Produced by Jens Sadowski _Kasimir Edschmid:_ LOLO Mein Mund ist voll von Pfeifen, meine Stirn brennt vor Sonne, mein Zimmer wlzt sich in Licht. Rasend vor Musik ist der Raum. Er ist wie ein groes Tier, das ich liebe um seiner starken Flanken und seiner schmalen Treue . . . O als dein Brief kam, ward Morgen irgendwie in meiner Mdigkeit, mein Bett hob sich um mich wei und glnzend, und es ward ein blitzschneller Spalt in meinem Schlaf, und ich sah deinen Brief und lachte. Und schlief ein in mein Lachen hinein. Ja, es ward Morgen, eine kleine glhende Spanne nach zwei Nchten, die ich nicht schlief. Sieh, ganz ist mein Mund voll Pfeifen. Wie war unser Tag neulich voll Lachen. Das Futter des Briefes ist herausgefallen, ich habe es gepackt, als es in Stufen nach dem Boden schwebte. Im habe es gepackt und zerrieben vor Freude, und dann habe ich es geglttet und gekt und verbrannt. Du . . . unser Tag . . . als wir ber die Brcke gingen. Keines sagte: ich habe dich viele Monate nicht gesehen. Nein. Niemand sagte so. Rte ging rauschend ber den Himmel. Trme und Kuppeln schwammen strahlend und dunkel ber die Glut des Abends. Wind ri die letzte Sonne durch unser Haar. Lolo, wir sprachen. Doch unsere Augen zerrten am Himmel. Dann gingen wir ohne Worte. Und pltzlich blieben wir stehen: Du hast ein grnes Kleid . . . Du hast einen hellen Hut. Staunen fate uns wie Kinder. Wir waren wie auf Inseln eine Begegnung. Du hast ein grnes Kleid . . . O wie war unser Tag voll Gelchter. Das waren die alten Huser am Main, auf die die Sonne noch einmal Strudel von Licht strzte, da sie erbebten. Das waren alte Pappeln und viele Fischernetze. Das waren viele Dinge, ber die wir htten weinen mgen vor Sehnsucht, aber wir standen im Wind und lachten. Wir saen im Dom zwischen armen Leuten und den bsen mittleren Bedrckten, eingekeilt, du, Lolo mit den schnen Hften. Wie strahlte uns die dunkele Ecke von Holz und das Fenster und das rote Licht. Auch hast du gekniet, einmal, es war eine Verzckung, meine Fingerspitzen rauschten vor Seligkeit, ich htte dich tten knnen. Du warst kniglich geworden. Es war mit jedem Schritt, als ob du gro durch eine Wste kmest. Und die Stille um dich war wie das verknirschte Geheul einer betubenden Menagerie. Wie waren deine Schenkel stolz und wild. Immer war es: ich msse ein Wort sagen, platzend von Kraft und berreif vor Sigkeit und lchelnd mit meinen Hnden ber deine Wangen hinunterfahren ber deine Hften bis an die Knie, die ich jubelnd empfinde als eine Freudigkeit. Lolo, wie warst du schn, als dein Zimmer dich umgab und die Spiegel und deine Ringe, ich wei es kaum noch, Sonne rast taumelnd ber meinen Tisch. Du hattest viele kstliche Decken, Batik, wohl erinnere ich mich. Lolo, deine Brust schwebte leuchtend unter der Bluse wie das Elfenbein der Psalmen. Wie war dieser Tag dunkelugig vor Staunen, s von Gelchter. Lolo. Ich habe dich nicht gekt. Aber noch hher ri uns wie dieser Rausch die Stunde in dem groen Saal mit blitzendem Silber, dem Wei, den Lichtern und der Musik von tausend redenden Menschen . . . alles um dich wie ein Wirbel, der dich schmckte, geschart. Als wir einen schnen Fisch zwischen uns teilten und du den burgundischen Wein zwischen dem Rosa deiner Hnde hieltest, der wie Wachs war und l und nach Erde schmeckte, herb und herbstlich. Wir redeten und unsere Silben liefen wie Schlittschuhlufer atemlos ber die Ebene der weien Decke aufeinander zu und trafen sich malos beseelt wie in einem endlosen Raum von Verzckung. Lolo, Traum und Rasen schwellten mich, als