Produced by The Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This book was produced from scanned images of public domain material from the Google Books project.) [ Symbole fr Schriftarten: _gesperrt_ : =Antiqua= ] Eine Gemsjagd in Tyrol von Friedrich Gerstcker. Mit 34 Illustrationen und 12 Lithographien nach Originalzeichnungen von C. Trost. Der Autor behlt sich das Uebersetzungsrecht vor. Leipzig, Ernst Keil. 1857. Inhalts-Verzeichni. Seite 1. In die Alpen 1 2. Hinauf! 10 3. Aufbruch zur Jagd 23 4. Das Riegeln 31 5. Das Treiben am Joch 41 6. Die Pirsche 48 7. Ragg's Erzhlung vom Wilderer 65 8. Ein Sonntag Morgen 75 9. Die Baumgart-Alm 83 10. Die Delpz 107 11. Die Grasberg-Alm 120 12. Das Gemsjoch 127 13. Die Nebeljagd 137 14. Die Nachsuche 148 15. Schlu 155 [Illustration] 1. In die Alpen. _Die Gemsjagd!_ -- Welchen eigenen Zauber nur das Wort allein auf mich ausbt! Kaum nehme ich die Feder in die Hand, und lasse die Erinnerung zurckschweifen zu jenem wilden frhlichen Leben, so tauchen auch schon die grimmen Berge in all ihrer Pracht und Herrlichkeit empor. Wieder sehe ich jene schroffen Kuppen und Joche, jene Schluchten und Wnde hoch ber mir emporragen -- unter mir in schwindelnder Tiefe liegen -- wieder hre ich in weiter Ferne das Donnern der Lawinen, das Prasseln der aufgescheuchten Gemsen auf dem lockeren Gerll der Reien, und wie mit _einem_ jhen Schlag steht pltzlich jene wunderbare Welt in ihrer ganzen Pracht und Gre bewltigend um mich her. Das Herz fngt mir an zu schlagen, als ob ich noch einmal da drauen, halb in einen Laatschenbusch hineingeklemmt, auf berhngender vorspringender Felsenspitze klebte, und kaum athmend, mit der gespannten Bchse in der Hand, in ngstlicher, fast peinlicher Lust, die Sinne zum Zerspringen angestrafft, des flchtigen Wildes harrte -- und Alles wird lebendig um mich her: In den gelblich schimmernden Lrchentannen, die tief unter mir ihre halbtrockenen Spitzen heraufstrecken, rauscht und murmelt der Wind, schttelt und schaukelt die elastischen zhen Zweige der Krummholzkiefer, und fegt den Staub aus den trockenen Ritzen und Spalten der weiten Klamm, die sich neben mir, mit ihren ghnenden Schluchten tief in den Berg hineingefressen hat. Dort drben balgt sich ein Schwarm schreiender munterer Alpendohlen, und still darber hin, in stummer gewaltiger Majestt, zieht ein einzelner Jochgeier -- der braune Steinadler -- seine luftige Bahn. Oh komm! -- fort, fort aus dem flachen Land. -- Dort hinten ragen schon die starren, lichtbergossenen Joche aus dem duft'gen Nebel auf, der wie ein Schleier auf den Bergen liegt; neben uns rauscht und funkelt die grne Isar, und trgt den flssigen, wie mit leuchtendem Silber bergossenen Bergcrystall zum niedern Land hinab. Die kleinen zierlichen reinlichen Huser mit ihren steinbeschwerten Dchern, hlzernen Veranda's, bunten Heiligenbildern und Auenwerken von gespaltenen Winterscheiten werden hufiger; freundlich grende Gesichter mit spitzen, feder-geschmckten Hten darber, das unvermeidliche Regendach unter dem Arm, begegnen uns, und jetzt rasselt der Wagen ber das Pflaster des Bergstdtchens Tlz die lange Strae hinab, die wie eine Bildergallerie an beiden Seiten alle mglichen Schildereien aus der biblischen Geschichte und christlichen Sage zeigt. -- Den Hang nieder geht's, durch eine Planken belegte mit blauen Hemmschuhspuren gestreifte Gasse ber die Isar hinber, die hier rgerlich schumt weil sie da pltzlich in ein Wehr gedrngt, nun Mhlen treiben soll, das freie Kind der Berge, und jetzt -- oh wie uns das Herz da weit wird, und die Brust noch einmal so leicht in der reinen Luft zu athmen scheint, strecken die alten lieben Berge die Arme aus, uns zu begren. Und enger, tiefer wird das Thal mit jeder Meile, grner der Flu an dem wir aufwrts ziehen, reiner der Himmel, schmaler der Weg, dem der leichte Wagen folgt. Schon nickt die Krummholzkiefer, der _Laatschenbusch_ wie sie der Tyroler nennt, uns von den nchsten Hngen ein freundliches Willkommen zu, und lutende, trefflich genhrte Heerden -- die Lieblingsthiere mit riesigen Glocken um den Hals -- Schafheerden der Bergamasker Race mit herunter hngenden Ohren, und Hirten, schwer mit allerlei Alpengerth bepackt, begegnen uns in der Strae. Es ist Oktober, und Hirten und Heerden weichen dem nchst zu erwartenden Schneefall aus. Der hat auch die hchsten Kuppen des Gebirges schon dann und wann einmal auf ein paar Tage mit seinen weien Mnteln berworfen -- nur als ob er sehen wollte, ob ihnen die alten Kleider vom vorigen Jahr noch passen -- und sie sitzen wie angegossen. [Illustration] Es ist Herbst, und die Hirten drin im Gebirg haben selbst die letzten Unterleger verlassen, ihre Thalwohnungen aufzusuchen und ihre Heerden vor Lawinensturz und Wintersturm in Sicherheit zu bringen. In den Bergen wird's jetzt leer, da Vieh und Heerden sie gerumt, und wunderhbsch schildert Tschudi das in seiner Alpenwelt: Weit Du doch selber, Alpenwanderer, sagt er, was fr ein schwermthig drckender Ton im Herbst ber diesen Felsen liegt, wenn Menschen und Heerden, Pferde und Hund, und Feuer, Brod und Salz sich in's Thal zurckgezogen. Wenn Du an der verlassenen und verrammelten Htte vorber steigst, und Alles immer einsamer und einsamer wird, wie wenn der alte Geist des Gebirges den majesttischen Mantel seines furchtbaren Ernstes ber sein ganzes Revier hinschlge. Kein befreundeter Athemzug weht Dich meilenweit an, kein heimischer Ton -- nur das Krchzen des hungrigen Raubvogels, das Pfeifen des schnell verschwindenden Murmelthiers mischt sich in das Drhnen der Gletscher und das monotone Rauschen des kalten Eiswassers. Die kahlgeweideten Grnde, in denen die kleinen Gruppen der giftigen Kruter mit frischen Graskrnzen welche das Vieh nicht berhrte, sich auszeichnen, haben die letzten anmuthigen Tinten des Idylls verloren. Der schwarze Salamander und die trge Alpenkrte nehmen wieder Besitz von den verschlammenden Trnkbetten der Rinder, und die verspteten Bergfalter schweben mit halb zerrissenen und abgebleichten Flgeln durch das Revier, aus dem die beweglichen Unken in trostlosen Chren die sommerlichen Jodelgesnge der Hirten wie spottend zu wiederholen scheinen. Nicht wahr wie schade, da der _Jger_ gerade in diese Berge einzieht, wenn sie der Hirt mit seinen idyllischen Heerden verlt, und der Jger bedauert das gewi.-- Gott sei Dank da das langweilige Vieh mit seinem Gebimmel endlich abzieht murmelt er vergngt vor sich hin, jetzt bekommen die Berge doch endlich einmal Ruh, und man braucht nicht zu frchten auf jedem Pirschpfad und Joch, statt einem Rudel Gemsen eine Heerde Schafe anzutreffen. Die _Poesie_ der Berge vertrgt sich recht gut mit der Jagd, und der chte Jger wei sie gewi zu wrdigen, denn sein ganzes Leben und Treiben ist poetisch; aber -- sie darf ihm nur nicht in's Gehege kommen, sonst sind sie eben die lngste Zeit Freunde gewesen. Wo sie die Ausbung seiner Jagdlust strt, hat sie fr ihn aufgehrt Poesie zu sein, und -- wenn er sie nicht zum Teufel wnscht, geschieht dies nur in einzelnen Fllen aus ganz besonderer Rcksicht. Aber der Wagen rollt indessen lustig den wenn auch schmalen, doch glatten Weg entlang, der sich allmhlig, dem Lauf der Isar folgend aufwrts zieht. Die Krummholzkiefer kommt schon bis an den Weg herab, und luft hinber, bis zu dem Stein beseten Ufer des crystallhellen Bergstroms, in dessen blitzender Fluth hie und da eine muntere Forelle, leicht und rasch die Strmung stemmend, aufschwimmt. Noch umgeben uns hohe, aber bis zu ihrem Gipfel dicht bewaldete, wenigstens bewachsene Berge, -- noch haben wir die Alpenregion nicht erreicht, und zu nah steigen die uns nchsten Hnge nebenauf, die dahinter liegenden mchtigeren Kuppen erkennen zu knnen. Aber das Gebirg wird schon wilder. -- Rechts von uns ragt eine hohe schroffe Steinwand von der Sonne mit ihrer flammenden Gluth bergossen, wie eine riesige Silberstufe auf, nach links zu ffnet sich jetzt das Thal, und herber grt da pltzlich mit seiner scharfgeschnittenen schneegedeckten Pyramidenkuppe der Scharfreuter, whrend weiter nach vorne, wo jetzt die Ri sich in die Isar giet der Stuhlkopf, und dahinter der gewaltige Steinkegel, der groe Falken sichtbar wird. [Illustration] Mit ihnen taucht die Erinnerung an manche wilde Schlucht, an manche romantische, tief in Berg und Wald hineingedrckte Lagerhtte wieder auf, die uns da drinnen sehnlich schon erwarten. Dieselben sind ja alte Bekannte, alte Freunde, und es ist fast, als ob sie die mchtigen Hlse reckten, und freundlich herber nickten uns zu gren. -- Es war nur Augentuschung. -- In grimmer stolzer Majestt stehn sie dort, und bieten den Jahrhunderten die Stirne. Ob sie Orkane umrasen, ob der Fhn durch ihre Schluchten tobt, und die Lawine, von ihrem Nacken nieder, donnerndes Entsetzen in die Thler wirft, oder ob kosende Frhlingslfte ihre Hnge und Wnde mit Blthen decken, was kmmert's sie. Geschlechter gehn und kommen und vergehn auf's Neu, und starr und trotzig recken sie die Hupter nach wie vor dem blauen Aethermeer entgegen. Aber hier sind wir schon im Gemsenrevier. -- Rechts und links hinauf sucht das Auge unwillkrlich nach einem dunklen Fleck auf dem Grau der Steine, oder in dem matten Braun der Haidedecke, die kleine Blen zwischen den Krummholzkiefern bildet, und die Hand greift rasch und unwillkrlich nach dem Fernrohr an der Seite, irgend einen ersphten Punkt, und auch nicht grer eben als ein Punkt, mit dem scharfen Glas mistrauisch nher zu untersuchen. -- Aber nein; der dunkle Schatten einer alten Wurzel; ein Erdloch, aus dem sich ein thalabgerollter Stein gebrckelt; ein wunderlich gebogener Ast ist vielleicht, was das scharfe Auge des Jgers fr einen mglichen Gemsbock gehalten, und mit einem getuschten es ist Nichts, wird das Glas wieder zur Seite gelegt. Hier haben wir auch schon die Isar verlassen, und sind in das Rithal eingebogen. Weiter aber noch rollt der Wagen; immer enger wird das Thal, immer wilder und rauschender die muntere Ri, die hier schon ber wildes Steingerll hinber schumt, und manchen kecken Sprung versucht. Immer steiler werden die Wnde unter denen der Weg sich jetzt wie ngstlich hindrckt. Menschenwohnungen lieen wir mit der Fall in der ein Forsthaus steht schon lngst hinter uns, und nhern uns jetzt dem Distrikt wo, der Meinung der Flachlnder nach die Fchse einander gute Nacht sagen. Nur in uerst seltenen Fllen zeigt noch hie und da eine verlassene Sennhtte ihr helles Dach -- die Sennen selber sind mit dem Vieh thalab gezogen. Wilder wird hier die Landschaft; dunkle Kiefer- und Fichtenwaldung schickt ihre grnen Schatten bis zum Strom herab, und hier -- wo sich die Wnde fast zusammen drngen, die Ri, in ihr schmales Bett hineingepret, rgerlich und tobend, tief unter eine darber hingespannte Brcke, sprudelnd und schumend niederspringt, kommen wir zur Grenze. An dieser Seite steht ein blau und weier Pfahl, jenseits der Brcke ein anderer, von dem die Sage behauptet da er einst schwarz und gelb gemalt gewesen. Jetzt lehnt er grau und mrrisch im Schatten der dunklen Tannen, und schaut in den Waldbach nieder, als ob er selber gar nicht so bel Lust htte hinein zu springen und mit fort zu schwimmen in's flache Land -- was er auch vielleicht lngst gethan htte, wenn's eben nicht ber eine fremde Grenze -- in's Ausland ginge. Warum rollt der Wagen hier noch einmal so leicht, warum hebt sich die Brust so viel hher, warum schaut das Auge so viel schrfer nach Wild umher an den Hngen, nach Fhrten auf den Weg und in den weichen Waldgrund, der ihn an beiden Seiten begrenzt? -- Das ist _das eigene Jagdrevier_ -- die Gemse die hier steht, das Wild das hier in stiller Nacht vorber zieht, gehrt zu befreundeten Rudeln, und die Berge die hier ihre grnen Arme und graue Hupter aus- und emporrecken, sind der Tummelplatz ihrer Spiele, und tragen den gedeckten Tisch fr sie. Jetzt macht der Weg eine Biegung, voraus steigt der Stuhlkopf schroff empor -- das Wasser rauscht lebendiger, einzelne Dcher in dem sich weiter ffnenden Thal werden sichtbar -- ein kleines Kloster, von mehreren Htten umgeben dehnt sich langsam aus und dahinter liegt, dem berraschten Blick wie aus dem Boden steigend, hineingebaut in die waldigen Berge, den schumenden Strom berragend und mit seinen eingeschnittenen hellen Mauern und flatternden Fahnen gar so freundlich herberleuchtend, ein reizendes Jagdschlo, vor dem sich schon ein buntes Gemisch von Jgern, Dienern und Hunden gesammelt hat, den Herrn und seine Gste zu begren. Wie khn und wacker die Burschen aussehn in ihrer malerischen Tracht, wie freundlich die gesunden gutmthigen Gesichter darein schauen, wie glcklich diese Adler-Augen lcheln den lieben Herrn wieder begren zu knnen der ja des Jahrs nur einmal, auf wenige Wochen aus weiter Ferne, zu ihnen kommt. -- Und nun giebt's wieder Leben in den Bergen. Und wahrlich malerisch ist die Tracht der Leute. Auf dem Kopf tragen sie den bekannten Tyroler-Hut mit ein paar nach rckwrts gebogenen Spielhahnfedern, den Sto eines Schnee- oder Haselhuhns, und manchmal einen Gemsbart. Der Hals ist frei und das weie Hemd wird durch ein schwarz oder bunt seidenes Tuch locker zusammengehalten. Vortrefflich unter den Hut pat aber die graue Joppe -- eigentlich etwas zu dunkel fr die Berge, weil die lichteren Farben viel besser mit dem Grn und Grau der Bsche und Felsen verschmelzen -- und unter dieser reichen die schwarzen Lederhosen nur bis zum oberen Rand des Knies, das sie blo lassen, whrend unter dem Knie der dick wollene, meist gewebte grne oder graue Strumpf beginnt. Die Fe stecken in mchtigen Bergschuhen, von festem, wenig geschmeidigem Leder, das den Fu krftig zusammenhlt, whrend die darunter eingeschlagenen Ngel nur durch den bloen Anblick einem mit Hhneraugen geplagten Menschenkinde Entsetzen einflen mten. Es sind das auch keine gewhnlichen Ngel, sondern nach innen scharf abschneidend, nach auen mit breitem Griff die Sohle fassend und schtzend, bilden sie einen scharfen eisernen Rand um den Schuh herum, und ahmen dadurch die hnlich eingeschnittenen Schaalen der Gemse nach. Ohne diese Schuh wrde selbst nicht der an die Berge von klein auf gewohnte Jger im Stande sein an den steilen Graslannen und schroffen Hngen, die oft nur kaum zollbreite Vorsprnge auf ihrer glatten Flche bieten, fortzukommen. Mit solchem scharfen Eisenrand schneidet man aber fest und sicher in die Wnde ein, und wenn der Kopf nicht schwindelt, luft man mit einiger Uebung sicher ber nicht eben ganz senkrechte Wnde hin. Dazu aber braucht man auer den Schuhen noch ein anderes, hchst nthiges Instrument, und zwar den Bergstock, der von etwa sechs Fu Lnge, mit oder ohne eisernen Stachel, gewhnlich nur roh aus einer Haselstaude geschnitten und getrocknet, dem Bergwanderer die Hauptsttze und Hlfe bietet. Ohne den Stock wr' er nur wenig ntz da oben, und weniger beim Auf-, besonders aber beim Niedersteigen, sichert er den Gang, hemmt den zu raschen Lauf und ist in der That des Kletternden bester Freund. Besonders ntzlich zeigt er sich an steilen Hngen, wo man ihn wagerecht in Hnden hlt, mit der Spitze die Wand berhrend, die eine Hand an seinem uersten Ende untergehalten, die andere etwa in der Mitte aufgestemmt, das Gewicht des Krpers darauf, vom Abgrund fort, zu lehnen. Nicht zu steile Lannen luft der Jger mit diesem Stock, indem er ihn hinten einsetzt und sich darauf zurckbiegt, fast in voller Flucht hinunter. Er dient ihm so als Hemmschuh, mit dessen Hlfe er jeden Augenblick seinen Lauf einzgeln kann. Noch darf ich den Bergsack nicht unerwhnt lassen, dann sind wir, sobald wir die Bchse auf die Schulter werfen, zum Marsch gerstet, und wenn die Sonne morgen frh ber die Berge schaut, findet sie uns hoch ber dem Nebel droben. Der Bergsack ist, wie Alles was der Alpenjger braucht und mit sich trgt, so einfach, leicht und praktisch wie nur irgend mglich eingerichtet. Er besteht aus einem grnleinenen Sack, der hinten mit einem starken Seil auf und zu geschnrt werden kann, und auf dem Rcken, wo er keine Bewegung hindert, mit zwei Achselbndern getragen wird. Er ist dabei so zusammengefaltet da er, wenn der Jger nur sein Bischen Proviant, seine Steigeisen, seine Munition und etwas Wsche oder seine Regenjoppe darin hat, ganz klein aussieht, soweit lt er sich aber ausbreiten, mit Leichtigkeit den grten Gemsbock noch obendrein mit aufzunehmen. Die Gams wird dann so zusammengelegt, da Kopf und Lufe ineinandergeschoben oben auf kommen, und nur die uersten Spitzen der Lufe mit den Krickeln (Hrner der Gemse) zum Schlitz herausschauen. [Illustration: Das Jagdschloss.] 2. Hinauf! Wir sind gerstet! -- Drben im Westen neigt sich schon die Sonne den hohen Jochen zu, und nach dem rasch eingenommenen Mahl geht es hinauf in die Berge, zur frhlichen Jagd. Wie sich das so wunderbar leicht mit den nackten Knieen steigt -- denn alle Schtzen, ohne Ausnahme haben jetzt schon die Tracht der Gebirgsbewohner angelegt. -- Wie sich das Bein so frei da biegt, und Arme und Bergstock mit eifriger Geflligkeit nachhelfen, den hochaufathmenden Jger bergan zu bringen -- und wie die Lungenflgel sich so weit bewegen! Man fragt sich selber oft erstaunt: wirst Du denn nur gar nicht mde? -- denn hher immer hher hinauf zieht sich der zickzacklaufende Reitsteg dem wir jetzt folgen. Mde? -- das Wort kennt man kaum in den Bergen, und wenn man wirklich einmal nach einer gar zu steilen anstrengenden Tour zum Tode erschpft glaubt niedersinken zu mssen, und dann den Gliedern nur wenige Minuten Ruhe gnnt, ist alles Ueberstandene im Handumdrehen vergessen. Das Jagdschlo liegt schon etwa 3000 Fu ber der Meeresflche und steil auf fhrt der Weg uns nun empor; erst durch prchtige Buchen- und Ahornwlder, in die hinein die dunkle schlanke Tanne ihre dichten Zweige reckt, dann kommt die Birke mit dem weien Stamm, die Espe, Eller, Eberesche und hie und da ein Krummholzkiefer- oder Laatschendickicht, mit dem der Jger wohl bald weit mehr und nher bekannt werden soll, als ihm manchmal lieb ist. Jetzt wird das jedoch nicht sonderlich beachtet. Der ausgehauene Weg fhrt hindurch und man bemerkt entweder die weitausreichenden zhen Zweige nicht, oder kann sie auch nicht gleich ordentlich bersehn. Zuviel des Neuen bietet sich berhaupt nach allen Seiten hin dem Blick, das Einzelne zugleich mit zu erfassen. Noch aber sind wir fortwhrend in diesem Wald bergauf gestiegen, und die berhngenden Zweige der Tannen, wie das dichte Unterholz mit den Laatschen zusammen, hindert die Aussicht in's Freie. Hher und hher steigen wir so, und lauter und lauter rauscht unten im Thal die Ri, die am Fu des Bergs nur eben mit leisem Pltschern vorberquoll, hier aber den Ton, durch die Wnde zusammengedrngt in vollen Accorden nach oben sendet. Reiner wird hier der Himmel, leichter die Luft und unwillkrlich packt man, im Gefhl der eigenen Kraft, den Bergstock fester. Wild giebt es hier freilich noch nicht; der Pfad ist schon an dem Morgen von den Trgern begangen worden, das Nthigste an Provisionen, Betten und Geschirr hinaufzuschaffen, und der Wald ist auch zu dicht, weit darin auf oder ab sehn zu knnen -- aber Rothwild sprt sich im Pfad. Hier ist ein starker Hirsch hinaufgewechselt; dort sind ein paar Stck Wild -- wahrscheinlich ein Alt- und Schmalthier demselben eine Strecke gefolgt und haben sich dann links hinein in die Klamm oder Schlucht gezogen. Das Rothwild liebt berhaupt mehr als die Gemse einen bequemen Pfad, und benutzt die Pirschwege auerordentlich gern. Hher, immer hher kommen wir hinauf; die Kiefern und Tannen werden immer niedriger und stehn dnner, die Buchenregion haben wir schon lngst verlassen, wo das fatal raschelnde gelbe Laub den Boden bedeckt, den pirschenden Jger zu doppelter Vorsicht nthigt, und geruschloses Anschleichen oft ganz unmglich macht. Hier beginnt die Laatsche ihr Regiment und eine offene Stelle erreichend, von der aus der Blick frei nach dem gegenber liegenden Gebirgshang, ber das Thal weg schweifen kann, hebt ein pltzliches, berraschtes Ach! die Brust. Vergessen ist das Steigen, vergessen Alles um uns her in dem einen, wundervollen Schauspiel, das sich dem erstaunten, jubelnden Blick da bietet. [Illustration] Dort drben vor uns, dem Blick scheinbar so nah, da man glauben knnte mit einer Bchsenkugel die Wnde zu erreichen, whrend sie in der That in gerader Richtung wohl eine Stunde und weiter entfernt liegen, steigt die riesige Gruppe des Falken empor, und wie gewaltig ist der Fels gewachsen, seit wir ihn von unten zum letzten Male sahen. Dort schien er nur ein breitgedrngter, mit Nadelholz dicht bewachsener Berg, aus dem sich eine graue Felsenkuppe, nicht eben bermig hoch erhob. -- Jetzt, nachdem wir fast eine Stunde gestiegen, und uns die Umrisse des ganzen Gebirgs scharf und klar in's Auge fallen, sehen wir da wir noch nicht einmal die Hhe des gegenberliegenden hchsten Fichtenwaldes erreicht, und weit weit darber hinaus, wie ein Gebirg von Fels und Schlucht, whrend der blaue Aether ihn durchsichtig und leicht umfliet, thrmt sich ein riesiger Block von Felsenmassen auf, in dem sich wieder Berg und Thler bilden. Die mchtigen Tannen die an ihm mehre tausend Fu emporsteigen, sehn kaum Zoll hoch aus; die stattlichen Krummholzkiefern deren Bsche von zehn bis funfzehn Fu Hhe halten, gleichen grnem Moos, das auf den nackten Flchen liegt, und schroff und steil, zerspalten und eingerissen mit furchtbaren Schluchten, fr die der Blick noch nicht einmal den Mastab hat, hebt sich die colossale Masse unfruchtbaren kahlen Kalkgesteins empor. Diese Kegel, Kuppen und Joche mu man aber selber erst einmal, wenigstens zum Theil, bestiegen haben, um einen Begriff ihrer Hhe und Entfernung zu erhalten. Ueberhaupt tuscht die feine, reine Luft oben auf der Hhe, selbst beim Schieen, ungemein, und Gegenstnde die dem Anschein nach nur geringe Entfernung haben, weichen zurck, wenn man sich ihnen nhern will. Bis in's Unglaubliche hinein betrgt man sich ganz vorzglich, wenn man irgend einen gegenberliegenden Hang erreichen will. Ein Berg liegt vor uns, ein kleines, dem Anscheine nach nicht sehr tiefes Thal dazwischen; man denkt in einer halben Stunde wenigstens an der anderen Seite sein zu knnen, und hat in einer Stunde kaum den unten flieenden Bach erreicht. An den von Holz entblten Almen sieht man oft weite offene Flchen, die so glatt und eben ausschauen, als ob man aus weiter Ferne jeden darber springenden Hasen erkennen mte, und hat man sich endlich ber vorher gar nicht bemerkte Hindernisse mit Mhe und Noth zu ihnen durchgearbeitet, so findet man Hgel und Thler in dem was man fr glatten Boden gehalten, und Risse und Spalten in denen ein Reiter unbemerkt und vollkommen gedeckt, hinreiten knnte. So arg ist die Augentuschung in den Bergen, und deshalb wird auch nie ein Gemlde, mag es noch so treu und gewissenhaft, und von der Hand des grten Knstlers aufgenommen sein, die ungeheuere Gre jener Berge, das Riesige der Umrisse wiedergeben knnen, denn dem Beschauer fehlt eben der Mastab den er an solch ein Gemlde legen knnte -- tuscht ihn doch selber die Natur. Aber wir mssen weiter. Im Gebsch zwitschert das Goldhhnchen und piept die Meise und sucht sich ihr Ruhepltzchen fr den dunkelnden Abend. Noch glhen zwar jene Kuppen im Licht der scheidenden Sonne; in den Thlern da unten, deren Uebersicht uns hier im dicken Unterholze abgeschnitten ist, lagert sich aber schon die Nacht, zieht sich die weie Nebeldecke langsam an den Zipfeln aus Felsenspalte und Waldesschlucht heraus, und schmiegt sich tief hinein in's weiche Bett. _Wir_ haben noch ein tchtig Stck zu steigen; doch mit dem Abend wird die Luft so khl und frisch, so geheimnivoll rauscht dazu der Strom unten im Thale hin, und zirpt die Grille tief im Dickicht drin, da man recht gut noch einmal so rasch vorwrts rcken knnte -- wenn sich eben die Kuppen hinter uns nicht gar so wundervoll und wechselnd frbten, und den Wanderer wieder und wieder zwngen stehn zu bleiben, mit durstigem Auge jenes Gtterschauspiel einzusaugen. Wie der Stuhlkopf und die rothe Wand dort hinten im rosigen Licht der untergehenden Sonne glhn, die zwischen den hohen Kuppen der beiden Falken durch ebenfalls noch ihre Streiflichter wirft, und an dem zackigen Gemsjoch wie der abgeplatteten Spitze des Sonnenjochs die letzten Strahlen bricht. Und immer lichter werden dort die Hhn, immer durchsichtiger, duftiger wird das graue schwere Gestein das, wenn auch scharf abgezeichnet gegen den reinen Horizont, doch mit dem Aether zu verschwimmen scheint. Und grner, dunkler wird der Wald, schattiger das Thal; mit tieferem Blau frbt sich der Himmel und dsterer und wilder wird drben der Bergeswall, der jetzt nur noch die dunkeln Schattenwnde zeigt und in den innern Conturen schon in einander fliet. Einzelne Sterne blitzen am Himmel auf, und wie sich im Westen dort am hellen Aetherrand mit schwarzen schroffgerissenen Linien die oberen Joche abschneiden, liegt die andere Welt in tiefer, schweigender Nacht. Strker rauscht dazu der Strom, als ob er eiliger hinaus wollte aus den dunkeln Thlern, in's Freie nieder. Heimlicher suselt der Wald von einem leichten Sd-West bewegt, der flsternd, und mit den thaufeuchten Zweigen kosend, das Thal hinauf weht, und ber den ganzen weiten Himmel ausgegossen, ist pltzlich der Sterne funkelnder Glanz. Und dort liegt die Pirschhtte; hellblinkend schauen die neuen Breter aus dem dichten Grn der Laatschen vor; aus dem verhangenen Fenster schimmert Licht, und nebenan leuchtet aus einem anderen kleinen Haus der Feuerschein vom Kamin der Jger herber. Die Schweihunde schlagen an; die Jger die ein paar Stunden vorausgeschickt waren, springen vor die Thr, und der Herr betritt, freundlich grend, zum ersten Mal wieder und mit leuchtendem Blick sein Pirschhaus zu Steileck, die stille Jgerhtte in den Alpen. Zur Toilette braucht's da oben wenig Zeit, die ist in den Bergen rasch beendet, und jetzt kommt eigentlich der schnste Augenblick: Der Jgerrath, der Bericht der Leute wie's in den Bergen steht, und was am Besten jetzt zu thun sei, dem scheuen Wilde beizukommen. Rainer soll herein kommen! Wenige Minuten spter geht die Thr auf und Rainer, der grad' vom Essen aufgesprungen ist tritt, sich noch geschwind den Mund in der Thr wischend, in's kleine Gemach. Er war schon eine Zeit lang vorher heraufgeschickt worden, das Terrain, das er selber aus frheren Jahren genau kennt, zu recognosciren, die verschiedenen Joche und Klammen, wie die eingerissenen scharfen Schluchten -- Grben, wie die breiten Seitenthler genannt werden -- abzuugen, und von den verschiedenen dort stationirten oder mit der Ueberwachung beauftragten Jgern Erkundigungen einzuziehen. Rainer ist aber an sich selber eine viel zu interessante Persnlichkeit, ihn so ohne Weiteres, und ohne etwas nhere Beschreibung einzufhren. Bei Tafel unten im Schlo im schwarzen Frack, schwarzen langen Hosen und steifer Halsbinde mit aufwartend, giebt es kaum eine steifere, unbeholfener aussehende Figur als ihn, und wie verwandelt ist der Mann, wenn er in die freie Bergtracht hinein, und mit Knieen und Hals aus den beengenden Kleidern herausfahren kann. Es ist ordentlich als ob er mit der Tyroler-Joppe und dem spitzen Hut, den kurzen Hosen und den eisenbeschlagenen Schuhen auch einen anderen Menschen angezogen -- und das geschah auch in der That. Jede seiner Bewegungen ist frei und natrlich, und das charakteristisch geschnittene Gesicht mit dem blonden, sorgfltig gepflegten Bart, die klugen, hellen Augen und der sehnige Krper, machen ihn zu einem tchtigen Reprsentanten des ganzen Jgervolks. [Illustration] Seine Worte setzt er freilich manchmal, als ob er doch noch im schwarzen Frack stcke, und ich wei auch nicht ob er sich selber nicht vielleicht ganz gern darin sieht, -- wenn das der Fall wre htte er unrecht. Rainer hat die Schweihunde unter sich, und selber einen kleinen Dachs, der sogar in den Alpen seinesgleichen auf der Fhrte sucht. Bergmnnle spielt eine zu bedeutende Rolle auf der Nachsuche, ihn unerwhnt zu lassen, und manches angeschossene Stck hat der kleine unerschrockene und unverdrossene Teckel schon gefunden und gestellt. Nun Rainer wie steht's? ist noch 'was da? Nu ich denk' Hocheit -- s'sieht gut aus; lautete die vergngt lchelnde Antwort, und Rainer holt sich inde mit den Augen seinen Dank fr die gute Botschaft von smmtlichen Gesichtern. So? -- hast Du Gemsen gesehn? Sehn thut man gerade nicht viel, aber spren berall -- nur noch nicht recht oben auf den Alpen. Es ist noch zu warm, und sie stehn drin in den Grben. Aber Du hast doch auch welche _gesehn_? Ei ja wohl. Gestern war ich drben an dem Leckbach, da standen drei Rudel auf den Reien, eins von zwlf, eins von sieben und eins von funfzehn Stck. Capitalgemsen und eine Menge Kitzgeisen dazwischen. Und keine Bcke? Nachher guckt ich in die Delpz nur so von oben hinein, da standen dicht unter der Wand drei Capitalbcke -- Einer schurecht; und unten drin war ein Rudel von elf Stck -- und noch zwei Bcke. Des Herrn Augen leuchteten. Also es _giebt_ Gemsen? Ich sollt's meinen, sagt Rainer mit vergngtem Gesicht. Und besonders viel Kitzen hab' ich gesehn. Der Weinseisen hat auch gestern zwei starke Rudel an der Luderstauden[1] gesprt, und einen mordmig starken Bock gesehn. Er soll Krickeln aufgehabt haben _so_ hoch, und der Bart hat ordentlich in Wind geweht. [1]: Luderstauden heien dort die Alpenerlbsche. Wo war das? Gleich dort oben auf dem Rokopf. Das ist der alte Bursch, lacht der Jagdherr, der uns schon drei Jahre zum Besten gehabt hat; der ist zu schlau, den bekommen wir nicht. Nu, vielleicht fallirt's ihm doch einmal, sagt Rainer, eins seiner schwarzen-Frack Worte riskirend. Nun, und drben am Grasberg? -- an der Fleischbank oben, und in den Grben? Gemsen sind berall, lautet die Antwort, man sieht sie aber da herum nur selten, weil sie in den Dickichten drin stecken. Hast Du am Waldeck etwas gesprt? _Leer_ ist's nicht, weicht hier Rainer vorsichtig aus, denn wahrscheinlich wird dort morgen zuerst gejagt, und er mchte nicht gern zu groe Erwartungen wecken, obgleich er auch dort Gemsen gesehen hat. Und drben am Heimjoch, in der Laures und am Blunzjoch drben? Das ist ein Hauptplatz, sagt Rainer und wird warm dabei -- der Wastel ist vorgestern mit dem groen Ragg drben gewesen. -- Am Eisknig soll's ordentlich lebendig sein. Also auf dieser Seite sieht's gut aus, und wie steht's drben? Ist das Pirschhaus im Laritter Thal fertig? Sie hmmern noch drben, meint der Gefragte etwas kleinlaut, soll aber heute oder morgen fertig werden. Und im Leichwald; am Falken? Da wimmelt's, versichert Rainer. -- Am Falken -- das giebt ein Haupttreiben, da stehn wenigstens 200 Gemsen. Der hohe Herr zieht ein bedenkliches Gesicht und schttelt den Kopf, Rainer aber, durch den Zweifel gekrnkt fhrt eifrig fort Hocheit, sollen mir den Hals abschneiden, wenn's nicht wahr ist. Da von dem Anerbieten fr jetzt noch kein Gebrauch gemacht wird, ergeht er sich dann in nherer Beschreibung des Terrains und der dortigen Rudel, die allerdings das Auerordentlichste verspricht. Beilufig mu ich aber hier nur bemerken, da dies berhmte Falkentreiben spter wirklich gemacht wurde und statt der 200 Stck versprochenen Gemsen, _sieben_ darin waren, aber nicht zum Schu kamen. Rainer erwhnte dabei nichts weiter von seinem Hals. Und wie steht's mit dem Rothwild? geht nun die Frage auf den anderen Zweig der Jagd ber, der allerdings jetzt nicht zur Ausbung kommt, da die Jahreszeit fr die Hirsche schon zu weit vorgerckt ist, und diese schon fast smmtlich abgebrunftet haben. Drben am Rokopf haben zwei starke Hirsche noch gestern geschrien; an dem Leckbach drei -- Hirsche hrt man berall und Wildpret sprt sich auch berall auf den Pirschwegen. Aber viel eingegangen ist doch im letzten Winter? Acht Stck sind im Ganzen gefunden, lautet die traurige Besttigung, denn der Winter war gar zu streng, der Schnee zu tief und dauernd, und das arme Wild konnte nicht dagegen ankmpfen. Starke Hirsche selbst wurden, im Schnee stehend, todt entdeckt, und auch viel Rehwild war eingegangen. Rehwild hlt sich berhaupt nur sprlich in den Bergen. Und was machen wir morgen? lautet jetzt die direkt auf die Gegenwart bezughabende Frage -- was hast Du Dir gedacht? Nun ich dachte so -- wenn Hocheit vielleicht morgen oben die Fleischbank trieben oder den Waldeckelgraben -- leer ist's nicht, und schieen thten's gewi; dafr bin ich beinah ganz berzeugt. Und wie wollt Ihr's treiben? Nun ich dachte so, da der Wastel und Weinseisen mit dem groen Ragg vom unteren Pirschweg den Graben duemang heraufstiegen und sich nur manchmal sehn lieen und ich mit dem Martin dann die Wand von drben herein brchte. Und ich soll mich dann oben an den Graben stellen? So war meine Meinung -- wenn Sr. Hocheit was Besseres wissen-- Und da treibt Ihr mir die Gemsen ruhig in den Seitengrben hinauf; denn da Ihr sie nicht bis oben hin bringt, wit Ihr, und ich stehe zum Spa dort zwei oder drei Stunden lang. Wenn's da nicht wenigstens vier, fnfmal schieen, sollen Sie mir den Hals abschneiden, erbietet sich Rainer zum zweiten Mal leichtsinniger Weise -- die anderen Schtzen stellen wir dann an der hervorderigen Seite oben und unten hin. Nun gut, sagt der Herr resignirt, dann kommen die Herren wenigstens zum Schu, _ich_ aber stehe zur Abwehr da oben. Du wirst sehen. Rainer macht eine halb verzweifelte, halb unglckliche Geberde ber das schmerzende Mistrauen, schweigt aber-- Sonst noch etwas? Drauen sagt Rainer, der berhaupt dem Gesprch eine andere Richtung zu geben wnscht steht der neue Jger von der Au. Hocheit haben ihn hieher beordert, und er wnscht unterthnigst den Grund seines Daseins zu wissen. Er soll nur kommen. Alle lachten. Rainer ist entlassen, und gleich darauf tritt ein anderer erst krzlich einberufener Jger aus den entfernteren Thlern, mit einer kurz abgeknickten Verbeugung, aber mit offenem, freundlichen Gesicht herein, und bleibt nicht etwa schchtern an der Thr stehn, sondern geht gerade auf seinen Herrn zu. Nun, Johann, wie steht es bei Euch da drben? Gut, sagte der Mann mit einem kurzen, ihm eigenthmlichen Kopfnicken, indem er seinen Hut in der Hand rasch herumdreht -- es macht sich mit den Gemsen. Sind starke Rudel drben? Nu ja, nickt der Jger und lehnt sich mit dem Ellbogen zutraulich auf die hohe Lehne desselben Stuhles, auf dem der Herr sitzt. Dieser lchelt still vor sich hin, lt aber den Mann gewhren. Es ist ein braver Bursch und wenn er die Sitte drauen im Land nicht kennt, wei er dafr desto besser in seinen Bergen Bescheid. Es giebt schon hbsche Rudel drben, und besonders viel Kitzgeien das Jahr. Und der Winter hat ihnen nichts gethan? Ih -- ich denk, lchelt der Jger kopfschttelnd, wenn nicht einmal eine oder die andere von einer Lawine erwischt wird -- im Uebrigen hat's keine Noth. Es folgt jetzt ein ausfhrlicher, ziemlich befriedigender Bericht des dortigen Gems- und Wildstandes, und der Jger wird endlich wieder freundlich entlassen. Die Nacht ist jetzt weiter vorgerckt, und die heutige noch ungewohnte Anstrengung, mit der feineren reineren Bergluft macht auch ihr Anrecht geltend, als der Ruf da schreit ein Hirsch! von drauen, halbflsternd aber doch laut genug hereintnt, die Aufmerksamkeit rasch dorthin zu lenken.