Produced by Michael Pullen and Mary Cicora Agnes Bernauer Ein deutsches Trauerspiel in fnf Aufzgen Friedrich Hebbel Personen: Ernst, regierender Herzog zu Mnchen-Bayern Albrecht, sein Sohn Hans von Preising, sein Kanzler Marschall von Pappenheim, Ignaz von Seyboltstorf, Wolfram von Pienzenau und Otto von Bern, Ritter auf der Seite des Herzogs Ernst Graf Trring, Nothhafft von Wernberg und Rolf von Frauenhoven, Ritter auf der Seite des Herzogs Albrecht Hans von Lubelfing, ein Ritter von Ingolstadt Emeran Nusperger zu Kalmperg, Richter zu Straubing Caspar Bernauer, Bader und Chirurgus zu Augsburg Agnes, seine Tochter Theobald, sein Geselle Knippeldollinger, sein Gevatter Hermann Nrdlinger, Brgermeister zu Augsburg Barbara und Martha, Brgermdchen Stachus, ein Diener Der Kastellan auf Vohburg und Straubing Ein Herold des Reichs Ein Legat der Kirche Volk, Ritter und Reisige in groen Massen Die Handlung ereignet sich zwischen 1420 und 1430. Erster Akt Zweiter Akt Dritter Akt Vierter Akt Fnfter Akt Erster Akt Augsburg. Erste Szene Baderstube. Theobald (allein, einen Blumenstrau in der Hand). Ich wei nicht, was ich tun soll. (Er hlt den Blumenstrau empor.) Zertret ich dich? Um die schnen Rosen wr's schade, die sind unschuldig! Oder berreich ich dich? Nein, gewi nicht, und das htt' ich ihm gleich gesagt, dem Herrn Ungetreu, der zu glauben scheint, da ich keine Augen habe, und kein Herz, und kein Blut, wenn--ja, das war's ja! Ich wollte sie prfen! Da kommt sie! Mit dem Morgensppchen des Vaters! Oh, wie das schmecken mu! Wenn die fr mich einmal kochte, ich--(Verbirgt den Strau.) Zweite Szene Agnes (tritt ein mit einer Suppe). Guten Morgen, Theobald! Theobald. Danke schn, Jungfer, danke schn! Wohl geschlafen? Agnes. So sollt' ich Euch fragen! Ihr werdet oft herausgeklopft, wenn sie gerauft haben, und ein Pflaster brauchen. Theobald. Das bemerkt Ihr? (Fr sich.) Ich geb ihr den Strau und bestelle alles! Wenn sie dann ein Gesicht macht und pfui sagt und mich anfhrt: dazu gibst du dich her- Agnes. Was verbergt Ihr denn hinter dem Rcken? Theobald (zeigt den Strau). Ja so, das htt' ich bald vergessen! Agnes. Ah, der ist schn! Gebt ihn mal her! (Sie riecht.) Wenn wir doch auch einen Garten htten! Wessen Namensfest ist denn heute? (Sie will ihn zurckgeben.) Theobald. Behte, er gehrt Euch! Agnes. Mir? Oh, da dank ich! Aber da geht's mit Eurem alten Ohm wohl bald zu Ende? Theobald. Mit meinem Ohm? Agnes. Nun ja, weil er seine Blumen zu verschenken anfngt, das pflegt ein Grtner nicht zu tun, und gekauft habt Ihr sie doch gewi nicht? Theobald. Er ist nicht von mir! Agnes. Nicht von Euch? Von wem denn? Theobald. Ratet! Agnes. Von--Nein, Barbara kann's nicht sein, die sieht mich nicht mehr an, ich wei zwar nicht, warum. Theobald. Es ist keine Sie! Agnes. Keine Sie? Und Ihr seid's auch nicht? (Sie legt den Strau auf den Tisch.) Theobald. Gottlob, ihr fllt sonst niemand ein! Agnes. Aber, da mu ich Euch doch fragen- Theobald. Scheltet nur! Ich wollt's blo wissen! Agnes. Was? Theobald. Ob Ihr vielleicht in der Kirche nach ihm geblinzelt, oder ihm wohl gar bei einem Tanze die Hand gedrckt httet! Agnes. Wem denn? Theobald. Es ist schon gut, wenn Ihr nicht von selbst auf ihn kommt! (Er nimmt den Strau.) Ha, unserer alten Gertrud will ich ihn jetzt verehren, die soll ihn an die platte Brust stecken, wenn sie auf den Markt humpelt, und sich mit einem Knicks bedanken, wenn sie sich an dem Hause vorbeischiebt! (Er springt.) Ich knnte jetzt--(Er singt.) Wenn zwei sich die Hnde geben- Jungfer, es ist ein schnes Lied! (Singt wieder.) Und wer ein guter Geselle ist, Der wird wohl auch ein Meister! Oder ist das nicht wahr? Agnes. Ihr seid zu frh lustig! Spt am Abend ist besser, als frh am Morgen. Theobald. Und doch singen die Vgel, wenn sie erwachen, und nicht, wenn sie einschlafen. (Er fat ihre Hand.) Agnes (zieht sie zurck). Was wollt Ihr? Theobald. Blo nachsehen, ob--Ihr habt sie mir einmal gelassen! Agnes. Als Ihr mir eine Ader ffnen solltet! Theobald. Nun freilich! (Er nimmt die Hand wieder.) Lie mein Schnepper keine Spur? Ich machte es ungeschickt! Agnes. Zittert Ihr immer so dabei, wie damals? Theobald. O nein! mir ward nur so wunderlich, als ich Euch weh tun sollte. Aber wie rot Euer Blut ist! (Fr sich.) Aus meinen Lippen htt' ich gern den Verband gemacht, wenn der Vater nicht dabeigestanden wre! Dritte Szene Knippeldollinger (ruft ins Fenster). Guten Morgen, Patchen! Agnes. Guten Morgen, Herr Gevatter! Theobald. Ist der alte Geck auch schon da? Knippeldollinger. Ich habe von Euch getrumt! Agnes. Danke der Ehre. Theobald. Von deinem Begrbnis htt'st trumen sollen! Das htt' sich besser geschickt. Knippeldollinger. Kirschen gab ich Euch, von den groen, fremden, die ich an der Mauer aufziehe! Agnes. Sind die schon so weit? Knippeldollinger. O ja, es kommt heut abend ein Korb voll davon aufs Tanzhaus! Theobald. Da werden sie gut bezahlt! Knippeldollinger. Und whrend Ihr sie verzehrtet, fhrte ich Euch spazieren! Theobald (laut). Auf den Kirchhof, jawohl, ich war mit dabei! Knippeldollinger. Spavogel, ist Er auch da? Theobald. Ihr tratet auf einen Totenkopf, und der schnappte nach Euch, es war der von Eurer letzten Frau! Agnes. Pfui! Knippeldollinger. Nicht doch, nicht doch, Patchen, ein Bader mu spaig sein, man will doch was hren, wenn man sich den Bart oder das Haar scheren lt. Der Theobald taugt zum Geschft! Nur in die Ohren mu er niemanden schneiden, wie neulich mir! Nun, geh ich heute leer aus, bekomm ich das Patschchen nicht? Agnes. Ich habe wieder die Blattern! Knippeldollinger. Halt mir das nicht immer vor! Nun, ich werde dich nachher noch sehen, denn die Muhme wird dich zum Turnier abholen, ich habe fr Pltze gesorgt. Das wollt' ich dir eigentlich sagen! Agnes. Danke! Zwar wei ich nicht- Knippeldollinger. Ei, es kommt nicht alle Tage. Ritter, Grafen und Barone sind schon hier in Augsburg selten, nun gar ein Herzog von Bayern--der Tausend, da wird niemand, als der Scharfrichter mit seinen Freiknechten fehlen, der freilich gute Grnde hat, nicht unter ehrlichen Christenmenschen zu erscheinen! Vierte Szene Theobald. Da humpelt er hin auf seinen drei Beinen. Ihr steht doch in seinem Testament? Nun, recht hat er, es wird lustig zugehen, ich freu mich auch! (Es wird etwas durchs Fenster geworfen.) Was ist denn das? Es klirrt ja! Agnes. Schlssel! Fnfte Szene Barbara (tritt in die Tr). Darf ich sie wiederholen? Agnes. Barbara! Barbara. Agnes? Agnes. Du kamst lange nicht! Barbara (nimmt die Schlssel auf). Und jetzt hab ich hier etwas zu tun! Siehst du? Agnes. Wir waren immer so gut miteinander: was hast du jetzt gegen mich? Barbara. Oh, das bin ich nicht allein! Agnes. Heilige Mutter Gottes, was sagst du da? Barbara. Du siehst deine Gespielinnen wohl gar nicht mehr an, da du nicht weit, wie sie dich ansehen? Agnes. Es ist wahr, ich erhalte meinen Gru nicht immer so freundlich zurck, wie ich ihn biete! Barbara. Glaub's! Agnes. Aber bei Gott, wenn mir das mit einer begegnete, so dacht' ich: Sie hat schlecht getrumt oder sie ist von der Mutter gescholten oder sie hat ihren Ring verloren- Barbara. Dabei kamst du denn freilich gut weg. Agnes. Was tu ich denn? Sag's! Barbara. Tun! Was tun! Wenn's schon so weit gekommen wre, so wrde man leicht mit dir fertig! Agnes. Barbara! Barbara. Sag doch einmal, warum--(Sie zeigt auf Theobald.) Nun, da steht ja gleich wieder einer und gafft! (Zu Theobald.) Nicht wahr, ich bin gar nicht da! (Zu Agnes.) Gehst du heute? Zum Turnier, mein ich! Ja? Nun, da will ich's allen ansagen, damit sie zu Hause bleiben, ich zuerst! Agnes. Das ist zu arg, das mu mein Vater wissen. Barbara. Bewahre! Niemand red't dir was bles nach! Agnes. Und doch flieht man mich? Doch will man mich ausstoen? Barbara. Agnes, sieh mich mal an! Agnes. Nun? Barbara. Wie wr' dir wohl zumute, wenn--la uns hinaufgehen in deine Kammer! Theobald. Ich will nicht im Wege sein, wenn gebeichtet werden soll! (Ab.) Barbara. Ja, wie wr' dir zumute, wenn du, wie sag ich, nun, wenn du einen gern httest, und der htte nur Augen fr mich? Agnes. Wie soll ich das wissen! Barbara. So will ich's dir sagen! Du wrdest--Doch ich will mich nicht lcherlich machen, du weit es selbst recht gut! Und meinst du, da es anderen besser geht? (Bemerkt den Strau.) Woher kommt der? Agnes. Das wei ich nicht! Barbara. Nicht? Kommen so viele? Wenn er von meinem Wolfram kme, ich--Und es ist gern mglich, gerade die Blumen stehen in seinem Garten! Gestern den ganzen Tag sah ich nach seinem Vetter, zwang mich, dem gleichgltigen Menschen verliebte Blicke zuzuwerfen und dachte, er wrde rasen. Abends, als wir zu Hause gingen, strich er den Burschen selbst gegen mich heraus, es war ihm recht gewesen, ich hatte ihm einen Gefallen damit getan! Agnes. Arme! Barbara. Daran bist du schuld, niemand schuld, als du! Als er dich noch nicht kannte, hing er an mir, wie eine Klette. In den Brenzwinger wr' er fr mich hinabgestiegen und htte meinen Handschuh heraufgeholt. Und nun--pfui! Agnes. Du schiltst mich, und ich wei nicht einmal, wovon du sprichst! Barbara (nimmt den Strau). Ich will schon dahinterkommen, ich nehm ihn mit! Agnes. Mir gleich! Barbara. Allen machst du abspenstig, was ihnen gehrt! Ich wrde mich schmen! Agnes. Kannst du sagen, da ich auch nur einen ansehe? Barbara. Das ist's vielleicht eben! Nonne und doch keine! Heilige, aber noch nicht im Himmel! Die mu man Gott abjagen! Da mu man alles daransetzen! Ei, sei, wie wir, kuck auf, sprich, und es wird sich geben! Agnes. Tt' ich's, so wrdest du wieder schmlen! Barbara. So geh ins Kloster, wirf den Schleier ber, den niemand heben darf! Ich dich um Vergebung bitten? In Ewigkeit nicht! Agnes. Wer verlangt's denn? Barbara. Mein Beichtvater! Glaubst du, ich kam von selbst? Aber nein, lieber auf Erbsen knien! (Hlt den Strau in die Hhe.) Den werd ich ihm jetzt schenken! Kennt er ihn nicht, so schick ich dir einen doppelt so schnen! (Ab.) Agnes. Sie tut mir leid! Aber kann ich's ndern? Sechste Szene Theobald (tritt wieder ein). Die hat die arme Gertrud ja beraubt! Agnes. Sie scheint den Verstand verloren zu haben! Theobald. Das mcht' ich doch nicht sagen! Agnes. So htte sie recht? Theobald. Ich glaube fast! Jungfer, ich knnt' Euch alle Morgen- Siebente Szene Caspar Bernauer (tritt mit einem Buch ein, das in ein rotes Tuch gewickelt ist; zu Agnes). Ja, ja, ja! Wenn ich nur nicht mit soll! Nun geh hinauf und lege dein Kettlein an. Sie blasen schon am Fronhof. Agnes. Nein, Vater, ich bleibe zu Hause! Caspar Bernauer. Wie? Was? Warum wartest du hier denn auf mich? (Zu Theobald.) An den Destillierkolben! Das Feuer wird zu schren sein! Theobald (geht ab). Caspar Bernauer. Nun? Agnes. Vater, all die Augen--es ist mir, als ob mich geradesoviel Bienen stchen! Und Er wei ja, sie sehen alle nach mir! Theobald (tritt wieder ein). Caspar Bernauer. Sieh du sie wieder an! Nun, wenn du lieber deinen Rosenkranz abbetest, meinetwegen! (Sieht sich um, zu Theobald.) Noch keine Salben abgerhrt? Hat der Hahn heut morgen nicht gekrht? Theobald (geht ans Geschft). Agnes. Barbara war hier, alle hassen mich, ich verderb ihnen den Tag, wenn ich komme. Caspar Bernauer. Und darum willst du ausbleiben? Nichts da! Dann drfte der beste Ritter ja auch nicht kommen, denn der verdirbt den brigen ja auch den Tag. Und der nchstbeste ebensowenig, und wer noch, bis auf den letzten, der nur zum Umpurzeln da ist! Torheit und kein Ende! Hinauf! (Zu Theobald.) Und du hole die Flasche mit dem Wundwasser herunter! Beide (ab). Achte Szene Caspar Bernauer. Die Suppe ist kalt geworden! Ich nehm's fr genossen! (Legt das Buch auf den Tisch.) Bischfliche Gnaden haben recht, wenig bring ich heraus und gerade die Hauptsachen nicht, die vom Hippokrates, denn die sind griechisch. Ich mu es so zurcktragen. Neunte Szene Knippeldollinger (tritt herein). Guten Morgen, Gevatter! Ah! Das ist wohl ein Buch? Ja? Caspar Bernauer. Und das ist wohl ein funkelnagelneues Wams? Knippeldollinger. Nun, wenn alte Leute nichts mehr machen lieen, wrde mancher Schneider hungern! (Sieht ins Buch.) Herrje, wie kraus und bunt! Und das versteht Ihr, wie der Bischof? Theobald (tritt mit der Flasche ein und macht sich wieder zu tun). Caspar Bernauer. Ihr mt immer fragen! Knippeldollinger. Wie alt das wohl ist? Caspar Bernauer. Seit der Kreuzigung unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi sind jetzt verflossen eintausendvierhundertsechsundzwanzig Jahre, aber der Autor dieses Buches, das ist zu sagen der Urheber, nmlich der Mann, der es gemacht hat, war schon ber vierhundert Jahre tot, bevor der Herr auf Erden im Fleisch unter uns erschien. Knippeldollinger. Macht an die zweitausend Jahre! Sollte man's glauben, da es Leute gibt, die solche Bcher so lange aufheben? Es ist doch kein Gold! Denkt nur an all die Feuersbrnste und berschwemmungen, an Pestilenz und Seuchen! Sieh, sieh! Caspar Bernauer. Es gab immer gelehrte Mnner! Knippeldollinger. Freilich, freilich! Was gab's nicht! Wenn man das so erwgt, Gevatter, und gehrig bedenkt--Ja, ja! Nicht wahr? Sagt selbst! Caspar Bernauer. Ich wei nicht, was Ihr meint! Knippeldollinger. Ho, ho! Besser, als ich! Damit kommt Ihr mir nicht durch. Nun, wie Ihr wollt! Wo bleibt denn mein Patchen? Die Muhme wird schon warten! Caspar Bernauer. Ja, die hatte Grillen! (Zu Theobald.) Spring einmal zu ihr hinauf! Bring gleich das Besteck mit! Wir werden's brauchen. Theobald (ab). Knippeldollinger. Ihr geht nicht auch? Wir knnten zusammenrcken! Caspar Bernauer. Mich kmmern bei einem Turnier nur die Beulen und Wunden, und die krieg ich hier schon zu sehen, denn man trgt mir die Krppel her! Knippeldollinger. Aber der Herzog, der Herzog von Bayern- Caspar Bernauer. Mich lstet nicht nach seiner Bekanntschaft, und ich will ihm wnschen, da er auch die meinige nicht suchen mu, denn dazu fhrt nur ein Rippenbruch! Heut abend ist das was anders. Knippeldollinger. Denkt Euch, hinter der alten Klostermauer, wo mein Vetter wohnt, hat man letzte Nacht einen Toten gefunden! Caspar Bernauer. Da ist viel zu wundern! Kommen jemals Reichsknechte nach Augsburg, ohne da es etwas gibt? Knippeldollinger. Wohl! Aber dieser ist so entstellt, da man ihn gar nicht mehr erkennen kann! Caspar Bernauer. So soll man drei Tropfen seines Blutes nehmen und sie um Mitternacht, mit einem gewissen Liquor vermischt, auf eine glhende Eibenkohle trufeln. Dann wird der Verstorbene im Dampf erscheinen, wie er leibte und lebte, aber in durchsichtiger Gestalt, gleich einer Wasserblase, mit einem dunkelroten Punkt in der Mitte, der das Herz vorstellt. Knippeldollinger. Ei! Ei! Habt Ihr den Liquor? Caspar Bernauer. Wenn Ihr ihn httet, so lieet Ihr's durch den Ratsweibel ausrufen! Zehnte Szene Agnes (kommt im Putz. Theobald folgt). Knippeldollinger. Sieh da! (Fat ihre Hand.) Nun bekomm ich sie doch? Caspar Bernauer (zu Agnes). Soll ich dir jetzt mit dem Korkstpsel ein neues Gesicht machen, wie zum Schnbartlaufen, da du das alte nicht gern mehr herumtrgst? Agnes. Kommt, Gevatter! Knippeldollinger (fhrt sie ab, in der Tr). Wit Ihr, da der Syndikus sich wieder verheiratet? Er ist zehn Jahr lter, wie ich! Caspar Bernauer. Ihr irrt, nur fnf! Viel Vergngen! Wenig Rippenste! Knippeldollinger (mit Agnes ab). Elfte Szene Caspar Bernauer. Alter schtzt vor Torheit nicht! Nun, Caspar, nicht hochmtig, du hast wohl auch deinen Sparren! (Zu Theobald.) Geh nur auch, aber sei zur rechten Zeit wieder da! Du siehst's ja schon! Wenn sie einen forttragen! Theobald (ab). Zwlfte Szene Caspar Bernauer (nimmt das Buch wieder). Ich will's noch einmal versuchen! Ich schm mich doch, es so wiederzubringen! Wahrhaftig, mich rgert der babylonische Turmbau weit mehr, als der Sndenfall, denn ohne den sprchen wir mit unserer einen Zunge doch auch nur eine Sprache, und verstnden uns nicht blo, wenn wir schreien. Das hat mich schon in meiner Jugend verdrossen. Wie gern wr' ich als Geselle in die weite Welt gegangen, ob ich das Einhorntier, den Vogel Phnix, die Menschen, die auf Bumen wachsen, irgendwo zu sehen bekme, oder gar in der Trkei, wo sie doch gewi viele unschuldig hngen, ein Alrunchen erwischte! Aber dann dacht' ich immer: du verstehst die Leute ja nicht und sie dich auch nicht! und blieb daheim! (Ab.) Herberge. Dreizehnte Szene Herzog Albrecht, Freiherr von Trring, Nothhafft von Wernberg und Ritter Frauenhoven, vom Turnier kommend, nebst Knappen und Dienern. Brgermeister Nrdlinger. Albrecht. Ich danke jetzt, Herr Brgermeister, ich danke fr das Geleite! Brgermeister. Gestrenger Herr, ich kenne meine Pflicht! (Ruft.) Wein her! Nothhafft von Wernberg (zum Herzog). Ihr knnt ihn nicht vor dem Trunk verabschieden. Albrecht. Frauenhoven! Frauenhoven. Was ist's? Albrecht. Hast du das Mdchen gesehen--Aber, du mut ja, du mut ja! Frauenhoven. Welche denn? Albrecht. Welche! Ich bitte dich, geh, ihr nach! Vom Pferd htt' ich mich geworfen und wre ihr gefolgt, wenn nicht (er zeigt auf den Brgermeister) der da- Brgermeister (mit einem Pokal). Gestrenger Herr, die reichsfreie Stadt Augsburg heit Euch nach ruhmvoll bestandenem Turnier in Eurer Herberge willkommen, und dankt Euch, da Ihr ihre Patrizier einer Lanze gewrdigt habt. Albrecht (trinkt). Sie lebe hoch, denn sie verdient's! Ha, wo solch ein wunderbares Licht der Schnheit leuchtet--(streift sich mit der Hand ber die Stirn) ja, sie verdient's! (Wendet sich.) Frauenhoven, du bist noch da? Frauenhoven. Aber- Brgermeister. Verhoffe demnach-Albrecht. Heute abend auf dem Tanzhaus--das versteht sich! Nichts kann mich zurckhalten, vorausgesetzt, da auch sie--Verzeiht, ich bin ganz verwirrt! Ein Bote von meinem Vater-Brgermeister. Ich hatte die Einladung nach Amtspflicht zu wiederholen, mu jedoch als Patrizier bemerken: es ist nicht blo Geschlechter-Tanz. Auch die Znfte kommen! Albrecht. Ich wollte, die ganze Stadt wre da! Brgermeister. Empfehle mich zu Gnaden! (Ab.) Vierzehnte Szene Albrecht (zu Frauenhoven). Und nun, du lieber, lieber Herzensfreund, schnell, schnell! Oder besser: ihr alle! Du die eine Strae hinunter, du die andere, du die dritte! Frauenhoven. Ihr gabt mir heut morgen den Auftrag, dem Werdenberg nachzureiten! Er hat Euch Eure Braut, die Grfin von Wrttemberg, entfhrt, wit Ihr's noch? Albrecht. Nenne sie nicht mehr! Nothhafft von Wernberg. Ja, und ich sollte dem Wrttemberger die Schlssel von Gppingen abfordern, weil die Heirat durch die Flucht seiner Tochter unmglich geworden sei, und also das Reugeld herausgezahlt werden msse! Trring. Und ich sollte nach Mnchen zu Hof und Eurem Vater beides melden! Albrecht. Das ist vorbei, das ist, als ob's nie gewesen wre! Ich jauchze, da Elisabeth eine Kette zerbrochen hat, die ich sonst selbst zerbrochen haben wrde. Ich will nicht einen Dachziegel von Gppingen oder einen Pfenning zur Auslsung, denn ich knnte mir das Leben, das Atemholen, ebensogut bezahlen lassen, wie meine neue Freiheit, und was meinen Vater betrifft, so steht mir seit lange eine Bitte an ihn zu, und das soll die sein: da er es ganz so verhalten mge, wie ich! Trring. Dieser Wechsel ist rasch! Nothhafft von Wernberg. Und kostet Bayern fnfundzwanzigtausend Gulden! Albrecht. Ich kenn euch nicht mehr! Knapp', schl mich ab, ich will selbst fort, und in diesem Aufzug schlepp ich einen Schweif von Hunderten hinter mir her. Ein Knappe (entkleidet den Herzog des Panzerhemdes usw.). Albrecht. Da liegt der Herzog!