Produced by Jeroen Hellingman and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net/ for Project Gutenberg (The digitized holdings of the Staatsbibliothek zu Berlin are available free of charge for non-commercial use by all interested parties worldwide.) REISEN IN DEN PHILIPPINEN VON F. JAGOR MIT ZAHLREICHEN ABBILDUNGEN UND EINER KARTE. BERLIN WEIDMANNSCHE BUCHHANDLUNG. 1873. VORWORT. Die Reise, von der die folgenden Bltter berichten, wurde in den Jahren 1859 und 1860 unternommen, durch unvorherzusehende Umstnde aber pltzlich abgebrochen, lange bevor die gesteckten Ziele erreicht waren. Der Wunsch, das Begonnene spter fortzusetzen, ging nicht in Erfllung, veranlasste aber zu weiteren Studien, die dem Verfasser manchen wenig bekannten Stoff lieferten und zugleich zeigten wie sprlich und ungenau die Nachrichten ber jenes schne Land sind, besonders ber die Provinzen in denen er am lngsten verweilte. Einige werthvolle Mittheilungen vorzglich ber Verwaltung, Steuer- und Zollwesen verdankt der Verfasser dem spanischen Kolonialministerium, das ihm bereitwillig die Benutzung seines Archives gestattete; namentlich war ihm bei Entwurf der Geschichte des Handels, des Tributes und der Tabakregie eine dort vorgefundene Denkschrift von D. Ormacheo: Apuntes para la razon general, von Nutzen. Auch die Berliner und Londoner Bibliotheken lieferten manchen Stoff, der z. Th. mhsam aus dickleibigen den Mnchschroniken herausgelesen werden musste. So hufte sich umfangreiches Material, woraus die nachstehenden Bltter das Wesentlichste in gedrngter Krze mittheilen. Dem eigentlichen Reiseberichte liegen ausfhrliche an Ort und Stelle gemachte Aufzeichnungen zu Grunde. Nach einem so langen Zeitraum erschien es um so nthiger, sich streng daran zu halten, da das Gedchtniss gern ihm anvertraute Eindrcke und Erlebnisse zu farbigen Bildern und interessanten Abenteuern umgestaltet, hier aber nicht sowohl Unterhaltung als treue Schilderung beabsichtigt wird. Einiges, besonders aus dem zwanzigsten Kapitel ist bereits in Bastian und Hartmann's Zeitschrift fr Ethnologie mitgetheilt worden. Den wissenschaftlich werthvollsten Theil des Buches bilden zwei Abhandlungen, welche der Verfasser der Freundschaft der Herren Professoren Roth und Virchow verdankt. Wenige Lnder der Welt sind so unbekannt und werden so selten besucht wie die Philippinen und doch ist keines angenehmer zu bereisen, als jenes verschwenderisch ausgestattete Inselreich; kaum irgendwo findet der Naturforscher eine grssere Flle ungehobener Schtze. Unbemittelte wrden aus dem Verkauf von Sammlungen ihre Reisekosten reichlich decken. DRUCKFEHLER. Seite 145 Z. 10 v. unten lies: Rayray statt Ragay. ,, 173 Z. 15 v. unten lies: Oberleib statt Unterleib. ,, 210 Anm. lies: Bd. XXV. 2269 statt 2269. INHALT. Seite Vorrede V Verzeichniss der Bilder XI Aussprache der Fremdwrter XIII Erklrung hufig vorkommender Fremdwrter XIV Maasse, Gewichte, Mnzen XVI Erstes Kapitel. Einleitende Bemerkungen. Meridiandifferenz, Handelsgebiet der Philippinen, Theilung der Erde, erster Anblick Manila's, Erdbeben 1 Zweites Kapitel. Rhede, Zollwesen, Geschichte des Handels, spanische Kolonialpolitik, Reisen der Galeonen 7 Drittes Kapitel. Manila, Leben in der Stadt und in den Vorstdten, Hahnenkmpfe, Trachten der verschiedenen Klassen 18 Viertes Kapitel. Stellung der Europer und Eingeborenen in englischen, hollndischen und spanischen Kolonien, Einfluss der spanischen Kolonialpolitik auf die Sitten der Eingeborenen, Bequemlichkeit des Lebens, Kokospalme, Bambus 27 Fnftes Kapitel. Geographisches, Meteorologisches, politische Eintheilung, Volksmenge, Sprachen 39 Sechstes Kapitel. Reise in Bulacan, hufige Feuersbrnste, Fruchtbarkeit, Fischfang, Zigarrentaschen, spanische Priester, Gastfreiheit, Rubereien 45 Siebentes Kapitel. Provinz Laguna, Bancafahrt, Barren des Pasig, See von Bay, Maare bei Calauan, Palmenwein, Reisen ohne Diener, Vulkan Majaijai, Bffelfahrt 55 Achtes Kapitel. Seereise nach Albay, Mariveles, Schifffahrt zwischen den Inseln, San-Bernardino-Strasse, Vulkan Bulusan, Legaspi, Sorsogon 63 Neuntes Kapitel. Der Vulkan Mayon oder Albay und seine Ausbrche 69 Zehntes Kapitel. Cacao, Kaffee, Kirchweihfest, Leben in Daraga 76 Eilftes Kapitel. Reise nach Bulusan und Sorsogon, Strassenbau, Seeruber 87 Zwlftes Kapitel. Reisen in Sd-Camarines, Gliederung der Provinz, spanische Priester, Alkalden und Mandarine 94 Dreizehntes Kapitel. Reisen in Sd-Camarines, (Fortsetzung), Batu-See, indische Priester, Niederlassung von Wilden, Feier der Kreuzbulle, Buhi-See, Vulkan Yriga, Ananasfasern, Pfeilgift, Blutegel, Solfatare Ygabo, Kieselsprudel von Tibi 103 Vierzehntes Kapitel. Lebensweise und Sitten der Bicolindier 118 Funfzehntes Kapitel. Vorgeschichtliche Ueberreste, hoher Werth alter Gefsse, Tropfsteinhhlen im Yamtik, Reisen in Nord-Camarines, Bergbau, Gold, Bleiglanz, Rothblei, Kupfer, Httenprozess der Ygorroten, essbare Vogelnester 133 Sechszehntes Kapitel. Reise lngs der Kste von Camarines, Andringen des Meeres, zerstrter Palmenwald, Pasacao, schlechte Strassen 152 Siebenzehntes Kapitel. Der Ysarog und seine Bewohner 161 Achtzehntes Kapitel. Ersteigung des Yriga und des Mazaraga, See- und Strassenruber, Wasserpflanzen von Berlin nach den Philippinen, mein Diener Pepe 176 Neunzehntes Kapitel. Reisen in Samar, Wetter, Beamtenwahl, Nordkste, Catbalogan, Flattermakis, Schlangenbndiger, Tertirversteinerungen, Stromschnellen des Loquilocun, Gespensterthier 185 Zwanzigstes Kapitel. Reisen in Samar, Fortsetzung, Sdsee-Insulaner durch Strme verschlagen, Todtenhhlen und Leichenbestattung der alten Bisayer, Krokodile, Ignazbohne, Kokosl 203 Einundzwanzigstes Kapitel. Insel Leyte, Heuschrecken, Solfatare, Schwefelgewinnung, Bitosee, Krokodile 218 Zweiundzwanzigstes Kapitel. Lebensweise und Sitten der Bisaya-Indier 227 Dreiundzwanzigstes Kapitel. Die neuen Zollhfen, Steinkohle in Cebu, Yloilo. Aufschwung des Zuckerbaues 239 Vierundzwanzigstes Kapitel. Abaca oder Manila-Hanf 245 Fnfundzwanzigstes Kapitel. Das Tabakmonopol 257 Sechsundzwanzigstes Kapitel. Die Chinesen 271 Siebenundzwanzigstes Kapitel. Kurzer Abriss der Geschichte, Schlussbetrachtungen 280 ANHANG. Kopfsteuer und Frohnden 293 Brgerliche Einrichtungen 298 Ueber den Bodenkredit 303 Die gemeinntzige Gesellschaft der Landesfreunde 307 Einfhrung der Opium-Regie 309 Beschreibung der Schiffe, Barangay genannt, die bei Ankunft der Spanier in Gebrauch waren 311 Das tagalische Vater Unser 312 Das neue Zolldekret 312 Handel mit China vor Ankunft der Spanier 314 Handel mit China nach Ankunft der Spanier 315 Flcheninhalt der grsseren Inseln des philippinischen Archipels 317 Uebersichtstabelle der meteorologischen Verhltnisse 318 Uebersicht der Volksmenge, der Ortschaften u. s. w. in den Philippinen 320 Gleichzeitiger Ausbruch dreier Vulkane 1641 323 Zustze und Berichtigungen 329 Abgekrzt zitirte Schriften 331 Ueber die geologische Beschaffenheit der Philippinen von J. Roth 333 Ueber die lteren und neueren Bewohner der Philippinen von Rudolf Virchow 335 Index 378 Karte des sdlichen Theiles von Luzon und benachbarter Inseln. VERZEICHNISS DER BILDER. Um den Grad der Genauigkeit der einzelnen Bilder beurtheilen zu knnen, ist durch Buchstaben die Art ihrer Herstellung angegeben. c = Camera lucida, p = Pause, ph = Photographie, r = reduzirt durch Camera lucida oder auf mechanischem Wege. t = Originalzeichnung eines Tagalen. z = freie Handzeichnung. Der erste Buchstabe bezieht sich auf die Originalzeichnung, der folgende auf die Reproduktion. Seite Barre des Pasig, Manila c. r. 7 Lastboot (Casco) t. r. 17 Haus mit Azotea am Pasig z. z. 18 Bambushaus in der Vorstadt Trozo c. r. 20 Tagalin ph. r. 24 Tagalen ph. r. 25 Elegante t. r. 25 Kleines tagalisches Mdchen ph. p. 26 Leben am Wasser (ph. c. z.) z. zu Seite 34 Bambus z. p. 35 Verarbeitung des Bambus 36 Floss mit Senknetzen (Salambau) c. r. 37 Fischerhtten bei Bulacan z. r. 45 Berg Arayat z. r. 47 Zubereitung der Zigarrentaschen z. 48 Negrita (von Panay) ph. r. 51 Aussicht von Jalajala auf die Insel Talim c. r. 52 Vulkan Maquiling von ONO. z. 54 Kirche und Convento, Majaijai c. r. 58 Insel Talim mit dem Pik Soson-dalga von Majaijai c. r. 59 Vulkan Majaijai c. r. zu Seite 61 Negrito von Mariveles c. r. 63 Tagalin in einer Hngematte z. z. 64 Vulkan Bulusan z. r. zu Seite 66 Vulkan Mayon c. r. zu Seite 69 Krater des Mayon z. p. 70 Zigarrentaschen-flechten z. z. 84 Bcol-Naturforscher bei Regenwetter z. r. 86 Stamm eines Feigenbaumes bei Bacon c. r. 88 Dorfglocke in Camarines z. z. 96 Dorf Batu c. r. 103 Wilde vom Yriga c. z. zu Seite 106 Vulkan Yriga von OSO. c. r. 110 Vulkan Yriga von SW. c. r. 111 Vulkan Malinao c. r. 114 Kieselsprudel bei Tibi c. r. 114 Der weisse Kegel c. r. 115 Der rothe Kegel c. r. 117 Pavava, eine Art Karren c. r. 118 Der Pflug (Arado) und seine Bestandtheile c. r. 120 Ackergerth der Bicol-Indier c. r. 121 Reismesser z. 121 Thongefss aus einer Muschelschicht z. 134 Gebirge Bacacay von der Barre von Daet c. r. 139 Indierin die Bulaquea tanzend z. r. 140 Kastell gegen Seeruber c. r. 141 Nester von Collocalia troglodytes c. r. 143 Kupferner Kessel c. 146 Gebirge Bacacay vom Tribunal von Labo c. r. 150 Der Pik Colasi von der Visita Colasi z. r. 153 Der Pik Colasi von der Visita Lalauigan z. r. 153 Palmenwald durch die Brandung zerstrt z. r. 155 Vulkan Ysarog c. r. zu Seite 161 Glockenturm von Calabanga c. r. 164 Weberin vom Ysarog c. r. 166 Bogen und Pfeile der Ygorroten vom Ysarog c. r. 169 Ygorrote vom Ysarog c. p. 170 Ygorroten-Mdchen vom Ysarog c. p. 171 Cuadrillero z. z. 174 Schiffahrt durch Sumpf z. z. 176 Mazaraga c. r. 178 Aussicht vom Mazaraga c. p. zu Seite 178 Spanisch-tagalische Mestizin ph. p. 184 Lauang c. r. 187 Gobernadorcillo und Alguacil t. r. 189 Kleines Bisaya-Mdchen z. z. 192 Boot mit Ausriggern c. r. 193 Visita Loquilocun c. r. 199 Felsen im Meer bei Nipa-nipa z. z. 207 Srge c. r. 209 Buyohndlerin t. r. 217 Hafen von Tacloban z. r. 218 Gebirge in Leyte c. r. 220 Htte im Krater des Kasiboi c. r. 221 Htte auf einem Baum z. z. 223 Bisaya-Indierin z. z. 227 Alte Indierin rauchend t. r. 270 Schiff aus dem 17. Jahrhundert z. z. 290 Schdel r. Tafel 1. zu Seite 355 Schdel r. Tafel 2. zu Seite 375 Negritos vom nrdlichen Luzon ph. p. zu Seite 375 AUSSPRACHE DER FREMDWRTER. Die spanischen und einheimischen Wrter, meist Ortsnamen, sind nach spanischer Weise geschrieben. Die Aussprache ist wie im Deutschen, mit folgenden Abweichungen: spanisch c vor e und i wie th englisch, aber schrfer. ,, ch wie tsch deutsch. ,, g vor e und i wie ch ,, ,, gu wie g ,, ,, j wie ch ,, ,, ll fast wie j ,, ,, wie nj ,, ,, qu wie k ,, ,, s wie ss ,, auch mitten im Wort. ,, v fast wie b. ,, y vor Vokalen wie j ,, ,, y vor Konsonanten wie i. ,, z wie c vor e und i. In den philippinischen Namen ist e von i, o von u kaum zu unterscheiden. In mehrsilbigen Wrtern ist der Tonfall meist durch einen Accent angedeutet worden. ERKLRUNG EINIGER HUFIG WIEDERKEHRENDER FREMDWRTER. Abac = Manila-Hanf, Faser der Musa textilis s. S. 245. Alkalde, Guvernr einer Provinz s. S. 100 Anm. Bnca, kleines Boot. Barangy, Gruppe von 40 bis 50 Familien unter Verwaltung eines Cabeza s. S. 292. Blo, grosses Waldmesser. Byo, ein Stck Arecanuss, eingefasst von einem mit gebranntem Kalk bestrichenen zusammengerollten Blatt Betelpfeffer s. S. 126 Anm. Cabza, Haupt, Huptling. Casa rel, Wohnung des Alkalden oder Guvernrs, auch = Tribunal s. S. 50. Camte, ssse Kartoffel, Convolvulus Batatas s. S. 122. Castla, werden die Spanier, auch wohl die Europer im Allgemeinen genannt. Cimarrn, in Freiheit lebender Eingeborener s. S. 106. Convnto, Wohnhaus des Pfarrers, nicht Kloster. Cuadrillro, Steuersoldat, Polizeisoldat. dM. = M. Estnco, Laden in welchem von der Regierung monopolisirte Artikel verkauft werden. Fala, Feluke. Gbi, Caladium sp. div. mit essbaren Knollen. Gobernadorcllo (Guvernrchen), Dorfschulze s. S. 189. Guinra, Gewebe von Abac. Hacinda, Landgut, die Finanzverwaltung, der Staatsschatz. Indier, Indios, werden die Eingeborenen im Allgemeinen, besonders aber die der spanischen Herrschaft unterworfenen im Gegensatz zu den Cimarronen genannt. L, Lgua Wegstunde, (20 = 1 des Aequators). , Pfund Sterling. M, Meile, (15 = 1 des Aequators). Polsta, Frohnarbeiter. Plos, Frohnden s. S. 292. Publo, Ortschaft. Principala, inlndischer Adel. R. C., Rel Cdula, Knigliches Handbillet. R. D., Rel Decrto, vom Suvern selbst unterschrieben. R. O., Rel rden, nur vom Minister gezeichnet. Sya, Frauenrock von der Hfte zum Knchel reichend. Sm., Seemeile (60 = 1 des Aequators). Sndang, Waldmesser. Tpis, ein um den oberen Theil der Saya gewundenes Tuch. Teninte, Lieutenant. Tribunl, auch Casa real genannt, Gemeindehaus. Tribto, Kopfsteuer. Tba, gegohrener Palmensaft. Vista, Filial einer Pfarre. MAASSE, GEWICHTE UND MNZEN. Seit Januar 1862 gelten in den Philippinen die folgenden Maasse, Gewichte und Mnzen. Lngenmaasse: 1 Braza = 1 Doppelvara von Burgos = 1,671 Meter (= 5,3205 Rh.-Fuss) 1 Vara = 1 Vara (Elle) desgl. = 0,835 Meter (= 2,66 Rh.-Fuss) 1 pi = 1 pi (Fuss) desgl. = 0,278 Meter (= 0,89 Rh.-Fuss). Wegemaasse: 1 Legua (L.) sehr nahe 20,000 pis = 3 Seemeilen (Sm.) 20 L. = 60 Sm. = 15 geogr. oder deutsche Meilen (M.) = 69 engl. Meilen = 111,1 Kilometer. Feldmaasse: 1 Quion, (spr. Kinin) = 10 Balstas = 100 Lones = 10,000 Brzas cuadrdas = 27949,486 Quadrat-Meter = 2,79495 Hektar. 1 Hektar = 3577,833 Brazas cuadrdas = 0,35778 Quiones = 3,5778 Balistas = 35,778 Lones. Die hier zu Grunde gelegte Braza cuadr. ist die von 4 Varas cuadr. de Burgos. 1 Quion = 10,946, also sehr nahe = 11 preuss. Morgen). Getreidemaasse: 1 Cabn (Cavn) = 25 Gntas = 200 Chpas = 800 Apatnes = 75 Liter = 1,35132 Fangas de Castilla. Von 1. Januar 1862 gilt der am 1. Januar 1860 in Manila eingefhrte Caban als gesetzliches Maass fr alle Provinzen. Er misst genau 75 Liter oder in Form eines Wrfels 422 mm. innerer Seite, oder 5990,96 span. Kubikzoll. (Der Caban von 1859 hatte 80,00919 Liter.) (1 Ganta = 3 Liter, 1 Preuss. Metze = 3 Quart. 1 Ganta verhlt sich also zu 1 preuss. Metze (= 1/16 Scheffel) genau wie 1 Liter zu 1 Quart. 1 Caban = 1,362 Scheffel. 1 Caban Reis wiegt 128 bis 137 Pf. span. = 59 bis 63 Kilogr. Flssigkeitsmaasse: 1 Ganta = 8 Chupa = 3 Liter. Die Tinja (grosser Thonkrug) ist ein willkrliches Maass und bedeutet eine Anzahl Gantas, die in jedem Kontrakte besonders bestimmt wird oder durch Gebrauch feststeht, z. B. 1 Tinja Cocosl der Laguna = 16 Gantas. Gewichte: 1 Quintl = 1 Quintl de Castilla = 4 Arrbas = 46,009 Kilogramm. 1 Arroba = 25 Libras (Pfund span.) = 11,502 Kilogr. 1 Libra = 2 Marcos = 0,460 Kilogr. 1 Marco = 8 Onzas = 0,230 Kilogr. 1 Onza = 16 Adarmes = 28,76 Gramm. 1 Adarme = 36 Granos = 1,80 Gramm. 1 Grano = 0,05 Gramm. Schwere Gewichte. 1 Pico = 10 Chinntas = 100 Ctes = 1600 Tael = 137,500 Libras de Castilla = 63,262 Kilogr. (1 Tael = 22000 Adarmes = 39,539243 Kilogr.) Der Pco (Pikul) ist kein festes Gewichtsmaass, er variirt selbst in China. In Manila hat sich durch den Gebrauch das Verhltniss 1 Pco = 137,5 Libras de Castilla festgestellt. In den chinesischen Hfen und in Singapore haben die Englnder den Pikul = 133 1/3 Pfund engl. eingefhrt. 1 Pco von Manila = 140 Pf. engl., 1 Pikul (engl.) = 131,4 Libras de Castilla. 1 (Schiffs)-Tonne, frher = 16 Picos (1012 Kilogramm), jetzt = 1000 Kilogr.; dem Maasse nach = 1 Kubikmeter. Gewicht fr edle Metalle: 1 Tael = 10 Mas = 100 Condrn = 754,75 Granos del Marco de Castilla = 37,68 Gramm. Mnzen: 1 span. Dollar ($) = 2 Escdos (Esc.) = 5 Pesetas = 8 Rales plata (r.) = 160 Cuartos (cu.) = 100 Centsimos (ce). Im tglichen Verkehr wird nach Cuartos, im Grosshandel nach Centisimos gerechnet. Der Escudo ist erst seit 1. Juli 1865 fr alle amtlichen Rechnungen in Spanien und den Kolonien eingefhrt, um die spanische Whrung dem Dezimalsystem anzupassen. (In Spanien wird der Dollar in 20 Reales vellon (rv.) getheilt. 