Produced by Norbert H. Langkau, G. Decknatel and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Anmerkungen zur Transkription: Schreibweise und Interpunktion wurden bis auf wenige Druckfehler beibehalten. Eine Liste der vorgenommenen nderungen befindet sich am Ende des Textes. Die Grobuchstaben I und J werden im Original nicht unterschieden. Im Original gesperrt gedruckter Text wurde mit _ markiert, fett gedruckter Text mit *. In Antiqua gedruckter Text wurde mit # markiert. * * * * * Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg Im Insel-Verlag zu Leipzig Einleitung des Herausgebers Der Liebe Sehnsucht fordert Gegenwart. -- Goethe, mit jedem Pulsschlage seiner Empfindung nach greifbarer Gegenstndlichkeit, nach sinnenflliger Wirklichkeit drngend, ist zu versichern nicht mde geworden, da persnliche Bekanntschaft erforderlich sei, das Siegel eigentlich auf jedes wahre sittliche Verhltnis zu drcken. Doch auch er hat einmal geglaubt, mit Augen der Sehnsucht den fernenden Nebel durchdringen zu knnen, der ihm ein leiblich nie geschautes Antlitz verbarg, mit Armen der Freundschaft hinberreichen zu knnen ber eine Kluft, die keine unmittelbare Begegnung berbrckte. In jener bedeutsamen Zeit deutscher Geistesentwicklung ist das gewesen, da unsere Literatur, wiedergeboren aus dem Schoe frisch erwachten Naturgefhles, aufbrausend im Sturm und Drang erneuerter Jugendflle, alle suchenden Seelen in gleichen Bann schlug, da Goethe, der diese neue Literatur mitgeschaffen, jung wie sie, voll leidenschaftlichen Verlangens, einstimmende Herzen von Nhen und Weiten forderte. Sturm und Drang -- an dem ergreifendsten Erzeugnis dieser aufgewhlten Epoche, an den Leiden des jungen Werthers hatte sich Auguste Luise Grfin zu Stolberg-Stolberg entzndet, als sie im Januar 1775 an den ihr fremden Dichter den ersten Brief richtete. Geboren am 7. Januar 1753, Sprling eines uralten niederdeutschen Geschlechtes, lebte sie still und bewegt ein unscheinbares reiches Leben; das sdliche Holstein, die dnische Insel Seeland, die Niederungen der Elbmndung sind mit ihrem Wechsel von Wiese und Buchenwald, von Moor und Ackerflche, von schumender Meeresbrandung und kosendem Landsee der begrnzte Schauplatz dieses weiten Daseins gewesen. Gustchens Vater, Graf Christian Gnther, war seit 1756 Hofmarschall der Knigin-Witwe Sophia Magdalena in Kopenhagen; als er 1765 starb, hatte er jedes seiner zahlreichen Kinder fr alle Folgezeit gefestigt in dem ihm eigenen Sinne lauterer Frmmigkeit und frohen Bekennermutes. Die Mutter (gest. 1773), eine harmonische Natur, den schnen Seelen des Pietismus verwandt, mit regsamer Empfindung und Kraft der Phantasie begabt, ward den Ihren gemtvolle Erweckerin einer entschiedenen Neigung und Fhigkeit zur Dichtkunst, und dieser allgemeine poetische Geist vertiefte und verklrte sich an Wesen und Werk des Messias-Dichters Klopstock, der, 1751 nach Dnemark berufen, in vertrautester Freundschaft zur Familie stand. Klopstock ist der Leitstern geblieben, nach dem die Stolberge ihr Leben und Dichten gerichtet haben; nach seinem Muster hat Gustchens ltere Schwester Katharina ihr biblisches Drama Moses verfat. Und auch Bruder Friedrich Leopold, dessen schner ausdauernder Enthusiasmus sich die Liebe jugendlicher Mitstrebenden wie die Anerkennung kritischer Nachwelt erwerben durfte, ist der frh eingesogenen Bewunderung Klopstocks niemals untreu geworden, ob er gleich voll Selbstgefhls sein _Zgling_ nicht hat heien mgen, den schlichten Ton singbaren Liedes jeder volltnenden Odenform vorgezogen hat und, von dem Wehen des Sturmes und Dranges ergriffen, einzig im eigenen Bewutsein, in der sich selbst verbrgenden Dichterkraft Ma und Richtschnur seines Schaffens hat erkennen wollen. Sturm und Drang -- wohl mte es reizvoll sein, diese mchtige Bewegung sich in empfindsamer Mdchenseele bewhren zu sehen, aber die Briefe Gustchens, die uns solchen Anblick bieten knnten, sind den Flammen zum Opfer gefallen, denen Goethe 1797 die Dokumente aller seiner persnlichen Beziehungen berantwortet hat. Dafr zeigen uns seine eigenen Antworten vom Jahre 1775 das Schauspiel der jungen Zeit in seiner erhabensten Gestalt. Wie machtvoll weht uns aus diesen Zeilen, die mit strudelnder Feder hingewhlt sind, der feurige Atem des Dichtergenius entgegen, der das Mysterium der Welt und des eigenen Herzens zu lsen ringt, der die Wirrsale des Daseins, das Wonne und Schmerz zugleich ist, in knstlerischen Formen zu bndigen strebt! Wie wechselt in diesem klopfenden Busen, der Himmel und Hlle nebeneinander umschliet, die Flut der tiefsten Empfindung; aus lichter Klarheit und Gtternhe ins Dunkel der Erdennot hinabgestrzt, auftauchend aus Kleinmut und Verzweiflung zu hoffnungfreudiger Zuversicht auf die eingeborene Kraft und das waltende Schicksal, ergreift dieses Gemt jeden neuen Zustand mit ungestmer Leidenschaft. Dem berschwang des Gefhls versagt sich das sonst so gefgige Wort; in bedeutungschwerem Stammeln, halben abgebrochenen Lauten einer erschtterten Vollnatur macht sich der Sturm des Innern Luft. Ich bin wie ein klein Kind, ein Kind, das, hingegeben jedem Augenblick, sich in lallenden Tnen berstrzt, um von Leiden und Freuden sich zu entlasten, die das Herz erdrcken mchten. So hatte auch Werther einst gerufen: O was ich ein Kind bin! Und wie hier die Leiden des jungen Werthers, so klingen andere Dichtungen dieser reichen Epoche an anderen Stellen unserer Briefe an. Ich will Ihnen keinen Namen geben, denn was sind Namen gegen das unmittelbare Gefhl, dieses erste Wort Goethes an Gustchen ist wahrhaft wesensverwandt jenem Faustischen Bekenntnis: Nenn's Glck! Herz! Liebe! Gott! Ich habe keinen Namen Dafr! Faust steigt auf aus unseren Briefen; unmittelbar in die Werkstatt des Dichters wird uns ein Einblick erlaubt, wenn wir auf die Umschreibung des Rattenliedes stoen. Und neben Faust steht Stella, das khne Schauspiel fr Liebende, herausgeboren aus dem seligschmerzlichen Verhltnis zu Lili Schnemann. Lili -- das ist der Gegenstand der Frankfurter Briefe. Wir sehen das unlsbare Geflecht von Qual und Entzcken, in dem sich Goethe verfangen hat. Das bltenjunge Mdchen, vollkommen schn und liebenswrdig, in kindlicher Harmlosigkeit sich des Zaubers erfreuend, der von ihr ausgeht, und wiederum fhig und bereit, dem Geliebten Familie und Heimat aufzuopfern, erhebt ihn mit der Kraft ihrer innigen Neigung zur Hhe berirdischen Glckes, und eine finstere Gewalt zerrt ihn unbarmherzig hinab in den Abgrund innerlicher Verstrtheit: das Grauen vor der Alltglichkeit, der er sich berliefern soll, die Furcht vor dem platten Nachbar- und Gevatterwesen, der Widerwillen gegen das spiebrgerliche Getriebe, die leere Selbstgeflligkeit eines verrottenden Gemeinwesens. Hin und her gerissen zwischen Liebe und Freiheitssehnen, findet Goethe keinen Standpunkt zu ruhiger Erwgung, sein Groll kehrt sich gegen die Braut, die des unseligen Zwiespaltes unschuldige Ursache ist, er plagt sie mit abweisender Klte und bt sein Unrecht in bittern Selbstvorwrfen, er bergibt sich dem Strudel gesellschaftlicher Vergngungen, um die innere Unruhe zu bertuben. So geht das herzbeklemmende Schauspiel dem unausweichlichen Ende entgegen: Lili sieben Worte gesagt. Mit der grandiosen Unbefangenheit des Genies lt er seinen Schmerz auf dem heiligsten Vorgang aller Geschichte als auf einem Gleichnis eigenen Erlebens haften: seine Liebe ist es, die er ans Kreuz geheftet hat, die das Haupt senkt und spricht: Es ist vollbracht. Getreuen Bericht dieser traurig-sen Brutigamszeit hat Goethe dem unbekannten Mdchen abgestattet; aber immer aufs neue bricht die Klage durch, da er das Letzte, Tiefste, Geheimste nur von Mund zu Munde sagen knne. So ist er denn also schon damals der bittern Wahrheit inne geworden, da aller Seelenkraft zum Trotz die persnliche Gegenwart ganz allein ein wahres Verhltnis zu bestimmen und zu befestigen vermgend sei, und doch bleibt er noch unerschpflich in der Erfindung von Mitteln, das Getrennte wirksam zu vereinigen. Von Tag um Tag, von Stunde um Stunde gibt er Rechenschaft, um sich ber alle Fernen hinweg ganz darzustellen; er bittet: Schreiben Sie doch auch immer die Daten, weil er die lange Zeit hinwegtilgen zu knnen hofft, die Gustchens Briefe haben reisen mssen, er borgt Hilfe von seiner Zeichenkunst und gibt der Freundin ein Bild seiner Stube -- jener Stube, die seine Seufzer um Lili gehrt, seinen Faust, seine Stella hat entstehen sehen. Aber Sturm und Drang legt sich zur Ruhe, Goethe reift fester Mnnlichkeit entgegen, die nur in unmittelbarer Gegenstndlichkeit wesen und wirken mag, und in demselben Mae, wie ihm volle Realitt alles Seins zur Lebensbedingung wird, welkt das hastig emporgetriebene Verhltnis zu Gustchen Stolberg ab. Die einzige Gelegenheit, die sich ihm geboten hat, die Vertraute seiner Frankfurter Leiden persnlich kennen zu lernen, hat Goethe versumt, als er im Dezember 1775 ihre Brder, entgegen dem ursprnglichen Plane, allein von Weimar abreisen lie. Der herzogliche Freund hielt ihn damals fest, und sie, die nun auf lnger denn ein Jahrzehnt seines heien Verlangens unerreichbarer Pol sein sollte, Charlotte v. Stein. Nur selten wird Charlottens Name genannt in den Briefen, die Gustchen noch aus Weimar erhalten hat, der Einflu ihres stetig-milden Wesens ist jedoch nicht zu verkennen. Wie viel ruhiger der Ton, wie viel gleichmiger Bericht und Erzhlung, wie viel gedmpfter der Ausdruck neuen Leides, dessen Ursache im Dunkel bleibt! Die zahlreichen Gedankenstriche, die, wie Erdrisse einen heien Boden zerklften, die fiebernden Frankfurter Briefe durchsetzten, kommen seltener und seltener aus ruhig fortlaufender Feder. Wie erfrischender Frhwind eines herrlichen Sommermorgens weht es heran, wie ein Wipfelgru aus dem geliebten Garten am Park. Alle seine frheren Geliebten habe sie beerbt, hat Goethe der teuern Frau gestanden; sie ist auch in Gustchen Stolbergs Besitzrecht eingetreten, als verstehende Frauenseele die Beichten eines umgetriebenen Dichterherzens entgegenzunehmen. Hier war die lebendige Hand, die sich khlend auf die erhitzte Stirne legen konnte, Flle der Wirklichkeit, Kraft der Gegenwart -- da mute Gustchens Bild zu leerem Schemen verblassen. Und noch einmal, nach einem Menschenalter voll wechselnden Schicksals, ist Gustchen ungerufen vor den Stummgewordenen hingetreten, um in eindringlichem Bekehrungsversuch zu erweisen, wie nahe ihrem liebevollen Herzen der Freund der Jugend geblieben sei. Kein Mephistopheles