Produced by Peter Becker, Jens Sadowski, and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was produced from images generously made available by The Internet Archive. Die Ratten Berliner Tragikomdie von Gerhart Hauptmann S. Fischer / Verlag Berlin 1911 Siebente Auflage. Alle Rechte, insbesondere das der bersetzung, vorbehalten. Den Bhnen und Vereinen gegenber Manuskript. Copyright 1911 S. Fischer, Verlag, Berlin. Personen: Harro Hassenreuter, ehemaliger Theaterdirektor Seine Frau Walburga, seine Tochter Pastor Spitta Erich Spitta, Kandidat der Theologie, sein Sohn Alice Rtterbusch, Schauspielerin Nathanael Jettel, Hofschauspieler Kferstein, Schler Hassenreuters Dr. Kegel, Schler Hassenreuters John, Maurerpolier Frau John Bruno Mechelke, ihr Bruder Pauline Piperkarcka, Dienstmdchen Frau Sidonie Knobbe Selma, ihre Tochter Quaquaro, Hausmeister Frau Kielbacke Schutzmann Schierke Zwei Suglinge Erster Akt Im Dachgescho einer ehemaligen Kavalleriekaserne zu Berlin. Ein fensterloses Zimmer, das sein Licht von einer brennenden Lampe erhlt, die von der Mitte der Decke ber einen runden Tisch herunterhngt. In die Hinterwand mndet ein gerader Gang, der den Raum mit der Entreetr verbindet: einer eisenbeschlagenen Tr mit einer primitiven Schelle, die der Eintritt Begehrende von auen durch einen Drahtzug in Bewegung setzt. Eine Tr in der Wand links schliet ein Nebengemach ab. An der Wand rechts fhrt eine Treppe auf den Dachboden. Auf diesem Dachboden, sowie in den sichtbaren Rumlichkeiten, hat der _Ex-Theaterdirektor Harro Hassenreuter_ seinen Theaterfundus untergebracht. Man kann, bei dem ungewissen Licht, in Zweifel sein, ob man sich in der Rstkammer eines alten Schlosses, in einem Antiquittenmagazin oder bei einem Maskenverleiher befindet. Zu beiden Seiten des Ganges sind auf Stndern Helme und Brustharnische Pappenheimscher Krassiere aufgestellt, ebenso in je einer Reihe an der rechten und linken Wand des vorderen Raums. Die Dachbodentreppe steht zwischen zwei Geharnischten. Die Decke darber schliet die bliche Bodenklappe ab. Ein Stehpult ist vorn links an die Wand gerckt. Tinte, Federn, alte Geschftsbcher und ein Kontorbock, sowie einige Sthle mit hohen Lehnen um den runden Mitteltisch lassen erkennen, da der Raum zu Bureauzwecken dienen mu. Wasserflasche mit Glsern auf dem Tisch und einige Photographien ber dem Stehpult. Die Photographien zeigen Direktor Hassenreuter als Karl Moor, sowie in verschiedenen anderen Rollen. Einer der Pappenheimschen Krassiere trgt einen ungeheuren Lorbeerkranz um den Nacken gehngt, mit einer Schleife, deren Enden in goldenen Lettern die Worte tragen: Unserem genialen Direktor Hassenreuter! Die dankbaren Mitglieder. Eine Serie mchtiger, roter Schleifen trgt nur die Aufschrift: Dem genialen Karl Moor ... Dem unvergleichlichen, unvergelichen Karl Moor ... usw. usw. Der Raum ist nach Mglichkeit zu Magazinzwecken ausgenutzt. Wo irgend angngig, hngen an Kleiderhaken deutsche, spanische und englische Kostmstcke aus verschiedenen Jahrhunderten. Man sieht schwedische Reiterstiefel, spanische Degen und deutsche Flamberge. Die Tr links hat die Aufschrift: Bibliothek. Das ganze Gemach zeigt eine malerische Unordnung. Alte Scharteken und Waffen, Pokale, Becher usw. liegen umher. Es ist eines Sonntags, Ende Mai. * * * * * Frau John, ber Mitte der Dreiig hinaus, und das blutjunge Dienstmdchen Piperkarcka sitzen am Mitteltisch. Die John, den Oberkrper weit ber den Tisch gelehnt, redet lebhaft auf das Dienstmdchen ein. Die Piperkarcka, dienstmdchenhaft aufgedonnert, mit Jackett, Hut und Schirm, sitzt aufrecht. Ihr hbsches, rundes Lrvchen ist verweint. Ihre Gestalt zeigt Spuren noch nicht vollendeter Mutterschaft. Sie malt mit der Schirmspitze auf der Diele. Frau John Na ja doch! Freilich! Ick sag't ja, Pauline. Die Piperkarcka Nu ja. Ick will nu also Schlachtensee oder Halensee. Mu jehn un mu nachsehn, ob ick ihm treffe! -- Sie trocknet ihre Trnen und will sich erheben. Frau John verhindert die Piperkarcka am Aufstehen. Pauline! Um Jottes Willen, blo det nich! Det nich, um keenen Preis von de Welt. Det macht Skandal, kost Jeld und bringt nischt. Wat woll'n Se woll, und wo Se noch in den Zustande sind! dem schlechten Halunken noch weiter nachlofen!? Die Piperkarcka Denn soll meine Wirtin heute soll warten umsonst verjeblich auf mir. Ick spring im Landwehrkanal und versaufe. Frau John Pauline! Warum denn? warum denn, Pauline? Jeben Se Obacht, heren Se jetzt blo um Jotteswillen 'n janz'n eenziges ... blo ma 'n janzen kleenen Ochenblick uf mir, und passen Se dadruf uf, wat ick Ihn vorstelle! Det wissen Se doch, ick hab et Ihn doch bei de Normaluhr, wo ick an Alexanderplatz aus de Marchthalle bin jekomm, jleich anjesehn und hab et Ihn uf'n Kopp druf jesacht. Wat hab ick jesacht? Jeld, hab ick Ihn uf'n Kopp druf jefragt, jeld, kleenet Aas, er will nischt von wissen! -- Det jeht hier vielen, det jeht hier allen, det jeht hier vielen Millionen Mchens so! Und denn hab ick jesacht ... wat hab ick jesacht? komm, hab ick jesacht, ick will dir helfen. Die Piperkarcka Zu Hause darf ick mir nu janz natrlich nich blicken lassen, wie ick verndert bin. Mutter schreit doch auf's ersten Blick! Vater haut mir Kopf an die Wand und schmeit mir Strae. Jeld hab ick nu ebenfalls och weiter nu weiter keens nich! als wie Stcker zwei Joldstcke, was ick mich Jackettfutter einjenht. Htte mich, schlechter Mensch nich Mark nich Pfennig brig gelassen. Frau John Freilein, mein Mann ist Mauerpolier. Freilein: wenn Se blo wollten Obacht jebn ... jebn Se doch um Jotteswillen Obacht, wat ick Ihn for Vorschlge unterbreiten tu. Freilein, denn is doch uns beede jeholfen. Ihn is jeholfen und so desselbijen jleichen och mir. Auerden is Pauln, wat mein Mann is, jeholfen, wo sterbensjerne een Kindeken will, weil det uns doch unser eenziget, unser Adelbertchen, an de Brune jestorben is. Ihr Kind hat et jut wie'n eechnet Kind. Denn kenn Se jehn Ihrem Schatz wieder ufsuchen, kenn wieder in'n Dienst, kenn wieder bei Ihre Eltern jehn, det Kind hat et jut und keen Mensch uf die janze Welt nich braucht wat von wissen. Die Piperkarcka I jrade! Ick strze mir Landwehrkanal! -- (sie steht auf.) -- Ick schreibe Zettel, ick lasse Zettel in mein Jackett zurck: du hast mit deine verfluchte Schlechtigkeit deine Pauline im Wasser jetrieben! dann setze vollen Namen Alois Theophil Brunner, Instrumentenmacher zu. Denn soll er sehn, wie er mit sein Mord auf Jewissen man meinswegen fertig wird. Frau John Warten Se, Freilein, ick mu erst ufschlieen. Frau John stellt sich, als wolle sie die Piperkarcka hinausbegleiten. Noch bevor beide Frauen den Gang erreichen, tritt Bruno Mechelke langsam forschend aus der Tr links und bleibt stehen. Bruno Mechelke ist eher klein, als gro, hat einen kurzen Stiernacken und athletische Schultern. Niedrige, weichende Stirn, brstenfrmiges Haar, kleiner runder Schdel, brutales Gesicht mit eingerissenem und vernarbtem linken Nasenflgel. Die Haltung des etwa neunzehnjhrigen Menschen ist vornbergebeugt. Groe, plumpe Hnde hngen an langen, muskulsen Armen. Die Pupillen seiner Augen sind schwarz, klein und stechend. Er bastelt an einer Mausefalle herum. Bruno pfeift seiner Schwester wie einem Hunde. Frau John Ick komme jleich, Bruno. Wat wiste denn? Bruno scheinbar in die Falle vertieft. Ick denke, ick soll hier Fallen ufstellen. Frau John Haste dem Speck denn rinjemacht? -- (zur Piperkarcka) -- 'T is blo mein Bruder. Erschrecken sich nicht, Freilein. Bruno wie vorher. Ick ha heute dem Kaisa Wilhem jesehn, Jette. Ick war mit de Wachparade jejang. Frau John zur Piperkarcka, die durch Brunos Erscheinung angstvoll gebannt ist. Et is blo mein Bruder, bleiben Se man. -- (zu Bruno) -- Junge, wie siehst du blo wieder aus? Det Freilein mu sich ja von dich Angst kriejen. Bruno wie vorher. Ohne aufzublicken. Schuberle buberle, ick bin 'n Jespenst. Frau John Mach uf'n Boden und stell deine Mausefallen. Bruno wie vorher. Tritt langsam an den Tisch. Jawoll, det is och man wieder so'n Jeschft zum Vahungern. Wenn ick mit Streichhlzer handeln du, denn ha ick wahrhaftig mehr Pinke von. Die Piperkarcka Atje, Frau John. Frau John wtend auf den Bruder los. Wiste woll jehn und wist mir in Frieden lassen. Bruno geduckt. Hab dir man nich. Ick jeh ja schonn. Er zieht sich folgsam wieder in das anstoende Zimmer zurck, dessen Tr Frau John resolut hinter ihm schliet. Die Piperkarcka Den mecht ick Tierjarten Jrunewald nich bejejnen. Bei Nacht nich und nich ma bei Dage nich. Frau John Jnade Jott, wo ick Brunon hetze und der ma hinter een hinter is. Die Piperkarcka Atje. Hier jefllt mir nich. Wenn mich wieder sprechen wollen, lieber Bank bei Wasserkunst Kreuzberg, Frau John. Frau John Pauline, ick ha Brunon mit Sorje un Kummer Tag un Nacht jrojebracht. Ihr Kindeken hat et noch zwanzigmal besser. Also Pauline, wenn et jeboren is, nehm ick det Kind un, bei meine in Jott vastorbene Eltern, wo ick an Totensonntag immer noch und keen Mensch mich zurckhlt nach Rdersdorf jeh und Lichter uf beede Jrber ansteche: det kleene Wurm soll et madich jut habn, wie et besser keen jeborener Prinz und keene jeborene Prinzessin haben tut. Die Piperkarcka Ick jeh, mit meine letzten Pfennig kaufen mir Vitriol -- trefft wen trefft! -- un jieen dem Weibsbild, wo mit ihm jeht -- trefft wen trefft! ... mitten in Jesicht! trefft wen trefft! brennt ihm janze verfluchte hbsche Visage kaput! Mir jleich! Brennt ihm Bart kaput! Brennt ihm Augen kaput! wenn er mit andres Frauenzimmer jeht. Trefft wen trefft! Hat mir betrogen! zu Jrunde jerichtet! hat mir Jeld jeraubt! hat mich Ehre jeraubt! hat mich verfluchtiger Hund verfhrt, verlassen, belogen, betrogen, in Elend jestoen! Trefft wen trefft! Soll blind sein! Nase soll wegjefressen sein! soll jar nich mehr berhaupt auf Erde sein! Frau John Freilein Pauline, bei meine ewige Seligkeit, von Stund an, wo det kleene Wurm erstma uf de Welt is ... von den Augenblick an! ... det soll et haben, als wenn et, ick wee nich wo! in Samt und Seide jeboren wr. Blo jutes Zutrauen! und, det Se ja sachen! -- Ick habe mir allens ausjedacht. Et jeht zu machen, Pauline, et jeht, et jeht sach ick Ihn! Und weder 'n Dokter, noch Polizei, noch Ihre Wirtin merkt wat von. -- Und denn kriegen Se erst ma hundertunddreiundzwanzig Mark, wat ick mir von det Reinmachen hier beim Direkter Hassenreuter abjespart habe, ausjezahlt. Die Piperkarcka Denn lieber bei die Jeburt erwrgen! verkaufen nich! Frau John Wer redet denn von verkofen, Pauline? Die Piperkarcka Wat hab ick Oktober vorijen Jahr bis heutijen Tag for Himmelsangst ausjestanden. Brutijam stet mir fort! Mietsfrau stet mir fort. Schlafbodenstelle is mich jekindigt. Wat du ick denn, da man mir so verachtet und von die Leute verflucht un ausstoen mu? Frau John Det sach ick ja, det kommt, weil der Deibel unsern Herrn Christus Heiland noch immer ieber is. Ohne bemerkt zu werden ist, bastelnd wie vorher, Bruno geruschlos wiederum in die Tr getreten. Bruno sagt in eigentmlicher Weise, scharf, aber wie nebenbei. Lampen! Die Piperkarcka Der Mensch erschrickt mir. Lassen mir fort. Frau John geht heftig auf Bruno los. Willst du woll jehn wo de hinjeherst! Ick ha dir jesacht, ick wer' dir rufen. Bruno wie vorher. Na Jette, ick ha doch blo Lampen jesacht. Frau John Biste verrickt? Wat heest denn det: Lampen? -- Bruno Na, klinkt et denn nich an de Einjangstir? Frau John erschrickt, horcht, hlt die Piperkarcka zurck, die im Begriff ist, davon zu gehen. Pst, Freilein! Halt! Warten Se man noch 'n Ogenblick. Bruno schnitzelt weiter. Die beiden Frauen horchen. Frau John leise, angstvoll, zu Bruno. Ick her nischt. Bruno Du ollet vatrockentes Kichenspinde, denn schaff da man bessare Lauscha an. Frau John Det wr in det janze Vierteljahr det erstema, det der Direkter kommt, wenn Sonntag is. Bruno Wenn der Theatafritze kommt, kann a mir meinswejen jleich angaschieren. Frau John heftig. Quatsch nich! Bruno grinsend zur Piperkarcka. Jlobens et, Freilein, ick ha bei Zirkus Schumann 'n dummen Aujust sein Esel dreimal rum die Manesche jebracht. Det mach ick allens! Ick wer' mir woll furchten. Die Piperkarcka scheint die phantastische Sonderbarkeit der Umgebung erst jetzt zu bemerken, erschrocken, stark beunruhigt. Josef Maria, wo bin ick denn? Frau John Wer kann denn det sind? Bruno Da Direkta nich, Jette. Det is eha 'ne Tlle, wo elejante Trittlinge hat. Frau John Freilein, jehn Se man zwee Minuten, sein so jut, hier uf 'n Oberboden. 'S kommt eener, kann sind, der blo wat wissen will. In ihrer zunehmenden Angst tut die Piperkarcka das Verlangte. Sie klettert ber die Treppe auf den Oberboden, dessen Klappe geffnet ist. Frau John hat sich so gestellt, da im Notfalle die Piperkarcka gegen die Entreetr gedeckt ist. Die Piperkarcka verschwindet. Frau John und Bruno bleiben allein. Bruno Wat wiste denn mit die barmherzige Schwester? Frau John Det jeht dir nischt an, verstehste mich. Bruno Ick frage ja man, weil det de vor det Mchen so ngstlich 'ne Wand machen dust. Sonst is et mich doch wahaftig Pomade. Frau John Det soll dir och immer Pomade sind. Bruno Danke Komma, denn kann ick woll abtippeln. Frau John Lump, weest du woll, wat du mir schuldig bist? Bruno pomadig. Wat regste dir denn uf? Wo sto ick dir denn? Wat wiste? Ick mu jetzt zu meine Braut. Mir schlfert. Vorichte Nacht hab ick unter Strucher in Tierjarten platt jemacht. Und juterletzt is Kohlmarcht bei mich. -- (Er kehrt seine Hosentaschen um.) -- Foljedessen mu ick jehn 'n Stck Brod verdienen. Frau John Hier jeblieben! -- und nich von de Stelle! -- oder du krist und wenn det de jaulst wie 'n kleener Hund, kriste nimmermehr wenn't blo 'n Pfennich is, krist de von mich! Bruno, du jehst uf schlechte Weche. Bruno Ick wer' woll immer jejen de janze Welt ... noch wat! ... wer' ick der Potsdammer sind. Soll ick etwa nich jehn, wo ick scheen bei Hulda'n zu leben kriege? -- (Er zieht eine schmutzige Brieftasche.) -- Nich ma 'n dreckigen Pfandschein ha ick mehr in de Plattmullje drin. Wat wiste von mich, un denn la mir abschrenken. Frau John Von dir? Wat ick will? For wat wrst du woll nitze? Du bist zu nischt weiter nitze, als det eene Schwester, wo nich richtig in Koppe is, mit so'n Lump un Tagedieb Mitleid hat. Bruno Kann sind, det de in Koppe manchmal nich richtig bist. Frau John Unser Vater hat oft zu mich jesacht, wo du schonn mit fnf, sechs Jahre alt schlechte Dinge jetrieben hast, det mit dir in Leben keen Staat weiter nich zu machen is un det ick dir sollte lofen lassen. Un mein Mann, wo richtig un orntlich is ... vor so'n juten Mann: du darfst dir nich blicken lassen. Bruno Jewi doch, det wee ick ja allens, Jette! Aber so eenfach schiebt sich det nu eemal nu eben nich. Wat wiste? Ick wee, ick bin mit 'n Ast uf'n Puckel, wenn det'n och det'n keener sieht, un nich in Zangzuzih uf de Welt jekomm. Ick mu sehn un mir mit mein Ast mang mang helfen. Na jut so! wat wiste? von wechen de Ratten brauchst du mir nich. Du wist blo wat mit die Dohle vertussen. Frau John die Faust drohend unter Brunos Nase. Verrat du een eenziget kleenet Sterbenswort: denn mach ick dir kalt. Denn bist du 'ne Leiche! Bruno Na weete, vastehste, ick mache mir dinne. -- (Er steigt die Treppe hinauf.) -- Womeglich komm ick, mir nischt dir nischt, noch ma in Schokoladenkasten rin. -- Er verschwindet durch die Bodenklappe. Frau John lscht eilig die Lampe und tappt sich zur Bibliothekstr. Sie geht in die Bibliothek, schliet aber die Tr hinter sich nicht ganz. Die Gerusche eines verrosteten Schlosses und Schlssels, der darin umgedreht wurde, sind vernehmlich gewesen. Ein leichter Schritt kommt nun den Gang herauf. Vorbergehend war der Berliner Straenlrm, auch Kindergeschrei aus den Hausfluren vernehmlich geworben. Leierkastenmusik vom Hof herauf. Mit scheuen Bewegungen erscheint Walburga Hassenreuter. Das Mdchen ist noch nicht sechzehn Jahre alt und sieht hbsch und unschuldig aus. Sonnenschirm, fufreies helles Sommerkleidchen. Walburga stutzt, horcht, sagt dann ngstlich. Papa! -- Ist schon jemand hier oben? -- Papa! Papa! -- (Sie horcht lange gespannt und sagt dann): -- Es riecht ja hier so nach Petroleum! -- (Sie findet Streichhlzer, entzndet eines davon, will die Lampe anstecken und verbrennt sich an dem noch heien Zylinder.) -- Au! -- Donnerwetter, wer ist denn hier? -- Sie hat aufgeschrien und will fortlaufen. Frau John erscheint wieder. Frau John I, Freilein Walburga, wer wird denn jleich Lrm machen! Sein Se man friedlich! Det bin ja blo ick. Walburga Gott, hab ich aber einen ganz entsetzlichen Schreck bekommen, Frau John. Frau John Weshalb denn, Freilein? Wat suchen Se denn heit an Sonntag hier? Walburga Hand auf dem Herzen. Mir steht noch immer das Herz ganz still, Frau John. Frau John Wat hat's denn, Freilein Walburga? Wer ngstigt Se denn? Sie missen det doch von Ihren Herrn Vater wissen, det ick Sonntag und Wochentag hier oben mang die Kisten und Kasten zu tun habe, mit Staub abbrsten und Motten auskloppen. In drei, vier Wochen, wenn ick jlicklich mit die zwlf- oder achtzehnhundert Theaterlumpen eemal 'rum bin und fertig bin, fngt et doch immer wieder von frischen an. Walburga Ich hab' mich erschrocken, weil sich der Lampenzylinder noch ganz hei anfate, Frau John. Frau John Nu ja, de Lampe hat ebent jebrannt un ick hab se vor eene halbe Minute ausjepustet. -- (Sie hebt den Zylinder ab.) -- Mir brennt et nich! Ick hab harte Hnde! -- (Sie zndet das Docht auf.) -- Na, nu wird Licht! Nu hab ick se wieder anjestochen. Wat is nu Jefhrliches los? Ick sehe nischt. Walburga Hu, Sie sehen ja aus wie ein Geist, Frau John. Frau John Wie soll ick aussehn? Walburga Das ist, wenn man so aus der prallen Sonne ins Finstere kommt ... in diese muffigen Kammern hinein, da ist man wie von Gespenstern umgeben. Frau John Na, kleenet Jespenst, weshalb kommen Se denn? -- Sind Se alleene oder is noch jemand? -- Kommt am Ende Papa noch nach? Walburga Nein! Papa ist heute zu einer wichtigen Audienz nach Potsdam hinaus. Frau John Und wat suchen denn also Sie nu woll hier? Walburga Ich? Ich bin einfach spazieren gewesen. Frau John Na, denn sehn Se man wieder, det Se fortkomm. In Papa'n seine Rumpelkammer scheint keene Pfingstsonne nich. Walburga Sie sollten auch, so grau wie Sie aussehen, mal lieber 'raus an die Sonne gehn. Frau John I, Sonne is blo for feine Leite! Wenn ick man alle Tache meine paar Pfund Staub und Dreck uf de Lunge krieje. -- Jeh man, Kindken, ick mu an de Arbeet! -- mehr brauch ick nich: ick lebe von Mllstob und Mottenpulver. -- Sie hustet. Walburga ngstlich. Sie brauchen Papa nicht sagen, da ich hier oben gewesen bin. Frau John Ick? Ick habe woll sonst nischt besseret zu tun. Walburga scheinbar leichthin. Und sollte Herr Spitta nach mir fragen ... Frau John Wer? Walburga Der junge Herr, der bei uns im Hause Privatstunde gibt ... Frau John Na, und? Walburga Sind Sie so freundlich und sagen Sie ihm, da ich hier gewesen aber gleich wieder gegangen bin. Frau John Also Herrn Spitta soll ick et sagen, Papa'n nich? Walburga unwillkrlich. Um Gottes willen nicht, liebste Frau John. Frau John Na wacht du, wacht! Jib du blo man Obacht. Manch eene hat ausjesehn, wie du, und is aus die Jejend jekomm wie du, wo nachher in de Drajonerstrae in Rinnsteen oder jar in de Barnimstrae hinter schwedsche Jardinen zujrunde jejangen is. Walburga Sie werden doch damit nicht sagen wollen, Frau John, oder glauben wollen, da in meiner Beziehung zu Herrn Spitta etwas Unerlaubtes oder Ungehriges ist? Frau John in hchstem Schreck. Mund zu! -- Et hat jemand dem Schlssel im Schlo jestochen. Walburga Auslschen! Frau John blst schnell die Lampe aus. Walburga Papa! Frau John -- Freilein, ruf uf'n Oberboden. Sie und Walburga verschwinden ber die Treppe durch den Bodenverschlag, der verschlossen wird. Zwei Herren, der Direktor Harro Hassenreuter und der Hofschauspieler Nathanael Jettel, erscheinen durch die Flurtr im Gange. Der Direktor ist mittelgro, glattrasiert, fnfzig Jahre alt. Er pflegt groe Schritte zu nehmen und bekundet ein lebhaftes Temperament. Sein Gesichtsschnitt ist edel, das Auge von khnem Ausdruck. Sein Betragen ist laut. Sein Wesen berhaupt durchaus feurig. Er trgt einen hellen Sommerberzieher, den Zylinder nach hinten gerckt und brigens Frackanzug und Lackschuhe. Der leger geffnete Paletot enthllt eine mit Ordensternen berdeckte Brust. -- Hofschauspieler Jettel trgt unter dem leichtesten Sommerberzieher einen weien Flanellanzug. Er hat einen Strohhut nebst elegantem Stock in der linken Hand, gelbe Schuhe an den Fen. Er ist ebenfalls glattrasiert und ber die fnfzig alt. Direktor Hassenreuter ruft. John! -- Frau John! -- Ja, das sind nun hier meine Katakomben, lieber Jettel! _Sic transit gloria mundi!_ Hier hab ich nun alles, _mutatis mutandis_, untergebracht, was von meiner ganzen Theaterherrlichkeit brig geblieben ist: alte Scharteken! alte Lappen und Lumpen! -- John! John! Sie ist hier gewesen, denn der Lampenzylinder ist hei! -- (Er zndet mit einem Streichholz die Lampe an.) -- _Fiat lux pereat mundus!_ So! Jetzt knnen Sie mein Motten-, Ratten- und Flohparadies bei Lichte besehen. Nathanael Jettel Haben Sie also meine Karte bekommen, bester Direktor? Direktor Hassenreuter Frau John! -- Ich werde mal sehn, ob sie auf dem Boden ist. -- (Er steigt sehr gewandt die Treppe hinauf und rttelt an der Bodenklappe.) -- Verschlossen! Den Schlssel hat die Kanaille natrlich am Schrzenband. -- (Er pocht wtend mit der Faust gegen die Klappe.) -- John! John! Nathanael Jettel etwas ungeduldig. Direktor, geht es nicht ohne die John? Direktor Hassenreuter Was? Glauben Sie, da ich Ihnen den miserablen Lappen, den Sie gerade da fr Ihr Gastspiel brauchen, aus meinen dreihundert Kisten und Kasten, ohne die John, im Frack und mit smtlichen Orden, so wie ich vom Prinzen komme, selber heraussuchen kann. Nathanael Jettel Erlauben Sie mal! In Lappen absolviere ich meine Gastreisen nicht. Direktor Hassenreuter Mensch, spielen Sie doch in Unterhosen! meinethalben! Mich strt das nicht! Nur vergessen Sie nicht, wer vor Ihnen steht. Deshalb, wenn der Hofschauspieler Jettel -- na wenn schon! -- gndigst zu pfeifen geruhen, springt der Direktor Harro Hassenreuter noch lange nicht. _Sapristi!_ wenn irgendein Komdiant einen schbigen Turban oder zwei alte Transtiefel braucht, mu sich ein _pater familias_, ein Familienvater den einzigen Sonntagnachmittag unter den Seinen abknapsen? Soll womglich wie 'n Tackel auf allen Vieren in alle Bodenwinkel hinein? Nein, Freundchen, da mt Ihr Euch andere aussuchen. Nathanael Jettel sehr ruhig. Knnten Sie mir nicht sagen, Direktor, wer Ihnen in Gottes Namen auf die Krawatte getreten hat? Direktor Hassenreuter Mein Junge, ich habe noch vor kaum einer Stunde die Beine unterm Tisch eines Prinzen gehabt: _post hoc, ergo propter hoc!_ -- Ich setze mich Ihretwegen in einen verfluchten Omnibus und kutsche in diese verfluchte Gegend ... wenn Sie meine Geflligkeit nicht zu wrdigen wissen: scheren Sie sich! Nathanael Jettel Sie haben mich auf vier Uhr hierher bestellt. Sie haben mich eine volle geschlagene Stunde in dieser entsetzlichen Mietskaserne, auf diesem lieblichen Korridore unter dem Kinderpbel warten lassen ... Ich habe gewartet, Ihnen nicht den geringsten Vorwurf gemacht! und jetzt sind Sie geschmackvoll genug, mich als eine Art Spucknapf zu betrachten ... Direktor Hassenreuter Mein Junge ... Nathanael Jettel In's Teufels Namen, der bin ich nicht! Eher mache ich Sie zu meinem Hanswurst und lasse Sie fr sechs Groschen Purzelbaum schieen! Er nimmt entrstet Hut und Stock und geht. Direktor Hassenreuter stutzt, bricht dann in ein tolles Gelchter aus und schreit hinter Jettel her: Machen Sie sich nicht lcherlich! -- Und brigens bin ich kein Maskenverleiher. Man hrt die Flurtr ins Schlo knallen. Direktor Hassenreuter zieht die Uhr. -- Rindvieh verdammtes! -- Schafskopf verfluchter! -- Ein Segen, da das Rindvieh, verdammte, gegangen ist! Er steckt die Uhr ein, zieht sie gleich darauf wiederum und lauscht. Hierauf geht er unruhig hin und her, bleibt stehen, blickt in den Zylinderhut, dessen Inneres einen Spiegel enthlt, und kmmt sich sorgfltig. Er tritt an den Mitteltisch und ffnet einige von den Briefschaften, die dort gehuft liegen. Dazu singt er trllernd: O Straburg, o Straburg, du wunderschne Stadt. Abermals sieht er nach der Uhr. Pltzlich geht die Trschelle ber seinem Kopf. Direktor Hassenreuter Auf die Minute! Was doch die Dinger, wenn es drauf ankommt, pnktlich sind! Er eilt und ffnet die Flurtr, jemand laut und frhlich begrend. Die Trompetentne seiner Stimme werden bald von glckchenartigem Lachen einer weiblichen akkompagniert. Sehr bald erscheint der Direktor wieder, von einer eleganten jungen Dame begleitet, Alice Rtterbusch. Direktor Hassenreuter Alice! Kleine Alice! Komm erst mal nher, kleine Alice! Komm mal ans Licht! Ich mu doch sehen, ob du noch dieselbe kleine, schockscharmante, tolle Alice aus den besten Tagen meiner reichslndischen Direktionsperiode bist!? Mdel, ich hab' dich ja gehen gelehrt! ich hab deine ersten Schritte gegngelt ... das Sprechen! Du sagtest ja immer Cheef statt Chef! Ha ha ha! Hoffentlich hast du das nicht vergessen. Alice Rtterbusch Schaun's Direktor, Sie glauben doch net, da i undankbar bin? Direktor Hassenreuter nimmt ihr den Schleier ab. Mdel, du bist ja noch jnger geworden! Alice Rtterbusch hochrot, beglckt. Da mt einer auch gehrig daher lgen, wenn einer behaupten wollt, da du dich zum Nachteil verndert hast. Aber weit, arg finster hast's bei dir oben und a bissel -- Harro, wenns d' mechst a Fenster aufmachen! -- so a bissel a schwere Luft. Direktor Hassenreuter Pillycock sa auf Pillycocks Berg! Doch Mus' und Ratten und solch Getier A Thoms sieben Jahr lang fr und fr. Im Ernst, ich hab' finstere und schwere Zeiten durchgemacht! Du wirst ja schlielich, trotzdem ich dir lieber nichts geschrieben habe, liebe Alice, davon unterrichtet sein. Alice Rtterbusch Das war aber net grad, weit, sehr freindschaftlich, da d' mir auf alle die sauberen und langen Brief kein Wrtel geantwort' hast. Direktor Hassenreuter Wozu, ha ha ha, einem kleinen Mdchen antworten, wenn man genug mit sich selber zu tun hat und in keiner Beziehung was ntzen kann? Sessa! _E nihilo nihil fit!