Produced by The Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net [Illustration:] * * * * * Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, Stuttgart Die Gesellschaft Kosmos will die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verstndnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. -- Dieses Ziel glaubt die Gesellschaft durch Verbreitung guter naturwissenschaftlicher Literatur zu erreichen mittels des $Kosmos$, Handweiser fr Naturfreunde Jhrlich 12 Hefte. Preis M 2.80; ferner durch Herausgabe neuer, von ersten Autoren verfater, im guten Sinne gemeinverstndlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts. Es erscheinen im Vereinsjahr 1914 (nderungen vorbehalten): Wilh. Blsche, Tierwanderungen in der Urwelt. Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W. Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W. Dr. Alexander Lipschtz, Warum wir sterben. Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W. Dr. Fritz Kahn, Die Milchstrae. Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W. Dr. Oskar Nagel, Romantik der Chemie. Reich illustriert. Geheftet M 1.-- = K 1.20 h . W. Diese Verffentlichungen sind durch =alle Buchhandlungen= zu beziehen; daselbst werden Beitrittserklrungen (Jahresbeitrag nur M 4.80) zum $Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde$ (auch nachtrglich noch fr die Jahre 1904/13 unter den gleichen gnstigen Bedingungen), entgegengenommen. (Satzung, Bestellkarte, Verzeichnis der erschienenen Werke usw. siehe am Schlusse dieses Werkes.) Geschftsstelle des Kosmos: Franckh'sche Verlagshandlung, Stuttgart. * * * * * Meeresfische Von Dr. Kurt Floericke Mit zahlreichen Abbildungen nach Originalaufnahmen und Zeichnungen von Oberlehrer W. Koehler, Fr. Ward, R. Oeffinger u. a. und einem Umschlagbild von Willy Planck [Illustration] Stuttgart Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde Geschftsstelle: Franckh'sche Verlagshandlung 1914 Alle Rechte, besonders das bersetzungsrecht, vorbehalten. _Copyright 1914 by Franckh'sche Verlagshandlung Stuttgart_ STUTTGARTER SETZMASCHINEN-DRUCKEREI HOLZINGER & Co., STUTTGART * * * * * [Illustration] Furchtbar zugleich und fruchtbar ist das Meer. Mit heiliger Scheu erfllt uns der endlose Ozean, wenn er, aufgewhlt und aufgepeitscht von heulenden Sturmwinden, tobend und brausend hohe, weigekrnte Wogenkmme wie eine finstere, verderbenbringende Todesmauer zum Lande wlzt, Leichen auf seinem Rcken trgt und alles Lebende mit wuchtigem Wellenschlag zu vernichten droht; mit andchtiger Bewunderung aber, wenn er sich wieder besnftigt hat, wenn an der nur leicht gekruselten, sanft und ruhig atmenden Oberflche im glitzernden Sonnenschein Scharen silberner Fischlein in bermtigem Spiel sich tummeln und das kristallklare Wasser an felsiger Kste ungeahnte Einblicke tun lt in die Tiefe mit ihrem so eigenartigen, geheimnisvollen, mannigfaltigen Weben und Leben; mit warmer Liebe endlich, wenn wir gedenken, wie unendlich viel von jeher der reiche Ozean beigetragen hat, die menschlichen Bewohner des Erdballs zu ernhren, die entlegensten Vlker mit einander zu verbinden, ihnen einen leichten und bequemen Austausch ihrer Erzeugnisse zu ermglichen, ihre Phantasie zu befruchten und ihre knstlerische Schaffenskraft anzuregen. Neptun gebietet ber das weiteste und ausgedehnteste Reich auf unserem Planeten, und die Zahl und Mannigfaltigkeit der seinem strengen Szepter unterstehenden Tierwelt, ihre grotesken Formen, ihre erstaunliche Fruchtbarkeit und ihre weitgehenden biologischen Anpassungen an die Eigenart der verschiedenen Meeresteile finden auf dem Festlande kaum ihresgleichen. Voll ungeahnter Wunder ist des Meeres dunkler Scho, aber nur langsam und zgernd enthllen sie sich dem rastlos forschenden Menschengeiste. Kaum vermag unser Auge die verwirrende Flle der Erscheinungen noch zu berschauen. Fhren doch allein an 10000 Fischarten in all den Erdenmeeren ein unseren Blicken mehr oder minder verborgenes Dasein. Gerade dieser Umstand erscheint in hohem Mae geeignet, unsere Kenntnis von den Lebensgewohnheiten der Seefische zu erschweren; so sehr sie auch whrend der letzten Jahrzehnte durch die berraschenden Fortschritte der Meeresforschung gefrdert worden ist, so wenig ist doch ausfhrlichere Kunde davon in die groe Masse der heutigen Kulturmenschheit gedrungen, wenn auch anderseits die Fischerbevlkerung der Kstenlnder schon im eigensten Lebensinteresse geradezu gezwungen war, praktische Fischkunde zu lernen. Aber wie viele sonst hoch gebildete Bewohner des Binnenlandes gibt es doch, die selbst die allergewhnlichsten Seefische lediglich von genossenen Tafelfreuden oder aus den Bottichen der Marktweiber her kennen, von ihrer merkwrdigen Lebensfhrung dagegen kaum mehr wissen als von der hochinteressanten Art und Weise ihrer Erbeutung. Und doch ist diese von tief einschneidender Bedeutung nicht nur fr das gesamte Wirtschaftsleben unserer Kstenprovinzen, sondern auch fr die Fleischversorgung unseres gesamten Vaterlandes, da bei den stndig steigenden Schlachtviehpreisen einerseits und den erheblich verbesserten Transportmitteln anderseits (selbst aus Westafrika bringt man neuerdings in Khlkammern oder auf Schneelagern in 23tgiger Fahrt Plattfische und Seehechte in vollkommen gebrauchsfrischem Zustande nach Paris) der Verbrauch von Seefischfleisch auch im Binnenlande eine fortwhrend zunehmende Wichtigkeit erhlt. Die deutsche =Hochseefischerei=, die jetzt zumeist mit eigens dazu ausgersteten, besonders seetchtigen Fischdampfern betrieben wird, ist denn auch in erfreulicher Aufwrtsentwicklung begriffen, obgleich es noch lange dauern wird, bis sie den ungeheuren Vorsprung, den namentlich die Englnder auf diesem Gebiete besitzen, einigermaen wettgemacht haben wird. Sie beschftigt ber 30000 wettergesthlte Mnner, die in ihrem gefahrvollen und anstrengenden Berufe fr den Ausbau eines Gewerbszweiges kmpfen, dessen ungeheure volkswirtschaftliche Bedeutung fr Deutschland lange genug verkannt worden ist und auch jetzt noch nicht ganz die ihm gebhrende Wertschtzung findet. Der Wert der ans Land gebrachten Fische belief sich im Jahre 1908 auf rund 29 Millionen Mark, aber trotzdem konnten von unseren 11 Fischereigesellschaften nur 4 eine Dividende zahlen (die Emdener Heringsfischerei 7%), ein Zeichen, da die gesamte Organisation noch sehr in den Kinderschuhen steckt. Der Staat tut alles, um sie zu heben und bewilligte allein 400000 M an Bauprmien fr Fischereifahrzeuge, whrend anderseits die Wissenschaft mit den wertvollen Ergebnissen ihrer Forschungen der Fischerei zu Hilfe kommt, berhaupt gerade auf diesem Gebiet ein inniger und sehr vorteilhafter Wechselverkehr zwischen Wissenschaft und Praxis besteht, der beiden in hohem Mae zum Vorteil gereicht. Wie weit bei guten Vorkehrungen die Ertrge der Seefischerei gesteigert werden knnen, ersieht man aus der englischen Statistik. An den dortigen Ksten wurden beispielsweise im Jahre 1906 20-1/2 Millionen Zentner Fische erbeutet und daraus 11,326 Millionen Pfd. St. erzielt. Die neuesten Errungenschaften der Technik kommen dort wie auch in Norwegen beim Fischfang zur Verwendung. Selbst das Telephon. Der hierbei benutzte Apparat besteht aus einem zur Aufnahme des Schalles dienenden Mikrophon, das in einer wasserdichten Stahlkapsel eingeschlossen und durch Leitungsdrhte stndig mit einem telephonischen Empfnger an Bord des Fangschiffes verbunden ist. Durch diese Vorrichtung werden die Fischer frhzeitig von dem Herannahen und der Richtung der groen Fischzge in Kenntnis gesetzt, knnen auch gleich auf deren Art schlieen, indem z. B. Heringe durch pfeifende, Dorsche durch grunzende Gerusche sich verraten. Hervorgerufen werden diese wahrscheinlich durch die unablssige Bewegung von Millionen von Flossen und Kiemen im Wasser. Leider ist unsere Seefischerei trotz aller Anstrengungen noch nicht imstande, den Eigenbedarf unseres Volkes an Fischfleisch zu decken. Noch mssen wir fr nahezu 120 Millionen jhrlich vom Ausland beziehen, whrend unsere Ausfuhr noch nicht 12 Millionen betrgt. Unter den eingefhrten Fischen stehen obenan gesalzene Heringe mit 36,5, Bcklinge mit 2,3, Kaviar mit 9,5, Lachse mit 7,25, Sardellen mit 1,75 und frische Karpfen mit 1,8 Millionen Mark. Dabei nimmt in unserer Zeit der Fleischteuerung die Nachfrage nach Seefisch noch fortwhrend zu, namentlich seit das frhere Vorurteil der Binnenlnder gegen diese Kost zu schwinden beginnt, wenn auch leider nur sehr langsam und allmhlich. Viel dazu beigetragen hat die Abhaltung von Seefisch-Kochkursen und die planvolle Organisierung des Fischverkaufs in den stdtischen Markthallen. So wurden allein in Berlin vom Oktober 1911 bis Februar 1912 rund 230000 kg frische Seefische durch die stdtischen Verkaufsstellen abgesetzt. Im Vergleiche zu der Statistik des Pariser Fischmarktes erscheint diese Zahl freilich noch recht geringfgig. Dort kommen whrend der khlen Jahreszeit Tag fr Tag 110-115000 kg Meeresbewohner in die stdtischen Markthallen, wobei allerdings Krebse und Muscheln mitgerechnet sind, ja an den Fastentagen steigert sich diese ungeheure Menge auf 200000 kg. Bei uns macht nach den Berechnungen von Knig und Splittgerber das Fischfleisch nur 1/8-1/10 des berhaupt genossenen Fleisches aus. Auf den Kopf der Bevlkerung kommen jhrlich etwa 6,8 kg Fisch, wovon 6 kg auf Seefisch entfallen und 40-50% fr den Abfall in Abzug zu bringen sind, soda nur 3,5-4 kg reines Fischfleisch brig bleiben. Im allgemeinen ist dessen Nhrwert und Verdaulichkeit dem des Fleisches der nutzbaren Haustiere gleichzusetzen, aber wenigstens das Seefischfleisch hat den groen Vorzug, wesentlich billiger zu sein, selbst wenn man dabei in Anschlag bringt, da es an sich schon wasserreich ist und wegen der kurzen Kochdauer nur einen unwesentlichen Wasserverlust erleidet, daher zur Sttigung in grerer Menge genossen werden mu. Bei Rucherfischen kommt dieser belstand ohnedies in Wegfall, whrend bei eingemachten Fischen ein groer Teil der wertvollen Nhrstoffe in die Laken und Saucen entweicht. Die Verdaulichkeit wird durch das Kochen in geringerem Mae beeintrchtigt als beim Rindfleisch. So vermag das Fischfleisch selbst krperlich stark angestrengten Menschen ein vollwertiger Ersatz fr anderes Fleisch zu sein, und in Ruland erhlt beispielsweise das Militr zweimal wchentlich Fisch, whrend man bei uns in dieser Beziehung noch nicht weit ber tastende Versuche hinausgekommen ist. Auch vorzgliche Eiweiprparate stellt man neuerdings aus Fischfleisch her. So erscheint das Meer als der denkbar ergiebigste Acker, dessen planmige Bebauung und zielbewute Bewirtschaftung sich durch reiche Ertrge lohnt, aber leicht ist die Hebung seiner Schtze nicht, und vom Meeresgrunde bis zur Feinschmeckertafel in einem Berliner Luxushotel ist ein gar weiter Weg. Fabelhaft fast erscheinen die Fruchtbarkeit und der Reichtum der See, aber unerschpflich sind sie nicht, und rcksichtsloser Raubbau mu sich schlielich auch hier bitter rchen wie berall. Namentlich in der Nordsee, wo heute alljhrlich 600 Dampfer und 5000 Segler auf Fischfang ausziehen, machen sich schon bedenkliche Anzeichen von berfischerei bemerkbar, weil dem Meere zu viel unbrauchbare Jungfische entzogen oder diese, wenn man sie auch wieder ins Wasser wirft, doch nicht schonend genug behandelt werden. So sind groe Seezungen und Schollen schon recht sprlich geworden, ja es steht zu befrchten, da von den bevorzugten Speisefischen berhaupt nur noch wenige das laichfhige Alter erreichen und fr die Fortpflanzung ihrer Art sorgen knnen. Eckert schtzt den Gesamtertrag der Weltfischerei auf 4 Millionen Tonnen im Werte von 1 Milliarde Mark; das erscheint verhltnismig wenig, dabei ist aber zu bercksichtigen, da ausgedehnte und zweifellos sehr ergiebige Fischereigrnde in den afrikanischen, sdamerikanischen und australischen Gewssern der Fischereiwirtschaft berhaupt noch nicht erschlossen sind. Nahezu 70% der ganzen Ausbeute entfallen auf den Atlantik, wobei die Nordsee mit 1/5-1/4 beteiligt ist, keine 30% auf den Stillen Ozean und kaum 1% auf den Indischen. Was die einzelnen Staaten anbelangt, so kommen auf die von Nordamerika 23%, auf England 22%, auf Kanada und Norwegen je 13%, auf Ruland 6%, auf Frankreich 4%, auf Holland 3%, auf Spanien und Portugal 2-1/2%, auf Italien 1-1/2%. Whrend das kleine Japan mit 10-1/2% recht stattlich dasteht, spielt Deutschland mit nur 2-1/2% in dieser Liste noch immer eine ziemlich klgliche Rolle, obgleich sich der Ertrag unserer Hochseefischerei durch die dankenswerten Bemhungen einer einsichtigen Regierung innerhalb 15 Jahren um das Zehnfache gesteigert hat. Auch sterreich-Ungarn erweist sich trotz der herrlichen, fischreichen Adria mit ihrem prchtigen Klima und ihren zahlreichen ruhigen Buchten in bezug auf die Entwicklung der Ksten- oder gar der Hochseefischerei noch als recht rckstndig, wie ja fast auf allen Gebieten. Das Fett schpfen dort die benachbarten Italiener ab, und die Kstenbevlkerung von Triest und Fiume ab bis nach Spalato und Cattaro hinunter begrt alljhrlich mit Freuden die buntbemalten Segel der anfahrenden Chioggioten-Flottille, weil sie gesunde und wohlfeile Nahrung auf den Markt bringt. Tausende von rmeren Familien in Istrien und Dalmatien leben dann nur von Fischen und Polenta und sehen uerst selten anderes Fleisch in ihren Tpfen. Der auf Backhuhn und Gulasch eingeschworene Wiener dagegen, der selbst die kstliche Forelle barbarischerweise in gebackenem Zustande geniet, hat dem Seefischfleisch noch immer keinen Geschmack abzugewinnen vermocht, und daran sind alle Bemhungen zur Schaffung eines grozgig eingerichteten Seefischversands im Reiche des Doppeladlers mehr oder minder gescheitert. Glcklicherweise zhlt unsere fast berall mit Grundnetzen erreichbare Nordsee nchst den nordamerikanischen Gestaden des Atlantik zu den fruchtbarsten Meeren der Erde, ber ihren zahlreichen Bnken und Untiefen wimmelt es fast buchstblich von Fischen, nur da sich diesen Segen in frheren Zeiten fast ausschlielich die Englnder zunutze zu machen verstanden, whrend mehr als 2 Meilen von der Kste berhaupt kaum ein deutscher Fischkutter anzutreffen war. Das deutsche Meer, so heit es in einem englischen Gutachten, ist ertragsfhiger als unser Ackerland; unsere reichsten Felder sind weniger fruchtbar an Nahrungsstoffen, als diese Fischereigrnde. Ein Morgen guten Landes liefert etwa 20 Zentner Getreide jhrlich oder 3 Zentner Fleisch und Kse; auf einer ebenso groen Wasserflche mit Fischereigrund aber kann man dasselbe Gewicht an Nahrungsmitteln jede Woche ernten. Fnf Fischereiboote zogen in einer einzigen Nacht aus einer kaum 50 Morgen groen Flche des deutschen Meeres den Wert von 50 Ochsen und 300 Schafen in Form von leicht verdaulichen und schmackhaften Fischen. Und was das Wichtigste ist, diese Ochsen und Schafe sind kostenlos und ohne alle Mhe im Wasser entstanden, erzogen und gemstet worden. Mag dieses Urteil auch ein bertriebenes und allzu optimistisches sein, Tatsache ist jedenfalls, da man bei uns lange Jahrhunderte hindurch den Meeressegen nicht zu wrdigen verstand und sich erst in neuester Zeit allmhlich seiner ungeheuren volkswirtschaftlichen Bedeutung bewut geworden ist. Selbst die der Nordsee angrenzenden Kleinstaaten waren und sind uns in dieser Beziehung weit ber, denn Holland verdankt seinen Reichtum dem Heringsfange, und Norwegen, wo ein groer Teil der Bevlkerung ohne Fischerei gar nicht bestehen knnte, gewinnt aus ihr weit mehr Taler, als es Einwohner zhlt. Nun ist ja endlich auch bei uns ein vielversprechender Anfang zur Ausbeutung der feuchten Schatzkammern gemacht worden, aber die ersten Jahre deutscher Hochseefischerei waren doch kaum etwas anderes als blindlings unternommene Plnderungszge, Raubbau schlimmster Art, frmliche Seeruberei, und erst neuerdings beginnt man sich eines Besseren zu besinnen und die Sache planmiger zu gestalten. Das ist auch dringend ntig. Wir mssen lernen, die flssige, sich selbst befruchtende Flche ebenso rationell zu bewirtschaften, wie den Acker, wir mssen hier wie dort pflgen, hegen und ernten lernen, mssen ebenso gute Wasser- wie Landwirte werden, um die von dem schaffungsfrohen Meere in Form von schmackhaften und leicht verdaulichen Fischen erzeugten Proteinverbindungen und Kohlehydrate all den Millionen zugnglich zu machen, denen anderes Fleisch nur sehr knapp zugemessen ist. Die rasch erblhte Wissenschaft der Meeresbiologie weist uns ja den Weg, wie wir die Billionen Lebenskeime, die die Natur in unverwstlichem bermut im Meere fortwhrend auswirft, aber mit demselben bermute ebenso massenhaft wieder verderben und verschlingen lt, erhalten und zu einer unerschpflich reichen Nahrungsquelle umwandeln knnen. Freilich geht die Zeugungskraft des Meeres ber unsere khnsten Vorstellungen hinaus, aber schon die ungeheure Zahl von Eiern, die weibliche Heringe oder gar Schellfische in ihrem Leibe bergen, ist Beweis dafr, da eine so auerordentliche Flle des Lebens unmglich sich voll entfalten kann, denn sonst wrde es sehr bald dem weiten Weltenmeere selbst an Raum fehlen zur Unterbringung so zahlloser Geschpfe. Wenn auch jeder Augenblick das Leben im Meer millionenfach wieder erzeugt, so fllt es zum weitaus greren Teil doch ebenso schnell der unersttlichen Gier der Meeresruber zur Beute, soda nur ein geringer Bruchteil zur Entwicklung gelangt und dem Menschen spter zur Speise dienen kann. Daher sichert uns auch die unerschpflich erscheinende Flle des Lebens im Meer nicht vor einem Ende mit Schrecken. Die Menschen haben auch einst gedacht, da die Wlder nie alle werden und die Fruchtbarkeit der Erde nie abnehmen knne, und sind doch auf recht bittere Weise eines anderen belehrt worden. Aber trotz der gemachten herben Erfahrungen wsten wir in der gleich tollen und rcksichtslosen Weise auf die Schtze des Meeres los, nach dem alten, leichtsinnigen Worte Nach uns die Sintflut. Erst in letzter Zeit machen sich Anzeichen zur Besserung geltend, denn die Wissenschaft hat ja durch Aufhellung der frher so rtselhaften Wanderzge der Fische und die Erforschung ihrer Ernhrungsverhltnisse, insbesondere durch die Planktonlehre, einen gangbaren Weg zur planmigen Bewirtschaftung des Meeres gewiesen. Schlgt man diesen zielbewut und unter Zuhilfenahme aller technischen Behelfe der Neuzeit ein, so wird der Meeresacker auch in Zukunft ohne wirklichen Dnger und eigentliche Aussaat goldene Ernten bringen. Anstrengend und beschwerlich in hohem Mae wird die Seefischerei freilich immer bleiben, und auch nicht ungefhrlich, denn mit dem trgerischen Gott der Wogen und Winde lt sich ein festes Abkommen nun einmal nicht treffen. Aber die Beschftigung auf dem Wasser ist gesund, sthlt den Krper, schrft die Sinne, festigt den Charakter, erzeugt Selbstvertrauen, Entschlossenheit und Geistesgegenwart. Deshalb bildet -- und diesem Umstand kommt eine hohe politische Bedeutung zu -- die Meeresfischerei zugleich die beste Pflanzschule fr leistungsfhige Kriegs- und Handelsflotten. Wer von Jugend auf den Umgang mit dem Meere gewohnt, mit seinen Tcken vertraut, gegen seine Gefahren gewappnet ist, der wird auch einen vollwertigen Matrosen abgeben. Nicht umsonst sprechen die Englnder von ihrer _Fishing-natured navy_ (der durch die Fischerei genhrten Seemacht). Ganze Mnner erfordert die Fischerei jederzeit, ganz besonders bei strmischem Winterwetter, wenn die Taue mit Eis berzogen sind, die Segel vor Frost knarren und chzen und der Wind die prickelnden Schneekristalle in die Augen blst. Wie oft habe ich dann nicht unsere Nehrungsfischer nach mehrtgigem Aufenthalt auf See halb erfroren ankommen sehen, ohne da sie auch nur einen Schwanz gefangen htten. Aber ein andermal warf ihnen die Laune des Meeresgottes in wenigen Stunden ein kleines Vermgen in den Scho. Fischerei ist eben Lotteriespiel. Freilich ein solches mit hohen Gewinnen, aber auch mit dem Einsatz des Lebens. Von so ausschlaggebender Bedeutung ist sie fr alle Kstenvlker, da sie nicht selten sogar in die Geschichte ihrer Staaten entscheidend eingegriffen hat. Holland z. B. verdankt die Grundlagen seiner ehemaligen Seeherrschaft den Heringszgen. Die Geschichte der Fischerei ist so alt fast wie das Menschengeschlecht selbst. Auch die Speisegesetze des Alten Testaments beschftigen sich bereits mit den Meeresfischen, und unternehmende Hndler aus Tyrus brachten eingesalzene oder getrocknete Seefische nach dem Fischtor an der Nordostecke Jerusalems. Vortreffliche Fischer und Fischkenner waren die Rmer, und bei ihren ppigen Tafelgenssen spielten die Schuppentrger eine groe Rolle. Antonius und Kleopatra ergtzten sich an der Seefischerei, Trajan betrieb sie mit Leidenschaft, Ausonius besang in schwunghaften Versen die Schmackhaftigkeit der verschiedenen Fischarten, Lucullus lie einen kleinen Berg abtragen, um seine Fischteiche mit Meereswasser versehen zu knnen, gewissenlose Schwelger msteten ihre fetten Murnen mit dem Fleisch ins Wasser gestrzter Sklaven, und das Scheusal Heliogabal lie die Fische lebend auf die Tafel bringen, um sich an ihren langsamen Todesqualen zu ergtzen, und wrzte dann ihr Fleisch mit Pulver aus echten Perlen. Reizvoll, anregend und voll ungeahnter Abwechslung ist die Seefischerei, in ungleich hherem Grade jedenfalls als die Binnenfischerei, wo ja in weiten Kreisen namentlich der Angelsport als ein Ausbund von Langeweile gilt, wenn er es auch in Wirklichkeit keineswegs ist. Versetzen wir uns einmal im Geiste auf einen Fischdampfer! Schon beim ersten Morgengrauen erdrhnt donnerndes Gepolter auf dem Deck. Die Vorbereitungen zum Ausbringen des Netzes haben begonnen. Lngs der Reeling liegen an Back- und Steuerbord zwei riesige Baumstmme, an denen das Fang- und das Reservenetz befestigt sind; an ihnen sind mchtige eiserne Bgel von ber Mannesgre angebracht, dazu bestimmt, beim Schleifen ber Grund den Baum freizuhalten und seine Bewegungen zu erleichtern. Immer lebendiger wird das Bild, die Mannschaft steht bereit, der Kapitn ist auf seinem Posten am Ruder -- alles klar! Jetzt luvt er an, d. h. dreht das Schiff so, da der Wind von ihm wegstreicht, (ehe dies geschehen, darf kein Manver stattfinden, das Netz wrde sonst in die Schraube geraten) -- krftige Fuste packen das Netz und werfen es ber Bord, allmhlich treibt es auf und seitwrts nach hinten, einige Mann erfassen den Bgel am Vorderende des Baumes, und polternd schlgt das Ungetm ber die Reeling in die hoch aufspritzende Flut, schnell abtreibend. In dem Augenblick, in dem der Baum quer steht, wird auch das hintere Ende mit seinem Bgel ber Bord geworfen -- einige Schwingungen hin und wieder, dann liegt er wagerecht -- die Stahltrosse wird ausgesteckt und saust rasselnd hinaus -- das Schiff fllt ab und nimmt seinen alten Kurs wieder auf -- das Manver ist beendigt, und es beginnt nun der eigentliche Fischzug, whrend dessen der Dampfer mit nur 2 Meilen Fahrt 6-8 Stunden lang vor seinem Netze durch die See zieht. Dieses wird also von einem etwa 16 Meter langen und sorgfltig fr diesen Zweck ausgewhlten Buchen- oder Eichenstamm geschleppt. An ihm ist ein 4 Zoll starkes Grundtau befestigt, daran eine sogenannte Bolzleine, und von dieser aus verlaufen fliegende, vierkantige Maschen, an die sich dann die eigentlichen Netzmaschen ansetzen. Nur der beste Manilahanf kommt dabei zur Verwendung, wird berdies noch mit Karbolineum getrnkt, hlt aber trotzdem selten lnger als ein halbes Jahr aus. Das Netz hat eine Lnge von etwa 75 Metern und ist nach Art der Mausefallen gebaut. In die durch den Baum weit ausgereckte ffnung streichen die Fische hinein, bis in das Hinterende, den sogenannten Sack, den eigentlichen Behlter, der vorn durch einen lose aufliegenden Netzteil nach innen geschlossen wird, so da die Fische wohl hinein, nicht aber heraus knnen. Die ganze Vorrichtung wird an einer Stahltrosse ber den Grund geschleppt (Abb. 1). [Illustration: Abb. 1. Grundschleppnetz (durch Scherbretter offengehalten). Nach einer Zeichnung von R. Oeffinger.] Stunde um Stunde verstreicht in langweiligem Gleichma, und mit gespannter Erwartung sieht alles dem gegen Mittag stattfindenden Fischzug entgegen. Nichts hrt man, als das einfrmig trge, schwerfllig stampfende Getn der Maschine. Endlich naht die Entscheidung. Wieder steht der Kapitn am Ruder -- ein Zeichen -- der Dampfer luvt an, und die durch Dampf getriebene Winde beginnt ihr metallisch drhnendes Getse, indem sie die Stahltrosse einhievt (einholt), die, fast bis zum Springen gesteift, durch eine mit Kolben versehene Luke sich am Oberdeck hereinzwngt. Jetzt wird der Baum sichtbar, wagerecht hinten und vorn gehievt, dann eine Taille von mchtiger Strke eingehakt, und nun heit es, ihn hoch holen, was bei einem solchen Kolo natrlich auch nur die Dampfkraft zu schaffen vermag. Zunchst wird das Achterende vorgehievt, dann kommt das Vorderende dran, und nun steigt wie ein triefendes Seeungetm Baum und Netz allmhlich ber Wasser, hher und hher, und endlich donnert, bergeholt, der eiserne Bgel auf Deck. Im gleichen Augenblick fat die Mannschaft ins Netz. Weit nach hinten beugen sich die Leute ber und holen mit Anstrengung aller Krfte ruckweise Stck fr Stck herauf. Rauher Gesang mu die saure Arbeit erleichtern, und ein graubrtiger Mecklenburger mit wetterhartem Ledergesicht gibt dabei den Takt an. Das Netz ist an Deck. Weit vorgebeugt stiert der Kapitn mit langgestrecktem Halse ins Wasser, nicht weniger gespannt die gesamte Mannschaft -- alle nach einer bestimmten Stelle. Pltzlich steigen an dieser ganze Massen von Blasen perlend an die Oberflche, und darunter aus der Tiefe kommt es grnlich schimmernd hher und nher: es ist der Sack, der auftreibt, aber er tut dies nur, wenn er reichen Fischsegen birgt. Ein vergngtes Schmunzeln wetterleuchtet ber das zerknitterte Gesicht des Kapitns; er hat guten Grund dazu, denn sein Einkommen besteht hauptschlich in dem Gewinnanteil. Jetzt ist der Sack so hoch, da man den weischimmernden Inhalt erblickt, festgekeilt in gewlbter Masse, wobei aus den Maschen namentlich die schmalen Leiber der Seezungen herausragen. Wieder beginnt das Drhnen der Winde, unendlich langsam und schwerfllig erhebt sich der pralle Sack triefend in die Lfte, der Dampfer neigt sich merklich nach Steuerbord ber unter der Last, die jetzt, hereingeschwungen, ber dem Vorschiff schwebt. Vergeblich versucht man, den schrzenden Knoten zu lsen, die strotzende Masse im Netz bekneift ihn; erst als ein Mann aufs Tau springt und mit der ganzen Krperlast wippend auf und niederschwingt, gibt es nach, und nun -- ein dumpfer Schlag aufs Deck -- mit einem Ruck hat der Sack sich seines Inhalts entledigt, und pltzlich ist der Raum von einer wei schimmernden, glitzernden Masse bergossen, die einen Augenblick, als schpfe sie Atem nach der furchtbaren Pressung im gestrafften Netz, in Ruhe verharrt und dann zappelnd, springend, schlagend und glitschend, wirr durch- und bereinander drngend ein so verblffendes Bild des Lebens oder eigentlich des Sterbens darbietet, da es jeder Beschreibung spottet. Die Hauptmasse bildet der Schellfisch, der mit seinem weien Leibe gewissermaen den Untergrund des ganzen Bildes malt, und der gefrige Kabeljau mit dem gierig glotzenden Auge und dem weit geffneten Rachen. Daneben windet sich ein Steinbutt mit flachen Rndern, kurzem Schwnzchen und einem Kopf, der aussieht, als htte der Schpfer sich verzeichnet. Und was ist das hier? Ein Steinbutt nicht, aber ein hnliches Getier mit starken Stacheln auf dem breiten, buntscheckig getigerten