begrinse das Vertrauen dieser guten Seele, die, ihres Glaubens voll, sich heilig qult, ihn, der ihr einst so viel von seinem tiefsten Selbst geschenkt, verloren halten zu sollen! Goethes Antwort, ernst und wrdig, ist das erhabenste Bekenntnis seiner reinen Weltfrmmigkeit. Mehr als einmal ist er das Ziel eifriger Christianisierungslust gewesen, die er dann wohl mit derbem Spott in ihre Schranken zurckverwiesen hat -- was ist's, das ihn gutmeinender Anmaung hier mit Milde und verzeihendem Verstndnis begegnen heit? Ist es der beredt-herzliche Ton der unerbetenen Mahnung? das Andenken lngst versunkener Zeit? der gesellschaftliche Rang der Grfin? Alles das mag zusammengewirkt haben, aber ein Entscheidendes kommt hinzu: die letzte Liebe ist's, die wie der volle Glockenton einer weltentrckten Bergeskirche vernehmbar wird. Was ihn Ulrike v. Levetzow empfinden gelehrt hatte, die liebliche Jungfrau, der er im Sommer 1821 entgegengetreten war, das hat Goethe, wenige Monate nach dem Briefe an Gustchen, offenbart: Dem Frieden Gottes, welcher euch hienieden Mehr als Vernunft beseliget -- wir lesen's -- Vergleich ich wohl der Liebe heitern Frieden In Gegenwart des allgeliebten Wesens. Der Friede Gottes, dem frommen Gemt eines Kindes entflossen, er ist es, der Goethes letzten Brief an Gustchen Stolberg durchzieht; die reine Seele, die nur darum in Goethes Leben eingetreten zu sein scheint, um wie ein Spiegel das Bild seines Liebens aufzunehmen, sie hat nun ihre Sendung ganz erfllt, da auch Ulrikens therischer Geist leise an ihr vorbergeglitten ist. Eine zierliche Greisin, das feine Gesicht von kurzgeschnittenen silberweien Haaren umrahmt, hat Gustchen im Kreise liebender Enkel ihren Lebensabend verbracht, regsam und anteilnehmend bis ans Ende. Sie ist gestorben in Kiel am 30. Juni 1835. _Max Hecker._ Goethes Briefe an Auguste Grfin Stolberg Der erste Brief Meine Teure -- ich will Ihnen keinen Nahmen geben, denn was sind die Nahmen Freundinn Schwester, Geliebte, Braut, Gattin, oder ein Wort das einen Complex von all denen Nahmen begriffe, gegen das unmittelbaare Gefhl, zu dem -- ich kann nicht weiter schreiben, Ihr Brief hat mich in einer wunderlichen Stunde gepackt. Adieu, gleich den ersten Augenblick! -- Ich komme doch wieder -- ich fhle Sie knnen ihn tragen diesen zerstckten, stammelnden Ausdruck wenn das Bild des Unendlichen in uns whlt. Und was ist das als Liebe! -- Musste _er_ Menschen machen nach seinem Bild, ein Geschlecht das ihm hnlich sey, was mssen wir fhlen wenn wir Brder finden, unser Gleichniss, uns selbst verdoppelt. Und so solls weg, so sollen Sie's haben dieses Blat, obiges schrieb ich wohl vor acht Tagen, unmittelbaar auf den Empfang Ihres Briefs. Haben Sie Geduld mit mir, bald sollen Sie Antwort haben. Hier indess meine Silhouette, ich bitte um die Ihrige, aber nicht in's kleine, den grosen von der Natur genommenen Riss bitt ich. Adieu ein herzlichstes Adieu. Fr[ank]furt d. 26. Jan. 1775. Goethe. Der Brief ist wieder liegen blieben o haben Sie Geduld mit mir. Schreiben Sie mir und in meinen Besten Stunden will ich an Sie dencken. Sie fragen ob ich glcklich bin? Ja meine beste ich bins, und wenn ich's nicht bin, so wohnt wenigstens all das tiefe Gefhl von Freud und Leid in mir. Nichts ausser mir strt, schiert, hindert mich. Aber ich bin wie ein klein Kind weis Gott. Noch einmal Adieu. Der zweite Brief Wenn Sie sich, meine liebe, einen Goethe vorstellen knnen, der im galonirten Rock, sonst von Kopf zu Fuse auch in leidlich konsistenter Galanterie, umleuchtet vom unbedeutenden Prachtglanze der Wandleuchter und Kronenleuchter, mitten unter allerley Leuten, von ein Paar schnen Augen am Spieltische gehalten wird, der in abwechselnder Zerstreuung aus der Gesellschafft, ins Conzert, und von da auf den Ball getrieben wird, und mit allem Interesse des Leichtsinns, einer niedlichen Blondine den Hof macht; so haben Sie den gegenwrtigen Fassnachts Goethe, der Ihnen neulich einige dumpfe tiefe Gefhle vorstolperte, der nicht an Sie schreiben mag, der Sie auch manchmal vergisst, weil er sich in Ihrer Gegenwart ganz unausstehlich fhlt. Aber nun giebts noch einen, den im grauen Biber-Frack mit dem braunseidnen Halstuch und Stiefeln, der in der streichenden Februarlufft schon den Frhling ahndet, dem nun bald seine liebe weite Welt wieder geffnet wird, der immer in sich lebend, strebend und arbeitend, bald die unschuldigen Gefhle der Jugend in kleinen Gedichten, das krfftige Gewrze des Lebens in mancherley Dramas, die Gestalten seiner Freunde und seiner Gegenden und seines geliebten Hausraths mit Kreide auf grauem Papier, nach seiner Maase auszudrcken sucht, weder rechts noch lincks fragt: was von dem gehalten werde was er machte? weil er arbeitend immer gleich eine Stufe hher steigt, weil er nach keinem Ideale springen, sondern seine Gefhle sich zu Fhigkeiten, kmpfend und spielend, entwickeln lassen will. Das ist der, dem Sie nicht aus dem Sinne kommen, der auf einmal am frhen Morgen einen Beruf fhlt Ihnen zu schreiben, dessen grste Glckseligkeit ist mit den besten Menschen seiner Zeit zu leben. Hier also meine beste sehr mancherley von meinem Zustande, nun thun Sie dessgleichen und unterhalten mich von dem Ihrigen, so werden wir nher rcken, einander zu schauen glauben -- denn das sag ich Ihnen voraus dass ich Sie offt mit viel Kleinigkeit unterhalten werde, wie mirs in Sinn schiesst. Noch eins was mich glcklich macht, sind die vielen edlen Menschen, die von allerley Enden meines Vaterlands, zwar freylich unter viel unbedeutenden, unertrglichen, in meine Gegend, zu mir kommen, manchmal vorbergehn, manchmal verweilen. Man weiss erst dass man ist wenn man sich in andern wiederfindet. Ob mir brigens verrathen worden: wer und wo sie sind, thut nichts zur Sache, wenn ich an Sie dencke fhl ich nichts als Gleichheit, Liebe, Nhe! Und so bleiben Sie mir, wie ich gewiss auch durch alles Schweben und Schwirren, durch unvernderlich bleibe. Recht wohl --! diese Kusshand -- Leben Sie recht wohl. Franckfurt. den 13. Febr. 1775. Goethe. Der dritte Brief Warum soll ich Ihnen nicht schreiben, warum wieder die Feder liegen lassen, nach der ich bisher so offt reichte. Wie immer immer hab ich an Sie gedacht. Und iezzo! -- Auf dem Land bey sehr lieben Menschen -- in Erwartung -- liebe Aug[u]ste -- Gott weis ich bin ein armer Junge -- d. 28 Febr haben wir getanzt die Fassnacht beschlossen -- ich war mit von den ersten im Saale, ging auf und ab, dachte an Sie -- und dann -- viel Freud und Lieb umgab mich -- Morgends da ich nach Hause kam, wollt ich Ihnen schreiben, liess es aber und redete viel mit Ihnen -- Was soll ich Ihnen sagen, da ich Ihnen meinen gegenwrtigen Zustand nicht ganz sagen kann, da Sie mich nicht kennen. Liebe! Liebe! Bleiben Sie mir hold -- Ich wollt ich knnt auf ihrer Hand ruhen, in Ihrem Aug rasten. Groser Gott was ist das Herz des Menschen! -- Gute Nacht. Ich dachte mir sollts unterm Schreiben besser werden -- Umsonst mein Kopf ist berspannt. Ade. Heut ist der 6. Mrz denck ich. Schreiben Sie doch auch immer die Daten in solcher Entfernung ist das viel Freud. Guten Morgen liebe. Die Zimmerleute, die dadrben einen Bau aufschlagen, haben mich aufgewegt, und ich habe keine Rast im Bette. Ich will an meine Schwester schreiben, und dann mit Ihnen noch ein Wort. Es ist Nacht, ich wollte noch in Garten, musste aber unter der Thre stehen bleiben, es regnet sehr. Viel hab ich an Sie gedacht! Gedacht dass ich fr Ihre Silhouette noch nicht gedanckt habe! Wie offt hab ich schon dafr gedanckt, wie ist mein und meines Bruder Lavaters Phisiognomischer Glaube wieder besttigt. Diese rein sinnende Stirn diese ssse Festigkeit der Nase, diese liebe Lippe dieses gewisse Kinn, der Adel des ganzen dancke meine Liebe dancke. -- Heut war der Tag wunderbaar. Habe gezeichnet -- eine Scene geschrieben. O wenn ich iezt nicht Dramas schriebe ich ging zu Grund. Bald schick ich Ihnen eins geschrieben -- Knnt ich gegen Ihnen ber sizzen, und es selbst in Ihr Herz wrcken, -- Liebe nur dass es Ihnen nicht aus Hnden kommt. Ich mag das nicht drucken lassen denn ich will, wenn Gott will knftig meine Freu[den] und Kinder, in ein Eckelgen begraben oder etabliren, ohne es dem Publiko auf die Nase zu hngen. Ich bin das ausgraben, und seziren meines armen Werthers so satt. Wo ich in eine Stube trete find ich das Berliner ppp Hundezeug, der eine schilt drauf, der andre lobts, der dritte sagt es geht doch an, und so hezt mich einer wie der andre -- Nun denn Sie nehmen mir auch das nicht bel -- Nimmt mirs doch nichts an meinem innern Ganzen, rhrt und rckts mich doch nicht in meinen Arbeiten, die immer nur die aufbewahrten Freuden und Leiden meines Lebens sind -- denn ob ich gleich finde dass es viel #raisonnabler# sey Hnerblut zu vergiessen als sein eignes -- die Kinder tollen ber mir, es ist mir besser ich geh hinauf als zu tief in Text zu gerathen. Ich hab das ltste Mdgen lassen anderthalb Seiten im Paradiesgrtlein herab buchstabieren, mir ist ganz wohl, und so gesegnete Mahlzeit. Ade! -- Warum sag ich dir nicht alles -- Beste -- Geduld Geduld hab mit mir! den 10ten, wieder in der Stadt auf meiner Bergere, aufm Knie schreib ich Ihnen. Liebe der Brief soll heute fort, und nur sag ich Ihnen noch dass mein Kopf ziemlich heiter mein Herz leidlich frey ist -- Was sag ich --! o beste wie wollen wir Ausdrcke finden fr das was wir fhlen! Beste wie knnen wir einander was von unserm Zustande melden, da der von Stund zu Stund wechselt. Ich hoffe auf einen Brief von Ihnen, und die Hoffnung lsst nicht zu schanden werden. [Illustration] Geseegnet der gute Trieb der mir eingab statt allen weitern Schreibens, Ihnen meine Stube, wie sie da vor mir steht, zu zeichnen. Adieu. Halten Sie einen armen iungen am Herzen. Geb Ihnen der gute Vater im Himmel viel muthige frohe Stunden wie ich deren offt hab, und dann lass die Dmmrung kommen, trnenvoll und seelig -- Amen Ade liebe Ade! Goethe. Der vierte Brief Mir ist's wieder eine Zeit her fr Wohl u. Weh, dass ich nicht weis ob ich auf der Welt bin, und da ist mir's doch als wr ich im Himmel. Dies liebe Schwester den 19. Merz Nachts um eilfe. Gute Nacht! Den 23. Abends bald sieben. Ich komme von meiner Mutter herauf, noch einige Worte dir o du liebe. Heut nach Tisch kam dein Brief, eben da ich beym Braten gemurrt hatte, dass so lang keiner kam. Ich dancke dir tausendmal. um 2 Uhr musst ich zu einem verdrslichen Geschfft, da ging ich unter allerley Leuten herum und dacht an dich und schrieb mit Bleystifft beigehendes Zettelgen. So recht! Tritt u. Schritt muss ich wissen von meinen lieben, denn ich bilde mir ein dass euch von mir das all auch so werth ist; also dancke dancke fr die Schildrung dein und deines Lebens, wie wahr, wie voraus von mir gefhlt! -- O knnt ich auch! -- -- Behalt mich lieb -- Jetzt bitt ich noch um die Silhouetten all deiner lieben, deines Ehlers der mir verzeihen soll dass ich ihm nicht schreibe, ich habe warrlich nimmer nichts zu sagen, nur ihr Mdgen kriegt mich doch wieder dran. Dann die Schattenrisse deiner Brder von denen ich auch Briefe habe, meiner Brder, und deiner innigen Freundin. #NB.