E-text prepared by richyfourtytwo, Delphine Lettau, and the Project Gutenberg Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) Transcriber's note: Obvious misspellings have been corrected. The spelling of names has been regularised and missing punctuation added. A few words appear in two different spellings; these have been retained. The original highlights text in two ways: by spacing letters (gesperrt) and by using a Roman font (Antiqua). The former is represented _thus_, the latter =thus=. Two particular words which may strike the modern reader as mistakes, Stpfel (Stpsel) and klaffen (klffen), were in fact correct at the time. A list of corrections is at the end of the e-book. ANMERKUNGEN Offenkundige orthografische Fehler wurden stillschweigend korrigiert. Namen wurden vereinheitlicht und fehlende Zeichensetzung ergnzt. Manche Wrter treten in zweierlei Schreibungen auf und wurden so belassen. Gesperrt Gedrucktes im Original wird _so_ angezeigt, Antiqua =so=. Zwei Wrter werden dem Leser bzw. der Leserin als mgliche Fehler vielleicht besonders auffallen: Stpfel (Stpsel) und klaffen (klffen); sie lassen sich aber in der damaligen Zeit so nachweisen. Amerikanische Wald- und Strombilder. Von _Friedrich Gerstcker_. Dritte Auflage. _Erster Band_. Leipzig, _Arnoldische Buchhandlung_. 1862. Inhalt des ersten Bandes. Seite Der Leichenruber 1 Nordamerikanische Jagd 55 Curtis Brautfahrt 131 Schulen in den Backwoods 185 Die Alligator-Jagd 206 Die Leichenruber. Seit dem Krieg mit den Seminolen (1818) hatten sich die Stmme der nordamerikanischen Indianer ziemlich still und ruhig verhalten und die Regierung selbst vermied natrlich Jedes, was wieder zu Reibungen und Streitigkeiten Anla geben konnte. Nichts desto weniger und trotz tausend verschiedenen Freundschaftsversicherungen und geschlossenen Bndnissen, drngte sie die armen Kinder der Wildni immer weiter und weiter von den Grbern ihrer Vter zurck, und nahm ihnen sogar, wenn ein paar trunkene Huptlinge vielleicht ihre Zustimmung gegeben, wieder Strecken hinweg, in deren _fortwhrendem_ Besitz sie frhere Prsidenten besttigt hatten. Da standen, dieser Willkhr mde, im April des Jahres 1832 die Winnebagoes, die Fchse und Sioux's auf, und wollten unter ihrem tapferen Huptling _Black Hawk_ -- _der schwarze Falke_ -- ihr schnes am oberen Mississippi gelegenes Besitzthum von den frechen Eindringlingen reinigen. Wohlbewaffnet und beritten richteten sie auch frchterliche Verwstungen in den Grenzlndern ihrer weien Unterdrcker an; sie umzingelten und vernichteten ganze Ansiedlungen, mordeten und scalpirten jedes lebende Wesen und erfllten den ganzen Staat mit Furcht und Beben. Die Regierung sah sich endlich gezwungen ernsthafte Maaregeln zu ergreifen und Gewalt mit Gewalt zu vertreiben; denn die Indianer, von ihrem leichten Sieg berauscht, drohten auch die Nachbarstaaten mit ihren wilden Schaaren zu berfluthen. Die Generle Atkinson und Scott wurden deshalb mit der Vertheidigung der Grenzen beauftragt. Unter des Letzteren Truppen aber, die man in Buffalo an Bord von Dampfbooten schaffte, um sie in der dringenden Noth auch schnell dem Kriegsschauplatz zufhren zu knnen, brach die Cholera aus -- die bermige Hitze und das Zusammendrngen so vieler Menschen in einem kleinen Raum war die Ursache, entsetzliches Elend aber die Folge dieser Krankheit. Viele starben, Viele desertirten, und muten dann, von Seuche und Hunger gleich aufgerieben, in den Wldern umkommen. General Atkinson dagegen traf durch forcirte Mrsche an der Mndung des oberen Iowa mit Black Hawks Kriegern -- es war am 2. August -- zusammen, schlug nach glcklichem Kampf die Indianer und nahm sogar ihren Huptling und dessen Sohn gefangen, die beide zuerst in Fort Monroe mehrere Monate festgehalten, dann aber durch alle Hauptstdte der vereinigten Staaten gefhrt wurden, um ihnen die Macht zu zeigen, gegen die sie einen Krieg unternommen, und ihnen zugleich zu beweisen, wie thricht, wie ganz hoffnungslos jedes weitere Auflehnen gegen solche ungeheure Streitkrfte sein mte. Black Hawk erschrack besonders ber die fr ihn so bedeutende Anzahl waffenfhiger junger Mnner, und kehrte, bestrzt ber das was er gesehen, zu den Seinigen zurck. Er widersetzte sich auch von da an nicht lnger dem Beschlu der Regierung, die, um einem zweiten Einfall der Wilden vorzubeugen, und sich zugleich das schne Land vollkommen zu sichern, was jene bis jetzt noch immer bewohnten, smmtliche Stmme an das westliche Ufer des Mississippi schaffte. Jahre waren hiernach vergangen, die Jagdgrnde jener tapferen Nationen whlte der Pflug auf, die Gebeine der Krieger bleichten neben denen des von ihnen selbst erlegten Wildes in Wald und Prairie, und nur noch einzelne und nicht oft die besseren der Stmme waren zurckgeblieben und im weiten Land zerstreut, wo sie sich mit Krbeflechten, oder auch mit der Jagd kmmerlich ernhrten. In dieser Zeit also und etwa im Jahre 1845 hatte sich auch ein alter Indianer, aus dem Stamme der Winnebagoes, dann und wann in Waterton, einem kleinen Stdtchen am Forriver, eingefunden, und fr Prairiehhner oder einen gelegentlich erbeuteten Hirsch, Pulver, Blei, Whiskey und was er sonst brauchen mochte, eingetauscht. Eines Tages aber, ob er nun des Guten ein Bischen zu viel gethan, oder sonst vielleicht schon vorher krank gewesen, hatte er kaum das gewhnliche Geschft beendet, und einen Theil seines Whiskeys getrunken, als er krampfhafte Zuflle bekam, zu Boden strzte und wenige Minuten darauf den Geist aufgab. Allerdings wurde der Doktor -- der einzige im kleinen Stdtchen und zwar ein Ire -- augenblicklich gerufen -- jede Hlfe kam jedoch zu spt, der arme alte Mann hatte geendet, und in einem roh gezimmerten Sarge trug man ihn etwa eine englische Meile von der Stadt fort, wo ein alter Indianischer Mound oder Erdhgel lag, der stets von dort vorbeikommenden Wilden besucht ward und der Begrbniort eines groen Huptlings der Fchse sein sollte. Dort, aus einer Art Zartgefhl, das dem armen alten Indianer gerade da seine Grabsttte anwies, grub man ihm sein letztes Bett, und bald verrieth nichts weiter, als die frisch aufgeschttete Erde, den stillen Ruheort eines alten Mannes, der doch wenigstens in dem Lande schlafen durfte, in dem sein Stamm einst geherrscht und glcklich gewesen war. Eine Person lebte aber in Waterton, die alles Mgliche gethan hatte, um dieses Begrbni zu hintertreiben, und diese Person war eben der, schon frher erwhnte kleine irische Doktor, der -- zum Nutzen der Menschheit, wie er behauptete -- seit dem Tode des Indianers nicht ablie mit Bitten und Versprechungen, den Leichnam ausgeliefert zu bekommen, damit er ihn seciren und dadurch vielleicht wichtige Entdeckungen in diesem Zweige der Wissenschaft machen knne. -- So lautete nmlich der Grund, den er angab, eigentlich wnschte er aber nur das Skelett zu besitzen, fr das er in New-York einen bedeutenden Preis zu bekommen wute. Nun htten sich die guten Wolferinen[1] wohl allerdings sehr wenig daraus gemacht, was aus dem Leichnam eines Indianers wurde, die sie, der verbten Gruel wegen, smmtlich in die hllischen Regionen wnschten; eben diese Greuelscenen waren aber auch noch zu frisch in ihrem Gedchtni, und nicht mit Unrecht frchteten sie, wenn so etwas von ihrem Ort bekannt geworden wre, die Rache der brigen Wilden, die, wenn auch nicht offen ausgefhrt, ihrem kleinen unbeschtzten Flecken um so verderblicher werden konnte. 1: Spitzname fr die Bewohner von Illinois. berdies war der alte _Salomo_ -- wie sie ihn genannt hatten, obgleich er sich keineswegs zur christlichen Religion bekannt -- so lange Jahre dort aus- und eingegangen, da wirklich eine Art Freundschaft zwischen ihnen aufgesprungen schien, und zugleich mit der Scheu, die _alle_ Hinterwldler vor dem Zerschneiden und Zerlegen eines menschlichen Leichnams haben, widersetzten sie sich einstimmig der Bitte des Doktors. Der Indianer wurde begraben und damit glaubten sie die Sache abgemacht. Dem war aber nicht so; Doktor Mac Botherme sah allerdings, da hier mit weiteren Protestationen Nichts mehr auszurichten sei, eins aber blieb ihm noch, und zwar die List. Schon in Irland hatte er manchen Leichnam stehlen helfen, und wenn auch _die_ Zeit viele viele Jahre lang hinter ihm lag -- Jahre, in denen er noch krftig und jung gewesen -- so wute er auch dafr, da das Ausgraben eines Krpers mitten im Wald, wo er Entdeckung gar nicht zu frchten brauchte, mit viel weniger Schwierigkeiten und Gefahr verknpft sei -- ja, wre es nicht des unbemerkten Heimschaffens der Leiche und vielleicht der halbunbewuten Furcht vor Indianern wegen gewesen, er htte das ganze Abenteuer allein bestehen knnen; so aber mute er sich nach einem Gehlfen umsehen, und den fand er augenblicklich in seinem eigenen Diener, einem erst in demselben Monat eingewanderten, noch rohen, oder wie sie in Amerika sagen, _wilden_ Irlnder, den er leicht, durch Versprechung eines guten Lohnes, dahin zu bewegen hoffte ihm beizustehn, wie auch spter ber die ganze Sache reinen Mund zu halten. Um aber nun mit dem Doktor, der so khne Absichten hatte und einer ganzen Gemeinde und den Schrecknissen des Grabes trotzen wollte, etwas nher bekannt zu werden, mu ich den guten Mann wohl bei dem Leser in Lebensgre einfhren. Doktor Mac Botherme war ein kleines korpulentes Wesen, mit rothen Backen, etwas echauffirter Nase, kleinen grauen Augen, grauen Augenbraunen und pechschwarzem Haar, welches letztere ihm brigens ein keineswegs nordlndisches Aussehen verliehen haben wrde, wren nicht die aufgestlpten Geruchswerkzeuge, wie das ganze frhliche, breitgedrckte Antlitz des immer munteren Doktors zu sichere Brgen der grnen Insel gewesen. Nach seiner, dem Leser eben mitgetheilten Absicht, mchte dieser jedoch verleitet werden, den Doktor fr ein Wunder von Muth, Entschlossenheit und Charakterfestigkeit zu halten, da er trotz der verweigerten Einwilligung von Waterton dennoch auf seiner Absicht bestand, und jetzt sogar eine Leiche bei Nacht Nebel stehlen wollte -- ein Geschft, vor dem selbst der khnste Jger jener Wlder zurckgeschreckt sein wrde. Dem war aber gar nicht so. -- Doktor Mac Botherme hatte allerdings, was auch schon sein Geschft mit sich brachte, keine Furcht vor Leichen -- der menschliche Krper war ihm etwa dasselbe, was einem eifrigen Botaniker die Pflanze ist, die er zerlegt und nach ihren inneren Theilen classificirt; er wrde also auch das Stehlen der Leiche an sich selbst als etwas sehr unschuldiges, ja vielleicht Interessantes betrachtet haben, wre nicht noch ein anderer Umstand dazu gekommen, der allerdings der ganzen Sache eine Schattenseite gab, und ihn sogar mit einem Gefhl erfllte, das, er mochte sich dagegen struben so viel er wollte -- der _Furcht_ ungemein hnlich sah. Die Leiche lag nmlich im Wald -- eine Meile von jeder menschlichen Wohnung entfernt, und erst vor wenigen Tagen hatten die Jger von Waterton gerade dort einen Panther gejagt und _nicht_ erwischt. Der Panther mute also noch nothwendiger Weise im Walde sein, denn es war nicht einmal auf ihn geschossen worden, so da man sich vielleicht damit htte beruhigen knnen, er sei verwundet und spter irgendwo verendet. Auerdem schienen auch die Einreden der Bewohner von Waterton einen nicht unbedeutenden Eindruck auf ihn gemacht zu haben, da sich nmlich in letzter Zeit wieder mehrere Indianer, und zwar von den Winnebagoes eben in der Gegend gezeigt htten, die, wenn sie von dem Leichenraub eines ihres Stammes hren sollten, nie im Leben eine solche That vergessen, sondern sie an dem Thter und seiner ganzen Nachbarschaft rchen wrden, indem sie, wenn sie nicht dieser selbst habhaft wrden, doch wenigstens ihre Maisfelder und Huser in Brand steckten und ihnen vielleicht auch noch auerdem mit heimlicher Kugel im Walde auflauerten. Das Alles blieb zu bedenken, die Versuchung zeigte sich aber hier zu stark, Mac Botherme konnte nicht widerstehen, und beschlo nun, der ueren Vorsicht und der Bequemlichkeit im Allgemeinen wegen seinen eben angenommenen Diener Patrik O'Flaherti zu Schutz und Hlfe _mit_zunehmen und die Sache wo mglich vollkommen geheim zu halten. O'Flaherti, ein wahres Muster eines Irlnders der niederen Klassen, mit brennendrothem Haar und ordentlich Funken sprhender Nase -- starkknochig und keck, mit unverwstlichem Humor und nicht zu ermdender Dienstfertigkeit, war denn auch, besonders noch durch die zugesicherte reichliche Belohnung gelockt, gern bereit, dem Doktor, wie er sich ausdrckte, durch dick und dnn zu folgen, heit das, wenn sie es nur mit wirklich todten Personen zu thun htten, und nicht etwa gar der Geist des seligen Rothfells neben dem Grabe se und aus seinem Tomahawk schlechten Tabak rauche. Auch hatte Patrik -- der sonst _keinen_ Menschen frchtete, eine nicht unbedeutende Scheu vor den Wilden selbst, da ihm schon in der Heimath die frchterlichsten Schilderungen von diesen gemacht waren, die dort als Cannibalen und wahre Teufel verschrieen wurden. Das was er, in Illinois angekommen, hie und da ber die letzten Einflle und Gruelscenen gehrt, diente ebenfalls nicht dazu, ihm einen besseren Begriff von ihnen beizubringen, und so uerte er denn auch diese Befrchtung ziemlich frei und offen gegen seinen neuen Herrn. Mac Botherme, obgleich er Ihm im Innern vollkommen recht gab, htete sich jedoch wohl, ihm davon etwas merken zu lassen; im Gegentheil suchte er mit dem unbefangensten Lcheln von der Welt jede etwa aufsteigende Furcht in ihm zu beschwichtigen. Das gelang ihm denn auch vollkommen, und die Ausfhrung des Unternehmens wurde auf den nchsten Abend festgesetzt, da an diesem, als an einem Sonntag, nicht zu frchten war, da vielleicht irgend Jemand von Waterton auf der Jagd drauen sei, und zufllig in die Nhe des Indianischen Mound kommen knnte. Alle nthigen Vorbereitungen wurden nun getroffen, und der Plan schien sich auch leicht und gefahrlos ausfhren zu lassen. Der Doktor bewohnte nmlich ein eigenes kleines Haus mit zwei Abtheilungen, in deren einer er und der Diener schlief, whrend er die andere zu seinem Wohn- und Studierzimmer erhoben hatte. In das erstere nun sollte die Leiche geschafft und dort zubereitet werden, bis sich spter einmal eine Gelegenheit fand, das hergerichtete Gerippe ohne Aufsehen an den Ort seiner Bestimmung zu befrdern. Patrik mute sich dabei Hacke und Schaufel zurecht legen, und der Doktor nahm die alte Muskete vom Haken, schnallte seinen breiten, bis dahin zu Schutz und Trutz ber dem Bett hngenden Hirschfnger um, steckte ein Brecheisen und kleines Beil zu sich, um ohne weitere Mhe den Sarg ffnen zu knnen, und whrend er noch das Letzte -- einen groen grauen Leinwandsack ber seine Schultern hing, um darin den Leichnam desto leichter fortschaffen zu knnen, brachen an dem bezeichneten Abend die Beiden, als der Mond eben unterging (und das war etwa gerade um neun Uhr) vorsichtig auf, wobei sie, um jedes Aufsehen zu vermeiden und nicht etwa von einem noch zufllig auf der Strae Weilenden bemerkt zu werden, das kleine Haus umgingen, die nchste Fenz, die des Gastwirths Maisfeld einschlo, bersprangen, und dann durch dieses hin, und von den hohen breitblttrigen Maisstcken vollkommen verdeckt, dem Walde zueilten. Es war dies allerdings ein ziemlich bedeutender Umweg, den sie machten; sie hatten ja aber die ganze Nacht vor sich, und setzten so, leise und geruschlos, ihren dunkeln unheimlichen Weg fort. -- Indessen saen in der Schenke von Waterton die vier einzigen _nicht_ religisen Mnner, die, auer dem Doktor und Patrik in dem kleinen Stdtchen zu finden waren, frhlich beisammen, und thaten dem erst frisch von Vincennes eingetroffenem Biere alle nur mgliche Ehre an. Diese vier waren aber erstlich James Glassy, der Wirth selbst, ein seit der frhsten Grndung von Waterton hier eingewanderter Pennsylvanier, und kurzweg von seinen Bekannten und Gsten _Jim_ genannt, dann _Josy_, der Schmied, _Weppel_, der Schulmeister, und _Shark_, der Krmer. Eines nur, wie sie so friedlich und heiter bei einander saen, wirkte hchst strend auf ihre Unterhaltung ein, und zwar ein Umstand, der vielleicht zugleich wieder die Dauer ihrer Eintracht verbrgte -- sie waren alle viere Demokraten, hatten fr Polk gestimmt, und im Ganzen eine so genau bereinstimmende Meinung in Allem was Politik betraf, da Weppel der Schulmeister mehrere Male in aller Verzweiflung erklrte, er werde nchstens _gegen_ seine berzeugung des Whigticket stimmen, blos um einmal in einer so verwnscht langweiligen Gesellschaft widersprechen zu knnen. Die Politik war deshalb auch fast ganz aus ihrer Unterhaltung verbannt, und Jim hatte eben einen Bericht gegeben, wie viel Bienenbume er im letzten Monat gefunden, whrend sich Josy seines Glcks auf der Jagd rhmte, mit dem er in voriger Woche zwei Hirsche und drei Truthhner geschossen und Shark behauptete dabei, er wrde auch einen Hirsch und noch dazu einen recht feisten Bock erlegt haben, wre ihm nicht gerade, als er die Bchse heben wollte, so eine verwnschte Rothhaut in die Quere gekommen, die ein paar Sekunden frher geknallt, und dadurch ein ungemein delikates Stck Wildpret fr sich gewonnen htte. Wir sollten es berhaupt gar nicht mehr dulden, fuhr jetzt Weppel auf, da diese schleichenden Hallunken, diese Indianer, hier immer um die Ansiedlung herum kriechen -- in Arkansas leiden sie's auch nicht -- ich hielt im vorigen Jahr am Mulberry Schule, und da fingen sie einmal einen ganzen Trupp von ihnen auf -- es waren ihrer vierzehn oder fnfzehn -- nahmen ihnen die Jagdbeute ab und jagten sie aus dem County. Ja, sagte Shark geheimnivoll -- das hat aber auch hier eine andere Bewandtni -- wit Ihr denn nicht, was man sich in Vincennes ber Waterton erzhlt? In Vincennes? frug unglubig Josy -- was wissen sie denn in Vincennes von uns, wovon wir hier an Ort und Stelle noch nicht einmal etwas gehrt haben sollten -- Unsinn -- wre doch verdammt neugierig _das_ zu erfahren! Was sie in Vincennes wissen, will ich Euch sagen, fuhr Shark fort, trank sein Blechmaas aus, das ihm von der aufmerksamen Wirthin augenblicklich wieder gefllt wurde, rckte sich seinen Stuhl ein bischen nher zum Tisch, putzte das Licht, stemmte beide Ellbogen auf, sttzte gegen die zurckgestreckten Daumen das spitze Kinn, und sagte dann nach allen diesen Vorbereitungen mit leise flsternder Stimme: Sie glauben, es wre hier nicht ganz richtig. -- Nicht ganz richtig? frugen die drei brigen wie aus einem Munde. Nein -- sagte der Krmer -- nicht ganz richtig -- oder eigentlich _gar_ nicht richtig, denn die Indianer schnffelten blos deshalb hier noch in der Nhe herum, weil sie auf der Stelle, wo Waterton jetzt stnde, einen Schatz vergraben htten, den sie heben mten, ehe sie smmtlich das Land verlassen drften. Einen Schatz? rief die junge Wirthin, erstaunt nher tretend. Ja, einen Schatz von Gold, Silber und allerlei kostbaren Steinen und Schmucksachen -- fuhr der Krmer eben so geheimnivoll wieder fort. Aber wo sollten sie denn das Alles hergekriegt haben, sagte der Wirth unglubig -- das was die Indianer fr kostbar halten, ist fr uns Weie keinen Pfifferling werth -- das sind gewhnlich immer nur Muschelstckchen, die an den Wampum genht werden, rothe Erde, um Pfeifen d'raus zu machen, und allerlei seltene Federn, die man in New-York fr einen Spottpreis kaufen kann. Wo sie's hergekriegt haben sollen? rief Shark in allem Eifer; -- haben sie denn nicht von jeher die weien Ansiedlungen berfallen, und da geraubt und fortgeschleppt, was ihnen unter die Hnde kam? wird denn nicht sogar behauptet, da es in dem Alleghany-Gebirge Stellen gebe, wo das Gold klumpenweis lge, und da es die Indianer wohl gefunden und mitgenommen, aber nicht gewut htten, was sie damit anfangen sollten, bis sie es spter durch die Gier der Europer erfahren! Nein, die Schtze sind da, das ist gewi, und da sie hier in der Nhe liegen mgen, vielleicht gerade hier unter uns, wo wir jetzt sitzen, das ist auch mglich. Was _htten_ denn auch wirklich die rothen Hallunken immer hier herum zu suchen? gestern bin ich wieder Dreien begegnet, wie ich, um ein Eichhrnchen zu schieen, in den Wald ging. _Die_ sind nach Vincennes zu, unterbrach ihn hier die Wirthin, sie wollten auch blos eine Parthie Otterfelle verkaufen und dachten gewi wenig genug an Schtze. So? rief der Krmer pikirt. -- Otterfelle verkaufen, als ob sie deshalb nach Vincennes zu gehen brauchten. Da gibt es auch in Waterton Leute, die Geld genug haben, ihnen ein paar lumpige Otterfelle abzukaufen. Nein, das hat einen anderen Grund, und wir werden's schon noch erfahren. Deshalb war ich brigens auch so dagegen, da der kleine Doktor den Indianer zerschneiden sollte -- der Teufel hole die rothen Schurken, vielleicht htten sie das als eine Ausrede genommen, uns die Huser ber dem Kopf angesteckt, und hier mitgenommen, was sie mitzunehmen wnschten. Ja, das sag' ich auch -- meinte Josy -- das wre auf keinen Fall gegangen; ich wei noch recht gut, wie sie's ein Mal in Greentown einem Deutschen machten, der auch das Gerippe von einem am Mississippi begrabenen Huptling hatte stehlen wollen -- sie erwischten ihn dabei -- zogen ihm den Scalp ab, und lieen ihn laufen -- drei Stunden drauf war er todt. Ich habe die Geschichte Mac Botherme zur Warnung erzhlt. Ja, und nachher haben sie noch fnf aus derselben Ansiedlung erschossen, sagte Weppel -- ich kann mich recht gut darauf besinnen, denn ich kam acht Tage spter durch Greentown. Und dann war Salomo auch ein herzensguter Mensch sagte Mrs. Glassy -- gar nicht wie die anderen Indianer -- berall gefllig und immer freundlich -- es htte mir in der Seele weh gethan, wenn er nicht einmal ruhig im Grabe geblieben, sondern von dem -- Irlnder da, zerschnitten wre. Soviel wei ich -- wenn der hier in Waterton Menschen die Eingeweide herausnimmt und an ihnen herumsticht als wie an einem anderen Stck Vieh, dann mag er mir nur hier aus dem Hause bleiben, dann dank' ich ihm fr seinen Besuch -- ich ekelte mich zu Tode. Na, das wre nun das Wenigste, lachte ihr Mann -- das wscht sich Alles wieder ab, und was Salomo betrifft, so ist Einer von den Moccasinzertretern so schlimm wie der andere -- je freundlicher sie sich stellen, desto mehr mu man sich vor ihnen in Acht nehmen. Aber darin hat Shark recht -- ich mchte nachher nicht mehr vor die Thr gehen, wenn es unter dem Stamm bekannt wrde, wir htten hier in Waterton Einen von ihnen nicht allein nicht begraben, sondern sogar noch zerschnitten -- am Ende glaubten sie gar, wir wren Menschenfresser. Brrr, sagte Mrs. Glassy, und schttelte sich bei dem Gedanken. Ja Kinder, meinte Mr. Weppel, als er jetzt aufstand und ans Fenster trat, um hinaus auf die menschenleere Strae zu sehen -- was Besonderes ist hier nicht weiter zu bekommen, und da will ich denn lieber zu Hause gehen -- meine Alte mchte doch sonst brummen. Wie viel Uhr hat's denn? frug Jim -- es mu ja noch frh sein. Es ist gerade neun vorbei, sagte der Schullehrer, der Mond drckt sich auch da drben in's Nest -- morgen mu ich um sieben wieder auf den Beinen sein und Schule geben -- also gute Nacht, meine Herren. Wartet Weppel, rief Shark, whrend er aufstand und nach seinem eignen Hute griff -- ich gehe mit -- ich mu so ein Bischen in's Freie, habe in der Stubenluft ordentlich Kopfweh bekommen. Aber wer klopft da drauen -- ist denn zugeschlossen? Die Thre war inwendig eingeklingt und Mrs. Glassy ffnete sie schnell, htte aber fast einen lauten Angstschrei ausgestoen, als pltzlich, halbgebckt, den rabenschwarzen runden Wollkopf entblt, ein kleiner, etwa zwlfjhriger Negerknabe in's Zimmer glitt, der, augenscheinliche Angst in den dunklen Zgen, die Mnner der Reihe nach ansah, und nicht zu wissen schien, ob er mit der Sprache heraus sollte. Jesus im Himmel! sagte Mrs. Glassy, indem sie berrascht einen Schritt zurcktrat, habe ich doch wahrhaftig geglaubt, es wre ein Indianer, der da den Kopf zur Thre herein streckte. Was willst du denn noch so spt, Sip? schickt dich dein Master? Sip war ein freier Negerknabe, der sich bei dem Baptistenprediger vermiethet hatte, und auch dann und wann, besonders wenn sein Herr nach irgend einem benachbarten Flecken zum Predigen gegangen war, allerhand kleine Auftrge und Wege fr das Wirthshaus besorgte, wo er sich nur zu gern mit einem paar Centen und einem Schluck Whiskey dafr belohnen lie. -- Jetzt verrieth sein ganzes Wesen aber mehr Furcht und Besorgni, und mit leiser, bebender Stimme stotterte er: Ne -- ne -- nein, Missus -- Ma -- Massa nicht, a -- aber -- ich ha -- habe wa -- wa -- was gehrt -- Du hast was gehrt? Ja -- Mi -- Missus -- fuhr der Kleine ngstlich fort -- w -- w -- wie ich durch Ma -- Ma -- Massa Glassys Me -- Melonengarten ging -- Sirrah, du Schuft, unterbrach ihn hier Mr. Glassy entrstet -- was hast du in Ma -- Ma -- Massa Glassys Melonengarten zu suchen? Hab ich dir kleinen schwarzen Hallunken nicht verboten, meine Melonen auch nur ber die Fenz herber anzusehn? Aber so lat ihn doch nur erst erzhlen, was er gesehen hat? lachte Weppel -- der arme Bursche bringt ja sonst keine Sylbe mehr vor Angst und Stottern heraus. Sip schien auch wirklich dadurch, da er sich hier so urpltzlich selbst verrathen hatte, ganz consternirt zu sein und stotterte eine solche Menge wirres Zeug hervor, da ihn Mrs. Glassy erst wieder beruhigen mute, bis er sich nur wenigstens in so weit verstndlich machen konnte, da sie begriffen, was er eigentlich wolle. Der Inhalt seiner Mittheilung bezog sich brigens nher auf ihr kaum unterbrochenes Gesprch, als sie im Anfang vermuthet, denn Sip erzhlte ihnen jetzt, da er _durch_ eben den fraglichen Melonengarten, aber blos _durch_gegangen sei, um schneller nach Waterton zu kommen, als er dicht an der Fenz hin zwei Mnner gesehen habe, von denen der Eine eine Flinte, der andere aber Hacken und Spaten getragen. Nicht weit von ihm seien sie eine Weile stehen geblieben und er htte deutlich die Stimme des kleinen irischen Doktors erkennen knnen, der mit seinem Diener davon gesprochen, den todten Indianer in einen Sack zu stecken und zu Hause zu tragen. Sip war eben nur dehalb so erschreckt ber das Ganze, weil er seinen eigenen Master schon vor dem Begrbni des Indianers sagen gehrt, sie drften es unmglich wagen, die Rache der noch in der Gegend umherstreifenden Indianer zu erwecken, denn solche Menschen, die Nichts weiter zu verlieren htten, und dabei vielleicht noch gar eine gerechte Vergeltung fr erlittene Unbill auszuben glaubten, seien zu Allem fhig und wrden die Weien nachher ruhig todtschlagen, das, was sie besen, rauben, und die Neger -- eine Hauptsache fr _Sip_, in Gefangenschaft schleppen. So unausfhrbar nun auch das Letztere gewesen wre, da die Indianer, nach einem ausgefhrten Gewaltstreich, nur nach Canada hoffen durften zu entkommen, so glaubte doch Sip, mit der Geographie des Landes wenig bekannt, seine Existenz auf das uerste gefhrdet, und bat jetzt die Mnner mit thrnenden Augen, sie mchten doch nur um Gotteswillen nicht zugeben, da die bsen Menschen ihr Vorhaben ausfhrten. Hm, sagte nach langer Pause Weppel, als Sip geendet und schchtern in eine Ecke zurckgetreten war -- der verwnschte kleine Doktor wird uns am Ende noch zu schaffen machen. Ei potz Hammer und Zangen, rief Josy -- -- wir wollen ihm nach -- wer frchtet sich denn vor seiner alten Muskete, die nie im Leben losgeht, und mit der er oft Stundenlang zwischen den Eichhrnchen drauen herumschnappt. Wir wollen doch einmal sehen, ob der Fremde hier nach Waterton gekommen sein soll, um uns hier, wider Willen, in Gefahr von Leib und Leben zu bringen. Nein, das seh' ich auch nicht ein! sagte Weppel -- er hat bei uns um den Leichnam angehalten -- er ist ihm abgeschlagen, und wenn er ihn jetzt _stehlen_ will, so brauchen wir das nicht zu leiden. Leiden? donnerte der krftige Schmied dazwischen -- der Teufel brauchts zu leiden -- aber wir nicht -- hol' doch den ganzen Irlnder der Bse -- mag er zu seinem eigenen Land zurckgehen, wo's keine Frsche und Schlangen giebt, wenn er aber _hier_ leben will, so soll er sich auch den Gesetzen des Landes fgen, oder -- ich will ihn mit ein paar Hmmern bekannt machen, zu denen er lieber Alles in der Welt, als zum zweiten Mal den Ambos abgeben sollte. Kommt, wir wollen ihm nach, und wenn _ich_ ihn nicht vom Leichenstehlen curire, so heit mich einen Holzkopf. Der ehrliche Schmied drckte sich den Hut fest in die Stirn, und schien, ohne alle weiteren Umstnde, seine Absicht auch ausfhren zu wollen; Shark stellte sich ihm aber entgegen, erfate seinen Arm und sagte, whrend er sich mit der Linken leise das glatt-rasirte Kinn strich: Gentlemen, die Sache hat zwei Seiten -- der Indianer gehrt nicht mehr in den Staat -- er liegt auf _Congreland_ begraben und _wir_ haben eben so viel und so wenig Recht darauf, als der Doktor -- _gesetzlich_ knnen wir ihm also gar Nichts anhaben. Treten wir dabei die Sache breit, und fangen wir Streit an, so wird, mehr als nthig ist, davon gesprochen und die Aufmerksamkeit der Indianer noch strker nach Waterton gelenkt, als das bis jetzt schon geschehen; -- liee sich das Ganze nicht auf irgend eine andere Art beilegen? Ist er denn aber auch nach dem indianischen Grabe? frug Mrs. Glassy -- das liegt doch gerade in ganz entgegengesetzter Richtung! Nun natrlich wird er nicht bei Nacht und Nebel mit Hacken und Spaten mitten durch die Stadt laufen, -- sagte der Schulmeister -- so gescheidt ist er auch. Ich habe mir's aber gedacht, ich habe mir's wahrhaftig gedacht. Ach was _denken_, fiel der Schmied hier rgerlich ein -- hol' der Teufel das Denken, wir gehen hin, hauen ihm die Jacke voll, da er das Wiederkommen vergit und machen ihm dadurch begreiflich, da er sich, wenn er einmal in Amerika leben will, auch so betragen soll, wie's die Amerikaner verlangen. Meine Herrn! unterbrach ihn hier Shark -- dagegen mu ich zweierlei einwenden -- erstlich habe ich einen frchterlich hohlen Zahn, der schon jetzt wieder anfngt wehzuthun, und den ich mir vom Doktor morgen wollte herausreien lassen, und dann -- knnte die verwnschte Flinte _doch_ einmal losgehen -- _die_ Art Schieeisen wartet gewhnlich den Zeitpunkt ab, wo sie eigentlich nicht feuern sollte, und dann feuert sie erst recht. In dem einen Falle brche er mir, um sich zu rchen, vielleicht die halbe Kinnlade aus, im anderen knnte er, was noch schlimmer wre, einen von uns todtschieen; ich schlage also vor, da wir uns auf etwas Besseres besinnen. -- Wie wre es zum Beispiel, wenn wir ihm den ersten Neger versprchen, der in der Ansiedlung stirbt. Oh Go -- Golly, Ma -- Ma -- Massa! schrie Sip entsetzt, was hat a -- a -- arme Nigger gethan, -- N -- nein -- Sip we -- we -- wei 'was Be -- Besseres! Heraus denn damit, du schwarze Nothflagge du -- lachte Weppel -- heraus mit dem Be -- Besseren! Massa Bo -- Botherme, f -- f -- frchtet Indian -- i -- i -- ich schreie ge -- gerad wie Indian -- und ohne eine weitere Aufforderung abzuwarten, stie der kleine Neger pltzlich in so tuschender Nachahmung und so scharf und gellend den trotzigen Schlachtschrei der Winnebagoes aus, da Mrs. Glassy entsetzt zusammenfuhr, und selbst die Mnner berrascht, emporfuhren. Shark hatte aber im Augenblick begriffen, was der Knabe meinte, und rief jetzt jubelnd aus: Bei Gott, Kinder, ich hab's -- Sip hat recht, das ist ein kapitaler Einfall -- wir wollen Indianer spielen. Dunkel ist's, der Mond ist unter, da brauchen wir nur Jeder eine weie wollene Decke umzuhngen, und unsere Garderobe ist fertig. Drauen schleichen wir uns denn an das Grab hinan und wenn Sip hier zu schreien anfngt, und wir anderen einstimmen, dann denk' ich, soll der gute Doktor glauben, alle drei ausgewanderten Stmme sen ihm auf dem Nacken. Da mchten wir aber auch unsere Bchsen mitnehmen, meinte Josy, dem der Einfall zu behagen schien, denn er schmunzelte ganz wohlgefllig vor sich hin. I Gott bewahre! sagte der etwas ngstliche Krmer, wozu? der Wald ist dicht verwachsen, und so ein Ding knnte unterwegs einmal losgehen. Es soll ja auch gar kein Ernst aus der Sache gemacht werden. Wenn sich aber der Doktor zur Wehre setzt -- meinte Weppel. Nein, dafr steh' ich, lachte der Wirth -- wenn der die Bsche rascheln und nachher den chten Schlachtschrei hrt, dann mchte ich meinen Hals darauf verwetten, da er Fersengeld giebt, als ob der Bse hinter ihm wre. Aber reinen Mund mssen wir halten, meinte Shark -- sonst holt er ihn spter am Ende doch noch. Wenn der _einmal_ verjagt ist, kommt er sobald nicht wieder -- sagte Glassy -- brigens ist's einerlei, ob wir bei _dem_ einen chten oder unchten Schlachtschrei haben -- der versteht ihn doch nicht zu unterscheiden -- was hilft auch der Kuh Muskate -- doch gleich viel, jetzt nur fort, da wir nicht zu spt kommen. Er ist, wie Sip sagt, durch die Felder gegangen, da mu er einen weiten Umweg machen, bis er an den oberen Baum kommt, der ber den Flu liegt, sonst kann er nicht hinber. Wir knnen indessen hier gleich ber die Brcke und auf der breiten Strae fortgehen, dadurch schneiden wir wenigstens eine halbe Stunde Weges ab. Du Frauchen, magst uns aber indessen einen heien Punsch brauen, wenn wir wieder kommen, werden wir ihn brauchen knnen, und jetzt ihr Herren -- an's Werk. Es war Nacht -- droben vom Himmel blitzten in unendlicher Pracht die schnen herrlichen Sterne vom Firmamente nieder -- ein leiser Sdwind strich fast geruschlos ber die weite Prairie daher, nur das schwankende Gras bog er nieder, da die hellen, daran blitzenden Thauperlen schwer hinab auf den feuchten Boden fielen. -- Sobald er aber das Fluthal erreichte, wo die hohen, krftigen Bume standen, da gewann er auch neue Macht, da schien er sich recht fest und trotzig zusammenzunehmen, und hinein warf er sich in die Wipfel, und rauschte und brauste hindurch, als ob er ihnen Wunder was Wichtiges zu sagen habe. Die aber schttelten leise und altklug mit den Kpfen -- sie wuten recht gut, da von dort her, aus dem weichlichen Sden, nichts Derbes und Tchtiges herkommen knne. Ja, sagten sie, wenn er von da drben herber, ber die Seen her, bliese, von den starren Eisgletschern nieder, dann wr's noch der Mhe werth, sich dagegen zu stemmen, oder einander die Arme zu reichen, zu Hlfe und Schutz, so aber -- lat ihn weiter ziehen, Schwestern -- es ist ein Sdlnder -- er tritt patzig auf, flstert