1 Real vellon = 8,5 Cuartos, = 34 Maravedis.) Die in Manila 1861 errichtete Mnze prgt Gold: 4 $, - 2 $, - 1 $-Stcke, Silber: 0,5 $ = 1 Escudo; seit 1866 auch 0,2 $ = 4 rv., -- 0,1 $ = 2 rv. Der Kurs des $ pflegt zwischen 42 und 44 Silbergroschen zu schwanken. In den spanischen Kolonien bestehn keine Wuchergesetze. Alljhrlich wird in Spanien der gesetzliche Zinsfuss fr Flle, wo kein besonderer Zins verabredet worden, festgestellt. ERSTES KAPITEL EINLEITENDE BEMERKUNGEN MERIDIANDIFFERENZ.--HANDELSGEBIET DER PHILIPPINEN.--THEILUNG DER ERDE.--ERSTER ANBLICK MANILA'S.--ERDBEBEN. Wenn es in Madrid Mittag schlgt, so ist es in Manila, der Hauptstadt der Philippinen, mehr als 8 Uhr Abends, genau 8h 18m 41s; d. h. Manila liegt 124 40' 15'' stl. von Madrid (7h 54m 35s von Paris. Conn. des temps). Wenn frher aber Madrid Neujahr feierte, so war in Manila erst Sylvester. Da Magellan, der die Philippinen 1521, bei jener denkwrdigen ersten Weltumsegelung entdeckte, sich in derselben Richtung um die Erde bewegte, wie die Sonne in ihrem scheinbaren tglichen Lauf, so hatte er fr jeden Grad, den er weiter nach Westen vordrang, vier Minuten spter Mittag, und als er die Philippinen erreichte, betrug der Unterschied fast 16 Stunden. Er scheint dies aber nicht bemerkt zu haben, denn Elcano, der Fhrer des einzigen geretteten Schiffes, wusste nicht, als er zum Meridian seiner Abfahrt zurckkehrte, dass er nach der Schiffsrechnung einen Tag weniger zhlen musste, als in dem Hafen, den er durch fortgesetztes Westwrtsfahren wieder erreicht hatte. [1] [2] In den Philippinen blieb jener Umstand gleichfalls unbercksichtigt; deshalb war dort Sylvester, wenn in der brigen Welt Neujahr begonnen hatte, und so ging es fort bis Ende 1844, wo man sich, nach eingeholter Genehmigung des Erzbischofs, entschloss, den Sylvestertag einmal gnzlich zu berspringen. [3] Seitdem liegen die Philippinen nicht mehr im fernsten Westen, sondern im fernen Osten, und sind ihrem Mutterlande um 8 Stunden voraus. Ihr eigentliches Handelsgebiet ist aber unser ferner Westen; von dort her wurden sie kolonisirt, und Jahrhunderte lang, bis 1811, hatten sie fast keinen andern Verkehr mit Europa als mittelbar, durch die jhrliche Reise der Nao zwischen Manila und Acapulco. Nun aber, wo endlich die stlichen Gestade des stillen Meeres sich bevlkern und mit beispielloser Schnelligkeit ihrer grossen Zukunft entgegen gehen, werden die Philippinen nicht lnger in ihrer bisherigen Abgeschlossenheit verharren knnen; denn fr die Westkste Amerika's liegt wohl keine tropische Kolonie Asiens so gnstig; auch fr Australien kann ihnen nur in einigen Beziehungen Niederlndisch-Indien den Rang streitig machen. Auf den Handel mit China dagegen, dessen Stapelplatz anfnglich Manila war, so wie mit den westlicher, den atlantischen Hfen nher gelegenen Lndern Asiens, unserm fernen Osten, wird es wohl immer mehr verzichten mssen. [4] Wenn sich die hier angedeuteten Verhltnisse verwirklichen, so wrden die Philippinen oder wenigstens ihr Handelsgebiet schliesslich doch in den Bereich der westlichen Erdhlfte fallen, in welche sie die berhmten spanischen Geographen zu Badajz verwiesen. Nach der Bulle Alexanders VI., vom 4. Mai 1493, [5] welche die Erde durch einen Meridian in zwei Hlften theilte, sollten die auf seiner stlichen Seite zu entdeckenden heidnischen Lnder den Portugiesen, die auf der westlichen den Spaniern gehren. Die Philippinen konnten daher von Letzteren nur unter der Voraussetzung in Besitz genommen werden, dass sie auf der westlichen Hlfte lgen. Die Demarkazionslinie sollte vom Nord- zum Sdpol, 100 Leguas gen Abend und Mittag aller sogenannten Azoren und Capverdischen Inseln verlaufen. Durch einen am 7. Juni 1494 zwischen Spanien und Portugal zu Tordesillas geschlossenen, 1506 von Julius II. besttigten Vertrag wurde sie 370 Leguas West der Capverdischen Inseln gezogen. Von den damals in Spanien und Portugal gebruchlichen Leguas wurden 17 1/2 auf einen Grad des Aequators gerechnet, im Parallel der Capverden betrugen 370 Leguas 21 55'; nimmt man dazu die Lngendifferenz zwischen der Westspitze dieser Inselgruppe und Cadix = 18 48', so erhlt man 40 43' W. und 139 17' O. von Cadix (rund 47 W. 133 O. Gr.) als die Grenzen der spanischen Erdhlfte. Aber die zur damaligen Zeit vorhandenen Mittel waren fr solche Ortsbestimmungen vllig unzureichend. Die Breite wurde mit unvollkommenen Astrolabien oder hlzernen Quadranten gemessen und nach sehr mangelhaften Tafeln berechnet; die Abweichung der Magnetnadel war so gut wie unbekannt, ebenso das Log. [6] Fr brauchbare Lngenbestimmungen waren weder die Methoden noch die Instrumente erfunden. Unter solchen Umstnden bewiesen 1524 zu Badajz die Spanier den protestirenden Portugiesen, dass die stliche Grenzlinie die Gangesmndung schnitte, und sprachen sich dadurch den Besitz der Gewrzinseln zu. In Wirklichkeit msste die stliche Grenzlinie 46 1/2 weiter stlich fallen; d. h. so weit wie von Berlin bis an die Kste von Labrador oder den kleinen Altai, da im Parallel von Calcutta 46 1/2 = 2575 See-M. Albo's Tagebuch giebt die Lngendifferenz der stlichsten Inseln des Archipels von Cap Fermoso (Magellan's Strasse) auf 106 30' an, whrend sie 159 25' betrgt. Die durch die Unsicherheit der stlichen Grenzlinie veranlassten Streitigkeiten zwischen den Spaniern und Portugiesen, welche letztere frher nach den Gewrzinseln gekommen waren, wurden 1529 durch einen Vergleich beigelegt, indem Carl V. alle seine angemaassten Anrechte auf die Molukken fr die Summe von 350,000 Dukaten an Portugal abtrat. Die Philippinen hatten damals keinen Werth. Von Hongkong nach Manila sind 650 Seemeilen, fast genau S.O., die in 3 bis 4 Tagen von dem Dampfschiff zurckgelegt werden, welches alle 14 Tage die Post-Verbindung zwischen der Kolonie und der brigen Welt herstellt. [7] Ohne diesen kleinen Dampfer wrde man in Hongkong, in dessen Hafen sich die Schiffe aller Nationen drngen, kaum vermuthen knnen, dass in so grosser Nhe ein Inselstaat liegt, der durch glckliche Gliederung und Fruchtbarkeit mehr als irgend ein andrer begnstigt scheint. Obgleich die Philippinen Spanien gehren, so findet doch zwischen beiden Lndern fast kein Handel statt. Die Verbindung mit dem Mutterlande war frher der Art, dass die Ankunft eines Schiffes mit der spanischen Post durch Tedeum und Glockenluten fr die Vollbringung einer so gewaltigen Reise gefeiert wurde. Bis Portugal an Spanien fiel, war den Philippinen der Weg um Afrika verschlossen. Wie es mit der Ueberlandreise stand, zeigt der Umstand, dass zwei Augustiner, die 1603 dem Knige eine wichtige Botschaft bringen sollten, und daher den krzeren Weg ber Goa, die Trkei und Italien gewhlt hatten, Madrid erst nach drei Jahren erreichten. [8] Die bisher den Kaufleuten durch hohe Differenzialzlle aufgezwungene spanische Flagge befrderte, trotz des Schutzzolles fr nationale Produkte, fast nur auslndische Waaren nach der Kolonie und die Erzeugnisse der letzteren nach fremden Hfen. Der Verkehr mit Spanien beschrnkte sich auf den Transport von Beamten und Geistlichen und deren gewohnten Lebensbedrfnissen, namentlich Nahrungsmitteln, Wein, andren Flssigkeiten (Caldos) und, einige franzsische Romane ausgenommen, entsetzlich geistlosen Bchern: Geschichten von Heiligen und Aehnlichem. Die Bay von Manila ist gross genug um alle Flotten Europa's aufzunehmen; sie gilt fr eine der schnsten der Welt. Der Anblick des Landes entspricht aber, wenn man, wie der Verfasser, gegen Ende der trocknen Jahreszeit ankommt, durchaus nicht den begeisterten Schilderungen mancher Reisenden. Das kreisrunde, fnf Provinzen begrenzende Wasserbecken von fast 120 Seemeilen Umfang ist in der Gegend Manila's von flachen Ufern umgeben, hinter welchen sich ein eben so flaches Gestadeland ausbreitet. Die karge Vegetation war von der Sonne verdorrt, nur einige Bambusbsche und Arecapalmen, in der Ferne die blauen Berge von San Mateo unterbrachen die Einfrmigkeit. Zur Regenzeit, wenn unzhlige, die Ebene durchschneidende Kanle aus ihren Ufern treten, bilden sich grosse zusammenhngende Wasserbecken, bald darauf verwandelt sich Alles in ein ppig grnendes Reisfeld. Manila liegt zu beiden Seiten des Psig. Die eigentliche Stadt von Mauern und Wllen umschlossen, mit niedrigen Ziegeldchern und einigen Thrmen, sah 1859 vom Meere aus einer alterthmlichen europischen Festung hnlich. Vier Jahre spter wurde sie durch ein Erdbeben zum grssten Theil zerstrt. Am 3. Juni 1863, als ganz Manila mit den Vorbereitungen zum Frohnleichnamsfeste beschftigt war, bebte nach einem Tage drckender Hitze um 7 Uhr und 31 Minuten Abends pltzlich die Erde, die festesten Gebude bewegten sich, die Mauern barsten, die Balken brachen; das furchtbare Gerusch dauerte eine halbe Minute. Dieser Zeitraum war hinreichend, um die ganze Stadt in ein Ruinenfeld zu verwandeln, und hunderte von Einwohnern lebendig zu begraben. Nach einem mir mitgetheilten Briefe des General-Guvernrs wurden der Palast, die Kathedrale, die Kasernen und alle ffentlichen Gebude Manila's vllig zertrmmert; die wenigen stehen gebliebenen Privathuser drohten einzustrzen. Sptere Berichte geben 400 Todte, 2000 Verwundete an und schtzen den Verlust auf 8 Millionen Doll. 46 ffentliche und 570 Privat-Gebude waren eingestrzt, 28 ffentliche und 528 private waren dem Umsturz nahe, alle stehen gebliebenen Huser mehr oder weniger beschdigt. Um dieselbe Zeit fand in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, ein 40 Sekunden anhaltendes Erdbeben statt, das viele Gebude umwarf. Drei Jahre nach diesem Ereignisse findet der Herzog von Alenon (Luon et Mindanao, Paris 1870 S. 38) noch berall dessen Spuren. Drei Seiten des Hauptplatzes der Stadt, auf denen sich frher der Palast, die Kathedrale, das Stadthaus erhoben, lagen da als Schutthaufen mit Gestruch bewachsen. Alle grossen ffentlichen Gebude waren vorlufig durch Holzbauten ersetzt, man dachte aber nicht daran, etwas Bleibendes zu schaffen. Manila ist sehr hufigen Erdbeben ausgesetzt; am verhngnissvollsten die von 1601, 1610 (30. Nov.), 1645 (30. Nov.), 1658 (20. Aug.), 1675, 1699, 1796, 1824, 1852, 1863. -- 1645 kamen 600 Personen um [9], nach Andern sogar 3000, [10] die unter den Trmmern ihrer Huser begraben wurden. Von allen ffentlichen Gebuden blieben nur das Kloster, die Kirche der Augustiner und die der Jesuiten stehen. Kleine Erdstsse, welche pltzlich alle Hngelampen in Schwingung versetzen, finden sehr oft statt und bleiben gewhnlich unbeachtet. Die Huser sind mit Rcksicht auf diesen Umstand nur einstckig, und der lockere, vulkanische Tuff, aus dem sie gebaut, mag zur Milderung der Stsse beitragen. Hchst unzweckmssig aber erscheinen unter solchen Verhltnissen die schweren Ziegeldcher. Auch in den Provinzen sind Erdstsse sehr hufig, richten aber, weil die Huser nur aus Brettern oder Bambus und Palmenblttern bestehn, gewhnlich so wenig Schaden an, dass sie gar nicht erwhnt werden. Herr Alexis Perrey giebt in den Mm. de l'Acad. de Dijon 1860 ein mit grossem Fleiss aus der ihm zugnglichen Literatur zusammengestelltes Verzeichniss von Erdbeben, welche die Philippinen und besonders Manila heimgesucht haben. Selbst ber die bedeutenderen sind die Nachrichten sehr sprlich, die Daten oft schwankend. Von unerheblicheren sind nur einige wenige angefhrt, die von zufllig anwesenden wissenschaftlichen Mnnern verzeichnet wurden. Ein sehr heftiges fand nach Aduarte (I. 141) 1610 statt. Ich lasse die Uebersetzung der betreffenden Stelle abgekrzt folgen, da ich es sonst nirgends erwhnt finde: Ende November dieses Jahres (1610) am St. Andreas-Tage fand in diesen Inseln, von Manila bis an das usserste Ende der Provinz Neu-Segvia (das ganze nrdliche Luzon), eine Entfernung von 200 Leguas, ein so furchtbares Erdbeben statt, wie man es nie erlebt hatte; es that grossen Schaden im ganzen Lande, in der Provinz Ilocos begrub es Palmbume und liess nur die Blattkronen ber der Erde, Berge wurden durch die Gewalt des Erdbebens gegen einander geschoben, viele Gebude zerstrt und Menschen getdtet. Am meisten aber wthete es in Neu-Segvia, wo es Berge ffnete, und neue Wasserbecken aufthat; die Erde spie grosse Haufen Sand aus und schwankte der Art, dass die Leute, da sie nicht aufrecht stehen konnten, sich auf die Erde setzten und am Boden festbanden als wren sie in einem Schiff auf strmischer See. In dem von den Mendayas bewohnten Hhenzuge strzte ein Berg ein, zertrmmerte dabei ein Dorf und erschlug die Bewohner. Ein grosses Stck Land am Fluss versank, so dass jetzt da, wo frher Hgel meist von ansehnlicher Hhe gestanden, die Oberflche fast dem Wasserspiegel gleich ist. Im Flussbett war die Bewegung so stark, dass sich Wellen erhoben wie im Meer oder als ob das Wasser von frchterlichem Winde gepeitscht wrde. Die steinernen Gebude litten den meisten Schaden, unsere Kirche und Convento strzten ein .... ZWEITES KAPITEL RHEDE. -- ZOLLWESEN. -- GESCHICHTE DES HANDELS. -- SPANISCHE KOLONIALPOLITIK. -- REISEN DER GALEONEN. Die Zollvisitation und die vielen, von den einheimischen Subalternbeamten ohne alle Rcksichten nach dem Buchstaben gehandhabten Frmlichkeiten erschienen dem neu Angekommenen um so lstiger, da er eben erst in den englischen Freihfen Ostasiens verkehrt hatte. Auf die Brgschaft eines angesehenen Kaufmanns wurde ihm nach 16 Stunden als eine besondere Gunst die Landung gestattet, jedoch ohne das kleinste Gepckstckchen. Die Rhede ist im S.W. Monsun und zur Zeit der von Strmen begleiteten Monsunwechsel unsicher; dann suchen grssere Schiffe in dem 7 SM. entfernten Cavite Schutz; im N.O. Monsun knnen sie 1/2 L. vom Lande ankern. Fahrzeuge von weniger als 300 Tonnen gelangen ber die Barre in den Fluss Psig, wo sie bis zur Brcke, unmittelbar am Ufer, und bis in die Mitte des Flusses hinein, in dicht gedrngten Reihen liegen, und durch ihre Anzahl sowohl, wie durch das zwischen ihnen herrschende rege Treiben von der Lebhaftigkeit des Binnenhandels zeugen. In jedem Regenmonsun fhrt der Psig der Barre so viel Schlamm zu, dass dessen Fortschaffung die Thtigkeit der aufgestellten Baggermaschine wie es scheint vollauf in Anspruch nimmt. Die geringe Zahl von Schiffen auf der Rhede, besonders fremder Flaggen, war um so auffallender, als, ausser Manila, kein Hafen des Archipels mit dem Auslande verkehrte. Allerdings hatten seit 1855 noch drei andere Hfen diese Berechtigung erhalten (spter kam noch ein vierter dazu), zur Zeit meiner Ankunft, Mrz 1859, war aber noch keiner von einem fremden Schiffe besucht worden; erst einige Wochen spter traf das erste englische Fahrzeug in Ilolo ein, um Zucker fr Australien zu laden. [11] Der Grund jener Erscheinung lag zum Theil in der geringen Entwicklung des Landbaues, trotz der ausserordentlichen Fruchtbarkeit des Bodens, zum grsseren Theil aber wohl in veralteten, den Verkehr knstlich beschrnkenden Verordnungen. Die Zlle waren an und fr sich nicht sehr hoch: im Allgemeinen 7 Procent vom Werth fr Schiffe unter spanischer Flagge; fr fremde Flaggen aber das Doppelte, und wenn die Waaren spanischen Ursprungs, 3 Proc. fr nationale, 8 Proc. fr fremde Flaggen. Letztere konnten daher in der Regel nur mit Ballast einlaufen. [12] Da aber die Hauptbedrfnisse der Kolonie aus England und dem Auslande eingefhrt wurden, so mussten sie entweder fr spanische Fahrzeuge, welche fast dreifache Fracht berechnen (4-5 statt 1 1/2-2 Pf. Sterl. per Tonne), und nur in grossen Zwischenrumen in englischen Hfen erscheinen, aufbewahrt, oder in fremden Schiffen nach Singapore oder Hongkong geschickt werden, wo sie auf spanische Schiffe umgeladen wurden. Ausserdem wurden selbst von Schiffen in Ballast, und solchen, die ohne zu lschen oder Fracht einzunehmen, wieder ausliefen, Tonnengelder erhoben, und wenn ein solches Fahrzeug auch nur ein Pckchen landete, so wurde es nicht mehr als in Ballast betrachtet, sondern nach einer viel hheren Taxe besteuert. Ein Schiff musste also durchaus keine, oder so viel Ladung