Produced by Peter Becker and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive) +--------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Gesperrter Text ist als _gesperrt_ markiert, Text in Antiqua | | als ~Antiqua~. | | Eine Liste der nderungen befindet sich am Ende des Buchs. | +--------------------------------------------------------------+ Mnner der Zeit. Lebensbilder hervorragender Persnlichkeiten der Gegenwart und jngsten Vergangenheit. Herausgegeben von ~Dr.~Gustav Diercks. Zweiter Band. _Alfried Krupp_. Alfried Krupp. Ein Lebensbild von Herman Frobenius. Wo das Herz auf dem rechten Flecke sitzt, da bleibt der Segen nicht aus. Kaiser Wilhelm~I.~ Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt Arbeit Segen, dann ist Arbeit Gebet. Alfried Krupp. Dresden und Leipzig. _Verlag von Carl Reiner._ 1898. [Illustration] Inhalt. Seite I. Das vterliche Erbe 1 II. Lehrjahre 17 III. Der erste Erfolg und seine Verwerthung 33 IV. Ein kniglicher Bundesgenosse 50 V. Die erste Feuerprobe 70 VI. Kampf und Sieg 91 VII. Neue Kmpfe 117 VIII. Unheimliche Gegner 132 IX. Schwere Jahre 155 X. Neue Aufgaben und neue Erfolge 180 XI. Die letzten Triumphe und die letzte Enttuschung 196 XII. Das Ende des Siegers 218 [Illustration] ~I.~ Das vterliche Erbe. Im selben Frhjahr, in welchem Napoleon Bonaparte sich anschickte, seine sieggewohnte Armee dem Verderben in Rulands unermelichen Gefilden entgegenzufhren und damit seine tyrannische, fast ganz Europa umfassende Herrschaft dem ersten, bis in die Grundfesten sie erschtternden Stoe aussetzte, im selben Frhjahr erblickte der Mann in dem Stdtchen Essen das Tageslicht, dessen geniale Schaffenskraft das starke Werkzeug schmieden sollte, welches 58 Jahre spter der deutschen Armee zur Vernichtung des herrschschtigen Neffen, des letzten Napoleoniden, diente. Dasselbe Jahr, welches als Wendepunkt in der Geschichte der deutschen Nation sie eintreten lie in eine Periode der krftigsten Entwickelung, des ungeahnten Aufschwunges, es gab ihr auch mit der Geburt des Meisters die Waffen, um den bermthigen Erbfeind zu Boden zu schlagen und dem Vaterland die langersehnte Einheit zu erkmpfen. Am 12.April 1812 ward Alfried Krupp geboren. Mitten in Deutschlands wichtigstem Steinkohlengebiet, in dem reizlosen, aber fruchtbaren, hgelbekrnzten Thale der Ruhr, dort wo er mit seines Lebens schwerer Arbeit auch seine ans Wunderbare grenzenden Erfolge errang, in dem kleinen Stdtchen Essen stand seine Wiege. Ja! klein, auffallend klein war noch der Ort mit seinen 4000 Einwohnern trotz des vollen Jahrtausends, auf das es seine Geschichte rckwrts verfolgen konnte. In jener Zeit der Geburt des ersten Deutschen Reiches, als das weite Erbe des groen Karl der Schauplatz der blutigen, lndergierigen Bruderkriege war, welche mit der endgltigen scharfen Trennung der gallischen und germanischen Volksstmme einen Abschlu fanden, damals ward Essen gegrndet. Und ebenfalls ein Alfried war es, der Bischof Alfried von Hildesheim, welcher mit der Erbauung des alten Mnsters den Mittelpunkt fr die neue Ansiedelung formte; beraus langsam entwickelte sie sich, bis nach Verlauf eines Jahrtausends der zweite, grere Alfried, der, obgleich Protestant, den Namen des Schutzpatrons erhielt, die schlummernden Krfte zu neuem, schaffensreichem Leben zu erwecken wute und nicht nur seine Vaterstadt einem pltzlichen, berraschenden Wachsthum zufhrte (die Einwohnerzahl betrug in seinem Todesjahre an 68000), sondern ihr die erste Stelle unter den Fabrikorten derjenigen groen Industrie errang, welche unter seiner Fhrung die Uebermacht des Auslandes siegreich berwand und die erste Bresche legte in die britische Weltherrschaft. Wie ein welterschtternder Heroldsruf wirkte dieser Sieg des Essener Fabrikherren auf den deutschen Handel und auf die deutsche Industrie und, wie er dem Heere die starke Waffe schmiedete zur Wiedergewinnung der seit 1000 Jahren der deutschen Nation zustehenden, heimtckisch vor 3 Jahrhunderten ihr geraubten linksrheinischen Lande, so fhrte er durch die selbstgeschaffene Bresche im friedlichen Wettkampf Deutschlands Handel und Industrie Schritt fr Schritt vorwrts in Gebiete, welche Britannien bisher als seine alleinige Domne zu betrachten sich angemat hatte. So erweiterte sich die von Alfried Krupp voll gelste Lebensaufgabe aus der des patriotischen Waffenschmiedes, welche sich auf Strkung der Wehrkraft des Vaterlandes und auf den Schutz seiner Grenzen richtete, zu der eines Bahnbrechers fr die Idee eines greren Deutschland, und er verstand in weiser Umsicht die beiden Wege zu betreten, welche diese zum Ziele fhren mssen: Zusammenschlu der vaterlndischen Krfte durch friedliche Lsung der sozialen Aufgaben und Ueberflgelung der auslndischen Industrie durch intensivste Entwickelung und Ausbeutung der Technik und Wissenschaft, sowie durch sorgsamste und gewissenhafteste Pflege der Reellitt in allen Industriezweigen. Klein, auerordentlich klein und unscheinbar, wie seine Vaterstadt im Jahre 1812, sind die Anfnge seiner so gewaltig sich erweiternden Wirksamkeit. Aber die Keime zu der groartigen Entwickelung waren bereits vorhanden, ebenso, wie in der Vaterstadt die Anfnge der Industrie, welche sie gro machen sollte, weit zurckdatiren. Schon im 16.Jahrhundert wurde hier Kohlenbergbau betrieben und die Gewinnung von Eisenerzen erlangte zeitweise eine gewisse Bedeutung in dem bis 1803 ein Freies Reichsstift bildenden Essener Territorium. Sie gab im vorigen Jahrhundert Veranlassung zur Entstehung der Eisenwerke Neu-Essen, St. Antony und Gute Hoffnung, deren letzte fr die Familie Krupp und fr deren Wirken im Gebiete der Eisentechnik eine groe Bedeutung gewann. Auch die Waffenfabrikation war in Essen nichts Ungewohntes; denn seit 2 Jahrhunderten bis in den Anfang des unseren bildete die Gewehrfabrikation einen wesentlichen Zweig der brgerlichen Erwerbsthtigkeit. Eng verknpft mit der Geschichte der Stadt ist von jeher die der Familie Krupp. Schon im Jahre 1560 wird ein Kaufmann des Namens genannt, welcher durch Aufnahme des niederlndischen Flchtlings Alexander van Huissen eine Familie in Essen einbrgerte, welche in ihren Nachkommen von groer Bedeutung fr die Begrndung der niederrheinischen Eisenindustrie werden sollte. Im Jahre 1664 spielte ein Matthias Krupp als Sekretair der Stadt eine groe Rolle im ffentlichen Leben und von 1703 bis 1734 stand ein anderer Ahnherr, Arnold mit Namen, als Brgermeister an der Spitze der stdtischen Verwaltung. Vom Jahre 1760 an sind die Vorfahren Alfried Krupps in fortlaufender Linie bekannt, Friedrich Jodocus, Sekretr der Stadt, ward in diesem Jahre mit einer von ihm gemutheten und Sekretarius benannten Kohlenzeche belohnt. Er wie sein einziger Sohn, Peter Friedrich Wilhelm, starben noch vor Beginn des neuen Jahrhunderts, soda im Jahre 1800 nur die beiden Wittwen, die ltere Amalie, geborene Ascherfeld und die jngere Wittwe Petronella, geborene Forsthoff, sowie deren Sohn Friedrich Krupp, welcher am 17.Juli 1787 geboren worden war, die Familie reprsentirten. Diese erfreute sich zweifelsohne damals eines recht guten Wohlstandes, denn die jngere Wittwe bewohnte ein von ihrem Manne 1791 erbautes stattliches, mit den Namenszgen F.W.P.Krupp und P.Forsthoff, sowie dem Kruppschen Wappen (eine um einen Baum sich windende, krupende Schlange) geschmcktes Haus (Flachsmarkt Nr. 9); Frau Amalie Krupp aber besa die Mittel, um am 12.April 1800 von ihrem Schuldner Pfandhfer, dem Besitzer der St. Antony- und Gute Hoffnungs-Htte die letztere beim Zwangsverkauf fr 12000 Thaler zu erwerben. Mithin erschlo sich am selben Tage, an welchem 12 Jahre spter der geniale Erbe der vterlichen geistigen Hinterlassenschaft geboren wurde, fr dessen Vater Friedrich das Feld der Thtigkeit, auf dem er die erste Anregung erhielt zu seinen schpferischen Ideen und weit hinausschauenden Plnen. Frau Amalie, eine thatkrftige und geistig bedeutende Frau, bernahm selbst die Leitung des Eisenwerkes und suchte seine Ergiebigkeit durch Verbesserungen zu steigern; ihrem Enkel aber gab sie die Gelegenheit, sich dort als Httenmann auszubilden. Der Jngling ergriff den Beruf mit voller Begeisterung. In seinem Geist reifte unter der Anregung der tglichen Beschftigung der Gedanke, welcher ihm zum Leitstern wurde fr sein ganzes, nur gar zu bald im Dienste der Idee geopfertes Leben. Die Eisentechnik Deutschlands war zurckgeblieben, durch England weit berflgelt, und immer mehr wurde der Bedarf an werthvolleren, besseren Erzeugnissen, wie Maschinentheilen und Gerthen, auch im Vaterlande allein aus den englischen Fabriken gedeckt, immer mehr aber drckte das auf die heimische Industrie, je mehr die Maschinen sich vervollkommneten und je allgemeiner ihre Anwendung in allen Berufskreisen voraussichtlich wurde. Fr eine ganze Reihe von Werkzeugen und Gerthen verlangte die fortschreitende Industrie ein ganz besonders feinkrniges, hartes und widerstandsfhiges Eisenmaterial, und dies verstanden nur die englischen Fabriken in ihrem Gustahl herzustellen. Daher ist es leicht erklrlich, da sich in Deutschland allerorten die denkenden und strebsamen Httenleute mit Studien und Versuchen abmhten, um das Geheimni der Gustahl-Fabrikation zu ergrnden. Und dieses Verlangen ist es auch, welches in Friedrich Krupp, durch seine Beschftigung auf der Gute Hoffnung-Htte in Sterkrade mchtig angeregt, zur heien Flamme wurde, die sein Vermgen und seine Gesundheit verzehrte, whrend sie fr die deutsche Industrie zum Heerdfeuer wurde, an dem sich ihre Thtigkeit in mchtigem Aufschwung entwickelte, und zum Freudenfeuer des endlichen Sieges ber die britische Industrie. Das fleiige, unermdliche Streben des Jnglings lohnte die Gromutter am 27.Juni 1807 -- kurz vor Vollendung des zwanzigsten Lebensjahres -- durch Schenkung des Werkes, und als sich im August des folgenden Jahres Friedrich Krupp mit Therese Wilhelmi aus Essen verheirathete, geschah es noch auf der Gute Hoffnung-Htte; den huslichen Heerd wollte er sich neben dem flammenden Ofen errichten, der ihm den Gustahl liefern sollte. Wie weit er damals mit seinen Versuchen bereits gediehen war, ist nicht bekannt. Jedenfalls erschien es ihm selbst wohl noch nicht mglich, in kurzer Zeit damit ein vollwerthiges Resultat zu erreichen, denn dann wrde er nicht darein gewilligt haben, da bei einer sich bietenden gnstigen Gelegenheit am 14.September 1808 die Gute Hoffnung-Htte verkauft wurde (nachdem die Schenkung, unbekannt aus welchem Grunde, schon am 15.Mai 1808 rckgngig gemacht worden war). Begrndet wird der Verkauf durch die mehr und mehr hervortretende Unmglichkeit, mit der nahe gelegenen Antony-Htte zu konkurriren, obgleich die preuische Regierung durch Zuwendung von Auftrgen die Gute Hoffnung-Htte zu untersttzen suchte. Es ist interessant, da unter dem Kaufakt sich die Namen der Begrnder der niederrheinischen Eisenindustrie vereinigt finden, denn die Kufer waren Heinrich Huyssen, Gerhard und Franz Haniel und Gottlob Jacobi. Mit letzterem, einem sehr tchtigen Htteningenieur, begegnete sich Friedrich Krupp in dem Bemhen, das Geheimni der Gustahl-Fabrikation zu ergrnden. In Essen, wohin der junge Ehemann nach Verkauf der Htte seinen Wohnsitz verlegte, trat er in einen durchaus neuen Wirkungskreis, indem er das von seiner Mutter gefhrte grere Spezereigeschft im Oktober 1810 auf seinen Namen bernahm. Aus dieser Zeit datirt also die _Firma Friedrich Krupp_, die sich freilich zunchst mit einem Artikel beschftigte, der den spteren Fabrikaten derselben Firma so fremd wie mglich ist, sie handelte vornehmlich mit Kaffee. Nicht lange duldete es den jungen Eisentechniker in diesem Geschft; alles Streben seines Herzens war auf die Gustahl-Fabrikation gerichtet und unwrdig erschien ihm eine Thtigkeit, welche hierfr keinen Raum bot, es drngte ihn, seine ganze geistige, wie krperliche Kraft, seine Zeit und seine Mittel ganz ausschlielich diesem einen Zweck zu widmen. Um seine Versuche fortsetzen zu knnen, bedurfte er eines, wenn auch noch so kleinen Eisenwerkes; und so sehen wir, da er bereits am 7.Dezember 1811 ein in der Gemeinde Altenessen gelegenes kleines Gtchen, die Walkmhle, ein Anwesen von etwa 5 Morgen Ausdehnung, ankauft, um hier einen Reckhammer, sowie ein Schmelz- und Cementirgebude zu errichten; ein kleiner das Gelnde durchflieender Bach gab die erforderliche Wasserkraft. Hier sollte das Material, der Gustahl, erzeugt werden, und in dem Stdtchen Moers, auf dem linken Rhein-Ufer, damals also noch im franzsischen Gebiet, sollte eine neu errichtete Feilenfabrik die fr das Ausland bestimmten Waaren herstellen, um den Zoll fr diese zu ersparen. Es war wohl zuviel auf einmal angefangen, so richtig das Unternehmen auch erscheinen mu, denn diese Feilenfabrik hat nicht lange bestanden. Mit Fertigstellung der Gebude im Herbst 1812 lste Friedrich Krupp sein Spezereigeschft auf, um alle Mittel disponibel zu machen fr das eine Ziel, das er sich gesteckt hatte. Im Geburtsjahr seines Sohnes Alfried konnte er also die geschftliche Mittheilung machen, da die Firma Friedrich Krupp von jetzt ab alle Sorten feinen Stahl, auch Gu-, Rund- und Triebstahl zu liefern im Stande sei. Der Zeitpunkt, mit welchem mithin die Krupp'sche Gustahl-Fabrik ins Leben trat, war fr das Unternehmen auerordentlich gnstig, denn durch die Napoleonische Kontinentalsperre war seit 1806 jede Einfuhr englischer Stahlwaaren abgeschnitten und die Bestnde in den letzten Jahren verbraucht worden; die in voller Entwickelung begriffene Eisen- und Stahl-Kleinindustrie im westlichen Deutschland gerieth mehr und mehr in Verlegenheit, denn es mangelte einerseits an dem zu verarbeitenden, bisher aus England bezogenen Material, anderseits an den von dort gelieferten Stahlwerkzeugen. Allerorten wurden deshalb von Technikern und Chemikern Versuche ber Versuche gemacht, einen Ersatz des englischen Fabrikates zu erzeugen, und wer mit Erfolg diesen Weg beschritt, konnte, wie es schien, eines reichen Lohnes sicher sein, da er das dringendste Bedrfni der Industrie befriedigte. Wenn sich aber die vielfachen Versuche, Gustahl herzustellen, trotz der thatschlich erreichten Kenntni des Geheimnisses fast alle spurlos im Sande verliefen, wenn auer Krupp keiner der patentirten Erfinder ein nennenswerthes Resultat erzielte, so liegt dieses in der eigenartigen Natur des Gustahls wie jeder fr bestimmte Zwecke auf einen hohen Grad der Leistungsfhigkeit entwickelten Eisenlegirung. Es ist nicht die Kenntni der chemischen Zusammensetzung und das einmalige glckliche Gelingen der Herstellung hinreichend, um die Garantie fr eine stetige Produktion eines gleich leistungsfhigen Materials zu bieten; denn die Rohmaterialien sind so verschieden und die geringsten Unterschiede in ihrer Zusammensetzung und in ihrer Zusammenmischung von einem so bedeutenden Einflu auf die Eigenschaften der aus ihnen gewonnenen Eisenlegirung, da erst ein langjhriges Studium und Probiren, verbunden mit der minutisesten Prfung und Untersuchung der Rohmaterialien und mit der peinlichsten Genauigkeit bei ihrer Verhttung zu einem einigermaen richtigen Urtheil ber das jedesmal zu erwartende Resultat und schlielich zu jener Sicherheit im Betriebe fhren konnte, welche der Legirung die fr bestimmte Zwecke zu erreichenden Eigenschaften bei der Auswahl der Materialien zuzufhren imstande ist. Es ist hieraus erklrlich, warum nicht mit der einmaligen gelungenen Erzeugung eines guten Gustahlblockes fr Friedrich Krupp alle Schwierigkeiten berwunden waren; wie er Jahr fr Jahr seines Lebens der emsigen Arbeit opfern mute, um das theoretisch Gefundene und praktisch als richtig Bewiesene fr die Fabrikation auch nutzbar zu machen und die geeignete Beschickungsart fr die einzelnen Zwecke des Fabrikates zu finden. Ein Leitmotiv fr alle seine Versuche hat ihm den richtigen Weg gewiesen und hat in gleicher Weise seinen Sohn von Erfolg zu Erfolg gefhrt: Ohne gutes Eisen kein guter Stahl; fr das beste Erzeugni, das er erstrebte, konnte er auch nur das beste Rohmaterial brauchen. Und der Mangel an letzterem war es hufig, der seine Fortschritte hemmte. Ein zweites aber, was die Fabrikation grerer Gustahlstcke unbedingt erfordert, sind die Werkzeuge, mit denen diese durchgeschmiedet oder gewalzt werden mssen, um die Gleichmigkeit und Dichtigkeit des Gefges zu erhalten, welche das Material zu den hchsten Leistungen befhigen. Es fehlten ihm die Mittel, um sich groe Hmmer und Walzwerke zu beschaffen und erst nach langen Jahrzehnten der langsamen Entwickelung aus den kleinen Anfngen heraus gelang es dem Sohne, durch Konstruktion und Ausfhrung der mchtigen Hmmer, welche die Welt in Staunen setzten, seinen Stahlblcken die von keinem Anderen je erreichte Gte und Leistungsfhigkeit zu geben. Friedrich Krupp hatte noch in keinem seiner Fabrikgebude eine Dampfmaschine, mit dem Hammer, den er 1818 in Alten-Essen anlegte, konnte er Gustahl nur bis zur Strke von 3 Zoll durchschmieden und, um Platten zu walzen, mute er das Walzwerk von Franz Dinnendahl in Spillenburg in Anspruch nehmen. Die ungeheuren Schwierigkeiten, welche Friedrich Krupp aus der Natur der Gustahlfabrikation selbst erwuchsen, sind hieraus ersichtlich. Hierzu kamen aber noch andere unglckliche Umstnde, welche einer raschen Entwickelung seines Werkes hindernd in den Weg traten. Gleich im zweiten Jahre nach dem Beginn der Gustahl-Fabrikation war es seine Verbindung mit einem Mechaniker, Namens Nicolai, welche sehr ungnstige Folgen hatte. Nicolai hatte ein preuisches Patent (vom 5.Mai 1815) auf Gustahl erhalten, der dem besten, bis jetzt bekannten englischen Gustahl in Rcksicht der Gte gleichgefunden wurde. Damit war aber nicht gesagt, da er auch die Fhigkeit und Erfahrung fr die Fabrikation besa, wie bereits erlutert wurde. Er war ein Beispiel der fr die Praxis unbrauchbaren Erfinder, und Krupp sah sich binnen Kurzem gezwungen, den Gesellschaftsvertrag mit ihm wieder zu lsen, mute aber hierbei eine bedeutende Entschdigung zahlen und wurde wegen des Nicolaischen Patentanspruches in einen Proze verwickelt, der allerdings zu seinen Gunsten entschieden wurde, aber erst 1823 zum Abschlu kam und in den zwischenliegenden Jahren eine Quelle von Verlegenheiten, Verlusten und Verdrielichkeiten wurde. Zu den wichtigsten und besten Erzeugnissen der Fabrik zhlten gusthlerne Mnzstempel und -Walzen. Sie waren binnen Kurzem nicht nur in Berlin und anderen deutschen Mnzprgeanstalten, sondern auch in Wien und Petersburg in Gebrauch. Gelegentlich deren Lieferung hatte Friedrich Krupp mit dem preuischen Generalmnzdirektor Goedeking freundschaftliche Beziehungen angeknpft und trug sich mit der Hoffnung, durch dessen Vermittelung die Untersttzung der Regierung in Form eines greren Kredits zu gewinnen. Denn seine Fabrik mute nothwendigerweise erweitert werden, um den gesteigerten Anforderungen gerecht werden zu knnen, und er glaubte von der Regierung eine Entschdigung fr die bedeutenden Verluste beanspruchen zu knnen, die ihm aus der Patentirung des leistungsunfhigen Nicolai erwachsen waren. Seine rastlose Energie lie ihm aber nicht die Ruhe, jahrelang auf eine Entscheidung zu warten, und so begann er 1818 mit dem Bau eines neuen Fabrikgebudes im Westen der Stadt Essen, wo es fr ihn bequemer zu erreichen war, da er mit seiner Familie noch in der Stadt wohnte. Am 18.Oktober 1819 konnte zum ersten Male in dem neuen Werk geschmolzen werden, es ist der Geburtstag der jetzigen Gustahlfabrik, deren weitlufige Anlagen sich mit der Zeit an diesen ersten verhltnimig kleinen und bescheidenen Kernbau anschlieen und in stetiger Erweiterung zu einem der grten Etablissements der Welt auswachsen sollten. Im Anfang sah es freilich noch wenig hoffnungsvoll aus, denn von den projektirten 60 Schmelzfen konnten zunchst nur 8 fertig gestellt und mit Noth in Betrieb erhalten werden. Da aus jedem Tiegel 25 Pfund Gustahl gegossen wurden und binnen 24 Stunden zweimal geschmolzen werden konnte, war das Maximum der Tagesproduktion 400 Pfund. Welche bescheidene Zahl gegenber den Massen, welche in spteren Jahren erzeugt wurden, und welche sich z.B. im Jahr 1881 auf die tgliche Herstellung von 130000 Pfund Gustahl bezifferte! Die Schwere der Gsse konnte bis zum Tode Friedrich Krupps auf 40 Pfund gesteigert werden. Was ist das im Vergleich zu dem Block, welcher 1873 auf die Wiener Weltausstellung gesandt wurde und das stattliche Gewicht von 105000 Pfund erreichte! Und auch dieser Block war aus kleinen Tiegeln gegossen und in derselben Weise, wie jene ersten kleinen Gustcke. Mit der Aufopferung seiner letzten Mittel hatte der energische Mann diese Erweiterung seiner Fabrik ins Werk gesetzt und keiner seiner Freunde und Verwandten hatte ein Verstndni fr diese Aufopferung seines guten Vermgens im Dienste einer Idee, deren hohe Bedeutung ihrem kurzsichtigen Blick vollstndig entging. Sie machten ihm nur Vorwrfe, anstatt ihn zu untersttzen und suchten ihn zu bereden, die Sache aufzugeben und sein frheres Geschft wieder zu ergreifen, wozu sie ihm bereitwilligst die hilfreiche Hand boten. So stand er allein und verlassen im Kreise seiner Mitbrger und Berufsgenossen, unverstanden von Allen, die ihn htten untersttzen knnen, unverstanden auch von den magebenden Personen, welche die fr das Vaterland so wichtige Industrie mit Staatsmitteln htten ber die mhsamen Anfnge hinwegbringen knnen. Und doch war er so durchdrungen von der Bedeutung seines Unternehmens, so berzeugt von der Entwickelungsfhigkeit seiner Idee, so siegesgewi, wenn er nur die Mittel erlangen konnte, seine Erzeugnisse zur Geltung zu bringen, da er keinen Augenblick schwankend wurde, lieber sich und seine Familie in Noth und Sorgen zu strzen, als an seiner Lebensaufgabe zu verzweifeln. Nach allen Seiten blickte er nach Hilfe, selbst die Grndung einer staatlichen Gustahlfabrik in Ruland brachte er in Anregung, und durch gutachtliche Prfungen suchte er seinem Fabrikat allgemeine Anerkennung zu verschaffen. So unterzog der in groem Ansehen stehende Verein zur Befrderung des Gewerbefleies in den Knigl. preuischen Staaten seinen Gustahl einer grndlichen Untersuchung und verffentlichte 1822 sein Urtheil, in dem er bekundet, da Herr Friedrich Krupp in Essen a.d. R. durch langjhrige Versuche und groe Aufopferungen es soweit gebracht hat, da sein Gustahl im Allgemeinen den Vorzug vor dem englischen hat..... Sein Fabrikat ist von der Abtheilung fr Manufakturen und Handel in Berlin sorgfltig untersucht und dahin beurtheilt worden, da es an Brauchbarkeit und innerer Gte dem besten englischen Stahl gleich zu achten, ja in mehrfacher Hinsicht ihm vorzuziehen ist. So wie ihm hier eine Anerkennung gewissermaen amtlichen Charakters zu Theil wurde, so war auch aus der stetig zunehmenden Zahl der Bestellungen zu erkennen, da die neuen Fabrikate mehr und mehr Boden gewannen. Selbst aus der Fabrik von Cockerill bei Lttich und der englischen Mnze in Hannover kamen Bestellungen. Sie konnten nicht bewltigt werden, denn die Erweiterung des Betriebes htte neue Kapitalien erfordert, und woher diese nehmen? Nirgends mehr ffnete sich ein Kredit. Von der Hand in den Mund mute der Fabrikant leben trotz des nicht zu verkennenden Aufschwunges seines Werkes, und ein einziger Unglcksfall konnte pltzlich das mhsam errichtete Gebude zu Sturze bringen, gerade jetzt, wo die Hoffnung auf ein glckliches Gedeihen aufzublhen begann. Es ist nicht zu verwundern, da Friedrich Krupp einerseits seine eiserne Willenskraft, welche allein ihn die ungeheuren Schwierigkeiten immer wieder berwinden lie, in unnachsichtiger Strenge gegen sich selbst, wie gegen Andere zum Ausdruck brachte, da er anderseits, aus einer schwierigen Lage in die andere geworfen, von Sorgen gemartert und bisweilen beinahe verzweifelnd am Erfolge, oft finster und trb gestimmt erschien. Fr seine Familie -- und die einzige treu ihm zur Seite ausharrende, in vollem Verstndni seinen Plnen folgende Seele war seine Frau -- mag er herzlich wenig Zeit brig gehabt haben, und auch ihr gegenber zeigte sich die Thatkraft in dem festen Beharren bei seiner Idee; er trug kein Bedenken, ihr nicht nur seine eigene, sondern auch seiner Kinder Lebenskraft dienstbar zu machen und nthigenfalls zum Opfer zu bringen. Ein Bild der in eherner Arbeit unermdlichen Thatkraft, des in seinen Leistungen nie ganz sich gengenden ehrgeizigen Pflichtgefhls, der ber die Nichtigkeiten des Lebens und seiner Bedrfnisse hoch sich erhebenden Begeisterung fr eine groe Idee, der vor keinem Opfer zurckscheuenden, durch keine Sorgenlast zu hemmenden, durch keinen Mierfolg entmuthigten Energie, so stand der Vater vor den Augen seiner Kinder als ein leuchtendes Beispiel, als ein strenger Lehrmeister schon in den ersten Jahren ihrer individuellen Entwickelung. So ward ihr Auge geschrft zur klaren Auffassung der Verhltnisse, ihr Gemth gehrtet gegen verweichlichende und beunruhigende Regungen, ihr Begehren auf hohe Ziele gerichtet und ihre Bedrfnilosigkeit durch Entbehrungen gefrdert, so ward ihr Geist entflammt fr die groe Aufgabe, der sie die Eltern in eintrchtigem Streben jeden Genu, jede Freude, jeden Athemzug ihres Lebens opfern sahen. Und gegen alles Erwarten schnell kam der schwere Schicksalsschlag, der die Kinder mitten hineinstellte in den Kampf des Lebens. Friedrich Krupp erkrankte im Jahre 1823, gerade als die endliche Entscheidung des Prozesses Nicolai eine gnstige Wendung seiner Verhltnisse eingeleitet hatte. Eine Kur in Schwalbach brachte Linderung seiner Leiden, aber bereits Ende 1824 wiederholten sich die Anflle, welche auf eine hochgradige Ueberanstrengung des Nervensystems zurckzufhren waren, in so heftiger Weise, da er 10 Monate lang arbeitsunfhig war. Welche Folterqualen fr den Mann, auf dessen energischer Thtigkeit ganz allein die Hoffnung einer weiteren gnstigen Entwickelung beruhte, da er sich zum thatlosen Zuschauen verurtheilt sah und sich nicht verbergen konnte, da von Tag zu Tag sein Werk zurck, da es dem Zusammenbruch entgegen ging. Die Lage wurde kritisch; das Haus in der Stadt mute aufgegeben werden und die Familie bezog 1825 ein kleines, zur Fabrik gehrendes Haus, das in den letzten Jahren fr einen Werkmeister errichtet worden war. Es ist ein rmliches einstckiges Fachwerks-Gebude, neben der Thr in der Front beiderseits nur ein Fenster, im Giebel deren zwei mit grnen Lden, darber beiderseits ein einfenstriges Giebelstbchen, kaum Raum genug fr die Eltern und die vier Kinder bietend, eine Arbeiterwohnung im strengsten Sinne des Wortes, und was in diesem Hause fr angestrengte, sorgenschwere, aber auch segensreiche Arbeit geleistet wurde, das hat die Welt nach Jahrzehnten mit Staunen wahrgenommen, dessen werden sich aber auch die Nachkommen des ersten Bewohners stets mit tiefbewegtem, dankbarem und immer aufs Neue ermuthigtem Herzen erinnern. Noch heute steht inmitten der Riesengebude der Fabrik, in seiner ursprnglichen bescheidenen Form dieses Stammhaus, in dem Friedrich Krupp noch einmal Hoffnung schpfte, sein Leiden berwinden und dem drohenden Zusammensturz seines Werkes mit Energie Einhalt gebieten zu knnen. Kurz und trgerisch war die Hoffnung. Mitten in neuen Arbeiten, in der Lsung neuer Aufgaben, raffte ihn der Tod dahin. Er starb am 8.Oktober 1826 an der Brustwassersucht. Was er erstrebt hatte, schien verloren, was er erreicht, schien vernichtet. In Noth und Sorge, ohne alle Mittel lie er seine Familie zurck, in der Blthe seiner Jahre berwltigt durch die Aufgabe, der er sein Leben und das Wohl der Seinen geopfert hatte. An seinem Grabe standen die frheren Freunde und Genossen ohne ernste Theilnahme; sie hatten es ihm ja vorausgesagt, da er einem Hirngespinnst in thrichter Weise sich opferte; nur ein mitleidiges Lcheln hatten sie fr die Wittwe und die unerwachsenen Kinder, die er im Elend zurckgelassen hatte. Sie ahnten nichts von dem reichen Erbe, das er ihnen vermachte, da er sie durch eine Schule gefhrt hatte, welche sie zur strengsten Pflichterfllung und zum Einsetzen aller Kraft an hohe Ziele vorbereitet hatte, sie sahen nicht den unscheinbaren Keim blhender Entwickelung, den er in seinem Werke eingepflanzt hatte und der sich zum Riesenbaum ausgestalten sollte, in dessen Schatten Deutschlands Industrie fr seine Weltbedeutung sich zu entfalten Schutz fand. ~II.~ Lehrjahre. Ein vierzehnjhriger Knabe stand Alfried am Grabe seines Vaters, und in den tiefen Schmerz hinein, welcher sein Herz mit Thrnen erfllte, in die bangen, schweren Gedanken, welche mit ungewohnter Last sein Haupt beschwerten, klangen anstatt der Tne warmen Mitgefhls die Aeuerungen des frostigen Mitleids wie ein schneidender Miton, seinem thrnenverschleierten Blick entging nicht das Achselzucken der klugen Leute, welche es nicht fr der Mhe werth hielten, ihre Schadenfreude zu verbergen. Und die Thrnen versiegten in heiligem Zorn, das schmerzgebeugte Haupt erhob sich in stolzem Bewutsein der groen Aufgabe, welche der Knabe von heute ab als Nachfolger seines Vaters diesen kleinen Seelen gegenber zu vertheidigen, in ihrer ganzen vollberechtigten Bedeutung zur Anerkennung zu bringen berufen war. So verlie Alfried Krupp das frische Grab seines Vaters, nicht in verzweifelndem Kleinmuth des Kindes, sondern im muthigen Selbstvertrauen des werdenden Mannes, so ward er, der vierzehnjhrige Knabe, der Chef der Firma Friedrich Krupp, durch das im Tiefsten ihn verletzende Gebahren seiner Mitbrger am Grabe des Vaters, zu dem Manne der eisernen Energie, des rcksichtslosen Zielbewutseins, des tiefsten Verstndnisses fr die Lebensnoth seiner Mitmenschen, wie er in seinem ganzen Leben sich bewiesen hat. Er war kein Musterschler gewesen; denn im Oktober 1825 hatte er erst die Quarta erreicht, als sein Vater es fr nothwendig erachtete, ihn in seinen Freistunden zur Mitarbeit in der Fabrik heranzuziehen. Die Entlassung eines untreuen Buchhalters und eines unzuverlssigen Faktors hatten ihm den Gedanken nahe gelegt, mit Hilfe seines ltesten Sohnes alles Geschftliche allein zu besorgen und hierdurch die Fabrik von einer immerhin ins Gewicht fallenden Ausgabe zu entlasten. Ostern 1826 nahm er ihn ganz aus der Schule, konnte aber seine ursprngliche Absicht, ihn bei dem Mnz-Wardein Noelle auf der Dsseldorfer Mnze seine Lehre durchmachen zu lassen, nicht ausfhren, da ein neuer Krankheitsanfall ihm seine Hilfe im Geschft unentbehrlich machte. Krperlich gebrochen, besa er doch noch seine volle geistige Frische, um die jetzt wichtigste Aufgabe zu erfllen, seinen Sohn in alle Zweige des Geschftes einzufhren. Nach seiner Anweisung mute Alfried die Beschickung und sonstige besonders wichtige Werkarbeiten bernehmen, mute er in wenigen Monaten alles das erlernen, was ihn nicht nur zu einem geschickten Httenmann geeignet machte, sondern was als Ergebni der Versuche und Studien des Vaters ihm berliefert werden mute, damit er seiner hohen Aufgabe gewachsen wre, dessen Erfindung weiter zu frdern und auszubeuten. Das waren offenbar Dinge, welche den Anlagen und Neigungen des Knaben bedeutend mehr zusagten, als die Schulwissenschaften. Es ist nur aus einem vollen Verstndni der ihm zufallenden Lebensaufgabe und aus einer hohen spezifischen Begabung heraus verstndlich, da es dem Knaben gelang, des Gelehrten vollstndig Herr zu werden, so vollstndig, da er auf des Vaters Errungenschaften ohne Weiteres weiter zu bauen im Stande war, als er nach sechs Monaten Lernzeit auf seine eigenen Fe gestellt wurde. Als seine Schulkameraden nach der Tertia versetzt wurden, ward den schwachen Schultern des vierzehneinhalbjhrigen Knaben die schwere Last auferlegt, als Chef der Firma eine Fabrik weiterzufhren, welche zusammenzubrechen drohte, als Haupt der Familie die Mittel zu schaffen, um seine Mutter und drei Geschwister zu ernhren. Er wollte und konnte sich dem nicht entziehen, denn es war das heilige Vermchtni seines Vaters. Noch im Oktober des Jahres 1826 verffentlichte die Wittwe in den Zeitungen eine Empfehlung: Den geschtzten Handlungsfreunden meines verstorbenen Gatten beehre ich mich die Anzeige zu machen, da durch sein frhes Hinscheiden das Geheimni der Bereitung des Gustahls nicht verloren gegangen, sondern durch seine Vorsorge auf unseren ltesten Sohn, der unter seiner Leitung schon einige Zeit der Fabrik vorgestanden, bergegangen ist und da ich mit demselben das Geschft unter der frheren Firma Friedrich Krupp fortsetzen und in Hinsicht der Gte des Gustahls, sowie auch der in meiner Fabrik daraus gefertigten Waaren nichts zu wnschen brig lassen werde. Die Gegenstnde, welche in meiner Fabrik gefertigt werden, sind folgende: Gustahl in Stangen von beliebiger Dicke, desgl. in gewalzten Platten, auch in Stcken, genau nach Abzeichnungen oder Modellen geschmiedet, z.B. Mnzstempel, Stangen, Spindeln, Tuchscheerbltter, Walzen u.dergl., wie solche nur verlangt und aufgegeben werden, sowie auch fertige Lohgerberwerkzeuge. Gustahlfabrik bei Essen, im Oktober 1826. Wittwe Therese Krupp, geb. Wilhelmi. Wie stand es nun mit der Fabrik? Friedrich Krupp war es trotz aller Schwierigkeiten immer noch gelungen, sein Geschft in voller Ordnung zu hinterlassen und seine kaufmnnische Ehre voll zu wahren. Aber Schulden waren natrlich vorhanden, und sie berstiegen beinahe den Werth des Vermgens. Die Gte des Kruppschen Gustahls ward berall anerkannt; die Bestellungen waren aber in den letzten Jahren immer drftiger eingelaufen, da die Krankheit des Chefs eine pnktliche Ausfhrung zur Unmglichkeit gemacht hatte. Die Zahl der stndigen Arbeiter war auf vier Mann heruntergegangen. Kredit war jetzt naturgem noch viel schwieriger zu erlangen als zu Lebzeiten des Vaters. So galt es, unter den ungnstigsten Verhltnissen gewissermaen von vorn wieder anzufangen, auf's Neue eine Kundschaft zu erwerben, nachdem das Vertrauen in die Leistungsfhigkeit der Fabrik erschttert war. Betriebsmittel, Rohmaterial, neue Arbeitskrfte und Kredit zu schaffen, wo kein irgend nennenswerther Fonds dafr zur Verfgung stand. Wieviel schwerer war die Aufgabe fr Alfried jetzt, wo Englands Gustahlfabrikate wieder als bermchtige Konkurrenten berall in den Weg traten, als damals fr den Vater, wo das Vermgen noch vorhanden und durch die eigenen Erzeugnisse einem auf dem ganzen Kontinent schwer empfundenen Bedrfni entsprochen werden konnte. Diesen Mngeln gegenber standen aber die gut und fr einen viel greren Betrieb ausreichenden Fabrikgebude als eine wichtige, unentbehrliche Errungenschaft des Vaters und die frische Arbeitskraft eines ber Nacht zum Jngling gereiften Knaben, der mit Begeisterung und hoffnungsfreudig ans Werk ging und, ber die ersten Versuche hinweg, gleich ein vollwerthiges Material auf den Markt bringen konnte. Es bedurfte freilich seiner ganzen Krper- und Geisteskraft, um auch nur die nothwendigsten Bedrfnisse fr die Familie zu schaffen, denn auer der Schwester Ida waren ja zwei jngere Brder, Hermann und Friedrich, zu ernhren, zu kleiden, zu unterrichten. So stand er, mit nur zwei Arbeitern zur Seite, von Tagesgrauen bis zur einbrechenden Nacht am Ambos und vor der Esse, und wenn er den ber alle Maen angestrengten jungen Krper hinaufgeschleppt hatte in die kleine Giebelstube, dann begann noch die geistige Arbeit, dann mute er der zweiten, nicht weniger wichtigen Berufsaufgabe gengen als Ingenieur und Kaufmann. Denn nicht stillstehen durfte er auf dem vom Vater errungenen und ihm berkommenen Standpunkt der Fabrikation und deren Verwerthung; jene zu vervollkommnen und fr diese immer neue Gebiete zu entdecken und zu erobern, darauf mute er ja unablssig seine Gedanken richten. Und wie schlimm stand es mit seiner Vorbildung fr diese Aufgabe! Woher sollten ihm die kaufmnnischen, die technischen und wissenschaftlichen Kenntnisse, die Fertigkeit in fremden Sprachen kommen, ihm, dem aus der Quarta des Gymnasiums, mitten aus seinem Bildungsgang herausgerissenen Schler. Und ohne alles das ging es doch nicht, alles das mute er nachholen, mute er mit todmdem Krper in nchtlicher Arbeit sich anzueignen suchen. Welche bermenschliche Aufgabe! Und da er sie lste, da er seiner genialen Erfindungsgabe die unentbehrliche wissenschaftliche Basis gewann, da er die franzsische und englische Sprache sich vollstndig zu eigen machte, da er zu einem hervorragenden Geschftsmann sich entwickelte, das zeugt von einer auerordentlichen Begabung, vor allem aber von einer pflichtbewuten nie erlahmenden Energie ohne Gleichen bei einem Menschen in diesen Lebensjahren. Was ihn darin untersttzte, das war die tiefempfundene Verehrung fr den Vater, die glhende Begeisterung fr die Weiterfhrung von dessen Lebenswerk und, wie er selbst bekannte, die heilige Entrstung ber das hhnische Mitleid seiner Mitbrger, das ihm am Grabe des Vaters so tief in die Seele geschnitten hatte. Als eine gar nicht zu berschtzende Hilfe stand ihm aber seine Mutter zur Seite, eine kluge, energische und thatkrftige Frau, welche jetzt des Sohnes schwere Arbeit und emsiges Streben mit derselben Frsorge und demselben theilnahmsvollen Verstndni umgab, wie sie sie bisher dem Gatten gewidmet hatte. Sein Erbtheil von ihr nannte Alfried, wenn er mit hchster Verehrung und inniger Piett der Mutter gedachte, den ihm innewohnenden rastlosen und unermdlichen Flei. Er selbst schilderte diese schwere Zeit in einem Briefe: Ich sollte laut Testament fr Rechnung meiner Mutter die Fabrik fortsetzen, ohne Kenntni, Erfahrung, Kraft, Mittel und Kredit. Von meinem vierzehnten Jahre an hatte ich die Sorgen eines Familienvaters und die Arbeit bei Tage, des Nachts Grbeln, wie die Schwierigkeiten zu berwinden wren. Bei schwerer Arbeit, oft Nchte hindurch, lebte ich oft blo von Kartoffeln, Kaffee, Butter und Brot, ohne Fleisch, mit dem Ernst eines bedrngten Familienvaters, und 25 Jahre lang habe ich ausgeharrt, bis ich endlich bei allmhlich steigernder Besserung der Verhltnisse eine leidliche Existenz errang. Meine letzte Erinnerung aus der Vergangenheit ist die so lange drohende Gefahr des Unterganges und die Ueberwindung durch Ausdauer, Entbehrung und Arbeit, und das ist es, was ich jedem jungen Manne zur Aufmunterung sagen mchte, der nichts hat, nichts ist und was werden will. Langsam freilich, erschreckend langsam nur konnte es vorwrts gehen mit der Fabrik, wenn auch Alfried und seine Mutter sich mit der Befriedigung der uersten Bedrfnisse begngten, wenn auch der Fabrikherr persnlich jede Gesellenarbeit mit verrichtete und jeden Groschen nur zu Gunsten des Geschftes verausgabte. Wie manchmal mute er sich sorgen, selbst nur die kleine Summe fr die wchentliche Lhnung seiner paar Arbeiter rechtzeitig zu beschaffen; fr seine eigene Arbeitsleistung blieb ihm nichts brig. Fnfzehn Jahre lang, sagt er in einem Aufruf an seine Arbeiter am 24.Juli 1872, habe ich gerade soviel erworben, um den Arbeitern ihren Lohn auszahlen zu knnen. Fr meine eigene Arbeit und Sorgen hatte ich weiter nichts, als das Bewutsein der Pflichterfllung. So brachte er es bis zum Jahre 1832 erst auf 10 Arbeiter, die im folgenden sogar auf 9 wieder herabgingen. Und dabei dachte er Tag und Nacht auf Verbesserungen seiner Fabrikate und weitere Ausnutzung seines Gustahls; dabei suchte er in sonntglichem Unterricht bei seinem Oheim, dem Kaufmann Karl Schulz, die kaufmnnische Buchfhrung und sonstige kaufmnnische Wissenschaften sich anzueignen; dabei ergriff er selbst den Wanderstab, um als Reisender fr sein Geschft seine Fabrikate an den Mann zu bringen. Von Hof zu Hof zog er auf der aus dem Mrkischen in's Bergische fhrenden Enneperstrae, wo die Reckhmmer ihre heie Arbeit betrieben, um Auftrge auf Hammersttel einzusammeln, jede Lieferung neu gefertigter Mnzstempel brachte er selbst nach Dsseldorf in die Mnze, um sofort die Bezahlung empfangen zu knnen; denn der Geldmangel steigerte sich manchmal bis zur Sorge, das Porto fr eingehende Briefe zu decken. Nach einem Jahrzehnt dieses heien, oft verzweiflungsvollen Ringens gelang es endlich Alfried, den ersten wichtigen Erfolg zu erringen. Er hatte eine Lffelwalze in Gustahl hergestellt, bestimmt zum Gebrauch bei Herstellung von Lffeln in Gold und Silber und erhielt auf diese nicht nur in den deutschen Staaten, sondern auch in England, Frankreich und Oesterreich ein Patent. Die Walze ward auerordentlich vortheilhaft von den Lffelfabrikanten gefunden und in England dem Erfinder eine so ansehnliche Geldsumme fr das Patent gezahlt, da er sich nicht nur von den lstigsten Schulden befreien, sondern auch den Betrieb seines Werkes wesentlich erweitern konnte. Die erste schreckliche Periode der oft unheimlichen Angst und der beinahe bermenschlichen Anstrengung war damit berwunden; mit gehobenem Muthe sah der Jngling einer besseren Zukunft entgegen. Der Gedanke lag nahe, die neue Erfindung auch in Deutschland weiter auszunutzen, wozu es jedoch grerer Anlagekapitalien bedurfte. Krupp wandte sich an das angesehene Bankhaus v.d. Heydt, Kersten & Co. in Elberfeld, und dieses zeigte sich auch nicht abgeneigt, eine Verbindung mit ihm einzugehen behufs Fabrikation der Lffelwalzen in groem Mastabe. Jedoch trat bald das Bestreben hervor, weniger dem Erfinder zu Hilfe zu kommen, als vielmehr seine Erfindung im Interesse des Bankhauses auszunutzen. Man weigerte sich nmlich, ihm Kapital zur Verfgung zu stellen und verlangte die Grndung eines Werkes in Elberfeld, welches den Namen des Geldleihers tragen sollte, so da also der Erfinder mit seiner Person ganz zurcktrat und der weiteren Entwickelung seiner eigenen Fabrik geradezu entgegengearbeitet wurde. Auf solche Bedingungen konnte dieser natrlich nicht eingehen, die Verhandlungen zerschlugen sich, die Beziehungen zu dem Bankhause scheinen aber Mistimmungen bei dessen Chef hinterlassen zu haben, welche er in seiner spteren Stellung als Handels- bezw. Finanzminister noch nicht berwunden hatte. Wenigstens glaubte Krupp die seiner Firma zu Theil werdende Behandlung Seitens des preuischen Ministers hierauf zurckfhren zu mssen. Besseren Erfolg hatte er in Oesterreich mit dem Bestreben, seine als vorzglich anerkannten Mnzstempel zur Einfhrung zu bringen. Allerdings galt es dort einen heftigen Kampf gegen die Intriguen und Chikanen der sterreichischen Konkurrenten, welche mit allen zulssigen und unzulssigen Mitteln dem Eindringen des auslndischen Fabrikanten entgegenarbeiteten. Monatelang mute Krupp wiederholt in Wien sich aufhalten, um seinen Erzeugnissen nach manchem schweren Verdru zum Siege zu verhelfen. Aber leicht kann es nicht gewesen sein, denn sein schnes schwarzes Haar bleichte in diesen Jahren, und er pflegte spter zu sagen, die Farbe seiner Haare habe er in Wien gelassen. Bei dieser Gelegenheit mag es ihm zum Bewutsein gekommen sein, da gegen die, ihre an und fr sich ja durchaus berechtigten Interessen vertheidigenden sterreichischen Metallfabrikanten auf die Dauer nur dadurch wrde Stand zu halten sein, da er auf sterreichischem Boden festen Fu fate. Zur Grndung einer eigenen Fabrik daselbst fehlten ihm die Mittel, es blieb also nur der Ausweg, mit einem sterreichischen Kaufmann nahe persnliche Beziehungen herzustellen. Er fand einen solchen in Alexander Schller, einem geborenen Drener, welcher seit 1833 in Wien eine Grohandlung besa. Mit diesem vereint grndete Alfred Krupp im Jahre 1844 in Berndorf bei Leobersdorf eine Metallfabrik unter der Firma Krupp und Schller. Die technische Leitung bernahm Krupp's jngerer Bruder Hermann. Bald blhte die Fabrik zu einem Werk ersten Ranges empor und ward dadurch erweitert, da Hermann Krupp in Gemeinschaft mit Schller auch eine Bessemer-Stahlfabrik, Aktiengesellschaft in Ternitz, und eine Nickelfabrik zu Losoncz in Ungarn grndete. In auffallendem Maae begann die Essener Fabrik sich in diesen Jahren zu entwickeln; whrend ihr Areal im Jahre 1838 nur 2,87~ha~ umfate (weniger als in Friedrich Krupp's letzten Lebensjahren), war es 1844 auf 4,53~ha~ angewachsen und die Arbeiterzahl stieg im Jahr 1843 auf 99, im folgenden auf 107 und 1845 sogar auf 122 Kpfe. Es ist hieraus ersichtlich, wie unablssig der Fabrikherr bemht war, die Werkanlagen zu erweitern, die Leistungsfhigkeit der Fabrik zu steigern, wie selbstlos er jede Verbesserung der Einnahmen lediglich in deren Interesse verwendete und sein persnliches Wohlbehagen deren Frderung stets hintanstellte. Es ist hier der eigenthmliche Zug in Krupp's Geschftsleitung bereits deutlich erkennbar, welcher bis in die letzten Lebensjahre zu der mchtigen Entwickelung der Gustahlfabrik so wesentlich beitrug, von den Einnahmen, so bedeutende Hhen sie auch erreichten, nie etwas zu kapitalisiren oder im persnlichen Interesse zu verwenden, sondern stets zu Verbesserungen und Erweiterungen der Fabrikanlagen zu benutzen. Stetig wuchsen mit der Eroberung neuer Produktionsgebiete, in deren Auffinden Krupp unermdlich war, auch die Anforderungen bezglich Beschaffung der Rohmaterialien, bezglich der Rumlichkeiten und maschinellen Anlagen fr ihre Ver- und Bearbeitung, bezglich der Bedrfnisse der wachsenden Arbeitermasse. Da waren stets dringende Wnsche zu befriedigen, und der Gedanke scheint Krupp nie gekommen zu sein, seine persnlichen Bedrfnisse einmal denen der Fabrik voranzustellen oder einen ausfhrbaren Erweiterungsbau aufzuschieben, um eine Summe fr sich und seine Familie zu kapitalisiren. Seine Fabrik erschien ihm stets die beste Kapitalsanlage und selbst die eigene Arbeitskraft und seine werthvollsten Erfindungen hielt er fr am besten belohnt und verzinst, wenn er sie lediglich in den Dienst der Fabrik stellte. Wie er in dem ersten Dezennium unter dem Zwang der Noth jeden Pfennig fr diese hatte ausgeben mssen, so geschah es weiter mit den groen Summen, die er spter vereinnahmte, und dabei half ihm sein unerschtterliches Vertrauen in die Ausbeutungs- und Entwickelungsfhigkeit der vterlichen Erbschaft, sowie sein Bewutsein einer unerschpflichen Erfindungsgabe und nie erlahmenden Arbeitskraft auch den Zeiten ernster wirthschaftlicher Krisis ohne Reservefonds entgegenzutreten und sie siegreich zu berwinden. Hierbei kam ihm eine zweite Geschftsregel wesentlich zur Hilfe, welche auch ein charakteristisches Merkmal seiner Geschftsfhrung von Anfang an gewesen ist, und in dem Bestreben basirt, alle Bedrfnisse der Fabrik mglichst selbst mit deren eigenen Mitteln zu befriedigen. Was an Werkzeugen erforderlich war, suchte er selbst herzustellen und sparte damit den sonst in die Taschen anderer Fabrikanten flieenden Verdienst. Dieses System der Selbstfabrikation hat er stetig durchgefhrt und in einem so groartigen Mastabe entwickelt, wie es sich wohl nirgends wiederholen mchte, wie es allerdings auch nur mittelst der Einfhrung dieser Regel von Anfang an und mittelst der enormen hierfr verfgbar zu machenden Geldmittel ausfhrbar war. In Zeiten der Krisis war er aber hierdurch fast ganz unabhngig von anderen Lieferanten und entging allen durch solche etwa auszubenden Pressionen und seinen Kredit gefhrdenden Manahmen. Unermdlich war Krupp eifrigst bemht, seine Kenntnisse zu erweitern und als geeignetstes Mittel hierzu suchte er die zahlreichen Reisen auszunutzen, die er im Geschftsinteresse unternehmen mute. Namentlich war es in England, in dem Lande des Welthandels und der ausgedehntesten Industrie, wo er offenen Auges beobachtete und forschte, wo ihm die Gewiheit wurde, da sich fr sein vorzgliches Material auch ein weiter Wirkungsbezirk erschlieen mte; er selbst uerte spter, da er hier erst einen Begriff davon bekommen habe, welch einen umfassenden Markt eine gute Sache sich erwerben kann. Weniger hoch schlug er das an, was er in technischer Beziehung, als in geschftlicher, in Grobritannien lernte. Aber seinen groen Gegner und Konkurrenten auf dem Gebiete der Eisentechnik lernte er grndlich kennen und abschtzen; er fand mit klarem Blick den Punkt, wo er den Hebel einzusetzen habe, um ihn aus dem Sattel zu heben, und diesem nchsten Ziele steuerte er mit aller Energie zu. Wesentlichen Vortheil zog er aus seinen Reisen fr seine Sprachkenntnisse, indem er in der englischen wie in der franzsischen Sprache sich vollkommene Fertigkeit erwarb. Dabei wute er aus seinem Verkehr mit den bedeutendsten deutschen Technikern, aus dem eifrigen Studium der fachwissenschaftlichen Litteratur, aus allem dem Neuen und Entwickelungsfhigen, das er mit scharfem Auge entdeckte, eine praktische Verwerthung fr seine Fabrik zu ziehen und erfreute sich im Kreise seiner Berufsgenossen bald einer angesehenen Stellung dank der Entwickelung seines Werkes, seiner geschftlichen und technischen Kenntnisse, sowie seiner zunehmenden Erfolge auf dem Gebiete der Eisentechnik. Im Jahre 1844 ward ihm die erste grere ffentliche Anerkennung zu Theil, indem ihm fr seine Fabrikate auf der Berliner Ausstellung vaterlndischer Gewerbserzeugnisse die goldene Medaille verliehen wurde. Eine ernste Krisis brachte das Jahr 1848 dem aufblhenden Werke. Der wirthschaftliche Rckgang, welcher in Folge der unglcklichen politischen Verhltnisse in allen Kulturstaaten sich geltend machte, drohte auch der Gustahlfabrik verhngnivoll zu werden. Die Arbeiterzahl mute auf 72 Kpfe vermindert werden, und nur ein groes persnliches Opfer konnte ber die Nothwendigkeit hinweg helfen, noch eine grere Anzahl entlassen zu mssen. Krupp lie das gesammte ererbte Silberzeug der Familie einschmelzen, um mit den hierdurch geschafften Baarmitteln der Fabrik ber die schwerste Zeit hinweg zu helfen. Seitdem ward im Hause Krupp niemals wieder Silbergerth benutzt. Nach Alfrieds Bestimmung durfte fortan nur Neusilbergerth beschafft und zwar aus der Fabrik des Bruders in Berndorf bezogen werden. Von kurzer Dauer war die Krisis. Im folgenden Jahre konnten wieder 107 Arbeiter beschftigt werden, und ihre Zahl stieg von da an ganz auerordentlich, so da sie im Jahre 1850 auf 237 und 1852 auf 340 sich belief. Der Grund ist einerseits wohl in dem allgemeinen mchtigen Aufschwung zu suchen, welchen die ganze vaterlndische Industrie noch 1848 im Kampfe gegen die der Franzosen und Englnder nahm. Wenn wir aber sehen, wie Alfried Krupp gerade in den ersten Reihen der Kmpfer sich auszeichnete, wie er allen anderen voran eilte, um dem Auslande auf dem Weltmarkte den Rang abzugewinnen, so mssen es wohl noch besonders gnstige Ereignisse sein, welche dem jungen Adler die Flgel lsten und ihm den Impuls gaben zum muthigen Fluge himmelan. Und das Jahr 1848 bezeichnet allerdings einen auerordentlich wichtigen Wendepunkt nicht nur in der Entwickelung seiner Fabrik, sondern vor allem in dem eigenen Werdegang Krupps. Bisher war er noch immer gebunden gewesen durch die Verpflichtung, als Chef des Hauses die Interessen seiner Geschwister ebenso gut wie die seinigen zu wahren, und er war zu pflichttreu, als da er sich zu Wagnissen htte hinreien lassen, welche das Vermgen der Geschwister etwa durch seine Schuld gefhrdet htten; er war an groe Vorsicht in allen seinen Unternehmungen gebunden. Nun war im Jahre 1844 der Bruder Hermann ausgeschieden und 1848 trat auch der zweite Bruder Friedrich aus dem Verbande; Alfried bernahm vom 24.Februar ab die Fabrik auf seine alleinige Rechnung. Die hierbei nothwendige Vermgensauseinandersetzung mag auch nicht ohne Einflu auf die erwhnte wirthschaftliche Krisis gewesen sein. Mit diesem 24.Februar ward er nun frei von jeder Rcksichtnahme auf anderweitige Interessen, er hatte nur noch _eine_ Verantwortung, die vor sich selbst und vor dem idealen Bild seiner Lebensaufgabe, das er tief in der Brust trug. Diesem Treue zu wahren, dessen hellen Glanz durch keine Handlung zu beeintrchtigen, ihm zum Siege und zur allgemeinen Anerkennung zu helfen, das ward allein die Richtschnur seiner Handlungen. Das lste ihm die Flgel, da er nun nicht mehr ngstlich abzuwgen brauchte, ob er fr einen neuen Versuch, eine verheiungsvolle Erfindung die nthigen Geldmittel, vielleicht ohne Erfolg, opfern drfte, da er nur unter dem einen Gesichtspunkt zu handeln hatte: Bringt es mich weiter zum Ziele, wenn es gelingt? Nun konnte er wohl gewagte Wege einschlagen, die ein anderer ihm zu folgen sich scheute, von denen er ihn vielleicht abzuhalten suchte, weil er nicht in gleicher Weise klar das Ziel vor Augen sah, wie Alfried und gleichen brennenden Drang und Wagemuth empfand, sich ihm zu nhern. Man darf nicht auer Augen lassen, da jeder weitere Schritt im Bereiche der Eisentechnik, jeder Versuch, das Material in ein neues Gebiet einzufhren, nicht nur ein sorgfltiges Studium, Berechnungen, Experimente, sondern die Beschaffung, hufig die Erfindung neuer maschineller Einrichtungen, Werkzeuge und baulicher Anlagen erfordert, wodurch hohe Ausgaben veranlat werden, lange bevor ein Erfolg, eine Einnahme aus den neuen Erzeugnissen zu gewrtigen ist. Denn selbst, wenn die Versuche bald zu einem gnstigen Ergebni fhren -- und wie viele mgen erst nach hufigen Verbesserungen und hohen Geldopfern dahin gelangen -- gilt es noch, dem Neugeschaffenen auch die Anerkennung zu verschaffen. Im Kampfe mit der Konkurrenz mssen erst andere minderwerthige Erzeugnisse besiegt und verdrngt werden, denn nicht immer sind die Abnehmer so schnell von den Vortheilen der neuen Produkte zu berzeugen. Welche Erfahrungen hat Alfried Krupp in dieser Beziehung machen mssen, welche tiefwurzelnde Ueberzeugung von der Mehrwerthigkeit seines Gustahles gehrte dazu, welches durch Jahre und Jahrzehnte hindurch mit hartnckiger Konsequenz durchgesetzte Beharren auf dem als richtig erkannten Wege, um endlich den Sieg zu erringen ber Kurzsichtigkeit, Sonderinteressen und Anfeindung! Das ist Alles nicht ohne schwerwiegenden Einflu gewesen auf die Entwickelung seines Charakters, das war aber auch nicht durchfhrbar, wenn er nicht die volle Unabhngigkeit in seinem Handeln geno, die ihm gestattete, stets rcksichtslos Alles einzusetzen, um das ihm vorschwebende Ziel zu erreichen. Deshalb ist das Jahr 1848 von entscheidender Bedeutung fr seine Entwickelung; es bezeichnet den Abschlu der Lehrjahre und den Beginn einer neuen Periode, in welcher der Meister mit khnem Sprunge sich an die Spitze der einheimischen Industrie stellte und von Erfolg zu Erfolg sie zum endgltigen Siege ber die des Auslandes fhrte. ~III.