Produced by Norbert H. Langkau, G. Decknatel and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Anmerkungen zur Transkription: Schreibweise und Interpunktion wurden bis auf wenige Druckfehler beibehalten. Eine Liste der vorgenommenen nderungen findet sich am Ende des Textes. Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert. Das Inhaltsverzeichnis wurde an den Anfang verschoben. * * * * * Reden an die deutsche Nation Von Johann Gottlieb Fichte Verlag von Philipp Reclam jun. Leipzig Druck von Philipp Reclam jun. Leipzig Inhalt. Seite Erste Rede: Vorerinnerungen und Uebersicht des Ganzen 3 Zweite Rede: Vom Wesen der neuen Erziehung im allgemeinen 20 Dritte Rede: Fortsetzung der Schilderung der neuen Erziehung 37 Vierte Rede: Hauptverschiedenheit zwischen den deutschen und den brigen Vlkern germanischer Abkunft 54 Fnfte Rede: Folgen aus der aufgestellten Verschiedenheit 72 Sechste Rede: Darlegung der deutschen Grundzge in der Geschichte 89 Siebente Rede: Noch tiefere Erfassung der Ursprnglichkeit und Deutschheit eines Volkes 104 Achte Rede: Was ein Volk sei, in der hhern Bedeutung des Worts, und was Vaterlandsliebe 124 Neunte Rede: An welchen in der Wirklichkeit vorhandenen Punkt die neue Nationalerziehung der Deutschen anzuknpfen sei 144 Zehnte Rede: Zur nhern Bestimmung der deutschen Nationalerziehung 160 Elfte Rede: Wem die Ausfhrung dieses Erziehungsplanes anheimfallen werde 178 Zwlfte Rede: Ueber die Mittel, uns bis zur Erreichung unsers Hauptzwecks aufrecht zu erhalten 196 Dreizehnte Rede: Fortsetzung der angefangenen Betrachtung 212 Vierzehnte Rede: Beschlu des Ganzen 234 Erste Rede. Vorerinnerungen und Uebersicht des Ganzen. Als eine Fortsetzung der Vorlesungen, die ich im Winter vor drei Jahren allhier an derselben Sttte gehalten, und welche unter dem Titel: Grundzge des gegenwrtigen Zeitalters gedruckt sind, habe ich die Reden,[1] die ich hiermit beginne, angekndigt. Ich hatte in jenen Vorlesungen gezeigt, da unsre Zeit in dem dritten Hauptabschnitte der gesamten Weltzeit stehe, welcher Abschnitt den bloen sinnlichen Eigennutz zum Antriebe aller seiner lebendigen Regungen und Bewegungen habe; da diese Zeit in der einzigen Mglichkeit des genannten Antriebes sich selbst auch vollkommen verstehe und begreife; und da sie durch diese klare Einsicht ihres Wesens in diesem ihren lebendigen Wesen, tief begrndet und unerschtterlich befestigt werde. [1] Diese Reden sind im Jahre 1808 zum erstenmal im Druck erschienen. Mit uns gehet, mehr als mit irgendeinem Zeitalter, seitdem es eine Weltgeschichte gab, die Zeit Riesenschritte. Innerhalb der drei Jahre, welche seit dieser meiner Deutung des laufenden Zeitabschnittes verflossen sind, ist irgendwo dieser Abschnitt vollkommen abgelaufen und beschlossen. Irgendwo hat die Selbstsucht durch ihre vollstndige Entwicklung sich selbst vernichtet, indem sie darber ihr Selbst, und dessen Selbstndigkeit, verloren; und ihr, da sie gutwillig keinen andern Zweck, denn sich selbst, sich setzen wollte, durch uerliche Gewalt ein solcher andrer und fremder Zweck aufgedrungen worden. Wer es einmal unternommen hat, seine Zeit zu deuten, der mu mit seiner Deutung auch ihren Fortgang begleiten, falls sie einen solchen Fortgang gewinnt; und so wird es mir denn zur Pflicht, vor demselben Publikum, vor welchem ich etwas als Gegenwart bezeichnete, dasselbe als vergangen anzuerkennen, nachdem es aufgehrt hat, die Gegenwart zu sein. Was seine Selbstndigkeit verloren hat, hat zugleich verloren das Vermgen einzugreifen in den Zeitflu, und den Inhalt desselben frei zu bestimmen; es wird ihm, wenn es in diesem Zustande verharret, seine Zeit, und es selber mit dieser seiner Zeit, abgewickelt durch die fremde Gewalt, die ber sein Schicksal gebietet; es hat von nun an gar keine eigne Zeit mehr, sondern zhlt seine Jahre nach den Begebenheiten und Abschnitten fremder Vlkerschaften und Reiche. Es knnte sich erheben aus diesem Zustande, in welchem die ganze bisherige Welt seinem selbstttigen Eingreifen entrckt ist, und in dieser ihm nur der Ruhm des Gehorchens brigbleibt, lediglich unter der Bedingung, da ihm eine neue Welt aufginge, mit deren Erschaffung es einen neuen und ihm eignen Abschnitt in der Zeit begnne, und mit ihrer Fortbildung ihn ausfllte; doch mte, da es einmal unterworfen ist fremder Gewalt, diese neue Welt also beschaffen sein, da sie unvernommen bliebe jener Gewalt, und ihre Eifersucht auf keine Weise erregte, ja, da diese durch ihren eignen Vorteil bewegt wrde, der Gestaltung einer solchen kein Hindernis in den Weg zu legen. Falls es nun eine also beschaffene Welt als Erzeugungsmittel eines neuen Selbst und einer neuen Zeit, geben sollte, fr ein Geschlecht, da sein bisheriges Selbst und seine bisherige Zeit und Welt verloren hat, so kme es einer allseitigen Deutung selbst der mglichen Zeit zu, diese also beschaffene Welt anzugeben. Nun halte ich meines Orts dafr, da es eine solche Welt gebe, und es ist der Zweck dieser Reden, Ihnen das Dasein und den wahren Eigentmer derselben nachzuweisen, ein lebendiges Bild derselben vor ihre Augen zu bringen, und die Mittel ihrer Erzeugung anzugeben. In dieser Weise demnach werden diese Reden eine Fortsetzung der ehemals gehaltenen Vorlesungen ber die damals gegenwrtige Zeit sein, indem sie enthllen werden das neue Zeitalter, das der Zerstrung des Reichs der Selbstsucht durch fremde Gewalt unmittelbar folgen kann und soll. Bevor ich jedoch dieses Geschft beginne, mu ich Sie ersuchen vorauszusetzen, also da es Ihnen niemals entfalle, und einverstanden zu sein mit mir, wo und inwiefern dies ntig ist, ber die folgenden Punkte: 1. Ich rede fr Deutsche schlechtweg, von Deutschen schlechtweg, nicht anerkennend, sondern durchaus beiseite setzend und wegwerfend alle die trennenden Unterscheidungen, welche unselige Ereignisse seit Jahrhunderten in der einen Nation gemacht haben. Sie, E. V., sind zwar meinem leiblichen Auge die ersten und unmittelbaren Stellvertreter, welche die geliebten Nationalzge mir vergegenwrtigen, und der sichtbare Brennpunkt, in welchem die Flamme meiner Rede sich entzndet; aber mein Geist versammelt den gebildeten Teil der ganzen deutschen Nation, aus allen den Lndern, ber welche er verbreitet ist, um sich her, bedenkt und beachtet unser aller gemeinsame Lage und Verhltnisse, und wnscht, da ein Teil der lebendigen Kraft, mit welcher diese Reden vielleicht Sie ergreifen, auch in dem stummen Abdrucke, welcher allein unter die Augen der Abwesenden kommen wird, verbleibe, und aus ihm atme, und an allen Orten deutsche Gemter zu Entschlu und Tat entznde. Blo von Deutschen und fr Deutsche schlechtweg, sagte ich. Wir werden zu seiner Zeit zeigen, da jedwede andre Einheitsbezeichnung oder Nationalband entweder niemals Wahrheit und Bedeutung hatte, oder, falls es sie gehabt htte, da diese Vereinigungspunkte durch unsre dermalige Lage vernichtet, und uns entrissen sind, und niemals wiederkehren knnen; und da es lediglich der gemeinsame Grundzug der Deutschheit ist, wodurch wir den Untergang unsrer Nation im Zusammenflieen derselben mit dem Auslande, abwehren, und worin wir ein auf ihm selber ruhendes, und aller Abhngigkeit durchaus unfhiges Selbst, wiederum gewinnen knnen. Es wird, sowie wir dieses letztere einsehen werden, zugleich der scheinbare Widerspruch dieser Behauptung mit anderweitigen Pflichten, und fr heilig gehaltenen Angelegenheiten, den vielleicht dermalen mancher frchtet, vollkommen verschwinden. Ich werde darum, da ich ja nur von Deutschen berhaupt rede, manches, das von den allhier Versammelten nicht zunchst gilt, aussprechen, als dennoch von uns geltend, so wie ich andres, das zunchst nur von uns gilt, aussprechen werde, als fr alle Deutsche geltend. Ich erblicke in dem Geiste, dessen Ausflu diese Reden sind, die durcheinander verwachsene Einheit, in der kein Glied irgendeines andern Gliedes Schicksal, fr ein ihm fremdes Schicksal hlt, die da entstehen soll und mu, wenn wir nicht ganz zugrunde gehen sollen -- ich erblicke diese Einheit schon als entstanden, vollendet, und gegenwrtig dastehend. 2. Ich setze voraus solche deutsche Zuhrer, welche nicht etwa mit allem was sie sind, rein aufgehen in dem Gefhle des Schmerzes ber den erlittenen Verlust, und in diesem Schmerze sich wohlgefallen, und an ihrer Untrstlichkeit sich weiden, und durch dieses Gefhl sich abzufinden gedenken mit der an sie ergehenden Anforderung zur Tat; sondern solche, die selbst ber diesen gerechten Schmerz zu klarer Besonnenheit und Betrachtung sich schon erhoben haben, oder wenigstens fhig sind, sich dazu zu erheben. Ich kenne jenen Schmerz, ich habe ihn gefhlt wie einer, ich ehre ihn; die Dumpfheit, welche zufrieden ist, wenn sie Speise und Trank findet, und kein krperlicher Schmerz ihr zugefgt wird, und fr welche Ehre, Freiheit, Selbstndigkeit leere Namen sind, ist seiner unfhig: aber auch er ist lediglich dazu da, um zu Besinnung, Entschlu und Tat uns anzuspornen; dieses Endzwecks verfehlend, beraubt er uns der Besinnung, und aller uns noch briggebliebenen Krfte, und vollendet so unser Elend, indem er noch berdies, als Zeugnis von unsrer Trgheit und Feigheit, den sichtbaren Beweis gibt, da wir unser Elend verdienen. Keineswegs aber gedenke ich Sie zu erheben ber diesen Schmerz, durch Vertrstungen auf eine Hilfe, die von auen her kommen solle, und durch Verweisungen auf allerlei mgliche Ereignisse, und Vernderungen, die etwa die Zeit herbeifhren knne; denn, falls auch nicht diese Denkart, die lieber in der wankenden Welt der Mglichkeiten schweift, als auf das Notwendige sich heften mag, und die ihre Rettung lieber dem blinden Ohngefhr, als sich selber, verdanken will, schon an sich von dem strflichsten Leichtsinne, und der tiefsten Verachtung seiner selbst zeugte, so wie sie es tut, so haben auch noch berdies alle Vertrstungen und Verweisungen dieser Art durchaus keine Anwendung auf unsre Lage. Es lt sich der strenge Beweis fhren, und wir werden ihn zu seiner Zeit fhren, da kein Mensch, und kein Gott, und keines von allen im Gebiete der Mglichkeit liegenden Ereignissen uns helfen kann, sondern da allein wir selber uns helfen mssen, falls uns geholfen werden soll. Vielmehr werde ich Sie zu erheben suchen ber den Schmerz, durch klare Einsicht in unsre Lage, in unsre noch briggebliebene Kraft, in die Mittel unsrer Rettung. Ich werde darum allerdings einen gewissen Grad der Besinnung, eine gewisse Selbstttigkeit, und einige Aufopferung anmuten, und rechne darum auf Zuhrer, denen sich soviel anmuten lt. Uebrigens sind die Gegenstnde dieser Anmutung insgesamt leicht, und setzen kein greres Ma von Kraft voraus, als man, wie ich glaube, unserm Zeitalter zutrauen kann; was aber die Gefahr betrifft, so ist dabei durchaus keine. 3. Indem ich eine klare Einsicht der Deutschen, als solcher, in ihre gegenwrtige Lage hervorzubringen gedenke: setze ich voraus Zuhrer, die da geneigt sind, mit eignen Augen die Dinge dieser Art zu sehen, keineswegs aber solche, die es bequemer finden, ein fremdes und auslndisches Sehwerkzeug, das entweder absichtlich auf Tuschung berechnet ist, oder das auch natrlich, durch seinen andern Standpunkt, und durch das geringere Ma von Schrfe, niemals auf ein deutsches Auge pat, bei Betrachtung dieser Gegenstnde sich unterschieben zu lassen. Ferner setze ich voraus, da diese Zuhrer in dieser Betrachtung mit eignen Augen den Mut haben, redlich hinzusehen auf das, was da ist, und redlich sich zu gestehen, was sie sehen, und da sie jene hufig sich zeigende Neigung, ber die eignen Angelegenheiten sich zu tuschen, und ein weniger unerfreuliches Bild von denselben, als mit der Wahrheit bestehen kann, sich vorzuhalten, entweder schon besiegt haben, oder doch fhig sind, sie zu besiegen. Jene Neigung ist ein feiges Entfliehen vor seinen eignen Gedanken, und kindischer Sinn, der da zu glauben scheint, wenn er nur nicht sehe sein Elend, oder wenigstens sich nicht gestehe, da er es sehe, so werde dieses Elend dadurch auch in der Wirklichkeit aufgehoben, wie es aufgehoben ist in seinem Denken. Dagegen ist es mannhafte Khnheit, das Uebel fest ins Auge zu fassen, es zu ntigen standzuhalten, es ruhig, kalt und frei zu durchdringen, und es aufzulsen in seine Bestandteile. Auch wird man nur durch diese klare Einsicht des Uebels Meister, und geht in der Bekmpfung desselben einher mit sicherem Schritte, indem man, in jedem Teile das Ganze bersehend, immer wei, wo man sich befinde, und durch die einmal erlangte Klarheit seiner Sache gewi ist, dagegen der andre, ohne festen Leitfaden, und ohne sichere Gewiheit blind und trumend herumtappt. Warum sollten wir denn auch uns scheuen vor dieser Klarheit? Das Uebel wird durch die Unbekanntschaft damit nicht kleiner, noch durch die Erkenntnis grer; es wird nur heilbar durch die letztere; die Schuld aber soll hier gar nicht vorgerckt werden. Zchtige man durch bittere Strafrede, durch beienden Spott, durch schneidende Verachtung die Trgheit und die Selbstsucht, und reize sie, wenn auch zu nichts Besserem, doch wenigstens zum Hasse und zur Erbitterung gegen den Erinnerer selbst, als doch auch einer krftigen Regung, an -- solange die notwendige Folge, das Uebel, noch nicht vollendet ist, und von der Besserung noch Rettung oder Milderung sich erwarten lt. Nachdem aber dieses Uebel also vollendet ist, da es uns auch die Mglichkeit auf diese Weise fortzusndigen benimmt, wird es zwecklos, und sieht aus wie Schadenfreude, gegen die nicht mehr zu begehende Snde noch ferner zu schelten; und die Betrachtung fllt sodann aus dem Gebiete der Sittenlehre in das der Geschichte, fr welche die Freiheit vorber ist, und die das Geschehene als notwendigen Erfolg aus dem Vorhergegangenen ansieht. Es bleibt fr unsre Reden keine andre Ansicht der Gegenwart brig, als diese letzte, und wir werden darum niemals eine andre nehmen. Diese Denkart also, da man sich als Deutschen schlechtweg denke, da man nicht gefesselt sei durch den Schmerz, da man die Wahrheit sehen wolle, und den Mut habe ihr ins Auge zu blicken, setze ich voraus, und rechne auf sie bei jedem Worte, das ich sagen werde, und so jemand eine andre in diese Versammlung mitbrchte, so wrde derselbe die unangenehmen Empfindungen, die ihm hier gemacht werden knnten, lediglich sich selbst zuzuschreiben haben. Dies sei hiermit gesagt fr immer, und abgetan: und ich gehe nun an das andre Geschft, Ihnen den Grundinhalt aller folgenden Reden in einer allgemeinen Uebersicht vorzulegen. Irgendwo, sagte ich im Eingange meiner Rede, habe die Selbstsucht durch ihre vollstndige Entwicklung sich selbst vernichtet, indem sie darber ihr Selbst, und das Vermgen, sich selbstndig ihre Zwecke zu setzen, verloren habe. Diese nunmehr erfolgte Vernichtung der Selbstsucht war der von mir angegebene Fortgang der Zeit, und das durchaus neue Ereignis in derselben, das nach mir eine Fortsetzung meiner ehemaligen Schilderung der Zeit so mglich wie notwendig machte; diese Vernichtung wre somit unsre eigentliche Gegenwart, an welche unser neues Leben in einer neuen Welt, deren Dasein ich gleichfalls behauptete, unmittelbar angeknpft werden mte, sie wre daher auch der eigentliche Ausgangspunkt meiner Reden; und ich htte vor allen Dingen zu zeigen, wie und warum eine solche Vernichtung der Selbstsucht aus ihrer hchsten Entwicklung notwendig erfolge. Bis zu ihrem hchsten Grade entwickelt ist die Selbstsucht, wenn, nachdem sie erst mit unbedeutender Ausnahme die Gesamtheit der Regierten ergriffen, sie von diesen aus sich auch der Regierenden bemchtigt, und deren alleiniger Lebenstrieb wird. Es entsteht einer solchen Regierung zufrderst nach auen die Vernachlssigung aller Bande, durch welche ihre eigne Sicherheit an die Sicherheit andrer Staaten geknpft ist, das Aufgeben des Ganzen, dessen Glied sie ist, lediglich darum, damit sie nicht aus ihrer trgen Ruhe aufgestrt werde, und die traurige Tuschung der Selbstsucht, da sie Frieden habe, solange nur die eignen Grenzen nicht angegriffen sind; sodann nach innen jene weichliche Fhrung der Zgel des Staats, die mit auslndischen Worten sich Humanitt, Liberalitt und Popularitt nennt, die aber richtiger in deutscher Sprache Schlaffheit und ein Betragen ohne Wrde zu nennen ist. Wenn sie auch der Regierenden sich bemchtigt, habe ich gesagt. Ein Volk kann durchaus verdorben sein, d. i. selbstschtig, denn die Selbstsucht ist die Wurzel aller andern Verderbtheit -- und dennoch dabei nicht nur bestehen, sondern sogar uerlich glnzende Taten verrichten, wenn nur nicht seine Regierung eben also verdirbt; ja die letztere sogar kann auch nach auen treulos und pflicht- und ehrvergessen handeln, wenn sie nur nach innen den Mut hat, die Zgel des Regiments mit straffer Hand anzuhalten, und die grere Furcht fr sich zu gewinnen. Wo aber alles eben genannte sich vereinigt, da geht das gemeine Wesen bei dem ersten ernstlichen Angriffe, der auf dasselbe geschieht, zugrunde, und so, wie es selbst erst treulos sich ablste von dem Krper, dessen Glied es war, so lsen jetzt seine Glieder, die keine Furcht vor ihm hlt, und die die grere Furcht vor dem Fremden treibt, mit derselben Treulosigkeit sich ab von ihm, und gehen hin, ein jeder in das Seine. Hier ergreift die nun vereinzelt stehenden abermals die grere Furcht, und sie geben in reichlicher Spende, und mit erzwungen frhlichem Gesichte dem Feinde, was sie krglich und uerst unwillig dem Verteidiger des Vaterlandes geben; bis spterhin auch die von allen Seiten verlassenen und verratenen Regierenden gentigt werden, durch Unterwerfung und Folgsamkeit gegen fremde Plne ihre Fortdauer zu erkaufen; und so nun auch diejenigen, die im Kampfe fr das Vaterland die Waffen wegwarfen, unter fremden Panieren lernen, dieselben gegen das Vaterland tapfer zu fhren. So geschieht es, da die Selbstsucht durch ihre hchste Entwicklung vernichtet, und denen, die gutwillig keinen andern Zweck, denn sich selbst, sich setzen wollten, durch fremde Gewalt ein solcher andrer Zweck aufgedrungen wird. Keine Nation, die in diesen Zustand der Abhngigkeit herabgesunken, kann durch die gewhnlichen und bisher gebrauchten Mittel sich aus demselben erheben. War ihr Widerstand fruchtlos, als sie noch im Besitze aller ihrer Krfte war, was kann derselbe sodann fruchten, nachdem sie des grten Teils derselben beraubt ist? Was vorher htte helfen knnen, nmlich wenn die Regierung derselben die Zgel krftig und straff angehalten htte, ist nun nicht mehr anwendbar, nachdem diese Zgel nur noch zum Scheine in ihrer Hand ruhen, und diese ihre Hand selbst durch eine fremde Hand gelenkt und geleitet wird. Auf sich selbst kann eine solche Nation nicht lnger rechnen; und ebensowenig sie auf den Sieger rechnen. Dieser mte ebenso unbesonnen, und ebenso feige und verzagt sein, als jene Nation selbst erst war, wenn er die errungenen Vorteile nicht festhielte, und sie nicht auf alle Weise verfolgte. Oder wenn er einst im Verlauf der Zeiten doch so unbesonnen und feige wrde, so wrde er zwar ebenso zugrunde gehen, wie wir, aber nicht zu unserm Vorteile, sondern er wrde die Beute eines neuen Siegers und wir wrden die sich von selbst verstehende, wenig bedeutende Zugabe zu dieser Beute. Sollte eine so gesunkene Nation dennoch sich retten knnen, so mte dies durch ein ganz neues, bisher noch niemals gebrauchtes Mittel, vermittelst der Erschaffung einer ganz neuen Ordnung der Dinge, geschehen. Lassen Sie uns also sehen, welches in der bisherigen Ordnung der Dinge der Grund war, warum es mit dieser Ordnung irgend einmal notwendig ein Ende nehmen mute, damit wir an dem Gegenteile dieses Grundes des Untergangs das neue Glied finden, welches in die Zeit eingefgt werden mte, damit an ihm die gesunkene Nation sich aufrichte zu einem neuen Leben. Man wird in Erforschung jenes Grundes finden, da in allen bisherigen Verfassungen die Teilnahme am Ganzen geknpft war an die Teilnahme des Einzelnen an sich selbst, vermittelst solcher Bande, die irgendwo so gnzlich zerrissen, da es gar keine Teilnahme fr das Ganze mehr gab -- durch die Bande der Furcht und Hoffnung fr die Angelegenheiten des Einzelnen aus dem Schicksale des Ganzen, in einem knftigen, und in dem gegenwrtigen Leben. Aufklrung des nur sinnlich berechnenden Verstandes war die Kraft, welche die Verbindung eines knftigen Lebens mit dem gegenwrtigen durch Religion aufhob, zugleich auch andre Ergnzungs- und stellvertretende Mittel der sittlichen Denkart, als da sind Liebe zum Ruhm, und Nationalehre, als tuschende Trugbilder begriff; die Schwche der Regierungen war es, welche die Furcht fr die Angelegenheiten des einzelnen aus seinem Betragen gegen das Ganze, selbst fr das gegenwrtige Leben, durch hufige Straflosigkeit der Pflichtvergessenheit aufhob, und ebenso auch die Hoffnung unwirksam machte, indem sie dieselbe gar oft, ohne alle Rcksicht auf Verdienste um das Ganze, nach ganz andern Regeln und Bewegungsgrnden, befriedigte. Bande solcher Art waren es, die irgendwo gnzlich zerrissen, und durch deren Zerreiung das gemeine Wesen sich auflste. Immerhin mag von nun an der Sieger das, was allein auch er kann, emsiglich tun, nmlich den letzten Teil des Bindungsmittels, die Furcht und Hoffnung fr das gegenwrtige Leben, wiederum anknpfen und verstrken; damit ist nur ihm geholfen, keineswegs aber uns, denn so gewi er seinen Vorteil versteht, knpft er an dieses erneute Band zu allererst nur seine Angelegenheit, die unsrige aber nur insoweit, inwiefern die Erhaltung unsrer, als Mittel fr seine Zwecke, ihm selbst zur Angelegenheit wird. Fr eine so verfallene Nation ist von nun an Furcht und Hoffnung vllig aufgehoben, indem deren Leitung ihrer Hand entfallen ist, und sie zwar selber zu frchten hat und zu hoffen, vor ihr aber von nun an kein Mensch sich weiter frchtet, oder von ihr etwas hofft; und es bleibt ihr nichts brig, als ein ganz andres und neues, ber Furcht und Hoffnung erhabenes Bindungsmittel zu finden, um die Angelegenheiten ihrer Gesamtheit an die Teilnahme eines jeden aus ihr fr sich selber anzuknpfen. Ueber den sinnlichen Antrieb der Furcht oder Hoffnung hinaus, und zunchst an ihn angrenzend, liegt der geistige Antrieb der sittlichen Billigung oder Mibilligung, und der hhere Affekt des Wohlgefallens oder Mifallens an unserm und andrer Zustnde. So wie das an Reinlichkeit und Ordnung gewhnte uere Auge durch einen Flecken, der ja unmittelbar dem Leibe keinen Schmerz zufgt, oder durch den Anblick verworren durcheinander liegender Gegenstnde dennoch gepeinigt und gengstigt wird, wie vom unmittelbaren Schmerze, indes der des Schmutzes und der Unordnung Gewohnte sich in demselben recht wohl befindet: eben also kann auch das innere geistige Auge des Menschen so gewhnt und gebildet werden, da der bloe Anblick eines verworrenen und unordentlichen, eines unwrdigen und ehrlosen Daseins seiner selbst und seines verbrderten Stammes, ohne Rcksicht auf das, was davon fr sein sinnliches Wohlsein zu frchten oder zu hoffen sei, ihm innig wehe tue, und da dieser Schmerz dem Besitzer eines solchen Auges, abermals ganz unabhngig von sinnlicher Furcht oder Hoffnung, keine Ruhe lasse, bis er, soviel an ihm ist, den ihm miflligen Zustand aufgehoben, und den, der ihm allein gefallen kann, an seine Stelle gesetzt habe. Im Besitzer eines solchen Auges ist die Angelegenheit des ihn umgebenden Ganzen, durch das treibende Gefhl der Billigung oder Mibilligung, an die Angelegenheit seines eignen erweiterten Selbst, das nur als Teil des Ganzen sich fhlt, und nur im geflligen Ganzen sich ertragen kann, unabtrennbar angeknpft; die Sichbildung zu einem solchen Auge wre somit ein sicheres und das einzige Mittel, das einer Nation, die ihre Selbstndigkeit, und mit ihr allen Einflu auf die ffentliche Furcht und Hoffnung verloren hat, brigbliebe, um aus der erduldeten Vernichtung sich wieder ins Dasein zu erheben, und dem entstandenen neuen und hheren Gefhle ihre Nationalangelegenheiten, die seit ihrem Untergange kein Mensch und kein Gott weiter bedenkt, sicher anzuvertrauen. So ergibt sich denn also, da das Rettungsmittel, dessen Anzeige ich versprochen, bestehe in der Bildung zu einem durchaus neuen, und bisher vielleicht als Ausnahme bei einzelnen, niemals aber als allgemeines und nationales Selbst, dagewesenen Selbst, und in der Erziehung der Nation, deren bisheriges Leben erloschen, und Zugabe eines fremden Lebens geworden, zu einem ganz neuen Leben, das entweder ihr ausschlieendes Besitztum bleibt, oder, falls es auch von ihr aus an andre kommen sollte, ganz und unverringert bleibt bei unendlicher Teilung; mit einem Worte, eine gnzliche Vernderung des bisherigen Erziehungswesens ist es, was ich, als das einzige Mittel die deutsche Nation im Dasein zu erhalten, in Vorschlag bringe. Da man den Kindern eine gute Erziehung geben msse, ist auch in unserm Zeitalter oft genug gesagt, und bis zum Ueberdrusse wiederholt worden, und es wre ein Geringes, wenn auch wir unsres Ortes dies gleichfalls einmal sagen wollten. Vielmehr wird uns, so wir ein andres zu vermgen glauben, obliegen, genau und bestimmt zu untersuchen, was eigentlich der bisherigen Erziehung gefehlt habe, und anzugeben, welches durchaus neue Glied die vernderte Erziehung der bisherigen Menschenbildung hinzufgen msse. Man mu, nach einer solchen Untersuchung, der bisherigen Erziehung zugestehen, da sie nicht ermangelt, irgendein Bild von religiser, sittlicher, gesetzlicher Denkart, und von allerhand Ordnung und guter Sitte vor das Auge ihrer Zglinge zu bringen, auch da sie hier und da dieselben getreulich ermahnt habe, jenen Bildern in ihrem Leben einen Abdruck zu geben; aber mit hchst seltenen Ausnahmen, die somit nicht durch diese Erziehung begrndet waren, indem sie sodann an allen durch diese Bildung hindurchgegangenen, und als die Regel, htten eintreten mssen, sondern die durch andre Ursachen herbeigefhrt worden -- mit diesen hchstseltenen Ausnahmen, sage ich, sind die Zglinge dieser Erziehung insgesamt nicht jenen sittlichen Vorstellungen und Ermahnungen, sondern sie sind den Antrieben ihrer, ihnen natrlich, und ohne alle Beihilfe der Erziehungskunst, erwachsenden Selbstsucht, gefolgt; zum unwidersprechlichen Beweise, da diese Erziehungskunst zwar wohl das Gedchtnis mit einigen Worten und Redensarten, und die kalte und teilnehmungslose Phantasie mit einigen matten und blassen Bildern anzufllen vermocht, da es ihr aber niemals gelungen, ihr Gemlde einer sittlichen Weltordnung bis zu der Lebhaftigkeit zu steigern, da ihr Zgling von der heien Liebe und Sehnsucht dafr, und von dem glhenden Affekte, der zur Darstellung im Leben treibt, und vor welchem die Selbstsucht abfllt wie welkes Laub, ergriffen worden; da somit diese Erziehung weit davon entfernt gewesen sei, bis zur Wurzel der wirklichen Lebensregung und Bewegung durchzugreifen, und diese zu bilden, indem diese vielmehr, unbeachtet von der blinden und ohnmchtigen, allenthalben wild aufgewachsen sei, wie sie gekonnt habe, zu guter Frucht bei wenigen durch Gott begeisterten, zu schlechter bei der groen Mehrzahl. Auch ist es dermalen vollkommen hinlnglich, diese Erziehung durch diesen ihren Erfolg zu zeichnen, und kann man fr unsern Behuf sich des mhsamen Geschfts berheben, die innern Sfte und Adern eines Baumes zu zergliedern, dessen Frucht dermalen vollstndig reif ist, und abgefallen, und vor aller Welt Augen liegt, und hchst deutlich und verstndlich ausspricht die innere Natur ihres Erzeugers. Der Strenge nach wre dieser Ansicht zufolge, die bisherige Erziehung auf keine Weise die Kunst der Bildung zum Menschen gewesen, wie sie sich denn dessen auch eben nicht gerhmt, sondern gar oft ihre Ohnmacht, durch die Forderung, ihr ein natrliches Talent, oder Genie, als Bedingung ihres Erfolgs voraus zu geben, freimtig gestanden; sondern es wre eine solche Kunst erst zu erfinden, und die Erfindung derselben wre die eigentliche Aufgabe der neuen Erziehung. Das ermangelnde Durchgreifen bis in die Wurzel der Lebensregung und -bewegung htte diese neue Erziehung der bisherigen hinzuzufgen, und wie die bisherige hchstens etwas am Menschen, so htte diese den Menschen selbst zu bilden, und ihre Bildung keineswegs, wie bisher, zu einem Besitztume, sondern vielmehr zu einem persnlichen Bestandteile des Zglings zu machen. Ferner wurde bisher diese also beschrnkte Bildung nur an die sehr geringe Minderzahl der ebendaher gebildet genannten Stnde gebracht, die groe Mehrzahl aber, auf welcher das gemeine Wesen recht eigentlich ruht, das Volk, wurde von der Erziehungskunst fast ganz vernachlssigt, und dem blinden Ohngefhr bergeben. Wir wollen durch die neue Erziehung die Deutschen zu einer Gesamtheit bilden, die in allen ihren einzelnen Gliedern getrieben und belebt sei durch dieselbe eine Angelegenheit; so wir aber etwa hierbei abermals einen gebildeten Stand, der etwa durch den neu entwickelten Antrieb der sittlichen Billigung belebt wrde, absondern wollten von einem ungebildeten, so wrde dieser letzte, da Hoffnung und Furcht, durch welche allein noch auf ihn gewirkt werden knnte, nicht mehr fr uns, sondern gegen uns dienen, von uns abfallen, und uns verloren gehen. Es bleibt sonach uns nichts brig, als schlechthin an alles ohne Ausnahme, was deutsch ist, die neue Bildung zu bringen, so da dieselbe nicht Bildung eines besondern Standes, sondern da sie Bildung der Nation schlechthin als solcher, und ohne alle Ausnahme einzelner Glieder derselben, werde, in welcher, in der Bildung zum innigen Wohlgefallen am Rechten nmlich, aller Unterschied der Stnde, der in andern Zweigen der Entwicklung auch fernerhin stattfinden mag, vllig aufgehoben sei, und verschwinde; und da auf diese Weise unter uns keineswegs Volkserziehung, sondern eigentmliche deutsche Nationalerziehung entstehe. Ich werde Ihnen dartun, da eine solche Erziehungskunst, wie wir sie begehren, wirklich schon erfunden ist und ausgebt wird, so da wir nichts mehr zu tun haben, als das sich uns Darbietende anzunehmen, welches, so wie ich dies oben von dem vorzuschlagenden Rettungsmittel versprach, ohne Zweifel kein greres Ma von Kraft erfordert, als man bei unserm Zeitalter billig voraussetzen kann. Ich fgte diesem Versprechen noch ein andres bei, da nmlich, was die Gefahr anbelange, bei unserm Vorschlage durchaus keine sei, indem es der eigne Vorteil der ber uns gebietenden Gewalt erfordere, die Ausfhrung jenes Vorschlags eher zu befrdern, als zu hindern. Ich finde zweckmig, sogleich in dieser ersten Rede ber diesen Punkt mich deutlich auszusprechen. Zwar sind so in alter wie in neuer Zeit gar hufig die Knste der Verfhrung und der sittlichen Herabwrdigung der Unterworfenen, als ein Mittel der Herrschaft mit Erfolg gebraucht worden; man hat durch lgenhafte Erdichtungen, und durch knstliche Verwirrung der Begriffe und der Sprache, die Frsten vor den Vlkern, und diese vor jenen verleumdet, um die entzweiten sicherer zu beherrschen, man hat alle Antriebe der Eitelkeit und des Eigennutzes listig aufgereizt und entwickelt, um die Unterworfenen verchtlich zu machen, und so mit einer Art von gutem Gewissen sie zu zertreten: aber man wrde einen sicher zum Verderben fhrenden Irrtum begehen, wenn man mit uns Deutschen diesen Weg einschlagen wollte. Das Band der Furcht und der Hoffnung abgerechnet, beruht der Zusammenhang desjenigen Teils des Auslandes, mit dem wir dermalen in Berhrung kommen, auf den Antrieben der Ehre und des Nationalruhms; aber die deutsche Klarheit hat vorlngst bis zur unerschtterlichen Ueberzeugung eingesehen, da dieses leere Trugbilder sind, und da keine Wunde und keine Verstmmelung des Einzelnen durch den Ruhm der ganzen Nation geheilt wird; und wir drften wohl, so nicht eine hhere Ansicht des Lebens an uns gebracht wird, gefhrliche Prediger dieser sehr begreiflichen und manchen Reiz bei sich fhrenden Lehre werden. Ohne darum noch neues Verderben an uns zu nehmen, sind wir schon in unsrer natrlichen Beschaffenheit eine unheilbringende Beute; nur durch die Ausfhrung des gemachten Vorschlages knnen wir eine heilbringende werden: und so wird denn, so gewi das Ausland seinen Vorteil versteht, dasselbe durch diesen selbst bewegt, uns lieber auf die letzte Weise haben wollen, denn auf die erste. Insbesondere nun wendet mit diesem Vorschlage meine Rede sich an die gebildeten Stnde Deutschlands, indem sie diesen noch am ersten verstndlich zu werden hofft, und trgt zu allernchst ihnen an, sich zu den Urhebern dieser neuen Schpfung zu machen, und dadurch teils mit ihrer bisherigen Wirksamkeit die Welt auszushnen, teils ihre Fortdauer in der Zukunft zu verdienen. Wir werden im Fortgange dieser Reden ersehen, da bis hierher alle Fortentwicklung der Menschheit in der deutschen Nation vom Volke ausgegangen, und da an dieses immer zuerst die groen Nationalangelegenheiten gebracht, und von ihm besorgt und weiterbefrdert worden; da es somit jetzt zum erstenmal geschieht, da den gebildeten Stnden die ursprngliche Fortbildung der Nation angetragen wird, und da, wenn sie diesen Antrag wirklich ergriffen, auch dies das erstemal geschehen wrde. Wir werden ersehen, da diese Stnde nicht berechnen knnen, auf wie lange Zeit es noch in ihrer Gewalt stehen werde, sich an die Spitze dieser Angelegenheit zu stellen, indem dieselbe bis zum Vortrage an das Volk schon beinahe vorbereitet und reif sei, und an Gliedern aus dem Volke gebt werde, und dieses nach kurzer Zeit ohne alle unsre Beihilfe sich selbst werde helfen knnen, woraus fr uns blo das erfolgen werde, da die jetzigen Gebildeten und ihre Nachkommen zum Volke werden, aus dem bisherigen Volke aber ein andrer hherer gebildeter Stand emporkomme. Nach allem ist es der allgemeine Zweck dieser Reden, Mut und Hoffnung zu bringen in die Zerschlagenen, Freude zu verkndigen in die tiefe Trauer, ber die Stunde der grten Bedrngnis leicht und sanft hinber zu leiten. Die Zeit erscheint mir wie ein Schatten, der ber seinem Leichname, aus dem soeben ein Heer von Krankheiten ihn herausgetrieben, steht und jammert, und seinen Blick nicht loszureien vermag von der ehedem so geliebten Hlle, und verzweifelnd alle Mittel versucht, um wieder hineinzukommen in die Behausung der Seuchen. Zwar haben schon die belebenden Lfte der andern Welt, in die die abgeschiedene eingetreten, sie aufgenommen in sich, und umgeben sie mit warmem Liebeshauche, zwar begren sie schon freudig heimliche Stimmen der Schwestern, und heien sie willkommen, zwar regt es sich schon und dehnt sich in ihrem Innern nach allen Richtungen hin, um die herrlichere Gestalt, zu der sie erwachsen soll, zu entwickeln; aber noch hat sie kein Gefhl fr diese Lfte, oder Gehr fr diese Stimmen, oder wenn sie es htte, so ist sie aufgegangen in Schmerz ber ihren Verlust, mit welchem sie zugleich sich selbst verloren zu haben glaubt. Was ist mit ihr zu tun? Auch die Morgenrte der neuen Welt ist schon angebrochen, und vergoldet schon die Spitzen der Berge, und bildet vor den Tag, der da kommen soll. Ich will, so ich es kann, die Strahlen dieser Morgenrte fassen, und sie verdichten zu einem Spiegel, in welchem die trostlose Zeit sich erblicke, damit sie glaube, da sie noch da ist, und in ihm ihr wahrer Kern sich ihr darstelle, und die Entfaltungen und Gestaltungen desselben in einem weissagenden Gesichte vor ihr vorber gehen. In diese Anschauung hinein wird ihr denn ohne Zweifel auch das Bild ihres bisherigen Lebens versinken, und verschwinden, und der Tote wird ohne bermiges Wehklagen zu seiner Ruhesttte gebracht werden knnen. Zweite Rede. Vom Wesen der neuen Erziehung im allgemeinen. Das von mir vorgeschlagene Erhaltungsmittel einer deutschen Nation berhaupt, zu dessen klarer Einsicht diese Reden zunchst Sie, und nebst Ihnen die ganze Nation fhren mchten, geht als ein solches Mittel hervor aus der Beschaffenheit der Zeit, sowie der deutschen Nationaleigentmlichkeiten, so wie dieses Mittel wiederum eingreifen soll in Zeit und Bildung der Nationaleigentmlichkeiten. Es ist somit dieses Mittel nicht eher vollkommen klar und verstndlich gemacht, als bis es mit diesen, und diese mit ihm zusammen gehalten, und beide in vollkommener gegenseitiger Durchdringung dargestellt sind, welche Geschfte einige Zeit erfordern, und so die vollkommene Klarheit nur am Ende unsrer Reden zu erwarten ist. Da wir jedoch bei irgendeinem einzelnen Teile anfangen mssen, so wird es am zweckmigsten sein, zufrderst jenes Mittel selbst, abgesondert von seinen Umgebungen in Zeit und Raum, fr sich in seinem innern Wesen zu betrachten, und so soll denn diesem Geschfte unsre heutige und nchstfolgende Rede gewidmet sein. Das angegebene Mittel war eine durchaus neue, und vorher noch nie also bei irgendeiner Nation dagewesene Nationalerziehung der Deutschen. Diese neue Erziehung wurde schon in der vorigen Rede zur Unterscheidung von der bisher blichen also bezeichnet: die bisherige Erziehung habe zu guter Ordnung und Sittlichkeit hchstens nur ermahnt, aber diese Ermahnungen seien unfruchtbar gewesen fr das wirkliche Leben, welches nach ganz andern, dieser Erziehung durchaus unzugnglichen Grnden sich gebildet habe. Im Gegensatze mit dieser msse die neue Erziehung die wirkliche Lebensregung und -bewegung ihrer Zglinge, nach Regeln sicher und unfehlbar bilden, und bestimmen knnen. So nun etwa hierauf jemand also gesagt htte, wie denn auch wirklich diejenigen, welche die bisherige Erziehung leiten, fast ohne Ausnahme also sagen: Wie knnte man denn auch irgendeiner Erziehung mehr anmuten, als da sie dem Zglinge das Recht zeige, und ihn getreulich zu denselben anmahne; ob er diesen Ermahnungen folgen wolle, das sei seine eigne Sache, und wenn er es nicht tue, seine eigne Schuld; er habe freien Willen, den keine Erziehung ihm nehmen knne: so wrde ich hierauf, um die von mir gedachte Erziehung noch schrfer zu bezeichnen, antworten: da gerade in diesem Anerkennen, und in diesem Rechnen auf einen freien Willen des Zglings der erste Irrtum der bisherigen Erziehung, und das deutliche Bekenntnis ihrer Ohnmacht und Nichtigkeit liege. Denn indem sie bekennt, da nach aller ihrer krftigsten Wirksamkeit der Wille dennoch frei, d. i. unentschieden schwankend zwischen Gutem und Bsem bleibe, bekennt sie, da sie den Willen, und da dieser die eigentliche Grundwurzel des Menschen selbst ist, den Menschen selbst zu bilden durchaus weder vermge, noch wolle oder begehre, und da sie dies berhaupt fr unmglich halte. Dagegen wrde die neue Erziehung gerade darin bestehen mssen, da sie auf dem Boden, dessen Bearbeitung sie bernehme, die Freiheit des Willens gnzlich vernichtete, und dagegen strenge Notwendigkeit der Entschlieungen, um die Unmglichkeit des entgegengesetzten in dem Willen hervorbrchte, auf welchem Willen man nunmehr sicher rechnen und auf ihn sich verlassen knnte. Alle Bildung strebt an, die Hervorbringung eines festen bestimmten und beharrlichen Seins, das nun nicht mehr wird, sondern ist, und nicht anders sein kann, denn so wie es ist. Strebte sie nicht an ein solches Sein, so wre sie nicht Bildung, sondern irgendein zweckloses Spiel; htte sie ein solches Sein nicht hervorgebracht, so wre sie eben noch nicht vollendet. Wer sich noch ermahnen mu, und ermahnt werden, das Gute zu wollen, der hat noch kein bestimmtes und stets bereitstehendes Wollen, sondern er will sich dieses erst jedesmal im Falle des Gebrauches machen; wer ein solches festes Wollen hat, der will, was er will, fr alle Ewigkeit, und er kann in keinem mglichen Falle anders wollen, denn also, wie er eben immer will; fr ihn ist die Freiheit des Willens vernichtet und aufgegangen in der Notwendigkeit. Dadurch eben hat die bisherige Zeit gezeigt, da sie von Bildung zum Menschen weder einen rechten Begriff, noch die Kraft hatte, diesen Begriff darzustellen, da sie durch ermahnende Predigten die Menschen bessern wollte, und verdrielich ward und schalt, wenn diese Predigten nichts fruchteten. Wie konnten sie doch fruchten? Der Wille des Menschen hat schon vor der Ermahnung vorher, und unabhngig von ihr, seine feste Richtung; stimmt diese zusammen mit deiner Ermahnung, so kommt die Ermahnung zu spt, und der Mensch htte auch ohne dieselbe getan, wozu du ihn ermahntest, steht sie mit derselben im Widerspruche, so magst du ihn hchstens einige Augenblicke betuben; wie die Gelegenheit kommt, vergit er sich selbst und deine Ermahnung, und folgt seinem natrlichen Hange. Willst du etwas ber ihn vermgen, so mut du mehr tun, als ihn blo anreden, du mut ihn machen, ihn also machen, da er gar nicht anders wollen knne, als du willst, da er wolle. Es ist vergebens zu sagen, fliege -- dem der keine Flgel hat, und er wird durch alle deine Ermahnungen nie zwei Schritte ber den Boden empor kommen; aber entwickle, wenn du kannst, seine geistigen Schwungfedern, und lasse ihn dieselben ben und krftig machen, und er wird ohne alle dein Ermahnen gar nicht anders mehr wollen oder knnen, denn fliegen. Diesen festen und nicht weiter schwankenden Willen mu die neue Erziehung hervorbringen nach einer sichern, und ohne Ausnahme wirksamen Regel; sie mu selber mit Notwendigkeit erzeugen die Notwendigkeit, die sie beabsichtiget. Was bisher gut geworden ist, ist gut geworden durch seine natrliche Anlage, durch welche die Einwirkung der schlechten Umgebung berwogen wurde; keineswegs aber durch die Erziehung, denn sonst htte alles durch dieselbe hindurch gegangene gut werden mssen: was da verdarb, verdarb ebensowenig durch die Erziehung, denn sonst htte alles durch sie hindurchgehende verderben mssen, sondern durch sich selber und seine natrliche Anlage; die Erziehung war in dieser Rcksicht nur nichtig, keineswegs verderblich, das eigentliche bildende Mittel war die geistige Natur. Aus den Hnden dieser dunklen, und nicht zu berechnenden Kraft nun soll hinfr die Bildung zum Menschen unter die Botmigkeit einer besonnenen Kunst gebracht werden, die an allem ohne Ausnahme, was ihr anvertraut wird, ihren Zweck sicher erreiche, oder, wo sie ihn etwa nicht erreichte, wenigstens wei, da sie ihn nicht erreicht hat, und da somit die Erziehung noch nicht geschlossen ist. Eine sichere und besonnene Kunst, einen festen und unfehlbaren guten Willen im Menschen zu bilden, soll also die von mir vorgeschlagene Erziehung sein, und dieses ist ihr erstes Merkmal. Weiter -- der Mensch kann nur dasjenige wollen, was er liebt; seine Liebe ist der einzige, zugleich auch der unfehlbare Antrieb seines Wollens und aller seiner Lebensregung und -bewegung. Die bisherige Staatskunst, als die Erziehung des gesellschaftlichen Menschen, setzte als sichere und ohne Ausnahme geltende Regel voraus, da jedermann sein eignes sinnliches Wohlsein liebe und wolle, und sie knpfte an diese natrliche Liebe durch Furcht und Hoffnung knstlich den guten Willen, den sie wollte, das Interesse fr das gemeine Wesen. Abgerechnet, da bei dieser Erziehungsweise der uerlich zum unschdlichen oder brauchbaren Brger gewordene dennoch innerlich ein schlechter Mensch bleibt, denn darin eben besteht die Schlechtigkeit, da man nur sein sinnliches Wohlsein liebe, und nur durch Furcht oder Hoffnung fr dieses, sei es nun im gegenwrtigen, oder in einem knftigen Leben bewegt werden knne; -- dieses abgerechnet, haben wir schon oben ersehen, da diese Maregel fr uns nicht mehr anwendbar ist, indem Furcht und Hoffnung nicht mehr fr uns, sondern gegen uns dienen, und die sinnliche Selbstliebe auf keine Weise in unsern Vorteil gezogen werden kann. Wir sind daher sogar durch die Not gedrungen, innerlich und im Grunde gute Menschen bilden zu wollen, indem nur in solchen die deutsche Nation noch fortdauern kann, durch schlechte aber notwendig mit dem Auslande zusammenfliet. Wir mssen darum an die Stelle jener Selbstliebe, an welche nichts Gutes fr uns sich lnger knpfen lt, eine andre Liebe, die unmittelbar auf das Gute, schlechtweg als solches, und um sein selbst willen gehe, in den Gemtern aller, die wir zu unsrer Nation rechnen, setzen und begrnden. Die Liebe fr das Gute schlechtweg als solches, und nicht etwa um seiner Ntzlichkeit willen fr uns selber, trgt, wie wir schon ersehen haben, die Gestalt des Wohlgefallens an demselben: eines so innigen Wohlgefallens, da man dadurch getrieben werde, es in seinem Leben darzustellen. Dieses innige Wohlgefallen also wre es, was die neue Erziehung als festes und unwandelbares Sein ihres Zglings hervorbringen mte; worauf denn dieses Wohlgefallen durch sich selbst den unwandelbar guten Willen desselben Zglings als notwendig begrnden wrde. Ein Wohlgefallen, das da treibt einen gewissen Zustand der Dinge, der in der Wirklichkeit nicht vorhanden ist, hervorzubringen in derselben, setzt voraus ein Bild dieses Zustandes, das vor dem wirklichen Sein desselben vorher dem Geiste vorschwebt, und jenes zur Ausfhrung treibende Wohlgefallen auf sich zieht. Somit setzt dieses Wohlgefallen in der Person, die von ihm ergriffen werden soll, voraus das Vermgen, selbstttig dergleichen Bilder, die unabhngig seien von der Wirklichkeit, und keineswegs Nachbilder derselben, sondern vielmehr Vorbilder, zu entwerfen. Ich habe jetzt zu allernchst von diesem Vermgen zu sprechen, und ich bitte, whrend dieser Betrachtung ja nicht zu vergessen, da ein durch dieses Vermgen hervorgebrachtes Bild eben als bloes Bild, und als dasjenige, worin wir unsre bildende Kraft fhlen, gefallen knne, ohne doch darum genommen zu werden als Vorbild einer Wirklichkeit, und ohne in dem Grade zu gefallen, da es zur Ausfhrung treibe; da dies letztere ein ganz andres, und unser eigentlicher Zweck ist, von dem wir spter zu reden nicht unterlassen werden, jenes nchste aber lediglich die vorlufige Bedingung enthlt zur Erreichung des wahren letzten Zwecks der Erziehung. Jenes Vermgen, Bilder, die keineswegs bloe Nachbilder der Wirklichkeit seien, sondern die da fhig sind, Vorbilder derselben zu werden, selbstttig zu entwerfen, wre das erste, wovon die Bildung des Geschlechts durch die neue Erziehung ausgehen mte. Selbstttig zu entwerfen, habe ich gesagt, und also, da der Zgling durch eigne Kraft sie sich erzeuge, keineswegs etwa, da er nur fhig werde, das durch die Erziehung ihm hingegebene Bild, leidend aufzufassen, es hinlnglich zu verstehen, und es, also wie es ihm gegeben ist, zu wiederholen, als ob es nur um das Vorhandensein eines solchen Bildes zu tun wre. Der Grund dieser Forderung der eignen Selbstttigkeit in diesem Bilden ist folgender: nur unter dieser Bedingung kann das entworfene Bild das ttige Wohlgefallen des Zglings an sich ziehen. Es ist nmlich ganz etwas andres, sich etwas nur gefallen zu lassen, und nichts dagegen zu haben, dergleichen leidendes Gefallenlassen allein hchstens aus einem leidenden Hingeben entstehen kann; wiederum aber etwas andres, von dem Wohlgefallen an etwas also ergriffen werden, da dasselbe schpferisch werde, und alle unsre Kraft zum Bilden anrege. Von dem ersten, das in allewege in der bisherigen Erziehung wohl auch vorkam, sprechen wir nicht, sondern von dem letzten. Dieses letzte Wohlgefallen aber wird allein dadurch angezndet, da die Selbstttigkeit des Zglings zugleich angereizt, und an dem gegebenen Gegenstande ihm offenbar werde, und so dieser Gegenstand nicht blo fr sich, sondern zugleich auch als ein Gegenstand der geistigen Kraftuerung gefalle, welche letztere unmittelbar, notwendig, und ohne alle Ausnahme wohlgefllt. Diese im Zglinge zu entwickelnde Ttigkeit des geistigen Bildens ist ohne Zweifel eine Ttigkeit nach Regeln, welche Regeln dem Ttigen kundwerden, bis zur Einsicht ihrer einzigen Mglichkeit in unmittelbarer Erfahrung an sich selber; also, diese Ttigkeit bringt hervor Erkenntnis, und zwar allgemeiner und ohne Ausnahme geltender Gesetze. Auch in dem von diesem Punkte aus sich anhebenden freien Fortbilden ist unmglich, was gegen das Gesetz unternommen wird, und es erfolgt keine Tat, bis das Gesetz befolgt ist; wenn daher auch diese freie Fortbildung anfangs von blinden Versuchen ausginge, so mte sie doch enden mit erweiterter Erkenntnis des Gesetzes. Diese Bildung ist daher in ihrem letzten Erfolge Bildung des Erkenntnisvermgens des Zglings, und zwar keineswegs die historische an den stehenden Beschaffenheiten der Dinge, sondern die hhere und philosophische, an den Gesetzen, nach denen eine solche stehende Beschaffenheit der Dinge notwendig wird. Der Zgling lernt. Ich setze hinzu: der Zgling lernt gern und mit Lust, und er mag, solange die Spannung der Kraft vorhlt, gar nichts lieber tun, denn lernen, denn er ist selbstttig, indem er lernt, und dazu hat er unmittelbar die allerhchste Lust. Wir haben hieran ein ueres, teils unmittelbar ins Auge fallendes, teils untrgliches Kennzeichen der wahren Erziehung gefunden, dies, da ohne alle Rcksicht auf die Verschiedenheit der natrlichen Anlagen und ohne alle Ausnahme jedweder Zgling, an den diese Erziehung gebracht wird, rein um des Lernens selbst willen, und aus keinem andern Grunde, mit Lust und Liebe lerne. Wir haben das Mittel gefunden, diese reine Liebe zum Lernen anzuznden, dies, die unmittelbare Selbstttigkeit des Zglings anzuregen, und diese zur Grundlage aller Erkenntnis zu machen, also, da an ihr gelernt werde, was gelernt wird. Diese eigne Ttigkeit des Zglings in irgendeinem uns bekannten Punkte nur erst anzuregen, ist das erste Hauptstck der Kunst. Ist dieses gelungen, so kommt es nur noch darauf an, die angeregte von diesem Punkte aus immer im frischen Leben zu erhalten, welches allein durch regelmiges Fortschreiten mglich ist, und wo jeder Fehlgriff der Erziehung auf der Stelle durch Milingen des Beabsichtigten sich entdeckt. Wir haben also auch das Band gefunden, wodurch der beabsichtigte Erfolg unabtrennlich angeknpft wird an die angegebene Wirkungsweise, das ewige und ohne alle Ausnahme waltende Grundgesetz der geistigen Natur des Menschen, da er geistige Ttigkeit unmittelbar anstrebe. Sollte jemand, durch die gewhnliche Erfahrung unsrer Tage irregeleitet, sogar gegen das Vorhandensein eines solchen Grundgesetzes Zweifel hegen, so merken wir fr einen solchen zum Ueberflusse an, da der Mensch von Natur allerdings blo sinnlich und selbstschtig ist, solange die unmittelbare Not und das gegenwrtige sinnliche Bedrfnis ihn treibt, und da er durch kein geistiges Bedrfnis, oder irgendeine schonende Rcksicht sich abhalten lt, dieses zu befriedigen; da er aber, nachdem nur diesem abgeholfen ist, wenig Neigung hat, das schmerzhafte Bild desselben in seiner Phantasie zu bearbeiten, und es sich gegenwrtig zu erhalten, sondern da er es weit mehr liebt, den losgebundenen Gedanken auf die freie Betrachtung dessen, was die Aufmerksamkeit seiner Sinne reizt, zu richten, ja da er auch einen dichterischen Ausflug in ideale Welten gar nicht verschmht, indem ihm von Natur ein leichter Sinn beiwohnt fr das Zeitliche, damit sein Sinn fr das Ewige einigen Spielraum zur Entwicklung erhalte. Das letzte wird bewiesen durch die Geschichte aller alten Vlker, und die mancherlei Beobachtungen und Entdeckungen, die von ihnen auf uns gekommen sind; es wird bewiesen bis auf unsre Tage durch die Beobachtung der noch brigen wilden Vlker, falls nmlich sie von ihrem Klima nur nicht gar zu stiefmtterlich behandelt werden, und durch die unsrer eignen Kinder; es wird sogar bewiesen durch das freimtige Gestndnis unsrer Eiferer gegen Ideale, welche sich beklagen, da es ein weit verdrielicheres Geschft sei, Namen und Jahreszahlen zu lernen, denn aufzufliegen in das, wie es ihnen vorkommt, leere Feld der Ideen, welche sonach selber, wie es scheint, lieber das zweite tten, wenn sie sich's erlauben drften, denn das erste. Da an die Stelle dieses naturgemen Leichtsinns der schwere Sinn trete, wo auch dem Gesttigten der knftige Hunger, und die ganzen langen Reihen alles mglichen knftigen Hungers, als das einzige seine Seele fllende, vorschweben, und ihn immerfort stacheln und treiben, wird in unserm Zeitalter durch Kunst bewirkt, beim Knaben durch Zchtigung seines natrlichen Leichtsinns, beim Manne durch das Bestreben fr einen klugen Mann zu gelten, welcher Ruhm nur demjenigen zuteil wird, der jenen Gesichtspunkt keinen Augenblick aus den Augen lt; es ist daher dies keineswegs Natur, auf die wir zu rechnen htten, sondern ein der widerstrebenden Natur mit Mhe aufgedrungenes Verderben, das da wegfllt, sowie nur jene Mhe nicht mehr angewendet wird. Diese unmittelbar die geistige Selbstttigkeit des Zglings anregende Erziehung erzeugt Erkenntnis, sagten wir oben; und dies gibt uns Gelegenheit, die neue Erziehung im Gegensatze mit der bisherigen, noch tiefer zu bezeichnen. Eigentlich nmlich, und unmittelbar geht die neue Erziehung nur auf Anregung regelmig fortschreitender Geistesttigkeit. Die Erkenntnis ergibt sich, wie wir schon oben gesehen haben, nur nebenbei, und als nicht auenbleibende Folge. Ob es daher nun zwar wohl diese Erkenntnis ist, in welcher allein das Bild fr das wirkliche Leben, das die knftige ernstliche Ttigkeit unsers zum Manne gewordenen Zglings anregen soll, erfat werden kann; die Erkenntnis daher allerdings ein wesentlicher Bestandteil der zu erlangenden Bildung ist, so kann man dennoch nicht sagen, da die neue Erziehung diese Erkenntnis unmittelbar beabsichtige, sondern die Erkenntnis fllt derselben nur zu. Im Gegenteile beabsichtigte die bisherige Erziehung geradezu Erkenntnis, und ein gewisses Ma eines Erkenntnisstoffes. Ferner ist ein groer Unterschied zwischen der Art der Erkenntnis, welche der neuen Erziehung nebenbei entsteht, und derjenigen, welche die bisherige Erziehung beabsichtigte. Jener entsteht die Erkenntnis der die Mglichkeit aller geistigen Ttigkeit bedingenden Gesetze dieser Ttigkeit. Zum Beispiel wenn der Zgling in freier Phantasie durch gerade Linien einen Raum zu begrenzen versucht, so ist dies die zuerst angeregte geistige Ttigkeit desselben. Wenn er in diesen Versuchen findet, da er mit weniger denn drei geraden Linien keinen Raum begrenzen knne, so ist dieses letztere die nebenbei entstehende Erkenntnis einer zweiten ganz andern Ttigkeit des, das zuerst angeregte freie Vermgen beschrnkenden Erkenntnisvermgens. Dieser Erziehung entsteht sonach gleich bei ihrem Beginnen eine wahrhaft ber alle Erfahrung erhabene, bersinnliche, streng notwendige und allgemeine Erkenntnis, die alle nachher mgliche Erfahrung schon im voraus unter sich befat. Dagegen ging der bisherige Unterricht in der Regel nur auf die stehenden Beschaffenheiten der Dinge, wie sie eben, ohne da man dafr einen Grund angeben knne, seien, und geglaubt, und gemerkt werden mten; also auf ein blo leitendes Auffassen durch das lediglich im Dienste der Dinge stehende Vermgen des Gedchtnisses, wodurch es berhaupt gar nicht zur Ahnung des Geistes, als eines selbstndigen und uranfnglichen Prinzips der Dinge selber kommen konnte. Es vermeine die neuere Pdagogik ja nicht durch die Berufung auf ihren oft bezeugten Abscheu gegen mechanisches Auswendiglernen, und auf ihre bekannten Meisterstcke in sokratischer Manier, gegen diesen Vorwurf sich zu decken; denn hierauf hat sie schon lngst wo anders den grndlichen Bescheid erhalten, da diese sokratischen Rsonnements gleichfalls nur mechanisch auswendig gelernt werden, und da dies ein um so gefhrlicheres Auswendiglernen ist, da es dem Zglinge, der nicht denkt, dennoch den Schein gibt, da er denken knne; da dies bei dem Stoffe, den sie zur Entwicklung des Selbstdenkens anwenden wollte, nicht anders erfolgen konnte, und da man fr diesen Zweck mit einem ganz andern Stoffe anheben msse. Aus dieser Beschaffenheit des bisherigen Unterrichts erhellet, teils warum in der Regel der Zgling bisher ungern, und darum langsam und sprlich lernte, und in Ermangelung des Reizes aus dem Lernen selber, fremdartige Antriebe untergelegt werden muten, teils geht daraus hervor der Grund von bisherigen Ausnahmen von der Regel. Das Gedchtnis, wenn es allein, und ohne irgendeinem andern geistigen Zwecke dienen zu sollen, in Anspruch genommen wird, ist vielmehr ein Leiden des Gemts, als eine Ttigkeit desselben, und es lt sich einsehen, da der Zgling dieses Leiden hchst ungern bernehmen werde. Auch ist die Bekanntschaft mit ganz fremden, und nicht das mindeste Interesse fr ihn habenden Dingen, und mit ihren Eigenschaften, ein schlechter Ersatz fr jenes ihm zugefgte Leiden; deswegen mute seine Abneigung durch die Vertrstung auf die knftige Ntzlichkeit dieser Erkenntnisse, und da man nur vermittelst ihrer Brot und Ehre finden knne, und sogar durch unmittelbar gegenwrtige Strafe und Belohnung berwunden werden; -- da somit die Erkenntnis gleich von vornherein als Dienerin des sinnlichen Wohlseins aufgestellt wurde, und diese Erziehung, welche in Absicht ihres Inhalts oben als blo unkrftig fr Entwicklung einer sittlichen Denkart aufgestellt wurde, um nur an den Zgling zu gelangen, das moralische Verderben desselben sogar pflanzen und entwickeln, und ihr Interesse an das Interesse dieses Verderbens anknpfen mute. Man wird ferner finden, da das natrliche Talent, welches als Ausnahme von der Regel, in der Schule dieser bisherigen Erziehung gern lernte, und deswegen gut, und durch diese in ihm waltende hhere Liebe das moralische Verderben der Umgebung berwand, und seinen Sinn rein erhielt, durch seinen natrlichen Hang, jenen Gegenstnden ein praktisches Interesse abgewann, und da es, von seinem glcklichen Instinkte geleitet, vielmehr darauf ausging, dergleichen Erkenntnisse selbst hervorzubringen, denn darauf, sie blo aufzufassen; sodann, da in Absicht der Lehrgegenstnde, mit denen, als Ausnahme von der Regel, es dieser Erziehung noch am allgemeinsten und glcklichsten gelang, dieses insgesamt solche sind, die sie ttig ausben lie, so wie zum Beispiel diejenige gelehrte Sprache, in der bis aufs Schreiben und Reden derselben ausgegangen wurde, beinahe allgemein ziemlich gut, dagegen diejenige andre, in der die Schreib- und Redebungen vernachlssigt wurden, in der Regel sehr schlecht und oberflchlich gelernt, und in reiferen Jahren vergessen worden. Da daher auch aus der bisherigen Erfahrung hervorgeht, da es allein die Entwicklung der geistigen Ttigkeit durch den Unterricht sei, die da Lust an der Erkenntnis, rein als solcher, hervorbringe, und so auch das Gemt der sittlichen Bildung offen erhalte, dagegen das blo leidende Empfangen ebenso die Erkenntnis lhme und tte, wie es ihr Bedrfnis sei, den sittlichen Sinn in Grund und Boden hinein zu verderben. Um wieder zurckzukehren zum Zglinge der neuen Erziehung: es ist klar, da derselbe, von seiner Liebe getrieben, viel, und da er alles in seinem Zusammenhange fat, und das Gefate unmittelbar durch ein Tun bt, dieses viele richtig und unvergelich lernen werde. Doch ist dieses nur Nebensache. Bedeutender ist, da durch diese Liebe sein Selbst erhhet, und in eine ganz neue Ordnung der Dinge, in welche bisher nur wenige von Gott Begnstigte von ungefhr kamen, besonnen, und nach einer Regel eingefhrt wird. Ihn treibt eine Liebe, die durchaus nicht auf irgendeinen sinnlichen Genu ausgeht, indem dieser, als Antrieb, fr ihn gnzlich schweigt, sondern auf die geistige Ttigkeit, um der Ttigkeit willen, und auf das Gesetz derselben, um des Gesetzes willen. Ob nun zwar nicht diese geistige Ttigkeit berhaupt es ist, auf welche die Sittlichkeit geht, sondern dazu noch eine besondere Richtung jener Ttigkeit kommen mu, so ist dennoch jene Liebe die allgemeine Beschaffenheit und Form des sittlichen Willens; und so ist denn diese Weise der geistigen Bildung die unmittelbare Vorbereitung zu der sittlichen; die Wurzel der Unsittlichkeit aber rottet sie, indem sie den sinnlichen Genu durchaus niemals Antrieb werden lt, gnzlich aus. Bisher war dieser Antrieb der erste, der da angeregt und ausgebildet wurde, weil man auerdem den Zgling gar nicht bearbeiten und einigen Einflu auf denselben gewinnen zu knnen glaubte; sollte hinterher der sittliche Antrieb entwickelt werden, so kam derselbe zu spt, und fand das Herz schon eingenommen und angefllt von einer andern Liebe. Durch die neue Erziehung soll umgekehrt die Bildung zum reinen Wollen das erste werden, damit, wenn spterhin doch die Selbstsucht innerlich erwachen, oder von auen angeregt werden sollte, diese zu spt komme, und in dem schon von etwas anderm eingenommenen Gemte keinen Platz fr sich finde. Wesentlich ist schon fr diesen ersten, sowie fr den demnchst anzugebenden zweiten Zweck, da der Zgling von Anbeginn an ununterbrochen, und ganz unter dem Einflusse dieser Erziehung stehe, und da er von dem Gemeinen gnzlich abgesondert, und vor aller Berhrung damit verwahrt werde. Da man um seiner Erhaltung und seines Wohlseins willen im Leben sich regen und bewegen knne, mu er gar nicht hren, und ebensowenig, da man um deswillen lerne, oder da das Lernen dazu etwas helfen knne. Es folgt daraus, da die geistige Entwicklung in der oben angegebenen Weise, die einzige sein msse, die an ihn gebracht werde, und da er mit derselben ohne Unterla beschftigt werden msse, da er aber keineswegs diese Weise des Unterrichts mit demjenigen, der des entgegengesetzten sinnlichen Antriebs bedarf, abwechseln drfe. Ob nun aber wohl diese geistige Entwicklung die Selbstsucht nicht zum Leben kommen lt, und die Form eines sittlichen Willens gibt, so ist dies doch darum noch nicht der sittliche Wille selbst; und falls die von uns vorgeschlagene neue Erziehung nicht weiter ginge, so wrde sie hchstens treffliche Bearbeiter der Wissenschaften erziehen, deren es auch bisher gegeben hat, und deren es nur wenige bedarf, und die fr unsern eigentlichen menschlichen und nationalen Zweck nicht mehr vermgen wrden, als dergleichen Mnner auch bisher