haben, dass es die erhhten Hafengelder decken konnte, was fr auslndische wegen der Differenzialzlle, die einem Verbote gleich wirkten, beinahe unmglich war. Fremde Fahrzeuge kamen daher fast immer nur in Ballast, und wenn sie fr einen bestimmten Zweck besonders herbeigerufen wurden. Die Kolonie exportirt fast nur Rohprodukte, die mit einem Ausfuhrzoll von 3 Procent belastet waren; fr die spanische Flagge betrug er nur 1 Procent; da aber fast keine Ausfuhr nach Spanien stattfindet, und spanische Schiffe, wegen ihrer theuren Frachten, vom Weltverkehr ausgeschlossen sind, so war die Begnstigung fr den Handel nur eine scheinbare. [13] Diese ungeschickten, mit endlosen misstrauischen Formen gehandhabten Zollgesetze verscheuchten alle frachtsuchenden Schiffe vom Hafen, so dass Auftrge auf Landeserzeugnisse zuweilen nicht ausgefhrt erden konnten. So gering war der Schiffsverkehr, dass der Gesammtertrag der hohen Hafengelder nach einem zehnjhrigen Durchschnitt kaum 10,000 Doll. erreichte. An und fr sich ist die Lage Manila's fr den Welthandel sehr gnstig, als Zentralpunkt zwischen Japan, China, Anam, den englischen und hollndischen Hfen des Archipels und Australien. [14] Whrend des N.O. Monsun, in unseren Wintermonaten, wo die Schiffe vom indischen Archipel nach China, um einige Deckung zu haben, durch die Gilolostrasse gehn, mssen sie berdies dicht an Manila vorbei, und wrden dort eine bequeme Station finden; namentlich aber liegen die Philippinen wie bereits erwhnt, fr die Westkste Amerikas sehr gnstig. Dass das spanische Ultramar-Ministerium diese Verhltnisse richtig erkennt und ihnen Rechnung trgt, geht aus dem fr die Zukunft der Kolonie so wichtigen Dekret vom 5. April 1869 hervor, das wohl schon frher erschienen wre, wenn nicht die durch Schutzzlle verwhnten spanischen und kolonialen Schiffsrheder sich hartnckig gegen eine Neuerung gestrubt htten, die ihre bisherigen Privilegien antastet und sie zu grsserer Rhrigkeit zwingt. Die bemerkenswerthesten Punkte dieser neuen Verordnung sind: Ermssigung der Differenzialzlle und ihr gnzliches Erlschen nach zwei Jahren, Abschaffung aller Ausfuhrzlle und das Verschmelzen mehrerer lstiger Hafengebhren in einen einzigen Hafenzoll. [15] Als die Spanier nach den Philippinen kamen, fanden sie die Eingeborenen mit Seiden- und Baumwollenstoffen bekleidet, die von chinesischen Schiffen im Austausch gegen Goldstaub, Sapanholz, [16] Holothurien, essbare Vogelnester und Hute eingefhrt wurden. [17] Auch mit Japan, Cambodia, Siam, [18] den Molukken und dem malayischen Archipel standen die Inseln in Verkehr; de Barros erwhnt Schiffe von Luzon, die 1511 Malacca besuchten. [19] Durch die grssere Sicherheit, die mit den Spaniern in's Land kam, mehr noch durch den von ihnen erffneten Verkehr mit Amerika und mittelbar mit Europa, nahm der Handel schnell zu und erstreckte sich ber Vorder-Indien bis an den persischen Meerbusen. Manila wurde zum Stapelplatz fr die Erzeugnisse Ostasiens und befrachtete damit die Galeonen, die von 1565 an nach Neu-Spanien (zuerst nach Navidad, von 1602 ab nach Acapulco) fuhren und als Rckfracht vorzglich Silber brachten. [20] Die Kaufleute in Neu-Spanien und Peru fanden diesen Handel gleichfalls so vortheilhaft, dass dadurch der Einfuhr aus dem Mutterlande, dessen Fabrikate gegen die indischen Baumwollen und die chinesischen Seidenstoffe nicht konkurriren konnten, grosser Abbruch geschah. Die verwhnten Monopolisten von Sevilla verlangten daher das Aufgeben der Kolonie [21], die jhrlich betrchtlicher Zuschsse bedurfte, das Mutterland in der Ausbeutung der amerikanischen Besitzungen hinderte, und das Silber aus den Reichen Sr. Majestt in die Hnde der Heiden gelangen liess. Schon der Grndung der Kolonie hatten sie grosse Hindernisse in den Weg gelegt. [22] Jenes Verlangen scheiterte aber an dem Ehrgeiz der Krone und am Einfluss der Geistlichkeit; doch wurde, den damals allgemein gltigen Ansichten durchaus entsprechend [23], zu Gunsten des Mutterlandes den Kaufleuten von Peru und Neu-Spanien verboten, Waaren aus China unmittelbar oder ber Manila zu beziehen. Den Bewohnern der Philippinen allein blieb gestattet, chinesische Waaren in Amerika einzufhren, aber nur bis zum Werthe von 250,000 Doll. jhrlich, die Rckfracht ward auf 500,000 Doll. beschrnkt. [24] Spter wurde erstere Summe auf 300,000 Doll. mit entsprechender Rckfracht erhht, den Spaniern aber untersagt, China zu besuchen, so dass sie die Ankunft der Junken abwarten mussten. 1720 endlich wurden chinesische Stoffe in allen spanischen Besitzungen beider Welttheile gnzlich verboten. Eine Verordnung von 1734 (mit Zustzen von 1769) gestattete den Handel mit China auf's Neue und erhhte das Werthmaximum der Fracht nach Acapulco auf 500,000 Doll., die Rckfracht auf 1,000,000 Doll. Silber. Nachdem endlich die auf Kosten der Staatskasse erhaltene Nao von Acapulco ihre Reisen eingestellt (die letzte Galeon verliess Manila 1811 kehrte 1815 von Acapulco zurck), wurde der Handel mit Amerika durch Kauffahrer betrieben, denen 1820 erlaubt ward, bis zu 750,000 Doll. jhrlich aus den Philippinen auszufhren und ausser Acapulco auch San Bls, Guayaqul und Callo anzulaufen. Dieses Zugestndniss war aber nicht ausreichend, um den Philippinischen Handel fr seine durch den Abfall Mexico's von Spanien erlittenen Verluste zu entschdigen. Die Besitznahme Manila's durch die Englnder (1762) hatte die Bewohner mit Gewerbserzeugnissen bekannt gemacht, welche ihnen die Einfuhren von China und Indien nicht bieten konnten. Um der Nachfrage zu gengen, wurden Ende 1764 spanische Kriegsschiffe mit Produkten der spanischen Industrie (Wein, Esswaaren, Hte, Tuche, Kurzwaaren und Luxusgegenstnde) nach der Kolonie gesandt. Die an den bequemen Acapulco-Handel gewhnten Manila-Kaufleute strubten sich aber gewaltig gegen diese Neuerung, obgleich sie gute Geschfte dabei machten; denn die Krone kaufte die indischen und chinesischen Waaren fr die Rckfracht in Manila doppelt so theuer als an den Ursprungsorten. 1784 traf das letzte jener Schiffe ein. [25] Europischen Fahrzeugen war nach der englischen Invasion streng verboten, Manila zu besuchen; da dieses aber die indischen Waaren nicht entbehren mochte und sie nicht durch eigne Schiffe holen konnte, so wurden sie in englischen und franzsischen Bden eingefhrt, die einen trkischen Namen und einen indischen Schein-Kapitn erhielten. [26] 1785 erlangte die Compaia de Filipinas das Handelsmonopol zwischen Spanien und der Kolonie, durfte sich aber nicht in den direkten Verkehr zwischen Acapulco und Manila mischen. Sie wollte grosse Massen von Kolonialprodukten, Seide, Indigo, Zimmet, Baumwolle, Pfeffer etc. fr die Ausfuhr erzielen (hnlich wie es spter durch das Kultursystem in Java geschah); da sie aber nicht ber Zwangsarbeit verfgte, so misslang die pltzliche knstliche Steigerung des Landbaues vollkommen. Durch ihr falsches System und die Unfhigkeit ihrer Beamten erlitt sie grosse Verluste (sie zahlte z. B. 13,5 Doll. fr den Pico Pfeffer, der 3-4 Doll. in Sumatra galt). 1789 wurde fremden Schiffen gestattet, Waaren aus China und Indien einzufhren, aber keine europischen. 1809 erhielt ein englisches Handelshaus Erlaubniss, sich in Manila niederzulassen. [27] 1814, nach dem Friedensschluss mit Frankreich, ward es, unter mehr oder weniger Beschrnkungen, allen Fremden gestattet. [28] 1820 wurde auf 10 Jahre der direkte Handel zwischen den Philippinen und Spanien freigegeben, ohne Beschrnkung fr die Produkte der Kolonie, vorausgesetzt, dass die Erzeugnisse Indiens und China's 50,000 Doll. bei jeder Expedition nicht berstiegen. Von 1834 an, wo das Privilegium der Philippinischen Kompanie erlosch, ist in Manila der freie Verkehr mit dem Auslande gestattet, doch zahlten fremde Schiffe doppelte Zlle. Seit 1855 sind noch vier neue Hfen dem Weltverkehr geffnet; 1869 ist der oben erwhnte freisinnige Tarif erlassen worden. Heute nach drei Jahrhunderten ungestrten Besitzes hat Manila in jenen Meeren durchaus nicht mehr dieselbe Bedeutung, die es bald nach Ankunft der Spanier errang. Die Verschliessung Japans und der indo-chinesischen Reiche, besonders in Folge der Zudringlichkeit und Anmaassung katholischer Missionre, [29] der Abfall der Kolonien an der Westkste Amerika's, vorzglich aber das lange Festhalten einer misstrauischen Handels- und Kolonial-Politik bis in die Gegenwart, whrend bedeutende Emporien in gnstigerer Lage mit grossartigen Mitteln und nach freisinnigen Grundstzen in Britisch- und Niederlndisch-Indien entstanden, -- alle diese Umstnde haben dies Ergebniss herbeigefhrt und den China-Handel in andere Bahnen geleitet. Die Ursachen liegen eben so klar zu Tage wie ihre Wirkung, doch wrde man irren, wenn man die befolgte Politik der Kurzsichtigkeit zuschreiben wollte. Die Spanier hatten bei ihrer Kolonisation zum Theil religise Zwecke im Auge, abgesehen davon fand aber die Krone in der Verfgung ber die usserst eintrglichen Kolonialmter einen grossen Machtzuwachs. Sie selbst sowohl als ihre Begnstigten hatten nur die unmittelbare Ausnutzung der Kolonien im Sinne, und weder die Absicht noch die Kraft, den natrlichen Reichthum der Lnder durch Ackerbau und Handel zu erschliessen. Unzertrennlich von diesem System war die strenge Ausschliessung der Fremden. [30] Mehr noch als in Amerika schien es in den abgelegenen Philippinen nthig, die Eingeborenen gegen alle Berhrung mit dem Auslande abzuschliessen, wenn die Spanier im ungestrten Besitz der Kolonie bleiben wollten. Bei dem erleichterten Verkehr der Gegenwart und den Ansprchen des Welthandels an die Produktionskraft eines so ausserordentlich fruchtbaren Gebietes sind aber die frheren Schranken nicht mehr aufrecht zu halten, es muss daher der krzlich eingefhrte freisinnige Zolltarif als eine durchaus zeitgemsse Massregel begrsst werden. Die mehrfach erwhnten Reisen der Galeonen zwischen Manila und Acapulco nehmen eine so hervorragende Stelle in der Geschichte der Philippinen ein und gewhren einen so interessanten Einblick in das alte Kolonialsystem, dass sie wenigstens in ihren Hauptzgen kurz geschildert zu werden verdienen. Zu Morga's Zeit, Ende des 16ten Jahrhunderts, kamen jhrlich 30-40 chinesische Junken nach Manila (gewhnlich im Mrz); Ende Juni ging die Nao (oder Galeon) nach Acapulco ab. Der Acapulcohandel, dessen Geschft sich auf die dazwischen liegenden drei Monate im Jahr beschrnkte, war so gewinnbringend, bequem und sicher, dass die Spanier sich in keine andere Unternehmungen einlassen mochten. Da der Raum des einzigen jhrlichen Schiffes dem Zudrang durchaus nicht entsprach, so vertheilte ihn der Guvernr nach seinem Dafrhalten, und die Begnstigten trieben gewhnlich nicht selbst Handel, sondern bertrugen ihre Konzessionen an Kaufleute. Nach de Guignes [31] wurde der Frachtraum der Nao in 1500 Theile getheilt, von denen eine grosse Anzahl den Klstern, der Rest bevorzugten Personen zufiel. In Wirklichkeit war der amtlich auf 600,000 Doll. beschrnkte Werth der Ladung betrchtlich hher, und diese bestand vorzugsweise in indischen und chinesischen Baumwollen- und Seidenstoffen (unter andern 50,000 Paar seidene Strmpfe aus China) und Goldschmuck. Die Rckfracht belief sich auf 2 bis 3 Millionen Dollars. Alles war bei diesem Handel im Voraus bestimmt: Zahl, Form, Grsse und Werth der Waarenballen, ja sogar ihr Verkaufspreis. Da dieser dem doppelten Kostenpreis gleichkam, so entsprach die Erlaubniss, Waaren fr einen gewissen Betrag zu verschiffen, unter gewhnlichen Verhltnissen dem Geschenk eines solchen Betrages. Solche Erlaubnissscheine (Boletas) wurden daher spter zum grossen Theil an Pensionre, Offizierswittwen und als Gehaltszulagen an Beamte gegeben, doch durften die also Begnstigten unmittelbar keinen Gebrauch davon machen, denn zum Acapulcohandel waren nur die Mitglieder des Consulado (einer Art Handelsgericht) berechtigt, die einen mehrjhrigen Aufenthalt im Lande und 8000 Doll. Kapital nachweisen mussten. Der Astronom Legentil [32] beschreibt ausfhrlich die zu seiner Zeit geltenden Verordnungen und deren Umgehung: die Ladung war auf 1000 Ballen, jeder zu 4 Pack [33] zum Werth von 250 Doll. festgesetzt. Die Zahl der Ballen durfte nicht berschritten werden, sie enthielten aber in der Regel mehr als 4 Pack, und ihr Werth berstieg den vorgeschriebenen so sehr, dass eine Boleta 200-225 Doll. galt. Die Beamten gaben wohl Acht, dass keine Gter ohne Boleta an Bord geschmuggelt wurden; die Jagd auf letztere war daher zuweilen so eifrig, dass Comyn spter [34] fr das Frachtrecht von Gtern, die kaum 1000 Doll. werth waren, 500 Doll. bezahlen sah. Die Kaufleute borgten das Geld fr ihre Unternehmungen gewhnlich von den obras pias, frommen Stiftungen, welche bis auf die Gegenwart die Stelle von Banken vertraten. [35] In der frhesten Zeit verliess die Nao Cavite im Juli, ging mit S.W. Winden nordwrts ber den Kalmengrtel hinaus, bis sie in 38 oder 40 westliche Winde traf. [36] Spter war den Schiffen vorgeschrieben, mit den ersten S.W. Winden Cavite zu verlassen, lngs der Sdkste von Luzon durch die San Bernardino-Strasse und in 13 N.Breite [37] so weit stlich als mglich zu fahren, bis der N.O. Passat sie zwang, in hheren Breiten N.W. Winde aufzusuchen. Dann sollten sie, so lange als mglich, die Breite von 30, [38] statt wie frher 37 und mehr innehalten. Dem Kapitn war nicht erlaubt, sogleich weiter nrdlich zu gehn, obgleich er dann eine viel schnellere und sichere Fahrt gehabt und das Gebiet des Regens frher erreicht htte. Und doch war namentlich letzteres fr ihn von hchster Wichtigkeit, denn die mit Gtern berfllten Schiffe hatten nur wenig Raum fr Wasser brig und waren, obgleich sie 4-600 Mann an Bord zu haben pflegten, ausdrcklich auf den unterwegs aufzufangenden Regen angewiesen und zu dem Ende mit besonderen Vorrichtungen von Matten und Bambusrinnen versehen. [39] Wegen der Unbestndigkeit der Winde waren die Reisen in so niedrigen Breiten usserst beschwerlich und dauerten fnf Monate und darber. Die Furcht, das reiche, unbeholfene Schiff den krftigen, zuweilen strmischen Winden hherer Breiten auszusetzen, scheint dieser Vorschrift zu Grunde gelegen zu haben. Sobald die Schiffe an die grosse Sargassobank gelangten, schlugen sie einen sdlichen Kurs ein und liefen dann die Sdspitze der Californischen Halbinsel (San Lucas) an, wo Nachrichten und Erfrischungen fr sie bereit gehalten wurden. [40] In der ersten Zeit aber mssen sie Amerika viel nrdlicher, etwa bei Cap Mendocino erreicht haben und in Sicht der Kste sdlich gefahren sein, denn als Vizcaino 1603 seine Entdeckungsreise von Mexico nach Californien unternahm, fand er die bedeutenderen Berge und Caps, obgleich sie nie von Europern betreten waren, schon benannt, weil sie den Galeonen als Landmarken gedient hatten. [41] Die Rckkehr nach den Philippinen war bequem und dauerte nur 40-60 Tage. [42] Das Schiff verliess Acapulco im Februar oder Mrz, lief sdwrts, bis es, gewhnlich in 10 oder 11 N., den Passat traf, mit dem es ohne Mhe nach den Ladronen, von da ber Samar nach Manila ging. [43] Eine Galeon oder Nao maass 1200-1500 Tonnen und fhrte 50-60 Kanonen, letztere aber gewhnlich im Schiffsraum, wenigstens bei der Reise ostwrts. Auf der Heimkehr, wo es nicht an Platz mangelte, wurden die Kanonen aufgestellt. Fray Gaspar (S. 436) erzhlt von der Nao Sa. Ana, die Thomas Candish 1586 an der Kste von Californien kaperte und verbrannte: Die Unsrigen fuhren so sorglos, dass sie ihre Artillerie als Ballast mit sich fhrten ... der Korsar machte eine so glckliche Reise, dass er in London einlief mit Segeln von chinesischem Damast und seidenem Tauwerk. In Acapulco wurde die Ladung mit 100 Prozent Nutzen verkauft und in Silber, Cochenille, Quecksilber etc. bezahlt. Der Gesammtwerth der Rckfracht mochte 2-3 Millionen Doll. betragen [44], wovon 250,000 bis 300,000 Doll. fr Rechnung des Knigs. Die Rckkehr des Schiffs in Manila, mit Silberdollars und neuen Ankmmlingen beladen, war ein grosses Fest fr