Rcken und einem ebenso fleckigen Stachelschwanze -- ein Rochen oder, wie der Fischer ihn nennt, ein Franzose. Rrrruck, rrrruck sagt es pltzlich neben uns -- das sind Knurrhhne. Dazwischen schimmert rot und goldfarben das Petermnnchen -- mecklenburgischer Ritter heit es in der Fischersprache, wohl kaum seiner hohen Denkerstirn, sondern eher der harten, scharfkantigen Rckenflosse wegen. Weiterhin zarte Seezungen mit schmchtigen Leibern und graue Schollen, Proletarier im Aussehen, aber nicht im Geschmack. Hallo -- ein Hai? Wahrhaftig -- die dreieckige Rckenflosse, der weie Bauch, der zurckspringende Unterkiefer -- alles stimmt. In Sprngen schiebt sich der meterlange Bursche ber die anderen Fische hin. Immer neue Formen unterscheidet man in der wirren Masse, die wie mit einer Art Fllsel durchsetzt ist von schlammberzogenen Muscheln und sonderbar traubenartig gestalteten Lebewesen eklen Aussehens, Seehenne benannt. Da schnellt es auf, ein groer, schlanker und schner, man knnte sagen, eleganter Fisch von gut Meterlnge mit fadenfrmigem Auswuchs am Unterkiefer -- der Lengfisch. Daneben ein Seehecht mit dem gefhrlichen Gebi, dem man besser im Bogen aus dem Wege geht. Wer zhlt und nennt sie alle, edle und unedle, seltene und gemeine, Korksohlen, Schaben, Rotzungen, Makrelen und andere mehr? Dazwischen und darber krabbelt und kriecht es -- Seespinnen mit gespenstigem Kopf und langen Beinen, Krebse von teilweise riesigen Ausmaen, auf deren gepanzertem Rcken sich eine ganze Welt von Schmarotzern huslich eingerichtet hat. Ein mchtiger Hummer ffnet die gewaltigen Scheren zum Angriff -- mitten aus dem glnzenden Wei der Fischleiber hebt er sich funkelnd schwarz ab, und sein Panzer erinnert in der Wirkung berraschend an den eines japanischen Ritters. Einer der Matrosen befreit pltzlich mit erschrockenem Ruck seine Stiefel aus einer Umklammerung und fllt dabei ausglitschend mitten unter die Fische. Ein Kater -- ein Kater! Richtig -- ein Katfisch war gefangen und hatte den Stiefel eines Mannes erwischt, jedoch nur ein kleines Ende, sonst wre der Matrose nicht so leicht losgekommen. Ein grauliches, halb mannslanges Tier mit dem Ausdruck gemeinster tierischer Roheit in dem riesigen Kopfe. Ihm entspricht auch alles brige -- der Krper hat keine eigentlichen Schuppen, sondern eine faltige, schlammgraue Haut, der Rcken keine eigentliche Flosse, sondern mehr eine schlammgraue, handbreite Mhne. Das Maul aber ist mit richtigen, stumpfen Menschenzhnen besetzt, Zunge und Gaumen bilden eine harte Hornmasse. Was zwischen diese Zhne gert, wird rettungslos zermalmt. Ein Mann steckt dem Katfisch einen Besenstiel ins Maul, in den er sich sofort derart verbeit, da er daran aufs Achterdeck geschleift werden kann. Auch das Fleisch dieses Untiers wird verkauft, aber in Kotelettenform und der Kopf vorher abgeschnitten, da es der Kufer sonst wohl mit dem Gruseln bekommen wrde. Aus der gegerbten Haut werden in Norwegen Stiefel gemacht. Noch ein anderer merkwrdiger Schlingel ist da -- ein Seehase, jenes sonderbare, kugelig-stachelige Wesen mit den wulstigen Menschenlippen, das man als Dmon der Seekrankheit bezeichnen knnte, denn von Zeit zu Zeit speit er den wsserigen Inhalt seines Bauches mit dem ganzen Jammerausdruck eines von Poseidon geplagten Menschenkindes aus. Die Mannschaft beschftigt sich zunchst mit dem Auslesen der Fische in eine groe Anzahl weidengeflochtener Krbe, deren jeder 50-60 kg fat. Hand in Hand damit geht auch das Abtten und Ausweiden. Kreischende Geschwader von Mwen und Seeschwalben sowie ganze Zge von Meerschweinen (Delphinen) folgen dem leckeren Fra versprechenden Schiffe und gieren nach den ins Wasser geworfenen Eingeweiden. Dann treten Mnner mit Schlauch und Besen an, reinigen zunchst durch einen starken Wasserstrahl den Inhalt der Krbe und subern dann das Deck, nachdem andere alle minderwertigen oder abgestandenen Fische, Muscheln und dgl. ber Bord geschaufelt haben. So hlt man heute durch strenge Reinlichkeit die widerwrtigen Ausdnstungen der Fischrckstnde von den Dampfern fern, die frher fr Menschen mit empfindsamen Geruchsorganen den Aufenthalt auf ihnen zur Qual machten. Schlielich wird der ganze Fang unter Bord verstaut, und mit vergngtem Gesicht trgt der Kapitn die Anzahl der Krbe in sein Tagebuch ein. Nicht immer aber liefert der Fischzug eine so mannigfache Beute, nicht immer einen so reichen Ertrag. Gar nicht selten hngt der aufgezogene Netzbeutel schlaff und fast leer herab, oder sein Inhalt erweist sich als ein rmlich-schrumpeliges Pckchen minderwertiger Fische. Das ist immer noch besser, als wenn das Netz zwischen die Trmmer eines Wracks gert, wie es in der stark befahrenen Nordsee oft genug der Fall ist. Dann enthlt es nur in Tang und Schlick gehlltes Trmmerwerk aller Art mit unkenntlichen, schlammigen Anhngseln, ist berdies meist zerrissen und macht langwierige und kostspielige Flickarbeit notwendig. So schraubt sich Tag fr Tag ab in regelmigem Einerlei von Fischzug zu Fischzug. Man hrt whrenddem nur von Fischen, sieht nur Fische, it nur Fische, und so vermag man schlielich auch kaum noch etwas anderes zu denken als Fische. Jedermann begrt es deshalb als Erlsung und willkommene Abwechslung, wenn endlich alle Krbe gefllt sind und der Kiel heimwrts gerichtet wird. Mit wehender Reederflagge holt der Fischdampfer durch die Schleusen und vertaut sich im alten Hafen von Bremerhaven, diesem Brennpunkte des deutschen Fischhandels. Hier beginnt sofort das Lschen. In den Fischschuppen ertnt das Getse der Eismaschine, die die groen Blcke zu Grus zermalmt. Gebckte Gestalten schichten in strohbelegte Krbe Fische und Eis, Fische und Eis, immerfort, mit erstaunlicher Schnelligkeit (Abb. 2). Drauen rollen schon die Eisenbahnwagen herbei, um das seefrische Meeresfleisch als Eilgut ins Binnenland zu tragen. Wenn es dort am nchsten Morgen auf dem Wochenmarkte angeboten wird, sind die Fischer lngst wieder auf hoher See und werfen ihre Netze aus. [Illustration: Abb. 2. Korb zur Versendung von Seefischen. (Aus dem Flugblatt des Deutschen Seefischerei-Vereins.)] Seit Jahrhunderten ist der =Hering= (_Clpea harngus_) derjenige Fisch, dem seines massenhaften Auftretens, seiner Schmackhaftigkeit und seines hohen Nhrwerts wegen von den Kstenbewohnern des nrdlichen Europa am meisten nachgestellt wird; kein zweiter hat fr die Ernhrung breiter Volksschichten eine auch nur hnliche Bedeutung erlangt wie er. Er ist der Fisch des Armen, ein Fleisch fr alle, eine unentbehrliche Zukost fr weite Kreise, ein wahrer Segen fr unsere Kstenbevlkerung. Aber er bildet nicht nur, halb vertrocknet und mit einer Salzkruste berzogen, im Verein mit Pellkartoffeln oder Roggenbrot des armen Mannes rmlichste Mahlzeit, sondern prangt auch frisch und fetttriefend auf ppiger Tafel und hat sich berdies auch noch das unerschtterliche Zutrauen aller feuchtfrhlichen Zecher erworben, die sich auf seinen Beistand verlassen, wenn sie dem Bacchus oder Gambrinus zu erliegen drohen. Geradezu kulturgeschichtliche Bedeutung kommt diesem unscheinbaren Fische zu. Selbst in der Kriegsgeschichte hat er mehr als einmal eine Rolle gespielt. So 1428, unmittelbar vor dem Auftreten der Jungfrau von Orleans, als die Englnder von den Franzosen hart bedrngt und ausgehungert wurden. Da erschien zu guter Stunde Sir John Falstaff mit Hilfstruppen und einer ungeheuren Ladung Heringe, durch die die Ermatteten wieder zu Krften kamen und so den strmenden Gegner vorerst erfolgreich zurckschlugen. Das war die berhmte Heringsschlacht bei Rouvray, auf der alten Walstatt zwischen Tours und Poitiers. Niemals aber htte der Hering (der Name soll mit seinem heerweisen Erscheinen zusammenhngen, whrend ihn andere mit der althollndischen Handelsmarke des Rings [_hring_] in Verbindung bringen) eine so bedeutsame Stelle in der Rangordnung menschlicher Speisen errungen, wenn nicht zu seiner Wohlfeilheit noch seine ungewhnlich mannigfaltige Zubereitungs- und Aufbewahrungsweise hinzugekommen wre. Namentlich durch das Einsalzen wurde der Fisch auch fr den Binnenlnder erst recht nutzbar und damit zu einem wichtigen Handelsartikel fr die ganze Welt, whrend frher sein Verbrauch auf kleine Kstenstriche beschrnkt war. Ein schlichter hollndischer Fischer, Willem Benkels oder Bkels (daher die Ausdrcke einpkeln und Bklinge = Bcklinge) soll in der 2. Hlfte des 14. Jahrhunderts diese wichtige Entdeckung gemacht und damit den Grundstein fr den Reichtum und die Handelsmacht seines Vaterlandes gelegt haben. Die Chroniken berichten, da selbst der weltgebietende Kaiser Karl V., der im Gegensatze zu den heutigen Spaniern leidenschaftlich gern gesalzene Heringe a und auch recht wohl wute, da Amsterdam aus Heringsgrten gebaut sei, 1536 von Brssel aus in Begleitung seiner beiden Schwestern, der Kniginnen von Ungarn und Frankreich eigens nach dem rmlichen Fischerdrfchen Bieroliet (welch passender Name!) reiste, um das Grab des verdienten Mannes aus dem Volke durch seinen Besuch zu ehren. Nach anderen Quellen soll freilich schon der fromme Bischof Otto von Bamberg, der Bekehrer Pommerns ([gestorben] 1139) das Einsalzen der Heringe gekannt haben. ber die Naturgeschichte des Herings, der eines der friedfertigsten Geschpfe ist und sich durch den ungemein zarten Bau seiner Kiemen auszeichnet, weshalb er nur schwer lebend zu versenden und kaum in Gefangenschaft zu halten ist, sind wir noch keineswegs so gut unterrichtet, wie es die ungeheure wirtschaftliche Bedeutung dieses Fisches wnschenswert machte; spteren Forschungen winkt hier noch ein weites und lohnendes Arbeitsfeld. Noch immer wissen wir nicht, worauf eigentlich das pltzliche Ausbleiben der groen Heringsschwrme aus Gegenden, wo sie Jahrhunderte lang zu Milliarden erschienen, zurckzufhren ist, wir knnen nur annehmen, da allzu schonungsloser Fang oder uns unbekannte ozeanographische Vernderungen die wirksamen Faktoren dabei sind. Nur das steht fest, da Perioden reichen und sprlichen Fangs mit einer gewissen Regelmigkeit in bestimmten Zeitrumen fr die einzelnen Lnder abwechseln. Whrend im verflossenen Jahrhundert Schotten und Norweger die Meistbegnstigten waren und sich an den deutschen Ksten nur ein wenig lohnender Fang ermglichen lie, ja die Ostsee nahezu ausgefischt erschien, will es scheinen, da das neue Jahrhundert uns wieder einen stark vermehrten Heringssegen bescheren wird. So brachten schon die Jahre 1907 und 1909 ungeheure Heringsschwrme an unsere Ksten, und der reiche Fang war der hart geprften Fischereibevlkerung wohl zu gnnen. Einzelne Fischerdrfer an der Kieler Fhrde erzielten in einer einzigen Nacht Fnge von 8 Millionen Stck und mehr. Es war kaum mglich, die Netze ordnungsgem einzuziehen, denn Rcken an Rcken gedrngt erfllten die Fische in dichten Mengen die Flut. Der Preis fr Rucherware, die beliebten Bcklinge, ging aber trotzdem nicht wesentlich herunter, da der Ring der Rucherer dafr sorgte, da der Meeressegen dem Volke keine billige Nahrung bringen konnte. Dagegen wurde auf dem Lbecker Markt der Eimer frischer Heringe (150-200 Stck) mit zwanzig Pfennigen verkauft, ein Preis, der stark an die fast sagenhaft gewordenen Zeiten fabelhaften Fischreichtums unserer Meere erinnerte. Mit Vorliebe benutzen die Heringe neuerdings den Nordostseekanal selbst zum Laichen, bekamen hier aber zunchst infolge der starken Verunreinigung des Wassers einen widerlichen Karbolgeschmack, der jedoch verschwunden ist, seit man in richtiger Erkenntnis der Sachlage fr eine mglichste Klrung und Unschdlichmachung der zahlreichen Abwsser Sorge getragen hat. Frher glaubte man, da der Hering seinen eigentlichen Wohnsitz in den nrdlichen Eismeeren habe und von da aus lediglich des Laichgeschftes halber die sdlicheren Meeresteile besuche. Diese Annahme hat sich jedoch als unhaltbar herausgestellt, es scheint vielmehr sicher zu sein, da der Hering rumlich nur beschrnkte Wanderungen vollfhrt, die mehr in einem Aufsteigen aus tieferen Schichten in flachere Meeresteile bestehen. So sollen groe Heringsvlker stndig in den tiefen Teilen des Atlantik unmittelbar vor der Westkste Irlands und Schottlands wohnen, whrend die flache Ostsee von unserem Fisch wohl berhaupt nur zur Laichzeit aufgesucht wird. Diese ist nicht streng an eine bestimmte Jahreszeit gebunden, da alte und junge Heringe zu verschiedener Zeit zu laichen scheinen. Auch noch nicht fortpflanzungsfhige Heringe wandern schon und sind den Fischern als Jungfern- oder Matjesheringe bekannt; sie haben zartes Fleisch, sind aber wenig haltbar. Das gebte Auge der Fischer und der Fachgelehrten unterscheidet eine ganze Reihe von Lokalrassen, die ihre bestimmten Wanderstraen einhalten, die sicherlich auch ihre bestimmten Wohnpltze haben und sich nicht leicht mit anderen Rassen vermischen. Simroth sucht ihre Entstehung in geistvoller Weise durch seine Pendulationstheorie zu begrnden. Nach seiner Auffassung entstammt der Hering ursprnglich dem Swasser. Dies geht auch daraus hervor, da die Charaktermerkmale der einzelnen Rassen sich umso mehr verwischen, je weiter sie in die ja sehr salzarme Ostsee vordringen. Ganz im Sinne des Darwinismus unterscheiden sich die Heringsrassen in der nur graduell verschiedenen Weise, wie die einzelnen Arten der Clupeiden, und man kann von der Entstehung der Varietten auf die der Gruppen hherer Ordnung schlieen. Deren Scheidung hat sich wahrscheinlich unter dem 42. Breitengrade vollzogen, also an der heutigen Sdgrenze der Arten, wo die Geoidform der Erde am meisten von der Kugel abweicht, demnach die Beeinflussung der Organismen am strksten sein mu. Von hier ist zuerst die Sardine, spter die Sprotte ins offene Meer mit seinen gleichmigeren Temperatur- und reichlicheren Ernhrungsverhltnissen abgewandert, whrend der Hering am lngsten die Mitte zwischen Swasser- und Seefisch innehielt. Den genannten Arten am hnlichsten ist brigens der kleine Hering des Weien Meeres, also die nrdlichste Rasse. Die Herbstheringe sollen tiefer in die brackigen Buchten eindringen als die Frhjahrsheringe. Von der berwltigenden Massenhaftigkeit der einen wahren Himmelssegen fr viele Kstenlnder bildenden Heringsschwrme vermag sich derjenige, der dieses groartige Schauspiel nicht mit eigenen Augen geschaut hat, kaum einen richtigen Begriff zu machen. So dicht schwimmen die sich von verhltnismig kleinen Meeresorganismen nhrenden Fische zusammen, da ein dazwischen gestecktes langes Ruder aufrecht stehen bleibt, da ein in diese fortpflanzungshungrige Massenprozession geratenes Boot emporgehoben wird und in Gefahr gert, da die Milch der Mnnchen weithin das Wasser trbt. Die Weibchen kleben ihre Eier entweder an Tang oder sie lassen sie einfach frei in die See fallen. Mit atemloser Spannung folgt man am Strande, wo auer Tausenden von Fischern auch ungezhlte Salzhndler, Fadaubenverkufer, Mdchen, Gaukler, landstreichende Prediger und Seelenerwecker versammelt sind, der Bewegung der Heringszge. Wenn die wirkliche Fischzeit beginnt, schildert Bertram, bemchtigt sich eine Art Wahnsinn aller Versammelten: alles arbeitet, alles spricht, alles denkt nur vom Heringe.... Junge Herzen beten fr den Erfolg der Boote ihrer Geliebten, weil dieser Erfolg ihnen des Herzens grtes Sehnen, den Ehering und die Haube bringen soll; aus des Sulzers Augen leuchten gehobene Stimmung und groe Hoffnung hervor; die Besitzer noch unbenutzter Boote scheinen glcklich zu sein; kleine Kinder selbst nehmen an der Erregung vollen Anteil, auch sie sprechen von nichts als vom Heringe. Es wird verglichen und getftelt, geweissagt und gewettet, geflucht und gebetet, gezweifelt und gehofft. In Norwegen spannt man ganze Buchten, nachdem die Heringe ihren Einzug gehalten haben, mit riesigen Netzwnden ab und fischt dann die Meeresernte allmhlich heraus. Dann kann es vorkommen, da 100 Yachten und mehr mit je 100 Tonnen gefangener Heringe befrachtet werden. Oft ist der Segen so gro, da auch die vielen Tausende fleiiger Hnde ihn nicht in 2 bis 3 Wochen zu bewltigen vermgen, so da ein groer Teil der eingeschlossenen Fische abstirbt und nun weithin Wasser und Luft verpestet, worauf die Heringe einen solchen Platz jahrelang meiden sollen. [Illustration: Abb. 3. Der Rucherofen in der Rucherei von H. A. Krantz in Kiel.] Obwohl oft auch Millionen Heringe lediglich zum Dngen der Felder verwendet werden mssen, ist die unter Umstnden so ergiebige Heringsfischerei doch als eine Art Glcksspiel zu bezeichnen, denn es ist nicht selten, da die Kutter in strmischen Zeiten ohne einen einzigen Fisch zurckkehren mssen und vielleicht gar noch ihre wertvollen Netze verloren haben. Bei uns fischt man zumeist mit Netzfleethen, deren jeder Logger zwei fhrt und damit unter gnstigen Umstnden in einer Nacht 70-80000 Heringe zu fangen vermag. Whrend der Nachmittage erfolgt das umstndliche Auslegen der Netze, nur des Nachts fangen sich die Heringe, und am Morgen werden dann die Netze geleert. Ein besonders schnell segelndes Fahrzeug, Jager genannt, bernimmt die bereits an Bord zurechtgemachte Ausbeute der Logger und bringt sie gleich an Land. Kann sich auch die deutsche Heringsfischerei nach Umfang und Ausdehnung noch nicht mit der auslndischen messen, so zeichnet sie sich doch vorteilhaft durch die in ihren Betrieben herrschende Reinlichkeit und durch die sorgfltige Behandlung und Zubereitung der gefangenen Fische aus, deren Gte dadurch ganz wesentlich gewinnt. Unter Vollheringen versteht man die im Gegensatz zu den Matjesheringen geschlechtlich voll entwickelten, groen und fetten Fische, unter Ihlenhering die nach dem Ablaichen gefangenen, unter Wrackhering die Ware geringerer Gte, unter Bckling den gerucherten Hering. In England, dem Lande der Rcksichtslosigkeit, verwendet man leider zum Heringsfang vielfach zu engmaschige Netze, in denen sich auch die wertlosen Jungheringe zwecklos mitfangen, wodurch der Fischerei schwerer Schaden erwchst und die Meere von diesen ntzlichen Fischen entvlkert zu werden drohen. Das englische Parlament plant deshalb jetzt strenge Maregeln gegen eine derartig gemeingefhrliche Raubfischerei. [Illustration: Abb. 4. Das Aufziehen der Sprotten auf die Spillen in der Rucherei von H. A. Krantz in Kiel.] Zarter im Fleisch und feiner im Geschmack als der Hering ist die kleinere Sprotte (_Clpea sprttus_), die in ihrer Lebensweise ganz dem groen Vetter gleicht. Auch sie wird namentlich in der Kieler Fhrde massenhaft gefangen (die Eckernfrder Fischer erbeuten allein durchschnittlich 16 Millionen im Jahr) und geruchert als Kieler Sprotte in den Handel gebracht. In Norwegen dagegen salzt man denselben Fisch ein, und er erfreut sich dann als Anchovis eines guten Rufes. Auch die Sprottenfischerei hat an den guten Heringsfngen der letzten Jahre ihren vollgewichtigen Anteil gehabt, und es liegen darber ganz begeisterte Berichte von der Ostseekste vor. In der Kieler Fhrde konnten beim Erscheinen der riesigen Herings- und Sprottenschwrme die Fischer ihre Boote fast allnchtlich bis zum Rande fllen, oft die bermig schweren Netze gar nicht ziehen, die Bahn vermochte kaum den Transport zu bewltigen und mute vor die besonders eingestellten Fischzge noch Vorspannlokomotiven legen, die Kiste Heringe mit 600 Stck erzielte im Grohandel nur 50 Pfennig, trotzdem muten die Fische noch waggonweise als Dnger fortgefahren werden. Solche Tatsachen geben einen Begriff von dem unerschpflichen Reichtum, von der wunderbaren Fruchtbarkeit des Meeres. Hauptsitz unserer Sprottenrucherei ist das unweit Kiel auf der anderen Seite der Bucht gelegene Dorf Ellerbeck. Von einem eigentlich fabriksmigen Betrieb ist aber auch hier kaum die Rede, denn die meisten Ruchereien haben trotz ihrer groen Leistungsfhigkeit nur recht bescheidenen Umfang. Auch geht das ganze Verfahren unglaublich rasch vor sich, zumal in den Betrieben eine weitgehende und praktische Arbeitsteilung herrscht. Das Sprichwort Frische Fische -- gute Fische gilt hier mehr als je, und es ist ein gewaltiger Unterschied zwischen den gold- und fettglnzenden Fischchen, die noch tags zuvor munter im Meere herumschwammen, und den verschrumpelten, eingetrockneten Sprotten, die in den bekannten flachen Holzkistchen in den Schaufenstern der Delikatessenhndler unserer Kleinstdte prangen. Oft genug sind es trotz ihrer unzweifelhaften Kieler Herkunft auch gar keine echten Sprotten, sondern andere kleine Meeresfische. Man kann sich leicht genug darber vergewissern. Streicht man nmlich den Fischen mit dem Finger auf der Unterseite des Bauches vom Schwanz nach dem Kopf entlang, so mu es sich rauh anfhlen, weil dort kleine Stacheln vorhanden sind. Trifft das nicht zu, so sind es auch keine echten Sprotten. Die frisch gefangenen Fischchen werden zunchst fr eine Stunde in Salzlake gelegt und dann in wassergefllten Kbeln oder gemauerten Bassins durch Bearbeitung mit Reisbesen entschuppt und gewaschen. Dann kommt das Aufspillen, indem man die Sprotten auf stricknadelstarke Eisenstbe reiht, und zwar so, da der Stab durchs Kiemenloch eingefhrt wird und aus dem Maule wieder hervortritt. Die mit Fischen behngten Stbe kommen in rechteckige, hlzerne, blechbeschlagene, je 2400 Stck fassende Rahmen und diese auf die Rucherfen, zunchst unten hin, nach einigen Stunden an die oberste Stelle. Innerhalb 10 Stunden knnen 2 der kaminartigen fen ber 10000 Sprotten ruchern. Die gleichmige Unterhaltung des Feuers ist wichtig fr die Erzielung hervorragend guter Ware. Man verwendet mit Vorliebe Erlenholz, schttet auch ab und zu Lohe auf oder begiet mit Wasser, um eine recht krftige Rauchentwicklung hervorzurufen; ber die Rahmen und fen gespannte Vorhnge und Leintcher sorgen dafr, da der Rauch den Fischen auch in vollem Mae zugute kommt. Nach Beendigung des Rucherns werden diese fr eine halbe Stunde abgekhlt, dann von den Drhten abgestrichen und knnen nun sofort zum Versand verpackt werden. Den entsprechenden Betrieb in einer greren, mehr fabrikmig eingerichteten Kieler Rucherei veranschaulichen unsere Abbildungen 3 und 4. Was die Sprotte fr unsere deutschen Meere bedeutet, das ist die =Sardine= (_Clpea pilchrdus_) fr die Gestade des Atlantik und des Mittelmeers. Ja sie ist in volkswirtschaftlicher Beziehung noch wichtiger, denn das Wohl und Wehe weiter Lnderstrecken hngt von dem Erscheinen dieses kleinen Fisches ab. Und das pflegt durchaus kein regelmiges zu sein, obschon man sich ber die Grnde des gelegentlichen Ausbleibens bisher noch nicht recht klar zu werden vermochte, wie wir berhaupt ber die Naturgeschichte der Sardine und insbesondere ber den Verlauf ihrer Massenwanderungen noch weniger gut unterrichtet sind, als beim Hering. Es fehlte bisher auch der Zwang der Not zu solchen Studien, denn da die groenteils noch unbekannten Laichpltze des Fisches so ziemlich unbehelligt bleiben, ist auch von einer Abnahme der Riesenschwrme einstweilen nichts zu spren. So beschrnkt sich unsere Kenntnis des Fisches -- abgesehen von seinem Verhalten auf der Wanderung -- fast nur darauf, da er von noch zarterem Leibesbau ist als der Hering und deshalb von hchster Empfindlichkeit gegen Unbilden jeder Art, da ihn dies aber nicht hindert an der Entwicklung einer groartigen Gefrigkeit, die allerdings in der Hauptsache nur winzigen Krebstierchen gilt. Junge Sardinen scheinen ihrem grn gefrbten Darm- und Mageninhalte nach vielfach auch pflanzliche Stoffe zu sich zu nehmen; ferner Urtiere, kleine Ringelwrmer und gewisse, frei im Wasser schwimmende Wurmeier. Der Name soll damit zusammenhngen, da frher an der Kste Sardiniens der ergiebigste Sardinenfang betrieben wurde, whrend heute entschieden die malerische Kste der Bretagne als der Hauptsitz dieser Fischerei bezeichnet werden mu. 8200 Boote und 32000 Fischer stehen dort stndig in ihren Diensten, und allein in dem Hafenplatze Concarneau verarbeiten 60 Konservenfabriken alljhrlich 1 Million Zentner Sardinen. Aber das ist noch lange nicht der ganze Fang. Es kommt vor, da mit einem einzigen Zuge dem Meere Millionen der glitzernden Fischlein entrissen werden, doch es ist auch nichts Seltenes, da die Boote vollkommen leer zurckkehren, was dann die dsterste Stimmung unter der Bevlkerung auslst. So vermochten 1905 von 600 Sardinenbooten aus Douarnenez nur 50 einigermaen Ladung zu erzielen. Auch berreiche Fnge sind den Fischern keineswegs erwnscht, denn das volkswirtschaftliche Gesetz von Angebot und Nachfrage trifft sie besonders hart, und die Preise sinken dann pltzlich derart (bis auf 2-1/2 Franken fr das Tausend), da sich das Hinausfahren und das Ausstreuen des kostspieligen Kders kaum noch verlohnt. Lustig genug sieht es ja aus, wenn die Boote mit den himmelblauen Netzen am Mast und mit geschwellten rabenschwarzen Segeln zum schmalen Hafenausgange hinaustreiben, whrend das Meer blausilbern schimmert, dabei rtlichgelbe und violette Tinten aufweist und weie Spitzenhubchen die kurzen, prallen Wogen krnen. Aber die Kehrseite der Medaille ist doch vielfach ein groes soziales Elend. Nur freiwillige Beschrnkung der Fischerei und gesetzliche Festlegung eines Mindestpreises vermchten dem bel zu steuern. Die Sardine gilt als ein sehr scheuer Fisch, und ihr Fang erfordert deshalb groe Vorsichtsmaregeln. Daher auch die himmelblauen Netze, die fr den Strand der Bretagne ebenso kennzeichnend sind, wie die roten Jakobinermtzen der Fischer fr den Golf von Neapel. Und da der Fang vielfach bei Nacht betrieben wird, verwendet man die schwarzen Segel, die den bretonischen Ksten ein so eigenes Geprge geben. Am Tage machen sich die Sardinenschwrme oft schon von weitem bemerklich, da die Fischlein bei Sonnenschein, dicht aneinander gepret, gern zur Oberflche emporsteigen, pltschern und springen und so die de Wasserwste in ein leuchtendes, blitzendes Silberfeld verwandeln. Der an Land gebrachte Fang wandert korbweise in die Fabriken, wo den Fischen zunchst der Kopf abgeschnitten und die Eingeweide ausgenommen werden. Dann werden sie eine Stunde lang in warmer Luft (am besten im Freien) getrocknet und fr einige Minuten in siedendes l getan. Frauen und Mdchen in schwarzen Kleidern, mit groen Schrzen und zierlichen, weien Hubchen sitzen an langen Tafeln und legen die Fischlein mit peinlichster Sorgfalt in Bchsen, worauf noch l mit verschiedenen Wrzen und Zutaten (z. B. Tomaten) je nach dem Geschmack der Kundschaft, der in den einzelnen Lndern verschieden ist, nachgefllt wird. Das schwierige Verlten der Blechbchsen dagegen ist Mnnerarbeit, denn es gehrt eine sichere Hand und groe bung dazu, vlligen Luftabschlu zu erzielen. Die verlteten Bchsen werden nochmals in kochendes Wasser getan, dann etikettiert, und nunmehr sind die weltbekannten Blechdosen mit ihrem wohlschmeckenden Inhalt versandfertig. Was in der Bretagne gefangen wird, sind fast ausschlielich junge, noch nicht laichfhige Sommer- und Herbstsardinen. Die ausgewachsenen und fortpflanzungsfhigen Sardinen sind bedeutend grer, fetter und schwerer, haben aber ein viel grberes Fleisch und werden als Pilchards hauptschlich an den britischen Ksten gefischt. In den amerikanischen Gewssern wird die Sardine durch _Clpea menhden_ vertreten. Dieser Fisch ist noch feiner und zarter im Geschmack, aber dabei so grtenreich, da der findige Yankeegeist erst eine besondere Entgrtungsmaschine fr ihn austfteln mute, damit er als aussichtsreicher Mitbewerber auf dem Weltmarkte auftreten konnte. [Illustration: Abb. 5. Dorsch (_Gadus morrhua_). (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] Als letzter und zugleich kleinster Vertreter der individuenreichen Heringsfamilie sei endlich noch die =Sardelle= (_Engralis encrasichlus_) genannt. Auch dieses zarte Fischlein wohnt westlich und sdlich von uns, ist im Mittellndischen Meere besonders hufig, dringt aber in manchen Jahren scharenweise auch in die Nordsee und gelegentlich selbst in die Ostsee ein. In stark gesalzenem Zustande hat es als Anchovis Weltberhmtheit erlangt. Die Fischerfrauen am Mittelmeer haben im Einmachen dieser kleinen Geschpfe eine fabelhafte Geschicklichkeit erworben, indem sie ihnen mit ihrem zu diesem Zwecke sorgsam gepflegten Daumennagel den Kopf abkneifen und gleichzeitig die Eingeweide fassen und herausziehen. Die vielen Fischen in so ausgesprochenem Mae eigene Farbanpassung an Untergrund und Umgebung, die bei lngerem Aufenthalt an den gleichen rtlichkeiten zu scheinbar stndigen Farbenvarietten zu fhren vermag, ist in wissenschaftlicher Hinsicht sehr geeignet, den zoologischen Systematiker bei der Aufstellung der neuerdings so beliebt gewordenen Unterarten in hohem Mae zur Vorsicht zu mahnen. So sind die =Dorsche= (_Gdus morrha_) in der Umgebung Helgolands in Anpassung an das dortige rote Klippengestein von ausgesprochen rtlicher Frbung, soda man sie wohl fr eine eigene Unterform halten knnte, wenn sie nicht bei bertragung an andere Wohnorte alsbald auch eine andere, den neuen Verhltnissen entsprechende Frbung annehmen wrden. Whrend der =Dorsch= (Abb. 5) oder =Kabeljau= (von unseren Ostseefischern Pomuchel genannt) eine Lnge von 1-1/2 kg und ein Gewicht von 40 kg (das Stockholmer Museum besitzt sogar ein aus der Ostsee stammendes Riesenexemplar von 185 kg Gewicht) erreicht, bleibt der allbekannte, ihm sehr nahe stehende, silbergraue, mit kennzeichnendem schwarzem Schulterfleck gezierte =Schellfisch= (_Gdus aeglefnus_) stets wesentlich kleiner. Mit diesen beiden Formen, die nebst ihren zahlreichen Verwandten zu den Kehlflossern gehren und durch schnittigen Krperbau und einen eigenartigen Bartfaden an der Spitze der Unterkinnlade ausgezeichnet sind, lernen wir Fische kennen, die wegen ihrer ungeheuren Vermehrungsfhigkeit (jeder Rogner soll nach den Zhlungen fleiiger Forscher 4, selbst 9 Millionen Eier im Leibe tragen!), ihres Auftretens in nur nach Hunderttausenden und Millionen zu schtzenden Heeren und wegen ihrer unersttlichen Gefrigkeit eine hervorragende Rolle im Haushalt der Natur und namentlich im Stoffwechsel der nordischen Meere spielen. Wegen ihres gern gegessenen und billig zu erlangenden Fleisches haben sie aber auch eine groe volkswirtschaftliche Bedeutung fr den Menschen erlangt. Ganze Fischerflottillen und Zehntausende von Strandfischern in den verschiedensten Gegenden der nrdlichen Halbkugel ernhren sich ausschlielich oder fast ausschlielich vom Dorschfang, und ihre Beute geht in getrocknetem Zustande weit in die Welt hinaus, ist selbst im sonnigen Sden Europas und auf den heien Plantagen Brasiliens zum Nationalgericht geworden, weil keine andere gleich nahrhafte Fleischkost sich zu einem auch nur annhernd gleich billigen Preise beschaffen lt. Obgleich die deutsche Dorschfischerei sich nicht entfernt mit derjenigen der Lofoten und Islands oder gar Neufundlands messen kann und obgleich auch in dieser Beziehung die weniger gnstige Lebensbedingungen fr ausgesprochene Meeresfische bietende Ostsee weit hinter der Nordsee zurcksteht, werden doch allein z. B. in der Bucht von Eckernfrde alljhrlich mehr als 300000 kg Dorsche gefangen. 