-- Wir treten hinaus vor die Thr. -- Wie still die Nacht hier auf den Bergen liegt. Nur das Rauschen des Stromes tnt herauf, und das einzelne Zirpen einer Grille mischt sich in das leise heimliche Flstern und Rascheln der Zweige. -- Drben liegen in schweigender Majestt schwarz und dster die mchtigen Bergrcken wie schlummernde Riesen -- kein Laut weiter unterbricht die Todtenstille. Huh--a--h! tnt da langsam und faul, aber tief und gewaltig der Brunftschrei eines starken Hirsches weit aus dem unten liegenden Thal herauf. Das ist ein braver Hirsch, geht der leise geflsterte Ruf, den Schreienden nicht etwa zu stren und da ist noch Einer ruft Martin, als drben vom Rokopf herber ein anderer schwcherer herausfordernd antwortete. Wie wunderbar das in dem stillen Walde klingt; wie seltsam feierlich, und doch so wild. Nur das Herz des Jgers fllt der Ton mit unbeschreiblichem Entzcken. -- Was ist Nachtigallenschlag, was irgend eine Symphonie dagegen, die sonst im Lande drin vielleicht sein Herz entzckt. _Das_ ist Musik, das zittert durch die Nerven, und macht das Herz rascher schlagen, das Auge glhn und leuchten. -- Jetzt ist wieder Alles still -- da noch einmal tnt der Ruf herauf, aber weiter nach rechts. Der alte Bursch unten hat die Ausforderung angenommen und zieht hinber nach dem andern Hang, den Gegner zu bekmpfen oder zu vertreiben. -- Nun ist Alles ruhig; -- nur die Grille zirpt fort, und der Bergstrom unten rauscht sein volltnendes brausendes Lied durch die stille Nacht.-- Es ist das berhaupt ein eigenthmliches Gefhl, das den aus dem unteren Land heraufgekommenen Jger die erste Nacht erfat -- diese ungewohnte heilige Stille der Natur. Kein Wagenrasseln, kein Nachtwchterruf, kein Glockenschlag, kein lauter Tritt der durch de Straen hallt -- es ist Alles Frieden und Ruhe, als ob hier oben gar keine Leidenschaften tobten und strmten. Nur das leise Flstern des Laubes legt mit sanftem, wohlthuenden Finger den Schlaf auf unsere Augen -- und wie gut schlft sich's in den Bergen. [Illustration: =Das Aufsteigen.=] 3. Aufbruch zur Jagd. ------ Drauen schlgt ein Hund an -- der langsame Schritt eines Jgers auf dem Steinboden wird laut; -- durch das verhangene Fenster dringt der erste dmmernde Schimmer des jungen Tags -- der erste freudige Bote begonnener Gemsenjagd. Frisch und strkend schlgt die khle Morgenluft in das weit geffnete Fenster und dort? -- trume ich denn noch oder wach' ich, und _kann_ das wundervolle Bild das dort, den staunenden Blicken ausgebreitet in all seiner Pracht und Herrlichkeit liegt, Wahrheit -- Wirklichkeit sein? Gerad gegenber, und hoch in die reine duftige Morgenluft hineingebaut, ragen die grauen lichtumflossenen Kuppen der Falken hinein -- rechts hebt der Stuhlkopf sein breites mchtiges Joch, und tief da unten, weit zwischen beiden hinein, und im Hintergrund von einer schroffen wallartigen Wand, dem Carvendelgebirge begrenzt, zieht sich ein tiefes grnes Thal, in das der Schpfer zu dieser frhen Morgenstunde all seine wunderbarsten Tinten und Schatten, von all der zauberhaften Pracht der Alpenwelt bergossen, hineingeworfen hat. Vom Carvendelgebirge nieder springt der Johannisbach wie ein silberschlngelnder Faden zwischen dichtem Waldesteppich durch, der rechts und links in leichten wellenfrmigen, selten schroffauflaufenden Hgeln die Seitenwand erklimmt. Kleine saftgrne Grasflchen, hie und da mit Spuren hineingestreuter Htten und Einfriedungen sind dazwischen sichtbar, und ber dem Ganzen liegt ein leichter, durchsichtiger blauer Duft, der in dem dunklen Grn der Tannen ber dem Silber des Baches, ber dem Lichtgrau der in die Wlder hineinragenden Reien seine Schattirung wechselt, whrend klar und schroff die hohen nackten Kuppen und Joche der umschlieenden Gebirge dies wunderbare Meer von Licht und Farbenpracht berragen. -- Jetzt pltzlich erglhen diese in dem ersten Strahl der aufgehenden Sonne, whrend ihre Zacken in ganz fremdartigem Licht und Raumtuschung die weiten Schatten werfen, und unten im Johannisthal zittert, von den oben hellerleuchteten Wnden reflectirt, ein mattes rosiges Licht ber das blulich dunkle Grn der Waldung, das gegen den fremden Schimmer anzukmpfen scheint. Farben fhren aber nur auf schlechten Bildern und geschmacklosen Kleidern Krieg mit einander; in der Natur ist Alles Harmonie. In wenigen Minuten ist das Ganze zu einem Rosenduft verschmolzen, in dem die tiefe Landschaft glhend liegt. Wie aus dem Grund heraus heben sich dabei die dunkleren Schatten der Waldung mit ihren eingerissenen und jetzt weit schrfer hervortretenden schwarzen Schluchten und Spalten; klarer schneidet sich der silberhelle blinkende Bach heraus, auf dem das Auge jetzt schon die kleinen schneeweien Schaumwellen erkennen kann. -- Der Rosenhauch geht in einen helleren, lichteren Duft ber, und wie die Sonne drben hinter dem Sonnenjoch emporsteigt und ihre Strahlen hell und mchtig in die Thler wirft, schwinden die zitternden Tinten der Morgenluft in ihrem Schein und -- es ist _Tag_. Heiliger Gott, wie ist deine Welt so schn und reich, da du selbst in die geheimsten Schluchten dieser Erde solch wunderbare Pracht gestreut. Worte fehlen da auch, solcher Allmacht gegenber, und wie die Lerche drauen im Land wirbelnd ihr frohes Dankgebet zum Himmel trgt, wie der duftende Baum sein Weihrauchopfer haucht, wie die Berge, im Wiederglanz des himmlischen Lichts hher und freudiger erglhn, so bringt die zitternde Thrne im Menschenauge, bringt das jubelnde Herz in Menschenbrust dem unerkannten Wesen ber uns seinen stillen Dank, den es mit Worten und Gebeten nimmer so hei, so glhend sprechen knnte. Und doch vergessen ist im Nu die vor uns ausgebreitete Pracht und Herrlichkeit.-- Da drben steht ein Hirsch! ruft mit seiner heiseren Stimme Martin (kein _Tyroler_ Jger), der ein Auge wie der Falke hat -- und dahinter noch zwei Stck Wild! Zu gleicher Zeit zieht er das immer hndige Perspectiv hervor und richtet es nach dem Hang des Rokopfs hinber, der in einer Entfernung vor uns liegt als ob ihn eine Bchsenkugel leicht erreichen mte. Vergebens aber sucht das Auge, noch nicht an diese Lichttuschung in der Ferne gewhnt, durch die offenen Blen des dort ziemlich lichten Waldes, nach dem gemeldeten Wild. Nirgends lt sich auch nur das geringste Lebendige erkennen. Dort weiter oben steht auch noch ein Altthier mit einem Schmalthier, und links davon ein Sechsender. -- Donnerwetter, ist das da unten ein starker Hirsch! murmelt Martin dabei vor sich hin, indem er durch sein ausgezogenes Bergspectiv (wie es die Tyroler nennen) hinber schaut. Aber wo? um Gottes Willen? Gerad dort drben auf der offenen Stelle; dicht neben der umgefallenen Tanne, wo der gelbe Fleck im Boden ist -- gleich links darber.-- Der gelbe Punkt? -- wenn man nach einem Kaninchen ausgeschaut htte, wrde man etwa ein lebendes Wesen von _der_ Gre in _der_ Entfernung erwartet haben, und jetzt ist das ein starker Hirsch, zehn- oder zwlfendig, der sich dort ruhig an der Lanne im Walde st, und nur manchmal nach den, nicht weit ber ihm stehenden Thieren auf ugt. Jetzt wird der Blick auch erst auf die verhltnimige Gre der Bume aufmerksam, die da drben wie zierlicher Nipptischschmuck, trotz der Entfernung in der reinen Luft mit jedem kleinen ausgezackten Zweig fast sichtbar, stehn, und steigt man zu ihnen hinber, zu mchtigen Stmmen anwachsen. Das Wild st sich indessen langsam in die Dickung hinein -- wird wieder auf einer kleinen Ble sichtbar, und verschwindet endlich in den Laatschen. Aber die kostbare Zeit verschwindet ebenfalls, und rasch wird das leichte Frhstck eingenommen, das nur ein kleines Intermezzo drauen nicht etwa strt, sondern eher noch wrzt. [Illustration] Der rothe Schweihund, Pirschmann, von guter tchtiger Race -- ob aus misverstandenem Eifer oder Langeweile -- es lt sich kaum vermuthen aus eigenntzigen Zwecken -- hat den etwas primitiv angelegten Keller auf seiner nchtlichen Runde entdeckt, und der dort niedergelegte Kern eines gekochten Schinkens war verschwunden. Pirschmann lugnete allerdings hartnckig, oder weigerte sich wenigstens, wozu er auch nicht gezwungen werden konnte, gegen sich selber zu zeugen; und Rainer dem die Ueberwachung der Hunde bertragen, bekam vom Mundkoch die von ein oder dem andern verdiente Nase. Aber keine Zeit ist's mehr fr solche Dinge. Die Jger stehn drauen gerstet, den Bergsack auf dem Rcken, den Stock in der Hand, die Bchsflinte oder den Wender ber der linken Achsel; die Sonne scheint voll auf die markigen malerischen Gestalten, auf die offenen treuherzigen, und oft doch so verschmitzten Zge, und geduldig harren sie des Zeichens zum Aufbruch.-- Und nun vorwrts! ruft der Herr der Jagd, der in der leichten Jgertracht, den Bergstock in der Hand, nur statt des spitzen zum Pirschen, seiner Hhe und dunklen Farbe wegen nicht einmal ganz praktischen Tyroler Hutes, eine einfach graue sehr leichte Mtze trgt. Die Jger reien, als er an ihnen freundlich grend vorbergeht, rasch die Hte herunter, und whrend er den schmalen Pirschpfad voranschreitet folgen mit so wenig Gerusch als mglich, die brigen Schtzen und Jger in bunter Reihe und cht indianischem Marsch, Einer hinter dem Andern. -- Bietet der schmale Weg doch oft kaum Raum fr den einen Fu.-- Langsam windet sich so der Zug bergauf. Der Tyroler Jger und berhaupt der Alpenjger hat einen langsamen aber stten Schritt; den aber behlt er bei, ob er eine sanfte Anhhe, oder eine steile Wand ersteigt. Ruhig setzt er Fu vor Fu, der Brust dazwischen Zeit zum Athmen lassend; aber er rastet nie. Wenn er nicht pirschen geht, wo die ganze Jagd nur im Vorschleichen und wieder Halten und Umherugen und Lauschen besteht, fllt's ihm nicht ein sich auszuruhen, Stunden lang, -- er mte denn eine schwere Last mit sich tragen. Die chten Bergsteiger haben auch alle einen etwas vorwrts gebogenen Gang, aber desto sichereren Schritt, und Schwindel kennen die Leute nicht. Bricht ihnen nicht einmal an gefhrlicher Stelle ein Stein unter den Fen weg, oder schleudern ber ihnen losgegangene Gemsen auf ihrer Flucht nicht lockeres Gerll auf sie nieder, das sie mit in den Abgrund nimmt, so wandern sie auf ihren schwindelnden Bergpfaden und an den hngenden Wnden so sicher hin, wie der Bewohner des flachen Landes auf seinen breiten Straen. Der Gefahr mssen sie aber doch stets in's Auge sehn; der Tod lauert auf sie in mancherlei Gestalt und Art, und _weil_ sie das wissen und ihm doch begegnen, deshalb auch ist ihr Blick so frei und offen, ihr Schritt so fest und keck und mnnlich. Jetzt haben wir den oberen Pirschpfad erreicht, und von der Stelle, an der wir einen Augenblick halten, sehn wir das, vor einer halben Stunde etwa verlassene Pirschhaus wie ein kleines aus Marzipan gebackenes Zuckerwerk tief hinter uns im Schatten der Bume liegen. Hell schimmert das Dach aus der dunklen Umgebung vor, und heller noch jener schneeweie Punkt der sich daneben zeigt. Es ist der Mundkoch, der mit seiner weien Jacke, Schrze und Kappe vor seiner Thr stehend, die Jger noch mit den Blicken am Berggelnde suchen will. Aber die Erd- und Steinfarben gekleideten Gestalten sind lange aus seines Auges Bereich, und ihre Umrisse verschwimmen mit dem Boden auf dem sie stehn. Wieder wechseln hier die Bilder von Berg und Schlucht um uns her, aber das Auge forscht jetzt nach anderem Ziel: -- Gemsen. Ueber den Weg laufen die Fhrten eines ganzen Rudels das hier vom Joch nieder dem vorderen Graben zugezogen ist. Die Jger sehen, wie sie darber hinschreiten die Fhrten an, und deuten mit der Hand auch wohl hie und da auf die besonders tief eingedrckten breiten Spuren eines alten Bockes; aber keiner von ihnen spricht mehr ein Wort. Wir sind hier im eigentlichen Gemsrevier. Spuren wie frische Losung zeigen berall die Nhe des scheuen Wildes, und der Klang der menschlichen Stimmen schallt weit auf diesen Hhen. Aber nichts Lebendes zeigt sich noch. Hie und da hpft in einem Laatschenbusch einer der kleinen befiederten Bergsnger umher, und lenkt den Blick der Vorberschreitenden rasch und forschend auf sich. Nichts Lebendes, was sich im Sehkreis regt, und berhaupt Bewegung hat entgeht dem Auge der aufmerksamen Jger. Fnfzig Mal dabei getuscht, sei es durch einen Vogel, eine raschelnde Maus, oder einen losgebrckelten Stein, -- er ermdet nicht, und wieder und wieder sucht das Auge nach Leben und Bewegung hier im Wald, und die Hand greift unwillkrlich nach der Waffe. Jetzt ist der Graben der getrieben werden soll erreicht, und in einem Dickicht, noch unter dem Rand, da in der Nhe sitzende Gemsen nicht die sich regenden Gestalten der Jger auf dem Abhang erkennen knnten, bleibt der Herr stehn. Und wie wollt Ihr's nun machen? lautet die mit unterdrckter Stimme an die herbeitretenden Jger gerichtete Frage. Rainer beginnt jetzt, mit eben so vorsichtig gedmpfter Stimme seinen nochmaligen Vortrag: Dort unten auf einem bezeichneten Felsenkamm, der den Schu nach rechts und links hinein in die steile, lawinenzerrissene Klamm erlaubt, an der und jener Wand, und dort und da sollen die Schtzen stehn, und wenn die Treiber dann von dort und da herber kommen, wei Rainer auf ein Haar, in welchem Graben, welch eingerissene Spalte und Klamm die aufgescheuchten Rudel ihre Flucht hin nehmen mssen. Jetzt werden rasch die verschiedenen Jger als Treiber oder Abwehr nach rechts und links geschickt und vorsichtig, auch das geringste Gerusch vermeidend, pirscht sich Jeder zu dem angegebenen Stand. Den Bergstock verkehrt in der Hand, die eiserne Spitze nach oben, da sie nicht zufllig vielleicht einen Stein berhre und durch den fremden Metallklang die Gemsen schrecke, mitten in die Laatschen hinein an deren Zweigen sich die rechte Hand anklammert, whrend die linke den Bergstock hlt und zu gleicher Zeit die Bchse aus dem Weg der Aeste rckt, schleicht der Schtze nieder. Hier einen kleinen Vorsprung benutzend, durch einen Busch gedeckt den Ueberblick ber einen vielleicht lichten Fleck zu bekommen, dort der ausgewaschenen Rinne eines jetzt trockenen Bergquells folgend, indem er dadurch wenigstens das Gerusch der zurckgebogenen Zweige vermeiden kann; jetzt auf dem Boden nieder unter den Bschen durchkriechend, jetzt dazwischen hin den Weg suchend. Da wird es pltzlich licht. -- Dort vor uns liegt der Rand der Klamm, und vor sich abugend erst, ob nicht vielleicht ein einzelner alter Bock dort unten schugerecht steht und durch lngeres Zgern verscheucht werden knnte, sucht man sich jetzt, da sich die Hoffnung nicht besttigt, einen zugleich gedeckten und doch freien Fleck, den grtmglichsten Raum in der Nhe berschieen zu knnen, und so wenig als mglich durch nahe Bsche verhindert zu sein, nach verschiedenen Richtungen hin die Psse und Wechsel zu beherrschen. [Illustration: =Steileck.=] 4. Das Riegeln. Trefflich fr solche Lausch- und Anstandspltze eignen sich die, diesen Gebirgen eigenthmlichen schmalen Auslufer vorgeschobenen Gesteins, die gewhnlich von beiden Seiten in die Rnder der Klammen hineinreichen, und oft bei nur wenigen Fu Breite, mit Laatschen oben bis zur uersten Spitze bewachsen, nicht allein den grten Theil der Klammen berschauen lassen, sondern auch nach drei Seiten hin einen freien Schu gewhren. Auf einer solchen wunderbaren, oben kaum anderthalb Fu breiten aber vollkommen sicheren Steinkoulisse sitzen wir jetzt, der Leser und ich, und obgleich rechts und links ein tiefer Abgrund ghnt, und man den Bergstock nicht einmal dicht vor sich einstoen drfte, weil er hinunter in die Tiefe fallen wrde, haben wir doch nicht das Mindeste zu befrchten. Die den Armen eines Kronleuchters nicht unhnlichen zhen Laatschenzweige halten fest und gut, und whrend wir den Raum in der Mitte rasch mit dem Jagdmesser etwas ausgehauen, ragen die Zweige um uns her wie ein knstlicher grner Schirm empor, und halten uns dahinter dicht versteckt. Nur eine Vorsicht mu der versteckte Jger gebrauchen: nicht unvorsichtig auf die elastischen Zweige zu drcken, die durch ihr Auf- und Niederschaukeln dem scharfen Blick der noch so weit entfernten Gemse nicht lang verborgen blieben. Was fr ein wundervoller Platz das ist, und wie so still und schweigend der dunkle wilde Wald hier um uns liegt. Auf dem aushngenden Felsen, dessen schmalen Verbindungsweg man, rechts und links umschauend, nicht einmal erkennen kann -- und viele Bewegung verstattet der kaum fubreite Sitz auch nicht -- hngt man da; gleichsam abgeschnitten, ber der wild zerrissenen, zu Thal strmenden Schlucht, und von steilen, mit berhngenden Laatschen berall besetzten Wnden fest und drohend eingeschlossen. Der _Graben_, wie diese steilen Bergthler genannt werden, bildet im Ganzen eine weite gewaltige Schlucht, wie denn auch der ganze breite Gebirgshang an der Sdseite in solche Thler oder Grben ziemlich gleichmig vertheilt ist, whrend zwischen ihnen von oben nach unten laufende und dicht bewaldete Abschsse oder Hnge sie von einander trennen. Im Einzelnen reit sich aber ein solcher Graben wieder in hundert und hundert kleinere und grere Einschnitte, Schluchten, Felsspalten und Klammen, jede im Kleinen und in sich selbst, das groe Bild des Ganzen wiedergebend. Die schroffen Wnde, an denen kein fruchtbarer Boden halten kann, stehen da drinnen freilich kahl, und in den Schluchten, wo sich zur Regenzeit der Bergbach das reingewaschene ausgeschwemmte Bett gewhlt, kann auch kein Pflanzenleben gedeihen; aber die zhe Laatsche dringt doch ein, wo sie's nur irgend mglich machen kann. Nicht allein auf den Nacken der Felsen hin kriecht sie, und wirft ihre Zweige zwlf und sechzehn Fu weit nach rechts und links bis ber den Abgrund hin, nein auch, wo nur irgend eine Felsenspalte eine Hand voll von oben niedergeschwemmter Erde aufgefangen und gehalten, set sie ihren Samen, treibt Keime und Schlinge, und klammert sich mit den festen Wurzeln ein. Wo sich ein solcher Anhaltspunkt, und sei er noch so unbedeutend, bietet, findet man diese Bsche, die Nadelspitzen oft klein und kmmerlich, die Zweige dnn und kurz, aber immer fest und sicher in die Felsspalte eingeklemmt, und gar willkommene Anhaltspunkte sind das dann fr den Steigenden. Der einmal gefate Zweig bricht nicht ab in der Hand, und, wenn er das ganze Gewicht seines Krpers daran hinge. Ha -- was war das? ein zischender Pfiff der von dort herber schallt. Eine schreckende Gemse, der irgend woher der verrtherische Luftzug die fremde Witterung des Feindes zugetragen -- und dort drben? -- ein rollender Stein, der von den scharfen Klauen eines aufgescheuchten Thieres losgestoen, hinunter zu Thal die springende Bahn nimmt. -- Aber zu sehn ist noch Nichts und der forschende Blick sucht rasch und mistrauisch all die hundert kleinen Schluchten und Spalten ab, aus denen allen das ersehnte Wild im Augenblick herausfliehen kann. Todtenstille herrscht -- da bricht ein Schu von oben drhnend und donnernd in's Thal nieder und weckt das Echo in den Bergen von Wand zu Wand. Das war des Jagdherrn Bchse -- wie den Schall die gegenberliegenden Gebirge jetzt wiedergeben, und wie er sich prasselnd und schmetternd die Bahn hinunter bricht in's tiefe Thal. Und doch ist das hier in den Bergen so eigenthmlich mit eben dem Schall, da ein im Nachbargraben Stehender den Schu vielleicht nicht einmal hren konnte. Da poltert's und bricht's ber das Felsgestein, ganz in der Nhe. Wie mit einem Messer sticht's bei dem Ton dem lauschenden Jger in's Herz hinein, und bebt und zittert ihm durch alle Glieder. Und ob er von Kindheit an die Bchse gefhrt und der Spur des Wildes gefolgt wre, _dem_ ersten, unwillkrlichen, fast krampfhaften Herzklopfen beim pltzlichen Erscheinen eines Stcks Wild, beim Rascheln oder Rauschen das seine sichere Nhe verrth, entgeht er nicht. -- Aber es dauert nicht lange, und in der nchsten Minute schon mu er die alte Ruhe wieder erlangt haben, und hat sie auch -- einzelne Flle natrlich ausgenommen. Wie das dort rasselt und tobt durch die kleine Schlucht. Drunten heraus aus ihrer Mndung kollern und springen die losgegangenen Steine schon vor, und den Berg hinab. Das mu ein ganzes Rudel sein. -- Und richtig, dort in den Laatschen zeigt sich pltzlich der schwarze Krper einer alten Geis mit den weien Backenstreifen und den hohen scharf umgebogenen Krickeln. Wenn sie allein kme knnte man sie recht gut fr einen Bock halten. Aber ein Rudel wird meist immer, ja fast ohne Ausnahme von einer alten Geis gefhrt, oft der Stammmutter des ganzen Trupps, die so von Kindern und Kindeskindern gefolgt, den Berg durchzieht. Jetzt werden die andern auch sichtbar -- leider auer Schuweite, denn das ganze Rudel ist wohl noch vier- bis fnfhundert Schritt entfernt. Auf einem mit Laatschen dnn bewachsenen Felsrcken tauchen sie auf, eine hinter der andern -- jetzt eine braune Geis mit schwarzem Rcken, das kleine munter springende Kitz an der Seite, jetzt ein junger zweijhriger Bock der ernst und gravittisch, wie er es von den lteren gesehn, eine Weile daher schreitet. Dann aber pltzlich, als er das munter seitwrts springende Kitz um sich her tanzen sieht, vergit er, wenn er auch vorn seinen stolzen Ernst beibehlt, hinten doch die Gravitt, und macht mit den Hinterlufen einen Jugendsprung. Mehr und mehr drngen herauf und bleiben Kopf an Kopf auf der kleinen Lichtung stehn, alle hinauf nach der Klamm ugend und windend, von der der Schu tnte. Ehe die Altgeis weiter geht, denkt keins daran sich von der Stelle zu rhren. Von drben herber ist das Rudel gekommen, jedenfalls von dem Schu aus sicherer Ruhe aufgeschreckt. Jetzt aber mag doch irgend ein Gerusch der von unten herauf brechenden Treiber von dem scharfen Gehr der Leitgemse erfat sein, oder ihr Blick hat auch wohl die sich da unten regende Gestalt, sei sie noch so weit entfernt, gesehn, ihre Nase die fremde gefhrliche Witterung gefangen. Da unten ist's jedenfalls nicht recht geheuer, _was_ es auch sei, und seitwrts an der Wand auf der sie gestanden niedertretend, luft und rutscht sie halb die fast senkrechte Steinplatte hinab, an der sich, von hier aus wenigstens, nicht der geringste Anhaltpunkt erkennen lt. Jedenfalls will sie schrg durch den Graben dem anderen Auslufer zu; ihr aber folgen auch, ohne weiter zu fragen weshalb oder wohin, die andern Gemsen. Zuerst die Geis mit dem Kitz, dann der zweijhrige Bock, wahrscheinlich ein Herr Sohn vom vorvorigen Jahr, dann wieder zwei Kitzgeisen und nun ein starker Bock. -- Wetter noch einmal, ob der Bursche nicht aussieht wie ein Wildschwein, als er da breitspurig und bequem den halsbrechenden Pfad ohne die mindeste scheinbare Anstrengung hinuntergleitet. Wenn der zum Schu herberkme, der wr' recht. -- Jetzt folgen noch ein paar wahrscheinlich gelte Geisen oder schwchere Bcke -- es lt sich von hier aus nicht so deutlich erkennen -- dann wieder Kitzgeisen dazwischen, und zum Schlu noch ein alter Bock. Im Ganzen ein Rudel von drei und zwanzig Stck. Jetzt ist Alles wieder still -- die Gemsen haben irgend einen bewaldeten Hang angenommen, und ziehen geruschlos und gedeckt darin fort. Es ist aber, selbst fr den gebten Gemsjger, gar nicht etwa so leicht Geis und Bock von einander zu unterscheiden, ja in der Ferne fast ganz unmglich, wenn nicht die Geis eben ihr Kitz als Legitimation mit sich fhrt. Die Farbe der Gemsen ist im Sommer lichter als im Winter, und schmutzig isabellfarbenartig nur mit dem dunklen Rckenstreifen. Im rechten Winter werden sie aber ganz schwarz, und alte gelte Geisen die allein kommen, und oftmals gar starke ansehnliche Krickeln tragen, sehn genau so aus wie ein Bock. Nur in der Nhe unterscheidet sie der lngere dnnere Hals, wie auch der etwas zierlichere Kopf vom Bock. Ebenso stehn ihre Krickeln mehr parallel zusammen auflaufend, whrend die Krickeln des Bocks gleich unten von der Wurzel aus etwas strker sind und sich ein wenig auseinander biegen. Allerdings nur schwache Unterscheidungszeichen in der Ferne. Links, dicht neben uns flattert etwas -- welch prchtiger gewandter Vogel sucht sich da sein Mahl an dem nackten Felsen? -- Es ist ein Alpenspecht, der mit den scharfen Klauen einkrallend in den Stein, die Flgel ausgespannt und wie zur Sttze an die Wand gestemmt, den Kopf zurckgebogen, auf und ab, bald rechts bald links hinberluft, und blitzschnell mit dem nur leicht gebogenen spitzen Schnabel in Ritz und Spalte fhrt, Kfer und kleineres Gewrm daraus hervorzuholen. Und welche Pracht in dem Gefieder. Der ganze kleine Bursch ist in seiner Haupt- und Grundfarbe schn stahlgrau mit schwarzem Kopf und dunklen Streifen auf Schwung- und Deckfedern, aber ber die zierlichen Flgel luft ein rosenrother Streif, in dem Grau verschmelzend, wie an den Schwingen des Weinvogels, jenes zierlichen Nachtfalters, und die kleinen schwarzen Augen schauen so scharf, so klug umher. Ist er so wenig furchtsam da er den, nur wenige Fu von ihm kauernden Jger gar nicht scheut? -- Ja, der rhrt und regt sich nicht, und sitzt da wie hineingewachsen in die Laatsche. Die erste Bewegung freilich -- was war das? -- Dort flattert auch schon der Alpenspecht zur Seite. Aber was kmmert uns jetzt der -- gerade da drben in der schmalen Klamm, die seit ab aus dem Walde niederfhrt, rollte ein Stein; dort unten springt er vor und da -- wieder der Stich in's Herz -- da drben auf der nchsten Felsenspitze, auf einem Raum den ich mit der Hand bedecken knnte, steht ein schwarzer etwa drei- oder vierjhriger Bock, den klugen Kopf mit dem weien Backenstreif nach unten gedreht, wo in diesem Augenblick ebenfalls eine Kitzgeis sichtbar wird. Wie krampfhaft fat die Hand den Bchsenkolben, sucht der Zeigefinger der rechten Hand den Drcker, der Daumen den Hahn. Geruschlos wird er gespannt, langsam durch keine rasche Bewegung den Blick des aufmerksamen Thieres hierherzulenken, hebt sich der Lauf und Korn und Visir zusammen. Pest! murmelt der Jger leise zwischen den zusammengebissenen Zhnen durch, und er hat Ursache, denn oben auf dem Lauf, gerade vorn auf dem Korn, von dem blitzenden Metallpunkt vielleicht angezogen, schaukelt sich ein kleiner zierlicher gelber Schmetterling, und will nicht wanken und weichen. Noch steht der Bock da drben und die Gemse unten interessirt ihn mehr als irgend ein Gerusch oder Luftzug der ihn von oben fortgescheucht. Mit unzerstrbarem Ernst schaut er nieder auf das spielende Kitz und die lauschende Geis. Langsam und vorsichtig hat der Jger inde die Bchse zurckgezogen, bis er mit dem Korn den nchsten Laatschenbschel erreichen kann. Der Schmetterling weicht den drohenden Stacheln des grnen Busches aus, und flattert thalauf, und wieder richtet sich das Rohr dem heiersehnten Ziele zu. [Illustration] Da -- hat sein Auge irgend einen verrtherischen rckschlagenden Sonnenstrahl von dem blanken Lauf gefat? -- wirft der gefhrdete Bock rasch den Kopf empor, und die klugen Augen haben im Nu den Ort der wirklichen Gefahr erkannt -- aber zu spt. Korn und Visir schmelzen gerade auf dem Blatt der wenig mehr als hundert zwanzig Schritt entfernten Beute zusammen; der Finger berhrt den Stecher und mit dem Schlag, noch whrend der Bock sich vorn niederlt, von seinem spitzen Stand hinabzusetzen, schlgt ihm die Kugel, schon etwas hoch, das Rckgrat ber dem Blatt entzwei. Vergebens sucht das Thier sich mit den scharfen Lufen in den abschssigen Boden einzukrallen, die Steine rollen unter ihm fort; halb fllt er, halb rutscht er nieder. Whrend ihm das Gerll polternd folgt und ber ihn wegspringend dem nchsten Abhang zu fliegt, erreicht er unten den ersten festen Halt -- Steinblcke, die Lawine oder Bergstrom da nieder geschmettert -- und sucht noch einmal dort sich aufzurichten. Vergebens; seine Kraft ist gelhmt, sein Lauf in diesen Bergen beendet, und whrend der rothe Schwei den Boden um ihn frbt, bricht er sthnend zusammen. Aber an ihm vorbei fliegt die Kitzgeis, den offenen Weg zur Flucht nach unten nicht bentzend. Zwar ist sie sicher vor des Schtzen Rohr, denn keine Kitzgeis wird in der cht weidmnnisch betriebenen Jagd geschossen, aber was scheucht sie denn auf einmal dort hinauf? -- Hat sich der Schall des Schusses in den Bergen, was oft geschieht, so gebrochen, da sie die Gefahr da unten whnt, whrend sie hier oben in der Nhe des Feindes droht? Oh nein -- das scheue Thier wei recht gut vor wem es flieht, denn ber die Steine unten, ber Gerll und Felsenblock hinwegspringend, so rasch fast wie der Bock selber frher sprang, der dort verendend liegt, kommt ein Jger herauf aus der steilen Schlucht. Den Bergsack auf dem Rcken, die Bchse ber der linken Schulter, den Bergstock zum Springen ber Spalte und Stein gebrauchend, wie der Rabe seiner Berge der den Geruch des Blutes wittert und mit raschem Flgelschlag schon nach dem Schu krchzend herbeistreicht, setzt der kleine gewandte Bursch heran. Im Nu hat er dabei die Stelle gefunden wo das, noch einmal wenn auch vergebens seine letzten Krfte anwendende Thier liegt. Bchse, Hut und Bergstock drckt er gleich darauf neben sich auf die Steine, das Messer fliegt aus der Scheide, und die sich krampfhaft streckende Beute sthnt unter dem Gnadensto. Aber zu gleicher Zeit fast greift die eine Hand auch nach dem _Bart_ des verendenden Bocks, zieht die langen, mit weier Spitze versehenen Rckenhaare[2] rasch und geschickt heraus, soweit sie sich zum Hutschmuck eben brauchen lassen, nimmt dann ein altes, schon mit frherem Schwei beflecktes Stck Papier aus der Tasche, wickelt sie da sorgfltig hinein und birgt das in seiner Brusttasche. Jetzt erst geht er an das Geschft des Aufbrechens, die Gemse dann spter in dem rasch abgeworfenen Bergsack mit hinaus aus dem Graben zu nehmen. [2]: Der Gemsbart sitzt dem Bock nicht etwa unter dem Kinn, sondern auf dem untern Theil des Rckens; an derselben Stelle, wo das Wildschwein die lngsten starren Borsten hat. [Illustration] Der Bursch da unten ist aber eine der interessantesten Persnlichkeiten unter smmtlichen Jgern. Klein und fast schmchtig von Gestalt, aber trotzdem von zhem, nervigem Krperbau, munkelt man da er frher, wie er jetzt Einer der besten, wenn nicht der beste Jger des Reviers ist, auch Einer der berchtigtsten Wildschtzen gewesen sei. Jedenfalls kommt ihm keiner der Uebrigen gleich im Fallenstellen fr alles mgliche Raubzeug, vom Jochgeier nieder bis zum kleinen Wiesel. Niemand lockt wie er Hasel-, Stein-, Schneehuhn und Birkwild, und fngt die Schnepfen und andere Strichvgel so geschickt in Schlingen. Auch Alles was man lebendig verlangt liefert er -- wohl nicht gleich, denn solch Ding erfordert Zeit -- aber _mit_ der Zeit gewi und sicher. [Illustration] Wenn man von oben die kleine unansehnliche Gestalt betrachtet, kommt's Einem auch wohl unwahrscheinlich vor, da das der grimmste und gefhrlichste Feind sein sollte, den die schlauen und scheuen Thiere der Wildni hier in den Bergen, in ihrem eigenen Reviere htten; so wie er aber den Kopf nur umdreht glaubt man's ihm. Der ganze Schnitt des Gesichts ist schon dem Adler gleich, das Auge nicht gro aber lebendig und rastlos, nicht einen Moment an ein und derselben Stelle haftend. Die Augenbrauen sind dabei hoch heraufgezogen, und wie durch das stete Horchen und Wachen so stehn geblieben. Der kleine Ragg, wie er zum Unterschied von seinem Vetter, dem _groen_ heit, sieht aus, als ob er nicht einmal im Schlaf die Augen schlsse. [Illustration: =Treiber an einer Wand.