die Kolonie. Ein betrchtlicher Theil des ohne Anstrengung wie im Spiel gewonnenen Geldes wurde gewhnlich schnell verprasst; dann sank Alles wieder in die gewohnte Leblosigkeit zurck. Oft aber gingen auch Schiffe verloren, da sie ber die Grenzen der Verordnungen und der Vorsicht, mit grosser Beeintrchtigung ihrer Seetchtigkeit beladen und schlecht gefhrt waren; denn nicht Fhigkeit, sondern Gunst entschied bei dem Vergeben der sehr eintrglichen Stellen. [45] Mehrere Galeonen fielen englischen und hollndischen Kapern in die Hnde. [46] Auch der Gewinn nahm immer mehr ab, da die Compaia de Filipinas spter das Recht erhielt, indische Baumwollenstoffe, die einen Hauptbestandtheil der Ladung bildeten, mit 6 Prozent Zoll ber Veracruz in Neu-Spanien einzufhren, und Englnder und Amerikaner diese und andre Waaren einschmuggelten. [47] Schliesslich sei hier noch erwhnt, dass die spanischen Dollars durch die Nao ber Manila nach China und Hinterindien gelangten, wo sie noch gegenwrtig Handelsmnze sind. DRITTES KAPITEL MANILA. -- LEBEN IN DER STADT UND IN DEN VORSTDTEN. -- HAHNENKMPFE. -- TRACHTEN DER VERSCHIEDENEN KLASSEN. Die eigentliche Stadt Manila, hauptschlich von Spaniern, Kreolen und zu ihnen in unmittelbarer Beziehung stehenden Einheimischen und Chinesen bewohnt, [48] liegt, von Mauern und breiten Grben umschlossen, am linken, sdlichen Ufer des Psig, eine Seite dem Meere zukehrend; ein heisser, der Ort, voll Klster, Stifter, Kasernen, Regierungsgebude. Rcksicht auf Sicherheit, nicht auf Annehmlichkeit, war bei der Grndung maassgebend. Manila erinnert an spanische Provinzialstdte und ist nach Goa die lteste Stadt in Indien. Die Fremden wohnen auf der Nordseite des Flusses, in Binndo, dem Sitz des Gross- und Kleinhandels, oder in den freundlichen angrenzenden Drfern, die ein zusammenhngendes Ganze bilden. Die Gesammtbevlkerung wird, wohl mit Uebertreibung, auf 200,000 geschtzt. Eine hbsche, alte, steinerne Brcke von zehn Bogen, in neuer Zeit auch eine eiserne Hngebrcke, verbinden die beiden Ufer des Flusses. [49] Zwischen den Bewohnern von Manila und Binndo findet sehr wenig Verkehr statt. Das Leben in der eigentlichen Stadt soll nicht angenehm sein: Stolz, Neid, Stellenjgerei, Kastenhass sind an der Tagesordnung; die Spanier halten sich fr besser als ihre Kreolen, welche wiederum jenen vorwerfen, dass sie nur in die Kolonie kommen, um sich satt zu essen, ebenso herrscht Hass und Neid zwischen Weissen und Mestizen. Aehnliche Verhltnisse bestehn zwar in allen spanischen Kolonien und liegen im Wesen der spanischen Kolonialpolitik, die immer bestrebt war, die verschiedenen Rassen und Stnde feindlich zu trennen, aus Furcht, dass ihr Bndniss die Herrschaft des fernen Mutterlandes gefhrde. [50] In Manila aber werden diese Zustnde durch den Umstand gesteigert, dass die Klasse der durch grossen Grundbesitz an das Land gefesselten Pflanzer bisher fast gnzlich fehlte. Erst jetzt scheint die steigende Nachfrage nach den Landesprodukten allmlig einen erfreulichen Umschwung in dieser Beziehung herbeizufhren. Wie aber der einem Glcksspiel vergleichbare Naohandel, frher die einzige Quelle des Reichthums, auf die spanische Bevlkerung wirkte, schildert treffend Murillo Velarde (p. 272): Die Spanier, die hierher kommen, betrachten diese Inseln nicht wie eine Heimath, sondern wie ein Wirthshaus. Heirathen sie, so geschieht es zufllig; wo giebt es eine Familie, die Generationen berdauerte? .. Der Vater sammelt Schtze, der Sohn vergeudet, der Enkel bettelt. Die grssten Kapitalien sind nicht bestndiger als die Wogen des Meeres, auf denen sie sich grnden. Auch unter den Auslndern in Binndo herrscht durchaus nicht so viel Geselligkeit als in englischen oder hollndischen Kolonien, und fast kein Umgang mit den Spaniern, welche die Fremden beneiden und deren im Lande gemachten Erwerb fast wie einen an ihnen, den Eigenthmern, begangenen Raub betrachten. Dabei ist das Leben sehr theuer, theurer als in Singapore und Batavia. Bei Vielen scheinen die Ausgaben in grossem Missverhltniss zu ihrem amtlichen Gehalt zu stehn. Die zum Theil sehr gerumigen Huser sind dster und hsslich, mit Rcksicht auf das Klima schlecht ventilirt; statt luftiger Jalousien schwere Schiebefenster, welche das Licht nicht durch Glas, sondern durch dnne Austerschalen (Placuna placenta L.) einlassen, die kaum zwei Zoll im Geviert haben und in Gitterrahmen von zolldicken Latten sitzen. Das Erdgeschoss ist verstndiger Weise, der grossen Feuchtigkeit wegen, meist unbewohnt, zu Magazinen, Stallungen, Dienstrumen benutzt. Die anspruchslosen, in ihrer Art zweckmssigen Huser von Brettern oder Bambus und Palmenblttern stehn der Feuchtigkeit wegen auf Pfhlen, jedes fr sich, der untere Raum gewhnlich durch ein Gitter eingefasst, dient als Stall oder Magazin; so war es schon zu Magellan's Zeiten. Solche Huser sind ausserordentlich leicht gebaut. Laprouse schtzt das Gesammtgewicht mancher mit vollstndigem Mobiliar auf weniger als 200 Pfund. Fast smmtliche Huser, sogar die Htten der Eingeborenen, haben eine Azotea, d. h. einen nicht berdachten Raum in gleicher Flucht mit der Wohnung, der die Stelle von Hof und Balkon vertritt. Die Spanier scheinen diese hbsche Einrichtung den Mauren entlehnt zu haben; die Eingeborenen kannten sie aber wohl schon vor Ankunft der Europer, denn Morga (Bl. 140) erwhnt bereits dergl. Batalanes. In den Vorstdten ist fast jede Htte von einem Grtchen umgeben. Das Trinkwasser ist mit Ausnahme des in Zisternen gesammelten, sehr schlecht. Es wird etwas oberhalb der Stadt in flache Khne geschpft und so den Haushaltungen zugefhrt. Das Flusswasser ist oft ganz grn von Conferven, hufig sieht man auch todte Hunde und Katzen darin treiben, von grossen Pistien wie von Kopfsalat umgeben. In der trocknen Jahreszeit werden die zahlreichen Kanle der Vorstdte stellenweis zu stagnirenden Kloaken, der Stadtgraben bietet bei jeder Ebbe einen solchen Anblick. An Gelegenheit zu Vergngungen ist Manila sehr arm. Whrend meines Aufenthalts bestand kein spanisches Theater; tagalische Schauspiele (Uebersetzungen) wurden zuweilen aufgefhrt. Es gab keinen Klub, keine lesbaren Bcher. Nicht einmal Zeitungsnachrichten belebten die matte Unterhaltung; denn nachdem die alle vierzehn Tage aus Hongkong eintreffenden Nachrichten durch die Priesterzensur gesichtet, blieb zur Speisung der Lokalbltter wenig brig als Madrider und Pariser Hofnachrichten. [51] Nur die mit bunter Pracht gefeierten Kirchenfeste unterbrachen zuweilen die Einfrmigkeit. Das grsste Vergngen der Eingebornen sind die Hahnenkmpfe, die mit einer Leidenschaftlichkeit betrieben werden, welche jedem Fremden sogleich auffallen muss. Fast alle Indier halten sich Kampfhhne. Viele gehn nie aus, ohne ihren Liebling im Arm zu tragen; sie zahlen zuweilen 50 Doll. und mehr dafr und berhufen ihn mit den zrtlichsten Liebkosungen. Man kann die Sucht fr Hahnenkmpfe wohl ein Nationallaster nennen, doch sollen sie erst durch die Spanier oder die sie begleitenden Mexicaner eingefhrt worden sein; ebenso das in China zum Nationallaster gewordene Opiumrauchen durch die Englnder. Wahrscheinlicher ist es wohl, dass die Malayen die Sitte in's Land brachten. Im stlichen Theil der Philippinen mssen zu Pigafetta's Zeiten Hahnenkmpfe unbekannt gewesen sein. Er sah die ersten Kampfhhne in Paluan: Sie haben grosse Hhne, die sie aus einer Art von Aberglauben nicht essen, sie halten sie aber, um sie kmpfen zu lassen; es werden dabei Wetten gemacht, deren Ertrag der Eigenthmer des Siegers erhlt. [52] [53] Fr Europer ist das Schauspiel in hohem Grade widerwrtig: Der einen Ring um den Kampfplatz bildende Zuschauerraum ist mit Eingeborenen berfllt, die aus allen Poren schwitzen, whrend ihre Gesichter von hsslichen Leidenschaften auf's Hchste erregt sind. Die Hhne sind je mit einem sehr scharfen, sichelfrmigen, 3 Zoll langen Messer bewaffnet, das tiefe Wunden reisst und immer den Tod des einen oder beider Hhne durch grausame Verletzungen herbeifhrt. Ein Hahn, der aus Feigheit davonluft, wird lebendig gerupft. Im Verhltniss zu den Mitteln der Spieler werden unglaublich hohe Summen verwettet. Dass diese Hahnenkmpfe fr ein so sehr zu Mssiggang und Liederlichkeit geneigtes, nur den Regungen des Augenblicks folgendes Volk im hchsten Grade entsittlichend wirken, liegt auf der Hand. Der Lockung, ohne Arbeit Geld zu gewinnen, vermgen sie schwer zu widerstehn; Viele werden durch die Leidenschaft des Spieles zu Wucherschulden, Unterschlagungen und Diebstahl verleitet, auch zu Strassenraub: die Land- und Seeruberbanden, von denen weiter unten, sollen zum grossen Theil aus ruinirten Spielern bestehn. [54] Alle Stdte Hinterindiens bertrifft Manila durch angenehme Frauengestalten, die seine Strassen beleben. Herr Mallat schildert sie in glhenden Worten. Ein hbsches, phantasiereiches, in der Lokalfarbe gehaltenes Bild des Strassenlebens findet man auch in den sehr unterhaltenden Aventures d'un gentil'homme Breton. [55] Wie viele der hbschesten India's von ganz reinem Blute sind, ist freilich nicht zu ermitteln. Manche sind sehr weiss, nhern sich dem europischen Typus und unterscheiden sich dadurch merklich von ihren Stammesgenossen in den abgelegeneren Provinzen. Der unmittelbaren Umgebung Manila's fehlt es nicht an schnen Punkten, ihr Besuch gehrt aber nicht zum Ton, da Toilettenschau, nicht Naturgenuss, Zweck des Spazierengehns ist. In der trockenen Jahreszeit fahren Abends Alle, die es bezahlen knnen, auf staubigen Strassen nach einem krzlich angelegten Platz am Meer, von 1000 Fuss Breite, 200 Fuss Lnge, wo mehrere Mal in der Woche die recht gute Musik inlndischer Regimenter spielt, und gehen steif auf und ab. Die Spanier stecken alle in Uniformen oder schwarzen Fracks. Wenn die Glocken zum Abendgebet (Angelus) luten, stehn Wagen, Reiter und Fussgnger pltzlich still, Jedermann entblsst sein Haupt und scheint zu beten. Derselbe Guvernr, der die Promenade angelegt, hatte auch einen botanischen Garten geschaffen. Zwar waren die wenigen von ihm dahin versetzten Pflanzen, auf dem morastigen Boden der vollen Sonnengluth preisgegeben, schnell wieder zu Grunde gegangen, aber der Platz war eingezunt, in Felder getheilt, mit Unkraut bewachsen und hatte wenigstens einen Namen erhalten, gegenwrtig soll er besser im Stande sein. [56] In der Umgegend von Manila sind die Kirchenfeste wohl des Besuchs der Fremden werth, schon wegen der zahlreichen hbschen Indierinnen und Mestizinnen, die sich Abends dort einfinden und in ihrem besten Putz auf den festlich beleuchteten, mit Fahnen und Blumen geschmckten Strassen spazieren gehn. Sie sind namentlich fr den aus den Malayenlndern kommenden eine anmuthige Erscheinung. Die Indierin ist sehr schn gewachsen, hat ppiges schwarzes Haar, grosse dunkle Augen; der obere Theil des Krpers ist in inlndische, oft kostbare Stoffe von durchsichtiger Feinheit und tadelloser Weisse gehllt, und von der Hfte abwrts in ein buntstreifiges, weitfaltiges Kleid (Saya), dessen oberer Theil bis zum Knie durch ein dunkles Tuch, Tapis, so fest zusammengehalten wird, dass die reichen, bunten Falten der Saya daraus wie die Blumenbltter einer Granate hervorbrechen, und die Mdchen nur ganz kurze Schritte machen knnen, was in Verbindung mit den niedergeschlagenen Augen ihnen einen sehr sittsamen Anstrich giebt. An den nackten Fssen tragen sie gestickte Pantoffeln (Chinelas), so schmal, dass die kleine Zehe, die nicht Platz darin hat, den Pantoffel von aussen festhalten muss. [57] Aermere Indierinnen kleiden sich nur in eine Saya und ein sogenanntes Hemd, so kurz, dass es oft nicht bis zu dieser hinabreicht; in den stlichen Inseln tragen selbst erwachsene Mdchen und Frauen ausser einem katholischen Amulet gewhnlich nur diese zwei Kleidungsstcke, die namentlich nach dem Bade, bis sie die Sonne wieder getrocknet hat, fast durchsichtig sind. Hut, Hose und darber ein Hemd, beide aus grober Guinra, bilden die Tracht der rmeren Mnner. Die Hemden der Reicheren sind mitunter aus sehr theuren inlndischen Geweben, von Ananas oder Bananenfasern mit oder ohne seidene Streifen, auch ganz aus Jusi (chinesische Floretseide), in welchem Falle sie nicht gewaschen und also nur einmal getragen werden knnen. Der Hut, Salact (ein Kugelsegment aus inlndischem Flechtwerk), dient als Regen- und Sonnenschirm, und ist zuweilen bis zu betrchtlichem Werthe mit Silber beschlagen. Die Principalia hat das Vorrecht, eine kurze Jacke ber dem Hemde zu tragen, und ist gewhnlich auch an ihrer, zuweilen bis an's Drollige streifenden Wrde und ihrem vergilbten, in der Familie forterbenden Zylinder-Hute kenntlich. Der einheimische Stutzer hat lackirte Schuhe an den nackten Fssen, lange, enganliegende Hosen, schwarz oder grellbunt gestreift; darber ein gefaltetes, gestrktes Hemd von europischem Schnitt; auf dem Kopf einen zylindrischen Seidenhut, in der Hand ein Stckchen. Recht unanstndig sieht es aus, wenn bei Gala-Mahlzeiten die Dienerschaft in weissen gestrkten Hemden ber den Hosen erscheint, nie sind mir die Hsslichkeiten unserer europischen Kleidung mehr aufgefallen als in der Nachffung durch den Manila Elegante. Die Mestizinnen kleiden sich wie die Indierinnen, aber ohne Tapis, an Europer verheirathete tragen auch Schuhe und Strmpfe. Manche Mestizinnen sind von grosser Schnheit, ihr Gang hat aber gewhnlich etwas Schleppendes, von der Gewohnheit, den Pantoffel zu schleifen. In der Regel sind sie klug, wirtschaftlich, zu Handelsgeschften sehr geschickt, in Unterhaltung aber oft unbeholfen und langweilig. Mangel an Bildung allein ist wohl nicht die Ursache, denn eine Andalusierin hat ausser der Doctrina christiana auch nichts gelernt, und ist doch in ihrer Jugend eines der reizendsten Wesen. Der Grund liegt wohl eher in der Zwitterstellung der Mestizin: von den weissen Frauen wird sie hochmthig zurckgestossen, whrend sie selbst ihre mtterlichen Verwandten verlugnet. Ihrem Auftreten fehlt die Sicherheit, der richtige Takt, den die Sd-Europerin in allen Lebensverhltnissen zeigt. Die Mestizen, besonders die von Chinesen und Tagalinen, bilden den reichsten, unternehmendsten Theil der einheimischen Bevlkerung; sie kennen alle guten und schlechten Eigenschaften des Eingeborenen und beuten sie rcksichtslos fr ihre Zwecke aus. VIERTES KAPITEL STELLUNG DER EUROPER UND EINGEBORENEN IN ENGLISCHEN, HOLLNDISCHEN UND SPANISCHEN KOLONIEN. -- EINFLUSS DER SPANISCHEN KOLONIALPOLITIK AUF DIE SITTEN DER EINGEBORENEN. BEQUEMLICHKEIT DES LEBENS. -- KOKOSPALME, BAMBUS. Ein schottischer Grosshndler, dem ich empfohlen war, bot mir mit so berzeugender Liebenswrdigkeit sein Haus und seine Gastfreundschaft an, dass ich nicht umhin konnte sie anzunehmen. Obgleich ich mich dadurch unter dem Schutz eines der reichsten und geachtetsten Mnner der Stadt befand, verlangten dennoch die Miethskutscher fr jede Fahrt Vorausbezahlung. Dies Misstrauen liess auf die geringe Achtung schliessen, die die Mehrzahl der hiesigen Europer den Einheimischen einflsst. Zahlreiche sptere Beobachtungen besttigten diese Vermuthung. Wie anders ist es in Java und Singapore! Die Ursache lsst sich vielleicht erklren: Hollnder knnen sich ebensowenig als Englnder in heissen Erdstrichen akklimatisiren; sie beuten die Lnder aus, in denen sie nur vorbergehend weilen, jene durch Frohnden und Monopole, diese durch Handel; in beiden Fllen gengen aber wenige, durch die Grsse ihrer Unternehmungen oder ihre amtliche Stellung durch Reichthum und Bildung hoch ber der Masse der Bevlkerung stehende Individuen. In Java sind berdies die Europer der Mehrzahl nach Regierende, die Eingeborenen Regierte; aber auch in Singapore, wo beide gesetzlich gleichstehn, wissen sich die wenigen Weissen so entschieden auf der Hhe zu halten, dass ihnen, wenn auch nicht durch das Gesetz, doch im Verkehr alle Vorrechte einer hheren Kaste ohne Widerspruch eingerumt werden. Die Verschiedenheit der Religion vergrssert die Kluft. Endlich sprechen dort alle Europer die