einem Jeden etwas Schnes in's Ohr, und ist dann eben so leicht verschwunden, wie er gekommen. So allerlei altkluges Zeug schwatzten die Zweige und der Schuhu sa mitten drinn und schaute ghnend in das noch vom letzten Herbst dort unten liegende gelbe Laub, ob nicht etwa irgend ein leckerer Bissen in Gestalt eines kleinen Kaninchens oder auch einer fetten Maus, vorbeischleiche und ihm die unbequemere Suche erspare. Die Natur feierte ihren Sabath -- heilige Ruhe lag ber der ganzen Welt, sogar die Frsche riefen ihr monotones Lied nur ganz leise und schchtern ab, anstatt wie sonst so recht aus voller Kehle hineinzuquaken in die stille -- hehre Nacht. Tiefe Dunkelheit lagerte auf dem Walde, selbst die Sterne konnten nicht mit ihrem matten Licht durch die dicht verwachsenen Zweige dringen; nur da, wo sich der kleine Flu seine unregelmige, zickzack laufende Bahn durch den fetten Boden brach, hatten sich die Riesenwipfel getrennt und die freundlichen Himmelskrper spiegelten sich in der klaren Fluth und schienen auf den leichtgekruselten Wogen zu schwimmen und zu tanzen. Aber auch noch ein anderer Fleck lag in der waldigen Niederung, wo das blasse Sternenlicht seinen matten, dmmernden Eingang fand -- es war dies eine jener tausend kleinen Waldblen, die durch die ganzen westlichen Wlder zerstreut sind und nur Gras und Blumen erzeugen, whrend der sie umschlieende Boden die krftigsten, stattlichsten Bume trgt, und es schien fast, als ob nur wenige jener ungeheueren Stmme hier herausgerissen seien, und das weite, die enge, nackte Stelle umkreisende Waldmeer schon im Begriff wre, sich wieder ber derselben zu schlieen. Der freie Raum mochte kaum sechzig Fu im Durchschnitt haben; seinen Mittelpunkt bildete aber ein niederer, vielleicht sieben Fu hoher Hgel, der, mit dichtem Gras bewachsen, nur auf dem Gipfel eine Wunde trug, wo der Rasen frisch aufgerissen schien und die in spitzem Kamm festgeschlagene Erde den Ort verrieth, unter dem der starre Krper eines Menschen ausruhe von allen irdischen Lasten und Leiden. Heimlich und still lag der schaurige Platz inmitten des grnenden Waldes, und nur der Wolf hatte ihn, als er seine erste Runde beging, umschlichen, und von dem frischen Grabe aus seinen Nachtgru hinauf geheult zu den Sternen -- die Spuren seiner scharfen Krallen bezeichneten noch den weichen Grund. Aber was hob sich dort, dunkel und ungewi, im matten Licht, dicht zu Hupten des Grabes? War es ein Stein der Erinnerung, den die Bewohner von Waterton dem fremden Krieger gesetzt? -- Hatten sie soweit sein Andenken geehrt, um sogar den Platz zu bezeichnen, wo Einer der von ihnen Vertriebenen sein Haupt berge unter den Bumen, deren Schatten ihn frher erquickte? Ach nein -- nein -- nicht Liebe war's, die das erkaltete Herz hier einscharrte in seine irdene Urne -- den Leichnam aus dem Weg zu schaffen, hatten sie gemeint; so schnell und bequem das geschehen konnte, so schnell geschah es -- da sie das indianische Grab dazu gewhlt, war die einzige Freundlichkeit, die sie der Race selbst bewiesen. Und jener Stein? -- Httest du die dunkelglhenden Augen gesehen, wie sie unter der fest und stolz emporsteigenden Adlersfeder vorfunkelten -- httest du den leisen monotonen Sang gehrt, mit dem er, wie in kaum vernehmbaren Flstern, die Todtenklage ber den Geschiedenen murmelte, du httest nicht nach einem _Stein_ gefragt -- ein _lebendes_ Monument seines Stammes, kauerte der Huptling, im vollen Schmuck des Kriegers, ber dem Grab -- seines _Vaters_, und whrend die Linke fast bis zum Handgelenk in den weichen lockeren Boden sank, hielt er die Rechte starr und regungslos zu den Sternen gestreckt, als ob er Krper und Seele des Verblichenen herauf und hernieder ziehen wolle zu sich, dem allein Zurckgebliebenen. Da pltzlich hob er rasch und lauschend das dunkle Haupt -- die hohe Feder schwankte von der fast unwillkhrlichen Bewegung, und mehrere Secunden lang schien er mit der gespanntesten Aufmerksamkeit einem noch fernen aber seinen scharfen Sinnen nicht entgangenen Gerusch zu horchen. Es kam nher -- er unterschied Stimmen -- er vernahm das Krachen und Knicken niedergebrochener drrer Zweige, und sich jetzt vorsichtig erhebend -- das Antlitz fortwhrend der Stelle zugewandt, von der die strenden Laute tnten, glitt er leise zurck in den schtzenden Schatten der Bume und verschwand im nchsten Augenblick in ihrem Dunkel. * * * * * Ich sage dir Patrik -- du bist ein Esel! rief Doktor Mac Botherme, als er wenigstens zum fnfzigsten Mal ber die im Wege liegenden ste gestolpert und gestrzt war, und eben wieder, die Schienbeine reibend, aufstand -- du schwatzt ja Zeug, was einen vernnftigen Christenmenschen in seiner eigenen Wohnung zur Verzweiflung bringen knnte, geschweige denn hier, in diesem verfluchten Wirrwarr von knochenzerbrechenden Bumen -- Herr Gott! unterbrach er sich hier selbst in halbverbissenem Schmerzschrei, als er eben wieder mit dem Gesicht in einer der scharfdornigen Schlingpflanzen hngen geblieben war, und sich nun sorgfltig mit der flachen Hand ber Stirn und Backen fuhr, um zu fhlen, ob er nicht blute. Aber Doktor Mac Botherme -- fuhr der dadurch ungerhrte Patrik in seinem breiten irischen Dialekte und in der eben erst unterbrochenen Rede fort, indem er stehen blieb, Hacken und Spaten auf die Erde niedersetzte und sich ngstlich dabei nach allen Seiten hin umsah -- ist es denn nicht meiner Mutter Sohn, den sie alle Augenblicke bald rechts, bald links festhalten, als ob sie sagen wollten: Patrik, mein Herzchen, mein Juwel, gehe nicht weiter -- gehe keinen Schritt weiter, in dieser gesegneten Nacht -- es kostet sonst deine Seele -- du bist ein verlorenes Schaaf. -- Du bist ein _geborener Ochse_ -- Patrik, mein Herzchen! rief der Doktor rgerlich, dem die Angst seines Gefhrten keineswegs gelegen kam. Hab' ich dir nicht schon zehntausend Mal gesagt, da es die Zweige und wilden Rebenstcke sind, in denen du hngen bleibst; -- wenn du dich nicht jedesmal bcktest und an zu beten fingst, so knntest du's selber sehen. Arrah Sir -- seufzte der sich hier hchst unbehaglich befindende Ire, mag's mir die Mutter Maria vergeben, da ich mich bei Nacht in solch heidnischen Wald getraut habe; aber so viel wei ich -- bin ich erst einmal wieder in der Stadt -- keine Seele kriegt mich zum zweiten Mal in eine solche Gegend. -- Und nun auch erst noch Leichen ausgraben -- fuhr er mit weinerlicher Stimme fort, als der Doktor indessen, sich wenig um seine Klagen kmmernd, die Gegend recognoscirte, in der sie sich befanden; -- Leichen ausscharren, wie's die wilden Bestien in Afrika machen sollen -- und Leichen zu Haus tragen und kochen, wie ein anderes ehrliches Stck Rindfleisch -- o Jses, o Jses, wenn uns heute der Bse nicht holt, dann giebt's gar keinen! Patrik hatte in aller Verzweiflung sein Handwerkszeug fallen lassen, und kauerte sich, die Hnde ber die Knie gefaltet, ngstlich nieder. Mac Botherme kannte aber den Geist, der seine Geister_furcht_ zu bannen vermochte -- aus seiner Tasche holte er die mit Leder berzogene Feldflasche vor, zog den Stpsel ab und hielt sie mit ausgestrecktem Arm dem Muthlosen entgegen. Hier Patrik! sagte er dabei -- deine Einbildungskraft wird trocken -- gie ihr ein wenig Bergthau auf die Wurzeln -- nachher erholt sie sich wieder, und -- bedenke, da du, wenn du mir jetzt getreulich beistehst, nach glcklich abgelaufenem Abenteuer zwei Dollar baar Geld und -- zwei Gallonen -- sage zwei Gallonen Whiskey erhltst, und den zwar vom besten! =Honey my dear!= sagte Patrik, der schon bei dem Abziehen des Stpfels den Kopf gehoben und einen flchtigen aber sehnschtigen Blick nach der Flasche hinbergeworfen hatte. -- Doktor Mac Botherme ist der Mann, der einem armen gedrckten Menschen wieder Muth einsprechen kann in der Noth. Doktor Mac Botherme ist ein ordentlicher wirklicher Christ, wie Vater O'Rhoole sagte, wenn er Sonntags den Beichtpfennig kriegte. Sei nur jetzt ruhig, Patrik! beschwichtigte ihn der Doktor, und warf einen scheuen Blick umher -- wir knnen nicht mehr weit von der Stelle sein, und je ruhiger wir das ganze Geschft abmachen, desto besser ists. Es -- es knnte ja doch =per= Zufall so eine verwnschte Rothhaut im Walde herumkriechen, und dann ist's immer besser, man schreit so wenig als mglich. Komm Patrik -- in einer Stunde kann unser ganzes Geschft abgemacht sein. Er war im Begriff seinen Weg fortzusetzen, als Patrik, der indessen die Flasche an sich genommen hatte, pltzlich seinen Arm ergriff, und leise flsternd, aber mit ngstlicher Stimme sagte: Und sind es wirklich die rothen, blutdrstigen Deiwels, die einem rechtschaffenen Christen die Haut vom Kopfe ziehn und Geldbeutel d'raus machen? sinds die rothen Indianer, von denen Doktor Mac Botherme frchtete, da sie hier herumschnffeln und Lust nach Paddy O'Flahertis Goldhaar haben knnten? Rede nicht so albernes Zeug, Pat! sagte der Doktor, und machte seinen Arm von dem des Dieners los -- komm lieber, und sei gescheidt -- denk an den Whiskey und an die Dollar, denn nicht der rothe Pfennig oder der klare Tropfen ist's, den Patrik O'Flaherti zu schmecken bekommt, wenn er jetzt noch lange mit Zweifeln und Reden die Zeit vertrdelt! Der wrdige Doktor hatte sich auf die Art mit Willen in eine Art Zorn hineingergert, damit er die eigene Furcht beschwichtige, und ohne eine weitere Einwendung abzuwarten, schritt er rasch vorwrts, und hatte so, wenn auch unbewut, die beste Methode gefunden, seinen Begleiter folgen zu machen, denn der wre nicht, um alle Versprechungen der Welt, allein im Walde zurckgeblieben. Nur wenige hundert Schritte brachten sie aber auch an das ersehnte Ziel, und Patrik schttelte sich leise, da er den stillen heimlichen Fleck erblickte, dessen Ruhe sie mit frechen, unheiligen Hnden entweihen wollten. Patrik, flsterte der Doktor -- das hier ist die Stelle -- _hier_ ist das Grab -- da gerade in der Mitte. -- So, nun nimm deine Hacke und Spaten herunter und ich will indessen die Flinte laden gieb mir einmal das Pulverhorn -- wir werden's hoffentlich nicht brauchen, aber der Henker traue doch dem Frieden -- besser ist besser -- nun? hrst du nicht, Pat? das Pulverhorn will ich haben! Und ist es das, was Ihr verlangt? frug Patrik erstaunt, steckt denn nicht Alles in Eurer eigenen Tasche? Unsinn, Pat! sagte der Doktor rgerlich, whrend er sich jedoch die Taschen befhlte, ob er das Geforderte vielleicht dennoch in Gedanken eingesteckt habe. -- Unsinn Pat, _hier_ ist's nicht -- und da nicht -- und da vorne auch nicht -- ich hab' es dir ja auch, einen Augenblick ehe wir fortgingen, in die Hand gegeben. Segne Eure Seele Herr! rief Patrik schnell -- und ist es weiter Nichts wie das lange Kuhhorn mit dem grnen Bindfaden d'ran, was Ihr sucht? Nein, das gerade -- hast du's? -- O Misther -- macht Euch keine Sorge dehalb, das hngt ruhig am Nagel hinter der Thr. -- Holzkopf! rief der Doktor entrstet -- hab' ich dir nicht noch ausdrcklich befohlen -- du solltest dich in Acht nehmen, da es nicht na wrde. Arrah, Ochone, Herr, und ist das nicht eben die Ursache, weshalb ich's hinter die Thre hing? erwiederte der unverwstliche Ire -- wie htt' ich's knnen trocken halten, wenn's heut' Abend regnete? =O sancta simplicitas!= murmelte der Doktor -- da -- jetzt sitzen wir in einer ganz gemthlichen Patsche -- _wenn_ nun die Indianer kmen, Patrik, _wenn_ sie nun kmen?! -- das war der dmmste Streich, den deines Vaters Sohn seit langer Zeit gemacht -- jetzt hab' ich doch das Schieeisen mit geschleppt, da mir die ganze linke Schulter so blau ist, wie ein deutscher Sonntagsrock. Patrik, der ungefhr eben so viel vom Laden eines Gewehrs wie vom Clavierspielen verstand, konnte gar nicht begreifen, weshalb sein Misther so rgerlich sei -- da sie ja doch den _Whiskey_ nicht vergessen hatten; er begngte sich deshalb blo, einfach mit dem Kopf zu schtteln, gehorchte nun aber auch eifrig dem in etwas barschen Ton gegebenen Befehl, abzuladen und die Arbeit zu beginnen. Er warf also die mitgebrachten Werkzeuge in's Gras nieder, nahm dann die breite Hacke auf, die er in der Hand wog und sich schchtern dabei umschaute, als wenn er nicht ganz sicher wre, wie er das Werkzeug zu gebrauchen htte, zur Arbeit oder gar zur Vertheidigung, und schritt dann langsam, und augenscheinlich mit schwerem Herzen dem Mittelpunkt der kleinen Lichtung, dem Grabe zu, wo er stehen blieb und nun unruhig den Blick nach allen Seiten umherwarf. Der kleine Doktor hatte sich indessen des groen unbehlflichen Sacks entledigt, den er auseinander wickelte, dann das Beil und Brecheisen hervornahm, um spter, wenn der Sarg erst einmal zu Tage gefrdert war, nicht weiter aufgehalten zu werden, und wandte sich nun an seinen Gefhrten, der noch immer keine Anstalt machte, zu beginnen. Patrik -- =honey=! sagte der wrdige Mann, whrend er den Spaten aufnahm und den Hgel rasch hinanschritt, Patrik mein Herzchen, komm und lass' uns munter an's Werk gehen. -- Je lnger hier, je spter dort -- hier ist das Grab und der rothe Bursche liegt starr und steif d'rin -- denk' an den Whiskey, Paddy! Und ist es nicht der Whiskey, der mich bis jetzt lebendig gehalten hat -- sagte Patrik und that einen herzhaften Zug aus der jetzt fast geleerten Flasche, die er aber sorgfltig in seine eigene Tasche zurckschob -- war es nicht die liebe Himmelsgabe, die mich getrnkt und gewrmt hat -- aber Misther Doktor -- segne unsere Seele -- ich wollte es wre vorbei -- s'ist schauerliche Arbeit, den verkehrten Todtengrber zu spielen -- hallo, was war das? Was war _was_? rief der Doktor erschreckt, und sah sich nach allen Seiten um. Was war _was_, Sir? Beide horchten aufmerksam in den dunkeln Wald hinein, aber nur das leise Rauschen der Bume, das melancholische Quaken der Frsche konnten sie hren -- sonst lag Alles still und ruhig um sie her, wie das Grab zu ihren Fen. Der Doktor gewann dadurch wieder Muth und rief mrrisch: Nun hab' ich's satt -- Sirrah -- hack' ein und mach' ein Ende -- wir wollen doch nicht die ganze _Nacht_ hier auf dem Grabe zubringen. Mit Gott denn -- sagte Patrik, zog seinen Rock aus, warf den alten Filz auf die Erde, streifte sich die Hemdsrmel auf, spuckte sich in die breite sehnige Hand, ergriff die Hacke und holte eben zum ersten Schlage aus -- da krachten und brachen -- gar nicht weit von ihnen entfernt, die Bsche -- durch die kleine Lichtung strich, von irgend etwas im Walde aufgescheucht -- eine groe Eule, und in kurzen Zwischenstzen war es den beiden, jetzt starr wie Bildsulen dastehenden Iren, als ob irgend Jemand -- ob Hirsch, ob Mensch, lie sich nicht unterscheiden -- durch das vorjhrige gelbe Laub springe, mit dem der Boden in den amerikanischen Wldern das ganze Jahr ber bedeckt bleibt. Doktor -- was war das? flsterte Patrik leise, whrend er die Hacke bedchtig wieder zu seinen Fen niedersetzte. Wei der Teufel, brummte Mac Botherme, ob's blo ein Hirsch war, der durch einen fallenden Ast aufgescheucht wurde -- das _mu_ es auch gewesen sein, -- wer, zum Henker sollte denn jetzt -- Doktor -- Misther Doktor, zischelte Patrik und blickte sich scheu, bald ber die rechte, bald ber die linke Schulter -- Patrik O'Flaherti ist's, dem's unheimlich zu Muthe wird -- Jses -- ich wollte ich lge in Waterton im Bett und htte im Leben keine Hacke in der Hand gehabt. -- Beide Mnner blieben eine kurze Zeitlang wie angewurzelt stehen, und horchten mit gespannter Aufmerksamkeit auch dem leisesten Gerusch -- aber Alles lag wieder todtenstill und ruhig -- selbst der Wind schien erstorben -- kein Lftchen regte sich. Patrik, sagte der Doktor, aber mit so leiser Stimme, da er selbst kaum vernahm was er sprach -- Patrik -- wir wollen unsere Arbeit schnell vollenden, und dann machen da wir zu Hause kommen -- es ist unheimlich hier auf dem freien offenen Fleck mit dem dunklen Wald rings herum. Patrik erwiederte kein Wort, sondern warf nur noch einen Blick zurck gegen das Dickicht und einen Blick nach vorn, hob dann die Hacke und schlug sie, bis zu dem Stiel, tief in den weichen lockeren Boden ein. Als ob aber der Schlag eine Zauberformel gewesen wre, die alle bsen Geister der Unterwelt mit Blitzesschnelle heraufbeschworen htte, so schien in demselben Moment der ganze Wald einen einzigen wilden Schrei auszustoen, und zugleich raschelten die Bsche -- knackten und brachen die Zweige, und heraus aus dem Dickicht -- Gespenstern gleich, mit den fast bernatrlich gellenden Tnen, brachen sechs, in fliegende Decken gehllte Gestalten vor, und strmten gerade den flachen Hgel hinan auf die beiden starr und entsetzt dastehenden Leichenruber ein. Starr und entsetzt dastehenden -- ja -- im ersten Augenblick der berraschung -- als noch Jeder von ihnen glaubte er trume, da so etwas Frchterliches ja gar nicht wahr sein knne -- pltzlich aber -- wie der erste Gedanke an Indianer ihr Hirn durchzuckte, gewannen auch die Glieder ihre ganze frhere Gelenkigkeit, wenn nicht in einem zehnfach vermehrten Grade wieder. Patrik schrie: O Jses! lie die Hacke fallen und war mit zwei Stzen im entgegengesetzten Theile des Waldes verschwunden, der Doktor aber, keineswegs gesonnen, seinen krftigen Beistand so enteilen zu sehen und allein zurck zu bleiben um dessen Rckzug zu decken, war kaum weniger behende auf seinen Fersen, und rief ihm zu, doch nur um Gotteswillen stehen zu bleiben und ihn mitzunehmen. Patrik, der in dem eigenen Rascheln der Zweige wohl die Stimme hinter sich hrte, doch keineswegs einzuhalten gedacht, um die Leute zu unterscheiden -- glaubte natrlich nicht anders als es sei Einer seiner rothhutigen Verfolger -- beflgelte also dehalb seinen Lauf um so mehr, warf Alles, was ihn an schneller Flucht hindern konnte, von sich, und erreichte nach kurz zurckgelegter Strecke den kleinen Flu, den er brigens erst bemerkte, als er bis an den Hals im Wasser stack, aus dem er sich nur mit grter Anstrengung zum anderen Ufer hinberarbeiten konnte. Das nun, obgleich es steil und schlpfrig war, erklomm er in ungeheuerer Schnelle, und trotz dem, da hier Mac Botherme mit wirklich zrtlichem Tone seinen Namen rief -- wandte er nicht einmal den Kopf, sondern strzte sich in wahrer Todesverachtung auf's Neue in Dornen und Schlingpflanzen hinein. Der Doktor wre ihm allerdings von Herzen gern gefolgt, konnte aber nicht schwimmen, und hatte nur noch so viel Geistesgegenwart, da er begriff, wie ihm hier, wenn er nicht gerade von den Indianern ausdrcklich verfolgt werde, keine weitere Gefahr drohe. Da er auch, um in die benachbarten Ansiedlungen auf Krankenbesuche zu reiten, den Wald schon nach allen Richtungen hin durchschnitten hatte, so wute er doch wenigstens ungefhr, wo er sich befand, und wollte jetzt am Flu hinab gehen, um dort zuerst die Brcke, und mit dieser die Stadt in vielleicht einer Stunde zu erreichen. Durch die bestandene Gefahr waren aber seine Sinne geschrft und er vernahm jetzt zu seinem Entsetzen, da gerade in der Richtung, die er einschlagen wollte, ebenfalls irgend etwas in den Bschen raschelte. Was es sei, sollte ihm nicht lange verborgen und eben so wenig Zeit zum Besinnen bleiben -- im nchsten Moment theilten sich die Strucher und eine dunkle Gestalt, mit -- wie er damals glaubte -- weibemaltem Gesicht sprang in wilden Stzen auf ihn zu. * * * * * Um aber nun erst wieder zu unseren beiden Leichenrubern zurckzukehren, so hatten Patrik O'Flaherti und Doktor Mac Botherme auch brigens, als sie sich in so kitzlicher Lage auf dem Grabe befanden, alle Ursache gehabt zu erschrecken, denn so pltzlich und ohne weitere Warnung von allen Seiten angegriffen zu werden, wo ihnen noch berdies ihr Gewissen sagte, da sie im Begriff wren etwas Unerlaubtes und uerst Gefhrliches zu thun, mute sie das Schlimmste frchten lassen, wenn sie besonders in die Hnde ihrer wilden Feinde fielen, die sich Patrik gar nicht anders denken konnte, wie Menschenfresser; die Eile, mit der sie alles Hierhergebrachte zurcklieen, war also vollkommen zu entschuldigen. Jubelnd und lachend rannten indessen die Amerikaner, keineswegs gesonnen, ihnen weiter zu folgen, bis zu dem Gipfel des Hgels vor, von dem sie die Resurrectionisten vertrieben hatten, und Sip, der mit den wunderlichsten Sprngen und Grimassen nebenher getanzt war, stie eben noch, als Schlu- und Kraftakkord, und gleichsam um der Sache die letzte Politur zu geben, den markdurchschneidenden Kriegsschrei aus, der in die Ohren der beiden Flchtlinge gellte und sie zu immer wilderer Eile antrieb. Gentlemen! rief da Shark und schwenkte seinen alten Filz -- der Sieg ist gelungen -- die Festung erstrmt -- die Besatzung mit Zurcklassung ihrer Fahnen und Geschtzstcke entflohen und ich stimme dafr, da -- Wie von einer Natter gestochen, fuhr er zurck, denn dicht vor ihm stand, den blitzenden Tomahawk in der Hand -- die wollene Decke leicht von den Schultern geworfen, die wehenden Federn noch schwankend von der raschen Bewegung -- ein wirklicher, lebendiger Huptling -- ein scalpschtiger Wilder -- ein Rcher der geschndeten Grabsttte. Die brigen muten ihn, da sie ihre Aufmerksamkeit bis dahin nur den Flchtigen zugewandt hatten, noch gar nicht bemerkt haben, und Shark blieb mehrere Secunden lang marmorgleich vor der wie aus dem Grabe herausgestiegenen Gestalt stehen, Sip aber -- vom vielen Schreien ordentlich blauschwarz im Gesicht -- wollte eben ber den Hgel wegspringen, um wahrscheinlich im Walde selbst die Entflohenen noch mit einem allerletzten Male zu beglcken, als er fast gegen den Indianer stie, der jetzt seinerseits ebenfalls staunend dastand, und nicht zu wissen schien, ob die Mnner, die er im ersten Ansturm und im Dunkel der Nacht gleichfalls fr Indianer gehalten, jetzt aber als Weie erkannte, Freunde oder Feinde wren. Sip war brigens nicht der Mann, der einem wirklichen Indianer lange Stich gehalten htte -- denn _da_ es einer war, erkannte er auf den ersten Blick. Mit flchtigem Rcksprung warf er seinen Nachbar, den entsetzten Shark, zur Seite, und floh nun, so schnell ihn seine Beine trugen, in das ihm nchste Dickicht. Sip's Geistesgegenwart gab aber auch Shark sich selbst wieder -- kaum sah dieser nmlich in der Flucht des Negers seine eigene Furcht besttigt, als er, ohne seine Gefhrten weiter mit Blick oder Wort zu warnen, dem Beispiel des Negers folgen wollte, leider aber in der ihm im Wege liegenden und in das Grab eingehauenen Hacke hngen blieb, und mit gellendem Angstruf zu Boden strzte, da er sich in diesem Augenblick schon wenigstens fr scalpirt hielt. Weppel -- auch den Kopf von Indianern voll, sah kaum die Angst der Gefhrten, als er sich gar keine weitere Mhe gab, den Grund ihres Schrecks zu erforschen, sondern nur seine eigenen Gliedmaen eben so schnell in Sicherheit zu bringen suchte, und Josy -- sonst der Muthigste von Allen und einer jener krftigen Pioniere, die oft mitten in der Wildni ganzen Schaaren von Wilden Trotz geboten, wurde hier frmlich berrumpelt. Ein Theil der Seinen floh -- Einer brach, mit dem Angstschrei auf den Lippen, vor seinen Fen zusammen -- hoch auf dem Grabe erkannte er in den dmmernden Umrissen den indianischen Krieger -- was blieb ihm da anderes zu glauben brig -- als sie wren von irgend einem hier verborgenen Stamme berlistet, und er selbst -- waffenlos mitten zwischen ihnen -- konnte jetzt nur noch hoffen, durch schnelle verzweifelte Flucht sein eignes Leben zu retten. Mit der Gewandtheit eines aufgescheuchten Panthers sprang er zur Seite, um einem etwa auf ihn abgeschossenen Pfeil, oder gar der tdtlichen Kugel zu entgehen, und suchte nun, wie die brigen, das schtzende Dunkel zu erreichen. Shark, der sich nur das Schienbein ein wenig aufgeschlagen hatte, sprang indessen ebenfalls wieder empor, und brach in wilder Verzweiflung in das Dickicht, wobei er sich wenig darum kmmerte, welcher Richtung er folgte, so er nur fr den Augenblick seinen Scalp in Sicherheit brachte. In tollen Stzen drngte er sich oft in so dicht verwachsene Dornmassen hinein, da er nur mit zerfetzten Kleidern und blutig gerissenen Gliedern einen Ausweg finden konnte; bersprang dabei Grben und umgestrzte Stmme, fiel in Sumpflcher und Bche, rannte gegen Bume und Bsche an, und erreichte endlich das Ufer des kleinen Flusses, an dem er, rcksichtslos wohin ihn das fhre, hinaufstrmte, diese Bahn mehrere hundert Schritte verfolgte, und pltzlich -- groer Gott, so mu er in blinder Flucht dem Feinde gerade in den Rachen rennen -- vor einer dunklen Gestalt stand, die eben im Begriff schien ihn zu erfassen. Einen Schrei ausstoen und seitab in den Flu springen, wurde zum Werk eines Augenblicks, aber auch Doktor Mac Botherme, denn dies war der Gefrchtete, wartete den vermutheten Angriff nicht ab -- mit Blitzesschnelle wandte er sich und da er in dem Moment auch noch das nahe Pltschern im Wasser hrte, was ihn natrlich gar nicht anders glauben lie, als da die Feinde beabsichtigten, ihm die Flucht abzuschneiden und dehalb jetzt den Strom durchschwmmen, so brach er wieder zurck in den Wald, floh hier noch einige hundert Schritt gerad'aus, und warf sich dann zum Tode matt und jedem weiteren Rettungsversuch durch eigene krperliche Anstrengung entsagend, neben einer umgestrzten, halbverfaulten Eiche nieder, an deren weichen Stamm er sich dicht hinanschmiegte, um vielleicht dadurch noch der Aufmerksamkeit der Verfolger zu entgehen. Er hatte etwas hnliches einmal in einem Buche gelesen. Nach allen Richtungen hin durchtobten die Flchtigen den Wald, und auf dem bedrohten Grabe, vom dsteren Lichte der Sterne matt beschienen, stand ernst und feierlich die hochaufgerichtete Gestalt des indianischen Kriegers, und sang mit leiser, monotoner Stimme das Todtenlied des Verblichenen. -- Am nchsten Morgen war Waterton in frchterlicher Aufregung. -- Josy traf zuerst ein, und die Aussage des sonst so ruhigen und von Allen als nichts weniger als ngstlich gekannten Mannes, da sie, die Waffenlosen, gestern Abend von Indianern berfallen worden seien, versetzte Alle in die peinlichste Bestrzung. Die Ursache wurde ebenfalls bald bekannt und lie sie das Schlimmste frchten. Was sollten sie jetzt thun? einen Courier nach Vincennes senden und von dort Hlfe holen? -- Auf jeden Fall hatten die schlauen Wilden das vorausgesehen und hielten den Weg besetzt. Der Bote also, htte sich wirklich Einer zu solch gefhrlicher Aufgabe gefunden, wre rettungslos verloren gewesen. Weppels und Glassys Aussagen, die fast zusammen und bald nach Josy eintrafen, vermehrten nur noch die Bestrzung, da sie die erstgehrte Unglckskunde nicht allein bettigten, sondern sogar noch hinzufgten, da sie den ganzen Stamm und zwar mit den Kriegsfarben bemalt gesehen htten, -- wonach Waterton also das uerste erwarten durfte. Shark betrauerte man als erstes Opfer der Rache, denn Josy hatte ihn, wie er fest und bestimmt behauptete, fallen sehen, sich aber natrlich nicht weiter um ihn bekmmern knnen. Auch die beiden Irlnder wurden noch vermit und man konnte nicht anders glauben, als da sie ebenfalls in die Hnde der im Hinterhalt lauernden Feinde gefallen wren, welche Befrchtung sich um so mehr besttigte, da bis Sonnenuntergang am nchsten Tage keiner der Dreie in Waterton erschien, whrend die Bewohner des kleinen Stdtchens in wahrhaft fieberhafter Aufregung Alles hervorsuchten, was nur irgend als Waffe dienen konnte, um dem in jeder Secunde erwarteten Angriff und berfall zu begegnen. Besonders steigerte sich gegen Tagesanbruch am zweiten Morgen ihre Angst auf das Hchste, da smmtliche Stmme gewhnlich in dieser Zeit aus ihrem Hinterhalt hervorbrechen. -- Aber siehe da, kein berfall erfolgte, die Sonne stieg still und majesttisch ber den rauschenden Wipfeln der Bume empor, und ihr Strahl fiel auf kein wildes Blutvergieen, ihr freundliches Licht leuchtete keinem mrderischen Angriff -- ihr heiteres Auge sah auf keine rauchenden Trmmer und zuckende Leichen hernieder. Die Zurckhaltung der Indianer wurde rthselhaft -- der Mittag verging -- die Sonne neigte sich schon wieder ihrem Untergang -- kein Laut lie sich hren, kein fremdes Wesen nherte sich der Stadt. Da endlich -- es fing schon an zu dmmern, -- wankte mit bleichem Antlitz und zerfetzten Kleidern, zum Tode matt vor Hunger und Angst, Doktor Mac Botherme herbei, und er, der noch gestern ein Gegenstand der hchsten Entrstung gewesen, da man nur auf seine Schultern die entsetzliche Gefahr smmtlicher Watertonisten wlzte, erschien ihnen jetzt wie ein Erlser, der sie von Furcht und Noth befreien konnte. Mac Botherme konnte ihnen aber auch nur wenig Auskunft und Trost geben -- das, was er bezeugte, klang eben so schrecklich, als sie es sich in ihren wildesten Trumen gedacht. -- Er hatte den ganzen Wald voll Wilder gefunden -- hinter allen Bumen waren sie vorgesprungen, im Flu wie die Fische herumgeschwommen, und nur durch ein Wunder konnte er ihnen entgangen sein. Halbverhungert und im Walde verirrt war ihm zuletzt das Leben selbst eine Last geworden, und er hatte, als er endlich einen bekannten Weg fand, beschlossen, nach Waterton zurckzukehren, mochten es nun die Indianer zerstrt haben oder nicht. Da -- whrend noch Alle um den Doktor geschaart standen und mit ngstlicher Spannung seinen Worten lauschten, meldeten die indessen ausgestellten Wachen einen auf dem Fahrweg herankommenden einzelnen Wanderer, in dem Josy bald darauf zu seinem unbegrenzten Erstaunen den fr todt gehaltenen Shark erkannte. Aber groer Gott, wie sah der aus -- beinahe sechsunddreiig Stunden hatte er den Wald in wilder Angst durchstreift, und brach auch, als sich die Freunde um ihn sammelten, erschpft und bewutlos zusammen. Unter guter Pflege erholte er sich zwar in kurzer Zeit wieder, seine Aussage stimmte dann aber auch haarklein mit der des Doktors berein, und es blieb nun keinem Zweifel mehr unterworfen, da ihre Stadt und sie selbst von Indianern bedroht gewesen, diese jedoch wahrscheinlich aus Furcht vor der Rache der Weien einen ernstlichen berfall unterlassen htten. Der Doktor wollte nun allerdings wissen, wie es kme, da so viele Mnner von Waterton an jenem Abend im Wald gewesen seien, darber beobachteten aber die dabei Betheiligten ein wirklich musterhaftes Schweigen, und da auch Patrik O'Flaherti verschwunden blieb, so dauerte es eine geraume Zeit, ehe man es wagte, die Huser und Familien wieder zu verlassen, um jenen Grabhgel zu besuchen, auf dem fast ein Jeder die berreste eines vollstndigen indianischen Lagers zu finden erwartete. -- Allerdings staunten sie, als sie hier keine Spur mehr von Indianern entdecken konnten, denn sie waren mit Wehr und Waffen ausgezogen, den Feind zu bekmpfen. -- Der Platz lag noch so de und still da, wie an jenem Abend, selbst Spaten und Hacke und die Kleidungsstcke der beiden Leichenruber deckten, wie sie von ihren Eigenthmern hingeworfen worden, den Boden -- nur der Hgel selbst zeigte eine Vernderung. Das Grab des Indianers war geffnet -- der Sarg erbrochen -- die Leiche -- fort. -- Wie die Wilden so spurlos verschwunden sein konnten und was aus dem von ihnen selbst begrabenen Indianer geworden, blieb Allen ein undurchdringliches Geheimni -- nur am Flu fand Josy die tief eingetretene Spur eines Moccasins, und die an dieser Stelle weit hinausgewachsene Wurzel einer alten Sycomore machte es mglich, da hier ein Canoe gelegen haben konnte. Das blieb freilich Alles nur Vermuthung, und da smmtliche an jener Scene betheiligte Personen in ihrer Schilderung einen ganzen indianischen Stamm gesehen zu haben bereinstimmten, so zweifelte von dem Augenblick an Niemand mehr an der Wahrheit des Berichteten. Patrik O'Flaherti und Sip wurden fr todt gehalten. Patrik O'Flaherti und Sip waren aber keineswegs todt, sondern hatten nur nach verschiedenen Richtungen hin ihre Flucht genommen, und die Ansiedelungen, die sie zufllig erreichten, durch ihre entsetzlichen Erzhlungen in Furcht und Schrecken versetzt. Sip kehrte erst nach vierzehn Tagen nach Waterton zurck, Patrik aber wanderte, so schnell ihn seine Gliedmaen trugen, nach Vincennes und von da nach den stlichen Staaten zurck, da er erklrte sein goldenes Haar nicht nach Illinois getragen zu haben, da so ein verdammter rothfelliger Schurke Staat damit machen sollte. Was aber Waterton anbetraf, so erwhnte er von der Zeit an nie den Namen der Stadt, ohne dabei zu bemerken, das wre auch noch ein Ort, in dem er sein Glck knnte gemacht haben, wenn ihn nicht die Indianer bei Nacht und Nebel berfallen, alles Lebende scalpirt, und die Wohnungen niedergebrannt htten, wobei er selbst nur noch durch ein Wunder dem Tode entgangen wre. -- Den tief beschatteten Foxriver hinab steuerte indessen ein einsamer Krieger der Winnebagoes sein leichtes Canoe, whrend vorn, zwischen den Rippen, die dem schwachen Fahrzeuge Festigkeit gaben, in seine wollene Decke eingehllt, der starre Krper des alten Indianers lag. Der junge Huptling aber sang leise, inde sein Ruder still und geruschlos die leichte Barke ber die spiegelglatte Flche trieb, und den Takt schlug zu dem wehmthig monotonen Lied: Frher warst Du ein Huptling -- Der Wald hier gehrte Dein, Jetzt fhr ich Dich leise und heimlich Hinunter den stillen Strom -- Und frher warst Du ein Huptling. Frher warst Du ein Huptling Die Erde gehrte Dein, Jetzt mut' ich Dich daraus stehlen Sie gnnten Dir selbst kein Grab -- Und frher warst Du ein Huptling. Frher warst Du ein Huptling Und zhltest der Krieger viel, Jetzt flchtet mit Deiner Leiche Dein einziger Sohn -- allein -- Und frher warst Du ein Huptling. -- Weiter und weiter glitt der Rindenkahn auf dem leise murmelnden Flu hin -- weiter hinab, zwischen Weiden und Erlen, und den schwankenden silberbehangenen Birken; und der Whippoorwill sang in den Struchen sein wehmthig-klagend Lied, und der Nachtfalke stieg kreischend empor von dem knorrigen Ast, auf dem er geruht. -- Der Tag dmmerte und das leckere Mahl wollte er sich noch suchen vor der Morgenrthe. Auch die Eule wurde wieder lebendig und ihr antwortete -- weit weit aus der fernen Prairie herber -- der graue Wolf, der seinen Rundlauf beendet und jetzt zu dem heimlichen Versteck mit unhrbarem Tritt zurckschlich. -- Und dort -- dicht hin unter den thaubehangenen Zweigen, die sich tief hinabbeugten zu der klaren Fluth, und von ihr erfat, unruhig erzitterten und bebten, -- dicht hin, unter dem feierlichen Rauschen der