=] 5. Das Treiben am Joch. Mit dem Riegeln -- wie diese Art Treiben genannt wird -- ist's jetzt vorbei. Dort drben pfeift noch einmal eine Gems, die wahrscheinlich den Wind von einem der andern Treiber bekommen. Platz genug hat sie indessen zur Flucht, und bringt sich auch rasch in Sicherheit. Wieder hinauf klettern wir jetzt, von dem schmalen Steinkamm bis hinber zum Waldeshang, denn hinunter zur erlegten Gemse knnte wohl kaum eins der scheuen Thiere selbst, so schroff und jh luft da der Fels hinab. Ragg wird sie schon hinauf zum Sammelplatz schaffen. Aber auch selbst das Aufklettern geht nicht so rasch, denn bist Du ein einziges Mal durch die Laatschen _aufwrts_ gestiegen, Freund, dann weit Du auch was das Ding zu sagen hat. Die zhen elastischen Zweige liegen alle nach unten, eine Strecke erst am Boden oder einen Fu darber hinlaufend, und dann wieder in die Hhe biegend, da sie die Bschel an den Spitzen der Zweige gerade und aufrecht tragen. Ein in einander greifen sie dabei, und wenn auch die schlanke Gemse, die nur ihre Krickeln auf den Rcken zu legen hat, leicht hindurch schlpft, bleibt doch der Jger mit seiner Bchse ber der Schulter, mit dem Bergstock in der Hand, mit Hut und Rock und Riemen alle Augenblick darin hngen, und abzubrechen ist fast gar kein Zweig. -- Nur mit dem Messer gehauen oder eingeschnitten, knickt er augenblicklich ab. Noch schlimmer ist es dabei, wo drre Aeste mit dazwischen liegen; ein Durchkommen wird da fast zur Unmglichkeit, oder mu Zoll fr Zoll erzwungen werden. Und dennoch ist es, wenn nicht leichter, doch jedenfalls sicherer in den Laatschen auf, als abwrts zu klettern. Die zhen Bsche hngen ber alle Abgrnde weit hinaus, und wollte man rasch zwischen ihnen niedergleiten, da sich die weichen Zweige dem nach unten Hindurchdrngenden aus dem Wege biegen, wre man jedem Augenblick der Gefahr ausgesetzt ganz gemthlich vielleicht in eine fnf- bis sechshundert Fu tiefe Schlucht hineinzufahren. [Illustration] Als ich den Sammelplatz endlich erreichte hatten sich, den kleinen Ragg ausgenommen, der noch mit seinem Gemsbock irgendwo unten im Graben stak, schon smmtliche Treiber um den Herrn versammelt. Wie wundervoll die Wildni um uns liegt. Dort drben hebt der groe Falke sein riesiges Haupt empor, whrend die gewaltigen Tannen an dem gegenberliegenden Hang so niedrig aussehn wie kleine zierliche Bsche, und unter uns ghnt eine wilde Schlucht tief in den Graben nieder, der hier scharf und abschssig viel hundert Fu wohl jh hinunter sinkt. Auf einem Felsenvorsprung aber, der weit ber den dunklen Abgrund hinausragt, die Bchse ber der Schulter, den Bergstock in der Hand, steht unser Jagdherr, und neben ihm demonstrirend und erzhlend der groe Ragg, whrend sich Rainer etwas kleinlaut hinter diesen gedrckt hat. Die anderen drei Jger, von denen der eine den vom Herrn erlegten starken Bock im Bergsack trgt, stehen etwas weiter zurck. Und Ihr seht jetzt da ich recht hatte, sagt dieser; die drei starken Rudel die von unten kamen, haben alle mit einander gar nicht daran gedacht bis zu mir herauf zu klettern, sondern sind, wie sie das _jedesmal_ thun, seitwrts ausgebrochen. Haben _Sie_ etwas geschossen? Einen Bock-- Nun ja, ich auch einen, und die andern Freunde sind gar nicht zum Schu gekommen, whrend wenigstens vierzig Gemsen in dem Treiben waren. Rainer spricht kein Wort, Ragg hingegen, der ganz ungleich seinem Vetter nie eine Gelegenheit vorber gehn lt seine Meinung, lebhaft dabei gesticulirend, zu sagen, will sich auf eine nhere Beschreibung des Treibens einlassen -- es ist die Elster unter den Jgern. Diesmal aber wird er unterbrochen, das zweite Treiben rasch besprochen, und fort geht's wieder, die steilen Hhen hinan, ein Treiben an der Nordseite des Jochs, im sogenannten Ochsenthal zu machen, wo nur ein paar gezwungene Wechsel den Gemsen bleiben sich zu retten und die schtzenden Dickichte wieder zu erreichen. Ein wilder rauher Marsch war das jetzt den steilen Hang hinauf, bald in berbiegende Laatschen hinein, bald an steilem Felsgerll emporklimmend. Einer hinter dem Anderen her, oder seitwrts auch ausbiegend, einen bequemeren Aufweg zu finden. Der Stock ntzt dabei gar wenig, und ist oft nur im Weg; die Laatschenzweige sind dagegen treffliche Hlfen und oft, wenn ein lockerer Stein losbrckelt, schtzt die rasch ergriffene Laatsche den Steigenden vor einen bald mehr bald weniger gefhrlichen Fall. Unverdrossen aber, nur das eine Ziel, die Hhe im Auge, wird jede Schwierigkeit besiegt, und nach drei Viertelstunden schweren Steigens etwa haben wir endlich das ersehnte Joch erreicht. Bald ist hier Alles besprochen, die Schtzen sind vertheilt, die Treiber, die sich auf den kahlen Felsen an bestimmten Punkten nur zu zeigen, und ein paar Steine hinab zu werfen haben, sind abgegangen und Jeder hat sich, so gut das eben auf dem offenen Terrain gehen will, hinter irgend einen Felsblock, einen einzelnen Laatschenbusch, oder eine sonstige Erderhhung gedrckt. Da rasselt's da drben an der Wand, Steine rollen und kleine dunkle Punkte, nicht grer wie Ameisen, springen blitzschnell ber die lichten Wnde hin. Mit dem Fernrohr, nach Bchse und Bergstock das wichtigste Instrument fr dem Gemsenjger, suchen die Schtzen indessen das Terrain, das sie bersehn knnen, ab. -- Unerwartet kann ihnen berhaupt hier kein Wild kommen, denn der steinige, rauhe Boden verrth es schon aus grere Entfernung. Da drben ist ein dunkler Punkt an der nmlichen Wand ber der der erste Treiber sichtbar wurde -- richtig es ist ein alter Bock, der sich hier unter einen Felsvorsprung gestellt hat, nach unten hin aufmerksam die springenden Gemsen betrachtet, nach oben ganz erstaunt hinauf horcht, woher auf einmal all die groen dicken Steine kommen, von denen er freilich, g'rad wo er steht, wenig zu frchten hat. Dort und da wird es jetzt lebendig. Ueber den tiefen Thalgrund des weiten Felsenkessels springt das strkste Rudel grade dort hinauf, wo der frstliche Jger, die Bchse im Anschlag, fest hinter einen hohen Stein gedrckt steht. Nher und immer nher kommen sie hinan -- der Wind schlgt auf und sie wittern nicht die Gefahr der sie sich nahen. Prachtvoll sieht es dabei aus, wie die dunklen schlanken Thiere an den lichtgrauen Steinwnden hin und aufwrts setzen. Jetzt bleibt die Leitgeis auf einer vorspringenden Zacke mit dicht zusammen geschobenen Schaalen stehn und sichert umher. -- Aber nicht lange braucht sie nach der vermutheten Gefahr zu suchen -- der Treiber dort oben auf dem nackten Joch schwenkt den Hut nach ihnen hinber; seine ganze Gestalt zeichnet sich ihnen scharf und rein gegen den blauen Himmel ab, und fort strmen sie wieder, geschtzteren Platz zu erreichen und aus so gefhrlicher Nhe zu kommen -- die armen Dinger. Jetzt setzen sie die Schlucht hinauf an dessen oberem Ende der Jagdherr steht -- kaum fnfzig Schritt an ihm vorbei springt das Leitthier -- hlt einen Augenblick auf dem Kamm, sieht den neuen Feind, thut einen scharfen Pfiff und verschwindet an der andern Seite des Jochs. -- Und kein Schu? -- noch eine Gems und noch eine folgen ihr und jetzt -- eine kleine blaue Wolke steigt hinter dem Felsen auf -- jetzt noch eine, und zwei Gemsen sind schon lange zusammengeknickt und von der steilen Hhe niedergerollt, als der dumpfe Knall der Bchse sich erst donnernd an den Wnden bricht, und in das Thal seine Schallwellen niederwlzt. -- Wie die brigen Thiere stutzen und schrecken -- aber die Leitgeis ist voraus, der _mssen_ sie folgen, und nach drngt deshalb, trotz dem Schu, der ganze Trupp, nur einen scheuen Bogen um die gestrzten Kameraden beschreibend. Wieder steigt in zwei kurzen Sten der blaue drohende Dampf empor, und wieder taumelt eine Gemse. Wild vorbei strmen die entsetzten Thiere. Aber noch ist der Donner nicht verhallt als auf's Neue die tdtliche Kugel ihr Opfer sucht. Sechsmal hat es aus den drei Doppelbchsen gesprochen und drei Gemsen liegen verendet auf dem Platz und schwer verwundet schleppten sich zwei andere noch ber das Joch hinber, davon eine der Hund nach kurzer Suche in einem Laatschenbusche antrifft und niederreit. Die andere ward spter verendet gefunden. Die brigen Rudel brachen zwischen den Treibern durch, und nur der eine alte Bock war halsstarrig in seinem wohlversteckten Platz stehn geblieben, bis die Jger ihn lngst passirt hatten. Dann drehte er sich um und verschwand pltzlich in einer der zahlreichen Spalten, wie in die Wand hinein. Und nun der frhliche Heimzug von der Jagd! Rasch sammeln sich die Jger, guter Dinge da der mhselige Trieb gelungen; brechen das erlegte Wild auf, und werfen es aus, thun sorgfltig das gesammelte Feist wieder hinein, packen die Gemsen in ihre Bergscke, und heimwrts geht es jetzt, am Rcken des Jochs auf einem ziemlich guten Pirschweg hin. [Illustration] Ihr Tagewerk war aber auch kein leichtes, und wer ihnen zusieht wie sie an den steilen Wnden hinlaufen, oft ber Abgrnden hngen wo der geringste falsche Tritt sie rettungslos in die Tiefe schickte -- denn ein Anklammern wre da nicht mehr mglich -- wie sie jetzt im Schwei ihres Angesichts durch ein Laatschendickicht arbeiten, jetzt ber das Gerll einer Reien klettern und immer munter, immer vergngt dabei, der mu die Leute wahrlich bewundern. Und trotz den oft furchtbaren, jedenfalls hchst mhseligen Wegen die sie zu steigen haben, achten sie nicht blos auf ihren schmalen Pfad, nicht blos auf das Wild, das sie dort losgehen sollen, nein ihr Auge spht zugleich, sorglos um die Gefahr die sie umgiebt, nach dem sprlich, und nur an den wildesten rauhsten Stellen wachsenden Edelwei, nach einer einzelnen, vom Sommer brig gebliebenen Scabiosa, nach einem tiefblauen Enzian oder einer in dieser Jahreszeit sehr seltenen Alpenrose, mit diesen Blthen, neben Spielhahnfedern und Gemsbart ihren Hut zu schmcken. Der Bruch von einer Laatsche an Mtze oder Hut ist heute das Siegeszeichen der gelungenen Jagd, und das Behagen erreicht den hchsten Grad, wenn Abends die erlegten Gemsen am Pirschhaus oder der Almhtte mit den Krickeln oben am Dach eingehakt zur Zierde, als ebensoviel wohlerworbene Trophen hngen. [Illustration: =Die Berathung.=] [Illustration: =Nach dem Treiben.=] 6. Die Pirsche. So prachtvoll eine solche Treibjagd ist, besonders wenn man von irgend einer vorspringenden Stelle aus den grten Theil derselben mit dem darin aufgescheuchten Wilde bersehen kann, soviel interessanter ist die Pirsche. Bei dem Treiben ist der Jger vom Wild abhngig, ob es ihn gerade annehmen will, und darf seinen Stand nicht verlassen, den ganzen Bogen nicht zu stren. Bei der Pirsche sucht er selber das Wild auf, und es hngt dann, allerdings neben vielem Glck, doch auch viel von seiner eigenen Geschicklichkeit und Umsicht ab, ob er zum Schu kommen wird oder nicht. Hier in den Bergen ist die Pirsche freilich weit beschwerlicher, und in mancher Hinsicht auch gefhrlicher, als im Walde unten, denn die alten Gemsbcke suchen sich am allerliebsten die rauhsten Wnde in den Klammen aus, in die sie sich hineinstellen, und von wo aus sie eine weite Strecke berschauen knnen -- und dort mu sie der Jger finden und beschleichen. Fr den Wildstand selber ist aber, besonders wenn eine gewisse Anzahl Gemsen abgeschossen werden soll, das Treiben weit besser als das ftere Pirschen. Beim Treiben wird ein Revier einmal durchgegangen, und hat dann Ruhe -- kehrt die aufgescheuchte Gemse nach einigen Tagen auf ihren Stand zurck, so findet sie denselben gewohnten Frieden und bleibt. Wird dagegen oft durch ein und denselben Platz gepirscht, so verjagt der Jger, wenn er selber auch vielleicht gar Nichts oder nur wenige Stck zu sehn bekommt, und scheinbar ganz unbemerkt den Berg durchschlichen hat, doch viel Wild. Was den Wind von ihm bekommt flieht fast noch ngstlicher, als was ihn selber sieht, und einen schrferen Geruchssinn als die Gemse, hat wohl kein Sugethier weiter auf Erden, mge es, welcher Gattung es wolle angehren. Beim Pirschen hngt das Meiste davon ab frh aufzubrechen. Die Gemse, ziemlich wie anderes Wild, st sich Morgens von Tagesanbruch bis etwa um acht oder neun Uhr, und thut sich dann bis ziemlich genau um zwei Uhr nieder. Zu dieser Zeit steht sie wieder auf, beginnt aber erst gegen Abend recht lebendig zu werden. In der Brunftzeit, die bei kalter Witterung schon gegen Ende Oktober, bei warmer erst mit dem Monat November beginnt, luft der Bock allerdings den ganzen Tag herum, st sich dann aber nur sehr wenig und pat auerordentlich auf. Beim Pirschen ist es nun allerdings stets und unter jeder Bedingung am besten, _ganz_ allein zu sein. _Ein_ Mann macht schon berdies beim Anschleichen Gerusch genug, und zwei verderben oft die Jagd. In den Alpen aber und auf vollkommen fremdem Revier, noch dazu fr den Fall da etwas erlegt oder angeschossen wird, bleibt ein Begleiter ein nothwendiges Uebel. -- Und doch ist es auch wieder eine eigene Lust mit einem solchen Tyroler Gemsjger im stillen Wald, in den wilden Bergen pirschen zu gehen. Diese vor allen anderen sind auch die einzigen und chten deutschen Indianer, -- nur da sie Schuh und Kleider tragen. Abgehrtet gegen Frost und Hitze, wie nur ein Wilder sein kann, mig in ihrer Lebensart bis zum Aeuersten, einfach in ihren Sitten, leidenschaftlich ihrer Jagd ergeben und darin Meister -- was um Gottes Willen knnte man von einem wirklichen Indianer mehr verlangen. Auch ihre Farbe ist nicht viel, wenn berhaupt, lichter, als die einiger Stmme der Sdsee, und was ihre Sinne betrifft, so haben sie jene Wilden schwerlich schrfer. Nur im Anschleichen knnten sie von ihnen lernen. Wie der Pfeil vom Bogen, und dabei geruschlos wie die Nachteule auf ihre Beute stt, gleitet der Indianer, jeden nur irgend mglichen Vortheil des Terrains benutzend ber den Boden hin. Der Bergbewohner ist plumper -- er tritt fester auf und sein Schritt, auch wenn er sich noch so viele Mhe giebt leise zu gehen, ist dennoch schwer. Natrlich tragen da die schweren, eisenbeschlagenen Schuhe das Ihrige dazu bei. Aber eine Wonne ist es, zu sehn wie so ein Gemsjger den Wind nimmt, wie sein Blick gleichzeitig ber jede Ble an den Hngen als auch ber den Boden schweift die Fhrten zu beachten; mit welcher Aufmerksamkeit er dabei jedem Gerusch horcht und wie er, mit einem Worte, so ganz Jger ist. Jede Bewegung an ihm ist Natur, und wie der Adler oben in seinem Element auf ruhendem Fittig kreist, wie der Fisch im Wasser schwimmt, wie das Reh zierlich und leicht durch den Wald tritt, so leicht und unbehindert, so ganz in _ihrem_ Element, steigen dieses Kinder der Berge Fels auf und ab, ber schrg wegsinkende Lannen, ber brckelndes Gestein, immer mehr um sich nach Wild, als auf ihren gefhrlichen Pfad schauend. Aber jetzt fort, drben die hohen Joche, wenn auch im Thal unten noch dunkle Nacht liegt, zeigen schon den dmmernden Morgen, und kalt und frostig zieht uns der erste Sonnengru durch die Glieder. -- Sonderbar ist es in der Natur, da _vor_ dem warmen Licht der Sonne die Luft erst noch einmal recht kalt, da vor dem dmmernden Tag die Nacht erst noch einmal _recht_ dunkel wird. Unseren Pfad knnen wir jedoch schon erkennen -- ein guter Pirschsteig luft am Hange hin, und gerade mit Bchsenlicht kommen wir dann an die besten Stellen im Revier -- _zu_ frh kann man da fast gar nicht aufbrechen. Mein Begleiter ist diesmal -- den ich schon frher erwhnt habe -- die Elster unter den Jgern: der groe Ragg. -- Er spricht allerdings viel -- wenn man ihn lt; aber was sein Handwerk angeht, wird er darin vielleicht nur von seinem Vetter bertroffen. Wo brigens nicht gesprochen werden darf, wei er auch recht gut zu schweigen und vielleicht nur in dem ernsten stillen Wesen der brigen Bergjger scheint das bei ihm Schwatzhaftigkeit, was man im flachen Lande gar nicht bemerken wrde. Die Berge sind in der That nicht der Ort zum Sprechen. Die stille Ruhe um uns her fordert zu gleichem Schweigen auf, und jedes, selbst geflsterte Wort, scheint den heiligen Frieden dieser Wildni zu stren. [Illustration] Und hier ist wirklich noch _Wildni_, denn _Urwald_ umgiebt uns in all seiner einsamen Pracht. Kein Holz wird hier geschlagen; der alte morsche Baum bricht ber seiner Wurzel zusammen und fault wo er gewachsen und gestanden. Wo der Fhn oftmals ganze Strecken dieser vielarmigen Waldriesen niedergestreut, liegen sie toll und bunt ber einander hin geset, und was eben wachsen will und kann, bricht sich zwischen ihnen hinaus die junge Bahn. Aber der umgestrzte Baum hat fr uns in diesem Augenblick nur insofern Interesse, als er mit seinem dichten Wipfel vielleicht eine sich dahinter sende Gemse deckt. -- Jeder Stein wird mistrauisch betrachtet, jedes raschelnde Laub bannt den Horchenden an die Stelle, und erst dann schleicht er weiter, wenn er sich berzeugt hat da kein Wild Ursache des Gerusches war. Wie ein paar Verbrecher, mit dem erbrmlichsten Gewissen von der Welt, vor jedem fallenden Blatt erschreckend, vorsichtig und ngstlich nach dem geringsten fremden Ton hinber horchend, schleichen wir so dahin -- langsam mit dem umgedrehten Bergstock nieder fhlend, da er keinen unzeitigen Lrm mache, sorgfltig den eisenbeschlagenen Schuh auf das Gerll im Pfad niedersetzend und jeden drren Zweig, jedes gelbe Blatt dabei vermeidend -- sind es doch lauter Verrther, und nur zu rasch geneigt ihren alten Bekannten und Freunden, dem scheuen Wild, Nachricht zu geben da Jemand naht, der da nicht hingehrt. So ein drrer Zweig ist auch wirklich oftmals schlimmer als ein Telegraphendraht. Er knickt unter dem ungeschickten Fu -- der Jger bleibt erschrocken stehn und wagt sich nicht zu rhren -- aber das Unglck ist schon geschehn. Ein Alt-Thier vielleicht, mit dem man gar nichts zu thun haben will, das aber hinter einem Dickicht irgendwo gestanden, hrt das fatale Gerusch und wird aufmerksam. Sehn kann es dabei Nichts, aber der Verdacht ist einmal gefat -- vielleicht trgt gerade jetzt auch ein sehr unntzer Windzug die Witterung dort hinber, und schreckend, mit Tnen die man ber eine halbe Stunde weit hrt, setzt es den steilen Hang hinab, und macht den ganzen weiten Berg rege. An Pirschen ist in _der_ Gegend dann weiter gar nicht zu denken. Aber wir ziehen vorwrts. -- Da drben zeigen sich die nackten Felsen einer weitausgebrochenen Klamm, und dort stellen sich die Gemsen am liebsten ein. Zwischen dem Gerll wchst sprliches, aber sehr ses Gras, und ziemlich offenen Raum haben sie zugleich, nach oben und unten auszuschauen. Besonders sind diese Klammen ein Lieblingsplatz der alten Bcke, und denen stellt man ja auch vor Allen nach. Hier ist aber eine Hauptsache der _Wind_. Wenn dieser auf jeder Jagd eine sehr bedeutende Rolle spielt, und bei Treibjagen wie Pirsche stets darauf Rcksicht genommen werden mu, da man das Wild _mit_ dem Wind nun einmal nicht beschleichen _kann_, so ist das noch viel mehr auf der Gemsjagd der Fall. Man hat es hier nmlich nicht allein mit einem Wild zu thun, dem an Geruchssinn kein anderes gleich kommt, sondern die Gebirge selber haben in ihren Luftstrmungen so viele Eigenheiten, da der mit ihnen nicht betraute Jger nur wirklich zufllig einmal ein Stck zum Schu bekommen wrde. Ziemlich regelmige Luftstrmungen sind thalauf und thalab, Seitenwinde finden fast nie, oder nur hchst selten statt. Im Schatten zieht dabei der Wind stets _nieder_; in der Sonne _auf_wrts, und zwar aus sehr natrlichen Grnden: die von der Sonne erwrmte Luft strebt nach oben, die kltere drngt sich ins Thal hinab. Ehe die Sonne ber die Berge steigt, und auf den Hngen, die sie nicht bestreicht, oder nicht erreicht hat, zieht deshalb die Luft stets bergab, und oben an einem Joch hingehend, wrde man wenig oder gar Nichts zu Schu bekommen. Man mu sich deshalb tiefer halten, nach aufwrts sehn zu knnen, und was oben steht, kann man dann auch leicht beschleichen -- ist wenigstens sicher da man den Wind von dort herunter bekommt. Steigt dann die Sonne, nimmt man den Rckweg oben hin, und hat denselben Vortheil wie vorher. Beim Treiben lt sich diese Eigenschaft besonders gut benutzen, da man im Stande ist sich den Wind auszusuchen, je nachdem man in eine khle schattige Schlucht, oder auf den sonnenbeschienenen Rcken irgend eines Felsens tritt. Da es noch frh am Morgen und khl und frisch war, wo der Wind natrlich scharf nach unten zog, hielten wir uns ziemlich tief, verlieen, sobald es nur ordentlich hell im Wald geworden, den Pirschpfad und kletterten vorsichtig den grasigen mit Kiefern und Krummfhren berwachsenen Hang hinab. Wie das so still im Walde war -- weit von drben herber, von der andern Seite des Rithales klang der tiefe Schrei eines Brunfthirsches her -- sonst fast kein Laut. -- Doch halt ja -- dort oben wo jene schmale Felsenwand so hoch emporstieg und mit ihren grauen Seiten durch die Bume schimmert, balzte ein Birk- oder Spielhahn mit weichen, melodischen Kullern -- aber die Jger hren das zu dieser Jahreszeit nicht gern, denn es soll schlechtes Wetter deuten. Jetzt haben wir beinah die Klamm erreicht, Ragg wird immer ngstlicher im Gehen, und jeder Schritt weiter zeigt auch schon mehr und mehr die helleren Felsen, die bereinander geschichtet und aus gewaltigen Blcken bestehend, bis fast oben unter das Joch hinauf ragen. Lngst schon haben wir den Pirschweg verlassen, und steigen lautlos nebeneinander hin, Jeder vollauf damit beschftigt den Ort auszusuchen wohin er den Fu geruschlos setzen kann, und hat er den gefunden, einen raschen forschenden Blick umher zu werfen. Da pltzlich packt er meinen linken Arm und die vorsichtig und langsam ausgestreckte Hand deutet nach vorn. Der Richtung zu liegt dort ein dichter Laatschenbusch und der eine Zweig -- wahrhaftig da drin steht irgend ein Stck Wild, was es auch sei -- der eine Zweig bewegte sich, als ob irgend etwas Schweres dagegen drckte. _Was_ fr Wild, war natrlich noch nicht zu erkennen. Leider lag der Busch etwas unter uns, und links abbiegend, von unten herauf dahin zu kommen, krochen wir jetzt mehr als wir gingen der Stelle zu. Die Gegend dort war wie gemacht zum Anpirschen, und lockere Felsblcke, und umgestrzte, halb verdorrte Stmme bildeten ebensoviele Schutzwehren fr den anschleichenden Jger. Vorsichtig benutzte ich auch das Terrain nach besten Krften, und leise, nachdem ich vielleicht zwanzig Schritt auf den Knieen gekrochen war einen schrg auflaufenden Fels zu erreichen, hob ich langsam den Kopf und sah hinber. Mord! war der mehr gedachte als gemurmelte Fluch, als ich mich pltzlich einem starken Spiehirsch auf kaum vierzig Schritte gegenber sah, der sich hier so ruhig ste, als ob nicht ein scharfgeladenes Rohr hinter dem nchsten Steine lauerte, und sein leckeres Mahl htte bs versalzen knnen. Aber Hirsche wurden natrlich in dieser Jahreszeit nicht geschossen und der brigens ziemlich stark und feist aussehende Bursche htte uns die ganze Jagd verderben knnen. Vorsichtig vor allen Dingen wieder hinter meinen Stein zurckkriechend, telegraphirte ich dem mir aufmerksam zuschauenden Ragg die unangenehme Botschaft hinunter, und dieser kam jetzt langsam heraufgeschlichen. -- Was nun thun? Zeigten wir uns, so brach der derbe Bursche hier ganz in der Nhe der Klamm durch das Dickicht, und wenn er nicht einmal schreckte, warnte er doch jedenfalls alle dort herum stehenden Gemsen, und verdarb uns die Jagd. Es blieb uns nichts anders brig als ihm aus dem Weg zu gehn, und mit einer Aufmerksamkeit und zarten Rcksicht fr seine Ruhe und ungestrte Mahlzeit die ihn htte innig rhren mssen, wenn es ihm nur verstattet gewesen wre uns zu beobachten, krochen wir jetzt zurck wie wir hinaufgeschlichen, tiefer hinab ihm aus den Weg zu kommen. [Illustration] Das gelang auch vollkommen und etwa vier- oder fnfhundert Schritt tiefer unten nherten wir uns endlich dem wirklichen Rand der Klamm, der gerade an dieser Stelle von einem mit Laatschen bewachsenen Felsenvorsprung berhangen wurde. Zum Abugen gab es keinen bessern Platz, und vorsichtig krochen wir, die Hte und Stcke abgelegt, ich nur mit der Bchse im Anschlag hinaus, die untere Schlucht von hier zu bersehen. Dort stand ein Bock -- da drben an der Wand, gleich unter ein paar kleinen mit gelbem Laub noch sprlich bedeckten Espen. Das wenige Gras absend, das in der Spitze von zwei dort von verschiedenen Seiten niederspringenden Bchen wuchs, ging er langsam umher, vorsichtig dabei oben hinauf windend, und den Blick zugleich, mit dem halb schrg gedrehten Kopf, nach der Tiefe drehend. Aber er schien das mehr aus alter Gewohnheit zu thun, als da er wirklich eine Gefahr gefrchtet htte. Der Morgen war so still, die Schlucht lag so ruhig, und so lange hatte Nichts den Frieden hier gestrt -- armer Bock -- es geht uns Menschen eben so. Die Gefahr naht gerade da am liebsten, wo wir sie am allerwenigsten erwarten, und gut fr uns dann, wenn sie uns gerstet findet. Unser Schlachtplan war bald entworfen. Ragg wollte zwar gern, wie es gewhnlich die Jger in den Bergen thun wenn zwei zusammen pirschen gehn, mich hinunter auf den Wechsel schicken, und dann selber oben hinum schleichen und dem Bock in den Wind kommen, oder sich auch zeigen, wodurch er ihn mir dann vielleicht hinunter getrieben htte. Durch das Anpirschen an den verwnschten Spieer war aber schon ein guter Theil des Morgens verloren gegangen, und da er einen tchtigen Umweg htte machen, und ich selber an die andere Seite der Klamm hinber klettern mssen, an der der Wechsel lag, blieb es immer die Frage, ob wir nicht doch zu spt kommen wrden. Ueberdies ste sich der Bock gegen den Wind hinauf. So beschlo ich denn mein Glck mit Anschleichen zu versuchen und rasch zogen wir uns jetzt von unserem Ausguck zurck, unterhalb desselben eine gedeckte Stelle zu finden an der ich in die schroffe Klamm hinabsteigen konnte. Das gab ein bs Stck Arbeit. Durch einen ziemlich weit hineinragenden Vorsprung gleich unterhalb verdeckt, war allerdings hier keine Gefahr da uns der Bock htte sehn knnen, und den Wind bekam er eben so wenig, denn der wehte noch scharf und stt die Klamm nieder, aber wie an einer Wand ging es hinab, und mit der Bchse auf dem Rcken, die den Ungebten oft im Klettern hindert, war die Sache doch viel leichter berathen als ausgefhrt. Ueberdem steigt es sich zehnmal besser bergauf, als in die Tiefe nieder. Aber dort stand der Bock und hinunter mute ich; so die Zhne zusammen beiend und den Bergstock, als treuen Helfer fest in den steinigen, mit lockerem Gerll bedeckten Boden stemmend, ging die Fahrt zu Thal. Manchmal lste sich, trotz aller Vorsicht, ein kleiner Stein, und rollte polternd in die Tiefe, aber theils waren wir noch zu weit von der Gemse entfernt, theils achten auch die Thiere auf _dies_ Gerusch, das sie in den Bergen gewohnt sind, nicht sonderlich viel. Fortwhrend lsen sich in diesen steilen Hngen, besonders nach feuchtem Wetter, kleine und grere Steine los, und auf den greren Reien klappern sie fast ununterbrochen fort. Hier nun eine Laatsche ergreifend, mit Hlfe ihrer zhen Zweige ein Stck hinab zu kommen, dort mit dem eingestemmten Stock niederrutschend und jeden vorspringenden Stein aufmerksam benutzend, den Fu darauf zu ruhen, kamen wir endlich glcklich unten an. Ob der Bock freilich noch oben stand oder nicht, lie sich von da aus nicht mehr erkennen. Da er sich aber dicht an dem sprudelnden Bach gest, wo das Gerusch des Wassers schon selber Vieles bertubt, hatten wir die Hoffnung da er unsere Niederfahrt nicht gehrt, und folgten nun selber dem Bach rascher und zuversichtlicher aufwrts. So leicht und glatt jedoch dieser Theil des Weges von oben ausgesehn hatte, so schwierig fanden wir ihn hier. Riesige Felsblcke lagen berall umher zerstreut, und hie und da schlossen die Wnde diese so eng ein, da sich das Wasser ber sie hin den Weg bahnte -- und diesem schlpfrigen Pfad muten wir folgen. Was that's -- wenn nur der Fu und Bergstock sich da einklammern konnte, die Nsse kmmerte uns Nichts, und mhselig aber doch ziemlich rasch arbeiteten wir uns aufwrts. Dort stehn die Espen, flsterte mir da mein Begleiter zu; und schon konnten wir die Wipfel der beiden kleinen Bume, dicht ber denen wir den Bock zuletzt gesehn, auf ungefhr zweihundert Schritt Entfernung erkennen. Wie mir das Herz da an zu klopfen fing -- wie der Athem so schwer wurde -- aber vorwrts. Jeder Augenblick nutzlosen Sumens konnte uns das Wild verlieren lassen, und der ganze mhselige Weg wre umsonst gewesen. [Illustration] Hier lief die Schlucht auf kurze Strecke glatt und gerade aus, und gleich darber zog sich ein kleiner, sprlich mit Laatschen und Erlen bewachsener Hang empor. Dem muten wir folgen. Der Boden war auch weich hier und zum Anpirschen trefflich, und von dem oberen Theil des Hangs blieb hchstens noch eine Strecke von etwa sechzig Schritt bis zu den Espen. In wenigen Minuten war die zurckgelegt.-- Jetzt hatte ich den hchsten Punkt erreicht -- ein paar Felsblcke dicht vor mir sperrten noch die Aussicht auf den kleinen Grasfleck auf dem der Bock stehen mute, wenn er nicht schon vorher das Weite gesucht; aber zu ihnen anpirschend brachten sie mich ihm auch soviel nher. -- Mir war dabei zu Muthe, als ob mir Jemand die Kehle mit Gewalt zuschnre; ich konnte keine Luft bekommen und drckte mich hinter dem einen Felsen nieder, erst wieder ruhig zu werden. Ragg sah aber die Bewegung, und als ich den Kopf nach ihm umdrehte geberdete er sich, ohne jedoch den geringsten Laut von sich zu geben, wie ein Rasender. Vorsichtig auf den Boden niedergedrckt, gesticulirte er nmlich mit beiden Armen auf alle mgliche Art und Weise da ich schieen solle; er hatte jedenfalls den Bock gesehn. -- Zeit war auch in der That nicht mehr zu verlieren, und die Zhne aufeinander beiend, spannte ich rasch und geruschlos die Bchse, nahm sie in Anschlag und -- da prasselte und polterte es in den Steinen, der Bock ging flchtig, und wie ich jetzt mit einem verzweifelten Satz hinter dem mich bergenden Steine vorsprang, sah ich eben noch, wie einen Schatten, den schwarzen Krper des Wildes im Laatschendickicht verschwinden. Jesus Maria und Joseph! hrte ich hinter mir die verzweifelte Stimme meines Begleiters, aber ohne mich nach ihm umzusehn, bersprang ich rasch den kleinen Grasfleck, von dort aus vielleicht den Bock noch irgendwo an der Wand, wenn auch flchtig, erkennen zu knnen. So rasch vermochte er doch nicht daran hinauf zu laufen, da ihn die Kugel nicht noch erreicht htte. Da brckelte gerad' ber mir ein Stein, und wie ich aufschaute sah ich den Bock der eben an der Spitze einer niederlaufenden Laatschenzunge einen kleinen Vorsprung erreicht, dort einen Augenblick hielt und seinen scharfen warnenden Pfiff ausstie. Gerade als er sich wandte, mit einem Satz das schtzende Laatschendickicht, das ihn jeder weiteren Verfolgung entzogen htte, zu gewinnen, schickte ich ihm meine Kugel hinauf. Als sich der Rauch verzog, war er verschwunden. Den haben Sie heilig gefehlt! schrie aber jetzt der herbeispringende Ragg, und machte Bewegungen dabei als ob er sich nur erst geschwind die Arme ausrenken wollte, ehe er aus der Haut fhre. Ich hatte zu rasch gezielt meiner Sache ganz sicher zu sein, und mochte wohl etwas kleinlaut aussehn. Aber um Gottes Willen, haben Sie ihn denn nicht gesehn, wie er da hinter dem Steine stand? -- breit -- _so_ Sie htten ihn mit einem Stein todtwerfen knnen. Aber ich stak ja auch hinter den Steinen, Ragg, und konnte ihn von dort aus nicht sehn. O Jesus, o Jesus! lamentirte der Jger und schlenkerte den Kopf herber und hinber. Der scharfe Pfiff einer Gemse, oben aus den Laatschen antwortete ihm. Na ja, da geht er hin -- dem thut kein Haar weh! Aber wollen wir nicht einmal auf den Anschu sehn? Ich _mu_ ihn getroffen haben. Ragg erwiederte Nichts, seufzte nur tief auf, drckte den Hut -- den er abgenommen hatte sich bequemer kratzen zu knnen -- wieder auf den Kopf, warf sich die Bchse um und stieg mit einer Miene die steile Wand hinauf, als ob er htte sagen wollen: -- Na ja, nachsehn mu ich, das ist meine Schuldigkeit, aber die Gemse die ich da oben finde, fre ich mit Haut und Haar. Und soll ich nicht mitgehn, Ragg? Er schttelte mit der Hand -- das gewhnliche Zeichen fr _nein_ unter den Jgern und setzte dann, sich halb umdrehend hinzu -- es geht sich hier nicht besonders bequem, und wir mssen doch nachher an die andere Seite der Klamm hinber.