~ Der erste Erfolg und seine Verwerthung. Das erste Unternehmen, das in diese Jahre fllt, ist sehr charakteristisch. Es entspricht dem leitenden Grundsatz des Vaters: Ohne gutes Eisen kein guter Stahl! und gleichzeitig der Geschftsregel des Sohnes: Die Fabrik mu sich ihre Bedrfnisse selbst herstellen. Das wichtigste Bedrfni ist unstreitig das Rohmaterial. Seine schwierige Beschaffung war dem Vater oft ein groes Hemmni gewesen. Um ein dem in England (Sheffield) benutzten mglichst gleichwerthiges Material zu besitzen, hatte er das Siegerlnder Renneisen, ein aus dem Erz in kleinen Schachtfen reducirtes, also recht kostspieliges Schmiedeeisen verwendet und durch Cementirung, d.h. Erhitzen in Kohlenstaub, ihm den nothwendigen Kohlenstoffgehalt zugefhrt, auf diese Weise den Rohstahl aus dem Schmiedeeisen hergestellt. Das nochmalige Schmelzen dieses Rohstahls in Thontiegeln hat ja nur den Zweck, ein selbst von den kleinsten Schlackenresten befreites, durch und durch gleichmiges Material zu gewinnen. Aus dem Rohstahl sind erstere durch Hmmern und Walzen nie ganz zu entfernen -- und die kleinen Schlackenkrnchen sind, zumal fr ganz kleine und dnne Stahlgegenstnde, wie Uhrfedern, Messer von stark beeintrchtigender Wirkung --; der aus einem teigigen Zustande entstandene Rohstahl besteht anderseits aus verfilzten und zusammengeschweiten Fasern verschiedener Hrte, es fehlt ihm die Homogenitt, welche erst die grte Leistungsfhigkeit garantirt. Die Art und Weise des Schmelzens und Gieens mit dem Tiegel, sowie die schwierige und fr den Proze einflureiche Herstellung dieser hatte Friedrich Krupp selbstndig gefunden, das Material des Rohstahles aber auf die angedeutete Weise gewonnen. Alfried Krupp fhrte ein neues, von dem bisherigen ganz abweichendes Verfahren ein, indem er selbst in Puddelfen nicht nur das Schmiedeeisen aus Roheisen erzeugte, sondern in denselben Oefen durch ein vorzeitiges Abbrechen des Entkohlungsprozesses auch den Rohstahl fertigte. Um den letzten Schritt zu thun, nmlich auch das Roheisen in eigenen Hohfen zu erblasen, fehlten freilich noch die Geldmittel, er ward einer spteren Zeit vorbehalten. Sein zweites Augenmerk war auf die Herstellung schwererer, umfangreicherer Gustcke aus Tiegelstahl gerichtet. Die Erfindung des Homogenstahls war aus dem angedeuteten Bedrfni hervorgegangen, kleine Gegenstnde von auerordentlicher Haltbarkeit und Leistungsfhigkeit zu erzeugen, wozu der gewhnliche Stahl nicht tauglich war. Bei der Fabrikation solcher verhltnimig kleiner Stcke war die Stahlindustrie in England stehen geblieben. Alfried Krupp erkannte aber mit scharfem Blick, da der Homogenstahl auch fr grere Gegenstnde von Bedeutung sein msse, welche einer besonderen Beanspruchung aus Festigkeit und Hrte zu entsprechen htten. Und gerade die dreiiger und vierziger Jahre erffneten ihm eine Perspektive in weite Gebiete, in welchen der Gustahl zur vollsten Anerkennung seiner Vorzge kommen mute, wenn es gelang, ihn in groen Stcken zu erzeugen. Es waren ja die Jahrzehnte, in welchen die Dampfmaschine ihren siegreichen Einzug hielt in alle europischen und berseeischen Lnder; seit 1835 liefen die ersten Lokomotiven auf europischen Schienengeleisen, und von Jahr zu Jahr vermehrten sich die Eisenbahnen, deren Linien bald den ganzen Erdtheil mit einem eng gemaschten Netz berziehen sollten; schneller noch hatten sich die Dampfschiffe auf den Weltmeeren und den groen Strmen eingebrgert. Hier galt es berall einen Fortschritt zu erzielen durch leistungsfhigere und haltbarere Eisentheile, als sie bisher aus Schmiedeeisen hergestellt wurden. Hier war der Gustahl am Platze und, ihm diesen zu erobern, war Krupp unablssig bemht. Hier war das Gebiet, auf welchem die englische Industrie berflgelt werden konnte, wo der deutschen alle Aussichten auf einen erfolgreichen Wettbewerb sich ffneten. Eine gnstige Gelegenheit, um in den offenen Kampf einzutreten, fand sich bereits 1851 in der ersten internationalen Industrie- und Kunst-Ausstellung zu London. Das Hauptstck der Krupp'schen Ausstellung war ein roher Gustahlblock von ca. 2000~kg~ Gewicht. Auf einem englischen Stck Gustahl von nahezu 1000 Pfund, erzhlt ein Fachbericht, soll sich der Ausdruck ~Monsterpiece~ finden; dem gegenber stellte Krupp seinen Block von dem viereinhalbfachen Gewicht und gewann damit sofort den ersten Platz unter smmtlichen Gustahl-Fabriken der Welt; er hatte geleistet, was die gesammte Eisenindustrie in Staunen versetzte, was man fr eine Unmglichkeit gehalten hatte. Kein Wunder, da die Eisenindustriellen von weit herzukamen, um sich von der Wahrheit zu berzeugen, da einige englische Bltter einen Betrug witterten und die Schmiedbarkeit des Gublocks ernstlich in Frage stellten. Krupp begegnete solchem Mitrauen, indem er ein Stck herausschneiden, ins Schmiedefeuer bringen und auf dem Ambos nach allen Seiten ausschmieden lie. Wie hoch diese eine Leistung in ihrer Bedeutung fr die Eisenindustrie geschtzt wurde, ergiebt sich daraus, da Krupp als Einziger mit der Council Medal ausgezeichnet wurde. Charakteristisch sind seine weiteren Ausstellungsgegenstnde. Neben Walzen von einer Politur, wie nur ein glasharter Stahl sie zu erreichen gestattet, standen da Trag- und Sto-Federn und -- eine Eisenbahnachse von zhestem Material. Da seine Mnzwalzen vertreten waren, ist selbstverstndlich; waren sie doch selbst in England schon vordem als beste anerkannt und eingefhrt. Auer einem Kra aus Gustahl war auch ein Sechspfnder-Geschtz ausgestellt, das spter noch Erwhnung finden wird. Den in London errungenen Sieg war Krupp bemht sofort auf das energischste auszunutzen, und auf dem gewonnenen Terrain weiter Fortschritte zu machen. Er bekam durch zahlreichere Bestellungen die Mittel, um seine Fabrik, namentlich durch Aufstellung eines neuen 2000~kg~ schweren Hammers, zu vervollstndigen und konnte im Jahre 1852 die Leistung auf 1450000 Pfund Gustahl (gegen 1120000 Pfund im Jahre 1851) steigern. Sein Hauptaugenmerk richtete er jetzt auf die Herstellung von Achsen. Die Einfhrung des Gustahls fr Eisenbahnwagenachsen hatte sofortiges Verstndni gefunden und ihm eine starke Lieferung fr die Ostbahn eingetragen. Hatten sie doch schon seit 2 Jahren in der Borsigschen Maschinenfabrik zu Berlin die schrfsten Erprobungen mit Erfolg berstanden; sie fanden bald allgemein Eingang und die Produktion stieg namentlich in den sechziger Jahren so gewaltig, da 1865 bereits ber 11000 Stck geliefert wurden. Aber auch die Verwendbarkeit fr Schiffsachsen war ohne Weiteres einleuchtend, und bald liefen Bestellungen fr die Rheindampfschiffe, sowie fr die des Oesterreichischen Lloyd in Essen ein. Man erkannte in allen Betrieben, wo die Achsenbrche an Fahrzeugen und Maschinen bisher hufig genug strend geworden waren, die groen Vortheile, welche das Kruppsche Material bot, und so reihten sich auch bald die Achsen an Frder- und Wasserhaltungsmaschinen in diese Fabrikate ein. Krupp's aufmerksam sphendes Auge fand aber bald noch einen anderen wichtigen Bestandtheil des neuen Befrderungsmittels, der Eisenbahn, welcher durchaus einer Verbesserung bedurfte, und seine unermdliche Erfindungsgabe schuf in genialer Weise Abhilfe. Es sind die Radreifen, die Bandagen der Eisenbahnrder, welche bis dahin aus Schweieisen oder Stahl durch Zusammenschweien hergestellt, an der Schweistelle nur zu leicht brchig wurden und unzhlige Unglcksflle herbeifhrten. Das Problem bestand also darin, einen geschlossenen Reifen ohne jede schwchere Stelle, ohne Naht oder Schweiung zu erzeugen. Und dies gelang Krupp auf eine einfache Weise, welche er zuerst durch Experimente mit einem Bleiring, nicht grer als ein Fingerring, erprobte. Was mit dem Bleistck ausfhrbar war, mute auch mit seinem homogenen Tiegelstahlblock sich ermglichen lassen. Einen Barren vom Gewicht des zu fertigenden Radreifen versah er mit zwei Durchbohrungen, schnitt den zwischen beiden befindlichen Metalltheil mit der Sge durch und gewann hierdurch eine Oeffnung, gro genug, um einen Keil einzustecken und den Barren auseinander zu treiben. Durch allmhliche Verstrkung des eingetriebenen Dornes ward die Oeffnung immer mehr erweitert und das allseitig ihn umgebende Metall zum Ring geformt, wobei jede stellenweise Schwchung durch sorgfltige Behandlung vermieden werden konnte. Am 21.Mrz 1853 erhielt der Fabrikant auf diese in ihrer Einfachheit geniale Erfindung ein auf 8 Jahre lautendes Patent von der preuischen Regierung, dessen Ausbeutung ihm endlich die Mittel gewhrte, sich von allen aus schweren Zeiten noch restirenden Verbindlichkeiten frei zu machen und die finanzielle Mglichkeit zu gewinnen fr andere besonders wichtige Versuche, welche ihm am meisten am Herzen lagen und doch erst mittelst bedeutender Geldopfer in dem wnschenswerthen greren Maastabe ausgefhrt werden konnten, es sind die Versuche in der Geschtzkonstruktion, welche spter im Zusammenhang zur Darstellung kommen werden. Die Erfindung der Radreifen, welche sofort durch Patente in allen Kulturstaaten geschtzt wurde, bildete lange Zeit den ergiebigsten Zweig der Fabrik und brachte Gewinne ein, wie sie fr die damalige Zeit beinahe unerhrt waren. Begann doch der Eisenbahnbau in Europa und Amerika gerade in diesem Jahrzehnt sich mchtig zu entwickeln -- die im Betriebe befindlichen Strecken betrugen 1860 105758 Kilometer gegen nur 38568 im Jahre 1850 -- und der Bedarf an den allein haltbaren Krupp'schen Radreifen steigerte sich von Jahr zu Jahr, da nicht nur die europischen, sondern auch die amerikanischen Eisenbahnen sie einfhrten. Die Jahresproduktion stieg in Folge dessen bis zu einem Maximum von 65000 Stck. Die reichlich ihm zuflieenden Mittel gaben Krupp auch die Mglichkeit, einen Gedanken zur Ausfhrung zu bringen, der ihm schon lange am Herzen lag. Seine auf Frderung des geistigen und leiblichen Wohles seiner Arbeiter gerichteten Bestrebungen hatten sich bisher nur von Fall zu Fall bethtigen knnen. Aus den selbst berstandenen schweren Noth- und Sorgen-Jahren hatte er aber einerseits die Ueberzeugung gewonnen, da nur durch feste Institutionen die Mglichkeit geschaffen werden knnte, den Bedrfnissen der Arbeiter auch in ungnstigen Zeitluften gerecht zu werden, sie in Krankheit und Arbeitsunfhigkeit gegen Mangel zu schtzen; anderseits war es ihm zu einem tiefempfundenen Bedrfni geworden, seinen Untergebenen ein besseres Loos zu schaffen, als es ihm selbst durch Jahrzehnte zu Theil geworden war. Aus allen seinen an die Arbeiter gerichteten Verffentlichungen leuchtet das tiefe Verstndni hervor, welches er fr ihre Lage, fr ihre Bedrfnisse in leiblicher und geistiger Beziehung hatte, und welches ihm aus der eigenen schweren Jugend erwachsen war. Es ist sicher anzunehmen, da er die Vortheile nicht bersah, welche seiner Fabrik aus der Verbesserung der Lage der Angestellten erwuchsen, da sie mit Herz und Verstand an eine Gemeinsamkeit sich wrden fesseln lassen, in welcher sie Schutz gegen Noth und Hilfe in allen Unglcksfllen zu gewrtigen hatten. Es entging ihm sicher nicht, da allen Regungen von Unzufriedenheit wrde vorgebeugt, jeder Beeinflussung von auerhalb am besten wrde begegnet werden knnen, indem man den Arbeitern Vertrauen zur Frsorge der Leitung, Zufriedenheit mit ihrer Lage und Sicherheit der Zukunft gegenber verschaffte. Und so mu man die Weisheit bewundern, mit der Krupp zuknftige Gefahren voraussah und ihnen mit allen Mitteln vorzubeugen verstand, wie er ohne andere Anregung, als die seines Herzens und seines Nachdenkens im Bereiche seiner Wirksamkeit die soziale Frage zu lsen vermochte, bevor man anderswo daran dachte. Es ist aber sicher, da sein Herz, sein aus der eigenen Vergangenheit erwachsenes Verstndni fr die Noth des Arbeiters den ersten Impuls dazu gab; und da seine nimmer ermdende und nach weiteren Hilfsmitteln sich umschauende Frsorge dieser Quelle und nicht der einer klugen Berechnung entsprang, hat er auch stets die richtigen Wege gefunden, in Zeiten der Gefahr den rechten Ton anzuschlagen verstanden, der im Herzen des Arbeiters Widerhall fand, und seine ernsten Bemhungen meist reich gesegnet gesehen. Seine erste Frsorge galt selbstverstndlich den durch Krankheit und Todesfall herbeigefhrten Nothstnden, und sobald ihm nach der Londoner Ausstellung die Verfgung ber grere Einknfte erlaubte, die Pflicht eines stetigen Zuschusses fr solchen Zweck zu bernehmen, grndete er -- im Jahre 1853 -- eine Hilfskasse in Fllen von Krankheit und Tod, in die jeder Meister und Arbeiter je nach seinen Einknften eine gewisse Summe zu zahlen hatte, whrend Krupp selbst sich zur Zahlung der Hlfte des Gesammtjahresbeitrages seiner Arbeiter verpflichtete. Diese am 5.September 1855 mit einem definitiven Statut versehene Kasse sicherte ihren Mitgliedern im Krankheitsfalle rztliche Hilfe und Untersttzung mit Heilmitteln, sowie vom dritten Tage der Erkrankung ab eine Gelduntersttzung und im Todesfalle den Hinterbliebenen einen Beitrag zu den Beerdigungskosten. Aber auch die Bildung eines Pensions-Fonds fr arbeitsunfhige Mitglieder wurde sofort ins Auge gefat und die Ueberschsse der Kasse hierfr bestimmt. Dies war der Anfang der Wohlfahrtseinrichtungen, welche Krupp mit der weiteren Entwickelung seiner Fabrik zu einem System ausbaute, wie es in seiner Vielseitigkeit und Vollkommenheit einzig in der Welt dasteht. Es sei dies schon hier im Zusammenhange vorgefhrt, um ein bersichtliches Gesammtbild dieses beraus wichtigen Zweiges seiner Thtigkeit zu gewinnen. Das schnelle Anwachsen der Fabrik, deren Arbeiterzahl 1858 das erste Tausend, 1861 das zweite, 1863 das vierte, 1864 das sechste und 1872 das zehnte Tausend berschritt -- hatte eine Reihe von Uebelstnden im Gefolge, denen im Interesse der Arbeiter abgeholfen werden mute. Mit den Arbeitern kamen nicht nur ihre Familien, deren Kpfe mehr als das Doppelte betrugen, sondern auch zahlreiche Krmer, Handwerker und dgl. nach der Stadt Essen, so da deren Einwohnerzahl in den oben genannten Jahren die Ziffern von 17, 20, 25, 31 und 51 Tausend berschritt. In gleicher Geschwindigkeit wuchsen natrlich nicht die Huser aus der Erde, und die Folge war ein immer drckenderer Wohnungsmangel, Steigerung der Miethspreise und Vertheuerung der Lebensmittel. Unzhlige Handeltreibende berschwemmten die Arbeiterviertel, zumeist kleine Winkelgeschfte, die sich an den Wegen ansiedelten, welche der Arbeiter zwischen seiner Wohnung und der Fabrik zu gehen hatte. Schlechte Waaren wurden ihm zu hohen Preisen, aber gegen Kredit, angeboten und er verfiel dem Schuldbuch und dem Wucher. Anderseits schossen die kleinen Wirthshuser wie Pilze aus der Erde und verlockten den Arbeiter, seine unbehagliche, berfllte Wohnung mit der Kneipe zu vertauschen und seinen mancherlei Aerger und Verdru dort mit Bier und Schnaps hinabzusplen. Es waren dieselben Verhltnisse, wie sie in jeder Industriestadt mit deren schnellem Emporblhen beobachtet werden konnten, wie sie die Arbeiter zur Vergeudung ihres Erwerbes, zur Verschuldung und zum Verschleudern ihres rmlichen Besitzes, zu huslichem Unfrieden und Unbehagen, zu allgemeiner Unzufriedenheit, zu rohen Raufereien und zu redeseligen Kneipensitzungen veranlaten, wie sie den Boden vorbereiteten fr die Whlereien staatsfeindlicher sozialdemokratischer Agitatoren. Hier mute Abhilfe geschaffen werden, hier mute die soziale Frage, zu welcher die Form der Produktionsweise, der Indienststellung groer Arbeitermassen bei einem immer anwachsenden Fabrikbetrieb hindrngte, soweit es mglich war, gelst werden, ohne letzteren zu gefhrden und zum Zweck, ihn auf die Dauer berhaupt zu ermglichen. Es war so schlimm, da im Stadtbezirk zum heiligen Geist auf 124 Huser 2962 Einwohner, auf jedes kleine Arbeiterhaus also 24 Personen kamen. Zwei Mittel nur konnten Abhilfe gewhren: Schaffung von Wohnungen zu billigem Miethszins und Zufhrung aller Bedrfnisse zu entsprechenden Preisen und in guter Qualitt, um die Arbeiter aus den Hnden der Spekulanten und Wucherer zu reien. Letzteres Mittel brachte Krupp, als das fr die wirthschaftliche Existenz nothwendigste und am schnellsten durchzufhrende, zuerst zur Anwendung. Er schuf Konsumanstalten und zwar allmhlich in einem solchen Umfange, da der Arbeiter alle seine Bedrfnisse innerhalb der Fabrik befriedigen konnte und da diese auch daselbst soweit als irgend mglich hergestellt wurden. Das entsprach dem Kruppschen Grundsatz der Selbstfabrikation. So entstand 1856 eine Menage, zunchst fr 200 Mann, es war ein erster Versuch. 1858 folgte eine Bckerei, deren Brot zum Selbstkostenpreis gegen beim Lohn zu verrechnende Marken abgegeben wurde. Im Jahre 1868 ward eine Konsumanstalt fr Kolonial- und Spezereiwaaren. 1869 eine Dampfmhle, 1871 Kaffeebrennerei und Lagerhaus sowie eine Verkaufsstelle fr Schuhwaaren nebst Schusterwerkstatt fr Reparaturen errichtet. Im Jahre 1872 kam hierzu eine Selterswasser-Fabrik, Schneiderei, Manufakturwaarenlager, Bierhallen und ein Gasthaus, 1874 eine Zentral-Verkaufsstelle, wo auch Mbel, Betten, Nhmaschinen etc. auf Lager gehalten wurden, 1875 endlich auch Schlachterei und Fleischverkauf. In allen diesen Anstalten werden die Bedrfnisse dem Arbeiter zum Selbstkostenpreise, aber nur gegen Baarzahlung verabfolgt. Sie wurden binnen Kurzem von den Arbeitern gewrdigt, da ihnen die gebotenen Vortheile nicht entgingen; die Benutzung stieg von Jahr zu Jahr und die Winkelgeschfte in der Nhe der Fabrik wurden verdrngt. Aber auch der Wohnungsfrage trat der Fabrikherr nher. Nachdem er 1860 mit dem Ankauf und Neubau eigener Wohnhuser begonnen hatte, legte er im Jahre 1863 seine erste Arbeiterkolonie Westend mit 160 Wohnungen an. Diese erweiterte er 1871 durch 10 Doppelhuser zu 60 und 8 Doppelhuser zu 48 Wohnungen, baute eine neue Kolonie Nordhof mit 162 Wohnungen, legte in dieser eine Kochanstalt mit groem Speisesaal im Erdgescho und Schlafrumen in den oberen Geschossen fr unverheirathete Arbeiter an und gab der Kolonie eine Feuerwehr mit Spritzenhaus und eine eigene Verkaufsstelle der Konsumanstalt. Gleichzeitig erbaute er eine dritte Kolonie inmitten von Lndereien sdlich der Stadt, wobei er Gelegenheit hatte, die Huser mehr in lndlichem Charakter mit Stallungen und kleinen Grten herzustellen. Diese Kolonie, Dreilinden, umfat 18 massive Huser mit 72 Wohnungen. Schon im folgenden Jahre ward der Bau von zwei neuen Kolonien, Schederhof und Kronenberg, in Angriff genommen, erstere mit 82 dreistckigen massiven Husern und 492 Wohnungen, letztere mit 1248 Wohnungen in 208 massiven Husern. Nach deren Vollendung verfgte die Fabrik ber 3277 gute und gesunde Familienwohnungen, in denen mehr als 15000 Menschen Platz finden konnten. Die Wohnungen sind, den verschiedenen Verhltnissen der Arbeiter und Beamten entsprechend, mit 2 bis 6 Rumen versehen und werden an die Bediensteten zu einem verhltnimig geringen Miethzins vergeben; eine 2rumige Wohnung mit Keller zu 90-108, eine 3rumige zu 120 bis 162, eine 4rumige zu 180-200 Mark. Die Miethe wird den Arbeitern am 14tgigen Lohne gekrzt. Dagegen ist der Ankauf eines Hauses in den Kolonien diesen nicht gestattet. In den Bergwerksdistrikten hat Krupp seinen Arbeitern die Erwerbung eines Hauses mit Garten- oder Ackerland vielfach erleichtert, dieses erschien aber unmglich in der dichtbevlkerten nchsten Umgebung von Essen, wo die Wohnungen zur Verfgung der Fabrik erhalten werden mssen, whrend ein Verkauf wahrscheinlich die Arbeiter verdrngt und fremde Elemente in die Kolonien gebracht haben wrde. Das nchste Erforderni war ein Krankenhaus. Zu einem solchen gab der Feldzug 1870/71 den Ansto, da Krupps Patriotismus ihn veranlate, auf eigene Kosten ein Lazareth von 100 Betten zu errichten, in dem whrend des Krieges 356 verwundete und erkrankte Soldaten behandelt wurden. Diese aus 3 Pavillons, einem Verwaltungs- und Oekonomiegebude und einigen kleineren Gebuden bestehende Anstalt ward am 1.Mai 1872 der Leitung des Anstaltsarztes als Krankenhaus der Fabrik bergeben. Um einer Epidemie, wie sie nach dem Krieg von 1866 in Gestalt der Cholera die Stadt Essen heimgesucht hatte, begegnen zu knnen, ward im Sommer 1871 der Bau eines Epidemienhauses auf einem noch wenig angebauten Gelnde nordwestlich der Stadt in Angriff genommen und 6 Baracken mit je 4 Krankenslen, Wrter-, Wasch- und Badestube errichtet. Es sollte diese Anstalt erst im Jahre 1882 zur Verwendung kommen, als gelegentlich einer Pocken-Epidemie der stdtischen Verwaltung zwei Baracken eingerumt wurden. Ein zweites Epidemie-Lazareth wurde 1884 sdlich der Stadt bei Altendorf erbaut. Hygienischen Zwecken dient ferner eine 1874 errichtete Badeanstalt, ein gleichzeitig aufgestellter Desinfektionsapparat, sowie die Einsetzung einer Sanitts-Kommission, welcher unter anderem auch die Fhrung einer Krankheits- und Sterblichkeitsstatistik obliegt. Hiermit ist eine Organisation des ganzen Betriebes in hygienischer Beziehung verknpft, welche fr Ueberwachung und Pflege des allgemeinen Gesundheitszustandes die erforderliche Garantie bietet. Es tritt hierin ebenso wie in der Administration der groartigen Konsum-Anstalten das organisatorische Talent Alfried Krupps zu Tage, welches an keinem Punkte nur das Erforderliche zu schaffen, sondern auch gleichzeitig dem ganzen, allmhlich ins Ungeheure anwachsenden Organismus so einzupassen wute, da unter seinem Alles berwachenden Auge doch jeder einzelne Betrieb sich selbstndig und ohne einen anderen strend zu beeinflussen, regeln und gesund entwickeln konnte. Es bleiben noch die Manahmen kurz zu erwhnen, die Krupp im Interesse der wissenschaftlichen Ausbildung und Fortbildung fr seine Arbeiter fr nothwendig erachtete. Als sich die neugebauten Kolonien zu bevlkern begannen, zeigte sich die Nothwendigkeit, fr den Unterricht der Jugend zu sorgen, und Krupp gab ihnen eine Volksschule. Sie ist simultanen Charakters und besteht aus je 8 Knaben- und Mdchen-Klassen unter einem Rektor und 19 Lehrern bezw. Lehrerinnen, deren eine Hlfte evangelischer, die andere katholischer Konfession ist. Der Unterricht wird unentgeltlich ertheilt und alle Kosten werden von der Firma getragen. Im Jahre 1876 ward das erste Schulhaus mit 8 Lehrslen und 4 Zimmern erbaut, im Jahre 1882 zwei weitere Gebude mit 4 Lehrslen und 4 Klassenzimmern neben verschiedenen anderen Rumen hinzugefgt. Auer dieser in eigenen Gebrauch genommenen Anstalt wurden aber der Gemeinde Altendorf Schulgebude mit 20 Schulzimmern fr deren Volksschulen beider Konfessionen unentgeltlich zur Verfgung gestellt, im Interesse der in der Gemeinde wohnenden zahlreichen Angestellten der Fabrik, und bei den verschiedenen allmhlich von der Firma erworbenen Htten und Gruben wurde dem Bedrfni durch Ueberlassung geeigneter Rume, durch Erbauung von Schulhusern oder durch jhrliche Beitrge abgeholfen. Die Fortbildungsschulen, wie sie in Essen 1860 und in Altendorf 1874 eingerichtet wurden, untersttzte Krupp durch Zuschsse und legte seinen Lehrlingen die Verpflichtung des Besuches auf. Da er solche in der Fabrik annahm, und seinen Meistern und Betriebsfhrern dadurch einen groen Zuwachs an Arbeit verursachte, hat sich nicht weniger fr die Gustahlfabrik durch die Heranziehung tchtiger Handwerker und Arbeiter in Spezialitten, als auch in hohem Maae fr die Lehrlinge selbst als ntzlich und segensreich erwiesen, denn sie erhalten eine grndliche Fachausbildung, und werden an exakte Arbeit und eine regelmige Lebensfhrung gewhnt. Wie fr die Ausbildung der heranwachsenden Knaben zu tchtigen Arbeitern, sorgte der Fabrikherr aber auch fr eine sachgeme Erziehung der Mdchen durch Industrieschulen, welche 1875 in den drei Kolonien fr schulpflichtige Kinder mit Unterricht im Stricken, Hkeln und Nhen eingerichtet wurden. Fr Frauen und Mdchen ber 14 Jahre ward gleichzeitig eine Industrieschule gegrndet, welche fr Zwecke des Hauswesens und zur Frderung der Erwerbsfhigkeit in allen weiblichen Handarbeiten gegen ein sehr miges Schulgeld (z.B. Kleidermachen, Dreimonatskursus von tglich 3 Stunden fr 10 Mark) eine grndliche Ausbildung verschafft. Schlielich bleibt noch die Grndung eines Lebensversicherungsvereins zu erwhnen, durch welche Alfried Krupp die Wohlfahrtseinrichtungen fr seine Beamten und Arbeiter im Jahre 1877 wesentlich ergnzte. Er schlo mit acht Lebensversicherungsgesellschaften Vertrge ab, um dadurch besondere Vortheile fr seine Angestellten zu erlangen, nahm alle schon bisher mit verschiedenen Gesellschaften geschlossenen Vertrge in den neuen Vertrag auf und stiftete dem neuen Verein persnlich ein Grundkapital von 50000 Mark, das er gelegentlich der goldenen Hochzeit des Kaisers Wilhelm~I.~ 1879 durch ein weiteres Geschenk von 6000 Mark vermehrte. In Folge des Krankenversicherungsgesetzes vom 15.Juni 1883, welches die Vereinigung von Pensionseinrichtungen mit den Krankenkassen nicht zult, mute die Kranken- und Sterbekasse umgestaltet werden. Es entstand eine Kranken- und eine Pensionskasse mit getrennter Verwaltung am 1.Januar 1885. Krupp begngte sich aber nicht damit, den nunmehr gesetzlich vorgeschriebenen Forderungen zu gengen; so wie er mit seiner Krankenkasse bereits vor 30 Jahren der gesetzlichen Einfhrung zuvorgekommen war, bernahm er nun Leistungen fr diese, welche ber die gesetzlich vorgeschriebenen weit hinaus gehen. So betrgt die Verpflegungsfrist bei Personen, welche ber 5 Jahre auf dem Werke in Arbeit sind, 26 Wochen, und neben dem eigenen Krankengeld wird fr jedes Kind unter 15 Jahren ohne Verdienst ein Zusatz-Krankengeld von 5% des Verdienstes gewhrt. Auch wurde allmhlich das Ziel zu erreichen gestrebt, nicht nur den Mitgliedern sondern auch ihren Familienangehrigen nach Mglichkeit kostenfreie rztliche Behandlung zu verschaffen und zu all diesen Zwecken auer den jhrlichen nach den Mitgliederbeitrgen geregelten Zahlungen Seitens der Firma noch bedeutende Mittel durch Schenkung berwiesen. Ueberblicken wir dieses ganze wohldurchdachte und weitverzweigte System von Wohlfahrtseinrichtungen, so mssen wir dem Worte des Ministers von Puttkamer beistimmen, welcher bei einem Besuche der Essener Fabrik sie als einen klassischen Boden in sozialistischer Hinsicht bezeichnete. Hier bedurfte es nicht der staatlichen Regelung des Verhltnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zur Wahrung der Interessen und der Wohlfahrt der letzteren; hier waren die Zwecke des Krankenkassen-, Unfallversicherungs- und Altersversicherungsgesetzes lngst erreicht, bevor der gesammten Arbeiterwelt durch kaiserliche Botschaft diese Segnungen sozialpolitischer Manahmen verkndigt wurde. Aus dem warmen mitfhlenden Herzen Alfried Krupps heraus waren lngst diese Institutionen entstanden und durch ihre fr Arbeiter und Fabrik gleich segensreichen Wirkungen der Beweis fr ihre Durchfhrbarkeit erbracht, den Sozialpolitikern die Wege gewiesen, auf denen sie eine Lsung der sozialen Frage anzustreben im Stande seien. Alfried Krupp ist der Bahnbrecher und Fhrer auf diesem fr unsere Zeit so auerordentlich wichtigen Gebiet und er konnte es sein, weil er selbst die ganze Noth des Arbeiters durchgemacht hatte und weil seine hohe Begabung und seine unermdliche Thatkraft ihm die Mittel in reichem Mae verschafften, um seine humanen und weisen Ideen zum Segen seiner Arbeiter ins Leben zu rufen. Aus eigener Kraft, aus eigener Erfahrung, aus eigenem Bedrfni und mit selbst erkmpften Mitteln hat er dieses groe Werk vollbracht, welches allein gengt, um ihm eine der ersten Stellen unter Deutschlands grten Mnnern zu sichern. Meine Fabrik soll, wie jedes gewerbliche Etablissement, zunchst das uere Wohlergehen aller ihrer Angehrigen sichern. Bei so gesichertem Erwerb und Frieden in seinem Hause kann Jedermann seines Daseins froh werden. Wie himmelweit verschieden lautet dieser sein ausgesprochener und durch sein ganzes Leben bethtigter Grundsatz gegenber den lediglich auf Geldgewinn gerichteten Spekulationen so vieler Industriellen, welche im Streben, die Konkurrenten durch Preisermigungen zu berflgeln, die Produktionskosten herabzudrcken suchen und erst durch Gesetze des Staates dazu gezwungen werden mssen, ihre darbenden Arbeiter wenigstens bei Krankheit und Arbeitsunfhigkeit nicht hilflos im Stich zu lassen. Wie anders wrde es in den Industriebezirken unseres Vaterlandes aussehen, wenn Alle dem leuchtenden Beispiele Alfried Krupps folgen und, frei von persnlicher Habgier, vor allem ein Herz fr das uere Wohlergehen ihrer dienenden Mitmenschen beweisen wollten! Auch Alfried Krupp sollten freilich die Erfahrungen nicht erspart werden, da das giftige Unkraut des Unfriedens durch staatsfeindliche Elemente unter seinen Arbeitern ausgeset wurde, aber wir werden sehen, wie machtlos an dem auf dem Fundament echter Humanitt errichteten Gebude der Ansturm abprallte. ~IV.~ Ein kniglicher Bundesgenosse. Alfried Krupp hatte auch nach dem Ausscheiden seines Bruders Friedrich das kleine Huschen seiner Eltern bewohnt. Noch lebte ja seine Mutter, die ihm bisher mit ihrem Flei und ihrer Thatkraft treu zur Seite gestanden hatte und mit Befriedigung die Vorbereitungen mit ansah, welche zum ersten groen Erfolge fhrten. Diesen selbst, den Triumph der Londoner Ausstellung von 1851, sollte sie nicht mehr erleben; sie starb am 3.August 1850. Einsam und allein blieb Alfried in dem kleinen Huschen zurck. Und das Gefhl des Verlassenseins in den bisher von der Hand seiner treuesten Gefhrtin und Mitarbeiterin verwalteten Rumen mag den Ansto gegeben haben, da er, der bereits ber Hunderte von Arbeitern gebot, endlich sich entschlo, die kleine, drftige Wohnung aufzugeben und ein einfaches zweistckiges Gebude, das er dicht daneben erbaute, im Jahre 1852 zu beziehen. In dieses Haus fhrte er am 19.Mai des folgenden Jahres seine junge Gattin, Bertha, die Tochter des Steuerraths Eichhoff zu Kln; hier erblhte ihm an der Seite einer anmuthigen und intelligenten Frau ein neues, bisher unbekanntes Glck; hier ward ihm am 17.Februar 1854 sein Sohn -- und es sollte der einzige bleiben -- Friedrich Alfred geboren. Wie wohl er sich in dem Familienleben fhlte, erhellt aus der Wandlung, welche sein geselliger Verkehr von dem Tage seiner Vermhlung an erlitt. Bisher in den besseren Kreisen seiner Vaterstadt ein durch seinen Humor und seine treffenden Aeuerungen beliebter und hufiger Gast, entsagte er pltzlich dieser ihm lieb gewordenen Gewohnheit. Er hatte keine Zeit mehr dazu. Die geschftlichen Arbeiten, die durch neue Aufgaben immer wieder angeregten Studien und erforderlichen Versuche nahmen mehr und mehr seine Zeit so in Anspruch, da er sich mit der Geselligkeit begngen mute, welche Verwandte und eine stetig zunehmende Schaar von Gsten ihm bot, wenn er seinem Bedrfni folgen und auch der Gattin und dem Sohne sich widmen wollte. Es ist ja natrlich, da mit der Steigerung seiner Erfolge auch die Zahl der Besucher der Fabrik sich mehrte. Da waren die Mnner vom Fach, deutsche und auslndische Techniker und Ingenieure, neben ihnen Knstler, Gelehrte und hohe Staatsbeamte; als seine bahnbrechenden Erfolge in der Geschtzkonstruktion hinzukamen, begannen die Besuche der Offiziere aus aller Herren Lnder, welche das bestellte Armeematerial zu prfen und abzunehmen, oder den Schieversuchen auf Krupp's Schiepltzen beizuwohnen hatten. Bald aber waren es auch die Chefs der obersten Kriegs- und Marineverwaltungen, Feldherrn und Generale, endlich die Oberhupter der Staaten selbst, Knige und Kaiser, welche die gastliche Schwelle berschritten und selbst ihre hohen Gemahlinnen an dem interessanten Besuch der berhmten Gustahlfabrik Theil nehmen lieen. Es ist hoch bedeutsam, da es der Prinz von Preuen war, der sptere Kaiser Wilhelm~I.~, welcher als erster die Reihe der frstlichen Gste erffnete, indem er am 15.Juni 1853, kurz nach Krupps Vermhlung, gelegentlich einer militrischen Inspicirungsreise die Gustahlfabrik besuchte. Es ist ein Zeichen, wie aufmerksam der groe Monarch von jeher Alles beobachtete, was fr das Vaterland eine Bedeutung zu gewinnen versprach; und es ist von eminentem Werth fr die sptere Entwickelung der deutschen Wehrkraft, da deren Reorganisator persnliches Interesse fate fr die Fabrik, welche ihm die leistungsfhigsten Kampfmittel zu erzeugen berufen war. Das Interesse und die Anerkennung, welche er schon 1853 Krupps Unternehmen entgegenbrachte, gab die Basis fr die spter ihn durchdringende Ueberzeugung von dem Werth der Krupp'schen Geschtze, welche ihn veranlate, seinen persnlichen Entschlu zu Gunsten ihrer Einfhrung in die preuische Armee zur Geltung zu bringen. Im Jahre 1861 wiederholte der Knig von Preuen den Besuch, nachdem General Totleben (1857), der Erzherzog Johann von Oesterreich und der Kriegsminister v.Waldersee (58) in Essen gewesen waren; und von da an erschien es, als wenn das Haus des Kanonenknigs Krupp mit aufgenommen sei in die Zahl der Frstenhfe, welche jeder Herrscher auf seinen Reisen aufzusuchen fr eine Pflicht hielt. Im Kreise seiner Gste erschien Alfried Krupp jederzeit als der heitere ~sociable~ Lebemann. Seine Erscheinung machte von vornherein auf jeden Besucher einen gewaltigen Eindruck. Zu stattlicher Hhe wuchs seine schlanke, edel gebaute Figur empor, ein Krper aus Sehnen und Muskeln, wie ihn die harte Arbeit zur Reife gebracht hatte und wie allein er der bermenschlichen Beanspruchung in jugendlichem Alter gewachsen war; frei und aufgerichtet trug er das mit einem Vollbart umrahmte und mit lockigem Haar bedeckte Haupt, aus dessen feingeschnittenen und doch markigen Zgen die Augen klar und durchdringend heraus blickten. Mit gewinnender Liebenswrdigkeit kam er Jedermann entgegen und bte seine Gastfreiheit gegen hoch und niedrig Geborene mit derselben offenen Freude an Geselligkeit; mit groer Sprachgewandtheit fhrte er in deutscher wie in fremder Zunge (auch italienisch lernte er noch) die Unterhaltung, ohne jemals die Bescheidenheit entbehren zu lassen, als ein Kennzeichen seines tiefen grndlichen Wissens. So machte er auf Jedermann einen imponirenden und doch geradezu hinreienden Eindruck. Wie bereits erwhnt wurde, hatte sich Krupp bereits seit geraumer Zeit die Ueberzeugung aufgedrngt, da der Gustahl nicht nur im Gebiete der Ziviltechnik, sondern ganz besonders in dem des Waffenwesens berufen sei, eine ganz bedeutende Rolle zu spielen. Eine gleiche Haltbarkeit und Widerstandsfhigkeit gegenber der Beanspruchung durch die im Lauf der Schuwaffe explodirende Ladung kann kein anderes Material aufweisen. Der Gustahl bot deshalb das Mittel, um durch Steigerung der Ladung der Schuwaffe eine bedeutend hhere Wirkung zu verschaffen, und seine Anwendung mute eine weitere Entwickelung des Waffenwesens ermglichen, mute dem mit den leistungsfhigeren Kriegswaffen ausgersteten Heere eine groe Ueberlegenheit ber seine Gegner verschaffen. Der Patriotismus trieb ihn an, sein vorzgliches Material der Armee seines Vaterlandes dienstbar zu machen. Seit den zwanziger Jahren beschftigte man sich aller Orten mit der Aufgabe, die Leistungen der Handfeuerwaffen zu steigern, indem man dem Gescho einen dichteren Anschlu an die Seelenwand des Rohres gab, wodurch der Sto der Pulvergase besser ausgenutzt, dem Gescho eine grere Geschwindigkeit und stetigere Flugbahn gegeben werden sollte, um mit grerer Tragweite der Waffe gleichzeitig eine bessere Trefffhigkeit zu erreichen. Man erkannte in der Anbringung von gekrmmten Fhrungsrinnen in den bisher glatten Seelenwnden das hierzu geeignete Mittel und suchte nach Einrichtungen, um das Gescho bei der Entzndung der Ladung in diese Rinnen einzupressen und diesen folgend durch den Lauf zur Mndung zu treiben. Es entstanden die gezogenen Gewehre, zuerst Vorderlader, dann berall -- zuerst in Preuen basirt auf Dreyse's Erfindung -- Hinterlader. Das Zndnadelgewehr kam 1847 zur Einfhrung, whrend in anderen Lndern die von Mini 1849 erfundene Geschokonstruktion die gezogenen Vorderlader wesentlich vervollkommnete. Es ist leicht verstndlich, da die Wandung des Gewehrlaufes in wesentlich hherem Grade auf Festigkeit und Haltbarkeit beansprucht wird, wenn das Gescho durch die Pulvergase gewaltsam in die Zge eingepret wird, als wenn es mit Spielraum durch den Lauf gleitet; deshalb glaubte Krupp auf die Verwendung des Tiegelgustahls aufmerksam machen zu mssen. Er schmiedete eigenhndig 2 Gewehrlufe aus seinem vorzglichen Material hohl aus und bersandte sie dem preuischen Kriegsministerium im Jahre 1843. Die preuische Regierung stand aber seit geraumer Zeit mit Dreyse in Beziehung und hatte ihm erst vor zwei Jahren die Mittel zur Errichtung einer greren Gewehr- und Gewehrmunitions-Fabrik gewhrt. Man war sich bewut, mit der Annahme des Dreyseschen Zndnadelgewehrs allen anderen Staaten erheblich voraus zu sein, und bei dem Kriegsministerium ward deshalb Krupps Sendung nicht eines Blickes gewrdigt. Man schickte sie unerffnet mit dem Bemerken zurck die preuische Waffe sei so vollkommen, da sie keiner Verbesserung mehr bedrfe. Hatte man mit dieser Antwort auch bezglich der Konstruktion Recht, da die Dreysesche Erfindung das Vollkommenste damaliger Zeit allerdings war, so lie man doch ganz auer Augen, da es sich nicht hierum, sondern um das Material handelte, da man die Zndnadelgewehre durch Verwendung des Gustahls dennoch ganz wesentlich htte verbessern knnen. Charakteristisch ist es fr das Zartgefhl und den Patriotismus Alfried Krupps, da er dies Schreiben spter vernichtete, um zu verhindern, da ein die Kurzsichtigkeit damaliger magebender Kreise in Preuen so blosstellendes Aktenstck einmal an die Oeffentlichkeit kme. Anderseits mute ihm aber Alles daran liegen, seine Gewehrlufe einer grndlichen Prfung unterzogen zu sehen, um auf deren Ergebnissen weiter arbeiten zu knnen. Er schickte sie deshalb nach Paris an Marschall Soult, den damaligen Kriegsminister Louis Philipp's. Hier wurden nun thatschlich Versuche angestellt, welche ein vorzgliches Resultat ergaben. Und erst durch das Bekanntwerden der gnstigen Meinung, welche Krupp's Fabrikat in Frankreich sich gewonnen hatte, sah man sich nun auch in Berlin veranlat, die Gustahllufe beim Zndnadelgewehr zu erproben. Bis auf einige kleine Bestellungen blieb aber diese Meinungsnderung fr den Fabrikanten ganz erfolglos, da sein Erzeugni nicht durch Patent geschtzt war und sofort durch die Konkurrenten bernommen und ausgebeutet wurde. Handelte es sich bei den Gewehrlufen um verhltnimig nur kleine Stcke, welche herzustellen auch anderen Fabrikanten mglich war, so mute sich dies vllig zu seinen Gunsten verndern, wenn der Gustahl auch fr Geschtzrohre zur Anwendung kam. Hier war er der Einzige, der die Blcke in der erforderlichen Gre zu erzeugen im Stande war. Und auf die Geschtzfabrikation wandte er nun sein Auge. Man fertigte zu jener Zeit die, durchweg noch glatten, Vorderladergeschtze aus Bronze. Krupp dachte zunchst noch nicht daran, an der Konstruktion, wie sie gebruchlich war, etwas zu ndern, sondern hielt nur sein Material fr vortheilhafter, weil die Rohrwandung bei dessen Anwendung viel dnner, das Rohr also viel leichter und das Geschtz beweglicher gestaltet werden konnte. Zunchst hielt er nicht einmal fr nthig, das Rohr ganz aus Gustahl herzustellen, denn der Hauptmangel des Bronzerohres bestand in der schnellen Abnutzung der Seelenwandung. Er fertigte also nur das Kernrohr aus Gustahl und umgab dieses mit Gueisen. Solch ein Mantelrohr besa der Dreipfnder, welchen er 1847 nach Berlin schickte, wo er -- wiederum bezeichnend -- ziemlich unbeachtet liegen blieb, bis 1849 die von der Artillerie-Prfungskommission angestellten Versuche die Vortrefflichkeit des Materials zur Anerkennung brachten, ohne aber irgendwelche praktischen Ergebnisse zu veranlassen. Solch ein Mantelrohr besa der Sechspfnder, welcher 1851 auf der Londoner Ausstellung allgemeine Aufmerksamkeit erregte und spter, als Geschenk an den Knig von Preuen, im Zeughause zu Berlin Ausstellung fand. Solch ein Mantelrohr besa auch der Zwlfpfnder, welcher 1854 nach den vorgeschriebenen Angaben des Kommandeurs der braunschweigischen Artillerie, Oberstlieutenants Georg Orges, hergestellt und eingehenden Schieversuchen unterworfen wurde. Der genannte, in militrischen Kreisen hochangesehene Offizier, war der erste, welcher die hohe Bedeutung des Krupp'schen Gustahls fr die Artilleriewaffe sowohl als fr die deutsche Industrie nicht nur erkannte, sondern in seinem Gutachten deutlich aussprach. Er stellte die Behauptung auf, da die Gustahlrohre mehr leisten wrden, als die besten Bronzerohre, da ihre Einfhrung der deutschen Feld- und Festungsartillerie den grten Vortheil gewhren, da ihre Fabrikation der deutschen Eisenindustrie Millionen zuwenden und Deutschland in Beziehung eines wichtigen Kriegsbedrfnisses unabhngig vom Auslande machen werde. Er hob aber auch hervor, da eine frher oder spter doch nothwendig werdende Neubeschaffung der Rohre in der deutschen Feldartillerie aus Stahl, wobei zwei Drittel der Kosten durch den Werth der Bronzerohre gedeckt wrden, Gelegenheit gbe, in die deutschen Feldartillerien Einheit zu bringen und dadurch ihr Zusammenwirken, die Leichtigkeit des Erfolges etc. unglaublich zu frdern. Bevor dieses -- in der Zukunft so voll bewahrheitete -- gnstige Urtheil in magebenden Kreisen, namentlich Preuens, so weit sich Boden errungen hatte, um die ausgesprochenen Wnsche durch die Einfhrung der Gustahl-Geschtze erfllt zu sehen, brauchte es allerdings noch geraume Zeit und hatte viele Widerstnde zu besiegen; aber an Anerkennungen mangelte es Krupp bereits in diesen Jahren nicht. Die Ausstellung in Mnchen 1854 brachte ihm nicht nur die goldene Denkmnze, sondern als Merkmal Allerhchster Anerkennung der ausgezeichneten Leistungen der Fabrik vom Knig von Wrttemberg die grere goldene Medaille fr Kunst und Industrie. Gleichzeitig erhielt er in Anerkennung der Vorzglichkeit von dorthin gelieferten Probegeschtzen vom Knig von Bayern das Ritterkreuz des Verdienstordens vom heil. Michael, vom Kaiser Franz Joseph von Oesterreich eine kostbare mit Brillanten besetzte Dose, vom Knig von Preuen den rothen Adlerorden ~IV.~ Klasse. In Berlin scheiterten alle Anstrengungen der fr die Gustahlgeschtze gewonnenen Freunde immer noch an dem zhen Widerstand der Vertheidiger der Bronzerohre, besonders des General-Inspekteurs der Artillerie, des Generallieutenant v. Hahn, der trotz des gnstigen Ausfalles der wiederholt mit Krupp'schen Geschtzen angestellten Versuche, sich nicht entschlieen konnte, die Ueberlegenheit des Gustahls ber die Bronze durch Empfehlung der Einstellung Krupp'scher Kanonen in die Truppe anzuerkennen. Nicht unberechtigt schrieb deshalb Oberst Weber, Direktor der Geschtzgieerei in Augsburg, auf Grund der 1854 in Bayern veranstalteten Versuche, in Dingler's polytechnischem Journal: Zum Glck braucht die Eisentechnik nicht mehr die Schieversuche, um festzustellen, welches Geschtzmaterial das bessere sei, und wenn das engere Vaterland verkennt, was die eigene Technik leistet, so erkennt es das weitere Vaterland. Das war deutlich. Es erschien aber Krupp, so richtig es gegenber den preuischen Behrden sein mochte, unbillig in Bezug auf die hohen Persnlichkeiten, welche seinen Bestrebungen stets ihr Wohlwollen entgegengebracht hatten. Er nahm deshalb Veranlassung in einer berichtigenden Zuschrift an die Allgemeine Augsburger Zeitung in taktvoller Weise die Gnadenbeweise des Knigs Friedrich Wilhelm~IV.~ (die erwhnte Dekoration und eine Schenkung fr das Essener Krankenhaus, welche auf Veranlassung des Prinzen von Preuen erfolgt sein drfte) als eine berreiche Anerkennung zu erwhnen. Wenngleich die Mantelrohre schon die Bronzerohre so wesentlich an Widerstandskraft berragten, da z.B. die Wandstrke des Dreipfnders nur 32,7 gegenber 62,8~mm~ (beim Bronzerohr) zu betragen brauchte, ging doch Krupp etwa im Jahre 1854 zum Massivrohr ber, indem er das ganze Rohr einschlielich der zur Lagerung in der Laffete nthigen Schildzapfen aus Gustahl herstellte. Ein solches Rohr, 12pfndige Granatkanone, gleich in inneren Abmessungen und Einrichtung der damals neu eingefhrten franzsischen bronzenen Granatkanone, sandte er zur zweiten internationalen Industrie-Ausstellung, welche Kaiser Napoleon~II.