtet zu haben, so wird ihnen Jesus einst erklren, da sie Diebe und Ruber sind, die einen anderen als den verordneten Weg herangestiegen sind. Die Errichtung des Tempels ist so nothwendig fr das allgemeine Heil, als die Taufe fr das Heil des Einzelnen nothwendig ist. Die Stimme des guten Hirten aber ruft fortwhrend: Kommt heim, alle ihr Heiligen! Die Offenbarungen, welche der Seher von Gott durch seine Engel empfngt, betreffen gegenwrtig nur die allgemeinen Angelegenheiten, beziehen sich aber auf Weltliches sowohl wie auf Geistliches. Sie werden aufgezeichnet, um im rechten Augenblicke der Kirche verkndet zu werden, wenn die Brder fhig sind, sie zu ertragen; denn Viele wrden sich verletzt fhlen und der Wahrheit den Rcken kehren, wenn sie ihnen pltzlich auf ein Mal mitgetheilt wrde. Einzelne empfangen Offenbarungen in Bezug auf ihre Privatangelegenheiten. Diese sind durch Gebet in mchtigem Glauben zu erlangen, jedoch nur wenn natrlicher Scharfsinn, verstrkt durch Flei und Nachdenken nicht im Stande gewesen ist, die erforderliche Auskunft zu gewinnen; denn wo Gott auf natrlichem Wege wirken kann, thut er kein Wunder. Die Art, wie die Mormonen des Sonntags ihren Gottesdienst abhalten, unterscheidet sich nicht sehr von der Weise der brigen Secten Amerikas. Man findet sich zu bestimmter Stunde im Bethause ein. Der vorsitzende Priester -- in Deseret gewhnlich der Seher -- erffnet die Feier mit einem Segensspruche ber die Versammlung und ihr frommes Beginnen. Dann wird ein Lied aus ihrem Hymnenbuche, und zwar meist nach einer sehr lebhaften und heitern Melodie, gesungen. Dann spricht irgend ein Priester ein Gebet, worauf wieder ein Gesang folgt. Sodann predigt einer von den Priestern, der vorher damit beauftragt worden ist, und hierauf lassen gewhnlich das eine und das andere Gemeindeglied, vom Geiste zum Reden angeregt, allerlei krzere Ermahnungen und Belehrungen hren. Den Schlu bilden Vorlesungen von Verordnungen und Ankndigungen allgemein interessanter Anordnungen in Betreff der ffentlichen Bauten, der Steuerzahlungen, der Militairbungen u. a. m., welche der Schreiber des hohen Raths vortrgt, wornach die Versammlung mit einem Segensspruche entlassen wird. Whrend die Gemeinde sich versammelt und ebenso whrend sie das Gotteshaus verlt, spielt das Musikchor, welches sehr zahlreich und, wie es heit, sehr gut eingebt ist, allerlei lustige Weisen, Mrsche und Tnze, wodurch alle dsteren Gedanken vertrieben und die Gemther heiter gestimmt werden. Da in Deseret sehr viele Waliser sind, von denen die meisten nur unvollkommen, einige gar nicht englisch verstehen, so wird die Hauptrede gemeiniglich von einem Dolmetscher in wlscher Sprache wiederholt; auch erheitert in der Regel ein wlsches Chor die Versammlung durch den Vortrag einer ihrer wildromantischen seltsamen Melodien. Da es bei ihren gottesdienstlichen Zusammenknften nicht immer vollkommen geordnet zugeht, darf uns nicht Wunder nehmen. Das Reden in Zungen lt sich nun einmal nicht zurckdrngen, und nicht selten wird der Prediger durch ein derartiges verzcktes Geplapper unterbrochen. Aehnliches kommt jedoch auch bei anderen Secten, namentlich bei den Methodisten hufig vor. Da die Redner meist sehr lange, nur bisweilen gut, hchst selten gewhlt sprechen, mu man ihrer Bildungsstufe (die meisten waren ursprnglich Bauern oder Handwerker) zu Gute halten. Eines aber verdient mit Recht Tadel -- die Mormonenprediger fluchen und verdammen von der Kanzel herab wie die Landsknechte, und selbst Brigham Young wrzt seine Reden, wenn er in's Feuer gerth, mit den gewaltigsten Flchen und Schwren. Die Gemeinden auerhalb Deseret halten ihren Gottesdienst, wie sich von selbst versteht in einfacherer Weise, auch kommen die kleineren von ihnen selten regelmig zu Gebet und Predigt zusammen. In Cincinnati, wo sich im Jahre 1851 eine Mormonengemeinde von etwa zwlf Familien befand, wurde in den Monaten October bis December nur drei Mal Gottesdienst gehalten, und die Zweiggemeinde in Dayton, aus zwei Mnnern und drei Frauen bestehend, war bei unserem Besuche seit einem halben Jahre nicht versammelt gewesen. Dieser unser Besuch aber wurde fr den Vorsteher, den wackeren Schuster Winthrop Graves, Veranlassung, seine Heerde wieder einmal zusammenzurufen und auf die himmlische Weide zu fhren. Wir trafen uns im Hause eines der Glubigen. Derselbe war Pchter einer Farm und wohnte am Rande des Waldes in einem groen, schwarzverrucherten Ziegelgebude, das mit einem unordentlichen moosbewachsenen Zaune umgeben war. Die alten Eichen und Ahornbume, welche das Haus umstanden und deren entlaubte Zweige fortwhrend aufs Klglichste im Winde chzten, die Verfallenheit des Dachs und der Mauern, der Charakter der Leere und Klte, den das Innere dieser einsamen Wohnung trug, machten einen trbseligen, unbehaglichen, fast unheimlichen Eindruck. Dem rmlichen, dsteren, grmlichen Wesen des Hauses entsprach das Wesen seiner Bewohner. Der Mann war eine jener hagern, schlotterigen Gestalten, wie sie in den Hinterwldern hufig sind. Die Frau schien am Fieber zu leiden. Die Tochter, ein Mdchen in den Jahren, wo Frauen sich in ihren Geburtstagen zu verrechnen anfangen, schaute mit ihren gelben verwelkten Wangen und ihren graugrnen Augen so theilnahmlos und so sauertpfisch in die Welt, als habe sie Holzpfel gefrhstckt. Die einzige freundliche Erscheinung war eine junge Witwe, die mit ihren feinen Manieren und ihrer schnen Stimme einen eigenthmlichen Gegensatz zu dem Geschilderten bildete. Wir hielten den Gottesdienst in der Kche, die, wie beim gemeinen Mann in Amerika gewhnlich, zugleich Wohnstube war. Der Schuhmacher schlug das Buch Mormon auf, legte es auf ein Tischchen vor sich, sprach ein Gebet und hielt hierauf aus dem Stegreif eine Rede, in welcher er die Grundzge des Glaubens der Latterday-Saints auseinandersetzte, und die so wohlgefgt und an einzelnen Stellen so schwungreich war, da mancher unsrer Pastoren dabei htte lernen knnen. Die verdrielichen Mienen der vorhin beschriebenen Drei begannen einen anderen Ausdruck zu gewinnen. Der Mann schien seine Sorgen, die Frau ihr Fieber vergessen zu haben. Die grnen Augen der Tochter blitzten von einem seltsamen Feuer, und als nun ein Lied -- zu unserm Erstaunen nach der altbekannten Melodie: Du, Du liegst mir am Herzen -- gesungen wurde, welches den Tod des Propheten beklagte und die Leiden der Brder in der Wste schilderte, hatte sich der ganzen Versammlung eine Aufregung bemchtigt, mit der sie wie umgewandelt schien. =Weep, weep not for me, Zion, Rejoice now and sing ye aloud. Pray, pray, that Judahs fierce lion May quickly descend in a cloud. Haste, haste, o quickly descend in a cloud!= =To smite with a rod of his power, To lay Zions enemies low, While frowns on his countenance lower, They sink to perdition and woe. Yes, yes to perdition and woe!=[4] [4] D. h. Weine, weine nicht um mich, o Zion; juble nun und singe laut. Bete, bete, da Judas grimmer Leue herabsteige in einer Wolke. Eile, eile, o steig rasch herab in einer Wolke! Da er sie mit der Ruthe seiner Gewalt schlage, da er Zions Feinde darniederlege. Whrend sein Antlitz finsterblickend zrnt, sinken sie hinab in Verderben und Weh. Ja, sinken sie hinab in Verderben und Weh. So sangen die Mormonen. Und immer hher steigerte sich die Inbrunst. Die Wangen der Frauen rtheten sich, die Blicke der Mnner wurden stolz und frhlich und immer frhlicher und stolzer, je mehr sie sich durch die weitern Verse des Liedes an die glorreiche Geschichte der Kirche erinnert fanden. Die junge Witwe sank auf die Knie und sprach ein Gebet, welches unter anderen Umstnden selbst auf uns eine ergreifende Wirkung gehabt haben wrde. Der Farmer folgte ihr in rauherer, aber nicht weniger aufrichtiger Weise. Wir erwarteten ein Reden in Zungen von der Tochter, aber die Witwe schnitt ihr die Gelegenheit dazu ab, indem sie, glhend von schwrmerischem Feuer, aufsprang und, dem Leiter des Meetings vorgreifend, mit wohltnender Stimme in ein Triumphlied ausbrach, in welches alle Anwesenden nach Krften einstimmten. Sie sangen: =The spirit of God like a fire is burning The latter day glory begins to come forth, The visions and blessings of old are returning, The angels are coming to visit the earth. We'll sing and we'll shout with the armies of heaven: Hosannah, Hosannah to God and the Lamb! Let glory to them in the highest be given. Henceforth and forever. Amen and Amen!=[5] [5] D. h. Der Geist Gottes brennt wie ein Feuer, die Herrlichkeit des tausendjhrigen Reichs beginnt offenbar zu werden, die Gesichte und Segnungen von ehedem kehren wieder, die Engel kommen, die Erde zu besuchen. Wir wollen singen und jauchzen, mit den Heeren des Himmels: Hosiannah, Hosiannah Gott und dem Lamme! Gebt ihnen die Ehre. Ehre sei ihnen in der Hhe fortan und in Ewigkeit. Amen, Amen. Den Schlu bildete der Segen, von dem Schuhmacher gesprochen. Dann aen die Brder und Schwestern mit einander, und wir entsinnen uns nicht, whrend unsers Aufenthalts in Amerika frhlichere Gesichter beisammen gesehen und ein liebevolleres Benehmen beobachtet zu haben, als bei diesem einfachen Mahle. So verklrt und adelt das, was in den Religionen die Religion ist, selbst den sinnlosesten Wahn, und so geht neben der Truglist der Fhrer stets die redlichste Einfalt der Massen her. Den Schlu dieses Abschnitts mge ein Ueberblick ber die _Kirchenverfassung des Mormonismus_ bilden. Dieselbe beruht im Wesentlichen auf einer eigenthmlichen Ansicht vom Priesterthume. Die Priesterschaft ist nach Joseph Smith und anderen Dogmatikern, wie Peter Parley Pratt, Spencer und Orson Pratt, unbedingt nothwendig zu einer Kirche, welche Anspruch darauf erhebt, die wahre zu sein. Sie ist unmittelbar von Gott eingesetzt und zerfllt, wie schon beilufig erwhnt wurde, in zwei Ordnungen, deren erste nach dem geheimnivollen Freunde Abraham's, dem Priesterknige Melchisedek benannt ist, whrend die zweite nach dem ersten Hohenpriester Israels, Aaron, die aaronische, oder auch die levitische heit. Das Priesterthum der ersten Classe wurde nach dem Book of Doctrine and Covenants im Anfange der Zeiten an Adam verliehen und von diesem (man sieht, wir haben hier ein Anklingen an die katholische Lehre von der Pneuma-Mittheilung vor uns) auf Noah, Abraham, David, Salomo u. s. w. fortgepflanzt. Ihr Amt und ihre Gewalt ist mystischer Natur. Sie hat die Schlssel zu allen geistlichen Segnungen in Hnden und besitzt das Vorrecht, die Geheimnisse des Himmels zu empfangen, sich das Jenseits ffnen zu lassen, und sich mit Gott dem Vater und Jesus dem Mittler in Verbindung zu setzen. Die Priesterschaft des aaronischen Ordens dagegen hat auf so hohe Dinge keinen Anspruch; sie ist nur mit Besorgung der weltlichen Angelegenheiten der Kirche betraut. Ursprnglich hie es (wahrscheinlich um die Juden zum Eintritte in die Gemeinschaft der Latterday-Saints geneigt zu machen), die Mitglieder dieser Classe mten vom Stamme Levi sein. Da sich jedoch keine echten Leviten finden wollten, so begngte man sich bis auf Weiteres mit Besetzung der Stellen durch Nichtjuden. Wenn der Tempel fertig ist, werden aber zahlreiche Leviten den Mormonen beitreten, und dann werden dieselben auer den jetzt von der aaronischen Priesterschaft besorgten Geschften wieder Auftrag erhalten, fr die tglichen Snden des Volkes Thieropfer zu bringen. Jede dieser beiden Classen der Mormonenpriesterschaft zerfllt nun wieder in verschiedene Grade, die ihrerseits wiederum jeder seine leitende Behrde oder seinen Vorsitzenden haben. Die Oberleitung der gesammten Kirche liegt in den Hnden der Prsidentschaft. Diese besteht aus dem Seher und zwei anderen Prsidenten, von denen gegenwrtig nur der eine (Heber Kimball) in Deseret, der andere aber (Francis Richards) die groe englische Zweigkirche leitend, in Liverpool sich aufhlt. Dieses geistliche Triumvirat wird ein Abbild der himmlischen Dreieinigkeit genannt, bisweilen auch als Nachahmung des Regiments der christlichen Urkirche durch Petrus, Jakobus und Johannes bezeichnet. Nach ihnen nimmt das Apostelcollegium (auch schlechthin die Zwlfe geheien) die vornehmste Stelle ein, welches ebenfalls dem Orden Melchisedek angehrt und das Recht oder die Pflicht hat, Inspectionsreisen nach den neugegrndeten Gemeinden im Auslande zu machen und ber dieselben den Vorsitz zu fhren. Unter ihnen stehen die Hohenpriester, die Priester, die Aeltesten, die Bischfe, die Lehrer und die Helfer oder Diakonen, sowie die drei Siebzigercollegien, eine Erinnerung an die siebzig Sendboten, die Jesus auer seinen zwlf Jngern zur Verbreitung der frohen Botschaft whlte. Jeder Grad bildet ein vollstndiges Quorum oder Collegium, um die Disciplin unter seinen Mitgliedern aufrecht zu erhalten und die in seine Sphre fallenden Geschfte zu besorgen. Bei auseinandergehenden Meinungen appellirt man an die nchst hhere Classe, whrend die Gesammtheit der Kirchenglieder, in ein Generalconcilium versammelt, die letzte Instanz bilden soll. So wenigstens liest man im Buch der Lehre und der Bndnisse. In der Wirklichkeit verhlt es sich damit anders, indem der Seher und seine nchsten Vertrauten das Volk so kurzgefat am Gngelbande halten, da von der Entscheidung einer streitigen Frage durch die Gemeinde ebenso wenig als von einer Wahl der einflureichen Beamten die Rede sein kann. Aus zwlf Hohenpriestern zusammengesetzt, steht der Prsidentschaft ein hoher Rath zur Seite, in welchem jedes Mitglied das Recht hat, seine Meinung hren zu lassen. Der Seher, welcher prsidirt, nimmt davon an, was ihm gutdnkt, fat am Schlusse jeder Sitzung das Vorgebrachte zusammen und giebt dann seine Entscheidung ohne Rcksicht auf die Ansicht der Mehrheit des Rathes. Ein derartiges Verfahren verstt in schroffster Weise gegen alles Herkommen unter Englndern und Amerikanern. Dennoch hat es sich unter der jetzigen Prsidentschaft noch nie ereignet, da Jemand es gewagt htte, sein Misvergngen laut werden zu lassen, wenn der Willensausdruck des Sehers anders ausfiel, als man gewnscht und gerathen hatte. Dieser hohe Rath ist aber dem Prsidenten der Kirche -- wir sagen, _dem_ Prsidenten, da die beiden anderen der Energie Young's gegenber bloe Scheinregenten sind -- Auge, Ohr und Hand. Seine Mitglieder kundschaften alles, was auf dem Felde oder in der Werkstatt, im Bethause oder im Familienkreise gesprochen wird oder geschieht, mit dem Eifer und der Schlauheit von Spionen aus. So wie irgend eine neue Meinung auftaucht, so wie irgendwo ein verdchtiger Plan laut wird, bringt ihn sicher eines der Mitglieder jenes Rathes in der Versammlung vor, und es werden sofort die geeigneten Maregeln zur Unterdrckung der misliebigen Neuerung getroffen. Der Urheber derselben wird als unruhiger Kopf vorgemerkt, und ehe er sichs versieht, verliert er den Boden unter den Fen. Kein Wunder daher, da viele unter den Bewohnern Deserets, welche die Canle nicht kennen, durch welche dem Oberhaupte der Kirche Kunde von allen Vorgngen zustrmt, dem Bruder Brigham eine Art Allwissenheit zuschreiben und in Folge dessen mit scheuer Ehrfurcht zu ihm aufblicken. Die Propheten der Mormonen gehen aus allen Graden der Priesterschaft hervor. Im Hauptquartier der Secte residirt ein Patriarch, der besondern Kirchengliedern den Segen nach der Weise Jakob's und seiner zwlf Shne und nach der Israels auf dem Krankenbette zu ertheilen hat. Der Bischofstitel hat bei den Mormonen nicht die hohe Bedeutung wie in anderen Kirchen. Die Bischfe gehren zu der aaronischen Priesterschaft oder den Leviten. Jeder Nachkomme Levi's, der den Latterday-Saints beitritt, hat gesetzlichen Anspruch auf dieses Amt, und zwar kann derselbe dann unabhngig, ohne beigesetzte Rthe fungiren. Findet sich kein solcher, so kann einer der Priester mit den bischflichen Geschften beauftragt werden. Diese bestehen vornehmlich in der Beaufsichtigung