Produced by Jens Nordmann and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by SLUB: Schsische Landesbibliothek - Staats - und Universittsbibliothek Dresden at http://www.slub-dresden.de ALBUM fr Freunde des Bergbaues, enthaltend eine Folge von vierzehn bildlichen Darstellungen aus dem Berufsleben des Berg- und Httenmannes. Entworfen und nach der Natur gezeichnet von Eduard Heuchler, Professor der K. S. Bergakademie in Freiberg. Lithographirt von $Bssler$, in Ton gedruckt von $L. Zllner$ in Dresden. Zweite Auflage. * * * * * INHALT. Titelblatt. Blatt 1. Das Gebet (Betstube). " 2. Die Anstellung (zur Arbeit). " 3. Die Einfahrt (im Schacht). " 4. Huer vor Ort. " 5. Der Frstenbau. " 6. Eine Verunglckung. " 7. Das Fllort. " 8. Die Ausfahrt (Hngebank). " 9. Die Heimkehr. " 10. Die Scheidebank. " 11. Das Pochwerk. " 12. Der Rohofen. " 13. Der Treibeheerd. " 14. Die letzte Schicht (Begrbniss). * * * * * Freiberg, Verlag von J. G. Engelhardt. 1855. * * * * * [Illustration: Vierzehn Bilder aus dem Leben des Berg- und Httenmannes. Entworfen u. gezeichnet von Eduard Heuchler. Verlag v. J. G. Engelhardt in Freiberg.] [Illustration: _N^o. 1._ Das Gebet.] [Illustration: _N^o. 2._ Die Anstellung.] [Illustration: _N^o. 3._ Die Einfahrt.] [Illustration: _N^o. 4._ Huer vor Ort.] [Illustration: _N^o. 5._ Der Frstenbau.] [Illustration: _N^o. 6._ Eine Verunglckung.] [Illustration: _N^o. 7._ Das Fllort.] [Illustration: _N^o. 8._ Die Hngebank.] [Illustration: _N^o. 9._ Die Heimkehr.] [Illustration: _N^o. 10._ Die Scheidebank.] [Illustration: _N^o. 11._ Das Pochwerk.] [Illustration: _N^o. 12._ Der Rohofen.] [Illustration: _N^o. 13._ Der Treibeheerd.] [Illustration: _N^o. 14._ Die letzte Schicht.] * * * * * Erklrungen der bildlichen Darstellungen. _Der Bergmannsstand im Allgemeinen theilt sich seinem Berufe nach in zwei verschiedene Fcher, nmlich in den eigentlichen_ $Bergmann$, _welcher es mit der Aufsuchung, Gewinnung und Zubereitung der Erze zu thun hat, und in den_ $Httenmann$, _dessen Aufgabe es ist, die durch den Bergmann mechanisch gereinigten und zu Mehl gepochten Erze nach den darin enthaltenen Metallen durch Feuer zu scheiden und zu weiterer Verwendung geeignet zu machen. Die Arbeiten des =Bergmanns= sind von grosser Mannichfaltigkeit, sowohl in ihrer Oertlichkeit, als auch in dem Betrieb selbst, weshalb die Anzahl der bildlichen Darstellungen sehr zahlreich und gegen diejenigen des Httenmannes bei dem festgehaltenen Prinzip, nur die wichtigsten Momente darzustellen, berwiegend ausgefallen ist, obgleich es auch hier nicht an Stoff zu vielen interessanten bildlichen Darstellungen fehlen wrde._ $Zum Titelblatt.$ Auf diesem Blatte sehen wir links den Bergmann, rechts den Httenmann in seiner Paradekleidung. In der Mitte ist das Wappen der Stadt Freiberg als Metropole des schsischen Bergbaues eingefgt, und es erstrecken sich daher die bildlichen Darstellungen nur auf den =Freiberger= Bergbau. Im Hintergrunde sieht man links Grubengebude, rechts Httenwerke. Das Ganze umschliesst ein Kranz von Epheu zum Zeichen des hohen Alters und immer noch frischen Glanzes beim Freiberger Bergbau. Darber der bergmnnische Gruss: =Glck auf!= Das Glcklein klingt, der Morgen graut, Da wird's im Bergmannshttchen laut, Denn ruft die Arbeit, ruft die Schicht, Da sumt der brave Bergmann nicht! Er springt vom Lager wohlgemuth, Denn rstig stets ist Bergmannsblut. Schnell ist der Kittel angethan Und seine Blende steckt er an. Den Riegel lst er von der Thr Und steht schon auf der Schwelle schier; Da wirft noch einmal er den Blick Auf seiner Htte stilles Glck u. s. w. Diese schnen Worte des Bergmannsgrusses von Dring versinnlichen uns auch ohne bildliche Darstellung den Bergmann vor der Schicht, wie er seine Wohnung verlsst, um mit seinen bergmnnischen Brdern nach dem vom Petersthurme der Stadt oder dem Huthause der Grube gegebenen Glockensignale zur Grube zu eilen. Gleich Ameisen sieht man die Bergleute jung und alt oft stundenweit auf ihrem schweren Berufswege dahinziehen, um ihr Tage- und Nachtwerk zu beginnen. Zu Blatt 1. $Das Gebet.