Landessprache, whrend die Eingeborenen die der Fremden nicht verstehn. Die hollndischen Beamten werden schon in der Heimat in besonderen Schulen fr den Dienst in Ostindien erzogen; die Kunst mit den Eingeborenen umzugehen, die Aufrechthaltung des Prestige, das fr das eigentliche Geheimniss der hollndischen Macht gegenber der zahlreichen einheimischen Bevlkerung gilt, bildet einen wesentlichen Punkt in ihrer Erziehung. Daher richten sich die Hollnder im Verkehr mit den Eingeborenen, wie sehr sie diese auch ausbeuten, streng nach den Regeln des herkmmlichen Adat (alter Brauch), verletzen nicht das Ehrgefhl des Inlnders und geben sich auch im Umgang mit einander nicht leicht eine Blsse vor jenem, fr den sie ein verschlossenes Buch bleiben. In den Philippinen ist es umgekehrt. Mit Ausnahme derjenigen Beamten, denen das Gesetz oder die bei jedem spanischen Ministerwechsel zum Durchbruch kommende Aemtergier nur einen beschrnkten Aufenhalt gestattet, kehren wenige Spanier, die einmal die Kolonie betreten, in ihr Vaterland heim; die Geistlichen drfen nicht, die meisten der brigen knnen nicht zurck; ein nicht unbetrchtlicher Theil besteht aus Subalternen, Soldaten und Seeleuten, politischen Verbrechern und politisch Unbequemen, deren sich das Mutterland entledigt, auch nicht selten aus Abenteurern, denen die Mittel zur Rckkehr fehlen und wohl eben so sehr die Lust; denn wie herrlich ist ihr hiesiges Leben im Vergleich zu dem, welches sie in ihrer Heimat fhren mssten. Sie kommen an ohne Kenntnisse des Landes, ganz unvorbereitet; Manche sind so faul, dass sie nie die Sprache lernen, selbst wenn sie sich im Lande verheirathen. Ihre Diener verstehen Spanisch, belauschen die Gesprche und Handlungen, und kennen alle Geheimnisse ihrer meist wenig diskreten Herren, whrend die Eingeborenen diesen ein Rthsel bleiben, das sie auch schon aus Dnkel nicht zu entziffern versuchen. Dass die grosse Zahl der hiesigen, ungebildeten, ber ihre Mittel hinaus lebenden Spanier, die alle die Herrn spielen wollen, gleichviel welche Stellung sie zu Haus einnahmen, das Ansehn der Europer sehr beeintrchtigen muss, ist leicht einzusehn. Die relative Stellung des Indiers kann aber dabei nur gewinnen und schwerlich giebt es eine Kolonie, in welcher sich die Eingeborenen im Ganzen genommen behaglicher fhlen als in den Philippinen. Sie haben Religion, Sitten und Gebruche ihrer Herren angenommen, und fhlen sich, obwohl diesen gesetzlich nicht gleichgestellt, doch nicht durch eine hohe Schranke von ihnen geschieden, wie sie, ganz abgesehn von Java, die schroffe Zurckhaltung der Englnder zwischen sich und den Eingeborenen aufbaut. Die gleiche Religion, der gemeinschaftliche Gottesdienst, das Zusammenleben mit den Einheimischen, Alles trgt dazu bei, den Europer dem Indier nher zu bringen, wie auch das Vorhandensein einer verhltnissmssig sehr zahlreichen Mestizenklasse bezeugt. Spanier und Portugiesen scheinen in der That die einzigen Europer, die in tropischen Lndern Wurzel schlagen, sich mit Eingeborenen auf die Dauer fruchtbar vermischen knnen; wobei das Coelibat der Priester begnstigend mitwirkt. [58] Den Mangel an Eigenthmlichkeit, der bei den Mestizen aus ihrer Zwitterstellung hervorzugehn scheint, nimmt man auch an den Indiern wahr. Stark ausgeprgte nationale Sitten, die man in einem so fernen Lande wohl erwarten sollte, sucht man vergebens; immer von Neuem merkt man den Leuten an, dass Alles angelernt und usserlich ist. Wie der spanische Katholizismus im Mutterlande die hohe Kultur der Mauren, in Peru die der Inka's mit Gewalt ausgerottet, so hat er hier, was etwa an eigenthmlicher Gesittung vorhanden war, ebenso grndlich zu beseitigen verstanden, indem er sich, um schnell Wurzel schlagen, den bestehenden Formen und Missbruchen in fast unglaublicher Weise anschmiegte. [59] Die in der Kultur wenig vorgeschrittenen Philippiner nahmen schnell die Aeusserlichkeiten der fremden Religion an, und zugleich die Aeusserlichkeiten im Wesen ihrer neuen Herren; die eignen Sitten lernten sie, als heidnisch und wild, verachten. Jetzt singen sie andalusische Lieder und tanzen spanische Tnze, aber wie! Alles ffen sie nach, ohne den Geist zu erfassen, aus dem es hervorgegangen. Deshalb sind sie selbst und ihre Kunsterzeugnisse meist langweilig und charakterlos, man mchte sagen uncht, trotz der auf letztere zuweilen verwendeten grossen Geschicklichkeit und Geduld. Diese beiden Eigenschaften werden brigens bei allen wenig fortgeschrittenen Nationen wahrgenommen; die bewunderte Geduld ist aber oft nur Verschwendung von Zeit und Mhe, im Missverhltniss zum Zweck; die grssere Anstelligkeit eine Folge der weniger vorgeschrittenen Arbeitstheilung. Betritt man das Haus eines wohlhabenden Eingeborenen, der spanisch spricht, so empfngt er uns mit denselben Redensarten wie sein Vorbild; man hat aber dabei immer das Gefhl, dass sie nicht am Platz sind. In den Lndern, wo die einheimische Bevlkerung ihren alten Sitten treu geblieben, wird dies nie empfunden; selbst wenn uns nicht mit der gebhrenden Rcksicht begegnet werden sollte, bemerken wir es kaum, da sich bei ganz verschiedenen gesellschaftlichen Formen, wie bei fremdem Maass und Gewicht, nicht unmittelbar Vergleiche aufdrngen. -- Whrend in Java und namentlich in Borneo und den Molukken die Gegenstnde des tglichen Gebrauchs hufig mit so feinem Gefhl fr Form und Farbe verziert sind, dass sie von unseren Knstlern als Muster der Ornamentik gerhmt werden und den Beweis liefern, dass die Arbeit mit Lust und Liebe und innigem Verstndniss vollbracht wurde, ist in den Philippinen von solchem Schnheitssinn wenig wahrzunehmen. Alles ist Nachahmung oder liederlicher Nothbehelf. Selbst die wegen ihrer Feinheit so berhmten, mit unglaublicher Geduld und nicht minderem Geschick ausgefhrten Pia-Stickereien sind in der Regel geistlose Nachahmungen spanischer Muster. Zu hnlichen Betrachtungen gelangt man unwillkrlich, wenn man die Kunstprodukte der spanisch-amerikanischen Vlker mit denen der wilden Stmme vergleicht. Das ethnographische Museum in Berlin bietet dazu Stoff in Flle. Die Ruder bestehn in den Philippinen hufig aus einer Bambusstange, an deren Ende ein Brett mit Rotangstreifen festgebunden ist; bricht es unterwegs entzwei, um so besser; bis es geflickt ist, muss die anstrengende Arbeit nothwendig unterbrochen werden. In Java sind die vllig regendichten Bffelkarren auf das Mannichfaltigste und Geschmackvollste gemustert. In den Philippinen wird der dachlose Karren gewhnlich erst im letzten Augenblick zusammengeflickt. Soll die Ladung durchaus vor Nsse geschtzt werden, so wirft man ein paar alte Matten darber, mehr in der Absicht, die Ansprche des Castila zu beschwichtigen, als um den Regen abzuhalten. Englnder und Hollnder bleiben Fremdlinge unter den Tropen, sie ben keinen Einfluss auf die alten Gebruche, die in der Landesreligion gipfeln. Die Vlker aber, die Spanien durch den Katholizismus unterworfen, haben alles Ursprngliche, Volksthmliche verloren; die fremde Religion ist bei ihnen nicht in's Innere gedrungen, es fehlt ihnen an moralischem Halt, und wohl kein zuflliges Zusammentreffen ist es, dass sich alle diese Vlker mehr oder weniger kennzeichnen durch einen gewissen Mangel an Wrde, grosse Leichtlebigkeit und selbst Liederlichkeit. Abgesehn von diesem Mangel an nationalen Eigenthmlichkeiten und berlieferten Gebruchen, deren Vorhandensein vielen Lndern Ostasiens einen Hauptreiz verleiht, ist der Eingeborne hchst anziehend als Typus des Menschen unter bequemsten ussern Verhltnissen. Die Willkrherrschaft der Huptlinge und die Sklaverei wurden von den Spaniern bald nach ihrer Ankunft abgeschafft, an Stelle der hufigen Raubzge und Kriege trat Ruhe und Sicherheit. Das spanische Regiment ist in diesen Inseln im Ganzen immer milde gewesen, nicht weil die Leyes de Indias so sehr wohlwollend, ja fast zrtlich fr den Indier lauten, den sie wie einen Minorennen behandeln, sondern weil die Ursachen fehlten, die in Spanisch-Amerika trotz derselben Gesetze und in den Kolonien anderer Vlker so grosse Grausamkeiten veranlassten. Es war ein Glck fr die Eingeborenen, dass ihre Inseln keine Reichthmer an edlen Metallen und kostbaren Gewrzen besassen. Die voluminsen Produkte des Ackerbau's konnten bei den ehemaligen Verkehrsverhltnissen keine Ausfuhren bilden; es lohnte daher nicht, sie nachdrcklich auszubeuten. Die wenigen in der Kolonie lebenden Spanier fanden im Handel zwischen China und Mexico durch die Nao (S. 10) ein so bequemes Mittel zum Gelderwerb, dass sie sich fern hielten von allen wirthschaftlichen Unternehmungen, die ihren eignen adelshochmthigen Neigungen wenig entsprachen und die angestrengte Arbeit der Eingeborenen erfordert htten. Fr Spanien, dem schon bergrosse Besitzungen in Amerika eine erschpfende Menschensteuer auflegten, war es bei der damals so langwierigen, gefahrvollen Schifffahrt unmglich, in den Philippinen eine starke, bewaffnete Macht zu halten. Die durch einige glnzende militrische Unternehmungen eingeleitete Unterwerfung ward wesentlich durch Mithlfe der Mnchsorden vollendet, deren Missionre vorwiegend Klugheit und Geduld anwenden mussten. So wurden die Philippinen zum grossen Theil durch Conquista pacifica (Pacifacion, Poblacion) gewonnen. Die den Eingeborenen aufgelegten Abgaben waren so gering, dass sie nicht entfernt fr den Kolonialhaushalt gengten. Der Ausfall wurde durch jhrliche Zuschsse aus Mexico gedeckt. An Erpressungen gewissenloser Beamten hat es freilich nicht gefehlt. Grausamkeiten, wie in den amerikanischen Bergwerksdistrikten oder in den Fabriken von Quito werden aber von den Philippinen nicht gemeldet. Das unbebaute Land ist frei, gehrt Jedem, der es urbar machen will, fllt aber, wenn es zwei Jahre unbenutzt bleibt, wieder an die Krone zurck. [60] Die einzige Abgabe, die der Indier zahlt, ist eine Kopfsteuer, Tributo genannt, die ursprnglich vor drei Jahrhunderten einen Dollar fr je zwei Erwachsene betrug, was in einem Lande, wo Alle frh heirathen und die Geschlechter gleich vertheilt sind, fast gleichbedeutend mit Familie ist. Allmlig ist der volle Tribut auf 2 1/16 Doll. erhht worden. Ein Erwachsener zahlt also 1 1/32 Doll. und zwar vom 16ten bis zum 60sten Lebensjahre, gleichviel ob Mann oder Frau. Ausserdem hat der Mann 40 Tage Arbeit fr ffentliche Zwecke zu leisten. Diese Frohnden (Plos y Servicios) zerfallen in ordentliche und ausserordentliche; jene bestehn in Wacht- und Botendienst, Reinhalten des Tribunals und anderen leichten Diensten, diese in Strassenbau und hnlichen zum Besten des Dorfes oder der Provinz. Wie wenig aber diese Leistungen ausgenutzt werden, geht wohl am besten daraus hervor, dass Jedermann sich davon loskaufen kann fr eine Summe, die im hchsten Falle nicht ber 3 Doll. betrgt. Frauen sind von persnlichen Leistungen frei. Die wichtigsten Einzelheiten ber den Tribut sind weiter unten in einem besonderen Kapitel, vorzglich nach amtlichen Quellen, die mir im Ultramar-Ministerium zugnglich waren, kurz zusammengestellt. In andern Lndern, wo das Klima ebenso milde, der Boden ebenso ergiebig, wird der Eingeborene von einheimischen Frsten fast erdrckt, von Auslndern rcksichtslos ausgebeutet oder vertilgt, wenn er nicht schon eine hhere Zivilisationsstufe einnimmt. In diesen abgelegenen, von der Natur so reich ausgestatteten Inseln, wo der Druck von oben, der innere Trieb und jede ussere Anregung fehlte, hat sich das behagliche Leben bei geringen Bedrfnissen in voller Breite entfalten knnen. Von allen Lndern der Welt mgen die Philippinen wohl den Anforderungen an ein Schlaraffenland am meisten entsprechen. Wer das Dolce far niente nur von Neapel her kennt, hat noch keinen Begriff davon; es gedeiht nur unter Palmen. Die folgenden Reiseberichte werden Beispiele genug enthalten, um dies zu bekrftigen; aber schon eine Fahrt auf dem Psig giebt einen Vorgeschmack des Lebens im Innern. Niedliche Bretterhuser und Bambushtten, von ppigster Laub- und Blthenflle umgeben, gruppiren sich malerisch mit Arecapalmen und hohen gefiederten Bambusen am Ufer. Zuweilen reichen die Zune in den Fluss und grenzen Rume zur Entenzucht ab -- oder zum Baden. Der Saum des Wassers ist von Khnen, Senknetzen, Flssen, Fischapparaten und dergleichen eingenommen. Beladene Boote ziehen den Fluss entlang und kleine Nachen schiessen zwischen Gruppen von Badenden hindurch von einem Ufer zum andern. Am Lebhaftesten geht es bei den Tiendas zu, grossen, den javanischen Warongs entsprechenden Schuppen, deren offene Seite aber dem Fluss, der Hauptverkehrsstrasse, zugewendet ist. Sie ben eine mchtige Anziehung auf die vorberziehenden Schiffer, die dort ausser Speisen und andern Lebensbedrfnissen gewhnlich auch mssige Gesellschaft beiderlei Geschlechts, Hazard-Spiel, Tuba, Betel und Tabak finden. Zuweilen sieht man einen Indier im Schlafe auf einem grossen Berg von Kokosnssen hockend mit der Ebbe den Fluss hinabtreiben. Strandet er, so erwacht der Schlfer, macht sich mit Hlfe eines langen Bambus wieder frei und treibt im Halbschlaf mit der Strmung weiter. Durch einen Schlag mit dem Waldmesser ist es leicht, von der Faserhlle der Nuss einen schmalen Streifen so weit zu lsen, als nthig ist, um sie mit einer andern zu verknpfen; so wird ein Kranz gebildet, der die in der Mitte lose aufgethrmten Nsse umgrtet und zusammenhlt. Wir haben freilich vollkommenere Transportmittel als Errungenschaft Jahrtausende langer mhevoller Arbeit, hier aber kann der Mensch sehr Vieles unmittelbar aus den Hnden der Natur fr seine Zwecke verwenden und sich durch geringe Mhe verhltnissmssig grosses Behagen schaffen. Auf der Insel Talim im grossen See von Bay kauften meine Bootleute fr einige Cuartos mehrere Dutzend fast fusslanger Fische; diejenigen, die sie nicht verzehren mochten, wurden gespalten, gesalzen und auf dem Dach des Bootes in wenigen Stunden an der Sonne getrocknet. Als die Fischer ihr beabsichtigtes Frhstck verkauft hatten, bckten sie sich und fllten ihre Kochtpfe mit Sumpfmuscheln (Paludina costata Q. & G.), die sie hndevoll vom Boden des flachen Wassers aufnahmen, indem sie die todten zum Theil fortwarfen. Fast alle Ortschaften liegen am Wasser. Der Fluss ist eine von der Natur gegebene, sich selbst erhaltende Strasse, auf welcher Lasten bis an den Fuss der Berge befrdert werden knnen. An seinem Ufer und besonders an seiner breiten Mndung erheben sich auf Pfhlen die Htten der Eingeborenen, Pfahlbauten von unmittelbar ersichtlicher Zweckmssigkeit. Dort vorzugsweise ist der Sitz des Lebens, weil es dort am bequemsten ist. Bei jeder Ebbe liefern die Fischreusen mehr oder weniger reichliche Ausbeute; Weiber und Kinder holen dann, ohne sich zu bcken, vermittelst ihrer Zehen, mit denen sie greifen knnen, Zweischaler aus dem Schlamm, oder sammeln am Strande Krebse, Seethiere, essbare Algen. Ein hbscher Anblick ist es, wenn Frauen, Mnner und Kinder im Schatten von Palmen baden und scherzen, Andere ihre Wassergefsse fllen: gerumige Bambusen, die geschultert, oder Krge, die auf dem Kopf getragen werden, und wenn die Knaben auf dem breiten Rcken der Bffel aufrecht stehend diese jubelnd in's Wasser reiten. Dort ist es auch wo die Kokospalme am besten gedeiht, die dem Menschen nicht nur Speise und Trank, sondern auch das gesammte Material fr seine Htte und allerlei Gerth liefert. Whrend sie landeinwrts nur bei grosser Pflege sprlich Frchte trgt, giebt sie am unmittelbaren Seestrande auf dem schlechtesten Boden ohne menschliche Bemhung reichen Ertrag. (Im Treibhaus ist sie wohl noch nie zur Blte gekommen?). Thomson [61] hebt hervor, dass sie auf solchem Standorte ihren Stamm gern ber das Meer neigt, dessen Fluthen die herabfallenden Frchte an de Ksten und niedere Inseln tragen und diese dadurch zu menschlichen Wohnsitzen geschickt machen. So mag wohl die Kokospalme einen wesentlichen Antheil an dem maritimen Vagabundenthum der malayischen und polynesischen Vlkerschaften haben. Neben dem Kokoshain