240 deutsche Fischdampfer mit je 12-14 Mann Besatzung fhren unablssig Krieg gegen den Kabeljau, ununterbrochen Sommer und Winter, Tag und Nacht, und doch vermgen sie kaum dem stets sich steigernden Bedrfnis zu gengen, freilich ebensowenig die unerschpflich scheinenden Heere dieser Fische merklich zu vermindern. Brehm hat Recht, wenn er den Kabeljau bezeichnet als einen der wichtigsten Fische der Erde, dem man seit mehr als drei Jahrhunderten unablssig nachgestellt hat, wegen dessen blutige Kriege gefhrt worden sind, von dem in jedem Jahre mehrere hundert Millionen Stck gefangen werden, und der dennoch diesem Vernichtungskriege Trotz geboten hat, weil seine unglaubliche Fruchtbarkeit die von den Menschen seinen unschtzbaren Heeren beigebrachten Lcken, bisher wenigstens, immer wieder ausfllte. Wahrlich, nicht jedes in hnlicher Weise verfolgte Geschpf ist in gleich glcklicher Lage! Sehr zustatten kommen mag den Schellfischen beim Kampfe ums Dasein auch der Umstand, da sie nicht wie die meisten anderen Meeresfische auf bestimmte Tiefenschichten des Wassers angewiesen sind, obschon sie im allgemeinen eine mige Tiefe bevorzugen und nur zu der in die Fastenzeit fallenden, brigens nicht wenig von den anregenden Wirkungen des Golfstroms abhngigen Laichperiode mehr in flachere Gewsser kommen. In diese Zeit fllt auch der Hauptfang, denn dann erscheinen die Fische ber gewissen Bnken in dicht gedrngten Heeren, die mehrere Meter hoch und mehrere Kilometer lang im Wasser stehen und immer wieder von frischen abgelst werden, sobald sie ihren Zweck erreicht haben. Aber auch whrend die Minne solchen Massenversammlungen ihre Freuden spendet, weicht die den Schellfischen eigene Fregier nicht von diesen vortrefflichen Schwimmern, und es ist nur gut, da sich um dieselbe Jahreszeit in den gleichen Gegenden auch unzhlige Heringe, Tintenschnecken u. dgl. anzusammeln pflegen, die jenen zur Nahrung dienen mssen. Die blindwtige Gefrigkeit der Dorsche und Schellfische erleichtert ihren Fang ungemein und macht namentlich auch die Verwendung der Grundangel sehr lohnend. Es ist dies eine etwa 2000 kg lange, starke Leine, an der etwa 1200 einzelne Angelschnre angeknpft sind, deren Haken mit Heringen, Tintenschnecken oder den Eingeweiden schon gefangener Schellfische bekdert werden. Etwa alle 6 Stunden wird sie heraufgeholt, nach dem Auslsen des Fanges frisch bekdert, und die Sache kann von neuem losgehen. In der Zwischenzeit handhaben die Fischer aber auch noch fleiig die Handangel und erzielen auch mit dieser bei der Menge der Fische ganz erstaunliche Ertrge. Von den greren Fischdampfern aus fischt man dagegen hauptschlich mit dem schon beschriebenen Scherbretterschleppnetz. Wenn nun der Netzbeutel (vom Fischer Steert genannt) wie eine prall gefllte Kugel ber dem Deck schwebt, lst der Steuermann mit einem geschickten Griff den verschlieenden Knoten, und das silbern wimmelnde Gezappel von Fischen ergiet sich wie ein lebender Strom ber die schlpfrig werdenden Planken. Die gebten Leute wissen aber auch mit den grten Massen bald fertig zu werden. Ein grausiges Schlachten beginnt. Ununterbrochen blitzen die blutbefleckten Messer, ein kurzer Schnitt trennt den Kopf vom Rumpfe, in einem Nu fliegen die Eingeweide heraus und der in zwei Hlften zerspaltene Fisch in den eisgekhlten Vorratsraum. Der Dorsch lt sich in allen seinen Bestandteilen irgendwie verwerten, denn selbst die Eingeweide, soweit man sie nicht aus Zeitmangel den unter gierigem Kreischen die vielversprechende Stelle umschwrmenden Mwen berlt, mssen ihrerseits wieder als Angelkder Verwendung finden oder werden zu Guano verarbeitet, whrend die Kpfe als Viehfutter dienen, das in Island merkwrdigerweise selbst die Rinder nicht verschmhen sollen. Die Lebern aber werden in groen Bottichen den Wirkungen der Sonnenstrahlen preisgegeben, verpesten dann faulend mit einem wahrhaft scheulichen Geruch ganze Hafenstdte des Nordens, liefern aber den in der Heilkunde hochgeschtzten Lebertran, der sich als ein gelbliches l auf der Oberflche der verwesenden Masse absetzt, in geringerer Gte auch durch Auskochen der Lebern gewonnen wird. Der Rogen geht in Blechbchsen nach den Gestaden des Mittelmeers, wo er den Sardinenfischern als unentbehrlicher Witterungskder dient. Der Fisch selbst wird auf die verschiedenste Weise zubereitet und in den Handel gebracht, fhrt auch demgem verschiedene Namen. Auf Stangen, Gersten oder in offenen Schuppen an der Luft klapperdrr getrocknet heit er Stockfisch, gesalzen und auf den Strandklippen durch die Sonne gedrrt Klippfisch, in Fssern eingepkelt Laberdan. Besondere Delikatessen sind das nun freilich alles nicht, wohl aber nahrhafte, zutrgliche und billige Ersatzmittel fr alle Gegenden, in denen frisches Fleisch ein seltener Artikel ist. Bedeutend wohlschmeckender ist das weie, etwas derbe Fleisch des frischen Schellfisches, und wenn es selbst heute in der Zeit der Fleischteuerung noch nicht berall die ihm zukommende Beachtung errungen hat, so liegt dies wohl hauptschlich daran, da sich die Hausfrauen im Binnenlande grtenteils nicht auf die richtige Zubereitung verstehen. Wenn ihnen der Seefischgeschmack an sich zuwider ist, rate ich ihnen, es einmal mit der Zubereitung von Fleischklchen (Frikadellen) aus Dorschfleisch zu versuchen. Sehr vorteilhaft ist es, da sich die Schellfischarten bei ihrer groen Zhigkeit und Anspruchslosigkeit auf verhltnismig weite Entfernungen hin lebend versenden lassen, Eigenschaften, die es ermglichen, die stattlichen Meeresbewohner auch jahrelang in rumlich arg beschrnkten Seewasseraquarien besser zu erhalten als irgend einen anderen Seefisch. -- Es ist ein Verdienst des norwegischen Professors Sars (eines Schwagers Nansens), nachgewiesen zu haben, da die 1-1-1/2 mm groen Glaskgelchen, die frei im Meereswasser umherschwimmen, meist Kabeljau-Eier sind. Der sonst in groen Tiefen lebende Fisch sucht zur Laichzeit die seichten Stellen, die Hochplateaus des Meeres auf. Der Laich fllt nicht zu Boden, sondern erhlt sich in einer Tiefe von hchstens 14 kg treibend. Diese Entdeckung fhrte weiter zu der Feststellung, da sich die Eier unserer meisten anderen Nutzfische des Meeres ganz ebenso verhalten. Gerade das Plankton, ber dessen Natur und Zusammensetzung wir durch Prof. Hensen-Kiel Klarheit erhalten haben, birgt zahllose solche Eier, die in ihrem ersten Entwicklungsstadium fast gar keine Artunterschiede aufweisen. So sind die Eier des Kabeljaus und des Schellfischs anfangs gar nicht zu unterscheiden. Es sind glashelle Kgelchen mit verhltnismig groem Dotter und einigen Fetttrpfchen. Diese Feststellungen haben nicht nur wissenschaftlichen Wert, sondern auch praktische Bedeutung, denn damit ist erwiesen, da der Fischfang mit tief an den Boden gehenden Netzen die in der Entwicklung begriffene Brut nicht zu schdigen vermag, wie man frher wohl befrchtet hatte. [Illustration: Abb. 6. Thunfisch (_Thynnus thynnus_).] Einigermaen Ersatz fr Hering und Schellfisch bietet den Anwohnern des Mittelmeers der mchtige =Thun= (_Thynnus thynnus_), der durchschnittlich 2 kg lang und 120 kg schwer ist, oft aber auch bedeutend grer wird (Abb. 6). Der Eindruck wird noch verstrkt durch den breit ausgeladenen Leibesbau, den dicken Kopf und die ungemein krftig entwickelten Schwanz- und Seitenflossen des Fisches. Man glaubte frher allgemein, da der Thun eigentlich im Atlantischen Ozean beheimatet sei und von da lediglich zum Laichen durch die Strae von Gibraltar nach dem Mittellndischen, ja sogar von da durch Dardanellen und Bosporus zum Schwarzen Meer ziehe, bis in das Asowsche hinein. Neuere Untersuchungen haben jedoch gezeigt, da er keine so weiten Wanderungen vollfhrt, sondern da die Verhltnisse hnlich liegen wie beim Hering, da also der Thun in der Hauptsache Hhenwanderer ist. Er verbringt den grten Teil seines Lebens in den tiefsten Senkungen des Mittelmeers, anscheinend auch in der Bucht von Cadiz, und steigt im Frhjahr empor, um den flachsten Stellen zuzustreben. Dabei berhrt er namentlich die Ksten Sardiniens und Siziliens, und hier wird denn auch der ergiebigste und groartigste Thunfang betrieben. Er erfordert wochen- und monatelange Vorbereitungen und Zurstungen, denn er geschieht in ungeheuren Netzen, sogenannten Tonnaros, wahren Gebuden aus zhestem Spartogras und bestem Hanf, die 30-50 m Tiefe und bis zu 1 km Lnge haben. Das Auslegen dieser Ungetme kann nur bei vollkommen ruhiger See stattfinden und mu mit grter Sorgfalt erfolgen, da viel darauf ankommt, da die Netzwnde senkrecht stehen wie Mauern. Zu diesem Zwecke sind sie unten mit Blei- und Eisenstcken beschwert, whrend sie oben mit Korkschwimmern versehen sind. Das Ganze ist in eine Reihe von aneinander stoenden Kammern geteilt, die durch ffnungen in der Netzwand verbunden sind, aber nach Bedarf abgeschlossen werden knnen. Die vorderste Kammer ist die grte, von ihrem Eingang strahlen noch scherenartig zwei lange Netzflgel aus, um ein Entweichen der Fische nach dem Strande oder der offenen See hin zu verhindern. Die hinterste Netzkammer ist die kleinste, hat den engsten Eingang und ist im Gegensatze zu den anderen auch mit einem Netzboden aus dem engmaschigsten und zhesten Geflecht versehen. Das ist die Kammer des Todes. Ist endlich das ganze verwickelte Netzgebude zur Zufriedenheit errichtet, so begeben sich die Fischer wieder an Land und lassen nur wenige Wachboote zurck, die den Einzug der Thune beobachten sollen: ein bei ungnstigem Wetter ebenso schwieriges wie undankbares Geschft. Die Thune halten zh an der einmal eingeschlagenen Richtung fest und entschlieen sich nicht leicht zum Zurckschwimmen, begnstigen dadurch also noch die Arglist des Menschen, so vorsichtig und schlau sie sonst auch sind. Sie streichen in kleinen Trupps rasch durch die Wellen, oft in keilfrmiger Schwimmordnung, aber diese Trupps folgen einander so rasch und ununterbrochen, da man doch von einer Massenwanderung sprechen kann. Nicht selten stutzen sie beim Eintritt in die Netztore, und die Fischer sind dann gentigt, die furchtsamen Tiere durch Einschaufeln von Sand ins Wasser oder durch das Herablassen eines Schaffells weiter zu scheuchen. Sind ihrer genug in der vordersten, natrlich bis zum Boden reichenden Kammer, so wird der Eintritt in die zweite frei gegeben, damit in jener Platz fr neue Ankmmlinge geschaffen werde. So geht es von Kammer zu Kammer und zuletzt in die des Todes. Der sonst so de Strand dieser Gegenden ist inzwischen zum Schauplatz ausgelassenen Lebens geworden, denn der Thunfischfang ist hier das grte Volksfest, und allenthalben herrscht das bunte und lrmende Lustgetriebe eines Jahrmarkts. Aus flchtig zusammen genagelten Huschen und Bretterbuden ist eine ganze Stadt entstanden, und in ihren Gassen schiebt und drngt sich eine aufgeregte, unterhaltungsbedrftige Menschenmenge, Einheimische und Fremde, Fischer und Kaufleute, Handwerker, Wirte und allerlei fahrendes Volk, nicht zuletzt auch Priester, denn ohne den Segen der Heiligen wrde ja kein Thunfisch ins Netz gehen. berall Musik und Gesang, Lachen und Lrmen, Scherzen und Necken, Lieben und Raufen. Alles atmet Leidenschaft und Leben, Aufregung und Feuer, denn die Tonnara ist den Sizilianern das, was den Spaniern die Stiergefechte sind und dem Englnder der Derby-Tag. Endlich steigt als Zeichen dafr, da die Totenkammer gefllt ist, am Maste des Wachbootes eine rote Flagge auf, alles eilt nun in wirrem Gedrng unter Jauchzen, Schreien und Brllen, Mtzen- und Tcherschwenken wie besessen zu den harrenden Booten, um so rasch als mglich den Schauplatz zu erreichen. Dort wird unter groen Anstrengungen die Totenkammer heraufgezogen und schlielich ihr Netzboden in Mannestiefe festgelegt. Weier Schaum bedeckt das Wasser, und die dem Tode geweihten groen Fische peitschen mit verzweiflungsvollen Schwanzschlgen die Oberflche, rings umgeben von Fahrzeugen voller Menschen, denen die unverhllte Mordgier und tierischer Fleischhunger aus den Augen blitzen. Die sehnigen, halbnackten, braunen Fischer werden zu erbarmungslosen Schlchtern. Wie Wahnsinnige stechen sie mit spitzen Harpunen blindlings in das weischaumige, klatschende Fischgewimmel, schlagen mit nagelbesetzten Keulen auf ihre Opfer los, zerfetzen mit Schwertern und Dolchen die groen Fischleiber. Blutigrot frbt sich die blasige Flssigkeit in der Totenkammer, blutigrot das Meer in weitem Umkreise, und Blut und Schwei strmen ber die vor Aufregung bebenden Menschenleiber, die von dem fanatischen Zujauchzen der blutlsternen Zuschauermenge in den Booten zu immer neuem Morden angepeitscht werden, bis der letzte Thun verblutet ist oder der ermattete Arm die Harpune nicht mehr zu heben vermag. Es ist ein grausiges Bild bei goldenem Sonnenschein und lachend blauem Himmel, aber so abstoend es auch auf feiner empfindende Gemter wirkt, fahren doch reiche Leute genug eigens deshalb nach Sizilien. Als Ludwig XIII. Marseille besuchte, wurde ihm zu Ehren eine groe Thunfischmetzelei veranstaltet, die diesem geschmackvollen Herrscher so trefflich gefiel, da man spter oftmals von ihm hren konnte, es sei dies einer der schnsten Tage seines Lebens gewesen. Widerwrtig sind die bluttriefenden Schlchtereien gewi, aber doch von ungeheurer wirtschaftlicher Bedeutung fr alle Lnder am Mittelmeer, denn das Thunfleisch ist zwar etwas grob und reichlich trocken, aber nahrhaft und vor allem -- billig. Es erfreut sich deshalb in vornehmeren Kreisen keiner sonderlichen Beliebtheit, ist aber fr weite Landstrecken das einzige Fleisch, dessen Genu auch den rmeren Volksschichten mglich ist, das so eine hochwillkommene Abwechslung zwischen dem ewigen Einerlei von Kaktusfeigen, Bohnen und Makkaroni bildet und damit der sonst unausbleiblichen Unterernhrung der Bevlkerung entgegenwirkt. Die ersten jungen Thunfische kommen schon im Juli zum Vorschein und wachsen so rasch heran, da sie bis zum Oktober bereits ein Gewicht von 1 kg erreichen. [Illustration: Abb. 7. Makrele (_Scomber scomber_). (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] Ein kleinerer, schlankerer und weit besseres Fleisch liefernder Vetter des plumpen Thun, die schnittig gebaute =Makrele= (_Scomber scomber_) mit der kunterbunten Zeichnung und dem wundervollen Opalschimmer auf dem zarten Schuppenkleid (Abb. 7) ist auch in unseren Meeren hufig. Massenhafter noch wird sie an den englischen und franzsischen Ksten gefangen und eingesalzen, ja es ist dort schon vorgekommen, da man die allzu dicht gefllten Netze ihres ungeheuren Gewichtes halber nicht wieder heraufzuziehen vermochte. Sehr gern folgt die gefrige Makrele, an der das vllige Fehlen der Schwimmblase das Merkwrdigste ist, den groen Heringsheeren und zehntet sie nach Krften. In England bildet auch das Angeln dieser wanderlustigen Fische vom Segelboot aus bei scharfer Brise einen beliebten Sport. Whrend die Makrele und noch mehr die fern von den Ksten im Atlantik Flugfische jagende und ihnen nachspringende =Bonite= (_Scomber pelamys_) vorzgliche Schwimmer sind, vermag der verwandte =Schiffshalter= (_Echenis remora_) nur matte und plumpe Schwimmbewegungen zu vollfhren. Er macht sich deshalb das Reisen gern bequem und lt sich lieber von flinkeren Fischen fortschleppen, was ihm dadurch ermglicht wird, da seine vordere Rckenflosse zu einer breiten Haftscheibe umgewandelt ist, mit der er sich am Bauche seines Reisemarschalls festsaugt. Am liebsten whlt er dazu Haie, wohl weil deren rauhe Haut einen besonders sicheren Halt gewhren mag und weil sie weite Meeresstrecken durcheilen. brigens begngt sich der Schiffshalter mit der Rolle des blinden Passagiers und wird nicht etwa zum Schmarotzer. Deshalb ist ihm auch ein Schiffsrumpf ebenso recht wie ein Fischleib, zumal ja immer allerlei nhrstoffreiche Abflle ber Bord geworfen werden, worauf sich dann der Echeneis von seinem Platze lst und ihnen unter schlngelnden Bewegungen zustrebt. In weiterer Ausbildung werden solche Symbiosen nicht selten zu echtem Raumparasitismus. In allen Meeren der Erde werden kleine Seefische gefunden, die irgendwelchen Leibesteil eines besonders wehrhaften Tieres sich zur Zufluchtssttte erkoren haben und ihren Wirt gewhnlich zwar nicht merklich schdigen, ihm aber auch keine Gegendienste fr das gewhrte schtzende Obdach leisten. Am bekanntesten in dieser Beziehung ist _Fiersfer acus_, ein kaum 20 kg langes, gelblichweies Fischchen von fast durchsichtiger Zartheit ohne Bauchflossen und mit weit nach vorn gerckter Afterffnung. Er benutzt als Wohnung die sogenannten Wasserlungen der Seegurken, dieser absonderlichen Geschpfe, die die merkwrdige Gewohnheit haben, die eigenen Eingeweide auszuspeien, wenn sie gereizt werden. Der Fisch dringt mit dem Schwanzende in die Afterffnung seines Wirtes ein, schiebt allmhlich den ganzen Krper nach und sieht nur noch mit dem Kopfe heraus. Das Atemwasser der Seegurke, das abwechselnd ein- und ausstrmt, versorgt den Fierasfer mit Nahrung in Gestalt kleiner Krebstierchen. Manchmal aber, wenn sich ihm ein besonders fetter und leckerer Bissen darbietet, schiet er, wie Bergmann beobachtet hat, aus seinem Verstecke hervor. Mglich, da er seinen Wirt auch von schmarotzenden Krebstierchen befreit; jedenfalls verursacht er ihm gewhnlich keinerlei Unbequemlichkeiten. Wohl aber ist dies der Fall, wenn sich mehrere Fischchen in der gleichen Seegurke ansiedeln, die dadurch sogar zugrunde gehen kann. Bisweilen findet sich Fierasfer auch in anderen Seetieren, wie Seesternen, Quallen und Muscheln. So besitzt das britische Museum einige Stcke, die aus echten Perlmuscheln stammen und von diesen mit einer glnzenden Perlmutterschicht berzogen wurden. Der durch seitliche Bepanzerung ausgezeichnete =Stcker= (_Cranx trachrus_), auch Halbmakrele genannt, der bisweilen in ungeheuren Schwrmen an den englischen Ksten auftaucht, aber wegen seines minderwertigen Fleisches nur wenig Beachtung findet, gehrt im Jugendzustande gleichfalls zu den Raumparasiten, denn er lebt dann zwischen den Mundarmen und Tentakeln von Quallen, die ihn durch ihre Nesselzellen gegen Feinde schtzen. Die jungen Fischchen kommen nur aus den Quallen hervor, wenn alles ringsum sicher erscheint, whrend sie sich beim geringsten Anzeichen von Gefahr sofort in ihre Schlupfwinkel flchten. Der prchtig gefrbte _Amphprion bicnctus_ fhrt in hnlicher Weise mit einer groen Seerose gemeinsamen Haushalt; stlpt sie sich ein, so lt sich der Fisch ruhig von ihren Tentakeln bedecken, woraus sich schlieen lt, da er gegen das Nesselgift unempfindlich sein mu. Auch stark bewehrte Seeigel mssen manchen kleinen Meeresfischen als Wohnung dienen. Plate fand whrend seines Aufenthaltes auf den Bahama-Inseln einen nur 3-6 kg langen, gelblich-weien, schmutzig-braun gepunkteten Fisch, _Apogonchthys strmbi_, in der Mantelhhle von Riesenschnecken (_Strmbus ggas_), die dort als ein beliebtes Volksnahrungsmittel regelmig zu Markte gebracht werden. Wahrscheinlich verlt hier der Einmieter das Wirtstier nur nachts, um auf Krebstierchen und Meeresasseln Jagd zu machen. Selbst in unseren nordischen Meeren fehlt es nicht an verwandten Erscheinungen. So konnte bei der Suche nach den Wohnpltzen der jungen =Schellfische= und =Kabeljaue= festgestellt werden, da deren Auftreten auf das innigste mit dem mehr oder minder hufigen Vorhandensein von Kornblumenquallen zusammenhing. Bei ruhiger See lie sich denn auch deutlich beobachten, wie die jungen Fische sich bestndig zwischen den langen Nesselfden der Quallen aufhielten, und wie ihre Eigenbewegung sich ganz darauf beschrnkte, dem ruckweisen Weiterschwimmen der Quallen nachzukommen, die ihnen also zu Schirmherrn im wahrsten Sinne des Wortes geworden waren. [Illustration: Abb. 8. Scholle. (Phot. von F. Ward.)] Nchst den Heringen und Schellfischen sind die der groen Gruppe der =Plattfische= oder Schollen (Abb. 8) angehrenden Arten die wichtigsten Nutzfische unserer Meere. Naturgeschichtlich interessant sind sie schon durch ihre weitgehende Anpassungsfhigkeit an die Farbe des Untergrundes und durch ihr damit im engsten Zusammenhang stehendes Farbwechselvermgen. Aber selbst diese wunderbaren Eigenschaften erscheinen den Plattfischen noch nicht ausreichend, um sich gegen die Nachstellungen der gefrigen Raubfische zu sichern und sich selbst vor den Augen ihrer Opfer zu verbergen. Der greren Sicherheit halber whlen sie sich vielmehr gleich ganz in den Sand ein, so da nur ein Teil des Kopfes mit den gleich blaugrnen Perlen funkelnden Augen hervorsieht. Dieses Einpaddeln geschieht mit so fabelhafter Schnelligkeit, da man die einzelnen Bewegungen dabei kaum festzustellen vermag. Man sieht nur ein Aufwirbeln des Sandes, hastig zitternde und flimmernde Bewegungen der langen Bauch- und Rckenflossen, und der Fisch ist auch schon fast spurlos verschwunden. In Wirklichkeit vollzieht sich die Sache nach den Beobachtungen E. Schmidts so, da die Flunder einmal fest mit dem ganzen Krper den Sand peitscht, der dadurch etwas ausgehhlt wird. Zugleich schaufelt sie mit den groen Randflossen Sand auf die Krpermitte, der durch die dabei erzeugte Strmung gleichmig ber den ganzen Fisch verteilt wird und diesen so dem Blick des Beobachters oder im Freien dem Auge des gierigen Raubfisches entzieht. Das eben erwhnte Auge der Plattfische verdient in doppelter Beziehung noch eine kurze Wrdigung. Einmal ist es das einzige mir aus eigener Anschauung bekannte Fischauge, das einen gewissen seelischen Ausdruck widerspiegelt: es schaut frmlich klug, ja schelmisch und listig in die von unliebsamen Gefahren aller Art erfllte Unterwasserwelt. Zugleich sind diese prachtvoll gefrbten Augen, die durch eine stark entwickelte Nickhaut geschtzt erscheinen, von einer hchst seltsamen Beweglichkeit, denn sie knnen nicht nur nach den verschiedensten Richtungen hin willkrlich gedreht, sondern auch wie die der Frsche aus ihren Hhlen hervorgehoben und wieder zurckgezogen werden. In diesem unausgesetzten Augenspiel spiegelt sich jede seelische Erregung des Fisches ebenso deutlich wieder wie die des Hundes in seinen Schwanzbewegungen oder die gewisser Vgel in dem verschiedenartigen Zucken mit den Flgeln. Das Allermerkwrdigste ist aber nun der Umstand, da bei der ausgebildeten Scholle beide Augen auf ein und derselben Krperseite liegen, wie berhaupt ihre ganze Kopfbildung derart unsymmetrisch ist, ja so verschroben erscheint, da sie in dieser Beziehung im gesamten Wirbeltierreiche geradezu einzig dasteht. Freilich ist dem nicht von allem Anfang an so. Die dem Ei entschlpften und sich massenhaft an der Oberflche des Meeres herumtreibenden jungen Schollen sind nmlich noch ganz nach dem regelrechten Fischtypus gebaut, schwimmen auch in der sonst allgemein blichen Weise mit dem Rcken nach oben und dem Bauch nach unten, haben auf jeder Gesichtshlfte je ein Auge und bergen im Innern ihres beraus zarten, fast glashellen und durchsichtigen Krpers eine stark entwickelte Schwimmblase, whrend zugleich die sonstige Beschaffenheit der inneren Organe unverkennbar darauf hinweist, da makrelenartige Hartflosser etwa vom Typus der Gattung Zus (Petersfische) ihre dereinstigen Vorfahren gewesen sein mssen. Aber schon nach kurzer Frist gehen sie vom lockeren Herumschwrmen zu einer soliden und unttigen Lebensweise ber, indem sie immer grere Zeitrume in trger Ruhe auf dem Boden verbringen und sich hierbei auf eine Seite legen. Dieser neuen Lebensart pat sich nun ihr ganzer Organismus in einer ans Wunderbare streifenden Weise an. Der Krper wird immer flacher und platter, bis er schlielich die fast scheibenfrmige Form erreicht, die uns von den gerucherten Flundern her so wohl vertraut ist. Die dem Sand aufliegende Unterseite bleibt mehr oder minder farblos, whrend die Oberseite das geschilderte Farbwechselvermgen erhlt. Die berflssig gewordene Schwimmblase verkmmert rasch und verschwindet schlielich gnzlich, ein Vorgang, der durch den starken Druck von Wasser und Sand und durch die Einengung der Bauchhhle wesentlich beschleunigt wird. Das auf der Unterseite nutzlos gewordene Auge aber rckt allmhlich ber die Scheitelmitte hinweg, und bei solchen Arten, bei denen