--Habt ihr Augen? (Schnallt sein Schwert ab.) Und da der Ritter! Blumen her, da ich sie vor ihr ausstreuen kann, wo ich sie finde! (Setzt ein Barett auf.) Wird mich nun noch jemand erkennen? Trring. Ohne Schwert? Jeder wird sich zu tuschen glauben! Albrecht (indem er abgeht). Freunde, habt Geduld mit mir! (Ab.) Trring. Begreift ihr das? Nothhafft von Wernberg. Herzog Ernst wird Augen machen! Der besinnt sich etwas lnger, wenn sich's um den Verlust von fnfundzwanzigtausend Gulden handelt. Frauenhoven. Brder, richten wir nicht, da wir nicht gerichtet werden! Das haben wir alle entweder hinter uns oder vor uns. Wenn ihr's noch nicht wit, so seht ihr's jetzt, warum unsre Altvordern fr das Weib den Namen Mannrausch erfanden! Doch diesen Rausch vertreibt man durchs Trinken, wie den andern durch Enthaltsamkeit; je tiefer der Zug, je rascher die Nchternheit! Darum mssen wir ihm beistehen! Nothhafft von Wernberg. Aber die absonderlichen Reden wollen wir uns merken, wir knnen sie einmal wieder ausspielen, sei's auch nur, um uns selbst unsrer Haut gegen ihn zu wehren. "Habt ihr Augen?--Blumen her!--Ich kenn euch nicht mehr!" Damit belad ich meinen Esel. Sammelt ihr auf, was heut abend abfllt, denn ohne Zweifel trifft der neue Adam seine Eva beim Tanz. Vielleicht ist's der Engel von Augsburg! Trring. Der Engel von Augsburg? Nothhafft von Wernberg. So nennt man hier eine Baderstochter, Agnes Bernauer, deren Schnheit die halbe Stadt verrckt machen soll. Wollen wir die Bude ihres Vaters einmal aufsuchen? Wir knnen uns die Brte stutzen lassen, und wer wei, ob wir das Wunder bei dieser Gelegenheit nicht zu sehen bekommen. Frauenhoven. Topp! (Alle ab.) Groer Saal im Tanzhause der Stadt. Festlich geschmckt mit den Panieren der Znfte und den Wappen der Geschlechter. Abend. Die Gste versammeln sich rasch, die Zunftmeister empfangen. Fnfzehnte Szene Brgermeister Hermann Nrdlinger kommt mit Nothhafft von Wernberg. Brgermeister. Ja, Herr Ritter, so luft nun alles seit jenem unseligen Katharinen-Abend, wo wir den Pbel mit in den Rat aufnehmen muten, bei uns durcheinander! Perlen und Erbsen in einem Sack, der Herzog wird das Ausklauben mhsam finden, mich wundert, da er kommt! Nothhafft von Wernberg. Ihr habt Euch noch immer nicht gewhnt? Es ist doch schon lange her. Brgermeister. Noch nicht lange genug, da die Hoffnung auf die Rckkehr der guten alten Zeit schon ganz erstickt sein sollte. Seht den Dicken da, das ist der Zunftmeister der Bcker, der macht die Ehre der Stadt. Seht doch hin! Wenn er dem ankommenden Gast, den er zu begren hat, nicht mit seinem Stierkopf den Brustkasten einstt, so zerschmettert er einem schon anwesenden ganz sicher durch den Kratzfu das Schienbein! Was sagt Ihr? Ist's nicht, als wenn ein Pferd ausschlge? Und das sollte man gewhnen! Nothhafft von Wernberg. Ihr httet Euch besser wehren sollen! Brgermeister. Wir wurden berrumpelt! Kaiser und Reich htten uns besser beistehen sollen! Was ntigte die Majestt, den vermaledeiten Zunftbrief, der uns abgezwungen wurde, hinterher mit Ihrem Siegel zu versehen? Wir hatten genug zu tun, da wir uns nur nicht selbst unter die Metzger und Handschuhmacher aufnehmen lassen und unsere alten Namen mit neuen vertauschen muten. Denn das wurde verlangt. Sechzehnte Szene Frauenhoven und Trring kommen. Frauenhoven. Da steht der Brgermeister, der kann es uns sagen! (Tritt zum Brgermeister heran.) Ist es wahr, wie man im Reich erzhlt, da der Boden von Augsburg keine Ratten duldet? Brgermeister. Gewi ist es wahr, man trifft dies Ungeziefer nimmer! Das war schon so zu den Zeiten des Drusus. Trring. Kurios! Siebzehnte Szene Trompeten. Brgermeister. Seine Gnaden der Herzog! (Eilt zum Eingang und begrt den eintretenden Herzog Albrecht.) Albrecht (tritt zu Frauenhoven, Trring und Nothhafft von Wernberg heran). Da seid ihr! Frauenhoven. Wir haben den ganzen Nachmittag gesucht- Albrecht. Und gefunden-Nothhafft von Wernberg. Eben jetzt! Albrecht. Mich, meinst du! Oh, kstlicher Fund! Ich bedanke mich! Frauenhoven. Ich strich allein und- Albrecht. Es ging dir besser, wie mir? Du entdecktest ihre Spur! Frauenhoven. Ja! Albrecht. Warum treff ich dich erst jetzt! Frauenhoven. Dies Mdchen--Oh! Wohl hattet Ihr recht, uns zu fragen, ob wir Augen htten! Albrecht. Du liebst sie auch? Frauenhoven. Knnt' ich anders? Albrecht. Frauenhoven, das ist ein groes Unglck! Ich glaub's dir, da du nicht anders kannst, es wre Wahnsinn von mir, wenn ich verlangte, da du entsagen solltest, hier hrt die Lehnspflicht auf. Aber wahrlich, auch die Freundschaft, hier beginnt der Kampf um Leben und Tod, hier fragt sich's, in wessen Adern ein Tropfen Bluts brigbleiben soll! Du lchelst? Lchle nicht! Wenn du das nicht fhlst, wie ich, so bist du nicht wert, sie anzusehen! Frauenhoven. Diese pechschwarzen Augen--und wie sie den Hals trgt, recht, um sich daran aufzuhngen und vor allem diese kastanienbraunen Haare- Albrecht. Faselst du? Goldne Locken sind's, die sich um ihre Stirn ringeln--demtiger ward nie ein Nacken gesenkt und ihre Augen knnen nicht schwarz sein! Nein, nein, wie Meeresleuchten traf mich ihr Strahl, wie Meeresleuchten, das pltzlich fremd und wunderbar aus dem sanften blauen Element aufzuckt und ebenso pltzlich wieder erlischt! Frauenhoven. Gndiger Herr, ich wei nichts von ihr, es war ein Scherz, den Ihr dem lustigen Ort, wo wir uns befinden, verzeihen mgt! Albrecht. So flieh! flieht alle, da nicht Ernst daraus wird, frchterlicher Ernst, denn ich sage euch, die sieht keiner, ohne die hchste Gefahr! Achtzehnte Szene Agnes (erscheint, von Caspar Bernauer und Knippeldollinger begleitet). Albrecht (ausbrechend). Da ist sie! Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. (zugleich). Wunderschn, das ist wahr! Trring. Und der Engel von Augsburg, das ist auch wahr! Dort steht ja der Vater! Albrecht. Kennst du sie? Trring. Man nennt sie hier allgemein den Engel von Augsburg. Sie ist die Tochter eines Baders, gndiger Herr! Wir lieen uns vorhin die Brte bei ihm stutzen. (Er zeigt auf seinen Bart.) Seht Ihr? Der Mann ist geschickt, nicht wahr? Es knnte dem Eurigen auch nicht schaden! (Er tritt auf die Gruppe zu.) Guten Abend, Meister, da sehen wir uns schon wieder! Caspar Bernauer. Viel Ehre fr mich! Albrecht (folgt, zu Agnes). Jungfrau, warum erteilt Ihr auf den Turnieren nicht den Dank? Was durch Eure Hnde geht, ist edler, als Gold, und kstlicher, als Edelstein, wr's auch nur ein grner Zweig, vom nchsten Busch gebrochen! Caspar Bernauer. Meine Tochter ist an solche Reden nicht gewhnt, gndiger Herr; fragt sie aus den sieben Hauptstcken unseres allerheiligsten Glaubens, und sie wird nicht verstummen! Agnes. Nicht doch, Vater, der Herzog von Bayern will seine Braut so anreden und macht bei der Brgerstochter von Augsburg nur die Probe! Caspar Bernauer. Wohl gesprochen, Agnes, aber zum Antworten hast du keine Vollmacht, darum danke Seiner Frstlichen Gnaden fr die Herablassung und komm! Albrecht. Warum, strriger Alter? Noch habe ich ja kaum den Ton ihrer Stimme gehrt, noch kamen die vierundzwanzig Buchstaben nicht alle ber ihre Lippen! (Abgewandt.) Ha, ich knnt' sie bitten: sprich dies Wort aus, oder das, oder jenes, nicht des Sinns wegen, nur damit ich erfahre, mit wieviel Musik dein Mund es beschenkt! (Zu Caspar Bernauer.) Ihr geht doch? So mt Ihr mir gestatten, Euch zu begleiten! Euer Schatten weicht eher von Euren Schritten, als ich! Caspar Bernauer. Euresgleichen wrde neidisch werden! Trring (fat Caspar Bernauer unter dem Arm). Bayerns Herzog hat hier seinesgleichen nicht! (Er fhrt ihn ab, Nothhafft von Wernberg gesellt sich zu Knippeldollinger und folgt.) Albrecht (zu Agnes, die ebenfalls folgt und sich ihrem Vater zu nhern sucht). Mdchen, ich tuschte mich nicht, du hast heut morgen nach mir gesehen. Galt der Blick mir oder meinem venezianischen Helmbusch? Agnes. Ich zitterte fr Euch, gndiger Herr, Ihr schautet zu mir herber und rittet gegen den Feind, ich dachte, Ihr mtet Schaden nehmen! Albrecht. Und das war dir nicht gleichgltig? (Sie verlieren sich, nebst den andern, im Gewimmel.) Barbara (mit Martha und andern Mdchen hervortretend). Ha, ha, ha! Sagt' ich's euch nicht, da es besser sei, zu Hause zu bleiben? Nun freut euch, wenn ihr knnt! Martha. Ei, dies ist ja gut! Wenn der Herzog sie mitnimmt, steht sie uns ebensowenig mehr im Wege, als wenn sie gen Himmel fhrt! Barbara. Mitnimmt! Wo denkt ihr hin! Er wird sie schon hier lassen! Aber sie wird noch im Wert steigen, nun auch er genickt hat! Seht euch nur um, wie alles kuckt und flstert! (Gehen vorber.) Nothhafft von Wernberg (kommt mit Knippeldollinger, ihm tritt entgegen:) Brgermeister Nrdlinger (mit einem Frulein). Herr Ritter--meine Base, Juliana Peutinger--sie hat des Kaisers Majestt schon als vierjhriges Jungfrulein im Namen des Rats mit einer kleinen lateinischen Rede begrt! Ich mchte sie Seiner Gnaden gern auffhren! Nothhafft von Wernberg (mit ihm weitergehend). Nachher, Herr Brgermeister, nachher! (Leise.) Der Herzog ist von den Brgern so warm empfangen worden, sie haben sich die Kehle fast abgeschrien, Ihr seht, er bezeugt sich dankbar! (Gehen vorber.) Albrecht (kommt mit Agnes). Nun sprich auch du! Was sagst du dazu? Agnes. Mir ist, als hrt' ich eine Geige mehr, s klingt's, auch trumt sich's schn dabei. Albrecht. Ich frage dich, ob du mich lieben kannst! Agnes. Das fragt eine Frstentochter, doch nicht mich! Albrecht. O sprich! Agnes. Schont mich, oder fragt mich, wie man ein armes Menschenkind fragt, von dem man glaubt, da ein ungeheures Unglck es treffen knne! Albrecht. Dies Wort- Agnes. Legt's nicht aus, ich bitt Euch, zieht niemanden die Hand weg, wenn er sie ber die Brust hlt. Caspar Bernauer (der mit Trring gefolgt ist und sich Agnes zu nhern sucht). Morgen, Herr Graf, morgen! Knippeldollinger (der mit Nothhafft von Wernberg neben den beiden geht, zu Trring). Einen, der das Blut besprach, habe ich selbst gekannt. Albrecht. Agnes, du verkennst mich! Ich liebe dich! Caspar Bernauer (tritt zwischen beide). Komm, mein Kind! Auch du hast Ehre zu verlieren! (Er will sie abfhren.) Albrecht (vertritt ihm den Weg). Ich liebe sie, aber ich wrd's ihr nimmer gesagt haben, wenn ich nicht hinzufgen wollte: ich werb um sie! Nothhafft von Wernberg. Gndiger Herr! Frauenhoven. Albrecht! Kennst du deinen Vater? Trring. Denkt an Kaiser und Reich! Ihr seid ein Wittelsbach! Es ist nur zur Erinnerung. Albrecht. Nun, Alter, frchtest du noch fr ihre Ehre? Caspar Bernauer. Nein, gndiger Herr, aber--Vor funfzig Jahren htte sie bei einem Turnier nicht einmal erscheinen drfen, ohne gestupt zu werden, denn damals wurde die Tochter des Mannes, der dem Ritter die Knochen wieder einrenkt und die Wunden heilt, noch zu den Unehrlichen gezhlt. Es ist nur zur Erinnerung! Albrecht. Und nach funfzig Jahren soll jeder Engel, der ihr gleicht, auf Erden einen Thron finden, und htte ihn einer ins Leben gerufen, der dir noch die Hand kssen mu. Dafr soll mein Beispiel sorgen! Frauenhoven. Er ist verrckt! (Zu Albrecht.) Nur hier nicht weiter, nur heute nicht! Alles wird aufmerksam und auf jeden Fall mu die Sache geheimbleiben! Albrecht (zu Caspar Bernauer). Darf ich morgen kommen? Caspar Bernauer. Wenn ich auch nein sagte, was hlfe es mir? Albrecht. Agnes? Agnes. Wer rief mir doch heute morgen zu: geh ins Kloster? Mir ducht, ich sehe jetzt einen Finger, der mich hineinweist! Albrecht. Dir schwindelt! Halt dich an mich! Und ob die Welt sich dreht, du wirst fest stehen! Caspar Bernauer. Gndiger Herr, wir beurlauben uns! Die fllt mir sonst um! (Ab mit Agnes und Knippeldollinger.) Albrecht. Ich mu--(Will folgen.) Frauenhoven. Keinen Schritt! Ihretwegen, wenn nicht deinetwegen. Albrecht. Du kannst recht haben! Frauenhoven. Sprich jetzt auch mit anderen! Sprich mit allen! Und lange, ich bitte dich, lange! Albrecht. Ich htte so gerne noch meinen Namen von ihren Lippen gehrt! Doch--wer will denn auch Weihnacht, Ostern und Pfingsten auf einmal feiern!--(Er mischt sich unter die brigen Gste. Ihm tritt Brgermeister Nrdlinger mit dem Frulein entgegen.) Zweiter Akt Augsburg. Erste Szene Herberge. Frher Morgen. Nothhafft von Wernberg. Die Sache wird ernst. Trring. Sehr ernst! Die Linie steht auf zwei Augen- Frauenhoven. Das doch nicht! Auch Herzog Wilhelm hat einen Sohn! Trring. Der schwach und siech ist und kaum vier Jahre alt. Habt ihr das Jammerbild nie gesehen? Ich wei, was ich sage. Die Mnchner Linie steht so gut, wie auf zwei Augen, und wenn es uns nicht gelingt, Albrecht von seinem tollen Vorhaben abzubringen, so zeugt er Kinder, die nicht einmal den unsrigen ebenbrtig sind! Was wird dann? Schon jetzt ist Bayern in drei Teile zerrissen, wie ein Pfannkuchen, um den drei Hungrige sich schlugen, soll's ganz zugrunde gehen? Und das wird geschehen, wenn wir dies Unglck nicht verhindern knnen. Nothhafft von Wernberg. Das ist wahr! Von allen Seiten wrden sie heranrcken, vergilbte Pfandbriefe auf der Lanzenspitze und vermoderte Vertrge auf der Fahnenstange, und wenn sie sich lange genug gezankt und gerauft htten, wrde nach seiner Weise der Kaiser zugreifen, denn whrend die Bren sich zerreien, schnappt der Adler die Beute weg. Trring. Also lat uns vorbeugen! Frauenhoven. Aber wie? Verget nicht, da er ebensoviel welsches Blut im Leibe hat, als deutsches, und vielleicht noch einige Tropfen mehr! Ich sage euch, wenn ihr's noch nicht wit, die Mutter ist mchtig in ihm, und wenn ihr ihm nicht neue Augen einsetzen knnt, da ihm das Schne hlich vorkommt und das Hliche schn, so richtet ihr nichts bei ihm aus. Ihr httet ihn diese Nacht auf dem Heimgang hren sollen! Und ist es denn nicht auch wahr? Wer kann sich rhmen, einen solchen Engel gesehen zu haben, eh' er nach Augsburg kam? Trring. Glaubt ihr denn, ich bin der Narr, der das Feuer besprechen will? Das fllt mir nicht ein! Mag's brennen, bis er Asche ist, was kmmert's mich. Aber ich denke, die Nahrung wird diesem Feuer etwas billiger zu kaufen sein, als mit Thronen und Kronen! Zum Teufel, ist denn Albrecht nicht auch so ein Weib wert? Lat mich nur machen! Ich sage euch, es sind wackre Menschen, vernnftige Leute! Stand der Alte nicht gestern abend da, als ob sich ihm der Erzengel Michael zum Eidam antrge? Und das Mdchen--schaute sie nicht drein, als ob sie zum Fliegen aufgefordert wrde, anstatt zum Tanzen? Gebt nur acht, ich bringe alles ins gleiche! (Ab.) Frauenhoven. Der irrt sich! In Vater und Tochter, wie im Herzog! Nothhafft von Wernberg. Aber ins Gewissen mssen wir ihm reden! Frauenhoven. Warum? Um es getan zu haben, nicht wahr, wenn wir dereinst zur Rechenschaft gezogen werden! Borg dir die Posaune des Jngsten Gerichts und versuch's, ob du Gehr bei ihm findest. Ich bin zufrieden, wenn's nur einstweilen geheimbleibt. Er ist beim faulen Wenzel in Prag auferzogen worden, und was der bei Geigen--und Fltenklang in ihn hineingest hat, das bringt Gott selbst nicht wieder heraus! Zweite Szene Albrecht (tritt ein). Nun, Freunde? Was sagt ihr zu diesem Morgen, der die ganze Welt vergoldet? Nicht wahr, den htt' man nicht schner bestellen knnen? Aber, wie steht ihr denn da? Als ob ihr augenblicklich ins Gefecht solltet und euern Letzten Willen noch berdchtet! Nothhafft von Wernberg. Da hoff ich anders auszusehen, obgleich ich keinen Vater mehr habe, der mich wieder heraushaut, wenn's zu arg wird, wie Ihr! Albrecht. Ja, das ist wahr, da hab ich einen Vorzug vor euch. Ich darf dem Tode keck in den Rachen springen, wie die Maus dem Lwen. Noch zwischen Kauen und Schlucken reit mich der wieder heraus, der mich gemacht hat. Nothhafft von Wernberg. Das habt Ihr bei Alling erfahren! Wre er nicht gewesen- Albrecht. So wrde mein erster Kampf auch mein letzter geblieben sein, und ich htte nie gehrt, wie s die Siegstrompete tnt; was red ich, ich htte Agnes nie erblickt! Nothhafft von Wernberg. Agnes! Albrecht. Oh, ich bin ihm Dank schuldig, unendlichen Dank, mehr Dank, wie irgendein anderer Sohn dem seinigen! Nothhafft von Wernberg. Fhlt Ihr's? Albrecht. Erst seit gestern ganz! Dies Auge, das ich jetzt freiwillig schlieen mchte, wie den Mund, wenn er seine Kirsche hat--gebrochen und mit Sand verschttet wrde es ohne ihn ja lngst daliegen, ein Spiegel, der zerschlagen ward, bevor er das Bild noch auffangen konnte, das er festhalten sollte, und dies Herz--die Stunde wird kommen, wo ihr mich verstehen knnt, dann mehr! Seht, wenn euch auch einmal wird, als ob sich Millionen Lippen in euch auftten, und alle saugen wollten--wenn ihr nicht mehr wit, ob's Lust oder Schmerz ist, was euch die Seele im Wirbel herumjagt--wenn euch die Brust zerspringen will und ihr, von Frost und Hitze zugleich geschttelt, zweifelnd ausruft: doch wohl Lust, ja, wohl Lust, Wollust! und dies dunkle Wort, wie ich, nun auf einmal begreift, indem ihr's, schwindelnd zwischen Leben und Tod, mit eurem letzten Atemzug nachschafft--dann--dann! Eher nicht! Nothhafft von Wernberg. Gndiger Herr--eine Bitte! Albrecht. Was ist's? Nothhafft von Wernberg. Stellt Euch Euren Vater einmal vor! Albrecht. Nun? Nothhafft von Wernberg. Aber recht deutlich, mit dem Gesicht, das er hat, wenn er einem einen Wunsch nicht blo abschlagen, sondern in den Hals zurckjagen will, so da man ihn, wenn man um Honigbirnen gekommen ist, um Stockprgel anspricht! Albrecht. Gut! Nothhafft von Wernberg. Seht Ihr ihn? So fragt Euch, ob Ihr das vom Spiegel und vom Wirbel und von Lust und Schmerz, und von Leben und Tod vor ihm wiederholen mchtet! Albrecht. Vor ihm? Ja! Ich habe eine Mutter gehabt! Vor euch? Nicht um die Welt! Nothhafft von Wernberg. Eure Mutter war eine Prinzessin von Mailand! Albrecht. Und sollte sie meine Mutter nicht auch geworden sein, wenn sie keine Prinzessin von Mailand gewesen wre? Sie war das Muster eines Weibes--htte das nicht gengt? Nothhafft von Wernberg. Ich zweifle! Wenn aber--so wrde Euch jetzt nichts mehr hindern, Euch mit dem Engel von Augsburg zu verbinden, denn Ihr wrdet Bayerns Thron nie besteigen! Albrecht. Nicht, Herr Ritter? Wer wei! Wer wei, was geschhe, wenn ich mein Volk zum Spruch aufriefe, wenn ich sagte: Seht, ich soll nicht wrdig sein, euch zu beherrschen, weil mein Vater eine eurer Tchter zu sich erhoben hat, eine, die ihm am besten ins Ohr sagen konnte, was euch fehlt! Ich soll nicht wrdig sein, euch zu beherrschen, weil die Teilnahme fr euch mir von der Mutter her angeboren ist, weil ich euch verstehe, ehe ihr noch den Mund auftut, weil mir's im Blut liegt, euch beizuspringen! Ich soll nicht wrdig sein, euch zu beherrschen, weil ich euer Bruder bin! Wer wei, was sie tun werden, die alten treuen Bavaren, wenn mein Sohn sie dereinst nach Urvter-Weise in einem Eichenhain zusammenruft und so zu ihnen spricht; wer wei, ob sich dann nicht der letzte Bauer in einen Ritter verwandelt und ob die Sense nicht gegen das Schwert schlgt, da das ganze deutsche Reich zu wackeln anfngt, und der groe Karl zu Aachen in seinem Sarg erschrocken nach der Krone greift! Nothhafft von Wernberg. Gndiger Herr, verkennt mich nicht! Nothhafft von Wernberg kann Euch nicht raten, in den Abgrund zu springen, aber er springt nach, wenn Ihr's tut! Albrecht. Das ist ein Wort! So kommt! (Alle ab.) Baderstube. Dritte Szene Agnes. Hier, mein Vater? Caspar Bernauer. Hier, meine Tochter, hier erwarten wir ihn, nirgends sonst. Wie ist dir denn zumute? Etwas anders, wie gewhnlich, wenn du die Augen aufmachst, nicht wahr? Nun ja, das ist natrlich. Die Mdchen zgern gern aus Angst oder Neckerei noch eine Weile vor der Tr, wenn sie auch wirklich schon hinein wollen und wissen, da