Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This book was produced from images made available by the HathiTrust Digital Library. KASIMIR EDSCHMID KEAN SCHAUSPIEL IN FNF AKTEN NACH ALEXANDRE DUMAS DRITTE AUFLAGE VERLEGT BEI ERICH REISS / BERLIN 1921 Alle Rechte, insbesondere das der Auffhrung und bersetzung, sind vorbehalten. Den Bhnen gegenber Manuskript. Das Recht der Auffhrung ist nur durch den Verlag Erich Rei zu erwerben Copyright 1921 by Erich Rei Verlag FR GUSTAV HARTUNG FIGUREN HELENE GRFIN KOEFELD APACHE AMY GRFIN GOSWIL ANDRER APACHE DAISY MILLER KONSTABLE RINY FRISEUR JULIA TOM GIZA DAVID AMME BARDOLPH KEAN ARZT PRINZ VON WALES REGISSEUR GRAF KOEFELD HAUSINTENDANT LORD MEVIL DIENER SALOMON TNZERIN BOB WIRT PEPI STEUERMANN GONSCH BOTE WELL APACHEN VIKTOR PUBLIKUM KAUKA WEIBER ZEIT: VOR NEUNZEHNHUNDERTVIERZEHN AKT EINS Diele bei dem Grafen Koefeld. Kamin. Dreiflgliger Riesenspiegel. Der Hausintendant. Eine Kette Diener, beschftigt. SZENE EINS BOTE _tritt rasch ein, zu einem Diener_: Helne Grfin Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen zum nchsten, Bote zum nchsten_: Helne Grfin Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum nchsten, Bote zum nchsten_: Helne Grfin Koefeld? _Diener weist mit dem Daumen ihn zum nchsten, Bote zum nchsten, dem Hausintendanten_: Helne Grfin Koefeld? HAUSINTENDANT: Hier. BOTE: Ich mu sie sehen. HAUSINTENDANT: Geben Sie mir den Auftrag. BOTE: Der Auftrag ist privat. HAUSINTENDANT: Daher in meine Hnde. HELENE _eintretend_: Wer ist das? BOTE: Helne Grfin Koefeld ... HELENE: Was wollen Sie? BOTE: Ein Paket. HELENE: Wer sendet Sie? BOTE: Der Prinz von Wales. HELENE _reit das Paket auf, ein Fcher, sie schwenkt ihn, dreht um_: Ah. _Hinaus._ HAUSINTENDANT: Gehen Sie. _Bote ab._ SALOMON _durch die Tr, verdrckt_: Ist mein Herr da? HAUSINTENDANT: Wo kommen Sie hierher? SALOMON: Durch leere Zimmer. HAUSINTENDANT: Wer bist du? SALOMON: Souffleur. HAUSINTENDANT: Warum hast du da einen Herrn? SALOMON: Warum? Er tritt mich. Wie alle. Verachtet mich. Ich liebe ihn. HAUSINTENDANT: Wer ist der Stachel, den du liebst? SALOMON: Kean. HAUSINTENDANT: Der Schauspieler. Hein? SALOMON: Der bedeutendste Mann seiner Zeit, wenn er sich zu migen verstnde. HAUSINTENDANT: Das knnte er, meinst du, in einem Haus lernen, wo eine Frau herrscht, die so ist wie unsere? SALOMON: Ich suche ihn nur, irgendeine Frau verlangt nach ihm, das andere wei ich nicht. Es kam mir nur in den Sinn, da er krepieren wird oder sich festlegen. Die Zeit ist kritisch geworden. Ich kann es nicht mehr sehen, wie er mich mit sich in seine Launen reit, Huren, Prinzessinnen, gut, zornig. Wo soll das hin? Denken Sie nicht, da er mich nur tritt, er ist manchmal freundlich zu mir. HAUSINTENDANT: Lauf davon. SALOMON: Das kann ich nicht. HAUSINTENDANT: Der Herr verkehrt nicht bei uns. SALOMON: Htten Sie gleich sagen knnen. Schicksal. Ich gehe. Warum suche ich ihn hier? _Ab._ HELENE _mit dem Fcher herein_: Sind Spieltische aufgestellt? HAUSINTENDANT: Zwei Whist, einer Bridge, drei Bac. HELENE: Die Pagen am Gartentor in neuer Livree? HAUSINTENDANT: Gelb und rot. Mit silbernen Schnren. HELENE: Die Kche? HAUSINTENDANT: Schwitzt. HELENE: Sind die Musikanten mit Strafe bedroht, wenn sie unpnktlich sind? HAUSINTENDANT: Punkt neun marschieren sie durch den Salon. HELENE _klatscht in die Hnde_: Tee und Punsch dann ins Boudoir. HAUSINTENDANT _klatscht in die Hnde, zu den andern_: Tee und Punsch ins Boudoir. _Diener ab._ HELENE: Sie verlassen mit keinem Schritt die Soire. Fehlen Sie einmal auf meinen Fingerwink, schick ich Sie aufs Land zu Fasanen und Klbern. Was sagen Sie? HAUSINTENDANT: Ich wrde eine schlechte Figur machen zwischen Geflgel und vorziehen, da ich Ihnen nicht mehr dienen kann, mich in die Kirschbume zu henken. HELENE: Cht. _Sieht ihn an, hebt mit der Fingerspitze sein Kinn, pfeift leis, jagt ihn mit einer Handbewegung hinaus._ DIENER: Die Grfin Goswil. HELENE: Rasch. Rasch. _Zur Eintretenden_: Amy, Ses, welches Glck, vor der Soire noch Ihre Anwesenheit allein zu haben. AMY: Ihnen zu sagen, da zwischen soviel Blond und Blau beim Rennen das Dunkel Ihrer Haare als Bestes fehlte. HELENE: Unmglich da, wo Ihre Taille bebte, Ihre Hnde winkten. AMY: Ich winkte. Mein Wettpferd fiel, ein Signal. Sie waren im Theater? HELENE: In Drury-Lane. AMY: Es spielte George? HELENE: Kean. AMY: Das Pferd, das strzte, hatte einen grnen Jockey. Der Stall aus England. Der Name: Kean. HELENE: Sie machen mich gespannt mit ihren Sprngen, Liebe. AMY: Ihr Kean fiel nicht vorm Start? HELENE: Ausgezeichnet im Start. AMY: Endlich Begeisterung. HELENE: Endlich die Frage: Was bedeutet Ihr Lcheln? AMY: Den Ausdruck aller Gesichter, wenn Ihr Name fllt. HELENE: Sie reizen meine Neugier lange. AMY: Aus Furcht, Sie zu verletzen. HELENE _pltzlich die Brust ffnend_: Ich habe die unempfindlichste Haut, Liebe. AMY: Aber Sie tragen sie zu empfindlich ins Theater. HELENE: Kurz, um was handelt es sich? AMY: Um Ihre Begeisterung. HELENE: In Ihrer Sprache ein Mann. Welchen? Reden Sie nun. Offen gesprochen. AMY: Der einzige, der in Betracht kommt. HELENE: Prziser. AMY: Nicht um George. HELENE: Miserabler Anfang. Fgen Sie das Ende hinzu. AMY: Ich trenne mich ungern von bergngen. HELENE: Schlu. AMY: Kean. HELENE: Welches Terrain! So tief! Es ist nicht Ihre Ansicht. Sie kennen mich. Man redet so. Gut. Wer? AMY: Man sagt es nicht. Man lchelt. HELENE: Gut. Wenn Sie mich heut frgen, an meiner Stelle, ob ich glaube, da zwischen Kean und Ihnen etwas bestnde ... AMY: Ich begreife nur, was ich erlebe. Die Frage ist zwecklos. Ich habe kein Talent fr philosophische Entzckungen. HELENE: Gut. Sie weichen aus. So werden Sie ein Lcheln lernen, das Ihr frheres hinwegblitzt. Verdacht entwaffnet man nicht mit Beweis. Eher durch Gestndnis. Ich liefre nur meinen Geschmack. Glauben Sie, eine Sekunde htte vermocht, mich zu reizen, anzunehmen, da das, was zwischen von Damen ausgehaltenen Equipagen und betrunkenen Matrosen hintaumelt, den Ruhm eines bedeutenden Schauspielers sich zugesellt, zur Erfllung von Wnschen auch nur bedacht werden knne, die wahrlich anderes verlangen als solche Episoden? Mich ekelt. Ich rede frei. AMY: Ich bin Ihre Freundin. Ich werde es Ihren Freunden sagen. HELENE: Gut. Aber ... Ses ... Sagen Sie es nicht Devonshire. AMY: Sie erschrecken mich. HELENE: Er ist ein Geschichtenerzhler. AMY: Sie peinigen mich. HELENE: Ein galanter Junge. Kavalier. Fit. Sportiv. AMY: Erlsen Sie mich. HELENE: Ein Nacken wie ein Mdchen. Schne Hnde, meine Se. AMY: Sie nehmen eine furchtbare Revanche, mich zu qulen. HELENE: Ein Ring daran mit Onyx und Brillanten. Ich erinnere mich statt dem Onyx Aquamarin gesehen zu haben. Damals trug ihn Ihr Gatte. Zwei sen ausgebrochen, schlecht verbessert. Nehmen Sie einen besseren Juwelier, Grfin. Der Ring ist sonst indiskreter wie sein Besitzer. AMY: Ihre Grausamkeit ... HELENE: Wiegt Ihr Lcheln auf, Se. Erzhlen Sie Devonshire nicht meine Geschichte, er knnte sie ins Gegenteil verkehren wie die Ihren. HAUSINTENDANT _mit Stock meldend_: Graf Koefeld. AMY: Ich bin vernichtet. Ich kann niemand sehen. _Luft in den Nebenraum._ SZENE ZWEI GRAF KOEFELD _verbeugt sich_: Meine Gattin. Es floh jemand. Ein Mann. _Strmisch hinter Amy her, bringt sie zurck._ Halali. Eine Frau. Grfin Goswil. Verzeihung. _Sich fassend_: Den ersten Zivilminister Europas wrde ich versetzen, um Ihnen die Hand zu kssen. _Zum Sekretr hinter ihm_: Diese Telegramme. In Codeschrift. Stafetten einlegen. Ein eignes Schiff nehmen. Als Kurier fhrt Graf Schlitz. Fr wichtige Sachen nur ehemalige Offiziere der Botschaft. Depeschen Seiner Majestt in Uniform zu bergeben ... Darf ich mich setzen? Charmant Ihr Aussehn, Grfin. AMY: Wer tadelte meinen Puder gestern? Ihre Komplimente bluffen wie jede Uniform. GRAF KOEFELD: Ungalant, Grfin. Verleumdung. Groer Snger Ihres Ruhms. Beschwre Sie, den Rock des Knigs aus dem Spiel zu lassen. Ansonsten fr Frivoles weitgeffnetes Herz. Rock des Knigs Privileg. Zum Necken zu heilig. Sanktuarium. Auch schnstem Mund. _Aufspringend_: Meine Gattin ... Welch ein Fcher? HELENE: Ein Geschenk. GRAF KOEFELD: Wer schenkt Fcher? Frauen? Nein. Ein Mann! HELENE: Der Prinz von Wales. GRAF KOEFELD _stramm_: Auszeichnung. Welche Gnade. Hohe Ehre. Herrlich. Monseigneur wird berdies berrascht sein. Eine neue Surprise: Ich lasse Tontauben schieen. Spezialvergngen Monseigneurs. Versuche, ihm sekndlich das Leben mit Lieblingsbissen zu garnieren. _Stt ein Fenster auf, zielt mit einer an der Galerie dem Bchsenschrank entnommenen Bchse im Hintergrund_: Peng ... halo ... vorbei ... Ihr Gatte, Grfin ... HELENE: Wird nicht erwartet. AMY: Er bemht sich, Lord Mevil mit irgendwem zu verheiraten. GRAF KOEFELD: Verdammte, Mesalliance. Pardon, Grfin. Ich sagte ab. Habe siebzehn souverne Ehebetten in Europa gerstet. Skandal, da Mevil mich einzuladen sich erdreistet. Mich. Dieser Zertrmmerer feudalen Ansehns. AMY: Ihr Name? GRAF KOEFELD: Undurchdringlich. Wer heit nicht so? Alle Welt: Daisy Miller. AMY: Eine halbe Million Pfund. GRAF KOEFELD: Unverzeihlich. Sabotage des Bluts. Demokratisierung der Gesellschaft. Die Phalanx der Jahrhunderte wird ruiniert. HELENE: Daisy Miller. Jenes Mdchen, dessen Dauerhaftigkeit uns erstaunte, vis--vis unserer Loge, im Theater. GRAF KOEFELD: Sie htte unsere Standhaftigkeit mit grerem Recht bewundern knnen. Das Amt telephoniert ab neun nur noch nach Drury-Lane. Im Theaterportal Attachs. Im Foyer Sekretre. In der Loge die Post. HELENE: Ich bat Sie nie um Ihre Begleitung. Von heute ab erbrigt es sich, davon zu reden. Ich besuche das Theater nicht mehr. GRAF KOEFELD: Neues Arrangement schon vorbereitet. Es kommt dann zu Ihnen. Die Dekoration nur ist ausgewechselt. Kean ist zur Soire geladen. HELENE: Kean? GRAF KOEFELD: Kean. Ich verstehe. Sie zucken zusammen: ein Komdiant. Ich finde es abscheulich. Allein: Wunsch des Prinzen von Wales. Kann ich es abschlagen? Unmglich. Immerhin Wunsch des zuknftigen Knigs. Ich lud sofort. HELENE: Ich empfange die bitterste Beleidigung, der ich seit meiner Verheiratung ausgesetzt war. Ich empfange sie von meinem Gatten. GRAF KOEFELD: Ihr Gatte ist Ihr tapferster Verteidiger. Jede Stunde. Unbedingt zu rechnen. Ich stehe wie Thron und Altar. HELENE: Sie empfanden nicht einmal das Bedrfnis, mich zu befragen. Ihren Salon reprsentiere ich, nicht Sie. GRAF KOEFELD: Frstlicher Wunsch ist Befehl. Auszufhren oder sterben. Karriere oder Lump. Selbst die Marseillaise wird in diesem Sinn God save the king. HELENE: Ein Affront. GRAF KOEFELD: Keine Zeremonie. Ich engagiere ohne gesellschaftliche Verpflichtung. Sie geben ihm Essen, Zigarren, Wein. Ich Geld. Der Bursche tanzt und zitiert. Wen soll der Kerl genieren, hlt Monseigneur ihn als Affen. HELENE: Die Grfin Koefeld empfinge den Knstler. Dem Takt ihres Gatten aber bringt sie Erwartungen entgegen, die nicht ahnen, da er sie zwnge, vor einem Wstling sich wie ein Themsemdchen zu fhlen. GRAF KOEFELD _der einen Brief bekommt und ffnet_: Beruhigen Sie sich. Neue Zeit. Fortschritt der Zertrmmerung: Kean ist durch Unaufschiebbares gehindert, seine Aufwartung zu machen. Infame Beleidigung. Er sagt ab. HELENE: Die Verhinderung ist taktvoller als die Einladung. GRAF KOEFELD: Takt? Ausgeschlossen. Ich bin auf Zwischen-den-Zeilen-Lesen dressiert. Schon mit sechzehn schrieb ich ber Forellen und meinte eine Bar. Als Louis Bourbon den Sessel statt den Fu einer Prinzessin unterm Tisch mit der Zehe dauernd streichelte, signalisierte ich Unheil. Er nahm sie nicht. Mein Minister, mir unglubig, optimistisch, flog in die Luft. HAUSINTENDANT _mit einem Stock meldend_: Monseigneur, der Prinz von Wales. PRINZ VON WALES: Ich komme lachend, Grfin. Verzeihung. HELENE: Sie wrden sie erhalten, wenn Sie weinten. AMY: Sie erhalten sie nicht, wenn Sie nicht sofort erzhlen. PRINZ VON WALES: Skandal. GRAF KOEFELD: In der Gesellschaft. Schmerzlich. Ich grimassiere statt zu lachen ... untertnigst mit Erlaubnis. PRINZ VON WALES: Es gibt nichts Amusanteres. GRAF KOEFELD: Die Zeit ist angefressen. Revolten zittern unter unseren Fen. Wir mssen Eisengesichter haben. Nieder die Kanaille ... Pardon. PRINZ VON WALES: Die Weisheit ist nicht eingestellt auf das Knochenzerschlagen, sondern sie lchelt, da sie nicht gewohnt ist, die Dinge zu ernst zu nehmen. Man verdirbt sie dadurch. GRAF KOEFELD: Skandale haben mitten in die Revolte hineingefhrt. Allons enfants ... lieber Mitrailleusen ... mit devoter Genehmigung gesagt. PRINZ VON WALES: Im Gegenteil. Der sogenannte Volksgroll geht in kleinen Vapeurs in den Azur. Gewitterbildung unmglich. AMY: Der Skandal? GRAF KOEFELD: Sbel. Patronentasche. Panier hoch. Damit frchten wir letzten Endes selbst Wotan nicht. Versohlen die Flbsche. Versohlen gehorsamst. AMY: Der Skandal? PRINZ VON WALES: Alte Schule, Koefeld. Ihr Weltgefhl ist korsettiert. Demokratisch ist fr Sie ein Purgier. Mir heitres Brausepulver. Beschftigen Sie sich branchekundiger. Stiften Sie Ehen. AMY: Aber: der Skandal? GRAF KOEFELD _stramm_: Untertnigst, gehorsamst ... der Skandal? AMY: Ich sterbe vor Ungeduld. PRINZ VON WALES: Lord Mevil ... AMY: ... der heute heiratet ... PRINZ VON WALES: Lord Mevil, der heute heiratet, fand die Braut entfhrt. Sein Riesenaufwand ist verpufft. Sein Goldvogel hat sich verflogen. Ein Klgerer als dieser schne Satan Mevil hat ihm das Haus ausgeraubt zehn Minuten, eh er es betrat. Mevil ist nun bankrott. HELENE: Und wer ...? AMY: Wer? PRINZ VON WALES: Der schnste Name Englands. AMY: Das wre Monseigneur. PRINZ VON WALES: Ich mische mich nicht in die Bourgeoisie. GRAF KOEFELD: Horr. Horr. Horr. PRINZ VON WALES: Man knnte mich dort abweisen. Man hat auch da Stolz. Hher. AMY: Der Knig. PRINZ VON WALES _verneigt sich in den Spiegel, spielt mit der Drehung, hustet. Koefeld macht Zeichen._ GRAF KOEFELD _nher kommend_: Monseigneur. HELENE _miverstehend_: Unmglich. PRINZ VON WALES _lchelnd_: Noch illustrer. HELENE: Wie kann das sein? PRINZ VON WALES: Herrlicher. Voll Ruhm. Voll Auszeichnung. Angebetet. Von frischem Erfolg sekndlich umgeben. HELENE: Ich kenne niemand. Nennen Sie ihn. PRINZ VON WALES: Kean. HELENE: Das ist unmglich ... PRINZ VON WALES: Woher wissen Sie das? HELENE: ... da Sie sich in Vergleiche begeben, die Beleidigungen fr Sie sind. GRAF KOEFELD: Gnade Gott, da der Kerl absagte. Rechts um Marsch. Das Ganze Halt. PRINZ VON WALES: London wird illuminieren. Flaggt. Lt das Betschuanenregiment mit Niggermusik und Trommeln ber die Pltze ziehn. Die Mnner haben Schlaf. Kean ist gefesselt. AMY: Wie reizend. PRINZ VON WALES: Liverpool empfngt vom Meer her seine letzten Gre. Langsam anschwellendes Lrmen, ohne bereilung herankommend, lauter, weit geht die Tr auf. Mit groer, weltmnnischer Bewegung herein tritt Kean. SZENE DREI KEAN: Ein Zufall, den ich preise, obwohl er nicht ohne Tragdie ist, setzt mich in den Stand des Vorzugs, der Grfin Koefeld die Hnde zu kssen, dem Prinzen von Wales, Monseigneur, meine Achtung in dem hchsten Mae der Ergebenheit zu bezeigen und dem Grafen Koefeld den Widerspruch zwischen meiner Absage und meinem Erscheinen in einem Wort der Bewunderung und der Bitte zugleich zu erklren. PRINZ VON WALES: Wir zhlten nicht auf Sie, in der Tat. Ich danke fr die doppelte Konfusion. Ich erinnere mich eines Gascogners, der daran litt, doppelte Muskeln zu haben. Man gab ihm Milchbder, er machte sie zu Butter. In der Tat, ich erinnere mich mit Vergngen der Geschichte. KEAN: Die Gerchte sind falsch, die Konsequenzen ungltig, ich unschuldig. Darf ich Beweise ... PRINZ VON WALES: Ich also ein