die Rckenflosse bis zum Scheitel reicht, sogar unter jener hindurch zur Oberseite hinber, die auf diese Weise zwei wohl ausgebildete Augen erhlt. Wie der absonderliche Vorgang eigentlich des nheren zu erklren ist, darber herrscht unter den Gelehrten noch keineswegs vllige Einstimmigkeit. Whrend die einen von einem ungleichmigen Wachstum beider Schdelhlften sprechen, fassen andere die Augenwanderung als eine mehr aktive auf, wobei der Einflu des Lichtes der wirksame Faktor sein soll. Jedenfalls erfolgt sie schon zu einem Zeitpunkte, wo die Schdelknochen noch weich und knorpelig sind, also keinen groen Widerstand entgegensetzen. Hand in Hand damit geht auch eine entsprechende Vernderung der Augenmuskeln, deren sptere, auffallend groe Beweglichkeit damit im engsten Zusammenhange stehen mag. Ebenso wird das Maul vollstndig nach oben verdreht, so da der alte Gesner ganz recht hat, wenn er von einem widerwrtig gesetzten Kopf spricht. Da die jungen Schollen schon sehr frhzeitig zu der dem Meeresboden anklebenden Lebensweise bergehen und von ihren verschiedenen Schutzmitteln gar bald den besten Gebrauch zu machen wissen, sind sie weit weniger als andere Jungfische den Nachstellungen der Meeresruber preisgegeben, und so erklrt es sich, da die Menge der Plattfische in allen Meeresteilen mit geeignetem Untergrund (Schlamm und Schlick wird gemieden, Sand vor feinem Gerll und dieses vor grobem bevorzugt) eine gewaltig groe ist, obschon die Zahl der im Sptfrhling oder Frhsommer abgesetzten, frei, nahe der Oberflche, treibenden und deshalb nur wenig geschtzten Eier nur eine verhltnismig geringe ist, jedenfalls der vieler anderer Fische weitaus nachsteht. So kommt es, da die Plattfische, die sich durch ein auerordentlich schmackhaftes Fleisch auszeichnen, das bei seiner Haltbarkeit sich namentlich auch zum Versand nach dem Binnenlande eignet, volkswirtschaftlich eine groe Rolle spielen und ihr Fang jahraus jahrein Tausende von Fischern an den Nord- und Ostseeksten beschftigt, wobei freilich die deutschen so ziemlich in letzter Reihe stehen oder doch wenigstens vor kurzem noch standen. Die schnen Zeiten allerdings, wo auf dem Londoner Markte das Dutzend dreipfndiger Goldbutten vergeblich um einen Penny ausgeboten wurden, sind leider wohl fr immer vorber, ja bei einigen besonders geschtzten Arten, wie bei der delikaten Seezunge, macht sich infolge allzu schonungsloser Nachstellungen schon eine so besorgniserregende Abnahme bemerkbar, da man bereits auf das Aushilfsmittel der knstlichen Zucht verfallen, dabei ber das Stadium der Versuche aber noch nicht viel hinausgekommen ist. Tagsber ruhen die Schollen gewhnlich trge im Sande, und erst gegen Abend beginnen sie zur Jagd auszuziehen, wobei sie sich unter wellenfrmiger Streckung des auch jetzt flach liegenden Leibes und seiner sehr schmiegsamen Flossen recht zierlich vorwrts bewegen und dabei die Schwanzflosse gewissermaen als die treibende Schiffsschraube benutzen. Die kleineren Arten begngen sich mit allerlei Gewrm, Krebs- und Muscheltierchen, aber die groen sind tchtige Ruber, die sich selbst an die wehrhaften Rochen wagen. Bedrohte Plattfische schieen blitzschnell im Zickzack durchs Wasser, um sich dann schleunigst wieder im schtzenden Sande einzupaddeln. [Illustration: Abb. 9. Flunder (_Pleuronectes flesus._) (Phot. von Oberlehrer W. Khler, Tegel.)] Die dem Binnenlnder wenigstens von genossenen Tafelfreuden her bekanntesten Arten sind der stattliche =Steinbutt= (_Rhmbus mximus_), der eine Lnge von 1 kg und ein Gewicht von 35 kg erreichen kann (Abb. 10, Fig. 4), und die wesentlich kleinere =Flunder= (_Pleuronctes flsus_), die hufig auch in unseren Binnengewssern gefangen wird, da sie sich mit Vorliebe in den Strommndungen aufhlt und von hier gern weite Wanderungen stromaufwrts unternimmt (Abb. 9). Da sie sich also mit Leichtigkeit an Swasser gewhnt, weshalb auch Zuchtversuche mit ihr viel aussichtsreicher wren, als mit anderen Arten, sind die allerliebsten kleinen Jungflundern geeignete Aquarienfische, die sehr viel Vergngen gewhren, obschon ihre Eingewhnung und Pflege doch nicht ganz so einfach ist, wie Brehm angibt. Eine hufige Erneuerung oder eine sehr starke Durchlftung des Wassers und ein ganz niedriger Wasserstand scheinen in Verbindung mit durchaus sparsamer Ftterung die unerllichen Bedingungen fr ihr Gedeihen zu sein. Weiter wren noch zu nennen der in den deutschen Meeren ziemlich seltene, mchtige =Heilbutt= (_Hippoglssus vulgris_), der doppelt so gro und schwer wird wie der Steinbutt, der =Goldbutt= (=Pleuronctes platssa=) und die feiste =Seezunge= (_Slea vulgris_), womit aber die Liste der regelmig oder gelegentlich bei uns vorkommenden Arten noch lange nicht erschpft ist. Bei der durch besondere Trgheit ausgezeichneten Seezunge finden wir auer der Farbanpassung auch noch eine echte =Mimikry=-Erscheinung (Nachffung eines giftigen oder sonstwie besonders gefhrlichen Tieres durch eine an sich harmlose und wehrlose Art), wie sie sonst im Reiche der Fische nur selten vorkommt. Mastermann hat nmlich beobachtet, da aufgestrte Seezungen, sobald ihnen das Versteckenspiel nichts mehr ntzt, die stark ausgebildete und mit einem groen, tiefschwarzen Fleck versehene rechte Brustflosse scharf aufrichten und gleich einem dsteren Todesbanner ausbreiten, gerade so, wie es das =Petermnnchen= (_Trachnus drco_) macht, das bekanntlich giftig ist. [Illustration: Abb. 10. 1 Dornhai. 2 Nagelroche. 3 Scholl. 4 Steinbutt. 5 Seeteufel. 6 Knurrhahn. 7 Seehase. 8 Seepferdchen.] Es gibt nmlich, obwohl man das frher stark angezweifelt hat, tatschlich =giftige Fische=, und ihre Zahl ist sogar durchaus nicht gering, wenn auch die meisten davon in ihrer Verbreitung auf tropische und subtropische Gewsser beschrnkt sind. Entweder sitzen die sackartigen Giftdrsen im Maule und treten beim Bisse des Tieres in Wirksamkeit, wie es z. B. bei den von den Fischern des Mittelmeers deshalb sattsam gefrchteten Murnen der Fall ist, oder sie befinden sich am Grunde durchbohrter oder gefurchter, besonders harter und spitziger, bisweilen auch wie sprdes Glas abbrechender und in der Wunde stecken bleibender Stacheln an den Kiemendeckeln, Rcken- oder Schwanzflossen. So vermag auch das Petermnnchen mit seinen scharfen Rckenstacheln recht empfindlich zu verletzen, und das dann in die Wunde eindringende Gift zieht etwa dieselben Folgen nach sich, wie ein tchtiger Skorpionstich, whrend sie bei gewissen exotischen Formen noch weit unangenehmer sind. Obwohl das Fleisch des Petermnnchens recht wohlschmeckend und auch durchaus bekmmlich ist, wollen deshalb die Fischer nicht viel von dem an sich recht hbschen Fisch wissen, sondern werfen ihn in vielen Gegenden, wenn er einmal zufllig mit in ihre Netze geriet, wieder ins Meer zurck, gewissermaen als eine Art Opfergabe fr Petrus, den Fischerschutzheiligen, wodurch sich auch der auffllige Name des eigentmlichen Geschpfs erklren mag. Es bewohnt sandige, aber nicht zu flache Stellen unserer Meere und whlt hier seinen stark zusammengepreten, messerartigen Leib gewhnlich so weit im Boden ein, da nur die vorstehenden, nach oben gerichteten Augen herausragen. Sowie sich aber eine Garnele oder ein kleines Fischchen in der Nhe blicken lt, schnellt der Ruber mit einem pltzlichen Ruck hervor, erhascht und verschlingt sein Opfer und lt sich dann mit zierlichem, wellenfrmigem Schwung wieder zum Boden herabtaumeln, indem er gleichzeitig durch hastige Bewegungen der langen Bauchflosse eine Sandwolke erzeugt und sich geschickt in diese einbettet. Gefrchteter noch als unser Petermnnchen ist der gleichfalls zu den Panzerwangen gehrige =Zauberfisch= (_Synancja verrucsa_), der im Roten, Indischen und Stillen Meere vorkommt. Wie das Petermnnchen hlt sich auch diese Art zwischen Steinen und Seetangen, halb im Schlamm vergraben, am Meeresgrunde versteckt und ist fr die nackten Fe der zum Baden oder Schwimmen ins Wasser gehenden Strandbewohner um so gefhrlicher, als seine warzige Haut in ihren Farbentnen so genau der Umgebung entspricht, da auch das schrfste Auge ihn kaum von ihr zu unterscheiden vermag. Sobald aber jemand auf ihn tritt, erhebt er sich, spreizt die Rckenstacheln und bohrt sie tief in den Fu des Unglcklichen. Klunzinger lernte Flle kennen, wo ein solcher Stich sofortige Ohnmachtsanflle zur Folge hatte, ja sogar Todesflle sollen vorkommen, wenn auch wohl nicht unmittelbar durch den Stich, sondern wahrscheinlicher durch Brandigwerden der vielleicht schlecht behandelten Wunde. Bei diesen beiden Arten wie auch bei dem von den franzsischen Fischern bestgehaten =Vipernfisch= (_Trachnus vpera_) stellt sich das Gift dar als eine bluliche, leicht opalisierende Flssigkeit, die namentlich auf Herz und Rckenmark einwirkt. Bei anderen Fischen scheint das ganze Blutwasser wenigstens zeitweise giftige Eigenschaften zu besitzen, weshalb auch ihr Genu schwere Gesundheitsstrungen nach sich ziehen kann. Doch scheinen dabei auch rtliche Verhltnisse eine noch wenig aufgeklrte Rolle zu spielen, indem das Fleisch der gleichen Fischart je nach seiner Herkunft sehr gefhrlich oder vllig unschdlich sein kann. So fand Johannes Mller auf den Marschallinseln einen von den Eingeborenen =Langi= genannten makrelenartigen Fisch, dessen Fleisch, wenn es in der Lagune erbeutet war, heftige Vergiftungserscheinungen zeitigte, sich dagegen als wohlbekmmlich erwies, wenn die Fische dem freien Meere entstammten. Auch die Lagunenfische verloren ihre unangenehme Eigenschaft, wenn man sie vor dem Abtten fr einige Wochen in Brackwasser setzte. Mller vermutet, da das Stagnieren des Lagunenwassers mit der Giftwirkung in Zusammenhang stehe, die ihrerseits in ihren Erscheinungen stark an Alkoholgift erinnere. Die giftigsten Geschpfe des Ozeans sind ohne Zweifel die verschiedenen Arten von Seeschlangen, die freilich nicht etwa mit den berchtigten Seeschlangen seefahrender Mnchhausens gleichbedeutend sind. Auch von dem blen Rufe dieser gefrchteten Tiere haben gewisse Fische durch eine weit getriebene Mimikry Nutzen gezogen. Selbst ein so gebter Forscher wie Dahl hielt den ersten derartigen Fisch aus dem Indischen Ozean, der ihm zu Gesichte kam, zunchst fr eine Seeschlange und erkannte erst bei nherer Untersuchung seine Fischnatur. Der Krper war ganz schlangenartig, das Flossenwerk bis auf einen schmalen, kaum wahrnehmbaren Saum rckgebildet, und auch die prachtvolle Frbung der in den gleichen Meeresteilen lebenden Seeschlangen, hellblau mit tiefschwarzer Ringelung, fehlte nicht. Die oben erwhnten =Murnen=, die den rmischen Schlemmern als ein ausgesuchter Leckerbissen galten und auch heute noch auf den Fischmrkten der Mittelmeerlnder sich groer Beliebtheit erfreuen, haben auf ihrem glatten, aalartigen und schuppenlosen Fettleib gleichfalls recht hbsche Zeichnungen aufzuweisen. So ist =Murana hlena=, die hufigste Art, auf gelblichem Untergrunde in reizender Musterung dunkelbraun marmoriert. ber den Charakter dieser am Meeresgrund in zerklftetem Gefels und zwischen Steinblcken in der Nhe der Kste hausenden Fische ist aber wenig Rhmliches zu sagen, denn sie gehren zu den znkischsten, boshaftesten und gefrigsten Tieren, worauf schon ihr tief gespaltener, zahnstarrender Rachen hinweist. Ungeschickte Fischer (man pflegt die Murnen zu angeln) haben schon oft durch die langen und spitzen Zhne der wtenden und sich nach Krften wehrenden Gefangenen empfindliche Verwundungen davongetragen. Das offene, sich unablssig bewegende Maul sieht aus, als ob es bestndig keife, und es klingt ganz glaubhaft, da diese Biester, wenn sie nicht genug Tintenschnecken und Krebse zur Stillung ihres gewaltigen Hungers finden, sich gegenseitig die Schwnze abknabbern. Noch aalartiger als die dazu etwas zu hoch gebauten Murnen sieht der 3 kg lang und 50 kg schwer werdende =Meeraal= (_Cnger vulgris_) aus, der gleich unserem Fluaal ein jugendliches Larvenstadium als Leptocephalus durchmachen mu und schon dadurch seine nahe Verwandtschaft zu ihm erweist. Auch der Meeraal ist ein gefriger Raubfisch, selbst jedoch wenig schmackhaft, hlt sich aber dafr gut im Aquarium. Gefangen wird er hauptschlich in dunklen Nchten an mit Pilchards gekderten Legangeln, und da sein Fleisch sehr niedrig im Preise zu stehen pflegt, findet es immerhin willige Abnehmer. Nicht so hufig wie des Giftes bedienen sich einzelne Fische der =elektrischen Kraft= zur Abwehr oder zur Lhmung ihrer Beute, und sie stehen in dieser Beziehung im Tierreiche einzig da. Am meisten ist die Fhigkeit, elektrische Schlge auszuteilen, bei zwei Swasserfischen ausgebildet, dem sdamerikanischen, von Humboldt so glnzend geschilderten Zitteraal und dem afrikanischen Zitterwels, aber auch einer der gewhnlichsten Charakterfische des Mittellndischen Meeres, nmlich der =Zitterrochen= (_Torpdo marmorta_) gehrt hierher. Dieser flach, plump und breit gebaute, 1-1/2 kg lang, 1 kg breit und 30 kg schwer werdende Fisch war gerade seiner allerdings nicht richtig gedeuteten elektrischen Eigenschaften wegen schon den Alten bekannt und spielte in ihrer Arzneikunst eine nicht geringe Rolle; namentlich Claudius Galenus, nchst Hippokrates der berhmteste Arzt des Altertums, empfahl im 2. Jahrhundert n. Chr. das Auflegen von Zitterrochen auf den kranken Krperteil, weil sie eine heilsame magnetische Wirkung ausben sollten. Die Griechen nannten den Zitterrochen wegen der durch seinen Schlag hervorgerufenen Lahmlegung des ihn berhrenden menschlichen oder tierischen Krpers Narke, d. h. der Betubende (daher auch narkotisieren = betuben), die Rmer Torpedo, d. i. der Lahmleger. In der Tat vermag ein krftiger alter Zitterrochen durch seinen Schlag den Arm eines Mannes zu lhmen, wenn seine elektrische Kraft auch nicht an die des Zitteraals heranreicht, und es ist deshalb beim Baden in an Zitterrochen reichen Meeresteilen immerhin eine gewisse Vorsicht angebracht. Nach mehreren, kurz aufeinander folgenden Entladungen lt aber die Kraft des Fisches nach, und schlielich vermag er nur noch ein leises Zittern hervorzurufen und bedarf dann geraumer Zeit, um seine elektrische Batterie wieder in leistungsfhigen Zustand zu versetzen. Im Wasser wirkt der Schlag strker als in der Luft, und er wird um so heftiger empfunden, je grer die berhrte Flche ist. Um ihn auszulsen, mssen die positiv-elektrische Rcken- und die negativ-elektrische Bauchseite des Fisches gleichzeitig berhrt werden, wobei aber schon die Herstellung einer mittelbaren Verbindung durch ein Stck Tau oder dergleichen gengt, und zwar ist die Wirkung an der dicksten Krperstelle des Fischleibes am merklichsten. Die Entladung ist aber auch vom Willen des Tieres abhngig, stellt sich also erst dann ein, wenn man es gengend reizt. Da es sich bei alledem wirklich um elektrische Erscheinungen handelt, ist nicht nur durch die physiologischen Wirkungen, sondern auch durch chemische Versuche (Wasserzersetzung, Zerlegung von Jodkalium, Wrmeentwicklung) unzweifelhaft nachgewiesen. Erzeugt wird die Elektrizitt in einem besonderen, sehr umfangreichen Organ, das zu beiden Seiten des Rckenmarkes einen betrchtlichen Raum im vorderen Teile des Fischkrpers ausfllt und aus zahlreichen, nach Art der Bienenzellen aneinandergereihten Scheiben oder Platten besteht, die heute von den meisten Gelehrten als abgendertes Muskelgewebe gedeutet werden. Vom vierten Lappen des Kleinhirns entsendet der lobus electricus eine Reihe von Nervenpaaren in dieses Organ, die sich daselbst rasch aufs feinste verzweigen, und als eine krnig-schleimige Masse in Form kleiner Kugelzellen endigen. Die einzelnen Scheibchen sind zu Sulen zusammengestellt, und zwar beim Zitterrochen so, da ihre Achsen von der Rcken- zur Bauchseite gerichtet sind, whrend sie beim Zitteraal und Zitterwels in der Lngsrichtung des Fischkrpers verlaufen. D'Arsonval, dem wir die wohl beste und einleuchtendste Erklrung der ganzen, in ihren Einzelheiten noch rtselhaften Erscheinung verdanken, ist der Ansicht, da die Tausende von Zellen im elektrischen Organ bei einer strkeren Reizung des Tieres einer augenblicklichen Formvernderung des Protoplasmas unterliegen, und wenn auch der Spannungsunterschied jeder einzelnen noch so gering ist, mu doch ihre Gesamtheit eine immerhin bedeutende Wirkungskraft hervorrufen, wie sie nach den Untersuchungen Lippmanns stark genug ist, den elektrischen Strom auszulsen. Die erzeugten Wechselstrme verdanken also ihre Entstehung molekularen Formvernderungen, und damit ist auch ihre Abhngigkeit vom Willen des Tieres erklrt. Du Bois-Reymond, der sich viel mit den galvanischen Batterien dieser Fische beschftigte, hat die ganz begrndete Frage aufgeworfen, wie es wohl kommen mge, da die Zitterfische nicht selbst die ersten Opfer ihrer Entladungen werden. Eine befriedigende Erklrung fr diese merkwrdige Erscheinung konnte noch nicht gefunden werden, man mu sich daher einstweilen mit der auch durch Versuche nachgewiesenen Tatsache begngen, da diese merkwrdigen Geschpfe nicht nur gegen ihre eigenen, sondern auch gegen von auen zugefhrte elektrische Entladungen gnzlich unempfindlich sind. [Illustration: Abb. 11. Nagelrochen (_Raja clavata_), einen Monat alt. (Phot. von F. Ward.)] Die sehr kleinen Jungen des Zitterrochens kommen lebend zur Welt und gleichen nach Krperbau und Bewegungsart jungen Haien, haben also noch nicht die flache Rochengestalt. Deren Wirkung wird noch dadurch stark gesteigert, da die paarigen Flossen mchtig entwickelt und seitlich weit ausgebreitet sind, fast wie Fledermausflgel, whrend Schwanz- und Afterflosse fehlen und die verkmmerten Rckenflossen dem dnnen, langen Schwanze aufsitzen, der als ein schmchtiges Anhngsel dem breiten Leibe entwchst. Der quergestreckte Mund ist ganz auf die Unterseite gerckt, noch etwas rckwrts und seitwrts von ihm liegen die groen Kiemenspalten. ber die Lebensweise, die derart gestaltete Fische fhren mssen, kann von vornherein kein Zweifel sein. Es sind trge Bodenfische, die meist ruhig auf oder im Sande ruhen und nur pltzlich hervorschieen, wenn sich ihren sphenden Augen etwas Geniebares beut. Zumeist ist brigens die Nahrung der Rochen auf Krebstiere und Jungfische beschrnkt, da sie trotz ihrer Gre wegen des eigenartigen Mund- und Zahnbaues umfangreichere Bissen nicht zu bewltigen vermgen. Wohl aber schwimmen sie mit ihren breiten Seitenflossen vorzglich und schieen durchs Wasser wie Vgel durch die Luft. Das Gebi ist furchtbar, denn auch die hrtesten Panzerkrebse werden zwischen den kraftvollen Kiefern ohne Umstnde zermalmt. Hauptwaffe der Rochen ist ihr langer Schwanz, mit dem sie bei Gefahr nach allen Richtungen hin wtend die Fluten durchpeitschen und dem Gegner die empfindlichsten Verletzungen beibringen, zumal bei manchen Arten dieses Glied noch mit spitzen, angelartigen Stacheln besetzt ist, nicht selten sogar hinzutretende Blutvergiftung die geschlagenen Wunden lebensgefhrlich macht. Dies wird schon von dem kleinen, kaum meterlangen =Nagelrochen= (_Rja clavta_) unserer Ksten berichtet, bei dem sich die druenden Stacheln auch auf der Mittellinie des Rckens noch fortsetzen (Abb. 11). Diese Art, deren Fleisch im sdlichen England whrend der Wintermonate gern gegessen wird, pflanzt sich durch Eier fort, doch ist deren Zahl auf 6-10 beschrnkt, und das ist gut so, denn wenn die geringe Fortpflanzungsfhigkeit der Rochen nicht wre, wrden diese schdlichen Raubfische vermge ihrer furchtbaren Bewaffnung bald ein schdliches bergewicht in den Meeren erlangen. So aber schafft die Natur immer wieder den ntigen Ausgleich und stellt das harmonische Gleichgewicht her. Bei der Nahrungssuche schweift der Nagelrochen unter wellenfrmigen Schaukelbewegungen niedrig ber dem Meeresboden dahin, und sowie seine uerst empfindliche Unterseite etwas Geniebares berhrt, deckt er es mit seinem breiten Leibe und den groen Seitenflossen und zermalmt es zwischen seinen harten Kiefern. Im Spielen kommen diese seltsamen Fische bisweilen aber auch an die Oberflche empor, indem sie senkrecht auf- und niedertauchen und dabei zierlich tnzelnde Bewegungen vollfhren. Der gefrchtete =Stechrochen= (_Trygon pastinca_) der tropischen Ksten hat an seinem langen, dnnen Schwanze zwar nur einen einzigen Stachel, aber dieser ist sgeartig gezhnt. Kommt dem gewhnlich im Sande oder Schlamm bis an die Augen vergrabenen Fisch etwas Verdchtiges zu nahe, so schwingt er seine Waffe wie eine Peitsche, und der Stachel verursacht dann gar bse und schmerzhafte, sehr schwer heilende Wunden. Die sagenumwobenen =Teufelsrochen= (im Mittelmeer findet sich noch am ehesten _Dicerbatis girnae_) haben zwar auch den Schwanz zu einer Peitschenschnur ausgezogen, aber die Stacheln fehlen, denn fr diese Meerungeheuer ist schon ihre fabelhafte Gre gengender Schutz. Hat man doch schon solche Seeteufel von 3-5000 kg Gewicht gefangen, in deren Maule ein sitzender Mensch bequem Platz hatte und deren Breite 6-9 kg betrug. Dabei schieen diese mit schier dmonischer Kraft begabten Ungetme doch auerordentlich behend durchs Wasser und bewegen sich in ihm mit Hilfe ihrer zu riesenhaften Fledermausflgeln umgewandelten Seitenflossen in frmlichen Raubtiersprngen vorwrts. Harpunierte Teufelsrochen schnellen sich sogar im Sprung aus dem Wasser heraus, und wenn sie dann auf das Boot niederfallen, wird dieses durch ihr ungeheures Gewicht unrettbar zerschmettert. Man verwendet deshalb bei dieser gefhrlichen Jagd ganz besonders gebaute und ausgerstete Boote mit luftgefllten Zinnbehltern. Kennzeichnend fr die in kleinen Trupps zusammenlebenden Teufelsrochen sind zwei armsdicke, meterlange, fleischige, bestndig in Bewegung befindliche Taster am Kopf in der Nhe der Augen. Vielleicht hat Schiller an dieses so vorsintflutlich anmutende Scheusal des Meeres gedacht, als er in seinem Taucher von scheulichen Klumpen sang, denn der unfrmlich breite Leib mit dem langen Peitschenschwanz und der widerwrtige Schleimberzug der schmutzig gefrbten Haut machen diese furchtbaren Riesenrochen in der Tat zu hchst abschreckenden Erscheinungen. Die Rochen gehren wie die Haie zu den Knorpelfischen; den bergang zwischen diesen beiden groen Gruppen mgen uns des Hammers greuliche Ungestalt und der abenteuerlich geformte =Sgefisch= (_Prstis antiqurum_) vermitteln. Dieser gehrt seinem Aussehen nach zu den Haien, nach seinem inneren Krperbau aber zu den Rochen und ist sehr ausgezeichnet durch den zu einer bis 2 kg langen Doppelsge ausgezogenen Oberkiefer. Mit dieser furchtbaren Waffe soll der Sgefisch kleinere Fische frmlich zersbeln, aber auch greren, selbst Delphinen und Walen bei lebendem Leibe ganze Stcke Fleisch herausreien oder die Eingeweide zum Hervorquellen bringen, um sie zu verschlingen. Sicheres darber wissen wir nicht, sind berhaupt ber die Lebensweise dieser absonderlichen Fische erst hchst drftig unterrichtet. Kann man den Sgefisch als einen Rochen in Haigestalt bezeichnen, so darf umgekehrt der auch in der Nordsee gelegentlich vorkommende =Meerengel= (_Rhna squtina_) ein Hai in Rochengestalt genannt werden. Er ist ein stumpfsinniger und trger Bodenfisch, ein wahres Faultier des Meeres und macht seinem schnen Namen wenig Ehre. In diesem Zusammenhange sei auch gleich noch die verwandte =Seekatze=, Chimre oder Spke (_Chimara monstrsa_) erwhnt, ein gar absonderlicher Fisch mit mchtigem Dickkopf, kegelfrmiger Schnauze, aufrichtbarem, gestacheltem Stirnfortsatz (daher auch Knigsfisch), dnnem Fadenschwanz (Seeratte), flgelartigen Brustflossen, auffallend stark ausgeprgter Seitenlinie und in metallischem Grn funkelnden Augen. Sie hat schon im Devon, wahrscheinlich sogar schon im Silur unmittelbare Vorfahren gehabt, stellt also ein uraltes Geschlecht dar. Heute frchten die Fischer ihr zermalmendes Gebi, schtzen aber ihre lreiche Leber zur Bereitung von Wundsalben. Der =Hammerfisch= (_Zygana mlleus_) endlich konnte kaum einen anderen Namen erhalten, weil sein ungefger Kopf unwiderstehlich an die Hammergestalt erinnert und um so auffallender wirkt, als die Augen an den uersten Enden der knorpeligen Seitenvorsprnge sitzen. Diese wilde und verwegene scharfbezahnte Bestie wird ber 4 kg lang, 2-300 kg schwer und hlt sich zumeist auf schlammigem Meeresboden auf, wo sie heihungrig auf die kleineren Rochenarten Jagd macht. Die =Haie= selbst gelten als die Hynen des Meeres, und noch treffender knnte man sie als die Wlfe der Salzflut bezeichnen. Ihre Raubgier und Unersttlichkeit, ihre Hinterlist und Verwegenheit sind sprichwrtlich geworden. Sie sind eine wahre Geiel der warmen Meere und werden nicht selten auch dem Menschen gefhrlich, verleiden ihm das erquickende Bad und erschweren ihm das Tauchen nach Perlen und anderen Meeresschtzen. Immerhin ist auch viel ber sie gefabelt, und ihre Menschenfresserei stark bertrieben und aufgebauscht worden. So viel drfte sicher sein, da die groe Mehrzahl der Menschenteile, die man in erlegten Haien vorfindet, von den Leichen Ertrunkener herrhrt. Vielleicht bilden sich auch unter den Haien in hnlicher Weise bestimmte Menschenfresser heraus wie unter den Lwen und Tigern, whrend anderseits sowohl aus den nordischen wie aus den tropischen Meeren Beispiele genug dafr bekannt sind, da sich Menschen beim Baden oder gelegentlich irgendwelcher Verrichtungen unbesorgt und ungestraft stundenlang unter ganzen Scharen von Haifischen tummelten. Natrlich macht Gelegenheit Diebe, auch im Wasser, und es steht fest, da Schiffskatastrophen, Seeschlachten und Erdbeben in Kstenlndern immer auch mehr oder minder auffallende Ansammlungen von Haifischen zur Folge haben, die bei solchen Gelegenheiten bequem Beute machen und den ins Wasser gefallenen Menschenkindern ein lebendes Grab bereiten. Besonders arg sollen sie's whrend und nach der Seeschlacht von Abukir getrieben haben, und ebenso zeigten sich nach dem Erdbeben von Messina ungewhnlich viele Haie. Ein dort einige Wochen spter gefangener _Carchrodon carchrias_ z. B. hatte die traurigen Reste von nicht weniger als 3 Menschen im Leibe, und zwar ergab sich aus den genauen Untersuchungen Prof. Condorellis, da das Ungetm die Unglckseligen, die wohl whrend des Bebens von einer Flutwelle in die See hinausgesplt worden waren, noch lebend verschluckt haben mute. Die einzelnen Leichenteile waren noch ganz frisch, wieder ein Beweis dafr, wie auffallend langsam die Verdauungsttigkeit im Haifischmagen vor sich geht. Der Seeminenkrieg mit seinen starken Erschtterungen des Wassers scheint dagegen weniger nach dem Geschmack der Haie zu sein. Wenigstens wird behauptet, da die vielen Seeminen im russisch-japanischen Kriege eine ersichtliche Abwanderung der gerade in den chinesischen Gewssern sonst sehr zahlreichen Haie bewirkt htten und da die greulichen Raubfische dafr in der Adria ungewhnlich zahlreich aufgetreten seien. Letzteres ist nicht zu leugnen und steht wohl damit im Zusammenhang, da seit Erffnung des Kanals von Suez den Haien das Einwandern vom Indischen Ozean zum Mittelmeer sehr erleichtert worden ist, weshalb auch am schnen Strande der Riviera manchmal der Schreckensruf Ein Hai! das sorglose Badeleben strt. Im Jahre 1908 wurde dort ein riesiger Menschenhai gefangen, und selbst in unseren Meeren kommt dies gelegentlich vor, namentlich bei Helgoland, wo ein im Januar 1907 mit dem Grundnetz erbeuteter Hai nicht weniger als 3 Zentner Heringe im Leibe hatte. Die Fregier dieser Tiere leistet eben Unglaubliches, und bestndig scheint sie nagender Heihunger zu qulen und zum gierigen, wahllosen Verschlingen auch der scheinbar ungeeignetsten Gegenstnde anzuspornen. Deshalb findet man