$ Zum gemeinschaftlichen Gebet versammelt sich das Bergvolk in der Betstube des Huthauses. Der Obersteiger sitzt an der Tafel oben an, neben ihm die Untersteiger, Gnghuer und die Zimmerlinge. Die Huer, Knechte und Jungen nehmen die Bnke ein. Das Gebet, besonders fr Bergleute zur Erbauung eingerichtet, wird von einem Bergmann laut vorgesprochen und hierauf von Allen ein Lied gesungen. Nach dem Gebet verliest der Obersteiger die Mannschaft und vertheilt unter sie die Arbeit. Zu Blatt 2. $Die Anstellung.$ Wir sehen hier die Mannschaft vom Huthause weg nach dem Schachte gehen. Jeder trgt sein nthiges Gezh (die Arbeitsinstrumente) oder die Materialien, welche er zur Arbeit braucht. Gewhnlich fahren immer Mehrere zusammen in denjenigen Schacht, der ihrer Arbeit zunchst liegt, weshalb sie sich vor oder in der Kaue oder dem Goepelgebude versammeln. Hier werden auch gewhnlich die Neuigkeiten des Tages ausgetauscht und die letzte Minute bis zur nthigen Einfahrt verplaudert. Zu Blatt 3. $Die Einfahrt.$ In diesem Bilde ist eine Bhne (Ruheplatz im Schachte) dargestellt. Solche Bhnen befinden sich in regelmssigen Entfernungen von einander, viele in jedem Schachte, denn es wrde zu gefahrvoll und zu ermdend fr die Bergleute sein, mssten sie ohne Unterbrechung in die oft sehr tiefen Schchte einfahren. Auf einer solchen Bhne wird ein wenig geruht und gewhnlich tchtig geschnupft, denn das Tabakrauchen ist in den Gruben und berhaupt bei der Bergarbeit verboten, darum halten sie es whrend der Schicht mit der Dose, doch auf dem Zechenwege wie im Hause darf dann auch die Pfeife nicht kalt werden. Zu Blatt 4. $Huer vor Ort.$ Wie ein hohes Gebude sich in verschiedene Etagen eintheilt, in welche man durch die Treppe gelangt, eben so gelangt man mittelst des Schachtes in die verschiedenen Gnge (Strecken) der Grube. Ort nennt der Bergmann das Ende einer solchen Strecke, mag sie lang oder kurz sein, es ist dessen Forttreiben vom Schachte aus, eine der wichtigsten bergmnnischen Arbeiten. Man sieht in dem Bilde zwei Huer vor Ort; der eine arbeitet nach oben, der andere nahe der Sohle desselben. Das durch Schlegel und Eisen oder durch Bohren und Schiessen losgearbeitete Gestein oder Erz wird bei einer kleineren Grube durch Karren und Kbel, bei grsseren Gruben hingegen durch englische Frderwagen und Tonnen zum Schachte und von hier ab durch Menschen-, Thier-, Wasser- oder Dampf-Kraft zu Tage gefrdert. Zu Blatt 5. $Der Frstenbau.$ Zwischen zwei solchen in regelmssiger Entfernung unter einander liegenden Strecken wird nun das Erz abgebaut und zwar beim Frstenbau von einer tiefer gelegenen Strecke nach einer hheren, in treppenartigen Abstzen. Man sieht auf dem vorliegenden Bilde die Huer beschftigt, die Gesteins- oder Erzmassen durch Sprengarbeit zu gewinnen. Der Gnghuer vertheilt eben das Pulver und auf einem tiefer liegenden Absatz sieht man auch den Obersteiger die Gang- oder Erzmasse mit dem Lichte beleuchten und prfen. Ein Grubenjunge frdert mit der Kratze die gewonnenen Massen in die Rolle (schachtartige Oeffnung) nach der darunter liegenden Strecke, woselbst sie mit Hunden oder Frderwagen auf Eisenbahnen nach dem Fllort des Schachtes transportirt wird. Zu Blatt 6. $Eine Verunglckung.