Produced by The Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive) [ Symbole fr Schriftarten: _gesperrt_ : =Antiqua= ] Die Schwgerinnen. Roman von Henriette Hanke geborne Arndt. Erster Theil. Ein hohes Wort! wenn uns die Schickung werth hlt, nicht fr uns, fr Andere zu seyn. ...Es wendet sich der Zeiten Blatt. Lat uns frhlich s'n, im Nebel auch: die Ernte kommt gewi. _Herder._ Hannover, 1835. Im Verlage der Hahn'schen Hofbuchhandlung. Wir versetzen unsere Leser bei dem Anbeginn dieser Geschichte in ein weites Gemach des aufgehobenen Stiftes der Cisterzienserinnen zu Sanct Capella, nahe dem Stdtchen Leidthal. Dieses Zimmer, viel zu colossal in seinen Verhltnissen um wohnlich zu seyn, bietet eine himmlische Aussicht dar, und zeigt noch die Spuren klsterlicher Pracht. Seltsam vereint werden hier die religisen Begriffe aller Zeiten anschaulich; doch mit gemischtem Gefhl siehet man: die Gegenwart herrscht vor. An dem Plafond rollet der feurige Wagen des Elias. Wie zu vielen tausendmalen mogten seit dieser Himmelfahrt die Sonnenrosse ihren Lauf vollendet haben! aber jene Flammen sind erloschen, und der Prophet erscheint nur noch als ein grauer Schattenri seiner Zeit. Scenen des rmischen Cultus geben den leeren Wnden ein sinnvolles Interesse, und ber erblaten Martern der eifrigsten Bekenner ihres Glaubens hngt Doctor Martin Luthers Bildni gloris in einem Rahmen von echter Bronze. Die erhabene Arbeit ber dem Kamin von schwarzem Marmor versinnlicht ein Autodaf, und die darunter lodernde Glut, welche die Jahreszeit und der Raum des Zimmers erfordert, dient dazu, dies Relief zu beleuchten, mit einem Schauer fr die Phantasie, der fast die Wohlthat der empfundenen Wrme vernichtet. Die Mbeln sind theils veraltet und doch pomphaft, theils von neuer Brauchbarkeit und Simplicitt. Das hochlehnige Canapee, welches gradauf strebend und in der Mitte altarfrmig zugespitzt, sich gegen die Wellenlinien einer modernen Bergre etwa verhlt, wie die feierliche Anstndigkeit der Etiquette zu der nachlssigen Ruhe der Schnheit -- nimmt sich in dem berladenen Zierrath geflgelter Kinderkpfe sogar kirchlich aus. Ueber den Huptern der Cherubim prangt der Erzengel Michael in goldnen Waffen, und der gerissene Sammet auf dem Sitze dieser kleinen Engelsburg erinnert mit leiser Beziehung in der Farbe verblhter Violen an den Purpur der Eminenz. -- Der venetianische Spiegel erreicht seine ungemeine Breite und Hhe durch eine Einfassung von Tritonen und Delphinen, welche in kunstreichen Verschlingungen um die glnzende Flche spielen, worin mancher geistliche Vollmond aufgegangen war. -- Oben thronen die Meergtter ersten Ranges, und im Frontispice -- so zu sagen -- steigt Anadyomene aus der klaren Masse an den silbernen Bord. Das Auge des Reformators grade auf diesen Punkt gerichtet, scheint finster an dem heidnischen Unwesen zu haften, inde ein kaum merklicher Zug frommer Ironie den Ernst des Mundes mildert, der wohl strkere Pfeiler erschtterte als den, der die reizende Gestalt der Liebe in den Mauern der Entsagung trgt. Die Morgensonne des eilften Novembers ging eben auf, und bestrahlte mit blendendem Licht die Abtei, welche ihren majesttischen Schatten ber die den Felder ausbreitete. Der Reif der kalten Nacht schimmerte wie Candis an den falben Resten der Weide, und die herbe Miene des heiligen Bernhard von Clairvaux, dessen Statue am Rande einer dunkeln Cisterne stand und tiefsinnig hinab schauete, war wie mit Zucker bestreut. -- An einem Fenster des beschriebenen Zimmers sa eine Frau, von der wir sagen mssen, da sie ber die Jugend hinaus und weit entfernt von jener geflligen Anmuth sey, die unter keinem Gesetz der Zeit steht, ohne sie deshalb dem achtsamen Interesse unserer Leser entrcken zu wollen. Der husliche Anzug, beinahe matronenhaft bescheiden, pate den Formen einer Figur nett an, die in ihrer Haltung Charakter verrieth. Das Hubchen, ohne die mindeste Genialitt dieses Putzartikels, der einen guten weiblichen Kopf seltner beschattet, als in das vortheilhafteste Licht setzt, und sich oft in dem kleinsten Kniff sichtbar macht -- schlo sich dicht an ein Oval von regelmigem Schnitt. Die Beschftigung dieser Frau schien mit der bewuten Strenge, welche sich in ihrem Aeuern offenbarte, in keiner Verbindung zu stehen. Sie wand eine Guirlande von Immortellen, die aufgehuft in einem flachen Krbchen, in bunter Menge und Mannigfaltigkeit zur Auswahl vor ihr lagen. Sie schien so ganz in sich und in diese feiernde Frharbeit versenkt zu seyn, da selbst der Sinn des Gehrs ihre Seele nicht auf das lenkte, was ein junges Mdchen an ihrer Seite aus der Bibel vorlas. _Wirst Du dafr die Schmerzen eines Betrbten haben_--: diese verkndenden Worte des Jesaia sprach die klare se Stimme mit einem schchternen Beben der Ahnung, und hielt inne. Die Sonne blitzte herein und warf lange herbstliche Strahlen durch die Scheiben. Der blonde Scheitel des Mdchens erglnzte, die metallne Brstung am Fenster funkelte wie gediegenes Gold, und die trocknen Blmchen der Dauer badeten sich in diesem ewigen Glanze. Das Mdchen erhob das Auge blau und tief wie der Himmel, um einen Blick in die Perspective zu richten, welche in der schnsten Morgenbeleuchtung im melancholischen Reiz der sterbenden Natur sich in das Unabsehliche verlor; und der Mund, auf dem noch die traurige Voraussagung des israelitischen Sehers schwebte, lchelte so entzckt, als she dieser Blick in eine verklrte Welt. Da ffnete sich die Thre, und ein feines jugendliches Gesicht, dem ein schlanker Krper folgte, schauete mit hellen braunen Augen herein. Ein leichtes Abschrecken bei dem Hinblick auf die schweigsame Gruppe am Fenster, und die spttische Unlust, an dieser stillen Betrachtung und an dem Winden todter Krnze Theil zu nehmen, sprach sich in diesen beweglichen Zgen aus. Wie leise dies Gerusch nun auch gewesen war: die ltere Frau hatte es dennoch vernommen. Sie wendete das Auge, und ein flchtiges Roth berlief ihre Wange; zweifelhaft, ob als Wiederschein der Lohe des Kamins, oder durch die Erscheinung in der Thre erregt. Diese huschte mit zarten Fen ber das Getfel der Diele, blinzelte hinter dem Rcken des Mdchens in das heilige Buch und sprach zwischen Schalkheit und Pathos: hebet Eure Hupter auf -- thut Euer bses Wesen von Euch -- o! ich wei auch, was hierin steht. Dabei legte sie eine seidenweiche Hand, der man keine Distellese im Garten der Ehe ansah, obwohl ein Trauring an ihrem Goldfinger blinkte -- unter das gesenkte Kinn der Aelteren und sprach: bist Du mir noch bse, Fabia? Sey gut! ich kann Dich nicht schmollend wissen, und so lasse ich meine Idee fallen. Bei diesen nhernden Worten beugte die hbsche junge Frau sich mit vershnender Anmuth herab, so da ihr warmer Athem wie ein schmeichelndes Lftchen Diejenige anwehete, welche sie frostig aufnahm. Fabia hob den Kopf ein wenig und erwiederte: ich dachte es wohl, da Du zur Vernunft kommen wrdest-- und indem ihr Auge die weiblich-optische Kunst bte, die da scheel sieht, ohne einen offnen Blick zu gnnen -- setzte sie hinzu: da Du Dich nicht erkltest, Therese! Du gehest so blo.-- Sie reichte ihr eine Nadel, zugleich stach der Blick, doch nicht in das kleine Schalytuch, welches den wunderschnen Hals und Busen lose umflatterte, sondern in diese Ble selbst.-- Therese steckte die Nadel verloren ein, aber nicht diese Antwort, welche sie sichtlich zu verdrieen schien, und nun auch die Stimmung ihrer gutmthigen Abbitte um einen tiefen Grad fallen machte. Erglhend sprach sie: es ist schon geschehen. Du irrest, Fabia, Du irrest, sage ich Dir, wenn Du Deine hartnckige Weigerung, in einen harmlosen Scherz einzugehen, fr vernnftig hltst. Und wenn ich es zu vergessen suche, da Du mir und dem Bruder eine Freude verdirbst: so geschiehet es nur, weil ich Dich dieses abtdtenden Eigensinnes wegen am meisten bedauere. Fabia errthete sehr. Sie ls'te schnell ein kleines Schlsselbund von ihrem Grtel, und gab dem Mdchen einen entfernenden Auftrag. Dann sprach sie, und ein krampfhaftes Zucken unterdrckten Zornes flog um ihre Lippen: diese Aeuerung ist ganz in Deinem Geiste. Spare Dein Mitleid fr Dich selbst, Therese, Du wirst es einst brauchen. Herr der Gte! mu ich mich so behandeln lassen in Gegenwart des Kindes? hast Du keine Achtung fr mich und meine Sinnesart, so solltest Du doch Josephinens Jugend schonen. Willst Du das Mdchen auch verderben? Theresens Stirn flammte. In grter Aufregung entgegnete sie: verderben? _auch?_ Wer ist verdorben? ich mu bitten, da Du Dich in Deinen Ausdrcken migest. Ein verderbtes Herz trachtet nach Schaden, ist feindselig und mignstig; ich aber gnne der ganzen Welt ihr Vergngen, wenn sie mir nur das meine lt. Fabia stand auf. Mit einem gewissen Hervortreten ihrer Meinung, doch das innerste Gefhl noch immer bezwingend, sagte sie: ich hasse nun einmal jede Falschheit, und halte Verstellung, von welcher Art sie auch sey, fr Snde. Und Comdie spielen ist eine solche. O! die schlimmste ist es nicht-- entgegnete Therese: es ist nur eine kleine ergtzliche Lust. Und indem dieser verwehrte Genu in allem Schimmer der Einbildungskraft vor ihrer Seele stand, so da es ihr vor den Augen flimmerte, in welche Thrnen des Verdrusses drangen, rief sie verblendet von Schmerz und dem Reiz jener zerrinnenden Illusion aus: der arme Clestin! es wrde ihm ein kstlicher Spa gewesen seyn! Du aber wirst ihm mit tiefsinnigem Ernste einen Kuchen backen, und ein Capitel aus der Bibel lesen. Fabia erbleichte. Sie sagte schneidend: dies drfte ihm heilsam seyn, wie Dir. So hre nun dies: Die Du in Wollust lebest und so sicher sitzest, und sprichst in Deinem Herzen: ich bin's, und Keine mehr. Ich werde keine Wittwe werden-- die Hand, welche Fabia auf diese Stelle legte, zitterte stark, und ihre Stimme wankte, als sie das Wort: _Wittwe_ aussprach, als lge in diesem Verhltni jene erschtternde Beseitigung, die dem Unglimpf freies Spiel erlaubt. Aber mit einem Lcheln unsterblichen Leichtsinns wies Therese den Vorwurf der biblischen Prophezeihung von sich ab. Sie kannte die Selbstndigkeit der frommen Fabia und lie sich nicht irren. Statt des unntzen Geznks um eine bereits aufgegebene Sache, warf sie die Last dieser Scene ber die Seite, und sprach: genug des Aergers. Nochmals, ich verzeihe Dir, was Du auch gegen mich denken mgest. Du thust mir leid: denn Du kannst nicht anders. Dieser Ton der Ueberlegenheit eines Gemths, welches die schroffe Fabia so tief unter sich glaubte, steigerte ihre Erbitterung aufs Aeuerste. Sie wollte sprechen -- aber Therese wendete den Fu, und prallte an einen jungen Mann, der unbemerkt von den streitenden Parteien eingetreten war, und nun als Schiedsrichter vor ihnen stand. -- Es war Herr Prlat, der Administrator des Stiftes, dessen Schwgerinnen wir in den beiden Damen vorlufig kennen gelernt haben. Der Zufall hatte es seltsam gefgt, da ein Mann, der so hie, Vorsteher dieses weiland geistlichen Hauses wrde; allein ein Blick auf seine Persnlichkeit reichte hin, ihn selbst von dem Begriff seines Namens zu unterscheiden. Diese Gestalt, der eines Growrdentrgers der Kirche durchaus nicht hnlich, ragte ber das gewhnliche Ma hinaus, und schien von innerer Thtigkeit zu sehr angeregt, um vllig zu seyn; das schmale etwas blasse Gesicht hatte mehr den Anschein einer krnklichen und deshalb enthaltsamen Constitution, als den eines klosterherrlichen Lebens in =bona pace=, und dieses gebietende Auge, obgleich getrbt -- war voll Feuergeist einer andern Tiefe, als des khlen dunkeln Lagers, wo die Sonnenkrfte alter Jahre verschlossen glhen. Er schlang seinen Arm mit brderlicher Traulichkeit um Theresens schlanken Leib, sie aufzuhalten, und sprach: wohin so eilig? Was ist's? Du schweigst, Fabia? und Dein Auge verbirgt Thrnen? ich will nicht frchten, da ein Zwist -- stehe Du mir doch Rede, Therese! Mit diesen dringenden Fragen flog der betroffene Blick des Administrators von einer Schwgerinn zur andern. Therese aber strebte fort. Als wnschte sie der weitern Verantwortung nun los und ledig zu seyn, entwand sie sich ihm und sprach flchtig: es war so wichtig nicht -- lasse es Dir nur von Fabia erzhlen. Vielleicht war es eine kleine Rache, da Therese im sichern Gefhl, fr Wessen Sache der Schwager sich entscheiden wrde, den Vortheil des Vortrags Jener berlie. Nein, bleib! forderte der Administrator: so sprich doch, Fabia! ich will es wissen! werde ich es nicht erfahren? Mit niedergeschlagenen Augen und gekrnkter Stimme sprach Frau Fabia: ich mu Dich ersuchen, mein Bruder, da Du mich in Zukunft vor Beleidigungen schtzest, die ich lnger weder ertragen kann noch darf. Meine stille Weise will ich immerhin verspotten lassen; aber das Heiligste soll man mir nicht antasten. Das greift mich an die Seele. Sie brach in heies Weinen aus, und Fabia weinte selten oder nie. Des Schwagers Auge traf Theresen. Diese aber hielt den zrnenden Blitz aus, der nicht zndete, zuckte vornehm mit den runden Achseln als beklage sie die Erbrmlichkeit der Anklage, hob den Blick zu den Wolken der Decke und sprach: welch ein Aufheben um Nichts! ich will es Dir in Krze sagen. Wir waren am Sonntag Abend bei Gottschalks drben frhlich, fhrten Sprichwrter, Charaden auf-- Erlaube! fiel hier Fabia ein, mit einem Tone, der nicht im Klange einer abhngigen Bitte an die Wortfhrerinn erging, das ganze Gebiet blicher Gemeinpltze reichte nicht aus fr dieses muthwillige Treiben -- denn Narrenspiel will Raum haben -- man suchte ihn auf kirchlichem Boden. Die reiche Sprache mute, schnde genug, eine Benennung hergeben, um die geistig Armen lcherlich zu machen. Sie spielten: Wiedertufer, und das heilige Sacrament ward an dem Tchterchen der Gerichtshalterinn verhhnt. Ich sehe nichts Uebles dabei, sagte der Administrator begtigend nach einer kleinen Pause, jene rasende Rotte hat die Taufe auf eine frevle Art gemibraucht. Ach! sagte Therese lachend, von irgend einem Frevel konnte ja berhaupt die Rede gar nicht seyn. Wir waren nur lustig, ich versichere Dich, lieber Clestin, und der alte Halderich brachte jenes Wort in Vorschlag. Bei den Sylben: Tufer, sah Gottschalk als Vierfrst so frchterlich possirlich aus, da wir Alle vor Lachen sterben zu mssen glaubten. Ich, die Tochter der Herodias, tanzte kosackisch vor ihm -- der starke Punsch war mir ein wenig in den Kopf gestiegen. Dann costmirten wir uns schweizerisch, die Gerichtshalterinn brachte eine zinnerne Barbierflasche, ein Urerbstck -- zur Taufkruke herbei, und an Helene trieb ihr Vater den Teufel der Widerspenstigkeit und des Muckerns aus, der die Kleine bisweilen plagen soll. -- Wem, ich frage Dich, geschah nun hierbei ein Leides? Fabia! sprach ihr Schwager sanften, tiefen Tones; er htte die hchste Vernunft, den Gott des Friedens selbst mit keiner andern Stimme anrufen knnen. Doch Fabia antwortete mit erzwungener Ruhe: hre nur weiter! es kommt noch besser. Ja, rief Therese leidenschaftlich, hre nur weiter! es kommt noch _schlimmer_. Es ward immer hbscher, bei Gottschalks nmlich. Wir kamen mehr und mehr in den Zug, und endlich auf den Einfall, Dir zu Deinem Geburtstage knftigen Monat, ein kleines Schauspiel zu veranstalten. Dieser Plan, einstimmig aufgenommen, machte uns unsgliches Vergngen in der Idee. Doch Fabia, als Schlsseldame des Hauses, verweigerte uns zur Ausfhrung das Local und ihre Theilnahme. Wir wnschten das grne Bogenzimmer fr diesen Zweck, und baten, da sie eine kleine alte anspruchslose Rolle bernhme. Ein Schatten jugendlicher Prtension vernderte hier die Zge der ernsten Fabia, welche kalt und schweigend wie eine Bste zuvor gewesen. Sie warf einen Blick unaussprechlicher Verachtung auf ihre Schwgerinn und sprach: freilich, mit einer Inamorata warst Du so gtig, mich zu verschonen -- die spielst Du selbst. Therese hielt es vermuthlich nicht fr nthig, darauf zu antworten. Sie wendete sich zu dem Schwager, und sagte wie zum Schlu: Du weit nun, worber wir in Streit geriethen -- _mir_ war er abgemacht. Und warum warst Du dagegen? fragte der Administrator beklommen die Unvershnte, und abermals nach einer kleinen peinlichen Pause. Es luft wider meine Grundstze, erwiederte Fabia finster, und trocknete die Thrnen, welche in einzelnen Tropfen, wie nachfallend einem schweren Wetter, ber ihr Gesicht flossen. O, gute Fabia! Deine Grundstze sind sehr streng! sagte Herr Prlat mit bitterm Lcheln, wenn wir solch einen Mastab an die kleinen Freuden des Lebens legen wollen, so wird der arme Mensch zu kurz kommen. Ich sehe nichts Verwerfliches in der ganzen Sache, wohl aber ein gestrtes Vergngen, fr dessen Absicht ich dankbar seyn mu. Der Geschmack am Schauspiel ist ziemlich so alt wie die Welt, und der Trieb, sich anders zu zeigen, wie er ist, dem Menschen angeboren. Leider! sprach Fabia, deshalb ist es nothwendig, da man ihn bekmpfe. Wir sollen wahrhaft seyn in Wort und That. Dies drfte doch tiefer gemeint seyn, liebe Schwgerinn-- versetzte der Administrator etwas leise, wie wenn er die Wirkung dieses Widerspruchs mildern wolle, als was man unter der Mummerei einer kleinen Posse, ja selbst unter dem Versuch begreift, die Geheimnisse der Schmerzen, die Ble der Leidenschaften und der Wunden, die das Schicksal schlgt, in dem Gewande dramatischer Poesie darzustellen. Der wahre Gott hllt sich in die Natur, und wir erkennen ihn im Innersten unseres Gemths. Ja, fgte Therese mit einem leichten Uebermuthe hinzu, der wie Champagnerkork auf dem Oberwasser schwamm, welches sie durch den Beistand ihres Schwagers gewonnen, Jesus Christus selbst, ich wette! wrde nichts Arges an unserm Scherz gefunden haben; die Scheinheiligkeit nur war ihm verhat. Und ich erkenne nun, sagte Fabia, whrend sie mit bebenden Fingern eine Immortelle zerpflckte, da es an der Zeit fr mich sey, ein Haus zu verlassen, dessen Freuden ich verkrzte, und dem ich nur in seinen Vergngungen strend bin. Ich tauge zu weiter nichts, als einen einfltigen Kuchen mit Bedacht zu backen, wie Therese mir vorwarf, und ein Capitel aus der Bibel zu lesen, deren Sinn ich nicht einmal verstehe, wie mir so eben bewiesen worden. Ein armseliges Talent, das meine, gegen die Vorzge Anderer! -- So will ich denn gehen. Es wird doch irgendwo ein stilles Pltzchen fr mich geben, wo man mit Arbeit und Gebet Ruhe finden kann fr seine Seele. Gott des Lebens! rief der Administrator auer Fassung, mu es dahin kommen? Wer ist's, der unter diesem Zwiespalt leidet, als ich? Fabia! httest Du Dich jemals ber mich beklagen knnen? -- ich achte jede Individualitt, und ehre die Deinige nach Verdienst. Therese! biete die Hand zuerst, Dir kommt es zu, Du bist die Jngere. Ich habe es gethan, sagte Therese etwas eingeschchtert von diesem Ausgange, ich kam mit gutem Herzen hierher; der Himmel und Josephine ist mein Zeuge! Der Administrator schien dieser identischen Berufung Glauben zu schenken. Er sprach: Du hast Fabia gewi nicht krnken wollen. Auf die Comdie verzichte ich gern; aber liebe Schwestern, lat das Band der Eintracht mein Angebinde seyn, so werde ich mich heute schon wie neugeboren fhlen. Es wrde doch nur ein kleines Schauspiel werden, antwortete Fabia mit entschlossnem Lcheln, und Du weit, mein Bruder, ich bin ungefgig dazu. Gehe, Therese! sagte Herr Prlat, und es schien, als ob nur grere Zutraulichkeit zu dieser Schwgerinn sie verweise, lasse mich mit Fabia allein. Therese ging. Alsbald fate der junge Mann die runden Arme Fabiens so fest, da sie an diesem Drucke die innere Bewegung empfand, in der er sprach. Fabia! das konntest Du mir thun? mu ich Dich an Deine zrtliche Sorge fr mich erinnern?-- Sieh! wolltest Du mich verlassen, ich knnte Dich nicht halten; genug, da ich mich an das Bewutseyn hielte, ich htte es nicht um Dich verdient. Fabia war ergriffen, dennoch sagte sie: Du behltst ja Theresen-- Ja, antwortete ihr Schwager, und ich werde, was auch geschehe, mein Wort nicht brechen, welches ich dem Bruder gegeben. Die Entschiedenheit eines Mannes verfehlt nie ihrer Wirkung auf die Frau, selbst wenn sie verschroben, oder in minderem Grade weiblich wre. Die Erklrung des Schwagers hatte das Eis von Fabiens starrem Sinne gebrochen. Sie zerschmolz in Thrnen, und sprach: mu es mich nicht schmerzen, da Du ihr alles gut heiest, selbst das, was mich emprt? vergeht wohl ein Tag, ohne da ich ber sie seufzen mte? kommt je ein gottesfrchtiger Gedanke in ihre Seele? kannst Du mir den geringsten reellen Nutzen nennen, den ihr Daseyn hier hat? Sie giebt Dir Gelegenheit, antwortete Herr Prlat wie mit dsterm Spotte auf die vorwurfsvollen Fragen seiner Schwgerinn, Dich in einer der schnsten christlichen Tugenden zu ben: der Duldung. Gnne ihr die Luft dieses abgeschiedenen Aufenthaltes; betrachte sie wie eine Blume, die fr kurze Zeit zwischen diese Mauern verpflanzt ist, und von der man nichts verlangt, als da sie ihre Stelle einnimmt. Man wird keine Trauben lesen von den Dornen-- entgegnete Fabia tiefathmend. O! diese Blume ist giftig-- Nein, gute Fabia! hchstens nur ein wenig betubend-- sprach der Administrator und lchelte zerstreut. Sey doch nur billig! fuhr er in ernsterem Tone fort, und berlege, wie verschieden von Dir, Therese ihrem Naturell, ihrer frheren Lebensweise nach, denken mu, und ungerecht wre es von Dir, wenn Du deshalb mit ihr rechten wolltest. Im Gerusch der Welt erzogen, entbehrt sie hier alle Freuden, an welche ihre Jugend gewhnt war. Sie ist nicht geeignet, sich an irgend eine Pflicht zu binden, und unter so precairen Umstnden erst gar nicht. Dies hat der Himmel wohl gewut, und so ist ihre Ehe seltsam genug ohne Zusammenhang dieses Verhltnisses. -- Ihren kleinen Speculationen stehet landwirthschaftliche Industrie entgegen; vor den Maschinen, die den den Raum von Sanct Capella fllen, kommen die Neigungen einer jungen lebendigen Frau nicht an das Brett -- und wollte Therese auf Eroberungen ausgehen: so she sie sich von einem invaliden Kreise umschlossen, der in der schlfrigen Ruhe des Klosters von seinen Siegen trumt. Fabia antwortete: o! Therese besiegt auch wachsame Leute -- und bt ihre coquetten Knste vor sehenden Augen. Ein wundes Lcheln zuckte ber das Angesicht Dessen, welcher der Gegenstand jener feindseligen Bemerkung war. Er seufzte, legte wie unbewut die Hand auf seine linke Seite, als fhle er dort Schmerz, und sprach: Fabia! la uns dies Gesprch enden; doch vernimm zuvor meine Bitte: mache Theresen Deine Frmmigkeit liebenswrdig! versuche es einmal mit freundlicher Gte. Ist nicht Friede mit sich und Andern die weiche Blthe der Religiositt? -- Denkst Du nicht, da es mich betrbe, wenn Jemand gezwungen wre, Deinen Werth zu verkennen und Deinen Glauben dazu, dessen Frchte fr ihn zeugen sollen? fle Theresen, diesem Kinde an Vernunft -- sanftmthigen Geistes, die Milch einer besseren Liebe ein, als welche vielleicht die Nahrung ihrer eitlen Wnsche gewesen, und strke sie fr das Leben der Seele. Dann strkst Du auch mich -- und wahrlich, Fabia! ich bedarf es. Als ich krank war -- diese Zeit, deren ich mich nicht gern erinnern mag, weil mich mein Befinden noch tglich daran mahnt -- hat mich Dir auf ewig verpflichtet. Du lauschtest, mir alles an den Augen abzusehen, was mich laben knnte -- willst Du, da ich kaum -- kaum genesen bin, hrter gegen mich seyn? erquicke mich durch Eure Vertrglichkeit! ich wollte sonst, ich lge im Grabe. Diese Worte, in berwallendem Unmuth gesprochen, waren von zureichendem Einflu. Fabia reichte dem brderlichen Schutzherrn die Hand, und sah ihn mit bangen Mienen an. Sie sagte besnftiget: mikenne auch Du mich nicht, mein lieber Bruder. Es ist wohl schwer, in nchster Gemeinschaft auszukommen mit Dem, der das grade Gegentheil von uns ist, wie Therese von mir. Was hilft ihr sogenanntes gutes Herz? es ist nur Temperament. Sie denkt an nichts Ernstes und Edles; ihre Zeit, dies Capital, was uns der Herr der Ewigkeit geliehen, wird in Tand verschwendet. Sie wuchert nur mit ihren Reizen. Am huslichen Heerde brennen ihr die Sohlen. Sie fngt -- was ich nun vor den Tod nicht leiden kann -- hundert Arbeiten an, ohne eine zu vollenden. Der Flei erscheint ihr wie eine Frohne, gegen die sie einen Freibrief zu haben meint. Alle Ordnung ist ihr lcherliche Pedanterie -- jngst hat in einer kostbaren Wollestickerei, die sie in den Winkel geworfen, die Katze Junge gehabt. Den Administrator wandelte das Lachen an, aber sein Blick grollte in Wehmuth, die den Komus dieser Anschuldigung entkrftete. Er hatte, whrend ihm Fabia Theresens Fehler aufzhlte, ein paarmal schwer geseufzt, ber die Unart der Frauen, nachdem ein vernnftiger Mann sie berzeugt zu haben glaubt, ihre Beschwerde immer wieder zu erneuen. Diese Verdammni manch huslicher Hlle ist gleich der Strafe des Sisyphus.-- Und was mir am meisten Kummer verursacht, fuhr Fabia fort: ist, da ihr Beispiel endlich dem Kinde, der Josephine, nachtheilig werde, um so mehr, da es ihr nicht an verfhrerischen Gaben fehlt. Josephine spricht ihr, wie wenig sie redet, bestndig das Wort; das ist schon ein bles Zeichen. O Fabia! sagte ihr Schwager mit innigem Tone: es ist das Zeichen eines heiligen Gemths, in dessen Reinheit alle Flecken des Nchsten verschwinden, einer himmlischen Demuth, die nur an die eigene Fehle denkt. Die Unschuld beschtzt sich selbst. Und sollte ja durch den nahen Umgang Theresens eine schdliche Einwirkung auf Josephine zu befrchten seyn: so wird Deine _Strenge_ -- Herr Prlat betonte, was er sagte, und es lag ein leiser Vorwurf in seiner Accentuation--: dieser mglichen Gefahr schon zu begegnen wissen. Fabia erwiederte hierauf: man kann nicht strenge genug seyn in Sachen des Gewissens, und das Bewahren dieses Mdchens ist eine Gewissenssache fr mich. Der Administrator wollte sprechen, da kam ein Bote, der ihn abrief. Er zgerte zu gehen. Noch einmal fate er ihre Hand, sah ihr freundlich ins Gesicht und sprach: Du bist also wieder gut? wir scheiden als Freunde, oder vielmehr wir scheiden nun nicht? Und Therese? Fabia lchelte. Ich werde sie vershnen-- sagte sie versichernd. Da zog er ihre Hand an seine Brust, drckte mit heien Lippen einen Ku darauf, und enteilte auf den Ruf seiner Pflicht. Wie stark sein Herz klopfte! sagte Fabia leise und ngstlich zu sich selbst, und diese Besorgni galt mehr der fieberhaften Wallung des erhitzten Blutes, als der nervsen Strung, welche diesen Umlauf beschleunigte. Fabia hatte den zartesten Sinn fr den krankhaften Zustand ihres Schwagers, und zugleich eine stumpfe Hrte in Betreff alles dessen, was seiner Seele wohl thun knnte. Das kleinste krperliche Uebel regte ihre wohlwollenden Krfte ihm abzuhelfen auf, whrend sie in kalter Gleichgltigkeit verharrte, wo sein Inneres litt, wenn es auch in ihrer Macht gestanden htte, dieses tiefere Weh zu lindern. Sie erschpfte sich in dienstlicher Beflissenheit, inde es ihr ein Leichtes gewesen wre, die bittere Quelle zu verstopfen. -- In diesem Widerspruch lag all der Egoismus, durch welchen Frauen solcher Art die Wirkung einer pietistischen Moral verkmmern, wogegen die Liebe in ihren Fehlern sogar -- heilbringend wird. Es klopfte sacht an die Thre, und als Frau Fabia: herein! gesagt, erschien eine ehrwrdige Gestalt, die einzige noch brig gebliebene Nonne von der Gesammtschaft des aufgels'ten Ordens, welche die Vergnstigung nachgesucht und empfangen hatte, in Sanct Capella den Rest ihrer Tage beschlieen zu drfen. Das fromme Stillleben der Nonne hatte sich wenig gendert, seit jener Catastrophe, welches die Verfassung des reich fundirten Klosters strzte, und in dem Muth, womit sie als eine einsame Ruine unter den geweihten Trmmern ihrer Welt begraben zu werden wnschte, bewhrte sich eine wahrhaft hohe Seele. Schwester Veronica verzehrte hier ihre Pension, in wunderlicher Zusammenstellung mit einer Anzahl Offiziere, die eben so die Mittel zu ihrer Subsistenz in einem Gnadengehalt aus der Staatscasse erhielten. Der Administrator, ein guter Cameralist, hatte die glckliche Idee gehabt, einen Theil dieser Zuflsse in die Einknfte des Stiftes zu leiten, worin die kleineren Wohnzimmer und greren Sle des weitluftigen Gebudes fr solch einen Zweck zu benutzen wren, und seit Herr Prlat mit Genehmigung der Behrde dies in ffentlichen Vorschlag gebracht, hatten sich zwlf ausgediente Krieger gefunden, welche alle unter einander bekannt, dies Anerbieten mit Freuden ergriffen, und den politischen Streit weltlicher Interessen gegen die friedliche Geselligkeit eines Invalidenhauses aufgaben, das ihnen kaum reizender gelegen seyn konnte. So mischte sich denn das Gerusch manch welken Lorbeers mit den stillen Schatten der klsterlichen Palme von Sanct Capella. -- Dieser militairische Club bestand nun neben dem Familienleben des Administrators, neben der Clausur der geistlichen Jungfrau, ohne da diese verschiedenartigen Verhltnisse durchaus umgnglich geworden wren. Zwar hatte der junge Prlat unter den alten Offizieren Einige, die seine Achtung von den Uebrigen sonderte, auch einen Freund--; aber diese Auszeichnung that weder dem guten Vernehmen mit Allen, noch der Zurckhaltung Eintrag, die er im Ganzen beobachtete. Auch war sein Wirkungskreis sehr gro und forderte all seine Zeit, und fr die wenigen Stunden der Mue, welche ihm vergnnt waren, sprach das Bedrfni mchtig in ihm an, sich wissenschaftlich zu beschftigen. Und mitten unter diesem invaliden Ruhestande, der doch zuweilen, alter Gewohnheit nach, ein lrmender Aufstand wurde, wenn auch der renommirende Sbel in friedsamer Scheide stack -- mitten unter der rastlosen Geschftslosigkeit des Administrators und seiner Leute -- war die Wohnung der Schwester Veronica, gleich einer Einsiedelei zu betrachten, worin sie, wie die Schutzheilige des Hauses, Segen durch ihre fromme, lautlose Gegenwart verbreitete. Sie hatte sich den Schwgerinnen des Herrn Prlaten herzlich befreundet, wie dem Stiftsverweser selbst, Josephine war ihr Liebling -- dennoch geschah es nur selten, da ihr Besuch in dem Flgel gesehen wurde, den der Administrator mit den Seinen bewohnte. Doch so oft Jemand in dieser Familie krank war, ob am Leibe, oder an der Seele -- und es war, als ob die Nonne es durch Inspiration erfhre, wo ihr Rath, ihr Trost nthig sey -- kam sie ungerufen, und man war daran gewhnt, das milde Gefhl der Theilnahme an ihr Erscheinen zu knpfen. Dazu trug selbst ihr _Aeueres_ bei. Schwester Veronica hatte mit Ergebung die ihr liebgewordene Tracht der Ordensregel aufgegeben; aber ihr einfacher Anzug nherte sich derselben so sehr als mglich. Ein Schleier der Weltentsagung wallte unsichtbar nieder an dieser Gestalt, welche, trotz der Brde von siebenzig Jahren und mancher beugenden Erfahrung, sich vollkommen aufrecht erhalten hatte. Ihre Stimme tnte rein und sanft, wie in leisen Nachklngen der Hora -- und in dem Tiefblick ihrer Augen glomm noch ein schwacher schwrmerischer Funken jener ewigen Lampe, womit sie einst in nchtlicher Stunde dem himmlischen Brutigam entgegen gegangen war. Lichtvolle Klarheit war ber die Zge der Nonne ausgegossen, wie wenn blasser Mondschein einen stillen Abend erhellt. Und wie die Zeit dieses langen Lebens in gleichfrmiger Ruhe vergangen war: so hatte sie auch nur unmerkliche Spuren nachgelassen. Zwei Reihen wohlerhaltener Zhne sttzten wie eine elfenbeinerne Doppelmauer den Mund, dem nie ein liebloses Wort entschlpfte, und der noch eines heitern Lchelns fhig war, gegen den Einfall des Alters. Wenn Schwester Veronica mit sachtgewhntem Fu durch die wsten Gnge schlich, und ein bestiefelter Schritt ihr drhnend begegnete: dann salutirte der Offizier in kirchlicher Ehrerbietung, und wechselte gewi ein paar Worte, welche die Nonne immer freundselig, ja oftmals scherzend erwiederte. Wir wenden uns nun wieder zu dem Eintritt der Nonne. Guten Morgen, Frau Fabia! sagte die Conventualinn, und es bleibt zu errathen, ob sie die trauliche Benennung des Vornamens in klsterlicher Sitte beibehalten, oder als Vorrecht der Freundschaft fr die beiden jngeren Frauen angenommen hatte. -- Ueber Fabiens verdsterte Zge flog ein bewillkommendes Lcheln. Sie nahm den guten Geist mit Freuden auf; nur der Blick, der noch na glnzte, ward dem Grue vorenthalten, da Schwester Veronica die thrnengeschwollenen Augen nicht she. Ein goldener Tag! sagte die Nonne, und ihre feine Wange brannte wie glimmende Kohlen, die Sonne scheint so schn und bla wie eine Braut. Man fhlt sein Herz ordentlich erwrmt. Doch -- sehe ich recht? warum denn so betrbt, Frau Fabia? ich will nicht frchten, da ein Unglck----. Bei diesen antheilvollen Worten schttelte Fabia leise mit dem Kopfe. Sie antwortete mit wehmuthzitternden Lippen: es giebt zuweilen etwas; kein Himmel ist so hell, da er nicht einmal weinte -- und den Himmel auf Erden -- glauben Sie es mir, Schwester Veronica! den habe ich grade nicht. Wer htte den! erwiederte die Nonne mit aufwrts gehobenem Blicke, der in die Tiefe menschlicher Erfahrungen schauen lie. Wir knnen nur darnach ringen. Und diese Kraft kommt auch von Gott. Thrnen fallen wie Thau in der Nacht: sie erfrischen. Der Kummer, auch der lngste, gehet endlich vorber -- Ich kenne nur ein Elend, welches bis in Ewigkeit dauert, und das ist der Unfriede. Fabia nickte; erschauernd wie im Frsteln eines verweinten Gefhls und dieser Vorstellung sprach sie: warum sollte ich es Ihnen nicht sagen? ich hatte mich mit Theresen verzrnt, der Bruder ward in den Streit gezogen, er war wie gewhnlich auf ihrer Seite. Das krnkte mich. Wer ist's, der fr ihn sorgt? ihn pflegt und sein Bestes wahrnimmt? -- Therese nimmt keine Notiz von diesen Pflichten einer rechtschaffenen Schwgerinn und ihn nur durch flatterhaften Leichtsinn fr sich ein. Ich wollte fort -- man set ja doch nur auf den Wind. Der Dank, Frau Fabia, entgegnete die Nonne, ist eine Ernte, die man unbewut ausstreut, ein Lohn, auf den man nie rechnen darf, eine berraschende Freude, wie eine Blume auf dem Felsen: denn sie wurzelt nur in starken Herzen. Der wackere Administrator scheint mir jedoch sehr wohl zu erkennen, was er an Ihnen hat, wenn er sich auch der jungen Frau seines Bruders gleichfalls zuneigt. Bin ich doch selbst der lieben Therese herzlich gut. Ach! ich betrachte sie nie ohne Mitleid. _Mitleid?