der Zehnten-Arbeit, in Einsammlung des Zehnten, mag er nun in Naturallieferungen oder in einem Geldquivalent eingeliefert werden, in der Verwaltung der Magazine und -- so war es wenigstens whrend der ersten Jahre der Ansiedelung in Deseret -- in der Schlichtung von Rechtsstreitigkeiten untergeordneter Art. Der Beruf eines Apostels besteht auer der Stiftung und Beaufsichtigung der auswrtigen Gemeinden in der Taufe, in der Weihe anderer Priester, in der Confirmation der Getauften durch Handauflegung, in Lehre, Schriftdeutung und Ermahnung und in der Leitung gottesdienstlicher Versammlungen. Wofern kein Apostel da ist, fallen diese Befugnisse dem Hohenpriester zu. Fehlt auch dieser, so bernimmt sie ein Aeltester. Ist auch kein Aeltester vorhanden, so vertritt ihn als Fhrer der Gemeinde ein Priester, dem, wenn der Aelteste zugegen ist, lediglich das Taufen und Predigen sowie der Besuch bei den einzelnen Gemeindegliedern zum Behufe huslicher Erbauung obliegt. Die Pflicht der Lehrer ist stete Wachsamkeit, damit keine Ungerechtigkeit, keine Hrte, kein Lgen und Verleumden berhand nimmt und die Gemeinde sich fleiig vor Gott versammelt, sowie den gebhrenden Zehnten entrichtet von allem, was sie hat. Der Lehrer darf in Abwesenheit von Mitgliedern hherer Grade auch die Leitung frommer Versammlungen bernehmen und ist in Erfllung seiner Obliegenheiten von den Diakonen zu untersttzen; doch ist weder er noch einer der letzteren befugt zur Ausspendung der Sacramente oder zur Handauflegung. Ein solcher Fall tritt aber nur bei sehr schwachen Gemeinden ein, da die Hupter der Secte, der malosen Titelsucht der Amerikaner Rechnung tragend, mit der Verleihung von Graden und Befrderungen uerst freigebig sind. In Cincinnati z. B. war ein hoher Priester, der, irren wir nicht, seines Zeichens Schneidergesell war. Sein College, der sich Bischof nannte, nhrte sich im profanen Leben durch einen Handel mit Hausmitteln und Wunderpillen. Unter der dreiig bis vierzig Kpfe starken Gemeinde waren also, die bloen Priester und Aeltesten ungerechnet, zwei hohe Wrdentrger, und ein hnliches Verhltni fand in St. Louis statt, wo wir eine Gemeinde von ber tausend Seelen trafen. Ein eigenthmlicher und ziemlich bezeichnender Zug ist die Verbindung, in welche Smith seine Priesterschaft mit der Freimaurerei setzte. Er lehrte, da die knigliche Kunst ursprnglich ein kirchliches Institut gewesen sei, bestimmt, die tiefer liegenden Geheimnisse des Evangeliums, seine esoterische Lehre fortzupflanzen und zu deuten. Er behauptete ferner, da dieses Institut mit der Abnahme wahrer Frmmigkeit in der christlichen Kirche ebenfalls in Verfall gerathen sei, und gab endlich vor, da ein Engel ihm die im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangenen wahren Zeichen, Griffe und Worte der verschiedenen Grade des Bundes wieder mitgetheilt habe, und da er deshalb, als er in die Logen von Illinois getreten, mit der rechten Art zu arbeiten vertrauter gewesen sei als die am Weitesten Vorgeschrittenen. Die Grologe des Staates freilich war darber anderer Ansicht und untersagte ihm wegen ungebhrender Anmaung und Ignoranz das Betreten der unter ihr stehenden Bauhtten. Aber Smith erklrte dies fr eine Handlung des Neides und stiftete nun selbst in Nauvoo eine Loge, die in Neujerusalem fortgesetzt wurde und einst ihre Werksttte im Tempel selbst haben wird. Die Priester gehren verschiedenen masonischen Graden an. Den besonders Glubigen wird raschere Befrderung zu Theil. Laue und Solche, die in Entrichtung des Zehnten lssig sind, mssen zurckstehen. Bei der Grundsteinlegung zum Tempel sowie bei seiner dereinstigen Einweihung wird die Freimaurerbrderschaft eine hervorragende Rolle spielen. Als Nachtrag sei noch bemerkt, da es einst auch Priesterinnen geben wird, da ferner dieselben zugleich in gewisse Grade der Freimaurerei eingeweiht werden sollen, und da endlich die Berichte, als wrde die gesammte Priesterschaft der Mormonen von den Laien ernhrt, auf einem Misverstndnisse beruhen, indem nur ein Theil der obersten Grade von dem Zehnten des Vermgens neueintretender Kirchenglieder und dem von allem Verdienst erhobenen Zehnten Antheile empfangen, dafr aber mit Geschften aller Art berhuft sind, von denen viele der Gemeinschaft wirklichen Nutzen schaffen. Die Zukunft der mormonischen Priesterschaft aber ist eine ungeheure. Auer den Orden Melchisedek und Aaron giebt es (das stimmt allerdings nicht recht mit dem oben mitgetheilten Glaubensbekenntnisse) durchaus keine von Gott anerkannte Gewalt auf Erden, und Knige, Frsten, Herrscher, Prsidenten, Gouverneure, Obrigkeiten sind, wofern sie nicht gesetzlich geweiht, und mit der Vollmacht jenes Priesterthums des Sohnes Gottes bekleidet sind, als Usurpatoren zu betrachten -- und, drfen wir hinzusetzen, nur so lange auf Thron oder Tribune zu dulden, als sie die Uebermacht fr sich haben. Siebentes Kapitel. Die Vielweiberei der Mormonen, ihre Rechtfertigung und ihre Ausbung. -- Auch Christus war mit drei Frauen vermhlt. -- Verheirathete und Versiegelte. -- Die Adoptivshne Brigham Youngs. Schon seit geraumer Zeit wurde von den Mormonen berichtet, sie, oder wenigstens einige von ihnen lebten in Deseret in Vielweiberei. Dieser Vorwurf wurde von ihnen fortwhrend in Abrede gestellt, und es schien in der That unbegreiflich, wie in einer neugegrndeten Colonie die Hhnerehe mglich sein solle, da die Statistik nachweist, da in derartigen Niederlassungen die Zahl der Mnner betrchtlich grer als die der Frauen ist. Allein die Berichte waren aus guter Hand, neuere Reisende erzhlten, wie man in Neujerusalem selbst die Thatsache nicht mehr verhehle, da viele Mormonen und namentlich die Hupter der Secte zahlreich besetzte Harems haben, und da man demnchst sich offen und ungescheut vor aller Welt zur Polygamie bekennen werde. Dies geschah denn auch im Jahre 1853, wo Orson Pratt in seinem zu Washington erscheinenden Seer eine ausfhrliche Vertheidigung der Pluralitt oder himmlischen Vermhlung, wie man das Institut euphemistisch genannt, verffentlichte. Allein schon zehn Jahre vorher hatte Joseph Smith eine Offenbarung gehabt, in welcher ihm Jehova die Vielweiberei unter seinem Volke einzufhren gebot, und die Anklagen, welche gegen den Propheten von Nauvoo laut geworden waren, hatten ihre vollkommene Richtigkeit gehabt. Wir theilen jene Offenbarung, die bis jetzt geheim gehalten wurde, als ein Beispiel des kunterbunten Styls, in welchem der Mormonengott redet, in einem ausfhrlichen, nur die eigenen Worte des Propheten enthaltenden Auszuge mit. Sie wurde Smith am 12. Juli 1843 ertheilt, ist in Nummer 1 der ebengenannten Wochenschrift Pratts abgedruckt und lautet wie folgt: Wahrlich, so spricht der Herr zu meinem Knechte Joseph, da Du von mir zu erfahren gewnscht hast, worin ich der Herr meine Knechte Abraham, Isaak und Jakob, desgleichen Moses, David und Salomo, meine Knechte, in Betreff des Grundsatzes und der Lehre, da sie mehrere Weiber und Beischlferinnen gehabt, gerechtfertigt habe: siehe, so will ich der Herr dein Gott Dir in dieser Sache antworten. Darum so bereite Dein Herz, um die Unterweisungen, die ich Dir zu geben im Begriffe bin, zu vernehmen und ihnen zu gehorchen; denn alle, welchen dieses Gesetz offenbart wird, mssen ihm gehorchen. Denn siehe, ich offenbare Dir einen neuen und ewigen Bund, und wenn Du diesen Bund nicht hltst, so bist Du verdammt; denn Niemand kann diesen Bund verwerfen und in meine Herrlichkeit eingehen. Denn alle, welche einen Segen aus meiner Hand empfangen wollen, sollen dem Gesetze nach leben, welches fr diesen Segen bestimmt war, und die Bedingungen erfllen, welche festgestellt wurden vor Erschaffung der Welt, und welche zu dem neuen und ewigen Bunde gehren. Das Gesetz wurde gegeben, damit meine Herrlichkeit vollkommen werde, und der, welcher dasselbe in seiner Flle empfngt, mu und soll dem Gesetze nachkommen, oder er wird verdammt, sagt Gott der Herr. Und wahrlich, ich sage euch, da die Bedingungen dieses Gesetzes folgende sind: Alle Bndnisse, Vertrge, Zusagen, Verpflichtungen, Eide, Gelbde, Verbindungen, Vereinigungen oder Erwartungen, die nicht vom heiligen Geiste der Verheiung, dem Geiste dessen, der gesalbt ist, gemacht, eingegangen und besiegelt sind fr Zeit und Ewigkeit durch Offenbarung und Gebot, durch Vermittelung eines Gesalbten, den ich bestimmt habe, auf Erden diese Gewalt zu haben (und zwar habe ich meinem Knechte Joseph diese Gewalt bertragen, und es ist immer nur einer auf einmal auf Erden, dem die Gewalt und die Schlssel des Priesterthums bergeben sind), sind ungiltig und unkrftig in und nach der Auferstehung der Todten. Denn alle Vertrge, die nicht zu diesem Zwecke geschlossen sind, haben ein Ende, wenn der Mensch todt ist. Siehe, mein Haus ist ein Haus der Ordnung, sagt Gott der Herr und nicht ein Haus der Verwirrung. Werde ich ein Opfer annehmen, sagt der Herr, welches nicht in meinem Namen gebracht wird? Oder werde ich aus euren Hnden annehmen, was ich nicht bestimmt habe? Und werde ich euch, sagt der Herr, etwas anders als durch das Gesetz bestimmen, welches ich und mein Vater euch verordnete, ehe denn die Welt war? Ich bin der Herr dein Gott, und ich gebe dir dieses Gebot, da Niemand zum Vater kommen soll als durch mich oder durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, sagt der Herr; und alles, was in der Welt eingesetzt ist, sei es nun von Thronen, Frstenthmern oder Gewalten irgend welcher Art verordnet, soll, wenn es nicht durch mich, oder durch mein Wort geweiht ist, umgeworfen werden und in und nach der Auferstehung aufhren, sagt der Herr dein Gott. Denn was da brig bleibet, ist durch mich, und was nicht von mir ist, soll erschttert und vernichtet werden. Darum so ein Mann sich in der Welt ein Weib nimmt und sie nicht durch mich und mein Wort heirathet, und er mit ihr ein Bndni eingeht auf so lange, als er in der Welt ist, und sie mit ihm, so ist ihr Ehebund ohne Kraft, wenn sie todt sind und wenn sie aus der Welt sind. Darum so sind sie durch kein Gesetz gebunden, wenn sie aus der Welt sind. Darum, wenn sie aus der Welt sind, so freien sie nicht, noch lassen sie sich freien, sondern sind wie die Engel im Himmel, welche Engel dienende Geister sind, die zu bedienen, welche einer weit greren, hheren und ewigen Herrlichkeit wrdig befunden worden sind. Denn diese Engel gehorchten meinem Gesetze nicht; deshalb kann ihre Zahl nicht vermehrt werden, sondern sie bleiben fr sich und unverheirathet, ohne Erhhung in ihrem erlsten Zustande in alle Ewigkeit, und sind fortan keine Gtter, sondern Engel Gottes ewiglich. Und wiederum, wahrlich ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nimmt durch mein Wort, welches mein Gesetz ist, und durch den neuen und ewigen Bund, und wenn es ihnen besiegelt wird durch den heiligen Geist der Verheiung, durch ihn, welcher gesalbt ist, dem ich diese Gewalt und die Schlssel dieses Priesterthums bertragen habe, so soll zu ihnen gesagt werden, ihr sollt in der ersten Auferstehung hervorgehen, und wenn es nach der ersten Auferstehung ist, in der nchsten Auferstehung, und sollt ererben Throne, Knigreiche, Frstenthmer, Gewalten und Herrschaften, alle Hhen und Tiefen. Dann soll es in des Lammes Buch des Lebens geschrieben werden, da er keinen Mord begehen und kein unschuldiges Blut vergieen soll. Und wenn sie meinem Bunde gehorsam sind und kein unschuldiges Blut vergieen, so sollen sie die Engel und die Gtter bertreffen an Herrlichkeit, eine Herrlichkeit, welche in einer Kraftflle und in ewiger Fortpflanzung ihres Samens bestehen soll. Dann werden sie Gtter sein, weil sie kein Ende haben. Darum sollen sie von Ewigkeit zu Ewigkeit sein, weil sie fortdauern; dann sollen sie ber Allen sein, weil alle Dinge ihnen unterworfen sind. Dann sollen sie Gtter sein, weil sie alle Macht haben und die Engel ihnen unterthan sind. Wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn ein Mann eine Frau nach meinem Worte nimmt und sie durch den heiligen Geist der Verheiung nach meiner Verordnung versiegelt sind, so werden sie, mgen sie auch alle Snde und Uebertretung begehen und allerlei Gotteslsterung, ausgenommen Mord und Vergieung unschuldigen Blutes, dennoch in der ersten Auferstehung hervorgehen und erhhet werden; aber sie sollen im Fleische vertilgt und dem Teufel bergeben werden bis auf den Tag der Erlsung, sagt Gott der Herr. Ich bin der Herr dein Gott und will dir das Gesetz meines heiligen Priesterthums mittheilen, wie es von mir und meinem Vater verordnet worden ist, ehe denn die Welt war. Abraham empfing alles, was er empfing, durch Offenbarung und Gehei meines Wortes, sagt der Herr, und ist in seine Erhhung eingegangen und sitzt auf seinem Throne. Gott gebot Abraham und Sarah gab Hagar dem Abraham zum Weibe. Und warum that sie dies? Weil es Gesetz war, und aus Hagar entsprangen viele Vlker. Das war darum Erfllung der Verheiungen. War Abraham deshalb zu verdammen? Wahrlich ich sage euch: Nein, denn ich der Herr gebot es. Abraham wurde befohlen, seinen Sohn Isaak zu opfern, obwohl geschrieben stand: Du sollst nicht tdten. Abraham aber weigerte sich nicht, und es ward ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Abraham nahm sich Beischlferinnen und sie gebaren ihm Kinder, und es wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet, weil sie ihm gegeben wurden und er meinem Gesetze nach lebte, wie auch Isaak und Jakob, die nichts anders thaten, als was ihnen geboten wurde. Sie sind erhhet worden nach der Verheiung und sitzen auf Thronen und sind nicht Engel, sondern Gtter. Auch David nahm viele Weiber und Kebsweiber, desgleichen Salomo, und Moses mein Knecht und andere meiner Knechte vom Anfange der Welt an. Ich bin der Herr dein Gott und ich gab Dir, mein Knecht Joseph, den Auftrag, alle Dinge wiederherzustellen. Bitte, was Du willst, und es soll Dir gegeben werden nach meinem Worte. Und da du mich in Betreff des Ehebruchs gefragt hast, wahrlich, wahrlich, so sage ich dir, wenn ein Mann ein Weib nimmt nach dem neuen und ewigen Bunde und sie mit einem andern Manne Umgang pflegt und ich habe es ihr nicht gestattet durch meinen heiligen Gesalbten, so hat sie die Ehe gebrochen und soll vertilgt werden. Und wenn sie dem neuen und ewigen Bunde nicht angehrt und mit einem andern Manne Umgang hat, so hat sie ebenfalls die Ehe gebrochen; und wenn ihr Gatte mit einer andern Frau Umgang pflegt, so hat er sein Gelbde verletzt und Ehebruch begangen. Und wenn sie nicht Ehebruch begangen hat, sondern unschuldig ist, und sie es wei, und ich es Dir, mein Knecht Joseph offenbare, so sollst Du durch die Gewalt meines heiligen Priesterthums die Macht haben, sie zu nehmen und dem zu geben, der keines Ehebruchs schuldig ist. Und wahrlich, wahrlich ich sage Dir, was Du versiegelst auf Erden, soll im Himmel versiegelt sein, und was Du bindest auf Erden in meinem Namen und durch mein Wort, das soll auf ewig im Himmel gebunden sein, und welche Snden Du erlssest auf Erden, die sollen ewiglich erlassen sein im Himmel, und welchem Du die Snde behltst auf Erden, dem sollen sie im Himmel behalten sein. Wen du segnest, den will ich segnen, und wem du fluchest, dem will ich fluchen, spricht der Herr; denn ich der Herr bin Dein Gott. Wahrlich ich sage dir, ich gebe ein Gebot meiner Magd Emma Smith, Deiner Ehefrau, welche ich Dir verliehen habe, da sie sich enthalte und nicht geniee, was ich Dich ihr anbieten lie. Denn ich that es, sagt der Herr, um Euch zu prfen, wie ich mit Abraham that. Und la meine Magd Emma Smith freundlich aufnehmen alle, die meinem Knechte Joseph verliehen sind, und welche tugendhaft und rein vor mir sind. Und die, welche sich fr rein ausgegeben haben, und nicht rein sind, sollen untergehen. Und ich gebiete meiner Magd Emma Smith, bei meinem Knechte Joseph zu wohnen und ihm anzuhngen