vermocht haben; ermahnen und wieder ermahnen, und sich anstaunen und nach Gelegenheit schmhen zu lassen. Aber es ist klar, und ist auch schon oben gesagt, da diese freie Ttigkeit des Geistes in der Absicht entwickelt worden, damit der Zgling mit derselben frei das Bild einer sittlichen Ordnung des wirklich vorhandenen Lebens entwerfe, dieses Bild mit der in ihm gleichfalls schon entwickelten Liebe fasse, und durch diese Liebe getrieben werde, dasselbe in und durch sein Leben wirklich darzustellen. Es fragt sich, wie die neue Erziehung sich den Beweis fhren knne, da sie diesen ihren eigentlichen und letzten Zweck an ihrem Zglinge erreicht habe? Zuvrderst ist klar, da die schon frher an andern Gegenstnden gebte geistige Ttigkeit des Zglings angeregt werden msse, ein Bild von der gesellschaftlichen Ordnung der Menschen, so wie dieselbe nach dem Vernunftgesetze schlechthin sein soll, zu entwerfen. Ob dieses vom Zglinge entworfene Bild richtig sei, ist von einer Erziehung, die nur selbst im Besitze dieses richtigen Bildes sich befindet, am leichtesten zu beurteilen; ob dasselbe durch die eigne Selbstttigkeit des Zglings entworfen, keineswegs aber nur leidend aufgefat, und der Schule glubig nachgesagt werde, ferner ob es zur gehrigen Klarheit und Lebhaftigkeit gesteigert sei, wird die Erziehung auf dieselbe Weise beurteilen knnen, wie sie frher in derselben Rcksicht bei andern Gegenstnden ein treffendes Urteil gefllt hat. Alles dies ist noch Sache der bloen Erkenntnis, und verbleibt auf dem in dieser Beziehung sehr zugnglichen Gebiete derselben. Eine ganz andre aber und hhere Frage ist die, ob der Zgling also von brennender Liebe fr eine solche Ordnung der Dinge ergriffen sei, da es ihm, der Leitung der Erziehung entlassen und selbstndig hingestellt, schlechterdings unmglich sein werde, diese Ordnung nicht zu wollen, und nicht aus allen seinen Krften fr die Befrderung derselben zu arbeiten; ber welche Frage ohne Zweifel nicht Worte und in Worten anzustellende Prfungen, sondern allein der Anblick von Taten entscheiden knnen. Ich lse die durch diese letzte Betrachtung uns gestellte Aufgabe also: ohne Zweifel werden doch die Zglinge dieser neuen Erziehung, obwohl abgesondert von der schon erwachsenen Gemeinheit, dennoch untereinander selbst in Gemeinschaft leben, und so ein abgesondertes und fr sich selbst bestehendes Gemeinwesen bilden, das seine genau bestimmte, in der Natur der Dinge gegrndete, und von der Vernunft durchaus geforderte Verfassung habe. Das allererste Bild einer geselligen Ordnung, zu dessen Entwerfung der Geist des Zglings angeregt werde, sei das der Gemeinde, in der er selber lebt, also, da er innerlich gezwungen sei, diese Ordnung Punkt fr Punkt gerade also sich zu bilden, wie sie wirklich vorgezeichnet ist, und da er dieselbe in allen ihren Teilen als durchaus notwendig aus ihren Grnden verstehe. Dies ist nun abermals bloes Werk der Erkenntnis. In dieser gesellschaftlichen Ordnung mu nun im wirklichen Leben jeder einzelne um des Ganzen willen immerfort gar vieles unterlassen, was er, wenn er sich allein befnde, unbedenklich tun knnte; und es wird zweckmig sein, da in der Gesetzgebung, und in dem darauf zu bauenden Unterrichte ber die Verfassung, jedem einzelnen alle die brigen mit einer zum Ideal gesteigerten Ordnungsliebe vorgestellt werden, welche also vielleicht kein einziger wirklich hat, die aber alle haben sollten; und da somit diese Gesetzgebung einen hohen Grad von Strenge erhalte, und der Unterlassungen gar viele auflege. Diese, als etwas das schlechthin sein mu, und auf welchem das Bestehen der Gesellschaft beruht, sind auf den Notfall sogar durch Furcht vor gegenwrtiger Strafe zu erzwingen; und mu dieses Strafgesetz schlechthin ohne Schonung oder Ausnahme vollzogen werden. Der Sittlichkeit des Zglings geschieht durch diese Anwendung der Furcht, als eines Triebes, gar kein Eintrag, indem hier ja nicht zum Tun des Guten, sondern nur zur Unterlassung des in dieser Verfassung Bsen getrieben werden soll; berdies mu im Unterrichte ber die Verfassung vollkommen verstndlich gemacht werden, da der, welcher der Vorstellung von der Strafe, oder wohl gar der Anfrischung dieser Vorstellung durch die Erduldung der Strafe selbst noch bedrfe, auf einer sehr niedrigen Stufe der Bildung stehe. Jedennoch ist bei allem diesen klar, da, da man niemals wissen kann, ob da wo gehorcht wird, aus Liebe zur Ordnung oder aus Furcht vor der Strafe gehorcht werde, in diesem Umkreise der Zgling seinen guten Willen nicht uerlich dartun, noch die Erziehung ihn ermessen knne. Dagegen ist der Umkreis, wo ein solches Ermessen mglich ist, der folgende. Die Verfassung mu nmlich ferner also eingerichtet sein, da der einzelne fr das Ganze nicht blo unterlassen msse, sondern da er fr dasselbe auch tun und handelnd leisten knne. Auer der geistigen Entwicklung im Lernen finden in diesem Gemeinwesen der Zglinge auch noch krperliche Uebungen, und die mechanischen aber hier zum Ideale veredelten Arbeiten des Ackerbaues, und die von mancherlei Handwerken statt. Es sei Grundregel der Verfassung, da jedem, der in irgendeinem dieser Zweige sich hervortut, zugemutet werde, die andern darin unterrichten zu helfen, und mancherlei Aufsichten und Verantwortlichkeiten zu bernehmen; jedem, der irgendeine Verbesserung findet, oder die von einem Lehrer vorgeschlagene zuerst und am klarsten begreift, dieselbe mit eigner Mhe auszufhren, ohne da er doch darum von seinen ohnedies sich verstehenden persnlichen Aufgaben des Lernens und Arbeitens losgesprochen sei; da jeder dieser Anmutung freiwillig genge, und nicht aus Zwang, indem es dem Nichtwollenden auch freisteht, sie abzulehnen; da er dafr keine Belohnung zu erwarten habe, indem in dieser Verfassung alle in Beziehung auf Arbeit und Genu ganz gleich gesetzt sind, nicht einmal Lob, indem es die herrschende Denkart ist in der Gemeinde, da daran jeder eben nur seine Schuldigkeit tue, sondern da er allein geniee die Freude an seinem Tun und Wirken fr das Ganze, und an dem Gelingen desselben, falls ihm dieses zuteil wird. In dieser Verfassung wird sonach aus erworbener grerer Geschicklichkeit, und aus der hierauf verwendeten Mhe, nur neue Mhe und Arbeit folgen, und gerade der Tchtigere wird oft wachen mssen, wenn andre schlafen, und nachdenken mssen, wenn andre spielen. Die Zglinge, welche, ohnerachtet ihnen dieses alles vollkommen klar und verstndlich ist, dennoch fortgesetzt, und also, da man mit Sicherheit auf sie rechnen knne, jene erste Mhe und die aus ihr folgenden weitern Mhen freudig bernehmen, und in dem Gefhle ihrer Kraft und Ttigkeit stark bleiben und strker werden -- diese kann die Erziehung ruhig entlassen in die Welt; an ihnen hat sie diesen ihren Zweck erreicht; in ihnen ist die Liebe angezndet und brennt bis in die Wurzel ihrer lebendigen Regung hinein, und sie wird von nun an weiter alles ohne Ausnahme ergreifen, was an diese Lebensregung gelangen wird; und sie werden in dem greren Gemeinwesen, in das sie von nun an eintreten, niemals etwas andres zu sein vermgen, denn dasjenige, was sie in dem kleinen Gemeinwesen, das sie jetzt verlassen, unverrckt und unwandelbar waren. Auf diese Weise ist der Zgling vollendet fr die nchsten und ohne Ausnahme eintretenden Anforderungen der Welt an ihn, und es ist geschehen, was die Erziehung im Namen dieser Welt von ihm verlangt. Noch aber ist er nicht in sich und fr sich selber vollendet, und es ist noch nicht geschehen, was er selbst von der Erziehung fordern kann. Sowie auch diese Forderung erfllt wird, wird er zugleich tchtig, den Anforderungen, die eine hhere Welt im Namen der gegenwrtigen in besondern Fllen an ihn machen drfte, zu gengen. Dritte Rede. Fortsetzung der Schilderung der neuen Erziehung. Das eigentliche Wesen der in Vorschlag gebrachten neuen Erziehung, inwiefern dieselbe in der vorigen Rede beschrieben worden, bestand darin, da sie die besonnene und sichere Kunst sei, den Zgling zu reiner Sittlichkeit zu bilden. Zu reiner Sittlichkeit, sagte ich; die Sittlichkeit, zu der sie erziehet, steht als ein Erstes, Unabhngiges und Selbstndiges da, das aus sich selber lebet sein eignes Leben: keineswegs aber, so wie die bisher oft beabsichtigte Gesetzmigkeit, angeknpft ist und eingeimpft einem andern nicht sittlichen Triebe, dessen Befriedigung es diene. Sie ist die besonnene und sichere Kunst dieser sittlichen Erziehung, sagte ich. Sie schreitet nicht planlos und auf gutes Glck, sondern nach einer festen und ihr wohlbekannten Regel einher, und ist ihres Erfolges gewi. Ihr Zgling geht zu rechter Zeit als ein festes und unwandelbares Kunstwerk dieser ihrer Kunst hervor, das nicht etwa auch anders gehen knne, denn also, wie es durch sie gestellt worden, und das nicht etwa einer Nachhilfe bedrfe, sondern das durch sich selbst nach seinem eignen Gesetze fortgeht. Zwar bildet diese Erziehung auch den Geist ihres Zglings; und diese geistige Bildung ist sogar ihr Erstes, mit welchem sie ihr Geschft anhebt. Doch ist diese geistige Entwicklung nicht erster und selbstndiger Zweck, sondern nur das bedingende Mittel, um sittliche Bildung an den Zgling zu bringen. Inzwischen bleibt auch diese nur gelegentlich erworbene geistige Bildung ein aus dem Leben des Zglings unaustilgbarer Besitz, und die ewig fortbrennende Leuchte seiner sittlichen Liebe. Wie gro auch, oder wie geringfgig die Summe der Erkenntnisse sein mge, die er aus der Erziehung mitgebracht; einen Geist, der sein ganzes Leben hindurch jedwede Wahrheit, deren Erkenntnis ihm notwendig wird, zu fassen vermag, und welcher ebenso der Belehrung durch andre empfnglich, als des eignen Nachdenkens fhig ohne Unterla bleibt, hat er von derselben sicherlich mit davon gebracht. So weit waren wir in der Beschreibung dieser neuen Erziehung in der vorigen Rede gekommen. Wir bemerkten am Schlusse derselben, da durch dieses alles sie dennoch noch nicht vollendet sei, sondern noch eine andre, von den bis jetzt aufgestellten verschiedene Aufgabe zu lsen habe; und wir gehen jetzt an das Geschft, diese Aufgabe nher zu bezeichnen. Der Zgling dieser Erziehung ist ja nicht blo Mitglied der menschlichen Gesellschaft hier auf dieser Erde und fr die kurze Spanne Lebens, die ihm auf derselben vergnnt ist, sondern er ist auch, und wird ohne Zweifel von der Erziehung anerkannt fr ein Glied in der ewigen Kette eines geistigen Lebens berhaupt, unter einer hhern gesellschaftlichen Ordnung. Ohne Zweifel mu auch zur Einsicht in diese hhere Ordnung eine Bildung, die sein ganzes Wesen zu umfassen sich vorgenommen hat, ihn anfhren, und so wie sie ihn leitete, ein Bild jener sittlichen Weltordnung, die da niemals ist, sondern ewig werden soll, durch eigne Selbstttigkeit sich vorzuzeichnen, ebenso mu sie ihn leiten, ein Bild jener bersinnlichen Weltordnung, in der nichts wird, und die auch niemals geworden ist, sondern die da ewig nur ist, in dem Gedanken zu entwerfen, mit gleicher Selbstttigkeit und also, da er innigst verstehe und einsehe, da es nicht anders sein knne. Er wird, richtig geleitet, mit den Versuchen eines solchen Bildes zu Ende kommen, und an diesem Ende finden, da nichts wahrhaftig da sei, auer das Leben, und zwar das geistige Leben, das da lebet in dem Gedanken; und da alles brige nicht wahrhaftig da sei, sondern nur dazusein scheine, welches Scheines aus dem Gedanken hervorgehenden Grund er gleichfalls, sei es auch nur im allgemeinen, begreifen wird. Er wird ferner einsehen, da jenes allein wahrhaft daseiende geistige Leben, in den mannigfaltigen Gestaltungen, die es nicht durch ein Ohngefhr, sondern durch ein in Gott selber gegrndetes Gesetz erhielt, wiederum eins sei, das gttliche Leben selber, welches gttliche Leben allein in dem lebendigen Gedanken da ist und sich offenbarmacht. So wird er sein Leben, als ein ewiges Glied in der Kette der Offenbarung des gttlichen Lebens und jedwedes andre geistige Leben, als eben ein solches Glied erkennen und heilig halten lernen; und nur in der unmittelbaren Berhrung mit Gott und dem nicht vermittelten Ausstrmen seines Lebens aus jenem Leben, Licht und Seligkeit; in jeder Entfernung aber aus der Unmittelbarkeit Tod, Finsternis und Elend finden. Mit einem Worte: diese Entwicklung wird ihn zur Religion bilden; und diese Religion des Einwohnens unsers Lebens in Gott soll allerdings auch in der neuen Zeit herrschen und in derselben sorgfltig gebildet werden. Dagegen soll die Religion der alten Zeit, die das geistige Leben von dem gttlichen abtrennte, und dem erstern nur vermittelst eines Abfalls von dem zweiten das absolute Dasein zu verschaffen wute, das sie ihm zugedacht hatte, und welche Gott als Faden brauchte, um die Selbstsucht noch ber den Tod des sterblichen Leibes hinaus in andre Welten einzufhren, und durch Furcht und Hoffnung in diesen die fr die gegenwrtige Welt schwach gebliebene, zu verstrken -- diese Religion, die offenbar eine Dienerin der Selbstsucht war, soll allerdings mit der alten Zeit zugleich zu Grabe getragen werden; denn in der neuen Zeit bricht die Ewigkeit nicht erst jenseit des Grabes an, sondern sie kommt ihr mitten in ihre Gegenwart hinein, die Selbstsucht ist aber sowohl des Regiments, als des Dienstes entlassen, und zieht demnach auch ihre Dienerschaft mit ihr ab. Die Erziehung zur wahren Religion ist somit das letzte Geschft der neuen Erziehung. Ob in der Entwerfung eines hierzu erforderlichen Bildes der bersinnlichen Weltordnung der Zgling wahrhaft selbstttig verfahren sei; und ob das entworfene Bild allenthalben richtig und durchaus klar und verstndlich sei, wird die Erziehung leicht, auf dieselbe Weise wie bei den brigen Gegenstnden der Erkenntnis, beurteilen knnen; denn auch dies bleibt auf dem Gebiete der Erkenntnis. Bedeutender aber ist auch hier die Frage, wie die Erziehung ermessen, und sich die Gewhrschaft leisten knne, da diese Religionskenntnisse nicht tot und kalt bleiben, sondern da sie sich ausdrcken werden im wirklichen Leben ihres Zglings; welcher Frage die Beantwortung einer andern Frage vorauszuschicken ist, der folgenden: wie und auf welche Weise zeigt sich die Religion berhaupt im Leben? Unmittelbar, im gewhnlichen Leben und in einer wohlgeordneten Gesellschaft, bedarf es der Religion durchaus nicht, um das Leben zu bilden, sondern es reicht fr diese Zwecke die wahre Sittlichkeit vollkommen hin. In dieser Rcksicht ist also die Religion nicht praktisch und kann und soll gar nicht praktisch werden, sondern sie ist lediglich Erkenntnis: sie macht blo den Menschen sich selber vollkommen klar und verstndlich, beantwortet die hchste Frage, die er aufwerfen kann, lset ihm den letzten Widerspruch auf, und bringt so vollkommene Einigkeit mit sich selbst, und durchgefhrte Klarheit in seinen Verstand. Sie ist seine vollstndige Erlsung und Befreiung von allem fremden Bande; und so ist sie ihm denn die Erziehung, als etwas, das ihm schlechtweg und ohne weitern Zweck gebhrt, schuldig. Ein Gebiet, um als Antrieb zu wirken, erhlt die Religion nur entweder in einer hchst unsittlichen und verdorbenen Gesellschaft, oder wenn die Wirkungssphre des Menschen nicht innerhalb der gesellschaftlichen Ordnung, sondern ber dieselbe hinaus liegt, und dieselbe vielmehr immerfort neu zu erschaffen und zu erhalten hat, wie beim Regenten, welcher in vielen Fllen ohne Religion sein Amt gar nicht mit gutem Gewissen fhren knnte. Von dem letztern Falle ist in einer auf alle und auf die ganze Nation berechneten Erziehung nicht die Rede. Wo in der ersten Rcksicht bei klarer Einsicht des Verstandes in die Unverbesserlichkeit des Zeitalters dennoch unablssig fortgearbeitet wird an demselben; wo mutig der Schwei des Sens erduldet wird, ohne einige Aussicht auf eine Ernte; wo wohlgetan wird auch den Undankbaren, und gesegnet werden mit Taten und Gtern diejenigen, die da fluchen, und in der klaren Vorhersicht, da sie abermals fluchen werden; wo nach hundertfltigem Milingen dennoch ausgeharrt wird im Glauben und in der Liebe: da ist es nicht die bloe Sittlichkeit, die da treibt, denn diese will einen Zweck, sondern es ist die Religion, die Ergebung in ein hheres und unbekanntes Gesetz, das demtige Verstummen vor Gott, die innige Liebe zu seinem in uns ausgebrochenen Leben, welches allein und um sein selbst willen gerettet werden soll, wo das Auge nichts anders zu retten sieht. Auf diese Weise kann die erlangte Religionseinsicht der Zglinge der neuen Erziehung in ihrem kleinen Gemeinwesen, in dem sie zunchst aufwachsen, nicht praktisch werden, noch soll sie es auch. Dieses Gemeinwesen ist wohlgeordnet, und in ihm gelingt das geschickt Unternommene immer; auch soll das noch zarte Alter des Menschen erhalten werden in der Unbefangenheit und im ruhigen Glauben an sein Geschlecht. Die Erkenntnis seiner Tcken bleibe vorbehalten der eignen Erfahrung des gereiften und befestigten Alters. Nur in diesem gereifteren Alter sonach und in dem ernstlich gemeinten Leben, nachdem die Erziehung lngst ihn sich selber berlassen hat, knnte der Zgling derselben, falls seine gesellschaftlichen Verhltnisse aus der Einfachheit zu hhern Stufen fortschreiten sollten, seiner Religionskenntnis, als eines Antriebes bedrfen. Wie soll nun die Erziehung, welche ber diesen Punkt den Zgling, solange er unter ihren Hnden ist, nicht prfen kann, dennoch sicher sein knnen, da, wenn nur dieses Bedrfnis eintreten werde, auch dieser Antrieb unfehlbar wirken werde? Ich antworte: dadurch, da ihr Zgling berhaupt so gebildet ist, da keine Erkenntnis, die er hat, in ihm tot und kalt bleibt, wenn die Mglichkeit eintritt, da sie ein Leben bekomme, sondern jedwede notwendig sogleich eingreift in das Leben, sowie das Leben derselben bedarf. Ich werde diese Behauptung sogleich noch tiefer begrnden, und dadurch den ganzen in dieser und der vorigen Rede behandelten Begriff erheben und einfgen in ein greres Ganzes der Erkenntnis, welchem greren Ganzen selber ich aus diesem Begriffe ein neues Licht und eine hhere Klarheit geben werde, nachdem ich nur vorher das wahre Wesen der neuen Erziehung, deren allgemeine Beschreibung ich soeben geschlossen habe, bestimmt werde angegeben haben. Diese Erziehung erscheint nun nicht mehr, so wie im Anfange unsrer heutigen Rede, blo als die Kunst den Zgling zu reiner Sittlichkeit zu bilden, sondern sie leuchtet vielmehr ein als die Kunst, den ganzen Menschen durchaus und vollstndig zum Menschen zu bilden. Hierzu gehren zwei Hauptstcke, zuerst in Absicht der Form, da der wirkliche lebendige Mensch, bis in die Wurzel seines Lebens hinein, keineswegs aber der bloe Schatten und Schemen eines Menschen gebildet werde, sodann in Absicht des Inhalts, da alle notwendigen Bestandteile des Menschen ohne Ausnahme und gleichmig ausgebildet werden. Diese Bestandteile sind Verstand und Wille, und die Erziehung hat zu beabsichtigen die Klarheit des ersten, und die Reinheit des zweiten. Zur Klarheit des ersten aber sind zu erheben zwei Hauptfragen: zuerst was es sei, das der reine Wille eigentlich wolle, und durch welche Mittel dieses Gewollte zu erreichen sei, durch welches Hauptstck die brigen dem Zglinge beizubringenden Erkenntnisse befat werden; sodann, was dieser reine Wille in seinem Grunde und Wesen selber sei, wodurch die Religionserkenntnis befat wird. Die genannten Stcke nun, entwickelt bis zum Eingreifen ins Leben, fordert die Erziehung schlechtweg, und gedenkt keinem das mindeste davon zu erlassen, denn jeder soll eben ein Mensch sein; was jemand nun noch weiter werde, und welche besondere Gestalt die allgemeine Menschheit in ihm annehme oder erhalte, geht die allgemeine Erziehung nichts an, und liegt auerhalb ihres Kreises. -- Ich gehe jetzt fort zu der versprochenen tieferen Begrndung des Satzes, da im Zglinge der neuen Erziehung gar keine Erkenntnis tot bleiben knne, und zu dem Zusammenhange, in den ich alles Gesagte erheben will, vermittelst folgender Stze. 1. Es gibt zufolge des Gesagten zwei durchaus verschiedene und vllig entgegengesetzte Klassen unter den Menschen in Absicht ihrer Bildung. Gleich zuvrderst ist alles, was Mensch ist, und so auch diese beiden Klassen darin, da den mannigfaltigen Aeuerungen ihres Lebens ein Trieb zugrunde liegt, der in allem Wechsel unverndert beharret, und sich selbst gleich bleibt. -- Im Vorbeigehen: das Sichverstehen dieses Triebes und die Uebersetzung desselben in Begriffe erzeugt die Welt, und es gibt keine andre Welt, als diese auf diese Weise in dem, jedoch keineswegs freien, sondern notwendigen Gedanken sich erzeugende Welt. Dieser, immer in ein Bewutsein zu bersetzende Trieb, worin somit abermals die beiden Klassen einander gleich sind, kann nun auf eine doppelte Weise, nach den zwei verschiedenen Grundarten des Bewutseins, in dasselbe bersetzt werden, und in dieser Weise der Uebersetzung und des sich Selbstverstehens sind die beiden Klassen verschieden. Die erste, zu allererst der Zeit nach sich entwickelnde Grundart des Bewutseins ist die des dunklen Gefhls. Mit diesem Gefhle wird am gewhnlichsten und in der Regel der Grundtrieb erfat als Liebe des einzelnen zu sich selbst, und zwar gibt das dunkle Gefhl dieses Selbst zunchst nur als ein solches, das da leben will und wohl sein. Hieraus entsteht die sinnliche Selbstsucht, als wirklicher Grundtrieb und entwickelnde Kraft eines solchen, in dieser Uebersetzung seines ursprnglichen Grundtriebes befangenen Lebens. Solange der Mensch fortfhrt, also sich zu verstehen, solange mu er selbstschtig handeln, und kann nicht anders; und diese Selbstsucht ist das einzig beharrende, sich gleichbleibende und sicher zu erwartende in dem unaufhrlichen Wandel seines Lebens. Als auergewhnliche Ausnahme von der Regel kann dieses dunkle Gefhl auch das persnliche Selbst berspringen und den Grundtrieb erfassen, als ein Verlangen nach einer dunkel gefhlten andern Ordnung der Dinge. Hieraus entspringt das, an andern Orten von uns sattsam beschriebene Leben, das da, erhaben ber die Selbstsucht, durch Ideen, die zwar dunkel sind, aber dennoch Ideen, getrieben wird, und in welchem die Vernunft als Instinkt waltet. Dieses Erfassen des Grundtriebes, berhaupt nur im dunklen Gefhle, ist der Grundzug der ersten Klasse unter den Menschen, die nicht durch Erziehung, sondern durch sich selbst gebildet wird, und welche Klasse wiederum zwei Unterarten in sich fat, die durch einen unbegreiflichen, der menschlichen Kunst durchaus unzugnglichen Grund geschieden werden. Die zweite Grundart des Bewutseins, welche in der Regel sich nicht von selbst entwickelt, sondern in der Gesellschaft sorgfltig gepflegt werden mu, ist die klare Erkenntnis. Wrde der Grundtrieb der Menschheit in diesem Elemente erfat, so wrde dies eine zweite, von der ersten ganz verschiedene Klasse von Menschen geben. Eine solche, die Grundliebe selbst erfassende Erkenntnis lt nun nicht, wie eine andre Erkenntnis dies wohl kann, kalt und unteilnehmend, sondern der Gegenstand derselben wird geliebt ber alles, da dieser Gegenstand ja nur die Deutung und Uebersetzung unsrer ursprnglichen Liebe selbst ist. Andre Erkenntnis erfat Fremdes, und dieses bleibt fremd, und lt kalt; diese erfat den Erkennenden selbst und seine Liebe, und diese liebt er. Unerachtet es nun bei beiden Klassen dieselbe ursprngliche nur in andrer Gestalt erscheinende Liebe ist, die sie treibt, so kann man dennoch, von jenem Umstande absehend, sagen, da dort der Mensch durch dunkle Gefhle, hier durch klare Erkenntnis getrieben werde. Da nun eine solche klare Erkenntnis unmittelbar antreibend werde im Leben, und man hierauf sicher zhlen knne, hngt, wie gesagt, davon ab, da es die wirkliche und wahre Liebe des Menschen sei, die durch dieselbe gedeutet werde; auch da ihm unmittelbar klar werde, da es also sei, und mit der Deutung zugleich das Gefhl jener Liebe in ihm angeregt und von ihm empfunden werde; da daher niemals die Erkenntnis in ihm entwickelt werde, ohne da zugleich die Liebe es werde, indem im entgegengesetzten Falle er kalt bleiben wrde, und niemals die Liebe, ohne da die Erkenntnis zugleich es werde, indem im Gegenteile sein Antrieb ein dunkles Gefhl werden wrde; da daher mit jedem Schritte seiner Bildung der ganze vereinigte Mensch gebildet werde. Ein von der Erziehung also als ein unteilbares Ganzes immerfort behandelter Mensch wird es auch fernerhin bleiben, und jede Erkenntnis wird ihm notwendig Lebensantrieb werden. 2. Indem auf diese Weise statt des dunkeln Gefhls die klare Erkenntnis zu dem allerersten, und zu der wahren Grundlage und Ausgangspunkte des Lebens gemacht wird, wird die Selbstsucht ganz bergangen, und um ihre Entwicklung betrogen. Denn nur das dunkle Gefhl gibt dem Menschen sein Selbst als ein genubedrftiges und schmerzscheuendes; keineswegs aber gibt es ihm also der klare Begriff, sondern dieser zeigt es als Glied einer sittlichen Ordnung, und es gibt eine Liebe zu dieser Ordnung, welche bei der Entwicklung des Begriffs zugleich mit angezndet und entwickelt wird. Mit der Selbstsucht bekommt diese Erziehung gar nichts zu tun, weil sie die Wurzel derselben, das dunkle Gefhl, durch Klarheit erstickt; sie bestreitet sie nicht, ebensowenig als sie dieselbe entwickelt, sie wei gar nicht von ihr. Wre es mglich, da diese Sucht spter dennoch sich regen sollte, so wrde sie das Herz schon angefllt finden von einer hhern Liebe, die ihr den Platz versagt. 3. Dieser Grundtrieb des Menschen nun, wenn er in klare Erkenntnis bersetzt wird, geht nicht auf eine schon gegebene und vorhandene Welt, welche ja nur leidend genommen werden kann, wie sie eben ist, und in der eine zu ursprnglich schpferischer Ttigkeit treibende Liebe keinen Wirkungskreis fr sich fnde; sondern er geht, zur Erkenntnis gesteigert auf eine Welt, die da werden soll, eine apriorische, eine solche, die da zuknftig ist, und ewig fort zuknftig bleibt. Das aller Erscheinung zugrunde liegende gttliche Leben tritt darum niemals ein als ein bestehendes und gegebenes Sein, sondern als etwas, das da werden soll, und nachdem ein solches, das da werden sollte, geworden ist, wird es abermals eintreten als ein werden sollendes in alle Ewigkeit, da daher jenes gttliche Leben niemals eintritt in den Tod des stehenden Seins, sondern immerfort bleibt in der Form des fortflieenden Lebens. Die unmittelbare Erscheinung und Offenbarung Gottes ist die Liebe; erst die Deutung dieser Liebe durch die Erkenntnis setzt ein Sein, und zwar ein solches, das ewig fort nur werden soll, und dieses, als die einzige wahre Welt, inwiefern an einer Welt berhaupt Wahrheit ist. Dagegen ist die zweite gegebene und von uns als vorhanden vorgefundene Welt nur der Schatten und Schemen, aus welchem die Erkenntnis ihrer Deutung der Liebe eine feste Gestalt und einen sichtbaren Leib erbaut; diese zweite Welt das Mittel und die Bedingung der Anschaulichkeit der fr sich selbst unsichtbaren hhern Welt. Nicht einmal in diese letztere hhere Welt tritt Gott unmittelbar ein, sondern auch hier nur vermittelt durch die eine, reine, unwandelbare und gestaltlose Liebe, in welcher Liebe allein er unmittelbar erscheint. Zu dieser Liebe tritt hinzu die anschauende Erkenntnis, welche aus sich selber ein Bild mitbringt, in das sie den an sich unsichtbaren Gegenstand der Liebe kleidet; widersprochen jedoch jedesmal von der Liebe, und darum fortgetrieben zu neuer Gestaltung, welcher abermals eben also widersprochen wird; wodurch allein nun die Liebe, welche rein fr sich eins ist, des Fortflieens, der Unendlichkeit und der Ewigkeit durchaus unfhig, in dieser Verschmelzung mit der Anschauung auch ein Ewiges und Unendliches wird so wie diese. Das soeben erwhnte aus der Erkenntnis selbst hergegebene Bild -- fr sich allein und noch ohne Anwendung auf die deutlich erkannte Liebe dasselbe genommen -- ist die stehende und gegebene Welt, oder die Natur. Der Wahn, da in diese Natur Gottes Wesen auf irgendeine Weise unmittelbar, und anders, als durch die angegebenen Zwischenglieder vermittelt, eintrete, stammt aus Finsternis im Geiste und aus Unheiligkeit im Willen. 4. Da nun das dunkle Gefhl, als Auflsungsmittel der Liebe in der Regel ganz bersprungen und an die Stelle desselben die klare Erkenntnis als das gewhnliche Auflsungsmittel gesetzt werde, kann, wie schon erinnert, nur durch eine besonnene Kunst der Erziehung des Menschen geschehen, und ist bisher nicht also geschehen. Da nun, wie wir gleichfalls ersehen haben, auf die letzte Weise eine von den bisherigen gewhnlichen Menschen durchaus verschiedene Menschenart eingefhrt und als die Regel gesetzt wird, so wrde durch eine solche Erziehung allerdings eine ganz neue Ordnung der Dinge, und eine neue Schpfung beginnen. Zu dieser neuen Gestalt wrde nun die Menschheit sich selber durch sich selbst, eben indem sie als gegenwrtiges Geschlecht sich selbst als zuknftiges Geschlecht erzieht, erschaffen; auf die Weise, wie sie allein dies kann, durch die Erkenntnis, als das einzige gemeinschaftliche und frei mitzuteilende, und das wahre, die Geisterwelt zur Einheit verbindende Licht und Luft dieser Welt. Bisher wurde die Menschheit, was sie eben wurde und werden konnte; mit diesem Werden durch das Ohngefhr ist es vorbei; denn da, wo sie am allerweitesten sich entwickelt hat, ist sie zu Nichts geworden. Soll sie nicht bleiben in diesem Nichts, so mu sie von nun an zu allem, was sie noch weiter werden soll, sich selbst machen. Dies sei die eigentliche Bestimmung des Menschengeschlechts auf der Erde, sagte ich in den Vorlesungen, deren Fortsetzung diese sind, da es mit Freiheit sich zu dem mache, was es eigentlich ursprnglich ist. Dieses Sichselbstmachen, im allgemeinen mit Besonnenheit und nach einer Regel, mu nun irgendwo und irgendwann im Raum und in der Zeit einmal anheben, wodurch ein zweiter Hauptabschnitt der freien und besonnenen Entwicklung des Menschengeschlechts an die Stelle des ersten Abschnitts einer nicht freien Entwicklung treten wrde. Wir sind der Meinung, da, in Absicht der Zeit, diese Zeit eben jetzt sei, und da dermalen das Geschlecht in der wahren Mitte seines Lebens auf der Erde zwischen seinen beiden Hauptepochen stehe; in Absicht des Raums aber glauben wir, da zu allernchst den Deutschen es anzumuten sei, die neue Zeit, vorangehend und vorbildend fr die brigen, zu beginnen. 5. Dennoch wird auch sogar diese ganz neue Schpfung nicht durch einen Sprung erfolgen aus dem Vorhergehenden, sondern sie ist die wahre natrliche Fortsetzung und Folge der bisherigen Zeit, ganz besonders unter den Deutschen. Sichtbar, und wie ich glaube, allgemein zugestanden, ging ja alles Regen und Streben der Zeit darauf, die dunklen Gefhle zu verbannen und allein der Klarheit und der Erkenntnis die Herrschaft zu verschaffen. Dieses Streben ist auch insofern vollkommen gelungen, da das bisherige Nichts vollkommen enthllt ist. Keineswegs soll nun dieser Trieb nach Klarheit ausgerottet, oder das dumpfe Beruhen beim dunkeln Gefhle wieder herrschend werden; jener Trieb soll nur noch weiter entwickelt und in hhere Kreise eingefhrt werden, also, da nach der Enthllung des Nichts auch das Etwas, die bejahende und wirklich etwas setzende Wahrheit, ebenfalls offenbar werde. Die aus dem dunklen Gefhle stammende Welt des gegebenen und sich durch sich selbst machenden Seins ist versunken, und sie soll versunken bleiben; dagegen soll die aus der ursprnglichen Klarheit stammende Welt des ewig fort aus dem Geiste zu entbindenden Seins aufstrahlen und anbrechen in ihrem ganzen Glanze. Zwar drfte die Weissagung eines neuen Lebens in solchen Formen der Zeit sonderbar dnken, und es drfte diese kaum den Mut haben, diese Verheiung sich zuzueignen; wenn sie lediglich auf den ungeheuern Abstand ihrer herrschenden Meinungen ber die soeben zur Sprache gebrachten Gegenstnde von dem, was als Grundstze der neuen Zeit ausgesprochen worden, sehen wollte. Ich will von der Bildung, welche jedoch, als ein nicht gemein zu machendes Vorrecht, bisher in der Regel nur die hhern Stnde erhielten, die von einer bersinnlichen Welt ganz schwieg, und lediglich einige Geschicklichkeit fr die Geschfte der sinnlichen zu bewirken strebte, als von der offenbar schlechteren, nicht reden, sondern nur auf diejenige sehen, welche Volksbildung war und in einem gewissen sehr beschrnkten Sinne auch Nationalerziehung genannt werden knnte, die ber eine bersinnliche Welt nicht durchaus Stillschweigen beobachtete. Welches waren die Lehren dieser Erziehung? Wenn wir als allererste Voraussetzung der neuen Erziehung aufstellen, da in der Wurzel des Menschen ein reines Wohlgefallen am Guten sei und da dieses Wohlgefallen so sehr entwickelt werden knne, da es dem Menschen unmglich werde, das fr gut Erkannte zu unterlassen, und statt dessen das fr bs Erkannte zu tun; so hat dagegen die bisherige Erziehung nicht blo angenommen, sondern auch ihre Zglinge von frher Jugend an belehrt, teils, da dem Menschen eine natrliche Abneigung gegen Gottes Gebote beiwohne, teils, da es ihm schlechthin unmglich sei, dieselben zu erfllen. Was lt von einer solchen Belehrung, wenn sie fr ernst genommen wird und Glauben findet, andres sich erwarten, als da jeder einzelne sich in seine nun einmal nicht abzundernde Natur ergebe, nicht versuche zu leisten, was ihm nun als einmal unmglich vorgestellt ist, und nicht besser zu sein begehre, denn er und alle brigen zu sein vermgen; ja, da er sich sogar die ihm angemutete Niedertrchtigkeit gefallen lasse, sich selbst in seiner radikalen Sndhaftigkeit und Schlechtigkeit anzuerkennen; indem diese Niedertrchtigkeit vor Gott ihm als das einzige Mittel vorgestellt wird, mit demselben sich abzufinden; und da er, falls etwa eine solche Behauptung, wie die unsrige, an sein Ohr trifft, nicht anders denken knne, als da man blo einen schlechten Scherz mit ihm treiben wolle, indem er allgegenwrtig fhlt in seinem Innern, und mit den Hnden greift, da dieses nicht wahr, sondern das Gegenteil davon allein wahr sei? Wenn wir eine von allem gegebenen Sein ganz unabhngige und vielmehr diesem Sein selbst das Gesetz gebende Erkenntnis annehmen, und in diese gleich vom Anbeginn jedes menschliche Kind eintauchen, und es von nun an in dem Gebiete derselben immerfort erhalten wollen, wogegen wir die nur historisch zu erlernende Beschaffenheit der Dinge als eine geringfgige Nebensache, die von selbst sich ergibt, betrachten: so treten die reifsten Frchte der bisherigen Bildung uns entgegen und erinnern uns, da es ja bekanntermaen gar keine apriorische Erkenntnis gebe, und da sie wohl wissen mchten, wie man erkennen knne, auer durch Erfahrung. Und damit diese bersinnliche und apriorische Welt auch sogar an derjenigen Stelle sich nicht verrate, wo es gar nicht zu vermeiden schien -- an der Mglichkeit einer Erkenntnis von Gott, und selbst an Gott nicht die geistige Selbstttigkeit sich erhebe, sondern das leidende Hingeben alles in allem bliebe, hat gegen diese Gefahr die bisherige Menschenbildung das khne Mittel gefunden, das Dasein Gottes zu einem historischen Faktum zu machen, dessen Wahrheit durch ein Zeugenverhr ausgemittelt wird. So verhlt es sich wohl freilich; dennoch aber wolle das Zeitalter darum nicht an sich selber verzagen. Denn diese und alle andre hnliche Erscheinungen sind selber nichts Selbstndiges, sondern nur Blten und Frchte der wilden Wurzel der alten Zeit. Gebe nur das Zeitalter sich ruhig hin der Einimpfung einer neuen edlern und krftigern Wurzel, so wird die alte ersticken, und die Blten und Frchte derselben, denen aus jener keine weitere Nahrung zugefgt wird, werden von selbst verwelken und abfallen. Jetzt vermag es das Zeitalter noch gar nicht, unsern Worten zu glauben, und es ist notwendig, da ihm dieselben vorkommen wie Mrchen. Wir wollen auch diesen Glauben nicht; wir wollen nur Raum zum Schaffen und Handeln. Nachmals wird es sehen, und es wird glauben seinen eignen Augen. So wird z. B. jedermann, der mit den Erzeugungen der letzten Zeit bekannt ist, schon lngst bemerkt haben, da hier abermals die Stze und Ansichten ausgesprochen werden, welche die neuere deutsche Philosophie seit ihrer Entstehung gepredigt hat, und wiederum gepredigt, weil sie eben nichts weiter vermochte, denn zu predigen. Da diese Predigten fruchtlos verhallt sind in der leeren Luft, ist nun hinlnglich klar, auch ist der Grund klar, warum sie also verhallen muten. Nur auf Lebendiges wirkt Lebendiges; in dem wirklichen Leben der Zeit aber ist gar keine Verwandtschaft zu dieser Philosophie, indem diese Philosophie ihr Wesen treibt in einem Kreise, der fr jene noch gar nicht aufgegangen, und fr Sinnenwerkzeuge, die jener noch nicht erwachsen sind. Sie ist gar nicht zu Hause in diesem Zeitalter, sondern sie ist ein Vorgriff der Zeit und ein schon im voraus fertiges Lebenselement eines Geschlechts, das in demselben erst zum Lichte erwachsen soll. Auf das gegenwrtige Geschlecht mu sie Verzicht tun; damit sie aber bis dahin nicht mig sei, so bernehme sie dermalen die Aufgabe, das Geschlecht, zu welchem sie gehrt, sich zu bilden. Erst wie dies ihr nchstes Geschft ihr klar geworden, wird sie friedlich und freundlich zusammenleben knnen mit einem Geschlechte, das brigens ihr nicht gefllt. Die Erziehung, die wir bisher beschrieben haben, ist zugleich die Erziehung fr sie: wiederum kann in einem gewissen Sinn nur sie die Erzieherin sein in dieser Erziehung; und so mute sie ihrer Verstndlichkeit und Annehmbarkeit zuvoreilen. Aber es wird die Zeit kommen, in der sie verstanden und mit Freuden angenommen werden wird; und darum wolle das Zeitalter nicht an sich selbst verzagen. Hre dieses Zeitalter ein Gesicht eines alten Sehers, das auf eine wohl nicht weniger beklagenswerte Lage berechnet war. So sagt der Seher am Wasser Chebar, der Trster der Gefangenen nicht im eignen sondern im fremden Lande: Des Herrn Hand kam ber mich und fhrte mich hinaus im Geiste des Herrn, und stellte mich auf ein weit Feld, das voller Gebeine lag, und er fhrte mich allenthalben herum, und siehe, des Gebeines lag sehr viel auf dem Felde, und siehe, sie waren sehr verdorret. Und der Herr sprach zu mir: du Menschenkind, meinest du wohl, da diese Gebeine werden wieder lebendig werden? Und ich sprach: Herr, das weiest nur du wohl. Und er sprach zu mir: Weissage von diesen Gebeinen, und sprich zu ihnen: ihr verdorrten Gebeine, hret des Herrn Wort! So spricht der Herr von euch verdorrten Gebeinen, ich will euch durch Flechsen und Sehnen wieder verbinden, und Fleisch lassen ber euch wachsen; und euch mit Haut berziehen, und will euch Odem geben, da ihr wieder lebendig werdet, und ihr sollet erfahren, da ich der Herr sei. Und ich weissagte, wie mir befohlen war, und siehe, da rauschte es, als ich weissagte, und regte sich, und die Gebeine fgten sich wieder aneinander, ein jegliches an seinen Ort, und es wuchsen darauf Adern und Fleisch, und er berzog sie mit Haut; noch aber war kein Odem in ihnen. Und der Herr sprach zu mir: Weissage zum Winde, du Menschenkind, und sprich zum Winde: so spricht der Herr: Wind, komm herzu aus den vier Winden, und blase an diese Getteten, da sie wieder lebendig werden. Und ich weissagte, wie er mir befohlen hatte. Da kam Odem in sie, und sie wurden wieder lebendig, und richteten sich auf ihre Fe, und ihrer war ein sehr groes Heer. Lasset immer die Bestandteile unsres hhern geistigen Lebens ebenso ausgedorret, und eben darum auch die Bande unsrer Nationaleinheit ebenso zerrissen, und in wilder Unordnung durcheinander zerstreut herumliegen, wie die Totengebeine des Sehers; lasset unter Strmen, Regengssen und sengendem Sonnenscheine mehrere Jahrhunderte dieselben gebleicht und ausgedorrt haben: -- der belebende Odem der Geisterwelt hat noch nicht aufgehrt zu wehen. Er wird auch unsers Nationalkrpers erstorbene Gebeine ergreifen und sie aneinanderfgen, da sie herrlich dastehen in neuem und verklrtem Leben. Vierte Rede. Hauptverschiedenheit zwischen den deutschen und den brigen Vlkern germanischer Abkunft. Das in diesen Reden vorgeschlagene Bildungsmittel eines neuen Menschengeschlechts msse zu allererst von Deutschen an Deutschen angewendet werden, und es komme dasselbe ganz eigentlich und zunchst unsrer Nation zu, ist gesagt worden. Auch dieser Satz bedarf eines Beweises, und wir werden auch hier, so wie bisher, anheben von dem hchsten und allgemeinsten, zeigend, was der Deutsche an und fr sich, unabhngig von dem Schicksale, das ihn dermalen betroffen hat, in seinem Grundzuge sei und von jeher gewesen sei, seitdem er ist; und darlegend, da schon in diesem Grundzuge die Fhigkeit und Empfnglichkeit einer solchen Bildung, ausschlieend vor allen andern europischen Nationen, liege. Der Deutsche ist zuvrderst ein Stamm der Germanier berhaupt, ber welche letztere hier hinreicht die Bestimmung anzugeben, da sie da waren, die im alten Europa errichtete gesellschaftliche Ordnung mit der im alten Asien aufbewahrten wahren Religion zu vereinigen, und so an und aus sich selbst eine neue Zeit, im Gegensatze des untergegangenen Altertums, zu entwickeln. Ferner reicht es hin den Deutschen insbesondere nur im Gegensatze mit den andern neben ihm entstandenen germanischen Vlkerstmmen zu bezeichnen; indem andre neueuropische Nationen, als z. B. die von slawischer Abstammung, sich vor dem brigen Europa noch nicht so klar entwickelt zu haben scheinen, da eine bestimmte Zeichnung von ihnen mglich sei, andre aber von der gleichen germanischen Abstammung, von denen der zugleich anzufhrende Hauptunterscheidungsgrund nicht gilt, wie die Skandinavier hier unbezweifelt fr Deutsche genommen werden, und unter allen den allgemeinen Folgen unsrer Betrachtung mit begriffen sind. Vor allem voraus aber ist der jetzt insbesondere anzustellenden Betrachtung folgende Bemerkung voranzusenden. Ich werde als Grund des erfolgten Unterschiedes in dem ursprnglich einen Grundstamme eine Begebenheit angeben, die blo als Begebenheit klar und unwidersprechlich vor aller Augen liegt; ich werde sodann einzelne Erscheinungen dieses erfolgten Unterschiedes aufstellen, welche als bloe Begebenheiten wohl ebenso einleuchtend drften gemacht werden knnen. Was aber die Verknpfung der letztern, als Folgen mit dem ersten, als ihrem Grunde, und die Ableitung der Folge aus dem Grunde betrifft, kann ich im allgemeinen nicht auf dieselbe Klarheit und berzeugende Kraft fr alle rechnen. Zwar spreche ich auch in dieser Rcksicht nicht eben ganz neue und bisher unerhrte Stze aus, sondern es gibt unter uns viele einzelne, die fr eine solche Ansicht der Sache entweder sehr gut vorbereitet, oder auch wohl mit derselben schon vertraut sind. Unter der Mehrheit aber sind ber den anzuregenden Gegenstand Begriffe im Umlaufe, die von den unsrigen sehr abweichen, und welche zu berichtigen, und alle, von solchen die keinen gebten Sinn fr ein Ganzes haben, aus einzelnen Fllen beizubringenden Einwrfe zu widerlegen, die Grenze unsrer Zeit und unsres Planes bei weitem berschreiten wrde. Den letztern mu ich mich begngen das in dieser Rcksicht zu Sagende, das in meinem gesamten Denken nicht so einzeln und abgerissen und nicht ohne Begrndung bis in die Tiefe des Wissens dastehen drfte, wie es hier sich gibt, nur als Gegenstand ihres weitern Nachdenkens hinzulegen. Ganz bergehen durfte ich es, noch abgerechnet die fr das Ganze nicht zu erlassende Grndlichkeit, auch schon nicht in Rcksicht der wichtigen Folgen daraus, die sich im sptern Verlaufe unsrer Reden ergeben werden, und die ganz eigentlich zu unserm nchsten Vorhaben gehren. Der zu allererst und unmittelbar der Betrachtung sich darbietende Unterschied zwischen den Schicksalen der Deutschen und der brigen aus derselben Wurzel erzeugten Stmme ist der, da die ersten in den ursprnglichen Wohnsitzen des Stammvolks blieben, die letzten in andre Sitze auswanderten, die ersten die ursprngliche Sprache des Stammvolks behielten und fortbildeten, die letzten eine fremde Sprache annahmen, und dieselbe allmhlich nach ihrer Weise umgestalteten. Aus dieser frhesten Verschiedenheit mssen erst die sptern erfolgten, z. B. da im ursprnglichen Vaterlande, angemessen germanischer Ursitte, ein Staatenbund unter einem beschrnkten Oberhaupte blieb, in den fremden Lndern mehr auf bisherige rmische Weise die Verfassung in Monarchien berging, und dergleichen erklrt werden, keineswegs aber in umgekehrter Ordnung. Von den angegebenen Vernderungen ist nun die erste, die Vernderung der Heimat, ganz unbedeutend. Der Mensch wird leicht unter jedem Himmelsstriche einheimisch, und die Volkseigentmlichkeit, weit entfernt durch den Wohnort sehr verndert zu werden, beherrscht vielmehr diesen, und verndert ihn nach sich. Auch ist die Verschiedenheit der Natureinflsse in dem von Germaniern bewohnten Himmelsstriche nicht sehr gro. Ebensowenig wolle man auf den Umstand ein Gewicht legen, da in den eroberten Lndern die germanische Abstammung mit den frhern Bewohnern vermischt worden; denn Sieger und Herrscher und Bildner des aus der Vermischung entstehenden neuen Volkes waren doch nur die Germanen. Ueberdies erfolgte dieselbe Mischung, die im Auslande mit Galliern, Kantabriern usw. geschah, im Mutterlande mit Slawen wohl nicht in geringerer Ausdehnung; so da es keinem der aus Germaniern entstandenen Vlker heutzutage leicht fallen drfte, eine grere Reinheit seiner Abstammung vor den brigen darzutun. Bedeutender aber, und wie ich dafrhalte, einen vollkommenen Gegensatz zwischen den Deutschen und den brigen Vlkern germanischer Abkunft begrndend, ist die zweite Vernderung, die der Sprache; und kommt es dabei, welches ich gleich zu Anfange bestimmt aussprechen will, weder auf die besondere Beschaffenheit derjenigen Sprache an, welche von diesem Stamme beibehalten, noch auf die der andern, welche von jenem andern Stamme angenommen wird, sondern allein darauf, da dort Eignes behalten, hier Fremdes angenommen wird; noch kommt es an auf die vorige Abstammung derer, die eine ursprngliche Sprache fortsprechen, sondern nur darauf, da diese Sprache ohne Unterbrechung fortgesprochen werde, indem weit mehr die Menschen von der Sprache gebildet werden, denn die Sprache von den Menschen. Um die Folgen eines solchen Unterschiedes in der Vlkererzeugung und die bestimmte Art des Gegensatzes in den Nationalzgen, die aus dieser Verschiedenheit notwendig erfolgt, klar zu machen, soweit es hier mglich und ntig ist, mu ich Sie zu einer Betrachtung ber das Wesen der Sprache berhaupt einladen. Die Sprache berhaupt, und besonders die Bezeichnung der Gegenstnde in derselben durch das Lautwerden der Sprachwerkzeuge hngt keineswegs von willkrlichen Beschlssen und Verabredungen ab, sondern es gibt zufrderst ein Grundgesetz, nach welchem jedweder Begriff in den menschlichen Sprachwerkzeugen zu diesem und keinem andern Laute wird. So wie die Gegenstnde sich in den Sinnenwerkzeugen des einzelnen mit dieser bestimmten Figur, Farbe usw. abbilden, so bilden sie sich im Werkzeuge des gesellschaftlichen Menschen, in der Sprache mit diesem bestimmten Laute ab. Nicht eigentlich redet der Mensch, sondern in ihm redet die menschliche Natur, und verkndigt sich andern seinesgleichen. Und so mte man sagen: die Sprache ist eine einzige und durchaus notwendige. Nun mag zwar, welches das zweite ist, die Sprache in dieser ihrer Einheit fr den Menschen schlechtweg als solchen, niemals und nirgends hervorgebrochen sein, sondern allenthalben weiter gendert und gebildet durch die Wirkungen, welche der Himmelsstrich, und hufigerer oder seltenerer Gebrauch, auf die Sprachwerkzeuge und die Aufeinanderfolge der beobachteten und bezeichneten Gegenstnde auf die Aufeinanderfolge der Bezeichnung hatten. Jedoch findet auch hierin nicht Willkr oder Ohngefhr, sondern strenges Gesetz statt; und es ist notwendig, da in einem durch die erwhnten Bedingungen also bestimmten Sprachwerkzeuge nicht die eine und reine Menschensprache, sondern da eine Abweichung davon, und zwar, da gerade diese bestimmte Abweichung davon hervorbreche. Nenne man die unter denselben uern Einflssen auf das Sprachwerkzeug stehenden, zusammenlebenden und in fortgesetzter Mitteilung ihre Sprache fortbildenden Menschen ein Volk, so mu man sagen: die Sprache dieses Volks ist notwendig so wie sie ist, und nicht eigentlich dieses Volk spricht seine Erkenntnis aus, sondern seine Erkenntnis selbst spricht sich aus aus demselben. Bei allen im Fortgange der Sprache durch dieselben oben erwhnten Umstnde erfolgten Vernderungen bleibt, ununterbrochen diese Gesetzmigkeit; und zwar fr alle, die in ununterbrochener Mitteilung bleiben, und wo das von jedem einzelnen ausgesprochene Neue an das Gehr aller gelangt, dieselbe eine Gesetzmigkeit. Nach Jahrtausenden, und nach allen den Vernderungen, welche in ihnen die uere Erscheinung der Sprache dieses Volks erfahren hat, bleibt es immer dieselbe eine, ursprnglich also ausbrechen mssende lebendige Sprachkraft der Natur, die ununterbrochen durch alle Bedingungen herabgeflossen ist und in jeder so werden mute, wie sie ward, am Ende derselben so sein mute, wie sie jetzt ist, und in einiger Zeit also sein wird, wie sie sodann mssen wird. Die reinmenschliche Sprache zusammengenommen zuvrderst mit dem Organe des Volks, als sein erster Laut ertnte, was hieraus sich ergibt, ferner zusammengenommen mit allen Entwicklungen, die dieser erste Laut unter den gegebenen Umstnden gewinnen mute, gibt als letzte Folge die gegenwrtige Sprache des Volks. Darum bleibt auch die Sprache immer dieselbe Sprache. Lasset immer nach einigen Jahrhunderten die Nachkommen die damalige Sprache ihrer Vorfahren nicht verstehen, weil fr sie die Uebergnge verloren gegangen sind; dennoch gibt es vom Anbeginn an einen stetigen Uebergang, ohne Sprung, immer unmerklich in der Gegenwart, und nur durch Hinzufgung neuer Uebergnge bemerklich gemacht, und als Sprung erscheinend. Niemals ist ein Zeitpunkt eingetreten, da die Zeitgenossen aufgehrt htten sich zu verstehen, indem ihr ewiger Vermittler und Dolmetscher die aus ihnen allen sprechende gemeinsame Naturkraft immerfort war und blieb. So verhlt es sich mit der Sprache als Bezeichnung der Gegenstnde unmittelbar sinnlicher Wahrnehmung, und dieses ist alle menschliche Sprache anfangs. Erhebt von dieser das Volk sich zu Erfassung des Uebersinnlichen, so vermag dieses Uebersinnliche zur beliebigen Wiederholung und zur Vermeidung der Verwirrung mit dem Sinnlichen fr den ersten einzelnen, und zur Mitteilung und zweckmigen Leitung fr andre, zuvrderst nicht anders festgehalten zu werden, denn also, da ein Selbst als Werkzeug einer bersinnlichen Welt bezeichnet, und von demselben Selbst, als Werkzeug der sinnlichen Welt, genau unterschieden werde -- eine Seele, Gemt und dergleichen einem krperlichen Leib entgegengesetzt werde. Ferner knnten die verschiedenen Gegenstnde dieser bersinnlichen Welt, da sie insgesamt nur in jenem bersinnlichen Werkzeuge erscheinen und fr dasselbe da sind, in der Sprache nur dadurch bezeichnet werden, da gesagt werde, ihr besonderes Verhltnis zu ihrem Werkzeuge sei also wie das Verhltnis der und der bestimmten sinnlichen Gegenstnde zum sinnlichen Werkzeuge, und das in diesem Verhltnis ein besonderes Uebersinnliches einem besondern Sinnlichen gleichgesetzt, und durch diese Gleichsetzung sein Ort im bersinnlichen Werkzeuge durch die Sprache angedeutet werde. Weiter vermag in diesem Umkreise die Sprache nichts; sie gibt ein sinnliches Bild des Uebersinnlichen blo mit der Bemerkung, da es ein solches Bild sei; wer zur Sache selbst kommen will, mu nach der durch das Bild ihm angegebenen Regel sein eignes geistiges Werkzeug in Bewegung setzen. -- Im allgemeinen erhellet, da diese sinnbildliche Bezeichnung des Uebersinnlichen jedesmal nach der Stufe der Entwicklung des sinnlichen Erkenntnisvermgens unter dem gegebenen Volke sich richten msse; da daher der Anfang und Fortgang dieser sinnbildlichen Bezeichnung in verschiedenen Sprachen sehr verschieden ausfallen werde, nach der Verschiedenheit des Verhltnisses, das zwischen der sinnlichen und geistigen Ausbildung des Volkes, das eine Sprache redet, stattgefunden und fortwhrend stattfindet. Wir beleben zuvrderst diese in sich klare Bemerkung durch ein Beispiel. Etwas, das zufolge der in der vorigen Rede erklrten Erfassung des Grundtriebes nicht erst durch das dunkle Gefhl, sondern sogleich durch klare Erkenntnis entsteht, dergleichen jedesmal ein bersinnlicher Gegenstand ist, heit mit einem griechischen, auch in der deutschen Sprache hufig gebrauchten Worte, eine Idee, und dieses Wort gibt genau dasselbe Sinnbild, was in der deutschen das Wort Gesicht, wie dieses in folgenden Wendungen der lutherschen Bibelbersetzung: ihr werdet Gesichte sehen, ihr werdet Trume haben, vorkommt. Idee oder Gesicht in sinnlicher Bedeutung wre etwas, das nur durch das Auge des Leibes, keineswegs aber durch einen andern Sinn, etwa der Betastung, des Gehrs usw. erfat werden knnte, so wie etwa ein Regenbogen, oder die Gestalten, welche im Traume vor uns vorbergehen. Dasselbe in bersinnlicher Bedeutung hiee zuvrderst, zufolge des Umkreises, in dem das Wort gelten soll, etwas, das gar nicht durch den Leib, sondern nur durch den Geist erfat wird, sodann, das auch nicht durch das dunkle Gefhl des Geistes, wie manches andre, sondern allein durch das Auge desselben, die klare Erkenntnis, erfat werden kann. Wollte man nun etwa ferner annehmen, da den Griechen bei dieser sinnbildlichen Bezeichnung allerdings der Regenbogen und die Erscheinungen der Art zum Grunde gelegen, so mte man gestehen, da ihre sinnliche Erkenntnis schon vorher sich zur Bemerkung des Unterschiedes zwischen den Dingen, da einige sich allen oder mehreren Sinnen, einige sich blo dem Auge offenbaren, erhoben haben msse, und da auerdem sie den entwickelten Begriff, wenn er ihnen klar geworden wre, nicht also, sondern anders htten bezeichnen mssen. Es wrde sodann auch ihr Vorzug in geistiger Klarheit erhellen etwa vor einem andern Volke, das den Unterschied zwischen Sinnlichem und Uebersinnlichem nicht durch ein aus dem besonnenen Zustande des Wachens hergenommenes Sinnbild habe bezeichnen knnen, sondern zum Traume seine Zuflucht genommen, um ein Bild fr eine andre Welt zu finden; zugleich wrde einleuchten, da dieser Unterschied nicht etwa durch die grere oder geringere Strke des Sinns frs Uebersinnliche in den beiden Vlkern, sondern da er lediglich durch die Verschiedenheit ihrer sinnlichen Klarheit, damals, als sie Uebersinnliches bezeichnen wollten, begrndet sei. So richtet alle Bezeichnung des Uebersinnlichen sich nach dem Umfange und der Klarheit der sinnlichen Erkenntnis desjenigen, der da bezeichnet. Das Sinnbild ist ihm klar, und drckt ihm das Verhltnis des Begriffenen zum geistigen Werkzeuge vollkommen verstndlich aus, denn dieses Verhltnis wird ihm erklrt durch ein andres unmittelbar lebendiges Verhltnis zu seinem sinnlichen Werkzeuge. Diese also entstandene neue Bezeichnung, mit aller der neuen Klarheit, die durch diesen erweiterten Gebrauch des Zeichens die sinnliche Erkenntnis selber bekommt, wird nun niedergelegt in der Sprache; und die mgliche knftige bersinnliche Erkenntnis wird nun nach ihrem Verhltnisse zu der ganzen in der gesamten Sprache niedergelegten bersinnlichen und sinnlichen Erkenntnis bezeichnet; und so geht es ununterbrochen fort; und so wird denn die unmittelbare Klarheit und Verstndlichkeit der Sinnbilder niemals abgebrochen, sondern sie bleibt ein stetiger Flu. -- Ferner, da die Sprache nicht durch Willkr vermittelt, sondern als unmittelbare Naturkraft aus dem verstndigen Leben ausbricht, so hat eine ohne Abbruch nach diesem Gesetze fortentwickelte Sprache auch die Kraft, unmittelbar einzugreifen in das Leben und dasselbe anzuregen. Wie die unmittelbar gegenwrtigen Dinge den Menschen bewegen, so mssen auch die Worte einer solchen Sprache den bewegen, der sie versteht, denn auch sie sind Dinge, keineswegs willkrliches Machwerk. So zunchst im Sinnlichen. Nicht anders jedoch auch im Uebersinnlichen. Denn obwohl in Beziehung auf das letztere der stetige Fortgang der Naturbeobachtung durch freie Besinnung und Nachdenken unterbrochen wird, und hier gleichsam der unbildliche Gott eintritt, so versetzt dennoch die Bezeichnung durch die Sprache das Unbildliche auf der Stelle in den stetigen Zusammenhang des Bildlichen zurck; und so bleibt auch in dieser Rcksicht der stetige Fortgang der zuerst als Naturkraft ausgesprochenen Sprache ununterbrochen, und es tritt in den Flu der Bezeichnung keine Willkr ein. Es kann darum auch dem bersinnlichen Teile einer also stetig fortentwickelten Sprache seine Leben anregende Kraft auf den, der nur sein geistiges Werkzeug in Bewegung setzt, nicht entgehen. Die Worte einer solchen Sprache in allen ihren Teilen sind Leben und schaffen Leben. -- Machen wir auch in Rcksicht der Entwicklung der Sprache fr das Uebersinnliche die Voraussetzung, da das Volk dieser Sprache in ununterbrochener Mitteilung geblieben, und da, was einer gedacht und ausgesprochen, bald an alle gekommen, so gilt, was bisher im allgemeinen gesagt worden, fr alle, die diese Sprache reden. Allen, die nur denken wollen, ist das in der Sprache niedergelegte Sinnbild klar; allen, die da wirklich denken, ist es lebendig und anregend ihr Leben. So verhlt es sich, sage ich, mit einer Sprache, die von dem ersten Laute an, der in demselben Volke ausbrach, ununterbrochen aus dem wirklichen gemeinsamen Leben dieses Volkes sich entwickelt hat, und in die niemals ein Bestandteil gekommen, der nicht eine wirklich erlebte Anschauung dieses Volks und eine mit allen brigen Anschauungen desselben Volks im allseitig eingreifenden Zusammenhange stehende Anschauung ausdrckte. Lasset dem Stammvolke dieser Sprache noch so viele einzelne andern Stammes und andrer Sprache einverleibt werden; wenn es diesen nur nicht verstattet wird, den Umkreis ihrer Anschauungen zu dem Standpunkte, von welchem von nun an die Sprache sich fortentwickle, zu erheben, so bleiben diese stumm in der Gemeinde und ohne Einflu auf die Sprache, so lange, bis sie selbst in den Umkreis der Anschauung des Stammvolks hineingekommen sind, und so bilden nicht sie die Sprache, sondern die Sprache bildet sie. Ganz das Gegenteil aber von allem bisher Gesagten erfolgt alsdann, wenn ein Volk mit Aufgebung seiner eignen Sprache eine fremde, fr bersinnliche Bezeichnung schon sehr gebildete annimmt; und zwar nicht also, da es sich der Einwirkung dieser fremden Sprache ganz frei hingebe, und sich bescheide sprachlos zu bleiben, so lange, bis es in den Kreis der Anschauungen dieser fremden Sprache hineingekommen; sondern also, da es seinen eignen Anschauungskreis der Sprache aufdringe, und diese, von dem Standpunkte aus, wo sie dieselbe fanden, von nun an in diesem Anschauungskreise sich fortbewegen msse. In Absicht des sinnlichen Teils der Sprache zwar ist diese Begebenheit ohne Folgen. In jedem Volke mssen ja ohnedies die Kinder diesen Teil der Sprache, gleich als ob die Zeichen willkrlich wren, lernen und so die ganze frhere Sprachentwicklung der Nation hierin nachholen; jedes Zeichen aber in diesem sinnlichen Umkreise kann durch die unmittelbare Ansicht oder Berhrung des Bezeichneten vollkommen klargemacht werden. Hchstens wrde daraus folgen, da das erste Geschlecht eines solchen seine Sprache ndernden Volkes als Mnner wieder in die Kinderjahre zurckzugehen gentigt gewesen; mit den Nachgebornen aber und an den knftigen Geschlechtern war alles wieder in der alten Ordnung. Dagegen ist diese Vernderung von den bedeutendsten Folgen in Rcksicht des bersinnlichen Teils der Sprache. Dieser hat zwar fr die ersten Eigentmer der Sprache sich gemacht auf die bisher beschriebene Weise; fr die sptern Eroberer derselben aber enthlt das Sinnbild eine Vergleichung mit einer sinnlichen Anschauung, die sie entweder schon lngst, ohne die beiliegende geistige Ausbildung, bersprungen haben, oder die sie dermalen noch nicht gehabt haben, auch wohl niemals haben knnen. Das Hchste, was sie hierbei tun knnen, ist, da sie das Sinnbild und die geistige Bedeutung derselben sich erklren lassen, wodurch sie die flache und tote Geschichte einer fremden Bildung, keineswegs aber eigne Bildung erhalten und Bilder bekommen, die fr sie weder unmittelbar klar, noch auch lebenanregend sind, sondern vllig also willkrlich erscheinen mssen, wie der sinnliche Teil der Sprache. Fr sie ist nun, durch diesen Eintritt der bloen Geschichte als Erklrerin, die Sprache in Absicht des ganzen Umkreises ihrer Sinnbildlichkeit tot, abgeschlossen und ihr stetiger Fortflu abgebrochen; und obwohl ber diesen Umkreis hinaus sie nach ihrer Weise, und inwiefern dies von einem solchen Ausgangspunkte aus mglich ist, diese Sprache wieder lebendig fortbilden mgen; so bleibt doch jener Bestandteil die Scheidewand, an welcher der ursprngliche Ausgang der Sprache, als eine Naturkraft, aus dem Leben und die Rckkehr der wirklichen Sprache in das Leben, ohne Ausnahme sich bricht. Obwohl eine solche Sprache auf der Oberflche durch den Wind des Lebens bewegt werden, und so den Schein eines Lebens von sich geben mag, so hat sie doch tiefer einen toten Bestandteil, und ist durch den Eintritt des neuen Anschauungskreises und die Abbrechung des alten abgeschnitten von der lebendigen Wurzel. Wir beleben das soeben Gesagte durch ein Beispiel; indem wir zum Behuf dieses Beispiels noch beilufig die Bemerkung machen, da eine solche im Grunde tote und unverstndliche Sprache sich auch sehr leicht verdrehen und zu allen Beschnigungen des menschlichen Verderbens mibrauchen lt, was in einer niemals erstorbenen nicht also mglich ist. Ich