in Haifischmgen oft die absonderlichsten Dinge, namentlich oft Sardinen- und Konservenbchsen, wie sie von Bord der Schiffe ins Meer geworfen werden. Denn die Haie folgen mit Vorliebe den Schiffen, weil es da immer etwas fr sie zu ergattern gibt. Trotz ihrer glnzenden Schwimmleistungen vermgen sie freilich das Wettrennen mit einem modernen Ozeandampfer nicht lange auszuhalten, sondern bleiben bald zurck, whrend sie die langsamen Segelschiffe tage- und wochenlang umkreisen und sich dann wenig daraus machen, wenn die Reise von einem Meere in ein anderes geht und von den Tropen zu den Eisbergen fhrt oder umgekehrt, weshalb die Verbreitungsbezirke der einzelnen Arten so schwer gegen einander abzugrenzen sind. Fangen die Matrosen bei eintretender Windstille an, sich zu langweilen, dann bietet ihnen der Haifischfang erwnschte Abwechslung in ihrem eintnigen Dasein. Denn so scharfsinnig, klug und verschlagen der Hai sonst auch ist, seine grimmige Fregier verleitet ihn doch zu den trichtsten Streichen; blindlings schnappt er auch auf den plumpsten Kder los, und namentlich der Lockung eines tchtigen Speckbrockens vermag er nur in den seltensten Fllen zu widerstehen. Um ihn mit dem unterstndigen Maule zu fassen, mu er sich erst auf den Rcken oder doch auf die Seite wlzen. Unter dem Triumphgeschrei der Matrosen wird dann das berlistete Meeresungetm an einer starken Kette aufs Schiff gezogen, dessen Deck alsbald von seinen drhnenden, mit unheimlicher Kraft gefhrten Schwanzschlgen erzittert. Der Seemann hat den Hai mit glhendem Herzen und sucht sich an ihm fr das traurige Schicksal manches Kameraden durch ausgesuchte Grausamkeit zu rchen. Hageldicht sausen die Hiebe auf den Gefangenen hernieder, Dutzende von Messern zerwhlen seinen zuckenden Leib, spitze Harpunen durchbohren seinen Kopf, die riesige Leber fliegt in den bereitgestellten Bottich, und doch will die gehate Bestie nicht verenden, denn die Lebenszhigkeit der Haie streift ans Unglaubliche. Das Herz soll noch 20 Minuten lang schlagen, nachdem es dem Krper entnommen wurde. Whrend die Leber zur Trangewinnung benutzt wird und die krnige Haut als Chagrin mancherlei Verwendung erfhrt, findet das belriechende Fleisch nur selten einen Liebhaber, soll aber in unserer Zeit der Fleischteuerung unter der Flagge des Seeaals doch hin und wieder auf die Fischmrkte eingeschmuggelt werden. Die Chinesen, die ja von jeher ihre absonderlichen Geschmackseigenheiten gehabt haben, erblicken aber wenigstens in den Haifischflossen einen groen Leckerbissen, der es wert ist, mit Gold aufgewogen zu werden, und der, zu einer Art Gelee verkocht, bei keinem vornehmen Prunkmahle fehlen darf. Unserem Gaumen aber wrde dies klebrige Gericht kaum sonderlich behagen, denn besser als zum Essen eignen sich die Haiflossen sicherlich zum -- Leimkochen. Wre die abstoende Fregier der Haifische und ihre blindwtende Raubsucht nicht, man knnte sie fast lieb gewinnen, denn sie gehren zweifellos zu den krperlich am besten ausgersteten und zu den geistig am hchsten begabten aller Fische. Pfeilgeschwind durchschneidet ihr langgestreckter Krper mit der kraftvollen Schwanzflosse die Wogen, oft so nahe an der Wasseroberflche, da die Rckenflosse ber diese hervorsieht; auf weite Entfernungen hin wittert ihre scharfe Nase Heringsheere und Schellfischzge, frmlich planmig umstellen sie diese und brechen dann von allen Seiten gleichzeitig auf die Verwirrten los, jh im Angriff, blitzschnell im Zufahren, selbst nicht ganz ungelenk in raschen Wendungen. Ortsgedchtnis ist den Haien nicht abzustreiten, und auch das sanfte Gefhl der Elternliebe ist diesen blutdrstigen Hynen des Meeres nicht fremd. Viele sind vielmehr sorgsame Mtter, und der weite Rachen mit den mehrfachen Reihen spitz dreieckiger Drachenzhne der sichere Zufluchtsort, in den sich die Jungen beim geringsten Anzeichen von Gefahr flchten. Die grten Haifischarten sind durchaus nicht zugleich auch die gefhrlichsten. Vielmehr sind gerade der bis 15 kg lang werdende =Riesenhai= (_Selche mxima_) der Nordmeere und der ihn noch bertreffende =Rauhhai= (_Rhnodon typicus_), berhaupt die grte lebende Fischart, verhltnismig harmlose Gesellen, die nach Art der Wale von allerlei kleinerem Meeresgetier leben und natrlich einer ungeheuren Menge davon zu ihrer Sttigung bedrfen. Den Walfischjgern helfen sie auch beim Entspecken der erlegten Meeresriesen mit, kmmern sich aber nicht im geringsten um den Matrosen, der etwa bei dieser unangenehmen Arbeit von dem schlpfrigen Riesenkadaver herab ins Meer sauste. Vielmehr stellen die mittelgroen Haie die gefrchteten Menschenfresser vor. Als ein solcher gilt mit Recht der noch keine 5 kg lang werdende, sehr schlank gebaute und oberseits schn graublau gefrbte =Blauhai= (_Carchrias glucus_), der auch durch Abfressen der Kderfische und Zerreien der wertvollen Netze den Fischern im Mittelmeer Verdrielichkeiten genug macht, deshalb grimmig von ihnen gehat und bei jeder sich bietenden Gelegenheit schonungslos verfolgt wird. Aber gerade sein Fang miglckt oft genug, indem der Fisch das Angeltau durchbeit oder mit einem gewaltsamen Ruck zerreit, nachdem er es sich vorher durch Herumwlzen mehrfach um den Leib gewickelt hat. Selbst der an Bord gezogene Blauhai ist durch seine frchterlichen Schwanzschlge noch ein sehr achtbarer Gegner, und die Matrosen suchen daher auch immer zuerst durch Axthiebe den gefhrlichen Schwanz vom Rumpfe zu trennen. Noch furchtbarer ist der strkere =Weihai= (_Carchrodon rondelti_), der mit einem einzigen Schnapp seiner schrecklich bezahnten Kiefer einen Menschenleib mitten auseinander zu beien vermag. Ein solches Ungetm von 10 kg Lnge, 3 kg Krperumfang und 3000 kg Gewicht wurde unlngst an der kalifornischen Kste gefangen; sein gewaltiger Rachen zeigte eine Breite von 3/4 kg und eine Spannhhe von mehr als 1 kg, so da 2 Kinder bequem auf dem Unterkiefer sitzen konnten, ohne mit den Kpfen den Gaumen zu berhren. Auch die kleinen Haie unserer Meere sind verhltnismig recht grimmige Bursche. So schon der nur halbmeterlange =Hundshai= (_Scyllium cancula_) und der doppelte Gre erreichende, hbsch gefleckte =Katzenhai= (_Scyllium ctulus_), deren rauhe Haut gern zur Bekleidung von Sbel- und Degengriffen benutzt wird, da sie der umschlieenden Hand einen festen und sicheren Halt gewhrt. Der aufmerksame Strandwanderer findet zur Zeit der Heringszge fters die von den Wogen an den Strand geworfenen Kadaver dieser kleinen Haie oder auch ihre merkwrdigen, der Fischerbevlkerung als Seemuse bekannten Eier (Abb. 13). Diese wunderlichen Dinger sind gestreckt viereckige Hornkapseln von gelblichbrauner Farbe und an jeder Ecke mit einem langen, gewundenen Anhang versehen, der wie eine verdorrte Weinranke aussieht und zur festen Verankerung des Eis an Meeresgewchsen dient. Durch einen schmalen Spalt an jedem Eiende kann Wasser zu den Kiemen des eingeschlossenen Embryos gelangen, und der Abschlu der Eischale ist auf eine sinnreiche Weise derart eingerichtet, da der reife Junghai zwar leicht einen Ausweg, kein Feind aber den Zutritt finden kann. hnlich sehen auch die Eier der Rochen aus (Abb. 12). Dagegen gehrt der etwa gleichgroe =Dornhai= (_Acnthias vulgris_, siehe Abb. 10, Fig. 1) zu den lebend gebrenden Arten und ist zugleich der geselligste aller Haie. In groen Schwrmen folgt er den Heringszgen und richtet als einer der fregierigsten Ruber gewaltige Verwstungen unter ihnen an. Seinen Namen fhrt er deshalb, weil der vorderste Strahl der beiden Rckenflossen zu einem starken Dorn entwickelt ist. [Illustration: Abb. 12. Rochen-Ei.] [Illustration: Abb. 13. Ein Haifisch-Ei (geffnet).] Merkwrdig ist das Verhltnis der greren Haie zu dem der Makrelengruppe angehrigen, hbsch gebnderten =Lotsenfisch= (_Naucrtes dctor_). Selten nur sieht man einen Hai ohne diese anhnglichen Begleiter. Nach den Erzhlungen der Seeleute sollen die flinken Lotsenfische fr den Hai auf Kundschaft ausziehen und ihn dann zu einem ersphten Bissen hinfhren, von dem sie auch ihren Anteil erhalten. In Wirklichkeit wird sich die Sache wohl so verhalten, da sich der Lotsenfisch in der Nhe des groen Rubers, von dessen Tafel ja auch manches fr ihn abfallen mag, vor anderen Raubfischen sicher fhlt und selbst zu gewandt ist, als da ihn sein fregieriger Freund erhaschen knnte. Also eine auf Einseitigkeit beruhende Symbiose! -- Diese Erklrung erscheint um so wahrscheinlicher, als der Lotsenfisch ganz die gleiche Anhnglichkeit auch gegen Schiffe und Wracks bekundet, immer in der Hoffnung, bei diesen besonders reichlich und mhelos Nahrung zu finden. Whrend sich mit einem erlegten Hai im allgemeinen nur wenig anfangen lt, und der aus ihm gewonnene Ertrag in gar keinem Verhltnis zur Mhe und Gefahr der Erbeutung steht, gehrt ein anderer Riesenfisch des Meeres, der =Str= (_Acipnser strio_), zu den volkswirtschaftlich wichtigsten Arten. An ihm ist fast alles verwendbar. Das wohlschmeckende und nhrkrftige Strfleisch wurde schon von den Rmern als ein besonderer Leckerbissen gewrdigt, der mit groer Feierlichkeit unter Musikbegleitung auf die Tafel gesetzt zu werden pflegte, und erfreut sich auch bei uns, nachdem man es frher wenig beachtet hatte, steigender Beliebtheit, seitdem dieser edle Fisch durch den schonungslos betriebenen Fang so selten geworden ist, da das Pfund Strfleisch mit 3 Mark und mehr bezahlt werden mu, also nur noch den wohlhabenden Kreisen zugnglich ist. Mehr als frisches kommt neuerdings geruchertes Strfleisch aus Ruland in den Handel, und auch dieses hat so vielseitige Eigenschaften, da ein geschickter Koch es nach Belieben in Schinken, Beefsteak, Lammsbraten oder Geflgel umwandeln kann. In noch hherem Ansehen aber steht der aus dem Rogen des Weibchens gewonnene Kaviar, eine kstliche, aber auch sndenteure Delikatesse, in Gte und Preis nach Gewinnungs- und Zubereitungsart sehr verschieden. Der billige und minderwertige, nur oberflchlich gereinigte und unter starkem Salzzusatz auf Matten an der Sonne getrocknete, dann mit l vermengte und mit den Fen in Holzfsser eingetretene Prekaviar ist wenigstens in Ruland noch Volksnahrungsmittel; in den von mir besuchten Gegenden am Kaspi vertrat er geradezu die Stelle des Kses. Krniger Kaviar, der in durchwsserten Sieben durch Peitschen mit Ruten sorgfltig von anhaftenden Hutchen und sonstigen Unreinlichkeiten befreit und in langen Trgen schwach durchgesalzen wird, ist bedeutend teurer. Am hchsten stehen diejenigen Sorten im Preise, die nach dem Abkrnen in leinene Sckchen kommen und in diesen in Salzlauge gehngt, dann schwach ausgedrckt und an der Luft getrocknet, nach dem Verpacken in die bekannten kleinen Holzfchen aber bestndig unter Eis gehalten werden. Ein weiteres wichtiges Nebenerzeugnis der Strfischerei ist der aus der Schwimmblase der Fische gewonnene Leim, der auch beim Strken der Wsche und zur Herstellung von Gelees Verwendung findet. Endlich liefert auch noch die die Wirbelsule vertretende Rckenseite des Strs ein Gericht, das als Wjasiga das Entzcken aller Petersburger und Moskauer Schlemmer bildet und aus dem sich auch eine wundervolle Pastetenfllung herstellen lt. Im Meere werden gewhnlich nur vereinzelte Stre erbeutet, ein Massenfang ist nur im Unterlauf der Strme mglich, in denen diese Fische zu Beginn der Laichzeit emporsteigen, wobei die Rogner derart mit Eiern vollgepfropft sind, da sie sich nur mhsam fortzubewegen vermgen, whrend sonst der Str zu den flinken Raubfischen zhlt. Leider ist seine Abnahme bei uns infolge lange betriebener berfischerei eine derart rasche, unaufhaltsame und allgemeine, da man in sehr absehbarer Zeit mit dem vlligen Aussterben dieses wertvollen Nutzfisches in unseren Gewssern zu rechnen haben wird, falls die bisher gescheiterten Zchtungsversuche nicht schlielich doch noch zu einem Erfolge fhren. So wurden im Weichseldelta 1900 noch 27000 kg Strfleisch erbeutet, 1906 nur noch 9800 und 1908 gar nur mehr wenige 100 kg. Dagegen hat der Fischreichtum der russischen Gewsser (es handelt sich dort zumeist nicht um den eigentlichen Str, sondern um seinen greren Vetter, den bis 9 m lang und bis 1500 kg schwer werdenden =Hausen= [_Acipnser hso_]) bisher allen Verfolgungen Trotz geboten, wobei aber schwer ins Gewicht fllt, da gerade der Strfang dort von altersher aufs strengste geregelt ist und mit Ma und Vernunft betrieben wird, besonders erfolgreich auch unter dem Eise der zugefrorenen Wolga. Gerade deshalb aber vermag Ruland allein aus dem Strfleisch einen Gewinn von mindestens 12 Millionen Rubel jhrlich zu erzielen, und die Bevlkerung ganzer Landstriche findet durch diesen einzigen Fisch einen guten Lebensunterhalt. Wenn man bedenkt, da ein erwachsenes Hausenweibchen bis zu 3 Zentner Kaviar liefert, und das Pfund davon schon an Ort und Stelle mit 8 Mark bezahlt wird, so wird man ermessen knnen, welchen Glcks- und Freudentag der Fang eines solchen Riesenfisches fr den armen Fischersmann bedeutet. Der Str ist jedoch nicht nur ein wirtschaftlich hochwichtiger Fisch, sondern auch ein naturgeschichtlich besonders interessanter, da er als letzter Rest eine der ltesten und sonst ausgestorbenen Ordnungen aus dem Reich der Fische verkrpert und uns lebende Kunde gibt vom Aussehen und Bau der Wirbeltiere in den Urzeiten der Tierwelt. Sein Krper ist schlank, die unterstndige Schnauze gestreckt und vorgezogen, die Kiefer zahnlos, und das Schuppenkleid wird ersetzt durch 5 Lngsreihen eigenartiger Knochenschilder, die aussehen wie chinesische Htchen und bei jungen Stcken schrfer gekantet sind als bei alten. Auch haben die dem Laich schon nach 3 Tagen entschlpfenden Jungen whrend ihrer ersten Lebensmonate noch Zhne. Sie streben schon frhzeitig dem Meere wieder zu, aber ber das dortige Leben und Treiben der Stre wissen wir eigentlich herzlich wenig. hnliches gilt auch von dem grten und zugleich wehrhaftesten aller Knochenfische, dem sagenumwobenen, in unzhligen Seefahrergeschichten verherrlichten =Schwertfisch= (_Xphias gldius_), dem Todfeinde des Thuns, dessen Wanderscharen er durch seine ungestmen Angriffe fters auseinandersprengt oder von ihrem Wege abdrngt. Da er berdies auch hufig die wertvollen Riesennetze der Mittelmeerfischer zerreit, ist er ihnen verhat, und sie jagen ihn deshalb, wo sie nur knnen. Andere betreiben diese Jagd aus rein sportlichen Grnden, weil ihr in hohem Mae der Reiz des Gefhrlichen innewohnt. Denn das Schwert, d. h. der degenfrmig bis auf 1-1/2 kg verlngerte Oberkiefer des Xiphias ist in der Tat eine furchtbare Waffe, deren Wirkung durch das pfeilschnelle Vorstoen des groen und kraftvollen Fisches noch wesentlich gesteigert wird. Mit unwiderstehlicher Gewalt rennt er diese Lanze dem Gegner tief in den Leib, oder er gebraucht seine Waffe kleineren Beutefischen gegenber als Schwert, indem er sie durch seitliche Bewegungen rechts und links niedersbelt oder mitten durchschneidet und mit diesem blutigen Werke nicht aufhrt, bis eine ganze Reihe von Schlachtopfern die Walstatt bedeckt, worauf sich der Raubritter daran macht, sie in aller Ruhe und Behaglichkeit zu verzehren. Ashby konnte einmal an der Stelle, wo ein Schwertfisch vor seinen Augen in einem Heringsschwarm gewtet hatte, noch einen ganzen Scheffel getteter Heringe aufsammeln. Der Schwertfisch ist sich seiner Wehrhaftigkeit denn auch gar wohl bewut und scheut keinen Gegner, wagt sich erwiesenermaen sogar an Wale und Haie und ficht mit ihnen grimmige Kmpfe aus, die zu den groartigsten Schauspielen des Weltmeeres gehren und bei denen unserem Fisch auch seine ungewhnliche Gewandtheit und Schnelligkeit sehr zustatten kommen. Dem Menschen geht er gewhnlich scheu aus dem Wege, aber bisweilen scheinen einzelne Schwertfische nach Nashornart von einer wahren Berserkerwut befallen zu werden und rennen dann rcksichtslos alles an, was ihnen begegnet, sei es selbst ein groes Schiff. So erklren sich die gelegentlichen und nicht selten tragisch endenden Angriffe von Schwertfischen auf Badende oder auf bemannte Boote, die er durch und durch zu stoen, so leck zu machen und zum Sinken zu bringen vermag. Von der furchtbaren Wucht seines Stoes kann man sich einen Begriff machen, wenn man z. B. im Britischen Museum den Kiel eines Ostindienfahrers betrachtet, durch dessen Metallbeschlag und Holzwerk ein Schwertfisch seine Waffe 55 kg tief hineingetrieben hatte. Ja es ist sogar ein Fall verbrgt, wo ein in einem Boote sitzender Matrose von einem Schwertfisch gettet wurde, indem dieser sich aus dem Wasser emporschnellte und dem Unglcklichen seine Lanze mitten durch den Leib rannte. Aus alledem lt sich entnehmen, da die Jagd auf den Schwertfisch, von dem nur die umfangreiche Schwanzmuskulatur als geniebar gilt, ganze Mnner verlangt. Sie wird trotzdem von amerikanischen Sportsmen mit wahrer Leidenschaft betrieben, und zwar ausschlielich mit der Harpune, da der Fisch auch die strksten Netze glatt durchschneidet. Die von sinnloser Angriffslust und wtender Kampflust ruhelos durchs Meer getriebenen Schwertfische sind gewhnlich ganz alte Stcke. Die Jungen fhren das gefhrliche Schwert berhaupt noch nicht, sondern dieses bildet sich erst mit zunehmendem Alter ganz allmhlich aus. Den Riesen der Meeresfische seien nun auch gleich noch die Zwerge unter ihnen gegenbergestellt. Will man die Lanzettfischchen schon zu den echten Wirbeltieren rechnen, so mu hier zunchst _Asymmetron lucaynum_ erwhnt werden, der bei den Bahamainseln vorkommt und nur 19 mm mit, whrend unser kleinster Swasserfisch, der Zwergstichling, immerhin ber 50 mm lang wird. Sodann ist nach Krause namentlich das formenreiche Geschlecht der =Meergrundeln= reich an winzigen, nicht ber 25 mm hinauswachsenden Arten. So durchstreift das durchsichtige =Seeruberchen= (_Latrnculus perlcidus_) fast unsichtbar die Fluten bei den britischen Inseln und an einigen anderen europischen Ksten. Dieses Geschpfchen ist um so merkwrdiger, als es nach den Untersuchungen Colletts wie die meisten Insekten und viele Pflanzen nur ein Jahr lebt und somit das einzige bekannte Beispiel eines einjhrigen Wirbeltiers vorstellt. Im August entschlpfen die Jungen dem im Juni oder Juli abgesetzten Laich, sind schon im Dezember vllig ausgewachsen, bekommen im April die geschlechtlichen Unterscheidungsmerkmale und sterben sofort nach der Laichabgabe im Sommer ausnahmslos ab, so da man in den Herbstmonaten stets nur junge Seeruberchen antreffen kann. Die allerkleinste Art ist aber der =Luzonfisch= (_Mistchthys luzonnsis_) von den Philippinen, bei dem die Weibchen durchschnittlich nur 13,5, die Mnnchen gar nur 10-11 mm lang werden. Auch diese wahrscheinlich lebend gebrenden Tierchen sind im Leben bis auf einige schwarze Flecken fast durchsichtig und werden nach Zeller trotz ihrer Winzigkeit als Speisefische gentzt. Sie werden in besonders eng gewobenen Netzen gefangen, mit Pfeffer und anderen Gewrzen zubereitet und natrlich mit Stumpf und Stiel verzehrt, etwa wie bei uns die Stinte, deren bler Geruch ihnen aber abgeht, so da sich auch die Europer sehr mit diesem Badi genannten Gericht befreundet haben. brigens hat es auch schon in grauen Urzeiten derart winzige Fische gegeben. So fand man im roten Sandstein Schottlands wohlerhaltene Devonfische (_Palaeospndylus_), die auch nur 12-15 mm messen und einen hnlichen Saugmund besitzen, wie unsere Neunaugen, wobei es freilich einstweilen noch dahingestellt bleiben mu, ob es sich nicht vielleicht um die Larvenformen eines Panzerfisches handelt. Um nochmals auf die zur berlistung der Beutetiere und zum Verbergen vor Feinden dienende Farbenanpassung der Fische zurckzukommen, so gibt es auer der auf den Bodenuntergrund bezglichen vielfach auch eine solche, die sich der umgebenden Pflanzenwelt, also den in langen Bndern wogenden Tangen des Meeres oder den Rohrstrnken und Halmen des Swassers anschmiegt. Geradezu verblffende Beispiele fr die erstere Gruppe finden wir namentlich unter den Fischen warmer Meere, so den berhmten =Fetzenfisch= (_Phyllpteryx ques_) der australischen Gewsser mit seinen zahlreichen Dornfortstzen und bandartigen Anhngseln, aber auch schon der bereits in der Nordsee auftretende =Seeteufel= oder =Angler= (_Lphius piscatrius_, s. Abb. 10, Fig. 5) sieht wahrlich abenteuerlich genug aus. Ein sonder scheulich, helich Tier sollen diese Meerkrotten sein, sagt schon der alte Gesner, der eine im wesentlichen ganz richtige Lebensbeschreibung des Seeteufels gegeben hat, und in der Tat wird man den absonderlichen Burschen, dessen einer platten Keule gleichender Leib fast nur aus dem unfltigen, zahnstarrenden Riesenmaul, dem ungeheuerlichen Dickkopf und dem weiten Magensack zu bestehen scheint, beim besten Willen nicht schn finden knnen. Zwischen den Krautwldern der Meereskste liegt er tckisch verborgen, wobei er sich oft noch mit Hilfe der seehundsartigen Brustflossen in den Sand eingrbt, und lt unablssig die merkwrdigen angelartigen Fortstze auf Kopf und Rcken im Wasser spielen, die recht gut Wrmer vorzutuschen vermgen und so hungrige Kleinfische anlocken,[1] denen dann durch einfaches Aufreien des gewaltigen Rachens ein frhes Grab in dem unersttlichen Magen des Anglers bereitet wird. Das Eingraben hat dieser dabei eigentlich kaum ntig, denn wie Franz bei den Klippen Helgolands beobachtete, ist die sehr wechselnde Frbung seiner Oberseite, die durch zahllose, vielfach gezackte und gelappte Linien in der Art, wie wir sie von den Ammoniten her kennen, ausgezeichnet wird, eine fabelhaft genaue und bis in die kleinsten Einzelheiten gehende Nachahmung all der Farbenwirkungen und mannigfaltigen Abschattierungen von Dunkelolivenbraun und Gelbbraun, die wir bei klarem Wasser in dem von Tangen durchwucherten Klippenmeer sehen. Erhht wird diese Wirkung noch dadurch, da Maul und Seiten des Fisches mit kleinen grnbraunen Bartelfortstzen besetzt sind, die in ihrer lappigen Gestalt tuschend den umgebenden Algen gleichen. Wenn auch der wehrhafte Angler Feinde nur wenig zu frchten hat, so kommt diese ganze Ausrstung dem trgen Gesellen doch sehr zustatten beim berlisten und Fangen seiner Beute, und diese pflegt deshalb bei seinem stndig regen Heihunger so reichlich auszufallen, da die Fischer, die den an sich fast ungeniebaren Seeteufel erwischen, ihm wenigstens den Bauch aufschneiden, um sich die von ihm zahlreich verschluckten und oft noch ganz frischen Fische anzueignen. [1] Guitel bestreitet auf Grund von Aquariumsbeobachtungen diese bisher allgemein verbreitete Ansicht und glaubt, da der Angler seine Opfer durch rasche Vorste nach oben erhasche, sich aber berwiegend von Aas und unbeweglichen Seetieren nhte (?). Wo eine weitgehende Farbenanpassung fehlt, hat die erfinderische Natur durch mannigfache anderweitige Mittel dafr gesorgt, ihre Kinder wenigstens zeitweise den Nachstellungen ihrer Feinde zu entziehen oder ihnen das Erhaschen ihrer Beute zu erleichtern. Hierher gehrt z. B. das Schievermgen mancher Fische, auf der anderen Seite dagegen alle diejenigen Flle, wo Fische den Rubern des Meeres dadurch ein Schnippchen schlagen, da sie das feuchte Element fr mehr oder minder kurze Zeit verlassen und mit dem Aufenthalte auf festem Erdboden oder in freier Luft vertauschen knnen, und damit kommen wir auf die viel errterte Frage der =fliegenden Fische=. Einen ebenso berraschenden wie fesselnden Eindruck gewhrt es, wenn pltzlich zu beiden Seiten des Schiffes Scharen von Flugfischen aus dem Wasser emporschieen, silberglitzernd auseinanderstieben, sich in langem, flachem Bogen ber die Wellen schwingen und endlich ermattet wieder in das gewohnte Element zurckfallen, oder wenn man in finsterer Nacht das leise Knistern ihrer Flugflossen hrt, das Anprallen einzelner an die Schiffswand merkt und andere klatschend auf das Deck des hochbordigen Schiffes selbst herniederfallen -- ihrer Schmackhaftigkeit halber eine hochwillkommene Zugabe fr den Kchentopf der Matrosen. Alle Flugfische sind Kinder der wrmeren Meere, einige kommen aber schon im Mittelmeer regelmig vor, und deshalb berichten schon die Beobachter aus dem klassischen Altertum eingehend ber dieses Naturwunder, und auch spter haben die Forscher aller Zeiten und Vlker die damit zusammenhngenden wissenschaftlichen Fragen zu lsen und zu lichten versucht, ohne sich doch darber bis zum heutigen Tage einig geworden zu sein. So herrscht denn auch heute noch keine vllige Klarheit auch nur ber die Grundfragen, keine Klarheit darber, was die Fische eigentlich veranlat oder zwingt, das Wasser mit der Luft zu vertauschen, darber, ob sie whrend des Fluges die Richtung abndern knnen oder nicht, darber, ob sie whrenddem flgelartig mit den Flossen schlagen oder diese lediglich als Fall- oder Gleitschirm benutzen, darber, was sie nachts so hoch emportrgt, da sie auf das Deck der Schiffe niederfallen knnen, whrend sich am Tage ihre Flugbahn stets nur in sehr miger Hhe fortbewegt. Allerdings sind alle solche Beobachtungen bei der Schnelligkeit und Pltzlichkeit der Erscheinung, bei dem ungnstigen Stande des auf dem Schiffe befindlichen Beobachters von oben her und bei der unsicheren Beleuchtung, die das Atmen der Wellenberge und das glitzernde Silberkleid der Fische mit sich bringt, uerst schwieriger Art, aber hier wre ein sehr dankbares Feld fr die wissenschaftliche Ttigkeit des Kinematographen, dem die endgltige Lsung dieser viel umstrittenen Frage nicht schwer fallen knnte. Suchen wir aus all den zahllosen, sich oft widersprechenden Berichten und Streitschriften den wesentlichen Kern herauszuschlen, vergleichen wir das so Gewonnene miteinander und wgen es sorgsam gegeneinander ab, so erhalten wir etwa folgendes Bild vom gegenwrtigen Stande unseres Wissens ber das Rtsel der Flugfische. Der Fisch schnellt sich pfeilgeschwind und mit groer Wucht aus dem Wasser empor, und zwar hauptschlich mit Hilfe des rasche Schraubenbewegungen vollfhrenden, krftigen Schwanzes und durch Zusammenpressen der ungemein stark entwickelten Seitenmuskulatur. Es ist also ganz derselbe Vorgang, wie er sich beim wandernden Lachse vollzieht, wenn er ein Wehr berspringen will. Aber der Flugfisch schiet nicht so steil, nahezu senkrecht aus dem Wasser wie der verliebte Salmonide, weil es fr ihn ja weniger darauf ankommt, eine mglichst groe Hhe zu erreichen, als vielmehr darauf, sich eine mglichst weite Flugbahn zu schaffen. Das Herausspringen vollzieht sich daher in mehr oder minder spitzem Winkel zur Wasserflche, hchstens in einem solchen von 45, und in schrger Richtung, in die der Fisch wahrscheinlich schon vorher im Wasser seinen Krper eingestellt hat. Sehr erleichtert wird ihm das Emporschnellen jedenfalls auch noch dadurch, da er eine ganz ungewhnlich groe Schwimmblase besitzt, die z. B. bei einer 16 cm langen Art 9 kg lang und 2-1/2 kg breit ist, so da fr sie durch ringfrmige Ausbuchtungen im Knochengerst noch besonders Raum geschaffen werden mu, und 44 _ccm_ Luft fat, also den Fisch sehr leicht macht und ihm demnach wohl mehr als Flug-, denn als Schwimmorgan dient. Das Herausschieen vollzieht sich ohne Rcksicht auf die Bewegung des Windes oder die Richtung der Wellen, obwohl feststeht, da es bei vlliger Windstille und spiegelglatter See berhaupt nie stattfindet, demnach die Untersttzung des Windes an sich zum Flug dieser Geschpfe unerllich erscheint. Wahrscheinlich frdern auch hastige Schlge mit den mchtigen, zu Flugorganen umgewandelten Brustflossen das Emporheben in die Luft, denn wenn man sich in unmittelbarer Nhe befindet, hrt man deutlich das raschelnde und knisternde Gerusch der Flossen. Seitz berechnet die Zahl der