und keinem Andern. Wenn sie aber diesem Befehle nicht gehorcht, so soll sie vertilgt werden. Denn ich bin der Herr Dein Gott, und will sie wegen ihrer Uebertretung meines Gesetzes vertilgen. Wenn sie aber diesem Geheie nicht folgen will, so soll mein Knecht Joseph alles fr sie thun, wie er gesagt hat, und ich will ihn segnen und mehren, und ihm geben hundertfltig in dieser Welt, Vater und Mtter, Brder und Schwestern, Huser und Lndereien, Weiber und Kinder und Kronen des ewigen Lebens in jener Welt. Und wiederum, wahrlich ich sage euch, lasset meine Magd Emma Smith meinem Knechte Joseph vergeben seine Schuld, dann soll ihr ihre Schuld vergeben werden, mit der sie sich gegen mich versndigt hat, und ich der Herr dein Gott will sie segnen und sie mehren und machen da ihr Herz jubelt. Die letzten Stze gehen darauf, da die Frau des Propheten, seiner Untreue berdrssig, sich von ihm zu trennen und mit einem Andern zu verheirathen wnschte und bereits das Haus Smiths verlassen hatte. Der Kernpunkt der Offenbarung aber liegt in den Paragraphen 23 bis 25, welche den Schlu bilden, und wo Jehova sich folgendermaen vernehmen lt: Wahrlich, wenn Jemand von meinem Vater berufen ist, wie Aaron war, durch meine Stimme und durch die Stimme dessen, der mich gesandt hat, und ich ihn mit den Schlsseln der Macht dieses Priesterthums belehnt habe, so mag er in meinem Namen und nach meinem Gesetze und Worte Alles thun, er wird keine Snde begehen, und ich werde ihn rechtfertigen. Greife darum Niemand meinen Knecht Joseph an. Denn ich will ihn rechtfertigen, denn er soll das Opfer, das ihm mglich ist, fr seine Uebertretung darbringen, sagt der Herr, euer Gott. Und abermals, was das Gesetz des Priesterthums betrifft, wenn Jemand eine Jungfrau heirathet und begehrt eine andere zu freien, und die erste giebt ihr Einwilligung, und wenn er die zweite heirathet und sie Jungfrauen sind und haben sich keinem Andern verlobt, so ist er gerechtfertigt. Er kann keinen Ehebruch begehen; denn sie sind ihm gegeben. Denn er kann nicht Ehe brechen mit dem, das ihm gehrt und keinem Andern. Und wenn ihm durch dieses Gesetz auch zehn Jungfrauen verliehen wrden, so kann er doch keinen Ehebruch begehen; denn sie gehren ihm und sind ihm gegeben, und darum ist er gerechtfertigt. Wenn aber eine oder die andere von den zehn Jungfrauen, nachdem sie ihm vermhlt ist, mit einem andern Manne Umgang pflegt, so hat sie die Ehe gebrochen und soll vertilgt werden. Denn sie sind ihm gegeben, da er sich mehre und die Erde flle nach meinem Gebote, und die Verheiung wahr mache, welche von meinem Vater vor Erschaffung der Welt gegeben wurde, und zu ihrer Erhhung in der ewigen Welt, auf da sie die Seelen der Menschen unterm Herzen tragen; denn hierin wird das Werk meines Vaters fortgesetzt, da er verherrlicht werde. Und abermals, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, wenn Jemand, der die Schlssel dieses Priesterthums hat, ein Weib besitzt, und er lehrt ihr das Gesetz meines Priesterthums in Betreff dieser Dinge, so soll sie ihm glauben und ihm dienen, oder sie soll vertilgt werden, sagt der Herr euer Gott. Denn ich will sie vertilgen und meinen Namen verherrlichen an allen, welche mein Gesetz annehmen und ihm gehorsam sind. Darum so soll es Gesetz sein, wenn sie dieses Gebot nicht annimmt, soll er es annehmen, alles, was ich, der Herr, ihm geben werde. Und sie wird dann zur Uebertreterin und ist ausgeschlossen vom Gesetze Sarahs, welche Abraham diente nach dem Gesetze, als ich Abraham gebot Hagar zum Weibe zu nehmen. Und nun, was dieses Gesetz anbelangt, wahrlich, wahrlich, ich sage euch, ich will euch spter mehr noch offenbaren; darum mge dies fr jetzt genug sein. Siehe ich bin Alpha und Omega. Amen! Dieses von schmachvollster Heuchelei dictirte Document blieb, wie gesagt, bis auf das Jahr 1853 geheim, und alle Mormonen mit denen wir in den Vereinigten Staaten ber den der Secte gemachten Vorwurf der Vielweiberei zu sprechen Gelegenheit hatten, stellten denselben mit Entrstung in Abrede. Einige gewi mit Recht, da sie, uneingeweiht in die Mysterien der Priesterschaft und Hunderte von Meilen entfernt von dem Centralsitze derselben, nicht wissen konnten, was sich dort vorbereitete und zum Theil schon gebt wurde; Andere mit weniger Recht deshalb, weil ihnen die Polygamie in Deseret nur als Gebrauch, noch nicht als kirchliche Lehre bekannt war. Gegenwrtig wird kein Mormone mehr die Stirn haben, die Sache zu leugnen. Ja man rhmt sich sogar der Vielweiberei, betrachtet sie als heiliges Institut und stellt das, was, aus der Befriedigung gemeiner Sinnenlust hervorgegangen, in jener Offenbarung Smiths mehr als Zulassung Gottes, mehr als ein Vorrecht der Priester erscheint, als religise Pflicht dar, deren Umgehung Snde sei. Hren wir die Beweise, welche Orson Pratt fr diese Behauptung vorbringt. Sie sind, wenn auch keine Beweise, doch sehr lehrreich fr Den, der sich ber die Art, wie die Vertheidiger der Secte denken und schlieen, zu unterrichten wnscht, und so mag ein etwas ausfhrlicher Auszug aus der betreffenden Abhandlung im Seer willkommen sein. Pratt beginnt damit, da er zeigt, wie vier Fnftel der Erdbewohner der Vielweiberei huldigen, und weist dann nach, da die Verfassung der Vereinigten Staaten der Centralgewalt das Recht nicht gebe, gegen die Polygamie in Deseret, die eine Gewissenssache sei, irgendwie einzuschreiten. Sie sei den Mormonen aber eine Gewissenssache zunchst schon darum, weil Gott sie durch jene Offenbarung vom 12. Juli 1843 eingesetzt habe, und die Bibel nirgends ein Verbot derselben enthalte, ja sogar an vielen Stellen sie ausdrcklich billige und als gttliches Institut auffasse. Dahin wird zuvrderst der Umstand gezhlt, da Abraham, obwohl er mehrere Frauen gehabt, des nhern Umgangs mit dem Herrn gewrdigt worden sei. Sodann wird angefhrt, da Gott thatschlich mitgewirkt habe, als David, der bereits mit mehreren Frauen Vermhlte, auch noch die Weiber Sauls sich angeeignet. Dann geht der Vertheidiger der Sache auf den Zweck der Ehe zurck, den er in dem Gottesgeheie: Seid fruchtbar und mehret euch findet. Der oberste Zweck also, fhrt Pratt fort, war die Erfllung der Schpfung mit Myriaden intelligenter und mit Willen begabter Wesen, nach seinem Bilde geschaffen, beschenkt mit Gotthnlichkeit und fhig, fortzuschreiten auf der groen Leiter der Erkenntni und des Glcks bis zur Vollkommenheit, wo sie wie Gott werden, eins mit ihm an Macht, Herrlichkeit und Herrschaft. Hierdurch werden die Reiche des Allmchtigen vermehrt, indem neue Welten hinzukommen, bewohnt von Wesen seiner Gestalt und Art; und hierdurch wchst die Freude und Seligkeit im Busen des Schpfers zur Vollkommenheit. -- Wenn also die Vermehrung menschlicher Wesen die Herrschaft des Allmchtigen vergrert, seinen Namen verherrlicht und seine Seligkeit erhht, so mssen wir vernnftiger Weise annehmen, da er einen so wichtigen Gegenstand durch ein Gesetz geregelt haben wird. Dies ist in der That geschehen. Aller willkrliche Verkehr der Geschlechter mit einander ist untersagt, und die Ehe ist eingesetzt als alleiniges Mittel, durch welches die Menschheit sich mehren und die Erde fllen kann. Daher die vielfachen Verbote, welche die Bibel sowohl als das Buch Mormon in Betreff der Unzucht und des Ehebruchs enthalten, Verbote, welche vom Herrn auch in neuern Offenbarungen an Joseph Smith mehrmals wieder eingeschrft worden sind. Hieraus ist zu ersehen, da die Latterday-Saints noch mehr Ursache als andere Menschen haben, sich aller fleischlichen Lust, aller unreinen, untugendsamen Begehren, aller unerlaubten Befriedigung ihrer Sinnlichkeit zu enthalten. Sie sind gewarnt durch die heilige Schrift, durch die alten Propheten Amerikas und durch jenen groen Propheten und Offenbarer der Neuzeit Joseph Smith. Und sie sind diesen Warnungen und Verboten gehorsam gewesen, wie ein Blick auf das Gebiet zeigt, wo die Kirche dermalen ihren Hauptsitz hat. Es giebt dort keine unehelichen Kinder, kein Haus von blem Rufe, keine Klage wegen Verfhrung vor den Gerichten und keinen Fall von Ehebruch. Aber -- heit es in der Abhandlung Pratts weiter, haben nicht einige der Heiligen in Utah mehr Weiber als wir? Ja wohl, und sie nehmen sie auch wohl in Acht und lehren ihnen und ihren Kindern die groen Grundstze der Tugend und Heiligkeit durch ihr Beispiel sowohl wie durch ihr Wort. Aber ist es nicht Snde, wenn Jemand mehr Frauen auf einmal hat als wir? Wofern es Snde ist, hat uns die Bibel nichts davon gesagt. Aber ist es nicht gegen die christliche Religion? Wofern es dagegen ist, so hat die christliche Religion nichts davon offenbart. Aber glaubt ihr denn wirklich nicht, da es dem Willen Gottes zuwider ist, wenn ein Mann in diesen Tagen mehrere Frauen nimmt? Ja es ist ihm zuwider, es wre denn, Gott gbe sie ihm vermittelst einer Offenbarung durch einen heiligen Propheten. Glaubt ihr, da das Buch Mormon eine gttliche Offenbarung ist? Ja. Lehrt dieses Buch die Vielweiberei? Nein; denn der Herr verbietet sogar den alten Nephyten mehr als eine Frau zu haben, wie dies vor Alters geschehen. Er verbot dies aber allerdings nur in Betracht der Umstnde, indem zu dieser Zeit die Zahl der Mnner und Frauen unter diesem Volke gleich war (nicht wie gegenwrtig das weibliche Geschlecht betrchtlich berwog); indem ferner damals keine Aussicht auf eine Vernderung dieses Verhltnisses stattfand, und indem endlich der Eine ebenso gut im Stande war, eine Familie in gottwohlgeflliger Weise zu erziehen als der Andere. Und der Herr setzt hinzu: Wenn ich mir Samen erwecken will, so werde ich meinem Volke Befehl dazu geben, wo nicht, so sollen sie diesen Dingen gehorsam sein. Hieraus ersehen wir, da das Buch Mormon sogar genauer in diesem Punkte ist als die Bibel, und da es den Heiligen der letzten Tage streng verboten ist, mehr als eine Frau zu nehmen, es sei denn, da Gott es durch einen unmittelbaren Befehl anders anordnete. Nun gab der Herr in der ersten Zeit dieser Kirche keinem seiner Knechte einen derartigen Befehl, sondern hie sie im Gegentheil sich an das halten, was im Buche Mormon verordnet sei. Dreizehn Jahre jedoch nach der Stiftung der Kirche ertheilte er jenen Befehl an Joseph Smith. Aber selbst dadurch wurde fr das Allgemeine nichts gendert, und die Latterday-Saints sind noch jetzt auf _eine_ Frau beschrnkt, wofern es der Herr nicht fr einzelne Flle anders verfgt. Niemand in Utah, welcher bereits eine Frau hat und welcher den Wunsch hegt, eine andere zu nehmen, ist berechtigt, einer Dame Heirathsantrge zu machen, bevor er nicht den Prsidenten um Rath gefragt und durch ihn eine Offenbarung von Gott empfangen hat, ob es in seinen Augen wohlgefllig ist. Wird es ihm durch die Offenbarung untersagt, so ist die Sache zu Ende. Wird es ihm erlaubt, so hat er noch immer kein Recht, sich ber die Gefhle der jungen Dame Gewiheit zu verschaffen, sondern mu erst die Einwilligung der Aeltern einholen, vorausgesetzt, da diese in Utah leben; kann ihre Zustimmung nicht erlangt werden, so ist die Sache damit zu Ende. Zeigen Aeltern oder Vormnder sich bereitwillig, so darf er endlich der Dame Heirathsvorschlge machen. Lehnt sie dieselben ab, so ist damit die Sache zu Ende; geht sie aber auf den Antrag ein, so wird ein Tag fr die Ceremonie der Trauung festgesetzt. Ueberdem ist zu bemerken, da ein Jeder, der sich eine zweite Gattin zu nehmen beabsichtigt, bevor er den ersten Schritt zur Ausfhrung seines Wunsches thut, die Pflicht hat, die Einwilligung der Frau, die er schon hat, zu erlangen. Ist der Tag gekommen, der fr die Trauung bestimmt worden, so versammeln sich der Brutigam, die Frau und die Braut nebst ihren Angehrigen und den brigen Hochzeitsgsten an dem Orte, welcher dazu ausgesucht worden ist. Der Schreiber nimmt die Namen, das Alter, den Geburtsort, die Grafschaft, den Staat und das Vaterland der zu Verheirathenden auf und trgt sie sorgfltig in ein Buch ein. Der Prsident, welcher der Prophet, Seher und Offenbarer ber die ganze Kirche in aller Welt ist, und welcher allein die Schlssel der Macht in Betreff dieser gttlichen Anordnung hat, gebietet dem Brutigam, seiner Frau und der Braut, sich zu erheben und ihm gegenberzutreten. Die Frau steht zur Linken ihres Mannes, die Braut ihr zur Linken. Der Prsident legt dann der Frau die Frage vor: Sind Sie Willens, dieses Weib Ihrem Ehemanne zu geben, auf da sie sein gesetzlich vermhltes Eheweib sei fr Zeit und Ewigkeit? Wofern Sie dazu gewillt sind, so wollen Sie es dadurch kundgeben, da Sie deren rechte Hand in die rechte Hand Ihres Ehemannes legen. Sind beide Hnde, die des Brutigams und der Braut in dieser Weise mit einander verbunden, so nimmt die Frau den linken Arm ihres Mannes, wie wenn sie mit ihm einen Gang machen wollte. Dann fhrt der Prsident fort, indem er den Brutigam fragt: Nehmen Sie, Bruder N. N. Schwester N. N. (die Braut) bei der rechten Hand, um sie zu Ihrem gesetzlichen Eheweibe zu nehmen und ihr gesetzlicher Ehemann zu sein fr Zeit und Ewigkeit, und versprechen Sie Ihrerseits, da Sie alle Gesetze, Gebruche und Anordnungen, die zu dieser heiligen Ehe in diesem neuen und ewigen Bunde gehren, zu erfllen, indem Sie dies in Gegenwart Gottes, der Engel und dieser Zeugen Ihrem eignen freien Willen und Ihrer Wahl nach thun? Der Brutigam antwortet mit: Ja. Der Prsident legt dann dieselbe Frage, den Verhltnissen der Braut angepat, der letzteren vor, welche gleichfalls mit Ja zu antworten hat. Der Prsident sagt dann: Nun so verknde ich im Namen des Herrn Jesu Christi und kraft des Amts des heiligen Priesterthums Euch als gesetzlich verbundene Ehegatten fr Zeit und Ewigkeit, und ich siegle auf Euch die Segnungen der heiligen Auferstehung mit der Macht, am Morgen der ersten Auferstehung, bekleidet mit Herrlichkeit, Unsterblichkeit und ewigem Leben hervorzugehen. Und ich siegle auf Euch die Segnungen der Throne und Herrschaften und Frstenthmer und Gewalten und Erhhungen, zugleich mit dem Segen Abrahams, Isaaks und Jakobs, und sage zu Euch: seid fruchtbar und mehret Euch und fllt die Erde, auf da Ihr Freude und Jubel durch Eure Nachkommenschaft habt in den Tagen des Herrn Jesus. Alle diese Segnungen und gleichermaen alle andern Segnungen, die zu dem neuen und ewigen Bunde gehren, siegle ich auf Eure Hupter durch Eure Treue bis ans Ende, kraft des heiligen Priesterthums im Namen des Vaters und des Sohnes und des heiligen Geistes. Amen. Der Schreiber trgt dann in sein Buch Ort und Datum der Trauung und einige von den Namen der Zeugen ein. Lehrt ein Mann seiner Frau das Gesetz Gottes, wie es von den alten Patriarchen gehalten und durch neuere Offenbarung besttigt worden ist, und verweigert sie ihm ihre Einwilligung zur Verheirathung mit einer zweiten, so mu sie vor dem Prsidenten die Grnde fr ihre Weigerung angeben. Erscheinen dieselben gengend und wird der Mann schuldig befunden, so erhlt er die Erlaubni zur zweiten Ehe nicht. Kann die Frau aber keinen vernnftigen Grund vorbringen, weshalb sie sich dem Gesetze, das einst Sarah gegeben worden, wiedersetzt, so kann der Mann, wenn ihm auf dem Wege der Offenbarung durch den Propheten Erlaubni wird, andere Frauen auch ohne Zustimmung der ersten nehmen, und diese wird sich die Verdammni zuziehen, weil sie ihm jene nicht gab, wie Sarah dem Abraham die Hagar und wie Rahel und Leah ihrem Manne Jakob die Bilha und die Zilpah gaben. Es ist aber die Pflicht des Mannes, der eine zweite Frau nimmt, fr ihre Wohlfahrt und ihr Glck zu sorgen und ihr das Leben so behaglich zu machen, als der ersten, wie dies die Schrift 2. Mose 21, 10. gebietet. Ueber den Aufenthaltsort der verschiedenen Zweige einer Familie ist keine besondere Regel festgestellt. Bisweilen baut der Gatte fr seine Frauen verschiedene Wohnungen, wie Jakob fr seine vier Weiber verschiedene Zelte aufstellte. Es ist jedoch sehr hufig der Fall, da