bediene mich als solchen Beispiels der drei berchtigten Worte, Humanitt, Popularitt, Liberalitt. Diese Worte, vor dem Deutschen, der keine andre Sprache gelernt hat, ausgesprochen, sind ihm ein vllig leerer Schall, der an nichts ihm schon Bekanntes durch Verwandtschaft des Lautes erinnert und so aus dem Kreise seiner Anschauung und aller mglichen Anschauung ihn vollkommen herausreit. Reizt nun doch etwa das unbekannte Wort durch seinen fremden vornehmen und wohltnenden Klang seine Aufmerksamkeit, und denkt er, was so hoch tne, msse auch etwas Hohes bedeuten; so mu er sich diese Bedeutung ganz von vornherein und als etwas ihm ganz Neues erklren lassen und kann dieser Erklrung eben nur blind glauben und wird so stillschweigend gewhnt, etwas fr wirklich daseiend und wrdig anzuerkennen, das er, sich selbst berlassen, vielleicht niemals des Erwhnens wert gefunden htte. Man glaube nicht, da es sich mit den neulateinischen Vlkern, welche jene Worte vermeintlich als Worte ihrer Muttersprache aussprechen, viel anders verhalte. Ohne gelehrte Ergrndung des Altertums und seiner wirklichen Sprache verstehen sie die Wurzeln dieser Wrter ebensowenig, als der Deutsche. Htte man nun etwa dem Deutschen statt des Wortes Humanitt das Wort Menschlichkeit, wie jenes wrtlich bersetzt werden mu, ausgesprochen, so htte er uns ohne weitere historische Erklrung verstanden; aber er htte gesagt: da ist man nicht eben viel, wenn man ein Mensch ist und kein wildes Tier. Also aber, wie wohl nie ein Rmer gesagt htte, wrde der Deutsche sagen, deswegen, weil die Menschheit berhaupt in seiner Sprache nur ein sinnlicher Begriff geblieben, niemals aber wie bei den Rmern zum Sinnbilde eines bersinnlichen geworden; indem unsre Vorfahren vielleicht lange vorher die einzelnen menschlichen Tugenden bemerkt, und sinnbildlich in der Sprache bezeichnet, ehe sie darauf gefallen, dieselben in einem Einheitsbegriffe, und zwar als Gegensatz mit der tierischen Natur, zusammenzufassen, welches denn auch unsern Vorfahren den Rmern gegenber zu gar keinem Tadel gereicht. Wer nun den Deutschen dennoch dieses fremde und rmische Sinnbild knstlich in die Sprache spielen wollte, der wrde ihre sittliche Denkart offenbar herunterstimmen, indem er ihnen als etwas Vorzgliches und Lobenswrdiges hingbe, was in der fremden Sprache auch wohl ein solches sein mag, was er aber, nach der austilgbaren Natur seiner Nationaleinbildungskraft nur fat, als das Bekannte, das gar nicht zu erfassen ist. Es liee sich vielleicht durch eine nhere Untersuchung dartun, da dergleichen Herabstimmungen der frhern sittlichen Denkart durch unpassende und fremde Sinnbilder den germanischen Stmmen, die die rmische Sprache annahmen, schon zu Anfange begegnet: doch wird hier auf diesen Umstand nicht gerade das grte Gewicht gelegt. Wrde ich ferner dem Deutschen statt der Wrter Popularitt und Liberalitt die Ausdrcke Haschen nach Gunst beim groen Haufen, und Entfernung vom Sklavensinn, wie jene wrtlich bersetzt werden mssen, sagen, so bekme derselbe zuvrderst nicht einmal ein klares und lebhaftes sinnliches Bild, dergleichen der frhere Rmer allerdings bekam. Dieser sah alle Tage die schmiegsame Hflichkeit des ehrgeizigen Kandidaten gegen alle Welt, so wie die Ausbrche des Sklavensinns vor Augen, und jene Worte bildeten sie ihm wieder lebendig vor. Durch die Vernderung der Regierungsform und die Einfhrung des Christentums waren schon dem sptern Rmer diese Schauspiele entrissen; wie denn berhaupt diesem, besonders durch das fremdartige Christentum, das er weder abzuwehren, noch sich einzuverleiben vermochte, die eigne Sprache guten Teils abzusterben anfing im eignen Munde. Wie htte diese, schon in der eignen Heimat halbtote Sprache, lebendig berliefert werden knnen an ein fremdes Volk? Wie sollte sie es jetzt knnen an uns Deutsche? Was ferner das in jenen beiden Ausdrcken liegende Sinnbild eines geistigen betrifft, so liegt in der Popularitt schon ursprnglich eine Schlechtigkeit, die durch das Verderben der Nation und ihrer Verfassung in ihrem Munde zur Tugend verdreht wurde. Der Deutsche geht in diese Verdrehung, sowie sie ihm nur in seiner eignen Sprache dargeboten wird, nimmer ein. Zur Uebersetzung der Liberalitt aber dadurch, da ein Mensch keine Sklavenseele, oder, wenn es in die neue Sitte eingefhrt wird, keine Lakaiendenkart habe, antwortet er abermals, da auch dies sehr wenig gesagt heie. Nun hat man aber noch ferner in diese, schon in ihrer reinen Gestalt bei den Rmern auf einer tiefen Stufe der sittlichen Bildung entstandenen, oder geradezu eine Schlechtigkeit bezeichnenden Sinnbilder in der Fortentwicklung der neulateinischen Sprachen den Begriff von Mangel an Ernst ber die gesellschaftlichen Verhltnisse, den des Sichwegwerfens, den der gemtlosen Lockerheit, hineingespielt und dieselben auch in die deutsche Sprache gebracht, um durch das Ansehen des Altertums und des Auslandes, ganz in der Stille und ohne da jemand so recht deutlich merke, wovon die Rede sei, die letztgenannten Dinge auch unter uns in Ansehen zu bringen. Dies ist von jeher der Zweck und der Erfolg aller Einmischung gewesen; zuvrderst aus der unmittelbaren Verstndlichkeit und Bestimmtheit, die jede ursprngliche Sprache bei sich fhrt, den Hrer in Dunkel und Unverstndlichkeit einzuhllen; darauf an den dadurch erregten blinden Glauben desselben sich mit der nun ntig gewordenen Erklrung zu wenden, in dieser endlich Laster und Tugend so durcheinander zu rhren, da es kein leichtes Geschft ist, dieselben wieder zu sondern. Htte man das, was jene drei auslndischen Worte eigentlich wollen mssen, wenn sie berhaupt etwas wollen, dem Deutschen in seinen Worten, und in seinem sinnbildlichen Kreise also ausgesprochen: Menschenfreundlichkeit, Leutseligkeit, Edelmut, so htte er uns verstanden; die genannten Schlechtigkeiten aber htten sich niemals in jene Bezeichnungen einschieben lassen. Im Umfange deutscher Rede entsteht eine solche Einhllung in Unverstndlichkeit und Dunkel, entweder aus Ungeschicktheit, oder aus bser Tcke; sie ist zu vermeiden, und die Uebersetzung in rechtes wahres Deutsch liegt als stets fertiges Hilfsmittel bereit. In den neulateinischen Sprachen aber ist diese Unverstndlichkeit natrlich und ursprnglich, und sie ist durch gar kein Mittel zu vermeiden, indem diese berhaupt nicht im Besitze irgendeiner lebendigen Sprache, woran sie die tote prfen knnten, sich befinden, und die Sache genau genommen, eine Muttersprache gar nicht haben. Das an diesem einzelnen Beispiele Dargelegte, was gar leicht durch den ganzen Umkreis der Sprache sich wrde hindurch fhren lassen, und allenthalben also sich wieder finden wrde, soll Ihnen das bis hierher Gesagte so klar machen, als es hier werden kann. Es ist vom bersinnlichen Teile der Sprache die Rede, vom sinnlichen zunchst und unmittelbar gar nicht. Dieser bersinnliche Teil ist in einer immerfort lebendig gebliebenen Sprache sinnbildlich, zusammenfassend bei jedem Schritte das Ganze des sinnlichen und geistigen, in der Sprache niedergelegten Lebens der Nation in vollendeter Einheit, um einen, ebenfalls nicht willkrlichen, sondern aus dem ganzen bisherigen Leben der Nation notwendig hervorgehenden Begriff zu bezeichnen, aus welchem, und seiner Bezeichnung, ein scharfes Auge die ganze Bildungsgeschichte der Nation rckwrtsschreitend wieder mte herstellen knnen. In einer toten Sprache aber, in der dieser Teil, als sie noch lebte, dasselbige war, wird er durch die Erttung zu einer zerrissenen Sammlung willkrlicher, und durchaus nicht weiter zu erklrender Zeichen ebenso willkrlicher Begriffe, wo mit beiden sich nichts weiter anfangen lt, als da man sie eben lerne. Somit ist unsre nchste Aufgabe, den unterscheidenden Grundzug des Deutschen vor den andern Vlkern germanischer Abkunft zu finden, gelst. Die Verschiedenheit ist sogleich bei der ersten Trennung des gemeinschaftlichen Stamms entstanden, und besteht darin, da der Deutsche eine bis zu ihrem ersten Ausstrmen aus der Naturkraft lebendige Sprache redet, die brigen germanischen Stmme eine nur auf der Oberflche sich regende, in der Wurzel aber tote Sprache. Allein in diesen Umstand, in die Lebendigkeit und in den Tod, setzen wir den Unterschied; keineswegs aber lassen wir uns ein auf den brigen innern Wert der deutschen Sprache. Zwischen Leben und Tod findet gar keine Vergleichung statt, und das erste hat vor dem letzten unendlichen Wert; darum sind alle unmittelbare Vergleichungen der deutschen und der neulateinischen Sprachen durchaus nichtig, und sind gezwungen von Dingen zu reden, die der Rede nicht wert sind. Sollte vom innern Werte der deutschen Sprache die Rede entstehen, so mte wenigstens eine von gleichem Range, eine ebenfalls ursprngliche, als etwa die griechische, den Kampfplatz betreten; unser gegenwrtiger Zweck aber liegt tief unter einer solchen Vergleichung. Welchen unermelichen Einflu auf die ganze menschliche Entwicklung eines Volks die Beschaffenheit seiner Sprache haben mge, die Sprache, welche den einzelnen bis in die geheimste Tiefe seines Gemts bei Denken und Wollen begleitet, und beschrnkt oder beflgelt, welche die gesamte Menschenmenge, die dieselbe redet, auf ihrem Gebiete zu einem einzigen gemeinsamen Verstande verknpft, welche der wahre gegenseitige Durchstrmungspunkt der Sinnenwelt und der der Geister ist, und die Enden dieser beiden also ineinander verschmilzt, da gar nicht zu sagen ist, zu welcher von beiden sie selber gehre; wie verschieden die Folge dieses Einflusses ausfallen mge, da, wo das Verhltnis ist, wie Leben und Tod, lt sich im allgemeinen erraten. Zunchst bietet sich dar, da der Deutsche ein Mittel hat seine lebendige Sprache durch Vergleichung mit der abgeschlossenen rmischen Sprache, die von der seinigen im Fortgange der Sinnbildlichkeit gar sehr abweicht, noch tiefer zu ergrnden, wie hinwiederum jene auf demselben Wege klarer zu verstehen, welches dem Neulateiner, der im Grunde in dem Umkreise derselben _einen_ Sprache gefangen bleibt, nicht also mglich ist; da der Deutsche, indem er die rmische Stammsprache lernt, die abgestammten gewissermaen zugleich mit erhlt, und falls er etwa die erste grndlicher lernen sollte, denn der Auslnder, welches er aus dem angefhrten Grunde gar wohl vermag, er zugleich auch dieses Auslnders eigne Sprachen weit grndlicher verstehen und weit eigentmlicher besitzen lernt, denn jener selbst, der sie redet; da daher der Deutsche, wenn er sich nur aller seiner Vorteile bedient, den Auslnder immerfort bersehen und ihn vollkommen, sogar besser denn er sich selbst, verstehen, und ihn nach seiner ganzen Ausdehnung bersetzen kann; dagegen der Auslnder ohne eine hchst mhsame Erlernung der deutschen Sprache den wahren Deutschen niemals verstehen kann, und das echt Deutsche ohne Zweifel unbersetzt lassen wird. Was in diesen Sprachen man nur vom Auslnder selbst lernen kann, sind meistens aus Langeweile und Grille entstandene neue Moden des Sprechens, und man ist sehr bescheiden, wenn man auf diese Belehrungen eingeht. Meistens wrde man statt dessen ihnen zeigen knnen, wie sie der Stammsprache und ihrem Verwandlungsgesetze gemig sprechen sollten, und da die neue Mode nichts tauge, und gegen die althergebrachte gute Sitte verstoe. -- Jener Reichtum an Folgen berhaupt, so wie die besondere zuletzt erwhnte Folge ergeben sich, wie gesagt, von selbst. Unsre Absicht aber ist es, diese Folgen insgesamt im ganzen nach ihrem Einheitsbande und aus der Tiefe zu erfassen, um dadurch eine grndliche Schilderung des Deutschen im Gegensatze mit den brigen germanischen Stmmen zu geben. Ich gebe diese Folgen vorlufig in der Krze also an: 1. Beim Volke der lebendigen Sprache greift die Geistesbildung ein ins Leben; beim Gegenteile geht geistige Bildung und Leben jedes seinen Gang fr sich fort. 2. Aus demselben Grunde ist es einem Volke der ersten Art mit aller Geistesbildung rechter eigentlicher Ernst, und es will, da dieselbe ins Leben eingreife; dagegen einem von der letztern Art diese vielmehr ein genialisches Spiel ist, mit dem sie nichts weiter wollen. Die letztern haben Geist; die erstern haben zum Geiste auch noch Gemt. 3. Was aus dem zweiten folgt: die erstern haben redlichen Flei und Ernst in allen Dingen und sind mhsam, dagegen die letztern sich im Geleite ihrer glcklichen Natur gehen lassen. 4. Was aus allem zusammen folgt: In einer Nation von der ersten Art ist das groe Volk bildsam, und die Bildner einer solchen erproben ihre Entdeckungen an dem Volke, und wollen auf dieses einflieen; dagegen in einer Nation von der zweiten Art die gebildeten Stnde vom Volke sich scheiden, und des letztern nicht weiter, denn als eines blinden Werkzeugs ihrer Plne achten. Die weitere Errterung dieser angegebenen Merkmale behalte ich der folgenden Rede vor. Fnfte Rede. Folgen aus der aufgestellten Verschiedenheit. Zum Behuf einer Schilderung der Eigentmlichkeit der Deutschen ist der Grundunterschied zwischen diesen und den andern Vlkern germanischer Abkunft angegeben worden, da die ersteren in dem ununterbrochenen Fortflusse einer aus wirklichem Leben sich fortentwickelnden Sprache geblieben, die letztern aber eine ihnen fremde Sprache angenommen, die unter ihrem Einflusse erttet worden. Wir haben zu Ende der vorigen Rede andre Erscheinungen an diesen also verschiedenen Volksstmmen angegeben, welche aus jenem Grundunterschiede notwendig erfolgen muten; und werden heute diese Erscheinungen weiter entwickeln und fester auf ihrem gemeinsamen Boden begrnden. Eine Untersuchung, die sich der Grndlichkeit befleiet, kann manches Streites und der Erregung von mancherlei Scheelsucht sich berheben. Wie wir ehemals in der Untersuchung, von der die gegenwrtige die Fortsetzung ist, taten, so werden wir auch hier tun. Wir werden Schritt vor Schritt ableiten, was aus dem aufgestellten Grundunterschiede folgt, und nur darauf sehen, da diese Ableitung richtig sei. Ob nun die Verschiedenheit der Erscheinungen, die dieser Ableitung zufolge sein sollte, in der wirklichen Erfahrung eintrete oder nicht, dies zu entscheiden, will ich lediglich Ihnen und jedem Beobachter berlassen. Zwar werde ich, was insbesondere den Deutschen betrifft, zu seiner Zeit darlegen, da er sich wirklich also gezeigt habe, wie er unsrer Ableitung zufolge sein mute. Was aber die germanischen Auslnder betrifft, so werde ich nichts dagegen haben, wenn einer unter ihnen wirklich versteht, wovon eigentlich hier die Rede sei, und wenn diesem hernach auch der Beweis gelingt, da seine Landsleute eben auch dasselbe gewesen seien, was die Deutschen, und wenn er sie von den entgegengesetzten Zgen vllig loszusprechen vermag. Im allgemeinen wird unsre Beschreibung auch in diesen gegenteiligen Zgen keineswegs in das Nachteilige und Grelle hin zeichnen, was den Sieg leichter macht denn ehrenvoll, sondern nur das notwendig Erfolgende angeben, und dieses so ehrbar ausdrcken, als es mit der Wahrheit bestehen kann. Die erste Folge von dem aufgestellten Grundunterschiede, die ich angab, war die: beim Volke der lebendigen Sprache greife die Geistesbildung ein in das Leben; beim Gegenteile gehe geistige Bildung und Leben jedes fr sich seinen Gang fort. Es wird ntzlich sein, zuvrderst den Sinn des aufgestellten Satzes tiefer zu erklren. Zuvrderst, indem hier vom Leben, und von dem Eingreifen der geistigen Bildung in dasselbe geredet wird, so ist darunter zu verstehen das ursprngliche Leben und sein Fortflu aus dem Quell alles geistigen Lebens, aus Gott, die Fortbildung der menschlichen Verhltnisse nach ihrem Urbilde, und so die Erschaffung eines neuen und vorher nie dagewesenen; keineswegs aber ist die Rede von der bloen Erhaltung jener Verhltnisse auf der Stufe, wo sie schon stehen, gegen Herabsinken, und noch weniger, vom Nachhelfen einzelner Glieder, die hinter der allgemeinen Ausbildung zurckgeblieben. Sodann, wenn von geistiger Bildung die Rede ist, so ist darunter zu allererst die Philosophie -- wie wir dies mit dem auslndischen Namen bezeichnen mssen, da die Deutschen sich den vorlngst vorgeschlagenen deutschen Namen nicht haben gefallen lassen -- die Philosophie, sage ich, ist zu allererst darunter zu verstehen; denn diese ist es, welche das ewige Urbild alles geistigen Lebens wissenschaftlich erfat. Von dieser und von aller auf sie gegrndeten Wissenschaft wird nun gerhmt, da beim Volke der lebendigen Sprache sie einfliee in das Leben. Nun aber ist, in scheinbarem Widerspruche mit dieser Behauptung, oftmals und auch von den unsern gesagt worden, da Philosophie, Wissenschaft, schne Kunst und dergleichen Selbstzwecke seien, und dem Leben nicht dienten, und da es Herabwrdigung derselben sei, sie nach ihrer Ntzlichkeit in diesem Dienste zu schtzen. Es ist hier der Ort, diese Ausdrcke nher zu bestimmen und vor aller Mideutung zu verwahren. Sie sind wahr in folgendem doppelten aber beschrnkten Sinne: zuvrderst, da Wissenschaft oder Kunst dem Leben auf einer gewissen niedern Stufe, z. B. dem irdischen und sinnlichen Leben oder der gemeinen Erbaulichkeit, wie einige gedacht haben, nicht msse dienen wollen; sodann da ein einzelner zufolge seiner persnlichen Abgeschiedenheit vom Ganzen einer Geisterwelt, in diesen besonderen Zweigen des allgemeinen gttlichen Lebens vllig aufgehen knne, ohne eines auer ihnen liegenden Antriebes zu bedrfen; und volle Befriedigung in ihnen finden knne. Keineswegs aber sind sie wahr in strenger Bedeutung; denn es ist ebenso unmglich, da es mehrere Selbstzwecke gebe, als es unmglich ist, da es mehrere Absolute gebe. Der einzige Selbstzweck, auer welchem es keinen andern geben kann, ist das geistige Leben. Dieses uert sich nur zum Teil und erscheint als ein ewiger Fortflu aus ihm selber, als Quell, d. i. als ewige Ttigkeit. Diese Ttigkeit erhlt ewig fort ihr Musterbild von der Wissenschaft, die Geschicklichkeit, nach diesem Bilde sich zu gestalten, von der Kunst; und insoweit knnte es scheinen, da Wissenschaft und Kunst da seien als Mittel fr das ttige Leben, als den Zweck. Nun aber ist in dieser Form der Ttigkeit das Leben selber niemals vollendet und zur Einheit geschlossen, sondern es geht fort ins Unendliche. Soll nun doch das Leben als eine solche geschlossene Einheit dasein, so mu es also dasein in einer andern Form. Diese Form ist nun die des reinen Gedankens, der die in der dritten Rede beschriebene Religionseinsicht gibt; eine Form, die als geschlossene Einheit mit der Unendlichkeit des Tuns schlechthin auseinanderfllt, und in dem letztern, dem Tun, niemals vollstndig ausgedrckt werden kann. Beide demnach, der Gedanke, sowie die Ttigkeit, sind nur in der Erscheinung auseinanderfallende Formen, jenseit der Erscheinung aber sind sie, eine wie die andre, dasselbe _eine_ absolute Leben; und man kann gar nicht sagen, da der Gedanke um des Tuns, oder das Tun um des Gedankens willen sei und also sei, sondern da beides schlechthin sein solle, indem auch in der Erscheinung das Leben ein vollendetes Ganzes sein solle, also, wie es dies ist jenseit aller Erscheinung. Innerhalb dieses Umkreises demnach und zufolge dieser Betrachtung ist es noch viel zu wenig gesagt, da die Wissenschaft einfliee aufs Leben; sie ist vielmehr selber, und in sich selbstndiges Leben. -- Oder, um dasselbe an eine bekannte Wendung anzuknpfen. Was hilft alles Wissen, hrt man zuweilen sagen, wenn nicht danach gehandelt wird? In diesem Ausspruche wird das Wissen als Mittel fr das Handeln, und dieses letztere als der eigentliche Zweck angesehen. Man knnte umgekehrt sagen, wie kann man doch gut handeln, ohne das Gute zu kennen? und es wrde in diesem Ausspruche das Wissen als das Bedingende des Handelns betrachtet. Beide Aussprche aber sind einseitig; und das Wahre ist, da beides, Wissen so wie Handeln, auf dieselbe Weise unabtrennliche Bestandteile des vernnftigen Lebens sind. In sich selbstbestndiges Leben aber, wie wir soeben uns ausdrckten, ist die Wissenschaft nur alsdann, wenn der Gedanke der wirkliche Sinn und die Gesinnung des Denkenden ist, also da er, ohne besondere Mhe, und sogar ohne dessen sich klar bewut zu sein, alles andre, was er denkt, ansieht, beurteilt, zufolge jenes Grundgedankens ansieht und beurteilt, und falls derselbe aufs Handeln einfliet, nach ihm ebenso notwendig handelt. Keineswegs aber ist der Gedanke Leben und Gesinnung, wenn er nur als Gedanke eines fremden Lebens gedacht wird; so klar und vollstndig er auch als ein solcher blo mglicher Gedanke begriffen sein mag, und so hell man sich auch denken mge, wie etwa jemand also denken knne. In diesem letztern Falle liegt zwischen unserm gedachten Denken und zwischen unserm wirklichen Denken ein groes Feld von Zufall und Freiheit, welche letzte wir nicht vollziehen mgen; und so bleibt jenes gedachte Denken von uns abstehend, und ein blo mgliches und ein von uns frei gemachtes und immer fort frei zu wiederholendes Denken. In jenem ersten Falle hat der Gedanke unmittelbar durch sich selbst unser Selbst ergriffen und es zu sich selbst gemacht, und durch diese also entstandene Wirklichkeit des Gedankens fr uns geht unsre Einsicht hindurch zu dessen Notwendigkeit. Da nun das letztere also erfolge, kann, wie eben gesagt, keine Freiheit erzwingen, sondern es mu eben sich selbst machen, und der Gedanke selber mu uns ergreifen, und uns nach sich bilden. Diese lebendige Wirksamkeit des Gedankens wird nun sehr befrdert, ja, wenn das Denken nur von der gehrigen Tiefe und Strke ist, sogar notwendig gemacht, durch Denken und Bezeichnen in einer lebendigen Sprache. Das Zeichen in der letzten ist selbst unmittelbar lebendig und sinnlich, und wieder darstellend das ganze eigne Leben, und so dasselbe ergreifend und eingreifend in dasselbe; mit dem Besitze einer solchen Sprache spricht unmittelbar der Geist, und offenbart sich ihm, wie ein Mann dem Manne. Dagegen regt das Zeichen einer toten Sprache unmittelbar nichts an; um in den lebendigen Flu desselben hineinzukommen, mu man erst historisch erlernte Kenntnisse aus einer abgestorbenen Welt sich wiederholen, und sich in eine fremde Denkart hineinversetzen. Wie berschwenglich wohl mte der Trieb des eignen Denkens sein, wenn er in diesem langen und breiten Gebiete der Historie nicht ermattete, und nicht zuletzt auf dem Felde dieser bescheiden sich begngte. So eines Besitzers der lebendigen Sprache Denken nicht lebendig wird, so kann man einen solchen ohne Bedenken beschuldigen, da er gar nicht gedacht, sondern nur geschwrmt habe. Den Besitzer einer toten Sprache kann man in demselben Falle dessen nicht sofort beschuldigen; gedacht mag er allerdings haben nach seiner Weise, die in seiner Sprache niedergelegten Begriffe sorgfltig entwickelt; er hat nur das nicht getan, was, falls es ihm gelnge, einem Wunder gleich zu achten wre. Es erhellt im Vorbeigehen, da beim Volke einer toten Sprache im Anfange, wo die Sprache noch nicht allseitig klar genug ist, der Trieb des Denkens noch am krftigsten walten und die scheinbarsten Erzeugnisse hervorbringen werde; da aber dieser, sowie die Sprache klarer und bestimmter wird, in den Fesseln derselben immermehr ersterben msse, so da zuletzt die Philosophie eines solchen Volks mit eignem Bewutsein sich bescheiden wird, da sie nur eine Erklrung des Wrterbuchs, oder wie undeutscher Geist unter uns dies hochtnender ausgedrckt hat, eine Metakritik der Sprache sei; zu allerletzt, da ein solches Volk etwa ein mittelmiges Lehrgedicht ber die Heuchelei in Komdienform fr ihr grtes philosophisches Werk anerkennen wird. In dieser Weise, sage ich, fliet die geistige Bildung, und hier insbesondere das Denken in einer Ursache nicht ein in das Leben, sondern es ist selbst Leben des also Denkenden. Doch strebt es notwendig, aus diesem also denkenden Leben einzuflieen auf andres Leben auer ihm, und so auf das vorhandene allgemeine Leben, und dieses nach sich zu gestalten. Denn eben weil jenes Denken Leben ist, wird es gefhlt von seinem Besitzer mit innigem Wohlgefallen in seiner belebenden, verklrenden und befreienden Kraft. Aber jeder, dem Heil aufgegangen ist in seinem Innern, will notwendig, da allen andern dasselbe Heil widerfahre, und er ist so getrieben und mu arbeiten, da die Quelle, aus der ihm sein Wohlsein aufging, auch ber andre sich verbreite. Anders derjenige, der blo ein fremdes Denken als ein mgliches begriffen hat. So wie ihm selber dessen Inhalt weder Wohl noch Wehe gibt, sondern es nur seine Mue angenehm beschftigt und unterhlt, so kann er auch nicht glauben, da es einem andern wohl oder wehe machen knne, und hlt es zuletzt fr einerlei, woran jemand seinen Scharfsinn be, und womit er seine migen Stunden ausflle. Unter den Mitteln, das Denken, das im einzelnen Leben begonnen, in das allgemeine Leben einzufhren, ist das vorzglichste die Dichtung, und so ist denn diese der zweite Hauptzweig der geistigen Bildung eines Volkes. Schon unmittelbar der Denker, wie er seinen Gedanken in der Sprache bezeichnet, welches nach obigem nicht anders denn sinnbildlich geschehen kann, und zwar ber den bisherigen Umkreis der Sinnbildlichkeit hinaus neu erschaffend, ist Dichter; und falls er dies nicht ist, wird ihm schon beim ersten Gedanken die Sprache, und beim Versuche des zweiten das Denken selber ausgehen. Diese durch den Denker begonnene Erweiterung und Ergnzung des sinnbildlichen Kreises der Sprache durch dieses ganze Gebiet der Sinnbilder zu verflen, also da jedwedes an seiner Stelle den ihm gebhrenden Anteil von der neuen geistigen Veredlung erhalte, und so das ganze Leben bis auf seinen letzten sinnlichen Boden herab in den neuen Lichtstrahl getaucht erscheine, wohlgefalle, und in bewutloser Tuschung wie von selbst sich veredle, dieses ist das Geschft der eigentlichen Dichtung. Nur eine lebendige Sprache kann eine solche Dichtung haben; denn nur in ihr ist der sinnbildliche Kreis durch erschaffendes Denken zu erweitern, und nur in ihr bleibt das schon Geschaffene lebendig und dem Einstrmen verschwisterten Lebens offen. Eine solche Sprache fhrt in sich Vermgen unendlicher, ewig zu erfrischender und zu verjngender Dichtung, denn jede Regung des lebendigen Denkens in ihr erffnet eine neue Ader dichterischer Begeisterung; und so ist ihr denn diese Dichtung das vorzglichste Verflungsmittel der erlangten geistigen Ausbildung in das allgemeine Leben. Eine tote Sprache kann in diesem hhern Sinne gar keine Dichtung haben, indem alle die angezeigten Bedingungen der Dichtung in ihr nicht vorhanden sind. Dagegen kann eine solche auf eine Zeitlang einen Stellvertreter der Dichtung haben auf folgende Weise. Die in der Stammsprache vorhandenen Ausflsse der Dichtkunst werden die Aufmerksamkeit reizen. Zwar kann die neu entstandene Volksart nicht fortdichten auf der angehobenen Bahn, denn diese ist ihrem Leben fremd; aber sie kann ihr eignes Leben und die neuen Verhltnisse desselben in den sinnbildlichen und dichterischen Kreis, in welchem ihre Vorwelt ihr eignes Leben aussprach, einfhren, und zum Beispiel ihren Ritter ankleiden als Heros und umgekehrt, und die alten Gtter mit den neuen das Gewand tauschen lassen. Gerade durch diese fremde Einhllung des Gewhnlichen wird dasselbe einen dem idealisierten hnlichen Reiz erhalten, und es werden ganz wohlgefllige Gestalten hervorgehen. Aber beides, sowohl der sinnbildliche und dichterische Kreis der Stammsprache, als die neuen Lebensverhltnisse, sind endliche und beschrnkte Gren, ihre gegenseitige Durchdringung ist irgendwo vollendet; da aber, wo sie vollendet ist, feiert das Volk sein goldenes Zeitalter, und der Quell seiner Dichtung ist versiegt. Irgendwo gibt es notwendig einen hchsten Punkt des Anpassens der geschlossenen Wrter an die geschlossenen Begriffe, und der geschlossenen Sinnbilder an die geschlossenen Lebensverhltnisse. Nachdem dieser Punkt erreicht ist, kann das Volk nicht mehr, denn entweder seine gelungensten Meisterstcke verndert wiederholen, also, da sie aussehen, als ob sie etwas Neues seien, da sie doch nur das wohlbekannte Alte sind; oder, wenn sie durchaus neu sein wollen, zum Unpassenden und Unschicklichen ihre Zuflucht nehmen, und ebenso in der Dichtkunst das Hliche mit dem Schnen zusammenmischen, und sich auf die Karikatur und das Humoristische legen, wie sie in der Prosa gentigt sind, die Begriffe zu verwirren, und Laster und Tugend miteinander zu vermengen, wenn sie in neuen Weisen reden wollen. Indem auf diese Weise in einem Volke geistige Bildung und Leben jedes fr sich seinen besonderen Gang fortgehen: so erfolgt von selbst, da die Stnde, die zu der ersten keinen Zugang haben, und an die auch nicht einmal, wie in einem lebendigen Volke, die Folgen dieser Bildung kommen sollen, gegen die gebildeten Stnde zurckgesetzt, und gleichsam fr eine andre Menschenart gehalten werden, die an Geisteskrften ursprnglich, und durch die bloe Geburt den ersten nicht gleich seien; da darum die gebildeten Stnde gar keine wahrhaft liebende Teilnahme an ihnen, und keinen Trieb haben, ihnen grndlich zu helfen, indem sie eben glauben, da ihnen, wegen ursprnglicher Ungleichheit, gar nicht zu helfen sei, und da die Gebildeten vielmehr gereizt werden, dieselben zu brauchen, wie sie sind, und sie also brauchen zu lassen. Auch diese Folge der Erttung der Sprache kann beim Beginn des neuen Volkes durch eine menschenfreundliche Religion, und durch den Mangel an eigner Gewandtheit der hhern Stnde gemildert werden, im Fortgange aber wird diese Verachtung des Volkes immer unverhohlner und grausamer. Mit diesem allgemeinen Grunde des Sicherhebens und Vornehmtuns der gebildeten Stnde hat noch ein besonderer sich vereinigt, welcher, da er auch selbst auf die Deutschen einen sehr verbreiteten Einflu gehabt, hier nicht bergangen werden darf. Nmlich die Rmer, welche anfangs den Griechen gegenber, sehr unbefangen jenen nachsprechend, sich selbst Barbaren, und ihre eigne Sprache barbarisch nannten,[2] gaben nachher die auf sich geladene Benennung weiter, und fanden bei den Germaniern dieselbe glubige Treuherzigkeit, die erst sie selbst den Griechen gezeigt hatten. Die Germanier glaubten der Barbarei nicht anders loswerden zu knnen, als wenn sie Rmer wrden. Die auf ehemaligem rmischen Boden Eingewanderten wurden es nach allem ihrem Vermgen. In ihrer Einbildungskraft bekam aber barbarisch gar bald die Nebenbedeutung gemein, pbelhaft, tlpisch, und so ward das Rmische im Gegenteil gleichgeltend mit vornehm. Bis in das Allgemeine und Besondere ihrer Sprachen geht dieses hinein, indem, wo Anstalten zur besonnenen und bewuten Bildung der Sprache getroffen wurden, diese darauf gingen, die germanischen Wurzeln auszuwerfen und aus rmischen Wurzeln die Wrter zu bilden, und so die Romanze, als die Hof- und gebildete Sprache zu erzeugen; im besondern aber, indem fast ohne Ausnahme bei gleicher Bedeutung zweier Worte das aus germanischer Wurzel das Unedle und Schlechte, das aus rmischer Wurzel aber das Edlere und Vornehmere bedeutet. [2] Auch ber den grern oder geringern Wohllaut einer Sprache sollte, unsers Erachtens, nicht nach dem unmittelbaren Eindrucke, der von so vielen Zuflligkeiten abhngt, entschieden werden, sondern es mte sich auch ein solches Urteil auf feste Grundstze zurckfhren lassen. Das Verdienst einer Sprache in dieser Rcksicht wrde ohne Zweifel darein zu setzen sein, da sie zuvrderst das Vermgen des menschlichen Sprachwerkzeugs erschpfte und umfassend darstellte, sodann da sie die einzelnen Laute desselben zu einer naturgemen und schicklichen Verflieung ineinander verbnde. Es geht schon hieraus hervor, da Nationen, die ihre Sprachwerkzeuge nur halb und einseitig ausbilden und gewisse Laute oder Zusammensetzungen unter Vorwand der Schwierigkeit oder des belklanges vermeiden, und denen leichtlich nur das, was sie zu hren gewohnt sind und hervorbringen knnen, wohlklingen drfte, bei einer solchen Untersuchung keine Stimme haben. Wie nun, jene hhern Grundstze vorausgesetzt, das Urteil ber die deutsche Sprache in dieser Rcksicht ausfallen werde, mag hier unentschieden bleiben. Die rmische Stammsprache selbst wird von jeder neueuropischen Nation ausgesprochen nach der derselben eigenen Mundart, und ihr wahre Aussprache drfte sich nicht leicht wiederherstellen lassen. Es bliebe demnach nur noch die Frage brig, ob denn den neulateinischen Sprachen gegenber die deutsche so bel, hart und rauh tne, wie einige zu glauben geneigt sind. Bis einmal diese Frage grndlich entschieden werde, mag wenigstens vorlufig erklrt werden, wie es komme, da Auslndern und selbst Deutschen, auch wenn sie unbefangen sind und ohne Vorliebe oder Ha, dieses also scheine. Ein noch ungebildetes Volk von sehr regsamer Einbildungskraft, bei groer Kindlichkeit des Sinnes und Freiheit von Nationaleitelkeit (die Germanier scheinen dieses alles gewesen zu sein) wird angezogen durch die Ferne und versetzt gern in diese, in entlegene Lnder und ferne Inseln, die Gegenstnde seiner Wnsche und die Herrlichkeiten, die es ahnt. Es entwickelt sich in ihm ein _romantischer_ Sinn (das Wort erklrt sich selbst und knnte nicht passender gebildet sein). Laute und Tne aus jenen Gegenden treffen nun auf diesen Sinn und regen seine ganze Wunderwelt auf, und darum gefallen sie. Daher mag es kommen, da unsre ausgewanderten Landsleute so leicht die eigne Sprache fr die fremde aufgaben, und da noch bis jetzt uns, ihren sehr entfernten Anverwandten, jene Tne so wunderbar gefallen. Dieses, gleich als ob es eine Grundseuche des ganzen germanischen Stammes wre, fllt auch im Mutterlande den Deutschen an, falls er nicht durch hohen Ernst dagegen gerstet ist. Auch unsern Ohren tnt gar leicht rmischer Laut vornehm, auch unsern Augen erscheint rmische Sitte edler, dagegen das Deutsche gemein; und da wir nicht so glcklich waren, dieses alles aus der ersten Hand zu erhalten, so lassen wir es uns auch aus der zweiten, und durch den Zwischenhandel der neuen Rmer recht wohl gefallen. Solange wir deutsch sind, erscheinen wir uns als Mnner, wie andre auch; wenn wir halb oder auch ber die Hlfte undeutsch reden und abstechende Sitten und Kleidung an uns tragen, die gar weit herzukommen scheinen, so dnken wir uns vornehm, der Gipfel aber unsers Triumphs ist es, wenn man uns gar nicht mehr fr Deutsche, sondern etwa fr Spanier oder Englnder hlt, je nachdem nun einer von diesen gerade am meisten Mode ist. Wir haben recht. Naturgemheit von deutscher Seite, Willkrlichkeit und Knstelei von der Seite des Auslandes sind die Grundunterschiede; bleiben wir bei der ersten, so sind wir eben, wie unser ganzes Volk, dieses begreift uns und nimmt uns als seinesgleichen; nur wenn wir zur letzten unsre Zuflucht nehmen, werden wir ihm unverstndlich, und es hlt uns fr andre Naturen. Dem Auslande kommt diese Unnatur von selbst in sein Leben, weil es ursprnglich und in einer Hauptsache von der Natur abgewichen; wir mssen sie erst aufsuchen, und an den Glauben, da etwas schn, schicklich und bequem sei, das auf natrliche Weise uns nicht also erscheint, uns erst gewhnen. Von diesem allen ist nun beim Deutschen der Hauptgrund sein Glaube an die grere Vornehmigkeit des romanisierten Auslandes, nebst der Sucht, ebenso vornehm zu tun, und auch in Deutschland die Kluft zwischen den hhern Stnden und dem Volke, die im Auslande natrlich erwuchs, knstlich aufzubauen. Es sei genug, hier den Grundquell dieser Auslnderei unter den Deutschen angegeben zu haben; wie ausgebreitet diese gewirkt, und da alle die Uebel, an denen wir jetzt zugrunde gegangen, auslndischen Ursprungs sind, welche freilich nur in der Vereinigung mit deutschem Ernste und Einflu aufs Leben das Verderben nach sich ziehen muten, werden wir zu einer andern Zeit zeigen. Auer diesen beiden aus dem Grundunterschiede erfolgenden Erscheinungen, da geistige Bildung ins Leben eingreife, oder nicht, und da zwischen den gebildeten Stnden und dem Volke eine Scheidewand bestehe, oder nicht, fhrte ich noch die folgende an, da das Volk der lebendigen Sprache Flei und Ernst haben und Mhe anwenden werde in allen Dingen, dagegen das der toten Sprache die geistige Beschftigung mehr fr ein genialisches Spiel halte, und im Geleite seiner glcklichen Natur sich gehen lasse. Dieser Umstand ergibt aus dem oben Gesagten sich von selbst. Beim Volke der lebendigen Sprache geht die Untersuchung aus von einem Bedrfnisse des Lebens, welches durch sie befriedigt werden soll, und erhlt so alle die ntigenden Antriebe, die das Leben selbst bei sich fhrt. Bei dem der toten will sie weiter nichts, denn die Zeit auf eine angenehme und dem Sinne frs Schne angemessene Weise hinbringen, und sie hat ihren Zweck vollstndig erreicht, wenn sie dies getan hat. Bei den Auslndern ist das letzte fast notwendig; beim Deutschen, wo diese Erscheinung sich einstellt, ist das Pochen auf Genie und glckliche Natur eine seiner unwrdige Auslnderei, die, so wie alle Auslnderei aus der Sucht, vornehm zu tun, entsteht. Zwar wird in keinem Volke der Welt ohne einen ursprnglichen Antrieb im Menschen, der, als ein Uebersinnliches, mit dem auslndischen Namen mit Recht Genius genannt wird, irgend etwas Treffliches entstehen. Aber dieser Antrieb fr sich allein regt nur die Einbildungskraft an, und entwirft in ihr ber dem Boden schwebende, niemals vollkommen bestimmte Gestalten. Da diese bis auf den Boden des wirklichen Lebens herab vollendet, und bis zur Haltbarkeit in diesem bestimmt werden, dazu bedarf es des fleiigen, besonnenen und nach einer festen Regel einhergehenden Denkens. Genialitt liefert dem Fleie den Stoff zur Bearbeitung, und der letzte wrde ohne die erste entweder nur das schon bearbeitete, oder nichts zu bearbeiten haben. Der Flei aber fhrt diesen Stoff, der ohne ihn ein leeres Spiel bleiben wrde, ins Leben ein; und so vermgen beide nur in ihrer Vereinigung etwas, getrennt aber sind sie nichtig. Nun kann berdies im Volke einer toten Sprache gar keine wahrhaft erschaffende Genialitt zum Ausbruche kommen, weil es ihnen am ursprnglichen Bezeichnungsvermgen fehlt, sondern sie knnen nur schon Angehobenes fortbilden, und in die ganze schon vorhandene und vollendete Bezeichnung verflen. Was insbesondere die grere Mhe anbelangt, so ist natrlich, da diese auf das Volk der lebendigen Sprache falle. Eine lebendige Sprache kann in Vergleichung mit einer andern auf einer hohen Stufe der Bildung stehen, aber sie kann niemals in sich selber diejenige Vollendung und Ausbildung erhalten, die eine tote Sprache gar leichtlich erhlt. In der letzten ist der Umfang der Wrter geschlossen, die mglichen schicklichen Zusammenstellungen derselben werden allmhlich auch erschpft, und so mu der, der diese Sprache reden will, sie eben reden, so wie sie ist; nachdem er dieses aber einmal gelernt hat, redet die Sprache in seinem Munde sich selbst, und denkt und dichtet fr ihn. In einer lebendigen Sprache aber, wenn nur in ihr wirklich gelebt wird, vermehren und verndern die Worte und ihre Bedeutungen sich immerfort, und eben dadurch werden neue Zusammenstellungen mglich und die Sprache, die niemals ist, sondern ewig fort wird, redet sich nicht selbst, sondern wer sie gebrauchen will, mu eben selber nach seiner Weise und schpferisch fr sein Bedrfnis sie reden. Ohne Zweifel erfordert das letzte weit mehr Flei und Uebungen, denn das erste. Ebenso gehen, wie schon oben gesagt, die Untersuchungen des Volks einer lebendigen Sprache bis auf die Wurzel der Ausstrmung der Begriffe aus der geistigen Natur selbst; dagegen die einer toten Sprache nur einen fremden Begriff zu durchdringen und sich begreiflich zu machen suchen, und so in der Tat nur geschichtlich und auslegend, jene ersten aber wahrhaft philosophisch sind. Es begreift sich, da seine Untersuchung von der letzten Art eher und leichter abgeschlossen werden mge, denn eine von der ersten. Nach allem wird der auslndische Genius die betretenen Heerbahnen des Altertums mit Blumen bestreuen, und der Lebensweisheit, die leicht ihm fr Philosophie gelten wird, ein zierliches Gewand weben; dagegen wird der deutsche Geist neue Schachte erffnen, und Licht und Tag einfhren in ihre Abgrnde und Felsmassen von Gedanken schleudern, aus denen die knftigen Zeitalter sich Wohnungen erbauen. Der auslndische Genius wird sein ein lieblicher Sylphe, der mit leichtem Fluge ber den seinem Boden von selbst entkeimten Blumen hinschwebt, und sich niederlt auf dieselben, ohne sie zu beugen, und ihren erquickenden Tau in sich zieht; oder eine Biene, die aus denselben Blumen mit geschftiger Kunst den Honig sammelt, und ihn in regelmig gebauten Zellen zierlich geordnet niederlegt; der deutsche Geist ein Adler, der mit Gewalt seinen gewichtigen Leib emporreit, und mit starkem und vielgebtem Flgel viel Luft unter sich bringt, um sich nher zu heben der Sonne, deren Anschauung ihn entzckt. Um alles bisher Gesagte in einen Hauptgesichtspunkt zusammenzufassen. In Beziehung auf die Bildungsgeschichte berhaupt eines Menschengeschlechts, das historisch in ein Altertum und in eine neue Welt zerfallen ist, werden zur ursprnglichen Fortbildung dieser neuen Welt im groen und ganzen die beiden beschriebenen Hauptstmme sich also verhalten. Der auslndisch gewordene Teil der frischen Nation hat durch seine Annahme der Sprache des Altertums eine weit grere Verwandtschaft zu diesem erhalten. Es wird diesem Teile anfangs weit leichter werden, die Sprache desselben auch in ihrer ersten und unvernderten Gestalt zu erfassen, in die Denkmale ihrer Bildung einzudringen, und in dieselben ungefhr so viel frisches Leben zu bringen, da sie sich an das entstandene neue Leben anfgen knnen. Kurz es wird von ihnen das Studium des klassischen Altertums ber das neuere Europa ausgegangen sein. Von den ungelst gebliebenen Aufgaben desselben begeistert wird es dieselben fortbearbeiten, aber freilich nur also, wie man eine, keineswegs durch ein Bedrfnis des Lebens, sondern durch bloe Wibegier gegebene Aufgabe bearbeitet, leicht sie nehmend, nicht mit ganzem Gemte, sondern nur mit der Einbildungskraft sie erfassend, und lediglich in dieser zu einem luftigen Leibe sie gestaltend. Bei dem Reichtume des Stoffs, den das Altertum hinterlassen, bei der Leichtigkeit, mit der in dieser Weise sich arbeiten lt, werden sie eine Flle solcher Bilder in den Gesichtskreis der neuen Welt einfhren. Diese schon in die neue Form gestalteten Bilder der Alten Welt, angekommen bei demjenigen Teile des Urstamms, der durch beibehaltene Sprache im Flusse ursprnglicher Bildung blieb, werden auch dessen Aufmerksamkeit und Selbstttigkeit reizen, sie, welche vielleicht, wenn sie in der alten Form geblieben wren, unbeachtet und unvernommen vor ihm vorbergegangen wren. Aber er wird, so gewi er sie nur wirklich erfat und nicht etwa nur sie weitergibt von Hand in Hand, dieselben erfassen gem seiner Natur, nicht im bloen Wissen eines fremden, sondern als Bestandteil seines Lebens; und so sie aus dem Leben der neuen Welt nicht nur ableiten, sondern sie auch in dasselbe wiederum einfhren, verkrpernd die vorher blo luftigen Gestalten zu gediegenen, und im wirklichen Lebenselemente haltbaren Leibern. In dieser Verwandlung, die das Ausland selbst ihm zu geben niemals vermocht htte, erhlt nun dieses es von ihnen zurck, und vermittelst dieses Durchgangs allein wird eine Fortbildung des Menschengeschlechts auf der Bahn des Altertums, eine Vereinigung der beiden Haupthlften und ein regelmiger Fortflu der menschlichen Entwicklung mglich. In dieser neuen Ordnung der Dinge wird das Mutterland nicht eigentlich erfinden, sondern im Kleinsten wie im Grten wird es immer bekennen mssen, da es durch irgendeinen Wink des Auslandes angeregt worden, welches Ausland selbst wieder angeregt wurde durch die Alten; aber das Mutterland wird ernsthaft nehmen und ins Leben einfhren, was dort nur obenhin und flchtig entworfen wurde. An treffenden und tiefgreifenden Beispielen dieses Verhltnis darzulegen, ist, wie schon oben gesagt, hier nicht der Ort, und wir behalten es uns vor auf die knftige Rede. Beide Teile der gemeinsamen Nation blieben auf diese Weise eins, und nur in dieser Trennung und Einheit zugleich sind sie ein Pfropfreis auf dem Stamme der altertmlichen Bildung, welche letztere auerdem durch die neue Zeit abgebrochen sein und die Menschheit ihren Wert von vorn wieder angefangen haben wrde. In diesen ihren beim Ausgangspunkte verschiedenen am Ziele zusammenlaufenden Bestimmungen mssen nun beide Teile, jeder sich selbst und den andern, erkennen, und denselben gem einander benutzen; besonders aber jeder den andern zu erhalten und in seiner Eigentmlichkeit unverflscht zu lassen sich bequemen; wenn es mit allseitiger und vollstndiger Bildung des Ganzen einen guten Fortgang haben soll. Was diese Erkenntnis anbelangt, so drfte dieselbe wohl vom Mutterlande, als welchem zunchst der Sinn fr die Tiefe verliehen ist, ausgehen mssen. Wenn aber in seiner Blindheit fr solche Verhltnisse und fortgerissen von oberflchlichem Scheine, das Ausland jemals darauf ausgehen sollte, sein Mutterland der Selbstndigkeit zu berauben, und es dadurch zu vernichten und aufzunehmen in sich: so wrde dasselbe, wenn ihm dieser Vorsatz gelnge, dadurch fr sich selbst die letzte Ader zerschneiden, durch die es bisher noch zusammenhing mit der Natur und dem Leben, und es wrde gnzlich anheimfallen dem geistigen Tode, der ohnedies im Fortgange der Zeiten immer sichtbarer als sein Wesen sich offenbart hat; sodann wre der bisher noch stetig fortgegangene Flu der Bildung unsers Geschlechts in der Tat beschlossen, und die Barbarei mte wieder beginnen und ohne Rettung fortschreiten, so lange, bis wir insgesamt wieder in Hhlen lebten, wie die wilden Tiere, und gleich ihnen uns untereinander aufzehrten. Da dies wirklich also sei, und notwendig also erfolgen msse, kann freilich nur der Deutsche einsehen, und er allein soll es auch; dem Auslnder, der, da er keine fremde Bildung kennt, unbegrenztes Feld hat, sich in der seinigen zu bewundern, mu es, und mag es immer erscheinen als eine abgeschmackte Lsterung der schlecht unterrichteten Unwissenheit. Das Ausland ist die Erde, aus welcher fruchtbare Dnste sich absondern und sich emporheben zu den Wolken und durch welche auch noch die in den Tartarus verwiesenen alten Gtter zusammenhngen mit dem Umkreise des Lebens. Das Mutterland ist der jene umgebende ewige Himmel, an welchem die leichten Dnste sich verdichten zu Wolken, die, durch des Donnerers aus andrer Welt stammenden Blitzstrahl geschwngert, herabfallen, als befeuchtender Regen, der Himmel und Erde vereinigt, und die im ersten einheimischen Gaben auch dem Schoe der letztern entkeimen lt. Wollen neue Titanen abermals den Himmel erstrmen? Er wird fr sie nicht Himmel sein, denn sie sind Erdgeborne; es wird ihnen blo der Anblick und die Einwirkung des Himmels entrckt werden, und nur ihre Erde als eine kalte finstere und unfruchtbare Behausung ihnen zurckbleiben. Aber was vermchte, sagt ein rmischer Dichter, was vermchte ein Typhoeus, oder der gewaltige Mimas, oder Porphyrion in drohender Stellung, oder Rhtus, oder der khne Schleuderer ausgerissener Baumstmme, Enceladus, wenn sie sich strzen gegen Pallas' tnenden Schild. Dieser selbige Schild ist es, der ohne Zweifel auch uns decken wird, wenn wir es verstehen, uns unter seinen Schutz zu begeben. Sechste Rede. Darlegung der deutschen Grundzge in der Geschichte. Welche Hauptunterschiede sein wrden zwischen einem Volke, das in seiner ursprnglichen Sprache sich fortbildet, und einem solchen, das eine fremde Sprache angenommen, ist in der vorigen Rede auseinandergesetzt. Wir sagten bei dieser Gelegenheit: was das Ausland betreffe, so wollten wir dem eignen Urteile jedweden Beobachters die Entscheidung berlassen, ob in demselben diejenigen Erscheinungen wirklich eintrten, die zufolge unsrer Behauptungen darin eintreten mten; was aber die Deutschen betrifft, machten wir uns anheischig darzulegen, da diese sich wirklich also geuert, wie unsern Behauptungen zufolge das Volk einer Ursprache sich uern msse. Wir gehen heute an die Erfllung unsres Versprechens, und zwar legen wir das zu Erweisende zunchst dar an der letzten groen und in gewissem Sinne vollendeten Welttat des deutschen Volkes, an der kirchlichen Reformation. Das aus Asien stammende und durch seine Verderbung erst recht asiatisch gewordene, nur stumme Ergebung und blinden Glauben predigende Christentum war schon fr die Rmer etwas Fremdartiges und Auslndisches; es wurde niemals von ihnen wahrhaft durchdrungen und angeeignet, und teilte ihr Wesen in zwei nicht aneinander passende Hlften; wobei jedoch die Anfgung des fremden Teils durch den angestammten schwermtigen Aberglauben vermittelt wurde. An den eingewanderten Germaniern erhielt diese Religion Zglinge, in denen keine frhere Verstandesbildung ihr hinderlich war, aber auch kein angestammter Aberglaube sie begnstigte und so wurde sie denn an dieselben gebracht, als ein zum Rmer, das sie nun einmal sein wollten, eben auch gehriges Stck, ohne sonderlichen Einflu auf ihr Leben. Da diese christlichen Erzieher von der altrmischen Bildung und dem Sprachverstndnisse, als dem Behlter derselben, nicht mehr an diese Neubekehrten kommen lieen, als mit ihren Absichten sich vertrug, versteht sich von selbst; und auch hierin liegt ein Grund des Verfalls und der Erttung der rmischen Sprache in ihrem Munde. Als spterhin die echten und unverflschten Denkmale der alten Bildung in die Hnde dieser Vlker fielen und dadurch der Trieb, selbstttig zu denken und zu begreifen, in ihnen angeregt wurde: so mute, da ihnen teils dieser Trieb neu und frisch war, teils kein angestammtes Erschrecken vor den Gttern ihm das Gegengewicht hielt, der Widerspruch eines blinden Glaubens und der sonderbaren Dinge, welche im Verlaufe der Zeiten zu Gegenstnden desselben geworden waren, dieselben weit hrter treffen, denn sogar die Rmer, als an diese zuerst das Christentum kam. Einleuchten des vollkommenen Widerspruchs aus demjenigen, woran man bisher treuherzig geglaubt hat, erregt Lachen; die, welche das Rtsel gelst hatten, lachten und spotteten, und die Priester selbst, die es ebenfalls gelst hatten, lachten mit, gesichert dadurch, da nur sehr wenigen der Zugang zur altertmlichen Bildung, als dem Lsungsmittel des Zaubers, offen stehe. Ich deute hiermit vorzglich auf Italien, als den damaligen Hauptsitz der neurmischen Bildung, hinter welchem die brigen neurmischen Stmme in jeder Rcksicht noch sehr weit zurck waren. Sie lachten des Truges, denn es war kein Ernst in ihnen, den er erbittert htte; sie wurden durch diesen ausschlieenden Besitz einer ungemeinen Erkenntnis um so sicherer ein vornehmer und gebildeter Stand, und mochten es wohl leiden, da der groe Haufe, fr den sie kein Gemt hatten, dem Truge ferner preisgegeben und so auch fr ihre Zwecke folgsamer erhalten bliebe. Also nur, da das Volk betrogen werde, der Vornehmere den Betrug ntze und sein lache, konnte es fortbestehen; und es wrde wahrscheinlich, wenn in der neuen Zeit nichts vorhanden gewesen wre, auer Neurmern, also fortbestanden haben bis ans Ende der Tage. Sie sehen hier einen klaren Beleg zu dem, was frher ber die Fortsetzung der alten Bildung durch die neue und ber den Anteil, den die Neurmer daran zu haben vermgen, gesagt wurde. Die neue Klarheit ging aus von den Alten, sie fiel zuerst in den Mittelpunkt der neurmischen Bildung, sie wurde daselbst nur zu einer Verstandeseinsicht ausgebildet, ohne das Leben zu ergreifen und anders zu gestalten. Nicht lnger aber konnte der bisherige Zustand der Dinge bestehen, sobald dieses Licht in ein in wahrem Ernste und bis auf das Leben herab religises Gemt fiel, und, wenn dieses Gemt von einem Volke umgeben war, dem es seine ernstere Ansicht der Sache leicht mitteilen konnte, und dieses Volk Hupter fand, welche auf sein entschiedenes Bedrfnis etwas gaben. So tief auch das Christentum herabsinken mochte, so bleibt doch immer in ihm ein Grundbestandteil, in dem Wahrheit ist und der ein Leben, das nur wirkliches und selbstndiges Leben ist, sicher anregt; die Frage: was sollen wir tun, damit wir selig werden? War diese Frage auf einen erstorbenen Boden gefallen, wo es entweder berhaupt an seinen Ort gestellt blieb, ob wohl so etwas wie Seligkeit im Ernste mglich sei, oder, wenn auch das erste angenommen worden wre, dennoch gar kein fester und entschiedener Wille, selbst auch selig zu werden, vorhanden war, so hatte auf diesem Boden die Religion gleich anfangs nicht eingegriffen in Leben und Willen, sondern sie war nur als ein schwankender und blasser Schatten im Gedchtnisse und in der Einbildungskraft behangen geblieben; und so muten natrlich auch alle ferneren Aufklrungen ber den Zustand der vorhandenen Religionsbegriffe gleichfalls ohne Einflu auf das Leben bleiben. War hingegen jene Frage in einen ursprnglich lebendigen Boden gefallen, so da im Ernste geglaubt wurde, es gebe eine Seligkeit und der feste Wille da war, selig zu werden und die von der bisherigen Religion angegebenen Mittel zur Seligkeit mit innigem Glauben und redlichem Ernste in dieser Absicht gebraucht worden waren, so mute, wenn in diesen Boden, der gerade durch sein Ernstnehmen dem Lichte ber die Beschaffenheit dieser Mittel sich lnger verschlo, dieses Licht zuletzt dennoch fiel, ein grliches Entsetzen sich erzeugen vor dem Betruge um das Heil der Seele und die treibende Unruhe, dieses Heil auf andre Weise zu retten und was als in ewiges Verderben strzend erschien, konnte nicht scherzhaft genommen werden. Ferner konnte der einzelne, den zuerst diese Ansicht ergriffen, keineswegs zufrieden sein, etwa nur seine eigne Seele zu retten, gleichgltig ber das Wohl aller brigen unsterblichen Seelen, indem er, seiner tiefern Religion zufolge, dadurch auch nicht einmal die eigne Seele gerettet htte: sondern mit der gleichen Angst, die er um diese fhlte, mute er ringen, schlechthin allen Menschen in der Welt das Auge zu ffnen ber die verdammliche Tuschung. Auf diese Weise nun fiel die Einsicht, die lange vor ihm sehr viele Auslnder wohl in grerer Verstandesklarheit gehabt hatten, in das Gemt des deutschen Mannes, Luther. An altertmlicher und feiner Bildung, an Gelehrsamkeit, an andern Vorzgen bertrafen ihn nicht nur Auslnder, sondern sogar viele in seiner Nation. Aber ihn ergriff ein allmchtiger Antrieb, die Angst um das ewige Heil und dieser ward das Leben in seinem Leben und setzte immerfort das letzte in die Wage und gab ihm die Kraft und die Gaben, die die Nachwelt bewundert. Mgen andre bei der Reformation irdische Zwecke gehabt haben, sie htten nie gesiegt, htte nicht an ihrer Spitze ein Anfhrer gestanden, der durch das Ewige begeistert wurde; da dieser, der immerfort das Heil aller unsterblichen Seelen auf dem Spiel stehen sah, allen Ernstes allen Teufeln in der Hlle furchtlos entgegenging, ist natrlich und durchaus kein Wunder. Dies nun ist ein Beleg von deutschem Ernst und Gemt. Da Luther mit diesem rein menschlichen, und nur durch jeden selbst zu besorgenden Anliegen an alle und zunchst an die Gesamtheit seiner Nation sich wendete, lag, wie gesagt, in der Sache. Wie nahm nun sein Volk diesen Antrag auf? Blieb es in seiner dumpfen Ruhe, gefesselt an den Boden durch irdische Geschfte und ungestrt fortgehend den gewohnten Gang, oder erregte die nicht alltgliche Erscheinung gewaltiger Begeisterung blo sein Gelchter? Keineswegs, sondern es wurde wie durch ein fortlaufendes Feuer ergriffen von derselben Sorge fr das Heil der Seele und diese Sorge erffnete schnell auch ihr Auge der vollkommenen Klarheit und sie nahmen auf im Fluge das ihnen Dargebotene. War diese Begeisterung nur eine augenblickliche Erhebung der Einbildungskraft, die im Leben und gegen dessen ernsthafte Kmpfe und Gefahren nicht standhielt? Keineswegs, sie entbehrten alles, und trugen alle Martern und kmpften in blutigen zweifelhaften Kriegen, lediglich damit sie nicht wieder unter die Gewalt des verdammlichen Papsttums gerieten, sondern ihnen und ihren Kindern fort das allein seligmachende Licht des Evangeliums schiene; und es erneuten sich an ihnen in spter Zeit alle Wunder, die das Christentum bei seinem Beginnen an seinen Bekennern darlegte. Alle Aeuerungen jener Zeit sind erfllt von dieser allgemein verbreiteten Besorgtheit um die Seligkeit. Sehen Sie hier einen Beleg von der Eigentmlichkeit des deutschen Volkes. Es ist durch Begeisterung zu jedweder Begeisterung und jedweder Klarheit leicht zu erheben und seine Begeisterung hlt aus fr das Leben und gestaltet dasselbe um. Auch frher und anderwrts hatten Reformatoren Haufen des Volks begeistert und sie zu Gemeinden versammelt und gebildet; dennoch erhielten diese Gemeinden keinen festen und auf dem Boden der bisherigen Verfassung begrndeten Bestand, weil die Volkshupter und Frsten der bisherigen Verfassung nicht auf ihre Seite traten. Auch der Reformation durch Luther schien anfangs kein gnstigeres Schicksal bestimmt. Der weise Kurfrst, unter dessen Augen sie begann, schien mehr im Sinne des Auslandes als in dem deutschen weise zu sein; er schien die eigentliche Streitfrage nicht sonderlich gefat zu haben, einem Streite zwischen zwei Mnchsorden, wie ihm es schien, nicht viel Gewicht beizulegen und hchstens blo um den guten Ruf seiner neu errichteten Universitt besorgt zu sein. Aber er hatte Nachfolger, die weit weniger weise, denn er, von derselben ernstlichen Sorge fr ihre Seligkeit ergriffen wurden, die in ihren Vlkern lebte, und vermittelst dieser Gleichheit mit ihnen verschmolzen bis zu gemeinsamem Leben oder Tod, Sieg oder Untergang. Sehen Sie hieran einen Beleg zu dem oben angegebenen Grundzuge der Deutschen, als einer Gesamtheit und zu ihrer durch die Natur begrndeten Verfassung. Die groen National- und Weltangelegenheiten sind bisher durch freiwillig auftretende Redner an das Volk gebracht worden und bei diesem durchgegangen. Mochten doch ihre Frsten anfangs aus Auslnderei und aus Sucht vornehm zu tun und zu glnzen, wie jene, sich absondern von der Nation und diese verlassen oder verraten, so wurden sie auch spter leicht wieder fortgerissen zur Einstimmigkeit mit derselben und erbarmten sich ihrer Vlker. Da das erste stets der Fall gewesen sei, werden wir tiefer unten noch an andern Belegen dartun; da das letztere fortdauernd der Fall bleiben mge, knnen wir nur mit heier Sehnsucht wnschen. Ohnerachtet man nun bekennen mu, da in der Angst jenes Zeitalters um das Heil der Seelen, eine Dunkelheit und Unklarheit blieb, indem es nicht darum zu tun war, den ueren Vermittler zwischen Gott und den Menschen nur zu verndern, sondern gar keines uern Mittlers zu bedrfen, und das Band des Zusammenhanges in sich selber zu finden; so war es doch vielleicht notwendig, da die religise Ausbildung der Menschen im ganzen durch diesen Mittelzustand hindurchginge. Luthern selbst hat sein redlicher Eifer noch mehr gegeben, denn er suchte, und ihn weit hinausgefhrt ber sein Lehrgebude. Nachdem er nur die ersten Kmpfe der Gewissensangst, die ihm sein khnes Losreien von dem ganzen bisherigen Glauben verursachte, bestanden hatte, sind alle seine Aeuerungen voll eines Jubels und Triumphs ber die erlangte Freiheit der Kinder Gottes, welche die Seligkeit gewi nicht mehr auer sich und jenseit des Grabes suchten, sondern der Ausbruch des unmittelbaren Gefhls derselben waren. Er ist hierin das Vorbild aller knftigen Zeitalter geworden und hat fr uns alle vollendet. -- Sehen Sie auch hier einen Grundzug des deutschen Geistes. Wenn er nur sucht, so findet er mehr, als er suchte; denn er gert hinein in den Strom lebendigen Lebens, das durch sich selbst fortrinnt und ihn mit sich fortreit. Dem Papsttume, dieses nach seiner eignen Gesinnung genommen und beurteilt, geschah durch die Weise, wie die Reformation dasselbe nahm, ohne Zweifel unrecht. Die Aeuerungen desselben waren wohl grtenteils aus der vorliegenden Sprache blind herausgerissen, asiatisch rednerisch bertreibend, gelten sollend, was sie knnten, und rechnend, da mehr als der gebhrende Abzug wohl ohnedies werde gemacht werden, niemals aber ernstlich ermessen, erwogen oder gemeint. Die Reformation nahm mit deutschem Ernste sie nach ihrem vollen Gewichte; und sie hatte recht, da man alles also nehmen solle, unrecht, wenn sie glaubte, jene htten es also genommen und sie noch andrer Dinge, denn ihrer natrlichen Flachheit und Ungrndlichkeit, bezichtigte. Ueberhaupt ist dies die stets sich gleichbleibende Erscheinung in jedem Streit des deutschen Ernstes gegen das Ausland, ob dieses sich nun auer Landes oder im Lande befinde, da das letztere gar nicht begreifen kann, wie man ber so gleichgltige Dinge, als Worte und Redensarten sind, ein so groes Wesen erheben mge und da sie, aus deutschem Munde es wieder hrend, nicht gesagt haben wollen, was sie doch gesagt haben und sagen, und immerfort sagen werden, und ber Verleumdung, die sie Konsequenzmacherei nennen, klagen, wenn man ihre Aeuerungen in ihrem buchstblichen Sinne und als ernstlich gemeint, nimmt, und dieselben betrachtet als Bestandteile einer folgebestndigen Denkreihe, die man nun rckwrts nach ihren Grundstzen, und vorwrts nach ihren Folgen herstellt; indes man doch vielleicht sehr entfernt ist, ihnen fr die Person klares Bewutsein dessen, was sie reden, und Folgebestndigkeit, beizumessen. In jener Anmutung, man msse eben jedwedes Ding nehmen wie es gemeint sei, nicht aber etwa noch darber hinaus das Recht zu meinen und laut zu meinen, in Frage ziehen, verrt sich immer die noch so tief versteckte Auslnderei. Dieser Ernst, mit welchem das alte Religionslehrgebude genommen wurde, ntigte dieses selbst zu einem greren Ernste, als es bisher gehabt