_ Das heit auf Deutsch: aus nichts kann nichts werden! Motten und Staub! Staub und Motten! ha ha ha! Das ist alles, was ich von meiner deutschen Kulturarbeit an der westlichen Grenze geerntet habe. Alice Rtterbusch Du hast also den Fundus net an den Direktor Kurz abgetreten. Direktor Hassenreuter O Straburg, o Straburg, du wunderschne Stadt. Nein, meine Kleine, ich habe den Fundus nicht in Straburg gelassen! Dieser ehemalige Kellner, Kneipwirt und Pchter von anrchigen Tanzlokalen, der mein Nachfolger wurde ... dieser Kretin, dieser _bte imbcil_, wollte den Fundus nicht! -- Sessa, den Fundus hab' ich nicht dort gelassen: dafr aber vierzigtausend Mark sauerverdientes Geld, von Gastspielreisen aus meiner Mimenzeit! auerdem fnfzigtausend Mark zugebrachtes Vermgen meiner braven Frau. Sessa! -- brigens, da ich den Fundus behielt, war ein Glck fr mich. -- Da! -- Ha ha ha! Diese Kerle hier ... -- (er berhrt einige der Geharnischten) -- du kennst sie doch? ... Alice Rtterbusch I kenn' doch meine Pappenheimer. Direktor Hassenreuter Nun also: diese Pappenheimschen Kerle hier, und was drum und dran baumelt, haben den alten Lumpensammler und Maskenverleiher Harro Eberhard Hassenreuter nach seiner Hedschra tatschlich ber Wasser gehalten! -- Aber reden wir lieber von heiteren Dingen: ich habe mit Vergngen aus der Zeitung ersehen, da du von Exzellenz fr Berlin engagiert werden wirst. Alice Rtterbusch I mach mir nix draus! I mcht lieber bei dir spielen, und das mut mir versprechen, wanns du wieder eine Direktion ibernehmen tust ... das versprichst mir, da i augenblickli kontraktbrchig werden kann! -- (Der Direktor bricht in Lachen aus.) -- I hab mi drei Jahre lang gnua auf die Provinzschmieren rumgergert. Berlin mag i net! und a Hoftheater schon lang net. Jessas die Leit! das Komdiespielen! -- Weit, i g'hr zum Fundus, i hab immer blo daher g'hrt! -- Sie nimmt unter den Pappenheimern Aufstellung. Direktor Hassenreuter Ha ha ha ha! Also komm, du getreuer Pappenheimer. Er ffnet die Arme weit, sie fliegt hinein, und beide begren einander mit einigen lange anhaltenden Kssen. Alice Rtterbusch Geh Harro, jetzt sagst mir: was macht deine Frau? Direktor Hassenreuter Therese geht's gut, auer da sie trotz Kummer und Sorgen von Tag zu Tag dicker wird. -- Mdel, Mdel, wie du duftest! -- (Er drckt sie an sich.) -- Weit du auch, da du teufelsmig gefhrlich bist? Alice Rtterbusch Meinst, da i bld bin? Freili bin i gefhrlich. Direktor Hassenreuter Sakra! Alice Rtterbusch Meinst, i sollt mir in der schnen Gegend, drei Stiegen hoch, unter an muffigen Dach, mit dir a Rendezvous geben, wann ich net wit, da das fr uns zwei, ans wie's andere, gefhrlich is. Ibrigens hab' i ja, Gott sei Dank, weil i halt immer a Glck haben mu, wann i schon amal auf Schleichwegen geh, auf der Treppen den Nathanael Jettel troffen, bin dem Herrn Hofschauspieler bei ei'm Haar direkt in die Arme g'rannt. Wird schon sorgen, da das nicht unter uns bleibt, da i di b'sucht hab. Direktor Hassenreuter Ich mu das Datum verschrieben haben: der Mensch behauptet, ha ha ha, ich htte ihn ganz ausdrcklich fr heut nachmittag herbestellt. Alice Rtterbusch Das war aber net etwa die einzige Bassermannsche Gestalt, der i auf die sechs Treppenabstz begegnet bin, und was mir die lieben kleinen Kinderln, die auf die Stufen rumkugeln, nachgeschrien haben, das is dermaen unparlamentarisch, das is von solche Krten, noch net drei Ks' hoch sind, schon die allergrte Gemeinheit, die mir noch vorkommen is. Direktor Hassenreuter lacht, wird dann ernst. Ja, siehst du: daran gewhnt man sich: was so hier in diesem alten Kasten mit schmutzigen Unterrcken die Treppe fegt und berhaupt schleicht, kriecht, chzt, seufzt, schwitzt, schreit, flucht, lallt, hmmert, hobelt, stichelt, stiehlt, treppauf treppab allerhand dunkle Gewerbe treibt, was hier an lichtscheuem Volke nistet, Zither klimpert, Harmonika spielt -- was hier an Not, Hunger, Elend existiert und an lasterhaftem Lebenswandel geleistet wird, das ist auf keine Kuhhaut zu schreiben. Und dein alter Direktor, _last not least_, rennt, chzt, seufzt, schwitzt, schreit und flucht, ha ha ha, wie der Berliner sagt, immer mitten mang mit. Ha ha ha, Mdel, mir ist es recht dreckig gegangen. Alice Rtterbusch Weit ibrigens, wen i, wie i grad auf den Bahnhof Zoologischer Garten zusteuer, troffen hab? Den alten guten Frst Statthalter hab i troffen. Und sixt, unverfroren wie i amal bin, bin i zwanzig Minuten lang neben ihm hergschwenkt und hab ihn in an langen Diskurs verwickelt und, auf Ehre, Harro, wie ich dir sag, so is es buchstblich tatschlich g'schegn. Auf'n Reitweg is pltzlich Majestt mit groer Suite vorbergritten. I denk, i versink! Und hat bers ganze Gesicht gelacht und Durchlaucht so mit dem Finger gedroht. Aber g'freit hab i mi, das kannst mir glauben. Aber jetzt kommt d'Hauptsach. Jetzt pa auf. -- Ob i mi freun tt, hat mi Durchlaucht pltzli g'fragt, und ob i wieder nach Straburg mecht, wann der Direkter Hassenreuter das Theater tt wieder bernehmen. Na weit: beinah hab i an Sprung getan! Direktor Hassenreuter Er wirft seinen berzieher ab und steht in seinen Orden da. Du hast wahrscheinlich bemerken mssen, da die kleine Durchlaucht vorzglich gefrhstckt hat. Sessa! Wir haben zusammen gefrhstckt. Wir haben ein exquisites kleines Herrenfrhstck beim Prinzen Ruprecht drauen in Potsdam gehabt. Ich leugne nicht, da sich vielleicht eine Wendung zum Guten im miserablen Geschicke deines Freundes vorbereitet. Alice Rtterbusch Liebster, wie a Staatsmann, wie a Gesandter, siehst du ja aus. Direktor Hassenreuter Ah, du kennst diese Brust voll hoher und hchster Orden noch nicht!? Klrchen und Egmont! Hier magst du dich satt trinken! -- Neue Umarmung. _Carpe diem!_ geniee den Tag! Sekt, kleine Naive, steht allerdings auf dem jetzigen Repertoire deines alten Direktors, Erweckers und Freundes nicht! -- (Er ffnet eine Truhe und entnimmt ihr eine Flasche Wein.) -- Aber dieser Stiftswein ist auch nicht von Pappe! -- (Er zieht den Korken. Die Trschelle geht.) -- Was? -- Pst! -- Wer hat denn die ungeheure Dreistigkeit, am Sonntag nachmittag hier anzuklingeln? -- (Es klingelt strker.) -- Kleine, zieh dich doch mal in die Bibliothek zurck. -- (Alice eilt in die Bibliothek ab. Es klingelt wieder.) -- Donnerwetter noch mal, der Kerl ist ja irrsinnig. -- (Er eilt nach der Tr.) -- Gedulden Sie sich oder scheren Sie sich! -- (Man hrt ihn die Tr ffnen.) -- Wer? Wie? Ich bin's, Frulein Walburga? Was? Frulein Walburga bin ich nicht. Ich bin nicht die Tochter! Ich bin der Vater! Ach, Sie sind's, Herr Spitta! Gehorsamer Diener, ich bin der Vater! Ich bin der Vater! Was wnschen Sie denn? Im Gange erscheint wiederum der Direktor, geleitet von Erich Spitta, einem einundzwanzigjhrigen jungen Menschen, der Brille und Zwicker trgt und brigens scharfe und nicht unbedeutende Zge hat. Spitta gilt als Kandidat der Theologie und ist entsprechend gekleidet. Er hlt sich nicht gerade, und seiner Krperentwicklung ist die Studierstube und mangelhafte Ernhrung anzumerken. Direktor Hassenreuter Wollten Sie meiner Tochter Walburga hier auf dem Speicher Privatstunde geben? Spitta Ich fuhr im Pferdebahnwagen vorber und glaubte wirklich, ich htte Frulein Walburga unten durch das Portal in's Haus eilen sehen. Direktor Hassenreuter Gar keine Ahnung, mein lieber Spitta. Meine Tochter Walburga ist augenblicklich mit ihrer Mutter in der englischen Kirche, ich glaube, zu einem liturgischen Gottesdienst. Spitta Dann verzeihen Sie vielmals, wenn ich gestrt habe. Ich nahm mir die Freiheit, heraufzukommen, weil ich mir sagte: eine Begleitung in dieser Gegend, vielleicht auf dem Rckwege nach dem Westen, wre Frulein Walburga am Ende nicht unangenehm. Direktor Hassenreuter Wohl, wohl, aber sie ist nicht hier, bester Spitta. Ich bedauere sehr. Ich selber bin nur zufllig hier: der Post wegen! und ich habe auch leider andere dringende Sachen vor. -- Wnschen Sie sonst was, mein guter Spitta? Spitta putzt seinen Kneifer und gibt Zeichen von Verlegenheit. Spitta Man gewhnt sich nicht gleich an die Dunkelheit. Direktor Hassenreuter Sie bentigen vielleicht Ihr Stundengeld. Schade: ich habe leider die Gewohnheit, nur mit einem Notpfennig in der Westentasche auf die Strae zu gehn. Ich mu Sie schon bitten, sich zu gedulden, bis ich wieder in meiner Wohnung bin. Spitta Hat durchaus keine Eile, Herr Direktor. Direktor Hassenreuter Ja, das sagen Sie so: aber ich bin ein gehetztes Wild, guter Spitta ... Spitta Und doch mchte ich, da ich dieses Zusammentreffen wirklich als eine Art hherer Fgung ansehen mu, um eine Minute Ihrer kostbaren Zeit bitten. Drfte ich, kurz, eine Frage tun? Direktor Hassenreuter mit den Augen auf der Uhr, die er gezogen hat. Genau eine Minute. Die Uhr in der Hand, bester Spitta. Spitta Frage und Antwort wird, denk' ich, kaum von so langer Dauer sein. Direktor Hassenreuter Also los! Spitta Habe ich wohl Talent zum Schauspieler? Direktor Hassenreuter Um Gottes willen, Mensch, sind Sie denn irrsinnig? -- Verzeihen Sie, bester Herr Kandidat, wenn ich in einem solchen Fall bis zur Unhflichkeit auer dem Huschen bin. Es heit zwar _natura non facit saltus_, aber Sie haben da einen unnatrlichen Sprung gemacht. Da mu ich mal erst zu Atem kommen. Und nun Schlu davon! Denn glauben Sie mir, wenn wir beide jetzt ber diese Frage zu diskutieren anfangen, so wrden wir in drei bis vier Wochen, sagen wir Jahren, darber noch nicht zum Schlu gekommen sein. Sie sind doch Theologe, mein Bester, und stammen aus einem Pastorhaus: wie kommen Sie denn auf solche Gedanken? wo Sie doch Konnexionen haben und Ihnen die Wege zu einer behaglichen Existenz geebnet sind. Spitta Ja, das ist eine lange innere Geschichte, eine lange Geschichte schwerer innerer Kmpfe, Herr Direktor, die allerdings bis zu dieser Stunde nur mir bekannt und also absolutes Geheimnis gewesen sind. Da hat mich das Glck in Ihr Haus gefhrt und von diesem Augenblick an fhlte ich, wie ich dem wahren Ziel meines Lebens nher und nher kam. Direktor Hassenreuter mit peinlicher Ungeduld. Das ehrt mich. Das ehrt mich und meine Familie! -- (Er legt ihm die Hnde auf die Schulter.) -- Dennoch mu ich Ihnen jetzt die ganz instndige Bitte vortragen, von der Errterung dieser Angelegenheit im Augenblicke abzusehen. Meine Geschfte sind unaufschieblich. Spitta Dann mchte ich nur noch so viel hinzusetzen, damit Sie wissen, da ich absolut fest entschlossen bin. Direktor Hassenreuter Aber mein lieber Herr Kandidat: wer hat Ihnen denn diese Raupen in den Kopf gesetzt? Ich habe mich ber Sie gefreut. Habe Sie schon im Geist Ihres friedlichen Pfarrhauses wegen beneidet. Gewissen literarischen Ambitionen, die einem hier in der Grostadt anfliegen, habe ich keinen Wert beigelegt. Das ist nur so nebenbei und verliert sich zweifellos wieder bei ihm, dachte ich mir! -- Mensch, und nun wollen Sie Komdiant werden? Kurz: Gnade Gott, wenn ich Ihr Vater wr! Ich wrde Sie bei Wasser und Brot einsperren und Sie nicht eher herauslassen, als bis Ihnen jede Erinnerung an diese Torheit entschwunden wre. _Dixi!_ und nun adieu, guter Spitta. Spitta Einsperren oder irgendeine andere Gewaltmaregel wrde bei mir durchaus nichts helfen, frcht ich. Direktor Hassenreuter Aber Mensch: Sie wollen Schauspieler werden? Mit Ihrer schiefen Haltung, mit Ihrer Brille und vor allem mit Ihrem heiseren und scharfen Organ geht das doch nicht. Spitta Wenn es im Leben solche Kuze gibt, wie ich, warum soll es nicht auch auf der Bhne solche Kuze geben? Und ich bin der Ansicht, ein wohlklingendes Organ, womglich verbunden mit der Schiller-Goethisch-Weimarischen Schule der Unnatur, ist eher schdlich, als frderlich. Die Frage ist nur: wrden Sie mich, wie ich nun einmal bin, als Schler annehmen? Direktor Hassenreuter zieht hastig seinen Sommerpaletot ber. Nein! denn erstens ist meine Schule auch nur eine Schule Schillerisch-Goethisch-Weimarischer Unnatur! Zweitens knnte ich es vor Ihrem Herrn Vater nicht verantworten! Und drittens zanken wir uns so schon genug, jedesmal nach den Privatstunden, die Sie in meinem Hause geben, beim Abendbrot. Das wrde dann bis zur Prgelei ausarten. Und nun Spitta: ich mu auf die Pferdebahn. Spitta Mein Vater ist bereits informiert. Ich habe ihm in einem zwlf Seiten langen Brief Punkt fr Punkt die Geschichte meiner inneren Wandlung erffnet ... Direktor Hassenreuter Sicherlich wird der alte Herr uerst davon geschmeichelt sein! Mensch und nun kommen Sie mit mir, ich werde sonst wahnsinnig. Der Direktor zieht Spitta gewaltsam mit sich fort und hinaus. Man hrt die Tr ins Schlo fallen. Es wird still bis auf das ununterbrochene Rauschen Berlins, das nun lauter hervortritt. Nun wird die Bodenklappe geffnet und Walburga Hassenreuter steigt in wahnsinniger Hast, gefolgt von Frau John, die Treppe herunter. Frau John flsternd, heftig. Wat is denn? Et is doch jar nischt jeschehn. Walburga Frau John, ich schreie! Ich mu gleich losschreien! -- Um Gottes willen, ich kann gar nicht an mich halten, Frau John. Frau John Taschentuch mang die Zhne, Mchen! -- Et is ja jar nischt! Wat haste dir denn? Walburga zhneklappernd, ihr Rcheln gewaltsam bezwingend. Ich bin ja des Todes ... ich bin ja des Todes erschrocken, Frau John! Frau John Wenn ick man wite, for wat du erschrocken bist? Walburga Haben Sie nicht diesen schrecklichen Menschen gesehn? Frau John Wat is denn da schrecklich? Det is doch mein Bruder! wo mich manchmal bei Papans seine Sachen auskloppen helfen dut. Walburga Und das Mdchen, was mit dem Rcken am Schornstein sitzt und wimmert. Frau John Det is deine Mutter nich anders jejangen, eh det du zur Welt jekommen bist. Walburga Ich bin hin. Ich bin tot, wenn Papa wiederkommt. Frau John Na denn sieh, det de fortkommst, und fackel nich lange. Frau John begleitet die entsetzte Walburga den Gang hinunter und lt sie hinaus. Dann kommt sie wieder. Frau John Det Mchen wee, Jott sei Dank, von hellichten Dache nischt. Sie nimmt die entkorkte Weinflasche, giet einen der Rmer voll und nimmt ihn mit auf den Boden, wo sie verschwindet. Kaum ist das Zimmer leer, so erscheint der Direktor wieder. Direktor Hassenreuter noch an der Tr, singend. Komm herab, o Madonna Theresa! -- (Er ruft.) -- Alice! -- (Noch immer an der Tr.) -- Komm mal! Hilf mir mal die eiserne Stange mit dem doppelten Schlo vor die Tr legen. -- Alice! -- (Er kommt nach vorn.) -- Wer jetzt noch unsere Sonntagsruhe zu stren wagt: _anathema sit!_ -- Heda! Kobold! Wo steckst du, Alice? -- (Er wird auf die Weinflasche aufmerksam und hebt sie in die Hhe.) -- Was? -- Halb leer? -- Schlingel! -- (Man hrt eine hbsche weibliche Singstimme hinter der Bibliothekstr sich in Koloraturen ergehen.) -- Ha ha ha ha! Himmel! sie hat sich schon einen Schwips angetrunken. Zweiter Akt Die Wohnung der Frau John im zweiten Stock des gleichen Hauses, in dessen Dachgescho der Fundus des Direktors Hassenreuter untergebracht ist: ein weitlufiges, ziemlich hohes, graugetnchtes Zimmer, das seine frhere Bestimmung als Kasernenraum verrt. Die Hinterwand enthlt eine zweiflgelige Tr nach dem Flur. ber ihr ist eine Schelle angebracht, die von auen an einem Draht gezogen werden kann. Rechts von der Tr beginnt eine etwas mehr als mannshohe Tapetenwand, die geradlinig nach vorn geht, hier einen rechten Winkel macht und wiederum geradlinig mit der rechten Seitenwand verbunden ist. So ist eine Art von Verschlag abgeteilt, ber den einige Schrankgesimse hervorragen, und der das Schlafzimmer der Familie ist. Tritt man durch die Flurtre ein, so hat man zur Linken ein Sofa, berzogen mit Wachsleinwand. Es ist mit der Rcklehne an die Tapetenwand geschoben. Diese ist ber dem Sofa mit kleinen Familienbildchen geschmckt. Maurerpolier John als Soldat, John und Frau als Brautpaar usw. Vor dem Sofa steht ein ovaler Tisch, mit einer verblichenen Baumwolldecke. Man mu von der Tr aus an Tisch und Sofa vorbergehen, um den Zugang zum Schlafraum zu erreichen. Dieser ist mit dem Sofa an einer Wand und mit einem Vorhang aus buntem Kattun verschlossen. An der nach vorn gekehrten Schmalwand des Verschlages steht ein freundlich ausgestatteter Kchenschrank. Rechts davon, an der wirklichen Wand, der Herd. Wie denn der hier verfgbare kleine Raum vornehmlich zu Kchen- und Wirtschaftszwecken dienen mu. Ein etwa auf dem Sofa Sitzender blickt gerade gegen die linke Zimmerwand und zu den beiden groen Fenstern hinaus. Am vorderen Fenster ist ein saubergehobeltes Brett als eine Art Arbeitstisch angebracht. Hier liegen zusammengerollte Kartons (Bauplne), Pausen, Zollstock, Zirkel, Winkelma usw. Am hinteren Fenster ein Fenstertritt, darauf ein Stuhl und ein Tischchen mit Glsern. Die Fenster haben keine Gardinen, sind aber einige Fu hoch mit buntem Kattun bespannt. Das ganze Gela, dessen drftige Einrichtung ein alter Lehnstuhl aus Rohr und eine Anzahl von Holzsthlen vervollstndigt, macht brigens einen sauberen und gepflegten Eindruck, wie man es bei kinderlosen Ehepaaren des fteren trifft. Es ist gegen fnf Uhr am Nachmittag, Ende Mai. Die warme Sonne scheint durch die Fenster. Maurerpolier John, ein vierzigjhriger, brtiger, gutmtig aussehender Mann, steht behaglich am vorderen Fenstertisch und macht sich Notizen aus den Bauplnen. Frau John sitzt mit einer Nharbeit auf dem Fenstertritt des anderen Fensters. Sie ist sehr bleich, hat etwas Weiches und Leidendes an sich, zugleich aber einen Ausdruck tiefer Zufriedenheit, der nur zuweilen von einem flchtigen Blick der Unruhe und der lauernden Angst unterbrochen wird. An ihrer Seite steht ein Kinderwagen (sauber, neu und nett), darin ein Sugling gebettet ist. John bescheiden. Mutter, wie wr det, wenn ick det Fenster 'n Ritzen ufmachen dte und ick machte mir dann 'n biken de Pipe an? Frau John Mute denn rauchen? sonst la et man lieber. John I, ick mu ja nich, Mutter! Ick mechte blo jern! Aber la man! 'N Priem, Mutter, tut et am Ende in selbijenjleichen och. Er prpariert sich mit behaglicher Umstndlichkeit einen neuen Priem. Frau John nach einigem Stillschweigen. Wat? Du mut noch ma hin uft Standesamt? John Det hat er jesacht, det ick noch ma hin mte und janz jenau anjeben ... det ick det mte janz jenau anjeben Ort und Stunde, wo det Kindchen jeboren is. Frau John Nadel am Mund. Warum haste denn det nich anjejeben? John Wee ick et denn? Ick wee et doch nich. Frau John Det weete nich? John Bin ick dabei jewesen? Frau John Na, wenn de mir hier in meine Berliner Wohnung sitzen lt und lichst det janze jeschlagene Jahr in Altona, kommst hechstens ma monatlich mir besuchen: wat wiste denn wissen, wat in deine Behausung vorjehn dut. John Wo soll ick nich jehn, wo der Meester de mehrschte Arbeet hat? Ick jeh dorthin, wo ick schen verdiene. Frau John Ick ha et dir doch in Briefe jeschrieben, det unser Jungeken hier in de Wohnung jeboren is. John Det wee ick. Det hab ick ihm och jesacht! Det is doch janz natierlich, hab ick jesacht, det et in meine Wohnung jeboren is. Da hat er jesacht: det is jar nich natierlich! Na denn, sach ick, mag et meinswegen uf'n Oberboden bei de Ratten und Muse jewesen sind! So kreppte ick mir, weil er doch sachte, det et womeglich jar nich sollte in meine eijene Wohnung sind jewesen. Denn schrie er: wat sind det for Redensarten! Wat? sag ick: ick bin for Lohn un Brot! for Redensarten Herr Standesbeamter bin ick nich! un nu sollte ick Tag und Stunde anjeben ... Frau John Ick hab et dir doch sojar jenau uf'n Zettel jeschrieben, Paul. John Wenn eener jekreppt is, denn is er verjelich. Ick jloobe, wenn er mir htte jefracht: sind Sie Paul John, der Mauerpolier? ick htte jeantwort: ick wee et nich. Na, nu war ick doch 'n biken verjngt jewesen un hatte mit Fritzen eenen jekippt! denn war noch Schubert und Schindlerkarl zujekomm! denn hie et: ick mu nun 'ne Lage jeben, weil ick doch Vater jeworden bin! -- Na! un die Brieder wollten mir och nich loslassen un warteten unten an de Tr von't Standesamt. Un nu dachte ick, det se unten stehen! und wo er mir frachte an welchen Dache det meine Frau entbunden is, denn wute ick nischt un mute laut loslachen. Frau John Hste man nachher jetrunken, Paul, un hste vorher besorcht, wat netig is. John Det sachste so? Aber wenn du uf deine ollen Dache noch so 'ne Zicken machst! denn wa ick verjngt! denn freut ick mir, Mutter. Frau John Nu jehste und sachst bein Standesamt, det dein Kindeken an fnfundzwanzigsten Mai von deine Ehefrau in deine Wohnung jeboren is. John War et denn nich an sechsundzwanzigsten? Ick ha nmlich schlankweg dem sechsundzwanzigsten Mai jesacht! denn hie et, weil er doch merkte, det ick an Ende nich so janz sicher war: stimmt's denn is jut! sonst komm Se wieder. Frau John I, denn la et man wie et is. Die Tr wird geffnet und Selma Knobbe schiebt einen elenden Kinderwagen herein, der im traurigsten Gegensatz zu dem der Frau John steht, darin liegt, in jmmerlichsten Lumpen, ebenfalls ein Sugling. Frau John Nee nee Selma, mit det kranke Kind bei uns in de Stube rieber, det jing woll vordem, nu jeht det nich. Selma Et keucht so ville mit sein Husten. Drieben bei uns wird zu ville jeroocht, Frau John. Frau John Ick ha dir jesacht, Selma, du kannst immer komm, ma Milch un ma Brot holen. Aber wo hier mein Adelbertchen womechlich mit Auszehrung oder derjleichen anfliejen dut, la du det arme Wurm drieben bei seine feine Mama drieben. Selma weinerlich. Mutter is jestern und heut nich zu Hause jekomm. Ick kann nachts nich schlafen mit det Kind. Helfjottchen quarrt de janze Nacht iber. Ick mu doch ma schlafen. Ick spring zum Fenster 'raus, oder ick la Helfjottchen mitten uf de Strae und nehme Reiaus, det mir keen Polizist nich mehr finden kann. John betrachtet das fremde Kind. Sieht bese aus! Mutter nimm dich ma mit det Hufchen Unglick 'n biken an. Frau John resolut, drngt Selma mit dem Kinderwagen hinaus. Marsch, fort aus der Stube. Det jeht nich, Paul. Wer Eegnet hat, kann sich mit Fremde nich abjeben. Soll de Knobben sehn, wo se bleiben dut. Wat anders is Selma! Du kannst immer rieber komm. Du kannst dir hier och hernach 'n biken uf's Ohr lechen. Selma mit dem Kinderwagen ab. Frau John verschliet die Tr hinter ihr. John Hast dir doch frieher mit die Knobbeschen Rotznsen immer bekmmert! Frau John Det vastehste nich. Det sich Adelbertchen womechlich mit schlimme Ochen un Krmpfe von een andret anstecken dut. John Det mag sind. Blo nenn ihm nich Adelbertchen, Mutter. Det dut nich jut, 'n Kind 'n selbichten Namen zu jeben, wie een andret, det mit acht Dache, unjedoft, mit Dot abjejang'n is. Det la man! davon ha' ick Manschetten, Mutter. Es wird an die Tr geklopft. John will ffnen. Frau John Wat denn? John Na, Jette, 't will eener rin. Frau John dreht hastig den Schlssel herum. Ick wer' mir woll, wo ick marode bin, von alle Welt ieberlofen lassen. -- (Sie horcht und ruft dann): -- Ick kann nich ufmachen: wat wollen Se denn? Eine Frauenstimme aber tief und mnnlich. Ich bin Frau Direktor Hassenreuter. Frau John berrascht. Ach Jott nee! -- (Sie ffnet die Tr.) -- Nehm Se 't nich iebel, Frau Direkter! Ick ha ja nich ma jewut, wer 't is. Frau Direktor Hassenreuter ist nun, gefolgt von Walburga, eingetreten. Sie ist eine kolossale, asthmatische Dame, lter als fnfzig. Walburga ist ein wenig unscheinbarer gekleidet als im ersten Akt. Sie trgt ein ziemlich umfangreiches Paket. Frau Direktor Hassenreuter Guten Tag, Frau John! Ich wollte doch nun -- obgleich mir das Treppensteigen schwer wird ... wollte doch nun mal sehen, wie's nach dem frohen Ereignis ... ja ... Ereignis mit Ihnen beschaffen ist. Frau John Et jeht mir, Jott sei Dank, wieder so hallweche, Frau Direkter. Frau Direktor Hassenreuter -- Das ist doch wahrscheinlich Ihr Mann, Frau John? Das mu man sagen ... mu man sagen -- da Ihre liebe Frau -- sich in der langen Wartezeit niemals beklagt und immer ... immer frhlich und guter Dinge -- ihre Arbeit oben bei meinem Mann im Theatermagazin verrichtet hat. John Det is och. Se hat ihr mchtig jefreit, Frau Direkter. Frau Direktor Hassenreuter Nun, da wird man wohl auch ... da wird Ihre Frau wohl die Freude haben -- Sie fters ... fters als wie bisher -- zu Hause zu sehn. Frau John Ick ha'n juten Mann, Frau Direkter, wo sorjen dut und solide is. Und deshalb, weil Paul auswrts uf Arbeet jeht, denn hat er mir lngst nich sitzen lassen. Aber for so 'n Mann, wo 'n Bruder schon 'n Jungen von zwlf in de Unteroffiziersschule hat ... det is och keen Leben, ohne