_ fragte Frau Fabia mehr mit einem Anfluge von Klte, als der Verwunderung: und worin wre Therese zu bedauern? Solch glcklichem Leichtsinn, versetzte die Nonne mit weicher Stimme, ist hufig ein schweres Schicksal zu tragen beschieden. Sie thut mir leid, die holde, hbsche Frau! es ist keine bse Ader in ihr, wenn auch die Pulse hpfen. Fabia schwieg, und Schwester Veronica, als ob sie mit sich selbst redete, fuhr fort: es ist seltsam, Jeder wnscht sich etwas Anderes, als was er besitzt, tadelt nebenher fremde Eigenthmlichkeit: und wir Alle haben, was wir brauchen. Ausgerstet fr unsere Bestimmung, treten wir in den Kampf der Welt, und an dem Keime unserer Neigungen und wie sich diese entwickeln: daran wre die Frucht unseres Lebens, ach, die bittere oft! zu erkennen, wenn wir fleiiger nach Innen blickten. Die beschauliche Stille des Klosters fhrt auf solche Betrachtungen. Der Klosterzwang hatte auch sein Gutes, sagte Fabia mit einem Seufzer ber die Willkr, unter der sie zu leiden whnte, und was man immer davon sagen mag, bis auf einen gewissen Punkt hlt er doch zusammen. Wo aber die Meinungen so durchaus verschieden sind in Sachen der Seele und Seligkeit, auf der Hhe der wahre Gott angebetet wird, unten aber dem Baal geopfert-- Fabia stockte und sprach nicht vollends aus. _Wie_ lchelte die Nonne bei dieser Rede! Sie antwortete mit verhaltenem Tone: unser Kloster ist nicht mehr -- sein Altar steht nur noch in meinem Herzen; dennoch Frau Fabia, wenn ich der Wahrheit die Ehre geben will: so mu ich bekennen, der Friede ward hier nicht gefunden, sondern nur gesucht, und hchstens _gelernt_. Wir Alle mssen Geduld mit einander haben. Und wie von den tausendmal tausend Ehen, die auf Erden geschlossen werden, jedes Mgdlein sich den Verlobten aus eigener Liebe oder besondern Grnden nimmt: so ist auch der Herr jedweder Seele, die sich ihm weihet, ein Anderer. Der Schleier hllt nicht immer das Heil derselben ein -- viel fterer ein Herz voll Wunden -- und die einsame Zelle verbirgt zuweilen einen Stachel, der sich selbst zu Tode trifft. Wenn die Menschen groe Prfungen herbei ziehen wollen: so drfen sie nur Zank und Zwistigkeit ber ein Geringes erheben. Manchmal dachte ich: es mu ein Unglck kommen, und es kam. Da fhlten wir das Band unserer Verbindung, und der Ri ging durch das Leben. Whrend Schwester Veronica also sprach, hatte Frau Fabia sich mit der nun fertigen Guirlande, die sie wie ein Feston schwebend trug, dem Bilde Martin Luthers genhert, um diesen Schmuck daran zu befestigen. Das Blumengewinde, von seiner eigenen Wucht niedergezogen, glitt abwrts, ehe Fabia es dem Rahmen anpassen konnte, und die Nonne daneben leistete ihr mit freundlicher Toleranz Beistand, den Mnch von Wittenberg zu bekrnzen. Diese Huldigung ward von Seiten Fabiens emsig, doch schweigend dargebracht. Auch Schwester Veronica verstummte, und richtete den Blick starr auf das Portrait, welches einer andern Erinnerung aufhalf, als der, die sie gromthig zu vergessen schien. Warum ich eigentlich gekommen bin-- sagte sie mit einem gastlichen Geheimni in der Miene: man gerth ins Plaudern und ein altes Gedchtni wird schwach. Sie haben mir versprochen, mich zu besuchen, Frau Fabia, mit Josephine -- und Theresen! So lade ich Sie hiermit ein, auf eine Schale Thee, um fnf Uhr, wenn Sie so gtig seyn wollen. Ich bin am Feuer gewesen, Sie sehen es mir noch an. Meine lieben Gste, auf die ich hoffe, zu bewirthen, habe ich Olyppen gerollt und mrbe Schneetrtchen ausgesetzt, mit Kirschmu gefllt, weil ich wei, Sie mgen dies Gebck gern. Kirschmu? fragte Fabia zerstreut doch dankbar, und der schwarze Groll in ihrem Herzen war unterdessen in Sigkeit zergangen. Der Gedanke rhrte sie, die Nonne wolle ihr, ob auch verschwiegenermaen, doch nach echtcatholischer Weise, den Namenstag des Reformators feiern -- eine Selbstverleugnung, der die lutherische Fabia schwerlich fhig gewesen wre. Sie antwortete demnach: Ihre Gte beschmt mich, Schwester Veronica; ich nehme, was mich betrifft, die Einladung mit Vergngen an, doch wrde ich auch zu jeder andern Zeit------. Nein, erwiederte die Nonne sanft beharrend: warum also nicht heute? Sanct Martin will auch sein Recht haben. Es hat groe Mnner dieses Namens gegeben. Papst Martin der Fnfte ritt ein weies Ro -- daher vielleicht das volksthmliche Sprchwort: Sanct Martin kommt auf dem Schimmel; was so viel sagen will, als: da oftmals zu Martin der erste Schnee fllt. Von meiner Kindheit her war dieser Tag mir immer eine kleine winterliche Vorfeier des heiligen Abends; ich jauchzte, wenn die ersten Flocken die stille Luft einschleierten; dann ward es mir so traut und heimlich dster im Zimmer, ich schmiegte mich in meinen Winkel, spielte Kloster und betete das Christkind an, vor dem ein Paar kleine Lichter brannten. Die Mutter schenkte mir deshalb stets den angemalten Wachsstock voraus. Bei dieser Rckerinnerung lchelte die alte Nonne fast kindlich. Sie glich in diesem Augenblicke einem Wachsbilde. Frau Fabia aber fragte nachdenklich: war jener Papst, dessen sie erwhnen, mit dem heiligen Martin, den Ihre Kirche verehrt, Eine Person? Schwester Veronica verneinte es und sprach: der sogenannte heilige Martin war ein Muster aller Tugend, ob zwar ein geborner Heide. Er schenkte einst einem Armen, der ihm in erbarmungswrdiger Ble unter den Thoren von Amiens begegnete, die Hlfte seines eigenen drftigen Kleides. In der folgenden Nacht erschien ihm der Heiland, und der gttliche Leib war bedeckt mit diesem halben Gewande. Doch dieses dnne dstere Grau hing in den schnsten Farben zusammen geflossen ber der Schulter des Gekreuzigten, wie ein Regenbogen am Himmel; Glanz erfllte das Gemach-- die Augen der Nonne schimmerten. Der mildthtige Mann, entgegnete Frau Fabia, wird an die Worte der Verheiung gedacht haben: was dem Geringsten meiner Brder geschieht, soll mir gethan seyn. Noch war er nicht getauft; aber es geschah alsbald, antwortete die Conventualinn, welche ihren frommen Wunderglauben durch diese biblische Erklrung angegriffen sah. Der Gedanke an den Unterschied ihrer religisen Meinungen drngte sich in die Lcke des Gesprchs, dann fgte Schwester Veronica hinzu: auch Martin von Amboise war ein berhmter Mann--. Frau Fabia erstaunte nicht wenig, diesen Namen, der in den tiefsten Saiten ihres Herzens Anklang fand, aus diesem Munde zu hren. Die Nonne war im Begriff zu gehen, vielleicht frchtete sie auch nur abzuhalten. Personen, welche die meiste Zeit haben, machen in der Regel die krzesten Besuche und sind berall eilfertig. Um fnf Uhr, Frau Fabia, ich bitte! sagte sie, bereits an der Schwelle, und Therese? Mit dieser Frage schien sich heute jede Unterredung fr Fabia zu schlieen. Sie sprach: ich werde ihr die Einladung mittheilen und meinen Wunsch, da wir als gute Freunde zu Ihnen kommen. Schwester Veronica lchelte friedselig zu diesem Versprechen. Sie nickte noch einmal und verschwand. Whrend dieser Unterhaltung war der Administrator, sobald das Geschft welches seine Gegenwart erfordert fordert hatte, beseitiget worden, mit starken Schritten allein in seinem Zimmer auf und nieder gegangen. Da trat Major Feldmeister bei ihm ein, Einer der pensionirten Offiziere, ein Hausgenosse des Stiftsverwesers, und diesem der liebste. Nicht der Krieg hatte den wackern Ingenieur zum Invaliden gemacht, oder die hhern Jahre, in denen er stand; er war bei einer Uebung der Artillerie gelhmt worden. =Bon jour=, Freundchen! stre ich? rief der alte Feldmeister, indem er sich langsam durch die Thr schob; dicht neben ihm drngte sich sein groer Pudel von infernalischer Schwrze, heran: gleichsam der Dritte in diesem Bunde. Der Administrator begrte den Besuch wie einen gern gesehenen, und streichelte den Faust, so hie der Hund -- der Tufling eines Kraftgenies, das weder an Gthe noch Klingemann, oder irgend einer Klinge Anstand genommen htte, den Schwarzknstler in seiner Art, also zu benennen. Schn, aber verteufelt kalt heute! bemerkte der Major, und glitt ein wenig wankend und mit einem Zuge von Schmerz um den eingekniffenen Mund in einen nahen Sessel. Ich wollte nur-- sagte er tiefathmend, ich hatte mit Ihnen zu sprechen, ehe ich am Ende sitzen bleibe im Winterquartier: denn seit gestern, wo ich, wie Sie wissen, noch in Leidthal war, verspre ich Gichter im Knchel. Der Pudel entzog sich der Liebkosung des Administrators, und lagerte sich zu den Fen seines Herrn, den zottigen Umhang des Ohres an die kranke Stelle geschmiegt, als wolle er das leiseste Necken heraus hren, und mit einem drohenden Blicke hllischer Melancholie in den rthlichumzogenen Augen knurrte er vor sich hin, als wolle er dem Weh, welches der Major mnnlich verbi, rathen, nicht allzu nahe zu kommen: denn ein Funken himmlischer Treue belebte diese hndische Seele. Es wird hoffentlich nur ein wenig Rheuma seyn, erwiederte der Administrator trstend auf jene Klage, ein gelinder Schwei hilft es heben, dabei trocknete er sich die Stirne, und verbarg eine verstrte Miene in dem feinen Tuche. Wie es scheint, Freundchen, sagte der Major und lchelte: sind Sie selbst in Transpiration -- oder in Angst? das verhte Gott! Die Weiber haben mir den Kopf warm gemacht -- sprach Jener heftig: es kostet Kampf, mit ihnen fertig zu werden. Bei diesen Worten rckte er ein Kstchen mit Cigarren dem Gast zur Hand, und drehete den Hahn an der Maschine von Wasserstoffgas wie mit zrnender Vollkraft, da der Strahl erschrocken heraus sprang. Es geschah dies mit unbewutem Nachdruck des Gedankens, er sehe sich genthiget, ihnen den Daumen aufs Auge zu drcken. Glaub's gern, antwortete der Major gleichmthig, und schickte sich ohne Umstnde zum Rauchen an. Man hat mit Einer zu thun. Sie stecken mir da wahrhaftig in jedem Sinne ein Licht auf. Oft schon habe ich gedacht, wie Sie nur Friede erhalten mgen unter den Frauen? Feuer und Wasser sind nicht so verschieden wie diese Beiden, und Josephine -- der Blick des Majors streifte den glsernen Globen -- ist ein Kind des Lichts, eine Tochter der Lust, so zu sagen: denn man wei nicht, woher? von wannen? genug, die Kleine ist Gott Vaters Ebenbild -- und die Frau Schwgerinn eine wackere Stiefmutter. Herr Prlat schien das Letztgesagte nicht vernommen zu haben. Er starrte vor sich hin, als dchte er diesem zweideutigen Lobe nach. Der Major fuhr fort: wenn es denn irrdischen Eigenschaften nachgeht: so mu Frau Fabia einst Schaffnerinn im Himmel werden. Sie ist eine treffliche Wirthinn, das mu wahr seyn. Und diese Ordnung, diese Stille -- aber Freundchen, der Mensch lebt nicht von Brod allein. Wenn Sie nun heirathen? wird eine Frau sich dies Regime gefallen lassen? und eine so hbsche Mitregentinn wie Therese dazu? schwerlich. Sie dchte wohl, Jene fhrte den Scepter im _Hause_, Diese trge die Reichs-Insignien im _Herzen_ des Mannes, und so wre sie nur gleichsam eine Schattenkniginn. Es wird nicht geschehen, versetzte der Administrator halblaut, ohne sich deutlicher zu erklren, ob er das Heirathen, oder diese Vertragsamkeit meine. Es taugt nicht, fuhr, nun im Zuge, der alte Feldmeister fort: sich vor der Zeit mit Familien-Verhltnissen zu befassen. Frei mu der Mann seyn, ehe er freit! eine ganze Sippschaft Vettern und Basen rckt ihm mit dem Hochzeittage auf den Hals. Meine selige Frau hatte keine Geschwister, und kaum war ich ein Jahr mit ihr verheirathet: so duchte es mir, ich htte das leibliche Kind der Mutter Eva zum Weibe genommen: denn das Menschengeschlecht kam, und wollte mit mir verwandt seyn. Mein Schicksal ist ein Schlangenknoten, schon um meine Wiege geschrzt, entgegnete der Administrator dster: und wenn ich den Lauf meines Lebens berdenke: so scheint es mir, ich sey bestimmt, unter falschen Maximen zu leiden. Urtheilen Sie selbst! Herr Prlat war in einer jener Stimmungen, welche dem nchsten Zufall den Schlssel giebt, auch ein verschlossenes Herz zu ffnen. Zumal war dies Herz gepresst wie noch nie; er kannte den Major als einen wackern Mann, und so gengte er dem Bedrfni des Vertrauens. Indem er eine Tabackpfeife ergriff und lchelnd den Kopf des Mustapha, genannt der Fahnentrger, betrachtete, sagte er: kein Unterschied des Glaubens, kein religises Vorurtheil, und was aus dieser oder jener Gattung fr das Leben hervorgeht, ist mir fremd geblieben, den Islam ausgenommen-- hier knurrte Faust, und schnappte wie nach dem Schall dieses Wortes. Der Administrator setzte sich dicht an die Seite des Majors und sprach: Mein Vater soll ein Freigeist gewesen seyn -- ich will es nicht bezweifeln: denn der Gott in meiner Brust war kein kindliches Erbe, sondern der Segen der Natur. Ziemlich jung noch hatte er eine Wittwe geheirathet, die bedeutend lter war. Taugt nicht, Freundchen, schaltete der Major ein, und Jener fuhr fort: diesmal taugte es wirklich nicht, obwohl ich sonst schon gesehen habe, da dessenungeachtet das Glck einer Verbindung bestehen kann. Ein wesentliches Miverhltni entgegengesetzter Art machte diese Ehe unglcklich. Die Frau war coquett und lebenslustig fr ihre Jahre, mein Vater weltsatt und ungesellig fr die seinigen. So gab es keinen Einklang zwischen ihren Meinungen, und endlich nur den einer Scheidestunde. Sie trennten ein Band gesetzlich, was bereits unauflslich war: denn meines Vaters Frau sollte nach lngerer Zeit ihrer Verheirathung jetzt Mutter werden. Der Verdacht der Untreue, der meinen Vater bestimmte, sich unter diesen Umstnden von seiner Gattinn loszusagen, mu durch dringende Beweismittel untersttzt worden seyn: denn er ward von Seiten der Behrden nicht verpflichtet, sich ihrer weiter anzunehmen, oder fr das Kind zu sorgen. In der Vereinzelung ging ihm nun ein langer Zeitraum hin. Er war ein ltlicher Mann geworden, da kam ihm der Gedanke, sich wieder zu verehlichen, und er whlte ein blutjunges Mdchen, meine liebe Mutter. Der Administrator hielt inne und seufzte tief. Taugt wieder nichts, brummte der Major sich in den Bart: htte ihn nicht nehmen sollen, die arme Kleine. Mein Vater war wohlhabend -- und meine Mutter eine abhngige Waise, versetzte ihr Sohn mit gebundenem Athem: Gott trat in's Mittel -- meine Geburt gab ihr den Tod. Armer Freund! sagte der Major weich: so haben Sie das Treueste auf Erden nicht gekannt. Der Administrator schwieg einen langen Moment und fuhr dann fort: mit einer wahren Todesverachtung wiederholter Trennungen heirathete mein Vater alsbald zum drittenmal. Ich war als ein schwchliches Kind, was mhsam behandelt werden mute, zu der Schwester meines Vaters gekommen, der Frau eines Predigers auf dem Lande. Einst ward ich aus einem harmlosen Spiel empor gerissen, es hie: der alte Schreiber meines Vaters wre da, mich zu holen; mein Vater lge im Sterben, und wolle mich noch _einmal_ sehen. Lieber Gott! er hatte mich noch _niemals_ gesehen, seit ich denken konnte. Man kleidete mich an, ein rmlicher Flechtenwagen hielt vor der Pfarre; ich ward hinein geworfen. Die verschrumpfte Gestalt des Schreibers sa neben mir, oder lag vielmehr wie eine faule Birne auf dem Stroh. Er schlief den ganzen Weg, ich wachte mit regen Sinnen, Bume und Berge flogen an mir vorber -- die Reise war mir wie ein wster Traum. -- Die Scene meines Empfangs schwebt auf jede Weise dunkel vor meinem Gedchtni. Das Krankenzimmer ffnete sich mir. Eine spanische Wand verbarg das Bett, worin der Vater lag, und dem Sterbenden einen bittern Anblick. Eine hochbusige Frau probirte eine schwarze Florhaube vor dem Spiegel, der dieses eitle Bild der Trauer verdoppelte. Ein schner etwa dreijhriger Knabe sa auf dem Boden und stie, als ich eintrat, in eine kleine Trompete von Blech, als wolle er der Herold meiner Ankunft werden, und als fnde nicht die geringste Bercksichtigung Statt, welche die Achtung der Stille erheischte. Welche Macht ber die Erinnerung ben Kleinigkeiten aus! glauben Sie es wohl, Major? vor jenem gellenden, schrillenden Hall sinken, wie einst zu Jericho -- noch heut die Mauern meiner Seele ein, und ein Gedanke dieses Augenblicks voll Grauen, voll Schmerz, durchdringt mich. Der Major nickte zweimal, als kenne er das und Aehnliches. Ich trat verdutzt erzhlte Herr Prlat weiter: an das Lager meines Vaters, mit einer dumpfen Empfindung von Mitleid, Angst und Ehrfurcht, nicht unhnlich der, womit man sich zum erstenmal dem sogenannten heiligen Grabe nhert. Er lag wie ein =Ecce homo= darin. Seine Augen waren umflort, und ruhten schon in der tiefen Hhle des Todes, seine Glieder ohne Leben wie von bleichem Holz. Er reichte mir mit letzter Anstrengung die feuchte schwere Hand. Am andern Morgen sagte man, mein Vater wre gestorben. Es war ein groes Begrbni, ich ging unbetrbt hinter seinem Sarge, kindlich stolz, das erstemal ffentlich aufzuziehen. Meine Verwandten waren auch gekommen; des andern Tages war ein groer Zank; ich erinnre mich, da meine Tante ein niederschlagendes Pulver nahm. Sie war eine robuste Frau und stets gesund, nie kam ein Arzt ber die Schwelle des Pfarrhauses: so gab dies unschuldige Prservativ mir den Begriff einer ungeheuern Alteration. Mein Oheim besa mit seiner Pfarrstelle eine Widmut, auf der ich mir die ersten Kenntnisse der Oekonomie spielend erworben habe. Meine Tante war mit Leib und Seele Landwirthinn; das liebe Vieh gehrte gleichsam zu unserer Familie. Sie hatte ein eigenes Idiom, sich jedem Geschlecht ihrer Hofhaltung verstndlich zu machen. Es heit gewi ihrer Sorgfalt fr mich den grten Ruhm beilegen, wenn ich sage: sie habe mich mit diesen Pfleglingen in eine Cathegorie gestellt. Das ist deine Amme gewesen, Clestin! sagte sie und deutete auf eine schwarz und wei gefleckte Kuh, die vergessend ihrer Segnung, an mir vorber schwenkte. Ein gyptischer Schauer rieselte dann durch meine junge Seele; die Tante, obgleich sie eine wackere Christinn war, htte es, glaube ich, gutgeheien, wenn man den Sultan Wampum der Heerde auf Knieen verehrt htte. Standen wir an lauen Sommerabenden am Wasser, und eine Henne lief mit dem Glucken der Angst vor Gefahr am Ufer hin und her, weil die zarten Entlein, die sie ausgebrtet, ihre ersten Schwimmversuche machten -- so sagte die Tante: das ist eine bessere Stiefmutter als Deine, armer Junge! -- Dann ward mir so sonderbar weh zu Muthe, und ich wnschte mich hinab in den dunkeln Teich, wo er am tiefsten ist. Mit welcher Empfindung belauschte ich, ein Knabe noch! die geheimnivolle Zrtlichkeit in einem Schwalbenneste! das Zwitschern des mtterlichen Vogels war mir wie der magische Laut einer Welt, aus der ich verstoen wre; das geringste Geschpf schien mir neidenswerth, welches mir Kunde geben knnte von jener Heimath, nach der ich mich sehnte, ohne sie zu kennen. Das Gefhl _schtzender Liebe, wie die Natur sie lehrt_, wurde zu einer Grundidee in mir, zu einem Princip, welches spter meine Handlungen leitete. Armer Freund! sagte der Major abermals mit Blicken voll rauhen Mitleids, und ein leiser Ingrimm zuckte in seinen Mundwinkeln, als er eine neue Cigarre abknirschte, so hatte die Tante kein Herz fr Sie? Ein Herz wohl, antwortete Jener, aber nur fr meinen Leib, nicht fr meine Seele. Der uere Bedarf galt ihr alles, wie das hufig bei Frauen dieser Art der Fall ist. Sie hatte eigene Kinder gehabt; vielleicht war die Stelle dieses Verlustes zu lange schon vernarbt -- und Narben werden Hrten. Nun, und der Oheim? fragte der Major theilnehmend weiter. Mein Oheim, erwiederte der Administrator mit sinnendem Auge, war ein liebenswrdiger Greis von einer wahrhaft patriarchalischen Einfalt der Sitten. Seltsam! wie ein so schlichter charakterfester Mann sich in die knstlichen Folgerungen eines Systems verwickeln knnen, so da er mit sich selbst im Kampfe lag. Er war ein geheimer Anhnger Mesmers, und ging im Forschen der wunderreichen Krfte, welche dieser Producent zum Wohl der Menschheit darthat, weit genug, um bis an die Quellen der christlichen Offenbarung zu dringen. So hielt er den Messias fr einen auerordentlichen Magnetiseur, den Tod am Kreuze fr Somnambulismus, die Jnger fr Hlfsrzte pro Secundo -- und jede That des Heils fr eine Wirkung dieser mysterisen Kraft. -- Wohin verirrt sich oftmals ein reger, nicht genugsam beschftigter Geist! Das Consistorium mogte schwerlich eine Ahnung davon haben: denn mein Oheim galt fr ein Muster lutherischer Seelsorge und des unverflschten Glaubens. Doch um die Gttlichkeit seiner Lehre war es gethan. Der Schmerz des Wissens, der Durst nach Wahrheit gab seinen Vortrgen eine Inbrunst, die sich seinen Zuhrern mittheilte. Das Zutrauen, dessen er geno, grenzte an Wunderglubigkeit und erstreckte sich weit ber die Feldmarken seiner Dicese hinaus. Er ward verfolgt vom Neide seiner Amtsbrder. Nach seinem Tode fanden wir ganze Bndel Schmhschriften der benachbarten Geistlichen an ihn, die er mit ordnender Ruhe unter Rubriken der Gehssigkeit gebracht hatte. Ein kleiner Auftritt ist mir eingedenk geblieben. Eines Sonntags nach dem Gottesdienst kam eine Fischersfrau, die zwei Meilen von unserm Dorfe am Ufer des Flusses wohnte, weinend zu meiner Tante. Der Mann wartete drauen. Diese Leute scheueten den langen Weg nicht, um eine Predigt in der hiesigen Kirche zu hren, wo sie ermdet oftmals nur mit knapper Noth ein Pltzchen zum Sitzen fanden. So wren sie auch, erzhlte die Frau, seit geraumer Zeit hierher zur Communion gegangen, und mein Oheim htte die fremden Gste am Tische des Herrn geduldet. Nun aber habe der Pastor des Ortes, wohin das Ufer eingepfarrt sey, sie kommen lassen, mit Vorwrfen empfangen, und hart bedroht, da sie ihm den Beichtgroschen entzgen. Er wolle eine grobe Epistel an meinen Oheim schreiben und sich dies in Zukunft verbitten. Was sagen Sie zu diesem Hirtenbriefe? jener Geistliche war ein communer Neidhammel. Die Fischerinn schluchzte und sagte: nun habe der Herr Pastor, (mein Oheim nmlich) sie heute freundlich ermahnt, ihm frder keinen Verdru zu machen; dann setzte sie entschlossen hinzu: ehe ich aber das heilige Abendmahl wo anders halte, so lasse ich es ganz und gar, es mu ja nicht seyn. Blitz! da schlage doch das Wetter drein! rief der Major mit Indignation: ber die Pfaffen! die lutherischen auch -- es ist all Eins. Einer armen Seele den Trost Gottes vorzuenthalten, weil sie ihn, wie billig, nicht aus einer schnden habschtigen Hand empfangen will! -- Da wird ja der protestantische Altar zu einer Tetzelsbude, einer Kleinkrmerei von Nichtswrdigkeiten. Unter uns gesagt, Freundchen! ich kann die Schwarzrcke nicht leiden. Der Teufel hole den geistlichen Hochmuth! Der Administrator lchelte still. Er sah ein stummes Weilchen mit seitwrts gesenktem Kopfe auf den Turban des Muselmannes nieder, der umwunden von dem Dampfe seiner Pfeife nur blulich schillerte, wie eine gestorbene Perle. Dann fuhr er in seiner Erzhlung fort: solchergestalt ward mir die Theologie verleidet, die ich nach dem Wunsche meiner Verwandten studiren sollte. Es mischte sich mir ein fixer Gedanke von Ha, Hader und ekler Widersacherei in diesen Stand des Friedens. Die Widmut theilte anderer Seits mein Interesse fr den geistlichen Beruf, und schadete demselben in gleichem Grade, worin sie ntzte. Wo blhet auf solchem Mistbeet die Lilie des ungefrbten Glaubens? die Rose zu Saron stehet nur im tiefen Thale des Gemths, einsam und heilig. Den Haushalter ber die Geheimnisse Gottes dachte sich meine scheue Hochachtung abgesondert in Gedankenstille von der gemeinen Menschenclasse und ihrem niedrigen Bedarf. -- Meine Meinung entschied sich fr den Landbau. Die Gleichnisse und Parabeln der Schrift, in deren Worten ich von frhester Kindheit an geathmet, waren wie ein Element religiser Poesie fr jene natrliche Beschftigung geworden. Die Bilder vom Smann, vom Waizenkorn, das in die Erde gelegt wird -- von der Ernte, den Garben und Schnittern, vom guten Hirten, der das verlorene Schflein unablssig sucht: fate ich im Geiste der Natur. Diese fromme Weihe, wenn ich so sagen drfte -- mein christliches Gedchtni bewahrte mich vor jener Rohheit, die man oft bei dem Betrieb der Oekonomie findet, und welche ein wilder Spro unveredelter Kraft ist. -- Ein blder Schler der Welt, kannte ich nichts Seres, als frei wie der Vogel in blauer Luft nach meiner Weise zu leben. -- Mein Oheim starb -- und mit diesen zwei Augen schlo sich der erste Act meiner Jugend. Es ist mir lieb, da sich das Blatt nun wenden wird, wie? sagte der Major mit voraussetzender Frage und rauchte strker: die Erziehung in den Pfarrhusern taugt nichts. Der Administrator hatte keinen Widerspruch fr das Sprchwort seines alten Freundes; vielleicht gab er ihm schweigend die Ehre der richtigen Anwendung. Nach einer kleinen Erholungspause fuhr er fort: ich kam nun zu einem Verwandten mtterlicher Seite, der mein Vormund war: dem Stiftscanzler von Sanct Capella, der als practicirender Jurist in M--. wohnte. Im Actenstaube grau geworden, war jeder Lebenstrieb in ihm vertrocknet -- er war ein Hagestolz. Die Gesetze standen leserlich auf dem brchigen Pergament seiner Stirne geschrieben, der Blick seines kleinen Auges, dessen Pupille wie in einem galligten Gelbei ruhete, hatte eine Profunditt, die ihm oftmals den Vortrag seiner Clienten ersparte -- seine Miene drckte stets auch in ihren wohlwollendsten Modificationen eine Sentenz zu gemigtem Zuchthaus aus, und auf den geklemmten Lippen wechselte das Urtheil zu Einbue oder Leibesstrafe; sie ffneten sich fast nie ohne einen Verlust anzuknden, selbst der Glckwunsch zu einem gewonnenen Prozesse ward durch den Grimm seines juridischen Dmons zu einer Drohung. Und dennoch war dieser wunderliche Mann nicht bse. Er hatte einen ausgebreiteten Ruf, seine Rechtlichkeit war gefrchtet. Die Beamten auf den Klostergtern zitterten vor ihm, die guten Nonnen liebten ihn mit Furcht und schmiegten sich in seinen weltlichen Arm -- er war der Donnergott der Abtei. -- Ein Geschwisterkind von meinem Vormund und somit auch mir verwandt -- fhrte ihm daheim die Wirthschaft; ein liebes altes blasses Mdchen, an das ich nur mit dankbarer Rhrung denken kann. Die gute Beatrix hatte eine kleine heimliche Hauscanzlei, wo stille Gesetze ausgeschrieben wurden, und mein Vormund stand unter diesem Kammergericht, ohne da er ein stummes Wrtchen davon wute. -- Beatrix, trotz ihrer subalternen Anspruchslosigkeit, war die Justitia des Canzlers. Sie that so simpel, da man ihr die Gerechtigkeitspflege eines so rabiaten Juristen nimmermehr zugetraut htte. Sie konnte nicht anders mit Federn umgehen, als da sie bestndig welche rupfte oder schlie -- als glte es das ewige Brautbett des alten Junggesellen.-- Mein Vormund empfing mich mit logischer Krze, und wies, weil er eben dringend beschftiget war, mich an die Muhme. Sey mir nicht bange, lieber Clestin! sagte Beatrix so lind und leidsam, da ich die knftige Angst wie im Voraus vergtet fhlte: wenn es Dir auch Anfangs nicht bei uns gefllt. Der Herr Vetter ist nicht gar so schlimm. Man mu ihn nur kennen. Einiges will ich Dir aber doch zur Warnung sagen: widersprich ihm nicht! Du kannst Dir ja Einwand und Rechtsmittel vorbehalten. Ich mute lcheln, so jung ich war, ber diese Brocken von der Brodwissenschaft des Vetters, welche die haushlterische Muhme gesammelt. Dann, sprach sie weiter: hte Dich, mit dem Stuhle zu wackeln, wenn Du bei ihm sitzest! ein Erdbeben wrde wohl weniger beachtet, als dies. Endlich lasse nie die Putzscheere unvorsichtig vom Leuchter gleiten. Ich sage Dir: der liebe Gott lt eher die Sonne aus seiner allmchtigen Hand fallen, und schaut gromthig drein, ehe der Herr Vetter diesen Fehler vergiebt. -- Ich bebte; welch ein Wtherich mute mein Vormund seyn! -- Wir aen ein kleines vortreffliches Abendbrod zu Dreien, der Canzler schenkte mir liberal Wein ein, um mir Muth einzuflen. Ich sa unbeweglich auf meinem Stuhle und sah ngstlich hin, so oft Beatrix das Licht putzte. Sie that es jedoch mit fester Hand und winkte mir zuweilen mit den Augen, wenn ich ein Wort sagte, was ihr unpassend schien. Nun, Du willst ein Bauer werden, wie ich hre? fragte der Herr Vetter zwischen dem Essen, und die Frage klang wie Spott. Beatrix zwinkerte schon wieder verneinend. Du hast dreschen sehen, da ist Dir die Lust dazu angekommen, mein Junge. Diese Analogie mit dem Flegel versetzte meiner konomischen Liebhaberei einen tchtigen Schlag. Studiere nur fleiig! sprach er dictatorisch: es wird sich alsdann schon finden, was aus Dir werden soll. Nur kein Jurist! dagegen protestire ich. Bei der Rechtspflege bliebe auch ein Eisenfresser nicht gesund. Man rgert sich tagtglich und lebenslang =ex officio=. Ich warf einen mitleidigen Blick auf die hagere gekrmmte Gestalt des Vetters, und glaubte ihm. -- Zu meinem Erstaunen sah ich, da dieser unwirsche Mann auch jovial seyn konnte, und dies besonders im Umgange mit seinen Collegen. Es fand das beste Vernehmen zwischen ihnen Statt, und nie ward ihm eine Streitsache zu persnlichem Groll. Ich konnte nicht umhin, dies sehr achtungswerth zu finden und dabei an die unaufhrlichen Znkereien der theologischen Herrn Brder zu denken. Ja, die Juristen sind cordial! fiel der Major ein, aber die beste Cammeradschaft bestehet doch unter dem Militair. Da, wo der Tod Hauptmann ist, schlieen sich die Glieder eng zusammen -- und Gewalt geht vor Recht. Ich fragte mein Mhmchen einst, setzte Herr Prlat fort, warum der Vetter denn nicht geheirathet htte? -- Das sey Gott zu danken -- meinte Beatrix und lchelte mit Gleichmuth. Sie ertrug schon ein halbes Sculum seine hypochondrischen Launen. Er habe so viele Ehescheidungen amtlich behandeln mssen, da ihm ein Abschmack -- _Abscheu_ wollte sie vermuthlich sagen -- vor dem Ehestand angekommen sey. Taugt nichts, unterbrach hier der Major seinen Freund, mit einer Sache zu genau bekannt seyn, die Illusion fordert. Kche haben in der Regel den wenigsten Appetit. Jeder prfe sein Selbstwerk! -- die Unerfahrenheit ist auch manchmal gut. Ohne sich durch diese eingestreueten Bemerkungen aufhalten zu lassen, fuhr der Erzhler fort: wirklich berzeugte ich mich, welche ble Meinung der Canzler von dem weiblichen Geschlecht htte. Er nahm mich zuweilen mit nach Sanct Capella -- die Aebtissinn vergnstigte es. Als wir einst ein wenig illuminirt das Kloster verlieen, der ganze versammelte Convent Kopf an Kopf gedrngt uns nachsah, mein Vetter noch einmal zurck grte, wendete er sich von dieser Verbeugung zu mir, und sprach listig: gut fr manchen wackern Mann, da Ihr hier aufgehoben seyd im christlichen Harem, Ihr verschleierten Engel! das Stift, glaube es mir, Clestin! ist eine wahre Bchse der Pandora. Sollten sich diese goldnen Thren einmal ffnen: Hu! welch ein Heer von Plagen wrde da in die weite Welt herausstrzen! -- Ich habe dieser Worte spter gedacht. Es war ein Seherblick gewesen, den der Canzler damals auf die verschlossenen Pforten warf. Auch war jene kleine frivole Tcke gegen die gutherzigen Cisterzienserinn nicht etwa der Ausdruck eines Sptters in Glaubenssachen. Die Religiositt meines Vetters -- er war Catholik -- war der geheimnivolle Respect vor einer himmlischen Gerichtsbarkeit, an die er in terriblen Augenblicken appellirte und: _gerechter_ Gott! sein hchster Ausruf. Ich lebte eine Reihe Jahre in der That glcklich im Hause meines Vormunds, und danke ihm viel. Dieser strenge Geschftsmann gab mir privatim ein Beispiel der Toleranz, was mir damals eben nthig war. Er hate alles Absprechen nicht nur an Andern, er vermied es auch an sich selbst. Ich uerte ihm einmal ehrerbietiges Bewundern und ein Wrtchen mit Bezug auf meine frheren Erfahrungen entschlpfte mir. Er lchelte und sprach: Du mut wissen, mein Shnchen, da diese Eigenschaft einen wesentlichen Unterschied zwischen den Facultten bemerklich macht, und unsern Beruf gewissermaen austauscht. Die Theologen sind in der Regel Richter, was sie nicht sollten; -- _wir_ dagegen vertreten nach Christenpflicht und von Amtswegen die Fehler und Fhrlichkeiten des Nchsten. _Sie_ lassen ihr Licht leuchten vor den Leuten -- _wir_ gebrauchen es nur, um auch dem finstersten Falle eine Seite der Entschuldigung abzusehen. Wahrhaftig in Gott! da hat er Recht! rief der Major aus berzeugtem Drang des Herzens. Der Administrator schwieg, als wre diese Mittheilung nun abgebrochen, und sah lange weitschauenden Blickes vor sich hin. Dann hob er mit verndertem Tone an: ich studirte Cameralia -- ging auf Reisen -- welch eine Welt liegt zwischen diesen schmalen Grenzen auf der Charte meines Lebens! -- Ich hatte einen Freund---- ein tiefer, schwerer Odemzug, wie wenn dies Wort sich nur mit Ketten aus dem Born der Seele wnde. Der Major besa bei einer rauhen Auenseite den zartesten Sinn der Freundschaft. Er sagte: falscher Conjunctiv, Freundchen! Sie _haben_ einen, der nicht alles zu wissen braucht. Lassen Sie ruhen, was sich nur mit Seufzern heben lt. Taugt nichts, erschpftes Vertrauen. Ich wnsche nur noch zu erfahren, wie Sie eigentlich zu der weiblichen Drei-Uneinigkeit gekommen sind? Josephine, das friedsame Tubchen! ist nicht in diesem Zwiespalt begriffen. Sie ist auch hier als der heilige Geist die schwchste Person dieser Trinitt und eine wahre Vergebung der Snden. Wie? fuhr der Major abstrahirend fort: ists nicht so? werden nicht dem heiligen Geist selbst im Glauben nur flchtige Honneurs gemacht? Der Administrator lchelte wie ein Leidtragender, dem ein zerstreuender Trster von den Verhltnissen des Himmelreichs vorspricht. Er antwortete: ich habe meine Geschichte so weit angelegt, da ich schwerlich damit an das Ziel gelange. -- Meine hiesige Umstellung knpfte sich an Fden, welche noch mit der vormaligen Einwirkung meines Vetters, des Exkanzlers, zusammenhingen. Er starb bald darauf. Die gute Beatrix war lngst todt. Man fand sie eines Morgens entseelt, mit dem Angesicht in eine Wolke von Flaum gesunken. An den starren Wimpern hingen die zarten Federn; aber sie bewegten sich nicht mehr vor dem verschlossenen Munde: es schien, als ob sie ohne einen Hauch der Todesangst verschieden sey. Dieses sanfte pltzliche Sterben in weicher Pflicht, wie wenn der Schlaf einen Mden berrascht, war die schnste Gabe ihres armen harten Lebens. So oft mein Vetter mir das erzhlte, und des Anblicks jener befiederten gestorbenen Augen gedachte, die so treu auf seinen Vortheil gesehen, gingen ihm die seinigen ber. -- Meine Lage als Administrator gefiel mir wohl; sie war gewissermaen das Resultat der Ergebnisse meiner frheren Jugend. Hier konnte ich ein Landwirth seyn im weiten Felde der Industrie, nicht beschrnkt auf die Hufe eines engen Besitzthums, und zugleich ein Diener des Staats, dem ich mit all meinen Krften zu ntzen wnschte. Meine Vorliebe fr diesen Ort war sich gleich geblieben. Wie oft hatte der catholische Gesang von Sanct Capella, die heilige Nonnenstille, der Weiheduft andchtiger Mysterien, den lutherischen Jngling in mittelalterliche Trume gewiegt! ich war nun erwacht, und Alles war anders und wirklich. Doch noch jetzt schlgt die groe Glocke mit jenem romantischen Klange tiefe Saiten in mir an, und wenn Fabia mit dem groen Schlsselbunde durch den Kreuzgang geht, mu ich der Pfrtnerinn gedenken und jenes kleinen klingelnden Geluts in ihrer Hand, welches, meinem Gefhl nach, den Chor seliger Geister in einem Himmel ffnete, den die Welt flschlich fr ein Grab der Lebendigen hielte. -- Wie de reformirt war nun das schne Stift, wie profan geworden! -- ich schtzte mit Piett, was noch aus dem Umsturz jener Verhltnisse zu erhalten war. Die Hand, welche leise und achtsam an das heilige, das genommene Recht rhrte, war desto eifriger, wo es den Ertrag der Grundstcke galt. Man sprach davon: es sey im Werke, das pompse Gebude zu einer Strafanstalt, einem Spinnhause, herabzuwrdigen; diese Mglichkeit emprte mich. Dann sollte es zu einer Seidenfabrik benutzt werden, endlich wolle man, hie es, eine chirurgische Pepinire daraus machen. Ich kam den Behrden mit einer Proposition von meiner eigenen Idee zuvor. Solle es denn nun einmal hier gesponnen oder geschnitten seyn: wohl! so gebe man den Parzen Wohnung, und lasse verdiente Offiziere hier leben und sterben. Dann zieht die Ehre ein und nicht die Schmach, und statt Mhe, Plage und Schmerz webt in diesen Mauern das Seidenleben der Ruhe. -- Es wurde provisorisch zugestanden. Major Feldmeister reichte dem Administrator mit einem gerhrten Blicke die Hand und sagte kein Wort. Er dampfte nur einen unendlichen Qualm aus, als wollte er sagen: bis an meinen letzten Athem werde ich Dir dies danken. Und der brgerliche Prlat der einst gefrsteten Abtei sprach: ich orientirte mich nunmehr. Das Drngen der ersten Einrichtung lie mich wenig zu mir selbst kommen. Es waren Rckstnde zu bearbeiten, mein Vorgnger hatte lange darnieder gelegen -- auf den versumten Gtern lag mehr als ein Feld der Nutzung brach. An geselliges Bekanntwerden in der Nachbarschaft zu denken, hatte mir noch keine Zeit gebrigt. Es war in einer Geldangelegenheit von Belang, wo ich gesprchsweise den Oberfrster zu Rathe zog. Das wird Ihnen ihr Vetter, der Rentmeister in Bhle, am besten sagen knnen -- meinte er. Mein Vetter? fragte ich befremdet; ich wute von keinem. Nun ich dachte nur, antwortete Jener, weil er eben so heit, Sie wren mit einander verwandt. -- Dies gab mir ein Interesse mehr, dieser Weisung zu folgen, und den Mann meines Namens kennen zu lernen. Ich ritt desselben Tages noch hinber. Es war im Mai. Ein Gewitter schauerte ber die quellenden Saaten; doch sah ich wohl, es wrde vor der Nacht nicht kommen. Ein eigenes Gefhl von Schwermuth oder Ahnung prete mir die Brust, als laste ein nie getragenes Gewicht mir auf der Seele. So kam ich an den englischen Garten von Bhle. Die Sonne scho eben einen goldrothen Pfeil auf das steinerne Windspiel, welches am untern Ende des Parks auf einem Postamente ruht. Es blickte mit todten Augen in den flammenden Kcher -- ich weilte einen Moment an dieser Stelle und dachte: da liegt der Hund begraben! Gott wei, durch welche Association der Ideen mich der Gedanke geisterhaft ergriff: es lge unter den dunkeln Schatten dieses Ortes irgend ein Geheimni verborgen, was meiner Theilnahme angehre! -- Das groe gothische Schlo, die Colonnade vor den Wohnungen der Beamten, schien mir schn aber dster, und ich gab dies Clair-obscure meiner innersten Auffassung der frhlingstrben Atmosphre Schuld. Innerhalb der Gehfte war es auf die bngste Weise still, nur der Brunnen machte ein khles Gerusch und die Wasserkufe schumte ber. Ich sah Niemand, den ich nach dem Rentmeister fragen konnte. Da ffnet sich leise eine Thre hinter der Colonnade, ein Mdchen, kaum jungfrulich erwachsen, tritt hervor, ein feines Glas in der zarten weien Hand, und wirft einen schchternen Blick auf mich, den Mann zu Pferde. Es liegt etwas Poetisches, Major, in dem Anblick eines schnen Kindes am Brunnen; der Durst des Herzens, worin er auch bestehe, wird dadurch gelscht. -- Ich fragte hflich, ob ich den Rentmeister zu Hause antrfe? die Kleine nickte -- es war Josephine. Jetzt nickte auch der Major. Ich band mein Pferd an eine Sule und folgte ihr. Sie bat, da ich einen Augenblick verziehen mgte, denn der Vater wre krank, und sie msse es ihm erst sagen, da ihn Jemand zu sprechen wnsche. Ich wartete vor der Thre zu ebener Erde; drinnen entstand ein ungastfreundliches Gemurmel, dazwischen hrte ich Josephinens Stimme wie vorbittend. Endlich winkte sie mir. Ich trat in ein tristes Zimmer. Grne wollene Vorhnge verdunkelten es, und warfen noch bleichere Schatten auf einen kranken Mann, der bei diesen schwlen Wrmegraden in Betten eingehllt auf dem Sopha sa. Eine Frau rckte ihm die Kissen zurecht, und schien, mit Sorgfalt um ihn beschftigt, sich nicht um den Eintritt eines Fremden zu kmmern. Der Anblick dieses Kranken erschtterte mich. Ich stellte mich ihm vor, und fragte beklommen: ob unser Gleichname vielleicht Grund in einer entfernten Verwandschaft htte! -- Der Rentmeister lchelte -- o! furchtbar lchelte er. Seine Antwort lautete: verwandt? nein, Herr Administrator, wir sind nur _Brder_. -- Mein Blick sah ihn mit -- Entsetzen, mgte ich es nennen, auf die Wahrheit dieser Aussage an; dunkel hatte es mir vorgeschwebt, dieser Mann knnte der Sohn meines Vaters seyn. Er war gegen mich ein Greis, eine ganze Lebenslnge schien sich zwischen uns hinzuziehen; doch der verknpfende Faden blieb und zerri in jener Minute mein Herz. Jetzt wute ich, warum mir so ahnungsvoll zu Muthe gewesen, was dieser Weg mir aufgebrdet hatte. Meines Vaters Freiheit hemmte mich wie eine Kette, deren tausendstes Glied noch getragen werden mu. Mein Bruder! und mir so todesfremd! -- Getrennte Ehen sind es, welche eine Weltverbrderung unmglich machen, und das Band der Menschheit auflsen. Mit diesem stillen Bekenntni legte ich mir selbst das Gelbde ab: scheiden lasse ich mich nimmer! -- Ich wagte ein brderliches Wort an den Rentmeister. Er nahm es nicht auf, und nannte mich _Sie_. Ihr Vater, Herr Prlat, sagte er, als ginge ihn dieser Name gar nichts an, verstie mich im Mutterleibe, und wer einmal unter der Bank geboren ist, kommt nie auf. -- Diese Worte deuteten mir langes Unglck an und einen zerbrochenen Geist. Eine Thrne schlich ber die Wange seiner Gattin, welche sie verstohlen abwischte; Josephine schlich leise hinaus. Ich hatte nicht den Muth, nach seinen frheren Verhltnissen zu fragen. Spt ritt ich nach Hause. Der Donner rollte krachend, die Wolken waren Feuerschlnde, es regnete wie mit Giesbchen. Ich empfand wenig von der emprten Natur. Meine Seele bebte noch unter strkeren Schlgen, und die einzige Thrne meiner Schwgerinn hatte mich mehr erweicht, als dieses Sturzbad. Sie werden leicht denken, da ich nicht sumte wieder nach Bhle zu kommen; doch nur langsam gelang es mir, mich meinem Bruder zu nhern und Eingang in sein Vertrauen zu finden. Seine Frau, ob zwar auch zurckhaltend, war dennoch freundlicher mit mir. Ich merkte bald, da sie zu den Stillen im Lande gehre, und eben so, wie oft der Unmuth ihres Mannes ber eine Frmmigkeit laut werde, die ihm doch in der Geduld, womit sie seine Leiden ertrug, zum Seegen gereichte. Aber mein Bruder war menschlichen Ansehens nach ein Mann des Todes, und sein Gemth schien mir noch krnker. Wie viel die Frau fr seine Pflege that: eine grere Kraftanstrengung entwickelte sie, seine Seele zu retten. Sie lie seinen Eigensinn und die Natur gewhren, wenn er den Arzt nicht wollte; aber sie qulte ihn partout mit dem lieben Heiland. Der Major schttelte den Kopf und sprach: taugt nichts, da solch heilige Liebschaft aufdringlich werde; der Mann mu dem besten Freunde die Thr des Hauses und Herzens selbst aufmachen. Einst kam ich dazu, fuhr der Administrator fort, als Beide in streitendem Gesprch ber die verstrende Ursache seiner jetzigen Leiden waren. Mein Bruder schwieg sogleich; aber Fabia, gesttzt auf die Autoritt ihrer Gottseligkeit, konnte nicht abbrechen, ohne weiblich das letzte Wort zu behaupten. Sie sprach: Sey nur getrost! es wird uns im Himmel wohl belohnet werden, so man uns um Gerechtigkeit willen verfolgen sollte. Da fuhr mein Bruder heftig auf. Um _Gerechtigkeit_ willen? Frau, Du faselst! eine Schndlichkeit ist es, die ich werde verantworten mssen; ich sage Dir: es ist kein grerer Betrug erfunden worden. Der _Glaube_ an eines Menschen Wort ist mein Unglck gewesen und mein Elend geworden -- ich will Gott nun nicht mehr versuchen. Es lag eine Resignation darin, die mich mit kalter Hand durchgriff. Fabia entfernte sich; ihr Mann fiel erschpft in einen fieberhaften Schlummer, ich ging seiner Frau nach. Sie stand im Grtchen, bego ein Blumenbeet mit ihren Thrnen und rang in christlicher Verzweiflung die Hnde ber den weien Lilien. Ich redete ihr zu. Fabia verklagte den unbeugsamen Sinn ihres Mannes, der jedem Gnadenmittel widerstnde und nicht arbeiten mge an seinem Heil. Ein Luftzug fhrte die leise ngstliche Frage von ihren Lippen: _ob er nur selig werden wird_? Die Lilien nickten. Ich sagte, was ich dachte: da diese Kinder ihres Schpfers auch nicht arbeiteten im reinen Glanz ihrer Heiligkeit, und dennoch erstnden zur Frhlingsfreude der verjngten Erde.