der Brutigam ihnen lngst die Arme entgegenstreckt. Du armes Ding hast nun nicht einmal Kranzwindens-Zeit. Agnes. Also, Euer Entschlu ist gefat? Caspar Bernauer. Es gibt nur ein Mittel! Und wenn du nur bereit bist: Fr ihn mcht' ich stehen! Agnes. Ja? Caspar Bernauer. Ich kenn's, wenn's auch lange her ist, da ich selbst an dem Fieber litt! Eine treue, redliche Seele! (Er zieht etwas aus der Tasche.) Was hab ich da? Agnes. Mein Kettlein! Aber, das hab ich ja gestern abend gleich wieder weggelegt! Caspar Bernauer. Kann doch wohl nicht sein, denn Theobald hat's auf der Strae gefunden, als er hinter uns herschritt! Agnes. Theobald? Caspar Bernauer. Ja, den hast du ebensowenig gesehen, wie ich! Was sagst du? Der nrrische Junge ist uns, solange die Reichsknechte hier sind, jeden Abend heimlich gefolgt, wenn wir das Haus noch verlieen, und hat auf uns gewartet, bis wir wieder heimgingen. Nie hat er sich etwas davon merken lassen, und wenn ich's jetzt wei, so kommt das daher, da er deine Kette fand! Ist das einer? Agnes. Es freut mich, da er so an Euch hngt! Caspar Bernauer. Nun dcht' ich, es wr' die beste Antwort fr den tollkpfigen Herzog, wenn du dem Theobald rasch, noch heute morgen, ja augenblicklich die Hand reichtest! Du bist ihm ja doch den Finderlohn schuldig! Agnes. Wie? Caspar Bernauer. Ihr beide trtet ihm dann Hand in Hand entgegen, ich aber stnde segnend hinter euch und riefe ihm zu: So war's im Himmel beschlossen, und was Gott zusammengefgt hat, das soll der Mensch nicht scheiden! Agnes. Vater! Caspar Bernauer. Frchte keine Gewalttat! Auch hier stehen wir auf roter Erde, auch in Augsburg ist Westfalen, ja--doch, wozu das! Nun, Jungfer Tochter, was sagt Ihr? Der Brutigam ist, wie ich hoffe, bereit und sogar der Priester nicht weit! Sprich, soll's so sein? Agnes. Nie! In Ewigkeit nicht! Caspar Bernauer. Das heit: heute nicht! Agnes (glhend). Es heit- Caspar Bernauer (unterbricht sie). Morgen! Morgen! Morgen! Vierte Szene Theobald (tritt hinter einem Schrank hervor). Wozu, Meister? Ich kann's auch heute hren! Caspar Bernauer (zu Agnes). Da siehst du jetzt! Theobald. Scheltet sie nicht! Ich selbst bin schuld! Ich htte Euch nicht folgen sollen! Diesmal nicht! Agnes. Theobald, es tut mir weh! Theobald. Ich wei, Jungfer, ich wei! Und ich fhl's ja auch, da ich--Du mein Gott, ich darf ja nicht einmal von Unglck sprechen, Ihr knnt mir ja gar nicht beschieden sein, ich brauche Euch ja nur anzusehen, um das zu erkennen. Meister--darf ich ein wenig fortgehen? In einer Stunde bin ich wieder da, um diese Zeit kommen so nicht viele! (Er fat Agnes Hand.) Agnes, ich wollte, ich knnt' einem andern meine Liebe zu Euch abtreten, nicht um mein Herz zu erleichtern, o Gott, nein, es wre das grte Opfer, das ich bringen knnte, und ich brchte es nur, um Euch glcklich zu machen, aber glcklich wrdet Ihr, das glaubt mir, wenn das, was (er schlgt sich auf die Brust) hier glht, eine bessere Brust schwellte! (Ab.) Fnfte Szene Caspar Bernauer. Ich glaub's auch! Agnes. Zrnt mir nicht, Vater! Htt' ich geahnt- Caspar Bernauer. Kein Wort mehr davon! Es ist nun, wie's ist! Wer kann gegen die Sterne! Aber mich graust, Agnes, wenn ich an deine Zukunft denke, denn (er zeigt auf ein Barbierbecken) so ein Ding und eine Krone--es geht nimmermehr gut! Agnes. Ihr liet mich vorhin nicht ausreden! Nicht Theobald, nicht irgendeinem knnt' ich meine Hand reichen- Caspar Bernauer. Und warum nicht? Agnes. Weil ich--Ich drfte nicht! Caspar Bernauer. So sitzt er dir schon im Herzen? Verflucht sei dies Turnier! Agnes. Aber--Zu der Mutter aller Gnaden knnt' ich mich flchten--ins Kloster knnt' ich gehen! Caspar Bernauer. Und deinen Herzog drauen lassen? Agnes. Nein! Caspar Bernauer. Was htt'st du dann im Kloster zu tun? Sechste Szene Trring (tritt ein). Guten Morgen, Meister! Auch schon da, Jungfer? Die Hand her, wackrer Alter! Ich hab Euch gestern abend liebgewonnen. Schne Agnes, wre des Trrings Schdel fr die Honigreime und Schmeichelsprche des Heinrichs von Ofterdingen und Wulframs von Eschenbach nicht immer zu hart gewesen: jetzt gbe er alles wieder von sich, was er je verschluckt htte! Aber der hat nichts behalten, als das Eia popeia von der Ammenstube her, darum kann ich Euch nur sagen: Ihr seid's wert, da Ihr einem Herzog gefallt! Agnes. Schon das ist zu viel, Herr Graf! Trring. Bewahre! Wenn Kaiser Wenzels Bademdchen Euch geglichen hat, so will ich's ihm verzeihen, da er eine Weile glaubte, er sei mit ihr allein auf der Welt. Nur das verzeih ich ihm nicht, da er's zu weit trieb und sich gar nicht wieder zur Besinnung bringen lie, denn sie mut' es ben, und das htt' er vorher wissen knnen! (Er sieht Agnes scharf an.) Arme Susanna, junges, schnes Kind, wie bleich magst du gewesen sein, als die starren, grimmigen Bhmen dich verbrannten und von ihren eignen Bischfen und Erzbischfen dabei angefhrt wurden, als ob's ein heilig Werk wre! Du warst gewi keine Zauberin, oder es steht auch hier eine vor mir! Caspar Bernauer. Das geschah im frhlichen Lande der Geigen? Trring. Es sollte mich wundern, wenn man noch keinen Reim darauf gemacht htte! So etwas singen die Leute gern, wenn sie lustig sind! Caspar Bernauer. Was sagst du, meine Tochter? Agnes. Pfui ber den Kaiser, da er's geschehen lie! Trring. Er lag im Turm, und sein Adel stand zornig mit blankem Schwert vor der Pforte, er wute nicht, wer zunchst bei ihm anpochen wrde, ob der Henker oder der Befreier! Agnes. So war's ihr Schicksal, und sie wird schon einmal erfahren, warum. Trring. Bernauer, ein Wort mit Euch! Caspar Bernauer. Geh, Agnes, und lege dein Kettlein weg! Agnes (ab). Siebente Szene Caspar Bernauer. Wir sind allein! Trring. Nun, Alter, was denkt Ihr eigentlich? Sagt an! Caspar Bernauer. Ich wei nicht, was Ihr meint! Trring. Nun, ich glaube, der Herzog wird heute morgen geradeso aufgestanden sein, wie er sich gestern abend niedergelegt hat. Caspar Bernauer. Acht Stunden sind allerdings nur acht Stunden! Trring. Der Meinung bin ich auch, darum mssen wir beizeiten einig werden! Also--(nimmt ein Rasiermesser, wie spielend) Euer Schwert, nicht wahr? Caspar Bernauer. Wie es Euch gefllt! Trring. Meins ist etwas lnger! (Schlgt an sein Schwert.) Ja, was ich sagen wollte! Der Herzog liebt Eure Tochter--er liebt sie--wenn jedes Eheweib so geliebt wrde, sie htten den Himmel auf Erden! Caspar Bernauer. Vor dem Trunk und nach dem Trunk, es ist ein Unterschied und mu auch sein! Trring. Ihr seid verheiratet gewesen oder noch, und wollt Euch entschuldigen! Ja, ja, das kann ich Euch beteuern, er brennt, wie ein Johannisfeuer, wenn der Wind gut blst, aber (Nimmt das Barbierbecken.) Euer Helm? Caspar Bernauer. Ist man in Bayern so spaig? Trring. Nein, nein, es ginge, seht! (Er macht, als ob er Caspar Bernauer das Becken aufsetzen wollte.) Habt Ihr das noch nicht versucht? Ich versichre Euch, der Herzog lodert, da die Kastanien gar werden, wenn er sie nur ansieht, doch was das Werben betrifft, das Heimfhren--(Er nimmt den Schnepper.) Dies Ding da, Zick Zack, Trick Track, fhrt Ihr wohl im Wappen, oder ist's ein nackter Arm mit einer sprudelnden Ader, wie ich's drauen an der Tr gemalt sah? Caspar Bernauer. Keins von beidem, Herr Graf! Trring. Nicht? Nun also, kurz weg, wenn's berhaupt noch ntig ist! Die Liebe des Herzogs stammt aus dem Herzen, die Werbung nun, das war, Ihr habt's ja selbst gesehen, ein Rausch vielleicht sogar, was wei ich's, ein Weinrausch! Caspar Bernauer. Das freut mich! Aber, diese Botschaft ist nicht fr mich allein! (Ruft.) Agnes! Trring. Freut Euch? Ich hab mich nicht in Euch geirrt, als ich Euch fr verstndig hielt! Gebt mir noch einmal die Hand! Caspar Bernauer (hlt seine Hand zurck). Ihr habt mich schon geadelt! Achte Szene Agnes (tritt ein). Trring. Nicht wahr, ein miges Glck, aber gesichert fr immer--unter uns--der Herzog hat schne Gter von seiner Mutter her! Caspar Bernauer. Merk wohl auf, mein Kind! (Zu Trring.) Nun? Trring. Ei, da Ihr sie rieft, so sprecht selbst weiter! Caspar Bernauer. Wohl! (Zu Agnes.) Der Herzog nimmt seine Bewerbung zurck! Trring. Nicht doch! Caspar Bernauer. Er nimmt seine Bewerbung um deine Hand zurck, die lt er dir, er ist nicht unverschmt! Das brige, nun ja, das mcht' er, ich wei nicht, ob fr immer oder auch nur fr einige Zeit! Agnes (setzt sich nieder). Caspar Bernauer (zeigt auf sie). Da habt Ihr ihre Antwort! Jetzt die meinige! Zuerst! (Mit gefaltnen Hnden gen Himmel.) Ich danke Dir, Vater im Himmel, da es so kam! Schick mir nun, welches Leid Du willst, es kann mich nicht rger treffen, als dies Glck mit seinem schrecklichen doppelten Gesicht mich traf! (Zu Trring.) Ihr seht, wie mir ist, damit erklrt's Euch, da ich Euch so ruhig anhrte! Ihr wart mir ein Freudenbote, denn da meine Tochter in keine Schmach willigen wrde, wut' ich, also gab Euer Antrag mir sie wieder, sonst war sie fr mich verloren. Nun aber zur Abrechnung! Ihr erkundigtet Euch nach meinem Schwerte, wir Reichsbrger fhren wirklich eins, wenn's auch gewhnlich hinterm Schornstein hngt, und mit dem meinigen habe ich frher manchen Rcken ausgeklopft, der dem Eurigen, das glaubt nur, vllig glich. Trring. Bernauer! Agnes (springt auf und stellt sich neben Caspar). Recht, Vater, redet! Caspar Bernauer. Den Helm mit dem bunten Federbusch habt Ihr vor mir voraus, ich begngte mich immer, wie wir alle, die wir nicht furnieren, nur streiten, wenn es gilt, unser Hab und Gut zu verteidigen, mit einer simpeln Sturmhaube. Doch auch die gengte zuweilen, aus einer guten Klinge eine noch bere Sge zu machen, wenn sie sich daran versuchte. Was aber mein Wappen betrifft, so werdet Ihr's schon hie und da frh morgens an Burgtoren gesehen haben, einige aus meiner Familie fhren einen Strick und einen Dolch im roten Felde, und sie wissen sich Respekt zu verschaffen, selbst bei Kaiser und Reich. Trring. Das ist das Zeichen der Feme! Caspar Bernauer. Kennt Ihr sie? Auch Jungfrauen stehen unter ihrem Schutz, und wenn die Gerechtigkeit ihren Weg auch in diesen betrbten Zeiten, wie ein Maulwurf, unter der Erde suchen mu: sie ist immer zur rechten Stunde da! Agnes. Ich kann mich selbst schtzen, mein Vater! Was mir gestern abend widerfuhr, das raubte mir Sprache und Besinnung; was mir jetzt widerfhrt, gibt mir beides wieder! Das eine htt' ich nicht fr mglich gehalten, aber, bei Gott! das andere noch viel weniger! (Zu Trring.) Dies sagt dem Herzog von mir! Caspar Bernauer. Da ist er selbst! Neunte Szene Albrecht (tritt ein). Ja, da ist er! (Zu Agnes.) Ward er erwartet? Agnes (wendet sich ab). Albrecht. Agnes--wenn auf dem Wege zu dir ein Himmelswagen flammend vor mir niedergefahren wre, jeder Radnagel ein Stern, ich wre nicht eingestiegen, und du- Agnes. Gndiger Herr--gestern fehlte mir der Mut Euch anzusehen, heute, dcht' ich, sollte er Euch fehlen! Albrecht. Was hab ich dir denn getan? Agnes. Nichts? Also das wre nichts? Gndiger Herr, so viel Ehre knnt Ihr mir gar nicht bieten, und wenn Ihr mir die Krone aufsetztet, da sie diese Schmach wiederaufwge! Albrecht. Schmach? Agnes. Wr's keine? Wr' das an mir keine Schmach, was, einem Frulein zugefgt, die Klingen aller ihrer Verwandten, bis zum zehnten Glied herab, aus der Scheide reien und gegen Euch kehren wrde? Gndiger Herr, auch mich hat Gott gemacht! Albrecht. Trring! Ihr da? Was heit das? Agnes. Auch mich hat Gott gemacht, auch aus mir kann er mehr machen, wenn es sein heiliger Wille ist, auch aus Euch weniger, denn alles auf Erden ist nur zur Probe, und Hoch und Niedrig mssen einmal wechseln, wenn sie nicht vor ihm bestehen! Gndiger Herr, tut keinem wieder so weh, wie mir, man erwartet's nicht von Euch, darum ist's doppelt bitter! (Zu Caspar Bernauer.) Mein Vater, jetzt ins Kloster! Nun nehme ich von der Welt nichts mehr mit ber die Schwelle, als einen ewigen Schauder! Albrecht. Mdchen, gestern warb ich um dich, heute komm ich um die Antwort, whrend meine Freunde schon den Priester suchen, der uns verbinden soll: ist das Schmach? Trring (tritt vor). Der Herzog wei von nichts, auf Ritterwort, ich sprach nur aus mir selbst! Ich glaubte--nun, Irren soll menschlich sein! Albrecht. Du beschimpftest sie? Du beschimpftest meine Braut? Dafr--(Er will ziehen.) Trring. Nein! Dafr--(Er tritt zu Agnes heran und kt ihr ritterlich die Hand.) Ihr wit, ich bin nicht feig, aber es wre nicht wohlgetan, die Zahl ihrer Freunde zu mindern, und nun ich sie kenne, bin ich ihr Freund, ja, ich werde ihr dienen bis zum letzten Atemzug, und mir ist, glaubt's mir und denkt darber nach, als fate der Tod mich schon jetzt bei der Hand! (Zu Agnes.) Das sprach ein Edler von Bayern, der nicht der Geringste ist, und nennt mich einen ehrvergessenen Mann, wenn Euch nun etwas widerfhrt, solange ich's hindern kann. (Zu Albrecht.) Ihr aber, gndiger Herr, grollt nicht lnger, da ich ihr den Schleier etwas unsanft abnahm, es gereicht Euch, wie ihr, zum Vorteil, da ich ihr ins Gesicht sah! (Tritt zurck.) Albrecht. Sie schweigt! Das Vergeben ist an ihr, nicht an mir! Folgt mir! Wenn sie sieht, wie ich sie rche, wird sie wissen, wie ich sie liebe! Agnes. Um Gott nicht! Nur von Euch war's mir, wie Todesstich! Jetzt--jetzt--Vater! Caspar Bernauer. Ihre harten Worte tun ihr leid, gndiger Herr, sie htte sie gern zurck, Ihr seht's wohl, sie erstickt ja fast! Albrecht. Und nicht um die Welt mcht' ich sie missen! Alter, zwei Kinder sind ausgewechselt worden, die Tochter des Kaisers wurde in deine Wiege gelegt, und der Kaiser zieht die deinige auf! Schau hin, erkennst du sie noch? Agnes, davon hat dir in frher Jugendzeit schon ein Mrchen erzhlt, doch damals ahntest du's noch nicht, da du ber deine eigne Geschichte weintest, erst in dieser Stunde hast du dich wieder auf dich selbst besonnen! Aber nun weit du endlich, wer du bist, das zeigt die edle Glut, die dir aus dem Auge blitzt und von der Wange flammt, nun denkst du nicht mehr daran, da du bisher nicht im Purpur gingst und nicht aus goldenem Becher trankst; so komm denn auch zu mir herber, eh' dir das wieder einfllt! Caspar Bernauer. Agnes! Agnes. Vater, kein Wort von Gefahr! Erinnert mich nicht, da Mut dazu gehrt! Sonst knnt' ich- Albrecht (breitet die Arme gegen sie aus). Was? Was? Agnes (sinkt hinein). Und mt' ich's mit dem Tode bezahlen--das tte nichts! Albrecht (umschliet sie). Agnes! Agnes (macht sich wieder los). Aber dazu berechtigt mich kein Mut! --Ihr seid ein Frst- Albrecht. Und darf als solcher von vorn anfangen, so gut wie irgendeiner meiner Vorgnger! Agnes. Ihr habt einen Vater- Albrecht. Und bin sein Sohn, nicht sein Knecht! Agnes. Und wenn Euer Volk murrt? Albrecht. So murrt es, bis es wieder jubelt. Ja, wenn sie sich zusammenrotteten und sich offen wider mich emprten: ich schickte dein Bild, statt eines Heers, und sie kehrten schamrot zum Pfluge zurck! Agnes. Und wenn Euer Vater flucht? Albrecht. So segnet Gott! Agnes. Und wenn er das Schwert zieht? Albrecht. So gibt er mir das Recht, auch nach dem meinigen zu greifen! Agnes. Und dabei sollten wir--dabei knntet Ihr glcklich sein? Albrecht. Viel glcklicher, als wenn ich dir entsagen mte! Das eine wr' Kampf, und zum Kampf gehrt's, da man den Ausgang nicht vorher wei; das andere wre Tod, Tod ohne Wunde und Ehre, feiger Erstickungstod durch eigne Hand, und den sollt' ich whlen? Nach der Kehle greifen, statt nach dem Schwert? O pfui! Da wr' ich doch gewi der Erste und der Letzte! Mdchen, ich kenne jetzt dein Herz, her zu mir, (er drckt sie an sich) so, nun hast du alles getan, das brige ist meine Sache! Worauf sollte Gott die Welt gebaut haben, wenn nicht auf das Gefhl, was mich zu dir zieht und dich zu mir? Die Wrttembergerin, die man zwischen dich und mich gestellt hatte, wrde in diesem Augenblick tot umfallen, wenn sie nicht geflohen wre! Das fhl ich! Darum zittre nicht! Zehnte Szene Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg (treten ein). Albrecht. Ist alles bereit? Frauenhoven. Ein Priester ist gefunden, der's mit dem jungen Herzog gegen den alten wagen will! Nothhafft von Wernberg. Aber nur unter der Bedingung, da es so lange als mglich Geheimnis bleibt! Albrecht. Was sagst du dazu, Agnes? Agnes. So lange nur Gott es wei, wird keine meiner Ahnungen in Erfllung gehen! Albrecht. Also! Wo und wann? Frauenhoven. Heut abend, Schlag zehn, in der Kapelle der heiligen Maria Magdalena. Aber wir mssen alle vermummt kommen, wie zum Totendienst! Albrecht. Gut! Und morgen nach Vohburg! Agnes, das ist ein rotes Schlo an der grnen Donau, womit meine Mutter--sie ruhe sanft und stehe frhlich auf--mich fr meine erste Schlacht belohnte! Gib acht, dort wirst du ber dich selbst lachen, sooft du an diesen Morgen zurckdenkst, da gibt's mehr Lerchen, wie anderswo Spatzen, und in jedem Baum fast sitzt eine Nachtigall. Ich schenk es dir zum Leibgeding, nimm den lustigen Vogelkfig unbesehens an, ich bitte dich, er wird dir gefallen, der Himmel schaut immer blau auf ihn herab, und wenn du dich ber eine Gabe, die du noch nicht kennst, auf alle Gefahr hin dankbar bezeigen willst, so nenne mich zum ersten Mal du! Agnes. Mein Albrecht! Albrecht (sie in den Armen haltend). Du weinst dabei? Agnes. Sollte es nicht nachbrennen? Euch--dir konnt' ich--Aber es schmerzte mich mehr um deinet-, als um meinetwillen, mir war, als wre der funkelndste Stern ber meinem Haupt auf einmal aus seiner Bahn gewichen, und ich htte ihn in der Schaudergestalt, in der man sie hier unten zuweilen verlschen sieht, zu meinen Fen wieder getroffen! Nun ist mir dafr zumut', als htt' ich schon jetzt mehr vom Leben, als mir gebhrt!