E-text prepared by Delphine Lettau This Etext is in German. We are releasing two versions of this Etext, one in 7-bit format, known as Plain Vanilla ASCII, which can be sent via plain email-- and one in 8-bit format, which includes higher order characters-- which requires a binary transfer, or sent as email attachment and may require more specialized programs to display the accents. This is the 8-bit version. This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg.spiegel.de/. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfgung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg.spiegel.de/ erreichbar. Gedichte Paul Heyse (1865) alphabetisch nach Titeln sortiert: ber ein Stndlein Auf der Heimfahrt Novelle Vorfrhling ber ein Stndlein. Dulde, gedulde dich fein! ber ein Stndlein ist deine Kammer voll Sonne. ber den First, wo die Glocken hangen, ist schon lange der Schein gegangen, ging in Trmers Fenster ein. Wer am nchsten dem Sturm der Glocken, einsam wohnt er, oft erschrocken, doch am frhsten trstet ihn Sonnenschein. Wer in tiefen Gassen gebaut, Htt' an Httlein lehnt sich traut, Glocken haben ihn nie erschttert, Wetterstrahl ihn nie umzittert, aber spt sein Morgen graut. Hh' und Tiefe hat Lust und Leid. Sag ihm ab, dem trigen Neid: andrer Gram birgt andre Wonne. Dulde, gedulde dich fein! ber ein Stndlein ist deine Kammer voll Sonne. Auf der Heimfahrt. Es steht ein Haus im Garten, khl an ein Wldchen angelehnt. Auf allen meinen Fahrten hab' ich nach ihm mich heimgesehnt. Wie s erklang dort Vogelsang, wie lachten Blumen ringsumher! Wie ging's im Lauf die Stieg' hinauf-- Nun graut mir vor der Wiederkehr. Im Haus, da ist ein Zimmer, so luftig hoch, so blank und rein. Was nur an Sonnenschimmer ums Huschen streifte, drang herein. Wie lustig klang dort Kindersang, kein Winkel war von Spielen leer; dort fand ich Rast nach Tageslast-- Nun ffn' ich seine Tr nicht mehr. Im Haus erklang ein Name von allen Lippen fort und fort, der hatte wundersame Gewalt, schier wie ein Zauberwort. Auf jedem Mund ein Lcheln stund, als ob's des Frhlings Namen wr'-- Jetzt geht er stumm gespenstig um, und wer ihn ausspricht, lacht nicht mehr. Novelle Sie kannten sich beide von Angesicht, Sie sprachen sich nie und liebten sich nicht. Er nahm ein Weib, das die Mutter ihm whlte, Als sie sich mit einem Vetter vermhlte. Er war zufrieden mit seinem Los; Sie whnte sich recht in des Glckes Scho. Nur manchmal, zur Zeit der Fliederblte, Was wollte da knospen in ihrem Gemte? Und einst nach Jahren am dritten Ort Da sagten sie sich das erste Wort, Am selben Tische zum ersten Male-- Der Flieder duftet' herein zum Saale. Was er sie gefragt, was sie ihm gesagt, Es war nicht neu und war nicht gewagt; Doch pltzlich, mitten im Plaudern und Scherzen, Erschraken sie beide im tiefsten Herzen. Sie hatten mit tdlichem Staunen erkannt, Wie seltsam eins das andre verstand, Auch das, was beiden im stillen Gemte Erwachte zur Zeit der Fliederblte. Sie sahen sich an einen Augenblick Und sahn einen Abgrund von Migeschick, Dann blickten sie weg, und beide verstummten, So munter rings die Gesprche summten. Drauf ging sie nach Haus mit dem eigenen Mann, Er fhrte sein Weib, so schieden sie dann Und sagten, sie wrden sich glcklich schtzen, Die werte Bekanntschaft fortzusetzen. Doch wie er am andern Morgen erwacht, Was hat ihn so bitter lachen gemacht? Und wie sie auffuhr von ihrem Kissen, Was hat sie so heimlich weinen mssen? Sie haben sich niemals wiedergesehn, Sie wuten sich klug aus dem Weg zu gehn. Nur immer zur Zeit der Fliederblte Wie Sptfrost schauert's durch ihr Gemte. Vorfrhling. Strme brausten ber Nacht, und die kahlen Wipfel troffen. Frhe war mein Herz erwacht, schchtern zwischen Furcht und Hoffen. Horch, ein trautgeschwtz'ger Ton dringt zu mir vom Wald hernieder. Nisten in den Zweigen schon die geliebten Amseln wieder? Dort am Weg der weie Streif-- Zweifelnd frag' ich mein Gemte: Ist's ein spter Winterreif oder erste Schlehenblte? Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Gedichte, von Paul Heyse. License: Share Alike