Lgner? KEAN: Monseigneur, der, welcher Sie belog. PRINZ VON WALES: Ihre Dokumente? KEAN: Ich kam hierher, da ich Sie hier wute. Man betritt kein Haus lieber als das, in dem man sicher ist, die Verfolgten geschtzt zu sehen. PRINZ VON WALES: Seltsam, damit zum Prinzen von Wales zu kommen. KEAN: Und dies mit einem Brief, der beweist, da es keine schnere Aufgabe ist, als fr die Verteidigung einer Frau und der Wahrheit selbst vor der Ungnade des hchsten Protektors zu stehen. Den Brief lie Daisy Miller in meinem Zimmer, als sie mich nicht antraf. Der Spion versumte zu sagen, da sie es nach zwei Minuten verlie. AMY: Lesen Sie. KEAN: Nicht ich. PRINZ VON WALES: Lesen Sie. KEAN: Wer bin ich, Monseigneur? Ich bin der Schauspieler Kean. Ich bin nicht tricht genug, zu wissen, da dies viel ist, so wenig es vor Ihnen ist. Aber was bedeute ich in einer Sache, die Keuschheit und Wrde verlangt. Habe ich ein Echo in feinen Dingen? Man schreit Don Juan, Verrter, Wstling, Komdiant. Man horcht auf meine Stimme, wenn ich Romeo spiele. Was bin ich als Mensch diesen anderen Menschen? Nimmt jemand mich voll auer Monseigneur? Ich frchte, da meine Stimme nicht den Vorzug hat, so vor der Wahrheit zu stehen, wie mein Wille es tut. GRAF KOEFELD: Akzeptiert. Unaufgefordert. Da Sie den Prinzen von Wales suchen, bitte, Ihre Bitte nicht aufzuschieben, mit der Sie sich annoncierten. Seine Wnsche sind Ordres. Hflichkeit, sie zu befolgen, die geringste Pflicht der Untertanen. KEAN: So darf ich mich vor der Grfin Koefeld neigen, denn nur wenn die Ehre dieser Frau und ihr Name sich anschickt, ja sagend und gtig sich beugend, zur Unschuld der rmeren und unbedeutenderen Schwester herunterzukommen, wird erst Gerechtigkeit sein und die Unschuld so gut gepaart sein, da es berzeugt. PRINZ VON WALES: Kean. KEAN: Selbst Ihr Rang und Ihre Macht, Monseigneur, sind nur eine Stufe der gestaffelten menschlichen Vollkommenheit und ein schner Vorposten der menschlichen Gesetze. Verzeihen Sie meine Khnheit, wenn ich die groe Rhrung, die von dem schlichten Mund der unbestechlichen und erhabenen Wahrheit ausgehen, darber stelle. Die Unbedingtheit der gerechten uerung kommt nur aus der Wrde einer verehrungswrdigen Frau. PRINZ VON WALES: Geben Sie der Grfin den Brief. AMY: Sagen Sie Ihr Kommentar. HELENE: Ich mchte ihn nicht lesen. KEAN: Ich verehre das berma an Zartgefhl, das nicht in die Feinheiten anderer Schicksale fassen will, Grfin. Ich, der ich erbrmlich bin vor der Gre Ihrer Augen, nur ein Sujet, ein Quelconque, nur ein Mann, irgendwelcher, nur Kean, ich flehe Sie an, aus einer bertriebenen Feinfhligkeit kein Opfer zu machen. GRAF KOEFELD: Geben Sie der Grfin diesen Brief. Unbesorgt. Voran. Junger Mann. Zivilcourage! KEAN: Darf ich die grte Beleidigung wagen, die Monseigneur angetan wurde, und ihn bitten, die Grfin meine Erklrungen allein aufnehmen zu lassen, damit die Wahrheit, die ja im einzelnen der private Besitz anderer Menschen ist, aus ihrem Munde Ihnen zurckgegeben, ohne jeden Klatsch nur mit der endgltigen Sicherheit des Satzes schliee: Kean ist unschuldig, und die verfolgte Frau ist es auch. Der Prinz fhrt die beiden in den Hintergrund, lchelnd, sich verbeugend. GRAF KOEFELD: Tontauben, Monseigneur. _Sie gehen zum Balkonfenster hinaus._ Peng ... Schrg ... zu hoch -- Patronen. Dank ... Monseigneur. _Man sieht sie drauen, hrt sie, sieht ihre Schatten._ HELENE: Sie haben mich in eine Lage gebracht, die ich Sie ben lasse. KEAN: Da ich in einer guten Sache mein Leben zum erstenmal dem Ihren mische, kann nur ein gutes Schicksal ber uns stehn. HELENE: Ich wnschte, Sie verlieen mich in derselben Sekunde. KEAN: Ich werde Sie verlassen, wenn ich, nicht, wenn Sie es wollen. HELENE: Den Brief. _Liest, hlt ein, weicher, beruhigter_: Sie haben recht. KEAN: Versprechen Sie mir, den Brief fertig zu lesen. HELENE: Ich las. KEAN: Die Rckseite ist auch beschrieben. Ich frchtete, meine Stimme wrde nicht reichen, diese Minute zu ertragen. HELENE: Die Rckseite ... KEAN _nimmt ihr das Papier aus der Hand, hlt es vor sich_: Ich werde es Ihnen lesen, Grfin, ich kann es Ihnen lesen. Ich lese rasch, Grfin, es geht um jede Seligkeit; ich habe eine Stunde seit Monaten gesucht, die eine Dame Ihrer Position mir geben kann, ohne sich zu kompromittieren, ich gbe mein Leben fr diese Stunde, es sind nur zwei Minuten jetzt, sie vorzubereiten, Grfin, zwei zufllige Minuten, zwei noch vor einer halben Stunde ungeahnte Minuten; auch sie gengen, aber ich bin kurz. Lassen Sie Ihren Wagen vor dem Theaterbro halten, nehmen Sie ein Billett, winken Sie mit dem Fcher. Der Billetteur ist mir ergeben. Sie kommen in Schwarz, mit einem Schleier. Durch einen geheimen Gang kommen Sie in meine Loge. Ich werde es Ihnen ins Blut setzen, da Sie es nie vergessen ... HELENE: Halt. Ich habe genau zugesehen. Sie haben gelogen. Es stand nichts auf der Rckseite. Das Papier war leer. KEAN: Als ich hierher ging, hatte ich nichts im Sinn als das Schicksal einer Unschuldigen. HELENE: Sie vergaen den Grund Ihres Kommens rasch. KEAN: Ich ri aus der Sekunde, als sie mir nahte, was sie mir geben konnte. HELENE: Sie setzen Ihr Leben aufs Spiel. KEAN: Tue ich es nicht auch, wo ich fr die Unschuldige eintrete? HELENE: Das erste war echt. Ist das zweite mehr wie Wahnsinn? Gibt es zwei Dinge so nebeneinander? Und echt? Verwunderlich. KEAN: Prfen Sie. HELENE: Ich kann es. Ich kann auch die Hunde rufen. KEAN: Sie kommen in die Loge! HELENE: Verlassen Sie sich nicht auf die Khnheit Ihres Wahnsinns. KEAN: Durch den Gang in meine Loge. Sie kommen das erstemal, wenn ich wieder spiele. _Die Grfin Koefeld stampft mit dem Fu auf, Kean klatscht in die Hnde, verbeugt sich vor Helne, ruft nach rckwrts_: Monseigneur, Graf Koefeld, die Grfin Goswil auch, ich verga ... ich erbitte tausendfach Entschuldigung ... die Grfin hat gehrt. Ich habe geredet. HELENE _stockend_: Der Herr ist ... unschuldig -- -- und Daisy Miller ... auch. Schlu des ersten Akts. AKT ZWEI Zimmer bei Kean. Links Ausgnge nach zwei Nebenrumen. Rechts Eingang. Atelierhaft, Holzskulpturen, Teppiche, Diwane. Nach einer Nacht. Betrunkene in grotesken Schlafstellungen: Kean, Tom, David, Bardolph. Es ist noch dunkel. SZENE EINS LORD MEVIL _erscheint mit drei Leuten und Laternen_: Besetzt die Tren. _Geht durch den Raum und rasch in die anderen schauend._ Hier sieht es nicht nach Weibern aus. Alles Betrunkne. Gebt sofort Knebel, wenn sich einer regt. Welches ist der Entfhrer? _Eine Laterne zeigt auf Kean._ Der soll sie mir geraubt haben? Fr meinen Stolz unmglich. Fr den Plan gut. Diese Kreatur voll Wein bindet mit mir an? Gelchter, Mevil! Er ist in meiner Macht, ich werde ihn nicht berhren. Wie kann ein Bursche, der jedem Feind so preisgegeben lebt, ein Gegner sein? Belauert ihn. Was ich besitzen will, werde ich besitzen. Was ich greife, la ich nicht los. Hinunter an die Tore. Ich brauche Geld in irrsinnigem Ausma. Welches Ziel hab ich noch nicht erreicht? Bewacht die Ausgnge gut. _Ab mit seinen Leuten. Aus einem Nebenraum mit einer Kerze Salomon. Er stellt die Kerze neben Kean, dann schiet er mit einem Terzerol in die Luft; Kean steht auf._ KEAN: Wie oft hast du geschossen? SALOMON: Einmal. KEAN: Ist ein Brief von einer Frau da? SALOMON: Nein. _Kean mit einer Geste ins Nebenzimmer. Durch den Eingang ein Jngling._ Halt. Woher? Wen suchen Sie? JNGLING: Kean. SALOMON: Den sucht jedermann. Hast du nicht vielleicht einen Busen ber deinen Mnnerhosen? Mit welcher Legitimation? JNGLING: Der, da ich frage, wollen Sie, da ich auf dem Seil oder den Fingerspitzen einmarschiere? _Schlgt ein Rad._ SALOMON: Welche Truppe? JNGLING: Truppe Bob. SALOMON _erschrocken_: Truppe Bob. Wird Kean erfreut sein oder gergert? Sieht er heut seine Vergangenheit verliebt oder verchtlich? junger Mann, wenn Sie Mut haben, bleiben Sie, wenn Sie ngstlich sind, verschwinden Sie. JNGLING: Ich habe Auftrge und bleibe. SALOMON: Dann ist zweierlei zu bedenken. Kommt er und sieht die Kerle, saufen sie bis zum Abend. Scheinbar wird aber eine Frau erwartet. Ich wei nicht, welche. Am besten jagt man die Bande weg. Wie es kommt, ich werde das Falsche getan haben. Schicksal. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann. JNGLING _ffnet ein Fenster, dmmrighell_: Wirf sie in die Themse. SALOMON: Wassertod wre die grausamste Exekution. Du hast Humor. Ich liebe nicht Affairen mit den Konstablen. Wir haben genug. Dafr gibt es einen andern Stil. _Weckt mit einem Hammer Tom._ TOM: Caramba, Sennor. Die Faust in Ihre Gurgel. SALOMON: Ich werde Euch eine Sache an den Hintern henken, an der Ihr kein Werft schleppt, bis Ihr verreckt. TOM: Ich trete dir in den Bauch, da der Hund in deinem Wanst zu bellen anfngt. SALOMON: Du Bauchredner deiner Trbseligkeit, er wrde vor Vergngen zu lachen anheben, weil er dich fr einen Hirsch hlt, obwohl du in Wahrheit nur eine Sau bist, die den faulsten Huren die Mnner zutreibt. TOM: Dafr sollst du dreimal gespien verdammt sein, da du solche Lgen erfindest. Ich bin sowenig ein Hirsch wie du ein Hund, denn du stinkst schon zu verwest, du Aas. SALOMON: Wegen der Hrner, du Klauenbiest. TOM: Dann hast du deshalb gelacht in deinen Wanst, weil deine Augen vor Besoffenheit so verklebt sind, da du gar nichts siehst. SALOMON: Weil vor einer halben Stunde ein Rotrockweib auf einem Kahn vorbeipaddelte, heraufgrinste und eine Harmonika erbrmlich schaukelte. TOM: Wenn das um zehn war, ist es jetzt halb elf. SALOMON: Aber wenn du bis in die Ewigkeit hinein meckerst, kriegst du den Wettlauf mit der halben Stunde nicht wieder herein, und wenn dein Rssel sich zu einer Kilometerschnauze auswchst, denn damals waren hier vier und nun sind drei. TOM: Dann schlag ich dem Kean den Stirnknochen auf und schlitze die rote Sau von unten bis oben, wenn ich sie erwische. Dann kannst du betteln, alter schlottriger Darm. _Geht drhnend ab._ JNGLING: Hast du ihm nicht gefhrlich eingeheizt? SALOMON: Sein Hirn ist so feig, wie sein Maul vor Unfltigkeit gro. Es ist schon so ausgefranst, da es bald die Ohren erreicht hat und sie abfrit auf seinem Weg um den Kopf. JNGLING: Wie das Zeug hinausgeht, ist gut. Aber wie kam das Zeug herein? SALOMON: Kean wollte eingeschlossen sein und ausruhn. Aber er hat seine verdammten Launen. JNGLING: Ihr schlot ein. SALOMON: Er holte sich Gesindel durchs Fenster. Achtzehn Flaschen dann auf vier Mann. Wie leicht Hoch und Niedrig sich einigen, ahnt man nicht. _Weckt David._ DAVID _fllt aufs Knie_: So will ich Gott den milden Herren beim Aufgang jedes Gestirns loben, da er mich einfltige und fleischliche Kreatur ber Nacht auf dieser Erde wohlgefllig erhielt. SALOMON: Fromme Wanze. David! DAVID _abwesend_: Eins, zwei, drei, vier, fnf. Anwesend. David anwesend. SALOMON: Amen. Willst du eine Heldentat vollbringen? DAVID: Ich habe keine Neigung nach dem Tod. Wenn der Herr zwar mich ausersehen, so sage ich: Ich bin bereit. SALOMON: Du hast Kean dreiundachtzigmal geschworen, da du alles ihm opfern willst. Vergit du deine sanfte Grimasse, wenn die Flaschen wie leere Kinderhlse rlpsen? DAVID: Warum beschmst du mich falsch? Weit du nicht, da, wenn Kean will, ich folge mit verbundenen Augen. SALOMON: Vor einer halben Stunde, als Kean am Fenster stand, fiel ein Kind in die Themse und Kean sagte ... DAVID: Was sagte Kean? SALOMON: David ... DAVID: Er erinnerte sich meiner Armseligkeit. SALOMON: ... David ist der einzige, der es retten knnte ... DAVID: Hei, ein gtiger Gedanke von Kean, Herr. SALOMON: Denn er ist, sagte Kean, der einzige, der mit Salbung so gelt ist, da ihm Wasser nicht schadet, er schwimmt wie mit Schwimmfen auf heiligen Sprchen stundenlang. DAVID: Es war sein Wunsch? Du sagst mir es jetzt erst. Nach welcher Seite flo das Kind? SALOMON: Stromaufwrts wie alle Kinder. Hinauf. Hinauf. Es schrie nicht mal. DAVID: Welch ein Glck, Salomon. Du bist weiser wie Sancho Pansa und Hamlet. Kean wird zufrieden sein mit dem schwachen Theologen. Welches Glck. Sagt Kean: Gehe -- so geh ich. Bleibe, so bleib ich. Er sagte: Gehe. So geh ich. _Ab._ SALOMON: Der heieste Topf. Wird mit Wasser gelscht. _Weckt Bardolph._ Meine Gratulation. Meinen Glckwunsch. BARDOLPH _in einem Lwenfell, brllt, blst sich auf_. SALOMON: Welche Haltung! BARDOLPH: Du gratulierst mir. SALOMON: Dieselbe Haltung, in der du Kean erledigtest. BARDOLPH: Ich gab es ihm. SALOMON: Allzutrefflich. Nie hrte man solches Geschrei. Ohnmchtig rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. BARDOLPH: Ich htte ihn gern erwrgt, wenn er auf der Bhne alle Applause einsteckte, als seien es pfel. Wer war es aber, der dem Publikum den Eisschreck in die Blase gejagt? Wir mssen auch einmal an die Rampe, der Tag des Sieges hat auch fr uns seinen Sonnenaufgang. Glaubst du, ich werde nun Hamlet spielen? Er verzichtet? SALOMON: Nein. BARDOLPH: Warum? SALOMON: Kean lt sich den Magen auspumpen. Er schwor, dich totzusaufen, damit du ihm nicht gefhrlich wirst. BARDOLPH: Dann ists im Sinne der Menschheit, wenn ich meine Stimme erhalte. Gehe ich, bin ich der Sieger. Bleibe ich, spielt mir das Schicksal einen Streich. Seien wir klug, Bardolph. SALOMON: Wenn dich der Sieg Aug in Aug nicht reizt. Mit diesem Brustkasten, solchen Muskeln. BARDOLPH: Roheit. Ich will in einer hheren Arena nunmehr meine Nsse knacken. SALOMON: Halleluja. David wartet. Mann, vergi dein Fell nicht, deine Stimme knnte drin stecken. BARDOLPH: Roheit. _Stelzt mit Ringerpose ab. Jngling ihn verhhnend hinterher._ SZENE ZWEI KEAN _in fabelbaftem Bademantel_: Meinen Kragen, mein Frhstck. Ist Rotwein da? Wo sind die anderen? SALOMON: Sie haben sich eilig verabschiedet. KEAN: Du lt meine Gste laufen, scha dich in deinen Souffleurkasten. Man lt meine Gste nicht ohne Frhstck laufen. Ist Rotwein da? SALOMON: Jamaika-Rum. KEAN: Pest. _Schreiend._ Was ist das fr einer? SALOMON: Ich drehe die Dusche im Badezimmer ab. _Ab._ KEAN: Was bist du fr einer? JNGLING: Artist. KEAN: Welches Engagement verschafft mir die ... Zuflligkeit? JNGLING: Auf dem Seil, auf den Hnden. Die Truppe Bob erinnert sich an Kean. KEAN: Sapristi. Du bist ein Neuling. Ich kenne dich nicht. Welche Zeit ist es? Mach die Lden auf. _Ganz hell._ Beweis dein Handwerk. _Jngling schlgt ein Rad._ Was willst du? JNGLING: Soll ich ber den Fenstergurt laufen? KEAN: Wie geht es Bob? JNGLING: Seine Frau legte ihm das dreizehnte Ei, rtlich, gesund, mit O-Fen, es wird Clown. Den Mittag wird es getauft. Bob verplatzt an seiner Trompete vor Wonne. Sein Herz ist zerbrochen, seit Kean ihn verlie. KEAN: Well? JNGLING: Macht den Niagarasprung mit drei Sbeln. KEAN: Riny? JNGLING: Damned. Die schwarze Maus liegt in allen Betten. Verdorren soll ich. KEAN _reit ihm die blonde Percke ab_: Ich war der erste, der dich hatte. Ich habe dich sofort erkannt, Riny. Setz dich her. K mich. RINY: Warum machst du ein zorniges Gesicht? KEAN: Weil, wenn ich dich sehe, ich mein Leben leid werde. RINY: Du kannst mich schlagen. KEAN: Du verstehst mich nicht. Die Strecke, seit du das erstemal bei mir lagst, bis heut ist zu lang fr dein Hirn. Hr, hast du mich spielen sehen, hast du gedacht, da es eine Sache sei, mein Spiel, meine Rolle, meine Stimme, wie ich gehe, wie die Leute schreien, klatschen? RINY: Ich habe es gedacht. KEAN: Hast du gesehen, mit wem ich im Wagen fuhr -- seid Ihr so lang schon hier --, wie ich angezogen bin, wie ich esse, lebe, wohne? Hast du gedacht, da ich zufrieden, glcklich sei, da meine Position, Geld, Ansehn Dinge sind, in denen sich leben lt? RINY: Ich habe es gedacht. KEAN: Dann hast du einen idiotischen Unsinn zusammengedacht. Dies Leben ist zum Kotzen elend. Ich