Kinder! denn kricht er Jedanken! denn macht er in Hamburg schenet Jeld! denn is alle Dache Jelejenheet, un denn will er fort nach Amerika auswandern. John I, Jette, det war ja man blo so 'n Jedanke. Frau John Sehn Se, det is mit uns kleene Leite ... det is 'n sauer verdientes Durchkommen, wo unsereens hat, aber jedennoch ... -- (Sie fhrt John schnell mit der Hand durchs Haar.) -- Wenn och eener mehr is un Sorchen mehr sin -- sehn Se, det Wasser luft ihm de Backen runter! -- denn freut er sich. John Det is, wir haben schon vor drei Jahre 'n Jungchen jehabt, und det is mit acht Dache einjejang. Frau Direktor Hassenreuter Das hat mir mein Mann ... mein Mann bereits ... hat mir mein Mann bereits gesagt -- wie sehr Sie sich -- um den Sohn gegrmt haben. Sie wissen ja ... wissen ja, wie mein braver Mann -- Aug' und Herz ... Herz und Auge fr alles hat. Und wenn es sich gar ... gar um Leute handelt -- die um ihn sind und ihm Dienste leisten -- da ist alles Gute ... und Schlimme ... alles Gute und Schlimme ... was ihnen zustt ... zustt, so, als wr' es ihm selbst passiert. Frau John klopft John auf die Schulter. Ick seh ihm noch, wie er mit det kleene Kindersrgiken uf beede Knie dazumal in Kinderleichenwachen jesessen hat. Det durfte d'r Dotenjrber nich anrihren. John wischt sich Wasser aus den Augen. Det war och so. Det jing och nich. Frau Direktor Hassenreuter Denken Sie ... denken Sie, heute mittag bei Tisch -- muten wir ... muten wir pltzlich Wein trinken. Wein! wo Leitungswasser in den letzten Jahren ... Karaffen mit Leitungswasser -- unser einziges ... einziges Getrnk bei Tische ist. Liebe Kinder, sagte mein Mann. -- Er ist, wie Sie wissen, elf oder zwlf Tage in den Elsa verreist gewesen! ... Also ich trinke, sagte mein Mann, auf meine gute, brave Frau John, weil ... rief er mit seiner schnen Stimme! ... weil sie ein sichtbares Zeichen dafr ist, da unserem Herrgott ... Herrgott der Schrei eines Mutterherzens nicht gleichgltig ist. -- Und da haben wir auf Sie angestoen! -- So! -- und nun bringe ich ... bringe ich Ihnen hier im ganz besonderen ... ganz besonderen Auftrage meines Mannes einen sogenannten Soxhlet-Kinder-Milchapparat. -- Walburga, du magst den Kessel mal auspacken. Direktor Hassenreuter tritt ohne Umstnde durch die nur angelehnte Flurtr herein. Er trgt Zylinder, Sommerpaletot, Handschuhe, spanisches Rohr mit Silbergriff, im ganzen die etwas abgeschabte Garnitur des Wochentags. Er spricht hastig und fast ohne Pausen. Direktor Hassenreuter sich den Schwei von der Stirn wischend. Hei! Berlin macht hei, meine Herrschaften! In Petersburg ist die Cholera! Sie haben meinen Schlern Spitta und Kferstein gegenber geklagt, da Ihr Kindchen nicht zunehmen will, Frau John. Eigentlich ist es ja ein Verfallssymptom unserer Zeit, da die meisten Mtter ihre Kinder selber zu nhren nicht mehr fhig oder nicht willens sind. Sie haben schon einmal einen Jungen am Brechdurchfall eingebt, Mutter John. Hilft alles nichts: wir mssen hier deutsch reden! Damit Sie nun diesmal nicht wieder Pech haben und nicht etwa gar in die Scheren von allerlei alten Basen fallen, deren gute Ratschlge meistens fr Suglinge tdlich sind, hat Ihnen meine Frau auf meine Veranlassung diesen Milchkochapparat mitgebracht. Ich habe damit meine ganze kleine Gesellschaft, auch die Walburga, grogezogen ... Sapristi! da sieht man ja auch mal wieder den Herrn John! Bravo! der Kaiser braucht Soldaten! und Sie hatten einen Stammhalter ntig, Herr John! Gratuliere Ihnen von ganzem Herzen. Er schttelt John krftig die Hand. Frau Direktor Hassenreuter am Kinderwagen. Wieviel ... wieviel hat es gewogen bei der Geburt? Frau John Et hat jenau acht Pfund und zehn Jramm jewogen. Direktor Hassenreuter jovial, laut und lrmig. Ha ha ha, strammes Produkt! Acht Pfund zehn Gramm frisches deutschnationales Menschenfleisch. Frau Direktor Hassenreuter Die Augen! das Nschen! der ganze Vater! -- Das Kerlchen ist Ihnen wirklich ... wirklich wie aus dem Gesicht geschnitten, Herr John. Direktor Hassenreuter Sie werden den Bengel doch hoffentlich in die Gemeinschaft der christlichen Kirche aufnehmen lassen. Frau John glcklich und gewichtig. Det wird richtig in de Parochialkirche, richtig am Taufstein, richtig von Jeistlichen wird et jetauft. Direktor Hassenreuter Sessa! Und welche sind seine Taufnamen? Frau John Det hat natierlich, wie Mnner nu eemal sind, 'n langet Jerede abjesetzt. Ick dachte Bruno! Det will er nich. Direktor Hassenreuter Aber Bruno ist doch kein bler Name. John Det mag immer sind, det Bruno weiter keen iebler Name is. Da will ick mir weiter drieber nich ausdricken. Frau John Wat sachste nich, det ick 'n Bruder habe, wo Bruno heest und wo zwlf Jahre jinger is: und jeht manchmal 'n biken uf leichte Weche. Det is blo de Verfhrung! Der Junge is jut! Det jloobste nich! John bekommt einen roten Kopf. Jette ... Du weet, wat det mit Brunon for 'n Kreuz jewesen is! -- Wat wiste?! Soll unser Jungeken so 'n Patron krichen? -- Et is 'n Patron! Aber eener, ick kann et nich ndern ... eener, wo unter polizeiliche Ufsicht is. Direktor Hassenreuter lachend. Um's Himmels willen, dann suchen Sie ihm einen anderen Patron! John Jott soll mir bewahren ... ick ha mir bei Brunon anjenommen, in de Maschinschlosserei Stellung verschafft, nischt davon jehat, als rjer un Schande! Jott soll bewahren, det er womeglich kommt un mein Jungeken anfassen dut! -- (Er krampft die Faust.) -- denn Jette ... denn kennt ick nich for mir jut sachen. Frau John Immerzu doch, Paul. Bruno kommt ja nich! -- So viel kann ick dir aber jewilich sachen, det mein Bruder mich in die schweren Stunden redlich beiseite jewesen is. John Warum haste mir nich lassen kommen, Jette? Frau John So 'n Mann, wo Angst hat, mocht ick nich. Direktor Hassenreuter Sind Sie nicht Bismarckverehrer, John? John kratzt sich hinter den Ohren. Det kann ick nu so jenau nich sachen: aber, wat meine Jenossen in't Mauerjewerbe sind, die sind et nich. Direktor Hassenreuter Dann habt Ihr kein deutsches Herz im Leibe! Ich habe meinen ltesten Sohn, der bei der Kaiserlichen Marine ist, Otto genannt! Und glauben Sie mir, -- (er weist auf das Kindchen) -- diese neue knftige Generation wird wissen, was sie dem Schmiede der deutschen Einheit, dem gewaltigen Heros, schuldig ist. -- (Er nimmt den Blechkessel des Milchapparates, den Walburga ausgepackt hat, in die Hnde und hebt ihn hoch.) -- Also, die ganze Geschichte mit diesem Milchapparat ist kinderleicht: das ganze Gestell mit smtlichen Flaschen -- jede Flasche zunchst ein Drittel mit Milch und zwei Drittel mit Wasser gefllt! -- wird in diesen Kessel mit kochendem Wasser gestellt. Auf diese Weise, wenn man das Wasser im Kessel anderthalb Stunde lang auf dem Siedegrade hlt, wird der Inhalt der Flaschen keimfrei gemacht: die Chemiker nennen das sterilisieren. John Jette, bei de Frau Mauermeester ihre Milch, womit sie die Zwillinge ufziehen dut, wird et och sterilililililisiert. Die Schler des Direktors Hassenreuter, Kferstein und Dr. Kegel, zwei junge Leute im Alter zwischen zwanzig und fnfundzwanzig, haben angeklopft und die Tr geffnet. Direktor Hassenreuter der seine Schler bemerkt hat. Geduld, meine Herren, ich komme gleich. Ich arbeite hier einstweilen noch im Fache der Suglingsernhrung und Kinderfrsorge. Kferstein ausgesprochener Kopf, groe Nase, bleich, ernster Gesichtsausdruck, bartlos, ein immer schalkhafter Zug um den Mund. Mit Grabesstimme, weich, zurckhaltend. Wir sind nmlich die drei Knige aus dem Morgenlande. Direktor Hassenreuter der noch immer den Milchkochapparat hoch in den Hnden hlt. Was sind Sie? Kferstein wie vorher. Wir wollen das Kindelein gren. Direktor Hassenreuter Ha ha ha ha! Wenn Sie schon Knige aus dem Morgenlande sind, meine Herren, dann fehlt doch, soweit ich sehn kann, der dritte. Kferstein Der dritte ist unser neuer Mitschler auf dem Felde dramaturgischer Ttigkeit, Kandidat der Theologie Erich Spitta, der durch einen gesellschaftspsychologischen Zwischenfall einstweilen noch Ecke Blumen- und Wallnertheaterstrae festgehalten ist. Dr. Kegel Wir machten uns eiligst aus dem Staube. Direktor Hassenreuter Sehen Sie, es steht ein Stern ber Ihrem Hause, Frau John! -- Aber sagen Sie mal, hat sich etwa unser braver Kurpfuscher Spitta wieder mal ffentlich an die Heilung sogenannter sozialer Schden gemacht? Ha ha ha ha! _Semper idem!_ das ist ja ein wahres Kreuz mit dem Menschen. Kferstein Es war ein Auflauf, und da hat er wohl, wie es scheint, in der Volksmenge eine Freundin wieder erkannt. Direktor Hassenreuter Meiner unmageblichen Meinung nach wrde der junge Spitta viel besser zum Sanittsgehilfen oder zum Heilsarmeeoffizier geeignet sein. Aber so ist es: der Mensch wird Schauspieler. Frau Direktor Hassenreuter Der Lehrer der Kinder, Herr Spitta, wird Schauspieler? Direktor Hassenreuter Wenn du erlaubst, Mama, hat er mir die Erffnung gemacht. -- Aber nun, wenn Sie Weihrauch und Myrrhen bringen, packen Sie aus, lieber Kferstein. Sie sehen, Ihr Direktor ist vielseitig. Bald verhelfe ich meinen Schlern, die ihr nach dem Inhalt der Brste der Musen durstig seid, zu geistiger Nahrung, _nutrimentum spiritus!_ bald ... Kferstein klappert mit einer Sparkasse. Nun, ich stelle also das Ding, es ist eine feuersichere Sparkasse, hier neben die Equipage des jungen Herrn Maurerpolier, mit dem Wunsche, da er es mindestens mal bis zum Regierungsbaumeister bringen mge. John hat Schnapsglschen auf den Tisch gestellt, nimmt und entkorkt eine unangebrochene Likrflasche. Na, nu mu ick det Danziger Joldwasser ufmachen. Direktor Hassenreuter Wer da hat, Sie sehen, dem wird gegeben, Frau John. John whrend er eingiet. Det is nich jesacht, det for Mauerpolier John sein Kind nich jesorcht wre, meine Herrn! Aber ick rechen et mir an, meine Herrn. -- (Frau Direktor und Walburga ausgenommen, ergreifen alle die Glser.) -- Wohlsein! -- Mutter, nu komm, wir wolln och ma anstoen. Es geschieht, sie trinken. Direktor Hassenreuter im Ton der Rge. Mama, du mut selbstverstndlich mittrinken. John nachdem er getrunken hat, aufgerumt. Ick jeh nu och nich mehr nach Hamburg hin. D'r Meester mag ma 'n andern hinschicken. Ick zerjle mir schonn mit 'n Meester deswechen drei Dache rum. Ick mu mir nu wieder jleich mein Hut nehmen, hat mir wieder ma jejen sechs uf's Bro bestellt! Wenn er nich will, denn lat er't bleiben: det jeht nich, det 'n Familienvater immer un ewich wech von seine Familie is. Ick ha 'n Kollegen ... et kost mir een Wort, da wer' ick, wo se de Fundamente lechen, bei't neue Reichstagsjebude einjestellt. Zwlf Jahre bin ick bei meinen Meester! Et kann ja och ma wo anders sind. Direktor Hassenreuter klopft John ebenfalls auf die Schulter. Sessa! ganz Ihrer Ansicht, Herr Maurerpolier. Unser Familienleben ist eine Sache, die man uns mit Geld und guten Worten nicht abkaufen kann. Kandidat Erich Spitta tritt ein. Sein Hut ist beschmutzt, sein Anzug trgt Schmutzflecken. Er ist ohne Schlips. Er sieht bleich und erregt aus und subert mit dem Taschentuch seine Hnde. Spitta Verzeihung. Knnte ich mich bei Ihnen mal eben 'n bichen subern, Frau John? Direktor Hassenreuter Ha ha ha! Um Gottes willen, was haben Sie denn angebahnt, guter Spitta? Spitta Ich habe nur eine Dame nach Hause begleitet, Herr Direktor, weiter nichts. Direktor Hassenreuter der an einem allgemeinen Lachausbruch ob der Worte Spittas teilgenommen hat. Na hren Sie mal an! Und da setzen Sie noch hinzu: weiter nichts? Und verknden es offen vor allen Leuten? Spitta verblfft. Wieso nicht? Es handelte sich um eine gutgekleidete Dame, die ich hier im Hause auf der Treppe schon fters gesehen hatte, und die leider auf der Strae verunglckt ist. Direktor Hassenreuter Ach, was Sie sagen: erzhlen Sie mal, bester Spitta. Augenscheinlich hat die Dame Ihnen Flecke auf den Anzug und Schrammen auf die Hnde gemacht. Spitta Ach nein. Das war wohl hchstens der Janhagel. Die Dame erlitt einen Anfall. Ein Schutzmann griff sie dabei so ungeschickt, da sie auf den Straendamm, und zwar dicht vor einem Paar Omnibuspferde niederfiel. Ich konnte das absolut nicht mit ansehen, obgleich der Samariterdienst auf der Strae im allgemeinen, wie ich zugebe, unter der Wrde gutgekleideter Leute ist. Frau John schiebt den Kinderwagen hinter den Verschlag und kommt wieder mit einem Waschbecken voll Wasser, das sie auf einen Stuhl setzt. Direktor Hassenreuter Gehrte die Dame vielleicht jener internationalen guten Gesellschaft an, die man je nachdem nur reglementiert oder auch kaserniert. Spitta Das war mir in diesem Falle ebenso gleichgltig, wie ich sagen mu, Herr Direktor, wie dem Omnibusgaul, der seinen linken Vorderhuf geschlagene fnf, sechs oder acht Minuten lang, um die Frau nicht zu treten, die unter ihm lag, in der Schwebe gehalten hat. -- (Spitta erhlt eine Lachsalve zur Antwort.) -- Sie lachen! Fr mich ist das Verhalten des Gauls nicht lcherlich. Ich konnte ganz gut verstehen, da einige Leute ihm Bravo zuriefen, Beifall klatschten, andre eine Bckerei strmten und Semmeln herausholten, womit sie ihn ftterten. Frau John fanatisch. I, htt' er man feste zujetreten! -- (Die Bemerkung der John lst wieder allgemeines Gelchter aus.) -- Und ieberhaupt, wat die Knobben is: die jehrt ffentlich uf 'n Schandarmenmarkt, ffentlich uf de Bank jeschnallt und jehrig mit Riemen durchjefuchtelt! Stockhiebe det det Blut man so spritzt. Spitta Ich habe mir niemals eingebildet, da das sogenannte Mittelalter eine berwundene Sache ist. Es ist noch nicht lange her. Man hat eine Witwe Mayer noch im Jahre achtzehnhundertundsiebenunddreiig hier in Berlin, auf dem Hausvogteiplatz, von untenherauf geradebrecht. -- (Er zieht Scherben einer Brille hervor.) -- brigens mu ich sofort zum Optiker. John zu Spitta. Entschuldijen Se man. Se haben die feine Dame doch hier am Flur jejenieber rinjebracht? Na ja! Det hat Mutter ja jleich jemerkt, det det keen andrer Mensch wie de Knobben jewesen is, wo bekannt for is, det se Mdel mit zwlf uf de Jasse schickt, selber fortbleibt, trinkt und allerhand Kundschaft hat, um Kinder nich kmmert und wo berauscht is und ufwachen dut, allens mit Fuste und Schirme durchprijelt. Direktor Hassenreuter sich raffend und besinnend. Allons, meine Herren, wir mssen zum Unterricht. Es fehlt uns schon eine Viertelstunde. Meine Zeit ist gemessen. Unser Stundenschlu mu leider heute ganz pnktlich sein. Komm Mama. Auf Wiedersehn, meine Herrschaften. Der Direktor gibt seiner Frau den Arm und geht, gefolgt von Kferstein, und Dr. Kegel ab. Auch John nimmt seinen Kalabreser. John zu seiner Frau. Adje, ick mu och zum Meester hin. Auch John geht. Spitta Knnten Sie mir mal einen Schlips leihen? Frau John Ick will mal sehn, wat sich bei Paul in de Schublade vorfinden duht. -- (Sie ffnet den Tischschub und verfrbt sich.) -- Jesus! -- (Sie nimmt ein durch ein buntes Band zusammengehaltenes Bschelchen Kinderhaar aus der Schublade.) -- Da hab ick ja 'n Bschelschen Haar jefunden, wo mein Jungeken, wo mein Adelbertchen schon in Sarch mit Vaters Papierschere abjeschnitten is. -- (Tiefe, kummervolle Traurigkeit zieht pltzlich ber ihr Gesicht, das sich aber ebenso pltzlich wieder aufhellt.) -- Un nu liecht et doch wieder in Kinderwagen! -- (Sie geht mit eigentmlicher Frhlichkeit, das Haarbschel in der Hand, den jungen Leuten vorweisend, zur Tr des Verschlages, wo der Kinderwagen, zwei Drittel sichtbar, sich befindet. Dort angelangt, hlt sie das Haarbschel an das Kinderkpfchen.) -- Na nu kommt mal, kommt mal! -- (Sie winkt mit seltsamer Heimlichkeit Walburga und Spitta, die auch neben sie an den Kinderwagen treten.) -- Seht mal det Harchen und det! --? ob det nich detselbiche ... ob det nich janz und jnzlich een und datselbiche Harchen is. Spitta Richtig! Bis auf die kleinste Nuance, Frau John. Frau John Jut so! jut so! mehr wollt ick nich! Sie, mit dem Kinde, verschwindet hinter dem Verschlag. Walburga Findest du nicht, Erich, da das Betragen der John eigentmlich ist? Spitta fat Walburgas Hnde und kt sie scheu und inbrnstig. Ich wei nicht, wei nicht -- ... oder ich zhle heut nicht mit, weil ich alles von vornherein subjektiv dster gefrbt sehe. Hast du den Brief bekommen? Walburga Jawohl. Aber ich konnte nicht herausfinden, warum du so lange nicht bei uns gewesen bist. Spitta Verzeih, Walburga, ich konnte nicht kommen. Walburga Warum nicht? Spitta Weil ich innerlich zu zerrissen bin. Walburga Du willst Schauspieler werden? Ist's wahr? Du willst umsatteln? Spitta Was schlielich noch mal aus mir wird, steht bei Gott! Nur niemals ein Pastor! niemals ein Landpfarrer! Walburga Du, ich habe mir lassen die Karten legen. Spitta Das ist Unsinn, Walburga. Das sollst du nicht. Walburga Ich schwre dir, Erich, es ist kein Unsinn. Sie hat mir gesagt, ich htte einen heimlichen Brutigam, und der sei Schauspieler. Natrlich hab' ich sie ausgelacht und gleich darauf sagt Mama, du wirst Schauspieler. Spitta Tatschlich? Walburga Tatschlich! Und dann hat mir die Kartenlegerin noch gesagt, wir wrden durch einen Besuch viel Not haben. Spitta Mein Vater kommt nach Berlin, Walburga, und das ist allerdings wahr, da uns der alte Herr etwas zu schaffen machen wird. -- Vater wei das nicht, aber ich bin mit ihm innerlich lngst zerfallen, auch ohne diese Briefe, die mir hier in der Tasche brennen und mit denen er meine Beichte beantwortet hat. Walburga ber unserm verunglckten Rendezvous hat wirklich ein bser, neidischer, giftiger Stern geschwebt. Wie habe ich meinen Papa bewundert! Aber seit jenem Sonntag werde ich aller Augenblick rot fr ihn, und so sehr ich mir Mhe gebe, ich kann ihm seitdem nicht mehr gerade und frei ins Auge sehn. Spitta Hast du mit deinem Papa auch Differenzen gehabt? Walburga Ach, wenn es blo das wre! Ich war stolz auf Papa! Und jetzt mu ich zittern, wenn du es wtest, ob du uns berhaupt noch achten kannst. Spitta Ich und verachten! Ich wte nicht, was mir weniger zukme, gutes Kind. Sieh mal: ich will mit Offenheit gleich mal vorangehn. Eine sechs Jahr ltere Schwester von mir war Erzieherin, und zwar in einem adligen Hause. Da ist etwas passiert ... und als sie im Elternhaus Zuflucht suchte, stie mein christlicher Vater sie vor die Tr. Er dachte wohl: Jesus htte nicht anders gehandelt! Da ist meine Schwester allmhlich gesunken, und nchstens werden wir beide mal nach dem kleinen sogenannten Selbstmrderfriedhof bei Schildhorn gehn, wo sie schlielich gelandet ist. Walburga umarmt Spitta. Armer Erich, davon hast du ja nie ein Wort gesagt. Spitta Das ist eben nun anders: ich spreche davon. Ich werde auch hier mit Papa davon sprechen und wenn es darber zum Bruche kommt. -- Du wunderst dich immer, wenn ich erregt werde, und wenn ich mich manchmal nicht halten kann, wo ich sehe, wie irgendein armer Schlucker mit Fen gestoen wird, oder wenn der Mob etwa eine arme Dirne mihandelt. Ich habe dann manchmal Halluzinationen und glaube am hellichten Tage Gespenster, ja meine leibhaftige Schwester wiederzusehn. Pauline Piperkarcka, ebenso wie frher gekleidet, tritt ein. Ihr Gesichtchen erscheint bleicher und hbscher geworden. Die Piperkarcka Jun Morchen. Frau John hinter dem Verschlage. Wer ist denn da? Die Piperkarcka Pauline, Frau John. Frau John Pauline? -- Ick kenne keene Pauline. Die Piperkarcka Pauline Piperkarcka, Frau John. Frau John Wer? -- Denn wachten Se man 'ne Minute, Pauline. Walburga Adieu, Frau John. Frau John erscheint vor dem Verschlage, schliet sorgfltig den Vorhang hinter sich. Jawoll! Ick ha mit det Freilein wat zu verabreden. Seht ma, det ihr 'naus uf de Strae kommt. Spitta und Walburga schnell ab. Frau John schliet die Tr hinter beiden. Frau John Sie sind et, Pauline? Wat wollen Se denn? Die Piperkarcka Wat werde wollen? Et hat mir herjetrieben. Habe nich lnger warten knnen. Mu sehn, wie steht. Frau John Wat denn? Wat soll denn stehn, Pauline? Die Piperkarcka mit etwas schlechtem Gewissen. Na, ob jesund is, ob jut in Stand. Frau John Wat soll denn jesund? wat soll denn in Stande sind? Die Piperkarcka Dat sollen woll wissen von janz alleine. Frau John Wat soll ick denn von alleene wissen? Die Piperkarcka Ob Kind auch nich zujestoen is. Frau John Wat for'n Kind? un wat zujestoen? Reden Se deitsch! Se blubbern ja man keen eenziget richtiget deitsches Wort aus de Fresse raus. Die Piperkarcka Wenn ick nur sagen, was wahr is, Frau John. Frau John Na wat denn? Die Piperkarcka Mein Kind ... Frau John haut ihr eine gewaltige Backpfeife. ... Det sache nochmal, un denn kriste so lange den Schuh um de Ohren, bis et dir vorkommt, det du 'ne Mutter von Drillinge bist. Nu raus! Un nu la dir nich wieder blicken! Die Piperkarcka will fort. Rttelt an der Tr, die aber verschlossen ist. Hat mir jeschlagen, zu Hilfe, zu Hilfe! Brauche mir nich jefallen zu lassen! -- (weinend) -- Aufmachen! Hat mir mihandelt, Frau John! Frau John vollkommen umgewandelt, umarmt Pauline, sie so zurckhaltend. Pauline, um Jottet willen, Pauline! Ick wee nich, wat in mir jefahren hat! Sein Se man jut, ick leiste ja Abbitte! Wat soll ick tun? Pauline, soll ick fufllig uf de Knie, Pauline, Pauline! Abbitte tun? Die Piperkarcka Was haben mir ins Jesicht jeschlagen? Ick jehe zu Wache und zeigen an, det mir hier ins Jesicht jeschlagen hat. Ick zeigen an, ick gehen zu Wache. Frau John hlt ihr Gesicht hin. Da! hauste mir wieder in't Jesicht! denn is et jut! denn is er verjlichen. Die Piperkarcka Ick jehe zu Wache ... Frau John Denn is et verjlichen. Ick sache, Mchen, denn is et, Mchen, sag ick, akkurat mit de Wage verjlichen! Wat wiste nu, Mchen? Nu jeradezu. Die Piperkarcka Wat soll mich ntzen, wenn Backe jeschwollen is. Frau John haut sich selbst ein Backenstreich. Da! Meine Backe is och jeschwollen. Mchen, hau zu, und jeniere dir nich. -- Un denn komm, denn raus, watte uf 'n Herzen hast. Ick will mittlerweile ... ick koche inzwischen for Sie und for mir, Freilein Pauline, 'n rechten juten Bohnenkaffee, Jott wee et, und keene Zichorientunke. Die Piperkarcka weicher. Warum sin denn auf einmal so niedertrchtig und jrob zu mich armes Mchen, Frau John? Frau John Det is et! det mecht ick alleene wissen! Komm Se, Pauline, setzen sich. So! Scheenecken sag ick! Setzen sich! Scheen, det Se mich ma besuchen komm! Wat ha ick von meine Mutter deswechen schon for Schmisse jekricht, ick bin doch aus Brickenberch jebrtig! weil ick mir manchmal ja nich jekannt habe. Die hat mehr wie eemal zu mich jesacht: Mdel pa uf: du machst dir ma unglcklich. Det kann och sin, det se recht haben dut. Wie jeht's, Pauline, wat machen Se denn? Die Piperkarcka legt Scheine und Silbergeld, die Handvoll, ohne zu zhlen, auf den Tisch. Hier is det Jeld: ick brauchen ihm nicht. Frau John Ick wee doch von keenen Jelde, Pauline. Die Piperkarcka Oh, werden woll janz jut wissen von Jeld! Et hat mir jebrannt. Et war mich wie Schlange unter Kopfkissen ... Frau John I wo denn ...? Die Piperkarcka Is vorjekrochen, wo ick mde bin einjeschlafen. Hat mir jepeinigt, hat mir umringt! hat mir jequetscht, wo ick habe laut aufjeschrien und meine Wirtin hat mir jefunden, wo ick fast abjestorben, lngelang auf Diele jelegen bin. Frau John Lassen Se det man jut sind, Pauline! -- Trinken Se erst ma 'n kleenen Schnaps! -- (Sie giet ihr Kognak ein.) -- Un dann essen Se erst ma 'n Happen-Pappen: mein Mann hat jestern Jeburtstag jehat. Sie holt einen Streuelkuchen, von dem sie Streifen schneidet. Die Piperkarcka I wo denn, ick mag nich essen, Frau John. Frau John Det strkt, det dut jut, det mussen Se essen! Aber ick mu mir doch freuen, Pauline, det Se doch wieder mit Ihre jute Natur bei Ihre Krfte jekommen sin. Die Piperkarcka Nu will ick et aber mal sehn, Frau John. Frau John Wat denn, Pauline? Wat woll'n Se denn sehn? Die Piperkarcka Htt' ick laufen jekonnt, wr' ick frher jekomm. Das will jetzt sehn, warum jekommen bin. Frau John, deren fast kriechende Freundlichkeiten von angstvoll bebenden Lippen gekommen sind, erbleicht auf eine unheilverkndende Weise und schweigt. Sie geht nach dem Kchenschrank, reit die Kaffeemhle heraus und schttet heftig Kaffeebohnen hinein. Sie setzt sich, quetscht die Kaffeemhle energisch zwischen die Knie, fat die Kurbel und starrt mit einem verzehrenden Ausdruck namenlosen Hasses zur Piperkarcka hinber. Frau John So? -- Ach! -- Wat wite sehen? -- Wat wite nu jetzt uf eemal sehn? -- Det, det wat te hast mit deine zwee Hnde erwrchen jewollt. Die Piperkarcka Ick? -- Frau John Wite noch liechen? Ick werde dir anzeigen. Die Piperkarcka Nu haben mir aber jenug jeqult und bis auf't Blut jemartert, Frau John. Mir nachjestellt! mir Schritt und Tritt nich Ruhe jelassen. Bis haben Kind auf Oberboden auf Haufen alter Lumpen zu Welt jebracht. Mich Hoffnung jemacht, mich schlechten Spitzbubenjungen Angst jemacht. Mich Karten jelegt von wegen mein Brutigam un weiterjehetzt, bis bin wie verrckt jeworden. Frau John Det bist du och noch! Jawoll: du bist janz und jar verrckt! Wat, ick hab dir jeqult? Wat hab ick? Ick habe dir aus 'n Rinnstein jelesen! Ick hab dir jeholt bei Schneejestber, bei de Normaluhr, wo de hast mit verzweifelte Ochen -- un wie de hast ausjesehen! -- hintern Lanternanznder herjestarrt. Jawoll: denn ha ick dir nachjestellt, det dir der Schutzmann, det dir der jrne Wagen, det dir der Deibel nich hat holen jekonnt! Ick habe dir keene Ruhe jelassen, ick ha dir jemartert, bis det de nich sollst mit dein Kind