--Mein Vater! Caspar Bernauer (tritt hervor). Sie sollen Vater und Mutter verlassen und aneinanderhangen! Mein Kind, ich mu dich segnen, du tust nach Gottes Gebot! So sei er mit dir! (Er legt ihr die Hnde aufs Haupt.) Albrecht. Auch mich! Caspar Bernauer. Ihr frchtet, da Ihr sonst nicht dazu kommt! (Er legt auch ihm die Hnde aufs Haupt.) Dritter Akt Mnchen. Erste Szene Das Herzogliche Kabinett. Man sieht an der einen Wand zwei Karten. Die andern Wnde sind mit Bildern bayerischer Frsten behngt. Ernst (steht vor den Karten). Ich kann's nicht lassen, und es rgert mich doch immer wieder von neuem. Das war Bayern einst, und das ist Bayern jetzt! Wie Vollmond und Neumond hngen sie da nebeneinander! Und wenn noch ein halbes Jahrtausend dazwischenlge! Aber wie mancher alte Mann mu noch leben, der der Zeit noch recht gut gedenkt, wo Tirol und Brandenburg und das fette Holland, und was nicht noch sonst, unser war, ja, der obendrein auch die ganze Reihe von Torheiten aufzhlen kann, durch die das alles verlorenging! (Er tritt vor die Bilder.) Nein, wie ihr gewirtschaftet habt! Vierundzwanzig Stunden vorm Jngsten Tag wr's noch zu arg gewesen! Und ihr hattet das kluge Vorbild im benachbarten sterreich so nah! Rudolph von Habsburg htte ein Sandkorn durch geschicktes Wenden und Drehen und unablssiges Umkehren auf klebrigtem Boden zum Erdball aufgeschwemmt, ihr den Erdball zum magersten Sandkorn heruntergeteilt! (Er geht weiter.) Kaiser Ludwig, wackrer Kmpfer, der du jeden Feind bestandst, ausgenommen den letzten, heimlichen ohne Namen und Gesicht, du blickst finster auf deinen Enkel herab. Ich versteh dich, und du hast recht, das Schelten ist fr die Weiber, das Bessermachen fr die Mnner. Nun, ich stckle und flicke ja auch schon ein Leben lang, ob ich nicht wenigstens den alten Kurfrsten-Mantel wieder zusammenbringe, und ich denke, du sollst mir die Hand geben, wenn wir uns einmal sehen. Du httest mir gewi die Arbeit erspart, wenn der Giftmischer sich nicht mit Wein und Brot gegen dich verschworen und dich vor der Zeit ausgetan htte! Aber deine Shne--Nun! Sie sind tot! Zweite Szene Stachus (tritt ein). Ernst. Was gibt's? Stachus. Der Meister aus Kln ist da, der geschickte Mann mit dem wunderlichen Namen. Er sagt, er sei bestellt. Ernst. Er hat was bei sich! Das bring mir! Stachus (ab). Dritte Szene Ernst. Der Zierat fr die Totenkapelle, wo die jetzt in Staub zerfllt, die mir mit Schmerzen meinen Sohn gebar! Vierte Szene Stachus (bringt einen Bogen). Ernst (nachdem er ihn betrachtet hat). Das ist mir viel zu kraus! Komm mal her! Bringst du heraus, was es bedeuten soll? Stachus. Ach, Herr, ich bin ein gar einfltiger Mensch! Ernst. Tut nichts, du gehrst auch mit dazu, Grber sollen stillschweigen, oder so reden, da auch der Geringste sie versteht! Genauso soll er's machen, wie ich's ihm angab: den Heiland, unsern allbarmherzigen Erlser, mit ausgebreiteten Armen, die Abgeschiedene zu seinen Fen, wie man die heilige Martha malt, aber mit verhlltem Gesicht, da doch niemand wissen kann, wie sie jetzt aussieht, und ganz unten ich und mein Sohn Albrecht, wie wir fr ihre arme Seele beten! Das sag ihm, dies da kann er auf sein eignes Grab setzen, ich bedank mich dafr, ich htt' mir aus der Klner Bauhtte etwas andres erwartet, das ist die Reisekosten nicht wert! Stachus (mit dem Bogen ab). Fnfte Szene Ernst. Die htten schn zu deinem demtigen, frommen Sinn gepat, du stille Elisabeth, all diese Engel mit Flgeln und Trompeten, die blasen, als ob die Himmelsknigin zum zweiten Mal ihre Auferstehung feierte! Und ich hatt' ihm alles so deutlich angegeben! Aber, das mu immer scharwenzeln, immer, es wr' kein Wunder, wenn man's am Ende gar verge, da man von der Erde genommen ist und wieder zur Erde werden soll, und es scheint doch vielen zu gefallen, sonst wrden's diese Leute ja wohl nicht bei jedermann versuchen! Sechste Szene Der Kanzler Preising (tritt ein). Ernst. Schon da, Preising? Gut! Wit Ihr was? Wir wollen von heut an immer eine Stunde frher anfangen! Niemand wei, ob er nicht Feierabend machen mu, ehe er mde ist! Wieviel hatte die Herzogin noch vor, nun liegt sie da! Was bringt Ihr? Preising. Zuvrderst! Die Klagen ber den Wucher der Juden mehren sich! Ernst. Man soll sich so einrichten, da man die Juden nicht braucht! Wer nicht von ihnen borgt, wird nicht arm durch sie, und ob sie funfzig vom Hundert nehmen! Preising. Es ist der Juden selbst wegen, da ich darauf zurckkomme. In Nrnberg schlgt man sie schon tot, wie die Hunde, und bse Beispiele stecken eher an, als gute! Ernst. Meine Juden sollen's so treiben, da sie das Totschlagen nicht verdienen, dann wird's wohl unterbleiben. Ich mische mich in diese Hndel nicht hinein. Fragt bei meinem Bruder an, ob er will! Preising. Das wr' wohl das erste Mal, da Herzog Wilhelm etwas wollte, was Ew. Gnaden nicht wollen! Ernst. Ebendarum soll man ihn nie vorbeigehen! Weiter! Preising. In Sachen des strittigen Kurhuts hat der bhmische Hof endlich- Ernst. Nichts davon! Das hat Kaiser Rudolph durch seinen doppelten Spruch so verwickelt, da nur das Schwert noch helfen kann, und das Schwert knnen wir erst dann ziehen, wenn Mnchen, Ingolstadt und Landshut einmal wieder zusammengehen. Dazu ist bis jetzt wenig Hoffnung, denn meine teuren Vettern Ludwig und Heinrich mchten mich freilich gern umarmen, wenn sie mir nur zugleich auch den Rcken kehren knnten. Also weiter! Doch halt, halt, erst dies! Wir sind ja unverhofft zu Geld gekommen, der Wrttemberger mu das wieder herausgeben, was er bei Erziehung seiner Tochter an Birkenreisern erspart hat, und obendrein schwere Zinsen zahlen. Mit seinen fnfundzwanzig Tausend Gulden knnen wir allerlei machen! Preising. Wenn wir sie erst haben, ja! Ernst. Haltet Ihr den Grafen fr keinen ehrlichen Mann? Preising. Fr den ehrlichsten Mann von der Welt! Ernst. Nun denn! Ein Bettler ist er doch gewi auch nicht! Wir knnten eine unsrer verpfndeten Stdte dafr auslsen, und ich wei schon, wo man sich am billigsten finden lassen wird, weil man unser Geld am ntigsten braucht. Preising. Das wre freilich ein Gewinn! Ernst. Ja, da gb's doch einen Fleck weniger im Lande, wo wir unsern Herzogsstab nicht wieder aufheben drften, wenn er uns einmal aus der Hand glitte. Wir knnten dem Lech aber auch fr ewige Zeiten einen Freipa damit erkaufen, da er uns von den Augsburgern nicht wieder auf einen Wink des Kaisers versperrt werden kann, wie Anno neunzehn bei den Bischofhndeln! Preising. Dazu werden die Kaufherren raten! Ernst. Und Ihr? Preising. Gndiger Herr, der Wrttemberger wird nicht aufknpfen, ich sag's Euch! Ernst. Nicht aufknpfen? Ei! Ei! Hab ich nicht mein Pfand? Sind mir nicht Geiseln gestellt? Was kann er denn einwenden? Preising. Er legt's bel aus, da Herzog Albrecht sich gar keine Mhe gab, seine Braut wiederzubekommen, da er in Augsburg aufs Tanzhaus ging, statt den Entfhrer verfolgen zu helfen! Ernst. Was war denn an der noch wiederzubekommen? Sie war ja schon das Weib eines andern, eh' wir hier noch die Flucht erfuhren! Der Wrttemberger soll sich in acht nehmen! Ich besetz ihm Gppingen, eh' er's denkt, es kommt mir auf einen Ritt noch nicht an! Preising. Ich sage Euch, und bitt Euch, nicht unwirsch zu werden, ber den Sieger von Alling ist nie so viel geredet worden, wie ber den Tnzer von Augsburg! Ernst. Ich wei, ich wei, und es verdriet mich genug! Preising, es ist die Strafe unsrer eignen Jugendsnden, da wir gegen die unserer Kinder nachsichtig sein mssen. Ihr wit, was ich auf Andechs verwende, glaubt's mir, man baut niemals Kapellen ohne Grund! Aber es ist schon dafr gesorgt, da ein Ende wird. Erich von Braunschweig sagte schon vor zwei Jahren zu mir: es ist schade, Ernst, da du nur den einen Sohn hast und da der versprochen ist! Dies Wort blieb mir im Kopf hngen, und noch denselben Tag, wo ich die Flucht der Wttembergerin erfuhr, lie ich um die Braunschweigerin anhalten! Nun, gestern zur Nacht lief das Jawort ein! Preising. Und Albrecht? Wird er einverstanden sein? Ernst. Einverstanden? Wie kommt Ihr mir vor? Darnach hab ich wahrhaftig noch nicht gefragt, das, denk ich, versteht sich von selbst! Preising. Ihr habt ihm einen Boten geschickt! Ernst. Einen? Drei, vier hab ich ihm geschickt, mit Ermahnungen und Warnungen, dem letzten hab ich sogar einen Brief mitgegeben! Preising. Nun, der ist wieder da, er steigt eben vom Pferd! Ernst. Er hat lange genug gemacht! Preising. Und ist doch nicht langsam geritten, denn er kommt nicht von Augsburg, sondern von Vohburg, der Herzog hatte die Reichsstadt verlassen, bevor er eintraf! Ernst. So ist der Handel mit der Dirne vorbei, und ich htte mir den dummen Brief sparen knnen! Preising. Nichtsweniger, als das, er hat die Dirne mitgenommen! Ernst. Das ist viel! Das wrde ich bei Lebzeiten meines Vaters nie gewagt haben! Bringt das der Bote? Preising. Ja--Und- Ernst. Was noch? Warum stockt Ihr? Das kenn ich ja gar nicht an Euch! Preising. Das Gercht--wissen mt Ihr's--geht sogar noch weiter, viel weiter! Ernst. Das Gercht hat tausend Zungen, und nur mit einer spricht es die Wahrheit; wer will die herausfinden? Aber wie weit geht's denn? Ich bin doch neugierig! Preising. Man munkelt von einer heimlichen Heirat! Die Dirne htt's nicht anders getan! Ernst. Und das knnt Ihr mir mit einem ernsthaften Gesicht sagen? Preising! Bringt das auch der Bote? Preising. Ich habe ihm augenblicklich das strengste Stillschweigen auferlegt. Ernst. Nicht doch! Er soll reden! Aber er soll hinzufgen, da der Dirne ganz Bayern zum Leibgeding verschrieben ist! (Er lacht.) Meint Ihr nicht? Auch der Teil, der nicht uns gehrt, der solle apart fr sie erobert werden! Durch mich, versteht Ihr? Preising. Und Ihr seid gewi, da nichts dahintersteckt? Gar nichts? Ernst. Preising! (Er hebt seine drei Finger in die Hhe.) Das solltet Ihr doch auch knnen, und ob Ihr auf dem Todbett lgt! So viel Respekt fr mein Blut verlang ich! Die Sippschaft der Dirne hat's in Umlauf gesetzt, um ihre Schande zu verbrmen! Das liegt ja auf der Hand! Aber daraus folgt nicht, da wir ruhig zusehen wollen, bis es im ganzen Reich herum ist, bewahre! Es freut mich jetzt doppelt, da der Braunschweiger endlich gesprochen hat, nun knnen wir dem Kot gleich einen Platzregen nachschicken, und wir wollen uns rhren, da er sich nicht vorher festsetzt! Also! Ihr steigt augenblicklich zu Pferd und meldet's meinem Sohn- Preising. Wenn er's nun aber doch nicht aufnimmt, wie Ihr denkt? Ernst. Haltet Euch doch nicht bei Unmglichkeiten auf! Das sind ja ganz verschiedene Dinge! Er sagt ja; ob gern oder ungern, schnell oder langsam, das kmmert nicht mich und nicht Euch. Es gibt zwar eine Person, der das nicht so gleichgltig sein kann, wie uns beiden, aber auch um die ist mir nicht bange, sie wird's schon durchsetzen, wenn sie nur einmal da ist! In Braunschweig ist ja alles schn, bis auf das Hexenvolk, das sich zu Walpurgis bei Nebel und Nacht auf dem Blocksberg versammelt, und Erichs Anna soll noch mchtig hervorleuchten! Ihr kennt das schnurrige Wort ja wohl, das auf dem letzten Frstentag ber sie umging. Der Burggraf von Nrnberg, der kleine Bucklichte, der immer so twatsche Einflle hat, sagte, als die Rede auf ihr schlichtes Wesen in Gang und Kleidertracht kam, sie sei ein Licht, das ungeputzt noch heller brenne, als geputzt, und die Jngeren unter uns schwuren mit groem Lrm, das sei wahr, whrend wir lteren lachten. Zum Teufel, die wird's doch mit der Baderin aufnehmen knnen? Preising. Gut denn! Ernst. Weiter entbietet ihn zum Turnier, nach Regensburg, denk ich! Ja, ja, nach Regensburg! Ich bin's denen schuldig! Er soll nicht lnger dastehen, wie ein Knabe, dem der eine Vogel davongeflogen ist, und der keinen andern fangen kann, auch soll's die Ritterschaft gleich wissen, da Welf und Wittelsbach sich endlich einmal wieder kssen wollen, und das will ich feierlich auf dem Turnier verknden! Es mu so rasch, als mglich, zustande gebracht werden, mein Bruder soll die Ausschreibungen auf der Stelle erlassen, ich will gleich zu ihm, er wird's gern tun, das ist ein Geschft fr ihn! Wit Ihr, wie's mit seinem Sohne steht? Ich sah ihn lange nicht, sie verstecken ihn vor mir, wie's scheint, als ob sie sich schmten, ich mag kaum nach ihm fragen! Preising. Besser, wie ich hre, etwas besser, seit das alte Kruterweib ihn pflegt! Ernst. Das freut mich, obgleich es wohl nicht viel heit! Denn mit diesem Knaben spielen alle Gebresten Fangball, ich htte gar nicht gedacht, da es so viele bel gibt, als er schon gehabt hat, es ist ein Elend! Preising, der arme Adolph wird gewi keine tolle Streiche machen, hchstens den, da er ins Kloster geht, und daran tut er am Ende sogar recht! Preising. Oft werden schwache Kinder doch noch starke Mnner! Ernst. Gott geb's, ich wnsch es von Herzen! Aber--was trieb mein Albrecht schon alles, als er vier Jahr' alt war! Da kam kein Bart ungerupft vom Schlo, und kein Fenster blieb ganz, wo er herumhantierte. Freilich, jetzt ist's weit mit ihm gekommen, er hat sein Nest beschmutzt, und das htt' ich nie gedacht, ich hielt ihn fr einen bessern Vogel. Nun, es soll schon wieder rein werden, und spter kann ich dafr auch um so mehr von ihm fordern, denn alle zehn Gebote zusammen peitschen den Mann nicht so vorwrts, wie die Jugend-Torheiten, die ihm rechts und links ber die Schultern kucken, wenn er den Kopf einmal dreht. Nur darum, glaub ich, lt Gott, der Herr, sie zu! (Wendet sich zum Abgehen.) Preising. Und wenn--Gndiger Herr, in einem solchen Fall ward das ja gewi noch niemals schnell gesagt! Wenn er es mir nicht gleich auf den Weg mitgibt: lad ich ihn dann auch zum Turnier? Ernst. Dann erst recht! Dann will ich ihn vor gesamter Ritterschaft--Torheit! Zu Pferd, Preising, zu Pferd! (Rasch ab.) Vohburg. Siebente Szene Erkerzimmer. Albrecht tritt mit Agnes ein. Der Kastellan folgt. Albrecht (zu Agnes, die einzutreten zaudert). Nun? (Zum Kastellan.) Also dies ist das Zimmer? Kastellan. Dies ist das Zimmer! Albrecht. Ein wahrer Lug ins Land! Kastellan. Ja, von hier aus sieht man die Feinde zuerst, aber auch die Freunde. Das sagte die Hochselige, als sie's zum ersten Mal betrat und geradeso, wie Ew. Gnaden jetzt, aufs Fenster zuging! Albrecht. Wir htten frher kommen sollen, nicht wahr, Alter, gleich nach der Ankunft? Denn ich merk's wohl, da meine Mutter dich ins Vertrauen gezogen hat! Kastellan. Ei, ich brauch's nicht zu erfahren, warum das fnf Tage spter geschieht, als sie erwartete! Ich wei ohne das, was ich dem Burgwart und dem Kellermeister zu antworten hab, wenn sie die Kpfe noch einmal zusammenstecken sollten, denn Ew. Gnaden stehen jetzt darin, und also auch meine erlauchte Gebieterin Elisabeth von Wrttemberg, nunmehr von Bayern! Albrecht. Deine Gebieterin gewi, wenn auch nicht Elisabeth von Wrttemberg! Kastellan. Nicht? Ich meinte doch! Anders freilich htt' ich's mir vorgestellt! Wenn Frstinnen im Heiligen Rmischen Reich sonst ihren Brautzug hielten, meldete es ein Glockenturm dem andern durch frhlich Gelut, die Fahnen flogen, die Trompeten schmetterten und bunte Herolde sprengten hin und her! Davon hat man diesmal nichts gemerkt: nun, Gott segne die Herzogin dieser Lande und die rechtmige Gemahlin meines Herrn! (Ab.) Achte Szene Albrecht. Ein wunderlicher Alter! Ganz wie ein welkes Blatt unter grnem Laub, das der Wind hngenlie! Agnes. Er erinnert mich an meinen Vater! So wird der einmal aussehen! Albrecht. Nun sind wir denn hier! Wie trieb er! Soviel ich ihm auch zugute halte, es verdro mich fast, dies ewige Sich-in-den-Weg-Stellen und Klirren mit dem Schlsselbund! Agnes. Und ich schmte mich! Aber es rhrte mich doch! Er kann keinen Flecken an seinem Herzog dulden, und er hielt mich fr deinen Flecken! Albrecht. Nun, ihr Wnde? Wenn ihr Zungen habt, so braucht sie, damit ich endlich erfahre, warum wir gerade hierher zuerst kommen sollten! Ich glaubte, dieser sei eine berraschung zugedacht, aber ich sehe ja nichts! Agnes. Schn ist es hier! Dies braune Getfel ist so blank, da es uns abspiegelt! Das ist gewi Regensburger Arbeit! Und die bunten Glasfenster mit den vielen, vielen Bildern darin! Albrecht. Ja, das machen sie jetzt am Rhein, seit sie in Kln den Dom bauen! Lauter Legenden! Man wird heilig, wenn man durch solche Scheiben sieht! Aber ich kann mir doch nicht denken, da wir hierher gerufen sind, um uns die zu erklren! Agnes. Und die Aussicht! Oh! Albrecht. Das alles ist jetzt dein! Aber freu dich nicht zu sehr! Du mut auch manches mit in den Kauf nehmen. Zum Exempel den alten krpplichten Baum da, und dort die Htte ohne Dach! Agnes. Mein Albrecht, du bist so frhlich, das ist mein grtes Glck! Albrecht. Oh, ich bin heute ein Maulhnger gegen das, was ich morgen sein werde, und so fort und fort! Ja, Agnes, so ist's! Ein Entzcken ist bei mir immer nur der Herold des anderen, greren, und jetzt erst wei ich's, warum wir Menschen unsterblich sind. Agnes. Nicht mehr! Ich halt's nicht aus! Die Brust zerspringt mir! (Sie erblickt den Betschemel.) Da! Da! (Sie wirft sich hin und betet.) Albrecht (mit einem Blick nach oben). Nun segnest Du! Und ich wei auch, durch wen! Agnes (steht wieder auf, an dem Betschemel ffnet sich, wo sie kniete, ein geheimes Fach, sie bemerkt es nicht). Albrecht. Jetzt ist meine Mutter nicht mehr im Himmel, sondern wieder auf Erden und hier bei uns, aber ihre Seligkeit ist gleich gro! Agnes. Ach, auf mich war sie nicht gefat! Albrecht (bemerkt das geheime Fach). Aber, was ist das? Agnes. Perlen und Kleinodien! Oh, welche Pracht! Albrecht. Ihr Schmuck! Das denk ich wenigstens, denn getragen hat sie ihn wohl nur, eh' ich geboren wurde! Und ein Brief! (Er nimmt den Brief.) An dasjenige meiner Kinder, das hier zuerst nach mir betet! (Reicht ihn Agnes.) Also an dich! Da ist das Geheimnis! Sieh! sieh! Da hatte dieser Gang doch einen Zweck! Das htte dir bei der Trauung prchtig gestanden! Freilich, wir hatten sie hinter uns, eh' wir kamen!--Nun? Agnes (reicht ihm den Brief). Albrecht (nachdem er ihn gelesen hat). Wr' ich's gewesen, so htt' ich dich damit schmcken drfen, nun sollst du's selbst tun. Das ist auch besser! Agnes. Nicht dies, nicht das! Albrecht. Und was darunterliegt, ist fr den, der nicht betete. Das wird nicht so glnzen und funkeln! Gute Mutter, du hast vorausgewut, wer das sein wrde; ich seh dich, wie du den Zeigefinger gegen mich erhebst! (Zu Agnes.) Aber nun mach doch! Wie lange soll ich um den letzten Tannenbaum, den sie mir aufrichtete, herumhpfen, eh' ich ihn plndern darf? Nimm rasch das Deinige weg, da ich zum Meinigen komm! Agnes. Wie sollt' ich! Albrecht. Du bist ihr freilich keinen Gehorsam schuldig, aber ich, und wahrlich, ich will ihn der Toten am wenigsten weigern. Du wirst mich nicht hindern wollen, ein frommer Sohn zu sein! Also! (Er nimmt die Perlen und will sie schmcken.) Agnes (tritt zurck). Nicht doch! Was bliebe noch fr eine Prinzessin! Albrecht. Willst du trennen, was zusammengehrt? Da gbst du meinem Vater, den du so frchtest, ein bses Beispiel! Mach's schnell wieder gut, da er sich nicht darauf berufe! Komm! Gleiches zu Gleichem! (Er schttelt die Perlen, da sie klappern.) Das heit hier: Hagel zu Schnee! (Er hngt sie ihr um.) Nun mgen sie sich streiten, wer weier ist! Agnes. Schmeichler! Albrecht. Agnes, hat man's dir schon gesagt, da der rote Wein, wenn du ihn trinkst, durch den Alabaster deines Halses hindurchleuchtet, als ob man ihn aus einem Kristall in den andern gsse? Aber, was schwatz ich! (Er nimmt das goldene Diadem.) Ich habe ja noch ein Paar zu vereinigen! (Er will es ihr aufsetzen.) Agnes. Es wrde mich drcken! Albrecht. Du hast recht, da du dich jetzt noch mehr strubst, wie vorher, denn hier ist die Ebenbrtigkeit noch mehr zweifelhaft! Dies Gold und das (er deutet auf ihre Locken), der Abstand ist zu gro! Dies ist der Sonnenstrahl, wie er erst durch die Erde hindurchging und an ihre Millionen Gewchse sein Bestes abgab, dann verdichtete sich der grobe Rest zum schweren toten Korn! Das ist der Sonnenstrahl, der die Erde niemals berhrte, er htte eine Wunderblume erzeugt, vor der sich selbst Rosen und Lilien geneigt haben wrden, doch er zog es vor, sich kosend als schimmerndes Netz um dein Haupt zu legen! (Er setzt ihr das Diadem auf.) Aber nimm's nicht so genau, wir finden nichts Beres. Agnes. Nur, um zu sehen, wie's ihr gestanden hat! Albrecht. Das Auge ist so edel, da es nicht geschmckt werden kann, noch diesen Ring an den Finger--er ging lange genug nackt!