tauschte sofort mit dir. I Austern, ich aus dem Sack. Gute Zeit war, als wir auf dem Planwagen von London nach Essex zogen. RINY: Ich habe eine Frage. KEAN: Was willst du? Was will man, wenn man zu mir kommt? Karriere. Empfehlung. Verkuppelung. Dummes Tier. Du weit nicht, wie gut es dir ging. Pfui Teufel! RINY: Meine Mutter mu vor der Geburt meinen Verstand mit dem Stock versohlt haben. Ich verstehe dich nicht. KEAN: Das gefllt mir. Besser in Lappen Berge sehn wie als Hure schlemmen. Ich beneide dich um den Himmel voll Freiheit. Wiesen, Drfer, Flsse, -- habe ich das nicht einmal gesehen? Man zndet Feuer an, wann man will. Man zieht in kleine Stdte mit Trompeten, nachts still hinaus. Rechts oder links fahren ... wie man will. Ich habe meine Jugend gelebt. Verdammt, es war schn. Knnte ich das noch einmal durchmachen, ich platzte. Das sind so Trume. Was willst du eigentlich? RINY: Ich wollte nachsehn, ob du nicht so verrckt geworden seist, da du den Mittag an der Taufe von Bobs dreizehntem Ei mitmachen knntest. KEAN: Warte! Eine Sekunde. Wenn ich von Tom einen Anzug liehe und einen Wagen kaufte, wrden die Muse, der Regen, die Klte, die ja nicht so arg sind wie Neid und Gemeinheit und Lgerei, dich anziehn oder abstoen? Vielleicht kommt mir einmal der Plan. Was wei man von seinen Plnen? RINY: Ich ziehe es dann vor, Kean auf seinen Landkonzerten zu begleiten. KEAN: Ser Affe. K mich. Ich sag dirs, wenns mir so ist. Bob grt du, den Mittag komm ich zur Taufe. Hast du Geld? Wo feiert ihr? RINY: Bei Patt. Ich marschiere. Dein Diener sagt, du erwartest eine Frau. Ich lasse Patt herrichten. KEAN: Der Teufel soll den kneifen, der lgt, ich erwarte eine Frau. Vergi das Geld nicht. Geh jetzt. Vergi das andere nicht. RINY: Du knntest sagen ebensogut, ich solle meinen Kopf nicht vergessen. _Ab._ KEAN: Salomon! _Erscheint._ Wer wird erwartet? SALOMON: Kann ich erwarten, besser zu wissen wie Sie, welche Erwartungen Sie haben? KEAN: Du hast dem Seiltnzer von einer Frau gesprochen, die ich erwarte. SALOMON: Ich habe erwartet, da er eine Frau sei, deshalb habe ich vielleicht die Erwartung einer Frau ausgesprochen. KEAN: Ich werde dich auf Warten dressieren. Du gehst jetzt gleich in die Strae und vor das Haus, das dieses Bild zeigt und diese Adresse, und wartest, bis die Dame herauskommt. Oder du fragst nach ihr, indem du etwas zu verkaufen vorgibst. Du merkst dir die Dame und ihren Gang so, da du sie auch in Verkleidungen erkennst. Dann kommst du zurck. SALOMON: Den Gang will ich gerne sparen. Die Dame kenne ich. KEAN: Woher? SALOMON: Als ich Sie gestern suchte, frug ich bei Monseigneur und hrte, da Sie dort frhstcken. Ich bin nicht faul und gehe dahin, aber es war ein Irrtum. Da sah ich die Dame. KEAN: Warum hast du mich gesucht? SALOMON: Eine Dame war hier und bat mich, Ihnen zu sagen, da sie wiederkomme. KEAN: Also wird doch eine Frau erwartet. Warum schleichst du auf Umwegen immer ans Ziel, du Serpentine? SALOMON: Ich fand Sie nicht mehr, und wenn die Dame sagt, sie erwarte morgen Sie zu sprechen, so wird sie doch nicht erwartet, sondern sie hat selbst nur Erwartungen. KEAN: La den Unfug, mit dem du deine Vergelichkeit gro machen willst. Du meldest den Mittag dich bei mir auf dem Artistenfest. Du bist dann zeitig im Theater und auf alles gespannt. Am Bro ffnest du die separate Tr. Du lt die Grfin Koefeld, auch wenn sie verschleiert ist, in meine Loge durch den Gang und die Wandtr fhren. Vor der Vorstellung. Wenn dir mein Lachen lieb ist. Wenn sie nicht kommt, werde ich verrckt. SZENE DREI DIENER _mit Karte_: Die Dame wird erwartet. KEAN: Daisy Miller. SALOMON: Ich warte nicht lnger. _Im Abgehen._ Es ist der Name der Dame, die erwartet, erwartet zu werden. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann. KEAN: Herein die Dame. Mein Frack. _Springt hinter eine Portiere, wo er sich, sichtbar dem Parkett, aber nicht der Eintretenden, fertig umzieht mit Hilfe des Dieners, der zu ihm kommt, nachdem er Daisy hereingefhrt. Daisy bleibt mitten stehen, sieht sich um._ Sie haben mich verfehlt, verzeihen Sie; durch die unentschuldbare Haltung meines Dieners erfuhr ich zu spt ... Sie sind Daisy Miller? DAISY: Ich kann nicht widersprechen. Doch ich wnschte, es nicht zu sein. KEAN: Dann knnte Ihr Wunsch nur sein, Lady Mevil zu sein. DAISY: Dem widerspricht meine Handlung. KEAN: Die werden verfolgt? DAISY: Als ich auf die Strae trat, war ich verstoen, Waise, vermgenslos. KEAN _herauskommend im Frack_: Ich sehe keine Verzweifelte. Nur Anmut. DAISY: Ich nahm Ihren Namen mit. KEAN: Den schlechtesten Kredit. DAISY: Es wog mir den Mut auf, den Tod nicht diesem Gesprch vorzuziehen. KEAN: Kommen Sie zu Ihren Wnschen. DAISY: Da ich ein Leben ohne Glck gefhrt habe, bin ich auf seine nderung bedacht. Ich war im Kloster bis vor Wochen erzogen. Ich lste, als ich die Enge meiner mir aufgeredeten Entschlsse erkannte, die Verlobung mit Mevil. Ich verlie eine Stunde vor der Vermhlung das Haus meines Vormunds. Ich komme zu Ihnen, weil ich Ihren Beruf ergreifen will. KEAN: Ich habe keine Verantwortung fr Ihr Leben. DAISY: In Drury-Lane dachte ich: wenn ein Mensch sich in so vielen anderen verkrpern kann und ihre Leidenschaft und ihr Herz mit so strenger Wahrhaftigkeit von sich zu geben vermag, mu es ein zuverlssiger Mensch sein. Wren Sie gro und mchtig nur, htten Sie mich nie gesehen. KEAN: Was habe ich mit meinen Rollen zu tun? Sie kennen mich nicht. DAISY: Wer mein Herz zu solchen Trnen gerhrt hat, kann nichts anderes als mein Vertrauen verdienen. KEAN: Ihr Vertrauen belastet mich. Ich lehne es ab. Was wollen Sie? DAISY: Ich sah Sie spielen. Das nderte mein Leben ... KEAN: Cht ... cht ... DAISY: Das hat mich zu meinen Entschlssen tapfer gemacht. Denn wenn ein Mensch vermag, sich in anderen so sehr zu erschpfen und darin zu leben, ist das der einzige Weg aus der Enge in die Freiheit. KEAN: Kein Weg fr Sie. DAISY: Ich fhle den Drang zu keinem andern. Im Traum, am Tag kamen die Stimmen, die Bewegungen der Frauen aus den Stcken, in denen ich Sie sah, und verbinden sich mit mir. Ich ahme sie nach und bin voll Freude. Helfen Sie mir, so werde ich die einzige Hilfe haben, deren ich bedarf. KEAN: Ich verweigere sie. DAISY: Dann werde ich den Tod leicht zu nehmen wissen in der Gewiheit, da dies der bessere Ausweg fr mich ist, den Sie beschlossen haben, um mich, zu Schwache und Unwichtige, anderem Schicksal zu entziehen. KEAN: Ihre Drohung ist gro. Diese Belastung von mir ist schon Irrsinn. Sie verdienen die grausamste Antwort. DAISY: Ich kann nichts anderes von Ihnen erwarten wie die Wahrheit. KEAN: Setzen wir Ihr Talent voraus. Haben Sie das Leben bedacht? DAISY: Ich kenne es nicht. KEAN: Bleiben wir bei den sichtbaren Dingen. Fnf Monate Anfangsstudium ist das Minimum fr ein Genie. Sie debtieren. Mit auffallendem Erfolg. Ich nehme die phantastisch-gnstigsten Flle. Man bietet Ihnen eine Jahressumme, die die Hlfte dessen deckt, was Sie fr seidene Strmpfe brauchen. DAISY: Das Vermgen, das ich seit meiner Flucht nicht mehr besitze, war durch meiner Vorfahren uersten Flei erworben. Ich bin gewohnt, zu entsagen. KEAN: Zu hungern. Schlechte Romantik. Gut. Aber ... die Kleider, die Ringe, die Pelze, die Reiher, den Samt? DAISY: Ich werde sparen. KEAN: Womit? Die Zeit ist grausamer als das Leben. Sechs Jahre braucht eine Venus, um unvergleichlich zu sein. Sie werden vorher Ihr einziges wichtiges und letztes Kapital angreifen und verzehren mssen. DAISY: Ich habe keines. KEAN: Sie haben eines. Da Sie sehr schn sind, ist gut und ist schlecht. Sie werden Ihre Liebhaber haben. DAISY _lt ihren Schleier fallen_. KEAN: Da Sie unvergleichlich hohe Beine haben, wird Ihnen ebenso unvergleichlich schaden. Da Ihr Haar reich und Ihr schmaler Busen kstlich ist, wird Signal zu dem Wettlauf der Vielzuvielen werden. Da Sie in Notlage sind und vom Schicksal arm bestimmt durch Ihren tragischen Entschlu, wird Sie vor die bitterste Entscheidung zwingen, ob Sie sich, ob Sie Ihr Ziel erreichen wollen. Geben Sie sich selbst aber in das Furioso der Preise, die darauf geboten werden, um auf der anderen Seite Ihrer Sehnsucht Ihr Ziel zu erreichen, so haben Sie alles eingesetzt, um vielleicht nichts zu erreichen. Dann ist Ihr Herz verdorben, und Ihre Beine sind verbraucht von den Mnnern, und Ihre Brust hat keine Frische mehr, und Ihr Herz ist elend. Beweisen Sie, da Sie robust genug sind, die heulende Furie der Kunst auch durch das Dasein so entsetzlicher Perspektiven mit gleicher Kraft wie Ihre Sehnsucht danach zu tragen. Dann rede ich Ihnen erst zu. Haben Sie im gnstigsten Fall Mnner, die Ihnen geben und nicht fordern, die Sie lieben und die Sie nicht kaufen, bricht die Kloake der Angriffe in anderen Hllenstrzen los. Affenhafte haarige kleine Schreiber, krhende Regisseure, geschwollene Intendanten werden Sie tadeln, schmhen, fordern, zurckstellen, verfolgen mit einer Systematik, von deren Grndlichkeit Sie sich keine Vorstellung geben. Und wenn Sie, von grellen Reflektoren bis in Ihr intimstes Boudoir jeweils beleuchtet, ausgeschrien und entkleidet, gejagte Hindin, atemlos von der Jagd, verzweifelt einem der Jger sich geben, hat der andere Schwarm schon sein Halali begonnen. Sie entweichen nicht. Haben Sie das Leben bedacht? Gestehen Sie, da Sie die Barriere unterschtzten, die es vor Ihre Absicht legt. Ihre Knochen sind sehr zart, aber Ihr Herz ist gro. Ihre Beine sind zu schn fr solche Exkursionen. Beweisen Sie mir, da die Zartheit Ihres Lebens so sthlern und hart ist, um unbeschmutzt und unzerschlagen aus dem herauszukommen, und ich rede Ihnen zu. DAISY: Ich kann Sie nicht bitten, zu schweigen. KEAN: Sonst htten Sie das Recht, mich spter zu verfluchen. DAISY: Jeder Ausgang kann nur Dank fr Ihre Gte sein. KEAN: Sie werden die Arme nach der Gerechtigkeit ausstrecken, aber Sie werden ein Schwein umarmen. DAISY: Was mssen Sie gelitten haben. KEAN: Ich? DAISY: Nichts von alledem kann an Ihnen vorbergehn. KEAN: Ich bin ein Mann. DAISY: Ich bedaure Sie. Da eine gerechte Sache soviel kostet ist teuflisch. KEAN: Was kmmert mich der Kleinkram? Habe ich nicht eine Leistung in der Hand wie wenige im Jahrhundert? Kmmern mich die Schreiber, Spione, Paraden des Schmutzes? Oh. Wissen Sie, da ich ein gutgewachsener Mann bin und zu lachen wei? Wer kann an mich heran? O, das ist alles nichts, wo die tragische Lge unserer Berufung uns immer viel tiefer sekndlich verhhnt. DAISY: Wer solche Trnen geweckt, solche Leidenschaften gelst und solche Liebe gerufen hat, kann nur glcklich sein. KEAN: Ich zge es auch vor, lieber als Publikum vor meinen Talenten zu grinsen, statt die teuflische Meute selbst im Bauch zu haben. Bin ich denn nicht auch alles das, was ich spiele, und reit es mein Leben nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reien mein Dasein ein; sapristi, wenn Sie die Spe kennten, die durch einen Tag meines Verstandes durchrollen! Ich will auf dem Rcken liegen und Wolken ansehn immerzu, Gndige, am Wasser ber Bergzacken hin. So bin ich einer. Ich will ein Heer kommandieren, so bin ich in einer Stunde. Ich will einen Mord begehen zum Mittag, so bin ich einer. Ich will im grnen Wagen hinausfahren durch Feuer und Drfer und Kinder hinter mir her haben, die meinen Namen schreien, so bin ich einer spter. Das alles drngt und stt durch meine Brust und wechselt einander ab wie die Schildwachen, straff und mit Gewalt, gespannt und auf Letztes bereit. Ahnen Sie, an welchen Abgrnden ein Tag vorbeifhrt? Vermgen Sie zu verstehen, welche Hllen neben welchen Seligkeiten liegen? Und doch im Grunde bin ich nichts, was bin ich? Werde ich Wolken ansehn, werde ich Soldaten haben, welche Spe, Gndigste, werde ich niemals mit dem grnen Wagen fahren? Ich werde keine von den Spen leben, die mir ins Hirn gerollt sind. Es bleibt nur der fahle Schatten, der abends von Applaus umbellt ist, wenn er die Lge dieser oder jener Existenz heruntergespielt hat. Es bleibt die belkeit, in Wahrheit nichts gelebt zu haben und sich und anderen fr Stunden ein Betrug gewesen zu sein. Bleibt eine Tat, eine Handlung, etwas mehr als drei Tage Geschrei, wenn ich diese Smpfe mit den seligen vertausche? Und wen soll ich gerhrt, wen erschttert, wen, mein Gott, fr sein Leben gezeichnet sehen, wenn nach dem Abklatschen des Vorhangs und dem Erlschen der Lichter ich alle Menschen die Gesichter wechseln und mit gewohnten Fratzen in den Karneval ihrer Erbrmlichkeit zurckkehren sehe? DAISY: Wer mit solcher Kraft in einer Hlle steht, mu ein gerechter Mensch sein. Warum haben Sie die Hlle sonst nicht verlassen? KEAN: Weil ich sie liebe. DAISY: Trotzdem sie zerreit? KEAN: Fragt eine Leidenschaft nach Gefahr? DAISY: Sie leiden. Aber Sie wissen nicht, warum. KEAN: Drehen Sie die Lanze herum? Reden Sie mir pltzlich zu? Was soll dieser Ton? DAISY: Ich habe eine seltsame Erkenntnis gemacht. KEAN: Ihr Entschlu? DAISY: Richtet sich nach Ihrer uerung. KEAN: Kehren Sie zurck. DAISY: Ich werde dort bedenken, was Sie gesagt haben. KEAN: Denken Sie nicht nur. Entschlieen Sie sich. DAISY: Vielleicht werden Sie meinen Entschlu so ntig haben wie ich den Ihren. KEAN: Was planen Sie? DAISY: Nichts, als da ich von jetzt ab wei, da ich eine neue Mission habe. KEAN: Gehen Sie zurck, und beweisen Sie mir, da Sie, ohne das Wichtigste zu verlieren, das Leben nicht zu ertragen, sondern zu beherrschen verstehen. Zeigen Sie mir an einer Bagatelle, an einem Spa, an einem Nichts, da Sie die Krfte und die Elastizitt einer sthlernen Seele haben. Und ich rate Ihnen zu. DAISY: Ich wohne Richmond Street Vierundachtzig. Bei einer Amme. KEAN: Ich werde Mittel finden, Ihnen Unterkommen zu sichern. DAISY: Ich danke Ihnen, denn ich wei, da ich selbst Ihre Grausamkeit ertragen knnte. Weil ich Sie gesehen und besser verstanden habe als Sie sich. SZENE VIER DIENER _blitzschnell den Kopf hereinsteckend_: Prinz von Wales. _Kean reit Daisy an eine Fensterportiere und wirft die darber, bleibt selbst beschattet. Knapp hinter dem Ruf des Dieners kommt der Prinz._ PRINZ VON WALES _zum Diener_: Ich bin durchnt. Vom Gaul und Regen. Mein Pferd wartet. Leihen Sie mir einen Mantel. DIENER: Hier. PRINZ VON WALES: Equipieren Sie mich mglichst. Handschuhe. DIENER: Hier. PRINZ VON WALES: Einen Shawl. DIENER: Hier. PRINZ VON WALES: Einen Melonhut. DIENER: Hier. PRINZ VON WALES _zu Kean_: Sie sind da? Um diese Zeit? Erstaunlich. KEAN: Treten Sie nicht an das Fenster. PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Zwei Fe! KEAN: Es wre ein Unglck. PRINZ VON WALES _mit der Gerte_: Da? KEAN: Fr mich. Weil ich Monseigneur hindern mte. PRINZ VON WALES: Ihre Sorge um mich hat Pech, weil sie immer eine Sorge um Sie tten will. Sie tten sich keinen Gefallen, denn Sie machten einen Mund stumm eines Grundes halber, wegen dem er vom Pferd stieg, um ihn zu strken. Sie haben das Unglck, das bele nicht zu sehen, wenn Sie auf Anstndiges aus sind. Sie sind ein guter Mensch, Kean. KEAN _mit abwehrender Bewegung_: Ein Vorwurf. PRINZ VON WALES: Eine Anerkennung, wo das Meskine so leicht ist. Wgen Sie das aneinander ab, wissen Sie, warum ich kam, obwohl ich nicht na bin, und da es mit meinem Pferd zusammenhngt. KEAN: Ich warte. PRINZ VON WALES: Um die Ecke flitzte Mevils Wagen. Seine Leute halten mein Pferd. Unterschtzen Sie den Mann nicht. Er brllt seine Plne zusammen. Es gewittert um ihn. Ich sende Ihre Sachen zurck. _Ab._ KEAN: Ich danke Monseigneur. Salomon, _er reit Daisy heraus_: Die Dame ber die Leiter. Durch das Treppenfenster. In den Garten. ber die Themse weg. Niemand soll sie sehen. Schlu des zweiten Akts. AKT DREI