unterm Herzen in't Wasser jehn. -- (fft ihr nach.) -- Ick jeh im Landwehrkanal, Mutter John! Ick erwrche det Kind! Ick ersteche det Wurm mit meine Hutnadel! Ick jeh, ick lauf, wo der Lump von Vater sitzen un Zither spielen dut, mitten in't Lokal, und schmei ihn det tote Kind vor die Fie. Det hae jesacht, so haste jesprochen, so jing et den lieben langen Dach, un manchmal de halbe Nacht noch dazu, bis ick dir hab hier ins Bette jebracht un so lange jestreichelt, det de bist endlich einjeschlafen un bist mittags um zwlf, wie die Glocken von alle Kirchen jelut't haben, an andern Dache erst wieder ufjewacht. Jawoll, so ha ick dir angst jemacht, wieder Hoffnung jemacht, so ha ick dir keene Ruhe jelassen! Haste det allens verjessen! wat? Die Piperkarcka Aber et is doch mein Kind, Mutter John ... Frau John schreit. Denn hol et dir aus'n Landwehrkanale! Sie springt auf, luft umher und nimmt bald diesen, bald jenen Gegenstand in die Hand, um ihn sogleich wieder wegzuwerfen. Die Piperkarcka Soll ick mein Kind nich ma sehen drfen? Frau John Spring in't Wasser un such et! denn haste et! Wee Jott, ick halte dir nu weiter nich. Die Piperkarcka Jut! Mejen mich schlajen, mejen mir prgeln, mejen mir schmeien Wasserflasche an Kopp: eh' nich wei wo Kind is, eh' nich haben mit Augen jesehn, bringen mich keiner und niemand von Stelle fort. Frau John einlenkend. Pauline, ick ha et in Flege jejeben! Die Piperkarcka Lieche! Ick hr et doch schmatzen, wo et janz jenau hintern Vorhang is! -- (Das Kind hinter dem Tapetenverschlag beginnt zu schreien. Die Piperkarcka eilt auf den Vorhang zu, dabei nicht ohne falsche Note, ein wenig pathetisch weinerlich rufend): -- Weine nicht, armes, armes Jungchen, jutes Mutterchen kommen schon! Frau John fast von Sinnen, ist vor den Eingang gesprungen, den sie der Piperkarcka verstellt. Die Piperkarcka ohnmchtig wimmernd, mit geballten Fusten. Soll mir jetzt zu mein Kinde reinlassen. Frau John furchtbar verndert. Sieh mir ma an, Mchen! Mchen, sieh mir ma in't Jesicht! -- Jlobst du, det mit eene, die aussieht wie ich ... det mit mir noch zu spaen is? -- (Die Piperkarcka hat wimmernd Platz genommen.) -- Setz dir! flenne! wimmere! bis dir, ick we nich wat ... jammere, bis det dir die Jurjel verschwollen is! det, wenn de hier rin willst -- denn bist du tot oder ick bin tot -- un denn is och det Jungchen nich mehr am Leben! Die Piperkarcka erhebt sich entschlossen. Denn jeben acht, was jeschehen, Frau John. Frau John wiederum einlenkend. Pauline, die Sache is zwischen uns richtig un abjemacht. Wat wollen Se sich mit det Kindchen behngen, wo jetzt mein Kindeken und in beste Hnde jeborjen is? Wat wollen Se denn mit det Kindeken ufstellen? Jehn Se zu Ihren Breitijan! da sollen Se woll mit den Besseres zu tun haben als Kinderjeschrei, Kindersorchen und Kimmernis. Die Piperkarcka Erst recht! Nu jerade! Nu mu er mir heiraten! -- Haben alle ... hat Frau Kielbacke, als ick mir mussen haben behandeln lassen, zu mich jesacht. Soll nich nachjeben! Mu mir heiraten. Auch Standesbeamte gab mich Rat. Hat jesacht, janz wtend, als ick haben erzhlt, wohin jekrochen un habe Kind auf Dachboden Welt jebracht ... schreit janz wtend: ick mu nich nachlassen. Hat jesacht: arme jeschundene Kreatur zu mich, Tasche jejriffen, Taler zwei Jroschen Jeld jeschenkt. Jut! lasse mir weiter nich ein, Frau John. Adje! Bin blo jekommen, sowieso, da morjen nachmittag fnf zu Hause sind. Warum? weil morjen einjesetzter Pfleger von Jemeinde nachsehn kommt. Ick werde mir weiter hier noch rumrgern. Frau John starr, entgeistert. Wat? du hast et jemeld uf't Standesamt? Die Piperkarcka Etwa nich? Ick soll woll Jefngnis komm? Frau John Wat hast du jemeldet beim Standesbeamten? Die Piperkarcka Sonst janischt, als det mit Knaben niederjekommen bin. Ick hab mir jeschmt, o Jott! bin ber un ber rot jeworden! Mir is, ick sink jleich in de Erde rin. Frau John So! -- Wenn de dir so jeschmt hast, Mchen, warum haste's denn aber anjezeigt? Die Piperkarcka Weil mich meine Wirtin und och Frau Kielbacke, wo mich hinjefhrt hat, mich partout nich Ruhe jejeben. Frau John So! -- Denn wissen se't also uf't Standesamt? Die Piperkarcka Na ja, det mussen se wissen, Frau John. Frau John ... Aber ha ick dir dat nich einjeschrft ...? ... Die Piperkarcka Det mu man melden! Soll ick denn abjefhrt Untersuchung und Pltzensee gesteckt? Frau John Ick ha doch jesacht: ick jeh et anmelden. Die Piperkarcka Habe jleich bei Standesbeamte jefracht. Is keene jekommen hat anjemeldt. Frau John Un wat haste nu also anjejeben? Die Piperkarcka Da Aloisius Theophil heien soll un da bei Sie, Frau John, in Pflege is. Frau John Un morjen will eener nachsehn komm? Die Piperkarcka Det is een Herr von de Vormundschaft. Was is denn weiter? Nun sin doch ruhig un sin vernnftig. Haben mich wirklich vorher Schrecken in alle Jlieder jejagt. Frau John abwesend. Nu freilich: det is nu nich mehr zu ndern. Det is ja nu och in Jottesnamen nu jro weiter nischt. Die Piperkarcka Gelt, un kann nu mein Kindchen auch sehn, Frau John. Frau John Heute nich! Morjen, morjen, Pauline. Die Piperkarcka Warum nich heut? Frau John Weil det det Beschreien nich jut dut, Pauline! Also morjen, um Uhre fnfen nachmittag? Die Piperkarcka Steht jeschrieben, sagt mir Wirtin, da Herr von die Stadt, Uhren fnfen morjen nachsehn kommt. Frau John indem sie die Piperkarcka hinausschiebt und selbst mit hinausgeht, im Tone der Abwesenheit. Jut so. La er man kommen, Mchen. Frau John ist einen Augenblick auf den Flur hinausgetreten und kommt ohne die Piperkarcka wieder herein. Sie ist seltsam verndert und geistesabwesend. Sie tut einige hastige Schritte gegen die Verschlagstr, steht jedoch pltzlich wieder still mit einem Gesichtsausdruck vergeblichen Nachsinnens. Dieses Grbeln unterbricht sie, heftig gegen das Fenster zu eilend. Hier wendet sie sich und wieder erscheint der hilflose Ausdruck schwerer Bewutlosigkeit. Langsam, wie eine Nachtwandlerin, tritt sie an den Tisch und lt sich daran nieder, das Kinn in die Hand sttzend. Nun erscheint Selma Knobbe in der Tr. Selma Mutter schlft, Frau John. Ick ha solchen Hunger. Kann ick 'n Happen Brot kriejen? Frau John erhebt sich mechanisch und schneidet ein Stck von einem Laib Brot, wie unter dem Einflu einer Suggestion. Selma der die Verfassung der Frau auffllt. Ick bin's! -- Wat is denn? -- Schneiden sich man blo nich etwa mit Brotmesser. Frau John mit trockenem Rcheln, das sie mehr und mehr berwltigt, indem sie Brot und Brotmesser willenlos auf den Tisch gleiten lt. Angst! -- Sorje! -- Da wit Ihr nischt von! Sie zittert und sucht einen Halt, um nicht umzusinken. Dritter Akt Alles wie im ersten Akt. Die Lampe brennt. Auf dem Gange schwaches Ampellicht. Direktor Hassenreuter gibt seinen drei Schlern, Spitta, Dr. Kegel und Kferstein, dramatischen Unterricht. Er selbst sitzt am Tisch, ffnet fortgesetzt Briefe und schlgt skandierend mit dem Falzbein auf den Tisch. Vorn stehen auf der einen Seite Kegel und Kferstein, auf der anderen Spitta einander als beide Chre der Braut von Messina gegenber. Ihre Fe befinden sich innerhalb eines Schemas aufgestellt, das mit Kreide auf den Fuboden gezeichnet ist und diesen in die vierundsechzig Felder des Schachbretts einteilt. Auf dem Kontorbock am Stehpult sitzt Walburga, in ein groes Kontobuch eintragend. Im Hintergrund, wartend, steht der Vizewirt oder Hausmeister Quaquaro, ein vierzigjhriger, vierschrtiger Mensch, der Inhaber eines wandernden Zirkus und, als Athlet, Hauptmitglied desselben sein knnte. Seine Sprache ist tenorhaft guttural. Er trgt Schlafschuhe. Die Beinkleider durch einen gestickten Grtel gehalten. Ein offenes Hemd, nicht unsauber, ein leichtes Jackett und die Mtze in der Hand. Dr. Kegel und Kferstein mit gewaltiger Pathetik. Dich begr ich in Ehrfurcht, Prangende Halle, Dich, meiner Herrscher Frstliche Wiege, Sulengetragenes herrliches Dach. Tief in der Scheide ... Direktor Hassenreuter schreit wtend. Pause! Punkt! Punkt! Pause! Punkt! Sie drehen doch keinen Leierkasten! Der Chor aus der Braut von Messina ist doch kein Leierkastenstck! Dich begr ich in Ehrfurcht nochmal von Anfang an, meine Herren! Dich begr ich in Ehrfurcht, prangende Halle! Etwa so, meine Herren! Tief in der Scheide ruhe das Schwert. Punktum! Herrliches Dach wollt' ich sagen: punktum! Meinethalben fahren Sie fort. Dr. Kegel und Kferstein Tief in der Scheide Ruhe das Schwert, Vor den Toren gefesselt Liege des Streits schlangenhaarigtes Scheusal. Denn ... Direktor Hassenreuter wie vorher. Halt! Wissen Sie nicht, was ein Punkt bedeutet, meine Herren? Haben Sie denn keine Elementarkenntnisse? Schlangenhaarigtes Scheusal. Punkt! Denken Sie sich einen Pfahl eingerammt: halt! Punkt! Alles ist totenstille! als wenn Sie gar nicht mehr in der Welt wren, Kferstein! Und dann raus mit der Posaunenstimme aus der Brust! Halt! Um Gottes willen nicht lispeln! -- Denn ... weiter! los! Dr. Kegel und Kferstein Denn des gastlichen Hauses Unverletzliche Schwelle Htet der Eid, der Erinnyen Sohn ... Direktor Hassenreuter springt auf, brllt, luft umher. Eid, Eid, Eid, Eid!! Halt! Wissen Sie nicht, was ein Eid ist, Kferstein? Htet der Eid!! -- der Erinnyen Sohn. Der Eid ist der Erinnyen Sohn, Dr. Kegel! Stimme heben! Tot! Das Publikum, bis zum letzten Logenschlieer, ist eine einzige Gnsehaut! Schauer durchrieselt alle Gebeine! Passen Sie auf: Denn des Hauses Schwelle htet der Eid!!! -- der Erinnyen Sohn, der furchtbarste unter den Gttern der Hlle! -- -- Nicht wiederholen, weiter im Text! Sie knnen sich aber jedenfalls merken, da ein Eid und ein Mnchner Bierrettich zwei verschiedene Dinge sind. Spitta deklamiert. Zrnend ergrimmt mir das Herz im Busen ... Direktor Hassenreuter Halt! -- (Er luft zu Spitta und biegt an seinen Armen und Beinen herum, um eine gewnschte tragische Pose zu erzielen.) -- Erstlich fehlt die statuarische Haltung, mein lieber Spitta. Die Wrde einer tragischen Person ist bei Ihnen auf keine Weise ausgedrckt. Dann sind Sie nicht, wie ich ausdrcklich verlangt habe, von Feld I D mit dem rechten Fu auf II C getreten! Endlich wartet Herr Quaquaro: unterbrechen wir einen Augenblick! -- (Er wendet sich an Quaquaro.) -- So, jetzt steh' ich zu Diensten, Herr Vizewirt! das heit, ich habe Sie bitten lassen, weil mir leider, wie sich bei der Inventur herausstellt, mehrere Kisten mit Kostmen abhanden gekommen, mit andern Worten gestohlen sind. Bevor ich nun meine Anzeige mache, wozu ich natrlich entschlossen bin, wollte ich erst mal Ihren Rat hren. Um so mehr, da sich auch sonst noch etwas, wie soll ich sagen, eine sonderbare Bescherung, statt der verlornen Kleiderkisten, in einem Winkel des Bodens angefunden hat: ein Fund, um Virchow zu benachrichtigen. Erstlich ein blaukariertes Plumeau, wahrhaft prhistorisch, und eine unaussprechliche Scherbe, deren Bestimmung im ganzen harmlos, aber ebenfalls unaussprechlich ist. Quaquaro Herr Direkter, ick kann ja ma oben steigen. Direktor Hassenreuter Tun Sie das. Sie finden oben Frau John, die durch den Fund eigentlich noch mehr wie ich selbst beunruhigt ist. Diese drei Herren, die meine Schler sind, lassen es sich partout nicht ausreden, da da oben etwas wie eine Mordgeschichte vorgefallen ist. Aber bitte: wir wollen keinen Skandal schlagen. Kferstein Wenn bei meiner Mutter in Schneidemhl im Laden irgend etwas abhanden kam, hie es immer, das htten die Ratten gefressen. Und wirklich, was man in diesem Hause von Ratten und Musen sieht -- auf der Treppe htt' ich beinahe eine totgetreten! -- warum sollten Kisten und Theatergarderobe, Seide schmeckt s! nicht ebenfalls von ihnen vertilgt worden sein? Direktor Hassenreuter Geschenkt, geschenkt! Alle weiteren Schnittwarenladen-Phantasien, ha ha ha ha! sind Ihnen geschenkt, bester Kferstein. Es fehlt nur noch, da Sie uns Ihre Gespenstergeschichten nochmals auftischen, vom Kavalleristen Sorgenfrei, der sich nach Ihrer Behauptung seinerzeit, als das Haus noch Reiterkaserne war, mit Sporen und Schleppsbel auf meinem Boden erhangen hat. Und da Sie den noch in Verdacht nehmen. Kferstein Sie knnen den Nagel noch sehn, Herr Direktor. Quaquaro Det wird in janzen Hause rum erzhlt von den Soldat, namens Sorjenfrei, der sich irgendwo hier oben in Dachstuhl mit 'ne Schlinge jeendigt hat. Kferstein Die Tischlersfrau auf dem Hof und eine Mntelnherin aus dem zweiten Stock haben ihn wiederholt bei hellichtem Tage aus dem Dachfenster nicken und militrisch stramm heruntergren gesehn. Quaquaro Een Unteroffizier hat dem Soldaten Sorjenfrei ja woll eene Dunstkiepe jenannt und 'n aus Feez eene 'rinjelangt. Det hat sich der Dmlack zu Herzen jenomm. Direktor Hassenreuter Ha ha ha! Militrmihandlungen und Geistergeschichten! Diese Verquickung ist originell, aber zur Sache gehrt sie nicht. Ich nehme an, der Diebstahl oder was sonst in Frage kommt, ist whrend jener elf oder zwlf Tage vor sich gegangen, als ich in Geschften im Elsa gewesen bin. Also sehen Sie sich die Geschichte mal an und, bitte, Sie werden mir nachher Bescheid sagen! Der Direktor wendet sich seinen Schlern zu. Quaquaro steigt ber die Bodentreppe und verschwindet in der Bodenluke. Direktor Hassenreuter Allright, bester Spitta: schieen Sie los. Spitta rezitiert nur sinngem und ohne Pathos. Zrnend ergrimmt mir das Herz im Busen, Zu dem Kampf ist die Faust geballt, Denn ich sehe das Haupt der Medusen, Meines Feindes verhate Gestalt. Kaum gebiet' ich dem kochenden Blute Gnn' ich ihm die Ehre des Worts? Oder gehorch' ich dem zrnenden Mute? Aber mich schreckt die Eumenide, Die Beschirmerin dieses Orts, Und der waltende Gottesfriede. Direktor Hassenreuter hat sich niedergelassen und lauscht, den Kopf in die Hand gesttzt, voll Ergebenheit. Erst einige Sekunden, nachdem Spitta geendet hat, blickt er wie zu sich kommend auf. Sind Sie fertig, Spitta?! -- Ich danke sehr! -- Sehen Sie, lieber Spitta, ich bin nun Ihnen gegenber wieder mal in die allerverzwickteste Lage geraten: entweder, ich sage Ihnen frech ins Gesicht, da ich Ihre Vortragsart schn finde -- und dann habe ich mich der allerniedertrchtigsten Lge schuldig gemacht! oder ich sage, ich finde sie scheulich, und dann haben wir wieder den schnsten Krach. Spitta erbleichend. Ja, alles Gestelzte, alles Rhetorische liegt mir nicht. Deshalb bin ich ja von der Theologie abgesprungen, weil mir der Predigerton zuwider ist. Direktor Hassenreuter Da wollen Sie wohl die tragischen Chre wie der Gerichtsschreiber ein Gerichtsprotokoll oder wie der Kellner die Speisekarte herunterhaspeln? Spitta Ich liebe berhaupt den ganzen sonoren Bombast der Braut von Messina nicht. Direktor Hassenreuter Sagen Sie das nochmal, lieber Spitta. Spitta Es ist nicht zu ndern, Herr Direktor: unsre Begriffe von dramatischer Kunst divergieren in mancher Beziehung total. Direktor Hassenreuter Mensch, Ihr Gesicht in diesem Augenblick ist ja geradezu ein Monogramm des Grenwahns und der Dreistigkeit. Pardon! aber jetzt sind Sie mein Schler und nicht mehr mein Hauslehrer! Ich! und Sie!? Sie blutiger Anfnger! Sie und Schiller! Friedrich Schiller! Ich habe Ihnen schon zehnmal gesagt, da Ihr pueriles bichen Kunstanschauung nichts weiter als eine Paraphrase des Willens zum Bldsinn ist. Spitta Das mte mir erst bewiesen werden. Direktor Hassenreuter Sie beweisen es selbst, wenn Sie den Mund auftun! -- Sie leugnen die Kunst des Sprechens, das Organ, und wollen die Kunst des organlosen Qukens dafr einsetzen! Sie leugnen die Handlung im Drama und behaupten, da sie ein wertloses Akzidenz, eine Sache fr Grndlinge ist. Sie negieren die poetische Gerechtigkeit, Schuld und Shne, die Sie als pbelhafte Erfindung bezeichnen: eine Tatsache, wodurch die sittliche Weltordnung durch Euer Hochwohlgeboren gelehrten und verkehrten Verstand aufgehoben ist. Von den Hhen der Menschheit wissen Sie nichts. Sie haben neulich behauptet, da unter Umstnden ein Barbier oder eine Reinmachefrau aus der Mulackstrae ebensogut ein Objekt der Tragdie sein knnte als Lady Macbeth und Knig Lear. Spitta bleich, putzt seine Brille. Vor der Kunst wie vor dem Gesetz sind alle Menschen gleich, Herr Direktor. Direktor Hassenreuter So? Ach!? Wo haben Sie diesen hbschen Gemeinplatz her? Spitta unbeirrt. Dieser Satz ist mir zur zweiten Natur geworden. Ich befinde mich dabei vielleicht mit Schiller und Gustav Freytag, aber keinesfalls mit Lessing und Diderot im Gegensatz. Ich habe die letzten zwei Semester mit dem Studium dieser wahrhaft groen Dramaturgen zugebracht, und der gestelzte franzsische Pseudoklassizismus bleibt mir durch sie endgltig totgeschlagen, sowohl in der Dichtkunst als in den grenzenlos lppischen spteren Goetheschen Schauspielervorschriften, die durch und durch mumifizierter Unsinn sind. Direktor Hassenreuter So! Spitta Und wenn sich das deutsche Theater erholen will, so mu es auf den jungen Schiller, den jungen Goethe des Gtz und immer wieder auf Gotthold Ephraim Lessing zurckgreifen: dort stehen Stze, die der Flle der Kunst und dem Reichtum des Lebens angepat, die der Natur gewachsen sind. Direktor Hassenreuter Walburga! Ich glaube, Herr Spitta verwechselt mich. Herr Spitta, Sie wollen Privatstunden halten. Bitte, zieh dich doch mit Herrn Spitta zur Privatstunde in die Bibliothek zurck! -- Wenn die menschliche Arroganz und besonders die der jungen Leute kristallisiert werden knnte, die Menschheit wrde darunter wie eine Ameise unter den Granitmassen eines Urgebirges begraben sein. Spitta Ich wrde dadurch aber nicht widerlegt werden. Direktor Hassenreuter Mensch! Ich habe nicht nur zwei Semester knigliche Bibliothek hinter mir, sondern ich bin ein ergrauter Praktiker und ich sage Ihnen, da der Goethesche Schauspielerkatechismus A und O meiner knstlerischen berzeugung ist. Pat Ihnen das nicht, so suchen Sie sich einen anderen Lehrmeister. Spitta unbeirrt. Goethe setzte sich mit seinen senilen Schauspielerregeln, meiner Ansicht nach, zu sich selbst und zu seiner eigenen Natur in kleinlichsten Gegensatz. Und was soll man sagen, wenn er dekretiert: jede spielende Person, gleichviel welchen Charakter sie darstellen soll -- wrtlich! -- msse etwas Menschenfresserartiges in der Physiognomie zeigen -- wrtlich! -- wodurch man sogleich an ein hohes Trauerspiel erinnert werde. -- Kferstein und Kegel versuchen Menschenfresserphysiognomien. Direktor Hassenreuter Ziehen Sie doch das Notizbuch, mein guter Spitta, und schreiben Sie, bitte, hinein, da Direktor Hassenreuter ein Esel ist! Schiller ein Esel! Goethe ein Esel! natrlich auch Aristoteles -- (er fngt pltzlich wie toll zu lachen an) -- und, ha ha ha! ein gewisser Spitta ein Nachtwchter! Spitta Es freut mich, Herr Direktor, da Sie doch wenigstens wieder bei guter Laune sind. Direktor Hassenreuter Nein, Teufel, ich bin bei sehr schlechter Laune! Sie sind ein Symptom. Also nehmen Sie sich nicht etwa wichtig! -- Sie sind eine Ratte! aber diese Ratten fangen auf dem Gebiete der Politik -- Rattenplage! -- unser herrliches neues geeinigtes Deutsches Reich zu unterminieren an. Sie betrgen uns um den Lohn unserer Mhe! und im Garten der deutschen Kunst -- Rattenplage! -- fressen sie die Wurzeln des Baumes des Idealismus ab: sie wollen die Krone durchaus in den Dreck reien. -- In den Staub, in den Staub, in den Staub mit euch! Kferstein und Dr. Kegel wollen ernst bleiben, brechen indessen bald in lautes Gelchter aus, in das der Direktor hineingerissen wird. Walburga macht groe Augen. Spitta behlt seinen Ernst. Nun steigt Frau John ber die Leiter vom Boden herunter, nach einiger Zeit folgt ihr Quaquaro, der Vizewirt. Direktor Hassenreuter bemerkt Frau John, weist heftig mit beiden Armen auf sie, wie wenn er eine Entdeckung gemacht htte. Da kommt Ihre tragische Muse, Spitta. Frau John die sich unter dem Gelchter des Direktors, Kegels und Kfersteins genhert hat, verdutzt. Wat ha ick denn an mir, Herr Direkter? Direktor Hassenreuter Alles Gute und Schne, beste Frau John! Danken Sie Gott, wenn Ihr stilles, eingezogenes, friedliches Leben Sie zur tragischen Heldin ungeeignet macht. -- Aber sagen Sie, haben Sie etwa Gespenster gesehen? Frau John mit unnatrlicher Blsse. I, weshalb denn nu det? Direktor Hassenreuter Etwa gar wieder den famosen Soldaten Sorgenfrei, der dort oben als Deserteur ins bessere Jenseits seine Militrkarriere beschlossen hat? Frau John I, wenn't 'n lebendicher Mensch wr, det kennte sind: vor tote Jeister furcht ick mir nich. Direktor Hassenreuter Na, wie war's, Herr Quaquaro, unter den Bleidchern? Quaquaro der einen schwedischen Reiterstiefel mitbringt. Ick habe mir allens jut umjesehen un bin zur Iberzeijung jekomm, det mindestens obdachloses Jesindel oben, durch wat for'n Zujang wee ick noch nich, jenchtigt hat. Un denn hab ick det hier in Stiefel jefunden. -- Er zieht aus dem Reiterstiefel ein Kinderflschchen mit Gummipfropfen, halb mit Milch gefllt. Frau John Det erklrt sich: ick ha oben zu'n rechten jesehn und ha Adelbertchen bei mich jehat. -- Ick bin an die janze Jeschichte unschuldig! Direktor Hassenreuter Das Gegenteil hat wohl auch niemand behauptet, Frau John. Frau John Wo Adelbertchen zur Welt kam ... wo Adelbertchen jestorben war ... der soll ma komm und soll mir sachen, wat eene richtiche Mutter is ... aber nu mu ick fort, Herr Direkter ... Nu kann ick zweer Tage och drei nich oben komm. Atje! ick mu ma biken mit Adelbertchen bei meine Schwchern zeichen uf Sommerfrische. -- Sie trottet durch die Flurtr ab. Direktor Hassenreuter Was hat sie da durcheinander gefaselt? Quaquaro Schon wo se det erste Kindeken hatte, nu jar nachdem, wie et jestorben is, wa eene Schraube los bei die John. Seit se nu jar det Zweete hat, wackeln zweee. Hinjejen, deswechen, rechnen kann se. Die hat manchen juten Jroschen bei schene Prozente uf Fnder ausjeborcht. Direktor Hassenreuter Was soll ich nun als Bestohlener tun? Quaquaro Det kommt druf an, wo Verdacht hin is. Direktor Hassenreuter In diesem Hause? -- Sagen Sie selbst, Herr Quaquaro ... Quaquaro Det is ja nu wahr, aber et is nu doch och so weit, det nchstens biken jesubert wird. De Witwe Knobbe mit ihren Anhang wird rausjeschmissen! Und denn is eene Blase uf Flijel B, wo Schutzmann Schierke mir hat jesacht, det sich schwere Jungen mang mang befinden: wo de Polizei nchstens ausheben wird. Direktor Hassenreuter Irgendwo hier im Hause ist doch ein Gesangverein. Ich hre wenigstens manchmal wirklich hbsche Mnnerstimmen Deutschland, Deutschland ber alles, Wer hat dich, du schner Wald, In einem khlen Grunde und dergleichen absingen. Quaquaro Det sind se! det sind se! die singen so jut wie de blaue Zwiebel! det sind se, jewi! Wo man singt, da la dir jeruhig nieder, heet et zwar, aber det wollt ick keenen raten ... Ick wage mir och man mit mein Prinz, wat meine Bulldogge is, mang die feine Jesellschaft rin. Immer anzeichen, anzeichen, Herr Direkter. Quaquaro geht ab. Direktor Hassenreuter Sein Auge blitzt Kaution. Sein Wort heischt Preuisch-Kurant. Seine Faust bedeutet Kndigung. Wer um Ultimo nicht von ihm trumt, kann von Glck sagen. Wer von ihm trumt, der brllt nach Hilfe. Ein scheulicher, schmalziger Kerl! aber ohne ihn bekmen die Pchter dieser Staatsbaracke die Miete nicht, und der Militrfiskus knnte die Pacht in den Rauchfang schreiben. -- (Die Trschelle geht.) -- Das ist Frulein Alice Rtterbusch! die junge Naive, die ich leider bei dem Hangen und Bangen auf die Entscheidung der Straburger Stadtvter mir noch immer kontraktlich nicht sichern kann. Nach meiner Ernennung, zu der Gott mir helfe, wird ihr Engagement meine erste direktoriale Handlung sein. -- Walburga und Spitta, marsch auf den Oberboden. Zhlt die sechs Kisten durch, wo der Vermerk Journalisten steht, da wir im geeigneten Augenblick mit der Inventur fertig sind. -- (Zu Kferstein und Dr. Kegel) -- Sie mgen derweil in die Bibliothek treten. Er geht, um die Flurtr zu ffnen. Walburga und Spitta verschwinden eilig und sehr bereitwillig auf den Oberboden. Kferstein und Kegel gehen in die Bibliothek. Direktor Hassenreuter im Hintergrund. Bitte, kommen Sie nur herein, meine Gndige! Pardon! Bitte sehr um Pardon, mein Herr! Ich erwartete eine Dame ... ich erwartete eine junge Dame ... Aber bitte, treten Sie doch herein. Der Direktor kommt mit Pastor Spitta wieder nach vorn. Pastor Spitta, sechzig Jahre alt, ist ein etwas verbauerter kleiner Landpfarrer. Man knnte ihn ebensogut fr einen Feldmesser oder kleinen Gutsbesitzer nehmen. Er ist von krftiger Erscheinung, kurznackig, wohlgenhrt und hat ein etwas zusammengequetschtes, breites Luthergesicht. Er trgt Schlapphut, Brille, Stock, einen Lodenmantel berm Arm; ungeschlachte Stiefel und die Verfassung seiner brigen Kleidung zeigt, da sie an Wetter und Wind schon seit lange gewhnt sind. Pastor Spitta Wissen Sie, wer ich bin, Herr Direktor? Direktor Hassenreuter Nicht durchaus bestimmt, aber ... Pastor Spitta Wagen Sie's nur daraufhin, Herr Direktor: nennen Sie mich bis auf weiteres Pastor Spitta aus Schwoiz in der Uckermark, dessen Sohn Erich Spitta, jawohl, in Ihrer Familie als Hauslehrer oder so hnlich, ttig gewesen ist. Erich Spitta: das ist mein Sohn. Das sag' ich mit schwerer Bekmmernis. Direktor Hassenreuter Zunchst freue ich mich, Sie begren zu knnen. Ich mchte Sie aber im gleichen Atem bitten, Herr Pastor, des bewuten Seitensprunges wegen, den Ihr Sohn Erich sich leistet, nicht allzu bekmmert, nicht allzu besorgt