sie alle in demselben Hause wohnen und vereint und mit der grten Heiterkeit sich der Geschfte der Haushaltung widmen, an demselben Tische essen und sich gegenseitig Alles zu Gefallen thun, whrend der holdeste Friede und die herzlichste Eintracht Jahr auf Jahr unter ihnen herrschen. Ihre Kinder spielen mit einander in Liebe als Brder und Schwestern, whrend jede Mutter fr die Kinder der Andern so viel liebreiches Wesen und zrtliche Aufmerksamkeit an den Tag legt, als fr ihre eigenen. Und Morgens und Abends, wenn der Gatte seine Familie zusammenruft, um dem Herrn zu dienen und seinen Namen anzurufen, so beugen sie alle gemeinsam ihre Kniee und bringen dem Allerhchsten das Opfer ihrer Andacht dar. Zu dieser idyllisch anmuthigen Schilderung der Folgen, welche die Vielweiberei in Deseret gehabt haben soll, pat schon der Nachsatz: Wo alle Weiber gleich glaubenstreu sind, bestrebt sich der Mann gemeiniglich, sie alle gleich gut zu behandeln nicht recht, indem es darnach scheint, da dieses Bestreben nicht berall vorhanden und nicht berall mit Erfolg gekrnt ist. Noch weniger aber stimmt es damit berein, wenn der Ingenieur Gunnison, der mehrere Monate in Deseret lebte und sonst nichts weniger als ungnstig ber die dortigen Heiligen urtheilt, die Flle, wo die Frauen nach der Art der vier Weiber Jakobs in verschiedenen Zelten untergebracht werden mssen, als die gewhnlicheren bezeichnet und hinzusetzt, dieselben mten durch Nhen und andere weibliche Arbeiten selbst fr ihren Unterhalt sorgen. Gewi ist, fhrt Gunnison fort, da die Weiber das Verhltni hufig unbehaglich und lstig finden, wenn auch gewhnlich die Oberflche der Gesellschaft eine lchelnde Miene trgt und das Joch fr alle, die aus Pflichtgefhl und Schwrmerei einwilligen, ein leichtes ist. Wenn solche Frauen sich auflehnen, so verfhrt man sehr summarisch mit ihnen, und die ffentliche Meinung nimmt gegen sie zu Gunsten des Mannes Partei. Eine sehr achtungswerthe Dame im Thale gilt, weil sie den ihr Versiegelten (der, mit der einen Frau nicht zufrieden, eine zweite genommen) verlassen und einen Andern geheirathet hat, als Ehebrecherin und wird deshalb nicht in Gesellschaft geladen. Ein Beispiel summarischen Verfahrens erlebten wir am Brenflusse. Ein aus Monsieur Cabets Gemeinde in Nauvoo ausgewanderter Socialist hatte den Winter in der Salzseestadt zugebracht, und war im Frhjahr weiter nach Californien aufgebrochen. Er hatte eine Frau mit einem ungefhr zwei Jahre alten Kinde bei sich, die ihn gebeten hatte, sie mit nach dem Goldlande zu nehmen, indem sie ihm vorgestellt, wie der geistliche Wrdentrger, mit dem sie versiegelt worden, ihr drei Jahre lang weder einen Besuch gemacht, noch etwas zu ihrem Unterhalte beigetragen habe; da ferner ein junger Mann, dem sie sich verlobt, jetzt in Californien sei, und da sie sich, wenn sie zu ihm gelangen knnte, nach den Gesetzen des Landes heirathen wollten. Das Herz des Socialisten war dadurch gerhrt worden und er hatte ihr freundlich die Mittel zur Reise angeboten. So hatten sie etwa hundert Meilen zurckgelegt, als eine Schaar von Hschern aus Neujerusalem sie einholte und an sie die Forderung stellte, die junge Frau solle zu ihrem gesetzlichen oder angesiegelten Gemahl zurckkehren. Der Socialist fragte uns um Rath, was zu thun sei; aber die Uebermacht verbot jede Weigerung, und so mute die Dame mit Widerstreben ihre Schritte zurcklenken. Mehrmals wurden uns hnliche Flle bekannt, und so mssen wir den Schlu ziehen, da die Regelung des neuen Pluralittsgesetzes noch nicht vollendet ist, und da die Tugenden, die man ihm zuschreibt, noch nicht in voller Blthe stehen. Wir knnen inde hinzusetzen, da die Gemeinde durchaus den Anschein guter Sitten hat, so da in den Vereinigten Staaten eine gleiche Anzahl Menschen schwerlich das Decorum besser bewahrt. Wir haben aber den Vorkmpfer der Vielweiberei in Deseret, den streitfertigen Pratt noch bei Weitem nicht alle Wendungen und Finten machen sehen, mit denen er, fortwhrend die Bibel als Schild vorhaltend, die Angriffe auf seinen Glauben zu pariren und zu entkrften bestrebt ist. Wir mssen darum noch auf einen Augenblick zu ihm zurckkehren. Er stellt nach jener Idylle zur Vervollstndigung des Bildes zunchst in Abrede, da man unter den Mormonen wisse, was Eifersucht sei, und hlt dann die patriarchalische Unschuld und Reinheit derselben mit der furchtbaren Sittenverderbni in den groen Stdten Amerikas zusammen, wobei er findet, da die heidnischen Nationen, wenn sie glauben, da den Heiligen mit der =celestial marriage= ein Splitter in's Auge gerathen sei, besser thun wrden, an den Balken zu denken, der durch einen Blick auf die Hunderte von liederlichen Husern in Neuyork und auf die neunzigtausend Prostituirten in London sehr deutlich in ihrem Auge sichtbar wrde. Dann kommt er auf die Bedeutung der Heirath als einen Bund fr alle Ewigkeit zurck, und weist mit einer geschickten Verdrehung des Spruchs, nach welchem die Auferstandenen weder freien, noch sich freien lassen, nach, da diejenigen, welche sich nicht auf Erden auf die rechte Weise, d. h. durch den allein damit beauftragten Seher der Mormonen fr den Himmel versiegeln lassen, im Jenseits selbst dann allein und einsam, ohne die geliebte Gefhrtin leben werden, wenn sie durch ein frommes Leben sich einen gewissen Grad von Seligkeit verdienen. Alle Heirathen sind, wofern sie nicht von einer inspirirten Person eingesegnet sind, vor Gott ungiltig, alle aus solchen Ehen hervorgegangenen Kinder Bastarde, gleichviel ob die brgerlichen Gesetze sie so ansehen oder nicht. Wahrhaft classisch ist es, wie Pratt daraus, da Jemand die Vermhlung der Gatten fr die Ewigkeit zugiebt, die Folgerung zieht, er msse dann auch die Vielweiberei gestatten. Er sagt: Gesetzt den Fall, Herr A. heirathet Frulein B. fr Zeit und Ewigkeit. Nun stirbt im Laufe der Zeit seine Frau, geborne B., indem sie verschiedene Kinder hinterlt. Der Witwer A. heirathet nun ein Frulein C. Frage: Wie will seine Braut C. einen Mann fr alle Ewigkeit bekommen? Es liegt auf der Hand, da sie in Zukunft entweder allein existiren oder mit Herrn A. sowohl fr die Ewigkeit als fr die Zeit verheirathet werden mu. Entschiede sie sich fr das Letztere, so wrde Herr A. am Morgen der Auferstehung zwei Weiber haben. Nun kann es aber geschehen, da Herr A. so unglcklich ist, auch seine zweite Frau, geborne C., durch den Tod zu verlieren, und da Verhltnisse ihn nthigen, eine dritte Heirath mit Frulein D. einzugehen. Er wrde dann nicht weniger als drei Frauen haben. Mglich aber auch, da Herr A. vor seiner Frau, geborne B. stirbt, und da seine Witwe einen jungen Mann Namens C. blos fr dieses Leben heirathet, da sie mit ihrem verstorbenen Gatten A. fr alle Ewigkeit verbunden ist. Frage: Wenn Herr A. seine Frau nach der Auferstehung beansprucht, wie wird Herr C. dann zu einer Frau gelangen? Antwort: Er mu sich entweder ohne eine solche behelfen, oder schon in diesem Leben sich mit einer andern, die keine Verpflichtung fr die Ewigkeit hat, verheirathen. In diesem Falle aber wrde er schon whrend dieses Lebens zwei Frauen haben mssen. In der That, bei dieser Art Sophistik wird dem Leser zu Muthe, als ob in den Mormonen nicht blos die Zeiten der Erzvter, sondern auch die Tage wiedergekommen wren, wo man in Paris die tiefsinnigen Fragen zur Entscheidung zu bringen bemht war, ob Christus die Welt auch in Gestalt eines Krbis htte erlsen knnen? Wie dann der Krbis gepredigt haben mte? Wie er am Kreuze ausgesehen haben und wie er gen Himmel gefahren sein wrde. Hren wir inde unsern mormonischen Scholastiker weiter. Es ist hufig der Fall, da weiblichen Wesen niemals ein Heirathsantrag von jungen Mnnern gemacht wird, denen sie so viel Vertrauen erweisen, da sie sich mit ihnen fr alle Ewigkeit verbinden mchten. Frage: Mssen diese Mdchen in der Ewigkeit ohne Gatten bleiben? Wrde es nicht weit besser fr jede einzelne von ihnen sein, wenn sie mit einem frommen, obgleich schon verheiratheten Manne wie Abraham vermhlt wre, als wenn sie fr die ganze Ewigkeit vereinsamt bliebe? Wrde es nicht eine bei Weitem grere Seligkeit fr sie in sich schlieen, die zweite, dritte oder vierte Frau, und dadurch in der Lage zu sein, eine endlose Nachkommenschaft zu gewinnen und sich mit ihrem Gatten aller der Herrlichkeit und Glorie seiner wachsenden himmlischen Knigreiche zu erfreuen, als alle Ewigkeit hindurch in Gestalt eines bloen Engels oder einer bloen Magd, ohne Nachkommenschaft verharren zu mssen? Und wiederum giebt es viele Witwen, deren Mnner in Unglauben sterben. Diese Witwen knnen mglicherweise keinen Antrag auf Heirath von einzeln lebenden Mnnern erhalten. Soll fr sie nicht Frsorge getroffen werden? Und welches tugendhafte Weib wrde es nicht vorziehen, die sechste oder siebente Frau eines Glubigen zu werden, als in der zuknftigen Welt in alle Ewigkeit ohne die Segnungen der Ehe zu leben? Und weiter: wenn (in diesen letzten Tagen vor dem Beginne des tausendjhrigen Reichs) Volk gegen Volk und Reich gegen Reich sich erhebt und das Schwert vertilgend von einem Ende der Erde zum andern daherfhrt, so werden viele Millionen von Vtern und Brdern auf der Wahlstatt fallen, whrend die Mtter, Schwestern und Tchter zurckbleiben werden, um ihren Verlust zu betrauern. Was wird aus diesen Frauen werden? Antwort: Das Evangelium wird ihnen gepredigt werden und sie werden aus allen Vlkern fliehen und zu den Heiligen Zions versammelt werden. Dann wird die Zahl der Frauen bei Weitem grer sein als die der Mnner. Aber wie werden dann alle mit Mnnern fr die Ewigkeit zu versorgen sein? Wir wollen diese Frage mit den Worten Jesaias beantworten. In jenen Tagen werden sieben Weiber einen Mann ergreifen und sagen: Wir wollen unser eigen Brot essen und uns von unserm Eignen kleiden, nur la uns deinen Namen tragen, auf da unsere Schande hinweg genommen werde. So sehen wir denn, da die Schande, keinen Mann zu haben, grer sein wird, als die Schande von sieben Weibern, die zusammen einen Mann haben. Ja das letztere wird berhaupt kein Vorwurf, vielmehr ein Mittel sein, einem Vorwurfe zu entgehen. Als gttliche Einrichtung wird es mit Begier gesucht werden, gesucht sogar auf die Gefahr hin, da die Frauen selbst fr ihre Nahrung und Kleidung sorgen mssen. Wie aber Ehelosigkeit fr jedes weibliche Wesen eine Schande ist, so gereicht es auch einer Frau zum Vorwurfe, kinderlos zu sein. Auf alle Flle ist es ein Unglck, da auf diese Art der Zweck der Ehe, das Menschengeschlecht zu mehren, nicht erreicht wird. Unfruchtbare Frauen aber knnen ihrer Unvollkommenheit abhelfen, wenn sie dem Beispiele der ebenfalls verschlossenen Leah folgen, welche Jakob ihre Magd Zilpah zum Weibe gab, worauf der Herr ihr Gebet erhrte und ihr einen Sohn schenkte. Ganz so wird der Herr auch noch heute thun den Frauen, die seinem Gesetze gehorchen. Wir bergehen die Beweise, die fr diese Wahrheit aus der Bibel beigebracht werden, ebenso die Ausfhrung des Satzes, da es Weibern nicht erlaubt ist, ihrerseits mehrere Mnner zu haben, ebenso einige andere Behauptungen, die nur fr den beraus grndlichen Pratt von Wichtigkeit sind, und kommen wieder auf den Text zurck, wo unser Dogmatiker nach weitlufiger Untersuchung der Leviratsehe, aus der ihm unwiderlegliche, aber bekanntlich unnthige Beweise fr das hufige Vorkommen der Vielweiberei unter den Juden hervorgehen, seinen Scharfsinn an der nicht weniger berflssigen Frage bt, ob die ersten Christen nicht ebenfalls Polygamisten gewesen wren. Er zeigt, da dem so gewesen, an einer Flle von Sprchen aus den Briefen Pauli, namentlich an dem, wo der Apostel dem Timotheus schreibt, ein Bischof msse _eines_ Weibes Mann sein. Wo dies nur von Bischfen gefordert wurde, raisonnirt Pratt, war es den Laien und niederen Kirchendienern gestattet, mehrere Frauen zu haben. Den Bischfen aber war es damals nur untersagt, weil die Zeitumstnde nicht gnstig dazu waren, und weil die Vorsteher der Kirche mglichst befreit sein muten von der Sorge fr eine starke Familie; durchaus nicht deshalb, weil es Snde gewesen wre, in Vielweiberei zu leben. Aber warum ist der Gebrauch, mehrere Frauen zu nehmen, von der christlichen Kirche nicht beibehalten worden? fragt Pratt. Wir antworten, es giebt kaum einen einzigen Zug des Urchristenthums, der die dunkle Zeit der Verderbni berdauert und sich bis auf den heutigen Tag erhalten hat. Wo sind jetzt die vom heiligen Geiste erfllten Apostel der alten Christenheit? Wo ist die Flle von Propheten hin, die einst so zahlreich in der christlichen Kirche aufstanden? Wo sind die Visionen, Offenbarungen, Weissagungen, die Erscheinungen dienender Engel, die Heilungen, die Wunder und die gttliche Gewalt hin, die ehemals die Kirche Christi auf Erden so verherrlichten? Ja, wo ist diese Kirche Christi selbst hin gerathen? Sie ist seit Jahrhunderten schon nirgends mehr auf der Erde zu finden. Und wenn alle die groen und glorreichen Grundzge der christlichen Religion abhanden gekommen sind, wenn die Kirche selbst nicht bis auf unsere Tage fortgepflanzt worden, sondern in eine Menge von Secten zerfahren ist, von denen keine mehr Berechtigung zur Existenz hat, als die gtzendienerischen Hindus, wie wre da zu erwarten, da das Gesetz der Vielweiberei, das in jener Urkirche galt, sich erhalten haben sollte. Kein Wunder, da, wenn die wichtigsten Aemter, Gnadengaben und Segnungen des Evangeliums verschwunden sind, auch die Gebruche der alten Christen untergingen! Dieser Abfall vom echten Christenthume begann schon bei Lebzeiten der Apostel und uerte sich unter Anderm in dem Verbote des Heirathens, einer der wirksamsten Lehren, welche der Teufel erfinden konnte, um die Grundlagen der Gesellschaft zu entwurzeln, das Volk Gottes ihres verheienen Erbtheils an Kindern zu berauben, die Absichten des Allmchtigen auf Bevlkerung der Erde mit ihrem vollen Mae von Bewohnern zu hindern und die Menschheit in dieselbe traurige Lage wie die gefallenen Engel selbst zu bringen, welche nicht die Macht haben, ihre Herrschaft durch Vermehrung ihrer Art zu vergrern. Dieser arglistige Versucher und seine Engel wissen sehr wohl, was sie durch ihren einstigen Ungehorsam verscherzt haben, und knnten sie die Menschen, die sie im Besitze des Verlorenen sehen, zum Verbote des Heirathens verfhren, so wrde es ihnen zu groer Genugthuung gereichen; denn wir wrden dann, weiblos und kinderlos wie sie, und der Mittel beraubt werden, uns Knigreiche im Himmel zu grnden. So versuchten sie alles Mgliche, die Menschheit zur Abschaffung der Ehe zu bereden, und es gelang ihnen nur zu wohl, wenn auch nicht vollstndig. Da sie nicht die ganze Kirche zur Aufgebung des Heirathens gewinnen konnten, so wendeten sie sich an die abgefallene Priesterschaft und bestrebten sich, sie zur Ehelosigkeit zu nthigen. Dies gelang, und ein Gesetz wurde erlassen, welches allen Priestern das Clibat zur Pflicht machte. Desgleichen wurden Nonnenklster erbaut, in denen weibliche Wesen fr ihre ganze Lebenszeit eingeschlossen und dadurch verhindert wurden, das groe und lteste Gebot der Mehrung ihres Geschlechts zu befolgen. Der nchste Schritt, den der Teufel that, war die Vereinigung dieser abgefallenen Kirche und Priesterschaft mit der weltlichen Gewalt. Auch dies brachte er bald zu Stande, und er sah sich jetzt mit doppelten Krften bewaffnet. Was er frher mit den geistlichen Gerichtshfen nicht vllig durchsetzen konnte, das erreichte er nunmehr mit dem Arme der brgerlichen Obrigkeit. Hatte er zuerst den Priestern und Nonnen das Recht, sich zu vermhlen genommen, so entri er jetzt allen Mitgliedern der Kirche das Privilegium, mehr als eine Frau zu besitzen, und zerstrte dadurch eine gttliche Einrichtung, die in allen vorhergehenden Weltaltern unter heiligen Patriarchen, Propheten und Gottesmnnern so erfolgreich gewesen war, das Volk Gottes zu mehren und zahlreich zu machen wie der Sand am Meere. Htte er die Ehe ganz ausrotten knnen, so wrde seine Rachgier volle Sttigung gefunden haben; denn (hier nhert sich die Naivitt des guten Orson Pratt dem Gipfel der Komik) er entsann sich gar wohl, wie viel Schaden Abraham, Jakob, Moses, Gideon mit seinen zweiundsiebzig Shnen, Elkanah, David und zahlreiche andere alte Polygamisten (unter denen man sich in dieser Beziehung wohl auch die zeugungskrftigen Gtter des indischen Himmels, denen diese Theorie abgelauscht zu sein scheint, den Weiberfreund Zeus und den rstigen Bewltiger der fnfzig Tchter des Thespios denken darf) ihm angerichtet hatten. Er entsann sich, wie Gott sich einen Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs genannt und den Kindern ihrer zahlreichen Weiber seinen Segen verheien und versprochen hatte, sie zu vermehren wie den Staub auf Erden. Er entsann sich endlich, wie Christo, dem grten Feinde, den der Teufel besa, diese gttliche Einrichtung so wohlgefallen hatte, da er durch das Weib, von dem er sich gebren lie, als Glied in eine lange Reihenfolge jdischer Polygamisten eintrat.