~ 1855 in Paris in Scene setzte. Es mag nebenbei erwhnt werden, da auch hier wieder ein Gustahlblock, aber dieses Mal 5000 Kgr. schwer, also von mehr als doppeltem Gewicht des Londoner von 1851, die allgemeine Bewunderung hervorrief. Bereits bei seiner Ankunft auf dem Ausstellungsplatze ward er von den Arbeitern mit heiligem Respekt behandelt und nicht anders als ~la sacre tte carre d'Allemand~ genannt. Die Herstellung der Massivrohre war der nchste Vorlufer der allgemeinen Einfhrung der Gustahlgeschtze in den europischen Armeen. Die gesammte Artillerie war in ein Stadium der Umwlzung eingetreten, welches in der Folge Jahrzehnte hindurch von Vervollkommnung zu Vervollkommnung immer grere Fortschritte zeitigte und in dem Gustahl das unbedingt erforderliche Material von hoher Leistungsfhigkeit fand, um die stets weiter sich entwickelnden Ideen ins Leben treten zu lassen. Anfangs beschrnkte sich, wie wir sehen werden, Krupp lediglich auf die Lieferung des Materials, auf die Anpassung an die Form, die in jedem Staate fr brauchbar erachtet worden war; nicht lange aber begngte er sich mit dieser sozusagen subalternen Stellung. Sein Schaffenstrieb lie ihn selbst nach neuen und seinem Material am besten entsprechenden Konstruktionen suchen, und bald stand er als genialer Meister fhrend an der Spitze der Geschtzingenieure. Die Feldartillerie war durch die Einfhrung der gezogenen Handfeuerwaffen, welche in allen Armeen seit den vierziger Jahren immer mehr vervollkommnet wurden, in ihrem Werthe fr die Schlacht ganz wesentlich beeintrchtigt worden. Die glatten Kanonen hatten nur kleine Schuweiten, ihre werthvollen waren gerade diejenigen, welche jetzt die Infanterie mit den neuen Gewehren auch beinahe erreichen konnte. Sie vermochten also nur noch auf die greren Entfernungen -- ber 600~m~ -- zu schieen, denn wenn die feindlichen Schtzen ihnen nher standen, wurden sie zum Abfahren gezwungen, wie sich bereits in den Kriegen 1848 bis 1850 mehrfach gezeigt hatte. Der fr so werthvoll erachtete Karttschschu kam kaum mehr zur Verwendung. Wollte die Feldartillerie nicht zu einer unntzen Last der Armee herabsinken, so mute sie ihre Leistungen betreffs Schuweite, Treffsicherheit und Geschowirkung mchtig steigern. Dahin gingen nun alle Anstrengungen und zwar lag es nahe, gerade wie bei dem Gewehr, auch beim Geschtz durch eine Fhrung des an die Rohrwnde gepreten Geschosses die grere Leistung zu erreichen, also gezogene Geschtze zu konstruiren. Gerade wie bei dem Gewehr begann der Kampf zwischen Vorder- und Hinterlade-Systemen, und gerade wie bei jenem war es die bei Weitem strkere Beanspruchung des Materials, die die Verwendung des Gustahls in den Vordergrund drngte. Den Vorderladern gehrte auch die franzsische, von Napoleon selbst konstruirte und trotz aller Widersprche und Bedenken eingefhrte Granatkanone an, die, wie viele damalige neue Geschtze, in der Ausbildung einer guten Schrapnellwirkung die Rettung suchte. Das Bronzerohr war fr ein Feldgeschtz zu schwer, und den ersten ins Auge springenden Vortheil zeigte Krupps zur Ausstellung geschicktes Rohr darin, da es nur 535 (gegen 620)~kg~ wog. Eine Kommission stellte aber ferner in einer Reihe von Versuchen fest, da das Material in jeder Beziehung dem Geschtz eine groe Ueberlegenheit ber das Bronzerohr gewhre. Es wurden weitere Gustahlblcke bestellt und in Straburg fertig bearbeitet; die Dauerversuche ergaben nach 3000 aus jedem Rohr abgegebenen Schssen noch keine Vernderung der Seelenwand, eine Gewaltprobe, -- 35 Schu mit 6~kg~ Ladung und 6 Kugeln --, vermochte das Rohr nicht zu sprengen. Und so, wie in Frankreich, lieferten alle Proben, welche in dieser Zeit in Ruland, Holland, Wrttemberg, der Schweiz, Hannover, Spanien und Oesterreich mit Krupp's Geschtzen angestellt wurden, denselben Beweis fr ihre jedes andere Material bei Weitem bertreffende Leistungsfhigkeit. Nur ein in England gemachter Versuch mit einem 68pfndigen Mantelrohr, das zwischen 6000 und 7000 Pfund wog, ergab ein ungnstiges Resultat, weil man von vornherein mit ganz abnormen Ladungsverhltnissen operirte. Man wollte die Ueberlegenheit der eigenen Fabrikate unter allen Umstnden behaupten. Die erste grere Bestellung machte Aegypten, welchem 1856-59 im Ganzen 36 Stck Zwlf- und Vierundzwanzigpfnder geliefert wurden. Alle diese Geschtze waren Vorderlader und nur wenige gezogene Rohre. Auf die Idee, gezogene Hinterlader zu konstruiren, war zuerst der schwedische Httenbesitzer Baron Wahrendorff in Aaker (1840) und der dort kommandirte sardinische Artillerie-Offizier Cavalli (1846) verfallen. Beide arbeiteten unter gegenseitigem Einflu, indem Wahrendorff zuerst in einem glatten Hinterladerohr durch Bleiberzug der Kugel den Spielraum beseitigte, Cavalli aber das Rohr mit Zgen versah, in welchen das cylindrokonische Gescho aber mit Spielraum gefhrt wurde, worauf Wahrendorff auch die Fhrungszge bernahm, den Spielraum aber gnzlich beseitigte. Es ist leicht verstndlich, da die Geschofhrung Cavallis auch beim Vorderlader anwendbar ist, da man das Gescho, mit Spielraum laufend, von vorn einfhren kann, und in dieser Gestalt fand sein Vorschlag in Frankreich und Oesterreich Anwendung. In ersterem Lande basirte Lahitte sein System darauf, und die seit 1858 beschafften Geschtze waren ebenso wie die sterreichischen von 1863 gezogene Vorderlader. In Folge der -- auch mit gezogenen Gustahlzwlfpfndern nach System Lahitte 1856 ausgefhrten -- befriedigenden Versuche machte die franzsische Regierung nun thatschlich eine Bestellung bei Krupp auf 300 solche Geschtze. Wre sie zur Ausfhrung gekommen, so ist kaum zu bezweifeln, da auch fr die Zukunft Krupp der Lieferant der franzsischen Geschtze geblieben wre, da keine franzsische Firma sein Fabrikat zu ersetzen vermochte, und trotz aller Anstrengungen auch bis heute nicht zu ersetzen vermag. Es ist wohl auch kein Grund zu finden, der ihn htte abhalten sollen, diese Lieferungen dauernd zu bernehmen. Dann htten wir 1870 wahrscheinlich ein ganz gleichwerthiges Geschtzmaterial uns gegenber gehabt, und der einzige Vortheil htte darin bestanden, da Krupp mit dem Ausbruch des Krieges seine Thtigkeit fr Deutschlands Gegner eingestellt und diesen dadurch fr den weiteren Verlauf des Krieges in eine groe Verlegenheit betreffs Beschaffung seiner Geschtze versetzt htte. Aber da wre zweifelsohne England als hilfreicher, wenn auch neutraler Geschftsfreund eingetreten. Ein gtiges Geschick bewahrte aber unser Vaterland vor dieser groen Gefahr. Die in Frankreich herrschende Geldkrisis veranlate die Regierung, ihre Bestellung rckgngig zu machen, und spter bot die nicht unberechtigte Besorgni vor einer gewissen Abhngigkeit von einer auslndischen Fabrik und die Rcksicht auf die eigene Metallindustrie ein Hinderni, die zerrissenen Fden wieder anzuknpfen. Man bestellte bei Krupp nur noch einzelne Probegeschtze zum Zweck der Kenntninahme der in Essen gebauten Konstruktionen und auch dieses nur bis 1866. Spter wies der Fabrikant bekanntlich jede geschftliche Beziehung zur franzsischen Regierung von der Hand. In Preuen war man bereits 1851 in Versuche mit gezogenen Hinterladern nach der Wahrendorff'schen Idee, also mit gepreter Geschofhrung eingetreten und hatte seit 1853 auch solche mit einem 6pfndigen Feldgeschtz begonnen. Es zeigte sich, da die Seele des Bronzerohres schnell sich abnutzte und durch hngenbleibende Theile des Bleimantels der Geschosse unbrauchbar wurde. Hier konnte, wie General v. Kunowski richtig erkannte, nur der Gustahl Abhilfe verschaffen, weil er Herstellung eines gengend langen und nicht zu schweren Rohres gestattete, welches die Mngel des Ausschieens und Verbleiens ganz beseitigte. So erfolgte der hochwichtige Schritt, welcher in der Folge die preuische Heeresverwaltung in immer innigere Beziehung zur Gustahlfabrik in Essen brachte: die Bestellung zweier Sechspfnder-Gustahlrohre bei Alfried Krupp, die, Anfangs 1856 geliefert, in Spandau gezogen wurden und sehr gnstige Schieresultate ergaben. Im Januar 1857 berichtete die Artillerie-Prfungskommission: Der Gustahl ist zur Anfertigung gezogener langer Rohre ein Material, das durch kein anderes zu ersetzen ist. Weitere Versuche, die bezglich Konstruktion des Verschlusses, der Geschosse und ihrer Znder angestellt werden muten, zogen sich bis zum Jahre 1859 hin und immer noch konnte sich der Generalinspekteur der Artillerie, Generallieutenant v. Hahn, nicht entschlieen, auch nur dem Antrage der Artillerie-Prfungs-Kommission auf Einstellung von 16 Gustahl-Sechspfndern, zu vier Batterien formirt, in die Armee beizustimmen. Da gab ein vor dem damaligen Prinz-Regenten ausgefhrtes Probeschieen endlich den Ausschlag; dieser stimmte dem Vorschlag bei, die Versuche mit dem gezogenen Feldgeschtze fr abgeschlossen zu erklren und gegenber den Fortschritten, welche bei allen Grostaaten mit Einfhrung gezogener Geschtze gemacht wrden, energisch mit der Herstellung des neuen Geschtzes vorzugehen; er ging aber auch gleich einen Schritt weiter, als der Vorschlag es gewagt hatte, da er ebenso von der Vorzglichkeit der neuen Waffe, als von ihrer Wichtigkeit berzeugt war; er korrigirte eigenhndig in der ihm zur Unterschrift vorgelegten Allerhchsten Kabinetsordre (vom 7.Mai 1859), welche die schleunigste Beschaffung der Geschtze verfgte, die Zahl einhundert in dreihundert. Es ist mithin der eigensten Initiative unseres groen Kaisers zu danken, da er durch seinen Entschlu den von anderer Seite immer wieder erhobenen Bedenken einen Riegel vorschob und das als nothwendig und fr seine Armee segensreich Erkannte mit Energie zur Ausfhrung brachte. Hiermit hatte Krupp endlich das Ziel erreicht, das er seit Anfang der vierziger Jahre unentwegt erstrebt hatte, seinen Gustahl der vaterlndischen Landesvertheidigung dienstbar zu machen. Es waren recht kostspielige Versuche gewesen, die er in einer Zeit zu diesem Behufe angestellt hatte, in der die Einnahmen noch sprlich zuflossen und fr die Erweiterung der Fabrikanlagen so nothwendig gebraucht wurden, da ihre Verwendung fr Geschtzkonstruktionen, die nichts einbrachten, wirklich als ein Luxus zu betrachten war. Schlugen doch auch nicht alle, oft recht khnen, neuen Unternehmungen glcklich aus und gaben doch selbst in den fnfziger Jahren noch materielle Verluste wiederholt Anla zu ernsten Sorgen Angesichts eines so energischen Geschftsbetriebes, der nicht zgerte, jeden Gewinn zur Verwirklichung neuer Ideen zu benutzen. Aber seitdem Alfried Krupp die Ueberzeugung gewonnen hatte, da er berufen sei, seinem Vaterlande ein Arsenal der vorzglichsten Waffen zu liefern, verfolgte er dieses Ziel mit hartnckiger Ausdauer und benutzte die Ertrgnisse seiner Friedensartikel mit Vorliebe, um die kostspieligen Versuche mit Geschtzrohren weiter zu fhren. Er selbst uerte einmal im Jahre 1858 einem Artillerieoffizier gegenber: Er habe bereits 1847 das erste Stahlgeschtz fr Preuen geliefert und immer noch nicht sei man in Spandau entschieden. Wenn er nur auf Gelderwerb sehen wollte, so drfe er keine Geschtze gieen, denn das Untersuchen, Prfen etc. halte immer sehr lange auf. Mit Humor fgte er hinzu, fr den Bey von Tunis oder den Khedive von Aegypten sei leichter arbeiten; denn deren Artillerie prfe nicht so lange, wie die preuische Artilleriekommission, und zahle, noch ehe die Rohre abgeliefert seien. Er lege aber einen Werth auf die Ehre, seinem Vaterlande mit seiner Erfindung zu ntzen, und deshalb gestatte er sich die kostspielige Nebenbeschftigung der Geschtzanfertigung. Eine persnliche Anerkennung ward Krupp im Jahre 1860 durch den Prinzregenten zu Theil, welcher ihm am 29.Januar den Rothen Adler-Orden mit der Schleife verlieh. Als Abschlu dieser Periode in seinem Leben ist aber gewissermaen der Besuch zu betrachten, welchen der Regent als Knig ihm zu Theil werden lie, als er im Jahr 1861 von Compigne zurckkehrte, wo er am 6.Oktober den Besuch des Kaisers Napoleon erwidert hatte. Kurz vorher hatte sich in dem Gustahlwerke ein wichtiges Ereigni vollzogen, der neue Dampfhammer Fritz war am 16.September in Betrieb gesetzt worden. Es wurde bereits frher auf die Wichtigkeit groer schwerer Hammerwerke fr die Bearbeitung starker Gustahlblcke hingewiesen. Mit der Konstruktion dieses Riesenhammers, welcher alle bisherigen Grenverhltnisse so weit berragte, da sein Unternehmen in technischen Kreisen fr unausfhrbar gehalten wurde, wagte Krupp einen khnen Schritt ber die Grenzen hinaus, welche man allgemein fr unberschreitbar hielt. Der Hammer erhielt eine Fallschwere von 1000 Zentnern und hat ein Gesammtgewicht von 60000~kg~: ein Stahlprisma von 3,7~m~ Lnge, 1,5~m~ und 1,25~m~ Dicke, das 4~m~ ber der Erde aufgehngt ist und dessen alles zermalmende Fallkraft dennoch durch sinnreiche Konstruktion genau regulirt und auf jede bis auf den Millimeter abzumessende Entfernung ber dem Ambos eingestellt werden kann. Als zum ersten Male der Hammer vor der erwartungsvoll gespannten Beamten- und Arbeiterschaar, in der der Fabrikherr den vordersten Platz einnahm, langsam in die Hhe stieg, um im nchsten Augenblick mit furchtbarer Vehemenz auf einen mchtigen Gustahlblock niederzufallen, sprangen die zunchst stehenden Personen entsetzt zurck. Krupp war der Einzige, der ruhig seinen Platz behauptete und unverrckt die groartige Kraftuerung beobachtete -- er war vom Beginn der Verwirklichung des Projekts ab seines Erfolges so sicher gewesen, da er sich jetzt seines Triumphes in vollem Maae erfreute. (D.Baedeker: A.Krupp.) Dieser Riesenhammer ward als neueste Errungenschaft dem Knig am 9.Oktober vorgefhrt, als er in Begleitung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm und des Kriegsministers von Roon, seinem treuen Arbeitsgenossen in der schweren Arbeit der Armee-Reorganisation, die Gustahlfabrik besuchte und volle 4 Stunden ihrer Besichtigung widmete. Das Schmieden eines Blockes von 15000 Pfund Gewicht und 15 Fu Lnge ward dem Knig vorgefhrt, im Stahlgiehause ein anderer von ca. 18000 Pfund aus ungefhr 300 Tiegeln gegossen und im Eisengiehause der knigliche Namenszug in riesiger Gre hergestellt. Der Knig hielt nicht mit der Anerkennung der Kruppschen Leistungen zurck, uerte sein Erstaunen ber die groartige Erweiterung dieses Etablissements, hob dessen edlen vaterlndischen Zweck neben seiner gewerblichen Bedeutung hervor und fgte das fr ihn selbst so charakteristische Wort hinzu: Seine vor 8 Jahren gehegten Erwartungen sehe er weit bertroffen, wie es sich denn berall zeige: wo das Herz auf dem rechten Flecke sitze, da bleibe der Segen nicht aus. Dem Fabrikherrn gegenber fand seine Anerkennung in der Ernennung zum Geheimen Kommerzienrath einen angemessenen Ausdruck (die Verleihung des Kommerzienrath-Titels war bereits am 3.April 1858 durch Knig Friedrich Wilhelm~IV.~ erfolgt). Jenes knigliche Wort gewinnt aber erst seine Bedeutung, wenn man die damalige politische Lage sich vergegenwrtigt. Napoleon hatte durch verlockende Versprechungen den Herrscher Preuens fr seine schlecht verhllten unheilvollen Absichten zu gewinnen gesucht. Es war ihm nicht gelungen, und Knig Wilhelm kehrte mit dem Bewutsein aus Frankreich zurck, da dem Vaterlande von dort in der nchsten Zukunft schwere Strme drohten. All sein Denken war seit Jahren auf die Durchfhrung der fr dringend nothwendig erkannten Neugestaltung der Armee gewidmet. Angesichts der von ihm klar vorausgesehenen schweren Kmpfe, welche Preuen bevorstanden, berzeugt von der Wirksamkeit der geplanten Reformen, fand er auer bei Roon bei keinem seiner Minister Verstndni und thatkrftige Untersttzung, sah er eine seinen Plnen geradezu feindliche Partei in der Volksvertretung immer mehr Raum gewinnen, und mute alle Hoffnung auf deren siegreiche Durchfhrung allein auf seine eigene und des treuen Roon Energie und Widerstandskraft basiren. Den groen Kmpfer fr Deutschlands Gre und Einheit, Bismarck, hatte er sich ja noch nicht gewonnen. Da kam dieses Wort: Wo das Herz auf dem rechten Flecke sitzt, da bleibt der Segen nicht aus! so recht aus dem tiefsten Vertrauen zur guten Sache und zu Gottes Beistand heraus, das ihn in dieser Zeit der schweren Sorge um des Vaterlandes Zukunft erfllte und ihm Kraft verlieh, an seiner Aufgabe gegen alle Widersacher treu festzuhalten. Da mag ihm aber auch der Einblick in die groartig sich entwickelnde Industrie Krupps die Hoffnung gefestigt haben, da sie zur Rstkammer werden wrde, um Preuens Heere fr die bevorstehenden schweren Kmpfe mit Waffen von bisher unerreichter Leistungsfhigkeit zu versehen; da ward ihm das Vertrauen zu dem genialen Schpfer dieser Kriegsmittel gestrkt, da er in ihm eine krftige Sttze fnde, der seine besten Krfte mit so groen Opfern bisher der Idee gewidmet hatte, der vaterlndischen Armee die unberwindlichen Waffen zu schmieden; da ward die Einfhrung der Gustahlgeschtze fr ihn ein integrirender Bestandtheil der Heeresorganisation; er hatte Krupps Lebensaufgabe und patriotisches Streben verstanden und, was er 1859 aus eigenster Initiative gethan, das war er von nun an gewillt, auch weiter durchzufhren. Dem Manne dort, der das Herz so wie er selbst auf dem rechten Flecke sitzen hatte, sollte die Untersttzung des Knigs nicht fehlen, um das Werk durchzufhren, die vaterlndische Armee durch Ausrstung mit den leistungsfhigsten Waffen zur strksten und gefrchtetsten der Welt zu machen; es gab kein besseres, kein nothwendigeres Mittel, um der Welt den Frieden zu erobern und um dem Vaterlande zu einer gedeihlichen Entwickelung seiner industriellen und kommerziellen Krfte zu verhelfen. ~V.~ Die erste Feuerprobe. Mit dem Jahre 1860 trat Krupp in die Periode seiner groartigsten Erfolge ein, und deren erster sollte wiederum in London seinen Schauplatz finden. Im Mittelpunkte des bermchtigen Industriestaates sollte Krupp den Sieg erringen, in einem seiner wesentlichsten und bis dahin immer noch fr unerreichbar gehaltenen Produktionszweige. Es war die zweite Londoner Weltausstellung im Jahre 1862, auf welcher der durch Krupp gefhrten deutschen Eisen-Industrie einstimmig die erste Stelle eingerumt werden mute. Die Fabrik in Essen hatte sich in diesen Jahren mchtig entwickelt, sie beschftigte im Jahre 1860 1690, zwei Jahre spter bereits 2464 Arbeiter, ihre Produktion an Gustahl stieg auf 8 Millionen (1860) und 13 Millionen Pfund (1862). Die Organisation des Betriebes mute wesentliche Aenderungen erfahren, um den durch Reisen hufig entfernten und durch die Inachtnahme der Einzelheiten bermig beanspruchten Chef zu entlasten, und die Art und Weise, wie Krupp es verstand, allmhlich aus der Beschftigung mit den Details herauszutreten, um sich ungestrter der Leitung des ganzen Werkes widmen zu knnen, wie er die einzelnen Zweige seiner Fabrik zu trennen, in dem erforderlichen Maae selbstndig zu machen verstand, ohne doch das gegenseitige Ineinandergreifen jemals zu beeintrchtigen, das zeugt von einem Organisationstalent, wie es umsichtiger und erfolgreicher kaum gedacht werden kann. Bis 1862 war er mit einem Prokuristen ausgekommen; alle Fden liefen noch direkt in seine Hand, alle Einzelheiten wurden von ihm persnlich berwacht. Am 12.Juli 1862 aber begann die Kollektiv-Prokura ins Leben zu treten, welche zunchst aus 2, von 1865 aus 3, von 1867 ab aus 4 Herren bestand und bei seinem Tode sich bis zu 7 Mitgliedern vermehrt hatte. Diese bildeten ein Kollegium von gleichberechtigten Ressortchefs, und jedem war in seinem Bezirk eine gewisse Selbstndigkeit bezglich des Betriebes eingerumt, anderseits aber fr jede irgend belangreiche Maregel die Zustimmung des Kollegiums und fr jedes Schriftstck die Mitunterschrift wenigstens eines Kollegen zur Bedingung gemacht. Spter, wie es scheint vom Jahre 1879 ab, erhielt die Prokura auch einen Vorsitzenden, einen Prsidenten dieses Ministeriums in Krupps Staate, fr welches er mit auerordentlicher Findigkeit und Menschenkenntni die tchtigsten und zuverlssigsten Mnner mit technischer, kaufmnnischer oder juristischer Bildung zu gewinnen wute. So lste er die schwere Aufgabe, durch allmhliche Ausgestaltung eine Verwaltungsmaschine ins Leben zu rufen, deren einzelne Theile so vortrefflich selbstthtig in einander greifen und den gemeinsamen, auf seinen eigenen Ideen beruhenden, Zwecken dienen, da der gewhnliche ruhige Gang der Geschfte nur durch ganz gewaltige Strungen beeinflut werden knnte. So sehr dieses Werk den Stempel seiner Individualitt trgt, war es doch so wenig auf seine Person und die Nothwendigkeit deren Existenz zugeschnitten, da er aus dem Leben treten konnte, ohne da der ganze Organismus im Geringsten gestrt und die Weiterentwicklung seines Werkes aufgehalten oder gar in Frage gestellt worden wre. Den Mittelpunkt der Krupp'schen Ausstellung in London nahm wieder ein massiver Gustahlblock ein, dessen auf 40000 Pfund gesteigerte Masse aus nicht weniger als 600 Tiegeln gegossen war; er war aber diesesmal mittelst seines mchtigen Dampfhammers in der Mitte zerbrochen, um die Bruchflche zu zeigen, und diese war, wie Lothar Bucher berichtete, so eben in Farbe und Gefge, so vollkommen frei von Aescheln und ungaren Stellen, als wenn die Masse nicht Stahl wre, sondern Zucker oder ein anderer Stoff, den man auskochen und filtriren kann. Daneben standen zum ersten Male mchtige Seeschiffachsen fr die groen Dampfer des Norddeutschen Lloyd und hochpolirte Walzen, blank wie Diamant. Die Englnder hatten nichts, was an diese Leistungen heranreichte; sie hatten kleinere Massen von Gustahl ausgestellt, aber sich gehtet den Bruch zu zeigen; und sie gaben eine Schiffsachse von hnlichen Dimensionen nur um deshalb fr Stahl aus, damit das englische Publikum in seinem Selbstgefhl nicht irre werde; die Sachverstndigen wuten, da sie nur aus Eisen bestand. Auch nahmen die Times keinen Anstand, Krupps Sieg vorurtheilsfrei anzuerkennen. Sie schlossen ihren Artikel ber die auerordentlichste und wichtigste Sammlung, derengleichen frher noch nie gesehen worden mit den Worten: Wir wnschen Krupp Glck zu der berragenden Stellung, die er in der Welt als Erzeuger der gresten und fehlerlosesten Massen von Gustahl einnimmt, aber nicht zu seinem Platz in der Ausstellung. Wessen Fehler ist das? Offenbar stehen Talg, Spielwaaren und Eingemachtes sehr hoch in der Achtung der Kommissarien Ihrer Majestt. Die stiefmtterliche Behandlung, welche bei Anweisung des Raumes die Ausstellungskommission, mignstig genug, Krupp zu Theil werden lie, hatte seinen Sieg nicht hindern knnen, und, was der groe Nationalkonom List vor mehr als 30 Jahren ersehnt und erhofft hatte, die Erzeugnisse deutscher Intelligenz, deutschen Fleies und deutscher Beharrlichkeit mit denen der ersten Kulturstaaten der Welt den siegreichen Wettkampf erffnen zu sehen, das begann sich zu erfllen; mit dem Triumph auf dem Gebiete der Eisentechnik rckte das bisher unmglich Erschienene in den Bereich des Erreichbaren, und neuer Muth ergo sich ber alle Industriezweige, Krupp nachzueifern, gleich ihm den Kampf aufzunehmen und mit gleicher Hingabe und Beharrlichkeit die Palme des Sieges zu erringen zum eigenen Gewinn und zu des Vaterlandes mchtiger Kraftentfaltung. Unter den zahlreichen Ausstellungsgegenstnden Krupps befanden sich auch fnf Hinterlader-Rohre von 3,75 bis zu 9'' Kaliber. Sie hatten aber weder Zge noch Verschlu-Vorrichtungen; ersteres um die Feinheit des Metalls an der spiegelreinen Politur der Seele zu zeigen; letzteres, um die Verschlu-Konstruktion nicht ffentlich bekannt werden zu lassen. Mit diesen Geschtzen betrat nmlich Alfried Krupp den Weg der eigenen Geschtz-Konstruktion. Bisher hatte er, wie wir sahen, das Material den jedesmaligen Formen und Konstruktionsweisen der Lnder angepat, fr welche er lieferte oder ausstellte, beziehungsweise hatte er nur die rohen Rohre ohne alle Einrichtungen geliefert. So namentlich fr Preuen, wo man den -- bisher geheim gehaltenen -- Verschlu Wahrendorff's, den sogenannten Kolbenverschlu, angenommen hatte und in Spandau anfertigte. Die Konstruktion dieses Geschtztheiles stie auf groe Schwierigkeiten, hauptschlich bezglich seiner Dichtung gegen die Pulvergase, und auch der Kolbenverschlu war nicht einwandfrei. Indem nun Krupp selbst sich dieser Frage widmete, selbst einen neuen Verschlu erfand, trat er aus dem Gebiete des Material-Erzeugers, des Gustahl-Fabrikanten heraus und versuchte seine Krfte als Geschtz-Konstrukteur. Es ist eine neue wichtige Etappe in der Entwickelung des merkwrdigen Mannes, der fr Alles, was er anfate, auch eine ganz spezielle Begabung, Geschicklichkeit und Erfindungskraft zu besitzen schien. Auf diesem Felde des Geschtz-Konstrukteurs waren ihm seine bedeutendsten Erfolge vorbehalten, durch welche er erst die Geschtze auf diejenige Stufe der Leistungsfhigkeit erhob, fr welche seines Vaters Erfindung, der Tiegelgustahl, bei voller Ausntzung seiner vorzglichen Eigenschaften, die Vorbedingung bildete. Die neue Erfindung, ein einfacher Keilverschlu, ward in London patentirt -- ein halbes Jahr frher als der des Englnders Broadwell -- und dem preuischen Kriegsministerium in einer Sammlung von Verschlssen zur Prfung vorgelegt. Es bedurfte aber einer geraumen Zeit, bevor Krupps Vorschlag zur Annahme gelangte und zwar auch dann in einer nicht unwesentlich verbesserten Gestalt. In der Zwischenzeit sollten erst die in der preuischen Armee eingefhrten Gustahl-Geschtze ihre Feuerprobe im Kriege durchmachen und eine durch die Benutzung eines unzweckmigen Verschlusses verursachte Krisis bestehen. Vor Schilderung dieser wichtigen Entwickelungsperiode, welche noch einmal alle Gegner des Krupp'schen Gustahlgeschtzes in Bewegung setzte, ist noch ein Punkt zu errtern, welcher gelegentlich der Londoner Ausstellung 1862 zur Sprache kam. Die allgemein Platz greifende Einfhrung leistungsfhigerer gezogener Geschtze, theils Vorder- theils Hinterlader, entwerthete ebenso die gemauerten Deckungen der Vertheidigungsgeschtze (in Kasematten) namentlich bei den Kstenbefestigungen, als sie auch eine Vernderung im Bau der Kriegsschiffe mit sich brachte. In beiden Fllen sah man sich genthigt, zum Eisenschutz mittelst Panzerplatten zu greifen, und mit dem Beginn der sechziger Jahre wurde neben der Entwickelung des Geschtzwesens auch die Konstruktion von Panzerdeckungen eingeleitet. England ging naturgem voran, da es einerseits seine zahlreichen Ksten- und Hafenbefestigungen gegen die neuen schweren Schiffsgeschtze sichern, anderseits seiner Kriegsflotte den Panzerschutz baldigst verschaffen mute, um nicht in seiner Herrschaft zur See gefhrdet zu werden. In den Eisenfabriken des Inselreiches ward von jetzt an die Frage der Panzerfabrikation, zunchst in Form von starken gewalzten Eisen- und Stahl-Platten emsig studirt, und auf seinen Schiepltzen folgte eine Reihe von Versuchen der anderen. Auch in Preuen begannen solche bereits im Jahr 1861. Der heftige Kampf zwischen Geschtz und Panzer nahm seinen Anfang, welcher sich bis in die neueste Zeit fortgesetzt hat und mit der Entwickelung eines neuen Geschtzsystems auch eine vollstndige Umwlzung des Befestigungswesens herbeigefhrt hat. Krupp's scharfem Auge entging es nicht, welche Bedeutung das Eisen in fortifikatorischer Beziehung gewinnen werde; er war rasch entschlossen, auch auf diesem neuen Gebiet mit seinem Gustahl den Kampf aufzunehmen und kndigte deshalb am Schlu seines Ausstellungs-Kataloges an, da die Firma mit der Errichtung von Walzwerken zum Walzen von Gustahlschienen und Platten beschftigt sei, zu deren Produktion das Werk schon binnen Kurzem gerstet sein werde. Unter Anderem sollen mittelst 2000 Pferdekraft Walzen von 15Fu Bahnlnge betrieben werden, um groe Platten bis zu 1Fu Dicke und selbst noch dicker, z.B. zur Panzerung von schwimmenden Batterien oder Festungswerken, zu walzen. Diese Walzwerke wurden auch in dieser Zeit gebaut und gleichzeitig ein Bessemerwerk zur Ausfhrung gebracht, da der, allerdings dem Tiegelgustahl in der Vollkommenheit seiner Eigenschaften nachstehende, Bessemer-Stahl fr die Massenverwendung von Schienen, Blechen und Platten ein sehr gutes Material liefert. In der Folge ward auch die Fabrikation von Stahl-Eisenbahnschienen, welche mit der Erffnung seines Schienen-Walzwerkes Krupp eigentlich erst in Deutschland einbrgerte, zu einem der bedeutendsten Fabrikationszweige. Die Stahlschienen verdrngten auf Grund ihrer viel lngeren Dauer bald die gebruchlichen Schienen aus Gu- oder Schmiedeeisen und wurden in immer grerer Zahl gearbeitet, bis die jhrliche Leistung auf 150000 Tonnen gesteigert wurde. Auch das Plattenwalzwerk ward im Jahre 1864 in Betrieb gesetzt, aber auffallender Weise zur Herstellung von Panzerplatten zu Befestigungszwecken bis zum Tode Alfried Krupp's niemals benutzt. Erst nach diesem ist durch die Erfolge der seitdem erzeugten Krupp'schen Panzerplatten die Richtigkeit seiner Voraussetzung, da er auch auf diesem Gebiete alle andern Fabriken schlagen werde, voll erwiesen worden; denn die Krupp'schen Platten haben trotz aller hochgradigen Anstrengungen der Ingenieure aller Staaten und trotz der vielen in diesem Zweige der Technik gemachten genialen Erfindungen, dank des auch bei dem Nachfolger Alfrieds nie rastenden Strebens nach Vervollkommnung und der auf grndlichster wissenschaftlicher Basis fortgesetzt angestellten Versuche und Prfungen, immer wieder den Sieg davongetragen und der Fabrik auch in dieser Beziehung die erste Stelle unter allen Konkurrenten gesichert. Es ist, wie gesagt, auffallend, da Alfried Krupp den Gedanken, Panzerplatten anzufertigen, in der Folgezeit vllig aufgegeben zu haben scheint, da er niemals bei irgend einer Platten-Lieferung sich betheiligt hat und erst in dem letzten Jahrzehnt seines Lebens der Aufgabe wieder nher trat, Panzerschutz-Konstruktionen zu entwerfen. Es ist um so auffallender, als in diesem Fabrikat Deutschland lediglich auf England angewiesen war, seine Panzerkonstrukteure und Ingenieure also in der Lage der oft recht hemmenden Abhngigkeit von dem Inselreiche waren. Nimmt man hinzu, da auch die dortige Panzer-Industrie noch vllig in den Kinderschuhen steckte, da man es 1864 noch fr die hchste Leistung hielt, Platten von 300 Kgr. Gewicht zu walzen, also bei einer Strke von 25~mm~ etwa 1,50 Quadratmeter, und bedenkt man, da Krupps Massengsse sich bereits 1862 auf Blcke von 20000 Kgr. erhoben, da er allein im Besitz des Geheimnisses und der Kunst war, das Material in vollwerthigster Gte bis zu solchen Massen in einheitlicher Strke zu formen, so folgt ohne Weiteres, da es ihm spielend leicht geworden sein mte, alle Konkurrenz durch Herstellung groer und starker Platten zu schlagen und dem Vaterlande die erste Stelle in der Panzerkonstruktion zu sichern. Da letzteres trotz Krupps Zurcktreten von diesem Gebiet doch der Fall war, da gerade Deutschland trotz der hierdurch herbeigefhrten Schwierigkeiten die Fhrung in der ganzen Entwickelung der Panzerbefestigung bernommen hat, das ist anderen Mnnern zu danken, Maximilian Schumann, der die genialen Ideen, und Hermann Gruson, welcher die technischen Kenntnisse dazu bot. Aber vielleicht war es eine weise Fgung, da Krupp sich von diesem Gegenstand fern hielt, da er auch kein Verstndni fr Schumanns Ideen gehabt zu haben scheint und da er seine zur gemeinsamen Arbeit bittend ausgestreckte Hand zurckwies. Vielleicht war dies nothwendig, damit noch andere Krfte neben denen Krupps zur Entwickelung kmen und durch schwere Arbeit und Widerstnde hindurch sich rngen, um auch anderen Ideen, anderen Materialien zur Anerkennung und zur Bethtigung ihrer Leistungsfhigkeit zu verhelfen. Vielleicht war es den hchsten Zwecken dienlicher, da Krupp seine geniale Erfindungsgabe, seine Thatkraft und seine Mittel auf die Ausbildung lediglich der Kriegswaffe beschrnkte, um das hchste ihm Erreichbare zu leisten, whrend die Aufgabe Anderen vorbehalten blieb, die Mittel zu finden und zu vervollkommnen, welche gegen die immer sich steigernde Wirkung der Kruppschen Geschtze einen unverwundbaren Schutz zu bieten bestimmt sind; vielleicht mute sogar eine gewisse Beeinflussung des Verhltnisses dieser Personen zu einander, gewissermaen der Natur ihrer sich gegenseitig befehdenden Ideen und technischen Erzeugnisse entsprechend, sich entwickeln, um beide technische Zweige die bedeutende Hhe der Entwickelung erreichen zu lassen, auf welcher angekommen, sie wohl sich vereinigen durften. Im Jahre 1864 sollten die ersten Gustahl-Geschtze ihre Feuerprobe vor dem Feinde bestehen. Und wie durchaus nothwendig eine solche war, um ihre grere Leistungsfhigkeit den alten glatten Geschtzen gegenber zu beweisen, ergiebt sich aus einem Blick auf die Schwierigkeiten, welche die Frage der Neubewaffnung der preuischen Feldartillerie in den vorhergehenden Jahren nur so langsam fortschreiten lieen. Nachdem durch den Entschlu des Prinz-Regenten 1860 in jedes Feld-Artillerie-Regiment 3 Batterien zu je 8 gezogenen 9~cm~ Kanonen eingestellt worden waren, bestanden neben diesen noch je 9 Batterien glatter Geschtze, nmlich 6Pfnder-, 12Pfnder-Kanonen und 7Pfnder-Haubitzen zu gleichen Theilen. Da diese glatten Geschtze den Anforderungen wenig gewachsen waren, darber war man sich wohl einig, und als die Reorganisation der Armee im Jahre 1860 in allen Waffen ein neues reges Leben und verstndnivolles Streben nach Vervollkommnung und Zusammenwirken erweckte, da konnte auch die Artillerie nicht zurckbleiben. Ein krftiger Pulsschlag durchbebte den ganzen Organismus, wirkte auf Ausscheidung der ihm anhaftenden Mngel und auf eine Entwickelung aller Krfte, um hinter den anderen Waffen nicht zurckzubleiben in der Schlagfertigkeit, in der Verwendbarkeit und in der Wirkungsfhigkeit. Da man hierzu andere Geschtze brauchte, sah man ein, aber, in welcher Zahl gezogene und glatte Geschtze, in welchen Kalibern sie einzufhren seien, darber gingen die Ansichten weit auseinander. Man ist jetzt wohl geneigt, diese Frage sehr einfach und schnell dahin zu beantworten, wie sie nach den verschiedenen Uebergangsstadien entschieden worden ist: Natrlich nur gezogene Hinterlader, das sind ja die wirksamsten und verwendbarsten Geschtze! Aber so einfach lag die Sache nicht. Man mu sich vergegenwrtigen, da durch die erfolgte Einfhrung der gezogenen Geschtze die Taktik, die ganze Fechtweise der Armee auf das einschneidendste umgestaltet worden ist, und heute wrden wir die gezogenen Geschtze nicht entbehren knnen, weil auf ihrer Verwendung die ganze neue Taktik beruht. Die alte Fechtweise, und in dieser steckten doch die Artilleristen von 1860 noch vollstndig drin, entsprach der Wirkung der glatten Geschtze, und diese war auf die kleineren Entfernungen, mit denen man zu rechnen gewohnt war, eine dem gezogenen Geschtz berlegene. Der Schrapnellschu des letzteren war noch nicht ausgebildet, mit den Granaten hatte man auf grere Weiten eine viel bedeutendere Wirkung, aber der Karttschschu fehlte ihnen ganz. Und so ist es verstndlich, da man der Meinung zuneigte, beide Geschtzarten seien wohl geeignet, sich gegenseitig zu ergnzen, die glatten wrden dem Kampf auf nhere Entfernung am besten gengen, whrend die gezogenen, in mglichst stabiler Aufstellung (als Positionsgeschtze), auf weitere Distanzen von besonderem Werthe seien. Die am 27.Dezember 1860 unter Vorsitz des Prinzen Carl eingesetzte Kommission fr die Neuorganisation der Artillerie entschied sich dementsprechend dahin, da jedem Artillerie-Regiment neben 48 gezogenen Gustahl-Hinterladern noch 42 glatte Bronze-Kanonen (kurze 12Pfnder) und 6 glatte Bronze-Haubitzen zuzuertheilen seien. Die gezogenen Geschtze sollten also verdoppelt werden, und auf ihre Vermehrung drngte die Einfhrung gezogener Vorderlader in Frankreich, wo sie bereits im Feldzug 1859 zur Verwendung gekommen waren. Zugleich brachte aber die Einfhrung leichterer (4Pfnder) Kaliber in fast allen Armeen die Frage in den Vordergrund, ob neben dem 9~cm~ nicht auch ein leichteres Geschtz einzustellen sein wrde. Dies fhrte zur Bestellung von 2 8~cm~ Rohren bei Krupp, nach deren Lieferung im Mrz 1861 eine Reihe von Versuchen begann. Am 6.Januar 1862 wurde die Einstellung von je 4 8~cm~ Kanonen in jede Artillerie-Brigade vom Kriegsministerium verfgt, um einer einjhrigen Erprobung unterworfen zu werden. Bei der Artillerie-Prfungs-Kommission gingen aber die Urtheile ebenso auseinander, wie bei den Truppen, und der General-Inspekteur, Generallieutenant von Hahn, suchte sogar seine Ansicht zur Geltung zu bringen, da die bereilte Einfhrung der Hinterlader sehr zu bedauern sei, da hierdurch die Prfung gezogener Vorderlader ganz verhindert worden sei. Wieder war es Knig Wilhelm, welcher -- bereits am 1.Mai 1862 -- seine Ueberzeugung und seinen festen Willen, sie zur Geltung zu bringen, in die Waagschale warf, indem er befahl, da ein 8~cm~ Feldgeschtz nach Abschlu der Konstruktion in die Armee eingefhrt werden solle. Im Dezember 1863 waren die Versuche so weit erledigt, da aus den bisherigen Versuchs-Geschtzen eine Batterie zu 8 Kanonen und 8 Wagen gebildet und bei der Garde-Artillerie-Brigade eingestellt werden konnte. Die Einfhrung des nunmehr festgestellten Modells an Stelle der bisherigen Haubitzen ward am 18.April 1864 mit der Forderung der energischsten Beschleunigung befohlen. Da aber die Herstellung des Materials geraume Zeit in Anspruch nahm, konnte die Umwandlung der je drei Haubitz-Batterien in vier 8~cm~ Batterien zu 6 Geschtzen erst bis zum Herbst 1865 ausgefhrt werden. Beim Ausbruch des dnischen Krieges war, weil die Einfhrung der 8~cm~ Kanonen noch nicht durchgefhrt worden war, jedes Artillerie-Regiment mit 4 gezogenen 9~cm~-, 4 kurzen 12Pfnder-Batterien zu 6 und 3 Haubitzbatterien zu 8 Geschtzen ausgerstet; die 6 reitenden Batterien hatten kurze 12Pfnder. Mit einer solchen Mischung von verschiedenen Feldgeschtzen trat die preuische Armee in den Feldzug ein: das kombinirte Armeekorps hatte neben 72 glatten Bronzegeschtzen 30 gezogene Gustahl 9~cm~ Kanonen und die erwhnte Batterie von acht 8~cm~ Kanonen. Das verschiedene Verhalten der glatten und gezogenen, der Bronze- und Gustahl-Geschtze im Kampf sollte aber die Ueberlegenheit der letzteren klar vor Augen fhren. Es war bei Missunde, wo zum ersten Male die Gustahl-Kanonen in grerer Anzahl (24) in Thtigkeit traten. Wir finden sie dann bei Ballgaard an der Alsener Fhrde, bei der Beschieung von Fridericia und beim Angriff auf die Dppelstellung. Ueberall bewiesen sie ihre groe Wirksamkeit und der General von Hindersin, welcher bald nachher als zweiter General-Inspekteur der Artillerie der Waffe zu ihrem mchtigen Aufschwung verhalf, berzeugte sich durch eigenen Augenschein von der gewaltigen Ueberlegenheit der gezogenen ber die glatten Geschtze. Wenn ich in dieser Richtung nicht Alles thue, so motivirte er spter seine Bemhungen um die mglichste Vermehrung der gezogenen Geschtze, was in meiner Macht steht, und Preuen mit drei Viertel glatter Feldgeschtze in einen groen Krieg verwickelt wird gegen eine Macht, die nur gezogene Geschtze fhrt, so wird es wahrscheinlich eine Hauptschlacht verlieren. Der Verlust einer Hauptschlacht aber kann die Zertrmmerung und Vernichtung des Vaterlandes herbeifhren. Wenn ich daher das Geringste in der Einfhrung der gezogenen Geschtze versume, so kann durch meine Versumni der Untergang des Vaterlandes verschuldet werden. Dieser Gedanke liegt wie ein Alp auf mir und lt mich nicht schlafen. Die Zukunft hat gelehrt, mit welchem Recht der General den gezogenen Geschtzen eine so hohe Bedeutung beima, da er sich ihre Einfhrung gewissermaen zur Lebensaufgabe machte. Waren sich doch auch die hheren Truppenfhrer, welche aus Schleswig-Holstein zurckkehrten, wohl bewut, da dieser Feldzug nur das Vorspiel gewesen war zu weit ernsteren Kmpfen, und tnte doch durch den frohen Siegesjubel, mit dem sie in Berlin einzogen, gar deutlich die Mahnung, sich nicht einzuwiegen in Selbstzufriedenheit und Siegesgewiheit, sondern in ernster Arbeit die zu Tage getretenen Mngel zu beseitigen und sich zu rsten zu neuen um Vieles schwierigeren Aufgaben. Wenn man zu deren Lsung die gezogenen Geschtze als eines der wichtigsten und unentbehrlichen Mittel zu erkennen anfing, so ist es allerdings nicht der Gustahl, welchen man in seinen vorzglichen Eigenschaften bereits als einziges anwendbares Material erachtete. Schwere Kmpfe sollte dieser noch mit der Bronze bestehen, bevor er endlich siegreich den Nebenbuhler berwand. Es war das gezogene Geschtz zunchst als solches, der Hinterlader in seiner Konstruktion, den man als vortheilhaft erkannt hatte. Da der Hinterlader erst durch die ausschlieliche Herstellung in Krupps Gustahl seine volle Wirksamkeit entfalten wrde, davon war man noch nicht berzeugt, weil an die weitere enorme Steigerung der Kraftentfaltung noch Niemand zu denken wagte. Hatte man doch auch gezogene Hinterlader in Bronze mit ins Feld genommen, nmlich eine grere Zahl schwerer Belagerungsgeschtze. Fr solche war von Anfang an die Zweckmigkeit der Konstruktion anerkannt worden, whrend man an die Hinterlader-Feldgeschtze nur mit dem groen Bedenken herantrat, da sie nicht einfach genug seien und schwierig zu handhaben. Bei dem Belagerungsgeschtz, das in seiner Batterie fest steht und langsam feuert, lt man sich zeitraubende und schwierige Manipulationen eher gefallen. Es ist dieses Bedenken jetzt kaum mehr verstndlich, da ja die Bedienung des Hinterladers einfacher und rascher ist, als beim glatten Geschtz. Aber die Macht der Gewohnheit, und der merkwrdige Verschlu, zu dem man kein rechtes Vertrauen fassen konnte, das stand im Wege. Nun ist es bemerkenswerth, da auch auf dem Gebiet der schweren Belagerungsgeschtze der Feldzug 1864 den Ansto zum ersten Schritt auf dem Wege gab, welcher spter auch hier zur ausschlielichen Annahme des Gustahls in Preuen fhrte. Die bronzenen Geschtze hatten doch nicht allen Erwartungen entsprochen, und es wurden bei Krupp fnf 72Pfnder und drei 36Pfnder bestellt, alle im fertigen Zustande nach angegebener Konstruktion, whrend die Feldgeschtze noch alle in Spandau gebohrt, gezogen und mit Verschlu versehen wurden. Die vorgeahnten kriegerischen Verwickelungen lieen nicht lange auf sich warten. Der Krieg von 1864 trug im Schoo die Keime, aus denen sich das neue deutsche Reich mchtig gestalten sollte; aber groe politische Fortschritte sind auf dem Wege friedlicher Entwickelung kaum denkbar. Sie bedrfen des Bewutseins der Kraft, und dieses Selbstvertrauen wird nur gewonnen durch deren Erprobung im Kampfe; nur durch die ihnen zum Bewutsein gebrachte Ueberlegenheit knnen anderseits die widerstrebenden Nachbarmchte veranlat werden, Raum zu geben fr grere Machtentfaltung, ihre Anerkennung dem gesteigerten Einflu auf die Gestaltung der Weltlage nicht zu versagen. In hervorragendem Mae gilt dieses fr Deutschland, dessen politisches Gefge den auswrtigen Mchten von jeher Angriffspunkte genug geboten hatte, um den Hebel zur Lockerung des ganzen kunstvollen Bauwerkes anzusetzen. Es galt, die Einzelinteressen zu vereinigen auf einen groen Gesichtspunkt, die einzelnen Bestandtheile zusammenzuschmeien zu dem einheitlichen Organismus, welcher allein das nothwendige Ma der Kraftentfaltung erreichen konnte, das ihm eine achtunggebietende Stellung unter den Weltmchten errang. Dazu bedurfte es heftiger Kmpfe, des blutigen Ringens mit den Verfechtern der veralteten unbrauchbaren Staatsformen, um der neuen Gruppirung der Krfte, der Neugestaltung des Reiches Raum zu schaffen, und eines um noch Vieles ernsteren, gewaltigeren Ringens mit derjenigen Europischen Macht, welche sich in ihrer angematen vorherrschenden Stellung gefhrdet glaubte durch den aus langem ohnmchtigen Schlummer erwachten deutschen Riesen. Dem Kriege von 1864 folgten mit der von dem Preuischen Knig ebenso wie von seinen groen Staatsmnnern vorhergesehenen Nothwendigkeit die Kriege von 1866 und 1870. Knig Wilhelm hatte, in eintrchtiger schwerer Arbeit mit seinem Kriegsminister unentwegt das Ziel im Auge behalten, das Werkzeug zu formen und zu krftigen, mit dem allein diese schweren Krisen berwunden werden konnten. Die Reorganisation der Armee war trotz aller Widerstnde einer einseitig verrannten Mehrheit der Volksvertretung durchgefhrt worden und vornehmlich auch ihrer Bewaffnung ein ernstes Interesse zugewendet worden. Mit dem Zndnadelgewehr besa die Infanterie eine in jenen Jahren allen anderen weit berlegene Waffe und auch in den Kruppschen Gustahl-Hinterladern Geschtze, welchen keine andere Armee gleichwerthige gegenberstellen konnte. Und doch, so vorzglich die ersteren sich im Kriege mit Oesterreich bewhrten, soviel sie zum Siege beitrugen, um eben soviel blieben die Geschtze hinter den Erwartungen zurck. Das hatte aber seine guten Grnde. Erst 1865 konnten die 8~cm~ in die Armee eingestellt werden und, dem Grundsatz folgend, stets eine starke Reserve fr unbrauchbar werdende Geschtze zurckzuhalten, auch nicht die ganze Zahl, welche Krupp lieferte. Es ist Hindersin zu danken, da er beim Ausbruch des Krieges es durchsetzte, auch die Reservegeschtze schleunigst noch einzustellen, indem er hervorhob, da es fr die zu erwartende Entscheidungsschlacht darauf ankomme, mglichst viele Hinterlader zur Verfgung zu haben. Gewannen wir diese, so brachte fr die nachfolgenden kleineren Gefechte der etwaige Verlust unbrauchbar gewordener keinen Nachtheil. Es ist aber aus der ganzen Art, wie die Beschaffung und Einstellung der gezogenen Geschtze erfolgte, zu ersehen, da an eine grndliche Kenntni und Beherrschung der neuen Waffe durch die Truppe und ihre Offiziere im Jahre 1866 nicht zu denken war. Gerade bei der einschneidenden Umgestaltung der Taktik, welche die gezogenen Geschtze herbeifhren muten, ist es nur natrlich, da dieser groe Schritt nicht auf einmal in kurzer Zeit gethan werden konnte, da eine Zeit des Ueberganges eintreten mute, in der das alte glatte Geschtz seinen Werth verlor und das neue gezogene noch nicht seiner Natur entsprechend ausgenutzt werden konnte. Und gerade in diese Uebergangszeit fiel der Krieg von 1866. Es giebt keinen schlagenderen Beweis fr die Nothwendigkeit, mit der Verwendung eines Kriegsinstrumentes die Armee bei Zeiten grndlich vertraut zu machen. Die beste Waffe erweist sich als schwchlich in der Hand des Neulings und Ignoranten. Whrend die sterreichische Armee mit gezogenen Geschtzen, vom besten System der Vorderlader, durchweg bewaffnet war, hatte die preuische Armee neben ca. 60 Prozent Hinterladern noch 40 Prozent glatte Geschtze. In Bhmen stand sie mit 474 gezogenen, 318 glatten Kanonen gegen 776 gezogene und 34 (schsische) glatte; auf dem westlichen Kriegsschauplatz gar mit 42 gezogenen und 36 glatten gegen 174 gezogene und 172 glatte. Auf beiden Seiten war die Enttuschung gleich gro. Man hatte erwartet, da die Wirkung der gezogenen Geschtze beim Kampfe groer Artilleriemassen als ein sehr bedeutsames Kampfmittel sich geltend machen, da die Artillerie eine groe Rolle in der Feldschlacht spielen werde, also genau das, was sich 1870 als vollberechtigt erweisen sollte. Aber 1866 ergab sich zwar die vollstndige Ohnmacht der glatten gegen die gezogenen Geschtze; sie muten ihnen in allen Fllen das Feld rumen und konnten vielfach gar nicht zur Verwendung kommen; -- aber im Kampf gegen einander, der meist auf sehr groe Entfernungen gefhrt wurde, thaten letztere sich auerordentlich wenig Schaden. Das lag an der mangelhaften Ausbildung des Personals und an der falschen Verwendung der Kanonen. Fr die Artillerie-Truppe ergab sich mithin aus den Erfahrungen dieses Krieges die Nothwendigkeit einer grndlicheren Ausbildung einerseits, einer weiteren Prfung der schlecht bewhrten Waffe aber anderseits. Die glatten Feldgeschtze muten als ganz unbrauchbar allerdings beseitigt werden, aber eine ernste Krisis folgte auch fr die Kruppschen Hinterlader. Und zwar war es nicht nur das System, fr welches ja Krupp keine Verantwortung traf, sondern auch scheinbar das Material, dessen Gte in Frage gestellt wurde. Von den 8~cm~-Rohren mit Keilverschlu waren nmlich mehrere ohne vorherige Anzeichen und ohne nachweisbare Fehler des Materials besessen zu haben, gesprungen. Damit war der Glaube an die Haltbarkeit des Gustahls ernstlich erschttert, seine Gegner schlugen daraus Kapital zu Gunsten der Bronze und erreichten, da in Preuen aufs Neue Versuche mit einem bronzenen 9~cm~-Rohr angestellt wurden; seine Konkurrenten wuten die Unglcksflle geschftig in ihrem Interesse zu verwerthen und das Mitrauen zu Krupps Fabrikaten immer aufs Neue dadurch anzuregen, soda er sich noch im Jahre 1879 gezwungen sah, den bertriebenen Behauptungen in einem Schriftstck entgegenzutreten, das er am 11.Februar an alle Mitglieder des englischen Unterhauses versandte. Er legte hierin klar, da von fast 18000 gelieferten Geschtzen bisher nur 22 gesprungen seien, hiervon entfielen aber 17 auf die Geschtze alten Systems, welches 1870 verlassen wurde, und nur 5 Flle auf die 11600 seitdem angefertigten Geschtze. Zunchst war es aber eine Lebensfrage fr die Geschtzfabrikation des Gustahlwerkes, die Ursachen zu ergrnden fr die im Kriege 1866 vorgekommenen Unglcksflle. Krupp glaubte sie in dem wenig zweckmigen Verschlu, dem Wesener'schen Doppelkeil-Verschlu, welchen die Rohre in Spandau erhalten hatten, gefunden zu haben, und da es trotz aller Versuche nicht gelang, die hiermit versehenen Rohre zu verbessern, entschlo er sich zu dem groen Opfer, die smmtlichen vor 2 Jahren gelieferten 8~cm~-Rohre zurckzunehmen und durch 300 neue Rohre mit genderter Verschlu-Konstruktion zu ersetzen. Dies war geboten durch das Geschftsinteresse, denn die mangelhafte Einrichtung konnte bei jedem dieser Geschtze ein Springen veranlassen. Jeder weitere derartige Unglcksfall konnte aber seinen Kredit wesentlich schdigen. Bei der Ausdehnung, welche die Geschtzlieferungen bereits angenommen hatten und bei den hiermit verbundenen Kapitalopfern fr die nothwendigen Werkanlagen war ein Rckgang der Geschtzlieferungen mit hohen Gefahren fr die Fabrik verbunden, ganz abgesehen von der Enttuschung, welche Krupp persnlich in seinen auf eine weitere Entwickelung gerade dieses Industriezweiges gesetzten Erwartungen getroffen htte. Zu einer bedeutenden Vergrerung seiner Fabrik war Krupp in den Jahren 1863-64 namentlich durch die umfassenden Bestellungen der russischen Regierung veranlat worden. Sie hatte mit dem 1859 eingefhrten bronzenen Vorderlader-Feldgeschtz schlechte Erfahrungen gemacht und wandte sich 1863 dem Gustahl zu, indem sie 88 Stck achtzllige und 16 Stck neunzllige gezogene Vorderlader, 1864 aber 234 Hinterlader in allen Kalibern probeweise bestellte. Die Geschtzfabrikation stieg dank dieser und der Lieferungen fr deutsche Staaten 1864 auf 817, im Jahre 1866 aber erreichte sie gar die Zahl von 1562, weil Ruland die Krupp'schen Feldgeschtze mit dem von ihm konstruirten Rundkeilverschlu angenommen hatte. Es mu wohl, wenigstens theilweise, auf das durch die Unglcksflle im Kriege veranlate Mitrauen zurckgefhrt werden, da in den folgenden Jahren sich ein sehr fhlbarer Rckgang bemerklich machte. Die Bestellungen betrugen 1867 720, 1868 588, 1869 nur 205 Stck, und begannen erst nach 1870 (427 Stck) mit Einfhrung einer vernderten Rohrkonstruktion mchtig zu steigen. Die Erweiterung des Betriebes hatte aber auch den Wunsch nahe gelegt, mit der Rohmaterialienbeschaffung sich unabhngig zu machen von auswrtigen Lieferanten; und da zur Errichtung von Hohfen die Lage der Fabrik bei Essen wenig geeignet war, so ergriff Alfried Krupp die sich ihm bietende Gelegenheit, vom preuischen Bergfiskus die Sayner Htte zu erwerben. Er kam damit wieder einen wichtigen Schritt weiter in der prinzipiellen Ausbildung des Selbstfabrikations-Systems, das er unentwegt im Auge behielt. Die Erweiterungen und Neuanlagen der Fabrik, sowie der Ankauf der Htte waren aber mit groen Geldopfern verbunden, so da es wohlverstndlich ist, da Krupp bei dem Hereinbrechen der kritischen Jahre nach 1866 nicht nur den Entschlu fate, die an Preuen gelieferten 300 8~cm~-Rohre zurckzunehmen, sondern da er auch alles daran setzte, durch weitere technische Fortschritte dem Gustahl seine Stellung zu wahren. Er selbst war nicht irre geworden an dessen Vorzglichkeit und glaubte seine Eigenschaften noch lange nicht hinreichend ausgenutzt. Es mute aber eine neue Bahn beschritten werden, um das gesteckte Ziel zu erreichen, das hatten die Unglcksflle von 1866 ihm klar gezeigt. ~VI.