jungfrulichen Eichen, in denen der Morgenwind seine Riesenakkorde griff -- glitt das Canoe des Indianers und sein Todtensang mischte sich mit dem frhlichen Lebensgru des jungen Tages. Nordamerikanische Jagd. Jagd auf Hirsche. -- Auf Truthhner. -- Ein amerikanischer Jger. -- Brenjagd. -- Der Panther. -- Der Wolf. -- Der Fuchs. -- Der Waschbr. -- Das Opossum. -- Schnepfen in Louisiana. -- Ausrstung des amerikanischen Jgers. -- Die vereinigten Staaten von Nordamerika, vor noch nicht gar langer Zeit das unbegrnzte Jagdgebiet der wilden Indianerstmme, sind jetzt zwar von diesen gerumt und der weie Jger durchzieht nur mit wenigen Ausnahmen, allein die ungeheuren Wlder und Steppen des gewaltigen Reiches; aber auch die zahlreichen Bffelheerden und Rudel von Riesenhirschen (=Elks=), die sonst das Land belebten, sind von den sicheren Bchsen der Amerikaner und eingewanderten Auslnder erlegt, oder mit den rothen Shnen der Wildni weiter nach Westen zurckgetrieben worden; immer aber schreitet noch manch stattlicher Hirsch im Schatten des mchtigen Urwaldes einher und Bren und Panther, wie verschiedene andere kleine Raubthiere, zwingen den Ansiedler der westlichen Niederlassungen, fast auf jeder Farm, -- so nennt man die einzeln liegenden Huser und Felder der Amerikaner, -- eine Meute Hunde zu halten, um seine Hausthiere vor der Mordgier derselben zu schtzen. Stets ein eifriger Jagdfreund, konnte ich, in Amerika angekommen, den lockenden Beschreibungen jener Wlder nicht lange widerstehen, und verlie von unbezwingbarer Lust fr das edle Waidwerk getrieben, bald nach meiner Ankunft in New-York, die stlichen Staaten, um den fernen, so viel gepriesenen Westen aufzusuchen, aber nicht etwa in Schiff oder Wagen, sondern zu Fu, mit der Doppelflinte auf der Schulter und beim geringsten Gerusch, das rechts oder links am Wege laut wurde, zum Schusse fertig. Sehr hufig sah ich mich dabei im Anfang durch die frei im Walde weidenden Heerden getuscht, und ich wei mich noch recht gut des Abends zu erinnern, wo ich, wohl eine halbe Stunde lang durch dornige Schlingpflanzen und Sumpfstellen ber umgestrzte Bume und toll und wild umhergestreute ste hinweg, ja durch einen, ber drei Fu mit Wasser gefllten Bach fortkroch und lief, weil ich irgend etwas, das langsam brummend und im Laube raschelnd von mir weg ging und, wie ich einmal auf einen Augenblick erkennen konnte, schwarz aussah, beschleichen wollte. Zu hitzig in der Verfolgung, nahm ich mir nicht einmal Zeit, nach einer Fhrte zu sehen, und war nicht wenig berrascht, als ich endlich, mit der Hlfe eines kleinen, schmalen Thales, das ich wie der wilde Jger durchraste, um dem Bren, denn fr nichts Geringeres hielt ich mein ausersehenes Opfer, den Weg abzuschneiden, ein gemthlich im drren Laube whlendes, zahmes Schwein fand, das, als es mich erblickte, stutzte, mich anschnob und unwillig grunzend in das Dickicht trollte. Ich kam damals in starke Versuchung, dem unschuldigen Geschpf eine Ladung Posten nachzusenden, mute aber doch selbst zuletzt ber den komischen Irrthum lachen und war nur froh, da ich bei der ganzen Geschichte keinen Zeugen gehabt hatte. Wilde Sauen giebt es in den vereinigten Staaten gar nicht, auer wild gewordene zahme, die jedoch dann nur von den dort angesiedelten Farmern geschossen werden drfen; jede andere Jagd ist frei. In den stlichen Staaten fand ich sehr wenig jagdbares Wild -- Rebhhner und Kaninchen ausgenommen, denn der deutsche Hase fehlt ebenfalls, soll aber, westlich von den Felsengebirgen, am stillen Meere, ziemlich hufig sein. Die Rebhhner sind kleiner als die unsrigen und auch etwas anders gezeichnet; ihre ueren Schwungfedern zum Beispiel ganz grau; auch ist ihr Ruf anders wie der unseres Rebhuhns, denn sie pfeifen. Die Kaninchen kommen den unseren fast ganz gleich und leben in Erdbauen und hohlen Bumen, frben aber im hohen Norden im Winter und werden wei. Vielen Spa machten mir spter, als ich den Staat Illinois mit seinen ungeheueren Prairien oder Steppen durchzog, die sogenannten Prairiehhner, die sich hier in gewaltigen Ketten zusammengethan hatten. Ich wollte erst meinen Augen gar nicht trauen, wie's berall um mich herum emporschwirrte und _tausende_ von starken Hhnern aufstiegen; fand aber bald so viel von ihnen, da ich die Suche gern aufgab und nur dann und wann, am Wege hin, scho was ich brauchte. Das Prairiehuhn ist etwa von der Gre unseres Haushuhns -- von graulicher Farbe, mit befederten Stndern und kurzem, feldhuhnartigem Schwanz; der Hals ist aber lang wie beim Truthahn und die Flgel sind ganz denen der Fasanen hnlich. Es fliegt eben so wie das Rebhuhn; ich habe aber stets gefunden, da es selten vor einer englischen Meile wieder einfiel, was denn das Nachsuchen sehr beschwerlich macht. Das Fleisch ist, die Brust ausgenommen, nicht sehr besonders und steht dem der Truthhner bedeutend nach; seine Federdecke aber ist im Winter so dicht, da es ziemlich starken Schrot erfordert, hindurchzudringen. Sonst ist die Jagd auf dasselbe ungemein leicht, denn es scheut den Menschen sehr wenig und kommt Morgens und Abends selbst zu den in den Prairien zerstreuten Farmen, um sich auf den Fenzen (Einzunungen) derselben niederzulassen, wo es dann natrlich sehr leicht erlegt werden kann. Beim Eintritt kalten Wetters fallen sie gern auf die Bume und sind in dieser Zeit, besonders wenn es etwas stark gefroren hat, fast gar nicht wieder aus den Zweigen des einmal gewhlten Baumes herauszutreiben. Ich selbst scho eines Morgens fnf von einer niedrigen Eiche, in der etwa zwanzig bis dreiig standen, einzeln herunter, und die brigen blieben ruhig oben. Wagenladungen voll werden von ihnen nach St. Louis und die benachbarten kleineren Stdte auf den Markt gebracht, und es leben viele Leute, die sich blos mit der Jagd derselben beschftigen. St. Louis gegenber kreuzte ich den Mississippi und wanderte von hier durch den dichten Wald dem sdlicher liegenden, wegen seiner Jagd berhmten Arkansas zu. Nahe bei St. Louis ist jedoch sehr wenig Wild; Feldhhner und Kaninchen wieder ausgenommen; auch lebt hier noch der sogenannte amerikanische Fasan, der sonderbarer Weise in einem weiter sdlichen Klima nicht gedeiht. Obgleich ihn aber die Amerikaner Fasan nennen, so ist er doch keineswegs dem unsrigen gleich, sondern unterscheidet sich von diesem in vielen Stcken. Es giebt zwei Arten -- den im Norden, in Canada, fand ich von graulicher Farbe, mehr dem Prairiehuhn hnlich -- der weiter sdlich kam dagegen dem deutschen etwas nher und sah brunlich aus. Auf dem Kopfe trgt er, wie dieser, einen Federschmuck; doch fehlt ihm das Spiel gnzlich, statt dessen schlgt er im Affect ein Rad mit dem Schwanz und schleift wie der Truthahn. Die Stnder sind wie bei dem Prairiehuhn befiedert und er lebt, dem Feldhuhn gleich, in Ketten zusammen, hat aber noch die sonderbare Angewohnheit, in der Balzzeit sich auf umgestrzte Stmme oder abgehauene Baumstmpfe zu stellen und an diese mit den Schwingen zu schlagen oder, wie es die Amerikaner nennen, zu trommeln, was man eine lange Strecke weit hren kann. Sein Fleisch ist uerst zart und wei, und er gehrt zu dem besten Federwild der vereinigten Staaten. In Missouri nun findet sich in groer Anzahl der amerikanische oder sogenannte virginische Hirsch, den ich vor allen Dingen etwas nher beschreiben will, ehe ich zur Jagd desselben bergehe. Er ist bedeutend kleiner als der unsrige, und hnelt in vielen Stcken dem Damwild, trgt auch den Wedel statt der Blume; aber ein von dem des Damwildes sehr verschiedenes Gehrn. Sein ausgelegtes Geweih zhlt selten mehr als vier, hchstens fnf und sehr selten sechs Enden, obgleich ich einst im Walde ein abgeworfenes fand, an welchem ich dreiunddreiig Enden zhlte. Dabei ist es, ungleich dem des amerikanischen Riesenhirsches oder Elks, nach vorn zu gebogen und giebt ihm ein ganz eigenthmliches, fremdartiges Aussehen. uerst selten findet man gefleckte oder weie Hirsche. Das Rothwild frbt dreimal im Jahre. Im Januar nimmt der Hirsch sein Winterkleid an und wird grau; im April erscheint er roth und wird im August und September blau! Das Thier frbt stets etwa vier Wochen spter als der Hirsch. Zum Gerben eignen sich die Decken am besten vom Mai bis Ende September, wo sie besonders in diesem letzteren Monat die meiste Festigkeit erlangen. Die Brunftzeit der Hirsche fllt durch die vereinigten Staaten, wegen ihrer groen Ausdehnung nach Norden und Sden, sehr verschieden; -- in Arkansas, das etwa in der Mitte liegt, nimmt man an, da sie mit dem ersten Frost eintritt, also etwa im October; -- weiter unten, in Louisiana, fllt sie spter, -- im Norden frher. Die Thiere setzen im April und Mai ein bis zwei, ja manchmal drei Klber, die bis zum Herbst gefleckt bleiben und dann mit den brigen blau werden. Jagdgesetze existiren wohl in den vereinigten Staaten, werden aber nicht im mindesten beachtet und jeder schiet, wann es und was ihm beliebt; da dies brigens dem Wildstand ungeheueren Schaden thun mu, liegt klar am Tage, und nur die wirklich erstaunliche Menge von Wild hat bis jetzt der Ausrottung widerstehen knnen. Die Jagdbenutzung, d. h. wie sie bei den Jgern dort gebruchlich ist, will ich der Sonderbarkeit wegen hierher setzen. Januar. Die Hirsche stehen jetzt mit dem Wilde in Rudeln beisammen; die Schmalthiere sind feist, und werden des Wildprets und Feistes wegen, die Hirsche selbst nur der Wilddecke wegen geschossen, da der Jger von den letzteren nur diese und die Keulen mitnimmt, das brige Wildpret aber den Raubthieren und Aasgeiern berlt. Ende Januar fangen starke Hirsche schon an ihr Geweih abzuwerfen und dieser Monat, wie Februar und Mrz, heit die graue Jahreszeit! Februar wie Januar. Mrz. Das Rothwild hlt sich jetzt, des Frbens und der berhand nehmenden Mosquitos und Stechfliegen wegen, in den unzugnglichsten Dickichten auf und Decke sowohl als Wildpret ist schlecht. Der Mrz ist daher der einzige Monat im Jahr, in welchem nur hie und da einzelne Stcke geschossen werden; will ein Jger aber eins haben, so zndet er gewhnlich in der Nhe eines Dickichts einen umgestrzten Baumstamm an, -- das Wild kommt dann herbei, und stellt sich in den Rauch, um dadurch Schutz gegen die qulenden Insekten zu finden. April. Die Thiere fangen an zu setzen und besuchen, wie die Hirsche, die Salzlecken. Ende dieses Monats beginnt die rothe Jahreszeit und dauert bis Mitte September. Die Hirsche fangen an ihr Geweih aufzusetzen. Mai. Die Jagd an den Salzlecken, bei Kienfackeln und angerichteten Gestellen, wird jetzt ernstlich betrieben und Hirsche und Thiere werden geschossen. Juni. Die Thiere sind jetzt ebenfalls vollkommen roth; die Hirsche werden feist und stehen, abgesondert von den Thieren, in Rudeln von sieben, acht und mehr Stcken gewhnlich in einem bestimmten Waldorte beisammen, so da man sicher darauf rechnen kann, sie hier im Umkreis von zwei bis drei englischen Meilen zu finden. Einer der schwchsten Hirsche ist gewhnlich der Fhrer und erlegt man diesen zufllig zuerst, so da er im Feuer zusammenstrzt, so hat man nicht selten Gelegenheit, die brigen, so schnell man laden kann, nachzuholen. Die Thiere werden jetzt nur der Decke wegen geschossen. Juli -- wie Juni. -- Klber sind alt genug, um geschossen zu werden; Hirsche fangen an zu fegen, vernachlssigen aber die Salzlecken. August. Bei den Hirschen beginnt die blaue Jahreszeit und sie sind nun am feistesten, die Decken auch in diesem und dem nchsten Monat am geeignetsten fr die Bereitung fr Moccasins -- (Indianische Halbstiefel.) September. Desgleichen. October. Mitte dieses Monats beginnt gewhnlich die Brunftzeit, oft auch erst zu Anfang November, besonders in recht spten Wintern. Nun erffnet sich fr den amerikanischen Prschjger die beste Jagdzeit, denn der Hirsch, den Fhrten des Schmalthieres folgend, durchzieht ziemlich sorglos den Wald und kann leicht erlegt werden, was jetzt nur der Decken wegen geschieht, die, nach dem Gewicht verkauft, wenn getrocknet, von starken Hirschen sechs bis acht, ja wohl auch neun Pfund wiegen. Die Geweihe haben ihren ganz vollkommenen Zustand wieder erreicht. November. Desgleichen. December. Vorzglich Jagd auf Schmalthiere, die jetzt, wenn ein gutes Eicheljahr war, anfangen feist zu werden. Hirsche und Thiere stehen wieder in Rudeln zusammen. Das ist ungefhr Alles, was ber die in Amerika gebruchliche Ordnung bei der Hirschjagd zu sagen ist. Diese selbst wird auf dreierlei Arten betrieben. Die erste ist das _Prschen_, die zweite die _Hetze_ und die dritte die _Nacht-_ oder _Feuerjagd_. Das Prschen bleibt sich natrlich in allen Lndern gleich und ist auf jeden Fall nach der Brenhetze die edelste und schnste Jagd. Das Hetzen erfordert in dem wilden, unbebauten Lande, wo oft fast undurchdringliche Dickichte die verfolgenden Hunde wie nachsetzenden Jger aufhalten, eine genaue Kenntni des Bodens und Wechsels, und eignet sich auch mehr fr ein Land, wo das Wild schon dnner wird und der Jger froh ist, mit seiner ganzen Meute in einem halben Tag einen Hirsch aufzujagen; aber auch in Arkansas, wo es noch Hirsche genug zum Prschen giebt, wird, den Winter hindurch wenigstens, diese Jagd vorgezogen; im Sommer jedoch, wo die Hitze am Tage sehr drckend und das Tragen der schweren Bchse zu beschwerlich ist, nimmt der Jger zum Feuer seine Zuflucht und schiet sein Wild Nachts bei der Kienflamme. Sollte es brigens unseren deutschen Jgern auffallen, da Rothwild, sonst das Feuer scheuend, bei diesem erlegt werden kann, so mu ich hier bemerken, da es in Amerika unter ganz anderen Verhltnissen aufwchst. Im Frhjahr durchzieht wohl kein Jger in jenen Gegenden den Wald, ohne das drre Laub, was oft vier bis sechs Zoll tief den Boden bedeckt, an eben so vielen Stellen anzuznden, als er sein Lager aufschlgt, oder sein Mittagsmahl kocht. Es ist dies nicht allein um das Laub zu beseitigen und den neuen jungen Graswuchs zu befrdern, sondern auch das lstige Unterholz und die Dornen und Schlingpflanzen etwas zu tdten, die sonst in einigen Jahren so berhand nehmen wrden, da an eine Prschjagd gar nicht mehr zu denken wre. Solche Waldbrnde greifen aber selten oder nie gesunde und krftige Stmme an, sondern beschrnken sich darauf, die am Boden liegenden Bltter und trockenen Dornen zu verzehren, kleineres Buschwerk zu tdten und die drren, halb oder ganz verfaulten und umgestrzten Stmme in Brand zu stecken. Die Hirsche gewhnen sich hierdurch ganz an diese Feuer und sammeln sich, besonders im Frhjahr, gern um sie, bezeigen daher auch nicht die mindeste Furcht, wenn sie ihre gewhnliche Salzlecke annehmen und dort eine helle Flamme finden. Ihre groen, klaren Lichter der Gluth zuwendend, schreiten sie still herbei und strzen meistens, von der sicheren Kugel getroffen, ehe sie nur die Nhe eines Feindes ahnen. Eine solche Jagd anschaulicher zu machen, will ich eine der von mir bei Salzlecken durchwachten Nchte beschreiben. Es war im Jahr 1842, als ich im Monat April unterhalb Little Rock, der Hauptstadt von Arkansas ber den Arkansas-Flu ging und die Smpfe durchstrich, die auf dem linken Ufer desselben um die sogenannte Bayou-Meter (eine Art Flu mit fast gar keiner Strmung, der im Arkansas entspringt und auch wieder in denselben mndet) herum lagen. Es ist ein gar trauriges Jagen in solchen Smpfen, besonders im Frhjahr, wenn der grte Theil derselben noch berschwemmt ist und die Mosquitos dem sie Durchwandernden auch nicht die mindeste Ruhe gestatten. Dabei sticht die Sonne am Tage so brennend, wie mitten im Sommer, und fast keine Nacht vergeht, in der nicht ein Gewitter den im Freien Campirenden, wenn er sich nicht schon darauf vorgesehen hat, tchtig durchweicht. Am Fue einer niedrigen Hgelreihe dem Laufe eines kleinen Baches folgend, kam ich zu einem flachen, sumpfigen Fleck, der mitten im sonst schnen, grnen Rasen so von Hirschen ausgetreten war, da ich, in einem Raume von dreiig bis vierzig Schritt im Durchmesser, auch nicht die Spur von Grnem darauf sehen konnte. Es schien eine jener salzigen Sumpfstellen zu sein, die das Rothwild besonders im Frhlings-Anfang aufsucht, whrend es, weiter im Sommer, mehr die trockenen, Salz enthaltenden Lehmufer der keinen Bche annimmt. Kaum vier bis fnfhundert Schritt von der erwhnten Stelle standen Kiefern, und ich war schnell entschlossen, die Nacht an der Lecke, oder wie es im Englischen genannt wird, =lick= zu wachen. Vor allen Dingen errichtete ich, etwa zwanzig bis fnfundzwanzig Schritt von dem am meisten besuchten Theil der Salzlecke, ein kleines Gestell, wozu ich mit meinem Tomahawk (indianisches Beil) vier Holzgabeln abhieb und diese, das Gerst etwa vier Fu hochlassend, in den Boden trieb. Auf darber hingelegten Querhlzern wurden jetzt grne Zweige ausgebreitet und diese etwa fnf Zoll dick mit Erde und Rasen bedeckt, damit das Feuer nicht hindurch brennen konnte. Als das geschehen, ging ich mit meiner wollenen Decke und dem Tomahawk zu den Kiefern und Fichten zurck, und spaltete leicht aus den dort wildumhergestreuten Stmmen genug fettes Kienholz, um die ganze Nacht eine gute Flamme zu unterhalten, das ich nachher in der Decke zur Salzlecke trug und um das Gerst herum aufhufte, damit ich es in der Nacht leise und geruschlos abnehmen und auf die niedergebrannten Kohlen legen konnte. Eine andere Vorsichtsmaregel war aber jetzt noch zu treffen. Im Westen thrmten sich wieder dunkele, drohende Wolkenmassen auf und lieen mich nicht ohne Grund vermuthen, da ich vor anbrechendem Tageslicht nhere Bekanntschaft mit ihnen machen wrde. Mehre der umher liegenden Stmme muten daher ihre Rinde abgeben, von der ich eine bedeutende Quantitt zu meinem Verstecke hinschaffte, um im Nothfall davon Gebrauch machen zu knnen. Da ich noch Zeit genug behielt, baute ich mir jetzt auch eine kleine Vorrichtung, die Bchse (ich hatte schon seit Jahren das leichte Schrotgewehr gegen die schwere Bchse vertauscht) auflegen und sicherer schieen zu knnen, stellte mir dann Messer, Kugeltasche und Pulverhorn zurecht, sah nach den Zndhtchen, da die nicht wieder im Augenblick der Noth im Unterfutter sen und dachte, nachdem ich mein Handwerkszeug in Ordnung hatte, jetzt auch ein wenig an den leiblichen Menschen, zu dessen Strkung ich ein paar Stcke gedrrten Hirschwildprets, die Hlfte eines kalten Truthahns und eine Scheibe Maisbrod hervorholte. Der vorbeiflieende kleine Bach sah gerade nicht eben einladend aus, doch sind Hunger und Durst ein guter Koch; ein Becher voll des etwas brunlichen Wassers splte das trockene Brod und Fleisch hinunter, und ich wrde mich sehr wohl und behaglich befunden haben, wren die Mosquitos in dem niederen Lande nicht wie ganz wahnsinnig gewesen. Im Anfang, als ich mich hinsetzte, kamen nur wenige angeflogen und sogen sich voll; diese muten aber den anderen wohl erzhlt haben, wie gut mein Blut schmecke, denn scharenweis drngten sie jetzt auf mich ein, und htt' ich sie ruhig gewhren lassen, so wrden sie mich, noch vor dem nchsten Morgen, so trocken wie einen Bckling ausgepumpt haben. In der Dmmerstunde sind sie berhaupt stets am schlimmsten, und ich konnte mich kaum gegen sie schtzen, bis endlich die Schatten der Nacht sich auf den Wald zu lagern begannen und der =Whip poor will= (Nachtvogel, eine Art Ziegenmelker) sein eintniges Lied sang. Ich schlug jetzt Feuer, steckte den Schwamm in eine Handvoll drrer Bltter und erhielt durch Blasen bald eine helle Flamme, die ich mit fein gehaltenen Kienspnen nhrte und nun mein Feuer oben auf dem Gestell entzndete. Es war indessen vllig dunkel geworden und die helle Flamme, gerade ber mir, unter der ich vllig im Schatten sa, bewies sich als der schnste Mosquito-Ableiter, den es nur auf der Welt geben konnte. Zu Tausenden strmten sie in die Gluth, die sie eben so schnell vernichtete, und mit wahrhaft teuflischer Schadenfreude sa ich darunter und sah sie elendiglich umkommen. Ich konnte jetzt auch mit Ruhe mein Abendbrod beendigen, das ich, der peinigenden Insekten wegen hatte niederlegen mssen, und schaute lauschend dabei umher, die Ankunft eines Stckes Wild erwartend. Es ist ein herrliches Gefhl, in stillem Waldesdunkel bei der rothen Kienflamme zu wachen, die um den Jger einen Lichtkreis von kaum mehr als vierzig Schritt im Durchmesser zieht, in welchem die gewaltigen, magisch beleuchteten Stmme gleich Riesengespenstern zum schwarzen Nachthimmel emporstarren. Wenn nun in weiter Ferne ein einzelner Wolf sein klgliches Geheul erhebt, das seine Brder von den Hgeln beantworten, wenn die Eule mit ihrem eintnigen Ruf, die quakenden Frsche und zirpenden Grillen einfallen und so ein eigenthmlich wildes Concert entsteht, -- dann wird es Einem bei dem flackernden Feuer ordentlich schauerlich behaglich zu Muthe. Diese Tne verhallen aber nach und nach, sobald erst wirklich die Nacht ihr Reich antritt, und von zehn Uhr ungefhr herrscht eine nur selten vom =Whip poor will= und von einzelnen Frschen unterbrochene Todtenstille. Jetzt mute aber auch der Mond bald aufgehen, und mit uerster Aufmerksamkeit horchte ich dem leisesten Gerusch, jedem Rascheln der Bltter, jedem Suseln des Windes durch die hohen Baumwipfel. Um durch den schimmernden Lauf nicht geblendet zu werden, hatte ich eben das Visir ber die Kienflamme gehalten und geschwrzt, dabei auch eine Handvoll frischer Spne auf die fast niedergebrannten Kohlen gelegt und hllte mich wieder in meine wollene Decke ein; -- denn wenn auch die Sonne den Tag ber recht hei brannte, waren die Nchte doch khl; -- als nicht weit entfernt von mir ein drrer Zweig krachte. Das war ein Stck Wild, und mit Blitzesschnelle griff ich nach der neben mir lehnenden Bchse. Die Salzlecke, an der ich wachte, lag in einem sie dicht umschlieenden Gebsch, das, von den riesenhaften Bumen des sumpfigen Thallandes berragt, keinen Strahl des jetzt eben das Firmament erhellenden Mondes hindurchlie; der von dem Rothwild benutzte Platz selber aber war lnglich oval und an ihm entlang flo der kleine, schon frher erwhnte Bach, dessen gegenberliegenden Rand niedere, dichte Bsche einfaten. An eine starke Eiche geschmiegt, hatte ich an dem einen Ende der Lecke mein Gestell errichtet, damit ich die ganze Lnge derselben beschieen knnte, und gerade mir gegenber schien das eben gehrte und sich jetzt wiederholende Gerusch herzutnen. Regungslos lauschte ich mit zurckgehaltenem Athem den lang ersehnten Lauten, als -- trap -- trap -- trap -- in langsam abgemessenen Zwischenrumen der schwere Schritt eines Hirsches zu mir herberschallte. Jetzt stand er und ich wute, er ugte nach der Flamme. Schnell und geruschlos spannte ich den Hahn und machte mich fertig; wohl zwei Minuten aber konnt' ich auch nicht das Geringste mehr vernehmen; der Kien fing schon wieder an etwas dsterer zu brennen und ich mute frisch nachlegen, als die Schritte aufs Neue hrbar wurden, und gleich darauf glhten ein Paar rothfunkelnde Lichter aus dem die Salzlecke umgebenden Gebsch zu mir herber. In demselben Augenblick theilten sich auch die Zweige und vorsichtig und bedchtig mit hochgehobenem Kopfe und vorgestreckten Lauschern betrat ein stattlicher Hirsch, kaum zwanzig Schritte von mir entfernt, die kleine, eingeschlossene Ebene. Er windete einige Secunden lang nach der Flamme herber, denn der Kiengeruch mochte ihm nicht recht behagen, konnte aber den Wind nicht von mir bekommen und kam jetzt gerade auf mich zu. Ich war jedoch indessen auch nicht mig gewesen, hatte die Bchse gehoben und den nichts Bses ahnenden ruhig auf's Korn genommen, und gerade, als er wieder stand, mit etwas mitrauischem Blicke das Gestell und die dicht daneben aufgehufte Rinde betrachtete und mit dem rechten Vorderlauf ungeduldig die Erde schlug, berhrte mein Finger den Stecher und hoch aufspringend strzte er schreiend zusammen. Ich trat schnell hinter die Flamme, wo ich vor allen Dingen meine Bchse wieder lud, und schaute dann nach dem Hirsche hinber; er war aber schon verendet und lag bewegungslos dort. Um nicht einen anderen, sich vielleicht in der Nhe befindenden, Hirsch zu verscheuchen, verhielt ich mich brigens ganz ruhig und ging nicht hinaus, ihn abzufangen; aber wohl eine volle Stunde hatte ich wieder gesessen, ehe ich auf's Neue nahendes Wild hrte. Dies Mal waren es mehr Stcke, und ohne sich im mindesten aufzuhalten, ja ohne nur die Flamme eines Blicks zu wrdigen, betraten sie den offenen Fleck und wollten ihn eben, ohne sich weiter um die Salzlecke zu bekmmern, kreuzen, als ein junger Spieer, der Fhrer der Ihrigen, von dem frischen Schwei Witterung bekam und schnaubend absprang. Wohl wute ich, da mir jetzt nicht lange Zeit zum berlegen bleiben wrde, drum hob ich schnell die Bchse und in demselben Augenblick krachte auch der Schu; mit einem Satz berflog aber der Spieer den Bach und war gleich darauf im Dickicht verschwunden. Als sich der Pulverdampf verzogen hatte, konnt' ich keines der brigen Schmalthiere mehr sehen und nur in der Ferne hrte ich sie schnaubend und pfeifend davon eilen. Ich hatte eben wieder geladen, als, zwar noch fern, aber doch schon recht deutlich und freundlich mahnend ein dumpfer Donnerschlag zu mir herberdrhnte, der mir mit klaren Worten erzhlte, was ich zu erwarten hatte. Vor allen Dingen nahm ich daher ein Paar brennende Kienspne, um mir den Anschu und den Schwei zu besehen, um daraus zu beurtheilen, wie weit der Spieer wohl noch gegangen sein knne; denn schickt in diesen Smpfen ein richtiges Gewitter seinen selten fehlenden Begleiter, den Regengu, herunter, so ist's nachher mit dem Ausmachen sehr unsicher, weil die Fhrten nachher gewhnlich in einem freundlichen Gemisch von Schlamm und Wasser zusammenlaufen, und wenn nicht die Aasgeier, die merkwrdig rasch bei der Hand sind, das verendete Stck anzeigen, sieht's mit dem Finden oft traurig aus. Mit meiner schnell gemachten Fackel ging ich jetzt dem Platze zu, berzeugte mich aber gar bald, da der Hirsch einen Lungenschu bekommen hatte und nicht weit fort sein knnte. Schwei lag im berflu auf dem Anschu und in der Fhrte; als ich aber eben ber den Bach hinber wollte, um den Platz, wo der Spieer lag, aufzusuchen und zu verbrechen oder ihn abzufangen, wenn er noch nicht verendet sein sollte (in Amerika ist allgemein der Klberfang Sitte und kein Jger genickt ein Stck Wild), als einige groe, schwere, fallende Tropfen das jetzt rasend schnell herbei eilende Gewitter verkndeten; ich lie also Hirsch Hirsch sein und sprang zu meinem Gestell zurck, nahm schnell das Feuer herunter, das ich im Innern sicher niederlegte, um die Kohlen zu bewahren und es nachher, wenn alles Andere na sein wrde, wieder anznden zu knnen, und deckte nun die vorsichtig herbeigeschafften Rindenstcke dachartig ber das Gerst, indem ich sie, um mir unter demselben einen greren Raum zu gestatten, etwa einen Fu breit an jeder Seite vorstehen lie. Der Mond war von ungeheueren Wolkenmassen verdeckt und rabenschwarze Nacht umgab mich; die fast ohne Unterbrechung zuckenden Blitze aber gewhrten hinlngliches Licht zu meiner Arbeit, und ich war kaum damit zu Stande, als es auch anfing, wie aus Eimern und Dachrinnen zu gieen. Mein Regenschutz bewies sich ausgezeichnet, aber ich war doch gewissermaen wieder unter die Traufe gekommen, denn die Mosquitos, jetzt nicht mehr durch das Feuer abgeleitet und den trockenen Schutz unter meinem Aufbau behaglicher findend als den nassen Regen drauen, noch dazu da solch ein ses Stck Menschenfleisch, in eine dnne wollene Decke gewickelt, nur ganz zu ihrer Bequemlichkeit dorthin gesetzt schien, fingen an mich so wthend zu umschwrmen und zu peinigen, da ich schon mein Dach verlassen und lieber den fluthenden Regen als diese Myriaden von Vampyren ertragen wollte, als mir noch zum Glck die Kohlen einfielen, die ich auf einem Stck Rinde liegend und mit Rinde zugedeckt neben mir hatte; schnell blies ich sie zur Flamme empor, und ein kleines Feuer unterhaltend, auf welches ich nasses Holz legte, erzeugte ich einen solchen Rauch, da ich fast zusammen mit den Mosquitos erstickt wre; das schtzte mich doch wenigstens in etwas gegen diese, und nach einer Stunde frchterlichen Gieens hrte endlich das Unwetter auf. Zwar warf ich jetzt mein Rindendach wieder herunter und entzndete aufs Neue die Flamme, die Salzlecke hatte sich aber in einen kleinen Teich verwandelt und ich selbst sa, am Fue der gewaltigen Eiche, auf dem einzigen, inselhnlichen und trockenen Flecke. Natrlich lie sich weiter kein Hirsch sehen, und noch vor Sonnenaufgang verlie ich das sumpfige Thal und schlug mich in die dicht daran stoenden Hgel, wo ich das Balzen eines Truthahns gehrt hatte. Die Truthahnjagd ist in diesen Wldern eigentlich die am wenigsten beschwerliche, wird aber doch nicht viel betrieben, weil sie keinen Nutzen bringt. Der Amerikaner schiet wohl, was er zu seinem eigenen Bedarfe braucht, da er aber die erlegten Hhner selber essen mu und nicht verkaufen kann, so verwendet er nie mehr Pulver und Blei auf sie, als unumgnglich nthig ist. Mir war's auch an diesem Morgen nur um einen Braten zu thun, denn das Wildpret der beiden erlegten Hirsche konnte der Jahreszeit nach nicht sehr vorzglich sein. Ich schritt also schnell der Gegend zu, von der mir dann und wann die kullernden Tne des balzenden Hahnes herberschallten, um den Ort noch zu erreichen, ehe es vollkommen Tag wurde. Der Truthahn findet sich durch die ganzen vereinigten Staaten, vom Norden bis Sden, vorzglich aber in den sdwestlichen Theilen, in ungeheuerer Anzahl. Im Frhjahr, Mrz und April balzt der Hahn und ist dann auch, bis Anfang Mai, ausnehmend fett; in dieser Zeit aber nimmt er fast keine Nahrung zu sich, und ich habe, besonders im Mrz, beim Anfang der Balzzeit, den Magen eines Hahnes aufgeschnitten und auch nicht die Spur von Nahrung darin, sondern die inneren Wnde desselben nur mit einer reinen, ligen Feuchtigkeit berzogen gefunden, wie sie etwa der Br whrend des Winterschlafes bei sich trgt. Wenn daher im Mai die Hennen brten, sind die alten Hhne drr und ungeniebar, die Jagd mu also dann vorkommen eingestellt werden. Die Henne zieht acht bis zwlf, ja manchmal sechszehn Junge auf, von denen sie sich nicht mehr trennt, bis im nchsten Frhjahr die Balzzeit aufs Neue beginnt; die alten Truthhne halten sich brigens nicht gern zu diesen Familien und bilden sehr hufig eigene Ketten von funfzehn und zwanzig, ja oft dreiig Stck, die dann stattlich und ehrbar mit ihren groen Brten (ein Borstenbschel, der bis sechs und sieben Zoll lang, etwa einen Finger stark, ihrer Brust entwchst und Bart genannt wird) den Wald durchschreiten. Besonders halten sie sich gern im Winter zusammen und balzen dann manchmal aus reinem Vergngen, da es meilenweit durch den stillen Wald schallt. Die Hennen bauen ihre Nester in dichten, unzugnglichen Bschen aus drrem Laub und Reisern auf die Erde und verlassen ihre weien, am dicken Ende etwas gefleckten Eier nur selten; werden sie aber mehre Male gestrt und vom Neste vertrieben, so kehren sie nicht mehr zu diesem zurck und lassen es, selbst wenn sie schon eine Zeit lang gebrtet haben, im Stiche. Im Juli werden die Jungen jagdbar und sind dann ein gar delikates Essen, verlieren aber viel von ihrem saftigen Wohlgeschmack, weil man sie nicht rupfen kann, sondern ordentlich abbalgen mu, indem die in dieser Jahreszeit den Wald erfllenden kleinen Holzbcke auf keine andere Art als mit dem Balge selbst von dem Truthahn zu entfernen sind. In der Balzzeit ist der alte Hahn sehr scheu, und wo er nur das Geringste, was ihm gefhrlich dnkt, ugt, so flieht er und ist auf keine nur erdenkliche Art an jene Stelle wieder hinzulocken; hat sich aber der Jger gut versteckt oder bewegt er sich wenigstens nicht, so kommt er auch, durch das Nachahmen des Hennenrufs herbeigelockt, bis dicht an das Rohr hinan. Die einfachste und beste Truthahnlocke besteht aus dem zweiten, dnnen Flgelknochen der Truthenne selbst, der, an beiden Seiten abgeschnitten, des Markes entledigt wird und mit welchem, die Luft durch denselben einziehend, der Ton der Henne auf das Tuschendste nachgeahmt werden kann. Einen solchen Knochen fhrte ich bei mir und war jetzt auf etwa vierhundert Schritt der Stelle nahe gekommen, in welcher der Hahn oben auf einem Baume stehen mute; zu weit aber schien mir der Tag vorgerckt, um von dem wachsamen Vogel ungesehen heranschleichen zu knnen; ich suchte mir daher einen umgefallenen Baumstamm aus, hinter dem ich mir mein Lager machte, legte mehre Zweige oben drauf, meinen Kopf so viel als mglich zu verdecken, und fing nun an, einige Male zu locken. Im Anfang schwieg der Hahn, als er die bekannten Laute hrte, wahrscheinlich nur, um sich erst genau zu berzeugen, von welcher Richtung her sie tnten; dann aber, nachdem er darber im Klaren schien, balzte er auf einmal aus Leibeskrften, und ich hrte, wie er gleich darauf vom Zweige abstiebte und auf mich zu streichend etwa hundert Schritte vor mir einfiel. In kleinen Zwischenrumen lie ich jetzt und zwar nur leise die Locke tnen, auf die er schleifend und dann und wann kullernd, als ob er sich halb zu Tode freue, zukam. Vor mir lag eine kleine, ungefhr 15 Schritte tiefe Ble, und bald darauf sah ich den blauangelaufenen Kopf, mit den rothen herunter hngenden Fleischlappen, durch die die Rasenstelle umgebenden Gebsche ragen, auf welche er gleich darauf selber heraustrat. Zwar hatte ich ihn jetzt sehr schn zum Schu, durch Erfahrung aber klug gemacht, htete ich mich wohl, mit der Kugel nach ihm zu schieen, so lange er die Federn gestrubt hielt, wobei man kaum errathen kann, auf welcher Stelle sich der Krper befinde, und pfiff daher ein Mal recht laut und kurz. -- =Kitt,= sagte der Truthahn und glttete, sich hoch aufrichtend, am ganzen Krper, indem er vorsichtig nach allen Richtungen umhersphete; mehr verlangte ich nicht, und beim Krach der Bchse flatterte er empor und kam dann, in scharfem Laufe, gerade auf mich zu; -- dicht vor mir aber hielt er, drehte sich zwei Mal im Kreise herum, breitete die Flgel aus und strzte zuckend zusammen. Es war ein merkwrdig feister Bursche und mute etwas ber zwanzig Pfund wiegen. Ich warf ihn aus; denn vernachlssigt man dies, so wird ein Truthahn in wenig Stunden, selbst im Winter, anbrchig, band seine Stnder mit dem Kopf zusammen und hing ihn mir, waidtaschenartig, ber die Schulter, nahm dann meine Bchse