hatte, und zu neuer Prfung, Umdeutung, Befestigung der alten Lehre, sowie zu grerer Behutsamkeit in Lehre und Leben fr die Zukunft: und dieses, sowie das zunchstfolgende, sei Ihnen ein Beleg von der Weise, wie Deutschland auf das brige Europa immer zurckgewirkt hat. Hierdurch erhielt fr das Allgemeine die alte Lehre wenigstens diejenige unschdliche Wirksamkeit, die sie, nachdem sie nun einmal nicht aufgegeben werden sollte, haben konnte; insbesondere aber ward sie fr die Verteidiger derselben Gelegenheit und Aufforderung zu einem grndlicheren und folgegemeren Nachdenken, als bisher stattgehabt hatte. Davon, da die in Deutschland verbesserte Lehre auch in das neulateinische Ausland sich verbreitet und daselbst denselben Erfolg hherer Begeisterung hervorgebracht, wollen wir hier, als von einer vorbergehenden Erscheinung schweigen: wiewohl es immer merkwrdig ist, da die neue Lehre in keinem eigentlich neulateinischen Lande zu einem vom Staate anerkannten Bestande gekommen; indem es scheint, da es deutscher Grndlichkeit bei den Regierenden und deutscher Gutmtigkeit beim Volke bedurft habe, um diese Lehre vertrglich mit der Obergewalt zu finden, und sie also zu machen. In einer andern Rcksicht aber, und zwar nicht auf das Volk, sondern auf die gebildeten Stnde, hat Deutschland durch seine Kirchenverbesserung einen allgemeinen und dauernden Einflu auf das Ausland gehabt; und durch diesen Einflu das Ausland wieder zum Vorgnger fr sich selbst, und zu seinem eignen Anreger zu neuen Schpfungen sich zubereitet. Das freie und selbstttige Denken, oder die Philosophie, war schon in den vorhergehenden Jahrhunderten unter der Herrschaft der alten Lehre hufig angeregt und gebt worden, keineswegs aber, um aus sich selbst Wahrheit hervorzubringen, sondern nur, um zu zeigen, da und auf welche Weise die Lehre der Kirche wahr sei. Dasselbe Geschft in Beziehung auf ihre Lehre erhielt zunchst die Philosophie auch bei den deutschen Protestanten und ward bei diesen Dienerin des Evangeliums, so wie sie bei den Scholastikern die der Kirche gewesen war. Im Auslande, das entweder kein Evangelium hatte, oder das dasselbe nicht mit unvermischt deutscher Andacht und Tiefe des Gemts gefat hatte, erhob das durch den erhaltenen glnzenden Triumph angefeuerte freie Denken sich leichter und hher, ohne die Fessel eines Glaubens an Uebersinnliches; aber es blieb in der sinnlichen Fessel des Glaubens an den natrlichen, ohne Bildung und Sitte aufgewachsenen Verstand; und weit entfernt, da es in der Vernunft die Quelle auf sich selbst beruhender Wahrheit entdeckt htte, wurden fr dasselbe die Aussprche dieses rohen Verstandes dasjenige, was fr die Scholastiker die Kirche, fr die ersten protestantischen Theologen das Evangelium war; ob sie wahr seien, darber regte sich kein Zweifel, die Frage war blo, wie sie diese Wahrheit gegen bestreitende Ansprche behaupten knnten. Indem nun dieses Denken in das Gebiet der Vernunft, deren Gegenstreit bedeutender gewesen sein wrde, gar nicht hineinkam, so fand es keinen Gegner, auer der historisch vorhandenen Religion und wurde mit dieser leicht fertig, indem es sie an den Mastab des vorausgesetzten gesunden Verstandes hielt und sich dabei klar zeigte, da sie demselben eben widersprche, und so kam es denn, da, so wie dieses alles ins reine gebracht wurde, im Auslande die Benennung des Philosophen und die des Irreligisen und Gottesleugners, gleichbedeutend wurden, und zu gleicher ehrenvoller Auszeichnung gereichten. Die versuchte gnzliche Erhebung ber allen Glauben an fremdes Ansehen, welche in diesen Bestrebungen des Auslandes das richtige war, wurde den Deutschen, von denen sie vermittelst der Kirchenverbesserung erst ausgegangen war, zu neuer Anregung. Zwar sagten untergeordnete und unselbstndige Kpfe unter uns diese Lehre des Auslandes eben nach -- lieber die des Auslandes, wie es scheint, als die ebenso leicht zu habende ihrer Landsleute, darum, weil ihnen das erste vornehmer dnkte -- und diese Kpfe suchten, so gut es gehen wollte, sich selber davon zu berzeugen; wo aber selbstndiger deutscher Geist sich regte, da gengte das Sinnliche nicht, sondern es entstand die Aufgabe, das freilich nicht auf fremdes Ansehen zu glaubende, Uebersinnliche in der Vernunft selbst aufzusuchen und so erst eigentliche Philosophie zu erschaffen, indem man, wie es sein sollte, das freie Denken zur Quelle unabhngiger Wahrheit machte. Dahin strebte Leibniz im Kampfe mit jener auslndischen Philosophie; dies erreichte der eigentliche Stifter der neuen deutschen Philosophie, nicht ohne das Gestndnis durch eine Aeuerung des Auslandes, die inzwischen tiefer genommen worden, als sie gemeint gewesen, angeregt worden zu sein. Seitdem ist unter uns die Aufgabe vollstndig gelst und die Philosophie vollendet worden, welches man indessen sich begngen mu, zu sagen, bis ein Zeitalter kommt, das es begreift. Dies vorausgesetzt, so wre abermals durch Anregung des durch das neurmische Ausland hindurchgegangenen Altertums im deutschen Mutterlande die Schpfung eines vorher durchaus nicht dagewesenen Neuen erfolgt. Unter den Augen der Zeitgenossen hat das Ausland eine andre Aufgabe der Vernunft und der Philosophie an die neue Welt, die Errichtung des vollkommenen Staats, leicht und mit feuriger Khnheit ergriffen und kurz darauf dieselbe also fallen lassen, da es durch seinen jetzigen Zustand gentigt ist, den bloen Gedanken der Aufgabe als ein Verbrechen zu verdammen und alles anwenden mute, um, wenn es knnte, jene Bestrebungen aus den Jahrbchern seiner Geschichte auszutilgen. Der Grund dieses Erfolgs liegt am Tage: Der vernunftgeme Staat lt sich nicht durch knstliche Vorkehrungen aus jedem vorhandenen Stoffe aufbauen, sondern die Nation mu zu demselben erst gebildet und herausgezogen werden. Nur diejenige Nation, welche zuvrderst die Aufgabe der Erziehung zum vollkommenen Menschen, durch die wirkliche Ausbung, gelst haben wird, wird sodann auch jene des vollkommenen Staates lsen. Auch die zuletztgenannte Aufgabe der Erziehung ist seit unsrer Kirchenverbesserung vom Auslande geistvoll, aber im Sinne seiner Philosophie mehrmals in Anregung gebracht worden, und diese Anregungen haben unter uns frs erste Nachtreter und Uebertreiber gefunden. Bis zu welchem Punkte endlich in unsern Tagen abermals deutsches Gemt diese Sache gebracht, werden wir zu seiner Zeit ausfhrlicher berichten. Sie haben an dem Gesagten eine klare Uebersicht der gesamten Bildungsgeschichte der neuen Welt, und des sich immer gleichbleibenden Verhltnisses der verschiedenen Bestandteile der letzten zur ersten. Wahre Religion, in der Form des Christentums, war der Keim der neuen Welt und ihre Gesamtaufgabe die, diese Religion in die vorhandene Bildung des Altertums zu verflen und die letzte dadurch zu vergeistigen und zu heiligen. Der erste Schritt auf diesem Wege war, das die Freiheit raubende uere Ansehen der Form dieser Religion von ihr abzuscheiden, und auch in sie das freie Denken des Altertums einzufhren. Es regte an zu diesem Schritte das Ausland, der Deutsche tat ihn. Der zweite, der eigentlich die Fortsetzung und Vollendung des ersten ist, der, diese Religion und mit ihr alle Weisheit in uns selber aufzufinden. Auch ihn vorbereitete das Ausland, und vollzog der Deutsche. Der dermalen in der ewigen Zeit an der Tagesordnung sich befindende Fortschritt ist die vollkommene Erziehung der Nation zum Menschen. Ohne dies wird die gewonnene Philosophie nie ausgedehnte Verstndlichkeit, vielweniger noch allgemeine Anwendbarkeit im Leben finden; so wie hinwiederum ohne Philosophie die Erziehungskunst niemals zu vollstndiger Klarheit in sich selbst gelangen wird. Beide greifen daher ineinander und sind eins ohne das andre unvollstndig und unbrauchbar. Schon allein darum, weil der Deutsche bisher alle Schritte der Bildung zur Vollendung gebracht und er eigentlich dazu aufbewahrt worden ist in der neuen Welt, kommt ihm dasselbe auch mit der Erziehung zu; wie aber diese einmal in Ordnung gebracht ist, wird es sich mit den brigen Angelegenheiten der Menschheit leicht ergeben. In diesem Verhltnisse also hat wirklich die deutsche Nation zur Fortbildung des menschlichen Geschlechts in der neuen Zeit bisher gestanden. Noch ist ber eine schon zweimal fallen gelassene Bemerkung ber den naturgemen Hergang, den diese Nation hierbei genommen, da nmlich in Deutschland alle Bildung vom Volke ausgegangen, mehr Licht zu verbreiten. Da die Angelegenheit der Kirchenverbesserung zuerst an das Volk gebracht worden, und allein dadurch, da es desselben Angelegenheit geworden, gelungen sei, haben wir schon ersehen. Aber es ist ferner darzutun, da dieser einzelne Fall nicht Ausnahme, sondern da er die Regel gewesen. Die im Mutterlande zurckgebliebenen Deutschen hatten alle Tugenden, die ehemals auf ihrem Boden zu Hause waren, beibehalten: Treue, Biederkeit, Ehre, Einfalt; aber sie hatten von Bildung zu einem hhern und geistigen Leben nicht mehr erhalten, als das damalige Christentum und seine Lehrer an zerstreut wohnende Menschen bringen konnten. Dies war wenig, und sie standen so gegen ihre ausgewanderten Stammverwandten zurck, und waren in der Tat zwar brav und bieder, aber dennoch halb Barbaren. Es entstanden unter ihnen indessen Stdte, die durch Glieder aus dem Volke errichtet wurden. In diesen entwickelte sich schnell jeder Zweig des gebildeten Lebens zur schnsten Blte. In ihnen entstanden, zwar auf Kleines berechnete, dennoch aber treffliche brgerliche Verfassungen und Einrichtungen, und von ihnen aus verbreitete sich ein Bild von Ordnung und eine Liebe derselben erst ber das brige Land. Ihr ausgebreiteter Handel half die Welt entdecken. Ihren Bund frchteten Knige. Die Denkmler ihrer Baukunst dauern noch, haben der Zerstrung von Jahrhunderten getrotzt, die Nachwelt steht bewundernd vor ihnen und bekennt ihre eigne Unmacht. Ich will diese Brger der deutschen Reichsstdte des Mittelalters nicht vergleichen mit den andern ihnen gleichzeitigen Stnden und nicht fragen, was indessen der Adel tat und die Frsten; aber in Vergleich mit den brigen germanischen Nationen, einige Striche Italiens abgerechnet, hinter welchen selbst jedoch in den schnen Knsten die Deutschen nicht zurckblieben, in den ntzlichen sie bertrafen und ihre Lehrer wurden -- diese abgerechnet waren nun diese deutschen Brger die gebildeten und jene die Barbaren. Die Geschichte Deutschlands, deutscher Macht, deutscher Unternehmungen, Erfindungen, Denkmale, Geistes, ist in diesem Zeitraume lediglich die Geschichte dieser Stdte, und alles brige, als da sind Lnderverpfndungen und Wiedereinlsungen und dergleichen, ist nicht des Erwhnens wert. Auch ist dieser Zeitpunkt der einzige in der deutschen Geschichte, in der diese Nation glnzend und ruhmvoll und mit dem Range der ihr als Stammvolk gebhrt, dasteht; so wie ihre Blte durch die Habsucht und Herrschsucht der Frsten zerstrt und ihre Freiheit zertreten wird, sinkt das Ganze allmhlich immer tiefer herab und geht entgegen dem gegenwrtigen Zustand; wie aber Deutschland herabsinkt, sieht man das brige Europa eben also sinken, in Rcksicht dessen, was das Wesen betrifft und nicht den bloen uern Schein. Der entscheidende Einflu dieses in der Tat herrschenden Standes auf die Entwicklung der deutschen Reichsverfassung, auf die Kirchenverbesserung und auf alles, was jemals die deutsche Nation bezeichnete und von ihr ausging in das Ausland, ist allenthalben unverkennbar, und es lt sich nachweisen, da alles, was noch jetzt Ehrwrdiges ist unter den Deutschen, in seiner Mitte entstanden ist. Und mit welchem Geiste brachte hervor und geno dieser deutsche Stand diese Blten? Mit dem Geiste der Frmmigkeit, der Ehrbarkeit, der Bescheidenheit, des Gemeinsinnes. Fr sich selbst bedurften sie wenig, fr ffentliche Unternehmungen machten sie unermelichen Aufwand. Selten steht irgendwo ein einzelner Name hervor und zeichnet sich aus, weil alle gleichen Sinnes waren und gleicher Aufopferung fr das Gemeinsame. Ganz unter denselben uern Bedingungen, wie in Deutschland, waren auch in Italien freie Stdte entstanden. Man vergleiche die Geschichten beider; man halte die fortwhrenden Unruhen, die innern Zwiste, ja Kriege, den bestndigen Wechsel der Verfassungen und der Herrscher, in den ersten, gegen die friedliche Ruhe und Eintracht in den letztern. Wie konnte klarer sich aussprechen, da ein innerlicher Unterschied in den Gemtern der beiden Nationen gewesen sein msse? Die deutsche Nation ist die einzige unter den neueuropischen Nationen, die es an ihrem Brgerstande schon seit Jahrhunderten durch die Tat gezeigt hat, da sie die republikanische Verfassung zu ertragen vermge. Unter den einzelnen und besondern Mitteln, den deutschen Geist wieder zu heben, wrde es ein sehr krftiges sein, wenn wir eine begeisternde Geschichte der Deutschen aus diesem Zeitraume htten, die da National- und Volksbuch wrde, so wie Bibel oder Gesangbuch es sind, so lange, bis wir selbst wiederum etwas des Aufzeichnens Wertes hervorbrchten. Nur mte eine solche Geschichte nicht etwa chronikenmig die Taten und Ereignisse aufzhlen, sondern sie mte uns, wunderbar ergreifend und ohne unser eignes Zutun oder klares Bewutsein, mitten hinein versetzen in das Leben jener Zeit, so da wir selbst mit ihnen zu gehen, zu stehen, zu beschlieen, zu handeln schienen, und dies nicht durch kindische und tndelnde Erdichtung, wie es so viele historische Romane getan haben, sondern durch Wahrheit; und aus diesem ihrem Leben mte sie die Taten und Ereignisse, als Belege desselben, hervorblicken lassen. Ein solches Werk knnte zwar nur die Frucht von ausgebreiteten Kenntnissen sein, und von Forschungen, die vielleicht noch niemals angestellt sind, aber die Ausstellung dieser Kenntnisse und Forschungen mte uns der Verfasser ersparen und nur lediglich die gereifte Frucht uns vorlegen in der gegenwrtigen Sprache, auf eine jedwedem Deutschen ohne Ausnahme verstndliche Weise. Auer jenen historischen Kenntnissen wrde ein solches Werk auch noch ein hohes Ma philosophischen Geistes erfordern, der ebensowenig sich zur Schau ausstellte; und vor allem ein treues und liebendes Gemt. Jene Zeit war der jugendliche Traum der Nation in beschrnkten Kreisen von knftigen Taten, Kmpfen und Siegen, und die Weissagung, was sie einst bei vollendeter Kraft sein wrde. Verfhrerische Gesellschaft und die Lockung der Eitelkeit hat die heranwachsende fortgerissen in Kreise, die nicht die ihrigen sind, und indem sie auch da glnzen wollte, steht sie da mit Schmach bedeckt und ringend sogar um ihre Fortdauer. Aber ist sie denn wirklich veraltet und entkrftet? Hat ihr nicht auch seitdem immerfort und bis auf diesen Tag die Quelle des ursprnglichen Lebens fortgequollen, wie keiner andern Nation? Knnen jene Weissagungen ihres jugendlichen Lebens, die durch die Beschaffenheit der brigen Vlker und durch den Bildungsplan der ganzen Menschheit besttigt werden -- knnen sie unerfllt bleiben? Nimmermehr. Bringe man diese Nation nur zuvrderst zurck von der falschen Richtung, die sie ergriffen, zeige man ihr in dem Spiegel jener ihrer Jugendtrume ihren wahren Hang und ihre wahre Bestimmung, bis unter diesen Betrachtungen sich ihr die Kraft entfalte, diese ihre Bestimmung mchtig zu ergreifen. Mchte diese Aufforderung etwas dazu beitragen, da recht bald ein dazu ausgersteter deutscher Mann diese vorlufige Aufgabe lse! Siebente Rede. Noch tiefere Erfassung der Ursprnglichkeit und Deutschheit eines Volkes. Es sind in den vorigen Reden angegeben und in der Geschichte nachgewiesen die Grundzge der Deutschen, als eines Urvolks, und als eines solchen, das das Recht hat, sich das Volk schlechtweg, im Gegensatze mit andern von ihm abgerissenen Stmmen, zu nennen, wie denn auch das Wort Deutsch in seiner eigentlichen Wortbedeutung das soeben Gesagte bezeichnet. Es ist zweckmig, da wir bei diesem Gegenstande noch eine Stunde verweilen und uns auf den mglichen Einwurf einlassen, da, wenn dies deutsche Eigentmlichkeit sei, man werde bekennen mssen, da dermalen unter den Deutschen selber wenig Deutsches mehr brig sei. Indem auch wir diese Erscheinung keineswegs leugnen knnen, sondern sie vielmehr anzuerkennen und in ihren einzelnen Teilen sie zu bersehen gedenken, wollen wir mit einer Erklrung derselben anheben. Das war im ganzen das Verhltnis des Urvolks der neuen Welt zum Fortgange der Bildung dieser Welt, da das erstere durch unvollstndige und auf der Oberflche verbleibende Bestrebungen des Auslandes erst angeregt werde zu tiefern aus seiner eignen Mitte heraus zu entwickelnden Schpfungen. Da von der Anregung bis zur Schpfung es ohne Zweifel seine Zeit dauert, so ist klar, da ein solches Verhltnis Zeitrume herbeifhren werde, in welchem das Urvolk fast ganz mit dem Auslande verflossen, und demselben gleich erscheinen msse, weil es nmlich gerade im Zustande des bloen Angeregtseins sich befindet, und die dabei beabsichtigte Schpfung noch nicht zum Durchbruche gekommen ist. In einem solchen Zeitraume befindet sich nun gerade jetzt Deutschland in Absicht der groen Mehrzahl seiner gebildeten Bewohner, und daher rhren die durch das ganze innere Wesen und Leben dieser Mehrzahl verflossenen Erscheinungen der Auslnderei. Die Philosophie als freies von allen Fesseln des Glaubens an fremdes Ansehen erledigtes Denken, sei es, wodurch dermalen das Ausland sein Mutterland anrege, haben wir in der vorigen Rede ersehen. Wo es nun von dieser Anregung aus nicht zur neuen Schpfung gekommen, welches, da die letzte von der groen Mehrzahl unvernommen geblieben, bei uerst wenigen der Fall ist: da gestaltet sich teils noch jene schon frher bezeichnete Philosophie des Auslandes selber zu andern und andern Formen; teils bemchtigt sich der Geist derselben auch der brigen an die Philosophie zunchst grenzenden Wissenschaften, und sieht dieselben an aus seinem Gesichtspunkte; endlich da der Deutsche seinen Ernst und sein unmittelbares Eingreifen in das Leben doch niemals ablegen kann, so fliet diese Philosophie ein auf die ffentliche Lebensweise und auf die Grundstze und Regeln derselben. Wir werden dies Stck um Stck dartun. Zuvrderst und vor allen Dingen: der Mensch bildet seine wissenschaftliche Ansicht nicht etwa mit Freiheit und Willkr, so oder so, sondern sie wird ihm gebildet durch sein Leben und ist eigentlich die zur Anschauung gewordene innere, und brigens ihm unbekannte Wurzel seines Lebens selbst. Was du so recht innerlich eigentlich bist, das tritt heraus vor dein ueres Auge, und du vermchtest niemals etwas andres zu sehen. Solltest du anders sehen, so mtest du erst anders werden. Nun ist das innere Wesen des Auslandes oder der Nichtursprnglichkeit, der Glaube an irgendein Letztes, Festes, unvernderlich Stehendes, an eine Grenze, diesseit welcher zwar das freie Leben sein Spiel treibe, welche selbst aber es niemals zu durchbrechen, und durch sich flssig zu machen und sich in dieselbe zu verflen vermge. Diese undurchdringliche Grenze tritt ihm darum irgendwo notwendig auch vor die Augen, und es kann nicht anders denken oder glauben, auer unter Voraussetzung einer solchen, wenn nicht sein ganzes Wesen umgewandelt, und sein Herz ihm aus dem Leibe gerissen werden soll. Es glaubt notwendig an den Tod, als das Ursprngliche und Letzte, den Grundquell aller Dinge, und mit ihnen des Lebens. Wir haben hier nur zunchst anzugeben, wie dieser Grundglaube des Auslandes unter den Deutschen dermalen sich ausspreche. Er spricht sich aus zuvrderst in der eigentlichen Philosophie. Die dermalige deutsche Philosophie, inwiefern dieselbe hier der Erwhnung wert ist, will Grndlichkeit und wissenschaftliche Form, unerachtet sie dieselbe nicht zu erschwingen vermag, sie will Einheit, auch nicht ohne frhern Vorgang des Auslandes, sie will Realitt und Wesen -- nicht bloe Erscheinung, sondern eine in der Erscheinung erscheinende Grundlage dieser Erscheinung, und hat in allen diesen Stcken recht und bertrifft sehr weit die herrschenden Philosophien des dermaligen auswrtigen Auslandes, indem sie in der Auslnderei weit grndlicher und folgebestndiger ist, denn jenes. Diese der bloen Erscheinung unterzulegende Grundlage ist ihnen nun, wie sie sie auch etwa noch fehlerhafter weiterbestimmen mgen, immer ein festes Sein, das da ist, was es eben ist, und nichts weiter, in sich gefesselt und an sein eignes Wesen gebunden; und so tritt denn der Tod und die Entfremdung von der Ursprnglichkeit, die in ihnen selbst sind, auch heraus vor ihre Augen. Weil sie selbst nicht zum Leben schlechtweg aus sich selber heraus sich aufzuschwingen vermgen, sondern fr freien Aufflug stets eines Trgers und einer Sttze bedrfen, darum kommen sie auch mit ihrem Denken, als dem Abbilde ihres Lebens, nicht ber diesen Trger hinaus: das, was nicht etwas ist, ist ihnen notwendig nichts, weil, zwischen jenem in sich verwachsenen Sein und dem Nichts, ihr Auge nichts weiter sieht, da ihr Leben da nichts weiter hat. Ihr Gefhl, worauf auch allein sie sich berufen knnen, erscheint ihnen als untrglich; und so jemand diesen Trger nicht zugibt, so sind sie weit entfernt von der Voraussetzung, da er mit dem Leben allein sich begnge, sondern sie glauben, da es ihm nur an Scharfsinn fehle, den Trger, der ohne Zweifel auch ihn trage, zu bemerken, und da er der Fhigkeit, sich zu ihren hohen Ansichten aufzuschwingen, ermangle. Es ist darum vergeblich und unmglich, sie zu belehren; machen mte man sie, und anders machen, wenn man knnte. In diesem Teile ist nun die dermalige deutsche Philosophie nicht deutsch, sondern Auslnderei. Die wahre in sich selbst zu Ende gekommene und ber die Erscheinung hinweg wahrhaft zum Kerne derselben durchgedrungene Philosophie hingegen geht aus von dem einen, reinen, gttlichen Leben -- als Leben schlechtweg, welches es auch in alle Ewigkeit, und darin immer eines bleibt, nicht aber als von diesem oder jenem Leben; und sie sieht, wie lediglich in der Erscheinung dieses Leben unendlich fort sich schliee und wiederum ffne, und erst diesem Gesetze zufolge es zu einem Sein, und zu einem Etwas berhaupt komme. Ihr entsteht das Sein, was jene sich vorausgeben lt. Und so ist denn diese Philosophie recht eigentlich nur deutsch, d. i. ursprnglich; und umgekehrt, so jemand nur ein wahrer Deutscher wrde, so wrde er nicht anders denn also philosophieren knnen. Jenes, obwohl bei der Mehrzahl der deutsch Philosophierenden herrschende, dennoch nicht eigentlich deutsche Denksystem greift, ob es nun mit Bewutsein als eigentliches philosophisches Lehrgebude aufgestellt sei, oder ob es nur unbewut unserm brigen Denken zum Grunde liege -- es greift, sage ich, ein in die brigen wissenschaftlichen Ansichten der Zeit; wie denn dies ein Hauptbestreben unsrer durch das Ausland angeregten Zeit ist, den wissenschaftlichen Stoff nicht mehr blo, wie wohl unsre Vorfahren taten, in das Gedchtnis zu fassen, sondern denselben auch selbstdenkend und philosophierend zu bearbeiten. An Absicht des Bestrebens berhaupt hat die Zeit recht; wenn sie aber, wie dies zu erwarten ist, in der Ausfhrung dieses Philosophierens von der totglubigen Philosophie des Auslandes ausgeht, wird sie unrecht haben. Wir wollen hier nur auf die unserm ganzen Vorhaben am nchsten liegenden Wissenschaften einen Blick werfen, und die in ihnen verbreiteten auslndischen Begriffe und Ansichten aufsuchen. Da die Errichtung und Regierung der Staaten als eine freie Kunst angesehen werde, die ihre festen Regeln habe, darin hat ohne Zweifel das Ausland, es selbst nach dem Muster des Altertums, uns zum Vorgnger gedient. Worein wird nun ein solches Ausland, das schon an dem Elemente seines Denkens und Wollens, seiner Sprache, einen festen geschlossenen und toten Trger hat, und alle, die ihm hierin folgen, diese Staatskunst setzen? Ohne Zweifel in die Kunst, eine gleichfalls feste und tote Ordnung der Dinge zu finden, aus welchem Toten das lebendige Regen der Gesellschaft hervorgehe, und also hervorgehe, wie sie es beabsichtigt; alles Leben in der Gesellschaft zu einem groen und knstlichen Druck- und Rderwerke zusammenzufgen, in welchem jedes Einzelne durch das Ganze immerfort gentigt werde, dem Ganzen zu dienen; ein Rechenexempel zu lsen aus endlichen und benannten Gren zu einer nennbaren Summe, aus der Voraussetzung, jeder wolle sein Wohl, zu dem Zwecke, eben dadurch jeden wider seinen Dank und Willen zu zwingen das allgemeine Wohl zu befrdern. Das Ausland hat vielfltig diesen Grundsatz ausgesprochen und Kunstwerke jener gesellschaftlichen Maschinenkunst geliefert; das Mutterland hat die Lehre angenommen, und die Anwendung derselben zu Hervorbringung gesellschaftlicher Maschinen weiter bearbeitet, auch hier, wie immer, umfassender, tiefer, wahrer, seine Muster bei weitem bertreffend. Solche Staatsknstler wissen, falls es etwa mit dem bisherigen Gange der Gesellschaft stockt, dies nicht anders zu erklren, als da etwa eines der Rder derselben ausgelaufen sein mge, und kennen kein andres Heilungsmittel, denn dies, die schadhaften Rder herauszuheben und neue einzusetzen. Je eingewurzelter jemand in diese mechanische Ansicht der Gesellschaft ist, je mehr er es versteht, diesen Mechanismus zu vereinfachen, indem er alle Teile der Maschine so gleich als mglich macht, und alle als gleichmigen Stoff behandelt, fr einen desto grern Staatsknstler gilt er mit Recht in dieser unsrer Zeit; -- denn mit den unentschieden schwankenden, und gar keiner festen Ansicht fhigen ist man noch bler daran. Diese Ansicht der Staatskunst prgt durch ihre eiserne Folgegemheit und durch einen Anschein von Erhabenheit, der auf sie fllt, Achtung ein; auch leistet sie, besonders wo alles nach monarchischer und immer reiner werdender monarchischer Verfassung drngt, bis auf einen gewissen Punkt gute Dienste. Angekommen aber bei diesem Punkte springt ihre Unmacht in die Augen. Ich will nmlich annehmen, da ihr eurer Maschine die von euch beabsichtigte Vollkommenheit durchaus verschafft httet, und da in ihr jedwedes niedere Glied unausbleiblich und unwiderstehlich gezwungen werde durch ein hheres, zum Zwingen gezwungenes Glied, und so fort bis an den Gipfel; wodurch wird denn nun euer letztes Glied, von dem aller in der Maschine vorhandene Zwang ausgeht, zu seinem Zwingen gezwungen? Ihr sollt schlechthin allen Widerstand, der aus der Reibung der Stoffe gegen jene letzte Triebfeder entstehen knnte, berwunden, und ihr eine Kraft gegeben haben, gegen welche alle andre Kraft in Nichts verschwinde, was allein ihr auch durch Mechanismus knnt, und sollt also die allerkrftigste monarchische Verfassung erschaffen haben; wie wollt ihr denn nun diese Triebfeder selbst in Bewegung bringen, und sie zwingen, ohne Ausnahme das Rechte zu sehen und zu wollen? Wie wollt ihr denn in euer zwar richtig berechnetes und gefgtes, aber stillstehendes Rderwerk das ewig Bewegliche einsetzen? Soll etwa, wie ihr dies auch zuweilen in eurer Verlegenheit uert, das ganze Werk selbst zurckwirken und seine erste Triebfeder anregen? Entweder geschieht dies durch eine selbst aus der Anregung der Triebfeder stammende Kraft, oder es geschieht durch eine solche Kraft, die nicht aus ihr stammt, sondern die in dem Ganzen selbst, unabhngig von der Triebfeder, stattfindet; und ein drittes ist nicht mglich. Nehmt ihr das erste an, so befindet ihr euch in einem alles Denken und allen Mechanismus aufhebenden Zirkel; das ganze Werk kann die Triebfeder zwingen, nur, inwiefern es selbst von jener gezwungen ist, sie zu zwingen, also inwiefern die Triebfeder, nur mittelbar, sich selbst zwingt; zwingt sie aber sich selbst nicht, welchem Mangel wir ja eben abhelfen wollten, so erfolgt berhaupt keine Bewegung. Nehmt ihr das zweite an, so bekennt ihr, da der Ursprung aller Bewegung in eurem Werke von einer in eure Berechnung und Anordnung gar nicht eingetretenen und durch euren Mechanismus gar nicht gebundenen Kraft ausgehe, die ohne Zweifel ohne euer Zutun nach ihren eignen euch unbekannten Gesetzen wirkt, wie sie kann. In jedem der beiden Flle mt ihr euch als Stmper und unmchtige Prahler bekennen. Dies hat man denn auch gefhlt, und in diesem Lehrgebude, das, auf seinen Zwang rechnend, um die brigen Brger unbesorgt sein kann, wenigstens den Frsten, von welchem alle gesellschaftliche Bewegung ausgeht, durch allerlei gute Lehre und Unterweisung erziehen wollen. Aber wie will man sich denn versichern, da man auf eine der Erziehung zum Frsten berhaupt fhige Natur treffen werde; oder falls man auch dieses Glck htte, da dieser, den kein Mensch ntigen kann, gefllig und geneigt sein werde, Zucht annehmen zu wollen? Eine solche Ansicht der Staatskunst ist nun, ob sie auf auslndischem oder deutschem Boden angetroffen werde, immer Auslnderei. Es ist jedoch hierbei zur Ehre deutschen Geblts und Gemts anzumerken, da, so gute Knstler wir auch in der bloen Lehre dieser Zwangsberechnungen sein mochten, wir dennoch, wenn es zur Ausbung kam, durch das dunkle Gefhl, es msse nicht also sein, gar sehr gehemmt wurden, und in diesem Stcke gegen das Ausland zurckblieben. Sollten wir also auch gentigt werden, die uns zugedachte Wohltat fremder Formen und Gesetze anzunehmen, so wollen wir uns dabei wenigstens nicht ber die Gebhr schmen, als ob unser Witz unfhig gewesen wre, die Hhen der Gesetzgebung auch zu erschwingen. Da, wenn wir blo die Feder in der Hand haben, wir auch hierin keiner Nation nachstehen, so mchten fr das Leben wir wohl gefhlt haben, da auch dies noch nicht das rechte sei, und so lieber das Alte haben stehen lassen wollen, bis das Vollkommne an uns kme, anstatt blo die alte Mode mit einer neuen ebenso hinflligen Mode zu vertauschen. Anders die echt deutsche Staatskunst. Auch sie will Festigkeit, Sicherheit und Unabhngigkeit von der blinden und schwankenden Natur, und ist hierin mit dem Auslande ganz einverstanden. Nur will sie nicht, wie diese, ein festes und gewisses Ding, als das erste, durch welches der Geist als das zweite Glied, erst gewi gemacht werde, sondern sie will gleich von vornherein, und als das allererste und einige Glied, einen festen und gewissen Geist. Dieser ist fr sie die aus sich selbst lebende und ewig bewegliche Triebfeder, die das Leben der Gesellschaft ordnen und fortbewegen wird. Sie begreift, da sie diesen Geist nicht durch Strafreden an die schon verwahrloste Erwachsenheit, sondern nur durch Erziehung des noch unverdorbenen Jugendalters hervorbringen knne; und zwar will sie mit dieser Erziehung sich nicht, wie das Ausland, an die schroffe Spitze, den Frsten, sondern sie will sich mit derselben an die breite Flche, an die Nation wenden, indem ja ohne Zweifel auch der Frst zu dieser gehren wird. So wie der Staat an den Personen seiner erwachsenen Brger die fortgesetzte Erziehung des Menschengeschlechts ist, so msse, meint diese Staatskunst, der knftige Brger selbst erst zur Empfnglichkeit jener hheren Erziehung herauferzogen werden. Hierdurch wird nun diese deutsche und allerneueste Staatskunst wiederum die allerlteste; denn auch diese bei den Griechen grndete das Brgertum auf die Erziehung, und bildete Brger, wie die folgenden Zeitalter sie nicht wieder gesehen haben. In der Form dasselbe, in dem Gehalte mit nicht engherzigem und ausschlieendem, sondern allgemeinem und weltbrgerlichem Geiste, wird hinfr der Deutsche tun. Derselbe Geist des Auslandes herrscht bei der groen Mehrzahl der unsrigen auch in ihrer Ansicht des gesamten Lebens eines Menschengeschlechts und der Geschichte, als dem Bilde jenes Lebens. Eine Nation, die eine geschlossene und erstorbene Grundlage ihrer Sprache hat, kann es, wie wir zu einer andern Zeit gezeigt haben, in allen Redeknsten nur bis zu einer gewissen von jener Grundlage verstatteten Stufe der Ausbildung bringen, und sie wird ein goldenes Zeitalter erleben. Ohne die grte Bescheidenheit und Selbstverleugnung kann eine solche Nation von dem ganzen Geschlechte nicht fglich hher denken, denn sie selbst sich kennt; sie mu daher voraussetzen, da es auch fr dieses ein letztes, hchstes und niemals zu bertreffendes Ziel der Ausbildung geben werde. So wie das Tiergeschlecht der Biber oder Bienen noch jetzt also baut, wie es vor Jahrtausenden gebaut hat, und in diesem langen Zeitraume in der Kunst keine Fortschritte gemacht hat, ebenso wird es nach diesen sich mit dem Tiergeschlechte, Mensch genannt, in allen Zweigen seiner Ausbildung verhalten. Diese Zweige, Triebe und Fhigkeiten werden sich erschpfend bersehen, ja vielleicht an ein paar Gliedmaen sogar dem Auge darlegen lassen, und die hchste Entwicklung einer jeden wird angegeben werden knnen. Vielleicht wird das Menschengeschlecht darin noch weit bler daran sein, als das Biber- oder Bienengeschlecht, da das letztere, wie es zwar nichts zulernt, dennoch auch in seiner Kunst nicht zurckkommt, der Mensch aber, wenn er auch einmal den Gipfel erreichte, wiederum zurckgeschleudert wird, und nun Jahrhunderte oder Tausende sich anstrengen mag, um wiederum in den Punkt hinein zu geraten, in welchem man ihn lieber gleich htte lassen sollen. Dergleichen Scheitelpunkte seiner Bildung und goldene Zeitalter wird, diesen zufolge das Menschengeschlecht ohne Zweifel auch schon erreicht haben; diese in der Geschichte aufzusuchen, und nach ihnen alle Bestrebungen der Menschheit zu beurteilen und auf sie zurckfhren, wird ihr eifrigstes Bestreben sein. Nach ihnen ist die Geschichte lngst fertig, und ist schon mehrmals fertig gewesen; nach ihnen geschieht nichts Neues unter der Sonne, denn sie haben unter und ber der Sonne den Quell des ewigen Fortlebens ausgetilgt, und lassen nur den immer wiederkehrenden Tod sich wiederholen und mehrere Male setzen. Es ist bekannt, da diese Philosophie der Geschichte vom Auslande aus an uns gekommen ist, wiewohl sie dermalen auch in diesem verhallet, und fast ausschlieend deutsches Eigentum geworden ist. Aus dieser tiefern Verwandtschaft erfolgt es denn auch, da diese unsre Geschichtsphilosophie die Bestrebungen des Auslandes, welches, wenn es auch diese Ansicht der Geschichte nicht mehr hufig ausspricht, noch mehr tut, indem es in derselben handelt, und abermals ein goldnes Zeitalter verfertigt, so durch und durch zu verstehen, und ihnen sogar weissagend den fernern Weg vorzuzeichnen, und sie so aufrichtig zu bewundern vermag, wie es der deutsch Denkende nicht eben also von sich rhmen kann. Wie knnte er auch? Goldene Zeitalter in jeder Rcksicht sind ihm eine Beschrnktheit der Erstorbenheit. Das Gold mge zwar das Edelste sein im Schoe der erstorbenen Erde, meint er, aber des lebendigen Geistes Stoff sei jenseit der Sonne und jenseit aller Sonnen, und sei ihre Quelle. Ihm wickelt sich die Geschichte, und mit ihr das Menschengeschlecht, nicht ab nach dem verborgenen und wunderlichen Gesetze eines Kreistanzes, sondern nach ihm macht der eigentliche und rechte Mensch sie selbst, nicht etwa nur wiederholend das schon Dagewesene, sondern in die Zeit hinein erschaffend das durchaus Neue. Er erwartet darum niemals bloe Wiederholung, und wenn sie doch erfolgen sollte, Wort fr Wort, wie es im alten Buche steht, so bewundert er wenigstens nicht. Auf hnliche Weise nun verbreitet der erttende Geist des Auslandes, ohne unser deutliches Bewutsein, sich ber unsre brigen wissenschaftlichen Ansichten, von denen es hinreichen mge, die angefhrten Beispiele beigebracht zu haben; und zwar erfolgt dies deswegen also, weil wir gerade jetzt die vom Auslande frher erhaltenen Anregungen nach unsrer Weise bearbeiten, und durch einen solchen Mittelzustand hindurchgehen. Weil dies zur Sache gehrte, habe ich diese Beispiele beigebracht; nebenbei auch noch darum, damit niemand glaube, durch Folgestze aus den angefhrten Grundstzen den hier geuerten Behauptungen widersprechen zu knnen. Weit entfernt, da etwa jene Grundstze uns unbekannt geblieben wren, oder da wir zu der Hhe derselben uns nicht aufzuschwingen vermocht htten, kennen wir sie vielmehr recht gut, und drften vielleicht, wenn wir berflssige Zeit htten, fhig sein, dieselben in ihrer ganzen Folgemigkeit rckwrts und vorwrts zu entwickeln; wir werfen sie nur eben gleich von vornherein weg, und so auch alles, was aus ihnen folgt, dessen mehreres ist in unserm hergebrachten Denken, als der oberflchliche Beobachter leicht glauben drfte. Wie in unsre wissenschaftliche Ansicht, ebenso fliet dieser Geist des Auslandes auch ein in unser gewhnliches Leben und die Regeln desselben; damit aber dieses klar, und das vorhergehende noch klarer werde, ist es ntig, zuvrderst das Wesen des ursprnglichen Lebens oder der Freiheit mit tieferm Blicke zu durchdringen. Die Freiheit im Sinne des unentschiedenen Schwankens zwischen mehreren gleich Mglichen genommen, ist nicht Leben, sondern nur Vorhof und Eingang zu wirklichem Leben. Endlich mu es doch einmal aus diesem Schwanken heraus zum Entschlusse und zum Handeln kommen und erst jetzt beginnt das Leben. Nun erscheint unmittelbar und auf den ersten Blick jedweder Willensentschlu als Erstes, keineswegs als Zweites und Folge aus dem ersten, als seinem Grunde -- als schlechthin durch sich daseiend, und so daseiend, wie er es ist; welche Bedeutung als die einzig mgliche verstndige des Worts Freiheit wir festsetzen wollen. Aber es sind, in Absicht auf den innern Gehalt eines solchen Willensentschlusses, zwei Flle mglich; entweder nmlich erscheint in ihm nur die Erscheinung abgetrennt vom Wesen, und ohne da das Wesen auf irgendeine Weise in ihrem Erscheinen eintrete, oder das Wesen tritt selbst erscheinend ein in dieser Erscheinung eines Willensentschlusses: und zwar ist hierbei sogleich mit anzumerken, da das Wesen nur in einem Willensentschlusse, und durchaus in nichts anderm, zur Erscheinung werden kann, wiewohl umgekehrt es Willensentschlsse geben kann, in denen keineswegs das Wesen, sondern nur die bloe Erscheinung heraustritt. Wir reden zunchst von dem letzten Falle. Die bloe Erscheinung, als solche, ist durch ihre Abtrennung und durch ihren Gegensatz mit dem Wesen, sodann dadurch, da sie fhig ist, selbst auch zu erscheinen und sich darzustellen, unabnderlich bestimmt, und sie ist darum notwendig also, wie sie eben ist und ausfllt. Ist daher, wie wir voraussetzen, irgendein gegebener Willensentschlu in seinem Inhalte bloe Erscheinung, so ist er insofern in der Tat nicht frei, Erstes und Ursprngliches, sondern er ist notwendig, und ein zweites, aus einem hhern ersten, dem Gesetze der Erscheinung berhaupt, also wie es ist, hervorgehendes Glied. Da nun, wie auch hier mehrmals erinnert worden, das Denken des Menschen denselben also vor ihn selber hinstellt, wie er wirklich ist, und immerfort der treue Abdruck und Spiegel seines Innern bleibt, so kann ein solcher Willensentschlu, obwohl er auf den ersten Blick, da er ja ein Willensentschlu ist, als frei erscheint, dennoch dem wiederholten und tiefern Denken keineswegs also erscheinen, sondern er mu in diesem als notwendig gedacht werden, wie er es denn wirklich in der Tat ist. Fr solche, deren Willen sich noch in keinen hhern Kreis aufgeschwungen hat, als in den, da an ihnen ein Wille blo erscheine, ist der Glaube an Freiheit allerdings Wahn und Tuschung eines flchtigen und auf der Oberflche behangen bleibenden Anschauens; im Denken allein, das ihnen allenthalben nur die Fessel der strengen Notwendigkeit zeigt, ist fr sie Wahrheit. Das erste Grundgesetz der Erscheinung, schlechthin als solcher, (den Grund anzugeben unterlassen wir um so fglicher, da es anderwrts zur Genge geschehen ist), ist dieses, da sie zerfalle in ein Mannigfaltiges, da in einer gewissen Rcksicht ein unendliches, in einer gewissen andern Rcksicht ein geschlossenes Ganzes ist, in welchem geschlossenen Ganzen des Mannigfaltigen jedes einzelne bestimmt ist, durch alle brige, und wiederum alle brige bestimmt sind durch dieses einzelne. Falls daher in dem Willensentschlusse des einzelnen nichts weiter herausbricht in die Erscheinung, als die Erscheinbarkeit, Darstellbarkeit und Sichtbarkeit berhaupt, die in der Tat die Sichtbarkeit von Nichts ist, so ist der Inhalt eines solchen Willensentschlusses bestimmt durch das geschlossene Ganze aller mglichen Willensentschlsse dieses und aller mglichen brigen einzelnen Willen, und er enthlt nichts weiter und kann nichts weiter enthalten, denn dasjenige, was nach Abziehung aller jener mglichen Willensentschlsse zu wollen brigbleibt. Es ist darum in der Tat in ihm nichts Selbstndiges, Ursprngliches und Eignes, sondern er ist die bloe Folge, als Zweites, aus dem allgemeinen Zusammenhange der ganzen Erscheinung in ihren einzelnen Teilen, wie er denn dafr auch stets von allen, die auf dieser Stufe der Bildung sich befanden, dabei aber grndlich dachten, erkannt worden, und diese ihre Erkenntnis auch mit denselben Worten, deren wir uns soeben bedienten, ausgesprochen worden ist; alles dieses aber darum, weil in ihnen nicht das Wesen, sondern nur die bloe Erscheinung eintritt in die Erscheinung. Wo dagegen das Wesen selber, unmittelbar und gleichsam in eigner Person, keineswegs durch einen Stellvertreter, eintritt in der Erscheinung eines Willensentschlusses, da ist zwar alles das oben Erwhnte, aus der Erscheinung, als einem geschlossenen Ganzen erfolgende, gleichfalls vorhanden, denn die Erscheinung erscheint ja auch hier; aber eine solche Erscheinung geht in diesem Bestandteile nicht auf und ist durch denselben nicht erschpft, sondern es findet sich in ihr noch ein Mehreres, ein andrer, aus jenem Zusammenhange nicht zu erklrender, sondern nach Abzug des Erklrbaren brigbleibender Bestandteil. Jener erste Bestandteil findet auch hier statt, sagte ich; jenes Mehr wird sichtbar, und vermittelst dieser seiner Sichtbarkeit, keineswegs vermittelst seines innern Wesens, tritt es unter das Gesetz und die Bedingungen der Ersichtlichkeit berhaupt; aber es ist noch mehr denn dieses aus irgendeinem Gesetze Hervorgehendes, und darum Notwendiges und Zweites, und es ist in Absicht dieses Mehr durch sich selbst, was es ist, ein wahrhaft Erstes, Ursprngliches und Freies, und da es dieses ist, erscheint es auch also dem tiefsten und in sich selber zu Ende gekommenen Denken. Das hchste Gesetz der Ersichtlichkeit ist, wie gesagt, dies, da das Erscheinende sich spalte in ein unendliches Mannigfaltiges. Jenes Mehr wird sichtbar, jedesmal als Mehr, denn das nun und eben jetzt aus dem Zusammenhange der Erscheinung Hervorgehende, und so ins Unendliche fort; und so erscheint denn dieses Mehr selber als ein Unendliches. Aber es ist ja sonnenklar, da es diese Unendlichkeit nur dadurch erhlt, da es jedesmal sichtbar und denkbar und zu entdecken ist, allein durch seinen Gegensatz mit dem ins Unendliche fort aus dem im Zusammenhange Erfolgenden und durch sein Mehrsein denn dies. Abgesehen aber von diesem Bedrfnisse des Denkens desselben ist es ja dieses Mehr, denn alles ins Unendliche fort sich darstellen mgende Unendliche, von Anbeginn in reiner Einfachheit und Unvernderlichkeit, und es wird in aller Unendlichkeit nicht mehr, denn dieses Mehr, noch wird es minder; und nur seine Ersichtlichkeit, als mehr denn das Unendliche -- und auf andre Weise kann es in seiner hchsten Reinheit nicht sichtbar werden -- erschafft das Unendliche und alles, was in ihm zu erscheinen scheint. Wo nun dieses Mehr wirklich als ein solches ersichtliches Mehr eintritt, aber es vermag nur in einem Wollen einzutreten, da tritt das Wesen selbst, das allein ist, und allein zu sein vermag, und das da ist von sich und durch sich, das gttliche Wesen, ein in die Erscheinung, und macht sich selbst unmittelbar sichtbar; und daselbst ist eben darum wahre Ursprnglichkeit und Freiheit, und so wird denn auch an sie geglaubt. Und so findet denn auf die allgemeine Frage, ob der Mensch frei sei oder nicht, keine allgemeine Antwort statt; denn eben weil der Mensch frei ist, in niederm Sinne; weil er bei unentschiedenem Schwanken und Wanken anhebt, kann er frei sein, oder auch nicht frei, im hhern Sinne des Worts. In der Wirklichkeit ist die Weise, wie jemand diese Frage beantwortet, der klare Spiegel seines wahren inwendigen Seins. Wer in der Tat nicht mehr ist, als ein Glied in der Kette der Erscheinungen, der kann wohl einen Augenblick sich frei whnen, aber seinem strengeren Denken hlt dieser Wahn nicht stand; wie er aber sich selbst findet, eben also denkt er notwendig sein ganzes Geschlecht. Wessen Leben dagegen ergriffen ist von dem wahrhaftigen, und Leben unmittelbar aus Gott geworden ist, der ist frei und glaubt an Freiheit in sich und andern. Wer an ein festes beharrliches und totes Sein glaubt, der glaubt nur darum daran, weil er in sich selbst tot ist; und nachdem er einmal tot ist, kann er nicht anders, denn also glauben, sobald er nur in sich selbst klar wird. Er selbst und seine ganze Gattung von Anbeginn bis ans Ende wird ihm ein zweites und eine notwendige Folge aus irgendeinem vorauszusetzenden ersten Gliede. Diese Voraussetzung ist sein wirkliches, keineswegs ein blo gedachtes Denken, sein wahrer Sinn, der Punkt, wo sein Denken unmittelbar selbst Leben ist; und ist so die Quelle alles seines brigen Denkens und Beurteilens seines Geschlechts in seiner Vergangenheit, der Geschichte, seiner Zukunft, den Erwartungen von ihm, und seiner Gegenwart, im wirklichen Leben an ihm selber und andern. Wir haben diesen Glauben an den Tod, im Gegensatze mit einem ursprnglich lebendigen Volke, Auslnderei genannt. Diese Auslnderei wird somit, wenn sie einmal unter den Deutschen ist, sich auch im wirklichen Leben derselben zeigen, als ruhige Ergebung in die nun einmal unabnderliche Notwendigkeit ihres Seins, als Aufgeben aller Verbesserung unsrer selbst oder andrer durch Freiheit, als Geneigtheit, sich selbst und alle so zu verbrauchen, wie sie sind, und aus ihrem Sein den mglichst grten Vorteil fr uns selbst zu ziehen; kurz, als das in allen Lebensregungen immerfort sich abspiegelnde Bekenntnis des Glaubens an die allgemeine und gleichmige Sndhaftigkeit aller, den ich an einem andern Orte hinlnglich geschildert habe,[3] welche Schilderung selbst nachzulesen, auch zu beurteilen, inwiefern dieselbe auf die Gegenwart passe, ich Ihnen berlasse. Diese Denk- und Handelsweise entsteht der inwendigen Erstorbenheit, wie oft erinnert worden, nur dadurch, da sie ber sich selbst klar wird, dagegen sie, solange sie im dunkeln bleibt, den Glauben an Freiheit, der an sich wahr, und nur in Anwendung auf ihr dermaliges Sein Wahn ist, beibehlt. Es erhellt hier deutlich der Nachteil der Klarheit bei innerer Schlechtigkeit. Solange diese Schlechtigkeit dunkel bleibt, wird sie durch die fortdauernde Anforderung an Freiheit immerfort beunruhigt, gestachelt und getrieben und bietet den Versuchen, sie zu verbessern, einen Angriffspunkt dar. Die Klarheit aber vollendet sie und rundet sie in sich selbst ab; sie fgt ihr die freudige Ergebung, die Ruhe eines guten Gewissens, das Wohlgefallen an sich selber hinzu; es geschieht ihnen, wie sie glauben, sie sind von nun an in der Tat unverbesserlich, und hchstens, um bei den Besseren den unbarmherzigen Abscheu gegen das Schlechte, oder die Ergebung in den Willen Gottes rege zu erhalten, und auerdem zu keinem Dinge in der Welt ntze. [3] M. s. die Anweisung zum seligen Leben; 11. Vorlesung. Und so trete denn endlich in seiner vollendeten Klarheit heraus, was wir in unsrer bisherigen Schilderung unter Deutschen verstanden haben. Der eigentliche Unterscheidungsgrund liegt darin, ob man an ein absolut Erstes und Ursprngliches im Menschen selber, an Freiheit, an unendliche Verbesserlichkeit, an ewiges Fortschreiten unsers Geschlechts glaube, oder ob man an alles dieses nicht glaube, ja wohl deutlich einzusehen und zu begreifen vermeine, da das Gegenteil von diesem allem stattfinde. Alle, die entweder selbst schpferisch und hervorbringend das Neue leben, oder die, falls ihnen dies nicht zuteil geworden wre, das Nichtige wenigstens entschieden fallen lassen und aufmerkend dastehen, ob irgendwo der Flu ursprnglichen Lebens sie ergreifen werde, oder die, falls sie auch nicht so weit wren, die Freiheit wenigstens ahnen und sie nicht hassen, oder vor ihr erschrecken, sondern sie lieben; alle diese sind ursprngliche Menschen, sie sind, wenn sie als ein Volk betrachtet werden, ein Urvolk, das Volk schlechtweg, Deutsche. Alle, die sich darein ergeben ein Zweites zu sein und Abgestammtes, und die deutlich sich also kennen und begreifen, sind es in der Tat, und werden es immer mehr durch diesen ihren Glauben, sie sind ein Anhang zum Leben, das vor ihnen oder neben ihnen aus eignem Triebe sich regte, ein vom Felsen zurcktnender Nachhall einer schon verstummten Stimme, sie sind als Volk betrachtet auerhalb des Urvolks und fr dasselbe Fremde und Auslnder. In der Nation, die bis auf diesen Tag sich das Volk schlechtweg oder Deutsche nennt, ist in der neuen Zeit wenigstens bis jetzt Ursprngliches an den Tag hervorgebrochen, und Schpferkraft des Neuen hat sich gezeigt; jetzt wird endlich dieser Nation durch eine in sich selbst klar gewordene Philosophie der Spiegel vorgehalten, in welchem sie mit klarem Begriffe erkenne, was sie bisher ohne deutliches Bewutsein durch die Natur ward, und wozu sie von derselben bestimmt ist; und es wird ihr der Antrag gemacht, nach diesem klaren Begriffe und mit besonnener und freier Kunst, vollendet und ganz, sich selbst zu dem zu machen, was sie sein soll, den Bund zu erneuern und ihren Kreis zu schlieen. Der Grundsatz, nach dem sie diesen zu schlieen hat, ist ihr vorgelegt; was an Geistigkeit und Freiheit dieser Geistigkeit glaubt, und die ewige Fortbildung dieser Geistigkeit durch Freiheit will, das, wo es auch geboren sei, und in welcher Sprache es rede, ist unsers Geschlechts, es gehrt uns an und es wird sich zu uns tun. Was an Stillstand, Rckgang und Zirkeltanz glaubt, oder gar eine tote Natur an das Ruder der Weltregierung setzt, dieses, wo es auch geboren sei und welche Sprache es rede, ist undeutsch und fremd fr uns, und es ist zu wnschen, da es je eher je lieber sich gnzlich von uns abtrenne. Und so trete denn bei dieser Gelegenheit, gesttzt auf das oben ber die Freiheit Gesagte, endlich auch einmal vernehmlich heraus, und wer noch Ohren hat zu hren, der hre, was diejenige Philosophie, die mit gutem Fuge sich die deutsche nennt, eigentlich wolle, und worin sie jeder auslndischen und totglubigen Philosophie mit ernster und unerbittlicher Strenge sich entgegensetze; und zwar trete dieses heraus keineswegs darum, damit auch das Tote es verstehe, was unmglich ist, sondern damit es diesem schwerer werde, ihr die Worte zu verdrehen, und sich das Ansehen zu geben, als ob es selbst eben auch ungefhr dasselbe wolle und im Grunde meine. Diese deutsche Philosophie erhebt sich wirklich und durch die Tat ihres Denkens, keineswegs prahlt sie es blo zufolge einer dunklen Ahnung, da es so sein msse, ohne es jedoch bewerkstelligen zu knnen -- sie erhebt sich zu dem unwandelbaren Mehr denn alle Unendlichkeit, und findet allein in diesem das wahrhafte Sein. Zeit und Ewigkeit und Unendlichkeit erblickt sie in ihrer Entstehung aus dem Erscheinen und Sichtbarwerden jenes Einen, das an sich schlechthin unsichtbar ist, und nur in dieser seiner Unsichtbarkeit erfat, richtig erfat wird. Schon die Unendlichkeit ist nach dieser Philosophie nichts an sich, und es kommt ihr durchaus kein wahrhaftes Sein zu; sie ist lediglich das Mittel, woran das einzige, das da ist, und das nur in seiner Unsichtbarkeit ist, sichtbar wird, und woraus ihm ein Bild, ein Schemen und Schatten seiner selbst, im Umkreise der Bildlichkeit erbaut wird. Alles, was innerhalb dieser Unendlichkeit der Bilderwelt noch weiter sichtbar werden mag, ist nun vollends ein Nichts des Nichts, ein Schatten des Schattens, und lediglich das Mittel, woran jenes erste Nichts der Unendlichkeit und der Zeit selber sichtbar werde, und dem Gedanken der Aufflug zu dem unbildlichen und unsichtbaren Sein sich erffne. Innerhalb dieses einzig mglichen Bildes der Unendlichkeit tritt nun das Unsichtbare unmittelbar heraus nur als freies und ursprngliches Leben des Sehens, oder als Willensentschlu eines vernnftigen Wesens, und kann durchaus nicht anders heraustreten und erscheinen. Alles als nicht geistiges Leben erscheinende beharrliche Dasein ist nur ein aus dem Sehen hingeworfener, vielfach durch das Nichts vermittelter leerer Schatten, im Gegensatze mit welchem und durch dessen Erkenntnis als vielfach vermitteltes Nichts, das Sehen selbst sich eben erheben soll zum Erkennen seines eignen Nichts und zur Anerkennung des Unsichtbaren als des einzigen Wahren. In diesen Schatten von den Schatten der Schatten bleibt nun jene totglubige Seinsphilosophie, die wohl gar Naturphilosophie wird, die erstorbenste von allen Philosophien, behangen, und frchtet und betet an ihr eignes Geschpf. Dieses Beharren nun ist der Ausdruck ihres wahren Lebens und ihrer Liebe, und in diesem ist dieser Philosophie zu glauben. Wenn sie aber noch weiter sagt, da dieses von ihr als wirklich seiendes vorausgesetzte Sein und das Absolute eins sei und ebendasselbe, so ist ihr hierin, so vielmal sie es auch beteuern mag, und wenn sie auch manchen Eidschwur hinzufgte, nicht zu glauben; sie wei dies nicht, sondern sie sagt es nur auf gutes Glck hin, einer andern Philosophie, der sie dies nicht abzustreiten wagt, es nachbetend. Sollte sie es wissen, so mte sie nicht von der Zweiheit, die sie durch jenen Machtspruch nur aufhebt und dennoch stehen lt, als einer unbezweifelten Tatsache ausgehen, sondern sie mte von der Einheit ausgehen, und aus dieser die Zweiheit, und mit ihr alle Mannigfaltigkeit verstndlich und einleuchtend abzuleiten vermgen. Hierzu bedarf es aber des Denkens, der durchgefhrten und mit sich selbst zu Ende gekommenen Reflexion. Die Kunst dieses Denkens hat sie teils nicht gelernt und ist derselben berhaupt unfhig, sie vermag nur zu schwrmen, teils ist sie diesem Denken feind und mag es gar nicht versuchen, weil sie dadurch in der geliebten Tuschung gestrt werden wrde. Dies ist es nun, worin unsre Philosophie sich jener Philosophie ernstlich entgegensetzt, und dies haben wir bei dieser Veranlassung einmal so vornehmlich als mglich ansprechen und bezeugen wollen. Achte Rede. Was ein Volk sei, in der hhern Bedeutung des Worts, und was Vaterlandsliebe. Die vier letzten Reden haben die Frage beantwortet: was ist der Deutsche im Gegensatze mit andern Vlkern germanischer Abkunft? Der Beweis, der durch dieses alles fr das Ganze unsrer Untersuchung gefhrt werden soll, wird vollendet, wenn wir noch die Untersuchung der Frage hinzufgen: was ist ein Volk? welche letztere Frage gleich ist einer andern und zugleich mitbeantwortet diese andre, oft aufgeworfene und auf sehr verschiedene Weisen beantwortete Frage, diese: was ist Vaterlandsliebe, oder, wie man sich richtiger ausdrcken wrde, was ist Liebe des einzelnen zu seiner Nation? Sind wir bisher im Gange unsrer Untersuchung richtig verfahren, so mu hierbei zugleich erhellen, da nur der Deutsche -- der ursprngliche und nicht in einer willkrlichen Satzung erstorbene Mensch, wahrhaft ein Volk hat und auf eins zu rechnen befugt ist, und da nur er der eigentlichen und vernunftgemen Liebe zu seiner Nation fhig ist. Wir bahnen uns den Weg zur Lsung der gestellten Aufgabe durch folgende, frs erste auer dem Zusammenhange des bisherigen zu liegen scheinende Bemerkung. Die Religion, wie wir dies schon in unsrer dritten Rede angemerkt haben, vermag durchaus hinwegzuversetzen ber alle Zeit und ber das ganze gegenwrtige und sinnliche Leben, ohne darum der Rechtlichkeit, Sittlichkeit und Heiligkeit des von diesem Glauben ergriffenen Lebens den mindesten Abbruch zu tun. Man kann, auch bei der sichern Ueberzeugung, da alles unser Wirken auf dieser Erde nicht die mindeste Spur hinter sich lassen und nicht die mindeste Frucht bringen werde, ja, da das Gttliche sogar verkehrt und zu einem Werkzeuge des Bsen und noch tieferer sittlicher Verderbnis werde gebraucht werden, dennoch fortfahren in diesem Wirken, lediglich, um das in uns ausgebrochene gttliche Leben aufrecht zu erhalten, und in Beziehung auf eine hhere Ordnung der Dinge in einer knftigen Welt, in welcher nichts in Gott Geschehenes zugrunde geht. So waren zum Beispiel die Apostel, und berhaupt die ersten Christen, durch ihren Glauben an den Himmel schon im Leben gnzlich ber die Erde hinweggesetzt und die Angelegenheiten derselben, der Staat, irdisches Vaterland und Nation, waren von ihnen so gnzlich aufgegeben, da sie dieselben auch sogar ihrer Beachtung nicht mehr wrdigten. So mglich dieses nun auch ist, und so leicht auch dem Glauben, und so freudig auch man sich darein ergeben mu, wenn es einmal unabnderlich der Wille Gottes ist, da wir kein irdisches Vaterland mehr haben und hienieden Ausgestoene und Knechte seien: so ist dies dennoch nicht der natrliche Zustand und die Regel des Weltganges, sondern es ist eine seltene Ausnahme; auch ist es ein sehr verkehrter Gebrauch der Religion, der unter andern auch sehr hufig vom Christentume gemacht worden, wenn dieselbe gleich von vornherein und ohne Rcksicht auf die vorhandenen Umstnde darauf ausgeht, diese Zurckziehung von den Angelegenheiten des Staates und der Nation als wahre religise Gesinnung zu empfehlen. In einer solchen Lage, wenn sie wahr und wirklich ist und nicht etwa blo durch religise Schwrmerei herbeigefhrt, verliert das zeitliche Leben alle Selbstbestndigkeit, und es wird lediglich zu einem Vorhofe des wahren Lebens und zu einer schweren Prfung, die man blo aus Gehorsam und Ergebung in den Willen Gottes ertrgt; und dann ist es wahr, da, wie es von vielen vorgestellt worden, unsterbliche Geister nur zu ihrer Strafe in irdische Leiber, als in Gefngnisse, eingetaucht sind. In der regelmigen Ordnung der Dinge hingegen soll das irdische Leben selber wahrhaftig Leben sein, dessen man sich erfreuen und das man, freilich in Erwartung eines hhern, dankbar genieen knne; und obwohl es wahr ist, da die Religion auch der Trost ist des widerrechtlich zerdrckten Sklaven, so ist dennoch vor allen Dingen dies religiser Sinn, da man sich gegen die Sklaverei stemme und, so man es verhindern kann, die Religion nicht bis zum bloen Troste der Gefangenen herabsinken lasse. Dem Tyrannen steht es wohl an, religise Ergebung zu predigen, und die, denen er auf Erden kein Pltzchen verstatten will, an den Himmel zu verweisen; wir andern mssen weniger eilen, diese von ihm empfohlene Ansicht der Religion uns anzueignen und, falls wir knnen, verhindern, da man die Erde zur Hlle mache, um eine desto grere Sehnsucht nach dem Himmel zu erregen. Der natrliche, nur im wahren Falle der Not aufzugebende Trieb des Menschen ist der, den Himmel schon auf dieser Erde zu finden und ewig Dauerndes zu verflen in sein irdisches Tagewerk; das Unvergngliche im Zeitlichen selbst zu pflanzen und zu erziehen -- nicht blo auf eine unbegreifliche Weise, und allein durch die, sterblichen Augen undurchdringbare Kluft mit dem Ewigen zusammenhngend, sondern auf eine dem sterblichen Auge selbst sichtbare Weise. Da ich bei diesem gemeinfalichen Beispiele anhebe: welcher Edeldenkende will nicht und wnscht nicht, in seinen Kindern und wiederum in den Kindern dieser, sein eignes Leben von neuem auf eine verbesserte Weise zu wiederholen, und in dem Leben derselben veredelt und vervollkommnet auch auf dieser Erde noch fortzuleben, nachdem er lngst gestorben ist; den Geist, den Sinn und die Sitte, mit denen er vielleicht in seinen Tagen abschreckend war fr die Verkehrtheit und das Verderben, befestigend die Rechtschaffenheit, aufmunternd die Trgheit, erhebend die Niedergeschlagenheit, der Sterblichkeit zu entreien, und sie, als sein bestes Vermchtnis an die Nachwelt, niederzulegen in den Gemtern seiner Hinterlassenen, damit auch diese sie einst eben also verschnert und vermehrt wieder niederlegen? Welcher Edeldenkende will nicht durch Tun oder Denken ein Samenkorn streuen zu unendlicher immerfortgehender Vervollkommnung seines Geschlechts, etwas Neues und vorher nie Dagewesenes hineinwerfen in die Zeit, das in ihr bleibe und nie versiegende Quelle werde neuer Schpfungen; seinen Platz auf dieser Erde und die ihm verliehene kurze Spanne Zeit bezahlen mit einem auch hienieden ewig Dauernden, so da er, als dieser einzelne, wenn auch nicht genannt durch die Geschichte (denn Durst nach Nachruhm ist eine verchtliche Eitelkeit) dennoch in seinem eignen Bewutsein und seinem Glauben offenbare Denkmale hinterlasse, da auch er dagewesen sei? Welcher Edeldenkende will das nicht? sagte ich; aber nur nach den Bedrfnissen der also Denkenden, als der Regel, wie alle sein sollten, ist die Welt zu betrachten und einzurichten, und um ihrer willen allein ist eine Welt da. Sie sind der Kern derselben und die anders Denkenden sind, als selbst nur ein Teil der vergnglichen Welt, so lange sie also denken, auch nur um ihrer willen da und mssen sich nach ihnen bequemen, so lange, bis sie geworden sind wie sie. Was knnte es nun sein, das dieser Aufforderung und diesem Glauben des Edlen an die Ewigkeit und Unvergnglichkeit seines Werkes die Gewhr zu leisten vermchte? Offenbar nur eine Ordnung der Dinge, die er fr selbst ewig und fr fhig, ewiges in sich aufzunehmen, anzuerkennen vermchte. Eine solche Ordnung aber ist die, freilich in keinem Begriffe zu erfassende, aber dennoch wahrhaft vorhandene, besondere geistige Natur der menschlichen Umgebung, aus welcher er selbst mit allem seinem Denken und Tun und mit seinem Glauben an die Ewigkeit desselben hervorgegangen ist, das Volk, von welchem er abstammt und