-- Fabia schien nicht einzugehen in diesen natrlichen Trost. Sie sagte: seine Mutter ist lediglich Schuld daran. Diese war ungewi ber den Vater -- _seinen_ Vater -- darum zweifelt nun der Sohn an Gott! -- So schob meine Schwgerinn ihren Scrupel, ob ihr Mann das ewige Leben haben werde, Denen zur Last, die ihm das irdische gegeben. Bald darauf ward es schlechter mit dem Bruder. Kurz vor seinem Tode bergab er mir die Sorge fr seine Witwe, fr sein Pflegekind, legte den Schlssel zu einem wichtigen Geheimni in meine Hnde -- dann drckte ich ihm die Augen zu. Das Recht eines Gestorbenen zu vertreten, darf ich keinen eigenmchtigen Schritt thun noch gestatten, eine schwere Verpflichtung hlt mich an Fabia fest. Sie sehen also, wie viel mir daran gelegen seyn mu, Einigkeit unter den beiden Frauen zu erhalten: denn auch Therese---- hier summte die elfte Stunde vom Klosterthurme. Der Major fuhr elektrisch zusammen, wie von diesem Schlage gerhrt. Elf! ich mu nun fort, und es wird mir den ganzen Tag seyn, als stcke ich mit _einem_ Arme nur im Aermel des Rockes. Ich habe dem Hauptmann Moorhausen eine Parthie Piquet vor dem Essen versprochen, und halte Wort, wenn auch ihm kein wahres Wort aus dem Munde geht. Das Genie dieser Art mu in den Endsylben dieses Namens wohnen: Moorhausen! Mnchhausen! -- Wie hat er uns vorgestern wieder belogen! er sprach von seinem Gute in P. -- Wir lachten unvernnftig. Er nahm es nicht bel -- das war honett. Aber -- Ihre Geschichte, Freundchen ist mir in Wahrheit interessant; der Schutz, den Sie der Frau Fabia angedeihen lassen, hat seinen gediegenen Grund, ich bin nur curios, welcher Wind Ihnen die flatterhafte Therese zugewehet haben mag? -- allzugromthig seyn, taugt nichts. Das Reitpferd, worauf der Administrator tglich um diese Zeit die Ronde zu machen pflegte, ward vorgefhrt. Der Major erhob sich mit steifem Gelenk, Faust schttelte den schwarzen Mantel. Im Begriff zu gehen, sagte der Major: da fllt mir ein, ich habe ganz vergessen, weshalb ich eigentlich gekommen bin. Ich wollte ihnen auch ein Geschichtchen erzhlen, was fabelhaft klingt: das Mhrchen vom glsernen Pantoffel. Mein Neffe -- doch jetzt ist's zu spt; wo werden wir nur all' die Zeit zu den vielen Reden hernehmen? Wir sprechen uns bald wieder-- vertrstete Herr Prlat, und griff nach seinem Hute. Er hatte sich die Brust doch etwas freier gesprochen. Es ist gut, wenn sich die Menschen zuweilen des Warums ihrer Brden bewut werden; die Nothwendigkeit, sie zu ertragen, wird ihnen alsdann klar und leichter. Sanct Martin war und blieb gegen seine Gewohnheit hell und schn. Sonst hat an diesem Tage der Himmel Baumwolle feil, und die Luftgeister sind geschftig, der Natur eine weie warme Schlafmtze daraus zu weben. Doch heute schritt der Herbstheilige, der sonst winterrstig erscheint, in heiterer Luftigkeit einher, und grte mit dem gelben Sommerhute so herablassend freundlich, da die schlfrige Welt munter aufwachte und trumerisch hoffte, der Sommer wolle noch einmal wieder kommen. Hier und da zwitscherte ein schlaftrunkener Vogel, robuste Buerinnen verbauten die kleinen Fenster mit Moos, um im Grnen zu arbeiten -- der klsterliche Invalidenstamm rckte lustig ins Feld. Schwerlich drfte der glnzendste =Th dansant= im schnsten Salon der Residenz eine wichtigere, wenn auch andere, Beklommenheit der Erwartung erregen, als bei den Damen des Stiftes der simple Nonnenthee in Veronicas kleiner Zelle, wohin sie geladen waren. So sind die Vergngungen der Geselligkeit, wie verschieden auch gestaltet und bedingt, sich doch in ihrer Wirkung berall gleich. Zudem machte der seltene Schritt aus dem engen Kreise heiliger Regel diese Einladung zu etwas Auerordentlichem, und die stille Geschftigkeit der priesterlichen Jungfrau, der Opferrauch ihrer Kche oder _Kchel_, wie Veronica sie nannte -- legten einen unbewuten und geheimnivollen Altarwerth auf den kleinen Theetisch der Nonne. Als es nun in den gewlbten Rumen des Klosterhauses zu dstern begann, die Schatten des Abends lngs den kalten Wnden hinschlichen, flimmerte es schon lichterhell in Veronicas Stbchen. Mit dem Glockenschlage Fnf standen die Schwgerinnen und Josephine an dieser geweihten Thr, hier wute man nichts davon, oder wollte nichts davon wissen -- da ein versptetes Erscheinen fr bedeutend gelte. Schwester Veronica empfing ihren Besuch erhitzten Angesichts und mit einer gewissen gastlichen Feierlichkeit. Die Zelle, noch immer ein geistliches Betstbchen, hatte nur einen Anstrich von Huslichkeit bekommen, die jedoch in ihrer einfachen Beschrnkung dem religisen Charakter der Einrichtung nicht zu nahe trat. In einer Nische sah seit manchem Jahr die Mutter Gottes mit dem Kinde auf das jungfruliche Bett herab; das Waschbecken und die Wasserflasche von englischem Zinn blinkten in Formen wie Gerthe der Sacristei, in die blendende Serviette ber dem aufgeklappten Tisch war das Lmmlein mit der Kreuzesfahne gewebt, die Lichter von gelblichem Wachs warfen kirchlichen Schein, und bei jeder der drei Tassen lag ein kleiner Blumenstrau, bei Josephinens aber der schnste.-- Therese, durch den gehabten Zwist und die spt erfolgte Vershnung empfnglich gestimmt fr den Eindruck solch einer Umgebung, sagte: wie heimlich ists hier! wie hbsch! ich knnte gern hier wohnen, einzig und allein. Josephine wute hier Bescheid. Wie mit dem Vorrecht eines Kindes zog sie die grnen Bettvorhnge auseinander, schmiegte die warme Mdchenwange an die gesteppte Decke, schlug das blaue Auge gegen die dunkle Madonna auf -- in diesem Wechselblicke lag eine Welt der Ahnung -- und flsterte: wie traut! wie lieb! ich mgte ewig hier schlafen!-- Frau Fabia sagte nichts der Art. Sie bewunderte das Compendise dieses Locals, lobte die Ntzlichkeit des kleinen Sparofens, und sah dieser frommen Clause die husliche Seite ab. Die Bouquets gaben dieser Winterstunde einen schwachen Hauch von Sommerduft, und die Damen freuten sich daran. Man wunderte sich, wie Veronica diese Blmchen so spt noch erhalten knne. Ich war von Kindheit an eine glckliche Grtnerinn, erwiederte die Nonne hierauf, und schleppte mich mit Pflanzen hin und her, woraus mein Vater die Folgerung zog, ich wrde eine treufleiige Mutter werden, die da Segen mit der Erziehung ihrer Kinder htte. Sie lchelte wundersam, wie ber einen zerronnenen Traum. Schade! sagte Fabia leise. Veronica hatte dies Wrtchen nicht gehrt. Sie machte mit sichtlich gutem Willen, wenn auch nicht mit der Uebung einer Weltdame, die Wirthinn, schenkte Thee ein, warf Zucker in die Tassen, und besann sich alsbald, da sich das nicht schicke, und das Ma der Sigkeit dem Geschmack eines Jeden selbst berlassen bleiben msse. -- Dann prsentirte sie das lockende Backwerk, von den Schwgerinnen als trefflich gerhmt. Man bat um die Recepte, inzwischen las Josephine schon Eines. Sie hatte dies Papier an dem fr sie bestimmten Platze unter dem Struschen liegend gefunden; es lautete: nimm fnf Loth _Ernst_, zehn Loth _Geduld_, zwanzig Loth _Sanftmuth_, und hundert fnf Loth _Demuth_, dieses alles stoe wohl unter einander im Mrser des _Glaubens_, mit dem Stempel der Strke, rhre ein Viertelpfund _Hoffnung_ dazu, schtte es in die Pfanne der _Gerechtigkeit_, und lasse es bei dem Feuer der _christlichen Liebe_ gar kochen. Alsdann bewahre es wohl, damit der Schimmel der _Eitelkeit_ nicht ansetze. Mit dieser Salbe streiche Dich des Morgens und des Abends: es ist ein Mittel gegen die Hlle. Therese seufzte, als wre der Athem ihres Busens mit all diesen Gewichten beladen. Die Nonne aber sprach: ein Arcanum, der knftigen Hausfrau zu Nutz und Frommen! meine Mutter hielt es fr probat. Sagen Sie, Schwester Veronica, fiel hier Therese ein: sind Sie wirklich aus wahrem Klosterberuf Cisterzienserinn geworden? ich wte kaum, wie ich mir dies als mglich denken sollte. Ihre Miene zweifelte. Die Nonne sah die lebenslustige junge Frau mit einem Blicke an, worin sich die schweigende Entgegnung aussprach: Christum lieb haben, ist besser, denn alles Wissen-- und nach einem kleinen Besinnen antwortete sie: die innersten Triebfedern kennt nur Gott allein, und das Herz mag sich zu tausendmalen eine sich der Welt entschwingende Seele bewegt haben; doch -- wenn ich einen Rckblick auf mein langes Leben werfe, und auf den Gang meines Schicksals, der sich in diesen stillen Mauern endet, so mgte ich doch glauben, es sey des Himmels Wille gewesen, da ich mich ihm weihe, und die frhesten Eindrcke des Gemths, alle Umstnde meiner Jugendzeit htten dazu dienen mssen, da meine Bestimmung erfllt werde. -- Im Keim der Zukunft ist die verhngnivolle Blume eingeschlossen, und der Mensch entwickelt sich mit ihr. Unserer heiligen Mrtyrer Einige, die in den Flammen gestorben, fingen damit an, den Finger in das brennende Licht zu halten, um zu versuchen, wie lange sie Feuerschmerz aushalten knnten. -- Warum sollte ich es ihnen nicht erzhlen? ist doch nun Alles berwunden. Die beiden Frauen bezeigten ein neugieriges Interesse an dem, was ihnen Schwester Veronica mitzutheilen htte, und setzten sich zum Hren zurecht; nur ber Josephinens Gesicht glitt ein Schatten zarter Furchtsamkeit, als scheue sie es, da ihre ehrwrdige Freundinn zur bloen Unterhaltung Narben enthlle, die einst vielleicht schmerzlich geblutet htten. Sie zog die schneebleiche Hand, welche keinem Mann angehrt, sacht und seitwrts an ihre Lippen und kte sie mit Ehrfurcht. Mein Vater, begann die Nonne, war ein gelehrter Mediziner und Arzt am Jesuiter-Collegio in B--. Sein einnehmendes Betragen, uerst verbindliche Manieren, so weit ich mich deren erinnern kann -- seine stattliche Gestalt und groen Kenntnisse, gewannen ihm aller Menschen Gunst und Zutrauen, weshalb er denn eine verbreitete Praxis besa. So dchte man nun, meine Mutter mte eine glckliche Frau gewesen seyn. Doch nicht also. Sie weinte oft still und bitterlich. Ich schmiegte mich dann als ein kleines Kind in die nassen Falten ihres Kleides, ohne zu verstehen, was sie so betrbe -- spterhin ist mir die Quelle ihrer Thrnen wohl klar geworden. Manche Zhre aus dem Auge der Gattin, was nicht blind war fr die Abwege des Mannes, ist damals auf mein Haupt gefallen--: _dies war die erste Salbung zur Klosterfrau_. -- Meine Mutter, fuhr Schwester Veronica fort, soll in ihrer Blthe ausnehmend hbsch gewesen seyn. Die drei Zuhrerinnen sahen die Nonne auf den kindlichen Ruhm jener Schnheit an, die lngst schon Staub war, im Einverstndni der Meinung, da dies glaubhaft sey, und noch aus den dunkeln Umrissen des Alters ihrer Tochter erhelle. Mein Vater, so war der weitere Verlauf der Erzhlung, hatte sie aus heftiger Zuneigung geheirathet, er scherzte zuweilen im Beiseyn der Freunde meiner Eltern oder Fremder ber seine Brutigams-Thorheiten -- wie er sie nannte -- die Mutter aber ging nie in diesen Ton ein. Sie blickte ernst und bekmmert dazu. Ich entsinne mich genau, da dies eine Empfindung in meine Seele legte, _als wre die Liebe eines Mannes kein Glck, mindestens kein dauerndes Glck_. Das Einkommen meines Vaters setzte sein Haus in Wohlstand. Wir sahen oft Gste bei uns. Die elterliche Gte fr mich, das einzige Kind, berschttete mich mit kleinen Schtzen, ein unerfllter Wunsch fand nicht Raum unter den angehuften Spielsachen; dankbare Kunden meines Vaters beschenkten mich kostbar, _und dieser Ueberflu machte mich gleichgltig gegen den Besitz_. -- Meine Mutter hatte einen ltern Bruder, der war ihr Beichtvater und Erzpriester an der Stadtkirche. Niemand sah ich so gern kommen, als ihn, den freundseligen lieben Mann, dem der Trost unsichtbar zur Seite ging. Stets brachte er mir Etwas mit, woran ich besondern Gefallen fand, und immer war die Mutter ruhiger, wenn er einmal da gewesen. Diese Freude, dieser Frieden mischte sich in meine dmmernden Begriffe vom geistlichen Stande. Der Vater mogte ihn nicht leiden, und dies krnkte meine Mutter sehr. Einst zog mein Ohm, nachdem er mich lange hatte rathen lassen, was er in der weiten Tasche seines Rockes trge, eine Puppe hervor, eine allerliebste Nonne von unserm Orden, und mein Entzcken darber war unbeschreiblich. Ich kte die Farben von dem kleinen Gesicht, da es todtenwei ward, und drckte die wchserne Brust mit solcher Innbrunst an die meine, da sie zerspringen mute. Am liebsten spielte ich Kloster, sang tiefe Weisen wie Chorle, was der Vater manchmal mit einem Fluche untersagte, indem er glaubte, ich spiele Begraben. -- Er war, beilufig gesagt, nicht von allem Aberglauben frei, hinsichtlich auf seinen Beruf. Therese unterbrach die Geschichte der Nonne mit den Worten: man sagt, es soll von wesentlichem Einflusse auf das Geschick der Kinder seyn, an welchen Gegenstnden sich ihr Liebessinn be. Sie selbst, Schwester Veronica, liefern einen Belag zu dieser Erfahrung. Htte ich einst ein Pppchen, ich liee es nur mit Engeln spielen. Frau Fabia konnte nicht umhin zu erwiedern: dann wrde es nicht lernen, _Menschen_ zu ertragen. Wir lassen es, der Wahrheit dieser Bemerkung unbeschadet, dahin gestellt, ob weiblicher Neid gegen das ihr versagte Mutterglck, oder verletzte Verehrung fr die hhern Kinder Gottes, sie in Anregung gebracht habe. Die gute Mutter, nahm die Erzhlerinn den abgerissenen Faden wieder auf, lie mir ein kleines Sprachgitter machen, und lehrte mich in ahnungsloser Zrtlichkeit, wie ich mich dabei benehmen sollte. Gewi ist es, da diese kindische Spielerei mein Sinnen und Trachten richtete. -- Doch hren Sie nur weiter. Zuvor aber noch eine Tasse Thee, ich bitte! er ist nicht stark. Zeitweiliges Nthigen. Das Geklirr der Tassen, der leise Gu des goldgelben Wassers, das Geprassel der mrben Brezeln und Mandelpltzchen, ein dankendes oder ablehnendes Wort, fllte die Pause der Geschichte, bis Veronica sie fortsetzte. Das Haus meiner Eltern, worin meine Mutter geboren wurde, stand am Marktplatze, dicht neben dem sogenannten Rathskeller, den die Gebrder Posca, ein paar Italiener, in Pacht hatten. Dort fanden sich die Patrizier der Stadt ein, und mein Vater ging jeden Abend -- kaum machte der _heilige_ Abend eine Ausnahme von dieser leidenschaftlichen Gewohnheit -- in diese Tabagie, ein Glschen Montefiascone zu trinken. Nur Geschfte hielten ihn ab, doch nie Liebe fr die Seinigen. Meine Mutter sa wie eine verwittwete frh und spt mit mir allein; es war dann so traurig und waisenhaft still um uns her, und die Uhr schlug manchmal schauerlich die zwlfte Stunde, ehe der Vater heimkehrte.-- Die Mutter ertrug zwar duldsam, was sie nicht ndern konnte, ich habe nie gehrt, da sie dem Vater deshalb Vorwrfe machte; dagegen nhrte sie einen seltsamen Groll gegen die Menschen, die ihrer Meinung nach daran Schuld wren, da sie so hintangesetzt wrde, und ihr Ha erstreckte sich ber ganz Welschland. Von einem italienischen Salat htte sie nimmer einen Bissen angerhrt; ich wrde nur Gift und Galle essen -- sagte sie einmal zu mir, als ich sie in Gesellschaft bat, von solch einer Schssel ein wenig zu nehmen. -- Mir war diese Nachbarschaft unbeschreiblich anziehend. So oft ich mit meiner Mutter im Dunkeln von einem Gange nach Hause kam, bat ich sie, vor den geffneten Thren dieser Unterwelt einen Augenblick stehen zu bleiben. Die Lampe, welche die feuchten Stufen erleuchtete, hatte einen zauberischen Schein, es zog mein Herz hinab -- ich wute nicht, wie? das fremdartige Rufen der dienstbaren Geister, die Glocke, welche gelutet wurde, wenn Einer der Weingste etwas begehrte, brachte meine junge Seele in eine ganz eigene Schwingung. Die Mutter mute mich mit Gewalt fortziehen, und ich erinnre mich, da sie einst seufzend sagte: der Rathskeller hat Dir's angethan, wie Deinem Vater. -- Einer der Brder Posca hatte seine Familie noch in Verona, und nie ist dies sonderbare Verhltni mir deutlich geworden. So war ich herangewachsen. Einst kam mein Vater in nchtlicher Zeit etwas benebelt heim -- dies war sonst sein Fehler nicht. Ich lag zwischen Schlafen und Wachen mit dem Kopfe auf meiner Mutter Schoe und hrte das Gesprch der Eltern. Mein Vater erzhlte, wie er diesen Abend dem Peter Posca die Hand darauf gegeben habe, da, wenn sein Sohn, der das Geschft fortfhren sollte, nun kme, was zu erwarten, und htte seinen Beifall: so solle er auch die einzige Tochter haben und sein Eidam werden. -- Ich fhlte, wie meine Mutter erschrak, und elektrisch zuckte der Schlag dieser Worte durch meine Glieder. Du wirst doch unsere Clara -- so hie ich in der Welt -- nicht einem Weinwirth geben? fragte sie mit bebender Stimme; solch ein Italiener, wenn er noch nicht gebleicht ist und kaum ein Wort Deutsch versteht, kommt mir vor wie ein Bandit. -- Es gab eine feine Linie fr meinen Vater, wo seine angetrunkene gute Laune in Jhzorn berging; auf dieser Linie schwankte sein Ton, womit er erwiederte: verla Dich darauf, mein Schatz! Clara wird den jungen Posca heirathen, und weder an seinem Kauderwelsch, noch an der schwarzbraunen Farbe seines Angesichts sterben. Wir haben mancher Flasche den Hals gebrochen, um dies Verlbni zu besiegeln. -- Meiner armen Mutter mogte wohl das Herz dabei brechen. Es war mir, als htte ich dies zu hren nur getrumt. Als ein Mgdlein von funfzehn Jahren, wute ich mich die Braut eines Unbekannten, und dachte ich an die Vorstellung meiner Mutter, so durchbohrte ein ahnungsvoller Schmerz mir die Brust. Ich verlautete aber in jungfrulicher Schchternheit nie eine Sylbe, da ich davon Wissen htte. Das Geheimni, welches ich bewahrte, war jedoch nicht darnach, meine Aufmerksamkeit fr die Nachbarschaft zu schwchen. Ein Gerusch am Rathskeller bewegte mich wie das Blatt der Espe, jede brnette Mannsperson brachte mich in Schrecken. Doch ging eine Zeit still hin. Ich hatte es von jeher geliebt, wenn die Frachtwagen mit den welschen Waaren kamen, dem Auspacken der Frchte und Delikatessen zuzusehen. Es geschah dies gewhnlich in einem Hofraume, den das Fenster einer Hinterstube unsers Hauses bestrich. Die Atmosphre vom Dunst feuriger Weine, die sich hier niemals verzog, betubte mich angenehm, whrend sie meiner Mutter Kopfweh verursachte. Wenn ich die Citronen, sinesischen Aepfel, Datteln und Limonien aus Bltterschichten hervor nehmen sah und der sdliche Duft herber wehete: so war mir so sehnschtig zu Muthe, als wren diese Frchte vom Baum des Paradieses gepflckt; aber immer stand etwas Trauriges wie eine dunkle Gestalt mir vor der Seele. Beinahe war meiner Mutter so wie mir eine vergessene Sache, was ihr der Vater gesagt, als er eines Tages in das Zimmer trat, einen jungen Mann an seiner Hand, den er uns als den Sohn des Herrn Peter Posca vorstellte. Meine Mutter ward bleich wie der Tod, ich aber errthete, da mir die Stirn flammte. Der sah nicht aus, als knnte er Menschen berauben oder ermorden! ein wenig brunlich nur war seine Gesichtsfarbe, wie ein schnes Oelgemlde, dem man es bewundernd verzeiht, da der Knstler sich in etwas starken Schatten gefiel. Seine glnzend schwarzen Augen ruhten wie der hchste Gewinn eines Wrfels auf mir -- und der Wurf meines Schicksals schien mir ein erstaunenswerthes Glck. Bei dieser begeisterten Schilderung einer mnnlichen Persnlichkeit, im Munde einer alten Nonne, hustete die khle Fabia, und sah bedenklich nach Josephinen hin, die gesenkten Blickes an ihrem Strickzeug eine Masche aufhob, welche ihr tief entfallen war. Therese aber rief erregt: o das ist prchtig! der Gedanke des Vaters war so bel nicht. Mir ducht, die Frau eines Mannes, der offne Tafel hlt, ohne da sie sich mit Kochen und Backen plagen darf, und ein Lager fr Gste: mte es gut mit haben und eine immer frhliche Ehewirthinn seyn. Ich brenne vor Begierde zu erfahren, ob Sie den hbschen Jngling noch genommen haben. Der schwache Schein einer lngst gedmpften Flamme, wie wenn Asche ausglimmt, rthete Veronicas Wangen, als sie sprach: was Sie uern, schmeichelt dem Interesse meiner einfachen Erzhlung. Sie vergessen jedoch, Frau Therese, da ich eine Braut Christi geworden bin. -- Ueberdies theilte meine Mutter Ihre Meinung nicht. Als der Besuch fort war und ich schweigend blieb, redete sie mich mit hnderingender Geberde an: so ist es doch wahr! ich dachte schon, jener mir verhate Gedanke wre mit deines Vaters Rausch verflogen, und htete mich wohl, ihn daran zu erinnern. Mein armes Kind! jammerte sie, eine Kellerspinne sollst du werden, die hurtig hin und her luft und darauf lauert, eine lose Fliege in das Netz zu bringen. Maria und Joseph! soll ich meine Tochter in den Keller betten? -- Obgleich das mtterliche Herzeleid mich rhrte und jenes Bild mir widrig war: so mute ich doch lcheln, wie meine Mutter ein Sprchwort anwendete, worin ihre tiefste Abneigung sich ausdrckte. -- Von dieser Zeit an, besuchte uns der junge Nachbar zuweilen. Nie blieb er einen Tag lnger aus, oder verweilte eine Minute ber die gewhnliche Frist. Diese Regelmigkeit ngstete mich heimlich; ich wute selbst nicht warum? berhaupt war etwas in diesem Verhltni, was mich wie ein leiser Zwang drckte. Von einer Heirath zwischen uns war die Rede nicht, und da wir Brautleute wren, htte uns Niemand angesehen. Ich leugne nicht, da ich meinem Zuknftigen sehr gut war, und mir mit Vergngen bewut, wie ich zu ihm stnde, wenn ich auch das Vorurtheil meiner Mutter schonte. Ludovico sollte sich erst in seine Lage eingewhnen -- hatte sein Vater gesagt. So saen wir einander blde gegenber; ich fhlte ein ngstliches Bedrfni, ihn zu unterhalten, als ob ich _seine_ Langeweile empfnde. Hatte ich auf sein Kommen gehofft: so sah ich nicht minder gern dem Augenblick entgegen, wo er aufbrechen wrde -- wute ich ihn doch voraus. Manchmal prete mir der Druck einer innerlichen Beklommenheit Thrnen aus, die dann flossen, wenn er fort war. Dabei trstete ich mich, da er nicht recht fort knnte mit der Sprache -- ich hoffte ohne Hoffnung-- die Nonne lchelte trbe: die Liebe hilft auch einem Stummen aus. Eine Solche ward jetzt redend. Aber liebe Veronica, sprach Josephine, die ihren Mund noch nicht aufgethan, was man am tiefsten fhlt, lt sich oft am wenigsten sagen -- der junge Herr kann auch aus Liebe geschwiegen haben. Schweige Du, voreiliges Kind! herrschte Fabia mit leiser Strenge ihrer Pflegetochter zu: Du kannst hierber noch gar nicht urtheilen. Ich dchte doch! meinte Therese, und ihr Lcheln nahm Partei fr diese. Veronica blickte das verschchterte Mdchen zrtlich dankbar an. Sie wute wohl, welchen Glauben Josephinens Worte ansprchen. Oft ist es so, mein bestes Kind, sagte die Nonne zu dem Liebling ihres Herzens: allein hier war es nicht der Fall. So oft Ludovico kam, beschenkte er mich mit einer artigen Kleinigkeit. Ich durfte nur etwas lobend erwhnen, so dauerte es nicht lange, es war mein Eigenthum. Dieser aufmerksame Sinn, mir eine Freude zu machen, tuschte mich in dem Gedanken, er wolle mein Glck. Ludovico trug einen Ring an seinem Finger, der mir in die Augen stach; er war vom feinsten Golde, mit dem Bildni einer =Mater dolorosa= in Mosaik ungemein knstlich gearbeitet. Dieser Ring war das Einzige, was er meinem sichtlichen Wunsche vorenthielt, und zufllig sagte er einst, da es ein Andenken von seiner verstorbenen Mutter wre. -- So war lnger als ein Jahr vergangen, und jetzt uerte mein Vater, da unsere Verlobung in einiger Zeit vollzogen werden wrde. Doch ehe ich mich meinem Ziel nhere, mu ich zuvor noch etlicher bedeutsamen Umstnde erwhnen. Vielleicht war es in Folge der Unruhe meines Gemths, da ich mich damals etwas krnklich befand. Mein Vater glaubte nicht recht daran, wie denn Aerzte in der Regel Uebel, woran die Ihrigen leiden, fr unerheblich halten. Die hochselige Grfinn Frankenstern beehrte meinen Vater mit ihrem Zutrauen. Wenn sie mit ihrem Gemahl auf den hiesigen Gtern war, bediente sie sich seines Rathes, eines Schadens wegen, der, wie mein Vater meinte, leicht in ein Krebsgeschwr htte ausarten knnen. Auch in jenem Herbste kam sie nach B--. Sie fand mein Aussehen verndert, und erkenntlich fr geleistete Hlfe, forderte sie meinen Vater auf, mich ihr auf ein paar Wochen mit nach Bhle zu geben, zur Zerstreuung, wie die Grfinn sagte. Mein Vater war zu hflich, um der vornehmen Dame diese gndige Bitte abzuschlagen, meiner Mutter flehender Widerstand, mein eigenes Wollen oder Weigern kam dabei nicht in Betracht. Indessen gefiel es mir doch ganz wohl in Bhle. Die Grfinn war die Leutseligkeit und Liebe selbst, eine wahre Seele von einer Frau! -- Morgen, mein Clrchen, sagte sie am zweiten Abend, wird eine Novize in Sanct Capella eingekleidet; hast Du das schon gesehen? Wir werden hinber fahren. Ich verneinte; es war mir unbeschreiblich lieb, da es sich so trfe, und ich konnte den folgenden Tag kaum erwarten. Die geistliche Hochzeit wurde mit grter Pracht vollzogen. Die Nonne, welche Profe that, war eine reiche Erbinn von Hardt. Die Sage ging, sie htte sich die Untreue eines Geliebten zu Gemth gezogen. Das wunderschne Frauenbild von edlem Wuchs, im vollen Brautschmuck, flimmernd von Geschmeide, darin die Kerzen der Altre widerstrahlten, die Gestalt des hochwrdigen Bischofs--: alles, was ich sah und hrte, machte einen mchtigen Eindruck auf mich. Wie nun die Orgel erbraus'te und bebte, ls'te sich mein Wesen in erschtternden Gefhlen auf. Ich wurde hingerissen von dem heiligen Strom. Alles Irdische versank, ich sah in den offnen Himmel der Kirche und in meiner Brust rief es: =De profundis!= Schwester Veronica, sagte Fabia, indem sie die Hand der Nonne fate, als wolle sie ihr mit dieser Bewegung Einhalt thun, werden diese Erinnerungen Sie auch nicht allzusehr angreifen? ich dchte-- sie redete nicht aus. Vielleicht war dem Protestantismus Fabiens jene Schilderung noch ungleich aufregender, als dem stillbegeisterten Gemth der klsterlichen Jungfrau. Diese schttelte den Kopf und sprach: nein, nein! lassen Sie mich nur ruhig auserzhlen. Ich sah das Kleid von Goldbrocat fallen wie eine verachtete Zier -- die blonden Haare -- der Bischof schnitt mir in das Herz -- und das Frulein aller Eitelkeit baar, der Welt absterben. -- Whrend dieser ergreifenden Ceremonie wurde eine Glocke gelutet. Mir summte es schwer vor den Ohren, ich war einige Secunden ohnmchtig. Wenn ich an den Blick dachte, den die junge Nonne, ehe sie, von dem Convent in die Mitte genommen, auf das gefllte Schiff der Kirche warf, und dann durch die Thre verschwand, welche nach dem Innern des Klosters fhrt; so schwamm ihr Bild vor meinen Augen. Als ich am Abend jenes denkwrdigen Tages mich allein befand, und meine Haare auflsete, bemerkte ich, da sie genau von derselben Farbe wren, wie die des Fruleins von Hardt, welches knieend vor dem Bischof das stolze Haupt in seinen Scho beugte, da es seines Schmuckes beraubt wrde. Whrend sich diese Scene meinem Gedchtni wiederholte, entflocht ich die langen Zpfe, und lie sie wellenartig durch meine Finger gleiten. Da fllt etwas mit leisem Geklingel zu meinen Fen -- es war eine silberne Scheere, die ich unversehends vom Tisch gestreift hatte. Eine innere Stimme raunte mir zu, da dieser kleine Zufall vorbedeutend wre, und unter einem Nervenfrsteln legte ich mich zur Ruhe. -- Bei dieser Gelegenheit kann ich nicht umhin einzuschalten, wie es mir vorkommt, als ob in jedem ffentlichen Opfer eine geheimnivoll anziehende Kraft zur Nachahmung lge, welche verschwistert ist mit dem Reiz der Traurigkeit und der Gefahr. Und wie verschieden es auch sey -- mein Heiland bewahre mich vor dem Vergleich! ein reines Herz am Hochaltar den Lockungen der Welt zu entziehen -- oder ein verbrecherisches Leben auf dem Hochgericht in die Hnde seines Schpfers zurckzugeben: eine hnliche Tiefe der menschlichen Seele ist es gleichwohl, darin es liegt, da Todesstrafen weniger abschrecken als sie sollten. -- Bei meiner Nachhausekunft fand meine Mutter, da eine Vernderung mit mir vorgegangen wre. Sie suchte mich durch allerhand erheiternde Mittel zu zerstreuen. Am Andreas-Abend gossen wir blicher Weise geschmolzenes Blei. Der Geist Gottes, den wir solchergestalt versuchten -- schwebte ber dieser kleinen Wasserflche. Ich zeigte der Mutter die Form, welche sich meinem Gu gebildet hatte. Nun das ist ja ganz natrlich wie eine Abtei mit Thrmen und Kreuzen -- sagte sie: Du wirst uns doch nicht ins Kloster gehen wollen, Kind? und da die gute Mutter hinsichtlich meiner Zukunft keines Scherzes fhig war, der nicht ein wenig bitteres Salz gehabt htte, so setzte sie lchelnd hinzu: viel eher htte ich gedacht, Du wrdest kleine Tnnchen, worin man Sardellen und Kapern voraussetzte, oder ein kugelrundes Weinfa fischen. -- Ich betrachtete schweigend mein bleiernes Schicksal. Doch genug hiervon; meine Erzhlung mgte sonst ihre Geduld ermden. Das Jesuiter-Collegium besa ein uraltes Gebude vor dem Thore, welches, seiner schnen Lage wegen, theilweise in wohnlichen Stand gesetzt worden war. Der schne Garten daran, mit tropischen Gewchsen bepflanzt, war zu einem wissenschaftlichen Zweck eingerichtet worden, und mein Vater, der die Botanik leidenschaftlich liebte, durfte ihn gewissermaen als den seinigen betrachten. Hier verlebten einige Familien der Professoren die wrmere Jahreszeit, zumeist solche, die ein krnkliches Mitglied hatten. Auch uns waren des Anrechts wegen, welches sich mein Vater an dem Garten erworben, ein Paar der besten Zimmer eingerumt, und ich freuete mich stets auf den Tag, wo wir unser Sommerlogis beziehen wrden. Unter dem Dache dieses Hauses wohnte ein Sprachmeister, Namens Tamdio, hoch genug, da die hectische Brust des ungesunden Mannes, hier Luft des Himmels trinken konnte. Mein Vater hatte dem armen Tamdio dies bescheidene Pltzchen ausgewirkt, wo er gleichsam einen Thurmwart vorstellte, der, ob auch mit kurzem Athem, gegen Jedermann das Lob seines Arztes und Wohlthters ausposaunte. Dieser hatte ihm den Unterricht verbieten mssen, weil das viele Sprechen seine kranke Brust angriff; nur einige wenige Stunden setzte seine Tochter fort, die allgemein fr ein wackeres Mdchen, und fr eine nette Stickerinn galt. Er htte sonst ohne diese Sprachfertigkeit seiner Tochter und den Flei ihrer kunstreichen Nadel, verhungern mssen. -- Wie gro nun auch der Abscheu meiner Mutter gegen meine heranrckende Verbindung war: so verga sie doch nichtsdestoweniger alle die kleinen und greren Besorgungen, welche ein Brautstand =in optima forma= erheischt. Zwar hatte Ludovico bis jetzt noch kein Wrtchen gegen mich fallen lassen; aber eine Heirath war damals nicht das Recht gegenseitiger Zuneigung, sondern lediglich die Angelegenheit elterlicher Autoritt und eine Pflicht des kindlichen Gehorsams. Sie lachen, Frau Therese? ja, und doch gab es zu jener Zeit weniger unglckliche Ehen als jetzt. Eines Tages sprach meine Mutter mit mir ber die Geschenke, welche dem knftigen Brutigam zu machen wren, und fhrte unter ihnen auch eine Verlobungsweste auf. Ich dchte, wir nehmen paille Atla, sagte sie, und lieen die Klappen und Taschen mit einer Borde sticken, und zerstreute Blmchen in die Mitte. Was meinst Du? -- Wir wollen des Sprachmeisters Tochter herunter bitten lassen. -- Die junge Tamdio kam. Ihr Aeueres war mir sonst nie aufgefallen; da sie nun jetzt vor uns stand, erschien sie mir sehr _interressant_ -- wie man heut zu Tage zu sagen pflegt. Man htte sie nicht schn nennen knnen, vielleicht kaum hbsch; aber es lag ein Ausdruck in ihrem Gesichte, der unbeschreiblich rhrte. Was sie sprach, klang wie traurige Musik, und wendete mir das Herz im Busen. Meine Mutter redete im Tone ruhigen Bestellens ber diese Arbeit, welche sie der uersten Mhsamkeit der Stickerinn dringend empfahl, weil es ein Brautgeschenk werden solle. Bei diesen Worten ward das Mdchen todtenbla, und ihr Auge erlosch, wie ein Licht ausgeht. Sie sind wohl unpa, armes Kind, vielleicht vom vielen Sitzen? fragte meine Mutter, unbekmmert, da sie diese Anstrengungen vermehre. Wie geht es denn mit ihrem Vater? Er hustet stark, antwortete das Mdchen mit schwankender Stimme, und meine Hoffnung wird tglich schwcher. Diese Nacht hat er wieder ein wenig Blut ausgeworfen -- meine Mutter versprach, den Vater hinauf zu schicken, sobald er kme. Sie verlangte nun, ich solle die Blumen und das Dessein bestimmen. Mir that das Mdchen sehr leid, und so uerte ich: wir knnten es ja noch lassen. Nein, sagte meine Mutter, es stehet geschrieben: was du thun willst, das thue bald. Ich whlte also ein Muster von Vergimeinnicht. In dem niedergeschlagenen Blicke des Mdchens ging ein Schein von Beifall auf, die Mutter aber tadelte mich und sprach: Vergimeinnicht! das htte wohl keine Art, und she aus wie ein Andenken. Du vergissest jedoch, da Dich der Bewute so gut wie in der Tasche hat -- womit sie darauf anspielte, da ich mich nach dem Willen des Vaters heimlich fr ihn malen liee, und mein Bild ihm in die Westentasche gesteckt werden sollte. Das Mdchen griff rasch in die ihrige, und zog ein Tchelchen hervor, mit welchem sie sich die Stirn trocknete. Ich achtete dessen nicht, es war sehr warm an jenem Tage. Eine Woche mogte seitdem vergangen seyn, fuhr Schwester Veronica tiefathmend fort, als eines Abends ein schweres Wetter aufzog. Auch der Odem meiner Seele war schwl; Ludovico war mir seit einiger Zeit sehr trbe vorgekommen. Ich legte mich ans Fenster, um in den Kampf der Wolken zu schauen; meiner Mutter schwache Augen vertrugen den Blitz nicht. Sie setzte sich in ihr Schlafgemach hinter verschlossene Lden und betete. Grade unter meinem Fenster war eine Mauerblende mit einem eisernen Gitter und steinernen Sitzen nach Auen. Ein breiter Ahorn wlbte sich schirmend um diesen khlen Versteck. Ich starrte in die Finsterni hinaus, mit Gedanken an meine Zukunft, die nicht viel heller waren. Da war es mir, als she ich bei dem schwachen Leuchten der Blitze den Schatten eines Mannes um die Blende wanken, und alsbald vernehme ich ein klagendes Geflster, wie von Innen. Es dauerte nicht lange, da ich in der antwortenden Stimme die meines mir zugedachten Brutigams erkannte. Er nannte Diejenige, mit der er zu dieser unheimlichen Stunde Zwiesprach hielt, _seine_ Clara, und an dem Tone, womit er diesen meinen Namen aussprach, der zu jener Zeit so allgemein war, da ihn die meisten Tchter unserer Stadt fhrten, an diesem Tone hrte ich, da ich seine Clara nie gewesen, noch werden wrde. Schrecken und Eifersucht bewaffneten mein Gehr, so da mir keine Sylbe entging, obgleich jede mein Herz durchdrang. Ludovicos Gegenstand mogte ihn bitten, sich bei dem nher kommenden Sturm nicht zu verweilen, denn er sagte, die Gewitterwache stnde am Thor, und dieses bliebe offen, bis sie abziehen knnte. Dann schien er sich gegen zrtliche Vorwrfe zu vertheidigen. Er nannte mich ein liebes gutes Mdchen, welches er aber nicht lieben knne, weil es ihm aufgedrungen werde, und nur nehmen msse, gezwungen durch den Willen seines Vaters, der den meinigen fr einen Crsus halte. Er sprach sein Struben gegen diese Heirath aus, und wie er den Tag der Verlobung so lange als mglich zu hintertreiben suchen werde. Er betheuerte: die Mutter Gottes solle ihn in Angst und Noth verlassen, so er jemals Der verge, die einzig und allein seine Liebe besitze. Ich bin unglcklich, so lange ich lebe, sagte er, doch ewig werde ich Dein gedenken. -- Reiche mir Deine Hand aus dem Gitter, bat Ludovico, da ich Dir diesen Ring an den Finger stecke, das Liebste, was ich habe. So sind wir verlobt fr den Himmel, jenes Gelbni hat nur irdische Dauer. -- Ach! der Mensch sollte nie weder so bestimmt, noch so vermessen reden! Gott ists allein, der da bindet und ls't. Ein frchterlicher Donnerschlag schlug ein, ich wnschte, dieser Blitz mgte mich zum Tode getroffen haben. Meine Seele war zermalmt, und betubt taumelte ich hinweg. Diese Nacht war die schrecklichste meines Lebens. Ich rang zu Gott, da er mich strken mge zu einem Entschlu; denn Ludovicos Frau konnte ich nun nicht werden. Arme Veronica! rief Therese mitleidig, es ist entsetzlich, aus einer hoffnungsvollen Tuschung so zu erwachen!-- Und doch war es gut, da es nicht spter geschah, sprach Frau Fabia mit prdominirender Vernunft und Erfahrung. Nur Josephine wagte leise zu sagen: ach! und auch der Ludovico dauert mich. Er ist doch wohl am unglcklichsten daran. Das dachte ich auch! uerte die Nonne, und fuhr mit bewegter Stimme fort: wie nun der Morgen tagte, der schnste Frhlingsmorgen! da fhlte ich, da meine Blthen gefallen wren, fr immer. Die Natur war erfrischt, die Vgel sangen lustig in den Zweigen -- wie _mir_ zu Muthe gewesen, ich mgte es nicht schildern knnen. Es war sehr zeitig, die Eltern schliefen noch -- da ging ich nach der Stadt auf den Pfarrhof, um mit meinem Ohm zu sprechen. Die wenigen Leute, welche mir begegneten, strichen gespensterisch an mir vorber, meine Schritte wankten, wie ber einem Abgrunde; ich hatte kaum Kraft die Klingel zu ziehen, die in der nchternen Stille so nchtlich laut hallte, da mir ein Grauen ankam. Mein Fu zgerte, ber die Schwelle zu schreiten, als gbe es kein Entrinnen mehr fr mich. Der gute Erzpriester war schon auf und im Garten beschftiget, Ranken und Reben anzubinden, die der Sturm der verwichenen Nacht wild auseinander gerissen hatte. Sein Gesicht war voll Sonnenglanz. -- Dieser traute Anblick berwltigte mich -- ich sank an seine Brust, und weinte laut. Er hielt mich bestrzt in seinen Armen; kein Unglck war so gro, da er es nicht in meiner Verstrung, in der schmerzbewegten Fluth von Thrnen gesucht htte, die an den Blumen seines Schlafrocks niederflo. -- Ich sagte ihm nun, wie, nachdem ich lange mit mir gekmpft, ich nun gewi wre, da ich den jungen Posca nicht heirathen knnte, indem ich eine unbezwingliche Neigung in mir fhlte, den Schleier zu nehmen, und nur frchtete, die Eltern wrden mir ihre Einwilligung versagen. So bte ich ihn denn instndigst, meines Wunsches Wort bei der Mutter zu fhren. Was den Vater anbetrfe, so wollte ich erst Vertrauen und Muth fassen, da ich von seiner Seite auf starken Widerstand gefat seyn mte; weshalb ich denn auch so zaghaft wre.