Hafenbar, ordinr, aber phantastisch. Links und rechts wie Badekabinen Spars, mit hellen Vorhngen verschlossen. Hinten zwei Ausgnge. Zwischen ihnen in der Wand in der Art der Caf-Biards hufeisenfrmige Bar, in der der Wirt steht. Viele Eingnge durch die Spars. Eine Mausefalle von Raum. SZENE EINS HERR _mit Maske, zum Buffet_: Eine Dame kommt heute mittag, gro, elegant, schwarz. Sofort in das beste Zimmer. Gut bewacht. WIRT: Ich kenne Sie nicht. HERR _hebt die Maske_. WIRT _steif vor Ehrerbietung_: Sieben Damen, wenn Sie wollen, Mylord. HERR: Respekt, du Schwein. Es ist eine Dame. Verschaff mir ein Boot. Schaluppe. STEUERMANN _auf des Wirts Pfiff_: Zehn Knoten die Stunde. _Zwei Apachen bleiben hinter ihm stehn._ HERR: Unauffllig? Zu jeder Fahrt und Zeit bereit? Verschwiegen? Bist du khn, riskant? Preis? STEUERMANN: Ich fahre Euch damit bei Regen ins Parlament, Mylord. Ihr knnt wie von einem Karussell eine knorzige Rede gegen die Wuchrer halten darin. HERR: Eine Kabine wird sofort eingerichtet. Die Sachen sind im Wagen. Abends wird Abfahrtspermi geholt. Ist es weit? Ich fahr dich hin. _Beide ab, Apachen geduckt hinterher._ KEAN: _In exotischer Matrosentracht, mehr Apache als Matrose, stt mit den abrckenden Apachen zusammen._ Hnde weg. APACHE: Sie werden eine Hochzeit in deinem Gesicht machen. _Ab._ WIRT: Die ersten zwei Spars fr Ihre Gesellschaft. KEAN: Was hast du angemacht? Nichts von Katze, Hund, Ratte, Laus? WIRT: Oliven, Hering frisch, Steinbutt, Hammelbuckel, Chester mit Himbeer. Zngelt nicht das Spritzeln der Butter ins Ohr? Treten Sie in die Kche. _Kean hinein._ DAISY _strmisch herein_: Ein Zimmer ist bestellt fr mich. Fhren Sie mich hinauf. Eilen Sie. Ich erwarte einen Herrn. Voran. Rasch. WIRT: Ich fhre Sie selbst. _Ab mit ihr._ KEAN _zurckkommend_: Der Fisch tropft besser ab als die Gste herein. _Seitentr zwischen Spars geht auf mit Riny und sieben Artisten, die fast faschinghaft gekleidet sind._ Riny, du Affe, hierher. RINY: _Vorstellend._ Die Menagerie ... Well, der die Eisengewichte stemmte ... KEAN: Du fandest mich ber einem Zaun einmal, der meinen Hals wie eine Gabel wrgte ... _Kt ihn_. RINY: Gonsch ... der mit dem Hintern die Pauke schlgt, whrend er Feuer frit ... KEAN: Wir sind bei Perth zusammen ber den Flu geschwommen, um einen Konstable zu verhauen, und fanden einen Esel, der sich haarte. _Kt ihn._ RINY: Kauka, der auf dem Seil ... KEAN: ... einmal seinen schlechten Charakter nicht durch den Mund, sondern die Nieren blies ... du Ferkel. _Kt ihn._ RINY: Pepi, eine Neuigkeit. KEAN: Akzeptiert. RINY: Der Froschesser Viktor mit den Kaninchen ... KEAN: Ich fand dich zuerst auf der Landstrae unter einem Pflaumenbaum, wie ein Gaul krischst du, der Teufel habe dich, aber es hatte dich eine Kolik. _Kt ihn. Die zwei Apachen kehren zurck, schleichen an verschiedene Spars, pfeifen zwischen den Zhnen, es schleichen zwei kleine Kokotten zu ihnen._ KEAN: Wo ist Bob? RINY: Im Bett. _Kean schaut erstaunt. Die Artisten im Bett._ KEAN _zu Riny_: Da will ich mit dir sein. Warum Bob? RINY: Sein Weib, prrr, ging vor mit dem Tufling, den Pastor zu suchen, der immer betrunken ist. Dumme Gans, sagte zu mir Bob, weil auf der Treppe ich ihm ber die Schulter sprang, hol meine Trompete. Wozu, frage ich. Fr Kean. Ich lache einen Ast. Dumme Hure, schreit er, hol das Horn. Du hast es auf dem Kopf, sag ich. Da macht er seinen Spa, tritt nach mir. Er ist nicht eleganter als ich, also kriegt die Luft den Tritt, ich pirouettiere und er schreit mit allen Katzen um die Wette. KEAN: Aus Luft? Ich habe ihn nur im Alkohol schreien hren. RINY: Er hatte zu stark getreten, der Schwung warf ihn wie im Schlagflu um. Seine Seite war knallrot wie sein Kopf. BOB _hinkend, seine Trompete blasend, herein_: Wo ist der Affe? KEAN _tief gebckt_: Hier, Meister. BOB: Die Ohren? _Fat daran._ KEAN: Ihr werdet das andre Bein brechen. BOB: Als du vor sieben Jahren entliefst, hatte ich ein Pfund Verlust. Willst du sie gutwillig geben. Nein? Sprich. Rede. KEAN: Gutwillig. BOB: Willst du um Verzeihung bitten? KEAN: Indem ich Euch heut abend eine Benefizvorstellung gebe. BOB: Gnade dir Gott. Httest du einen Schwanz, ich htt ihn dir hochgezogen. _Zu Riny_: Halt das Maul. RINY: Du wolltest ein Hornsolo blasen. Ich wollte nur helfen, dir auf dem Kopf stehen. KEAN: Mein Lehrer ist mit Respekt zu gren. BOB: Willst du mir sofort schriftlich geben, da du mir ein Benefiz hltst? KEAN: Den Brief ans Theater. _Schreibt gegen die Wand, alle umdrngen ihn._ APACHE _zu seiner Midinette_: Nimm ihm die Trompete. Der Hund stie mich ins Rohfleisch. _Die Midinette schleicht hinber._ Rache in seine Visage. ANDRER APACHE: Wie weit liefst du dem Wagen des Mevil nach? APACHE: Bis ich Sand schluckte. Mssen am Abend genauer aufpassen und die Falle fr ihn exakter am Hafen legen. ANDRER APACHE: Rupfen Mevil im Dunkeln das Huhn schon warm aus dem Scho. Wirds teuer zahlen, Mylord. Eine schne Falle! APACHE: Hat mal auf dich gesetzt, zwanzig Pfund beim Mtch. ANDRER APACHE: Hab ich dankbar zu sein, da ich aus des Niggers Maul Zahnsalat hieb? Nein, er. Werde ihm das Lsegeld erhhen. Very well. _Die Midinette greift die Trompete, zurck damit, Bob heult auf._ Zuerst aber diesen Hund veraasen. APACHE _setzt an, blst. Zwei Heerlager einander gegenber_: Das Blech furzt wie ein Bauerngaul. KEAN: Was an dem Mundstck hngt, mu wissen, was es ist. APACHE: Du sprichst so glatt, als htt dich ein Walfisch ausgekotzt, weil du ihm zu stinkig. Wenn du Arme wie Zunge hast, kann man eine schne Blindschleiche zertreten. ANDRER APACHE: Gib mir Mdchenfleisch, neben dir, fr das Blech. Dann hat deine Nase von mir Schonzeit. KEAN: Willst du nicht den blauen Perpendikel ber deinem Aug dazugeben, er fllt dir sonst in die Blutsuppe, die dein Riecher sich anrhrt, wenn ich in die Nhe niese. APACHE: Merde alors. Rotznase, Spllumpenzuckler, Saligot. KEAN _zieht den Rock aus_: Ein guter Tag, Bob. Ich will mehr als durch das Benefiz meine Freundschaft beweisen. APACHE _zum andern_: Drei Medaillen in Montmartre. Zwei in Edinburgh, Sieger ber Tommy Burns. Wieviel Zhne wettest du? Sieben? Neun? Das Mdchen als Zugabe? Ein blasses Biest. WIRT: Konstable. KONSTABLE: Ich prsidiere die Boxkmpfe meines Viertels. Seile! Pflcke! Den Ring! Man schlgt in der Mitte ein durch zwei Taue oben und unten umschnrtes Viereck um vier Pflcke auf. Die Boxer mit nackten Oberkrpern stehn in den diametralen Ecken, werden von zwei Kampfrichtern massiert und abgewaschen. Blitzschnell. KONSTABLE _setzt sich auf einen Rcklingsstuhl mit dem Rcken gegen das Publikum vor einen kleinen Tisch_: Ich Time-keeper. Wieviel Runden? APACHE: Zehn. KONSTABLE: Zehn. KEAN: Zehn. KONSTABLE: Schiedsrichter? WELL: Ich. KONSTABLE: Ring frei. Konstable schellt. Schiedsrichter: Pfeife. Boxer umzischen sich, kommen in Umklammerung, Pfeife, Schiedsrichter: trennen -- break away. Pfeife. Weiter. Apache schlgt Kean unterm Grtel. Pfeife. Saustoß«. Pfeife. Weiter. Am Seil. Pfeife. Break away. Konstable schellt. Time. Pause. Die Gegner auf Sthlen zurckgelegt in ihren Ecken werden massiert, abgewaschen, bekommen mit nassen Tchern Luft in die zurckgeworfenen Kpfe geweht. Schelle. Ring frei. Pfeife. Weiter. Pfeife. Foul blow ... unfair blow. Pfeife. Break away. Schiedsrichter strzt stets trennend mit erhobenen Armen zwischen den Kmpfenden, sich Umspringenden, durch. Pfeife. Break away. Pfeife. Weiter. Pfeife. Foul. Apache knirscht eine Fratze. Pfeife. Weiter. Schelle. Konstabler. Time. Pause wieder. Abreiben. Massieren. Luft wedeln. Schelle. Ring frei. Pfeife. Weiter. Pfeife. Clinch. Pfeife. Weiter. Pfeife. Break away. Pfeife. Break away. Pfeife. Weiter. Kean schlgt den Apachen in die Herzgrube, er fllt zusammen. Schiedsrichter, Uhr in der Hand, zhlt: one ... two ... three ... four ... five ... six ... seven ... eight ... nine ... out. Pfeife. Knock out. Schelle. Apache wird rausgeschleift, Ring abgebrochen. KONSTABLE _die Hnde Kean schttelnd_: Solar plexus blow. All right, Splendid. KEAN: Mittelmig. KONSTABLE: No splendid. Double ... ah ... splendid. Swinging blow ... splendid. All right. BOB: Schlerarbeit. Einfltig. Httest ihn im ersten Gang knock out machen mssen. KONSTABLE: Swinging blow. Splendid. All right. RINY: Ich hielt den Daumen. KEAN: Ich werd dir bald was anderes halten. BOB: Zweiter Gang. Miserabel. Finte kindisch. Parade schlecht. Nachsto zum Heulen. Wer ist der Narr: splendid? RINY: Das dreizehnte Ei. _Frau mit Baby, Pfarrer, Gefolge kommen. Bob setzt sich mit der Trompete, hinkend, an die Spitze, zur anderen Seite hinaus._ KEAN _zum Wirt_: Lad die Weiber ein, da sie fr ihr gefallenes Pferd andres Fleisch kriegen. WIRT: Die Taufe im Nebensaal. Ich werde umdecken, wenn Sie alle Puffs dazu laden. KEAN: Warum bist du neidisch auf das, dem du dich besser dnkst? RINY _kurz zurckeilend_: Denkst du an den Wagen, Kean? KEAN: Ich denke, Riny. _Riny ab._ Halo ... halo ... _Rufend zum Wirt_: Einen Boten fr den Brief. Theater Drury-Lane. _Gibt ihm den Brief._ WIRT _in die Kche_: Den Sekt aus meinem eigenen Zimmer. Keinen gepantschten hier. SZENE ZWEI DAISY: Endlich. Ihre Stimme. Ich wartete nicht im Zimmer. Konnte nicht bleiben. Hielt mich an der Klinke. Sie gab nach. KEAN: Mein Erstaunen -- verzeihen Sie -- ist nicht geringer als mein Entsetzen. DAISY _erstarrt_: Unmglich. Gott kann so grausam nicht sein. KEAN: Ein Lokal fr Verbrecher und Hafendirnen. DAISY: Ich habe nicht gezgert, zu kommen. KEAN: Aber Sie wagen, mir eine Erklrung zu geben, die keine ist. DAISY: Ich kam auf Ihren Brief. KEAN: Wer ist hier irrsinnig geworden? DAISY: Sie bestellten mich hierher. Sie schrieben mir: Kommen Sie; Sie wohnen unsicher. Ich kann Sie nicht holen, ich bin bewacht. Es gab fr mich nur einen Gedanken: zu folgen. KEAN: Der Brief. DAISY: Hier. KEAN: Sie sehen, welche Seite meines Namens man fr kreditwrdig hlt. Tod, Hlle, Heilige. Man hat meine Schrift geflscht und meinen Namen ausgenutzt. DAISY: Ich habe nur an die rechte Seite Ihres Wesens gedacht. So mute ich kommen. KEAN: Sie waren daran, Ihrem Lieblingsteufel ins Boudoir zu laufen. DAISY: Ich habe Sie nicht gesucht und finde Sie auch in dieser Gefahr durch die Schickung. KEAN: Sie schlagen besser dem schnen Zufall ein Stck Nase ab, um ihm dankbar zu sein, statt ihn aufzubauschen. DAISY: Ich hatte Sie nie gesucht. Als ich zum erstenmal im Theater Sie sah, nderten Sie schon nicht nur meinen Weg. Sie retteten mein Leben. KEAN: Haben Sie keine anderen Entscheidungen wie immer den Tod? DAISY: Nicht fr mich. Ich kam aus dem Kloster, sprach nicht, hrte nicht, sah nicht. Man gab mir Bder und rzte. Durch eine List lockte man mich ins Theater, ich hrte Romeo, Hamlet, der Tiefsinn ri auf in mir. KEAN: Konstable. DAISY: Sie werden keine Gewalt ausfhren. KEAN: Sie haben an Edmond Kean appelliert, als Sie zu mir kamen. DAISY: An Ihre Gte. KEAN: Ich habe eine Verpflichtung gegen das Unrecht bernommen, die auch Ihr Einspruch nicht erledigt. DAISY: Wenn ich Sie bitte, nichts zu unternehmen gegen den Mann, der mich hierher bestellte, tu ichs, weil ich die Absicht habe, ihm zu folgen. KEAN: Dem Entfhrer ... DAISY: Ich habe eine Mission. Was kmmert mich alles andere? KEAN: ... vor dem Sie heut frh noch sterben wollten. DAISY: Ich werde mich an ihn gewhnen lernen. KEAN: Sie sind wahnsinnig. DAISY: Es wird leicht sein, denn ich wei, warum ich es tue. KEAN: Sie opfern sich. DAISY: Ich tue, was ich vorhabe, mit Liebe und Bedacht. KEAN: Fr eine Mdchentrumerei, eine ideale Hysterie, einen tragischen Irrsinn. DAISY: Als ich Ihr Haus verlie, wute ich, es gab nur eins fr mich: irgend etwas zu suchen, was Ihr Leben auch nur im Geringsten fester gestalten knnte. Ich will nichts von Ihnen. Aber ich erbitte die Freiheit, zu tun, was ich mu. KEAN: Sie glauben, es sei etwas wert, eine der Beschwerlichkeiten, die einen Tag mir durchschwirren, wegzunehmen, indem Sie das Leben einsetzen? Sie schwrmen, Kind. DAISY: Ich htte gedacht, meine Dankesschuld hher abtragen zu knnen. Aber die Gewiheit dieser Kleinigkeit schon wird mich leicht das wagen lassen, was mir entgegensteht. Es hat keine Schrecken mehr. KEAN: Konstable! _Zu Daisy_: Kommen Sie. Ich befehle es Ihnen. DAISY: Wenn Sie mich zwingen, mu ich folgen. Und daran glauben. KEAN: Konstable!! _Erscheint._ Ich fhre diese Dame in ihr Zimmer. Sie bleiben davor, und wenn Skelette angeritten kommen. Ich bin Kean. KONSTABLE: Der Boxer? KEAN: Der Schauspieler. _Konstable steht stramm._ DAISY: Nun wollte ich fr Sie etwas tun, wieder tun Sie es fr mich. Wie belastet mich Gott, da Sie mich sogar dazu zwingen. Was kann ich tun, um auch dies zurckzugeben? KEAN: Zum Teufel mit der Gte, mit der Sie mich bombardieren. Ich kann nichts anfangen damit. Gehen Sie. Wir werden eine Jagd heute noch haben. _ffnet die Tr. Daisy voran, dann er, dann der Konstable._ SZENE DREI SALOMON _von einer, Wirt von anderer Seite_: Kean? WIRT: Sofort zurck. SALOMON _mit Journal_: Weit du, da die Zeitungsschreiber schlimmere Idioten sind als Zapfkellner? WIRT: Hein? SALOMON: Weit du, warum die Zapfkellner kleinere Idioten sind wie die Zeitungsschreiber? WIRT: Hein? SALOMON: Weil sie mit giftigem Schaum, die Kellner mit gutem betrgen. Kann ein Mann, dem ein andrer ein Weib ausspannte, gut ber den andern reden? WIRT: Nein. SALOMON: Doch, du Nashorn, du Idiot. Das mu er, wenn er ein anstndiger Mensch ist. Dieses Wurm aber windet sich und schreibt, Kean sei ein wildes Aas gewesen und htte in einem Zirkus als Pavian brllen sollen. WIRT: Es wird ein Zoologe gewesen sein. SALOMON: Weil Kean ihm Hrner aufgesetzt hat. O yes. Kann ein Mann, dem ein andrer viel Geld gibt, vom Konkurrenten dieses Mannes gut reden? WIRT: Nein, Sir. SALOMON: Was ... Sir ...? Doch er mu gut reden, du Kannibale, du Biertrompete. Diese Zuckerstange lutscht sich ab, Kean habe mondscheinhaft wie eine Jungfrau im Monatlichen gesuselt. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann. _Artisten mit Pfarrer, Amme, Taufzug, Bob an der Spitze mit Trompete, zurck. Parademarsch. Stellen sich in einer Reihe auf._ GONSCH: Ich will ihm zeigen, da ich noch Feuer fresse wie ein Tapir. KEAN _zurckkommend_: Salomon! Gut. Geh beizeit. VIKTOR: Ich will ihm zeigen, wie meine Frsche und Kaninchen sich paaren. O lala. O lala. KEAN _zu Salomon_: Am Gang. In die Garderobeloge. Sie kommt in Schwarz. Mit einem Schleier. Die Tren mssen auf sein. Weiter ist nichts ntig. Kontrollier! WELL: Ich will ihm zeigen, da ich das ganze Lokal auf die Nase stemme. KEAN: Ich will Riny tanzen sehn. Erste Programmnummer. Ein Tisch. Rasch. Die Artisten: hip hip hurr. Riny auf dem Tisch rechts. Jemand singt, die anderen mit scharfem, raschem Hndeklatschen whrend des Tanzes; alle oval um den Tisch rechts. Trommel. A me me gusta un harenque porque es muy dulce por dentro con la garotin con la garotan con la vera vera vera lan ... A me me gusta un harenque potque es muy dulce por dentro con la garotin con la garotan con la vera vera vera lan. Whrend Riny, Kopf zurck, wild tanzt, ffnet sich links durch zwei weit auseinanderfliegende Vorhnge das vorderste Spar. Eine Anzahl uniform gekleideter Apachen mit Weibern, hell geschminkt, sitzen um einen Tisch, pfeifen auf den Fingern, schieben blitzschnell beim Fallen des Vorhangs den Tisch vor, da er parallel zu dem der Artisten steht, eine Apachin springt rauf, tanzt, Riny zu bertrumpfen, wster. Apachen im Oval drum herum, die Artisten rasen rascher mit dem Hndeklatschen, die Apachen stampfen den Takt ihres Liedes mit den Fen. Ihr Lied, frecher: Elle avait un petit cadenaz, elle avait un petit cadenaz, et pour que a se ne voie pas, elle a mis l dessous une chemise vingt sous, elle avait un petit cadenaz, cadenaz, cadenaz, cadenaz. Jede Partei feuert ihre Tnzerin an, der Rhythmus berschlgt sich. Es wird ein Jazz. Die Artisten hmmern mit Deckeln und Tamburinen, die Apachen schieen mit Revolvern. Die Krper bis zur Schulter tanzen wie Schlangen. Die Schultern und Kpfe, Zigaretten im Mund, bleiben vllig unbewegt. Apachen wechseln pltzlich zu Riny hinber. Da schiet die Apachin wtend darber mitten im Tanz Riny ber den Haufen. Dann wirft sie sich sofort heulend auf Riny, wird beiseite geworfen. In einem Spar geht eine Weile noch Musik und Gesang weiter. WIRT: Konstable. KEAN: Arzt. RINY: Kean. KEAN: Ein dnnes Loch, Kind. Heilt in acht Tagen. Auch dir ein Benefiz. RINY: Vom grnen Wagen. KEAN: Das wird der fabelhafteste Sommer, den du sahst ... Arzt! zum Teufel ... Verdreh die Augen nicht. Hr. Gehorche. Ich befehle. RINY: Kean. _Stirbt ber den Tisch._ ARZT _erscheint_: Tot. Herzspitze. Herzbeutel. Blutung nach innen. Thorax. All right. KONSTABLE: Wo ist das Vieh? KEAN: Zurck an Ihren Posten. Auf der Stelle. Verflucht, zurck. Ich befehle es. Kean. KONSTABLE: Das Gesetz ... KEAN: Schtzt zuerst das Leben. Marschier. _Konstable marschiert ab, Artisten mit Riny in eines der Spars, Kean den Revolver in der Hand._ BOB: Spiel nicht Hamlet, Stmper. KEAN: Wiesen, Grten, Flsse. Meine besten Trume. BOB: Wrst nicht mit ihr gefahren. Hast damit gespielt. Hattest als Junge sieben Mcken im Hirn, fingst keine. Bist Dreiviertelmann geblieben. Willst, tust nicht. Solar plexus blow war nicht splendid, war Sausto, Konstable ist besoffen. Selbst Boxen kannst du nicht. KEAN: Du tadelst mich recht, Meister, du kennst mich allein. BOB: Hast sieben Kpfe, verlierst sechs, findest mit dem siebenten nicht zurecht. Solltest unter meine Fuchtel. KEAN _zur Apachin, die unterm Tuch hervorkriecht_: Durchs Fenster Kanaille. BOB: Schlag sie tot. _Apachin ab._ KEAN: Warum soll sie sterben? Armes Tier, stachelgewickelt, ausgestoen, arm wie wir. Der Tod fliegt mir vor die Fe, wenn ich bei euch ausruhe. BOB: Geh ber das Bndel weg, mein Sohn. KEAN: Ich bin nicht glcklich, Meister. BOB: Man hat dir eine Laune erschlagen. Erlaub dir andre. Ich hab dich mehr als die andern geliebt. Durchschau den Humbug Tod. Ist nichts hinter der Knallerbse. Du hast die falsche Bange. Mit sechzehn Jahren warst du schon schwach begabt, fielst beim Seiltanz in die Nesseln. Dein Hochschlag ist miserabel. Lern Boxen. KEAN: Die Welt soll Gott auf dem Zinken verkrachen, wenn ich mir die Laune verderben lasse, Meister. Zumal ich noch bedeutsame Plne heute habe, Bob, die mich anziehn. Meister. Httest du das gedacht frher? Pa auf. Soll ich ... mit meinen ... Freunden ... im Dreck nicht ... gut ... zusammen sein. _Tanzt, schreiend._ Kauka, ich will dich Frsche essen sehen ... is a long way to Tipperary ... _Die Artisten kommen, steif, gespenstisch, geometrisch, stellen sich in einer Reihe auf_ ... Well, deine Nieren sollen rasseln ... Viktor, die zahmen Kaninchen werden Lcher in die Wnde brllen mssen ... Is a long way to Tipperary ... is a long way to go ...! _Mann in Maske erscheint, stt an den torkelnden Kean._ SZENE VIER HERR _in Maske_: Weg, Walfischkeeper. KEAN: Is a long way to Tipperary ... HERR: Fnf Schilling, gehst du weg. Hilf mir. KEAN: Atout auf deine Nase, wenn du pokern willst. Nimm erst die Fratze ab. HERR _hebt den Stock_: Auf deinen Buckel eine Fratze, Teerschwein. KEAN _torkelnd_: Auf deine Fratze einen Buckel. Knock out. HERR _um ihn herum zur Tr nach innen, Kean davorschnellend_: Auf die Seite. Hand weg. KEAN: Maske ab. HERR: Ein Irrer. KEAN: Gutwillig? HERR: Wirt, Diener, zehn Pfund. KEAN: Zwecklos. Maske ab. _Reit sie weg._ Lord Mevil. MEVIL: Gauner, Stromer, du bt mir die Falle. KEAN _mit vollem, groem Organ, weltmnnischer Haltung_: Wer dreht die Schuldurteile um? Wer bt? Ich, Lord Mevil? MEVIL: Kean! Verdammt. Unterschtzt. _Stampft auf. Dreht rasch hinaus._ KEAN: Wenn Sie das Zimmer verlassen, eh ich meine Aufgabe hier erfllt habe, schie ich Sie zusammen. MEVIL: Du ... schiet ... Bursche ... KEAN: Hat der fliehende Mdchenruber andres zu erwarten? MEVIL: Rckwrtsschu von dem, welchem kein Hund Satisfaktion gibt. KEAN: Zu edel noch dem Feigling, der meinen Namen mibraucht, hinter der Maske sich verbirgt, fr seine zerfressenen Rippen. MEVIL: Unmglich, mich zu beleidigen. Genug. Was willst du, Komdiant? Geld? Pferde? Wagen? Enfin? Seiltnzer! Herbei, Wirt, Matrosen. KEAN: Der Seiltnzer hat eine Absicht mit Ihnen. Er will ihm nichts nehmen, er will ihm etwas geben. MEVIL: Stockprgel zurck fr dein Geschenk. KEAN: Schlu. Tun Sie den Mund, ungebeten, noch einmal auf, la ich Sie ber den Tisch legen und auf hier usuelle Art behandeln. _Winkt._ Neben ihn! _Zwei der Artisten mit aufgekrempelten rmeln, Fuste in den Hften, neben Mevil._ WELL: Ein adliges Kotelett. KEAN _ruhig_: Ich bin kein Richter. Mich geht es nichts an, da Sie Wechsel flschten, Mnner krnken, Frauen mit Geldscken rauben, selbst meinen Namen pfuschen und schnden. Mich geht es irgendwie nichts an, aber ich bedaure Sie in Ihrer Maske. Sie sind nie ohne Maske ausgegangen. Das ist ein schweres Versumnis. MEVIL: Was habe ich versumt? KEAN: Sahen Sie Gehenkte zwischen den Schornsteinen die Zunge blecken? Heizer an fen, Kondukteure beim Schwung ber verfaulte Brcken, Zerquetschte zwischen Eisenbahnpuffern? Wer, verdammt, die Keucherei eines Dockarbeiters gesehen, wei, wie elend sein Existieren ist, wer die Absynthsufer in der Gosse rcheln hrte, wei, wie abscheulich dieses verfluchte Dasein ist, wer die entsetzliche Stumpfheit der Auslader kennt, wei, wie melancholisch das Leben ist. Man verachtet dann nicht mehr. Man bestaunt. Das haben Sie nicht gesehen. MEVIL: Dahin soll ich gehn? KEAN: Kenne ich nicht vom Bordell bis zu Monseigneur die Welt! Htte ich die Anmaung, Ihnen sonst Ratschlge zu geben, der Sie lnger und besser aus dem Vollen lebten wie ich. Bin ich ein idealistischer? Ein Stmper bin ich, ein Komdiant, ein bichen Mensch. Habe ich mich je gestrubt gegen etwas, was mir die Welt entgegenwarf, etwas verschmht: einen Frauenbauch voll Wildheit, irgendeinen Luxus, eine Segelfahrt, ein Gelage, ein Diner mit Krammetsvgeln und Tanzweibern? Nie. Alles nahm ich. Aber ich habe nicht das Gefhl: hier fngt Welt an. Hier hrt Welt auf. Wie wre ich aufgeschmissen und was fr ein kleiner Snob. Ich vergesse nicht, wo ich herstamme. Sie aber mten es vergessen. Ich marschiere von unten nach oben. Sie sind nicht von oben nach unten marschiert. Das ist Ihr Fehler. Ich messe das verdammte Dasein nicht zwischen Laster und Parfum mit den Zentimetern, sondern mit der Riesenspanne aus dem Hafen bis nach Buckingham. MEVIL: Das soll ich tun? KEAN: Eine Anleitung zum Leben fr Sie. Grotesk. Welche Situation. Lieben Sie die W. C. und die Kokotten, Ihre Damen und die Sue, dann kommen Sie aus der Schaukel und spren Boden. Anleitung zur Khnheit. Das Leben breitet sich aus, wird wilder. Man kennt die Gefahren und bewundert die Abgrnde, schliet sich nicht ein, sondern macht eine Offensive hinein. Man versteht dann mehr. Anleitung zur Bewunderung. MEVIL: Sie wnschen es? KEAN: Ich knnte Sie zerschlagen. Habe ich nicht Grund dazu? Lasse Sie in Ketten abfhren, Sie sind mit Haar und Seele in meiner Gewalt. Sie haben mich geduzt, um mich zu krnken. Gehen Sie, Sie sind frei. Vergessen Sie nicht, was ich sagte. MEVIL _Faust auf den Tisch hmmernd_: Verflucht. _Strzt ab._ BOB: Httest schlagen sollen. Neue Rolle. Bergpredigt. Stmper, Kean. Splendid, wenn du ihn mit left hand lead off at the mark genommen, abgeblitzt sein ducking away, dann infighting auf die Arme, dann back spring und darauf gewaltig knock out. Knockout, Knockout, mein Sohn. Das ists. Wird dirs schwer heimzahlen, da du in Anstand machtest. Hab dich mehr geliebt als alle, die ich Niagarasprung lernte. Bist Dreiviertelmann geblieben, Kean, Stmper. Edmond Kean. Ich heule. Selbst Boxen kannst du nicht. Lern Boxen. KEAN: Vielleicht irrst du, Meister. Schlu des dritten Akts. AKT VIER Keans Garderobe im Theater. Durch Portiere mehrfach gespaltener Raum. SZENE EINS REGISSEUR _zu Kean, der eintritt_: Knallvoll. KEAN: Kassenrapport? REGISSEUR: Ausverkauft. Die Summe ist noch nicht ausgearbeitet. Ausverkauft ohne Freikarten. KEAN: Was wollen Sie? REGISSEUR: Eine Bitte. KEAN: Wagen Sie sie. REGISSEUR: Man trampelt auf den hinteren Reihen. KEAN: Salomon! SALOMON: Hier. Anwesend. KEAN: Umziehn. REGISSEUR: Eine Viertelstunde. KEAN: Zehn Minuten. _Regisseur ab. Zu Salomon_: Wie kommt das? Du bist frher da wie ich. SALOMON: Ich lief von der Taufe noch ber die Wohnung. KEAN: Und ... SALOMON: Nach dem sechsten Akt. KEAN: Sofort. SALOMON: Die Nacht gekneipt. Tags Tauffest, Boxkampf, Mord. Vor der Auffhrung noch Galle. Schonen Sie Ihr Leben. KEAN: Du fandest ... SALOMON: Siegel auf allem. KEAN: Der beschnittene Jude ... SALOMON: ... ist nicht mehr der Schuldner. KEAN: Aber ... SALOMON: ... der Konstable vertrat vier Parteien. Vierhundert Pfund. KEAN: Ein Arrangement. _Zuckt die Achseln._ SALOMON: Robustestes Verfahren. Die Anwlte entschuldigten sich. KEAN: Sie vertraten ... SALOMON: Lord Mevil. KEAN: Sakrament. Die Bremse. Sticht rasch. In wenigen Stunden. Ein ganzer Plan. Ich habe es vermutet. Was tun? SALOMON: Ein Journalist nahm eine Besichtigung vor. KEAN: Ein Schlachtplan. Ah. Jeden Tag schreibt ein Stallknecht. Was tuts? SALOMON: Der Staatsanwalt hat eine Untersuchung eingeleitet wegen Raubversuch. KEAN: Gegen Mevil. SALOMON: Gegen Kean. KEAN: Er wird auf meinen Brief hin glatt erledigt. SALOMON: Sie haben den Brief nicht mehr. Aber er hat einen, in dem Sie ihn in die Taverne locken. KEAN _sucht_: Ich habe ihn nicht mehr. Man hat ihn mir rasch geklaut. Einen anderen wieder geflscht. Das Bse hat sich konzentriert. Ein Plan, eine Front, eine Umzinglung. Ich werde sie durchbrechen. Pa auf. Ich kann gromtig sein. Ich kann es auch wieder vergessen. Ich kann auch anders. Sacr. SALOMON: Wo werden Sie heute nacht schlafen? KEAN: Im Hotel. Nein. Bestell einen Taxi. Ich fahre die Nacht durch die Parks von London, es ist ja Mond. Welches Panorama. SALOMON: Looping the loop. Nehmen Sie lieber die vierhundert Pfund aus dem Benefiz. KEAN: Teufel. Wie widerlich. Den Seiltnzern was nehmen. SALOMON: Borgen. KEAN: Noch schlimmer. Lakaienrat. Kein Wort mehr. Ich fahre. Verschwinde. _Es klopft. Kean, halb umgekleidet, ffnet eine geheime Schranktr. Helne erscheint. Kean schliet die Tapetentr. Schliet mit dem Schlssel die Garderobentr. Zurck. Fassungslos._ Welches Glck. Welch sinnloses Glck. SZENE ZWEI HELENE: Was wollen Sie noch? Welche Probe? Welches Kunststck haben Sie mir noch vorzuschreiben? KEAN: Sie demtigen mich. HELENE: Welche Steigerung haben Sie bereit? Welche Khnheit? Welche Tollheit soll Sie jetzt noch reizen, wo Sie das erreicht. KEAN: Es gibt kein Hher mehr. Denn bald werden Sie wieder gehen. HELENE: Ihr einziges Gefhl Entgeisterung? Trauer? Deshalb kam ich nicht. Gestehen Sie: Sie zwangen mich. KEAN: Ihre Neugier. HELENE: Zweifeln Sie an meiner Liebe? Nach dem, da ich hierher kam? KEAN: Eine sehr groe Probe. An Khnheit grer als mein Wunsch. HELENE: Was wnschen Sie noch? Entkleiden Sie mich. Schlagen Sie mich. KEAN: Ich bin kein Verfhrer. Ich liebe Sie nur. HELENE: Welche Bemhung wollen Sie also noch? Sagen Sie es. Ich erflle es. Mein Teil ist dann gegeben, mein Teil ist dann klar. KEAN: Fordern Sie jede Handlung von mir, das Unmgliche. HELENE: Spter frage ich Sie. Jetzt antworten Sie mir. Was soll ich tun? Sie knnen alles sagen. KEAN: Was ich besitze, ist schon nicht mehr mein. Die Erde ist neidisch. Was ich nicht ganz besitze aber, will ich allein haben. HELENE: Mein Gatte? KEAN _Handbewegung_: Mehr. HELENE: Furcht? Ein Gefhl, das ich nicht vermutet. Reden Sie. KEAN: Wenn ich wei, da ich auf meiner Seite gro bin, so wei ich, es gibt nur eines, gro genug, was ich zu frchten brauche: Macht. HELENE: Wales ... KEAN: Ich sah Sie nie ohne ihn. Erklomm meine Sehnsucht die Fahnenstange, ri mich die Eifersucht dunkel herunter, ich kann nichts dafr, da mein Herz toll ist. HELENE: Ich werde ihn nicht mehr sehen. Gengt es? KEAN: Zuviel. Sie knnen das nicht halten. Heute abend ... HELENE: Ich verlasse das Theater. Sie sehen ihn allein in der Loge. KEAN: Fehlt er aus Zufall, sterbe ich, Sie knnten mit ihm zusammen sein. HELENE: Seltsame Frauen, die Sie frher getroffen haben mssen. Glauben Sie nicht, da ein Entschlu so gro, ein Plan so khn sein kann, da man den Einsatz glauben mu. KEAN: Ich glaube. HELENE: Nun frage ich. KEAN: Fragen Sie gro, viel. HELENE: Sie irren. Was an ungeheurem Einsatz gegeben werden kann in dieser Partie, trage ich allein als Risiko. Sie nichts. Was geben Sie? KEAN: Mich. Liebe. Meinen Beruf. Fliehen Sie mit mir. HELENE: Schwrmerei. Was soll ich mit Dingen, die uns schaden? KEAN: Meine irrsinnige Verehrung. HELENE: Voraussetzung. Wre ich sonst da? KEAN: Was wollen Sie? Garantien, Geld, Stellung, von mir? HELENE: Wrde ich das bei Ihnen suchen? KEAN: Kein Opfer? HELENE: Die gebe ich. KEAN: Keine Handlung? Keine Tollheit? Also Tod. HELENE: Spielerei. Romantik fr Kinder. Worte. Worte. Ich brauche Beweis. Keine Phantastik. Gibt es Phantastischeres, als was ich gewagt? KEAN: Was kann an so Deutlichem und Kleinem die Gegenwagschale fllen, da unsere Partien auf gleich stehn? HELENE: Ein groes und ruhiges Herz. Unbedingte Sicherheit. Das Zuverlssige. Der Ruhepunkt. KEAN: Sie werden es haben. HELENE: Ich wage die Probe. Auch gegen das Unzuverlssige Ihrer unbiegsamen Mnnlichkeit. Ein Vertrag. Vergessen Sie nicht, man kann ihn verlieren. Ich wage den Pakt. KEAN _umarmt sie_: Welches Glck. Ihre Stimme. Ihre Brust. Ihre Hften. HELENE: Nehmen Sie dies Bild. Lassen Sie sich dadurch warnen. Denken Sie immer an mich. Jede Sekunde. Nehmen Sie diese Dose. Jede Sekunde. KEAN: Welches Wunder. Dieser Krper, dieser stolze Geist. _Es klopft._ Abgeschlossen. Keine Erregung. PRINZ VON WALES _drauen_: Kean. HELENE _mit Haltung_: Wales. PRINZ VON WALES: Ich, Kean. GRAF KOEFELD: Ich, Koefeld. KEAN: Verschleiern Sie sich. Welcher Irrsinn. Welcher Schmerz. Haltung. Ich liebe Sie. Ruhe ... _Nach auen_: Welche Betrgerei. Sind Sie Prinz von Wales, beweisen Sie es ... Ihre Tasche, Helne. Lassen Sie Ihr Gefhl zu mir die Widerwrtigkeit nicht vergelten. Sie sind sicher ... _Nach auen_: Man will meine Garderobe pfnden, man verfolgt mich wegen vierhundert Pfund ... _Es klopft dauernd._ Helne, dicht an der Grenze des Glcks, ich zittre ... _Nach auen_: Sind Sie Prinz von Wales, schreiben Sie Ihren Namen auf und reichen Sie ihn herein. Sind Sie ein Betrger, werden Sie es nicht wagen. _Zieht den Schlssel heraus, hngt ein Tuch vor, zurck._ PRINZ VON WALES: Amsant. Was tun Sie? KEAN: Ich ffne die Tr weit genug fr Ihren Namen. HELENE _an der Tapetentr_. Helfen Sie mir. PRINZ VON WALES: Halo, nehmen Sie doch. KEAN _an der Tapetentr arbeitend_: Sofort. _Der Knopf springt ein, die Tapetentr auf, Kean zurck, zieht aus der Garderobentr ein Papier._ Einen Augenblick. Ich kontrolliere. Mein Licht ist schlecht. _Zu Helne_: Sie nehmen mein Herz mit und meinen Stolz. Welches Glck, Ihr Hals, Ihre Khnheit. In der Todesstunde werde ich es nicht vergessen. Sehn Sie, wie ich zittre. Ich habe noch nie gezittert. PRINZ VON WALES: Auen ist alles hell. Lehnen Sie mich ab? KEAN: Der Schlssel, Monseigneur, das Aas von Schlssel. HELENE: Denken Sie an den Pakt. Jede Sekunde. Diesen Ring noch. Jede Sekunde, Kean. Ich darf mich nicht irren dieses Mal. KEAN: Bleiben