[6] Der Teufel gedachte darum sein Mthchen an dieser heiligen Einrichtung zu khlen und sie wo mglich ganz auszutilgen. Die Vlker, die dem entarteten Christenthum anhingen, standen ihm in diesem boshaften Beginnen bei und erlieen Verordnungen, welche die Vielweiberei in ihrer Mitte untersagten. So wurde das Gesetz Gottes, durch welches die zwlf Stmme Israels begrndet wurden, und nach dem der Messias seine Erscheinung im Fleische bewerkstelligte, jenes Gesetz, welches den auserwhlten Samen wie die Sterne am Himmel mehrte, und in welchem alle Nationen gesegnet werden sollten, jenes Gesetz, durch das dem kinderlos Verstorbenen sein Name durch endlose Geschlechter hindurch verewigt werden konnte -- so wurde dieses heilige, gttliche Gesetz durch menschliche Maregeln und Satzungen umgestoen und abgeschafft. Mge das entartete Christenthum errthen ber seine tempelschnderischen Thaten, mge es sich in die Seele hineinschmen ber seine engherzigen bigotten Gesetze! [6] Nach anderen Mormonen, z. B. Orson Hyde, einem der zwlf Apostel, huldigte Jesus der =divine institution= sogar durch die That, indem er sich bei der Hochzeit von Kana mit nicht weniger als drei Frauen auf einmal, mit den beiden Schwestern des Lazarus, Martha und Maria, und der andern Maria vermhlte. Mit dieser Apostrophe mge unser Auszug aus Pratts wunderlicher Vertheidigungsschrift beschlossen sein, und wir haben nur noch einiges Thatschliche aus anderen Quellen nachzutragen, um den Gegenstand, so weit es uns erforderlich scheint, zu erschpfen. Da es den Brgern Deserets religise Pflicht fr jeden Mann ist, wenigstens einmal zu heirathen, geht aus dem soeben Mitgetheilten hervor. Der Grund wird auch so ausgedrckt, da es einer Frau ohne Mann berhaupt nicht mglich sei, Eintritt ins Himmelreich zu erlangen. Nun sollen aber vorsichtigen Mormoninnen hin und wieder Zweifel beigekommen sein, ob ihre Eheherren berhaupt selbst Aussicht auf den Himmel htten, und die Folge war, wie bse Zungen behaupten, da sie nach dem Rockzipfel eines Hohenpriesters oder Apostels haschten, der natrlich bestimmtere Aussichten hatte, im Jenseits als Knig aufzuerstehen. Wir bezweifeln inde vorlufig die Wahrheit dieser Gerchte, da fast alle Nachrichten darin bereinstimmen, da fleischliche Vergehungen mit auergewhnlich strengen Strafen bedroht sind, da man ferner, wenn das Territorium zum Staate gereift sein wird, jeden Ehebruch durch Enthauptung der Schuldigen zu ahnden gedenkt, und da man es schon jetzt fr vollkommen gerechtfertigt, ja fr Erfllung einer Pflicht hlt, wenn ein Mann, dem die Gattin, Schwester oder Tochter verfhrt worden ist, den Verfhrer tdtet. Man nennt das =common mountain law= und begrndet es aus dem mosaischen Gesetze, und kein Gericht wrde es wagen, den Mann, der auf diese Art die Ehre seiner weiblichen Verwandten rchte, auch nur zur leichtesten Strafe zu verurtheilen. Ein Beweis dafr war der Proce des Mormonen Egan, welcher im Jahre 1851 in der Salzseestadt zur Verhandlung kam. Derselbe war angeklagt, einen gewissen Morgan, der ihm die Frau whrend seiner Abwesenheit zur Untreue verleitet, mit kaltem Blute ermordet zu haben. Das Geschwornengericht sprach ihn frei, und der vorsitzende Richter erklrte, als er das Urtheil verkndigte: da Geldstrafen fr solche Vergehungen lediglich Zeichen der Verfaultheit anderer Regierungen seien, und da der oberste Grundsatz, welcher durch das Herz aller Einwohner dieses Territoriums pulsire, einfach dahin laute: Der Mann, der seines Nchsten Weib verfhrt, mu sterben, und ihr nchster Anverwandter mu ihn tdten. In Betreff der Versiegelungen, wie die Antrauungen zweiter und dritter Frauen genannt werden, ist zu bemerken, da der Seher sie nicht persnlich zu vollziehen braucht, sondern Andere mit der Ceremonie beauftragen kann. Ferner ist nachzutragen, das jedes unverheirathete Frauenzimmer das Recht hat, sich beim Prsidium einen Ehemann auszubitten, und derselbe darf ihr nicht verweigert werden, da ja ihre einstige Seligkeit davon abhngt. Der Prsident ist gehalten, auf Empfang einer derartigen Petition hin dem Ersten Besten, der ihm tauglich scheint, Befehl zu ertheilen, die Einsame zu seiner Frau zu nehmen. Er kann sie aber auch sich selbst versiegeln, d. h. ohne Euphemismus: in sein Harem aufnehmen. Hat der Betreffende keine Neigung zu dem ihm angesonnenen Ehebunde, so mu er triftige Verhinderungsgrnde angeben, sonst gerth er in Gefahr, vor den hohen Rath gefordert und wegen Widersetzlichkeit gestraft zu werden. Mitunter geschieht es auch, da Young Einspruch gegen die Absicht auf eine Versiegelung thut, die aus unwrdigen Beweggrnden hervorgegangen ist. Diese Einmischungen in die Regierung Cupido's, sagt Gunnison, erfordern berhaupt groe Vorsicht. Denn die Richtersprche mgen hier noch so sehr vom Verstande dictirt sein, die Leidenschaft wird immer etwas daran auszusetzen finden. Allein wie der Prsident der Kirche die Macht zu binden hat, so ist ihm auch die Macht zu lsen verliehen. Er kann die Verheiratheten oder Versiegelten trennen, nachdem er sie zur Eintracht und Geduld ermahnt und ihnen eine Probezeit gesetzt hat, sie aber dabei die Unmglichkeit eingesehen zu haben glauben, mit einander zu existiren. Aus dieser Gewalt zu binden und zu lsen, erwchst ihm ein ungemeines Ansehen und eine genaue Kenntni der gesammten huslichen Verhltnisse der Colonie. Das Vertrauen, da man ihm in solchen delicaten Angelegenheiten zu erweisen genthigt ist, erzeugt Ehrerbietung und Furcht, und wo das Ehebndni zum Guten ausschlgt, Liebe und Dankbarkeit gegen den Berather und Freund, und da der Frieden in der Gemeinde wesentlich auf dem der Familie beruht, so wacht Young mit eiferschtiger Sorgfalt ber seine Prrogative und nthigt die Betheiligten, soviel an ihm ist, ihren Verpflichtungen nachzukommen. Da auch die Leviratsehe in Deseret eingefhrt ist, scheint aus folgender Anekdote bei Gunnison hervorzugehen. Bischof J. fgte seinem ziemlich gerumigen Hause noch ein Seitengemach an, und da er keine starke Familie besa, so fragten wir verwundert nach dem Grunde dieser Vergrerung seines Domicils. >Ach!< war die Antwort, >wissen Sie denn nicht, da er seines Bruders Witwe zur Frau nehmen mu, und da die Zeit dazu nahe ist?< Wir besannen uns auf die Geschichte des jdischen Weibes, das sieben Brder nach einander heirathete, doch da wir nur unwissende Laien waren, so getrauten wir uns nicht, uns genauer nach den Absichten und Ansichten eines Priesters der Ordnung Melchisedeks zu erkundigen. Da die hhere Priesterschaft der Mormonen die ihnen im Punkte des Heirathens auferlegte Pflicht in einer ihrer Vorbilder, der Erzvter, vollkommen wrdigen Weise erfllt und zahlreiche Weiber und Kinder hat, ist bekannt. Eine andere Methode, vermge welcher die Hupter der Kirche ihren Haushalt mehren, ist die Annahme mehrerer Personen an Kindesstatt. Sehr hufig nmlich geschieht es, da Apostel oder Hohepriester ganze Familien als Glieder der ihrigen einverleiben. Die Hupter dieser Familie finden eine Ehre darin Kinder des Sehers oder angenommene Shne des Prsidenten zu heien. Sie wohnen entweder bei ihrem Adoptivvater oder doch in seiner Nhe, arbeiten fr ihn, empfangen Nahrung und Kleidung von ihm, und verhalten sich berhaupt, obwohl sie hufig schon Mnner reiferen Alters sind, vollstndig als Kinder gegen ihn. Der eigentliche Zweck dieser Einrichtung, die etwas nach Sclaverei aussieht, mag wohl der gewesen sein, da die Fhrer der Secte sich durch Heranbildung einer starken, durch Dankbarkeit an ihr Interesse gefesselten Clientel fr alle Flle ihre Macht zu sichern bestrebt waren. Sie haben aber diesen Zweck, der so wenig mit der Liebe zur Unabhngigkeit und allen damit zusammenhngenden Reminiscenzen eines Amerikaners und Englnders bereinstimmt, gut verborgen, dem Ganzen einen patriarchalischen Anstrich verliehen und demselben dadurch, da sie lehren, das Verhltni werde sich in jener Welt fortsetzen, eine religise Weihe zu geben verstanden, ber welcher der Fanatismus ihrer Anhnger wie so manches Andere auch seine Liebe zur Freiheit und Gleichheit vergit. Das gesellschaftliche Leben in Deseret scheint nach den Schilderungen aller Berichterstatter ebenso herzlicher als lustiger Art zu sein. Die heiteren, zufriedenen Mienen, sagt Gunnison, die herzliche Anrede mit Bruder und Schwester, die Gesnge Zions, die einem aus dem Munde der mit ihrer Hausarbeit beschftigten Frauen entgegenschallen, machen den Eindruck, als ob man in den Thlern Deserets sich eines nicht gewhnlichen Wohlbefindens erfreue. Alle Reisende rhmen die Gastfreundschaft der Mormonen, die nur durch ihre noch immer beschrnkten Rumlichkeiten begrenzt ist. Die Auswanderer nach Californien haben sich vielfacher Geflligkeiten von ihnen zu erfreuen gehabt, und mancher kranke und in seinen Mitteln erschpfte Goldsucher hat hier barmherzige Samariter gefunden, wo er sie nicht erwarten konnte, wenn er an die Vergangenheit der Jnger Joseph Smiths sich erinnerte. Da die Latterday-Saints nichts weniger als finstere, sauertpfische Fromme sind, ist schon wiederholentlich angedeutet. Nirgends wird unter gleichen Verhltnissen so viel musicirt, getanzt und gescherzt, als im neuen Zion, und wenn viele sich des Genusses geistiger Getrnke enthalten, so geschieht dies nicht, weil man von dem Trifolium Wein, Weib, Gesang dem ersten Blatte gram wre, sondern weil es in den Thlern der Felsengebirge schwer zu beschaffen und darum sehr theuer ist. Die Evening-Parties der Heiligen am Salzsee sind, allen Beschreibungen zufolge, auerordentlich heiter. Hufig werden sie durch die Anwesenheit der obersten geistlichen Wrdentrger beehrt, die sie mit einem Gebete erffnen, in welchem der Segen des Allmchtigen auf das Vergngen seiner Kinder herabgefleht wird. Hat man sich aber dieser Pflicht entledigt, so spielt die Musik unverzglich zu einem Walzer oder Galopp auf, an welchem sich Alle ohne Ausnahme vom Apostel und Hohenpriester bis zum niedrigsten Laien herab mit gleichem Eifer betheiligen. Ein komischer Anblick ohne Zweifel, hier einen verehrungswrdigen Patriarchen nach dem Tacte eines Hopsers sich im Wirbel drehen zu sehen und dort ein anderes Kirchenlicht zu gewahren, welches mit schmunzelndem Munde in den Figuren eines Contretanzes herumirrlichtelirt oder den besser eingebten Doubleshuffle exercirt. Noch komischer aber drfte deutschen Oberkirchenrthen die verbrgte Nachricht erscheinen, da diese Blle einst, wenn der groe Tempel vollendet ist, einen integrirenden Theil des mormonischen Gottesdienstes bilden sollen. Wir an unserm Theile finden dies auch komisch, aber nicht erstaunlich, da wir uns an Davids Tanz vor der Bundeslade erinnern, und da wir die Shaker, Amerikas Derwische zu wiederholten Malen nicht blos mit Zunge und Kehle, sondern auch durch taktmige Bewegung der Fe und planetarische Rotation der Leiber die Ehre geben sahen. Achtes Kapitel. Die letzten Dinge. -- Die vier Zeugen der Wahrheit. -- Der Beginn des tausendjhrigen Reichs in der alten und neuen Welt zugleich. -- Die Wiederkehr der verlorenen zehn Stmme Israels. -- Die Wiedervermhlung der durch das Meer getrennten Erdtheile. -- Der jngste Tag. Alles, was im Vorhergehenden von den Lehren und Gewohnheiten der Mormonen mitgetheilt worden ist, kann in Kurzem nicht mehr ihre Lehre und nicht mehr ihre Gewohnheit sein. Wie oben gezeigt, ist ihr Glaube eine stete Revolution, ein Proteus, der heute dies und morgen das stricte Gegentheil davon ist, eine unaufhrliche Accomodation an die Umstnde oder an das Belieben der Fhrer. Was jetzt nur Vorrecht ist, mag bers Jahr ein Gebotenes und aber bers Jahr ein Verbotenes sein, wenn es die Verhltnisse fordern. Da sich Gemther finden, die an solch einer Chamleonsreligion Gefallen finden, ist nach den einleitenden Bemerkungen des ersten Kapitels wohl begreiflich, und so sollte es uns selbst nicht Wunder nehmen, wenn nchstens Young eine Offenbarung empfinge, durch welche die Glubigen erfhren, da die Polygamie, nachdem sie ihren Zweck erfllt, wieder aufgehoben sei, und da man sich, um Jehovah zu gefallen, frderhin mit einer einzigen Frau zu begngen habe. Ein Punkt ihrer Glaubenslehre indessen, der nmlich, nach welchem sie sich Latterday-Saints nennen, steht fest. Sie wissen, da sie den Grundstamm des heiligen Volkes bilden werden, ber welches der Herr in diesen letzten Tagen, nach seiner Wiederkunft zur Aufrichtung des tausendjhrigen Reichs herrschen wird. Sie leben der unerschtterlichen Ueberzeugung, da sie die Sendung haben, die Welt zu revolutioniren, und da diese Sendung sich sehr bald im grten Mastabe besttigen wird. Sie fhren frmlich Buch und Rechnung ber die Verbrechen und Thorheiten, die eigenthmlichen Naturerscheinungen und die Aufstnde und Umwlzungen in der Welt, die ihnen als Anzeichen der Wiederkunft Christi, als Wehen des Messias gelten, und die sie sorgfltig in ihren Archiven aufbewahren. So haben sie die Geschichte der Cholera, die Umwlzung von 1848, den Streit der Secten und Kirchen aufmerksam verfolgt und gewissenhaft verzeichnet. So dringen ihre Emissre in die schmuzigsten Schlupfwinkel des Lasters in groen Stdten, um die Statistik der Verbrechen kennen zu lernen. So beobachten sie, soweit sie vermgen, die Praktiken unredlicher Gesetzgeber und Gesetzvollstrecker, namentlich in Amerika, und so spren sie den Schwchen und Snden der Geistlichkeit mit allen Mitteln nach. Die Bcher, welche sie ber die Ergebnisse dieser Forschungen fhren, werden einst am Tage des Gerichts zu denen gelegt werden, in welche die Engel Gottes die Thaten der Menschen verzeichnen und gleiche Geltung mit diesen haben. Ist nun die Zeit erfllet und das Evangelium Bruder Josephs allen Vlkern und Zungen gepredigt, so hebt eine Zeit groer Wunder und Schrecken an. Dann erscheinen zunchst bei den Mormonen die vier Zeugen der Wahrheit, die nimmer den Tod geschmeckt haben: Sankt Johannes, der Evangelist, dem es gestattet wurde zu bleiben bis zur Wiederkunft des Herrn, und drei nephitische Heilige der Kirche, die Christus nach dem Buche Mormon in Amerika gestiftet hat. Diese wandern gegenwrtig in Gestalt von Mnnern mittlern Alters ber die Erde, nehmen die Tracht und Sprache der Lnder an, in denen sie zufllig sich befinden, und sind schon zu wiederholten Malen Einzelnen von den Brdern erschienen. In der Zeiten Erfllung aber werden sie ihr Incognito ablegen und den Latterday-Saints von der Kanzel herab verknden, was sie zu thun haben. Ferner aber werden die verlorenen zehn Stmme Israels auf ihrem Durchzuge nach Palstina den Heiligen in Amerika einen Besuch abstatten. Diese Langvermiten wohnen jetzt auf einer noch unentdeckten Insel, oder, wie Andere zu wissen glauben, in einem geheimnivollen Nordlande, welches als eine Art Planet fr sich jenseit