Produced by Jens Sadowski EMMY HENNINGS DIE LETZTE FREUDE KURT WOLFF VERLAG LEIPZIG BCHEREI DER JNGSTE TAG BAND 5 GEDRUCKT BEI DIETSCH & BRCKNER, WEIMAR KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG, COPYRIGHT 1913 THERSTROPHEN Jetzt mu ich aus der groen Kugel fallen. Dabei ist in Paris ein schnes Fest. Die Menschen sammeln sich am Gare de l'est Und bunte Seidenfahnen wallen. Ich aber bin nicht unter ihnen. Ich fliege in dem groen Raum. Ich mische mich in jeden Traum Und lese in den tausend Mienen. Es liegt ein kranker Mann in seinem Jammer. Mich hypnotisiert sein letzter Blick. Wir sehnen einen Sommertag zurck . . . Ein schwarzes Kreuz erfllt die Kammer . . . (Dieses Gedicht ist fr Hardy) An die Scheiben schlgt der Regen. Eine Blume leuchtet rot. Khle Luft weht mir entgegen. Wach ich, oder bin ich tot? Eine Welt liegt weit, ganz weit, Eine Uhr schlgt langsam vier. Und ich wei von keiner Zeit, In die Arme fall ich dir . . . (Robert Jentzsch gewidmet) Und nachts in tiefer Dunkelheit, Da fallen Bilder von den Wnden, Und jemand lacht so frech und breit, Man greift nach mir mit langen Hnden. Und eine Frau mit grnem Haar, Die sieht mich traurig an Und sagt, da sie einst Mutter war, Ihr Leid nicht tragen kann. (Ich presse Dornen in mein Herz Und halte ruhig still, Und leiden will ich jeden Schmerz, Weil man es von mir will.) AN FRNZI Einsam geh ich durch die Gassen, Und der Abend senkt sich nieder. Leise sing ich deine Lieder. Ach, ich fhl mich so verlassen. In dem fahlen roten Licht, O, wie war dein Mund so schmerzlich, S und bleich dein Angesicht, Und dein Volkslied klang so herzlich. Augen, die die Trnen kannten, Die der Liebe Leid erfahren, Die wie zwei dunkle Sterne waren, In denen leise Feuer brannten . . . EIN TRAUM Wir liegen in einem tiefem See Und wissen nichts von Leid und Weh. Wir halten uns umfangen Und Wasserrosen rings um uns her. Wir streben und wnschen und wollen nichts mehr. Wir haben kein Verlangen. Geliebter, etwas fehlt mir doch, Einen Wunsch, den hab ich noch: Die Sehnsucht nach der Sehnsucht. HYPNOSE Mein Leib schmerzt, irgendwo in einem fremden Land, Ich fhle meinen Krper lngst nicht mehr, Die Fe sind wie Blei so schwer, Die Brust ist hohl und ausgebrannt. Mir tut nichts weh und bin doch voller Schmerzen, Ich seh in deine Augen wie gebannt. Ich fall in Schlaf, es flammen Kerzen, Sie leuchten mir ins unbekannte Land. (Fr Siurlai) BEI MIR ZU HAUSE Meine Gromutter hielt die ganze Nacht -- Im grnen Glase brannte ein Licht -- Vor einem vergitterten Fenster Wacht, Ich sah in ihr fahles Angesicht. Die Mbel in dem blauen Zimmer, An ihnen haftet all unser Leid. Und wenn jemand stirbt, um diese Zeit Bleibt stehn die Uhr mit krankem Gewimmer. IM KRANKENHAUSE Alle Herbste gehn an mir vorber. Krank lieg ich im weien Zimmer, Tanzen mchte ich wohl lieber. An die Geigen denk ich immer. Und es flimmern tausend Lichter. O, wie bin ich heute schn! Bunt geschminkte Angesichter Schnell im Tanz vorberwehn. O, die vielen welken Rosen, Die ich nachts nach Haus getragen, Die zerdrckt vom vielen Kosen Morgens auf dem Tische lagen. An die Mdchen denk ich wieder, Die wie ich die Liebe machen. Wenn wir sangen Heimatlieder, Unter Weinen, unter Lachen. Und jetzt lieg ich ganz verlassen In dem stillen weien Raum. O, ihr Schwestern von den Gassen, Kommt zu mir des Nachts im Traum! NACH DEM KABARETT Ich gehe morgens frh nach Haus. Die Uhr schlgt fnf, es wird schon hell, Doch brennt das Licht noch im Hotel. Das Kabarett ist endlich aus. In einer Ecke Kinder kauern, Zum Markte fahren schon die Bauern, Zur Kirche geht man still und alt. Vom Turme luten ernst die Glocken, Und eine Dirne mit wilden Locken Irrt noch umher, bernchtig und kalt. Schon zweimal wurde ich geboren, Und damals sang ich auch fr Geld, Doch sonniger schien mir die Welt, Und meine Munterkeit hab ich verloren. Irgendwo in der Ferne vergeht die Zeit, In meinem Arme fhl ich sie entrinnen. Ich denke an mein erstes Beginnen. Wie tief verwirrt mich die Unendlichkeit! Einsam irr ich durch die Nchte und denke an dich. Manchmal sehe ich einen Mantel, der deinem gleicht. Und dann rufe ich dich leise beim Namen. Mein Herz steht still vor Trauer. Mde lehne ich mich an die Mauer und schliee die Augen. Langsam rinnen viele Trnen zur Erde. Die Welt bleibt weit zurck. Ich wehe durch weie Wolken in offene Arme. Ein Rosenregen fllt mir nach und khlt meine kranken Augen. Alles ist so wei und zart. Ach so s. (Ferdinand Hardekopf gewidmet) End of the Project Gutenberg EBook of Die letzte Freude, by Emmy Hennings License: Share Alike