-- Mein Ohm schttelte den Kopf und sprach: wre mir dies doch nicht im Traume eingefallen! ist es auch nicht etwa nur eine flchtige Einbildung von Dir? besinne Dich, liebe Clara! Nonne werden, und allen Freuden des Lebens absterben, ist kein Kinderspiel, und ich mache mir einen Vorwurf daraus, da ich Dir vielleicht mit jener Puppe die erste Idee dazu an die Hand gegeben habe. Ist es mir doch nie so vorgekommen, als ob Du Deinem Liebsten abgeneigt wrest! ich frchte, Du verschweigst das Wichtigste hierbei! -- Doch um keinen Preis htte ich meinem Ohm die Wahrheit entdecken knnen. -- Wenn Gottes Absichten vollfhrt werden sollen: so mu es sich wunderlich schicken. Wer meinen Vater gekannt htte, seinen Ha, o, da ich es sagen mu! gegen die Geistlichkeit im Allgemeinen und gegen die klsterliche insbesondere -- seine Ueberschtzung alles Eitlen, sein Trotz, wie er den Glcklichen dieser Welt eigen ist, womit er einen einmal gefaten Vorsatz fest hielt: Der wrde es fr ein Unmgliches gehalten haben, da er meinem Wunsch sich nicht nur fge, sondern ein williges und willkommenes Shnopfer fr sich selbst darin she. Und dennoch mute ein gewaltsamer Umstand mir dazu behlflich seyn. Hier hielt Schwester Veronica lange inne, und ein tiefer Seufzer ihrer Brust suselte durch die hochgespannte Stille. Dann fuhr sie mit unterdrckter Stimme fort: die Heiligen segnen die Seele meines Vaters! ich wei nicht, ob es mir als Tochter wie als Nonne ziemt, da ich einer Geschichte erwhne, die einen Schatten auf sein Grab wirft, obgleich die Zeit von funfzig Jahren Gras darber wachsen lassen! Wenn ich es thue, so geschieht es in dem Vertrauen, da die Ruhe seiner Asche nicht dadurch gestrt werde. Sie mgen sich selbst berzeugen, wie es mglich war, da ein Mann von so sanguinischen Meinungen, wie mein Vater, pltzlich so erschttert werden knnen, da sein ganzes Wesen eine totale Umwandlung erlitt. -- Mein Vater hatte sich der Wittwe eines Chirurgen thtig angenommen. Die Frau stand nicht im besten Rufe und mogte auch leichtsinnig genug seyn; ihr seliger Mann, dessen Geschft sie fortsetzte, in seinen niedrigsten Functionen wenigstens -- hatte sie barbieren gelehrt, auch ber den Lffel -- zur Ungebhr, wie mir ducht; denn sie verstand es sehr von selbst, den Mnnern um den Bart zu gehen. Die arge Welt legte der Betriebsamkeit meines Vaters fr das Beste dieser Frau, der Pnctlichkeit, womit er sie besuchte, und dem weichen Polster ihres Wittwenstuhls, eben keine bewegende Feder unter, die von gediegenem Golde gewesen wre. -- Dies Verhltni war der stille Schmerz meiner guten Mutter. Als mein Vater eines Abends wie gewhnlich zu dieser Wittwe geht und in die unverschlossene Stube tritt, ist es dunkel darin, nur der Mond scheint auf die Gestalt der Frau, welche schweigend mit verhlltem Kopf hinter der Thre lehnt. Mein Vater, der da glaubt, sie habe Versteckens mit ihm spielen wollen, eilt scherzend auf sie zu -- doch welcher furchtbarer Ernst schreckt ihn zurck! seine Freundinn hngt an ihrem Schrzenbande, und mein Vater -- _er selbst_! mu sie mit einem Rasirmesser losschneiden. Die Zuhrerinnen schauderten -- Josephine legte beide Hnde vor ihr unschuldiges Gesicht. Und Schwester Veronica sprach! ja, mein Kind, wir mssen wohl den Blick schonend bedecken, der auf solch einen tiefen Fall trifft! nie ist der Grund aufgefunden worden, warum die Frau sich ein Leides gethan. Mein Vater mute, da der Kreisphisikus erkrankt war, der gesetzlichen Section ihres Leichnams beiwohnen, und diese Amtspflicht, der er sich nicht entziehen wollen, um sich vor den Augen der Menschen keine Ble zu geben, hatte seine innersten Lebenskrfte angegriffen. Dieses unglckselige Ereigni hatte sich an jenem Abend begeben, wo ich auf andere Weise Todesweh empfand. -- Auch mir war es aus reinerer Schaam Bedrfni, mich in der Achtung des Einen herzustellen, der mich hchstens bemitleiden knnen. Die Geschichte machte ein rgerliches Aufsehen, es war, als ob der bse Wrgengel vor meinem Vater herginge, und, um sein Unglck zu vollenden, starben ihm damals mehrere seiner bedeutendsten Patienten. Meine Mutter hatte in eben der Stunde, wo ich vom Pfarrhof zurckkam, die erste Kunde von dem Geschehenen erhalten. Sie wrde es daher kaum gemerkt haben, wenn ich als eine Gestorbene aus dem Grabe wiedergekehrt wre, und so bleich ausgesehen htte, wie ich nun wirklich vor ihr stand. Wir finden es daher gewi ihrer Stimmung angemessen, und auch folgerichtig, wenn wir ihr eingewurzeltes Vorurtheil gegen die Heirath mit dem Italiener bedenken, da sie, als ich nach einigen Tagen ihr im Beiseyn des Erzpriesters meinen Wunsch erffnete, mir zur Antwort gab: ich segne Deinen Entschlu, meine Tochter. Viel lieber will ich Dich im Scho der Kirche, oder auch in den Mauern der Gruft aufgehoben wissen, als in den Armen eines Mannes. Willig reie ich die Blume meiner Freuden aus dem mtterlichen Herzen, wenn ich wei, da Dir die Dornen der Ehe erspart bleiben. -- In dieser Aufregung meiner Eltern unterdrckte ich mglichst den Tumult meiner eigenen Gefhle, nur das Verlangen sprach laut in mir an, zu wissen: Wer das Mdchen sey, dem Ludovico seine Liebe geschenkt, ich meinte ruhiger zu seyn, wenn ich es wte. Wie aber sollte ich es erfahren? Ja, rief Therese, und rckte unruhig auf ihrem Stuhle hin und her, diese Neugier htte mich auch gemartert, und ich wrde jedem Mdchen im Hause auf die Finger gesehen haben. Das that ich auch, erwiederte die Nonne lchelnd, aber leider fand ich wenig Gelegenheit dazu. Zu jener Zeit herrschte auch unter Hausgenossen eine gewisse Zurckhaltung des Umgangs; die Tchter der Professoren hielten zusammen und mich fr stolz, womit so oft der Sinn fr Einsamkeit verwechselt wird, und die Fhigkeit, sein eigener Freund zu seyn. Indem ich nun Tag und Nacht darber nachsann, Wen ich mir zum Frsprecher bei meinem Vater erwhlen knnte, und -- da die Zeit drngte, ich mit unschlssiger Angst bald an die Grfinn Frankenstern dachte, bald in Ueberlegung nahm, ob ich mich an den alten Posca selbst wenden sollte, der als ein bigotter Mann Scheu getragen haben wrde, die Rechte seines Sohnes gegen den Herrn Jesum Christum geltend zu machen, war mir der Ring, und wer ihn trge, wirklich ein wenig ins Vergessen gekommen. Den Ludovico hatte ich seitdem nicht wieder gesehen. Nach einigen Tagen kommt des Sprachmeisters Tochter und bringt die fertige Weste. Das Muster blhete nur so, und war mit dem reizendsten Gusto ausgefhrt. Meine Mutter breitete den Atlas vor mir aus, und als ich die Vergimeinnicht sah, die ich ahnungsvoll gewhlt: da schwellten meine Augen und ein groer Tropfen fiel auf die abgezeichnete Tasche, die mein Bildni hatte bergen sollen. O weh! sagte meine Mutter betroffen, was hast Du da gemacht? -- O das schadet nicht, versicherte das Mdchen, _die_ Farbe ist cht, Sie werden es sehen. Darauf nahm die junge Stickerinn den uersten Zipfel des Seidenzeugs, und rieb damit fadengleich die feuchte Stelle. Auf dem reibenden Finger aber -- erblickte ich Ludovicos =Mater dolorosa=, und fhlte ihre sieben kleinen Schwerter in _meiner Brust_. -- Ich besann mich, da Ludovico bei dem Sprachmeister Unterricht genommen, ich wute auch, da seine Clara italienisch sprche. Dies arme, geringgeachtete Mdchen mit der kummervollen Leidensmiene stand vor mir, so glckbegnstiget, als ob ein Knigreich an ihrem Finger funkelte. -- Ich wei nicht, in welche Verbindung ich es setzen soll, da mir bei dem Lichte, was mir nunmehr ber den ganzen Zusammenhang der Dinge aufging, jeder Schatten von Furcht vor meinem Vater verschwand. Noch an demselben Tage redete ich mit ihm. Ich untersttzte die getroste Bitte durch Alles, was meiner Meinung nach wirksam auf ihn seyn knnte, als zum Beispiel: da ich aus guten Grnden glauben msse, Herr Peter Posca halte ihn fr unermelich reich, und solch ein Rechnungsfehler bei einem Kaufmann, ergbe kein verlliches Facit. Dann wrde er wohl als Arzt bemerkt haben, wie dessen Sohn zum Heimweh hinneige, und wenn der Alte einmal das Zeitliche gesegnet, knnte es kommen, da ich mit Ludovico ber Berg und Thal in ein fremdes Land werde ziehen mssen. -- Da mein Vater mit den Italienern seit einiger Zeit nicht mehr auf dem alten Fue stand, da ihm die Idee unserer Verbindung selbst leid geworden, davon wute ich nichts, als ich mit dringender Beredsamkeit an dem verknpften Bande lockerte, als ob ich es Wunder! wie unauflslich hielte. Sieh da! der Faden war schon gels't. -- Mein Vater lie mich ausreden, tdtlich stumm. Dann sagte er: thue, was Du nicht lassen kannst! ich will Dich weder hindern noch zwingen. Dieser leichte Sieg war ber mein Erwarten. Ich schlang meine Arme um seinen Hals und rief: lieber Herr Vater! ist dies auch wahrhaftig wahr? -- So will ich Gott mein Herz weihen, da er Ihnen seinen Segen dafr gebe, lebenslang fr Sie beten, und als Ihr treues Kind ersterben. -- Diese Freude schien ihn zu erschttern; thue es -- sagte er mit erstickter Stimme; und zum erstenmale sah ich seine Augen benetzt. Mir aber hatte sich eine Compresse vom Herzen gels't, und es blutete aus tiefen Wunden. Ich bat meinen Vater, da er mir noch eine Bitte gewhre. Wenn der alte Tamdio ausgelitten haben wrde, was nicht mehr lange dauern knne, dann mgte er die Clara an Kindesstatt aufnehmen, da dies verlassene Mdchen elterlichen Schutz, und meine Mutter eine Tochter htte, die ihres Alters Trost und Pflege wrde. -- Er versprach es mir. Nun brigte mir noch das Schwerste. Kaum eine Stunde nachher kam mein zuknftiger oder gewesener Brutigam, und warb in einer entschlossenen Rede um meine Hand. Ich bebte an allen Gliedern, da ich sprach: Herr Ludovico! ein langer Irrthum hat zwischen uns gewaltet: ich bin Willens, des Himmels Braut zu werden und keines Mannes. Htte ich Einen gewhlt, Sie wrden es gewesen seyn, denn ich schtze Sie sehr hoch! -- Hier ergriff er meine Hand -- ich fhlte einen heftigen Druck, und mit gepretem Athem fuhr ich fort: ich habe meinen Eltern eine Nachfolgerinn gegeben, die an meine Stelle trte, Clara Tamdio -- ein braves Mdchen, welches das beste Glck verdient. Wenn Sie knftig das freundschaftliche Verhltni zu unserm Hause fortsetzen: so gedenken Sie auch meiner. -- Ich wagte es, in sein Angesicht zu schauen; es sah aus wie von Marmor, sein Blick war gebrochen -- und _Freude_ war es nicht, was seine Zge versteinte. _Clara_, rief er, ist dies mglich? mein Name in seinem Munde, hatte bei dieser Frage einen andern Klang als sonst -- dieser Augenblick war mein glcklichster. Die Nonne verstummte in bewegter Erinnerung. Alle schwiegen. Nach einer Pause fuhr Schwester Veronica fort: an dem Tage, wo ich mein Noviziat antrat, begrub man den Sprachmeister. Seine Tochter zog in meiner Eltern Haus und in mein Zimmer. Sie trug meine Kleider mit Liebe, und die Schwchen meiner Mutter mit kindlicher Geduld. Die paille Atlaweste mit Vergimeinnicht aber hat der Ludovico an seinem Hochzeittage getragen. -- Im Begriff, eine geistliche Jungfrau zu werden, war es mir gelungen, meine Eltern gleichsam noch einmal zu trauen. Ich geno die unaussprechliche Beruhigung, da sie die letzten Jahre ihrer Ehe einmthig lebten. Mir aber war wohl -- das mgen Sie mir aufrichtig glauben. Ich erkannte meine Bestimmung, und da die Welt meiner Wnsche Ziel nicht gewesen wre; in ihr wrde meine Liebe mir verloren gegangen seyn, die ich mir nun wie ein werthes Kleinod gerettet hatte. Wenn ich den Ludovico heirathen mssen -- und dem wrde ich nicht haben entgehen knnen -- ach! und eine _ungeliebte_ Frau ist die unglcklichste von allen -- dann wrde ich in seinem Besitz zu beklagen gewesen seyn, und auer Stande, meine Pflichten mit Vertrauen zu erfllen, nachdem ich wute, Wem sein Herz gehre, und da ein armes verwaisetes Mdchen durch mein Glck leide. So dachte er gewi mit Wohlwollen an die Clausur, welche ich gewhlt, auf da er frei wre in seiner Wahl. Die _Nothwendigkeit_ meiner Entschlieung leuchtete mir also ein, wenn es doch dann und wann einen Augenblick fr mich gab, wo ich meinte, es htte vielleicht ein anderer Ausweg fr mich ermglicht werden knnen. Allmhlig schlo ich die Augen meiner Seele fr solche Rckblicke. Mir war wie Einem, Den mitten am hellen lichten Tage eine Sehnsucht nach Ruhe ergreift, der er nicht zu widerstehen vermag; der Sonnenschein da drauen blendet ihn nicht, und das Getmmel der Welt regt ihn nicht auf an der stillen Stelle, wo er Frieden trumt. -- Gebet und Arbeit fllten meine Zeit, ich zog viel Blumen, welcher Neigung ich durch mein ganzes Leben treu geblieben bin. Mehrere botanische Werke aus der Bibliothek meines Vaters, waren mein fortgesetztes Studium. Auch lernte ich den Generalba und Latein -- was -- wie ein classischer Schriftsteller sagt: ein gutes Mittel gegen die Wollust seyn soll-- ein klares Lcheln, worin die Reinheit einer gottgeheiligten Seele schimmerte, ergo sich ber Veronicas Zge, da sie erluternd hinzusetzte: als worunter jener Autor vielleicht die Lust zum Wohlleben und schlaffe Unthtigkeit verstanden wissen will. Auch mu ich ihm gewissermaen Recht geben, und es ist wirklich wahr, da jene anstrengende Schule ein empfindsames Frauenzimmer sehr erkrftiget, und keinem weichlichen Versinken in sich selbst Raum giebt. Beide Kenntnisse, nachdem ich sie mit unsglicher Mhe erworben, waren mir ber die Maen lieb. Ich konnte die Vter unserer rmischen Kirche lesen, die heiligen Legenden -- und der Generalba -- der ist der Schlssel zu aller Harmonie, und gleichsam das Thor zu der Welt der Tne. Man geht erst ein in das Geheimni der Musik, wenn man ihn kennt. -- So waren mir fnf Jahre still verrauscht. Als ich einst nach der Vesper vom Chore kam, die Violine im Arm, die ich zu einer Uebung mit auf meine Zelle nehmen wollte -- ward mir gesagt, ein fremder Herr, der einen Auftrag an mich htte, wnsche mich zu sprechen. Ein _Herr_! ein _Fremder_! dies sind Worte, welche ein Frauenkloster in Aufruhr bringen. Der ganze Convent sah mich mit Neid und Neugier an, und die Aebtissin bewilligte es, da ich das verlangte Gehr gbe. Es war im Herbst, zur Zeit des Zwielichts; der Mond schien schon bla durch die hohen Fenster, die Reben daran wankten in der Abendluft, so da sich Licht und Schatten zitternd in dem dstern Sprachzimmer mengten. Mein Blick fiel auf die Gestalt eines Mannes, der am Pfeiler lehnte, und dessen bleiches, verhrmtes Gesicht ich nicht sogleich erkannte. Um Gott! Ludovico! rief ich so erfreut als bestrzt, da ich ihn tieftrauernd sah; ich _fhlte_ die Scheidewand zwischen uns -- den Bogen lie ich tnend auf die Saiten fallen und konnte mich des Instruments nicht geschwind genug entledigen. Sein Auge strich an meinem Ordensgewand und dann an der Violine herab, da er sprach: liebe _Clara_ -- nie werde ich Sie bei einem andern Namen nennen -- und ich miverstand ihn wohl, denn ich dachte, um seiner Gattinn willen -- also setzte er hinzu: ich mute Sie doch einmal wieder sehen. -- Ich drckte ihm meine Freude darber aus, und durfte ihm nun die Flle der Liebe zeigen, die keinen Abbruch gelitten, als ich mir mit dem Grundstein seines Glckes eine Stufe in den Himmel bauete, denn er war ja einer Andern, und ich war Gottes. Das Herz war mir so voll -- ich wute nicht, wonach ich zuerst fragen sollte. Was mute ich vernehmen! -- Seine Frau war todt, in einem schweren Kindbett gestorben, und Ludovico Willens, mit seinen Kindern nach Italien zu gehen. So wollte ich denn Abschied nehmen, auch komme ich nicht mit leerer Hand -- sagte er mit zermalmender Wehmuth, und bat, da ich ihm die meinige reichen mgte. -- Und durch das Gitter, wie es damals geschah -- steckte er mir _den_ Ring an meinen Finger, den er der Geliebten gegeben, den seine Ehefrau getragen, den Ring der Schmerzensmutter! -- Empfangen Sie dies zum Andenken von mir und ihr! sagte er, dieses gottselige Bild darf eine Braut des Himmels tragen, ohne ihrem Gelbde treulos zu seyn. Und erinnern Sie Sich in frommer Frbitte Eines, der mit einem Herzen, darin der Harm whlt, und ein Wurm, der nicht stirbt, vergangener Tage gedenkt. -- Ich wei nicht, ob das meinige mehr leidvoll als entzckt war; ich hatte ein Gefhl von Verlbni, und doch nicht von irrdischer Art. Wir trennten uns auf immer -- und doch nicht fr ewig. Ich besa ein Pfand, was den armen Leidenden an mich bnde, und der Freund meiner Seele, mein Herr und Heiland! hatte nichts dagegen. Auch die Aebtissinn erlaubte, da ich den Ring trge. -- Nach Jahresfrist erhielt ich eine Cremoneser Geige wohl verpackt, von Ludovico zugeschickt, die mir unbeschreibliches Vergngen machte. Es war, als ob seine frhere Gewohnheit, mich zu beschenken, seit dem Tode der Frau wieder ihren alten Platz eingenommen htte. Vor einigen Jahren, so endigte Schwester Veronica ihre Geschichte, zerbrach mir der Ring -- ich konnte mich jedoch nicht entschlieen, ihn einem Goldschmied zu geben. Wie bald -- dachte ich, bricht nicht auch der Tod das Auge, das zu viel tausendmalen darauf geruhet! so mge er denn ruhen. Hier liegt er nun. Bei diesen Worten zog die Nonne ein kleines Schubfach auf, nahm ein Dschen von Perlenmutter, in Form einer Muschel heraus, ffnete es, und drinnen schlief das Bild der allerseligsten Jungfrau auf ein wenig Watte. Die blanke Gltte des Goldes, und ein kleiner Bug am Ringe, zeigten, wie lange er getragen worden sey. Die Damen betrachteten ihn mit einem, obgleich verschiedenartigen, doch gemeinschaftlichem Interesse. Frau Fabia hielt ihn lange vor ihr ernstes Auge, und seine Farben spielten unter mystischen Gedankenblitzen. Sie dachte an die geheimnivolle Verkettung der menschlichen Schicksale, wovon dieser Ring als ein Glied anzusehen wre -- und da selbst so winzige Steine reden mten, als die, welche den kleinen Altar reinster Mtterlichkeit zusammenbauten, wenn es darauf ankme, da der Unerforschliche seinen Willen offenbare. Theresens Blick spiegelte sich leuchtend im hellen Golde dieser Fassung -- unter Regungen des Flattersinns wie des Vergngens, dachte sie: wie solch eine traurige Treue wohl mglich wre? und nur ein leiser catholischer Schauer versenkte ihr Anschauen etwas tiefer in die durchbohrte Brust der kleinen Madonna. Josephine, als die jngste, bekam den Ring zuletzt, und durfte ihn am lngsten behalten; ihr war er eine Reliquie. Der todte Schmerz darin -- das Leben und Leiden der Nonne -- bewegte ihre junge Seele. Die Mutter Gottes, fest gefgt, schwankte, und ihr starrer Jammer lsete sich in der Thrne auf, die dem frmmsten Kinde der Christenheit in den klaren Augen funkelte. Josephine empfand, da solch ein Ring den Schmuck der ganzen Erde aufwge. Sie fhlte die Heiligkeit der Liebe, und den unvergnglichen Werth eines Herzens, das sich zu opfern vermag, auf da die Welt selig wrde, die es umfat. Whrend dieser Theestunden war der Administrator bei dem Major Feldmeister gewesen, der ihm sagen lassen, es ginge schlimmer mit dem Bein, und er mgte ihm doch ein wenig Gesellschaft leisten auf seinem Zimmer. Jener, der in der Abwesenheit der Frauen eine schwache Anwandlung von dem Unbehagen eines Ehemanns sprte, welcher den Zusammenknften der Damen und ihrer gesetzgebenden Tyrannei nachstehen mu -- hatte der Einladung augenblicklich Folge geleistet. Das Gesprch vom Morgen ward fortgesetzt, und der Major brachte die Frage wiederum in Anregung, wie der Erstere zu seiner zweiten Schwgerinn gekommen sey. Da es sich nun der Allgegenwrtige allein vorbehalten hat, aller Orten zugleich zu seyn, und, wie Einer sagt, der nach dem ersten Erschaffenen heit: Adam im Dorfbarbier--, ein einzelner Mensch nicht an Alles denken kann, so mssen wir uns das Vergngen versagen, unsere Leser als Zeugen dieser Unterhaltung einzufhren, _weil_ und _so lange_ wir in Veronicas Zelle verweilen. Indem wir nun den Inhalt derselben nachtrglich mittheilen, ist uns der Vortheil gegnnt, auch das, was dem Erzhler selbst verschlossen geblieben, kraft des magischen Schlssels, den wir dazu besitzen, unsern Lesern zu erffnen. -- Die Stiefmutter des Administrators hatte sich nach seines Vaters Tode mit ihrem Shnlein in die Hauptstadt des Landes begeben, welches der Schauplatz dieser einfachen Geschichte ist. Die Dame mogte ihre guten Ursachen haben, so fern als mglich von ihrem ehemaligen Wohnorte zu leben, um persnlichen Vorwrfen zu entgehen, und die Frchte eines erlisteten Testaments unter dem Schutze der Unbemerktheit genieen zu knnen. Und wie es denn nun hufig geschieht, da ein ungemeines Glck auf den Schmutz ungerechten Besitzes, und in befleckte Hnde fllt, so waren ihrem Kinde seltene Gaben geworden. Der kleine Constanz war ein Ausbund in jedem Sinne, und unter keine Regel zu bringen. Er wuchs in genialer Wildheit auf, und seiner Mutter, wie Jedem, der an ihm erzog, ber den Kopf. Seine Fhigkeiten berflgelten frhzeitig die Erwartungen der Lehrer, die nicht wuten, in welche Classe sie ihn setzen sollten. Seinen Mitschlern war er ein Abstractum -- und mit einer wohlwollenden Seele sah Constanz sich nirgend verstanden, denn es fehlte selbst der Mutter an dem Mastab der Liebe, den Geist ihres Kindes zu messen. Die Mutter befand sich nicht wohl, und zog, eine Frhlingscur zu gebrauchen, vor das Thor. Dicht neben dem Hause, darin sie wohnte, war das Hotel des ***schen Gesandten, mit einem prchtigen Garten. Der Knabe blickte zuweilen sehnschtig aus dem engen grnen Bezirk, den seine Eigenthmer ein Grtchen nannten, und dessen Beete in seine strebsamen Wnsche hemmend einschnitten, in die freien Rume hinber, wo die Shne des Gesandten, etwas lter als er, unter hohen Schatten sich nach Willkr belustigten, und unter dem gesenkten Auge des Hofmeisters, der nicht weit davon in einem Buche las und mit vornehmer Ruhe seine Eleven gewhren lie -- ein wenig turnten. Es prickelte den Constanz oft in allen Gliedern, das Glck dieser Ungebundenheit zu theilen, denn die Mutter schrie schon ngstlich auf, wenn er einen Purzelbaum scho, oder, die langsame Treppe zu umgehen, sich ber das Gelnder hinaufschwang. Jede solche Kraftbung ihres Shnleins setzte ihren schwachen Krften zu. Das Verlangen nach diesem Spielraum ward ihm denn nun auch erfllt. Die Lebendigkeit des Kindes, was sich den stolzen Shnen des Gesandten auf ihren Wunsch und Wink zugesellt, etwas Hinreiendes in seinem Wesen, die Art und Weise, wie der freundliche Knabe seinen Willen stets gegen den hochmthigen Trotz der Andern durchsetzte, schienen dem Hofmeister bemerkenswerth. Er sagte dem Gesandten davon, und als dieser einst Gelegenheit hatte, den kleinen Constanz selbst zu beobachten, fand sein feiner diplomatischer Blick ein Talent an dem Knaben aus, was wohl der Mhe verlohnte, fr _seine_ Zwecke entwickelt zu werden. Der Gesandte lie sofort die Wittwe artig ersuchen, ihren Sohn, der ihm lieb geworden sey, an dem Unterricht seiner Kinder Theil nehmen zu lassen. Es geschah, und mehr noch. Als der Sommer zu Ende ging, war auch die Mutter des kleinen Constanz an ihrem Ziele -- und der Gesandte nahm den verwaiseten Knaben nun ganz zu sich. Die Shne folgten ihrer Bestimmung, Constanz blieb das Kind des Hauses. Er ward Privat-Secretair des Gesandten. Diese Stellung machte ihn mit den geheimsten Staatsverhltnissen vertraut, er arrondirte die Rechte der Familie gegen einander, und ihr Oberhaupt setzte ein ungemessenes Vertrauen in die Klugheit seines Gnstlings. Nur dessen Geschlechtsname war ihm zuwider, aus einem angestammten Vorurtheil gegen klsterliche Machthaber, und da nun Constanz von frher Kindheit an _so_ und nicht anders genannt worden war, behielt er diese Benennung spter und fr immer bei, so da man kaum mehr wute, wie er eigentlich heie. So ward es dem Constanz nicht schwer, die Prlation seines Namens gegen jenen aufzugeben, der im Hause mit franzsischem Accent ausgesprochen ward. Seine Persnlichkeit ging in der Bedeutung des Gnners unter, dem er Kopf und Feder lieh. Es war bekannt, da der Secretair die rechte Hand des Gesandten wre; doch die Frau desselben tadelte diesen Vorzug, wenn auch nicht laut. Sie liebte den Jngling nicht gleicherweise, theils aus ein wenig Mutterneid, theils aus einem dunkeln Gefhl von Eifersucht auf die Gunst ihres Gemahls, endlich, weil er sehr verschwiegen war. Diese erforderliche Eigenschaft stand im Conflict zu einem Fehler der Dame: dem Mitrauen. Sie argwhnete, das Cabinet, dessen Geheimnissen der Secretair verpflichtet wre, enthielte auch solche, welche nicht in anderer Herren Lnder, sondern ber die Grenzen des ehelichen Bereichs, in das Gebiet _fremder Frauen_, verhandelt wrden. Und in wie weit dieser Verdacht begrndet gewesen, wird die Folge lehren. So war das Verhltni des begnstigten Constanz gegen die Dame des Hauses etwa das eines natrlichen Sohnes. Wenn der Gesandte, was er oft zu thun pflegte -- rhmte, wie expedit Constanz sey, wie er darin das Unmgliche leiste, dann bestrafte seine Gemahlinn ihn fr den Aerger dieses Lobes, indem sie weniger mit einer Miene des Tadels, als bler Weissagung, entgegnete: ich frchte sehr, Constanz bertreibt Alles, und Sich zumeist. Solche Leute leben nicht lange.-- Dies Prognosticon, mit pflegmatischer Ruhe gesprochen, jagte den Gesandten in Furcht. Einst hrte er seine Frau zu dem Secretair sagen: wenn Sie nur nicht immer so =en carrire= wren, Constanz! ich mag es nicht gern, wenn der Mensch weder Rast noch Ruhe hat. Denken Sie an mich, Sie werden einmal wie ein Wirbelwind heirathen, der den Leuten Staub in die Augen streut -- und mit Extrapost gen Himmel fahren.-- Der Jngling lchelte der Drohung, die ihn zgeln sollte, und sprach: nichts knnte ihm lieber seyn, denn alles Langsame wre sein Tod.-- Der Gesandte dachte darauf, wie er den Constanz, ohne ihn zu verlieren, entfernen knnte, und alsbald traf dieser Wunsch mit den Interessen seiner Charge, wie mit denen seiner eigenen Angelegenheiten auf das Genaueste zusammen. Es war um die Zeit der Aufstnde in Polen, wo er den Secretair mit einem Auftrage von grter Wichtigkeit an einen entlegenen Hof sendete. Es war eine Courierreise. Doch zu Einem Auffenthalt erhielt der junge Mann geheime Instruction, und Constanz muthmate schlau, diese mache nicht den unbetrchtlichsten Theil seiner Sendung aus. An der polnischen Grenze lebte eine Freundinn des Gesandten, um die er in Sorgen war. Constanz sollte sich von der Lage dieser Dame und ihrer Tochter in Kenntni setzen, und wie es Beiden in den kriegerischen Unruhen ergangen sey; dann ihnen Depeschen berreichen, welche der Gesandte ihm, unter dem Siegel der tiefsten Verschwiegenheit, bergab. Er versprach dagegen, wenn die Ausfhrung jenes Geschfts -- vielleicht meinte er auch _dieses_ -- den Beauftragten bewhre, so solle Constanz einer seinem Verdienst entsprechenden Versorgung im diplomatischen Corps gewi seyn. -- Es war, als ob der Landsturm jener Revolution eine alte Erinnerung in dem Herzen des Gesandten aufgestrt, und seinen gleichmthigen Bestand aufgelset htte. Dieser Protector, getuscht von der innern Bewegung, whnte, seinen uern Zustand verndern zu mssen, und indem er die Anstrengung im Auge hatte, sich auf den Gipfelpunct seiner Wnsche zu schwingen, ging er von der Idee aus, den Proteg fr diese Absicht zu ntzen, bevor er ihn poussire. Freudig, wie ein Vogel den goldenen Kfig hinter sich lt, darin er eingeengt gewesen, flog Constanz durch die blauen Lfte. Er war ganz in seinem Elemente; eine weite Aussicht that sich vor seinen Blicken auf. Er schwelgte gleichsam im Genu einer pflichtmigen Eile. -- Doch indem er der Ferne zustrebte, war er unversehends an die Marken seines Schicksals gekommen; und hier war es, wo der Horizont seiner Hoffnung Erde und Himmel fr ihn abgrenzte. Als Constanz sich den Wldern Polens nherte, drngte sich ein dsterer Ernst ihm auf. Ueberall traf er auf Spuren wilden Kampfes und verzweiflungsvoller Schritte. Die Zerrissenheit dieses Volkes dauerte ihn, er sah betrbt zu Boden, den so viel edles Blut besprengt, und jeder Ton dieser sarmatischen Mundart schlug dumpf und traurig eine tiefe Saite seines Herzens an. Constanz sprach sehr gelufig polnisch, was ihn jenen heimathlosen Flchtlingen naturalisirte, in deren rauhen Mienen ein Strahl vaterlndischen Sonnenscheins bei seiner Anrede aufging. Man wies ihn berall freundlich zurecht; doch nicht in einen erfreulichen Port. Der kleine Edelsitz, auf dem die Freundinn des Gesandten residiren sollte, war eine wste Brandsttte, ein trauriges Bild gnzlicher Verdung. Es war um die Mittagsstunde, als Constanz auf dem weichen Estrich dieser polnischen Wirthschaft anhielt. Diese verkohlten Geblke schienen noch zu dampfen; doch kein Rauch stieg aus der Esse des Gemuers, des einzigen auf dem Hfchen, was den Anstrich hatte, bewohnt zu seyn. Ein alternder Mann, in der Livree der Armuth, welche ein lustiges Bunt giebt und freie Schnitte -- doch besseren Ansehens als Die, welche sie gewhnlich tragen -- stand in der niedern Thr, und sah tiefsinnig auf das leere Huschen einer Hundehtte nieder, deren Kette gels't daneben lag, und den Wchter frei gegeben hatte. Der Mann schrak zusammen, als das leichte Fuhrwerk schnell wie ein Pfeil von der Senne, durch den offnen Thorweg prallte, und gleichsam sein Herz zu treffen schien. Der junge Reisende trat wohlwollend auf ihn zu, und fragte nach der Herrin des Ortes. Meine Dame schlft-- sagte der vermuthliche Diener, indem ein Seufzer seiner Rede voranging, welcher sie der Theilnahme des Zuspruchs anempfahl, und ungern mgte ich sie wecken. Auch wrde es -- meinte der Getreue, wenig ntzen. Seit den erschrecklichen Vorfllen allhier, fuhr der Alte fort, hat meine Dame das Gedchtni verlohren, und kann sich auf nichts mehr besinnen. Nun, vielleicht doch! wir wollen sehen-- erwiederte Constanz lchelnd auf diesen Bescheid, der beinahe abweisend lautete. Sogleich! sprach der Alte in der reizbaren Empfindlichkeit seiner Nation und eigenen Unglcks, von diesem Lcheln, diesem Zweifel beleidigt, und stie leise ein zersprungenes Fenster nach Innen zu auf, was nur angelehnt war. Der junge Fremde sollte Einsicht in die Wahrheit seiner Aussage bekommen. Constanz trat vor die Oeffnung, und als Schatten vor die Sonne, welche wie zum Spott Verhltnisse beleuchtete, deren Glcksstern untergegangen war. Welch ein Anblick! das nackte Sparrwerk der Wnde war mit Teppichen behangen, die augenscheinlich einer besseren Bestimmung angehrten. Auf einem verstmmelten Pfeilertisch von Marmor stand eine massive Eschale, trbe verblindet, darin ein Rest rmlicher Speise war. Tausend Kleinigkeiten, darunter die meisten vom Ueberflu, lagen -- ein Quodlibet -- wirr durcheinander, und eine Anzahl kleiner abgetragener Schuhe, wie vertretne Kinderschuhe -- nahm den Fuboden ein. Alles schien nur fr den Nothbehelf zu seyn. In einem Grostuhle, der schrg gegen das Fenster gerckt, voraussetzen lie, er stnde nur derweilen da -- lag eine ltliche Frau mit geschlossenen Augen. Ein echter Schawl, an den der matte Kopf sich schmiegte, hing nachlssig ber die Lehne geschlagen, und der Chinese des Gewirks, hielt seinen Schirm ber diese eingesunkene Wange. Vielleicht war dieser phantastische Schutz der einzige, dessen die schlummernde Dame geno. -- Um ihren feinen Mund schwebte ein Lcheln -- das Todeslcheln unbewuter Beruhigung; ihre rechte Hand lag auf dem Arme des Sessels. Eine zartere Hand, gewebt aus der feinsten Seide des Miggangs, hatte Constanz nie gesehen; aber er gewahrte jenes Nervenhpfen daran, welches auf krampfhafte Zustnde, und nicht selten auf eine nahe Auflsung schlieen lt. Im lebendigsten Contrast dieses abgespannten und verblichnen Bildes, sa ein junges schlafendes Mdchen zu den Fen der Dame. Diese Sieste war eine andere; dieser volle Athemzug war ein trunkenes trumerisches Schpfen aus der Ruhe sestem Quell. Constanz ward berauscht vom Zusehen. Fr einen jungen Mann giebt es keine grere Gefahr, als die Schnheit, wenn sie schlft, und die gesenkten Waffen blinkender Augen. -- Doch nach einigen Secunden, die sein Leben wendeten -- es giebt Momente, welche alle Verhltnisse der Zeit aufheben -- trat Constanz zurck, denn der Anzug des Mdchens duchte ihm nicht fr die Nhe eines Mannes berechnet. Er wollte warten; doch jetzt regte sich die Dame, und der alte Diener fhrte ihn an die Thre. Constanz mute sich bcken, und sein Herz beugte sich, als die Dame ihre Augen aufschlug, und erschrocken fragte: ob wieder Feinde da wren? -- Constanz versicherte ehrerbietig: er kme als ein Bote der Freundschaft. Die Dame legte die schneeweie Hand an ihre Stirne, wie Jemand, der sich besinnt, und sprach: Freundschaft----? Es war, als wre der Begriff dieses vielsagenden Wortes ihr tief entfallen. Whrend dessen war das Mdchen auch erwacht. Angesichts des jungen Fremden trat es vor den alten Mann, und lie sich ungenirt das Kleid von ihm zuhkeln. Diese polnische Unschuld verwirrte den entzckten Constanz, dem der kleinste Dienst weiblicher Toilette bisher wie das Werk geheimnivoller Verwandlungen gewesen -- so da er mit Mhe nur seinen Auftrag auszurichten vermogte. Es war eine helle Stunde fr die Mutter, in der sie die Depeschen des Gesandten las. Und whrend sie wie aus den Wolken fiel -- sehr dunkle hatten den Lebenstag dieser unglcklichen Frau verfinstert -- da jener Freund sich ihrer _jetzt_, und auf diese Weise erinnere, fiel das Rosenlicht einer schneren Vergangenheit auf jede Zeile.-- Das Lesen geschah inde so langsam, da Constanz unterdessen vllig Mue hatte, sich der Tochter zu befreunden. Er bat um die Vergnstigung, bis zum andern Morgen hier verweilen zu drfen. Die Mutter war ber jede Verlegenheit ihrer Lage hinaus -- das Frulein bewies sich nur in so fern gastfreundlich, indem es bei der Sorge fr die Bewirthung dieses angenehmen Botschafters doch nicht das Vergngen ber seine lngere Anwesenheit verleugnete. Bonaventura-- so hie der alte Kmmerer -- wird schon Rath schaffen, sagte Therese -- unsere Leser wissen ihren Namen doch. Wir wollen die Mutter nur ganz auer Acht lassen-- flsterte Therese ihm traulich zu. Sie lies't zwei Stunden an dem Briefe -- ich kenne das. Wre es Ihnen vielleicht gefllig, eine Parthie Schach mit mir zu spielen? Sie mgen Ruland seyn -- ich bin Polen. Constanz erstaunte ber die Vortheile, welche Therese sieggewi ihm vorausgab; doch nicht minder, da er fnde, wie dieser harmlose Leichtsinn vermengt wre, mit patriotischer Tcke. -- Nach wenigen Zgen war seine Niederlage entschieden, und nebenbei verlor er sein Herz. Nachdem Theresens Mutter gelesen, versank sie in eine Apathie, welche ihre Gegenwart den ganzen Abend hindurch unwirksam machte. Und dieser Abend, er reichte hin, die flatterhafte Neigung der beiden jungen Leute unauflslich zu knpfen. Auf Constanz Seite stand unsichtbar sein treibender Genius, der ihn immer und berall drngte. Spute Dich! raunte dieser beflgelte Geist ihm zu, wir haben Eile, und die Zeit entflieht. Wie verwirrend die zarten Seile nun auch waren, die sich leise um dieses flchtige Naturell legten, wie verworren das Verhngni dieses Hauses vielleicht: Constanz blieb zum Aufmerken frei, wie zu einer und der andern Frage, die ihm sein Gnner an das Herz gelegt, bevor er die an das Frulein richtete, welche ihn selbst betraf. Es geschah dies gesprchsweise. Therese stand auf, rttelte sacht an der schwachen Mutter, und weckte ihre schlafende Seele mit den Worten: sage einmal, habe ich Verwandte? So viel ich wei: nicht; antwortete die Dame mit Resignation, und bat, da ihre Tochter sie in dieser traumhaften Stille lassen mgte. Ein khner Wurf des Gesprchs brachte es auf Religion, und Constanz begehrte zu wissen: zu welcher das Frulein sich bekenne? Eigentlich zu keiner, antwortete Therese mit liebenswrdiger Freigeisterei, ich habe meinen Glauben gern fr mich, und meine Liebe auch. Doch bin ich mit Salz getauft-- Constanz lchelte gelinde. Therese, die es zweifelnd ansah, stand abermals auf, ging zu dem Grostuhl, neigte sich ber die blasse Gestalt, und sprach: Mtterchen, bin ich catholisch? Etwas-- antwortete die Dame kaum hrbar, Du frgst mich viel.-- Therese stand beschmt. Die Mutter hat eigentlich Recht-- sagte sie und nickte dazu. Fasttage halte ich gar nicht, und auf die Beichte nicht viel; sie mte denn freiwillig seyn, wie zum Beispiel jetzt. Wenn ich es Ihnen ehrlich gestehen soll-- fuhr Therese fort: die Religion ist mir ein bischen zuwider. Erstens: des vielen Krieges und Streites wegen, den sie verursacht hat, und ich liebe es sehr, da man sich freundlich begegne; dann habe ich einige Fromme kennen gelernt, die mir auerordentlich gehssig waren. -- So kann ich auch nicht anders, als mir unsern Herrgott unter dem Bilde eines wohlwollenden alten Mannes denken, der eine gromchtige Schlafmtze trgt -- als Symbol der ewigen Ruhe. Und in dem Himmel stelle ich mir eine ehrsame, aber hchst langweilige Gesellschaft vor. Fr Constanz waren diese Aeuerungen, um der Anmuth und anspruchslosen Offenheit ihres Vortrags willen, Bekenntnisse einer schnen Seele. Ein aufrichtiges Herz schtzte er ber Alles, und er wnschte, sich dieses arglose zuzueignen. Was Therese dem Gast im Laufe des Abends erzhlte, drfte ohngefhr folgendes Ergebni seyn. Therese war, seit ihrer frhesten Kindheit von ihrer Mutter getrennt, in einem groen Hause erzogen worden, ziemlich sich selbst und ihrer natrlichen Gutartigkeit berlassen. Jene Familie aber lebte, verwandtschaftlicher Verhltnisse wegen, wenig daheim, und so konnte sich auch kein weibliches Gefhl der Stille und Stetigkeit in Therese entwickeln. Dieser auswrtige Aufenthalt entfremdete sie der Mutter wie der Muttersprache, und eine fanatisch protestantische Bonne vermischte den catholischen Geist des Fruleins so lange mit dem Wasser der reinen Lehre, bis Theresen das religise Element der Seele vom Ueberflu schien. -- Als die Ghrungen in Polen ausbrachen, ls'te jene Familie sich theilweise auf; eine heimathliche Sehnsucht erwachte zum erstenmale in Theresen. Sie verlangte nach ihrer Mutter, und man hielt das Mdchen in der waldigen Steppe des mtterlichen Witthums besser aufgehoben, als im Mittelpunct einer wildbewegten Stadt.