--noch dieses Armband, und (er fhrt sie ritterlich vor) die Kaiserin ist fertig! Denn, das ahntest du nicht, eine Kaiserin wollt' ich machen, und sie steht da, setz dich auf den ersten Thron der Welt, und in tausend Jahren wird nicht kommen, die sagen darf: erhebe dich! Nun will ich aber auch mein Teil sehen! (Er nimmt eine Menge welker Blumen usw. aus dem Fach.) Welke Blumen und Bltter, die fast zerstuben, wenn man sie anrhrt? Was mag sich so ankndigen? Heraus! (Er erblickt einen Totenkopf und erhebt ihn.) Ah, du bist's, stummer Prediger? Du redest noch besser, wie Salomo, aber mir sagst du nichts Neues; wer, wie ich, auf Schlachtfeldern aufwuchs, der wei es auch ohne dich, da er sterben mu! Doch erst will ich leben! Im Himmel gibt's Halbselige, sie blicken nach der Erde zurck, und wissen nicht, warum! Ich wei es, sie haben ihren Kelch nicht geleert, sie haben nicht geliebt! Ja, Agnes- Neunte Szene Der Kastellan (tritt ein). Albrecht (zum Kastellan). Halt! Noch kein Wort, und ob die Welt unterginge! Ja, Agnes, wenn ich bei Gott aufhren soll, mu ich bei dir anfangen, es gibt fr mich keinen anderen Weg zu ihm! Geht es dir nicht auch so? Agnes. Und kme jetzt der Tod, ich drfte nicht mehr sagen: Du kommst zu frh! Albrecht (pret sie an sich). All unsre Wollust mndet in Gott, was unsre enge Brust nicht fat, das flutet in die seinige hinber, er ist nur glcklich, wenn wir selig sind, soll er nicht glcklich sein? (Er kt sie.) Und zuweilen stt er die Welle zurck, dann berstrmt sie den Menschen, und er ist auf einmal dahin, wandelt im Paradiese und sprt keine Vernderung! Wenn das jetzt kme! Agnes. Nicht weiter, nicht weiter! Albrecht (lt sie los). Das war eine Stunde! Nun komme die zweite! --Was gibt's? Kastellan. Botschaft von Eurem Herrn Vater! Ritter Preising! Albrecht. Hierher! (Kastellan ab.) Agnes (will gehen). Albrecht. Nein! So ist's nicht gemeint, da ich dich verleugnen will! Bleib! Wie der dich ansieht, sieht mein Vater dich auch an. Da wissen wir gleich, wie's steht! Agnes. La mich, mein Albrecht! Es treibt mich fort! Dies (sie deutet auf das Diadem) wre Herausforderung! Albrecht. So geh da hinein, da ist ja auch noch ein Gemach, nicht wahr? Dann bist du mit drei Schritten wieder bei mir! Agnes (ab). Albrecht. Kommt nur, ich lasse mich finden! Zehnte Szene Preising tritt ein, von Trring, Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg begleitet. Albrecht. Was bringt Ihr, Kanzler? Preising. Frhliche Botschaft! Albrecht. Wirklich? Da kme Freude zur Freude! Preising. Eine Botschaft, die mein gndiger Herr eigentlich dem Ritter Haydeck, und nicht mir, htte bertragen sollen! Albrecht. So! Ich versteh schon! Preising. Er mute Euch die Flucht Eurer ersten Braut melden- Albrecht. Ich habe vergessen, ihn dafr zu belohnen, es soll geschehen, sobald ich ihn wiederseh! Preising. Er sollte Euch billig auch das Jawort der zweiten berbringen! Albrecht. Preising, geradeheraus! Ich versteh mich schlecht aufs Rtsellsen, aber gut aufs Nuknacken! Was ist's? Preising. Euer Vater hat um die schnste Frstin Deutschlands fr Euch angehalten- Albrecht. Das bedaur' ich sehr! Preising. Erich von Braunschweig hat eingewilligt! Albrecht. Das bedaur' ich noch mehr! Preising. Und ich- Albrecht. Ihr sollt mich zum Nicken bringen, wie einen Nrnberger Hampelmann, den man von hinten ziehen kann! Es wird Euch nicht gelingen, und das bedaur' ich am meisten, denn Euer Ansehen wird darunter leiden! Preising. Euer Vater wrde erstaunt sein, das kann ich Euch versichern, wenn Ihr Euch nur einen Augenblick gegen eine Verbindung struben knntet, die seit der chtung Heinrichs des Lwen nicht zustande gebracht werden konnte, sooft es auch versucht wurde, und die eine uralte, zuweilen hchst gefhrliche Feindschaft fr ewige Zeiten ersticken wird! Hier nicht mit beiden Hnden zugreifen, heit nicht blo das Glck mit Fen treten; es heit auch die endlich eingeschlafene Feindschaft zwischen Welf und Wittelsbach wieder aufwecken, ja verdoppeln; es heit den ungerechten Ha in einen gerechten verwandeln; es heit die Rache herausfordern und ihr selbst die Waffen reichen! Albrecht. Das wei ich, oh, das wei ich, mich sollt's wundern, wenn's anders wr'! Man kann die Plne meines Vaters nie kreuzen, ohne zugleich der halben Welt ins Gesicht zu schlagen, mit ihm allein hat's noch keiner zu tun gehabt! Aber so gro die Kunst auch sein mag, den Faden so zu spinnen unfehlbar ist sie nicht, und diesmal reit er ab! Preising. Und Euer Grund? Albrecht. Ihr kennt ihn! Preising. Ich hoffe, nein! Albrecht. Nicht? Nun, Ihr braucht ihn nicht weit zu suchen! Ich bin ein Mensch, ich soll dem Weibe, mit dem ich vor den Altar trete, so gut, wie ein andrer, Liebe und Treue zuschwren, darum mu ich's so gut, wie ein andrer, selbst whlen drfen! Preising. Ihr seid ein Frst, Ihr sollt ber Millionen herrschen, die fr Euch heute ihren Schwei vergieen, morgen ihr Blut verspritzen und bermorgen ihr Leben aushauchen mssen: wollt Ihr das alles ganz umsonst? So hat Gott die Welt nicht eingerichtet, dann wre sie nimmer rund geworden, einmal mt Ihr auch ihnen ein Opfer bringen, und Ihr werdet nicht der erste Eures ruhmwrdigen Geschlechts sein wollen, der es verweigert! Albrecht. Einmal? Einmal mit jedem Atemzuge, meint Ihr! Wit Ihr auch, was Ihr verlangt? Gewi nicht, denn sonst wrdet Ihr die Augen wenigstens niederschlagen und nicht dastehen, als ob alle zehn Gebote mit feurigen Buchstaben auf Eurer Stirn geschrieben stnden. Was tut Ihr, wenn der Tag Euch ein finstres Gesicht zeigt, wenn Euch alles milingt, und Ihr Euch selbst fehlt? Ihr werft beiseite, was Euch qult, und eilt zu Eurem Weibe, sie ist vielleicht gerade doppelt von Gott gesegnet und kann Euch abgeben, wenn das aber auch einmal nicht zutrifft, so knnt Ihr sie ja gar nicht ansehen, ohne aller Eurer glcklichen Stunden zu gedenken, und wem die wieder lebendig werden, der hat eine mehr! Was wr' mein Los? Knnt' ich auch zu meinem Weibe eilen? Unmglich, ich mte eher eine Wache vor meine Tr stellen, damit die Unselige in ihrer Unschuld nur nicht von selbst komme und mich ganz verrckt mache, denn sie wre ja mein rgster Fluch! Doch nein, das wre schlecht von mir, das drft' ich nicht, ich mte ihr entgegengehen und sie in meine Arme schlieen, whrend ich sie lieber von mir schleudern mchte, wie einen ankriechenden Kfer, denn das htt' ich vor Gott gelobt. Graust Euch? Wit Ihr jetzt, was Ihr verlangt? Nicht blo auf mein Glck soll ich Verzicht leisten, ich soll mein Unglck liebkosen, ich soll's herzen und kssen, ja ich soll dafr beten, aber nein, nein, in alle Ewigkeit nein! Preising. Herzog Ludwig, Euer Vorfahr, nahm eine Gemahlin, die keiner erblickte, ohne ihr zu dem Namen, den sie in der heiligen Taufe empfangen hatte, unwillkrlich noch einen zweiten zu geben; es war Margaretha von Krnten, die im Volksmund noch heutzutage die Maultasche heit. Er war jung, wie Ihr, und man hrt nicht, da er blind gewesen ist, aber sie brachte die Grafschaft Tirol an Bayern zurck, und wenn er sich ber ihre Schnheit nicht freuen konnte, so wird der Gedanke ihn getrstet haben, da seine armen Untertanen unter seiner Regierung das Salz noch einmal so billig kauften, wie zuvor, und ihn mit frhlichen Gesichtern morgens, mittags und abends dafr segneten! Albrecht. Wit Ihr, ob er ihnen nicht jedesmal eine Bitte abschlug, wenn er sein Weib gesehen hatte? Preising. Ich wei nur, da er vier Kinder hinterlie. Gndiger Herr, ich habe meine Botschaft ausgerichtet und werde Eurem Vater melden, da Ihr zu mir nicht ja gesagt habt. Wollt Ihr etwas hinzufgen, so tut's, wenn Ihr ihn seht! Mein Auftrag ist noch nicht zu Ende, ich soll Euch noch zu dem Turnier laden, das er in Regensburg zu halten gedenkt, und Ihr werdet seinen Unwillen nicht dadurch noch erhhen wollen, da Ihr ausbleibt! Albrecht. Gewi nicht, ich habe das Fechten nicht verlernt, auch in Augsburg nicht, und gebe gern den Beweis! Preising. Da mt Ihr denn noch heute aufsitzen! Albrecht. Noch heute? Preising. bermorgen findet's statt! Albrecht. Das kommt ja rascher zustande, wie eine Bauern-Schlgerei! Was gibt's denn? Ist dem Kaiser in seinem Alter eine Prinzessin geboren? Preising. Wahrscheinlich sollte Eure neue Verlobung der Ritterschaft verkndigt werden, denn Euer Vater hlt Eure Weigerung fr unmglich und ist stolz darauf, da ihm gelang, was seinen Vorfahren drei Jahrhunderte hindurch miglckte. Nun wird's wohl auf ein bloes Lanzenspiel hinauslaufen! Albrecht. Gleichviel! Ich bin in billigen Dingen sein gehorsamer Sohn und will um eine Erbsenschote turnieren, wenn er's verlangt! Preising. Also, Ihr erscheint, ich hab Euer Wort! (Ab, von Trring, Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg zurckbegleitet.) Elfte Szene Albrecht. Da ist's! Und ich kann nicht sagen, da mich's verdriet! Ich bin nicht gemacht, mein Glck zu genieen, wie ein Knabe die Kirschen nascht, die er gestohlen hat! Und wenn der Sturmwind mir die Tarnkappe abreit, so kann der Augsburger Priester doch gewi nicht sagen, ich selbst htte das Geheimnis verraten! Zwlfte Szene Agnes (tritt wieder ein, aber ohne die Kleinodien). Nun, mein Albrecht? Albrecht. Ja, Agnes, nun werd ich's bald sehen, ob du von deinem Vater was gelernt hast, ich werde blo, um dich auf die Probe zu stellen, ein Paar Beulen von Regensburg mitbringen! Aber, was hast du gemacht? Mein Werk wieder zerstrt? Nein, wirst du sagen, Gottes Werk wiederhergestellt! Und es ist wahr, ich hatte es nur verdorben, wie der Knabe die Lilie, die er mit Nelkenblttern bestreut! Du tatest wohl, den bunten berflu abzuschtteln. Agnes. Ich habe alles gehrt, alles! Ich mute! Albrecht. Alles, nur meine letzte Antwort nicht! Frchte nichts von meinem Ungestm, ich halte sie zurck, solange ich kann, auch jetzt noch! Aber im uersten Fall: Hier ist sie! (Er umarmt sie.) Wir sind vereint, nur der Tod kann uns noch trennen, und der ist sein eigner Herr! Auch gibt's auf der ganzen Welt keinen Mann, der sich schneller in etwas ergibt, wie mein Vater, wenn er sieht, da nichts mehr zu ndern ist! Nun in die Rstkammer! Nothhafft und Trring nehm ich mit, Frauenhoven bleibt hier zu deinem Schutz! Agnes. Es ist nicht Furcht, was mich bewegt! Den Schwindel hab ich berwunden! Aber--Sieh, mein Albrecht, es tut mir weh, wenn ich mir denke, da ganz Augsburg mich fr etwas anderes, als fr deine Gemahlin hlt; und der Trost, vor Gott rein dazustehen, reicht nicht immer aus, kaum, la mich's bekennen, das Gefhl, mein Glck damit zu bezahlen. Doch ich will es gern mein ganzes Leben lang ertragen, wenn's nur zwischen dir und deinem Vater Friede bleibt. Wie frchterlich war's mir frher schon immer, wenn sich Freunde und Brder meinetwegen entzweiten, und von wie manchem Tanz blieb ich weg, um's nur nicht zu sehen! Und was war das gegen dies! Albrecht. Diesmal ist gar nichts zu besorgen! Auch ein Frstensohn darf sagen: ich will die nicht! und wenigstens: ich will noch nicht! Aber zusammenhauen will ich sie--Hei! wer mich bisher schon einen guten Fechter genannt hat, der soll sich schmen, und ein jeder soll sich's im stillen zuschwren, mir nie wieder in den Weg zu treten, auch wer selbst nichts abbekommt! (Beide ab.) Regensburg. Dreizehnte Szene Turnierplatz. Die Zuschauer sind auf ihren Tribnen schon versammelt. Der Marschall steht vor den Schranken, ein Buch unterm Arm. Groer Zug; Fahnen, Trophen, Trompeten. Ernst (tritt auf, von seinen Rittern begleitet. Unter diesen befinden sich Wolfram von Pienzenau, Otto von Bern, Ignaz von Seyboltstorff und Hans von Preising. Preising geht ihm zur Seite. Die Ritter stellen sich bis auf Preising rechts vom Marschall auf). Preising. Gndiger Herr, mideutet's nicht, da ich noch einmal anklopfe, aber die Stunde ist ernst, was Ihr zu tun gedenkt, kann vielleicht nicht mehr zurckgetan werden, und Ihr pflegt ja doch sonst meinen geringen Rat nicht zu verschmhen! Ernst. Gegen jedermann kann ich Euch schtzen, nur nicht gegen meinen Nachfolger, darum rat ich mir diesmal allein! Marschall (ruft). Wolfram von Pienzenau! Otto von Bern! Pienzenau und Bern. Hier! Marschall (lt sie ein). Preising. Ich frchte zu erraten, was Ihr vorhabt, der Marschall hat das Buch gewi nicht umsonst unterm Arm! berlegt's noch, ich bitt Euch, und seht in der raschen Antwort, die er Euch vorhin gab, nicht den Trotz eines Sohns, sondern die Hartnckigkeit eines Verliebten, der sein Gefhl fr eine Agnes nicht sogleich auf eine Anna bertragen kann! Ernst. Ihr werdet augenblicklich aufgerufen werden! Preising (geht zu den Rittern). Ernst. Ein Schnitt ins Fleisch tut not. Wirkt's nicht gleich, so wirkt's spter! Ei, ei, wer htte das gedacht! Einer Dirne wegen! Albrecht (tritt mit Nothhafft von Wernberg und Trring auf). Ernst (an Albrecht vorbeischreitend). Noch einmal! Darf ich der Ritterschaft Eure Verlobung mit Anna von Braunschweig ankndigen lassen? Albrecht. Ich habe zu viel von Euch im Leibe, um auf eine und dieselbe Frage an einem und demselben Morgen zwei Antworten zu geben! --Mein Gott, lag ich denn ganz umsonst auf den Knien vor Euch? Ernst. Gut! (Er geht weiter.) Marschall, ich habe Euch nichts zu sagen! (Er besteigt seine Tribune.) Nur fort! Marschall (ruft). Hans von Preising! Ignaz von Seyboltstorff! Preising und Seyboltstorff. Hier! (Treten an die Schranken.) Albrecht. Preising! Seyboltstorff! Zurck! Wittelsbach ist da! (Tritt an die Schranken.) Marschall. Halt! Albrecht. Marschall von Pappenheim, aufgeschaut! Den Blinden, dem ich den Star stechen mu, bedien ich mit der Lanze! Ernst. Artikel zehn! Marschall (ffnet das Buch und liest). Weiter wurde zu Heilbronn fr ewige Zeiten beschlossen und geordnet. welcher vom Adel geboren und herkommen ist und Frauen und Jungfrauen schwchte- Albrecht (schlgt ihm das Buch aus der Hand). Der darf nicht turnieren! Werden hier Krippenreiter zugelassen, die das nicht wissen? Marschall. Ihr seid angeklagt, auf Eurem Schlo Vohburg mit einem Schwabenmdchen in Unehren zu leben! Albrecht. Mein Klger? Ernst (erhebt sich). Albrecht. Herzog von Mnchen-Bayern, la deine Spher peitschen, sie haben deine Schwieger verunglimpft! Die ehr--und tugendsam Augsburger Brgertochter, Jungfer Agnes Bernauer, ist meine Gemahlin, und niemand, als sie, befindet sich auf Vohburg! Hier stehen meine Zeugen! Ernst. Preising! Das ist ja zum--Wiederjungwerden! Albrecht. Da man nun mit seinem angetrauten Weibe nicht in Unehren leben kann, so--Schildknapp', zeig dem Mann mit dem Buch da, wie man ffnet! Schildknapp' (ffnet rasch). Albrecht (tritt ein). Nun, Ihr Herren? Man pflegt: ich wnsch Euch Glck! zu sagen! Ernst (greift zum Schwert und will hinunterstrzen). Ich komm schon! Preising (wirft sich ihm entgegen). Gndiger Herr, erst mt Ihr mich durchstoen! Ernst. Ei, ich will's ja nur als Knttel brauchen, ich will nur fr die berraschung danken! Doch, Ihr habt recht, es ist auch so gut, was erhitzt der Vater sich, der Herzog gengt. (Er ruft.) Edle von Bayern, Grafen, Freiherren und Ritter, auch Wilhelm, mein Bruder, hat einen Sohn- Albrecht. Was soll das? Ernst. Wer den Weg zur Schlafkammer seiner ehr--und tugendsamen Jungfer--allen Respekt vor ihr, es mu eine gescheite Person sein! --durch die Kirche nehmen mute, der nimmt die Benediktion mit und die Gnade aller Heiligen obendrein, aber Krone und Herzogsmantel lt er am Altar zurck! (Er fhrt fort.) Dieser Sohn heit Adolph und ihn erklr ich- Albrecht. Bei meiner Mutter, nein! Hans von Lubelfing. Albrecht von Wittelsbach, Ingolstadt steht hinter Euch, frchtet nicht fr Euer Recht, Ludwig der Brtige zieht! Ernst. Ludwig von Ingolstadt, oder wer hier fr ihn spricht, das Reich steht hinter mir mit Acht und Aberacht, weh dem, der seine Ordnung strt! Marschall (nebst vielen andern Rittern, mit den Schwertern klirrend). Ja, weh dem! Ernst. Brger von Augsburg, Eidam des Vaters, empfangt jetzt Segen und Hochzeitsgabe zugleich! (Fhrt fort.) Es lebe mein Nachfolger! (Er steigt von der Tribune herunter.) Wer ein guter Bayer ist, stimmt mit ein: es lebe Adolph, das Kind! Marschall (mit vielen andern Rittern um Ernst sich scharend). Es lebe Adolph, das Kind! Albrecht (zieht und dringt auf den Marschall ein, auch um ihn scharen sich einige Ritter). Otto, mein Ahnherr, fr Treu! Ernst (schlgt ihm mit der Faust aufs Schwert). Das Turnier ist aus! Albrecht. Nein, es beginnt! Die Ritterschaft verlt mich! Brger und Bauern, heran! (Er schwingt sein Schwert gegen die Zuschauer. Groes Getmmel.) Vierter Akt Mnchen. Erste Szene Das Herzogliche Kabinett. Preising sitzt an einem Tisch, ein versiegeltes Dokument in der Hand. Preising. Dies soll ich ffnen und prfen! Und gerade heut, an diesem Tage des Jammers! (Er besieht das Dokument.) Keine Aufschrift, bis auf ein Kreuz! Aber sieben Siegel von seiner eignen Hand! Dazu lag's, dreifach verschlossen, in einer ehernen Truhe! Der Inhalt mu ernst und wichtig sein! Auch neu ist es nicht! Das beweist der Staub, der sich mir an die Finger setzt! (Er fngt an, die Siegel zu erbrechen.) Offenbar ein Geheimnis, das er lange vor mir verbarg! Mir wird fast beklommen! Zweite Szene Stachus (tritt ein). Ein Bauer ist da, mit einer ungeheuer groen hre, die er dem Herzog zeigen will! Preising. Nur heute nicht! Er wird vom Sterbebett keine Augen dafr mitbringen! Stachus. Das hab ich ihm schon gesagt! Aber er lt sich nicht bedeuten, und Ihr wit's ja, da wir mit den gemeinen Leuten nicht unsanft verfahren drfen! Preising. So la ihn stehen, bis er von selbst geht! Hrt man denn nichts von dem armen Prinzen? Wird's nicht doch ein wenig besser? Bei Gott ist ja kein Ding unmglich! Stachus. Besser! Vor einer halben Stunde ward er versehen! Herr Kanzler, die Augsburger Hexe pat schon auf, und der Teufel lt sie nicht im Stich, wie sollt's besser werden! Preising. Was redst du da wieder, Stachus! Stachus. Was sie alle reden! In der Burg, auf der Strae, an der Schranne, im Klosterhof, wo man auch hinkommt, alle, alle! Ein hochwrdiger Pater Franziskaner hat diese Bernauerin schon von der Kanzel herab verflucht, er hat gesagt, sie sei wert, bei lebendigem Leibe verbrannt zu werden, da wird's doch wohl wahr sein! Und wie sollt's auch nicht! Erst stirbt der Vater, der gute, gute Herzog Wilhelm; dies Wams hab ich von ihm! Dann folgt seine Gemahlin! Heute rot, morgen tot; wir muten sie beweinen, eh' sie ihn noch beweinen konnte. Nun der Prinz, der freundliche kleine Adolph! Hrt Ihr? Das Sterbeglcklein! Es ist aus! Aus! (Er ballt die Hnde, wie zum Fluchen.) Und ich sollte nicht!?