derart vollfhrten Flatterschlge auf 10-30 in der Sekunde. Ich selbst habe trotz angestrengtester Aufmerksamkeit und vorzglichem Krimstecher solche Flgelschlge mit den Flossen, deren Mglichkeit von Moebius und du Bois-Reymond berhaupt geleugnet wird, nie zu erkennen vermocht, gebe aber bei der Schwierigkeit der Beobachtung und der Kurzsichtigkeit meiner Augen gerne die Mglichkeit einer Selbsttuschung zu. Jedenfalls breitet der Fisch, sobald er erst einmal eine gewisse Hhe erreicht hat, seine Flugflossen wagrecht oder mit einer geringen Neigung nach oben aus und lt sich nun durch sie passiv vom Luftstrom tragen. Soviel scheint sicher zu sein, da er whrend des eigentlichen Fluges, der freilich gar kein echter Flug ist, sondern nur ein fallschirmartiges Schweben und Gleiten, keine Flatterbewegungen vollfhrt, da demnach die Erscheinung nicht mit dem Flattern der Fledermuse, dem Gaukeln der Schmetterlinge oder dem Schwirren der Bienen verglichen werden kann, sondern hchstens mit dem Schweben der Flughrnchen und Flugechsen oder mit dem Aufschwirren der Heuschrecken aus dem Wiesengras. Eigentlich ist es nur ein knstlich verlngerter Sprung. Von einem wirklichen Fliegen, dieser Poesie der Bewegung kann schon deshalb gar keine Rede sein, weil dazu der Flcheninhalt der Brustflossen trotz ihrer auffallenden Lnge zu gering und vor allem die sie bewegende Muskulatur viel zu schwach ist. Denn whrend das Gewicht der Brustmuskulatur zum Gesamtgewichte des Krpers bei Vgeln sich durchschnittlich wie 1: 6,22 verhlt und auch bei Fledermusen noch wie 1: 13,6, ist dasselbe Verhltnis bei den besten Flugfischen nach den Wgungen von Moebius wie 1: 32,4. Ihre Brustmuskeln mten also 5,2mal so viel Kraft entwickeln, als die der Vgel oder 2,45mal so viel als die der Fledermuse, wenn sie den Krper durch Flossenschlge erheben und in der Luft fortfhren sollten. Es ist nun aber nicht das geringste bekannt, aus dem auf eine solche ausnahmsweise Steigerung der Muskelkrfte bei Flugfischen geschlossen werden knnte, die im ganzen Wirbeltierreiche einzig dastehen wrde. Allerdings scheint mir Moebius bei seinen fleiigen und grundlegenden Untersuchungen die ausgleichende, das Krpergewicht unter Umstnden stark erleichternde Wirkung der ungeheuerlichen Schwimmblase der Flugfische nicht gengend in Rechnung gezogen zu haben, da er ja nur mit Spiritusexemplaren arbeitete. Jedenfalls hat er aber darin recht, wenn er auch die Flossenlnge als fr eine wirkliche Flugleistung ungengend erklrt. Die relative Flchengre der Brustflossen ist zwar nur wenig geringer als die der Vogelflgel, allein ihre relative Lnge ist viel kleiner, oft nur halb so gro. Und doch hngt gerade von ihr hauptschlich das Ma der Flgelarbeit ab, denn der Widerstand der Luft wchst im Hundert der Geschwindigkeit, mit der der Flgel gegen sie schlgt. Da nun die Geschwindigkeit so zunimmt, wie die Entfernung des in Bewegung gesetzten Flgelpunktes vom Schultergelenk, so hebt ein Flgelstck, das doppelt so weit entfernt ist, den Krper mit vierfach grerer Kraft als ein anderes Flgelstck von gleicher Gre in einfacher Entfernung vom Schultergelenk. Mgen daher die Brustflossen der Flugfische als Trger der Krperlast fast ebenso viel leisten wie die Flgel der Vgel, so sind sie doch ihrer Krze wegen zum wirklichen Fliegen nicht geeignet. Ich mchte dem noch hinzufgen, da ja auch die eigenartig gewlbte Form des Vogelflgels und seine Fhigkeit zum Verkrzen oder Vergrern der Flche whrend des Fluges den Brustflossen abgeht, was ebenfalls keine geringe Rolle spielen drfte. Es handelt sich bei den Flugfischen nur um starre Gleitflchen, die ein vorzgliches Schweben, nicht aber ein wechselvolles Fliegen ermglichen. Lt sich demnach die Erscheinung auch nicht mit dem herrlichen Flugvermgen der Vgel vergleichen, so steht sie als bloer Gleit- und Schwebeflug doch entschieden ber dem der Flughrnchen und Flugechsen, sowohl was die Lnge der Flugbahn, als auch was ihre Schnelligkeit anbelangt, wozu freilich der Umstand das meiste beitragen mag, da ber bewegter See stndig ungleich strkere Luftstrmungen herrschen, als im stillen Blttermeer des Urwaldes. Die Fluggeschwindigkeit betrgt immerhin 7-14 Sekundenmeter, die Flugdauer 10-20 Sekunden und (wenn man die kurzen Unterbrechungen beim Eintauchen in die Wellenkmme nicht mitzhlt) selbst bis zu 1 Minute, die zurckgelegte Strecke bis zu 200 kg und mehr, allerdings gewhnlich nur in einer Hhe von kaum einem Meter ber dem Meeresspiegel. Also immerhin ganz ansehnliche Leistungen, die den angestrebten Zweck, nmlich die Flieger dem gierigen Rachen der Raubfische zu entziehen, vollkommen erreichen drften. Der zurckgelegte Weg stellt keine eigentliche Flugbahn vor, sondern eine parabelhnliche Wurfbahn, deren Form und Lnge abhngt von der Gre der Anfangsgeschwindigkeit, von der Krperlast und von der Ausdehnung und Neigung der tragenden Flchen; als Werfer des Krpers dienen, wie schon erwhnt, die stark ausgebildeten Rumpfseitenmuskeln und der krftige Schwanz, dessen untere Hlfte gerade bei den besten Fliegern sehr bezeichnender Weise weit mehr entwickelt ist als die obere. Anfnglich halten die fliegenden Fische, deren groe klare Augen so vorteilhaft von den bleifarbigen anderer abstechen, den Krper fast wagrecht, aber allmhlich senkt sich das Schwanzende, die Krperhaltung wird immer schrger und steiler, bis endlich der Schwanz in einen Wellenkamm eintaucht und nun entweder der ganze Fisch wieder in seinem eigentlichen Element verschwindet oder aber sich sofort von neuem abstt und in gleicher Weise einen zweiten und dritten Flug unternimmt. In solchen Augenblicken helfen auch die Flgelflossen vielleicht nochmals durch Flatterbewegungen beim Aufsteigen mit, und in solchen Augenblicken ist der Fisch auch imstande, die seitherige Flugrichtung willkrlich zu ndern, was ihm in der Flugbahn selbst bei der rein passiven Art seines Fliegens kaum mglich ist, da er dann als ein mehr oder weniger willenloses Spielzeug der Windstrmungen zu gelten hat. Humboldt hat ganz recht, wenn er die Fortbewegung der Flugfische mit der eines flach ber das Wasser hingeworfenen Steines vergleicht, der aufschlagend und wieder abprallend meterhoch ber dem Wasser einhersaust. Nun stimmen aber alle aufmerksamen Beobachter darin berein, da die Flugbahn sich nicht in gleichmiger Hhe halte, sondern sich mit der Wellenatmung des Meeres abwechselnd hebe und senke, hnlich wie der Flug der Mwen und anderer Wasservgel. Moebius sucht auch diese Eigentmlichkeit auf rein mechanischem Wege zu erklren und macht dafr die von den Wellen aufsteigenden dynamischen Luftstrmungen verantwortlich. Der wagerecht ber die Wogen hinstreichende Fisch mu emporgehoben werden, sobald er den hheren Teil der Wellenbschungen erreicht, weil er hier jedesmal dem von diesen aufsteigenden Luftstrom so nahe kommt, da dessen Wirkung sich merklich geltend machen kann, und zwar bernehmen dabei die Furchen der Brustflossen die Rolle von prchtigen Windfngen. Ihre Form und Lage ist nmlich derart, da der aufsteigende Luftstrom, wenn er sie fllt, den Fisch hher und zugleich vorwrts schieben mu. Sehr gut hiermit stimmt berein, da besonders scharfugige Beobachter gesehen haben wollen, da die Brustflossen beim Fluge doch nicht ganz ruhig liegen, vielmehr in stndiger zitternder Bewegung sich befinden. Es ist eben die von den Wellen aufsteigende Luft, die diese Zitterbewegung hervorruft. In hnlicher Weise erklrt sich auch das Niederfallen von Flugfischen zur Nachtzeit auf dem Schiffsdeck, whrend sie doch bei Tage stets wesentlich niedriger fliegen. Aber sie sehen dann eben das Schiff und nehmen ihre Flugrichtung von ihm weg und nicht zu ihm hin. Anders bei Nacht, wo sie in der Finsternis blindlings aus dem Wasser herausfahren und dann von der Windstrmung leicht gegen die Schiffswnde getragen werden knnen. Hier aber weht, wovon man sich experimentell leicht berzeugen kann, der anprallende Wind lebhaft nach oben, und in dem Augenblicke, wo die Flossen in diesen aufsteigenden Luftstrom eintreten, fhrt er in ihre Windfnge und fhrt den Fisch aufwrts und dann im Bogen ber die Schanzbekleidung hinber; whrenddem hat die eigene Schwere des Fisches seine Schwebegeschwindigkeit bedeutend vermindert, auf dem Schiffe fhrt ihm nichts mehr hebend unter die Flossen, und so strzt er denn unbehilflich und schwerfllig auf das Verdeck nieder, denn -- wirklich fliegen kann er ja gar nicht. Seeleute werden sich freilich durch diese einfache und einleuchtende Erklrung nicht irre machen lassen in ihrer alteingewurzelten berzeugung, da das helle Licht der Schiffe es sei, das in dunkler Nacht die Flugfische unwiderstehlich anziehe und ins Verderben locke. Im Einklang mit alledem steht es endlich auch, da in die Hhe geworfene oder aus der Hhe fallen gelassene Flugfische nicht den geringsten Versuch zum Fliegen machen, sondern zu Boden fallen wie jeder andere Fisch. Der Umstand, da Flugfische nur in den warmen Meeren vorkommen, mu zu der Vermutung fhren, da die dortigen klimatischen Verhltnisse die Ausbildung des Flugvermgens irgendwie besonders zu begnstigen vermochten, und vielleicht haben wir wenigstens einen dieser Faktoren in der Gleichmigkeit zwischen Luft- und Wasserwrme zu suchen, durch welche auch bei empfindlichen Geschpfen der pltzliche bergang von einem Medium ins andere wesentlich erleichtert wurde. Die Frage nach den ueren Grnden und treibenden Ursachen, die zur allmhlichen Ausbildung des Flugvermgens bei Fischen gefhrt haben, ist von den Forschern sehr verschieden beantwortet worden. Manche meinen, da dadurch nur berschumender Freude am Dasein Ausdruck gegeben werden solle, da es sich also nur um eine Art Spiel handle, andere glauben, da das zeitweise Bedrfnis nach sauerstoffreicherer Atemluft die Fische zu den Ausflgen in ein fremdes Element veranlasse. Ich mchte es aber doch mit denen halten, die in dem Auffliegen nichts als eine Flucht vor greren Raubfischen erblicken, denn das ganze Benehmen der Tiere spricht zu deutlich und zu unverkennbar fr diese Auffassung, und das ganze Leben der Fische ist ja ein ewiger Krieg, ein unablssiges Wrgen und Gewrgtwerden. Dann aber ist das pltzliche Verschwinden in einer anderen Welt, in die der Gegner nicht zu folgen vermag, sicherlich ein prchtiges, in seiner naiven Einfachheit schier verblffendes Ausfluchtsmittel, und nachdem die Natur einmal darauf verfallen war, leuchtet es ein, da unter dem Einflusse der natrlichen Zuchtwahl das Flugvermgen rasch bis zu einem gewissen notwendigen Grade sich entwickeln mute. Wenn die Fische dabei manchmal aus dem Regen in die Traufe geraten, indem nun Scharen von Mwen, Albatrossen, Fregattvgeln und anderen beschwingten Fischfressern in der Luft sich ber sie hermachen, so ist dies doch noch lange kein Gegenbeweis, denn einmal ist die zunchst gegenwrtige Not doch immer die grte und ausschlaggebende, und sodann sind derartige Flle doch nicht allzu hufig, indem die fischfressenden Vgel im allgemeinen mehr in der Nhe der Ksten sich aufhalten, die Flugfische dagegen meistens in freier See sich tummeln. Bei Beurteilung all der angeregten Fragen mssen wir uns immer vor Augen halten, da es nicht nur eine Art von Flugfischen gibt, sondern ihrer vier Dutzende, da jede davon wieder ihre besonderen Eigentmlichkeiten hat und da insbesondere das Flugvermgen verschieden entwickelt sein wird, so da sich hier unmglich alles ber einen Leisten schlagen lt. Als die besten Flieger drfen wohl die zur Gruppe der Makrelenhechte gehrigen Hochflieger mit den ungleich entwickelten Schwanzlappen gelten, und unter ihnen leistet wiederum der =Schwalbenfisch= (_Exocotus vlitans_) das Hchste, was der streng fr das Wasserleben zugeschnittene Fischtypus berhaupt zu leisten vermag. Die zierliche, schlank-rassige Gestalt, die zartblaue Frbung der Oberseite, die ausdrucksvollen Augen und die groen durchsichtigen Flgelflossen machen diese Art zu einem sehr schnen Fisch. Whrend er mehr der sdlichen Tropenzone eigen ist, wird er in der nrdlichen durch den etwas greren =Springfisch= oder fliegenden Hering (_Exocotus exsliens_) vertreten, der sich durch eine ber die Brustflossen verlaufende braune Binde auszeichnet. Im Mittelmeer sind namentlich der =Flughahn= (_Dactylpterus vlitans_) und die =Meerschwalbe= (_Trgla lucrna_) hufig. Der in den indischen Gewssern heimische fliegende Stachelbarsch oder =Flugdrache= (_Ptrois vlitans_), der steif wie ein Papierdrachen ber die Wogen gleitet, zhlt selbst zu den gefhrlichsten Rubern, denn er zerfleischt Fische, die ihn an Gre um das zwanzigfache bertreffen. Doch nicht nur fliegende Fische gibt es im Ozean, sondern auch hpfende und tanzende lehrt er uns kennen. Schon ehe man die Tropenzone erreicht, sieht man nicht selten halbmeterlange Fische von ziemlich hohem, aber schmalem Krperbau senkrecht aus dem Wasser herausspringen, in der Luft sich berschlagen und mit dem Kopfe voran wieder ins Meer zurckfallen. Es ist dies die allen Seefahrern wohlbekannte =Bonite= (_Scomber pelamys_), ein Mitglied der Thunfischgruppe, silberglnzend von Farbe mit schwarzgrauen Rckenstreifen und Flossen. Ihre Bewegungsart berrascht nicht minder als der Flug der Schwalbenfische, weil das Aufsteigen aus dem Meere ebenso senkrecht erfolgt wie das Herabfallen, weil das kobolzartige Umdrehen in der Luft auch dem oberflchlichsten Beobachter auffllt und weil sie fast genau auf derselben Stelle wieder ins Meer taucht, von wo sie aufgestiegen war. Den Grund fr diese absonderlichen Turnbungen wei man nicht recht anzugeben, vermutet aber, da es sich blo um eine Art Belustigung fr den Fisch handelt, da lediglich spielerischer bermut ihn aus dem Wasser heraustreibt, zumal das Tanzen der Boniten nur bei schnem Wetter, ruhiger See und heiterem Himmel beobachtet wird. Als ein Beispiel derjenigen Fische, die den Aufenthalt im Wasser zeitweise mit dem auf dem Erdboden vertauschen, sei hier der schleimig aussehende =Schlammspringer= (_Periophthlmus koelreteri_) genannt, ein unansehnliches, nur 15 kg langes, aber in mehr als einer Hinsicht hchst merkwrdiges Geschpfchen. Nicht nur fr Sekunden oder Minuten, sondern fr lange Stunden vermag er das feuchte Element zu verlassen, und er tut es weniger aus Furcht vor Feinden, als vielmehr in der Absicht, selbst Beute zu machen und auf dem Festlande nach Kerfen und Schnecken zu jagen. Ermglicht wird ihm das durch die auerordentlich enge Beschaffenheit seiner Kiemenspalten, die die Verdunstung des in den Kiemenhhlen befindlichen Wassers lange hintanhlt. Schon rein uerlich hat das an den tropischen Ksten Afrikas und namentlich im Brackwasser der Mangrovenwaldungen lebende Tierchen mancherlei Absonderlichkeiten aufzuweisen. Seine drolligen Froschaugen stehen nmlich dicht beieinander oben auf dem Kopfe und knnen in wunderlicher Weise etwas herausgeschoben oder zurckgezogen werden, sind berhaupt sehr beweglich und sogar mit Lidern versehen. Die weit nach vorn gerckten Bauchflossen sind miteinander verwachsen und zeigen ein starkes Haftvermgen, die Brustflossen sind mit krftigen Muskelstielen ausgerstet und knnen so am Lande als Beine dienen. Oder der ausruhende Schlammspringer sttzt sich auf sie wie ein Seehund, und wenn er dann mit seinen roten Glotzaugen gierig nach den im Wurzelwerk der Mangroven herumlaufenden Fliegen spht, sieht er aus wie ein alter Mann, der sich am Wirtshaustisch auf beiden Ellbogen lmmelt und sehnschtig dem bestellten Getrnk entgegenblickt. Vorsichtig wie eine Katze schleicht dann der Fisch seinem auserkorenen Opfer Schrittchen fr Schrittchen nher, -- ein mchtiger Satz, und das Kerbtier ist von dem breiten Maule erfat. Nicht selten springt bei solchen Jagden das Tier auch selbst dnne Mangrovenwurzeln an und klettert geschickt meterhoch an ihnen empor, indem es sie mit den Fuflossen umklammert und sich mit dem Schwanze nachschiebt. Gewhnlich bewegen sich die Tiere auf dem Schlamme in froschartigen Sprngen ziemlich langsam und schwerfllig fort, wobei sie eine sehr bezeichnende Fhrte hinterlassen, aber bei nahender Gefahr rennen sie fast so schnell wie Eidechsen davon und flchten entweder ins nahe Wasser oder vergraben sich mit verblffender Geschwindigkeit im Schlamme. Sie sind scharfsinnig, aufmerksam und scheu, und es ist deshalb gar nicht so leicht, einen unversehrten Schlammspringer zu erhaschen, obwohl sie an geeigneten rtlichkeiten massenhaft herumwimmeln. Trotzdem gelangen sie neuerdings fters lebend nach Deutschland und in die Hnde unserer Liebhaber, halten sich bei geeigneter Pflege in einem greren =Aquaterrarium= vortrefflich und geben hier reichlich Gelegenheit zu den anziehendsten und dankbarsten Beobachtungen. Wer jemals auch nur eine Stunde lang ihrem unterhaltenden, munteren Tun und Treiben zugeschaut hat, der wird zu der berzeugung gelangt sein, hier ein Tier vor sich zu haben, das biologisch weit mehr Amphibium ist, denn Fisch. Besonders merkwrdige Beziehungen zwischen den Schlammhpfern und gewissen Nacktschnecken (Onchidien) hat Semper aufgedeckt. Diese Onchidien sind nmlich entsetzlich langsame Geschpfe, die ihren Feinden rettungslos verfallen wren, wenn sie nicht auer ihren gewhnlichen, zum Aufsuchen der Nahrung dienenden Kopfaugen noch eine ganze Anzahl (wohl an 100) anderer Augen auf dem Rcken besen, die auffallenderweise und im Gegenstze zu den Kopfaugen ziemlich genau nach dem Typus des Wirbeltierauges gebaut sind. Keine andere Schneckengattung kann sich solcher Rckenaugen rhmen. Semper glaubt nun, da sich die Schnecke, indem sie mit ihren Rckenaugen die heranhpfenden Schlammspringer rechtzeitig wahrnimmt, oft noch sichern kann, freilich nicht durch die Flucht, sondern dadurch, da sie den Krper rasch zusammenzieht und aus gewissen Drsen, mit denen ihr ganzer Rcken best erscheint, in Form unzhliger kleiner Kgelchen ein Sekret herausschleudert, das auf die Fischhaut eine unangenehme Wirkung auszuben scheint, denn der von diesem Sprhregen getroffene Angreifer entfleucht alsbald, und die Schnecke ist gerettet. Jedenfalls ist es sehr auffllig, da solche Nacktschnecken mit Rckenaugen nur da zu finden sind, wo auch Schlammspringer vorkommen, und da da, wo diese fehlen, die Onchidien-Arten auch keine Rckenaugen haben. Nicht alle Schlammspringer scheinen in der geschilderten Weise zu leben. Wenigstens fand Hickson am Strande von Celebes eine Art, die den Schwanz immer ins Wasser getaucht hielt, auch wenn sich der Krper auerhalb desselben befand. Haddon untersuchte die Sache spter nher und stie auf die merkwrdige Tatsache, da dieser Fisch mit seiner entsprechend eingerichteten Schwanzflosse zu atmen vermag, ja so sehr darauf angewiesen ist, da er mit der regelrechten Kiemenatmung gar nicht mehr auskommen kann. Schon mit einer guten Lupe lt sich ein beraus lebhafter Blutumlauf in dieser sonderbarsten aller Schwanzflossen erkennen. Also ein erster Ansatz zu der amphibischen Lebensweise, die dann bei den afrikanischen Formen zu ungleich grerer Vollkommenheit gediehen ist. [Illustration: Abb. 14. Schtzenfisch (_Toxotes jaculator_).] Wohl kein Fisch erlangt aber seine Beute auf eine so merkwrdige Weise wie der =Schtzenfisch= (_Toxtes jacultor_, Abb. 14) und der =Spritzfisch= (_Chatodon rostrtus_), jener an den Ksten und in den Flssen Hinterindiens, dieser an denen Javas zu Hause. Wo das Ufer ppigen Pflanzenwuchs aufweist und einzelne Zweige ber das Wasser herberhangen, da nhern sich ihm diese hbschen Fischchen in kleinen Trupps und sphen mit groen, lebhaften Augen begehrlich nach den Fliegen aus, die im Gezweige sitzen. Dann nehmen sie eine bestimmte genau aufs Korn und spritzen pltzlich aus ihrem Maule einen kleinen Wasserstrahl nach ihr, und zwar bis meterhoch und mit so unbertrefflicher Sicherheit, da das Kerbtier fast regelmig getroffen wird, herabfllt und nun schleunigst verzehrt wird. Ging aber der Schu daneben, so schwimmt der Fisch einigemale aufgeregt und verrgert im Kreise herum, whlt sich einen gnstigeren Standpunkt aus und versucht dann sein Weidmannsheil von neuem. Merkwrdigerweise ist der Schiemechanismus dieser Wasserflinten wissenschaftlich noch gar nicht nher untersucht, und man wei eigentlich nur, da im Augenblicke des Schieens der Unterkiefer pltzlich vorgestreckt wird, und da beim Spritzfisch das Maul berhaupt zu einer dnnen Rhre verlngert ist. Es ist dies um so verwunderlicher, als die interessanten Fische nicht nur neuerdings ihren Einzug in die Aquarien unserer Liebhaber gehalten haben, sondern auch schon von altersher in ihrer Heimat vielfach zu Hausgenossen des Menschen gemacht wurden, indem man sich daran ergtzte, ihnen Stbe mit eingeklemmten Fliegen ins Wasser zu stellen, um die Geschicklichkeit zu bewundern, mit der sie alsbald die Kerfe herabschossen. Beim Spritzfisch, der viel seltener in die Flsse kommt, wird die Fliegenjagd wohl nur einen Nebenerwerb bilden, denn die schnabelartige Verlngerung seiner Kiefer, die in so sonderbarem Gegensatze steht zu der fast kreisfrmigen Gestalt seines Krpers und zu der scharf abgeschnrten Schwanzflosse, weist deutlich darauf hin, da seine Hauptnahrung in kleinen Schaltieren besteht, die er eben mit diesem Schnabel selbst aus engen und tiefen Hhlungen herauszuholen versteht, wobei ihn seine borstenartige Zahnbildung noch wesentlich untersttzt, denn der einmal erfaten Beute ist ein Entrinnen nicht mehr mglich. Beide Arten gehren zu der formenreichen und farbenprchtigen Gruppe der auf die tropischen Meere beschrnkten =Schuppenflosser=, die ihren Namen davon haben, da das Schuppenkleid bei ihnen auch auf das reich entwickelte Flossenwerk bergreift, namentlich auf Rcken- und Afterflosse, und so den sonst im Fischreiche so scharf ausgeprgten Unterschied zwischen Flossen und Rumpf mehr oder minder verwischt. Es sind durchgngig kleine Fischchen, die zumeist zwischen den Korallenbnken ihr lustiges Wesen treiben und die Korallenstmmchen scharenweise frmlich abweiden, sei es, da sie die herausschauenden Korallenpolypen selbst verzehren, sei es die ihnen anhaftende Kleinlebewelt oder die auf ihnen wuchernden Algen. Ihnen allen gemeinsam ist ein hoch gebauter, aber seitlich stark zusammengepreter Rumpf von nahezu Sphroidform, aus der auch die kleine, sehr bewegliche Schnauze und die kurze, scharf abgesetzte Schwanzflosse kaum heraustreten, whrend die ppig ausgestalteten anderen Flossen sich ihr sogar unverkennbar anschmiegen. Ist schon der Spritzfisch mit seinen 5 Querbinden und dem netten Pfauenaugenfleck auf der Afterflosse ein sehr hbscher Fisch, so bertreffen seine Verwandten an Metallglanz, Farbenpracht und Eigenart der Zeichnung doch alles, was wir aus dem Reich der Fische kennen. Sie sind die Kolibris des Meeres und schwirren wie diese gaukelnd und farbenschimmernd von Blume zu Blume, sie sind die Paradiesvgel der Korallenwaldungen und verhalten sich als solche lange still, um dann pltzlich ihre Farbenpracht in den wundervollsten Gold- und Silberreflexen aufblitzen, in den lieblichsten Schattierungen aufleuchten und in den khnsten Zeichnungen auffunkeln zu lassen, sie sammeln alle Farben des Regenbogens, alle Lichter des Prismas und alle Schnheit der kostbarsten Edelsteine in den kristallklaren Fluten Neptuns, bieten dem entzckten Auge immer neue, immer berraschendere und immer glnzendere Farbenzusammenstellungen, zeigen sich stets und berall als eine wahre Farbenorgie der schaffenden Natur im bunten Korallengarten des tropischen Meeres. Keine Feder vermag diese Schnheit zu beschreiben, kein Pinsel sie auch nur annhernd wiederzugeben, und wo ein gottbegnadeter Knstler es doch versucht hat, wird der Laie und berhaupt jeder, der nicht selbst einen Blick in die Herrlichkeit der Tropen werfen durfte, rasch mit dem Urteil fertig sein, da das doch tolle bertreibung, da dergleichen in Wirklichkeit gar nicht mglich sei, da solch ebenso raffinierte wie unvermittelte Zusammenstellungen von Rosenrot, Himmelblau, Sammetschwarz, Schwefelgelb, Grasgrn und Purpurleuchten auf dem reinsten Gold- oder Silbergrunde doch gar nicht vorkommen knnten, am allerwenigsten in Form so knstlerisch ausgeklgelter Flecken, Bnder, Streifen, Ringe und Augen. Es sind eben die reinsten und glnzendsten Farben, die die Natur berhaupt hervorgebracht hat, und ihre Wirkung wird noch stark erhht durch die bewunderungswrdige Art und Weise ihrer Verteilung. Die glnzendsten Vgel, die buntesten Schmetterlinge, die schimmerndsten Echsen vermgen damit nicht zu wetteifern. Dazu kommt noch die oft hchst abenteuerliche Entwicklung des Flossenwerkes, das nicht selten in der ungewhnlichsten Weise verlngert und verzerrt ist, seltsam geformte Stacheln, lang nachschleppende Peitschenschnre oder aufleuchtende Schwefelfden aufweist. Es knnte bei all dieser Buntheit in Form und Farbe hchst gewagt erscheinen, auch bei den Schuppenflossern noch von einer Art Schutzkleid sprechen zu wollen, und doch hat man dazu volle Berechtigung. Das Leben im Korallenwalde ist ja an sich schon so bunt, da einfach gefrbte Geschpfe darin fast mehr auffallen wrden, als lebhaft gezeichnete. Aber der Schutz soll hier auch gar nicht durch eine Anschmiegung an die Farben der Umgebung erreicht werden, sondern vielmehr dadurch, da unvermittelt nebeneinander gestellte Bnder oder geometrische Figuren in den lebhaftesten Kontrastfarben die natrlichen Krperumrisse gewissermaen auflsen, die Form des tierischen Leibes fr das Auge verschwinden lassen. Der Naturforscher bezeichnet diese absonderliche, aber oft sehr wirksame Art der Schutzfrbung als =Somatolyse= und kennt sie z. B. auch aus der Vogelwelt her von den Spechten und von den schnen Hochzeitskleidern gewisser Entenmnnchen. Heuglin erzhlt uns, da man zwischen den Korallenriffen zunchst meist nichts sehe als ein mattes Schimmern und ein ungewisses Farbenflimmern, bis es dann pltzlich wie sprhende Funken auseinanderstiebt. Die anmutigen Bewegungen der Flossenschupper im Korallenwalde vergleicht er mit denen der lieblichen Laubsnger im grnen Blttermeere des Buchendoms. Viele Schuppenflosser sind durch ein dunkles Band ber Stirn und Augen ausgezeichnet, so der =Fahnenfisch= (_Chatodon stifer_) des Roten Meeres mit bedeutend verlngertem fnftem Strahl der Rckenflosse und herrlichem Pfauenaugenfleck auf ihr, der =Korallenfisch= (_Ch. flvus_) des Indischen Ozeans, tiefgelb mit braunschwarzem Streifen, und der prachtvolle =Kaiserfisch= (_Ch. impertor_) des Stillen Ozeans, der aus veilchenblauem Leibe gelbe, bogige Lngsstreifen aufweist und ber der Brustflosse einen sammetschwarzen, schwefelfarb umrandeten Flecken. Um noch einige der bekanntesten Arten anzufhren, seien weiter kurz genannt: der =Klippfisch= (_Ch. vitttus_) der ostafrikanischen Gewsser, zitronengelb mit schwarzer Streifung, der =Geiler= (_Ch. macrolepidtus_) mit zwei mchtigen Querbinden und langer Peitschenschnur an der Rckenflosse, der =Herzogsfisch= (_Ch. diacnthus_) mit azurblauer Zeichnung auf gelbem, _Ch. semicircultus_ mit silberweier auf dunkelblauem und _Ch. lamrcki_ mit glhend roter auf hellblauem Leibe. Der =Korallenfisch= (_Scatophgus rgus_) erscheint ber und ber fein getpfelt (Abb. 15). [Illustration: Abb. 15. Korallenfisch (_Scatophagus argus_). (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] Wenigstens eine annhernde Vorstellung dessen, was die Natur an Farbenpracht in der Welt der Fische zu leisten vermag, kann uns auch ein Bewohner des Mittelmeeres geben, nmlich die =Seebarbe= (_Mllus barbtus_). Unbeschreiblich schn ist sie mit ihrem leuchtenden Leibe und den prunkvollen Goldstreifen