zieht sich ein Saum stammloser Nipapalmen hin, die nur in brackischem Wasser wachsen [62]; ihre Bltter liefern die besten Ataps zum Dachdecken. Aus ihrem Saft wird Zucker, Branntwein und Essig bereitet. Schon Pigafetta fand vor 350 Jahren diese Gewerbe in vollem Betriebe, sie scheinen auch heut noch auf die Philippinen beschrnkt zu sein. Auch derjenige Pandanus, aus dessen Blttern die weichsten Matten geflochten werden, entfernt sich nicht weit vom Strande. Landeinwrts breiten sich Reisfelder aus, die durch jhrlich wiederkehrende Ueberschwemmungen eine Lage fruchtbaren Erdreichs aus den Bergen erhalten und daher nie gedngt werden. Der Bffel, das Lieblingshausthier des Malayen, dasjenige welches er vorzugsweise zum Feldbau zu benutzen pflegt, zieht diese Orte allen andern vor; er liebt, sich im Schlamm zu wlzen und ist nicht zur Arbeit tauglich, wenn er sich nicht hufig baden kann. Aus den Reisfeldern an den Flussufern neben den Htten erheben sich fein gefiederte Bambusbsche. Wie sehr dies Riesengras zur Bequemlichkeit des Lebens der Tropenbewohner beitrgt, hat Verfasser in frheren Reiseskizzen (S. 174) zu schildern versucht. Noch manche interessante Verwendungen sind ihm seitdem bekannt geworden, deren Beschreibung hier nicht am Ort wre. [63] Es sei ihm aber vergnnt, noch nachtrglich an einigen Beispielen deutlich zu machen, mit wie einfachen Mitteln alle jene vielfltigen Ergebnisse erzielt werden. Die Natur hat diese herrliche Pflanze, die vielleicht alle andere auch an Schnheit bertrifft, mit so vielen ntzlichen Eigenschaften ausgestattet, und liefert sie dem Menschen so fertig zum unmittelbaren Gebrauch in die Hand, dass meist einige kecke Schnitte gengen, um die mannichfaltigsten Gerthe daraus herzustellen. Der Bambus hat eine, im Verhltniss zu seiner Leichtigkeit ausserordentlich grosse Festigkeit, bedingt durch die Rhrenform und die in angemessenen Abstnden vorhandenen Zwischenwnde. Wegen des Parallelismus und der Zhigkeit seiner Fasern ist er sehr vollkommen und leicht spaltbar; gespalten aber, von ausgezeichneter Biegsamkeit und Elastizitt. Dem Reichthum an Kieselerde verdankt er grosse Dauerbarkeit, und eine harte, glatte, stets reine Oberflche, deren Glanz und schne Farbe im Gebrauch zunehmen. Von besonderer Wichtigkeit endlich fr Vlker mit geringen Verkehrsmitteln ist der Umstand, dass der Bambus in Flle auf sehr verschiedenen Standorten, in allen mglichen Dimensionen von wenigen Millimetern bis zu zehn, fnfzehn Centimetern und mehr, ausnahmsweise sogar von doppeltem Durchmesser, angetroffen wird, und berdies wegen seiner unbertrefflichen Flssbarkeit selbst in jenen strassenarmen, aber wasserreichen Lndern mit grsster Leichtigkeit fortgeschafft werden kann. Ein Schlag mit dem Waldmesser reicht gewhnlich aus, um ein starkes Rohr zu fllen, entfernt man die dnnen Zwischenwnde, so hat man Rhren, deren Enden in einander geschoben werden knnen. Durch einmaliges Spalten erhlt man Rinnen, Trge, Dachziegel; durch mehrmaliges Latten, die wiederum bis in die feinsten Streifen und Fden, zur Anfertigung von Rahmen, Gestellen, Krben, Stricken, Matten und feinen Geflechten zerlegt werden knnen. Zwei Schnitte in die Seite geben ein rundes Loch, in welches ein Halm von entsprechendem Durchmesser fest eingepasst werden kann (a). Macht man solchem Ausschnitt gegenber einen zweiten, so kann ein Halm durchgesteckt werden (b), auf diese Weise werden Thren wagerecht oder senkrecht verschiebbar, oder um eine senkrechte oder wagerechte Axe mit oder ohne Reibung drehbar, hergestellt. Zwei tiefere Schnitte gestatten das Rohr in einen Winkel (c) , oder wenn sie weit genug auseinander, um einen andern Halm zu biegen, z. B. fr Dachfirsten (d), fr Gestelle von Sthlen oder Tischen (e), auf denen dann ein aufgeschlitztes, plattgedrcktes Rohr, statt eines Brettes oder Bambus-Latten (f) mittelst Stuhlrohr befestigt werden. Eben so leicht ist es eine lngliche schmale Oeffnung herzustellen zum Einpassen von Latten (g). Zwei Schnitte gengen beinahe, um eine Gabel oder Zange (h), einen Haken (i) anzufertigen. Macht man ein durch Auflegen des Fingers verschliessbares Loch in die Seite, dicht unter einem Knoten, so erhlt man einen Heber und zugleich ein Filtrum (k), wenn man ber das offene Ende ein Lppchen bindet. Spaltet man ein abgestutztes Rohr bis auf einen Knoten in Streifen, die man auseinander biegt und mit andern Streifen durchflicht, so erhlt man einen konischen Korb, der unter dem Knoten kurz abgeschnitten als Tragkorb (l), langgestielt, mit Harz gefllt als Signalfackel dient. (m) Steckt man in solche spitzkegelfrmige Krbe flachere von gleichem Umfang, deren Knoten abgeschnitten oder durchstossen sind, so erhlt man Fangkrbe fr Krabben und Fische. (n) Spaltet man aber einen kurz ber einem Knoten abgestutzten Halm so, dass nur ein Kranz kurzer Zhne stehn bleibt, so hat man, wenn man die Scheidewand durchstsst, einen Erdbohrer (o) und zugleich ein Brunnenrohr und so weiter und endlos weiter. -- Als Beispiele sinnreicher Bambuskonstruktion mgen ausser nachstehender, die Zeichnungen zu S. 177. 193. 210 der Reiseskizzen dienen. Auch der im Innern reisende Fremde hat tglich neue Gelegenheit, die Gastfreiheit der Natur in vollen Zgen zu geniessen. Die Luft ist so gleichmssig warm, dass man mit Ausnahme eines Sonnenhutes und leichter Schuhe alle Kleider entbehren knnte. Uebernachtet man im Freien, so ist aus Palmen- oder Farnwedeln in krzester Zeit eine Htte gebaut. Im kleinsten Drfchen aber befindet sich ein Gemeindehaus (casa real), in dem man wohnen kann und die nthigen Lebensbedrfnisse zum Marktpreis geliefert erhlt. Auch ist dort immer eine Anzahl Semanros (Leute, die den Wochendienst haben) anwesend und gegen geringen Tagelohn als Boten oder Trger zur Verfgung des Reisenden. Bei lngerem Verkehr zeigt sich, dass ihr Dienst hauptschlich in Nichtsthun besteht. Es ist mir vorgekommen, dass ich einen Mann, der mit den brigen Karten spielte und Tuba (frischer oder schwach gegohrener Palmensaft) trank als Boten senden wollte, dieser sich aber, ohne im Spiel inne zu halten, damit entschuldigte, dass er Gefangener sei; so musste denn einer seiner Hter den unbequemen Gang in der Hitze machen. Die Gefangenen haben nicht zu klagen. Das einzige Unangenehme sind die Rotangschlge, die fr geringe Vergehn von den Lokalbehrden freigiebig dutzendweis verordnet werden. Sie scheinen aber auf den von Jugend auf dagegen abgehrteten Eingeborenen in den meisten Fllen durchaus keinen andern Eindruck als den des unmittelbaren krperlichen Schmerzes zu machen. Seine Bekannten stehn hufig um ihn, sehen zu und fragen scherzend, wie es geschmeckt hat. Nach lngerem Aufenthalt unter den ernsten, schweigsamen, wrdevollen, fr ihre Ehre ngstlich besorgten, gegen Vornehmere unterwrfigen Malayen empfindet man den Gegensatz im Charakter der hiesigen Eingeborenen, die doch auch wesentlich malayischer Rasse sind, um so greller. Er scheint eine natrliche Folge der oben skizzirten spanischen Herrschaft: in Spanisch-Amerika begegnet man hnlichen Verhltnissen. Unter ihren einheimischen Huptlingen mgen sich die Eingeborenen in Folge der Rangunterschiede und des despotischen Druckes wenig von den heutigen Malayen in ihrem Wesen unterschieden haben. FNFTES KAPITEL GEOGRAPHISCHES. -- METEOROLOGISCHES. -- POLITISCHE EINTHEILUNG. -- VOLKSMENGE. -- SPRACHEN. Die Umgebung Manila's, der Psig und der See von Bay, die jeder Fremde besucht, sind so oft beschrieben worden, dass ich mich auf einige kurze Aufzeichnungen ber diese Gegenden beschrnken und nur ber meine Reisen in den sdstlichen Provinzen Luzns, Camarines und Albay und den stlich davon liegenden Inseln Samar und Leyte ausfhrlicher berichten werde. Vorher drfte es angemessen sein, durch Betrachtung der Karte sich einen Ueberblick der geographischen Verhltnisse zu verschaffen. Der philippinische Archipel liegt zwischen Borneo und Formosa und trennt den nrdlichen stillen Ozean von der China-See. Von den Sulu-Inseln im Sden bis zu den Babuyanes im Norden zieht er sich durch 14 1/2 Breitengrade, von 5 bis 19 1/2 N., und wenn man die Bashee-Inseln oder Batanes dazu rechnet, bis 21 N. Aber weder im Sden noch im Norden reicht die spanische Herrschaft in Wirklichkeit bis an diese ussersten Grenzen, so wie sie sich auch nicht berall bis in das Innere der grssern Inseln erstreckt. Von Ost nach West nehmen die Philippinen 9 Lngengrade ein. Zwei Inseln, Luzon mit 2000, Mindanao mit mehr als 1500 quadr. M. Flchenraum sind zusammen grsser als alle brigen. Dann folgen der Grsse nach sieben Inseln: Palwan, Smar, Pany, Mindoro, Leyte, Negros, Ceb, deren erstere 250, letztere etwa 100 quadr. M. misst, Bojl, Masbte, je halb so gross; 20 kleinere bemerkenswerthe Inseln und zahllose kleine Eilande, Felsen und Riffe. [64] Der Philippinische Inselstaat ist ausserordentlich durch seine Lage und reiche Gliederung begnstigt. Seine Erstreckung von 5 bis 21 N., durch 16 Breitengrade gewhrt ihm eine Mannichfaltigkeit des Klima's, welcher sich die niederlndisch-indischen Besitzungen, deren Hauptstreichen west-stlich ist, whrend sie nur wenige Breitengrade zu beiden Seiten des Aequators einnehmen, durchaus nicht in solchem Maasse erfreuen. Die durch die Richtung des Archipels gegebene Mannichfaltigkeit wird durch seine vertikale Gliederung vergrssert, so dass die Produkte der heissen und gemssigten Zone, die Palme und die Fichte, die Ananas, der Weizen und die Kartoffel dort gedeihen. Die grsseren Inseln enthalten ausser tief in das Land eindringenden Buchten ausgedehnte Binnenseen und betrchtliche, auf weite Strecken schiffbare Flsse; der Archipel ist reich an sicheren Hfen und unzhligen Zufluchtsorten fr Schiffe; ein Umstand aber, der aus dem Anblick einer Karte nicht ersichtlich wird, und doch eine der glcklichsten Eigenschaften dieser Inseln ausmacht, ist die endlose Zahl kleiner Flsse, die von den Bergen herabstrmen und sich, bevor sie das Meer erreichen, zu breiten Aestuarien erweitern, in denen Kstenfahrer von geringem Tiefgang bis an den Fuss der Berge gelangen knnen um ihre Ladung einzunehmen. Die Fruchtbarkeit des Bodens ist unbertrefflich, Salz- und Ssswasser wimmelt von Fischen und Schalthieren, im ganzen Archipel giebt es kaum ein reissendes Thier. Es scheinen nur zwei Viverren: Miro (Paradoxurus philippinensis Temm.) und Galong (Viverra tangalunga Gray) vorzukommen. Mehr noch als an Grsse berragt Luzon alle brigen Inseln an Bedeutung, und wohl mag es, wie Crawfurd andeutet, durch Fruchtbarkeit und andre natrliche Vorzge die schnste der gesammten Tropenwelt sein. Der Hauptkrper der Insel Luzon erstreckt sich in wenig gegliederter Masse als lngliches, 25 Meilen breites Viereck von 18 40' N. bis zur Bay von Manila (14 30' N.) und sendet dann einen durch grosse Seen und tiefe Buchten zerrissenen Auslufer nach Osten, der westlich und stlich vom grossen Binnensee von Bay nur durch zwei schmale Bnder mit der Hauptmasse zusammenhngt. Manche Spuren rezenter Hebungen deuten an, dass beide Theile frher getrennt waren, zwei selbststndige Inseln bildeten. Das grosse, nach O. gerichtete Stck, fast so lang als das nrdliche, wird in seiner Mitte, wo von SO. die tiefe Bucht von Ragay, von NW. die von Sogod einander entgegenstreben, in zwei fast gleiche Theile zerlegt, so dass man es betrachten kann, als aus zwei parallel streichenden Halbinseln bestehend, die an der eben erwhnten Stelle durch eine kaum 3 Meilen breite Landzunge zusammenhngen. Zwei kleine Flsschen, die in geringer Entfernung von einander entspringen und in die entgegengesetzten Buchten mnden, machen die Trennung fast vollstndig und bilden zugleich die Grenze zwischen den Provinzen Tayabas im Westen und Camarines im Osten. Die westliche dieser Halbinseln wird zum grossen Theil von der Provinz Tayabas eingenommen. Die grssere stliche zerfllt in die Provinzen Nord-Camarines, Sd-Camarines und Albay. Erstere ist durch die erwhnte Grenze von Taybas, durch eine vom Sdrande der Bucht von S. Migul stl. zur Kste gezogene Linie von Sd-Camarines getrennt. Den Ostrand der Halbinsel bildet die Provinz Albay, von Sd-Camarines durch eine Linie geschieden, die von Donzl an der Sdkste, nordwrts ber den Vulkan Mayon, dann mit einem Bogen nach Westen zur Nordkste luft. Ein Blick auf die Karte wird diese Verhltnisse klar machen. In den Philippinen sind zwei Jahreszeiten zu unterscheiden: eine trockene, eine nasse. Den, den Sd- und -Westwinden offen liegenden Gebieten bringt der SW.-Monsun in unseren Sommermonaten die Regenzeit. An den Nord- und -Ostksten fallen die reichlichsten Niederschlge in unseren Wintermonaten, whrend des NO.-Monsuns. Durch die Zerrissenheit des Landes und die hohen Berge werden diese allgemeinen Verhltnisse rtlich vielfach verndert. In Manila dauert die trockene Jahreszeit vom November bis Juni (NO.-Monsun), die Regenzeit whrend der brigen Monate (SW.-Monsun). Am meisten regnet es im September; Mrz und April sind hufig regenlos, Oktober bis einschliesslich Februar khl und trocken (NW.-, N.-, NO.-Winde), Mrz, April, Mai heiss und trocken (ONO. O. OSO.), Juni bis Ende September feucht und mssig warm. Seit einigen Jahren ist in Manila ein meteorologisches Observatorium unter Leitung der Gesellschaft Jesu errichtet. Nachstehendes ist ein Auszug aus dem Jahresbericht fr 1867 den ich Professor Dove's Gte verdanke. [65] Barometer: Der mittlere Stand der Quecksilbersule betrug 1867: 755,5 Millimeter, (1865: 754,57 Millimeter, 1866: 753,37 Millimeter.) 1867: Der Unterschied zwischen den ussersten Barometerstnden berstieg nicht 13,96 Millimeter, und wre viel geringer, htten nicht Strme im Juli und September die Quecksilbersule so sehr herabgedrckt; die stndlichen Schwankungen betragen nur wenige Millimeter. -- Tglicher Gang des Barometers: Es steigt in der Frhe bis gegen 9 Uhr, fllt dann bis 3 oder 4 Uhr Nm. und steigt dann wieder bis 9 Uhr Abends, von wo an es bis zum Morgen fllt. Die beiden Hauptstrmungen der Atmosphre ben grossen Einfluss auf den Gang des Barometers, die nrdliche macht ihn steigen (Normalhhe 756mm) die sdliche fallen (Normalhhe 753mm). Temperatur. Die Wrme wchst von Januar bis Ende Mai, und nimmt dann ab bis zum Dezember. Jahresmittel: 27.9 C. (0.4 mehr als in den Vorjahren). -- Die beobachtete hchste Temperatur betrug 37.7 C. (15. April 3 Uhr Nm.) die niedrigste: 19.4 (14. Dez. und 30. Jan. 6 Uhr Vm.) -- Unterschied: 18.3 C. Grsse der Thermometerschwankungen: Januar 13.9. -- Februar 14.2. -- Mrz 15. -- April 14.6. -- Mai 11.1. -- Juni 9.9. -- Juli 9. -- August 9. -- September 10. -- Oktober 11.9. -- November 11.8. -- Dezember 11.7. Khlste Monate: November, Dezember, Januar mit nrdlichen Winden. -- Wrmste Monate: April und Mai. Ihre hohe Temperatur veranlasst den Wechsel des Monsuns von NO. nach SW. Von Juni bis September kommt die Temperatur der normalen am nchsten, die Schwankungen sind dann am geringsten wegen der fast ununterbrochenen Niederschlge und trben Luft. Tglicher Gang: am khlsten ist es von 6 bis 7 Uhr Vm., die Wrme steigt langsam, erreicht ihr Maximum gegen 2 bis 3 Uhr Nm., und nimmt dann wieder ab. Whrend einiger Stunden der Nacht bleibt die Temperatur fast unverndert, gegen Morgen fllt sie schnell. Die Richtung der Winde ist zu allen Jahreszeiten sehr regelmssig, wenn auch zuweilen lokale Ursachen sie etwas verndern; im Zeitraum eines Jahres durchlaufen sie die ganze Windrose. Im Januar und Februar herrschen Nordwinde, im Mrz und April sdstliche Winde, im Mai, Juni, Juli, August, September sdwestliche. Anfang Oktober schwanken sie zwischen Sdost und Sdwest, und befestigen sich gegen Ende des Monats in NO., wo sie whrend der beiden folgenden Monate ziemlich bestndig bleiben. Die beiden Monsunwechsel finden immer im April oder Mai und im Oktober statt. Im Allgemeinen halten sich beide Monsune das Gleichgewicht, in Manila aber, weil es gegen Norden durch hohe Gebirge geschtzt ist, wird der NO. Monsun oft nach SO. und NW. abgelenkt; aus demselben Grunde blst der SW. dort auch strker. Der Himmel ist gewhnlich theilweise bedeckt, vllig heitere Tage sind sehr selten; sie kommen nur von Januar bis April (NO. Monsun) vor. Regentage: 168. Am hufigsten und strksten regnet es von Juni bis Ende Oktober; der Regen fllt dann in Strmen, im Sept. allein betrug die Regenmenge 1m. 5. d. h. fast dreimal so viel als in Berlin durchschnittlich in einem Jahre. Im ganzen Jahre 3072,8mm (dies ist mehr als das Mittel). Das verdampfte Wasser betrug nur 2307,3mm. In gewhnlichen Jahren ist die Verdampfung den Niederschlgen ziemlich gleich (im Laufe des Jahres nmlich, aber nicht in den einzelnen Monaten). Die mittlere tgliche Verdunstung war etwa 6,3mm. Die Monsunwechsel sind oft von furchtbaren Strmen begleitet, whrend eines solchen im September erreichte die Geschwindigkeit des Windes 37 bis 38 Meter in der Sekunde. (Der Bericht des englischen Vize-Konsuls erwhnt einen Teifun am 27. Sept. 1865, der in Manila grossen Schaden anrichtete, und 17 Schiffe auf's Land setzte.) Die Philippinen sind in Provinzen (P.) und Distrikte (D.) eingetheilt, denen je ein Alcalde mayr 1., 2., 3. Klasse, oder de trmino, de ascnso, de entrda, (A1, A2, A3), oder ein Gobernador politico y militar (G), oder ein Comandante (C) vorsteht. In einigen Provinzen ist dem G ein A3 beigeordnet. An dieser Eintheilung wird oft gendert. Die Gesammtbevlkerung wird auf ungefhr 5 Millionen geschtzt. Trotz des langen Besitzes hat sich die Sprache der Spanier fast keinen Eingang verschafft. Es herrscht eine grosse Verschiedenheit von Sprachen und Mundarten, von denen bisya, taglo, ilocno, bcol, pagasinn, pampngo die verbreitetsten sind. Insel Luzon. ============+=================+=========================================+=========+======= Rang des | | | | Verwaltungs-| | | | | Namen. | Herrschende Dialekte. | Seelen- |Pueblo. be- | be- | | | zahl. | amten|zirks.