# alle wie sie auf der Wand gezeichnet worden ohn ausgeschnitten. Jetzt gute Nacht und weg mit dem Fieber! -- doch wenn du leidest, schreib mir -- ich will alles theilen -- o dann lass mich auch nicht stecken edle Seele zur Zeit der Trbsaal, die kommen knnte, wo ich dich flhe und alle Lieben! Verfolge mich ich bitte dich, verfolge mich mit deinen Briefen dann, und rette mich von mir selbst. Auf beyliegendem Blttgen ist abgeschrieben das Bleystifft Zettelgen wovon ich vorhin sprach. Liebe! liebe! und so leb wohl. d. 25. Merz 1775. Nicht doch du musst das Original haben! -- Was wr' ein Kuss in #Copia#! -- Der fnfte Brief Hier Beste, ein Liedgen von mir darauf ich hab eine Melodie von Gretri umbilden lassen! Ach Gott Ihre Brder kommen, unsre Brder, zu mir! -- Liebe Schwester, das liebe Ding, das sie Gott heissen, oder wie's heisst, sorgt doch sehr fr mich. Ich bin in wunderbaarer Spannung, und es wird mir so wohl thun sie zu haben. Ihren Schattenriss kriegen Sie, ich muss aber einen neuen von Ihnen haben, _gros_. Thun Sie doch einen Blick in den zweiten Band der Iris wenn Ihnen der aufstst, es sind allerley [Lieder] von mir drinn. Ich halte mich offt in Gedancken an Sie. Wenn ich wieder munter werde sollen Sie auch Ihr Theil davon haben, lassen Sie nur meine Briefe sich nicht fatal werden, wie ich mir selbst bin da ich schreibe. Ich meyne alle Falten des Gesichts drckten sich drinn ab. Den 15. Apr. Ade! Ade! Beste. Wie erwart ich unsre Brder! Welch ein lieber Brief von Euch dreyen! Hier die Schattenrisse. Sie sind nicht alle gleichgut, doch alle mit fhlender Hand geschnitten. Diesmal kein Wort weiter. Behalten Sie mich am Herzen! d. 26. Apr. 1775. G. Der sechste Brief Den 25. Jul. 75. Ich will Ihnen schreiben Gustgen liebe Schwester, ob ich gleich, wre ich iezt bey Ihnen schwerlich reden wrde. Ich muss anfangen! Wie weit ists nun von mir zu Ihnen. Gut denn, wir werden uns doch sehn. Bin wieder in Franckfurt, habe mich von unsern Brdern in Zrch getrennt, schweer ward's uns doch. -- Das denck ich, wird Gustgen sagen. -- Friz, meine Liebe, ist nun im Wolckenbade und der gute Geist der um uns alle schwebt, wird ihm gelinden Balsam in die Seele giessen. Ich litt mit ihm und durft nicht dergleichen thun. Ich bitte Sie -- wenigstens lassen Sie mich iezt nichts davon sagen -- und wer kann davon sagen -- Ich war dabey wie die lezte Nachricht kam. Es war in Strasburg. Gute Nacht Schwester Engel. Einen herzlichen Grus der Grfin Bernsdorf. Den 31. Jul. Wenn mirs so recht weh ist, kehr ich mich nach Norden, wo sie dahinten ist zweyhundert Meil[en] von mir meine geliebte Schwester. Gestern Abend Engel hatt' ich viel Sehnen zu ihren Fssen zu liegen, ihre Hnde zu halten, und schlief drber ein, und heute frh ist[s] wieder frisch mit dem Morgen. Beste theilnehmende Seele, immer den Himmel im Herzen und nur unglcklich durch die Deinigen! -- Aber wie du auch geliebt wirst! Ich muss noch viel herumgetrieben werden, und dann einen Augenblick an Ihrem Herzen! -- Das ist immer so mein Traum, meine Aussicht durch viel Leiden. -- Ich habe mich so offt am Weiblichen Geschlecht betrogen -- O Gustgen wenn ich nur einen Blick in Ihr Aug thun knnte! -- Ich will schweigen -- Hren Sie nicht auf, auch fr mich zu seyn. Ade. Hier Gustgen ein altes verlohrnes Zettelgen das ich wiederfinde. Der siebente Brief Gustgen! Gustgen! Ein Wort dass mir das Herz frey werde, nur einen Hndedruck. Ich kann Ihnen nichts sagen. Hier! -- Wie soll ich Ihnen nennen das _hier_! Vor dem Stroheingelegten bunten Schreibzeug -- da sollten feine Briefgen ausgeschrieben werden und diese Trhnen und dieser Drang! Welche Verstimmung. O dass ich Alles sagen knnte. Hier in dem Zimmer des Mdgens das mich unglcklich macht, ohne ihre Schuld, mit der Seele eines Engels, dessen heitre Tage _ich_ trbe, *ich!* Gustgen! Ich nehme vor einer Viertelstunde Ihren Brief aus der Tasche, ich les ihn! -- Vom 2 Jun! und sie _bitten_, _bitten_, um Antwort, um ein Wort aus meinem Herzen. Und heut der 3 Aug. Gustgen und ich habe noch nicht geschrieben. -- Ich habe geschrieben, der Brief liegt in der Stadt angefangen. O mein Herz -- Soll ich's denn anzapfen, auch dir Gustgen, von dem Hefetrben Wein schencken! -- Und wie kann ich von Frizzen reden, vor dir, da ich in seinem Unglck, gar offt das meine beweint habe. Lass Gustgen. Ihm ist wohler wie mir -- Vergebens dass ich drey Monate, in freyer Lufft herumfuhr, tausend neue Gegenstnde in alle Sinnen sog. Engel, und ich sizze wieder in Offenbach, so vereinfacht wie ein Kind, so beschrnckt als ein Papagey auf der Stange, Gustgen und sie so weit. Ich habe mich so offt nach Norden gewandt, Nachts auf der Terrasse am Mayn, ich seh hinber, und denck an dich! So weit! So weit! -- Und dann du und Friz, und ich! und alles wirrt sich in einen Schlangenknoten! Und ich finde nicht Lufft zu schreiben. -- Aber iezt will ich nicht aufhren biss iemand an die Thre kommt und mich wegrufft. -- Und doch Engel manchmal wenn die Noth in meinem Herzen der grsst ist, ruf ich aus, ruf ich dir zu: Getrost! Getrost! Ausgeduldet und es wird werden. Du wirst Freude an deinen Brdern haben, und wir an uns selbst. Diese Leidenschafft ists die uns aufblasen wird zum Brand, in dieser Noth werden wir um uns greifen, und brav seyn, und handeln, und gut seyn, und getrieben werden, dahin wo Ruhe Sinn nicht reicht. -- Leide nicht vor uns! -- Duld uns! -- Gieb uns eine Trhne, einen Hndedruck, einen Augenblick an deinen Knieen. Wische mit deiner Lieben Hand diese Stirn ab. Und ein Krafftwort, und wir sind auf unsern Fssen. Hundertmal wechselts mit mir den Tag! O wie war mir so wohl mit deinen Brdern. Ich schien gelassen, mir war's weh fr Frizzen der elender war als ich, und mein Leiden war leidlicher. Jezt wieder allein. -- In ihnen hatte ich _sie_ bestes Gustgen, denn ihr seyd eins in Liebe und Wesen. Gustgen war bey uns und wir bey ihr! -- Jezt -- nur ihre Briefe! -- Ihre Briefe! -- und _Nur_ dazu -- Und doch brennen sie mich in der Tasche -- doch fassen sie mich wie die Gegenwart wenn ich sie in Glcklichem Augenblick aufschlage -- aber manchmal -- offt sind mir selbst die Zge der liebsten Freundschafft todte Buchstaben, wenn mein Herz blind ist und taub -- Engel es ist ein Schrcklicher Zustand die Sinnlosigkeit. In der Nacht tappen ist Himmel gegen Blindheit -- Verzeihen Sie mir denn diese Verworrenheit und das all -- Wie wohl ist mir's dass ich so mit Ihnen reden kann, wie wohl bey dem Gedancken, Sie wird dies Blat in der Hand halten! _Sie! Dies Blat!_ das ich berhre das iezt hier auf dieser Stte noch weis ist. Goldnes Kind. Ich kann doch nie ganz unglcklich seyn. Jezt noch einige Worte -- Lang halt ich's hier nicht aus ich muss wieder fort -- Wohin! -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Ich mache Ihnen Striche denn ich sas eine Viertelstunde in Gedancken und mein Geist flog auf dem ganzen bewohnten Erdboden herum. Unseeliges Schicksaal das mir keinen Mittelzustand erlauben will. Entweder auf einem Punckt, fassend, festklammernd, oder schweifen gegen alle vier Winde! -- Seelig seyd ihr verklrte Spaziergnger, die mit zufriedner Anstndiger Vollendung ieden Abend den Staub von ihren Schuhen schlagen, und ihres Tagwercks Gttergleich sich freuen -- -- -- Hier fliest der Mayn, grad drben liegt _Bergen_ auf einem Hgel hinter Kornfeld. Von der Schlacht bey Bergen haben Sie wohl gehrt. Da lincks unten liegt das graue Franckfurt mit dem ungeschickten Turn, das iezt fr mich so leer ist als mit Besemen gekehrt, da rechts auf artige Drfgen, der Garten da unten, die Terasse auf den Mayn hinunter. -- Und auf dem Tisch hier ein Schnupftuch, ein Pannier ein Halstuch drber, dort hngen des lieben Mdgens Stiefel. #NB.# Heut reiten wir aus. Hier liegt ein Kleid eine Uhr hngt da, viel Schachteln, und Pappedeckel, zu Hauben und Hten -- Ich hr ihre Stimme -- -- Ich darf bleiben, sie will sich drinne anziehen. -- Gut Gustgen ich hab ihnen beschrieben wie's um mich herum aussieht, um die Geister durch den sinnlichen Blick zu vertreiben -- -- Lili war verwundert mich da zu finden, man hatte mich vermisst. Sie fragte an wen ich schriebe. Ich sagts ihr. Adieu Gustgen. Grssen Sie die Grfin Bernsdorf Schreiben Sie mir. Die Silhouette werden ihnen die Brder geschickt haben Lavater hat die vier Heumans Kinder sehr glcklich stechen lassen. Der unruhige // Lassen Sie um Gottes willen meine Briefe niemand sehn. Der achte Brief Ja lieb Gustgen gleich fang ich an d. 14. Sept. im Moment da ich ihren Brief endige, sehen Sie wie hoch und klein, wie viel ich zu schreiben dencke. Heut bin ich ruhig, da liegt zwar meist eine Schlang im Grase. Hren Sie, ich hab immer eine Ahndung, sie werden mich retten, aus tiefer Noth, kanns auch kein Weiblich Geschpf als Sie. Dancke zuerst fr Ihre lebendige Beschreibung alles was Sie umgiebt, htt ich nur iezt noch einen Schattenriss von Ihrer ganzen Figur! Knnt ich kommen. Neulich reisst ich zu Ihnen! Durchzog in trauriger Gestalt Deutschland, sah mich weder rechts noch lincks um, nach Coppenhagen, und kam und trat in ihr Zimmer, und fiel mit Trhnen zu ihren Fssen, und rief Gustgen bist dus! -- Es war eine seelige Stunde, da mir das lebendig im Kopf und Herzen war. Was Sie von Lili sagen ist ganz wahr. Unglcklicher Weise macht der Abstand von mir das Band nur fester das mich an sie zaubert. Ich kann ich darf Ihnen nicht alles sagen. Es geht mir zu nah ich mag keine Erinnerungen. Engel! Ihr Brief hat mir wieder in die Ohren geklungen wie die Trompte dem eingeschlafnen Krieger. Wolte Gott Ihre Augen wrden mir Ubalds Schild, und liessen mich tief mein unwrdiges Elend erkennen, und -- Ja Gustgen wir wollen das lassen -- ber des Menschen Herz lsst sich nichts sagen, als mit dem Feuerblick des Moments. Nun soll ich zu Tische _Nach Tische._ Dein Gut Wort