~ Kampf und Sieg. Die Mierfolge der gezogenen Geschtze auf dem Schlachtfelde riefen die malosesten Angriffe gegen diese hervor und namentlich wurden die Hinterlader einer heftigen Kritik unterzogen. Aber die magebenden Personen lieen sich ebensowenig wie die Artillerie-Waffe hierdurch beirren. Noch im Jahre 1866, am 6.Oktober verfgte Knig Wilhelm die Bewaffnung der reitenden Batterien mit den gezogenen 8~cm~-Kanonen, und binnen Kurzem waren smmtliche glatte Geschtze nicht nur aus der preuischen, sondern aus allen Armeen Deutschlands verschwunden. Die Artillerie aber hatte zu deutlich empfunden, da das glatte Geschtz dem gezogenen gegenber gnzlich entwerthet, da die erwartete Wirkung auf geringe Entfernungen eine Illusion gewesen sei, den modernen weitschieenden Gewehren gegenber. Sie suchte mit Recht die Grnde fr die Mierfolge der Waffe in deren ungengender Kenntni und Ausnutzung, vor allem in der falschen Verwendung auf dem Schlachtfelde. Ihr ganzes eifriges Streben ging darauf hinaus, die Natur und Leistungsfhigkeit des neuen Geschtzes zu studiren und sich im richtigen Gebrauch rastlos zu ben. Wie recht sie damit hatte und wie zielbewut sie ihre Pflicht erfate, zeigen die glnzenden und berraschenden Erfolge des nchsten Krieges. Da die Unglcksflle von 1866 das Vertrauen in das System der Hinterlader nicht zu erschttern brauchte, hatte man aus dem eigenthmlichen Umstande gefolgert, da nicht ein einziges 9~cm~-Rohr, sondern nur 8~cm~-Rohre gesprungen waren, weshalb wohl die Unzweckmigkeit des bei diesem vernderten Verschlusses die Schuld tragen mute. Mit diesem theoretischen Nachweis war aber das Mitrauen in der Truppe nicht zu berwinden, welcher die Gustahl-Rohre unheimlich erschienen, da sie ohne irgend ein vorhergehendes Merkmal der Mangelhaftigkeit zerspringen knnten. Man deutete immer wieder auf den Vorzug der Bronze hin, deren Rohre zwar auch bersten und zerreien knnten, aber niemals pltzlich und unvorhergesehen, sondern immer nach vorangehenden deutlichen Anzeichen. Hierdurch sah sich die General-Inspektion der Artillerie veranlat, mit pflichtmiger Gewissenhaftigkeit einen neuen Versuch zu machen, ob ein leistungsfhiges Hinterlade-Feldgeschtz aus Bronze sich herstellen lasse. Sie lie ein 9~cm~-Rohr konstruiren, das nach Mglichkeit dem Gewicht des Gustahlrohrs und seiner Laffete entsprechen sollte. Und siehe: Die Schieergebnisse, welche seit 1867 mit diesem Geschtz erreicht wurden, waren gnstig. Die Versuche, nun auch mit 8~cm~-Rohren, wurden fortgesetzt und es vollzog sich allmhlich eine vollstndige Wandlung zu Gunsten der Bronze. Eigenthmlich, da zur selben Zeit, wo in Folge dessen Preuen nahe daran war, Krupps Gustahl den Rcken zu wenden, in Oesterreich die umgekehrte Ansicht zur Geltung kam, da die bronzenen Feldgeschtze abgeschafft werden mten, weil Gustahl unzweifelhaft der Bronze vorzuziehen sei. Die Gefahr, nicht durch die Beschaffenheit des Materials, sondern durch eine fehlerhafte Konstruktion, ohne Krupps Verschulden hervorgerufen, war sehr gro, da man auf einen falschen Weg gerieth, da man sich der werthvollsten Kriegswaffe beraubte und ihren genialen Erzeuger, der sein ganzes Vermgen und Knnen in dieser Zeit an die Vervollkommnung der Waffe gesetzt hatte, in eine uerst schwierige Lage brachte. Der Ausbruch des Krieges 1870/71 wandte die Gefahr ab. Gleich in den ersten Gefechten machte sich die Ueberlegenheit des franzsischen Chassepot-Gewehrs geltend. Unsere Infanterie, die in lobenswerther aber schlecht angebrachter Tapferkeit ihre Angriffe in gleicher Weise wie 1866 ohne Vorbereitung durch die Artillerie zu machen versuchte, erlitt enorme Verluste und mute jeden Sieg ber die Feinde, welche in schnen Stellungen sie empfingen, mit Strmen von Blut erkaufen. Aber ebenso scharf trat von Anfang an die Ueberlegenheit der deutschen ber die franzsische Artillerie hervor. Die Verhltnisse von 1866 erschienen geradezu umgekehrt. Binnen Kurzem war es die starke Hilfe der Artillerie, ohne welche die Infanterie keine Erfolge erringen konnte, war es ihre in die Wagschale geworfene Kraft, welche den Charakter der meisten Schlachten bestimmte. Und es basirte dieses Uebergewicht nicht allein in dem Zahlenunterschied -- die deutsche Armee verfgte im August ber 1260 gegen 924 Geschtze --, sondern vorwiegend in deren Leistungsfhigkeit und der Geschicklichkeit, mit der die Artilleristen sie zu verwenden verstanden. Die Taktik der modernen Feldartillerie hat auf den franzsischen Schlachtfeldern ihre Erprobung und ihre weitere Entwickelung gefunden. Es wird von Interesse sein, einige Zeugnisse aus beiden Heerlagern einander gegenber zu stellen, um einen Begriff zu bekommen von dem groartigen Erfolg und von dem berwltigenden moralischen Eindruck, welchen die Wirkung der deutschen Gustahl-Kanonen hervorriefen. Prinz Kraft zu Hohenlohe-Ingelfingen, damals Kommandeur der Artillerie des Gardekorps, berichtet in einem Briefe ber das Eingreifen seiner Batterien bei St.Privat: Eine dichte Masse feindlicher Infanterie kam mit Energie von der Gegend von Amanvillers auf uns zu. Als sie ber die Hhe auftauchte, erreichten sie die Probeschsse mit 1900 Schritt und die 30 Geschtze machten Schnellfeuer. Ein dichter Pulverqualm, von den platzenden Granaten erzeugt, hllte die feindliche Infanterie ein. Aber nach kurzer Zeit tauchten die Waffen mit den Rothhosen diesseits daraus hervor und kamen nher. Das Feuer ward eingestellt. Ein Probeschu mit 1700 Schritt bezeichnete den Punkt, auf den man sie heranmarschiren lie, und so ging es weiter auf 1500, 1300, 1100 und 900 Schritt. Trotz der entsetzlichen Verheerungen, welche die Granaten unter ihnen anrichteten, blieben diese braven Truppen im Avanciren. Aber auf 900 Schritt war die Wirkung gar zu mrderisch, sie wandten sich zur Flucht, von unseren Granaten begleitet, so weit wir sie sehen konnten. Hier haben wir es mit einem Infanterieangriff zu thun, der durch bloes Artillerie-Feuer abgewiesen ist. Ich habe einige Jahre spter einen Adjutanten des Generals Ladmirault gesprochen, der den Befehl zu diesem Gegensto gebracht und den Angriff mitgemacht hatte. Es waren zwei Infanterie-Regimenter dazu beordert. Der franzsische Offizier sagte nur: ~Il tait impossible de russir. Vous n'avez pas ide qu'est-ce que cela veut dire, que de devoir avancer dans le feu de votre artillerie.~ Die Infanterieangriffe wiederholten sich aus derselben Richtung her. Es haben im Ganzen deren drei stattgefunden, die letzten beiden wurden aber nicht mit solcher Energie unternommen, wie der erste. Sie erstarben schon auf 1500 Schritt von uns. Auch eine Kavalleriemasse war vor diesen Infanterie-Angriffen aufgetaucht, um den Vertheidigern von St.Privat Luft zu schaffen. Sobald einige Probeschsse die Entfernung gemessen hatten, sprengten die massenhaft einschlagenden Granaten unseres Schnellfeuers die Kavallerie auseinander und sie verschwand dahin, wo sie hergekommen war. Noch bezeichnender sind die Berichte desselben Generals ber die Schlacht bei Sedan: Eine feindliche Batterie, so erzhlt er, ganz mit Schimmeln bespannt, trabte von Fond de Givonne her auf Givonne zu und wollte zwischen diesem Dorfe und dem bois de la Garonne Stellung nehmen. Sobald sie auf der Hhe sichtbar war, richteten die drei Batterien der 1.Garde-Infanterie-Division ihre Geschtze dahin. Die Batterie brach vollstndig zusammen, die Trmmer blieben liegen. Sie that keinen Schu. Einer zweiten und dritten Batterie ging es ebenso. In einer bald nach dem Feldzuge erschienenen franzsischen Broschre las ich: ~l'Empereur lui-mme essaya de placer trois batteries au sortir du Fond de Givonne. Elles furent crases sans coup frir...~ Je lnger man auf derselben Stelle stand, desto sicherer traf man. Einmal sah man Bewegung oben rechts im Ardenner Walde. Die Fernglser lieen Kavallerie erkennen, welche nach Verdun zu ber eine Lichtung des Waldgebirges zu zweien ritt. Die Batterien schossen sich darauf ein. Mit Aufsatz von mehr als 4000 Schritt glaubte man zu treffen. Bei der groen Entfernung zweifelte ich an einer ersprielichen Wirkung und wollte das Feuer inhibiren, aber die sichtbare Unruhe bei der feindlichen Kavallerie zeigte, da wir getroffen hatten... Da mit der Wegnahme des Bois de la Garonne die vollkommene Niederwerfung des feindlichen Heeres besiegelt sein werde, war klar ersichtlich. Aber der Angriff mute erst vorbereitet werden. Zu diesem Zwecke theilte ich die ganze vor uns liegende Waldlisire in Abschnitte und wies jeder Batterie ihr Theil zu. Sie mute dann immer mit dem ersten Geschtz den vorderen Waldesrand treffen und jedes folgende Geschtz mute mit derselben Richtung, aber mit je 100 Schritt Elevation mehr, feuern. So wurde die ganze Waldlisire und der Wald bis in einer Tiefe von 500 Schritt mit Granaten berst. Die Sprengstcke gingen noch weiter. Lie sich aber irgend etwas vom Feinde auerhalb des Waldes sehen, so richteten sich alle Geschtze mit vernichtender Wirkung dagegen. Unsere Ueberlegenheit ber den Feind war in dieser Periode der Schlacht an dieser Stelle so erdrckend, da wir gar keine Verluste mehr hatten. Die Batterien schossen wie auf dem Schieplatze nach der Scheibe. Endlich schien der Moment zum Angriff gekommen, die Angriffsbefehle waren ertheilt, eine Salve aus smmtlichen Geschtzen sollte das Signal zur Ausfhrung sein. Die Salve krachte Punkt 2 Uhr, die Infanterie stieg den Berg hinan. Mit fieberhafter Spannung richteten wir unsere Blicke nach dem Walde, ob dessen Rand wieder so viele Opfer kosten werde, wie die Lisire von St.Privat. Aber der Widerstand war hier fast Null. An den meisten Stellen kamen die vllig entmuthigten Franzosen unseren Truppen mit dem Rufe entgegen: ~piti, piti, nous ne pouvons plus, nous sommes crass par le feu de votre artillerie.~ Und nun diesen Schilderungen eines preuischen Artilleristen gegenber die Aeuerung eines Generals des Mac Mahon'schen Korps: Was aber das Schlimmste ist, da unsere Artillerie in beklagenswerther Weise derjenigen der Preuen, sowohl was das Kaliber, als was die Zahl betrifft, nicht gewachsen ist. Unsere 4pfndigen Geschtze, hbsche Spielzeuge in einer Ausstellung, haben nirgends auch nur einen Augenblick vor den 12Pfndern (es sind die 9~cm~-Kanonen gemeint) der Preuen Stand halten knnen; Tragfhigkeit, Sicherheit und Schnelligkeit des Schusses, Alles ohne Vergleich, ist bei unsern Feinden berlegen. Whrend unsere Artillerie sich nie halten konnte, verlie die preuische ihre Stellungen nur, um zu avanciren; sie schien von der unseren nie getroffen zu werden und bewegte sich mit derselben Kaltbltigkeit und derselben Prcision, wie auf dem Exerzierplatze. Diese Leistungen der deutschen Artillerie hatten das unbedingte Vertrauen zu ihrer Feuerwaffe zur Voraussetzung. Und in der That hatte nicht nur diese allen Erwartungen bezglich der Konstruktion entsprochen, sondern auch das Verhalten des Materials hatte bei einer bisher noch beispiellosen Beanspruchung alle Befrchtungen auf das glnzendste widerlegt. Von den 9~cm~, die theilweise seit 1861 im Gebrauch waren, hatten einzelne schon ber 2000 scharfe Schsse gethan; aber vllig unbrauchbar waren nur zwei Rohre durch starke Ausbrennungen geworden; eine zeitweise Unbrauchbarkeit hatten Verletzungen am Verschlusse bei 16 Rohren herbeigefhrt. An den 8~cm~-Rohren, die meist zwischen 400 und 500 Schssen gethan hatten, waren 25 durch Ausbrennung am Verschlutheil vllig unbrauchbar, 57 zeitweise unbrauchbar geworden. Aber gesprungen -- und das hatte man ja in erster Linie gefrchtet -- war kein einziges Rohr. Hiermit war fr Deutschlands Feldartillerie die Materialfrage endgltig entschieden. Der Gustahl hatte sich so glnzend bewhrt, da von der Verwendung der Bronze ferner ganz abgesehen wurde. Auf diesem Gebiet waren alle Hindernisse beseitigt, soda Krupp freien Raum erhielt, seine neuen Vervollkommnungen zur Geltung zu bringen. Bevor wir dem Meister auf dem neuen Wege folgen, mssen wir einen Augenblick verweilen, um noch einmal rckwrts zu schauen auf die letzten Jahre der Entwickelung. Denn Manches hat sich verndert und manches wichtige Ereigni ist nicht ohne Folge geblieben auf ihn selbst, seine Lebensfhrung und seine Eigenart. Nachdem Krupp im Jahre 1860 seine bescheidene Wohnung mit dem Gartenhaus, einem in Villenstil innerhalb der Fabrik errichteten Gebude vertauscht hatte, entschlo er sich im Jahre 1864, dem geruschvollen Treiben sich und seine Familie zu entziehen. Er hatte ein kleines Landbesitzthum an der Ruhr erworben und das auf einem waldumkrnzten Hgel gelegene Bauernhaus zu einem Wohnhaus umgebaut. Erst spter trat an dessen Stelle die herrschaftliche Villa, welche, in weithin das Fluthal beherrschender Lage, zum wrdigen Wohnsitz der Krupp'schen Familie gestaltet wurde, den ersten bescheidenen Namen Hgel aber bis heutigen Tages behielt. Wenige Tage vor dem Umzug auf den Hgel, am 28.Oktober 1864, ward Krupp noch ein bemerkenswerther Besuch zu Theil. Der preuische Ministerprsident, Herr von Bismarck, hatte vom 7. bis 24.Oktober eine Reihe glcklich unbeschftigte Tage in Biarritz zugebracht, war am 25. in Paris gewesen und auf der Heimreise einer Einladung Krupps gefolgt, in dessen Gartenhaus er einen Abend in heiterster Stimmung verbrachte, um andern Tages nach Berlin weiter zu fahren. Die folgenden Jahre hatten weitere hohe Besuche gebracht, von denen die des Kronprinzen Friedrich Wilhelm am 17.April und des Knigs Wilhelm am 16.Oktober 1865 hervorzuheben sind. Der Knig wurde auf der im selben Jahre erffneten eigenen Eisenbahn der Fabrik von Borbeck aus nach dem festlich geschmckten und illuminirten Etablissement gebracht und bernachtete in dem nun fr hohe Gste eingerichteten Gartenhaus. Der gtige Monarch pflegte niemals mit leerer Hand zu kommen, und so suchte er dieses Mal seinem Wirth durch Verleihung des Kronenordens ~II.~ Klasse ein Zeichen seiner Huld und Anerkennung zu geben. Wenige Tage darauf, am 20.Oktober, langte der Kronprinz zum zweiten Male in Essen an, fhrte dieses Mal aber auch die Kronprinzessin und die anderen Tages eingetroffene Knigin Augusta durch die Rume der Fabrik. Das Jahr 1865 brachte auch einen Besuch des Prinzen Alexander, welcher im Jahre 1867 und 1868 wiederholt wurde. 1866 waren Prinz Adalbert, 1867 Prinz Karl von Preuen, beide in Begleitung ihrer Gemahlinnen in der Gustahlfabrik. Letztere trafen aber deren Besitzer nicht an; er war in Nizza. Im Winter von 1866 zu 67 machten sich bei Alfried Krupp zum ersten Male die Einwirkungen der krperlichen und geistigen Ueberanstrengung geltend, denen er seit seinem vierzehnten Lebensjahre unausgesetzt sich nicht entziehen konnte. Von diesen vierzig Jahren hatte er fnfundzwanzig in Noth und Sorge, im Kampf und Ringen um seine und seiner Familie Existenz verbringen mssen; und als der erste durchschlagende Erfolg ihn freier in die Zukunft schauen lie, als die krperliche Anstrengung sich verminderte, da kam eine Periode des emsigsten Schaffens auf geistigem Gebiete, da muten immer neue Unternehmungen gewagt, neue Verwendungen des Materials ersonnen und erprobt, immer neue Widerstnde und Mierfolge berwunden werden, erst auf dem Felde der Friedenserzeugnisse, dann der Kriegswaffen. Und als das Ziel, das Krupp mit diesen verfolgte, erreicht zu sein schien, als seine Geschtze in Preuen endlich zur Einfhrung gelangt waren, da kam der Krieg von 1866 mit seinem artilleristischen Mierfolg. Wie niederschmetternd muten diese Kritiken, welche seine Geschtze nicht nur bezglich der Konstruktion, sondern auch bezglich des Materials auf das heftigste angriffen, auf den Mann wirken, der in diesem Zweige seiner Industrie, in diesem mit Liebe und allen Opfern gepflegten Kinde seiner Thtigkeit seine hchste Lebensaufgabe erblickt hatte. Dieses Material, von dessen stetig vorzglicher Gte er so berzeugt war, sollte unbrauchbar, sollte unzuverlssig sein! Krupp hatte die hchste Idee von dem Erbe seines Vaters, er stellte es von vornherein ber jedes andere Erzeugni der Metallurgie, und nur dieser unerschtterliche Glauben an seinen Gustahl und an die Mission, welche ihn mit dessen Ausbeutung betraut hatte, war der Halt und das Fundament gewesen, mit und auf welchem er sein Leben diese 40 Jahre hindurch aufgebaut hatte, ein festgefgtes Gebude. Und nun sollte dieser Grund unsicher, diese Sttze unhaltbar sein, nun sollte der ganze Bau zusammenstrzen, ohne die erhoffte und mit Zuversicht erwartete Weiterentwickelung zu finden? Wie schrecklich, wie kaum auszudenken war dieser Gedanke fr einen Mann wie Alfried Krupp. Sein ganzes Selbstbewutsein, sein Stolz, seine Kenntnisse, seine Ueberzeugung bumten sich dagegen auf und riefen ihm zu: Nein! Sie sind alle Thoren! Sie sind blind und thricht. Du weit es besser und du wirst und mut sie eines Besseren belehren! Und nun das eifrige Suchen nach der Quelle der Unglcksflle, nicht mit Angst und Ungewiheit, aber mit dem heien Drang aller Welt es vor Augen zu fhren, wie falsch sie geurtheilt habe. Und als sie gefunden war, der schnelle Entschlu, diese unglckliche Konstruktion, die ihm aufgenthigt worden, die gar nicht sein eigenes Geisteserzeugni war, ganz zu beseitigen. Es wurde frher als ein im Geschftsinteresse gebrachtes Opfer bezeichnet, da Krupp die 300 8~cm~-Rohre zurcknahm und durch andere ersetzte. Gewi war es das! Aber im tiefsten Grunde waren die Motive zu diesem Entschlu doch andere, sie lagen viel tiefer, sie waren nicht einfach berechnender Natur, sondern Krupp war in tiefster Seele so emprt ber diese Geschpfe seiner Fabrik, welche ihm diesen grimmigsten Schmerz angethan, da er sie aus der Welt schaffen, sie auf jeden Fall beseitigen mute. Wenn er nur in geschftlicher Erwgung gehandelt htte, so wrde es nahe gelegen haben, bei der preuischen Regierung vorstellig zu werden, da es besser sei, die unzuverlssigen Rohre zu verwerfen, und da er unter billigen Bedingungen erbtig sei zu einem Umtausch gegen neue, obgleich er an der mangelhaften Konstruktion nicht die Schuld trage. Aber von einem solchen Versuch ist nichts bekannt. Es ist ein freier, rascher Entschlu, der bei Krupps energischem, vor nichts zurckscheuendem Charakter wohl erklrlich ist. Diese Kanonen hatten seine heiligsten Ideale beleidigt, seine Erfolge in Frage gestellt, die Weltstellung seines Gustahls ernstlich gefhrdet: mit der Schroffheit, welche sein Wille in diesem ihm wichtigsten Punkte anzunehmen begann, sagte er: Weg damit! Gleichzeitig begann aber mit groem Eifer die Weiterentwickelung der eigenen Kruppschen Geschtzkonstruktionen; es ist wohl keine Frage, da die mit der preuischen 8~cm~-Kanone gemachten Erfahrungen einen Ansto gaben, selbstndig fr dieses Geschtz ein besseres zu konstruiren, und so ist der Herbst und Winter 1866 fr Krupp unzweifelhaft von so heftigen Gemthsbewegungen und geistigen Anstrengungen begleitet gewesen, da eine Einwirkung auf sein krperliches Befinden nicht Wunder nehmen kann. Es kam hierzu noch Eins, nmlich die Vorbereitung auf die 2.Pariser Weltausstellung, welche im Jahre 1867 stattfinden sollte. Sie war doppelt wichtig nach dem Sto, den der Gustahl soeben erlitten hatte, mit doppelter Sorgsamkeit mute ihre Beschickung ins Auge gefat werden. Die geistige und krperliche Abspannung, welche sich im Winter geltend machten, zwangen Krupp dazu, seine unermdliche Thtigkeit zu unterbrechen und in einem milderen Klima Erholung zu suchen. Er weilte ziemlich lange Zeit in Nizza, dem Ort, den er auch spter wiederholt mit Vorliebe und gutem Erfolg aufsuchte. Auf der Pariser Ausstellung wollte Krupp zum ersten Mal mit seiner neuen Rohrkonstruktion, mit einem Ringrohr, auftreten. Man hatte bereits in mehreren Staaten Versuche angestellt, durch Herstellung des Geschtzrohres nicht aus einer Masse, sondern aus mehreren zylinderfrmigen Lagen ber einander eine Verbesserung der Waffe herbeizufhren. Das von ihnen angewendete Material und das Geschtzsystem waren aber von ganz anderer Art; Krupp mute daher, als er den Gedanken aufgriff, ganz selbstndig vorgehen, und die Konstruktion der Gustahl-Ringrohre ist deshalb als sein eigenstes Werk zu betrachten. Das Verfahren besteht darin, da auf das -- in der Wandung schwcher gehaltene -- zylindrische Geschtzrohr ein anderer angewrmter und dadurch erweiterter Gustahlzylinder aufgebracht wird, welcher beim Erkalten sich zusammenzieht und auf den inneren Zylinder zusammenpressend wirkt, weil sein innerer Durchmesser im kalten Zustande um etwas geringer ist als der uere des umschlossenen Geschtzrohrs. Giebt man auf diesen ueren noch einen dritten Zylinder, so wird der erste noch mehr zusammengepret, und die Ausdehnung, welche der zweite erlitt, gemigt. Alle Theile des so entstandenen Geschtzrohrs werden aber, wie leicht verstndlich, beim Abfeuern des Schusses in eine Spannung versetzt, welche von innen nach auen sich verringert, und in dem Ringrohr begegnet nun dieser Sto der Pulvergase einer in gleicher Richtung abnehmenden Widerstandsfhigkeit des Materials. Die im innersten Theile ganz bedeutend gesteigerte Widerstandskraft vermag also viel greren Ladungen Stand zu halten, als beim alten Massivrohr. Und da ferner der Laderaum den strksten Sto erhlt, die Kraftuerung nach der Mndung zu abnimmt, so hat man es in der Hand, eine Verstrkung des Rohres durch Ringe genau im Verhltni der nothwendigen Widerstandskraft, am strksten am Laderaum und schwcher werdend von hier an, vorzunehmen. Es ist auch ohne Weiteres verstndlich, da man den hinter dem Laderaum liegenden Theil des Rohres, welcher lediglich zur Aufnahme des Verschlusses dient, schwcher halten kann, als bei Rohren frherer Konstruktion blich war, und da der Verschlutheil in Folge dessen kleiner, leichter und bequemer zu handhaben wird. Es wurde bereits erwhnt, da Krupp im Jahre 1862 in London einen von ihm konstruirten Keilverschlu patentiren lie. Diesen hatte er in den folgenden Jahren wesentlich vervollkommnet und im Jahre 1865 sich den so entstandenen Rundkeilverschlu patentiren lassen, welcher in der Folgezeit auch von der Preuischen Regierung angenommen und seitdem bei allen Kruppschen Hinterladern angewendet worden ist. Die Pariser Ausstellung 1867 gab Krupp willkommene Gelegenheit, seine Ringkanone ffentlich vorzufhren und er glaubte nicht mit Unrecht, den Eindruck durch die Wahl eines mglichst groen Kalibers steigern zu knnen. Nicht weniger als 14 Monate ward an dem Riesengeschtz gearbeitet, das bei 35,5~cm~ Seelendurchmesser ein Gewicht von ungefhr 1000 Zentnern erreichte. Und ihm zur Seite lag ein Block, 800 Zentner, fr eine Schiffskurbelwelle bestimmt. Fr diese beiden Objekte hatten besondere, auf 8 Rdern ruhende Eisenbahnwagen gebaut werden mssen und, da sich die Eisenbahngesellschaften weigerten, diese Monstrewagen mit ihrer unerhrten Ladung in gewhnlichen Gterzgen zu befrdern, mute ein Separattrain sie nach Paris bringen. Krupps Ausstellung war sehr gnstig untergebracht, zwischen den beiden im Halbkreis emporfhrenden Treppen des stattlichen Marmorbaues, welchen die Berliner Bauknstler und Handwerker aufgefhrt hatten. Das Geschtzrohr lag in einer gleichfalls von ihm entworfenen sthlernen Laffete und nahm in Verbindung mit einer Anzahl kleinerer Geschtze die allgemeine Aufmerksamkeit, vor allen aber die des Kaisers Napoleon in Anspruch. Die Franzosen gaben ihrer Bewunderung unverhohlen Ausdruck und zgerten nicht, der Firma Krupp namentlich auf Grund der groartigen maschinellen Hilfsmittel, welche allein diese Erzeugnisse zu liefern ermglichten, den ihr gebhrenden Platz an der Spitze der gesammten Eisen-Industrie der Welt einzurumen. Am meisten imponirte aber den Franzosen, da dieses Alles die Schpfung eines einzigen Mannes sei. Bedenke man, uerte sich eine groe pariser Zeitung, da die Essener Httenwerke nicht etwa das Werk und das Eigenthum einer mchtigen Finanzgesellschaft, sondern da sie durch das Genie und die Mittel eines einzigen Mannes geschaffen sind! Kam es nur darauf an, Geschtze von groer Gewalt und Tragweite zu fabriziren und auf die Behandlung des Stahles zu diesem Zwecke, so knnte ohne Zweifel die groe Wichtigkeit des Essener Werkes bestritten werden. Aber in den anderen Industriezweigen, wo die Superioritt des Stahls anerkannt ist, in der laufenden Fabrikation der Schienen, der Reifen, der Rder, der Achsen, welche die franzsischen Eisenwerke ausfhren knnen, in der Herstellung der Theile riesiger Maschinen, welche diese Anstalten in relativen Gren ausfhren knnen, ist der Vorrang des preuischen Werkes so unbestreitbar, da nicht nur Ruland, Frankreich und Deutschland seine Produkte um die Wette kaufen, sondern auch England davon bedeutende Quantitten verwendet fr seine Eisenbahnen oder fr die ungeheuren Maschinentheile seiner mchtigen Dampfschiffe. Der groe Hammer des Herrn Krupp wiegt 50000~kg~; Frankreich besitzt einen solchen von 15000~kg~ bei den Herrn Petin Gaudet, einen von 12000~kg~ in Creusot; die schwersten Hmmer in England bersteigen nicht das Gewicht von 15000~kg~. Bei dem groen Interesse, welches man in Frankreich den Kruppschen Geschtzen zuwandte, lag fr ihn die Hoffnung nahe, seinen Gustahl auch fr die franzsische Artillerie eingefhrt zu sehen. Dieses geschah nicht, trotzdem sich Krupp ernstlich darum bemhte. Man hat von der einen Seite ihm einen besonderen Ehrenkranz zu winden gemeint, indem man die Behauptung aufstellte, er habe das Liebeswerben Frankreichs stets zurckgewiesen und aus ahnungsvollem Patriotismus ihm keine Geschtze geliefert; anderseits hat Henri Bordier in seinem 1872 in Paris erschienenen Buche ~L'Allemagne aux Tuileries de 1850 1870~ unter den Bettelbriefen Deutscher an Napoleon~III.~ auch einen Brief Krupps aufgenommen, um ihn in die Klasse der ihrer nationalen Wrde vergessenden Deutschen herabzudrcken, welche den franzsischen Kaiser mit Schmeicheleien bestrmten. Eins ist so wenig berechtigt, wie das andere. Krupp war in jenen Jahren Frankreich gegenber lediglich der Geschftsmann, welcher in seinem Vaterlande noch um die Sicherung seines Absatzes kmpfen mute und gar keine Ursache hatte, nicht den Markt fr seine Erzeugnisse in allen kultivirten Lndern zu suchen. Von speziell preuischen oder deutschen Konstruktionen war noch keine Rede; denn man hatte hierselbst Krupps Vorschlge kaum erst in Erwgung gezogen, kaum kennen gelernt, geschweige denn, sie, wie spter geschah, angenommen und weiter entwickelt. Krupp war mithin vllig Herr seiner neuen Konstruktionen, Ringrohr und Rundkeilverschlu. Kein Mensch verargte es ihm, da er eine Bestellung Rulands aus 25 achtzllige und eine neunzllige Ring-Kanone 1866 annahm und bis 1867 an Feldgeschtzen nicht weniger als 601 Stck nach Petersburg lieferte. Von denselben Geschtzen konnte er wohl auch Zeichnungen in Paris vorlegen, ohne des Mangels an Patriotismus angeklagt oder gar als zudringlicher Bettler bezeichnet werden zu mssen. Thatschlich hat Krupp im Jahre 1868 zwei Broschren ber Schieversuche der franzsischen Regierung bersandt. Ziemlich gleichzeitig lief ein Bericht des Militrbevollmchtigten in Berlin, des Obersten Stoffel in Paris ein, in welchem dieser die unbedingte Ueberlegenheit der preuischen ber die sterreichischen und auch ber die franzsischen Feldgeschtze betonte: das Material der preuischen Feldartillerie, sagte er, ist dem unsrigen sowohl in Bezug auf Treffsicherheit, wie auf Schuweite und Feuer-Schnelligkeit bedeutend berlegen. Aber gleichzeitig berichtete er von den starken Anfeindungen, welche die Gustahl-Geschtze zu erfahren hatten und glaubte annehmen zu knnen, da die preuische Armee-Leitung nur durch das Vorhandensein der bereits beschafften Gustahl-Rohre verhindert werde, sich zur Bronze zu bekennen. Dem General Le Boeuf, welchem die Broschren Krupps zur Begutachtung berwiesen wurden, fand in dieser letzten Bemerkung des Obersten Stoffel sowie in der Thatsache der Unglcksflle von 1866 willkommene Grnde, um das Aktenstck bei Seite zu schieben, ohne dem Kaiser darber vorzutragen. Er hielt die Gustahlgeschtze fr zu theuer, war berzeugt von der Vorzglichkeit der franzsischen Feldgeschtze und, wenn er auch die Superioritt Krupps in der Stahlfabrikation nicht leugnen konnte, so glaubte er, der eigenen Industrie Zeit verschaffen zu mssen, jenen einzuholen und dem Staate bessere Kriegswaffen zu liefern. So war zum zweiten Male die Gefahr fr Deutschland abgewendet worden, da in dem groen Kampfe mit der gallischen Nation auer dem berlegenen Gewehr ihm auch ein gleichwerthiges Geschtz gegenberstnde. Es war Frankreichs Geschick, das eine ewige Gerechtigkeit ihm fgte, da es, befangen in Selbstberschtzung, die dargebotene starke Waffe zurckwies, welche in der Hand des Feindes wenige Jahre darauf dazu diente, seinen Hochmuth zu brechen und seine Anmaung zu Boden zu werfen. Noch einmal im Jahre 1868 suchte Alfried Krupp die Aufmerksamkeit des franzsischen Kaisers auf seine Erzeugnisse zu lenken. Es ist der Brief, welcher ihm als Bettelbrief von Henri Bordier angerechnet worden ist, und welchen er am 29.April mit einer Sammlung Zeichnungen von verschiedenen seiner Fabrikate Napoleon bersandte. Es war eine einfache Geschftsempfehlung, wie sich aus seinem Wortlaut ergiebt: ~Sire, encourag par l'intrt que sa Hauteur Votre Majest a prouv pour un simple industriel et les rsultats heureux de ses offerts et de ces sacrifices inous, j'ose de nouveau m'approcher Elle avec la prire de vouloir daigner d'accepter l'atlas ci-joint qui reprsente une collection de dessins de divers objets excuts dans mes usines. Je me livre l'esprance que surtout les quatre dernires pages qui reprsentent les canons en acier fondu que j'ai excuts pour les divers hauts gouvernements de l'Europe, pourraient attirer un instant l'attention de V.M. et excuseront mon audace. Avec le plus profond respect, avec la plus grande admiration, je suis de V.M. le plus humble et le plus dvou serviteur.~ ~Fried. Krupp.~ Und die Antwort hierauf? Sie ward am 21.Mai ertheilt und lautete: ~L'empereur a reu avec beaucoup d'intrt l'atlas que vous lui avez adress et S.M. a donn l'ordre, de vous remercier de le lui avoir communiqu et de vous faire connatre qu'elle dsire vivement le succs et l'extension d'une industrie destine rendre des services notables l'humanit.~ Das waren nur nichtssagende Phrasen, aber der lebhafte Wunsch des franzsischen Kaisers sollte schrecklich sich an ihm und seinem Lande erfllen. Die Beziehungen Krupp's zu Frankreich waren hiermit fr immer abgebrochen. Um aber Alfried Krupp's persnliche Stellungnahme zum franzsischen Herrscherhaus des Weiteren zu charakterisiren, um zu zeigen, da er lediglich durch das geschftliche Interesse mit Ueberwindung seiner persnlichen Gefhle sich zu dem Versuch bestimmen lie, in Beziehungen zur franzsischen Regierung zu kommen, mu noch ein Ereigni Erwhnung finden, welches in dieselbe Zeit fllt. Am 23.Januar 1868 bersandte Krupp seine Broschren, vom 20.Februar datirt der Bericht des Obersten Stoffel, am 11.Mrz 1868 verwies Le Boeuf die Broschren in's Archiv; am 29.April endlich sandte Krupp seinen Atlas an Napoleon. Am 20.Mrz besuchte dessen Vetter, Prinz Napoleon Bonaparte, bekannt unter dem Namen Jerme nach seinem Vater, dem ehemaligen Knig von Westfalen, die Gustahlfabrik. Er kam inkognito unter dem Namen eines Grafen von Meudon, und begleitet von zwei franzsischen Offizieren in brgerlichem Kleide. Da Krupp von dem Schicksal seiner Broschren unterrichtet gewesen sei, ist nicht anzunehmen; auch spricht seine Sendung vom 29.April dafr, da er die Hoffnung nicht aufgegeben hatte, geschftliche Beziehungen anzuknpfen. Trotzdem weigerte er sich, als ihm eine Andeutung von des Prinzen Absicht gemacht wurde, entschieden, ihn in der Fabrik zu empfangen. Hier kamen also seine persnlichen patriotischen Gefhle zur Geltung, und selbst auf die Gefahr hin, seine geschftlichen Erwartungen stark zu schdigen, konnte er sich zu keinem Entgegenkommen entschlieen. Als der Prinz dennoch auf der Rckreise von Berlin in der Fabrik erschien, konnte er ihm unmglich die Thr weisen, zumal jener sich auf eine Aufforderung des Kronprinzen von Preuen berief; aber er hielt sich ihm persnlich ganz fern und beauftragte einen Prokuristen mit der Fhrung. Bei dieser Gelegenheit lie der Prinz -- ein scharfer Beobachter -- die bekannten Worte fallen: ~Mais c'est donc un tat dans l'tat; jamais en France on ne laisserait passer cela!~, eine Bemerkung, ber welche Knig Wilhelm, als Krupp sie ihm spter erzhlte, herzlich gelacht hat. Die Angabe Jerme's, da der Kronprinz ihn nach Essen eingeladen habe, erwies sich brigens spter als eine Erfindung. Am selben Tage mit dem Prinzen Napoleon traf der trkische Gesandte Aristarchi Bey in Essen ein. Mit der Trkei hatte Krupp bereits seit 1863 Beziehungen und in diesen Jahren bedeutende Geschtzlieferungen dorthin auszufhren. Der Sultan wurde in der Folge einer der besten Abnehmer der Gustahlgeschtze. Die wichtige Entwickelungsperiode zwischen dem deutsch-sterreichischen und dem deutsch-franzsischen Kriege brachte dem Fabrikanten der Gustahl-Geschtze noch auf einem anderen Gebiete, als dem der Feldgeschtze eine ernste Krisis. Aber auch aus dieser ging er nicht nur als Sieger hervor, sondern gab auch wiederum den Ansto zu einem hochwichtigen weiteren Schritte in der Vervollkommnung des deutschen Geschtzsystems. Es bilden die zu besprechenden Vorgnge ein Beispiel des untrennbaren Zusammenhanges und der gegenseitigen Beeinflussung aller einzelnen Faktoren des Geschtzwesens, und sie gewhren uns einen interessanten Einblick in die schwierigen vielgestaltigen Aufgaben, welche von dem modernen Artillerie-Konstrukteur zu bewltigen sind. Wir erwhnten bereits, da die preuische Armeeleitung nach dem dnischen Feldzuge einige Gustahl-Geschtze greren Kalibers beschaffte, weil die Bronzerohre in mancher Beziehung nicht gengt hatten. Auer den Belagerungs- und Festungsgeschtzen bedurfte man aber, seitdem eine krftige Entwickelung der Flotte und ein besserer Schutz der deutschen Hfen und Ksten (seit 1867) ins Auge gefat wurde, noch schwerere Geschtze fr die Armirung der in Angriff genommenen Panzerschiffe und Kstenbefestigungen. Fr diese, gegen Panzerziele mit uerst gesteigerter Wirkung auszustattenden Geschtze erschien der Gustahl von vorn herein als das am besten zu verwendende Material. Es war daher nicht nur das 35,5~cm~-Geschtz der Pariser Ausstellung, welches Krupp dem Knig von Preuen zum Geschenk machte, sofort in einem Kieler Strandfort Brauneberg aufgestellt, sondern 25 Stck Sechsundneunzigpfnder, sowie 50 Zweiundsiebenzigpfnder in Bestellung gegeben. Die der Fabrik vorgeschriebene Konstruktion war aber noch mit dem in Preuen gebruchlichen Doppelkeilverschlu ausgestattet und nur die Sechsundneunzigpfnder besaen Ringrohre. Von der fr alle Kaliber gleich vortheilhaften Ringkonstruktion hatte man sich wohl noch nicht berzeugen knnen. Um dem Gescho die nothwendige Durchschlagskraft gegen 8 Zoll starke Schiffspanzer zu geben, war verlangt worden, da es mit einer Anfangsgeschwindigkeit von 408~m~ in der Sekunde den Lauf verlassen msse. Bei dem ersten Schieversuch mit dem Sechsundneunzigpfnder, welcher im Frhjahr 1868 bei Tegel stattfand, gelang es aber nicht, die Geschwindigkeit hher als bis 361~m~ zu bringen, obgleich man die Pulverladung bis 25~kg~ steigerte. Bei einem in Gegenwart des Knigs Wilhelm am 31.Mrz vorgenommenen Probeschieen ward die achtzllige Panzerwand nicht durchschlagen. Also das Gustahlgeschtz leistete nicht, was man erwartet hatte und dessen man unbedingt benthigte. Man beschlo also, bei Armstrong einen eisernen Vorderlader von gleichem Kaliber zu bestellen und ein Vergleichsschieen zu veranstalten. Krupp glaubte den Grund fr die geringe Leistung seines Geschtzes zu wissen. Er selbst hatte bei den mit russischem Pulver angestellten Versuchen wesentlich gnstigere Resultate erzielt. Dieses bestand aber aus sechskantigen Prismen von 25~mm~ Hhe mit 7 Durchbohrungen, whrend das preuische Geschtzpulver aus lauter kleinen Krnern von wenigen Millimetern Gre sich zusammen setzte. Nach dem heutigen Standpunkt der Wissenschaft ist es ganz klar, warum das preuische Geschtzpulver so wenig leistete. Die Entzndung des Pulvers erfordert immer einige Zeit und zwar desto mehr, je mehr einzelne Krner zu entznden sind. Bei groen Ladungen werden, zumal wenn die Entzndung von einem Endpunkt beginnt, die zuerst entzndeten kleinen Krner bereits durch ihre Explosion zur Wirkung gelangen, d.h. das Gescho heraustreiben, bevor alle Krner in Brand gesetzt wurden. Ein um so grerer Theil der Krner wird also unverbrannt mit herausgeschleudert werden, je grer die Ladung ist. Bei den um so vieles greren Krnern des russischen prismatischen Pulvers wird die Entzndung aller Krner viel schneller und andererseits die Verbrennung, und demnach Wirkung jedes Kornes viel langsamer erfolgen. Die Durchbohrungen sorgen dafr, da es nicht allzulangsam geschieht. Krupp war davon berzeugt, da die geringe Leistung nur der Anwendung des preuischen Schiepulvers zuzuschreiben sei und reiste nach Berlin, um vor dem Vergleichsschieen seiner Bitte, russisches Pulver anwenden zu wollen, in einer Audienz (23.Mai) beim Knig Nachdruck zu verleihen. Der Vorschlag stie aber jedenfalls bei dessen technischen Berathern auf so energischen Widerstand, da er nicht zur Ausfhrung kam, obgleich man der Firma Armstrong die Vergnstigung gewhrte, das vorgeschriebene englische und nicht preuisches Pulver anzuwenden. Der Erfolg war, da das Armstrong-Geschtz am 2.Juni in Bezug auf Durchschlagskraft entschieden den Sieg davontrug. Dieses Ergebni war fr die Krupp'schen schweren Hinterlader von kritischer Bedeutung. Man zog ernstlich in Erwgung, ob man das Gustahl-Geschtz nicht von der Verwendung gegen Panzer ganz ausschlieen und die auerdem um vieles billigeren Armstrong-Kanonen dafr einstellen msse. Sie kosteten nur 12000 gegen 30000 Thaler. Das schwere Gustahl-Geschtz erschien fr die Marine untauglich; die Nothwendigkeit, der norddeutschen Marine in krzester Frist eine krftige Armirung zu geben, gestattete nicht, etwaige Verbesserungsversuche abzuwarten; es blieb nichts brig, als die Panzerschiffe mit englischen Geschtzen auszursten. Ein um die Entwickelung des deutschen Geschtzsystems hochverdienter Offizier, Generallieutenant v.Neumann, damals Prses der Artillerie-Prfungskommission, mute in Folge seines energischen Eintretens fr die Gustahl-Geschtze den Abschied nehmen. Zu gleicher Zeit hatte auch Ruland dasselbe neunzllige Geschtz Krupp's erprobt, mit Anwendung seines prismatischen Pulvers vorzgliche Ergebnisse erhalten und in Folge dessen 62 solche Geschtze bestellt. Es ist wahrscheinlich, da Krupp in der Audienz am 23.Mai diese, einen gewissen politischen Charakter tragende, Lieferung zur Sprache brachte, da er einerseits die Allerhchste Genehmigung zu ihrer Ausfhrung erhielt, anderseits des Knigs Aufmerksamkeit auf die so wesentlich anders ausgeschlagenen Versuche an der Newa lenkte. Er reiste noch im Juni von Berlin nach Petersburg und erreichte hier von der Regierung, da sie dem in artilleristischen Kreisen hoch angesehenen General Majewski den Auftrag ertheilte, ber die russischen Schieversuche ausfhrlich nach Berlin zu berichten. Bei Knig Wilhelm fand dieser Bericht offenes Gehr; er befahl eine Erneuerung des Vergleichsschieens unter Anwendung prismatischen Pulvers und einer vernderten, der Zentral-Zndung. Gleichzeitig ward anstatt des Geschosses mit dickem Bleimantel von der Fabrik eine Stahlgranate mit gehrteter Spitze und dnnem Bleimantel verwendet, und bei dem am 7.Juli stattfindenden Versuch feierte Krupp einen glnzenden Erfolg. Die 8 zllige Panzerwand ward von dem Krupp'schen Geschtz mit Kraftberschu durchschlagen, in einen 9 zlligen Panzer drang seine Granate tiefer ein, als das Armstrong-Gescho, und als man hierauf zu Dauerversuchen schritt, bekam das englische Geschtz bereits beim 138. Schu einen Ri, whrend das deutsche nach 676 Schu erst dadurch unbrauchbar wurde, da eine Granate in dem Rohre krepirte. Weitere Schieversuche mit kleineren Kalibern ergaben gleich gnstige Resultate: die achtzllige Kanone leistete dasselbe wie Armstrong's Neunzller. Damit war der Sieg des deutschen Geschtzes ber das englische endgltig entschieden. Mit der eklatanten Niederlage, so schrieb ein damaliger Berichterstatter, welche England gleichzeitig auf dem Gebiete der Geschtz-, Gescho- und Pulver-Industrie erlitten hat, ist dasselbe unwiderruflich von der ersten Stelle, welche es gerade fr diese Industriezweige seit lnger als anderthalb Jahrhunderten behauptet hat, herabgestiegen und wird nicht minder unwiderruflich diese Stelle fernerhin an Deutschland berlassen mssen. Und zur selben Zeit erklrte der belgische Artilleriekapitn, Nicaise, eine Autoritt auf dem artilleristischen Gebiet, nachdem er den englischen in Shoeburyness angestellten Panzer-Schieversuchen beigewohnt hatte, die Vorderladungsgeschtze und vornehmlich das englische Woolwich-Geschtz fr endgltig berwunden durch Krupp's Gustahl-Hinterlader, welchen er als das Geschtz der Zukunft bezeichnete. Und trotz aller Anstrengungen, welche die englische Geschtz-Industrie gemacht hat, ist es dabei geblieben. Allerdings sind die im Gebiete der Geschtz-, Gescho- und Pulver-Industrie gleichzeitig errungenen Siege nicht durchweg als Verdienste Alfried Krupp's zu bezeichnen. Denn die Geschosse, welche auch in England den Panzerzielen gegenber als die besten, besser als die Stahlgeschosse, sich bewhrten, waren nicht aus Krupp's Fabrik, sondern Hartgu-Granaten von Hermann Gruson. Dieser gewann mit diesem seinem ersten Erfolge den ersten festen Grund und Boden, auf dem er mit ungeahntem Erfolge die Reihe seiner Hartgu-Konstruktionen aufzubauen begann. Er wurde mit seinen Granaten ein gefhrlicher Rivale Krupp's, und erst nach Einfhrung einer neuen Hrtungsmethode gewannen die Stahlgranaten wieder den Vorrang. Da hatte aber Gruson lngst in seinen Panzern ein reiches Feld der Thtigkeit erobert. Und auf dieses folgte ihm, wie wir bereits sahen, Alfried Krupp, zunchst wenigstens, nicht. Er stand vielmehr Gruson's Schutzwaffen mit seinen Geschtzen als Angriffswaffen gewissermaen feindlich gegenber, indem er in jeder Weise seine Geschtze und Geschosse zu vervollkommnen suchte, um die festesten Panzer zu durchdringen oder zu zerschmettern. Gebhrt aber Krupp auf dem Gebiet der Geschtz-Konstruktion allein das Verdienst, mittelst seiner Ringkonstruktion Rohre von der erforderlichen Widerstandsfhigkeit erzeugt zu haben, um die groen Pulverladungen verwenden zu knnen, welche die erstrebte Kraftsteigerung nthig machte, so ist es ihm auch anzurechnen, da er die Widerstnde zu berwinden wute, welche der Einfhrung verbesserter Pulversorten in Deutschland entgegengestellt wurden. Er hat hierdurch die Aufmerksamkeit aus diesen Theil des Geschtzwesens gelenkt, welcher so auerordentlich wichtig ist und in der Folge eine so eminente Bedeutung fr die Entwickelung der Artillerien aller Lnder gewonnen hat. Da dann Deutschland nicht hintenan hinkte, sondern sich an die Spitze der Bewegung stellte, das hat Krupp im Jahre 1868 glcklich angebahnt, wie er sich auch fernerhin thtig auf diesem Felde betheiligt hat. So hatte diese Periode von 1866 bis 1870, welche mit so groen Enttuschungen begonnen und so viele schwere Krisen mit sich gebracht hatte, doch in den endlich errungenen groen Erfolgen nur dazu beigetragen, dem Gustahl und Krupps genialer Verwendung seines Materials in allen Gebieten reiche Anerkennung und eine Stellung zu verschaffen, welche nunmehr nicht so leicht mehr zu erschttern schien. Freilich hatte sie auch seine Krfte in einer Weise in Anspruch genommen, da zum ersten Male der sthlerne Krper der Ruhe und langer Erholung bedurfte. Das war der Preis des glnzenden Sieges. ~VII.