wieder auf und wanderte langsam der Salzlecke zu, um meine Hirsche zu zerwirken und den Heimweg, nach dem etwa fnf englische Meilen entfernten Hause anzutreten. Dem unter dem Feuer in der Salzlecke Gestrzten zog ich einen dnnen Streifen Baumrinde durch das Ges und schleppte, oder schwemmte ihn eigentlich, zum nchsten trockenen Platz; dann aber machte ich mich daran, den zweiten wieder zu finden, was noch, trotz dem tdtlichen Schusse, seine gehrigen Schwierigkeiten hatte. Der Boden war in einen Teich verwandelt, in dem sich Frsche, Eidechsen und Schlangen sehr behaglich zu fhlen schienen, der sich aber doch keineswegs dazu eignete, einen Hirsch auszumachen. Der Regen hatte selbst von den Bschen den Schwei rein herunter gewaschen und dornige Schlingpflanzen zogen sich berall in dichten, festen Massen zwischen ihnen hindurch; der Hirsch konnte aber nicht mehr weit gegangen sein, und nach kaum viertelstndiger Suche fand ich ihn, etwa zweihundert Schritt vom Anschu, verendet. Wie das vorige Stck schaffte ich den Spieer vor allen Dingen auf trockenen Grund und Boden, hatte aber dabei keine kleine Mhe, durch den angeschwollenen Bach zu kommen, den ich nicht umgehen, also durchwaten, eigentlich fast durchschwimmen mute, denn das Wasser ging mir bis unter die Arme. Als das geschehen, zndete ich jetzt vor allen Dingen neben meiner Beute ein tchtiges Feuer an, welches dem doppelten Zweck entsprach, mich zu trocknen und zu wrmen, und einen Theil meines Truthahns zu braten; denn mich hungerte bedeutend. Whrend ein paar der saftigsten Stcke am Feuer schmorten, zerwirkte ich die beiden Hirsche, nahm von dem Spieer die beiden Keulen und das =brisket= (der Theil zwischen den Blttern vorn, wo die kurzen Federn zusammenstoen), schlug es in eine der Wilddecken ein, verzehrte dann mein einfaches, aber darum nicht minder gutes Frhstck, hing mir nachher die berreste des Truthahns, meine wollene und die beiden frischen Wilddecken, nebst den darin liegenden Keulen ber, ergriff meine Bchse und wanderte, das brige Wildpret den Aasgeiern oder Wlfen berlassend, der nchsten Ansiedelung zu. -- Wer brigens je eine lngere Zeit in den sdlichen Theilen Nordamerikas jagte, hat auch gewi mit eben diesen Aasgeiern, seltener mit den Wlfen in Streit gelebt. Diese ersteren folgen dem Jger, wenn er erst einmal einige Stcke Wild erlegt hat, fortwhrend, und lassen ihm kaum Zeit seine Beute aufzubrechen. Mit schlecht verhaltener Gier sitzen sie in den benachbarten Bumen, und erwarten den Augenblick, in welchem der Jger den Platz verlt, um dann mit ihren scharfen, langen Schnbeln ber das Zurckgelassene herzufallen, von dem nach wenigen Stunden selten mehr als die Knochen brig sind. Nur ein Mittel giebt's, sich ihrer in etwas zu erwehren und das ist, das Stck Wild in der Decke zu lassen und am Kopfe aufzuhngen; dann finden sie nirgends einen Anhaltepunkt, als an dem Kopfe selber, an dem man ihnen gern verstattet, herumzuhacken. Noch andere Feinde aber, gegen die selbst das Aufhngen nicht viel ntzt, sind die groen Raben, die nun zwar dem Wildpret selber nicht viel Schaden thun, aber das Talg heraushacken, da es, um abzukhlen, doch aufgebrochen werden mu. Einige wei geschlte Stckchen aber, durch die Wammen querber gesteckt, sind ziemlich zweckmig, diese Burschen abzuhalten, die ihren Hals nicht gern durch die weien Hlzer hinein zu schieben wagen. Im Winter geht das brigens noch Alles an, es sind Unannehmlichkeiten, denen man doch wenigstens theilweise noch begegnen kann; im Frhjahr und Sommer aber erscheint eine Jgerplage, gegen die es fast gar keinen Schutz giebt, und das sind die Schmeifliegen, die zu Tausenden fast in demselben Augenblick erscheinen, wo das Wild von der Kugel getroffen strzt. Will man das Wildpret spter mit nach Hause nehmen, so ist das einzige Mittel, um es von dieser Landplage frei zu halten, es in's Wasser zu legen. Aber nicht berall hat man Wasser, welches dazu tief genug ist, in der Nhe, und in den ganz sdlichen Staaten geht dies auch berhaupt nicht an, da die Alligatoren sonst bald das ihrem Bereich anvertraute in Beschlag nehmen wrden. Wollte man einen starken Rauch unter dem Wildpret unterhalten, so wrde dies auch nur theilweise gegen diese Insekten schtzen; will daher der Jger im Sommer Wildpret bewahren, so mu er es an Ort und Stelle in schmale Streifen schneiden und ber einem langsamen Feuer drren; dann hlt es sich Monate lang. -- Die Feuerjagd auf Hirsche wird auch noch auf eine andere Art als mit aufgebautem Gerst betrieben, und besonders dort in Anwendung gebracht, wo sich sehr viele, verschiedene Salzlecken in einer und derselben Gegend finden und der Hirsch zwischen ihnen wechselt. Um nmlich unter solchen Verhltnissen leicht von einem Platz zum anderen gehen zu knnen, nimmt der Jger eine gewhnliche eiserne langstielige Bratpfanne (wo diese nicht zu bekommen ist, mu eine knstlich aus Zweigen und Erde gemachte, den Dienst verrichten), befestigt an dieselbe noch ein etwa 3-4 Fu langes, einige Zoll breites Bret, damit sie leicht auf der Schulter liegt und sich nicht wenden kann, und thut in diese nun den fein gespaltenen Kien, mit dem er leicht den Wald nach allen Richtungen hin durchwandern kann. Vorn in das Bret wird eine, von Holz geschnitzte, kleine, breite Gabel eingebohrt, um beim Schieen die Bchse hineinlegen zu knnen, wo dann der schwere Kien in der hinten mehre Fu vom Kopf abstehenden Pfanne das Gleichgewicht gegen das Rohr hlt und eine feste Lage verstattet. Die hinter dem Kopfe befindliche Flamme lt nun dem Jger die Lichter eines Stckes Wild oder Raubthieres auf mehre hundert Schritte erkennen, und da sich das erstere (Raubthiere lieben die helle Flamme nicht, ugen auch nicht gern hinein) keineswegs vor dem Feuer frchtet, so kann man, wenn man nur leise und ohne Gerusch sich nhert, auch besonders den Wind gut beobachtet, leicht an die vertrauend ziehenden Stcke herangehen. In weiter Ferne verschmelzen die beiden Lichter der Hirsche in _einen_ glhenden Feuerball, der sich jedoch, bei dem immer nher und nher Kommen scheidet, und erst in richtiger Schunhe sieht man dann die zwei Kugeln in der gehrigen Entfernung zu einander stehen. Den Wind kann man dabei sehr leicht nach dem Rauch beobachten, der auf keinen Fall ber den Kopf hinweg ziehen darf. Springt nach dem Schu das Wild schnell und flchtig ab und rennt fort, so ist es ein sicheres Zeichen, da die Kugel sitzt; hat aber der Jger gefehlt, so verschwinden die Lichter pltzlich; der Hirsch wendet sich und geht langsam, ohne die mindeste Furcht zu verrathen, hinweg. Kommt man nahe genug heran, um die ganze Gestalt des Wildes zu erkennen, so schiet man natrlich auf's Blatt; ist das aber nicht der Fall, so hat man ein so schnes Abkommen bei der hinten lodernden Flamme, da man getrost zwischen die beiden Lichter hinein halten kann, was berdies immer der beste Schu ist. -- Etwas ist hierbei jedoch noch zu bemerken, auf das der amerikanische Jger ebenfalls sehr viel Rcksicht nimmt: der Mond nmlich, nach welchem sich das Hochwild mit seiner sung richtet. Scheint dieser die ganze Nacht, so zieht es am strksten gleich nach Dunkelwerden, bis etwa zwei Uhr Morgens umher, wo es sich dann niederthut und bis zur frhen Morgendmmerung sitzt; leuchtet er hingegen die Nacht gar nicht, so t auch das Wild nicht sehr lange mehr nach Sonnenuntergang, hchstens ziehen dann Schmalthiere bis zehn oder eilf Uhr Abends an die Salzlecken; dahingegen en sie am Tage Morgens ganz frh; Mittags etwa von zwlf bis eins und Abends wieder von vier Uhr an. Doch lt sich darber nichts ganz Genaues bestimmen. Einzelne findet man fast zu jeder Tageszeit munter. So selten nun, im Westen wenigstens, die Hirsche mit Hunden gehetzt werden, so interessant ist diese Jagd auf Truthhner, wenn sie sich im Winter zusammen gethan haben und nun in Ketten, oft von 30-50 Stck, durch den Wald ziehen. Von den Hunden eingeholt, bumen sie augenblicklich und ugen nun, sich auf ihrer Hhe sicher glaubend, mit groer Zufriedenheit auf die, die Bume toll und wild umspringenden Hunde hernieder, bis der Jger heranschleicht und mit der Kugel (denn Schrot wrde in jenen hohen Bumen von gar keiner Wirkung sein), den Truthahn herunter holt. Es bedarf dazu brigens nur eines Flgelschusses, denn das Wild ist so schwer, da es fast stets durch den Fall, wenn auch sonst nicht tdtlich getroffen, verendet. So gescheidt der Truthahn aber auch sonst ist, so albern und unbehlflich stellt er sich an, wenn er sich gefangen glaubt, und eben auf diese seine Dummheit sind auch die Fallen berechnet. Wo nmlich der Ansiedler, -- denn der Jger nimmt sich selten die Mhe, das mit der Axt zu bekommen, was er mit der Bchse erlegen kann, -- eine Kette Truthhner zu fangen wnscht, sei es nun in einem abgernteten Maisfeld oder im Walde, da macht er von langen, gehaltenen, schweren Stangen eine Umzunung, die etwa zehn bis zwlf Fu im Quadrat hat und so hoch sein mu, da der grte Truthahn, aufgerichtet, darin herumlaufen kann. Die Decke wird nachher mit Holz oder Steinen beschwert, da sie dem Aufflatternden nicht nachgiebt. In eine der Wnde, am besten nach der Richtung hin, in welcher die Hhner gewhnlich ins Feld kommen, wird eine kleine Thre gesgt. Gerade unter dieser hinweg fhrt eine Art schmaler Laufgraben in das Innere der Umzunung; unter der Thr ist dieser Graben am tiefsten und luft nach Innen wieder auf die Oberflche hinaus. Dieser Graben wird bis auf zwlf und funfzehn Schritt von der Falle weggeleitet und nach ihm hin sparsam, in ihm aber reichlich Mais gestreut, der bis in den eingezunten Raum hinein fhren mu, wo es gut ist, wenn ein kleiner Haufen von Maiskolben dem Truthahn gleich entgegen lacht. Der Graben aber und die darber hingehende Thr drfen zusammen nur so hoch sein, da ein ausgewachsener Truthahn, wenn er, mit dem Kopf auf der Erde, der sung nahe geht, gerade hindurch schreiten kann, also etwa zwanzig bis vierundzwanzig Zoll. Finden nun die den Wald durchgreifenden Hhner den umher gestreuten Mais, so folgen sie den einzelnen Krnern, gerathen in den Graben und treten nun, das Gestell wenig beachtend, in den inneren hohen Raum, wo sie sich gar bald an dem dort aufgeschichteten Vorrath eine Gte thun. Auf diese Weise gehen manchmal zehn und fnfzehn zu gleicher Zeit in die Falle. Nun hinderte sie freilich nichts auf der Welt, auf eben dieselbe Art das Gestell zu verlassen, wie sie es betreten haben; sobald aber nur einem von ihnen der Gedanke kommt, das Freie zu suchen, wobei er sich natrlich aufrichtet und, den fest verwahrten Ort ber sich erblickend, das Warnungszeichen giebt, so erheben in demselben Augenblick Alle die Kpfe und versuchen flatternd in die Hhe zu entkommen; keiner von ihnen denkt von dem Augenblick weder mehr daran, den Mais zu berhren, noch sich berhaupt zu bcken, und ich wei den Fall, da sie sich auf diese Art gegen Abend gefangen haben und bis zum nchsten Nachmittag darin geblieben sind, wo dann der Farmer herbei kam und sie einzeln heraus holte. Der arme Truthahn hat brigens auch noch auer dem Menschen sehr viele andere Feinde, denn Wlfe, Fchse, Marder, Katzen, Panther stellen ihnen nach; ihr grimmigster Verfolger aber ist der weikpfige Adler, dem sie auch nicht einmal entfliehen knnen, und zeigt sich ein solcher in der Luft und umkreist die Bume, dann rhrt sich kein Truthahn in seinem Versteck und man kann sie, wenn man sie zufllig findet, fast mit der Hand greifen. * * * * * Als ich zuerst die wirklichen Wlder Amerika's betrat, hatte aber nicht allein das Wild fr mich Interesse, sondern auch die eingebornen Jger selbst, die in der Wirklichkeit ganz und gar von dem Bilde abwichen, welches ich mir in meiner Phantasie von ihnen gemacht hatte. Besonders viel war mir von den sogenannten Hinterwldlern erzhlt worden, die in der Bevlkerung Amerika's gewissermaen eine eigene Gattung bilden. Es sind Landleute, insofern sie so viel Welschkorn bauen, als sie fr sich und ihre Familie und ein Paar Pferde und Schweine bedrfen, im brigen leben sie von der Viehzucht und Jagd und fhren eigentlich genau genommen, trotzdem, da sie Huser bauen und kleine Felder anlegen, doch ein Nomadenleben; denn selten bleiben sie lnger als drei oder vier, oft nicht ein Jahr auf einem Fleck, sondern sind stets bereit, ihr mit saurem Schwei urbar gemachtes kleines Besitzthum um Weniges wieder zu verkaufen und weiter westlich zu ziehen. Als ich zuerst nach Missouri kam (denn selbst Illinois liegt jetzt schon zu stlich fr diese Menschenklasse), hrte ich, etwa sechzig Meilen unterhalb St. Louis, von einem gewissen _Coltert_, der ein alter, tchtiger Brenjger sein und mitten im Wald in einer kleinen Htte leben solle. Die Beschreibung dieses Mannes, wie er lebte, was er schon alles fr Abenteuer durchgemacht, wie viel Bren und Panther er erlegt, wie oft er verwundet worden, ein Mal sogar lebensgefhrlich, als er seinen Lieblingshund einem Bren entreien wollte, das Alles spannte meine Neugierde auf das uerste und machte mich sehr begierig diesen Mann kennen zu lernen, denn im Geiste malte ich ihn mir schon ganz nach indianischer Art, mit allen mglichen Waffen und Jagdgerth versehen, aus, und beschlo, wenn ich auch Meilen weit umgehen mte, ihn aufzusuchen. Mein Weg sollte mich indessen etwa drei Meilen vor seinem Hause vorbei fhren, wo, wenn ich einen gewissen Flu erreicht htte, ein Pfad rechts abging, der bis zu seiner Htte hinlief. Bis zu diesem Flusse hatte ich etwa noch sechs englische Meilen zu marschiren und wanderte frisch darauf los, um den alten Jger so bald wie mglich kennen zu lernen, als ich einen Mann auf der Strae berholte, der sich ganz gemthlich dicht am Wege seiner weien leinenen Beinkleider entledigt hatte, trotz dem unfreundlich kalten Wetter ziemlich behaglich auf einem umgehauenen Baumstamm sa und die etwas sehr zerrissenen flickte. -- Sonst trug er einen blau wollenen Frack, ein weies Hemd und ein Paar grobe rindslederne Schuh, welche drei letzteren Kleidungsstcke, als ich zu ihm trat, seinen ganzen Anzug ausmachten; neben ihm aber stand ein alter, recht ungesetzlich auer Faon gedrckter Filzhut, und an einem Baume lehnte eine lange Bchse -- (ohne die selten oder nie ein Landmann ausgeht) mit einer kleinen ledernen Kugeltasche und einem in ein buntes Taschentuch eingebundenen Pckchen. Der Anblick war so komisch, da ich unwillkrlich stehen blieb und ihm freundlich guten Tag bot; er dankte, schien sich aber sonst nicht weiter um mich zu kmmern, sondern steckte seine Nadel und Zwirn, da er seine Arbeit gerade beendigt hatte, in die Kugeltasche, zog das ausgebesserte Kleidungsstck wieder an, hing sich die Tasche um, setzte den alten Filz, der ihm ein merkwrdig antikes Aussehen gab, auf, nahm das Bndel in die linke Hand und dann den Bchsenlauf mit der rechten ergreifend, warf er sich diese, den Kolben nach hinten, ber die rechte Schulter, indem er zu mir sagte: Nun, Fremder, wenn Ihr mit wollt, so kommt! Es lag etwas so ernst Drolliges in seinem Wesen, das mich unwillkrlich anzog, und wir plauderten, neben einander herschlendernd, ber vielerlei. Endlich erreichten wir den Flu; mein Begleiter reichte mir die Hand und wollte sich verabschieden, ich bat ihn aber, mir zuerst den Weg nach des alten Coltert Haus zu zeigen, weil ich diesen aufzusuchen wnschte. Kennt Ihr den alten _Coltert_? fragte er mich und wechselte mit der Bchse auf die andere Schulter. Nein, ich kenne ihn nicht, wnschte ihn aber kennen zu lernen! Nun, sagte er, wenns weiter nichts ist, das Vergngen habt Ihr die letzten zwei Stunden gehabt! Ich staunte nicht wenig, unter dem alten Filz und in dem hellblauen, wollenen Frack meinen Brenjger zu finden, der noch dazu so cht waidmnnisch die Bchse, Kolben nach hinten, trug, folgte aber nichtsdestoweniger seiner freundlichen Einladung, die Nacht bei ihm zuzubringen, und wurde fr den kleinen Umweg reichlich durch einige der delikatesten Brenrippen und viele romantische Erzhlungen aus dem thatenreichen Leben des Alten belohnt. In mancher Hinsicht sehr befriedigt verlie ich ihn am andern Morgen. -- Hatte mir einen amerikanischen Jger aber doch anders gedacht. Die Erzhlungen des Alten hatten aber die Jagdlust um so mchtiger in mir aufgeregt und ich beschlo, was ich auch spter redlich gehalten habe, Arkansas nach allen Richtungen zu durchstreifen und die Brenhetzen, von denen ich ihn jetzt nur reden gehrt, selber mitzumachen. Der Br gehrt unstreitig zur edelsten und dabei auch eintrglichsten Jagd Amerika's, und ist der Kampf mit ihm auch manchmal gefhrlich, nun so verleiht das der Sache ja auch wieder ein so viel frischeres, gewaltigeres Interesse; denn das arme Wild zu erlegen, welches sich nicht widersetzen _kann_, selbst wenn es wollte, und nur in der Flucht sein Heil suchen mu, nun ja, es ist auch schn und der den Mnnern angeborene Zerstrungsgeist macht es schon anziehend fr uns; mir fehlte aber immer etwas bei jener Jagd, es kam mir stets vor, als ob es doch nicht das Rechte sei, nach dem ich mich gesehnt htte, bis ich das erste Mal Fu an Fuß« mit einem der alten, schwarzen Burschen stand, und nun auch wute, ich trge das groe Messer nicht blos zum Staate an der Seite. Die Bren fangen brigens schon an in den vereinigten Staaten sehr selten zu werden, nur noch in den unermelichen Smpfen des Mississippi- und Arkansas-Thales und den steilen, an vielen Stellen fast unzugnglichen Ozark-Gebirgen finden sie sich und werden mit einigem Erfolg von den Weien, und an dem letzteren Orte auch theilweise von Indianern gejagt; jedes Jahr vermindert sich aber ihre Anzahl bedeutend und die Zeit ist nicht mehr fern, wo eine Brenfhrte in Arkansas eine Seltenheit sein wird. Die Brenjagd selber wird in jenen Gegenden auf drei verschiedene Arten betrieben: Erstens durch _Prschen_, Zweitens durch _Hetzen_ mit guten, darin gebten Hunden, und Drittens durch das _Aufsuchen der Stellen_, in welchen er seinen Winterschlaf hlt. Das Prschen, so interessant es an und fr sich ist, kann brigens nur im Sptsommer und Herbst geschehen, in welchen Jahreszeiten der Br seine Nahrung in den Frchten des Waldes sucht und sorglos dabei umhertrollt. In bergigen Gegenden, wo viele Heidelbeeren wachsen, geht daher die Suche schon im Juli an, da er bis Ende August von diesen lebt; dann jedoch, sobald die Eicheln der Weieiche reifen, aber noch nicht abfallen, ersteigt er diese und bricht oft ziemlich starke ste herunter, um von ihnen seine Lieblingsnahrung abzulesen. Sind viele Bren in einer Gegend, so ist die Jagd in dieser Jahreszeit sehr interessant, weil man den Bren, sobald er erst einmal anfngt, Zweige niederzubrechen, eine lange Strecke weit hren und sehr leicht an ihn heranschleichen kann. Wo sie aber nur selten angetroffen werden, wre es freilich ein undankbares Geschft, nach den wenigen im Walde herumzusuchen; dazu ist die Hetze und mit einer tchtigen Meute Hunde, sicherer Bchse und breitem, kurzem Stahl an der Seite, auf einem guten, zhen Poney, in gestrecktem Galopp durch den Wald und Sumpf, hinter den klaffenden, heulenden Hunden her, das ist die Jagd, wo einem das Herz warm wird und khner und freudiger in der Brust klopft. Stellt sich dann der Br, -- denn nicht immer sucht er auf einem Baum den Feinden zu entgehen, -- und tritt ihm der Jger mit dem Messer in der Faust entgegen, so wird es doch auch eine Jagd, die Ehre bringt und die einen _Mann_, keinen bloen Sonntagsjger erfordert; das Gefhl, mit dem man nachher den schweibefleckten Stahl in die Scheide zurckstt, wiegt alle anderen Jagden auf. Die letzte Brenhetze machte ich in Amerika im Sommer mit. Wir hatten keinen groen Nutzen von der Bestie; sie war aber zu lstern nach ihres Nchsten Schweinen geworden, die sie den in Unmasse im Walde wachsenden Heidelbeeren vorzog, und mute daher aus dem Walde geschafft werden. brigens zogen wir damals nicht mit der Idee einer Brenjagd aus, sondern wollten blos ein Paar Hirsche schieen, um das Gehirn derselben zum Gerben einiger Wilddecken zu erhalten (die indianische Art Hirschhute zu gerben, geschieht nur mit dem Gehirn des Hirsches selbst und spter durch Rauch), als wir, von einem alten Jagdgenossen, der seine und meines Begleiters Hunde mitgebracht hatte, berholt wurden. Drei alte Sauen, erzhlte dieser, seien ihm in wenigen Nchten weggeholt, und er drstete nach Rache, die ihm denn auch im reichlichsten Mae wurde. Es war jedoch ziemlich trocken und drr, und die Hunde, obgleich mit dem rhmlichsten Eifer suchend, konnten in langer Zeit keine frische Fhrte finden; wir hatten sie aber in dem dichten Unterholz bald aus den Augen verloren und ritten lachend und erzhlend ber die Berge; pltzlich ri der Alte sein Pferd zurck und horchte, sich hoch im Sattel aufrichtend, mit der gespanntesten Aufmerksamkeit. Ein kurzes, dumpfes Geheul lie sich hren -- das war =Muse=, rief er -- ein scharfes, kurzes Bellen folgte das ist =Watch=. -- Gleich darauf schlugen zwei der Lieblingshunde zu gleicher Zeit an. Jetzt aber schwenkte der Alte den Hut -- sie haben ihn, jubelte er, und dem Pferde den einen Sporn in die Seite drckend, flog er dem Anschlagen der Hunde zu. Ich lie ihn nicht die Bsche fr mich theilen, sondern brach mit =Hozart= an seiner Seite ins Dickicht; gleich darauf schlug auch die ganze Meute -- etwa 15 Hunde, an, da der Wald widerhallte. Wir lieen unsere Stimmen lustig drein schallen, und wie die wilde Jagd gings durch Dorn und Schlingpflanze, ber umgestrzte Stmme und losgerissene Steinmassen fort dem Schalle nach, der in Schlucht und Thal das Echo erweckte. Der Br sah brigens bald ein, da er im offenen Wald der verfolgenden Meute nicht entgehen konnte, und eilte einem alten =Hurricane=[2] zu, wo die Eichen und Fichten wie Kraut und Rben durch einander lagen und die Dornen und Schlingpflanzen und spter aufgeschossener Nachwuchs die Zwischenrume ausgefllt hatten. Die Jagd wurde toller und toller; die Pferde, die Begeisterung der Reiter theilend, setzten in fast unglaublicher Anstrengung ber alte Baumstmme und durch Dickichte, die im ersten Augenblick fast undurchdringlich schienen. 2 =Hurricane=, eine Art Orkan, der in langen Strichen das Land durchzieht und oft meilenbreit jeden Baum umstrzt. Im Anfang waren wir drei Reiter beisammen geblieben; der frchterlich verwachsene Wald aber hatte spter Jeden den besten Durchweg allein suchen lassen, und bald konnte ich nichts mehr von den beiden Anderen hren noch sehen, sondern vermuthete nur, da sie, um dem Bren den Weg abzuschneiden, vielleicht eine andere Richtung eingeschlagen htten; eine pltzliche Wendung des verfolgten Thieres drehte jedoch die Hetze pltzlich nach meiner Seite; kleffend und jauchzend stellte ihn in einem entsetzlichen Dickicht die Meute, und durch eine dichte Brombeerhecke setzend, die das letzte von mir abstreifte, was nicht niet- und nagelfest war, fand ich mich in Schunhe des Kampfes. Augenblicklich aber warf ich mich vom Pferd und sprang der Wahlstatt zu, wo ein ungeheuerer Br sich mit der grten Kaltbltigkeit und Tapferkeit gegen eilf der besten Hunde, die je einer Fhrte in Arkansas folgten, vertheidigte; mein Anblick brachte ihn jedoch auer Fassung und er wollte Fersengeld geben, die Hunde waren ihm aber zu nahe auf dem Pelz, und vergebens sah er seine Bemhungen, einen Rckzug zu bewerkstelligen. Ich hatte mich indessen immer noch gefrchtet zu schieen, da zu viele Gefahr war, einen der Hunde mit zu treffen; als ich jedoch noch unschlssig halb im Anschlag da stand, krachte des Alten wohlbekannte Bchse und, fr einen Augenblick wenigstens, schien der Br die ihn umtobenden Hunde ganz vergessen zu haben, denn sthnend warf er sich zu Boden und lag im Nu von jenen bedeckt; doch nicht lange verharrte er in dieser Lage, sondern sprang, mit jeder seiner gewaltigen Branten einen der Rden von sich stoend, wieder in die Hhe. Als er strzte, war mirs klar geworden, da, im Fall ich noch die mindeste Lust htte am Gefechte Theil zu nehmen, dies wohl der einzige Zeitpunkt wre, in dem ich ntzlich sein knnte, und das Messer aus der Scheide reiend, sprang ich auf den Gestrzten zu, ihm die Klinge durchs Herz zu jagen. Ich war aber kaum noch zehn Schritte von ihm entfernt, als er sich, wie schon gesagt, mit einer gewaltigen Kraftanstrengung befreite, und das erste, was ihm in dieser gerade nicht liebenswrdigen Situation in die Augen fiel, war meine werthe Person, mit bloem Messer und allen Zeichen einer bslichen Absicht auf ihn zuspringend. Er kam mir auf halbem Wege entgegen, und ich mag gerade kein ganz freundliches Gesicht geschnitten haben; das wei ich nur, wie mir der Gedanke durch's Hirn fuhr, ich htte mich schon in viel behaglicheren Situationen befunden. Aus dem einfachen Grunde jedoch hielt ich Stand, weil ich im ersten Augenblick wirklich gar nichts andres zu thun wute und begegnete dem Anlauf des Bren, indem ich ihm mit aller Gewalt mein breites Messer in die Brust stie. Was weiter geschah, kann ich nicht mehr genau sagen; ein schwerer Schlag, der mich zurckwarf, ein dumpfes, schmerzhaftes Gefhl, ein bekanntes Gesicht, das ich erblickte, ehe ich strzte, und ein erstickendes Gewicht, das auf mir lag, ist Alles, dessen ich mich noch entsinne. Als ich wieder zu mir kam, fhlte ich, wie mir der Alte einen Hut voll Wasser nach dem andern und zwar mit einem Eifer ins Gesicht go, der bei einer Feuersbrunst uerst lobenswerth gewesen wre. Ich erholte mich jedoch bald und fand, mich aufrichtend, da ich den erlegten Bren zum Kopfkissen hatte. Als dieser auf mich los strmte, war der Alte glcklicher Weise dicht dabei gewesen, und die Hunde konnten zwar nicht verhten, da mich jener zurckwarf, sich aber in grenzenloser Wuth auf ihn strzend, berwltigten sie bald den schwer Verwundeten, meines Alten Stahl dabei nicht zu vergessen, der die Haut mehr einem Sieb als etwas anderem hnlich machte. * * * * * Es ist brigens nicht immer der Fall, da der Br sich, auf das uerste getrieben, den Hunden auf ebener Erde stellt; gewhnlich erklettert er, mit ausgezeichneter Gewandtheit, im Fall ihm nicht eine Vorderbrante zerschossen ist, wie ich das auch ein Mal gesehen habe, einen Baum, und kann dann mit geringer Gefahr herunter geschossen werden; einen gehrigen Schlag aber thut's, wenn solch ein alter Bursche von zwei bis dreihundert Pfund, achtzig oder hundert Fu hoch hernieder und zu Boden schmettert, und es ist schon oft der Fall vorgekommen, da er im Sturz einige, der ihn unten zu eifrig erwartenden Hunde erschlagen hat. Steht er auf ebener Erde, so wirft er sich gewhnlich, gleich nach empfangener Kugel, zu Boden und chzt und sthnt wie ein Mensch; decken ihn aber dann die Hunde, so versucht er nicht sie einzeln zurckzuschlagen, sondern er stemmt wie in diesem letzten Falle erst seine Branten so gegen sie, da er sich mit einem gewaltsamen Ruck befreien kann, und wehe dann dem Jger, der ihm in diesem Augenblick zu nahe ist! -- ohne des Alten Hlfe wre auch ich rettungslos verloren gewesen. Hat der Br einen Baum erstiegen und sich oben festgestellt, so knnen ihn die Hunde nicht wieder hinunter scheuchen; der Anblick eines Menschen aber macht ihn unruhig und versagt das Gewehr, so kommt er gewhnlich mitten zwischen die Meute hineingefahren und versucht aufs Neue zu fliehen, doch ist das nicht stets der Fall. uerst interessant ist der Prschgang auf Bren, wenn man unbeachtet an einen derselben herankommen kann. Anscheinend sorglos trollt der schwarze Geselle durch den Wald, und wer ihn so sieht, mit den plumpen, ungeschlachten Knochen, den Kopf unten, fast auf dem Boden, nachlssig, scheinbar auch nicht das Mindeste um sich her beachtend, ahnt wohl kaum, da eben dieses anscheinend plumpe Geschpf schneller als ein Pferd laufen und fast so behende als eine Katze klettern kann; in seinen Branten hat der Br brigens die meiste Gewalt, und selten benutzt er seine Gefnge, denn ein Schlag mit der Vorderbrante ist hinreichend einen Hund zu tdten und selbst einen Stier zu betuben. So frchterlich er aber, wenn zum uersten getrieben, ist, so harmlos und unschdlich zeigt er sich auch, wenn nicht belstigt -- man hat noch nie gehrt, da ein Br einen Menschen aus freien Stcken angefallen habe, ausgenommen es war eine Brin, die ihre Jungen vertheidigte. Auch der Schaden, den er dem Landmann thut, wre nicht so bedeutend, wenn er nicht im Sommer, wo noch keine Beeren im Walde stehen und die Eicheln noch nicht reif sind, sich an die zahmen Schweine hielte; hat er aber erst einmal den Geschmack von diesen weg bekommen, dann thut er auch ungeheueren Schaden, weil er nur gezwungen Aas frit und sich, wenn er's irgend haben kann, jede Nacht ein frisches Schwein holt. In diesem Fall mu er gejagt und erlegt, oder wenigstens aus der Gegend vertrieben werden, denn nicht immer knnen die Hunde im Sommer einen mageren Bren einholen, der ihnen oft im offenen Walde durch seine Schnelle entgeht. -- Der Br hlt aber, wie der Dachs, seinen Winterschlaf, liegt mehre Monat fest in seinem gewhlten Lager, wo er sogar schwer zu erwecken ist; in dieser Zeit wre dann Prschjagd wie Hetze vergebens. Die Schlafzeit dauert in Arkansas, wo das Klima ziemlich mild ist, von Weihnachten bis Ende Februar; whrend dieser ganzen Zeit frit er weder noch suft er, und in dieser Zeit ist sein Magen inwendig mit einer reinen, ligen Fettigkeit berzogen. Anfang Mrz aber fngt er zuerst an, den nchsten Bach aufzusuchen, um seinen Durst zu lschen und kehrt dann immer wieder in das Lager zurck. Sonderbarer Weise tritt er hierbei stets, so oft er auch gehen mag, in seine zuerst gemachten Fhrten, die dann zuletzt breit und deutlich ausgetreten und =stepping path= oder Schrittpfad von den Jgern genannt werden. Finden diese in eben der Jahreszeit eine solche Fhrte, so ist der Br selten weit entfernt. Sein Bett whlt er aber sehr verschieden; zeigt sich der Winter streng, so sucht er in gebirgigem Lande eine Hhle, in sumpfigem einen hohlen Baum aus, um dort vor der Klte geschtzt zu sein; dabei kratzt und scheuert er mit merkwrdiger Sorgsamkeit den letzteren inwendig so glatt und rein, wie es ihm mit seinen gewaltigen Branten, die hierzu gerade kein schlechtes Handwerkzeug sind, nur irgend mglich ist. Hat er endlich Alles in Stand, so steigt er langsam und besonnen, da man kaum die Spur seiner scharfen Krallen in der rauhen Rinde bemerken kann, hinauf und dann durch die ffnung, mit dem Hintertheil zuerst, in sein vorher bereitetes Lager hinab, wo das faule Holz, das er an den Seitenwnden herunter gekratzt hat, gewhnlich ein sehr weiches Bett bildet. Anders ist es, wenn er von den Hunden verfolgt, einen Baum ersteigt, und im Hinaufspringen, von den strksten, hrtesten Eichen ordentliche Stcke Rinde herunterschlgt. Ist der Winter gelind, so nimmt er sich all' diese Mhe nicht einmal, sondern geht entweder im sumpfigem Lande in einen Schilfbruch, wo er von dem hohen, grnen Schilf so viel abreit, als er zu einem bequemen Lager nthig zu haben glaubt, das er sich dann auch in einer der unzugnglichen Gegenden des Bruches zurecht macht, oder er sucht in bergigem Lande ein unwegsames Dickicht und bettet sich hier, auf einer Streu von zusammengetragenen zarten Zweigen, in den Wipfel irgend eines umgestrzten Baumes. Die Ranzzeit fllt in den August, und nicht selten gerathen sich dann ein Paar der schwarzen Burschen auf eben keine freundliche Art in die Haare. Einen hbschen Zug erzhlen dabei die amerikanischen Jger von dem mnnlichen Bren, der, wenn er wirklich wahr ist, einen merkwrdigen berlegungsgeist kund thut. Sehr hufig fand ich nmlich in den Wldern, besonders an Sassafrasbumen und Kiefern, die tief eingerissenen Zeichen des Gefnges und der Krallen von Bren, die stets in grtmglichster Hhe an den Stmmen hinauf gelangt hatten; auf meine Anfragen erhielt ich folgenden Bescheid, in dem die Jger von Norden bis Sden bereinstimmen. In der Ranzzeit folgt der Br der Fhrte der Brin, wird aber oft, wenn von einem strkeren berholt, aus dem Felde geschlagen, von einem schwcheren, wenn nicht besiegt, doch wenigstens belstigt; um diesem nun zu begegnen, soll der Br, so er sich stark und alt genug fhlt einen Kampf mit Seinesgleichen zu wagen, sobald er die warme Fhrte einer Brin angenommen hat, sich an einem dicht daneben stehenden Baum -- am liebsten Sassafras oder Kiefer -- in die Hhe richten und ohne die Hintertratzen von der Erde zu heben, so hoch hineinbeien und so hoch daran hinauf kratzen, als er mglicher Weise kratzen und beien kann, worauf er ganz gemthlich seinen Weg fortsetzt. Kommt nun nach einiger Zeit ein anderer desselben Weges, auf derselben Fhrte, so findet er natrlich die fr ihn zurckgelassenen Zeichen und mit nun, sich eben so am Baume emporrichtend, seinen vorangegangenen Nebenbuhler; -- kann er dessen Merkmale berreichen, oder kommt er ihnen wenigstens gleich, so folgt er und nimmt die Herausforderung an; kann er das aber nicht, ist er vielleicht viel kleiner, so klemmt er das kleine Stckchen Ruthe, was ihm Mutter Natur verstattet hat, zwischen die Beine, oder macht wenigstens die Bewegung damit, als ob er es thun wrde, wenn sie lang genug wre, und trollt den eben gekommenen Weg zurck, um wo mglich eine andere Fhrte auszusuchen. Die Brin wirft im Februar, oft schon Ende Januar, in einem hohlen Baum oder in einer Hhle, zwei bis vier Junge, die sie bis zur Ranzzeit bei sich behlt und die sich auch oft noch nach dieser wieder zu ihr gesellen, doch soll sie dabei die Gesellschaft des alten Bren meiden, dem nachgesagt wird, er fre manchmal seine eigenen Jungen, was ich jedoch, zu seiner Ehre, nicht glauben will. Die ungeheuere Aufopferung, mit der die Brin brigens ihre Jungen vertheidigen soll, kann nicht als allgemein angenommen werden. Ja, es giebt Flle, wo sie ihr Leben im Kampf ber dieselben gelassen hat; aber mit den Bren wird's wie mit den Menschen sein -- bei denen man oft recht liebe, gute Leute, und dann auch wieder recht schofeles Pack findet. Ich selbst wei mehre Beispiele, wo eine Brin, sowohl in der Hhle als auch im freien offenen Walde, ihre Jungen, ohne sich weiter um sie zu bekmmere, schmhlich im Stich gelassen hat und nur darauf bedacht schien, ihren eigenen Pelz, der noch dazu in damaliger Zeit kaum einen Dollar werth war, in Sicherheit zu bringen. Die _Hhlenjagd_ ist uerst interessant, aber dabei auch gefhrlich, und wird etwa folgendermaen betrieben. In den unwegsamen Gebirgen des Westens, in die sich der Br bei einbrechender Klte zurckzieht, geht der Jger und sucht, zwischen den am tollsten und wildesten umher gestreuten Felsblcken, an steilen Wnden hinkletternd und Schluchten und Spalten durchkriechend, nach Hhlen, in die er dann mit angezndeter Kienfackel oder mit einem aus wildem Wachs gekneteten Lichte eindringt. Oft verrathen schon die in der Nhe der Hhle abgenagte Bsche den Besuch, der fr einige Zeit in ihnen zu wohnen beabsichtigt, oder der =stepping path=, der hinein fhrt, wenn die Jahreszeit schon weit vorgerckt ist, oder die vor der Hhle umher liegende Losung, den Eingewinterten; am sichersten ist es aber stets, den Ort selbst zu untersuchen, und da diese Jagd dann nicht zu den leichtesten gehrt, ist sehr erklrbar. Ich wei mich Tage zu erinnern, in denen ich in funfzehn, sechszehn Hhlen herumgekrochen bin und mich durch Pltze durchgezwngt habe, von denen ich mir eigentlich jetzt noch selber nicht erklren kann, wie ich wieder heraus kommen konnte -- ohne auch nur einer Kralle zu begegnen. Findet man nun an solchen Ort einen Bren, so mu er beim Lichte der Fackel geschossen und nachher entweder ganz, oder wenn das nicht mglich ist, in Stcken zu Tage geschafft werden. Ich habe brigens diese Hhlenjagd in meinen Streif- und Jagdzgen[3] sehr ausfhrlich behandelt und will hier nur, um dem Leser einen kleinen Begriff von diesen freundlichen Orten zu geben, das Innere derselben ein wenig beschreiben. 