-- Aber es war nur um so schlimmer-- sagte der alte Bonaventura, als er am Abend spt Constanz in dem drftigen Verschlage bediente, wo sein Nachtlager bereitet war, und auf die warmen Erkundigungen des Gastes mit traurigem Bericht Theresens Aussage vervollstndigte: die Ankunft des Fruleins war entsetzlich. Die Mutter sah ihr schnes Kind bei dem Feuerscheine seiner Habe wieder, und die Kraft meiner Dame ward davon verzehrt, wie unser weniges Heu von der Flamme. Nur der Entschlossenheit eines jungen feindlichen Offiziers verdanken wir persnliche Bercksichtigung und das, was wir aus diesem Wirrsal retten konnten. Ein lieber Mensch! die Andern waren nur wie reiende Wlfe gegen ihn; aber Gott haucht Milde ein, da, wo sie Noth thut, und miget den Wind fr das Lamm einer geschorenen Heerde. Constanz hatte jenes Offiziers auch von Theresen erwhnen gehrt, und mit einem so bedeutsamen Interesse, da dieser Antheil eine eiferschtige Regung in ihm erweckte.-- Seit jenem Tage nun, fuhr Bonaventura fort, vergit meine Dame Alles! wohl ihr! das Gedchtni verlieren ist fr den kein Unglck, der nichts als Kummer zu vergessen hat. Jeder Augenblick, wo sie nun schlft, erquickt mein eigenes Herz, was ihr die Ruhe gnnt, und mit Freude werde ich ihr die Augen zudrcken, welche nicht viel gute Tage gesehen haben. Die des alten Mannes standen voller Thrnen, als er dies sagte. Diese treuherzige Gesinnung rhrte Constanz und flte ihm Achtung fr den Diener wie fr die Herrin ein. Er fragte, er wollte vornehmlich wissen, warum Therese ihrer Mutter entrissen worden sey?-- Bonaventura zuckte die Achseln. Er erzhlte eine Geschichte jugendlicher Verirrungen, welche seine arme Herrschaft unter die Despotie ehelicher Tyrannei gebracht htten. Dabei gerieth er in ein Labyrinth der Darstellung, verlor den leitenden Faden -- und wute am Ende nicht, wo aus noch wo ein? da es ihm zur Unzeit einfiel, ob es nicht verrtherische Geschwtzigkeit sey, die zarten Leiden seiner Dame einem fremden Ohr Preis zu geben? -- Jene Geschichte gehrt nicht in unsern Plan. Wir lassen ihren Stoff daher unter der groen Masse menschlicher Schwachheit und menschlichen Unglcks auf sich beruhen.-- Constanz wute die gewissenhafte Aengstlichkeit des redlichen Mannes zum Schweigen zu bringen. Er entdeckte sich ihm ganz, und Bonaventura nannte ihn einen Gesendeten Gottes, und nicht des Gesandten. Am Morgen mute Constanz fort. Die Werbung um die Braut war bald geschehen und mit Erfolg: die Mutter befand sich fhig, ihn anzuhren. Constanz legte ihr einfach seine Verhltnisse wie seine Wnsche dar. Er wollte Theresen bei seiner Retour mit sich nehmen, unterdessen den Consenz des vterlichen Gnners dazu nachsuchen, und da dieser seine Anstellung beschleunige. Doch war er eines weigernden Grundes der Dame von Seiten ihrer Krnklichkeit gewrtig. Aber nichtsdestoweniger war die Mutter bereit, sich ihrer kindlichen Sttze zu begeben. Sie sagte mit einem gewissen Heroismus, der fr eine rettende Idee froh, wenn auch einsam, sterben lehrt: gren Sie den Gesandten tausendmal von mir -- wenn Sie ihm Theresen bringen, wird Ihr Glck ihm bestens empfohlen seyn. -- Ich verlasse das Leben gern, da ich meine Tochter unter dem Schutze ihres natrlichsten Freundes wei. Der da-- (sie wies auf Bonaventura) begrbt mich schon. Therese weinte wohl, allein nicht allzusehr. Dann bleibt Dir Alles, guter Bonaventura! sagte sie, reich in Hoffnung. _Alles!_ wiederholte Bonaventura, und lchelte traurigbitter wie der Verlust zu der Erbschaft: dieses Alles war so viel als Nichts. -- Der gute Alte wute nicht, da die Liebe jeden Strohhalm zu den Mitteln des Glckes zhlt, wenn auch nur als Medium die bunten Seifenblasen der Tuschung in die leere Luft zu hauchen.-- Als Constanz, der Verlobte Theresens, nun mit aufgeregten Gefhlen den den Ort verlie, wo unter Schutt und Trmmern seines Lebens schnste Blume blhete: da dachte er an die verheienden Worte der Gesandtinn, er wrde einmal im Fluge die Braut heimfhren.-- Im hchsten Schwunge seiner geistigen Krfte legte Constanz die weite Reise zurck, und erreichte mit dem Ziel auch die Absicht. Er erstaunte selbst, wie leicht ihm alle Schwierigkeiten zu beheben gewesen; ein Gott hatte ihm Flgel geliehen, und den Schlangenstab der Klugheit. Er glaubte die Zufriedenheit des Gesandten bestens verdient zu haben, und in diesem khnen Vertrauen fgte er daher seiner Meldung dessen, was er ausgerichtet, die Bitte bei, da der Gesandte seine Verbindung mit Theresen genehmigen und die schriftliche Zusicherung ihm ohne Sumen entgegen senden mge. In der gewissen Voraussetzung, da dies unverweigerlich geschehen werde, kam Constanz nach Polen zurck. Er fand eine so leidenschaftliche Aufnahme bei seiner Braut, als wre seine Wiederkehr ihr dennoch zweifelhaft gewesen. Mit Thrnen sagte sie ihm, er komme zur rechten Zeit, denn seit dem vorigen Tage lag die Mutter im Sterben und konnte nicht enden. Bonaventura hatte indessen mit treuer Umsichtigkeit alles vorbereitet. Ein Weltgeistlicher in der Nhe war durch seine einfache Ueberredung gewonnen, die jungen Leute zu copuliren. Er war eben anwesend, und vertrat die Stelle eines Arztes fr Leib und Seele zugleich. Mein werther Herr, sagte der Priester hflich zu Constanz, ich verstoe gegen ein Staatsgesetz, wenn ich Sie ohne vorhergegangene Proclamation traue; aber -- =inter arma silent leges= -- sagen wir Lateiner, und ich verhoffe, Sie werden mich in so fern gegen alle Verantwortung sichern, da Sie mir einen Schein ausstellen, worin Sie Sich verpflichten, jeden Einwand vertreten zu wollen, welcher mglicher Weise dieser Heirath mit Fug und Recht gemacht werden knnte. -- Unter dieser Bedingung will ich mein heiliges Amt zu Gunsten Ihres Wunsches ben.-- Constanz, im Gefhl, von Seiten des Gewissens vllig frei zu seyn zu diesem Schritt, verstand sich gern dazu, und der Geistliche beschied sie fr den nchsten Morgen in eine kleine Capelle auf der Hlfte des Weges. Bis dahin, meinte der todeskundige Mann, -- wrde die Mutter des Fruleins ausgelitten haben. Aber als der Morgen erwachte, lag die Hochzeitmutter noch in Agonie. Es war eine schauerliche Stunde, die der Einsegnung. Der Sturm sausete unheimlich durch den Wald, das morsche Kirchlein wankte, die Lichter wollten verwehen, der Regen rauschte herab, die Braut schwamm in Thrnen--, kein Zeuge war zugegen, als der Mener und Gott!-- Sie kamen nach Hause; kein frhliches Mahl war ihnen bereitet. Constanz sah ngstlich nach der Uhr, deren Zeiger, gleichgltig gegen die bange und dringende Erwartung umher, unaufhaltsam weiter rckte, und fand, da seine Zeit abgelaufen sey. Nur jene Krner wollten nicht ausrinnen. Da bat Bonaventura, da man ihm eine Vorstellung erlauben mge. Meine Dame, sagte er, kann nicht sterben, so lange Sie hier gleichsam auf dem Sprunge stehn. Ist es doch mit einer Frau in Kindesnthen gerade so. Die kann auch nicht genesen, wenn darauf gewartet wird, und der Tod soll ja eine neue Geburt seyn. -- Ueberlassen Sie die Verscheidende mir; ich bleibe bei ihr, _ich!_ es ist mein letztes Geschft auf Erden. Der gute Alte legte das ganze Gewicht seiner treuen Gegenwart in einem zitternd aushaltenden Accent auf dieses Wrtchen. Constanz fand, da er Recht htte. Er gab ihm eine volle Brse und unbedingte Vollmacht. Dann beugte er sich weich ber das stille Lager der Mutter, die langsam zwischen schweren Pausen athmete, und keinen Blick des Segens fr ihren Eidam hatte. Therese kte schluchzend ihre schlaffe Hand, fhlte aber auch nicht den leisesten Druck der Liebe mehr -- und nun rollte der Wagen vor und fort. Kaum waren sie an ein steinern Kreuz gekommen, eine Viertelstunde von dem Oertchen und so gelegen, da es einen Rckblick darauf gewhrte, so sahen sie ein weies Tuch vom Giebel wehen. Constanz bemerkte es zuerst. Er sagte ernst: Bonaventura giebt uns ein Zeichen, die Mutter wird verschieden seyn. -- Denke nur, sie schlft etwas tiefer wie bisher, und hat alles Leid auf ewig vergessen. Und Therese dachte wirklich so. Die junge Frau nahm also ber die Grenze ihres zerrissenen Vaterlands, wenn auch grade kein zerrissenes Herz -- dazu war der natrliche Verband mit ihrer Mutter nicht innig genug gewesen -- doch ein vllig aufgels'tes Familien-Verhltni, und keine andere Mitgift, als frhe Gewhnungen, wie sie den Damen dieser Abkunft eigen sind. Es war, als htte ein gnstiges Geschick dies harmlose Wesen in die Arme der Liebe vor den Schauern des Grabes und der Pflicht zu trauern, retten wollen. Seltsam genug bemchtigte sich des jungen Ehemanns jetzt, in der gesicherten Erfllung seiner leidenschaftlichen Wnsche, der Zweifel, was der Gesandte zu dieser Heirath sagen werde? Vorher war Constanz der Zustimmung, ja des Beifalls seines Gnners gewi gewesen. So verndern sich unsere Ansichten Anderer mit jedem unserer eigenen Schritte. Es gereichte ihm wie zum Trost, da die Macht der Umstnde ihn zu diesem, den er rasch gethan, gedrngt htte. Er fhlte sich in einer geheimnivollen, aber um so bindenderen Verwandtschaft zu seinem vterlichen Freunde, und bedurfte nur -- so duchte es ihm -- das Siegel der Besttigung zu erblicken, um Theresen mit jedem Recht als Gattin an seine Brust zu drcken. Doch kein Brief gab Antwort auf diese Frage, und mit wachsender Unruhe eilte Constanz einer endlichen Entscheidung entgegen. Eine leichte Unplichkeit Theresens hielt die Reise um ein paar Tage auf, und ihr Gemahl fhlte, da eine Frau Rcksichten erfordere, welche den Mann nicht frdern. So waren sie in das Stdtchen Leidthal gekommen und hielten an der kleinen Posthalterei daselbst. Constanz hatte auf dem letzten groen Postamte abermals kein Schreiben angetroffen. Er war jetzt resignirt -- es mute etwas von besonderer Wichtigkeit vorgefallen seyn; nichts war ihm dringender, als nur so bald als mglich an Ort und Stelle zu gelangen. Therese theilte diese Ungeduld inde nicht. Die reizende Lage der kleinen Expedition, eine vollblhende Jelngerjelieber-Laube, welche den lndlichen Vorplatz schmckte -- eine Pilgerruhe der Passagiere -- entlockte ihr den Wunsch, hier einige Stunden ausruhen zu knnen, und Constanz zeigte sich gefllig dafr. Er trat zu dem Postmeister, als dieser im Begriff stand, das Felleisen auszupacken. Da sprang die ersehnte Handschrift ihm in die Augen, ein Brief an ihn vom Gesandten. Constanz beglaubigte sich, als den Empfnger. Er ri hastig in das Papier -- aber der Inhalt zerri das Blatt seiner Hoffnung noch heftiger. Sein Gnner schrieb ihm: ein Ereigni von grter Bedeutung habe ihn genthiget, seinen Standpunkt zu verlassen und nach dem Sden zu gehen. Er werde die Tour ber B. -- nehmen, woselbst er seinen Secretair erwarte, der ihn auf dieser Reise begleiten msse; die Dauer dieser Reise wre vorlufig nicht zu bestimmen, und hinge von Umstnden ab, welche schwebten. Constanz sollte daher sein Eintreffen dort, so viel als mglich beschleunigen, der Gesandte harre sein. Was die fragliche Parthie anbetrfe, so werde dieser Punct zu gelegener Zeit zwischen ihnen zur Sprache kommen.-- Dieser Brief war in dem Tone jener Superioritt abgefat, die stets ein Vorbehalt Derer bleibt, welche in ihrer Persnlichkeit die Freundschaft mit der Protection fr uns verbinden. Constanz war durch die frhesten Eindrcke fr diesen vornehmen Ausdruck empfnglich geworden. Er war dem Gesandten in den zartesten Beziehungen verpflichtet: denen der Dankbarkeit. Auch war gewissermaen das Wohl des Staates diesem Zusammenhange verknpft, so konnte er sich seiner Pflicht nicht entziehen. Theresen mitzunehmen, daran durfte ihr Gatte nicht denken, denn so wie er den Gesandten kannte, war der Anhang, die Heirath betreffend, als abweisend anzusehen. So mute dieser erst durch die Ueberredungsgabe seines Lieblings fr Etwas gewonnen werden, was bereits geschehen war. Constanz stand uerst betroffen. Er theilte Theresen mit, was sie so nahe anging, und erklrte ihr diesen Ruf des Schicksals als unabweislich. Nur diese Reise noch, trstete er die bestrzte Frau, indem das Gefhl der Selbstndigkeit in ihm ansprach, dann trennt uns nichts mehr, Du Liebste! -- Erfllt der Gesandte sein Versprechen nicht, mich zu versorgen, so reicht mein Vermgen hin, ihn entbehren zu knnen. Doch jetzt darf ich ihn nicht im Stiche lassen; ich mu die Resultate meiner Sendung in seine Hnde niederlegen. Wer konnte dies voraussehen? wte ich nur, wo ich Dich einstweilen aufhbe! Er starrte nachsinnend in die blaue Weite, als wolle er einen Ausweg ersphen. Da trug ein Hauch der Luft einen Glockenton von ferne ber die Mittagsstille der Felder; und dieser leise silberne Laut schlug an sein Gehr und klopfte an sein Herz. -- Seine Augen folgten der Richtung dieses Schalles, und sahen die Thrme von Sanct Capella im senkrechten Strahl der Sonne verblendend blinken. Constanz fragte nach jenem Ort. Der Postmeister nannte das Kloster, und erwhnte gesprchig der gegenwrtigen Verhltnisse des Stiftes. Aber Der, zu dem er redete, hatte nichts Weiteres davon vernommen, und war einer eigenen Gedankenreihe gefolgt. Schade! sagte Constanz, da die Klster aufgehoben sind. Was man auch dagegen sagen konnte, sie waren doch immer ein schicklicher Aufenthalt fr unbeschtzte Frauen. Und Du bist ja ein _wenig_ catholisch. Er blickte seine Frau mit einem schmerzlichen Lcheln an, welches sie ermuthigen sollte. Therese aber hatte jetzt keinen Sinn fr tragikomische Reminiscenzen, und keinen Glauben als den, da sie sehr unglcklich wre.-- Wie aus einem Traume erwachend, und in groer Zerstreuung, fragte Constanz den Postmeister, der sich abseits gewendet hatte: ob er recht vernommen, da der Prlat dieses Ordens noch dort wohne? Jener berichtigte das Miverstndni, und was er von dem Administrator zu sagen wute, lie dem Secretair des Gesandten kaum einen Zweifel brig, da er sich in der Nhe seines Bruders befinde. Von einem raschen Entschlu durchblitzt, forderte er Feder und Dinte, und schrieb in Hast ein franzsisches Billet an ihn, des Inhalts: ein Fremder wnsche den Stiftsverweser von Sanct Capella so dringend als unverweilt im Posthause zu Leidthal zu sprechen. Die Chiffre des Namens Constanz war so charakteristisch verschlungen, da sie schwerlich von Jemand, der sie nicht kannte, zu entrthseln gewesen wre. Nach anderthalb Stunden, in deren Verlaufe Constanz sein Weibchen zu beruhigen gesucht hatte, kam ein stattlicher junger Mann neben dem reitenden Boten daher gesprengt, und der Postmeister rief: da ist er schon, der Herr Prlat! Constanz sah unter einem Freudenschauer auf, und Therese zog sich in einer kindischen Furcht der Erwartung, in die Laube zurck, und einen Behang von Blthen ber ihr reizendes Gesicht. Constanz gab sich seinem Bruder herzlich zu erkennen, und in dem Anmuthen, Theresen so lange unter seinen Schutz zu nehmen, bis er sie abholen wrde, einen brderlichen Beweis. Diese Minute drngte stark an das Herz des Administrators. In dem Wesen seines jngern Bruders lag bei freundlicher Offenheit etwas ersichtlich Vornehmes, ein gewisser Succe des Zutrauens, was Jenem imponirte, der mitunter zurckhaltend, ja sogar blde war. Unwillkrlich stellte er die finstere verschlossene Strenge des lteren Bruders daneben; er dachte leise an Fabia -- und mit dem beengten Gefhl eines Ehemanns, der da Scheu trgt, die husliche Kette der Gewohnheit um ein Glied zu erweitern. Um seinen schweigenden Mund spielte ein Lcheln gutmthiger Ironie, da er bestimmt seyn sollte, die Frauen seiner Brder zu beschtzen. Wenn es der jungen Dame nur bei uns gefllt-- sagte der Administrator bedingungsweise, es geht still zu, im Stift. -- Die Wittwe unseres ltesten Bruders, die ich sammt ihrer Pflegetochter bei mir habe -- ist -- unseres ltesten Bruders, unterbrach er sich selbst--: Der, Du weit ja-- aber Constanz sah den Administrator an, als htte dieser fremd und romantisch vom Bruder Graurock gesprochen. Ich wei von nichts-- antwortete Constanz, entschlossen, sich mit keinem weitluftigen Verhltni zu befassen, und seine cosmopolitische Seele streifte das Band der Natur sogar im Begriffe ab: als -- wir Menschen sind hier alle Brder-- ein rstiges Mgdlein, das kleinste Kind der Postmeisterinn an die Brust gedrckt, welche ein knappes Mieder von Leinewand umschlo, strich bei diesen Worten hurtig an ihnen vorber, und eine schnelle Association der Ideen, in richtiger Folge jener Strophe und dieses Blickes, lie ihn an den Bruder mit dem Ordensband denken, der er einst so dankbar als einflureich diesem schlichten Schutzfreund seyn werde, wenn die Zeit dazu gekommen. Sieh meine Frau nur selbst! sagte Constanz, indem er auf die Laube zuschritt. Er bog ihre Zweige auseinander, und die schnere Blthe von Theresens Angesicht lchelte durch das weiche Grn, und ihre Augen funkelten in Thrnen, wie die Sonne im Thau. -- Die Schnheit hat das Eigenthmliche, da sie jedem Manne Muth einflt. Das Herz des Administrators ffnete sich den gastfreundlichsten Gefhlen. Zudem behandelte Constanz die Sache so ganz in seinem Geiste, das heit, so flchtig, da Herr Prlat glauben mute, mit dem Asyl zu Sanct Capella sey es nur durchaus precair gemeint, und auf ein lngeres Bleiben nicht abgesehen. So bewilligte er daher die Bitte seines Bruders, wenn auch nur mit einer gewissen widerstandlosen Passivitt. Er sah dies Ereigni fr ein Fatum an, dem auf keine Weise zu entgehen gewesen wre. Das leichte Gepck war bald getheilt, ein Postwagen, worin Therese nach dem Kloster fahren sollte, geschirrt. Der biegsame Leib der schnen Gestalt, schwankte von ihrem Manne umschlungen, im Sturm des Abschieds. Zwei Strme flossen von ihren Wangen -- zwei Wochen waren erst und wie auf Rosen verflossen, seit Constanz der Ihrige war. -- Mit gemischten Empfindungen ritt der Administrator neben der Chaise her, darin die noch weinende junge Frau sa. Er warf zuweilen einen mitleidigen Blick auf Theresen; die Jugend dieser Ehe rhrte ihn, ihre gegenwrtige Trennung und der Zukunft ungewisses Loos. Nebenbei gedachte er und eben nicht leichten Herzens an die nchste Stunde -- und htte gern ein wenig lter seyn mgen. Frau Fabia hatte heute nicht den guten oder schnen Tag ihres Geschlechts. Eine Nachtigall, welche sie sehr liebte, und die in einem dunkeln Thurmhuschen wohnte, das, nicht unhnlich einer kleinen Kirche, an ihrem Fenster empor hing, war an diesem Morgen ihrer Haft entschlpft. Das arme kleine Nnnchen sang die Hora der Nacht und Natur im vergitterten Chor ihres Kerkers so himmlisch klagend, als seufze der Engel der Melodie aus dieser befiederten Brust. Josephine hrte es mit sem Erbarmen. Frau Fabia aber, die sich selbst zu den Gefangenen Zion zhlte, hatte nicht Lust, die klsterliche Philomele zu Gunsten irrdischer Liebe in Freiheit zu setzen. Nun war sie entflohen, und auf dem Mdchen ruhte ein scharfer Verdacht, da es mit lindem Urtheil, wie diesem kleinen Gottesgeschpf himmelschreiendes Unrecht geschhe, seine Erlserinn geworden wre. -- Es gab einen Lrmen der Entdeckung, und Josephine, die sich nie gegen einen Vorwurf vertheidigte, schwieg auch diesmal, und die Schuld blieb auf ihr haften, so wie auf Fabien der Mimuth ber diesen Verlust, geschrft durch ein zweifelhaftes Gefhl der Versndigung an dem lieben Kinde. Dieser Stimmung sich erinnernd, htte der Administrator gewnscht, seine Schwgerinn vorbereiten zu knnen -- aber da stand Fabia ganz gegen ihre Gewohnheit schon an der Thr, und ihr Gesicht -- eine totale Sonnenfinsterni -- warf keinen Schein festlicher Empfngni nach dem anrollenden Wagen. Dem Reiter ward es schwarz vor den Augen. Er sprang vom Pferde, der jungen Dame beizustehen, welche den schnsten Fu, der jemals ber diese Erde gegangen, hell und seiden beschuht, auf den schmutzigen Tritt der Postchaise setzte. Theresen an seiner Hand, trat der Administrator vor die Domina seiner Huslichkeit und sprach: liebe Fabia! ich bringe Dir hier eine werthe Verwandte, die Frau meines Bruders Constanz, und also Deine Schwgerinn, so wie Du mir. Lasse die gute Therese Dir herzlich empfohlen seyn, da sie einige Zeit bei uns verweilen wird. Frau Fabia brachte mhsam ein fremdes Lcheln der Bewillkommung auf; der Administrator war desto freundlicher. Die eisige Klte dieses Empfangs versetzte ihn durch die natrlichste Gegenwirkung in einen Wrmegrad, der unter allen Launen dieser christlichen Juno dem Quecksilber der zweiten Schwgerinn Stand und Stange hielt. -- Am Abend spt versuchte der Stiftsverweser jenes blen Eindrucks Herr zu werden. Er sagte daher in einem Tone, der scherzhaft seyn sollte, aber doch anzglich war: nun Fabia! Du warst heute absonderlich schweigsam -- Du bist es noch. Ist es Verdru, da Dir das Vgelchen entgangen? o gnne ihm die Freiheit, das edelste Gut! oder zrnst Du, da ich Dir ein anderes eingebracht?-- Wenn Dich nur nicht selbst ein loser Vogel etwa angefhrt htte-- antwortete Fabia mit furchtbarem Ernste, woher weit Du denn, da jener Constanz Dein Bruder war? und diese Therese wirklich seine Frau? Groer Gott! rief ihr Schwager, welch ein Gedanke! woher ich es wei? dieselbe Stimme hat es mir versichert, die mir sagte, da Dein seliger Mann mein Bruder sey, und mir Brgschaft leistete fr die Wahrheit seiner Aussage. Es giebt eine innerste Gewhr dafr, Fabia! Nicht jeder Stimme mu man glauben-- erwiederte Fabia, indem sie sich entfrbte, und unwissend, da sie eine classische Stelle recitire, der Lgengeist kann alle nachahmen. -- Und wre denn solch ein Betrug etwa unerhrt? knnte jener junge Mann nicht ein Abenteurer gewesen seyn, der seine sogenannte Frau gern los seyn wollen? -- Wie manches Kind-- Fabia stockte, immer mehr verblassend -- wie manches Kind, wollte ich sagen -- ist durch hllische Spiegelfechterei arglosen Menschen als eine lebenslngliche Last aufgebrdet worden? Denke nur an mich! wir werden die Dame sobald nicht wieder los werden, und jedes fremde Einschreiten sollte wohl bedacht seyn.-- Herr Prlat sah seine Schwgerinn mit leiser Bengstigung an; es war, als ob ein dunkler Schatten von Furcht an ihm vorberschwnde. Fabia! entgegnete er um so heftiger, als er sich von ihrem Tone ergriffen fhlte, welch ein Geist des Mitrauens und bler Weissagung ist heute in Dich gefahren? Du wrest im Stande, mich zweifelhaft zu machen, Wer ich selber sey. -- Dein Betragen war nicht schwesterlich, auch nicht gegen _mich_. Du bewirthetest die arme Therese, an deren Stelle mir der Appetit zu diesem Auffenthalt vergangen wre, mit kurzen Redensarten, einer sauersen Sauce, wie man sie zu einem Kalbskopf giebt, fr den Du mich hltst. -- Was meinst Du denn, das ich htte thun sollen? dem Bruder etwa meine Hand weigern, da er mir die seinige zum erstenmale entgegen reichte? seine Bitte abweisen, oder warten, bis er mir den Taufschein zeigen knne? -- Fabia! Fabia! Gastfreundschaft ist eine Blume der Humanitt, welche auch von Horden und Heiden gepflegt wird. Jngst las ich -- und es hat mich innigst gerhrt -- in den ungeheuern Flchen Nubiens sind kleine Zelte gesteckt, darunter die Einwohner des nchsten Ortes ein Gef mit Wasser fllen, da die Reisenden nicht verschmachten drfen im heien Sande -- und dieser Gebrauch wird heilig gehalten von jenen Negern. Sollte denn die goldne Kuppel des Klosters, was man ein Gotteshaus nannte, einem matten Blick der das Nchste nicht absieht, nur ein Blendwerk seyn, und weniger probehaltig, als das Dach von geflochtenem Bast, womit der Wind der Wste spielt? -- Du sprichst den Ruhm einer guten Christinn an -- besinne Dich, wie oft die Apostel die geheiligte Pflicht einer gastfreien Aufnahme den Bekennern ihrer Lehre empfehlen. Herberget gerne! Seid gastfrei ohne Murren -- doch Du kennst die Vorschriften der Bibel besser, als ich. So gleiche denn der Wittwe von Sarepta, deren gesegneter Oelkrug nie erschpft wird. Sey gelinde, Fabia! doch giee nicht Oel ins Feuer. Du schlgst mir die Hoffnung nieder, da Therese eine Schwester an Dir finden wrde -- doch schlgst Du mich damit nur zu ihrem Ritter, und zwingst mich, sie gegen Dich zu vertheidigen. Diese letzteren Worte ihres Schwagers wirkten am schlagendsten auf die Zweiflerinn. Sie hoffte, der Bruder ihres Mannes, auf den Frau Fabia ein mtterlich-eiferschtiges Auge hatte, werde sich in der Anfechtung behaupten -- und der Friede ward zwischen ihnen geschlossen.-- Dieser erste Abend gab den Ton an, der sich whrend der Anwesenheit Theresens im Stifte nie in Harmonie aufls'te. Unsere Leser finden ihn in der Dissonanz, womit die Geschichte dieses Buches anhebt. Seltsam war es jedoch, da die Vorhersagung der Frau Fabia sich als richtig bewhrte, es ist traurig -- aber es _ist_ in Wahrheit, da der Erfolg das Mitrauen fterer rechtfertiget, als die Zuversicht. Constanz schrieb nach langer Zeit -- es muten Briefe verloren gegangen seyn -- aus weiter Ferne. Er war dem Interesse des Gesandten verkettet, und konnte die Fessel nicht sprengen; doch vertrstete er sich und sie wie ein Liebender. So hatte zweimal schon die Laube der Posthalterei zu Leidthal geblht, und Therese, die sich behaglich in Sanct Capella eingerichtet hatte, und deren Sinn in harmloser Lebensphilosophie der Gegenwart angehrte, dachte je lnger, je _leiser_ an jenen Tag des Abschieds. Nur in bsen Stunden wnschte ein banges Gedenken ihres Mannes ihn zurck, und ein Gefhl, da sie hier nur gelitten sey, und deshalb leide -- kam ber sie. Therese hatte mehr ein Gemth fr die heitere Lust des Lebens, die jeden Augenblick geniet, als fr der Liebe tiefe Sehnsucht. Das letztere Schreiben hatte eine nahe Rckkehr hoffen lassen, die nur noch von einigen Ausgleichungen abhnge. Seitdem aber besttigte kein Weiteres diesen Abschlu und da auf seine baldige Ankunft zu rechnen wre. Dies Alles hatte, in eine prcise Mittheilung gedrngt, der Administrator, dem wir vielleicht die schweigende Krze der Erzhlung ablernen mgten -- dem Major Feldmeister vertraut. Und dieser erwiederte jetzt: ich sehe wohl, Freund! Sie konnten fglich nicht anders -- Sie knnen weder dafr, noch etwas ndern, obzwar, ich behaupte es redlich, solch ein Zusammenleben _nichts taugt_. Verlangen soll es mich aber doch, ob der Herr Bruder kommen wird? =ad vocem!= _kommen!_ es kommt noch Jemand, Freundchen! mit Ihrer Genehmigung, versteht sich. Diesen Morgen schon wollte ich es Ihnen sagen; aber die lieben Schwgerinnen hatten mich in Mitleidenschaft ganz confus gemacht, und das Bein hier hat mir das Gedchtni abwrts gezogen.-- Der Major fuhr mit der Hand sacht an dem gichtischem Knchel nieder, streichelte den Faust und hob an: es giebt eine Sympathie der Erfahrung. Gestern frh erhalte ich ein Billet vom Obrist Milch; ein Name fr ein Wochenkind, und nicht fr einen Soldaten, nicht wahr? dieser mein alter Freund sollte _Feuer_ heien, denn er hat den Teufel der Bravour im Leibe. Also: er thut mir schriftlich seinen Wunsch kund und zu wissen, mich in der Posthalterei in Leidthal zu sprechen, da die Zeit ihm nicht erlaube, den Umweg ber Sanct Capella zu nehmen. Er kam mit seiner Frau von D--. und hatte den Reitknecht von der letzten Station aus zum Behuf der Eile voraus gesandt. Ich machte mich alsbald auf. Die Obristinn sa, weil es drauen so hbsch und drinnen dunstig hei war, in derselben Laube, und, ich wollte wetten, nicht einen Zollbreit weiter auf der Bank, als Therese. Ihr Gesicht war hochroth von der Herbstluft, der Obrist aber fror ein wenig, und trank ein Glas Wein; die offne Flasche stand auf dem Tische. Wir waren die Alten. Der Obrist scherzte ber die Glut seiner Frau, und sagte, sie htte meinetwegen wie auf Kohlen gesessen. Du knntest von uns sagen, setzte er hinzu, wir shen aus wie Milch und Blut -- das giebt ein zartes Bouquet, Du darfst es nur binden. Und dabei umarmte er mich derb und herzlich. Er ist so dick geworden, da man ihn wie ein Fa binden mgte -- taugt nichts, solche Corpulenz. Unterdessen verduftet dies Bouquet hier -- antwortete ich, und steckte den Stpsel in die Flasche. Du bist recht hbsch geworden in der Carthause, spttelte der Dicke, das wird deinem Neffen drollig vorkommen. Er empfiehlt sich, und will Winterquartier bei Dir machen. Ist der Junge toll? platzte ich heraus; doch es wird wohl nur Dein Spa seyn. Die Obristin lachte wie Dame Kobold. Nein, nein! versicherte ihr Mann, es ist dem Lieutenant voller Ernst damit, und da Du es nur weit, er will einer hoffnungslosen Leidenschaft entfliehen. Der Obrist machte eine serise Miene. Ich gerieth in Harnisch und sprach: das wre mir gemthlich, da ich ihm Zuflucht gbe vor einer dummen Liebschaft, die nichts taugt. -- Er hat sich um einer Dame willen geschossen -- entgegnete mir Jener kleinlaut: gnne ihm daher die Hospitalitt Deines Klosters, da er in dieser Abgeschiedenheit Ruhe habe, und an Seel und Leib genese. -- Mgte Einem nicht gleich der Schlag vor Aerger rhren! rief ich entrstet, und der Schrecken war mir wirklich in alle Glieder geschlagen; ich hielt den Rudolph fr vernnftig. Erzrne mir den Major nicht -- sagte die Obristinn begtigend, und erzhlte mir nun eine nrrische Historie, die den Lieutnant forttreibt und Ursach seyn wird, da er um Versetzung anhlt. In seiner Garnison lebt eine alte adelige Dame von wunderlicher Art. Ihre Wohnung ist ein Antiquitten-Cabinet, sie selbst geht schlumpig einher, und stets wie ein Kinderspott der Redoute. Man hlt sie fr reich, doch auch fr geizig, denn auer der Fliege, der sie das Leben schenkt, kann sich kein lebendes Wesen einer Gabe von ihr rhmen. Ihr Anblick mu etwas Unheimliches haben. Wer sie sieht, weicht ihr aus--, die Fee Fanferlsche, diesen Namen fhrt sie. Und doch ist dies verrufene Mtterchen ein alter Ueberall. Vor Kurzem ist zu Ehren einer stdtischen Feier groer Ball, und alle Honoratioren sind geladen. Alles ist im hchsten Glanz, die Damen im allerschnsten Putz sitzen wie am Faden gereiht. Da tritt jene Alte in den erleuchteten Saal, wie eine gespenstische Mode des vorigen Jahrhunderts -- sagte die Obristin. Es entsteht ein Aufsehen, die kleine Gndige kommt ins Gedrnge, wird abseits geschoben und verliert einen Schuh. Doch was fr einen? Frau von Milch hatte die Gte mir das =corpus delicti= zu beschreiben. Ein Pantffelchen von geblmten Silbermoor, mit einer Schleife vorn von gesponnenem Glase. Ist es nicht, sagen Sie Freund, als ob man in der blauen Bibliothek aller Nationen lse? Der Administrator nickte lchelnd. Ein allgemeines Gelchter! fuhr Major Feldmeister fort, die Offiziere zerren den Schuh hin und her -- da schwankt die Alte, wird bleich wie Asche, als wrde sie auf der Stelle zusammensinken. Mein Neffe -- ein braver Junge ist der Rudolph doch! strzt wie ein Satan herbei, spricht davon, wie wenig Ehre dabei sey, eine kindische Matrone blozustellen -- reit den Pantoffel von der Sbelspitze, womit ein Jger-Offizier ihn aufgespiet hat, hebt die Alte in einen Sessel, und zieht ihr vor vielen hundert Augen ihren Schuh wieder an. Der Major athmete tief. Dies ist ein hbscher Zug vom Lieutenant Feldmeister, fiel hier der Freund seines Oheims ein, der mir sehr gefllt. Es gehrt meines Bednkens ein grerer Muth dazu, diesen kleinen Pantoffel zu fangen, als einen feindlichen General; und es mag dem braven Artilleristen leichter geworden seyn, sich einer tchtigen Salve auszusetzen, als dem Arsenal des Spottes. Das Gefhl, was einen jungen Mann seines Geprges gegen die Schmach einer schutzlosen alten Frau bewehrt, ist wahrhaft gloris. Das meine ich auch-- sagte der Major, und seine Augen funkelten. Mein Neffe, fuhr er fort, war der Held des Abends, tanzte aber keinen Schritt. Jener Offizier hatte sich fr beleidigt gehalten, und den Rudolph auf Pistolen gefordert. Er ward in die Achsel verwundet, aber nicht schwer. Sein Gegner kam auch nicht ungehuscht davon. Man witzelte leise: des Lieutnants Dame htte einen Schu, und er nun auch einen; doch Niemand wagte mehr ein lautes Wort an ihn; denn wie vertrglich der Junge auch ist, er htte sich mit dem ganzen Offiziercorps gerauft. Die gndige Alte rauft sich die eisgrauen Haare aus, als sie erfhrt, der junge Mann htte ihretwegen mit blauen Bohnen gespielt. Die Geschichte machte Furore. Wie nun der arme Rudolph des Abends allein liegt, meint er, das Wundfieber stelle sich ein, und glaubt ein Phantom zu sehen. Vor seinem Bette bewegt sich ein Quantli, die Kammerfrau der Dame Fanferlsche, klein und krppelhaft wie ein verdorrter Zwergbaum. Sie sagt: wie es der Gndigen doch so jmmerlich leid thue, da der Herr Lieutnant sich Unannehmlichkeiten zugezogen htten. Sie bitte ihn durch den Mund ihrer Dienerinn, seines jungen Lebens zu schonen, und beifolgende Kleinigkeiten zur Linderung seiner Schmerzen von ihr anzunehmen. Dabei packt sie aus. Binden, fein wie Battist, Charpie, Eingemachtes in Tassen, vom Superlativ einer Porzellain-Fabrik, wie sie der Kaiser von China von seinem Ahnherrn geerbt haben mag, Tamarinden zum Beispiel, deren eingesottner Zucker versteinert war, und die, wie mir die Obristin sagte, eine wirksame Kraft haben sollen, das Fieber zu vertreiben. Zugleich schickt sich die uralte Zofe an, meinen Neffen zu pflegen und die Nacht ber bei ihm zu bleiben, und thut wie zu Hause. Darber wird nun der Rudolph beinahe grob. Er sagt, sein Bursche halte Wacht bei ihm und auf Ordnung: so bedrfe er Niemandes. Nichtsdestoweniger bleibt die Servante freundlich und hflich, und kommt von nun an alle Morgen, die Gott der Herr giebt, um sich nach dem Befinden meines Neffen zu erkundigen, und immer bringt sie etwas zugeschleppt, eine Nachtlampe sogar, einen kleinen Futeppich vor das Bett, damit er nicht hart auftrete, und hundert Kleinigkeiten, auf die ein Garon nichts giebt. Der Regiments-Chirurgus sieht es, lchelt und schweigt -- und dieses Lcheln schneidet dem Patienten tiefer ein, als sein wundrztliches Messer. Einmal nur sagt Jener: Sie scheinen die Wunderlampe berkommen zu haben, die dem Aladin verloren ging -- nehmen Sie nur Ihr Glck besser in Acht -- lieber Feldmeister. Aber dem Rudolph ist der Gedanke unertrglich, da auf der Kugel, auf die er sein Leben gesetzt, solch eine gruliche Fortuna stnde. -- Und als nun die Geschftstrgerinn kommt, und ihm, Namens ihrer Dame, ein schnes Logis im Hause derselben anbietet, auf da die Gndige ihm ihre Dankbarkeit nahe und anders noch beweisen knne -- da schttelt er sich, und dies berhufte Vergelten eines kleinen Dienstes, den er am liebsten vergessen mgte, wird ihm ber allen Ausdruck widrig. So trgt der arme Junge, dem es in seinen Verhltnissen so wohl gefiel, darauf an, da er versetzt werde, und einstweilen will er hierher kommen. Was meinen Sie nun dazu? Ich kann es dem Lieutnant Feldmeister nicht verdenken-- antwortete der Administrator, und wrde in seinem Falle vielleicht eben so denken und handeln. Diese Erfahrung liefert wieder einen Beweis, da man Jemand durch die strkste Nothhlfe nicht halb so sehr verpflichtet, als wenn man ihn einer kleinen Verlegenheit berhebt. Und dann auch, da die Ritterlichkeit im Benehmen eines Mannes das Geheimni jedes Sieges ber eine Dame enthlt, sie mge nun eine Methusala an Jahren, und so geizig und hartnckig seyn, wie sie nur wolle. Solcher Courtoisie widersteht Keine.-- Der Rudolph wrde, sprach der Major, dem Verdacht der Erbschleicherei, dem niedrigsten, der auf einem ehrenwerthen Menschen haften kann -- auf keine Weise entgangen seyn. So ist es gut, da er Reiaus nimmt. Diese Retirade lasse ich mir gefallen. Sie haben als Vorstand unseres Invaliden-Hauses also nichts dawider, da der wackere Junge fr einige Monate meine Wohnung theile?-- Es wird fr ein apartes Zimmer gesorgt werden, sagte Herr Prlat, und da ihr Neffe sich hier so gemchlich als mglich fhle. Ist doch Raum bei uns da -- wie im Himmel; und sollten wir alle Diejenigen aufnehmen, welche ihrem Vortheile entfliehen, so wrden wir noch Gela brig behalten. Des Majors Gesicht verklrte sich. Er blickte in helle Abende und sprach: Wir spielen das l'Hombre alsdann mit dem Moor -- der Moorhausen scheint mir in Eine Ihrer Schwgerinnen verliebt, denn er qult mich bestndig, ihm Entree bei den Damen zu verschaffen. Nun -- mit Dem hat es keine Gefahr. Aber -- Hm! wird auch der Rudolph Unheil anrichten im Stifte? Frau Therese ist ein entzndbarer Stoff, und die Kleine wahrhaftig hbsch genug. _Die_ bewacht Fabia-- versetzte der Administrator mit trber Ruhe. Was das betrifft-- entgegnete der Major, meine Frau sang ein altes Lied, was ich immer gern hrte; es hatte einen Refrain: denn wenn ich nicht selbst mein Herz bewache, o so hilft kein Argus und kein Drache. Mit allem Estime gegen die Frau Schwgerinn gesprochen. Josephine ist ein stilles Wsserchen-- Und _tief_! fiel Herr Prlat ein, aber im reinsten und hchsten Sinne. Sie gleicht einem jener lichtentfloenen Strme, die Swedenborg entzckten Geistes flieen sah. Der Major sah seinen Freund nachdenklich an und sprach: auch wnsche ich von Herzen, da dies Bchlein in das Bette eines Flugottes geleitet werden mge, der es nie in Thrnen flieen lt, sie mten denn vor Freude geweint seyn.