wrckte in mir, da sprachs auf einmal in mir, sollts nicht bermsiger Stolz seyn zu verlangen, dass dich ganz das Mdgen erkennte und so erkennend liebte, erkenn ich sie vielleicht auch nicht, und da sie anders ist wie ich, ist sie nicht vielleicht besser. -- Gustgen! -- Lass mein Schweigen dir sagen, was keine Worte sagen knnen. Gute Nacht Gustgen! Heut einen guten Nachmittag, der selten ist -- mit Grosen, das noch seltner ist -- Ich konnte zwey Frstinnen in Einem Zimmer lieb und werth haben. Gute Nacht. Will dir so ein Tagbuch schreiben, ist das beste. Thu mir's auch so ich hasse die Briefe und die Errterungen und die Meynungen. Gute Nacht! So! -- ich sehe zurck, schon dreymal, ists doch als wenn ich verliebt in dich wre! und den Hut immer nhme und wieder niederlegte. Wie wollt ich du knntest nur acht Tage mein Herz an deinem, meinen Blick in deinem fhlen. Bey Gott was hier vorgeht ist unaussprechlich fein und schnell und nur dir vernehmbar. Gute Nacht. d. 15. Guten Morgen. Ich hab eine gute Nacht gehabt. Und bin iezt recht wie ein Mdgen. Sie rathen nicht was mich beschfftigt, eine Maske, auf kommenden Dienstag wo wir Ball haben. Nach Tisch! -- Ich komme geschwind gelaufen, dir zu sagen was mir drben in der andern Stube durch den Kopf fuhr: Es hat mich doch kein Weiblich Geschpf so lieb wie Gustgen. Und meine Masque wird eine altdeutsche Tracht, schwarz und Gelb, Pumphose, Wmslein, Mantel und Federstuzhut. Ach wie danck ich Gott dass er mir diese Puppe auf die paar Tage gegeben hat, wenns so lang whrt. halb viere. In Brunnen gefallen wie ichs ahndete. Meine Masque wird nicht gemacht. Lili kommt nicht auf den Bal. Aber drft ich, knnt ich alles sagen! -- Ich thats sie zu _ehren_ weil ich deklarirt fr sie bin, und eines Mdgens Herz pp. -- Also Gustgen! -- Ich thats auch halb aus Truz, weil wir nicht sonderlich stehn die acht Tage her. Und nun! -- Sieh Gustgen! so kanns allein werden wenn ich dir so von Moment zu Moment schreibe. -- -- halb 5. ich wollt ich knnt mich dir darstellen wie ich bin, du solltest doch dein Wunder sehn. Gott! so in dem ewigen Wechsel, immer eben derselbe. d. 16ten. Heut Nacht necksten mich halb fatale Trume. Heut frh beym Erwachen klangen sie nach. Doch wie ich die Sonne sah sprang ich mit beyden Fssen aus dem Bette, lief in der Stube auf und ab, bat mein Herz so freundlich freundlich, und mir wards leicht, und eine Zusicherung ward mir dass ich gerettet werden, dass noch was aus mir werden sollte: Gutes muths denn Gustgen. Wir wollen einander nicht auf's ewige Leben vertrsten! Hier noch mssen wir glcklich seyn, hier noch muss ich Gustgen sehn, das einzige Mdgen deren Herz ganz in meinem Busen schlgt. -- Nach Mittage halb vier. Offen und gut der Morgen, ich that was, Lili eine kleine Freude zu machen, hatte Fremde. Trieb mich nach Tische spasend nrrisch unter Bekannten und Unbekannten herum. Gehe iezt nach Offenbach, um Lili heute Abend nicht in der Comdie morgen nicht im Conzert zu sehen. Ich stecke das Blat ein und schreibe draus fort. Offenbach! Abends sieben. In einem Kreise von Menschen die mich recht lieb haben, offt mit mir leiden! Es ist nun so! ich sizze wieder an dem Schreibtischgen von dem ich Ihnen schrieb eh ich in die Schweiz ging. Lieb Gustgen -- da ist ein iunges Paar in der Stube das erst seit acht Tagen verheurathet ist! eine iunge Frau liegt auf dem Bette die der angenehmsten Hoffnung eines lieben Kindes entgegen schmerzet. Ade fr heute. Es ist Nacht und der Mayn blinckt noch aus den duncklen Ufern. Offenbach. Sonntag d. 17ten Nachts zehen. -- Ist der Tag leidlich u. stumpf herumgegangen, da ich aufstund war mirs gut, ich machte eine Scene an meinem Faust. Vergngelte ein paar Stunden. Verliebelte ein paar mit einem Mdgen davon dir die Brder erzhlen mgen, das ein seltsames Geschpf ist. Ass in einer Gesellschafft ein Duzzend guter Jungens, so grad wie sie Gott erschaffen hat. Fuhr auf dem Wasser selbst auf und nieder, ich hab die Grille selbst fahren zu lernen. Spielte ein Paar Stunden Pharao und vertrumte ein Paar mit guten Menschen. Und nun sizz ich dir gute Nacht zu sagen. Mir wars in all dem wie einer Ratte die Gift gefressen hat, sie luft in alle Lcher, schlurpft alle Feuchtigkeit, verschlingt alles Essbaare das ihr in Weeg kommt und ihr innerstes glht von unauslschlich verderblichem Feuer. Heut vor acht Tagen war Lili hier. Und in dieser Stunde war ich in der grausamst feyerlichst ssesten Lage meines ganzen Lebens |: mgt ich sagen :| O Gustgen warum kann ich nichts davon sagen! Warum! Wie ich durch die glhendsten Trhnen der Liebe, Mond und Welt schaute und mich alles seelenvoll umgab. Und in der Ferne die Waldhorn, und der Hochzeit Gste laute Freuden. Gustgen auch seit dem Wetter bin ich -- nicht ruhig aber still -- was bey mir still heisst und frchte nur wieder ein Gewitter das sich immer in den harmlosesten Tagen zusammenzieht, und -- Gute Nacht Engel. Einzigstes Einzigstes Mdgen -- und ich kenne ihrer Viele -- -- -- Montag d. 18. Mein Schiffgen steht bereit, ich werds gleich hinunter lencken. Ein herrlicher Morgen, der Nebel ist gefallen alles frisch und herrlich umher! -- Und ich wieder in die Stadt, wieder ans Sieb der Danaiden! Ade! -- Ich hab einen offnen frischen Morgen! O Gustgen! Wird mein Herz endlich einmal in ergreifendem wahren Genuss und Leiden, die Seeligkeit die Menschen gegnnt ward, empfinden, und nicht immer auf den Wogen der Einbildungskrafft und berspannten Sinnlichkeit, Himmel auf und Hllen ab getrieben werden. Beste ich bitte dich schreib mir auch so ein Tagbuch. Das ist das einzige was die ewige Ferne bezwingt. -- -- -- -- -- Montag Nacht halb zwlf. Franckf. an meinem Tisch. komme noch dir gute Nacht zu sagen. Hab getrieben und geschwrmt biss iezt. Morgen gehts noch rger. O Liebste. Was ist das Leben des Menschen. Und doch wieder die vielen Guten die sich zu mir sammeln! -- das viele Liebe das mich umgiebt -- -- -- Lili heut nach Tisch gesehn -- in der Comdie gesehn. Hab kein Wort mit ihr zu reden gehabt -- auch nichts geredt! -- Wr ich das los. O Gustgen -- und doch zittr' ich vor dem Augenblick da sie mir gleichgltig, ich hofnungslos werden knnte. -- Aber ich bleib meinem Herzen treu, und lass es gehn -- Es wird -- Dienstag sieben Morgens. -- Im Schwarm! Gustgen! ich lasse mich treiben, und halte nur das Steuer, dass ich nicht strande. Doch bin ich gestrandet ich kann von dem Mdgen nicht ab -- heut frh regt sich s wieder zu ihrem Vortheil in meinem Herzen. -- Eine grose schwere Lecktion! -- Ich geh doch auf den Ball einem ssen Geschpfe zu lieb, aber nur im leichten Domino, wenn ich noch einen kriege. Lili geht nicht. Nach Tische halb vier. Geht das immer so fort, zwischen kleinen Geschfften durch immer Mssiggang getrieben, nach Dominos und Lappen waare. Hab ich doch mancherley noch zu sagen. Adieu. ich bin ein Armer verirrter verlohrner -- -- Nachts Achte, aus der Commdie und nun die Toilette zum Ball! O Gustgen wenn ich das Blat zurcksehe! Welch ein Leben. Soll ich fortfahren? oder mit diesem auf ewig endigen. Und doch Liebste, wenn ich wieder so fhle dass mitten in all dem Nichts, sich doch wieder so viel Hute von meinem Herzen lsen, so die convulsiven Spannungen meiner kleinen nrrischen Composition nachlassen, mein Blick heitrer ber Welt, mein Umgang mit den Menschen sichrer, fester, weiter wird, und doch mein innerstes immer ewig allein der heiligen Liebe gewiedmet bleibt, die nach und nach das Fremde durch den Geist der reinheit der sie selbst ist ausstst und so endlich lauter werden wird wie gesponnen Gold. -- Da lass ich's denn so gehn -- Betrge mich vielleicht selbst. -- Und dancke Gott. Gute Nacht. Addio. -- Amen: 1775. Der neunte Brief Wieder angefangen Mittwoch den 20. ob zum Zerreissen oder wie! Genug ich fange an. Auf dem Ball bis sechs heut frh, nur zwey Menuets getanzt, Gesellschafft gehalten einem ssen Mdgen, die einen Husten hatte -- Wenn ich dir mein gegenwrtig Verhltniss zu mehr recht lieben und edlen weiblichen Seelen sagen knnte! wenn ich dir lebhafft! -- Nein wenn ich s knnte ich drfts nicht, du hieltests nicht aus. Ich auch nicht, wenn alles auf einmal strmte, und wenn Natur nicht in ihrer tglichen Einrichtung uns einige Krner Vergessenheit schlucken lies. Jezt ist's bald achte Nachts. Hab geschlafen bis 1, gegessen, etwas besorgt, mich angezogen, den Prinzen von Meinungen mich dargestellt, ums Thor gangen, in die Comdie. Lili sieben Worte gesagt. Und nun hier. Addio. Donnerst. den 21. Ich habe mir in Kopf gesezt mich heut wohl anzuziehen. Ich erwarte einen neuen Rock vom Schneider den ich mir hab in Lion sticken lassen, grau mit blauer Bordre, mit mehr Ungedult als die Bekandtschafft eines Manns von Geist der sich auf eben die Stunde bey mir melden lies. Schon ist was missglckt. Mein Perckenm. hat eine Stunde an mir frisirt und wie er fort war riss ich's ein, und schickte nach einem andern, auf den ich auch passe. -- -- -- Samstag den 23. Es hat tolles Zeug gesezt. Ich hab nicht zum schreiben kommen knnen. Gestern lauter #Altessen#. Heut hab ich einen Husten. Ade. Sonntag den 8. Oct. Bisher eine grose Pause ich in wunderbaaren Klten und Wrmen. Bald noch eine grssere Pause. Ich erwarte den Herzog v. Weimar der von Karlsruhe mit seiner herrlichen neuen Gemahlinn Louisen von Darmstadt kommt. Ich geh mit ihm nach Weimar. Deine Brder kommen auch hin, und von da schreib ich gewiss liebste Schwester. Mein Herz ist bel dran. Es ist auch Herbstwetter drinn, nicht warm nicht kalt. Wann kommst Du nach Hamburg? Weimar den 22. Nov. Ich erwarte deine Brder, o Gustgen! was ist die Zeit alles mit mir vorgangen. Schon fast vierzehn Tage hier, im Treiben und Weben des Hofs. Adieu bald mehr. Vereint mit unsern Brdern! Dies Blttel sollst indess haben. G. Der zehnte Brief Knntest du mein Schweigen verstehen! Liebstes Gustgen! -- Ich kann, ich kann nichts sagen! Weimar d. 11. Febr. 76. G. Der elfte Brief Kranck Gustgen! dem Todte nah! Gerettet liebster Engel, und das mir alles auf einmal -- zu einer Zeit wo ich immer dachte warum schreibt Gustgen nicht? Ist sie nicht mehr wie sonst, hat ihr Stella nicht gezeugt dass ich ihr Alter bin, obschon ich nicht schreibe, denn wie ich iezt lebe -- Ach Engel es ist Lstrung wenn ich mit dir rede! ich will lieber gar nicht beten als mit fremden Gedancken gemischt -- Auch dies schreib ich in des Herzogs Zimmer den ich fast nicht verlasse. Mein Herz mein Kopf -- ich weis nicht wo ich anfangen soll so tausendfach sind