| | | | =====+======+=================+=========================================+=========+======= G. | P. | bra | ilocano | 34,337 | 5 A1. | P. | Alby | bicol | 230,121 | 34 A2. | P. | Batan | tagalo, pampango | 44,794 | 10 A1. | P. | Batngas | tagalo | 280,100 | | D. | Bengut | igorrote, ilocano pangasinan | 8465 | | D. | Bntoc | suflin, ilocano, igorrote Bergdialekt | 7052 | A1. | P. | Bulacn | tagalo | 240,341 | 23 A1. | P. | Cagayn | ibanag, itanes, idayan, gaddan, ilocano,| | | | | dadaya, apayao, malaneg | 64,437 | 16 A2. | P. | Camarnes Norte | tagalo, bicol | 26,372 | 7 A2(?)| P. | Camarnes Sur | bicol | 81,047 | 31 A3. | P. | Cavte | spanisch, tagalo | 109,501 | 17 A1. | P. | Ilcos Norte | ilocano, tinguian | 134,767 | 12 A1. | P. | Ilcos Sur | ilocano | 105,251 | 18 C. | D. | Infnta | tagalo | 7813 | 2 G. | P. | Isabla | ibanag, gaddan, tagalo | 29,200 | 9 A1. | P. | Lagna | tagalo, spanisch | 121,251 | 26 | D. | Lepnto | igorrote, ilocano | 8851 | 48 3A1. | P. | Manila | tagalo, spanisch, chinesisch | 323,683 | 28 C. | D. | Morng | tagalo | 44,239 | 12 A2. | P. | Nueva cija | tagalo, pangasinan, pampango, ilocano | 84,520 | 12 A3. | P. | Nueva Vizcya | gaddan, ifugao, ibilao, ilongote | 32,961 | 8 A1. | P. | Pampnga | pampango, ilocano | 193,423 | 24 A1. | P. | Pangasinn | pangasinan, ilocano | 263,472 | 26 | D. | Prac | pampango | 6950 | 1 C. | D. | Prncipe | tagalo, ilocano, ilongote | 3609 | 3 | D. | Sltan | gaddan | 6640 | A2. | P. | Taybas | tagalo, bicol | 93,918 | 17 | D. | Tagan | verschiedene igorroten Dialekte | 5723 | G. | P. | Unin | ilocano | 88,024 | 11 A2. | P. | Zambles | zambal, ilocano, aeta, pampanga tagalo, | | | | | pangasinan | 72,936 | 16 Inseln zwischen Luzon und Mindanao. G a3.| P. | Antque (Panay) | bisaya | 88,874 | 13 G a3.| P. | Bojl | bisaya | 187,327 | 2 C. | | Buras | bicol | 1786 | 1 G a3.| P. | Cpiz (Panay) | bisaya | 206,288 | 26 G a2.| P. | Ceb | bisaya | 318,715 | 44 G a3 | P. | Ilolo (Panay) | bisaya | 565,500 | 35 G a3.| P. | Lete | bisaya | 170,591 | 28 | D. | Masbte, Ticao. | bisaya | 12,457 | 9 A2. | P. | Mindro | tagalo | 23,054 | 10 G a3.| P. | Ngros | cebuano, panayano, bisaya | 144,923 | 31 | D. | Rombln | bisaya | 21,579 | 4 G a3.| P. | Smar | bisaya | 146,539 | 28 Mindanao. | D. | Cotabat | spanisch, manobo | 1103 | 1 G a3.| D. | Mismis j | bisaya | 63,639 | 14 G a3.| D. | Surigo j | | 24,104 | 12 | D. | Zambonga j | mandaya, spanisch | 9608 | 2 G a3.| | | | | | D. | Davo | bisaya | 1537 | Fernere Inseln. G a3.| P. | Batnes | ibanag | 8381 | 6 G a3.| P. | Calamines | coyuvo, agutaino calamiano | 17,703 | 5 G. | P. | (Marinas) | chamorro, carolino | 5940 | 6 =====+======+=================+=========================================+=========+======= Vorstehende Tabelle ist im Wesentlichen einem krzlich erschienenen kleinen Werke des Herrn Barrantes, General-Sekretrs der Philippinen entnommen, der Uebersichtlichkeit wegen aber anders geordnet. Obwohl Herrn B. das beste amtliche Material zur Verfgung stand, darf obigen Zahlen dennoch kein grosser Werth beigelegt werden, da sie in allen Stadien ihrer Entstehung mit Fehlern behaftet sind, von denen man in Europa keine Vorstellung hat. Beispielsweise fhrt Herr B. folgende Abweichungen seiner amtlichen Quellen an: Cavite 115,300 und 65,225; Mindoro 45,630 und 23,054; Manila 230,443 und 323,683; Capiz 788,947 und 191,818 Seelen. SECHSTES KAPITEL REISE IN BULACAN. -- HUFIGE FEUERSBRNSTE. -- FRUCHTBARKEIT. -- FISCHFANG. -- ZIGARRENTASCHEN. -- SPANISCHE PRIESTER. -- GASTFREIHEIT. -- RUBEREIEN. Mein erster Ausflug ging nach der Provinz Bulacn, am Nordrande der Bay von Manila. Zwei Stunden braucht der Dampfer bis zur Barre Binunga, (nicht Bincanga, -- Coello's Karte) und eine Stunde, um in einem Arme des Pampnga-Delta's, zwischen flachen Rhizophoren-Ufern, Bulacn, den Hauptort der Provinz, zu erreichen. Ausser mir war kein Europer an Bord, nur Tagalen, Mestizen und wenige Chinesen, erstere namentlich durch Frauen vertreten, denen vorzugsweise die Handelsgeschfte obliegen, weil sie dazu viel geschickter sind als die Mnner. Man sieht daher in der Regel mehr Frauen als Mnner auf der Strasse, und es scheint allgemein angenommen, dass bei den Geburten die weiblichen berwiegen. Nach den von mir durchgesehenen Kirchenbchern ergiebt sich aber, wenigstens fr die stlichen Provinzen, eher das Gegentheil. Am Landungsplatz erwartete uns eine Anzahl Caramta's, bunt bemalte, flache, zweirdrige Kasten mit Sonnendach versehn, und mit zwei Pferden bespannt, von denen die wohlhabenderen Ankmmlinge schnell nach allen Richtungen entfhrt werden. Die Stadt Bulacn hat 11 bis 12,000 Einwohner, war aber einen Monat zuvor, mit Ausnahme der Kirche und weniger Steinhuser, abgebrannt. Alle Leute waren daher beschftigt sich neue Huser zu bauen, die seltsamer-, aber zweckmssigerweise, wie beim Zeichnen, mit dem Dach begonnen wurden. Lange Reihen Dcher aus Palmenblttern und Bambus standen bereits fertig am Boden und dienten einstweilen als Zelte. Dergleichen verheerende Feuersbrnste sind ungemein hufig. Die mit wenigen Ausnahmen aus Holz und Bambus bestehenden Huser werden in der trocknen Jahreszeit vllig ausgedrrt, von der Sonne angeheizt; mit dem Feuer wird sehr unvorsichtig umgegangen, an Lschanstalten fehlt es gnzlich. Entsteht ein Brand an einem windigen Tage, so ist in der Regel das ganze Dorf unrettbar verloren. Whrend meines Aufenthalts in Bulacn brannte die Vorstadt S. Migul bei Manila bis auf das Haus eines befreundeten Schweizers ab, das seine Rettung nur dem krftigen Gebrauch einer Privatspritze und der Mithlfe eines Bananengrtchens verdankte, deren saftstrotzende Stmme auf einer Seite den Fortschritt der Flammen hemmten. Den Weg nach Calumpt, 3 L., legte ich im schnen Wagen eines Gastfreundes zurck, auf sehr guter Strasse, unter Obstbumen, Kokos- und Arecapalmen. Der Anblick dieser fruchtbaren Provinz erinnert an die reichsten Gebiete Java's, aber die hiesigen Pueblos verrathen mehr Wohlstand als die dortigen Desas. Die Huser sind substanzieller; gerumige Bretterhuser hufig, selbst Steinhuser nicht selten, die in jener Insel fast immer einen Beamten oder inlndischen Frsten anzeigen. Whrend aber selbst der arme Javane sein Wohnkrbchen zierlich flicht, die Strassen des Dorfes mit blhenden Hecken einfasst, Alles Nettigkeit und Sauberkeit verrth, scheint hier weniger Sinn dafr vorhanden. Auch fehlt den Drfern der Alun-alun, jener schne sorgfltig gepflegte, von Waringibumen beschattete Platz. [66] Die Zahl und Manchfaltigkeit der Fruchtbume, unter deren Laub die javanischen Desas ganz verborgen liegen, ist selbst in dieser Provinz, dem Garten der Philippinen, viel geringer als dort. Abends erreichte ich Calumpt, als gerade eine hbsche Prozession mit vielen Fahnen und Fackeln, unter wohlklingendem Gesang sich um die stattliche Kirche bewegte, bei deren trefflichem Pfarrer Llanos ein Brief aus Madrid mir die gastlichste Aufnahme verschaffte. Calumpt, ein wohlhabender Ort von 12,250 E., liegt am Zusammenfluss des von O. kommenden Qungoa mit dem Pampnga, in einer sehr fruchtbaren, hufigen Ueberschwemmungen ausgesetzten Ebene. Im Norden, etwa 6 Leguas NW. erhebt sich der Arayat, ein hoher isolirter Kegelberg. Von Calumpt gesehn, zeigt sein westlicher Abhang (a b) 20, sein stlicher (e f) 25, die Gipfelplatte (b c) 4 bis 5 Neigung gegen den Horizont. Bei Calumpt sah ich einen Chinesen auf eigenthmliche Art Fische fangen: queer durch das Bett eines Baches, der, fast versiegt, nur noch einzelne Lachen bildete, war unterhalb einer solchen ein Gitter enggesteckter Bambusen gezogen, dahinter ein niedriger Damm errichtet. Mittelst einer langgestielten Wurfschaufel wurde das stehngebliebene Wasser ber den Damm geworfen. Die Schaufel war da, wo der Stiel ansetzt, durch ein Seil an ein zehn Fuss hohes Bambusgestell befestigt, dessen Federkraft die Arbeit erleichterte. Sobald die Pftze trocken gelegt, grub der Arbeiter ohne Mhe eine grosse Menge Dalags (Ophiocephalus vagus. Peters.) aus dem Schlamm. Diese durch besondere Apparate, vielleicht zum Luftathmen, jedenfalls zu lngerem Verweilen im Trocknen befhigten Fische sind in der nassen Jahreszeit in allen Grben und Pftzen und auf den Reisfeldern so hufig, dass sie mit Knitteln todtgeschlagen werden. Bei dem Zurckweichen des Wassers ziehn auch sie sich zurck, oder bohren sich nach Prof. Semper tiefer in den Schlamm des Bodens ein, wo sie bis zum Anfang der nassen Jahreszeit durch eine harte sie bedeckende Erdkruste gegen die Nachstellungen des Menschen geschtzt, im Winterschlaf zubringen. Der Fangapparat des Chinesen schien den Gewohnheiten des Fisches wohl angepasst. Der Umstand, dass nur auf der untern Seite der Wasserlache ein Gitter gezogen war, und dass die Fische unmittelbar vor demselben am dichtesten angetroffen wurden, scheint anzudeuten, dass sie auch noch im Schlamm weiter wandern und sich in dem Maasse als die Bche und Grben austrocknen in die grsseren Wasseransammlungen zurckziehn. Dem Qungoa aufwrts, in stlicher Richtung, auf bequemer Strasse folgend, durch wohlbebautes, ppig fruchtbares Gebiet, an zahlreichen steinernen Kirchen und Kapellen vorber, die sich mit den Palmen und Bambusbschen zu hbschen Bildern gruppiren, erreichte ich in Pater Llano's Vierspnner den bedeutenden Ort Balvag, dessen Gewerbfleiss weit ber die Grenzen der Provinz hinaus berhmt ist. Ich besuchte mehrere Familien und fand berall freundliche Aufnahme. Die Huser waren von Brettern (casas de tabla), ruheten auf Pfhlen, fnf Fuss ber dem Boden, und bestanden aus einem gerumigen Wohnzimmer, an welches auf einer Seite die Kche, auf der andern ein offner Raum, die Azota (s. S. 20) stsst; ein hohes luftiges Dach von Palmenblttern erhob sich darber, der Eingang war von der Azota, die fast zur Hlfte vom Dach berragt wird. Der Fussboden bestand aus zollbreiten Holzlatten mit halb so breiten Zwischenrumen. Sthle, Tische und Bnke, ein Schrank und verschiedene kleine Luxusgegenstnde, Spiegel, eingerahmte getuschte Lithographien waren vorhanden. Die Sauberkeit der Huser sowohl als der Zustand der Mbel zeugten von Ordnung und Wohlstand. Fast in jedem Hause fand ich Frauen mit Weben von Tpis beschftigt, die auf dem Markt von Manila den besten Ruf haben. Es sind schmale, sehr dicht gewebte 6 Varas lange Seidenzeuge in dunkelbraunen Farben mit schrgen weissen Streifen. Sie werden ber dem Sarong getragen. (Vergl. S. 24). Besonders berhmt ist Balvag aber wegen seiner Zigarrentaschen Petca, [67] die alle andern an Feinheit bertreffen. Sie bestehen nicht aus Stroh, sondern aus feinen Streifen spanischen Rohres, und zwar aus dem untern Ende der Blattstiele einer Calamusart, die angeblich nur in der Provinz Neu-cija wchst. Ein Bndel von hundert ausgesuchten 2 Fuss langen fingerdicken Stcken kostet bis 6 r. Nachdem diese Stcke vier bis fnf mal der Lnge nach gespalten, entfernt man das innere Holz, so dass nur die ussere Haut brig bleibt; die so erhaltenen dnnen Streifen werden dann aus freier Hand zwischen einem convexen Porzellanscherben und einem schrg dagegen gestellten Messer durchgezogen, und schliesslich noch durch zwei schrg gegen einander stehende Stahlklingen. Die Arbeit verlangt viel Geduld und Uebung; bei der ersten Handhabung zerbricht durchschnittlich die Hlfte der Fden, bei der zweiten gewhnlich mehr als die Hlfte, so dass kaum 20% brig bleiben. Fr sehr feine Geflechte ist das Verhltniss noch weit ungnstiger. Das Flechten geschieht ber hlzerne Walzen. Eine Tasche von mittlerer Feinheit, die an Ort und Stelle 2 Doll. kostet, kann bei ununterbrochener Arbeit in sechs Tagen vollendet werden. Ausnahmsweise feine, auf besondere Bestellung fr Kenner angefertigt, werden mit 50 Doll. und mehr bezahlt. Von Balvag den Qungoa aufwrts verfolgend, kommt man an vielen Steinbrchen vorbei, wo in Bnke gesonderter vulkanischer Tuff zu Bausteinen ausgebeutet wird. Die mit hohen stacheligen Bambusen besetzten Ufer waren 10 bis 12 Fuss hoch. In der Regenzeit tritt der Fluss aus und berschwemmt weithin die Ebene, daher die vielen Klappen grosser Ssswassermuscheln (Corbicula sp.) in der den Tuff berlagernden Dammerde. Bei Tobg, einer Vista, halbwegs zwischen Balvag und Angat, zeigen sich die ersten Hgel. Ihre flachen Abhnge sind wie in Java terrassenfrmig als Rieselfelder zum Reisbau eingerichtet. Ausser bei Lcban habe ich dergleichen Sawas in den Philippinen nicht wahrgenommen. Viele kleine Zuckerfelder, deren Produkt aber von den Eigenthmern noch recht ungeschickt verwerthet wird, zeigen, dass die Vorbedingungen zum schwunghaften Betriebe des Ackerbaus vorhanden sind. Streckenweis sind Schattendcher ber die Strasse gebaut mit Bnken zum Rasten; ich habe sie nur in dieser Provinz gefunden. Man knnte sich in einem der dichtbevlkerten, ertragreichsten Bezirke Java's glauben. Die Nacht brachte ich in einem Convento zu (so heissen in den Philippinen die Wohnhuser der Pfarrer). Es war ussert schmutzig, der Geistliche, ein Augustiner, voll Bekehrungsgelste. Ich hatte ein langes geographisches Verhr zu bestehn ber den Unterschied zwischen Prusia und Rusia, ob das grosse Norimbergo die Hauptstadt des Granducado oder des Imperio de Rusia sei? erfuhr dass die Englnder auf dem Punkte stnden in den Schooss der christlichen Kirche zurckzukehren, die Andern dann auch wohl bald nachfolgen wrden, und wurde trotz angelegentlicher Empfehlung des Pfarrers Llanos recht schlecht aufgenommen. Spter bin ich noch einmal zwei jungen Kapuzinern in die Hnde gefallen, die Bekehrungsbungen an mir vornahmen, mich aber, abgesehn von dieser kleinen Zudringlichkeit, auf's beste behandelten und verpflegten. Es gab sogar in Wasser gesottene Gnseleberpastete, die ich an den fettumflossenen Trffeln schnell erkannte. Zur Strafe fr ihre Zudringlichkeit enthllte ich meinen Wirthen nicht die richtige Gebrauchsanweisung, kaufte ihnen die noch brigen Blechbchsen ab, und hatte spter das Vergngen im Urwald Gnseleberpastete zu essen. Dies sind die beiden einzigen Flle, wo ich