-- Jener schwieg. Einige Wochen waren seitdem den Bewohnern von Sanct Capella gleichfrmig vergangen. Jetzt war der Christmonat da, und mit ihm jene winterheimliche Stille, selbst in der Natur, wie sie um das heilige Dunkel dieser Zeit webt, die huslichen Verbindungen enger schlingt, und die kleinen Geheimnisse der Freude und Liebe an das groe Geheimni der Weltbeseligung knpft. Die Frauen beschftigten sich einsam, vergngliche Ueberraschungen zu bereiten, sogar Schwester Veronica fertigte einige klosterknstliche Gaben in verschlossener Zelle an, zu Weihnachtsgeschenken fr ihre Freunde. Dessenungeachtet fehlte es an geselligem Verkehr nicht, und mancher lichterfreundliche Abend ward traulich plaudernd, hier oder da, hingebracht. Bei dem Gerichtshalter Gottschalk -- einer liberalen Familie, welcher, wie unsere Leser sich erinnern wollen, zu Anfange dieser Erzhlung erwhnt wird -- und der nicht im Kloster, sondern in einem dazu gehrigen Gebude wohnte, waren die Staabsoffiziere von Sanct Capella freundlich aufgenommen, und auch Fremde fters da zu finden. Therese gefiel sich sehr dort. Ihr Schwager hingegen nahm selten Theil an diesen muntern Zusammenknften, und Frau Fabia gar nicht. Der Administrator hatte es aus Neigung wie mit Absicht vermieden, um vornehmlich Fabiens strengen stillen Geist nicht zu beleidigen, sein Wohnzimmer zu einer militairischen Ressource zu machen. Major Feldmeister gehrte nicht in jene ausschlieende Regel; doch dachte er zart genug, um nur bescheidenen Gebrauch von einem Gunstrecht zu machen, das ihm zu jeder Zeit und Stunde den Eintritt in den weiblichen Hauskreis seines Freundes gestattete. So geschah es auch nur ausnahmsweise, wenn Einer oder der Andere der Offiziere ihn dahin begleitete. Das l'Hombre, wovon der Major redete, ward zumeist auf seinem Zimmer gespielt, und Hauptmann Moorhausen, ein Mann von lebhafter Phantasie und khner Darstellungsgabe, war der Dritte von dieser Parthie. Deshalb stand der Letztere zu dem Stiftsverweser in etwas nherer Beziehung als die Uebrigen. Auch fhlte Herr Prlat, oft abgespannt und ermdet von Geschften, es als eine gesunde Wohlthat, da sein Zwergfell erschttert werde. Man hatte jeden Gedanken an eine kleine gesellschaftliche Ueberraschung zu dem Geburtstage des Administrators fallen lassen. Von jenem Streit an, der die Schwgerinnen entzweite, schien die Stimmung der beiden Frauen ausgewechselt zu seyn. Fabia gab sich alles Ernstes Mhe, Theresen den kleinen Vorfall vergessen zu machen, und sich ihr freundlich zu erweisen; so wie Therese ihrerseits sich htete, Fabien zu nahe zu treten. Wenn nun jedes Wohlwollen heiterer macht und auch liebenswrdiger, so gewann Frau Fabia am meisten bei diesem Bestreben, auch in den Augen ihres Schwagers, da hingegen Therese durch leisen Bedacht eines ihres natrlichsten Reizes beraubt ward, jener Hingebung an die Freude, an das Vertrauen, da alle Menschen von ihrer guten Gesinnung berzeugt seyn mten, weshalb sie sich denn auch ganz unbefangen gehen lie. Jetzt war sie in sich gekehrt, eine sehnende Stille hatte dies regsame Wesen beschwichtiget. Sie sprach davon, wie ihr eine innere Stimme sage: Constanz werde nun nchstens kommen, und nur den Wunsch damit aus, da es geschehe. So oft ein Wagen vor das Kloster rollte, fuhr Therese mit der Hand nach dem Herzen, weil es hochauf klopfte -- und dem Munde des Majors entfuhr gleichzeitig ein gelinder Fluch, wo der Rudolph nur bleiben mge? denn Zgern und Zaudern, meinte sein Oheim--, dies tauge nichts.-- Schwester Veronica beschenkte den Administrator zu seinem Wiegenfeste mit einer Rose, die sie mit unsglicher Sorgfalt fr ihn gezogen hatte. Als er sich in das Anschauen der Blume versenkte, wehete ihn ein Hauch aller Frhlinge an, die er gelebt, ein Auferstehungs-Athem gestorbener Freuden -- und er uerte, wie es doch nur mglich gewesen, dem starren Winter dies weiche zarte Leben zu entlocken?-- Schwester Veronica lchelte und sprach: der Liebe und Freundschaft ist alles mglich; und ein warmes Herz ist ein gutes Treibhaus fr die Blumen jeder Zeit. Diese Rose ist gekommen, wie ich es wnschte, auch das Knspchen daran war mir lieb. -- Heute, gerade _heute_, hatte sie ihren Kelch erschlossen, es rhrte mich, da ich es sah -- wie man die Brust ffnet einem frohen Tage: trinken Sie den gttlichen Odem der Freude daraus! Der Administrator drckte gerhrt die Hand der alten Nonne und dankte ihr; ein stilles Bedauern ging durch seine Seele, da diese treue Hand nur _Rosenkrnze von schwarzen Perlen_ umschlungen htten. Schwester Veronica hatte auf dringendes Bitten versprechen mssen, den Abend bei ihren Freunden zuzubringen. Auch Major Feldmeister und Hauptmann Moorhausen waren eingeladen. Josephine deckte den groen runden Tisch; der Wirth desselben brauete eine Bowle. Therese kleidete sich an, die Mnner zu berauschen, Fabia schaltete in der Kche. Er sah das Mdchen geruschlos hin und her weben; alle Bewegungen Josephinens waren leise und harmonisch wie ihr Sprachton, so da, als sie aus einem Krbchen Glser und Teller nahm, und achtsam niedersetzte, nur ein sanftes Klingen, doch kein Klirren, das, was sie that, verrieth. Herr Prlat verlangte die Citronenpresse, Josephine reichte sie ihm. Er forderte darauf ein Messer, und nahm es aus ihrer Hand. Er sah mit heiem Blick in die schnen Augen des lieben Kindes, der Gedanke an den reinen Himmel, der darin schimmerte, war diesem Blicke nicht fern. Und er sprach: weit Du wohl, was Abraham a Sancta Clara sagt? Ein Mdchen soll seyn wie eine Citrone, und auch nicht wie eine Citrone, es soll einen Stern im Herzen tragen, und doch Niemandem das Leben sauer machen. Das thust Du nicht, mein ses Kind! Du bist biegsam -- voll Kern -- ein Zuckerrohr-- der Administrator warf im Verhltni zu diesem Lobe ein blitzendes Randstck feinster Raffinade in die starke Mischung. Josephine lchelte, als htte sie den Geist derselben oben weg geschpft getrunken. Sie antwortete: ach Onkel! dieses Urtheil giebt nur die Gte ab. Die Mutter klagt doch manchmal ber mich! und tadelt mein trumerisches Wesen; so sagt sie oft, ich ginge so zerstreut umher, als wisse ich vom hellen Tage nichts, und knne nicht bis auf Drei zhlen. Herr Prlat hatte, whrend Josephine diese Worte sprach, einen Lffel vom Etisch gelangt, ein schwarzes Pnktchen, was in der goldenen Flche schwamm, damit zu fischen. Sein Auge umzirkelte im Nu die gastliche Tafelrunde, und er antwortete im Tone schmeichelhafter Mibilligung: da thut sie Dir nicht Unrecht, meine Kleine. Du hast acht Couverts gelegt. Wie viel sind Unserer? auf _Sieben_ wenigstens kannst Du nicht zhlen. Doch das ist auch eine bse Zahl, -- dieser Irrthum, diese Achte geht in der Achtung Deiner lieben Seele fr das Gute auf. Josephine errthete und nahm das Gedeck hinweg. Sie erwiederte: es wird ein Gast kommen, auf den wir nicht gerechnet haben. So oft ich einen Stuhl zu viel setzte, geschah es. Nun, so mge es denn Constanz seyn-- sagte sein Bruder, denn es will mich bednken, als sehne Therese sich nun fort. Eben trat sie ein. Auch die Andern kamen. Man a, trank, und war vergngt. Auf einmal stie Therese einen hellen Schrei aus, und fuhr mit der Hand nach dem Munde. Alle schrieen erschrocken auf, so da auch Faust mit Geheul empor sprang. Sie hatte sich an einem Rebhhnerbeinchen die Spitze eines Seitenzahns ausgebissen, und zeigte mit weinender Wehklage den kaum sichtbaren Makel und das abgesprengte Stckchen Emaille. Man trstete und spttelte wirr durch einander; aber Therese lamentirte dessenungeachtet, als wre ihr eine unersetzliche Perle aus der Krone des Lebens gebrochen. Man bemerkt es gar nicht, ich schwre es Dir! betheuerte ihr Schwager, als Therese gestand, ihr zitterten alle Glieder. Es ist ein hbsches Zhnchen und mehr nicht, sagte der Major, lassen Sie es geknikst seyn. Wie wollten Sie thun, wenn Ihnen das Herz bricht? -- Um das Bischen Glasur so zu verzweifeln! das Zerbrechliche allzusehr lieben--, taugt nichts. Und die Nonne versicherte in einer Theilnahme, welche allein in der Stimme des Trostes sprach, Therese wre ja noch schn genug. Beruhigen Sie Sich, meine Gndigste, sagte Hauptmann Moorhausen, ich wnsche, ich knnte Ihnen Ersatz geben, auf Ehre! und mithin ein wenig von meiner Constitution. Das Naturell meiner Landsleute ist so vegetativ, da es gar nichts Seltenes ist, wenn gesunde Personen drei bis viermal Zhne bekommen. Wie Sie mich hier sehen, sind das meine fnften. Er fletschte das Gebi, dies gab seiner Physiognomie einen so affenartigen Ausdruck, da die Damen anstatt zu bewundern, sich davor entsetzten. Theresens Thrnen standen still. Der Major rief: Sechser, Moorhausen, Sechser! Der Hauptmann stutzte einen Augenblick, lie sich aber, einmal im Zuge, nicht stren und sprach: ich bin berhaupt mit einer gewissen Unzerstrbarkeit geboren. Als die Schlacht bei *** vorber war-- nun sind wir geschlagen-- murmelte der Major seinem Nachbar zu, er rckt ins Feld-- wir hatten den ganzen Tag hindurch gemetzelt-- die Nonne faltete die frommen Hnde, und ber Josephinens Gesicht lief ein banger Schatten, das gute Kind verga, da jene erschlagenen Feinde auch nur Schatten wren--, fhlte ich mich der Ruhe bedrftig. Man wird vom Todtmachen zuletzt mit todt; redete der Hauptmann weiter. Ein Stndchen nur htte ich schlafen mgen; ich streckte mich auf einen lndlichen Kirchhof hin, und dachte, ich htte brav gethan, und knnte mir nunmehr auch eine Gte thun. Das Schieen dauerte fort -- ich hrte es dumpf im Traume. Als ich am folgenden Morgen erwachte, meinte ich, der jngste Tag wre gekommen. Zerstreute Glieder lagen um mich her, hier war eine Granate zerplatzt, dorthin eine Bombe geflogen: in meiner offnen Hand hatte sich eine kleine Kugel gefangen, und nur einen rothen Fleck nachgelassen. Das war doch Mnze, Alterchen? rief der Major. Wie meinst Du das, Herr Bruder? fragte der Hauptmann verblfft, glaubst Du vielleicht, ich flunkere? auf meine Ehre! die Kugel war noch _lau_! Jeder Achill hat seine Ferse-- fiel hier der Administrator ein, dem diese Versicherung zu warm war, und der da wute, da der Major auch hitzig werden konnte, der Ihrigen, Herr Hauptmann, verdanken wir das Glck, Sie zu besitzen. Der martialische Moorhausen, seiner unempfindlichen Natur getreu, beachtete den empfangenen Stich nicht. Durch einen geschickten Wurf schleuderte der Major den tapfern Hauptmann vom Champ de Bataille auf den Boden seiner Heimath, dessen ungemeine Ergiebigkeit ein Lieblingsthema seiner Rede war. Er sprach: die Seeluft Eurer Provinz strkt die Natur dort so riesenhaft -- ist's nicht so, Moorhausen? was Du mir davon erzhlt, ist wirklich zum Erstaunen. Der Hauptmann lchelte wie ein schaffender Gott. Ueberall hervorbringende und ergnzende Kraft-- sagte er, unendlich glcklich. Nach einem fruchtbaren Gewitterregen war in einer Nacht auf meinem Gute das Getreide um ein und eine halbe Elle gewachsen -- auf Ehre! Das wissen sich die ltesten Leute keiner Zone zu erinnern-- sprach der Administrator mit duldsamer Ironie, und der Major konnte sich nicht enthalten, zu bemerken: wenn das in der Progression so fortgegangen wre, so htten die Engel im Himmel die Frchte Deines Feldes einsammeln knnen, whrend die Bauern das Korn an der Wurzel schneiden drfen. Alle lachten. Dieser beispiellos gesegnete Gutsherr fhlte, ungekrnkt, auf welche Weise er zu einem erheiternden Mittel fr die Gesellschaft wrde. Angeregt durch ihren Beifall fuhr er fort: ein andermal htte der Schaden eben so gro seyn knnen. Bei einem ungeheuern Sturme entstand ein glsernes Krachen in der Luft -- als wenn die Giganten Zank bekommen htten, und sich Gletscher an den Kopf wrfen. Es hatte geschlot -- die Felder lagen voll Eisklumpen, wovon der kleinste im Unfang dieser crystallnen Butterglocke war. Ich lie das Eis auf Wagen an das Seeufer schaffen. Alles, was Hnde hatte, mute dran; es war eine Lustparthie, wie in den Gefilden von Nova-Zembla. Ein armer Mensch erfror sich die rechte Hand dabei, sie mute abgenommen werden, und er erhlt noch jetzt eine kleine Pension von mir. Und grade in diesem Jahre war es, wo mein Weizen schner blhete als je! -- Ich stand mit Resignation an jener Eiswste, und dachte es nicht. Die Sonne schien wie in einen zersprungenen Weltspiegel, ich trug eine Augenentzndung davon. Die Damen schlugen die Augen nieder, der Major blinzelte, als she er selbst in Sonne und Eis -- es herrschte eine groe Stille, als wre ein Engel durch das Zimmer geflogen, der Engel der Wahrheit aber war es nicht. -- Hauptmann Moorhausen empfand dies Schweigen. Er wollte einen mildernden Schatten auf jene glnzende Weizenbreite fallen lassen, und sagte nach einer kleinen Pause: es duchte mir selbst ein Wunder. Von Miwachs wissen wir in meiner Provinz gar nichts; doch eben so unbekannt -- und das wird Ihnen nicht weniger unglaublich vorkommen -- ist dort die Christfeier und das Osterfest. An eine Bescheerung denkt Niemand; weder vom heiligen Abend, noch vom heiligen Grabe, nimmt eine Seele Notiz. So erinnere ich mich, am Charfreitage auf einem brillanten Ball en masque gewesen zu seyn. Heiliger Gott! seufzte Fabia; ein mitleidiges Lcheln umspielte die Lippen der Nonne. Sie hielt den Hauptmann fr verrckt. Major Feldmeister hob seinen Blick an die Decke, und hielt sich die Seite. Selbst Therese verga ihre Betrbni und sprach: da machten Sie wohl den armen Schcher, Herr von Moorhausen? oder den Kriegsknecht mit der Lanze etwa? der Major bekommt schon Seitenstechen von diesem Gedanken -- oder den Pilatus mit einem Tfelchen auf der Brust, worauf die Frage stand: _was ist Wahrheit_? Der khne Moorhausen war doch vor sich selbst erschrocken, und vor dem Tone tiefster Indignation in Fabiens Ausruf. Dieser Seufzer zu Gott galt nicht der Verleugnung Christi, sondern dem Glauben an den Frevel der Lge, den der Hauptmann ihnen zumuthete. Er fuhr auf, als empre ihn der Gedanke, etwas Unrichtiges gesagt zu haben, nicht am Charfreitage -- wie ist mir denn? ich bitte tausendmal um Verzeihung! nein -- da hatten wir einen andern Spa -- am Tage Charitas, den achten October, zum Anbeginn der Wintervergngungen, war jene glnzende Redoute. Schwester Veronica athmete bei diesen Worten so erleichtert auf, als htte ihr Jemand das Kreuz des Herrn von Brust und Schulter genommen, auf der sie es getragen -- und Jener fuhr fort: doch um noch einmal auf das Vorige zu kommen, Sie knnten leicht durch meine Schilderung einen falschen Vorbegriff von den Bewohnern meiner Heimath fassen. Denken Sie Sich nicht etwa ein Vlkchen von barbarischen Sitten, Gott bewahre! es sind so charmante, humane Leute, selbst unter der gemeinen Classe -- die Oefen im Schlosse -- es fehlt an Tpfern in der Gegend, und an feinem Thon -- hat mir ein _Freimaurer_ gesetzt. Hier gab Herr Prlat, um Fabiens und der Nonne willen, dem Gesprch eine Wendung. Man gerieth in das Gebiet der Geheimnisse, und kam auf Trume, Ahnungen und dergleichen. Allen war dieser Stoff anziehend, Jedes gab seinen Beitrag. Es ist ein schner Glaube, sagte die Nonne, da es Geister giebt, die auf eine gottmgliche Weise dem blden Auge des Menschen sichtbar werden knnen. Schutzengel giebt es gewi; ich wei ein Beispiel. Schwester Hedwigis, eine geistliche Jungfrau unseres Stiftes -- sie ruhet lngst -- besucht als ein lebenslustiges Frulein eine verwandte Familie. Sie liegt im ersten Schlafe, und fest, wie die Jugend schlft, nach einem ermdenden Tage. Da hrt sie sich bei ihrem Namen rufen, ngstlich und dringend. Sie wacht auf, und Niemand ist zu sehen. Kaum wieder eingeschlummert, wird dieselbe Stimme laut, und flehentlicher als zuvor: sie solle das Lager sogleich verlassen. Dem Frulein kommt ein Grauen an; es springt aus dem Bett, und sieht bei hellem Mondschein eine lichte Gestalt die Urne des Ofens umklammern. Oft hat mir Hedwigis versichert, und ihrem Munde entging gewi kein unwahres Wort -- die Flgel dieser Erscheinung htten geschimmert. Das Haus erbebt in einem frchterlichen Getse. Ein Theil der Decke, und der altfrnkische Ofen war eingestrzt, und Hedwigis wre im Schlafe erschlagen worden, wenn jene Stimme ihres Schutzgeistes sie nicht gerettet htte. Man fand das Frulein ohnmchtig im Nachtgewande auf den Stufen; alle Bewohner verlieen, erschttert von diesem Vorfall, das Haus, welches berhaupt schon baufllig gewesen seyn mag. Durch Hedwigis Seele bebte diese Erinnerung fort und fort. Sie dachte, da der Himmel ihr Leben sichtbar beschtzt htte, und weihete es ihm. Josephinens Blick schimmerte auch, und hing noch an den Lippen der Nonne, als diese sich schon wieder geschlossen hatten, um einem Andern das Wort zu vergnnen. Auch ich wte eine merkwrdige Vorbedeutung zu erzhlen-- sagte Frau Fabia mit tiefgesenkten Augen, denn sie schauten in die Geheimnisse der Grber --, die mich berzeugt, da wir mit seligen Geistern, mit den Todten in naher Verbindung stehen.-- Aller Blicke richteten sich auf Fabia, kein Athem ward laut, und diese horchende Stille schien um die Mittheilung zu bitten. Sie begann leisen und langsamen Tones: ich war noch im Hause meines Vaters, der auch Beamter des Grafen Frankenstern war, als der Justitiarius desselben starb. Er hinterlie schnes Vermgen, und eine einzige Tochter, den Abgott der Mutter, die noch lebte. Wir waren ein Herz und eine Seele, und wenn Minna einige Jahre mehr als ich zhlte, und mir an Geistesbildung wie an Talenten berlegen war, so hatte ich husliche Kenntnisse und den Starkmuth voraus, den eine christliche Erziehung mir gegeben, und war sonach dem Leben, wie es nun einmal ist, voll Angst und Mhe -- besser als meine Freundinn gewachsen. Minna konnte sich nicht fassen, da ihr Vater der Welt Valet gab. Sie bedeckte seinen Leichnam mit Kssen und Thrnen, wie sehr wir sie auch baten, ihm die Ruhe zu gnnen; denn es ist nicht gut, wenn man ber einen Todten weint. Er nimmt dann heien Schmerz mit in die khle Erde -- und geht vom Himmel aus, ihn zu stillen. -- Meine Minna hatte sich einige Zeit vorher einem jungen Edelmanne verlobt, zwar mit Genehmigung der Eltern, aber der Vater sah diese Verbindung doch nicht ganz gern. Nicht, da er etwas Wesentliches gegen den knftigen Eidam gehabt htte, sondern, weil er aus mehr als _einem_ Grunde ein Miverhltni darin fand. So war der Geliebte Minnas fast in gleichem Alter mit ihr, und noch abhngig von seiner Mutter, die ein kleines Rittergut besa: dann konnte kaum ein Brautpaar, seinem Aeuern nach, so ungleich wie dieses seyn. Er, ein baumlanger Mensch, eine wahre Athleten-Gestalt; sie, ein zartes Heimchen, eine kleine Psyche, die ihm kaum bis an die Rocktasche reichte. -- Ein Sptter sagte: Minnas knftiger Gatte werde seine junge Frau, wenn sie einst guter Hoffnung sey -- in einem Kstchen mit sich auf Reisen nehmen knnen -- wie in einem hbschen Mhrchen zu lesen. -- Wie nun das Testament des Justitiars erffnet wird, findet sich, da er als unumstliche Bedingung der vterlichen Erbnahme den Punct gestellt hat, die Heirath der Tochter solle erst nach dem Ablauf dreier voller Jahre -- er bestimmt sogar den Tag, denn dieser Vater war ein sehr determinirter Mann -- vollzogen werden. Hieran war nun kein Jota zu ndern, und Alles wohl verclausulirt. Der Braut war dies Gebot ihres Vaters heilig; die Wittwe aber, die es nicht erwarten konnte, ihre Tochter als gndige Frau zu sehen, war damit sehr unzufrieden. Sie hatte Respect vor ihrem Manne bei seinen Lebzeiten gehabt; seinen letzten Willen scheute sie weniger. -- Eine Piett, bei der dies in umgekehrtem Verhltni Statt gefunden htte, legte dieser Frau zarte Pflichten auf. Sie dachte, wie sie den Verstorbenen und selbst den Gehorsam seines Kindes berlisten knnte -- und zog die Mutter des Brutigams in ihr Interesse, der damals auf Reisen war. Was aber ein rechter Mann ist, meine Herren-- hier lchelte die ernste Fabia, und das mnnliche Kleeblatt lchelte mit, der drckt auch mit der todten Hand einer widerspenstigen Frau den Daumen auf's Auge, und der Wittwe des Rechtsgelehrten lief eine schmerzliche Zhre heraus. -- Ein Jahr fehlte noch zum Ablauf der festgesetzten Frist, da wollte nach einem schriftlichen Uebereinkommen zwischen beiden Mttern die Edelfrau ihrem Sohne das Gut bergeben, die Acte war schon fertig -- und den Brutigam heimlich zurckrufen -- Minna und ihre Mutter dahin einladen, und dort sollten die jungen Leute am Geburtstage der Braut mit der Trauung berrascht, und gleichsam zu ihrem Glcke gezwungen werden. Alles war dazu vorbereitet. Nun hren Sie, was geschah! -- Der Justitiarius hatte ein eigenes Haus auf dem grflichen Gute, was seiner Frau als Wittthum verblieben war. Eines Tages besucht mich Minna. Sie sah sehr bla aus, und besorgt fragte ich um die Ursache. Du wirst mich ein Kind schelten, sagte sie, aber ich kann einen ergreifenden Traum nicht los werden. Ich brachte meinen Schreibtisch in Ordnung, verschlo alle Schbe -- da trat mein Vater ein, mit raschem Schritt, wie er kam, wenn er sich eine Minute fr mich abmigte, ganz in der Manier seiner lebendigen Eile. Ach Fabia! sagte sie, und Thrnen flossen ber ihre Wangen, ich habe ihn leibhaftig gesehen; aber seine Miene war bekmmert. Er sprach: da er mich nun nchstens abholen werde. -- All' meine Sehnsucht nach ihm ist mit mir erwacht. -- Ich suchte es dem lieben Wesen auszureden. Einige Wochen waren seitdem vergangen, das Wetter fing an, frhlingsschn zu werden, und jener einladende Brief, der die ahnungslose Braut an den Altar lockte, war gekommen. Da kam Marie, und vertrauete mir, da jener Traum sich seltsam wiederholt htte. Sein Auge zrnte, so erzhlte sie von der Erscheinung ihres Vaters, als er den Brief meiner Schwiegermutter liegen sah. Er verlangte, da ich ihm sogleich folgen sollte. Ich entschuldigte mich, da ich ja nicht angezogen wre. Er erwiederte: frgt _darnach_ ein Retter? und verschwand. Ich mu gestehen, da mich diese Worte sehr ngsten; es ist mir, als werde ich von irgend einem Unglck bedroht, und als wolle mein treuer Vater mir von Jenseits herber ein treuer Warner seyn. Wte ich nur, was ich zu thun, oder zu lassen htte! -- Mich selbst bestrzte diese Aussage, wenn ich es auch verbarg, da Minna ohnedies verstrt war. Acht Tage waren wiederum verflossen, binnen deren Verlauf wir uns wenig gesehen hatten -- da -- ich wei es wohl noch wie heute -- rumte ich meine Bodenkammer auf, und die Sonne ging unter, als ich mit diesem ermdenden Geschfte im Reinen war. Ich komme eben aufgeschrzt die Treppe herab, da steht Minna, wei wie eine Taube, und bittet mich mit kranker Stimme, ein wenig mit ihr spazieren zu gehen. Gern, meine Minna, wollte ich das, gab ich ihr zur Antwort; aber Du siehst selbst, wie eingestubt ich bin. So mu ich zunchst an ein Waschfest gehen, und dann mgte wohl die Feierstunde ausgelutet haben. Es drfte auf lange das letztemal gewesen seyn -- sagte sie: den Donnerstag geht es fort -- lieber Gott! auf das Gut, meinte sie. Ich mu mich zerstreuen, Fabia, sagte Minna mit einem krampfhaften Lcheln; denke nur, diese Nacht hat mich mein Vater wirklich abgeholt. Er trat eilfertig, in einen Pelz gehllt, in mein Stbchen, seine Taschenuhr in der aufgehobenen Hand. Nun ist es Zeit -- sagte er, und hielt mir die Uhr vor die erschrockenen Augen: sie stand stille. Ich eilte im Schlafrock an seiner Seite von hinnen. Vor der Thre stand ein Schlitten, der Schnee lag wie ein Leichentuch -- als ich einsteigen wollte, verlor ich einen schwarzen Schuh -- er sank tief ein. Den Fhrer sah ich nicht; aber der Schlitten sausete auf den Kirchhof zu. -- Mich berlief es kalt, fuhr Fabia fort, und auch ihre Zuhrer schien ein Frsteln zu durchrieseln. Am folgenden Tage, redete die Erzhlerinn seufzend weiter, kehrten wir erst spt von einer kleinen Ausflucht heim; ich schlief daher den nchsten Morgen etwas lnger als gewhnlich. Der Vater stand vor meinem Bette, im blendenden Schein der Frhsonne, und ich sah nicht bald, wie betrbt sein Auge war. Du hast sanft geschlafen, Fabia! sagte er, das hat Dich denn fr eine traurige Nachricht gestrkt. -- Minna ist recht krank ---- ich blickte in sein Gesicht und rief: o Gott! sie ist schon todt! -- Er nickte schmerzlich-still. -- Sie war in der verwichenen Nacht an einem Scharlachfieber gestorben, was nicht zum Ausbruch kam, und unsere kleine Promenade war ihr letzter Gang gewesen; denselben Abend noch hatte Minna sich gelegt. -- Den Donnerstag, der zu ihrer Abreise bestimmt gewesen, wurde meine Freundinn begraben. Als der Sarg, mit Krnzen behangen, die jungfruliche Ehrenkrone von silbernen Zitterblumen zu seinen Hupten, aus dem Hause schwankt, kommt ein Reisewagen angefahren. Es war der unglckliche junge Edelmann, der seine Braut abholen wollen auf das Gut der Mutter. Er kam nur gerade zurecht, ihr das letzte Geleit zu geben. Mit welchem herzzerreienden Schmerze -- davon will ich schweigen.-- Hier schwieg Fabia, und eine lange Pause feierte diese Erzhlung, welche bei der einfachen Ruhe ihres Vortrags von um so grerer Wirkung gewesen war. Man wute, und mit Achtung wute man es -- wie wahrhaft Frau Fabia sey, und mit gewissenhaftem Stolze sogar den Schmuck der kleinsten Zuthat verschmhe. Sie glaubte dessen nicht zu bedrfen, um das Interesse Anderer fr jene wehmthige Erinnerung in Anspruch zu nehmen. Endlich unterbrach der Administrator die allgemeine Stille und sprach: ich wrde den Versuch bedauern, solch eine Thatsache _natrlich_ erklren zu wollen; hier tritt das geistige Element hervor, und wir knnen nur verstummen. _Was_, in aller Welt, wre denn nicht wunderbar, oder ahnungsvoll? -- Nur unsere Sinne sind stumpf. Und ein Schutzfreund, wie er dort ein gefhrdetes Leben aus dem Schlafe weckt, hier Eines in den lngsten Schlaf lullt, wohnt gewi in eines Jeden Brust, wenn dieser Engel nur nicht so oft irdisch verbaut wre. In einer fr das Hhere erweiterten Seele findet er gewi Freiheit, zur rechten Zeit an das Herz zu pochen. Der Major, der vielleicht aus einem zu weichen Gefhl das Tragische nicht liebte, und als ein tchtiger Mann auf ebenem Boden eine Scheu vor metaphysischen Dissertationen hatte, ging nicht auf die Aeuerung seines Freundes ein, und dachte vielmehr bei Minnas verlornem Schuh an den Pantoffel, der seinen Neffen aus dem Felde schlug. Er hatte die Gewohnheit _laut_ zu denken, und so sagte er: nun sollte eine Sandale an die Reihe kommen. Meinst Du ein Fahrzeug, Herr Bruder? fragte Hauptmann Moorhausen: wohl ist dieser Stoff ein unerschpfliches Meer. Und Josephine sagte: die Sandalien der Jungfrau Maria in der Capelle sind wunderprchtig mit Gold und Perlen gestickt. Die Kleine stockte beklommen; doch Frau Fabia gab heute Prefreiheit fr Lgen wie gedruckt, wie fr die Legende des Hauses, und so entbltterte sich die Blume dieses Herzens, und Josephine sprach: In dem blassen Mondschein, den die kleine Lampe wirft, schimmern die Sandalien so traurig und doch so heilig! da man glubig wird, dieser Fu msse den Thron des Himmels besteigen. Oft schon habe ich ihn gekt -- und dabei gedacht, wie manches bekmmerte Angesicht mag seine Thrnen darauf geweint haben! die sind denn zu Perlen geworden. Sogar der Staub, der darauf ruht, hat mir etwas Rhrendes, denn er erinnert mich, wie dieser bestndige Fu seine Stelle verlassen, und wandelbar geworden, das Liebste zu suchen. Recht, mein Kind, erwiederte die Nonne erregt, unsere Jungfrau von der Capelle, von der das Kloster den Namen fhrt, gehrt ganz eigentlich hierher, und es liee sich Manches von dieser Wunderthterinn erzhlen, wenn auch keine Wallfahrt sie verehrt hat. Das kenne ich ja nicht-- sagte Herr Prlat, erstaunt, sein Schutzkind so bewandert in der Geschichte der Patroninn dieses Hauses zu finden; und der Major fragte: was ist's mit der Jungfrau? Die Nonne sprach: nach den Urkunden des Stifts ist die kleine dunkle Capelle dahinten seine erste Grndung gewesen. Man sieht es auch an der Bauart, wie viel lter sie ist, als die des Klosters. Nun steht in der Nische des Altars eine Mutter Gottes mit dem Kindlein an ihrer Brust. -- Das Bild ist nur von Wachs und nicht sonderlich schn, es hat aber einen zarten Ausdruck von Erbarmen in der Miene, da man gleichsam Trost fhlt, wenn man es anblickt. Die rechte Hand hlt es bedeutsam in die Hhe, mit aufgehobenem Zeigefinger, als ob warnend oder winkend. Die Sage erzhlt: eines Schfers Wittwe, der man aus Mitleid die Hut der Heerde gelassen, habe sich den Verlust ihres Mannes dermaen zu Gemth gezogen, da alle Kraft ihr entschwunden sey, zumal das arme junge Weib einen Sugling stillen mssen, mit dem Grame ihrer Brust. -- Da man die Schferinn oftmals schlafend gefunden, am Berge unter einem Baum, so ist sie vom Orte aus bedroht worden, ihr, wenn sie nicht achtsamer seyn werde, den sprlichen Dienst zu entziehen. In dieser Bedrngni hat die betrbte Wittwe ihre Zuflucht in die Capelle genommen und voll Einfalt und Inbrunst gefleht, die Heilige des Himmels mgte die rmste Mutter der Erde vertreten in ihrer groen Schwachheit. Und als dennoch tglich um die Stunde der Vesper die stillende Mutter von einem Schlummer bezwungen wird, dem sie nicht widerstehen kann, wollen glaubhafte Leute jener Zeit die Jungfrau Maria gesehen haben, wie sie bleichen Angesichts die Lmmer gehtet, auf da die Schferinn der Ruhe pflegen mge. Sie ist erkannt worden an dem Kleide von perlfarbnem Moir, dessen schillerndes Gewsser nun wie mrber Zunder ist -- an der aufgehobenen Hand, womit sie die Heerde stumm gelenkt -- im andern Arme hat sie das gttliche Kind getragen, wie Jene das drftige Kleine. In der Nhe des Baumes hat Maria ein leises Lied gesungen, ein Wiegenlied -- so himmlisch! da der Wind geschwiegen und die Vgel in den Zweigen gelauscht. Auf dem Heimwege hat das Gelut der Heerde geklungen, wie die Glckchen beim Hochamt, und die Sandalien haben in der Abendsonne goldne Strahlen verbreitet ber den grnen Klee. -- Niemand wagte mehr, der Wittwe ein Wort zu Leide zu sagen. Kein Lamm geht verloren -- aber eines Tages das Kind vom Schoe der Mutter, als sie auch einmal schlft. Ein Engel soll es ihr sacht und sanft entzogen haben, weil der Born der Nahrung nun versiegt gewesen, und das Wrmchen am Verschmachten. Die Frau kommt wie von Sinnen. Sie rennt in der Irre umher, ihr Kind zu suchen, was sich nirgends findet. Man entbindet sie ihrer Pflicht, und fristet mit krglichen Almosen ihr Leben, das der Jammer verzehrt. Sie ringt die Hnde wund und fleht: die heilige Jungfrau mgte sie ihr Kind wiederfinden lassen, ohne das sie keines Bleibens habe auf der Welt. Aber Maria bleibt unbeweglich, und blickt traurig nieder, da Der, welcher ihre himmlische Gte sich sichtbar angenommen -- der Glaube fehlt. -- Da nun die unglckliche Mutter nicht Zeichen noch Wunder sieht, wird sie eines Tages von verzweiflungsvollem Wahnsinn erfat. -- Sie sagt: Du magst wohl schwerlich wissen, wie einer Mutter zu Muthe ist, die ihr Einziges eingebt; sonst wrdest Du auf mein Herzeleid merken und Dich meiner erbarmen. Wer nicht hren will, mu fhlen! -- Und damit hebt sie das Kind vom Arme der Madonna, und drckt es mtterlich an ihren Busen, als ob das kalte Wachs an dieser heien Angst zerschmelzen mte. Daheim legt sie es in eine kleine Lade, auf das weiche Vlie von einem ungeborenen Lmmlein. Sie selbst liegt im Fieber. Als nun der Morgen tagt, steht Maria vor dem Bette der Armen, rhrt sie an, und fordert ihr Kind zurck. Da sagt die Kranke, wo sie es hingethan, und spricht: gieb mir nun auch das meine wieder und zeige mir, wo ich es finde. Maria hebt den Zeigefinger gen Himmel ---- darauf ist die Mutter gestorben. -- Seitdem nun, schlo Schwester Veronica diese Tradition, hat Mancher, der etwas vermit -- ach mein Heiland Du! Wessen Leben wre ohne Verlust? Trost und Erstattung an dieser Stelle gesucht und -- gefunden: denn die heilige Jungfrau giebt erhrend ein Zeichen mit dem Finger, was noch nie trglich gewesen. Es gehrt ein starker Glaube dazu-- sagte Hauptmann Moorhausen, er, der den strksten in Anspruch nahm--, und eine deutsame Einbildungskraft, um die Weisung der Jungfrau Maria zu verstehen, denn sie kann doch nur Rechts, Links! (diese Worte wurden im exercirenden Tone gesprochen) nach Oben oder Unten zeigen, und das kommt mir ohngefhr so vor, wie jene Adresse: an meinen lieben Sohn in der Armee. Dem Zweifler ist nichts beschieden-- antwortete Therese spottend, wenn Sie einmal das Gedchtni verlieren, =mon Capitain=, wird Sanct Maria es Ihnen nicht suchen helfen. O! mein Gedchtni ist gut! erwiederte der Hauptmann prahlerisch sicher. Das mu es auch-- versetzte die muthwillige Frau und lchelte ihn an, so da ihm die kleine Bosheit ihrer Replik nur wie ein schalkhafter Liebesblick einleuchtete. Es ist doch viel, fiel hier der Administrator ein, da bei der Aufhebung des Klosters die Capelle unangetastet geblieben. _Viel_? fragte die Nonne und ihre Wange rthete sich bei dieser aufregenden Erinnerung, wenig war es, werthester Freund! sehr wenig. Was ist denn Kostbares darin? Ein paar arme Bilder -- morsche Bnke -- die Jungfrau selbst ist alles Schmuckes baar, die Fubekleidung etwa ausgenommen, und fr diese habe ich Alles hingegeben, was ich an Pretiosen noch besa. Die goldne Taschenuhr meines Vaters -- ein kstliches Werk! wog der Commissair in seiner Hand, die gerade keine Wagschale der Gerechtigkeit war -- und dabei fiel der kleine Uhrschlssel klingend auf die marmorne Schwelle, wo wir standen, und mir gleichsam auf das Herz, denn ich dachte, wie so tausendmal ich diesen Schlssel in der Hand meines Vaters gesehen! ich sah die Miene, womit er ihn drehete ---- ich mute meine Augen abwenden. Da sagte der Commissair: wir wollten einen christlichen Tausch abschlieen. Er zog den groen Schlssel aus dem Schlo der Capelle, reichte mir ihn und sprach: diese solle fortan als mein Heiligthum zu betrachten seyn. Die Uhr mogte er dagegen als _sein_ Eigenthum ansehen. Er steckte sie sich in die Tasche, nachdem er den kleinen Schlssel fest gemacht.-- Der Major murmelte ein vernichtendes Wort, und schluckte den Aerger in einer Neige Wein hinunter. Herr Prlat aber schlug in stillem Grimm das umgekehrte Ende des silbernen Messers auf den Tisch, als htte er den Commissair damit auf die Finger schlagen mgen. -- Aber friedlich sprach die Nonne: dies Alles ist nun berwunden; ich wollte nur sagen: ich htte mir gewissermaen ein Anrecht an die Capelle erworben. Die schnsten Blumen flle ich in die kleinen Krge zu beiden Seiten des Altars; dort duften sie Weihrauch. Und das ewige Licht nhre ich aus meinen geringen Mitteln, und mte der Winter meines Lebens finster fr mich seyn, wie eine lange Sterbestunde. Der Blick der Nonne leuchtete bei diesen Worten auf, wie ein Flmmchen vor dem Verlschen. Alle waren gerhrt. Und dieses liebe Geschft, sagte Josephine in holder Geschwtzigkeit, wie von einem Lieblings-Gegenstand hingerissen, gnnt mir die gute Schwester Veronica bisweilen, wenn meine Zeit es erlaubt. Es ist fr mich ein kleiner Tempeldienst, den ich nie ohne ein andchtiges Gefhl verrichte. Ich komme mir dann vor wie eine Vestalin, von denen Du neulich erzhltest, Onkelchen. Es ist wirklich etwas Heiliges um das Licht. Man denkt sich eines Snders Seele dunkel. -- Ich frchte mich auch nicht ein Bischen allein, und sitze oft in der Dmmerung in dem verwitterten Beichtstuhl. Da flstert es neben mir, die feuchten Wnde wispern, ich hre den Holzwurm picken -- und denke, es sey Veronicas Uhr, und _wo_ dies Herz der Capelle wohl schlge? -- Und wenn ich sinnend in die wehende Lampe blicke, ist mir Manches schon hell geworden. Jngst beschlich mich ein sehnschtiges Weh, ich mute weinen und trber Zeit gedenken. Da fragte ich laut, und erschrak vor meiner eigenen Stimme: wo ist -- wo ist mein lieber Vater, den ich verloren? ---- Ein Seufzer-- der Athem in Josephinens Brust stockte vor dem Blick, womit Frau Fabia sie ansah. Das Mdchen verstummte. Hauptmann Moorhausen haschte alsbald den letzten Laut von diesen Lippen und sprach cathegorisch: Ahnungen giebts! ich selbst habe-- jetzt stie der Major einen tiefen Seufzer aus, der die Gedankenreihe seines Cameraden auf einige Momente unterbrach. Ja, das war ein Abenteuer, setzte er seine Rede fort und festen Fu in weichenden Boden --, was Muth erforderte. Als wir im Jahr 18-- an der Grenze standen, ward ich mit einem Commando nach dem Gebirge detachirt, wo eine aufrhrerische Rotte zu bndigen und nach Umstnden zu bestrafen war. Die Unruhen waren bald gehoben, die Emprer fest genommen, und wir beeilten uns, aus jenen unwirthbaren Hrden zu kommen. Es war tief im Herbst, der Pa verschneit -- kein Wunder, da wir uns verirrten. So gelangten wir bei Nacht und Nebel an ein adeliges Schlo, das Gott wei! wie weit abseits von unserm Wege lag. Sie knnen wohl denken, meine Verehrtesten! da wir als Gste zu so spter Zeit nicht gerade die willkommensten waren; aber man mu nur die Leute zu behandeln wissen. Nach einer Stunde sa ich mit dem Frster, der in Abwesenheit der Herrschaft den Wirth vorstellte, ganz cordial bei einer Flasche Wein. Ein Wort gab das andere, er erzhlte von den Verhltnissen der Familie, die fast nie hier wohne, ohngeachtet die Gegend entzckend sey, und als ich nach der Ursache fragte, uerte der Frster: es wre nicht geheuer im Schlosse. Ich lachte und glaubte, der Schalk wolle mir das Nachtquartier verleiden -- da versicherte er mich sehr ernsthaft, es wre gar nicht zum Lachen. Der Erbe jenes Gutes, ein junger Graf -- St -- der Name ist mir entfallen -- sey vor mehreren Jahren gestorben, an einer Erweiterung des Herzens, was nach seinem Tode ein Gewicht von zwanzig Pfund ergeben hat. Vor dieser Mglichkeit sanken alle Begriffe, die Damen faten unwillkrlich an ihre linke Seite, und der Major sprach: Potztausend! ber den Zwanzigpfnder! -- Dem ist das Herz schwer gewesen.-- Auch im moralischen Sinne-- antwortete Hauptmann Moorhausen: ein Freund des Grafen, seine zweite Seele gleichsam -- hatte einen wichtigen Auftrag, eine Geliebte betreffend, von ihm bekommen, und sumte zu erscheinen, und das ganze Haus sah diesem Zuspruch sehnlichst entgegen. -- Der Kranke konnte nicht sterben und fristete sein Daseyn elendiglich. So geno er nur tglich einen kleinen Apfel, und auch dieser machte ihm Wallungen. Er konnte kein geheiztes Zimmer vertragen, weshalb seine Pfleger zur kalten Jahreszeit in dem rauhen Klima jener Gegend hufig wechseln muten. In der einen Nacht wacht der Jger, der Graf liegt stille, da ffnet sich die Thre und ein junger blasser Offizier tritt ohne Gerusch herein. Der Bchsenspanner erkennt den Freund des jungen Herrn und verhlt sich ruhig. Der Offizier beugt sich ber das Bette, flstert tief in die Kissen hinein -- da wird dem Jger unheimlich, er ergreift die Kerze, wagt einige Schritte, obgleich sich sein Haar strubt, und wie er hinzu leuchtet, ist der Offizier verschwunden, und der Graf verschieden.