unter welchem er gebildet wurde und zu dem, was er jetzt ist, heraufwuchs. Denn so unbezweifelt es auch wahr ist, da sein Werk, wenn er mit Recht Anspruch macht auf dessen Ewigkeit, keineswegs der bloe Erfolg des geistigen Naturgesetzes seiner Nation ist und mit diesem Erfolge rein aufgeht, sondern, da es ein Mehreres ist denn das, und insofern unmittelbar ausstrmt aus dem ursprnglichen und gttlichen Leben; so ist es dennoch ebenso wahr, da jenes Mehrere, sogleich bei seiner ersten Gestaltung zu einer sichtbaren Erscheinung, unter jenes besondere geistige Naturgesetz sich gefgt und nur nach demselben sich einen sinnlichen Ausdruck gebildet hat. Unter dasselbe Naturgesetz nun werden, so lange dieses Volk besteht, auch alle ferneren Offenbarungen des Gttlichen in demselben eintreten und in ihm sich gestalten. Dadurch aber, da auch er da war und so wirkte, ist selbst dieses Gesetz weiter bestimmt, und seine Wirksamkeit ist ein stehender Bestandteil desselben geworden. Auch hiernach wird alles Folgende sich fgen und an dasselbe sich anschlieen mssen. Und so ist er denn sicher, da die durch ihn errungene Ausbildung bleibt in seinem Volke, so lange dieses selbst bleibt, und fortdauernder Bestimmungsgrund wird aller fernern Entwicklung desselben. Dies nun ist in hherer, vom Standpunkte der Ansicht einer geistigen Welt berhaupt genommener Bedeutung des Worts, ein Volk: das Ganze der in Gesellschaft miteinander fortlebenden und sich aus sich selbst immerfort natrlich und geistig erzeugenden Menschen, das insgesamt unter einem gewissen besondern Gesetze der Entwicklung des Gttlichen aus ihm steht. Die Gemeinsamkeit dieses besondern Gesetzes ist es, was in der ewigen Welt und eben darum auch in der zeitlichen, diese Menge zu einem natrlichen und von sich selbst durchdrungenen Ganzen verbindet. Dieses Gesetz selbst, seinem Inhalte nach, kann wohl im ganzen erfat werden, so wie wir es an den Deutschen, als einem Urvolke erfat haben; es kann sogar durch Erwgung der Erscheinungen eines solchen Volkes noch nher in manchen seiner weiteren Bestimmungen begriffen werden; aber es kann niemals von irgendeinem, der ja selbst immerfort unter desselben ihm unbewuten Einflusse bleibt, ganz mit dem Begriffe durchdrungen werden; obwohl im allgemeinen klar eingesehen werden kann, da es ein solches Gesetz gebe. Es ist dieses Gesetz ein Mehr der Bildlichkeit, das mit dem Mehr der unbildlichen Ursprnglichkeit in der Erscheinung unmittelbar verschmilzt; und so sind denn, in der Erscheinung eben, beide nicht wieder zu trennen. Jenes Gesetz bestimmt durchaus und vollendet das, was man den Nationalcharakter eines Volkes genannt hat; jenes Gesetz der Entwicklung des Ursprnglichen und Gttlichen. Es ist aus dem letztern klar, da Menschen, welche so wie wir bisher die Auslnderei beschrieben haben, an ein Ursprngliches und an eine Fortentwicklung desselben gar nicht glauben, sondern blo an einen ewigen Kreislauf des scheinbaren Lebens, und welche durch ihren Glauben werden, wie sie glauben, im hhern Sinne gar kein Volk sind und, da sie in der Tat eigentlich auch nicht da sind, ebensowenig einen Nationalcharakter zu haben vermgen. Der Glaube des edlen Menschen an die ewige Fortdauer seiner Wirksamkeit auch auf dieser Erde grndet sich demnach auf die Hoffnung der ewigen Fortdauer des Volkes, aus dem er selber sich entwickelt hat, und der Eigentmlichkeit desselben, nach jenem verborgenen Gesetze; ohne Einmischung und Verderbung durch irgendein Fremdes und in das Ganze dieser Gesetzgebung nicht Gehriges. Diese Eigentmlichkeit ist das Ewige, dem er die Ewigkeit seiner selbst und seines Fortwirkens anvertraut, die ewige Ordnung der Dinge, in die er sein Ewiges legt; ihre Fortdauer mu er wollen, denn sie allein ist ihm das entbindende Mittel, wodurch die kurze Spanne seines Lebens hienieden zu fortdauerndem Leben hienieden ausgedehnt wird. Sein Glaube und sein Streben, Unvergngliches zu pflanzen, sein Begriff, in welchem er sein eignes Leben als ein ewiges Leben erfat, ist das Band, welches zunchst seine Nation und vermittelst ihrer das ganze Menschengeschlecht innigst mit ihm selber verknpft, und ihrer aller Bedrfnisse, bis ans Ende der Tage, einfhrt in sein erweitertes Herz. Dies ist seine Liebe zu seinem Volke, zuvrderst achtend, vertrauend, desselben sich freuend, mit der Abstammung daraus sich ehrend. Es ist Gttliches in ihm erschienen, und das Ursprngliche hat dasselbe gewrdigt, es zu seiner Hlle und zu seinem unmittelbaren Verflungsmittel in die Welt zu machen; es wird darum auch ferner Gttliches aus ihm hervorbrechen. Sodann ttig, wirksam, sich aufopfernd fr dasselbe. Das Leben, blo als Leben, als Fortsetzen des wechselnden Daseins, hat fr ihn ja ohnedies nie Wert gehabt, er hat es nur gewollt als Quelle des Dauernden; aber diese Dauer verspricht ihm allein die selbstndige Fortdauer seiner Nation; um diese zu retten, mu er sogar sterben wollen, damit diese lebe, und er in ihr lebe das einzige Leben, das er von je gemocht hat. So ist es. Die Liebe, die wahrhaftig Liebe sei, und nicht blo eine vorbergehende Begehrlichkeit, haftet nie auf Vergnglichem, sondern sie erwacht und entzndet sich und ruht allein in dem Ewigen. Nicht einmal sich selbst vermag der Mensch zu lieben, es sei denn, da er sich als Ewiges erfasse; auerdem vermag er sich sogar nicht zu achten, noch zu billigen. Noch weniger vermag er etwas auer sich zu lieben, auer also, da er es aufnehme in die Ewigkeit seines Glaubens und seines Gemts und es anknpfe an diese. Wer nicht zuvrderst sich als ewig erblickt, der hat berhaupt keine Liebe, und kann auch nicht lieben ein Vaterland, dergleichen es fr ihn nicht gibt. Wer zwar vielleicht sein unsichtbares Leben, nicht aber eben also sein sichtbares Leben, als ewig erblickt, der mag wohl einen Himmel haben, und in diesem sein Vaterland, aber hienieden hat er kein Vaterland, denn auch dieses wird nur unter dem Bilde der Ewigkeit, und zwar der sichtbaren und versinnlichten Ewigkeit erblickt, und er vermag daher auch nicht sein Vaterland zu lieben. Ist einem solchen keines berliefert worden, so ist er zu beklagen; wem eins berliefert worden ist, und in wessen Gemte Himmel und Erde, Unsichtbares und Sichtbares sich durchdringen, und so erst einen wahren und gediegenen Himmel erschaffen, der kmpft bis auf den letzten Blutstropfen, um den teuren Besitz ungeschmlert wiederum zu berliefern an die Folgezeit. So ist es auch von jeher gewesen, unerachtet es nicht von jeher mit dieser Allgemeinheit und mit dieser Klarheit ausgesprochen worden. Was begeisterte die Edlen unter den Rmern, deren Gesinnungen und Denkweise noch in ihren Denkmalen unter uns leben und atmen, zu Mhen und Aufopferungen, zum Dulden und Tragen frs Vaterland? Sie sprechen es selbst oft und deutlich aus. Ihr fester Glaube war es an die ewige Fortdauer ihrer Roma, und ihre zuversichtliche Aussicht, in dieser Ewigkeit selber ewig mit fortzuleben im Strome der Zeit. Inwiefern dieser Glaube Grund hatte, und sie selbst, wenn sie in sich selber vollkommen klar gewesen wren, denselben gefat haben wrden, hat er sie auch nicht getuscht. Bis auf diesen Tag lebt das, was wirklich ewig war in ihrer ewigen Roma, und sie mit demselben in unsrer Mitte fort, und wird in seinen Folgen fortleben bis ans Ende der Tage. Volk und Vaterland in dieser Bedeutung, als Trger und Unterpfand der irdischen Ewigkeit, und als dasjenige, was hienieden ewig sein kann, liegt weit hinaus ber den Staat, im gewhnlichen Sinne des Worts -- ber die gesellschaftliche Ordnung, wie dieselbe im bloen klaren Begriffe erfat, und nach Anleitung dieses Begriffs errichtet und erhalten wird. Dieser will gewisses Recht, innerlichen Frieden, und da jeder durch Flei seinen Unterhalt und die Fristung seines sinnlichen Daseins finde, so lange Gott sie ihm gewhren will. Dieses alles ist nur Mittel, Bedingung und Gerst dessen, was die Vaterlandsliebe eigentlich will, des Aufblhens des Ewigen und Gttlichen in der Welt, immer reiner, vollkommener und getroffener im unendlichen Fortgange. Eben darum mu diese Vaterlandsliebe den Staat selbst regieren, als durchaus oberste, letzte und unabhngige Behrde, zuvrderst, indem sie ihn beschrnkt in der Wahl der Mittel fr seinen nchsten Zweck, den innerlichen Frieden. Fr diesen Zweck mu freilich die natrliche Freiheit des einzelnen auf mancherlei Weise beschrnkt werden, und wenn man gar keine andre Rcksicht und Absicht mit ihnen htte, denn diese, so wrde man wohltun, dieselbe so eng, als immer mglich, zu beschrnken, alle ihre Regungen unter eine einfrmige Regel zu bringen, und sie unter immerwhrender Aufsicht zu erhalten. Gesetzt, diese Strenge wre nicht ntig, so knnte sie wenigstens fr diesen alleinigen Zweck nicht schaden. Nur die hhere Ansicht des Menschengeschlechts und der Vlker erweitert diese beschrnkte Berechnung. Freiheit, auch in den Regungen des uerlichen Lebens, ist der Boden, in welchem die hhere Bildung keimt; eine Gesetzgebung, welche diese letztere im Auge behlt, wird der ersteren einen mglichst ausgebreiteten Kreis lassen, selber auf die Gefahr hin, da ein geringerer Grad der einfrmigen Ruhe und Stille erfolge, und da das Regieren ein wenig schwerer und mhsamer werde. Um dies an einem Beispiele zu erlutern: man hat erlebt, da Nationen ins Angesicht gesagt worden, sie bedrften nicht so vieler Freiheit, als etwa manche andre Nation. Diese Rede kann sogar eine Schonung und Milderung enthalten, indem man eigentlich sagen wollte, sie knnte so viele Freiheit gar nicht ertragen, und nur eine hohe Strenge knne verhindern, da sie sich nicht untereinander selber aufrieben. Wenn aber die Worte also genommen werden, wie sie gesagt sind, so sind sie wahr unter der Voraussetzung, da eine solche Nation des ursprnglichen Lebens und des Triebes nach solchem, durchaus unfhig sei. Eine solche Nation, falls eine solche, in der auch nicht wenige Edlere eine Ausnahme von der allgemeinen Regel machten, mglich sein sollte, bedrfte in der Tat gar keiner Freiheit, denn diese ist nur fr die hhern, ber den Staat hinausliegenden Zwecke; sie bedarf blo der Bezhmung und Abrichtung, damit die einzelnen friedlich nebeneinander bestehen, und damit das Ganze zu einem tchtigen Mittel fr willkrlich zu setzende auer ihr liegende Zwecke zubereitet werde. Wir knnen unentschieden lassen, ob man von irgendeiner Nation dies mit Wahrheit sagen knne; so viel ist klar, da ein ursprngliches Volk der Freiheit bedarf, da diese das Unterpfand ist seines Beharrens als ursprnglich, und da es in seiner Fortdauer einen immer hher steigenden Grad derselben ohne alle Gefahr ertrgt. Und dies ist das erste Stck, in Rcksicht dessen die Vaterlandsliebe den Staat selbst regieren mu. Sodann mu sie es sein, die den Staat darin regiert, da sie ihm selbst einen hhern Zweck setzt, denn den gewhnlichen der Erhaltung des innern Friedens, des Eigentums, der persnlichen Freiheit, des Lebens und des Wohlseins aller. Fr diesen hhern Zweck allein, und in keiner andern Absicht, bringt der Staat eine bewaffnete Macht zusammen. Wenn von der Anwendung dieser die Rede entsteht, wenn es gilt, alle Zwecke des Staates im bloen Begriffe, Eigentum, persnliche Freiheit, Leben und Wohlsein, ja die Fortdauer des Staates selbst, auf das Spiel zu setzen; ohne einen klaren Verstandesbegriff von der sichern Erreichung des Beabsichtigten, dergleichen in Dingen dieser Art nie mglich ist, ursprnglich und Gott allein verantwortlich, zu entscheiden: dann lebt am Ruder des Staates erst ein wahrhaft ursprngliches und erstes Leben, und an dieser Stelle erst treten ein die wahren Majesttsrechte der Regierung, gleich Gott um hhern Lebens willen das niedere Leben daran zu wagen. In der Erhaltung der hergebrachten Verfassung, der Gesetze, des brgerlichen Wohlstandes, ist gar kein rechtes eigentliches Leben und kein ursprnglicher Entschlu. Umstnde und Lage, lngst vielleicht verstorbene Gesetzgeber, haben diese erschaffen; die folgenden Zeitalter gehen glubig fort auf der angetretenen Bahn und leben so in der Tat nicht ein eignes ffentliches Leben, sondern sie wiederholen nur ein ehemaliges Leben. Es bedarf in solchen Zeiten keiner eigentlichen Regierung. Wenn aber dieser gleichmige Fortgang in Gefahr gert, und es nun gilt, ber neue, nie also dagewesene Flle zu entscheiden: dann bedarf es eines Lebens, das aus sich selber lebe. Welcher Geist nun ist es, der in solchen Fllen sich an das Ruder stellen drfe, der mit eigner Sicherheit und Gewiheit und ohne unruhiges Hin- und Herschwanken, zu entscheiden vermge, der ein unbezweifeltes Recht habe, jedem, den es treffen mag, ob er nun selbst es wolle oder nicht, gebietend anzumuten, und den Widerstrebenden zu zwingen, da er alles, bis auf sein Leben, in Gefahr setze? Nicht der Geist der ruhigen brgerlichen Liebe zu der Verfassung und den Gesetzen, sondern die verzehrende Flamme der hheren Vaterlandsliebe, die die Nation als Hlle des Ewigen umfat, fr welche der Edle mit Freuden sich opfert, und der Unedle, der nur um des ersten willen da ist, sich eben opfern soll. Nicht jene brgerliche Liebe zur Verfassung ist es; diese vermag dies gar nicht, wenn sie bei Verstande bleibt. Wie es auch ergehen mge, da nicht umsonst regiert wird, so wird sich immer ein Regent fr sie finden. Lasset den neuen Regenten sogar die Sklaverei wollen (und wo ist Sklaverei, auer in der Nichtachtung und Unterdrckung der Eigentmlichkeit eines ursprnglichen Volkes, dergleichen fr jenen Sinn nicht vorhanden ist?) -- Lasset ihn auch die Sklaverei wollen -- da aus dem Leben der Sklaven, ihrer Menge, sogar ihrem Wohlstande sich Nutzung ziehen lt, so wird, wenn er nur einigermaen ein Rechner ist, die Sklaverei unter ihm ertrglich ausfallen. Leben und Unterhalt wenigstens werden sie immer finden. Wofr sollten sie denn also kmpfen? Nach jenen beiden ist es die Ruhe, die ihnen ber alles geht. Diese wird durch die Fortdauer des Kampfes nur gestrt. Sie werden darum alles anwenden, da dieser nur recht bald ein Ende nehme, sie werden sich fgen, sie werden nachgeben, und warum sollten sie nicht? Es ist ihnen ja nie um mehr zu tun gewesen, und sie haben vom Leben nie etwas weiteres gehofft, denn die Fortsetzung der Gewohnheit dazusein unter erleidlichen Bedingungen. Die Verheiung eines Lebens auch hienieden ber die Dauer des Lebens hienieden hinaus -- allein diese ist es, die bis zum Tode frs Vaterland begeistern kann. So ist es auch bisher gewesen. Wo da wirklich regiert worden ist, wo bestanden worden sind ernsthafte Kmpfe, wo der Sieg errungen worden ist gegen gewaltigen Widerstand, da ist es jene Verheiung ewigen Lebens gewesen, die da regierte und kmpfte und siegte. Im Glauben an diese Verheiung kmpften die in diesen Reden frher erwhnten deutschen Protestanten. Wuten sie etwa nicht, da auch mit dem alten Glauben Vlker regiert und in rechtlicher Ordnung zusammengehalten werden knnten, und da man auch bei diesem Glauben seinen guten Lebensunterhalt finden knne? Warum beschlossen denn also ihre Frsten bewaffneten Widerstand, und warum leisteten ihn mit Begeisterung die Vlker? -- Der Himmel war es und die ewige Seligkeit, fr welche sie willig ihr Blut vergossen. -- Aber welche irdische Gewalt htte denn auch in das innere Heiligtum ihres Gemts eindringen, und den Glauben, der ihnen ja nun einmal aufgegangen war, und auf welchen allein sie ihrer Seligkeit Hoffnung grndeten, darin austilgen knnen? Also auch ihre eigne Seligkeit war es nicht, fr die sie kmpften; dieser waren sie schon versichert: die Seligkeit ihrer Kinder, ihrer noch ungeborenen Enkel und aller noch ungeborenen Nachkommenschaft war es; auch diese sollten auferzogen werden in derselben Lehre, die ihnen als allein heilbringend erschienen war, auch diese sollten teilhaftig werden des Heils, das fr sie angebrochen war; diese Hoffnung allein war es, die durch den Feind bedroht wurde, fr sie, fr eine Ordnung der Dinge, die lange nach ihrem Tode ber ihren Grbern blhen sollte, verspritzten sie mit dieser Freudigkeit ihr Blut. Geben wir zu, da sie sich selbst nicht ganz klar waren, da sie in der Bezeichnung des Edelsten, was in ihnen war, mit Worten sich vergriffen, und mit dem Munde ihrem Gemte unrecht taten; bekennen wir gern, da ihr Glaubensbekenntnis nicht das einzige und ausschlieende Mittel war, des Himmels jenseits des Grabes teilhaftig zu werden: so ist doch dies ewig wahr, da mehr Himmel diesseits des Grabes, ein mutigeres und frhlicheres Emporblicken von der Erde, und eine freiere Regung des Geistes durch ihre Aufopferung in alles Leben der Folgezeit gekommen ist, und die Nachkommen ihrer Gegner ebensowohl als wir selbst, ihre Nachkommen, die Frchte ihrer Mhen bis auf diesen Tag genieen. In diesem Glauben setzten unsre ltesten gemeinsamen Vorfahren, das Stammvolk der neuen Bildung, die von den Rmern Germanier genannten Deutschen, sich der herandringenden Weltherrschaft der Rmer mutig entgegen. Sahen sie denn nicht vor Augen den hhern Flor der rmischen Provinzen neben sich, die feinern Gensse in denselben, dabei Gesetze, Richtersthle, Rutenbndel und Beile in Ueberflu? Waren die Rmer nicht bereitwillig genug, sie an allen diesen Segnungen teilnehmen zu lassen? Erlebten sie nicht an mehreren ihrer eignen Frsten, die sich nur bedeuten lieen, da der Krieg gegen solche Wohltter der Menschheit Rebellion sei, Beweise der gepriesenen rmischen Klemenz, indem sie die Nachgiebigen mit Knigstiteln, mit Anfhrerstellen in ihren Heeren, mit rmischen Opferbinden auszierten, ihnen, wenn sie etwa von ihren Landsleuten ausgetrieben wurden, einen Zufluchtsort und Unterhalt in ihren Pflanzstdten gaben? Hatten sie keinen Sinn fr die Vorzge rmischer Bildung, z. B. fr die bessere Einrichtung ihrer Heere, in denen sogar ein Arminius das Kriegshandwerk zu erlernen nicht verschmhte? Keine von allen diesen Unwissenheiten oder Nichtbeachtungen ist ihnen aufzurcken. Ihre Nachkommen haben sogar, sobald sie es ohne Verlust fr ihre Freiheit konnten, die Bildung derselben sich angeeignet, inwieweit es ohne Verlust ihrer Eigentmlichkeit mglich war. Wofr haben sie denn also mehrere Menschenalter hindurch gekmpft im blutigen, immer mit derselben Kraft sich wieder erneuernden Kriege? Ein rmischer Schriftsteller lt es ihre Anfhrer also aussprechen: Ob ihnen denn etwas andres brigbleibe, als entweder die Freiheit zu behaupten oder zu sterben, bevor sie Sklaven wrden? Freiheit war ihnen, da sie eben Deutsche blieben, da sie fortfhren, ihre Angelegenheiten selbstndig und ursprnglich, ihrem eignen Geiste gem, zu entscheiden, und diesem gleichfalls gem auch in ihrer Fortbildung vorwrts zu rcken, und da sie diese Selbstndigkeit auch auf ihre Nachkommenschaft fortpflanzten; Sklaverei hieen ihnen alle jene Segnungen, die ihnen die Rmer antrugen, weil sie dabei etwas andres, denn Deutsche, weil sie halbe Rmer werden mten. Es versteht sich von selbst, setzten sie voraus, da jeder, ehe er dies werde, lieber sterbe, und da ein wahrhafter Deutscher nur knne leben wollen, um eben Deutscher zu sein und zu bleiben, und die Seinigen zu ebensolchen zu bilden. Sie sind nicht alle gestorben, sie haben die Sklaverei nicht gesehen, sie haben die Freiheit hinterlassen ihren Kindern. Ihrem beharrlichen Widerstande verdankt es die ganze neue Welt, da sie da ist, so wie sie da ist. Wre es den Rmern gelungen, auch sie zu unterjochen, und, wie dies der Rmer allenthalben tat, sie als Nation auszurotten, so htte die ganze Fortentwicklung der Menschheit eine andre, und man kann nicht glauben erfreulichere Richtung genommen. Ihnen verdanken wir, die nchsten Erben ihres Bodens, ihrer Sprache und ihrer Gesinnung, da wir noch Deutsche sind, da der Strom ursprnglichen und selbstndigen Lebens uns noch trgt; ihnen verdanken wir alles, was wir seitdem als Nation gewesen sind, ihnen, falls es nicht etwa jetzt mit uns zu Ende ist, und der letzte von ihnen abgestammte Blutstropfen in unsern Adern versiegt ist, ihnen werden wir verdanken alles, was wir noch ferner sein werden. Ihnen verdanken selbst die brigen, uns jetzt zum Ausland gewordenen Stmme, in ihnen unsre Brder, ihr Dasein; als jene die ewige Roma besiegten, war noch keins aller dieser Vlker vorhanden; damals wurde zugleich auch ihnen die Mglichkeit ihrer knftigen Entstehung mit erkmpft. Diese, und alle andre in der Weltgeschichte, die ihres Sinnes waren, haben gesiegt, weil das Ewige sie begeisterte, und so siegt immer und notwendig diese Begeisterung ber den, der nicht begeistert ist. Nicht die Gewalt der Arme, noch die Tchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemts ist es, welche Siege erkmpft. Wer ein begrenztes Ziel sich setzt seiner Aufopferungen, und sich nicht weiter wagen mag, als bis zu einem gewissen Punkte, der gibt den Widerstand auf, sobald die Gefahr ihm an diesen durchaus nicht aufzugebenden, noch zu entbehrenden Punkt kommt. Wer gar kein Ziel sich gesetzt hat, sondern alles, und das Hchste, was man hienieden verlieren kann, das Leben, daran setzt, gibt den Widerstand nie auf und siegt, so der Gegner ein begrenzteres Ziel hat, ohne Zweifel. Ein Volk, das da fhig ist, sei es auch nur in seinen hchsten Stellvertretern und Anfhrern, das Gesicht aus der Geisterwelt, Selbststndigkeit, fest ins Auge zu fassen, und von der Liebe dafr ergriffen zu werden, wie unsre ltesten Vorfahren, siegt gewi ber ein solches, das nur zum Werkzeuge fremder Herrschsucht und zu Unterjochung selbstndiger Vlker gebraucht wird, wie die rmischen Heere; denn die erstern haben alles zu verlieren, die letztern blo einiges zu gewinnen. Ueber die Denkart aber, die den Krieg als ein Glcksspiel ansieht, um zeitlichen Gewinn oder Verlust, und bei der schon, ehe sie das Spiel anfngt, fest steht, bis zu welcher Summe sie auf die Karten setzen wolle, siegt sogar eine Grille. Denken Sie sich zum Beispiel einen Mohammed -- nicht den wirklichen der Geschichte, ber welchen ich kein Urteil zu haben bekenne, sondern den eines bekannten franzsischen Dichters -- der sich einmal fest in den Kopf gesetzt habe, er sei eine der ungemeinen Naturen, die da berufen sind, das dunkle, das gemeine Erdenvolk zu leiten, und dem, zufolge dieser ersten Voraussetzung, alle seine Einflle, so drftig und so beschrnkt sie auch in der Tat sein mgen, dieweil es die seinigen sind, notwendig erscheinen mssen als groe und erhabene und beseligende Ideen, und alles, was denselben sich widersetzt, als dunkles gemeines Volk, Feinde ihres eignen Wohls, Uebelgesinnte und Hassenswrdige; der nun, um diesen seinen Eigendnkel vor sich selbst als gttlichen Ruf zu rechtfertigen, und ganz aufgegangen in diesem Gedanken mit all seinem Leben, alles daran setzen mu und nicht ruhen kann, bis er alles, das nicht ebenso gro von ihm denken will, denn er selbst, zertreten hat, und bis aus der ganzen Mitwelt sein eigner Glaube an seine gttliche Sendung ihm zurckstrahle: ich will nicht sagen, wie es ihm ergehen wrde, falls wirklich ein geistiges Gesicht, das da wahr ist und klar in sich selbst, gegen ihn in die Kampfbahn trte, aber jenen beschrnkten Glcksspielern gewinnt er es sicher ab, denn er setzt alles gegen sie, die nicht alles setzen; sie treibt kein Geist, ihn aber treibt allerdings ein schwrmerischer Geist -- der seines gewaltigen und krftigen Eigendnkels. Aus allem geht hervor, da der Staat, als bloes Regiment des im gewhnlichen friedlichen Gange fortschreitenden menschlichen Lebens, nichts Erstes und fr sich selbst Seiendes, sondern da er blo das Mittel ist fr den hhern Zweck der ewig gleichmig fortgehenden Ausbildung des rein Menschlichen in dieser Nation; da es allein das Gesicht und die Liebe dieser ewigen Fortbildung ist, welche immerfort auch in ruhigen Zeitluften die hhere Aufsicht ber die Staatsverwaltung fhren soll, und welche, wo die Selbstndigkeit des Volks in Gefahr ist, allein dieselbe zu retten vermag. Bei den Deutschen, unter denen, als einem ursprnglichen Volke, diese Vaterlandsliebe mglich und, wie wir fest zu wissen glauben, bis jetzt auch wirklich war, konnte dieselbe bis jetzt mit einer hohen Zuversicht auf die Sicherheit ihrer wichtigsten Angelegenheit rechnen. Wie nur noch bei den Griechen in der alten Zeit, war bei ihnen der Staat und die Nation sogar voneinander gesondert und jedes fr sich dargestellt, der erste in den besondern deutschen Reichen und Frstentmern, die letzte sichtbar im Reichsverbande, unsichtbar, nicht zufolge eines niedergeschriebenen, aber eines in aller Gemter lebenden Rechtes geltend, und in ihren Folgen allenthalben in das Auge springend in einer Menge von Gewohnheiten und Einrichtungen. So weit die deutsche Zunge reichte, konnte jeder, dem im Bezirke derselben das Licht anbrach, sich doppelt betrachten als Brger, teils seines Geburtsstaates, dessen Frsorge er zunchst empfohlen war, teils des ganzen gemeinsamen Vaterlandes deutscher Nation. Jedem war es verstattet, ber die ganze Oberflche dieses Vaterlandes hin sich diejenige Bildung, die am meisten Verwandtschaft zu seinem Geiste hatte, oder den demselben angemessensten Wirkungskreis aufzusuchen, und das Talent wuchs nicht hinein in seine Stelle, wie ein Baum, sondern es war ihm erlaubt, dieselbe zu suchen. Wer durch die Richtung, die seine Bildung nahm, mit seiner nchsten Umgebung entzweit wurde, fand leicht anderwrts willige Aufnahme, fand neue Freunde statt der verlorenen, fand Zeit und Ruhe, um sich nher zu erklren, vielleicht die Erzrnten selbst zu gewinnen und zu vershnen, und so das Ganze zu einigen. Kein deutschgeborener Frst hat es je ber sich vermocht, seinen Untertanen das Vaterland innerhalb der Berge oder Flsse, wo er regierte, abzustecken, und dieselben zu betrachten als gebunden an die Erdscholle. Eine Wahrheit, die an einem Orte nicht laut werden durfte, durfte es an einem andern, an welchem vielleicht im Gegenteile diejenigen verboten waren, die dort erlaubt wurden; und so fand denn, bei manchen Einseitigkeiten und Engherzigkeiten der besondern Staaten, dennoch in Deutschland, dieses als ein Ganzes genommen, die hchste Freiheit der Erforschung und der Mitteilung statt, die jemals ein Volk besessen; und die hhere Bildung war und blieb allenthalben der Erfolg aus der Wechselwirkung der Brger aller deutschen Staaten, und diese hhere Bildung kam denn in dieser Gestalt auch allmhlich herab zum grern Volke, das somit immer fortfuhr, sich selber durch sich selbst im groen und ganzen zu erziehen. Dieses wesentliche Unterpfand der Fortdauer einer deutschen Nation schmlerte, wie gesagt, kein am Ruder der Regierung sitzendes deutsches Gemt; und wenn auch in Absicht andrer ursprnglichen Entscheidungen nicht immer geschehen sein sollte, was die hhere deutsche Vaterlandsliebe wnschen mute, so ist wenigstens der Angelegenheit desselben nicht geradezu entgegengehandelt worden, man hat nicht gesucht, jene Liebe zu untergraben, sie auszurotten und eine entgegengesetzte Liebe an ihre Stelle zu bringen. Wenn nun aber etwa die ursprngliche Leitung sowohl jener hhern Bildung, als der Nationalmacht, die allein fr jene und ihre Fortdauer als Zweck gebraucht werden darf, die Verwendung deutschen Gutes und deutschen Blutes, aus der Botmigkeit deutschen Gemts in eine andre kommen sollte: was wrde sodann notwendig erfolgen mssen? Hier ist der Ort, wo es der in unsrer ersten Rede in Anspruch genommenen Geneigtheit, sich ber die eignen Angelegenheiten nicht tuschen zu wollen, und des Mutes, die Wahrheit sehen zu wollen, und sie sich zu gestehen, vorzglich bedarf; auch ist es, soviel mir bekannt, noch immer erlaubt, in deutscher Sprache miteinander vom Vaterlande zu reden, wenigstens zu seufzen; und wir wrden, glaube ich, nicht wohl tun, wenn wir aus unsrer eignen Mitte heraus ein solches Verbot verfrhten, und dem Mute, der ohne Zweifel ber das Wagnis schon vorher mit sich zu Rate gegangen sein wird, die Fessel der Zaghaftigkeit einzelner anlegen wollten. Malen Sie sich also die vorausgesetzte neue Gewalt so gtig und so wohlwollend vor, als Sie irgend wollen, machen Sie sie gut, wie Gott; werden Sie ihr auch gttlichen Verstand einsetzen knnen? Mag sie alles Ernstes das hchste Glck und Wohlsein aller wollen, wird das hchste Wohlsein, das sie zu fassen vermag, wohl auch deutsches Wohlsein sein? So hoffe ich ber den Hauptpunkt, den ich Ihnen heute vorgetragen, von Ihnen recht wohl verstanden worden zu sein, ich hoffe, da mehrere hierbei gedacht und gefhlt haben: ich drcke nur deutlich aus und spreche aus mit Worten, wie es ihnen von jeher im Gemte gelegen; ich hoffe, da es auch mit den brigen Deutschen, die einst dieses lesen werden, sich also verhalten werde; auch haben vor mir mehrere Deutsche ungefhr dasselbe gesagt; und dem immerfort bezeugten Widerstreben gegen eine blo mechanische Einrichtung und Berechnung des Staates hat dunkel jene Gesinnung zum Grunde gelegen. Und nun fordere ich alle, die mit der neuen Literatur des Auslandes bekannt sind, auf: mir nachzuweisen, welcher neuere Weise, Dichter, Gesetzgeber derselben eine diesem hnliche Ahnung, die das Menschengeschlecht als ein ewig fortschreitendes betrachte, und alles sein Regen in der Zeit nur auf diesen Fortschritt beziehe, jemals verraten habe; ob irgendeiner selbst in dem Zeitpunkte, als sie am khnsten zu politischer Schpfung sich emporschwangen, mehr, als nur nicht Ungleichheit, inneren Frieden, uern Nationalruhm und, wo es aufs hchste getrieben wurde, husliche Glckseligkeit vom Staate gefordert habe? Ist, wie man aus allen diesen Anzeigen schlieen mu, dieses ihr Hchstes, so werden sie auch uns keine hheren Bedrfnisse und keine hheren Forderungen an das Leben beimessen, und, immer jene wohlttigen Gesinnungen gegen uns und die Abwesenheit alles Eigennutzes und aller Sucht mehr sein zu wollen denn wir, vorausgesetzt, trefflich fr uns gesorgt zu haben glauben, wenn wir alles das finden, was sie allein als begehrungswrdig kennen; dasjenige aber, warum der Edlere unter uns allein leben mag, ist sodann ausgetilgt aus dem ffentlichen Leben, und das Volk, das fr die Anregungen des Edleren sich stets empfnglich gezeigt hat, und welches man sogar nach seiner Mehrheit zu jenem Adel emporzuheben hoffen durfte, ist, so wie es behandelt wird, wie jene behandelt sein wollen, herabgesetzt unter seinen Rang, entwrdigt, ausgetilgt aus der Reihe der Dinge, indem es zusammenfliet mit dem von niederer Art. In wem nun jene hheren Anforderungen an das Leben, nebst dem Gefhle ihres gttlichen Rechts, dennoch lebendig und krftig bleiben, der fhlt mit tiefem Unwillen sich zurckgedrngt in jene ersten Zeiten des Christentums, zu denen gesagt ist: Ihr sollet nicht widerstreben dem Uebel, sondern, so dir jemand einen Streich gibt auf den rechten Backen, dem biete den andern auch dar, und so jemand deinen Rock nehmen will, dem la auch den Mantel; mit Recht das letzte, denn solange er noch einen Mantel an dir sieht, sucht er einen Handel an dich, um dir auch diesen zu nehmen, erst wenn du ganz nackend bist, entgehst du seiner Aufmerksamkeit und hast vor ihm Ruhe. Eben sein hherer Sinn, der ihn ehrt, macht ihm die Erde zur Hlle und zum Ekel; er wnscht, nicht geboren zu sein, er wnscht, da sein Auge je eher je lieber sich dem Anblicke des Tages verschliee, unversiegbare Trauer bis an das Grab erfat seine Tage; dem, was ihm lieb ist, kann er keine bessere Gabe wnschen, denn einen dumpfen und gengsamen Sinn, damit es mit weniger Schmerz einem ewigen Leben jenseits des Grabes entgegenlebe. Diese Vernichtung jeder etwa ins knftige unter uns ausbrechenden edlern Regung, und diese Heruntersetzung unsrer ganzen Nation durch das einzige, nachdem die andern vergeblich angewendet worden sind, noch brigbleibende Mittel zu verhindern, tragen Ihnen diese Reden an. Sie tragen Ihnen an die wahre und allmchtige Vaterlandsliebe, in der Erfassung unsers Volks als eines ewigen, und als Brger unsrer eignen Ewigkeit durch die Erziehung in aller Gemter recht tief und unauslschlich zu begrnden. Welche Erziehung dies vermge, und auf welche Weise, werden wir in den folgenden Reden ersehen. Neunte Rede. An welchen in der Wirklichkeit vorhandenen Punkt die neue Nationalerziehung der Deutschen anzuknpfen sei. Durch unsre letzte Rede sind mehrere schon in der ersten versprochene Beweise gefhrt und vollendet worden. Es sei dermalen nur davon die Rede, sagten wir, und dies sei die erste Aufgabe, das Dasein und die Fortdauer des Deutschen schlechtweg zu retten; alle andre Unterschiede seien dem hhern Ueberblicke verschwunden; und es wrde durch jenes den besondern Verbindlichkeiten, die etwa jemand zu haben glaube, kein Eintrag geschehen. Es ist, wenn uns nur der gemachte Unterschied zwischen Staat und Nation gegenwrtig bleibt, klar, da auch schon frher die Angelegenheiten dieser beiden niemals in Widerstreit geraten konnten. Die hhere Vaterlandsliebe fr das gemeinsame Volk der deutschen Nation mute und sollte ja ohnedies die oberste Leitung in jedem besondern deutschen Staate fhren; keiner von ihnen durfte ja diese hhere Angelegenheit aus den Augen verlieren, ohne alles Edle und Tchtige von sich abwendig zu machen, und so seinen eignen Untergang zu beschleunigen: je mehr daher jemand von jener hheren Angelegenheit ergriffen und belebt war, ein desto besserer Brger war er auch fr den besondern deutschen Staat, in den sein unmittelbarer Wirkungskreis fiel. Deutsche Staaten konnten mit deutschen Staaten in Streit geraten, ber besondere hergebrachte Gerechtsame. Wer die Fortdauer des hergebrachten Zustandes wollte, und jeder Verstndige ohne Zweifel mute um der ferneren Folgen willen diese wollen, der mute wnschen, da die gerechte Sache siege, in wessen Hnden sie auch sein mchte. Hchstens htte ein besonderer deutscher Staat darauf ausgehen knnen, die ganze deutsche Nation unter seiner Regierung zu vereinigen, und statt der hergebrachten Vlkerrepublik Alleinherrschaft einzufhren. Wenn es wahr ist, wie ich zum Beispiel es allerdings dafr halte, da gerade diese republikanische Verfassung bisher die vorzglichste Quelle deutscher Bildung und das erste Sicherungsmittel ihrer Eigentmlichkeit gewesen, so wre, falls die vorausgesetzte Einheit der Regierung nicht etwa selbst die republikanische, sondern die monarchische Form getragen htte, in der es dem Gewalthaber doch mglich gewesen wre, irgendeinen Spro ursprnglicher Bildung ber den ganzen deutschen Boden hinweg fr seine Lebenszeit zu zerdrcken; -- wenn dieses wahr ist, sage ich, so wre in diesem Falle es allerdings ein groes Migeschick fr die Angelegenheit deutscher Vaterlandsliebe gewesen, wenn dieser Vorsatz gelungen wre, und jeder Edle ber die ganze Oberflche des gemeinsamen Bodens hinweg htte dagegen sich stemmen mssen. Dennoch auch in diesem schlimmsten Falle wren es doch immer Deutsche geblieben, die ber Deutsche regiert, und ihre Angelegenheiten ursprnglich geleitet htten, und wenn auch auf eine vorbergehende Zeit der eigentmliche deutsche Geist vermit worden wre, so wre doch die Hoffnung geblieben, da er wieder erwachen werde, und jedes krftigere Gemt ber den ganzen Boden hinweg htte sich versprechen knnen, Gehr zu finden und sich verstndlich zu machen; es wre doch immer eine deutsche Nation im Dasein verblieben, und htte sich selbst regiert, und sie wre nicht untergegangen in einem andern von niederer Ordnung. Immer bleibt hier das Wesentliche in unsrer Berechnung, da die deutsche Nationalliebe selbst an dem Ruder des deutschen Staates entweder sitze, oder doch mit ihrem Einflusse dahin gelangen knne. Wenn aber zufolge unsrer frhern Voraussetzung dieser deutsche Staat -- ob er nun als einer oder mehrere erscheine, tut nichts zur Sache, in der Tat ist es dennoch einer -- berhaupt aus deutscher Leitung in fremde fiele, so ist sicher, und das Gegenteil davon wre gegen alle Natur und schlechterdings unmglich; es ist sicher, sage ich, da von nun an nicht mehr deutsche Angelegenheit, sondern eine fremde entscheiden wrde. Wo die gesamte Nationalangelegenheit der Deutschen bisher ihren Sitz hatte und dargestellt wurde am Ruder des Staats, da wre sie verwiesen. Soll sie nun hiermit nicht ganz ausgetilgt sein von der Erde, so mu ihr ein andrer Zufluchtsort bereitet werden, und zwar in dem, was allein brigbleibt, bei den Regierten, in den Brgern. Wre sie aber bei diesen und ihrer Mehrheit schon, so wren wir in den Fall, ber welchen wir uns dermals beratschlagen, gar nicht gekommen; sie ist daher nicht bei ihnen, und mu erst in sie hineingebracht werden: das heit mit andern Worten, die Mehrheit der Brger mu zu diesem vaterlndischen Sinne erzogen werden, und, damit man der Mehrheit sicher sei, diese Erziehung mu an der Allheit versucht werden. Und so ist denn zugleich unumwunden und klar der gleichfalls ehemals versprochene Beweis gefhrt worden, da es schlechthin nur die Erziehung und kein andres mgliches Mittel sei, das die deutsche Selbstndigkeit zu retten vermge; und es wre ohne Zweifel nicht unsre Schuld, wenn man selbst bis jetzt noch nicht den eigentlichen Inhalt und die Absicht dieser unsrer Reden, und den Sinn, in welchem alle unsre Aeuerungen zu nehmen sind, zu fassen vermchte. Um es noch krzer zu fassen: immer unter unsrer Voraussetzung, sind den unmndigen ihre vterlichen und blutsverwandten Vormnder abgegangen, und Herren an ihre Stelle getreten; sollen jene Unmndige nicht gar Sklaven werden, so mssen sie eben der Vormundschaft entlassen, und, damit sie dieses knnen, zu allererst zur Mndigkeit erzogen werden. Die deutsche Vaterlandsliebe hat ihren Sitz verloren; sie soll einen andern breitern und tiefern erhalten, in welchem sie in ruhiger Verborgenheit sich begrnde und sthle, und zu rechter Zeit in jugendlicher Kraft hervorbreche, und auch dem Staate die verlorne Selbstndigkeit wiedergebe. Wegen des letztern knnen nun sowohl das Ausland, als die kleinlichen und engherzigen Trbseligkeiten unter uns selbst in Ruhe verbleiben; man kann zu ihrer aller Troste sie versichern, da sie es insgesamt nicht erleben werden, und da die Zeit, die es erleben wird, anders denken wird, denn sie. Ob nun, so streng auch die Glieder dieses Beweises aneinander schlieen mgen, derselbe auch andre ergreifen und sie zur Ttigkeit aufregen werde, hngt zu allererst davon ab, ob es so etwas, wie wir deutsche Eigentmlichkeit und deutsche Vaterlandsliebe geschildert haben, berhaupt gebe, und ob diese der Erhaltung und des Strebens dafr wert sei oder nicht. Da der -- auswrtige oder einheimische -- Auslnder diese Frage mit Nein beantwortet, versteht sich; aber dieser ist auch nicht mit zur Beratschlagung berufen. Uebrigens ist hierbei anzumerken, da die Entscheidung ber diese Frage keineswegs auf einer Beweisfhrung durch Begriffe beruht, welche hierin zwar klarmachen, keineswegs aber ber wirkliches Dasein oder Wert Auskunft zu geben vermgen, sondern, da die letztern lediglich durch eines jeglichen unmittelbare Erfahrung an ihm selber bewhrt werden knnen. In einem solchen Falle mgen Millionen sagen: es sei nicht, so kann dadurch niemals mehr gesagt sein, denn da es nur in ihnen nicht sei, keineswegs, da es berhaupt nicht sei, und wenn ein einziger gegen diese Millionen auftritt und versichert, da es sei, so behlt er gegen sie alle recht. Nichts verhindert, da, da ich nun gerade rede, ich in dem angegebenen Falle dieser einzige sei, der da versichert, da er aus unmittelbarer Erfahrung an sich selbst wisse, da es so etwas, wie deutsche Vaterlandsliebe gebe, da er den unendlichen Wert des Gegenstandes derselben kenne, da diese Liebe allein ihn getrieben habe, auf jede Gefahr zu sagen, was er gesagt hat und noch sagen wird, indem uns dermalen gar nichts briggeblieben ist, denn das Sagen, und sogar dieses auf alle Weise gehemmt und verkmmert wird. Wer dasselbe in sich fhlt, der wird berzeugt werden; wer es nicht fhlt, kann nicht berzeugt werden, denn allein auf jene Voraussetzung sttzt sich mein Beweis; an ihm habe ich meine Worte verloren, aber wer wollte nicht etwas so Geringfgiges, als Worte sind, auf das Spiel setzen? Diejenige bestimmte Erziehung, von der wir uns die Rettung der deutschen Nation versprechen, ist in unsrer zweiten und dritten Rede im allgemeinen beschrieben worden. Wir haben sie als eine gnzliche Umschaffung des Menschengeschlechts bezeichnet, und es wird passend sein, an diese Bezeichnung eine wiederholte Uebersicht des Ganzen anzuknpfen. In der Regel galt bisher die Sinnenwelt fr die rechte, eigentliche, wahre und wirklich bestehende Welt, sie war die erste, die dem Zgling der Erziehung vorgefhrt wurde; von ihr erst wurde er zum Denken, und zwar meist zu einem Denken ber diese, und im Dienste derselben angefhrt. Die neue Erziehung kehrt diese Ordnung geradezu um. Ihr ist nur die Welt, die durch das Denken erfat wird, die wahre und wirklich bestehende Welt; in diese will sie ihren Zgling, sogleich wie sie mit demselben beginnt, einfhren. An diese Welt allein will sie seine ganze Liebe und sein ganzes Wohlgefallen binden; so da ein Leben allein in dieser Welt des Geistes bei ihm notwendig entstehe und hervorkomme. Bisher lebte in der Mehrheit allein das Fleisch, die Materie, die Natur; durch die neue Erziehung soll in der Mehrheit, ja gar bald in der Allheit, allein der Geist leben, und dieselbe treiben; der feste und gewisse Geist, von welchem frher, als von der einzigmglichen Grundlage eines wohleingerichteten Staates gesprochen worden, soll im allgemeinen erzeugt werden. Durch eine solche Erziehung wird ohne Zweifel der Zweck, den wir zunchst uns vorgesetzt haben, und von dem unsre Reden ausgegangen sind, erreicht. Jener zu erzeugende Geist fhrt die hhere Vaterlandsliebe, das Erfassen seines irdischen Lebens als eines ewigen und des Vaterlandes, als des Trgers dieser Ewigkeit, und, falls er in den Deutschen aufgebaut wird, die Liebe fr das deutsche Vaterland, als einen seiner notwendigen Bestandteile unmittelbar in sich selber; und aus dieser Liebe folgt der mutige Vaterlandsverteidiger und der ruhige und rechtliche Brger von selbst. Es wird durch eine solche Erziehung sogar noch mehr erreicht, als dieser nchste Zweck; wie das allemal der Fall ist, wo ein groes Ziel durch ein durchgreifendes Mittel gewollt wird; der ganze Mensch wird nach allen seinen Teilen vollendet, in sich selbst abgerundet, nach auen zu allen seinen Zwecken in Zeit und Ewigkeit mit vollkommener Tchtigkeit ausgestattet. Mit unsrer Genesung fr Nation und Vaterland hat die geistige Natur unsre vollkommene Heilung von allen Uebeln, die uns drcken, unzertrennlich verknpft. Mit der stumpfen Verwunderung, da eine solche Welt des bloen Gedankens behauptet, und sogar als die einzig mgliche Welt behauptet, dagegen die Sinnenwelt ganz weggeworfen werde, sowie mit der Ableugnung der erstern entweder berhaupt, oder nur der Mglichkeit, da selbst die Mehrheit des groen Volks in dieselbe eingefhrt werden knne, haben wir es hier nicht mehr zu tun, sondern haben dieselben schon frher gnzlich von uns weggewiesen. Wer noch nicht wei, da es eine Welt des Gedankens gebe, der mag indessen anderwrts durch die vorhandenen Mittel sich davon belehren, wir haben hier zu dieser Belehrung nicht Zeit; wie aber sogar die Mehrheit des groen Volks zu derselben emporgehoben werden knne, dies wollen wir eben zeigen. Indem nun, unserm eignen wohlbedachten Sinne nach, der Gedanke einer solchen neuen Erziehung keineswegs als ein bloes zur Uebung des Scharfsinns oder der Streitfertigkeit aufgestelltes Bild zu betrachten ist, sondern derselbe vielmehr zur Stunde ausgebt und ins Leben eingefhrt werden soll: so kommt uns zuvrderst zu, anzugeben, an welches in der wirklichen Welt schon vorliegende Glied diese Ausfhrung sich anknpfen solle. Wir geben auf diese Frage zur Antwort: an den von Johann Heinrich Pestalozzi erfundenen, vorgeschlagenen und unter dessen Augen schon in glcklicher Ausbung befindlichen Unterrichtsgang soll sie sich anschlieen. Wir wollen diese unsre Entscheidung tiefer begrnden und nher bestimmen. Zuvrderst, wir haben die eignen Schriften des Mannes gelesen und durchdacht, und aus diesen unsern Begriff seiner Unterrichts- und Erziehungskunst uns gebildet; gar keine Kunde aber haben wir genommen von dem, was die gelehrten Neuigkeitsbltter darber berichtet und gemeint, und ber die Meinungen wieder gemeint haben. Wir merken dies darum an, um jedem, der ber diesen Gegenstand gleichfalls einen Begriff zu haben begehrt, denselben Weg, und die durchgngige Vermeidung des entgegengesetzten, zu empfehlen. Ebensowenig haben wir bis jetzt etwas von der wirklichen Ausbung sehen wollen, keineswegs aus Nichtachtung, sondern weil wir uns erst einen festen und sichern Begriff von der wahren Absicht des Erfinders, hinter welcher die Ausbung oft zurckbleiben kann, verschaffen wollten, aus diesem Begriffe aber der Begriff von der Ausbung und dem notwendigen Erfolge ohne alles Probieren, sich von selbst ergibt, und man, nur mit diesem ausgestattet, die Ausbung wahrhaftig verstehen und richtig beurteilen kann. Sollte, wie einige glauben, auch dieser Unterrichtsgang schon hier und da in ein blindes empirisches Zutappen und in leere Spielerei und Schauauslegerei ausgeartet sein, so ist meines Erachtens der Grundbegriff des Erfinders wenigstens daran ganz unschuldig. Fr diesen Grundbegriff nun brgt mir zuerst die Eigentmlichkeit des Mannes selber, wie er diese in seinen Schriften mit der treuesten und gemtvollsten Offenheit darlegt. An ihm htte ich ebensogut, wie an Luther, oder, falls es noch andre diesen gleichende gegeben hat, an irgendeinem andern, die Grundzge des deutschen Gemts darlegen, und den erfreuenden Beweis fhren knnen, da dieses Gemt in seiner ganzen wunderwirkenden Kraft in dem Umkreise der deutschen Zunge noch bis auf diesen Tag walte. Auch er hat ein mhvolles Leben hindurch im Kampfe mit allen mglichen Hindernissen von innen mit eigner hartnckiger Unklarheit und Unbeholfenheit, und selbst hchst sprlich ausgestattet mit den gewhnlichsten Hilfsmitteln der gelehrten Erziehung, uerlich mit anhaltender Verkennung, gerungen nach einem blo geahnten, ihm selbst durchaus unbewuten Ziele, aufrecht gehalten und getrieben durch einen unversiegbaren und allmchtigen und deutschen Trieb, die Liebe zu dem armen verwahrlosten Volke. Diese allmchtige Liebe hatte ihn, ebenso wie Luthern, nur in einer andern und seiner Zeit angemeneren Beziehung, zu ihrem Werkzeuge gemacht, und war das Leben geworden in seinem Leben, sie war der ihm selbst unbekannte feste und unwandelbare Leitfaden dieses seines Lebens, der es hindurchfhrte durch alle ihn umgebende Nacht, und der den Abend desselben -- denn es war unmglich, da eine solche Liebe unbelohnt von der Erde abtrete -- krnte mit seiner wahrhaft geistigen Erfindung, die weit mehr leistete, denn er je mit seinen khnsten Wnschen begehrt hatte. Er wollte blo dem Volke helfen; aber seine Erfindung, in ihrer ganzen Ausdehnung genommen, hebt das Volk, hebt allen Unterschied zwischen diesem und einem gebildeten Stande auf, gibt statt der gesuchten Volkserziehung Nationalerziehung, und htte wohl das Vermgen, den Vlkern und dem ganzen Menschengeschlechte aus der Tiefe seines dermaligen Elendes emporzuhelfen. Dieser sein Grundbegriff steht in seinen Schriften mit vollkommener Klarheit und unverkennbarer Bestimmtheit da. Zuvrderst will er in Absicht der Form nicht die bisherige Willkr und das blinde Herumtappen, sondern er will eine feste und sicher berechnete Kunst der Erziehung, wie auch wir es wollen, und wie deutsche Grndlichkeit es notwendig wollen mu; und er erzhlt sehr unbefangen, wie eine franzsische Phrase, da er nmlich die Erziehung mechanisieren wolle, ihm ber diesen seinen Zweck aus dem Traume geholfen habe. In Absicht des Inhalts ist es der erste Schritt der von mir beschriebenen neuen Erziehung, da sie die freie Geistesttigkeit des Zglings, sein Denken, in welchem spterhin die Welt seiner Liebe ihm aufgehen soll, anrege und bilde; mit diesem ersten Schritte beschftigten sich Pestalozzis Schriften vorzglich, und auf diesen Gegenstand geht unsre Prfung seines Grundbegriffs zu allererst. In dieser Rcksicht ist nun desselben Tadel des bisherigen Unterrichts, da derselbe den Schler nur in Nebel und Schatten eingetaucht, und denselben niemals zur wirklichen Wahrheit und Realitt habe gelangen lassen, gleichbedeutend mit dem unsrigen, da dieser Unterricht nicht vermocht habe, in das Leben einzugreifen, noch die Wurzel desselben zu bilden; und Pestalozzis dagegen vorgeschlagenes Hilfsmittel, den Zgling in die unmittelbare Anschauung einzufhren, ist gleichbedeutend mit dem unsrigen, die Geistesttigkeit desselben zum Entwerfen von Bildern anzuregen, und nur an diesem freien Bilden ihn lernen zu lassen, alles, was er lernt: denn nur von dem Freientworfenen ist Anschauung mglich. Da der Erfinder es wirklich also meint, und keineswegs unter Anschauung jene blindtappende und betastende Wahrnehmung versteht, beweist die nachher angegebene Ausbung. Gleichfalls ganz richtig wird dieser Anregung der Anschauung des Zglings durch die Erziehung das allgemeine und sehr tief eingreifende Gesetz gegeben, hierin mit dem Anfange und Fortschritte der zu entwickelnden Krfte des Kindes genau Schritt zu halten. Dagegen haben die gesamten Migriffe dieses Pestalozzischen Unterrichtsplans in Ausdrcken und Vorschlgen die eine gemeinschaftliche Quelle, da der drftige und begrenzte Zweck, auf welchen anfangs ausgegangen wurde, uerst vernachlssigten Kindern aus dem Volke unter der Voraussetzung, da das Ganze bliebe, so wie es ist, die notdrftigste Hilfe zu leisten, von einer Seite, und von der andern, das zu einem weit hhern Zwecke fhrende Mittel in Vermengung und Widerstreit miteinander geraten; und man wird vor allem Irrtume gesichert und erhlt einen mit sich vollkommen bereinstimmenden Begriff, wenn man das erstere und alles, was aus dessen Beachtung gefolgt ist, fallen lt und sich blo an das letztere hlt, und es folgegem durchfhrt. Ohne Zweifel entstand lediglich aus dem Wunsche, jene Kinder der uersten Armut sobald als mglich aus der Schule zum Broterwerb zu entlassen, und dennoch sie mit einem Mittel zu versehen, wodurch sie den abgebrochenen Unterricht nachholen knnten, in Pestalozzis liebendem Gemte die Ueberschtzung des Lesens und Schreibens, die Aufstellung dieser beinahe als Ziel und Gipfel des Volksunterrichts, sein unbefangener Glaube an die Aussage der abgelaufenen Jahrtausende, da dieses die besten Hilfsmittel der Belehrung seien; da er ja auerdem gefunden haben wrde, da gerade dieses Lesen und Schreiben bisher die eigentlichen Werkzeuge gewesen, um die Menschen in Nebel und Schatten einzuhllen und sie berklug zu machen. Daher auch rhren ohne Zweifel mehrere andre mit seinem Grundsatze der unmittelbaren Anschauung im Widerspruche stehende Vorschlge, und besonders seine durchaus irrige Ansicht der Sprache, als eines Mittels, unser Geschlecht von dunkler Anschauung zu deutlichen Begriffen zu erheben. Wir unsres Orts haben nicht von Erziehung des Volks im Gegensatze hherer Stnde geredet, indem wir Volk in diesem Sinne, niedern und gemeinen Pbel, gar nicht lnger haben wollen, noch er fr die deutschen Nationalangelegenheiten ferner ertragen werden kann, sondern wir haben von Nationalerziehung geredet. Soll es jemals zu dieser kommen, so mu der armselige Wunsch, da die Erziehung doch ja recht bald vollendet sein, und das Kind wieder hinter die Arbeit gestellt werden mge, gar nicht mehr zu Odem kommen, sondern sogleich an der Schwelle der Beratung ber diese Angelegenheit abgelegt werden. Zwar wird meines Erachtens diese Erziehung nicht kostspielig sein, die Anstalten werden guten Teils sich selbst erhalten knnen, und es wird der Arbeit kein Eintrag geschehen; und ich werde meine Gedanken hierber zu seiner Zeit darlegen: aber wenn dies auch nicht so wre, so mu unbedingt und auf jede Gefahr der Zgling in der Erziehung so lange bleiben, bis sie vollendet ist und vollendet sein kann; jene halbe Erziehung ist um nichts besser, denn gar keine; sie lt es eben beim alten, und wenn man dies will, so erspare man sich lieber auch das Halbe, und erklre gleich von vornherein geradezu, da man nicht wolle, da der Menschheit geholfen werde. Unter jener Voraussetzung nun kann in der bloen Nationalerziehung, solange dieselbe dauert, Lesen und Schreiben zu nichts ntzen, wohl aber kann es sehr schdlich werden, indem es von der unmittelbaren Anschauung zum bloen Zeichen, und von der Aufmerksamkeit, die da wei, da sie nichts fasse, wenn sie es nicht jetzt und zur Stelle fat, zur Zerstreutheit, die sich ihres Niederschreibens trstet, und irgend einmal vom Papiere lernen will, was sie wahrscheinlich nie lernen wird, und berhaupt zu der den Umgang mit Buchstaben so oft begleitenden Trumerei leichtlich verleiten knnte, so wie es dieses auch bisher getan hat. Erst am vlligen Schlusse der Erziehung, und als das letzte Geschenk derselben mit auf den Weg, knnten diese Knste mitgeteilt und der Zgling geleitet werden durch Zergliederung der Sprache, die er schon lngst vollkommen besitzt, die Buchstaben zu erfinden und zu gebrauchen; welches ihm bei der brigen Bildung, die er schon erlangt hat, ein Spiel sein wrde. So in der bloen und allgemeinen Nationalerziehung. Etwas andres ist es mit dem knftigen Gelehrten. Dieser soll einst nicht blo ber das Allgemeingeltende sich aussprechen, wie es ihm ums Herz ist, sondern er soll auch in einsamem Nachdenken die verborgene und ihm selber unbewute eigentmliche Tiefe seines Gemts in das Licht der Sprache erheben, und er mu darum frher an der Schrift das Werkzeug dieses einsamen und dennoch lauten Denkens in die Hnde bekommen und bilden lernen; doch wird auch mit ihm weniger zu eilen sein, als es bisher geschehen. Es wird dies zu seiner Zeit bei der Unterscheidung der bloen Nationalerziehung von der gelehrten deutlicher erhellen. In Gemheit dieser Ansicht ist alles, was der Erfinder ber Schall und Wort, als Entwicklungsmittel der geistigen Kraft spricht, zu berichtigen und zu beschrnken. In das Einzelne zu gehen, erlaubt mir nicht der Plan dieser Reden. Nur noch die folgende tief in das Ganze greifende Bemerkung. Die Grundlage seiner Entwicklung aller Erkenntnis enthlt sein Buch fr Mtter, in dem er unter andern gar sehr auf husliche Erziehung rechnet. Was zuvrderst diese, die husliche Erziehung, selbst anbelangt, so wollen wir zwar mit ihm keineswegs ber die Hoffnungen, die er sich von den Mttern macht, streiten; was aber unsern hhern Begriff einer Nationalerziehung anbelangt, so sind wir fest berzeugt, da diese, besonders bei den arbeitenden Stnden, im Hause der Eltern, und berhaupt ohne gnzliche Absonderung der Kinder von ihnen, durchaus weder angefangen, noch fortgesetzt, oder vollendet werden kann. Der Druck, die Angst um das tgliche Auskommen, die kleinliche Genauigkeit und Gewinnsucht, die sich hierzu fgt, wrde die Kinder notwendig anstecken, herabziehen und sie verhindern, einen freien Aufflug in die Welt des Gedankens zu nehmen. Dies ist auch eine der Voraussetzungen, die bei der Ausfhrung unsers Plans unbedingt ist, und auf keine Weise zu erlassen. Was daraus wird, wenn die Menschheit im ganzen in jedem folgenden Zeitalter sich also wiederholt, wie sie im vorhergehenden war, haben wir nun zur Genge ersehen; soll eine gnzliche Umbildung mit derselben vorgenommen werden, so mu sie einmal ganz losgerissen werden von sich selber, und ein trennender Einschnitt gemacht werden in ihr hergebrachtes Fortleben. Erst nachdem ein Geschlecht durch die neue Erziehung hindurch gegangen sein wird, wird sich beratschlagen lassen, welchen Teil von der Nationalerziehung man dem Hause anvertrauen wolle. -- Dies nun abgerechnet, und das Pestalozzische Buch fr die Mtter lediglich als erste Grundlage des Unterrichts betrachtet, ist auch der Inhalt desselben, der Krper des Kindes, ein vollkommner Migriff. Er geht von dem sehr richtigen Satze aus, der erste Gegenstand der Erkenntnis des Kindes msse das Kind selbst sein, aber ist denn der Krper des Kindes das Kind selbst? wre, wenn es doch ein menschlicher Krper sein sollte, der Krper der Mutter ihm nicht weit nher und sichtbarer? und wie kann doch das Kind eine anschauliche Erkenntnis von seinem Krper bekommen, ohne zuerst gelernt zu haben, denselben zu gebrauchen? Jene Kenntnis ist keine Erkenntnis, sondern ein bloes Auswendiglernen von willkrlichen Wortzeichen, das durch die Ueberschtzung des Redens herbeigefhrt wird. Die wahre Grundlage des Unterrichts und der Erkenntnis wre, um es in der Pestalozzischen Sprache zu bezeichnen, ein Abc der Empfindungen. Wie das Kind anfngt Sprachtne zu vernehmen und selbst notdrftig zu bilden, mte es geleitet werden, sich vollkommen deutlich zu machen: ob es hungere oder schlfrig sei, ob es die mit dem oder dem Ausdrucke bezeichnete ihm gegenwrtige Empfindung sehe oder ob es vielmehr dieselbe hre usf., oder ob es wohl gar etwas blo hinzudenke; wie die verschiedenen durch besondere Wrter bezeichneten Eindrcke auf denselben Sinn, zum Beispiel die Farben, die Schalle der verschiedenen Krper usf. verschieden seien, und in welchen Abstufungen; alles dies in richtiger und das Empfindungsvermgen selbst regelmig entwickelnder Folge. Hierdurch erhlt das Kind erst ein Ich, das es im freien und besonnenen Begriffe absondert, und mit demselben durchdringt, und gleich bei seinem Erwachen ins Leben wird dem Leben ein geistiges Auge eingesetzt, das von nun an wohl nicht wieder von demselben lassen wird. Hierdurch erhalten auch fr die nachfolgenden Uebungen der Anschauung die an sich leeren Formen des Maes und der Zahl ihren deutlich erkannten innern Gehalt, der bei der Pestalozzischen Verfahrungsweise doch nur durch dunklen Hang und Zwang ihnen hinzugesetzt werden kann. Es kommt in den Pestalozzischen Schriften ein in dieser Rcksicht merkwrdiges Gestndnis eines seiner Lehrer vor, der, in dieses Verfahren eingeweiht, anfing, nur noch ausgeleerte geometrische Krper zu erblicken. So mte es allen Zglingen dieses Verfahrens ergehen, wenn nicht unvermerkt die geistige Natur dagegen sicherte. Hier auch, bei diesem deutlichen Erfassen dessen, was eigentlich empfunden wird, ist der Ort, wo zwar nicht das Sprachzeichen, aber das Reden selbst und das Bedrfnis sich fr andre auszusprechen, den Menschen bildet, und ihn aus der Dunkelheit und Verworrenheit zur Klarheit und Bestimmtheit erhebt. Auf das zuerst zum Bewutsein erwachende Kind dringen alle Eindrcke der dasselbe umgebenden Natur zugleich ein, und vermischen sich zu einem dumpfen Chaos, in welchem nichts Einzelnes aus dem allgemeinen Gewhl hervorsteht. Wie soll es jemals herauskommen aus dieser Dumpfheit? Es bedarf der Hilfe andrer; es kann diese Hilfe auf keine andre Weise an sich bringen, denn dadurch, da es sein Bedrfnis bestimmt ausspreche, mit den Unterscheidungen von hnlichen Bedrfnissen, die schon in der Sprache niedergelegt sind. Es wird gentigt, nach Anleitung jener Unterscheidungen, mit Zurckziehung und Sammlung auf sich zu merken, das, was es wirklich fhlt, zu vergleichen und zu unterscheiden von anderm, das es wohl auch kennt, aber gegenwrtig nicht fhlt. Hierdurch sondert sich erst ab in ihm ein besonnenes und freies Ich. Diesen Weg nun, den Not und Natur mit uns anhebt, soll die Erziehung mit besonnener und freier Kunst fortsetzen. Im Felde der objektiven Erkenntnis, die auf uere Gegenstnde geht, fgt die Bekanntschaft mit dem Wortzeichen der Deutlichkeit und Bestimmtheit der innern Erkenntnis fr den Erkennenden selbst durchaus nichts hinzu, sondern sie erhebt dieselbe blo in den vllig verschiedenen Kreis der Mitteilbarkeit fr andre. Die Klarheit jener Erkenntnis beruht gnzlich auf der Anschauung, und dasjenige, was man nach Belieben in allen seinen Teilen, gerade so wie es wirklich ist, in der Einbildungskraft wieder erzeugen kann, ist vollkommen erkannt, ob man nun dazu ein Wort habe oder nicht. Wir sind sogar der Ueberzeugung, da jene Vollendung der Anschauung der Bekanntschaft mit dem Wortzeichen vorausgehen msse, und da der umgekehrte Weg gerade in jene Schatten- und Nebelwelt, und zu dem frhen Maulbrauchen, welche beide Pestalozzi mit Recht so verhat sind, fhre, ja da der, der nur je eher je lieber das Wort wissen will, und der seine Erkenntnisse fr vermehrt hlt, sobald er es wei, eben in jener Nebelwelt lebt, und blo um deren Erweiterung bekmmert ist. Des Erfinders Denkgebude im ganzen erfassend, glaube ich, da es gerade dieses Abc der Empfindung war, was er, als erste Grundlage der geistigen Entwicklung und als Inhalt seines Buchs der Mtter, anstrebte, und was ihm dunkel bei allen seinen Aeuerungen ber die Sprache vorschwebte, und da allein der Mangel an philosophischen Studien ihn verhinderte, in diesem Punkte sich selber vollkommen klar zu werden. Diese Entwicklung nun des erkennenden Subjekts selbst, an der Empfindung, vorausgesetzt, und der Nationalerziehung, die wir beabsichtigten, als allererste Grundlage untergelegt, ist das Pestalozzische Abc der Anschauung, die Lehre von den Zahl- und Maverhltnissen, die vollkommen zweckmige und vortreffliche Folge. An diese Anschauung kann ein beliebiger Teil der Sinnenwelt geknpft werden, sie kann eingefhrt werden in das Gebiet der Mathematik, so lange, bis an diesen Vorbungen der Zgling hinlnglich gebildet sei, um zur Entwerfung einer gesellschaftlichen Ordnung der Menschen, und zur Liebe dieser Ordnung, als dem zweiten und wesentlichen Schritte seiner Bildung, angefhrt zu werden. Noch ist, gleich beim ersten Teile der Erziehung ein andrer von Pestalozzi gleichfalls in Anregung gebrachter Gegenstand nicht zu