Sie im Theater. HELENE _schon innen im Gang_: Dann sehen Sie mich das letzte mal mit dem Prinzen. Ertragen Sie es? KEAN: Gerade. Mein Herz ist gro genug. Ich will es ertragen. _Taumelnd, auf die Knie geworfen, als die Tapetentr zufllt, schwindelnd, dann auf, es klopft, gefat zur Tr, schliet auf._ Eine Note von vierhundert Pfund. Diese Gre haben nur die Buchstaben im ABC von Monseigneurs Gte. Der Schlssel. _ffnet. Wales und Koefeld treten ein._ SZENE DREI PRINZ VON WALES: Der Graf will die Kulissen sehen. Im Diplomatischen kennt er das, erfahrungsweise. Was ist das? KEAN _Salomon und Friseur hinter ihnen hereinkommend_: Souffleur und Friseur. Salomon bergibt dem Prinzen von Wales die Banknote mit meinem Dank. _Prinz macht eine Bewegung._ Trag sie an die Kasse. Monseigneur zahlt damit die Loge fr das Benefiz der Kranken. Besichtigen Sie die Loge, Graf. _Friseur fhrt Koefeld in den Nebenraum._ PRINZ VON WALES: Keine Portiere? Keine Falltreppe im Betrieb? KEAN: Monseigneur, nehmen Sie Platz. Kennen Sie das Fell? GRAF KOEFELD _im sichtbaren Nebenraum zum Friseur_: Heben Sie den Fcher auf, der mir fiel. _Betrachtet ihn sorgfltig, steckt ihn ein, zurck._ Meine Komplimente. Das ist ja gar nicht ungewhnlich. Knnte Ankleideraum hherer Militrs sein. Charge ab Generalmajor. Komplimente. Auch Sbel. Heilo! Waffen auch. Bardala. Famos. KEAN: Ich habe das Auergewhnliche nie bei Menschen getroffen. Bei einem Bren einmal, eine zu lange Geschichte. Entschuldigen Sie mich zwei Minuten zum Frisieren. Es schellt irrsinnig. _In den Nebenraum, wo er voll umgezogen wird, die Romeojacke erhlt._ PRINZ VON WALES _zu Koefeld_: Enttuscht? Da keine Weiber da waren? Sehen Sie. Armer. _Zu Kean hinter der Portiere._ Haben Sie rger? Nervs? Ein Kummer? Ich sah Sie nie so eilig. KEAN: Enttuschungen, Monseigneur. PRINZ VON WALES: Falsche Einstellungen, Kean. Erwarten Sie nichts, ist alles ein Geschenk. Erwarten Sie vieles, schlgt alles Ihnen auf das Dach. Undank die Regel. Dank die Ausnahme. Merken Sie sich Napoleons: le genre humain m'embte. Il me faut de la solitude. Damit erklimmen Sie jede Entzckung. KEAN: Unschwer, bei Gott, von einem Knig gesagt. PRINZ VON WALES: Erfahrungen, die hunderte von Jahren im Blut liegen, Freund. Wer stt fter auf die Erbrmlichkeit wie wir? KEAN: Wem schadet sie weniger? PRINZ VON WALES: Die Kpfe, manchmal, Guter, in meiner Familie. Weil wir das Renommeestck, den Menschen, kennen, ob wir ihn verachten oder uns fr ihn interessieren, wissen wir um seine Dummheit und Feindlichkeit. Revolutionre aus Neigung, sind wir, von der Nutzlosigkeit der Revolten berzeugt, Reaktionre aus Weisheit. Wir erwarten gar nichts und haben vor den Barrikadejnglingen, die stets enttuscht ihre verbrannten Finger in den Hades trugen, ungewhnlich voraus, da wir, als zurckhaltende Skeptiker, ihn zu lieben uns erlauben knnen auch in seiner tiefsten Erbrmlichkeit. Keine Voraussetzungen -- und Sie umarmen die Weisheit ... Ah Biribi ... Romeo. KEAN _erscheint aus dem abgeteilten Raum, fast fertig_: Lernen Sie mich diese Distanz der Gefhle. Ich lerne Sie die Leidenschaft, Monseigneur. PRINZ VON WALES: Ich bedarf sie nicht. Ich habe mehr. KEAN: Ein Geheimnis. PRINZ VON WALES: Wie jede Macht, mein Freund, solang man sie nicht selbst erobert hat, atmet, ruhig besitzt. REGISSEUR _hereinstrzend_: Ay ... a ... i ... Strafe, Strafe zahlen. _Sieht Wales._ Verzeihung. Untertnig. Respekt. Gehorsam. _Ab._ GRAF KOEFELD: Darf ich die Loge meiner Frau suchen? Pnktlichkeit im Dienst und zu Frauen stets Prinzip. PRINZ VON WALES: Ich folge. Ich wei noch nicht, wo ich sitze. Welche Nummer? Drei. Ich danke. Vielleicht. _Koefeld ab._ KEAN: Darf ich wagen zu sagen, es sei ein Geschenk, Sie in Koefelds Loge zu sehen. PRINZ VON WALES: Nirgends anders? KEAN: Nirgends anders. PRINZ VON WALES: Aus Interesse? Soll ich Sie decken? Ein toller Wunsch. Sie lieben? KEAN: Bin ich weise genug, dann Ihre Anwesenheit zu ertragen? PRINZ VON WALES: Ihre Grnde. KEAN: Mein Gefhl ... PRINZ VON WALES: Gengt nicht. Deutlicher. KEAN: Sie mitrauen. PRINZ VON WALES: Ich sehe nicht klar. KEAN: Lassen Sie, ich bitte, beiseite, was Liebe heit. Ein Irrsinniger knnte nur den grten womglichen Gegner ersuchen, an seine Stelle zu treten. Kurz: ich adressiere. PRINZ VON WALES: Ich bin kein Schauspieler. KEAN: Es wre ein Geschenk. Mein Sinn, da Hohes sich ausgleicht, ist sehr bestimmt. Trte zur schnsten Frau der bedeutendste Mann, wrden meine Spannungen und Verehrungen unmenschlich wachsen an solcher Harmonie, zu der ich mich wende. Ich spiele fr Personen, nie fr die Masse, Monseigneur. PRINZ VON WALES: Ich habe Ihnen noch keinen Wunsch abgeschlagen. KEAN: Ich werde noch nie so entflammt gespielt haben vor Monseigneur. PRINZ VON WALES: Immerhin ... es ist schwer, mich in Erstaunen zu setzen. _Im Hinausgehn._ KEAN: Da Sie nichts erwarten ... PRINZ VON WALES: ... oder alles. Das ist gleich. _Ab._ KEAN: Er wird es Helne sagen, da ich ihn zu ihr gehetzt. Sie wird die Unerschtterlichkeit des Herzens nicht verkennen, das diese Qualen arrangiert, um sie als Zeichen fr sie zu erdulden. Herz, sei stark genug, dies Training zu ertragen. REGISSEUR _kommt_: Sind Sie in fnf Minuten nicht fertig, haben wir eine Oper. Aber im Publikum. KEAN: Warfen Sie Monseigneur schon einmal hinaus? Sie Taschenmesser. REGISSEUR _zu Salomon_: Bewach ihn. Treib ihn an. Schleif ihn hinber. Deine Anstellung als Pfand. _Ab._ KEAN: Lassen Sie die Ouverture anfangen. Ich spiele sechs Akte aus vier Stcken zum Benefiz. Ich habe zehn Wlfe im Herzen. Ich habe nie so gespielt. Friseur. _Wird geschminkt. Klopfen an der Tapetentr. Salomon ffnet. Giza._ GIZA: Die Grfin ... der Fcher? KEAN: Vergessen? Welcher? Such ihn. Neben. GIZA: Mit Trkisen und weien Pfaufedern. KEAN: Von Wales. Verdammt. Ist er da? FRISEUR: Der Herr bei Monseigneur steckte ihn ein. KEAN: Du sahst es. Lieest es. Sagtest nichts. Lt mich bestehlen. Schaf, Hornisse, du Ro ... Salomon, nicht da? _Salomon aus dem Nebenraum, kopfschttelnd. Kean, nicht mehr schreiend, zu Giza, ruhig_: Mein Kind, Sie flstern in der Loge ins Ohr der Grfin, ihr Gatte habe den Fcher. Sofort. Ohne Aufsehn. Und ruhig. Ich rechne, sagen Sie, mit der ganzen Klugheit der Grfin. _Giza durch die Wand ab._ KEAN _fassungslos_: Gewitter ber meinem Haupt. Prasselt alles wie ein Taubenschlag herunter? Habe ich das gewollt? Verknallter Frhlingstag, mein Gott. Ganz verloren. Alles entzwei. Keine Rettung. Kein Ausweg, eins, zwei, drei, vier. Ich habe verloren. Ich kann schlafen gehn. Abtreten. Aus. _Schnallt den Dolch ab._ Ich spiele nicht. FRISEUR: Die Augenbrauen noch schwarz. KEAN: Trottel, Intrigant. Ich spiele nicht. SALOMON: Das Benefiz. KEAN: Weg. SALOMON: Bob? KEAN: Schlag Plakate an. Ich laufe Seil ber Hydepark. Fnf Pfund der Platz. Ich werde Seiltnzer, charmanter Abgang. Fnf Pfund, ich garantiere den Absturz. _Schelle._ FRISEUR: Die Ouverture hat begonnen. REGISSEUR _kommt_: Kean. In die Kulisse. Avanti. KEAN: Ich spiele nicht, Herr. REGISSEUR: Ihr Vertrag. KEAN: Gebrochen. REGISSEUR: Angestelltenrat? KEAN: Ich werde Seiltnzer. REGISSEUR: Die Kasse abgeschlossen. Unmglich mehr, zurckzuzahlen. Sie znden das Theater an. KEAN: Rsten Sie. REGISSEUR: Ich befehle Ihnen, aufzutreten. KEAN: Befehlen Sie Ihrem Bauch. Ich will nicht. Ich kann nicht. Herr, sehen Sie nicht: ich bin verrckt. Mein Herz ist explodiert. Ich bin schwer verwundet. Innerlich. Hundert Geschofetzen. Kann ich singen, wenn ich verrecke? _Schlgt vor Erregung einen Tisch dem Regisseur vor die Beine. Bob erscheint._ BOB: Spiel, Junge, sonst schlag ich dir die Knochen entzwei. _Regisseur feuert ihn mit Gesten an._ Ich blas dich in die Luft. Stmper. Nicht einmal spielen kannst du. Solar plexus blow. _Stt ins Horn._ Splendid. Narrenhaus. KEAN: Halt das Maul, Bob. Hinaus, Zigeuner. Stramm gestanden. Ich kommandiere nun. Ich spiel nicht. BOB: Respekt vergit du. Heuschrecke. Quatsch. Boxen kannst du nicht. Seiltanz kannst du nicht. Niagarasprung ... schmonzes. Spielen willst du nicht. Knockout. Stmper. Auf die Knie. O ... u ... adet. Rabenaas, unfaires. Sollte dich erledigen mit savate, ins Parterre mit upper cut. Vatermrder. Spiel oder krepier. Splendid, strubt sich. Krieg dich an den Ohren. KEAN: Mein Lehrer ... guter Lehrer, Gott verzeih mir, hinaus, du Hund. _Schmeit ihn raus._ REGISSEUR: Ich gehe zur Bhne und zurck und zhle auf zwanzig. Vor der Tr. Kommen Sie nicht bei einundzwanzig, la ich Sie auf die Bhne schleifen, Herr, und aufs Podium werfen in einem Sack. KEAN: Gut. Schmeit mich in die neue Karriere. Zirkus. Ketten bereit. Fesselsprenger ber dem Seil -- -- -- a me me gusta un harenque ... porque es muy dulce -- -- -- _Regisseur hinaus. Salomon mit ausgebreiteten Armen gegen die Tr._ Du ... sperrst mich ein? Du auch ... spritzt gegen mich Gift? Wegen deiner Stellung? Bist du schon so zertreten? _Schiebt mit dem Fu nach ihm, Salomon heulend ihm zu Fen._ SALOMON: Treten Sie mir den Bauch ein. Hab ich diese elende Position nicht nur wegen Ihnen behalten? Ich schtze Sie vor dem Schleifen. KEAN: Steh auf! _Fieberhaft._ Alles verloren. Ich habe auf eine Karte alles gesetzt und rasch verloren. Der Fcher ist die falsche Karte, die man mir ins Spiel gemogelt. Wales mu den Fcher decken gegen Graf Koefeld. Wales renkt das Spiel wieder ein, das ich schon fast verlor. Vor fnf Minuten bestrmte ich ihn, weil ich mich oben dachte, im bermut in die Loge der Grfin zu gehen, nun sitzt er dort und mu mich decken. Die Leute haben andere Waffen wie wir. Man vermeidet dort den Angriff, man ist klger wie wir, Salomon. Er wird sich zurckziehn, verschwinden, von Helne zurckeilen. Das Feld ist frei. Ich habe keinen sichtbaren, aber einen unsichtbaren Konkurrenten. SALOMON: Was kann ein Gegner schaden, der kein Stichwort hat, aufzutreten? KEAN: Da ich ein Werkzeug des Wales bin, ein Perpendikel seiner Laune. Wenn er gut ist, berdacht von seiner Gte. Wenn er gemein ist, ein Tnzer auf dem Zufall. Immer geschenkt, dargeboten, geduldet. Gibt es eine Frau, die das ertrgt? Gibt es einen Mann, der in dieser Rolle wirkt? Unertrglich. Unmglich. SALOMON: So werde ich den Prinzen aus der Welt schaffen, um einen guten Abgang aus ihr zu haben. KEAN: Zu grob. Das schafft seinen Schatten nicht fort. Treue Trottelei, Salomon. Das verstehst du nicht. SALOMON: Das scheint meine Schwche. KEAN: Ich kann ihn nur wieder mit Gromut berwinden. Solche Partien knnen nur auf dem hchsten Terrain gesiegt werden. Helne kennt die Niveauunterschiede genau, und man hat sie nur, wenn man deutlich sie erobert. Ich mu auf sie verzichten. Das ist die einzige Waffe, sie doch zu bekommen. Ich berlasse sie Wales als dem Greren. Ich trete zurck, um ihn zu erhhen. Ich mu mich auswetzen wie ein Geschwr und ihm freie Bahn lassen. So wird sie mich wieder holen. Du bist zu wenig Mann, um das zu begreifen. Hier wird mit groen Einstzen der Khnheit pointiert. Ich kann nicht kleinmtiger sein wie seine Gromut. Aber ich spiele um alles. Denn ich liebe sie mehr als ein Toller. Ich mu ruhig bleiben und lcheln. Nur so kriege ich sie. SALOMON: Das scheint mir der ungefhrlichste Ausweg. KEAN _auf und ab gehend, man hrt den Regisseur drauen zhlen_. Aber wird mein Herz grer sein wie mein Blut? Kann ich Wales nun in Helnes Loge sehen? Vor einer Viertelstunde ein Kitzel fr den Sieger. Als Unterlegener ein Gelchter. Kann ich stolzer sein als Besiegter wie der Sieger, der sich nichts merken lt? Werde ich es aushalten, mein Gott? Ich bin ohne Kraft, Salomon, und brauche ein khnes Herz. Man lernt soviel in seiner Leidenschaft. Ich mu grer sein wie mein Schmerz. Khner als mein Glaube. Ich mu es haben, Salomon ... woher? ... ich mu es haben, oder ich bin kaput. -- -- -- Den Dolch, Salomon ... den Dolch ... Ich mu spielen. SALOMON: Er spielt. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann. REGISSEUR _herein_: Spielt. _Fllt gleichzeitig erschpft in die Knie._ SZENE VIER Verdunkelung. Kean hinaus. Vorhang. Sofort Musik in die Verdunkelung. Kean sofort durch den Vorhang auf die Vorderbhne. Blitzschnell. Sofort auf der Vorderbhne Beginn der Romeoszene. Musik verklingt hinein. JULIA: Willst du schon gehn? Der Tag ist noch so fern. Es war die Nachtigall und nicht die Lerche, Die wilden Rufs dein banges Ohr durchst. Geliebter, glaub: es war die Nachtigall. ROMEO: Die Lerche wars, die Tagansagerin. Nicht Nachtigall. Schon neidet uns ein Streif des Osts der Wolken liebevollen Samt. Die Nacht hat ihre Kerzen abgebrannt. Der Tag hat sich schon auf den Berg getanzt. Nur Gehen ist uns gut, Verzug ist Tod. JULIA: Glaub mir, dies Heil ist nicht das Tageslicht. Fanal ist es, das dir die Sonne schenkt, wenn du ins Helle jetzt die Nacht durchdringst. Signal nach Mantua, wenn du zum Gang dich schickst. Verweile du. Noch ist zu gehn nicht not. ROMEO: La sie mich packen. Tod ist mir bestimmt. Ich bleibe gern, wenn du mich fassen willst. Ich will, dies Dmmern ist noch nicht das Morgenaug. Der Mond hat nur den groen Kreis bereist. Die Lerche ist das nicht, aus deren Sang der unsichtbare Himmel um uns reit. Ich bleibe nun. Das Gehn ist mir verhat. Herbei, du Tod, wenn Julia dich liebt. Ruhig, Herz. Das ist nicht Tag, noch flstern wir uns zu. JULIA: Der Tag. Der Tag. Auf. Renne rasch von hier. Es ist die Lerche, die so heiser droht. Sie ists, die uns in falsche Wirbel flammt. Man hat gesagt, die Lerche sei so s. O wie zerreit uns diese unser Herz. Sie hat der Krte Blick in ihrem Aug. Htt sie den Sang mit diesem Tier getauscht, da sie dein Herz von meinen Brsten reit! Wie hat der Jagdruf dich zur Flucht erbleicht. Geh jetzt, Geliebter, es wird rot und hell. ROMEO: Ich seh nur schwarz. Und dunkler Leid und Gram. AMME _kommt_: Die Mutter regt sich. Bald tritt sie herein. Der Tag hebt an. Das Haus wird voll Gerusch. JULIA: Tag schwingt herein. Du Leben, breche aus ... ROMEO: Wenn deine Lippe noch auf meiner einmal knospt. Umarmt Julia, luft die Treppe der Vorderbhne herunter, strzt mit einem Aufschrei zurck, an Julia vorbei, dicht an der Rampe. Ist mir von Irrsinn so mein Herz zerschleit, das zuckt und brllt, da ich in Fremdem whl? Ich Komdiant, ich Kean, Hanswurst, Idiot, Kamel geht ehr durch Nadelhrn als ich durch dieses Spiel. Halunken, Publikum. Clowns, weh, ein Heringsbauch, schlgt hhnend eure Fratzen jetzt mein Schmerz. Wo nehm den Mut ich her, jetzt gro zu sein, wo ich wie eine Krte hier mich wind und dort die Gre lchelnd auf mir bumt? Fr dieses Spiel bin ich zu sehr zerspellt, Hanswurst ich, Kean, nicht Romeo. Hanswurst. Wr ich jetzt gro, wie Feuer trieb dies Spiel. O Gott, mach jetzt mein Herz voll Einsamkeit, da ich es trag und alles Gute sag. Hilf mir. Umsonst flamm ich nicht wie ein Wurm. Schon quillt mir Gift auf meines Herzens Schlag. Schon wrgt mein Ha der Zunge guten Laut. Es frit die Leidenschaft das Gute aus dem Herz. Erbrmlich ich. Hanswurst. Mein Kean, du Frosch. Is a long way to Tipperary -- -- flattert mirs so auf? Is a long way to go. Ich hin von Ha entstellt. Halb verkrampft, tanzend, torkelnd, jetzt voll an die Rampe. Zu der nun mitten im Rang erleuchteten Loge Helnes, Koefelds, des Prinzen von Wales gerichtet. Ich klag den Prinzen Wales des Irrsinns an, weil er Geheimnis hat, das in den Staub mich schmeit. Ertrgt ein Mensch so ruhigen bermut? Schlgt Schicksal mir stets Gre ins Gesicht, die mich erniedert ... Aus der Lge dieses Spiels pflck ich Sekunden. Hier ist mein Triumph. Hier rede ich. In die Manege, Monseigneur, hier auf die Knie. Tanzt vor den Affen nackt den Foxtrott Ihrer Laster. Guillotine Marsch. Zu meinem Fu. Mein Herz lacht