meine Verhltnisse und neu, und wechselnd aber gut -- Gustgen nur Eine Zeile von deiner Hand, nur Ein Wort dass du auch _mir_ wieder lebst. Adieu Liebe! Liebe. Mittwoch nach Ostern 76. G. Der zwlfte Brief Ach Gustgen! Welcher Anblick! so viel von deiner Hand! -- der ersehnten erflehten -- noch heut Abend! -- du Liebe nur dies! eh ich anfange zu lesen. Und da ich gelesen habe eine solche gute Nacht wie sie der Himmel der Erde bietet! -- Engel -- Ja Gustgen Morgen fang ich dir ein Journal an! -- das ist alles was ich thun kann -- denn _der Dir nicht schrieb bisher_ ist immer derselbe. Nachts eilf den 16. May 76. G. Der dreizehnte Brief d. 17. May. Morgens 8. Guten Morgen Gustgen. Nichts als dies zur Grundlage eines Tagbuchs fr dich. Ach du nimmst an dem unsteten Menschen noch Theil, der seit er dir nichts von sich schrieb, seltsame Schicksaale gehabt hat. Ich fhle dass ich Dir nicht alles sagen kann drum mag ich nichts sagen. Adieu! -- In meinem Garten Gustgen gegen 10. Hab ein liebes Grtgen vorm Thore an der Ilm schnen Wiesen in einem Thale. ist ein altes Husgen drinne, das ich mir repariren lasse. Alles blht alle Vgel singen. Gustgen und Du bist kranck! -- d. 18. May. Gestern konnt ich dir nichts mehr sagen. Der Husarn Rittmeister kam in meinen Garten, ich ritt um eilf nach dem Lustschloss Belvedere wo ich hinten im Garten eine Einsiedeley anlege, allerley Plzgen drinn fr arme Krancke und bekmmerte Herzen. Ich ass mit dem Herzog, nach Tisch ging ich zur Frau v. Stein einem Engel von einem Weibe, frag die Brder, der ich so offt die Beruhigung meines Herzens und manche der reinsten Glckseeligkeiten zu verdancken habe. der ich noch nichts von dir erzhlt habe, das mir viel Gewalt gekostet hat, heut aber will ich's thun will ich tausend Sachen von Gustgen sagen. Wir gingen in meinen Garten spazieren. Ihr Mann, ihre Kinder, ihr Bruder. ein paar Frul. Ilten. es kamen mehr zu uns wir gingen spazieren, begegneten der Herzoginn Mutter und dem Prinzen, die sich zu uns [gesellten]. Wir waren ganz vergngt. Ich verlies die Gesellschafft, ging noch einen Augenblick zum Herzog und ass mit Fr. v. Stein zu Nacht. Nun ists wieder schner heitrer Tag. Soviel iezt. halb 9. 12 Uhr in meinem Garten. Da lass ich mir von den Vgeln was vorsingen, und zeichne Rasenbncke die ich will anlegen lassen, damit Ruhe ber meine Seele komme, und ich wieder von vorne mg anfangen zu tragen und zu leiden. Gustgen knnt ich Dir von meiner Lage sagen! die erwnschteste fr mich, die glcklichste, und dann wieder -- Ich sagte immer in meiner Jugend zu mir da so viel tausend Empfindungen das schwanckende Ding bestrmten: Was das Schicksal mit mir will, dass es mich durch all die Schulen gehn lsst, es hat gewiss vor mich dahin zu stellen wo mich die gewhnlichen Qualen der Menschheit gar nicht mehr anfechten mssen. Und iezt noch ich seh alles als Vorbereitung an. Ich hab das ausgestrichen weils dunckel und unbestimmt gesagt war. Nach Tische mehr. Sonnabends Nachts 10 in meinem Garten. Ich habe meinen Philipp nach Hause geschickt und will allein hier zum erstenmal schlafen. Und so meinen Schlaf einweihen dass ich Dir schreibe. Die Maurer haben gearbeit biss Nacht ich wollt sie aus dem Haus haben, wollte -- o ich kann dir nicht ins Detail gehn. Den ganzen Nachmittag war die Herzoginn Mutter da und der Prinz und waren guten lieben Humors, und ich hab denn so herum gehausvatert, wie alles weg war, ein Stck kalten Braten gessen und mit meinem Philipp, |: lass Dir von den Brdern von ihm erzhlen :| von seiner und meiner Welt geschwzzt, war ruhig und bin's und hoffe gut zu schlaffen zu holdem Erwachen. Gute Nacht beste. -- Es geht gegen eilf ich hab noch gesessen und einen englischen Garten gezeichnet. Es ist eine herrliche Empfindung dahausen im Feld allein zu sizzen. Morgen frhe wie schn. Alles ist so still. Ich hre nur meine Uhr tackcken, und den Wind und das Wehr von ferne. gute Nacht. -- Sonntag frh d. 19. Guten Morgen! ein trber aber herrlicher Tag. Ich habe lang geschlafen, wachte aber gegen vier auf, wie schn war das grn dem Auge das sich halbtruncken aufthat. Da schlief ich wieder ein. Nachts 10. Im Garten versteht sich iezt von selbst. ging um eilf heut frh in die Stadt steckte mich in erbaare Kleider, machte eine Visite, ging zum Herzog, einen Augenblick zur Herzoginn Mutter, wir haben Italiners hier die uns gute Gsse der Antiken schaffen, dann bey Fr. v. Stein zu Tisch, wir hatten Lust uns zu necken, um vier zu Wieland in Garten wo der Mahler Krause dazu kam. Beyde mit mir in meinen Garten. Sie verliesen mich ich las Guiberts Tacktick, da kam der Herzog und der Prinz mit noch zween Guten Geistern. Wir schwazzten und trieben allerley. Fr. von Stein mit ihrer Mutter kam von Oberweimar herunter spazieren wir begleiteten sie, kehrten um, der Prinz verlies uns auch, ich erzhlte dem Herzog eine Geschichte eines meiner Freunde der sich wunderlich durch die Welt schlagen musste, begleitet ihn nach der Stadt, und kam allein zurck. Hier treu mein Tag, lieb Gustgen. Ich hab so viel gedacht! dass ich's doch nur nicht so hinsagen kann. Montag d. 20. Ssser Morgen. Arbeiter in meinem Garten. Allerley Beschfftigungen! -- -- -- -- Bey der Herzoginn Mutter gessen. Nach Tische ging alles nach Tiefurt wo der Prinz sich hat ein Pachtgut artig zurecht machen lassen. Die Bauern empfingen ihn mit Musick, Bllern, lndlichen Ehrenpforten, Krnzlein, Kuchen, Tanz, Feuerwerckspuffen, Serenade und s. w. Wir waren vergngt ich hatte das Glck alles sehr schn zu sehen. Und nun bin ich im Garten hab eine Viertelstunde nach dem Feuerzeug getappt und mich gergert und bin so froh dass ich iezt Licht habe Dir das zu schreiben. Dadrben auf dem Schlosse sah ich viel Licht indess ich nach Einem Funcken schnappte, und wusste doch dass der Herzog gern mit mir getauscht htte, wenn er's in dem Augenblick htte wissen knnen. Es ist ein trefflicher Junge und wird wills Gott auch ausghren. Friz wird gute Tage mit uns haben, so wenig ich ihm ein Paradies verspreche. Gute Nacht. Eine grose Bitte hab ich! -- Meine Schwester der ich so lang geschwiegen habe als dir, plagt mich wieder heute um Nachrichten oder so was von mir. Schick ihr diesen Brief, und schreib ihr! -- O dass ihr verbunden wrt! Dass in ihrer Einsamkeit ein Lichtstral von dir auf sie hin leuchtete, und wieder von ihr ein Trostwort zur Stunde der Noth herber zu dir kme. Lernt euch kennen. Seyd einander was ich euch nicht seyn kann. Was rechte Weiber sind sollten keine Mnner lieben, wir sinds nicht werth. Gute Nacht halb eilfe. Dienstag d. 21. frh 6 aufgestanden herrlicher khler Sonnenmorgen. Arbeiter im Garten. Ein Jger bringt mir einen iungen Fuchs. Mittwoch d. 22. um 10 Uhr. Gestern wieder nach Tiefurth die regierende Herzoginn war dort. Der Herzog und noch einige blieben die Nacht drausen, heut frh ritten wir herein dem Maneuvre der Husaren zuzusehn und nun bin ich wieder in meinem Garten. Freytag d. 24 Morgens eilf in der Stadt. Habe viel ausgestanden die Zeit. Mittw. Nachmittag brach ein Feuer aus im Hazfeldischen 5 Stunden von hier der Herzog ritt hinaus biss wir hinkamen lag das ganze Dorf nieder, es war nur noch um Trmmern zu retten und die Schul und die Kirche. Es war ein groser Anblick ich stand auf einem Hause wo das Dach herunter war und wo unsre Schlauchsprizze nur das untre noch erhalten sollte, und sieh Gustgen und hinter und vor und neben mir feine Glut, nicht Flamme, tiefe hohlaugige _Glut_ des niedergesuncknen Orts, und der Wind drein und dann wieder da eine auffahrende Flamme, und die herrlichen alten Bume um's ort inwendig in ihren hohlen Stmmen glhend und der rothe dampf in der Nacht und die Sterne roth und der neue Mond sich verbergend in Wolcken. Wir kamen erst Nachts zwey wieder nach Hause. Gestern Donnerst. d. 23 ist mir auch wieder wunderbaars Wesen um den Kopf gezogen -- Was wirds werden, ich hab eben noch viel auszustehen, das ists was ich in allen Drangsaalen meiner Jugend fhlte, aber gesthlt bin ich auch, und will ausdauern bis ans Ende. Adieu. Nun hrst du wieder eine Weile nichts von mir. Schreib mir aber wann dichs freut. Friz soll kommen wann er gerne mag der Herzog hat ihn lieb wnscht ihn ie eher ie lieber, will ihn aber nicht engen. Adieu. Ich bin ewig derselbe G. An meine Schwester die Addresse. Frau Hofrath Schlosser fr. Rheinhausen nach Emmedingen im Brisgau. Der vierzehnte Brief d. 28. Aug. Guten Morgen Gustgen! Wie ich aus dem Bette steige guten Morgen. Ein herrlich schner Tag aber khl. Die Sonne liegt schon auf meinen Wiesen! -- Der Thau schwebt noch ber dem Fluss. Lieber Engel warum mssen wir so fern von einander seyn. Ich will hinber ans Wasser gehn und sehn ob ich ein Paar Enten schiesen kann. Gegen 12. Ich versptete mich auf der Jagt. Erwischte eine Ente. Kam drauf gleich in das Getreibe des Tags und bin nun ganz zerstreut. Adieu indess. Nachmittag 4. Ich erwarte Wiel[an]ds Frau und Kinder. Habe heut viel an dich gedacht. Abends 7. Sie gehn eben von mir weg! -- Und nun nichts mehr. -- Gott sey Danck ein Tag an dem ich gar nicht gedacht, an dem ich mich blos den sinnligen Eindrcken berlassen habe. Nun Adieu fr heut bestens. d. 30. Es geht mir wie dir Gustgen, ich hab auch was auf dem Herzen, also heraus damit. Von Friz hab ich noch keinen Brief. Der Herzog glaubt noch er komme, und man fragt nach ihm und ich kann nichts sagen. Lieb Gustgen mir ist lieber fr Frizzen dass er in ein wrckendes Leben kommt, als dass er sich hier in Cammerherrlichkeit abgetrieben htte. Aber Gustgen -- er nimmt im Frhjahr den Antrag des Herzogs an, wird ffentlich erklrt, in allen unsern Etats steht sein Nahme, er bittet sich noch aus den Sommer bey seinen Geschwistern zu seyn, man lsst ihm alles, und nun kommt er nicht. Ich weis auch dass Dinge ein Geheimniss bleiben mssen -- Aber -- Gustgen ich habe noch was auf dem Herzen das ich nicht sagen kann -- -- -- -- Und die, die man so behandelt, ist Carl August Herzog zu Sachsen, und dein Goethe Gustgen. Lass mich das iezt begraben, wir wollen dran wegstreichen. Adieu Engel ich muss den Brief schliessen. Ich mach eine kleine Reise sonst kriegst du ihn wieder lang nicht. G. Der fnfzehnte Brief Danck Gustgen dass du aus deiner Ruhe mir in die Unruhe des Lebens einen Laut herber gegeben hast. Alles geben Gtter die unendlichen Ihren Lieblingen ganz Alle Freuden die unendlichen Alle Schmerzen die unendlichen ganz. So sang ich neulich als ich tief in einer herrlichen Mondnacht aus dem Flusse stieg der vor