-- Ein Schauer der Furchtsamkeit, der hrbar die kleine Gesellschaft durchfrstelte, befriedigte den Hauptmann. Dieser khne Geisterseher lchelte kaltbltig, und schickte sich zum Verfolg der Geistergeschichte an. Herr Prlat aber war auffallend bleich, und Therese rckte sich ihrem Schwager noch nher und umschlo seinen Arm mit ihren beiden Hnden. Es taugt nichts, sprach der Major, da wir uns jetzt zu nchtlicher Stunde mit solchen Geschichten den Kopf erhitzen; ich dchte, wir hben uns das Ergebni fr ein andermal auf. Nein, sagte Therese, es frchtet sich hbsch unter Mehreren und ich lasse es mir nicht nehmen, die Bravade des Hauptmanns zu bewundern; fahren Sie fort! Moorhausen gehorchte diesem Befehl und sprach: den Freund des Grafen hatte ein pltzlicher Tod abgehalten zu kommen, aber ein treuer Freund hlt sein Versprechen todt oder lebend, das ist Parthie egal. -- So oft nun Jemand seit jener Zeit in dem Zimmer und Bette des seligen Grafen schlft, erscheint er und bringt die versptete Kunde; aber einer Frage hielte dieser zuverlssige Schatten nicht Stich. -- Er soll mir Stand halten auf meine Ehre! erwiederte ich dem Frster, und bat mir jenes gespenstische Zimmer aus. Er wollte mir nicht willfahren, ich setzte es aber durch. In besagtem Zimmer nun sah es ziemlich wst und unheimlich aus. Der Frster versah mich mit dem Nthigen, legte mir, wie ich gefordert, einen Hirschfnger, blank gezogen, und eine Pistole, scharf geladen, zur Seite und wnschte mir, grauenhaft lchelnd, eine geruhsame Nacht. Mit diesen Waffen und einer wahrhaft todesverachtenden Courage forderte ich den Geist nun heraus. -- Als ich mich sterbensmde in dem Himmelsbette des seligen Grafen ausstreckte -- der Riese Goliath htte Platz darin gefunden -- dachte ich an das Riesenherz des armen Jnglings und sah in den gedrechselten Kugeln des Gestells die kleinen Aepfel seiner Mahlzeit. Mir war, als htte ich die Weltkugel im Magen. Die compacte Kost des Frsters hatte mir Congestionen erregt. Endlich berwltigte der Schlaf das emprte Blut -- da klopft es dreimal deutlich---- Es klopfte jetzt wirklich an die Thre des Klosters. Der Hauptmann verblich zum steinernen Gast, die Frauen sprangen auf, der Major in gleicher Hast, vielleicht glaubend, da sein Neffe komme, wollte es ihnen gleichthun, bekam aber den Krampf in den Fu und Herr Prlat leistete ihm Beistand. Man zog die Klingel, doch Niemand kam; und in dieser Verwirrung hatte Josephine ein briges Licht ergriffen -- den Tisch erhellte eine schne Lampe -- und war hinausgeeilt. Sie floh den Gang entlang, ihr Schatten wehete an den dstern Wnden hin -- nun stand sie an der Pforte pochenden Herzens, und drauen schlug eine unbekannte Hand nahe ihrem Ohr den Klopfer noch einmal an, da dieser Laut wie ein unendlicher Hall durch die Stille der klsterlichen Nacht tnte. -- Gleich! gleich! sagte Josephine beklommen, schob die schweren Riegel zurck, und wich nun selbst einige Schritte, als ein Mann eintrat, von hoher Gestalt, umflossen von einem weien weiten Mantel, dem eine schmale Reisetasche von rothem Saffian berhing, so da sein Ansehen bei miger Zuthat der Imagination das eines Kreuzritters hatte. Josephine, im flackernden Scheine die Kerze, die den lichten Umri des Mdchens aus der finstern Umgebung hervortreten lie, fhlte ein Beben bei dem Anblick dieser bedeutenden Erscheinung, und heftete einen furchtsamen Blick auf die bleichen Zge des Fremden, der mit einem Ausdruck von freudigem Staunen seine Pfrtnerinn ins Auge fate. Wo ein Engel ffnet um diese Stunde-- sagte er, da darf man ber die Aufnahme nicht zweifelhaft seyn. -- Mein holdes Kind! treffe ich den Administrator daheim? gleichviel, ob schlafend, ich mu ihn sprechen. Er ist noch wach, antwortete Josephine, zur Feier seines Geburtstages, in Mitten seiner Freunde. Und alsbald tadelte sich das Mdchen, da es den fremden Mann in ein Familienfest einfhre. _Seiner Freunde_-- wiederholte der Unbekannte mit zitterndem Accent, und ging raschen Schrittes voran. Herr Prlat kam ihnen schon entgegen, hinter ihm Frau Fabia, zu wissen, was es gbe? Ein sprachloser Moment des Erkennens! dann rief Jener: Sylvius! wie ein Echo aus der Ferne der Erinnerung rief Fabia einen andern Namen nach -- und nur unarticulirte erschtternde Tne entrangen sich der Brust des Fremden. Da breitete der Administrator die Arme so jhlings aus, da er in Josephinens Leuchte griff, sie erlschte -- und das Dunkel des Kreuzgangs umflo ein Wiedersehen. * * * * * Unsere Leser wollen sich erinnern, da, als Herr Prlat dem Major Feldmeister Einiges aus seinem Leben mitgetheilt, er eines Freundes erwhnt, ohne den Faden jenes Verhltnisses auszuspinnen--; wir aber knpfen die neue Bekanntschaft, und was wir nachtrglich davon zu sagen haben, an jenes Fragment. Nachdem der Held unserer Erzhlung seine cameralistischen Studien beendiget hatte, arbeitete er eine Zeitlang unter seiner Behrde in H--. Dann dachte Clestin, wir wollen den Administrator der Krze wegen so nennen -- ehe er eine fixe Stellung annhme, eine groe Reise anzutreten, welche der Zielpunct seiner jugendlichen Sehnsucht gewesen war. Es hatte Mhe gekostet, dem Vormund die Genehmigung dazu, wie die benthigte Summe, abzugewinnen; und als es ihm endlich gelungen und alles festgesetzt war, fhlte er sich festgehalten durch die zartesten Bande, und der Wunsch, die Welt zu sehen, war ihm gleichgltig geworden. Clestin war in dem Falle, ein anderes Quartier zu bedrfen. Er fand die Anzeige in einem ffentlichen Blatte, da eine Wohnung fr einen _ltlichen_ Herrn frei stehe, die ein Hausmiether von seinem Locale ablassen wolle. Er mute des bedingenden Wortes lcheln, lie sich aber dadurch nicht abhalten, das Quartier in Augenschein zu nehmen, und es war, wie er es suchte. Inhaber desselben waren ein Forstrath von Schtz, der ehemals Jagdjunker gewesen in jenen Gegenden, wo diese Charge blich war, und gegenwrtig nur in seinen vier Pfhlen herumfrsterte, seine Schwester, Frau von Schtz, die Wittwe eines Vetters, und ein Frulein von Schtz, ihre Nichte, die Waise des Bruders. Clestin sagte: wenn sie unter einem ltlichen Herrn einen _ruhigen_ verstnden, so knnten sie ihn getrost einnehmen, und die fehlenden Jahre bersehen. Er drfe von sich rhmen, ein stiller Miether zu seyn. So wurde der Contract abgeschlossen. Bei nherer Bekanntschaft mit dieser Familie bemerkte Clestin, wie combinirt dies verwandtschaftliche Verhltni sey, was ihm so einfach geschienen. Der Forstrath war der dringende Liebhaber seiner Nichte, die Tante dem Bruder wie seiner Neigung gram und der Jugend des Mdchens abhold, die schne Tony ein verfolgter Gegenstand der Liebe wie des Hasses, und in meisterlicher Uebung beiden berlegen. Sie wollte die Tante beerben, den Onkel zwar nicht heirathen, aber bei Gutem erhalten, und einst goldne Frchte ernten, wenn dies lachende Auge doch zuweilen weinen mute. Aber diese trbe Aussaat war selten, denn die Vorsehung hatte solch schweres Ertragen durch leichten Sinn aufgewogen. Clestin sah mit Erstaunen in diesem Hause ein stehendes Theater fr kleine Intriguen-Stcke, von schlauer Erfindung und wohlberechnetem Erfolg. -- Es wollte ihm doch so vorkommen, als ob Tony der Leidenschaft des Onkels schmeichle, wie den gehssigen Fehlern der Tante, und Beide anzufhren wisse, wo es das Erreichen einer Absicht gelte. Dieser wahrhaften Bemerkung ungeachtet, hatte sich das reizende Geschpf seines Interesses doch so sehr versichert, da sie unwirksam auf seine beobachtende Ruhe blieb. Er war nicht lange aus dem Spiel gelassen -- Tony theilte ihm die Rolle ihres Vertrauten zu, und bald htte er ihr das ganze Glck seines Lebens anvertrauen mgen. Er hielt den Gebrauch listiger Waffen fr Nothwehr, die fgsame Klugheit, welche ein wenig nach der Schlange schillerte, fr Taubensinn, und den abgelegten Anzug der Tante, den die reizende Tony sich gefallen lie, wie das Verheimlichen prchtiger Geschenke, die der Onkel ihr aufdrang, fr gleich nachgebende bescheidene Geflligkeit der Nichte. -- Die _Liebe_ war es, meine Leser, welche Engel schuf. Sie verschnt, vergiebt, vergttlicht -- und ffnet selbst den Geistern der Hlle ihren Himmel. -- Tony gab bei schicklichem Anla dem Hausfreund zu verstehen, wie widrig der Onkel ihr sey, und welcher fortwhrenden Anstrengungen sie bedrfe, sich ihn als eine Respectsperson drei Schritte entfernt zu halten. Sie fhrte ihm mit lachendem Munde kleine Zge der Bosheit und des Geizes ihrer Tante an, so da Clestin eben so viel Ekel als Mitleid empfand, und heftig wnschte, das schne heimlich geliebte Mdchen aus dieser Hhle des Satans befreien zu knnen. Doch ein inneres Etwas, dem er keinen Namen zu geben wute, hielt ihn zurck, so oft ein erklrendes Wort auf seine Lippe trat, und diese Gefahr trat ihm nher und nher. -- Als jenes wrdige Geschwisterpaar einmal in eine langweilige Gesellschaft geladen war, und Tony unter irgend einem Vorwande davon zu Hause bleiben drfen, beschied sie den ihr begegnenden Clestin rasch und flsternd in den Garten, wo er ihrer harren mge. Clestin wute nicht, was er von diesem naiven Rendezvous denken solle -- aber er folgte dem sen Befehl. Sein Herz pochte, Tony blieb lange aus -- endlich kam sie, im neuesten Geschmack und so reizend angezogen, da er geblendet vor ihr stand. Gefalle ich Ihnen so? fragte sie lchelnd, ich putze mich manchmal auf meine eigene Hand, um doch auch zu wissen, da ich ein Mdchen bin. Da komme ich mir denn wie eine verwnschte Prinzessinn, und mein Schicksal mir wie ein Mhrchen vor, darin sich ehestens mein alberner Plagegeist in einen schmucken Freier verwandeln wrde, mit dem ich freudig zge ber Berg und Thal; die Linsen und Erbsen aber, die ich zhlen mssen, in blankes Gold. Denn-- setzte Tony in liebenswrdigem Uebermuthe hinzu: sollte ich die Tante nicht beerben, so wollte ich lieber heute sterben. -- Sie hat mich eingesperrt und ihr Geld, und zu ihrer Verdammni wollen wir knftig rollen in die weite Welt. Und trotz dieser leichtfertigen Sprache berredete Clestin sich selbst, da Tony, ihn als Gattinn zu beglcken, geeigneter als jede Andere sey. Kaum wrde er einem bereilten Versprechen entgangen seyn, wenn nicht die Freundschaft seine Gefhle rettend getheilt htte.-- Jenes geheimnivolle Gesetz, nach welchem die Sterne der Menschen ihre Laufbahn durchkreuzen, und Seelen sich begegnen, bestimmt auf einander zu wirken, lie Clestin einen Freund an jenem Sylvius finden, sein Geschlechtsname mge einer spteren Mittheilung vorbehalten bleiben -- den wir nach einer Reihe von Jahren an der Pforte von Sanct Capella treffen. Dieser junge Mann lebte ohne allen Umgang, in stiller schwermthiger Weise, vertieft in mathematische Arbeiten, doch scheinbar ohne Zweck, als Clestin ihn kennen lernte. Er fhlte sich wunderbar von jener Natur angezogen, und jede Anziehungskraft ist, oder wird zuletzt gegenseitig. Sie wurden herzliche Freunde, nur mit dem Unterschiede, da Clestin ihm seine ganze Seele offen gab, whrend Jener dieses Vertrauen nur leidend erwiederte, und die zarteste Theilnahme fr die Geheimnisse des Freundes an den Tag legte, ohne irgend einen Antheil fr die seinigen in Anspruch zu nehmen. Es lag ein Zug von Stolz in seinem Character, der Stolz des Grams, und eines edlen gedrckten Herzens. Er trug die Abzeichen eines gewissen Ranges an sich, ohne ihn geltend zu machen. Sein Anzug war die feine Interims-Kleidung eines Forstmanns, auch sein Bedienter hatte das Ansehen eines Jgers. Diese Auenfarbe der Hoffnung lie jedoch wie Spott der dstern Resignation, womit Sylvius achtlos auf das Treiben der Menschen und das Interesse der Welt, kein anderes Glck zu wnschen schien, als was die Ruhe des Einsamen gewhrt. Ueber seine angestammten Verhltnisse verbreitete er sich nie; dagegen gab er freundlich Allem Raum und Gehr, was Clestin ihm von sich selbst sagen mogte. Dieser fand einst ein Portrait auf dem Schreibtische des Freundes liegen. Er fragte, ob es eine Copie wre -- und Sylvius sagte, indem ein flchtiges Errthen sein bleiches Gesicht berflog: es sey das Bild seiner Frau. _Seine Frau?_ fragte Clestin sich selbst, und hatte kaum Zeit, darber zu staunen, oder die Schnheit der jungen Dame zu bewundern, so schnell verbarg Sylvius ihr Conterfei und sprach von etwas Anderm. Sylvius hatte oftmals das Tchterchen seines Wirthes bei sich und liebkosete ihm vterlichweich. Clestin scherzte darber. -- Die Kleine ist meinem Kinde auffallend hnlich und in demselben Alter, sprach Sylvius mit ungewhnlicher Rhrung. _Seinem Kinde?_ fragte Clestin abermals in sich hinein; Sylvius mute als ein Jngling geheirathet haben. -- Aber wenn auch ein Ehemann und Vater, wie jung er immer sey, sein Urtheil ber Angelegenheiten der Liebe von einem andern Standpuncte abzugeben pflegt, als Solche seines Alters und Geschlechts, die den Schritt zum Traualtare noch vor sich haben, so machte Clestin seinen Freund doch nichtsdestoweniger mit der stillen Neigung vertraut, die er fr Tony von Schtz gefat hatte, wie mit den qulenden Zweifeln ber die eigentliche Gestalt dieses reizenden Chamleons, und ob dieses Gemth endlich Farbe halten werde?-- Sylvius schttelte zu dem Allen den Kopf und sagte unumwunden: das Mdchen, Lieber, gefllt mir nicht; mein Geschmack ist zu einfach fr den Reiz der Schlauheit. Clestin vertheidigte seine Liebe mit Hitze; aber er gab dabei in seiner eigentlichen innersten Meinung manche Ble. Das ble Vorurtheil gegen Tony schmerzte ihn, da jedoch Sylvius vermge seiner Zurckhaltung Superioritt ber seinen Freund bte, so hatte dieser entschiedene Ausspruch doch trotz dem Drange seines Herzens -- ein vorsichtiges Verfahren Clestins zur Folge. Er war nun mit dem Abschlu seiner Geschfte fertig, und an den Termin der Reise gekommen. Da kam er zu Sylvius und sprach: eine Bitte, Freund! die letzte. Es fllt mir schwer zu scheiden, und am liebsten mgte ich dies Post- und Reisespiel, was meine Phantasie mit Lust gemalt, nun es in meine Willkr gegeben ist, verschenken, wie ich eines von Pappe abseits gethan, was ich besa, als ich ein Knabe war. Und doch ist es vielleicht gut, da ich fort mu. -- Ich wrde ruhiger reisen, wenn ich mit mir selber im Klaren wre. Du Freund, Du allein knntest mir reinen Wein einschenken, und wre es auch ein herber Kelch, ich glaubte Dir dennoch. Thue mir den Gefallen, und beziehe mein Quartier, da Du ohnehin wechseln willst; Du findest dann Gelegenheit, Tony kennen zu lernen. Thue es aber ohne Arg! und fndest Du ein wrmeres Herz als Du ihr zutraust, und ein Fnkchen Liebe fr mich darin glimmen: o! so fache es an mit dem Athem eines freundlichen Mundes, wahre mir mein Glck, denn ich liebe das Mdchen sehr! Clestin legte dieses Bekenntni mit wankender Stimme ab, und fiel seinem Freunde um den Hals. Von der Zuversicht erschttert, womit er das Wohl und Weh seiner Zukunft in diese Hand legte, versprach Sylvius, was Jener von ihm begehrte. Es war ein schnes Gefhl der Freundschaft, was ihn in dem Wunsche bewegte, er mgte Tony Unrecht gethan haben, und eine Sttze fr die Ruhe, fr die Hoffnung seines Freundes werden. Er sprach die Worte: das grte Glck eines Mannes ist, seine Geliebte gut und wrdig zu wissen. Und Clestin antwortete ihm: das grte Glck ist ein treuer Freund! Sie wollten einander nicht schreiben. Ein Jahr, meinte Clestin, der mit dem Auge der Liebe sein Ziel schon absah, laufe schnell um, und nur in dem Falle, da Sylvius seinen Aufenthalt verndern msse, solle der Freund Nachricht von ihm erhalten, oder doch bei seiner Rckkehr vorfinden. -- Da diese Nachricht durchweg ausgeblieben war, hoffte Clestin um so sicherer, seinen Freund noch in H--. anzutreffen. Mit drngenden Empfindungen erreichte er die Stadt. Der Mond beschien den stillen Markt, sein Herz schwoll, da er den Brunnen rauschen hrte, dessen Wasser die Geliebte trank, und aus der tiefen Quelle, der die Gedanken entsteigen, tauchte ihm die Erinnerung an die Bitte auf: da Sylvius ihm reinen Wein einschenken mge. Diese Stunde war nun gekommen. Er eilte nach seiner Wohnung. Bei Forstraths war es ungewhnlich erleuchtet, die Fenster seines Zimmers standen offen, Blumen davor, und drinnen sang eine angenehme, weibliche Stimme ein Webersches Liedchen zum Flgel. Seine Pulse stockten -- dieser fremde frhliche Ton, der Anschein des Unbekannten ngstete ihn, er wendete sich seitwrts, wo auf einer Bank ein Mdchen dicht an ihren Liebsten geschmiegt sa, und fragte beklommen: ob der Forstrath Gste bei sich habe? Das kann wohl seyn-- antwortete die Dirne und lachte frech. Ich meine Gesellschaft-- sprach Clestin, von einer dunkeln Ahnung emprt. Nein, entgegnete das Mdchen, Der ist zur Ruhe. Zur Ruhe? fragte Clestin, es ist kaum halb Neun. Der ist ganz und gar gestorben-- war die fast hhnische Antwort. Und Frau von Schtz?-- Die ist fortgezogen. Und das Frulein?-- Clestins Athem stand stille, so auch der Schlag seines Herzens, nur die Uhr viertelte dazwischen, als das Mdchen gleichgltig erwiederte: Frulein Tony? hat den Herrn geheirathet, der hier wohnte. Er trug immer einen grnen Rock.-- Der Mond trat hinter eine Wolke, und nahm seinen Schein von einem Gesichte, das bis zum Tode erblichen war. Clestin stammelte mit leiser Lippe: das ist nicht wahr! dann dankte er fr gegebenen Bericht, und seine Seele zerri, da er die wste Dirne hinter sich scherzen hrte. Sylvius ehemaliger Wirth, den Clestin in seiner Betubung aufsuchte, besttigte, da er die lautere Wahrheit vernommen. Nun, so ist die Wahrheit selbst eine Lge! sagte Clestin verstrkt: Er hatte ja eine Frau!-- Der Wirth lchelte. Sein Tchterchen sah mit unschuldigen Augen zu ihm auf. Er dachte an das Kind des Freundes, und die seinen fllten sich mit Thrnen. Mit zerrttetem Gemth verlie er den Ort, alle Nachforschungen blieben fruchtlos, und Sylvius und Tony verschollen -- bis wir den Schall seiner Ankunft hren, und das, was er zu seiner Vertheidigung zu sagen wei. Die beiden Freunde fanden sich auf einem Zimmer allein zusammen; die kleine Gesellschaft hatte sich bei der Dazwischenkunft des Fremden sogleich aufgels't, Mitternacht war bereits vorber und also der Geburtstag des Administrators, ein neues Leben schien fr ihn anzubrechen, aber noch lagen tiefe Schatten auf der Gestalt, deren erster Anblick ihn berwltigt hatte. -- Jetzt-- sagte Clestin, und sein Blick drang tief in die verfallnen Zge des Freundes ein, als suche er die ehemalige Wohnung seiner Zuversicht, jetzt, wo ich den Ton Deiner Stimme hre, klingen Saiten in mir an, die lange unberhrt geblieben, und was ich auch inzwischen von Dir vernommen, es ist mir, als wre es eine Lge gewesen. Du wirst mir die Wahrheit nicht vorenthalten. Man sagte, Du httest Tony geheirathet -- Tony von Schtz, die ich liebte, die ich Dir anvertraute. Da hat man Dir ein Factum berichtet-- antwortete Jener, und lchelte kalt. Sylvius! rief Clestin mit lodernden Augen, eine Flamme der Beleidigung schlug durch sein Herz. Und Sylvius sprach: ich war prdestinirt, Dein Retter zu werden -- um jeden Preis! ich warf mich auf, Dich zu schtzen; Wer ist der Mensch, der es wagen drfte, sich der Tuschung fr berlegen zu halten? so warf dieser Hochmuth mich nieder. Wer fallen soll, wird zuvor stolz. Das Einzige bitte ich, entgegnete der Administrator, sage mir Alles unumwunden; es ist mir, als knnte ich dennoch nicht an Dir zweifeln. Das darfst Du auch nicht, erwiederte der Freund mit schmerzlicher Stimme. Verrath war meiner Seele fern. Niemand hat Falschheit, das Schndeste was ich kenne -- aufrichtiger als ich, und doch mute ich diese Larve tragen. Eine eiserne Hand hat sie mir abgerissen; ich darf nun frei um mich blicken, und sehe, da ich allein der Getuschte war -- da ich _allein_ bin. Clestin reichte ihm schweigend die Hand. Ich will Dir meine ganze Seele enthllen-- fuhr Sylvius fort, wenn anders ein Mensch im Stande ist, das Gewebe seines Innern in all den feinen Fden aufzufassen, aus denen sein Verhngni besteht. -- Du weit, da ich bald nach Deiner Abreise zu Forstraths zog, und mit ziemlich bler Vormeinung gegen das Frulein; ich nahm mir vor, diese Tony, der ich Dich nicht gnnte, solle mich nicht bestechen noch verblenden, und wenn jeder Blick ihres schnen Auges ein Sonnenpfeil wre. Diese feurigen Augen aber zogen Wasser -- ich dachte Deinetwegen, und dieser Gedanke zog mich an, freundlicher als ich gewollt, hineinzublicken. Ich fand das Mdchen so einfach betrbt, so schweigsam und unabsichtlich, da ich nicht begreifen konnte, wie Du Dich so gnzlich irren knnen. Das Betragen des Fruleins sagte meiner Stimmung zu; da mich Tony wenig oder gar nicht bemerkte, war mir lieb, der leiseste coquette Angriff wrde selbst das khle Interesse des Beobachters mit einer Art von Abscheu -- der Ausdruck ist hart, aber wahr! -- von sich abgewendet, und mein Urtheil vollends verhrtet haben. Ich trug einen Talismann in und auf meinem Herzen, gegen den Zauber der Schnheit, gegen buhlerische Knste. Du hast das Bild gesehen, was auf meiner Brust schlft -- das Original, der Inbegriff meines Lebens schlief in fremder Erde, und all mein Glck war mit ihm eingesargt. Die frher empfangene Nachricht hatte sich mir damals besttiget, da die Seele meiner Seele, das Weib meines Herzens gestorben sey. Die Welt wute nichts von diesem Verhltni und daher auch nichts von meinem Schmerz; was wei die Welt von den eigentlichen Beziehungen des Menschen? sie kennt nur den Schein der Dinge. So hatte mich der Gram in einen Zwinger eingeschlossen, worin ich unzugnglich fr Alles war, nur nicht fr das Unglck. Dich, Freund! htte ich vor dem lngsten wahren mgen -- und Tony fand das kleine Pfrtchen, und schlpfte durch Mitleid in mein Herz. -- Eines Morgens lese ich Briefe, in Wehmuth aufgels't, da dieser himmlische Geist, den ich im Ausdruck der Liebe in jeder Zeile finde, mir entrckt ist. Da klopft es an meine Thre, so schnell! so heftigleise! wie der Vogel, gejagt vom Sturm, an ein Fenster pickt. Ich ffne, das Frulein steht drauen. Dieser unweibliche Schritt macht mich stutzen. Doch Tony ist bla, der scheue Blick niedergeschlagen -- ich darf vermuthen, da sie mir etwas Auerordentliches mitzutheilen hat. Ich leite sie herein, zum Sopha. Sie verneint zu sitzen und sagt: sie knne sich auf keine Ruhe einlassen, so lange sie in Furcht und Seelenngsten schwebe. Dies sagt sie mit gebrochner Stimme und bricht in heies Weinen dabei aus. Ich bitte Tony, sich zu fassen, und fasse ihre Hand, indem ich mich zu Allem erbiete, was zur Erleichterung ihrer Lage dienen knne. Sie sah mich an mit thrnendem Blick -- dieser Blick rhrte mich unbeschreiblich. Im Leiden ist Wahrheit -- dachte ich, und wie Tony wirklich sehr schn wre. Haben Sie doch Zutrauen zu mir, Frulein! sagte ich, und meine Worte mogten vielleicht einen Anklang jener Regung haben. Dies fhrt mich zu Ihnen, antwortete Tony; drben bin ich bewacht und darf mit keiner menschlichen Seele reden. Ich halte Sie fr einen Ehrenmann -- war es doch grade, als wollte ich sagen: _Ehemann?_ -- wenn das nicht, wrde ich mich wohl ber alle Sitte so weit hinwegsetzen, Sie in Ihrem Zimmer aufzusuchen? -- Das Mdchen hielt mich also fr verheirathet. Ich konnte kaum weniger thun, als mir selbst geloben, da die Wahl ihres Schutzfreundes die arme Tony nicht gereuen solle. Sie entdeckte mir nun ihre Bedrngni. Der Onkel war in einem Anfalle von Eifersucht pltzlich so dringend in seinem Werben geworden, da die Nichte zagte, er mgte ihr im Umsehen den Brautkranz mit tlpischer Hand auf die weichen Locken stlpen. Dann hatte sich noch ein Freier gefunden, den die Tante begnstigte, und das war noch schlimmer. Frau von Schtz hatte gedroht, ihr Vermgen an Fremde zu vermachen, wenn Tony den Forstrath heirathe, und dieser einen Eidschwur darauf gesetzt, da er seine Hand von ihr abziehen wolle, wenn sie die seinige nicht nhme, oder den ihm verhaten Rival vorzge, und die Tante hatte fters Schlaganflle. -- So war Tony in der Lage eines Gegenstandes, den Zwei zankend hin und her zerren, er zerreit. Abends vorher war eine Scene vorgefallen, der Forstrath hatte sich krank gergert, und lag zu Bett. Tony, zum Aeuersten gebracht, war in einer schlaflosen Nacht zu dem Entschlu gekommen, zu entfliehen. Sie kam, mich um eine Mnnerkleidung, wie um meinen Rath fr mgliche Flle zu bitten. -- Du kannst denken, Freund! da ich ber diesen khnen Einfall erschrak, und ihn dem Mdchen auszureden suchte. Das schne, blhende Geschpf, landflchtig! ich schilderte die Gefahr dieses Wagnisses so entsetzlich als mglich; doch Tony blieb hartnckig dabei, sie knne es lnger bei ihren Verwandten nicht aushalten. All meine Mittel sind erschpft, sagte sie, auch bin ich wohl zu gengstet, zu lngerem Widerstande; ich bin nichts, als ein armes, zitterndes Opfer, so oder so. Frulein! sprach ich: Sie haben doch sonst die Fhigkeit entwickelt, Ihren Drngern die Spitze zu bieten. -- Ach! versetzte Tony: Sie kennen die Gewaltsamkeit nicht, womit man seit einiger Zeit auf mich eindringt; htte ich mich nur ein Jahr noch behaupten knnen -- ich dachte, sie wolle damit sagen, dann wrde ihr der Ersatz durch Dich gekommen seyn. Nimm einen Dritten, hatte die Tante gesagt, so mag es drum seyn und Keines von uns hat seinen Willen. Ach! seufzte Tony, ein anderer Name wre mir ein anderes Schicksal; der kleine Schtz meines Wappens, der ohne Unterla auf mich anlegt, wrde zum Schutz fr mich, knnte ich ihn tauschen. -- Selbst eine _Scheinheirath_ wrde ich als eine _wahre_ Erlsung betrachten knnen. Das Frauenhubchen wre mir Fortunatus Wnschhtlein, und ich knnte mich versetzen, wohin ich wollte. Ein Mdchen ist gebannt in seinen Kreis, und wenn ihn die Hlle umschriebe. Freilich, auf jede Brcke mgte ich nicht treten. -- Ein dunkler Gedanke schwebte mir vor, als Tony diese Worte sprach, es war mein Dmon, der mir die verfngliche Antwort eingab: Frulein! wenn sich nun ein Mann fnde, den Sie der Hoffnung wrdigten, auf diese Weise Ihr Retter zu werden, was dann? -- Dann, sagte Tony: versprche ich, ihm das Leben so sauer zu machen, da er froh und gewi seyn sollte, mich nach sechs Wochen wieder los zu werden; wir wrden uns einmthig ber die Scheidung bereden. Ich aber wre selbstndig, und drfte mir keine Unbill mehr gefallen lassen. -- Diese Idee fate mich; lasse Dich aber den Teufel bei einem Haare fassen, und Du bist sein auf ewig! -- Wisse, Freund! meine erste Heirath war eine heimliche, die Gattinn war nur vor Gottes Augen mein. Hier kam es darauf an, der Gemahl einer Fremden zu _scheinen_, und begierig haschte ich nach diesem waghaften Verhltni, wie nach dem Schatten von meinem verschwundenen Glck. -- Frulein! sagte ich, Sie sprachen vorhin: auf jede Brcke mgten Sie nicht treten? die meinige ruht auf den festen Pfeilern der Ehre und der Freundschaft. Wollen Sie Sich mir anvertrauen? ich entdeckte ihr nun Deine Liebe, und wie Du an ihrem erwiedernden Gefhl gezweifelt, und weshalb Du geschwiegen. Tony schwieg auch. Sie lchelte, reichte mir die Hand, und sagte: ich berlasse mich Ihnen gnzlich. -- Ich wute nicht, wie mir geschehen, als ich, nachdem sie fort war, meine Briefe wieder aufnahm. Welche Reihenfolge von Gedanken schlo sich dem Fragezeichen an, bei dem ich aufgehrt? O! warum beherzigte ich jenes warnende Zeichen nicht? -- Ich wei nicht, ob Du je zu der Erfahrung gelangt bist, da Niemand grere Gewalt ber uns bt, als Wer ein frheres Mitrauen in uns berwunden? -- Umsonst ward ich mir meines Verdachts gegen die listige Tcke dieses Mdchens bewut, vergebens schreckte mich eine ahnungsvolle Scheu, ein unwrdiges Gaukelspiel zu treiben: hundert Sophismen bekmpften mein strubendes Gefhl. Wie viele erbrmliche Motive schlieen nicht tglich Ehen! dachte ich; mein rascher Entschlu entsprnge mindestens dem redlichen Willen, Freiheit und Liebe, diese hchsten Gter Andern erwerben zu helfen. Ich wollte eine Sclavinn lsen und sie heilig halten, die Braut meines Freundes. Was nun folgt, kann ich nicht folgerichtig beschreiben. Es ist nur ein wster Traum, den ich mir nicht deutlich machen darf, wenn ich nicht von Sinnen kommen will, da ich es damals war. Ich warb um Tony; Frau von Schtz sagte mir ohne Weiteres ihre Nichte zu, ich fand nicht einmal die leise Zurckhaltung der Schicklichkeit. Man hielt mich fr reich, um eine Brgschaft fr meinen Character, fr alles Wesentliche kmmerte sich die Tante nicht, und mir blutete das Herz, da die arme Tony so waisenhaft verlassen wre von mtterlicher Frsorge. Von einem Mitbewerber war die Rede auch nicht, es schien, als ob Frau von Schtz eine gegenseitige Neigung zwischen uns voraussetze. Der Forstrath lag ernstlich krank. Wenn er strbe, Ihr Onkel, Frulein, sagte ich, so wre ein Grund gehoben -- gereut es Sie schon? fragte mich Tony mit aufreizendem Spott, ich sage Ihnen, es ist nichtsdestoweniger nothwendig, da Sie Sich meiner annehmen. Ich war bereits zu sehr von diesem in seiner Art einzigen Verhltni befangen, um es noch durchaus beherrschen zu knnen. Noch benahm sich Tony mit jener Subtilitt gegen mich, deren ich auch bedurfte. Sie hielt mich an der feinsten Kette. Wenn andere Brautleute von der Ewigkeit ihrer Liebe reden, so flsterte Tony mir zu, in welcher Krze unsere Trennung zu beschleunigen wre. -- Ich sollte sie unter dem Vorgeben einer Reise nach meiner Heimath in die Sch--. bringen, wo eine Gespielinn ihrer Kindheit glcklich verheirathet lebte; dort wren wir weit genug, meinte sie -- um unser Scheiden in eine Nebelferne einschleiern zu knnen. Dies war wohl recht gut; aber ich athmete schwl, ich athmete Gift, der Keim einer Krankheit setzte in mir an. Ein ngstliches Schwanken, ein Schwindel von Unsicherheit hatte mich ergriffen, ein Zustand ngstlicher Betubung lie mich nicht mehr festen Fu fassen auf irgend einem vernnftigen Grunde. Doch lasse mich kurz seyn -- Lieber! mein Schmerz ist dennoch lang. Ha! ich ahne-- sagte Clestin, der bis dahin regungslos zugehrt. Nein, es kommt ber Erwarten-- fuhr Sylvius fort, hre nur weiter! Frau von Schtz machte mir die Proposition, mich je eher, je lieber trauen zu lassen, weil man nicht wissen knne, welchen Ausgang die Krankheit ihres Bruders nhme. Dann wolle sie, ginge er mit Tode ab, unverweilt diesen Ort verlassen, und Gott danken, den Leichtfu, die Tony, wie schwer lasse ein Mdchen sich hten -- unter der Obhut eines Mannes zu wissen, eines Mannes, dem sie nun pbelhaft die unverschmtesten Schmeicheleien sagte. -- Tony hatte mir entdeckt, da sie sich durch die Freigebigkeit des Onkels ein hbsches Capital gesammelt, wovon sie bequem ein paar Jhrchen zu leben gedenke. Es war etwas in dieser Vorsichtigkeit, was mir mifiel; doch auch dies Mifallen an dem berechnenden Talent, einen verliebten Thoren zu bevortheilen, mute Zeit haben, um nachzuwirken. -- Auf Tonys Anstiften gab die Tante die Ausstattung der Nichte in Geld, weil wir ja reisen wollten, und zwar vom Hochzeittage aus; der Zustand des Forstraths, die Schonung fr seine Schwachheit, diente zum Behuf dieser Wegeile. -- Wir wurden im Armenhause copulirt, ich, der Brutigam, der Aermste von Allen, die der Ceremonie zusahen. Ich leistete den falschen Schwur, innen verneinend, wie die Juden -- ich gab Tony einen falschen Namen, denn auch Du, Lieber, kanntest meinen wahren nicht. Die warme Mondnacht wollten wir zum Fahren benutzen, und mit der Dmmerung abreisen. -- Ich hatte mich schon seit einigen Tagen nicht ganz gut gefhlt; die Wiege des Wagens schaukelte den tobenden Kopfschmerz nicht zur Ruhe, ich lag zwischen Schlummer und Traum, und ein Cyclop arbeitete in meinem Gehirn. Ein Hauch von Feuer ging aus von meiner Stirne, mein Athem dampfte Gluth, zugleich schlich ein schauerndes Frsteln und Ziehen durch meine Glieder, und die Fe zitterten mir auf der weichen Decke. In welche phantastische Welt schien der schne stille Mond! ich drckte die Augen zu, weil jeder Blick mich schreckte und schmerzte; die Braut schlief sanft an meiner Seite. -- Als ich erwachte, fand ich mich mit dumpfem Bewutseyn in fremden Umgebungen. Ich lag im Bett, unter dem Geblke eines lndlichen Stbchens; ein starker, betubender Geruch von Moschus wirkte auf mich ein. Tony sa auf einem roth und blaugemalten Schemel in meiner Nhe, ein dicker Mann stand vor ihr, und grougig schauete sie zu ihm auf. Ich rief sie leise. Sie stie einen Freudenschrei aus, und strzte in froher Hast zu mir hin. Der Dicke, es war der Arzt -- wnschte mir mit fetter Stimme Glck: ich hatte dreizehn Tage in einem Nervenfieber gelegen. -- Der kleinen Frau nur, sagte der Licentiat bescheiden, als Tony sich auf einen Augenblick entfernte, verdanken Sie nchst Gott Ihr Leben. Sie ist nicht aus den Kleidern und von Ihnen weggekommen. Solch eine wackere Pflegerinn lobe ich mir. -- Tony, sprach ich, als wir allein waren: der Arzt hat mir gesagt, wie viel Sie fr mich gethan, es ist nun der Gte genug. Denken Sie an Sich, an das eigene Wohl -- ich bin Ihr ewiger Schuldner. Lachend antwortete Tony: das wre mir was! der Himmel selbst hat mich in mein Recht eingesetzt, daraus ich mich nun nicht mehr verdrngen lasse. Und wenn Du mich noch einmal _Sie_ nennst, so sage ich dem Doctor, da Du noch immer phantasirst, mich nicht erkennst fr Deine Frau, und die Cur geht von Neuem an. So sprach sie mit reizender Gutherzigkeit; ich fhlte mich Tony nun wirklich _verbunden_. Lust des Lebens und der Liebe wallte wieder auf in meiner Brust, meine Seele strmte gegen die ihre. Sie setzte mich in tausend kleine Verlegenheiten vor dem Arzt, und zwang mir die Rolle eines Ehegatten auf. Sie berwltigte mich durch trautes zrtliches Zudringen an mein Herz, ich war ganz in ihren Fesseln. -- Der Administrator machte eine schmerzhafte Bewegung. Sylvius hielt einen Moment inne, dann fuhr er mit steigendem Tone fort: Freund! spricht keine Entschuldigung fr mich an? versetze Dich an meine Stelle. Ich dachte an Dich mit einer Wehmuth, die mir Dein Andenken trbte. Allmhlig ging mir der Gedanke auf, da eine geheime Leidenschaft meine Handlungsweise geleitet htte, der ich willenlos nachgegeben, wo ich nur dem Drange der Umstnde zu weichen glaubte. Jetzt mute ich an meiner Liebe halten, sollte ich nicht in die tiefste Schaam versinken. Ich war mir selbst ein Rthsel geworden und wnschte aufrichtig, der Tod mgte es lsen. -- Aber ich genas; nur ein krankes Gefhl innerster Schwche vermogte ich nicht zu berwinden. Wie Alpen lastete es auf meiner Seele, Freiheit und Kraft lagen hinter mir -- und ich meinte dieser Schwermuth zu erliegen. Ich dachte nunmehr ernstlich daran, wo meines Bleibens seyn wrde? _nirgend!