schon im Leben, schner noch im Sterben. Nichts Schneres, ruft selbst der ernste Seneca aus, als eine sterbende Seebarbe! Sie wehrt sich gegen den nahenden Tod, und diese Anstrengungen verbreiten ber ihren Leib das glnzendste Purpurrot, das spter in eine allgemeine Blsse bergeht, whrend des Sterbens die wunderherrlichsten Schattierungen durchlaufend. Die schwelgerischen Rmer der Kaiserzeit verzehrten denn auch die von ihnen hher als alle anderen Fische geschtzten Seebarben nie, ohne sich vorher an dem wechselvollen Farbenspiel ihres Todes zu ergtzen. Man legte eigene Wasserleitungen von den Fischteichen bis zu den Lagerpolstern der Gste, damit diese die herrlichen Fische erst lebend bewundern konnten, worauf die rotgoldenen Barben in den weien Hnden schner Frauen ihr Leben aushauchen muten, um dann schleunigst zu sofortiger Zubereitung in die Kche zu wandern. Wenigstens darin lag Sinn, denn kaum ein anderer Fisch steht nach dem Tode so schnell und grndlich ab, wie die feinschuppige Seebarbe. Obwohl sie kaum 2 kg Gewicht erreicht, sind damals doch geradezu wahnsinnige Summen fr diesen nach Ansicht der Rmer kstlichsten aller Fische bezahlt worden, bis zu 5000, ja selbst 8000 Sesterzen fr das Stck. Auch heute noch bildet die Seebarbe ein beliebtes und gern gekauftes Schaustck der italienischen und gelegentlich auch der westenglischen Fischmrkte, und ihr zartes Fleisch soll in der Tat vortrefflich munden. Wer aber wei, da diese Barben sich von den ekelsten Abfallstoffen des Meeres ernhren und mit Vorliebe die Leichen der Schiffbrchigen benagen, wird wenig Appetit darauf verspren. Die durch eine auffallend hohe Stirn und zwei Bartfden an der Unterlippe ausgezeichnete, im brigen schlank und regelrecht gebaute Seebarbe hlt sich gewhnlich auf schlammigem Meeresgrunde auf, den sie mit ihrer stumpfen Schnauze auf der Suche nach etwas Geniebarem nach Schweineart gehrig durchwhlt und dadurch oft weithin das Wasser trbt. Ein hervorragend schner Bewohner des Atlantik, der sich gelegentlich bis in unsere Gewsser verstreicht, ist der nur 1 kg schwer werdende und ebenfalls ein ziemlich schmackhaftes Fleisch liefernde =Lippfisch= (_Lbrus mxtus_), das Weibchen am ganzen Krper prachtvoll zinnoberrot mit wenigen himmelblauen Zeichnungen, das Mnnchen oberseits herrlich dunkelblau. Zur Laichzeit wird dieses wundervolle Gewand noch leuchtender und glhender, ist aber wie bei unserem Stichling augenblicklichem Wechsel und Farbenverschiebungen unterworfen, die von der jeweiligen Gemtsstimmung des Tieres abhngig zu sein scheinen. Liebeswerben verschnt, Eifersucht verhlicht ihn. Jenes bergiet seinen Leib mit schimmernden Tinten, dieses mit mitnigem Grau. Der Fisch ist nmlich ebenso eiferschtig, rauflustig und kampfwtig wie unser Stechbttel und soll auch gleich diesem eine Art Brutpflege ausben. Eine andere Lippfischart, _L. macultus_, ist am ganzen Krper prchtig smaragdgrn, wozu eine blagelbe Zeichnung kommt. Ihren Namen haben die sich durch Munterkeit und Anmut auszeichnenden Lippfische von ihren sehr beweglichen Wulstlippen, mit denen sie Muscheln von den Meerespflanzen ablesen. [Illustration: Abb. 16. Kugelfisch (_Tetrodon fahaka_).] Ein weiteres, in seiner Eigenart hchst wirksames Verteidigungsmittel lernen wir bei dem sonderbaren =Igelfisch= (_Dodon macultus_) kennen. Er hat einen krftigen Papageischnabel, dessen Kinnladen mit einer elfenbeinartigen, sich je nach der Abnutzung immer wieder ersetzenden Masse berzogen sind, eine sehr groe Schwimmblase, gedrungene Gestalt und den ganzen Krper mit spitzen Dornen und Stacheln besetzt. Gert er in Gefahr, so zieht er hastig Luft ein, fllt damit den ungeheuren, dnngewebigen, die ganze Bauchhhle einnehmenden Kropf an, whrend eine den Schlund umgebende Muskelschicht das Entweichen der eingepumpten Luft verhindert, blst sie so zu einer vollkommenen Kugel auf und wirft sich gleichzeitig auf den Rcken, so da die Bauchseite an der Wasseroberflche schwimmt. Dabei gebrdet sich der kleine Kerl wie ein zorniger Truthahn, schwimmt immer im Kreise herum, richtet seine Stacheln drohend auf und ist in diesem Zustande in der Tat fast vllig geschtzt gegen jeden Raubfisch. Wo immer dieser zubeien will, trifft er auf die ihm entgleitende, unverschlingbare Kugel und verletzt sich an den spitzen Stacheln die Lippen, bis er endlich von allen weiteren Versuchen ablt und davonschwimmt, worauf der Igelfisch unter vernehmlichem Gerusch die eingepumpte Luft wieder ausstrmen lt, seine gewhnliche Gestalt annimmt und damit auch den Gebrauch seiner Flossen wieder erlangt. Plehn fhrt einen Fall an, da ein von einem Hai verschluckter Igelfisch sich durch dessen Magen- und Leibeswand hindurchbi und unbeschdigt ins Freie gelangte, whrend der Ruber an den furchtbaren Verletzungen zugrunde ging. Das geschilderte Gaukelspiel ist nmlich durchaus nicht das einzige Verteidigungsmittel des tapferen Igelfisches; er vermag vielmehr auch noch recht empfindlich zu beien, Wasser von sich zu spritzen, sich pltzlich schlaff zu machen und zu versenken und auch eine tief karminrote Absonderung von sich zu geben, ber deren Natur und Wirkung wir allerdings noch vllig im Unklaren sind. Dasselbe Kunststck wie der Igelfisch bekommen auch die =Kugelfische= (_Ttrodon_) fertig, deren eine Art, der =Fahak= (_T. fhaka_), vom Mittelmeer aus in den Nil und seine Kanle aufzusteigen pflegt (Abb. 16). Obwohl dieses Tier nicht mit einem Stachelpanzer prunken kann, trotzt es in der aufgeblasenen Kugelform doch gleichfalls allen Feinden, denn die Zhne der Raubfische gleiten an dieser glatten Schweinsblase ab, und die Vgel werden sie von oben her eher fr eine zusammengewehte Schaumblase als fr ein ebares Lebewesen halten. Nimmt man einen solchen Fisch aus dem Wasser und legt ihn auf die Handflche, so bemht er sich ngstlich, immer noch mehr Luft einzupumpen, und tut dabei mitunter des Guten zuviel, so da er schlielich mit lautem Knall zerplatzt. Die Araberkinder spielen mit diesen merkwrdigen Fischen wie die unsrigen mit den Maikfern und benutzen die aufgeblasenen und ausgetrockneten Tiere als Blle oder taten dies doch frher, denn heute werden die Kugelfische als Reiseerinnerung von den Orientfahrern zu gern gekauft und zu hoch bezahlt, als da sie noch der Schar kleiner, braunhutiger und schnugiger Rangen zum Spielzeug dienen knnten. Mit den Igel- und Kugelfischen verwandt ist noch ein anderer hchst sonderbarer Geselle, der plumpe =Klump-= oder =Mondfisch= (_Mla mla_), der sie allerdings an Gre um das Vielfache bertrifft, da er eine Lnge von 2-1/2 kg und ein Gewicht von mehr als 300 kg erreicht. Das ungeschlachte Ungetm sieht mit seiner eines richtigen Abschlusses entbehrenden Hinterfront fast aus, als wre es nur der abgeschnittene Kopf eines noch riesigeren Seeungeheuers. Ein groer Geistesheld kann der schwerfllige, dunkel olivgrn gefrbte Fisch unmglich sein, denn seine Hirnmasse betrgt nur 1/7000 des Krpergewichts und sein Rckenmark stellt nur ein kurzes, kegelfrmiges Anhngsel zu diesem Zwerghirn vor. Das rauhhutige, aber schuppenlose Geschpf scheint zwar eine weite Verbreitung zu haben, aber doch berall nur selten vorzukommen. Am ehesten trifft man es noch an sonnigen Tagen in seitlicher Schlafstellung auf der Oberflche des Meeres treibend an. Seiner geringen Beweglichkeit entspricht die Auswahl seiner Nahrung: Meerespflanzen und allerlei niederes Meeresgetier mit geringer Eigenbewegung. So unheimlich dieser schwimmende Kopf also auch aussieht, so harmlos ist er doch, und die Fischer kmmern sich auch nicht viel um ihn, da das Klumpfischfleisch beim Kochen zu einer leimigen Kleistermasse zerfllt und sich deshalb mehr als Klebemittel, denn als Speise eignet. Den Namen Mondfisch haben sie dem Tiere gegeben, weil es ihrer Behauptung nach bei Nacht einen sanften Mondesglanz ausstrahlen soll. Wahrscheinlich handelt es sich dabei lediglich um anhaftende Leuchtbakterien, wie der Klumpfisch berhaupt in besonders hohem Mae von Parasiten bevlkert wird, denn die anatomische Zergliederung vermochte das Vorhandensein besonderer Leuchtapparate bisher noch nicht nachzuweisen. Wenn Mondfische aus dem Wasser genommen werden, so lassen sie einen eigentmlich sthnenden Ton hren, von dem man aber noch nicht wei, wie er zustande gebracht wird. [Illustration: Abb. 17. Knurrhahn (_Trigla hirundo_). (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] Das bringt uns auf die Lautuerungen der Fische. Um eine gute Stufe hher als die unbestimmten und jedenfalls unfreiwilligen Tne des Mondfisches stehen die Lautuerungen des in der Nord- und Ostsee lebenden =Knurrhahns= (_Trgla hirndo_), die auch freiwillig im Wasser zum besten gegeben werden (Abb. 17). Unsere Fischer behaupten sogar, da bei schwlem Wetter und namentlich vor dem Ausbruch von Gewittern die Knurrhhne scharenweise an die Oberflche kmen und dann frmliche Knurrkonzerte veranstalteten. Mindestens der erste Teil dieser Behauptung ist richtig, denn es ist an manchen Ksten ein beliebter Sport, solche auftauchende Knurrhhne mit dem Teschin zu schieen, obwohl ihr trockenes Fleisch nicht viel wert ist. Erzeugt werden solche Tne durch das Aneinanderreiben der Kiemendeckelknochen oder verschiedener harter und nervenreicher Muskeln in der Wand der verhltnismig sehr groen Schwimmblase, die zugleich als wirksamer Resonanzboden dient, so da eine ganze Tonstufe zustande kommt, die zwischen dem behaglichen Schnurren einer Hauskatze und hell quiekenden Tnen auf und nieder fhrt und es begreiflich erscheinen lt, wenn schon Aristoteles von einem Meerkuckuck sprach und unsre Fischer von Meerpapageien erzhlen. Auch sonst ist der Knurrhahn ein recht interessanter Fisch. Schon der groteske, fast viereckige Dickkopf mit dem zahnstarrenden Froschmaul und den durch Panzerplatten geschtzten Glotzaugen, der feinschuppige, nach hinten zu jh kegelfrmig zugespitzte Rumpf mit dem schmchtigen Hinterleibe, die prchtige Rosafrbung des Bauches und die mchtig entwickelten, fast an die Flgel von Nachtschmetterlingen erinnernden Brustschuppen vereinigen sich zu einem Gesamtbilde von hchster Eigenart. Das merkwrdigste aber sind je drei lange, fingerartig gegliederte Anhngsel vor den Brustflossen, die es dem Tiere ermglichen, auf dem Meeresgrunde fortzukriechen, ja frmlich zu gehen, wobei der Hinterleib etwas in die Hhe gehoben wird und seitliche Bewegungen der roten Schwanzflosse nachhelfen. Im Schwimmen sieht dieser Fisch hochelegant aus, denn es gleicht einem Fliegen im Wasser, indem die groen, blauen, metallisch schimmernden Brustflossen wie Flgel abwechselnd ausgebreitet und zusammengelegt werden. Sie ermglichen es dem Knurrhahn, der ja mit seiner artenreichen Sippe der nchste Verwandte der bekannten tropischen Flughhne ist, sich auch fr kurze Strecken aus dem Wasser in die Luft zu erheben, und wirken dann beim Herablassen als Fallschirme. Wenn auch im allgemeinen das Sprichwort Stumm wie ein Fisch heute noch zu Recht besteht, so hat es doch im Laufe der Zeit schon mancherlei Einschrnkungen erfahren, und fast steht zu erwarten, da wir uns in dieser Beziehung in Zukunft auf noch grere berraschungen gefat machen drfen. Knnen wir ahnen, welche Offenbarungen der Meeresgrund noch fr uns birgt, sobald wir nur einmal gelernt haben, unser Ohr und unsere anderen Sinne dort unten frei und ungehindert zu gebrauchen! Sollte im dunklen Meeresschoe wirklich nur unentwegt das eisige Schweigen des Todes herrschen, gibt es nicht vielleicht auch fr diese abgeschlossene Tierwelt ein Singen und Klingen, dessen Tonflle teilnimmt an der groen, ewig-schnen Symphonie der Natur? So viel wissen wir wenigstens heute schon sicher, da es auch lustige Musikanten unter dem Volk der Fische gibt, Orgelspieler, Leiermnner, Pfeifer, Raler, Grunzer und Trommler. Fischer, die das Ohr auf den Rand ihres Bootes legen, knnen bisweilen ganz deutlich diese Fischkonzerte aus Tiefen von 10-12 kg herauftnen hren. Am besten ist das Trommlerkorps ausgebildet. Es sind stattliche, barschartig gebaute Burschen, diese =Trommelfische= (_Pognias chrmis_), die namentlich in den verschiedenen Teilen des Atlantik zu Hause sind. Die erzeugten Tne klingen bei den einzelnen Arten verschieden. Mit dem Klange einer Orgel oder Harmonika, selbst mit einem Orchester von Bssen und Cellis, am passendsten aber wohl mit dem Klange von Maultrommeln hat man sie verglichen. Die Laute der einzelnen Fische wrden fr das menschliche Ohr wohl verloren gehen, aber die Gesamtheit vieler gibt ein Gelrm von nicht zu beschreibender Eigenart, ein stundenlang ununterbrochenes, dumpfes, schier unheimlich anmutendes Getrommel, durchsetzt von hellerem Gurgeln und Glucksen. Es besteht, so schreibt Pechuel-Loesche, keine Spur von hnlichkeit mit Glocken- oder Harfenklngen, und doch sind die Laute wunderbar genug. Will man sie recht scharf unterscheiden, so mu man das Ohr fest an den Schiffsbord drcken. Besser ist es, im Boote ein breites Ruder ins Wasser zu senken und das freie Ende mit den Zhnen zu beien, am besten vom Boote aus gleich den Kopf bis ber die Ohren ins Meer zu tauchen, rckwrts natrlich, um atmen zu knnen. Da vernimmt man dann in der dunklen Flut ein allseitig wirr durcheinander gehendes Knurren und Murksen, mit einem leichten Knirschen und Knarren vermischt. Die Trommel der geschuppten Musikanten ist nichts anderes als ihre merkwrdig verzweigte und durch Zwischenhute in verschiedene Kammern geteilte Schwimmblase, in die Luft eingepumpt wird, wodurch die durchlcherten Trommelfelle in Schwingungen versetzt werden und die verschiedenartigen Tne zustande kommen. Zu diesem Zwecke sind auch besondere Trommelmuskeln von auffallend roter Frbung am Unterleibe eingelagert, die rasche Zusammenziehungen und Ausdehnungen der Schwimmblase bewirken knnen. Da sich dabei natrlich auch das spezifische Gewicht des Fisches verndert und sein Schwerpunkt sich verrckt, so gert der Tonknstler ganz von selbst in tanzende Bewegung. Ein Tanzliedchen zur Minnezeit im dunklen Meeresschoe! Ja, wenn Fische reden knnten! Der Umstand, da bei vielen Arten nur die Mnnchen Trommelorgane besitzen, weist darauf hin, da die Tne in irgendwelchen Beziehungen zum Geschlechtsleben stehen mssen, also vielleicht Trommelstndchen darstellen, die der verliebte Fisch seiner Auserkorenen darbringt. Wahrscheinlich werden die erzeugten Lautuerungen doch auch irgendwelchen Zweck haben, und die Vermutung liegt nahe, da sie der gegenseitigen Verstndigung dienen. Sicherlich darf man aber aus beiden Mutmaungen die Folgerung ableiten, da diese Fische auch ein gewisses, wenn auch modifiziertes Hrvermgen besitzen mssen, denn sonst htten ja die Trommelkonzerte gar keinen Sinn. Von dem 2 kg lang werdenden und seines schmackhaften Fleisches halber hochgeschtzten =Adlerfisch= (_Sciana quila_) behaupten die Fischer, da sie seinen Gesang selbst noch aus Tiefen von 50 kg vernehmen und dadurch die Standpltze dieses scheuen und schwer zu fangenden Raubfisches feststellen knnten. Prinz Bonaparte nennt das laut tnende Gerusch, das ein schwimmender Trupp dieser kraftvollen Fische hren lt, fast eine Art Brllen. Auch das =Fortpflanzungsgeschft= der Seefische bietet dem denkenden Beobachter eine Flle hochinteressanter Ausblicke, zumal verschiedene Formen der aufopferungsvollsten Brutpflege bei diesen als kaltbltig und teilnahmslos verschrieenen Geschpfen weit hufiger vorkommen, als sich der Laie trumen lt. Meist ist freilich das Mnnchen derjenige Teil, dem die Sorge um die Bewachung, Verteidigung und Aufzucht der Nachkommenschaft zufllt. So legt das Weibchen des =Seeteufels= seinen Rogen an Felsen ab, und das Mnnchen setzt sich dann bis zur vlligen Reife der Eier so fest und ausdauernd auf sie, da in dem Eierhaufen ein Abdruck seiner Unterseite verbleibt; die kleinen Zhnchen auf der Innenseite seiner Bauchflossen dienen wahrscheinlich zum Festhalten der Eier. Der =Lump= oder =Seehase= (_Cyclpterus lmpus_, siehe Abb. 10, Fig. 7), der zur Laichzeit einen rotgefrbten Bauch bekommt, setzt die Eier unter Klippen ab, wo sie dann das Mnnchen nach geschehener Befruchtung mit der Schnauze fest gegen das Gestein drckt und sich selbst daneben verankert, um den hoffnungsschwangeren Schatz zu bewachen. Erleichtert wird ihm sein Amt dadurch, da das die Eier umhllende Sekret bald verhrtet und so den Rogen festhlt. Fremdkrper, die das Wasser zwischen die Eier treibt, fngt der Lump mit dem Maule auf und schafft sie fort. Gegenber solchen Geschpfen aber, die sich mit Raubgelsten nahen, versteht der Lump keinen Spa, sondern greift sie tapfer an und scheut selbst einen Kampf mit dem grimmen Seewolf nicht, den er durch wtende Bisse oft genug in die Flucht schlgt. In der biologischen Anstalt auf Helgoland wurde ein Beobachter des brutpflegenden Fisches von ihm derart in den Finger gebissen, da Blut flo. Sind die Jungen endlich glcklich ausgeschlpft, so heften sie sich auf dem Rcken des besorgten Vaters fest, und dieser trgt nun die teure Brde zufrieden nach tieferen und sichereren Grnden. Der hochrckige, dickkpfige und breitmaulige Seehase mit der klebrigen, knotenbesetzten Haut ist aber auch noch in einer anderen Beziehung merkwrdig. Die bruststndigen Bauchflossen sind nmlich zu einer Scheibe verschmolzen, die als Schrpfkopf wirkt, so da sich der Fisch, der ein ebenso trger wie schlechter Schwimmer ist, damit an beliebigen Gegenstnden festsaugen kann, selbst an glatten Glasscheiben, und zwar so innig, da nach den Berechnungen von Hannox 36 kg Gewicht erforderlich sind, um einen 20 kg langen Seehasen wieder loszureien. Faul liegt das auch in der Nord- und Ostsee hufige Tier so wochenlang vor Anker und wartet geduldig, bis der Zufall etwas Geniebares an seinem gefrigen Maule vorberfhrt. Die jungen Seehasen sind zwar sehr klein, aber doch schon recht vierschrtig gebaut, von grasgrner Farbe, und folgen ihrem Vater wie Kcken der Henne. Droht Gefahr, so saugen sie sich auf dem Rcken und an den Seiten ihres Beschtzers fest und lassen sich von ihm davontragen. Das weichliche und wsserige Fleisch des Seehasen wird bei uns nur wenig gegessen; anders ist es aber in nordischen Lndern. Eine hnliche Lebensweise wie der Lump fhrt die =Meergrundel= (_Gbius nger_), einer unserer gemeinsten Seefische, zeichnet sich aber zugleich als vorzgliche Nestbauerin aus. Auch sie vermag sich mit den zu einer Saugscheibe verwachsenen Bauchflossen an Steinen und dergleichen festzusaugen und tut das im Aquarium auch an der Glasscheibe, durch die sie dann den Beobachter anstarrt. Nach Eintritt der Ebbe finden sich immer viele Grundeln in den zurckbleibenden Tmpeln und werden dann von der Jugend mit Handnetzen herausgefischt, soweit sie nicht den Mwen und Krhen zum Opfer fallen. Eine Grundelart benutzt nach den Beobachtungen Marshalls zur Nestanlage die eine Klappe einer abgestorbenen Herzmuschel. Sie legt diese mit der hohlen Seite nach unten, entfernt den Sand unter ihr, schmiert die Hhlung der Muschelschale mit ihrem eigenen Krperschleim aus und streut lockeren Sand ber das Ganze, um die Schale so zu beschweren, da sie an Ort und Stelle bleibt. Zuletzt scharrt sie einen kurzen Gang in den Sand, der in den Hohlraum unter der Muschelschale fhrt. Alle diese Arbeiten verrichtet allein das Mnnchen. Erst wenn das Bauwerk nahezu fertig ist, erscheint das Weibchen und legt seine Eierchen hinein, die vom Mnnchen wacker bewacht werden und nach 8-9 Tagen die Jungen entschlpfen lassen. Fr die Fischerei haben die nur 20 kg langen Meergrundeln keine Bedeutung. Dies gilt auch vom =Seeskorpion= (_Cttus scrpius_), obwohl er betrchtlich grer wird. Nicht gerade zur Freude unserer Fischer findet er sich oft massenhaft in ihren Netzen. Nur die Leber wird gelegentlich verzehrt, das Fleisch gilt als ungeniebar und findet hchstens als Angelkder Verwendung. berdies frchten die Fischer den Stich des hlichen Fisches, whrend dieser fr den Forscher dadurch von Interesse ist, da seine sehr wechselnde Frbung bei aller scheinbaren Aufflligkeit eine weitgehende Anpassung an den steinigen Meeresgrund darstellt (Abb. 18). [Illustration: Abb. 18. Seeskorpion (_Cottus scorpius_). (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] [Illustration: Abb. 19. Schlangennadel (_Nerophis aequoreus_) (links Mnnchen mit Eiern.) (Phot. von Oberl. W. Khler, Tegel.)] Hchst eigenartige Formen der Brutpflege finden wir bei den bekannten =Seepferdchen= (_Hippocmpus antiqurum_, s. Abb. 10, Fig. 8), diesen lebenden Skeletten, die dem Springer im Schachspiel so hnlich sehen, auf den ersten Blick so wenig Fischartiges haben und in den Seewasseraquarien durch ihr absonderliches Aussehen, die bestechende Anmut ihrer Bewegungen, ihr lautloses Auf- und Niederschweben, ihr lebhaftes Spielen und durch die seltsame Beweglichkeit des nach vorn eingerollten Schwanzes immer zuerst die Aufmerksamkeit der Besucher auf das von ihnen bewohnte Becken lenken. Schade nur, da sich die zarten Geschpfchen im engen Gewahrsam so schlecht halten, denn sonst wren wir wahrscheinlich ber ihre Lebensweise besser unterrichtet, als es heute trotz ihrer Hufigkeit der Fall ist. Das verkncherte Aussehen des Tieres kommt daher, da die Haut keine Schuppen fhrt, sondern mit Knochenplatten ausgelegt ist. Das Flossenwerk hat eine starke Verminderung erfahren. Whrend die Bauchflossen ganz fehlen, sitzen die Brustflossen am Kopfe hinter der Schnauze, da, wo man die Ohren vermuten sollte. Zur Fortbewegung tragen sie nur wenig bei, sondern diese wird fast ausschlielich durch die einzige Rckenflosse bewirkt, die ganz nach Art einer Dampferschraube arbeitet und das Tier mit einer gewissen feierlichen Langsamkeit durch die Fluten treibt. Das Seepferdchen ist ein schlechter und unbeholfener Schwimmer und wird deshalb oft von den Wogen an den Strand geworfen, wo man dann den kleinen, vertrockneten Leichnam findet und als Andenken an den schnen Aufenthalt im Nordseebade mit nach Hause nimmt. Der gewhnliche Aufenthalt der Seepferdchen ist zwischen Seegrsern und Tangen, wo sie auch ihre aus allerhand winzigem Getier bestehende Nahrung finden. Ausruhend legen sie sich an den Wasserpflanzen vor Anker, indem sie deren Stengel mit ihrem putzigen Schwnzchen umwickeln, das sie also in ganz hnlicher Weise gebrauchen wie die Kletteraffen ihren Rollschwanz. Gewi sind die Seepferdchen in ihrer steifen Haltung und mit dem possierlichen, starren Gesichtsausdruck hchst niedliche Tierchen, aber von besonderer Klugheit, von der die lteren Naturgeschichtsbcher fabeln, kann keine Rede sein, ihr ganzes Gebaren atmet vielmehr Eintnigkeit und Langeweile. Allerdings spielen sie ganz hbsch miteinander, umwickeln sich gegenseitig mit den Schwnzen, was aber auf rein mechanische Berhrungsreize zurckzufhren sein drfte, und zur Fortpflanzungszeit scheint es sogar zum Austausch gewisser Zrtlichkeiten zwischen den verliebten Paaren zu kommen. Das Weibchen klebt seine Eier auf den Bauch des Mnnchens, das sie hier befruchtet, worauf dann die Oberhaut von beiden Seiten her ber sie hinwegwuchert und sie in eine schtzende Tasche so lange einschliet, bis die Jungen entschlpfen, die sich zunchst still verhalten, spter aber durch ihre Unruhe dem Vater lstig fallen, so da er sich ihrer zu entledigen sucht und sie durch eigentmlich knickende Krperbewegungen zur Bruttasche hinaus befrdert. Sie sind dann etwa 1/2 kg lang. Die Weibchen sind bei diesen Fischen merkwrdigerweise stets lebhafter und auffallender gefrbt als die Mnnchen. Also auch das Hochzeitskleid hat der gutmtige, offenbar stark unter dem Pantoffel stehende Gemahl seiner Holden berlassen. brigens ist den Seepferdchen auch ein nicht unbetrchtliches Farbwechselvermgen eigen, und noch in anderer Beziehung erinnern sie an die Chamleons, indem sie nmlich jedes ihrer wunderlichen Gespensteraugen unabhngig vom anderen bewegen knnen. Ganz hnliche Brutverhltnisse hat auch die ihrem Namen entsprechend lang und dnn gebaute =Seenadel= (_Syngnthus cus_) aufzuweisen. Auch hier trgt das Mnnchen die Eier bis zu ihrer vlligen Entwicklung in einer aus zwei fleischigen Lngsfalten gebildeten Bauchtasche mit sich herum, die spter eine Klappe zur Entlassung der jungen Fischchen ffnet. Man hat auch behauptet, da die kleinen, frei herumschwrmenden Seenadeln whrend ihrer ersten Lebenszeit bei Gefahr in die Bauchtasche des Vaters zurckflchteten wie die jungen Knguruhs in den Brutbeutel ihrer Mutter. Nachgewiesen ist das aber nicht. Bei der ungepanzerten und deshalb mehr wurmartig aussehenden =Schlangennadel= (_Nerphis aequoreus_) kommt es berhaupt nicht zur Bildung des Brutbeutels, sondern die Eier bleiben lediglich in 2-3 Reihen dem Bauche des Mnnchens angeklebt (Abb. 19). Auch der =Seestichling= (_Gastrsteus spinchia_) gehrt gleich seinem allbekannten Vetter aus dem Swasser zu den Brutpflege treibenden Arten. Er legt seine Nester im Algengewirr an, ist betrchtlich grer als der Stechbttel und besitzt 15 freie Rckenstacheln (Abb. 20). Merkwrdigerweise soll er in Einehe leben und auch das Weibchen am Brutgeschft sich beteiligen. [Illustration: Abb. 20. Seestichling (_Gastrosteus spinachia_). (Phot. von E. Steuder, Hamburg.)] [Illustration: Abb. 21. Tiefseefisch (_Stomias boa_).] Die allergrten Wunder des Fischreiches aber birgt die =Tiefsee=, und in ihrem geheimnisvollen Schoe harren noch unzhlige Rtsel des menschlichen Forschergeistes. Noch bringt aus ihr jede Forscherfahrt neue Formen mit heim, und sie alle bergen eine Unzahl neuer Ausblicke, eine berraschende Flle wertvollster Anregungen. Nirgends hat die schpferische Natur so schrankenlos in der launenhaften Hervorbringung absonderlicher, verzerrter, einseitiger und abenteuerlicher Formen geschwelgt wie gerade hier, und auch die khnste Phantasie des schwrmendsten Knstlers vermchte Gleiches oder auch nur hnliches nicht zu schaffen. Schier ratlos steht der Systematiker dieser erdrckenden Menge gnzlich von einander abweichender Formen gegenber, und der Biologe wei nicht, an welchem Ende er diese Flut von Rtseln zuerst anpacken soll. Was heute mhsam genug aufgeklrt erscheint, wird morgen durch neue, noch seltsamere Entdeckungen wieder ber den Haufen geworfen. Die verwirrende Mannigfaltigkeit der Formen lt sich oft zurckfhren auf die einseitige Bevorzugung und Ausbildung bestimmter Organe, die bei verwandten Formen wieder verkmmert und durch die Umbildung anderer ersetzt sind, wie ja die Natur oftmals den gleichen Zweck auf die verschiedenste Weise zu erreichen wei. So kennen wir Tiefseefische mit gewaltigen Glotzaugen, die bei anderen zur Gre von Stecknadelkpfen zusammengeschrumpft sind und bei nicht wenigen berhaupt fehlen. Diese werden aber fr ihre Blindheit durch mchtige Fhler entschdigt, die oft doppelt so lang sind als der ganze Krper. Der =Groschweif= (_Gigantra chni_) hat rhrenfrmige Teleskopaugen mit geteilter Netzhaut; dabei hat die Hauptretina ein wohlentwickeltes Sehvermgen, whrend die Nebenretina als ein vorzglicher Signalapparat, als ein Sucher aufgefat werden mu. Bei dem wurmfrmigen =Stylophthlmus paradxus= stehen die Augen auf fabelhaft langen und dnnen Stielen, die sich erst im Laufe des Larvenlebens allmhlich entwickeln. Das eherne Gesetz des Fressens und Gefressenwerdens, das fast berall die Gestaltung der Fischwelt beherrscht, kommt nirgends so scharf und unerbittlich zum Ausdruck, wie in der scheinbar recht stillen und friedlichen Tiefsee, die in Wirklichkeit von einem frchterlichen und erbarmungslosen Kampfe ums Dasein durchtobt wird. Hier sind so schaudererregende Hechelgebisse am Platze, wie