$ In diesem Bilde ist der Fall vorgestellt, wo ein vom Seile durch irgend einen Zufall beim Haspelziehen abgesprengter Kbel, mit Gesteinsmasse gefllt, den Schacht hereingestrzt ist und den darunter stehenden Arbeiter erschlagen hat. Die meisten Unglcksflle ereignen sich jedoch bei der Sprengarbeit, vorzglich beim Besetzen (Laden) der Bohrlcher und beim Ziehen der Nadeln u. s. w. Tdtlich sind sie verhltnissmssig seltener, aber besonders fr die Augen gefhrlich. Zu Blatt 7. $Das Fllort.$ Derjenige Ort im Schachte, von welchem aus die horizontalen Gnge oder Strecken nach den verschiedenen Erzbauen gehen, heisst das Fllort, weil hier die Kbel oder Tonnen, mit Erz oder taubem Gestein gefllt, durch Menschen- oder Maschinenkraft bis zu Tage gefrdert werden. In dem Bilde sehen wir einen Kunst- und Treibeschacht vor uns, wo eben im letzteren eine Tonne gefllt wird. Der Hundestsser bringt vom Orte oder dem Erzbaue aus taubes Gestein oder Erz in dem englischen Frderwagen herbei. Im Vordergrunde befinden sich im Ausfahren begriffen zwei Studirende, von einem Untersteiger begleitet. Ein Huer kommt eben von einer tieferen Strecke den Schacht herausgefahren. Zu Blatt 8. $Die Hngebank.$ Dieses Blatt stellt das Innere eines Treibegpelgebudes vor. Die Mannschaft fhrt nach vollbrachter Schicht aus und verlsst nach und nach das Gebude, um sich wieder zum Gebet auf dem Huthause mit den Wiedereinfahrenden zu versammeln. Alte Leute ruhen gewhnlich erst ein wenig von der Anstrengung einer vielleicht tiefen Fahrt aus, ehe sie den Gpel verlassen. Die Treibetonne, so wie auch der Auslaufkarren sind in ruhende Stellung gebracht. Zu Blatt 9. $Die Heimkehr.$ Nach Beendigung des Gebetes verlsst jeder Bergmann das Huthaus und eilt nach Hause. Wir sehen auf dem Bilde die Heimkehr eines Familienvaters, wie er von den Kindern umringt wird. Dem kleinsten Kinde auf der Mutter Armen bringt er Beeren mit, die er auf dem Heimwege gepflckt hat. Selbst der Hund und die Ziege bezeigen ihren Antheil an der Freude. Da die Schicht eines Bergmanns gewhnlich nur acht Stunden whrt, so benutzen fleissige Bergleute die brige Zeit zu verschiedenen lohnenden Nebenarbeiten, je nach der Geschicklichkeit, die sie besitzen. Weniger gefahrvoll, doch immer anstrengend genug sind die Arbeiten der Bergleute ber Tage in der Scheidebank und Wsche. Zu Blatt 10. $Die Scheidebank.$ Hier sehen wir die bergmnnische Jugend versammelt, Jungen vom 14. Jahre an. Sie scheiden mit der Hand die reicheren Erze vom tauben Gestein, mit dem es in der Grube auf den Erzgngen bricht. Der Scheidesteiger belehrt und beaufsichtigt sie, doch benutzen sie dennoch jeden unbeobachteten Augenblick zu muthwilligen Ausbrchen, welche sie dann mit den sogenannten Vogelpolzen, eine vieltheilige Peitsche, deren Enden mit Knoten versehen sind, durch einige Schlge bssen mssen. Es ist ein eigenthmlich lebendiger Anblick, vielleicht fnfzig solche Jungen in emsiger Arbeit begriffen zu sehen, wobei es, wenn sie nicht Takt im Schlagen halten, einen betubenden Lrm giebt. Zu Blatt 11. $Das Pochwerk.$ Aus der Scheidebank kommt das weniger edle Erz zum Pochen (bis zur Mehlfeinheit) in das Pochwerk. Durch Maschinenkraft werden starke hlzerne Stempel, welche am unteren Ende mit schweren Eisen versehen sind, in die Hhe gehoben, um beim Niederfallen das darunter geschaufelte Erz zu zermalmen. Ein daneben aufgestelltes, durch die Maschine bewegtes Sieb sondert beim Durchwerfen die feinern von den grberen Theilen, welche letztere dann nochmals unter die Pochstempel gebracht werden mssen. Das fein gepochte Erz wird hierauf mit einem Karren in die Erzkammer gebracht und in diesem Zustande in die Httenwerke abgeliefert. In den Pochwerken und Wschen ist immer viel Zuspruch von Neugierigen, vorzglich wenn sie nicht weit von der Strasse liegen, doch ein mndliche Erklrung wegen des Hllenlrmes darin kaum mglich. Zu Blatt 12. $Der Rohofen.