bergehen: die Entwicklung der krperlichen Fertigkeit des Zglings, die mit der geistigen notwendig Hand in Hand gehend fortschreiten mu. Er fordert ein Abc der Kunst, d. h. des krperlichen Knnens. Seine hervorstechendsten Aeuerungen hierber sind folgende: Schlagen, Tragen, Werfen, Stoen, Ziehen, Drehen, Ringen, Schwingen usf. seien die einfachsten Uebungen der Kraft. Es gebe eine naturgeme Stufenfolge von den Anfngen in diesen Uebungen bis zu ihrer vollendeten Kunst, d. i. bis zum hchsten Grade des Nerventaktes, der Schlag und Sto, Schwung und Wurf, in hundertfachen Abwechslungen sichere, und Hand und Fu gewi mache. Alles kommt hierbei auf die naturgeme Stufenfolge an, und es reicht nicht hin, da man mit blinder Willkr hineingreife und irgendeine Uebung einfhre, damit doch von uns gesagt werden knne, wir htten auch, etwa wie die Griechen, krperliche Erziehung. In dieser Rcksicht ist nun noch alles zu tun, denn Pestalozzi hat kein Abc der Kunst geliefert. Dieses mte erst geliefert werden, und zwar bedarf es dazu eines Mannes, der, in der Anatomie des menschlichen Krpers und in der wissenschaftlichen Mechanik auf gleiche Weise zu Hause, mit diesen Kenntnissen ein hohes Ma philosophischen Geistes verbnde, und der auf diese Weise fhig wre, in allseitiger Vollendung diejenige Maschine zu finden, zu der der menschliche Krper angelegt ist, und anzugeben, wie diese Maschine allmhlich, also, da jeder Schritt in der einzig mglichen richtigen Folge geschhe, durch jeden alle knftigen vorbereitet und erleichtert, und dabei die Gesundheit und Schnheit des Krpers und die Kraft des Geistes nicht nur nicht gefhrdet, sondern sogar gestrkt und erhht wrde, wie, sage ich, auf diese Weise die Maschine aus jedem gesunden menschlichen Krper entwickelt werden knne. Die Unerllichkeit dieses Bestandteils fr eine Erziehung, die den ganzen Menschen zu bilden verspricht, und die besonders fr eine Nation sich bestimmt, welche ihre Selbstndigkeit wiederherstellen und fernerhin erhalten soll, fllt ohne weitere Erinnerung in die Augen. Was fr nhere Bestimmung unsers Begriffs von deutscher Nationalerziehung noch ferner zu sagen ist, behalten wir vor der nchstknftigen Rede. Zehnte Rede. Zur nhern Bestimmung der deutschen Nationalerziehung. Die Anfhrung des Zglings, zuerst seine Empfindungen, sodann seine Anschauungen sich klar zu machen, mit welcher eine folgegeme Kunstbildung seines Krpers Hand in Hand gehen mu, ist der erste Hauptteil der neuen deutschen Nationalerziehung. Was die Bildung der Anschauung betrifft, haben wir eine zweckmige Anleitung von Pestalozzi; die noch ermangelnde zur Bildung des Empfindungsvermgens wird derselbe Mann und seine Mitarbeiter, die zur Lsung dieser Aufgabe zunchst berufen sind, leicht geben knnen. Eine Anweisung zur folgegemen Ausbildung der krperlichen Kraft fehlt noch: es ist angegeben, was zur Lsung dieser Aufgabe erfordert werde, und es ist zu hoffen, da, wenn die Nation Begierde nach dieser Lsung bezeigen sollte, dieselbe sich finden werde. Dieser ganze Teil der Erziehung ist nur Mittel und Vorbung zu dem zweiten wesentlichen Teile derselben, der brgerlichen und religisen Erziehung. Was hierber im allgemeinen zu sagen dermalen not tut, ist in unsrer zweiten und dritten Rede schon beigebracht, und wir haben in dieser Rcksicht nichts hinzuzusetzen. Eine bestimmte Anweisung zur Kunst dieser Erziehung zu geben ist -- immer wie sich versteht, in Beratung und Rcksprache mit der Pestalozzischen eigentlichen Erziehungskunst -- die Sache derselben Philosophie, die eine deutsche Nationalerziehung berhaupt in Vorschlag bringt; und diese Philosophie wird, wenn nur erst das Bedrfnis einer solchen Anweisung durch vollendete Ausbung des ersten Teils eintritt, nicht sumen, dieselbe zu liefern. Wie es mglich sein werde, da jedweder Zgling, auch aus dem niedrigsten Stande geboren, indem der Stand der Geburt wahrhaftig keinen Unterschied in den Anlagen macht, den Unterricht ber diese Gegenstnde, der allerdings, wenn man so will, die allertiefste Metaphysik enthlt und die Ausbeute der abgezogensten Spekulation ist, und welche zu fassen dermalen sogar Gelehrten und selbst spekulierenden Kpfen so unmglich fllt, fassen und sogar leicht fassen werde; darber ermde man sich nur vorlufig nicht im Hin- und Herzweifeln; wenn man nur in Absicht der ersten Schritte folgen will, so wird dies spterhin die Erfahrung lehren. Nur darum, weil unsre Zeit berhaupt in der Welt der leeren Begriffe gefesselt und an keiner Stelle in die Welt der wahrhaftigen Realitt und Anschauung hineingekommen ist, ist es ihr nicht anzumuten, da sie gerade bei der allerhchsten und geistigsten Anschauung, und nachdem sie schon ber alles Ma klug ist, das Anschauen anfange. Ihr mu die Philosophie anmuten, ihre bisherige Welt aufzugeben und eine ganz andre sich zu verschaffen, und es ist kein Wunder, wenn eine solche Anmutung ohne Erfolg bleibt. Der Zgling unsrer Erziehung aber ist gleich von Anbeginn an einheimisch geworden in der Welt der Anschauung und hat niemals eine andre gesehen; er soll seine Welt nicht verndern, sondern sie nur steigern, und dieses ergibt sich von selbst. Jene Erziehung ist zugleich, wie wir schon oben darauf deuteten, die einzig mgliche Erziehung fr Philosophie und das einzige Mittel, diese letztere allgemein zu machen. Mit dieser brgerlichen und religisen Erziehung nun ist die Erziehung beschlossen und der Zgling zu entlassen, und so wren wir denn frs erste in Absicht des Inhalts der vorgeschlagenen Erziehung im reinen. Es msse niemals das Erkenntnisvermgen des Zglings angeregt werden, ohne da die Liebe fr den erkannten Gegenstand es zugleich werde, indem auerdem die Erkenntnis tot, und ebenso niemals die Liebe, ohne da sie der Erkenntnis klar werde, indem auerdem die Liebe blind bleibe -- ist einer der Hauptgrundstze der von uns vorgeschlagenen Erziehung, mit welchem auch Pestalozzi seinem ganzen Denkgebude zufolge einverstanden sein mu. Die Anregung und Entwicklung dieser Liebe nun knpft sich an den folgegemen Lehrgang am Faden der Empfindung und der Anschauung von selbst, und kommt ohne allen unsern Vorsatz oder Zutun. Das Kind hat einen natrlichen Trieb nach Klarheit und Ordnung; dieser wird in jenem Lehrgange immerfort befriedigt, und erfllt so das Kind mit Freude und Lust; mitten in der Befriedigung aber wird es durch die neuen Dunkelheiten, die nun zum Vorschein kommen, wiederum angeregt, und so ferner befriedigt, und so geht das Leben hin in Liebe und Lust am Lernen. Dies ist die Liebe, wodurch jeder einzelne an die Welt des Gedankens geknpft wird, das Band der Sinnen- und Geisterwelt berhaupt. Durch diese Liebe entsteht, in dieser Erziehung sicher und berechnet, so wie bisher durch das Ungefhr bei wenigen vorzglich begnstigten Kpfen, die leichte Entwicklung des Erkenntnisvermgens, und die glckliche Bearbeitung der Felder der Wissenschaft. Noch aber gibt es eine andre Liebe, diejenige, welche den Menschen an den Menschen bindet, und alle einzelne zu einer einigen Vernunftgemeinde der gleichen Gesinnung verbindet. Wie jene die Erkenntnis, so bildet diese das handelnde Leben, und treibt an, das Erkannte in sich und andern darzustellen. Da es fr unsern eigentlichen Zweck wenig helfen wrde, blo die Gelehrtenerziehung zu verbessern und die von uns beabsichtigte Nationalerziehung zunchst nicht darauf ausgeht, Gelehrte, sondern eben Menschen zu bilden, so ist klar, da neben jener ersten auch die Entwicklung der zweiten Liebe unerlliche Pflicht dieser Erziehung ist. Pestalozzi redet[4] von diesem Gegenstande mit herzerhebender Begeisterung; dennoch aber mssen wir bekennen, da alles dieses uns nicht im mindesten klar geschienen hat und am allerwenigsten so klar, da es einer kunstmigen Entwicklung jener Liebe zur Grundlage dienen knne. Es ist darum ntig, da wir unsre eignen Gedanken zu einer solchen Grundlage mitteilen. [4] Ansichten, Erfahrungen und Mittel zur Befrderung einer der Menschennatur angemessenen Erziehungsweise. Leipzig 1807. Die gewhnliche Annahme, da der Mensch von Natur selbstschtig sei, und auch das Kind mit dieser Selbstsucht geboren werde, und da es allein die Erziehung sei, die demselben eine sittliche Triebfeder einpflanze, grndet sich auf eine sehr oberflchliche Beobachtung und ist durchaus falsch. Da aus Nichts sich nicht etwas machen lt, die noch so weit fortgesetzte Entwicklung eines Grundtriebes aber ihn doch niemals zu dem Gegenteile von sich selbst machen kann; wie sollte doch die Erziehung vermgen, jemals Sittlichkeit in das Kind hineinzubringen, wenn diese nicht ursprnglich und vor aller Erziehung vorher in demselben wre? So ist sie es denn auch wirklich in allen menschlichen Kindern, die zur Welt geboren werden; die Aufgabe ist blo, die ursprnglichste und reinste Gestalt, in der sie zum Vorschein kommt, zu ergrnden. Durchgefhrte Spekulation sowohl, als die gesamte Beobachtung stimmen berein, da diese ursprnglichste und reinste Gestalt der Trieb nach Achtung sei, und da diesem Triebe erst das Sittliche, als einzig mglicher Gegenstand der Achtung, das Rechte und Gute, die Wahrhaftigkeit, die Kraft der Selbstbeherrschung, in der Erkenntnis aufgehe. Beim Kinde zeigt sich dieser Trieb zuerst als Trieb auch geachtet zu werden von dem, was ihm die hchste Achtung einflt; und es richtet sich dieser Trieb, zum sichern Beweise, da keineswegs aus der Selbstsucht die Liebe stamme, in der Regel weit strker und entschiedener auf den ernsteren, fter abwesenden und nicht unmittelbar als Wohltter erscheinenden Vater, denn auf die mit ihrer Wohlttigkeit stets gegenwrtige Mutter. Von diesem will das Kind bemerkt sein, es will seinen Beifall haben; nur inwiefern dieser mit ihm zufrieden ist, ist es selbst mit sich zufrieden: dies ist die natrliche Liebe des Kindes zum Vater; keineswegs als zum Pfleger seines sinnlichen Wohlseins, sondern als zu dem Spiegel, aus welchem ihm sein eigner Wert oder Unwert entgegenstrahlt; an diese Liebe kann nun der Vater selbst schweren Gehorsam und jede Selbstverleugnung leicht anknpfen; fr den Lohn seines herzlichen Beifalls gehorcht es mit Freuden. Wiederum ist dies die Liebe, die es vom Vater begehrt, da dieser bemerke sein Bestreben, gut zu sein, und es anerkenne, da er sich merken lasse, es mache ihm Freude, wenn er billigen knne, und tue ihm herzlich wehe, wenn er mibilligen msse, er wnsche nichts mehr, als immer mit demselben zufrieden sein zu knnen, und alle seine Forderungen an dasselbe haben nur die Absicht, das Kind selbst immer besser und achtungswrdiger zu machen; deren Anblick wiederum die Liebe des Kindes fortdauernd belebt und verstrkt, und ihm zu allen seinen fernern Bestrebungen neue Kraft gibt. Dagegen wird diese Liebe erttet durch Nichtbeachtung oder anhaltendes unbilliges Verkennen; ganz besonders aber erzeugt es sogar Ha, wenn man in der Behandlung desselben Eigenntzigkeit blicken lt, und zum Beispiel einen durch die Unvorsichtigkeit desselben verursachten Verlust als ein Hauptverbrechen behandelt. Es sieht sich sodann als ein bloes Werkzeug betrachtet, und dies emprt sein zwar dunkles, aber dennoch nicht abwesendes Gefhl, da es durch sich selbst einen Wert haben msse. Um dies an einem Beispiele zu belegen. Was ist es doch, das dem Schmerze der Zchtigung beim Kinde noch die Scham hinzufgt, und was ist diese Scham? Offenbar ist sie das Gefhl der Selbstverachtung, die es sich zufgen mu, da ihm das Mifallen seiner Eltern und Erzieher bezeugt wird. Daher denn auch in einem Zusammenhange, wo die Bestrafung von keiner Scham begleitet wird, es mit der Erziehung zu Ende ist, und die Bestrafung erscheint als eine Gewaltttigkeit, ber die der Zgling mit hohem Sinne sich hinwegsetzt und ihrer spottet. Dies also ist das Band, was die Menschen zur Einheit des Sinnes verknpft und dessen Entwicklung ein Hauptbestandteil der Erziehung zum Menschen ist -- keineswegs sinnliche Liebe, sondern Trieb zu gegenseitiger Achtung. Dieser Trieb gestaltet sich auf eine doppelte Weise: im Kinde, ausgehend von unbedingter Achtung fr die erwachsene Menschheit auer sich, zu dem Triebe, von dieser geachtet zu werden, und an ihrer wirklichen Achtung, als seinem Mastabe, abzunehmen, inwiefern es auch selbst sich achten drfe. Dieses Vertrauen auf einen fremden und auer uns befindlichen Mastab der Selbstachtung ist auch der eigentmliche Grundzug der Kindheit und Unmndigkeit, auf dessen Vorhandensein ganz allein die Mglichkeit aller Belehrung und aller Erziehung der nachwachsenden Jugend zu vollendeten Menschen sich grndet. Der mndige Mensch hat den Mastab seiner Selbstschtzung in ihm selber, und will von andern geachtet sein, nur inwiefern sie selbst erst seiner Achtung sich wrdig gemacht haben; und bei ihm nimmt dieser Trieb die Gestalt des Verlangens an, andre achten zu knnen, und Achtungswrdiges auer sich hervorzubringen. Wenn es nicht einen solchen Grundtrieb im Menschen gbe, woher kme doch die Erscheinung, da es dem auch nur ertrglich guten Menschen wehe tut, die Menschen schlechter zu finden, als er sie sich dachte, und da es ihn tief schmerzt, sie verachten zu mssen; da es ja der Selbstsucht im Gegenteile wohltun mte, ber andre sich hochmtig erheben zu knnen? Diesen letzten Grundzug der Mndigkeit nun soll der Erzieher darstellen, so wie auf den ersten bei dem Zglinge sicher zu rechnen ist. Der Zweck der Erziehung in dieser Rcksicht ist es eben, die Mndigkeit in dem von uns angegebenen Sinne hervorzubringen, und nur, nachdem dieser Zweck erreicht ist, ist die Erziehung wirklich vollendet und zu Ende gebracht. Bisher sind viele Menschen ihr ganzes Leben hindurch Kinder geblieben: diejenigen, welche zu ihrer Zufriedenheit des Beifalls der Umgebung bedurften, und nichts Rechtes geleistet zu haben glaubten, als wenn sie dieser gefielen. Ihnen hat man entgegengesetzt, als starke und krftige Charaktere, die wenigen, die ber fremdes Urteil sich zu erheben und sich selbst zu gengen vermochten, und hat diese in der Regel gehat, indes man jene zwar nicht achtete, aber dennoch sie liebenswrdig fand. Die Grundlage aller sittlichen Erziehung ist es, da man wisse, es sei ein solcher Trieb im Kinde, und ihn festiglich voraussetze, sodann, da man ihn in seiner Erscheinung erkenne, und ihn durch zweckmige Aufregung und durch Darreichung eines Stoffs, woran er sich befriedige, allmhlich immer mehr entwickle. Die allererste Regel ist, da man ihn auf den ihm allein angemessenen Gegenstand richte, auf das Sittliche, keineswegs aber etwa in einem ihm fremdartigen Stoffe ihn abfinde. Das Lernen zum Beispiel fhrt seinen Reiz und seine Belohnung in sich selber; hchstens knnte angestrengter Flei, als eine Uebung der Selbstberwindung, Beifall verdienen; aber dieser freie und ber die Forderung hinausgehende Flei wird wenigstens in der bloen, allgemeinen Nationalerziehung kaum eine Stelle finden. Da daher der Zgling lerne, was er soll, mu betrachtet werden als etwas, das sich eben von selbst versteht, und wovon nicht weiter geredet wird; selbst das schnellere und bessere Lernen des fhigern Kopfs mu betrachtet werden eben als ein bloes Naturereignis, das ihm selber zu keinem Lobe oder Auszeichnung dient, am allerwenigsten aber andre Mngel verdeckt. Nur im Sittlichen soll diesem Trieb sein Wirkungskreis angewiesen werden; aber die Wurzel aller Sittlichkeit ist die Selbstbeherrschung, die Selbstberwindung, die Unterordnung seiner selbstschtigen Triebe unter den Begriff des Ganzen. Nur durch diese, und schlechthin durch nichts andres, sei es dem Zglinge mglich, den Beifall des Erziehers zu erhalten, dessen fr seine eigne Zufriedenheit zu bedrfen er von seiner geistigen Natur angewiesen und durch die Erziehung gewhnt ist. Es gibt, wie wir schon in unsrer zweiten Rede erinnert haben, zwei sehr verschiedene Weisen jener Unterordnung des persnlichen Selbst unter das Ganze. Zuvrderst diejenige, die schlechthin sein mu, und keinem in keinem Stcke erlassen werden kann, die Unterwerfung unter das, um der bloen Ordnung des Ganzen willen entworfene, Gesetz der Verfassung. Wer gegen dieses sich nicht vergeht, den trifft nur nicht Mifallen, keineswegs aber wird ihm Beifall zuteil; so wie den, der sich dagegen verginge, wirkliches Mifallen und Tadel treffen wrde, der da, wo ffentlich gefehlt worden, auch ffentlich ergehen mte, und, wo er fruchtlos bliebe, sogar durch hinzugefgte Strafe geschrft werden knnte. Sodann gibt es eine Unterordnung des einzelnen unter das Ganze, die nicht gefordert, sondern nur freiwillig geleistet werden kann: da man durch eigne Aufopferung den Wohlstand desselben steigere und vermehre. Um das Verhltnis der bloen Gesetzmigkeit und dieser hhern Tugend zueinander den Zglingen gleich von Jugend auf recht einzuprgen, wird es zweckmig sein, nur demjenigen, gegen den einen gewissen Zeitraum hindurch in der ersten Rcksicht keine Klage gewesen, solche freiwillige Aufopferungen, gleichsam als den Lohn der Gesetzmigkeit zu gestatten, dem aber, der in Regelmigkeit und Ordnung seiner selbst noch nicht ganz sicher ist, die Erlaubnis dazu zu versagen. Die Gegenstnde solcher freiwilligen Leistungen sind im allgemeinen schon oben angezeigt, und werden tiefer unten sich noch nher ergeben. Dieser Art der Aufopferung werde zuteil ttige Billigung, wirkliche Anerkennung ihrer Verdienstlichkeit, keineswegs zwar ffentlich, als Lob, was das Gemt verderben und eitel machen, und es von der Selbstndigkeit ableiten knnte, sondern im geheimen und mit dem Zgling allein. Diese Anerkennung soll nichts mehr sein, als das eigne, dem Zglinge auch uerlich dargestellte gute Gewissen desselben, und die Besttigung seiner Zufriedenheit mit sich selbst, seiner Selbstachtung, und die Ermunterung, sich auch ferner zu vertrauen. Die hierbei beabsichtigten Vorteile wrde folgende Einrichtung vortrefflich befrdern. Wo mehrere Erzieher und Erzieherinnen sind, wie wir denn dies als die Regel voraussetzen, da whle jedes Kind frei, und so wie sein Vertrauen und sein Gefhl dasselbe treibt, einen darunter zum besondern Freunde und gleichsam Gewissensrate. Bei diesem suche es Rat in allen Fllen, wo es ihm schwer wird, recht zu tun; er helfe ihm durch freundliche Zusprache nach; er sei der Vertraute der freiwilligen Leistungen, die es bernimmt; und er sei endlich derjenige, der das Treffliche mit seinem Beifalle krnt. In den Personen dieser Gewissensrte nun mte die Erziehung, jedem einzelnen nach seiner Weise, folgegem zu immer grerer Strke in der Selbstberwindung und Selbstbeherrschung emporhelfen; und so wird allmhlich Festigkeit und Selbstndigkeit entstehen, durch deren Erzeugung die Erziehung sich selbst abschliet und fr die Zukunft aufhebt. Durch eignes Tun und Handeln schliet sich uns am klarsten der Umfang der sittlichen Welt auf, und wem sie also aufgegangen ist, dem ist sie wahrhaftig aufgegangen. Ein solcher wei nun selbst, was in ihr enthalten ist, und bedarf keines fremden Zeugnisses mehr ber sich, sondern vermag es, selbst ein richtiges Gericht ber sich zu halten und ist von nun an mndig. Wir haben durch das soeben Gesagte eine Lcke, die in unserm bisherigen Vortrage blieb, geschlossen, und unsern Vorschlag erst wahrhaftig ausfhrbar gemacht. Das Wohlgefallen am Rechten und Guten um seiner selbst willen, soll durch die neue Erziehung an die Stelle der bisher gebrauchten sinnlichen Hoffnung oder Furcht gesetzt werden, und dieses Wohlgefallen soll, als einzig vorhandene Triebfeder, alles knftige Leben in Bewegung setzen: dies ist die Hauptsache unsers Vorschlags. Die erste hierbei sich aufdringende Frage ist: aber, wie soll denn nun jenes Wohlgefallen selbst erzeugt werden? Erzeugt werden, im eigentlichen Sinne des Wortes, kann es nun wohl nicht; denn der Mensch vermag nicht aus Nichts etwas zu machen. Es mu, wenn unser Vorschlag irgend ausfhrbar sein soll, dieses Wohlgefallen ursprnglich vorhanden sein, und schlechthin in allen Menschen ohne Ausnahme vorhanden sein und ihnen angeboren werden. So verhlt es sich denn auch wirklich. Das Kind ohne alle Ausnahme will recht und gut sein, keineswegs will es, so wie ein junges Tier blo wohl sein. Die Liebe ist der Grundbestandteil des Menschen; diese ist da, so wie der Mensch da ist, ganz und vollendet, und es kann ihr nichts hinzugefgt werden; denn diese liegt hinaus ber die fortwachsende Erscheinung des sinnlichen Lebens und ist unabhngig von ihm. Nur die Erkenntnis ist es, woran sich dieses sinnliche Leben knpft, und welche mit demselben entsteht und fortwchst. Diese entwickelt sich nur langsam und allmhlich im Fortlaufe der Zeit. Wie soll nun, so lange, bis ein geordnetes Ganzes von Begriffen des Rechten und Guten entstehe, an welches das treibende Wohlgefallen sich knpfen knne, jene angeborene Liebe ber die Zeiten der Unwissenheit hinwegkommen, sich entwickeln und ben? Die vernnftige Natur hat ohne alles unser Zutun der Schwierigkeit abgeholfen. Das dem Kinde in seinem Innern abgehende Bewutsein stellt sich ihm uerlich und verkrpert dar an dem Urteile der erwachsenen Welt. Bis in ihm selbst ein verstndiger Richter sich entwickle, wird es durch einen Naturtrieb an diese verwiesen, und so ihm ein Gewissen auer ihm gegeben, bis in ihm selber sich eins erzeuge. Diese bis jetzt wenig bekannte Wahrheit soll die neue Erziehung anerkennen, und sie soll die ohne ihr Zutun vorhandene Liebe auf das Rechte leiten. Bis jetzt ist in der Regel diese Unbefangenheit und diese kindliche Glubigkeit der Unmndigen an die hhere Vollkommenheit der Erwachsenen zum Verderben derselben gebraucht worden; ihre Unschuld gerade, und ihr natrlicher Glauben an uns, machte es uns mglich, ihnen statt des Guten, das sie innerlich wollten, unser Verderbnis, das sie verabscheut haben wrden, wenn sie es zu erkennen vermocht htten, einzupflanzen, noch ehe sie Gutes und Bses unterscheiden konnten. Dies ist eben die allergrte Vergehung, die unsrer Zeit zur Last fllt; und es wird hierdurch auch die tglich sich darbietende Erscheinung erklrt, da in der Regel der Mensch um so schlechter, selbstschtiger, fr alle guten Regungen erstorbener und zu jedem rechten Werke untauglicher wird, je mehr Jahre er zhlt, und um je weiter daher er sich von den ersten Tagen seiner Unschuld, die frs erste noch immer in einigen Ahnungen des Guten leise nachklingen, entfernt hat; es wird dadurch ferner bewiesen, da das gegenwrtige Geschlecht, wenn es nicht einen durchaus trennenden Abschnitt in sein Fortleben macht, eine noch verdorbenere Nachkommenschaft, und diese eine abermals verdorbenere, notwendig hinterlassen werde. Von solchen sagt ein verehrungswrdiger Lehrer des Menschengeschlechts mit treffender Wahrheit, da es besser sei, wenn ihnen beizeiten ein Mhlstein an den Hals gehngt wrde und sie ersufet wrden im Meere, da wo es am tiefsten ist. Es ist eine abgeschmackte Verleumdung der menschlichen Natur, da der Mensch als Snder geboren werde: wre dies wahr, wie knnte doch jemals an ihn auch nur ein Begriff von Snde kommen, der ja nur im Gegensatze mit einer Nichtsnde mglich ist? Er lebt sich zum Snder; und das bisherige menschliche Leben war in der Regel eine im steigenden Fortschritte begriffene Entwicklung der Sndhaftigkeit. Das Gesagte zeigt in einem neuen Lichte die Notwendigkeit, ohne Verzug Anstalt zu einer wirklichen Erziehung zu machen. Knnte nur die nachwachsende Jugend ohne alle Berhrung mit den Erwachsenen und vllig ohne Erziehung aufwachsen, so mchte man ja immer den Versuch machen, was sich hieraus ergeben wrde. Aber, wenn wir sie auch nur in unsrer Gesellschaft lassen, macht ihre Erziehung, ohne allen unsern Wunsch oder Willen, sich von selbst; sie selbst erziehen sich an uns: unsre Weise zu sein dringt sich ihnen auf als ihr Muster, sie eifern uns nach, auch ohne da wir es verlangen, und sie begehren nichts andres, denn also zu werden, wie wir sind. Nun aber sind wir in der Regel und nach der groen Mehrheit genommen, durchaus verkehrt, teils ohne es zu wissen, und indem wir selbst, ebenso unbefangen wie unsre Kinder, unsre Verkehrtheit fr das Rechte halten; oder, wenn wir es auch wten, wie vermchten wir doch in der Gesellschaft unsrer Kinder pltzlich das, was ein langes Leben uns zur zweiten Natur gemacht hat, abzulegen, und unsern ganzen alten Sinn und Geist mit einem neuen zu vertauschen? In der Berhrung mit uns mssen sie verderben, dies ist unvermeidlich; haben wir einen Funken Liebe fr sie, so mssen wir sie entfernen aus unserm verpestenden Dunstkreise und einen reinern Aufenthalt fr sie errichten. Wir mssen sie in die Gesellschaft von Mnnern bringen, welche, wie es auch brigens um sie stehen mge, dennoch durch anhaltende Uebung und Gewhnung wenigstens die Fertigkeit sich erworben haben, sich zu besinnen, da Kinder sie beobachten, und das Vermgen, wenigstens so lange sich zusammenzunehmen, und die Kenntnis, wie man vor Kindern erscheinen mu; wir mssen aus dieser Gesellschaft in die unsrige sie nicht eher wieder zurcklassen, bis sie unser ganzes Verderben gehrig verabscheuen gelernt haben, und vor aller Ansteckung dadurch vllig gesichert sind. Soviel haben wir ber die Erziehung zur Sittlichkeit im allgemeinen hier beizubringen fr ntig erachtet. Da die Kinder in gnzlicher Absonderung von den Erwachsenen mit ihren Lehrern und Vorstehern allein zusammenleben sollen, ist mehrmals erinnert. Es versteht sich ohne unser besonderes Bemerken, da beiden Geschlechtern diese Erziehung auf dieselbe Weise zuteil werden msse. Eine Absonderung dieser Geschlechter in besondere Anstalten fr Knaben und Mdchen wrde zweckwidrig sein, und mehrere Hauptstcke der Erziehung zum vollkommenen Menschen aufheben. Die Gegenstnde des Unterrichts sind fr beide Geschlechter gleich; der in den Arbeiten stattfindende Unterschied kann, auch bei Gemeinschaftlichkeit der brigen Erziehung, leicht beobachtet werden. Die kleinere Gesellschaft, in der sie zu Menschen gebildet werden, mu, ebenso wie die grere, in die sie einst als vollendete Menschen eintreten sollen, aus einer Vereinigung beider Geschlechter bestehen; beide mssen erst gegenseitig ineinander die gemeinsame Menschheit anerkennen und lieben lernen, und Freunde haben und Freundinnen, ehe sich ihre Aufmerksamkeit auf den Geschlechtsunterschied richtet, und sie Gatten und Gattinnen werden. Auch mu das Verhltnis der beiden Geschlechter zueinander im ganzen, starkmtiger Schutz von der einen, liebevoller Beistand von der andern Seite, in der Erziehungsanstalt dargestellt und in den Zglingen gebildet werden. Wenn es zur Ausfhrung unsers Vorschlags kommen sollte, wrde das erste Geschft sein, ein Gesetz fr die innere Verfassung dieser Erziehungsanstalten zu entwerfen. Wenn der von uns aufgestellte Grundbegriff nur gehrig durchdrungen ist, so ist dies eine sehr leichte Arbeit, und wir wollen uns hier dabei nicht aufhalten. Ein Haupterfordernis dieser neuen Nationalerziehung ist es, da in ihr Lernen und Arbeiten vereinigt sei, da die Anstalt durch sich selbst sich zu erhalten den Zglingen wenigstens scheine, und da jeder in dem Bewutsein erhalten werde, zu diesem Zwecke nach aller seiner Kraft beizutragen. Dies wird, durchaus noch ohne alle Beziehung auf den Zweck der uern Ausfhrbarkeit und der Sparsamkeit hierbei, die man unserm Vorschlage ohne Zweifel anmuten wird, schon unmittelbar durch die Aufgabe der Erziehung selbst gefordert; teils darum, weil alle, die blo durch die allgemeine Nationalerziehung hindurchgehen, zu den arbeitenden Stnden bestimmt sind, und zu deren Erziehung die Bildung zum tchtigen Arbeiter ohne Zweifel gehrt; besonders aber darum, weil das gegrndete Vertrauen, da man sich stets durch eigne Kraft werde durch die Welt bringen knnen und fr seinen Unterhalt keiner fremden Wohlttigkeit bedrfe, zur persnlichen Selbstndigkeit des Menschen gehrt, und die sittliche, weit mehr als man bis jetzt zu glauben scheint, bedingt. Diese Bildung wrde einen andern, bis jetzt auch in der Regel dem blinden Ungefhr preisgegebenen Teil der Erziehung abgeben, den man die wirtschaftliche Erziehung nennen knnte, und der keineswegs aus der drftigen und beschrnkten Ansicht, ber welche einige unter Benennung der Oekonomie spotten, sondern aus dem hhern sittlichen Standpunkte angesehen werden mu. Unsre Zeit stellt es oft als einen ber alle Gegenrede erhabenen Grundsatz auf, da man eben schmeicheln, kriechen, sich zu allem gebrauchen lassen msse, wenn man leben wolle, und da es auf keine andre Weise angehe. Sie besinnt sich nicht, da, wenn man sie auch mit dem heroischen, aber durchaus wahren Gegenspruche verschonen wollte, da wenn es so ist, sie eben nicht leben, sondern sterben solle, noch die Bemerkung brigbleibt, da sie htte lernen sollen, mit Ehren leben zu knnen. Man erkundige sich nur nher nach den Personen, die durch ehrloses Betragen sich auszeichnen; immer wird man finden, da sie nicht arbeiten gelernt haben, oder die Arbeit scheuen, und da sie noch berdies ble Wirtschafter sind. Darum soll der Zgling unsrer Erziehung an Arbeitsamkeit gewhnt werden, damit er der Versuchung zur Unrechtlichkeit durch Nahrungssorgen berhoben sei, und tief, und als allererster Grundsatz der Ehre, soll es in sein Gemt geprgt werden, da es schndlich sei, seinen Lebensunterhalt einem andern, denn seiner Arbeit verdanken zu wollen. Pestalozzi will whrend des Lernens zugleich allerlei Handarbeiten treiben lassen. Indem wir die Mglichkeit dieser Vereinigung unter der von ihm angegebenen Bedingung, da das Kind die Handarbeit schon vollkommen fertig knne, nicht leugnen wollen, scheint uns dennoch dieser Vorschlag aus der Drftigkeit des ersten Zwecks hervorzugehen. Der Unterricht mu meines Erachtens als so heilig und ehrwrdig dargestellt werden, da er der ganzen Aufmerksamkeit und Sammlung bedrfe, und nicht neben einem andern Geschfte empfangen werden knne. Sollen in Jahreszeiten, welche die Zglinge ohnedies ins Zimmer einschlieen, in den Arbeitsstunden dergleichen Arbeiten, als da ist Stricken, Spinnen und dergleichen getrieben werden, so wird es, damit der Geist in Ttigkeit bleibe, sehr zweckmig sein, gemeinschaftliche Geistesbungen unter Aufsicht damit zu verknpfen; dennoch ist jetzt die Arbeit die Hauptsache und diese Uebungen sind nicht zu betrachten als Unterricht, sondern blo als ein erheiterndes Spiel. Alle Arbeiten dieser niedern Art mssen berhaupt nur als Nebensache, keineswegs als die Hauptarbeit, vorgestellt werden. Diese Hauptarbeit ist die Ausbung des Acker- und Gartenbaus, der Viehzucht, und derjenigen Handwerke, deren sie in ihrem kleinen Staate bedrfen. Es versteht sich, da der Anteil hieran, der einem zugemutet wird, mit der krperlichen Kraft seines Alters in Gleichgewicht zu bringen, und die abgehende Kraft durch neu zu erfindende Maschinen und Werkzeuge zu ersetzen ist. Die Hauptrcksicht hierbei ist die, da sie, soweit mglich, in seinen Grnden verstehen mssen, was sie treiben, da sie die zu ihren Geschften ntigen Kenntnisse von der Erzeugung der Pflanzen, von den Eigenschaften und Bedrfnissen des tierischen Krpers, von den Gesetzen der Mechanik, schon erhalten haben. Auf diese Art wird teils ihre Erziehung schon ein folgegemer Unterricht ber die Gewerbe, die sie knftig zu treiben haben, und es wird der denkende und verstndige Landwirt in unmittelbarer Anschauung gebildet, teils wird schon jetzt ihre mechanische Arbeit veredelt und vergeistigt, sie ist in eben dem Grade Beleg in der freien Anschauung dessen, was sie begriffen haben, als sie Arbeit um den Unterhalt ist, und auch in Gesellschaft mit dem Tiere und der Erdscholle bleiben sie dennoch im Umkreise der geistigen Welt, und sinken nicht herab zu den letztern. Das Grundgesetz dieses kleinen Wirtschaftsstaates sei dieses, da in ihm kein Artikel zu Speise, Kleidung usw. noch, soweit dies mglich ist, irgendein Werkzeug gebraucht werden drfe, das nicht in ihm selbst erzeugt und verfertigt sei. Bedarf diese Haushaltung einer Untersttzung von auen, so werden ihr die Gegenstnde in Natur, aber keine andrer Art, als die sie auch selbst hat, gereicht, und zwar ohne da die Zglinge erfahren, da ihre eigne Ausbeute vermehrt worden, oder da sie, wo das letztere zweckmig ist, es nur als Darlehen erhalten, und es zu bestimmter Zeit wieder zurckerstatten. Fr diese Selbstndigkeit und Selbstgengsamkeit des Ganzen arbeite nun jeder einzelne aus aller seiner Kraft, ohne da er doch mit demselben abrechne, oder fr sich auf irgendein Eigentum Anspruch mache. Jeder wisse, da er sich dem Ganzen ganz schuldig ist, und geniee nur oder darbe, wenn es sich so fgt, mit dem Ganzen. Dadurch wird die ehrgeme Selbstndigkeit des Staates und der Familie, in die er einst treten soll, und das Verhltnis ihrer einzelnen Glieder zu ihnen, der lebendigen Anschauung dargestellt, und wurzelt unaustilgbar ein in sein Gemt. Hier bei dieser Anfhrung zur mechanischen Arbeit ist der Ort, wo die in der allgemeinen Nationalerziehung liegende und auf sie gesttzte Gelehrtenerziehung von der ersteren sich absondert, und wo von derselben zu sprechen ist. Die in der allgemeinen Nationalerziehung liegende Gelehrtenerziehung, habe ich gesagt. Ob es nicht auch fernerhin jedem, der eignes Vermgen genug zu haben glaubt, um zu studieren, oder der sich aus irgendeinem Grunde zu den bisherigen hhern Stnden rechnet, freistehen werde, den bisher blichen Weg der Gelehrtenerziehung zu beschreiten, lasse ich dahingestellt sein: wie, wenn es nur einmal zur Nationalerziehung kommen sollte, die Mehrheit dieser Gelehrten, ich will nicht sagen gegen den in der neuen Schule gebildeten Gelehrten, sondern sogar gegen den aus ihr hervorgehenden gemeinen Mann, mit ihrer erkauften Gelehrsamkeit, bestehen werde, wird die Erfahrung lehren: ich aber will jetzt nicht davon, sondern von der Gelehrtenerziehung in der neuen Weise reden. In den Grundstzen derselben mu auch der knftige Gelehrte durch die allgemeine Nationalerziehung hindurchgegangen sein, und den ersten Teil derselben, die Entwicklung der Erkenntnis an Empfindung, Anschauung und dem, was an die letztere geknpft wird, vollstndig und klar erhalten haben. Nur dem Knaben, der eine vorzgliche Gabe zum Lernen, und eine hervorstechende Hinneigung nach der Welt der Begriffe zeigt, kann die neue Nationalerziehung erlauben, diesen Stand zu ergreifen; jedem aber, der diese Eigenschaften zeigt, wird sie es ohne Ausnahme, und ohne Rcksicht auf einen vorgeblichen Unterschied der Geburt, erlauben mssen; denn der Gelehrte ist es keineswegs zu seiner eignen Bequemlichkeit, und jedes Talent dazu ist ein schtzbares Eigentum der Nation, das ihr nicht entrissen werden darf. Der Ungelehrte ist bestimmt, das Menschengeschlecht auf dem Standpunkte der Ausbildung, die es errungen hat, durch sich selbst zu erhalten, der Gelehrte, nach einem klaren Begriffe und mit besonnener Kunst, dasselbe weiter zu bringen. Der letztere mu mit seinem Begriffe der Gegenwart immer voraus sein, die Zukunft erfassen und dieselbe in die Gegenwart zu knftiger Entwicklung hineinzupflanzen vermgen. Dazu bedarf es einer klaren Uebersicht des bisherigen Weltzustandes, einer freien Fertigkeit im reinen und von der Erscheinung unabhngigen Denken, und, damit er sich mitteilen knne, des Besitzes der Sprache bis in ihre lebendige und schpferische Wurzel hinein. Alles dieses erfordert geistige Selbstttigkeit ohne alle fremde Leitung und einsames Nachdenken, in welchem darum der knftige Gelehrte von der Stunde an, da sein Beruf entschieden ist, gebt werden mu, keineswegs blo, wie beim Ungelehrten, ein Denken unter dem Auge des stets gegenwrtigen Lehrers; es erfordert eine Menge Hilfskenntnisse, die dem Ungelehrten fr seine Bestimmung durchaus unbrauchbar sind. Die Arbeit des Gelehrten und das Tagwerk seines Lebens wird eben jenes einsame Nachdenken sein; zu dieser Arbeit ist er nun sogleich anzufhren, die andre mechanische Arbeit ihm dagegen zu erlassen. Indes also die Erziehung des knftigen Gelehrten zum Menschen berhaupt mit der allgemeinen Nationalerziehung wie bisher fortginge, und er dem dahin einschlagenden Unterrichte mit allen brigen beiwohnte, wrden ihm nur diejenigen Stunden, die fr die andern Arbeitsstunden sind, gleichfalls zu Lehrstunden gemacht werden mssen in demjenigen, was sein einstiger Beruf eigentmlich erfordert; und dieses wre der ganze Unterschied. Die allgemeinen Kenntnisse des Ackerbaues, andrer mechanischen Knste und der Handgriffe dabei, die schon dem bloen Menschen anzumuten sind, wird er ohne Zweifel schon bei seinem Durchgange durch die erste Klasse gelernt haben, oder diese Kenntnisse wren, falls dies nicht der Fall sein sollte, nachzuholen. Da er, weit weniger denn irgendein andrer, von den eingefhrten krperlichen Uebungen losgesprochen werden knne, versteht sich von selbst. Die besondern Lehrgegenstnde aber, die in den gelehrten Unterricht fallen wrden, sowie den dabei zu beobachtenden Lehrgang noch anzugeben, liegt auerhalb des Planes dieser Reden. Elfte Rede. Wem die Ausfhrung dieses Erziehungsplanes anheimfallen werde. Der Plan der neuen deutschen Nationalerziehung ist fr unsern Zweck hinreichend dargelegt. Die nchste Frage, die sich nun aufdringt, ist die: wer soll sich an die Spitze der Ausfhrung dieses Plans stellen, auf wen ist dabei zu rechnen, und auf wen haben wir gerechnet? Wir haben diese Erziehung als die hchste und dermalen sich einzig aufdringende Angelegenheit der deutschen Vaterlandsliebe aufgestellt, und wollen an diesem Bande die Verbesserung und Umschaffung des gesamten Menschengeschlechts zuerst in die Welt einfhren. Jene Vaterlandsliebe aber soll zunchst den deutschen Staat, allenthalben wo Deutsche regiert werden, begeistern, und den Vorsitz haben und die treibende Kraft sein bei allen seinen Beschlssen. Der Staat also wre es, auf welchen wir zuerst unsre erwartenden Blicke zu richten htten. Wird dieser unsre Hoffnungen erfllen? Welches sind die Erwartungen, die wir, immer wie sich versteht, auf keinen besondern Staat, sondern auf ganz Deutschland sehend, nach dem bisherigen von ihm fassen knnen? Im neuern Europa ist die Erziehung ausgegangen nicht eigentlich vom Staate, sondern von derjenigen Gewalt, von der die Staaten meistens auch die ihrige hatten, von dem himmlisch-geistigen Reiche der Kirche. Diese betrachtete sich nicht sowohl als ein Bestandteil des irdischen Gemeinwesens, sondern vielmehr als eine demselben ganz fremde Pflanzstatt aus dem Himmel, die abgesandt sei, diesem auswrtigen Staate allenthalben, wo sie Wurzel fassen konnte, Brger anzuwerben; ihre Erziehung ging auf nichts andres, denn da die Menschen in der andern Welt keineswegs verdammt, sondern selig wrden. Durch die Reformation wurde diese kirchliche Gewalt, die brigens fortfuhr sich ebenso anzusehen wie bisher, mit der weltlichen Macht, mit der sie bisher gar oft sogar im Widerstreite gelegen hatte, nur vereinigt; dies war der ganze Unterschied, der in dieser Rcksicht aus jener Begebenheit erfolgte. Es blieb daher auch die alte Ansicht des Erziehungswesens. Auch in den neuesten Zeiten, und bis auf diesen Tag, ist die Bildung der vermgenden Stnde betrachtet worden als eine Privatangelegenheit der Eltern, die sich nach eignem Gefallen einrichten mchten, und die Kinder dieser wurden in der Regel nur dazu angefhrt, da sie sich selbst einst ntzlich wrden; die einzige ffentliche Erziehung aber, die des Volks, war lediglich Erziehung zur Seligkeit im Himmel; die Hauptsache war ein wenig Christentum und Lesen, und falls es zu erschwingen war, Schreiben, alles um des Christentums willen. Alle andre Entwicklung der Menschen wurde dem ohngefhren und blind wirkenden Einflusse der Gesellschaft, in welcher sie aufwuchsen, und dem wirklichen Leben selbst berlassen. Sogar die Anstalten zur gelehrten Erziehung waren vorzglich auf die Bildung von Geistlichen berechnet; dies war die Hauptfakultt, zu der die brigen nur den Anhang bildeten, und meistens auch nur den Abgang von jener abgetreten erhielten. Solange diejenigen, die an der Spitze des Regiments standen, ber den eigentlichen Zweck desselben im dunkeln blieben, und selbst fr ihre eigne Person ergriffen waren von jener gewissenhaften Sorge fr ihre und andrer Seligkeit, konnte man auf ihren Eifer fr diese Art der ffentlichen Erziehung und auf ihre ernstlichen Bemhungen dafr sicher rechnen. Sobald sie aber ber den ersten ins klare kamen und begriffen, da der Wirkungskreis des Staates innerhalb der sichtbaren Welt liege, so mute ihnen einleuchten, da jene Sorge fr die ewige Seligkeit ihrer Untertanen ihnen nicht zur Last fallen knne, und da, wer da selig werden wolle, selbst sehen mge, wie er es mache. Sie glaubten von nun an genug zu tun, wenn sie nur die aus gottseligern Zeiten herrhrenden Stiftungen und Anstalten ihrer ersten Bestimmung fernerhin berlieen; so wenig angemessen und ausreichend dieselben auch fr die ganz vernderten Zeiten sein mochten, ihnen mit Ersparung an ihren anderweitigen Zwecken selbst zuzulegen, hielten sie sich nicht fr verbunden, ttig einzugreifen, und das zweckmige Neue an die Stelle des Veralteten und Unbrauchbaren zu setzen, nicht fr berechtigt, und auf alle Vorschlge dieser Art war die stets fertige Antwort: hierzu habe der Staat kein Geld. Wurde ja einmal eine Ausnahme von dieser Regel gemacht, so geschah es zum Vorteile der hhern Lehranstalten, die einen Glanz weitumher verbreiten und ihren Befrderern Ruhm bereiten; die Bildung derjenigen Klasse aber, die der eigentliche Boden des Menschengeschlechts ist, aus welcher die hhere Bildung sich immerfort ergnzt, und auf welcher die letztere fortdauernd zurckwirken mu, die des Volks, blieb unbeachtet und befindet sich seit der Reformation bis auf diesen Tag im Zustande des steigenden Verfalles. Sollen wir nun fr die Zukunft und von Stund an fr unsre Angelegenheit vom Staate eine bessere Hoffnung fassen knnen, so wre ntig, da derselbe den Grundbegriff vom Zwecke der Erziehung, den er bisher gehabt zu haben scheint, mit einem ganz andern vertauschte; da er einsehe, er habe mit seiner bisherigen Ablehnung der Sorge fr die ewige Seligkeit seiner Mitbrger vollkommen recht, indem es fr diese Seligkeit gar keiner besondern Bildung bedrfe, und eine solche Pflanzschule fr den Himmel, wie die Kirche, deren Gewalt zuletzt ihm bertragen worden, gar nicht stattfinde, aller tchtigen Bildung nur im Wege stehe und des Dienstes entlassen werden msse; da es dagegen gar sehr bedrfe der Bildung fr das Leben auf der Erde, und da aus der grndlichen Erziehung fr dieses sich die fr den Himmel, als eine leichte Zugabe, von selbst ergebe. Der Staat scheint bisher, je aufgeklrter er zu sein meinte, desto fester geglaubt zu haben, da er, auch ohne alle Religion und Sittlichkeit seiner Brger, durch die bloe Zwangsanstalt, seinen eigentlichen Zweck erreichen knne, und da in Absicht jener diese es halten mchten, wie sie knnten. Mchte er aus den neuen Erfahrungen wenigstens dies gelernt haben, da er das nicht vermag, und da er gerade durch den Mangel der Religion und der Sittlichkeit dahin gekommen ist, wo er sich dermalen befindet. Mchte man ihn, in Absicht seines Zweifels, ob er auch wohl das Vermgen habe, den Aufwand einer Nationalerziehung zu bestreiten, berzeugen knnen, da er durch diese einzige Ausgabe seine meisten brigen auf die wirtschaftlichste Weise besorgen, und da, wenn er diese nur bernimmt, er bald nur diese einzige Hauptausgabe haben werde. Bis jetzt ist der bei weitem grte Teil der Einknfte des Staates auf die Unterhaltung stehender Heere verwendet worden. Den Erfolg dieser Verwendung haben wir gesehen, dies reicht hin; denn tiefer in die besondern Grnde dieses Erfolgs aus der Einrichtung dieser Heere hineinzugehen, liegt auerhalb unsers Plans. Dagegen wrde der Staat, der die von uns vorgeschlagene Nationalerziehung allgemein einfhrte, von dem Augenblicke an, da ein Geschlecht der nachgewachsenen Jugend durch sie hindurch gegangen wre, gar keines besondern Heeres bedrfen, sondern er htte an ihnen ein Heer, wie es noch keine Zeit gesehen. Jeder einzelne ist zu jedem mglichen Gebrauche seiner krperlichen Kraft vollkommen gebt, und begreift sie auf der Stelle, zur Ertragung jeder Anstrengung und Mhseligkeit gewhnt, sein in unmittelbarer Anschauung aufgewachsener Geist ist immer gegenwrtig und bei sich selbst, in seinem Gemte lebt die Liebe des Ganzen, dessen Mitglied er ist, des Staates und des Vaterlandes, und vernichtet jede andre selbstische Regung. Der Staat kann sie rufen und sie unter die Waffen stellen, sobald er will, und kann sicher sein, da kein Feind sie schlgt. Ein andrer Teil der Sorgfalt und der Ausgabe in weise regierten Staaten ging bisher auf die Verbesserung der Staatswirtschaft, im ausgedehntesten Sinne und in allen ihren Zweigen, und es ist hierbei durch die Ungelehrigkeit und Unbehilflichkeit der niedern Stnde manche Sorgfalt und mancher Aufwand vergebens gemacht worden, und die Sache hat allenthalben nur geringen Fortgang gehabt. Durch unsre Erziehung erhlt der Staat arbeitende Stnde, die des Nachdenkens ber ihr Geschft von Jugend auf gewohnt sind, und die schon sich selbst durch sich selbst zu helfen vermgen und Neigung haben; vermag nun noch berdies der Staat ihnen auf eine zweckmige Weise unter die Arme zu greifen, so werden sie ihn auf das halbe Wort verstehen und seine Belehrung sehr dankbar aufnehmen. Alle Zweige der Haushaltung werden ohne viele Mhe in kurzer Zeit einen Flor gewinnen, den auch noch keine Zeit gesehen hat, und dem Staate wird, wenn er ja rechnen will, und wenn er etwa bis dahin nebenbei auch noch den wahren Grundwert der Dinge kennen lernen sollte, seine erste Auslage tausendfltige Zinsen tragen. Bisher hat der Staat fr Gerichts- und Polizeianstalten vieles tun mssen, und doch niemals genug fr sie tun knnen; Zucht- und Verbesserungshuser haben ihm Ausgaben gemacht, die Armenanstalten endlich erforderten, je mehr auf sie gewendet wurde, einen um so grern Aufwand und erschienen in der ganzen bisherigen Lage eigentlich als Anstalten, Arme zu machen. Die erstern werden in einem Staate, der die neue Erziehung allgemein macht, sehr verringert werden, die letztern gnzlich wegfallen. Frhe Zucht sichert vor der sptern sehr milichen Zucht und Verbesserung; Arme aber gibt es unter einem also erzogenen Volke gar nicht. Mchte der Staat und alle, die denselben beraten, es wagen, seine eigentliche dermalige Lage ins Auge zu fassen und sie sich zu gestehen; mchte er lebendig einsehen, da ihm durchaus kein andrer Wirkungskreis briggelassen ist, in welchem er als ein wirklicher Staat, ursprnglich und selbstndig sich bewegen und etwas beschlieen knne, auer diesem, der Erziehung der kommenden Geschlechter; da, wenn er nicht berhaupt nichts tun will, er nur noch dieses tun kann; da man aber auch dieses Verdienst ihm ungeschmlert und unbeneidet berlassen werde. Da wir es nicht mehr vermgen, ttigen Widerstand zu leisten, ist, als in die Augen springend und von jedermann zugestanden, schon frher von uns vorausgesetzt worden. Wie knnen wir nun die Fortdauer unsers dadurch erwirkten Daseins gegen den Vorwurf der Feigheit und einer unwrdigen Liebe zum Leben rechtfertigen? Auf keine andre Weise, als wenn wir uns entschlieen, nicht fr uns selbst zu leben, und dieses durch die Tat dartun; wenn wir uns zum Samenkorne einer wrdigern Nachkommenschaft machen und lediglich um dieserwillen uns so lange erhalten wollen, bis wir sie hingestellt haben. Jenes ersten Lebenszwecks verlustig, was knnten wir denn noch andres tun? Unsre Verfassungen wird man uns machen, unsre Bndnisse und die Anwendung unsrer Streitkrfte wird man uns anzeigen, ein Gesetzbuch wird man uns leihen, selbst Gericht und Urteilsspruch, und die Ausbung derselben wird man uns zuweilen abnehmen; mit diesen Sorgen werden wir auf die nchste Zukunft verschont bleiben. Blo an die Erziehung hat man nicht gedacht; suchen wir ein Geschft, so lat uns dieses ergreifen! Es ist zu erwarten, da man in demselben uns ungestrt lassen werde. Ich hoffe -- vielleicht tusche ich mich selbst darin, aber da ich nur um dieser Hoffnung willen noch leben mag, so kann ich es nicht lassen, zu hoffen; -- ich hoffe, da ich einige Deutsche berzeugen und sie zur Einsicht bringen werde, da es allein die Erziehung sei, die uns retten knne von allen Uebeln, die uns drcken. Ich rechne besonders darauf, da die Not uns zum Aufmerken und zum ernsten Nachdenken geneigter gemacht habe. Das Ausland hat andern Trost und andre Mittel; es ist nicht zu erwarten, da es diesem Gedanken, falls er je an dasselbe kommen sollte, einige Aufmerksamkeit schenken, oder einigen Glauben beimessen werde; ich hoffe vielmehr, da es zu einer reichen Quelle von Belustigung fr die Leser ihrer Journale gedeihen werde, wenn sie je erfahren, da sich jemand von der Erziehung so groe Dinge verspreche. Mge der Staat und diejenigen, die denselben beraten, sich nicht lssiger machen lassen, in Ergreifung dieser Aufgabe durch die Betrachtung, da der gehoffte Erfolg in der Entfernung liege. Wollte man unter den mannigfaltigen und hchst verwickelten Grnden, die unser dermaliges Schicksal zur Folge gehabt haben, das, was allein und eigentmlich den Regierungen zur Last fllt, absondern, so wrde sich finden, da diese, die vor allen andern verbunden sind, die Zukunft ins Auge zu fassen und zu beherrschen, beim Andrange der groen Zeitbegebenheiten auf sie immer nur gesucht, sich aus der unmittelbar gegenwrtigen Verlegenheit zu ziehen, so gut sie es vermocht; in Absicht der Zukunft aber nicht auf ihre Gegenwart, sondern auf irgendeinen Glckszufall, der den stetigen Faden der Ursachen und Wirkungen abschneiden sollte, gerechnet haben. Aber dergleichen Hoffnungen sind betrglich. Eine treibende Kraft, die man einmal in die Zeit hinein hat kommen lassen, treibt fort und vollendet ihren Weg, und nachdem einmal die erste Nachlssigkeit begangen worden, kann die zu spt kommende Besinnung sie nicht aufhalten. Des ersten Falles, blo die Gegenwart zu bedenken, hat frs nchste unser Schicksal uns berhoben; die Gegenwart ist nicht mehr unser. Mgen wir nur nicht den zweiten beibehalten, eine bessere Zukunft von irgend etwas anderm zu hoffen, denn von uns selber. Zwar kann keinen unter uns, der zum Leben noch etwas mehr bedarf denn Nahrung, die Gegenwart ber die Pflicht zu leben trsten; die Hoffnung einer bessern Zukunft allein ist das Element, in dem wir noch atmen knnen. Aber nur der Trumer kann diese Hoffnung auf etwas andres grnden denn auf ein solches, das er selbst fr die Entwicklung einer Zukunft in die Gegenwart zu legen vermag. Vergnnen diejenigen, die ber uns regieren, da wir ebensogut auch von ihnen denken, als wir unter uns voneinander denken, und als der Bessere sich fhlt; stellen sie sich an die Spitze des auch uns ganz klaren Geschfts, damit wir noch vor unsern Augen dasjenige entstehen sehen, was die dem deutschen Namen vor unsern Augen zugefgte Schmach einst vor unserm Andenken abwaschen wird! Uebernimmt der Staat die ihm angetragene Aufgabe, so wird er diese Erziehung allgemein machen, ber die ganze Oberflche seines Gebiets, fr jeden seiner nachgebornen Brger ohne alle Ausnahme; auch ist es allein diese Allgemeinheit, zu der wir des Staates bedrfen, indem zu einzelnen Anfngen und Versuchen hier und da auch wohl das Vermgen von wohlgesinnten Privatpersonen hinreichen wrde. Nun ist allerdings nicht zu erwarten, da die Eltern allgemein willig sein werden, sich von ihren Kindern zu trennen, und sie dieser neuen Erziehung, von der es schwer sein wird ihnen einen Begriff beizubringen, zu berlassen; sondern es ist nach der bisherigen Erfahrung darauf zu rechnen, da jeder, der noch etwa das Vermgen zu haben glaubt, seine Kinder im Hause zu nhren, gegen die ffentliche Erziehung und besonders gegen eine so scharf trennende und so lange dauernde ffentliche Erziehung sich setzen wird. In solchen Fllen ist man nun, bei zu erwartender Widersetzlichkeit, von den Staatsmnnern bisher gewohnt, da sie den Vorschlag mit der Antwort abweisen: der Staat habe nicht das Recht, fr diesen Zweck Zwang anzuwenden. Indem sie nun warten wollen, bis die Menschen im allgemeinen den guten Willen haben, ohne Erziehung aber es niemals zu allgemeinem guten Willen kommen kann, so sind sie dadurch gegen alle Verbesserung geschtzt und knnen hoffen, da es beim alten bleiben wird bis an das Ende der Tage. Inwiefern dies nun etwa solche sind, welche entweder berhaupt die Erziehung fr einen entbehrlichen Luxus halten, in Rcksicht dessen man sich so sprlich einrichten msse als mglich, oder die in unserm Vorschlage nur einen neuen wagenden Versuch mit der Menschheit erblicken, der da gelingen knne, oder auch nicht, ist ihre Gewissenhaftigkeit zu loben; solchen, die von der Bewunderung des bisherigen Zustandes der ffentlichen Bildung, und von dem Entzcken, zu welcher Vollkommenheit dieselbe unter ihrer Leitung emporgewachsen sei, eingenommen sind, lt sich nun vollends gar nicht anmuten, da sie auf etwas, das sie nicht auch schon wissen, eingehen sollten; mit diesen insgesamt ist fr unsern Zweck nichts zu tun, und es wre zu beklagen, wenn die Entscheidung ber diese Angelegenheit ihnen anheimfallen sollte. Mchten sich aber Staatsmnner finden und hierbei zu Rate gezogen werden, welche vor allen Dingen durch ein tiefes und grndliches Studium der Philosophie und der Wissenschaft berhaupt sich selbst Erziehung gegeben haben, denen es ein rechter Ernst ist mit ihrem Geschft, die einen festen Begriff vom Menschen und seiner Bestimmung besitzen, die da fhig sind, die Gegenwart zu verstehen, und zu begreifen, was eigentlich der Menschheit dermalen unausbleiblich nottut; htten diese aus jenen Vorbegriffen etwa selbst eingesehen, da nur Erziehung vor der auerdem unaufhaltsam ber uns hereinbrechenden Barbarei und Verwilderung uns retten knne, schwebte ihnen ein Bild vor von dem neuen Menschengeschlecht, das durch diese Erziehung entstehen wrde, wren sie selbst innig berzeugt von der Unfehlbarkeit und Untrglichkeit der vorgeschlagenen Mittel: so liee von solchen sich auch erwarten, da sie zugleich begriffen, der Staat, als hchster Verweser der menschlichen Angelegenheiten und als der Gott und seinem Gewissen allein verantwortliche Vormund der Unmndigen habe das vollkommene Recht, die letzteren zu ihrem Heile auch zu zwingen. Wo gibt es denn dermalen einen Staat, der da zweifle, ob er auch wohl das Recht habe, seine Untertanen zu Kriegsdiensten zu zwingen und den Eltern fr diesen Behuf die Kinder wegzunehmen, ob nun eins von beiden oder beide wollen oder nicht wollen? Und dennoch ist dieser Zwang, zu Ergreifung einer dauernden Lebensart wider den eignen Willen, weit bedenklicher und hufig von den nachteiligsten Folgen fr den sittlichen Zustand und fr Gesundheit und Leben der Gezwungenen; da hingegen derjenige Zwang, von dem wir reden, nach vollendeter Erziehung die ganze persnliche Freiheit zurckgibt und gar keine andern, denn die heilbringendsten Folgen haben kann. Wohl hat man frher auch die Ergreifung der Kriegsdienste dem freien Willen berlassen; nachdem sich aber gefunden, da dieser fr den beabsichtigten Zweck nicht ausreichend war, hat man kein Bedenken getragen ihm durch Zwang nachzuhelfen; darum, weil die Sache uns wichtig genug war und die Not den Zwang gebot. Mchten nun auch in dieser Rcksicht uns die Augen aufgehen ber unsre Not, und der Gegenstand uns gleichfalls wichtig werden, so wrde jene Bedenklichkeit von selbst wegfallen; da, zumal es nur in dem ersten Geschlechte des Zwanges bedrfen und derselbe in den folgenden, selber durch diese Erziehung hindurch gegangenen, hinwegfllt, auch jener erste Zwang zum Kriegsdienste dadurch aufgehoben wird, indem die also Erzogenen alle gleich willig sind, die Waffen fr das Vaterland zu fhren. Will man ja, um anfangs des Geschreies nicht zu viel zu haben, diesen Zwang zur ffentlichen Nationalerziehung auf dieselbe Weise beschrnken, wie bisher der Zwang zum Kriegsdienste beschrnkt gewesen, und die von dem letztern befreiten Stnde auch von jenem ausnehmen, so ist dies von keinen bedeutenden nachteiligen Folgen. Die verstndigen Eltern unter den ausgenommenen werden freiwillig ihre Kinder dieser Erziehung bergeben; die gegen das Ganze unbedeutende Anzahl der Kinder unverstndiger Eltern aus diesen Stnden mag immer auf die bisherige Weise aufwachsen und in das zu erzeugende bessere Zeitalter hineinreichen, brauchbar lediglich als ein merkwrdiges Andenken der alten Zeit, und um die neue zur lebhaften Erkenntnis ihres hheren Glcks anzufeuern. Soll nun diese Erziehung Nationalerziehung der Deutschen schlechtweg sein, und soll die groe Mehrheit aller, die die deutsche Sprache reden, keineswegs aber etwa nur die Brgerschaft dieses oder jenes besonderen deutschen Staates, dastehen als ein neues Menschengeschlecht, so mssen alle deutsche Staaten, jeder fr sich und unabhngig von allen andern, diese Aufgabe ergreifen. Die Sprache, in der diese Angelegenheit zuerst in Anregung gebracht worden, in der die Hilfsmittel verfat sind und ferner werden verfat werden, in der die Lehrer gebt werden, der durch alles dieses hindurchgehende eine Gang der Sinnbildlichkeit, ist allen Deutschen gemeinsam. Ich kann mir kaum denken, wie und mit welchen Umwandlungen diese Bildungsmittel insgesamt, besonders in derjenigen Ausdehnung, die wir dem Plane gegeben haben, in irgendeine Sprache des Auslandes bertragen werden knnten, also, da es nicht als fremdes und bersetztes Ding, sondern als einheimisch und aus dem eignen Leben ihrer Sprache hervorgehend, erschiene. Fr alle Deutsche ist diese Schwierigkeit auf die gleiche Weise gehoben; fr sie ist die Sache fertig, und sie drfen nur dieselbe ergreifen. Wohl uns hierbei, da es noch verschiedene und voneinander abgetrennte deutsche Staaten gibt! Was so oft zu unserm Nachteile gereicht hat, kann bei dieser wichtigen Nationalangelegenheit vielleicht zu unserm Vorteile dienen. Vielleicht kann Nacheiferung der mehreren und die Begierde, einander zuvorzukommen, bewirken, was die ruhige Selbstgengsamkeit des einzelnen nicht hervorgebracht htte; denn es ist klar, da derjenige unter allen deutschen Staaten, der in dieser Sache den Anfang machen wird, an Achtung, an Liebe, an Dankbarkeit des Ganzen fr ihn, den Vorrang gewinnen wird, da er dastehen wird als der hchste Wohltter und der eigentliche Stifter der Nation. Er wird den brigen Mut machen, ihnen ein belehrendes Beispiel geben und ihr Muster werden; er wird Bedenklichkeiten, in denen die andern hngen blieben, beseitigen; aus seinem Schoe werden die Lehrbcher und die ersten Lehrer ausgehen und den andern geliehen werden; und wer nach ihm der zweite sein wird, wird den zweiten Ruhm erwerben. Zum erfreulichen Zeugnisse, da unter den Deutschen ein Sinn fr das Hhere noch nie ganz ausgestorben, haben bisher mehrere deutsche Stmme und Staaten miteinander um den Ruhm grerer Bildung gestritten; diese haben ausgedehntere Prefreiheit, freiere Hinwegsetzung ber die hergebrachte Meinung, andre besser eingerichtete Schulen und Universitten, andre ehemaligen Ruhm und Verdienste, andre etwas andres fr sich angefhrt, und der Streit hat nicht entschieden werden knnen. Bei der gegenwrtigen Veranlassung wird er es werden. Diejenige Bildung allein, die da strebt, und die es wagt, sich allgemein zu machen und alle Menschen ohne Unterschied zu erfassen, ist ein wirkliches Bestandteil des Lebens, und ist ihrer selbst sicher. Jede andre ist eine fremde Zutat, die man blo zum Prunk anlegt, und die man nicht einmal mit recht gutem Gewissen an sich trgt. Es wird sich bei dieser Gelegenheit verraten mssen, wo etwa die Bildung, deren man sich rhmt, nur bei wenigen Personen des Mittelstandes stattfindet, die dieselbe in Schriften darlegen, dergleichen Mnner alle deutschen Staaten aufzuweisen haben; und wo hingegen dieselbe auch zu den hhern Stnden, welche den Staat beraten, hinaufgestiegen sei. Es wird sich sodann auch zeigen, wie man den hier und da gezeigten Eifer fr die Errichtung und den Flor hherer Lehranstalten zu beurteilen habe, und ob demselben reine Liebe zur Menschenbildung, die ja wohl jedweden Zweig und besonders die allererste Grundlage derselben, mit dem gleichen Eifer ergreifen wrde, oder ob ihm blo Sucht zu glnzen, und vielleicht drftige Finanzspekulationen, zugrunde gelegen haben. Welcher deutsche Staat in Ausfhrung dieses Vorschlags der erste sein wird, der wird den grten Ruhm davon haben, sagte ich. Aber ferner, es wird dieser deutsche Staat nicht lange allein stehen, sondern ohne allen Zweifel bald Nachfolger und Nacheiferer finden. Da nur der Anfang gemacht werde, ist die Hauptsache. Wre es auch nichts andres, so wird Ehrgefhl, Eifersucht, die Begierde auch zu haben, was ein andrer hat, und, womglich, es noch besser zu haben, einen nach dem andern treiben, dem Beispiele zu folgen. Auch werden sodann die oben von uns beigebrachten Betrachtungen ber den eignen Vorteil des Staates, die vielleicht dermalen manchem zweifelhaft vorkommen drften, in der lebendigen Anschauung bewhrt, einleuchtender werden. Wre zu erwarten, da sogleich jetzt und von Stund an alle deutsche Staaten ernstliche Anstalten machten, jenen Plan auszufhren, so knnte schon nach fnfundzwanzig Jahren das bessere Geschlecht, dessen wir bedrfen, dastehen, und wer hoffen drfte, noch so lange zu leben, knnte hoffen, es mit seinen Augen zu sehen. Sollte aber, wie wir denn freilich auch auf diesen Fall rechnen mssen, unter allen dermalen bestehenden deutschen Staaten kein einziger sein, der unter seinen hchsten Beratern einen Mann htte, der da fhig wre, alles das oben Vorausgesetzte einzusehen und davon