-- Es geht sich hier nicht besonders bequem, -- es war eine vllig senkrechte, etwa sieben Fu hohe Wand, an der er sich nur mit Hlfe einiger kleiner Laatschenbsche hinaufarbeitete. Ueber dieser hatte er aber etwas bequemere Bahn, und whrend ich ihm von unten zusah, und meine Bchse dabei wieder lud, erreichte er den Platz auf dem die Gemse, als ich feuerte gehalten. Er blieb oben aufrecht stehn, und sah sich rings am Boden um. [Illustration] Ein klein wenig mehr links, Ragg! Das fatale Schtteln mit der Hand war die einzige Antwort. _Gefehlt!_ es war wirklich zum aus der Haut fahren, und _damit_ die ganze schne Morgenpirsche verdorben, denn hier in der Klamm war nun Nichts mehr zu machen. Pltzlich bog er sich auf den Boden nieder und hob ein Blatt auf, das er genau besah, und mit dem Finger abwischte. Um mein Leben gern htt' ich gerufen Schwei? -- aber ich frchtete das nichtswrdige Handschtteln. In dem Augenblick war Ragg auch in den Laatschen verschwunden, und in peinlicher Ungewiheit blieb ich in der Klamm zurck. Da brckelte weiter oben ein Stein. -- Etwa hundert Schritt hher die Klamm hinauf, wo sich ein Arm derselben rechts ab und in das Joch hineinzog, war ein anderer kahler Vorsprung -- dort hing Ragg am oberen Rande und schwenkte den Hut. Der Bock? Hier liegt er! Wie ich die Wand hinaufgekommen bin wei ich heute noch nicht, aber oben war ich, und dort lag der Bock -- ein prchtiger starker, etwa vierjhriger Bursche, gerade auf's Blatt geschossen -- aber _ohne_ Bart. Die langen Rckenhaare schienen gnzlich zu fehlen. Freilich auf sehr natrliche Art, denn Ragg hatte sie schon, wie sein Vetter frher, in Papier gewickelt in der Tasche -- mute sie indessen ebenfalls wieder herausgeben. Den Bock schafften wir jetzt zusammen zum Wasser hinunter, hingen ihn dort mit den Krickeln an einen niedergebogenen Erlenbusch, und waideten ihn aus. Ragg schnrte ihn dann in seinen Bergsack, und still dabei vor sich hinlachend da wir ihn doch erwischt -- denn die Jger setzen einen Stolz darein, wenn sie mit Jemand pirschen gehn ihn auch zum Schu zu bringen -- kletterten wir auf der anderen Seite der Klamm hinaus, nach einer Nachbarschlucht hinberzuhalten, und dort unser Glck noch einmal zu versuchen. Ragg schwamm jetzt in seinem Element und erzhlte eine Jagdanekdote nach der andern: wie er mit dem und jenem Herrn gepirscht wre und das und das erlebt, und wenn ich ihn bat ruhig zu sein, da wir hier doch vielleicht Gemsen antreffen knnten, beruhigte er sich stets mit einem zuversichtlichen -- ah, hier ist Nichts. Die Folge davon war da uns bald darauf wieder ein einzelner Bock anpfiff, und den Hang hinauffloh. Auf etwa fnf Minuten brachte ihn das zum Schweigen, dann aber fing er von vorne an, und lie sich auch nicht wieder irre machen. Einmal ber das andere lobte er aber dabei meine Fertigkeit im Steigen -- die gewhnliche Bergschmeichelei. Wenn ein Schtz aus dem flachen Lande mit einem Bergjger zusammengeht, und nur einigermaen vom Fleck kommt, macht ihm schon der Mann die grten Elogen was er fr ein vortrefflicher Steiger sei, und denkt sich dabei: na Du solltest einmal mit mir da und dort hin gehn, da wrdest Du schn hngen bleiben. -- Es ist das gewissermaen ihr Kleingeld im Verkehr mit der Civilisation, mit dem sie sich Cigarren und Guldenstcke eintauschen. Ich will ihnen aber auch nicht Unrecht thun; bei Manchen mag es wirklich Ernst sein, und sie haben sich die flachen Landbewohner so steif und ungeschickt gedacht, da sie schon auf's Aeuerste erstaunt sind wenn sie auer den Pirschpfaden nur mit fortkommen und deshalb rechnen sie ihnen das geringste Auergewhnliche vielleicht schon so hoch an. Und ich dachte heilig Sie htten ihn gefehlt, wiederholte er wieder und wieder. -- Er sprang mir gar so geschwind in die Laatschen hinein. Es wr' aber eine Schand gewesen, wenn wir _den_ Bock nicht gekriegt htten. Seine Last im Bergsack schien ihn nicht im Geringsten zu stren, und rasch und munter, viel zu rasch und munter fr einen Pirschgang, schritten wir vorwrts bis zur nchsten Klamm. Die Sonne war indessen hher gestiegen und warf auf die ziemlich dnn bewachsene Seitenwand des Berges ihren vollen Strahl. Wir hatten uns auch die letzte Stunde hher und hher hinaufgehalten, den Vortheil des jetzt aufziehenden Windes zu haben. So erreichten wir den oberen Theil der Nachbarschlucht, und mit ihr den Pirschweg wieder, der drben hinlief, postirten uns gedeckt an den Rand und ugten mit unseren Glsern den inneren Theil der Klamm sorgfltig ab. Ragg hatte aufmerksam den unteren Theil abgesucht aber Nichts gefunden, als ich zufllig gerade hinunter schaute und dort, etwa sechshundert Schritt unter uns, einen alten Bock mitten in der Wand stehen sah, der hier schon heraufgestiegen schien seine Siesta nach eingenommenem Mahl zu halten. Ein Wink gengte fr den Jger, und wir Beide beobachteten jetzt aufmerksam den alten Burschen, der gar so ernst und ehrbar den wei gestreiften Kopf nach rechts und links und in die Tiefe drehte, nur nicht ein einziges Mal nach oben blickte. Ragg war mit seinem Plan bald fertig. Wenn wir Zeit htten, sagte er, nach seiner dicken silbernen Taschenuhr sehend, so blieben wir hier ruhig bis um zwei Uhr liegen. Der Bock thut sich jetzt nieder und steht bis dahin wieder auf, wo er dann leicht berredet werden knnte hier herauf zu kommen. Wenn wir aber um vier Uhr in der Ri sein wollen, mssen wir frher Anstalt machen. Erst knnen wir indessen abwarten was er vor hat; ob er da gedenkt sitzen zu bleiben, oder nicht. Ohne Weiteres warf er jetzt seinen Bergsack mit dem Bock zu Boden, seinen Hut und sich selbst daneben und holte aus der Tasche das mitgenommene Frhstck hervor, die Zeit die uns hier blieb, wenigstens so zweckmig als mglich zu verwenden. Ich folgte seinem Beispiel. 7. Ragg's Erzhlung vom Wilderer. Sehn Sie die Laatsche da drben? nahm da Ragg das Gesprch, das aber jetzt mit unterdrckter Stimme gefhrt wurde, wieder auf -- gleich die da drben; die, wo das Dickicht bis zum Abgrund hinluft, hinber hngt? Ja, Ragg -- aber ich kann da drben Nichts erkennen. Ist auch _jetzt_ nichts mehr da zu sehn sagte er, leise dabei vor sich hin lachend, fnf Jahre sind's aber jetzt, da hat die eine Laatsche, die dort ber die steile Wand hinber hngt, einem Malefizkerl von Wilderer einmal einen groen Gefallen gethan. Einem Wilderer? Ich und der Wastel erzhlte Ragg jetzt weiter, nachdem er erst noch einmal einen vorsichtigen Blick nach unten geworfen, ob der Bock noch dastnde, waren drben am Scharfreuter gewesen, und an der Grenze hingegangen, theils zu sehn ob das Wild dort viel herber wechsele, theils auch umzuschauen ob wir keine fremde Fhrten finden knnten, denn da hier Wilddiebe von Baiern herber kmen hatten wir schon gehrt. Den Morgen um neun Uhr etwa war ein leichter Schnee gefallen, und es schneite noch in dnnen, einzelnen Flocken, als wir oben an der Luderstauden, gerade wo die oberste Klamm gegen das Joch vorluft, eine ganz frische Mannsfhrte fanden, die keiner von uns kannte. Das konnte niemand anders als ein Wilderer sein, und whrend Einer die Fhrte hielt, whrend der Andere scharf umher schaute, ob er den Burschen nicht vielleicht so, aus freier Hand entdeckte, folgten wir so rasch und leise wir konnten. Das ging nun allerdings gut, so lange wir oben am Joch blieben, denn dort lag wenigstens Schnee genug zum Spren, der Malefizkerl hatte das aber auch wohl bedacht und war in eine der nchsten Klammen hinein, und Gott wei wie darin herum gestiegen, so da wir auf den kahlen Steinen zuletzt die Spur verloren, und nun nicht wuten wo er geblieben war. Wastel wollte nun zwar wir sollten uns trennen und nach verschiedenen Seiten suchen. Hatte er sich aber irgend wo eingedrckt und sah uns anpirschen, so wre ein Einzelner verloren gewesen; auf zwei schieen die Schufte aber nicht so gleich. Hanthiert nur nicht so mit den Hnden, Ragg, Ihr liegt berhaupt zu nah an der Wand, und wenn der Bock einmal den Kopf hier herauf dreht, mu er ja die helle Hand in der Sonne herum fahren sehn. Der steht noch baumfest erwiederte der Jger, indem er einen Blick hinunter warf, und dann einen halben Schritt von dem Rand des Hanges wegrutschte. Und der Wilddieb? Warten Sie nur -- die Fhrten nahmen im Ganzen die Richtung nach dem Leckbach zu. Wastel glaubte nun freilich nicht da er sich soweit von der Grenze weggemacht htte. Das blieb sich aber ganz gleich, Grenze oder nicht, denn drben auf kniglichem Gebiet hatte er jedenfalls eben so wenig Recht zu jagen wie hier, und erwischten ihn _die_ Jger, so ging's ihm nicht um ein Haar besser, als wenn wir ihn kriegten. Wir ugten also aus dem Wald heraus, die ganze Leckbach sorgfltig ab, sprten noch einmal ber das Joch hinber, auf dem Schnee, und muten endlich glauben, er habe uns vielleicht irgendwo auf seiner Spur gesehn, und sei wieder in das andere Revier, wohin wir ihm nicht folgen durften, zurckgewechselt. Viel Zeit hatten wir brigens auch nicht mehr zu verlieren, denn wir wollten die Nacht noch nach der Grasberg Alm, und mit dem Umhersuchen war der Tag ziemlich drauf gegangen. So stiegen wir denn rasch hinter einander her aufwrts, als mich der Wastel pltzlich, ohne ein Wort zu sagen, am Arm packt, und dort hinauf zeigte, etwa in die Gegend, wo der drre Baum da oben auf der schmalen Lanne steht. Ich guckte hin, und kauerte da nicht der verdammte Hallunke so ruhig auf einem umgefallenen Baum, und kaute an einer Brodrinde, oder irgend etwas anderem, als ob er daheim in seiner Htte, und nicht mit der Bchse auf einem fremden Revier se? Der kann nicht mehr fort flsterte mir dabei der Wastel zu -- ich springe hier unten herum, Du von der Seite hinauf, und dann haben wir ihn in der Mitte -- vorn ist die Klamm, und da kann nicht einmal ein Gemsbock hinunter! Wie wir ihn nur erst gewahr wurden, hatten wir uns gleich hinter einen Laatschenbusch gedrckt, und ohne weiter ein Wort zu reden, rutschte der Wastel ein Stck auf der Erde fort, bis er in einen kleinen Graben kam. Den annehmend, schnitt er dem Wilderer den Weg von jener Seite ab, denn htte der's erzwingen wollen, braucht' er ihn ja nur ber den Haufen zu schieen. Mir konnt' er auch nicht mehr wegkommen, und wie ich sah da der Wastel war wo er sein sollte, pirscht ich mich noch vorsichtig auf etwa hundert Schritt von dem Burschen an, legte dann meinen Hut, Bergsack und Stock ab, nahm die Bchse herunter, und sprang was ich springen konnte den Berg hinauf. Ich hatte noch keine drei Stze gethan, da fuhr er schon mit dem Kopf herum -- der Art Gesellen haben ein schlecht Gewissen -- und mich sehn, aufspringen und die Bchse an den Backen reien, war das Werk eines Augenblicks. Zu gleicher Zeit schrie ihm aber auch Wastel sein drohendes Halloh entgegen und wie er den zweiten Mann sah, und nun wohl merkte da es ihm an den Kragen ging, setzte er die Bchse erschrocken ab. Ich htte ihn jetzt bequem umschieen knnen, fuhr Ragg ruhig fort, aber wir wollten ihn gern lebendig haben, und -- wenn's nicht gerade sein _mu_, ist's doch immer eine hliche Geschichte. So also schrie ich dem Burschen zu: seine Bchse fort zu werfen, oder er wre ein todter Mann, und sprang zu gleicher Zeit wieder rasch auf ihn ein. Daran dachte er aber nicht, und umdrehn und in die nchsten Laatschen hineinfahren, war im Nu geschehn. [Illustration] An manchem andern Platz wre das nun vielleicht recht gut gegangen, denn Jemanden durch die Laatschen zu verfolgen, ist ein verzweifelt mhselig Ding; hier aber mute er keinesfalls wissen, wohin die fhrten. Der ganze Laatschenstreifen war keine zwanzig Fu breit, und unter ihnen weg sank der Abgrund, whrend der Wastel und ich den einzigen Ausweg, der nach rechts und links abfhrte, leicht berschieen konnten. Jetzt haben wir ihn schrie Wastel auch, als er vorwrtssprang und in die Laatschen mit hinein setzte, -- pass' nur da drauen auf, Ragg, da er nicht ber die Lanne springt! -- Aber er kam nicht weiter -- ein furchtbar gellender Schrei tnte pltzlich vom Rand der Klamm herber und als wir erschreckt und lautlos halten blieben, hrten wir erst unten etwas hartes gegen die Felsen schlagen, und gleich darauf schallte der Schu der durch den Sturz losgegangenen Bchse zu uns herauf. Gott sei seiner armen Seele gndig sagte der Wastel und drehte sich schaudernd um. -- Wir Beide standen jetzt still und horchten, aber Nichts lie sich hren. Ob man wohl hinunter sehen kann? sagte ich endlich. Ich mag's nicht sehn meinte der Wastel -- ich hab' genug an dem Schu. Ich arbeitete mich jetzt durch die Laatschen durch, wo ich gleich vorn den Hut des Wilderers fand. Wie ich aber an den Rand kam, hingen die Zweige tief darber hinunter und zwischen der Wurzel der einen durch, brckelte das Gestein los, und strzte mit hohlem Fall in den Abgrund nieder. Ich stand auf den Zweigen schon ber der Tiefe. Es wurde mir unheimlich da drauen und ich kroch zum Wastel zurck. Wollen wir hinunter klettern und nachsehn? sagte ich endlich. Der Wastel erwiederte Nichts, wir warfen unsere Bchsen ber den Rcken und stiegen thalab, muten auch einen groen Umweg machen unten hinein zu kommen, und es mochte immer eine Stunde darber hingegangen sein, eh' wir den Platz erreichten. Indessen hatte es strker an zu schneien gefangen, und der Wind heulte so hlich durch die hohle Klamm -- es war ein gar so fatales Gefhl, da unten nach einem zerschmetterten Menschen zu suchen. _Wir_ hatten ihn aber doch nicht umgebracht, er war selber dahinunter gesprungen, und wenn wir ihn auch dazu getrieben, ei, was zum Teufel hatte er auf fremdem Revier zu suchen. Da liegt die Bchse sagte der Wastel pltzlich, -- der Kolben war abgebrochen, und das Gewehr durch den Sturz losgegangen -- aber wo war der Wilderer? Gerad in die Hh' konnte man bis oben hinauf unter die berhngenden Laatschen sehn, an ein Anhalten unterwegs war nicht zu denken, die Wand bog sich dort sogar nach innen, und selbst der Bergstock lag etwa zehn Schritt von der Bchse entfernt -- aber kein Blutfleck, auf dem der dnne fallende Schnee in keinem Fall liegen geblieben wre. Oben durch war er auch nicht gekommen, so lange wir oben standen, und wir zerbrachen uns jetzt den Kopf, was aus dem Burschen geworden sein knne. Gewiheit _muten_ wir aber darber haben. Wastel nahm deshalb das zerbrochene Gewehr, ich den Stock, und wir lieen uns die Mh' nicht verdrieen und kletterten noch einmal hinauf. Hol's der Deixel, der Vogel war ausgeflogen, und zwar seit wir den Fleck verlassen hatten, denn die ganz frische Spur im Neuen lie auch nicht den mindesten Zweifel darber. Todesangst mute er aber in der Zeit da wir oben suchten ausgestanden haben, denn wie wir jetzt Alles ablegten und vorsichtig dahinauskrochen, woher die Spur kam, fanden wir da er die ganze Zeit ber, und bis wir fort waren, da _drauen_ ber dem Abgrund, an den Zweigen des Laatschenbusches _gehangen_ haben mute. _Auen_ an der Wand waren die Spuren seiner Fuspitzen, als er sich wieder hinaufgearbeitet, und wenn einer von den dnnen Zweigen gebrochen oder ihm nur die Hand ausgerutscht oder verkrampft wre, lag er unten bei seinem Gewehr, den Hals wie den Kolben gebrochen. Ragg hatte die ganze Geschichte in einem, nur ihm allein von allen Jgern eigenthmlichen, schauerlichen Bergdialekt und mit flsternder Stimme erzhlt, wobei man wirklich mit peinlicher Aufmerksamkeit zuhren mute, zu verstehn was er meinte. Vorsichtig schaute er dabei dann und wann ber den Hang hinunter, den Bock nicht aus den Augen zu verlieren. Der stand aber noch baumfest da unten und rhrte und regte sich nicht. Und habt Ihr nie erfahren wer der Wilderer war? Ragg schttelte den Kopf und meinte, still dabei vor sich hinlachend: Der ist damals mit ausgerupften Federn davongekommen, wird aber wohl an der Lektion ber dem Abgrund dadrben genug gehabt haben. Wir haben ihn hier drben wenigstens nie wieder gesprt. Uebrigens -- setzte er, leise mit dem Finger dabei drohend hinzu -- wute er auch wohl _warum_, und da wir ihn jetzt kannten. Wo er sich wieder htt' sehn lassen, wr' ihm eine Kugel gewi gewesen. Ragg prahlte nicht im Mindesten; es herrscht zwischen den Jgern und Wilderern im Gebirge noch ein so romantisches und vollkommen ausgebildetes Faustrecht, wie es sich der Dichter, der die Poesie ganz aus der Wirklichkeit verschwunden whnt, gar nicht besser wnschen knnte. Wo sich Jger und Wildschtz im Berg begegnen, ist es zwischen Beiden eine Sache auf Tod und Leben, und wer am schnellsten die Bchse an den Backen reit, und den Anderen ber den Haufen schiet, hat gewonnen. Der Jger ist allerdings stets im Vortheil, denn er hat fr alle Flle das Gesetz auf seiner Seite; drauen auf Gottes freier Alm aber, und mit den wilden Bergen um sich her, wo alle Civil- und Militairbehrden umsonst ersucht werden dem mit rechtsgltigen Pa Reisenden, nthigenfalls Schutz angedeihen zu lassen, hlfe ihm das oft gar wenig, wenn er nicht, _auer_ dem Gesetz auch noch die eigene Waffe bei sich fhrte, mit der er den auf ihn anlegenden Wilderer rasch und fr immer unschdlich macht. Da er es thut, kann ihm auch Niemand verdenken, denn sein eigenes Leben ist in jedem Fall, wo er einem Wilderer begegnet, mehr als _bedroht_ -- es ist ernstlich gefhrdet. Ob der Mann da drben, den er mit der Kugel in den Abgrund wirft, daheim Weib und Kind hat, die ohne dem Ernhrer verderben mssen, was kmmert's ihn -- auch er hat Weib und Kind daheim, und denen sich zu erhalten ist ihm erste Pflicht. Das klingt nun vielleicht im ersten Augenblick recht schwer und schrecklich, da, einer einzigen Gemse wegen, so manches Leben genommen, so manche Familie unglcklich und elend gemacht wird, aber wollen wir nicht alle Gesetze von Mein und Dein aufheben, soll berhaupt noch ferner ein Eigenthumsrecht auf der Welt bestehn und dies vom Staat geschtzt werden, so darf den Leuten eben das Wilderen nicht gestattet werden, und _sanfte_ Mittel reichten nimmer aus, es zu verhindern. Wo so ein Gemsjger den eigenen Hals mit Vergngen riskirt in Nacht und Nebel in den Gebirgen umher zu klettern, ein Gemsthier zu erlegen, wrde er sich wahrlich durch ein paar Wochen darauf gesetzte Strafe nicht abhalten lassen -- und in wenigen Jahren wren die Berge leer. Und welch ein Unglck wre _das_? hr' ich Viele sagen, lieber alle Gemsen der Welt, als ein einziges Menschenleben. Es ist das eine von den Phrasen, die scheinbar die ganze Humanitt auf ihrer Seite haben und doch nicht wahr sind. Die Burschen die sich einmal an das Leben eines Wilderers gewhnt haben, sind, so lange ihnen solch wildes Treiben ihr Dasein fristen kann, zu jeder anderen ruhigeren und stten Beschftigung verdorben, und fehlten ihnen die Gemsen oder das Wild in den Bergen, so nehmen sie Anderes, was sie grad' bekommen knnen. Gestattet man ihnen aber das Recht Gemsen und Wild zu schieen, warum denn nicht auch Ziegen, Schafe und Rinder? Das Rothwild mu so gut im Winter gefttert werden, als das zahme Vieh und warum soll der Besitzer von _wilden_ Heerden nicht ebenso in seinem Recht geschtzt sein wie der von zahmen? Der Polizeidiener, der in irgend einer Stadt einen Dieb auf frischer That ertappt und den Gerichten, dem Zuchthaus berliefert, ruft ber die Hupter der unschuldigen Familie des Unglcklichen eben so viel Noth und Elend herein, mit Schande noch dazu in den Kauf, als der Jger, der den Wilddieb niederschiet. Der Polizeidiener sah dabei nicht einmal sein eigenes Leben gefhrdet, und trotzdem wird es Niemandem einfallen ihn zu tadeln und zu verdammen. Das ist brigens eine Sache, die Jger und Wilddiebe ganz allein unter einander ausmachen. Der Letztere, wenn er mit der Bchse in die Berge geht, wei ganz genau welcher Gefahr er sich aussetzt, und ist meist von vornherein entschlossen ihr eben mit den Waffen in der Hand zu begegnen. Wie der Dieb, der Nachts in ein Haus einbricht und das Messer dabei im Grtel stecken hat, verbt er gewi keinen Mord, wenn er bei seinem Geschft nicht gestrt wird. Ertappt man ihn aber und will ihn festhalten, oder sieht er selbst nur die Gefahr erkannt und verrathen zu werden, dann wird aus dem einfachen Ruber auch ein _Mrder_. Da die Gefahr des Steigens in den Bergen, und die Mglichkeit eines zuflligen Sturzes der Leidenschaft wilder Herzen auch wohl dann und wann Vorschub leistet, und manche rasche dunkle That befrdert und verdeckt, ist wohl leicht erklrlich. Die tiefen oft vollkommen unzugnglichen Schluchten sind dabei ein sicheres Grab, das nur der Jochgeier und Kolkrabe findet und heimsucht, ekle Stcken Beute von dort seinem Horste zuzutragen. Aber der Bock? Dort unten stand er noch so still und regungslos, was den Krper wenigstens betraf, wie ein wirklich knstlich ausgestopfter und aus irgend einer Liebhaberei gerade hier hergestellter Gemsbock. Nur der wei gestreifte Kopf schien Leben zu haben, und bewegte sich langsam bald nach dieser bald nach jener Seite. Da unten stehn jedenfalls Gemsen flsterte Ragg endlich, nachdem wir ihn wieder eine ganze Zeit lang schweigend beobachtet hatten, es wird doch am Ende besser sein ich steige hinunter, und sehe zu da ich ihn hier herauf bringe -- der Wechsel ist gleich dort drben an der kleinen Kiefer. Ragg ging nicht gern fort, denn er liebte es sich auszusprechen. Der Wunsch den Bock noch zu bekommen war aber doch strker und berwand seine Schwatzhaftigkeit. So seinen Bergsack wieder schulternd, und Hut, Stock und Bchse vom Boden aufgreifend, gab er mir noch eine unbestimmte Anzahl von Vorsichtsmaregeln, und verschwand dann im Dickicht, den nthigen Umweg zu machen und dem Wild spter unten in der Klamm in den Wind zu kommen. Ich lag indessen oben, unter dem dichten Laatschenbusch auf der Brust und hatte jetzt Zeit und Mue genug den Bock zu betrachten. Drei Viertelstunden blieb er auch noch etwa auf derselben Stelle, den Platz nur manchmal um einen Schritt zur rechten oder linken wechselnd. Ein paar Mal kratzte er sich mit dem Hinterlauf vorn am Hals und hinter dem Gehr. Die Gemsen unten muten aber verschwunden sein, denn er sah nicht mehr hinab, und es war fast als ob er sich nieder thun wollte, als er pltzlich rasch und aufmerksam den Kopf emporhob. Jedenfalls hatte er den nahenden Jger in den Wind bekommen, oder auch gesehn, denn er schaute jetzt still und unverwandt nach der einen Richtung nieder. Wieder verflo eine volle Viertelstunde, und ich begriff schon gar nicht wo Ragg nur blieb, als ich diesen pltzlich in der Klamm, unterhalb dem Bock heraufkommen sah, ohne da dieser auch nur gewichen wre. Halloh! rief der Jger unten, und stie mit seinem eisenbeschlagenen Stock auf die Steine -- der Bock regte sich nicht -- halloh -- huh -- ah! -- er rhrte sich nicht von der Stelle. Erst wie der Jger hher und immer hher stieg, und schon fast in Schunhe an ihn angekommen war, drehte er sich langsam ab, und nahm den Wechsel an. Ich hatte mir indessen einen Platz ausgesucht auf dem ich gut hinber schieen konnte, sobald der Bock nur hoch genug kam, und die Wand sah aus, als ob er mglicher Weise gar keinen anderen Weg nehmen _knne_. Was kann aber ein Gemsbock nicht, wenn er es sich einmal in den Kopf setzt. Pltzlich, ohne da er im Stande gewesen wre Witterung von mir zu haben, nahm er seitwrts eine ganz steile Wand an, an der er hin galopirte, als ob er auf breiter Strae gewesen wre. Ragg schrie und gesticulirte unten, aber Alles umsonst, das strte ihn gar nicht, und an einer Wand von etwa siebzig Fu Hhe, die scheinbar nicht den geringsten Halt selbst fr den Fu einer Gemse bot, glitt er, halb auf den Hinterlufen rutschend, hinab, sprang unten ber den Bach, setzte die andere Wand hinauf, und war wenige Minuten spter im Dickicht verschwunden. Was ihm Ragg unten nachwnschte wei ich nicht, aber ich selber hatte jetzt da oben auch nichts weiter zu thun, und kletterte thalab, sobald als mglich die Ri zu erreichen. 8. Ein Sonntag Morgen. Wie freundlich das Schlo da tief im Thale liegt; wie rasch und munter der klare schnelle Strom vorber springt, und wie so lustig die Flaggen auf den zierlichen Thrmen wehn. Die hellen Mauern und der dunkle Wald vom blauen Aether sonnig berspannt, so recht im Herzen des edlen Waidwerks mitten drin; die krftigen Gestalten dann darum her, die Jger -- die Hunde, und dann vor Allem -- _kein_ Gasthaus in der Nhe in dem sich eine Schaar schwrmerischer Stdter concentriren knnte, von dort aus ihre Picknickparthieen in die Berge hinauf zu senden -- oh es ist ein wonniges -- ein unbeschreibliches Gefhl der Sicherheit und Lust. Aber nicht allein die Jagd lockt dort die Leute zusammen. Am Sonntag Morgen ziehen die Jger und nchsten Nachbarn des Klosters nach der kleinen Klosterkirche, die sie hier mitten in die Berge eingebaut, und auch manch liebes Mdchengesicht lchelt da unter dem spitzen grnen Hut das freundliche Gott gr Dich vor. -- Gott gr Dich -- wie lieb und hold das klingt. Es giebt doch keine Sprache in der weiten Welt die noch _so_ herzlich grte als die deutsche -- wenn die Leute nur nicht alle das verwnschte Regendach trgen. Gestalten findet man unter den Bergbewohnern wie man sie sich nicht edler und krftiger wnschen knnte, und Alle fast ohne Ausnahme mit den ehrlichen, gutmthigen Gesichtern, und den treuen wenn auch ein Bischen verschmitzten Augen. Die Tracht ist dabei so malerisch, und selbst den Mdchen steht der grne Mnnerhut so lieb auf den vollen blhenden Gesichtern, aber -- gebt einem Apollo, gebt einer Venus einen rothbaumwollenen Regenschirm unter den Arm, und die ganze Poesie ist zum Teufel. [Illustration] Ein solcher Sonntag Morgen in dem Thal ist auch das schnste was man sich in stiller traulicher Waldeinsamkeit nur denken kann. Noch hat die Sonne kaum die hohen Joche mit ihrem ersten Strahl gegrt, da mischt sich schon in das frhliche Pltschern des Bergbachs, in das leise Rauschen der mchtigen Waldeswipfel, das harmonische Gelut der Glocken, und wenn der Himmel dann so rein und blau herniederschaut, und mit den weien duftigen Nebelschleiern wie zum Schmuck die wundervollen Berge berhngt, dann geht das Herz dem Menschen auf, dann _zwingt_ es ihn zur Andacht, dann wird die ganze wundervolle Welt zur Riesenkirche, und jedes rauschende Blatt, jede flsternde Welle predigt die Allmacht, predigt die Liebe Gottes. Die Berge sind auch der eigentliche Tempel des Herrn, denn nirgends fhlt der Mensch sich seinem Gott so nah -- nirgends so klein und unbedeutend, dem Allmchtigen gegenber. Die Kirche ist aus. Die Andchtigen kommen einzeln und langsam aus dem Gotteshaus -- nur die Frauen eilen, denn sie haben den Mittagstisch zu besorgen, und die Mnner bleiben hie und da auf den Wegen plaudernd zusammen stehn. Sie haben heute Nichts zu versumen, und es wre auch schade, wenn sie so rasch wieder nach Haus in die engen Stuben gingen, und ihren blinkenden Sonntagsstaat nicht erst ein wenig in der warmen hellen Sonne lfteten und -- zeigten. Wetter noch einmal wie blank sie aussehn, mit den neuen hellgrnen Hten, den reinen Hemden und den sauber geputzten Grtelschlssern. Manche von ihnen, den Tag _recht_ feierlich zu begehn, tragen auch lange Hosen, aber das steht ihnen nicht; sie schlenkern auch darin die Beine beim Gehn, und bewegen die Knie herber und hinber. Es sitzt ihnen unbequem, und sie wissen's vielleicht selber nicht; die Knie wollen hinaus in's Freie, und da sie das nicht knnen, halten sie sich steif und ungelenk. Dort aus dem Schlo kommt ein alter Mann. Er trgt, ungleich den Anderen, die nur hchstens, und _trotz_ dem sonnigen Wetter, ihr roth oder blaues Regendach unter dem Arm haben, ein paar blecherne Milchkannen, die er heut Morgen gefllt heruntergebracht, und jetzt wieder mit heim nimmt, oder zurck trgt wohin sie gehren. [Illustration] Das ist ein Charakter, von dem wir in unserem Eisenbahn durchzogenen und durchflogenen Flachland kaum noch einen Begriff haben -- giebt es ja doch selbst in den Bergen nur wenige seines Gleichen, ja kaum einen zweiten alten Gori. Es ist eine untersetzte krftige Gestalt mit frischer Farbe und von mittler Gre, und unterscheidet sich in seinem Aeueren durch wenig oder Nichts von den Uebrigen, aber kein Mensch sieht ihm an da er schon zweiundsiebzig Jahre zhlt, obgleich nicht soviel graue Haare auf seinem Haupte sind, und da er _sechzig_ davon hier in dem Thale zugebracht. _Sechzig_ Jahre hier in den Alpen, in den engen Felsenkessel eingezwngt, ohne ein einziges Mal den Fu hinausgesetzt zu haben in's flache Land, oder hinber ber die Alpen auf die andere Seite. _Sechzig Jahre_, und was seitdem geschehn da drauen, davon hat der Mann keine Ahnung; er kennt es nicht, er kmmert sich nicht drum. Als Knabe kam er her, auch nicht von weit, und was die nchsten Joche hier umspannen, ist fr ihn _die Welt_. Andere haben ihm von der Herrlichkeit drauen, von den Wundern des flachen Landes, vom Dampf und seiner Kraft, vom Telegraphen, von weiten ebenen Flchen erzhlt, ber die man Tage lang marschiren knne, ohne den Fu nur mehr als vom Boden zu heben; von Eisenbahnen, von Schiffen -- von Amerika -- er hrt das auch recht gern, und nickt dazu mit dem Kopf und lchelt -- aber all die Sachen haben fr sein Ohr nur ein und denselben Klang: sie gehren _der_ Welt nicht an in der die Ri fliet und existiren deshalb nicht fr ihn. Amerika -- das liegt im flachen Land -- was soll er drauen? Abgeschlossener sitzt kein Sdseelnder auf seiner kleinen Insel mitten im Weltmeer, und lebt von seiner Brodfrucht und seinen Cocosnssen, als der alte Gori hier im einsamen Thal, von Kse, Butter und Milch, und da ihm das Bedrfni fehlt hinaus zu kommen, ist auch kein Grund vorhanden anzunehmen, da er sich nicht vollkommen glcklich fhle. Trotz seinem Alter arbeitet er dabei noch rstig fort, und hat sich auch wohl ein paar hundert Gulden gespart, oder hat er sie geerbt, ich wei es nicht; in ihrem Besitz ist er aber, und das Capital scheint ihm die einzige Sorge zu machen, die er berhaupt im Leben kennt. Vorsichtiger Weise steckte er sein kleines Vermgen allerdings nicht in unzuverlssige Aktien sondern in einen alten Strumpf, die Welt aber, die er nun schon zweiundsiebzig Jahre kennt, scheint sich in dieser langen Zeit seine unbedingte Achtung doch nicht erworben zu haben, und Mistrauen bildet einen nicht unbedeutenden Theil seines sonst so einfachen Charakters. Demnach verbirgt er seinen Schatz auch bald hier bald da, ohne da irgend Einer seiner Hausgenossen eine Ahnung hat, welcher Ort der bevorzugte sei; ja man kannte vor einiger Zeit den alten Gori noch nicht einmal als Capitalisten, bis die Sache auf eine wunderliche Art zu Tage kam. Einer der Arbeiter nmlich rumte eines Nachmittags den Holzkasten aus, und fand unten drin, zu seinem nicht geringen Erstaunen einen Strumpf mit Geld. Der alte Gori meldete sich da etwas bestrzt als Eigenthmer, und der Strumpf verschwand auf's Neue. In frheren Jahren soll der alte Mann ein vortrefflicher Birkwildjger gewesen sein, und da das, neben seinem Strumpf eigentlich die einzige sichtbare Leidenschaft war die er hatte, wurde ihm die Erlaubni -- die sonst nur die wirklich angestellten Jger haben -- jhrlich in der Balzzeit einen Spielhahn zu schieen. Von der machte er denn auch Gebrauch, und erlegte richtig jedes Jahr den gestatteten Hahn. Vor zwei Jahren nun, doch fhlend da er alt wrde, und in einer Art von Ahnung, da das vielleicht der letzte sein mchte den er schsse, beschlo er seine Jagd auf wrdige Art zu beschlieen, _kaufte_ sich den erlegten Hahn um 48 Kreutzer, lud sich eine alte Kchin vom Schlo, die er achtete, zu Gast, und verzehrte mit ihr die muthmalich _letzte_ Jagdbeute seines Lebens. Eigenthmlich mu dem alten Mann dabei zu Muthe gewesen sein. So verging wieder ein Jahr -- die Balzzeit kam auf's Neue heran, und der Greis fhlte zu seiner Freude, da er die _letzte_ Jagdfeier doch etwas zu voreilig angestellt habe und die Berge noch immer steigen, die Bchse noch immer fhren knne. Wieder schulterte