sie der =Schwarzfisch= (_Melanoctus krchi_) in seinem breiten Froschmaule fhrt, oder _Stomias boa_ (Abb. 21) in seinem Riesenschlangenkopf, hier kann es zur Bildung von Tieren kommen, die, wie das =Gromaul= (_Macrophrynx_) oder wie _Eurypharynx pelecanoides_ (Abb. 22) mit dem Pelikanschnabel, eigentlich nur noch aus einem riesenhaften Rachen mit etlichen unbedeutenden Anhngseln zu bestehen scheinen, oder bei denen ein gewaltiger, hchst ausdehnungsfhiger Magensack alle anderen Organe in den Hintergrund drngt. Dies ist z. B. bei _Melanoctus johnsni_ der Fall, und infolgedessen kann dieses Fischchen Tiere verschlingen, die es an Krpergre gut um das Doppelte bertreffen. Zu ihrer Herbeilockung trgt es ber der Schnauze noch eine lange Angelrute, in deren Spitze ein Leuchtorgan sitzt. Gegenber solchen Untieren darf ein nach Art des _Certias uranscopus_ gebauter Tiefseefisch (Abb. 23) wohl als eine ausnehmend regulre und anmutige Erscheinung gelten. [Illustration: Abb. 22. Tiefseefisch (_Eurypharynx pelecanoides_).] [Illustration: Abb. 23. Tiefseefisch (_Ceratias uranoscopus_).] So auerordentlich verschieden und mannigfaltig auch Form und Lage solcher =Leuchtkrper= sind, so sind sie histologisch nach den schnen Untersuchungen Brauers doch ausnahmslos zurckzufhren auf mit Sekretkrnern angefllte Drsenzellen, die als die eigentlichen Lichterzeuger anzusehen sind, whrend alle brigen Bestandteile der Leuchtorgane nur nebenschliche Bedeutung haben, so der Pigmentmantel und der Reflektor, deren Rolle ja ohne weiteres kenntlich ist, wie auch gewisse lichtbrechende Teile des Innenkrpers aller Wahrscheinlichkeit nach als Linsen wirksam sein drften. Meist sind die Leuchtdrsen geschlossen, und der Leuchtvorgang verluft demgem intrazellulr (zwischenzellig). Aber es gibt auch Leuchtdrsen (z. B. bei den Gonostomiden), die unmittelbar ins Wasser ausmnden, und wo der Leuchtvorgang erst einsetzt, sobald das Drsensekret mit dem Wasser in Berhrung kommt, so da es sich hier unbedingt um einen rein chemischen Vorgang handelt, der deshalb auch noch nach dem Ableben des Tieres vor sich gehen kann. Solche Geschpfe verfgen also ber hochmodern ausgerstete Scheinwerfer, deren sie sich zum Erkennen und Anlocken von Beutetieren wie auch zur Abschreckung von Feinden bedienen, wobei aber noch dahingestellt werden mu, ob die Lichterzeugung vom Willen des Tieres abhngig ist oder nicht. Die vielfach vorhandenen Vorrichtungen zum Abblenden machen eigentlich das erstere wahrscheinlicher. Auer diesen eigentlichen Leuchtorganen sind aber bei Tiefseefischen nicht selten noch andere, kleinere, zu Hunderten und Tausenden ber den ganzen Rumpf zerstreut, die offensichtlich eine andere biologische Bedeutung haben mssen. Brauer und andere Forscher neigen der Ansicht zu, da diese oft zu hbschen Mustern angeordneten Organe ein vielfarbiges Licht aussenden, mithin in ihrer Gesamtheit die charakteristische Zeichnung des Tieres darstellen und somit dieselbe Rolle spielen wie die Pigmente oder Frbestoffe bei den im Bereich des Sonnenlichtes lebenden Tieren. Biologisch wrden sie demgem zum Erkennen der Artgenossen und zum gegenseitigen Aufsuchen der Geschlechter dienen. In schnster bereinstimmung mit dieser Auffassung steht die Tatsache, da sie sich nur bei solchen Tiefseefischen finden, die mehr vereinzelt leben und groe Strecken durchschwimmen, whrend sie bei den sehaften Grundfischen und gesellig lebenden Arten als berflssig nicht zur Ausbildung gelangen. Etwa ein Fnftel aller Tiefseefische ist im Besitze von Leuchtorganen, und zwar nimmt deren Leuchtvermgen mit zunehmender Meerestiefe wieder ab, woraus Brauer folgern mchte, da sie sich in der Dmmerungszone ausgebildet haben und hauptschlich fr diese kennzeichnend sind. Die Farben, Sehwerkzeuge, Leuchtlaternen und phosphoreszierenden Organe der Fische in den verschiedenen Meeresschichten stehen offenbar im engsten Zusammenhange mit der Verteilung und dem Hinabreichen der Sonnenstrahlen ins Meereswasser. Es ist also im Meere eine unverkennbare, wenn natrlich auch bergnge aufweisende Trennung der Fauna nach Tiefenschichten und in engster Abhngigkeit von den Belichtungsverhltnissen durchgefhrt. Auerdem haben aber auch die Tiefseefische noch ihre geographische Verbreitung, denn die Annahme wre grundfalsch, da etwa in den tieferen Wasserschichten annhernd gleiche Verhltnisse herrschen und deshalb auch ihre Bewohner mehr oder minder gleichmig ber den ganzen Meeresboden verbreitet seien. Vielmehr gibt es auch in der Tiefsee verhltnismig eng begrenzte faunistische Bezirke mit scharfen Schranken in Temperatur, Salzgehalt, Nahrungsverhltnissen und Bodenbeschaffenheit, die dem Ausdehnungsbestreben und der Vermischung der einzelnen Arten Grenzen setzen. Die auffallende Tatsache, da manche Tiefseefische an beiden Polen vorkommen, ist wohl dahin zu erklren, da diese Formen ursprnglich wrmeren Gegenden entstammen und beim bergang ins kltere Gebiet, sei es nach diesem, sei es nach jenem Pole hin, durch gleiche Einflsse auch die gleiche Umbildung erfuhren. * * * * * Sachregister. Die mit einem Sternchen (*) bezeichneten Ziffern verweisen auf eine Abbildung im Text. _Acanthias vulgaris_ 58 _Acipnser huso_ 60 -- _sturio_ 59 Adlerfisch 86 _Amphiprion bicinctus_ 39 Anchovis 25 Angler 64, 65 _Apogonichthys strombi_ 39 _Asymmetron lucayanum_ 63 Blauhai 57 Bonite 38, 72 Bremerhaven, Brennpunkt des deutschen Fischhandels 18 Bcklinge 20 _Caranx trachurus_ 39 _Carcharias glaucus_ 57 _Carcharodon carcharias_ 54 -- _rondeleti_ 57 _Ceratias uranoscopus_ 93, 94* _Chaetodon diacanthus_ 78 -- _flavus_ 78 -- _imperator_ 78 -- _lamarcki_ 78 -- _macrolepidotus_ 78 -- rostratus_ 75 -- _semicirculatus_ 78 -- _setifer_ 78 -- _vitattus_ 78 _Chimaera monstrosa_ 53 Chimre 53 _Clupea harengus_ 19 -- _menhaden_ 29 -- _pilchardus_ 27 -- _sprattus_ 25 _Conger vulgaris_ 48 _Cottus scorpius_ 88, 89* _Cyclopterus lumpus_ 86 _Dactylopterus volitans_ 72 Delphine 18 Devonfische 63 _Dicerobatis giornae_ 52 _Diodon maculatus_ 80 Dornhai 45*, 58 Dorsch 29*, 30-33 _Echeneis remora_ 38 Ellerbeck, Hauptsitz der Sprottenrucherei 26 _Engraulis encrasicholus_ 29 _Eurypharynx pelecanoides_ 93* _Exocoetus exsiliens_ 72 -- _volitans_ 72 Fahnenfisch 78 Fetzenfisch 64 _Fierasfer acus_ 38 Fischmarkt 7, 8 Fische, fliegende 65 Fischereiwirtschaft 9 Flugdrache 72 Flugfische 65-71 Flughahn 72 Flunder 40, 42, 43* _Gadus aeglefinus_ 30 -- _morrhua_ 29*, 30 _Gastrosteus spinachia_ 91* Geiler 78 _Gigantura chuni_ 92 _Gobius niger_ 87 Goldbutt 44 Gonostomiden 94 Gromaul 93 Groschweif 92 Grundschleppnetz 14* Hai 16, 38, 54-57, 62 Haifisch-Ei 58* Halbmakrele 39 Hammerfisch 53 Hausen 60 Heilbutt 44 Hering 19-24 --, fliegender 72 Heringsrucherei, Rucherofen 24*, 26 Herzogsfisch 78 _Hippocampus antiquorum_ 88 _Hippoglossus vulgaris_ 44 Hochseefischerei 6, 12 Hundshai 57 Igelfisch 80, 81 Kabeljau 16, 30, 31, 33, 39 Kaiserfisch 78 Katfisch 17 Katzenhai 57 Kaviar 60, 61 Kieler Sprotten 25 Klippfisch 33, 78 Klumpfisch 82, 83 Knigsfisch 53 Korallenfisch 78 Korksohlen 17 Knurrhahn 16, 45*, 83*, 84 Kugelfisch 81*, 82 Laberdan 33 _Labrus maculatus_ 80 -- _mixtus_ 80 Lanzettfischchen 63 _Latrunculus perlucidus_ 63 Lebertran 32 Lengfisch 16 Lippfisch 80 _Lophius piscatorius_ 64 Lotsenfisch 59 Lump 86, 87 Luzonfisch 63 _Macropharynx_ 93 Makrele 17, 37*, 38 Meeraal 48 Meerengel 53 Meeresforschung 6 Meergrundel 63, 87 Meerpapageien 84 Meerschwalbe 72 Meerschweine 18 _Melanocetus johnsoni_ 93 -- _krechi_ 93 _Mistichthys luzonensis_ 63 _Mola mola_ 82 Mondfisch 82, 83 _Mullus barbatus_ 78 _Muraena helena_ 48 Murnen 46-48 Nagelrochen 45*, 51*, 52 _Naucratus ductor_ 59 _Nerophis aequoreus_ 90*, 91 _Palaeospondylus_ 63 _Periophthalmus koelreuteri_ 72 Petermnnchen 16, 44, 46 Petersfische 41 Pilchards 29, 48 Plattfische 40-43 _Pleuronectes flesus_ 43*, 44 -- _platessa_ 44 _Pogonias chromis_ 85 _Pristis antiquorum_ 53 _Pterois volitans_ 72 _Phyllopteryx eques_ 64 _Raja clavata_ 51* Rauhhai 57 _Rhina squatina_ 53 _Rhinodon typicus_ 57 _Rhombus maximus_ 44 Riesenhai 57 Rochen 51, 53 -- -Ei 58* Rotzungen 17 Sgefisch 53 Sardelle 29 Sardine 27 _Scatophagus argus_ 78, 79* Schellfische 16, 30, 32, 33, 39 Scherbretterschleppnetz 32 Schiffshalter 38 Schlammspringer 72 Schlangennadel 90*, 91 Schollen 40*, 41, 45* Schuppenflosser 76 Schtzenfisch 75 Schutzfrbung 78 Schwalbenfisch 72 Schwarzfisch 93 Schwertfisch 61, 62 _Sciaena aquila_ 86 _Scomber pelamys_ 38, 72 -- _scomber_ 37* _Scyllium canicula_ 57 -- _catulus_ 57 Seebarbe 78 Seefisch-Versand 19 Seegurke 38, 39 Seehase 17, 45*, 86, 87 Seehenne 16 Seekatze 53 Seenadel 90 Seepferdchen 45*, 88-90 Seeratte 53 Seeruberchen 63 Seeskorpion 88, 89* Seestichling 91* Seeteufel 45*, 64, 65, 86 Seezunge 44 _Selache maxima_ 57 _Solea vulgaris_ 44 Somatolyse 78 Spke 53 Springfisch 72 Spritzfisch 75, 76 Sprotten, Aufziehen der 25* Stachelbarsch, fliegender 72 Stechrochen 52 Steinbutt 16, 44, 45* Stcker 39 Stockfisch 33 _Stomias boa_ 92*, 93 Str 59, 60, 61 _Strombus gigas_ 39 _Stylophthalmus paradoxus_ 92 _Synanceja verrucosa_ 46 _Syngnathus acus_ 90 _Tetrodon fahaka_ 81*, 82 Teufelsrochen 52 Thunfisch 34*-37 _Thynnus thynnus_ 34* Tiefseefische 92*, 93*, 94* _Torpedo marmorata_ 48 _Toxotes jaculator_ 75* _Trachinus draco_ 44 -- _vipera_ 47 _Trigla hirundo_ 83* -- _lucerna_ 72 Trommelfische 85 _Trygon pastinaca_ 52 Vipernfisch 47 Weihai 57 Weltfischerei 9 _Xiphias gladius_ 61 Zauberfisch 46 Zitteraal 48, 49 Zitterrochen 48-50 Zitterwels 48 _Zygaena malleus_ 53 * * * * * Naturwissenschaftliche Bildung ist die Forderung des Tages! Zum Beitritt in den Kosmos, Gesellschaft der Naturfreunde, laden wir alle Naturfreunde jeden Standes, sowie alle Schulen, Volksbchereien, Vereine usw. ein. -- Auer dem geringen _Jahresbeitrag von nur M 4.80_ (Beim Bezug durch den Buchhandel 20 Pf. Bestellgeld, durch die Post Porto besonders.) = K 5.80 h. . W. = Frs 6.40 erwachsen dem Mitglied $keinerlei$ Verpflichtungen, dagegen werden ihm folgende groe Vorteile geboten: Die Mitglieder erhalten laut 5 als Gegenleistung fr ihren Jahresbeitrag im Jahre 1914 $kostenlos$: I. $Die Monatschrift Kosmos, Handweiser fr Naturfreunde.$ Reich illustr. Mit mehreren Beiblttern (siehe S. 3 des Prospektes). Preis fr Nichtmitglieder M 2.80. II. $Die ordentlichen Verffentlichungen.$ Nichtmitglieder zahlen den Einzelpreis von M 1.-- pro Band. Wilhelm Boelsche, Tierwanderungen in der Urwelt. Dr. Kurt Floericke, Meeresfische. Dr. Alexander Lipschtz, Warum wir sterben. Dr. Fritz Kahn, Die Milchstrae. Dr. Oskar Nagel, Die Romantik der Chemie. nderungen vorbehalten. (Nheres wird im Kosmos-Handweiser bekanntgegeben.) III. $Vergnstigungen beim Bezuge von hervorragenden naturwissenschaftlichen Werken$ (siehe Seite 7 des Prospektes). [Zeigefinger] =Jede Buchhandlung= nimmt Beitrittserklrungen entgegen und besorgt die Zusendung. Gegebenenfalls wende man sich an die Geschftsstelle des Kosmos in Stuttgart. Jedermann kann jederzeit Mitglied werden. Bereits Erschienenes wird nachgeliefert. * * * * * Satzung $ 1. Die Gesellschaft Kosmos (eine freie Vereinigung der Naturfreunde auf geschftlicher Grundlage) will in erster Linie die Kenntnis der Naturwissenschaften und damit die Freude an der Natur und das Verstndnis ihrer Erscheinungen in den weitesten Kreisen unseres Volkes verbreiten. $ 2. Dieses Ziel sucht die Gesellschaft zu erreichen: durch die Herausgabe eines den Mitgliedern $kostenlos$ zur Verfgung gestellten naturwissenschaftlichen Handweisers ( 5); durch Herausgabe neuer, von hervorragenden Autoren verfater, im guten Sinne gemeinverstndlicher Werke naturwissenschaftlichen Inhalts, die sie ihren Mitgliedern $unentgeltlich$ oder zu $einem besonders billigen Preise$ zugnglich macht, usw. $ 3. Die Grnder der Gesellschaft bilden den geschftsfhrenden Ausschu, den Vorstand usw. $ 4. $Mitglied kann jeder werden$, der sich zu einem Jahresbeitrag von M 4.80 = K 5.80 h. . W. = Frs 6.40 (exkl. Porto) verpflichtet. Andere Verpflichtungen und Rechte, als in dieser Satzung angegeben sind, erwachsen den Mitgliedern nicht. Der Eintritt kann $jederzeit$ erfolgen; bereits Erschienenes wird nachgeliefert. Der Austritt ist gegebenenfalls bis 1. Oktober des Jahres anzuzeigen, womit alle weiteren Ansprche an die Gesellschaft erlschen. 5. Siehe vorige Seite. 6. Die Geschftsstelle befindet sich bei der $Franckh'schen Verlagshandlung, Stuttgart$, Pfizerstrae 5. Alle Zuschriften, Sendungen und Zahlungen (vgl. 5) sind, soweit sie nicht durch eine Buchhandlung Erledigung finden konnten, dahin zu richten. * * * * * Kosmos Handweiser fr Naturfreunde Erscheint jhrlich zwlfmal -- 2 bis 3 Bogen stark -- und enthlt: $Originalaufstze$ von allgemeinem Interesse aus smtlichen Gebieten der Naturwissenschaften. Reich illustriert. $Regelmig orientierende Berichte$ ber Fortschritte und neue Forschungen auf allen Gebieten der Naturwissenschaft. $Auskunftsstelle -- Interessante kleine Mitteilungen.$ $Mitteilungen ber Naturbeobachtungen$, Vorschlge und Anfragen aus dem Leserkreise. $Bibliographische Notizen$ ber bemerkenswerte neue Erscheinungen der deutschen naturwissenschaftlichen Literatur. * * * * * Der Handweiser mit seinen illustr. Beiblttern: Wandern und Reisen / Aus Wald und Heide / Photographie und Naturwissenschaft / Technik und Naturwissenschaft / Haus, Garten und Feld / Die Natur in der Kunst / Natur und Heimatschutz / kostet fr Mitglieder nichts, whrend Nichtmitglieder ohne Buchbeilage jhrlich M 2.80 zahlen. $Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt.$ * * * * * Buchbeigaben fr das Jahr 1914: Tierwanderungen in der Urwelt. Von $Wilhelm Blsche$. Mit vielen hochinteressanten Bildern und einem farbigen Umschlag nach Originalzeichnungen von Prof. =Heinrich Harder= in Berlin. $Fr Nichtmitgl.: In farb. Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35. In Leinen geb. M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$ [Illustration] Die Entdeckungen groer und aufflliger, die Erde heute noch bevlkernder Tierformen haben allmhlich stark nachgelassen. Dafr sind der Tierkunde neue und bedeutsame Aufgaben erwachsen. Eine der brennendsten betrifft die Verbreitung der Tiere auf der Erde. Warum sind die Sugetiere des tropischen Amerika grundverschieden von den unter gleicher Zone wohnenden Sugetieren des tropischen Afrika? Warum leben in Australien noch viele urweltliche Tiere fort, die sonst berall ausgestorben sind? Diese und viele andere Rtsel knnen aber nicht gelst werden durch die Annahme einfacher Anpassung an die heutigen Verhltnisse. Geologische Ausblicke sind dazu ntig; die Tierwelt mu betrachtet werden in ihrer Einordnung in die andersartigen Landgebiete der Urwelt. Geheimnisvolle Wanderungen der Tierarten in der vorgeschichtlichen Zeit mssen bercksichtigt werden. In dieses hochinteressante neue Gebiet fhrt Blsches neues Werk, das zugleich eine Fortsetzung von des Verfassers bekannter Schrift ber Festlnder und Meere im Wechsel der Zeiten ist. * * * * * Meeresfische. Von $_Dr._ Kurt Floericke$. =Mit zahlreichen Abbildungen= / $Fr Nichtmitglieder: in farbigem Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35.$ $In Leinen gebunden M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$ [Illustration] Das Bndchen schliet sich an das des bekannten Autors ber die Einheimischen Fische an. Er schildert hier in packender Weise die wichtigsten Arten der Fische des Meeres und bercksichtigt dabei besonders die ebaren Seefische, nicht nur zoologisch, sondern auch in ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung als wichtiges Volks-Nahrungsmittel. Der Fang, die weitere Behandlung und der Handel dieser Seefische werden eingehend beschrieben. Die vielen Abbildungen, die grten Teils nach Photographien lebender Fische angefertigt sind, erhhen den Wert des Buches. * * * * * Warum wir sterben? Von $_Dr._ Alexander Lipschtz.$ =Mit zahlreichen Abbildungen.= $Fr Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geh. M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35 / In Leinwand geb. M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$ [Illustration] Das Bndchen behandelt ein fr jeden denkenden Menschen sehr interessantes Thema. Der Verfasser geht darin der Frage nach, ob es fr uns Menschen einen natrlichen, nicht durch Krankheit bedingten Tod gibt und fhrt dann den Tod als eine natrliche Erscheinung des Alters vor. Seine naturwissenschaftliche Analyse des Todes lt der Verfasser in einen Hymnus auf das schaffende Leben ausklingen. * * * * * Die Milchstrae. Von $Dr. Fritz Kahn.$ =Mit zahlreichen Abbildungen.= $Fr Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag M 1.--, K. 1.20 h. . W. Frs. 1.35:: In Leinen geb. M 1.80 K. 2.20 h. . W. Frs. 2.35.$ [Illustration] Ausgehend vom Weltbild der Alten zeigt der Verfasser, wie durch die Erfindung des Fernrohrs, der Spektralanalyse und schlielich durch die Anwendung der Photographie das Weltbild immer mehr erweitert wurde, und wie man in den letzten Jahrzehnten immer mehr dahin kam, die systematischen Begriffe des Planetensystems auch auf die Fixsternwelt zu bertragen. Die Spektralanalyse lt uns die chemische Natur der Sterne erkennen, die photographische Platte die Gesetzmigkeit der Sternbewegungen. Diese Forschungen ergeben eine groartige Entwicklungsgeschichte des Weltalls, in dem man Weltsysteme auf allen Stufen der Entwicklung vom Urnebel an bis herauf zum hchsten Gebilde, der Milchstrae, vorfand. Als hchstentwickelte Einheit erscheint uns die Milchstrae, deren Bau, Gre, Anordnung der Sterne, Sterngruppen anschaulich geschildert werden. Die Sterne befinden sich im Milchstraenstaat in einem Kreislauf, wie unser Blut im Krper. Von der Peripherie des Systems kreisen kosmische Staubmassen in Spiralbahnen der Mitte zu, nhern sich gegenseitig und zerschellen in der Nhe des Zentrums. Dieses Schicksal bot die Nova Persei vor einigen Jahren. Auch uns widerfhrt es einst und wir beginnen dann von neuem den ewigen Kreislauf des Stoffes und der Kraft, wie wir ihn wahrscheinlich schon millionenmal durchlaufen haben und finden darin eine groartige ungeahnte naturwissenschaftliche Auslegung des Unsterblichkeitsgedankens. * * * * * Die Romantik der Chemie. Von $Dr. Oskar Nagel.$ =Mit zahlreichen Abbildungen.= / $Fr Nichtmitglieder: In farbigem Umschlag geheftet M 1.--, K. 1.20 h. . W., Frs. 1.35.$ $In Leinwand gebunden M 1.80, K. 2.20 h. . W., Frs. 2.35.$ Kein Wissensgebiet der Menschheit ist so durchaus romantisch und zugleich vom grten praktischen Nutzen wie die Chemie. Eine unendliche Menge von neuartigen Stoffen, von denen vergangene Jahrzehnte kaum zu trumen wagten, ist von der Chemie hergestellt worden. Tausende gelehrter Chemiker sind in ihren stillen Laboratorien fr den weiteren Ausbau dieser Wissenschaft ttig, tausende von Fabriksschloten erzeugen den Zug, um das Feuer der chemischen Fabrikfen zu unterhalten. Aus unscheinbaren Rohprodukten und Abfllen aller Art werden wertvolle Erzeugnisse fr Technik und Industrie, das Heilwesen und das tgliche Leben hergestellt. Sprengstoffe von fabelhafter Strke, Farbstoffe von wunderbarer Pracht, Ersatzstoffe in grter Mannigfaltigkeit, wie Kunstseide, Zelluloid usw. werden massenweise fr den tglichen Gebrauch hergestellt, whrend die viele tausend von Grad starke Glut der elektrischen fen die Gewinnung der edelsten und seltensten Stoffe mglich macht. [Illustration] All dies behandelt in leicht verstndlicher, uerst anregender Weise Die Romantik der Chemie. Der Leser wird, wie auf einem phantastischen Spaziergange, durch die wunderbaren Werksttten der Praxis und Wissenschaft gefhrt. Mit der Gewinnung des Goldes in den groen berseeischen Goldfeldern beginnend, durchwandert der Verfasser das ganze Gebiet der chemischen Industrien, erklrt das Wesen des Erfindens und Entdeckens und beschliet sein Werkchen mit hochinteressanten Ausblicken auf die Chemie der Erde und ber die Chemie des Lebens. * * * * * Wer ein Leser des Kosmos ist, der hat auch Interesse fr seine beiden Gegenstcke: Technische Monatshefte. Sie wollen dem Laien, dem Fachmann u. der strebsamen Jugend in Wort und Bild und in gemeinverstndlicher Darstellung Anleitung zum Verstndnis des gesamten Gebietes der modernen Technik bieten. $Halbjhrlich fr 6 Hefte nebst 2 Buchbeilagen nur M 3.50 / K. 4.20 h. . W. / Frs. 4.70.$ Zeiten und Vlker. Diese Monatsschrift, die interessante reich illustrierte Aufstze aus dem Gebiet der Geschichte, Kulturgeschichte, Vlkerkunde usw. bringt, ist ein Familienblatt im besten Sinne des Wortes; sie will Sinn und Verstndnis fr geschichtliche Zusammenhnge wecken und gediegene historische Kenntnisse in anschaulicher Weise vermitteln. $Jhrlich fr 12 Hefte nebst 2 Buchbeilagen nur M 4.80 / K. 5.80 h. . W. / Fr. 6.40.$ Probehefte durch jede Buchhandlung oder direkt von der $Franckh'schen Verlagshandlung in Stuttgart$ * * * * * Die Mitglieder des =Kosmos= haben bekanntlich nach Paragraph 5 III das Recht, auerordentliche Verffentlichungen und die den Mitgliedern angebotenen Bcher zu =einem Ausnahmepreis= zu beziehen. Es befinden sich u. a. darunter folgende Werke: +===========+====== | Preis | Mit- |f. Nicht-|glieder- | mitgl. | preis +---------+-------- $Altpeter, ABC der Chemie$ | 2.40 | 1.-- $Bergmiller, Erfahr. a. u. Gebiete d. hoh. Jagd.$ | | Geb. | 4.50 | 3.50 $Blsche, W., Der Sieg des Lebens.$ Fein gebunden | 1.80 | 1.50 $Diezels Erfahrungen a. d. Gebiete d. Niederjagd.$ | | Geb. | 4.50 | 2.90 $Ewald, Mutter Natur erzhlt.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 $ " Der Zweifssler.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 $ " Vier feine Freunde.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 $Fabre, J. H. Sternhimmel$. Gebunden | 4.80 | 3.60 $ " Bilder a. d. Insektenwelt.$ I/II, III/IV. | | 2 Bde. geb. je | 4.50 | 3.40 $ " Blick ins Kferleben.$ Broschiert | 1.-- |--.50 $Floericke, Dr. Kurt, Deutsches Vogelbuch.$ Gebunden| 10.-- | 8.40 $ " Taschenbuch zum Vogelbestimmem.$ Geb.| 3.80 | 2.90 $Fruwirth, Die Pflanzen der Feldwirtschaft.$ Geb. | 3.80 | 2.90 $Grbner, Taschenbuch zum Pflanzenbestimmen.$ Geb. | 3.80 | 2.90 $Hepner, Cl., 100 neue Tiergeschichten.$ Gebunden | 3.60 | 2.80 $Jaeger, Prof. Dr. Gust., Das Leben im Wasser.$ | | Kart. | 4.50 | 1.70 $Kuhlmann, Wunderwelt des Wassertropfens.$ Brosch. | 1.-- |--.50 $Lange, Der Garten und seine Bepflanzung.$ Geb. | 4.50 | 3.50 $Leben der Pflanze.$ Bd. I, II, III, IV, V, VI, VII,| | VIII, geb. je | 15.-- |13.50 $Lindemann, Die Erde.$ Bd. I. Gebunden | 9.-- | 8.-- $ " " "$ Bd. II. Gebunden | 9.-- | 8.-- $Meyer. Dr. M. Wilh., Die gyptische Finsternis.$ | | Geb. | 3.-- | 1.90 $Monographien unserer Haustiere$: Bd. I Schumann, | | Kaninchen; Bd. II Schuster, Hauskatze; Bd. III | | Morgan, Hund; Bd. IV Schwind, Haushuhn | 1.40 | 1.05 $Sauer, Prof. Dr. A., Mineralkunde.$ Gebunden | 13.60 |12.20 $Schrader, Liebesleben der Tiere.$ Broschiert | 1.40 | 1.10 $Schroeder-Rothe, Handbuch f. Naturfreunde.$ Bd. I | | geb. | 4.20 | 3.60 $ " --"--$ " II | | geb. | 3.80 | 3.30 $Schwind-Gemen, Rosenbchlein.$ Gebunden | 1.50 | 1.25 $Stevens, Frank, Ausflge ins Ameisenreich.$ Geb. | 2.50 | 1.85 $ " " Die Reise ins Bienenland.$ Geb. | 2.50 | 1.85 $Strandbchlein.$ Gebunden | 1.25 | 1.-- $Stridde, Allgemeine Zoologie.$ Gebunden | 7.-- | 6.20 $Thompson, E. S., Bingo u. a. Tiergeschichten.$ Geb.| 4.80 | 3.60 $ " Prrietiere und ihre | | Schicksale.$ Fein geb. | 4.80 | 3.60 $ " Tierhelden.$ Fein gebunden | 4.80 | 3.60 $Wurm, Waldgeheimnisse.$ Gebunden | 4.80 | 3.60 und zahlreiche andere Werke mehr. * * * * * Die ordentlichen Verffentlichungen frherer Jahre erhalten Mitglieder, solange vorrtig, zu Ausnahmepreisen: :1904: (Handweiser vergriffen) zusammen fr M 4.-- (Preis fr Nichtmitglieder M 5.--), geb. fr M 6.20 (fr Nichtmitglieder M 8.40): $Blsche, W., Abstammung des Menschen.$ $Meyer, Dr. M. Wilh. (Urania-Meyer), Weltuntergang.$ $Zell, Dr. Th., Ist das Tier unvernnftig?$ (Doppelband) $Meyer, Dr. M. Wilh., Weltschpfung.$ :1905: (Handweiser vergriffen) zusammen fr M 4.-- (Preis fr Nichtmitglieder M 5.--), geb. fr M 6.75 (fr Nichtmitglieder M 9.--): $Blsche, W., Stammbaum der Tiere.$ $Welten, Die Sinne der Pflanzen.$ $Zell, Dr. Th., Tierfabeln.$ $Teichmann, Dr. E., Leben und Tod.$ $Meyer (Urania), Sonne und Sterne.$ :1906: (Handweiser vergriffen) zusammen M 4.-- (fr Nichtmitglieder M 5.--) und geb. fr M 6.75 (fr Nichtmitglieder M 9.--): $Welten, Wie die Pflanzen lieben.$ $Meyer, Dr. M. Wilh., Rtsel d. Erdpole.$ $Zell, Dr. Th., Streifzge durch d. Tierwelt.$ $Blsche, Wilh., Im Steinkohlenwald.$ $Ament, Dr. W., Die Seele des Kindes.$ :1907: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Kuhlmann, Aus der Wunderwelt des Wassertropfens.$ $Zell, Dr. Th., Strauenpolitik.$ $Meyer, Dr. M. W., Kometen und Meteore.$ $Teichmann, Dr. E., Fortpflanzung und Zeugung.$ $Floericke, Dr. K., Die Vgel des deutschen Waldes.$ :1908: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Meyer, Dr. M. W., Erdbeben und Vulkane.$ $Teichmann, Dr. E., Die Vererbung.$ $Saj, Krieg u. Frieden im Ameisenstaat.$ $Dekker, Naturgeschichte des Kindes.$ $Floericke, Dr. K., Sugetiere des deutschen Waldes.$ :1909: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Unruh, Leben mit Tieren.$ $Meyer, Dr. M. Wilh., Der Mond.$ $Saj, Prof. K., Die Honigbiene.$ $Floericke, Kriechtiere u. Lurche Deutschl.$ $Blsche, Wilh., Der Mensch in der Tertirzeit und im Diluvium.$ :1910: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Koelsch, Pflanzen zwisch. Dorf u. Trift.$ $Dekker, Fhlen und Hren.$ $Meyer, Welt der Planeten.$ $Floericke, Sugetiere fremder Lnder.$ $Weule, Kultur der Kulturlosen.$ :1911: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Koelsch, Durch Heide und Moor.$ $Dekker, Sehen, Riechen und Schmecken.$ $Blsche, Der Mensch der Pfahlbauzeit.$ $Floericke, Vgel fremder Lnder.$ $Weule, Kulturelemente der Menschheit.$ :1912: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Gibson-Gnther, Was ist Elektrizitt?$ $Dannemann, Wie uns. Weltbild entstand.$ $Floericke, Fremde Kriechtiere u. Lurche.$ $Weule, Die Urgesellschaft und ihre Lebensfrsorge.$ $Koelsch, Wrger im Pflanzenreich.$ :1913: ungebunden zusammen M 4.80 (fr Nichtmitglieder M 7.80) und gebunden fr M 8.40 (fr Nichtmitglieder M 13.--): $Blsche, Festlnder und Meere.$ $Floericke, Einheimische Fische.$ $Koelsch, Der blhende See.$ $Zart, Bausteine des Weltalls.$ $Dekker, Vom sieghaften Zellenstaat.$ _Allen Jahrgngen auer 1904, 1905 u. 1906 werden die 12 Hefte des betr. Handweiser-Jahrganges beigefgt._ Smtl. noch vorhand. Jahrgnge der Kosmos-Verffentlichungen (s. obige Zusammenstellung) liefern wir an Mitgl.: geh. fr M 38.-- (Preis fr Nichtmitgl. 96.--), geb. (auch Handw.) fr M 62.-- (Preis fr Nichtmitgl. 113.80) $auch gegen kleine monatl. Ratenzahlungen$. * * * * * Anmerkungen zur Transkription: Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden bernommen, und offensichtliche Druckfehler korrigiert. Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Passagen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, sind kursiv dargestellt. Der Schmutztitel wurde entfernt. Fett gedruckter Text wurde mit Dollarzeichen ($Text$), gesperrter Text mit Gleichheitszeichen (=Text=) und kursiver Text wurde mit Unterstrich (_text_) markiert. Das Symbol gestorben wurde als [gestorben] dargestellt. Das Symbol Zeigefinger wurde als [Zeigefinger] dargestellt. End of the Project Gutenberg EBook of Meeresfische, by Kurt Floericke License: Share Alike