~ Neue Kmpfe. Die gnstigen Erfolge des neunzlligen Ringgeschtzes, welche ihm 1868 die Richtigkeit seiner Ideen erwiesen hatten, veranlaten Krupp, durch Anwendung der gleichen Prinzipien auch die Leistungsfhigkeit der Feldgeschtze weiter zu entwickeln. Sie besaen eine zu stark gekrmmte Flugbahn der Geschosse, ihre Wirkung konnte wesentlich gesteigert werden, wenn man es erreichte, da sie flacher das Gelnde bestrichen, und hierzu war eine Steigerung der Anfangsgeschwindigkeit nthig. So gut wie bei dem schweren Panzergeschtz war diese aber auch beim Feldgeschtz durch strkere Ladung grberen Pulvers zu erreichen, und die hierdurch bedingte grere Widerstandsfhigkeit des Rohres wurde mit der Ringkonstruktion ermglicht. So verfolgte Krupp seit 1868 bereits diesen Gedanken und beschftigte sich mit der Erzeugung eines seinen Ideen entsprechenden Feldgeschtzes. Bei den Versuchen erwies sich die hlzerne Laffete nicht haltbar genug fr die starke Ladung und veranlate die Konstruktion einer sthlernen Laffete. Endlich entging ihm nicht die Wichtigkeit, welche die Herstellung eines Einheitsgeschtzes haben mute. Wenn es gelang, ein solches fr alle Aufgaben gengend herzustellen, so war damit eine auerordentlich werthvolle Vereinfachung des Munitionsersatzes, der Ausbildung, kurz des ganzen Systems verbunden. Wenn er auch mit diesem Gedanken nicht durchdrang, wenn es ihm auch damals nicht gelang, ein solches Geschtz zu konstruiren, so hat die sptere Zeit ihm doch Recht gegeben. Was man damals nicht fr durchfhrbar erachtete, es wurde spter ermglicht, nachdem die groen damit verbundenen Vortheile sich allgemeine Anerkennung verschafft hatten. Wie es groen genialen Mnnern meist ergeht, sie sind mit ihren Ideen dem allgemeinen Verstndni zu weit voraus, und wenn man nach zeit- und kostspieligen Umwegen zu demselben Ziele gekommen ist, das sie auf krzerem Wege anstrebten, dann ist es Einem meist ganz unverstndlich, warum man nicht seinen Intentionen von vorn herein folgte. Es ist allerdings auch hier eine Kehrseite vorhanden. Der geniale Erfinder hat meist nur die groen Hauptpunkte im Auge und, wenn er von der Energie eines Alfried Krupp beseelt ist, so drngt er ungestm auf die Verwirklichung seiner Ideen, ohne auf alle die Nebendinge gebhrend Rcksicht zu nehmen, welche fr denjenigen grndlich erwogen werden mssen, der die praktische Durchfhrung und Verwendung zu verantworten hat. Macht und veranlat letzterer Umwege, so lt er doch auch Zeit gewinnen, um die Idee grndlich ausreifen zu lassen, sie von allen Seiten zu prfen und fr die Verwendung zweckmig auszugestalten. Das Gewicht, welches hiermit dem khnen Fluge des Genies angehngt wird, ist meist eine Nothwendigkeit fr die grndliche Ausgestaltung seiner Ideen. Wir finden dieses durchaus auch bewahrheitet bei Krupps neuester Idee, dem leistungsfhigeren Feldgeschtz. Im Anfang des Jahres 1870 glaubte Krupp seine Versuche abschlieen zu knnen, bersandte am 9.Februar dem preuischen Kriegsministerium eine Druckschrift Krupps 4pfndige (8~cm~) Feldkanonen, Konstruktion 1869 mit 1700' (533,5~m~) Anfangsgeschwindigkeit und stellte zwei Geschtze mit Kartuschen zur Verfgung, unter Wahrung des Eigenthumsrechtes und mit der Bedingung, die Konstruktion und die Versuche geheim zu halten. Bei der Artillerie-Prfungskommission, welcher die Kruppschen Vorschlge zur Begutachtung berwiesen wurden, war aber der Gedanke eines in der neuen Richtung weiter entwickelten Feldgeschtzes nichts Neues. Die Versuche mit dem Neunzller hatten ganz hnliche Ideen angeregt wie bei Krupp, und auf der durch seine Erfolge gebildeten Basis war man bereits seit 1868 mit hnlichen Versuchen beschftigt. Man begegnete sich also auf demselben Felde. War das fr Krupp gnstig oder ungnstig? Diese Frage ist schwer zu beantworten. Jedoch ist es wohl nur menschlich, wenn man annimmt, da Krupps bereits fix und fertig vorgelegtes Projekt kein groes Vergngen erregte, da man doch selbst gerade auf dem besten Wege zu sein glaubte, selbstndig das gleiche Ziel zu erreichen. Und es waren tchtige Leute, welche daran arbeiteten. Es waren aber noch weitere Grnde, welche ein gemeinsames Zusammenarbeiten mit Krupp, zunchst wenigstens, erschwerten. Der Zweck der Versuche war beiderseits derselbe, Steigerung der Geschogeschwindigkeit und Verstrkung des Rohrs, um die Ladung vermehren zu knnen. Der Ausgangspunkt war aber fr beide verschieden. Da die preuische Feldartillerie soeben mit Gustahlgeschtzen neu bewaffnet war, galt es, entweder diese leistungsfhiger zu machen oder verstrkte Rohre selbst aus vorhandenem Material billig herzustellen. Hierzu war Bronze wohl verwendbar, da sie neuerdings wesentlich bessere Resultate ergeben hatte, nachdem man das Guverfahren vervollkommnet hatte. Kurz vorher war ja auch die Herstellung von Bronze-8~cm~-Kanonen verfgt worden. An die Verwerfung der neuen Gustahlgeschtze und Neuausrstung nach Krupps neuestem Vorschlag wagte man gar nicht zu denken. Diese Gesichtspunkte lagen dem Gustahl-Fabrikanten natrlich gnzlich fern. Wollte und mute er doch gerade dem wieder zu Ansehen kommenden Bronzegeschtz gegenber sein Gustahl-Geschtz zu einer Stufe der Leistungen erheben, da er jenes fr immer aus dem Felde schlug. Fr ihn galt es also auch keine mige Kraftsteigerung der vorhandenen Stahlgeschtze, wie sie die Kommission erstrebte und wie sie auch mit Bronze erreichbar war, sondern die Neukonstruktion eines Geschtzes, welches das uerste Maa der Kraftuerung erreichte. Nach Steigerung der Anfangsgeschwindigkeit strebte man seit 1868 in allen Staaten, aber mehr als 400~m~ in der Sekunde war meist nicht zu erreichen. Krupp berbot sie alle mit seinen 530~m~. Unter diesen Umstnden ist es erklrlich, wenn die Kommission dem Kruppschen Geschtz nicht mit Begeisterung entgegenkam und wenn die Berichte ber die am 21.Mai und 9.Juli ausgefhrten Schieversuche (der letzte bereits mit einem umgenderten Geschtz) ber eine groe Zahl Mngel sich verbreiteten, welche hierbei zu Tage getreten waren. Die Hauptsache muten sie doch anerkennen: Die Geschogeschwindigkeit betrug auf 50~m~ vor der Rohrmndung noch 507,9~m~. Anderseits war allerdings auch nicht zu leugnen, da das Geschtz noch in vielen Beziehungen der Verbesserung bedurfte, da es in der vom Fabrikanten vorgeschlagenen Form fr den Gebrauch sich noch nicht eignete. Die Mobilmachung unterbrach die Versuche und erst nach Beendigung des Feldzuges konnten sie wieder aufgenommen werden. Ein wichtiger Differenzpunkt war nun beseitigt, es konnte die Bronze nicht mehr in Frage kommen, auch war nun ein Ersatz der gesammten Ausrstung durch neue Geschtze nicht nur mglich, sondern sogar dringend erwnscht, nachdem die alten ihre Schuldigkeit im uersten Mae gethan hatten. Krupp konnte nun ein weitgehendes Entgegenkommen erwarten und sich der Hoffnung hingeben, da man nach neuer Prfung seines Vorschlages und nach etwa nthig erscheinender Verbesserung seiner Konstruktion die Neubewaffnung nach Krften beschleunigen werde. Auch hatte er, wie bei frheren Anlssen, den allerhchsten Bundesgenossen auf seiner Seite, denn der Kaiser verfgte, berzeugt von der Nothwendigkeit einer Neuausrstung der Feldartillerie, am 7.April 1872, da zur beschleunigten Beschlufassung hierber gleichzeitig mit den bei der Artillerie-Prfungskommission fortzusetzenden Versuchen bei zwei Armeekorps durch besondere Versuchskommissionen Versuche mit den neuen 8~cm~ Kanonen angestellt wrden. Die Artillerie-Prfungskommission fate aber ihre Aufgabe ganz anders auf, als Krupp dieses voraussetzte. Durchdrungen von der Verantwortlichkeit ihrer Entschlieungen fr die Armee und von der groen Wichtigkeit der Annahme eines neuen Geschtz-Systems fr die weitere Entwickelung der Artilleriewaffe, unterzog sie nicht allein Krupp's Geschtz einer Prfung, sondern that dieses lediglich unter dem Gesichtspunkte, ob es geeignet sei, in das neu zu schaffende Geschtz-System sich einzureihen. Fr ein solches stellte sie aber zunchst (am 13.Februar 1872) Konstruktionsgrundstze fest, erwog die verschiedenen in Versuch zu nehmenden Kaliber, Laffeten und Protzen und gab fr alle Theile besondere Direktiven! Whrend sie demnach selbst die Konstruktion in die Hand nahm, -- allerdings basirt auf die Krupp schlielich zu verdankenden bisherigen Vervollkommnungen -- setzte sie die Versuche mit dessen Geschtz fort. Dieses Verfahren stand in direktem Gegensatz zu Krupp's Erwartungen. Es behagte ihm wenig, da man ihm lediglich die Stellung des Fabrikanten zuwies und ihm als Konstrukteur so wenig Achtung bewies. Er mute eben hier einen neuen Kampf durchkmpfen. Denn bislang war die preuische Artillerie-Prfungskommission immer die Behrde gewesen, welche Konstruktion und Einrichtung der Geschtze allein entschied und entwickelte, ja sogar die Herstellung in den Staatsfabriken selbst bewirkte. Als man den Gustahl in Verwendung nahm, dessen Erzeugung man Krupp berlassen mute, hatte man zuerst nur die Rohre in unfertigem Zustande von ihm gekauft und in Spandau bearbeiten und fertig stellen lassen. Spter hatte man ihm auch dieses bertragen, aber ihm Zeichnungen gegeben und jede Einzelheit vorgeschrieben. Als nun Krupp selbst als Konstrukteur austrat und sehr glckliche Ideen hatte, mute man diese wohl anerkennen, anderseits aber konnte man mit Recht eine langjhrige Erfahrung in der Einrichtung der Geschtze fr den Feldgebrauch fr sich in Anspruch nehmen, welche Krupp fehlte und die sich in vielerlei Mngeln zeigte, die seinen eigenen Konstruktionen anfangs anhafteten. Eine grndliche Durcharbeitung seines Projektes und eine vielseitige Verbesserung war nothwendig, weil bei aller Vorzglichkeit der Grundideen doch die nur aus langer Praxis gelufigen Rcksichten auf die Verwendbarkeit in der Truppe nicht zur Geltung gekommen waren. Bei diesem Kampfe, den Krupp als Konstrukteur durchzufechten hatte, mute er also viel lernen, vor Allem auch seinem Etablissement erst die Krfte gewinnen, welche in dieser Hinsicht seine Ideen grndlich auszugestalten im Stande waren. Fat man aber ins Auge, was dieser energische Mann aus eigener Kraft geschaffen hatte, was er fr Erfahrungen mit den preuischen Behrden gemacht hatte, wie er die Einfhrung seines Gustahls nur mit uerster Anstrengung und erheblichsten Opfern in die preuische Artillerie durchgesetzt, wie er noch vor wenig Jahren an der Hartnckigkeit, mit der man auf Verwendung eines veralteten Pulvers bestand, beinahe mit seinen Ringkanonen gescheitert wre; bedenkt man ferner, da er sich vollbewut war des auerordentlichen Antheils, welchen seine trotz der Widerstnde eingefhrten Feldgeschtze an den Erfolgen des letzten Krieges hatten, so ist es wohl verstndlich, da er in dem planmigen Vorgehen der Artillerie-Prfungskommission eine Abneigung gegen seine Geschtze und einen Versuch erblickte, seinen Vorschlag bei Seite zu schieben. Um die Benutzung seines Materials konnte ihm nicht mehr bange sein, also das geschftliche Interesse, die Furcht, da ihm die Lieferung entgehen knnte, kam keinesfalls zur Sprache. An eine Schdigung seiner materiellen Interessen, -- und er ist dessen beschuldigt worden, da er eine solche frchtete -- dachte der Mann nicht, der Jahre lang jede Ersparni nur dazu verwandt hatte, um des Vaterlandes Vertheidigung seinen Gustahl dienstbar zu machen; aber er fhlte sich in seinem wahrlich berechtigten Stolz und Selbstgefhl als Geschtzkonstrukteur zurckgesetzt. Die Schroffheit, die als nothwendige Kehrseite mit seiner Alles berwindenden Energie verbunden war und sich durch die vielerlei Erfahrungen von dem Knabenalter an immer strker entwickelte, mit dem vorschreitenden Lebensalter immer mehr hervortrat, sie kam auch hier zum Ausdruck. Von beiden Seiten machte man sich Vorwrfe und gab man Veranlassung zu Vorwrfen. Der Sache ward damit wenig gedient. Kaiser Wilhelm dauerte es zu lange. Am 15.Oktober 1872 erlie er folgende Kabinets-Ordre: Ich habe aus den ber die allseitig als nothwendig anerkannte Neubewaffnung der Feldartillerie Mir gehaltenen Vortrgen und eingereichten Berichten ersehen, da durch die zu diesem Zwecke bei der Artillerie-Prfungskommission stattfindenden Versuche in anerkennenswerther Weise angestrebt wird, ein nach Mglichkeit vollkommenes Feldartillerie-Material fr die Armee zu erhalten; inde habe Ich auch den Eindruck gewonnen, da in dem Bestreben, ein auf eine lange Zeit hinaus allen Bedrfnissen des Feldkrieges gengendes Geschtzsystem zu konstruiren, ins besondere administrativen Rcksichten ein zu groes Gewicht beigelegt und dabei den gegenwrtigen, zu einer Entscheidung drngenden Zeitverhltnissen zu wenig Rechnung getragen wird. Ich mu es als durchaus wnschenswerth bezeichnen, da die schwebenden Versuche baldigst zum Abschlusse kommen, und bestimme Ich hierdurch, diese derart zu beschleunigen, da mir am 1.April k.J., als zur Einfhrung in die Feldartillerie geeignet erachtet, je nach den erzielten Resultaten, entweder ein Einheitsgeschtz oder je ein leichtes und ein schweres gezogenes Feldgeschtz mit Laffete und Protze vorgefhrt werden kann. Allerdings ward am 1.April 1873 auch ein neues (7,85~cm~) Geschtz dem Kaiser vorgestellt, aber zur Einfhrung war es nicht geeignet, denn die Kommission war noch mit keinem Haupttheil bisher zum Abschlusse gekommen. In diesem Winter (72/73) hatte Krupp wieder eine neue Rohrkonstruktion vorgelegt, welche sich fr das Feldgeschtz geeigneter erwies, als das Ringrohr, nmlich ein Mantelrohr. Bei diesem werden 2 Gustahlzylinder so bereinander geschoben, da sie im strkst beanspruchten Rohrtheil, vom Laderaum bis zu den Schildzapfen sich berdecken und hier die gleiche Verstrkung erzeugen, wie die Ringe des Ringrohres. Der innere Zylinder bildet nach vorn den langen Rohrtheil, der uere verlngert sich nach hinten, um den Verschlu aufzunehmen. Dieses Rohr ward bei der endlich 1873 getroffenen Entscheidung endgltig angenommen; fr beide, auf 9,15~cm~ und 7,85~cm~ normirte Kaliber gleichzeitig Krupp's Verschlu mit einer Aenderung des Dichtungsringes. Dagegen ward Laffete und Protze von der Kommission konstruirt, erstere allerdings in Stahlblech nach Krupps Vorschlag und allein mittelst von ihm neu hergestellter maschineller Einrichtungen ausfhrbar. So sehen wir endlich 1874 die neuen Geschtze fertig, ein Kompromi zwischen den wetteifernden Parteien, dessen Lwenantheil aber immerhin Krupp verblieb, so sicher das Rohr das wichtigste Stck an einem Geschtz ist. Ganz anders endete der Kampf, den er in einem anderen Staate durchfocht, um sein neues Geschtz zur Einfhrung zu bringen. Dieses war in Oesterreich, wo die Frage des neuen Feldgeschtzes einen ganz eigenartigen Verlauf nahm. Nachdem man sich 1871 berzeugt hatte, da man an der Bronze nicht festhalten knne, versuchte man 1873 verschiedene Stahlrohre, nmlich zwei solche aus einheimischen Fabriken, die sich aber als unbrauchbar erwiesen, und mit Kruppschen Rohren. Letztere fielen zur vollen Zufriedenheit aus und so trat man in Beziehung zur Firma und setzte die Versuche bis zum Herbst 1874 fort. Die Oesterreicher hatten hierbei den groen Vortheil, da die preuischen Versuche den ihrigen unmittelbar vorausgingen, da mithin die Fragen alle bereits durchgearbeitet und geklrt waren, welche bei ihrem Feldgeschtz nicht anders, als bei den preuischen zu beantworten waren. Das Personal Krupps hatte sich durch alle Konstruktionsnderungen im Zusammenarbeiten mit der Artillerie-Prfungskommission durchgerungen und sich an Beherrschung des Materials, wie an Gewandtheit entschieden vervollkommnet. Das alles kam den sterreichischen Geschtzen zu Gute, an denen alle von Krupp allmhlich erlangten Verbesserungen ohne Weiteres angebracht werden konnten mit Ausschlu der von der Artillerie-Prfungskommission selbst hinzugethanen Vernderungen, die Krupp mit Recht nicht als sein geistiges Eigenthum betrachtete. Bei der Uebersendung der Probegeschtze (das erste Rohr langte im Dezember 1872 in Wien an, also wahrscheinlich ziemlich gleichzeitig mit der Lieferung des ersten Mantelrohrs nach Berlin) verlangte Krupp vollstndige Geheimhaltung der als sein geistiges Eigenthum zu erachtenden Konstruktionen, und, als er am 6.Mai 1873 um Kostenberechnung und Lieferzeit fr 2000 Geschtze gefragt wurde, erwiderte er, da er fr die gelieferten und noch zu liefernden Versuchsmittel (Rohre, Laffeten und Geschosse) keine Entschdigung beanspruche, wohl aber glaube, sich der Erwartung hingeben zu drfen, da die Lieferung smmtlicher Feldkanonenrohre ihm schlielich bertragen werden wrde, wenn die K.K. Feldartillerie auf Grund der Versuchsergebnisse zur Einfhrung von Gustahlgeschtzen bergehe. Im Mrz und August 1873 wurde das erste 8,7~cm~ Rohr erprobt, hierauf von Krupp noch 3 Geschtze sammt Laffeten, Granaten und grobkrnigem Geschtzpulver unentgeltlich geliefert. Die am 27.Oktober 1873 vorgenommenen Schieversuche hatten allgemein befriedigt und am 22.Januar 1874 bestellte daraufhin das Militr-Komitee noch 4 komplette 8,7~cm~-Geschtze, sowie ein 7,8~cm~- und ein 7,5~cm~-Geschtz mit allem Zubehr. Die am 26.August 1874 gemachten Schieversuche ergaben eine erstaunliche Ueberlegenheit ber alle im Vergleich geprften Geschtze. Aber eine Bestellung erfolgte nicht weiter. Oesterreich htte die Beschaffung der 2000 Feldgeschtze, welche Krupp binnen 17 bis 18 Monaten liefern wollte, groe finanzielle Schwierigkeiten bereitet, die Reichsvertretung wrde eine so bedeutende Summe nicht bewilligt haben, zumal die inlndische Eisenindustrie bei der herrschenden Geschftsstille die Beschaffung des neuen Artillerie-Materials wie eine ihr gebhrende Hilfe in ihrer bedrngten Lage betrachtete und deshalb alle Hebel in Bewegung setzte, um die Bestellung in die Hand zu bekommen. Das Reichsministerium glaubte, einen Antrag der inlndischen Industriellen, versuchsweise Stahl-Ringrohre herstellen zu drfen, nicht abweisen zu knnen und htte mit diesem Entschlu eine groe Verlegenheit hervorgerufen, da eine wirkliche Geschtz-Industrie in Oesterreich gar nicht existirte und mit erheblichem Zeit- und Geldaufwand erst htte geschaffen werden mssen, wenn nicht ein glcklicher Zufall darber hinweggebracht htte: Die Bronze, die man soeben verworfen hatte, half aus der Noth; im Oktober 1874 begannen die Versuche mit dem ersten von Uchatius gelieferten Stahlbronze-Rohr. Die Verfechter der Bronze hatten schon seit Jahren darber gesonnen, diesem Material eine grere Hrte zu geben; die Verbesserungen des Gusses in Coquillen, die schnelle Abkhlung durch Wasser, der Zusatz von Phosphor hatten zu keinem voll befriedigenden Ergebni gefhrt. Im Herbst 1873 machte Lavroff, ein russischer Oberst, den Versuch, durch Hindurchtreiben von Zylindern mit zunehmendem Durchmesser durch das Geschtzrohr die innere Wandung zu verdichten, und der gute Erfolg brachte den sterreichischen General Uchatius auf den Gedanken, welcher endlich zum Ziele fhrte. Whrend er den ueren Schichten des Rohres durch scharfe Abkhlung nach dem Gu einen groen Hrtegrad verlieh, erreichte er dasselbe fr die inneren durch eine gewaltsame Erweiterung der Durchbohrung von 80 bis auf 87~mm~ mittelst hindurchgetriebener konischer Stempel. Die dem Metall verliehene Spannung wirkt danach hnlich wie die Spannung des Gustahls beim Ringrohr der explodirenden Pulverladung gegenber. Das erste Proberohr entsprach den Hoffnungen. Es hielt bis Januar 1875 2588 Schsse aus, ohne an Treffsicherheit einzuben. Nachdem auch eine grere Anzahl Stahlbronze-Rohre sich in gleicher Weise bewhrt hatte, wurde das Material und die Herstellungsweise des General Uchatius fr die Neuarmirung der Feldartillerie angenommen, die Einrichtung der Geschtze, ihr Verschlu, Gescho, die Laffete, Richtmaschine, kurz alles den Krupp'schen Geschtzen nachgebildet. Dessen noch im September 1874 wiederholtes Drngen, wegen der Bestellung der Gustahlgeschtze zu einem Entschlu zu kommen, hatte das sterreichische Ministerium ausweichend beantwortet, fernere Anfragen ganz unbercksichtigt gelassen und als nun die Stahlbronze-Rohre angenommen waren und der deutsche Fabrikant Entschdigung fr sein Eigenthumsrecht an deren Konstruktion verlangte, soll sich das sterreichische Ministerium folgendermaen geuert haben: Die Monate lang auf dem Steinfelde stattgehabten Versuche mit den Kruppschen Gustahlrohren haben zu Verbesserungen in der Konstruktion gefhrt, woran das technische und administrative Militr-Komitee nicht ohne Antheil bleiben konnte. Es ist unverkennbar, da die hieraus entsprungenen Vortheile der genannten Firma zu Statten kamen, von der selber noch Konstruktionsverbesserungen vorgenommen werden. Der Pester Lloyd bemerkte zu der Frage: Die Vernderungen, die Krupp nach den Direktiven des sterreichischen Militr-Komitees an den Gustahlrohren vorgenommen hat, bilden keineswegs mehr _sein_ geistiges Eigenthum; u.A. rhrte der Flachkeil nicht von Krupp her. Es ward mithin Krupp das alleinige Eigenthumsrecht streitig gemacht, da bei den Versuchen eine Mitwirkung des Komitee's stattgefunden hatte, und anstatt der in Aussicht gestellten Zuertheilung der Lieferung von 2000 Feldgeschtzen ward ihm seitens der sterreichisch-ungarischen Delegationen am 9.Oktober 1875 eine Entschdigung von 160000fl. zugebilligt. So ward in Oesterreich der Gustahl von der Stahlbronze verdrngt, soweit das Gebiet der Feldartillerie reicht. Fr die schweren Geschtze der Kriegsschiffe hatte man bereits im Jahre 1871 die Gustahl-Ringrohre vom 15 bis zum 26~cm~ Kaliber von Krupp angenommen, und auch in der Folge wurden diese schweren Geschtze von ihm bezogen, da man sie in Hartbronze nicht in gleicher Leistungsfhigkeit herstellen konnte. Wiederum ist es eigenthmlich, da in Preuen die -- in Spandau seit 1875 auch hergestellte -- Hartbronze gerade bei den schweren Geschtzen, nmlich zu Belagerungsgeschtzen, Verwendung fand, whrend die Feldartillerie dem Gustahl treu blieb. Dem Essener Werk erwuchs also auch hier, wie allerorten, in der Bronze noch einmal ein gefhrlicher Feind, nachdem sie bereits endgltig berwunden zu sein schien. Welchen Abbruch sie dem Gustahl noch zu thun im Stande war, ergiebt sich daraus, da fast das ganze Arsenal der Belagerungsgeschtze in Deutschland seit 1875 durch Bronzegeschtze gebildet wurde; da war die 9- und 12~cm~-Kanone, welche 1876, der schwere Zwlfpfnder, welcher 1880, der 15- und 21-~cm~-Mrser, welche 1881 in Bronze hergestellt, erprobt und eingefhrt wurden. Nur fr das schwere 15~cm~-Rohr glaubte man den Gustahl beibehalten zu mssen. Die Grnde fr diese Bevorzugung der Bronze lagen nahe. Das Material stand in groen Massen dank den in groer Zahl erbeuteten franzsischen Geschtzen zur Verfgung. Die rapide Entwickelung, welche das Geschtzwesen durch immer neue technische Erfindungen und Vervollkommnungen nahm, lie voraussehen, da in kurzer Zeit die geschaffenen Geschtze durch andere Staaten berholt und wieder unbrauchbar sein wrden. Gustahlrohre waren in diesem Falle, nachdem sie mit soviel hheren Kosten beschafft waren, ganz werthlos, whrend die Bronzegeschtze immer ihren Materialwerth behielten. Die thatschliche Entwickelung hat diese Voraussicht bewahrheitet. Die Bronzegeschtze waren aber auerdem bezglich ihrer Leistungsfhigkeit und Haltbarkeit vollkommen den Anforderungen gengend; nur ein Fehler machte sich bemerkbar, da der Laderaum unter der Einwirkung der explodirenden Ladungen Vernderungen erlitt, und dieses war schlielich auch der Grund, welcher sie wieder zu beseitigen zwang. Bei der Einfhrung des rauchlosen Pulvers und der Sprenggranaten mute man die Hartbronzerohre zunchst mit einer Stahlseele versehen und ging bei Neukonstruktionen wieder zum Gustahl ber. Aber diesen endlichen und wohl endgltigen Sieg seines Materials ber den hartnckigen, immer wieder erstehenden Gegner, die Bronze, sollte Alfried Krupp nicht mehr erleben. Auch in anderen Staaten erlitt Krupp starke Einbue durch die Stahlbronze. Italien folgte Oesterreich 1880 nach mit der Einstellung von Bronzegeschtzen in die Feldartillerie, Spanien nahm solche bereits 1879 an, und in Oesterreich gelang es, auch 12~cm~-, 15~cm~- und 18~cm~-Rohre fr starke Ladungen herzustellen, so da fr diesen Staat nur die schwere Schiffsarmirung in Gustahl zu liefern blieb. Whrend in dem Anfang der siebenziger Jahre ein mchtiger Aufschwung der Geschtz-Fabrikation eintrat, scheint nach 1874 ein nicht unbedeutender Rckgang sich fhlbar gemacht zu haben. Die Zahlen stiegen nmlich von 919 im Jahre 1871 bis 1874 allmhlich auf 2931 Stck; fr die nchsten Jahre liegen gar keine Angaben vor. Dann kommt aber im Beginn des Jahres 1878 die Lieferung der neuen Ausrstung fr die russische Feldartillerie, 1800 Geschtze, und hiermit ein Zeitpunkt, welcher in mehrfacher Beziehung den Beginn einer glcklicheren Periode nach berstandenen schweren Jahren bezeichnet. ~VIII.~ Unheimliche Gegner. Whrend die Kriegsjahre 1870/71 fr die meisten industriellen Unternehmungen Deutschlands eine naturgeme Arbeitsstockung mit sich brachten, so da die Fabrikherren nicht ungern die zu den Fahnen berufenen Reservisten und Landwehrleute scheiden sahen, fand sich Alfried Krupp im Gegentheil genthigt, nicht nur den Ausfall an Arbeitskrften anderweitig zu decken, sondern seine Arbeiterzahl sogar ber die der Vorjahre zu steigern. Sie betrug 1870 7337 und erreichte 1871 die Ziffer von 8314. Es galt, die frheren Bestellungen an Geschtzmaterial schleunigst zum Abschlu zu bringen und die von Berlin neu eingehenden dringenden Auftrge so rasch zu erledigen, da die Geschtze bei der Entscheidung auf dem Schlachtfelde noch mitwirken knnten. Unter den neu bestellten 323 Stck befanden sich nicht weniger als 149 schwere Rohre vom 12~cm~ bis zum 26~cm~-Kaliber, ein Beweis, da die letzte Spur des Mitrauens in die Gustahlringrohre berwunden war. Aber Krupp's nimmer rastender Erfindungsgeist, welcher jede sich bietende Gelegenheit mit Genugthuung ergriff, wo es galt, einer neuen Aufgabe gerecht zu werden, suchte sich auch in neuer origineller Weise zu bethtigen. Den Luftballons, welche von Paris Nachrichten und wichtige Persnlichkeiten in die Provinzen trugen, war mit dem Gewehr, wie mit dem Geschtz nicht beizukommen. Er konstruirte deshalb ein Ballongeschtz, mit einem Rohr von nur 150~kg~ Gewicht, und mit einer leichten Rderlaffete, so da ein Mann es vllig meistern und bedienen konnte. Dem Rohr gab er eine Bewegungseinrichtung, welche es nach jeder Richtung schnell und leicht zu drehen gestattete, und eine Tragweite von einer Meile in horizontaler, 2000 Fu in senkrechter Richtung. Das Gescho -- eine ca. 3 Pfund schwere Granate -- sollte das Gas des Ballons zur Entzndung bringen. Es scheint nicht, als wenn mit diesen Miniatur-Geschtzen, welche Krupp der deutschen Belagerungsarmee zum Geschenk machte, irgend ein Erfolg erzielt worden sei; trotzdem sind sie bemerkenswerth als charakteristisches Zeichen des patriotischen Sinnes und der Erfindungsgabe, welche neben der Last der vermehrten Arbeit ihn noch Zeit gewinnen lieen fr Erfindung eines nicht unwichtigen Hilfsmittels. Nach Beendigung des Krieges, der die Vorzge des Gustahls so hell beleuchtet hatte, begannen die Jahre eines neuen, alles bisher Erreichte weit berholenden Aufschwunges der Essener Werke. Die Arbeiterzahlen steigen 1872 auf 10622, 1873 auf 11867 und erhalten sich auch 1874 mit 11690 beinahe auf dieser Hhe. Auch die Zunahme der Gesammtproduktion, welche von 130 Millionen Pfund im Jahre 1870, im folgenden auf 150 Millionen stieg und in den Jahren 1872 und 1873 die gleiche Hhe von 250 Millionen festhielt, zeigt, da in den letztgenannten Jahren ein Hhepunkt der Entwickelung erreicht war. Es wurde bereits frher erwhnt, wie Krupp diesen Aufschwung vor allem dazu benutzte, um durch die groartige Anlage von Arbeiter-Kolonien seinen Untergebenen eine behaglichere Existenz zu schaffen, und wie er allen auf ihre Wohlfahrt bedachten Einrichtungen einen Abschlu zu geben sich bemhte. Daneben vernachlssigte er den zweiten Gesichtspunkt nicht, dem Werke durch Neu-Erwerbungen und Betriebs-Anlagen immer grere Unabhngigkeit zu geben. Er vervollstndigte die Sayner Besitzungen, bestehend aus der Sayner und Mlhofer Htte und Oberhammer durch Ankauf der Hermannshtte bei Neuwied am 24.Juli 1871 und erwarb im folgenden Jahre die Johanneshtte bei Duisburg, wodurch er die Produktion des Roheisens auf monatlich nahezu 10 Millionen Kilogramm mittelst 12 Hohfen brachte. Von groer Wichtigkeit waren aber ferner die Steinkohlenzechen. Nachdem er bereits 1868 smmtliche 1000 Kuxe der Zeche Hannover angekauft hatte, erwarb er auch durch Pachtvertrag den grten Theil der Frderung der Zechen Graf Beust, Ernestine und Friedrich Ernestine, welche alle im Osten der Stadt Essen liegen. Obgleich er bereits 414 Eisensteingruben im Jahre 1872 besa, war doch sein Bemhen unausgesetzt darauf gerichtet, auch bezglich der Beschaffung der besten Eisenerze unabhngig zu werden, und hierzu bot sich im Jahre 1872 eine gnstige Gelegenheit. Krupp erwarb sich bedeutende Konzessionen vorzglicher Eisenerzlager bei Bilbao in Nord-Spanien. Mit 3 anderen Gesellschaften theilte er sich zu gleichen Theilen in deren Ausbeute und gewann hierdurch einen jhrlichen Import von 300000 Tonnen fr seine Bessemer-Stahlfabrikation. Zur Befrderung der werthvollen sehr eisenreichen Erze von ihrem Gewinnungsort nach dem Nervion-Flusse bei Luchana ward 1872 eine 12 Kilometer lange Eisenbahn angelegt. Hier wird das Erz in die Transportdampfer verladen, welche es nach Rotterdam befrdern. Mit dieser Erwerbung hatte sich Krupp von den Schwankungen der Konjunkturen unabhngig gemacht, und der Vortheil zeigte sich bereits in diesen Jahren, als in Folge des Aufschwunges der rheinisch-westflischen Industrie ein Mangel an Arbeitskrften eintrat und hiermit eine enorme Steigerung der Preise fr Roheisen und Stabeisen sich geltend machte. Um aber auch die Befrderung der Erze von Bilbao nach Deutschland sich unter allen Umstnden zu sichern, lie Krupp auf verschiedenen Werften eigene Transportdampfer erbauen. Vier derselben, fr eine Last bis zu 1700 Tonnen konstruirt, liefen im Frhjahr 1874 von Stapel, sie erhielten die Namen Essen, Friedrich Krupp, Orconera und Sayn. Ein fnfter Dampfer Hochfeld ward 1878 in Dienst gestellt. Je eingehender er sich mit der Weiterentwickelung seiner Geschtz-Konstruktionen beschftigte, desto mehr empfand Krupp die Nothwendigkeit, mit den Schieversuchen sich gleichfalls, unabhngig von denen der Gromchte, auf eigene Fe zu stellen. Bisher hatte er innerhalb der Fabrik allerdings Einrichtungen getroffen, um die Geschtze anzuschieen und die Anfangsgeschwindigkeiten der Geschosse zu messen. Ueber die Treffsicherheit, Geschowirkung am Ziel u.s.w. gewann man aber bei den uerst beschrnkten Raumverhltnissen keine Ergebnisse. Neben der Rohrkonstruktion traten aber in dieser Zeit die anderen Faktoren immer mehr in den Vordergrund, Geschokonstruktion, Znder, Sprengladung und Treibmittel. Die ballistischen Versuche waren nur auf einem Gelnde von groer Ausdehnung mit Nutzen ausfhrbar. Deshalb legte Krupp im Jahre 1873 einen groen Schieplatz zu Visbeck bei Dlmen an, welcher mit einer nutzbaren Lnge von 6200~m~ allen Anforderungen zu gengen schien. Freilich gelang es dem Besitzer selbst, binnen kurzer Zeit seinen Geschtzen eine so gesteigerte Wurfweite zu geben, da der Schieplatz nicht mehr ausreichte. Ueber dieser und anderen groartigen Anlagen der Fabrik ist aber nicht eine ganz kleine bauliche Manahme Krupps zu bersehen, welche ein helles Licht auf seine Gemthstiefe und seine Charakterentwickelung wirft. Als mit den siebenziger Jahren sich die Perspektive auf einen beispiellosen Aufschwung seines Werkes vor ihm aufthat, als er seinen Gustahl, nirgends in seiner Vorzglichkeit erreicht, auf den verschiedensten Gebieten der Friedens- und Kriegs-Technik siegreich vordringen sah, als er im stolzen Triumph dem Erbe seines Vaters ein wirkliches Monopol errungen sah -- da gab er seinem Bedrfni, den Blick mit Vorliebe zurck zu lenken auf die kleinen Anfnge und auf die schweren Jahre, durch welche er sich hindurchringen mute, einen deutlichen Ausdruck, indem er am 14.Januar 1872 aus dem sdenglischen Bade Torquay einen Brief an die Prokura der Fabrik richtete, an dessen Spitze er eigenhndig ein Bild seines Elternhauses gezeichnet hatte. Dieser lautete: Dieses kleine Haus, in der Mitte der Fabrik jetzt, welches wir im Jahre 1822/23 bezogen, nachdem mein Vater ein ansehnliches Vermgen der Erfindung der Gustahlfabrikation ohne Erfolg und auerdem seine ganze Lebenskraft und Gesundheit geopfert hatte, dieses damalige einzige Wohnhaus der Familie, worin ich mit derselben eine Reihe von Jahren des Elends und Kummers durchlebt habe, von wo aus 1826 am 28.Oktober mein verstorbener Vater zur Gruft getragen wurde, wo ich in der Dachstube hunderte von Nchten in Sorge und fieberhafter Angst mit wenig Aussicht auf die Zukunft durchwacht habe, wo vor und nach mit geringen Erfolgen die erste Hoffnung erwachte und worin ich die Erfllung der khnsten Hoffnungen erlebt habe -- kleine Haus mu, sobald als die Jahreszeit die Arbeit gestattet, um so viel wie nthig gehoben, mit neuen Sohlen und Pfosten an Stelle der etwa verfaulten versehen und ganz so wieder hergestellt werden, wie es ursprnglich war. Das (vordere) Zimmer (rechts) bekommt nur ein Fenster wie frher und alle Fenster Laden mit einem herzfrmigen Luftloch darin. Fr den Fall, da Wnde darin versetzt und Thren und dergleichen verlegt sein mchten, wnsche ich baldigst eine rohe Skizze, um Alles genau anzugeben, wie es gewesen ist. Mbel, Treppe, Oefen, Schieferbekleidung, Bilder, Tapeten, Fu- und Stuhlleisten, Alles soll genau so werden, wie es gewesen ist. Der Zwischenbau, wo jetzt die Abfertigung der Arbeiter ist, wird abgerissen bis an die massive Wand, etwa 24'' vom alten Hause entfernt und da wird dieser ursprngliche sdliche Giebel des alten ersten massiven Fabrikgebudes, welches zum Andenken noch einen Kamin der alten Gieerei behalten hat, wieder hergestellt. Der Zwischenbau deckt nmlich noch zwei Fenster des alten Fabrikgebudes. Sollte der Zwischenraum als Weg oder Eisenbahn ntzlich werden, so habe ich nichts dagegen. Das kleine Haus aber soll gar keine geschftliche Bestimmung haben. Ich wnsche, da dasselbe so lange erhalten bleibe, als die Fabrik bestehen wird und da meine Nachfolger so wie ich, mit Dank und Freude hinblicken werden auf dieses Denkmal, diesen Ursprung des groen Werkes. Das Haus und seine Geschichte mag dem Zaghaften Muth geben und ihm Beharrlichkeit einflen, es mge warnen das Geringste zu verachten und vor Hochmuth zu bewahren. Ich wnsche auf der Fabrik vorzugsweise dort abzusteigen und zu verweilen und, wenn nicht eine andere Bestimmung die gegenwrtige aufheben mchte, aus demselben Hause dereinst bestattet zu werden. Zu vorgedachten Zwecken bitte ich dieses Blatt aufzuheben. Torquay, den 14.Januar 1872. (gez.) Alfred Krupp. Welch tiefe Piett spricht aus dieser Verfgung! Nicht verschwinden sollen die Spuren der rmlichen Vergangenheit zwischen den mchtigen Gebudekomplexen der Fabrik, sondern mit peinlicher Sorgfalt, bis auf die kleinsten Bestandtheile, sollen sie erhalten werden, eine stete Mahnung fr sein Geschlecht, nicht sich zu berheben im Glck und nicht zu verzagen im Unglck, nicht zu lassen von dem ernsten Streben, das den Grnder beseelte und seinen Sohn aus diesem drftigen Anfang sein imposantes Werk herauszugestalten befhigte. Er schmt sich nicht der rmlichen Vergangenheit, nein! Mit berechtigtem Stolze stellt er sie neben die Riesenerfolge seiner Energie, seiner genialen Schaffenskraft, deren beredte Zungen, die dampfenden Essen, die sausenden Maschinen, die riesigen Hmmer, rings dieses kleine Haus umgeben. Und den Tausenden seiner Arbeiter bietet er den Beweis, da er nicht anders gelebt, nicht anders mit der Noth gerungen hat, als sie selbst, da er einer der Ihren war und ihre Sorgen versteht, da er neben ihnen am Ambos stand und mit seiner Arbeit dieses ganze Werk erschuf, das die Mitwelt mit Staunen erfllt. Und gerade dieses Hinweises sollte er bald bedrfen. Bereits in den sechziger Jahren hatte die sozialdemokratische Agitation unter Leitung von Tlcke, Hasenclever und Dreesbach im Essener Revier Fu zu fassen gewut. Die Erfolge waren zwar noch nicht gro, denn bei der Reichstagswahl am 7.September 1867 hatte Hasenclever im Ganzen 3419 Stimmen, bei der Nachwahl 1868 nur 3280 Stimmen erhalten und im Jahre 1871 brachte es der Lassalleaner v. Schweitzer nur auf 1425 Stimmen; aber Angriffspunkte boten dennoch die Essener Verhltnisse mancherlei, die eine immer wachsende Agitation einzuleiten gestatteten. Namentlich herrschte unter den Bergleuten eine gewisse Ghrung. Die Kohlenproduktion hatte einen enormen Aufschwung genommen, wie sich aus der Zunahme der Frderung im Oberbergamtsbezirk Dortmund ergiebt. Whrend 1867 von 49400 Arbeitern 10 Millionen Tonnen im Werthe von 55,7 Mill. Mark gefrdert wurden, waren es 1871 12,7 Mill. Tonnen bei 64200 Arbeitern, und 1872 sogar 14,4 Mill. Tonnen bei 68500 Arbeitern. Der Werth der Jahresproduktion war aber auf 91 bezw. 123,5 Mill. Mark gestiegen, also von 5,3 auf 8,6 Mark pro Tonne, und die Bergleute glaubten, da ihre Lhne, welche von 2,55 Mark auf 3,31 Mark erhht worden waren, nicht hinreichend gestiegen seien. So bot sich den sozialdemokratischen Agitatoren willkommene Gelegenheit, um in ffentlichen Versammlungen die Lohnfrage, die damals immer zunehmende Wohnungsnoth zu diskutiren und schlielich die Bildung eines Komitees zu veranlassen, das am 1.Juni 1872 im Namen der Belegschaften von 26 Zechen eine Erhhung der Lhne um 25%, Einfhrung der achtstndigen Arbeit u.s.w. verlangte. Auf die Ablehnung der Forderungen Seitens der Zechenverwaltungen erfolgte am 26.Juni ein Massenstreik, indem die Belegschaft von 40 Zechen, mehr als 15000 Bergleute, die Arbeit verweigerte. Das war ein Ausfall von tglich 300000 Ctr. Kohlen, und so wie alle anderen Fabrikanten der Gegend, wurde Krupp durch den volle sechs Wochen anhaltenden Streik auf das empfindlichste betroffen. Denn eins seiner wichtigsten Rohmaterialien war ihm entzogen. Es ist nicht unwahrscheinlich, da die Agitatoren gehofft hatten, mittelst dieser Kohlen-Noth Zugang zu den bisher ihnen wenig geneigten Arbeitern der Gustahlfabrik zu finden, da die Unzufriedenheit eintreten mute, wenn Krupp gezwungen wurde, seine Betriebe ganz oder zum Theil einzustellen. Je mehr feiernde Arbeiter, desto mehr Angriffspunkte fr die Agitation und Verhetzung gegen die Arbeitgeber. Aber sie hatten sich in Krupp vollstndig verrechnet. Einerseits hatte er, den Streik voraussehend, rechtzeitig seine Gegenmaregeln getroffen; anderseits wute er seinen Einflu auf seine Arbeiter sich vollkrftig zu erhalten. Am 11.Juni lasen die Arbeiter, berall in der Fabrik angeheftet, eine Bekanntmachung: Zur Zerstreuung der mehrfach von Arbeitern der Gustahlfabrik geuerten Besorgni, ob durch etwaige Arbeitseinstellungen auf den Kohlengruben auch ihnen Arbeit und Verdienst geschmlert werden mchte, kann ich mittheilen, da die Gustahlfabrik groe Opfer nicht gescheut hat, um die Fortfhrung des Betriebes unter allen Umstnden sicher zu stellen. Aus Nah und Fern ist fr die Kohlenzufuhr gesorgt. Der an verschiedenen Orten schon beschaffte Vorrath reicht fr Monate. Meine Arbeiter knnen also, mge auch eine andere Klasse von Arbeitern sich _ein sicheres Unheil_ bereiten, trotzdem getrost in die Zukunft sehen. Es wird im Betriebe der Fabrik, sowie in den Bauten von Werksttten, Arbeiterwohnungen, auch Schulen etc. nach wie vor alles seinen Gang gehen. Man las, nickte befriedigt mit dem Kopf und ging an die Arbeit. Es kostete recht groe Opfer, um den Ausfall an Kohlen durch Anfuhr aus der Ferne zu decken, aber Schlimmerem ward dadurch vorgebeugt, dem gegen Krupp gerichteten Angriffsversuch die Spitze abgebrochen. Trotzdem ermdeten die sozialdemokratischen und, mit ihnen schon damals verbunden, die ultramontanen Whler nicht, Krupps Arbeiter, namentlich die jngeren, in diesen Jahren in groer Masse neu eingestellten, zu bearbeiten, um ihre Unzufriedenheit zu erregen. Dem aufmerksamen Auge des Fabrikherrn entging dieses Treiben nicht, und noch ein Mal ergriff er das Wort, indem er am 24.Juli folgenden Aufruf erlie: _An die Arbeiter der Gustahlfabrik!_ Vor 45 Jahren stand ich in den ursprnglichen Trmmern dieser Fabrik, dem vterlichen Erbe, mit wenigen Arbeitern in einer Reihe. Der Tagelohn fr Schmiede und Schmelzer war damals von 18 Stber auf 7 Sgr. erhht, der ganze Wochenlohn betrug 1 Thlr. 15 Sgr. Fnfzehn Jahre lang habe ich grade soviel erworben, um den Arbeitern ihren Lohn ausbezahlen zu knnen, fr meine eigene Arbeit und Sorgen hatte ich weiter nichts, als das Bewutsein der Pflichterfllung. Bei dem Wechsel der allgemeinen Verhltnisse mit dem fortschreitenden Gedeihen der Fabrik erhhte ich allmhlich die Lhne, als Regel immer freiwillig jeder Erinnerung zuvorkommend, und diese Regel soll in Kraft bleiben. Eine ntzliche Einrichtung nach der andern ist getroffen und viele stehen noch bevor, die uersten Krfte sind bis heute angespannt worden im Interesse der Arbeiter, die in Angriff genommenen neuen Wohnungen gehen in die Tausende. Wenn bei Verkehrsstockungen alle Industrien darniederlagen, wenn Bestellungen fehlten, so habe ich dennoch arbeiten lassen, niemals einen treuen Arbeiter entlassen. Es sind noch viele Alte da, die dies bezeugen knnen. Fraget sie, was im Jahre 1848 fr die Arbeiter geschehen ist. Die spteren Opfer der Kriegsjahre sind brigens Allen bekannt. Wer berechnet die Opfer der jetzigen Kohlennoth? Gegenseitige Treue hat das Werk so gro gemacht. Ich wei es, da ich Euer Vertrauen verdiene und besitze, und darum will ich diese Worte an Euch richten. Ich warne, bevor ich Anla habe, ber Untreue und Widerstreben mich zu beklagen, vor dem Loose, welches herumtreibende Aufwiegler und Zeitschriften unter dem Scheine des Wohlwollens und unter Mibrauch von religisen und sittlichen Denksprchen dem groen Arbeiterstande zu bereiten bestrebt sind. Ihre Ernte wird beginnen, wenn sie durch falsche Verlockung unwiederbringlich die Existenz Eures Standes untergraben haben werden; sie wollen den allgemeinen Untergang, um dann mit ihrem Einflu im Trben zu fischen. Man erkundige sich nach der Vergangenheit dieser Apostel, nach ihrem huslichen und sittlichen Lebenslauf. Die Geldbeitrge der Arbeiter fr mndlichen und schriftlichen Skandal sind ihnen eine bequemere, angenehmere Beute, als reelle Arbeit sie bietet. Die _Essener Bltter_ unter Anderm bestreben sich, durch Erfindungen aller Art den Charakter der Verwaltung meiner Fabrik zu verdchtigen und bringen zum Zweck des Aufhetzens gestern die Nachricht, da die Konferenz gezwungenermaen fr eine Gattung Feuerarbeiter eine bedeutende Lohnerhhung bewilligt habe. An diese und hnliche plumpe Lgen bser Gegner knpfe ich nun folgende warnende Versicherung: Nichts, keine Folge der Ereignisse wird mich veranlassen, mir irgend etwas abtrotzen zu lassen. Die Verwaltung wird mit dem bisherigen als Gesetz bestandenen Wohlwollen fortfahren, die Fabrik zu fhren im Geiste meiner Grundstze und so lange fr meine Rechnung, als ich die Arbeiter nach wie vor in bewhrter Treue als die Angehrigen des Etablissements betrachten werde. Da ich tglich meine Stellung an Andere bertragen kann und da irgend welche Gesellschaft von Kapitalisten an Wohlwollen und Opferwilligkeit mich nicht bertreffen wrde, unterliegt wohl keinem Zweifel. Es wird wohl Niemand glauben, da ich aus Durst nach Gewinn der Mhe und Arbeit mich unterziehe, welche mit der Verwaltung eines solchen Geschftes fr eigene Rechnung verbunden ist. Jedermann wei, wie ich seit jeher den Arbeiter und die Arbeit geschtzt habe. Jedermann mge aber auch versichert sein, da eine Verkennung meiner Gesinnung die eingewurzelte Vorliebe fr sie auszurotten im Stande sein wrde. Jedermann sei berzeugt, da ich in meinen Beschlssen nicht wanke, da ich wie bisher Nichts verheie ohne Erfllung. Ich warne daher nochmals vor den Verlockungen einer Verschwrung gegen Ruhe und Frieden. Es ist im Kreise meiner Unternehmungen dem braven ordentlichen Arbeiter die Gelegenheit geboten, nach einer migen Arbeitsfrist im eigenen Hause seine Pension zu verzehren -- in einem so gnstigen Maae, wie nirgend wo anders in der Welt. Ich erwarte und verlange volles Vertrauen, lehne jedes Eingehen auf ungerechtfertigte Anforderungen ab, werde wie bisher jedem gerechten Verlangen zuvorkommen, fordere daher alle diejenigen, welche damit sich nicht begngen wollen, hiermit auf, je eher desto lieber zu kndigen, um meiner Kndigung zuvorzukommen und so in gesetzlicher Weise das Etablissement zu verlassen, um Anderen Platz zu machen, mit der Versicherung, da ich in meinem Hause wie auf meinem Boden Herr sein und bleiben will. Alfred Krupp in Firma: Fried. Krupp. Dieser Aufruf ist auerordentlich charakteristisch fr Krupps Sinnesart und fr seine Auffassung des Verhltnisses zwischen ihm und seinen Arbeitern. Er htte das, was nachher erfolgte, auch gleich thun knnen, ohne ein Wort zu verlieren, nmlich die aufrhrerischen, unzufriedenen Elemente aus der Fabrik entfernen. Aber er wollte das in Anspruch genommene absolute Regiment in seinem Staate nicht auf Anwendung der Gewalt und Forderung eines blinden Gehorsams grnden, sondern auf das patriarchalische Verhltni des gegenseitigen Vertrauens, der unentwegten Treue. Mit dem vollen Bewutsein konnte er sich rhmen, diese treue Gesinnung seinen Untergebenen zu jeder Zeit bewahrt und in der opferfreudigen Frsorge fr ihr Wohl auch bewhrt zu haben. Er hielt dieses stets fr seine Pflicht, und wie er die seinige erfllte, so konnte er auch die volle Pflichterfllung von seinen Arbeitern verlangen. Mit vollem Recht konnte er darauf hinweisen, da die angeblich auf eine Verbesserung ihres Looses gerichteten Bestrebungen des Lassalle, Marx und Liebknecht durch die praktische Bethtigung, wie sie in der Fabrik Platz gefunden hatte, lngst berholt seien. Vor allen deutschen und auerdeutschen Arbeitgebern hatte er sich stets als den wahren Arbeiterfreund bewiesen. Es braucht nur daran erinnert zu werden, da er im Jahre 1872 mit enormen Geldopfern durch Erbauung der Kolonien Schederhof und Kronenberg fr 15000 Menschen gesunde und billige Wohnungen schuf und die Beschaffung aller Lebensbedrfnisse nach Krften erleichtert hatte. Wo fand sich etwas derartiges wiederholt? Aber er wollte Herr bleiben auf seinem Grund und Boden, er gestattete keiner anderen Macht, irgend einen Einflu auf seine Entschlieungen zu gewinnen. Ein guter und frsorglicher, aber ein absoluter Regent wollte er bleiben. Und seine Mahnung hatte Erfolg. Der Friede blieb in der Fabrik -- frs erste wenigstens -- gewahrt. Ein groartiges Bild ihrer Leistungsfhigkeit entwickelte diese im Jahre 1873 gelegentlich der Weltausstellung in Wien. Der Gustahlblock, welcher wiederum den Mittelpunkt bildete, erreichte dieses Mal das Gewicht von 105000 Pfund und war aus 1800 Tiegeln gegossen. In Gestalt eines achtkantigen Prismas von 4~m~ Lnge und 1,5~m~ Strke, wie er mit dem Dampfhammer Fritz hergestellt worden war, sollte er die Schmiedbarkeit des Gustahls selbst in so ungeheuren Dimensionen beweisen. Durch weiteres Ausschmieden sollte der Block spter zu einem Geschtzrohr von 37~cm~ Bohrungsdurchmesser benutzt werden. Whrend diesen Block einerseits die verschiedenartigsten Gegenstnde der Friedenstechnik, Achsen, Rder, Kurbeln, Federn, Walzen, Kuppelstangen aus Tiegelgustahl, Schienen und Weichen aus Bessemer Stahl umgaben, vergegenwrtigte anderseits eine ansehnliche Reihe von Geschtzen die Leistungen Krupps auf dem Gebiete der Kriegstechnik. Neben den Feldkanonen machten sich die fr Marinezwecke und Kstenzwecke brauchbaren Geschtze geltend, welche von der 12~cm~ bis zur 30~cm~-Kanone in 9 verschiedenen Gren bezw. Laffetirungen vertreten waren. Daneben wird auch eine 28~cm~ Haubitze erwhnt, wahrscheinlich eine Vorluferin der 1875 von Krupp konstruirten und mit Erfolg erprobten Haubitze gleichen Kalibers. Auch zwei Laffetenwnde, aus Gustahl gepret, kamen hier zum ersten Male zur Vorfhrung, wie sie von da ab die genieteten Laffeten der Feldgeschtze ersetzen sollten und der Erfindungsgabe Krupps ihre Herstellung verdankten. Einen Begriff von den Gren- und Gewichtsverhltnissen einzelner Ausstellungsgegenstnde giebt der Umstand, da sowohl der Gustahlblock als das schwerste Geschtz die Verwendung von je zwei der Firma gehrigen Eisenbahnwagen mit je 6 Achsen und 1000 Ctr. Tragkraft erfordert hatte. Alle Anstrengungen der bedeutendsten fremdlndischen Eisenwerke vermochten Krupp nicht mehr aus seiner berragenden Stellung zu verdrngen, welche in der Verleihung der hchsten Auszeichnung, des Ehrendiploms, durch die Ausstellungs-Jury und des Komthurkreuzes des Franz-Joseph-Ordens seitens des Kaisers Franz Joseph ihre gebhrende Anerkennung fand. Gerade im Jahre der Wiener Ausstellung lag ein Vergleich zwischen dem erreichten hchsten Standpunkt der Fabrik und zwischen den kleinen beinahe drftigen Anfngen ihrem Besitzer auerordentlich nahe, denn am 24.Februar waren es 25 Jahre seit seiner Uebernahme des Werkes auf eigene Rechnung. Nichts kann seine Sinnes- und Denkweise klarer beleuchten, als seine Stellungnahme gegenber diesem Jubilumstage. Es war ja nur erklrlich und selbstverstndlich, da er als ein Freudentag von dem gesammten Personal der Fabrik erwartet wurde, da die Tausende, deren Herzen mit Verehrung und Dankbarkeit fr ihren genialen, und bei aller Strenge stets wohlwollenden und frsorglichen Brotherren erfllt waren, danach verlangten, ihm ein Zeichen ihrer Treue in irgend einer Form an diesem Tage zu widmen. Aber, sich anfeiern zu lassen, das entsprach so ganz und gar nicht der schlichten und stolz-bescheidenen Natur dieses Mannes; er hatte kein Verstndni fr das behagliche und selbstgefllige Weihrauchschlrfen, wie es namentlich den Emporkmmling auszeichnet, und in Vorahnung des Gewitters, das ihm drohte, richtete er bereits einige Tage vor dessen Ausbruch an seine Freunde mit dem Ausdruck innigsten Dankgefhls die Bitte, nachdem er vernommen, da man mehrseitig durch Besuch, Schrift, Rede oder andere Zeichen wohlwollender Gesinnung eine Epoche seiner Vergangenheit zu feiern beabsichtige, dergleichen verhindern zu wollen, weil er ihrer Beweise der Gesinnung nicht bedrfe und nicht in der Lage sei, Andere wrdig zu empfangen und zu erwidern, auch keine Ausnahme machen drfe. Diese Kundgebung schlo er mit den Worten: Ich melde hiermit fr unbestimmte Zeit meine Abwesenheit an, und entzog sich damit zugleich jedem Versuch einer Huldigung. Die Angestellten muten sich damit begngen, ihrem Herrn ein Album mit ihren Photographien in Gestalt eines massiven eichenen Schreibpultes als Andenken an den 24.Februar 1873 zu berreichen. Ihm selber aber war es doch ein wichtiger Gedenktag, und auf seine Weise wollte er ihn begehen; nicht im Trubel und Gedrnge einer Unmasse festlicher Gste, nicht im strahlenden Nebelgewlk verherrlichender Reden und Lobpreisungen, sondern allein mit den Bildern der Vergangenheit, sich Rechenschaft ablegend ber sein Thun seit jenen Tagen, da der Vater ihm sein Erbe bergeben hatte. Und dabei lenkte sein Blick sich auf das kleine Haus, wo er am Krankenlager belehrt und Mitwisser geworden war des groen Geheimnisses, dessen Erforschung der Vater Gesundheit und Leben geopfert hatte, wo ihm die Mutter als treue Genossin im harten Kampf zur Seite gestanden hatte, um des Vaters Erbtheil zur Anerkennung zu bringen. Da ward sein Herz dankerfllt und begehrte, auch allen den Seinen, die jetzt mit Hand und Kopf halfen, dieses Erbe, den Gustahl, zum allgemein begehrten Hilfsmittel auf allen technischen Gebieten zu gestalten, ihnen allen Zuversicht und Lebensmuth durch dieses, das Beispiel seines Lebensganges zu heben. Da nahm er ein Blatt mit der Zeichnung des kleinen, im vorigen Jahre wiederhergestellten Elternhauses und schrieb darunter die in ihrer Einfachheit ergreifenden Worte: Vor fnfzig Jahren war diese ursprngliche Arbeiterwohnung die Zuflucht meiner Eltern. Mchte jedem unserer Arbeiter der Kummer fernbleiben, den die Grndung dieser Fabrik ber uns verhngte. 25 Jahre lang blieb der Erfolg zweifelhaft, der seitdem allmhlich die Entbehrungen, Anstrengungen, Zuversicht und Beharrlichkeit der Vergangenheit endlich so wunderbar belohnt hat. Mge dieses Beispiel Andere in Bedrngni ermuthigen, mge es die Achtung vor kleinen Husern und das Mitgefhl fr die oft groen Sorgen darin vermehren. Der Zweck der Arbeit soll das Gemeinwohl sein, dann bringt _Arbeit Segen_, dann ist Arbeit Gebet. Mge in unserem Vaterlande Jeder, vom Hchsten zum Geringsten mit gleicher Ueberzeugung sein husliches Glck dankbar und bescheiden zu begrnden und zu befestigen streben; dann ist mein hchster Wunsch erfllt. Essen, Februar 1873. Alfred Krupp. 25 Jahre nach meiner Besitzbernahme. Dieses Blatt mit Bild und Schrift lie er in dem kleinen Elternhaus anbringen, ein bleibendes Denkmal dieser seiner charakteristischen Feier seines Jubilums. So deutlich sich in diesem Krupps Wohlwollen fr seine Arbeiter nun der Wunsch ausspricht, da sie in gemeinsamer treuer Arbeit mit ihm und im Vertrauen zu ihm ihr husliches Glck zu begrnden streben sollten, so wenig behagte Anderen dieses von ihm immer wieder gefestigte Einvernehmen mit seinen Angestellten. Hatte man schon im vorigen Jahre unter diesen Unzufriedenheit und Mitrauen zu verbreiten gesucht, so lie man sich auch in der Folge durch Krupp's schlagfertiges Vorgehen nicht entmuthigen. Die Whlarbeit ward nur jetzt von einer andern Seite und mit mehr Geschick eingeleitet; man hatte Bundesgenossen von besonderer Strke gewonnen, nmlich die ultramontanen Hetzer gegen den Protestanten Krupp. In Essen war im Jahre 1869 ein christlicher Arbeiterverein begrndet worden, welcher unter Leitung der Kaplne Klausmann, ~Dr.~Mosler und ~Dr.