er die alte treue Waffe, suchte sein gewhnliches Revier auf, lockte den balzenden Hahn und -- das Gewehr versagte. Beim Anpirschen war ihm das Zndhtchen vom Piston gefallen, und kein zweites fand er in den ngstlich durchsuchten Taschen. Da ist er wieder zu Thal hinabgestiegen, und hat die Jagd aufgegeben, -- wundern sollt' es mich aber nicht, wenn er es trotzdem dies Jahr noch einmal versuchte. Wir klammern uns ja Alle an das Leben und Keiner, mag er den Tod auch noch so ruhig und Gott ergeben erwarten, gesteht sich's gern und freiwillig ein: ich bin jetzt fertig! Die Jger, die nicht ihr Dienst gerade an ein entferntes Terrain fesselt, haben sich meist hier unten eingefunden; denen aber sieht man's an da ihnen eine Beschftigung, da ihnen die Bchse auf der Schulter fehlt. _Nach_ der Kirche schlendern sie mig umher -- und der Blick den sie manchmal zur Sonne hinaufwerfen, scheint die Zeit herbei zu sehnen, in der sie ihr frhliches Werk auf's Neue beginnen drfen. Auch der kleine Ragg ist unter ihnen, wei aber von seiner Zeit besseren Nutzen zu ziehn als die Kameraden, und sucht Spielhahnfedern, kunstgerecht gebundene Gemsbrte, Ste von Hasel-, Schnee- und Steinhuhn, und anderen Jgerschmuck zu ziemlich hohen Preisen an den Mann zu bringen. Eigenthmlich an ihm ist selbst der Gang, mit dem er auf der belebten Strae oder im Hof dahin schreitet. Wie auf der Pirsche haftet sein Blick nicht zwei Secunden lang an ein und derselben Stelle, und sucht herber und hinber, bald auf den Boden hin nach den Fhrten, bald nach links bald nach rechts hinber. Wie ein Stck Wild, das drauen in den Bergen eine friedliche Heerde angenommen hat und mit ihr eine Strecke dahin zieht, scheu und mistrauisch aber der geringsten Bewegung, dem schwchsten fremden Laut mit Aug' und Ohr begegnet, whrend die zahmen Thiere friedlich und unbekmmert ihr Gras von der Lanne zupfen, so wandert der kleine, falkenugige Gesell hier zwischen den ruhigen, sonntgigen Gestalten umher, und ordentlich erwartet hab' ich's oft, da er bei dem ersten ungewhnlichen Gerusch blitzschnell im Wald verschwinden wrde. Dort unter der hohen, breitstigen Tanne stehn zwei Mnner in eifrigem, und wie es scheint, heimlichem Gesprch; wenigstens schweigt der kleinere von ihnen, der etwas ihm hchst Aergerliches vorzutragen scheint, jedesmal still wenn eine Gruppe der Jger grend an ihnen vorbergeht, und wirft auch wohl einen mistrauischen, unzufriedenen Blick hinter ihnen drein. -- Es ist Bandey, allerdings auch in der Jgertracht, aber doch kein rechter Jger und mit mehr weichlichen, nicht so sonnverbrannten derben Zgen wie die Anderen, die ihn sich auch grtentheils nicht ebenbrtig halten. Er aber, der von seinem Geschft eine ganz andere Meinung trgt, hat die _Fischerei_ unter sich und den Forellenteich, und klagt heute Morgen dem Haushofmeister des Schlosses, einer langen wrdigen Gestalt mit einer Feder hinter dem Ohr und einer Brille auf, sein schweres Leid. Sein Forellenteich ist ihm nmlich in der letzten Zeit, und nchtlicher Weise, arg geplndert worden, und er hat jetzt auf alle Welt Verdacht und traut Keinem mehr. Aber lieber Bandey, wer von den Jgern sollte es denn hier wagen, und Angesichts vom Schlo den Teich bestehlen? Das thten sie ja schon nicht einmal dem Herrn zu Leide. Die _nicht_? sagt Bandey, der eine ganz andere Meinung von der Sache hat, was machen _die_ sich drau? -- sind doch die Hlft' von Allen nur zahmgemachte Wilderer. Aber ich krieg' sie. -- Den Bandey lachen sie aus da er nicht schieen knnt' -- ich will's ihnen zeigen ob ich's kann oder nicht. Bandey -- Du wirst doch nicht des Teufels sein und wegen einem paar lumpigen Forellen ein Menschenleben-- _Da_ haben sie's Menschenleben nicht sitzen wo _ich_ sie hinschieen werde, sagt Bandey determinirt, aber soviel wei ich, heute Abend setz' ich mich mit der Schrotflinten an, und die ganze Woche durch. Der Schlaf soll mich nicht verdrieen, _bis_ ich ihn habe, und da mir _der_ dann nicht zum zweiten Male kommt, darauf knnen Sie sich verlassen. Und hast Du denn auf irgend Jemand Verdacht hier herum? Sie taugen Alle mitsammen Nichts, brummt der Bandey verdrielich vor sich hin -- die Malefizkerle die. Wo sie Einem einen Schabernack spielen knnen thun sie's gewi. So ein Jger hat einen Stolz im Kopf, das ist ganz was Erschreckliches, und glaubt, weil _er_ mit dem Stutzen auf'm Buckel, und den Spielhahnfedern am Hut in den Bergen herumsteigen darf, _er_ sei der liebe Herrgott. -- Na _Euch_ will ich beforellen! Der Haushofmeister suchte den Mann noch einmal von seinen bsen Gedanken abzubringen, aber Bandey's Groll sa zu tief, und rgerlich ber die ganze Welt, ging er heim. Was kmmerten ihn die im Sonnengold leuchtenden Berge, der blaue Himmel und das grne Thal; daheim lud er die Flinte mit feinem Vogeldunst, und in der Nacht schon begann er seine Wacht, den Uebelthter zu belauern und -- zu strafen. 9. Die Baumgart-Alm. Wir Menschen sind ein ungengsam Volk. Wenn es uns _gut_ geht, verlangen wir's besser, und da das nun einmal in unserer Natur liegt, mag nur ein leidiger Trost sein. Goethe kannte auch die Menschen _im Allgemeinen_ recht gut, und da er seinen Faust beim Packt mit dem Teufel die Bedingung stellen lt: Werd' ich zum Augenblicke sagen Verweile doch, du bist so schn! Dann sollst Du mich in Fesseln schlagen, Dann will ich gern zu Grunde gehn! ist nur ein Ausspruch dieses ewigen Drngens und Treibens, dieser rastlosen Ungengsamkeit. Goethe war freilich kein Jger; er hat nie die Wonne gekannt, nach dem blitzenden Schu die scheue Gemse auf ihrer sicher geglaubten Hhe zusammenzucken, und prasselnd, klammernd in die Tiefe rollen zu sehn. Ich wenigstens wre nach _solchem_ Packt meinem Contrahenten schon verschiedene Male verfallen gewesen. Kein Wunder denn da es den mssigen Jger, selbst aus dem reizenden Thal, aus dem freundlichen Schlo fort, und wieder hinauf in die Berge zieht, und wir segnen den Abend, der uns mit freundlichem Nicken und Sonnengru den Bergstock auf's Neue in die Hand drckt, und unseren Pfad mit seinem schnsten Glanz, mit seinen rosigsten Tinten berstreut. Mir ging es da immer wie Jean Pauls gemthlichem Schulmeisterlein Wuz, wenn der als Schulknabe noch in die Ferien zog -- ich hatte Mitleiden mit allen Menschen die zurckbleiben muten. Und diesmal geht es nicht in ein bequemes Pirschhaus hinauf, sondern in den wildesten Theil der Berge, in die sogenannte Delpz, einen rauhen Thalkessel, in dessen Nhe ein Hochleger mit einer ziemlich gerumigen Almhtte liegt. Nur ein kleines Huschen, etwa von der Gre eines zweischlferigen Schilderhauses, um ein Bett und einen Tisch hinein zu stellen, war dort aufgerichtet. Die Leckbach aufwrts fhrt dorthin der wilde Weg, und rauheren Bergstrom giebt es wohl kaum in der Welt, wie jenes Thal. Der innere Kessel nmlich ist fast ganz durch das Abbrckeln und Niederbrechen der hinteren Wand, bei dem die Lawinen redlich mit halfen, vollgeschttet worden, und riesige Felsblcke sind von den mchtigen Schneestrzen weit thalab geschleudert, whrend der ganze Thalboden wie die Hnge, mit entsetzlichem Gerll (von den Bergbewohnern _Reien_ genannt) bedeckt liegen. Diese Berghnge sind in steter Bewegung, denn steil und schroff ausgerissen, lst sich fortwhrend locker hngendes Gestein, am meisten bei nasser Witterung und Thauwetter, ab von der Wand, und rollt und springt in's Thal nieder. Die Gemsen die dort stehn sind auch an solch Gerusch gewohnt, und achten gar nicht mehr darauf. Oben im Baumgarten-Joch liegt die Almhtte, und selbst der Name Baumgarten klingt hier wie Schmeichelei, denn es wchst kein einziger Baum dort bei den Htten, whrend nur von Osten her der aus dem Thal heraufdrngende Wald bis in die Nhe reicht. Der Nacken des Jochs und der benachbarten Hnge ist aber mit gutem, nahrhaftem Gras bedeckt, und nach der Delpz hinber luft die Lanne bis zum hchsten schroffen Rand. Das ist berhaupt eine Eigenthmlichkeit dieser Gebirge da sie an ihrer Nord- und Sdseite einen durchaus verschiedenen Charakter zeigen. In der gewhnlichen Bergregion und bis etwa zu 4500 Fu tritt dieser allerdings noch nicht so augenscheinlich hervor; wie sich aber die Gebirge ber diese Hhe aufstrecken, nimmt die Nordseite, whrend an der Sdseite die Graslannen fast ununterbrochen bis zum Gipfel laufen, ihren wilden trotzigen Charakter an. Fast bei all diesen Bergen besteht der Nordhang aus schroffen, meist senkrechten Wnden die grau und starr emporragend der ganzen Landschaft etwas unbeschreiblich Groartiges, Khnes geben, das sich aber, sowie man das Auge nach Sden wendet, ganz verliert. Allmhlig steigt man deshalb auch an der Sdseite dieser meisten Berge, ohne weitere Schwierigkeit als hie und da eine etwas steile Lanne, empor, und sieht sich pltzlich, sowie man den hchsten Gipfel erreicht, an einem oben scharf abgebrochenen furchtbaren Abgrund, der jh unter den Fen wegsinkt, und an vielen Bergen nicht einmal von der Gemse begangen werden kann. So steigt zum Beispiel die Carwendelwand, wie die Nordseite des Carwendelgebirgs mit Recht genannt wird, so steil und glatt empor, da keine Gemse dort hinber kann, und meilenweit thalab oder aufwrts wandern mte, ehe sie einen schmalen Pa fnde, der an einer oder der anderen Stelle, meist durch nieder gebrochenes Gestein begnstigt, ein Aufklimmen mglich machte -- aber wir kommen dort noch hin. Wir haben jetzt das Baumgarten-Joch betreten, und schreiten noch kurze Strecke den Hang hinab, wo die niederen flachen Almhtten, Schildkrten nicht unhnlich, auf dem Bauche liegen. Der Boden ist hier merkwrdig vom Vieh mishandelt worden, das sehr thrichter Weise immer wieder in seine eigenen Futapfen tritt, und die Wiese dadurch in eine knstliche Sammlung von Schlammlchern und Grasknollen verwandelt. Im Dunkeln ist es kaum mglich ber solche Stellen fortzukommen, ohne Hals und Beine, wenn auch nicht zu brechen, doch jedenfalls zu riskiren. Unterwegs war brigens kein Wild zu sehn, da die Jger und Lasttrger etwa eine Stunde frher (Einige davon berholten wir noch unterwegs) hier eingetroffen waren. Nur dicht an der Alm angekommen, sahen wir die Jger unter der Thr der groen Htte stehn, und mit ihren Bergspectiven nach dem grasigen Rand des Delpzkessels hinaufschauen, wo sich sechs oder acht Gemsen, unbekmmert um die sich unten bewegenden Menschlein sten. Sie waren jedenfalls Leute da unten an der Alm gewhnt, und wuten recht gut da ihnen die Delpz, sowie sie nur irgend Jemand gegen sich ankommen sprten, jeder Zeit einen sicheren Rckzug bot. Die Baumgarten-Alm ist ebenfalls ein _Hochleger_ der Sennen, und diese Art Htten werden hier in den Alpen in Hoch-, Mittel- und Unterleger eingetheilt. In die Unterleger, die am tiefsten unten am Berg liegen, ziehen die Sennen im Frhjahr, oder Anfangs Sommer, sobald der Schnee dort gewichen ist, whrend die hher liegenden Strecken dem Vieh noch nicht zugnglich sind. Wie der Schnee schwindet, rcken ihm die Hirten nach, und nehmen dann im Mittelleger ihre Wohnung, bis sie im hohen Sommer mit ihren Heerden die oberen Alpen beziehen, und sich dann, freilich nur fr kurze Zeit, im Oberleger einquartieren knnen. Der eintretende Winter oder Herbst treibt sie wieder hinab, und Anfang Oktober verlassen sie die Alpen ganz, in die tiefer gelegenen Thler, meist nach Lenggries, Tlz und die dortige Umgegend zurckzukehren. Die meisten dieser Hirten die jene Almen pachten, sind bairische Unterthanen. Beim Hinuntersteigen ist es inde schon fast ganz dunkel geworden. Oben am Hang sah es freilich so aus, als ob die Htten dicht darunter lgen, und doch, wie lange braucht man jetzt sie zu erreichen. Und die verzweifelten Grasknollen! sie sind kaum noch zu erkennen, stauchen aber den Krper bei jedem Fehltritt. Ja, es wird Nacht -- nur auf den hchsten Jochen liegt noch das Dmmerlicht des scheidenden Tages. Der Platz selber sah auch wild und abenteuerlich genug aus. Fnf oder sechs zu den verschiedensten Zwecken benutzte Almhtten lagen bunt zerstreut, die Ecken nach jeder Richtung durch einander kehrend, an dem nackten Hgelhang, und kein einziger Baum versprach gegen den Wind Schutz, fr die Sonne Schatten. Der Boden selber zwischen den einzelnen, aus rohen Stmmen roh aufgerichteten Gebuden, war von dem Vieh zu einem sanften Brei getreten, und hatte nur oberflchlich Zeit bekommen wieder abzutrocknen. Die eingedrckten Klauenspuren machten ihn dabei rauh und holperig, whrend er zugleich eine gewisse ngstliche Elasticitt bewahrte. Hell leuchtete inde das Feuer aus dem inneren Raum der grten Htte, die einem, aus Versehn platt gedrckten gewhnlichen hlzernen Wohnhaus nicht unhnlich war. Etwa dreiig Fu lang und zwanzig breit begann das mit Steinen reichlich beschwerte Schindeldach schon etwa sieben Fu vom Boden, und hob sich in der Mitte hchstens bis zwlf Fu hoch. -- Wie aber sah es da im Innern aus. Wenn noch vor ein paar Monaten, vielleicht vor Wochen, stille Hirten ihren Kse und Schmarren hier gekocht und hlzerne Lffel und andere friedliche Werkzeuge der Butter- und Ksebereitung auf den Querbalken der Htte gelegen, so hatte diese jetzt dafr ein ganz anderes Aussehn gewonnen, und sich sehr zu ihrem Vortheil verndert. Statt der schlfrigen Sennerinnen, die damals ihre Blechpfanne auf den Kohlen herumgestoen haben mochten, wirthschaftete jetzt der Koch in schneeweier Jacke, Mtze und Schrze zwischen dem, so gut als mglich untergebrachten Vorrath und Geschirr. Die friedlichen Hirten hatten rstigen brtigen Jgern Platz gemacht, und auf den Querbalken lag eine wackere Reihe von vierzehn bis sechzehn Stck Doppelbchsen und Bchsflinten drohend ausgestreckt. Das Eigenthmlichste in dem weiten, sonst eben nicht eleganten Raum waren aber zwei mchtige Feuerpltze, rechts und links von der Thr in den nchsten Ecken, und die Feuerstellen nur durch aufgesetzte Steine von der rohen Balkenwand, etwa drei Fu hoch getrennt, whrend die Flammen lustig gegen die schon glnzend schwarz gebrannten, und wie glasirten Balken aufloderten. Um das Feuer rechts sammelt sich jetzt die Schaar der Jger und Trger, die kurzen Pfeifenstummel im Mund, erzhlend und lachend und die Vorgnge der letzten Tage besprechend, whrend an dem Feuer links die Jagdgesellschaft Platz nimmt. Aber einzelne der Jger drcken sich auch mit seitwrts an dies Feuer an. -- Sie wissen schon wie freundlich man mit ihnen ist, und lauschen gar zu gern dem was dort gesprochen wird, und sie oft weit hinweg aus ihren Bergen fhrt. Und merkwrdige Gestalten sieht man dabei, von denen der Leser erst die wenigsten kennt. Weinseisen heit einer von ihnen, ein Bursche in den besten Jahren noch, wenn auch schon mit mancher Falte in Wange und Stirn. Ihm fehlt ein Auge -- aber Niemand wei das, denn eine ziemlich breite, nach innen gekrmmte Locke hat er so trefflich ber das fehlende hinber gezogen, da es die Lcke auch nicht auf einen Moment sichtbar werden lt. Er gilt dabei als Einer der besten Jger im Revier, und ist still und schweigsam; vermit auch das eine Auge nicht, denn das andere ist so scharf, als ob es einem Jochgeier gehrte. [Illustration] Ein anderer ist Michel, unstreitig der hbscheste von allen; ein junger Bursch von sechsundzwanzig Jahren, mit einem gar so offenen ehrlichen und guten Gesicht, und so treuen blauen Augen, denen das freundliche Lcheln prchtig steht. Ein guter Jger und kecker Steiger wie Alle, hat er eine besondere Vorliebe, einen besonderen Blick fr Blumen, und vom Edelwei, das oben in den schroffen Nordwnden der steinigen Gebirge steht, bis zum blau und rothen Vergimeinnicht das an den Bchen der hochgelegenen und geschtzten Thler keimt, sucht und findet er die einzelnen Blthen, die der einbrechende Herbst bis dahin noch verschont. War sein Weg den Tag ber noch so rauh und wild, prangt sein Hut gewi, kehrt er Abends zurck, von einem Blumenflor. Wie wohl thut es Einem, wenn man sich lang wieder in der _civilisirten_ Welt herumgetrieben, und dort die ausgemergelten, faden, geputzten nur vom Schneider zusammengehaltenen Menschenbilder geschaut hat, auf so krftige Glieder, in so ehrliche Augen zu blicken. Die Leute da oben, ob sie fast durchaus in einer Wildni leben, und wenig mit Menschen zusammen kommen, haben auch gar nichts Aehnliches mit dem Bauer des flachen Landes, und gleichen weit eher den ungezwungenen wilden Gestalten der amerikanischen Backwoodsmen. Der deutsche Bauer ist nur zu oft denen gegenber die er ber sich wei, scheu, tppisch und unbeholfen, oder gar kriechend; gegen die die ihm gleich stehn und seine Untergebenen, oder gegen Aermere grob und hochfahrend. Der Bergbewohner hat dagegen eine ihm angeborene Natrlichkeit, ja ich mchte sagen Grazie, die sich in allen seinen Bewegungen ausspricht. Er ist nie scheu und verlegen, selbst nicht den Hchsten gegenber, er ist aber auch nie grob und unverschmt, und sein natrliches Gefhl fhrt ihn fast stets den richtigen Weg -- den Weg eines Mannes der da wei da er das leistet in der Welt was man von ihm verlangt -- verlangen kann. Alle diese Leute hngen dabei mit einer unendlichen Liebe an ihrem hohen Jagdherrn, und die Zeit die der bei ihnen zubringt, ist ihnen nicht eine Zeit der Mhe und Arbeit, trotz den beschwerlichen und gefhrlichen Wegen die sie in den Tagen zu durchsteigen haben, sondern mehr wie ein frhliches Fest auf das sie sich das ganze Jahr schon freuen, und das ihnen, neben der frhlichen Jagdlust, ja auch Verdienst und Nutzen bringt. Ihr Stolz ist dabei der waidmnnische Betrieb der Jagd, das Schonen des edlen Wildes, das ausgenommen, was jhrlich in einem so tchtig besetzten Revier nun einmal abgeschossen werden _mu_. Und da der Herr sich dem mit solcher Lust und Liebe hingiebt, und so wacker mit ihnen ber die schroffen Pfade, in die steilsten Hnge hineinsteigt, und eben so wenig die dichten ungeleckten Laatschen, wie die brcklichen Wnde scheut, das freut sie vor allem Anderen. Und wie traulich sitzt es sich an den knisternden Flammen, die selber toll und lustig ihre goldenen sprhenden Funken zum schwarz gebrannten Dach emporwirbeln, und welchen wunderlichen Schein werfen sie auf die bunt darum gruppirten malerischen Gestalten. Es ist gerad kein frstliches Gemach das uns umgiebt, und die rauhen Stmme die die Wand bilden, der nackte Boden, der etwas wackelige Tannentisch der in der Mitte steht, die wunderlichen Lehnsthle selbst am Feuer, die aus halbdurchgebrochenen rund hlzernen Schsseln bestehn -- in denen es sich aber ganz vortrefflich sitzt, -- das an die Wand gehangene Tischtuch selbst, den rgsten Zug mit abzuhalten, der doch noch auerdem Zugang genug hat, lieen vielleicht in Hinsicht der _Eleganz_ Manches zu wnschen brig, aber -- es ist ein chtes Waidmannslager in den Bergen, und wer daran Lust und Freude findet wie der Herzog, und nicht verweichlicht genug ist gepolsterten Sitz und mit den gewohnten Bequemlichkeiten ausgestattete Umgebung zu _vermissen_, dem geht das Herz hier auf, und sendet seine knisternden sprhenden Funken hinan in Kopf und Auge, wie die Flamme da. Das ist dann die Zeit fr die Erzhlungen und Berichte der Jger aus den angrenzenden, und zum ganzen Revier noch gehrenden Distrikten, denn nicht der dritte Theil vom ganzen Jagdgrund wird wirklich bejagt. Wo in den Bergen ein verdchtiger Schu gehrt ist, wird besprochen, und wo die meisten Gemsen stehn; wie es sich mit dem Rothwild stellt, und dem Raubzeug, und ob kein Luchs wieder in den Bergen gesprt worden. Raubzeug giebt es in der That nur noch sehr wenig im Gebirg, und wohl kann man sagen _leider_, da dem so ist, denn wie viel interessanter wrde die Jagd dadurch. Liee sich aber wirklich einmal wieder ein Br da sehn, da wr' der Teufel auch sicherlich in den Bergen los, denn Alles wrde in der ganzen Umgegend aufgeboten werden ihn zu erlegen oder zu vertreiben. Begngte er sich freilich mit Wild und Gemsen, lieen ihn die Hirten wohl gern in Frieden, aber die alten schwarzpelzigen Burschen setzen es sich in den Kopf auch manchmal ein Rind todt zu schlagen, oft aus lauter Uebermuth, oder um sich nach Tisch ein wenig Bewegung zu machen, und das knnen die Hirten nicht vertragen. Auch kein Luchs lt sich mehr in den Bergen sehn, von denen die Schweiz doch noch einige aufzuweisen hat. Nur der Fuchs treibt in ziemlicher Anzahl die hohe Jagd auf Hasel-, Schnee-, Birk- und Steinhhner, lauert dem weien Alpenhasen auf, wenn er zu Nacht um die verlassenen Sennhtten spazieren geht, und wagt sich auch wohl, wenn ihm die Gelegenheit dazu wird, an ein Gemskitz. Mitten zwischen den Jgern steht, um einen halben Kopf grer als irgend einer der anderen, trotz der etwas in einander gedrckten Stellung, eine rauhe, eben nicht bermig reinliche, aber enorm krftige stattliche Figur, mit rothem Gesicht, blondem Haar, gutmthigen blauen Augen, riesigen Fusten und einem alten Maserkopf im Mund. Braver, ehrlicher Jackel, wie manche schwere, schwere Last hast Du auf Deiner Kraxen unermdet, unverdrossen immer willig, immer guter Laune hinauf zu Berg getragen, wie manche Gemse, und zwei und drei manchmal zu gleicher Zeit, hinunter in das Thal. Aber Du verdienst auch eine nhere Beschreibung, und sie soll Dir werden. Jackel ist ein Original, aber eins, an dem man seine rechte Freude haben kann. Von krftigem, breitschulterigem, knochigem Krperbau, stark und muskuls, und dabei viel grerer Gestalt, als man es seiner Breite gleich ansieht, eignet er sich vortrefflich fr das Geschft dem er sich, whrend der Jagd wenigstens, unterzogen zum Lasttragen, und es ist wirklich kaum glaublich was der Mann fters die steilen hohen Berge auf seinen Schultern stundenweit hinauf schafft. Er theilt dabei, nicht zu seinem Vortheil, den, ich mchte fast sagen _Aberglauben_ der Leute seines Standes und Gewerbes wie auch mancher anderer Arbeiter im Gebirg (bei den Jgern selber hab' ich es nie bemerkt), _den_ Aberglauben nmlich, da ihm ein reines Hemd zur Schande gereiche. -- Die Leut' mssen ja denken man arbeitet Nichts, wenn man immer wie Sonntags herumgeht sagt er, und bertreibt seine Gewissenhaftigkeit, selbst den Schein zu vermeiden, sogar bis ber den Sonntag hinber und in und durch die nchste Woche. [Illustration] Seine Lebensbedrfnisse sind dabei eben so einfacher Art. -- Vom Revier kauft sich z.B. Jackel in der Herbstjagd einen starken Gemsbock -- _zwei_ Winter liefern ihm dabei _zwei_ Gemsdecken, was gleichbedeutend mit _einer_ ledernen Hose ist. -- Das Wildpret davon wird aber, bis auf das letzte Geniebare, getrocknet und fr den Winter aufbewahrt, und in kleinen Stcken zur Mahlzeit da es recht lange reicht verzehrt. Dazu gehrt aber noch Schmarren -- das einzige wirkliche Bedrfni der Bergbewohner, denn ohne Schmarren knnten sie nicht bestehn. Er ist ihnen, was der Reis dem Indier, der Damper dem australischen Schfer, die Eichel dem californischen Indianer, die Brodfrucht dem Sdseelnder, das Maniokmehl dem Neger, die Kartoffel dem Deutschen, der Mais dem Amerikaner -- und die Bereitung dabei einfach genug. Sie besteht aus Mehl mit Schmalz oder Butter in der Pfanne gebraten oder geschmort. Mehl mit Milch oder Wasser angerhrt kommt nmlich als Brei, wie zu einem Pfannkuchen, in die Pfanne. Hier aber wird ihm nicht gestattet sich zu einem abgerundeten Ganzen zu formiren, sondern die brodelnde, zischende, backende Masse fortwhrend mit einem Messer oder anderen Instrument gestoen und gergert, bis es endlich zu einer brcklichen, von dem Fett je mehr desto besser durchdrungenen Masse quillt. Mit ein paar Pfund Mehl und ein wenig Schmalz ziehen diese Leute auch im Winter, wo besonders die Jger die entlegenen Reviere begehen mssen, wochenlang in dem Schnee der Berge umher, lagern in den einsamen den Almhtten und behaupten da ihnen der Schmarren mehr Krfte gebe als selbst das Fleisch. Eine Anekdote von Jackel wird aber ein viel besseres Bild von ihm entwerfen, als ich im Stande wre hier mit bogenlanger Beschreibung zu liefern. Ein lterer Herr aus der Jagdgesellschaft sah eines Tages, als er eben an einer ziemlich steilen, wenigstens sehr rauhen Wand hinpirschte, einen Mann dieselbe, nur mit einem Stock und einem Bergsack auf dem Rcken, herunterkommen. Er blieb stehn, und erkannte bald zu seinem Erstaunen Jackel der, mit _einem_ Schuh an, und den andern Fu nackt, ber das scharfe Gerll unbekmmert niederstieg und ganz ruhig, auf die berraschte Frage des Herrn wo er den anderen Schuh gelassen, erwiderte, er habe ihn nach Lengries, der _sieben_ Stunden entfernten Stadt, zum Schuhmacher gebracht, und mte nun so lange bis er gemacht sei, _so_ herumgehn. Der Schtze uerte dabei sein Befremden da Jackel hier in den rauhen Bergen _solcher_ Art umherliefe, whrend er selber kaum mit seinen krftigen Schuhen fortkomme. Ja, es geht klein gut da hier meinte Jackel ruhig, nicht wahr es wird Ihnen sauer hier oben? -- ja, wer nicht daran gewhnt ist kommt schlecht fort -- aber ein Stck weiter unten ist's schon ein Groes besser, und -- wenn's Ihnen recht ist, _trag_ ich Sie da hinunter. [Illustration] Die Proposition wurde im gutmthigsten Ernst gemacht, und htte es der Schtze angenommen, Jackel wrde ihn mit der grten Freundlichkeit, und ohne irgend etwas Auerordentliches darin zu finden, den steilen steinigen Hang trotz seinem einen nackten Fu wirklich hinunter getragen haben. Heller knistert und flackert das Feuer, von neu aufgeworfenen Brnden genhrt, und Jackel kommt eben mit einem Kbel frischen Quellwassers herein, den er aus dem nahen, durch eine Rinne gefangenen Quell geholt -- das ist ein Trunk. Ich bin gerade sonst kein besonderer Freund von Wasser, und eigentlich der Meinung, da der liebe Gott dies Element den Menschen nur eigentlich als Urstoff geliefert habe, es zu anderen Getrnken, hauptschlich jedoch zum Waschen zu verwenden. Dort oben in den Bergen aber, und ganz vorzglich in der Baumgarten-Alm, quillt eine so wundervolle crystallhelle und wohlschmeckende Fluth, als ich sie noch nirgends in der weiten Welt gefunden. Ich wei das Wasser dort wirklich mit nichts Anderem als mit Champagner zu vergleichen. Nun, Jackel, wie steht es mit dem Wetter? frug man den Eintretenden -- sieht es noch gut aus? Nun, es ist nur klein hbsch drauen erwiderte Jackel, den Kbel sorgfltig in die Ecke stellend es macht recht dunkel, und Sterne sind auch keine zu sehn -- aber warm und ruhig ist's sonst. Wenn nur ein Bischen Schnee kme sagte der kleine Ragg. -- Es wre schon recht -- die Gemsen zgen sich dann alle lieber in die Joche hinauf. Aber in der Delpz liegt doch Schnee? Es liegt schon etwas drin, aber es drft' mehr sein. Jetzt kam's mir beinah drauen vor, als wenn ich einen Schu danber gehrt htt', sagte der Jackel, es schallte g'rad so-- Nun ein Wilddieb war's bei der Dunkelheit nicht, lacht der Ragg -- es kann auch ein Stein gewesen sein, der sich irgendwo losgebrochen hat. Manchmal schallt das gerad' so wie ein Schu. Von Wilddieben habt Ihr doch hier in der letzten Zeit nichts weiter gesprt? Nichts wieder, seit der Mann im vorigen Jahr drben im Bairischen von dem Soldaten erschossen wurde -- es ist berhaupt hier lange Nichts vorgekommen. Aber doch der Mann der damals in den Bockgrben gefunden wurde -- hat man nie erfahren wie er dahin gekommen, und wer er gewesen? Nein, sagt der groe Ragg etwas zgernd -- er hatte auch schon zu lange gelegen und -- war so zerfallen von dem Sturz die Wand 'nunter. Ist wahrscheinlich im Nebel verunglckt. Der wurde damals gleich drauen begraben, nicht wahr? Nein, ich hab' en 'nunter in's Kloster getragen, sagte Jackel ruhig. Getragen? -- auf den Schultern? [Illustration] Auf der Kraxen, ja -- oh er war nicht mehr so schwer denn er hatte schon seine acht oder neun Monat gelegen, aber -- setzte Jackel hinzu, und es schien doch, als ob ihm die Erinnerung schaudernd durch die Seele liefe -- 's war g'rad keine hbsche Ladung, und ich trag' Gemsen lieber. Zwei Menschen sind doch auch wieder im letzten Jahr die Wand hineingefallen sagt da der kleine Ragg, indem er die Augenbrauen so in die Hhe zieht, als ob er das, was er sagte, selber nicht glaube -- ein Mann und ein Mdchen. Ein Mdchen? Des Halich Tochter, von der hohen Alm. Sie schnitt Gras an einer steilen Lanne, unter der die Wand gerad hinunter sank, und hatte Steigeisen an den Fen. Beim Bcken mu sie's aber versehen haben, sie kommt in's Fallen und kann sich nicht mehr halten. Ihr Bruder war dicht bei ihr, und wie er sie hinunter gleiten sieht, mit ein paar Stzen bei ihr. Ehe er aber den Rock fassen kann, und dicht unter seiner Hand hin schiet sie fort -- es war gerade schrecklich tief wo sie fiel. Und der Andere? War ein Enziansucher, der vom Rokopf hinunter gefallen ist. Wie er's versehen hat, wei man nicht. Er kam Abends nicht zu Haus, und am anderen Tag ging sein Bruder aus, ihn zu suchen -- er hat ihn auch gefunden, drin in einer von den Schluchten aber -- er soll schrecklich ausgesehn haben -- was er noch vom Krper finden und zusammenlesen konnte, hat er im Nasentchel nach Haus getragen. Von der Scharfenwandkar ist auch ein Fremder hinunter gefallen, hat ihm aber weiter Nichts gethan, sagte der Wastel. Das war ein Alguer schmunzelte der groe Ragg. Ja, das kann schon sein sagte Jackel auf seine gewohnte bedchtige, und ganz ernste Weise. Die Anderen lachten. War der Mann bekannt hier? Oh Jackel hat seine besondere Art, wie er die Alguer kennt lachte der kleine Ragg. Ich nicht vertheidigt sich Jackel, aber mein Wirth meint, einen Alguer knnt' man immer kennen. -- Wenn man ihn mit einem Stck Holz auf die Nasen schlgt und er niet nicht, so ist's gewi Einer. Lautes Lachen schallte von allen Seiten der Htte, brach aber pltzlich, wie mit einem Schlag, kurz ab, whrend Aller Gesichter im ganzen Raum den Ausdruck scharfer gespannter Erwartung zeigten. Nur Jackel sah sich verwundert um, und wute nicht was pltzlich geschehen sein knne. Das war ein Hirsch, flsterte Weinseisen. Ja -- ich glaub's auch, sagte Ragg mit ebenso vorsichtig gedmpfter Stimme. Hu -- ah -- h -- h -- h! tnte da drauen, kaum vier hundert Schritt vom Haus entfernt der Ruf auf's Neue klar und deutlich herber, und mit einem freudigen Lcheln in den Zgen horchten alle dem wohlbekannten, so gern gehrten Laut -- aber keiner regte sich. [Illustration] Hu -- ah -- h -- h -- h -- h! noch einmal der wunderbare Schrei -- leider waren aber jetzt die Hunde ebenfalls aufmerksam geworden -- Bergmann der mit am Feuer lag, hatte schon lang geknurrt -- und Pirschmann, der drauen war, schlug an. Das mochte dem Hirsch doch nicht angenehm sein, denn er wurde nicht wieder laut. So was knnt' ich die ganze Nacht zugehr', sagte Martin. Das Gesprch lenkte indessen bald wieder in die frhere Bahn ein -- in das was eben das praktische Leben der Jger und ihre alltglichen Erlebnisse, und dann auch wohl einmal ein auergewhnliches Abenteuer betraf. Merkwrdiger Weise existiren in diesen wilden Bergen nmlich gar keine Sagen, whrend die Schweiz deren so viele birgt. Alles was die Menschen hier umgiebt, ist reelle Wirklichkeit, und wie fast jedes andere europische Volk seine Kobolde oder Wichtelmnnchen, seine Nymphen oder Nixen, oder wo die fehlen wenigstens irgend das eine oder andere anstndige Gespenst hat, das dann und wann einmal sich sehen lt oder Glck oder Unglck bedeutet, sind diese schnen Berge hier jedes solchen geheimnivollen Zaubers beraubt. Man hat die armen Geister mit der trockenen Vernunft sauber hinausgefegt aus Schlucht und Klamm und von den hohen Jochen nieder, auf denen sie doch gewi einmal in frherer Zeit gehaust. Gespenstergeschichten sind aber auch eigentlich in den Bergen nichts ntz. Der Mann braucht dort seine fnf _gesunden_ Sinne, den Gefahren die ihm seine schwere Bahn schon ohnedies in den Weg wirft, kaltbltig die Stirn zu bieten. Es ist keineswegs gesagt, da das Herz, das der augenscheinlichsten Todesgefahr ohne ngstliches Klopfen entgegengeht, nicht stillstehn wrde, wo es sich um irgend ein abgeschmacktes, wenn nur _ber_natrliches Schreckni handelt -- wir haben davon auf See und Land zu viele Beispiele. Hat es der Mann allein mit der Natur zu thun, und wenn sie ihm in allen ihren Schrecken entgegentrte, kann er sich mit kaltem Blut und festem Muth noch manchmal retten -- kommen bernatrliche Schrecken, kommt irgend ein toller Aberglaube dazu, so ist er fast immer verloren. Ist nicht neulich einmal Einem von Euch hier ein Unglck auf der Jagd passirt? -- Wenn ich nicht irre, hat sich Einer geschossen. Von uns nicht, nahm Wastel das Wort. Kaltschmidt's Bruder ging die Bchse los, und er hat sich zwei Finger zerschossen. Durch Unvorsichtigkeit? Nein. Er hatte einen Gemsbock erlegt, ld't seine Bchse wieder und steigt dann hinber ihn zu holen. Dort angekommen, wo der Bock im Feuer zusammen