3: Streif- und Jagdzge durch Nordamerika. Leipzig, Arnoldische Buchhdl. Von der Natur gebildet scheinen sie fast alle schon so lange wie die Erde berhaupt zu bestehen, und finden sich meistens in Kalksteinfelsen, in die sie manchmal nur zehn bis zwlf Fu, dann und wann aber auch 4-500 Schritt hinein gehen und an manchen Stellen gerumig genug sind, da der Jger aufrecht in ihnen stehen kann, dann aber auch wieder eng genug zusammen laufen, um nur mit grter Anstrengung ein Durchpressen mglich zu machen. Im Innern sind sie an den Seitenwnden glatt, oft von dem Anstreichen der Raubthiere, die seit Jahrhunderten sie bewohnten, spiegelblank, oben aber gewhnlich mit Stcken Tropfstein behangen, der auch unten, wenn sich nicht weicher, thoniger Boden findet, das Fortkommen sehr erschwert. In diese Hhlen nun ziehen sich nicht allein Bren, sondern auch andere Raubthiere, als Panther, Waschbren und Fchse, wie Schlangen, Eidechsen und Fledermuse zurck, um ihren Winterschlaf entweder wie der Br zu halten, oder in den warmen Erdgngen gegen die Klte geschtzt zu sein. Die Fledermuse besonders hngen an den Hinterbeinen von der Decke herunter und zirpen und zischen, wenn ihnen die Kienfackel zu nahe kommt. Der Br selber liegt, wenn er schlft, auf dem Bauche und hlt die Stirn, die Nase an die Brust gedrckt, mit beiden Tatzen, wie betend, umfat. -- Nur wenn er wacht, saugt er und wahrscheinlich blos aus Spielerei, an den Branten, Kinder haben das Daumenlutschen ja auch an sich, wobei er ein leises, winselndes Gerusch von sich giebt. In der Hhle angegriffen, ist er sehr scheu und versucht stets sein Bestes, durch die Flucht einer sich nhernden Gefahr zu entgehen; im Freien dagegen ist er viel heldenmthiger. Ich selbst habe eine Brin in einer der tiefsten Hhlen der Ozarkgebirge angeschossen, und bin, von ihr gefolgt, zurck gewichen, bis sie einen anderen Zweig der Hhle annahm und ich im Stande war, mir meine Bchse, die ich hatte zurcklassen mssen, wieder zu holen und zu laden; die Brin aber, als ich ihr nachher aufs Neue zu Pelze rckte, obgleich sie ihre Jungen in unserer Gewalt wute, wagte nicht mich anzugreifen, sondern sa, in wilder Wuth den thonigen Boden vor ihr mit den scharfen Krallen zerhauend, auf ihrem Hintertheil und schnappte in ohnmchtiger Wuth mit dem Gefnge, bis sie die zweite, tdtliche Kugel erhielt. Hat der Br in einem Baum seine Zuflucht gekommen und wird er vom Jger aufgefunden, was dieser aus den freilich nicht sehr deutlichen Zeichen in der Rinde erkennen mu, so ist sein Loos allerdings kein sehr beneidenswerthes. Entweder wird der Baum umgehauen und Petz auf diese Art in seiner besten Ruhe gestrt und durch den Sturz betubt, wenn er endlich schlaftrunken emportaumelt, von dem ihn Erwartenden mit einer Kugel und von einer Meute Hunde empfangen, von denen er sich gewhnlich gar keine Idee machen kann, wie sie alle da so geschwind hingekommen sind; oder er wird mit Rauch von unten heraus getrieben, was ihm hchst fatal ist, so da er gewhnlich brummend seinen bisherigen Ruheort verlassen will, bis ihn auch hier, sobald er sich oben an der ffnung zeigt, eine todtbringende Kugel empfngt. -- Am schnellsten und komischesten ist das Heraustreiben desselben mit einem Feuerbrand; denn wenn die Hhlung des Baumes nicht bis an die Wurzel geht, da also der Rauch auch nicht zu dem Schlafenden hinauf dringen kann, so mu, im Fall die Jger keine Axt mit haben und der Baum zu stark ist, um ihn mit den kleineren Tomahawks umzuhacken, Einer von diesen mit einem Feuerbrand hinauf klettern, den er dann oben in die Hhlung und dadurch gewhnlich dem Bren auf den Pelz wirft; kaum sprt Petz aber die Glut, als er voller Entsetzen in die Hhe fhrt und oft den Erdboden viel frher als der gewi nicht zgernde Jger erreicht. Da er sich von dem Baum herunter strzt, ist eine Fabel; er behlt diesen zwischen den Branten und gleitet gewissermaen daran nieder, aber so schnell, da er kaum den Stamm zu berhren scheint, und wie ein schwarzer Blitzstrahl zwischen die ihn unten erwartenden Hunde hineinfhrt; thun diese dann aber nur im mindesten ihre Schuldigkeit, so darf er nicht entkommen, denn, noch halb im Schlafe, hat er weder sein volles Bewutsein noch seine vollen Krfte, und wird leicht von ihnen gestellt und dem herbeieilenden Jger zur Beute. Ist der Br in jagdbarer Zeit, um Nutzen von ihm zu ziehen und nicht des Schadens wegen, den er thut, erlegt, so wird er gleich an Ort und Stelle abgestreift, abfliet und dann zerlegt. Das Abflieen nennt man das Ablsen des Fliees (der Speckseiten), die dann in das Innere des Felles eingeschlagen und auf eins der Pferde befestigt werden; das Wildpret wird nachher ebenfalls zusammen gebunden und, auf dem Rcken der Lastthiere hngend, mit fortgenommen. Sind aber die Jger in einem greren Lager und haben sie einen Kessel zum Fettauslassen mitgenommen, dann wird diese Arbeit gleich im Walde vorgenommen und das ausgeschmolzene Wildpret bekommen nachher die Hunde, die besseren Stcken behalten natrlich die Jger zu ihren eigenen Mahlzeiten. Das Beste am Bren sind die Federn,[4] und eine recht fette Wand, auf zwei Hlzern am Feuer gerstet; das herunter trufelnde Fett nachher mit dem trockenen Bruststck des Truthahns aufgefangen und das Ganze mit einem heien Becher starken Kaffees hinunter gesplt -- beim Schreiben luft mir schon, bei der bloen Erinnerung, das Wasser im Munde zusammen. 4: Fr den Nicht-Jger Rippen. Das sind brigens die Lichtseiten der Brenjagd -- die Schattenseiten aber schauen viel dsterer d'rein. -- Wochenlang in Sturm und Regen den Wald durchzogen, Jger und Hunde halb verhungert -- (denn ist man einmal ausgegangen, um Bren zu schieen, so lt man sich nicht gern mit geringerem Wild ein.) -- Alle zu Tode erschpft und immer noch keine warme Fhrte -- endlich werden die Hunde lebendig, sie wittern den Feind, sie wissen, da ihrer, mit dessen Erlegung, Ruhe und Strkung wartet; sie strengen ihre letzten Krfte an und fort geht die Jagd, ber Stock und Stein -- sie berholen ihn, werfen sich in blinder Wuth auf ihn -- aber der Jger hat durch die Dickichte oder steilen Schluchten nicht so schnell mit seinem Pferde folgen knnen; der Br, ein alter erfahrener Bursche, -- nicht gerade mager, aber doch nur feist genug, um tchtig laufen zu knnen, schlgt die Hunde zurck, tdtet drei oder vier, verkrppelt andere und ist, wenn trbe Dmmerung den rasch nahenden Abend verkndet, fern von aller Gefahr und von der fr ihn sorgsam aufgesparten Kugel unerreicht, -- das sind Schatten-, das sind Nachtseiten, die leider nur zu oft vorkommen. Am Lagerfeuer herrscht dann sehr ble Laune, und den nchsten Tag ist der Jger uerst zufrieden, wenn er nur noch so glcklich ist, einen Hirsch zu erlegen, um mit seinen brigen Hunden, wieder eine Mahlzeit halten zu knnen. -- Der Br, obgleich zu den Raubthieren gehrig, nhrt sich doch nur, ausgenommen im uersten Nothfall, von Frchten und Insekten, und greift nur im Sommer, wo er seine Nahrung zu sparsam zusammen suchen mu, Schweine und fast _nur_ Schweine an, zwischen denen er dann freilich oft recht arge Verwstung anrichtet. Hauptschlich lebt er von Eicheln, anderen Waldfrchten und Beeren, und wird in fruchtbaren Jahren oft so feist, da er fnf bis sechs Zoll Feist ansetzt. Ein ordentliches Brenmesser darf daher auch eigentlich nicht weniger als 9 Zoll in der Klinge haben, wenn es in allen Fllen gerecht sein soll. Zu dem jagdbaren Wilde Nordamerika's gehren auch einige Raubthiere, die eine zu wichtige Rolle im Walde spielen, um ganz unerwhnt zu bleiben. Der _Panther_ mu mit Recht an die Spitze kommen, denn er ist der strkste und gefhrlichste Gegner des Menschen, und auch wohl das einzige Raubthier in dem weiten Urwald, das der Jger zu frchten hat, da es Nachts die Lager umschleicht und in manchen, aber doch sehr seltenen Fllen schon dem sorglos Schlummernden gefhrlich geworden ist. Heerden und Schweine und Klber, Fohlen, und selbst erwachsene Pferde fallen seinem Blutdurst. Hauptschlich nhrt er sich jedoch von Hirschen und kleinerem Wild, beschleicht Nachts die Salzlecken oder lauert, im Laub der Bume versteckt, auf die ruhig darunter hin senden. Von den Hunden gehetzt, bumt er am Tage sehr leicht auf, Abends und Nachts aber verlt er sich lieber auf seine Gewandtheit und List, bringt die Hunde durch falsche Sprnge von der Fhrte ab und entgeht ihnen meistens. Er wird etwa so gro wie ein tchtiger Fleischerhund, ist ziemlich von der Farbe des Rothwildes und frbt, wie dieses, im Winter; sein Fell hat keinen groen Werth und die Jagd auf ihn wird daher auch nicht, wenn er sich nur irgend entfernt von den Ansiedelungen hlt, besonders lebhaft betrieben. Sonderbar ist es, wird aber allgemein behauptet, da er, so scheu er auch am Tage den Menschen flieht, mit wilder Blutgier schwangere Frauen anfalle und zerreie. Der _Wolf_ steht dem europischen an Gre bedeutend nach, lebt aber wie dieser in Rudeln zusammen und geht gemeinschaftlich auf Raub aus; doch nur frchterlicher Hunger knnte ihn dazu zwingen, einen Menschen anzugreifen, denn er ist feig und flieht bei dem leisesten Gerusch. Im Mai wirft die Wlfin 3-6 Junge, unter denen, wie die Sage geht, jedesmal ein Wolfshund sein soll, der spter der grimmigste Feind der Wlfe wird. -- Diesen nun aufzufinden, fhrt die Wlfin die Jungen, sobald sie laufen knnen, an ein Wasser, um sie zu trnken. Hier verrth sich der Wolfshund, der nach Hundeart _leckt_, whrend die wirklichen, chten und treuen Wlfe _saufen_, und augenblicklich wird der junge, bis dato noch unschuldige Verrther, zu Tode gebissen. Nicht so schlau als der unsere, fngt man ihn hufig in Fallen, die gemeiniglich aus einem, aus schweren rohen Baumstmmen zusammengefgten Kasten bestehen, in dem zuerst, ehe er ganz beendigt ist, das Gescheide eines Hirsches oder anbrchiges Fleisch geworfen wird, das er sich gemeiniglich bald holt, dann auch spter den aufgerichteten Deckel nicht scheut und sich pltzlich gefangen sieht. Da er, in Fuchsfallen oder Ottereisen erhascht, gewhnlich den fest gehaltenen Lauf abbeit, so lt der amerikanische Jger die Falle unbefestigt stehen, hat aber eine drei bis vier Fu lange, schwache Kette daran, an der ein vierhakiges Eisen hngt; dieses fat berall, wenn der Wolf mit der Falle zu entfliehen sucht, hinter Bsche und Wurzeln, wird aber stets wieder von dem darin Sitzenden losgemacht, der sogar schon den Haken in's Gesnge genommen und zu entziehen versucht hat; aber nie greift er zum uersten Mittel, sich den Lauf abzubeien, so lange er noch eine Hoffnung auf Entkommen hat und wird nachher leicht mit dem Hunde ausgemacht. In Canada hrte ich von sehr vielen Farmern, da sein Bi, selbst bei einer leichten Verwundung, tdtlich sein solle; das ist aber wohl nur Fabel. Thatsache ist es brigens, da Jahre vergingen, ehe sich die Wlfe an die dortigen Landgter hinanwagten, als zuerst auf ihnen -- Schafe aus Europa eingefhrt wurden. -- Sie kannten die rauhen wolligen Thiere nicht und frchteten sie ungemein -- wie sie aber erst einmal, durch Zufall oder peinlichen Hunger getrieben, den Geschmack derselben weg bekamen und sie als harmlose, nicht gefhrliche Geschpfe kennen lernten, rumten sie frchterlich zwischen ihnen auf. In seiner Naturgeschichte hnelt er sonst den europischen Wolfe in allen Stcken, nur ist er bedeutend kleiner und schwcher als dieser. -- Der graue oder Prairiewolf ist eine Abart, sieht hellgrau aus, ist noch kleiner und furchtsamer als der schwarze, und lebt meistentheils in den Steppen. Der _Fuchs_. Es wre nicht halbrecht, Reinecken auszulassen, wo von Wild die Rede ist, obgleich er in Amerika eine ziemlich untergeordnete Rolle spielt. Erstlich ist er bedeutend kleiner als der unsere, giebt ihm aber wohl kaum an Schlauheit nach und wei tausend Mittel und Wege, die Hunde von seiner Spur abzubringen. Eine Eigenthmlichkeit hat er brigens vor dem europischen voraus -- er bumt auf, was fast unglaublich klingt; ich selbst wollte aber auch meinen Augen nicht trauen, als ich zum ersten Male den Hunden zueilte, deren wildes Bellen und Klaffen zeigte, da sie ihn gestellt oder, wie ich damals glaubte, in seinen Bau gejagt hatten; ich wute jedoch wahrlich kaum, was ich sagen sollte, als ich den rothen Schelm ganz gemthlich in einem jungen Baum, etwa 12 Fu von der Erde, erblickte, wo er sich in die ersten auszweigenden ste eingeklemmt hatte und, vor den Hunden wenigstens, geschtzt war; er schnitt aber ein Gesicht wie eine Katze, die beim Milchnaschen ertappt wird, als er mich kommen sah, denn an Fliehen war nicht mehr zu denken, da zwlf rstige Hunde den kleinen Baum umtobten. In Amerika bumt brigens fast alles Wild auf, Bffel, Hirsche und Wlfe ausgenommen; selbst die Kaninchen kriechen wenigstens inwendig in hohlen Bumen hinauf und die Rebhhner, vom Hunde verfolgt, fallen fast stets in die Bume ein; es ist einmal die Natur des Wildes dort, in dem ungeheueren Wald auch die Bume zum Zufluchtsort zu whlen. Der Fuchs lebt brigens in hohlen Bumen, kann aber nicht etwa klettern, sondern wirft sich nur, in uerster Noth mit Springen und Anklammern, zwischen die niederen ste eines jungen Stammes und bleibt da eingeklammert sitzen. Den Schlu mgen zwei chte Amerikaner machen, der Waschbr (=racoon=) und das Opossum oder die Beutelratze. Der Waschbr, dessen Fell unter dem Namen Schuppen eine bedeutende Rolle auf den deutschen und russischen Mrkten spielt, findet sich, besonders in den sumpfigen Thallndern des Mississippi und anderer groen Strme, in ungeheuerer Menge, und wird dort an Ort und Stelle wenig oder gar nicht geachtet. Die Krmer bezahlen sein Fell in jener Gegend mit etwa vier guten Groschen. Der Waschbr ist brigens an und fr sich ein sehr liebes, possirliches Geschpf, und hnelt, obgleich er nie grer als ein starker Dachshund wird, in sehr vielen Stcken dem Br, zu dem er auch, dem Geschlechte nach, gehrt. Er lebt von Beeren, Waldfrchten und Insekten, und liegt, wenn ruhend, in der nmlichen Stellung wie sein vierschrtigerer Vetter. Den Namen _Waschbr_ hat er mehr von seiner Neigung zu nassen Nahrungsmitteln als wegen seiner Reinlichkeit, denn das, was die Leute bei ihm _waschen_ nennen, ist doch nichts mehr als ein Anfeuchten seines Fraes. Er kann leicht gezhmt und zu allen mglichen Kunststcken abgerichtet werden; sein Fleisch ist dabei delikat und hat sehr viel hnlichkeit mit dem Brenwildpret, nur da es nicht wie dieses, wenn es anbrchig wird, leichenhnlich, sondern wie anderes Wildpret riecht. Das Weibchen wirft 3-5 Junge und thut im Sommer den Maisfeldern ungeheueren Schaden, weshalb ihm auch die Landleute schon aus diesem Grunde sehr nachstellen. Sein Fell ist grau und sein buschiger Schwanz mit schwarz und gelben Ringen umzogen. Im Winter wird er mit Hunden gehetzt und zu Baume gejagt. Das _Opossum_, oder die Beutelratze, steht an Gre dem Waschbren kaum nach, sieht aber ganz grau und ratzenartig aus und hat, wenn man es an einem regnerischen Tage durch den Wald trollen sieht, in der That die wirkliche Gestalt einer kolossalen Ratze, die ber irgend etwas sehr erschrocken und bla geworden ist. Besonders geben ihm der kahle, dicke Schwanz, wie die fingerartigen Krallen, ein auerordentlich widerliches Ansehen. uerst komisch aber schaut es drein, wenn man ihm im Wald pltzlich begegnet und dicht zu ihm hinan geht. Zusammenfahrend legt es sich dann halb auf die Seite und ngstlich, mit weit aufgerissenem scharfen Gefnge, in die Hhe blickend, zieht es die Lefzen so weit zurck, da es gerade so aussieht, als ob es den Strer seiner Ruhe angrinze und sich unendlich ber seinen Besuch freue; es macht dann auch nicht den mindesten Versuch zu entgehen, und lt sich nur mit einiger angewandten Vorsicht, wobei man sich besonders nicht so schnell nach ihm hinunter bcken darf, sogar hinter dem Gehr kratzen, was ich oft versucht habe, denn es hat keinesweges einen bissigen und bsartigen Charakter; schlgt man es aber mit einem Stocke, und sei es noch so leise, oder sieht es mehre Hunde (_einem stellt es sich_) kommen, so fllt es auf einmal um und ist anscheinend todt. Diese mgen es nachher beien, da ihm die Rippen krachen -- der Jger mag es in die Hhe nehmen und wieder hinwerfen -- es ist todt und rhrt sich nicht, und erst im wirklichen Todeszucken oder in tiefes Wasser geworfen, wo es seine Rolle vergit und schnell zu schwimmen anfngt, zeigt es Bewegung. Dieses kleine Thier beweist dabei, whrend der frchterlichsten Qualen, die es doch nothwendiger Weise unter den wthenden Bissen der Hunde ausstehen mu, selbst noch im Tode eine solch merkwrdige Geistesstrke, mit der es das Schlimmste ertrgt und nicht zuckt, ja selbst keinen Laut von sich giebt -- da ich mich spter, als ich seine Eigenthmlichkeiten recht kennen lernte, nie mehr entschlieen konnte, eins _umzubringen_, denn unter diesen Verhltnissen erschien es mir ein wirklicher Mord. uerst komisch sieht es aber aus, wenn man es hinter einem Baume vor beobachtet, wie es aus seinem anscheinenden Tode wieder erwacht. Zuerst, wenn Alles ruhig und still ist, und es sich fest berzeugt glaubt, da sein Feind den Platz verlassen hat, ffnet es leise die kleinen Lichter und ugt -- so wenig als mglich den Kopf dabei bewegend, berall umher; kann es nichts weiter ersphen, so streckt es behutsam die winzigen Lauscher vor und horcht -- Alles ruhig; jetzt hebt es den Kopf, blinzt rings im Kreise umher, liegt noch ein Weilchen ganz ruhig, wo es beim geringsten Gerusch wieder in seine vorige Stellung und Leblosigkeit zurcksinkt, und richtet sich zuletzt, wenn es den Frieden vllig wieder hergestellt glaubt, auf und trollt ab. Wird es verfolgt und kann in der Geschwindigkeit einen Baum erreichen, so bumt es auch auf, wobei es mit ungemeiner Gewandtheit klettert, doch benutzt es, um an starken Bumen emporzuklimmen, gewhnlich die herunter hngenden, wilden Weinreben. Sein Fleisch, das zart und schn aussieht, wird von Vielen leidenschaftlich gegessen, die dann behaupten, es schmecke wie junge Ferkel; ich konnte aber nie meinen Ekel vor seiner hlichen Gestalt so weit berwinden, davon zu kosten. Seine nackten Jungen trgt es, wie das Knguruh, nach der Geburt noch eine lange Zeit in einem sich unter dem Bauche befindenden Beutel umher; in den sie sich auch, wenn sie schon herumlaufen knnen, bei jeder nahenden Gefahr hineinflchten. Das ist etwa der Urwald mit seinen Bewohnern, der nun freilich noch durch unzhlige kleinere Vgel belebt wird. Schaaren von Tauben und kleinen Papageien durchschwrmen die Luft, und im Herbst und Frhjahr fllen unzhlige Vlker von wilden Enten und Gnsen die flieenden Wasser und einsamen Waldseen des gewaltigen Reiches, deren Jagd besonders in den sdlichen Staaten, in Louisiana, wo sie, aus dem hohen Norden kommend, berwintern, uerst interessant ist. Louisiana kann ich aber nicht erwhnen, ohne der Schnepfenjagd dabei zu gedenken, die ich dort von Anfang Februar bis Mitte Mrz getrieben. Fast frchte ich jedoch hier in Deutschland, wo die Schnepfe eigentlich zu den Seltenheiten gehrt, keinen Glauben zu finden, wenn ich die Zahl angebe, die ich jede und jede Nacht erlegt habe; ich will aber die Sache erzhlen, wie sie wirklich ist, und derjenige, welcher je die Ufer des Mississippi nach mir betritt und in dem flachen Lande, das an seinen Ufern, zwischen diesen und den weiter zurckliegenden Smpfen liegt, jagt, wird finden, da ich nicht bertrieben habe, denn jene Massen knnen nicht vernichtet werden. Die ungeheueren Schilf- und Sumpfdickichte dienen der amerikanischen Waldschnepfe und Becassine den Tag ber, zum Aufenthalt, und mit Dunkelwerden, wie bei uns, streichen sie in die offen liegenden nassen Wiesen und Baumwollenfelder. Nun knnte man sich zwar anstellen und sie auf dem Strich schieen, denn _Tausende_ schwrmen aus den schtzenden Bschen in's Freie; die Bume sind aber dazu zu hoch und eine viel bequemere, Kraut und Blei sparende Jagd betreibt der Creole dort, zu dessen Lieblingsgerichten die Schnepfe gehrt. Auf hnliche Art habe auch ich _jede_ Nacht -- ber sechs Wochen hinter einander, gejagt, wobei ich selten und nur dann, wenn das Wetter ungnstig war, nach zweistndigem Umherwandern weniger als zwlf bis achtzehn Schnepfen hatte. Die Schnepfe wird aber hier, wie der Hirsch im Walde, bei Fackellicht geschossen. Mit eben solcher Pfanne versehen, wie ich sie fr die Feuerjagd des Rothwildes beschrieben habe, betritt der Jger Abends nach Dunkelwerden, wenn der Wind nicht zu stark blst und der Mond nicht zu hell scheint, die feuchten Wiesen. Ein Sack mit feingespaltenem Kienholz hngt an seiner Seite oder wird besser von einem ihm dicht folgenden Begleiter nachgetragen, der dann auch das Wiederauflegen des herunter gebrannten Kiens besorgen mu, um stets eine recht helle, lebhafte Flamme zu unterhalten, und jetzt, in der rechten Hand die leichte Doppelflinte, in deren Rohren sich nur eine Viertelladung befindet, um die kleine Schnepfe (sie sind bedeutend kleiner als bei uns, den deutschen sonst aber ziemlich hnlich) nicht zu sehr zu zerschieen, wandert der Jger leise und hchst aufmerksam, das kurze Gras der Wiesen berschauend, an kleinen, feuchten Grben und nassen sumpfigen Stellen entlang. Auf dreiig Schritt schon kann er, wenn er eine recht gute Flamme fhrt, die Schnepfe erkennen, die, entweder das Feuer gar nicht beachtend, sorglos weiter luft und den langen Schnabel in den weichen Erdboden hineindrckt, oder mit auf den Rcken gelegtem Kopf, den Schnabel vor sich hinausstreckend, stehen bleibt und den Herankommenden ruhig erwartet. Auf zehn bis zwlf Schritt habe ich gewhnlich geschossen und natrlich nur selten gefehlt, was aber dennoch manchmal vorfllt, da das Feuer oft auf dem hellen Lauf, den man bei einer Schrotflinte bersehen mu, blendet, und man beim Abdrcken schon hinan zu sein glaubt, die Schnepfe aber dennoch unterschiet. Durch den Schu oder auch durch den ihr zu nahe auf den Leib rckenden Jger aufgescheucht, steigt sie mit schwirrendem Laute gerade in die Hhe, fllt aber auch augenblicklich in einem kleinen Bogen und fast stets noch im Bereich des Feuerscheins wieder ein, und kann schnell auf's Neue gefunden werden. So wenig scheut sie die Flamme, da viele Neger, deren Herr ihnen nicht erlaubt, eine Flinte zu fhren, Nachts mit der Fackel und lang abgeschnittenen Zweigen hinausgehen und sie zu Boden schlagen. In der einen Ansiedelung, =Pointe Coupe= am Mississippi, die sich etwa zwei englische Meilen in das Land erstreckt und zwei und zwanzig englische Meilen am Flu hindehnt, werden doch in jedem Jahre, (d. h. in den sechs Wochen, denn im Herbst lt sie sich nicht in den Wiesen sehen) wenigstens 10,000 Schnepfen und Becassinen erlegt und theils nach New-Orleans und in die kleinen Stdte auf den Markt gebracht, theils selbst verzehrt. Bei dieser Nachtjagd, zwischen den zahlreichen Lagunen der Niederung umher, scho ich denn auch sehr hufig dort eingefallene Enten, ja einmal selbst eine wilde Gans, fr die ich jedoch besonders laden mute; auch Kaninchen und Rebhhner, die man in den Baumwollenfeldern auftreibt, halten, und ich glaube gewi, da man eben dieselbe Jagd hier in Deutschland, wenigstens auf Enten und Hhner, betreiben knnte; denn Schnepfen sind doch dazu zu selten; -- es kommt natrlich nur einmal auf einen Versuch an. Die Bewaffnung eines Brenjgers in Arkansas, der sich nicht fortwhrend in drei und vier Meilen um sein Haus herum treibt, sondern lngere Zge in die Waldung unternimmt und oft wochenlang keine Wohnung, auer der, die er sich selber aus Rindenstcken aufbaut, zu sehen bekommt, ist etwa die folgende. Eine gute einlufige Bchse und ein Brenmesser -- etwa 9 Zoll lang in der Klinge und zwei und einen halben breit, mit der gehrigen Schwere, um nicht allein kleine Lagerstangen, sondern auch beim Zerlegen des Wildes das Schlo ohne Mhe durchschlagen zu knnen, dazu ein kleineres, kurzes Messer (Scalpirmesser) ausschlielich fr das Zerwirken und Essen bestimmt und dann ein Tomahawk (indianisches Beil) im Grtel, um im Nothfall strkere Bume umhauen, Kienholz spalten und ein tchtiges Lager bauen zu knnen, ist Alles, was er als Vertheidigungs- und Angriffswaffen bei sich fhrt; zu seiner Bequemlichkeit trgt er aber noch eine wollene Decke zusammengerollt auf dem Rcken, und einen Blechbecher an einem Henkel im Grtel, um in diesem Abends, wenn er seine Decke aufgespannt oder ein Rindendach erbaut hat, etwas von dem gebrannten Kaffee, den er in einem ledernen Sckchen in die Decke gewickelt mit sich fhrt, erst mit dem Stiel seines Tomahawks im Becher zu stoen und dann in diesem zu kochen. Die Bekleidung besteht fast ganz aus Leder, was die Unzahl von dornigen Schlingpflanzen, die berall den Wald durchziehen, nthig machen. Ein ordentlicher Jger mu aber nicht allein sein eigener Schneider und Schuster sein, sondern er gerbt auch die Hute, die er verwenden will, selber, und nur dann kann er sich in jenen gewaltigen Wldern unabhngig fhlen, wenn er aus sich selbst sich zu erhalten, zu nhren und zu bekleiden vermag. Doch ich bin weitlufiger geworden, als im Anfang meine Absicht war, und mu schlieen, um nicht zu breit und dadurch langweilig zu werden, glaube aber in dieser kleinen Skizze einen ungefhren Umri von der nordamerikanischen Jagd, wie ich sie durch sechsjhrige Erfahrung und fast vierjhrigen, ununterbrochenen, praktischen Betrieb kennen gelernt, gegeben zu haben. Die Jagd ist jedoch in den endlosen, wilden Wldern des noch neuen Landes kein Vergngen mehr, das man sich zur Erholung gestattet, sondern es ist eine Arbeit, die, weil man einmal darin ist und leben mu, vollzogen sein will, verliert daher vieles von ihrer Annehmlichkeit. Dabei verringert sich, durch das rcksichtslose Jagen, das Wild mit jedem Jahre, die Mhe wird daher immer grer, der Erfolg immer weniger belohnend; dennoch aber ist's ein eigenes herrliches Gefhl, ganz so auf sich und seine eigene Kraft angewiesen zu sein und frei, ungehindert wie der Vogel in der Luft, den Wald durchziehen zu knnen. Hat dann der einsame Jger Abends sein Feuer angezndet, sein schnell errichtetes Dach ber sich ausgespannt, so ist er auch zu Hause, denn der Wald ist ja seine Heimath und jedes dichte Laubdach seine Schlafkammer. Wer freilich mit der Idee nach Amerika geht, dort Geld zu verdienen, ja der soll um Gottes willen die Flinte an den Haken hngen, denn wenn er auch hren mag, da die Gallone Brenfett 1-1/2 Dollar gilt und ein recht tchtiger, feister Bursche oft funfzehn, ja zwanzig Gallonen mit sich trgt, so ist das Alles recht schn und gut -- er trgt sie eben mit sich und der Jger kann ihn vielleicht -- wenn er rechtes Glck hat -- nach Monate langer Jagd auffinden und erlegen, und dann ist er gewhnlich immer in einer Gegend, wo er vor allen Dingen, wenn er das Fett wirklich auslassen kann, dieses in erst gemachte Hirschhautschluche fllen und dann noch, wer wei wie weit, zum Verkaufe transportiren mu; Hirschdecken gelten im Sommer kaum acht bis zwlf gute Groschen -- das Wildpret hat fast gar keinen Werth. Nein, zu verdienen ist nichts auf der Jagd; wer jedoch einmal ein Paar Jahre seines Lebens dran wenden will, nun dem bleibt in spteren Zeiten wenigstens die Erinnerung. Es ist aber auch recht so, denn wollte man das edle Waidwerk nur um schnden Gewinnstes willen treiben, wie im Norden und Westen Amerika's die groen Pelzcompagnieen thun, so wrde es zum schndlichsten Morden herabgewrdigt und verlre all das Schne und Mnnliche, das ihm jetzt solch unendlichen Reiz verleiht. -- Doch genug hiervon; ich habe aus meinem Leben, nicht wie ich es von Anderen erzhlen gehrt oder in Bchern gelesen, sondern wie ich es selbst erfahren und beobachtet, das beschrieben, was in den Urwldern Nordamerika's innerhalb der vereinigten Staaten lebt und gejagt wird, und bin ich ein wenig weitlufiger dabei geworden, als es Manchem recht erscheint, so mag er bedenken, da ein Jger, der von seinen erlebten Jagden erzhlt, selten das Ende finden kann. Curtis Brautfahrt An dem kleinen Flchen Fourche la fave, das sich dreiig Meilen berhalb Little Rock in den Arkansas ergiet, lebte im Jahre 1841 ein Mann Namens Jeremias Curtis. Er war noch, wie er selber sagte, in den besten Jahren, etwa zwischen sechs und dreiig und vierzig, und hatte erst vor zwei Jahren seine Frau an einem hitzigen Fieber verloren, was Wunder also, wenn es ihn mit dem erwachenden Frhling ebenfalls trieb, die heiligen Bande der Ehe auf's Neue zu knpfen, da noch berdies drei unerzogene Kinder von vier, sechs und sieben Jahren ihn mahnten, da sie der Mutterpflege bedrfen. Zur Wartung der Kleinen, wie zur Besorgung der Wirthschaft, lebte indessen eine entfernte Verwandte, ein armes, aber braves und auch wirklich recht hbsches Mdchen, Namens Nancy, in seinem Hause, und schon mehrmals war ihm der Gedanke durch den Kopf gefahren, dieses zu heirathen und dadurch jeder weiteren Sorge berhoben zu sein. Jeremias Curtius war aber ein Mann, der nicht blos fr die Gegenwart lebte, sondern auch hinaus in die Zukunft schaute, und da glaubte er denn vernnftiger und zweckmiger zu handeln, wenn er sich eine Frau whle, die ihm nicht allein sich selbst, sondern auch noch eine kleine Aussteuer zufhre, auf da er seine irdischen Gter, wenn er auch keinen Reichthum begehrte, doch um ein Weniges vermehren knne. Zwar bedurfte er dessen nicht (wie er sich selbst vor seiner Hausthr auf- und abgehend, herzhlte), er hatte, was er brauchte im berflu; hier stand ein recht wohnliches Blockhaus, 18 bis 20 Fu, wasserdicht gedeckt (die nordwestliche Ecke ausgenommen, wo es hineinregnen _wollte_, er mochte auch thun was in seinen Krften stand) mit einem guten Boden gelegt; daneben eine kleine Kche und ein Rauchhaus mit Massen von Fleisch; dabei neun Acker urbar gemachtes und eingefenztes Land, und dicht daneben noch ein kleines Eckchen fr Rben angefangen; zwei ausgezeichnet gute Pferde; sieben und dreiig Stck Rindvieh, gro und klein (und die viere eingerechnet, die ihm im vorigen Frhjahr in die Arkansas Rohrbrche gegangen und noch nicht wieder gekommen waren); einige vierzig Schweine (oder nur neun und dreiig, wenn das _seine_ Sau gewesen, die der Br in letzter Nacht gefressen); eine vorzgliche Stahlmhle; vier Hemden, fnf paar Socken und drei paar Beinkleider (zwei fr den Sonntag und noch ganz neu); einen Frack von Kenntucky Jeannet[5], die beste Bchse im ganzen Revier, fnf Hunde, und -- die Hauptsache, einen kleinen Negerjungen von circa neun Jahren, wie hundert und fnfzig Dollar in baarem, harten Gelde -- _harten Gelde_! 