~Litzinger innerhalb zweier Jahre zu 2000 Mitgliedern angewachsen war und auch mittelst seines Organes die Essener Bltter gegen die 1870 nach Essen berufenen Jesuiten auftrat. Es kam zu Zwistigkeiten zwischen diesem Verein und den von den Jesuiten gegrndeten und sehr schnell anwachsenden Arbeiterkongregationen, welche bis in den Reichstag ihre Wirkung geltend machten. In Folge der Einwirkung der Weltgeistlichkeit, welche fr die Jesuiten eintrat, wurden 1871 die Kaplne Litzinger und Klausmann versetzt, Mosler suspendirt und im Mai 1872 der bisherige Vizeprses des Aachener Arbeitervereins Kaplan Laaf nach Essen behufs Uebernahme der Leitung des dortigen Arbeitervereins entsandt. Der Redakteur der Essener Bltter, ein vom Sozialdemokraten zum Christlich-Sozialen bekehrter frherer Metalldreher der Krupp'schen Fabrik, Namens Sttzel, mute die stark nach Lassalle'schen Lehren schmeckende Waare, welche Kaplan Laaf zu verbreiten begann, mit seinem Namen decken. So hatte Krupp mit Recht diese Zeitung in seinem Aufruf vom 24.Juli 1872 als Hetzblatt bezeichnet. In ein neues Stadium traten die konfessionellen Verhltnisse im August 1872, wo sich bei der am 22. stattfindenden Schlieung der Jesuiten-Niederlassung deutlich zeigte, wie weit die Einwirkung der Jesuiten und die demagogische Agitation des Kaplan Laaf bereits in der Terrorisirung der katholischen Arbeitermassen gefhrt hatte. Mit Steinwrfen und Demolirungen suchte der fanatisirte Pbel gegen die Schlieung zu protestiren. Die Ausweisung der Jesuiten diente den Agitatoren nun zu einem neuen wirksamen Verhetzungsmittel. Die Sozialdemokraten bemchtigten sich der Waffe, welche die konfessionellen Streitigkeiten ihnen boten, und begannen mit dieser einen neuen Angriff auf die in ihrem imposanten Widerstande ihnen besonders verhate Gustahlfabrik. Der Erfolg war ein von Krupp selbst am wenigsten erwarteter. Ihm, dem protestantischen Fabrikherren, war es niemals in den Sinn gekommen, bei der Annahme seiner Arbeiter nach deren Konfession zu fragen und nun mute er in Erfahrung bringen, da aus einzelnen Betriebsabtheilungen pltzlich die zum Theil ihm persnlich wohl bekannten protestantischen Arbeiter verschwanden, um katholischen Platz zu machen. Dieses veranlate ihn zu folgendem Aufruf, den er am 1.November an seine Angestellten erlie. Neben den Bestrebungen, welche bereits an manchem Orte das gegenseitige Wohlwollen zwischen Arbeitgebern und Arbeitern zu beiderseitigem Nachtheile strten, droht seit einiger Zeit ein Unheil von noch tieferer Bedeutung. Kirchliche Zwietracht untergrbt den Frieden. Mge jeder das Seinige thun, verderbliche Folgen abzuwehren berall, wo es ihm mglich ist. Meinen Blick lenkt die Sorge um das Gemeinwohl auf die Fabrik. Dieselbe soll wie jedes gewerbliche Etablissement zunchst das uere Wohlergehen aller ihrer Angehrigen sichern. Bei so gesichertem Erwerb und Frieden in seinem Hause kann Jedermann seines Daseins froh werden. Jeder brave und fhige Mann ist ohne Ansehen seiner Heimath oder seines Glaubens in unserem Verbande willkommen und hat gleichen Anspruch auf Schutz und Anerkennung. Alte und Pensionirte werden bezeugen, da es bisher hier so gehalten wurde, und ebenso mu es auch ferner bleiben, denn jeder Unbefangene wird die Ueberzeugung theilen, da nur Unparteilichkeit Frieden sen kann, und niemand wird bezweifeln, da Arbeit nur da Segen bringt, wo Ordnung, Einigkeit und Friede regieren. Es darf daher keine Aeuerung politischer oder kirchlicher Zwiste innerhalb des Verbandes der Fabrik geduldet werden und ergeht deshalb diese Warnung: Niemand kmmere sich um die Meinung und den Glauben desjenigen, der ordentlich und brav ist und seine Pflicht thut. Wer zuwiderhandelt, _wer seine Stellung mibraucht zur Beeinflussung oder gar zum Nachtheile seiner Kameraden oder Untergebenen um der Meinung oder des Glaubens willen, der hat zu erwarten, da er als Friedensstrer beseitigt wird,_ -- er mge der geringste Tagelhner oder ein angesehener Vorgesetzter sein -- ohne Rcksicht darauf, ob die eine oder die andere Stelle nicht besetzt werden knnte, ob selbst ganze Werke vorbergehend auer Betrieb gestellt werden mten. Besonders leid wrde es mir thun, wenn Leute, welche bisher treue Dienste geleistet haben, betroffen werden sollten. Ich habe jedoch in 47jhriger Erfahrung im Allgemeinen nur Treue und Friedfertigkeit zu rhmen gehabt und vertraue daher, da zum Besten fr uns alle diese Warnung beachtet wird und somit Friede und Eintracht wie bisher erhalten bleibt. Dann werden auch die im Bau begriffenen Werksttten der Bestimmung gem bald besetzt, und die der Vollendung entgegen gehenden neuen Kolonien und Ortschaften mit zufriedenen Bewohnern bald gefllt sein. Gustahlfabrik, den 1.November 1873. (gez.) Alfred Krupp in Firma. Fried. Krupp. Aus dem Wortlaut dieser Ermahnung ist ebenso wie aus der sie veranlassenden Entlassung evangelischer Arbeiter in einzelnen Betriebsabtheilungen zu entnehmen, da nicht nur in den unteren Gebieten der Angestellten, sondern ziemlich weit in die Kreise der Vorgesetzten hinauf die konfessionelle Zwietracht ihre zersetzenden Einflsse geltend machte. Die Strenge, mit welcher Krupp vorging, ist deshalb wohl motivirt, da er unter allen Umstnden Frieden und Eintracht in seiner Fabrik erhalten wollte und diese mit vollem Recht allein bei der Duldsamkeit in religiser Beziehung fr erreichbar hielt. Es war ein nothwendiger Akt der Nothwehr, zu welchem er schritt, um fr seinen Theil das Seinige beizutragen zur Sicherung des Gemeinwohls, indem er diejenigen unnachsichtlich entfernte, welche an Stelle der bisher gebten Toleranz die Verfolgung Andersglubiger glaubten ben zu drfen. Frieden und Vertrauen wurden dadurch untergraben, Unzufriedenheit erregt und den zersetzenden Agitationen Thor und Thr geffnet. Bald genug sollten Zeiten kommen, welche mit den wirthschaftlichen Schwierigkeiten, die den Fabrikbesitzern erwuchsen, auch den Arbeitern die Gefahr vor Augen fhrten, die die Geschftsstockung ihnen brachte, und welche die ernste Mahnung an Alle richteten, in Eintracht zusammenzustehen, und nicht in Migunst sich zu bervortheilen. Die Jahre des Aufschwungs der Industrie, wie sie dem franzsischen Kriege gefolgt waren, hatten zu einer Entwickelung der Etablissements und zu einer Ueberproduktion gefhrt, welche einen empfindlichen Rckschlag nach sich ziehen muten. Gleichzeitig waren mit der vermehrten Nachfrage die Lhne der Arbeiter stark in die Hhe gegangen und die Preise der Rohmaterialien, Eisen und Kohlen, in noch strkerem Maae gestiegen, so da sie zu den Preisen der Fertig-Fabrikate gar nicht mehr im Verhltni standen. Als nun der Absatz der Waaren ins Stocken gerieth, als die meisten Werke ihren Betrieb einschrnken und dadurch vertheuern muten, da konnte die Gustahlfabrik sich der gleichen Einwirkung in geschftlicher Beziehung nicht entziehen und nur die gerade in diesen Jahren recht bedeutenden Geschtzlieferungen hielten den starken Ausfllen auf den Gebieten der Friedensartikel jetzt die Waage. So erntete Krupp jetzt fr die Opfer, die er frher der Entwickelung der Waffenfabrikation in seiner Fabrik gebracht hatte, den wohlverdienten Lohn. Sie gestattete ihm im Jahre 1874 die Arbeiterzahl von 11690 und selbst im folgenden Jahre noch 10200 Kpfe. Aber durch die groartigen Neuerwerbungen und Neuanlagen der letzten Jahre, welche, wie frher erwhnt, nicht nur der Selbstndigkeit und Leistungsfhigkeit des Etablissements, sondern in hervorragendem Grade auch seinen Angestellten zu Gute kamen, waren sehr bedeutende Kapitalien festgelegt worden. Krupp hatte, seinem alten Grundsatz getreu, wiederum nichts kapitalisirt, sondern seine enormen Einnahmen im Interesse der Fabrik wieder verwendet. In den Jahren der fortschreitenden Entwickelung war mittelst der zunehmenden Produktion auch der Gewinn gewachsen und die Amortisation der fr Neuanlagen verwendeten Kapitalien rasch vor sich gegangen. Nun aber stockte das Geschft, die neuangelegten Betriebserweiterungen konnten nicht benutzt und ausgenutzt werden. Die Kapitalien lagen todt, ohne Zins zu bringen, und zum ersten Male seit langen Jahren sah sich Alfried Krupp wieder ein Mal einer wirthschaftlichen Krisis gegenber. Allerdings war sie leicht zu berwinden, denn dem Verlangen der Firma, eine Anleihe von 30 Millionen gegen Verpfndung ihrer smmtlichen industriellen Anlagen und Bergwerke aufzunehmen, ward mit grter Bereitwilligkeit begegnet. Im April 1874 ward sie perfekt unter der Bedingung einer Rckzahlung innerhalb 10 Jahren zum Kurse von 110 und bis dahin zum Zinsfu von 5%. Man erinnere sich, da zu gleicher Zeit 4 Dampfer fertig wurden, der Schieplatz zu Visbeck erworben und die Arbeiter-Kolonien erbaut worden waren, um den Bedarf so groer Geldmittel zu verstehen. Denn es berrascht zunchst, da Krupp zu einer so groen Anleihe sich entschlieen mute, wenn man die Zahlen betrachtet, welche bis zu dieser Zeit immer im Steigen begriffen waren und einen bisher noch nicht erreichten Hhepunkt der Entwickelung zu bezeichnen scheinen. Das Areal der Gustahlfabrik bei Essen erreichte, abgesehen von allen nicht in unmittelbarem Zusammenhang damit stehenden auswrtigen Besitzungen, die Ausdehnung von rund 307~ha~ gegen 230~ha~ im Jahre 1872, die Arbeiterzahl blieb 1874 nur wenig hinter dem Maximum von 1873 zurck. Aber in der Produktion zeigte sich eine Abnahme, sie betrug 1874 nur 110000~t~ gegen 125000~t~ im Vorjahre, und Krupp's weitschauendem Blick entging es nicht, da ein weiterer Rckgang mit Bestimmtheit zu erwarten war; als ein kluger Wirthschafter benutzte er die noch gnstigen Verhltnisse, um Kapitalien flssig zu machen, welche er wahrscheinlich in den nchsten Jahren nur mit noch greren Opfern bekommen htte. * * * * * So schliet diese Periode des Aufschwunges der Fabrik mit einem Schritt der weisen Frsorge. Der geniale Geschftsmann verhehlte sich nicht, da die nchste Zeit schwere Gefahren -- sowie fr die ganze deutsche Industrie -- so auch fr ihn und sein Werk im Schooe trug: die wirthschaftlichen Schwierigkeiten wrden sich zunchst noch steigern, der Absatz der Erzeugnisse noch weiter zurckgehen, die Thtigkeit der Fabrik und damit die Arbeiterzahl beschrnkt werden mssen; anderseits waren in den sozialdemokratischen und ultramontanen Bestrebungen ihm Feinde erstanden, welche voraussichtlich nicht durch den einmal abgeschlagenen Angriff sich wrden einschchtern lassen, sondern ihre heimliche Whlarbeit immer auf's Neue beginnen, um sein Verhltni zu seinen Untergebenen zu untergraben. So fest und unverzagt er, im Bewutsein seiner stets im vollsten Maae erfllten Pflicht gegen seine Untergebenen, den weiteren Unternehmungen dieser Gegner entgegensah, so wenig durfte er die Bedeutung ihrer unheimlichen im Verborgenen rastlos betriebenen Arbeit unterschtzen. Dieser Feind war, weil in seinen Mitteln rcksichtslos und gewissenlos, in seinen Erfolgen unberechenbar, viel schlimmer als die geschftlichen Krisen, welche auch zu bestehen sein wrden. Denn im gegenseitigen Vertrauen mit seinen Arbeitern glaubte er letztere bei der stetig gleichbleibenden Gte seiner Erzeugnisse wohl berwinden zu knnen. Wenn aber das Werkzeug, wenn seine Angestellten, ihn im Stiche lieen, dann stand alles auf dem Spiele. Deshalb richtete er in den nchsten Jahren sein Augenmerk unablssig auf Mittel, welche ihm zur Belehrung seiner Untergebenen, zur Krftigung ihrer Gesinnung, zur Erhaltung ihrer Treue dienen knnten und versumte so auch im Interesse des Staates, des Gemeinwohls nichts, um den kommenden Gefahren vorzubeugen. ~IX.~ Schwere Jahre. Mit der ersten, dem Geschftsrckgang entsprechenden Maregel ging Krupp sofort vor. Es war die fr seine Arbeiter empfindlichste und doch im allseitigen Interesse voraussichtlich nicht zu umgehende; deshalb entschied er sich fr ihre sofortige Ergreifung, um eine klare Situation zu schaffen. Er setzte smmtliche, in den letzten Jahren unmig gestiegenen Lhne herab und kndigte diese Maregel mit folgender offenen und ehrlichen Begrndung seinen Angestellten an: Vergangene Jahre, welche allen Fabriken und Bergwerken so auergewhnliche Arbeit brachten, haben den Arbeitern auergewhnliche Lhne zugefhrt. Diese scheinbar glckliche Zeit hat in das Gegentheil sich umgewandelt: _Arbeit ist jetzt wenig geboten_ und _Entlassungen_ werden auf allen Werken vorgenommen. Auch die Gustahlfabrik war zum ersten Male in dem Falle, eine grere Anzahl von Leuten entlassen zu mssen. Da die Lhne nicht im Verhltni stehen zu den erreichbaren Verkaufspreisen, so wird fr alle Zweige der Fabrik eine _Ermigung der Lhne_ nothwendig eintreten mssen, solange, bis ein richtiges Verhltni zwischen Selbstkosten und Verkaufspreisen wieder hergestellt sein wird. Diese Ankndigung geschieht hiermit im Voraus, damit Niemand pltzlich berrascht werde. Ueber das Maa und die Dauer dieser Lohnermigung lt sich heute nichts sagen; sie hngt von den Zeitverhltnissen ab. Bei Durchfhrung dieser Ermigung hofft die Firma indessen es zu ermglichen, da alle ihre Werke in voller Kraft fortarbeiten knnen. Es wird ihr dabei zur grten Befriedigung gereichen, wenn alle treuen Arbeiter -- trotz der ungnstigen Zeitverhltnisse ruhig und ohne Sorgen fr ihre Zukunft -- fortdauernd beschftigt bleiben knnen, und sie wird nach wie vor bestrebt sein, denselben die Vortheile der Beschaffung aller Lebensbedrfnisse in mglichst erweitertem Mae zuzufhren. Ich bedaure diese Nothwendigkeit der Lohnherabsetzung, verbinde damit aber die bestimmte Erklrung, da jeder Ausdruck von Unzufriedenheit als Kndigung anzusehen ist. Essen, Gustahl-Fabrik, den 28.Dezember 1874 (gez.) Fried. Krupp. Die groe Bedeutung der Wohlfahrtseinrichtungen mute in den nun folgenden knapperen Jahren den Arbeitern recht fhlbar werden. Sie sind nicht ohne Berechtigung in der Bekanntmachung hervorgehoben, denn soeben war die groe Central-Verkaufsstelle erffnet worden, welche auer den Ladenrumen fr Kolonial-, Manufaktur-, Schuh-, Eisenwaaren und Hausgerthen ein Reservelager fr Manufakturwaaren, eine Schneider-Werkstatt, eine Speise-Anstalt und Wohnungen fr das Personal, ferner Lagerkeller fr Wein, Bier, Leder-, Woll- und andere Waaren, ein Lager von Mbeln und Nhmaschinen enthlt; und die Bckerei war durch einen Neubau mit 12 Backfen und 3 Knetmaschinen erweitert worden. So war Krupp angesichts der kommenden wirthschaftlich ungnstigeren Jahre bei Zeiten darauf bedacht, seinen Arbeitern deren Ueberwindung nach Mglichkeit zu erleichtern. Anderseits zeigte die stetig zunehmende Beanspruchung der Konsumanstalten, da die Arbeiter auch die ihnen hieraus erwachsende Erleichterung und Wohlthat wohl auszunutzen wuten. Die Gesammt-Einnahme der Konsumanstalten, welche 1871/72 sich auf 1445500 Mk. belief, stieg von Jahr zu Jahr und bezifferte sich 1874/75 auf 3230000 Mk., beinahe Million mehr als im Vorjahr, wo doch die Arbeiterzahl wesentlich hher gewesen war. Ob die Frsorge Krupps auch von seinen Arbeitern durchweg gewrdigt und anerkannt wurde, ist fraglich. Es entging ihm nicht, da mit den zunehmenden wirthschaftlichen Schwierigkeiten die sozialdemokratische und sozialistisch-ultramontane Agitation immer mehr Boden in der Gustahlfabrik fand, um ihre giftige Saat auszustreuen. Gespart hatten die Arbeiter in den verflossenen fetten Jahren nichts, die Unzufriedenheit nahm mit den knappen Lhnen und der beschrnkteren Lebensfhrung zu. Als er sich umsah nach Hilfsmitteln, um dem heranschleichenden Gegner des Mitrauens, des Treubruchs zu begegnen, da fiel Krupp eine kleine Schrift in die Hand, welche ein anderer erfahrener Fabrikbesitzer, Friedrich Harkort in Wetter an der Ruhr, soeben unter dem Titel Arbeiter-Spiegel herausgegeben hatte. Sie war ihm aus der Seele geschrieben, er lie sie sofort in mehreren tausend Exemplaren abdrucken, und mit folgendem, selbst verfatem Vorwort im Februar 1875 an seine Arbeiter vertheilen: Ein Rckblick auf das verflossene halbe Jahrhundert erweist einen so groen Wechsel in der Lage des Arbeiterstandes zwischen damals und jetzt, da Betrachtungen ber die nchste und fernere Zukunft und ber die Mittel, zum Nutzen derselben Beistand zu leisten, wohl eine Pflicht geworden sind fr jeden Betheiligten und Berufenen. Der Umschwung der letzten zehn Jahre zeigt abwechselnd Noth und Wohlstand, niedrigen Lohn und nie dagewesene Hhe desselben. Auerdem trat aber die auffallende Erscheinung zu Tage, da _mit dem Steigen der Lhne die Unzufriedenheit zunahm_ und da zur Zeit, als Jedermann Fortdauer der bestehenden gnstigen Verhltnisse htte wnschen sollen zum Besten aller Betheiligten -- Arbeiter und Arbeitgeber, -- sogar Einstellung der Arbeit auf manchen Werken erfolgte, um durch Druck auf den Arbeitgeber noch hheren Lohn zu erpressen. Man trachtete sogar dahin, durch Entziehung des Bedarfs an Kohlen auch den Stillstand der Gustahlfabrik zu erzwingen, als solche fr lange Zeit im Voraus dringende Arbeit, vorzugsweise fr den Staat bernommen hatte. Durch groe Opfer ist damals dieses Unglck, welches doch am hrtesten die Arbeiter der Fabrik betroffen haben wrde, abgewendet worden. Nicht Freunde der Arbeiter haben dies veranlat. Es waren ihre eigenen Feinde, die von der Untersttzung des zum Theil verleiteten Arbeiterstandes leben und an die Spitze desselben sich zu schwingen hoffen. Unter dem Schein der Frsorge wollen sie die Arbeiter ruiniren, um zu ihren selbstschtigen, ruberischen Zwecken aus der Kraft solcher Hilfsloser sich willige Werkzeuge zu schaffen, wenn der Zeitpunkt zum Umsturz der Ordnung ihnen gnstig erscheint. Erfllt von solchen Sorgen fr das Wohl des Arbeiterstandes entdecke ich eine Schrift: Arbeiter-Spiegel von Friedrich Harkort, welche ich der Beherzigung empfehle, weil sie die Lage der Arbeiter, die Ursachen der Beschwerden, ihr Recht und ihr Unrecht klar schildert und den richtigen Weg zeigt, der allein zum dauernden Wohlergehen und zur Zufriedenheit fhrt. Der Name des Verfassers brgt dafr, da er nur diese uneigenntzige Absicht befolgt. Schon vor fnfzig Jahren hat derselbe Mann und jetzt hochbetagte Greis viele Arbeiter beschftigt; er war derjenige, der vor ca. 45 Jahren zuerst den Puddlingsproze in Deutschland und zwar in Wetter a.d. Ruhr einfhrte trotz Kosten, Mhe und Gefahr. Hunderttausende von Menschen haben jetzt in Deutschland ihr Brod von dieser so wichtig gewordenen Industrie. Damals, als ich noch wenige Arbeiter beschftigte, habe ich seinen Unternehmungsgeist bewundert und verdanke ihm und anderen groen Beispielen die Anregung zu eigenem Streben. Wenn ein Mann, der seit dem Rcktritte aus der gewerblichen Thtigkeit sein Leben durch Sinnen, Wort und Schrift so reichlich dem Wohle der arbeitenden Klassen und namentlich der Volksbildung gewidmet hat, eine Schrift wie diese verffentlicht, so darf dieselbe wohl als ein Gru an seine Schtzlinge, als ein am Lebensabend geschriebenes Vermchtni angesehen und geehrt werden, und deshalb empfehle ich mit gleicher Wrme fr das Wohl des Arbeiterstandes die erwhnte Schrift zur allgemeinen Kenntni und Beherzigung. Der Kern der Schrift ist ein Beweis, da Flei, Treue, Migkeit, Sittlichkeit und Ordnung im Hauswesen und in der Familie die sicheren Grundlagen des Wohlergehens und der Zufriedenheit sind, und da diese Tugenden selbst Schutz bieten in schlechten Zeiten, da dagegen trotz aller Fhigkeit, trotz aller List und feindseliger mchtiger Vereinbarungen am Ende Unbotmigkeit, Unordnung, Unsittlichkeit selbst bei zeitweise erpretem hohem Lohn ins Verderben strzen. Das Schicksal der Arbeitseinstellungen in England hat Unglck gebracht ber Hunderttausende, die jetzt ohne Arbeit sind und zum Theil bleiben werden. Die treu bewhrten guten Leute wird man selbst in schlechten Zeiten mit Vorzug und Opfern schtzen -- die schlechten, welche auf kein Mitgefhl rechnen knnen, wird man bei der nchsten Gelegenheit entfernen. Und so wird es auch auf der Gustahlfabrik gehalten sein und bleiben. Aber Flei, Treue und Geschicklichkeit bei der Arbeit verbrgen allein noch nicht den dauernden Werth des Mannes. Er mu auch durch seine _Fhrung auerhalb der Fabrik_, durch sein _Hauswesen_ und durch die _Erziehung seiner Kinder_ sich Achtung erwerben und das Vertrauen zu seiner Bestndigkeit. Man wird zum Nutzen des groen Ganzen auch hierauf mit Sorgfalt die Beobachtung richten. Ich begleite diese Zeilen noch mit einer Bemerkung, welche durch die Zeitumstnde hervorgerufen wird. Ich wnsche nmlich, da auf allen Werken der Gustahlfabrik bis in die fernsten Zeiten _Friede_ und _Eintracht_ herrsche _zwischen den Konfessionen_, wie dies bisher stattgefunden. Nach einer 48jhrigen Thtigkeit als Arbeitgeber bekenne ich mit Freuden, da ich, obgleich protestantisch, von Anfang an immer in der Mehrzahl katholische Arbeiter und Meister hatte, und da ich niemals einen Unterschied bemerkte in der Treue; vielmehr habe ich der treuen Hingebung einer namhaften Zahl von ihnen aus allen Konfessionen zum groen Theile das Gelingen meiner Unternehmungen zu verdanken. Am Abend meines eigenen Lebens uere ich die Hoffnung, da es ferner so bleiben mge. Ich wnsche auch, da die Kinder aller Konfessionen in den Schulen und auf den Spielpltzen, welche ich ihnen errichtete, sich befreunden, damit sie spter als Mnner, jeder nach seiner Kraft und Befhigung, auf den Werken der Fabrik in Gemeinschaft und in gutem Einvernehmen ihren Beruf erfllen und ihr Brod erwerben. Denn Einigkeit ist die Bedingung der allseitigen Zufriedenheit und des Segens der Arbeit. Wer dieselbe zu stren wagen mchte, sei er jung oder alt, stehe er hoch oder niedrig, der soll entfernt werden. Ich hoffe aber, da solcher Fall niemals bei uns eintreten wird, da vielmehr Jedermann auch in dieser Beziehung sich bestreben wird, die Wohlfahrt Aller zu befestigen. Mit diesem warmen Wunsche schliee ich. Februar 1875. Alfred Krupp. Auch in diesem Schriftstck betont Krupp wieder den konfessionellen Frieden. Es sind seine schlimmeren Feinde, die Hetzkaplne, welche die durch den Kulturkampf irre gewordenen Arbeiter gegen ihren protestantischen Fabrikherrn zu erregen suchen. Es ist der groe Kampf des parittischen preuischen Staates, der sich hier in den kleineren Verhltnissen des auf parittischer Grundlage aufgebauten Etablissements widerspiegelt. Mittelst der Phrasen von Arbeiterausbeutung und Bereicherung der Besitzer konnten die staatsfeindlichen Elemente an Krupps Arbeiter nicht heran. Diese hatten in guten und bsen Zeiten doch zu gut ihres Herrn Frsorge kennen gelernt, als da sie dagegen die Vorspiegelungen der Agitatoren in gutem Glauben gern vertauscht htten. Sie konnten bei der gegenwrtigen traurigen Lage aller wirthschaftlichen Verhltnisse es nirgend besser haben, als in der Gustahlfabrik. Die sozialdemokratischen Whler, deren Hetzereien am meisten Anknpfungspunkte in den verflossenen Jahren des industriellen Aufschwunges gefunden hatten, schoben aber jetzt ihre sozial-ultramontanen Genossen ins Vordertreffen, die Agitation ward vom Geldbeutel auf das Gewissen bertragen, um das Vertrauen zu dem Unglubigen zu untergraben und konfessionelle Streitigkeiten zu erregen. Auf diese Weise ward der Grund und Boden vorbereitet, auf welchem spter die Saat der politischen Unzufriedenheit desto besser Wurzel schlagen konnte. Wenn auch zur Zeit Krupps Ermahnungen mit bestem Erfolg gekrnt zu sein schienen, so sollten doch die spteren Ereignisse ihn von dem tiefbetrbenden Erfolge berzeugen, welchen die stetige und unermdliche Whlarbeit seiner unheimlichen Feinde errungen hatte; er fand nicht mehr bei Allen den alten Glauben an sein Wort, das alte Vertrauen zu seiner Fhrerschaft; sie gingen andere Wege als ihr Herr und Meister. Als in dem folgenden Jahre die Auftrge weiter zurckgingen, als die Arbeiterzahl der Gustahlfabrik von 9741 im Januar 1876 auf 8322 im Dezember vermindert werden mute und auch die Zahl der Grubenarbeiter von 6839 auf 6111 Mann herabsank, glaubte Krupp eine Maregel einfhren zu mssen, welche lediglich auf eine Lohnverbesserung seiner Arbeiter hinzielte, jedenfalls aber von seinen Gegnern in anderem Sinne ausgebeutet wurde. Bislang war eine grere Zahl von Feiertagen -- meist Festtage der katholischen Kirche -- in der Fabrik gebruchlich gewesen, wodurch die evangelischen mit den katholischen Arbeitern zur Unthtigkeit und hierdurch zum Verlust des Arbeitslohnes an diesen Tagen gezwungen worden waren. Krupp legte die Sache dem Generalvikar von Mnster zur Begutachtung vor und erst, als er von dieser Seite die Antwort erhielt, da keine Bedenken gegen sein Vorhaben zu erheben seien, sofern den katholischen Angestellten nur der Besuch der Messe ermglicht werde, verfgte er am 3.Januar 1876 Folgendes: Die ungnstigen Zeitverhltnisse, welche eben so nothwendig fr den Arbeitgeber groe Verluste, wie fr den Arbeiter Schmlerung der Einnahmen herbeifhren, veranlassen die Firma, um diesen Uebelstnden im beiderseitigen Interesse entgegen zu arbeiten, folgende Regel aufzustellen: 1. Es soll die Arbeit in Zukunft auer an den Sonntagen nur an den gesetzlichen Feiertagen ruhen, nmlich: Neujahrstag, Charfreitag, Ostermontag, Bettag, Christi Himmelfahrtstag, Allerheiligentag, Pfingstmontag, Weihnachtsfest. 2. An allen anderen Tagen, an denen bisher nicht gearbeitet worden, u.a. am: h.Dreiknigstag, Fastnachtsmontag, Lichtmetag, Mariaverkndigungstag, Maikirmemontag, Frohnleichnamstag, Peter- und Paulstag, Mariaempfngnitag, Herbstkirmemontag, soll in Zukunft gearbeitet werden. 3. Um den katholischen Arbeitern die Anhrung der Messe an den unter 2 genannten Feiertagen zu erleichtern, hat sich die Firma an die Ortsgeistlichkeit gewandt. Insoweit es zeitweilig nicht mglich sein mchte, da frh genug Messe gelesen wird, soll denjenigen Arbeitern, welche am Morgen des vorhergehenden Tages darum bitten, Urlaub zur Anhrung der 6 Uhr-Messe gegeben werden, Fortbleiben ohne Urlaub wird inde, wie in jedem anderen Falle, zur Aufrechterhaltung eines geordneten Betriebes nach Magabe des Arbeiterreglements bestraft werden. Gustahlfabrik, den 3.Januar 1876. Fried. Krupp. Einige fest angestellte Meister und Beamte erblickten in dieser Maregel eine Ungerechtigkeit und baten in einer Petition um Aufhebung der Verfgung. Krupp antwortete hierauf, da er glaube, dem religisen Bedrfni der Katholiken gengt zu haben, indem er die Anhrung der heiligen Messe ermglicht und Schritte gethan habe, um dies noch zu erleichtern. Befragte wrdige katholische Geistliche htten wegen Beengung des Gewissens und der religisen Ueberzeugung keinerlei Bedenken gehabt. Die Firma habe nur eine mibruchliche Gewohnheit beseitigt. Welchem bsen Schein setzten sich bei Denkenden diejenigen aus, die im festen Lohn und Gehalt stehen, wenn sie an diesen Tagen feiern wollten! Sie verlren dadurch nichts, erwirkten aber fr die Arbeiter, denen dadurch ihr Verdienst entginge, groen Verlust. Dabei drfe auch nicht vergessen werden, da auf der Fabrik viele Evangelische in Arbeit stnden, die mitfeiern mten, wenn die Katholiken feierten. Jeder von denen, die die Petition mit unterschrieben htten, wisse, da ein in die Woche fallender Feiertag der Fabrik viele Tausende von Thalern koste durch Verlust an Hitze, Dampf und Generalunkosten. Es sei besser, diese Verluste auszugleichen durch Arbeit, als durch Lohnreduktion, besonders in jetziger Zeit, wo der Lohn leider ohnehin schon vermindert werden msse, wenn die Fabrik berhaupt in Arbeit bleiben solle. Die Anordnung der Firma werde daher nicht aufgehoben werden. Vor 50 Jahren, so fhrt Herr Krupp fort, trat ich die Fabrik an und so wie ich seither gedacht und gehandelt habe, wird es auch fernerhin geschehen. Die alten Mitarbeiter wissen noch, wie ich 1848 mein letztes Silber einschmelzen lie, um nur keine Arbeiter entlassen zu mssen. Rechnend auf die Einsicht und Treue besonders meiner lteren Mitarbeiter, habe ich dies selbst und ausfhrlich geschrieben, weil ich als Freund zum Guten rathen wollte. Mge Jeder in seinem Kreise so dasselbe thun. Wer in unserem Verbande bleiben will, darf sich dieser Einsicht nicht verschlieen. Die Verfgung blieb in Kraft, nur der Frohnleichnamstag ward noch in demselben Jahre wieder freigegeben. Den Gegnern war sie eine Waffe, und sie verstanden sie auszunutzen, um in Essen und in der Gustahlfabrik gegen Krupp Stimmung zu machen. Den Bemhungen entsprechend, welche unausgesetzt auf eine Erweiterung des Absatzgebietes seiner Artikel gerichtet waren, hatte Krupp auch groe Anstrengungen gemacht, um bei der Weltausstellung in Philadelphia im Jahre 1876 seine Fabrik und die deutsche Eisenindustrie in wrdiger Weise vertreten zu sehen. Das Hauptstck der Sammlung bildete eine 35,5~cm~ Kanone in Kstenlaffete, ein Rohr von 8~m~ Lnge und 57,5 Tonnen Gewicht. Es machte nicht geringe Schwierigkeit, dieses Monstre-Geschtz an Ort und Stelle zu schaffen. Zwar hatte der eigene Dampfer Essen der Firma gengt, um neben den eigenen Ausstellungsgegenstnden die von noch 27 anderen deutschen Firmen zu verladen und die Geschtze hatten im untersten Schiffsraum gut untergebracht werden knnen. Aber das Heben des Rohres bis zum Deck und die Befrderung ans Land, nachdem das Schiff in den Schuylkill-Flu eingelaufen war, verursachte eine beinahe unberwindliche Arbeit. Die groen Krhne der Allison'schen Werft reichten fr diese Last nicht aus; der groe Krahn, welcher behufs Einlegen des Rohres in die Laffete auf dem Schiff mitgefhrt worden war, mute auf dem Deck aufgestellt werden. Durch die kleine Schiffsluke konnte das Rohr aber nicht horizontal herausgehoben werden; man mute es erst mittelst Hebebumen quer drehen und dann mit dem Krahn in eine schiefe Stellung heben. Nun erwiesen sich aber die Ketten zu kurz, da sie fr diesen Zweck nicht bestimmt waren. Es blieb kein anderer Ausweg, als ein streckenweises Heben, Untersttzen der schweren Last mit starken Balkenunterlagen und abermaliges Heben mit der neu abgerollten Kette, bis man in einzelnen kleinen Hebungen das Rohr auf Deck hatte. Nicht weniger schwierig war das Ausschiffen auf den achtachsigen Eisenbahnwagen. Neben den 6 ausgestellten Geschtzen standen Friedensartikel in groer Zahl und theilweise riesigen Dimensionen zur Ansicht; eine Schiffswelle mit drei Kurbeln und Kuppelscheibe war aus _einem_ massiven Tiegelgustahlblock von 30 Tonnen Gewicht hergestellt worden, sie wog in fertigem Zustande noch 13,5 Tonnen, eine zweite kleinere Schiffswelle 9 Tonnen. Auer dem Eisenbahn-Material jeder Art waren aber zwei eiserne Rder von ganz neuer Konstruktion ausgestellt. Sie waren durch Aufwickeln und nachheriges Zusammenschweien eines schmiedeeisernen Bandes gebildet und zwar derart, da die Breite des Bandes fr Bildung der Nabe, der Scheibe und des Radkranzes in entsprechender Weise wechselte. Diese Rder wurden auch fr die Vereinigten Staaten und Kanada patentirt. Es ist merkwrdig, wie Professor Reuleaux, der als Mitglied der Ausstellungs-Jury des deutschen Reiches damals in Philadelphia weilte, Angesichts dieser Sammlung von 46 Gegenstnden, unter denen nur 9 -- nmlich auer den 6 Geschtzen 3 Tragesttel fr Gebirgsartillerie -- als Kriegsartikel bezeichnet werden konnten, folgendes schreiben konnte: Und wieder in der Maschinenhalle: sieben Achtel des Raumes, so scheint es, fr Krupps Riesenkanonen, die Killing Machines, wie man sie genannt hat, hergegeben, die da zwischen all dem friedlichen Werk, das die anderen Nationen gethan haben, wie eine Drohung stehen! Ist das wirklich der Ausdruck von Deutschlands friedlicher Mission? Wenngleich Herr Reuleaux spter sein allgemeines Urtheil ber die deutsche Ausstellung: Billig und schlecht dahin abgeschwcht hat, da wenigstens die deutsche Eisengroindustrie die amerikanische an Tchtigkeit bertreffe, ja sich hier auf der Ausstellung allen brigen als berlegen darstelle und des Weiteren sagt: Krupps Leistungen bedrfen hinsichtlich ihrer hohen Meisterschaft keines Kommentars, so hat er damit nicht wieder gut zu machen vermocht, was er mit seinem unbedachtsamen und wegwerfenden Urtheil, mit jenem von allen konkurrirenden Nationen mit Schadenfreude und Wohlbehagen aufgenommenen geflgelten Worte der vaterlndischen Industrie geschadet hat. Und was Krupp betrifft, so htte er wohl in Erwgung ziehen mssen, da die friedlichen Werke der anderen Nationen auch die Kriegsmaschinen-Sammlungen Schwedens, Rulands, Brasiliens und Amerikas enthielten, mit denen der deutsche Kanonenknig doch wohl die Konkurrenz aufzunehmen verpflichtet war. Die durch die manchesterliche Mehrheit des Reichstages allen Warnungen zum Trotz beschlossene Aufhebung auch der letzten noch bestehenden Zlle auf Eisenfabrikate am 1.Januar 1877 schien dazu bestimmt, der vaterlndischen Eisen-Industrie den Gnadensto zu geben. Viele Werke muten ihren Betrieb ganz einstellen, der Bergwerksbetrieb sank zunehmend, da die erzielten Werthe immer mehr herunter gingen. Im Oberbergamtsbezirk Dortmund sank die Zahl der Bergarbeiter in diesem Jahre von ca. 84000 auf 74000 und die Produktion verlor bei fast gleicher Masse der Frderung nicht weniger als 22 Millionen Mark an Werth. Und doch wies im Gegentheil der Fortschritt der Technik, auch die deutschen phosphorreichen Erze durch Entziehung des Phosphors in vollstem Mae nutzbar zu machen, auf eine mchtige Steigerung der Bergindustrie hin. Aber das Absatzgebiet ward der deutschen Industrie immer mehr beschrnkt und hiermit die Mglichkeit genommen, von diesem Fortschritt einen Nutzen zu ziehen. Allerorten gab es Schaaren feiernder Arbeiter, und muten Volkskchen errichtet werden, um die im Winter 1876/77 berhandnehmende Noth zu lindern. Dem gegenber ist es auffallend, da die Gustahlfabrik im Laufe des Jahres 1877 ihre Arbeiter von 8322 auf 9318 Mann vermehren konnte, und da sie allein an Gustahl 5553 Tonnen mehr produzirte als im Vorjahr, whrend allerdings die in den Bergwerken beschftigten Arbeiter auf die Zahl von 5300 heruntergingen. Die Grnde sind in vermehrten Bestellungen auf Kriegsmaterial und Eisenbahnschienen zu suchen. Allein fr die russische Regierung waren bis zum Jahre 1878 1800 Geschtze zu liefern, da der russisch-trkische Krieg die mangelhafte Konstruktion ihrer Feldgeschtze klar gelegt hatte. Auerdem waren aber auch fr Griechenland, Italien, China, Schweiz, Holland und Japan namhafte Bestellungen auszufhren; der orientalische Krieg hatte vielfach die Verbesserung des Geschtzwesens nahegelegt. In Folge dessen war in der Fabrik vollauf Beschftigung und die Stadt Essen empfand die Wohlthat, welche ihr aus dem Gustahlwerk erwuchs, in vollstem Mae. Obgleich Krupp nun auch nicht ermdete in der Frsorge fr seine Untergebenen, und gerade in diesem Jahre durch Grndung einer Lebensversicherungs-Anstalt und Erffnung einer neuen Privatvolksschule seine Wohlfahrtseinrichtungen vervollstndigte, mute er doch zu seiner Bekmmerni sehen, da die sozialdemokratischen Agitatoren auf seinem Gebiet wieder Fu faten und ihren verderblichen Lehren Eingang zu verschaffen wuten. Gelegentlich der Reichstagswahl am 10.Januar 1877 wurde mit allen Krften gewiegelt und gehetzt, so da der ultramontan-sozialistische Arbeiter-Kandidat Sttzel und der speziell sozialdemokratische Kandidat zusammen 10890 Stimmen erhielten und da bei der Stichwahl zwischen ihm und dem ultramontanen Gegner Sttzel mit 11645 gegen 7653 Stimmen den Sieg davontrug. Krupp hatte bis dahin auf politischem Gebiete sich vollstndig neutral verhalten. Ebenso wie er in religiser Beziehung keinen seiner Angestellten glaubte irgendwie beeinflussen oder der einen Konfession vor der andern irgend ein Vorrecht einrumen zu drfen, hatte er auch nach dem politischen Glaubensbekenntni niemals gefragt und weder direkt noch indirekt irgendwie in die Bewegung eingegriffen. Er sah jetzt, da er dem gesunden Menschenverstand seiner Arbeiter zuviel zugetraut hatte, da sie von den Lehren der staatsfeindlichen Partei in ihrem Unverstand gefangen genommen, da sie mit allen denkbaren Mitteln ins sozialdemokratische Lager hinbergezogen wurden und da hieraus dem Staate, der Gesellschaft und dem Frieden seiner Fabrik groe Gefahren erwuchsen. Er erkannte seine Pflicht, die Unverstndigen zu belehren und einen anderen besseren Einflu den gegnerischen Hetzereien gegenber zur Geltung bringen zu mssen. Er verfate deshalb eine Brochre, welche am 15.Mrz als Manuskript gedruckt, unter dem Titel Ein Wort an die Angehrigen meiner gewerblichen Anlagen erschien und folgendermaen lautete: Ich richte diese Worte an die Angehrigen meiner gewerblichen Anlagen, der Gruben und Httenwerke, vertraulich und ausdrcklich beschrnkt auf den Verband von Arbeitern, Meistern und Beamten. Sie betreffen meine eigene Hausordnung und sind nicht bestimmt fr das groe Publikum. Ich verwahre mich deshalb ausdrcklich dagegen, Grundstze, Verfahren und Entschlieung anderer Arbeitgeber hiermit berhren oder beeinflussen, oder auf irgend welchen Zeitungskampf mit streitlustigen Gegnern mich einlassen zu wollen. Das Urtheil darber, ob meine Mahnung zeitgem, ob sie eine erkannte Pflicht ist, ob Eigennutz sie mir eingegeben oder Wohlwollen, das klar zu stellen berlasse ich getrost der Zukunft. Von Jedem, Mann und Frau, auch von den weniger Gebildeten, will ich verstanden sein. Darum spreche ich einfaches deutliches Deutsch. In hnlicher Weise richtete ich an Euch das letzte Mal die Mahnung zu Frieden und Vertrglichkeit trotz jeder Glaubensverschiedenheit -- und, wie ich glaube, nicht ohne Erfolg. Heute trete ich noch einmal an Euch heran in einer ebenso ernsten Frage. Die Gefahr, um die es sich handelt, ist zwar noch nicht drohend, und ich vertraue, da der gesunde Geist des Volkes sie bei Zeiten abwenden werde. Dennoch will ich heute schon mich aussprechen, weil ich glaube, Euch ntzen zu knnen und weil ich nach 50jhriger Dienstzeit nicht darauf rechnen darf, heute Versumtes spter noch nachzuholen. Wohl aber rechne ich auf das alte Vertrauen. Trotz wiederholter Warnung scheint sich unter einem Theile von Euch der Geist der _Sozialdemokratie_ einschleichen zu wollen. Dieser Geist aber ist verderblich, und jeder Verstndige mu ihn bekmpfen, der Arbeiter so gut wie der Arbeitgeber. Da Ihr dies erkennen mchtet, das ist mein Wunsch und Streben. In der mildesten Form geht die Lehre der Sozialisten dahin, das Eigenthum des Einzelnen zu beschrnken, es ihm theilweise zu nehmen. Die Gesammtheit oder grere Genossenschaften sollen es besitzen und der einzelne Arbeiter Antheil am Gewinn haben. So soll die Lage der Arbeiter verbessert werden, sie wird aber nur dadurch verschlechtert. Nehme man z.B. an, da ich aus meinem Besitz sogar freiwillig zurcktrte und die Leitung meiner Werke dem Belieben der Gesammtheit berlassen wre. Aus der bisherigen oberen Verwaltung und von den wirklich Eingeweihten und Befhigten wrde schwerlich auch nur Einer der neuen Herrschaft sich unterordnen. An Stelle der Erfahrung, welche allein im Stande ist, durch geschickte Leitung der Fabrikation und Verwaltung die Werke zu erhalten und ber die Gefahren ungnstiger Zeitumstnde hinwegzufhren, wrden daher gar leicht zweifelhafte unbewhrte Krfte treten und damit das Ganze dem Untergange bald zutreiben. Das braucht wohl Niemand nher erklrt zu werden. -- Aber selbst angenommen, da man Leute finden wrde, welche die Werke zu fhren im Stande wren, welche in Preis und Qualitt die bisher uns vorbehaltene Leistung ausfhren wrden, mit der mchtigen fremden Industrie zu konkurriren und sie zu berflgeln -- selbst in diesem Falle wrde dennoch die Fabrik aus Mangel an Arbeit untergehen mssen, folglich ferner Niemandem mehr Nahrung geben, denn die Waare mu nicht nur gemacht, sie mu auch verkauft werden. Der inlndische Verbrauch ist aber nicht gro genug, um alle unsere Werksttten zu beschftigen, und ohne eine ununterbrochene, vereinte, volle Thtigkeit ist das Werk nicht lebensfhig. Der grte Theil der Arbeiten mu also in fremde Lnder verkauft werden und geht ber die ganze Erde. Diese Ausnahmestellung und seine Gre verdankt das Werk dem alten Ruf, der Bekanntschaft und dem Vertrauen, welches die Verwaltung sich seit dem Beginn der Fabrik vor und nach erworben hat. Ohne dieses an Personen gebundene Vertrauen fllt der ganze Weltverkehr weg. Kein Staat und keine Regierung wrde das Werk als das alte ansehen, wenn es unter die Herrschaft der Sozialisten kme, an Stelle des Vertrauens wrde Mitrauen treten, und dadurch allein schon wrden alle Besteller von Kriegs- und Friedensbedarf, Staaten und Private, ferngehalten werden. Die neuen Volksbeglcker werden sich brigens auch nicht mit diesem bloen Anfange der Umwlzung begngen, sie werden weiter gehen von Stufe zu Stufe. Was eine fleiige, sparsame Familie, was eine Generation ehrlich erworben hat, soll der Faule, Liederliche sich aneignen drfen und der Unfhige dem Tchtigen gleich gestellt werden. Von selbst mssen dann diese Volksbeglcker, welche um jeden Preis ihre Plne durchfhren wollen, dazu kommen, alles Eigenthum und Erbe, jeden Thron und jede feste Staatsgewalt beseitigen zu wollen. Viele gestehen es offen oder versteckt zu, da sie auch die Religion und die Ehe aufheben wollen, damit aber wrde Ordnung und Zucht, Scham und Sitte verschwinden. Was Jahrhunderte an Gutem geschaffen, veredelt, geheiligt haben, soll vernichtet werden -- vernichtet natrlich mit Feuer und Schwert. Das ist das Ende, zu welchem diese Lehre fhrt. Die vielbesprochene Pariser Kommune, ihre Schreckenswirthschaft mit Mord, Brandstiftung und Zerstrung war ein Beispiel der Ausfhrung solcher verwilderter Anschauungen. Dabei begann auch schon bald, was sich berall frher oder spter wiederholen wrde, der Kampf der Leiter und Wortfhrer unter sich um die Oberherrschaft. Diese zu erlangen, ist eben das verborgene Streben vieler, die jetzt noch fr den gemeinsamen nchsten Zweck, fr den Umsturz der bestehenden Ordnung in Staat und Haus, vereint kmpfen und spter kein Bedenken tragen werden, die verleitete Masse ihrem Eigennutz zu opfern. Freilich drfen wir uns sagen, da in unserm Vaterlande eine Umwlzung solcher Art von vornherein scheitern wrde an der Soliditt aller bestehenden Verhltnisse und Ordnungen, an der Macht des Staates. Aber ich hege die Zuversicht, da es deren nicht einmal bedrfen wird, um uns vor jenem Aeuersten zu bewahren. Die Mehrzahl der Leute, welche fr die Sozialdemokratie gewonnen sind, bleiben nur dabei, weil sie keine Ahnung haben von den verbrecherischen und verderblichen Zwecken derselben. Der Mann, der tglich um sein Brot sich abmht, ist zwar geneigt, auf die Verheiungen eines besseren Looses zu hren und mchte es glauben, wenn ihm mheloser Genu des Lebens versprochen wird. Aber die groe Mehrheit steht zu hoch in Bildung und Rechtsgefhl, um solchen Bethrern dauernd zu folgen. Darum werden deren Bestrebungen schon an dem gesunden Sinne des Volkes scheitern. _Das_ kann ihm nicht verborgen bleiben: die Plne der Sozialisten sind unausfhrbar in sich selbst und eine Thorheit, denn die Welt lt es sich einmal nicht gefallen, da jeder Unterschied in Stellung und Werth von Menschen und Dingen, da alles Bestehende, das Gute und Bewhrte, auf Kosten von Recht und Gesetz vertilgt werde, damit Verbrecher aus den Trmmern ihre Lese halten. Ich verlasse nun dieses hliche Bild und so unerquickliche Betrachtungen, um zu einem anderen Gegenstande berzugehen und zwar zu der Geschichte meiner Werke, damit Ihr einsehen mget, aus welchen Grnden und mit welchem Rechte ich nicht ein Haar breit nachgebe in meinen Forderungen, welche den Schlu dieser Ansprache bilden werden. Es ist bekannt, da im Jahre 1826 die verfallene Gustahlfabrik ohne Vermgen mir zur Fhrung anvertraut wurde. Mit wenigen Leuten fing ich an, sie verdienten mehr und lebten besser als ich; so ging es fast 25 Jahre fort mit Sorgen und mhevoller Arbeit, und als ich dann eine grere Zahl von Leuten beschftigte, war dennoch mein Vermgen geringer, als was heute mancher Arbeiter der Gustahlfabrik besitzt. Es waren alle sehr brave Leute, mit denen ich die Arbeiten begonnen und durchgefhrt habe. Allen, von denen viele bereits in die Ewigkeit hinbergegangen sind, habe ich meinen vollen Dank fr ihre Treue bewahrt. Jene aber, die ich von der Heerde, vom Pflug, als tchtige Handwerker, als Arbeitslose von allen Professionen, oder als Kinder von Wittwen angenommen habe, traten bereitwillig bei mir ein, weil sie ihr Loos verbesserten, und sie haben in den meisten Fllen auch dafr ihren Dank gern ausgedrckt. Mancher von ihnen ist ein wohlhabender Mann geworden. (Viele Aeltere, Meister und Arbeiter, die zum Theil schon vor ca. 46 Jahren bei mir eingetreten sind, genieen schon seit lange ihre Pension; andere arbeiten noch mit voller Kraft und alter Treue.) Den Leuten, die ich gebraucht habe, habe ich ihren Lohn gezahlt, meistens ihre Stellung verbessert und nach gesetzlichen Bestimmungen den Kontrakt verlngert oder sie entlassen. Mancher verlie die Fabrik, um anderswo sich zu verbessern, der eine ist gegangen und ein anderer hat die Stelle wieder besetzt, und wo ursprnglich 3 Mann beschftigt waren, standen spter 15000. Im Laufe der Zeit haben mehr als 100000 Mann solchen Wechsel auf meinen Werken durchgemacht, und es ist ganz natrlich, da solcher Ab- und Zugang fortdauern wird. Jeder Mann hat nach seiner Kraft und Fhigkeit seinen Lohn erhalten, und anstatt eines Jeden konnte in den meisten Fllen auch ein Anderer hingestellt werden. Es ist bisher Keinem eingefallen, nach Empfang des vereinbarten Lohnes noch einen Anspruch zu erheben an den Gewinn. Fr diesen Anspruch treten aber heutigen Tages gelehrte Volksbeglcker mit den schnsten Redensarten auf, und diese haben wesentlich zu den bethrenden sozialistischen Lehren gefhrt. Der Arbeiter hat die Erfindungen nicht gebracht. Er wird nicht betroffen von den Kosten und Verlusten, welche der Fabrikant fr Versuche und Anlagen zu tragen hat. Fr die Arbeit erhlt er seinen Lohn. Es kann keine Rede davon sein, da irgend Jemand einen besonderen Anspruch behalte, auer solchem, der in Steigerung des Lohnes und des Gehaltes besteht und immer nur Folge grerer Leistungen ist. Das ist Sache der freien Vereinbarung. Die Erfindungen und dazu gehrenden Produktionen habe ich eingefhrt; der Arbeiter darf aber nicht die Frucht verlangen von der Thtigkeit Anderer, das ist gegen das jedem Menschen eingeborene Rechtsgefhl. Wie Jedermann vertheidige auch ich mein Eigenthum; wie mein Haus, so ist auch meine Erfindung mein und die Frucht derselben, sie mag Gewinn sein oder Verlust. In seinem Lohne hat der Arbeiter den greren Antheil am Ertrage. Denn durchschnittlich betrgt in guten Zeiten der Lohn mehr als drei Viertel des ganzen Werthes der Fabrikate, der Rest mu Zinsen, Entwerthung, Verwaltungskosten, verlorene Posten und dergleichen decken. Dann erst kommt der Gewinn. In schlechten Zeiten aber, wo der Arbeitgeber oft nichts verdient, vielleicht viel verliert, behlt der Arbeiter immer noch seinen Lohn. Der Arbeiter, der in guten Zeiten Antheil am Gewinn verlangen mchte, mte doch auch in schlechten Zeiten, wo zugesetzt wird, den Verlust theilen, und doch verlangt er auch dann vollen Lohn. Daher ist es nothwendig, da der Arbeitgeber in guten Jahren mehr verdient, als er gebraucht. Gerade wie der Landwirth, mu er auf Wechselflle vorbereitet sein. Beide haben oft die Kosten fr die Saat und keine Ernte. Hat die Fabrik in guten Jahren ihr Kapital nicht vergrert, so knnte sie in schlechten Jahren nicht bestehen und mte die Arbeiter entlassen. -- Das ist bisher in grerem Mae nicht nthig gewesen, sie hat, wenn Alles darnieder lag, dennoch die Arbeit fortgesetzt, auf Vorrath fabrizirt oder mit Verlust verkauft, um die Leute zu ernhren und ihren Heerd warm zu halten. Wie ich den Verlust allein tragen mu, so ist auch der Gewinn mein von Rechtswegen, denn ich habe ihn erworben mit meiner Kraft und meiner Sorge. Ich habe das Bewutsein, da diese Werke ein Segen sind fr das Land und fr die Arbeiter. Sie sind das umsomehr, weil _mein Interesse mir empfohlen haben wrde, dieselben im Auslande zu errichten, wo ich frher und mehr Anerkennung und Absatz gefunden habe und grere Vortheile haben wrde_. Um die Lage meiner Arbeiter zu verbessern, war ich von jeher zunchst darauf bedacht, ihnen ein mglichst sorgenfreies Dasein fr die Zeiten zu verschaffen, in denen sie selbst nicht mehr arbeiten knnten. Ihr selbst wit es am besten, wie es mit Kranken, Invaliden und ausgedienten Arbeitern bei uns gehalten wird. Dann habe ich den Arbeitern Wohnungen gebaut, worin bereits 20000 Seelen untergebracht sind, habe Schulen gegrndet, Schenkungen verliehen und Einrichtungen getroffen zur billigen Beschaffung von allem Lebens- und Hausbedarf. Ich habe mich dadurch in eine Schuldenlast gesetzt, die abgetragen werden mu. Damit dies geschehen kann, mu Jeder seine Schuldigkeit thun in Frieden und Eintracht und in Uebereinstimmung mit unseren Vorschriften. Die jetzt allgemein verbreitete Geschftsstille hat bereits viele Fabriken, Htten und Gruben unseres Landes empfindlich berhrt. Geringe Preise haben geringe Lhne zur Folge gehabt, und bei einigen Werken ist schon vollstndiger Mangel an Arbeit und dadurch Stillstand eingetreten. In den verschiedenen Klassen der Gesellschaft giebt es Leute, die irrthmlich die Besserung ihrer Lage von der Aenderung der Verfassung, der Regierung und der Gesetze erwarten, dabei aber das Wesentlichste vernachlssigen, was in ihrer eigenen Gewalt liegt. Flei, Ordnung und Sparsamkeit ist der erste und sicherste Schutz gegen die beklagte Noth, und wo sie fehlen, helfen auch die beste Regierung und die besten Gesetze nichts. Umwlzungen jeder Art sind ebenso verkehrte Mittel zur Besserung der Lage, als wenn man ein Haus wegen einzelner Fehler abbrechen wollte. Dann wird man obdachlos. Man verbessert und reparirt und erhlt das Bestehende. Die augenblickliche Noth hat ihre Hauptursache in den bertriebenen Unternehmungen der vergangenen Jahre, in einer allgemeinen Verirrung. Der Arbeiter hatte aber fr sich dabei zunchst nur einen hheren Lohn erzielt, und wenn er von demselben nicht so viel erbrigt hat, da er damit ber die schlechte Zeit sich hinweghilft, so hat er damals seinen groen Lohn, der schlielich die Arbeitgeber hufig ruinirte, leichtsinnig vergeudet und nun sich selbst Vorwrfe zu machen. Das kann er nur ausgleichen durch Sparsamkeit, Ordnung und Flei. Mit Gewalt und Umwlzungen geht das nicht. In den siebenziger Jahren haben wir das Beispiel erlebt, da trotz der nie dagewesenen Hhe der Lhne Bergleute ihre Gruben verlieen, und ebenso Arbeiter die Fabriken, um die Besitzer zu unmglichen Erhhungen der Lhne zu zwingen. Das hat keinen Segen gebracht und hat auch nur zurckgefhrt werden knnen auf Verfhrungen Fremder, die auch jetzt noch fortfahren, Aufregung hervorzubringen. -- Ich erinnere daran, da Bergwerke still gelegt wurden, um dadurch auch meine Fabrik zum Stillstand zu zwingen, und da nur mit Aufwand groer Kosten dies Unheil von meinen Leuten abgewendet wurde, indem ich sogar bis von Saarbrcken Kohlen bezog. England ist gro und mchtig geworden durch Industrie, die Arbeiter haben dann Vereine gegrndet und die Arbeit eingestellt, um hhere Lhne zu erpressen. Dadurch ist zum groen Theil die Arbeit von England auf das Ausland bergegangen. Die deutsche Industrie hat von diesem Fehler der englischen Arbeiter Nutzen gehabt. Das ist auch eine Warnung! Die Nachahmung des schlechten Beispiels wrde auch unsere Industrie ins Ausland treiben. Unter den schwierigsten Umstnden habe ich den Muth gehabt, fr meine Leute einzutreten und behalte ihn auch in der jetzigen schweren Zeit. Ich hoffe, da wir sie berwinden werden, da wir Arbeit behalten werden. Alle Krfte werden dafr nach allen Seiten aufgewandt. -- Das sollten die Arbeiter dankbar anerkennen, und diejenigen, welche tglich fr diesen Zweck Sorge und Mhe aufwenden, durch freundliche Dienstfertigkeit aufmuntern fr den schweren Beruf. In welchem Maae die Gustahlfabrik noch weiter von der Geschftsstille betroffen werden wird, das lt sich noch nicht voraussehen, wenn auch fr die nchste Zeit Arbeit beschafft ist. Jedermann mge vorbereitet sein auf die Ereignisse. In frheren Zeiten, wo die Lhne auch verhltnimig sehr viel niedriger standen als jetzt, waren die Arbeiter mit bescheideneren Ansprchen glcklicher und zufriedener und kannten nicht den verderblichen heutigen Aufwand fr Kleidung und Durst. Ich gebe Euch nun diesen Rath: Lat Euch nicht blenden durch schne Worte und erwartet das Heil nicht von solchen, die einen neuen mhelosen Weg zur Volksbeglckung gefunden haben wollen. Die Angelegenheiten des ganzen Vaterlandes sollen Jedem wichtig und theuer sein, aber dazu hilft gar nichts das Kannegieern, das Schwatzen ber politische Angelegenheiten, das ist nur den Aufwieglern willkommen und strt die Pflichterfllung. Eine ernste Beschftigung mit der