meinem Garten durch die Wiesen fliest; und das bewahrheitet sich tglich an mir. Ich muss das Glck fr meine Liebste erkennen, dafr schiert sie mich auch wieder wie ein geliebtes Weib. Den Todt meiner Schwester wirst du wissen. Mir geht in allem alles erwnscht, und leide allein um andre. Leb wohl grse Henrietten! Ist das noch eine eurer Schwestern? oder Christels Frau? zwar sie hat der Brder Handschrifft! Wenn ich einmal wieder ans Schreiben komme, will ich ia wol sehn ob ich dadrber was sagen kan was sie will. Grse die Brder und behaltet mich lieb. Weimar d. 17. Jul. 77. Goethe. Der sechzehnte Brief Beste! heute nur ein Wort, und ein paar Lieder von mir, komponirt von einem lieben Jungen, dem Flle im Herzen ist. Hier auch ein Schattenriss von Klopstock. Die Lieder lassen Sie nicht abschreiben auch nicht die Melodien. Nchstens kriegen Sie mehr. Hier indess eine Grabschrifft. Ich war ein Knabe warm und gut Als Jngling hatt ich frisches Blut Versprach einst einen Mann Gelitten hab ich u. geliebt Und liege nieder ohnbetrbt Da ich nicht weiter kann. den 17. Merz 78. G. Der siebzehnte Brief Fr ihr Andencken liebes Gustgen danck ich Ihnen recht herzlich. Die kleine gute Schardt will ein Zettelgen von mir, sie ist in meinem Garten mit mehr Gesellschafft an einem schnen schwlen Abend. Lange hab ich mir vorgesetzt Ihnen etwas zu schicken und zu sagen, es ist aber kein stockigerer Mensch in der Welt als ich wenn ich einmal ins stocken gerathe. Grsen Sie die Brder, schreiben mir wieder einmal von sich, und knpfen Sie wenn Sie mgen den alten Faden wieder an, es ist ia dies sonst ein weiblich Geschfft. Adieu. Den 3. Juny 1780. G. Der achtzehnte Brief Ihr Brief meine Beste hat mich beschmt, und mich meine Nachlssigkeit verwnschen gemacht. Zu Anfang des Jahrs redete ich mit der kleinen Schardt ab, Ihnen ein Portefeuille zu mahlen und es zum Geburtstag zu schicken. Es stand lange gestickt in meiner Stube und ich konnte nicht dazu kommen, da endlich der 15te verstrich. Wre es fertig geworden so htten Sie es den Tag drauf als Ihr Brief abgegangen war erhalten. Nun hat es Frau v. Stein gemahlt, ist aber auch nicht glcklich gewesen der Atlas floss, er war zu dnne, es ist eben kein Glck und Segen dabey. Behalten Sie mich lieb, grsen Sie die Brder! alles Glck dem neuen Paare! Ich bin wohl und noch immer in meinem Thale. Geniesen Sie des Lebens. Weimar den 4. Mrz 82. Goethe. * * * * * Grfin Auguste Stolberg an Goethe #B#: d: 15t: #October 1822#. Wrden Sie, wenn ich mich nicht nennte, die Zge der Vorzeit, die Stimme die Ihnen sonst willkommen war, wieder erkennen? nun ja ich bins -- Auguste -- die Schwester der so geliebten, so hei beweinten, so vermiten Brder #Stolberg#. Knten doch diese aus der Wohnung ihrer Seeligkeit, von _dort_ wo sie den _schauen_, an den sie _hier glaubten_ -- knten doch diese, mit mir vereint, Sie bitten: Lieber Lieber Goethe, suchen Sie den, der sich so gerne finden lt, glauben Sie auch an den, an den wir unser Lebe lang glaubten Die seelig Schauenden wrden hinzu fgen, den wir nun schauen! und ich sage: der das Leben meines Lebens ist, das Licht in meinen trben Tagen, und uns allen dreyen, Weg, Wahrheit, und Leben, unser Herr, und unser Gott, war. und nun, ich rede auch im Nahmen der Verklrten Brder die so oft den Wunsch mit mir aussprachen: Lieber Lieber Goethe, Freund unsrer Jugend! Genieen auch Sie das Glk, wa schon im irrdischen Leben uns zu Theil ward, Glaube, Liebe, Hofnung! und die Vollendeten setzen hinzu: Gewiheit, und ewiger seeliger Frieden harrt denn auch deiner hier -- Ich lebe zwar nur noch in Hofnung deen wa zuknftig ist, aber in seeliger Hofnung die mir so zur Gewiheit geworden ist, da ich Mhe habe, die unendliche Sehnsucht darnach zu stillen -- Ich las in diesen Tagen wieder einmal alle Ihre Briefe nach -- #the Songs of other times# -- die Harfe von Selma ertnte -- Sie waren der kleinen Stolberg sehr gut -- und ich Ihnen auch so herzlich gut -- das kan nicht untergehen -- mu aber fr die Ewigkeit bestehen -- diese unsre Freundschaft -- die Blthe in unsrer Jugend, mu Frchte fr die Ewigkeit tragen, dachte ich oft -- und so ergrif es mich beym Lesen Ihrer Briefe, und so nahm ich die Feder -- Sie bitten mich einmal in Ihrem Briefe, Sie zu retten -- nun maae ich mir wahrlich nichts an, aber so ganz Einfltigen Sinns bitte ich Sie, retten Sie sich selbst. nicht wahr Ihre Bitte giebt mir dazu einiges Recht? -- und ich bitte Sie immer, hren Sie in meinen Worten, die Stimme, meiner Brder, die Sie so herzlich liebten -- Ich habe denn meinen Wunsch, meinen dringenden Wunsch, ausgesprochen, den ich so oft wollte laut werden laen: O ich bitte, ich flehe Sie Lieber Goethe! abzulaen, von allem wa die Welt, Kleines, eitles, Irrdisches, und nicht gutes hat -- Ihren Blik, und Ihr Herz zum Ewigen zu wenden -- Ihnen ward viel gegeben, viel anvertraut. wie hat es mich oft geschmerzt, wenn ich in Ihren Schriften fand, wodurch Sie so leicht andern Schaden zu fgen -- O machen Sie das gut, weil es noch Zeit ist -- Bitten Sie um hhern Beystand, und er wird Ihnen, so wahr Gott ist, werden -- Ich dachte oft, ich knte nicht ruhig sterben, wenn ich nicht mein Herz so gegen den Freund meiner Jugend, ausgeschttet htte -- und ich denke ich schlafe ruhiger darum ein, wenn mein Stndlein schlgt -- Die Jahre nicht nur, sondern viel frher haben, unsgliche Leiden, meine Haare schnee wei gebleicht -- aber nie wankte in mir das feste Vertrauen zu Gott, und die Liebe zu meinem Erlser -- bey allem wa mich traf, tnte es tief, und stark in meinem Innern: Der Herr hat alles wohl gemacht! Der Gott meiner Jugend, ist auch der Gott meines Alters -- Als wir uns schrieben, war ich eins der glklichsten Geschpfe auf Erden, wie reich war ich! Frh durch die besten Eltern -- Geliebt von den besten Geschwistern -- spter, das Geliebte Weib des Mannes meines Herzens -- Mutter der besten Kinder -- Aber welche Trbsale wurden mir zu Theil -- der einzig von mir gebohrne Knabe -- ein Kind von 4 Jahren, der die Wonne der Eltern, und der Stolz der Mutter war -- ich sage nicht da ich ihn verlohr -- wa fr ihn Gewinn war, sah mein Mutter-Herz nie als Verlust an -- er gewann den Himmel, und nur mir ward der unsgliche Schmerz, zu Theil -- und so konte ich selbst im heien Schmerz, Gott danken und spter -- verlohr ich den Angebeteten Gatten -- O die war noch ein ganz neuer, eigener, mit nichts zu vergleichender Schmerz -- mir blieben noch die lieben Geschwister. Ach die herrlichen die unaussprechlich Geliebten Brder! Ein Sturm ri den Jngern hin -- und zerstrte, die vorher noch Jugend volle Lebenskraft des Aeltern -- durch diesen doppelten, so schnell auf einander folgenden Verlust, fhle ich mich, wie aufs neue verwait -- Aber dennoch preise ich Gott -- Ich finde sie ja alle wieder -- Eltern, Geschwister, Freunde, Kinder, und den Geliebten Gatten -- So gerne nhme ich auch die Hofnung mit mir hinber, Sie Lieber Goethe, auch einst da kennen zu lernen -- Noch Einmal bitte ich Sie -- schlagen Sie es der nicht ab, die Sie einst Freundin, Schwester, nannten -- Ich bete fr Sie, da Sie es ganz erfahren mgen, wie freundlich, und gtig der Herr ist, wie glklich die auf Ihn trauen. Bitte laen Sie die unter uns bleiben -- wollen Sie mir antworten? Ich mgte wien wo Sie sind, wa Sie treiben. ich lebe meistens still auf dem Lande -- meine liebe Enkelin, Tochter meines jngsten Sohnes ist bey mir -- sie ist 13 Jahr -- meine Liebe, und meine Freude. Ich reiche Ihnen freundschaftlich meine Hand. Ihr Andenken ist nie in mir erloschen, und meine Theilnahme fr Sie immer Lebendig geblieben -- meine Wnsche fr Ihr wahres Wohl, auch. Manches betrbte mich oft -- Ich will so lange ich lebe, noch recht fr Sie beten -- mgten Sie sich doch darin noch recht mit mir vereinigen -- Mein Erlser ist ja auch der Ihrige, es ist auch in keinem andern Heil, und Seeligkeit zu finden. Ob Sie wohl noch an mich dachten? Bitte schreiben Sie ein paar Worte an Auguste Bernstorff-#Stolberg#. Meine #adresse# ist: in #Bordesholm# durch Hamburg. d: 23 st: Sie bitten mich in einem Ihrer Briefe, nachdem Sie lange geschwiegen hatten: den Alten Faden wieder anzuspinnen, es sey die ja ohnehin ein Weibliches Geschft. Da ist er denn wieder angesponnen, und o! mge er sich denn nun bi in die Ewigkeit hineinspinnen! -- So leben Sie denn wohl, und verkennen Sie meine Absicht nicht -- Laen Sie, ich bitte Sie, die ganz unter uns bleiben -- Letzter Brief Goethes an Auguste Stolberg Von der frhsten, im Herzen wohlgekannten, mit Augen nie gesehenen theuren Freundin endlich wieder einmal Schriftzge des traulichsten Andenkens zu erhalten, war mir hchst erfreulich-rhrend; und doch zaudere ich unentschlossen, was zu erwidern seyn mchte. Lassen Sie mich im Allgemeinen bleiben, da von besondern Zustnden uns wechselseitig nichts bekannt ist. Lange leben heit gar vieles berleben, geliebte, gehate, gleichgltige Menschen, Knigreiche, Hauptstdte, ja Wlder und Bume, die wir jugendlich geset und gepflanzt. Wir berleben uns selbst und erkennen durchaus noch dankbar, wenn uns auch nur einige Gaben des Leibes und Geistes brig bleiben. Alles diesem Vorbergehende lassen wir uns gefallen; bleibt uns nur das Ewige jeden Augenblick gegenwrtig, so leiden wir nicht an der vergnglichen Zeit. Redlich habe ich es mein Lebelang mit mir und andern gemeint und bey allem irdischen Treiben immer auf's Hchste hingeblickt; Sie und die Ihrigen haben es auch gethan. Wirken wir also immerfort, so lang es Tag fr uns ist; fr andere wird auch eine Sonne scheinen, sie werden sich an ihr hervorthun und uns indessen ein helleres Licht erleuchten. Und so bleiben wir wegen der Zukunft unbekmmert! In unseres Vaters Reiche sind viel Provinzen, und da er uns hier zu Lande ein so frhliches Ansiedeln bereitete, so wird drben gewi auch fr beyde gesorgt seyn; vielleicht gelingt alsdann, was uns bis jetzo abging, und angesichtlich kennen zu lernen und uns desto grndlicher zu lieben. Gedenken Sie mein in beruhigter Treue. Vorstehendes war bald nach der Ankunft Ihres lieben Briefes geschrieben, allein ich wagte nicht, es wegzuschicken, denn mit einer hnlichen Aeuerung hatte ich schon frher Ihren edlen, wackern Bruder wider Wissen und Willen verletzt. Nun aber, da ich von einer tdtlichen Krankheit in's Leben wieder zurckkehre, soll das Blatt dennoch zu Ihnen, unmittelbar zu melden: da der Allwaltende mir noch gnnt, das schne Licht seiner Sonne zu schauen; mge der Tag Ihnen gleichfalls freundlich erscheinen