5: Ein grobes wollenes, meist selbstgewebtes Zeug. Curtius wiederholte besonders die letzten Worte verschiedene Male _hartem Gelde_ -- keines von Euerem lumpigen Arkansas-Papier-Geld -- Arkansas-Real-Estate -- 72 pro Cent Discount -- Puh! Aber Mr. Curtis, was haben Sie denn nur heute vor? Sie wollen wohl bei der nchsten Wahl eine Rede halten? frug Nancy, die schon seit mehreren Minuten in der Thr gestanden und ihm leise kichernd zugeschaut hatte, wie er mit gewaltigen Schritten am Ufer des kleinen, vor seinem Hause vorbeiflieenden Baches auf und abging, und lebhaft dazu mit den Hnden gestikulirte. Hat der Braune gefressen? frug aber Mr. Curtis dagegen, indem er stehen blieb und sich nach seiner Haushlterin umsah, ohne die lchelnde Bemerkung weiter einer Antwort zu wrdigen. Vierzehn Kolben Mais habe ich ihm gegeben, erwiederte Nancy, und Bob ist bei ihm stehn geblieben, die Hhner vom Troge zu scheuchen; ich kann brigens noch einmal hingehn und zusehn, ob er fertig ist und mehr verlangt. Dabei sprang sie leicht ber die dem Hause als Stufen dienenden Kltze hinweg, und hpfte mit frhlichen Schritten dem Futterkasten zu, wo das Pferd, ein schnes, braunes Thier, die schon abgenagten Kolben, die sogenannten _Kobs_, zerkaute, und ungeduldig mit dem Vorderfue den Boden scharrte. Nun Bill, bist du noch hungrig? frug das Mdchen, ihm dabei freundlich den Hals klopfend, whrend Bill, dem die schmeichelnde Hand der Pflegerin zu behagen schien, nur strker scharrte und mit dem schnen Kopfe auf- und niederfuhr -- nun warte -- ich hole dir noch ein paar Kolben und damit wandte sie sich dem Hause wieder zu, wobei der Braune, ihre Absicht wahrscheinlich ahnend und als Zeichen freudiger Beistimmung, hellauf wieherte. Curtis hatte der schlanken, behenden Gestalt des hbschen Kindes mit wohlgeflligem Blicke nachgeschaut, aber ein ernstes, bedeutsames Kopfschtteln verrieth doch, da er seine ganz absonderliche Bedenken dabei haben mute, und auf's Neue trat er seinen, kaum unterbrochenen Spaziergang an, wiederum vor sich hinmurmelnd einen kleinen, neunjhrigen Neger und hundert fnfzig harte Dollars -- harte, silberne Dollars. Gieb ihm nichts mehr zu fressen, Nancy, rief er da pltzlich, als er zum Hause aufblickte und Nancy mit dem nachtrglichen und dem Braunen extra versprochenen Mais aus der Thre treten sah -- ich will fortreiten -- hol' mir einmal die Decke aus dem Rauchhaus -- und reich' mir den Zgel heraus -- er liegt unter meinem Bett. Nancy that wie ihr befohlen, und bald darauf hatte Jeremias Curtis seinem keineswegs ganz damit einverstandenen Pferde den Zgel an und den Sattel aufgelegt, schnallte sich dann einen uerst blank gescheuerten Sporn an den linken Fu, fuhr einige Male mit dem Ellenbogen ber den etwas abgetragenen Biber, und schien bei dieser Beschftigung wieder in tiefes, tiefes Nachdenken zu versinken. Pltzlich aber mute ein groer Entschlu in seiner Seele gereift sein, denn mit gewaltiger Energie drckte er sich den Hut -- fast etwas zu tief -- in die Stirn, schwang sich in den Sattel, trabte bis vor die Hausthr, und blieb hier halten, wo er Nancy, die ihn verwundert betrachtete, genau fixirte. Nancy, sagte er endlich -- ich will ausreiten. Und in Ihren Geh-zur-Kirche-Kleidern? Ja Nancy, und -- wenn ich vielleicht -- es knnte sein, da ich -- ich setze den Fall ich kme -- nun Nancy, brach er kurz ab, rume das Haus hbsch auf und kehre Alles fein sauber ab; -- wir -- wir bekommen vielleicht -- Besuch! und dem Thiere den linken Hacken einbohrend, setzte er ber den Bach, und trabte schnell die am Flu hinauffhrende Strae, am Fu der mit Kiefern bedeckten Hgel, fort. Nancy schaute ihm, bis er hinter den Bumen verschwunden war, lchelnd und kopfschttelnd nach, dann aber drehte sie sich lachend auf dem Absatz herum, und schmunzelte, in das Haus zurcktretend: Nun wenn _der_ nicht Freiersgedanken im Kopfe hat, dann will ich nicht Nancy heien. Viel Glck, Mr. Curtis, viel Glck! Neugierig bin ich aber doch, wo er hinreitet; dort oben wohnen zwar viele Mdchen, am Flu hinauf -- sollte er wohl nach Trumbells? die haben zwei Tchter -- ih -- lachte sie kurz abbrechend und ihre Arbeit am Baumwollen-Spinnrad wieder beginnend -- ich werd's schon erfahren; morgen fhrt er ja wahrscheinlich seine Auserwhlte heim. Jeremias Curtis ritt indessen mit leichtem, frhlichem Herzen die Strae entlang, und stimmte endlich, in einem Ausbruch seiner nicht mehr zu bndigenden und zurckzuhaltenden Gefhle, eine weit hinausschallende Hymne an, so da mehrere Hirsche, die friedlich an der Strae get, entsetzt und mit mchtigen Sprngen in's Dickicht flohen. Wenig aber kmmerte dies den Freiersmann; er war Einer von den Menschen, die sich Monate, Jahre lang mit einem Plan oder Entschlu herumqulen knnen, ohne ihn zur Reife oder Ausfhrung zu bringen, die aber, nur erst einmal mit sich selbst im Klaren, ruhig in die Zukunft hinaussehen und den lieben Gott fr das weitere sorgen lassen. Im besten Mannesalter, sah er -- Nancy hatte ihm das selbst mehr als einmal versichert -- gar nicht so bel aus; besonders wenn er Sonntags seine reinen Sachen angezogen. Nun wollte ihm zwar seine bergroe Bescheidenheit den Einwurf machen, da ihn Nancy mit ein wenig zu partheiischen Augen betrachte, dann aber blickte er links am Pferd hinunter auf seine stattlichen, wohlproportionirten Gliedmassen, dann wieder rechts, nickte dazu lchelnd mit dem Kopf, murmelte einen kleinen Neger und hundert und fnfzig Dollars in baarem, harten harten Geld, und begann mit lauterer, strkerer, ja recht herzfreudiger Stimme den geistlichen Gesang auf's Neue. Mehrere Stunden mochte er also in der reinen, klaren Frhlingsluft fortgetrabt sein, als ihm aus der Ferne das helle Dach eines Blockhauses entgegenschimmerte, und er sich dem Ziele seiner Wanderung nherte; anstatt aber dem Pferde den Sporn einzudrcken, und im frhlich khnen Galopp vor die Thr der Auserwhlten zu sprengen, ritt er langsam seitwrts vom Wege ab in das Gebsch hinein; stieg ab und begann jetzt mit auerordentlicher Sorgfalt seine Toilette in Ordnung zu bringen. Ein kleiner Spiegel wurde mit seinem spitzen Messer -- das er in einer ledernen Scheide im Grtel trug -- an einem Baum befestigt, dann frderte er einen Kamm und eine kleine Brste ebenfalls aus der Tiefe der fast unergrndlichen Rocktasche zu Tage und striegelte und bgelte nun das widerspenstige Haupthaar sorg- und aufmerksam. Mr. Trumbell, auf dessen Land und unfern von dessen Haus er sich jetzt befand, hatte zwei allerliebste Tchter, zwar noch ein wenig jung fr einen Mann in seinem Alter, denn die lteste zhlte erst achtzehn Jahr; leicht berredete er sich aber, da sein noch so rstiges, jugendliches Aussehen, und sein kleiner neunjhriger Neger, wie die hundert und fnfzig Dollars sehr zu seinen Gunsten sprechen wrden, ja sprechen muten, und mit wirklichem Wohlgefallen nahm er jetzt den Spiegel in die Hand und hielt ihn bald dicht vor die Augen, bald in etwa Armeslnge von sich entfernt, um ungefhr den Eindruck zu berechnen, den, wie er hoffte, sein erstes Erscheinen auf die Mdchen hervorbringen sollte. Aber gar nicht mit seinen Plnen harmonirend, stahlen sich hie und da einzelne graue Haare sowohl aus dem Backenbart als auch aus den Schlfen hervor, und emsig war er eben bemht, die unwillkommenen Boten eines ehrwrdigeren Zeitalters mit sicherer Hand und spitzen Fingern zu erfassen und herauszureien, als pltzlich das helle Gelchter zweier silberreinen Mdchenstimmen an sein Ohr schlug, und er, entsetzt sich wendend, in die vor ausgelassener Freude funkelnden Augen eben dieser beiden Schnen blickte von denen er sich Eine zum ehelichen Gemahl ausersehen. Htte das ruhig neben ihm grasende Pferd ihn mit einem freundlichen guten Morgen Mr. Curtis angeredet, oder der Spiegel, der jetzt seiner zitternden Hand entfiel, ihm ein scheuliches Fratzengesicht gezeigt, als er hineinschaute und seine eigenen, wohlgebildeten Zge darin zu finden erwartete, oder die alte Eiche, unter der er stand, die Riesenarme ber den Kopf zusammengeschlagen und sich die Wurzeln selber wie einen Zahn ausgezogen, er wrde nicht so starr vor Schrecken, so vllig wie eine ungesalzene Madame Lot dagestanden haben. Nicht einmal die unbedeutendste Begrungsformel wollte ber die Lippen, und mit weit aufgerissenen Augen und noch weiter geffneten Lippen blieb er in der einmal eingenommenen Stellung, und blickte bald auf diese, bald auf jene Schwester. Aber Mr. Curtis, begann jetzt die lteste der Beiden, die sich zuerst wieder genug gesammelt hatte, um reden zu knnen, lt Ihnen denn Nancy zu Hause gar keine Ruhe, da Sie soweit in den Wald hinein mssen, um Ihre Toilette zu machen? Mr. Curtis will unter die Indianer gehen, fiel die Schwester, immer noch mit vom Lachen unterbrochener Stimme ein -- er bte sich schon im Bartausraufen, und ich bin fest berzeugt, da er in derselben Tasche, aus der er schon so viele andere Sachen hervorgeholt hat, auch noch die Kriegsfarben trgt. Das ist mglich, kicherte Lucy -- dort im Baum steckt sein Scalpirmesser. Aber bester Mr. Curtis, sagte Betsy mit scheinbarer Besorgni, dann mssen Sie ja auch _tanzen_, und da Sie doch jetzt erst zu den Methodisten -- Mi Lucy -- Mi Betsy, stammelte in hchster Verlegenheit der arme Curtis -- ich -- ich habe einen kleinen Neger und hundert fnfzig Dollar -- Ah Sie werden ein Huptling! jubelte Betsy, ich sehe Sie schon im Geist mit der Scalplocke und dem blutigen Tomahawk im Grtel -- buntbemalt, wehende Adlerfedern auf dem Haupte, die ausgefranzten Leggins von dem flatternden Haarschmuck der erlegten Feinde umweht -- Brrrrr fuhr sie schaudernd fort, was Sie schon fr wilde Blicke nach uns schieen; und wiederum fingen die Mdchen an zu lachen, da der Wald tnend das helle Echo zurckgab. Der arme Curtis aber, die Zielscheibe dieses unerbittlichen Spottes, stand keineswegs mit wildem Blick, sondern mit hchst klglicher, erbarmenswerther Miene da, und berlegte eben, mit welcher Wonne er in einen zwei hundert und fnfzig Fu tiefen Brunnen oder in eine unergrndliche Felsspalte hineinfahren knne, um nur hier, von dieser fr ihn zum Marterpfahl gewordenen Stelle fortzukommen, denn aller Muth, auch nur eine Sylbe ber die Absicht seines Besuches laut werden zu lassen, war ihm jetzt entfallen. Endlich aber fate er sich ein Herz, hob mit einer schnellen und geschickten Bewegung den ihm vorhin entfallenen Spiegel wieder auf, lie ihn in die Tasche gleiten, und frug jetzt, mit halb trotzigem, halb klglichem Gesicht die Schwestern, was sie um des Himmels willen im Walde, hier an dieser einsamen Stelle allein zu thun htten. Wenn wir nun grausam wren, sagte Lucy, knnten wir Ihnen das zu rathen aufgeben, so aber wollen wir Mitleiden mit Ihnen haben, und Sie in unser Geheimni einweihen. Sehen Sie den Waschkessel da unten? sehen Sie das freundliche Gesicht Jessina's? Und Curtis sah das freundliche Gesicht Jessina's, denn nicht zwanzig Schritt von da entfernt, grinste ihm, zwischen ein paar blhenden Dogwoodbschen hindurch, das breite, schwarze Antlitz eines kleinen, vierschrtigen Negermdchens entgegen, das seine Arbeit verlassen hatte und kichernd zwei Reihen der reinsten, weiesten Perlzhne zeigte, die je unter einer Negerin Lippe hervorschimmerten. How de do, Massa? nickte ihm die Kleine freundlich zu, und der fromme Curtis hatte schon einen hchst gotteslsterlichen Fluch auf den Lippen, doch unterdrckte er ihn noch zur rechten Zeit, starrte einen Augenblick vor sich nieder, und war im Begriff, sein Pferd zu besteigen und den Ort zu fliehen, wo er unter fr ihn so milichen Umstnden empfangen worden. Da aber siegte der Verstand des ruhigen besonnenen Mannes. Nein -- Mr. Trumbell war sehr wohlhabend, und nicht allein hier, sondern auch im Oiltrovebottom, am Whiteriver, hatte er nicht unbetrchtliche Strecken Land, das am Fourche la fave jedoch, seiner gesnderen Lage wegen, zum Aufenthaltsort gewhlt. Dabei viel Vieh -- sehr viel Vieh und -- was das bedeutendste war, eine ganze Colonie von Negern und besonders von sehr hbschen Negermdchen. Jeremias dachte an seinen eigenen jungen Sprling aethiopischer Race -- romantische Gebilde von fabelhaft groen Baumwollenplantagen mit unzhligen Negersclaven jagten an seiner inneren Seele vorber -- jedes der beiden vor ihm stehenden Mdchen war wenigstens zweitausend Dollar werth -- er drckte sich den Hut etwas fester auf den Kopf. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen. Die Mdchen schienen ihr Betragen zu bereuen -- sie flsterten leise und ernst zusammen -- sie wuten, da sie ihm durch ihren Spott weh gethan haben muten -- Reue kam vielleicht dem, was er ihnen sonst noch bieten konnte, zu Hlfe; auf keinen Fall drfte die kostbare Zeit versumt werden, und Lucy sollte erfahren, da es in ihrer Macht stehe, ihn zum Glcklichsten der Sterblichen zu machen. Er setzte den rechten Fu vor und hob den linken Arm auf -- der Augenblick der Entscheidung war da. Lucy wandte sich gegen ihn und sagte bittend: Nicht wahr, Sie sind nicht bse, wenn -- Mein Frulein, unterbrach sie mit freudiger Stimme der neue Hoffnung schpfende Freier, -- wie knnen Sie nur glauben, da ich -- ich habe -- Wenn ich eine Frage an Sie richte -- fuhr Lucy, ohne die Unterbrechung zu beachten, fort -- Betsy und ich haben miteinander gestritten -- Betsy meint, Sie htten sich die einzelnen Haare aus Verzweiflung ausgerissen, ich behaupte aber, Sie wollten ihrer Geliebten eine Locke mitbringen. Nicht wahr, ich habe Recht? Das war zu viel fr den armen Curtis! er verschluckte die schon halb begonnene Anrede, steckte das Messer in den Grtel, fate sein Pferd am Zgel, hielt aber noch einmal und warf einen letzten, fragenden Blick auf die Schnen. Diese aber waren indessen in ein lautes Kichern ausgebrochen, das in dem blhenden Dogwoodbusch ein schallendes Echo fand, und ein paar blaue Heher, die gerade ber der kleinen Versammlung auf dem jungen Aste eines jungen Sassafras saen, stimmten mit ihren schmetternden, plappernden Stimmen ein in den Lrm. Curtis sa mit einem Sprung im Sattel. Good bye Ladies! rief er mit lauter, trotziger Stimme, und als ob er hinter einem alten Bren her auf flchtiger Hetze den Wald durchrase, so flog er, ber mehrere gestrzte Stmme hinweg, der mit so frohen Hoffnungen verlassenen Countystrae wieder zu. Vergebens riefen ihm jetzt die Mdchen nach, zum Hause zu reiten und bei ihren Eltern zu bernachten, vergebens versprach Lucy ihn nicht zu necken und keine Sylbe des Vorgefallenen zu erwhnen, er hrte nichts von ihren vershnenden Worten, und nur das spttische (ihm _teuflisch_ vorgekommene) Lachen tnte und klingelte ihm noch in den Ohren, als er schon mehrere Meilen in scharfem Trabe zurckgelegt, und nun endlich anfing, die Sache ruhig zu berdenken. Verdammt! rief er, und zgelte den Eifer des schumenden Thieres ein wenig, indem er sich zugleich erschrocken umsah, ob Niemand den gotteslsterlichen Fluch gehrt habe, kann ein einzelner Mensch greres Unglck auf der weiten Gotteswelt haben, als ich an diesem gesegneten Morgen genossen? Aber gut -- gut -- spottet nur, lacht nur, meine Mi Lucy und meine Mi Betsy, verhhnt nur den aufrichtigen Freier, der sich Euch mit treuem Herzen naht, Ihr werdet's schon noch einmal bereuen und dann will ich triumphiren; dann ist mein kleiner Neger gro geworden, mein baares Geld, meine hundert und fnfzig harten Dollars haben sich vermehrt, und die Zeit mchte kommen, wo Ihr Euch lieber Mistres Curtis als Mi Lucy oder Mi Betsy nennen hrtet. Er hatte sich bei den letzten Worten im Sattel umgedreht, und hob drohend den rechten Zeigefinger nach der Richtung hin auf, aus der er eben gekommen war. Seine Selbstliebe trug aber endlich den Sieg ber die gekrnkte Eitelkeit davon, ein mitleidiges, fast hhnisches Lcheln umspielte fr einen Augenblick seine Mundwinkel, und sich dann fester im Sattel setzend, preten seine Schenkel auf's Neue die Flanken des edlen Thieres, das mit ihm in langen Stzen ber die felsige Strae dahinflog. Das nchste Haus, das jetzt in seinen Augen einigen Werth hatte -- denn diejenigen Farmen, auf denen keine jungen Mdchen lebten, existirten gegenwrtig gar nicht fr ihn -- gehrte einem Leidensgefhrten, einem Wittwer, Namens Ewis; der Magnet aber, der ihn dorthin zog, war des alten Ewis einziges Tchterlein, ein liebes, holdes Mdchen, schlicht und einfach, doch brav und huslich erzogen, und eine amerikanische Jungfrau im reinsten und vollsten Sinne des Wortes. Darum war brigens Curtis nicht gleich von allem Anfang hierhergeritten, weil -- die Neger fehlten. Ewis konnte mit zu den wohlhabenderen Farmern gerechnet werden, seine Heerden weideten in allen Theilen der weitverbreiteten Rohrbrche, sein Land trug herrliche, reichliche Frucht, und es gab in einem nicht geringen Umkreis keinen gutmthigeren und zugleich rechtlicheren alten Mann, als eben ihn; aber die Neger fehlten, und Curtis hatte dehalb Lucy und Bet -- aber nein, er wollte gar nicht mehr an die Mdchen denken -- sie verdienten es nicht. Jetzt hatte er die uersten Fenzen erreicht; im Osten wurden schon an dem erdunkelnden Nachthimmel einzelne, blitzende Sterne sichtbar, und nur im Westen verrieth ein schmaler bleicher Streif die geschiedene, schlummernde Sonne; aber dort wirkte und schaffte noch reges Leben; die Hunde bellten, die Khe blkten, eine feine Kindesstimme rief das lockende Huph -- huph in den Wald hinaus, und dazwischendurch schallten die eintnigen Schlge der Axt, die noch Feuerholz fr die khle Nacht herbeischaffen mute. Gleich darauf betrat er den inneren, von den verschiedenen Feldern und Gebuden eingeschlossenen Raum, der gewissermaen als Hof gelten konnte, und fand sich bald darauf, von fnf bellenden heulenden Rden umgeben, vor einem einstckigen, aber ziemlich hochgiebligen Blockhaus, aus dessen Innerem ihm schon ein freundlich gemthlicher Lichtglanz, Wrme und Geselligkeit versprechend, entgegenleuchtete. Hallo Curtis! rief der alte Ewis, als er den, wenn auch etwas fernwohnenden Nachbar erkannte, whrend er im Holzhacken einhielt und dem Ankommenden entgegentrat, -- das macht Ihr gescheidt, da Ihr Euch endlich einmal sehen lasset; habt mir's lange genug versprochen. Komm Bill -- nimm das Pferd und fhr' es in den Stall; jag' nur die anderen hinaus, die haben jetzt gefressen, und wir brauchen sie morgen doch nicht; tretet ein; lat nur den Sattel sein, Bill wird schon auf Alles Acht geben. Curtis athmete hoch auf -- in der Thr der Htte stand Anna, das holde liebe Kind, und lchelte ihm so freundlich entgegen, da er vor lauter seligen Gedanken des Vaters Hand gar nicht wieder loslie. Er stieg aber vom Pferd, schttelte die dargebotene Rechte des Alten recht derb und herzlich, und trat mit klopfendem Herzen in's Haus, wo er der Jungfrau nach alter wackerer Sitte die Hand zum Gru bot. Nun, Curtis, wie gehts? fragte Ewis, als sie sich zusammen zum Feuer gesetzt hatten und der Freiersmann emsig beschftigt war, mit seinem Genickfnger einen Span zu zerschneiden, -- wie steht Euer Mais? schon gepflanzt? habt wohl fruchtbares Wetter abwarten wollen? ja s'ist merkwrdig trocken dieses Jahr. Nicht so ganz -- wenigstens nicht bei mir, erwiederte Curtis, dem es war, als ob ihm das Herz die Brust zersprengen msse, denn Anna stand dicht neben ihm und holte die blankgescheuerte Kaffeekanne zum am Feuer brodelnden Abendessen vom Gesims herunter -- mein Feld liegt, wie Ihr wit, ein wenig tief, im Thalland d'rin -- neun Acker urbar gemachtes Land und daneben noch ein kleines Stckchen fr Rben -- eine schne Fenz, drum -- Ja, ja, s'ist gutes Land, kann's aber doch mit meinem hier nicht aufnehmen. Mr. Ewis, entgegnete Curtis etwas pikirt (denn das heit einem Ansiedler der westlichen Staaten an's Herz gegriffen, wenn man behauptet: entweder besseres Land, ein schnelleres Pferd, eine sichere Bchse oder tchtigere Hunde zu haben), Mr. Ewis, mein Land wurde durch die Feldmesser ausgesucht, und fr das fruchtbarste im ganzen County erklrt; berdies habe ich noch ein recht gutes Wohngebude, ein Rauchhaus, eine kleine Kche -- Haben Euch denn die Eichhrnchen und Truthhner dies Frhjahr viel Saat weggefressen? ich mute an den Fenzen herum schon wenigstens zwei Mal nachpflanzen. Das war bei mir nicht so bedeutend, entgegnete Curtis, auf's Neue die Gelegenheit ergreifend, all sein bewegliches und unbewegliches Eigenthum im besten Lichte erscheinen zu lassen; Ihr wit, ich habe einen kleinen Neger, und der mu gehrig aufpassen; es ist sehr angenehm, einen kleinen Neger -- er sah sich schnell um, denn er konnte fast darauf schwren, es htte Jemand hinter ihm gekichert, Anna stand aber ganz ernsthaft am Tisch, und war emsig beschftigt, die Messer und Gabeln zu ordnen, und weiter sah er Niemand im Zimmer -- kleinen Neger zu haben, fuhr er nach kurzer Pause in der unterbrochenen Rede wieder fort; dabei die hundert und funfzig -- Wie ist's denn mit dem Brunnen geworden, den Ihr wolltet graben lassen? oder trinkt Ihr noch immer aus dem Bach? wenn ich Nancy wre, lie ich mir das gar nicht gefallen; im Sommer ist's ein schauderhaftes Getrnk. Oh bewahre -- ich nahm Mowers Jim auf vierzehn Tage in Arbeit, und da ich doch hundert und sechszig Dollars in baarem, hartem Gelde liegen hatte, so wendete ich gleich zehn daran, diese wirklich nothwendige Arbeit gethan zu bekommen. Hm, sagte Mr. Ewis, und schaute den redseligen Curtis, whrend er mit dem Daumen und Zeigefinger der linken Hand die Unterlippe beobachtend zusammenkniff, forschend an. Zum ersten mal schien die Ahnung der Absicht seines Besuchs in ihm aufzudmmern. Zu jetziger Zeit war Alles eifrig in den Feldern beschftigt, und Curtis hatte mitten in der Woche seine Sonntagskleider angezogen und sich zu ihm verfgt, blos um bei ihm zu bernachten. -- Hm -- sagte er dann noch einmal, und sah forschend bald seine Tochter, bald Curtis an, der, als er dies bemerkte, feuerroth wurde und mit eisernem Fleie an seinem Spahn fortschnitzte. Einige Minuten lang berlegte sich der Alte die Sache, und schien das =pro= und =contra= bedeutend in Betracht zu ziehen; endlich mute aber doch wohl das =pro= den Sieg davon getragen haben, denn er stand auf, und verlie, unter dem Vorwand, nach den Pferden zu sehen, das Haus. Curtis war auch wirklich gar keine so ble Parthie! er hatte was er brauchte, ja von diesem wohl mehr als sieben Zehntel der brigen Ansiedler, und die kleine, am Fourche la fave freilich ziemlich bekannte Eigenheit, da er immer von seinem kleinen Neger erzhlte, durfte, wie der Alte meinte, bei einem Mdchen auch weiter keinen Unterschied machen, wenn der Mann nur sonst brav und gut wre. Curtis, der nicht einmal diese Eigenschaft _gegen_ sich, wohl aber alle die andern _fr_ sich kannte, merkte gar bald, wenn er auch sonst gerade keine bermigen Verstandeskrfte besa, da er den Alten auf seiner Seite habe, und beschlo nun mit der Tochter die Sache ebenfalls schnell in's Reine zu bringen. Wie er aber allein mit ihr war, verlie ihn auf ein Mal aller Muth; es war ihm, als ob ihm Jemand mit zwei Fingern die Nase, und mit der ganzen Hand die Kehle zuhielte, und er nun mit jedem Augenblick ersticken msse. Anna brach auch endlich zuerst das ihm wenigstens peinlich werdende Schweigen und frug ganz unbefangen: Wie befindet sich Nancy, Mr. Curtis? warum kommt sie nicht einmal herauf zu uns; sie hat es mir doch schon so oft versprochen. Curtis rckte eine Weile auf dem Stuhl umher, fate sich aber endlich ein Herz und frug das junge Mdchen mit einem seiner zrtlichsten Blicke: Wie wr's, Mi Ewis, wenn Sie dafr einmal Nancy besuchten, vielleicht gefiel Ihnen der Ort? Nancy mu erst zu mir kommen, sagte Anna, sie hat es versprochen. Eine lange Pause entstand jetzt, bis endlich der zaghafte Werber auf's Neue das Wort nahm und die Unterredung mit einem leisen: Es ist heute schnes Wetter wieder anzuknpfen suchte. Ja! sagte Anna. Curtis sah sich im ganzen Hause um, und seine Augen flogen bald ber die an der Wand hngenden Kleider, bald ber die im Schornstein angebrachten Speckseiten, und haftete endlich wieder auf Anna's schlanker Gestalt, die an das Feuer getreten war, um nach dem beigestellten Maisbrod zu sehen. Mi Anna! sagte Curtis. Mr. Curtis? frug Anna, sich nach ihm umdrehend. Ich mu Ihnen nur gestehen, stotterte der Freier, da ich einzig und allein darum hierher gekommen bin, um -- um Sie -- um mich bei Ihnen -- bei Ihnen zu erkundigen, -- ob Sie -- Ob ich? -- fragte das Mdchen, den neugierig lchelnden Blick fest auf ihn gerichtet. Er war so schn im Zuge gewesen, wie er ihr aber wieder in das dunkle Auge sah, das ihn so schelmisch, und doch auch so -- er wute selbst nicht wie, so -- so trotzig anblickte, da verlie ihn auf's Neue sein Selbstvertrauen, und er stammelte, nach einigen vergeblichen Versuchen, die Fassung wieder zu gewinnen, auf das Fleisch deutend -- Haben Sie das selber geruchert? Wohl zwei Minuten mute er aber auf die Antwort warten, denn so lange dauerte es, ehe sich Anna erholen konnte, die bei den letzten Worten in ein fast nicht zu beschwichtigendes Lachen ausgebrochen war. Und dehalb also sind Sie die zwlf Meilen geritten? frug sie endlich mit noch thrnenden Augen, blos um sich zu erkundigen, ob ich das Fleisch geruchert htte? o bester Mr. Curtis, das htten Sie bequemer haben knnen, Nancy war dabei, wir haben es zusammen eingesalzen. Curtis wurde leichenbla -- er wute, sein bses Geschick arbeitete jetzt an seinem Verderben; dieselbe Sehnsucht nach irgend einer noch unentdeckten Felsspalte oder nach einem bodenlosen Abgrund erfate ihn -- Ich habe einen kleinen Neger -- Und hundert und fnfzig Dollar in baarem, hartem Gelde, kicherte Anna. Nancy hat mir das mehr als zwanzig Mal erzhlt. Kinder, was habt Ihr denn? sagte der alte Ewis, der durch das Gelchter angelockt, in die Thre trat. Ihr seid ja ungemein lustig -- ich glaubte -- O Vater, denke Dir nur -- lchelte Anna -- aber ein flehender Blick des Unglcklichen traf sie, und dem konnte sie nicht widerstehen. Sie hatte Curtis Absicht bei seinem ersten Eintritt gemerkt, denn wenn ein lediger Mann an einem Wochentage, noch dazu in so nthiger Arbeitszeit, und in seinen besten Kleidern, mit dem besten Sattel auf dem Pferd, auf einer Farm bernachtet, wo junge, heirathsfhige Mdchen sind, da wird und kann fast stets ein Heirathsantrag vorausgesetzt werden. Curtis war aber berdies noch in der ganzen Ansiedlung schon gewissermaen _prophezeit_ worden, da er einige dunkle Worte hatte fallen lassen, was wie ein Lauffeuer von Farm zu Farm geflogen. Bei Steppdecken- und Kltzerollfesten hatten die jungen Mdchen auch schon zusammengekichert und gelacht, welche von ihnen die Glckliche sein werde, der der kleine Neger und die hundert fnfzig Dollar zuerst angeboten wrden. Auf diese Art war gewissermaen ein Complott gegen den armen Mann entstanden, und er glich jetzt einem Menschen, der wohlvermummt und verlarvt auf einem Maskenball umherwandert, fest berzeugt ist, da ihn Niemand erkennen kann, und hinten auf dem Rcken, durch irgend eine boshafte Hand angeheftet, seine eigene Visitenkarte trgt. Anna frchtete aber fast, den Scherz zu weit getrieben zu haben, lenkte also ein, speiste den Vater mit einer ausweichenden Antwort ab, und war dann sehr beschftigt, das Abendessen herzurichten und aufzutragen, wich aber sorgfltig jeder Erklrung von Curtis Seite aus, ja ging sogar ebenfalls hinaus, als sie merkte, da sie der Vater nach Tische auf's Neue mit dem jungen Manne allein lassen wollte, und berzeugte die beiden Herren der Schpfung gar bald, da sie auf die Plne, die sie zu brten beliebten, nicht einzugehen gesonnen sei. Curtis verzehrte sein Abendbrot sehr traurig -- es war ihm, als ob ihm die Bissen im Munde stecken blieben, er verbrannte sich zweimal den Mund und nahm einen Lffel voll Senf statt braunem Zucker in den Kaffee; die Mahlzeit wurde auch sehr abgekrzt -- der alte Ewis fhrte allein das Wort, erzhlte ein paar lange Geschichten von einer Kuh, die ein Panther gefressen haben sollte und die nachher wieder pltzlich zum Vorschein gekommen war, und endlich konnte sich Curtis zurckziehn und sein stilles, einsames Lager suchen. Sinnend vertrumte er einen Theil der Nacht, aber auch frischen, neuen Lebensmuth sog er aus diesen Trumen. Weshalb sollte er sich bei dem zweiten, eigentlich nur _ersten_ Versuche abschrecken lassen, denn bei Trumbells war er ja nicht einmal an's Haus geritten. Nein -- noch gab es mehr und recht hbsche Mdchen in der Ansiedlung, und solche auch wahrscheinlich, die seinen eigenen Werth, wie den seines kleinen Negers und seiner hundert und fnfzig Dollar zu schtzen wuten, ohne des anderen Eigenthumes zu gedenken. Fest entschlossen also, den Muth nicht sinken zu lassen, hllte er sich dicht in die weiche Steppdecke ein und Gott Morpheus nahm ihn sanft in seine Arme. Am nchsten Morgen war er schon vor Tagesanbruch auf und besorgte sein Pferd; dringende Geschfte riefen ihn, wie er dem alten Ewis sagte, noch weiter am Fourche la fave hinauf, und Mi Anna nur einen guten Morgen durch die Thre zurufend; als er, schon im Sattel, am Hause vorbeiritt, drckte er dem alten Manne herzlich die Hand und sprengte auf der Countystrae weiter. Nein Curtis, sprach er aber dabei mit sich selber, wegwerfen thust Du Dich auch nicht; bitten und betteln ist Deiner unwerth, Du bist ein ordentlicher Kerl und hast -- er griff pltzlich dem Pferd in den Zgel und hielt in seinem Selbstgesprch und im Reiten an. Ein Gedanke durchzuckte ihn -- ich glaube, Mi Anna hat sich ber meinen kleinen Neger lustig gemacht -- sie lachte auf eine hchst unanstndige Art, als ich ihn erwhnte -- nun gut, fuhr er, dem Braunen den linken Sporn wieder eindrckend, fort, indem dieser einen, der Anreizung entsprechenden Seitensatz that, und dann pfeilschnell mit ihm unter den thautrufelnden, duftigen Zweigen davonflog, nun gut -- wir werden ja sehn. Doch Mi Anna -- die _Einzige_ sind Sie _nicht_ in der Ansiedlung -- Sie wahrhaftig nicht. Aber armer Curtis! -- wieder und immer wieder solltest Du Deine Hoffnung, Dein felsenfestes Vertrauen getuscht und betrogen sehen; wieder und immer wieder fandest Du Dich verschmht, zurckgewiesen und ach, an vielen Orten gar verspottet. Am rechten Ufer des Fourche la fave, kam ihm ein Ansiedler, den er noch gar nicht kannte, sogleich mit der Frage entgegen: Ach, Sie sind der, der den kleinen Neger und die hundert und fnfzig Dollar hat, nicht wahr? An anderen Orten liefen die Mdchen hinaus, wenn er kam, lieen sich von dem Ersten Besten ihr Pferd satteln, und galoppirten zur nchsten Ansiedlung, dahin schon die Kunde von dem wandernden Freier tragend, und Curtis hielt endlich, am dritten Tag spt Abends an der Farm eines Freundes, der, ziemlich abgelegen von den brigen Ansiedlungen, auch wenig, selbst mit seinen nchsten Nachbarn zusammenkam und verkehrte. Peterson hatte zwei hbsche Tchter, recht liebe und brave Mdchen, neben diesen aber noch die Tochter eines Bruders, der in Texas gestorben. Fanny, so hie die Jungfrau, stammte aus Georgien, wo ihr Vater damals eine kleine Banmwollenplantage besa, und war ein sehr schnes, dunkelugiges und heibltiges Kind, aber auch toll, wild und ausgelassen, und ihr Onkel hatte sich schon frher einmal bei Curtis darber beklagt, da sie es sich in den Kopf gesetzt htte, einen jungen Bengel zu heirathen, der -- _Advokat_ wre. Ein Mensch, der erstlich einmal schon Advokat sei, hatte er dabei geuert, solle nie, so lange er lebe und athme, eines von seinen eigenen, noch seines Bruders Kindern zur Frau bekommen, wenn _er_ es verhindern knne -- ein Advokat, der den Leuten weimache, roth sei blau und grn schwarz! nein wahrhaftig nicht. Hatte nicht noch berdies im vorigen Herbst derselbe Lasse seinem Nachbar durchgeholfen, der angeschuldigt war, eine von Peterson's Khen geschlachtet zu haben? und hatte nicht er -- Peterson selbst, die Haut von der Kuh, auf die er das Sakrament nehmen wollte, ber dessen Fenz hngen sehen? nein -- ein Mensch, der so etwas zu thun im Stande sei, der sei zu _Allem_ fhig. berdies konnte er nicht einmal einen Maiskolben von einer Waizenhre unterscheiden, und hatte ihn selbst -- er konnte das beschwren -- gefragt, ob die Baumwolle auf solchen Bumen wchse, wie sie hier im Bottom stnden und die Baumwollenbume hieen. Und so ein Mensch sollte einmal Besitzer von einer Baumwollenplantage werden? nein -- Fanny war erst achtzehn Jahr alt, und bis zum ein und zwanzigsten _mte_ sie bei ihrem Onkel bleiben; nachher wrde sie schon Vernunft angenommen und eingesehen haben, da ihr alter Onkel ehrlich und trefflich fr sie gesorgt, indem er sie vor einem solchen Schritte bewahrte. Dies Haus betrat jetzt Curtis und wurde herzlich von Allen empfangen; ja so herzlich, da er schon hoffte, jenes unglckselige Gercht ber seinen kleinen Neger sei nicht bis hierher gedrungen, und sich heimlich zuschwor, auch keine Sylbe davon zu erwhnen; aber leider schienen die beiden Misses Peterson recht gut zu wissen, was den armen Mann zu ihnen gefhrt hatte, und wenn sie auch, emsig mit ihrer Arbeit beschftigt, kein Wort, keine Sylbe uerten, so verriethen doch dem jetzt schon mitrauisch Gewordenen einzelne verstohlene Blicke den kleinen lachenden Teufel, der in den Herzen der Waldschnen lauerte. Ganz anders benahm sich dagegen Fanny; sie setzte sich zu ihm -- plauderte mit ihm, war ernst und gesetzt und sah ihn dabei ein paar Mal, wenn sie sich unbeobachtet glaubte -- Curtis hatte es deutlich gemerkt -- so forschend, so theilnehmend an, da ihn einmal, als er diesem dunklen, fest auf ihn haftenden Auge begegnete, ein eiskalter, aber unendlich wohlthuender Schauer durchrieselte, und er sich schon in's Geheim drei oder vier keineswegs schmeichelhafte Ehrentitel beilegte, nicht gleich von allem Anfang an hierhergeritten zu sein. Er lie sich diese kleinen Zeichen denn auch nicht zweimal gesagt sein lassen -- rckte nher zu ihr, und fing nun an, um gleich mit etwas Schmeichelhaftem zu beginnen, das selbstgewebte Zeug zu loben, was sie trage, und meinte dabei: Ja Mi Fanny, es steht einem jungen Mdchen Nichts auf der weiten Welt besser, als der Stoff, den es selbst gesponnen und gewebt -- das, ist der Grundstein der Huslichkeit, und ein Mann -- Das Zeug hab' ich gewebt, Mr. Curtis, sagte Kitty, die jngste, mit einer etwas malitisen Betonung auf dem Pronomen. Curtis sa da wie vom Schlag getroffen, Fanny ri ihn aber schnell aus der Verlegenheit, indem sie versicherte, sie habe sich zu Hause all ihr Zeug selbst gewoben und hielte es auch fr passend, da eine Hausfrau das thun solle. Curtis lebte wieder auf, die ganze alte Scheu verlor sich, er wurde gesprchig und hatte wirklich mehrere ausgezeichnete Einflle, ber die Fanny ganz besonders lachte, der alte Peterson sich aber ausschtten wollte. Diesen schien brigens die Zuneigung, die seine Nichte zu dem einfachen Farmer gefat, herzlich zu freuen (denn da Curtis blos darum gekommen sei, um eins der Mdchen anzuhalten, darber war Niemand in der ganzen kleinen Gesellschaft mehr zweifelhaft). Gott sei Dank, dachte er bei sich selber, hat sie doch endlich den verwnschten Advokaten vergessen; ich wute es aber wohl, der _Rechte_ mute nur kommen; das ist mit allen Mdchen so. Das Abendessen war verzehrt -- der alte Peterson hatte sich, sehr vernnftiger Weise, zu Bett begeben; dem Gast war, wenn er sich niederlegen wolle, sein Bett gezeigt und Kitty und Rosy beendeten ebenfalls mit manchen einander heimlich zugeflsterten Bemerkungen ihre Arbeit, verschwanden dann urpltzlich hinter einer breiten, an den oberen Querbalken des Hauses aufgehangenen Matte, und Curtis fand sich mit klopfendem Herzen allein neben Fanny am Feuer sitzen. Er gedachte der Zeit, wo er, ganz auf hnliche Art, seiner ersten Frau die Leidenschaft gestanden, die er fhlte, und wieder drohte ihm ein unbeschreiblich ngstliches Gefhl die Kehle zuzuschnren, denn wenn er auch in den letzten Tagen fr solche Erklrungen etwas abgestumpft geworden war, da er die Gelegenheit gehabt mehrere zu geben, so fhlte er doch, da hier Alles -- Alles fr ihn spreche, denn Fanny wre sonst nicht allein zurckgeblieben, und die Liebenswrdigkeit selbst gewesen. So sehr er aber auch den Augenblick herbeigesehnt, wo er mit ihr allein sein wrde, so schien es doch, als ob er, der noch vor so kurzer Zeit der Redseligste gewesen, pltzlich die Sprache verloren htte, und er nahm wieder, aus lauter Verlegenheit, sein Messer aus der Scheide und fing an zu schnitzeln. Fanny sa ihm gegenber, an der andern Seite des