des Polareises mit der Erde um die Sonne kreist. Ihr Erscheinen wird das Signal zur pltzlichen allgemeinen Bekehrung der Lamaniten, d. h. der Ureinwohner Amerika's, dieses Restes vom Samen Josephs sein. Der verachtete Sohn des Waldes, sagt eine hierauf bezgliche Proclamation der zwlf Apostel des Propheten, die kurz nach dessen Ermordung erschien, -- der verachtete Sohn des Waldes, der seither in Kummer und Elend die Wildni durchwanderte, wird dann seine Maske fallen lassen und mit mnnlicher Wrde den Heiden zurufen: Ich bin Joseph, lebt mein Vater noch? Er wird dann geweiht und gewaschen und mit heiligem Oele gesalbt und in feine Linnen, nmlich in die schnen Kleider der Priesterschaft nach der Ordnung des Sohnes Gottes gehllt werden. Herabsenken wird sich auf ihn der Geist des Herrn, gleich dem Thau, der aufs Gebirge Hermon fllt, und gleich erfrischenden Regengssen, die auf die Blumen des Paradieses strmen, und wiedererhalten wird der Enterbte das ihm einst verheiene Theil. Und nun werden die Kriege des Herrn anheben. Viele Heiden werden sich bekehren, viele im Unglauben verharren. Beide Massen werden sich zum Kampfe rsten, die einen unter dem Panier des Papstes von Rom, die anderen unter der Fahne aller Nationen. Die Heerschaar der Heiligen wird, von ihrem Seher gefhrt, der den von Joseph Smith im Hgel Cumorah gefundenen Brustharnisch trgt und das Schwert Labans schwingt, gegen die der Unglubigen heranstrmen und sie in der groen Schlacht darniederwerfen, welche in der Schrift mystisch die Schlacht Gogs und Magogs genannt wird. Der Herr wird sein Volk dadurch untersttzen, da er die Gegner mit Feuerregen, Pestilenz und Hungersnoth heimsucht. Sie werden vollstndig ausgerottet werden, und ihre Lndereien und sonstigen Besitzthmer den Siegern zufallen, die inzwischen Jackson County, im Staate Missouri, das rechte und letzte Zion erbaut haben. Dieses Zion, von dem Joseph, der Prophet, gleich zu Anfang seiner Laufbahn so Ueberschwngliches weissagte, wird die Hauptstadt des westlichen Festlandes sein. Es wird mit seinem gewaltigen Tempel und seiner Priesterschaft wie eine Standarte sein, deren Aufrichtung allen Spaltungen religiser und politischer Art ein schleuniges Ende machen und alle Republiken, Knigreiche, Provinzen, Vlker, Stmme und Sprachen Nord- und Sdamerika's zu einem groen Bunde umgestalten wird. Und whrend so das tausendjhrige Reich Christi im Westen sich vorbereitet, ist der stliche Continent Zeuge von nicht geringeren Umwlzungen und Neubildungen. Die zehn Stmme Israels kehren gleich den Zerstreuten Juda's nach Jerusalem zurck und bauen dort den Tempel wieder auf. Dann wird die gesammte alte Welt, soweit sie nicht zu den Glubigen gehrt, sich wider sie erheben, mit Heeresmacht gegen sie heranziehen und die heilige Stadt belagern. Der Herr aber wird den Geist der Gnade und des Gebets ber die Bewohner Jerusalems ausgieen, und Christus, den ihre Vter gekreuzigt, wird sich an ihre Spitze stellen. Von ihm gefhrt, werden sie in einer gewaltigen Schlacht am Oelberge alle Heiden darniederlegen. Diesem Triumphe der Juden folgt ein allgemeiner Umsturz der Dinge in Europa sowohl wie in Asien. Christus wird Knig der Kinder Israel, Jerusalem seine Hauptstadt und der Mittelpunkt der alten Welt. Die Hfe von Paris, London, Petersburg, Rom und Wien -- die Berliner Gromacht scheint dem Gotte, der die Offenbarung ertheilte, nicht bekannt gewesen zu sein -- mssen sich dem Messias als Oberlehnsherrn unterwerfen. Weigern sie sich dessen, so werden ihre Throne umgestoen und ihre Reiche vernichtet. Entsprechend dieser Vereinigung der Erdenvlker wird auch eine Vereinigung der bisher getrennten Erdtheile stattfinden. Das Meer wird sich nach anderen Gegenden unseres Planeten zurckziehen, und alle Inseln und Continente werden Beulah, d. h. auf Neugyptisch: verheirathet werden, soda von dem stlichen nach dem westlichen Jerusalem (in welchem letztern Christus sein zweites groes Heiligthum und seinen zweiten Thron haben wird) jene mchtige Heerstrae erbaut werden kann, welche der Lwe nicht betreten und des Adlers Auge nicht gesehen. Endlich werden unter Erdbeben unzhlige Heilige des Alterthums aus ihren Grbern steigen, um an der Glckseligkeit des Millenniums theilzunehmen. Und am Ende des tausendjhrigen Reichs wird Denen, welche nicht aufrichtigen Herzens und nicht gehorsam dem Willen des Herrn gewesen sind -- den bsen Geistern nmlich -- gestattet werden, eine kurze Zeit ihren aufrhrerischen Geist unter der Anfhrung ihres Feldhauptmanns Satan, des groen Drachen, zu bethtigen. Zuletzt aber werden sie in einer ungeheuern Schlacht besiegt und hinausgeworfen werden aus dem Reiche der Gerechten. Und nun erfolgt die zweite Auferstehung und das jngste Gericht. Die Erde aber wird, durch Feuer gelutert und zu himmlischer Schnheit verklrt, eine Wohnung Derer werden, die demthig und reinen Herzens sind. Neuntes Kapitel. Die politischen Verhltnisse und die Zukunft des Mormonenstaates. -- Die Unwahrscheinlichkeit, da derselbe durch Ansto von Auen zu Grunde gehen werde. -- Innere Ursachen des Verfalls. -- Schlubetrachtungen. Der vorhergehende Abschnitt hat uns in Bildern, gemalt mit dem Pinsel der Ueberschwnglichkeit, gezeigt, welche Zukunft die Mormonen erwarten. Der folgende soll sehen lassen, welche Zukunft aller Wahrscheinlichkeit nach die Mormonen erwartet. Dazu bedarf es zunchst einiger Nachtrge zu dem, was wir bei Betrachtung des Kirchenregiments der Secte ber die brgerliche Verfassung der Gemeinde in Deseret zu bemerken hatten. Wir sehen die Ansiedler Utahs gegenwrtig zu einem Gemeinwesen organisirt, welches alle Erfordernisse eines geordneten Staates an sich trgt. Die gesetzgebende, richterliche und ausbende Gewalt ist in Behrden ausgeprgt, welche sich der Form nach in nichts von denen unterscheiden, die in den brigen Gliedern der nordamerikanischen Union jene Functionen ausben. In wenigen Jahren, vielleicht schon im nchsten, wird das jetzt noch von Washington abhngige _Territorium Utah_ dadurch, da es die Zahl von sechzigtausend Einwohnern erreicht, zum unabhngigen _Staate Deseret_ werden, und wenn die Anerkennung solcher Souverainett durch den Congre dermalen noch mangelt, so kann man sich bei dem thatschlichen Besitze derselben, der aus der Entfernung des Landes vom Sitze der Oberbehrde des Staatenbundes und aus der Ungeneigtheit dieser Behrde zu strenger Interpretation ihrer Befugnisse erwuchs, sehr wohl ber das Fehlen der Form trsten. Das Gemeinwesen der Mormonen wird von ihnen als eine Theo-Demokratie bezeichnet. Richtiger wre es, zu sagen, es sei eine entschiedene Theokratie, die sich nur nach Auen hin und mit Rcksicht auf einige fremde Elemente im Innern bestrebt, den Schein einer demokratischen Republik zu bewahren. Um nicht zu grn abzubrechen, hat man sich vom Prsidenten Fillmore einen Gouverneur geben lassen, hat man Gerichtshfe nach dem Muster der im Osten bestehenden eingerichtet, hat man eine gesetzgebende Versammlung gleich denen in den brigen Territorien gewhlt. Aber die Regeln und Befehle des Herrn, die allem, was man, nothgedrungen sich accommodirend, jetzt anerkennt, vorausgingen, sind fr alle Zeit gegeben, und sie erstrecken sich ebensowohl ber zeitliche und weltliche Dinge, als ber geistliche. Nur die, welchen Gott seinen Willen direct offenbart, knnen Gesetze der Wahrheit gem machen, und so ist den Mormonen Brigham Young nur darum berechtigter brgerlicher Gouverneur, weil er der Seher des Herrn ist. Htte der Prsident der Union den Bewohnern des Territoriums einen Andern gesendet, so wrde man ihn mit aller ihm als Vertreter der Centralgewalt gebhrenden Achtung und Ehrerbietung empfangen, ihn aber in seiner Eigenschaft als Gouverneur und Leiter der ffentlichen Angelegenheiten als nicht vorhanden betrachtet haben. =He would be let severely alone=, sagt ein Mormonenblatt in Hinblick auf die Mglichkeit eines solchen Falles. Htte er eine Wahl anordnen oder eine gesetzgebende Versammlung berufen wollen, so wrden keine Augen dagewesen sein, seinen Erla zu lesen, und er wrde den Verdru gehabt haben, entweder die alten Statuten ruhig fortgelten oder eine Legislatur tagen zu sehen, die ohne seine Mitwirkung zusammengetreten wre und berathen htte. Mit Einem Worte, man wrde ihm einen hnlichen passiven Widerstand entgegengesetzt haben, wie den, welcher im Jahre 1851 den drei nicht mormonischen Beamten der Vereinigten Staaten gegenber an den Tag gelegt wurde, und es wrde ihm kein anderes Geschft brig gelassen worden sein, als das freilich ziemlich mhsame, seinen Gehalt aus dem zweitausend Meilen entfernten Schatze in Washington zu beziehen. Wie die Kirche, so steht auch der Staat der Latterday-Saints in allen Beziehungen unter dem Triumvirate der Prsidentschaft, das, wie oben gezeigt, zwar aus drei Personen zusammengesetzt ist, aber nur einen einzigen Willen hat. Selbst die sogenannten =Stakes of Zion= oder Zweiggemeinden, die ber die ganze Erde verbreitet sind, haben dem Prsidenten und Seher zu gehorchen, und zwar in geistlichen Angelegenheiten durchaus, in weltlichen soweit, als die betreffenden Verordnungen der mormonischen Oberbehrde den Gesetzen des Staates, in dem die Gemeinde sich befindet, nicht widersprechen. Alle Streitigkeiten sind von der Kirche zu entscheiden: die ber Gegenstnde der Lehre vom Seher, die ber Gegenstnde des Rechts von Friedensrichtern, Obergerichten und in letzter Instanz vom Gouverneur. Allein der Friedensrichter ist der Bischof des in Frage stehenden Stadt- oder Grafschaftsbezirks, die Herren auf der Richterbank des Superior-Court sind ohne Ausnahme aus der Mitte der Hohenpriester, der Siebziger oder der Apostel gewhlt, und Seine Excellenz der Gouverneur ist der Seher und Offenbarer. Selbst die gesetzgebende Versammlung, die berdies unter dem Einflusse der Priesterschaft gewhlt ist, kann keinerlei Anordnungen treffen, welche gegen die Aussprche des Kirchenhaupts verstoen. Sie hat letztere lediglich mit den Verhltnissen in Einklang zu bringen und dadurch anwendbar zu machen. Die Gerechtigkeitspflege ist von der einfachsten Art. Sie ist auf den Grundsatz allgemeiner Gleichheit basirt und lehnt sich in vielen Punkten an die Vorschriften des mosaischen Gesetzes an, dessen Strafen verhngt werden, so weit dies ausfhrbar ist. Amerikanische Berichterstatter loben, da bei den Untergerichten die Zeugen selten vereidet werden, und da man auf die Hinterpfrtchen und Schlupflcher des Rechts, die den Sachwaltern im Osten so reichliche Gelegenheit zu Winkelzgen und zu Hinausschleppung der Entscheidung bieten, wenig giebt, sondern mehr dem gesunden Menschenverstande und dem einfachen Rechtsgefhle vertraut. Ein eigenthmlicher Zug in der Gesetzgebung von Deseret ist der, da die Trgheit mit Strafen bedroht ist. Die Arbeit gilt als heilig. Faule werden von den Bischfen notirt und zunchst vermahnt, dann ffentlich nach dem Sonntagsgottesdienste getadelt, endlich mit dem Fluche belegt. Es giebt in dem Bienenstocke, der das Wappenbild Deserets ist, keine Drohnen. Wer nicht die Hnde regt, mu hungern. Der Prophet Joseph zwar wurde von Gott durch eine Offenbarung von der Verpflichtung zu physischer Arbeit befreit, da er zu sehr vom Regieren in Anspruch genommen war. Brigham Young dagegen beansprucht keine solche eximirte Stellung, sondern geht, so weit es seine anderen Geschfte zulassen, den Brdern mit gutem Beispiele voran, indem er, seines Handwerks ein Zimmermann, aufs Rstigste in seinen Sgemhlen arbeitet. Priester und Bischfe thun desgleichen, und die Apostel und Oberpriester knnen sich ohne Ausnahme rhmen, wie Paulus der Teppichweber ihr Brot im Schweie ihres Angesichts zu verdienen und an Werkeltagen durch die That zu lehren, was sie des Sonntags von der Kanzel in Betreff der Tugend des Fleies vorgetragen haben. Das hat aber seine guten Folgen nach verschiedenen Seiten. Es lt den Unterschied zwischen Priester und Laie nicht so schroff erscheinen, als er der Doctrin nach ist, es verschmilzt die einzelnen Classen miteinander, es macht die Fhrer der Heerde mit den Wnschen und der Denkweise der letztern bekannt, und es bereichert den ffentlichen Schatz; denn je fleiiger die Arbeiter, desto grer die Resultate, und je grer die Resultate, desto strker die Zehnten. Die letzteren gehen aber, wie oben erwhnt, nicht lediglich in den Sckel der Priesterschaft, sondern werden auf ffentliche Unternehmungen, auf Straen- und Brckenbau, auf Schulen, kirchliche Anstalten, auf die Unterhaltung der Familien von Missionairen und auf den Tempel verwendet, soda sie den Steuernden wieder zu Gute kommen und das ganze System im Grunde nur als eine Art gemigter Communismus erscheint. Criminalflle sollen knftig nach den Gesetzen des Herrn abgeurtheilt werden, einem Codex, der angeblich durch Offenbarung erlangt, bis jetzt aber noch nicht verffentlicht worden ist, da das Volk Gottes als noch nicht vllig reif dazu erkannt wurde. Derselbe soll jedoch bald in Kraft treten. Was davon verlautet, lt an Drakons Gesetzgebung denken. Denn unter Anderm sollen nach ihm alle schwereren Verbrechen, zu denen der Ehebruch gezhlt wird, mit Enthauptung geahndet werden, weil ohne Blutvergieen keine Vergebung der Snden ist. Ja man sieht dies sogar als einen Act der Barmherzigkeit gegen den Missethter an, der, wenn er in seiner Unklugheit oder vom Satan verlockt, durch Snde seine Seligkeit verscherzt hat, dadurch, da er sein Haupt dem Beile darbietet, seine Verschuldung shnen und in einen Zustand eintreten kann, wo er von Neuem eine Prfungszeit beginnt. Man hat die Fhrer der Mormonen angeklagt, sich wiederholt in gehssiger und verchtlicher Weise ber die Persnlichkeiten ausgesprochen zu haben, welche an der Spitze der Regierung in Washington stehen oder gestanden haben, und man hat daraus einen baldigen Zusammensto mit der Centralgewalt prophezeien wollen. Allein dergleichen Angriffe auf die Staatsmnner der Union sind in der amerikanischen Presse und bei den Rednern der Volksversammlungen etwas Alltgliches, und Niemandem wird es beikommen, aus dem Umstande, da ein abolitionistisch gesinnter Gouverneur oder Senator von Massachusetts oder Rhode Island die Herren in Washington wegen des Gesetzes gegen die flchtigen Sclaven als Verrther bezeichnete, weissagen zu wollen, der Staat Massachusetts oder Rhode Island wolle sich von der Union losreien. Ueberdies aber haben die Mormonen in allen ihren Reden und Schriften auf das Geflissentlichste gegen den Staatenbund selbst und gegen die Constitution ihre Achtung und Anhnglichkeit an den Tag gelegt, und mag dies bei Einigen eine bloe Kundgebung der Vorsicht, ein bloes theatralisches Geprnge gewesen sein, bei der Mehrzahl war es gewi aufrichtig und ehrlich gemeint. Nicht ohne einen gewissen Schein des Rechtes, der Leuten ohne Kenntni der Diplomatie leicht als das Recht selbst erscheinen konnte, htten sich die Ansiedler von Utah im Jahre 1848 unabhngig vom Mutterlande erklren knnen. In Missouri und Illinois grausam und ungerecht behandelt, vom Congresse und Prsidenten nicht geschtzt, wanderten sie vor ihren Verfolgern nach einer Gegend aus, die, als ihre erste Colonne dort anlangte, mexikanisches Gebiet war. Ihre junge Mannschaft half dieselbe erobern, ihr unermdlicher Flei, ihre Ausdauer und ihre Umsicht schuf sie aus einer nur theilweise bewohnbaren Wste in ein blhendes Culturland um. Schon waren sie geraume Zeit dort angesessen, als der Friedensschlu erfolgte, durch den Utah an die Vereinigten Staaten abgetreten wurde. Sie htten sich dagegen verwahren knnen; denn so wenig auch das Vlkerrecht dies anerkennt, wrde ein solcher Protest in der Geschichte Nordamerika's nicht ohne Beispiel gewesen sein. Allein nicht sobald hatten sie die Kunde vernommen, die sie aus Exulanten in Brger der Union verwandelte, als sie die erste Gelegenheit ergriffen, ihre