zu sein. Pastor Spitta O ich bin sehr besorgt. Ich bin sehr bekmmert! -- (Er sieht sich mit groem Interesse, auf einem Stuhl sitzend, in dem seltsamen Raume um.) -- Es ist schwer zu sagen, uerst schwer begreiflich zu machen, bis zu welchem hohen Grade ich bekmmert bin. Aber verzeihen Sie eine Frage, Verehrtester: ich war im Zeughaus. -- (Er berhrt mit dem Stock einen der Pappenheimschen Krassiere.) -- Was sind das fr Rstungen? Direktor Hassenreuter Das sind Pappenheimsche Krassiere. Pastor Spitta Ah ah, ich stellte mir Schiller ganz anders vor! -- (Sich sammelnd.) -- O dieses Berlin! Es verwirrt mich ganz! Sie sehen in mir einen Mann, Herr Direktor, der nicht nur bekmmert, nicht nur durch dieses Sodom Berlin im Innersten aufgewhlt, sondern geradezu durch die Tat seines Sohnes gebrochen ist. Direktor Hassenreuter Eine Tat? Welche Tat? Pastor Spitta Das fragen Sie noch? Der Sohn eines redlichen Mannes und ... und ... Schauspieler. Direktor Hassenreuter gereckt, mit Haltung. Mein Herr, ich billige den Entschlu Ihres Sohnes nicht. Aber ich selbst, der ich, _hony soit qui mal y pense_, der Sohn eines redlichen Mannes und selber, will ich hoffen, ein Mann von Ehre bin, ich, wie ich hier stehe, ich war selbst Schauspieler und habe noch vor kaum sechs Wochen bei einem Lutherfestspiel in Merseburg .... ich bin Kulturkmpfer! nicht nur als Regisseur, sondern auch als Schauspieler meinen Fu auf die weltbedeutenden Bretter gestellt. In bezug auf brgerliche Ehre und vom Standpunkt der allgemeinen Ehrenhaftigkeit drfte also, nach meinen Begriffen wenigstens, der Entschlu Ihres Herrn Sohnes nicht zu beanstanden sein. Aber es ist ein schwerer Beruf, und man mu auch auerdem dazu sehr viel Talent haben. Auch geb' ich zu: fr schwache Charaktere ist es ein Beruf, der besonders gefhrlich ist. Und schlielich habe ich selbst die ungeheure Mhsal meines Standes so bis auf die Nagelprobe kennen gelernt, da ich jeden davor behten mchte. Deshalb gebe ich meinen Tchtern Ohrfeigen, sobald auch nur der leiseste Gedanke zur Bhne zu gehen sich geltend macht, und eh' ich sie an einen Mimen verheiratete, wrde ich jeder von ihnen einen Stein um den Hals hngen und sie ertrnken im Meer, wo es am tiefsten ist. Pastor Spitta Ich wollte niemand zu nahe treten. Ich gebe auch zu, ich habe als schlichter Landpfarrer von alledem keine Vorstellung. Aber denken Sie sich einen Vater an, eben einen solchen armen Landpfarrer, der seine Pfennige mhsam zusammenkratzt, um seinem Sohne das Studium zu ermglichen. Denken Sie, da dieser Sohn kurz vor seinem Examen steht und da Vater und Mutter -- ich hab eine kranke Frau zu Haus! -- mit Schmerzen oder mit Sehnsucht, wie Sie wollen, auf den Augenblick warten, jawohl, wo er in irgendeiner Pfarre seiner Bestimmung von der Kanzel die Probepredigt halten wird. Und nun kommt dieser Brief! der Junge ist wahnsinnig. -- Die Erregung des Pastors ist nicht gerade gespielt, aber beherrscht. Das Zittern, womit er nach seinem Briefe in die Brusttasche greift und ihn dem Direktor hinhlt, ist nicht ganz berzeugend. Direktor Hassenreuter Junge Leute suchen. Allzusehr drfen wir uns nicht wundern, wenn eine Krise im Leben eines jungen Mannes zuweilen nicht zu vermeiden ist. Pastor Spitta Nun, diese Krise war zu vermeiden. Sie werden aus diesem Briefe unschwer erkennen, wer verantwortlich fr den verderblichen Umschwung in der Seele eines so jungen, braven und immer durchaus gehorsamen Menschen zu machen ist. Ich htte ihn nie sollen nach Berlin schicken. Jawohl: die sogenannte wissenschaftliche Theologie, die mit allen heidnischen Philosophen liebugelt, und die uns den lieben Herrgott in Rauch, den Herrn und Heiland in Luft verwandeln will, die mache ich fr den schweren Fehltritt meines Kindes verantwortlich. Und nun kommen dazu die anderen Verfhrungen: Herr Direktor, ich habe Dinge gesehen, wovon zu sprechen mir ganz unmglich ist! Hier habe ich Zettel in allen Taschen: Elite-Ball! Fesche Damenbedienung! und so fort. Ich gehe halb ein Uhr nachts ganz ruhig durch die Passage zwischen Linden und Friedrichstrae, schmeit sich ein scheulicher Kerl an mich an, halbwchsig und fragt mit einer schmierigen, scheuen Dreistigkeit: ob der Herr vielleicht etwas Pikantes will? Und nun diese Schaufenster, wo neben den Bildern der hohen und Allerhchsten Herrschaften nackte Schauspielerinnen, Tnzerinnen, kurz die anstigsten Nuditten zu sehen sind! Und dann dieser Korso, dieser Korso! wo die geschminkte, aufgedonnerte Snde die Brgersfrau vom Brgersteig auf die Strae drngt! Das ist einfach Weltuntergang, Herr Direktor! Direktor Hassenreuter Ach Herr Pastor, die Welt! die geht nicht unter! nicht wegen der Nuditten und ebensowenig der heimlichen Snde wegen, die Nachts durch die Straen schleicht. Sie wird mich und wahrscheinlich das ganz skurile Menschheitsintermezzo noch berleben. Pastor Spitta Was diese jungen Leute vom rechten Wege ablenkt, ist das bse Beispiel, ist die Gelegenheit. Direktor Hassenreuter Mit Erlaubnis, Herr Pastor: ich habe eigentlich eine Neigung zum Leichtsinn in Ihrem Sohne niemals bemerkt. Er hat einen Zug zur Literatur, und er ist nicht der erste Pastorensohn -- Lessing, Herder _etcetera_, der in den Weg der Literatur und Poeterei eingebogen ist. Mglicherweise hat er schon Stcke im Schubfach liegen. Allerdings mu ich sagen: die Ansichten, die Ihr Herr Sohn auch auf dem Felde der Literatur vertritt, sind selbst fr mich mitunter bengstigend. Pastor Spitta Das ist ja furchtbar! das ist ja entsetzlich! und geht ber meine schlimmsten Befrchtungen weit hinaus. Und so sind mir die Augen denn aufgegangen. -- Mein Herr, ich habe acht Kinder gehabt, von denen Erich unsre schnste Hoffnung, seine nchstlteste Schwester unsre schwerste Prfung von Gott bedeutete und die nun, dem Anschein nach, beide von der gleichen verruchten Stadt als Opfer gefordert worden sind. Das Mdchen war frh entwickelt, war schn! -- doch -- Jetzt mu ich zu etwas anderem kommen. -- Ich bin seit drei Tagen in Berlin und habe Erich noch nicht gesehen. Als ich ihn heute aufsuchen wollte, war er in seiner Wohnung nicht anwesend. Ich habe eine Weile gewartet und mich natrlich dabei in seiner Behausung umgesehen. Nun: betrachten Sie dieses Bild, Herr Direktor! Er hat eine kleine Photographie, indem er Erichs Brief zurcklegt, aus der Brieftasche genommen und hlt sie dem Direktor unter die Augen. Direktor Hassenreuter nimmt und betrachtet das Bild, bald wie ein Kurzsichtiger, bald wie ein Weitsichtiger, stutzt. Wieso? Pastor Spitta An dem albernen Lrvchen liegt weiter nichts. Aber lesen Sie bitte die Unterschrift. Direktor Hassenreuter Wo? Pastor Spitta liest. Ihrem einzigen Liebsten, seine Walburga. Direktor Hassenreuter Erlauben Sie mal! -- Was heit das, Herr Pastor? Pastor Spitta Irgendein Nhmdchen heit das! Wenn nicht gar irgendeine obskure Kellnerin! Direktor Hassenreuter sehr bleich. Hm. -- (Steckt das Bild ein.) -- Ich werde das Bild behalten, Herr Pastor. Pastor Spitta In solchem Schmutz wlzt sich dieser Sohn. Und nun denken Sie sich in meine Lage: mit welchen Gefhlen, mit welcher Stirn soll ich knftig vor meiner Gemeinde auf der Kanzel stehn ......? Direktor Hassenreuter Donnerwetter, was geht mich das an, Herr Pastor! Was habe ich mit Ihrem Sprengel, mit Ihren verlorenen Shnen und Tchtern und dergleichen zu tun? (Er zieht wieder die Photographie.) -- Und brigens, was dieses kernige, tchtige Mdchen betrifft, Kellnerin und dergleichen, so irren Sie sich! Weiter sage ich nichts! Alles weitere wird sich finden, Herr Pastor. Adieu. Pastor Spitta Ich gestehe frei, ich begreife Sie nicht. Wahrscheinlich ist das der Ton, der in Ihren Kreisen der bliche ist. Ich gehe und werde Sie nicht mehr belstigen. Aber ich habe als Vater das Recht vor Gott, Sie, Herr Direktor, zu verpflichten: verweigern Sie knftig, oder ich werde Mittel und Wege zu finden wissen, meinem verblendeten Sohne diesen sogenannten dramatischen Unterricht! Direktor Hassenreuter Nicht nur das, Herr Pastor: sondern ich werde ihm ganz direkt den Stuhl vor die Tr setzen. Er geleitet den Pastor hinaus, schlgt die Tr zu und kommt ohne ihn wieder. Direktor Hassenreuter schleudert die Arme in die Luft. Hier kann man nur sagen: Neandertaler! -- (Er strmt die Bodentreppe hinauf.) -- Spitta, Walburga, kommt mal herab. Walburga und Spitta kommen. Direktor Hassenreuter zu Walburga, die ihn fragend ansieht. Geh auf deinen Kontorbock. Setz dich auf deinen humoristischen Krperteil! -- Na, und Sie, lieber Spitta, was wollen Sie noch? Spitta Sie hatten gerufen, Herr Direktor. Direktor Hassenreuter Gut. Sehen Sie mir ins Angesicht! Spitta Bitte. Er tut es. Direktor Hassenreuter Ihr macht einen dumm! Aber mich sollt ihr nicht dumm machen! Still! -- Kein Wort! Ich htte mich von Ihnen eines anderen versehen, als eines so exemplarischen Beweises von Undankbarkeit! -- Still! -- Im brigen war ein Herr hier! er frchtet sich! Vorwrts! Gehen Sie ihm nach! -- Begleiten Sie ihn auf die Strae hinunter. Suchen Sie ihm begreiflich zu machen, da ich nicht Euer Schuhputzer bin. Spitta zuckt die Achseln, nimmt seinen Hut, geht ab. Direktor Hassenreuter schreitet energisch auf Walburga zu und zieht sie am Ohr. Und du meine Liebe, du bekommst Ohrfeigen, wenn du mit diesem Schlingel von verkrachtem Theologen noch jemals ohne meine Erlaubnis zwei Worte sprichst. Walburga Au au, Papa. Direktor Hassenreuter Dieser Wicht, der mit Vorliebe schafsdumme Gesichter macht, als ob er kein Wsserchen trben knnte, und dem ich den Zutritt in mein Haus zu erffnen so unvorsichtig war, ist leider ein Mensch, hinter dessen Maske die unverschmteste Frechheit lauert. Ich und mein Haus, wir dienen dem Geiste der Wohlanstndigkeit. Willst du den Schild unserer Ehre beflecken, etwa wie die Schwester von diesem Burschen, die zur Schande ihrer Eltern, wie es scheint, in Gasse und Gosse geendigt ist? Walburga ber Erich bin ich nicht deiner Ansicht, Papa. Direktor Hassenreuter Was?! Nun jedenfalls kennst du meine Ansicht! und weit, einen Appell gegen meine Ansichten gibt es nicht! Du gibst ihm den Laufpa oder siehst selber zu, wo du auerhalb deines Elternhauses mit deinem ehr- und pflichtvergessenen lockeren Lebenswandel durchkommen wirst! Dann fort mit dir! von solchen Tchtern mag ich nichts wissen! Walburga bleich, finster. Du sagst ja immer Papa, du hast dir deinen Weg auch ohne deine Eltern selbstndig suchen mssen. Direktor Hassenreuter Du bist kein Mann. Walburga Gewi nicht. Aber denke doch mal an Alice Rtterbusch. Vater und Tochter sehen einander fest in die Augen. Direktor Hassenreuter Wieso? -- Bist du hei? was? oder bist du irrsinnig? -- (Er lenkt ab, merklich aus dem Konzept und pocht an die Bibliothek.) -- Wo blieben wir stehen? Setzen Sie ein. Kegel und Kferstein erscheinen. Kegel, Kferstein deklamieren. Weisere Fassung ziemet dem Alter. Ich, der Vernnftige gre zuerst. Gefhrt von Spitta erscheint die Piperkarcka, straenmig gekleidet, und Frau Kielbacke, die einen Sugling im Steckkissen trgt. Direktor Hassenreuter Was wollen Sie? Mit was fr Weibsleuten berlaufen Sie mich? Spitta Es ist nicht meine Schuld, Herr Direktor, die Frauen wollten zu Ihnen hinein. Frau Kielbacke Nee. Wir wollen man blo Frau Mauerpolier John sprechen. Die Piperkarcka Ist doch immer bei Sie hier oben, Frau John?! Direktor Hassenreuter Ja! Aber ich fange an zu bedauern, da das so ist, und wnschte jedenfalls, da sie ihre privaten Empfnge nicht hier bei mir, sondern unten bei sich erledigt. Sonst richte ich nchstens vor der Tr Selbstschsse oder Fuangeln ein. -- Wo fehlt's Ihnen eigentlich, bester Spitta? Sie mssen jetzt schon die Gnade haben und diese Damen nach unten zurechtweisen. Die Piperkarcka Unten in ihre Wohnung war nich zu finden, Frau John. Direktor Hassenreuter Hier oben bei uns ist sie auch nicht zu finden. Frau Kielbacke Det junge Freilein hat nmlich ihr Shneken bei die Frau Mauerpolier John in Flege jehat. Direktor Hassenreuter Freut mich! Ohne Umstnde los! Retten Sie mich, Kferstein. Frau Kielbacke Nun is 'n Herr von de Stadt als wie vormundschaftswechen, nachsehn jekomm: wie't steht mit det Kind und det jut versorcht und in Stande is. Und denn is er, denn sind wir bei Frau John mitsamt den Herrn sind wir rinjejang. Denn stand det Kind und 'n Zettel bei, det Frau John hier oben uf Arbeet is. Direktor Hassenreuter Wo ist das Kind in Pflege gewesen? Frau Kielbacke Bei de Frau Mauerpolier John. Direktor Hassenreuter ungeduldig. Das ist vollkommen bldsinnig! Das ist unrichtig! -- Htten Sie doch lieber den alten humorvollen Herrn begleitet, dem ich Sie nachgesendet habe, Spitta, statt mir diese Damen hier auf den Hals zu ziehn. Spitta Ich suchte den Herrn, aber er war schon verschwunden. Direktor Hassenreuter Die Damen scheinen mir nicht zu trauen. Sagen Sie ihnen doch, meine Herren, da Frau John kein Kind in Pflege hat, und da sie also bezglich des Namens im Irrtum sind. Kferstein Ich soll Ihnen sagen, meine Damen, da Sie wahrscheinlich bezglich des Namens im Irrtum sind. Die Piperkarcka heftig, verweint. Hat Kindchen in Flege! Hat mein Kindchen in Flege jehabt. Is Herr von die Stadt jekommen, hat jesacht, da Kindchen in schlechte Hnde, verwahrlost is. Hat mich mein Kindeken zujrunde jerichtet. Direktor Hassenreuter Sie mssen unbedingt, meine Damen, bezglich des Namens der Frau, von der Sie reden, im Irrtum sein. Frau Maurerpolier John hat kein Kind in Pflege. Die Piperkarcka Hat mein Kindchen in Klauen jehabt, hat verhungern lassen, zujrunde jerichtet! Will sehn Frau John. Will auf Kopf draufsagen! Soll mich jesund machen kleinet Kind! Mu vor Jericht! Herr hat jesacht, mussen jehn an Jerichtstelle anzeichen. Direktor Hassenreuter Ich bitte Sie, sich nicht aufzuregen. Tatsache ist: Sie irren sich! Wie kommen Sie nur auf den Gedanken, meine Damen, da Frau John ein Kindchen in Pflege hat? Die Piperkarcka Weil ick ihr selbst berjeben habe. Direktor Hassenreuter Frau John hat aber doch ihr eigenes Kind, mit dem sie, wie mir jetzt einfllt, auf Besuch zu der Schwester ihres Gatten zu gehen beabsichtigte. Die Piperkarcka Hat kein Kind. Janz und jar nich, Frau John. Ick jeh unten auf Polizeibureau. Hat jelogen, betrogen. Hat kein Kind. Hat mich mein Aloischen zujrunde jerichtet. Direktor Hassenreuter Bei Gott, meine Damen, Sie irren sich. Die Piperkarcka Glaubt mich kein Mensch, da ich Kindchen jehabt habe. Hat mich mein Brutijam Brief jeschrieben, da nich wahr is, da schlechtes, verlogenes Frauenzimmer bin. -- (Sie berhrt das Tragbettchen.) -- Is mein! will nachweisen vor Jericht! Will schwren bei heilige Mutter Jottes. Direktor Hassenreuter Decken Sie doch mal auf, das Kind. -- (Es geschieht. Direktor Hassenreuter betrachtet den Sugling aufmerksam.) -- Hm! Die Sache wird sich bald aufklren, sicherlich! -- Erstens ... ich kenne Frau John! -- htte Frau John diesen Sugling in Pflege gehabt, er knnte ganz unmglich so aussehn! ganz einfach, weil Frau John, soweit Kinder in Frage kommen, das Herz auf dem rechten Flecke hat. Die Piperkarcka Will sprechen Frau John. Weiter sagen nichts. Brauche mir nicht vor alle Welt aufdecken. Alles will haarklein vor Jericht will aussagen, Tag, Stunde, auch janz jenau Ort, wo jeboren is! Jlauben mir: sollten wohl Augen aufreien. Direktor Hassenreuter Sie meinen also, mein Frulein, wenn ich Sie recht verstehe, die Frau John besitze kein eigenes Kind, und das, was dafr gegolten hat, wre das Ihre. Die Piperkarcka Schlag Blitz mich nieder, wenn nich so is. Direktor Hassenreuter Und dies hier sei eben das strittige Kind? Gott mge Sie diesmal nicht beim Wort nehmen! -- Nmlich, wie Sie mich sehen, ich bin der Direktor Hassenreuter, und ich habe persnlich das Kind meiner Aufwartefrau, der Frau John, drei- oder viermal in Hnden gehabt. Ich hab' es sogar auf der Wage gewogen. Es wiegt ber acht Pfund. Dieses arme Wurm hier drfte noch nicht zwei Kilo wiegen. Auf Grund dieses Umstandes versichere ich Ihnen, dies hier ist in der Tat nicht das Kind der Frau John. Es mag richtig sein, da es das Ihre ist. Ich knnte das schlechterdings nicht bezweifeln. Das Kind der Frau John aber kenne ich und bin sicher, da es mit diesem durchaus nicht identisch ist. Frau Kielbacke respektvoll. Nee nee, det mu wahr sind: et is nich identisch. Die Piperkarcka Det Kindken is janz jenug identisch, wenn och bichen schlecht jenhrt und schwchlich is. Det is janz richtig hier mit det Kind! Will Eid schwren, da richtig identisch is. Direktor Hassenreuter Ich bin sprachlos. -- (Zu den Schlern.) -- Unser Unterricht steht heute unter einem feindlichen Stern, werte Jnglinge! Ich wei nicht wieso, aber der Irrtum der Damen beschftigt mich. -- (Zu den Frauen.) -- Sie werden sich in der Tr geirrt haben. Frau Kielbacke Ick ha selbst mit det Freilein und mit den Herrn von die Vormundschaft det Kindeken aus die Stube mit Schild Frau Mauerpolier John uf'n Hausflur jeholt. Frau John war nich da und Mauerpolier John ist in Altona abwesend. Schutzmann Schierke kommt, behbig und gemtlich. Direktor Hassenreuter Ah, da ist ja Herr Schierke! Was wnschen Sie denn? Schierke Herr Direkter, ick habe erfahren, det zwee Frauensleute hier oben jeflichtet sind. Direktor Hassenreuter Zwei Frauen sind hier. Aber wieso denn geflchtet? Frau Kielbacke Wir sind nich jeflichtet. Direktor Hassenreuter Sie fragten nach meiner Aufwrterin. Schierke Erlauben Se, det ich se och mal wat frache. Direktor Hassenreuter Bitte. Die Piperkarcka La er man frachen. Deswechen kann ruhig sind. Schierke zur Frau Kielbacke. Wie heien Sie? Frau Kielbacke Ick bin Frau Kielbacke. Schierke Woll von det Landeskindererziehungsheim. Wo wohnen Sie? Frau Kielbacke In de Linienstrae neun. Schierke Ist das Ihr Kind, was Sie bei sich haben? Frau Kielbacke Det is Freilein von Piperkarcka ihr Kind. Schierke zur Piperkarcka. Ihr Name? Die Piperkarcka Paula von Piperkarcka aus Skorzenin. Schierke Die Frau will behaupten, das wre Ihr Kind. Wollen Sie das also auch behaupten? Die Piperkarcka Herr Schutzmann, ick mu erjebenst um Schutz bitten, weil hier unrechtmigerweise verdchtigt bin. Is Herr von die Stadt mit mich hier jewesen. Haben mein Kind aus Stube Frau John, wo in Flege jewesen, rausjeholt ... Schierke mit durchbohrendem Blick. Et kann och die Tire jejenber bei de Restaurateurswitwe Knobbe jewesen sind. Wer wee, wat Sie mit det Kindeken vorhaben, wovon Sie abjesandt und bestochen sind. 'N jutes Jewissen haben Se nich. Jenommen un denn hier rufjeschlichen, weil det die rechtmige Mutter, Witwe Knobbe, wo bestohlen is, Treppen und Jnge absuchen, und weil schrg jejenber Polizeiwache is. Die Piperkarcka Is mich janz jleichgiltig Polizeiwache, bin ... Direktor Hassenreuter Sie sind widerlegt, meine beste Person! Wollen Sie denn das gar nicht begreifen? Sie sagen, unsere John htte kein Kind. Sie sagen, wollen Sie bitte geflligst aufpassen, Sie htten Ihr Kind, das angeblich fr das von Frau John gegolten habe, aus Frau Johns Zimmer herausgeholt! Nun also: wir alle hier kennen Frau Johns Kind und das, was Sie da haben, ist ein anderes! Verstanden?! Was Sie behaupten also, kann, nach Adam Riese unter gar keinen Umstnden zutreffend sein! -- brigens wr mir's jetzt lieb, Herr Schierke, Sie nehmen die Damen mit sich fort, und ich knnte hier meinen Unterricht fortsetzen. Schierke Ja, denn kommen wir blo mang die Knobben mit ihren Anhang rin. Nmlich das Kind ist jestohlen worden. Die Piperkarcka Aber nich von mich. Is jeraubt von Frau John. Schierke Schon jut! -- (Unbeirrt zum Direktor.) -- Und es soll ja, wie't heet, von Vaters Seite, blaubltig sind. Die Knobbe meent ja, et is 'n Komplott von Feinde, weil man ihr die Rente un womeglich Kadettenerziehung in 'ne jewisse Jejend nich jennen dut. -- (Es wird mit Fusten an die Tr geschlagen.) -- Det is de Knobbe. Da is se schonn. Direktor Hassenreuter Herr Schierke, Sie sind mir verantwortlich: dringen die Leute bei mir ein und erleide ich eine Schdigung, so wende ich mich an den Polizeiprsidenten: ich bin mit Herrn Maddei gut bekannt. Keine Furcht, liebe Kinder, ihr seid meine Kronzeugen. Schierke an der Tr. Drauen jeblieben! Hier rin kommen Se nich. Ein kleiner Janhagel heult auf. Die Piperkarcka Soll schreien, was will, blo mein Kindchen nich nah kommen. Direktor Hassenreuter Es ist besser so. Treten Sie einstweilen hier in die Bibliothek hinein. -- (Er bringt die Piperkarcka, die Kielbacke und das Kind in die Bibliothek.) -- Und jetzt, Herr Schierke, wollen wir meinethalben diese Megre da drauen herein lassen. Schierke der die Tr ein wenig ffnet. So! Aber blo de Knobben! Komm Se mal rin. Frau Sidonie Knobbe erscheint. Sie ist eine hohe, abgezehrte Erscheinung mit stark ramponierter modischer Sommertoilette. Ihr Gesicht trgt die Stigmata der Strae, zeugt aber brigens nicht von schlechter Abkunft. Ihre Allren sind merkwrdig damenhaft. Sie redet mit Affektation, ihre Augen deuten auf Alkohol und Morphium. Frau Knobbe indem sie hereingesegelt kommt. Es ist keine Ursache zur Besorgnis, Herr Direktor. Vorwiegend sind es kleine Jungens und kleine Mdchen, da ich kinderlieb bin, wie Sie wissen, die mit mir gekommen sind. Verzeihen Sie gtigst, wenn ich hier eindringe. Eines der Kinder sagte mir, es htten sich zwei Frauen mit meinem Shnchen zu Ihnen heraufgeschlichen. Ich suche mein Shnchen, genannt Helfgott Gundofried, da es tatschlich aus meiner Wohnung verschwunden ist. Ich mchte Sie aber nicht inkommodieren. Schierke Darum wollt' ick och janz jehorsamst bitten, verstehn Se mich. Frau Knobbe diese Worte mit hochmtiger Kopfbewegung bergehend. Ich habe unten im Hof zu meinem Leidwesen einen gewissen Lrm erregt. Man berblickt von da aus die Fenster, und ich habe mich bei den Leuten erkundigt, bei der armen Zigarrenarbeiterin im zweiten Stock, bei der kleinen schwindschtigen Nherin am Fenster im dritten Stock, ob meine Selma mit meinem Shnchen etwa bei ihnen ist. Es liegt mir fern, Skandal zu erregen. -- Sie mssen wissen, Herr Direktor -- ich wei sehr wohl, da ich hier unter den Augen eines Mannes von Bedeutung, ja, eines berhmten Mannes bin! -- Sie mssen wissen, ich bin, was Helfgott Gundofried angeht, gezwungen, auf meiner Hut zu sein! -- (Mit schwankender Stimme, das Taschentuch zuweilen an die Augen fhrend.) -- Ich bin eine arme, vom Schicksal verfolgte Frau, mein Herr, die gesunken ist und die bessere Tage gesehen hat. Aber ich will Sie damit nicht langweilen. Ich werde verfolgt! man will mir die letzte Hoffnung nun auch rauben. Schierke Sagen Se kurz, wat Se wnschen. Sputen Se sich. Frau Knobbe wie vorher. Nicht genug: man hat mich veranlat, hat mich gezwungen, meinen ehrlichen Namen abzulegen. Ich habe dann in Paris gelebt und schlielich einen brutalen Menschen geheiratet, den Pchter von einem sddeutschen Schtzenhaus, weil ich den blden Gedanken hatte, in meinen Angelegenheiten dadurch gebessert zu sein. O diese Schurken von Mnnern, Herr Direktor!! Schierke Det fihrt zu weit. Menagieren Se sich. Frau Knobbe Es freut mich, da ich Gelegenheit finde, endlich mal wieder einem Manne von Bildung und Geist in die Augen zu sehn. Mein Herr, ich knnte Ihnen eine Geschichte vortragen ... im Volksmund heie ich hier die Grfin, und Gott ist mein Zeuge, in meiner frhen Jugend war ich nicht weit entfernt davon! Eine Zeitlang war ich auch Schauspielerin! Wie sagte ich: eine Geschichte vortragen aus meinem Leben, aus meiner Vergangenheit, die den Vorzug hat, nicht erfunden zu sein. Schierke Na wer wee och. Frau Knobbe mit Emphase. Mein Elend ist nicht erfunden. Trotzdem es erfunden klingt, wenn ich sage, wie ich eines Nachts im tiefsten Abgrunde meiner Schande einen Vetter, einen Jugendgespielen, der jetzt Garderittmeister ist, nachts auf der Strae traf. Er lebt oberirdisch, ich unterirdisch, seit mich mein adelstolzer Herr Vater verstie, nachdem ich als junges Ding einen Fall getan hatte. O Sie ahnen nicht, welcher Stumpfsinn, welche Roheit, welche Gemeinheit in meinen Kreisen blich ist. Ich bin ein zertretener Wurm, Herr Direktor, und doch, dorthin, nach diesem glnzenden Elend, sehne ich mich nicht eine Sekunde zurck. Schierke Nun woll'n wir jeflligst zur Sache kommen. Direktor Hassenreuter Bitte, Herr Schierke, mich interessiert das! unterbrechen Sie zunchst mal die Dame nicht -- (zur Knobbe) -- Sie hatten von Ihrem Vetter gesprochen. Sagten Sie nicht, da er Garderittmeister ist? Frau Knobbe Er war in Zivil. Er ist Garderittmeister. Er erkannte mich, und wir feierten schmerzlich selige Stunden alter Erinnerung. In seiner Begleitung befand sich -- ich nenne den Namen nicht! -- ein blutjunger Leutnant. Kerlchen wie Milch und Blut, aber zart und schwermtig. Herr Direktor, ich habe die Scham verlernt! man hat mich neulich sogar aus einer Kirche herausgewiesen: warum soll eine so zertretene, entehrte, verlassene, mehrmals vorbestrafte Person vor Ihnen nicht offen bekennen, da er der Vater meines Helfgott Gundofried geworden ist. Direktor Hassenreuter Des Kindes, das Ihnen entwendet wurde? Frau Knobbe Wie die Leute sagen. Es kann ja sein! ich selbst, obgleich meine Feinde mchtig sind und jedwedes Mittel in der Hand haben, ich bin noch nicht ganz berzeugt davon. Vielleicht ist es aber doch ein Komplott, von den Eltern des Vaters angezettelt, Menschen, die, Sie wrden erstaunen, Trger eines der ltesten und berhmtesten Namens und Geschlechtes sind. Adieu! Herr