$ Von der Grube werden die Erze in Pulverform an die Schmelzhtten abgeliefert und hier je nach ihren Bestandtheilen und ihrem durch Proben im Probirofen ermittelten Gehalte an Silber gemischt. Eine solche Mischung nennt der Httenmann eine Beschickung. Letztere wird nun entweder im rohen Zustande (bei der Roharbeit) oder im gersteten (bei der Bleiarbeit) mit den nothwendigen Zuschlgen an Schmelzstoffen ber Schachtfen bei Anwendung von Koaks und einem starken Geblse verschmolzen. Die in der Beschickung enthaltenen Erz- oder Metalltheile sondern sich von den erdigen Theilen und sammeln sich im untersten Theile des Ofens im geschmolzenen Zustande an; ber ihnen befinden sich die ebenfalls geschmolzenen oder berhaupt unhaltigen Theile der Beschickung als Schlacken. Letztere werden von Zeit zu Zeit abgezogen, die ersteren dagegen in lngern Zeitrumen durch das sogenannte Stichloch, eine Oeffnung, die in den untersten Theil des Ofens fhrt und fr gewhnlich verschlossen gehalten wird, in eine Vertiefung abgelassen (abgestochen). Bei der Bleiarbeit ist dieses Product silberhaltiges Blei, dasselbe wird aus dieser Vertiefung in eiserne Formen (Pfnnchen) gegossen. Zu Blatt 13. $Der Treibeheerd.$ Bei diesem Ofen werden die vorgenannten Stcke silberhaltigen Bleies auf eine vertiefte, mit einem starken Eisenhut bedeckte runde Flche aufgetragen und durch einen daneben befindlichen Ofen, aus welchem die Flamme ber diese Flche wegschlgt, eingeschmolzen. Mit Hilfe eines Geblses wird hierauf das Blei in Bleigltte umgewandelt, und als solche fortwhrend abgelassen, das Silber aber bleibt endlich, nachdem der bekannte Silberblick d. i. eine Erscheinung von Regenbogenfarben auf der Oberflche des geschmolzenen Silbers, stattgefunden hat, in Gestalt eines runden Kuchens auf dem Heerde zurck. Die geringen fremdartigen Beimengungen, die es noch hat, werden durch ein nochmaliges Einschmelzen fr sich entfernt, hierauf aber dasselbe sogleich an die Mnze abgeliefert. Der Httenmann beschliesst also die smmtlichen mhsamen und zum Theil gefahrvollen Arbeiten, welche mit der Gewinnung des Silbers aus dem Schoose der Erde verbunden sind. Zu Blatt 14. $Die letzte Schicht.$ Obgleich jeder Mensch seine letzte Schicht zu machen hat, so ist doch dieses Wort fr den letzten Gang aus dieser Welt vornehmlich dem Bergmannsstande eigen. Gleich viel, ob Berg- oder Httenmann, sie verfahren beide mit ihrem Tode ihre letzte Schicht, mag dieser ein gewaltsamer im Dienste oder ein natrlicher sein. So sehen wir denn auf diesem Bilde das Begrbniss eines Bergmanns, wie seine bergmnnischen Brder ihm die letzte Ehre erweisen und ihn dem Schoos der dunklen Erde bergeben, in welchem er seinen mhsamen Lebenslauf gefunden und berstanden hat. Ueber dem Grabe ertnt der schne Schlussgesang des Bergmannsgrusses: Leb wohl, leb wohl, du Bergmannskind, Du hast vollbracht den Lauf. Treu warest du und brav gesinnt, Drum rufen wir: Glck auf! -- * * * * * Druck von A. Th. Engelhardt in Leipzig. * * * * * Anmerkungen zur Transkription: Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden bernommen, und offensichtliche Druck- und Setzfehler wurden korrigiert. Gesperrter Text wurde mit (=Text=), kursiv gedruckter Text mit (_text_) und fett gedruckter Text mit ($Text$) markiert. End of the Project Gutenberg EBook of Album fr Freunde des Bergbaues, by Eduard Heuchler License: Share Alike