und Sie meiner im Guten und Lieben gedenken, wie ich nicht aufhre, mich jener Zeiten zu erinnern, wo das noch vereint wirkte, was nachher sich trennte. Mge sich in den Armen des allliebenden Vaters alles wieder zusammen finden. wahrhaft anhnglich Weimar den 17. Apr. 1823. Goethe. Anmerkungen _Der erste Brief._ Adresse: _Der theuern Ungenandten_. Goethe wei somit noch nicht, mit wem er es zu tun hat; siehe die Adresse des zweiten Briefes. Sein Schreiben hat er sicherlich durch die Brder Stolberg befrdert, durch deren Vermittlung er auch Gustchens anonymen Brief Mitte Januar erhalten haben wird. -- _Musste er Menschen machen nach seinem Bild_: 1. Mos. 1, 26. -- _wenn wir Brder finden_: Brder prgnant fr das allgemeinere Geschwister; Goethe meint eben seine unbekannte Korrespondentin. _Der zweite Brief._ Adresse: _Der teuern Ungenannten_. Doch geht aus dem letzten Absatz des Briefes hervor, da dem Schreiber Namen und Aufenthaltsort Gustchens (durch deren Brder?) bekannt geworden sind; der dritte Brief redet sie an liebe Auguste; siehe auch die Adresse des vierten. -- _einer niedlichen Blondine_: Lili Schnemann (geb. 23. Juni 1758), die Tochter eines vermgenden Frankfurter Bankherrn, die Goethe zu Anfang des Jahres kennen gelernt hatte. Die Schilderung, die er hier von dem Gesellschaftstreiben im Hause der Geliebten entwirft, kehrt wieder im Gedichte An Belinden (Warum ziehst du mich unwiderstehlich Ach, in jene Pracht?): Bin ich's noch, den du bei so viel Lichtern An dem Spieltisch hltst? Oft so unertrglichen Gesichtern Gegenber stellst? -- _dumpfe tiefe Gefhle_: dumpf ein Lieblingswort des jungen Goethe zur Bezeichnung gefhlsschwerer, ahnungsvoller, unruhig treibender und schwellender Seelenstimmung. -- _Dramas_: Claudine von Villa Bella, Erwin und Elmire (vgl. S. 22), Stella (vgl. S. 18, 34), Faust (vgl. S. 30). _Der dritte Brief._ -- _Auf dem Land bey sehr lieben Menschen_: in Offenbach oberhalb Frankfurts in der Familie des Komponisten Johann Andr (1741-1799), der, ursprnglich Seidenfabrikant, seit 1774 dort einen Musikverlag besa; er hat Goethes Erwin und Elmire komponiert. Zu dem Offenbacher Kreise gehrte ferner der Kaufmann Jean George d'Orville, ein Onkel Lilis, mit seiner Gattin Jeanne Rahel, geb. Bernard, sodann der reformierte Pfarrer Joh. Ludw. Ewald (1747-1822), der sich spterhin, vom Rationalismus zu biblisch-positivem Glauben bekehrt, in einflureichen geistlichen Stellungen als geflliger, lebhafter, vielseitiger, aber allzu redseliger Vielschreiber, namentlich auf pdagogischem Gebiet im Sinne Pestalozzis, betrchtliche Verdienste um Bildung und Gesittung des Volkes erworben hat. Siehe S. 30, 31. -- _in Erwartung_: Lilis, die etwa am 9. eingetroffen sein wird. -- _Heut ist der 6. Mrz_: nein! Goethe schreibt am 7., einem Dienstag, an dessen Morgen er nach Offenbach hinausgewandert war. -- _aufgewegt_: veraltete Form statt aufgeregt, erregt. -- _an meine Schwester schreiben_: Schwester Cornelia, seit 1. November 1773 mit Joh. Georg Schlosser vermhlt, lebte seit Ende Juni 1774 in Emmendingen (Baden), wo ihr Gatte, zunchst vertretungsweise, dann (seit Juni 1775) als Oberamtmann, der Regierung der badischen Markgrafschaft Hochberg vorstand. -- _Lavaters Phisiognomischer Glaube_: Joh. Kaspar Lavater (1741-1801), Diakonus in Zrich, seit 1775 Pfarrer an der Waisenhauskirche daselbst, Schriftsteller tiefster Empfindung und verstiegenen Ausdrucks, in wunderglubiger Christusschwrmerei und religiser berspannung befangen, begabt mit dem Zauber hinreiender persnlicher Liebenswrdigkeit und der Werbekraft enthusiastischer berzeugung, suchte in seinen vierbndigen Physiognomischen Fragmenten dem Versuche, die Linien des Menschengesichtes fr Erkennung des Charakters zu verwerten, wissenschaftliche Methode zu geben; Goethe, seit August 1773 mit ihm in Verbindung, hatte ihn hierin durch Zeichnungen und Silhouetten, namentlich aber auch durch Charakterschilderungen und Profildeutungen untersttzt. -- _schick ich Ihnen eins geschrieben_: Stella (vgl. S. 16). -- _Freu[den] und Kinder_: die zweite Silbe des ersten Wortes hat Goethe beim bergang von einer Zeile in die folgende irrtmlich ausgelassen: Freu-. Die Schrift ist nicht deutlich; Frau- oder Frauen steht jedenfalls _nicht_ da. Wenige Zeilen weiter nennt Goethe seine Arbeiten die aufbewahrten Freuden seines Lebens. -- _seziren meines armen Werthers_: Goethe denkt namentlich an die im Januar erschienene Berichtigung der Geschichte des jungen Werthers des frheren Juristen in Wetzlar, damaligen hannoverschen Gardeleutnants Karl Wilh. Frhr. v. Breidenbach (1751-1813). -- _Berliner ppp Hundezeug_: die von dem Berliner Buchhndler und Aufklrungsschriftsteller Friedrich Nicolai (1733-1811) verfaten Freuden des jungen Werthers, gleichfalls im Januar 1775 herausgekommen; in diesem geschickt geschriebenen Erzeugnis hausbackener Nchternheit, das von Goethe zeitlebens eines besonderen Grimmes gewrdigt worden ist, wurden Werthers Pistolen mit 'ner Blase voll Blut geladen, das den Helden beim Schusse aufs schmhlichste besudelt; 's von 'em Huhn, das heute Abend mit Lotten verzehren solt, trstet ihn Albert, der ihm Lotten zu nicht immer erfreulich ausfallender Ehe abtritt. -- _die Kinder tollen_: des Ehepaares Andr. -- _Paradiesgrtlein_: des braunschweigisch-lneburgischen Generalsuperintendenten Joh. Arndt in Celle (1555-1621) viel benutzte erbauliche Sammlung von Gebeten und Gebetliedern Das Paradiesgrtlein voll christlicher Tugenden. -- _Bergere_: Sofa. -- _Stube_: Goethes dreifenstriges, der Strae zugekehrtes Wohnzimmer im Dachgescho des vterlichen Hauses. _Der vierte Brief._ Adresse: _Augusten_. -- _zu einem verdrslichen Geschfft_: doch wohl seiner Anwaltspraxis. -- _beygehendes Zettelgen_: ist verloren. -- _Ehlers_: Martin Ehlers (1732-1800), damals Gymnasialrektor zu Altona, spter Professor in Kiel, pdagogisch-philosophischer Schriftsteller; ein Brief an ihn ging am 14. April ab. -- _innigen Freundin_: v. Oberg, Stiftsdame im Stifte tersen (unterhalb Altona unweit vom rechten Ufer der Elbe). -- _Fieber_: zu Gustchens Krankheitsanfllen siehe noch S. 34. _Der fnfte Brief._ In der Zeit dieses Briefes (April) ist Goethes Verhltnis zu Lili durch die Einwilligung der beiderseitigen Familien zur frmlichen Verlobung gediehen. -- _Liedgen_: die Arie Erwins Ihr verblhet se Rosen aus Erwin und Elmire (vgl. S. 16), fr die Goethes Freund, der Frankfurter Komponist Philipp Kayser (1755-1823), eine Melodie des franzsischen Opernkomponisten A. E. Grtry (1741-1813) umgebildet hatte. -- _Ihre Brder kommen_: aufgefordert von ihrem Gttinger Studiengenossen, dem Baron Kurt v. Haugwitz, dem spteren Grafen und preuischen Minister (1752-1831), hatten sich die Grafen Christian und Friedrich Leopold zu einer Reise in die Schweiz entschlossen. Sie trafen etwa am 9. Mai in Frankfurt ein, wo sie von Haugwitz erwartet wurden. Gleich nach ihrer Ankunft erschien Goethe bei ihnen. Er erklrte sich alsbald bereit, die neuen Freunde auf ein groes Stck des geplanten Weges zu begleiten; er hoffte im Wechsel frischer Natureindrcke sein strmendes Herz zu beruhigen und durch eine Trennung seine qulend-beseligenden Gefhle fr Lili sich klren und entscheiden zu lassen. Am 14. Mai 1775 ward die Reise angetreten. -- _zweiten Band der Iris_: die von dem Anakreontiker Joh. Georg Jacobi (1740-1814) in Dsseldorf herausgegebene Vierteljahrsschrift Iris enthielt in des zweiten Bandes erstem Stck (Januar 1775) das Gedicht Kleine Blumen, kleine Bltter, das Maifest (Wie herrlich leuchtet) und den Neuen Amadis (Als ich noch ein Knabe war), in des zweiten Bandes drittem Stck (Mrz 1775) auer Erwin und Elmire die Gedichte: An Belinden (Warum ziehst du mich unwiderstehlich, vgl. S. 50), Neue Liebe, neues Leben (Herz, mein Herz, was soll das geben), Willkommen und Abschied (Es schlug das Herz, geschwind zu Pferde). _Der sechste Brief._ Ein unvollendeter Brief, der vielleicht mit dem siebenten, wenn nicht noch spter abgeschickt worden ist. -- _Wie weit ists nun_: Gustchen war von einer Reise nach Hamburg nach Kopenhagen zurckgekehrt. -- _wieder in Franckfurt_: seit dem 22. Juli. Die Briefe, die Goethe von der Reise an Gustchen gerichtet haben wird, sind nicht berliefert. -- _in Zrch getrennt_: etwa am 6. Juli. Die Stolberge setzten durch die Schweiz ihre Reise fort, die sie an den Comer und Genfer See fhrte. -- _im Wolckenbade_: auf dem St. Gotthard. -- _Ich litt mit ihm_: in Straburg (am 25. Mai) hatte Fritz Stolberg die Nachricht erhalten, da Sophie Hanbury, eine junge Englnderin in Hamburg, der er seine Liebe gewidmet, seine Neigung nicht erwidern knne: vgl. S. 25. -- _Grfin Bernsdorf_: Gustchens Schwester Henriette Friederike, die erste Gattin des hochverdienten dnischen Ministers Andreas Petrus Bernstorff (1735-1797), dem nach dem Tode der Schwester (1782) Gustchen dann selbst die Hand zur Ehe gereicht hat. -- _Zettelgen_: gemeint ist nicht etwa eine Beilage, sondern der ganze sechste Brief. _Der siebente Brief._ -- _Hier_: in Offenbach, im Hause d'Orvilles, vor Lilis Schreibtisch. -- _der Brief liegt in der Stadt_: jedenfalls Brief Nr. 6 (S. 23), der dann gelegentlich mit dem Vermerk: Hier ein altes verlohrnes Zettelgen abgeschickt worden ist. -- _Ihm ist wohler_: weil fr ihn die Entscheidung gefallen (vgl. S. 23). -- _Schlacht bey Bergen_: am 13. April 1759 zwischen Herzog Ferdinand von Braunschweig und den Franzosen unter Marschall Broglie; sie ward die Ursache des im dritten Buche von Dichtung und Wahrheit geschilderten Zusammenstoes zwischen Goethes Vater und dem Knigsleutnant Grafen Thoranc. -- _Pannier_: Reifrock. -- _vier Heumans Kinder_: die vier Genossen der Schweizer Reise, die gleich Rainald von Montalban und seinen drei Brdern, den Helden der Schnen Historie von den vier Haimonskindern, samt ihrem Ro Bayart auf Abenteuer ausgezogen waren. Nach der Mutter der Haimonskinder hat Goethes Mutter den Namen Frau Aja erhalten. -- _stechen lassen_: die Silhouetten Goethes, der Stolberge, des Barons v. Haugwitz finden sich in Lavaters Physiognomischen Fragmenten, im dritten Versuch (1777), auf der Kupfertafel zu S. 35. -- Statt der Unterschrift ein Schnrkel. _Der achte Brief._ -- _Schlang im Grase_: nach dem Worte des Vergil: #latet anguis in herba# (Bucol. 