Kamins, also so weit wie nur irgend mglich von ihm entfernt. Curtis htte zwar um's Leben gern ihr seinen Stuhl nher gerckt, aber er wagte es nicht, er wute keine Ausrede, die das auch nur im Mindesten entschuldigen konnte, und doch fhlte er wie die Zeit verrann, und er sich lcherlich machen wrde, wenn er noch lnger so still und stumm wie der Klotz, der neben ihm zum Nachlegen lehnte, da sa. Mit einem tiefen Seufzer sprengte er endlich die Fesseln, die seine Zunge in Banden hielten und sagte zgernd: Mi Fanny -- sind Sie noch nicht mde? -- er fhlte, sobald ihm die Worte ber die Lippen waren, da er auf der weiten Gotteswelt Nichts Dmmeres htte sagen knnen, aber es waren doch wenigstens _Worte_ gewesen, die vielleicht den Zauber gebrochen hatten. Um Fanny's Lippen spielte bei dieser endlichen Frage ein leises, leises Lcheln; es zuckte ihr nur so durch die Korallenlippen, und fr einen Augenblick stiegen, wie Blschen aus einem Crystallbecher, zwei leichte, wunderliebliche Grbchen empor auf den rosigen Wangen; sie verschwammen aber fast eben so schnell, wie sie entstanden in der Sammethaut und nur mit leiser Stimme sagte sie: Freilich wrde es eigentlich Zeit sein schlafen zu gehen, und ich wei nicht -- Mi Fanny, stotterte Curtis. Onkel schlft schon, meinte Fanny -- wir werden ihn wieder aufwecken durch unser lautes Reden. Curtis lie sich das nicht zweimal sagen; blitzesschnell war er von seinem Stuhle auf und rckte diesen neben das schne, leichterrthende Mdchen. Dann brauchen wir doch wenigstens nicht so laut zu sprechen, meinte er. Aber Mr. Curtis. Ach Mi Fanny, seufzte Curtis, der jetzt einmal im Gang, auch alle Furcht und Scheu berwunden hatte, Sie mssen es lange gemerkt haben, da ich Sie liebe; wissen Sie wohl noch das letzte Kltzeroll-Fest? Fanny nahm die kirschrothe Unterlippe zwischen die Perlzhne und blickte still vor sich nieder. Ich bin allein, fuhr Curtis jetzt selbst mit niedergeschlagenem Blicke fort -- ich habe Niemanden zu Hause, der -- der Theil an mir nimmt -- oder der -- der mich lieb htte; ich -- ich habe lange gewnscht, -- lange gewnscht ein Herz zu finden, das -- das gern in meiner Nhe wre. Da bin ich denn hierher gekommen -- Mi -- Mi Fanny. Fanny spielte verlegen mit der Schnur der Kugeltasche, die an der Seite des Kamins neben ihr herunter hing. -- Und wollte Sie fragen, Miß« -- fuhr Curtis mit angehaltenem Athem fort -- ob Sie -- ob Sie Ihr Schicksal mit einem Manne theilen wollten, der -- der es brav und ehrlich meint, und Alles thun wird, was in seinen Krften steht, Sie glcklich zu machen. Ein tiefgeholter Seufzer kndete jubelnd die vollendete Erklrung, das Abrollen des Felsengewichts, das bis zu dem Augenblick seine Brust bengstigt hatte. Fanny sprach kein Wort, nur manchmal warf sie einen ngstlichen Blick nach der Thr und nach dem kleinen Fenster, das, mit einer dnnen weien Gardine verhangen, dem Kamin gegenber angebracht war. Mi Fanny, flsterte jetzt, durch dies bedeutungsvolle Schweigen khn gemacht, der Glckliche -- Mi Fanny, ich bin auch kein hergelaufener Squatter, der Nichts hat, als seine Axt und Bchse, und mit jedem neuen Frhjahr auch wieder eine neue unbewohnte Gegend aufsucht -- ich habe ein recht wohnliches Haus mit einer kleinen Kche und dem Rauchhaus -- neun Acker urbar gemachtes und gut eingefenztes Land, auch ein kleines Rbenstck -- zwei ausgezeichnet gute Pferde -- sieben und dreiig Stck Rindvieh, einige vierzig Schweine, eine vorzgliche Stahlmhle, vier Hem -- die beste Bchse im ganzen Revier und einen kleinen Neger von -- Curtis hielt pltzlich inne; der Neger war ihm wider Willen herausgefahren, und Fanny barg pltzlich ihr Gesicht im Taschentuch und wandte sich ab -- Hals und Nacken frbten sich ihr hochroth; -- lachte sie ihn aus? Eine peinliche Pause entstand -- um Gotteswillen -- sie schluchzte. Ach Gott! -- Mi Fanny -- was fehlt Ihnen? habe ich Sie durch irgend etwas gekrnkt oder beleidigt? o mein Himmel, so reden Sie doch -- Sie bringen mich zur Verzweiflung. Mr. Curtis, flsterte endlich das schne Mdchen noch immer hinter dem Tuche vor -- Mi Fanny, bat Curtis. Fr wie eigenntzig -- niedrig denkend mssen Sie mich halten, da Sie mir Ihre Reichthmer aufzhlen, als ob Sie glaubten, dadurch mein Herz bestechen zu wollen. Mi Fanny! sagte Curtis, und war wie vom Schlag gerhrt; Scham und Freude rangen in seiner Brust um die Oberherrschaft. Scham, da er fhlte, wie Recht sie hatte; -- Freude aber, da dieser Ausbruch des Gefhls ein sicheres Gestndni ihrer Zuneigung zu ihm war. Die Freude trug aber nach kurzem Ringen den Sieg davon. Fanny, flsterte er und faltete bittend die Hnde -- Fanny -- wollen Sie die Meine sein? Fanny, mit noch immer abgewandtem, verhlltem Gesicht reichte ihm ihre Hand, die er glhend an seine Lippen prete. Es wird spt, Mr. Curtis, flsterte endlich das holde Mdchen, indem sie leise die Hand entzog und von ihrem Stuhl aufstand -- wie mit Purpur bergossen war ihr liebes Angesicht -- wir mssen uns fr heute Abend trennen -- sprechen Sie Morgen mit meinem Onkel. Fanny, sagte Curtis noch ein Mal und wollte seinen Arm um ihre Taille legen, Sie haben mich zum Glcklichsten -- Fanny stie einen leisen Schrei aus, denn mit frchterlichem Gepolter kam ein groer Stein zu dem niederen Kamin herunter, da Funken und Asche weit umherstiebten; gleich darauf schlugen die drauen gelagerten Rden an, und umbellten wthend das Haus. Was um Gotteswillen? rief Curtis. =Sick' em=! sagte der alte Peterson im Schlaf die Hunde antreibend. Gute Nacht! flsterte Fanny dem Glcklichen zu; gute Nacht, Mr. Curtis. Gute Nacht, theuere, theuere Fanny! rief dieser entzckt, drckte noch einen heien Ku auf die nicht widerstrebende, zierlich kleine Rechte und suchte dann ebenfalls das fr ihn bereitete Lager. Aber an Einschlafen war nicht zu denken, wie mit Schmiedehmmern tobte es ihm in den Schlfen, und wenn er sich auch unruhig bald auf diese, bald auf jene Seite warf, kein Schlummer kam in seine Augen; die Hhne krhten schon wieder, drauen im Walde kullerte der wilde Truthahn und die Eule heulte ihr Morgenlied, als er endlich in einen leisen Schlaf der Ermattung sank, aus dem ihn bald wieder das Holzschlagen des alten Peterson weckte, der gleich darauf mit einem schweren Klotze auf der Schulter in das Haus trat, und diesen, als Rckstck, in's Feuer warf. Er sprang auf, kleidete sich an und folgte dem Alten vor die Thr. Hier gestand er ihm denn seine Liebe fr dessen Nichte, behauptete ihrer Einwilligung gewi zu sein und bat um seinen Segen und seine Zustimmung. Peterson hatte es, nach Allem was er am vorigen Abend gesehen, erwartet, sprach sich aber recht herzlich gegen den Farmer aus, wie er sich freue, da seine Nichte so vernnftig gewesen, eine so kluge Wahl zu treffen, und versprach ihm dafr zu sorgen, da es ihm fortan recht gut und wohl gehen solle, da Fanny keineswegs unvermgend, dem Manne ihrer Wahl nicht allein ihre liebreizende Gestalt, sondern auch ein recht ansehnliches Grundeigenthum wie verschiedenes anderes bewegliches Besitzthum mitbrchte. Noch an demselben Morgen ward Alles geordnet und Curtis wnschte nun mit seiner jungen Braut den Fourche la fave hinunter zu Mr. Houston, dem nchsten Friedensrichter, zu reiten, um dort mit ihr fr immer vereinigt zu werden; Fanny aber bat den Brutigam, ihr den Gefallen zu thun, und sie den Flu hinauf zu dem etwa fnfzehn Meilen entfernten Richter Welmot zu begleiten, der, ein Freund ihres verstorbenen Vaters, stets den innigsten Antheil an ihr genommen und jetzt auch dem wichtigsten Schritte ihres Lebens beiwohnen solle. Hiergegen lie sich Nichts einwenden, Curtis war sehr gern damit zufrieden, und seinem Wunsche nach wren sie augenblicklich aufgebrochen; Fanny hatte aber noch so viel zu ordnen, so viel zu besorgen, da der Nachmittag heranrckte, und erklrte nun, als der Vater vorschlug, den nchsten Morgen abzuwarten, sie wnsche bei einer Freundin, die etwa auf der Hlfte Weges zwischen hier und dem Richter wohnte, zu bernachten, wo auch Mr. Curtis gern gesehen sein wrde, da sie dort schon viel von ihm gesprochen. Wie htte Curtis dem holden Mdchen die erste Bitte abschlagen knnen? was Fanny wnschte, geschah; um drei Uhr etwa brachen sie, herzlichen Abschied von Allen nehmend, auf, und der alte Peterson gab noch, da er der dringenden Arbeiten wegen nicht selber mitreiten konnte, der Nichte einen Zettel[6] fr den Friedensrichter, der -- freilich etwas unorthographisch, doch hinreichend war, jenen mit seinen Wnschen bekannt zu machen. 6: Der Zettel lautete wrtlich: =Plees Sir -- merry the too young peepel; yoors M. Peterson.= Wohl noch eine Stunde vor Dunkelwerden erreichten sie die Farm, in welcher Fanny die Nacht zu bleiben wnschte, wurden hier auf das Freundlichste bewillkommt, und schienen sogar erwartet zu sein, obgleich Curtis nicht begreifen konnte, wie das mglich war; die Unterhaltung ward brigens sehr lebhaft gefhrt und Fanny lie sich besonders viel von einem jungen Deutschen erzhlen, der eben aus den Ozark-Gebirgen zurckkam und hier ebenfalls eingekehrt war, weil schwerdrngende Wetterwolken eine strmische Nacht verkndeten. Curtis fhlte sich brigens sehr abgespannt; drei Nchte lang hatte er fast jedes Schlafes entbehrt, und die fortwhrende Aufregung, in der er sich befunden, mute berdies noch dazu beitragen, die Ermattung und Erschlaffung seines ganzen Nervensystems zu entschuldigen. Der Farmer bemerkte auch bald seine Mdigkeit, winkte ihm seitab, und fhrte ihn in die Ecke zu seinem Lager von weichgebreiteten Hirschfellen, auf das er sich warf, und hier bald dem Schlummergott, der ihm so lange treulos gewesen, in die Arme sank. In der Nacht machten die Hunde einmal einen frchterlichen Lrmen, und Curtis trumte, es fiele wieder ein Stein im Kamin herunter; er wachte aber nicht davon auf, und erst ein unruhiges Umherlaufen im Haus, und ein Auf- und Zuschlagen der Thren erweckte ihn. Es war schon heller Tag, die Sonne schien durch die Seitenspalten des Blockhauses, als sie eben die dunkelwogenden Fichtenwipfel berstieg, und der Deutsche schnrte vor dem Kamin die wollene Decke zusammen, um seine Wanderung, den Flu hinunter, fortzusetzen; Fanny konnte aber auch noch nicht auf sein, denn er sah sie nirgends. Mit auerordentlicher Geschicklichkeit, die auch wirklich nur dem daran gewhnten Hinterwldler eigen ist, kleidete er sich jetzt unter der Bettdecke soweit an, da er aufstehen und seine Toilette vor den brigen Mitgliedern der Familie vollenden konnte und trat nun ebenfalls zum Feuer. Fanny lie noch immer Nichts von sich sehen. Mr. Curtis, sagte endlich der alte Farmer, als er die ungeduldigen Blicke bemerkte, die der feurige Liebhaber nach den Gardinen warf, hinter denen die Geliebte noch immer weilte; Mr. Curtis, wissen Sie es schon? Wissen Sie? frug Curtis berrascht -- wissen? was? Sie wissen also Nichts davon? sagte jener kopfschttelnd. Von was denn, um Gotteswillen? Hm! sagte der Alte -- Mr. Peterson, Sie bringen mich in Verzweiflung; was ist vorgefallen? was soll ich wissen? so reden Sie doch -- wo ist Fanny? William, Petersons ltester Sohn, winkte dem Ungeduldigen auf bedeutungsvolle Art und verlie das Haus. Curtis drckte sich den Hut auf den Kopf und folgte ihm schnell -- ihm ahnte Schreckliches. Mr. Curtis, sagte William, als er hinter der Fenz, da wo sie das Haus nicht mehr sehen konnten, stehen blieb -- Mr. Curtis, ich habe einen Auftrag an Sie auszurichten? Auftrag -- von wem? Von Mi Fanny Lowland! Von meiner Braut? Von Mi Fanny Lowland. Mann Gottes, ist sie denn nicht mehr im Hause? ist sie wieder heimgekehrt? Nein; sie ist zum Friedensrichter, sagte William. Zum Friedensrichter? rief Curtis pltzlich beruhigt, ja das ist was anderes; aber so lange htte sie doch noch warten knnen, bis ich mich angezogen hatte. Ja da mu ich gleich nach -- Bitte, sagte William und hielt den Forteilenden zurck -- ich habe auch noch ein kleines Briefchen an Sie abzugeben. Einen Brief? von wem? Von Mi Fanny Lowland! Von meiner Braut? Von Mi Fanny Lowland. Der Mensch macht mich noch wahnsinnig, dachte Curtis, und ri dem Lchelnden das zusammengefaltete Papier aus der Hand. Es war versiegelt, und enthielt, mit Bleistift geschrieben, die folgende, trstliche Nachricht. =Dear Sir= -- Kaum darf ich hoffen, da Sie mir eine List verzeihen, zu der mich freilich nur die Nothwehr gezwungen hat. Ich liebe einen jungen Mann, einen Advocaten aus Cincinnati, und mein Onkel htte mir noch Jahrelang seine Einwilligung versagt, da hrte ich von Ihrer Ankunft. Schon am Tag vorher, ehe Sie unser Haus betraten, war die Nachricht gekommen, da Sie bei Smeiers um die Hand der Tochter angehalten, und da zwischen dort und unserem Hause nur drei Farmen lagen, von denen nur auf zweien heirathsfhige Mdchen lebten, so konnten wir mit Gewiheit darauf rechnen, Sie gestern bei uns zu sehen. Mein Plan war augenblicklich gefat; durch Sie mute ich die schriftliche Erlaubni meines Onkels bekommen, mich zu verheirathen -- ich sandte meinem Brutigam durch einen sicheren Neger Kunde, und versuchte nun selbst, Ihr Herz fr mich zu gewinnen. Ich will aber nicht eitel sein, ich will es nicht meinen Reizen zuschreiben, die mir das Ihrige so schnell eroberten; doch sei dem wie ihm wolle, mein Plan gelang, ich erhielt das Papier; Sie selber fhrten mich in die Arme meines Brutigams, der Sie am vorigen Abend erst mit dem Stein erschreckte, und dann gegen Morgen kam, mich abzuholen. Ich bin, wenn Sie diese Zeilen erhalten, -- sein Weib. Curtis starrte mehrere Secunden verblfft in das Antlitz seines Begleiters -- dann fuhr er fort zu lesen. Zrnen sie mir nicht, aber ich war stets ein wildes, unfolgsames Kind, und verdiente weder Sie noch ihren kleinen Neger, noch die hundert und fnfzig Dollar -- leben Sie wohl und machen Sie eine Andere glcklich. =P. S.= Meine Cousinen wuten Nichts von meiner List, auch Peterson's haben es nicht erfahren, nur William, der junge Mann, der Ihnen diesen Brief bergiebt, ist im Geheimni -- ihm knnen Sie vertrauen. Er hat zwei liebenswrdige Schwestern; und da Sie gerade an Ort und Stelle sind -- doch einem Manne von Ihrer Erfahrung -- Curtis warf den Brief auf die Erde und trat ihn so lange mit den Hacken seines Stiefels in den weichen Erdboden hinein, bis er auch nicht die Spur mehr davon entdecken konnte; dann wandte er sich wild gegen den jungen Mann und wollte seinem Grimm in tobenden Worten Luft machen; dieser legte jedoch warnend und beschwichtigend den Finger auf den Mund, trat lchelnd nher und sagte leise, des rgerlichen Arm ergreifend: Pst, Mr. Curtis -- Blatt vor den Mund -- um Gottes Willen Blatt vor den Mund; bis jetzt wei die Sache keiner als wir Beide, denn Mi Fanny oder -- Mrs. Grey kommt, wenn sie zurckkehrt, wahrscheinlich nicht hier wieder vorbei -- also _stillgeschwiegen_, das ist das Gescheidteste, was Sie unter den Verhltnissen thun knnen. Mit einem Mdchen, das Sie nicht liebt, wren Sie berdies nie glcklich geworden. Ich will ihr nach knirschte Curtis. Um ausgelacht zu werden? meinte William. Wollen Sie einen guten Rath annehmen, Mr. Curtis? Curtis sah fragend zu ihm auf. Sie suchen eine Frau, und werden berall abgewiesen -- Sir! Ich meine es gut, Mr. Curtis, bei Gott, ich meine es gut, aber -- gehen Sie in einen anderen Staat, wenigstens in ein anderes County. Sie wissen nicht, wie schwer es hlt, Vorurtheile zu besiegen. Mr. Peterson, ich werde Sie um Ihren Rath ersuchen, wenn ich dessen bedarf, rief Curtis entrstet, eilte zum Hause zurck, warf dort seinen Sattel auf das hchst unmuthig wiehernde Pferd, dem es gar nicht behagen wollte, einen neuen Ritt ohne vorhergenossenes Frhstck anzutreten, drckte ihm den Zaum in's Gebi, den er sich nicht einmal die Zeit nahm festzuschnallen, schwang sich hinauf und sprengte, ohne auch Jemanden good bye oder ein sonstiges Abschiedswort zu sagen, wie besessen die Strae hinauf, dem Hause des Friedensrichters zu. Der frhe Ritt aber, der kalte Nordwind, der durch den Wald dahin strich, und die noch von den Zweigen trufelnden Regenperlen, die der nchtliche Sturm in dem Nadelholz zurckgelassen, khlte seine Wangen und -- seinen Jhzorn. Er hatte zuerst im Sinn gehabt, wie ein zrnender Gott vor das Mdchen zu treten, das ihn so schndlich hintergangen, aber des jungen Peterson's Worte: Sie werden nur ausgelacht, schallten noch immer in seinen Ohren. _Ausgelacht_? er hielt sein Pferd an, und blickte nachdenkend auf die Strae nieder; _ausgelacht_ -- und hat jenes -- Geschpf -- verdient, da ich mich so um sie rgere? Sein Auge fiel auf die frisch eingedrckten Spuren zweier Pferde, von denen er die einen augenblicklich als die Spuren des Poneys erkannte, das Fanny gestern geritten. Curtis -- der fromme Curtis fluchte -- er schwur, er wolle verdammt sein, wenn er nicht Rache -- nein -- er wolle _nicht_ verdammt sein -- sagte er pltzlich, indem er den Zgel loslie, den Hut abnahm und sich mit der Hand hinter dem Ohre kratzte. Curtis! sprach er dann nach kleiner Weile vor sich hin, Curtis, bist Du nicht ein rechter strafwrdiger Narr gewesen? Das Pferd nickte ein paar Mal mit dem Kopfe auf und nieder und wieherte -- es hatte Hunger. Hast Du Dich nicht in der Ansiedelung zweck- und ziellos umhergehetzt? fuhr der Reiter fort, ohne des Pferdes Bewegung weiter zu beachten, hast Du nicht nach Glaskorallen drauen im Weiten gesucht, whrend Du einen Diamant im eigenen Hause hegst? Curtis -- Du hast diese Strafe verdient -- lange httest Du merken mssen, da Dir Nancy gut sei, und -- gestehe es Dir nur ein, Du _hast_ es gemerkt, Du hast es gefhlt, da sie Dich heimlich liebe, aber von schnder Geldgier, von dem Drang mehr und mehr Dein eigen zu nennen getrieben, verachtest Du ein Herz, das Dir mit treuer Liebe entgegen schlug, und das in Leid und Freud' bei Dir ausharrte, nur um Dich zu trsten und zu pflegen. Er schwieg und sah wohl mehrere Minuten lang sinnend vor sich nieder, dann aber, wie von einem unwiderruflichen festbeschlossenen Gedanken durchglht, setzte er den Hut wieder auf, ergriff den Zgel, lenkte den Braunen herum, der mit der grten Bereitwilligkeit Folge leistete, und sprengte dann da Kies und Funken stoben -- zurck, der eigenen Heimath zu. Aber nicht an Peterson's Hause wollte er vorber, deshalb verlie er bald die breite ausgehauene Countystrae und trabte durch den Wald dem Flusse zu, den er an einer bekannten Furth kreuzte; die Niederung dann durchschneidend erreichte er bald den Fu der sdlich liegenden Hgel, wo er wute, da er, ohne an einer Ansiedelung vorber zu kommen, seine eigene Farm erreichen konnte, und sprengte dann mit verhngtem Zgel und so schnell ihn des Braunen Fe tragen konnten, weiter. Unterwegs aber berdachte er in zrnendem Sinnen die Krbe -- die ganze Korbhandlung, die er erhalten, und grollte mit dem Schicksal, das ihn dazu verdammt habe, berall seine Hoffnungen zertrmmert, seine Plne untergraben zu sehen. War es aber das Schicksal, das Alles dieses verbt? war es ein bses Fatum, das ber seinen Handlungen wachte und die schnsten Keime noch in der Blthe erstickte? -- nein -- er hatte sonst in Allem Glck, seine Erndten gehrten stets zu den besten, sein Viehstand wuchs mit jedem Jahre strker, als er es selber zu hoffen wagte; keinem anderen Ansiedler am Fourche la fave zerri der Panther weniger Klber oder der Br weniger Schweine, und kein Haus war weniger vom kalten Fieber heimgesucht gewesen, als gerade Curtis; dabei war er ein ordentlicher, fleiiger und braver Mann, nicht streitschtig, aber tapfer und unerschrocken, wo es galt, seinen Mann zu stehen, und bei der Arbeit unermdlich. Woher nun konnte es kommen, da er von allen Mdchen, um die er anhielt, verschmht wurde, die noch berdies zu all den obigen Eigenschaften seine Verhltnisse kannten, die in diesen anspruchslosen Gegenden wirklich an Wohlhabenheit grenzten. Kaum glaublich ist es, aber die Ursache lag einzig und allein in jener Angewohnheit, von seinem kleinen Neger und seinem baaren Gelde zu sprechen; er war _verlacht_ und _verspottet_ worden, und irgend Eines der Mdchen htte lieber einen anerkannten _Schuft_ geheirathet, als einen Mann, der sich einmal -- _lcherlich_ gemacht. Curtis fhlte das jetzt selbst, und er beschlo hinfro die Aufzhlung seines Eigenthums zu verschieben, bis er darum gefragt werde -- doch -- fuhr er dann in seinem Selbstgesprche fort -- was bedarf ich dessen weiter -- Nancy liebt mich auch mit meinen Schwchen, denn sie kennt meine guten Eigenschaften ebenfalls, und ich werde jetzt das Glck zu Hause finden, das ich, Thor der ich war, vergebens unter Fremden suchte. Diese Nacht lagerte er bei einem alten Jger, der, ziemlich abgeschieden von anderen Ansiedelungen, sich dicht am Flussesufer eine kleine Htte gebaut hatte, Viehzucht trieb und dabei jagte. Er fand dort gastliche Aufnahme und Nahrung fr sich und sein Pferd; schlief auch, da er die Gewiheit hatte, der Alte knne Nichts von seinem Unglck erfahren haben, sanft und ruhig die Nacht, und war am andern Morgen, als die Sonne eben erst den uersten Hgelsaum vergoldete, schon wieder unter Weges. Ihn trieb jetzt die Sehnsucht heim, wie sie ihn vor wenigen Tagen fortgetrieben, und freudig und strmisch klopfte sein Herz, als er endlich das eigene Dach hinter den maigrnen Maulbeerbumen, die dem Hofe Schatten gaben, hervorschimmern sah. Der Braune wieherte ebenfalls vor Freuden, als er den heimischen Trog erblickte, und Curtis streichelte ihm im Mitgefhl den schngeformten Hals. -- Ha -- da war Nancy -- sie hatte das bekannte Wiehern des Braunen gehrt, und war in die Thr gesprungen, das heimkehrende Paar zu begren, das heit, nicht etwa den Braunen und dessen Herrn, sondern den Herrn und dessen -- Frau; sie blieb auch etwas berrascht in der Thre stehen, als sie Mr. Curtis allein zurckkehren sah; dieser aber drckte dem treuen Thier die Hacken in die Seite, sprengte bis dicht vor die Pforte, blieb dort pltzlich mit einem Ruck halten, und sagte: Guten Morgen, Nancy? Ei guten Morgen, Mr. Curtis, rief das frhliche Mdchen, Sie scheinen ja heute gewaltig guter Laune zu sein; ich dachte aber Sie brchten Gesellschaft? Wie gehts Nancy? frug Mr. Curtis, ohne jedoch auf die letzte Bemerkung weiter zu achten, indem er immer noch vor dem Hause hielt, und zu ihr aufsah -- wie ist es die Tage ber gegangen? Danke -- gut, Mr. Curtis -- sehr gut -- aber warum steigen Sie denn nicht ab? wo bleibt denn der Besuch? ich habe das ganze Haus gescheuert und gekehrt. Schadet Nichts, Nancy, sagte Mr. Curtis, und sah sinnend auf den -- kleinen Neger nieder, der hchst bedeutungsvoll vor ihm stand und dem Pferde nach dem Zgel griff -- ja Bob, rief er diesem dann zu, fhr ihn fort und fttere ihn gut, ich reite nun sobald nicht wieder aus, der Braune soll sich eine Woche pflegen, denn zu Richter Houstons nebenbei knnen wir zu Fue gehn. Hre Nancy, wandte er sich dann an das junge Mdchen -- ich hab Dir viel zu erzhlen, und mu Dich um etwas fragen. -- Mich? -- ei um was denn? Sollst es gleich erfahren, aber -- Du hast Dir ja all Deine Sonntagskleider vorgeholt? ist ein Tanz in der Nhe? Ach Mr. Curtis -- ich htte Ihnen auch viel zu erzhlen, sagte Nancy, und wurde feuerroth. Nun Nancy? heraus mit der Sprache, lchelte dieser, heraus mit der Sprache -- was ist's? Ach, Sie werden mich auszanken! Ich Dich auszanken, Nancy? habe ich Dich jemals ausgezankt? Ach Gott ja, wissen Sie wohl das eine Mal, wo ich ber den kleinen Neger -- Oh -- Unsinn, sagte Mr. Curtis. Es war Jemand hier whrend Ihrer Abwesenheit, fuhr Nancy fort. So? wer denn? aber was wolltest Du mir denn erzhlen? Mr. Pelter, Sir, -- der junge Mr. Pelter. -- So? wollte er das Joch Ochsen kaufen, wegen dem er sich schon fast die Fe abgelaufen hat? -- Nein -- er -- er hat, sagte Nancy zgernd und bis in die Haare hinauf errthend -- er hat um meine Hand angehalten. Curtis zuckte wie von einem Blitzstrahl getroffen zusammen, und blickte dem Mdchen so wild, so stier in's Auge, da dieses erschreckt einen Schritt zurcktrat und ausrief: Mr. Curtis! Es war aber auch nur ein Moment, dann geschah ihm das, was uns armen Sterblichen nicht selten geschieht, wenn ein Unglck so schnell dem andern folgt, da wir kaum Zeit behalten, ber das erste nachzudenken, whrend schon das zweite und dritte nachbricht -- die ganze Sache kam ihm komisch vor -- er schlug ein frchterliches Gelchter auf und fing dann wie wahnsinnig an zu pfeifen. Nancy sah ihn erschrocken an -- was konnte dem Manne wohl fehlen? sein ganzes Benehmen war ihr schon sonderbar erschienen -- sollte er -- es wre schrecklich -- bergeschnappt sein? -- Bob! rief Curtis seinen kleinen Neger an -- Jes Massa. Sattle den Rappen, der Braune mag sich ausruhen, ich mu fortreiten. Aber Mr. Curtis -- sagte Nancy. Und wann wollt Ihr Euch verheirathen, Nancy? Sobald Sie zurckkamen -- heute -- stotterte Nancy. Willst Du mir einen Gefallen thun, Nancy? Gern -- von Herzen gern -- welchen? Willst Du noch bei den Kindern bleiben und auf das Haus acht geben, bis ich, vielleicht in acht Tagen, zurckkehre? Das will ich mit Freuden, aber -- wo wollen Sie denn hin? -- Nach Tenessee hinber, vielleicht nach Kentucky, sagte Curtis, und trat vor die Thre, denn in diesem Augenblick brachte Bob den Rappen. Good bye Nancy -- sagte Jeremias, als er sich in den Sattel schwang. Good bye Mr. Curtis, sagte Nancy, als sie ihm kopfschttelnd nachblickte. Jeremias aber setzte wieder, wie vor einigen Tagen, ber den Bach weg und pfiff sich ein munteres Lied, bog aber diesmal anstatt links, rechts in die Countystrae ein, und murmelte, als er dem feurigen Rappen den Hacken fester in die Seite drckte: Das mte doch mit dem Henker zugehen, wenn ich keine Frau kriegen knnte. * * * * * Jeremias Curtis zog nun ber den Arkansas, und wie es hie, sogar ber den Mississippi hinber. Nancy aber, die allerdings versprochen hatte, bei den Kindern, keineswegs aber ledig zu bleiben bis er zurckkehre, schlo nicht mit Unrecht, da dies wohl noch eine Zeit lang dauern knne, und da es, wie sie schon mehrere Sonntage gehrt hatte, nicht gut wre, da der Mensch allein sei, besonders in den dichten Wldern des fernen Westens, so verband schon am zweiten Tage nach Curtis pltzlicher Abreise der benachbarte Friedensrichter die beiden Liebenden, und der junge Mr. Pelter zog, da die Heerden doch unmglich so lange ohne mnnliche Aufsicht bleiben konnten, indessen als Verwalter auf Curtis Farm. Hoffentlich bekomme ich recht bald und recht gnstige Nachrichten ber Curtis zweiten Zug, und werde dann sicherlich nicht ermangeln, dem freundlichen Leser mitzutheilen, ob _Curtis eine Frau bekam_. Schulen in den Backwoods. Schulen und Urwald sind eigentlich zwei einander sehr entgegengesetzte Begriffe. Die wild und schauerlich rauschenden Baumwipfel und das Erlernen von Gegenstnden, die gerade in ihrem Schatten am wenigsten anwendbar sind, stehen sich einander fast zu unvereinbar und schroff gegenber; es ist aber hiermit wie mit der Fabel von dem Baume, der dem Menschen erlaubte ein kleines Stck Holz, nur so viel als er zum Stiel einer Axt gebrauchte, zu nehmen, und sich bald darauf durch diesen ihm so gering erschienenen Span angegriffen und gefllt sah. So ist es mit den Schulen im Urwald: zuerst sammeln sich in roh aufgeschlagener Htte, im Schatten und unter dem Schutz der Wildnisse, die Kinder und jungen Leute aus den vereinzelten Ansiedlungen und Jgerwohnungen; aber ihre Fhigkeiten wachsen -- bald stehen ihnen die sie umstarrenden Riesenstmme zu beengend und hemmend im Weg und die herrlichen Bume fallen, der Wald wird gelichtet, das Land urbar gemacht, Farmen und Stdte springen auf und der Pflug durchfurcht den Platz, Lastwagen knarren ber die Stelle wo noch vor wenigen Monden der Br sein stilles und ungestrtes Lager aufgeschlagen, wo kein Laut das feierliche Waldesschweigen gebrochen hatte, als der gellende Schrei des Panthers und der schauerliche Ruf der Eule und des Whip-poor-will. Es ist eine traurige Wahrheit, der Poesie des Lebens folgt die trockene, ernste Prosa, der frhlichen Jugendzeit das gesetzte, sorgenvolle Alter, den bunten, glnzenden Luftschlssern des Kindes die dsteren, kalten Gebude des Mannes mit ihren zugigen Gngen und rauchenden Kaminen, dem Brautstand die Ehe, dem freien, sorglosen Waldleben der Pflug und die Egge des Landmanns und die dumpfige Schreibstube des Gelehrten und Kaufmanns. Die Leute sagen: die Welt wird besser, der Segen der Civilisation spricht aus den wallenden Getreidefeldern und den friedlich rauchenden Htten des Landmanns, aus den blhenden Stdten und belebten Landstraen, die sich zwischen grnen Hecken und blhenden Obstbumen hinziehen; aber die Natur trauert. Aus tausend qualmenden Fabrikschlnden wlzt sich erstickender Kohlendampf und legt sich wie giftiger Mehlthau auf die grnen Matten, der Staub der Landstraen bedeckt Bltter und Blthen, und gespalten und aufgerissen lechzt die schmachtende Erde, des khlen Schattens ihrer Wlder beraubt, nach Thau und Erquickung. Die Welt ist civilisirt und hat ihren groen Endzweck, sich zu vervollkommnen, erreicht, so sagen die Weien; der Indianer aber wickelt sich schweigend in seine Decke, wirft noch einen trauernden Blick auf diese Civilisation, die ihm freilich, da sie sein Alles, seine Heimath, sein Glck zerstrte, Verwstung erscheint, und -- stirbt. -- Die Welt ist civilisirt. Doch ich spreche hier Gefhle aus, welche in Europa wohl wenig Anklang finden mchten; die Welt ist civilisirt und die Leute kennen sie hier nicht anders -- sie sind sich nur des einen Triebes bewut, und es ist auch vielleicht recht gut so; das wilde Leben _mu_ der Cultur, die rohe Kraft dem hheren Geiste weichen, und die Gebeine des Indianers dngen mit dem Wald, der einst seine Heimath war, den Acker des weien Mannes. In den Vereinigten Staaten von Nordamerika geht diese Umgestaltung mit rasend schnellen Schritten vor sich, und wie bei einer Feuersbrunst die Flamme zu gleicher Zeit zngelnd nach tausend verschiedenen Stellen hinberleckt und weit und weiter um sich greift, so bricht sich auch Aufklrung und Cultur im Norden, Westen und Sden Bahn durch die Wildni, und noch von den Wigwams der Ureinwohner umgeben, entsteigen blhende Pflanzungen und Kirchen und Schulen vor den Blicken des erstaunten Indianers dem Boden. Die Bevlkerung der verschiedenen Staaten ist namentlich in den letzten zehn Jahren ungeheuer gewachsen; nach einer Zhlung vom Januar 1840 belief sich die Gesammt-Einwohnerzahl auf 17,062,566 Seelen, die jetzt auf 23 Millionen gestiegen ist. Unter diesen waren 386,245 freie Neger und Abkmmlinge von Negern, oder sogenannte =coloured persons=, ferner 2,487,213 Sklaven und 14,189,108 freie Weie. Von den letzten 14 Millionen waren 6,439,700 zwanzig und ber zwanzig Jahre alt, und von diesen konnten noch 549,693 weder schreiben noch lesen. Hieran waren aber bis jetzt grtentheils die Kriege und Kmpfe mit den Eingebornen Schuld, denn die khnen Pionniere des Westens, allein und unbeschtzt zwischen ihnen feindlich gesinnten Stmme vorgedrungen, konnten, wenn sie wirklich die Kenntnisse dazu besaen, keine Zeit darauf verwenden ihre Kinder zu unterrichten, so lange es galt, Tag und Nacht ihr eigenes Leben und Eigenthum gegen den schlauen und wilden Feind zu schtzen; jetzt aber, wo dieser, mehr und mehr verdrngt, bald nur noch in der Erinnerung der alten Leute und in den Sagen und Erzhlungen der Nachwelt leben wird, ndert sich auch dieses. Der Wald ist sicher und die Kinder drfen allein das schtzende Haus verlassen, um der meilenweit entfernten Schule zuzueilen. Die Anzahl von Schulen in Nordamerika ist betrchtlich; Universitten und hhere Schulen giebt es 173, Real- und Vorbereitungsschulen 3242 und von den geringeren im ganzen Lande zerstreuten Instituten fr die ersten Anfangsgrnde, von sogenannten Abcschulen, 47,209. Auf die erstern werden dabei 16,233, auf die mittlern 164,159 und auf die letztern 1,845,244 Schler gerechnet, wozu noch 468,264 auf Staatskosten oder Freischler gezhlt werden mssen. Die Universitten und Schulen der stlichen und selbst der sdlichen Staaten sind brigens den europischen zu hnlich, um hier besonders viel ber sie zu sagen, die westlichen oder Backwoodsschulen aber zeichnen sich dagegen durch so viel Eigentmliches aus, da sie allerdings eine kurze Beleuchtung verdienen, die manchem nicht uninteressant erscheinen wird. Vom Staate selbst ist fr die Erziehung der Kinder immer die sechzehnte Section (640 Acker) jedes Townships[7] bestimmt, und wird das Schulland genannt. Dieses soll nur zum Nutzen der Schulen und des ihnen vorgehenden Lehrers verwendet werden; in den westlichen Staaten aber, den sogenannten Backwoods, geschieht wenig mehr mit diesem Landstrich, der, wie es sich trifft, bald aus dem herrlichsten, bald aus dem schlechtesten Boden besteht, als da hchstens ein kleines Blockhaus, das Schulgebude, darauf errichtet wird und der Schullehrer, welcher eine solche Stelle selten auf lnger als ein oder zwei Jahre, oft nur fr eine Jahreszeit, den Winter, bernimmt, ein kleines Stckchen davon urbar macht und Kartoffeln oder Mais hineinpflanzt, was denn vielleicht im nchsten Jahr, wenn sich sein Nachfolger nicht darum bekmmert, so verwchst und verwildert, da es, ordentlich wie zornig darber, seinem Naturzustande auf kurze Zeit entrissen gewesen zu sein, mit dem tollen Gewirr von Unterholz und Schlingpflanzen gar nicht wieder zu lichten ist. Sonst beschtzen es aber die in der Nhe lebenden Ansiedler insofern, da sie den Fltzern (=rafters=) nicht gestatten, sich von diesem Landstrich, wenn er gerade bequem an einem Wasserlauf liegen sollte, Stmme zu holen und diese den Flu hinabzuschwemmen, gegen welchen Erwerbszweig sie sonst, wenn es blos Onkel Sams[8] Grund und Boden wie Holzung betrifft, hchst nachsichtig sind. 7: Das Township selbst besteht aus einem Quadrat von sechzehn Sectionen. 