gestrzt war, bricht er ihn auf, packt ihn in den Bergsack und hebt sich den auf den Rcken. Wie er aber die neben ihm lehnende Bchse ber die linke Schulter wirft, reit ihm der Bchsenriemen ab, oder das Leder geht aus der Schraube, und als er unwillkrlich mit der Hand zufhrt, sie zu halten, greift er dabei vor den Lauf, der Hahn trifft wahrscheinlich auf einen Stein, der Schu fhrt heraus, und die Kugel schlgt ihm den vierten Finger ganz und den dritten halb weg. Nun hat er erst eine ganze Weile nach seinem Finger gesucht, ihn aber nicht wieder gefunden, und mute ihn drauen lassen. Er war doch nah bei Menschen? Das gerade nicht, sagte Wastel lachend -- er mute drei Stunden gehn bis er zu Hause kam. Seinen Bock hat er aber darum nicht im Stich gelassen, und ist glcklich damit heim gekommen. Es war nichts Uebertriebenes in dem Bericht. Mit der furchtbar verstmmelten Hand hatte der Mann die schwere Gemse, die doch etwa ihre 50 str. Pfund wiegt, den weiten Weg allein zurckgetragen, und war nachher glcklich geheilt worden. [Illustration] Und solche Fingerwunden sind gar schlecht, meinte Weinseisen -- der Waldwart wei auch davon zu erzhlen. Ja, aber ich habe mich nicht geschossen, fiel der Angeredete in's Wort, -- mich hat ein Wilderer hinein gebissen. Ein Wilderer? Es sind nun schon ein paar Jahre her, da hrt' ich, als ich vom Heimjoch eines Tages nieder stieg, in der Laures einen Schu. Ich machte da ich hinber kam und ungefhr in der Gegend, wo ich glaubte da es gewesen sein knnte, vorsichtig herumpirschend, sah ich pltzlich einen fremden Kerl mit einer grauen Joppe, und einem schwarzen Bergsack neben sich, auf einem Stein sitzen und ganz behaglich frhstcken. Dicht bei ihm lehnte sein Stutzen und vor ihm lag eine Geis, die er eben geschossen hatte. Der Wind ging gerade ziemlich stark und ich konnte dicht an ihn hinankommen. So, eh' er sich's versah, sprang ich auf ihn, und drohte ihn ber den Haufen zu schieen wenn er die Hand nach der Bchse ausstreckte. Was wollte er machen -- ich war im Vortheil und er mute thun was ich von ihm verlangte. Ich nahm ihm also vor allen Dingen den Stutzen weg und hing ihn ber, lie ihn die Geis einpacken und aufhucken, und dann mute er mit mir zu Hause gehn. Er jammerte freilich ich sollte ihn laufen lassen, aber das durfte ich nicht, und so waren wir bis vielleicht eine Viertelstunde vor meinem Haus gekommen, als er mich bat ich mchte ihn einen Augenblick niedersetzen lassen -- er sei so mde. Er legte den Bergsack ab, und ich blieb neben ihm stehen. Wie ich nun dachte da er gerastet, sagt' ich ihm wir wollten weiter gehn, und er gehorchte auch und that als ob er den Sack wieder aufnehmen wollte. Als er sich aber danach niederbarg, erwischte er einen Stein, den er sich wahrscheinlich schon vorher dazu ausgesucht hatte, fuhr wie der Blitz wieder in die Hh', und schlug mich damit an den Kopf. Nun glaubt' er freilich er htt' mich, aber damit war's gefehlt. Ich packte ihn bei der Schulter und Kehle, und wenn's auch ein junger Kerl war, wr' er mir doch nicht fortgekommen. Da erwischt er meinen Daumen hier zwischen die Zhne da ich glaubte, er htt' ihn mir schier abgebissen, und wie ich ihn im ersten Schmerz loslie, stie er mich von sich, und war im Augenblick nachher in den Laatschen drin. Das war das letzte was ich von ihm gesehn habe, und mein Finger wurde nachher gar arg schlimm. Wie Jackel noch gewilddiebt hat, soll ihm auch einmal ein Jger die eine Fingerkuppe weggeschossen haben, sagte auf einmal der Kammerdiener ganz ernsthaft aus dem Hintergrund vor. Wer? ich? rief Jackel, dem die Pfeife beim Zuhren wohl zwanzig Mal ausgegangen war, ganz erstaunt. Aber schon nicht. Den hab' ich mir mit einem Handbeil weggeschlagen. -- Die anderen Jger lachten. Hat nicht der Rainer vor ein paar Jahren einmal dem Jackel ein Gewehr weggenommen? frug ich, das Bergmnnle vor mir auf dem Schoo haltend und es langsam streichelnd. G'raubt hat er's! rief aber Jackel, dem die Frage eine hchst fatale Erinnerung weckte -- heimlicher Weise aus der Htte 'raus. Was hatt'st Du mit einem G'wehr in der Htte zu thun? vertheidigte sich aber Rainer -- Du bist kein Jger. Das wei ich, sagte Jackel, und zieht vergebens an der ausgegangenen Pfeife, aber damals, 48, wie die Welschen herber kommen sollten, da hatt' ich mir ein gutes G'wehr gekauft -- es kostete mich _fnf_ Gulden, aber es scho auch gut, und weil ich's nicht zu Haus lassen wollt', wo sie mir schon einmal mit Schroten drau geschossen hatten, nahm ich's mit auf die Alm zum Holzhacken. Der Rainer aber der war mir nachgeschlichen und hat sich hinter 'en Busch gelegt, bis wir an die Arbeit 'gangen waren, und dann ist er hergekommen und hat es heimlich g'raubt und mit fortgenommen -- und ich soll's heute noch wiedersehn. Jackel stand brigens in der That in dem Verdacht frher manchen eben nicht nthigen Spaziergang in den Bergen gemacht zu haben. _Die_ Zeit lag indessen hinter ihm, und er lugnete das jetzt hartnckig. So gutmthig diese Bursche dabei sind, so schlau sind sie, und als ihm der Herzog einmal in den Bergen befahl seine Bchse zu laden, stellte er sich so ungeschickt dabei an, als ob er gar nicht wisse, was unten hin gehre, die Kugel oder das Pulver. Der Jagdplan auf den morgenden Tag wurde jetzt besprochen, und da wir vor Tag ausbrechen muten, unseren Stand noch vor der Morgendmmerung zu besetzen, stand der Herzog auf, die Nacht auf seiner mit Heu gestopften Matratze unter einer wollenen Decke zu verbringen. Wie viel Uhr ist's? -- es mu schon spt geworden sein. Rainer hat rasch nach seiner silbernen Uhr gesehn. Zehn Uhr, Hocheit. Zehn Uhr? Point du tout, zehn Uhr! versichert Rainer. * * * * * Die meisten Jger schliefen in einer anderen Almhtte, in der noch Heu vorrthig lag, und krochen dort hinein. Der Kammerdiener hatte mit dem Mundkoch sein Bett in einer Ecke der Htte hier gemacht, und whrend ein Theil der Jger ebenfalls in's Lager kroch, sammelte sich ein anderer noch um das Feuer, stopfte sich eine frische Pfeife, und sprach sich ber seine morgenden Jagdhoffnungen aus. Auch Jackel hatte, da der Raum frei wurde seine Pfeife wieder frisch gestopft und angezndet, und ging jetzt daran seine nchtliche _Arbeit_ zu beginnen. Ihm war nmlich das Amt bertragen smmtliche Schuhe der Schtzen wie des Kammerdieners und Kochs zu schmieren und etwa herausgebrochene Ngel, sogenannte _Zahnlcken_ nachzusehn und wieder auszubessern. Das hielt ihn allerdings manchmal bis spt in die Nacht beschftigt, verhinderte ihn aber nie, Morgens der Erste wieder am Platz zu sein und Feuer anzumachen. Nun Jackel, wie ist es den letzten Sommer hier oben gegangen, gut? Ih, mu ja wohl gut sein -- ich bin ja halt immer gesund gewesen. Aber er hat Aerger mit seinem Wirth gehabt, sagt Martin, mit einem Blinzeln des linken Auges, der hat ihm zu viel fr Miethe abgefordert. [Illustration] Ih nun ja, sagt Jackel gutmthig -- aber er braucht sein Bischen auch -- vorigen Winter hat er mir's aber ganz geschenkt, weil ich ihm soviel erzhlt habe, was die Herren hier untereinander gesprochen. Und was zahlt Ihr jhrlich Miethe? _Zwei_ Gulden, erwiederte Jackel, mit einer starken Betonung des Zahlworts, und pate einen neuen Nagel in den vor ihm auf dem Knie liegenden Schuh. _Zwei_ Gulden? ist die erstaunte Gegenfrage, jhrlich?-- Ja, aber ich hab' auch frei Holz dafr, ergnzt Jackel, seine Extravaganz in Miethe doch etwas zu mildern. Aber das mu Er sich selber klein machen? vertheidigt ihn der Kammerdiener wieder mit komischem Ernst, den Eigennutz des Wirths in recht grelles Licht zu setzen. Ih nun ja, das thu' ich gern, sagt Jackel gutmthig. Und mit was beschftigt Ihr Euch nun den Sommer ber? Mit Allem was vorkommt, eigentlich aber bau' ich Cithern und Geigen. So? und die sind wohl theuer? Nu ja, sagt Jackel, und zieht die Augenbrauen hoch in die Hh' -- eine recht _gute_ Geige, was sie eine _Tanzmeistergeige_ nennen, die kann ich doch schon nicht unter _sechs_ Gulden zusammenbringen, und eine hbsche Wiener Cither kostet auch so viel -- sie sind ein Bischen theuer, aber es ist auch groe Arbeit d'ran. Und die gewhnlichen sind billiger? Ei ja schon -- aber doch auch immer zwei bis drei Gulden -- unter dem ist's nicht mglich. -- Oh ich verdien' ein recht hbsches Geld und Viele haben's noch schlimmer wie ich, in den Bergen-- Ehrlicher Jackel -- wie wohlthtig wre es Manchem der seine Einnahme nach Tausenden zhlt, und immer noch nicht zufrieden ist, immer nicht auskommt, und mit dem Schicksal murrt, sich einmal mit einem solchen Mann zu unterhalten. Wie wenig braucht der Mensch und wie viel braucht er eigentlich. -- Mit wie wenigem knnen Leute glcklich und zufrieden sein, und wie hufig laden wir uns selber da drauen in dem tollen Treiben das wir die Welt nennen, neue und neue Lasten, neue und neue Bedrfnisse auf, keuchen unter dem thrichten Gewicht, das wir freiwillig mitschleppen, und klagen das Schicksal an, da es uns nicht zu Hlfe kommt. Es ist Nacht -- schon halb im Schlaf hr' ich noch das Klopfen Jackels, der die pyramidenkpfigen Randngel in die geschmierten Schuhe schlgt. Der Wind hat sich dabei aufgemacht und heult ber das Joch, und der Regen schlgt kaltpeitscheud auf das Dach nieder. -- Dort steigt der Jackel, mit _einem_ Schuh an, den halbverwesten Leichnam auf der Kraxen, die steile Wand hinunter, und statt dem Bergstock trgt er eine Cither unter dem Arm. -- Und wie das prasselt und donnert um uns her. -- Das ist ein Rudel Gemsen das ber die Reien setzt und hier hernieder strmt -- und jetzt ist die Bchse abgeschossen. Rasch das Pulver hinein, und die Kugel mit dem Pflaster obendrauf -- heiliger Gott sie steckt fest -- der Ladstock bringt sie nicht hinunter, und dort steht das ganze Rudel und starrt uns an. -- Ha -- jetzt geht's -- langsam rutscht sie nieder -- der kalte Schwei luft mir von der Stirn -- jetzt sitzt sie -- der Ladstock springt -- und nun ein Kupferhtchen. -- Das eine rutscht aus den Fingern und fllt zwischen die Steine -- die Gemsen sehen die Wand hinunter -- in der Tasche _mu_ doch noch eins stecken -- keins mehr zu finden -- und da auch nicht -- da wieder nicht -- halt hier ist richtig noch eins im Futter drin und nun nach. Noch knnen die Gemsen nicht aus Schuweite sein, und wenn ich jetzt hinab nach jenem Absatz springe -- ha, wie die Steine unter dem flchtigen Fu hinwegstieben und nieder, nieder rollen in die Tiefe -- weiter und weiter -- und jetzt -- der ganze Berg rollt. Wie eine furchtbare Fluth schiebt sich die ganze Decke in's Thal hinab dem steilen Abgrund zu, und dort ghnt schon die furchtbare Tiefe schwarz herauf. -- Die berhngende Laatsche fat noch die zitternde Hand, das Gewehr poltert nieder und unten -- tief unten in der Nacht hr' ich den dumpfen Knall und wenn der Zweig jetzt -- er knackt -- er dreht sich in der Hand -- hinab -- ha ---- Gott sei Dank -- es war nur ein Traum! Was man fr Dinge in den Bergen trumt. [Illustration: =Die Almhtte.=] 10. Die Delpz. Drauen ist's still geworden. Durch das kleine Fenster schaut das Siebengestirn freundlich herein und der Sturm scheint vorber zu sein. -- Schritte vor der Thr? -- wahrhaftig schon Morgendmmerung, der Kammerdiener kommt zu wecken. Wie die kalte frische Luft durch die Nerven zieht und die Haut prickelt, aber den Schlaf auch dafr im Nu von den Lidern scheucht. Und was fr ein wunderbares Dmmerlicht, da oben auf die hohe Rasenwand der Delpz fllt, und wie nah und niedrig jetzt die Berge aussehn. ---- Fangt aber nur an zu steigen und sie dehnen und strecken sich und ihre Gipfel wollen nicht nher kommen, stundenlang. Jetzt Gesicht, Brust und Hnde im khlen Quell gebadet -- nun hinein an das knisternde Feuer so rasch als mglich eine Tasse Kaffee zu bekommen und dann fort, denn eine tchtige Strecke haben wir zum heutigen Treiben noch zu machen. Der Mundkoch, zwischen einer Quantitt Tpfe und Kannen ist indessen emsig beschftigt das Frhstck fr die Jger herzustellen, und der _Kammerdiener_ besorgt das Gleiche fr die Jagdgesellschaft. Ueberhaupt ist dieser das Factotum in den Bergen, das Kammrad um das sich die ganze Maschinerie des _inneren_ Ministeriums wenigstens dreht. Stnde er einmal still, es gbe eine Heidenconfusion. Er hat fr Alles zu sorgen und sorgt fr Alles; die ganze Einrichtung verschwindet auf dem einen Pirschhaus und taucht auf dem anderen wieder auf. -- Niemand wte wie, wenn nicht die Trger hie und da beim Treiben oben an einer Wand dem Pirschpfad folgend sichtbar wrden, und gewissermaen die Fden zeigten, an denen sie bewegt werden. [Illustration] Aber von all den tausend Kleinigkeiten, an die zu denken ist, vergit er selten oder nie etwas. -- Alles ist besorgt, alle Trger sind zur rechten Zeit bestellt und an den rechten Ort gewiesen -- Erkundigungen sind schon vorher eingezogen ob an dem neuzuwhlenden Platz Heu vorhanden ist, Matratzenscke und Kopfkissen damit auszustopfen, wie es mit dem Proviant gehalten wird, den der Haushofmeister vom Jagdschlo aus hinauf befrdern lt. -- Die Trger die das Essen heraufbringen, nehmen denn auch gewhnlich die erlegten Gemsen mit, und Boten wechseln dabei herber und hinber. Er ist zugleich Tafeldecker und Kammermdchen, Haushofmeister und Kammerdiener, bessert erlittene Schden aus und beugt neuen vor -- hat Alles von Instrumenten und Utensilien in Vorrath was man sich nur denken kann, ein ganzes Arsenal von Knpfen, Nadeln, Zwirn, Ngeln, Bndern etc. etc. etc. In seiner rgsten Geschftigkeit trgt er dabei einen weien Hut; nur Morgens nach dem Frhstck wenn _Alles_ abgefertigt, wenn die ganze Jagd hinausgezogen ist in die Berge, und ihm das Feld allein berlassen wurde, dann hat er eine gestrickte Mtze die er aufsetzt, und die _Beruhigungsmtze_ nennt. Dann ist Frieden im Reich, und hchstens Jackel mit den brigen Trgern zurckgeblieben, seine Anordnungen auszufhren. Aber fort -- fort; drauen hellen sich schon die Hhen und der Morgen bricht sonst an, ehe wir die, noch ziemlich ferne Schlucht erreichen. Kalt und frostig schickt ein scharfer Nordost seinen eisigen Hauch herber, und die Glieder mssen wir durch Gehn erwrmen. Das ist auch leichte Arbeit in den Bergen, denn jetzt an steiler Lanne hin, den kaum sichtbaren Pirschpfad folgend, jetzt thalauf und ab, fhlt man die Klte bald nicht mehr, und gar nicht lange, so zeigen die fallenden Schweitropfen und die heie Stirn eine ganz andere Temperatur, als die beim Ausgang war. Die Nacht, oder vielmehr gegen Morgen hatte es etwas geschneit und in dem Delpzkessel selber, an der Nordwand, lag auch noch Schnee von einem frheren Fall her. Dort wurde ich hinaufgeschickt, und zwar so weit, da ich bis dicht unter die steil anlaufende Wand und auch eine Strecke nach unten -- wo auerdem noch gegenber eine Wehr hinkam, schieen konnte. Die Parole war dabei: ruhig und still liegen zu bleiben und sich nicht zu rhren, denn das Geringste was sich regt, gewahrt die Gemse. Der einzige gnstige Platz den ich mir da oben, wo auch nicht der geringste Busch, nicht die kleinste Laatsche stand, aussuchen konnte, war in einem flachen Erd- oder vielmehr Schneekessel, denn der ganze Hang lag dicht mit gefrorenem Schnee bedeckt. Im Bergsack hatte ich allerdings den fr solche Flle hchst nthigen Mantel und war auch noch von dem raschen Marsch warm genug, trotz den nackten Knieen eben keinen Frost zu fhlen -- aber das Treiben wollte nicht beginnen. Eine Viertelstunde verging -- eine halbe -- eine ganze Stunde -- und noch regte sich nicht das Geringste, weder auf der Hhe von Treibern, noch im Kessel drin von einer Gemse. Die Zhne fingen mir jetzt an zusammen zu schlagen und ich kauerte mich eine Weile so eng ich konnte auf dem nichtswrdig kalten Schnee zusammen. Die Neugierde lt den Menschen aber auch da nicht ruhn, und vorsichtig wieder den Kopf hebend, schaute ich mit abgenommenem Hut ber den Rand der kleinen Hhlung in der ich lag, ob sich denn noch gar Nichts sehen lie. Zu hren war nicht das Mindeste. Einen wunderbaren Anblick bot, als der Tag vllig angebrochen war und die Sonne das hohe pyramidenfrmige Joch des Scharfreuters beschien, der Kessel selber. Die Dmmerung hatte sich aus diesem noch nicht ganz hinausarbeiten knnen, und der Schnee der auf den Reien der Nordseite lag, schillerte in blulich matter Farbe. Kein einziger Busch war zu erkennen; nur drben unter dem Scharfreuter der die sdliche Grenze desselben bildet, wuchsen kleine verkrppelte Laatschen. Links hob sich dabei die vollkommen kahle schroffe Wand viele hundert Fu empor und grad' aus lief sie zu einem engen niederen Passe nieder. Wenn man so da lag und hineinschaute, sah es auch aus als ob der ganze Platz kahl, und leicht zu bersehen wre, nicht eine Ratte htte sich ja darin verbergen knnen, auer vielleicht hie und da hinter einem niedergebrckelten Stein. -- Ich war aber mistrauisch gegen diese Augentuschung geworden, die mich schon einige Mal irre gefhrt, und untersuchte vorsichtig auch den kleinsten dunklen Punkt mit meinem Fernrohr. Wenn es nur nicht so furchtbar kalt gewesen wre -- und dann der Schwei vorher. Wunderbarer Weise hat aber ein Temperaturwechsel, der im flachen Lande und in der dicken schweren Luft da unten die schlimmsten Krankheiten nach sich ziehen mte, hier nicht die geringsten Folgen. Man friert eben oder wird hei, und mit der Ursache ist auch die Wirkung vorbei. Zwei volle Stunden mochte ich so auf der einen Stelle gelegen haben, da klapperte ein Stein! -- noch in weiter Entfernung zwar, aber es war da jedenfalls etwas unterwegs. Oben auf der Wand wurde auch jetzt ein Jger sichtbar -- nicht grer wie ein Fingerglied stand er oben, und nur sein ha--ho! schallte klar und deutlich nieder. Da donnerte ein Schu durch den Kessel, und brach sich rasselnd an der rauhen Wand -- ich sah auch den blauen Dampf in einem kaum erkennbaren Wlkchen aufsteigen, weiter war aber nichts zu sehn. Da -- dort waren Gemsen, sieben -- acht -- neun Stck, klein wie die Ameisen die an einer Kalkwand hinlaufen, sprangen sie ber den weien Schnee der Reien, gerad' nach mir zu. Die kamen sicher hier herber. Jetzt sind sie pltzlich verschwunden -- das was ich von hier fr ebenen Grund gehalten, sind tiefe Schluchten und Spalten und einer von diesen folgend haben sie sich dem inneren Kessel zugewandt, dort vielleicht hinunter und in das Thal nieder zu brechen. Aber dort steht auch ein Schtze der sie schon empfangen wird. Es sieht wundervoll aus, wenn die kleinen winzigen Dinger so flchtig ber die Steine wegsetzen. Was fr einen Spektakel sie dabei auf dem Gerll machen -- und doch sind sie so weit entfernt. Jetzt kommen sie dort pltzlich, als ob sie aus der Erde herausdrngten, wieder zum Vorschein. Hei, wie sie dem Engpa zuspringen an dem-- Wie von einer Kugel getroffen, knickte ich zusammen und in den Schnee hinein, denn dort vor mir -- kaum vierhundert Schritt entfernt, und in schnurgerader Linie auf mich zu, kam ein alter pechschwarzer Bock langsam ber den knatternden Schnee daher getrollt. Vorsichtiger Weise hatte ich mir heute Morgen ein weies Tuch mitgenommen, das ich jetzt ber den Kopf band, die dunklen Haare zu verdecken, dann die Bchse spannte und mich nun langsam aufrichtete, den Bock zu empfangen, oder wenn er zu weit nach unten einbiegen sollte, anzuspringen. -- Er war stehn geblieben, und schaute jedenfalls nach dem Rudel hinunter das jetzt durch den vom Schnee freien Kessel setzte. Wie er so dastand sah er wahrhaftig aus wie ein dreijhriger Keuler, so schwarz und zottig und anscheinend plump auf den Fen. Ich fing jetzt vor Klte und Aufregung an zu zittern, da mir die Glieder ordentlich am Leibe flogen, aber das dauerte nur wenige Momente, und jetzt drehte sich auch der Bock langsam nach mir um und -- verschwand. Im Schnee war er auf einmal wie geschmolzen, und da ich frchtete da er auch am Ende, wie das Rudel, irgend eine Spalte angenommen haben knnte und dieser dann thalab folgte, sprang ich in die Hh' und aus meiner Hhlung heraus auf den hheren Rand, dort jedenfalls mehr Uebersicht zu haben, und einen freieren Schu zu bekommen. Unwillkrlich sah ich dabei nach unten hin, als es _ber_ mir wieder krachte und der Bock jetzt, der dort auf's Neue zum Vorschein gekommen war, und mich jedenfalls gesehen hatte, in voller Flucht ber den Schnee fort und dem steilen Felsrand zusauste, der ihn vor meiner Kugel gesichert htte. _Die_ wurde ihm aber, ehe er noch zwanzig Stze gemacht; die Kugel schlug auch vortrefflich und der Bock zeichnete; nichts destoweniger setzte er mit unverminderter Schnelle seinen Lauf fort, und mein zweites Rohr -- versagte. Das todte Niederschlagen des Hahns auf das Htchen ist unter allen Umstnden ein fataler Laut, hier aber, nachdem man ein paar Stunden im Schnee gelegen hat und bald erfroren ist, bringt es Einen wirklich zu gelinder Verzweiflung und man fat unwillkrlich die Bchse, als ob man ihr etwas zu Leide thun wollte -- man thut ihr aber Nichts. Piff -- paff -- ging es jetzt auch unten im Thal, und als ich den Kopf dorthin wandte, sah ich wie das Rudel den schmalen Engpa angenommen, und trotz dem dort stehenden Schtzen forcirt hatte. Mir machte jetzt inde mein eigner Bock zu schaffen, und vor allen Dingen den abgeschossenen Lauf wieder ladend, und dem anderen ein frisches Zndhtchen aufdrckend, nahm ich meinen Hut und Bergstock, und kletterte an dem harten Schnee hinauf, den Anschu zu untersuchen. Der Bock selber war lange um die Felswand verschwunden. Schwei! -- beim Himmel! ein groer dunkler Tropfen, gleich dort wo ich die Fhrte fand, und weiter zurck wo die Kugel in den Schnee gefahren, lagen abgeschossene Haare. Der Bock hatte hier gleich vom Anfang an auf beiden Seiten geschweit; und war jedenfalls durchgeschossen. Fr jetzt lie sich indessen weiter Nichts thun als den Anschu zu verbrechen -- aber womit? Kein Busch stand auf tausend ja vielleicht zweitausend Schritt. Ich that endlich das Einzige was mir brig blieb, ich legte meinen Hut auf den Schwei und stieg nun in's Thal hinab wo sich die Schtzen schon sammelten. Oben auf der Wand halloten die Treiber noch, und warfen dann und wann Steine nieder. Lrm genug machten die allerdings, wenn sie mit hohlem Sausen in's Thal hinab donnerten; ntzen konnten sie aber fr den Augenblick Nichts weiter. Nach halbstndigem Marschiren nherte ich mich endlich der Stelle wo unser Jagdherr einen starken Bock erlegt hatte. Er lag dicht unter der Wand und der glckliche Schtze stand neben ihm. Martin kam eben seitwrts vom Treiben herein. Da lste sich oben ein kleiner Stein von der Wand, kam herunter gesprungen, und schlug etwa zehn Schritte vom Herrn ein. Er kam brigens hoch genug nieder, dem unten Stehenden den er traf, noch ein tchtiges Loch in den Kopf zu werfen, -- wenn nicht mehr zu thun. Werft keine Steine mehr da oben 'runger! rief Martin hinauf, und hielt sich den Hut hinten, um besser nach oben sehn zu knnen. Ja! lautete die Antwort und gleich darauf donnerte und krachte es oben, als ob ein Felsblock nieder kme. Ich war noch ein Stck davon entfernt, konnte aber deutlich sehn wie Herr und Diener eben noch Zeit behielten unter einen vorhngenden Felsblock zu springen, als die etwa kopfdicken Brocken niederprasselten. [Illustration] Ihr sollt keine Steine mehr oben herunter gewerf! schrie Martin jetzt wieder, sobald das Gerll unten anlangte, indem er vorsprang den Befehl hinaufzurufen. _Ja!_ lautete die, wie rgerlich gegebene Antwort und mit dem Ruf zugleich donnerte es auch auf's Neue von oben wieder, und jagte Martin eben so rasch unter die Wand, um welche die zerschellenden Stcken herum spritzten. Ihr sollt nicht mehr _werfen_! schrieen jetzt andere Jger hinauf, und Martin wollte eben einen neuen verzweifelten Versuch machen dem Steinhagel Einhalt zu thun, denn die Lage seines Gebieters fing dort unten an gefhrlich zu werden; wieder aber schickte ihn eine neue Ladung zurck, und ich selber konnte von der Stelle aus auf der ich stand deutlich erkennen, wie sich der oben stehende und hitzig gewordene Rainer die grte Mhe von der Welt gab, nur recht rasch noch ein paar frische Steinbrocken aufzutreiben, oder von der Wand loszutreten und nieder zu senden. Er hatte keine Ahnung davon welch Unheil er anrichten konnte. Nur mit entsetzlicher Mhe brachten wir ihn auch endlich, durch vereintes Geschrei dahin, von seinem Bombardement abzustehen, denn whrend ihm von unten aus zugerufen wurde mit Werfen aufzuhren, hielt er das fortwhrend fr eine Aufforderung mehr Baumaterial herunter zu lassen, weil er, seiner spteren Aussage nach, glaubte man htte irgendwo an der Wand einen alten hartnckigen Bock entdeckt, der nicht heraus zu bringen wre, und den wollen wir schon kriegen, dacht' ich. Der erlegte Bock wurde jetzt zum Eingang der Delpz und auf den scharfen Rand gebracht, der direkt zum Scharfreuter herunterluft. Dort sammelten wir uns alle, von da aus ein zweites Treiben das am Wisinger Berg gemacht werden sollte, zu umstellen -- aber vorher ein wenig zu frhstcken. Eine zweite Gemse die unten geschossen worden, war jetzt auch herbei gebracht und Martin beschrieb gerade wie er von oben hereingekommen, und den erlegten Bock an der Wand hinaufklettern gesehn, als er seinen Bericht pltzlich mit dem halbunterdrckten aber ngstlich hervorgestoenen Ein Bock! unterbrach, und zu gleicher Zeit deutete der Arm mitten in den Kessel hinein, derselben Wand zu, von der Rainer sich vor noch kaum einer halben Stunde die grte Mhe gegeben hatte Alles niet- und nagellose nieder zu senden. Und er hatte recht; trotz dem Lrm, trotz dem Rufen und Schreien, trotz dem vielen Schieen endlich, da wir nach dem Treiben unsere Bchsen abgefeuert, kam da schon wieder ein Bock in's Thal herein, und schien die Wand entlang die Richtung gerade auf uns zu zu nehmen. Noch war er allerdings so klein, als ob eine Maus auf der Schneebahn hinliefe; die Thiere ugen aber ganz vortrefflich und wir wuten Alle da wir uns nicht rhren durften, wenn er nicht augenblicklich umdrehen und den Rckwechsel annehmen sollte. Was thun wir jetzt? Ich laufe hinten herum und schneid' ihm den Weg ab, rief Martin schnell bereit, wenn die Anderen dann wieder oben auf den Rand gehn und die paar Psse besetzen, _mu_ er hier heraus. Aber es sind auen herum zwei Stunden Wegs bis zu der Wand dort drben, sagte Einer. Ich lauf's in einer halben, versicherte Martin, und versprach keinesfalls mehr als er leisten konnte. Sowie wir hier aufstehn sieht uns der Bock, flsterte Ragg. Wir brauchen nicht aufzustehn, lachte der Herr und gab das Beispiel zum allgemeinen Rckzug, indem er sich langsam hinten berbog. Ohne den Krper oben wieder zu zeigen glitt er so nach hinten, und rasch, aber mit nur mhsam unterdrcktem Lachen folgten Alle in derselben Art. Komisch genug mu es auch ausgesehn haben, und wenn Jemand htte oben vom Berg aus diese pltzliche wunderbare Bewegung der ganzen Jagdgesellschaft beobachten knnen, ohne die Ursache zu wissen, wre er mit Recht erstaunt gewesen. Das Manoeuvre hatte jedoch vollstndigen Erfolg; der Bock gewahrte nicht das Mindeste und Alle eilten jetzt, von dem Hang gedeckt, den ihnen bestimmten Pltzen zu. Es konnte auch wahrlich kaum eine halbe Stunde gedauert haben als Martin, der die Ausdauer eines Windhundes hat, sich an dem entgegengesetzten Felsvorsprung zeigte und der Bock, also beunruhigt rasch dem bequemsten Ausgang zueilte der gerade vor ihm lag. Da freilich mute er in etwa hundertfnfzig Schritt von dem Felsblock vorbei hinter dem unser Gastherr geschickt sich verborgen hatte. Da er in voller Flucht ging half ihm ebenfalls Nichts. Er bekam die Kugel seines Namenvetters[3] mitten auf's Blatt, lief noch etwa sechzig Schritt, und brach dann zusammen. [3]: Die doppellufigen Bchsen in denen die Lufe bereinander liegen, werden _Bcke_ genannt. Durch dieses Intermezzo war nun freilich der Tag fr ein zweites Treiben zu weit vorgerckt, und Martin wurde mit Pirschmann auf meinen kranken Bock geschickt. Leider brachte er von der Nachsuche blos meinen Hut zurck, denn der Bock der jedenfalls hoch und hohl durchgeschossen worden, hatte den Berg angenommen und war, obgleich tchtig schweiend, ber die Grenze gegangen. -- Gemsen sind berhaupt entsetzlich hart, und laufen, selbst bei tdtlichem Schu, oft noch eine lange Zeit. Eine _hoch_ geschossene Gemse, wenn die Kugel nicht gerade das Rckgrat zerschlgt, kommt fast immer durch, oder ist wenigstens in den meisten Fllen fr den Jger verloren. Da sich die Bcke brigens, wie wir heut mehre gesehn, schon von den Rudeln abhielten und einzeln umher zogen, war ein Zeichen da die Brunft bei ihnen begonnen hatte. In der Zeit ist der Gemsbock ein so eigenthmliches wie merkwrdiges Thier. Ehe er sich wieder mit seines Gleichen einlt, scheint er sich erst eine Zeitlang in sich selbst zurckzuziehn, stellt sich ganz allein, und nur mit seinen eigenen Gedanken beschftigt in steile Wnde und Klammen ein, nimmt sehr wenig Nahrung zu sich, und spielt mit einem Wort den chten Oansiedl vom Berge. Sowie aber die wirkliche Brunftzeit beginnt verlt er diese verdeckten Orte und steigt auf die Joche, am liebsten zu schmalen Stellen auf, von wo er nach beiden Seiten hinab und nach den vorbeiziehenden Rudeln niederschauen kann. Auch auf einzelne vorspringende Felsen geht er gern hinaus, einen besseren Ueberblick ber die Thler zu gewinnen. Schliet er sich endlich einem Rudel an, so setzt es gewhnlich hartnckige Kmpfe zwischen den schon dabei befindlichen Bcken, wo dann natrlich das Recht des Strkeren entscheidet. Laute giebt er in dieser Zeit nicht von sich, ein leises, nur in geringer Entfernung hrbares Mekkern ausgenommen. Er soll aber dann, besonders wenn die Jahreszeit weiter vorgerckt ist, auerordentlich neugierig werden, und herbei kommen sobald er etwas Ungewhnliches sieht -- vorausgesetzt natrlich, da er keinen Feind wittert. Die Jger bethren ihn auch wohl manchmal, indem sie, dicht versteckt hinter einem Fels oder Busch, ihren Hut mit dem weien Sto von Schneehuhn oder Birkwild daran, langsam hin und her bewegen, worauf der Bock gar nicht selten herbei kommen soll, zu sehn was es gbe. Einzelne haben sich auch schon schwarze wollene Mtzen mit einem breiten weien Streifen an jeder Seite stricken lassen, die sie dann ber den Kopf ziehn, und diesen an irgend einem Felsenvorsprung oder aus einem Busch heraus zeigen. Merkwrdig ist, da sich in dieser Zeit, dicht hinter den Krickeln des Bocks, am oberen Theil des Kopfes, eine eben nicht ambraduftende Anschwellung, der sogenannte Brunftknopf bildet, der etwa zu der Gre einer Haselnu anwchst. [Illustration] So scheu der Bock im Allgemeinen ist, und so sehr er besonders den Menschen frchtet, ist doch in der Ri schon einmal ein Fall vorgekommen, wo eine Gemse unten im Thal, und auf dem Fahrweg, einen dort vorbeikommenden Menschen aus freien Stcken angefallen, und bs gestoen hat. Merkwrdig bleibt das berhaupt in der Naturgeschichte der Thiere, und fr uns ein bis jetzt noch keineswegs aufgeklrtes Geheimni, da ausnahmsweise, und in einem uns nicht erklrbaren Zustand von Aufregung und Wuth sonst ganz friedliche und furchtsame, wenigstens den Menschen _frchtende_ Geschpfe diesen anfallen, und dann auch nicht eher ablassen bis sie getdtet oder unschdlich gemacht werden. Ich wei solche Beispiele von Fchsen, Wieseln, Mardern, wilden Katzen, ja selbst mit dem Hasen soll es vorgekommen sein, und jener Gemsbock liefert ebenfalls den Beweis dafr. Von groen Thieren bieten Elephanten und Rhinocerosse hnliche Beispiele, diese aber meist in der Brunftzeit, wenn sie von einem strkeren Gegner besiegt wurden und nun in hchst verdrielicher Laune allein den Wald durchziehn. Sie fallen dann Alles an was ihnen in den Weg kommt. Die Wallfischfnger ebenfalls kennen die Gefahr der ihre Boote ausgesetzt sind, wenn sie einen einzeln umherstreifenden Pottfisch (Cachelot, Spermfisch) angreifen. Ist ja doch schon der Fall mit dem englischen Schiff Essex vorgekommen, da es ein einzelner Spermfisch selber ungereizt angefallen und in Grund gebohrt hat. Ueberhaupt kennen wir bis jetzt nur erst leider die alleruersten Umrisse des Familienlebens der wilden Thiere, denn die eingefangenen leben in einem ganz unnatrlichen Zustand, und knnen keinen Mastab geben, whrend in der Wildni selber eine genauere Beobachtung unmglich ist. Es fehlt uns der Schlssel zu ihren Handlungen, wir verstehen ihre _Sprache_ nicht, und begngen uns gewhnlich mit dem einen nichtssagenden Wort _Instinkt_ das, was wir Auergewhnliches von ihnen zu sehn bekommen, zu erklren. [Illustration: =Der Bock in Sicht.