3, 93). -- _Trompte_: veraltet statt Trompete. -- _Ubalds Schild_: in Tassos Befreitem Jerusalem erkennt Rinaldo, den die schne Zauberin Armida in Liebe und Wohlleben gefesselt hlt, in dem ihm vorgehaltenen demantenen Schilde des Ritters Ubaldo sein durch Tand und weibischen Putz entwrdigtes Wesen. -- _zwey Frstinnen_: vermutlich die verwitwete Markgrfin Sophie Karoline von Brandenburg-Bayreuth (geb. 1737) und die verwitwete Herzogin Charlotte Amalie von Sachsen-Meiningen (geb. 1730). -- _iunges Paar_: Pfarrer Ewald (vgl. S. 17) hatte sich am 10. September mit Rachel Gertrud du Fay, der Tochter eines Frankfurter Kaufmanns, vermhlt. Zur Hochzeitfeier hatte Goethe das Bundeslied (In allen guten Stunden) gedichtet. -- _iunge Frau liegt auf dem Bette_: Frau Andr, die am 6. Oktober einen Knaben (Joh. Anton) zur Welt brachte. -- _Verliebelte ... mit einem Mdgen_: Lottchen Nagel, ein Mdchen anscheinend niederen Standes, in rmlicher, kellerartiger Behausung wohnend, aber wohl durch Anmut, Ursprnglichkeit und urwchsigen Geist den naturhungrigen Genossen der Frankfurter Geniezeit ein Gegenstand verliebter Bewunderung. Goethe hat sogar die Grafen Stolberg bei ihr eingefhrt, an sie das Gedicht An Lottchen (Mitten im Getmmel mancher Freuden) gerichtet. -- _Ratte die Gift gefressen_: Umschreibung des Liedes Es war eine Ratt im Kellernest in der Szene Auerbachs Keller des Faust. Aus dieser bereinstimmung ist nicht zu schlieen, da die Faust-Szene, die Goethe am Morgen gedichtet, eben die Szene Auerbachs Keller gewesen sei. -- _war Lili hier_: zum Hochzeitfeste Ewalds. -- _ssen Geschpfe zu lieb_: unbestimmbare Persnlichkeit; vgl. S. 33. -- _Geist der reinheit_: man gedenkt der Worte, die Goethe in sein Weimarer Tagebuch unterm 7. August 1779 eingeschrieben: Mge die Idee des Reinen, die sich bis auf den Bissen erstreckt, den ich in Mund nehme, immer lichter in mir werden. _Der neunte Brief._ Unmittelbare Fortsetzung des achten, begonnen am 20. September. In den letzten Tagen des Septembers scheint sich das Verhltnis zu Lili endgltig gelst zu haben. Lili hat sich 1778 mit dem Bankherrn Bernhard Friedrich v. Trckheim in Straburg vermhlt. Die Charakterstrke und Seelengre, die sie spter in den Strmen der Franzsischen Revolution als Gattin und Mutter bewhrt hat, zeigen, da Goethe die Liebeskraft seines Dichterherzens an keine Unwrdige verschwendet hat. Sie ist 6. Mai 1817 gestorben. -- _Prinzen von Meinungen_: Herzog August Friedrich Karl von Sachsen-Meiningen (1754-1782) und sein Bruder Georg Friedrich (1761-1803), die mit ihrer Mutter (vgl. S. 28) in Frankfurt weilten. -- _ums Thor_: um die Stadtmauer. -- _Manns von Geist_: nicht bestimmbar. -- _tolles Zeug_: vermutlich jenes Miverstndnis, das Goethe (mit irrtmlicher Festsetzung des Zeitpunktes?) im 20. Buch von Dichtung und Wahrheit erzhlt. Am 11. Dezember 1774 hatte Goethe den Erbprinzen Carl August von Sachsen-Weimar und Eisenach (1757-1828) kennen gelernt. Am 3. September 1775 grojhrig geworden und zur Regierung gelangt, weilte Herzog Carl August wiederum etwa 20.-22. September in Frankfurt, auf der Durchreise nach Karlsruhe, wo am 3. Oktober seine Vermhlung mit der Prinzessin Luise von Hessen-Darmstadt (1757-1830) stattfand. Fr den 22. September nun hatte Goethe eine Einladung zur Tafel von den Prinzen von Meiningen erhalten, glaubte jedoch, es handele sich um eine Einladung zu Carl August. Er suchte diesen auf, fand ihn bei den Prinzen von Meiningen, von denen sich Carl August zur Weiterfahrt verabschieden wollte, und verlie mit ihm die Prinzen nach kurzem Besuch, um dann selbst auf der Strae vom Herzog, der den Reisewagen bestieg, entlassen zu werden. -- _erwarte den Herzog v. Weimar_: der mit seiner Gemahlin am 12. Oktober wiederum in Frankfurt eintraf. -- _nach Hamburg_: Goethe wollte mit den Grafen Stolberg, die, von ihrer Schweizer Reise (vgl. S. 23) zurckkehrend, ihn in Weimar abholen sollten, Klopstock und Gustchen besuchen. -- _Weimar_: hier war er am 7. November angekommen. -- _erwarte deine Brder_: sie langten am 26. November in Weimar an und verlieen es am 3. Dezember 1775, ohne Goethe, der, vom Herzog zurckgehalten, dann am 11. Juni 1776 aus einem Gaste des Herzogs als Geh. Legationsrat sein vertrauter Beamter geworden ist. _Der elfte Brief._ -- _Kranck_: die Nachricht von der schwerem Erkrankung Gustchens im Mrz 1776 hat Goethe vermutlich durch Fritz Stolberg erhalten; noch Ende April war sie nicht ganz wiederhergestellt; vgl. S. 22. -- _Stella_: vgl. S. 16; Ende Januar 1776 hatte Goethe die gedruckten Exemplare dieses Schauspieles fr Liebende erhalten und wird alsbald eines an Gustchen gesendet haben. -- _Mittwoch nach Ostern_: 10. April. _Der zwlfte Brief._ -- _das ist alles was ich thun kann_: um sie, die in ihrem Briefe vermutlich ihrer Sorge ber das angeblich wilde Weimarer Treiben (vgl. S. 40) Ausdruck gegeben hatte, durch genaue Darstellung seines Lebens von der Haltlosigkeit des bsen Gerchtes zu berzeugen. _Der dreizehnte Brief._ -- _In meinem Garten_: in unmittelbarer Nhe des Parks, am Abhang eines migen Hhenzuges, unweit des rechten Ilmufers gelegen, ein Geschenk des Herzogs, das Goethe am 21. April 1776 in Besitz genommen hat. -- _Rittmeister_: Friedr. Ernst v. Lichtenberg, Rittmeister des weimarischen Husarenkorps. -- _Frau v. Stein_: Goethe hat sie Mitte November 1775 kennen gelernt. -- _Ihr Mann_: Oberstallmeister des Herzogs Frhr. Gottlob Ernst Josias Friedrich v. Stein auf Kochberg (1735-1793). -- _ihr Bruder_: der Regierungsrat Ernst Karl Constantin v. Schardt. -- _Ilten_: Karoline v. Ilten und ihre Schwester Sophie. Karoline stand in leidenschaftlichen Beziehungen zum Prinzen Constantin, die vom Herzog mibilligt wurden: Sophie ist 1778 Gattin des Rittmeisters v. Lichtenberg geworden. -- _Herzoginn Mutter_: Anna Amalia (1739-1807). -- _dem Prinzen_: Carl Augusts jngerer Bruder Constantin (1758-1793). -- _Ich hab das ausgestrichen_: ausgestrichen ist im Briefe von mich dahin zu stellen (Seite 36, 3. Zeile v. u.) bis als Vorbereitung an. -- _Philipp_: Goethes vertrauter Diener Philipp Seidel. -- _Krause_: Georg Melchior Kraus, der Leiter der Weimarer Zeichenschule. -- _Guiberts Tacktick_: des franzsischen Generals und Militrschriftstellers Jacques Antoine Hippolyte Grafen v. Guibert (1743-1790) damals vielbeachteter zweibndiger #Essai gnral de tactique#. -- _eines meiner Freunde_: vielleicht Joh. Heinrich Jung, gen. Stilling (1740-1817), der, ursprnglich Schneidergeselle, in Straburg, wo er Goethes Tischgenosse gewesen, Medizin studiert hatte und damals als Arzt in Elberfeld lebte. Goethe hat seine von tiefster religiser Empfindung getragene Selbstbiographie 1777 zum Druck befrdert. -- _Tiefurt_: unterhalb Weimars am linken Ilmufer. -- _Friz wird gute Tage mit uns haben_: vom Herzog zum Kammerherrn ernannt, wurde er zum Antritt seines Amtes in Weimar erwartet; vgl. S. 40. -- _in ihrer Einsamkeit_: Cornelia fhlte sich in ihrer Ehe nicht glcklich. -- _Habe viel ausgestanden_: durch den leitenden Minister Jacob Friedrich v. Fritsch, der sich der Anstellung Goethes widersetzte, und durch die Liebe zu Charlotte v. Stein. _Der vierzehnte Brief._ -- _Von Friz .. noch keinen Brief_: Fritz wurde von der bernahme seiner Weimarer Verpflichtung durch Klopstock abgehalten, den bertreibende Gerchte vom zgellosen Leben des Herzogs und seines Freundes erregt hatten. -- _kleine Reise_: nach Ilmenau. _Der fnfzehnte Brief._ -- _Todt meiner Schwester_: Cornelie war am 8. Juni 1777 gestorben. -- _Henrietten_: die Grfin Bernstorff, Gustchens Schwester (vgl. S. 23, 27). -- _Christels Frau_: Luise, geb. Grfin Reventlow. _Der sechzehnte Brief._ -- _Jungen_: der Weimarer Kammerherr Karl Friedr. Sigismund Frhr. v. Seckendorff (1744-1785). _Der siebzehnte Brief._ -- _Schardt_: Sophie Friederike Eleonore v. Schardt, als Gattin des Regierungsrates v. Schardt (vgl. S. 36) Schwgerin der Frau v. Stein, war als Tochter des Kanzleidirektors Andreas v. Bernstorff in Hannover mit Gustchens Schwager und spterem Gatten, dem Grafen Andr. Petr. Bernstorff verwandt. _Der achtzehnte Brief._ -- _kleinen Schardt_: vgl. S. 42. -- _Geburtstag_: 7. Januar. -- _neuen Paare_: Fritz Stolberg hatte sich mit Agnes v. Witzleben verlobt. _Grfin Auguste an Goethe._ -- _hei beweinten, so vermiten Brder_: Friedrich Leopold war am 5. Dezember 1819, Christian am 18. Januar 1821 gestorben. -- _#the Songs of other times#_ -- _die Harfe von Selma_: Anspielung auf die Ossian-bersetzung, die Goethe seinem Werther eingefgt hatte. -- _das Geliebte Weib_: sie hatte am 8. August 1783 den Grafen A. P. Bernstorff, ihren verwitweten Schwager, geheiratet. -- _Kinder_: Stiefkinder, sieben Shne und drei Tchter. -- _verlohr ... den Gatten_: Graf Bernstorff starb 21. Juni 1797. -- _Ein Sturm ri den Jngern hin_: Fritz, schon lange schwer leidend, starb, wie man sagte in der Erregung ber den grimmigen Angriff, den sein einstiger Studienfreund Joh. Heinr. Vo in der Schrift Wie ward Fritz Stolberg ein Unfreier? 1818 gegen ihn anllich seines (schon 1. Juni 1800 vollzogenen) bertritts zum Katholizismus und der dadurch bedingten schriftstellerischen und praktischen Wirksamkeit zugunsten katholisch-aristokratischer Tendenzen gerichtet hatte. _Letzter Brief Goethes._ -- _viel Provinzen_: Ev. Johannis 14,2. -- _wider Wissen und Willen verletzt_: am 2. Februar 1789 hatte Goethe, als am 15. November 1788 Fritz die geliebte Gattin Agnes (vgl. S. 43) verloren hatte, ihm geschrieben: Wenn ich auch gleich fr meine Person an der [materialistischen] Lehre des Lucrez mehr oder weniger hnge und alle meine Prtensionen in den Kreis des Lebens einschliee, so erfreut und erquickt es mich doch immer sehr, wenn ich sehe, da die allmtterliche Natur fr zrtliche Seelen auch zartere Laute und Anklnge in den Undulationen ihrer Harmonien leise tnen lt und dem endlichen Menschen auf so manche Weise ein Mitgefhl des Ewigen und Unendlichen gnnt. -- _tdtlichen Krankheit_: am 17. Februar 1823 war Goethe pltzlich an Herzbeutelentzndung erkrankt, die ihn innerhalb einer Woche an den Rand des Grabes stellte; er erholte sich langsam im Verlauf des Mrz. _Gedruckt bei Breitkopf und Hrtel in Leipzig_ * * * * * Die folgende Liste enthlt die vorgenommenen nderungen. S. 28 eingeschlafuen -> eingeschlafnen (dem eingeschlafnen Krieger) S. 30 sieben -> sieben. (Offenbach! Abends sieben. In einem) S. 32 sen -> ssen (einem ssen Geschpfe zu lieb) S. 45 iu -> in (mich oft geschmerzt, wenn ich in Ihren) S. 53 Ich _litt -> _Ich litt (_Ich litt mit ihm_: in Straburg) End of the Project Gutenberg EBook of Goethes Briefe an Auguste zu Stolberg, by Johann Wolfgang von Goethe License: Share Alike