Direktor, was Sie auch von mir hren sollten, denken Sie nicht, mein besseres Fhlen ist in dem Sumpfe total erstickt, in den ich mich strzen mu. Ich brauche den Sumpf, wo ich gleich und gleich mit dem Abschaum der Menschheit bin. Da, hier -- (sie weist ihren nackten Arm vor) -- vergessen! Betubung! Ich verschaffe es mir mittels Chloral, mittels Morphium! Ich finde es in den menschlichen Abgrnden. Warum nicht? wem bin ich verantwortlich? Einst wurde meine geliebte Mama meinetwegen von meinem Vater heruntergemacht! Die Bonne bekam meinetwegen Krampfanflle! Mademoiselle und eine englische Mi rissen sich, weil jede behauptete, da ich sie mehr liebte, in der Wut gegenseitig die Chignons vom Kopf. Jetzt ... Schierke Sage ick Ihnen, jetzt hren Se uf: wir kenn hier Leute nich Freiheit berauben. -- (Er ffnet die Bibliothekstr.) -- Jetzt sagen Se, ob det hier Ihr Kindeken is. Zuerst tritt die Piperkarcka mit haerfllten Augen, Frau Knobbe anstarrend, aus der Tr. Die Kielbacke mit dem Kinde folgt. Schierke nimmt das Tuch von dem Kindchen. Die Piperkarcka Was wollen von mich? Was kommen mir nachsetzen? Bin ick Zijeuner? Sollen wohl Kinder stehlen in Huser jehn? Was? Sind nich gescheit! Werden mich schn hten! Hab' selber fr mich und mein Kind kaum Essen jenug! Wer 'rumjehn, wer fremde Kinder auflesen und jro fttern, wo eijnes mir schon jenug Kummer und rjer macht. Frau Knobbe glotzt, sieht sich fragend und hilfesuchend um. Holt dann schnell ein Flakon aus der Tasche und giet den Inhalt auf ihr Schnupftuch. Das Schnupftuch fhrt sie dann an Mund und Nase und saugt den Duft des Parfms, um nicht ohnmchtig zu werden. Hierauf glotzt sie wie vorher. Direktor Hassenreuter Ja warum sprechen Sie nicht, Frau Knobbe? Das Mdchen behauptet, da sie selbst und nicht Sie, Frau Knobbe, Mutter des kleinen Kindes ist. Frau Knobbe erhebt den Schirm, um damit zu schlagen. Man fllt ihr in den Arm. Schierke Det jibt's nich! Det is hier nich Kindererziehung! Det machen Se, wenn Se unter sich in de Kinderstube alleene sind! -- Die Hauptsache bleibt, wen jehert hier det Kind? -- Und nu ... und jetzt ... Frau verwitwete Knobbe, ieberlechen Se sich, det Se hier reenste Wahrheit sachen! So! Is et Ihret? oder 'n fremdet Kind? Frau Knobbe bricht los. Ich schwre bei der heiligen Mutter Gottes, bei Jesus Christus, Vater, Sohn und heiliger Geist, da ich Mutter von diesem Kinde bin. Die Piperkarcka Und ick schwre bei heilije Mutter Jottes ... Direktor Hassenreuter Halt, Frulein, retten Sie Ihre Seele! -- Es mag meinethalben ein Fall von den allerverwickeltsten Umstnden sein! Sie schwren dabei vielleicht vollstndig gutglubig, aber Sie werden mir das gewi zugeben: jede von Ihnen knnte zwar die Mutter von Zwillingen sein -- ein Kind mit zwei Mttern ist nicht zu denken! Walburga die unverwandt und starr, gleich Frau Knobbe, aus der Nhe das Kind betrachtet. Papa! Papa! So sieh doch mal erst das Kind. Frau Kielbacke weinerlich, entsetzt. Ja, det Kindeken stirbt schon jlob ick, seit ick hier drin im Zimmer jewesen bin. Schierke Wat? Direktor Hassenreuter Wie? -- (Er tritt energisch nher und betrachtet einige Zeit ebenfalls das Kind.) -- Das Kindchen ist tot! Das ist ohne Frage! -- Hier ist ohne Zweifel einer gewesen, unsichtbar, der ber das unbeteiligte arme, kleine Streitobjekt ein wahrhaft salomonisches Urteil gesprochen hat. Die Piperkarcka versteht nicht. Wat jiebt denn? Schierke Ruhe! -- Komm Sie mit. Frau Knobbe scheint die Sprache verloren zu haben. Sie steckt ihr Taschentuch in den Mund. Tief in ihrer Brust rchelt es. Schierke, die Kielbacke mit dem toten Kinde, gefolgt von Frau Knobbe und der Piperkarcka ab. Man hrt Gemurmel auf dem Flur. Der Direktor kommt wieder, nachdem er hinter den Abgehenden die Tr verschlossen hat. Direktor Hassenreuter _Sic eunt fata hominum._ Erfinden Sie so was mal, guter Spitta. Vierter Akt Die Wohnung des Maurerpoliers John, wie im zweiten Akt. Es ist frh gegen acht Uhr Sonntags. Maurerpolier John befindet sich unsichtbar hinter dem Verschlage. Man kann aus seinem Planschen und Prusten entnehmen, da er bei der Morgenwsche ist. Quaquaro ist eben eingetreten und hat die Klinke der Flurtr in der Hand. Quaquaro Sache ma, is deine Frau zu Hause, Paul? John hinterm Verschlag. Noch nich, Emil. Meine Frau is mit den Jungen bei meine verheirate Schwester in Hangelsberg. Will aber heut morchen noch wiederkomm. -- (John erscheint, sich abtrocknend, in der Tr des Verschlages.) Schen juten Morchen, Emil. Quaquaro Morchen, Paul. John Na wat jibt et Neies? Ick bin vor 'ne halbe Stunde erst von de Bahn aus Hamburch jekomm. Quaquaro Ick sah dir ins Haus jehn un Treppe rufsteichen. John aufgerumt. Na ja, Emil, du bist eben so 'n richticher Zerberus. Quaquaro Sache ma, Paul: wie lange is deine Frau mit det Kleene in Hangelsberg? John I, det mu so um die acht Dache so rum sind, Emil. Wiste wat von ehr? Miete hat se doch woll richtich abjefhrt. Ibrigens kann ick jleich kindigen, Emil. Denn et is nu so weit: wir ziehn an erschten Oktober. Ick ha Muttern nu endlich breit jekricht, det wir aus det olle wacklige Staatsjebude raus und in 'ne bere Jejend ziehn. Quaquaro Nach Altona wiste nu nich mehr zurick? John Nee! bleibe in Lande und nhre dir redlich! Ick jeh nich mehr auswrts! Nich in die Hand! -- Schon erstlich: immer uf Schlafstelle rumdricken! und denn och: jinger wird eener nich! De Mchens wolln och all nich mehr recht mehr so anbeien ... Nee nee, et is jut so, det ma det ewiche Wanderleben zu Ende is. Quaquaro Deine Frau hat et jut anjeschlachen, Paul. John gut gelaunt. Na, junge Ehe, wo ebent erst Kindchen jekomm is!? Ick ha zum Meester jesacht: ick bin jung verheirat! Denn hat er jefracht, ob meine erschte Frau jestorben is? O kontrr! Janz in't Jejenteil, hab' ick jeantwort: die is so lebendig und quietschfidel, die hat sojar noch 'ne quietschfidelen kleenen Berliner zujekricht! -- Wie ick heute Morchen, Berlin--Hamburg--Stendal--ltzen zum letztenmal uf'n Lehrter Bahnhof mit mein janzes Zeug aus de vierte Klasse jestiegen bin, hab' ick 'n lieben Jott, der Deibel hol mir! so alt wie ick bin, mit een Seufzer jedankt. Er wird ihm wohl bei den Lrm uf'n Lehrter nich jehert haben. Quaquaro Haste jehert, Paul, det drieben de Knobbe ihr Jngstes och wieder mit Dot abjejang is? John Nee! Wie soll ick da von wat jehert haben. Aber wenn et dot is, denn is et doch jut, Emil. Als ick det Wurm vor acht Dache jesehn habe, wo Krmpfe hatte und Selma jekomm is und ick und Mutter haben ihm noch'n Lffel Zuckerwasser injejossen, da war et doch schon reichlich reif for't Himmelreich. Quaquaro Sache ma, haste denn von die Umstnde jar nich jehert, wie und wo det Kindchen zu Dode jekomm is? John Nee! -- (Er zieht eine lange Tabakspfeife hinter dem Sofa hervor.) -- Wart ma! ick brenne mir erst ma 'ne Pipe an. Nee! wo soll ick da von wat jehert haben. Quaquaro Ick verwunder mir aber doch, det deine Frau dir nischt von jeschrieben hat. John I, mit Jette und mit die Knobbekinder is det, seit det mir 'n eegnet Kind haben, bei Muttern uf eema wie abjeschnappt. Quaquaro lauernd. Deine Frau wollte ja doch immer brennend jerne 'n Sohn haben. John Na det is och! Meenste woll etwa, ick nich? For wat rackert eens denn? For wat schind ick mir denn? Det is doch wat anders, wenn 'n scheenet rundet Stck Jeld for'n eijnen Sohn oder for Schwesterkinder ufjespart bleiben dut. Quaquaro Weeste denn nich, det 'n fremdet Mchen jekomm is, Paul, und hat behauptet, det det Kind von de Knobbe jar nich ihr eechnet, sondern det Kind von det fremde Mchen jewesen is? John Nanu? De Knobben und Kinderstehlen? Wenn't Mutter wr! aber de Knobben doch nich. Sach ma, Emil, wat is denn det for 'ne Jeschichte. Quaquaro Na, nu, d'r eene sagt so, d'r andre sagt so. De Knobben sagt, det von een Komplott mit Detektivs aus jewisse Kreise det kleene Balch nachjestellt worden is. Un det is nu ja och richtig janz festjestellt: et war det Kind von de Knobben jewesen! -- Kannst du mich irgendeenen Wink jeben, wo de letzten Dache dein Schwager is? John Meenste dem Schlachtermeester in Hangelsberg? Quaquaro I nee, durchaus nich wat der Mann von deine Schwester, sondern von deine Frau der Bruder is. John Da meenst du Brunon? Quaquaro Jewi doch. John Na, noch wat, da kimmere ick mir noch wat eher drum, ob de Hunde noch immer bei Prellsteine jehn. Von Brunon will ick weiter nischt wissen. Quaquaro Her mich ma zu, Paul. rjer dir nich. Nmlich uf Polizeistelle is bekannt, det Bruno mit det polnische Mchen, wo uf det Kindeken Anspruch machen wollte, jleich neulich hier vor de Haustr und dann och an eene jewisse Stelle von de Uferstrae, wo de Jerber de Felle wegschwimmen, jemeinsam jesichtet is. Nu is det Mchen janz jnzlich verschwunden. Weiter wat Nheres wee ick nu freilich nich! Blo det se von Polizei wechen det Mchen suchen. John stellt entschlossen die lange Pfeife weg, die er sich angesteckt hatte. Ick wee nich, ick ha keen Justo heut morchen! -- Ick wee nich, wat in mir jefahren hat, ick war so verjngt wie'n Eckensteher. Uf eemal is mich so kodderig zumut, det ick an liebsten jleich wieder nach Hamburg mechte un jar nischt weiter heren und sehn! -- Wat kommst de denn mir, Emil, mit so 'ne Jeschichten? Quaquaro Ick wollte dir man blo biken ufklren, wat inzwischen, wo ja du un wohl ja och deine Frau auswrts jewesen is, in deine Behausung jeschehn is. John In meine Behausung? Quaquaro Det is ja! Jawoll! Selma hatte ja, heet et, det Knobbesche Jungchen in Kinderwachen hier rieberjeschoben, wo et det fremde Frauenzimmer mit ihre Begleitung aus deine Wohnung jenommen und wechjetragen hat. Oben bei de Kammedienspieler is se ja dann noch jlicklich jestellt worden. John Wat is se? Quaquaro Und da haben sich och de Knobbe un det fremde Mchen ieber det dote Kind bei de Haare jekricht. John Wenn ick man wite, wat mir det soll, Emil, wo doch alle Ochenblicke hier mit Frauenzimmer een Jewrge is. La se man kampeln! Mir is det jleichjiltig! Nmlich, Emil, wenn da nich sonst wat dahinter is!? Quaquaro Deshalb komm ick ja, Paul! Et is wat dahinter! Det Mchen hat nmlich mehrmals vor Zeuchen ausjesacht: erstlich, det Wurm von de Knobbe, det wr ihr Kind und det htt' se ausdricklich bei deine Frau, Paul, in de Flege jejeben. John stutzt, lacht befreit. Der pickt et! der is woll ma nich janz unwohl jeworden! Erich Spitta kommt. Spitta Guten Morgen, Herr John. John Juten Morchen, Herr Spitta. -- (Zu Quaquaro, der noch in der geffneten Tr steht.) -- 'S jut, Emil! Ick wer mir wissen zu richten nach. Quaquaro ab. John fhrt fort. Nu sehn Se ma so 'n Mnneken, Herr Spitta! Mit een Fu steht er in't Jefngnis, mit 'n andern is er Liebkind beim Bezirkskommissar uf't Polizeibro! un denn jeht er bei ehrliche Leute rumschnffeln. Spitta Hat Frulein Walburga Hassenreuter nach mir gefragt, Herr John? John Bis jetzt noch nich. Nee, det ick nich wite! -- (Er ffnet die Flurtr.) -- Selma! -- Entschuldjen Se mir ma 'n Ojenblick. -- Selma! -- Ick mu ma det Mchen wat aushorchen. Selma Knobbe kommt. Selma noch in der Tr. Wat is? John Mach ma de Tir zu, komm ma 'n biken 'rin! Un nu sach mal, Mchen, wat det hier in de Stube mit dein kleenet verstorbenet Briderchen und mit det fremde Weibsbild jewesen is. Selma die, mit merkbar schlechtem Gewissen, lauernd nher getreten ist, jetzt sehr wortgewandt. Ick hatte den Kinderwachen hier rieber jeschoben. Ihre Frau war nicht da und da dacht ick, det hier drieben, wo doch det Briderken sowieso krank war und immer schrie, det hier drieben bei Sie mehr Ruhe is. Nu kam een Herr un kam eene Dame un noch 'ne Frau kam uf eemal hier rin. Und denn ha'm se det Kindeken hier aus 'n Wachen raus, frische Wsche jewickelt un mit fortjenomm. John Und denn hat die Dame jesacht, et wr ihr Kind und se htt' et bei Muttern, als wie det meine Olle is, htt' se's, sagt se, in Flege jejeben? Selma lgt. I, jar keene Ahnung, da wit ick wat von. John schlgt auf den Tisch. Na zum Kreuzdonnerwetter, det wr ja och bledsinnig. Spitta Erlauben Sie mal, das hat sie gesagt: wenn nmlich von dem Vorfall zwischen den beiden Frauen oben bei Direktor Hassenreuter die Rede ist. John Det haben Se mit anjesehn, Herr Spitta, wo de Knobben und de andere um det Wrmchen jezerjelt hat? Spitta Allerdings. Das hab' ich mit angesehn. Selma Weiter kann ick nischt sachen, und wenn mir och Schutzmann Schierke und meinswechen der lange Polizeileitnam janzem zwee Stunden und lnger verhren dut. Ick wee eben nischt. Ick kann eben nischt sachen. John 'N Polizeileitnam hat dir ausjefracht? Selma knutscht. Se wollen doch Maman in Kasten bringen, weil et Leute anjezeicht un jelogen haben, det unser Kindeken vahungert is. John Ach! so! -- Na Selma, jeh, la ma 'n Kaffee durchlofen. Selma begibt sich an den Herd, wo sie den Kaffee fr John zubereitet. John selbst geht an den Arbeitstisch, nimmt den Zirkel und zieht dann mit der Schiene einige Linien. Spitta mit berwindung. Eigentlich hoffte ich Ihre Frau hier zu treffen, Herr John. Mir hat jemand gesagt, Ihre Frau htte gegen Sicherheit mitunter kleine Betrge an Studenten geliehen. Ich bin nmlich in Verlegenheit. John Det mag sind. Aber det is Mutterns Sache, Herr Spitta. Spitta Ganz offen gesagt, wenn ich bis heute abend kein Geld schaffe, werden meine paar Bcher und Habseligkeiten von meiner Zimmerwirtin mit Beschlag belegt und man setzt mich eigentlich auf die Strae. John Ick denke Ihr Vater ist Paster, Herr Spitta. Spitta Das ist er. Aber gerade deshalb, und weil ich selber nicht Pastor werden mag, habe ich gestern abend einen furchtbaren Krach mit meinem Vater gehabt. Ich werde von ihm keinen Pfennig mehr annehmen. John arbeitend. Det jeschieht Vatern recht, wenn ick verhungern tu oder 'n Hals breche. Spitta Ein Mensch wie ich, wird nicht verhungern, Herr John. Geh ich aber zugrunde, so ist mir's auch gleichgltig. John Det jlobt eener nich, wat unter euch Studenten for ausjehungerte arme Ludersch sind. Aber keener will wat Reelles anfassen. -- (Ferner Donner. John blickt durchs Fenster.) -- Heute wird schwule. Et donnert schon. Spitta Von mir drfen Sie das nicht sagen, Herr John, da ich etwas Reelles nicht anfassen mchte: Stunden geben! fr Geschfte Adressen schreiben! Ich habe das alles schon durchgemacht und damit, wie mit manchem anderen Versuch, nicht nur Tage sondern auch Nchte um die Ohren geschlagen. Dabei hab' ich gebffelt und Bcher gewlzt. John Mensch, jeh nach Hamburg und la dir als Maurer instellen! Wie ick so alt war wie Sie, ha ick in Altona in Akkord schon bis zwelf Mark tglich verdient. Spitta Das mag sein. Aber ich bin Geistesarbeiter. John Det kennt man. Spitta So?! Mir scheint nicht, da Sie das kennen, Herr John. Vergessen Sie aber bitte nicht: Ihre Herrn Bebel und Liebknecht sind auch Geistesarbeiter. John Na jut! Denn komm Se! denn wollen wir man wenigstens frhstcken. Allens sieht sich janz andersch an, wenn det eener 'n Happenpappen jefrhstckt hat. Se haben woll noch nich jefrhstckt, Herr Spitta? Spitta Nein, offen gestanden, heute noch nicht. John Na denn machen Se man det Se wat Warmes in Leib kriechen. Spitta Das hat Zeit. John I nee, Se sehen sehr vakatert aus. Und ick ha och die Nacht uf de Bahn jelejen. -- (Zu Selma, die ein Leinwandsckchen mit Semmeln hereingeholt hat.) -- Bring ma schnell noch 'ne Tasse ran. Er hat breit auf dem Sofa Platz genommen, tunkt Semmel ein und trinkt Kaffee. Spitta der noch nicht Platz nimmt. Eine Sommernacht bringt man doch lieber im Freien zu, wenn man im brigen doch nicht schlafen kann. Und ich habe nicht eine Minute geschlafen. John Dem wollt ick ma sehn, der in Dalles is und jut schlafen kann! Wer in Dalles is, hat och in Freien de meeste Jesellschaft. -- (Er vergit pltzlich zu kauen.) -- Komm ma her, Selma, sache nochma janz jenau, wie det mit det fremde Mchen und det fremde Kind, det se hier aus de Stube jeholt hat, jewesen is. Selma Ick wee nich, det frcht mich 'n jeder, frcht mir Mama jetzt 'n lieben langen Dach! ob ick Brunon Mechelke jesehn habe! ob ick wissen soll, wer oben uf'n Boden bei de Kammedienspieler Kleider jestohlen hat! Wenn det so fortjeht ... John energisch. Mchen, wat haste nich Lrm jeschlagen, wie der Herr und det Freilein dir dein Brderken aus'n Wachen jenommen hat? Selma Jeschieht ihm ja nischt, dacht ick! krist ma reene Wsche. John fat Selma beim Handgelenk. Na nu komm ma mit, wollen ma rieber bei deine Mutter jehn. John mit Selma an der Hand ab. Sobald John verschwunden ist, fllt Spitta ber das Frhstck her. Bald darauf erscheint Walburga. Sie ist in groer Eile und sehr aufgeregt. Walburga Bist du allein? Spitta Augenblicklich ja. Guten Morgen, Walburga. Walburga Komm ich zu spt? Ich habe mich ja nur mit der allergrten Schlauheit, mit der allergrten Entschlossenheit, mit der allergrten Rcksichtslosigkeit, komme was wolle, von Hause losgemacht. Meine jngere Schwester hat mir die Tr vertreten. Das Dienstmdchen! Ich sagte aber zu Mama, wenn sie mich nicht durch das Entree hinauslieen, so mchten sie nur die Fenster vergittern: sonst wrde ich drei Stock hoch durchs Fenster direkt auf die Strae gehn. Ich fliege. Ich bin mehr tot wie lebendig. Aber ich bin zum letzten bereit. Wie war es mit deinem Vater, Erich? Spitta Wir sind auseinander. Er meinte, ich wrde Treber fressen wie weiland der verlorene Sohn, und ich mchte mir ja nicht einfallen lassen, als Luftspringer oder Kunstreiter, wie er sich auszudrcken beliebt, jemals wieder die Schwelle des Vaterhauses betreten zu wollen. Fr Gesindel ffne sich seine Haustr nicht. Ich werd's verwinden! Nur meine arme gute Mutter bedaure ich. -- Du kannst dir nicht denken, mit welchem abgrundtiefen Ha ein solcher Mann gegen alles und alles, was mit dem Theater zusammenhngt, geladen ist! Der schrecklichste Fluch ist ihm nicht stark genug. Ein Schauspieler ist in seinen Augen von vornherein der allerverchtlichste, schlechteste Lumpenhund, der sich denken lt. Walburga Ich habe auch nun herausgekriegt, wie Papa dahintergekommen ist. Spitta Mein Vater hat ihm dein Bild gegeben. Walburga Erich, Erich, wenn du wtest, mit welchen schrecklichen, mit welchen grauenvollen Ausdrcken mich Papa in der Wut berschttet hat, und ich mute zu allem stillschweigen. Ich htte ihm etwas sagen knnen, das htte ihn vielleicht mit seinen Tiraden von hoher Moral stumm und hilflos vor mir gemacht. Beinahe wollt' ich es auch: doch ich schmte mich so entsetzlich fr ihn! Meine Zunge versagte! Ich konnte nicht, Erich! Mama mute schlielich dazwischentreten. Er hat mich geschlagen. Er hat mich acht oder neun Stunden lang in den finsteren Alkoven eingesperrt, um meinen Trotz zu brechen, wie er sagt, Erich. Nun, das gelingt ihm nicht, Erich! Er bricht ihn nicht. Spitta nimmt Walburga in den Arm. Du Brave! du Tapfere! Siehst du, jetzt wei ich erst, was ich an dir besitze! wei ich erst, was fr ein Schatz du eigentlich bist. -- (hei) -- Und wie schn du aussiehst, Walburga. Walburga Nicht! Nicht! -- Ich vertraue dir, Erich, weiter ist es doch nichts. Spitta Und du sollst dich nicht tuschen, se Walburga. Sieh mal, ein Mensch wie ich, in dem es grt und der was Besonderes, Dunkles, Groes will, was er einstweilen noch nicht recht deutlich machen kann, hat mit zwanzig Jahren die ganze Welt gegen sich und ist aller Welt lstig und lcherlich. Aber glaub' mir: einst wird das anders werden. In uns liegen die Keime. Der Boden lockert sich schon! Wir sind, wenn auch noch unterirdisch, die knftige Ernte! Wir sind die Zukunft! Die Zeit mu kommen, da wird die ganze weite, schne Welt unser sein. Walburga Sprich weiter, Erich, das ist mir so wohlttig. Spitta Walburga, ich habe gestern abend meinem Vater auch von der Leber weg die Anklage des Verbrechens an meiner Schwester ins Gesicht geschleudert. Das hat den Bruch unheilbar gemacht. Er sagte verstockt: von einer Tochter, wie der von mir geschilderten, wisse er nichts. Sie existiere in seiner Seele nicht und, wie es den Anschein habe, werde auch bald sein Sohn dort nicht mehr existieren. O diese Christen! O diese Diener des guten Hirten, der das verlorene Schaf doppelt zrtlich in seine Arme nahm! O du lieber Heiland, wie sind deine Worte verkehrt, deine ewigen Lehren in ihr Gegenteil umgeflscht worden. Aber als ich heut nacht bei Donnerrollen und Wetterleuchten auf einer Bank im Tiergarten sa und gewisse Berliner Hynen um mich herumschlichen, da fhlte ich die ruhelose und zertretene Seele meiner Schwester neben mir. Wie oft mag sie selbst im Leben Nchte hindurch obdachlos auf solchen Bnken und vielleicht auf derselben Tiergartenbank gesessen haben, um in ihrer Verlassenheit, Ausgestoenheit und Entwrdigung darber nachzudenken, wie triefend von Menschenliebe, triefend von Christentum zweitausend Jahre nach Christi Geburt diese allerchristlichste Welt sich manifestiert. Aber was sie auch dachte, ich denke so: Die arme Dirne, die Snderin, die vor neunundneunzig Gerechten geht, die von dem Drucke der Snde der Welt belastet ist, die arme Ausstzige und ihre frchterliche Anklage soll in meinem Inneren lebendig sein! Und alles Elend, allen Jammer der Gemihandelten und Entrechteten werfen wir mit in die Flamme hinein! Und so soll die Schwester leben, Walburga, und soll Herrlicheres wirken vor Gott durch das Ethos, das meine Seele beflgelt, als die ganze kalte, herzlos bse Moralpfafferei der Welt nicht vermag. Walburga Du warst die Nacht im Tiergarten, Erich? Deshalb sind deine Finger noch so eiskalt, und du siehst so entsetzlich mde aus. Erich, du mut mein Portemonnaie nehmen! Erich! nein bitte, du mut! Ich versichere dich! Was mein ist, ist dein! Sonst liebst du mich nicht, Erich! Erich, du darbst! Wenn du meine paar Groschen nicht nimmst, verweigere ich zu Hause jede Nahrung! bei Gott, ich tu's! bis du vernnftig wirst. Spitta wrgt Trnen hinunter. Mu sich setzen. Ich bin nur nervs. Ich bin abgespannt. Walburga steckt ihr Portemonnaie in seine Hosentasche. Nun sieh mal, Erich, deshalb habe ich dich eigentlich hier zu Frau John bestellt. Zu allem Unglck bekomme ich gestern noch hier diese gerichtliche Vorladung. Spitta betrachtet ein Schriftstck, das sie ihm gereicht hat. Du? Und weshalb denn das, sag' mal, Walburga. Walburga Ich bin mir sicher, da es mit den gestohlenen Sachen auf dem Oberboden zusammenhngt. Aber es macht mich furchtbar unruhig. Wenn Papa das erfhrt ... ja, was tu ich dann? Frau John, das Kind auf dem Arm, straenmig angezogen, sehr gehetzt, sehr verstaubt, kommt herein. Frau John erschrocken, mitrauisch, halblaut. Nu? Wat wollt ihr hier? Is Paul schon zu Hause? Ick war eben ma 'n biken mit det Kindken uf de Jasse jejangn. Sie trgt das Kind hinter den Verschlag. Walburga Bitte, Erich, sprich doch mal ber meine Vorladung mit Frau John. Frau John Paul is ja zu Hause, da liejen ja seine Sachen. Spitta Frulein Hassenreuter wollte Sie gern mal sprechen. Sie hat nmlich, wahrscheinlich wegen der gestohlenen Sachen, Sie wissen ja, auf dem Oberboden, eine gerichtliche Vorladung. Frau John tritt aus dem Verschlage. Wat? Eene Vorladung ham Sie jekricht, Freulein Walburga? Na, denn nehm sich in Obacht! Ick spae nich! un phantasieren Se womeglich von schwarzen Mann. Spitta Was Sie da sagen, Frau John, ist unverstndlich. Frau John zur huslichen Beschftigung bergehend. Habt ihr jehert, det drauen in eene Laubenkolonie vor't Hallesche Tor der Blitz heute morchen Mann, Frau und 'n Mchen von sieben unter eene hohe Pappel erschlagen hat? Spitta Nein, Frau John. Frau John Et pladdert schon wieder. Man hrt, wie ein Regenschauer niedergeht. Walburga ngstlich. Komm Erich, wir wollen trotzdem ins Freie gehn. Frau John lauter und lauter werdend. Und wissen Se wat: ick habe die Frau kurz vorher noch jesprochen, wo nachher von Blitze erschlachen is. Die hat jesacht -- nu hern Se ma zu, Herr Spitta .... een dotet Kindeken, det man in Kinderwachen legt und raus in die warme Sonne rickt -- det mu aber Sommersonne und Mittagssonne sind, Herr Spitta! -- det zieht Atem! det schreit! det is wieder lebendig! -- Det jloben Se nich? wat? det ha ick mit meine Ochen jesehn. Sie geht in eigentmlicher Weise im Kreise herum, ohne scheinbar mehr etwas von der Gegenwart der beiden jungen Leute zu wissen. Walburga Du, die John ist unheimlich, komm! Frau John noch lauter. Det jloben Se nich, det det wieder lebendig is? Denn kann Mutter kommen und nehmen. Denn mu et jleich Brust kriejen. Spitta Adieu, Frau John. Frau John noch lauter. Bringt, seltsam aufgeregt, die beiden jungen Leute bis zur Tr. Sie jloben det nich! Det is aber heilig so, Herr Spitta. Spitta und Walburga ab. Frau John hlt die Tr in der Hand, ruft noch auf den Flur hinaus. Wer det nich jlobt, der wee von det janze Jeheimnis, wo ick entdeckt habe, nischt. Maurerpolier John steht in der Tr und tritt gleich darauf ein. John I, da bist du ja, Mutter! Schen willkomm! Von wat for'n Jeheimnis sprichst du denn? Frau John wie aufwachend, fat sich an den Kopf. Ick? -- Ha ick denn von 'n Jeheimnis jesprochen? John Na ick denke doch, wenn ick nich schwerherig bin. Biste nu 'n Jeist oder bistes wirklich? Frau John befremdet, ngstlich. Woso soll ick 'n Jeist sind? John schlgt seine Frau gutmtig auf den Rcken. Jette, bei mir man nich. Ick freu mir ja reichlich deswechen, det de nu wieder mit dein Patenjeschenk bei mich bist! -- (Er geht hinter den Verschlag.) -- Et sieht aber 'n biken miserich aus, Jette. Frau John