--(Er sinkt auf die Knie und betet.) Preising (sinkt gleichfalls auf die Knie). Stachus (aufstehend). Selbst in Brand stecken mcht' ich den Scheiterhaufen! Die fnde so viele Henker, als es treue Bayern gibt. Nun geht's an den Herzog, den regierenden Herrn, gebt nur acht! (Ab.) Dritte Szene Preising (der sich zugleich mit Stachus erhebt). Ja, es ist aus! Das Glcklein verstummt, das Kind tat seinen letzten Atemzug, und Ernst hat keinen Erben mehr, da er seinen Sohn verstie. Dies ist eine schwere Stunde frs Land! Gott schaue gndig auf uns herab! (Er ergreift das Dokument wieder.) Nun wird er wohl gleich hiersein! Die ganze Nacht war er drben! (Er nimmt es aus dem Umschlag und entfaltet's.) Was ist das? (Er liest.) "Rechtlicher Beweis, geschpft aus den Ordnungen des Reichs und anderen lauteren Quellen, da die Agnes Bernauer oder Pernauer aus Augsburg wegen verbrecherischer Verleitung des jungen Herzogs Albrecht zu unrechtmiger Ehe, ja sogar, falls sich nichts Weiteres erhrten liee, wegen bloer Eingebung einer solchen im uersten Falle gar wohl, zur Abwendung schweren Unheils, auf welche Weise es immer sei, vom Leben zum Tode gebracht werden drfe!" (Er setzt ab.) Oh, nun begreif ich alles! Dieser Tote wird wieder tten, dieser Knabe, der nicht einmal seine Nrnberger Klapperbchse mehr schtteln kann, wird das Mdchen nachholen! Schrecklich! (Er sieht wieder hinein.) Des jungen Herzogs! Er ist fnf Jahre lter, als sie, und hat vielleicht schon seine erste Schlacht gewonnen, bevor sie noch ihre letzte Puppe in den Winkel warf! rmste, welch ein Schicksal ereilt dich! (Er blttert um.) Wer hat sich denn unterschrieben? Adlzreiter! Kraitmayr! Emeran Nusperger zu Kalmperg! Groe Juristen, wrdig, zu Justinians Fen zu sitzen und die Welt zu richten, wer wagte ihnen zu widersprechen! Sie ist verloren! (Er sieht wieder hinein.) Und gleich nach dem Regensburger Turnier abgefat! Ja, da trafen sie alle drei hier in Mnchen zusammen, ich hielt's fr Zufall, nun seh ich wohl, da sie gerufen waren! Das sind schon dritthalb Jahre! Wie wenig mag sie's noch erwarten! (Er blttert noch einmal um.) Unten das frmliche Todesurteil, dem nur noch der Name des Herzogs fehlt! Der wird nun wohl bald hinzukommen! Mich graust! Manch hnliches Blatt hielt ich schon in der Hand, aber da ging dem strengen Spruch jedesmal eine Reihe schnder Gewalttaten voran, man las viel von Raub, Mord, Brand und Friedensbruch, ehe man an die Strafe kam. Hier knnte hchstens stehen: sie trug keinen Schleier und schnitt sich die Haare nicht ab! Ich wei jetzt ja recht gut, wie's zugegangen ist! Und dennoch--(Er liest wieder.) Durchs Beil, durchs Wasser, ja durch einen Schu aus dem Busch--(Er setzt ab.) Gibt's denn gar kein anderes Mittel mehr? Vierte Szene Ernst (tritt ein). Ich lie Euch warten, Preising! Aber ich mute selbst warten! Preising. Gndiger Herr! Ernst. Lat, lat! Die Erde kann schon mit gebrochenen Augen gepflastert werden! Es kam ein Paar hinzu! Habt Ihr gelesen! Preising. Ich wollte just, da hrt' ich das Glcklein! Ernst. So lest jetzt! (Er wendet sich.) Es hat mich angegriffen! Wie schwer stirbt ein Kind! Zwlf Stunden Todeskampf fr ein so kurzes Leben! Mein Gott! Nun, es ist vorbei! (Er macht ein paar Schritte.) Die groe Glocke! Endlich! Mir fehlte noch was! Die verkndigt's der Stadt! Nun geht's von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, von Mund zu Mund. Ja, betet, betet, betet! Wir knnen's brauchen! (Wendet sich wieder zu Preising.) Nun? Preising (legt das Dokument auf den Tisch). Was soll ich noch sagen! Ernst. Was Ihr knnt! Prft Punkt fr Punkt, ich steh Euch Rede, diesmal, wie allemal! Habt Ihr etwas gegen die Mnner einzuwenden, die das Gutachten abgaben und den Spruch fllten? Preising. Gegen die Mnner! Wenn der Schwabenspiegel noch nicht zusammengestellt wre, diesen dreien wrde ich an Kaisers Statt den Auftrag geben, es zu tun! Ernst. Sind sie bestechlich? Trifft einen unter ihnen der Verdacht der hohlen Hand? Preising. Gewi nicht! Wenn aber auch: Herzog Ernst hat keinem etwas hineingedrckt! Ernst. Ihr erweist mir nur Gerechtigkeit! Nicht einmal den Schweipfenning, der ihnen gebhrt htte, und das ist die einzige Schuld, die ich nie bezahlen will! Preising. Ich schwre fr Euch! Aber auch fr sie! Ernst. Nun, solche Mnner, so beschaffen, legten vor dritthalb Jahren nach gewissenhaftester Erwgung des Falls dies Blatt bei mir nieder, und erst jetzt zieh ich's hervor. Kann man mich der bereilung zeihen? Preising. Nicht Euer Feind! Ernst. Wenn ich's vollstrecken lasse: kann man behaupten, es sei nicht der Herzog, der seine Pflicht erfllen, sondern der Ritter, der einen Flecken abwaschen, oder der Vater, der sich rchen will? Preising. Auch das nicht! Ernst (ergreift die Feder). Wohlan denn! Preising. Gndiger Herr, haltet noch ein! Ernst. Ja? Gut! (legt die Feder nieder) Ich bin kein Tyrann, und denke keiner zu werden. Aber man soll von mir auch nicht sagen: er trug das Schwert umsonst! Wer's unntz zieht, dem wird's aus der Hand genommen, aber wer's nicht braucht, wenn's Zeit ist, der ruft alle zehn Plagen gyptens auf sein Volk herab, und die treffen dann Gerechte und Ungerechte zugleich, denn unser Herrgott jtet nicht, wenn er selbst strafen mu, er mht nur! Das erwgt und nun sprecht! (Er setzt sich.) Preising. Ich kann dies Blatt nicht widerlegen! Es ist wahr: wenn die Erbfolge gestrt wird oder auch nur zweifelhaft bleibt, so bricht frher oder spter der Brgerkrieg mit allen seinen Schrecken herein, und niemand wei, wann er endet! Ernst. Er bricht herein, wenn sie Kinder bekommen, er bricht herein, wenn sie keine bekommen! In dem einen Fall wollen die sich behaupten, in dem andern knnen Ingolstadt und Landshut sich nicht vereinigen, weil jedes den Lwenteil verlangt! Ja, es ist die Frage, ob die auch nur bis zu seinem Tode ruhig bleiben! Denn, wenn sie jetzt mit ihm liebugeln, so geschieht's, um mich zu rgern! Preising. Aber es ist doch auch entsetzlich, da sie sterben soll, blo weil sie schn und sittsam war! Ernst. Das ist es auch! Ja! Darum stellt' ich's Gott anheim. Er hat gesprochen. Ich warf mein eignes Junges aus dem Nest und legte ein fremdes hinein. Es ist tot! Preising. Und gbe es wirklich keinen anderen Ausweg? Gar keinen? Ernst. Ihr greift mich hart an, Ihr meint, ich knnte noch mehr tun! Und wahr ist's: in den Adern Ludwigs von Ingolstadt und Heinrichs von Landshut fliet das Blut des Geschlechts ebenso rein, wie in meinem eignen! Preising. Daran hab ich noch nicht gedacht! Ernst. Aber ich! Zwar wr's so arg, da wohl auch ein Heiliger fragen wrde: Herr, warum das mir? Doch, wenn's nun wr'? Der letzte Hohenstaufe starb durch Henkers Hand, mit Gottes dunklem Ratschlu kann viel bestehen, was der Mensch nicht fat. Aber dies kann Gottes Ratschlu nicht sein, denn es hlfe nichts, und das ist mein Trost! Sprche ich zu Heinrich: Komm, Fuchs, du hast mir mein ganzes Leben lang Fallstricke gelegt und Gruben gegraben, nimm mein Herzogtum zum Lohn! so fhre Ludwig dazwischen. Sprche ich zu Ludwig: Ich bin dir noch den Dank fr so manchen Schlag schuldig, der von hinten kam, hier ist er! so griffe Heinrich mit zu, und einer knnt's doch nur sein! Oder ist's nicht so? Preising. Gewi! Ernst. Es bliebe also immer dasselbe, alles ginge drunter und drber, und die Tausende, die im Vertrauen auf mich ins Land kamen und meine Mrkte zu Stdten erhoben, meine Stdte so weit emporbrachten, da selbst die stolze Hansa ihnen nicht mehr ungestraft den Rcken kehren darf, wrden mich und mein Andenken verfluchen! Preising. Ich meinte nicht das! Lat sie entfhren und dann verschwinden! Das geht jetzt leichter, wie sonst, er lt sie nicht mehr so ngstlich bewachen. Ernst. Was wr' damit gewonnen? Er wrde sie suchen bis an seinen Tod! Ihr wart ein schlechter Prophet in Regensburg! Preising. Man breitet aus, da sie gestorben ist. Er fand den Priester, der ihn mit ihr verband: kann Euch der Priester fehlen, der einen Totenschein ausstellt? Ernst. Und ich sollte ihm das zweite Weib geben, solange das erste noch lebte? Nein, Preising, das Sakrament ist mir heilig, er soll nicht am Tage des Zorns wider mich zeugen und sagen: Herr, wenn ich mich mit Greueln befleckte, so wute ich nichts davon. Hier hilft kein Kloster, nur der Tod! Preising. Doch auch wohl der Papst, und wenn der sich weigert, der Kaiser! Friedrich Barbarossa schied sich selbst, Ludwig der Bayer schied seinen Sohn! Ernst. Wie soll man scheiden, wenn keins von beiden will? Preising, ich hatte dritthalb Jahre Zeit, und das Kind, fr das jetzt die Glocken gehen, war oft genug krank! (Er greift wieder zur Feder.) Nein, Gott will es so und nicht anders! Und gerade jetzt geht es leicht. Er reitet heut oder morgen nach Ingolstadt zum Turnier hinab. Dort soll er, ich mchte sagen, wieder ehrlich gesprochen werden, und dies wird glcken, denn Ludwig hat alles zusammengerufen, was mir feind ist, er denkt: je weiter der Ri zwischen uns beiden, je besser fr ihn! Nun, whrend sie die Fahne ber ihn schwenken, will ich dafr sorgen, da sie sich hintendrein nicht zu schmen brauchen. Nichts hat mich so verdrossen, als das Geprnge, mit dem er sie gleich nach dem Regensburger Tag, einer Herzogin gleich, von Vohburg nach Straubing fhrte. Jetzt ist das gut! Emeran Nusperger zu Kalmperg ist Richter in Straubing, und Pappenheim kann mit hundert Reitern in vierundzwanzig Stunden dort sein! Preising. Und nachher? Gndiger Herr, Ihr habt recht, ich war in Regensburg ein schlechter Prophet! Wird er's tragen? Wird er nicht rasen und Hand an sich legen oder sich offen wider Euch empren? Ernst. Das eine vielleicht, das andre gewi, ich tu, was ich mu, der Ausgang ist Gottes. Ich setz ihn daran, wie Abraham den Isaak, geht er in der ersten Verzweiflung unter, und es ist sehr mglich, da er's tut, so lasse ich ihn begraben, wie sie, tritt er mir im Felde entgegen, so werf ich ihn oder halte ihn auf, bis der Kaiser kommt. Dem meld ich's, noch eh' es geschieht, und er wird nicht sumen, denn wie ich Ordnung im Hause will, so will er Ordnung im Reich. Es ist ein Unglck fr sie und kein Glck fr mich, aber im Namen der Witwen und Waisen, die der Krieg machen wrde, im Namen der Stdte, die er in Asche legte, der Drfer, die er zerstrte: Agnes Bernauer, fahr hin! (Er unterschreibt und geht, dann wendet er sich und winkt.) Kanzler! (Ab, Preising folgt mit dem Blatt.) Straubing. Fnfte Szene Burghof und daranstoender Garten. Trring, Frauenhoven und Nothhafft von Wernberg, alle gerstet, an einem steinernen Tisch, auf dem Wein steht. Der Kastellan geht vorber. Nothhafft von Wernberg. Nun, Alter, schon wieder in die Kapelle? (Er erhebt seinen Becher.) Komm, versuch einmal, damit du siehst, da die Frommen noch immer nicht umsonst beten! Kastellan. Ich sto dich um, sagte der Ritter zum Becher, und tat's, siebenmal hintereinander. Aber der Becher stie ihn wieder um, und da fiel er dem Teufel in die Arme, der schon lngst hinter ihm stand! Htet Euch und spottet nicht! (Ab.) Sechste Szene Frauenhoven. Wo bleibt der Herzog? Die Pferde werden ungeduldig! Trring. Er wird die Totengruft besehen, die sie sich bauen lie. Sie ist gestern oder heut fertig geworden. Ich sah sie beide zu den Karmelitern hinbergehen. Nothhafft von Wernberg. Doch ein seltsamer Gedanke fr ein junges Weib! Eine Totengruft! Trring. Nun, im Anfang gerade so seltsam nicht! Da mag ihr beklommen genug gewesen sein, und mit Recht. Jetzt freilich sieht's anders aus! Und doch kann man noch nicht wissen, wie's kommt! Das schwache Kind in Mnchen ist nicht stark dadurch geworden, da der alte Herzog ihm die Krone aufsetzte. Ja, er hat's vielleicht nur getan, weil er sich darauf verlie, da sie schon von selbst wieder herunterfallen wrde! Frauenhoven. Da irrt ihr! Wie oft hat er Albrecht durch seinen Bruder die frmliche Entsagung abzudrngen gesucht! Trring. Das war immer nur ein Stich, eine verkappte Anfrage, ob er ihrer noch nicht satt sei! Wenn Ernst keinen Hintergedanken hatte, warum stellte er sich zwischen ihn und den Kaiser, als dieser wegen der Regensburger Hndel Rechenschaft forderte? Der alte Sigmund meinte es sehr ernsthaft, das Podagra hat einen wackern Reichsvogt aus ihm gemacht, und seine Kommissarien, wir drfen's uns wohl bekennen, htten nicht einmal Brillen aufzusetzen gebraucht, um einen offenen Aufruhr zu entdecken. Warum kehrten sie so pltzlich in Mnchen um? Frauenhoven. Ihr seht immer schwarz! Nothhafft von Wernberg. Sie kommen! Steigen wir zu Pferde, da wir den Abschied abkrzen! Aber vorher--(Er ergreift den Becher.) Trring. Auf guten Ausgang! (Sie stoen an und geben ab.) Siebente Szene Albrecht und Agnes treten auf. Albrecht ist ebenfalls gerstet. Agnes. Also, die Ampel, die noch fehlt, bringst du mir mit, nicht wahr? Eine eherne, mit einer langen Kette, da sie hoch vom Gewlb niederschweben kann. Albrecht. Lieber etwas andres, ich gesteh's dir offen. Doch ich hab's versprochen, und ich tu's! Agnes. Zrnst du mir? Albrecht. Wie knnt' ich! Aber es ngstigt mich, da dir dies so am Herzen liegt! Hast du eine bse Ahnung? Ich wte zwar nicht, woher die dir jetzt noch kommen sollte, und dennoch mu es so sein! Agnes. Gewi nicht! Ei, da wrd' ich von meinem Sarg reden, von den Fackeln, dem Glockengelut und allem, was ich mir sonst noch wnschte! Und wenn ich frchtete, dir weh zu tun, wrd' ich sagen: Denke dir, mir hat getrumt, ich wrde begraben, und darber mut du dich freuen, denn es bedeutet langes Leben, aber das Leichenbegngnis war so schn, da ich's dereinst geradeso und nicht anders haben mchte. Und dann wrde ich's dir beschreiben! Albrecht. So will ich dir die Ampel nach dreiig Jahren schenken! Agnes. Wenn du nicht anders willst! Angezndet soll sie ja noch nicht werden! Aber, mein Albrecht, du kennst uns nicht, du weit nicht, wie wir sind! Ein brgerliches Mdchen macht sich das Totenhemd gleich nach dem Hochzeitkleid, und sie tut wohl daran, denn sie kann nicht wissen, wie sie's sonst in ihrem Alter bekommt! Nun, das liegt mir in der Art, und so lange bin ich noch nicht die Gemahlin eines Herzogs, da sich schon alles an mir verndert htte! Aber, du siehst, die Demut ist schon entwichen, denn ich habe nicht, wie meine Gespielinnen, die eigenen Finger geplagt und mir das Sterbegewand genht, ich habe den Maurer und den Zimmermann geqult und mir eine Totenkapelle erbaut! Nun steht sie, und es ist mir eine Freude, da ich die Sttte, wo ich meinen lngsten Schlaf halten soll, jetzt schon kenne, ja da ich sie betreten und dort im voraus fr mich beten kann! Darum mcht' ich auch die Ampel gleich aufhngen, sonst wr' mir da in der letzten Stunde ja doch noch etwas fremd! Albrecht. Wenn es nur das ist! Agnes. Was sonst? Ich seh schon bei Tage einmal nach meinem Bett, weiter nichts! Ei, merkst du denn noch etwas von jener Angst und Beklommenheit an mir, die mich ergriff, als du so ungestm von Regensburg zurckkehrtest und mich hierher fhrtest? Damals zitterte ich fr mich und dich! Noch hatte ich mich an Vohburg nicht gewhnt, noch lief ich, wie ein Kind, von Gemach zu Gemach und konnte keins finden, das mir eng genug war, und schon mut' ich das kleine Schlo mit diesem groen vertauschen, neben dem es sich ausnahm, wie mein armes Vaterhaus sich neben ihm ausgenommen hatte! Ach, die Musik unterwegs, das wilde Lebehoch der Bauern, die sich mit ihren Sensen und Pflugeisen um uns zusammenrotteten, die Blumen, die man uns streute, alles entsetzte mich. Du selbst kamst mir ganz fremd vor, weil du's littest und dich darber freutest; ich erschrak zu Tode, als du hier sogar die Glocken luten lassen wolltest! Aber das ist vorbei, lngst vorbei! Du hrst ja, ich selbst nenne Vohburg jetzt klein, ich wundere mich gar nicht mehr, wenn sich die Armen und Bittenden des Morgens um mich drngen, ich kann fragen, wie eine geborne Herzogin, ich kann den Kopf schtteln und fast abschlagen, ich sollte mich schmen! Albrecht. So will ich dich! Agnes. Nur in meinen Trumen geht's anders her, sonst wrd' ich gewi zu stolz! Da kehrt die alte Zeit wieder, wo ich die Brotkrumen sorgfltig auflesen mute, die zu Boden fielen, und wo mein Geburtstagsgeschenk meistens darin bestand, da ich nicht gescholten wurde, wenn ich etwas tat, was nicht ganz recht war. Noch in der letzten Nacht, du mit deiner immer offnen Hand wirst lachen, bat ich meinen Vater glhend und stotternd um irgendeine Kleinigkeit, und er sagte, was er gewhnlich zu sagen pflegte, wenn er eine Bitte nicht zweimal hren wollte: gut, es sei, aber dann kann ich ein halbes Jahr lang keinen Tropfen Wein mehr trinken! Ich war noch recht unwillig auf ihn, als ich erwachte, aber nun--Ich hab ihn doch wenigstens einmal wiedergesehen! Albrecht. Du wirst ihn--(Er unterbricht sich.) Da hab ich dich um die berraschung gebracht! Agnes. Nein, mein Albrecht! Ich hab's recht gut gemerkt, aber wenn er kommen wollte, wr' er lngst dagewesen! Ich kann mir auch denken, was ihn abhlt, und du mut ihn darum ehren! Albrecht. Ich glaube doch, er wird diesmal nachgeben! Sonst gehen wir im Winter nach Augsburg zum Mummenschanz. Achte Szene Trring (tritt ein). Verzeiht! Albrecht. Ich bleib Euch zu lange! Trring. Wenn Ihr berhaupt noch fort wollt- Albrecht. Wenn ich berhaupt noch fort will? Ei, ich werde die Ritter und Herren, die Herzog Ludwig so mhsam zusammenbrachte, nun doch nicht zum Narren halten? Trring. Hrt Ihr die Domglocke nicht? Albrecht. Lngst, aber, was kmmert sie mich? Trring. Mehr, als Ihr denkt: Euer Vetter Adolph ist tot! Albrecht. Tot? Trring. Eben trifft die Trauerbotschaft aus Mnchen ein! Albrecht. Friede mit ihm! Er lebte sich selbst nur zur Last und keinem zur Freude! Agnes. Gott im Himmel! Das ist nun in sechs Monaten der dritte! Trring. Ja, ja, edle Frau, Ihr versteht's! Agnes. So bin ich wieder schuld? O freilich! freilich! Wer sonst wohl! Albrecht. Gott wei, da ich mich nicht freue! Wie sollt' ich auch? Fr mich war er nie da! Aber weinen kann ich ebensowenig! Ich denk nur an eins! Nun kann mein Vater mit Ehren zurck! Trring. Ich darf absatteln lassen? Albrecht. Was fllt Euch ein? Zwar, ich mchte nicht, da jetzt aus dem Turnier noch etwas wrde. Aber ich bin doch wohl der letzte, der ausbleiben darf! Fort mu ich, und das gleich, doch gewi werd ich nun viel frher wieder hiersein, als ich dachte! Agnes, jetzt--(Er sagt ihr etwas ins Ohr, dann hlt er seine Hand auf ihre Wange.) Au, ich brenne mich! Agnes. Verzeih dir's Gott, da dir das in den Sinn kommt! Albrecht. Amen! Ich sag's mit! Aber es wird sich zeigen! Ich hatte immer das Gefhl, mein letzter Wunsch knne nicht eher gekrnt werden. Ei, unser Sohn mute doch auch einen Grovater haben! Und nun--(Er umarmt sie.) Siehst du, da du mir nicht aufrichtig zrnst? Du hltst mich fest! Oh, ich wei es ja lngst, da du erst dann an Gottes Segen glauben wirst! Darin bist du aberglubisch. Aber ndre dich ja nicht, ich lieb auch das an dir! (Er kt sie.) Mein Leben, auf Wiedersehen! (Er lt sie los und entfernt sich ein paar Schritte von ihr.) Seht Ihr, Trring, da man von seinem Leben scheiden kann, und darum doch nicht gleich zu sterben braucht? Also! Werdet kein Hagestolz! Aber freilich, man mu das Beste erst abkssen! (Er umarmt und kt sie noch einmal.) So! Nun bin ich in Ingolstadt und du in Straubing! Siehst du mich noch? Ja? Ich dich nicht mehr! (Ab.) Trring (folgt). Neunte Szene Agnes (eilt in den Garten). Da kann ich ihn zu Pferd steigen sehen! (Sie kehrt wieder um.) Ja, wenn er selbst mich in die Hhe hbe und ber die Mauer kucken liee, wie damals, als die schwarzbraunen gypter mit Zimbeln und Schellen vorberzogen. Aber hren mu ich ihn knnen! (Sie eilt wieder fort.) Still, still mit euren Trompeten! Horch! Das ist er! "Ihr seid brav, Trring!" Gewi, aber warum sagst du ihm das gerade jetzt? Ach, da geht's schon fort! Leb wohl, mein--Halt! Der Trab stockt! Es ist doch nichts geschehen? Da redet einer! Schwach, undeutlich--schweig du! Nun noch einmal er! "Fhrt ihn gleich zu ihr!" Zu mir? Wen denn? "Es wird ihr lieb sein!" Mir lieb? Nein, Albrecht, da kennst du mich nicht! Ich wollte, es wrde augenblicklich Nacht und erst in dreimal vierundzwanzig Stunden wieder Tag! Oder wr's mein Vater? (Sie jauchzt auf.) Mein Vater! Gewi nicht! Ach nein! jetzt sprengen sie weiter. Hui! Recht, ihr Rosse, holt aus! Um so eher seid ihr wieder mit ihm da. (Sie horcht auf.) Ich hre nichts mehr. (Sie horcht wieder.) Doch! (Sie pflckt whrenddem gedankenlos eine Blume.) Was soll's noch! (Sie lt die Blume fallen.) Hab ich da was gepflckt? Das tut mir leid! Es ist keine Zeit, Blumen vor die Brust zu stecken! (Sie wandelt langsam wieder herauf.) Nun ist's denn so gekommen, wie sie alle vorhersagten! Tot! Ob das uns wirklich was Gutes bedeutet? Was tu ich jetzt? Zieh ich mich schwarz an? Da bin ich wieder hochmtig und rechne mich mit zur Familie, wie dieser unheimliche Mensch mit den kalten Augen, der Richter, gespttelt haben soll. Unterla ich's? Da freu ich mich ber das Unglck! Ich folg meinem Herzen und das sagt: traure mit den Traurenden! Lacht nicht, Herr Emeran! Man ist manchem Dank schuldig, ohne da man's wei! Es ist gut fr Euch, da dies Herz so weich ist, wenn Ihr es auch nicht ahnt! Zehnte Szene Trring (tritt auf). Agnes. Ihr noch hier? Trring. Ich bleibe, edle Frau! Es ist einer aus Augsburg da, ich darf ihn wohl schicken? Agnes. Aus Augsburg? Trring (geht ab, gleich darauf erscheint Theobald). Agnes (ruft ihm entgegen). Theobald! Theobald. Agnes--Frau Herzogin, wollt' ich sagen--Nicht? So ist's recht? Agnes. Lat