Anhnglichkeit an das alte Vaterland zu erklren und dessen Verfassung als auch fr sie bindend anzuerkennen. Da man aber auch noch jetzt so denkt oder wenigstens so zu denken sich den Anschein giebt, mag die folgende, aus Gunnisons Buche entnommene Schilderung der Feier des dritten Jahrestages ihrer Ankunft auf dem Boden Deserets zeigen. Die Feier des vierten Juli 1851, die wir nach andern Quellen an einem andern Orte beschrieben haben,[7] stimmt damit berein, und es bleibt kein Zweifel, da die Mormonen Brger der Union sein und bleiben wollen, wenn ihre Verehrung vor der Constitution auch =cum grano salis= zu nehmen ist. Gunnison erzhlt: [7] Im zweiten Bande der Wanderungen zwischen Hudson und Mississippi, Seite 66, ff. Um zehn Uhr Morgens verkndete Kanonendonner der Stadt, da die Zeit gekommen sei, sich nach der Bowery, wo einst ihr Tempel stehen wird, zu verfgen. Die Wrdentrger der Kirche und die Beamten der von den Vereinigten Staaten abgesendeten Vermessungs-Commission fanden sich in dem neuen Wohnhause des Prsidenten ein, wo sie mit der Zuvorkommenheit und Artigkeit empfangen wurden, die den Gouverneur von Utah auszeichnet. Um elf Uhr marschirte vor dem Hause ein starker, gutausgersteter Trupp Militair auf, gefhrt vom General Wells und begleitet von einem Musikchore, sowie von vierundzwanzig Bischfen in Amtstracht, welche Fahnen trugen. Die Gste, die Wrdentrger und die Prsidentschaft ordneten sich dann zum Zuge und setzten sich hierauf unter dem Commando des Generals, seiner Adjutanten und des Marshal of the Day, whrend die Musik spielte und die Kanonen donnerten, mit wehenden Bannern nach dem groen Platze in Bewegung, wo die Hauptfeierlichleit stattfinden sollte. Hier waren in der musterhaftesten Ordnung und Ruhe gegen sechstausend Personen versammelt, alle in sauberen Sonntagskleidern und mit freudestrahlenden Gesichtern. Als der Redner, die Prsidentschaft, die Vter oder betagten Mnner sowie die vornehmsten Gste auf den zahlreichen Bnken der Erhhung Platz genommen hatten, wo die Rednerbhne stand, rief einer der zwlf Apostel betend den Segen des Himmels auf die Versammlung herab. Dann las der Marshal das Programm der Festfeier vor, und hierauf folgte ein Vortrag des Redners, in welchem er sich mit beredten Worten an den Stolz, die Vaterlandsliebe und das Gerechtigkeitsgefhl seiner aufmerksamen Zuhrer wendete. Er zhlte ihre vielfltigen Prfungen und deren glorreiche Endergebnisse auf, forderte sie auf, ihre Ehre und ihre Rechte gegen jede Beeintrchtigung aufrecht zu erhalten und erklrte in ihrem Namen, da jeder Angriff, der aus diesem Grunde auf sie gemacht wrde, auf krftigen Widerstand stoen solle. Dann wurden Reden vom Prsidenten und von Anderen gehalten, die alle den Zweck verfolgten, die Aufmerksamkeit auf die Wichtigkeit der Feier zu lenken und den Hrern klarer zum Bewutsein zu bringen, warum und aus welchen Ursachen dieser Tag ein denkwrdiger sei. Hiernach kam die Hauptsache. Es war die Ueberreichung der Verfassung der Vereinigten Staaten, sowie der von Deseret an den Gouverneur, damit er und seine Nachfolger sie als getreue Wchter hteten. Die Urkunden wurden durch vierundzwanzig Betagte, silberhaarige Mnner, Shne und Nachkommen der Freiheitshelden von 1776 bergeben. In wohlgesetzter, kurzer Ansprache ermahnte ihr Sprecher den Gouverneur zur Treue gegen die Constitution. Er sagte ihm, da diese Vter vor ihm bald von der Schaubhne dieses vielbewegten Lebens abtreten wrden, und da sie, bevor sie gingen, um nicht wiederzukehren, so lange das gegenwrtige weltliche Regiment whre, das Erbtheil, das sie von dem vergangenen Geschlechte empfangen, in sichere Hnde zu legen wnschten, damit es ungeschmlert bewahrt werde bis zu der Zeiten Erfllung. Es wre die glorreiche, die gttliche Verfassung, die der Herr den Staatsmnnern von ehedem eingegeben habe, und sie bten, da dieselbe in die Archive ihres aufblhenden Staates niedergelegt wrde, als ein heiliges Kleinod, als das Palladium der Freiheit, als die oberste Herrschermacht unter Gott, der ber die Geschicke der Vereinigten Staaten wache, als eine krperlose Gewalt, die lediglich in der Liebe und Treue ihrer Unterthanen, freigeborener Mnner, existire. Sie msse heilig gehalten werden, Jedermann in den Bergen msse durch Eidschwur zu ihrer Vertheidigung verpflichtet werden. Denn drohende Wolken wlzen sich am stlichen Himmel empor, und die ursprnglichen Wahrer und Untersttzer wrden bald von ihrer Treue gegen die stumme und doch so beredte Constitution lassen und, nach dem Willen des Himmels von Sinnen gekommen, heranstrzen, um ihre Hnde mit Bruderblut zu beflecken, whrend droben in den Bergen die auserwhlten Hter sich des heiligen Kleinods erfreuen und endlich wie der Adler von seinem Horste herniederfliegen wrden, um dem bereuenden Ueberreste jenen Frieden wiederzugeben, durch den dieses hochbegnadigte Land allein gedeihen knne; zugleich mit der weltlichen Urkunde aber wrden sie Jenen die Wahrheit bringen, die allein freimachen knne. Die Festlichkeit wurde durch ein glnzendes Bankett beschlossen, welches in der Wohnung des Prsidenten fr diejenigen veranstaltet wurde, die von dem Militair und den Bischfen nach der Bowery geleitet worden waren. Trinksprche, Reden, Musik und Gesang wechselten mit einander bis zum Abend, wo die freudeberauschte Menge, ohne da ein Zwischenfall den Einklang der Feier gestrt htte, auseinanderging und unzweifelhaft den Glauben mit heimnahm, da die Mormonen das grte Volk der Erde und ihre Regenten die weisesten Mnner unter der Sonne seien. Ihr Seher hatte ihnen gesagt, da sie keine irdische Macht zu frchten htten, und da man entschlossen sei, sich als Staat zu behaupten, was auch Congre oder Prsident in Washington reden oder thun mge, und das Volk hatte wie mit einem Munde darauf geantwortet: Amen, so soll es sein, es ist der Wille der himmlischen Gerechtigkeit. Ein Blick auf diese Reden zeigt, da die Mormonen die Verfassung fr eine heilige, ja von Gott eingegebene Urkunde halten und da sie Brger der Vereinigten Staaten sein, da sie es aber auf ihre eigene Weise sein wollen. Dagegen wird sich, sobald das Territorium zum Staate geworden ist, nichts Triftiges einwenden lassen. Die Constitution verbrgt die unbeschrnkteste Gewissensfreiheit, indem sie durch einen Zusatzartikel von 1794 bestimmt: der Congre soll kein Gesetz erlassen, welches sich auf die Einfhrung irgend einer Religion bezieht oder die freie Ausbung einer solchen verbietet. Sie schreibt den einzelnen Gliedern der Union in Bezug auf ihre Verfassung nichts vor, was in dem Mormonenstaate nicht erfllt wre. Sie verleiht endlich der Centralgewalt nicht das Recht, sich in die inneren Angelegenheiten der von ihr zu einem Ganzen verknpften souverainen Republiken zu mischen. Etwas Anderes ist es aber, so lange Utah noch Territorium ist. In dieser Eigenschaft ist es als unmndig zu betrachten. Sein gesetzlicher Vormund ist der Prsident in Washington, in dessen Belieben es gestellt ist, wie viel Freiheit er -- natrlich mit steter Rcksicht auf die Constitution -- dem Mndel gestatten, wie viel Rcksicht er auf seine eigenthmlichen Verhltnisse nehmen will. So mchte es den Mormonen, wenn der Prsident ihnen Beamte gegen ihren Willen geben wollte, schwer fallen, darin einen verfassungswidrigen Act nachzuweisen. Eine Unbilligkeit aber wrden in solchem Verfahren selbst die Gegner der Secte erkennen mssen. Die Ansiedler von Deseret vergleichen ihre Stellung nicht unpassend mit der Lage, in welcher sich die amerikanischen Colonien vor Ausbruch des Unabhngigkeitskriegs befanden. Sie sehen den einzigen Unterschied darin, da letztere sich darber zu beschweren hatten, da man ihnen Steuern zumuthete, ohne ihren Interessen Vertretung im Parlamente des Mutterlandes zu gewhren, whrend sie, die Mormonen, eine Ungerechtigkeit darin finden, wenn von auswrts gekommene Regierungsbeamte, die ihren Glauben und ihre eigenthmlichen Gewohnheiten nicht kennen, ihnen Gesetze aufnthigen sollten. Bei allem Widerwillen, den uns ihr Aberglaube und die Verkehrtheit mancher ihrer gesellschaftlichen Einrichtungen einflt, knnen wir diese Klage und das damit zusammenhngende Verlangen, sie nach ihrer Faon selig und auf Erden glcklich werden zu lassen, nur billigen. Einige amerikanische Zeitungen haben andere Ansichten ausgesprochen. Der Prsident Fillmore ist auf jenen Wunsch nur theilweise eingegangen, indem er dem Territorium wenigstens drei nicht zu den Latterday-Saints gehrende Beamte gab. Pierce, sein demokratischer Nachfolger, hat eine richtigere Politik eingeschlagen und dem Territorium in Bezug auf die Wahl seiner Beamten nichts Unliebsames zugemuthet, ein Verfahren, wodurch der bedrohte Friede bis auf Weiteres gesichert scheint. Die Frage, ob die Mormonen sich von Washington Leiter ihrer Angelegenheiten und Richter in streitigen Dingen schicken lassen, oder sich -- vorausgesetzt, da damit die Verfassung der Union nicht verletzt wird -- selbst regieren und richten sollen, ist im Grunde nur eine Frage der politischen Etiquette, und es wrde nicht blos unbillig, sondern auch unklug sein, wollte man aus ihrer Weigerung, dieselbe zu Gunsten der Centralregierung zu bejahen, einen Hochverrathsproce herleiten und irgend welche Zwangsmittel anwenden. Die Folge wrde ein Aufstand der Colonie in den Felsengebirgen sein, zu dessen Dmpfung man zunchst vielleicht etliche Dragonerregimenter, wie dies von den Heisporns unter den Zeitungsschreibern in den Staaten bereits angekndigt worden ist, absenden wrde. Diese Truppen wrden nun entweder vor den befestigten Pssen in den Rocky Mountains umkehren mssen, oder man wrde in Deseret sich fgen, und sie wrden, um fernere Auflehnungen zu verhten, als Besatzung im Lande zurckbleiben. Dabei knnte es aber nicht fehlen, da die Strenge der Befehlshaber wie einst in Missouri als Anmaung und grausame Hrte ausgelegt werden wrde. Die ohnedies in ganz Amerika verbreitete Geringschtzung des Soldaten ferner wrde bei dem nun nher gerckten Vergleiche ihrer Trgheit mit dem eigenen Bienenfleie zur Entrstung sich steigern, die sprichwrtliche Galanterie der Epaulettentrger gegen das schne Geschlecht endlich bei den Haremsbesitzern unter den Latterday-Saints die Dmonen der Eifersucht wecken. Die Erinnerung an das Gesetz, das auf den Ehebruch Todesstrafe setzt, lge dann nahe, der Ha gegen die Heiden wrde auch die Ueberlegsamern leicht ber den rechten Weg verblenden, und wer kann dafr brgen, ob dann nicht eines Tags die Timpanogaberge ein Seitenstck zur sicilianischen Vesper shen? Mchten also die Mormonen sich den Dragonern Uncle Sams unterwerfen oder nicht, in beiden Fllen wrde man einen groen Krieg fhren mssen. Dieser Krieg wrde in seinem Ausgange zwar nicht zweifelhaft sein; er wrde aber bei der Entfernung Deserets von den Grenzen der Civilisation, bei der Schwierigkeit des Transports von Geschtz und Proviant durch Wsten ohne Straen und schiffbare Flsse, die das Mormonenland von allen Seiten umgeben, bei der Umwallung desselben mit schroffen Bergketten und bei der kriegerischen Tchtigkeit der dann zum glhendsten Fanatismus erhitzten Heiligen auerordentliche Opfer an Geld und Menschen erfordern und vielleicht Jahre hindurch dauern; ganz abgesehen davon, da er das erste Beispiel eines Brgerkriegs wre -- ein Beispiel, welches die Vereinigten Staaten bei dem Zwiespalte zwischen dem Norden und dem Sden mehr wie irgend ein anderer Staat zu frchten haben. Und was wre selbst mit dem raschesten und vollstndigsten Siege ber die Emprer erreicht? Unser Jahrhundert gestattet keine Albigenserkriege, und so knnte die Strenge des Gesetzes nur einige von den Schuldigen treffen. Die groe Masse abermals von Haus und Hof zu vertreiben, drfte man sich ebenso wenig erlauben. Man mte sie darum in ihrem Besitze lassen und sie durch eine Truppenmacht, welche bei der Ausdehnung der Ansiedelungen in Deseret die reichliche Hlfte der Armee der Vereinigten Staaten in Anspruch nehmen wrde, im Zaume zu halten suchen. Dadurch wrde die Colonie verarmen. Das Bewutsein erlittenen Unrechts wrde sich ferner von Geschlecht zu Geschlecht fortpflanzen, und man htte sich mitten auf dem Wege vom Mississippi nach Californien, mitten unter den Rothhuten, den dereinstigen Glaubensgenossen der Heiligen vom jngsten Tage, einen heimlichen, nur auf Gelegenheit zur Rache harrenden Feind geschaffen, statt da man an dem Gebirgsstaate Deseret jetzt eine Herberge der Wanderer nach dem Goldlande am Stillen Meere und eine Veste gegen die Wilden besitzt, die mit der Zeit bessere Dienste zur Abwehr und zur Zhmung ihrer Horden leisten wird, als alle die Forts an der westlichen Grenze zusammengenommen. Endlich aber htte man die Besiedelung dieser wsten Strecken, die von dem fleiigen Volke der Mormonen mit so berraschendem Erfolge begonnen und fortgesetzt worden ist, auf Jahre und Jahrzehente hin gehemmt, ja vielleicht fr immer gestrt, da schwerlich Andere, als religis Verfolgte und durch religise Bande Zusammengehaltene diese Einden ohne schiffbaren Flu zum Wohnplatze whlen und sich dort behaupten drften. Aus diesen und anderen, hier nicht anzufhrenden Grnden ist es wahrscheinlich, da man die Mormonen gewhren und ihren Staat zur Mndigkeit heranreifen lassen wird. Young und die brigen Leiter der Secte werden sich vor extremen Ansprchen hten und wenigstens den Schein der Gesetzlichkeit bewahren. In Washington aber wird man ber geringfgige Abweichungen von der Regel hinwegzusehen wissen. Deseret wird in weniger als zehn Jahren hunderttausend und vielleicht mehr Einwohner haben, und die Welt wird das seltsame Schauspiel einer Priesterrepublik, die Glied eines aus Demokratien bestehenden Staatenbundes ist, erleben. Dennoch ist dem Mormonenthume in Deseret kein gnstiges Horoskop zu stellen. Mglich, da diese Pseudoreligion sich Jahrhunderte erhlt. Mglich auch, da der Staat Deseret eine Zeit lang als Theodemokratie Bestand hat -- in seiner jetzigen Gestalt wird keines von beiden Dauer haben, und nicht unwahrscheinlich ist es, da schon die nchsten Jahre einen groen Ri durch das von Joseph Smith gegrndete Gebude gehen und eine vllige Umgestaltung desselben sich vollziehen sehen. Nicht von Auen, wohl aber von Innen, wird der Sturm sich erheben, der es erschttern wird. Aus der Mitte der Secte selbst wird der Zerfall sich entwickeln, und zwar werden die Ursachen des Zwiespalts um so eher wirken, je bereitwilliger man den Mormonen gewhrt, was sie verlangen, je mehr man sie als nicht vorhanden betrachtet und sich selbst berlt. Der Kitt, der sie bisher zusammenhielt, hatte zu seinem Hauptbestandtheile das Mrtyrerthum, das sie durchmachten. Bedrohungen von Auen lieen sie nach Auen blicken, und so bersah man, da im Innern die bse Saat bse Frchte reifte. Dazu kam der Kampf mit der Wste, die Sorge fr die materielle Existenz. Sich nicht mehr gefhrdet wissend und sich einer gesicherten Existenz erfreuend, wird man in Kurzem zum Gefhle und durch dieses zur Erkenntni wenigstens der schreiendsten Misbruche und Irrthmer kommen, und der Erkenntni wird der Abfall von dem Bisherigen auf dem Fue folgen. Das Mormonenthum knnte sich dieser Erkenntni, die seine rgste Feindin ist, mglicherweise lnger erwehren, wenn es sich vollstndig von der brigen Welt abzuschlieen vermchte. Aber einerseits beruht sein Wachsthum auf der Einwanderung, und anderntheils erlaubt der Geist unserer Zeit berhaupt keine derartige Isolirung. Keine zwanzig Jahre wird es dauern, so wird die Rieseneisenbahn, welche den Atlantischen mit dem Stillen Ocean verbinden soll, vollendet sein, und diese Schienenstrae mu das Gebiet der Mormonen wo nicht durchschneiden, doch berhren. Sie wird den Werth des Landes steigern, indem sie die Preise der Producte erhhen wird. Sie wird aber auch die Ader sein, durch welche das Lebensblut des neunzehnten Jahrhunderts, die Aufklrung