=] 11. Die Grasberg-Alm. Die Nacht wehte ein fliegender Sturm, und der Mundkoch behauptete am nchsten Morgen, da ihm gerade um Mitternacht die Mtze, die er im Bett aufbehalten, im Bett vom Kopf geflogen sei. Rein und wolkenlos brach aber der nchste Morgen wieder an, und da hier nicht weiter gejagt werden sollte, wurde das Lager zum Abend auf die Grasberg-Alm beordert. -- Weiter war Nichts nthig, und der Kammerdiener besorgte das Uebrige. Auf dem Weg dorthin sollten einige, zwischen der Baumgart- und der Grasberg-Alm liegende Grben geriegelt werden. Gemsen zeigten sich hier berall, und wenn auch natrlich die wenigsten zum Schu kamen, wurden doch wieder vier erlegt; drei von des Herzogs eigener Hand. Ich sa unten, ziemlich tief im Graben in einer schattigen Felsspalte drin, da die Sonne warm auf die Berghnge schien, und die Luft dort aufzog. Vllig gedeckt mute ich brigens Alles, was mir etwa htte schumig kommen knnen, schon zeitig genug hren oder sehen, mich fertig zu machen. Ich vertrieb mir also damit die Zeit, durch mein Perspektiv zwei alte Kitzgeisen zu beobachten die sich an einem grasigen Abhang sten, whrend die beiden kleinen niedlichen Kitzen, die eben die kurzen Krickeln etwa zwei Zoll hoch zeigten, lustig um sie herumsprangen, auf den beiden Hinterlufen tanzten, die kleinen kaum bewehrten Kpfchen gegeneinander andrckten, und sich gerade so benahmen, wie sich ein paar junge bermthige Ziegenbckchen an ihrer Statt benommen haben wrden. Obgleich die Gemse nicht zum Ziegen-, sondern zum Antilopengeschlecht gehrt, hat sie in der Bewegung und Lebensart doch manche Aehnlichkeit mit ihr. Sonst halten sich die beiden aber in den Bergen, wo sie doch manchmal zusammentreffen, ziemlich entfernt von einander, und man soll eher Gemsen zwischen Schafheerden auf der Aesung finden, als zwischen Ziegen, obgleich das erstere ebenfalls sehr selten geschieht. Von da wo ich lag konnte ich den oberen Pirschweg ziemlich deutlich erkennen, der sich wie ein matt-lichter Streifen hie und da ber nacktes Gestein hinzog, bald zwischen Laatschenbschen verschwand und an einer kleinen Lanne oder sonst offenen Stelle wieder zum Vorschein kam. Wie ich zufllig einmal den Blick hinaufwarf, sah ich sich etwas bewegen, und das Fernrohr dorthin richtend erkannte ich bald einen geringen Hirsch -- es mochte ein Sechs- oder Achtender sein -- der, von einem Thier gefolgt, langsam den Pirschweg hin und zwar nach Osten zuhielt. Der Hirsch blieb dabei manchmal stehn und ugte zurck, trollte aber dann immer wieder rascher vorwrts, als ob ihm da hinten etwas nicht recht gefalle. Ich zerbrach mir noch den Kopf darber, was ihn in aller Welt knne beunruhigt haben, da er sich vollstndig auerhalb des Treibens befand, als ich pltzlich zur Linken, auf demselben Pfad, etwas Weies aus den Bschen vorleuchten sah. Rasch richtete ich mein Glas dorthin, und erkannte bald zu meiner innigen Freude den Kammerdiener und den Koch die, Beide in Hemdsrmeln -- und der heie Tag rechtfertigte vollkommen eine solche Erleichterung -- die Rcke durch den linken Arm gesteckt Einer hinter dem Anderen in angenehmer Unterhaltung daher kamen, und den Hirsch mit dem Thier ebenfalls zu einem, wahrscheinlich gar nicht beabsichtigten Spatziergang nthigten. Der Mundkoch trug dabei etwas in der Hand, das hin und her schaukelte und eigenthmlich in der Sonne blitzte, was es sei, lie sich inde in solcher Entfernung nicht gut erkennen. Es war dies brigens das friedlichste Hirschtreiben das ich je gesehn, und htte der Hirsch ebensowenig von seinen Treibern gewut, wie diese von ihm, wren sie beide jedenfalls nher zusammen gekommen. So lie sich das Wild noch eine Zeitlang den Pirschweg gefallen, und verschwand dann endlich in einem, nach unten in den Graben fhrenden Dickicht. Einen eigenthmlichen Anblick hatten wir an dem Abend, als wir, schon etwas nach Dunkelwerden, die Grasberg-Alm-Htte erreichten. Unten die Thler lagen schon in tiefer Nacht, und selbst die Berge zeichneten sich dster gegen den noch hellen Horizont ab. Dicht hinter den Husern stieg eine kahle, nur von breiten Streifen, fast wie angelegten Beeten von Alpenrosen bedeckte Anhhe hinauf, und lief, nach dem Kumpar hinberfhrend, mit ziemlich ebenem Rcken etwa tausend Schritt von Nord nach Sd. Der kahle Rand stach jetzt desto auffallender gegen den noch lichtgrauen Himmel ab. Oben aber, da der ganze Krper bis zu den Klauen hinunter deutlich sichtbar blieb und fast so aussah, als ob er zierlich aus schwarzem Papier geschnitten wre, stand ein Hirsch, spitz gegen uns gekehrt, und beobachtete aufmerksam den Einzug der _ihm_ jedenfalls unwillkommenen Gste. Regungslos verharrte er dabei in seiner Stellung und man konnte mit dem Fernglas deutlich das ausgreifende Geweih erkennen, bis wir durch eine Senkung des Hgelhangs seinen Blicken entzogen wurden. Aber selbst dann beruhigte er sich noch nicht, und wenige Secunden spter tauchte der schlanke Krper wieder auf einer anderen etwas vorragenden Stelle des Hgelrckens auf, von wo aus er die Huser selber berschauen konnte. Dort stand er bis es so dunkel geworden war, da man ihn kaum noch erkennen konnte, und verschwand endlich, wie in den Berg hinein. Das Wetter blieb die letzten Tage ziemlich schwankend. Den Tag ber hatte es manchmal ein wenig geregnet, manchmal die Hhen mit dichtem Nebel umzogen; auch der Wind war eben nicht zum Besten gewesen. In der Nacht drehte er sich indessen nach Sdost herum, die Luft wurde kalt und rein, vom Himmel funkelten Myriaden Sterne, und gegen Morgen deckte leichter Reif den Boden. Ich war frh aufgestanden, in erster Morgendmmerung die Aussicht nach den gegenberliegenden Bergen zu haben. Von hier aus hatten wir den Blick auch in ein anderes Thal, dessen Pulsader, der klare muntere Bergstrom, wie der Johannisbach, an der Carwendelwand entsprang, und sein Wasser von Nord nach Sd in die Ri hinein jagte. Laut aufjauchzen htte ich aber mgen, als ich hinaus vor die Thr der Htte trat und von dem nchsten, kaum dreiig Schritt entfernten Grashang das zu meinen Fen liegende Thal, die gegenber liegende Berggruppe berschaute. Ich will versuchen den Anblick zu beschreiben aber, lieber Gott, wie weit bleiben da Worte hinter dem wundervollen zauberschnen Bild zurck das sich hier, wie durch den Stab eines Magiers heraufbeschworen, vor meinen Blicken entrollte, und mir die Seele mit Lust und Jubel fllte. Das ganze Rithal unter uns, soweit das Auge darin nach rechts hinunter, nach links hinauf schweifen konnte, wie das schmale, zwischen dem Falken und Rokopf nach der Carwendelwand zulaufende Laritter Thal war in der Tiefe mit dichtem milchweiem Nebel angefllt, aus dem die grnen bewaldeten Wnde wie die dunklen Ufer eines Nebelstroms emporstiegen. Darber hoch hinaus ragten die starren Kuppen der ewig schnen Berge vor uns, mit den khn gerissenen Gipfeln des Gemsjochs whrend links der Kumpar sein spitzes Haupt in die blaue Luft hineinreckte. Ein Duft lag dabei ber dem Allen, wie er sich weder mit Farbe noch Feder schildern lt, und wie die Sonne hher und hher stieg, und der Nebel da unten Leben und Bewegung bekam, wie es den Wiederschein von den Gipfeln in's Thal hinunterwarf, wie sich die schneeigen luftigen Schichten anfingen zu rollen und ineinander zu drngen, und ihre Rnder jenen eigenen wunderbaren fast durchsichtigen Rosenschimmer annahmen -- wie es da endlich mehr und mehr zu wogen begann, als ob die Bergriesen dadrinnen die Schultern gegengestemmt htten, und die weie Fluth mit aller Macht zum Thal hinaus schben, wie hie und da ein kleiner Bergesvorsprung inselgleich und dunkel daraus empor stieg, da ihm die weien Schwaden durch die Wipfel seiner Bume schwindend, schmelzend ber den Nacken flossen und die ganze Pracht des morgenglhenden Thales jetzt pltzlich sichtbar ward, da wute ich gar nicht mehr wie mir geschah, so leicht, so froh, so glcklich fhlt' ich mich, und htt' ich mich nicht vor den Jgern geschmt, ich glaube, ich wre dem nchsten Baum um den Hals gefallen, und htte laut geweint. Es giebt ja aber auch nichts Edleres, nichts Reineres als die Natur. Wer sich ihrer freut, wem Gott Empfnglichkeit dafr in's Herz gelegt, der hat ein Recht sich den bevorzugt Glcklichen zu zu zhlen, denn berall auf dieser weiten wunderschnen Welt sind ja Gensse fr ihn ausgestreut. Eigenthmlicher Weise erfate mich hier ein ganz hnliches Gefhl als damals, als ich das erste Rauschen der Palmen ber mir hrte. In jener heiligen Ruhe der Tropenwelt unter den mchtigen wunderbaren Bumen vermochte ich _den_ Eindruck unwillkrlich nichts Anderem zu vergleichen, als dem stillen heimischen Schneefall in einem Fichtenwald, wenn die groen Flocken so langsam und sanft hernieder sinken, zwischen den grnen schtzenden Zweigen durch, und mit der weichen reinen Decke den Boden warm belegen. So zitterte mir hier, den wilden trotzigen Alpen, dieser gigantischen, khn gerissenen Bergesschnheit gegenber, dasselbe selige Gefhl durch's Herz das ich empfand, als ich vom Megamendong in Java nieder das herrliche Preanger Thal mit seinen einzelnen Fruchtbaum-Oasen, seinen dichten Wldern und all seiner tropischen Pracht vor mir ausgebreitet sah -- und doch wie ganz verschieden sind die beiden Scenen. Dichter und compakter sammelte sich inde, whrend die Sonne hher stieg, der Nebel, rollte langsam, ein Zeichen guten Wetters, zum Thal hinaus und weiter in's flache Land--, und unsere Jagd begann. Aber ich darf den Leser auch nicht mit Wiederholungen ermden. Wohl htt' ich ihm freilich gewnscht das wundervolle Schauspiel mit zu genieen, das uns noch einmal ber Tag am Heimjoch der Nebel in seinen eigenthmlichen Schatten und Formen gab, oder ihn einmal ber einen der dortigen Pirschwege in die Bockgrben, und so mitten in die wilde Fels- und Schluchtenwelt da eingefhrt, doch versumen wir leider zu viel Zeit dabei. Diese _Pirschwege_, so behaglich das Wort _Weg_ auch in den Bergen klingt, darf man sich brigens nicht etwa zu bequem denken. Sie sind meist immer nur angelegt vollkommen unerreichbare Klammen und Wnde passiren zu knnen, und dort hinein zu pirschen, oder -- wenn man auf die andere Seite will -- weite, oft stundenlange Umwege, zu sparen. Das wrde aber einestheils sehr viel und hier in den Bergen uerst werthvolle Zeit kosten, und dann ist auch ein _Anschleichen_ an die scheuen, mit so scharfen Sinnen begabten Gemsen an solchen Stellen ohne derartige Hlfe fast ganz unmglich -- wenn man nicht eben Tagelang darauf verwenden will und kann, sie zu durchkriechen. Die Spitzhacke hat dabei oft nur in sehr rauher Weise eine natrliche Ader des Felsens benutzt, dem Fu geringen Halt zu bieten, oder das Jagdmesser ber die Klippen hier nur einfach durch die Laatschen Bahn gehauen. Gar nicht selten aber ziehn sich diese sehr schmalen Pfade an schroffen wilden berhngenden Wnden schwindelnd hin, und der Wanderer mu sich wohl hten dem Steine nicht nachzuschauen der von seinem Fu berhrt mit dumpfem langem -- langem Fall die blaue Tiefe sucht. Die Jger sagen da ein solcher Stein den Menschen nachziehe, und Unglcksflle dadurch herbeigefhrt, sollen allerdings schon vorgekommen sein, ja nicht einmal zu den Seltenheiten gehren. Die Ursache liegt aber auch dafr klar auf der Hand, denn whrend der Stein senkrecht an der Wand niederfllt mu er allmlig, je tiefer er fllt, mehr und mehr aus dem Gesichtskreis des Nachschauenden kommen der, um ihm mit den Augen zu folgen, gezwungen ist sich weiter und weiter nach Auen zu biegen. Dadurch kommt er mit dem schweren Oberkrper unmerklich _ber_ den Abgrund, und mag er so schwindelfrei sein wie er will, er _mu_ das Gleichgewicht verlieren. Ueberhaupt ist das Steigen da oben an den Wnden herum manchmal wirklich, wie der Amerikaner sagt viel zu interessant, um angenehm zu sein. [Illustration: =Stillleben.=] [Illustration: =Ein Pirschpfad.=] 12. Das Gemsjoch. Dem Grasberg gegenber, und der steilen Carwendelwand zu, zieht sich ein enges, von steilen Wnden eingedrngtes Thal. Die Scenerie ist hier viel wilder wie an der Ri, weil die Felshnge viel schroffere und deshalb auch weit weniger und nur stellenweis bewaldete Vorsprnge, zum unten vorbei quillenden Bach hinunter schieben. Sieht man dabei von dort zu ihnen auf, so hlt man es auch wahrlich nicht fr mglich, da weder die Gemse, noch viel weniger ein keckes Menschenkind an ihnen fuen und sich ihren fast senkrechten Schluchten anvertrauen drfe. Und doch bieten sie dem khnen Gemsjger nur geringes Hinderni. Mit dem scharfen Eisen unter dem Fu, den spitzen starken Stock in der Hand, laufen diese Bergmenschen furchtlos die schmale Bahn entlang, jede Hlfe die ihnen hie und da der Boden bietet mehr in einer Art von Instinkt als mit Vorbedacht benutzend. Ihre Uebung in dergleichen Werk, die hnlichen Hindernisse die ihnen berall entgegenstehen, geben ihnen auch schon den raschen und hchst nthigen Ueberblick, die besten -- oft die allein mglichen -- Stellen zum Uebergang rasch und unverzagt zu whlen und zu behaupten. Dort zogen wir hinauf, dem engen Thal folgend, das hier durch die breiten Wnde des kleinen Falken und Gemsjochs rechts und links gebildet wurde. Dicht an den Ufern eines ziemlich starken rauschenden Bergbachs, dessen breites steiniges Bett von der furchtbaren Gewalt Kunde gab mit der diese Wasser im Frhjahr nieder strzen, und Alles mitnehmen, was sie in ihrem Wege finden, lag unser Pfad. Da pltzlich, wie durch Zauberei, war der Strom verschwunden, selbst unter unseren Fen fort, und nur die ghe Stille um uns her, machte uns erstaunt niederschauen in das noch allerdings eben so breite und steinige, aber vollkommen _trockene_ Strombett. Dies pltzliche Verschwinden war so merkwrdig, da wir zwanzig oder dreiig Schritt zurckgingen, wo wir den hier etwa drei Fu breiten, mchtig quellenden Bach von der kleinen Falkenwand herber unter dem Gerll vorbrechen sahen, whrend ein schwcherer Zuflu von oben her, aber ebenfalls tief unter dem Gestein hervor zu kommen schien. So eigenthmlich es auch aussah und so sehr es uns im Anfang berraschte, so leicht erklrte es sich doch, denn diese steilen Wnde lsen durch Lawinen und Thauwetter ununterbrochen kleinere oder grere Massen Steine los, und schleudern sie in das Thal hinab. Diese sogenannten _Reien_, die aus Nichts als wilden unfruchtbaren toll durcheinander gestreuten Felsmassen und kleinerem Gerll bestehn und an manchen Stellen hunderte von Fuen hoch liegen, nehmen deshalb auch schon einen ungeheueren Flchenraum im Gebirge ein, und scheinen sich von Jahr zu Jahr zu vergrern. Es lt sich denken, da sie dadurch oft ganze Bche verschtten, die sich jetzt unter der lockeren Decke die Bahn suchen mssen. Eben so wenig unterliegt es einem Zweifel, da durch diese ewigen Bergstrze und Abscheidungen des Gesteins die scharfen und schroffen Gipfel der hchsten Kuppen mit der Zeit eine Vernderung erleiden, und niedriger werden mssen; ihr Umfang ist nur zu gewaltig, als da ein einzelnes Jahrhundert es auffallend bemerkbar machen sollte. So sieht die vollkommen senkrechte Carwendelwand, an deren Fu ungeheuere Reien, ja wirklich Berge von Steinen liegen, die das Herz eines Chausseesteinklopfers mit Entzcken fllen wrden, gerade so von unten aus, als ob sie durch diese Abbrche jhrlich wenigstens einen Fu an Hhe verlieren msse. Kommt man aber an die Sdseite der grasbewachsenen, allmhlig aufdachenden Hnge hinauf, und berechnet erst ihre Hhe, dann begreift man freilich, wie eines einzigen _Zolles_ Dicke, von der Wand abgeschlt, ganze Berge von Gerll in's Thal hinab schleudern mssen. Wren es aber auch selbst zwanzig Fu so wrden sie doch kaum den oberen Rand verndern knnen. Aufwrts jetzt, Freund Leser, aufwrts! Das ist ein mhsamer, langer Stieg das Gemsjoch hinan. Wetter nocheinmal, wie massenhaft sich das Gebirg hier aufthrmt und in Lanne und Felsgerll aus dem bewaldeten Thal empor sich hebt. S'ist auch am Besten man sieht sich gar nicht um, und steigt nur ruhig, unverdrossen fort; einmal erreicht man den Gipfel doch. Das Gemsjoch sollte getrieben werden und ich selber war -- beilufig gesagt der beste Platz -- auf die hchste Kuppe hinauf beordert worden. Aufgescheuchte Gemsen nahmen gern gerad' dort hinber ihren Wechsel. Schweres Steigen hatten inde bei diesem Treiben die Jger, die sich ihre Bahn an den steilen schroffen Hngen suchen muten. Es dauerte auch lange, bis sich das Mindeste zeigte oder hren lie, und ich lag wohl anderthalb Stunden lang ungestrt auf der achttausend Fu hohen Kuppe des Jochs -- in deren Nachbarschaft alle Fenster und Thren auf sein muten, denn es zog furchtbar. Die Aussicht war aber wundervoll, und ich lie den Blick frei ber die herrlichen, mit Schnee dicht bedeckten Alpenriesen, den Groglockner und seine Nachbaren hinausschweifen, die unter ihrer weifunkelnden Hlle in unbeschreiblicher Pracht die zackigen wilden Gipfel gen Himmel reckten. Hinter mir, nach Norden hinauf, ffneten sich dagegen die Berge; das weite flache Land mit einzelnen weien hervorragenden Gebuden und kleinen Stdtchen, wurde sichtbar, und im Sd-Westen lagen wild und zackig die steyrischen Alpen dazwischen, ein weites Meer von Felsenjoch und Graten. Was fr ungeheuere Wogen reckten da die weien Hupter, zngelnd, wie wirkliche schaumdurchwhlte Wellen empor. Auf dem Gemsjoch selber lag, trotz der Hhe desselben noch kein Schnee, denn der darauf gelegene war durch die letzten warmen Tage wieder fortgeschmolzen. Merkwrdig ist es auch, da dieser Theil der Alpen keine Gletscher hat -- ein einziger kleiner ausgenommen der dort in der Nhe sein soll, den ich aber nicht sah. Ihre Hhe berechtigt sie vollkommen dazu, denn in der Schweiz reichen die Gletscher viel tiefer hinab, und sieben und achttausend Fu hohe Kuppen sind dort drei Viertheile des Jahres mit Schnee bedeckt. Dazu mag aber auch wohl die zusammengedrngte Masse _hherer_ Gebirge, die fortwhrend ihre Schneekronen tragen und deshalb eine viel grere Klte um sich her verbreiten, mit beitragen. Eine groe Anhufung von Schnee und Eis mu in sehr natrlicher Folge eine solche Wirkung hervorbringen, wie wir den Unterschied z.B. auerordentlich auffallend in den beiden Continenten von Europa und Nordamerika sehn. Europa, das im Norden einen weit greren Flchenraum an eisfreiem Meer, und deshalb die eigentliche Eisregion auf einem weit kleineren Raum zusammengedrngt hat, ist deshalb auch viel wrmer als Nordamerika, dessen breite Basis nach Norden zu, mit den ausgedehnten S-Wasser-Binnenlandseen und dem enormen Flchenraum Eis und Schnee bedeckter Regionen den Unterschied um viele Grade spren lt. Philadelphia z.B. das mit Neapel auf einem Breitegrad liegt, hat eben so strenge und strengere Winter, als wir im hchsten Norden von Deutschland. In Louisiana, das mit der Wste Sahara gleiche Breite hat, ist leichter Schnee nichts Seltenes. Stehendes Wasser friert oft selber in New-Orleans das, nur wenige Fu ber der Meeresflche, auf einer Breite mit Cairo liegt. Von Gemsen war noch Nichts zu sehn, als ich aber so dalag fest in meinem Regenmantel gewickelt, die kalte Zugluft abzuhalten, konnte ich nicht umhin die kleinen dichten Bschel auerordentlich zarten feinen Grases zu bemerken, die um mich her ziemlich reichlich wuchsen. Ich pflckte von dem zunchst stehenden etwas ab, kostete es, und fand es nicht allein auerordentlich weich, sondern auch zuckers -- so s und angenehm in der That von Geschmack da ich Alles, was ich um mich her erreichen konnte, rein abste und Nebucadnezars Geschmack, der bekanntlich den Salat erfunden, ganz begreiflich fand -- wenn er nmlich dort so treffliche Weide hatte. Dicht neben mir, denn ich lag auf dem allerhchsten gar nicht etwa sehr breiten Gipfel, ging es steil und bergetief hinab. Wie wild und furchtbar sah es dort unten aus. Die steile Nordwand dieses Jochs, die vielleicht einige tausend Fu hoch ohne Absatz niederging, bestand allerdings nicht aus einem glatten Fels, sondern aus brcklichem zerrissenem und zerklftetem Gestein. Man htte selber hineinklettern knnen, wre den Zacken eben nur zu trauen gewesen; aber unter dem Fu oder Griff brachen die wettermrben Brocken los, und dann -- es schwindelte mir als ich in die dunkle, Wind durchbrauste frchterliche Tiefe hinabsah, und ich wandte mich schaudernd ab. Und doch giebt es Menschen die an diesen Wnden an denen ihr Leben wie an dnner Faser hngt, ihre krgliche Nahrung suchen. Die Enzianwurzelgrber klettern dort, an die Gefahr gewhnt und gegen sie vollkommen abgestumpft, mit einem Sack, die gefundenen Wurzeln hinein zu thun, und einer kleinen Hacke, sie aus ihrem rauhen Bett heraus zu heben, sorglos herum, und die Gemse selbst hebt staunend den Kopf, wenn sie an _solchen_ Stellen einen Menschen sieht. Kameraden finden auch wohl dann und wann eine alte verrostete Hacke, einen halb verfaulten Sack, und werfen einen scheuen Blick in den Abgrund nieder. Selbst unter dem leisen Ave Maria aber, fr die Seele des Verunglckten, dessen Gebeine dort in irgend einem Abgrund bleichen, schauen sie sich schon wieder nach neuen Wurzeln um -- der da unten ist wohl aufgehoben. _Das_ waren Gemsen -- vorsichtig hob ich den Kopf zwischen den wild umhergestreuten Steinen empor, und sah eins der schnsten Schauspiele, das sich der Gemsjger nur wnschen und ersehnen kann. Der Gipfel des Gemsjochs theilte sich in drei ungleiche Spitzen, von denen die beiden westlichsten die hchsten, die stlichste, die vielleicht tausend Schritt von der westlichsten entfernt ist, etwas, aber nur wenig niedriger liegt und in einen kleinen spitzen Kopf aufluft. Auf dieser Spitze, die vier Lufe dicht zusammengedrngt, den schnen Kopf hoch und sichernd gehoben, stand eine Gemse und etwa zwanzig Schritt weit unter ihr, whrend noch andere ber den Rand des Abhangs, scheinbar aus der blauen Luft, heraufstiegen, befand sich das Rudel, im Ganzen vielleicht zwlf oder dreizehn Stck. [Illustration] Die Wachtgemse stand voll und klar gegen den lichtblauen Himmel abgezeichnet, und die sichere Ruhe mit der das prachtvolle Thier den weiten Plan, auf dem es jede nahende Gefahr leicht und rasch erkennen konnte, als Schildwache oben fr das ihr anvertraute Rudel berschaute, war ein Anblick, den ich im Leben nicht vergessen werde. Das Rudel selber, das jedenfalls durch einen der unten durchgehenden Treiber heraufgescheucht worden, schien sich indessen auch ganz auf seine Wache zu verlassen, und vollkommen sicher zu fhlen. Die jungen Thiere spielten mit einander, und die Alten pflckten hie und da an den sen Grasbscheln herum -- mehr wahrscheinlich zum Desert und aus Naschhaftigkeit, als aus wirklichem Hunger. Endlich stieg die Wachtgemse, gewhnlich eine Geis, von ihrem hohen Standpunkt langsam nieder. Ob sie da unten wieder etwas Verdchtiges gewittert, oder sonst mehr Verlangen nach der Seite trug, auf der ich lauernd mit gespannter Bchse lag, aber pltzlich setzte sie sich an die Spitze des Zuges, und kam in kurzem Galop auf dem uersten Rand des Berges ein Stck hin, verschwand dann in einer scharf eingeschnittenen Schlucht, die die beiden Kuppen von einander trennte, mit dem ganzen Rudel, und stieg klappernd und die lockeren Steine hinter sich ausstoend, den kleinen Hang herauf, an dessen uersten Rand ich, vollstndig gedeckt, ihrer herzklopfend harrte. Nun ist es eine alte Gemsjgerregel, die mir von allen Seiten wieder und wieder gegeben worden, _nie_ auf ein ankommendes Rudel zu schieen. Erstlich kommen sie spitz, -- immer schon ein _bser_ Schu; dann ist die erste im Zug _jedesmal_ eine alte Geis, whrend die Bcke nachfolgen, und dann -- ist es eben gar nicht nthig. In solchem Fall, besonders wenn man gedeckt ist, mu man _die ersten_ des Rudels erst vollstndig vorber lassen, ja womglich ein Dritttheil desselben, und sich dann erst einen Bock heraussuchen, auf den man in solchem Fall auch viel ruhiger und sicherer schiet. Auerdem hat man bei solchem Verfahren auch noch die Gewiheit, da die schon vorbeigesprungenen Gemsen unter keiner Bedingung wieder umkehren, und die anderen, die noch zurck _sind_, _folgen_ ihnen, es mag auf sie geschossen werden so viel da will. Der zweite Schu ist daher eben so sicher anzubringen als der erste. Htt' ich also dort oben meine Zeit ruhig abgewartet, so mute das ganze Rudel auf kaum zehn Schritt an mir vorbei, und an Ausweichen war auf dem schmalen Kamm gar nicht zu denken. Wie ich aber das immer strker werdende Klappern auf den Steinen hrte, das gerade so klang, als ob es links und rechts um mich her in allen Ecken und Spalten lebendig wrde, da ging mir der Athem aus, das Herz fing an zu hmmern als ob es mit hinaus wollte, ebenfalls zuzusehn was da passire, und alle Warnungen und Rathschlge, alle guten Vorstze, alle Erfahrungen selbst, waren in dem einen Moment unbeschreiblicher Aufregung und Leidenschaft vergessen. Die Bchse im Anschlag richtete ich mich in meinem Versteck auf, und wie die ersten Krickeln nur hinter den Steinen vorsahen, und ich den dunklen Schatten eines Krpers erkennen konnte, gab ich Feuer. Ich wei nicht einmal ob es geknallt hat -- weiter Nichts als das wilde Hals-ber-Kopf-Hinabstrzen der erschreckten Thiere hrte ich, die aber auch im nchsten Augenblick in der Schlucht verschwunden waren, und als ich dort nachsprang, und noch einmal hinter den Flchtigen auf etwa zweihundertfnfzig Schritt -- und ich mu zu meiner Schande gestehn, _nachfeuerte_, stob das ganze Rudel auseinander, und eilte wieder der Stelle zu, auf der ich sie zuerst gesehen hatte. Allerdings sonderte sich ein Bock vom Rudel ab und rutschte, zu meiner innigen Freude, ein ganzes Stck den ziemlich steil da ablaufenden Hang hinunter, ob er aber vielleicht nur ausgerutscht war -- und warum sollte das einer Gemse nicht auch geschehen knnen -- oder mich gar damit verhhnen wollte, ich wei es nicht, sptere Nachsuche auf der Fhrte ergab nicht einen Tropfen Schwei, der auf dem grauen Gerll berall deutlich sichtbar gewesen wre. Bald darauf schlo er sich auch wieder seinem Rudel an. Gleich nach dem Schu kam ein ganzer Flug Alpendohlen -- sonst entsetzlich scheue Vgel, die den Jger nicht auf hundert Schritt hinanlassen -- um den Gipfel des Jochs herum. So wie sie mich da oben aufrecht stehen sahen flogen sie auf mich zu, kreisten mir, auf kaum zwanzig Schritt um den Kopf und stieen sogar nach mir, wobei mir ein paar so nahe kamen, da ich sie fast htte mit der Flinte schlagen knnen. Die Alpendohle, oder auch Schneekrhe genannt, ist ein wunderhbscher zierlicher Vogel, etwa von der Gre einer Elster, wenn nicht noch etwas strker, nur ohne die langen Schwanzfedern, mit blulichem Schiller auf ihrem schwarzen Gefieder, hellgelbem Schnabel, grellrothen Stndern und gar so munteren braunen Augen. Ihr Pfeifen klingt auch fast melodisch, und wie sie munter und gesellig in den Alpen herumtummeln und in der Luft kreisend zusammen spielen, hab' ich sie immer gern gehabt. Jetzt aber kamen sie mir ungelegen. Das Pfeifen nach dem schlechten Schu behagte mir auch nicht. Ich zielte auf den rasch ber mir hinstreichenden Vogel, und scho ihm mit der Kugel eine seiner Flgelfedern durch. Das nahmen jedoch die anderen sehr bel, begannen einen Heidenlrm, wobei sie sich brigens in weiterer Entfernung hielten, und strichen dann nach unten. Gleich darauf fiel dort auch ein Schu und unser Jagdgeber hatte einer der ebenfalls nach ihm stoenden Krhen mit der Kugel Kopf und Hals abgeschossen. Das ist Alles recht schn und gut -- bereilt hat sich schon mancher sonst vollkommen ruhige alte Jger und vorbeigeschossen auch. Der Schtze soll noch geboren werden, der da sagen kann er habe nie gefehlt, aber der Heimweg -- der Abend nach solchem Fehlschu. Wenn man gleich mit einem Satz darber hinweg auf den nchsten Tag und in das nchste Treiben hinein springen knnte mcht's noch gehn, aber so berdenkt man die letzte unglckliche Scene wieder und wieder, hrt den ganzen Abend, die ganze Nacht das Rudel ber die Steine klappern, wei jetzt ganz genau _wie_ man es htte machen sollen, und da trotzdem _der_ Augenblick im ganzen Leben nicht wiederkehrt, und ist mit einem Wort, in einer verzweifelten Stimmung. [Illustration] 13. Die Nebeljagd. Kalt und trbe brach der nchste Morgen an, und dicker undurchdringlicher Nebel lag im Thal, in dem er erst etwa um zehn Uhr Morgens ein wenig in Bewegung kam. Nichts ist aber peinlicher, als in den Bergen durch schlechtes Wetter einen Jagdtag zu verlieren, und wie sich deshalb auch nur die Luft ein klein wenig gnstiger gestaltete, und die Jger ihr Ich meinet halt doch es sollt' schon etwas besser werden, herausgegeben, wurde der Aufbruch bestimmt. Unser Ziel lag an diesem Tag an dem oberen Theil des Engthals, das vom Laritterthal, in dem wir uns befanden, nur durch einen sogenannten Hgelrcken getrennt war, und leicht erreicht werden konnte. Leicht erreicht werden, ja. Der Pa lag allerdings dicht unter der Carwendelwand, und bestand aus nicht sehr steilen Grashngen, was aber hier zu Land ein _Hgel_ heit, ist anderswo ein _Berg_ -- wie ja die Leute auch ein stundenbreites Thal einen _Graben_ nennen. Wir muten auch, immer noch im dicken Nebel, wacker zusteigen den hchsten Kamm zu erreichen und waren tchtig warm dabei geworden. Oben wurden wir dann angestellt, und den angeblichen Kessel vor uns -- denn sehen konnte man keine fnfzig Schritte weit -- die Jger abgeschickt ihn einzuriegeln. Standen Gemsen darin so muten sie Wind von den Treibern bekommen, in welchem Fall sie dann rascher flchtig werden, als wenn sie den Feind erkennen konnten. Der kalte Luftzug der aus dem Thal heraufstieg that mir im Anfang, nach dem scharfen Steigen wohl -- von Erkltung wei man ja hier berhaupt Nichts. -- Ich nahm also meinen Mantel aus dem Bergsack, hing ihn um, drckte mich hinter einen einzelnen Stein von der Gre eines migen Elephanten, der allein zu meiner Bequemlichkeit dort von irgend einem Bergriesen hingeschleudert schien, und erwartete geduldig den Beginn der Jagd -- d.h. das Klappern der Steine, das die heranprellenden Gemsen verrathen wrde. Es war ein wunderlicher Platz -- der Nebel lag voll und schwer auf dem ganzen Thal, in das der Hgel, auf dessen Kamm ich sa niedersenkte. Der Phantasie blieb dabei der weiteste Spielraum gelassen, sich dort hinein den Horizont des Auges nach Gefallen auszudehnen. Wie ich deshalb so trumend auf das ungewisse milchige Dmmerlicht hinausschaute, aus dem nur, von den Wnden zurckgeworfen, das dumpfe Rauschen des Bergbachs herber tnte, kam es mir pltzlich vor, als ob ich am kahlen felsigen Strand des Meeres sitze, das an dem Fu desselben Hgels seine Wellen peitschte, und seiner Brandung Donnern im dumpfen hohlen Brausen zu mir herbersandte. Lebhafter hab' ich wachend noch nie getrumt, und in der Erinnerung an frhere hnliche Scenen, konnt' ich mir jetzt schon gar keine Berge dort hinein mehr denken. Das _mute_ Meer sein. Wie das dumpf kochte und rauschte, und wenn der Nebel sank und dort hinaus dem Auge Freiheit gab, dann lag auch sicher die blaue See vor mir, und einzelne weie Segel zogen wie leuchtende Punkte darber hin. Wenn es nur nicht so schmhlig kalt gewesen wre. Jetzt wurde der Nebel oben lichter; die Sonne brach sich mit einem einzelnen Strahl wenigstens Bahn, und im Zenith erschien der blaue Himmel. Endlich! Jetzt zog auch der Wind schrfer aus dem Thal herauf -- er schnitt im wahren Sinn des Worts durch Mark und Bein -- und dort -- ich verga Gemsen und Jagd ber das Schauspiel das sich pltzlich, als ob ein riesiger Vorhang mit einem Wurf zurckgeschleudert wrde, vor meinem Blick entfaltete. Mit Windesschnelle ffnete sich der Nebel und wich nach beiden Seiten so zurck, da er wie durch ein gigantisches Medaillon den Blick hinausgestattete. Vor mir aber -- so dicht da meiner Meinung nach die Armbrust einen Bolzen htte hinbertragen mssen stieg dunkel und massenhaft, eine Riesenmauer, die Carwendelwand empor, und blaue zerflieende Lichter schossen dabei, wie nach einem Brennpunkt, in der Mitte dieses wunderbaren Bildes zusammen und schmolzen fr jetzt noch die einzelnen Theile ineinander. Allmhlig lste sich aber auch dies -- das Bild wurde rein und klar, und scharf gezeichnet lag pltzlich dort drben, wo ich die See getrumt und so hoch aufragend da ich empor schauen mute ihre dunklen Rnder in dem sich wieder mit Nebel bedeckenden Himmel zu suchen, die schroffe Wand, mit allen ihren einzelnen Spalten und Rissen vor mir da. Whrend aber fast den vierten Theil der ganzen Hhe, die Reien einnahmen, die sich der Berg in's Thal hinabgeschttelt, lag auf diesen Reien wieder, noch immer von dem jetzt lichter gewordenen blauen Schein bergossen, ein breiter Streifen Schnee den dort der letzte Winter noch gelassen. Wunderbarer Weise zog sich der Nebelrahmen jetzt mehr und mehr zusammen, die schrfsten Lichter auf die Mitte werfend und dort -- auf dem Schnee -- deutlich