wie ein Wolf. Die Haselrutensehnsucht Ihrer Schenkel ist nicht schwach. Gekuscht im Winkel. Ab Monokel. Glasaug hol die Pest. Entschleiert das Geheimnis. Sansculotte. Gre keine Spur. Sagespne, Glas statt Hoheit, werft die Puppe in die Eimer der Verachtung ohne Schmerz. LORD MEVIL _in einer Loge, mitten im Publikum, der anderen Seite, erleuchtet_: Die Hundepeitsche ins Gesicht dem Schuft. KEAN: Ach, Mevil -- Bursche, Wechselflscher, Muschenjger, Gladiator deiner Frechheit. Her den Stock. LORD MEVIL: Verhaftet diesen Hund. Konstable. Ketten. Stellt vor den Prinz euch. Vor die Krone. Schiet. _Knallt nach der Bhne._ KEAN: Schie weiter, Flscher. Abgeprallt die Tcke, kreid ich dich an die Ewigkeit, du Hure der Rechtsprechung im Parlament. Ich schlag den Leib mit Prgeln feist dir wie ein Frosch. Nur Monseigneur kann mehr geschwollen sein als du. Kean. Ich Hanswurst. Sacr. Mein Puls. Mein Herz. Hinter ihm Menschen. Toller Foxtrott. Man beschwrt ihn. Salomon kommt aus dem Souffleurkasten. Aus der Intendantenloge klettern Entsetzte auf die Bhne. Der Regisseur strzt herbei. Kean fat ihn, tanzt den Foxtrott des Orchesters mit ihm, irrsinnig. Wales am Hund, das Herz in Quasten, Kean kaputt, Wales liquidiert ... _Fllt zusammen._ Der Regisseur geht langsam bis an die Rampe, schneidet mit dem erhobenen Arm haarscharf den Foxtrott ab. REGISSEUR: Der Wahnsinn ist ber Kean ausgebrochen. Die Billette zurck. Ich schliee. Verzeihung. Ein Schrei aus der Loge der Wales und Koefeld. REGISSEUR: Arbeiter. Chor. Die Bahre. Arzt. Den Arzt. _Bob hinkt herbei, stt zweimal ins Horn._ BOB: Ich hab dich mehr geliebt. Dreiviertelsmann. Du Stmper. Vielgeschrei. Du warfst mich auf, da schlug dich Undank lahm. Angriff blieb schlecht. In Gromut Dilettant. Stop. Hier der Rest: knockout. Schlu des vierten Akts. AKT FNF Zimmer bei Kean. Zwei Ausgnge links. Ausgnge rechts. Aufmarschiert die vier Artisten: Viktor, Well, Gonsch, Kauka. Die Mitsufer Tom, David, Bardolph. Salomon aus dem Nebenraum. SZENE EINS SALOMON: Man mu schon irrsinnig zu sein im Geruch stehn, damit die Menschen anstndig werden. Hilfe fr Gesunde erdenkt niemand. berall steht der Verstand auf dem Kopf. Wr ich sonst Souffleur? VIKTOR: Bob ist entschuldigt. Das Geld des Benefiz war zuviel. Er hing sich auf. SALOMON: Splendid. Ein Narr nahm den gewhnlichen Abgang. GONSCH: Wir haben drauen abgelegt. VIKTOR: Zehn Flaschen Pommard. WELL: Zehn Flaschen Chambertain. KAUKA: Fnf Flaschen Portwein. GONSCH: Zwanzig Flaschen Sekt. VIKTOR: Sieben Flaschen Haut Sauternes. WELL: Zwanzig Flaschen Chteau Latour. KAUKA: Zehn Flaschen Jules Bernin. GONSCH: Eine kleine Tonne Whisky. SALOMON: Das habt ihr gut hereingeschifft. Was soll der Herr damit? TOM: Sechs Renntierschinken. DAVID: Vierzig Kilo Honig. BARDOLPH: Zehn groe Hummer. SALOMON: Das habt ihr gut hereingesetzt. Ihr Trockenen. Ob ihr vom Festen nicht aufs Nasse spekuliert?! Ihr Trinkerchen. TOM: Wenn wir auch Hunde sind, saufen wir nicht aus Krankenkbeln. Was sagt der Arzt? DAVID: Wenn mich Gott in schweinige Versuchungen auch fhrt, bewahrt er mich, aus dem Elend Vorteil zu ziehen. Wie gehts dem Herrn? BARDOLPH: Wenn wir auch verdammt dickfellige Drme sind, kann nur ein Dnndarm wie du meinen, da unsere nach Arznei lstern sind. Wie stehts um die Gesundheit? SALOMON: Den Arzt hat es bei der Diagnose durchs Bein gezuckt. Handfester Wahnsinn. Man hlt Kean schwer ab, seine Hitzigkeit aus dem Hirn in die Fuste laufen zu lassen. Schlimm. Ich rieche Attentate. Mein Hals fhlt sich schon wie ein Korkzieher stranguliert. Da ich sein Pfleger bin, mu ich bleiben. DAVID: Er soll bei Gott das Bett nicht fiebrig verlassen. Gute Gesundheit. TOM: Ruhe und Eisbeutel aufs Hirn. Beste Besserung. BARDOLPH: Die Hnde gefesselt. Meine Empfehlungen. _Alle drei exakt ab._ SALOMON: Der Herr ist in eine Krise gefahren, aus der er mit Donner und Blitz wohl nicht herauskommt, sondern wohl etwas sanfter. Es ist Zeit, aus den frhen Launen in den Sommer einzulaufen. Ich kann das Hinundherreien nicht mit. Wenn ihr noch bleiben wollt, werdet ihr die Konstables als Hundemeute anrcken sehen. Ich melde euch. KAUKA _hlt ihn zurck_: Unntig. Unsere Gre gengen. Und das andere. Wir sind schon oft fr andere gefangen worden. Bekam man die Hirsche nicht, nahm man die Hasen. Ein Feigling, wer sich unntig in Gefahr begibt. _Alle vier exakt ab._ SALOMON: Hier sitze ich. Mnch sollte von der Mutter her ich werden. Man schlgt mich. Ich besorge die Geschfte. Habe ich nicht mehr Hirn wie diese alle? Man tritt mich. Und ich fhle mich wohl. Sonderbarer Mensch ich. _Singt_: Ach Gottsche, schenk mern Hambelmann, un e Kordel dezu, da er zawwele kann. Und doch reicht meine ganze Hirnhaut nicht aus, zu ahnen, wie dieser Tag ausgeht. Etwas Wichtiges mu fehlen bei mir. Au Backe! Aber was? KEAN _kommt aus dem Nebenraum, geht durchs Zimmer, ohne Salomon zu beachten_. SALOMON: Die Siegel sind entfernt. Die Schuld ausgelst. Unbekannterweise. KEAN: Das Gercht von meinem Wahnsinn luft weiter. SALOMON: Ich frchte nur, da diejenigen, die es nachtrglich glauben sollen, nicht von seiner Dauer zu berzeugen sind. KEAN: Ich habe nicht das Gefhl, gestern ein vernunftbegabter Mensch gewesen zu sein, da ich es bis gestern wahrscheinlich berhaupt nicht war. SALOMON: Dann mu Ihre Normalitt ihren Geburtstag mit Prozessen, Kerkern, Verfahren beginnen. KEAN: Kmmre dich um deinen Kopf. Man fllt nicht so heftig auf die Rampe, ohne da man aus seinem Kostm herausrutscht. Die Listen? SALOMON: Sind aufgelegt. Die Einzeichnung der Krankenbesuche gemischt. Adel keiner. Brger wenig. Viel kleine Leute. KEAN: Keine Frau? ... Nein ... Ich bin doch wahnsinnig. SALOMON: Der Wagen steht immer noch an der Ecke. Sie knnen noch jetzt fliehen. So gut wie vor zwei Stunden. KEAN: Ich kann fliehen. Ich kann nicht fliehen. Ich bleibe da. SALOMON: Seit Jahren der grte Skandal. KEAN: Wtest du, wies in mir ausschaut, ttest du mir so keinen Pimpam erzhlen. SALOMON: Mit Monseigneur ist nicht mehr zu rechnen. Die letzte Barriere fllt. Laufen Sie zu dem Wagen. KEAN: Wenn du eine Ahnung httest, wie wenig ich mich etwas entziehen will und wie sehr ich auf etwas warte. SALOMON: Wenn Sie auf die Grfin warten, knnen Sie auch auf den Mond warten. KEAN: Aber du weit nicht, da ich warte, um etwas gutzumachen. KONSTABLE _kommt, berreicht ein Blatt_: Mein Papier. _Salutiert._ KEAN: Es ist keine Zeit darauf. KONSTABLE: Es gibt keine Zeit fr Verbrecher, sondern nur das Gesetz. KEAN: So gibt es Zeit fr das Gesetz. Kannst du ihm nicht eine halbe Stunde zuschieben? KONSTABLE: Mein Papier verhaftet Sie auf der Stelle. SALOMON: Aber das Abfhren hat Zeit bis nach Besichtigung der Rume, Teller, Flaschen. KONSTABLE: Bestechungsversuch. In deine Fresse zurck. KEAN: Ich warte auf jemand. Steht der Zeiger auf Sieben-Gro, komme ich mit. Mein Ehrenwort. Vielleicht kommt gar niemand. KONSTABLE: Die Verhaftung ist geschehen. ber den Transport gibt es keine Vorschrift. Also kommandiere ich diesen Fehler. Es hngt an mir. Ich habe selten swinging blow so in mein Herz gehen sehen wie Ihren. Knockout zum Kasperllachen. Sie sind mein Freund, Herr. Ich warte eine halbe Stunde, auf Ihr Ehrenwort. Das habe ich nunmehr beschlossen. Ich habe noch nie etwas zu beschlieen gehabt. _Ab. Salomon mit ihm._ KEAN: Eine halbe Stunde. _Geht durchs Zimmer._ Dann ist es aus. SALOMON _zurck_: Die ... Grfin. KEAN: Helne ... SALOMON: Auf der Treppe. KEAN: Rasch. SALOMON: Da. _Verbeugt sich, hinaus._ SZENE ZWEI KEAN: Helne. DAISY _sich entschleiernd_: Ich. KEAN: Was wollen Sie? DAISY: Sie in eine Heilanstalt bringen, wenn Sie krank sind. KEAN: Ich bin nicht krank. DAISY: Dann will ich es bedauern, da Sie es waren. KEAN: Sie sind rmer als ich. DAISY: Irrtum. Seit gestern besitze ich mein Vermgen. Mein Vormund war ein Betrger. Er ist entlarvt. KEAN: Man darf Ihnen gute Verwendung wnschen. DAISY: Ich habe alle Vorbereitungen getroffen. KEAN: Sie reisen? DAISY: Gezwungenermaen. KEAN: Glckwnsche zu dem Zustand, der mir verweigert ist. DAISY: Ich verstehe Sie nicht. KEAN: Ich bin verhaftet. DAISY: Irrtum. Sie sind frei. KEAN: Sie haben den Konstable drauen gesehen. DAISY: Ist widerrufen. Der neue Entscheid. KEAN: In Ihren Hnden? Ausgefertigt? DAISY _zgernd_: Von dem Staatsanwalt. Durch den Prinzen von Wales. KEAN: Ich hasse ihn nicht mehr. DAISY: Als Mittelmann gegen Mevil. KEAN: Sie errten. DAISY: Der wollte nicht nachgeben. Der Appell des Prinzen war einflulos. KEAN: Was taten Sie? DAISY: Ich komme, mich von Ihnen verabschieden. KEAN: Was taten Sie? DAISY: Ich trat ihm die Mitgift ab. KEAN: Sie haben ihn geheiratet. DAISY: Unntig. Das Geld gengte. KEAN: Die Hlfte Ihres Vermgens. DAISY: Eine kleine Schuld der groen gegenber, die mein Leben Ihnen schuldet. KEAN: Und Sie reisen ... DAISY: Um den Skandal zu verwischen. Lord Mevil zwang mich dazu. Ein Pakt mit Mevil. KEAN: Ich erkenne fr mich Ihre Handlungen nicht an. DAISY: Damit werden Sie mich kompromittieren. Ich bin bereit. KEAN: Sonderbar. Ich sagte Ihnen beim ersten Mal: Beweisen Sie mir, da Sie etwas im Leben meistern, ich rede Ihnen dann zu, in meinen Beruf zu springen. Heute kann ich es, aber ich stehe beschmt vor Ihnen. DAISY: Da ich England verlasse ... KEAN: Sie haben ein anderes Aussehen bekommen. Ich habe Sie nicht so gekannt. DAISY: Sie schulden mir nichts. Ich habe meine Ansicht in diesem Punkt des Berufs gendert. Ich gab meinen Plan auf. KEAN: Sind Sie mutlos geworden? DAISY: Ich war nie entschlossener. KEAN: Opfer zu bringen, die nicht anzunehmen ich entschlossen bin. Weinen Sie nicht. DAISY: Die Sie nicht von mir empfangen, sondern von der Vorsehung, die Ihre Absichten damit klrt und die darum keine Opfer sind. KEAN: Gestern htte ich das nicht verstanden. Heute ist es schon zu weit. Es schmerzt mich, das zu sehen, was Sie tun und uern. Denn ich habe es versumt. DAISY: Ich habe nie daran gedacht, da eine Handlung anders als zu der ihr bestimmten und richtigen Zeit kommen knne. KEAN: Sie tuschen sich. Ich sah zum erstenmal, wie ungeheuer viel ein Herz vermag, indem es sich schrankenlos preisgibt. Aber ich sehe es zu spt. DAISY: Ich verstehe Sie nicht. KEAN: Weil Sie nicht wissen, welche Spanne mein Leben von gestern zu heute durchmessen hat. Weil ich aus Enttuschungen und Eitelkeiten so tief abgestrzt heute hinaufblicke, kann ich nicht wagen, erkennen zu wollen, von wie hoch her Ihre Gte zu mir herunterkommt. DAISY: Warum beschmen Sie in mir so sehr das, was ohne Absicht geschah? KEAN: Htte ich frher erkannt, als ich zwar falsch, aber immerhin auf der Hhe meines Lebens schweifte, welch unvergleichlicher Besitz mir nah war, wre das eine groe und erhabene Entdeckung gewesen. Ich wre glcklich gewesen. Da ich es jetzt erst sehe, wo ich verlassen, schutzbedrftig und niedrig bin, nimmt mir vor mir jedes Recht, es zu ergreifen. Ich wei, was ich verliere, denn ich verliere alles. Aber ich kann mich dem nicht entziehen. DAISY: Wenn ich nicht glaubte, trotzdem glcklich zu sein, mte ich denken, da ich verflucht bin. KEAN: Gehen Sie. Reisen Sie. Und denken Sie, da Sie einem Mann das grte Glck geschenkt haben, indem Sie ihn zum ersten Male die ganze Gre eines reinen Gefhls sehen lieen. Und vergessen Sie nicht, da er, obwohl er zufriedener und klarer ist wie frher, aufs tiefste leidet und nur die eine Bemhung kennt, sich Ihrer wrdig zu erweisen. DAISY: Leben Sie wohl. SALOMON: Die Grfin. _Zieht die Tr hinter sich zu._ KEAN: Ich will sie jetzt nicht mehr sehen. DAISY: Ich stehe, auch hierin, nicht im Wege. Lassen Sie sie eintreten. Ich bitte darum. KEAN _zgernd, dann_: Warten Sie hier. _ffnet Daisy das eine Seitenkabinet._ HELENE _eintretend, mit groer Bewegung sich entschleiernd, sie ist verkleidet_: Sie haben verloren. Die Einstze zurck. KEAN: Ich habe eine Torheit begangen, die ich aber in einem gewissen Sinne loben mu, so sehr es Sie krnken mute. HELENE: Nur Besessenes, was man verliert, krnkt. Der milungene Versuch platzt in die Luft. KEAN: Was kann ich tun, Ihre Verzeihung zu erlangen? HELENE: Unntig von mir. Ich bin ohne Zorn. Ich ordne die Dinge exakt. Das Medaillon. KEAN: Hier. HELENE: Die Dose. KEAN: Hier. HELENE: Der Ring. KEAN: Hier. HELENE: Ohne Widerspruch. Gut. Die Partie ist ausgeglichen. Die Pfnder eingesammelt. Leben Sie wohl. KEAN: Sie ziehen die Summen. Ich aber mchte Ihre Verzeihung erlangen ... dafr ... HELENE: Die Trks sind ausgespielt. KEAN: Verzeihung ... dafr, ... da ich Sie nie geliebt habe. HELENE: Deshalb verloren Sie. Aus keinem anderen Grund. Glauben Sie zu anderem Zweck als der Erforschung dieser Sache willen hatte ich den Pakt abgeschlossen? KEAN: Ich will Sie nicht krnken ... HELENE: O, es war Gre schon um Sie, als ich Sie sah. KEAN: Es war Eitelkeit. HELENE: Gemischt. Mich reizte, zu was Ihr Wesen sich entschlsse. Sie kamen und plaidierten fr die armselige Verfolgte und warfen mir in der gleichen Sekunde Ihre Leidenschaft ins Gesicht. Beides war echt. Ich setzte mich ein, es zu lsen. Meine Liebe. Ich habe alles an diese Frage gesetzt. Nicht ich verlor. Sie verloren. Ich riskierte nur alles. KEAN: Ich habe gewonnen ... HELENE: Vielleicht. Sicher nicht hier. KEAN: Hier ward nur gesetzt. Nur gespielt. Pointiert. Nicht geopfert. HELENE: Verstanden Sie das damals so gut? Habe ich das nicht? Habe ich nicht vielleicht Sie geopfert? Wissen Sie denn, ob ich Sie nicht dennoch mehr liebte, als Sie ahnen, und da ich dieses Gefhl hingab dem, grere Klarheit zu erreichen. Mein Herz ist kein Mdchen und durch Enttuschungen zu groer Art gegangen, einem Gatten an die Seite gegeben, der es weder an Hhe versteht noch an Tiefe und es durch Teilnahmlosigkeit tglich krnkt und beleidigt. Ich habe nach dieser Seite keinen Sinn fr das Wort Pflicht, wo sie mir tglich gebrochen wird, aber ich habe nach der anderen Seite noch weniger Gefhl fr das Uferlose. Was ist Leidenschaft am Ende? Ein Nichts. Mu man nicht khl sein, je wilder man erlebt, distanzierter, je zerhackter man ist aus Leidenschaft? Sie haben das nie gewut. Ich suchte Weisheit ber dem Blut. Sie gaben, was ich verachte, Skandal. Ich suchte Opferung, bereit dann selbst zu jedem Opfer. Ich fand ein zerrissenes, unbeherrschtes Dasein. Ich habe keine Lust an brgerlichen Sensationen. Ich ziehe es vor, meine Wege zu beherrschen. Ich kalkuliere mir das Schicksal. KEAN: Ich habe verloren. HELENE: Da Sie es einsehen, beweist eine Erschtterung. Zeigt eine Erkenntnis. Also haben Sie dennoch gewonnen. Hier aber zu spt. KEAN: Ich habe vor Ihnen vorhin etwas Kurioses erblickt, das Grenzenloseste, Grfin: ein schlichtes, einfaches Herz. HELENE: Erkenntnis marschiert auf vielen Wegen. Ich stellte das Wagespiel ein zwischen Ihrer berlegenen Gte, die ich ahnte, und Ihrer Zerrissenheit, die ich sah. Es schlug nicht zu mir aus. Aber es schlug aus. Traf es nach anderen hin, bedeutet es Bindung Ihrer Krfte. Ich wnsche Glck. Ich bin neidlos. Zersplittern ist Unfug. Konzentration alles. Liebe nur ein Augenblick. Ein gebndigtes Herz hat keine Pause. KEAN: Welche Schuld habe ich gegen Sie! HELENE: Keine. Sie lieben Ihre Eitelkeit nicht mehr, die sich allein vielleicht verging. KEAN: Habe ich so blind gelebt, nichts geschaut, alles versumt? HELENE: Kein sentimentales Schauspiel. Sie werden nun wohl, wenn Sie besser zu sehen verstehen, der Gre, die Sie auf der Rampe spielten, die des Menschen hinzufgen. Mein Spiel ist aus. Sie spielen mit andern. KEAN: Und Sie? HELENE: Meine Vorbereitungen sind gelegt. KEAN: Sie entschieden sich ... HELENE: Die Dinge entscheiden sich. Ich entscheide mich mit ihnen. Irrtum, da irgendeine Entscheidung