ergriffen zu werden, und in welchem die Mehrheit der Berater diesem einen sich wenigstens nicht widersetzte: so wrde freilich diese Angelegenheit wohlgesinnten Privatpersonen anheimfallen, und es wre nun von diesen zu wnschen, da sie einen Anfang mit der vorgeschlagenen neuen Erziehung machten. Zuvrderst haben wir hierbei im Auge groe Gutsbesitzer, die auf ihren Landgtern dergleichen Erziehungsanstalten fr die Kinder ihrer Untertanen errichten knnten. Es gereicht Deutschland zum Ruhme und zur sehr ehrenvollen Auszeichnung vor den brigen Nationen des neuern Europa, da es unter dem genannten Stande immerfort hier und da mehrere gegeben hat, die sich's zum ernstlichen Geschfte machten, fr den Unterricht und die Bildung der Kinder auf ihren Besitzungen zu sorgen, und die gern das Beste, was sie wuten, dafr tun wollten. Es ist von diesen zu hoffen, da sie auch jetzt geneigt sein werden, ber das Vollkommene, das ihnen angetragen wird, sich zu belehren und das Grere und Durchgreifende ebenso gern zu tun, als sie bisher das Kleinere und Unvollstndige taten. Wohl mag hier und da die Einsicht dazu beigetragen haben, da es vorteilhafter fr sie selbst sei, gebildete Untertanen zu haben, denn ungebildete. Wo etwa der Staat durch Aufhebung des Verhltnisses der Untertnigkeit diesen letzten Antrieb weggenommen hat -- mge er da desto ernstlicher seine unerlliche Pflicht bedenken, nicht zugleich das einzige Gute, das bei Wohldenkenden an dieses Verhltnis geknpft wurde, mit aufzuheben, und mge er in diesem Falle ja nicht versumen zu tun, was ohnedies seine Schuldigkeit ist, nachdem er diejenigen, die es freiwillig statt seiner taten, dessen erledigt hat. Wir richten ferner, in Absicht der Stdte, hierbei unsre Augen auf freiwillige Verbindungen gut gesinnter Brger fr diesen Zweck. Der Hang zur Wohlttigkeit ist noch immer, so weit ich habe blicken knnen, unter keinem Drucke der Not in deutschen Gemtern erloschen. Durch eine Anzahl von Mngeln in unsern Einrichtungen, die sich insgesamt unter der Einheit der vernachlssigten Erziehung wrden zusammenfassen lassen, hilft diese Wohlttigkeit der Not dennoch selten ab, sondern scheint oft sie noch zu vermehren. Mchte man jenen trefflichen Hang endlich vorzglich auf diejenige Wohltat richten, die aller Not und aller fernern Wohlttigkeit ein Ende macht, auf die Wohltat der Erziehung. -- Noch aber bedrfen wir, und rechnen wir auf eine Wohltat und Aufopferung andrer Art, die nicht im Geben, sondern im Tun und Leisten besteht. Mchten angehende Gelehrte, denen es ihre Lage verstattet, den Zeitraum, der ihnen zwischen der Universitt und ihrer Anstellung in einem ffentlichen Amte brigbleibt, dem Geschfte, ber diese Lehrweise an diesen Anstalten sich zu belehren und an denselben selbst zu lehren, widmen! Abgerechnet, da sie sich hierdurch hchst verdient um das Ganze machen werden, kann man ihnen noch berdies versichern, da sie selbst den allerhchsten Gewinn davontragen werden. Ihre gesamten Kenntnisse, die sie aus dem gewhnlichen Universittsunterricht oft so erstorben mit hinwegtragen, werden im Elemente der allgemeinen Anschauung, in welches sie hier hineinkommen, Klarheit und Lebendigkeit erhalten, sie werden lernen, dieselben mit Fertigkeit wiederzugeben und zu gebrauchen, sie werden sich, da im Kinde die ganze Flle der Menschheit unschuldig und offen daliegt, einen Schatz von der wahren Menschenkenntnis, die allein diesen Namen verdient, erwerben, sie werden zu der groen Kunst des Lebens und Wirkens angeleitet werden, zu welcher in der Regel die hohe Schule keine Anweisung gibt. Lt der Staat die ihm angetragene Aufgabe liegen, so ist es fr die Privatpersonen, welche dieselbe aufnehmen, ein desto grerer Ruhm. Fern sei es von uns, der Zukunft durch Mutmaungen vorzugreifen, oder den Ton des Zweifels und des Mangels an Vertrauen selber anzuheben; worauf unsre Wnsche zunchst gehen, haben wir deutlich ausgesprochen; nur dies sei uns erlaubt anzumerken: da, wenn es wirklich also kommen sollte, da der Staat und die Frsten die Sache Privatpersonen berlieen, dies dem bisherigen schon oben angemerkten und mit Beispielen belegten Gange der deutschen Entwicklung und Bildung gem sein, und dieser bis ans Ende sich gleich bleiben wrde. Auch in diesem Falle wrde der Staat zu seiner Zeit nachfolgen frs erste wie ein einzelner, der den auf seinen Teil fallenden Beitrag eben auch leisten will, bis er sich etwa spter besinnt, da er kein Teil, sondern das Ganze sei, und da das Ganze zu besorgen er so Pflicht als Recht habe. Von Stund an fallen alle selbstndige Bemhungen der Privatpersonen weg und unterordnen sich dem allgemeinen Plane des Staates. Sollte die Angelegenheit diesen Gang nehmen, so wird es mit der beabsichtigten Verbesserung unsers Geschlechts freilich nur langsam, und ohne eine sichere und feste Uebersicht und mgliche Berechnung des Ganzen, vorwrts schreiten. Aber lasse man sich ja dadurch nicht abhalten, einen Anfang zu machen! Es liegt in der Natur der Sache selbst, da sie niemals untergehen knne, sondern, nur einmal ins Werk gesetzt, durch sich selbst fortlebe, und immer weiter um sich greifend sich verbreite. Jeder, der durch diese Bildung hindurchgegangen ist, wird ein Zeuge fr sie und ein eifriger Verbreiter; jeder wird den Lohn der erhaltenen Lehre dadurch abtragen, da er selbst wieder Lehrer wird, und so viele Schler, die einst auch wieder Lehrer werden, macht, als er kann; und dies geht notwendig so lange fort, bis das Ganze ohne alle Ausnahme ergriffen sei. Im Falle der Staat sich mit der Sache nicht befassen sollte, so haben Privatunternehmungen zu befrchten, da alle nur irgend vermgende Eltern ihre Kinder dieser Erziehung nicht berlassen werden. Wende man sich sodann in Gottes Namen und mit voller Zuversicht an die armen Verwaisten, an die im Elende auf den Straen Herumliegenden, an alles, was die erwachsene Menschheit ausgestoen und weggeworfen hat! So wie bisher, besonders in denjenigen deutschen Staaten, in denen die Frmmigkeit der Vorfahren die ffentlichen Erziehungsanstalten sehr vermehrt und reichlich ausgestattet hatte, eine Menge von Eltern den Ihrigen den Unterricht angedeihen lieen, weil sie dabei zugleich, wie bei keinem andern Gewerbe, den Unterhalt fanden: so lat es uns notgedrungen umkehren und Brot geben denen, denen kein andrer es gibt, damit sie mit dem Brote zugleich auch Geistesbildung annehmen. Befrchten wir nicht, da die Armseligkeit und die Verwilderung ihres vorigen Zustandes unsrer Absicht hinderlich sein werde! Reien wir sie nur pltzlich und gnzlich heraus aus demselben und bringen sie in eine durchaus neue Welt; lassen wir nichts an ihnen, das sie an das Alte erinnern knnte, so werden sie ihrer selbst vergessen und dastehen als neue soeben erst erschaffene Wesen. Da in diese frische und reine Tafel nur das Gute eingegraben werde, dafr mu unser Unterrichtsgang brgen und unsre Hausordnung. Es wird ein fr alle Nachwelt warnendes Zeugnis sein ber unsre Zeit, wenn gerade diejenigen, die sie ausgestoen hat, durch diese Ausstoung allein das Vorrecht erhalten, ein besseres Geschlecht anzuheben; wenn diese den Kindern derer, die mit ihnen nicht zusammen sein mochten, die beseligende Bildung bringen, und wenn sie die Stammvter werden unsrer knftigen Helden, Weisen, Gesetzgeber, Heilande der Menschheit. Fr die erste Errichtung bedarf es zuvrderst tauglicher Lehrer und Erzieher. Dergleichen hat die Pestalozzische Schule gebildet und ist stets erbtig, mehrere zu bilden. Ein Hauptaugenmerk wird anfangs sein, da jede Anstalt der Art sich zugleich betrachte als eine Pflanzschule fr Lehrer, und da auer den schon fertigen Lehrern um diese herum sich eine Menge junger Mnner versammle, die das Lehren lernen und ausben zu gleicher Zeit, und in der Ausbung es immer besser lernen. Dies wird auch, falls diese Anstalten anfangs mit der Drftigkeit zu ringen haben sollten, die Erhaltung der Lehrer sehr erleichtern. Die meisten sind doch in der Absicht gegenwrtig, um selbst zu lernen; dafr mgen sie denn auch ohne anderweitige Entschdigung das Gelernte eine Zeitlang zum Vorteil der Anstalt, wo sie es lernten, anwenden. Ferner bedarf eine solche Anstalt Dach und Fach, die erste Ausstattung und ein hinlngliches Stck Land. Da im weitern Fortgange dieser Einrichtungen, wenn die verhltnismige Menge von schon herangewachsener Jugend in den Jahren, wo sie nach der bisherigen Einrichtung als Dienstboten nicht blo ihren Unterhalt, sondern zugleich auch ein Jahrlohn erwerben, sich in diesen Anstalten befinden wird, diese die schwchere Jugend bertragen, und bei der ohnedies notwendigen Arbeitsamkeit und weisen Wirtschaft, diese Anstalten sich grtenteils selbst werden erhalten knnen, scheint einzuleuchten. Frs erste, solange die erstgenannte Art der Zglinge noch nicht vorhanden ist, drften dieselben grerer Zuschsse bedrfen. Es ist zu hoffen, da man sich zu Beitrgen, deren Ende man absieht, williger finden werde. Sparsamkeit, die dem Zwecke Eintrag tut, bleibe fern von uns; und ehe wir diese uns erlauben, ist es weit besser, da wir gar nichts tun. Und so halte ich denn dafr, da, blo guten Willen vorausgesetzt, bei der Ausfhrung dieses Plans keine Schwierigkeit ist, die nicht durch die Vereinigung mehrerer und durch die Richtung aller ihrer Krfte auf diesen einigen Zweck leichtlich sollte berwunden werden knnen. Zwlfte Rede. Ueber die Mittel, uns bis zur Erreichung unsers Hauptzwecks aufrecht zu erhalten. Diejenige Erziehung, die wir den Deutschen zu ihrer knftigen Nationalerziehung vorschlagen, ist nun sattsam beschrieben. Wird das Geschlecht, das durch dieselbe gebildet ist, nur einmal dastehen, dieses lediglich durch seinen Geschmack am Rechten und Guten, und schlechthin durch nichts andres getriebene, dieses mit einem Verstande, der fr seinen Standpunkt ausreichend das Rechte allemal sicher erkennt, versehene, dieses mit jeder geistigen und krperlichen Kraft, das Gewollte allemal durchzusetzen, ausgerstete Geschlecht: so wird alles, was wir mit unsern khnsten Wnschen begehren knnen, aus dem Dasein desselben von selbst sich ergeben, und aus ihm natrlich hervorwachsen. Diese Zeit bedarf unsrer Vorschriften so wenig, da wir vielmehr von derselben zu lernen haben wrden. Da inzwischen dieses Geschlecht noch nicht gegenwrtig ist, sondern erst heraufgezogen werden soll, und, wenn auch alles ber unser Erwarten trefflich gehen sollte, wir dennoch eines betrchtlichen Zwischenraums bedrfen werden, um in jene Zeit hinber zu kommen, so entsteht die nherliegende Frage: Wie sollen wir uns auch nur durch diesen Zwischenraum hindurch bringen? Wie sollen wir, da wir nichts Besseres knnen, uns erhalten, wenigstens als den Boden, auf dem die Verbesserung vorgehen, und als den Ausgangspunkt, an welchen dieselbe sich anknpfen knne? Wie sollten wir verhindern, da, wenn einst das also gebildete Geschlecht aus seiner Absonderung hervor unter uns trte, es nicht an uns eine Wirklichkeit vor sich finde, die nicht die mindeste Verwandtschaft habe zu der Ordnung der Dinge, welche es als das Rechte begriffen, und in welcher niemand dasselbe verstehe, oder den mindesten Wunsch und Bedrfnis einer solchen Ordnung der Dinge hege, sondern das Vorhandene als das ganz Natrliche und das einzig Mgliche ansehe? Wrden nicht diese eine andre Welt im Busen Tragenden gar bald irrewerden, und wrde so nicht die neue Bildung ebenso unntz fr die Verbesserung des wirklichen Lebens verhallen, wie die bisherige Bildung verhallt ist? Geht die Mehrheit in ihrer bisherigen Unachtsamkeit, Gedankenlosigkeit und Zerstreutheit so ferner hin, so ist gerade dieses, als das notwendig sich Ergebende, zu erwarten. Wer sich ohne Aufmerksamkeit auf sich selbst gehen lt, und von den Umstnden sich gestalten, wie sie wollen, der gewhnt sich bald an jede mgliche Ordnung der Dinge. So sehr auch sein Auge durch etwas beleidigt werden mochte, als er es das erstemal erblickte, lat es nur tglich auf dieselbe Weise wiederkehren, so gewhnt er sich daran und findet es spterhin natrlich und als ebenso sein mssend, gewinnt es zuletzt gar lieb, und es wrde ihm mit der Herstellung des erstern bessern Zustandes wenig gedient sein, weil dieser ihn aus seiner nun einmal gewohnten Weise zu sein herausrisse. Auf diese Weise gewhnt man sich sogar an Sklaverei, wenn nur unsre sinnliche Fortdauer dabei ungekrnkt bleibt, und gewinnt sie mit der Zeit lieb; und dies ist eben das Gefhrlichste an der Unterworfenheit, da sie fr alle wahre Ehre abstumpft und sodann ihre sehr erfreuliche Seite hat fr den Trgen, indem sie ihn mancher Sorge und manches Selbstdenkens berhebt. Lat uns auf der Hut sein gegen diese Ueberraschung der Sigkeit des Dienens, denn diese raubt sogar unsern Nachkommen die Hoffnung knftiger Befreiung. Wird unser ueres Wirken in hemmende Fesseln geschlagen, lat uns desto khner unsern Geist erheben zum Gedanken der Freiheit, zum Leben in diesem Gedanken, zum Wnschen und Begehren nur dieses einigen. Lat die Freiheit auf einige Zeit verschwinden aus der sichtbaren Welt; geben wir ihr eine Zuflucht im innersten unsrer Gedanken, so lange, bis um uns herum die neue Welt emporwachse, die da Kraft habe, diese Gedanken auch uerlich darzustellen. Machen wir uns mit demjenigen, was ohne Zweifel unserm Ermessen frei bleiben mu, mit unserm Gemte zum Vorbilde, zur Weissagung, zum Brgen desjenigen, was nach uns Wirklichkeit werden wird. Lassen wir nur nicht mit unserm Krper zugleich auch unsern Geist niedergebeugt und unterworfen und in die Gefangenschaft gebracht werden! Fragt man mich, wie dies zu erreichen sei, so ist darauf die einzige, alles in sich fassende Antwort diese: wir mssen eben zur Stelle werden, was wir ohnedies sein sollten, Deutsche. Wir sollen unsern Geist nicht unterwerfen: so mssen wir eben vor allen Dingen einen Geist uns anschaffen, und einen festen und gewissen Geist; wir mssen ernst werden in allen Dingen, und nicht fortfahren blo leichtsinnigerweise und nur zum Scherze dazusein; wir mssen uns haltbare und unerschtterliche Grundstze bilden, die allem unserm brigen Denken und unserm Handeln zur festen Richtschnur dienen, Leben und Denken mu bei uns aus einem Stcke sein, und ein sich durchdringendes und gediegenes Ganzes; wir mssen in beiden der Natur und der Wahrheit gem werden, und die fremden Kunststcke von uns werfen; wir mssen, um es mit einem Worte zu sagen, uns Charakter anschaffen; denn Charakter haben und deutsch sein, ist ohne Zweifel gleichbedeutend, und die Sache hat in unsrer Sprache keinen besondern Namen, weil sie eben ohne alles unser Wissen und Besinnung aus unserm Sein unmittelbar hervorgehen soll. Wir mssen zuvrderst ber die groen Ereignisse unsrer Tage, ihre Beziehung auf uns, und das, was wir von ihnen zu erwarten haben, mit eigner Bewegung unsrer Gedanken nachdenken, und uns eine klare und feste Ansicht von allen diesen Gegenstnden, und ein entschiedenes und unwandelbares Ja oder Nein ber die hierher fallenden Fragen verschaffen; jeder, der den mindesten Anspruch auf Bildung macht, soll das. Das tierische Leben des Menschen luft in allen Zeitaltern ab nach denselben Gesetzen, und hierin ist alle Zeit sich gleich. Verschiedene Zeiten sind da nur fr den Verstand, und nur derjenige, der sie mit dem Begriffe durchdringt, lebt sie mit, und ist da zu dieser seiner Zeit; ein andres Leben ist nur ein Tier- und Pflanzenleben. Alles, was da geschieht, unvernommen an sich vorbergehen zu lassen, gegen dessen Andrang wohl gar geflissentlich Auge und Ohr zu verstopfen, sich dieser Gedankenlosigkeit wohl gar noch als groer Weisheit zu rhmen, mag anstndig sein einem Felsen, an den die Meereswellen schlagen, ohne da er es fhlt, oder einem Baumstamme, den Strme hin und her reien, ohne da er es bemerkt, keineswegs aber einem denkenden Wesen. -- Selbst das Schweben in hhern Kreisen des Denkens spricht nicht los von dieser allgemeinen Verbindlichkeit, seine Zeit zu verstehen. Alles Hhere mu eingreifen wollen auf seine Weise in die unmittelbare Gegenwart, und wer wahrhaftig in jenem lebt, lebt zugleich auch in der letztern; lebte er nicht auch in dieser, so wre dies der Beweis, da er auch in jenem nicht lebte, sondern in ihm nur trumte. Jene Achtlosigkeit auf das, was unter unsern Augen vorgeht, und die knstliche Ableitung der allenfalls entstandenen Aufmerksamkeit auf andre Gegenstnde, wre das Erwnschteste, was einem Feinde unsrer Selbstndigkeit begegnen knnte. Ist er sicher, da wir uns bei keinem Dinge etwas denken, so kann er eben, wie mit leblosen Werkzeugen, alles mit uns vornehmen, was er will; die Gedankenlosigkeit eben ist es, die sich an alles gewhnt: wo aber der klare und umfassende Gedanke, und in diesem das Bild dessen, was da sein sollte, immerfort wachsam bleibt, da kommt es zu keiner Gewhnung. Diese Reden haben zunchst Sie eingeladen, und sie werden einladen die ganze deutsche Nation, inwieweit es dermalen mglich ist, dieselbe durch den Bcherdruck um sich zu versammeln, bei sich selbst eine feste Entscheidung zu fassen, und innerlich mit sich einig zu werden ber folgende Fragen: 1. ob es wahr sei, oder nicht wahr, da es eine deutsche Nation gebe, und da deren Fortdauer in ihrem eigentmlichen und selbstndigen Wesen dermalen in Gefahr sei? 2. Ob es der Mhe wert sei, oder nicht wert sei, dieselbe zu erhalten? 3. Ob es irgendein sicheres und durchgreifendes Mittel dieser Erhaltung gebe, und welches dieses Mittel sei? Vorher war die hergebrachte Sitte unter uns diese, da, wenn irgendein ernsthaftes Wort, mndlich oder im Drucke, sich vernehmen lie, das tgliche Geschwtz sich desselben bemchtigte, und es in einen spahaften Unterhaltungsstoff seiner drckenden Langeweile verwandelte. Zunchst um mich herum habe ich dermalen, nicht so wie ehemals, bemerkt, da man von meinen gegenwrtigen Vortrgen denselben Gebrauch gemacht htte; von dem zeitigen Tone aber der geselligen Zusammenknfte auf dem Boden des Bcherdrucks, ich meine die Literaturzeitungen und andres Journalwesen, habe ich keine Kunde genommen, und wei nicht, ob von diesem sich Scherz oder Ernst erwarten lassen. Wie dies sich verhalten mge, meine Absicht wenigstens ist es nicht gewesen, zu scherzen, und den bekannten Witz, den unser Zeitalter besitzt, wieder in den Gang zu bringen. Tiefer unter uns eingewurzelt, fast zur andern Natur geworden, und das Gegenteil, beinahe unerhrt, war unter den Deutschen die Sitte, da man alles, was auf die Bahn gebracht wurde, betrachtete als eine Aufforderung an jeden, der einen Mund htte, nur geschwind und auf der Stelle sein Wort auch dazu zu geben und uns zu berichten, ob er auch derselben Meinung sei, oder nicht; nach welcher Abstimmung denn die ganze Sache vorbei sei, und das ffentliche Gesprch zu einem neuen Gegenstande eilen msse. Auf diese Weise hatte sich aller literarischer Verkehr unter den Deutschen verwandelt, so wie die Echo der alten Fabel, in einen bloen reinen Laut, ohne allen Leib und krperlichen Gehalt. Wie in den bekannten schlechten Gesellschaften des persnlichen Verkehrs, so kam es auch in dieser nur darauf an, da die Menschenstimme forthalle, und da jeder ohne Stocken sie aufnehme, und sie dem Nachbar zuwerfe, keineswegs aber darauf, was da ertnte. Was ist Charakterlosigkeit und Undeutschheit, wenn es das nicht ist? Auch dies ist nicht meine Absicht gewesen, dieser Sitte zu huldigen, und nur das ffentliche Gesprch rege zu erhalten. Ich habe, eben auch, indem ich etwas andres wollte, meinen persnlichen Anteil zu dieser ffentlichen Unterhaltung schon vorlngst hinlnglich abgetragen, und man knnte mich endlich davon lossprechen. Ich will nicht gerade auf der Stelle wissen, wie dieser oder jener ber die in Anregung gebrachten Fragen denke, d. h. wie er bisher darber gedacht, oder auch nicht gedacht habe. Er soll es bei sich selbst berlegen und durchdenken, so lange bis sein Urteil fertig ist und vollkommen klar, und soll sich die ntige Zeit dazu nehmen; und gehen ihm etwa die gehrigen Vorkenntnisse und der ganze Grad der Bildung, der zu einem Urteile in diesen Angelegenheiten erfordert wird, noch ab, so soll er sich auch dazu die Zeit nehmen, sich dieselben zu erwerben. Hat nun einer auf diese Weise sein Urteil fertig und klar, so wird nicht gerade verlangt, da er es auch ffentlich abgebe; sollte dasselbe mit dem hier Gesagten bereinstimmen, so ist dieses eben schon gesagt, und es bedarf nicht eines zweiten Sagens, nur wer etwas andres und besseres sagen kann, ist aufgefordert zu reden; dagegen aber soll es jeder in jedem Falle nach seiner Weise und Lage wirklich leben und treiben. Am allerwenigsten endlich ist es meine Absicht gewesen, an diesen Reden unsern deutschen Meistern in Lehre und Schrift eine Schreibebung vorzulegen, damit sie dieselbe verbessern, und ich bei dieser Gelegenheit erfahre, was sich etwa von mir hoffen lt. Auch in dieser Rcksicht ist guter Lehre und Rates schon sattsam an mich gewendet worden, und es mte sich schon jetzt gezeigt haben, wenn Besserung zu erwarten wre. Nein, das war zunchst meine Absicht, aus dem Schwarme von Fragen und Untersuchungen und aus dem Heere widersprechender Meinungen ber dieselben, in welchem die Gebildeten unter uns bisher herumgeworfen worden sind, so viele derselben ich knnte auf einen Punkt zu fhren, bei welchem sie sich selbst standhielten, und zwar auf denjenigen, der uns am allernchsten liegt, den unsrer eignen gemeinschaftlichen Angelegenheiten; in diesem einigen Punkte sie zu einer festen Meinung, bei der es nun unverrckt bleibe, und zu einer Klarheit, in der sie wirklich sich zurecht finden, zu bringen; so viel andres auch zwischen ihnen streitig sein mge, wenigstens ber dieses eine sie zur Einmtigkeit des Sinnes zu verbinden; auf diese Weise endlich einen festen Grundzug des Deutschen hervorzubringen, den, da er es gewrdigt habe, sich ber die Angelegenheit der Deutschen eine Meinung zu bilden; dagegen derjenige, der ber diesen Gegenstand nichts hren und nichts denken mchte, von nun an mit Recht angesehen werden knnte als nicht zu uns gehrend. Die Erzeugung einer solchen festen Meinung, und die Vereinigung und das gegenseitige Sichverstehen mehrerer ber diesen Gegenstand, wird, so wie es unmittelbar die Rettung ist unsers Charakters aus der unsrer unwrdigen Zerflossenheit, zugleich auch ein krftiges Mittel werden, unsern Hauptzweck, die Einfhrung der neuen Nationalerziehung zu erreichen. Besonders darum, weil wir selber, sowohl jeder mit sich, als alle untereinander, niemals einig waren, heute dieses und morgen etwas andres wollten, und jeder anders hineinschrie in das dumpfe Gerusch, sind auch unsre Regierungen, die allerdings, und oft mehr als ratsam war, auf uns hrten, irregemacht worden, und haben hin und her geschwankt, ebenso wie unsre Meinung. Soll endlich einmal ein fester und gewisser Gang in die gemeinsamen Angelegenheiten kommen: was verhindert, da wir zunchst bei uns selbst anfangen, und das Beispiel der Entschiedenheit und Festigkeit geben? Lasse sich nur einmal eine bereinstimmende und sich gleichbleibende Meinung hren, lasse ein entschiedenes und als allgemein sich ankndigendes Bedrfnis sich vernehmen, das der Nationalerziehung, wie wir voraussetzen; ich halte dafr, unsre Regierungen werden uns hren, sie werden uns helfen, wenn wir die Neigung zeigen, uns helfen zu lassen. Wenigstens wrden wir im entgegengesetzten Falle sodann erst das Recht haben, uns ber sie zu beklagen; dermalen, da unsre Regierungen ungefhr also sind, wie wir sie wollen, steht uns das Klagen bel an. Ob es ein sicheres und durchgreifendes Mittel gebe zur Erhaltung der deutschen Nation, und welches dieses Mittel sei, ist die bedeutendste unter den Fragen, die ich dieser Nation zur Entscheidung vorgelegt habe. Ich habe diese Frage beantwortet, und die Grnde meiner Art der Beantwortung dargelegt, keineswegs um das Endurteil vorzuschreiben, was zu nichts helfen knnte, indem jeder, der in dieser Sache Hand anlegen soll, in seinem eignen Innern durch eigne Ttigkeit sich berzeugt haben mu, sondern nur, um zum eignen Nachdenken und Urteilen anzuregen. Ich mu von nun an jeden sich selbst berlassen. Nur warnen kann ich noch, da man durch seichte und oberflchliche Gedanken, die auch ber diesen Gegenstand sich im Umlaufe befinden, sich nicht tuschen, vom tiefern Nachdenken sich nicht abhalten und durch nichtige Vertrstungen sich nicht abfinden lasse. Wir haben zum Beispiel schon lange vor den letzten Ereignissen, gleichsam auf den Vorrat, hren mssen, und es ist uns seitdem hufig wiederholt worden, da, wenn auch unsre politische Selbstndigkeit verloren sei, wir dennoch unsre Sprache behielten, und unsre Literatur, und in diesen immer eine Nation blieben, und damit ber alles andre uns leichtlich trsten knnten. Worauf grndet sich denn zuvrderst die Hoffnung, da wir auch ohne politische Selbstndigkeit dennoch unsre Sprache behalten werden? Jene, die also sagen, schreiben doch wohl nicht ihrem Zureden und ihren Ermahnungen auf Kind und Kindeskind hinaus und auf alle knftigen Jahrhunderte, diese wunderwirkende Kraft zu? Was von den jetztlebenden und gemachten Mnnern sich gewhnt hat, in deutscher Sprache zu reden, zu schreiben, zu lesen, wird ohne Zweifel also fortfahren; aber was wird das nchstknftige Geschlecht tun, und was erst das dritte? Welches Gegengewicht gedenken wir denn in diese Geschlechter hineinzulegen, das ihrer Begierde, demjenigen, bei welchem aller Glanz ist, und das alle Begnstigungen austeilt, auch durch Sprache und Schrift zu gefallen, die Wage halte? Haben wir denn niemals von einer Sprache gehrt, welche die erste der Welt ist, unerachtet bekannt wird, da die ersten Werke in derselben noch zu schreiben sind, und sehen wir nicht schon jetzt unter unsern Augen, da Schriften, durch deren Inhalt man zu gefallen hofft, in ihr erscheinen? Man beruft sich auf das Beispiel zweier andern Sprachen, eine der alten, eine der neuen Welt, welche, unerachtet des politischen Unterganges der Vlker, die sie redeten, dennoch als lebendige Sprachen fortgedauert. Ich will in die Weise dieser Fortdauer nicht einmal hineingehen; so viel aber ist auf den ersten Blick klar, da beide Sprachen etwas in sich hatten, das die unsrige nicht hat, wodurch sie vor den Ueberwindern Gnade fanden, welche die unsrige niemals finden kann. Htten diese Vertrster besser um sich geschaut, so wrden sie ein andres, unsres Erachtens hier durchaus passendes Beispiel gefunden haben, das der wendischen Sprache. Auch diese dauert seit der Reihe von Jahrhunderten, da das Volk derselben seine Freiheit verloren hat, noch immer fort, in den rmlichen Htten des an die Scholle gebundenen Leibeigenen nmlich, damit er in ihr, unverstanden von seinem Bedrcker, sein Schicksal beklagen knne. Oder setze man den Fall, da unsre Sprache lebendig und eine Schriftstellersprache bleibe, und so ihre Literatur behalte; was kann denn das fr eine Literatur sein, die Literatur eines Volkes ohne politische Selbstndigkeit? Was will denn der vernnftige Schriftsteller, und was kann er wollen? Nichts andres, denn eingreifen in das allgemeine und ffentliche Leben, und dasselbe nach seinem Bilde gestalten und umschaffen; und wenn er dies nicht will, so ist alles sein Reden leerer Laut zum Kitzel miger Ohren. Er will ursprnglich und aus der Wurzel des geistigen Lebens heraus denken fr diejenigen, die ebenso ursprnglich wirken, d. i. regieren. Er kann deswegen nur in einer solchen Sprache schreiben, in der auch die Regierenden denken, in einer Sprache, in der regiert wird, in der eines Volkes, das einen selbstndigen Staat ausmacht. Was wollen denn zuletzt alle unsre Bemhungen selbst um die abgezogensten Wissenschaften? Lasset sein, der nchste Zweck dieser Bemhungen sei der, die Wissenschaft fortzupflanzen von Geschlecht zu Geschlecht, und in der Welt zu erhalten; warum soll sie denn auch erhalten werden? Offenbar nur, um zu rechter Zeit das allgemeine Leben und die ganze menschliche Ordnung der Dinge zu gestalten. Dies ist ihr letzter Zweck; mittelbar dient sonach, sei es auch erst in einer sptern Zukunft, jede wissenschaftliche Bestrebung dem Staate. Gibt sie diesen Zweck auf, so ist auch ihre Wrde und ihre Selbstndigkeit verloren. Wer aber diesen Zweck hat, der mu schreiben in der Sprache des herrschenden Volkes. Wie es ohne Zweifel wahr ist, da allenthalben, wo eine besondere Sprache angetroffen wird, auch eine besondere Nation vorhanden ist, die das Recht hat, selbstndig ihre Angelegenheiten zu besorgen und sich selber zu regieren; so kann man umgekehrt sagen, da, wie ein Volk aufgehrt hat, sich selbst zu regieren, es eben auch schuldig sei, seine Sprache aufzugeben und mit den Ueberwindern zusammenzuflieen, damit Einheit, innerer Friede und die gnzliche Vergessenheit der Verhltnisse, die nicht mehr sind, entstehe. Ein nur halbverstndiger Anfhrer einer solchen Mischung mu hierauf dringen, und wir knnen uns sicher darauf verlassen, da in unserm Falle darauf gedrungen werden wird. Bis diese Verschmelzung erfolgt sei, wird es Uebersetzungen der verstatteten Schulbcher in die Sprache der Barbaren geben, d. i. derjenigen, die zu ungeschickt sind, die Sprache des herrschenden Volkes zu lernen, und die eben dadurch von allem Einflusse auf die ffentlichen Angelegenheiten sich ausschlieen und sich zur lebenslnglichen Unterwrfigkeit verdammen; auch wird es diesen, die zur Stummheit ber die wirklichen Begebenheiten sich selbst verurteilt haben, verstattet werden, an erdichteten Welthndeln ihre Redefertigkeit zu ben, oder ehemalige und alte Formen sich selber nachzuahmen, wo man fr das erste an der zum Beispiel angefhrten alten, fr das letztere an der neuen Sprache die Belege aufsuchen mag. Eine solche Literatur mchten wir vielleicht noch auf einige Zeit behalten, und mit derselben mag sich trsten der, der keinen bessern Trost hat; da aber auch solche, die wohl fhig wren, sich zu ermannen, die Wahrheit zu sehen und aufgeschreckt zu werden durch ihren Anblick zu Entschlu und Tat, durch solchen nichtigen Trost, mit welchem einem Feinde unsrer Selbstndigkeit recht eigentlich gedient sein wrde, in dem trgen Schlummer erhalten werden: dieses mchte ich verhindern, wenn ich es knnte. Man verheit uns also die Fortdauer einer deutschen Literatur auf die knftigen Geschlechter. Um die Hoffnungen, die wir hierber fassen knnen, nher zu beurteilen, wrde es sehr zutrglich sein, sich umzusehen, ob wir denn auch nur bis auf diesen Augenblick eine deutsche Literatur im wahren Sinne des Wortes noch haben. Das edelste Vorrecht und das heiligste Amt des Schriftstellers ist dies, seine Nation zu versammeln und mit ihr ber ihre wichtigsten Angelegenheiten zu beratschlagen; ganz besonders aber ist dies von jeher das ausschlieende Amt des Schriftstellers gewesen in Deutschland, indem dieses in mehrere abgesonderte Staaten zertrennt war, und als gemeinsames Ganzes fast nur durch das Werkzeug des Schriftstellers, durch Sprache und Schrift, zusammengehalten wurde; am eigentlichsten und dringendsten wird es sein Amt in dieser Zeit, nachdem das letzte uere Band, das die Deutschen vereinigte, die Reichsverfassung, auch zerrissen ist. Sollte es sich nun etwa zeigen -- wir sprechen hieran nicht etwa aus, was wir wten oder befrchteten, sondern nur einen mglichen Fall, auf den wir jedoch ebenfalls im voraus Bedacht nehmen mssen -- sollte es sich, sage ich, etwa zeigen, da schon jetzt Diener besonderer Staaten von Angst, Furcht und Schrecken so eingenommen wren, da sie solchen, eine Nation eben noch als daseiend voraussetzenden, und an dieselbe sich wendenden Stimmen, zuerst das Lautwerden, oder durch Verbote die Verbreitung versagten: so wre dies ein Beweis, da wir schon jetzt keine deutsche Schriftstellerei mehr htten, und wir wten, wie wir mit den Aussichten auf eine knftige Literatur daran wren. Was knnte es doch sein, das diese frchteten? Etwa, da dieser und jener dergleichen Stimmen nicht gern hren werde? Sie wrden fr ihre zarte Besorgtheit wenigstens die Zeit bel gewhlt haben. Schmhungen und Herabwrdigungen des Vaterlndischen, abgeschmackte Lobpreisungen des Auslndischen knnen sie ja doch nicht verhindern; seien sie doch nicht so strenge gegen ein dazwischen tnendes vaterlndisches Wort! Es ist wohl mglich, da nicht alle alles gleich gern hren; aber dafr knnen wir zurzeit nicht sorgen, uns treibt die Not, und wir mssen eben sagen, was diese zu sagen gebietet. Wir ringen ums Leben; wollen sie, da wir unsre Schritte abmessen, damit nicht etwa durch den erregten Staub irgendein Staatskleid bestubt werde? Wir gehen unter in den Fluten; sollen wir nicht um Hilfe rufen, damit nicht irgendein schwachnerviger Nachbar erschreckt werde? Wer sind denn diejenigen, die es nicht gern hren knnten, und unter welcher Bedingung knnten sie es denn nicht gern hren? Allenthalben ist es nur die Unklarheit und die Finsternis, die da schreckt. Jedes Schreckbild verschwindet, wenn man es fest ins Auge fat. Lasset uns mit derselben Unbefangenheit und Unumwundenheit, mit der wir bisher jeden in diese Vortrge fallenden Gegenstand zerlegt haben, auch diesem Schrecknisse unter die Augen treten. Man nimmt an, entweder, da das Wesen, dem dermalen die Leitung eines groen Teils der Weltangelegenheiten anheimgefallen ist, ein wahrhaft groes Gemt sei, oder man nimmt das Gegenteil an, und ein drittes ist nicht mglich. Im ersten Falle: worauf beruht denn alle menschliche Gre, auer auf der Selbstndigkeit und Ursprnglichkeit der Person, und da sie nicht sei ein erknsteltes Gemchte ihres Zeitalters, sondern ein Gewchs aus der ewigen und ursprnglichen Geisterwelt, ganz so wie es ist hervorgewachsen, da ihr eine neue und eigentmliche Ansicht des Weltganzen aufgegangen sei, und da sie festen Willen habe und eiserne Kraft, diese ihre Ansicht einzufhren in die Wirklichkeit? Aber es ist schlechthin unmglich, da ein solches Gemt nicht auch auer sich, an Vlkern und einzelnen, ehre, was in seinem Innern seine eigne Gre ausmacht, die Selbstndigkeit, die Festigkeit, die Eigentmlichkeit des Daseins. So gewi es sich in seiner Gre fhlt und derselben vertraut, verschmht es ber armseligen Knechtssinn zu herrschen und gro zu sein unter Zwergen; es verschmht den Gedanken, da es die Menschen erst herabwrdigen msse, um ber sie zu gebieten; es ist gedrckt durch den Anblick des dasselbe umgebenden Verderbens, es tut ihm weh, die Menschen nicht achten zu knnen; alles aber, was sein verbrdertes Geschlecht erhebt, veredelt, in ein wrdigeres Licht setzt, tut wohl seinem selbst edlen Geiste, und ist sein hchster Genu. Ein solches Gemt sollte ungern vernehmen, da die Erschtterungen, die die Zeiten herbeigefhrt haben, benutzt werden, um eine alte ehrwrdige Nation, den Stamm der mehrsten Vlker des neuen Europa, und die Bildnerin aller, aus dem tiefen Schlummer aufzuregen und dieselbe zu bewegen, da sie ein sicheres Verwahrungsmittel ergreifen, um sich zu erheben aus dem Verderben, welches dieselbe zugleich sichert, nie wieder herabzusinken, und mit sich selbst zugleich alle brigen Vlker zu erheben? Es wird hier nicht angeregt zu ruhestrenden Auftritten; es wird vielmehr vor diesen, als sicher zum Verderben fhrend, gewarnt, es wird eine feste unwandelbare Grundlage angegeben, worauf endlich in einem Volke der Welt die hchste, reinste und noch niemals also unter den Menschen gewesene Sittlichkeit aufgebaut, fr alle folgende Zeiten gesichert, und von da aus ber andre Vlker verbreitet werde; es wird eine Umschaffung des Menschengeschlechts angegeben aus irdischen und sinnlichen Geschpfen, zu reinen und edlen Geistern. Durch einen solchen Vorschlag, meint man, knne ein Geist, der selbst rein ist und edel und gro, oder irgend jemand, der nach ihm sich bildet, beleidigt werden? Was wrden dagegen diejenigen, welche diese Furcht hegten und dieselbe durch ihr Handeln zugestnden, annehmen, und laut vor aller Welt bekennen, da sie es annehmen? Sie wrden bekennen, da sie glaubten, da ein menschenfeindliches und ein sehr kleines und niedriges Prinzip ber uns herrsche, dem jede Regung selbstndiger Kraft bange mache, der von Sittlichkeit, Religion, Veredlung der Gemter nicht ohne Angst hren knne, indem allein in der Herabwrdigung der Menschen, in ihrer Dumpfheit und ihren Lastern fr ihn Heil sei und Hoffnung, sich zu erhalten. Mit diesem ihrem Glauben, der unsern andern Uebeln noch die drckende Schmach hinzufgen wrde, von einem solchen beherrscht zu sein, sollen wir nun ohne weiteres und ohne die vorhergegangene einleuchtende Beweisfhrung einverstanden sein und in demselben handeln? Den schlimmsten Fall gesetzt, da sie recht htten, keineswegs aber wir, die wir das erstere durch unsre Tat annehmen: soll denn nun wirklich, einem zu Gefallen, dem damit gedient ist, und ihnen zu Gefallen, die sich frchten, das Menschengeschlecht herabgewrdigt werden und versinken, und soll keinem, dem sein Herz es gebietet, erlaubt sein, sie vor dem Verfalle zu warnen? Gesetzt, da sie nicht blo recht htten, sondern da man sich auch noch entschlieen sollte, im Angesichte der Mitwelt und der Nachwelt ihnen recht zu geben, und das eben hingelegte Urteil ber sich selbst laut aussprechen: was wre denn nun das Hchste und Letzte, das fr den unwillkommenen Warner daraus erfolgen knnte? Kennen sie etwas Hheres, denn den Tod? Dieser erwartet uns ohnedies alle, und es haben vom Anbeginn der Menschheit an Edle um geringerer Angelegenheit willen -- denn wo gab es jemals eine hhere, als die gegenwrtige? -- der Gefahr desselben getrotzt. Wer hat das Recht zwischen ein Unternehmen, das auf diese Gefahr begonnen ist, zu treten? Sollte es, wie ich nicht hoffe, solche unter uns Deutschen geben, so wrden diese ungebeten, ohne Dank, und, wie ich hoffe, zurckgewiesen, ihren Hals dem Joche der geistigen Knechtschaft darbieten; sie wrden, bitter schmhend, indem sie staatsklug zu schmeicheln glauben, weil sie nicht wissen, wie wahrer Gre zumute ist, und die Gedanken derselben nach denen ihrer eignen Klarheit messen -- sie wrden die Literatur, mit der sie nichts andres anzufangen wissen, gebrauchen, um durch die Abschlachtung derselben als Opfertier ihren Hof zu machen. Wir dagegen preisen durch die Tat unsers Vertrauens und unsers Mutes weit mehr, denn Worte es je vermchten, die Gre des Gemts, bei dem die Gewalt ist. Ueber das ganze Gebiet der ganzen deutschen Zunge hinweg, wo irgendhin unsre Stimme frei und unaufgehalten ertnt, ruft sie durch ihr bloes Dasein den Deutschen zu: niemand will eure Unterdrckung, euren Knechtssinn, eure sklavische Unterwrfigkeit, sondern eure Selbstndigkeit, eure wahre Freiheit, eure Erhebung und Veredlung will man, denn man hindert nicht, da man sich ffentlich mit euch darber beratschlage, und euch das unfehlbare Mittel dazu zeige. Findet diese Stimme Gehr und den beabsichtigten Erfolg, so setzt sie ein Denkmal dieser Gre und unsers Glaubens an dieselbe ein in den Fortlauf der Jahrhunderte, welches keine Zeit zu zerstren vermag, sondern das mit jedem neuen Geschlechte hher wchst und sich weiter verbreitet. Wer darf sich gegen den Versuch setzen, ein solches Denkmal zu errichten? Anstatt also mit der zuknftigen Blte unsrer Literatur ber unsre verlorne Selbstndigkeit uns zu trsten, und von der Aufsuchung eines Mittels, dieselbe wiederherzustellen, uns durch dergleichen Trost abhalten zu lassen, wollen wir lieber wissen, ob diejenigen Deutschen, denen eine Art von Bevormundung der Literatur zugefallen ist, den brigen selbst schreibenden oder lesenden Deutschen eine Literatur im wahren Sinne des Worts noch bis diesen Tag erlauben, und ob sie dafr halten, da eine solche Literatur dermalen in Deutschland noch erlaubt sei, oder nicht; wie sie aber wirklich darber denken, das wird sich demnchst entscheiden mssen. Nach allem ist das nchste, was wir zu tun haben, um bis zur vlligen und grndlichen Verbesserung unsres Stammes uns auch nur aufzubehalten, dies, da wir uns Charakter anschaffen, und diesen zunchst dadurch bewhren, da wir uns durch eignes Nachdenken eine feste Meinung bilden ber unsre wahre Lage, und ber das sichere Mittel, dieselbe zu verbessern. Die Nichtigkeit des Trostes aus der Fortdauer unsrer Sprache und Literatur ist gezeigt. Noch aber gibt es andre, in diesen Reden noch nicht erwhnte Vorspiegelungen, welche die Bildung einer solchen festen Meinung verhindern. Es ist zweckmig, da wir auch auf diese Rcksicht nehmen; jedoch behalten wir dieses Geschft vor der nchsten Rede. Dreizehnte Rede. Fortsetzung der angefangenen Betrachtung. Es sei noch ein Mehreres von nichtigen Gedanken und tuschenden Lehrgebuden ber die Angelegenheiten der Vlker unter uns im Umlaufe, welches die Deutschen verhindere, eine ihrer Eigentmlichkeit geme feste Ansicht ber ihre gegenwrtige Lage zu fassen, uerten wir am Ende unsrer vorigen Rede. Da diese Traumbilder gerade jetzt mit grerem Eifer zur ffentlichen Verehrung herumgeboten werden, und, nachdem so vieles andre wankend geworden, von manchem lediglich zur Ausfllung der entstandenen leeren Stellen aufgefat werden knnten: so scheint es zur Sache zu gehren, dieselben mit grerem Ernste, als auerdem ihre Wichtigkeit verdienen drfte, einer Prfung zu unterwerfen. Zuvrderst und vor allen Dingen: Die ersten, ursprnglichen und wahrhaft natrlichen Grenzen der Staaten sind ohne Zweifel ihre innern Grenzen. Was dieselbe Sprache redet, das ist schon vor aller menschlichen Kunst vorher durch die bloe Natur mit einer Menge von unsichtbaren Banden aneinandergeknpft; es versteht sich untereinander und ist fhig, sich immerfort klarer zu verstndigen, es gehrt zusammen und ist natrlich eins und ein unzertrennliches Ganzes. Ein solches kann kein Volk andrer Abkunft und Sprache in sich aufnehmen und mit sich vermischen wollen, ohne wenigstens frs erste sich zu verwirren und den gleichmigen Fortgang seiner Bildung mchtig zu stren. Aus dieser innern, durch die geistige Natur des Menschen selbst gezogenen Grenze ergibt sich erst die uere Begrenzung der Wohnsitze, als die Folge von jener, und in der natrlichen Ansicht der Dinge sind keineswegs die Menschen, welche innerhalb gewisser Berge und Flsse wohnen, um deswillen ein Volk, sondern umgekehrt wohnen die Menschen beisammen, und wenn ihr Glck es so gefgt hat, durch Flsse und Berge gedeckt, weil sie schon frher durch ein weit hheres Naturgesetz ein Volk waren. So sa die deutsche Nation, durch gemeinschaftliche Sprache und Denkart sattsam unter sich vereinigt und scharf genug abgeschnitten von den andern Vlkern, in der Mitte von Europa da als scheidender Wall nicht verwandter Stmme, zahlreich und tapfer genug, um ihre Grenzen gegen jeden fremden Anfall zu schtzen, sich selbst berlassen, durch ihre ganze Denkart wenig geneigt, Kunde von den benachbarten Vlkerschaften zu nehmen, in derselben Angelegenheiten sich zu mischen und durch Beunruhigungen sie zur Feindseligkeit aufzureizen. Im Verlaufe der Zeiten bewahrte sie ihr gnstiges Geschick vor dem unmittelbaren Anteile am Raube der andern Welten; dieser Begebenheit, durch welche vor allen andern die Weise der Fortentwicklung der neuern Weltgeschichte, die Schicksale der Vlker und der grte Teil ihrer Begriffe und Meinungen begrndet worden sind. Seit dieser Begebenheit erst zerteilte sich das christliche Europa, das vorher auch ohne sein eignes deutliches Bewutsein eins gewesen war, und als solches in gemeinschaftlichen Unternehmungen sich gezeigt hatte, in mehrere abgesonderte Teile; seit jener Begebenheit erst war eine gemeinschaftliche Beute aufgestellt, nach der jeder auf die gleiche Weise begehrte, weil alle sie auf die gleiche Weise brauchen konnten, und die jeder mit Eifersucht in den Hnden des andern erblickte; erst nun war ein Grund vorhanden zu geheimer Feindschaft und Kriegslust aller gegen alle. Auch wurde es nun erst zum Gewinne fr Vlker, Vlker auch andrer Abkunft und Sprachen durch Eroberung, oder, wenn dies nicht mglich wre, durch Bndnisse sich einzuverleiben und ihre Krfte sich zuzueignen. Ein der Natur treugebliebnes Volk kann, wenn seine Wohnsitze ihm zu enge werden, dieselben durch Eroberung des benachbarten Bodens erweitern wollen, um mehr Raum zu gewinnen, und es wird sodann die frhern Bewohner vertreiben; es kann einen rauhen und unfruchtbaren Himmelsstrich gegen einen mildern und gesegnetern vertauschen wollen, und es wird in diesem Falle abermals die frhern Besitzer austreiben; es kann, wenn es auch ausartet, bloe Raubzge unternehmen, auf denen es, ohne des Bodens oder der Bewohner zu begehren, blo alles Brauchbaren sich bemchtigt und die ausgeleerten Lnder wieder verlt; es kann endlich die frhern Bewohner des eroberten Bodens als eine gleichfalls brauchbare Sache, wie Sklaven der einzelnen unter sich verteilen: aber da es die fremde Vlkerschaft, so wie dieselbe besteht, als Bestandteile des Staates sich anfge, dabei hat es nicht den geringsten Gewinn, und es wird niemals in Versuchung kommen, dies zu tun. Ist aber der Fall der, da einem gleich starken, oder wohl noch strkern Nebenbuhler eine reizende gemeinschaftliche Beute abgekmpft werden soll, so steht die Rechnung anders. Wie auch brigens sonst das berwundene Volk zu uns passen mge, so sind wenigstens seine Fuste zur Bekmpfung des von uns zu beraubenden Gegners brauchbar, und jedermann ist uns, als eine Vermehrung der ffentlichen Streitkraft, willkommen. So nun irgendeinem Weisen, der Friede und Ruhe gewnscht htte, ber diese Lage der Dinge die Augen klar aufgegangen wren, wovon htte derselbe Ruhe erwarten knnen? Offenbar nicht von der natrlichen Beschrnkung der menschlichen Habsucht dadurch, da das Ueberflssige keinem ntze; denn eine Beute, wodurch alle versucht werden, war vorhanden, und ebensowenig htte er sie erwarten knnen von dem sich selbst eine Grenze setzenden Willen; denn unter solchen, von denen jedweder alles an sich reit, was er vermag, mu der sich selbst Beschrnkende notwendig zugrunde gehen. Keiner will mit dem andern teilen, was er dermalen zu eigen besitzt; jeder will dem andern das Seinige rauben, wenn er irgend kann. Ruht einer, so geschieht dies nur darum, weil er sich nicht fr stark genug hlt, Streit anzufangen; er wird ihn sicher anfangen, sobald er die erforderliche Strke in sich versprt. Somit ist das einzige Mittel die Ruhe zu erhalten dieses, da niemals einer zu der Macht gelange, dieselbe stren zu knnen, und da jedweder wisse, es sei auf der andern Seite gerade so viel Kraft zum Widerstande, als auf seiner Seite sei zum Angriffe; da also ein Gleichgewicht und Gegengewicht der gesamten Macht entstehe, wodurch allein, nachdem alle andre Mittel verschwunden sind, jeder in seinem gegenwrtigen Besitzstande und alle in Ruhe erhalten werden. Diese beiden Stcke demnach: einen Raub, auf den kein einziger einiges Recht habe, alle aber nach ihm die gleiche Begierde, sodann die allgemeine, immerfort ttig sich regende wirkliche Raubsucht, setzt jenes bekannte System eines Gleichgewichts der Macht in Europa voraus; und unter diesen Voraussetzungen wrde dieses Gleichgewicht freilich das einzige Mittel sein, die Ruhe zu erhalten, wenn nur erst das zweite Mittel gefunden wre, jenes Gleichgewicht hervorzubringen und es aus einem leeren Gedanken in ein wirkliches Ding zu verwandeln. Aber waren denn auch jene Voraussetzungen allgemein und ohne alle Ausnahme zu machen? War nicht im Mittelpunkte von Europa die bermchtige deutsche Nation rein geblieben von dieser Beute und von der Ansteckung mit der Lust danach, und fast ohne Vermgen, Anspruch auf dieselbe zu machen? Wre nur diese zu einem gemeinschaftlichen Willen und einer gemeinschaftlichen Kraft vereinigt geblieben; htten doch dann die brigen Europer sich morden mgen in allen Meeren und auf allen Inseln und Ksten: in der Mitte von Europa htte der feste Wall der Deutschen sie verhindert aneinander zu kommen -- hier wre Friede geblieben, und die Deutschen htten sich, und mit sich zugleich einen Teil der brigen europischen Vlker in Ruhe und Wohlstand erhalten. Es war dem nur den nchsten Augenblick berechnenden Eigennutze des Auslandes nicht gem, da es also bliebe. Sie fanden die deutsche Tapferkeit brauchbar, um durch sie ihre Kriege zu fhren, und die Hnde derselben, um mit ihnen ihren Nebenbuhlern die Beute zu entreien; es mute ein Mittel gefunden werden, um diesen Zweck zu erreichen, und die auslndische Schlauheit siegte leicht ber die deutsche Unbefangenheit und Verdachtlosigkeit. Das Ausland war es, welches zuerst der ber Religionsstreitigkeiten entstandenen Entzweiung der Gemter in Deutschland sich bediente, um diesen Inbegriff des gesamten christlichen Europa im kleinen aus der innig verwachsenen Einheit ebenso in abgesonderte und fr sich bestehende Teile knstlich zu zertrennen, wie erst jenes ber einen gemeinsamen Raub sich natrlich zertrennt hatte; das Ausland wute diese also entstandenen besondern Staaten im Schoe der einen Nation, die keinen Feind hatte, denn das Ausland selbst, und keine Angelegenheit, denn die gemeinsame, gegen die Verfhrungen und die Hinterlist dieses mit vereinigter Kraft sich zu setzen -- es wute diese einander gegenseitig vorzustellen, als natrliche Feinde, gegen die jeder immerfort auf der Hut sein msse, sich selbst dagegen darzustellen als die natrlichen Verbndeten gegen diese von den eignen Landsleuten drohende Gefahr; als die Verbndeten, mit denen allein sie selbst stnden oder fielen, und die sie daher gleichfalls in ihren Unternehmungen mit aller ihrer Macht untersttzen mten. Nur durch dieses knstliche Bildungsmittel wurden alle Zwiste, die ber irgendeinen Gegenstand in der Alten oder Neuen Welt sich entspinnen mochten, zu eignen Zwisten der deutschen Stmme untereinander; jeder aus irgendeinem Grunde entstandene Krieg mute auf deutschem Boden und mit deutschem Blute ausgefochten werden, jede Verrckung des Gleichgewichts in derjenigen Nation, der der ganze Urquell dieser Verhltnisse fremd war, ausgeglichen werden, und die deutschen Staaten, deren abgesondertes Dasein schon gegen alle Natur und Vernunft stritt, muten, damit sie doch etwas wren, zu Zulagen gemacht werden zu den Hauptgewichten in der Wage des europischen Gleichgewichts, deren Zuge sie blind und willenlos folgten. So wie man in manchem auslndischen Staate die Brger bezeichnet dadurch, da sie von dieser oder einer andern fremden Partei seien und fr dieses oder jenes auswrtige Bndnis stimmten, solche aber, die von der vaterlndischen Partei seien, nicht namhaft zu machen wei: so waren die Deutschen schon lngst nur fr irgendeine fremde Partei, und man traf selten auf einen, der die Partei der Deutschen gehalten und gemeint htte, da dieses Land sich mit sich selbst verbnden sollte. Dies also ist der wahre Ursprung und die Bedeutung, dies der Erfolg fr Deutschland und fr die Welt von dem berchtigten Lehrgebude eines knstlich zu erhaltenden Gleichgewichts der Macht unter den europischen Staaten. Wre das christliche Europa eins geblieben, wie es sollte und wie es ursprnglich war, so htte man nie Veranlassung gehabt, einen solchen Gedanken zu erzeugen; das eine ruht auf sich selbst und trgt sich selbst, und zerteilt sich nicht in streitende Krfte, die miteinander in ein Gleichgewicht gebracht werden mten; nur fr das unrechtlich gewordene und zerteilte Europa erhielt jener Gedanke eine notdrftige Bedeutung. Zu diesem unrechtlich gewordenen und zerteilten Europa gehrte Deutschland nicht. Wre nur wenigstens dieses eins geblieben, so htte es auf sich selbst geruht im Mittelpunkte der gebildeten Erde, so wie die Sonne im Mittelpunkte der Welt; es htte sich in Ruhe erhalten und durch sich seine nchste Umgebung, und htte ohne alle knstliche Vorkehrung durch sein bloes natrliches Dasein allem das Gleichgewicht gegeben. Nur der Trug des Auslandes mischte dasselbe in seine Unrechtlichkeit und seine Zwiste, und brachte ihm jenen hinterlistigen Begriff bei, als eins der wirksamsten Mittel, dasselbe ber seinen wahren Vorteil zu tuschen und es in der Tuschung zu erhalten. Dieser Zweck ist nun hinlnglich erreicht, und der beabsichtigte Erfolg liegt vollendet da vor unsern Augen. Knnen wir nun auch diesen nicht aufheben: warum sollen wir nicht wenigstens die Quelle desselben in unserm eignen Verstande, der fast noch das einzige ist, das unsrer Botmigkeit berlassen geblieben, austilgen? Warum soll das alte Traumbild noch immer uns vor die Augen gestellt werden, nachdem das Uebel uns aus dem Schlafe geweckt hat? Warum sollen wir nicht wenigstens jetzt die Wahrheit sehen und das einzige Mittel, das uns htte erretten knnen, erblicken -- ob vielleicht unsre Nachkommen tun mchten, was wir einsehen; so wie wir jetzt leiden, weil unsre Vter trumten. Lasset uns begreifen, da der Gedanke eines knstlich zu erhaltenden Gleichgewichts zwar fr das Ausland ein trstender Traum sein konnte bei der Schuld und dem Uebel, welche dasselbe drckten; da er aber, als ein durchaus auslndisches Erzeugnis, niemals in dem Gemte eines Deutschen htte Wurzel fassen, und die Deutschen niemals in die Lage htten kommen sollen, da er bei ihnen Wurzel fassen gekonnt htte; da wir wenigstens jetzt in seiner Nichtigkeit ihn durchdringen, und da wir einsehen mssen, da nicht bei ihm, sondern allein bei der Einigkeit der Deutschen unter sich selber das allgemeine Heil zu finden sei. Ebenso fremd ist dem Deutschen die in unsern Tagen so hufig gepredigte Freiheit der Meere; ob nun wirklich diese Freiheit oder ob blo das Vermgen, da man selbst alle andern von derselben ausschlieen knne, beabsichtigt werde. Jahrhunderte hindurch, whrend des Wetteifers aller andern Nationen, hat der Deutsche wenig Begierde gezeigt, an derselben in einem ausgedehnten Mae teilzunehmen, und er wird es nie. Auch bedarf er derselben nicht. Sein reichlich ausgestattetes Land und sein Flei gewhrt ihm alles, dessen der gebildete Mensch zum Leben bedarf; an Kunstfertigkeit, dasselbe fr den Zweck zu verarbeiten, gebricht es ihm auch nicht; und um den einigen wahrhaften Gewinn, den der Welthandel mit sich fhrt, die Erweiterung der wissenschaftlichen Kenntnis der Erde und ihrer Bewohner an sich zu bringen, wird es sein eigner wissenschaftlicher Geist ihm nicht an einem Tauschmittel fehlen lassen. -- O, mchte doch nur den Deutschen sein gnstiges Geschick ebenso vor dem mittelbaren Anteile an der Beute der andern Welt bewahrt haben, wie es ihn vor dem unmittelbaren bewahrte! Mchte Leichtglubigkeit und die Sucht, auch fein und vornehm zu leben, wie die andern Vlker, uns nicht die entbehrlichen Waren, die in fremden Welten erzeugt werden, zum Bedrfnisse gemacht haben; mchten wir in Absicht der weniger entbehrlichen lieber unserm freien Mitbrger ertrgliche Bedingungen haben machen, als von dem Schweie und Blute eines armen Sklaven jenseit der Meere Gewinn ziehen wollen: so htten wir wenigstens nicht selbst den Vorwand geliefert zu unserm dermaligen Schicksale und wrden nicht bekriegt als Abkufer und zugrunde gerichtet als ein Marktplatz. Fast vor einem Jahrzehnt, ehe irgend jemand voraussehen konnte, was seitdem sich ereignet, ist den Deutschen geraten worden, vom Welthandel sich unabhngig zu machen und als Handelsstaat sich zu schlieen. Dieser Vorschlag verstie gegen unsre Gewhnungen, besonders aber gegen unsre abgttische Verehrung der ausgeprgten Metalle, und wurde leidenschaftlich angefeindet und beiseite geschoben. Seitdem lernen wir, durch fremde Gewalt gentigt und mit Unehre, das und noch weit mehr entbehren, was wir damals mit Freiheit und zu unsrer hchsten Ehre nicht entbehren zu knnen versicherten. Mchten wir diese Gelegenheit, da der Genu wenigstens uns nicht besticht, ergreifen, um auf immer unsre Begriffe zu berichtigen! Mchten wir endlich einsehen, da alle jene schwindelnden Lehrgebude ber Welthandel und Fabrikation fr die Welt zwar fr den Auslnder passen und gerade unter die Waffen desselben gehren, womit er von jeher uns bekriegt hat, da sie aber bei den Deutschen keine Anwendung haben, und da, nchst der Einigkeit dieser unter sich selber, ihre innere Selbstndigkeit und Handelsunabhngigkeit das zweite Mittel ist ihres Heils, und durch sie des Heils von Europa. Wage man es endlich auch noch das Traumbild einer Universalmonarchie, das an die Stelle des seit einiger Zeit immer unglaublicher werdenden Gleichgewichts der ffentlichen Verehrung dargeboten zu werden anfngt, in seiner Hassenswrdigkeit und Vernunftlosigkeit zu erblicken! Die geistige Natur vermochte das Wesen der Menschheit nur in hchst mannigfaltigen Abstufungen an einzelnen, und an der Einzelheit im groen und ganzen, an Vlkern, darzustellen. Nur wie jedes dieser letzten, sich selbst berlassen, seiner Eigenheit gem, und in jedem derselben jeder einzelne jener Gemeinsamen, so wie seiner besondern Eigenheit gem, sich entwickelt und gestaltet, tritt die Erscheinung der Gottheit in ihrem eigentlichen Spiegel heraus, so wie sie soll; und nur der, der entweder ohne alle Ahnung fr Gesetzmigkeit und gttliche Ordnung oder ein verstockter Feind derselben wre, knnte einen Eingriff in jenes hchste Gesetz der Geisterwelt wagen wollen. Nur in den unsichtbaren und den eignen Augen verborgenen Eigentmlichkeiten der Nation, als demjenigen, wodurch sie mit der Quelle ursprnglichen Lebens zusammenhngen, liegt die Brgschaft ihrer gegenwrtigen und zuknftigen Wrde, Tugend, Verdienstes; werden diese durch Vermischung und Verreibung abgestumpft, so entsteht Abtrennung von der geistigen Natur aus dieser Flachheit, aus dieser die Verschmelzung aller zu dem gleichmigen und aneinander hngenden Verderben. Sollen wir es den Schriftstellern, die ber alle unsre Uebel uns mit der Aussicht trsten, da wir dafr auch Untertanen der beginnenden neuen Universalmonarchie sein werden, glauben, da irgend jemand eine solche Zerreibung aller Keime des Menschlichen in der Menschheit beschlossen habe, um den zerflieenden Teig in irgendeine Form zu drcken; und da eine so ungeheure Roheit oder Feindseligkeit gegen das menschliche Geschlecht in unserm Zeitalter mglich sei? Oder wenn wir uns auch entschlieen wollten, dieses durchaus Unglaubliche frs erste zu glauben: durch welches Werkzeug soll denn ferner ein solcher Plan ausgefhrt werden; welche Art von Volk soll es denn sein, die bei dem gegenwrtigen Bildungszustande von Europa fr irgendeinen neuen Universalmonarchen die Welt erobere? Schon seit einer Reihe von Jahrhunderten haben die Vlker Europas aufgehrt, Wilde zu sein und einer zerstrenden Ttigkeit um ihrer selbst willen sich zu freuen. Alle suchen hinter dem Kriege einen endlichen Frieden; hinter der Anstrengung die Ruhe, hinter der Verwirrung die Ordnung; und alle wollen ihre Laufbahn mit dem Frieden eines huslichen und stillen Lebens gekrnt sehen. Auf eine Zeitlang mag selbst ein nur vorgebildeter Nationalvorteil sie zum Kriege begeistern; wenn die Aufforderung immer auf dieselbe Weise zurckkehrt, verschwindet das Traumbild und die Fieberkraft, die dasselbe gegeben hat; die Sehnsucht nach ruhiger Ordnung kehrt zurck, und die Frage: fr welchen Zweck tue und trage ich denn nun dies alles? erhebt sich. Diese Gefhle alle mte zuvrderst ein Welteroberer unsrer Zeit austilgen, und in dieses Zeitalter, das durch seine Natur ein Volk von Wilden nicht gibt, mit besonnener Kunst eins hineinbilden. Aber noch mehr. Dem von Jugend auf an einen gebildeten Anbau der Lnder, an Wohlstand und Ordnung gewhnten Auge tut, wenn man den Menschen nur ein wenig zur Ruhe kommen lt, der Anblick derselben allenthalben, wo er ihn antrifft, wohl, indem er ihm den Hintergrund seiner eignen, doch niemals ganz auszurottenden Sehnsucht darstellt, und es schmerzt ihn selbst, denselben zerstren zu mssen. Auch gegen dieses dem gesellschaftlichen Menschen tief eingeprgte Wohlwollen und gegen die Wehmut ber die Uebel, die der Krieger ber die eroberten Lnder bringt, mu ein Gegengewicht gefunden werden. Es gibt kein andres, denn die Raubsucht. Wird es zum herrschenden Antrieb des Kriegers, sich einen Schatz zu machen, und wird er gewhnt, bei Verheerung blhender Lnder an nichts andres mehr zu denken, denn daran, was er fr seine Person bei dem allgemeinen Elende gewinnen knne, so ist zu erwarten, da die Gefhle des Mitleids und des Erbarmens in ihm verstummen. Auer jener barbarischen Roheit mte demnach ein Welteroberer unsrer Zeit die Seinigen auch noch zur khlen und besonnenen Raubsucht bilden; er mte Erpressungen nicht bestrafen, sondern vielmehr aufmuntern. Auch mte die Schande, die natrlich auf der Sache ruht, erst wegfallen, und Rauben mte fr ein ehrenvolles Zeichen eines feinen Verstandes gelten, zu den Grotaten gezhlt werden und den Weg zu allen Ehren und Wrden bahnen. Wo ist eine Nation im neuern Europa also ehrlos, da man sie auf diese Weise abrichten knnte? Oder setzet, da ihm selbst diese Umbildung gelnge, so wird nun gerade durch sein Mittel die Erreichung seines Zwecks vereitelt werden. Ein solches Volk erblickt von nun an in eroberten Menschen, Lndern und Kunsterzeugungen nichts mehr, denn ein Mittel, in hchster Eile Geld zu machen, um weiter zu gehen und abermals Geld zu machen; es erpret schnell und wirft das Ausgesogene weg auf jedes mgliche Schicksal; es haut ab den Baum, zu dessen Frchten es gelangen will: wer mit solchen Werkzeugen handelt, dem werden alle Knste der Verfhrung, der Ueberredung und des Truges vereitelt; nur aus der Entfernung knnen sie tuschen, wie man sie in der Nhe erblickt, fllt die tierische Roheit und die schamlose und freche Raubsucht selbst dem Bldsinnigsten in die Augen, und der Abscheu des ganzen menschlichen Geschlechts erklrt sich laut. Mit solchen kann man die Erde zwar ausplndern und wste machen und sie