das! Kommt mein Vater auch? Doch, was frag ich! Wie knntet Ihr Euch alle beide zugleich entfernen! Theobald. Nun, das--Aber Ihr wit, wie er ist! Er meint, Ihr solltet Gott danken, wenn Euch der Vater endlich vergeben und vergessen sei, und ihm keine Boten weiter senden, es helfe doch nichts, denn er seinerseits kenne seine Schuldigkeit und werde den alten Bartkratzer hier nicht in Erinnerung bringen! Es freue ihn zwar von Herzen--und das tut's auch, ich wei es, darum kehrt Euch nicht an ihn--da Ihr noch an ihn dchtet, und da auch Euer Herr sich seiner nicht schme, aber er verstehe das besser, und Ihr mchtet aufhren, ihn zu qulen! Agnes. Und das ist alles, was Ihr mir von ihm melden sollt? Nur, um mir das zu sagen, habt Ihr die weite Reise gemacht? Theobald. Nun, das gerade nicht! Ich hatte wohl auch noch einen anderen Grund! Agnes. Und der--mu er mir Geheimnis bleiben? Theobald. Ach, warum auch! Wir hren nun seit Jahren so allerlei, und da wollt' ich, da sollt' ich doch einmal sehen- Agnes. Ob ich auch wirklich glcklich sei? Oh, wrt Ihr doch eine Stunde frher gekommen! Dann httet Ihr mit eigenen Augen--Doch nein, nein, es ist besser so! Und Ihr? In Augsburg? Theobald. Wegen des Vaters braucht Ihr Euch nicht zu ngstigen! Gleich nachdem Ihr fort wart, baute er sich den neuen Ofen, an den er frher nie die Kosten wagen wollte, und das hat sich ihm belohnt. Agnes. Ich danke Gott dafr! Theobald. Er hat allerlei entdeckt, mehr als er zeigen darf, wenn er nicht noch rger als Hexenmeister ins Geschrei kommen will. Dinge, sag ich Euch--es ist schade, da Ihr sie nicht sehen knnt. Das wird nun so wieder mit ihm untergehen. Doch, es ist auch manches darunter, was er nicht zu verbergen braucht, und dabei steht er sich schon gut genug. Er knnte sich nun gern ein Grtlein kaufen, wie Ihr es immer wnschtet. Agnes. Und Ihr selbst, Theobald? Theobald. Mir gibt er jetzt doppelten Lohn! Agnes. Ach, das will ich nicht wissen! Theobald. Nun, ich lache noch zuweilen ber mich! Und das recht von Herzen, Ihr knnt mir's glauben! Noch vorhin, als ich den Herzog, Euren Gemahl, zu Pferd daherkommen sah. Freilich, das ist ein Mann! Und wie er Euch lieben mu, kann man schon daran sehen, da er seine Leute so warten lt, was doch gar nicht Ritterart ist! An denen kam ich bereits vor einer Stunde vorbei, und sie muten schon lange stehen, denn sie waren hchst ungeduldig. Agnes. Das ist ja nicht mglich! Er hat sie ja bei sich! Theobald. Zehn oder Zwlf! Ich meine die brigen! Agnes. Die brigen? Ei, er reitet ja nur zum Turnier und nimmt nicht einen Mann mehr mit! Theobald. Und doch sah ich eine Stunde von hier hinter dem Fhrenwald, wo die Hgel sich senken, einhundertundfunfzig oder zweihundert Gewappnete, den Fu im Bgel, die Lanze in der Hand und das Gesicht gen Straubing gekehrt, als ob sie ihren Fhrer oder sonst etwas von dort erwarteten! Agnes. Ich erschrecke. Wo? Theobald. Ei, an der Mnchner Strae! Agnes. An der Mnchner Strae? Er reitet nach Ingolstadt. Theobald. Auch sprengte ein Geharnischter, der von hier kam, in wilder Hast an mir vorbei. Ich dachte, der sagte ihn an. Jetzt fllt's mir ein, da er verkappt war! Agnes. Das ist hchst verdchtig, das mu Trring wissen, das--Mein Gott, hrt, der Burgwart stt ins Horn, da es zerspringt--Trompetengeschmetter von allen Seiten--ganz nah--immer nher--das ist nichts Gutes--das ist Herzog Ernst! (Man hrt das alles.) Theobald. Es ist nichts Gutes! Geschrei! Waffengeklirr! Gilt das denn Euch? Kein Zweifel, man strmt! Und sie sind schon aneinander. (Man hrt das alles.) Agnes. Das ist nicht mglich! Das Schlo hat Mauern und Grben. Elfte Szene Der Kastellan (strzt herein). Edle Frau--folgt mir in die Totengruft--mich schickt der Trring! Agnes. Ich hoffe, er wird mich verteidigen. Der Kastellan. Die Brcke--ein Verrter hat die Brcke niedergelassen oder gar nicht wiederaufgezogen, denn die Dummheit kann nicht so weit gehen. Die Feinde sind gleich hier! Wie soll er sie aufhalten! Agnes. Nun, so sind's keine Mrder, und ich, was bin denn ich? (Das Getse kommt immer nher.) Der Kastellan. Kommt, kommt, ich beschwr Euch! Wer wei, ob sie Euch dort suchen! Agnes. Theobald, geht Ihr mit ihm! Theobald. Um eine Waffe zu holen, meint Ihr! Es wchst wohl auch eine auf'm Baum! (Er reit einen Ast ab.) Zwlfte Szene Trring und Pappenheim treten kmpfend auf. Im Hintergrunde kmpfen Reisige und Burgknechte. Auch Preising wird sichtbar, aber ohne das Schwert zu ziehen. Pappenheim. Ergebt Euch, Trring! Trring. Ho! Pappenheim. So nehmt! Ich hab Euch lange genug geschont! Trring. Pah! Pappenheim. War's nicht vom Besten? Trring. Ei was! (Er holt aus, fllt aber in die Knie.) Doch! (Zu Agnes hinber.) Edle Frau, Ihr seht--Was hilft's Euch? Pappenheim (beugt sich auf ihn nieder). Ihr habt's nicht anders gewollt! Trring (fllt um). Macht's Kreuz ber mich! Freund oder--(Er stirbt.) Theobald (wirft den Ast weg, und strzt auf Trring zu.) Da erb ich was! Agnes. Theobald! Theobald. Wei wohl, es ist ein Hochmut von mir! Aber--(Er nimmt Trrings Schwert.) Pappenheim (sich wendend). Wo ist die Hexe, um die ich dies edle Blut vergo? Agnes (schreitet ihm entgegen). Wen sucht Ihr? Pappenheim (senkt unwillkrlich sein Schwert und greift an den Helm, dann schlgt er sich vor die Stirn). Teufel, was mach ich! Theobald. Ihr Knechte, schart euch um eure Gebieterin! Sie hat gewi jedem von euch Gutes getan! Die Knechte (scharen sich). Pappenheim (zu den Seinigen). Ergreift sie! Die ist's! Theobald (tritt vor Agnes). Solange ich lebe, geht's nicht! Pappenheim. Was willst du? Theobald. Es ist die Tochter meines Meisters! Pappenheim. Badergesell, kannst du zhlen? Nieder mit ihm, wenn er nicht weichen will, und fort mit ihr! Die Reisigen (drngen sich um Agnes herum, aber mit Scheu, und ohne sie anzurhren, weil sie von ihrer Schnheit geblendet sind). Ha! Ei! Die! Pappenheim. Nun, was gafft ihr? Hat sie's euch schon angetan, wie dem armen Herzog, oder wollt ihr warten, bis ihr's weghabt? Lat ihr nur Zeit, kuckt ihr nur in die gefhrlichen schnen Augen, so lt sie euch Borsten wachsen, statt der Haare, und Klauen, statt der Ngel! Ich dchte, ihr httet genug von ihren Knsten gehrt. Mu ich selbst den Schergendienst verrichten? (Er dringt auf Agnes ein und will sie ergreifen.) Theobald (schwingt das Schwert, wie ein Rad, um den Kopf herum, so da Pappenheim sich nicht nhern kann). Pappenheim. Ei, dich soll ja--(Er will Theobald durchstoen.) Agnes (wirft sich zwischen beide). Schont ihn! Er denkt an meinen alten Vater! Ich folg Euch! Aber verget nicht, es ist Herzog Albrechts Gemahlin, die Ihr in seinem eigenen Schlo berfallt! Pappenheim (will wieder auf Theobald eindringen). Der Bursch hat mich- Preising (rasch hervortretend). Im Namen des Herzogs, meines Herrn, jedes Schwert in die Scheide! Pappenheim (indem er sein Schwert einsteckt). Warum auch nicht! Ich soll sie nur fangen! Agnes. Theobald, kehrt noch nicht nach Augsburg zurck! Dies kann das Ende nicht sein! (Sie geht voran.) Pappenheim (folgt ihr mit den Reisigen). Theobald (will gleichfalls folgen, schlgt sich dann aber vor die Stirn). Nein! Nach Ingolstadt! Zu ihm! Das erste Pferd, das ich unterwegs treffe, ist mein! (Strzt fort.) Preising. Gott gebe, da sie jetzt auf mich hre! Noch kann ich sie vom Tode retten, und ich will's. (Ab.) Fnfter Akt Straubing Erste Szene Kerker. Agnes. "Ingolstadt ist weit!" Es knnte mich verrckt machen, das schreckliche Wort! Ingolstadt ist keine vierundzwanzig Stunden von hier, und als Theobald eben vorbeistrzt, und der Marschall ihn mit vorgestreckter Lanze aufhlt, sagt dieser Richter mit einem Blick auf mich: lat ihn doch laufen, wohin er will, Ingolstadt ist weit! Wren keine vierundzwanzig Stunden mehr mein? Herr, mein Gott, so kannst Du mich nicht verlassen! Zweite Szene Preising (tritt ein). Agnes (ihm entgegen). Was bringt Ihr mir? Preising. Was Ihr selbst wollt! Agnes. Was ich selbst will? Oh, spottet meiner nicht! Ihr werdet mir die dstre Pforte nicht wieder ffnen, die man so fest hinter mir verriegelt hat! Preising. Ich werde, wenn Ihr Euch fgt! Agnes. Und was verlangt Ihr von mir? Preising. Ich stehe hier fr den Herzog von Bayern. Agnes (macht eine zurckweichende Bewegung). Preising. Aber ich meine es redlich mit Euch, und auch mein erlauchter Gebieter ist nicht Euer Feind! Agnes. Nicht mein Feind? Wie komm ich denn hieher? Preising. Ihr wit, wie's steht! Herzog Ernst ist alt, und sein Thron bleibt unbesetzt, wenn Gott ihn abruft, oder sein einziger Sohn mu ihn besteigen. Nun, Albrecht kann Euch nimmermehr mit hinaufnehmen, und da er sich von Euch nicht trennen will, so mt Ihr Euch von ihm trennen! Agnes. Ich mich von ihm! Eher von mir selbst! Preising. Ihr mt! Glaubt's mir, glaubt's einem Mann, der Euer Schicksal schon kennt, wie Gott, und es gern noch wenden mchte! Ihr knnt kein Mitrauen in mich setzen; warum wr' ich gekommen, wenn Euer Los mir nicht am Herzen lge? Meines Arms bedurfte es doch gewi nicht; Ihr habt's ja gesehen, wie berflssig ich war, und welchen Gebrauch ich von meinem Schwert machte. Ich zog mit, weil Ihr mich erbarmtet; ich suche Euch jetzt im Kerker, im Vorhof des Todes, auf, weil ich allein noch helfen kann, doch ich wiederhol's Euch: Ihr mt! Agnes. Ihr habt den armen Menschen gerettet, der vorhin sein Leben fr mich wagte, ich mu glauben, da Ihr's aufrichtig meint, aber Ihr seid ein Mann und wit nicht, was Ihr fordert! Nein, nein! Das in Ewigkeit nicht! Preising. Nicht zu rasch, ich beschwr Euch! Wohl mag's ein schweres Opfer fr Euch sein, doch wenn Ihr's verweigert, so wird man--knnt Ihr noch zweifeln nach allem, was heute geschah?--aus Euch selbst ein Opfer machen! Ja, ich gehe vielleicht schon weiter, als ich darf, indem ich Euch berhaupt noch eine Bedingung stelle, und tu's auf meine eigne Gefahr! Agnes. Ihr wollt mich erschrecken, aber es wird Euch nicht gelingen! (Sie hlt sich an einem Tisch.) So leicht frchte ich mich nicht, dies Zittern meiner Knie kommt noch von dem berfall! Mein Gott, erst die Trompeten, dann die blutigen Schwerter und die Toten! Aber fr mich besorg ich nichts, ich bin ja nicht in Ruberhnden, und Herzog Ernst ist ebenso gerecht, als streng! (Sie setzt sich.) Seht mich nicht so an, mir ward jetzt so wunderlich, weil der tote Trring mir auf einmal vor die Seele trat, es ist schon wieder vorber. (Sie erhebt sich wieder.) Was knnte mir auch wohl widerfahren! Ist doch selbst ein Missetter, solange der Richter ihn noch nicht verurteilt hat, in seinem Kerker so sicher, als ob die Engel Gottes ihn bewachten, und ich habe den meinigen noch nicht einmal erblickt! Nein, nein, so hat mein Gemahl nicht von seinem Vater gesprochen, da ich dies glauben drfte! Doch, wenn's auch so wre, wenn der Tod--es ist unmglich, ich wei es, ganz unmglich--aber wenn er wirklich schon vor der Tr stnde und meine Worte zhlte: ich knnte nimmermehr anders! Preising. Der Tod steht vor der Tr, er kommt, wenn ich gehe, ja er wird anklopfen, wenn ich zu lange sume! Schaut einmal durchs Gitter zur Brcke hinber! Was seht Ihr? Agnes. Das Volk drngt sich, einige heben die Hnde zum Himmel empor, andere starren in die Donau hinab, es liegt doch keiner darin? Preising (mit einem Blick auf sie). Noch nicht! Agnes. Allmchtiger Gott! Versteh ich Euch? Preising (nickt). Agnes. Und was hab ich verbrochen? Preising (hebt das Todesurteil in die Hhe). Die Ordnung der Welt gestrt, Vater und Sohn entzweit, dem Volk seinen Frsten entfremdet, einen Zustand herbeigefhrt, in dem nicht mehr nach Schuld und Unschuld, nur noch nach Ursach' und Wirkung gefragt werden kann! So sprechen Eure Richter, denn das Schicksal, das Euch bevorsteht, wurde schon vor Jahren von Mnnern ohne Furcht und ohne Tadel ber Euch verhngt, und Gott selbst hat den harten Spruch besttigt, da er den jungen Prinzen zu sich rief, der die Vollziehung allein aufhielt. Ihr schaudert, sucht Euch nicht lnger zu tuschen, so ist's! Und wenn's einen Edelstein gbe, kostbarer, wie sie alle zusammen, die in den Kronen der Knige funkeln und in den Schachten der Berge ruhen, aber ebendarum auch ringsum die wildesten Leidenschaften entzndend und Gute, wie Bse, zu Raub, Mord und Totschlag verlockend: drfte der einzige, der noch ungeblendet blieb, ihn nicht mit fester Hand ergreifen und ins Meer hinunterschleudern, um den allgemeinen Untergang abzuwenden? Das ist Euer Fall, erwgt's und bedenkt Euch, ich frage zum letzten Mal! Agnes. Erwgt auch Ihr, ob Ihr nicht verlangt, was mehr als Tod ist! Ich entsage meinem Gemahl nicht, ich kann's und darf's nicht. Bin ich denn selbst noch, die ich war? Hab ich blo empfangen? Hab ich nicht auch gegeben? Sind wir nicht eins, unzertrennlich eins durch Geben und Nehmen, wie Leib und Seele? Aber ich verbrge mich fr ihn, da er dem Thron entsagt! Frchtet nicht, da ich verspreche, was er nicht halten wird! Ich hab's aus seinem eignen Munde, wie ein Zauberwort fr die hchste Gefahr! Zwar glaubte ich lngst nicht mehr, da ich's noch brauchen wrde, aber diese Stunde hat's mir entrissen, und nun braucht's, wie Ihr wollt! Preising. Das rettet Euch nicht mehr! Herzog Albrecht kann die angestammte Majestt sowenig ablegen, als Euch damit bekleiden, sie ist unzertrennlich mit ihm verbunden, wie die Schnheit, die ihn fesselt, mit Euch. Will er's nicht seinen Segen nennen, so nenne er's seinen Fluch, aber er gehrt seinem Volk und mu auf den Thron steigen, wie Ihr ins Grab. Euch rettet's nur noch, wenn Ihr Eure Ehe fr eine sndliche erklrt und augenblicklich den Schleier nehmt. Agnes. Wie mild ist Herzog Ernst! Der will doch nur mein Leben! Ihr wollt mehr! Ja, ja, das braucht' ich blo zu tun, so wr' ich fr ihn, wie nie dagewesen; ich selbst htte mein Andenken in seiner Seele ausgelscht, und er mte errten, mich je geliebt zu haben! Mein Albrecht, deine Agnes dich abschwren! O Gott, wie reich komm ich mir in meiner Armut jetzt auf einmal wieder vor, wie stark in meiner Ohnmacht! Diesen Schmerz kann ich doch noch von ihm abwenden! Das kann mir doch kein Herzog gebieten! Nun zittre ich wirklich nicht mehr! Preising. Oh, da Euer alter Vater neben mir stnde und mich untersttzte! Da er sprche: mein Kind, warum willst du einen Platz nicht freiwillig wiederaufgeben, den du doch nur gezwungen einnahmst? Denn ich wei ja, da dies Euer Fall war! Agnes. Gezwungen? So also wird meine Angst, mein Zittern und Zagen ausgelegt? Oh, wenn Ihr mir Euer Mitleid geschenkt habt, weil Ihr das glaubt, so nehmt's zurck und qult mich nicht lnger, ich habe keinen Anspruch darauf. Nein, nein, ich wurde nicht gezwungen! So gewi ich ihn eher erblickt habe, als er mich, so gewi habe ich ihn auch eher geliebt, und das war gleich, als ob's immer gewesen wre und in alle Ewigkeit nicht wiederaufhren knne. Darum keine Anklage gegen ihn, ich war frher schuldig, als er! Nie zwar htt' ich's verraten, ich htte vielleicht nicht zum zweiten Mal zu ihm hinbergeschaut, sondern im stillen mein Herz zerdrckt und unter Lachen und Weinen ein Gelbde getan. Ach, ich schmte mich vor Gott und vor mir selbst, mir war, als ob mein eignes Blut mir ber den Kopf liefe, ich erwiderte ein Lcheln des armen Theobald, um mir recht weh zu tun. Doch, als er nun am Abend zu mir herantrat, da wandte ich mich zuerst freilich auch noch ab, aber nur, wie ein Mensch, der in den Himmel eintreten soll und wei, da er dem Tode die Schuld noch nicht bezahlt hat! Wenn ein Engel den mit sanfter Gewalt ber die Schwelle ntigt: hat er ihn gezwungen? Preising. So ist es Euer letztes Wort? Dritte Szene Die Tre wird geffnet, man erblickt Hscher und Reisige, die jedoch drauen bleiben, es tritt ein: Emeran Nusperger zu Kalmperg und bleibt am Eingang stehen. Agnes (ihm entgegen). Herr Emeran, htte mein Gemahl je erfahren, was ich von Euch wute, Ihr lebtet nicht, um mich zu verderben! Er hate Euch schon ohne Grund, wie keinen auf der Welt, ich htt' ihm wohl einen Grund angeben knnen, aber ich tat's nicht! Sinnt nach, und wenn Ihr ein Mensch seid, so mu sich in Eurer Brust jetzt etwas fr mich regen! Emeran Nusperger zu Kalmperg (schweigt). Agnes. Herr Emeran, hin ich auf ehrliche Weise in Eure Hand gefallen? Bedenkt wohin Ihr mich ohne Vorbereitung schickt, lat mir noch etwas Zeit, und Gott soll's Euch verzeihen, da Ihr einen Judas mehr gemacht habt, ich will selbst fr Euch bitten! Emeran Nusperger zu Kalmperg (schweigt). Agnes. Herr Emeran, wie ich in diesem Augenblick zu Euch, so werdet ihr dereinst zu Gott um eine kurze Frist flehen, und er wird Euch antworten, wie Ihr mir! Seht mich an, wie jung ich noch bin, und gebt mir von jedem Jahr, das Ihr mir raubt, nur eine Minute zurck! Knnt Ihr mir's weigern? Ich will ja nur von mir selbst Abschied nehmen! Preising. Ihr verlangt von ihm, was er nicht gewhren kann! Er wei von Eurem Knecht, da Ihr gestern zur Nacht erst gebeichtet habt, und die Stunde drngt! Auch ist die eine ebenso schwarz, wie die andere, glaubt's mir! Aber willigt ein und- Agnes. Hebe Dich von mir, Versucher! Emeran Nusperger zu Kalmperg (winkt einem Hscher). Ein Hscher (tritt herein und nhert sich Agnes). Agnes. Fort, Mensch! Willst du deine Hand an die legen, die noch keiner, als dein Herzog, berhrt hat? Nur dem Totengrber kann ich's nicht mehr wehren! (Sie schreitet zur Tr, bleibt dann aber stehen). Albrecht, Albrecht, was wirst du empfinden! Preising. Ja! Ja! Und Ihr wollt diesen Stachel lieber in seine Seele drcken, als--Noch ist's Zeit! Agnes. Fragt ihn, wenn ich dahin bin, ob er lieber eine Unwrdige verfluchen, als eine Tote beweinen mchte! Ich kenne seine Antwort! Nein, nein, Ihr bringt Euer Opfer nicht so weit, da es sich selbst befleckt. Rein war mein erster Hauch, rein soll auch mein letzter sein! Tut mir, wie Ihr mt und drft, ich will's leiden! Bald wei ich, ob's mit Recht geschah! (Sie schreitet durch die Hscher hindurch, Preising und Emeran Nusperger zu Kalmperg folgen.) Offenes Feld. Vierte Szene Herzog Ernst mit seinen Rittern und Reisigen, die man ziehen und sich ausbreiten sieht. Bauerhtten, wovon eine ganz in der Nhe ist. Ernst (tritt mit Wolfram von Pienzenau, Ignaz von Seyboltstorff und Otto von Bern hervor). Ernst. Ihr, Pienzenau, reitet zu Haydeck! Er soll so weit vorwrtsgehen, als er kann! Ich mu hier haltmachen und auf den Kanzler warten. Wolfram von Pienzenau (ab). Ernst. Ihr, Seyboltstorff, schwenkt Euch gegen Straubing, und besetzt die Hgelkette! Ignaz von Seyboltstorff (ab). Ernst. Ihr, Bern, seht nach Euren Reitern und bleibt nchtern, damit die auch nchtern bleiben. (Wie Bern sprechen will.) Ich wei wohl, da Ihr behauptet, des Morgens immer benebelt aufzustehen und Euch den Verstand erst nach und nach anzutrinken, wie andere Leute den Rausch, aber ich halte nichts davon, und ich mu Euch heute zur Hand haben, wie mein Schwert! Otto von Bern (ab). Fnfte Szene Ernst. Eine Bauerhtte! Ich will doch einmal sehen, wie die Leute leben! (Er geht auf die Htte zu, findet sie aber verschlossen.) Zu! Alles auf'm Felde bei der Arbeit. Wer kocht denn Essen? Oder hab ich sie schon verjagt? (Er kommt zurck.) Wenn's geglckt ist, mu die Nachricht jeden Augenblick kommen! Dies ist das erste Mal, da mir die Zeit lang wird.--Ernst, frevle nicht! Wer wei, welcher Schatten jetzt schon zwischen Himmel und Erde umherirrt! Sechste Szene Preising (tritt mit Pappenheim auf). Hier soll er sein! Ernst (ihnen entgegen). Ihr Preising? Nun? Preising. Tot! Ernst. So sei Gott ihr gndig!