wir damals unter Menschen gingen, um allein zu sein. Und vergi nicht den kleinen Jungen, der uns den Weg zeigte, die Fassade des Rmer in der Nacht, und da ich einmal nach deiner Hand haschte. Es war. Es war Ewigkeit. Auch dies. Du hast mir, als wir noch sehr jung waren, du hast mir vor drei Jahren einmal ins Gesicht geschlagen. Wie ist dein Gang nun kniglich. Deine Augen, in denen Gefahr ist und ber denen ein ewiges Losschnellen hngt, sind mit Gte verdunkelt. Wie gro sie sind. Als der Bahnhof mit dir entschwebte, als ich fuhr und deinen Rcken sah, der sich vor mir bewegte, fiel die Finsternis gelschter Laternen wie prallender Regen auf die Halle, die zurcksank. Ich werde dich auch nicht kssen, wenn du morgen kommst. Blumen will ich an dein Bild heften an der Wand. Freude soll dich schwellen, wenn du hereintrittst. Vieles will ich dir schenken, viele Sachen, Spitzen und Bilder und Plastiken. Heute Nacht will ich dein Bild mit Blicken in den Raum werfen ber meinem Haus, da es, von meinen Augen rasend gehoben, gleich einem zuckenden Stern ber den Himmel zischt. Aber ich werde dich nicht kssen. Du . . . mein Blut ist wie ein Bffel auf der Steppe im Frhling nach dir. Ich will es dumpf machen, die Herzklappe schlieen, da sie schrundig anschwillt. Will lcheln und die Zunge in den Hals zurckstoen, da ich ersticke am eigenen Atem, der nach deinem Mund raucht. Fieber wird mich ausbrennen -- ich werde deine Hand halten ruhig und selig wie ein Kind die Schnur seines Drachen, der gro und schn in einem flockigen Abend steht. Werde dem Blut befehlen, nicht weiter zu flieen als die Handgelenke, da die Finger einfach bleiben. Mgen Katarakte in meine Knie strzen. Du wirst nicht sehen, wenn sie zittern. Denn es gibt einen Tag, der bleiben mu, aufgerissen und khn ber jeder Umarmung, die ihn vernichten wrde . . . Gibt einen Tag, der bleiben mu . . . Freude (siehe) stirbt in jeder Umarmung. Unendliche Freude unseres staunenden Lachens am ersten Tage wird darin sterben. Lolo, Seligkeit soll einwachsen in unsere Seele zuerst und sicher, bis sie klar darin schwebt wie eine Kuppel in Kathedralen, wie ein Dolch in einem gerundeten Wappen. Darum Lolo, darum will ich mein Blut niederwerfen, wie Moses die Amalekiter hinschlug, indem er die Hand hochstie, senkrecht in den Himmel. Dies da ist mehr (und ich wei es brennend und strker aus vielen Umarmungen) als eine schwere Nacht mit dir: da ich spter ber alles hinweg, was komme, die reine unendlich groe Luft der Ewigkeit spre, wenn ich an dich denke, wie ich es tat, als ich nach Hause ging und den Brief fand, der dich ansagte . . . und als die Schatten noch unbeknospter Birken in Mond und Dmmerung auf den Asphalten froren . . . wie es steht in mir tnzerisch und steil auf der hochgerissensten Welle: wie du auf der Alten Mainbrche standest, Wasserruch dich umspannte, letzte Sonne, als der Flu, ruhiger verstrmend, dich pltzlich liebte, Horizont aufbrach um dich, gelb und ungeheuer und dich mit wilden Schreien die Mildheit hundert weier Mven umflatterte . . . und dann wie du durch den Laternenabend Frankfurts neben mir gingst in der flieenden Schnheit deines frstlich grnen Kleides, und, die ich dir in einem Wagen am Ufer gekauft habe, die glasgoldenen Kugeln von zwei Apfelsinen in den Hnden strahlend wie deine eigenen Brste ber die Kaiserstrae trugst. Anmerkung zur Transkription Quelle: Die weien Bltter, Verlag der weien Bcher, Leipzig, 1915, pp. 1259-1262. End of the Project Gutenberg EBook of Lolo, by Kasimir Edschmid License: Share Alike