zu einem dumpfen Chaos zerreiben, nimmermehr aber sie zu einer Universalmonarchie ordnen. Die genannten Gedanken und alle Gedanken dieser Art sind Erzeugnisse eines blo mit sich selber spielenden und in seinem Gespinste zuweilen auch hngenbleibenden Denkens, unwert deutscher Grndlichkeit und Ernstes. Hchstens sind einige dieser Bilder, wie zum Beispiel das eines politischen Gleichgewichts, taugliche Hilfslinien, um in einem ausgedehnten und verworrenen Mannigfaltigen der Erscheinung sich zurecht zu finden und es zu ordnen; aber an das natrliche Vorhandensein dieser Dinge zu glauben oder ihre Verwirklichung anzustreben ist ebenso, als ob jemand die Pole, die Mittagslinie, die Wendekreise, durch die seine Betrachtung auf der Erde sich zurecht findet, an der wirklichen Erdkugel ausgedrckt und bezeichnet aufsuchte. Mchte es Sitte werden in unsrer Nation, nicht blo zum Scherze und gleichsam versuchend, was dabei herauskommen werde, zu denken, sondern also, als ob wahr sein solle und wirklich gelten im Leben, was wir denken: so wird es berflssig werden, vor solchen Truggestalten einer ursprnglich auslndischen und die Deutschen blo berckenden Staatsklugheit zu warnen. Diese Grndlichkeit, Ernst und Gewicht unsrer Denkweise wird, wenn wir sie einmal besitzen, auch hervorbrechen in unserm Leben. Besiegt sind wir; ob wir nun zugleich auch verachtet und mit Recht verachtet sein wollen, ob wir zu allem andern Verluste auch noch die Ehre verlieren wollen: das wird noch immer von uns abhngen. Der Kampf mit den Waffen ist beschlossen; es erhebt sich, so wir es wollen, der neue Kampf der Grundstze, der Sitten, des Charakters. Geben wir unsern Gsten ein Bild treuer Anhnglichkeit an Vaterland und Freunde, unbestechlicher Rechtschaffenheit und Pflichtliebe, aller brgerlichen und huslichen Tugenden, als freundliches Gastgeschenk mit in ihre Heimat, zu der sie doch wohl endlich einmal zurckkehren werden. Hten wir uns, sie zur Verachtung gegen uns einzuladen; durch nichts aber wrden wir es sicherer, als wenn wir sie entweder bermig frchteten, oder unsre Weise dazusein aufzugeben, und in der ihrigen ihnen hnlich zu werden strebten. Fern zwar sei von uns die Ungebhr, da der einzelne die einzelnen herausfordere und reize; brigens aber wird es die sicherste Maregel sein, allenthalben unsern Weg also fortzugehen, als ob wir mit uns selber allein wren, und durchaus kein Verhltnis anzuknpfen, das uns die Notwendigkeit nicht schlechthin auflegt; und das sicherste Mittel hierzu wird sein, da jeder sich mit dem begnge, was die alten vaterlndischen Verhltnisse ihm zu leisten vermgen, die gemeinschaftliche Last nach seinen Krften mit trage, jede Begnstigung aber durch das Ausland fr eine entehrende Schmach halte. Leider ist es beinahe allgemeine europische und so auch deutsche Sitte geworden, da man im Falle der Wahl lieber sich wegwerfen, denn als das erscheinen wolle, was man imponierend nennt, und es drfte vielleicht das ganze Lehrgebude der angenommenen guten Lebensart auf die Einheit jenes Grundsatzes sich zurckfhren lassen. Mchten wir Deutsche bei der gegenwrtigen Veranlassung lieber gegen diese Lebensart, denn gegen etwas Hheres verstoen! Mchten wir, obwohl dies ein solcher Versto sein drfte, bleiben, so wie wir sind, ja, wenn wir es vermchten, noch strker und entschiedener werden, also wie wir sein sollen! Mchten wir der Ausstellungen, die man uns zu machen pflegt, da es uns gar sehr an Schnelligkeit und leichter Fertigkeit gebreche, und da wir ber allem zu ernst, zu schwer und zu gewichtig werden, uns so wenig schmen, da wir uns vielmehr bestrebten, sie immer mit grerem Rechte und in weiterer Ausdehnung zu verdienen! Es befestige uns in diesem Entschlusse die leicht zu erlangende Ueberzeugung, da wir mit aller unsrer Mhe dennoch niemals jenen recht sein werden, wenn wir nicht ganz aufhren wir selber zu sein, was dem berhaupt gar nicht mehr Dasein gleich gilt. Es gibt nmlich Vlker, welche, indem sie selbst ihre Eigentmlichkeit beibehalten und dieselbe geehrt wissen wollen, auch den andern Vlkern die ihrigen zugestehen, und sie ihnen gnnen und verstatten; zu diesen gehren ohne Zweifel die Deutschen, und es ist dieser Zug in ihrem ganzen vergangenen und gegenwrtigen Weltleben so tief begrndet, da sie sehr oft, um gerecht zu sein, sowohl gegen das gleichzeitige Ausland als gegen das Altertum, ungerecht gewesen sind gegen sich selbst. Wiederum gibt es andre Vlker, denen ihr eng in sich selbst verwachsenes Selbst niemals die Freiheit gestattet, sich zu kalter und ruhiger Betrachtung des Fremden abzusondern, und die daher zu glauben gentigt sind, es gebe nur eine einzige mgliche Weise als gebildeter Mensch zu bestehen, und dies sei jedesmal die, welche in diesem Zeitpunkte gerade ihnen irgendein Zufall angeworfen; alle brigen Menschen in der Welt htten keine andre Bestimmung, denn also zu werden, wie sie sind, und sie htten ihnen den grten Dank abzustatten, wenn sie die Mhe ber sich nehmen wollten, sie also zu bilden. Zwischen Vlkern der ersten Art findet eine der Ausbildung zum Menschen berhaupt hchst wohlttige Wechselwirkung der gegenseitigen Bildung und Erziehung statt, und eine Durchdringung, bei welcher dennoch jeder, mit dem guten Willen des andern, sich selbst gleich bleibt. Vlker von der zweiten Art vermgen nichts zu bilden, denn sie vermgen nichts in seinem vorhandenen Sein anzufassen; sie wollen nur alles Bestehende vernichten und auer sich allenthalben eine leere Sttte hervorbringen, in der sie nur immer die eigne Gestalt wiederholen knnen; selbst ihr anfngliches scheinbares Hineingehen in fremde Sitte ist nur die gutmtige Herablassung des Erziehers zum jetzt noch schwachen, aber gute Hoffnung gebenden Lehrlinge; selbst die Gestalten der vollendeten Vorwelt gefallen ihnen nicht, bis sie dieselben in ihr Gewand gehllt haben, und sie wrden, wenn sie knnten, dieselben aus den Grbern aufwecken, um sie nach ihrer Weise zu erziehen. Ferne zwar bleibe von mir die Vermessenheit, irgendeine vorhandene Nation im ganzen und ohne Ausnahme jener Beschrnktheit zu beschuldigen. Lat uns vielmehr annehmen, da auch hier diejenigen, die sich nicht uern, die bessern sind. Soll man aber die, die unter uns erschienen sind und sich geuert haben, nach diesen ihren Aeuerungen beurteilen, so scheint zu folgen, da sie in die geschilderte Klasse zu setzen sind. Eine solche Aeuerung scheint eines Beleges zu bedrfen, und ich fhre, von den brigen Ausflssen dieses Geistes, die vor den Augen von Europa liegen, schweigend, nur den einigen Umstand an, den folgenden: -- Wir haben miteinander Krieg gefhrt; wir unsersteils sind die Ueberwundenen, jene die Sieger; dies ist wahr und wird zugestanden. Damit nun knnten jene ohne Zweifel sich begngen. Ob nun etwa jemand unter uns fortfhre, dafr zu halten, wir htten dennoch die gerechte Sache fr uns gehabt und den Sieg verdient, und es sei zu beklagen, da er nicht uns zuteil geworden: wre denn dies so bel, und knnten es uns denn jene, die ja von ihrer Seite gleichfalls denken mgen, was sie wollen, so sehr verargen? Aber nein, jenes zu denken, sollen wir uns nicht unterstehen. Wir sollen zugleich erkennen, welch ein Unrecht es sei, jemals anders zu wollen, denn sie, und ihnen zu widerstehen; wir sollen unsre Niederlagen als das heilsamste Ereignis fr uns selbst, und sie als unsre grten Wohltter segnen. Anders kann es ja nicht sein, und man hat diese Hoffnung zu unserm guten Verstande! -- Doch was spreche ich lnger aus, was beinahe vor zweitausend Jahren mit vieler Genauigkeit zum Beispiel in den Geschichtsbchern des Tacitus ausgesprochen worden ist? Jene Ansicht der Rmer von dem Verhltnisse der bekriegten Barbaren gegen sie, welche Ansicht bei diesen denn doch auf einen einige Entschuldigung verdienenden Schein sich grndete, da es verbrecherische Rebellion und Auflehnung gegen gttliche und menschliche Gesetze sei, ihnen Widerstand zu leisten, und da ihre Waffen den Vlkern nichts andres zu bringen vermchten, denn Segen, und ihre Ketten nichts andres, denn Ehre -- diese Ansicht ist es, die man in diesen Tagen von uns gewonnen, und mit sehr vieler Gutmtigkeit uns selbst angemutet und bei uns vorausgesetzt hat. Ich gebe dergleichen Aeuerungen nicht fr bermtigen Hohn aus; ich kann begreifen, wie man bei groem Eigendnkel und Beschrnktheit im Ernste also glauben und dem Gegenteile ehrlich denselben Glauben zutrauen knne, wie ich denn zum Beispiel dafrhalte, da die Rmer wirklich so glaubten; aber ich gebe nur zu bedenken, ob diejenigen unter uns, denen es unmglich fllt, jemals zu jenem Glauben sich zu bekehren, auf irgendeine Ausgleichung rechnen knnen. Tief verchtlich machen wir uns dem Auslande, wenn wir vor den Ohren desselben uns, einer dem andern, deutsche Stmme, Stnde, Personen, ber unser gemeinschaftliches Schicksal anklagen und einander gegenseitige bittere und leidenschaftliche Vorwrfe machen. Zuvrderst sind alle Anklagen dieser Art grtenteils unbillig, ungerecht, ungegrndet. Welche Ursachen es sind, die Deutschlands letztes Schicksal herbeigefhrt haben, haben wir oben angegeben; diese sind seit Jahrhunderten bei allen deutschen Stmmen ohne Ausnahme auf die gleiche Weise einheimisch gewesen; die letzten Ereignisse sind nicht die Folgen irgendeines besondern Fehltrittes eines einzelnen Stammes oder seiner Regierung, sie haben sich lange genug vorbereitet, und htten, wenn es blo auf die in uns selbst liegenden Grnde angekommen wre, schon vor langem uns ebensowohl treffen knnen. Hierin ist die Schuld oder Unschuld aller wohl gleich gro, und die Berechnung ist nicht wohl mehr mglich. Bei der Herbeieilung des endlichen Erfolgs hat sich gefunden, da die einzelnen deutschen Staaten nicht einmal sich selbst, ihre Krfte und ihre wahre Lage kannten: wie knnte denn irgendeiner sich anmaen, aus sich selbst herauszutreten und ber fremde Schuld ein auf grndliche Kenntnis sich sttzendes Endurteil zu fllen? Mag es sein, da ber alle Stmme des deutschen Vaterlandes hinweg einen gewissen Stand ein gegrndeterer Vorwurf trifft, nicht, weil er eben auch nicht mehr eingesehen oder vermocht, als die andern alle, was eine gemeinschaftliche Schuld ist, sondern weil er sich das Ansehen gegeben, als ob er mehr einshe und vermchte, und alle brigen von der Verwaltung der Staaten verdrngt. Wre nun auch ein solcher Vorwurf gegrndet: wer soll ihn aussprechen, und wozu ist es ntig, da er gerade jetzt lauter und bitterer denn je ausgesprochen und verhandelt werde? Wir sehen, da Schriftsteller es tun. Haben diese nun ehemals, als bei jenem Stande noch alle Macht und alles Ansehen mit der stillschweigenden Einwilligung der entschiedenen Mehrheit des brigen Menschengeschlechts sich befand, ebenso also geredet, wie sie jetzt reden: wer kann es ihnen verdenken, da sie an ihre durch die Erfahrung sehr besttigte ehemalige Rede erinnern? Wir hren auch, da sie einzelne genannte Personen, die ehemals an der Spitze der Geschfte standen, vor das Volksgericht fhren, ihre Untauglichkeit, ihre Trgheit, ihren bsen Willen darlegen und klar dartun, da aus solchen Ursachen notwendig solche Wirkungen hervorgehen muten. Haben sie schon ehemals, als bei den Angeklagten noch die Gewalt war, und die aus ihrer Verwaltung notwendig erfolgen mssenden Uebel noch abzuwenden waren, ebendasselbe eingesehen, was sie jetzt einsehen, und es ebenso laut ausgesprochen; haben sie schon damals ihre Schuldigen mit derselben Kraft angeklagt, und kein Mittel unversucht gelassen, das Vaterland aus ihren Hnden zu erretten, und sind sie blo nicht gehrt worden: so tun sie sehr recht, an ihre damals verschmhte Warnung zu erinnern. Haben sie aber etwa ihre dermalige Weisheit nur aus dem Erfolge gezogen, aus welchem seitdem alles Volk mit ihnen ebendieselbe gezogen hat: warum sagen jetzt eben sie, was alle andern nun ebensowohl wissen? Oder haben sie vielleicht gar damals aus Gewinnsucht geschmeichelt, oder aus Furcht geschwiegen vor dem Stande und den Personen, ber die jetzt, nachdem sie die Gewalt verloren haben, ungemigt ihre Strafrede hereinbricht: o so vergessen sie knftig nicht unter den Quellen unsrer Uebel, neben dem Adel und den untauglichen Ministern und Feldherren, auch noch die politischen Schriftsteller anzufhren, die erst nach gegebnem Erfolge wissen, was da htte geschehen sollen, so wie der Pbel auch, und die den Gewalthabern schmeicheln, die Gefallenen aber schadenfroh verhhnen! Oder rgen sie etwa die Irrtmer der Vergangenheit, die freilich durch alle ihre Rge nicht vernichtet werden kann, nur darum, damit man sie in der Zukunft nicht wieder begehe; und ist es blo ihr Eifer, eine grndliche Verbesserung der menschlichen Verhltnisse zu bewirken, der sie ber die Rcksichten der Klugheit und des Anstandes so khn hinwegsetzt? Gern mchten wir ihnen diesen guten Willen zutrauen, wenn nur die Grndlichkeit der Einsicht und des Verstandes sie berechtigte, in diesem Fache guten Willen zu haben. Nicht sowohl die einzelnen Personen, die von ohngefhr auf den hchsten Pltzen sich befunden haben, sondern die Verbindung und Verwicklung des Ganzen: der ganze Geist der Zeit, die Irrtmer, die Unwissenheit, Seichtigkeit, Verzagtheit, und der von diesen unabtrennliche unsichere Schritt, die gesamten Sitten der Zeit sind es, die unsre Uebel herbeigefhrt haben; und so sind es denn weit weniger die Personen, welche gehandelt haben, denn die Pltze, und jedermann, und die heftigen Tadler selbst knnen mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, da sie, an demselben Platze sich befindend, durch die Umgebungen ohngefhr zu demselben Ziele wrden hingedrngt worden sein. Trume man weniger von berlegter Bosheit und Verrat! Unverstand und Trgheit reichen fast allenthalben aus, um die Begebenheiten zu erklren; und dies ist eine Schuld, von der keiner ohne tiefe Selbstprfung sich ganz lossprechen sollte; da zumal, wo in der ganzen Masse sich ein sehr hohes Ma von Kraft der Trgheit befindet, dem einzelnen, der da durchdringen sollte, ein sehr hoher Grad von Kraft der Ttigkeit beiwohnen mte. Werden daher auch die Fehler der einzelnen noch so scharf ausgezeichnet, so ist dadurch der Grund des Uebels noch keineswegs entdeckt, noch wird er dadurch, da diese Fehler in der Zukunft vermieden werden, gehoben. Bleiben die Menschen fehlerhaft, so knnen sie nicht anders, denn Fehler machen; und wenn sie auch die ihrer Vorgnger fliehen, so werden in dem unendlichen Raume der Fehlerhaftigkeit gar leicht sich neue finden. Nur eine gnzliche Umschaffung, nur das Beginnen eines ganz neuen Geistes kann uns helfen. Werden sie auf desselben Entwicklung mit hinarbeiten, dann wollen wir ihnen neben dem Ruhme des guten Willens auch noch den des rechten und heilbringenden Verstandes gern zugestehen. Diese gegenseitigen Vorwrfe sind, sowie sie ungerecht sind und unntz, zugleich uerst unklug, und mssen uns tief herabsetzen in den Augen des Auslandes, dem wir zum Ueberflusse die Kunde derselben auf alle Weise erleichtern und aufdringen. Wenn wir nicht mde werden, ihnen vorzuerzhlen, wie verworren und abgeschmackt alle Dinge bei uns gewesen seien, und in welchem hohen Grade wir elend regiert worden: mssen sie nicht glauben, da, wie auch irgend sie sich gegen uns betragen mchten, sie doch noch immer viel zu gut fr uns seien, und niemals uns zu schlecht werden knnten? Mssen sie nicht glauben, da wir bei unsrer groen Ungeschicktheit und Unbeholfenheit, mit dem demtigsten Danke jedwedes Ding aufzunehmen haben, das sie aus dem reichen Schatze ihrer Regierungs-, Verwaltungs- und Gesetzgebungskunst uns schon dargereicht haben, oder noch fr die Zukunft uns zudenken? Bedarf es von unsrer Seite dieser Untersttzung ihrer ohnedies nicht unvorteilhaften Meinung von sich selbst, und der geringfgigen von uns? Werden nicht dadurch gewisse Aeuerungen, die man auerdem fr bittern Hohn halten mte, als da sie erst deutschen Lndern, die vorher kein Vaterland gehabt htten, eins brchten, oder, da sie eine sklavische Abhngigkeit der Personen als solcher von andern Personen, die bei uns gesetzlich gewesen wre, abschafften, zur Wiederholung unsrer eignen Aussprche und zum Nachhalle unsrer eignen Schmeichelworte? Es ist eine Schmach, die wir Deutsche mit keinem der andern europischen Vlker, die in den brigen Schicksalen uns gleich geworden sind, teilen, da wir, sobald nur fremde Waffen unter uns geboten, gleich als ob wir schon lange auf diesen Augenblick gewartet htten, und uns schnell, ehe die Zeit vorber ginge, eine Gte tun wollten, in Schmhungen uns ergossen ber unsre Regierungen, unsre Gewalthaber, denen wir vorher auf eine geschmacklose Weise geschmeichelt hatten, und ber alles Vaterlndische. Wie wenden wir andern, die wir unschuldig sind, die Schmach ab von unserm Haupt und lassen die Schuldigen allein stehen? Es gibt ein Mittel. Es werden von dem Augenblicke an keine Schmhschriften mehr gedruckt werden, sobald man sicher ist, da keine mehr gekauft werden, und sobald die Verfasser und Verleger derselben nicht mehr auf Leser rechnen knnen, die durch Miggang, leere Neugier und Schwatzsucht, oder durch die Schadenfreude, gedemtigt zu sehen, was ihnen einst das schmerzhafte Gefhl der Achtung einflte, angelockt werden. Gebe jeder, der die Schmach fhlt, eine ihm zum Lesen dargebotene Schmhschrift mit der gebhrenden Verachtung zurck; tue er es, obwohl er glaubt, er sei der einzige, der also handelt, bis es Sitte unter uns wird, da jeder Ehrenmann also tut; und wir werden, ohne gewaltsame Bcherverbote, gar bald dieses schmachvollen Teils unsrer Literatur erledigt werden. Am allertiefsten endlich erniedrigt es uns vor dem Auslande, wenn wir uns darauf legen, demselben zu schmeicheln. Ein Teil von uns hat schon frher sich sattsam verchtlich, lcherlich und ekelhaft gemacht, indem sie den vaterlndischen Gewalthabern bei jeder Gelegenheit groben Weihrauch darbrachten, und weder Vernunft, noch Anstand, gute Sitte und Geschmack verschonten, wo sie glaubten, eine Schmeichelrede anbringen zu knnen. Diese Sitte ist binnen der Zeit abgekommen, und diese Lobeserhebungen haben sich zum Teil in Scheltworte verwandelt. Wir gaben indessen unsern Weihrauchwolken, gleichsam damit wir nicht aus der Uebung kmen, eine andre Richtung nach der Seite hin, wo jetzt die Gewalt ist. Schon das erste, sowohl die Schmeichelei selbst, als da sie nicht verbeten wurde, mute jeden ernsthaft denkenden Deutschen schmerzen; doch blieb die Sache unter uns. Wollen wir jetzt auch das Ausland zum Zeugen machen dieser unsrer niedrigen Sucht, sowie zugleich der groen Ungeschicklichkeit, mit welcher wir uns derselben entledigen, und so der Verachtung unsrer Niedrigkeit auch noch den lcherlichen Anblick unsrer Ungelenkigkeit hinzufgen? Es fehlt uns nmlich in dieser Verrichtung an aller dem Auslnder eignen Feinheit; um doch ja nicht berhrt zu werden, werden wir plump und bertreibend, und heben mit Vergtterungen und Versetzungen unter die Gestirne gleich an. Dazu kommt, da es bei uns das Ansehen hat, als ob es vorzglich der Schrecken und die Furcht sei, die unsre Lobeserhebungen uns auspressen; aber es ist kein Gegenstand lcherlicher, denn ein Furchtsamer, der die Schnheit und Anmut desjenigen lobpreist, was er in der Tat fr ein Ungeheuer hlt, das er durch diese Schmeichelei nur bestechen will, ihn nicht zu verschlingen. Oder sind vielleicht diese Lobpreisungen nicht Schmeichelei, sondern der wahrhafte Ausdruck der Verehrung und Bewunderung, die sie dem groen Genie, das nach ihnen die Angelegenheiten der Menschen leitet, zu zollen gentigt sind? Wie wenig kennen sie auch hier das Geprge der wahren Gre! Darin ist dieselbe in allen Zeitaltern und unter allen Vlkern sich gleich gewesen, da sie nicht eitel war, sowie umgekehrt von jeher sicherlich klein war und niedrig, was Eitelkeit zeigte. Der wahrhaften, auf sich selber ruhenden Gre gefallen nicht Bildsulen von der Mitwelt errichtet, oder der Beiname des Groen, und der schreiende Beifall und die Lobpreisungen der Menge; vielmehr weiset sie diese Dinge mit gebhrender Verachtung von sich weg und erwartet ihr Urteil ber sich zunchst von dem eignen Richter in ihrem Innern, und das laute von der richtenden Nachwelt. Auch hat mit derselben immer der Zug sich beisammen gefunden, da sie das dunkle und rtselhafte Verhngnis ehrt und scheut, des stets rollenden Rades des Geschicks eingedenk bleibt, und sich nicht gro oder selig preisen lt vor ihrem Ende. Also sind jene Lobredner im Widerspruche mit sich selbst, und machen durch die Tat ihrer Worte den Inhalt derselben zur Lge. Hielten sie den Gegenstand ihrer vorgegebenen Verehrung wirklich fr gro, so wrden sie sich bescheiden, da er ber ihren Beifall und ihr Lob erhaben sei, und ihn durch ehrfurchtsvolles Stillschweigen ehren. Indem sie sich ein Geschft daraus machen, ihn zu loben, so zeigen sie dadurch, da sie ihn in der Tat fr klein und niedrig halten, und fr so eitel, da ihre Lobpreisungen ihm gefallen knnten, und da sie dadurch irgendein Uebel von sich zu wenden, oder irgendein Gut sich zu verschaffen vermchten. Jener begeisterte Ausruf: welch ein erhabenes Genie, welch eine tiefe Weisheit, welch ein umfassender Plan! -- was sagt er denn nun zuletzt aus, wenn man ihn recht ins Auge fat? Er sagt aus, da das Genie so gro sei, da auch wir es vollkommen begreifen, die Weisheit so tief, da auch wir sie durchschauen, der Plan so umfassend, da auch wir ihn vollstndig nachzubilden vermgen. Er sagt demnach aus, da der Gelobte ungefhr von demselben Mae der Gre sei, wie der Lobende, jedoch nicht ganz, indem ja der letzte den ersten vollkommen versteht und bersieht, und sonach ber demselben steht, und falls er sich nur recht anstrengte, wohl noch etwas Greres leisten knnte. Man mu eine sehr gute Meinung von sich selbst haben, wenn man glaubt, da man also auf eine gefllige Weise seinen Hof machen knne; und der Gelobte mu eine sehr geringe von sich haben, wenn er solche Huldigungen mit Wohlgefallen aufnimmt. Nein, biedere, ernste, gesetzte, deutsche Mnner und Landsleute, fern bleibe ein solcher Unverstand von unserm Geiste, und eine solche Besudelung von unsrer, zum Ausdrucke des Wahren gebildeten Sprache! Ueberlassen wir es dem Auslande, bei jeder neuen Erscheinung mit Erstaunen aufzujauchzen; in jedem Jahrzehnt sich einen neuen Mastab der Gre zu erzeugen und neue Gtter zu erschaffen; und Gotteslsterungen zu reden, um Menschen zu preisen. Unser Mastab der Gre bleibe der alte: da gro sei nur dasjenige, was der Ideen, die immer nur Heil ber die Vlker bringen, fhig sei und von ihnen begeistert; ber die lebenden Menschen aber lat uns das Urteil der richtenden Nachwelt berlassen! Vierzehnte Rede. Beschlu des Ganzen. Die Reden, welche ich hierdurch beschliee, haben freilich ihre laute Stimme zunchst an Sie gerichtet, aber sie haben im Auge gehabt die ganze deutsche Nation, und sie haben in ihrer Absicht alles, was, so weit die deutsche Zunge reicht, fhig wre, dieselben zu verstehen, um sich herum versammelt in den Raum, in dem Sie sichtbarlich atmen. Wre es mir gelungen, in irgendeine Brust, die hier unter meinem Auge geschlagen hat, einen Funken zu werfen, der da fortglimme und das Leben ergreife, so ist es nicht meine Absicht, da diese allein und einsam bleiben, sondern ich mchte, ber den ganzen gemeinsamen Boden hinweg, hnliche Gesinnungen und Entschlsse zu ihnen sammeln und an die ihrigen anknpfen, so da ber den vaterlndischen Boden hinweg, bis an dessen ferneste Grenzen, aus diesem Mittelpunkte heraus eine einzige fortflieende und zusammenhngende Flamme vaterlndischer Denkart sich verbreite und entznde. Nicht zum Zeitvertreibe miger Ohren und Augen haben sie sich diesem Zeitalter bestimmt, sondern ich will endlich einmal wissen, und jeder Gleichgesinnte soll es mit mir wissen, ob auch auer uns etwas ist, das unsrer Denkart verwandt ist. Jeder Deutsche, der noch glaubt, Glied einer Nation zu sein, der gro und edel von ihr denkt, auf sie hofft, fr sie wagt, duldet und trgt, soll endlich herausgerissen werden aus der Unsicherheit seines Glaubens; er soll klar sehen, ob er recht habe oder nur ein Tor und Schwrmer sei, er soll von nun an, entweder mit sicherem und freudigem Bewutsein seinen Weg fortsetzen, oder mit rstiger Entschlossenheit Verzicht tun auf ein Vaterland hienieden, und sich allein mit dem himmlischen trsten. Ihnen, nicht als diesen und diesen Personen in unserm tglichen und beschrnkten Leben, sondern als Stellvertretern der Nation, und hindurch durch Ihre Gehrswerkzeuge der ganzen Nation, rufen diese Reden also zu: Es sind Jahrhunderte herabgesunken, seitdem ihr nicht also zusammenberufen worden seid wie heute; in solcher Anzahl; in einer so groen, so dringenden, so gemeinschaftlichen Angelegenheit; so durchaus als Nation und Deutsche. Auch wird es euch niemals wiederum also geboten werden. Merket ihr jetzt nicht auf und gehet in euch, lasset ihr auch diese Reden wieder als einen leeren Kitzel der Ohren, oder als ein wunderliches Ungetm an euch vorbergehen, so wird kein Mensch mehr auf euch rechnen. Endlich einmal hret, endlich einmal besinnet euch. Geht nur dieses Mal nicht von der Stelle, ohne einen festen Entschlu gefat zu haben; und jedweder, der diese Stimme vernimmt, fasse diesen Entschlu bei sich selbst und fr sich selbst, gleich als ob er allein da sei, und alles allein tun msse. Wenn recht viele einzelne so denken, so wird bald ein groes Ganzes dastehen, das in eine einige, engverbundene Kraft zusammenfliee. Wenn dagegen jedweder, sich selbst ausschlieend, auf die brigen hofft, und den andern die Sache berlt, so gibt es gar keine andern, und alle zusammen bleiben, so wie sie vorher waren. -- Fasset ihn auf der Stelle, diesen Entschlu. Saget nicht, la uns noch ein wenig ruhen, noch ein wenig schlafen und trumen, bis etwa die Besserung von selber komme. Sie wird niemals von selbst kommen. Wer, nachdem er einmal das Gestern versumt hat, das noch bequemer gewesen wre zur Besinnung, selbst heute noch nicht wollen kann, der wird es morgen noch weniger knnen. Jeder Verzug macht uns nur noch trger, und wiegt uns nur noch tiefer ein in die freundliche Gewhnung an unsern elenden Zustand. Auch knnen die uern Antriebe zur Besinnung niemals strker und dringender werden. Wen diese Gegenwart nicht aufregt, der hat sicher alles Gefhl verloren. -- Ihr seid zusammenberufen, einen letzten und festen Entschlu und Beschlu zu fassen; keineswegs etwa zu einem Befehle, einem Auftrage, einer Anmutung an andre, sondern zu einer Anmutung an euch selber. Eine Entschlieung sollt ihr fassen, die jedweder nur durch sich selbst und in seiner eignen Person ausfhren kann. Es reicht hierbei nicht hin jenes mige Vorsatznehmen, jenes Wollen, irgend einmal zu wollen, jenes trge Sichbescheiden, da man sich darein ergeben wolle, wenn man etwa einmal von selber besser wrde; sondern es wird von euch gefordert ein solcher Entschlu, der zugleich unmittelbar Leben sei und inwendige Tat, und der da ohne Wanken oder Erkltung fortdaure und fortwalte, bis er am Ziele sei. Oder ist vielleicht in euch die Wurzel, aus der ein solcher in das Leben eingreifender Entschlu allein hervorwachsen kann, vllig ausgerottet und verschwunden? Ist wirklich und in der Tat euer ganzes Wesen verdnnet, und zerflossen zu einem hohlen Schatten, ohne Saft und Blut und eigne Bewegkraft; und zu einem Traume, in welchem zwar bunte Gesichter sich erzeugen und geschftig einander durchkreuzen, der Leib aber todhnlich und erstarrt daliegen bleibt? Es ist dem Zeitalter seit langem unter die Augen gesagt, und in jeder Einkleidung ihm wiederholt worden, da man ungefhr also von ihm denke. Seine Wortfhrer haben geglaubt, da man dadurch nur schmhen wolle, und haben sich fr aufgefordert gehalten, auch von ihrer Seite wiederum zurck zu schmhen, wodurch die Sache wieder in ihre natrliche Ordnung komme. Im brigen hat nicht die mindeste Aenderung oder Besserung sich spren lassen. Habt ihr es vernommen, ist es fhig gewesen, euch zu entrsten; nun, so strafet doch diejenigen, die so von euch denken und reden, geradezu durch eure Tat der Lge: zeiget euch anders vor aller Welt Augen, und jene sind vor aller Welt Augen der Unwahrheit berwiesen. Vielleicht, da sie gerade in der Absicht, von euch also widerlegt zu werden, und weil sie an jedem andern Mittel, euch aufzuregen, verzweifelten, also hart von euch geredet haben. Wieviel besser htten sie es sodann mit euch gemeint, als diejenigen, die euch schmeicheln, damit ihr erhalten werdet in der trgen Ruhe und in der nichts achtenden Gedankenlosigkeit! So schwach und so kraftlos ihr auch immer sein mget, man hat in dieser Zeit euch die klare und ruhige Besinnung so leicht gemacht, als sie vorher niemals war. Das, was eigentlich in die Verworrenheit ber unsre Lage, in unsre Gedankenlosigkeit, in unser blindes Gehenlassen uns strzte, war die se Selbstzufriedenheit mit uns und unsrer Weise dazusein. Es war bisher gegangen, und ging ebenso fort; wer uns zum Nachdenken aufforderte, dem zeigten wir, statt einer andern Widerlegung, triumphierend unser Dasein und Fortbestehen, das sich ohne alles unser Nachdenken ergab. Es ging aber nur darum, weil wir nicht auf die Probe gestellt wurden. Wir sind seitdem durch sie hindurchgegangen. Seit dieser Zeit sollten doch wohl die Tuschungen, die Blendwerke, der falsche Trost, durch die wir alle uns gegenseitig verwirrten, zusammengestrzt sein! -- Die angeborenen Vorurteile, welche, ohne von hier oder da auszugehen, wie ein natrlicher Nebel ber alle sich verbreiteten, und alle in dieselbe Dmmerung einhllten, sollten doch wohl nun verschwunden sein? Jene Dmmerung hlt nicht mehr unsre Augen; sie kann uns aber auch nicht ferner zur Entschuldigung dienen. Jetzt stehen wir da, rein, leer, ausgezogen von allen fremden Hllen und Umhngen, blo als das, was wir selbst sind. Jetzt mu es sich zeigen, was dieses Selbst ist, oder nicht ist. Es drfte jemand unter euch hervortreten und mich fragen: was gibt gerade dir, dem einzigen unter allen deutschen Mnnern und Schriftstellern, den besondern Auftrag, Beruf und das Vorrecht, uns zu versammeln und auf uns einzudringen? htte nicht jeder unter den Tausenden der Schriftsteller Deutschlands eben dasselbe Recht dazu, wie du; von denen keiner es tut, sondern du allein dich hervordrngst? Ich antworte, da allerdings jeder dasselbe Recht gehabt htte wie ich, und da ich gerade darum es tue, weil keiner unter ihnen es vor mir getan hat; und da ich schweigen wrde, wenn ein andrer es frher getan htte. Dies war der erste Schritt zu dem Ziele einer durchgreifenden Verbesserung; irgendeiner mute ihn tun. Ich war der, der es zuerst lebendig einsah; darum wurde ich der, der es zuerst tat. Es wird nach diesem irgendein andrer Schritt der zweite sein; diesen zu tun haben jetzt alle dasselbe Recht; wirklich tun aber wird ihn abermals nur ein einzelner. Einer mu immer der erste sein, und wer es sein kann, der sei es eben! Ohne Sorge ber diesen Umstand verweilet ein wenig mit eurem Blicke bei der Betrachtung, auf die wir schon frher euch gefhrt haben, in welchem beneidenswrdigen Zustande Deutschland sein wrde, und in welchem die Welt, wenn das erstere das Glck seiner Lage zu benutzen, und seinen Vorteil zu erkennen gewut htte. Heftet darauf euer Auge auf das, was beide nunmehr sind, und lasset euch durchdringen von dem Schmerz und dem Unwillen, der jeden Edlen hierbei erfassen mu. Kehret dann zurck zu euch selbst, und sehet, da ihr es seid, die die Zeit von den Irrtmern der Vorwelt lossprechen, von deren Augen sie den Nebel hinwegnehmen will, wenn ihr es zulat; da es euch verliehen ist, wie keinem Geschlechte vor euch, das Geschehene ungeschehen zu machen, und den nicht ehrenvollen Zwischenraum auszutilgen aus dem Geschichtsbuche der Deutschen. Lasset vor euch vorbergehen die verschiedenen Zustnde, zwischen denen ihr eine Wahl zu treffen habt. Gehet ihr ferner so hin in eurer Dumpfheit und Achtlosigkeit, so erwarten euch zunchst alle Uebel der Knechtschaft: Entbehrungen, Demtigungen, der Hohn und Uebermut des Ueberwinders; ihr werdet herumgestoen werden in allen Winkeln, weil ihr allenthalben nicht recht und im Wege seid, so lange, bis ihr durch Aufopferung eurer Nationalitt und Sprache euch irgendein untergeordnetes Pltzchen erkauft, und bis auf diese Weise allmhlich euer Volk auslscht. Wenn ihr euch dagegen ermannt zum Aufmerken, so findet ihr zuvrderst eine ertrgliche und ehrenvolle Fortdauer, und sehet noch unter euch und um euch herum ein Geschlecht aufblhen, das euch und den Deutschen das rhmlichste Andenken verspricht. Ihr sehet im Geiste durch dieses Geschlecht den deutschen Namen zum glorreichsten unter allen Vlkern erheben, ihr sehet diese Nation als Wiedergebrerin und Wiederherstellerin der Welt. Es hngt von euch ab, ob ihr das Ende sein wollt und die letzten eines nicht achtungswrdigen und bei der Nachwelt gewi sogar ber die Gebhr verachteten Geschlechts, bei dessen Geschichte die Nachkommen, falls es nmlich in der Barbarei, die da beginnen wird, zu einer Geschichte kommen kann, sich freuen werden, wenn es mit ihnen zu Ende ist, und das Schicksal preisen werden, da es gerecht sei; oder ob ihr der Anfang sein wollt und der Entwicklungspunkt einer neuen, ber alle eure Vorstellungen herrlichen Zeit, und diejenigen, von denen an die Nachkommenschaft die Jahre ihres Heils zhle. Bedenket, da ihr die letzten seid, in deren Gewalt diese groe Vernderung steht. Ihr habt doch noch die Deutschen als eins nennen hren, ihr habt ein sichtbares Zeichen ihrer Einheit, ein Reich und einen Reichsverband gesehen, oder davon vernommen; unter euch haben noch von Zeit zu Zeit Stimmen sich hren lassen, die von dieser hhern Vaterlandsliebe begeistert waren. Was nach euch kommt, wird sich an andre Vorstellungen gewhnen, es wird fremde Formen und einen andern Geschfts- und Lebensgang annehmen; und wie lange wird es noch dauern, da keiner mehr lebe, der Deutsche gesehen, oder von ihnen gehrt habe? Was von euch gefordert wird, ist nicht viel. Ihr sollt es nur ber euch erhalten, euch auf kurze Zeit zusammenzunehmen und zu denken ber das, was euch unmittelbar und offenbar vor den Augen liegt. Darber nur sollt ihr euch eine feste Meinung bilden, derselben treu bleiben und sie in eurer nchsten Umgebung auch uern und aussprechen. Es ist die Voraussetzung, es ist unsre sichere Ueberzeugung, da der Erfolg dieses Denkens bei euch allen auf die gleiche Weise ausfallen werde, und da, wenn ihr nur wirklich denket, und nicht hingehet in der bisherigen Achtlosigkeit, ihr bereinstimmend denken werdet; da wenn ihr nur berhaupt Geist euch anschaffet, und nicht in dem bloen Pflanzenleben verharren bleibt, die Einmtigkeit und Eintracht des Geistes von selbst kommen werde. Ist es aber einmal dazu gekommen, so wird alles brige, was uns ntig ist, sich von selbst ergeben. Dieses Denken aber wird denn auch in der Tat gefordert von jedem unter euch, der da noch denken kann ber etwas offen vor seinen Augen Liegendes, in seiner eignen Person. Ihr habt Zeit dazu; der Augenblick will euch nicht bertuben und berraschen; die Akten der mit euch gepflogenen Unterhandlungen bleiben unter euren Augen liegen. Legt sie nicht aus den Hnden, bis ihr einig geworden seid mit euch selbst. Lasset, o lasset euch ja nicht lssig machen durch das Verlassen auf andre, oder auf irgend etwas, das auerhalb eurer selbst liegt; noch durch die unverstndige Weisheit der Zeit, da die Zeitalter sich selbst machen, ohne alles menschliche Zutun, vermittelst irgendeiner unbekannten Kraft. Diese Reden sind nicht mde geworden, euch einzuschrfen, da euch durchaus nichts helfen kann, denn ihr euch selber, und sie finden ntig, es bis auf den letzten Augenblick zu wiederholen. Wohl mgen Regen und Tau und unfruchtbare oder fruchtbare Jahre gemacht werden durch eine uns unbekannte und nicht unter unsrer Gewalt stehende Macht; aber die ganz eigentmliche Zeit der Menschen, die menschlichen Verhltnisse, machen nur die Menschen sich selber und schlechthin keine auer ihnen befindliche Macht. Nur wenn sie alle insgesamt gleich blind und unwissend sind, fallen sie dieser verborgenen Macht anheim: aber es steht bei ihnen, nicht blind und unwissend zu sein. Zwar in welchem hhern oder niedern Grade es uns bel gehen wird, dies mag abhngen teils von jener unbekannten Macht, ganz besonders aber von dem Verstande und dem guten Willen derer, denen wir unterworfen sind. Ob aber jemals es uns wieder wohlgehen soll, dies hngt ganz allein von uns ab, und es wird sicherlich nie wieder irgendein Wohlsein an uns kommen, wenn wir nicht selbst es uns verschaffen: und insbesondere, wenn nicht jeder einzelne unter uns in seiner Weise tut und wirket, als ob er allein sei, und als ob lediglich auf ihm das Heil der knftigen Geschlechter beruhe. Dies ist's, was ihr zu tun habt; dies ohne Sumen zu tun, beschwren euch diese Reden. Sie beschwren euch, Jnglinge. Ich, der ich schon seit geraumer Zeit aufgehrt habe zu euch zu gehren, halte dafr, und habe es auch in diesen Reden ausgesprochen, da ihr noch fhiger seid eines jeglichen ber das Gemeine hinausliegenden Gedankens und erregbarer fr jedes Gute und Tchtige, weil euer Alter noch nher liegt den Jahren der kindlichen Unschuld und der Natur. Ganz anders sieht diesen Grundzug an euch an die Mehrheit der lteren Welt. Diese klaget euch an der Anmaung, des vorschnellen, vermessenen und eure Krfte berfliegenden Urteils, der Rechthaberei, der Neuerungssucht. Jedoch lchelt sie nur gutmtig dieser eurer Fehler. Alles dieses, meint sie, sei begrndet lediglich durch euren Mangel an Kenntnis der Welt, d. h. des allgemeinen menschlichen Verderbens, denn fr etwas anders an der Welt haben sie nicht Augen. Jetzt nur, weil ihr gleichgesinnte Gehilfen zu finden hofftet und den grimmigen und hartnckigen Widerstand, den man euren Entwrfen des Bessern entgegensetzen werde, nicht kenntet, httet ihr Mut. Wenn nur das jugendliche Feuer eurer Einbildungskraft einmal verflogen sein werde, wenn ihr nur die allgemeine Selbstsucht, Trgheit und Arbeitsscheu wahrnehmen wrdet, wenn ihr nur die Sigkeit des Fortgehens in dem gewohnten Gleise selbst einmal recht wrdet geschmeckt haben: so werde euch die Lust, besser und klger sein zu wollen, denn die andern alle, schon vergehen. Sie greifen diese gute Hoffnung von euch nicht etwa aus der Luft; sie haben dieselbe an ihrer eignen Person besttigt gefunden. Sie mssen bekennen, da sie in den Tagen ihrer unverstndigen Jugend ebenso von Weltverbesserung getrumt haben, wie ihr jetzt; dennoch seien sie bei zunehmender Reife so zahm und ruhig geworden, wie ihr sie jetzt sehet. Ich glaube ihnen; ich habe selbst schon in meiner nicht sehr langwierigen Erfahrung erlebt, da Jnglinge, die erst andre Hoffnung erregten, dennoch spterhin jenen wohlmeinenden Erwartungen dieses reifen Alters vollkommen entsprachen. Tut dies nicht lnger, Jnglinge, denn wie knnte sonst jemals ein besseres Geschlecht beginnen? Der Schmelz der Jugend zwar wird von euch abfallen, und die Flamme der Einbildungskraft wird aufhren, sich aus sich selber zu ernhren; aber fasset diese Flamme und verdichtet sie durch klares Denken, macht euch zu eigen die Kunst dieses Denkens, und ihr werdet die schnste Ausstattung des Menschen, den Charakter, noch zur Zugabe bekommen. An jenem klaren Denken erhaltet ihr die Quelle der ewigen Jugendblte; wie auch euer Krper altere oder eure Knie wanken, euer Geist wird in stets erneuerter Frischheit sich wiedergebren und euer Charakter feststehen und ohne Wandel. Ergreift sogleich die sich hier euch darbietende Gelegenheit; denkt klar ber den euch zur Beratung vorgelegten Gegenstand; die Klarheit, die in einem Punkte fr euch angebrochen ist, wird sich allmhlich auch ber allen brigen verbreiten. Diese Reden beschwren euch Alte. So wie ihr eben gehrt habt, denkt man von euch, und sagt es euch unter die Augen; und der Redner setzt in seiner eignen Person freimtig hinzu, da, die freilich auch nicht selten vorkommenden und um so verehrungswrdigern Ausnahmen abgerechnet, in Absicht der groen Mehrheit unter euch man vollkommen recht hat. Gehe man durch die Geschichte der letzten zwei oder drei Jahrzehnte; alles auer ihr selbst stimmt berein, sogar ihr selbst, jeder in dem Fache, das ihn nicht unmittelbar trifft, stimmt mit berein, da, immer die Ausnahmen abgerechnet und nur auf die Mehrheit gesehen, in allen Zweigen, in der Wissenschaft sowie in den Geschften des Lebens, die grere Untauglichkeit und Selbstsucht sich bei dem hheren Alter gefunden habe. Die ganze Mitwelt hat es mit angesehen, da jeder, der das Bessere und Vollkommenere wollte, auer dem Kampfe mit seiner eignen Unklarheit und den brigen Umgebungen noch den schwersten Kampf mit euch zu fhren hatte; da ihr des festen Vorsatzes waret, es msse nichts aufkommen, was ihr nicht ebenso gemacht und gewut httet; da ihr jede Regung des Denkens fr eine Beschimpfung eures Verstandes ansahet, und da ihr keine Kraft ungebraucht lieet, um in dieser Bekmpfung des Bessern zu siegen, wie ihr denn gewhnlich auch wirklich siegtet. So waret ihr die aufhaltende Kraft aller Verbesserungen, welche die gtige Natur aus ihrem stets jugendlichen Schoe uns darbot, so lange, bis ihr versammelt wurdet zu dem Staube, der ihr schon vorher waret, und das folgende Geschlecht, im Kriege mit euch, euch gleich geworden war und eure bisherige Verrichtung bernahm. Ihr drft nur auch jetzt handeln, wie ihr bisher bei allen Antrgen zur Verbesserung gehandelt habt, ihr drft nur wiederum eure eitle Ehre, da zwischen Himmel und Erde nichts sein solle, das ihr nicht schon erforscht httet, dem gemeinsamen Wohle vorziehen: so seid ihr durch diesen letzten Kampf alles fernern Kmpfens berhoben; es wird keine Verbesserung erfolgen, sondern Verschlimmerung auf Verschlimmerung, so da ihr noch manche Freude erleben knnt. Man wolle nicht glauben, da ich das Alter als Alter verachte und herabsetze. Wird nur durch Freiheit die Quelle des ursprnglichen Lebens und seiner Fortbewegung aufgenommen in das Leben, so wchst die Klarheit und mit ihr die Kraft, solange das Leben dauert. Ein solches Leben lebt sich besser, die Schlacken der irdischen Abkunft fallen immer mehr ab, und es veredelt sich herauf zum ewigen Leben und blht ihm entgegen. Die Erfahrung eines solchen Alters shnt nicht aus mit dem Bsen, sondern sie macht nur die Mittel klarer und die Kunst gewandter, um dasselbe siegreich zu bekmpfen. Die Verschlimmerung durch zunehmendes Alter ist lediglich die Schuld unsrer Zeit, und allenthalben, wo die Gesellschaft sehr verdorben ist, mu dasselbe erfolgen. Nicht die Natur ist es, die uns verdirbt, diese erzeugt uns in Unschuld, die Gesellschaft ist's. Wer nun der Einwirkung derselben einmal sich bergibt, der mu natrlich immer schlechter werden, je lnger er diesem Einflusse ausgesetzt ist. Es wre der Mhe wert, die Geschichte andrer sehr verdorbener Zeitalter in dieser Rcksicht zu untersuchen und zu sehen, ob nicht zum Beispiel auch unter der Regierung der rmischen Imperatoren das, was einmal schlecht war, mit zunehmendem Alter immer schlechter geworden. Euch Alte sonach und Erfahrene, die ihr die Ausnahme macht, euch zuvrderst beschwren diese Reden: besttigt, bestrkt, beratet in dieser Angelegenheit die jngere Welt, die ehrfurchtsvoll ihre Blicke nach euch richtet. Euch andre aber, die ihr in der Regel seid, beschwren sie: helfen sollt ihr nicht, stret nur dieses einzige Mal nicht, stellt euch nicht wieder, wie bisher immer, in den Weg mit eurer Weisheit und euren tausend Bedenklichkeiten. Diese Sache, sowie jede vernnftige Sache in der Welt, ist nicht tausendfach, sondern einfach, welches auch unter die tausend Dinge gehrt, die ihr nicht wit. Wenn eure Weisheit retten knnte, so wrde sie uns ja frher gerettet haben, denn ihr seid es ja, die uns bisher beraten haben. Dies ist nun, sowie alles andre, vergeben, und soll euch nicht weiter vorgerckt werden. Lernt nur endlich einmal euch selbst erkennen, und schweiget. Diese Reden beschwren euch Geschftsmnner. Mit wenigen Ausnahmen waret ihr bisher dem abgezogenen Denken und aller Wissenschaft, die fr sich selbst etwas zu sein begehrte, von Herzen feind, obwohl ihr euch die Miene gabet, als ob ihr dieses alles nur vornehm verachtet; ihr hieltet die Mnner, die dergleichen trieben, und ihre Vorschlge so weit von euch weg, als ihr irgend konntet; und der Vorwurf des Wahnsinnes, oder der Rat, sie ins Tollhaus zu schicken, war der Dank, auf den sie bei euch am gewhnlichsten rechnen konnten. Diese hinwiederum getrauten sich zwar nicht ber euch mit derselben Freimtigkeit sich zu uern, weil sie von euch abhingen, aber ihres innern Herzens wahrhafte Meinung war die: da ihr mit wenigen Ausnahmen seichte Schwtzer seiet und aufgeblasene Prahler, Halbgelehrte, die durch die Schule nur hindurchgelaufen, blinde Zutapper und Fortschleicher im alten Geleise, und die sonst nichts wollten oder knnten. Straft sie durch die Tat der Lge, und erweiset hierzu die jetzt euch dargebotene Gelegenheit; legt ab jene Verachtung fr grndliches Denken und Wissenschaft, lat euch bedeuten, und hret und lernet, was ihr nicht wit; auerdem behalten eure Anklger recht. Diese Reden beschwren euch Denker, Gelehrte, Schriftsteller, die ihr dieses Namens noch wert seid. Jener Tadel der Geschftsmnner an euch war in gewissem Sinne nicht ungerecht. Ihr ginget oft zu unbesorgt im Gebiete des bloen Denkens fort, ohne euch um die wirkliche Welt zu bekmmern, und nachzusehen, wie jenes an diese angeknpft werden knne; ihr beschriebet euch eure eigne Welt, und lieet die wirkliche zu verachtet und verschmhet auf der Seite liegen. Zwar mu alle Anordnung und Gestaltung des wirklichen Lebens ausgehen vom hheren ordnenden Begriffe, und das Fortgehen im gewohnten Geleise tut's ihm nicht; dies ist eine ewige Wahrheit, und drckt in Gottes Namen mit unverhohlener Verachtung jeglichen nieder, der es wagt, sich mit den Geschften zu befassen, ohne dieses zu wissen. Zwischen dem Begriffe jedoch und der Einfhrung desselben in jedwedes besondere Leben liegt eine groe Kluft. Diese Kluft auszufllen ist sowohl das Werk des Geschftsmannes, der freilich schon vorher so viel gelernt haben soll, um euch zu verstehen, als auch das eurige, die ihr ber der Gedankenwelt das Leben nicht vergessen sollt. Hier trefft ihr beide zusammen. Statt ber die Kluft hinber einander scheel anzusehen und herabzuwrdigen, beeifere sich vielmehr jeder Teil von seiner Seite dieselbe auszufllen, und so den Weg zur Vereinigung zu bahnen. Begreift es doch endlich, da ihr beide untereinander euch also notwendig seid, wie Kopf und Arm sich notwendig sind. Diese Reden beschwren noch in andern Rcksichten euch Denker, Gelehrte, Schriftsteller, die ihr dieses Namens noch wert seid. Eure Klagen ber die allgemeine Seichtigkeit, Gedankenlosigkeit und Verflossenheit, ber den Klugdnkel und das unversiegbare Geschwtz, ber die Verachtung des Ernstes und der Grndlichkeit in allen Stnden mgen wahr sein, wie sie es denn sind. Aber welcher Stand ist es denn, der diese Stnde insgesamt erzogen hat, der ihnen alles Wissenschaftliche in ein Spiel verwandelt, und von der frhesten Jugend an zu jenem Klugdnkel und jenem Geschwtze sie angefhrt hat? Wer ist es denn, der auch die der Schule entwachsenen Geschlechter noch immerfort erzieht? Der in die Augen fallendste Grund der Dumpfheit des Zeitalters ist der, da es sich dumpf gelesen hat an den Schriften, die ihr geschrieben habt. Warum lat ihr dennoch immerfort euch so angelegen sein, dieses mige Volk zu unterhalten, unerachtet ihr wit, da es nichts gelernt hat und nichts lernen will; nennt es Publikum, schmeichelt ihm als eurem Richter, hetzt es auf gegen eure Mitbewerber, und sucht diesen blinden und verworrenen Haufen durch jedes Mittel auf eure Seite zu bringen; gebt endlich selbst in euren Rezensieranstalten und Journalen ihm so Stoff wie Beispiel seiner vorschnellen Urteilerei, indem ihr da ebenso ohne Zusammenhang, und so aus freier Hand in den Tag hinein urteilt, meist ebenso abgeschmackt, wie es auch der letzte eurer Leser knnte? Denkt ihr nicht alle so, gibt es unter euch noch Bessergesinnte, warum vereinigen sich denn nicht diese Bessergesinnten, um dem Unheile ein Ende zu machen? Was insbesondere jene Geschftsmnner anbelangt; diese sind bei euch durch die Schule gelaufen, ihr sagt es selbst. Warum habt ihr denn diesen ihren Durchgang nicht wenigstens dazu benutzt, um ihnen einige stumme Achtung fr die Wissenschaften einzuflen, und besonders dem hochgeborenen Jnglinge den Eigendnkel beizeiten zu brechen, und ihm zu zeigen, da Stand und Geburt in Sachen des Denkens nichts frdert? Habt ihr ihm vielleicht schon damals geschmeichelt, und ihn ungebhrlich hervorgehoben, so traget nun, was ihr selbst veranlat habt! Sie wollen euch entschuldigen, diese Reden, mit der Voraussetzung, da ihr die Wichtigkeit eures Geschfts nicht begriffen httet; sie beschwren euch, da ihr euch von Stund an bekannt macht mit dieser Wichtigkeit, und es nicht lnger als ein bloes Gewerbe treibt. Lernt euch selbst achten, und zeigt in eurem Handeln, da ihr es tut, und die Welt wird euch achten. Die erste Probe davon werdet ihr ablegen durch den Einflu, den ihr auf die angetragene Entschlieung euch geben, und durch die Weise, wie ihr euch dabei benehmen werdet. Diese Reden beschwren euch Frsten Deutschlands. Diejenigen, die euch gegenber so tun, als ob man euch gar nichts sagen drfte, oder zu sagen htte, sind verchtliche Schmeichler, sie sind arge Verleumder eurer selbst; weiset sie weit weg von euch. Die Wahrheit ist, da ihr ebenso unwissend geboren werdet, als wir andern alle, und da ihr hren mt und lernen, gleich wie auch wir, wenn ihr herauskommen sollt aus dieser natrlichen Unwissenheit. Euer Anteil an der Herbeifhrung des Schicksals, das euch zugleich mit euren Vlkern betroffen hat, ist hier auf die mildeste, und wie wir glauben, auf die allein gerechte und billige Weise dargelegt worden, und ihr knnt euch, falls ihr nicht etwa nur Schmeichelei, niemals aber Wahrheit hren wollt, ber diese Reden nicht beklagen. Dies alles sei vergessen, so wie wir andern alle auch wnschen, da unser Anteil an der Schuld vergessen werde. Jetzt beginnt, so wie fr uns alle, also auch fr euch, ein neues Leben. Mchte doch diese Stimme durch alle die Umgebungen hindurch, die euch unzugnglich zu machen pflegen, bis zu euch dringen! Mit stolzem Selbstgefhl darf sie euch sagen: ihr beherrschet Vlker, treu, bildsam, des Glcks wrdig, wie keiner Zeit und keiner Nation Frsten sie beherrscht haben. Sie haben Sinn fr die Freiheit und sind derselben fhig; aber sie sind euch gefolgt in den blutigen Krieg gegen das, was ihnen Freiheit schien, weil ihr es so wolltet. Einige unter euch haben spterhin anders gewollt, und sie sind euch gefolgt in das, was ihnen ein Ausrottungskrieg scheinen mute gegen einen der letzten Reste deutscher Unabhngigkeit und Selbstndigkeit; auch weil ihr es so wolltet. Sie dulden und tragen seitdem die drckende Last gemeinsamer Uebel; und sie hrten nicht auf, euch treu zu sein, mit inniger Ergebung an euch zu hangen, und euch zu lieben, als ihre ihnen von Gott verliehenen Vormnder. Mchtet ihr sie doch, unbemerkt von ihnen, beobachten knnen; mchtet ihr doch, frei von den Umgebungen, die nicht immer die schnste Seite der Menschheit euch darbieten, herabsteigen knnen in die Huser des Brgers, in die Htten des Landmanns, und dem stillen und verborgenen Leben dieser Stnde, zu denen die in den hhern Stnden seltener gewordene Treue und Biederkeit ihre Zuflucht genommen zu haben scheint, betrachtend folgen knnen; gewi, o gewi wrde euch der Entschlu ergreifen, ernstlicher denn jemals nachzudenken, wie ihnen geholfen werden knne. Diese Reden haben euch ein Mittel der Hilfe vorgeschlagen, das sie fr sicher, durchgreifend und entscheidend halten. Lasset eure Rte sich beratschlagen, ob sie es auch so finden, oder ob sie ein besseres wissen, nur, da es ebenso entscheidend sei. Die Ueberzeugung aber, da etwas geschehen msse, und auf der Stelle geschehen msse, und etwas Durchgreifendes und Entscheidendes geschehen msse, und da die Zeit der halben Maregeln und der Hinhaltungsmittel vorber sei: diese Ueberzeugung mchten sie gern, wenn sie knnten, bei euch selbst hervorbringen, indem sie zu eurem Biedersinne noch das meiste Vertrauen hegen. Euch Deutsche insgesamt, welchen Platz in der Gesellschaft ihr einnehmen mget, beschwren diese Reden, da jeder unter euch, der da denken kann, zuvrderst denke ber den angeregten Gegenstand, und da jeder dafr tue, was gerade ihm an seinem Platze am nchsten liegt. Es vereinigen sich mit diesen Reden und beschwren euch eure Vorfahren. Denket, da in meine Stimme sich mischen die Stimmen eurer Ahnen aus der grauen Vorwelt, die mit ihren Leibern sich entgegengestemmt haben der heranstrmenden rmischen Weltherrschaft, die mit ihrem Blute erkmpft haben die Unabhngigkeit der Berge, Ebenen und Strme, welche unter euch den Fremden zur Beute geworden sind. Sie rufen euch zu: vertretet uns, berliefert unser Andenken ebenso ehrenvoll und unbescholten der Nachwelt, wie es auf euch gekommen ist, und wie ihr euch dessen und der Abstammung von uns gerhmt habt. Bis jetzt galt unser Widerstand fr edel und gro und weise, wir schienen die Eingeweihten zu sein und die Begeisterten des gttlichen Weltplans. Gehet mit euch unser Geschlecht aus, so verwandelt sich unsre Ehre in Schimpf, und unsre Weisheit in Torheit. Denn sollte der deutsche Stamm einmal untergehen in das Rmertum, so war es besser, da es in das alte geschhe, denn in ein neues. Wir standen jenem und besiegten es; ihr seid verstubt worden vor diesem. Auch sollt ihr nun, nachdem einmal die Sachen also stehen, sie nicht besiegen mit leiblichen Waffen; nur euer Geist soll sich ihnen gegenber erheben und aufrechtstehen. Euch ist das grere Geschick zuteil geworden, berhaupt das Reich des Geistes und der Vernunft zu begrnden, und die rohe krperliche Gewalt insgesamt, als beherrschendes der Welt, zu vernichten. Werdet ihr dies tun, dann seid ihr wrdig der Abkunft von uns. Auch mischen in diese Stimmen sich die Geister eurer sptern Vorfahren, die da fielen im heiligen Kampfe fr Religions- und Glaubensfreiheit. Rettet auch unsre Ehre, rufen sie euch zu. Uns war nicht ganz klar, wofr wir stritten; auer dem rechtsmigen Entschlusse, in Sachen des Gewissens durch uere Gewalt uns nicht gebieten zu lassen, trieb uns noch ein hherer Geist, der uns niemals sich ganz enthllte. Euch ist er enthllt, dieser Geist, falls ihr eine Sehkraft habt fr die Geisterwelt, und blickt euch an mit hohen klaren Augen. Das bunte und verworrene Gemisch der sinnlichen und geistigen Antriebe durcheinander soll berhaupt der Weltherrschaft entsetzt werden, und der Geist allein, rein und ausgezogen von allen sinnlichen Antrieben, soll an das Ruder der menschlichen Angelegenheiten treten. Damit diesem Geiste die Freiheit werde, sich zu entwickeln und zu einem selbstndigen Dasein emporzuwachsen, dafr flo unser Blut. An euch ist's, diesem Opfer seine Bedeutung und seine Rechtfertigung zu geben, indem ihr diesen Geist einsetzt in die ihm bestimmte Weltherrschaft. Erfolgt nicht dieses, als das letzte, worauf alle bisherige Entwicklung unsrer Nation zielte, so werden auch unsre Kmpfe zum vorberrauschenden leeren Possenspiele, und die von uns erfochtene Geistes- und Gewissensfreiheit ist ein leeres Wort, wenn es von nun an berhaupt nicht lnger Geist oder Gewissen geben soll. Es beschwren euch eure noch ungeborne Nachkommen. Ihr rhmt euch eurer Vorfahren, rufen sie euch zu, und schliet mit Stolz euch an an eine edle Reihe. Sorget, da bei euch die Kette nicht abreie: machet, da auch wir uns eurer rhmen knnen, und durch euch, als untadeliges Mittelglied, hindurch uns anschlieen an dieselbe glorreiche Reihe. Veranlasset nicht, da wir uns der Abkunft von euch schmen mssen, als einer niedern, barbarischen, sklavischen, da wir unsre Abstammung verbergen oder einen fremden Namen und eine fremde Abkunft erlgen mssen, um nicht sogleich, ohne weitere Prfung, weggeworfen oder zertreten zu werden. Wie das nchste Geschlecht, das von euch ausgehen wird, sein wird, also wird euer Andenken ausfallen in der Geschichte: ehrenvoll, wenn dieses ehrenvoll fr euch zeugt; sogar ber die Gebhr schmhlich, wenn ihr keine laute Nachkommenschaft habt, und der Sieger eure Geschichte macht. Noch niemals hat ein Sieger Neigung oder Kunde genug gehabt, um die Ueberwundenen gerecht zu beurteilen. Je mehr er sie herabwrdigt, desto gerechter steht er selbst da. Wer kann wissen, welche Grotaten, welche treffliche Einrichtungen, welche edle Sitten manches Volkes der Vorwelt in Vergessenheit geraten sind, weil die Nachkommen unterjocht wurden, und der Ueberwinder, seinen Zwecken gem, unwidersprochen Bericht ber sie erstattete. Es beschwret euch selbst das Ausland, inwiefern dasselbe nur noch im mindesten sich selbst versteht und noch ein Auge hat fr seinen wahren Vorteil. Ja, es gibt noch unter allen Vlkern Gemter, die noch immer nicht glauben knnen, da die groen Verheiungen eines Reichs des Rechts, der Vernunft und der Wahrheit an das Menschengeschlecht eitel und ein leeres Trugbild seien, und die daher annehmen, da die gegenwrtige eiserne Zeit nur ein Durchgang sei zu einem bessern Zustande. Diese, und in ihnen die gesamte neuere Menschheit, rechnet auf euch. Ein groer Teil derselben stammt ab von uns, die brigen haben von uns Religion und jedwede Bildung erhalten. Jene beschwren uns bei dem gemeinsamen vaterlndischen Boden, auch ihrer Wiege, den sie uns frei hinterlassen haben; diese bei der Bildung, die sie von uns als Unterpfand eines hhern Glcks bekommen haben -- uns selbst auch fr sie, und um ihrer willen zu erhalten, so wie wir immer gewesen sind, aus dem Zusammenhange des neu entsprossenen Geschlechts nicht dieses ihm so wichtige Glied herausreien zu lassen, damit, wenn sie einst unsers Rates, unsers Beispiels, unsrer Mitwirkung gegen das wahre Ziel des Erdenlebens hin bedrfen, sie uns nicht schmerzlich vermissen. Alle Zeitalter, alle Weise und Gute, die jemals auf dieser Erde geatmet haben, alle ihre Gedanken und Ahnungen eines Hhern, mischen sich in diese Stimmen und umringen euch, und heben flehende Hnde zu euch auf; selbst, wenn man so sagen darf, die Vorsehung und der gttliche Weltplan bei Erschaffung eines Menschengeschlechts, der ja nur da ist, um von Menschen gedacht und durch Menschen in die Wirklichkeit eingefhrt zu werden, beschwret euch, seine Ehre und sein Dasein zu retten. Ob jene, die da glaubten, es msse immer besser werden mit der Menschheit, und die Gedanken einer Ordnung und einer Wrde derselben seien keine leeren Trume, sondern die Weissagung und das Unterpfand der einstigen Wirklichkeit, recht behalten sollen, oder diejenigen, die in ihrem Tier- und Pflanzenleben hinschlummern, und jedes Auffluges in hhere Welten spotten: -- darber ein letztes Endurteil zu begrnden, ist euch anheimgefallen. Die alte Welt mit ihrer Herrlichkeit und Gre, sowie mit ihren Mngeln, ist versunken, durch die eigne Unwrde und durch die Gewalt eurer Vter. Ist in dem, was in diesen Reden dargelegt worden, Wahrheit, so seid unter allen neueren Vlkern ihr es, in denen der Keim der menschlichen Vervollkommnung am entschiedensten liegt, und denen der Vorschritt in der Entwicklung derselben aufgetragen ist. Gehet ihr in dieser eurer Wesenheit zugrunde, so gehet mit euch zugleich alle Hoffnung des gesamten Menschengeschlechts auf Rettung aus der Tiefe seiner Uebel zugrunde. Hoffet nicht und trstet euch nicht mit der aus der Luft gegriffenen, auf bloe Wiederholung der schon eingetretenen Flle rechnenden Meinung, da ein zweites Mal, nach Untergang der alten Bildung, eine neue, auf den Trmmern der ersten, aus einer halbbarbarischen Nation hervorgehen werde. In der alten Zeit war ein solches Volk, mit allen Erfordernissen zu dieser Bestimmung ausgestattet, vorhanden, und war dem Volke der Bildung recht wohl bekannt und ist von ihnen beschrieben; und diese selbst, wenn sie den Fall ihres Unterganges zu setzen vermocht htten, wrden an diesem Volke das Mittel der Wiederherstellung haben entdecken knnen. Auch uns ist die gesamte Oberflche der Erde recht wohl bekannt, und alle die Vlker, die auf derselben leben. Kennen wir denn nun ein solches, dem Stammvolke der neuen Welt hnliches Volk, von welchem die gleichen Erwartungen sich fassen lieen? Ich denke, jeder, der nur nicht blo schwrmerisch meint und hofft, sondern grndlich untersuchend denkt, werde diese Frage mit Nein beantworten mssen. Es ist daher kein Ausweg: wenn ihr versinkt, so versinkt die ganze Menschheit mit, ohne Hoffnung einer einstigen Wiederherstellung. Dies war es, E. V., was ich Ihnen, als meinen Stellvertreter der Nation, und durch Sie der gesamten Nation, am Schlusse dieser Reden noch einschrfen wollte und sollte. * * * * * Die folgende Liste enthlt die vorgenommenen nderungen. Vierte Rede: S. 66: erlassen -> erfassen (gar nicht zu erfassen) S. 70: den -> denn (denn jener selbst) Fnfte Rede: S. 75: Ganze -> Ganzes (ein vollendetes Ganzes) Sechste Rede: S. 98: er -> es (so fand es keinen Gegner) Achte Rede: S. 124: letzen -> letzten (Die vier letzten Reden) Zehnte Rede: S. 175: da -> das (das nicht in ihm selbst) Elfte Rede: S. 192: allerhochsten -> allerhchsten (allerhchsten Gewinn) Vierzehnte Rede: S. 235: da -> das (etwas ist, das unsrer) End of the Project Gutenberg EBook of Reden an die deutsche Nation, by Johann Gottlieb Fichte License: Share Alike