_ sagte eine Stimme tief in der Brust. Mein Vater lebte noch; ich war sein Assistent gewesen, seine Stelle war mir bestimmt. Ein Sehnen wie Heimweh zog mich nach dem Orte, wo ich den vterlichen Greis einsam wute. Ich wollte ihm Tony als Tochter zufhren und den Heerd meines Glckes huslich bauen. Mein Arzt forderte, da ich mich nicht bereilen sollte, auch meine Krfte forderten das. -- So verlieen wir das Dorf, wo ich an einen denkwrdigen Abschnitt meines Lebens gekommen war, und zogen unsere Strae. Eines milden Abends im Frhherbst gelangten wir in ein paradiesisches Thal; durch eine Gebirgsschlucht sah man eine Stunde davon entfernt, einen berhmten Brunnenort liegen, und ein blulicher Duft, wie von den Stahlkrften der Quelle aufsteigend, webte geheimnivoll um die glnzenden Gebude. Das nette neue Wirthshaus, woran wir hielten, war im Widerspruch zu seiner Bestimmung, in den Reiz der Ruhe eingehllt. Eine junge Frau, blond wie ihr Flachs, sa und spann, eine Reihe steinerner Brunnenkrge, in denen die Sonne funkelte, war aufgepflanzt. Gegenber lag auf Felsen erhht ein altes Schlo von gothischem Bau. Das Wasser, was ich trank, war kstlich, ich uerte mich begeistert ber diesen Aufenthalt, und Tony sprach: ei! so lasse uns hier rasten, und trinke Dich satt! -- O! htte ich Lethe getrunken! ------ Wir blieben da. Ich sa im Garten und starrte hinber nach dem Schlo. Der linke Flgel nur schien bewohnt; ein Fenster stand offen, und der Wind blhte die weien Gardienen. In diesem Spiel der Luft wehete mich der Odem eines befreundeten Geistes an, ich fhlte mich warm durchdrungen. Meine Gedanken schlpften in die Falten des kleinen Segels, und schifften ber das liebe stille Meer der Ahnung. Tony kam und sagte: ich se gleich dem Ritter Toggenburg -- und she so bla aus wie eine Leiche. Sie war so zrtlich, wie noch nie. Ihr Eingehen in meinen Wunsch, ihr Anschmiegen an meine Stimmung that mir wohl. Die trauten Beziehungen eines innigen Zusammenlebens hatten zwischen mir und meiner ersten Frau nicht Statt gefunden. Diese war mir eine hohe Braut gewesen, zu der ich mich im Verhltni der Leidenschaft befand, gedemthiget, mein Recht verleugnen zu mssen vor den Menschen; in den Augenblicken, wo ich mein Eigenthum an mich ri, fhlte ich mich einen Gott. Wie anders mit Tony! hier verhindert mich der wunde Stolz des Gewissens, den Begriff der Ehe zu fassen; aber ich empfand mich geliebt. -- Sie lehnte den Kopf an meine Schulter und flsterte mir se Worte der Besorgni zu. Ich scherzte, sie wrde sich zu trsten wissen, wenn ich auch strbe. Ein weiblicher Character, wie der ihrige knne der Sttze entbehren, und ich sey doch nur ein wankender Stab. -- Tony schmollte. Glaube nur, Geliebte, sagte ich mit verstrkter Stimme, indem ich sie an mich drckte: kein Mensch, wenn er hinweg ist, macht eine Lcke, die nicht irgend womit ausgefllt wrde; kein Gestorbener, kme er wieder, und wren tausend Thrnen um ihn geflossen -- fnde mehr Raum in der Welt, die so drngend ist im Ersatz. Die Geschichte jener lebendigbegrabenen Frau, die da heimkehrt zu nchtlicher Stunde und vergebens an Haus und Herz der Ihrigen pocht, die sie nicht kennen wollen und fr eine blasse gespenstische Lge halten, so da sie wieder zurck mu in die Wohnung der Todten, um dort Herberge zu suchen, ist von ergreifender Wahrheit. Das Grab ist zuverlssig, und nur der Lebende hat Recht. -- Als ich dies sagte, berrieselte mich das leise Gerusch naher Schritte mit einem wundersamen Schauer. Eine weie Gestalt geht, nein, _schwebt_ hurtig an uns vorber, so da ihr langes Kleid die Grasspitzen hrbar tpft. Sie wendet das Gesicht vom grnen Schirm des Hutes magisch entfrbt, nach unserer Gruppe -- ich hielt Tony umfat. O! ich kannte dies bleiche, schne, liebe Gesicht gar wohl. Mit einem Blick im Fliehen ward mir mein Urtheil zugeworfen; nur einen Moment sah ich in dies blaue Auge, in meinen verscherzten Himmel --: es war meine Frau. Allgerechter Gott! rief der Administrator, als gbe ihm die Erscheinung einer Mitbetheiligten das Recht, laut zu werden, und Du irrtest Dich nicht? Sylvius lchelte. Dies Lcheln, ein Schattenri jener Vision, schnitt seinem Freunde in die Seele. Er sprach: ich sage Dir, bei dem lebendigen Gott! Sie war es wirklich. Ein kleines blankes Schlsselbund an ihrem Grtel klirrte, da sie in achtloser Eile ber eine Baumwurzel strauchelte. Sie trug einen Zweig Ebereschen in der weien Hand, die lagen verstreut auf dieser Stelle, da ich sie suchte, wie Blutstropfen, die von meinem Herzen abgetrufelt wren. Frage nicht, wie mir gewesen; ich wei nichts von jener Zeit. Tony glaubte, da ich mir einen Paroxismus durch Erkltung zugezogen htte. -- Wer war die Dame? wo ist sie hin? fragte ich die Wirthinn, und meine Zhne schlugen an einander. Ich erhielt keine andere Auskunft, als den Bescheid: es wohnten ein paar Brunnengste auf dem Schlosse, ein Herr und eine Dame, diese wrde es wohl gewesen seyn; stille, vornehme, absonderliche Leute, sagte die Frau mit einem Fingerzeig gegen die Stirne, die das Gerusch nicht lieben, und Niemand etwas zu Leide thun. Sie mogte meine Geberde fr Furcht halten. -- Die Nacht khlte mich nicht; ich lag in Angst gebadet. Noch war die Sonne nicht aus dem Morgenthor gegangen, da lutete ich schon an dem des Schlosses. Ein schlaftrunkener Wchter that mir auf und schnaubte Grimm; doch der wilde Mann auf dem Goldstcke, welches ich ihm vorhielt, machte ihn zahm. Er habe strengen Befehl, Niemand einzulassen, sagte er, seit gestern Abend. Auch sey die Grfinn unpa. Also _krank_! dachte ich. Wer krank ist, lebt doch! ich aber war gekrnkt bis zum Tode. Und als die Thrflgel hinter mir zufielen, fhlte ich mich von jeder Hoffnung auf ewig ausgeschlossen. Willenlos lie ich nun Tony ber mich verfgen, die unsere Weiterreise beschleunigte. Sie weinte im Wagen -- ich sprach kein Wort, ein Laut von meinem Schmerz htte mir die Brust gesprengt. In der nchsten Stadt ging Tony aus und kam mit einem Doctor wieder, den sie selbst geholt hatte. Es war ein ehrwrdiger Mann, der mir Zutrauen einflte. Er tadelte collegialischer Weise meinen vorigen Arzt, der mich so frh in der Reconvalescenz nicht htte reisen lassen sollen, und meinte, nun mte ich acht Tage Quarantaine halten: ich bedrfe Ruhe. O Gott! -- Sein Auge schien mit Liebe auf Tony zu verweilen, die, wie er und seine Frau gefunden, ihrer einzigen Tochter sehr hnlich she, welche ihnen vor zwei Jahren eine ansteckende Krankheit entrissen, wozu der Vater selbst den tdtlichen Stoff herzugetragen. Wie rhrend schilderte der Mann mir diesen Schmerz! -- Er bat mich, der armen Mutter den Trost dieses Anblicks zu gnnen, und whrend unseres Aufenthalts freundlich zu ihnen zu kommen. Diese herrlichen Menschen werde ich nicht vergessen. Mir kam der Gedanke, Tony, die ich besser nicht aufgehoben wte, bei ihnen zu lassen, allein in meine Heimath zu reisen, das Terrain zu recognosciren, und sie dann abzuholen. Tony schien dieses Vorschlags froh, der Doctor und seine Frau gingen mit Vergngen darauf ein. Ich athmete freier und fhlte mich erls't, da ich im Wagen sa. Der Unglckliche, allein neben Andern, findet Trost darin, einsam zu seyn, und der Gram ist ein unduldsamer Gefhrte. Mein alter Vater empfing mich mit groer Rhrung. Er kannte den Sohn kaum mehr, so hatte ich mich verndert. Ich wagte es, ihm mein Unglck zu bekennen. Es flo eine groe Kraft von ihm aus -- und sein sanftes Wort fiel wie Thau in meine brennende Seele. Sylvius, sagte er: Du hast ein gefhrlich Spiel gespielt, und ich frchte, Du hast es verloren -- finde Dich nur darin; den Vater sollst Du stets in mir finden. Ein Zurckgehen in seine alten Verhltnisse ist dem Menschen immer unmglich, jede Stunde reit uns von der vorigen ab, und der zerrissene Faden einer Fgung lt sich nicht haltbar wieder anknpfen. Gott fgt zuletzt doch Alles wohl. Ermanne Dich, mein Sohn! der Muth hilft Berge tragen, und der Glaube versetzt sie. -- Wie oft hatte ich dieses frommen Glaubens heimlich gespottet! jetzt neidete ich meinem Vater seine stille Gelassenheit. Er war es zufrieden, da ich ihm Tony brchte. Wir wollen sehen -- sagte er mit bekmmertem Blick. Ich will Tony also holen. Auf der Strae jener Stadt begegnet mir mein alter Doctor. Er erkennt mich bestrzt und ruft: nun, es ist doch kein Unglck vorgefallen? ich frage: wie so? -- Tony war seit fnf Tagen fort, vorgebend, Nachricht von mir erhalten zu haben, da ich mein Versprechen unmglich erfllen knne, und dringend nach ihr verlange. Die Frau des Doctors zitterte an allen Gliedern, ich sah, man verschwieg mir etwas. Auch liegt ein Brief an Sie da, sagte Jene, der den Tag nach der Abreise Ihrer Frau Gemahlinn ankam, mit dem Vermerk, da wir ihn aufbewahren sollten, bis da er abgeholt wrde; dieser Umstand ist uns sehr aufgefallen. -- Tony schrieb mir: von den letzteren Erfahrungen berzeugt, mit welcher Aufopferung ich mich ihrer angenommen, wolle sie mir nicht lnger beschwerlich fallen, und ich drfte sie um so ruhiger ihrem Schicksal berlassen, als sich ein Begleiter fr sie gefunden, der die Pflicht, sie zu beschtzen, fr sein Glck halte, und mit Freuden jede Verantwortlichkeit auf sich nehme. _Bslich_ habe sie mich nun zwar nicht verlassen, was uns sogleich scheiden werde -- aber ich knne immerhin darauf klagen, und auf was ich immer wolle. Sie ertheile mir die unbedingteste Vollmacht fr alle Flle der Schuld, und wnsche mir, wohl zu leben. -- Bei dem Tone leichtsinniger Indifferenz in diesem Schreiben, war es mir, als ob ein Fenster zersprnge; freie Luft strmte mich an, und ich sah Alles, _Alles_ ein! Sieh! sagte Clestin mit einem Klange der Rede, als htte eine lange Dissonanz sich gels't, so hat auch Dich diese falsche Tony nicht geliebt. Sie ist eine Schauspielerinn, die heute im Fache der Intrigue siegt, und morgen als gedrckte Unschuld rhrt. Du warst nur das Vehikel ihres Talents und ihrer Zwecke. Sie hat Dich zu der schwersten Rolle gezwungen. Armer Freund! ich mu Dich beklagen und mich dazu, da ich Veranlassung dazu gegeben. Sprich mir nicht davon, da sie Dich gepflegt, Dir Gte und Liebe bewiesen: auch eine Actrize fhlt, und vergiet natrliche Thrnen; es liegt eine Fhigkeit in der Lge, da sie sich selbst fr wahr hlt. -- Wer war denn aber das neue Opfer ihrer aimablen Kunst? Ein junger Mediziner, ein Libertin, der Beschreibung nach, antwortete Sylvius der, zur Zeit Secondairarzt des alten Doctors, Gelegenheit gefunden, mit Tony schnell bekannt zu werden. Das Aehnliche findet sich bald aus. Er hatte einen Ruf nach Liefland erhalten -- Tony war immer progressiv. Sie ging mit ihm, und die treue Aufsicht jenes wrdigen Paares ward getuscht. Und Du? fragte der Administrator. Und ich? fragte Sylvius mitleidig zurck und sprach: es giebt Erfahrungen, welche durch ihre glhende Beize die ganze Ichheit in ein fremdes Gefhl verschmelzen. Ich htte Gott danken mgen; aber ich konnte nur sein Wunder denken. Als jener reine Geist erschien, verschwand der Trug des Blendwerks: denn die Liebe ist Licht! ist Befreiung! -- Unsere Ehe war null und nichtig. Ich eilte ohne Weilen zu meinem Vater, ihn der Sorge um mich zu entheben. Gern htte ich ihn untersttzt mit meiner besten Kraft, diese war mir hin. Eine Zeitlang sah er meinen ohnmchtigen Versuchen zu, mich zurecht zu finden, dann sagte er: so geht es nicht, mein Sohn! gehe nur in die weite Welt, und wenn ich auch unterdessen in die _Enge_ geriethe. Der gute Greis! ach! ich verstand ihn, obgleich ein vterliches Lcheln mich ber den dstern Sinn dieses Ausdrucks tuschen sollte. Unsere Familie stammt ursprnglich aus Castilien. Dahin reise! sagte mein Vater, der es wute, da, dies Land zu sehen, ein frher Wunsch meines Lebens gewesen war. Die spanische Sprache, unser Muttertheil, hatte sich von Geschlecht zu Geschlecht vererbt; wenn auch das Wenige, was ich berkommen, nur ein Stammeln genannt werden konnte, deutlich machen, konnte ich mich doch. O mein Freund! diese Reise war mir wie eine Wallfahrt, und mit bender Seele trat ich sie an; ich hoffte, mich mde zu trumen an der Wiege meiner Vter. Etwas Schneres als die Einsiedeleien dieses Landes giebt es auf der ganzen Erde nicht. Wo die Natur eine stille Capelle gebaut, da finden sich auch Spuren der Hausaltre, und ein Hauch sdlicher Glut webt unter diesen heiligen Schatten. Man sieht, der Mensch hat die Hand nur leise heben drfen, um das Hchste in Besitz zu nehmen. Die reizende Ueppigkeit des Bodens lie mein armes Herz freudeleer, der Glanz der Stdte schimmerte mir kein Glck vor, die Verwickelungen der Politik zogen mich nicht an, nur die Poesie der Einsamkeit war es, was mich rhrte. Ich zog hin, ich zog her -- die Zeit zog auch vorber; ich forschte nach der Quelle meiner Abkunft -- der Ruhe Quell in meiner Brust war mir verschttet. So hatte ich kaum gemerkt, da meine Baarschaft zu Ende ging. Der Schmerz, welcher den Geist reift, ist in Betreff auf zeitlichen Vortheil ein Mndel unseres Herrgotts. An den Pyrenen traf ich einen Deutschen. Ich fand Gelegenheit, ihm einen wichtigen Dienst zu leisten, dann fand ich etwas Seltenes: einen Dankbaren. Ich konnte seine gromthige Erkenntlichkeit nicht ablehnen. Wir blieben eine Weile zusammen. Er entlie mich nicht, ohne mir das Versprechen abgedrungen zu haben, da ich, wren meine Verhltnisse zu lsen, mich seinem Schicksal, seinem Glck auf immer anschlieen wolle. Er war ein sehr bevorzugter Mann, unabhngig, und begnstiget zu der Freude, seinen Freunden ntzen zu knnen. Mein Vater war todt, seinen Ehrenplatz nahm ein Anderer ein, Fremde schalteten und walteten an heimischer Stelle, berall vermite ich das Geliebte. -- Ich sehnte mich, ach Clestin! ich sehnte mich unaussprechlich zu Dir! -- Einmal nur wollte ich Dich wiedersehen und Dir sagen, wie Alles gekommen. Dann scheide ich fr immer. Ich habe die Schuld bezahlt -- wirst Du sie auslschen in Deinem Herzen? Der Administrator heftete einen langen, feuchten Blick auf seinen Freund und sprach: lasse es doch gut seyn. Dein Andenken war mir nie so verwischt, da ich Dich nicht wieder erkennen sollte. Gott tilgt Alles! von den meisten Tugenden heit es: sie werden einst nur _vergeben_. Du bist mein Freund und bleibst bei _mir_. Sie hielten sich schweigend umfat -- ihre Herzen schlugen hoch aneinander, keine Liebe reicht an die verzeihende. * * * * * Am folgenden Morgen hatte Frau Fabia eine lange geheime Unterredung mit dem Freunde ihres Schwagers. Sie schien einen alten Bekannten in ihm wiedergefunden zu haben; ohne lebhaft laut ber dies erneuerte Verhltni zu werden. Und da auch hierin die beiden Schwgerinnen zu gleichen Theilen gingen, geschah es, da, ehe die Wintersonne desselben Tages sich neigte, Therese bei der unvermutheten Ankunft des Lieutnant Feldmeister in dem Neffen des Majors jenen Offizier erkannte, der mit entschlossenem Muthe ihr mtterliches Gut vor gnzlicher Einscherung geschtzt hatte. Auch Rudolph stand betroffen, da er die schne junge Frau erblickte. Eine Feuerrthe, der Widerschein jener Flammen, schlug in seinem Gesichte aus, und eine Wunde, die er im polnischen Kriege davon getragen, schmerzte ihn tiefer, als die erst geheilte. Er nannte die Gattinn des Constanz: mein gndiges Frulein! Therese hatte sich reizender noch entfaltet; ihre Augen leuchteten unstt und frhlingskrftig wie Sterne am Firmament einer warmen Mainacht, der Blick einer _Frau_ ist ein sanftes, bestimmtes Licht am huslichen Horizont. Sogar in dieser kalten Jahreszeit verschmhete Therese das Hubchen, und trug das braune Haar ppig frei, als knne ihr Flattersinn selbst einen Zwang von Flor und Band nicht dulden. Alle ihre Bewegungen hatten den tanzenden Rhythmus der Freude; der Gang einer Gattinn ist schwerfllige Prose und schreitet nur unter dem Klingklang eines Schlsselbundes einher. Kein Gewicht dieser Art beschwerte den Grtel dieser leichten schwebenden Gestalt. Zwar hing in ihrem rechten Ohr ein winziger Schlssel von Gold und Demant, und in dem linken das dazu passende Schlo; doch ohne da der erstere etwas Anderes erffnet, als den Geschmack im Putz -- das letztere ein volles Herz bewahrt htte.-- Als Rudolph nun hrte, da er eine Strohwittwe vor sich she, da meinte er, seine Hoffnung, da der Zufall ihn wohl nicht umsonst mit diesem anziehenden Wesen zusammenfhre, wre auf eine taube Aehre gefallen. Auch Therese fhlte sich durch den Anblick des Lieutnants in die Vergangenheit entrckt. Sie hrte im Geiste das Schieen der Feinde -- Thrnen schossen in ihre Augen und schleierten das Bild der blassen Mutter ein. Als der Major seinem Neffen die Verhltnisse des Hauses auseinander setzte, konnte Rudolph vor Allem die seltsame Ehe Theresens nicht fassen. Er schttelte den Kopf und sprach: Sie kann nur an den Mann im Monde verheirathet seyn. Nur _diese_ Entfernung, und die Klte des Planets macht es denkbar, solch ein himmlisches Weib Jahrelang missen zu knnen. Und welche Gleichgltigkeit liegt darin, eine Frau, wie diese, dem Bruder zu berlassen, der doch ziemlich jung und ein sehr hbscher Mann ist! -- Die vertraulichen Beziehungen ihres Zusammenlebens-- sind eine Hllenplage fr ihn, der gern friedlich wre, unterbrach der Major seinen Neffen, indem ein sarcastisches Lcheln des Oheims dem Lieutnant zu denken gab. Es ist sehr mglich, fuhr Jener fort, da dieser rmste Prlat ein Clibateur bleibt, wie seine geistlichen Namensbrder, blo weil er das Glck geniet, der Schutzherr zweier Frauen zu seyn. Wer mit der Schnsten familiair umzugehen ein Recht hat, verliebt sich selten in sie. Du, mein Junge, sprichst wie der Blinde von der Farbe. Die Schwgerschaft nahm pltzlich wandelnd eine hellere in den Augen des Neffen an. Das Leben der Hausgenossen im Stifte gestaltete sich nun um vieles anders. Der Administrator war sichtlich erheitert, seit er den Freund zur Seite hatte, und seine Gesundheit krftigte sich zusehends. Sie ritten tglich zusammen aus, Plne zu Verbesserungen der Gter beschftigten sie daheim. Ein gemeinntziger Ernst, der sich gegenseitig mittheilte, lie sie Bedacht auf Alles nehmen, was dem Wohl der uern Angelegenheiten frderlich werden knnte. Sie tauschten ihre Ansichten aus -- und ein solcher Freund hatte dem Verweser nur gefehlt, da er seine Stellung sich mit Lust und Liebe aneigne. -- Der Oberfrster war ein bejahrter Mann; Clestin dachte, seinem Freunde zu diesem Posten helfen zu knnen, so wrde die Zukunft sie nicht mehr trennen. Auch gab es fr einen so fhigen Kopf auf jeder Stelle Beschftigung, und Sylvius ntzte den Renten des Klosters, whrend er der Gast des Hauses war und blieb. Andererseits war dem Administrator nicht minder geholfen. Er schlo sich lediglich an den Gefhrten an, und verga ber ihrem mnnlichen Thun, was er lngst lassen sollen, sich der Zufriedenheit seiner Damen anzunehmen. Ob die Frauen sich vertrgen oder nicht, es kmmerte ihn kaum noch, und Sylvius berzeugte ihn vollends, da die Weisheit und Gerechtigkeit in hchster Person weibliche Ansprche nicht auszugleichen vermge. -- Seit die Schwgerinnen keinen Schiedsrichter mehr hatten, brauchten sie auch keinen mehr. Frau Fabia war aus ihrem frommen Hinbrten aufgescheucht worden. Sie ging gesellig in manche ihrem Wesen fremdartige Idee ein, und war nicht so finster als sonst. Die tiefe Fuge ihrer Tonart hatte sich in Harmonie gels't, und ein besserer Einklang zwischen ihr und Theresen niemals Statt gefunden. Fabiens Sorge um den Schwager wendete sich, da er gesund geworden war, mehr seinem Freunde zu, der an einer unheilbaren Krankheit des Gemths zu leiden schien. Sie achtete selbst weniger auf Josephine. Diese brachte jeden Augenblick, der zu erbrigen war, bei der Nonne hin, da Schwester Veronica sich der fremden Mnner wegen zurckgezogen hatte. Therese war liebenswrdiger als je. Sie machte tausend kleine liebreizende Geflligkeiten geltend, die ihr zu Gebot standen, und selbst Fabia mute sich gestehen, da, wenn sie _wolle_, ihr nicht zu widerstehen sey. Sie entschuldigte heimlich den Administrator, da er parteiisch gewesen. -- Und seltsam! gerade jetzt zeigte sich Clestin so khl und selbstndig, als htte dieser Zauber seine Kraft an ihm verloren.-- Der alte Feldmeister ist aus dem Felde geschlagen-- sagte der Major zu dem jungen, und leise sprach in seinem Tone eine krankhafte Empfindlichkeit an. Dieser Freund, dieser Fremde, der mir nicht sonderlich behagt, fllt die Zeit und das Herz des Administrators aus. Ein Glck, da ich Dich hier habe, Rudolph. Faust knurrte eiferschtig, als der Oheim bei diesen Worten dem Neffen die Hand reichte. In der That wrde die Freundschaft des Majors kaum einem Gefhl der Zurcksetzung entgangen seyn, wie wenig Clestin sich auch derselben bewut gewesen, wren hufige Anflle der Gicht, die den Ersteren an sein Zimmer fesselten und die Anwesenheit des Lieutenants nicht zur Entschuldigung fr den Administrator geworden. So oft das Befinden des Majors leidlich war, vereinigte sich die kleine Gesellschaft. Dann spielte Rudolph mit Theresen Schach, und immer ward sie eine Siegerinn. Es gelang ihm nie, den Ruhm seines Namens gegen ihre kleinen Finessen zu behaupten. _Einmal_ gewinne ich doch! schwor er bei jeder Niederlage. Therese lchelte nur. Wenn der Hauptmann erzhlte, der ganz Europa durchreis't seyn wollte, dann sah Rudolph zu Boden auf die Spitze von Theresens Fu, und mit so tiefsinnigem Blick, als glte es, die Pointe seines Lebens ins Auge zu fassen. Der Oheim drohete ihm einst mit dem Finger. Du denkst gewi an die Geschichte vom Pantoffel-- sprach er neckend, hre doch unserm Moorhausen zu, der eine lebendige blaue Bibliothek aller Nationen ist. Er klopfte den Hauptmann auf die Uniform -- dieser, unwissend ber jene Sammlung Mhrchen, machte eine geschmeichelte Miene.-- Frau Fabia sah es gern, da Josephine so wenig Interesse an der Nhe des jungen Offiziers nhme; fr Sylvius hingegen uerte das Mdchen eine stille innige Theilnahme, welche ihre Pflegemutter vollkommen zu billigen schien. Er ertheilte auf den Wunsch derselben Josephinen wissenschaftlichen Unterricht, und ein zartes geistiges Band hielt den Lehrer und die Schlerinn zusammen, oft lange ber die gegebene Stunde, und auch auer der Zeit, welche diesem Zwecke gewidmet war. Und Fabia zrnte nie, wenn Josephine lernend oder liebend nach ihrer Weise einen Auftrag versumte. Genug, aller Kampf, sogar der Streit der Pflichten schien zu Ende, seit das Opferfest zum Geburtstag des Administrators unterbrochen worden war, und die Weihnachtsglocken hatten lngst ausgeklungen, als unsichtbare Engel noch immer ber der Klosterflur von Sanct Capella schwebten, welche sangen: Friede auf Erden! und dem Menschen ein Wohlgefallen. Das neue Jahr war schon um einen guten Schritt vorgerckt, und der Tag verlngerte sich merklich, da kam die Nachricht, da der Lieutnant Feldmeister versetzt sey in eine ferne Garnison, und schleunigst fort msse. Das Invalidencorps fhlte sich durch diese Ordre wie auf Feldetat gesetzt, es gab Allarm, der junge Offizier war Allen lieb und werth geworden. Auch der Familienkreis des Administrators empfand die Lcke, die nun bald entstehen wrde. Therese ging umher, als htte sie ihr ganzes Glck, ihr Glck auf immer verloren -- und der Major sagte zu sich selbst: Therese ist schachmatt -- es ist Zeit, da das Spiel aufhrt. Am Abend vor dem Tage, wo der Lieutnant Feldmeister das Stift verlassen sollte, sa Schwester Veronica allein in ihrem Stbchen und bltterte in dem Herbarium ihres Vaters. Tiefe Stille war um sie her, ein heiterer Winterfriede durchathmete die Zelle. Des Lichtes Flamme brannte wie gemalt, der warme Glanz des weien Oefchens spiegelte sie in blendenden Funken zurck, und das Knistern der innen glimmenden Kohlen strten feuerheimlich diese lautlose Ruhe nicht. Das groe Lebensbuch der Pflanzen lag vor der Nonne aufgeschlagen; ihr Auge leuchtete in sanftem Vergngen. Sie suchte: _die Liebe im Nebel_ -- eine Gattung der Passionsblume. Und wie sie Blatt um Blatt wendete, gingen alle Frhlinge, die sie gelebt, an ihr vorber, und der botanische Garten, darin sie gewohnt, blhete mit den Freuden ihrer Jugend auf. Sie sah den Vater hei vor Lust, unter dem glhenden Strahl der Mittagssonne, weil keine andere Zeit ihm blieb, betrachtend stehen, die Mutter, wie sie in der Mondkhle einsam unter den Gngen des verlornen Paradieses auf und nieder wandelte, mit traurigen Gedanken, die auf der verbotenen Frucht verweilten, welche eine verfhrerische Schlange dem Gatten reichte. Sie hrte den Baum rauschen, unter dem der geliebte Brutigam einer Andern Treue versprach, und mit dem Regen jener Stunde, dem so viele Thrnen nachgeflossen, rieselten leise Schauer der Erinnerung ber das Herz der guten Nonne. Da naheten eilende Schritte, die Thre ging auf, ohne da Jemand angeklopft htte, und Josephine trat herein, scheu und hastig. Schwester Veronica hob den Blick auf, der ngstlich auf dem lieben Kinde haftete, und sprach: was ist Dir, Mdchen? Dein Gesicht brennt, Du siehst aus, als httest Du geweint, oder als wrde es eben geschehen, und der groe Schlssel zittert in Deiner Hand? Josephine antwortete mit erstickter Stimme: _mir_ hat Niemand etwas zu Leide gethan, und doch fhle ich so. Ach liebe Veronica! ich habe etwas Entsetzliches erfahren -- das lege ich nieder in Ihre tiefste Brust. Es bleibt darin begraben-- versicherte die Nonne feierlich leise und mit der Kraft des Schweigens, sprich ruhig, mein Kind. Mit gebundenem Athem begann Josephine: ich ging, wie Sie wissen, in die Capelle, die Lampe mit Oel zu versehen. Immer freue ich mich auf dies kleine Geschft bei dem ich lnger verweile, als nthig wre. Dort strt mich nichts in meinen stillen Trumen. Das Herz ist mir jetzt zuweilen so gedrckt, so enge -- als fnde ich nirgend Raum fr Wnsche, die ich nicht zu nennen wei, den ausgenommen, da ich einst in dieser Capelle ruhen mgte. So ist die Maria wie meine gute Freundinn, die es versteht, was ich keinem klagen kann. Als der Docht der Lampe aufglomm, nachdem ich sie getrnkt, und dieser Schimmer an das Gewand schien, wie wenn der Mond ber dem Wasser schillert, da war es mir, als wrde ihr todtes Auge hell, und sie sprche: gieb Dich zufrieden! wir wollen sehen!-- Die Liebe, meine gute Josephine, schaltete Schwester Veronica ein, gewinnt Allem Leben ab, wie der Glaube eine Seele des Trostes. Das ist der wahre lebendige Hauch aus Gott, und ein ewiges: es werde Licht! -- Die Welt wandelt in Schatten des Todes und ihre Werke sind finster. Die Heiligen sehen das Werk an und vergelten auch den kleinsten Dienst. Es wird Dir gewi wohl gehen auf Erden. Du wirst lange leben, und so betrbt es mich, da Du in so jungen schnen Jahren schon an Dein Begrbni denkst. Josephine sah die Nonne mit bangem Lcheln an. Und was geschah denn nun, mein liebes Kind? fragte diese, fasse Dich, mir es sagen zu knnen. Ich will Dich zu trsten suchen, mit Gottes Hlfe. Das Mdchen schttelte leise den Kopf und sprach: als ich noch sinnend stehe, vernehme ich ein schnelles Kommen und Flstern. Nun ist es recht besonders, Schwester Veronica, mit den Geistern halte ich Zwiesprach, als wren sie meine Geschwister, und vor Menschen frchte ich mich? -- Ich schlpfte in den Beichtstuhl und duckte unter -- es war nur ein Augenblick, ich wute selbst nicht, was ich that. Da erkannte ich Theresens Stimme im Gesprch mit einem Manne, und ich merkte sogleich, da es der Lieutnant Feldmeister wre. Sie redeten hchst vertraut. Hier sind wir allein -- sagte er, als sie in die Capelle traten, hier sucht uns Niemand. Vergessen Sie nicht, antwortete ihm Therese, da die wchserne Mutter Gottes das Verlorene sucht, und verloren wre ich, wenn man uns hier zusammenfnde. -- Sie machte ihm hierauf zrtliche Vorwrfe ber seine verfolgende Leidenschaft. Einige Minuten _mssen_ Sie mich hren! betheuerte er, und -- o Veronica! was lt sich in ein paar Minuten sagen! ich meine, Therese htte ihr Lebelang darber zu denken. Sie lieben sich -- sie lieben sich schon lange. Und Therese ist die Frau eines andern Mannes! -- Wenn das der redliche Major wte! und -- und -- der Unglckliche schwor, wenn er sie zum drittenmale finden sollte, dann msse sie sein werden, und wre sie mit Ketten an dem Himmel geschlossen. Ich habe nicht gedacht, da ein Mensch so reden knnte -- jedes Wort war ein Funken, der zndete. Schwester Veronica sah mit bekmmertem Blick die brennenden Wangen des Mdchens, und seufzte tief, da diese fromme Unschuld Zeuginn solch einer leidenschaftlichen Scene gewesen. Den armen Constanz verurtheilte er-- fuhr Josephine mit einer ihrem Wesen fremden, feindlichen Regung fort: und seine Gattin duldete es. Dem Onkel gnnte er das Glck ihrer Nhe nicht, _ihm_, der die Frau seines Bruders in freundlichen Schutz genommen, und gar manche Unbill wegen ihr ertragen hat! ich wei das am besten. Dann sank er ihr zu Fen -- dann kte er sie -- o Gott! Er kte sie! wiederholte die Nonne leise, auf deren keuscher Lippe nie der Ku eines Mannes geblht. Du armes Kind! ja, das mag eine Angst gewesen seyn. Angesichts der heiligen Jungfrau entbldeten sie sich dieser Snde nicht! -- Und der junge Mann scheint sonst ein liebenswrdiger Mensch. Ach! ich bin dem Lieutnant bse-- sagte Josephine, das ist nicht edel von ihm gehandelt; ich denke, ein Mann mu seine Leidenschaft bezwingen knnen. Es hatte mir so gut von ihm gefallen, wie er sich jener alten Dame angenommen -- Sie kennen die Geschichte--! nun aber verfllt er selbst in rgeren Wahnsinn, verliert den Kopf, und Der sich so tapfer schlug, da die Schwche des Alters in Ehren gehalten wrde, kann sich einen Gedanken nicht aus dem Sinne schlagen, der die Wrde einer jungen Frau beleidiget, die wohl noch schwcher ist. -- O! das ist nicht lblich! das ist eine Verletzung des Gastrechts. Du hast ganz Recht, mein Tchterchen, antwortete die Nonne, und Gott behte mich, da ich beschnigen wolle, was sich nicht billigen lt; nur meine ich, der junge Feldmeister sey bethrt, sich selbst entfremdet, und Therese mag ihm wohl reichlich Gelegenheit gegeben haben. Diese scheint mir in sofern zu entschuldigen, da sie gleichsam nur ein kurzes Achtel verheirathet war, und eine lange Pause ist fr dies lebendige Allegro nicht. Wie endete sich denn nun diese Zusammenkunft? Ich seufzte zu Gott, sprach Josephine, da ich erlset werden mgte, und kaum war dieser flehende Gedanke aufgeflogen, da flatterte eine Motte aus dem Busen der Maria, und schwirrte mit singendem Gerusch um das Flmmchen. Dieser kleine Zufall scheuchte die Liebenden hinweg. Ich zitterte an allen Gliedern und mute mich erst erholen. Wer aber hatte mir denn was gethan? Was geht es mich an, Wen Therese liebt? Und doch war es mir, als htte man ein tiefes Gefhl in mir verletzt. Wo die Tugend leidet, versetzte Schwester Veronica, da leidet eine reine Seele mit, und der Schmerz dieser Erfahrung ist gro. O mein Kind! Treue ist unser einzig Glck auf Erden! selbst den Nichtliebenden rhrt sie mit einem zrtlichdauernden Gefhl, was sich erwerben lt. -- Treue ringt den Himmel nieder in Deinen Besitz -- sie ist ein Strahl der ewigen Liebe. Ein wankendes Herz findet nirgend Ruhe. Wir wollen Theresen bedauern. Sie macht Keinen glcklich, und sich am wenigsten. Wenn ihr Gemahl nun heute oder morgen kommt, mit welchem Blicke soll seine Frau vor ihm stehen? Josephine sah mit einem flammenden der Nonne in das Gesicht, und diese mogte vielleicht an den Engel des Gerichts denken. Sanften, entwaffnenden Tones setzte sie hinzu: Gott senke Kraft in Deine junge Seele, an der Liebe des Nchsten zu halten, denn nur, Wer beharret, merke Dir es, mein Mdchen -- der wird selig!-- Josephine schmiegte sich an die Brust der Nonne und fhlte das treueste Herz schlagen. Sie schmte sich, entrstet gewesen zu seyn, vielleicht zum erstenmale in ihrem Leben -- und aus der tiefsten Quelle des weiblichen Gemths drangen Thrnen, herbe und doch hoffnungsvoll, in ihre milden Augen. * * * * * Ein paar Monate waren seitdem vergangen. Sanct Capella, von der hher steigenden Sonne bestrahlt, glnzte wie eine weie Glockenblume mit goldnem Kelche zwischen dem aufgrnenden Frhling. Im Stifte selbst sah man den schnen Tagen, die nun kommen wrden, mit drngender Erwartung entgegen. Man nahm sie gleichsam voraus. Frau Fabia ordnete diesmal das groe jhrliche Waschfest zeitiger als sonst an, und als der April sein Wechselrecht geltend machte, und einen hurtigen Regen ber das sonniggetrocknete Linnen ausgo, behielt ihr Gesicht seine Heiterkeit, der beste Beweis von dem bestndigen Wetter in der Laune der guten Hausfrau. Schwester Veronica, bedrngt von jener heiligen und tiefen Wehmuth, die sich ihrer sanften Schmerzen schmt, schlich jetzt manchmal im Mondschein auf den Kirchhof des Klosters und mit schwellendem Herzen die Mauer entlang, woran der Flieder knospete. Wenn sie in ihrem weien Gewande zwischen den Grbern wandelte, im geistigen Verkehr mit den Schatten der schlafenden Schwestern, glaubte man Libitina, die stille Gttin der Todten zu sehen. Die Offiziere suchten mit frischangeregter Lebenslust das Freie. Major Feldmeister warf den Pelzstiefel zusammt dem Podagra abseits, und rief: da liege, da du berstest! ich habe es nun satt, und _will_ gesund sein! Er schritt herzhaft einher. Die groen Fenster waren geffnet, die Thren standen weit offen, als solle der Winter ausziehen. Herr Prlat, empfindlich gegen den Zug, ging als der Zeus des Hauses mit einer Donnerstirn von einem Flgel zum andern, und blitzte hier und da heftig zu. Ein thatenlustiger, rhriger Geist war in den Administrator gefahren. Er strubte sich beinahe ungebehrdig gegen die krankhafte Ruhe, die seine Krfte bisher unterdrckt hatte, gegen die Pflege der Weiber. Fabia schalt ihn undankbar, wenn er eine Maregel ihrer Vorsicht fr unntz erklrte. Sie meinte nach Art einer erzrnten Prophetinn: dieser Uebermuth werde ihm schlimm bekommen. Doch Josephine freuete sich und sagte leise: Er ist jetzt um Vieles besser. Therese lie ihren Schwager gewhren. Sie ging spazieren frh und spt auf geheimnivollen Wegen, und nicht selten brachte ein Fhrer die Verirrte zurck. Frau Fabia sagte kein entscheidendes Wrtchen ber diesen entschiedenen Mssiggang. Sie wrmte geduldig das Essen, wenn Therese die Stunde der Mahlzeit versumte, doch keine begangenen Fehler mehr auf. Fabia wute vielleicht, da Theresens Seele unter einer greren Last arbeitete, als frherhin ihr Leichtsinn und ihre Lssigkeit Andern aufgelegt hatte.-- Als einstmals Therese von einem weiten einsamen Ausflug spt nach Hause kam, die Hnde voll selbstgepflckten Veilchen, sah sie einen ausgespannten Reisewagen vor dem Stifte stehen, dessen helles Gelb wie eine groe Mondscheibe durch das Dmmern des Frhlingsabends leuchtete. Sie stie einen kurzen Schrei aus, und ihr war in diesem Augenblicke, als stiee er ihr das Herz ab. Sie floh dem Kloster zu, und strzte auer Athem in das Wohnzimmer. Constanz war vor einer Stunde angekommen. Seine Frau zu suchen, hatte man Boten nach allen Richtungen ausgesendet. Sie rang die Hnde um seinen Nacken; diese Gebehrde sah aus wie Liebe, wie Jammer, und konnte beides seyn. Der Diplomat stand mit Veilchen beschttet und zitterte sichtbar. Therese verbarg ihr Gesicht, ohne in das seine zu sehen, an der Brust ihres Mannes. Er hob es empor und drckte heie, langentbehrte Ksse auf ihren krampfhaft lchelnden Mund. Die Familie war versammelt, auch -- der Zufall hatte es gefgt -- Major Feldmeister und Schwester Veronica, als sollte Niemand fehlen, der nheren Theil an diesem Ereigni nhme. Constanz hatte sich nach dem stillen Bemerken seines Bruders auffallend verndert. Die Sonne seiner Reisen hatte ihn gebrunt, seine scharfausgeprgten Zge hatten den Schmelz der Jugend, und den liebenswrdigen Ausdruck unbewuter Herzlichkeit verloren. Staatsmnnisches Interesse war dem Ernst der sinnenden Miene tief eingedrckt, und ber seine Stirne eilte ein Gewlk von Sorgen, wie getrieben von einem innern Sturm. Meine Therese! mein einziges Weib! sagte Constanz mit einer Rhrung, die ihm schn stand: Du bist bleich und ein wenig abgekommen -- Du hast Dich wohl um mich gengstet? Du bist mir nicht bse? Du machst mir keine Vorwrfe? diesen gtigen Empfang habe ich nicht verdient. Ich mache Dir keine Vorwrfe-- antwortete Therese mit gepreter Stimme, und lauter sagte ihr Gewissen, Wer von ihnen eigentlich _so_ fragen mte. Aber nun brach Therese in ein convulsivisches Weinen aus. Constanz schien ber diese uerste Wirkung der Freude betroffen. Er hielt seine Frau fr krank. Josephine stand mit der Nonne an einem Fenster. Sie wendete sich ab, und sprach leise zu Schwester Veronica: wie ist dies mglich, so falsch zu seyn gegen die redlichste Liebe? -- Wenn ich Theresen in den Armen ihres Mannes sehe und daran denke, da vor kurzer Zeit-- Josephine schauderte in sich hinein. Das mut Du zu vergessen suchen-- flsterte die Nonne, mir kommt diese wunderliche Freude wie Seelenangst vor. Ach! Therese knnte jetzt getreu und getrost in das Auge blicken, was sie so entzckt betrachtet! und she es tiefer auf den Grund ihrer Thrnen, es wrde sich wohl lieber schlieen fr immer. Constanz war nach seinem Wunsch versorgt; schon in der nchsten Frhe ging er nach dem Orte seiner Bestimmung ab, und Therese mute bereit seyn, ihn zu begleiten. Sie erschrak doch ber diese Krze. Fabia erbot sich dienstfertig, ihr das Einpacken zu besorgen. Sie solle sich um nichts kmmern, und ihr Glck genieen.-- Der Administrator lchelte. Er wollte den Worten seiner Schwgerinn eine leise Ironie abgemerkt haben. Aber Therese lie sich zum erstenmale nicht von der thtigen Fabia bertragen. Sie rstete Alles selbst zur Abreise. So verging dieser Abend drangselig. Man kam zu keinem ruhigen Genu des Beieinanderseyns. Constanz schien sehr ermdet, und der ltere Bruder machte ihm freundliche Vorwrfe, sich und den Seinen mindestens nicht _einen_ Tag der Rast gegnnt zu haben. Und Jener sprach: ich bin an diese erschpfende Eile gewhnt, und daran, die Erfllung meiner Wnsche, und Alles, was ich liebe, nur im Fluge zu berhren. Endlich zog die Nacht mit einer kurzen beschwichtigenden Pause vorber. Noch blickte der Morgenstern am Himmel, da kamen die vier Pferde Extrapost schon von Leidthal, welche dem Constanz bewilliget worden. Das ganze Stift war in Allarm. Die alten Offiziere standen in Parade, der jungen schnen Frau die Honneurs zum Abschied nicht zu versumen. Therese schien verweint, ehe sie noch Jemand Lebewohl gesagt hatte. Lange hing sie am Halse des Schwagers und konnte sich nicht losreien. Dann kte Schwester Veronica ihr einen leisen Segenswunsch auf die bethrnten Lippen. Nun umarmten sich die Schwgerinnen und Therese sprach: denke meiner nicht in Groll -- ich habe Dich oft gekrnkt, Fabia! die Stimme erstarb in Schluchzen. Und Fabia erwiederte: still davon, Therese! auch ich habe gefehlt. Wir scheiden in Frieden, und der Herr geleite Dich! Nun kam die Reihe an Josephine, an Sylvius, an den alten Feldmeister und die Uebrigen. Dem Major reichte Therese die Hand, und drckte die seine inniglich und noch einmal, als wisse der Alte schon fr Wen? -- Ihrem Gemahl dauerte dies Valet zu lange. Er hatte das seine in summarischer Krze abgegeben, den Bruder ausgenommen. Seine Meinung war: man msse den Schmerz solcher Scenen verkrzen, ja vermeiden, wo mglich; aber die Weiber lieen sich keine einzige Thrne unterschlagen, die sie mit Fug und Recht vergieen durften. Sprach's, und schob seine Frau mit einem schmerzverachtenden Lcheln in den Wagen. Noch einmal strahlte Theresens Blick durch einen doppelten Schleier das ganze Commitat an; die Offiziere verbeugten sich unwillkrlich dienstmig, die Nonne schrieb ein Kreuz in die blaue Luft, Constanz winkte herzlich -- und der Postillon stie in das Horn, da der schmetternde Hall von den Wlbungen des Klosters wiedertnte. Dieser Ton fand ein geheimnivolles Echo in der tiefsten Seele des Administrators und ein Grauen strich ber seine Nerven. Es erschtterte ihn dieser Klang, wie jener, als er am Sterbebette des Vaters den Bruder die kleine Trompete blasen hrte. -- Und als der Wagen nun pfeilschnell entrollte, das gastfreundliche Stift weit und weiter zurckwich, die Gehfte von Sanct Capella verschwanden, nun auch das letzte Huschen vorbeigeflogen war, und jetzt der Horizont ber der erwachenden Landschaft sich so klar vor ihnen aufthat, da gedachte Constanz an die Worte der Gesandtinn: er wrde einst mit Extrapost in den Himmel fahren. Ende des ersten Theils. [ Hinweise zur Transkription Das Originalbuch ist in Frakturschrift gedruckt. In dieser Transkription werden _gesperrt_ gesetzte Schrift sowie Textanteile in =Antiqua-Schrift= hervorgehoben. Der Text des Originalbuches wurde grundstzlich beibehalten, einschlielich uneinheitlicher Schreibweisen wie beispielsweise "irdisch" -- "irrdisch", "ist's" -- "ists", "Lieutenant" -- "Lieutnant", "Obristin" -- "Obristinn", mit folgenden Ausnahmen, Seite 13: "" eingefgt (sie eine kleine alte anspruchslose Rolle bernhme.) Seite 14: "ihrers" gendert in "ihres" (welches sie durch den Beistand ihres Schwagers gewonnen) Seite 21: "." eingefgt (und enteilte auf den Ruf seiner Pflicht.) Seite 41: "," eingefgt (ein Gedanke dieses Augenblicks voll Grauen, voll Schmerz) Seite 45: "Abendmal" gendert in "Abendmahl" (ehe ich aber das heilige Abendmahl wo anders halte) Seite 51: "," gendert in "," (Taugt nichts, unterbrach hier der Major) Seite 59: "" eingefgt (Ich band mein Pferd an eine Sule) Seite 59: "Augenblck" gendert in "Augenblick" (da ich einen Augenblick verziehen mgte) Seite 68: "" eingefgt (nimm fnf Loth _Ernst_) Seite 83: "," gendert in "," (Schwester Veronica, sagte Fabia) Seite 85: "beflanzt" gendert in "bepflanzt" (mit tropischen Gewchsen bepflanzt) Seite 92: "" eingefgt (weshalb ich denn auch so zaghaft wre.--) Seite 95: "" eingefgt (ja, mein Kind, wir mssen wohl den Blick schonend bedecken) Seite 107: "Gesellschafft" gendert in "Gesellschaft" (ihm doch ein wenig Gesellschaft leisten) Seite 116: "Schwal" gendert in "Schawl" (Ein echter Schawl, an den der matte Kopf sich schmiegte) Seite 120: "" eingefgt (Fasttage halte ich gar nicht) Seite 127: "" eingefgt (mein heiliges Amt zu Gunsten Ihres Wunsches ben.--) Seite 128: "" hinter "--" entfernt (der Tod soll ja eine neue Geburt seyn. --) Seite 137: "eine" gendert in "einen" (die sich nie gegen einen Vorwurf vertheidigte) Seite 143: "" eingefgt (hat mir das Gedchtni abwrts gezogen.--) Seite 151: "" eingefgt (auch wnsche ich von Herzen) Seite 155: "" eingefgt (weit Du wohl, was Abraham a Sancta) Seite 156: "" eingefgt (da thut sie Dir nicht Unrecht) Seite 156: "." eingefgt (Josephine errthete und nahm das Gedeck hinweg.) Seite 157: "" eingefgt (denn es will mich bednken) Seite 158: "" eingefgt (ich bin berhaupt mit einer gewissen) Seite 167: "Interresse" gendert in "Interesse" (zog die Mutter des Brutigams in ihr Interesse) Seite 172: "" eingefgt (wohl ist dieser Stoff) Seite 179: "" eingefgt (Und dieses liebe Geschft) Seite 182: "haufig" gendert in "hufig" (in dem rauhen Klima jener Gegend hufig wechseln muten) Seite 190: "" eingefgt (Denn-- setzte Tony in liebenswrdigem Uebermuthe hinzu) Seite 195: "" eingefgt (Das kann wohl seyn) Seite 215: "Zrckgehen" gendert in "Zurckgehen" (Ein Zurckgehen in seine alten Verhltnisse) Seite 217: "" eingefgt (die treue Aufsicht jenes wrdigen Paares ward getuscht.) Seite 229: "ihre" gendert in "Ihre" (das lege ich nieder in Ihre tiefste Brust)] End of the Project Gutenberg EBook of Die Schwgerinnen. Erster Theil., by Henriette Hanke License: Share Alike