Landespolitik erfordert mehr Zeit und tiefere Einsicht in schwierige Verhltnisse, als Euch zu Gebote steht. Das Politisiren in der Kneipe ist nebenbei sehr theuer, dafr kann man im Hause Besseres haben. Nach gethaner Arbeit verbleibt im Kreise der Eurigen, bei den Eltern, bei der Frau und den Kindern. Da sucht Eure Erholung, sinnt ber den Haushalt und die Erziehung. Das und Eure Arbeit sei zunchst und vor Allem Eure Politik. Dabei werdet Ihr frohe Stunden haben. Mit dem Laufe der Zeit, von Jahrzehnt zu Jahrzehnt wird Alles besser. Wer zurckblickt in die Vergangenheit, mu sich berzeugen, da groe Fortschritte gemacht worden sind zum Besten Aller und vor Allem auch der arbeitenden Klasse. Schlechte Zwischenzeiten mssen durch treues Zusammenhalten der Arbeiter mit ihrem Arbeitgeber berwunden werden. Aber vor 50 Jahren lebte kein Arbeiter so gut in Nahrung, Wohnung und Kleidung, als heute. Keiner wird tauschen wollen mit dem Loose seiner Eltern und Vorfahren. Was ich nun hiermit ausgesprochen habe, mge Jedem zur Aufklrung dienen und deutlich machen, was er zu erwarten hat von Handlungen und Bestrebungen im Dienste des Sozialismus. So sehr ich auch wnsche, da meine Arbeiter statt der verfhrenden Schriften nur ntzliche belehrende lesen, so kann ich doch Niemand dazu zwingen. Die Neigung zum Guten und Schlechten zeigt nur den Geist der Leser und kann nicht ohne Folgen bleiben. Jeder mu die Folge seiner Handlungsweise tragen. Man erwrmt keine Schlange an seiner Brust, und wer nicht von Herzen ergeben mit uns geht, wer unseren Ordnungen widerstrebt, kann nicht im Kreise unserer Arbeiter bleiben. Denn wo mit Wohlwollen und Gerechtigkeit das Regiment gefhrt wird, mu auch Strenge gehandhabt werden gegen solche, die das gute Einvernehmen und den Frieden zum Nachtheile der groen Gemeinschaft stren wollen. Wie dies seither mein fester Wille gewesen, so ist dies auch eine ausdrckliche Bestimmung meines letzten Willens. Statt der zeitweise gebten Nachsicht wird daher auch, wie hier angekndigt, Strenge eintreten mssen, wenn die Ordnung dies fordert. Mge sich also Niemand durch bisher erfahrene Nachsicht verleiten lassen, auf unrechtem Wege zu beharren. So schliee ich mit den besten Wnschen fr Alle. (gez.) Alfred Krupp. Ich habe geglaubt, trotz seiner Lnge dieses hochbedeutsame Schriftstck in seinem ganzen Umfang mittheilen zu mssen, weil es einmal ein schnes Beispiel giebt von Krupps rechtlicher und schlichter, dabei durchaus auf das Praktische gerichteten Denkweise, weil es ferner zeigt, wie er in berzeugter Beharrlichkeit das patriarchalische Verhltni zu seinen Arbeitern festhlt und gegen alle Beeinflussung zu vertheidigen sucht, und weil es endlich ein seltenes Dokument ist fr seine politischen Ansichten. Die Ueberzeugung, da seinen Angestellten zum Politisiren Zeit und tiefere Einsicht fehle, da sie in Arbeit und huslichen Pflichten ihre Politik zu finden htten, bertrug er in gewissem Sinne auch auf seine eigene Person. Sein Haushalt war die Fabrik mit dem ganzen zahlreichen Personal, seine Arbeit die Fhrung der deutschen Eisenindustrie im erfolgreichen Kampfe mit der des Auslandes. Gelang es ihm, durch eine tchtige erzieherische und segensreiche Organisation der Verwaltung seiner Werke, sowie durch krftige Abwehr der zersetzenden Elemente eine festgefgte, auf Ordnungsliebe und Pflichterfllung gegrndete Gemeinschaft herzustellen und anderseits durch stetige Vervollkommnung und absolute Zuverlssigkeit seiner Erzeugnisse der vaterlndischen Industrie ihre anerkannt fhrende Stellung zu sichern, so war er sich bewut, dem Vaterlande einen unschtzbaren Dienst zu leisten und hierdurch seine politische Mission fr den Staat in vollstem Sinne zu erfllen. Was er seinen Arbeitern sagte, wandte er also auch auf sich selbst an: zu weiterer Antheilnahme an der Politik hatte er keine Zeit und Kraft brig. Eine Aeuerung ber Politik suchte er in konsequenter Weise auch stets zu vermeiden und schob selbst eine Errterung der sozialistischen Lehren so lange von sich, bis der Organismus seines Gemeinwesens dadurch ernstlich gefhrdet wurde. Nun aber begngt er sich nicht mit Mahnungen und Warnungen, sondern geht gleich direkt auf den Kernpunkt los, welchen er in der Lehre der Kathedersozialisten erblickt: Der Arbeiter ist an dem Ertrag eines industriellen Unternehmens zu betheiligen. Er erblickt hierin eine Ungerechtigkeit und eine Undurchfhrbarkeit, weil der Arbeiter nicht gezwungen werden kann, an den Verlusten in gleicher Weise wie an dem Gewinn sich zu betheiligen, denn er kann die Arbeit jederzeit verlassen, er ist nicht an das Unternehmen gefesselt, wie der Besitzer und Arbeitgeber. Und diese seine Ansicht spricht Krupp unumwunden aus; er wei sie in klarer Weise zu begrnden und seine berechtigten Ansprche denen der Sozialisten gegenber zu behaupten. Gerade dieser Theil der Schrift mute weit ber die Grenzen der Fabrik hinaus Aufsehen erregen; die Zeitungen brachten lange Auszge daraus, und in allen Kreisen der staatserhaltenden Ordnungsliebe ward ihr allgemeiner Beifall gezollt. Die sozialdemokratischen Agitatoren waren eifrig bemht, den fhlbaren Eindruck, welchen die Broschre auf die Arbeiter, namentlich in Essen, gemacht hatte, abzuschwchen und begannen, in lrmenden Versammlungen diese zu diskutiren. Diesem Unwesen machte Krupp aber, soweit seine Macht reichte, energisch ein Ende. Er kndigte Anfang April 30 Arbeitern, welche hauptschlich die Agitation betrieben hatten, ihre Stellung. Wenngleich die Essener Freie Zeitung diese Zahl gleich zu 120 anwachsen lie und einen Aufruf zur Untersttzung der Mrtyrer erlie, hatte das fr die Fabrik keine weiteren Folgen. Der Friede und das gute Einverstndni mit den Angestellten war wieder hergestellt. Es kam das Jahr 1878 mit seinen schmachvollen Mordversuchen, welche zwei Sozialdemokraten am 11.Mai und 2.Juni gegen den verehrtesten und verehrungswrdigsten Regenten seiner Zeit, gegen Kaiser Wilhelm, verbten. Nun mute endlich den sozialdemokratischen Verhetzungen, die man in verblendeter Gleichgltigkeit immer weiter sich hatte ausbreiten lassen, mit Ernst entgegengetreten werden. Dem neuen Reichstag fiel diese Aufgabe zu, und die staatserhaltenden Elemente hatten im ganzen Reiche die triftigste Veranlassung, ihre Meinung bei den Wahlen der Abgeordneten zur Geltung zu bringen. Jetzt trat die Frage an den angesehensten und einflureichsten Mann von Essen, an Alfried Krupp, heran, ob er die Vertretung des Wahlkreises bernehmen, ob er zu Gunsten einer fr den Staat so auerordentlich wichtigen Aufgabe aus seiner politischen Zurckhaltung heraustreten und fr die Staatsinteressen sowie fr die Arbeiterinteressen im Reichstage eintreten wollte. Es gab keinen Mann, der mehr Vertrauen genossen und der mehr Aussicht htte, gegen den sozial-ultramontanen Kandidaten Sttzel den Sieg zu erringen. Mnner wie Lwe und Berger, Kreutz und Stumm lieen sich fr ihre Industrie-Bezirke gewinnen, aber es erschien ein Reform-Reichstag auf dem Gebiete der sozialen und wirthschaftlichen Gesetzgebung ohne den erfolgreichen Vorgnger Alfried Krupp kaum denkbar. Die Vertrauensmnner-Versammlung am 26.Juni und die ffentliche Whlerversammlung am 7.Juli whlte einstimmig Krupp zum Kandidaten der regierungsfreundlichen Parteien; es handelte sich darum, auch die ultramontanen Whler zu gewinnen und man glaubte dessen sicher zu sein, wenn er sich bereit erklrte, die Wahl anzunehmen. Aber er enthielt sich jedes Zeichens der Zustimmung; die Gegenpartei wute daraus Gewinn zu ziehen, indem sie die Aufstellung der Krupp'schen Kandidatur als gegen seinen ausdrcklichen Willen geschehen hinstellte; Sttzel, welcher sich vollstndig dem Programm der Zentrumspartei unterworfen hatte, ward von den Ultramontanen gewhlt und ging aus der Wahl am 28.Juli mit 14527 Stimmen, mit 113 Stimmen ber die absolute Mehrheit, als Sieger hervor. Die liberalen und nationalen Stimmen betrugen 13882 gegen 2693 im Jahre 1871 und 6634 im Jahre 1877, aber das war ein geringer Trost: kirchlicher Fanatismus und politischer Unverstand hatten gesiegt. Soll man Krupp aus seiner Zurckhaltung einen Vorwurf machen? Er ist zu verstehen aus seinem an der einmal gewonnenen und ausgesprochenen Ueberzeugung zh festhaltenden Charakter. Seine Arbeit wollte er allein als seine Politik betrachten. Zu der Uebernahme einer weiteren Aufgabe konnte er sich selbst unter den vorliegenden schwerwiegenden Verhltnissen nicht entschlieen, fhlte sich vielleicht auch bei seinem Alter von 66 Jahren den vermehrten Anstrengungen nicht mehr gewachsen. ~X.~ Neue Aufgaben und neue Erfolge. Gerade dieses letzte Jahrzehnt seines Lebens stellte Krupp die Aufgabe, seine Befhigung zum Geschtz-Konstrukteur -- nachdem er einmal als solcher den Wettkampf aufgenommen hatte -- auch durch weitere Fortschritte zu bethtigen. Da war nicht nur seinem Gustahl in der Stahlbronze ein einflureicher Gegner erstanden, sondern da ward auch seiner Konstruktion der Rohre, des Verschlusses und der Laffeten von den tchtigsten Konstrukteuren der Krieg erklrt, da galt es zu zeigen, ob seine Ideen entwicklungsfhig, ob sie auch gesteigerten Ansprchen durch weitere Vervollkommnungen zu entsprechen im Stande seien. Und wenn Alfried Krupp am Abend seines Lebens des Sieges sich noch freuen durfte, so war es gerade die Unbezwingbarkeit seiner ersten Ideen, welche ihm dazu verhalf und die Ueberlegenheit dieses Mannes ber seine Gegner klarlegte, die von einem Konstruktionsprinzip zum andern sprangen im vergeblichen Versuche, ihn zu berflgeln. Die neuen Aufgaben und erhhten Forderungen lagen zunchst auf dem Gebiete der schweren -- Belagerungs- und Schiffs-Geschtze. Die immer zunehmende Strke der Schiffspanzer bedingte fr diese, namentlich fr die Kstengeschtze eine grere Durchschlagskraft, um die feindliche Flotte in respektvoller Ferne zu halten; Krupp entsprach dieser Aufgabe durch Konstruktion einer 35,5~cm~ Ringkanone, wie sie 1876 zur Ausstellung nach Philadelphia gesandt wurde. Mit einer lebendigen Kraft von 6633 Metertonnen bertraf dieses Riesengeschtz das soeben in England fertig gestellte 81 Tons-Geschtz (ein 36,8~cm~ sthlerner Hinterlader), welches nur 6484 Metertonnen an lebendiger Kraft erreichte. Man konnte annehmen, da Krupp's Geschtz den Panzer des damaligen strksten englischen Schiffes Inflexible (60,96~cm~) noch auf 1800~m~ Entfernung durchschlagen wrde. Die Kstenvertheidigung stellte aber noch eine zweite Aufgabe. Es erschien ausfhrbar, die feindlichen Schiffe durch eine Durchschlagung ihres Decks kampfunfhig zu machen; jedoch bedurfte man hierzu eines Wurfgeschtzes, welches auf grere Entfernungen mit der hinreichenden Treffsicherheit ausgestattet war, um das verhltnimig ungnstige -- weil sich bewegende und nicht sehr groe -- Ziel auch zu treffen. Der von der deutschen Admiralitt zu diesem Zwecke zunchst ins Auge gefate 21~cm~-Mrser gengte in letzterer Beziehung nicht, und Krupp konstruirte deshalb 1875 selbstndig eine 28~cm~-Haubitze, mit der auf dem Schieplatz in Visbeck sehr gnstige Resultate erzielt wurden. Das Geschtz erreichte bei 45 Elevation eine Wurfweite von 7500~m~, also einer deutschen Meile. Das Geschtz ward in der Folgezeit noch wesentlich verbessert, erhielt namentlich durch eine schwerere und lngere Granate eine grere Durchschlagskraft und erreichte bei dem Schieversuch 1879 eine Schuweite von 7870~m~. Auch die 35,5~cm~-Kanone machte nach 1875 wesentliche Vernderungen durch, erhielt bei kleinerem Gewicht eine grere Rohrlnge von 8,80~m~ und erreichte bei den Schieversuchen in Meppen 1878 eine Schuweite von 10000~m~; ein gleiches Maa auch die gleichzeitig vorgefhrte 28~cm~-Kanone. Diese Schieversuche im Jahre 1878 sind deshalb besonders bemerkenswerth, weil sie zur ersten Erprobung des neu eingerichteten Schieplatzes in Gegenwart zahlreicher Gste dienten. Je mehr sich Krupp mit der selbstndigen Konstruktion der Geschtze beschftigte, desto mehr mute er danach streben, alle von ihm und seinen Technikern gemachten Verbesserungen und Neukonstruktionen auf eigenen Schiepltzen einer grndlichen Prfung zu unterwerfen, sich in dieser Beziehung also von den Schiepltzen der Staaten und ihren dort schaltenden Komitees und Prfungskommissionen ganz unabhngig zu machen. Nur dieses konnte ein selbstndiges weiteres Studium und die selbstndige Ausbeutung der von ihm erreichten Verbesserungen gewhrleisten. Selbst der Schieplatz bei Dlmen und ein im Jahre 1877 gepachteter bei Bredelar gengten den Zwecken nicht mehr, da die Wirkungssphre der neuen Geschtze stetig sich steigerte. Deshalb erwarb Krupp 1877 ein umfangreiches fast ganz ebenes Gebiet bei Meppen in der Provinz Hannover und richtete dieses zu dem mchtigen Schieplatz ein, welcher seitdem durch die dort stattfindenden hochwichtigen Versuche und durch seine nirgend bertroffenen Einrichtungen so groe Berhmtheit erlangt hat. Ein besonderes Schienengeleise von 3500~m~ Lnge verbindet die Station Meppen der Westflischen Eisenbahn mit den Etablissements des Schieplatzes. Dieser selbst erstreckt sich mit 16800~m~ Lnge durch Haide und Bruchland und wird nur durch drei sehr wenig begangene Wege quer durchschnitten. Bis zur Entfernung von 12 Kilometer erstrecken sich beiderseits elektrische Drahtleitungen von dem Geschtzstand zu den Unterstnden der Sicherheitsposten, welch' letztere auch mittelst Signalmasten sich verstndigen knnen. Den Geschtzstand bildet eine fr die verschiedenen Geschtzarten und Kaliber eingerichtete lange Betonbettung, ber welcher ein Laufkrahn sich bewegt zur Hebung und Frderung der schweren Rohre, whrend drei Schienengeleise zu deren Heranfhrung dienen. Neben dem Hauptempfangsgebude und einem Beobachtungsthurm, von dem man das ganze Vorfeld bersehen kann, steht ein mchtiger Laffetenschuppen zur Aufbewahrung von Rohren, Laffeten, Protzen und Geschossen schwersten Kalibers, ein Telegraphenhaus und zwei Wohngebude fr das Aufsichtspersonal. Ferner fehlen ein Sicherheitsstand fr Panzerschieversuche, Pulvermagazin und Laboratorium natrlich nicht, um alle Bedrfnisse zur Hand zu haben. Durch seine Ausstattung mit allen Messungs- und sonstigen Apparaten bertrifft der Schieplatz in Meppen bisher noch alle staatlichen -- geschweige denn privaten -- derartigen Anlagen, selbst diejenigen Englands. Zu einem ganz bestimmten Zwecke, auf den wir noch zurckkommen, hatte Krupp bereits einmal, im Jahre 1871, vor geladenen Gsten -- Vertretern aller europischen Staaten mit Ausnahme Frankreichs, sowie von Japan, Brasilien und Argentinien -- auf dem Schieplatz von Bredelar einen greren Versuch vorgefhrt. Er wiederholte diese Einladung im Jahre 1878, um den neuen Schieplatz bei Meppen wrdig einzuweihen und seine neuesten -- oben bereits erwhnten -- Konstruktionen den Artillerie-Offizieren aus aller Herren Lnder vorzufhren. Einschlielich eines vorangehenden Versuches in Bredelar verweilten die militrischen Gste vom 27.Juni bis 3.Juli, durch Friedrich Alfred Krupp von einem Etablissement zum andern, von einem Schieplatz zum andern geleitet, eine internationale Versammlung, welche ihrem liebenswrdigen Gastgeber zu doppeltem Danke verpflichtet waren; denn whrend sie einerseits ihr Wissen und ihre Kenntni durch die Vorfhrung der neuesten Geschtzkonstruktionen bereicherten -- woraus allerdings dem Fabrikherren auch Geschftsvortheile erwachsen muten -- kamen bei dieser Gelegenheit viele bedeutende Persnlichkeiten verschiedener Nationalitten in Berhrung miteinander, es ward im Meinungsaustausch manche Verbindung angeknpft, welche in der Folge zu einer Frderung der gemeinsamen Wissenschaft beigetragen hat. In dieser Beziehung sind diese groartigen Versuche Krupps -- denen spter auch Gruson nachahmte -- von groem Werthe fr die Entwickelung der artilleristischen und fortifikatorischen Fragen geworden, und das ist Alfried Krupp zu danken, selbst wenn er diesen Punkt nicht im Auge hatte. Schon im nchsten Jahre wiederholte er seine Einladung, um dieses Mal vom 5. bis 9.August 1879 ein neues Riesengeschtz, die 40~cm~ Ringkanone vorzufhren, welche mit einem 10~m~ langen Rohr das der 35,5~cm~-Kanone noch um 1,20~m~ berragte. Andere Staaten hatten nicht gezgert, die Leistungsfhigkeit ihrer Schiffs- und Kstenartillerie gleichfalls durch Vergrerung der Kaliber und Vermehrung der Durchschlagskraft zu steigern; denn bei dem Kampf zwischen Schiffspanzer und Geschtz waren zunchst die Grenzen -- Tragfhigkeit der Schiffe fr die immer gesteigerten Lasten -- noch nicht erreicht worden. Gerade hierfr aber erschienen die Kruppschen Geschtze immer am vortheilhaftesten; denn whrend sie in ihren Leistungen die gleichkalibrigen englischen wesentlich bertrafen, hinter den noch greren (45,08~cm~) italienischen aber wenig zurckblieben, waren sie ganz bedeutend leichter. Die 40~cm~-Kanone wog 72, die englische 40,6~cm~-Kanone 81,2 und die italienische 45,08~cm~-Kanone 101,05 Tonnen. Nicht mit Unrecht schrieb daher ein amerikanischer Berichterstatter am 25.Oktober 1879: Die Ergebnisse der bei Meppen ausgefhrten Versuche sind charakteristisch. Die Krupp'schen Geschtze besitzen die gleiche Durchschlagskraft wie die vorhandenen Woolwich-Kanonen von doppeltem Gewicht, so da man knftighin Schiffe, welche die englischen Geschtze ihres zu bedeutenden Gewichtes wegen nicht zu fhren vermgen, mit den leichteren und wirksameren deutschen Kanonen bewaffnen wird. Daraus mu man also die fr Amerika sehr beachtenswerthe und fr England sehr niederschlagende Folgerung ziehen, da ein lediglich auf seine eigenen Hilfsquellen angewiesener deutscher Fabrikant im Stande gewesen ist, nach verhltnimig kurzen Versuchen schwere Geschtze herzustellen, welche den in der englischen Artillerie eingefhrten bei Weitem berlegen sind, und deren Leistungen die bis dahin von der Unbertrefflichkeit ihrer Kanonen berzeugten Konstrukteure von Woolwich genthigt haben, in aller Eile eine Reihe neuer Versuche zu beginnen, um den ihnen angebotenen Wettstreit aufzunehmen und womglich siegreich durchzufhren. Die englischen Woolwich-Geschtze hatten gerade in jenem Jahre einen empfindlichen Sto durch das Zerspringen eines Vorderladers auf dem Thunderer erlitten, und bei dem hierauf neu entsponnenen Streit ber Hinter- und Vorderlader hatten die Gegner der ersteren auch wieder die Unglcksflle von 1866 hervorgeholt, um nachzuweisen, da auch die Krupp'schen Hinterlader ein solches Migeschick treffen knne wie ihr Woolwich-Rohr. Krupp konnte in einer hierauf antwortenden Schrift (die bereits erwhnt wurde) nachweisen, da von den 5 Geschtzrohren des nach 1870 eingefhrten Systems, welche gesprungen waren, eins in Folge eines Dauerversuches -- also beabsichtigt -- und vier in Folge von Sprngen in den Seelenwnden und daraus entstehenden Klemmungen, also durchaus nicht unvermuthet und ohne vorherige Anzeichen, gerissen waren, und doch nur auf je 2500 Geschtze ein einziges fehlerhaftes. Auer dem neuen 40~cm~-Geschtz und der 35,5~cm~-Kanone wurde bei den Schieversuchen des Jahres 1879 eine ganze Reihe anderer Geschtze, die lange 15~cm~-Kanone, die 21~cm~ Festungs-Haubitze, der 15~cm~-Mrser, die 24~cm~-Kanone in Kstenlaffete, und die 8,7~cm~-Pivot-Schiffskanone probirt. Den Schlu bildete aber eine Vergleichsbeschieung von zwei verschiedenartigen Panzerplatten, und hiermit betrat Krupp wiederum ein neues Gebiet. Wenngleich diese ersten Panzerschieversuche ganz bestimmten, eng begrenzten Zwecken dienten, sind sie doch als Anfang der langen Reihe wichtiger Panzerschieversuche zu betrachten, deren Schauplatz der Schieplatz bei Meppen in spteren Jahren werden sollte. Am 17.Februar des Jahres 1876 hatte Krupp fr den preuischen Staat ein Patent auf ein 15~cm~-Geschtz ohne Rcklauf fr Panzerbatterien erhalten, und der bereits erwhnte Schieversuch am 7. und 8.November 1877 auf dem Schieplatz bei Bredelar hatte den Zweck, den Vertretern aller Mchte diese neue Erfindung vorzufhren. Die Anregung dazu hatten jedenfalls die Konstruktionen von Maximilian Schumann und Hermann Gruson gegeben. Ersterer hatte im Jahre 1866 einen festen gepanzerten Geschtzstand zur Erprobung gebracht und letzterer einen gleichen, aber in Hartgu konstruirten im Jahre 1869 auf dem Tegeler Schieplatz vorgefhrt. Der leitende Gedanke fr beide Konstrukteure war die Sicherung eines Festungsgeschtzes gegen die in steter Steigerung begriffene Wirkung der gezogenen Geschtze durch Umgebung mit einem eisernen Gehuse, welches vorn lediglich durch die mglichst klein zu gestaltende Schiescharte durchbrochen und hinten vllig in den Wall hineingebaut war. Drei Theile waren hierbei neu und von gleicher Wichtigkeit: das eiserne Gehuse, welches durch Gestalt und Material im Stande sein mute, dem feindlichen Feuer einen mglichst langen Widerstand zu leisten; die Scharte, welche so klein zu machen war, da keine Geschosse oder Sprengstcke zwischen Rohr und Schartenumrahmung in das Innere gelangen konnten; und hiermit in unmittelbarem Zusammenhang eine derartige Laffetirung des Geschtzes, da Seiten- und Hhenrichtung genommen, sowie geladen werden konnte selbst bei der minimalen Schartengre. Die Laffete mute also so konstruirt sein, da der Drehungsmittelpunkt fr alle Bewegungen des Rohrs mglichst in der Scharte lag und da diese womglich niemals unverschlossen blieb, da also der Rcklauf des Geschtzes mglichst ganz beseitigt wurde. Grusons Hartgu hatte sich ganz besonders geeignet erwiesen, um das Gehuse herzustellen. Das Gueisen gestattete, ihm eine allseitig abgerundete Form zu geben, auf welche das feindliche Gescho meist schrg auftreffen und abgleiten mute. Die sorgfltige Auswahl der Eisensorten und die von Gruson zur Meisterschaft entwickelte Kunst des Coquillen-Gusses lieen es erreichen, da der Panzer an der Auenflche auerordentlich hart wurde, so da die Geschosse daran zerschellten, whrend im Innern das Eisen eine hinreichende Elastizitt und Festigkeit behielt, um nicht in Folge des starken Stoes zu zerbrechen, wie gewhnliches Gueisen es thun wrde. Die Art und Weise, in welcher der Hartgupanzer seinen Zweck erfllt, ist mithin eine ganz andere, als beim Schmiedeeisen oder Walzeisen-Panzer, wie er in den 60er und 70er Jahren in England hergestellt und allgemein verwendet wurde. Whrend der Hartgu mit der harten Auenflche das Eindringen des Geschosses verhindert, also undurchdringlich ist, lt das Walzeisen das Gescho wohl eindringen, setzt ihm aber soviel Widerstand entgegen, da seine lebendige Kraft beim Eindringen allmhlich aufgezehrt wird. Deshalb muten die Walzeisen-Panzer immer dicker gemacht werden, je grere Durchschlagskraft man den Geschossen gab, whrend die Strke der Hartgupanzer wiederum in Verbindung mit der einer Platte zu gebenden Masse so gro zu whlen war, da der empfangene Sto keine Verschiebung oder Zertrmmerung nach sich ziehen konnte. Minimalschartenlaffeten mit Rcklaufshemmung waren von Schumann wie von Gruson konstruirt worden. Der Hartgustand hatte seiner zweckmigen Form wegen ber den Schumannschen den Sieg davon getragen. Beide Konstrukteure hatten sich hierauf der Erfindung von Panzer-Drehthrmen zugewendet und Schumann legte im Jahre 1878 dem preuischen Kriegsministerium seine Entwrfe vor, welche ein ganz neues Prinzip der Rcklaufshemmung einfhrten, indem das Geschtz mit dem Bodenstck gegen einen Hauptbestandtheil der Panzerkonstruktion gesttzt wurde und in Folge dessen den Rcksto auf diese bertrug, ohne selbst aus der Scharte sich zu bewegen. Ungefhr zu dieser Zeit nherte er sich auch Alfried Krupp, indem er ihm seine Ideen mittheilte und ihn fr diese zu interessiren suchte. Eine Verbindung beider genialer Mnner wrde zur Ausfhrung der Schumannschen Plne in dem denkbar besten Material gefhrt haben und wahrscheinlich viel schneller die Entwickelung der deutschen Panzer-Formen gezeitigt haben, als es durch die Verbindung mit Gruson erreicht wurde, denn Schumann hatte durchaus keine Neigung zum Hartgu, und so bedurfte es erst vieler gegenseitiger Zugestndnisse und Kompromisse zwischen ihm und Gruson, mit dem er sich 1882 vereinigte, bevor ein wirkliches Zusammenarbeiten mglich war. Aber Krupp ging auf Schumanns Vorschlge nicht ein. Es ist kaum anzunehmen, da er fr die Entwickelungsfhigkeit seiner Ideen kein Verstndni gehabt htte; aber -- er hatte bereits selbst begonnen, sich mit demselben Gegenstande zu beschftigen, er hatte bereits selbst seine ganz bestimmten Ideen in Ausfhrung genommen und hielt sie fr gut, vielleicht fr besser als die Schumannschen. Jedenfalls hatte er keine Neigung, auf dem eingeschlagenen Wege sich beirren zu lassen, und so hat er auch Nichts von den Schumannschen oder Grusonschen Prinzipien sich in der Folgezeit angeeignet, sondern ist mit einer gewissen Hartnckigkeit seiner eigenen Idee treu geblieben, wenngleich er ihr nicht zu der gehofften Anerkennung und allgemeineren Verwerthung verhelfen konnte. Seinen Panzerstand setzte Krupp aus Platten zusammen, deren vordere und seitliche schrg gestellt wurden zur Vermeidung gnstiger Auftreffwinkel. Das Rohr erhielt einen kugeligen Kopf und wurde mit diesem in die gleichfalls kugelfrmige Schartenffnung so gelagert, da es sich um diesen Kugelkopf bewegte und nicht aus der Scharte herausgestoen werden konnte. Whrend Schumann das Rohr mit dem Bodenstck aufsttzte, hngte es Krupp gewissermaen an der Mndung auf, und allgemein nahm man an, da das Rohr unter dem starken Rcksto abreien wrde. Aber das vorzgliche Material des Tiegelgustahls hielt auch diese Probe aus, und von einem Zerreien des Rohres hat man niemals gehrt. Whrend spter auch der Versuch gemacht wurde, einen Drehthurm fr das Kugelkopf-Geschtz zu konstruiren, fhrte Krupp zunchst nur den festen Panzerstand aus, welchen er zum ersten Male 1877 ffentlich erprobte. Hierbei ward sowohl aus dem Panzerstand auf eine Scheibe, als von zwei Geschtzen (von 12 und 15~cm~ Kaliber) gegen den Panzer gefeuert. Ein zweites Schieen, aber nur aus dem Panzerstand, fand am 28.Juni 1878 auf dem Schieplatz bei Bredelar statt und in dritter Stelle folgte die Beschieung der Frontplatte des Panzerstandes im Vergleich mit einer Hartguplatte am 8.August 1879. Letztere hatte offenbar den Zweck, die Ueberlegenheit der Kruppschen ber die Grusonsche Panzerplatte und der Stahlgeschosse ber die Hartgugeschosse vor Aller Augen zu beweisen. Es ist durchaus verstndlich, da der Mann, welcher lediglich in der begeisterten Ueberzeugung von der Alles bertreffenden Vorzglichkeit der vterlichen Erfindung eine Welt voll Gegner und Widerstnde berwunden hatte, auf den Hartgu, auf das so minderwerthige gemeine Gueisen mit stolzer Verachtung herabblickte, da er nicht begreifen konnte, wie man in Verblendung diesem schlechten Material Vertrauen entgegenbringen, wie man die daraus gefertigten Panzerbauten als brauchbar erachten knne. Es mute ein Leichtes sein, die ganze militrische Welt davon zu berzeugen, da sie sich in einem Irrthum befnde. Wie leicht Krupp diese Sache nahm und -- wie wenig Erfahrung er noch hatte auf dem Gebiete der Panzer-Versuche, geht aus der Art und Weise hervor, wie er sein Vergleichsschieen in Szene setzte. Er hielt es nicht fr nothwendig, sich von Gruson eine Platte schicken zu lassen; er meinte offenbar, das knne doch Jeder, eine Hartguplatte herstellen, und -- lie sie in der eigenen Fabrik gieen. Das war ein schwerer Irrthum, denn die Fabrikation der Hartguplatten, wie sie Gruson fr die grndlichste Erprobung nun bereits seit Jahren gefertigt hatte, verlangt genau in derselben Weise eine zweckentsprechende Auswahl der Rohmaterialien und eine sorgfltige Behandlung beim Gu, wie der Krupp'sche Tiegelgustahl; ohne genaueste Kenntni aller Bedingungen, ohne jahrelange Versuche und Einbung aller Arbeiter ist das Eine so wenig wie das Andere in zuverlssiger Gte herzustellen. Ferner aber stellte er neben einander seine Schartenplatte und ein Segment eines Hartguthurmes, wovon jene eine Strke von 508~mm~ hatte und ber der Scharte noch durch eine aufgeschraubte Schartenblende von 600~mm~ Dicke und 900~mm~ Durchmesser verstrkt war, whrend die Hartguplatte 625~mm~ stark war. Da er beide mit demselben Geschtz bescho, nmlich mit der 25,5~cm~ Panzerkanone, so htte er die eigene Panzerplatte um Vieles schwcher nehmen mssen; denn das bedurfte berhaupt keines Beweises, da eine 50~cm~ starke Walzeisenplatte durch ein 25,5~cm~ Gescho weder durchschlagen, noch ernstlich gefhrdet werden konnte; anderseits ist das Verhltni der gegen gleiches Gescho anzuwendenden Hartgustrke der Walzeisenstrke gegenber viel grer als 6 zu 5. Es zeigt sich in dieser Anordnung die vllige Unerfahrenheit Krupps auf dem Gebiete der Panzerschieversuche, denn die auf dieser Grundlage erzielten Ergebnisse, mochten sie noch so vorzglich sein, waren nichts weniger als einwandfrei; und auf werthlose Resultate konnte es ihm nicht ankommen. In der That ging -- nicht anders mglich -- die Walzeisenplatte vllig unversehrt aus der Beschieung hervor: aber auch die Hartguplatte zeigte nur ein paar Oberflchensprnge, wie sie sich bei diesem Material immer zeigen, ohne es fr die eigenartige Verwendung weniger brauchbar zu machen. Fr diejenigen, welche den preuischen Schieversuchen gegen Hartgupanzer nahe standen, hatten die Ergebnisse durchaus nicht das Beunruhigende, was einzelne Referenten daraus folgerten, da nmlich die in Hartgu ausgefhrten Fortifikationen nun als werthlos erwiesen seien. Scheinbar hatte Krupp mit seinem Panzergeschtz einen groen Erfolg, denn die Konstruktion hatte, dank dem vorzglichen Material, die Erwartungen bertroffen. Thatschlich war es ein Mierfolg; denn die gegen Gruson gerichtete Spitze war wirkungslos und eine weiterreichende Verwerthung des neuen Konstruktionsprinzips, so geistreich es war, blieb aus. Hier rchte sich der Fehler, den Krupp begangen hatte, als er nicht von vorn herein mit seinem Gustahl den Kampf aufgenommen hatte auf dem Gebiete der Panzerfabrikation und Panzerkonstruktion. Erst geraume Zeit spter gelang es der Firma, in ersterer das Versumte nachzuholen und dann den dem Krupp'schen Fabrikat gebhrenden ersten Rang in der Panzerfabrikation sich zu erobern. Anders liegt die Sache mit der Erprobung der Stahl- und Hartgu-Granaten. Letztere hatten sich in den 70 Jahren bei allen Schieversuchen den Stahlpanzer-Geschossen berlegen gezeigt und waren allgemein als beste Panzer-Geschosse anerkannt worden. Krzlich schien es aber, als wenn der Englnder Sir J.Whitworth mit einer neuen, knstlich gehrteten Stahlgranate im Begriff wre, ein dem Hartgugescho ebenbrtiges Stahlgescho zu fabriziren. Dieses mute Krupp natrlich zur uersten Anstrengung anregen, er erfand eine neue Hrtungsmethode und wenngleich die mit dieser hergestellten Granaten am 8.August 1879 keinen unbedingten Sieg ber die Hartgu-Granaten erfochten, so kann dieser Tag doch als der Ausgangspunkt fr die neue Geschofabrikation Krupps angesehen werden. Mit der ihm eigenen zhen Ausdauer gelang es ihm, seinen gehrteten Gustahl-Granaten die erste Stellung und hiermit wiederum einen glnzenden Erfolg zu erringen. Auch auf dem Gebiet der Feldartillerie war er unermdlich, um weitere Vervollkommnungen zu erzielen und konnte bereits in Philadelphia 1876 zwei neue Feldgeschtze und mehrere Gebirgsgeschtze ausstellen, welche durch Gewichtserleichterung und Vermehrung der Anfangsgeschwindigkeiten als ein Fortschritt bezeichnet werden muten. Im Jahre 1879 brachte er noch ein viel leichteres Feldgeschtz zur Ausfhrung, das mit Rcksicht auf einen besonders mangelhaften Zustand der Straen namentlich fr die auereuropischen Staaten bestimmt war; denn auch fr solche in allen Erdtheilen waren ja die Krupp'schen Geschtze mehr und mehr zur unentbehrlichen Waffe geworden. Die Frchte aller dieser Anstrengungen wollten sich so schnell nicht einstellen. Bis zum Jahre 1880 schwankte die Arbeiterzahl zwischen 8 und 9 Tausend, blieb also hinter den Zahlen der ersten Hlfte des Jahrzehnts um 2 bis 3 Tausend zurck, und auch die Produktion nahm nur langsam zu. Jedoch gelang es, die schweren Bedingungen, unter denen Krupp vor fnf Jahren die Grundschuld von 30 Millionen Mark auf sein gesammtes Besitzthum aufgenommen hatte, im Jahre 1879 dadurch wesentlich zu erleichtern, da behufs Konvertirung der noch nicht ausgeloosten Obligationen eine Anleihe im Betrage von 22 Millionen Mark zu gleichen Bedingungen aufgenommen wurde. Der Tilgungstermin war dadurch bis zum 1.April 1899 verlngert worden. Es erschien geboten, dieses Arrangement zu treffen, um in der immer noch schwierigen Lage des Werkes grere Mittel flssig erhalten zu knnen und nicht durch starke Rckzahlungen die Einnahmen fortlaufend zu belasten. Die Ausstellung in Dsseldorf gab 1880 Gelegenheit, ein glnzendes Bild von der Leistungsfhigkeit der Fabrik zu geben. Es ist hierbei besonders die Vorfhrung einer Schiffswelle von 11551~kg~ Gewicht erwhnenswerth, weil diese dem Postdampfer Frisia entnommen war, auf welchem sie von 1872 bis 1877 im Gebrauch gewesen war und in dieser Zeit 66 Millionen Umdrehungen bei einer durchlaufenen Gesammtreise von 262000 Seemeilen gemacht hatte, ohne die geringsten Spuren einer Abnutzung zu zeigen. Hiermit war ein vorzglicher Beweis der Leistungsfhigkeit und Dauerhaftigkeit des Materials erbracht, der noch durch das Zeugni des Herrn Adolf Godeffroy aus Hamburg bekrftigt wurde, da andere von der Firma gelieferte Achsen noch einer strkeren Beanspruchung sich gewachsen gezeigt htten, wie z.B. eine 1871 gelieferte Doppelkurbelachse, welche auf der Vandalia 111803000 Umdrehungen gemacht hatte. Von einer Konkurrenz mit Krupp war bereits bei dieser Ausstellung keine Rede mehr; er stand auerhalb des Wettbewerbes. Im Jahre 1877 verlebte der Kaiser Wilhelm den Sedantag in der Gustahlfabrik. Mit groem Gefolge traf er auf der Reise zu den Manvertagen in der Rheinprovinz in Essen ein; eine Ausstellung der Maximal-Produktion eines Tages ward ihm in der Fabrik vorgefhrt; um 1000 verschiedene Granaten, die wie ein Teppichbeet gruppirt waren, schlangen sich 160 Radreifen, 120 Lokomotiv- und Waggonachsen, 160 Eisenbahnrder, 430 Eisenbahnfedern und 1800 Schienen, welche die ganze Ausstellung wie eine Mauer umfaten; die im Jahre 1865 gegrndete Feuerwehr gab eine Festvorstellung und zu dem Festmahle in Villa Hgel sangen die Arbeiter die Wacht am Rhein, ein wrdiger und alle Anwesenden tief bewegender Abschlu eines bedeutungsvollen und groartigen Tages. Einige Monate spter (am 17.Dezember) traf der Kronprinz in Essen ein, und im Jahre 1878 besuchte der Enkel des greisen Kaisers, Prinz Wilhelm von Preuen, zum ersten Male den Kanonenknig, von dessen Sohn Alfred Friedrich er bei der Besichtigung gefhrt wurde. ~XI.~ Die letzten Triumphe und die letzte Enttuschung. Mit dem Jahre 1881 begann fr Alfried Krupp die letzte und durch immer sich steigernde Erfolge hervorragende Periode seines ereignireichen Lebens. Er hatte die Hhe erklommen, unermdliches Streben, begeisterte Auffassung seines Berufes, unentwegtes Vertrauen auf die Unbertrefflichkeit des vterlichen Erbes, geniale Erfindungskraft, weise und praktische Geschftsfhrung, echt patriarchalische Frsorge fr seine Arbeiter und ein auf die Strkung der vaterlndischen Wehrmacht unablssig gerichteter Patriotismus hatten ihn dahin geleitet. Der einzelne Mann hatte mit seiner Kraft seinem Werke eine Bedeutung und Ausdehnung zu geben vermocht, wie sie kein, selbst mit den grten Mitteln untersttztes Unternehmen auf dem Gebiete der Eisen-Industrie hatte erreichen knnen. Neue Fortschritte bezeichnen noch in diesen seinen letzten Lebensjahren die Neukonstruktionen der langen Geschtzrohre und der Schnellfeuerkanonen. Bei dem im Jahre 1882 veranstalteten groen Probeschieen bei Meppen ward das erste schwere Geschtz von 35 Kaliberlnge, eine 30,5~cm~-Kanone von 10,7~m~ Rohrlnge, vorgefhrt. Es ward damit die Anwendung grerer Ladungen und schwererer Geschosse, also eine bedeutende Steigerung der Wirkung beabsichtigt und erreicht. Zur selben Zeit brachte Krupp ein neues Pulver zur Anwendung, welches auf seine Anregung hergestellt worden war, und das sich wegen seines geringen Gasdruckes fr groe Ladungen viel geeigneter erwies, als das bisherige Schiepulver. Dieses braune Pulver ist als ein Vorlufer der spter verwendeten rauchschwachen Pulver zu betrachten, und seine Einfhrung trug wesentlich zur sachgemen Entwickelung der langen Geschtzrohre bei. Im Jahre 1885 folgte dem 30,5~cm~ ein von Italien bestelltes 40~cm~-Rohr von 35 Kaliberlnge, welches die stattliche Lngenausdehnung von 14~m~ erreichte. Die im Jahre 1886 mit diesem Riesengeschtz unter Anwendung des braunen Pulvers unternommenen Schieversuche ergaben eine Anfangsgeschwindigkeit von 556-572~m~ und eine Anfangsenergie von 16500 bis 17510 Metertonnen. Eine andere neuere Pulversorte lie sogar 579~m~ bezw. 17945 Metertonnen erreichen, das sind Leistungen, an deren Mglichkeit man bis dahin kaum geglaubt hatte. Selbstverstndlich hatte Armstrong sich beeilt, ein Geschtz zu konstruiren, welches das Kruppsche noch bertreffen sollte; es war ein Rohr von 41~cm~ Kaliber und 36 Kaliber lang, welches bei einer Anfangsgeschwindigkeit von 651~m~ bis zu 18000 Metertonnen lebendige Kraft erreichte. Danach schien es allerdings wirksamer zu sein. Eine Vergleichung der Leistungen zeigt aber, da das Krupp-Geschtz an der Mndung eine schmiedeeiserne Platte von 1040~mm~ Strke, auf 1000~m~ Entfernung noch von 970~mm~ Strke, das Armstrong-Geschtz an der Mndung nur eine Platte von 1016~mm~ und auf 914~m~ Entfernung eine solche von 889~mm~ Strke zu durchschlagen vermochte. Das Krupp'sche Geschtz war also doch noch berlegen, und hierzu kommt als weiterer Vorzug die unbedingt grere Dauerhaftigkeit seines Materials. Italien hatte 4 der 40~cm~-Kanonen fr Spezia bestellt. Der Transport machte aber besondere Schwierigkeiten wegen Lnge und Gewicht der Rohre (121 Tonnen). Es wurde ein besonderes Fahrzeug von fast 23~m~ Lnge gebaut, das aus 2 Wagen mit je 8 Achsen und einem beide verbindenden Rohrlager bestand. Da aber jeder der Wagen die Lnge von 11,36~m~ hatte, mute er mit Rcksicht auf die Krmmungen der Bahn in der Mitte mit einer drehbaren Plattform versehen werden, hierauf ruhten die Enden des Rohres. Die Schweizer Bahnen hielten ihre Eisenbahnbrcken zum Theil nicht fr tragfhig genug, um die kolossale Last von 218 Tonnen eines beladenen Wagens darauf befrdern zu knnen. Deshalb sandte Krupp die vier Rohre nach Antwerpen, von wo sie mittelst Dampfer nach Spezia transportirt wurden. Es ist bemerkenswerth, da diese Geschtze paarweise in zwei Grusonschen Hartguthrmen aufgestellt wurden und da bei einer 1886 vorgenommenen Beschieung durch ein Armstrong-43~cm~-Geschtz mit Krupp'schen Stahlgranaten eine Platte dieser Thrme sich vollstndig bewhrte, d.h. fr einzelne Treffer dieses grten Geschtzes auf krzeste Entfernung (85~m~) unzerstrbar ist und folglich auf Gefechtsdistanzen vom Schiffe aus nicht wesentlich beeintrchtigt werden kann. Die Frage, ob Krupp oder Armstrong der Vorrang gebhre, welche ja namentlich bezglich der berseeischen Lnder fr beide von groer Bedeutung war, wurde im Jahre 1885 von dem argentinischen Oberstlieutenant Sellstrm einer Besprechung unterzogen, in der er neben technischen Vorzgen der deutschen Geschtze betont, da Krupp stetig an seinem System festgehalten habe, whrend Armstrong bei dem wiederholten Wechseln und Schwanken zwischen Vorder- und Hinterlader nicht den gleichen Grad der Sicherheit fr die Gte seiner Rohre in Anspruch nehmen knne, wie jener; da Krupps Feldgeschtze von allen Mchten angenommen, Armstrongs im eigenen Lande verworfen seien; da Krupp alle seine vor Zeugen abgehaltenen Schieversuche verffentliche, whrend Armstrong eine kluge Reserve beobachte; da Krupp sich seine Blcke aus dem Rohmaterial selber herstelle, whrend Armstrong sich auf Privatlieferanten verlassen msse. Er ist deshalb der Ansicht, da noch viele Jahre vergehen werden, bevor die englischen Stahlgeschtze dieselben Garantien bieten werden, wie diejenigen von Krupp, die bis in die kleinsten Details in der Fabrik selbst, unter der Aufsicht von Spezialisten, angefertigt werden, wie sie keine andere Fabrik der Welt besitzt. England hatte bis zum Jahre 1868 einige Geschtzrohre von Krupp bezogen. In den Jahren 61/62 hatte man Versuche mit drei solchen vorgenommen, hierauf Armstrong im Jahre 1864 8 zehnzllige und 20 achtzllige Rohre bestellt, und im folgenden Jahre 64 vorgearbeitete, 54 fertige Kanonen verschiedener Kaliber bezogen. Endlich waren im Jahre 1868 30 Neunzller, 10 Achtzller und 20 Siebenzller in vorgearbeitetem, und 6 zehnzllige Kanonen in fertigem Zustande nach England geliefert worden. Seit diesem Jahr, in welchem Krupps Konstruktionen sich den englischen so wesentlich berlegen gezeigt hatten, waren weitere Bestellungen ausgeblieben, aber zahlreiche Offiziere wurden zur Essener Fabrik entsandt und wohnten den Schieversuchen bei, whrend man immer aufs Neue vergebliche Versuche machte, Krupp bei seinem weiteren Fortschreiten zu berholen, als er seine Rohre durch vernderte Konstruktion verbesserte, als er durch ihre Verlngerung, durch schwerere Geschosse und Anwendung neuer Treibmittel die Anfangsgeschwindigkeiten um hunderte von Metern und die Perkussionskraft auf das Doppelte des alten Maaes von 1868 steigerte. Einen letzten Versuch machte man noch im Jahre 1886, indem man das beste Material: Stahl, die beste Konstruktion: Mantelrohrsystem nach Krupp und, wie man meinte, das beste Verschlusystem: De Bange, annahm. Die Resultate waren derartig, da ein Berichterstatter das Urtheil fllte: Einer allgemeinen Schtzung nach werden die englischen Geschtze ~c~/86 den englischen Geschossen etwa dieselbe Leistung geben, mit denen man bei den Krupp'schen Geschtzen im Jahre 1876 einen Abschlu machte -- und damit ist fr die nchsten Jahre der Vergleich der englischen und Krupp'schen Kanonen erledigt. Gern htte man auch ein neues Krupp'sches Rohr nach Woolwich genommen, um es dort zu probiren, vielleicht um es zu seziren, und eventuell in Konkurrenz zu stellen. Das scheint aber dem deutschen Fabrikanten nicht behagt zu haben, sich den nicht unbeeinfluten Resultaten einer solchen Konkurrenz auszusetzen, denn er verlangte, sein eigenes Personal dabei in Thtigkeit zu sehen und -- machte bei gnstigem Ausgang eine namhafte Bestellung, 2 Millionen Pfund Sterling, zur Bedingung. Die Konkurrenz unterblieb. Krupp war jetzt in der Lage, derartige Bedingungen seinem frheren Nebenbuhler zu stellen, und auch den Entfall der zur Bedingung gemachten Bestellung konnte er verschmerzen. Hatten doch die Verhltnisse sich so gnstig gestaltet, da der ganze Betrag der Anleihe von 1879 bereits zum 1.April 1886 hatte zurckgezahlt werden knnen. Einen gleichen Triumph wie ber den englischen Rivalen, sollte Krupp auch noch ber einen franzsischen Nebenbuhler erleben. Es war dort im Jahre 1878 fr die Feld-Artillerie ein neuer Verschlu von De Bange eingefhrt worden, der sich durch groe Einfachheit auszeichnete und auch fr groe Kaliber zweckmig erschien. Er bestand aus einer sthlernen Verschluschraube, deren Gewinde auf drei symmetrisch zur Achse liegenden Zonen unterbrochen war derart, da der Bruchtheil einer Umdrehung gengte, um das Schlieen zu bewirken. Hierzu kam noch ein Dichtungsring aus Asbest und Talg, welcher in neuem Zustande vorzglich funktionirte. Bei einem Schieversuch zwischen einer Krupp'schen und einer franzsischen Feldkanone, welcher Ende 1884 in Belgrad stattfand, traf erstere das Migeschick, da in Folge mehrerer kleiner Unflle bei der Schnellfeuer-Probe Strungen eintraten und das franzsische Geschtz die 30 Schu in 23 Minuten abgab, whrend das Krupp'sche deren 30 brauchte, wohingegen bezglich Trefffhigkeit und Wirkung letzteres mehr geleistet hatte. Dem groen Siegesgeschrei, welches man in Frankreich erhob, begegnete Krupp durch das Verlangen eines zweiten Vergleichsversuchs, und bei diesem erreichte am 6.Mai 1885 sein Geschtz mit Leichtigkeit die 30 Schu in 16 Minuten; es hatte also in jeder Beziehung seine Vorzge bewiesen. Trotzdem wurde vom serbischen Kriegsministerium die Fabrik vormals Cail & Cie. in Paris, welche die vom Obersten De Bange erfundene Geschtzkonstruktion ausfhrt, mit der Lieferung der neuen Feldgeschtze beauftragt, und die franzsische Presse begann auf Grund dieses Ausganges mit groem Eifer Reklame fr die franzsische Firma zu machen. Die Agence Havas scheute sich nicht, ihren Lesern folgende Erzhlung vorzufhren: In Betreff der de Bange'schen Riesenkanone erhalten wir aus Serbien eigenthmliche Berichte. Die ehemalige Fabrik Cail hat bei der Lieferung fr die serbische Artillerie ber ihren gefrchteten Mitbewerber den Sieg davon getragen. Die nheren Umstnde, welche bei dieser Entscheidung in Betracht kamen, gereichen der serbischen Regierung sowohl als auch der Gediegenheit der franzsischen Industrie zu groer Ehre. Der Oberst De Bange hatte 6 Millionen, Krupp 11 Millionen verlangt. Kaum hatte Krupp von dem Preise seines Nebenbuhlers gehrt, so ging er mit seiner Forderung auf 5 Millionen Francs herunter. Herr de Bange, durch den serbischen Kriegsminister hiervon in Kenntni gesetzt, erklrte, da sein Haus in ehrlicher Weise seine 10% an dem Handel verdiene und sich auf irgend einen Abschlag nicht einlassen knne. Daraufhin bedachte sich die serbische Regierung keinen Augenblick, der Fabrik Cail, trotz des hheren Preises, ihren Auftrag zu bergeben. Um Krupp die Lieferung zum Preise von 5 Millionen zu ermglichen und dadurch seinen Weltruf zu behaupten, wollte ihm die deutsche Regierung einen Zuschu von anderthalb Millionen bewilligen. Der franzsischen Industrie ist es brigens gelungen, das Uebergewicht Krupp's ins Wanken zu bringen, denn wiederum sind zwei Auftrge, einer von der rumnischen und einer von der mexikanischen Regierung Krupp entgangen und St.Chamont und dem Creuzot zugedacht werden. Krupp sah sich gezwungen, die wahre Sachlage durch folgende Antwort festzustellen: Da zu erwarten bleibt, da Bswilligkeit fr weitere Verbreitung der _Lgen_ der Agence Havas sorgen werde, sehe ich mich veranlat, hierdurch ausdrcklich zu erklren, da die ganze Darstellung der serbischen Angelegenheit von Anfang bis zum Ende erfunden ist. Ich bin berhaupt gar nicht in der Lage gewesen, einen Gesammtpreis anzugeben, da mir nicht bekannt war und bis heute nicht bekannt ist, was die serbische Regierung bestellen will. Ich konnte also auch gar nicht in die Lage kommen, den Preis von 11 Millionen auf 5 Millionen Francs herabzusetzen, ganz abgesehen davon, da meine Preise fest sind und jedes Feilschen ein fr alle Mal ausgeschlossen ist. Da der serbische Kriegsminister in dem genannten Berichte mit in die Erzhlung hineingebracht ist, was wohl kaum Billigung in Belgrad finden wird, so sehe ich mich genthigt, ausdrcklich darauf hinzuweisen, da der genannte Minister, dem die Krupp'schen Detailpreise bekannt sind, die und die Preise de Bange's als ungefhr gleich bezeichnet hat. Fr die vielleicht bereits zu Gunsten des franzsischen Geschtzes gefallene Entscheidung waren lediglich Zahlungsmodalitten ausschlaggebend, welche de Bange in Verbindung mit dem Komptoir d'Escompte, dessen beherrschender Einflu auf die serbischen Finanzen genugsam bekannt ist, eingehen konnte, welche aber meines Erachtens jede andere Konkurrenz von vornherein ausschlo und mich zum Abbruch der Verhandlungen veranlate, sobald ich davon Kenntni erhielt. Da die Resultate bei den in Serbien ausgefhrten Proben mit Geschtzen verschiedener Systeme und Konstruktionen die Ueberlegenheit meines Geschtzes klar ergaben, werden Fachleute aus den Verffentlichungen in militrwissenschaftlichen Zeitschriften ersehen haben; hier mag es gengen, zu konstatiren, da artilleristische Grnde es nicht waren, wenn de Bange die Bestellung zugewiesen wird. Was die beiden als Triumph der franzsischen Industrie bezeichneten Bestellungen anbetrifft, so beschrnken sich dieselben auf zwei Probekanonen fr Rumnien, die hauptschlich nur bestellt wurden, weil die Fabrik St.Chamond erklrte, es sei nthig, die zwei Kanonen zusammen mit einem dort bestellten Probethurm zu fertigen, und auf Feldkanonen fr Mexiko, deren Lieferung ich nicht bernehmen wollte, weil die persnlichen Ansprche des Vermittlers nicht mit meinen Geschftsprinzipien in Einklang zu bringen waren. Der erstere Auftrag ist im vorigen Jahre, der zweite vor mehreren Jahren ertheilt worden. Also auch in dieser Richtung ist die Erzhlung der Agence Havas ungenau. Es ist dem nur noch hinzuzufgen, da das ganze Belgrader Probeschieen nur eine Komdie war, denn die Geschtzbestellung bei der Gesellschaft vormals Cail & Cie. bildete einen Theil der Bedingungen, unter welchen in diesem Jahre das bei der Gesellschaft sehr interessirte Pariser Finanz-Institut, das ~comptoir d'escompte~, fr die serbische Regierung eine Anleihe im Betrage von 40 Millionen Francs abschlo. Wie schlecht die serbische Regierung bei ihrer Annahme der Geschtze System de Bange gefahren war, ergab sich aus den bedenklichen Niederlagen, die dieses kurz darauf erfuhr. Innerhalb zweier Wochen ereigneten sich 3 schwere Unglcksflle mit solchen Geschtzen in der franzsischen Armee, wobei 1 Offizier und 2 Kanoniere getdtet, 4 verwundet wurden. Aehnliche Vorkommnisse hatten, wie nun bekannt wurde, bereits frher stattgefunden und schon eine ganze Zahl von Menschenleben gefordert. Der Verschlu erwies sich als praktisch unbrauchbar. Noch einmal -- in seinem letzten Lebensjahre -- sollte Krupp einen heien Kampf entbrennen sehen zwischen den verschiedenen rivalisirenden Geschtzsystemen; aber er brauchte keinen Finger zu rhren; die tchtigsten Federn des Landes, in dem der Streit ausgefochten wurde, bernahmen es, seinem System den Sieg zu sichern und gleichzeitig in glnzender Weise die Ueberlegenheit dieses seines Lebenswerkes allen anderen Systemen gegenber mit objektiver wissenschaftlicher Grndlichkeit zu beweisen. Es war in Belgien, wo gelegentlich der Erbauung der beiden Maasfestungen Stimmen in groer Anzahl laut wurden, um theils fr die Herstellung der zahlreichen Geschtze in eigenen Etablissements, theils fr die Annahme des Systems de Bange zu agitiren. Welche Mittel man hierbei anwandte, zeigt die Behauptung