bei uns liegt. Man geht mit den Mglichkeiten und beherrscht sie, indem man in ihre Kurven nicht eingreift. Was heute ich liebe, ist in einem halben Jahr vielleicht taub. Verlangen Sie Garantien der Seele vom Leben? Ich nicht. Liebten Sie mich mit Holzbein, ich Sie ohne Magen? Unausdenkbar. Die Partie hatte zwei Seiten. KEAN: Ich schied aus. Wales blieb. HELENE: Der Fcher ist gedeckt. Die Endposten sind erreicht. Ich war nur Zuschauer. Was blieb, hatte recht. Das eine versagte. Das andere lchelte, als ich es ansah. Ich habe mich fr die Macht entschieden. KEAN: Welche Khnheit. Soviel kann Erfolg bedeuten! HELENE: So kommt von selbst zu mir, was ich brauche. Ohne Bemhung. Sie werden es schmerzlos sehen. SALOMON _drauen_: Unmglich. Ich verbiete. Ich hindere Sie. KEAN _rasch die Tr des zweiten Kabinets ffnend_: Einen Augenblick. Hier. Eilen Sie. HELENE _berlegen, betont_: Keine Angst um mich. Ich bin in guten Hnden. SALOMON _drauen_: Zurck. Achtung. Das haut. Schreit. _Tr auf. Graf Koefeld tritt ruhig ein._ SZENE DREI KEAN: Ich hielt Sie fr den Konstable. GRAF KOEFELD: Es gibt drei Dinge, die auf meinem Inneren geschrieben stehn wie auf Bronze: Pflicht, Frauenehre, Knig. KEAN: Ziehn Sie daraus ein Recht, bei mir einzubrechen? GRAF KOEFELD: Kennen Sie diesen Fcher? KEAN: Ich kenne fnf dieser Sorte, die Monseigneur verschenkte. GRAF KOEFELD: Ich fand ihn in Ihrer Loge. KEAN: Sie werden an die Adresse des Prinzen von Wales sich zu wenden haben, wenn Sie keine Entschuldigung hier anzubringen haben, da Sie ihn bei mir raubten. GRAF KOEFELD: Monseigeur. Welche Adresse. Danke. Verzeihung. Kontrollierbar. Jedoch ... KEAN: Fassen Sie sich kurz. GRAF KOEFELD: Meine Frau wird berwacht. In meinem Auftrag. Die Kontrolleure flitzen. Sie ist hier. KEAN: Knigliche Pflicht, Frauenehre mit Detektivs zu schtzen. GRAF KOEFELD: Schweigen Sie. Die Kontrolle ist hier am Ort mglich. Dieses Mal ist sie sicher. Ich werde Ihre Rume ansehn. Ist die Besichtigung frei? KEAN: Ich frchte, ich verstehe Sie nicht. GRAF KOEFELD: Sieben Schlachten. Eine Belagerung. Meine Auszeichnungen die hchsten. Herr, ist die Besichtigung frei? KEAN: Nein. GRAF KOEFELD: Dann akzeptieren Sie meine Forderung. Zehn Meter Abstand. Kugelwechsel bis zum Schlu. Ich schiee zuerst. KEAN: Einen Narren weist man hinaus. Ich lute. GRAF KOEFELD: Sie akzeptieren nicht? KEAN: Bin ich verrckt? GRAF KOEFELD: Ich erinnere Sie daran. Man wird Sie feig nennen. KEAN: Kein Teufel glaubt das. GRAF KOEFELD: Die Pflicht des Kavaliers, Ihres Verkehrs, Ihrer Mnnlichkeit. Waren Sie nie Soldat? Des Knigs Rock, Herr. Ihre Ehre? KEAN: Steht in meiner Brust. GRAF KOEFELD: Wenn Sie die Beleidigung nicht shnen und schieen, bin ich gentigt, mich zu erschieen. Ich htte anderen Soldatentod gewnscht. Herr, ich bitte dringend, herzlich: nehmen Sie die Forderung an. KEAN: Habe ich Sie denn gekrnkt? GRAF KOEFELD: Sie weigern die Besichtigung. Passage ist nicht frei. Dann bleibt nur ein Ausweg vorher. Ich schiee Sie zusammen. _Zielt._ KEAN: Gut. GRAF KOEFELD: Verlassen Sie die Tr. Ich warne. Eins, zwei ... _Die Tr geht auf, Daisy heraus. Auer sich._ DAISY: Ich bin seine Geliebte. Gehen Sie, Herr. KEAN: Was tun Sie? GRAF KOEFELD _mit dem Rcken nach der Tr ab_: Verzeihung, Gnade, Gndigste. Eine ungeahnte Bestrzung. Ich bin berrascht. Ich stehe, beschmt, in allem zur Verfgung. KEAN: Ich zrne Ihnen nicht. DAISY _Hnde vor das Gesicht werfend_: Nun bleibt nur noch ein Weg. _Strzt, fassungslos, nach dem Fenster._ KEAN _ihr nach_: Gott, Gott, halten Sie. Daisy, Daisy. _Fat sie, trgt sie zurck._ DAISY: Warum haben Sie das getan? KEAN: Du wolltest dich tten, Bse. Ich liebe dich doch. Ich liebe dich doch. DAISY: Sie haben mich eben noch zurckgestoen. KEAN: Kann man so vielem widerstehen? DAISY: Sie bereilen sich. Sie bereilen Ihr Herz. KEAN: Nicht mehr. Was ist das Stckchen Stolz, das sich gegen dich wehrte, gegen dieses Ma an Stolz, das du ohne Bedenken verschwendest. DAISY: Was habe ich denn getan? KEAN: Da ich dein Herz an meine Brust schlagen hre. Ich bin zu Haus. Das ist alles. DAISY: Was hast du an mir? KEAN: Ich mu offen sein, um mein Leben zu erzhlen. Ich habe nach einer Jugend, von der ich nicht reden will, die Mglichkeit gehabt, alles zu besitzen, was gelobt wird. Ich lebte wie ein Herr und nahm glubig alles, was Glck zu sein schien. Ich habe an Frauen kein geringes Teil meines Lebens gehngt und in guten Schlssern bernachtet und Fische in Parks gefangen und mit den besten Leuten meiner Rasse Verkehr gehabt. Ich habe dies nur fr einen Teil des Lebens gehalten und nicht zu hoch geschtzt und habe in Kaschemmen geschlafen und keines niederen Menschen Los nicht auch geteilt. Es kam mir zu, da ich glaubte, das Leben zu kennen, denn ich war wohl tapfer und auch feig, das wute ich, sondern auch klug und tricht. Ich befahl und richtete sowohl, als ich unterwarf mich und wurde geschmht. So konnte nicht fehlen, da ich mir dachte, da ich das Leben kenne und es auch umspanne, ja ich htte vielleicht gedacht in manchen Minuten, da ich weiser sei als viele, ohne dabei zu denken, da ich Hochmut treibe. Aber ich habe sicher nie gewut, was an Glck das Dasein zu geben vermge, denn ich habe die Gelegenheit, da es der Probe nicht gewachsen ist. Es mute das Seltsame sich ereignen, da mir das Ganze leblos aus der Hand fllt, und da ich, von der Reinheit der Absichten eines Menschen erschttert, von solchen Schlgen getroffen dastehe, da alles um mich herum wie unter Gewittern fllt. DAISY: Ich habe nichts Besonderes getan. KEAN: Als du kamst und mir sagtest, an mir wrest du aufgerichtet und vertrauend auf die Wahrheit geworden, irrtest du. Das Umgekehrte hat das Recht. Nicht du an mir, sondern ich an dir, ich ward an soviel Hingabe erst sehend und glubig. DAISY: Willst du dieser Frau nicht die Tr ffnen, damit du nicht mehr die Unwahrheit zu sagen brauchst, wenn nach ihr gefragt wird? KEAN: Glaubst du nicht, es sei edelmtiger, durch Lge zu retten, statt mit der Wahrheit zu vernichten? DAISY: Ich glaube, da eine Lge selbst in diesem Falle nicht zum Besten fhren kann. Man lehrte uns im Kloster, da wir nicht gezwungen seien, die Wahrheit zu sagen, da wir aber nie lgen drften. KEAN: Ich werde dein Schler sein. Man mu alles neu anfangen. Nimm die Fhrung. Ich habe zu viel gefhrt, um die Irrtmer nicht zu sehen. Der Rest war Einsamkeit. Ich folge dir, weil ich dich liebe. _ffnet die Tr, ruft_: Leer ... das Zimmer ... das Fenster auf ... DAISY _luft hin, hinein, zurck_: Ahnte ich es? Tot? Meine Schuld. Meine Strafe, weil ich log, ich sei deine Geliebte. Bin ich verflucht? Ich bin doch verflucht. KEAN: Durch das Fenster ... Fa dich. Sie ist entflohen. DAISY: Und unten? KEAN: Wer nicht gefhrt wird -- die Themse. DAISY: Meinen Weg. Sie hat dich mehr geliebt wie mich. KEAN: Das weit du nicht. Das ist unmglich. SZENE VIER KONSTABLE _erscheint, die Uhr in der Hand_: Der Zeiger ist auf Sieben eingetroffen. Sieben-Gro. Das Ehrenwort ist fllig. Die Verhaftung ist gltig seit einer halben Stunde. Eine halbe Stunde spter setzt der Transport ein. Marsch. DAISY: Er ist frei. KONSTABLE: Ich habe keine Benachrichtigung. Hier ist mein Blatt nur gltig, wenn kein anderes auf vorgeschriebenem Weg in meine Hand kommt. Nichts ist widerrufen. Amtlich. Folgen Sie. KEAN: Sehen Sie nicht. Ein Mensch ist verschwunden. Ist in die Themse geraten. Sie sind verrckt. Helfen Sie. KONSTABLE: Ich habe einmal einen Beschlu zu fassen gehabt in meinem Leben. Den habe ich heute entschieden. Eine halbe Stunde Transportaufschub. Respekt vor der Tterei um Sie herum. Respekt vor Serien. Aber glauben Sie, das hlt meinen Beschlu auf? Widersetzen Sie sich nicht. Mein eines Auge weint, wenn ich Sie rauh anfasse, denn ich sah nie einen boxen so schn. Splendid. DAISY: Hier ... das Papier. SALOMON _hereinspringend_: Dann schlag ich dich zusammen. Vielleicht hat mir ein Mord gefehlt, um dieses Leben zu kapieren. KONSTABLE: Ich kenne nur amtliche Papiere. An mich adressiert. Andres existiert nicht. Was das Boxen betrifft, Herr, bin ich nur unparteiisch. Time-keeper. Ich verhafte dich mit. PRINZ VON WALES _erscheint, spricht dauernd, unbeweglich, sehr laut_: Hinaus, Konstable. Du auch. _Salomon und Konstable verschwinden._ Mein Frulein Daisy Miller. Herr Kean. _Er verbeugt sich._ Sie, Herr, erwarten Strafe und Zorn. Meine Einsicht hat keinen Grund, Sie aus dem Gesetz zu reien. Meine Freundschaft bergibt die Dinge einer milderen Prfung. Sie gehen an einen Ort des Gebirgs oder ein Tal der Landschaft, wo in der freieren Luft der Natur sich Ihr Sinn erholt, bis Sie mein Wort zurckruft. Gehen Sie. KEAN: Monseigneur, es ist ein grauenhaftes Geschick ereignet. PRINZ VON WALES: Was kann Ihnen bekannt, mir unbekannt sein? KEAN: Migen Sie Ihre Milde. Halten Sie Ihren Gromut zurck, damit Sie ihn nicht zurckzurufen brauchen. PRINZ VON WALES: Maen Sie sich keine Korrekturen an. So stehen Sie nicht da, selbst wenn ich Sie auf den Boden des Vergessens heraufgestellt habe, da Sie nrgeln drfen an dem, was ich rede und was das Recht in meinen Entschlssen ist. KEAN: So werden Sie hren, da die Dame, deren Namen ich laut nicht zu sagen wage, durch dieses Fenster verschwunden ist. Es fhrt in die Themse. Ich stehe hier in der Bitte und Erwartung, da keine Strafe zu klein sei, auf mich zu fallen. PRINZ VON WALES: Schwrmer. KEAN: Verfgen Sie ber mich. Ich bin zu sehr zerborsten, da nur Strafe mich befriedigen kann. PRINZ VON WALES: Sie lebt. KEAN: Unmglich. PRINZ VON WALES: Sie fhrt im Wagen eben durch die Stadt. KEAN: Wie kann sie das? PRINZ VON WALES: Durch mich. Durch meine Leute. Meinen Befehl. Durch meine Leiter, mein Boot, meine Voraussicht. Meine Hand war um sie, von Anfang an. KEAN: Sie haben mich erlst. Ich beuge mich. Ich habe sehr verloren. Ich erkenne Ihren Sieg an, neidlos. Es ist Zeit, da wir zur Ruhe kommen, um den Anfang gut weiter zu fhren. _Zu Daisy_: Denn ich habe ein Herz entdeckt. PRINZ VON WALES _fast herrisch_: Schauen Sie mir in das Gesicht. Lassen Sie die Pupille nicht von meiner. Dann wissen Sie, Herr, da Sie den bedeutenderen Sieg errungen haben. Da Sie am Beginn einer greren Weisheit stehen. Ich neige mich. Verlassen Sie die Stadt. Man wird Sie als einen anders Gewordenen zurckrufen. Entfernen Sie sich mit Eile aus dem Umkreis. Gehen Sie. Ich wnsche nicht, das Sie etwas hinzufgen. Schlu des fnften Akts. PERSNLICHES ALS NACHWORT Das Schauspiel mein Stck zu nennen, ist vielleicht khn, aber nicht ohne Berechtigung, wenn es nicht noch toller wre und nicht ohne Torheit, es eines von Dumas zu nennen. Dumas ist ein verteufelt armes Luder, weil er tot ist, und ich habe keinen Orgueil an der Frage. Man kann auf ihr wie eine schne Frau auf einem Dagobert die gewagtesten Positionen einnehmen. Ich berlasse die Lsung meinen kleinen Feinden, die mir seine Fehler vorzuwerfen nicht ermatten werden und auch mit Sicherheit bereit sind, meine Vorzge in sein Talent zu jonglieren. Was mich an dem Schmarrn des Franzosen reizte, war das Genialische, das auch im Kitsch noch zuckt als Geste und Kerl und Blut. Ich hatte wahrlich nicht den Ehrgeiz, mich von dem Schmi der Sache zu einer neuen Sache locken zu lassen, da ich ja die Freiheit und Mglichkeit wohl htte, von mir selbst mich zu allen mglichen Stcken reizen zu lassen, und ich hatte keineswegs die Lust, den Franzosen zu schlucken, sondern die Absicht, ihn zu vervollkommnen und diesen verruchtesten und geliebten Reier zu einem neuen Stck von Haltung zu machen. Es ging weniger um die Polierung, eher um das Fundament, und gewi nicht um eine Bearbeitung, sondern bestimmt nur um Theater und um sicher besseres Theater, als in zehn dnnseeligen Geiststcken meiner immer abstrakter vom Blut wegwandernden Generation. Der europische Gascogner hatte sich die Sache leicht gemacht, wute prcher pour sa paroisse und sagte umgekehrt wie die Englischen gern Baumwolle, wenn er Jesus meinte, was Heine nicht in seiner Begeisterung strte, als in der Hauptrolle Frdrik Lematre dem romanischen Sketsch am einunddreiigsten August Achtzehnhundertsechsunddreiig im Thtre des Varits vor den Untertanen einer demokratisierenden Bourgeoisie und vor verprgelten Aristokraten die Weltrichtung gab ... und Dumas damit aus dem Gekrisch literarischer Diebsthle herausri, in das ihn Gardisten seines lchelnden Freundes Victor Hugo gewickelt hatten. Damals wars rassiger Bluff. Heut ist die Innerlichkeitssubstanz Geschwtz und Geplausch. Zwischen die (wundervollen) Trks mu nun Seele hineinschmettern. Es mssen Menschen dahin, wo er Dramatisches suchte und Effekte fand, es darf Wahrheit dort sein, wo er gaunerte und Glissandos machte. Wo er gallisch krhte, mu Schicksal hinein. Denn schlielich handelt es sich darum, da dieses funny animal, dieser tolle Bursche, Kean, nicht aus Unordnung schlampig, sondern aus elementaren Leidenschaften ungesammelt ist. Da es nicht auf das Kostm ankommt, sondern auf dies Exemplar von Menschen, nicht auf die Verwirrungen, sondern auf die Dmonie. Da es von Bedeutung ist, da die Backfische und Mondnen und Kokotten des franzsischen Theaters nicht aus Bleichsucht gtig und aus Hurerei lasziv und aus Neugier abenteuerlich sind, sondern da sie aus Gte konsequent und aus Lebenskenntnis tragisch und aus Enttuschungen berlegen scheinen. Und da schlielich nicht bei sentimentalen Saucen verblieben, sondern wahrhaftig zu festeren Ergebnissen fortgeschritten werden mu. Alles andere ist Unsinn. Das ist der Weg der Operation. Der Weg, der keinen anderen Ehrgeiz der Exkursion kannte als den handwerklichen zum sachlichen Theater in einer theaterlosen Zeit, schob in alle Kurven eine amsante Grenze. Man erblickte stets die Neigung, den alten Faiseur des Genialischen mit einer schonen Brskheit aus dem Wagen zu schmeien, aber man behielt ihn mit Respekt und lchelnd bei. Die Fahrt erhielt eine seltsame Mischung von Gefahr und Grazie, von Respekt und Tragdie, von Fatum und Causerie. Man spiele daher in den Untergrnden, ohne die Eleganz zu verletzen. Man spiele ganz modern, aber zeitlos. Man boxe und morde exakt, mit Kenntnis, aber nicht ohne Verstndnis fr die Not der Herzen. Man spiele schlielich mit voller Aktualitt, aber durch Stilisiertes ins Breitere der Gefhlsvorgnge gedmpft. Momentan, aber nicht salonhaft. Tragisch, aber mit Verschweben. Scharf, rasch, nicht ohne viel Graziles und mit bedeutender Phantasie. Kreuzeckhaus, Februar 1921. KASIMIR EDSCHMID Manuldruck der Spamerschen Buchdruckerei Leipzig Von KASIMIR EDSCHMID erschienen: BEI ERICH REISS BER DEN EXPRESSIONISMUS IN DER LITERATUR UND DIE NEUE DICHTUNG BEI KURT WOLFF DIE SECHS MNDUNGEN NOVELLEN DAS RASENDE LEBEN NOVELLEN TIMUR NOVELLEN BEI PAUL CASSIRER DIE FRSTIN NOVELLEN DIE DOPPELKPFIGE NYMPHE AUFSTZE BER DIE LITERATUR UND DIE GEGENWART DIE ACHATNEN KUGELN ROMAN Anmerkungen zur Transkription Verlagsanzeigen wurden vom Beginn des Buches and das Ende verschoben. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigert. Weitere nderungen sind hier aufgefhrt (vorher/nachher): [S. 21]: ... JNGLING: Hast du ihn nicht gefhrlich eingeheizt? ... ... JNGLING: Hast du ihm nicht gefhrlich eingeheizt? ... [S. 22]: ... ruschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ... ... rutschte Kean seine Stimme in den Magen. Er spie. ... [S. 30]: ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reifen mein Dasein ... ... nicht in sechs Teile auseinander? Seltsame Spe reien mein Dasein ... [S. 32]: ... Ende des zweiten Akts. ... ... Schlu des zweiten Akts. ... End of the Project Gutenberg EBook of Kean, by Kasimir Edschmid License: Share Alike