Et vertrug de Milch nich. Det kommt, weil drauen uf'n Lande de Khe schon jrienet Futter kriejen. Hier von de vereinichte Molkerei ha ick wieder welche, wo trocken jefttert is. John erscheint wieder. Ick sag's ja, was biste erst mit det Kind uf de Bahn und raus aus de Stadt jeturnt! Ick spreche, die Stadt is an allerjesindsten. Frau John Nu bleib ick och wieder zu Hause, Paul. John In Altona, Jette, is och nu allet in't reene jebracht. Jejen Mittag treff' ick mit Karln zusamm, und denn will er mir sachen, wenn ick beim neuen Meester antreten kann! -- Hr ma: ick ha och wat mitjebracht. Er schttelt eine kleine Kinderklapper, die er aus der Hosentasche nimmt. Frau John Wat denn? John Det Leben wird in de Kinderstube, weil et doch in Berlin manchma immer 'n biken zu stille is! -- Horch ma, wie't krht. -- (Man hrt das Kindchen allerlei vergngte Gerusche machen.) -- Nee Mutter, wenn so 'n Kindeken krht, dafor jeb ick Amerika. Frau John Haste schonn jemand jesprochen, Paul? John Nee! -- Ick ha hechstens heut morchen Quaquaron jesprochen. Frau John scheu, gespannt. Nu? und? John I, la man, jar nischt, et war weiter nischt. Frau John wie vorher. Wat hat er jesacht? John Wat soll er jesacht haben? -- Na, wenn de schon keene Ruhe jeben dust -- wat soll det nitzen an Sonntag morchen? -- er hat mir ma wieder nach Brunon jefracht. Frau John hastig, bleich. Wat soll denn Bruno wieder jemacht haben? John Jar nischt! -- Hier, komm und trink 'n Schluck Kaffee, Jette, und rjer dir nich! -- Wat kannst de dafr, wenn eener so 'n sauberet Brderken hat? -- Wat brauchen wir uns um andre bekimmern? Frau John Det mecht ick wissen, wat so 'ne olle duliche Dromlade, wo 'n janzen Tag spionieren dut, immer von Brunon zu quasseln hat. John Jette, mit Brunon la mir in Frieden! -- -- -- Sieh ma ... i wat denn? ... lieber nich! ... Aber wenn ick da wieder wat sollte von sachen: det soll mir nich wundern, wo mit Bruno ma jelejentlich in Jefngnishof, haste nich jesehn! ma'n schnellet Ende is. -- (Frau John lt sich am Tisch nieder, wird grau im Gesicht, sttzt sich auf beide Ellenbogen und atmet schwer.) -- Vielleicht och nich! nimm et dir man nich jleich so zu Herzen! -- -- Wat macht denn de Schwester? Frau John Ick wee et nich. John Na ick denke, de bist bei se drauen jewesen. Frau John sieht ihn geistesabwesend an. Wo bin ick jewesen? John Siehste woll, Jette, det is mit euch Weiber! de schudderst ja! bein Arzt und bein Doktor wiste nich hinjehn! womeglich det de noch nachtrglich zum Liechen kommst. Det is wenn eens die Natur vernachlssigt. Frau John fllt ihrem Mann um den Hals. Paul, du wist mir verlassen! Jott in Himmel, Paul, sach et! sach et blo, tu mir nich hinters Licht fihren! Sach et! Fihr mir nich hinters Licht. John Wat is mit dich heute los, Henerjette? Frau John pltzlich verndert. Hr man nich druf, Paul, wat ick so herschwatze. Ick ha wieder die Nacht keene Ruhe jehat! Und denn war ick frh uf, und denn is et nich anders, als wie det ick 'n biken von Krfte bin. John Denn leg dir man lang und ruh dir 'n biken. -- (Frau John wirft sich lang auf das Sofa und starrt gegen die Decke.) -- Kannst dir dann och ma 'n biken kmmen, Jette! -- -- Uf de Bahn war et wohl sehr staubig jewesen, det de so ieber und ieber mit Sand injepulvert bist? -- -- -- (Frau John antwortet nicht, sie starrt gegen die Decke.) -- Ick mu ma det Bengelchen 'n biken an't Licht holen. Er begibt sich hinter den Verschlag. Frau John Wie lange sind wir verheirat, Paul? John Die Kinderklapper geht hinterm Verschlag, dann: Det war achtzehnhundertundzweeundsiebzig, jleich wie ick bin aus'n Kriege jekomm. Frau John Nich, denn kamst de zu Vater hin? -- und denn hast de in Positur jestanden? -- und denn hast de't eiserne Kreuz an de linke Brust jehat. John erscheint, das Kind im Steckkissen auf dem Arme, die Kinderklapper schwingend. Er sagt lustig: Jawoll! det ha ick och heute noch, Mutter! Und wenn de't sehn willst, denn stech ick's mir an. Frau John noch immer lang ausgestreckt. Und denn kamst de zu mich, und denn hast de jesacht: ick sollte nich immer so fleiig ... nich immer so hin und her, treppuf, treppab ... ick sollte ma 'n biken pomadich sind. John Det sach ick so jut och heute noch, Jette. Frau John Und denn haste mir mit dein Schnurrbart jekitzelt und hast mir links hinter't Ohr jekt! -- Und denn ... John Denn sind wir wohl einig jeworden? -- Frau John Denn ha ick jelacht und ha mir nach und nach, apee apee von oben bis unten in alle Uniformknppe abjespiejelt. Und da ha ick noch anders ausjesehn! -- Und denn haste jesacht ... John I Mutter, de kannst dir wahrhaftig sehn lassen, det jlobt eener nich, wat du for'n Jedchtnis hast. Frau John Und denn haste jesacht: wenn ick nu bald 'n Jungen krieje, der soll och ma mit Jott fr Kenig und Vaterland und Wacht am Rhein hinter de Fahne her zu Felde ziehn. John singt, ber das Kindchen, zur Klapper. Er blickt hinauf in Himmels Aun wo Heldenvter niederschaun: zum Rhein, zum Rhein, zum deutschen Rhein! ... Nu ha ick so'n Kerlchen, und nu bin ick wahrhaftig jar nich so wilde druf, det ick ihm mechte womeglich als Kanonenfutter in Krieg schicken. Er geht mit dem Kindchen in den Verschlag. Frau John wie vorher. Paulicken, Paulicken, det allens is hundert Jahre her! John kommt, ohne das Kind, wieder aus dem Verschlag. Janz so lange woll doch nich, Jette. Frau John Sach ma, wie wr det? du nhmst mir mit und jingst mit mich und mein Kindeken jingst du fort nach Amerika? John Na nu her ma, Jette: wat is mit dich? Wat is det? Bin ick denn hier von Jespenster umjeben? Du weet, det ick uf'n Bau, und wenn de Arbeeter mit Klamotten ibereinander her sind, ieberhaupt mir nich ufrege und, wat se mir nennen, Paul is immer jemitlich, bin! Aber nu: wat is det? De Sonne scheint! et is hellichter Tag! ick wee nich: sehen kann ick et nich! Det kichert, det wispert, det kommt jeschlichen! und wenn ick nach jreife, denn is et nischt. Nu will ick ma wissen, wat an die Jeschichte mit det fremde Mchen hier in de Stube Wahret is. Frau John Paul, du hast jehert, det Freilein is ieberhaupt jar nich mehr wiederjekomm. Da draus kannst de sehn ... John Det sachst de zu mich mit blaue Lippen und machst Augen, wie wennste jerdert bist. Frau John verndert. Jawoll! Wat lte mir jahrelang alleene, Paul? wo ick in mein Kfiche sitzen mu und keen Mensch nich is, mir ma auszusprechen. Manch liebet Mal hab' ick hier jesessen und jefracht, warum det ick immer rackern du? warum det mir abdarbe, Jroschens mhsam zusammenscharre, dein Verdienst jut anleche und wie ick uf jede Art wat zuzuverdien mir abjrbeln du. Warum denn? Det soll allens for fremde Leite sind? Paul, du hast mir zujrunde jerichtet! Sie legt den Kopf auf den Tisch und bricht in Schluchzen aus. In diesem Augenblick ist, katzenartig leise, Bruno Mechelke eingetreten. Er hat seine Sonntagskluft an, hat Flieder an der Mtze und einen groen Fliederzweig in der Hand. John trommelt ans Fenster und bemerkt ihn nicht. Frau John hat Bruno wie eine Geistererscheinung nach und nach ins Auge gefat. Bruno, bist du's? Bruno der blitzschnell den Maurerpolier erkannt hat, leise. Na jewi doch, Jette. Frau John Wo kommst de denn her? Wat wiste denn? Bruno Na, ick habe de Nacht durchjescherbelt, Jette. Det siehste doch, det ick bei jute Laune bin. John hat Bruno bis jetzt unverwandt angesehen, wobei eine gefhrliche Blsse sein Gesicht berzogen hat. Jetzt geht er langsam zu einem kleinen Schrank und zieht einen alten Kommirevolver hervor, den er ladet. Dies wird von Frau John nicht beobachtet. Du! -- Hr ma! -- Nu will ick dir ma wat sachen! -- Wat, wat de vielleicht verjessen hast -- det de weiter nu keene Ausrede hast, wenn ick det Dinges hier uf dir abdricke! -- Du Lump! Unter Menschen jeherst du nich! Ick ha dir jesacht, det ick dir niederknalle, det war vorichten Herbst, wo du mich jemals wieder uf meine Schwelle unter de Auchen trittst -- Nu jeh! sonst kracht et! -- Hast de verstanden? Bruno Vor deine Musspritze furcht ick mir nich. Frau John die bemerkt, da John, seiner selbst nicht mchtig, den Revolver langsam gegen Bruno erhebt. Denn mach mir dot, Paul! Et is mein Bruder! Sie ist John in den Arm gefallen, so da sein Revolver gegen sie gerichtet ist. John sieht sie lange an, scheint zu erwachen, wird anderen Sinnes. Jut! -- (Er legt den Revolver wieder sorgfltig in das Schrnkchen.) -- Hast och recht, Jette! -- Pfui Deibel, Jette, det dein Name och in de Fresse von so 'n Schubiack is! -- Jut! -- Det Pulver wr och zu schade! -- Det Dinges hat Blut von zwee franzesche Reiter jekost! Zwee Helden! -- Nu soll et am Ende Dreck saufen. Bruno Det kann immer sind, det Dreck ... in dein Schdel ist! Und wenn du nich jerade, det de bei meine Schwester uf Schlafstelle wrscht, denn htt' ick dir woll ma wat Luft jemacht, Rotzjunge, det de hst vierzehn Dache 't Loofen jekricht. John gewaltsam ruhig. Sach noch ma, Jette, det det dein Bruder is. Frau John Paul, jeh man, ick wer' ihm schon wieder fortschaffen! Det weet de doch, det ick et nu ma doch nich ndern kann, det Bruno von mich der Bruder is. John Na, denn bin ick hier iebrig, denn schnbelt euch man. -- (Er ist fertig gekleidet und schickt sich zum Gehen an. Dicht bei Bruno steht er still.) -- Schuft! du hast deinem Vater im Jrabe jergert! Deine Schwester htte dir sollen hinterm Zaune in Jraben verhungern lassen, statt jrojezogen, und det eenen Lumpenkanaille mehr uf de Erde is. In eene halbe Stunde komm ick zurck! aber nich alleene! Ick komm mit'n Wachmeester! John geht durch die Flurtr ab, seinen Kalabreser aufstlpend. Bruno wendet sich, sowie John hinaus ist, und spuckt ihm nach, gegen die Eingangstr. Bruno Wenn ick dir ma in de Wuhlheide htte. Frau John Woso kommste nu, Bruno? Sache, wat is! Bruno Pinke mute mich jeben, sonst jeh ick verschtt, Jette. Frau John verschliet und verriegelt die Flurtr. Wacht ma, ick schliee die Diere zu! -- Nanu, wat is? -- Wo kommste her? Wo biste jewesen? Bruno Jetanzt ha ick, Jette, de halbe Nacht, und denn wa' ick 'n biken jejen Morchenjrauen in't Jrne jejang. Frau John Hat dir Quaquaro sehn reinkomm, Bruno? Denn nimm dir in Obacht, det de nich in de Falle sitzt. Bruno I Jott bewahre. Ick bin ieber'n Hof, denn bei mein Freind durch'n Knochenkeller und hernach ieber'n Oberboden rinjekomm. Frau John Na? Und wat is nu jewesen, Bruno? Bruno Wuddel nich, Jette. Jieb Reisejeld! Ick jeh verschtt, oder ick mu abtippeln. Frau John Und wat haste nu mit det Mchen jemacht? Bruno I, et hat Rat jejeben, Jette! Frau John Wat heet det? Bruno Ick ha ihr soweit wenigstens biken jefiege jemacht. Frau John Und det se nich wiederkommt is nu sicher! Bruno Jawoll! Det se nu nochma kommt, jlob ick nich! Aber det wa keen leichtet Stick Arbeet, Jette. Du hast mich mit deine verdammte Pillenkrajerei -- ick ha Durscht, Jette, jieb mich zu saufen, Jette! ... hast du mir kochend hee jemacht. Er trinkt eine Wasserflasche leer. Frau John Se haben dir vor de Diere jesehn mit det Mchen. Bruno Ick ha mir mit Artur verabred, Jette. Von mich wollt se nischt wissen. Denn is Artur in feine Kluft anjetnzelt jekomm und hat ihr och richtig verschleppt in Bolljongeller. Det hat se jejlobt, uf dem Leim is se jekrochen, det ihr Breitjam dort warten tut! Er trllert und tnzelt krampfhaft. Unser janzet Leben lang von det eene Ristorang in det andre Ristorang Frau John Na und denn? Bruno Denn wollt se fort, weil Adolf jesacht hat, det ihr Breitjam jejangen is! Denn ha ick wollen ihr noch 'n Stickchen bejleiten, Artur und Adolf sind mitjejang. Denn sind wir bei Kalinich in de Hinterstube injefallen, und denn is se ja och von den vielen Nippen an Groch und Schnpse molum jeworn. Und denn hat se in'n Bullenwinkel bei eene jenchtigt, wo Arturn seine Jeliebte is. Den nchsten Dach sind wir immer zwee drei Jungs hinterher jewesen, nich losjelassen, immer von frischen Quinten jemacht, und in de Schublade is et ja nu och lustig zujejang. Die Kirchenglocken des Sonntagmorgens beginnen zu luten. Bruno fhrt fort. Aber 't Jeld is futsch. Ick brauche Mrker und Pfenniche, Jette. Frau John kramt nach Geld. Wieviel mute haben? Bruno lauscht den Glocken. Wat denn? Frau John Jeld! Bruno Der olle Verkmmler unten in Knochenkeller meent, det ick an liebsten mu ieber de russische Jrenze jehn! -- Her ma, Jette, de Jlocken luten. Frau John Weshalb mute denn ieber de Jrenze jehn? Bruno Nimm ma 'n nasses Handtuch, Jette, un du och 'n biken Essig druf. Ick wee nich, wat mich det Nasenbluten janze Nacht schon jerjert hat. Er drckt sein Taschentuch an die Nase. Frau John holt ein Handtuch, atmet krampfhaft. Wer hat dir an Handjelenk so 'ne Striemen jekratzt, Bruno? Bruno lauscht den Glocken. Heute morchen halb viere htt' se det Jlockenluten noch heren jekonnt. Frau John O Jesus, mein Heiland, det is ja nich wahr! det kann ja nich menschenmeglich sein! Det ha ick dir nich jeheeen, Bruno! Bruno! ick mu mir setzen, Bruno. -- (Sie tut es.) -- Det hat ja Vater noch uf'n Sterbebette zu mich vorausjesacht. Bruno Mit Brunon is nich zu spaen, Jette. Wenn de zu Minnan hinjehst, denn sache, det ick ma och uf sowat vastehe und det mit Karln und Fritzen det Jehnsel 'n Ende hat. Frau John Bruno, wenn se dir aber festsetzen. Bruno Na jut, denn mache ick Bammelmann, und denn ha'm se uf Charit wieder ma wat zum Sezieren. Frau John gibt ihm Geld. Det is ja nich wahr! Wat hast du jetan, Bruno? Bruno Du bist 'ne olle vadrehte Person, Jette. -- (Er fat sie nicht ohne Gemtsanwandlung.) -- Ihr sagt immer, det ick zu jar nischt nitze bin, aber wenn't jar nich mehr jeht, denn braucht ihr mir, Jette. Frau John Na und wie denn? Haste den Mchen jedroht, det se soll nich mehr blicken lassen? -- Det haste jesollt, Bruno. Haste det nich? Bruno De halbe Nacht hab' ick mit ihr jetanzt. Nu sind wir uf de Strae jejang. Denn war 'n Herr mitjekomm, vastehste! Und wie det ick jesacht habe, det ick von meinswechen mit die Dame 'n Hihnchen zu pflicken habe und 'n Schneiderring aus de Bucksen jezogen, hat er natierlich Reiaus jenomm. -- Nu ha ick zu ihr jesacht: ngsten sich nich, Freilein! wo jutwillig sind und wo keen Lrm schlachen, und nie nich mehr bei meine Schwester nachfrachen nach ihr Kind, soll allet janz jitlich in juten vereinigt sind! und denn is se mit mich jejondelt 'n Sticksken. Frau John Na und? Bruno Na und? -- Und da wollte se nich! -- Und da fuhr se mit eemal nach meine Jurjel, det ick denke ... wie 'n Beller, der toll jeworden is! und hat noch Saft in de Knochen jehabt ... det ick jleich denke, det ick soll alle werden! Na, und da ... da war ick nu och 'n biken frisch -- und denn war et -- denn war et halt so jekomm. Frau John in Grauen versunken. Um welche Zeit war et? Bruno So 'rum zwischen vier und drei. Der Mond hat 'n jroen Hof jehat. Uf'n Zimmerplatz hinter de Planken is een Luder von Hund immer rufjesprung und anjeschlagen. Denn dreppelte et und denn is 'n Jewitter niederjejang. Frau John verndert, gefat. 'S jut! Nu jeh! Die verdient et nich besser. Bruno Atje! Na nu sehn wa uns ville Jahre nich. Frau John Wo wiste denn hin? Bruno Erst mu ick ma Stunde zweee lngelang uf'n Ricken liechen. Ick och! Ick jeh zu Fritzen, wo eene Kammer in't olle Polizeijefngnis jejenieber de Fischerbrcke zu Miete hat. Dort bin ick sicher. Wo Ufsto is, kannste mich Nachrich zukomm lassen. Frau John Wiste det Kindeken nochma ankieken? Bruno zittert. Nee. Frau John Warum nich? Bruno Nee Jette, in diesen Leben nich! Atje Jette! -- Wacht ma Jette: hier is noch 'n Hufeisen! -- (Er legt ein Hufeisen auf den Tisch.) -- Det ha ick jefunden! Det bringt Glick! Ick brauche ihm nich. Bruno Mechelke, katzenartig, wie er gekommen, ab. Frau John blickt mit entsetzt aufgerissenen Augen nach der Stelle, wo er verschwunden ist, wankt dann einige Schritte zurck, pret die wie zum Gebet verkrampften Hnde gegen den Mund und sinkt in sich zusammen, immer mit dem vergeblichen Versuch, Gebetsworte gegen den Himmel zu richten. Frau John Ick bin keen Merder! ick bin keen Merder! det wollt ick nich! Fnfter Akt Zimmer bei Johns. Frau John liegt schlafend auf dem Sofa. Walburga und Spitta treten vom Flur her ein. Man vernimmt von der Strae herauf laute Militrmusik. Spitta Es ist niemand hier. Walburga Frau John! Doch Erich! Hier liegt ja Frau John. Spitta mit Walburga an das Sofa tretend. Schlft sie? Wahrhaftig. Das begreife einer, wie man bei diesem Lrm schlafen kann. -- Die Militrmusik ist verklungen. Walburga Ach Erich, pst! diese Frau ist mir grausenvoll. Verstehst du denn brigens, weshalb unten am Eingang Polizeiposten stehn und weshalb sie uns nicht auf die Strae lassen? Ich hab' eine solche furchtbare Angst, da man womglich arretiert wird und mit zur Wache mu. Spitta Aber gar keine Idee! Du siehst ja Gespenster, Walburga. Walburga Als der Mann in Zivil auf dich zutrat und uns anblickte und du ihn fragtest, wer er sei und er seine Legitimationsmarke aus der Tasche nahm, wahrhaftig, da fing sich Treppe und Flur auf einmal um mich im Kreise zu drehen an. Spitta Sie suchen einen Verbrecher, Walburga. Das ist eben eine sogenannte Razzia, eine Art Kesseltreiben auf Menschen, wie die Kriminalpolizei sie zuweilen veranstalten mu. Walburga Und auerdem kannst du mir glauben, Erich, ich habe Papa'ns Stimme gehrt, der laut mit jemand geredet hat. Spitta Du bist nervs. Du kannst dich getuscht haben. Walburga die John spricht im Schlaf, Walburga erschrickt. Horch mal, die John. Spitta Groe Schweitropfen stehen ihr auf der Stirn. Komm mal, sieh mal das alte rostige Hufeisen, das sie mit beiden Hnden umklammert hat. Walburga horcht und erschrickt wieder. Papa! Spitta Ich verstehe dich nicht. La ihn doch kommen, Walburga. Die Hauptsache ist, da man wei, was man will und da man ein reines Gewissen hat. Ich bin bereit. Ich ersehne die Aussprache. Es wird laut an die Tr geklopft. Spitta fest. Herein! Frau Direktor Hassenreuter erscheint, mehr als sonst auer Atem. ber ihr Gesicht geht ein Ausdruck der Befreiung, als sie ihrer Tochter ansichtig wird. Frau Direktor Hassenreuter Gott sei gelobt! Da seid ihr ja, Kinder. -- (Walburga fliegt zitternd in ihre Arme.) -- Mdel, wie du deine alte Mutter gengstet hast! -- Lngeres Atmen und Stillschweigen. Walburga Verzeih, Mama: ich konnte nicht anders. Frau Direktor Hassenreuter Nein! Solche Briefe mit solchen Gedanken schreibt man an eine Mutter nicht. Besonders an eine Mutter wie mich nicht, Walburga! Hast du Seelensnte, so weit du auch, da du mich noch immer mit Rat und Tat dir zur Seite hast. Ich bin kein Unmensch und auch frher mal jung gewesen. Aber ins Wasser springen ... ins Wasser springen und so dergleichen, mit solchen Drohungen spielt man nicht. Ich habe doch hoffentlich recht, Herr Spitta. Und nun auf der Stelle ... wie seht ihr denn aus? -- auf der Stelle kommt mit mir beide nach Hause mit! -- Was hat denn Frau John? Walburga Ja hilf uns! steh uns bei! nimm uns mit, Mama! Ich bin so froh, da du da bist. Ich hab' pltzlich eine so lhmende Angst gehabt. Frau Direktor Hassenreuter Also kommt, das wre noch schner, da man sich von Ihnen, Herr Spitta, und diesem Kinde solcher verzweifelter Torheiten zu gewrtigen hat. Man hat Mut in Ihren Jahren! Man verfllt nicht auf Ausflchte, wenn alles nicht gleich nach dem Schnrchen geht, bei denen man nur -- man lebt ja nur einmal! -- zu verlieren und nichts zu gewinnen hat. Spitta O ich habe Mut! Ich denke auch nicht daran, etwa als Lebensmder feige zu endigen! auer wenn mir Walburga verweigert wird. Dann freilich ist mein Entschlu gefat! Da ich vorlufig arm bin und meine Suppe hie und da in der Volkskche essen mu, untergrbt meinen Glauben an mich und eine bessere Zukunft nicht. Auch Walburga ist sicherlich berzeugt, es mu ein Tag kommen, der uns fr alle trben und schweren Stunden entschdigt. Frau Direktor Hassenreuter Das Leben ist lang. Und ihr seid heut noch Kinder. Es ist vielleicht nicht so schlimm, wenn ein Student oder Kandidat in der Volkskche essen mu. Fr Walburga als Ehefrau wre das rger. Und ich mchte doch fr euch beide hoffen, da da erst etwas vorher wie ein eigner Herd mit dem ntigen Holz und der ntigen Kohle und so weiter geschaffen wird. Im brigen habe ich bei Papa eine Art Waffenstillstand fr euch ausgewirkt. Es war nicht leicht und wre vielleicht unmglich gewesen, wenn nicht die Morgenpost seine definitive Ernennung und Wahl zum Direktor in Straburg gebracht htte. Walburga freudig. Mama! ach Mama! das ist ja ein Sonnenblick. Frau John hat sich mit einem Ruck emporgerichtet. Bruno! Frau Direktor Hassenreuter entschuldigend. Wir haben Sie aufgeweckt, Frau John. Frau John Is Bruno wech? Frau Direktor Hassenreuter Wer? Welcher Bruno? Frau John Na Bruno! Kenn Se denn Brunon nich? Frau Direktor Hassenreuter Richtig, so heit ja Ihr jngerer Bruder. Frau John Ha ick jeschlafen? Spitta Fest! Aber Sie haben eben im Schlaf laut aufgeschrien, Frau John. Frau John Ham Se jesehn, Herr Spitta, wo Jungs in Hof ... ham Se jesehn, wo Jungs in Hof Adelbertchen sein Jrbken jesteenicht ham? Aber ick war zwischen, wat? und ha rechts und links jar nich schlecht Maulschellen ausjeteilt. Frau Direktor Hassenreuter Demnach haben Sie also von Ihrem ersten verstorbenen Kindchen getrumt, Frau John? Frau John Nee nee, det war wahr, ick ha nich jetraumt, Frau Direktor. Und denn jing ick mit Adelbertchen, jing ick bein Standesbeamten hin. Frau Direktor Hassenreuter Aber wenn Adelbertchen nicht mehr am Leben ist ... wie knnen Sie denn ... Frau John I, wenn een Kindchen meinswechen jeboren is, denn is et jedennoch noch in de Mutter, und wenn es meinswechen jestorben is, denn is et immer noch in de Mutter. Ham Se den Hund jehert hintern Plankenzaun? Der Mond hat'n jroen Hof jehat! Bruno, du jehst uf schlechte Weche. Frau Direktor Hassenreuter rttelt Frau John. Wachen Sie auf, gute Frau! Frau John! Frau John! Sie sind krank! Ihr Mann soll mit Ihnen zum Arzte gehen. Frau John Bruno, du jehst uf schlechte Weche. -- (Die Glocken beginnen wieder zu luten.) -- Sind det de Jlocken? -- Frau Direktor Hassenreuter Der Gottesdienst ist zu Ende, Frau John. Frau John erwacht vllig, starrt um sich. Warum wach ick denn uf? Warum habt ihr mir denn in Schlaf nich mit de Axt iebern Kopp jehaut? -- -- -- -- -- -- Wat ha ick jesacht? Pst! Blo zu niemand een Sterbenswort, Frau Direktor. -- Sie ist aufgesprungen und ordnet ihr Haar mit vielen Haarnadeln. Der Direktor erscheint durch die Flurtr. Direktor Hassenreuter stutzt beim Anblick der Seinigen. Sieh da, sieh da Timotheus, die Kraniche des Ibikus! -- Sagten Sie nicht, es wohne hier ganz in der Nhe ein Spediteur, Frau John? -- (zu Walburga.) -- Jawohl, mein Kind: whrend du in deinem jugendlichen Leichtsinn auf dein Vergngen und wieder auf dein Vergngen denkst, ist dein Papa schon wieder drei Stunden lang in Geschften herumgelaufen. -- (zu Spitta.) -- Sie wrden es nicht so eilig haben, junger Mann, eine Familie zu begrnden, wenn Sie auch nur die geringste Ahnung davon htten, wie schwer es ist, es durchzusetzen, von Tag zu Tag mit Weib und Kind wenigstens nicht ohne das elende und verschimmelte bichen tglichen Brotes dazustehn. Mge das Schicksal jeden davor bewahren, sich eines Tages mittellos in die Suburra Berlins geschleudert zu finden, um mit andern Verzweifelten, Brust an Brust, in unterirdischen Lchern und Rhren, um das nackte Leben fr sich und die Seinen zu ringen. Gratuliert mir! In acht Tagen sind wir in Straburg. -- (Frau Direktor, Walburga und Spitta drcken ihm die Hand.) -- Alles brige findet sich. Frau Direktor Hassenreuter Papa, du hast wirklich fr uns, und zwar ohne dir etwas zu vergeben, die Jahre einen heroischen Kampf gekmpft. Direktor Hassenreuter Wie bei Schiffbruch, wenn der Kampf um die Balken im Wasser beginnt. Meine edlen Kostme, gemacht, um die Trume der Dichter zu veranschaulichen, in welchen Lasterhhlen, auf welchen schwitzenden Leibern haben sie nicht, _odi profanum vulgus!_ damit nur der Groschen Leihgebhr im Kasten klang, ihre Nchte zugebracht. Sessa! Wenden wir uns zu heiteren Bildern. Der Rollwagen, alias Thespiskarren ist schon angeschirrt, um den Transport unsrer Penaten in hoffentlich glcklichere Gefilde zu bewerkstelligen. -- (pltzlich zu Spitta.) -- Und da ihr beide nicht etwa aus sogenannter Verzweiflung irreparable Dummheiten macht, darauf verlang ich Ihr Ehrenwort, werter Herr Spitta. Zur Kompensation verspreche ich Ihnen jeder wirklich vernnftigen uerung Ihrerseits gegenber nicht taub zu sein. -- Im brigen komme ich zu Frau John: erstlich weil Schutzleute in den Eingngen niemanden auf die Strae lassen, ferner, weil ich gerne von Ihnen wissen will, weshalb ein Mann wie ich, gerade in diesem Augenblick, wo seine Wimpel wieder flattern, Gegenstand einer niedertrchtigen Zeitungskampagne geworden ist. Frau Direktor Hassenreuter Lieber Harro, Frau John versteht dich nicht. Direktor Hassenreuter Dann wollen wir also _ab ovo_ anfangen. Hier habe ich Briefe, -- (er zeigt einen Sto Briefschaften) -- eins, zwei, drei, fnf, zirka ein Dutzend Stck! Darin wird mir in boshafter Weise von Unbekannten zu einem Ereignis gratuliert, das angeblich oben auf meinem Magazinboden vor sich gegangen ist. Ich wrde die Sache nicht beachten, wenn nicht gleichzeitig diese Lokalnotiz, wonach in der Bodenkammer eines Maskenverleihers, _sic!