und die Bildung desselben wieder in dieses abgebundene Glied der geschichtlichen Menschheit dringt. Hchst wahrscheinlich wird die Reaction des gesunden Menschenverstandes sich schon frher durch den Wahn und die Bethrung Bahn brechen, die jetzt die Massen gefangen halten. Die erste Strung der jetzigen Harmonie wird vermuthlich von der Vielweiberei ausgehen. Man kehrt damit zu asiatischer Barbarei zurck, whrend man auf der andern Seite doch durch eifrige Sorge fr Unterrichtsanstalten die Bildung zu frdern bemht ist. Man giebt den Mdchen eine gleich gute Erziehung wie den Knaben, und doch lt man ihnen in der Praxis fhlen, da sie tief unter dem Manne stehen. Die Rcksichten und Aufmerksamkeiten, welche die Sitte civilisirter Nationen dem weiblichen Geschlechte zu erweisen gebietet, sind dem Mormonen eine unsinnige heidnische Mode, und sein Weib hat keinen andern Werth als den einer Mutter in Israel, d. i. aus der Sprache frommer Phrasen in die gewhnliche Rede bersetzt: sie hat nur Werth als Maschine zur Fllung des Landes mit den sechzigtausend Einwohnern, die zur Verwandlung des Territoriums in einen Staat erforderlich sind. Das ist eine Philosophie fr Feldmuse und Kaninchen, nicht fr Menschen. Selbst der Trke sieht die Sache nicht von diesem Standpunkte an. Ueberdies aber werden die Harems Asiens mit Mdchen gefllt, die man nicht um ihre Einwilligung gefragt hat. Das Mormonengesetz dagegen erlaubt den jungen Damen, die zur Versiegelung begehrt werden, Einspruch zu thun, wenn es sie auch mit dem Zorne des Herrn bedroht, wofern sie seiner Anordnung sich nicht unterwerfen. Denke man sich nun, da einem jungen Mdchen von einigem Zartgefhl die Frage vorgelegt wrde, ob sie wohl Neigung spre, Frau Y. Nummer 20 zu werden, oder ob sie sich einem Manne vermhlen lassen wolle, der nach einigen Jahren sie, die dann Verblhte, vernachlssigen, auf Wochen unsichtbar werden und endlich eines schnen Morgens in ihr Zimmer treten knne, um ihr zu sagen: Freue mich von Herzen, Dich einmal zu sehen, Liebste; wrde entzckt sein, ein Stndchen mit Dir zu verplaudern, aber -- hm, beilufig -- hast Du wohl schon meine neueste Braut Nummer 10 gesehen? -- ein recht nettes Kind! Denke man sich diese Frage einer jungen Dame von Erziehung vorgelegt, so wird man ber die Antwort nicht in Zweifel sein, und in der That sind schon jetzt die Flle nicht selten, da Brgerinnen von Deseret, die, von hochstrebenden oder bigotten Mttern genthigt, auf Versiegelungen mit dem einen oder dem andern Pascha der Secte eingegangen waren, ihrem Besitzer entflohen, um sich mit den Mischlingen der Grenze oder Indianern zu verheirathen, indem sie das rauhe Leben in den Lederzelten der Wste der unwrdigen und langweiligen Stellung im Harem jenes Nachfolgers der Erzvter vorzogen. Wenn das aber am grnen Holze geschieht, was soll's mit dem drren geben? Ein zweiter Grund zu Zwistigkeiten wird die vom Propheten Joseph herrhrende emendirte Bibel sein, die dem Vernehmen nach in Kurzem erscheinen wird. Bis jetzt war fr Angriffe auf die Lehre und fr Prfung derselben kein fester Halt vorhanden. Alles war fortwhrende Verwandlung, unaufhrliche Vervollstndigung. Mit jener Bibel wird der Abschlu dieser Entwickelung gegeben sein, und nicht lange wird es dauern, ehe sich aus der Interpretation des Grundbuchs Secten in der Secte bilden. Eine fernere Ursache zu Zerwrfnissen liegt in der Einwanderung von Elementen, welche nicht aus Fanatismus, sondern um ihre Verhltnisse zu verbessern kommen. Schon jetzt beklagen sich die Fhrer der Secte hufig ber die Selbstsucht, die unter dem Volke herrsche, whrend die Ausfhrung der Plne Joseph Smiths und Brigham Youngs eine Selbstverlugnung des eigenen Interesses fordert, wie sie bisher nur die Mitglieder der Gesellschaft Jesu an den Tag legten. Ganze Familien wandern aus den englischen Manufacturdistricten nach dem Mormonenlande aus, weil ein Sohn oder der Vater von den Emissren der Latterday-Saints bekehrt worden ist, und weil man ihnen, die hier Noth leiden, dort eine Flle des Besitzes in Aussicht stellt. Viele dieser Emigranten gehrten in der Heimat den Chartisten, diesen rothen Republikanern Englands, an. Sie kommen in Deseret an und mssen sich hier ganz gegen ihre Meinung von Dem, was der ideale Staat ist, verhalten, mssen sich Gesetzen, die sie nicht gemacht haben, unterwerfen, mssen Maregeln, die sie im Stillen als Tyrannei verwnschen, wie gttlichen Geboten gehorchen. Andere werden durch ihren Aberglauben ber diese Misstnde verblendet und getrstet. Den Unglubigen verst sich die bittere Pille nicht, und diese Mormonischen werden daher die erste Gelegenheit ergreifen, die sich darbietet, um das mit Widerwillen getragene Joch abzuschtteln. Eine vierte Mine, die ber kurz oder lang explodiren mu, haben die Lenker der Angelegenheiten in Deseret sich selbst in der Besteuerung durch den Zehnten gegraben. Durch dieses System werden ungeheure Summen aufgehuft und der Prsidentschaft zur Verfgung gestellt, ohne da diese ber ihre Verwendung Rechenschaft zu geben htte. Die Bestimmung des Zehnten ist die, da er zum Unterhalt der Priester und fr Anstalten der ffentlichen Wohlfahrt verwendet werden soll. Wie aber, wenn er zu Privatzwecken des Sehers und seiner Vertrauten verwendet wrde? Niemand wei es, mancher Verstndige wird es bei der Versuchung, die in der unverantwortlichen Verwaltung liegt, fr mglich, mancher Mistrauische es fr sehr wahrscheinlich und vielleicht fr ausgemacht halten. Es kann nicht lange dauern, so werden diese Gedanken sich in Stimmen verwandeln. Man wird es unertrglich finden, da die Hirten der Heerde sie wirklich als Heerde behandeln, die nichts hineinzureden hat, wenn der Schfer ihre Wolle verwerthet. Man wird die Klgeren und Khneren mit der Vermuthung, da Alles im Grunde auf eine religise Speculation hinauslaufe, nicht mehr hinter dem Berge halten sehen. Der Arbeiter, der auf staubigem Felde sich mit Hacke oder Grabscheit qult, wird die unmuthige Frage aufwerfen, ob die Lasten und die Rechte nicht allzu ungleich vertheilt seien, wenn dort in prchtiger Karosse, Musik vorauf, ein glnzendes Gefolge hinterher, der Prsident der Kirche mit seinen zwei Dutzend Weibern ber das Gefilde fliegt, whrend hier der Arme im Schweie seines Antlitzes den Hafer fr die sechs Pferde vor dem Wagen, den Unterhalt des Harems und die Kosten fr den gesammten Prunk des heiligen Mannes verdienen hilft. Endlich ist das gute Einvernehmen zwischen der Prsidentschaft und den brigen talentvollen Persnlichkeiten unter den Latterday-Saints keineswegs so fest gegrndet, da es ber alle Strung erhaben wre. Was dem ersten Triumvirate mit dem Propheten Joseph an der Spitze geschehen konnte, kann -- wenn auch nicht so leicht wie damals -- auch jetzt wieder eintreten. Es bedarf keines bergroen Scharfblicks, sagt Gunnison, um die wachsende Neigung zu anderen Persnlichkeiten als denen, die jetzt die Regierung bilden, zu bemerken, und wenn Parteien entstehen, so wird die Bewunderung Young's bald keine allgemeine mehr sein. Noch haben sich deren keine zu Gunsten dessen gebildet, welcher jetzt den zweiten Rang im Staate einnimmt, und welcher als der beste Geschftsmann im Thale gilt. Aber es wrde nur wenig tyrannisches Gebahren, nur wenig Neuerung in der Lehre auf Seiten des Sehers bedrfen, um die Anklage auf Ehrgeiz und Ketzerei hervorzurufen. Wie Lucifer im Himmel und Rigdon in Nauvoo wrde er von zahlreichen Stimmen seiner hohen Stellung verlustig erklrt werden, und ein Votum der Gemeindevorsteher oder der Wille der Mehrheit des Volkes wrde ihn absetzen. Brigham Young ist sich dessen wohl bewut. Er wei, da hinter der Theokratie fortwhrend die Demokratie lauert, und er htet sich vor ihr mit aller der Schlauheit, die ihm eigen ist. Er nimmt sich in Acht vor unberlegten Offenbarungen, lt lieber merken, da sehr bald Dinge von hchster Wichtigkeit ans Licht treten werden, und versichert, da Joseph der Seher mehr Schpfungen zu vollenden gelassen habe, als man in fnf Jahren fleiigsten Arbeitens zu Stande bringen knne. Wenn man erfllt habe, was er im Auftrage Gottes aufgegeben, so knne man sich von den Engeln mehr Licht erbitten. Alle diese Samenkrner des Ehrgeizes, des Mistrauens und des Misvergngens sind in einen fruchtbaren Boden geset, und lt man sie sich ruhig bestocken und aufsprossen, so werden sie in Kurzem die Einigkeit zerstren, welche die Gemeinschaft der Mormonen so achtunggebietend und so furchtbar fr Jeden macht, der sie nach seinem Willen zu zwingen sich versucht fhlen mchte. Man kann dieses Volk recht fglich mit den Puritanern von Neuengland in den ersten Jahrzehenten nach ihrer Niederlassung in Amerika vergleichen. Sie haben ganz denselben Muth, ganz dieselbe Thatkraft und Ausdauer, ganz dieselbe bigotte Ausschlielichkeit bewiesen, haben noch furchtbarere Verfolgungen berlebt, haben noch fter als jene im Besiegtwerden gesiegt und eine noch dere Wste in's Joch der Cultur gezwungen, so da jetzt zwei Grashalme wachsen, wo vorher nur einer wurzelte. Sie haben alle diese Resultate erreicht, obwohl ihr Charakter bei Weitem nicht so rein und edel und ihre Sache um Vieles weniger gerecht ist, als die des Hufleins der Pilgervter des siebzehnten Jahrhunderts. Auf dem einen Schauplatze hat das theodemokratische Regiment herrliche Frchte gebracht, und ist in diesen Frchten untergegangen. Mge es auf dem andern Schauplatze ebenso sein. Die Hoffnung dazu ist vorhanden. Druck von Fr. Ries in Leipzig. ------------------------------------------------------------------------ =LEIPZIG, bei CARL B. LORCK:= =(Johannesgasse Nr. 6--8, Nies' Haus.)= =Illustrirte Conversationshefte.= =Nr. 1--12.= =Mit vielen Abbildungen und Karten.= =Preis einer jeden Nummer 5 Ngr.= ------- =Die allgemein wichtigen Fragen der Gegenwart sollen in diesen Heften populr, jedoch grndlich, behandelt, und durch bildliche Darstellungen Das zur Anschauung gebracht werden, was leichter durch das Auge als durch Beschreibung Eingang findet.= =Jedes Heft bildet ein Abgeschlossenes und ist einzeln zu haben zu dem Preise von 5--10 Ngr.= =Vierundzwanzig Hefte, welche im Subscriptionspreise 4 Thlr. kosten, bilden einen Band, wozu Haupttitel und Inhaltsverzeichniss geliefert werden, ausserdem werden aber passende Abschnitte mit Separattiteln versehen.= ------- =Nr. 1) Der Sund und die Belte. 2) Die schwedische Ostsee. 3) Der finnische Meerbusen. 4) Die Krim und das Schwarze Meer. 5) Die Donau und der Balkan. 6) Die Kaukasischen Lnder. 7) Die Orientalische Frage. 8) Die Russen in den Donaufrstenthmern. 9) Der Winterfeldzug an der Donau. 10) Die Alliirten und Russland. 11) Die Pontus-Expedition. 12) Die Belagerung Sebastopols.= =Nr. 1--6 bildet vollstndig den Kriegsschauplatz im Norden und Sden. Nr. 7--12 den Russisch-Trkischen Krieg (1853--1854), jedes mit Titel und Inhalt versehen.= -------------- So eben erschien in #6ter Auflage#: =_Jahn's_= =ILLUSTRIRTES REISEBUCH=. =Ein Fhrer durch Deutschland, die Schweiz, Tyrol, Italien, und nach _Paris_, London, Brssel, Amsterdam, Kopenhagen, Stockholm, Warschau etc.= =Mit einer Reisekarte von Deutschland, und ber 300 Ansichten.= =Preis 3 Thlr. Pr. Crt.= Das Buch zeichnet sich durch elegante Ausstattung und schne Illustrationen aus, die dem Reisenden die Eindrcke schner Gegenden, Gebude und Sehenswrdigkeiten bleibend erhalten. -- Die neuesten Eisenbahnen sind bercksichtigt und der Inhalt sehr correct, fleiig und bersichtlich bearbeitet, das Format ist bequem, das Buch praktisch eingerichtet und gut gebunden. _Leipzig_, 1855. Voigt & Gnther. ------------------------------------------------------------------------ Verlag von _Carl B. Lorck_ in _Leipzig_. ------- H. C. Andersen _Gesammelte Werke._ Vom Verfasser selbst besorgte Ausgabe. Mit dem Portrait des Verfassers in Stahl gestochen. 38 Bnde kl. 8. Der Preis eines Bandes betrgt nur 10 Ngr. ------- #Inhalt#: 1--2. Bd. Das Mrchen meines Lebens. 2 Bde. -- 3--5. Bd. Der Improvisator. Roman. 3 Bde. -- 6--8. Bd. O. Z. Roman. 3 Bde. -- 9--11. Bd. Nur ein Geiger. Roman. 3 Bde. 12--15. Bd. Gesammelte Mrchen. 4 Bde. -- 16. Bd. Bilderbuch ohne Bilder. -- 17. Bd. Reiseschatten. -- 18--21. Bd. Eines Dichters Bazar. 4 Bde. -- 22--25. Bd. Dramatische Werke. 4 Bde. -- 26--28. Bd. Gesammelte Gedichte. 3 Bde. -- 29--30. Bd. Ahasverus. 2 Bde. -- 31. Bd. Neue Mrchen. -- 32--35. Bd. Die zwei Baronessen. Roman. 4 Bde. -- 36--37. Bd. In Schweden. 2 Bde. -- 38. Bd. Historien. ------- Jedes Werk ist auch einzeln zu haben. -------------- Boz (Dickens) _Gesammelte Werke._ Uebersetzt von #H. Roberts#, #E. A. Moriarty# und #J. Seybt#. Neue Cabinet-Ausgabe in kl. 8. Nach den letzten Ausgaben der englischen Originale auf's Neue revidirt von J. Seybt. Mit einer literar-historischen Einleitung von =Dr.= Julian Schmidt. ------- 21 Bnde zusammen von gegen 620 Bogen. Subscriptionspr. 16 Thlr. Einzelne Bnde kosten 1 Thlr. ------- #Inhalt#: 1. u. 2. Bd. David Copperfield. -- 3. u. 4. Bd. Bleakhouse. -- 5. u. 6. Bd. Die Pickwickier. -- 7. Bd. Oliver Twist. -- 8. u. 9. Bd. Nikolas Nickleby. - 10. u. 11. Bd. Der Raritten-Laden. -- 12. u. 13. Bd. Barnaby-Rudge. -- 14. u. 15. Bd. Martin Chuzzlewit. -- 16. u. 17. Bd. Dombey und Sohn. -- 18. Bd. Weihnachtsmrchen. -- 19. Bd. Londoner Skizzen. -- 20. Bd. Reiseskizzen. -- 21. Bd. Harte Zeiten. ------------------------------------------------------------------------ [ Hinweise zur Transkription Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen: Seite 2: "verbreitester" gendert in "verbreitetster" (Wechselfieber, Amerika's verbreitetster Krankheit) Seite 9: "Seite" gendert in "Seiten" (waren auf beiden Seiten mit gyptischen Charakteren gefllt) Seite 16: "mehrmas" gendert in "mehrmals" (sie dieselben mehrmas in zahllosen Horden mit Krieg berzogen) Seite 22: "Jernsalems" gendert in "Jerusalems" (die Zukunft dieses Neuen Jerusalems der Heiligen erffnete) Seite 23: "Kecht" gendert in "Knecht" (in der ihm Jehova gebot, seinen Knecht Rigdon und einen) Seite 30: "jnsten" gendert in "jngsten" (neue ewige Wohnung der Heiligen vom jngsten Tage) Seite 43: "worden" gendert in "werden" (die Weiterreise bis zum nchsten Frhjahre aufgeschoben werden) Seite 55: "schnen" gendert in "schnem" (in eine Nation von schnem Aeueren und weier Hautfarbe verwandelt) Seite 55: "ich" gendert in "sich" (das strkste Kriegsgefolge um sich versammelt) Seite 61: "Beisall" gendert in "Beifall" (sichert den Beifall des schnen Geschlechts) Seite 69: "zeigte" gendert in "zeugte" (so zeugte es nichtsdestoweniger von einem richtigen Verstndnisse) Seite 78: "Hirngepinnsten" gendert in "Hirngespinnsten" (mglichster Sichtung dieses Wustes von Hirngespinnsten) Seite 78: "sofort" gendert in "so fort" (und so fort zurck bis zum Ur- und Hauptgotte) Seite 80: "" eingefgt (Lucifer antwortete: Siehe, sende mich hinab,) Seite 84: "Melchisede" gendert in "Melchisedek" (das Priesterthum der Ordnung Melchisedek aufs Neue) Seite 87: "Anchangel" gendert in "Archangel" (Miltons: =Archangel ruined and a perfect gentleman.=) Seite 94: "" eingefgt (pltzlich auf ein Mal mitgetheilt wrde.) Seite 98: "spririt" gendert in "spirit" (The spirit of God like a fire is burning) Seite 99: hinter "Aaron" ein "," eingefgt (nach dem ersten Hohenpriester Israels, Aaron, die aaronische) Seite 102: "Bewohner" gendert in "Bewohnern" (da viele unter den Bewohnern Deserets) Seite 112: "Her" gendert in "Herr" (sie soll vertilgt werden, sagt der Herr euer Gott) Seite 116: "erzielen" gendert in "erziehen" (eine Familie in gottwohlgeflliger Weise zu erziehen) Seite 117: "gehietet" gendert in "gebietet" (gebietet dem Brutigam, seiner Frau und der Braut) Seite 158: "Pilger-vter" gendert in "Pilgervter" (als die des Hufleins der Pilgervter des siebzehnten)] End of the Project Gutenberg EBook of Die Mormonen, by Moritz Busch License: Share Alike