eines militrischen Schriftstellers, des Lieutenant Malengreau: es beweist nur, da Krupp im Stande ist, seine Geschtze durch Tiegelgu herzustellen, und da er es auch thut, wenn er Zeitungskorrespondenten empfngt, was jedoch nicht alle Tage vorkommt. Und selbst ein so bedeutender franzsischer Schriftsteller, wie Oberstlieutenant Hennebert verstieg sich zu der Behauptung: Jedermann wei, da der deutsche Kaiser, die kaiserliche Familie, die Hauptpersonen am Hofe und der Frst Bismarck ausschlielich Aktionre des berhmten Hauses an den Ufern der Ruhr sind... Das Ziel, welches man sich in Deutschland gesteckt hat, besteht in der Hemmung des Aufschwunges der franzsischen Industrie. Wohlthuend berhrt dagegen die sachliche und objektive Klarlegung der Frage, mit welcher der Hauptmann E.Monthaye vom belgischen Generalstab fr Krupps System eintrat. Seine Untersuchung fhrt zu der unbedingten Anerkennung und einwandfreien Kritik der Krupp'schen Geschtze. Ausgehend von einer Besprechung der verschiedenen zur Verwendung kommenden Metalle hebt er die Vorzge des Tiegelgustahls hervor und zitirt das Urtheil des Chemikers Fremy: Wenn Krupp dazu gelangt ist, den Kriegsmaschinen jene Vollkommenheit zu geben, welche man an ihnen kennt, so geschah dies, weil er seit einer langen Reihe von Jahren ihre Fabrikation auf eine wirklich wissenschaftliche Grundlage stellte. In seiner Fabrik wird nichts dem Zufall berlassen; Chemiker analysiren fortwhrend die Grundstoffe und die hergestellten Erzeugnisse; das wissenschaftliche und industrielle Element ist eng mit dem militrischen Element verbunden; Artillerie-Offiziere sind der Fabrikation zugetheilt und verfolgen alle Einzelheiten; erhebliche Summen werden auf neue Versuche verwandt, die mit den verschiedenen Legirungen, die sich fr die Geschtzfabrikation eignen, gemacht werden; jedes untersuchte Metall erhlt gewissermaen seine Akten, die seine chemische Zusammensetzung, seine Vortheile und seine Mngel ergeben. Mit Recht wird hervorgehoben, da Krupp allein im Stande ist, sich das grte Vertrauen fr seine Fabrikate zu erwerben, weil er selbst sich die Materialien in dieser wohlberwachten wissenschaftlichen Weise zubereitet, whrend in Frankreich und England die zu verarbeitenden Blcke von Privaten gefertigt und geliefert werden. Nachdem Monthaye hierauf die Verschlusysteme einer kritischen Untersuchung unterworfen hat, bespricht er die ballistischen Leistungen und weist nach, da die neuen Krupp'schen Geschtze denen von de Bange durchweg vorzuziehen sind. Er schliet sein Buch mit den Worten: Der gegenwrtige Eigenthmer der Kruppschen Fabrik ist ein Greis von 74 Jahren, dessen eiserne Gesundheit und Thatkraft jedoch dem Alter und der Krankheit trotzt. Er ist noch heute der Mittelpunkt von allen den ausgedehnten Unternehmungen, deren Ausgangspunkt die Essener Gustahlfabrik ist. Man hat ihn den Kanonenknig genannt, wie man den verstorbenen Van der Bilt den Eisenbahnknig nannte. Dieser ehrende Beiname ist ohne innere Bedeutung fr den groen amerikanischen Finanzmann, der sich begngte, die Antheile der als gut und gewinnbringend bekannten Linien zu kaufen, ohne je in seinem Leben einen einzigen Kilometer Eisenbahn gebaut zu haben, er kommt dagegen mit vollem Recht Herrn Krupp zu, da er selbst nicht nur eine Artillerie geschaffen hat, sondern auch das Metall, aus dem sie hergestellt wird. Es erscheint kaum noch nthig, eines anderen Schriftstellers Pertinax zu erwhnen, welcher in hnlicher Weise die Ueberlegenheit Krupps gegenber De Bange, Armstrong und Whitworth nachweist; gengt doch die Thatsache, da das Krupp'sche Geschtz bis 1887 das einzige war, das in den europischen und amerikanischen Kriegen seit zwei Jahrzehnten seine vollkommene Leistungsfhigkeit durch alle Wechselflle zahlreicher und anstrengender Feldzge bewiesen hatte. In der That gab es auer Frankreich, England und Serbien keinen Staat von einiger militrischer Bedeutung, der sich nicht mehr und mehr den Kruppschen Geschtzen zugewandt htte; weit ber die Grenzen Europas hinaus beeiferten sich die Staaten Amerikas, Asiens und Afrikas, ihre Flotten und Kstenbefestigungen mit den Kruppschen Panzergeschtzen zu armiren und ihre Armeen mit seinen Feldgeschtzen auszursten. Es ist eine gewaltige Anzahl von Rohren, die bis zum Todestage Alfried Krupps aus seiner Werkstatt hervorgegangen waren, mehr als 23000 Stck waren in seinen Journalen verzeichnet, und es giebt keine Geschtzfabrik der Welt, welche auch nur annhernd diese Zahl erreicht htte. So hatte der Meister das hohe Ziel erreicht, das er sich in den Trumen seiner Jugendjahre gesteckt hatte, sein Lieblingsgedanke, den Tiegelgustahl bei den strksten Kriegswaffen zur Anwendung und Anerkennung zu bringen, hatte sich voll und ganz erfllt, eine That seiner unermdlichen siegesgewissen Thtigkeit und Schaffenskraft. Alle Gegner sah er noch an seinem Lebensabend berwunden, mit lauter Stimme verkndeten auf fast allen Schiepltzen der Erde die Erzeugnisse seines Geistes den Ruhm des vterlichen Erbes, des Tiegelgustahls. Und am Bord der Yacht des deutschen Kaisers, der Hohenzollern, prangten zwei Exemplare, welche ein beredtes Zeugni ablegen von der tief patriotischen Gesinnung, von der begeisterten Verehrung Krupps fr seinen Frsten, der ihm im schweren Kampfe ein so verstndnivoller und treuer Bundesgenosse gewesen war. Es hatte ihm gar nicht schn und kostbar genug werden knnen, dies Geschenk, das des Kaisers Gnade 1882 von ihm anzunehmen sich entschlo, und als Kunstwerke ersten Ranges, von bedeutenden Knstlern entworfen, in Gravir- und Tauschir-Arbeit ausgefhrt, mit herrlichen Silberornamenten bedeckt, bilden diese 2 8,7~cm~-Kanonen eine Zierde des kaiserlichen Schiffes, wie sie einzig und unbertroffen dasteht. Das stetige Aufblhen der Fabrik findet seinen Ausdruck in der seit 1880 immer sich steigernden Zahl der Arbeiter, die 1887 12674 allein in Essen betrug, und in der Zunahme der Produktion, welche 1885 210000 Tonnen erreichte. Die Gesammtzahl der von der Firma beschftigten Arbeiter betrug nach der Aufnahme im Juli 1888 20960 Mann und die ganze vom Werke abhngige Bevlkerung 73769 Seelen. An diesem Aufschwung war aber ebensowohl die Friedens- wie die Kriegstechnik betheiligt. Besonders auf dem Gebiete der Stahlschienen fr Eisenbahnbedarf hatte die Fabrik groe Erfolge zu verzeichnen. Schon im Jahre 1881 war eine stetige Zunahme der Lieferungen zu verzeichnen, ohne da aber der gesteigerten Nachfrage durch eine Preiserhhung geantwortet wurde. Besonders machte eine von England aus erfolgte Bestellung auf Stahlschienen Aufsehen. Bei einem Konkurrenz-Ausschreiben fr die Lieferung von 8000 Tonnen Schienen fr die Hull-Barnley-West-Riding-Junction-Railway erhielt die Firma Krupp den Zuschlag, weil ihre Preise erheblich niedriger waren, als die der englischen Fabriken. Von viel grerer Bedeutung aber waren die im Jahre 1886 errungenen Siege. Mit hmischer Freude hatte man in England der Auflsung des internationalen Schienenkartells entgegengesehen, die am 15.April erfolgte. Aber man sollte sich bitter tuschen. Am selben Tage fand eine von der italienischen Mittelmeer-Eisenbahn-Gesellschaft ausgeschriebene Verdingung auf 27800 Tonnen Stahlschienen statt, bei welcher Krupp mit der Gesellschaft Cockerill und den Acires de France, gegenber den englischen Stahlindustriellen Balckow und Cammell Sieger blieb. Hierauf kam eine erste Lieferung nach China; sie betrug nur 1500 Tonnen Stahlschienen fr die Kaipingminen, war aber von Wesenheit, weil es sehr fraglich war, ob die deutsche Industrie in dem Lande Eingang finden werde, das die Englnder fr den Produktenmarkt bisher vollstndig beherrschten. Mit der Erringung dieser Lieferung verschaffte Krupp der vaterlndischen Industrie Eingang in China. Noch mehr Aufsehen machte der Sieg, den Krupp bei der am 20.Dezember 1886 in Melbourne abgehaltenen Verdingung der britischen Kolonialregierung von Victoria in Sd-Australien davontrug. Es handelte sich dieses Mal um nicht weniger als 48000 Tonnen Stahlschienen und 2000 Tonnen Stahllaschen, und einen Beweis fr ihre Leistungsfhigkeit fhrte die Fabrik im folgenden Monat, indem sie auer dieser auch noch eine Lieferung von 5000 Tonnen Stahlschienen fr die Swedish and Norwegian Railway Company bernehmen konnte. Schien es, als wenn die 80er Jahre sich nicht genug thun knnten, um den greisen Fabrikherren durch Erfolge zu erfreuen, so sollten ihm doch auch Erfahrungen nicht erspart werden, welche ihm an seinem Lebensabend trbe Stunden bereiteten und die Ohnmacht selbst eines so festen und unbeugsamen Willens gegenber einer fr echte oder falsche Ideale entflammten Menge zum Bewutsein brachten. Es war bereits bei der Reichstagswahl 1881, bei welcher er die Annahme der Kandidatur auf das bestimmteste ablehnte, weil ihm schon die Kraft fehle, den Berufspflichten zu gengen und wo er sich vergebens fr den in Vorschlag gebrachten General-Feldmarschall Grafen v.Moltke verwandte. Er erlie folgenden Aufruf an die Arbeiter und Beamten der Gustahlfabrik. Der Generalfeldmarschall Graf v.Moltke ist in Vorschlag gebracht worden zur Wahl fr den Reichstag. Selbst verhindert, diesen Ehrenplatz einzunehmen, der mir von mancher Seite zugedacht war, bekenne ich gerne die groe Ueberlegenheit dieses jetzt empfohlenen Kandidaten in Einsicht und Erfahrung fr alle vorkommenden Fragen und Interessen. Wenn der Graf v.Moltke die Wahl annimmt, so kann man dem Kreise gratuliren, denn neben dem allgemeinen Interesse werden dann auch die Privatinteressen des Kreises an dem Einflusse gebhrenden Antheil haben. Es ist nicht nothwendig, da unser Vertreter ein Kohlen- oder Eisenmann sei, um fr das Wohl der Bevlkerung, welche mit Berg- und Httenwesen verbunden ist, geneigtes Ohr zu haben und dafr zu reden und zu wirken. Jedermann im Lande kennt den Grafen v.Moltke als den wohldenkenden mchtigen Geist, der fr die Heere Deutschlands die Wege zum Ziele zu finden wute. Derselbe wird vor allem auch an dieser Stelle seine Bedeutung behaupten. Wer daher aus dem Verbande der Angehrigen der Fabrik ihm die Stimme geben wird, der wird nicht nur sich selber ntzen, sondern auch mir einen Wunsch erfllen. Alfred Krupp. Es gelang trotz dieser Untersttzung durch Krupp den Anstrengungen der nationalen Partei nicht, ihrem Kandidaten den Sieg zu verschaffen. Der ultramontane Kandidat siegte in der Wahl am 27.Oktober mit einer Mehrheit von ber 4000 Stimmen. Viel wichtiger war die Wahl im Jahre 1887, die durch die Auflsung des Reichstages nothwendig geworden war, und viel nher stand ihr dieses Mal Alfried Krupp, weil sein Sohn, der berall beliebte 33 Jahre alte junge Fabrikherr Friedrich Alfred mit seiner Zustimmung die Kandidatur angenommen hatte. Gro waren die Hoffnungen der nationalen Parteien, da es sich bei diesem Wahlkampf nicht um eine Parteisache, sondern um hervorragend vaterlndische Gesichtspunkte handelte, von deren Behandlung unzweifelhaft die Sicherung des Friedens abhing. Man hoffte, da die Anhnger des Zentrums von der Aufstellung eines besonderen Kandidaten Abstand nehmen und mit den nationalen Parteien zusammengehen wrden, nachdem der Papst Leo~XIII.~ in unzweideutiger Weise den deutschen Katholiken empfohlen hatte, fr das Septennat einzutreten. Man hoffte endlich, da gerade die Kandidatur des jungen Krupp, als des in jeder Hinsicht geeignetsten Vertreters der gesammten Interessen des Kreises viele Schwankende auf die Seite der nationalen Sache fhren werde. Als jedoch die grte Zahl der katholischen Whler, beeinflut durch die Zentrumspresse, wieder ihren ultramontanen Kandidaten aufstellte und durch das abermalige Hervorzerren der konfessionellen Gegenstze der Ausgang zweifelhaft wurde, ergriff Alfried Krupp das Wort und erlie folgende Erklrung: _Ansprache an die Angehrigen meiner Gustahlfabrik und der meiner Firma Fried. Krupp gehrenden Berg- und Httenwerke._ Vor 60 Jahren war ich geschftsfhrender Mitarbeiter der damals so kleinen Gustahlfabrik; wir waren Unser zusammen acht, heute zhlt die Fabrik mit ihren Berg- und Httenwerken gegen 20000 Arbeiter. Wir haben von jeher treu zu einander gestanden, die Sorge fr Wohlfahrt, Recht und strenge Unparteilichkeit gegen alle Konfessionen wurde vergolten durch Diensteifer und Anhnglichkeit. Die gegenwrtige groe Verwaltung befolgte bisher, wie sie es auch knftig thun wird, dieselben Grundstze. So erklrt sich das Gedeihen des ganzen Werkes und der angehrigen Familien, auch die Beruhigung versorgter Wittwen und Kinder der Verstorbenen. Mit dem Bewutsein, das allgemeine Vertrauen ehrlich verdient zu haben, folge ich nun dem Drange, noch ein Mal an den jetzigen groen Kreis unserer Angehrigen einige Worte zu richten, wie solches in frheren Jahren bei anderen wichtigen Veranlassungen ja fter geschehen ist und mit Erfolg belohnt wurde. Damals berhrten die Fragen die Sicherheit und den Frieden, das einseitige innere Interesse der Fabrik und der Familie allein; meine heutige Ansprache betrifft dagegen das groe Interesse des ganzen deutschen Reiches, welches ja auch das Unsere ist. Kurz, mit Uebergehen der bekannten Ereignisse, will ich hier der von Seiner Majestt dem Kaiser befohlenen Neuwahl von Mitgliedern zum Reichstage gedenken und Betrachtungen daran schlieen. Von dem Geiste der Majoritt des nchsten Reichstages wird die Frage abhngen, ob Krieg oder Frieden. Stehen wir einig und stark da, so wird Frankreich es nicht wagen, uns zu berfallen. Zeigen wir uns uneinig und schwach, so ist der Krieg unabwendbar, und wre es dann nicht unmglich, da bei ungengender Militrmacht die deutsche Armee, trotz ihrer geschichtlich unvergleichlichen Grothaten, der Uebermacht wrde weichen mssen, und dann das Innere des Reiches, mit Krieg berzogen, entkrftet, verheert und das Ganze vielleicht wieder zerrissen werden knnte. Da jeder nicht verblendete Staatsbrger ohne Unterschied der Stellung doch nur das Verlangen haben kann, das Letztere zu verhten, so sollten Alle sich vereinen, dem Aufruf Seiner Majestt des Kaisers zu folgen durch Wahl einsichtsvoller, vaterlandsliebender Mitglieder zum Reichstag, damit die Militr-Vorlage, welche allein den Frieden sichern kann, zum Gesetz erhoben werde. Dann allein ist das Reich geborgen. So wie wir, haben auch alle anderen Fabriken, Berg- und Httenwerke und die verschiedensten Gebiete von Gewerbe, Handel und Verkehr, Alle im ganzen Lande, dasselbe Interesse. Wir gehen bei Frieden einer gnstigen Zeit entgegen und ich war von guter Hoffnung fr die Zukunft erfllt. Was ntzen aber alle Auftrge, wenn Arbeit und Transport durch Krieg gehemmt werden! Dann knnen ja auch unsere Werke zerstrt werden, wenigstens mu man sich auf Entlassungen, selbst bis zur vlligen Einstellung der Arbeit, vorbereiten. Dann aber wrde an Stelle des Erwerbs die Noth, das Pfandhaus und der Wucherer treten, denn meine Mittel und die Untersttzungskassen wrden bald erschpft sein. Zum Besten Aller kann ich nur wnschen, da Niemand sich verleiten lasse, Theil zu nehmen an der Schuld eines solchen Unglcks in Folge einer regierungsfeindlichen Wahl. Thut aber jedermann seine Schuldigkeit, so werde ich alle Mittel freudig aufbieten, die Thtigkeit auf allen Werken zu vermehren, neue Anlagen auszufhren und mehr Leuten den Lebensunterhalt zu verschaffen. Mge doch die ganze Nation von dem Verlangen erfllt werden, da Alle in tiefer Dankbarkeit gegen Seine Majestt den Kaiser, fr die Hingebung seines ganzen Lebens zum Heil des Landes, seinem Winke gehorchen, seinem erhabenen Vorbilde fr Pflichterfllung und Vaterlandsliebe folgen. Es ist meine Pflicht gegen den Staat und gegen meine Angehrigen, gewissenhaft zu rathen und zu warnen vor Verirrung und ihren Folgen. Bei Unterlassung dieser Aeuerungen mchte ich beschuldigt werden knnen, staatsfeindliche Bestrebungen zu dulden in unserem Verbande; darber soll aber kein Zweifel bestehen. Ich habe bekanntlich zwar niemals mit den ffentlichen Fragen der Gemeinde-, Staats- und Reichsverfassung, Gesetzgebung und dergleichen mich befassen drfen, weil meine Werke meine geringe ganze Kraft bedurften; heute darf ich aber der Mitwirkung zur Lsung einer Lebensfrage fr das deutsche Reich mich nicht entziehen, ebenso hat auch mein Sohn _Fried. Alfred Krupp_ die ihm angetragene Kandidatur fr den Kreis Essen nur zu dem Zweck angenommen, im Falle seiner Wahl die gedachte Regierungs-Militrvorlage zu untersttzen. Schlielich empfehle ich zugleich hiermit ebenso dringend auch allen auf meinen entfernten Berg- und Httenwerken in Westfalen, Rheinland und Nassau thtigen Wahlmnnern diesen Rath zu beherzigen und in gleichem Sinne zu wirken. Essen, im Februar 1887. Alfred Krupp. _Begleitende Erklrung der Ansprache._ In der Befrwortung der Militr-Vorlage unterlasse ich jede Berhrung von politischem Zwiespalt, weil ja in diesem Falle alle Staatsbrger dasselbe Interesse haben und zwar die Verhtung des Krieges, vor Allem des Krieges im Lande. Der Krieg von 1870 gegen Frankreich war ein Triumphzug der deutschen Armee, auf gleichen Erfolg wre jetzt nicht zu rechnen. Ein kurzer Krieg im Lande selbst kann mehr Opfer verlangen, als die theuerste Rstung whrend zehn Jahren. Die Kosten fr diese aber wrden unvergleichlich gering sein gegen den Verlust durch Verwstungen bei einem Kriege im Lande. Der Aufwand fr solche Rstung wrde den Erwerb smmtlicher Staatsbrger von 3 Tagen im Jahre _nicht_ berschreiten, dagegen wrde im Frieden der Segen auf dem ganzen Lande ruhen. Es wre daher Leichtsinn, wegen eines verhltnimig geringen Opfers die Gefahr eines Krieges heraufzubeschwren. Die Zahl meiner Werke und der auf denselben beschftigten Arbeiter ist zwar zur Hlfte thtig fr Kriegsmaterial und der Unterhalt der Letzteren und ihrer Familien hngt ab von dieser Thtigkeit, indessen brauchen wir dazu keinen Krieg im deutschen Lande, sondern wie Jedermann im ganzen Reiche, den Frieden. Mgen unsere Wahlmnner dies beachten. Alfred Krupp. So sehr sich Krupp in dieser Ansprache bemhte, seine Arbeiter zu belehren ber die groen nationalen Interessen, die allein bei der diesmaligen Wahl in Frage kamen, so wenig konnte er damit aufkommen gegen die ultramontanen Agitatoren, welche unbedenklich Unterstellungen und Erfindungen aller Art gegen die Regierung in's Treffen fhrten, indem sie von einem drohenden Branntweinmonopol, Abschaffung des allgemeinen Stimmrechtes u.dgl., redeten und gegen die Kandidatur des jungen Krupp mit allen Mitteln der konfessionellen Hetzerei Propaganda machten. Noch ein Mal ergriff der greise Krupp das Wort, indem er zwei Tage vor der Wahl seine Arbeiter ermahnte: In letzter Stunde. Zu meinen ehrlichen und treuen Arbeitern habe ich die Hoffnung, da meine an sie erlassene Ansprache nicht miverstanden worden ist. Sie ist aber von anderer Seite mideutet worden. Man scheint eine Kluft zwischen meinen katholischen und meinen evangelischen Arbeitern schaffen zu wollen. Dies ist ein schamloser Versuch. Mir war der katholische Arbeiter stets ebenso lieb als der evangelische. Ich war nie unduldsam in Religion wie andere Arbeitgeber, welche nur Arbeitern einer bestimmten Konfession Lohn und Brod geben. Ich verlange stets nur, da jeder Arbeiter seine Schuldigkeit thue. Ich wnsche nicht, da man mich zwingt, diesen Grundsatz zu verlassen. Die Frage, welche dem neu zu whlenden Reichstag vorzulegen ist, nmlich die der Annahme der Militr-Vorlage, ist keine religise und hat mit der Konfession nichts zu thun. Wer sie vom Standpunkte der Religion aus beurtheilt und danach auf Euch einzuwirken sucht, mibraucht und schndet die Religion. Ich habe immer geglaubt, da meine Arbeiter getreue Unterthanen seiner Majestt des Kaisers und Knigs sind. Ich verliere diesen Glauben, wenn meine Arbeiter einem den Absichten der Kaiserlichen Regierung feindseligen Reichtagskandidaten ihre Stimme geben sollten. Habe ich aber ein Mal diesen Glauben verloren, so fehlt mir das Vertrauen in die Zukunft. Jeder erinnere sich vor der Wahl dessen, was er Kaiser und Reich schuldet. Die Pflichten gegen das Vaterland sind dieselben, mag Einer katholisch oder evangelisch sein. Ich aber vertraue, da jeder meiner Arbeiter seiner Pflichten gegen das Vaterland, gegen Kaiser und Reich eingedenk sein wird. Essen, 19.Februar 1887. Alfred Krupp. Ist es nicht, als wenn er in diesen Ansprachen, namentlich in der letzten, einen wrmeren Ton anschlgt, als bei seinen frheren, immer belehrenden und vterlichen, aber stets strengen und Strafe drohenden Verffentlichungen fr seine Arbeiter? Es ist ihm bange in seinem tiefen patriotischen Gefhl, da sie ihrem Fhrer untreu werden knnten hier, wo es sich um die wichtigsten nationalen Interessen handelt. Er fhlt die ernste Pflicht, seinem kniglichen Herren, der in schweren Jahren ihm seine Untersttzung gewhrte, seine Treue, seine Hingabe und Dankbarkeit zu beweisen, indem er seine ganze Autoritt in die Wagschale wirft fr den Sieg der Regierung. Es ist eine hhere wichtigere Aufgabe, die dieses Mal ihm obliegt, als bei den frheren, nur die inneren Verhltnisse der Fabrik berhrenden Angelegenheiten, und dementsprechend diese wiederholten dringlichen Mahnungen; es ist als ob er diese schmerzliche Erfahrung herannahen sehe, da seine Arbeiter zum ersten Male seinem Rathe sich verschlieen, und als wenn er Alles aufbieten wolle, um sie an seine Leitung zu fesseln. Aber das Wort des Mannes, der seinen Arbeitern stets ein frsorgliches Herz bewahrt, der fr ihre Sorgen und ihre Zukunft stets eine hilfreiche Hand gehabt hatte, die Ermahnung dieses Mannes, dem der Essener Kreis eine Wohlhabenheit und sein Wachsthum verdankte, es galt der bethrten Menge weniger, als die Lgen und Verleumdungen der konfessionellen Hetzer, sie gab lieber einem Manne wie Sttzel ihre Stimme, als dem Sohne ihres Wohlthters. Als Kandidat der ultramontanen Partei siegte jener mit 18993 gegen die 17411 Stimmen, welche Friedrich Alfred Krupp erhielt. Wie tief schmerzlich mute die bittere Erfahrung fr den greisen Mann sein, da seine Kraft nicht gengt hatte, um diese Entscheidung zu wenden, wenngleich von den Angestellten der Fabrik selbst keine groe Anzahl sich dem feindlichen Lager angeschlossen hatte. Aber es erwuchs ihm nun auch noch die traurige Pflicht, diejenigen, welche sich an der Agitation im Interesse der regierungsfeindlichen Parteien thtig betheiligt hatten, um des Friedens seines Gemeinwesens willen zu entfernen und die von jenen beeinfluten Essener Zeitungen aus dessen Bereiche zu verweisen. Allzulange, das sah er jetzt, hatte er deren gehssigem Treiben freie Bahn gelassen, ohne zu merken, wie selbst seine zuweitgehende Duldung in der schndlichsten Weise gegen ihn ausgebeutet wurde. Zu spt! Der mchtige Fabrikherr, der seine Agenten in alle Lnder der Erde sandte, dessen Erzeugnisse den Stolz fast aller Armeen ausmachten und im Schienen-Netz den ganzen Erdball umspannten, der Herrscher dieses kleinen Reiches, welchen aufzusuchen die mchtigsten Frsten ebenso wie die gediegensten Mnner der Wissenschaft als wnschenswerth betrachteten, er hatte nicht soviel Einflu im engen Gebiete der Heimath, da er den Streitern fr des Vaterlandes Wohl zum Siege verhelfen konnte. Es war ein groer Kontrast gegen die ungeheuren Erfolge auf dem Gebiete der Industrie und der Wissenschaft, der ihm die letzten Monate seines Lebens verbitterte; denn am 14.Juli nachmittags ereilte ihn der Tod. ~XII.~ Das Ende des Siegers. Als Alfried Krupp im Jahre 1864 seine Wohnung auf dem Hgel bei Bredeney nahm, war er um eine Wegstrecke von anderthalb Stunden dem Fabriklrm entrckt. Aber es verging kaum ein Tag, wo man ihn nicht in frher Morgenstunde diesen Weg zurcklegen sah, hoch zu Ro, in jugendlich elastischer Haltung, unter der dunkelgrauen Klappmtze hervor mit lebhaft scharfem Blick frei hinausschauend in die Welt, in dem eng anschlieenden Jaquet und den hohen Reitstiefeln eher als lndlicher Grundbesitzer denn als Herr der groen Gustahlfabrik zu erachten. Die weie Farbe des Vollbartes und des welligen Haupthaars schien nur den Eindruck der Lebenskraft und leistungsfhigen Mnnlichkeit zu erhhen, den diese hohe stattliche Gestalt hervorrief. Dann stieg er ab vor dem kleinen Elternhause, wo er sein Breau hatte, ebenso wie vom Jahre 1882 ab sein Sohn Friedrich Alfred, seitdem dieser am 29.April in die Prokura eingetreten war. Er durchschritt die Werksttten, um sich persnlich von dem Fortgang der Arbeiten, von der Ausfhrung dieses und jenes neuen Auftrages zu berzeugen, und dort kannte er alle schon lngere Zeit beschftigten Arbeiter persnlich von Angesicht, weigerte er ihnen nicht Rath und Hilfe, wenn sie ihn mit einem Anliegen angingen; dort war aber anderseits Alles in heiligem Respekt vor dem scharfen Auge, dem keine Unordnung und Nachlssigkeit entging. Denn, so treu er dem zu helfen suchte, der seiner Pflicht nachkam, so unnachsichtlich traf den andern Strafe, der den Satzungen und Geboten der Fabrik nicht unbedingt sich fgen wollte. Und mit vollstem Rechte, da die Leitung dieses groartigen Organismus ohne peinlichste Aufrechterhaltung der Ordnung eine Unmglichkeit war, und nur mit ihrer strengen Durchfhrung dies regelmige Zusammenarbeiten aller Theile erreicht werden konnte, das jeden Beschauer der Kruppschen Fabrik zur staunenden Bewunderung veranlat. Man denke nur an den einzigen Akt eines Gusses mittelst Tiegeln, wobei das Gelingen lediglich davon abhngt, da der Strahl des flssigen Stahls, welcher in die Gurinne fliet, auch nicht auf einen Augenblick unterbrochen wird, sondern in stetem Zusammenhang bleibt. Und doch wird er durch den Inhalt von lauter einzelnen Tiegeln, je durch 2 Mann herangetragen, gebildet, deren Zahl sich bei groen Gssen bis zu mehreren Tausenden steigert. Welche peinliche Einbung und Innehaltung der Ordnung gehrt dazu, da jeder der Hunderte von Arbeitern, die bei diesem Akt thtig sind, sich stets am richtigen Platz befindet, um kein Drngen, kein Ueberhasten und auch kein Zusptkommen eines Tiegels auch nur um ein Zehntel Sekunde zu veranlassen. Hngt doch das Gelingen -- und welchen Werth reprsentirt solch ein Gu! -- lediglich hiervon ab. Und das ist es, was kein anderes Werk nachmachen kann, wozu gewissermaen die Entwickelung des Kruppschen Werkes aus den kleinsten Anfngen, die Ausbildung und allmhliche Vermehrung eines alten Arbeiterstammes nothwendig war. Mag man andernorts auch in der wissenschaftlichen Grundlage der Fabrikation, in der Untersuchung und Zusammensetzung der Rohstoffe Krupp nachahmen und erreichen; dieser mit ihm und seinem Werk herangebildete und seitdem immer nur neu zu ergnzende Kern tchtiger Meister und Arbeiter in allen Betrieben ist nicht ohne Weiteres zu gewinnen. Diese Organisation und Heranbildung aller Krfte ist lediglich Alfried Krupps eigenstes Werk, und wenn wir ihn zu jeder Zeit alles aufbieten sehen, um mit diesen seinen alten Arbeitern in Eintracht zusammenzustehen, so ist es im Grunde genommen nur ein Ausflu der Lebensaufgabe, welche er sich gestellt hatte. Er wute und erkannte immer mehr, da er, um sie zu erfllen, nicht einen jeden Arbeiter brauchen konnte, da im Gegentheil das Hchste mit dem Tiegelgustahl nur dann zu erreichen war, wenn ihm ein durch und durch gefgiges und selbst in den schwierigsten Fllen nicht versagendes Instrument zur Hand sei, und das waren seine Angestellten, seine Arbeiter. Deshalb sind auch seine Wohlfahrtseinrichtungen nicht lediglich als ein Werk seines guten Herzens und seiner Menschenliebe zu betrachten. Da ihm beides in hohem Maae zu eigen war, hat er in hundert Fllen bewiesen, wo er namentlich den Nthen seiner Vaterstadt zu Hilfe kam. Die Einrichtungen seiner Fabrik gehen aber aus hheren Gesichtspunkten hervor; sie erschienen ihm eine Nothwendigkeit, um seine Lebensaufgabe durchzufhren. Es galt, hierfr nicht irgendwelche Arbeiter, sondern die von ihm herangebildeten und organisirten Arbeiter stets zur Hand zu haben. Je grer aber die Fabrik und je schwieriger die Lebensverhltnisse in Essen wurden, desto mehr war zu frchten, da an Stelle eines bleibenden, ein immer wechselnder Arbeiterbestand treten wrde, wie ja berall zu beobachten ist, da auf kleinen Betrieben die Arbeiter besser ausdauern, als bei greren. Es galt, sie zu fesseln, ihnen so gnstige Lebensbedingungen zu bieten, da sie sich wohl fhlten und ihre Zukunft besser in Krupps Fabrik, als sonst wo gesichert sahen. Um sich sein nothwendiges Werkzeug zu erhalten und immer vervollkommnen zu knnen, schuf Alfried Krupp seine Wohlfahrtseinrichtungen. Da er aber sie in richtiger Weise schuf, da er die Punkte stets herausfand, wo er eingreifen mute, um die Lage der Arbeiter zu bessern und zu sichern, das ist das Verdienst seines mitfhlenden und durch die eigenen Erfahrungen belehrten Herzens. Wenn wir ihn also auf diesem Gebiete der Lsung der sozialen Frage als Wegfhrer vorangehen sehen, so ist es nicht der Beschftigung mit humanen oder sozialen Aufgaben zuzuschreiben; es hat ihm keine Absicht ferner gelegen, als die, ein Wohlthter der Menschheit oder des Arbeiterstandes als solcher zu werden. Es ist nicht Grbeln und nicht Empfindsamkeit, was ihn leitete, sondern eine groe Idee, die ideale Aufgabe seines Lebens, das Erbe seines Vaters zur Anerkennung, zur weitreichendsten Verwerthung zu bringen. Wie Alles, was er that, hierauf zurckzufhren ist, so zeitigte auch die Lsung der sozialen Aufgabe als eine schne, aber nebenschliche Frucht auf diesem Baume, ein glnzender Beweis des hohen Werthes der idealen Gter. Als Alfried Krupp das 70. Lebensjahr berschritten hatte, begann sich doch allgemach das Alter fhlbar zu machen. Mit regem Eifer verfolgte er zwar noch die Weiterentwickelung seines Werkes; mit gewohntem Arbeitsdrang brachte er noch in schlaflosen Stunden der Nacht seine Gedanken und Plne in Worten und Zeichnungen zu Papier, so da auch jetzt weder dieses noch seine groen Bleistifte neben seinem Bette fehlen durften; und diese Zettel wanderten noch immer frh Morgens zur Fabrik, um in kurzen Worten und Skizzen des Meisters Verfgungen bekannt zu geben; aber er selbst bestieg immer seltener sein Pferd, um nach Essen zu reiten, und selbst seine Besuche im Wagen wurden in den letzten Jahren zu einer Seltenheit; er entbot sich die Beamten zur Villa Hgel, wenn es etwas zu besprechen gab. Es mute ihm schon recht schwer werden, wenn dieser Mann der unermdlichen Thtigkeit sich an seine Wohnung fesseln lie. Als es ~Dr.~Schweninger gelang, seinen Sohn Friedrich Alfred von einem langjhrigen asthmatischen Leiden zu befreien, wandte er sich 1885 an ihn auch mit der Bitte, seine zunehmenden Gebrechen zu behandeln. Obgleich er nun einer grundstzlichen Vernderung der bisherigen Lebensweise sich unterwerfen mute, folgte er den Rathschlgen Schweningers mit Pnktlichkeit und Gewissenhaftigkeit in der ausgesprochenen Hoffnung, da er ihn noch zwanzig Jahre halten werde. Er hing am Leben und war mit seinen Plnen noch lange nicht zu Ende; fate er doch noch im letzten Lebensjahre den Plan zum Bau einer mchtigen hydraulischen Presse, welche, nach seiner Idee ausgefhrt, noch den Riesenhammer Fritz an Leistungen bertreffen sollte. Auch schien die neue Lebensweise einige Zeit sich vorzglich zu bewhren; er fhlte sich erfrischt und gekrftigt. Aber im Frhjahr 1887 machte sich ein schnellerer Verfall der Krfte bemerklich, seit Juni fesselte ihn die zunehmende Schwche ans Bett und am Nachmittag des 14.Juli schlummerte er sanft zu einem anderen Leben hinber. Ein Mann von der Weltbedeutung Krupps konnte nicht aus dem Leben gehen, ohne da die wissenschaftlichen und militrischen Kreise aller Kulturstaaten ihm Gedchtnikrnze in Nekrologen und anerkennenden Abhandlungen widmeten; ohne da die Frsten und groen Staatsmnner ihm Palmzweige und Krnze aufs Grab legten und dem hinterbliebenen Sohne ein gndiges, theilnehmendes Wort sandten; ohne da die Stadt Essen ihrer sehr berechtigten Trauer um ihren grten Brger einen gebhrenden Ausdruck gab; ohne da endlich die Angestellten der Fabrik eine groartige Trauerfeier veranstalteten. Unter den zahlreichen Telegrammen seien nur zwei, als besonders werthvoll, hervorgehoben, weil sie eine Anerkennung durch die beiden Persnlichkeiten enthalten, welche um unser deutsches Vaterland die hchsten Verdienste sich erworben haben, welche fr ewige Zeiten als Grnder des deutschen Reiches im Herzen jedes echten Deutschen leben werden. Es ist ein Telegramm des Kaisers Wilhelm~I.~: _Mainau_, 14.Juli 1887. Dem Herrn Friedrich Alfred Krupp in Essen, Ruhr. Fr Ihre Mittheilung aufrichtig dankend, spreche Ich Ihnen Meine aufrichtige Theilnahme aus bei dem Hintritt Ihres Vaters, denn Sie wissen, wie hoch Ich denselben geschtzt habe, da er sich mit Kunst einen europischen Namen erworben hat und fr unser eigenes Vaterland von unendlicher Wichtigkeit gewesen ist. Wilhelm, ~Imperator Rex.~ und eins des Frsten Bismarck: _Varzin_, den 15.Juli 1887. Herrn Friedrich Alfred Krupp, Essen. Bei meiner Ankunft hier finde ich Ihr Telegramm von gestern, aus dem ich mit herzlicher Theilnahme ersehe, welchen schweren Verlust Sie und mit Ihnen die Industrie erlitten, die Ihr Herr Vater in seinem Leben zur ersten in der Welt erhoben hat. v. Bismarck. Am 17.Juli fand eine Trauerfeier im engeren Kreise auf Villa Hgel statt; um Mitternacht nahm aber die Feuerwehr des Werkes die entseelte Hlle ihres Herrn und Meisters in Empfang, um sie bei dsterem Fackelschein zur Fabrik zu geleiten. Im kleinen Elternhause ward sie nach dem Willen des Verstorbenen aufgebahrt. Schauerlich still war es in den mchtigen, weithin sich erstreckenden Gebuden der Fabrik um diese Stunde geworden; die Feuer waren gelscht und rauchlos starrten die schwarzen Schlote zum Himmel; still standen die Dampfmaschinen, keins der tausende von Rdern drehte sich, kein Ambos ertnte unter dem Schlag des Hammers; die Fabrik trauerte um ihren Herrn, sie stand still und lauschte dem, was sich nun in dem kleinen Hause begeben wrde. In langen Reihen aber stellten sich am Vormittag die Tausende der Arbeiter im Festkleide lngs der Trauerstrae auf, lang wallten von den Kaminen und Giebeln die schwarzen Trauerflaggen herab, trbe schimmerten die Gasflammen durch die mit Flor umhllten Laternen. Hundert der ltesten Arbeiter trugen dem Sarge die Palmen und Krnze voraus, welche auf dem Wagen nicht Platz fanden, und so bewegte sich nach 10 Uhr der Zug unter feierlichen Klngen langsam durch das Spalier der nach ihren 26 Betrieben geordneten Arbeiter hinaus aus dem Bereich der Rume, die wie ausgestorben erschienen, seitdem der Odem des groen Mannes entflohen war, welcher ihnen Leben eingeathmet hatte. Es bedarf kaum der Erwhnung, da neben dem Prinzen Heinrich~XIII.~ von Reu-Kstritz, welcher als Vertreter des Kaisers erschienen war, Abgesandte zahlreicher hoher Behrden, der industriellen Krperschaften und Vereine sowie die smmtlichen Honoratioren der Stadt Essen dem Sarge folgten; auch der Bischof ~Dr.~Kopp von Fulda, welcher zufllig in Essen weilte, sowie der katholische Pfarrer Beising betheiligten sich. Die Rede des Superintendenten Grber gab den Gefhlen Ausdruck, welche die Einwohner der Stadt Essen erfllte, indem er sagte: Fr uns war er nicht nur der auerordentliche Mann, nicht nur fr uns der Frst der Industrie, der Ruhm unserer Stadt, der Grnder des Welt berhmten Werkes, das er mit tiefer Einsicht, mit rastloser Thtigkeit, mit khnster Energie aus den geringsten Anfngen zu grtem Erfolge gefhrt, uns war er mehr: ein Wohlthter den unzhligen Vielen, welche ihr ganzes Lebensglck ihm verdanken, ein Vater seiner Arbeiter, fr deren Wohl er sorgte. Und nicht anders sprach der Vorsitzende der Prokura Geh. Finanzrath Jencke im Namen der Beamten und Arbeiter: -- -- Den wir hier begraben, er war uns ein Vorbild in jeder Beziehung, ein Mann von unermdlicher, fleiiger, unerschtterlicher Thtigkeit und Beharrlichkeit, von auerordentlicher Energie, Gewissenspflicht und groer Strenge gegen sich selbst; der Mann, den wir hier begraben, war bahnbrechend fr die Industrie, er hat Erfolge errungen, die anerkannt werden auch ber die Grenzen des engeren Vaterlandes hinaus, er war das Beispiel eines glhenden Patrioten, dem kein Opfer zu gro war fr sein Vaterland. Das aber ist es nicht, was ich an dieser Stelle auszusprechen beabsichtige: das Leben des Verstorbenen gehrt der Geschichte an. So lange die deutsche Nation besteht, so lange wird auch sein Name unvergessen bleiben. Seltene Mnner, die das Jahrhundert nur einmal hervorbringt, das sind und bleiben Marksteine in der Geschichte des Volkes. Was ich an dieser Stelle sagen mchte, ist das Bekenntni des Dankes, den Tausende und Abertausende empfinden, welchen er nicht nur Arbeit und Brot gegeben, sondern denen er ein Vater gewesen ist; es war nicht Eigennutz, noch weniger vermeintliche Wahrnehmung eigener Interessen, was den Entschlafenen bestimmte, schon vor Jahrzehnten mit seinem weiten Blick der Strmung der Zeit weit vorauseilend, in umfassendem Maae dafr zu sorgen, da der Arbeiter ein Heim habe, da er in Krankheit und Unglck nicht in Noth gerathe und im Alter nicht verlassen, hilflos und elend dastehe, sein Herz war es, welches ihn trieb, der Noth und dem Elend zuvorzukommen, sein Herz war es, welches ihn trieb, das Leben derer, welche fr ihn, mit ihm und unter ihm arbeiteten, freundlich zu gestalten, sein Herz veranlate ihn, die Thrnen der Wittwen und Waisen zu trocknen.... Die Frsorge des Entschlafenen fr seine Arbeiter, welche Herr Jencke mit so beredten Worten hervorhob, gab sich auch in seinem frstlichen Vermchtni kund; am 3.August verkndete ein Maueranschlag, da der jetzige Besitzer in Uebereinstimmung mit einem von seinem entschlafenen Vater gehegten Wunsche ein Kapital von einer Million Mark fr eine Stiftung ausgesetzt habe, deren Ertrge ausschlielich den Arbeitern der Fabrik und der dazu gehrenden Werke und den Angehrigen dieser Arbeiter zu Gute kommen sollten. Der Stadt Essen aber ward eine halbe Million fr wohlthtige und gemeinntzige Zwecke ausgesetzt. Der Beweis ist hierdurch sicherlich dafr erbracht, da Krupp ein mitfhlendes Herz fr die Noth und volles Verstndni fr die Bedrfnisse seiner Mitbrger und Arbeiter hatte, da er auch ber das Grab hinaus noch dazu beitragen wollte, fr zuknftige Unglcksflle und Nothlagen Frsorge zu treffen; aber trotzdem glaube ich das Motiv der Herzensgte dem der idealen Auffassung seiner Lebensaufgabe unterordnen zu mssen. Letztere war gewissermaen der starke Stamm, welcher in der weit ausladenden Krone seines Lebenswerkes sich entfaltete, welcher den verschiedenen Zweigen, ob sie ins Gebiet der Friedens- oder Kriegstechnik oder in das der sozialen Fragen hineinragten, die Nahrungssfte zufhrte, sie mit Blthen und Frchten sich schmcken lie. Seine reichen Naturanlagen, seine Schaffenskraft und seine Erfindungsgabe, seine Unermdlichkeit und seine Beharrlichkeit, seine Vaterlandsliebe und sein warmes Mitgefhl fr seine Nchsten, das waren die starken Wurzeln, die dem Baum den festen Halt gewhrten in den brausenden Strmen, wenn diese seine Zweige zu brechen und ihr Wachsthum zu schdigen drohten, die dem Stamm dienstbar waren zur Gewinnung und Aufspeicherung der Lebenssfte, deren die Krone bedurfte. Er war eben ein ganzer Mann, bei dem nichts aus der groen Idee, die ihn beherrschte, herausfiel, und der Alles, selbst das Besterscheinende, zu thun unterlassen haben wrde, wenn es ihm mit seiner groen Lebensaufgabe nicht vereinbar dnkte. Es ist hieraus zu erklren, da er sich der Politik stets vllig fern gehalten hat, so fern, da er selbst die Gefahren der politischen Agitation unter seinen Arbeitern fast zu spt erkannte. Mit der Politik hatte sein Lebenswerk nichts zu thun, und whrend einerseits er keine Zeit hatte, sich damit zu beschftigen, htte sie anderseits seiner internationalen Industrie nur Hemmnisse bereiten knnen. Er bedurfte aber der Freiheit, auf der ganzen Erde, um dort seinem Gustahl zur Anerkennung zu verhelfen, wo es ihm gerade am ehesten gelang. Vergebens hatte er, seinem ihm angeborenen Patriotismus folgend, lange Jahre nach Verstndni in seinem engeren Vaterlande gestrebt; er mute anderwrts festen Fu zu fassen suchen, wo man ihm mit weniger Zweifeln und Schwierigkeiten begegnete, da er die alte Erfahrung auch an sich machen mute, so gut wie Dreyse und Maximilian Schumann, da der Prophet am wenigsten gilt in seinem Vaterlande. Deshalb trug er nicht das geringste Bedenken, seine in Preuen schnde abgewiesenen Gewehrlufe nach Frankreich zu schicken und auch seine Feldgeschtze Napoleon~I.~ zu empfehlen. Da ihm die alte Feindschaft nicht weniger im Blute gelegen haben sollte, als jedem anderen ehrlichen Deutschen, ist nicht anzunehmen; aber der Patriotismus htte ihm hier nur im Wege gestanden; es galt, fr seine Waffen zunchst eine Anerkennung zu finden. Wie htte er denn weiter schaffen, dem Vaterlande seine Geschtzausrstung in so vollendetem Mae schmieden knnen, wenn er fr immer in der Ecke stehen blieb, wohin die entscheidenden Behrden ihn zu drngen schienen? Einen Boden mute er zunchst suchen, der als Nhrboden fr die weitere Entwickelung sich eignete, wenn er seiner Lebensaufgabe gerecht werden wollte. Und fand er ihn im Vaterlande nicht, dann mute eben der Patriotismus vor der Hand beiseite gestellt werden, denn er war hinderlich. Wir sehen ihn dann sofort wieder in seine Rechte eingesetzt, als durch Frankreichs Neuerungen die einheimische Regierung sich bewogen sah, mit Krupps Stahlgeschtzen endlich Ernst zu machen. Von da ab existirte Frankreich fr Krupp nicht mehr. Das Vaterland bot ihm nun, was er brauchte. Grundstzlich hielt er sich aber auch allen handelspolitischen Fragen fern, suchte wohl mit weiser Voraussicht sich und seine Unternehmungen unabhngig zu machen von ungnstigen Konjunkturen, wie sie aus politischen Verhltnissen folgen mochten, vermied aber sorgfltig, sich in diese einzumischen oder gar sie zu beeinflussen. Als er im Juni 1877 beim Kaiser eine Audienz in Ems gehabt hatte, verbreitete sich das Gercht, er habe bei dem Monarchen die Einfhrung von Schutzmaregeln im Interesse der sehr bedrngten Stahl- und Eisen-Industrie befrworten wollen. Wie wenig dieses seiner Abneigung gegen politische Thtigkeit entsprach, ergiebt sich aus dem Dementi, mit dem er diesem Gercht entgegentrat. Herr Krupp, so hie es darin, hat berhaupt seit Jahr und Tag mit Sr. Maj. dem Kaiser kein Wort ber die allgemeine Lage der Industrie gesprochen. So vermied er auch in Fragen, bei denen seine Ansichten von denen der magebenden Personen im Staate abwichen, grundstzlich jede Agitation. Als im Anfang der achtziger Jahre das Projekt des Kanals zwischen Dortmund und Ems debattirt wurde, fand es eigenthmlicher Weise in einigen Gro-Industriellen lebhafte Gegner. Der Geh. Kommerzienrath Stumm und W.Funcke-Hagen traten mit Wort und Schrift gegen den Kanal auf und gingen hierin mit Schorlemer-Alst Hand in Hand. Auch Krupp glaubte aus eigener Anschauung und dem Studium englischer Schriften von der Fehlerhaftigkeit der Kanle gegenber den Eisenbahnen berzeugt zu sein und unterhielt auf dieser Grundlage gleicher Gesinnung auch mit dem Fhrer der Zentrumspartei trotz aller Abweichung der politischen und kirchlichen Anschauungen ein freundschaftliches Verhltni; aber er uerte sich in einem Schreiben an Dietrich Baedeker: Ich lasse mich auf einen Kampf nicht ein, halte aber die Augen auf und habe seit Ursprung der Idee Erkundigungen eingezogen aus England und Amerika, habe auch davon Bericht erstattet an betreffende Spitzen und an solche, die nicht ein Nebeninteresse verfolgen. Hierauf beschrnkte er sich, und als im Jahre 1885 die Kanalvorlage zum zweiten Male an den Landtag gelangte, that er auch keinen Schritt, welcher irgendwie ihrem Durchdringen htte hinderlich sein knnen, so fest er auch noch immer an der Ueberzeugung von der Schdlichkeit der Kanle festhielt. Als knorrige Auswchse an dem einheitlichen Stamm der idealen Lebensanschauung Krupps erscheinen solche Eigenthmlichkeiten, wie die Verkennung des Werthes des Dortmund-Ems-Kanals, und wie sein Verhltni zu Maximilian Schumann. Dagegen ist die beinahe feindliche Stellungnahme gegen den Hartgu-Fabrikanten Gruson durchaus aus seiner Begeisterung fr seine Lebensaufgabe, aus seiner Ueberzeugung von der Ueberlegenheit des Gustahls und der Minderwerthigkeit des Hartgusses, und endlich aus der Emprung zu verstehen, da die Granaten aus solchem Material eine Zeit lang eine so hervorragende Stellung einnehmen konnten. Mit den edlen starken Eigenschaften, die den genialen Mann zur Durchfhrung seiner groen Lebensaufgabe befhigten und die sich auf seinem erfolgreichen Lebenswege immer thatkrftiger und bewuter entwickeln, sind andere schroffere Charaktereigenschaften unvermeidlich verwachsen, wie den glatten Flchen des geschliffenen Edelsteins die harten Kanten, welche, demselben Stoff entspringend, doch nicht durch leuchtendes Farbenspiel erfreuen, sondern sich der berhrenden Hand empfindlich fhlbar machen. Als sei er aus demselben Material geschmiedet, das ihm des Vaters Erbe berlieferte, aus festem Gustahl, so steht seine Gestalt, einheitlich und sich treu vom ersten bis zum letzten Tage seines Lebens, vor uns, nicht von einem Stoff, der einer verschnernden Zuthat bedarf oder durch eine Verzierung gewonnen htte -- und in dem stolzen Bewutsein dieses seines Wortes durfte ein Mann wie Alfried Krupp das Adelsprdikat, welches des Knigs Huld bereits 1864 ihm verleihen wollte, dankend ablehnen, ohne miverstanden zu werden. Fr den Namen Krupp hat eben der Adel keine Bedeutung mehr, nachdem ihm sein Trger einen frstlichen Glanz auf dem ganzen Erdenrund erworben hat. Und hoch hielt dieser Mann aus Stahl Zeit seines Lebens in unentwegter Treue, in nie verzagendem Glauben das Banner, auf das er seine Lebensaufgabe in leuchtenden Buchstaben geschrieben hatte. Unbefleckt hat er seinen Glanz bewahrt in guten und bsen Zeiten, mit Selbstverleugnung und Anspannung seiner letzten Kraftuerung hat er es in den Kampf getragen und wie ein Heiligthum es zu halten gewut in den Tagen des Triumphes und des Sieges. Schritt er mit Khnheit und gewaltigem Wagen der vaterlndischen Industrie voraus im friedlichen Kampf um den Weltpreis, gab ihm sein edles Streben die rechten Mittel und Wege an die Hand, um den Schlssel zur Lsung der sozialen Frage zu finden, schuf seine Erfindungsgabe und Thatkraft der deutschen Armee die starken Waffen, welche ihr zum Siege helfen sollten, so knnen wir mit Stolz es sagen: einem echt deutschen Mann von festestem Gefge verdanken wir diese unvergelichen Geschenke und dieser selbst als echter Deutscher seine Erfolge dem unerschtterlichen Glauben an sein ideales Ziel. Druck von H. _Klppel_, Gernrode (Harz). +--------------------------------------------------------------+ | Anmerkungen zur Transkription | | | | Inkonsistenzen wurden beibehalten, wenn beide Schreibweisen | | gebruchlich waren, wie: | | | | 12 Pfnder -- Zwlfpfnder | | 8cm -- 8 cm | | 8 cm Kanone -- 8 cm-Kanone | | Adler-Orden -- Adlerorden | | Alten-Essen -- Altenessen | | anderen -- andern | | Arbeiter-Kolonien -- Arbeiterkolonie | | Armee-Leitung -- Armeeleitung | | Armstrong's -- Armstrongs | | Artillerie-Offizier -- Artillerieoffizier | | Artillerie-Waffe -- Artilleriewaffe | | auf's -- aufs | | Aufschwunges -- Aufschwungs | | Brod -- Brot | | Central-Verkaufsstelle -- Zentral-Verkaufsstelle | | Doppelkeil-Verschlu -- Doppelkeilverschlu | | Eisen-Industrie -- Eisenindustrie | | Erwerbes -- Erwerbs | | Feld-Artillerie -- Feldartillerie | | General-Inspekteur -- Generalinspekteur | | Geschtz-Fabrikation -- Geschtzfabrikation | | Geschtz-Konstruktion -- Geschtzkonstruktion | | Geschtz-System -- Geschtzsystem | | Gruson's -- Grusons | | Gustahl-Fabrik -- Gustahlfabrik | | Gustahl-Geschtz -- Gustahlgeschtz | | Haubitz-Batterien -- Haubitzbatterien | | Gute Hoffnungs-Htte -- Gute Hoffnung-Htte | | in's -- ins | | Industrie-Bezirke -- Industriebezirke | | Infanterie-Angriffe -- Infanterieangriffe | | Kabinets-Ordre -- Kabinetsordre | | Kohlen-Noth -- Kohlennoth | | Komitee's -- Komitees | | Konsum-Anstalten -- Konsumanstalten | | Krupp'sche -- Kruppsche | | Maa -- Ma | | Neu-Erwerbungen -- Neuerwerbungen | | Panzer-Schieversuche -- Panzerschieversuche | | Prinz-Regenten -- Prinzregenten | | Ring-Kanone -- Ringkanone | | Sekretr -- Sekretair | | Weiterentwickelung -- Weiterentwicklung | | | | Die folgenden nderungen wurden vorgenommen: | | | | Alle Das tironische und durch et ersetzt (etc.) | | S. 3 St. Antoni in St. Antony gendert. | | S. 4 St. Antonie in St. Antony gendert. | | S. 5 Sterkrate in Sterkrade gendert. | | S. 6 Antoni-Htte in Antony-Htte gendert. | | S. 30 hiebei in hierbei gendert. | | S. 37 Nath in Naht gendert. | | S. 48 von Puttkammer in von Puttkamer gendert. | | S. 59 Armeeen in Armeen gendert. | | S. 74 Vorbebedingung in Vorbedingung gendert. | | S. 80 Schrapnelschu߫ in Schrapnellschu߫ gendert. | | S. 86 , vor 318 eingefgt. | | S. 91 , hinter ebensowenig entfernt. | | S. 92 Oestreich in Oesterreich gendert. | | S. 94 Amervillers in Amanvillers gendert. | | S. 99 Borbek in Borbeck gendert. | | S. 108 beaucup in beaucoup gendert. | | S. 115 Shoebourne߫ in Shoeburyness gendert. | | S. 127 einem in einen gendert. | | S. 138 Lasalleaner in Lassalleaner gendert. | | S. 141 gezwungenermaaen in gezwungenermaen gendert. | | S. 142 meinen in meinem gendert. | | S. 143 Lasalle in Lassalle gendert. | | S. 148 Lasalle'schen in Lassalle'schen gendert. | | S. 157 Hilfsmiteln in Hilfsmitteln gendert. | | S. 162 Ueberzeuzeugung in Ueberzeugung gendert. | | S. 178 entgegentreten in entgegengetreten gendert. | | S. 178 Versammlnng in Versammlung gendert. | | S. 192 Withworth in Whitworth gendert. | | S. 203 Franks in Francs gendert. | | S. 207 zngewandt in zugewandt gendert. | | S. 209 Reichtagswahl in Reichstagswahl gendert. | | S. 210 utzen in ntzen gendert. | | S. 224 smmtkichen in smmtlichen gendert. | | S. 229 Baedecker in Baedeker gendert. | | S. 229 Centrumspartei in Zentrumspartei gendert. | +--------------------------------------------------------------+ End of the Project Gutenberg EBook of Alfried Krupp, by Herman Frobenius License: Share Alike