_ ... eines Maskenverleihers in der Vorstadt ein neugeborenes Kindchen gefunden worden ist! ... Ich sage, wenn diese Lokalnotiz mich nicht stutzig machte. Zweifellos handelt sich's hier um eine Verwechselung. Dennoch mag ich die Sache nicht auf mir sitzen lassen. Besonders da dieser Lmmel von einem Reporter von dem Herrn Maskenverleiher auch noch als einem verkrachten Schmierendirektor spricht. Lies Mama: Adebar beim Maskenverleiher. Der Kerl bekommt Ohrfeigen! Heut abend soll meine Ernennung in Straburg durch die Zeitungen gehn und gleichzeitig werde ich _urbi et orbi_ als humoristischer Bissen ausgeliefert. Als ob man nicht wte, da von allen Flchen der Fluch der Lcherlichkeit der schlimmste ist. Frau John An Hauseingang stehn Schutzleute, Herr Direktor? Direktor Hassenreuter Ja! Und zwar so, da sogar das Kinderbegrbnis der Witfrau Knobbe ins Stocken gekommen ist. Man lt sogar den kleinen Sarg mit dem greulichen Kerl von der Piett, der ihn trgt, nicht in den Wagen hinaus. Frau John Wat wr' denn det for'n Kinderbejngnis? Direktor Hassenreuter Wissen Sie das nicht? Das Shnchen der Knobbe, das auf eine mysterise Weise von zwei fremden Weibsbildern zu mir heraufgebracht wurde und frmlich unter meinen Augen, wahrscheinlich an Entkrftung gestorben ist. A propos ... Frau John Det Kind von de Knobbe is jestorben? Direktor Hassenreuter A propos, Frau John, wollt' ich sagen, Sie sollten doch eigentlich wissen, wie die Sache mit den beiden bergeschnappten Frauenspersonen, die sich des Kindchens bemchtigt hatten, schlielich verlaufen ist? Frau John Nu sachen Se, is det nich Jottes Finger, det se womglich nich Adelbertchen erwischt haben und det nich mein Adelbertchen mit Dot abjejang is? Direktor Hassenreuter Wieso? Diese Logik verstehe ich nicht. Dagegen habe ich mich schon gefragt, ob nicht die wirren Reden des polnischen Mdchens, der Kleiderdiebstahl auf meinem Boden und das Milchflschchen, das Quaquaro im Stiefel herunterbrachte, irgendwie mit der Zeitungsnotiz zusammenzubringen sind. Frau John Da mang, Herr Direkter, is jar keen Zusammenhang. Haben Se Pauln jesehn, Herr Direkter? Direktor Hassenreuter Paul? Ach so: Ihren Mann! jawohl! und zwar, wenn ich recht gesehen habe, im Gesprch mit dem fetten Kriminalinspektor Puppe, der wegen des Diebstahls auch schon mal bei mir gewesen ist. Maurerpolier John tritt ein. John Na Jette, ha ick nu recht? Det is schnell jekomm. Frau John Wat denn? John Soll ick mich tausend Marcht verdien, wo mit Anschlche von Polizeiprsidium an de Litfasulen als Belohnung for Denungsiation is bekannt jejeben? Frau John Woso denn? John Weete denn nich, det det janze Manver mit Schutzleute und Jeheimpolizisten Brunos wechen in Jange is? Frau John Wie denn? Wo denn? Wat denn? Warum denn in Jange? John Det Kinderbejngnis is sistiert und zwee Burschen von de Leidtrajenden, wat richtig dufte Kunden sind, festjenomm! jawoll! Det is nu so weit, Herr Direktor! Ick bin nu'n Mann, wo mit eene Frau verkuppelt is, wo een Bruder hat, wo hinterher sind, mit Rejierungsrte und Mordkommission, weil er drauen, nich weit von de Spree unter een Fliederstrauch eene hat umjebracht. Direktor Hassenreuter Aber werter Herr John: das mag Gott verhten. Frau John Det is jelochen! Mein Bruder tut so wat nich. John I, det is det Neieste, Jette. Herr Direkter, ick ha neilich schonn jesacht, wat det for'ne Sorte Bruder is. -- (Er bemerkt und nimmt einen Fliederstrauch vom Tisch.) -- Sehen Se ma det hier! Det Unjeheuer is hier jewesen. Wo wiederkommt, bin ick der erschte, wo ihm, Hnde und Fe jebunden, an der Jerechtigkeet ausliefern dut. Er sucht den Raum ab. Frau John Mach du Rotznsen wat wee von Jerechtigkeet. Jerechtigkeet is noch nich ma oben in Himmel. Keen Mensch nich war hier! Und det bisken Flieder ha ick von Hangelsberg mitjebracht, wo'n jroer Strauch hinter'n Hause bei deine Schwester is. John Du warst ja jar nich bei meine Schwester, Jette. Det hat mich Quaquaro ja ebent jesacht! det ham se uf Polizei ja festjestellt. Se ham dir jesehn bei de Spree in de Anlachen ... Frau John Lieche! John Und och in de Laubenkolonie wo du in 'ne Laube jenchtigt hast. Frau John Wat? Kommst du in dein eechnet Haus allens kurz und kleen demolieren? John Jut so! recht so! det so weit jekommen is. Nu is det mit uns weiter keen Verstecken! Det ha ick allens vorausjewut. Direktor Hassenreuter mit Spannung. Hat sich das polnische Mdchen wieder gezeigt, das neulich wie eine Lwin um das Knobbesche Kindchen gestritten hat? John Eben det is et. Det ham se heut morchen dot jefunden. Und det sach ick so hin, ohne det mir de Zunge in Maule absterben dut: det Mchen hat Bruno Mechelke ums Leben jebracht. Direktor Hassenreuter schnell. Dann ist es wohl seine Geliebte gewesen. John Fragen Se Muttern! Det wee ick nich! Det war meine Angst, deshalb bin ick schonn lieber jar nich zu Hause jekomm, det mein eechnet Weib mit so'ne Jesellschaft behaftet is und hat keene Kraft nich abzuschtteln. Direktor Hassenreuter Kommt Kinder! John Warum denn? Immer bleiben Se man. Frau John De brauchst nich jehn und Fenster ufreien und alle Welt uf de Jasse schrein! Det is schlimm jenug, wenn uns Schicksal mit so'n Unjlck jetroffen hat. Plrr! aber dann siehste mir bald nich mehr wieder. John Jerade! Nu jerade! Ick rufe wer't wissen will von de Jasse, von Flur, dem Tischler vom Hof, de Jungs, de Mchens, wo in de Konfirmationsstunde jehn, die ruf ick rin und erzhle, wie weit eene Frau mit ihre Affenliebe zu ihren Lump von Bruder jekommen is. Direktor Hassenreuter Diese hbsche junge Person, die das Kind beanspruchte, ist heute tatschlich tot, Herr John? John Kann sind, det se hibsch is, ick wee et nich, ob se hibsch oder hlich jewesen is. Aber det se in Schauhaus liecht, det is sicher. Frau John Ick wee et, wat se jewesen is! Een schlechtet jemeinet Weibstick is et jewesen! Wo mit Kerle hat abjejeben und von een Tiroler, der nischt hat von wissen jewollt, hat Kind jehat! Det hat se an liebsten in Mutterleibe schon umjebracht. Denn is se 't holen jekomm mit de Kielbacke, wo als Engelmachersche schon ma anderthalb Jahre Pltzensee abjesessen hat. Ob se mit Brunon och wat jehabt hat, wo soll ick det wissen? Kann sind, kann och nich sind! Und wat soll mir det allens ieberhaupt anjehn, wat Bruno meinswechen verbrochen hat. Direktor Hassenreuter Also haben Sie doch das Mdchen gekannt, Frau John. Frau John Woso? ick ha jar nich jekannt, Herr Direkter! Ick sache blo, wat'n jeder, wie'n jeder von det Mchen jeuert hat. Direktor Hassenreuter Sie sind eine ehrenhafte Frau, Sie ein ehrenhafter Mann, Herr John. Die Sache mit Ihrem miratenen Schwager und Bruder ist schlielich etwas, was meinethalben eine furchtbare Tatsache ist, aber Ihr Familienleben doch im Grunde nicht ernstlich erschttert ... aber bleiben Sie ehrlich ... John Nich in de Hand! In so'ne Nhe, bei solchet Jesindel bleib ick nich. -- (Er schlgt mit der Faust auf den Tisch, klopft an die Wnde, stampft auf den Fuboden.) -- Horchen Se ma, wie det knackt, wie Putz hinter de Tapete runterjeschoddert kommt! Allens is hier morsch! Allens faulet Holz! Allens unterminiert, von Unjeziefer, von Ratten und Muse zerfressen! -- (Er wippt auf der Diele.) -- Allens schwankt! Allens kann jeden Ojenblick bis in Keller durchbrechen. -- (Er ffnet die Tr.) -- Selma! Selma! -- Hier mach ick mir fort, eh' det allens een Schutthaufen drunter und drieber zusammenbricht. Frau John Wat wite mit Selma? John Selma nimmt det Kind und ick reise mit Selman und det Kind und bringe mein Kind zu meine Schwester. Frau John Denn sote Bescheid kriechen! Versuch det man! John Soll mein Kind in so'ne Umjebung jrowachsen, womeglich det ma wie Bruno ieber Dcher jehetzt und det och ma womeglich in Zuchthaus endet? Frau John schreit ihn an. Det is jar nich dein Kind! Vastehste mich? John So? Det wolln wir ma sehn, ob een rechtlicher Mann nich Herr sollte sind ieber sein eechnet Kind, wo Mutter nich bei Verstande is und in de Hnde von Mordjesindel. Det will ick ma sehn, wer in Rechte is un wer strker is! Selma! Frau John Ick schrei! ick reie det Fenster uf! Frau Direkter, se wollen eene Mutter ihr Kind rauben! Det is mein Recht, det ick Mutter von mein Kindeken bin! Det is doch mein Recht? Ha ick nich recht, Frau Direkter? Se umzingeln mir! Se wollen mir mein Recht versetzen! Soll mir det nich jeheren, wat ick vor Wegwurf ufjelesen, wo vor Tod in Lumpen jelechen hat und wo ick ha mihsam erscht missen reiben und kneten, bis bisken Atem jeholt und langsam lebendig geworden is? Wo ick nich war, det wre schonn vor drei Wochen lngst in de Erde verscharrt jewesen. Direktor Hassenreuter Herr John, zwischen Eheleuten den Schiedsmann spielen ist meine Sache im allgemeinen nicht. Dazu ist dies Geschft zu undankbar und man macht dabei meistens bse Erfahrungen. Sie sollten aber in Ihrem zweifellos mit Recht verwundeten Ehrgefhl sich nicht zu bereilungen hinreien lassen. Denn schlielich ist doch Ihre Frau fr die Tat ihres Bruders nicht verantwortlich. Lassen Sie ihr das Kind! Machen Sie nicht das Unglck schlimmer durch eine berflssige Hrte, die Ihre Frau aufs empfindlichste krnken mu. Frau John Paul, det Kind is aus meinen Leibe jeschnitten! Det Kind is mit meinen Blute erkoft. Nich jenug, alle Welt is hinter mich her und will et mich abjagen! Nu kommst och du noch und machst et nich anders, det is der Dank! als wenn det ick ringsum von hungrige Welfe umjeben bin. Mir kannste dot machen! mein Kindeken sote nich anfassen. John Ick komme zu Hause, Herr Direkter! Ick bin heut morchen erst mit mein ganzes Zeug quietschverjngt von de Bahn jekomm! Hamburg, Altona, allens abjebrochen. Wenn och Verdienst jeringer is, dachte ick, wit lieber bei deine Familie sind! Biken Kind uf'n Arm nehmen! Biken Kind uf'n Knie nehmen! Det war unjefhr so meine Inbildung ... Frau John Paul! Hier Paul! -- (Sie tritt ihm ganz nahe.) -- Rei mir det Herz aus'n Leibe! -- Sie starrt ihn lange an, dann luft sie in den Verschlag, wo man sie laut weinen hrt. Selma kommt vom Flur. Sie trgt Trauerkleidung und einen kleinen Grabkranz in der Hand. Selma Wat soll ick? Se ham mir jeruft, Herr John. John Zieh dir an, Selma. Frach deine Mutter, ob det de kannst mit mir jehn zu meine Schwester nach Hangelsberg. Kannst dir'n Jroschen Jeld bei verdienen. Nimmst mein Kindeken uf'n Arm und bejleitest mir. Selma Nee! det Kind fa ick nu nich mehr an, Herr John. John Woso nich? Selma Nee, ick furcht mir, Herr John. Ick ha so'ne Angst, so hat mir Mama und Polizeileutnam anjeschrien. Frau John erscheint. I, weshalb ham se dir anjeschrien? Selma heult los. Schutzmann Schierke hat mich sojar eene runterjehaut. Frau John I, dem wer' ick nochma ... det soll der nochma versuchen. Selma Wat soll ick denn wissen, warum mich det polsche Mchen hat mein Brderken wegjenomm. Htt ick jewut, det mein Brderken sterben soll, ick htt' ihr ja lieber an Hals jesprung. Nu steht Jundofriedchen in Srjiken uf de Treppe. Ick jlobe, Mama hat Krmpfe jekricht und liecht bei Quaquaron hinten in Alkoven. Mir wolln se in Firsorche schaffen, Frau John. -- Sie flennt. Frau John Denn freu' dir! Schlimmer kann et nich komm, als et bei dich zu Hause is. Selma Ick komm vor Jericht! womeglich wer' Moabit jeschafft. Frau John Woso det? Selma Weil ick soll haben det Kindeken, wat det polsche Freilein jeboren hat, von Oberboden runter bei Sie, Frau John, in de Wohnung jetrachen. Direktor Hassenreuter Also ist tatschlich oben ein Kindchen geboren worden? Selma Jewi. Direktor Hassenreuter Auf welchem Boden? Selma Na, bei de Kamedienspieler doch! Wat jeht det mich an? Wat soll ick von wissen? Ick kann blo sachen ... Frau John Nu mach det de fortkommst! Selma, du hast'n reenet Jewissen! Wat de Leute quasseln, kimmert dir nich. Selma Ick will ja och nischt verraten, Frau John. John packt Selma, die fortlaufen will, und hlt sie fest. Et wird nich jejang! et wird herjekomm! -- Wahrheet! Ick verrate nischt, hast du jesacht: det ham Se doch och jehert, Frau Direkter? Hat Herr Spitta und hat det Freilein jehert! -- Wahrheet! -- Bevor ick nich wee, wat mit Bruno und seine Jeliebte is und wo ihr womeglich det Kindchen habt wechjeschafft, det is mich ejal, kommst du nich von de Stelle! Frau John Paul, ick schwere vor Jott, wechjeschafft ha ick et nich. John Na, und? ... Raus wat du weet, Mchen! Det ha ick schon lange jemerkt, det zwischen dich und meine Frau een jeheimet Jestecke is. Det Zwinkern und Anplinkern is jetzt verjebliche Mihe. Is det Kind tot oder lebt et noch? Selma Nee, det Kind is lebendich, Herr John. Direktor Hassenreuter Was du unter deine Schrze oder sonstwie hier hast heruntergebracht? John Wenn et dot is, denn rechne druf, denn wirst du wie Bruno een Kopp krzer jemacht. Selma Ick sach't ja: det Kindeken is lebendich. Direktor Hassenreuter Ich denke, du hast gar kein Kind vom Boden heruntergebracht? John Und von die janze Jeschichte, Mutter, wit du nischt wissen? -- (Frau John sieht ihn starr an, Selma blickt hilflos und verwirrt auf Frau John.) -- Mutter, du hast det Kindchen von Brunon und die polsche Person beiseite jeschafft und denn wo se jekomm is, haste det Wrmiken von de Knobbe unterjeschoben. Walburga sehr bleich, mit berwindung. Sagen Sie mal, Frau John, was ist denn an jenem Tage geschehen, wo ich dummerweise, als Papa kam, mit Ihnen auf den Boden geflchtet bin? Ich will dir das spter erklren, Papa. Damals habe ich, wie mir nach und nach deutlich geworden ist, das polnische Mdchen und zwar erst mit Frau John und dann mit ihrem Bruder zusammengesehn. Direktor Hassenreuter Du, Walburga? Walburga Ja, Papa. Bei dir war damals Alice Rtterbusch und ich hatte mich mit Erich verabredet, der dann auch, aber ohne mich zu treffen, denn ich blieb versteckt, zu dir gekommen ist. Direktor Hassenreuter Ich kann mich dessen nicht mehr erinnern. Frau Direktor Hassenreuter zum Direktor. Das Mdel hat um dieser Sache willen, Papa, wirklich schon schlaflose Nchte gehabt. Direktor Hassenreuter Wenn Ihnen an dem Rate eines ehemaligen Juristen, der durchs Referendarexamen gepurzelt und dann erst zur Kunst abgesprungen ist ... wenn Ihnen an dem Rat eines solchen Mannes irgendwie etwas liegt, so lassen Sie sich jetzt sagen, Frau John, da in Ihrem Fall ganz rcksichtslose Offenheit die beste Verteidigung ist. John Jette, wo habt ihr dem Kindeken hinjeschafft? Kriminalinspektor hat mich jesacht, det fllt mir jetzt in, det se nach det Kind von de dote Person suchen. Jette, um Jottet Himmelswillen! mag sind wat will, blo det du dir nich in Verdacht kommen dust, det du um Folchen von Liederlichkeit von dein Bruder womeglich aus de Welt zu schaffen, dir an det Neujeborne vergriffen hast. Frau John lacht. Ick? und mir an Adelbertchen vergreifen, Paul. John Hier redet keener von Adelbertchen -- (zu Selma) -- Ick dreh dir den Hals um oder du sachst, wo det Kleene von Brunon und det polsche Mchen -- uf de Stelle! -- jeblieben is. Selma Et is doch bei Sie in Verschlage, Herr John. John Wo is et, Jette? Frau John Det sach ick nich. -- Das Kind beginnt zu schreien. John zu Selma. Wahrheet! oder ick iberliefer dir uf de Polizei, vastehst de! siehste dem Strick! an Hnde und Fiee zusammenjebunden. Selma in hchster Angst, unwillkrlich. Et schreit doch! Se kenn doch det Kindeken janz jut, Herr John. John Ick? -- Er sieht verstndnislos erst Selma, dann den Direktor an. Ihn durchblitzt eine Ahnung, als er seine Frau ins Auge fat. Er glaubt zu begreifen und gert ins Wanken. Frau John La dir von so'ne niedertrchtiche Lieche nich umjarnen, Paul. Det is allens von ihre feine Mutter aus Rache blo mit det Mchen anjestellt! Paul, wat dust du mir denn so ankieken? Selma Det is Jemeenheet, det Se mich nu och noch wolln schlecht machen, Mutter John. Dann wer' ick mir hieten, noch Blatt vorn Mund nehmen. Wissen janz jut, det ick ha det Kindchen von det Freilein runterjetragen und ha bei Ihn hier in frisch jemachte Bettchen jelegt. Det kann ick beschwren! det will ick beeidigen! Frau John Lieche! Du sagst, det mein Kind nich mein Kindeken is? Selma Sie haben iberhaupt jar keen Kind nich jehat, Frau John. Frau John umklammert Johns Knie. Det is ja nich wahr. John La mich in Ruh! beschmutze mir nich, Henerjette. Frau John Paul, ick konnte nich anders, ick mute det tun. Ick war selber betrochen, denn hat ick dir in Brief nach Hamburg Bescheed jesacht. Denn warste vajngt, und denn mocht ick nich mehr zurick und denn dacht ick, et mu sind! Et kann och uf andere Weise sind, und denn ... John unheimlich ruhig. La mir man iberlechen, Jette. -- (Er geht an eine Kommode, zieht einen Schub auf und schleudert allerlei Kinderwsche und Kinderkleidungsstcke, die er daraus nimmt, mitten in die Stube.) -- Versteht eener det, wat se Woche um Woche, Monat um Monat, janze Tage und halbe Nchte lang mit blutige Finger jestichelt hat? Frau John sammelt in wahnsinniger Hast die Wsche und Kleidungsstcke auf und versteckt sie sorgfltig im Tischschub oder wo sonst. Paul det nich! Allens kannste dun! aber rei mich nich Fetzen von nackten Leibe! John hlt inne, fat sich an die Stirn, sinkt auf einen Stuhl. Wenn det wahr is, Mutter, da schm ick mir ja in Abjrund rin. -- Er kriecht in sich zusammen, legt die Arme ber den Kopf und verbirgt sein Gesicht. Es tritt eine Stille ein. Direktor Hassenreuter Wie konnten Sie sich nur auf einen solchen Weg des Irrtums und des Betruges drngen lassen, Frau John? Sie haben sich ja verstrickt auf das allerfurchtbarste! Kommt Kinder! Wir knnen hier leider nichts weiter tun. John steht auf. Nehm Se mir man mit, Herr Direkter. Frau John Jeh! immer jeh! ick brauche dir nich! John wendet sich, kalt. Also det Kind haste dich beschafft und wie Mutter hat wieder haben jewollt, hast se lassen von Brunon umbringen? Frau John Du bist nich mein Mann! Wat soll det heeen? Du bist von de Polizei jekoft! Du hast Jeld jekricht, mir an't Messer zu liefern! Jeh Paul! du bist jar keen Mensch! Du bist eener wo Jift in de Ochen, und Hauer wie Welfe hat! Immer pfeif, det se kommen und det se mir festnehmen! Immer zu doch! Nu seh' ick dir, wie det du bist! Ick verachte dir bis zun Jngsten Dache. Frau John will durch die Tr davonlaufen. Da erscheinen Schutzmann Schierke und Quaquaro. Schierke Halt! Aus die Stube raus kommt keener nich. John Immer komm rin, Emil! Herr Schutzmann, immer komm Se ruhig rin. Et is allens in Ordnung! Allens is richtich. Quaquaro Reg dir nich uf, Paul, dir betrifft et ja nich. John mit aufsteigendem Jhzorn. Hast du jelacht, Emil? Quaquaro I, Menschenskind! Herr Schierke soll blo det Kleene per Droschke in't Waisenhaus wechschaffen. Schierke Jawoll. So is et. Wo steckt det Kind? John Soll ick wissen, wo jedet ausgestoppte Balch von Lumpenspeicher, womit olle Hexen mit Besen Fets treiben, an Ende hinjekomm is? Pat ma uf Schornstein uf, det se nich oben rausfliechen. Frau John Paul!! -- Nu soll et nich leben! Nu jerade! Nu och nich! Nu brauch et nich leben! Nu mu et mit mich mit unter de Erde komm. Frau John war blitzschnell hinter den Verschlag gelaufen. Sie kommt mit dem Kinde wieder und will mit ihm zur Tr hinaus. Der Direktor und Spitta werfen sich der Verzweifelten entgegen, in der Absicht, das Kind zu retten. Direktor Hassenreuter Halt! Hier greife ich ein! Hier bin ich zustndig! Wem das Knblein hier auch immer gehren mag -- um so schlimmer, wenn seine Mutter ermordet ist! -- es ist in meinem Fundus geboren! Vorwrts, Spitta! Kmpfen Sie, Spitta! Hier sind Ihre Eigenschaften am Platz! Vorwrts! Vorsicht! So! Bravo! Als wr' es das Jesuskind! Bravo! Sie selber sind frei, Frau John! Wir halten Sie nicht. Sie brauchen uns nur das Jungchen hier lassen. Frau John strzt hinaus. Schierke Hier jeblieben! Frau Direktor Hassenreuter Die Frau ist verzweifelt! Aufhalten! Festhalten! John pltzlich verndert. Jebt uf Muttern acht! Mutter! Ufhalten! Festhalten! -- Mutter! Mutter! Selma, Schierke und John eilen Frau John nach. Spitta, der Direktor, Frau Direktor und Walburga sind um das Kind bemht, das auf den Tisch gebettet wird. Direktor Hassenreuter der das Kind sorgfltig auf den Tisch bettet. Meinethalben mag diese entsetzliche Frau doch verzweifelt sein! Deshalb braucht sie das Kind nicht zugrunde richten. Frau Direktor Hassenreuter Aber liebster Papa, das merkt man doch, da diese Frau ihre Liebe, nrrisch bis zum Wahnsinn, gerade an diesen Sugling geheftet hat. Unbedachtsame harte Worte, Papa, knnen die unglckselige Person in den Tod treiben. Direktor Hassenreuter Harte Worte habe ich nicht gebraucht, Mama. Spitta Mir sagt ein ganz bestimmtes Gefhl: erst jetzt hat das Kind seine Mutter verloren. Quaquaro Det stimmt. Vater is nich, will nischt von wissen, hat jestern in de Hasenheide mit eene Karussellbesitzerswitwe Hochzeit jemacht! Mutter war liederlich! Und bei de Kielbacken, wo Kinder in Fleje hat, sterben von's Dutzend mehrschtens zehn. Nu is et so weit: det jeht jetzt och zujrunde. Direktor Hassenreuter Sofern es nmlich bei dem Vater dort oben, der alles sieht, nicht anders beschlossen ist. Quaquaro Meen Se Pauln? den Mauerpolier! Nu nicht mehr! dem kenn' ick! wo der uf'n Ehrenpunkt kitzlich is. Frau Direktor Hassenreuter Wie das Kindchen da liegt! es ist unbegreiflich. Feine Leinwand! Spitzen sogar! Schmuck und frisch wie ein Pppchen. Es wendet sich einem das Herz um, zu denken, wie es so pltzlich zu einer von aller Welt verlassenen Waise geworden ist. Spitta Wre ich Richter in Israel ... Direktor Hassenreuter Sie wrden der John ein Denkmal setzen! Mag sein, da in diesen verkrochenen Kmpfen und Schicksalen manches heroisch und manches verborgen Verdienstliche ist. Aber Kohlhaas von Kohlhaasenbrck konnte da mit seinem Gerechtigkeitswahnsinn auch nicht durchkommen. Treiben wir praktisches Christentum! Vielleicht knnen wir uns des Kindchens annehmen. Quaquaro Lassen Se da blo de Finger von! Direktor Hassenreuter Warum? Quaquaro Auer det Se Jeld wollen los werden und uf de Quengeleien und Scherereien mit de Armenverwaltung, mit Polizei und Jericht womechlich happich sind. Direktor Hassenreuter Dazu htte ich allerdings keine Zeit brig. Spitta Finden Sie nicht, da hier ein wahrhaft tragisches Verhngnis wirksam gewesen ist? Direktor Hassenreuter Die Tragik ist nicht an Stnde gebunden. Ich habe Ihnen das stets gesagt. Selma, atemlos, ffnet die Flurtr. Selma Herr John, Herr John, Herr Mauerpolier. Frau Direktor Hassenreuter Herr John ist nicht hier. Was willst du denn, Selma? Selma Herr John. Se solln uf de Strae kommn. Direktor Hassenreuter Nur Ruhe, Ruhe. Was gibt's denn, Selma? Selma atemlos. Ihre Frau ... Ihre Frau ... Janze Strae steht voll ... Omnibus, Pferdebahnwagen is jar keen Durchkommen ... Arme ausjestreckt ... Ihre Frau liecht lang uf Jesichte unten. Frau Direktor Hassenreuter Was ist denn geschehen? Selma Herrjott, Herrjott in Himmel, Mutter John hat sich umjebracht. Ende. Gerhart Hauptmanns Gesammelte Werke in sechs Bnden 1. Bd.: Soziale Dramen: Einleitung / Vor Sonnenaufgang / Die Weber / Der Biberpelz / Der rote Hahn. 2. Bd.: Soziale Dramen und Prosa: Fuhrmann Henschel / Rose Bernd / Bahnwrter Thiel / Der Apostel. 3. Bd.: Familiendramen: Das Friedensfest / Einsame Menschen / Kollege Crampton / Michael Kramer. 4. Bd.: Mrchendramen: Hanneles Himmelfahrt / Die versunkene Glocke / Der arme Heinrich. 5. Bd.: Historische Dramen: Florian Geyer. 6. Bd.: Mrchendramen und Fragmentarisches: Elga / Schluck und Jau / Und Pippa tanzt / Helios / Das Hirtenlied. In einer alten Frakturschrift auf bestem Papier sorgfltig gedruckt. Titel und Einband von E. R. Wei. Preis geheftet 24 Mark, in Halbpergament gebunden 30 Mark, in Ganzpergament gebunden 36 Mark. Gerhart Hauptmanns Werke in Einzelausgaben Vor Sonnenaufgang. Soziales Drama. 13. Auflage. Das Friedensfest. Bhnendichtung. 7. Auflage. Einsame Menschen. Drama. 24. Auflage. De Waber. Schauspiel. (Originalausgabe.) 2. Auflage. Die Weber. Schauspiel. (bertragung.) 40. Auflage. Kollege Crampton. Komdie. 8. Auflage. Bahnwrter Thiel -- Der Apostel. Novellistische Studien. 8. Auflage. Der Biberpelz. Eine Diebskomdie. 14. Auflage. Hanneles Himmelfahrt. Eine Traumdichtung. 20. Auflage. Florian Geyer. 9. Auflage. Die versunkene Glocke. Ein deutsches Mrchendrama. 75. Auflage. Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (Originalausg.) 16. Aufl. Fuhrmann Henschel. Schauspiel. (bertragung.) 16. Aufl. Schluck und Jau. Spiel zu Scherz und Schimpf. 10. Auflage. Michael Kramer. Drama. 10. Auflage. Der rote Hahn. Tragikomdie. 8. Auflage. Der arme Heinrich. Eine deutsche Sage. 23. Auflage. Rose Bernd. Schauspiel. 16. Auflage. Elga. 7. Auflage. Und Pippa tanzt! Ein Glashttenmrchen. 10. Auflage. Die Jungfern vom Bischofsberg. Lustspiel. 4. Auflage. Kaiser Karls Geisel. Ein Legendenspiel. 6. Auflage. Griselda. 6. Auflage. Griechischer Frhling. 7. Auflage. Der Narr in Christo Emanuel Quint. Roman. 18. Aufl. Druck der Spamerschen Buchdruckerei in Leipzig Anmerkungen zur Transkription Die Schreibweise und Zeichensetzung des Originales wurden weitgehend beibehalten. Nur offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt (vorher/nachher): [S. 110]: ... skurile Menscheitsintermezzo noch berleben. ... ... skurile Menschheitsintermezzo noch berleben. ... [S. 154]: ... wrgt Trnen hinuter. Mu sich setzen. ... ... wrgt Trnen hinunter. Mu sich setzen. ... End of the Project Gutenberg EBook of Die Ratten, by Gerhart Hauptmann License: Share Alike