8: Launige Bezeichnung der =U. (nited) S. (tates). Uncle Sam=. Wo Ansiedler nun ganz allein und nachbarlos leben, die z. B. in den Smpfen des stlichen Theiles von Arkansas und Missouri, wo sie vielleicht 15, ja 20 und noch mehrere Meilen wandern mssen, ehe sie die Spuren menschlichen Wirkens und Fleies erblicken knnen, da hrt denn freilich jedes Schulgehen der Kinder auf, oder hat vielmehr noch gar nicht angefangen; die Knaben durchstreifen den Wald und jagen und fischen, und die Mdchen bleiben daheim bei der Mutter und spinnen die Baumwolle, welche ihnen der Vater dann und wann von seinen Zgen in das nchste Stdtchen mitbringt, oder die sie auch wohl selbst in einem kleinen Feld neben dem Hause gezogen haben. Nhern sich aber diese Ansiedlungen einander auf 5 bis 6 Meilen, dann fangen die Farmer an sich nach einem Schullehrer umzusehen; gewhnlich treibt Einer von ihnen irgendwo einen wandernden Yankee, manchmal auch einen Deutschen auf, und der Grund zur Civilisation wird gelegt. Haben sie den Schullehrer erst, dann stellt sich ihnen auch die Nothwendigkeit heraus, ein Haus zu bauen, wobei dieser gleich mit Hand anlegen kann, die Nachbarn werden also zusammenberufen und in wenig Tagen steht die kleine anspruchslose Htte fertig mit Dach und Thre da. Zwar befindet sich das Kamin noch sehr im Naturzustande, und eine Diele fehlt gnzlich, es ist ja aber nur die Schule, und da kommt das nicht so genau darauf an. Sind nun in dem District, aus welchem die Kinder gemeinschaftlich die Lectionen besuchen sollen, recht gescheute Leute, die sich berufen glauben, dem Manne, der ihr junges Amerika bilden soll, einmal ernstlich auf den Zahn zu fhlen, so wird ein Examen angesetzt, in welchem der Lehrer einige sehr verfngliche Fragen ber Grammatik und amerikanische Geschichte vorgelegt bekommt, und ihm verschiedene entsetzlich klingende, und zu diesem Zweck besonders ausgesuchte fnf- bis sechssylbige Wrter zum Buchstabiren aufgegeben werden; hat er diese Fragen zur Genge beantwortet und kann er (auf schne Schrift wird weniger gesehen) besonders recht schnell und klein schreiben, so ist sein Ruf begrndet, die Mnner bettigen, da er =knows a heap=, oder mit andern Worten ein sehr gescheuter und gebildeter Mann sei, und am nchsten Montag beginnt die Schule. Von diesem Augenblick an ist der Schullehrer heimathlos, denn er geht nun aus einer Hand in die andere, d. h. er boardet oder wohnt in dieser Woche bei dem, in der Woche bei einem andern Farmer und hat nirgends einen Platz, den er sein eigen nennen knnte, das Schulhaus selbst ausgenommen, das sich brigens stets in einem nichtsweniger als wohnlichen Zustand befindet. Sein Gehalt betrgt von 10 bis 15, oft sogar 20 Dollars den Monat, und tglich hat er dafr seinen Zglingen sechs, auch sieben Stunden zu geben. Diese kommen Morgens, wenn sie ber eine Meile entfernt wohnen, was auch fast bei allen der Fall ist, auf ihren kleinen, indianischen Poneys angallopirt, binden diese an die das Schulgebude umgebenden Bsche, nehmen ihre Bcher und ihr Mittagbrod, das sie in einer Blechbchse bei sich tragen, mit hinein, und setzen sich auf die zu ihrem Nutz und Frommen roh aufgeschlagenen Bnke von weichem -- Holz. Fenster hat das Zimmer oder vielmehr das Haus (denn das ganze Haus besteht nur aus einem Zimmer) nicht, die Thr bleibt dehalb offen, um das nthige Licht hereinzulassen; zum Schreiben aber luft ein zwischen zwei Stmmen an der einen Seitenwand schrg befestigtes Brett hin, welches dadurch erhellt wird, da man den Zwischenraum zwischen den gerade ber demselben befindlichen Blcken nicht ausgefllt hat, was, wenn man diese Spalte nur an der Sd- oder Sdostseite anbringt, dem Zweck ziemlich entspricht, da es von der Wetterseite her hineinregnen wrde. Die Hauptwissenschaft in diesen Anstalten besteht im Buchstabiren und richtigen Abtheilen der Wrter, in der englischen Sprache allerdings nicht so ganz leicht zu erlernen, und dieses Buchstabiren wird wirklich, selbst noch von erwachsenen Personen, mit wahrer Leidenschaft getrieben; es kommen ordentliche Gesellschaften zusammen, nur um zu buchstabiren, und in diesen bilden sich dann zwei Parteien, die einander recht schwierige Wrter aufgeben. Sobald die Schler hierin einige Fortschritte gemacht haben, beginnt das Schreiben, die Grammatik und hin und wieder einige Stunden Geschichte, wo vor allen Dingen, wie das auch nicht mehr wie recht und billig ist, der nordamerikanische Freiheitskrieg durchgenommen wird. Das ist der regelmige Cursus in den gewhnlichen Backwoodsschulen; oft aber geschieht es auch, da, wie ich ein Beispiel aus den Bay de View-Smpfen in Arkansas wei, irgend ein durchziehender Krmer oder Kaufmann, dessen Geschft auf eine andere Art nicht recht gut gehen will, Gastrollen als Schullehrer giebt. Dieser also, wenn er in eine Gegend kommt, in der noch frher nie Schule gehalten wurde, macht auf einmal bekannt, (d. h. er reitet von Haus zu Haus und meldet es selber), da er das Winterhalbjahr Stunden geben wrde, und ladet nicht allein die Kinder, sondern mehr noch die schon erwachsenen jungen Leute ein, gegen ein gewisses Honorar an dem Unterricht Theil zu nehmen. In dem oben erwhnten Fall hatte der pltzlich von Tenessee hereingeschneite Lehrer, ein Handlungscommis aus Memphis, Schreibestunden angekndigt, und wohl einige 30 Schler, meistens junge Mdchen und junge Leute von 10 bis 20 und 22 Jahren bekommen; von diesen allen aber konnten, drei ausgenommen, _keiner_ weder lesen noch buchstabiren, und sie lernten nur, nach den ausgelegten Vorschriften und persnlichen Anweisungen, die Buchstaben und zuletzt die Worte nachmalen, worin sie es, ein Beispiel was bung thut, schon zu ziemlicher Fertigkeit gebracht hatten. Die Folgen waren brigens leicht vorauszusehen, der Lehrer blieb nur etwa vier Monate, und ging, da er das kalte Fieber nicht wieder loswerden konnte, mit seinem indessen verdienten Gelde nach Tenessee zurck. Als ich darauf in Jahresfrist jene Gegend zum zweitenmal durchzog, und bei einem Farmer bernachtete, dessen erwachsene Kinder ebenfalls an dem Unterricht Theil genommen hatten, und diese bat, mir auf ihrer Schiefertafel, auf der sie mit einander Wolf und Schafe, oder wie sie's dort nennen Fuchs und Gnse spielten, etwas vorzuschreiben, so waren sie auch gern dazu bereit, aber welcher Sprache diese fremdartigen Zeichen und Hieroglyphen angehrten, sah ich mich nicht im Stande zu bestimmen, den Begriff der Buchstaben und Worte hatten sie nie gelernt und die Form und Gestalt derselben bald wieder vergessen. Rechnen gehrt auch schon eigentlich zu den hheren Wissenschaften, doch wird das immer noch eher betrieben, weil es mehr in's Leben eingreift; mit der Geographie mssen sich die Lehrer dagegen sehr vorsehen, denn ich wei selbst ein Beispiel, wo sich ein alter Backwoodsman einst die Karten von Arkansas und Missouri, nach welchen der Lehrer unterrichtete, zeigen und erklren lie, und nach einer Weile entrstet aufsprang und seinem Sohn befahl, sein Buch zu nehmen und mitzukommen: wo solche Lgen gelehrt wrden, wollte er sein Kind nicht hinschicken, meinte er und zeigte dann, als der Lehrer ganz verwundert und erstarrt dastand, zornigen Blickes das Messer aus der Scheide reiend, mit dessen Spitze auf die vor ihm ausgebreitete Karte. Also hier kommt White River heraus, oh? und da entspringt er -- und die kleinern Striche hier, und die Grasbschel, das ist Sumpf -- oh? Ja -- so steht's auf der Karte, und ist so nach den neuesten Vermessungen angegeben. So? also das soll ich glauben, und dann ist auch da an der Buffalofork kein Berg, nicht wahr? und Mulberry mndet ber Ozark in den Arkansas? und wo ist denn der Richland und der Wareagle, und wo ist der Spiritcreek und Frog-Bayou? Also jetzt soll mein Junge die Lgen lernen, und wenn er nachher hinein in den Wald kommt, dann steht er da, wird irre und verluft sich -- nein so was kann ich ihn selber lehren, da brauch' ich die Papierverderber nicht dazu. Der alte Jger nahm seinen Sohn wirklich mit zu Hause, und es bedurfte der ganzen berredung seiner Frau und Schwgerin, da er ihm endlich wieder erlaubte hinzugehen; er legte es dem Jungen aber dringend an's Herz, kein Wort von dem zu glauben, was ihm der Yankee vorschwatzen wrde. Der Sonnabend ist in den Vereinigten Staaten, in den westlichen wenigstens, durchaus schulfrei. Fnf Tage wird nur gelehrt, und der Freitag Abend gewhnlich zu Red- und Denkbungen benutzt, an denen dann nicht nur Kinder, sondern auch die Erwachsenen, ja alte Personen aus der Umgegend Theil nehmen. Es ist die aber in der That eine sehr gute und zweckmige Einrichtung, und gewhnt nicht allein die jungen Leute daran, ber ihnen vorgelegte schwierige oder verwickelte Fragen scharf nachzudenken, sondern macht sie auch zu frhen Rednern und lehrt sie die Scheu, ffentlich zu sprechen, abzulegen. Diese Versammlungen heien kurzweg Debatten, und jeder hat dazu freien Zutritt. Ich habe brigens einen solchen Abend in meinen _Streif- und Jagdzgen_ ziemlich ausfhrlich beschrieben, und will nur hier noch die ungefhren Gesetze und Verhltnisse derselben kurz angeben. Zuerst werden zwei Richter gewhlt, die sich gewhnlich etwas vom Feuer zurck gerade gegen das Kamin zu setzen; dann folgt die Wahl zweier Capitne, um die Verhandlungen zu leiten, und diese suchen sich nun unter den Anwesenden solche aus, von denen sie sich die besten Argumente versprechen; erst dieser Capitn einen, und dann der andere, bis smmtliche Mitglieder verbraucht sind. Die zwei feindlichen Parteien nehmen jetzt die beiden Seiten des Kamins ein, und nun wird von den Richtern ein Thema oder vielmehr eine Disputation aufgegeben, ber welche debattirt werden soll; verstndigen sich die Capitne, welchen Theil sie vertheidigen wollen, gut, so bedarf es weiter keiner Anordnungen; ist das aber nicht der Fall, so entscheiden die Richter diesen Punkt. Gewhnlich wird ein Geldstck in die Hhe geworfen, um die beginnende Partei zu bestimmen, wo es denn vorher ausgemacht wird, ob Kopf oder Schrift den Ausschlag giebt. Das Thema oder die Debatte wird sehr verschieden, manchmal ernst, am meisten aber komisch gewhlt, und es kommen oft, besonders unter den Schulkindern, gar sonderbare Argumente dabei zum Vorschein. Beispielshalber will ich hier die folgenden auffhren: Ob Neger oder Indianer das meiste Unrecht von den Weien erlitten haben (ein wunderbares Capitel fr einen amerikanischen Sklavenstaat, und doch kam es in Arkansas vor); ob die katholische oder jdische Religion die bessere sei. (Die Richter, ein paar strenge Methodisten, wollten sich weder zu Gunsten der einen noch der andern entscheiden und erklrten einstimmig, da alle beide nichts taugten). Ob die Erfindung des Pulvers oder des Papiers Amerika den meisten Nutzen gebracht haben, (die Entscheidung fiel fr das Pulver gnstig aus). Ob ein Kchelchen, von einer Ente aus einem Hhnerei gebrtet, diese oder das alte Huhn als seine Mutter zu erkennen habe. Ob eine bse Frau oder ein rauchendes Kamin schlimmer sei etc. Was mir besonders lobenswerth bei allen diesen Verhandlungen erschien, war der Ernst, mit dem smmtliche Anwesende oft dem baarsten Unsinn lauschten, besonders wenn ein Jngerer sprach; er mochte schwatzen was er wollte, so lachten sie nie, ausgenommen die Sache gehrte an und fr sich zu den komischen. Sie gehen dabei von dem ganz richtigen Grundsatz aus, man msse die jungen Leute nicht abschrecken und sie den Muth verlieren machen. Der Nutzen, den diese Freundlichkeit und Nachsicht gewhrt, ist augenscheinlich, besonders in den westlichen Staaten, wo ich junge Leute, die sonst schchtern und ngstlich schienen, bei politischen Versammlungen habe auf irgend einen abgehauenen Baumstumpf treten, und lange, wenn auch nicht tief durchdachte aber doch durch kein Stocken unterbrochene Reden halten sehen; schon die Schulkinder ben sich auf diese Art unter einander. Das Verhltni zwischen Lehrer und Schler ist ebenfalls in Amerika ein ganz anderes, als in den europischen Lndern. Jene Freiheit und Gleichheit, die alle Stnde mit einander verbindet, dehnt sich auch auf diesen aus, und so ernst und streng der Lehrer in der Schule sein mag, so ungezwungen betrgt er sich auerhalb derselben oder in den Zwischen- und Erholungsstunden gegen seine Schler. Selten spielen diese ein Spiel oder halten einen Wettlauf, an dem er nicht Theil nimmt, und oft ist er der ausgelassenste des ganzen Haufens, nie aber auch wei ich, da Knabe oder Mdchen, in den Backwoods nmlich, einen Schlag von dem Lehrer erhalten habe; durch Ehrgeiz treiben sie schon einander selbst zum Lernen an, und dieses wchentliche Zusammenkommen zum Debattiren und Buchstabiren ist gewissermaen ein eben so oft wiederholtes Examen, bei dem Eltern und Freunde gegenwrtig sind, und der junge Amerikaner mchte um die Welt nicht am schlechtesten bestehen, denn er wrde ja zu Hause damit geneckt werden und in der Classe nicht unter den ersten sein, auch wrden ihn die Mdchen auslachen (Knaben und Mdchen theilen stets dieselben Stunden), und das wre doch zu entsetzlich. Mit regem Eifer drngt ihn also schon sein innerer Trieb zum Lernen, und von dem Augenblick an, wo er die Schule betritt, denkt er fast nicht mehr an Spielen und Umherrennen, sondern sitzt ehrbar und andchtig mit seiner Schiefertafel in der Ecke und malt seine Buchstaben und Zahlen. Das kindliche Leben aber, die frhlichen Spiele der Jugendzeit, das Alles kennt der Amerikaner auch nur dem Namen nach; von dem Augenblick an, wo er allein gehen und sich ankleiden kann, gehrt er nicht mehr sich selbst, sondern seinen Eltern und beginnt mit Hand anzulegen an der groen Aufgabe des Lebens. Ist es ein Knabe, so mu er mit in's Feld und kleine Bsche zusammentragen, auf einen Haufen werfen und spter anznden und verbrennen, Spne und trockene Rinde fr Mutter oder Schwester zum Kochen herbeischleppen und tausend andere kleine Handreichungen thun; wird er etwas strker, so holt er den Mais aus dem Corncrib und fttert Pferde und Schweine, haut Brennholz und hilft mit im Kornfeld die Maishgel anhacken. Ist es ein Mdchen, so lernt es schon, wenn es kaum auf den Tisch sehen kann, das Geschirr auswaschen und Brodteig anrhren, und wird es nur ein klein wenig lter, spinnen und weben. Puppen kennt es kaum dem Namen nach, mit andern Kindern kommt es auch, der weiten Entfernung der auseinanderliegenden Farmen wegen, selten oder nie in Berhrung und wird schon mit dem achten oder neunten Jahre =an old woman= (eine alte Frau), wie es sich gern nennen lt. Oft zwingt freilich auch die Nothwendigkeit die armen Kinder zu einer Thtigkeit, welche ihren Jahren keineswegs angemessen ist. So starb am Richland, in den Ozarkgebirgen, die Frau eines Farmers am Nervenfieber (der arme Mann hatte keinen Arzt und keine Medicin bekommen knnen, und der Leidenden nur immer Calomel gegeben, bis sie todt war); sie hinterlie sechs Kinder, von denen das lteste ein Mdchen etwa neun Jahre alt, das jngste noch ein Sugling war, und der Vater konnte sich, da er seinen Mais pflanzen mute, wenn er das kommende Jahr etwas fr sich und seine Familie zum Leben haben wollte, gerade in dieser Zeit gar nicht um die Wirthschaft zu Hause bekmmern. Da fiel dann die ganze Arbeit, die ganze Sorge, nicht allein fr smmtliche Kinder, sondern auch fr die Wirthschaft, auf das arme Mdchen, selbst noch ein Kind, das vorher schon Monate lang die kranke Mutter hatte pflegen mssen, und alle lebten in einem kaum eine Htte zu nennenden Blockhaus, mit nicht ausgefllten Spalten zwischen den Stmmen, ohne Diele und fast ohne Bett; der Vater mute sich wenigstens Nachts mit seinen drei Knaben Rinde auf die Erde vor das Kamin breiten und auf darber gelegten Hirschfellen und mit wollener Decke gegen den Wind geschtzt, der berall das Gebude durchzog, vor dem wohlunterhaltenen Kaminfeuer frmlich lagern, whrend die brigen vier Kinder sich auf zwei Betten zusammenkauerten, wenn man nmlich dnne, mit ungereinigten Truthahnfedern gestopfte Matratzen und eine leichte Steppdecke wirklich ein Bett nennen kann. Und doch waren die Kinder zufrieden, sie wuten es nicht anders, und ich erinnere mich, da sie uns mit Jubel empfingen, als wir, mein alter Jagdgefhrte und ich, dort eines Abends Schutz gegen ein heraufsteigendes Unwetter suchten und einen gewaltigen wilden Truthahn mitbrachten, den ich geschossen. In den stlichen Staaten und Stdten verbessert sich freilich das Schulwesen mit jedem Tage; die Ansiedlungen liegen dort dichter; breite, gute Straen setzen die verschiedenen Wohnungen miteinander in Verbindung, und nicht jeder herumstreifende Krmer oder Yankee wird angenommen, sobald er den Wunsch zu erkennen giebt, der Lehrer ihrer Kinder zu sein. In Cincinnati besonders entstanden schon 1841 drei Freischulen, in denen nicht allein Rechnen, Lesen und Schreiben, sondern auch Englisch und Deutsch, wie Geographie und Geschichte gelehrt wurde, und auch in St. Louis, wie berhaupt im Norden der Vereinigten Staaten, hat das Erziehungswesen bedeutende Fortschritte gemacht. Besonders sind in Louisville ausgezeichnete Schulen, und hierher werden vorzglich die jungen Indianer aus dem Westen von Arkansas gebracht, um in den Knsten und Wissenschaften der Weien unterrichtet zu werden. Was das Schulwesen unter den Indianern anbetrifft, so versehen die bis jetzt noch einzig und allein die Missionre; die civilisirten Stmme natrlich, als Chacktaws, Cherokesen, Shawnees und einige andere, dicht an den Grenzen der Weien lebende Nationen ausgenommen, die, wenigstens fr die Anfangsgrnde, ihre eigenen Lehrer haben. Den amerikanischen Missionren liegt aber keineswegs das Seelenheil ihrer Beichtkinder allein am Herzen, die Amerikaner sind ein zu sehr speculirendes Volk, um der Religion jedes andere Interesse nachzusetzen. So kommt es denn, da, wie die besonders im Oregongebiet deutlich wird, einzelne fromme Mnner sehr ehrbar und eifrig mit der Religion anfingen, bald aber, nachdem sie die rothen Shne der Wildni bekehrt und ihren Willen gebeugt hatten, den Yankee hervorsteckten und unter dem Vorwande, sie mit dem Segen des Ackerbaues bekannt zu machen, fr sich selbst groe Farmen anlegten und dann, wenn sie erst einmal eine eigene Heimath gegrndet, damit zufrieden waren, _die_ Wilden zu belehren und zu bessern, welche sich gerade in ihrer Nachbarschaft befanden, oder mit denen sie zufllig in Berhrung kamen. Aus den Missionren wurden so nach und nach Farmer, und das religis zugeschnittene Kleid wich dem bequemern Jagdhemd. Die Alligator-Jagd. In den ungeheueren Smpfen Louisiana's und berhaupt in dem ganzen sdlichen Theil der vereinigten Staaten lebt in den warmen Wassern der Lagunen und Flsse der Alligator (=crocodilus lucius. Cuv.=) in ungeheuerer Anzahl. Er gehrt zu dem Geschlecht der Eidechsen und hat ganz die Gestalt und Beschaffenheit dieser Thiere, erreicht aber, besonders in den sdlichsten Theilen von Louisiana und Florida, oft eine Lnge von zwlf bis sechszehn Fu. Der ungeheuere Kopf, der fast den vierten Theil des ganzen Thieres ausmacht, ffnet, wie der Haifisch, den Oberkiefer, statt des Unterkiefers, und zeigt dann ein uerst anstndiges Gefnge, das den gewaltigen, rosenrothen Schlund einfat. Den Krper selbst umgiebt eine harte, panzerartige, aus lauter kleinen eckigen Stcken bestehende Haut, die unter dem Bauche in weien, harten Schuppen ausluft. Die Nasenlcher ragen, am Ende des Rachens, ber diesem empor und liegen dicht zusammen, und wenn der Alligator an einem stillen, sonnigen Tag auf dem Wasser gewissermaen ruht, so schauen nur die Lichter, mit einem kleinen Theil des Kopfes und Nackens, und dann weiter vorn, oft sechszehn bis zwei und zwanzig Zoll von ihnen entfernt, die Nasenlcher ber dem Wasserspiegel hervor. Die Lichter selbst sind sehr klein und sehen tckisch und katzenartig aus, die Lufe dabei kurz und zum Gehen ungeschickt, desto besser schwimmt aber dafr der Alligator. Eine seiner Lieblingsbeschftigungen ist es, im heien Sonnenschein auf den sandigen Uferbnken der Seen oder Flsse zu liegen und mit aufgesperrtem Rachen das Herbeifliegen von Insekten abzuwarten, die durch den bisamartigen Geruch, welchen einige Drsen, die er unter dem Halse trgt, verbreiten, angelockt werden, sich auf seine breite Zunge setzen und von ihm, wenn er genug zu haben glaubt und zuschnappt, mit grtem Wohlbehagen verspeist werden. Die Brutzeit ist im April und Mai; das Weibchen legt seine Eier in ein gewhnlich aus Schlamm und Schilf zusammengebautes Nest und zwar von achtzig bis hundert und zwanzig, ja dreiig Stck welche es von der Sonne ausbrten lt. Die jungen auskriechenden Alligatoren haben jedoch sehr viele Feinde; Aasgeier oder Bussards, Schlangen, ja das Mnnchen selbst, das oft fast die ganze Brut verschlingen soll, stellen ihnen nach; es bleiben aber doch noch genug brig, die zahlreichen Seen und Lagunen der sdlichen Lnder im berflu mit ihnen zu bevlkern. In der Paarzeit kmpfen die alten Alligatoren manchmal mit Rachen und Schwnzen blutige Schlachten. Der lange, panzerharte Schwanz ist berhaupt seine gefhrlichste Waffe, doch gebraucht er ihn weniger zur Erlegung als zur Erreichung seiner Beute, denn er fat damit das ausersehene Opfer und wirft es nach vorn, gegen seinen Rachen zu, der es dann mit freundlichem Zuschnappen empfngt. Dem Alligator geht es nun wohl in einer Hinsicht wie Maria Stuart --, er ist besser als sein Ruf -- denn die schrecklichen Geschichten, die man sich von seiner Mordgier und seinem unverwstlichen Ha gegen das menschliche Geschlecht erzhlt, sind doch meistens bertrieben. -- Ein Weier hat, wenn er ihn nicht selber angreift und verwundet, (und auch dann nur selten) sehr wenig von ihm zu frchten, den Negern freilich stellen sie nach; der pikante, dieser Race eigene Geruch, der, aufrichtig gesagt, besonders an heien Sommertagen gerade nicht zu den angenehmsten gehrt -- lockt sie an -- sie lieben diesen Geruch einmal, und wer kann sie deshalb tadeln, -- kauen doch manche Menschen =asa foetida=, um ihren Athem zu reinigen, also sie lieben die Neger -- wenigstens dann und wann einen Arm oder ein Bein von ihnen, und die schwarzen Shne thiopiens hten sich wohl, tief in eine dieser Sumpflagunen hinein zu waten. Dabei hegen sie auch noch eine zrtliche Leidenschaft fr Ferkel und Hunde, welche erstere sie gewhnlich ganz, letztere nur theilweise verzehren, da der Hund, von dem Alligator erfat, kaum einen Schmerzschrei ausstt, als auch schon die anderen dadurch angelockt von allen Seiten herbeistrmen und die Beute theilen; den weien Mann aber scheuen sie, verlassen bei seiner Ankunft das Ufer, an dem sie sich gesonnt, und tauchen unter. Schaden thun sie also nur insofern, da sie die hie und da sich ihnen nhernden Ferkel abfangen, seltner einmal einen jungen Neger unter Wasser ziehen, oder eine Negerin, die am Ufer zu waschen gedenkt, bei einem Beine erwischen; da aber auch der Nutzen, den sie der menschlichen Gesellschaft bringen, sehr gering ist, und sie berdies noch ein hliches, boshaftes, gefhrliches Aussehen, was aber noch das Allerschlimmste ist, einen schlechten Ruf haben (denn es ist ein altenglisches Sprichwort: Hngt einen Hund lieber, ehe ihr ihm einen schlechten Namen macht), so wird ihnen, wo man ihrer habhaft werden kann, mit Kugel und Harpune, oft auch gar mit groen Angelhaken nachgestellt. Ganz unnutzbar sind sie brigens doch nicht, denn die groen, feisten Burschen werden in Kessel gethan und das Fett heraus geschmolzen, das besonders gut zu den verschiedenen Maschinerien, die das Reinigen der Baumwolle erfordert, gebraucht werden kann. Die Schwnze der kleineren -- (bis hchstens fnf oder sechs Fu lang) schmecken dabei delikat, nur mu das Fleisch bald von der Rckengrte abgelst werden, da es sonst den, diesen Thieren eigenen, bisamartigen Geschmack annimmt. Ein unfern von uns wohnender Pflanzer in Pointe Coupe hatte mich lange schon geplagt, eine ordentliche Alligator-Jagd vorzunehmen, da er gar so gern einige Gallonen von dem Fett dieser lieben Bestien zu haben wnschte und ich die einzige gute Harpune dort in der Gegend besa; als er daher eines Morgens mit seinem Sohne und zwei pechschwarzen Negersklaven zu mir kam und erzhlte, da er schon am vorigen Abend zwei leichte Khne in den hinter seinem Hause liegenden See, der durch schmale Lagunen mit fnf oder sechs anderen in Verbindung stand, geschafft htte und nun eine ordentliche Jagd beabsichtige, so schulterte ich meine Harpune, steckte mein kleines Scalpirmesser in den Grtel, und dem jungen Harbour die Bchse berlassend, mit der er ziemlich gut umzugehen wute, schlenderten wir langsam dem etwa anderthalb englische Meilen entfernten See zu. Was trgst Du denn da, Ben? fragte ich den einen der Neger, der etwas in grobes Baumwollenzeug einschlagen, das mir Leben zu haben schien, unter dem Arme hielt. Kann selber reden -- Massa! sagte der Schwarze grinsend, indem er den frchterlichen Mund von einem Ohr bis zum andern aufri und zwei Reihen blendend weier Zhne zeigte -- kann selber reden, und dabei prete er mit dem linken Ellbogen das seiner Sorgfallt Empfohlene. Quitsch! sagte ein kleines Ferkelchen, das jetzt mit allen vier Lufen anfing zu strampeln. Stille halten, Kleines. beruhigte es der Neger -- gutes Thierchen -- so recht! Er trug es mit sich, um durch das Schreien desselben die Alligatoren herbeizulocken und dann leichter zu schieen. Endlich erreichten wir einen schmalen Damm, der den grten See in zwei Hlften theilte und an dessen Einlauf die Khne befestigt lagen; obgleich wir aber schon Ende Juni hatten, war das Wasser doch noch sehr hoch, denn der Mississippi, durch den Schnee der Felsengebirge angeschwellt, hielt die tiefer als seine Ufer liegende Niederung gefllt, da all das innere Land berschwemmt und einem ungeheueren See gleich da lag, den nur hier und da schmale Streifen Landes oder Dmme durchzogen. Auch dieser Damm, an welchem unsere Khne befestigt waren, ragte kaum zwei Zoll, na und schwammig, ber die Wasserflche empor. Zwei Drucker, welche die Pointe Coupe Chronicle redigirten, setzten und druckten, hatten sich unserer Jagd noch angeschlossen, und wir machten jetzt also im Ganzen, mit dem Ferkel, acht Personen, die sich nun der alte Harbour anschickte gleichmig zu vertheilen. Zuerst kam in jedes Boot ein Neger zum Rudern, dann ein Buchdrucker zum Zusehen, -- denn viel mehr Nutzen erwarteten wir nicht von ihnen -- dann der junge Harbour mit der Bchse in ein Boot und ich mit der Harpune in das andere zum Jagen, und ich bekam das Ferkel, whrend der alte Harbour zu seinem Sohn in den Kahn trat, der jetzt ganz kaltbltig bemerkte: das Ferkelchen und er -- (der Vater) wren zum Quitschen. Die Sonne brannte grimmig hei und kein Schatten bot sich auf der ganzen weiten Wasserflche, als der, den manchmal einzeln stehende Cypressen, mit dem langen, grauen Moose bewachsen, warfen; nicht ein Lftchen regte sich, kein Vogel zirpte -- kein Frosch quakte, Alles lag in trger -- schlaffer Ruhe, und selbst die einzelnen Alligatoren, die mit ihren schwarzen Kpfen, wie Stcke halbverbrannten Holzes, auf der spiegelglatten Wasserflche trieben, sahen aus, als ob sie schliefen, htte nicht manchmal einer der groen Burschen den rosenrothen Rachen aufgerissen, dessen Oberkiefer dann einen Augenblick emporstand und mit schwerem Schlage wieder zuklappte. Selbst die Alligatoren langweilen sich hier, -- sagte Kelly -- der eine Drucker, der bei mir im Boote war. Wird schon lebhaft werden, Massa, lachte der Neger, wenn das Kleine hier spricht! Das Ferkel seufzte wehmthig im Sack. -- Wir stieen jetzt vom Lande ab, hielten uns im Anfang dicht zusammen, und versuchten leise an die Alligatoren hinanzugleiten, sie waren aber zu scheu, und immer, wenn wir fast in Schunhe zu sein glaubten, sanken sie unter. -- Ich hatte mich auf das Vordertheil des Kahnes gestellt und erwartete ruhig das Erscheinen eines der Burschen auf zwlf bis funfzehn Schritt Entfernung, doch der alte Harbour wurde ungeduldig und rief zu uns herum: Drckt doch das Ferkel einmal ins Teufels Namen! Der Buchdrucker aber, der sich aufrecht hingestellt hatte, um die Wasserflche um so besser bersehen zu knnen, und dem es wahrscheinlich zu viel Mhe schien, sich zu bcken, trat, ohne eine Miene zu verziehen, dem armen kleinen Ding auf den Bauch. Quiiiiiitsch! schrie dieses in Todesangst. Massa -- um Gottes willen, rief aber auch erschrocken der Neger und hrte mit Rudern auf -- das mein Schwein -- Ihr tretet's todt! Das Experiment hatte jedoch den gewnschten Erfolg gehabt; mehre der langen Gesellen, die vorher von uns weggeschwommen waren, drehten sich jetzt und kamen langsam auf uns zu -- der Neger mute mit Rudern aufhren und sich ganz ruhig verhalten, und nahe heran, auf etwa dreiig Schritt, strich ein gewaltiger alter Bursche von zwlf Fu Lnge. -- Einen Augenblick hielt er und traute den Booten doch nicht so recht; der Neger aber, der zu seinem Schweinchen niedergekniet war, lie dieses einen ganz kleinen winzigen Schrei thun und dadurch angelockt, schwamm er herbei. -- Feuer! rief jetzt der alte Harbour, die Bchse krachte und in demselben Augenblick auch fast drehte sich das tdtlich verwundete Ungeheuer herum und zeigte den weien, schuppigen Bauch; im Vorschieen und Umsichschlagen war es aber glcklicher Weise meinem Kahne nahe genug zum Wurf gekommen und im _Nu_ sa ihm auch die scharfe dreizackige Harpune in den Weichen. Der Schu aber, der ihm das Hirn zerschmettert hatte, erlaubte ihm nicht mehr viel zu reien und zu zerren, und leicht zogen wir ihn dicht an den Kahn heran; das gewaltige Thier aber in das kleine Fahrzeug zu nehmen, wre auf keinen Fall angegangen, und wir ruderten deshalb schnell ans Ufer zurck und schleppten es dort, wobei es jedoch noch tchtig mit dem Schwanze umher hieb, unter einen Baum. Der Versuch mit dem Ferkel wurde jetzt mehrere Male wiederholt und der junge Harbour scho nach vier Alligatoren, von denen wir jedoch nur zwei bekamen, da ich nicht schnell genug mit der Harpune hin konnte, und ich harpunirte drei, die sich zu nahe an mich herangewagt und die Gefahr zu spt eingesehen hatten. Zwei von den letzteren waren jung und saftig, und ich schnitt ihnen augenblicklich fr meinen eigenen Tischgebrauch die Schwnze ab. Nach und nach mochten sie es aber doch wohl wegbekommen haben, da es mit dem Schweine nichts war, denn in immer weiteren Kreisen umzogen sie unsere Khne, und wir konnten keinen mehr auf Schuweite anlocken. Das wurde also aufgegeben, der Neger aber, der in meinem Kahne ruderte, machte seine Sache so ungeschickt und vollfhrte einen solch grulichen Spectakel, da an Anschleichen mit dem Burschen gar nicht zu denken war; ich lie ihn daher von der Ruderbank aufstehen, die ich jetzt einnahm, und bergab die Harpune an Kelly, der mich instndig bat, auch einmal einen harpuniren zu drfen, wobei er betheuerte, zu Hause in Kentucky manchen groen Catfisch auf diese Art gefangen zu haben; unsere beiden Khne blieben aber jetzt nicht mehr bei einander und ich legte ein Ruder nieder, whrend ich das andere aus dem Ruderloche nahm und in der Hand fhrte, da ich auf diese Art am geruschlosesten fortgleiten konnte. Lange schon hatte ich versucht, an einen ziemlich groen Alligator hinanzukommen, immer aber noch war er mir entgangen, obgleich ich mir genau gemerkt hatte, wo er untertauchte und in welcher Entfernung er dann immer wieder an die Oberflche kam. Jetzt sank er auch eben wieder, und mit aller Kraft das Ruder fhrend, das der Kahn mit Blitzesschnelle ber die Wasserflche dahin scho, versuchte ich ihn beim Emporkommen zu berraschen und rief Kelly zu, aufzupassen. Ich hatte das Wort kaum gesagt, als der schwarze Kopf der Bestie sichtbar wurde; eben so schnell wollte er nun zwar wieder niederfahren, doch war er zu nahe, kaum sechs Schritt, als da ihn Kelly htte fehlen knnen; das Eisen sa und mit gewaltigem Ruck scho er vorwrts. Nun ist eine solche Harpune auf folgende Art eingerichtet; das dreizackige, mit Widerhaken versehene Eisen ist etwa achtzehn Zoll lang und circa drei bis vier Pfund schwer; in diesem sitzt eine leichte, zehn Fu lange Stange, die beim Wurf vom Eisen abgeht, um dessen Mitte ein starkes Seil gut befestigt ist, das an der Stange hinauf luft, an dieser, oben, wieder festsitzt und nun noch etwa zwlf bis sechszehn Fu freien Spielraum gewhrt, so da die ganze Lnge des Wurfes etwa dreizehn bis vierzehn Schritte betragen darf. Das Ende des Seiles ist dabei um das Handgelenk des Werfenden befestigt, damit er es nicht durch die Finger gleiten lasse, und Beute und Waffe zu gleicher Zeit verliere. Wohl hatte ich, durch Erfahrung belehrt, Kelly vor dem Wurfe gewarnt, sich festzustellen und nicht das Gleichgewicht zu verlieren; in dem freudigen Gefhl aber, einen Alligator zu harpuniren, dachte er nicht weiter daran, und als jetzt der Verwundete mit dem Eisen hinwegeilte, ri ein pltzlicher Ruck desselben den Schtzen aus dem Boote. Der Neger aber, der wohl etwas hnliches geahnet haben mochte, warf sich auf ihn, und wenn ihm auch der Krper entging, erwischte er doch noch ein Bein, das er festhielt, bis es unsern vereinten Krften gelang Drucker und Alligator, die unzertrennlich waren, den ersten am Lauf, den zweiten am Seil, in's Boot zurck zu ziehen. Der junge Harbour hatte indessen auch noch einige kleine Alligatoren erlegt, und mit unserer Beute zufrieden, da die Hitze in der Mittagsgluth zu frchterlich drckend wurde, kehrten wir langsam zum Hause zurck, whrend die Neger die Erlegten mit Handkarren zum Hause fuhren, da sich nicht leicht ein Pferd dazu hergiebt, einen Alligator zu tragen. Sehr hufig habe ich Alligatoren, wie die Hirsche, Nachts bei dem Scheine der Kienfackel geschossen, und ihre Lichter glhen wie Stcke rothheien Eisens. -- * * * * * Transcriber's note: The following additional changes were made; the original appears in the first line, the altered version in the second. ANMERKUNGEN Folgende zustzliche nderungen wurden vorgenommen; das Original ist jeweils in der ersten, die genderte Fassung in der zweiten Zeile zu lesen: mit der Scheu, die alle Hinderwldler (...) haben mit der Scheu, die alle Hinterwldler (...) haben steckte seine Nadel (...) in die Kugeltatsche steckte seine Nadel (...) in die Kugeltasche wenn der Wolf mit der Falle zu entfliegen sucht wenn der Wolf mit der Falle zu entfliehen sucht ihn zum Glcklichsten der Sterblichsten zu machen ihn zum Glcklichsten der Sterblichen zu machen unmglich so lage ohne (...) Aufsicht bleiben konnten unmglich so lange ohne (...) Aufsicht bleiben konnten kleine Bchse zusammentragen kleine Bsche zusammentragen traute den Boten doch nicht so recht traute den Booten doch nicht so recht License: Share Alike