konnte ich es mit bloem Auge erkennen -- regte sich ein dunkler Gegenstand, und kroch langsam und gerade, dem Zug der Wand folgend, darber hin. Ich wrde es fr eine einzelne Gemse gehalten haben, wenn es mir nicht so entsetzlich klein vorgekommen wre -- aber was konnte es sonst sein -- vielleicht ein Fuchs? Ich nahm das Fernrohr rasch aus seinem Futteral, richtete es und erkannte in dem kleinen Punkt -- einen Menschen -- einen Jger der dort an der scheinbar senkrechten Wand in solcher ungeheueren Entfernung noch seine mhsame Bahn verfolgte. Als ob der Nebel sich aber nur geffnet mir _das_ zu zeigen, flossen in diesem Augenblick wieder breite glnzende Strahlen nach der Mitte zu -- das Medaillon schlo sich, und dichter als vorher lagerte die weie Nacht auf Berg und Thal. Und was fr ein kalter Zug _mit_ dem Nebel wieder von da unten herauf und ber den Hgel strich -- die Zhne fingen mir an zu klappern und in der Aussicht jetzt, da wir hier sitzen mten bis der Jger, den ich eben erst als kleinen dunklen Punkt gesehn, seinen _Bogen_gang um den Kessel her vollendet htte, wickelte ich mich nur fester und verzweifelter in meinen Mantel. Wie lange ich so gesessen wei ich nicht; der Nebel wurde aber immer dichter, und das einzige Vergngen das ich mir unter der Zeit machen konnte war, an eine recht gut geheizte Stube zu denken. Wie die Aufregung dieses pltzlichen Phnomens, -- ich kann es kaum anders nennen -- vorber war, kam der Frost mit verdoppelter Schrfe wieder, und ich fror, wie nur ein unglckseliges auf einem kalten Stein, in einem solchen Nebel und auf solcher Hhe sitzendes Menschenkind frieren _kann_. Das Treiben nahm auch kein Ende -- der Nebelvorhang war wieder gefallen, und auf's Neue trumte ich mich an der Seekste -- irgendwo in der unmittelbaren Nhe des Eismeers. Endlich -- Gott sei Dank das war ein Gerusch -- endlich doch ein Wild zum Schu, denn wenn es hier nur _sichtbar_ wurde htt' ich es auch mit einem Blasrohr treffen knnen. Ich machte mich rasch fertig, konnte aber kaum den Hahn der Bchse spannen, so steif war ich gefroren. Da kam's ber das lockere Gestein herauf -- mit Gewalt brachte ich den Kolben an den Backen -- schon sah ich, ber den Bchsenlauf hin, sich einen dunklen Schatten bewegen -- sobald sich das als ein alter Bock auswies. -- Erschrocken setzte ich die Bchse ab und den Hahn in Ruh -- der Schatten gehrte einem der Jger und der Mann stieg in Schwei gebadet, den rauhen mhseligen Hang herauf. -- Ich konnte ihn nur um seine Temperatur beneiden. Das Treiben war vorbei; die Schtzen kamen, ohne da ein einziger Schu gefallen wre, auf dem Hgelrcken zusammen und wie froren sie. Wir sahen alle blau und roth marmorirt im Gesicht aus, und wenigstens eine halbe Stunde scharfen Marschirens war nthig, mich nur einigermaen wieder biegsam zu machen. Heute blieb freilich nicht mehr viel zu thun. Nichts destoweniger wre es Schade gewesen den ganzen brigen Tag ohne weiteren Versuch aufzugeben. Bei dem gestrigen Auszug hatten wir an einer der, dicht unter der Carwendelwand liegenden Reien zwei starke Bcke gesehen. Wenn die alten Burschen jetzt noch dort oder in der Nhe standen, war es vielleicht mglich ihnen mit Hlfe des Nebels anzukommen. Die Luft schlug abwrts, und wenn die Schtzen unten und seitwrts vorgestellt wurden, konnte sie nachher ein einziger Treiber losgehn. Vorsichtig schlugen wir deshalb, von einem der Treiber gefhrt, einen schmalen Vieh- und Gemspfad ein, der quer unter den Reien, aber noch in ihrem Bereich hinfhrte, und merkwrdig war in der That diese wilde Welt, durch die wir jetzt hinschritten. In eine Wolke von Nebel gehllt, blieb nur die nchste Nhe sichtbar, und diese bestand einzig und allein aus Steinen die von der Gre eines migen Wohnhauses, bis hinunter zu der eines Chausseesteines in toller Mischung durcheinander lagen. Kein Busch, kein Grashalm war dabei zu sehn, nur Nebel und Felsgerll und das Rcktheil des vor Einem hinschreitenden Jgers. Und wie mute das hier donnern und schmettern wenn die Felsstcke von der mehre tausend Fu hohen steilen Wand unter der wir hinschritten, zu Thal strzten. Und wenn nun gerade _jetzt_ ein solcher Brocken sich losgebrochen und seinen Weg hierher gefunden htte? An ein Ausweichen wre gar nicht zu denken gewesen, denn wie Kanonenkugeln prellen solche Stcke, nur einmal in Schwung gebracht, bergab. Strend war in der That der Gedanke, da wahrscheinlich in diesem selben Augenblick hunderte solcher Blcke ber uns, nur vielleicht noch durch ein wenig Erdreich gehalten, hingen, und von der geringsten Ursache losgestoen werden konnten. Wenn die jetzt niederbrachen, ber uns -- um uns her---- Es ist ein unbehagliches Gefhl an solchen Stellen hinzugehn, an denen das Leben eigentlich nur an einem nicht zu verhindernden Zufall hngt -- es hat Aehnliches mit dem Spatzierengehen in den Straen einer verpesteten Stadt, wo man kaum zu athmen vermag. Alle Wetter -- da oben ging's schon los!-- Wie wir eben an einer Stelle vorberschritten die solch unnthiges Baumaterial in auergewhnlicher Masse geliefert zu haben schien, polterte es pltzlich ber uns in den Steinen, und einzelne kleine Carwendelwandsplitter, von der Gre eines gewhnlichen Kinderkopfes kamen springend nieder. Das waren jedenfalls Gemsen -- deutlich konnten wir sie auch, vielleicht nur wenige hundert Schritt von uns entfernt, davon klappern hren -- aber zu sehn war weiter Nichts, als die unerbittliche weie Decke, die uns umhllte. Rasch wurden jetzt die nthigen Befehle ertheilt den Platz auf dem die Gemsen pltzlich zu halten schienen, zu umstellen, und sie doch vielleicht noch zum Schu zu bekommen. Martin, dem der Boden schon lange unter den Fen brannte, sprang dann in seinem wolfshnlichen langen Galop zurck, den uersten Vorposten so rasch als mglich zu besetzen, whrend unser Jagdherr selber sich noch weiter vorpirschte, um spter mit Rainer die beschwerlichen Reien hinan bis unter die Wand zu klettern. Waren die Gemsen noch darin, so _muten_ sie jetzt einem der Schtzen kommen, denn die steile vielleicht mehre tausend Fu hohe Carwendelwand konnten selbst diese Thiere nicht empor. Was nicht Flgel hatte kam da nicht hinber. Der hohe Herr stand senkrecht ber mir, und als der Windzug einmal auf Momente die oberen Nebelschichten in Bewegung setzte, da der dstere Schatten der nahen Wand wie eine drohende Gewitterwolke ber uns stand, konnt' ich seine hohe dunkle Gestalt, nur eben wie fast in der Luft schwebend, erkennen. Tiefer im Thal stand ein jngerer Anverwandter desselben, der schon einige Tage mit in den Bergen gejagt hatte, und neben ihm, seinen schottischen Plaid ber der Schulter und seinen breitrndigen Hut auf, der ihm den Namen eines falschen Spaniers zugezogen, der Zeichner dieser Skizzen. Ich hatte mich in einen Laatschenbusch gedrckt, und Platz genug zum Schieen -- wenn eben nur etwas kam -- auch heute zwei Bchsen neben mir, da die Erinnerung an das gestrige Rudel den Verdacht in mir hatte aufsteigen lassen, da mir heute etwas Aehnliches wiederfahren wrde. Der Mensch giebt sich manchmal solchen angenehmen Trumen hin. Ein paar Mal schwankte der Nebel, und es schien fast als ob er sich zerstreuen wolle -- das wre fr die Jagd prchtig gewesen. Jedenfalls hatte sich der Wind gedreht, und kam jetzt mehr von Norden als heut Morgen -- aber der Nebel wich und wankte nicht. Da fing es pltzlich ber mir an in den Steinen zu donnern und zu prasseln, da ich glaubte, der ganze Berg kme herunter. Piff -- paff, gingen dabei oben die Schsse rechts und links -- _eine_ Kugel konnte ich auf die Steine aufschlagen hren -- und ein ganzes Rudel mute dort irgend wo aufgestanden und nach allen Richtungen gleich hin flchtig geworden sein. Wie als ob Jemand auf dnnem Eise geht, es pltzlich links und rechts um sich knackern hrt, und nun in Todesangst, die Augen rasch hinber und herber wirft, von welcher Seite die Gefahr, der schlimmste Ri zuerst wohl kommen knne, _so_ hing ich in der Laatsche. Nebel da man keine dreiig Schritt weit sehen konnte, und jetzt rings um das tolle Poltern, ja sogar soweit das Auge nach rechts und links schauen konnte, niederspringende Steine -- es war ein Augenblick der peinlichsten Spannung und Erwartung, einer der wenigen Momente im Leben, in denen man auf jeder Schulter und besonders auf dem Rcken noch ein Gesicht mit ein paar Augen haben mchte, und sich fast den Kopf in den vollkommen nutzlosen Versuchen abdreht, berall hin, zu gleicher Zeit zu schauen. Schsse jetzt nach allen Richtungen -- Schreckschsse wie sich spter auswies, die Gemsen die oben durchbrechen wollten zurckzubringen und springende Steine von allen Seiten her. -- Wie Rettung aus dieser Noth, brachen da pltzlich drei dunkle Schatten quer vor mir hinber. Wenn ich aber auch ziemlich deutlich sah da es Gemsen waren durfte ich doch nach _der_ Richtung hin nicht schieen, da leicht schon ein Treiber hier herber gekommen sein konnte, und die Kugeln auf den eckigen Steinen oft nach ganz verkehrten Richtungen abprallen. Ehe ich aber auch nur htte anlegen knnen, waren sie von einer Schlucht oder vom Nebel verschlungen, und ich hrte nur noch, wie sie bergab und der Richtung zusprangen, in der Prinz C. stand. _Paff!_ knallte ein Schu, kurz und trocken von dort herber, und es fiel mir jetzt auf, was ich schon bei den frheren Schssen bemerkt hatte, wie wenig Schall sie nmlich in solchem Nebel haben. Bei klarem Wetter htte die rauhe mchtige Wand das Echo sicherlich mit donnerndem Gets hinab in's Thal geworfen. Aber ich brauchte meine fnf Sinne jetzt zu etwas Anderem, als naturhistorischen Studien. Links von mir hatte ich einen, nur mit Alpenrosenbschen bewachsenen Hgelhang, den ich eben, als der Nebel vom Wind darber hingejagt wurde, erkennen konnte. Dorthin hrte ich auch Getrappel und entdeckte gleich nach dem Schu ziemlich deutlich die dunklen Gestalten zweier Gemsen -- so gro dem Anschein nach wie Klber--, die am Hgelhang flchtig aufwrts gingen. Das muten jedenfalls Bcke sein, und das war die letzte Gelegenheit fr mich. Wenn sie mir auch in den dichten Nebelschichten ein paar Mal unter den Augen weg verschwanden, schickte ich ihnen doch, sobald sie wieder sichtbar wurden, rasch hintereinander drei Kugeln nach. Nach jedem Schu -- und das Einschlagen der Kugeln muten sie an dem steilen Hang hren -- blieben sie allerdings einen Moment wie erstaunt stehn, setzten aber auch dann eben so ungenirt ihre Flucht fort, bis mir Hgelhang und Gemsen und Nebel vor den Augen zu einer grauen unbestimmten Masse zusammenschmolz. Bei der Nachsuche spter fanden wir brigens keinen Tropfen Schwei, und ein lterer erfahrener Schtze der mit unten gestanden und das Wild weit nher gehabt als ich, aber nicht geschossen hatte, weil er behauptete es sei eine Geis und Kitz gewesen, versicherte: die alte Geis wre nach jedem Schu stehen geblieben, htte sich nach dem Kleinen umgesehn und zu ihm gesagt, komm nur mit, mein Kindchen, du hast _gar_ Nichts zu frchten. [Illustration] Unser Jagdherr hatte in dem nichtswrdigen Nebel ebenfalls vorbeigeschossen oder doch eine Gemse nur gestreift; die Nachsuche am nchsten Tag ergab trotz hie und da gefundenem Schwei kein Resultat. Glcklicher dagegen war mein junger Nachbar gewesen, und als wir hinunter kamen, fanden wir Michel emsig damit beschftigt einen prachtvollen Bock, der in voller Flucht den Berg hinunter gekommen und im Feuer zusammengebrochen war, zu zerwirken. Merkwrdig ist, wie sehr man sich bei solchem Nebel in den Formen und Umrissen, besonders flchtig gehenden Wildes tuscht, whrend die stete Aufregung, Gemsen berall, vielleicht in Schunhe, um sich zu wissen und zu hren, und doch Nichts sehn zu knnen, dem Schtzen auch die letzte Ruhe nimmt. Ich wenigstens, obgleich sonst auf der Jagd gar nicht so bermig hitzig, befand mich bei diesem Nebeltreiben in einer ganz unbeschreiblichen Aufregung -- ein Anderer soll ruhig dabei bleiben. Whrend wir wohl noch eine halbe Stunde mit der vergeblichen Nachsuche verloren, war es fast dunkel geworden. Ein frischer Wind der sich zugleich erhob trieb jetzt die oberen Nebelschichten vor sich her, und als wir dicht unter der senkrecht niederfallenden Carwendelwand hingingen, zeigte sich ber uns der blaue reine Himmel, an dem einzelne lichte, von der Sonne erhellte Wolken rasch nach Sden zu vorber zogen. Zu gleicher Zeit wurde die ganze dunkle zackige Wand sichtbar, und wir Alle blieben fast erschreckt vor dem Anblick stehn, der sich hier uns bot. Die Wolken zogen von uns weg, ber die Wand hinber, und wie es bei halbklarem Himmel, wenn der Mond oben steht, gerade so aussieht, als ob jene ihren Platz behaupteten, und nur der Mond in wilder Flucht hindurchjage, so war es jetzt in wirklich Herz beklemmender Tuschung, als ob die ganze furchtbare dstere Steinmasse, die ihre scharfen Zacken in die klare Luft hineinreckte, langsam nach uns herber schwankte, und Alle im nchsten Augenblick mit ihrer riesigen Wucht zerschmettern mte. Ich wute, es war nur Augentuschung, und doch mute ich den Kopf wegwenden. Wie schn der Anblick war, so ber alle Maen furchtbar und bewltigend war er auch. Wieder schlo sich da der Nebel, und des zurckkehrenden Martin Bericht brachte uns bald auf andere Gedanken. Als er nmlich, wie er erzhlte, vorher war abgeschickt worden dem Rudel, das wir poltern gehrt, den Weg abzuschneiden, glckte ihm dies so vollkommen, da er, vom Wind und ihrem eigenen Steingerassel dabei begnstigt, dicht an sie hinankam. Im ersten unbedachten Schreck flohen sie auch, wie sie den Menschen gewahr wurden, soweit es ihnen der starre Fels erlaubte, grad' an der Wand hinauf. Dorten aber kamen sie bald zu einem gezwungenen Halt, whrend ihnen der jetzt aufspringende Martin den Rckweg abschnitt oder doch wenigstens verstellte. Ein paar Minuten blieben sie so -- und das mu wundervoll ausgesehen haben -- an der steilen Felswand, eine hinter der anderen kleben, bis der Jger endlich, um sie dort herunter zu bringen, einen Schreckschu abfeuerte. Aber jetzt kamen sie, und zwar so rasch da Martin versicherte: Jetzt mut' ich aber gemach da ich fortkam, denn kollernde und springende Steine und Gemsen, Alles durcheinander, brachen und prasselten pltzlich zusammen und hintereinander her den schroffen Hang nieder. Im Nu waren sie aber auch im Nebel verschwunden und nur ihr Geklapper auf den lockeren Reien verrieth die Richtung die sie genommen. [Illustration: =Die Nebeljagd.=] [Illustration: =In der Flucht.=] 14. Die Nachsuche. Es giebt in unseren Naturgeschichten einige althergebrachte Anekdoten von Menschen und Thieren die einmal gang und gbe sind und die Einer dem Anderen so unbefangen nacherzhlt, als ob es sich nur um allgemein anerkannte Thatsachen handelte. So versteht es sich von selbst da der Lwe ein hchst gromthiges uneigenntziges Thier sei, der Rinaldo Rinaldini unter den Bestien, der eine bestimmte Aversion gegen den Blick des Menschen habe, und demselben unter keinen Umstnden begegnen knne. Bei der Klapperschlange heit es, da sie mit ihrem Blick allein Vgel anlocke, banne und -- verschlinge. Ein Gemsjger ferner ist, fr die Jugend wenigstens, untrennbar von dem Bilde eines Menschen der, mit einem sehr spitzen Hut, auf einer sehr steilen Eiszinke steht und sich die Fusohle aufschneidet. Ich selber kann mich auch noch recht gut aus meiner Jugendzeit erinnern, da ich das Fuaufschneiden als vollkommen identisch mit der Gemsjagd hielt, und so natrlich und einleuchtend, wie das Anziehen von Ueberschuhen bei schmutzigem Wetter fand. Wie htten sie anders an _solchen_ Eiszacken herumklettern wollen. Kommt man dann aber spter in das wirkliche Leben und auf den Schauplatz solcher auerordentlichen Ankndigungen hinaus, so findet man nicht allein bei diesen, sondern auch bei noch vielen anderen, mit groer Entschiedenheit aufgestellten Behauptungen, da sich irgend ein biederer Gelehrter daheim im warmen Studirzimmer bei einer Pfeife Tabak und mit Hlfe einer unbestimmten Anzahl von Folianten derlei Schlsse excerpirt und combinirt, und mit groem Selbstvertrauen in die Welt hinausgestreut hat. Natrlich glaubt er das am Ende selber was er geschrieben, und darf das Nmliche nun auch von Anderen verlangen. Wenn die Klapperschlangen aber nur davon leben sollten was sie mit den Augen fangen, wrde es bald keine mehr geben, und wenn sich der Gemsenjger dadurch _forthelfen_ sollte da er sich des einzigen Mittels dazu durch einen Ri in die Sohlen _beraubte_ -- seiner gesunden Fe -- so htten die Gemsen wahrlich gute Zeit. Nichtsdestoweniger ist das Steigen in den Bergen doch eine keineswegs so leichte Sache, und wenn der noch nicht recht darin Gebte auch gerade nicht an solche Stellen hinzugehen braucht, die selbst den alten Steigern schiech vorkommen, findet er doch Gelegenheit genug zu versuchen ob er schwindlig ist und einen festen Schritt hat. Die Jagd selber bietet dabei noch nicht das Schlimmste, denn dort kann sich der Schtze und selbst der Treiber doch immer noch den gangbar scheinenden Weg aussuchen und die schlimmsten Stellen vermeiden. Auf der _Nachsuche_ dagegen, um ein angeschossenes Gemsthier, fhrt dieses selber den Jger, der ihm auf dem Schwei folgen _mu_, und da sich die kranke Gems nicht die bequemsten Wechsel aussucht lt sich denken. Die Nachsuche ist jedenfalls der wildeste und gefhrlichste Theil der ganzen Gemsenjagd, und eine recht hbsche Probe habe ich wenigstens davon bekommen. Am Heimjoch hatte ich eine Gemse, die flchtig auf dem Pirschgang vor mir in die Laatschen sprang, angeschossen, und Rainer war ihr schon an dem Abend soweit auf dem Schwei gefolgt, bis er eben nicht weiter nach konnte. Die Nacht regnete es was vom Himmel herunter wollte, und um das angeschossene Wild nicht zu verlieren, ging ich am nchsten Morgen mit ihm, Wastel und zwei Hunden aus, dort wo er gestern die Spur verlassen, heute verloren nachzusuchen. Da dem Platz, wie Rainer versicherte, von oben nicht gut beizukommen war, versuchten wir es von unten, die Klamm aufwrts, und mit Steigeisen an den Fen, jetzt an steilen Klften hinauf, wo wir den Hunden nachhelfen muten, jetzt durch die nassen Laatschen kriechend, ber glattes Gestein und brckelige Reien, an Abgrnden und Felsspalten hin, erreichten wir endlich die Stelle wo der Jger vermuthete, da sie sich eingestellt haben mchte. Wastel war ein Stck zurck geblieben, in ein paar andere Felsspalten hinein zu schauen, ob sie dort nicht vielleicht verendet lge, als pltzlich die Hunde dicht vor mir laut wurden. Und sie hatten Ursach dazu, denn aus den Laatschen heraus, durch die steile Schlucht vor, an deren Wnden wir hingen sprang pltzlich die angeschossene Gems, machte ein paar Stze und stellte sich dann kaum zehn Schritt von mir entfernt auf eine kleine spitze Felskuppe. Jetzt kam ein Moment den der Amerikaner sehr treffend mit dem Sprichwort bezeichnet den Teufel zu bezahlen und kein Pech hei. Das Schlo der Bchse hatte ich, die Nsse davon abzuhalten, mit dem Taschentuch umwunden, und an einer Stelle wo ich mich nicht einmal umdrehen konnte, whrend ich mit dem linken Arm um einen Laatschenzweig hing, war ich nicht im Stande den verwnschten Knoten der nassen Seide aufzubekommen. Lang' hielt sich die Gemse aber auch nicht auf, die Hunde waren ihr zu dicht auf den Fersen, und nur einen halberstaunten, halberschrockenen Blick auf uns werfend sprang sie, von den Hunden verfolgt und augenscheinlich krank den Hang hinunter. Bergmann besonders, der kleine Teckel, warf sich mit wahrer Todesverachtung, und ganz auch seine kurzen krummen Beinchen vergessend, hinter drein. Ein Stck Wegs sah ich ihn auch wirklich auf dem Rcken, die Beinchen in der Luft, hinabrutschen; aber er kam richtig wieder auf die Fe, und es dauerte gar nicht lange so hatten sie unten die kranke Gemse gestellt, die der herbeigeeilte Wastel todt scho. Rainer hatte seine innige Freude da die angeschossene Gems gefunden worden -- die Leute setzen einen Stolz darein Alles wobei sie betheiligt sind mit Erfolg gekrnt zu sehn. Ich wute da wir ihn heut' bekommen wrden, rief er, als der Schu von unten herauf, und das pltzliche Schweigen der Hunde den Tod der Beute kndete -- wie ich nur den Schwei gestern observirte wut' ich es. Was aber der Bursch noch springen konnte. Er setzte mit wahrer Tolleranz die Wand hinunter. Auerdem entwickelte er bei dieser Gelegenheit auch noch eine, auf praktische Erfahrung gegrndete Theorie der Bergschuh, insofern sie auf Lannen und Felsen verschiedene Eigenschaften besitzen mssen. Er hielt nmlich _die_ Schuh fr gefhrlich, die auer den Randngeln auch noch eiserne Ngel in der Mitte htten. Auf den steilen Lannen und Grasboden, sagte er dabei, schadet das Nichts, da ist Eisen die Hauptsache, aber wenn man auf Steine kommt, dann ist es auch nthig da man Leder unter dem Schuh zu fhlen bekommt. Das Eisen rutscht auf den Steinen eher ab, aber das Leder ist mehr elektrisch -- das hlt! * * * * * Die Jagd! Die frohe herrliche Jagd! oh wie viel knnt' ich dem Leser noch davon erzhlen, mt' ich nicht frchten ihn zuletzt zu ermden. Es ist ein Unterschied das mit durchzuleben, oder es nur erzhlen zu hren, obgleich der, der selber Jger ist, sich wohl leicht und gern in das herrliche Leben solcher Berglust mit hineindenkt, und selbst der Laie fr kurze Zeit Theil daran nimmt. Lieber Gott, die Poesie liegt uns, in der altbackenen Wirklichkeit unseres Daseins, meist so fern, da man eigentlich froh sein sollte noch einen Platz in gar nicht so weiter Ferne zu wissen, in dem sie in all ihren Reizen prangt und thront. Wenige Herzen sind es ja auerdem, die den Sinn, die das Gemth und den freien mnnlichen Muth haben sie dort festzuhalten. Wie eine Schnur kostbarer Perlen reiht sich da ein Tag an den anderen, keiner dem vorigen hnlich, alle wieder neue Abenteuer, neue Scenen, neue Erfahrungen bringend, und alle gleich werthvoll, gleich schn in der Erinnerung. Heute ein Treiben in wild zerrissener und zerklfteter Klamm, whrend der Sturm durch die Berge heult, und wie Kanonendonner durch die Schluchten saust, die Laatschen wie ein grnes Meer durchwogt und schwere Steine von den Wnden reit -- Morgen ein stiller Pirschgang in frher Morgenstunde ber die Joche hin und durch die Grben nieder, und gerad' Beschwerden und Gefahr genug dem wahren Manne das Herz mit Lust und Wonne bis zum Rand zu fllen. [Illustration] Auch da die Jagd nicht alle Tage glckt, verleiht ihr einen weit hheren Reiz, als wenn man eben nur hinauszugehen brauchte das Wild todt zu schieen. Es _ist_ wirkliche Jagd, und hat deshalb auch gar keine Aehnlichkeit mit den Hasenschlchtereien des flachen Landes. Was man erlegt, hat man sich wahrlich sauer und schwer genug verdient. Wenn man dann auch drei oder vier Tage umsonst die schwersten Touren gemacht, bringt der Erfolg des fnften hundertfachen Lohn. So verfliegt der Tag drauen in den Bergen, da man oft gar nicht wei wo er hingekommen, und der Abend am lodernden Kamin vergeht nicht schneller fast. Mde wird der Krper ja berhaupt nicht in dieser reinen Luft, selbst nach Anstrengungen, die im flachen Land den strksten Mann zum Tod erschpfen wrden. Die Zeit dann zwischen Jagd und Jagd ist deshalb nicht Erholung, sondern wieder nur ein Vergngen anderer Art. Man hat eben nicht zu jagen aufgehrt weil man mde -- sondern einfach weil es dunkel wurde, und beginnt frisch, wie am vorigen Morgen, sobald die Sonne sich im Osten zeigt -- bis der Schnee kommt. * * * * * Der Schnee ist des Gemsjgers Feind, und so erfreulich ein Neues im flachen Lande sein mag, Wild zu besttigen, und den Wald nach Raubzeug abzuspren, so derb und mchtig tritt er dort in den Bergen gewhnlich auf, wenn er erst einmal beginnt. Oft geschieht es allerdings, da es oben auf den Jochen in der Nacht einen Fu Schnee herunterwirft, und um Mittag herum die Sonne, von dem warmen Boden begnstigt, auch das Letzte an der Sdseite der Hnge wieder aufgesogen hat. Er liegt dann auch weit lockerer dort wie im flachen Land. Das geht aber ein- oder zweimal so -- nachher wird's Ernst, und hat er sich erst einmal ordentlich da festgesetzt, dann ist's auch in den Alpen mit der Jagd vorbei, -- wenigstens mit der Treibjagd. Ja selbst der Pirschende wre gezwungen alle gefhrlichen und selbst nur steilen Pltze zu vermeiden, und htte sich noch auerdem vor Lawinen und Schneestrzen arg zu wahren. Die Gemsen sollen sich bei heftig eintretendem Schneewetter in den Wald hinunterziehn. Sobald es aber aufgehrt hat zu schneien, gehen sie wieder auf die Hhen, und wo die Lawine den Schnee in's Thal hinunter reit, ffnen sich fr sie nicht allein vollkommen sichere, sondern auch treffliche, von der hemmenden Decke freie Aesungspltze. Da Gemsen von Lawinen erfat und begraben werden geschieht auerordentlich selten. Die klugen Thiere kennen schon die gefhrlichen Pltze wie die gefhrlichen Zeiten, und meiden sie sorgfltig. Weit eher wird ein Stck Wild von diesen Schrecken der Berge berrascht, wie denn auch das Roth- und besonders das Rehwild, weit eher dem schweren Schnee erliegt. [Illustration: =Das Niedersteigen.=] 15. Schlu. Und mu es denn geschieden sein? -- Die Hrner und Joche sind bis zum Fu hinab in ihre weien, wallenden, grn bernderten Mntel gehllt; der Frost hat diese Decke mit einem glnzenden, spiegelglatten Panzer umzogen, und wre es jetzt selbst mglich in den Bergen fortzukommen, die Gemsen hrten doch schon halbe Stunden weit den lauten Schritt. -- Und wie so furchtbar wild und de jene weiten Klfte jetzt aussehn, nun der Winter sie mit tiefem Schnee gefllt, und Felsenspalten und Bergesschlucht mit seinem Athem glatt geebnet hat. Wie blulich die Schatten sich darber legen, und der Sturm den weien Staub hochwirbelnd in die Lfte fhrt. Die Laatschen biegen unter der gewaltigen Last, und sind schon lange zu festen untrennbaren Massen zusammen gegossen worden. Nur die obersten Joche hat die Windsbraut sich rein gefegt zum tollen heulenden Tanz, wirbelt da oben den Schnee lustig im Kreise herum, und jauchzt ihr wildes Jubelgeschrei in die Schluchten nieder, da es wie gher Donner durch die Thler braust. Zitternd und scheu sucht in solcher Zeit das arme Wild den Schutz der bergenden Waldung, und die breitarmige Tanne, die ihre Zweige wie ein Dach zur Erde niedersenkt, hat immer noch ein Pltzchen fr ihre Lieblinge. An Nahrung kann sie ihnen freilich Nichts weiter bieten, als was sie sich selber gegen den Schnee geschtzt gehalten, und was vielleicht der Nachbarbaum noch birgt. Ob nun das Wild den Sommer durch absichtlich das Gras unter diesen Bumen schont, im Winter Nahrung dort zu finden, oder ob es ihm, wo berall genug der sen Aesung steht, zu unbequem ist unter die niederhngenden Zweige zu kriechen, aber diese unter den Bumen freigehaltenen Stellen sind dem Wild in jenen Bergen der grte Schutz gegen Sturm und Hunger, und nur, wenn der Schnee zu furchtbar arg wird, wie im vorletzten Jahr, und die armen Geschpfe vielleicht gar an solchen Stellen einschneien und sich nicht wieder vorarbeiten knnen, dann freilich gehn sie ein, und Fchse und Raubvgel haben reiche Atzung. [Illustration] Sobald aber die Schneedecke friert und hart wird, ist die flchtige Gemse wieder auf den Fen, und dann geht es mit frohen Sprngen in die Berge hinauf, dort sere Aesung zu suchen als der Wald ihr bieten konnte. An den schroffen Wnden giebt es auch berall Schneestrze, die hie und da einen Grasfleck freigeschoben haben, bis die Lawine mit vollen Hnden den grn und reich besetzten Tisch fr sie deckt. In der Zeit haben sie auch nicht mehr des Jgers Rohr zu frchten. Wenn sie nur die Augen gut nach oben Wacht halten lassen -- nach unten sind sie sicher. * * * * * Vor dem Schlo stehn die Jger, dem scheidenden Herrn noch ein Lebewohl zuzurufen. Sie sind meist Alle in ihrer Sonntagstracht und sehen ernst, ja fast traurig aus, unterhalten sich auch nur leise miteinander. Die frhliche Jagd ist vorbei, der lange schwere Winter liegt vor ihnen, und sie haben Nichts, das sie heiter stimmen, oder ihnen Anla zu den sonst hufigen Scherzen und Neckereien geben knnte. Auch Bandey, der Fischer und Vogelsteller steht dazwischen, mit noch ganz besonderer Ursache unzufrieden zu sein. Armer Bandey, Du patest vergebens auf einen Deiner Kameraden, den Du fr den Fischdieb hieltest, und whrend Du mit Zorn und Rache in dem sonst so gutmthigen Herzen auf einen spitzen Hut und ein paar Lederhosen zur Zielscheibe wartetest, stahl Dir eine Fischotter, fast unter dem Lauf der alten Schrotflinte weg, die mhsam gefangenen und so treu bewachten Forellen. Selbst Jackel fehlt nicht mit dem rothen, gutmthigen aber immer etwas verdutzt dreinschauenden Gesicht. Er sieht heute aber nicht reinlicher aus als gewhnlich. Da tritt der Kammerdiener zu ihm, und reicht ihm freundlich die Hand zum Abschied. Nun Jackel, halte Dich gut bis zum nchsten Jahr. Danke schn; gleichfalls -- kommen Sie hbsch gesund wieder her, nickt Jackel gutmthig, und schttelt die gebotene Rechte aus Leibeskrften. Aber Jackel, sagt da der Kammerdiener, indem er seinen prfenden Blick an der vierschrtigen Gestalt auf und nieder gleiten lt, mit freundlich verweisender Stimme, wie siehst Du wieder aus. Reine Wsche htt'st Du Dir doch wenigstens heute anziehen knnen. Was sollen denn die Herren von Dir denken? Ach Herr Kammerdiener, sagt Jackel gutmthig lchelnd, aber doch ein wenig dabei errthend, -- die sind's halt schon an mir gewhnt. Die Wagen fahren vor -- die Jagdgesellschaft tritt in den kleinen Vorhof hinaus, und Jeder springt auf seinen Sitz. -- Noch einen freundlich grenden Blick wirft der scheidende Herr ber die Gestalten der Jger, die ihm mit rasch heruntergezogenen Hten den herzlichen Abschiedsgru zurufen, einen anderen, fast mit einem leichten Seufzer nach den schneeigen Bergriesen hinauf, von denen er jetzt wieder auf ein volles Jahr Abschied nimmt -- und wie im Flug rollen die leichten Wagen die schmale aber glatte Strae entlang, dem flachen Lande zu. Druck von Breitkopf und Hrtel in Leipzig. [ Hinweise zur Transkription Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription werden _gesperrt_ gesetzte Schrift sowie Textanteile in =Antiqua-Schrift= hervorgehoben. Der Halbtitel wurde entfernt. Das Inhaltsverzeichnis wurde vom Buchende an den Buchanfang verschoben. Die 12 ganzseitigen Lithographien (nicht: "Das Jagdschloss.") sind im Original mit dem Hinweis "Lith.Inst.v.L.Sachse&CBerlin." versehen, der in der Transkription entfernt wurde. Die ganzseitigen Illustrationen wurden an das jeweilige Kapitelende verschoben. Zwei textumgreifende Illustrationen auf den Seiten 61 und 68 werden in der Transkription beschnitten dargestellt. Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, mit folgenden Ausnahmen, im Inhaltsverzeichnis: "Seite 121" gendert in "Seite 120" "Seite 128" gendert in "Seite 127" "Seite 138" gendert in "Seite 137" "Seite 149" gendert in "Seite 148" Seite 3: "," hinter "Heerden" entfernt (ihre Heerden vor Lawinensturz und Wintersturm in Sicherheit) Seite 10: "-" eingefgt (erst durch prchtige Buchen- und Ahornwlder) Seite 15: "Jger-rath" gendert in "Jgerrath" (Der Jgerrath, der Bericht der Leute) Seite 17: "" eingefgt (weil sie in den Dickichten drin stecken.) Seite 18: "." eingefgt (vorgestern mit dem groen Ragg drben gewesen.) Seite 21: "." eingefgt (mit unbeschreiblichem Entzcken. -- Was ist Nachtigallenschlag) Seite 61: "." eingefgt (oben ein Stein. -- Etwa hundert Schritt hher) Seite 69: "" eingefgt (ich hab' genug an dem Schu.) Seite 69: "" vor "Der" entfernt (Der Wastel erwiederte Nichts) Seite 87: "aufloderte" gendert in "aufloderten" (schwarz gebrannten, und wie glasirten Balken aufloderten.) Seite 97: "" eingefgt (es war gerade schrecklich tief wo sie fiel.) Seite 97: "" eingefgt (hat er im Nasentchel nach Haus getragen.) Seite 100: "" eingefgt (er mute drei Stunden gehn) Seite 115: "Schnebahn" gendert in "Schneebahn" (als ob eine Maus auf der Schneebahn hinliefe) Seite 131: "," eingefgt (die beiden westlichsten die hchsten, die stlichste) Seite 134: "," eingefgt (flogen sie auf mich zu, kreisten mir) Seite 137: "ihn" gendert in "ihr" (und die Jger ihr Ich meinet halt) Seite 139: "konte" gendert in "konnte" (deutlich konnte ich es mit bloem Auge erkennen) Seite 140: "." eingefgt (sich das als ein alter Bock auswies.) Seite 143/144: "," eingefgt (Schreckschsse wie sich spter auswies, die Gemsen die oben) Seite 150: "gelieben" gendert in "geblieben" (Wastel war ein Stck zurck geblieben) Seite 151: "" vor "das" entfernt (-- das hlt!) Seite 157: "Banday" gendert in "Bandey" (Armer Bandey, Du patest vergebens)] End of Project Gutenberg's Eine Gemsjagd in Tyrol, by Friedrich Gerstcker License: Share Alike