--Pappenheim, Ihr mt gleich wieder aufsitzen und Euch mit Pienzenau vereinigen, um Haydeck zu strken. Der hat den ersten Sto zu erwarten, wenn's was gibt! Pappenheim (ab). Ernst. Wie starb sie? Preising. Hat sie sich Euch um die elfte Stunde nicht angezeigt? Ernst. Das versteh ich nicht! Preising. Da war's! Der Henker versagte den Dienst, Herr Emeran mute einen seiner Hrigen entlassen, der strzte sie von der Brcke herab. Erst schien's, als ob sie aus Angst vor der Befleckung durch seine Hnde freiwillig hinunterspringen wollte, doch dann kam die Furcht des Todes ber sie, ihr schwindelte, und er mute sie packen. Das Volk htte ihn gern gesteinigt, und doch wute jeder, da der jmmerliche Mensch es nur fr seine Freiheit tat. Nicht um die Welt mcht' ich's zum zweiten Mal sehen. Ernst. Genug, Preising! Es gibt Dinge, die man, wie im Schlaf tun mu. Dies gehrt dazu. Das groe Rad ging ber sie weg--nun ist sie bei dem, der's dreht. Jetzt handelt sich's denn um ihn! Preising. Oh, er wird's schon wissen! Es war gerade einer aus Augsburg auf dem Schlo, als Pappenheim eindrang, ein braver Bursch, der sich wacker hielt. Der eilte fort, als sie in den Kerker gefhrt wurde, und gewi nach Ingolstadt. Es war ein Bote ihres Vaters! Ernst. Armer, alter Mann! Nun ich setzte mein eigen Fleisch und Blut ebensogut ein, wie das deine! Wer wei, ob unser Los nicht schon gleich ist! Preising. Und dann? Ernst. Dann werde, was will! Ich habe das Meinige getan und sorge fr die Grber. Aber es kann auch anders kommen. Der Frst schlief nur in ihm, er war nicht tot. Warum htt' er sonst nicht entsagt? Warum so auf dies Turnier gedrungen? Vielleicht erwacht er wieder, und dann--Es ist tricht, mit den gemeinen Leuten von Zauberei zu reden, wo ein Gesicht, das unser Herrgott zweimal angestrichen hat, alles erklrt, aber es ndert sich viel, wenn Himmel und Erde sich erst einmal wieder in solch ein Blendwerk von Mdchen geteilt haben, und nur noch ein Leichnam daliegt, der nicht mehr durch rote Lippen und frische Wangen an die Eitelkeiten der Welt, nur noch durch gebrochene Augen an die letzten Dinge mahnt! Preising. Da brennt's! Oder nicht? Ja! ja! (Man sieht in der Ferne ein Dorf in Flammen stehen.) Ernst. Das ist er! So hat die Wut den Schmerz besiegt! Nun wird alles gut! (Rufend.) Nur zu, mein Sohn, nur zu! Je rger, je besser! Preising. Aber das wolltet Ihr ja eben verhten! Ernst. Ei, jetzt ist's ein Tag! Was in dem zerstrt wird, bau ich schon wieder auf! Und verlat Euch darauf, der Kaiser hat seinen Adler schon fliegen lassen, und der wird ihm die Krallen zeigen, eh' er's denkt! Und dann--(Er erhebt seinen Herzogsstab.) Preising, Ihr werdet heut noch berrascht! (Da Preising sprechen will.) Kommt, kommt, zu Pferde! (Er ruft.) Otto von Bern! (Ab mit Preising.) Siebente Szene Bauern, Mnner, Weiber und Kinder tumultuarisch durcheinander rennend und schreiend. Einige. Der Bhme! Der Bhme! Andere. Der Kaiser! Andere. Ingolstadt und Landshut! Alle. Alle zusammen! Alle zusammen! Weh uns! Wohin? Achte Szene Albrecht erscheint mit vielen Kmpfenden, worunter sich auch Theobald befindet. Albrecht (er tut bei jedem Ausruf einen Streich). Agnes Bernauer! Agnes Bernauer! Hei, da ihr's wit, eh' ihr umfallt, der Tod heit heute Agnes Bernauer und kennt kein Erbarmen! Kein Geschlecht in Bayern, hoch oder niedrig, das morgen nicht weinen soll! Da liegt ein Haydeck, da ein Pienzenau, da ein Seyboltstorff! Aber noch immer lebt Pappenheim! Pappenheim, wo bist du? Ruber, Verrter, Schurke, versteckst du dich? Ihr alle, ruft mit mir, da es ber die ganze Erde schallt: Pappenheim, Ruber, Verrter, Schurke, hervor! Pappenheim (tritt auf). Wer sucht mich? Albrecht. Ich und der Teufel, wir beide zugleich! Aber erst komm ich! Zieh und la sehen, ob ein ehrlich Eisen dir noch dient! (Er wirft Pappenheim zurck.) Theobald (tritt hervor). Und ich? Ha, ha, ha! Ich glaube, ich frchte mich, es wird mir ganz schwarz vor den Augen. Ei, ich mach sie zu und steche darauf los! Bring ich keinen um, so reiz ich doch wohl einen, da er mich umbringt! Albrecht (tritt wieder auf). Abgetan! Was nun? Oh, da man mir ihn wieder lebendig machte, und da ich ihn mit jedem Atemzug einmal niederhauen drfte, von heute an bis zum Anbruch des Jngsten Gerichts. Theobald (tritt vor Albrecht hin.). Haut mich nieder! Albrecht. Dich? Wofr? Ei, du bist's? Was fllt dir ein! Theobald. Meint Ihr, da ich mit einer solchen Nachlebt nach Augsburg zurck will? Albrecht. Guter, treuer Mensch, bleib bei mir! Theobald. Bei Euch? Bei Euch! Ha! Wenn Ihr nicht gewesen wrt--Da! (Er sticht nach Albrecht.) Der kommt auch von Agnes Bernauer! Und der! Und der! Albrecht (wehrt ab). Bist du verrckt? Gib mir lieber die Hand! Du bringst mich nicht so weit, da ich dir ein Leid zufge! Theobald (sticht wieder nach ihm). Ihr sollt aber! Albrecht. So mu ich schon tun, was ich noch nie tat! (Er wendet ihm den Rcken.) Wem gehrt denn das rote Gesicht? Das ist ein Degenberg, und an dem fehlt's noch! (Strzt fort.) Theobald. Alles soll sterben, alles, Freund und Feind! (Er wirft sich seinem eignen Trupp entgegen, der Albrecht folgen will.) Wohin? Halt! (Er wird durchbohrt.) So! Nun ist's genug! (Fllt und stirbt. ) Nothhafft von Wernberg (tritt auf). Sieg! Sieg! Wo ist der Herzog? Albrecht, sie laufen vor uns, als ob wir mehr als Menschen wren! Albrecht. Aber sie sollen liegen! Ich will die Donau, die sie erstickt hat, mit Leichen wieder ersticken! Nothhafft von Wernberg. Der im Bart wirft sich auf Straubing, Ihr sollt's betrachten, als ob er's schon htte! Albrecht. Da er mir den Richter blo fngt, und ihm kein Leid zufgt! In dessen Blut will ich mir den letzten Rausch trinken! Rolf von Frauenhoven (tritt auf). Hurra! Hurra! Nun ist's aus! Wir haben ihn! (Zu Albrecht, wie er ihn bemerkt.) Wir haben Euren Vater, Ihr knnt ihm gleich guten Tag sagen! Eben ward er gepackt! Albrecht. Wer hat das befohlen? Frauenhoven. Wer hat's verboten? Seine eignen Leute rannten ihn ber den Haufen, als er sich ihrer Flucht in den Weg stellte, und Hans von Lubelfing--Da bringt er ihn mit dem Kanzler! Seht! Albrecht (wendet sich nach der entgegengesetzten Seite). Er soll ihn freilassen! Gleich! Nothhafft von Wernberg. Ei, das kommt wohl morgen auch frh genug! Albrecht. Gleich! sage ich. Mensch, fhlst du's denn nicht auch? Nothhafft von Wernberg. Eh' er Urfehde geschworen und uns wenigstens die Kpfe gesichert hat? Albrecht (stampft mit dem Fu). Gleich! Gleich! Gleich! Nothhafft von Wernberg. So sagt's ihm selbst! Neunte Szene Ernst tritt mit Preising auf, von Hans von Lubelfing und seiner Schar begleitet. Ernst. Da steht mein Sohn! Wenn der den Degen seines Vaters will, hier ist er! Albrecht. Ihr habt mir bei Alling das Leben gerettet! (Mit einer Handbewegung.) Fort! Fort! Ernst. Ich tat bei Alling, was ich schuldig war, und begehre keinen Dank dafr! Albrecht (indem er sich umkehrt). So komme diese Stunde ber Euer Haupt! (Er bemerkt Preising.) Ha, da ist noch einer! Herr Kanzler, Ihr seid frei, Ihr mgt wollen oder nicht! Aber nur, um Eurem Gefhrten, dem Marschall, gleich in die Hlle nachgeschickt zu werden! (Er zieht gegen Preising.) Oh, wr' auch der dritte da! Ernst. Pfui! Willst du dich am Diener rchen, statt am Herrn? Mein Kanzler vollzog nur meinen Befehl, und ich mute ihn zweimal geben, eh' er's tat! Albrecht. So seid Ihr's wirklich allein? Ganz allein? So kann ich mich an niemanden halten, als an Euch? Und Ihr tretet mir noch in den Weg? Ihr weicht mir nicht aus? Ernst. Warum sollt' ich? Ich habe meine Pflicht getan, in Straubing, wie in Alling, oder in Regensburg! Albrecht. Eure Pflicht! Gott hat Euch in meine Hand gegeben! Zeugt er so fr den, der seine Pflicht tat? Ernst. Gott will dich versuchen! Hab wohl acht, da du vor ihm bestehst! Er hat noch nie auf zwei Menschen herabgeschaut, wie jetzt auf dich und mich! (Er tritt Albrecht nher.) Mein Sohn, du hast dich mit meinem rgsten Feind verbunden, mit deinem falschen Ohm, der dir zwar gern die Brandfackel vorantrug, als es galt, mein unschuldiges Land zu verheeren, der dir aber nicht das Schwert aus der Hand gerissen haben wrde, wenn du es gegen dich selbst gezckt httest! Kehre zu mir zurck, es ist besser. Ich mute tun, was ich tat, du wirst es selbst dereinst begreifen, und wr's erst in deiner letzten Stunde, aber ich kann auch mit dir weinen, denn ich fasse deinen Schmerz! Albrecht. Oh, sprecht nicht so! Lat mich glauben, da Ihr nicht mehr davon wit, als der kalte Flu, der sie verschlungen hat. Wenn ich Euch nicht fluchen soll, mu ich mir denken: ein neuer Tod ist in die Welt gekommen, um den alten abzulsen, und das ist dein eigner Vater! Ein Mensch konnte ihr kein Leid zufgen; nicht bei Tage, denn er htte sie gesehen, nicht bei Nacht, denn er htte sie gehrt, und nur eins von beidem war ntig, um jeden zu entwaffnen! Sagt: ich bin kein Mensch und schickte auch keine Menschen, dann will ich mich vor Euch bekreuzen und fliehn! Ernst. Ich bin ein Mensch, und htt's wohl verdient, da es mir erspart worden wre. Aber wenn du dich wider gttliche und menschliche Ordnung emprst: ich bin gesetzt, sie aufrechtzuerhalten, und darf nicht fragen, was es mich kostet! Albrecht. Gttliche und menschliche Ordnung! Ha, ha! Als ob's zwei Regenbogen wren, die man zusammengefgt und als funkelnden Zauberring um die Welt gelegt htte! Aber die gttliche Ordnung rief sie ins Leben und lie sie aus dem Staube hervorgehen, damit sie wieder erhhe, was sich selbst erniedrigt, und erniedrigen was sich selbst erhht hatte. Die menschliche--(Er tritt Ernst nher.) Die menschliche--(Er wendet sich rasch um gegen die Seinigen.) Vorwrts, Ihr Freunde, vorwrts, wer wird schon am Mittag feiern! Herzog Ernst ist frei, niemand krmme ihm ein Haar, er kann keine Agnes mehr tten, aber rasten wollen wir erst, wenn sein Mnchen in Flammen steht! (Will fort.) Ernst. Recht so! Dann wird der Bayer sie doch gewi verfluchen, sonst htt' er sie vielleicht beweint. Ihre Brder sind's, die du erwrgst, nicht die meinigen, und ob du die ganze Menschheit abschlachtest: in ihren Adern wird nicht ein Blutstropfe wieder warm davon! Aber dahin kannst du's bringen, da ihr eigener Vater die Stunde vermaledeit, in der sie ihm geboren ward, und da sie selbst sich aus dem Paradies, wenn sie's schon betreten hat, schaudernd und schamrot wieder hinausstiehlt, die erste und letzte, die's tut, ohne verdammt zu sein! Albrecht (hlt inne und senkt sein Schwert). (Man hrt Trompeten in der Ferne.) Ernst. Das ist Ludwig von Ingolstadt! Der Wrgengel wird ungeduldig! Folgt ihm doch, niemand kann besser zerstren, was ein andrer baute, als er! Aber lat euch alle mahnen: es ist einer ber euch im Himmel und auch auf Erden, und beide werden furchtbar mit euch ins Gericht gehen! (Die Trompeten nhern sich.) Stimmen. Platz! Platz dem Banner des Reichs! Andere Stimmen. Ein Herold! Zehnte Szene Der Herold des Reichs tritt mit Gefolge auf, das Banner wird vor ihm hergetragen. Der Herold (schwingt nach allen Weltgegenden sein Schwert). Bei Acht und Bann, kein blankes Schwert, als dies! Alle Ritter (bis auf Albrecht stecken die Schwerter ein). Der Herold. Albrecht von Wittelsbach, Herzog von Bayern, erscheint vor Kaiser und Reich! Albrecht (tritt zgernd heran und steckt langsam sein Schwert ein). Ist hier die Schranke? Der Herold. Sie ist berall, wo die Acht verkndet werden soll! Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven. Die Acht! Ist's schon so weit! (Posaunenste.) Preising (zu Ernst). Was ist das noch? Ernst. Mehr, als ich verlangte, frcht ich! Stimmen. Ein Legat! Ein Legat des Heiligen Stuhls! Der Herold. Und mit ihm der Bann der Kirche! Viele Stimmen (von Rittern und Reisigen). Acht und Bann zugleich! Da ist's Zeit! (Sie werfen die Waffen von sich.) Der Legat (tritt mit Gefolge auf, eine brennende Kerze wird vor ihm hergetragen, er stellt sich zur rechten Hand des Herolds). Der Herold (entfaltet die Achterklrung). Wir Sigismund, von Gottes Gnaden erwhlter rmischer Kaiser, Knig von Ungarn, Bheim, Dalmatien, Slawonien und Bosnien, Markgraf von Mhren und Schlesien, Kurfrst von Brandenburg usw., Schirmvogt der Kirche, hchster Schiedsrichter auf Erden, tun kund hiemit: Nachdem Du, Albrecht von Wittelsbach, allbereits vor dritthalb Jahren zu Regensburg in offenem Aufstand den Frieden des Reichs gebrochen und schwere Acht auf Dein Haupt herabgezogen hast, die Wir damals, obgleich schon verhngt, auf Frbitte Deines frstlichen Herrn und Vaters noch zurckhielten; nachdem Du weiter, unwrdig solcher Frbitte und Unserer Gnade, in Deinem Trotz wider menschliche und gttliche Ordnung beharrtest, anstatt, Unserer gerechten Erwartung gem, in reuiger Unterwrfigkeit Vershnung und Vergebung zu suchen; nachdem Du endlich, um das Ma Deiner Frevel zu hufen, Unsere Langmut aber bis auf den Grund zu erschpfen, zum zweiten Mal mit blanker Waffe rebellisch im Felde erschienen bist: So gebieten Wir Dir durch diesen Unseren offenen Brief, da Du angesichts desselben Dein Schwert auf der Stelle zu den Fen Deines Herrn und Vaters niederlegen und als sein freiwilliger Gefangener Unseren letzten Spruch in Demut abwarten sollst.--(Er setzt ab und sieht Albrecht an.) Albrecht (bohrt sein Schwert in die Erde und sttzt sich darauf). Der Herold (fhrt fort). Widrigenfalls setzen Wir Dich nunmehr aus Kaiserlicher Machtvollkommenheit aus dem Frieden in den Unfrieden, weisen Dich hinaus auf die vier Straen der Welt und erklren Dich fr vogelfrei- Ernst. Willst du noch mehr hren, mein Sohn? Sag nein, und ich erhebe meinen Herzogsstab! Frauenhoven. Jetzt kommt das von den Tieren des Waldes und den Vgeln unter dem Himmel und den Fischen im Wasser! Nothhafft von Wernberg. Schau dich um! Sie gehen alle hinter sich! Keiner wird's mit dir tragen, als wir! Albrecht. Wie sollten sie auch! Fangen doch die Berge zu wandeln an, um mich zu bedecken! Ernst. Soll auch die Kirche den Mund noch ffnen? Soll die Kerze ausgelscht, soll deine Seele dem ewigen Fluch bergeben, dein Name im Buch des Lebens getilgt werden? Albrecht (zu Nothhafft von Wernberg und Frauenhoven). Geht von mir, da ich antworten kann! Frauenhoven. Haben wir das um Euch verdient? Teufel, es brennt! Albrecht. Soll ich mich vor der Gewalt demtigen, weil ihr neben mir steht? Mich mag sie noch heute zermalmen! Ernst. Gewalt? Wenn das Gewalt ist, was du erleidest, so ist es eine Gewalt, die alle deine Vter dir antun, eine Gewalt, die sie selbst sich aufgeladen und ein halbes Jahrtausend lang ohne Murren ertragen haben, und das ist die Gewalt des Rechts! Weh dem, der einen Stein wider sie schleudert, er zerschmettert nicht sie, sondern sich selbst, denn der prallt ab und auf ihn zurck. Oder bin ich's, der zu dir redet, ist's nicht das ganze deutsche Reich? Albrecht. Sei's so! Ich wute nicht, da der Tod darauf steht, eine Perle aufzuheben, statt sie zu zertreten, aber ich hab's getan und will's ben. Heran, Br und Wolf, schiet auf mich herab, Adler und Geier, und zerfleischt mich! Nicht mit der Hand will ich mich wehren, wenn ihr tut nach des Kaisers Gebot! Ernst. Hast du solche Eil, vor deinem Richter zu erscheinen? Noch hat er diese Toten und ihre Wunden nicht gezhlt, und du weit so gewi, wie er dich empfangen wird? Albrecht. Oh, ihn frcht ich nicht, er wird's schon vergeben, da ich sein liebstes Kind bei der Hand gefat habe, er wei ja, wie schn und edel er's gemacht hatte! Ernst. Mein Sohn, geh in dich! Es ist wahr, du kannst deine Schuld vergrern, du kannst dir den Tod ertrotzen, oder dich, wer will's hindern, hinterrcks aus der Welt wegstehlen, du kannst aber auch alles wiedergutmachen! Tu's, o tu's, fasse einen Entschlu, da du vor deinen Ahnen nicht zu errten brauchst, fge dich! Dies Schlachtfeld wird einst furchtbar wider dich zeugen, sie alle, die hier blutig und zerfetzt herumliegen, werden dich verklagen und sprechen: wir fielen, weil Herzog Albrecht raste! Weh Dir, wenn sich dann nicht eine viel grere Schar fr dich erhebt und deine Anklger zum Verstummen bringt, wenn nicht Millionen ausrufen: aber wir starben in Frieden, weil er sich selbst berwand! Denn das hngt davon ab, da du lebst, davon ganz allein! Albrecht. Die Unschuldige sollte modern, und ich--Welch ein Schurke wr' ich, wenn ich auf Euch hrte! Ernst. Du bist nicht, wie ein anderer, der die Gerechtigkeit dadurch vershnen kann, da er ihrem Schwert reuig den Hals darbietet, von dir verlangt sie das Gegenteil! Schau dies Banner an, es ist dein Bild und kann dich's lehren! Es ward aus demselben Faden gesponnen, woraus der letzte Reiter, der ihm folgt, sein Wams trgt, es wird einst zerfallen und im Wind zerstuben, wie dies! Aber das deutsche Volk hat in tausend Schlachten unter ihm gesiegt, und wird noch in tausend Schlachten unter ihm siegen, darum kann nur ein Bube es zerzupfen, nur ein Narr es flicken wollen, statt sein Blut dafr zu verspritzen und jeden Fetzen heiligzuhalten! So ist's auch mit dem Frsten, der es trgt. Wir Menschen in unsrer Bedrftigkeit knnen keinen Stern vom Himmel herunterreien, um ihn auf die Standarte zu nageln, und der Cherub mit dem Flammenschwert, der uns aus dem Paradies in die Wste hinausstie, ist nicht bei uns geblieben, um ber uns zu richten. Wir mssen das an sich Wertlose stempeln und ihm einen Wert beilegen, wir mssen den Staub ber den Staub erhhen, bis wir wieder vor dem stehen, der nicht Knige und Bettler, nur Gute und Bse kennt, und der seine Stellvertreter am strengsten zur Rechenschaft zieht. Weh dem, der diese bereinkunft der Vlker nicht versteht, Fluch dem, der sie nicht ehrt! So greife dann endlich auch in deine Brust, sprich: Vater, ich habe gesndigt im Himmel und vor dir, aber ich will's ben, ich will leben! Albrecht. Hngt das von mir ab? Ernst. Dies Wort ist mir genug! Gott wird dich strken, und deine Witwe selbst wird fr dich beten! Albrecht. Meine Witwe!? Ernst. Was ich ihr im Leben versagen mute, kann ich ihr im Tode gewhren, und ich tu es gern, denn ich wei, da sie's verdient! Deine Gemahlin konnte ich nicht anerkennen, deine Witwe will ich selbst bestatten und fr ewige Zeiten an ihrem Grabe einen feierlichen Totendienst stiften, damit das reinste Opfer, das der Notwendigkeit im Lauf aller Jahrhunderte gefallen ist, nie im Andenken der Menschen erlsche! Albrecht. Ich will--Ich will, was ich noch kann! (Gegen den Herold.) Kaiserlicher Majestt meinen Respekt! (Zu Ernst.) Euch, mein Herr und Vater--(Er will ihm das Schwert berreichen.) Euch- Ernst (ffnet die Arme und streitet ihm entgegen). Albrecht (weicht zurck, und zieht). Nein, nein! Die Hlle ber mich, aber Blut fr Blut! Ernst. Halt! Erst nimm den da! (Er reicht ihm den Herzogsstab, den Albrecht unwillkrlich fat.) Der macht dich zum Richter deines Vaters! Warum willst du sein Mrder werden! Preising. Herzog! Ernst. So war's beschlossen! Und nicht blo des Feierabends wegen! Ich brauch sein Ja! Kann er's mir in seinem Gewissen weigern, so steht's schlimm um mich! Albrecht. Mich schwindelt! Nimm ihn zurck! Er brennt mir in der Hand. Ernst. Trag ihn ein Jahr in der Furcht des Herrn, wie ich! Kannst du mich dann nicht lossprechen, so ruf mich, und ich selbst will mich strafen, wie du's gebeutst! Im Kloster zu Andechs bin ich zu finden! Albrecht (will niederknien). Vater, nicht vor Kaiser und Reich, aber vor dir! Ernst. Wart! wart! Mein Tagewerk war schwer, aber vielleicht leb ich noch bers Jahr! (Geht; zu Preising, als er folgen will.) Bleibt! An einem Mnch ist's genug! End of the Project Gutenberg EBook of Agnes Bernauer, by Friedrich Hebbel License: Share Alike