in solcher Weise belstigt worden, bei einem Aufenthalt von mehr als anderthalb Jahren. Der mit einem Pass versehene Reisende ist brigens durchaus nicht auf die Gastfreundschaft der Pfarrer angewiesen, wie in manchen abgelegeneren Gegenden Europa's. Jede Ortschaft, jedes Oertchen, hat sein Gemeindehaus, Casa real oder Tribunal genannt, in welchem er wohnen kann und Lebensmittel zum Marktpreis geliefert bekommt, ein Umstand, der mir bei meinem ersten Ausflge nicht bekannt war. Der Reisende ist also in dieser Beziehung vllig unabhngig, wenigstens in der Theorie; in der Praxis wird er freilich oftmals nicht umhin knnen, in den abgelegneren Provinzen, im Convento zu wohnen, denn der Pater, vielleicht der einzige Weisse auf viele Meilen in der Runde, lsst sich schwerlich die Gelegenheit entgehn, einen seltenen Gast einzufangen, ihm das beste Zimmer im Hause zu geben, und alles aufzubieten, was Kche und Keller zu leisten vermgen. Alles wird mit so aufrichtiger unverhohlener Freude ber den Besuch dargeboten, dass der Gast durchaus nicht das Gefhl hat, als wrde er verpflichtet, sondern umgekehrt die Ueberzeugung gewinnt, dass er seinem Gastfreunde Vergngen macht, wenn er seinen Besuch verlngert. Einmal, als ich trotz der erhaltenen Einladung des Padre Cura darauf bestand, in's Tribunal zu gehn, und mich darin eben niedergelassen hatte, erschien alsbald der Pater mit den Ortsbehrden und dem Musikchor, die wegen der Vorbereitung zu einem Kirchenfeste im Convento zufllig anwesend waren, liess mich auf meinem Stuhle sitzend aufheben und mit Musik und allgemeinem Jubel in sein Haus tragen. Am folgenden Tage besuchte ich eine NNO. von Angat gelegene Eisenhtte Kpang, von zwei mir aufgenthigten Bewaffneten begleitet, da die Gegend wegen Rubereien bel berchtigt war. Nach einer Stunde in nrdlicher Richtung durchfurtheten wir den Banvon, damals ein schmaler Bach, zwischen vorwiegend plutonischem Gerlle fliessend, in der Regenzeit ein mehrere hundert Fuss breiter Strom, und erreichten nach zwei Stunden die Eisenhtte, einen mitten im Walde gelegenen grossen Schuppen, mit einem Hngeboden an einem Ende, der dem Unternehmer, einem vor Jahren in Smar gestrandeten Englnder, und seiner Frau, einer hbschen Mestizin, zur Wohnung diente. Legte ich mein Taschentuch, ein Bleistift oder sonst einen Gegenstand aus der Hand, so wurde er sofort von der Frau eingeschlossen, um ihn vor der Diebeswuth ihrer Diener zu schtzen. Die armen Leute, deren Unternehmung keinen Erfolg versprach, mussten ein trauriges Leben fhren. Zwei Jahre zuvor drangen 27 Ruber ein, plnderten alles und warfen die Frau, die mit einer Magd allein im Hause war, zum Fenster hinaus; sie kam ohne erhebliche Beschdigung davon, die Magd aber, die vor Angst aus dem Fenster sprang, starb an den erlittenen Verletzungen. Ohne Mhe gelang es die Ruber, Bergleute und Bewohner von Angat, einzufangen, sie sassen damals bereits 2 Jahre in Untersuchungshaft. Ich traf hier eine Negritofamilie, die mit den Leuten der Eisenhtte in freundlichem Verkehr stand, und Nahrungsmittel gegen Waldprodukte eintauschte. Der Mann begleitete mich auf die Jagd mit einem Bogen und zwei Pfeilen bewaffnet, die Pfeile hatten zwei Zoll lange, lanzenartig geformte eiserne Spitzen, deren eine mit Pfeilgift, einem schwarzen Harz dick bestrichen war. Die Frauen nahmen Guitarren (tabaua) mit, genau, wie die der Mintras auf der malayischen Halbinsel: fusslange Bambusrohre, an welchen Saiten aus gespaltenem Stuhlrohr aufgespannt waren. Auf nebenstehender Abbildung sind nicht diese Negritos, von denen ich nur unvollkommene Zeichnungen besitze, sondern weiter nrdlich lebende, nach guten Photographien dargestellt. Um auf der Rckreise nicht wieder in dem leidigen Convento zu bernachten, wo mein Diener mit meinen Sachen zurckgeblieben war, folgte ich dem Rath der freundlichen Leute, spt abzureiten und erst nach 10 Uhr dort einzutreffen. So konnte ich, da das Pfarrhaus um 10 Uhr verschlossen wird, ohne Anstoss bei einem ihnen befreundeten reichen Mestizen einkehren. Um halb eilf erreichte ich das gastliche Haus, und setzte mich zu den muntern Frauen, die gerade am Abendessen waren. Da erscheint pltzlich auf der Schwelle des Hinterzimmers mein Pfarrer nebst zwei andren Augustinern, die mit dem Hausherrn Karten gespielt hatten, und indem sie mich mitschleppten, mein Glck priesen: denn wren Sie nur eine Minute spter gekommen, so htten Sie nicht mehr in das Convento gekonnt. SIEBENTES KAPITEL PROVINZ LAGUNA. -- BANCAFAHRT. -- BARREN DES PASIG. -- SEE VON BAY. -- MAARE BEI CALAUAN. -- PALMENWEIN. -- REISEN OHNE DIENER. -- VULKAN MAJAIJAI. -- BFFELFAHRT. Meine zweite Reise fhrte mich auf dem Pasigfluss nach dem grossen See von Bay. Ich verliess Manila Abends in einer Banca, einem ausgehhlten Baumstamm mit flach gewlbtem, aus Bambusstreifen geflochtenem so niedrigem Dach, dass man kaum aufrecht sitzen kann, weshalb auch jede Vorrichtung dazu fehlt. Ein im Boden des Kahnes liegendes Bambusgitter schtzt den Reisenden gegen Grundwasser und dient ihm zum Lager. Jurien de la Gravire vergleicht die Banca treffend mit einer Zigarrendose, worin der Reisende so eng eingeschlossen, dass ihm im Fall des Umschlagens wenig Hoffnung auf Rettung bleibt. [68] Die Mannschaft bestand aus vier Ruderern und einem Steuermann, die je 5 r. zusammen 4 1/2 Thaler tglich erhielten, ein hoher Preis fr die trgen Leute im Vergleich zur Billigkeit der Lebensmittel, denn der Reis, den ein krftiger Arbeiter tglich verzehrt, kostet selten mehr als 1 bis 1 1/2 Silbergroschen (in der Provinz oft kaum 3 Pfennige), die Zuspeise (Wasserthiere und Kruter) einige Pfennige. Zahlreiche Drfer und Tienda's, in denen Lebensmittel feil geboten werden, ziehn sich an den Ufern hin. Nachdem die Mannschaft unter allerlei Vorwnden die Fahrt zu unterbrechen versucht, verliess sie bei dem Dorfe Pasig das Boot, um Segel zu holen, kam aber nicht wieder. Erst mit Hlfe der Nachtwchter, gelang es, sie einzeln aus den Husern ihrer Freunde zu holen, worin sie sich verborgen hatten. Nachdem wir einigemale auf Sandbnken festgesessen, gelangten wir in den von Hgeln und Bergen umschlossenen See von Bay und erreichten frh morgens Jalajala. Der Pasig bildet einen natrlichen, etwa 6 Leguas langen Kanal zwischen der Bay von Manila und der Laguna de Bay, einem Ssswassersee von 35 Leguas Umfang, den drei der fruchtbarsten Provinzen, Manila, Laguna, Cavite, umgrenzen. Frher sollen grosse Lastschiffe bis an den Rand des Sees gefahren sein [69], jetzt wird es durch Sandbnke verhindert; bei den Barren von Napndan und Tagg gerathen selbst sehr flache Boote auf den Grund. [70] Wrden die Barren fortgerumt und die Manila mit Binondo verbindende steinere Brcke in eine Drehbrcke verwandelt oder durch einen Kanal umgangen, so knnten Kstenfahrer die Erzeugnisse der Lagunenprovinzen am Rande der Felder, auf denen sie wachsen, einnehmen. Der Verkehr wrde sehr gewinnen, der Wasserspiegel sinken, die Untiefen des Seerandes zu fruchtbaren Reis- und Zuckerfeldern werden. Ein solcher Plan war vor mehr als 30 Jahren in Madrid gebilligt worden, ist aber nicht zur Ausfhrung gekommen. Die Versandung des Flusses wird im Gegentheil durch zahlreiche Fischreusen befrdert, deren Anlage sonderbarer Weise gerade die Marine-Verwaltung begnstigt, da sie eine kleine Abgabe davon erhebt. Jalajala, eine Hacienda, deren Gebiet die stliche der beiden von N. nach S. in den See ragenden Halbinseln einnimmt, pflegt eines der ersten Reiseziele des Fremden zu sein. Es verdankt diesen Vorzug seiner hbschen Lage in der Nhe Manila's und den phantasiereichen Schilderungen des frheren Besitzers de la Gironnire. Die Halbinsel ist vulkanisch, das Gebirge sehr zersetzt, alljhrlich fhren die Wasserfluthen (Avenidas) viel Erde von den Bergen herab, und vergrssern die Anschwemmungen am Fuss derselben. Der mit Gras und stachligen bis 8' hohen Sinnpflanzen (Mimosa pudica) bewachsene Strand dient als Bffelweide, dahinter breiten sich Reis- und Zuckerfelder bis an den Fuss des Berges aus. Im Norden wird die Besitzung durch den dicht bewaldeten Sembrano, den hchsten Berg der Halbinsel begrenzt, auf den brigen Seiten ist sie von Wasser umgeben. Den flachen Seerand ausgenommen ist das ganze Gebiet hgelig mit Gras und Baumgruppen bewachsen, ein trefflicher Weideplatz fr die ansehnlichen Heerden (1000 Bffel, 1500 bis 2000 Rinder, 600 bis 700 Pferde fast im Zustande der Wildheit). Beim Herabsteigen von einem Berge umzingelten uns sechs Bewaffnete, die uns fr Viehdiebe gehalten und zu ihrem Verdruss auf die gehoffte Prmie verzichten mussten. Jalajala gegenber, am Sdrande des Sees von Bay liegt das Drfchen Los Baos, nach einer heissen Quelle am Fuss des Vulkane Maquiling benannt. Schon vor Ankunft der Spanier diente sie den Eingeborenen zu Heilzwecken, [71] jetzt wird sie nur noch wenig benutzt. Das Ufer des See's ist dort und fast ringsum so seicht, dass man selbst vom flachen Kahne aus nicht trocknen Fusses landen kann, eine Schicht von Sumpfmuscheln (Paludina) bedeckt den Boden. NW. von Los Baos liegt ein kleiner dicht bewaldeter Kratersee, Dagtan genannt (laguna encantada der Turisten), zum Unterschied von Dagt (Meer) wie die Tagalen den grossen See von Bay nennen. Von den Krokodilen, die in jenem hausen sollen, zeigte sich keines, aber Schaaren von Wasservgeln flogen auf, als ihre Einsamkeit gestrt wurde. Von Los Baos wollte ich Lupang puti (weisse Erde) besuchen, wo, nach den erhaltenen Proben zu urtheilen, feine weisse Kieselerde (bianchetto) gewonnen wird, die geschlmmt in Manila zum Anstrich dient. Ich erreichte den Ort nicht, da sich mein mit Mhe erlangter Fhrer nach einer halben Stunde todtmde stellte. Die eingezogenen Erkundigungen deuten auf eine Solfatara, und scheinen sich deren mehrere am Fuss des Maquiling zu befinden. [72] Auf der Rckfahrt wurde die Insel Talim besucht, die, eine Lichtung mit wenigen rmlichen Htten ausgenommen, unbewohnt und dicht mit Wald und Gestrpp bewachsen ist. In der Mitte erhebt sich der Soson dalaga (Mdchenbusen), ein Doleritberg mit schn geformter Kuppe. Am Strande fand ich auf dem nackten Felsen vier Eier mit vllig ausgebildeten Krokodilen, die bei dem Oeffnen der Schalen ausschlpften. Obwohl der SW. Monsun in Jalajala gewhnlich spter zur Geltung kommt als in Manila, so regnete es schon so sehr, dass ich mich entschloss nach dem sdlich vom See gelegenen Orte Caluan zu gehn, der durch den queer davor liegenden Maquiling geschtzt den Einfluss des Regenmonsuns erst spter empfindet. In Caluan traf ich Herrn v. la Gironnire, den durch seine haarstrubend erzhlten Abenteuer wohlbekannten Gentilhomme breton, seit kurzem aus Europa zurckgekehrt um eine grosse Zuckerfabrik zu grnden; sein Unternehmen misslang indessen. Das Haus des seitdem verstorbenen rstigen alten Herrn, der aus Liebhaberei Tracht und Bedrfnisslosigkeit der Indier angenommen, liess sowohl Reinlichkeit als Ordnung vermissen, obgleich es ausser ihm zwei an dem Geschft betheiligte Freunde, einen Schotten und einen jungen Franzosen beherbergte, die in der verfeinerten Pariser Gesellschaft gelebt hatten. Auf der Besitzung liegen mehrere Maare und einige Kratere ohne Wasseransammlungen. SW., nicht fern vom Wohnhause, links von der Strasse die nach S. Pablo fhrt, befindet sich die Llanura de Imc, ein von mehrere hundert Fuss hohen Wllen doleritischer Rapilli gebildetes Kesselthal. Auf grossen Basaltblcken kann man den Rand erklimmen, alles brige ist dicht bewachsen. Den Boden des Kessels nimmt eine verwilderte, vom frheren Besitzer angelegte Kaffeepflanzung ein. Eine genauere Uebersicht war wegen des Dickichts nicht zu gewinnen. Nrdlich davon liegt ein andrer Krater mit niedrigen Wnden. Der Boden ist versumpft mit Rohr und grobem Gras bewachsen, aber selbst in der Regenzeit sammelt sich nicht hinreichend Wasser an, um einen See zu bilden. Er drfte daher leicht zu entwssern und urbar zu machen sein. Sdwestlich von diesem Krater, rechts der Strasse von S. Pablo liegt der Tigui-See: Aus einer Ebene von weisslich grauem Tuff, worin viele konzentrisch schalige Kugeln von Nussgrsse, erhebt sich ein kreisrunder Wall mit sanftgeneigtem Abhang nur durch eine schmale Kluft (in N. b. W.) unterbrochen, die als Zugang dient und an Einstrzen die losen Rapilli zeigt, aus denen das Ringgebirge besteht. Die Wnde ragen hundert Fuss ber den ganz flachen Boden. Queer durch die Mitte luft ein Weg OW. und theilt ihn in zwei Hlften, die nrdliche ist mit Kokospalmen und Kulturpflanzen bewachsen, die sdliche nimmt ein See ein, dessen Spiegel zum grssten Theil von Pistien bedeckt ist. Der Boden besteht aus schwarzen Rapilli. Vom Tigui-See kehrte ich nach der Hacienda zurck die auf einer 2 Fuss mchtigen Bank vulkanischen Tuffes voll rezenter Blattabdrcke liegt. Der Zustand der Erhaltung reicht zwar zur Bestimmung der Arten nicht aus; sie sind aber alle cht tropisch [73] und knnen nach Professor A. Braun sehr wohl denselben Arten angehren, die noch heut an dieser Stelle wachsen. SO. davon etwa 1/2 Legua entfernt liegen zwei kleine Maare; der Weg fhrt durch vulkanischen Schutt, der auf Tuff lagert; in dem Flussbett grosse vulkanische Blcke. Der erste See Maycap, vllig umwallt, hat nur an seiner NW. Seite eine knstliche Kluft mit Schleuse zur Speisung eines Kanals; vom Nordrand, der allein eine freie Aussicht gestattet, liegt die Sdspitze des S. Cristoval N. 73 O. Die gegen 80' hohen Wnde erheben sich gen W. zu dem Hgel Maiba von etwa 500 Fuss. Sie sind, wie bei den andern Maaren aus Rapilli und Tuff gebildet, und dicht bewachsen. Daneben liegt ein andres Maar: Palkpakan, von ziemlich gleichem Umfang und gleicher Struktur (schwarzer Sand und Rapilli), die Wnde, 30 bis 100 Fuss hoch. Vom NW-Rand erscheint der S. Cristoval N. 70 O. Der Wasserspiegel ist leicht zu erreichen, eine grosse Anzahl Fischapparate ragen daraus hervor. Gegen 9 Uhr Morgens ritt ich von Caluan nach Pla, dann NO. nach Sa. Cruz, auf ebener, breiter, gut unterhaltener Strasse, durch einen meilenlangen, in Breite einer halben Legua sich den Umrissen der Laguna anschmiegenden Kokoshain. Diese Palmen werden zum grossen Theil nicht auf Oel, sondern auf Branntwein ausgebeutet. Man lsst sie dann keine Frchte tragen, sondern fngt den aus der angeschnittenen Blthenknospe quellenden zuckerhaltigen Saft auf, und destillirt sein Ghrungsprodukt. [74] Da der Saft tglich zweimal gesammelt wird, und die Blthen unter der Bltterkrone 40 bis 50' ber der Erde sitzen, so sind in dieser Hhe zur Verminderung des beschwerlichen Auf- und Abkletterns Bambusen paarweis bereinander von einer Palme zur andern angebracht, auf deren unterer der Arbeiter geht, indem er sich an der obern festhlt. Der Verkauf des Palmenbranntweins war damals noch Monopol der Regierung, die ihn im Estanco zusammen mit Zigarren, Stempelpapier und Ablassscheinen im Einzelnen verkaufte. Die Bereitung geschah durch Privatleute, der Gesammt-Ertrag musste aber an die Hacienda abgeliefert werden, die indessen einen so hohen Preis dafr zahlte, dass den Kontrahenten ansehnlicher Nutzen blieb. Spter traf ich in Camarines einen Spanier, der in Folge eines solchen Lieferungsvertrages, nach seinen Angaben, bequemen und reichen Gewinn machen musste. Er hatte Kokospalmen den Stamm zum Mittelpreis von 5 r. gekauft, (gewhnlich kosten sie wohl mehr, doch sind sie zuweilen fr 2 r. zu haben). 35 Bume geben im geringsten Falle tglich 36 Quart Tuba (zuckerhaltigen Saft), aus denen durch Ghrung und Destillation 6 Quart Branntwein von vorgeschriebener Strke erzielt werden. Zur Bearbeitung gengt ein Mann, der fr seine Leistungen die Hlfte des Ertrages erhlt: Die Hacienda bezahlt das Quart Branntwein mit 6 Cuartos. Der Kontrahent erhlt also jhrlich von 35 Bumen, die im Ankauf 21 7/8 Doll. kosten, 360 6/2 6 cuartos = 40 1/2 Doll., ntzt also sein Anlagekapital fast zu 200%. Die Einnahme aus jenem Monopol (Vinos y licores) war im Kolonial-Budget fr 1861 auf 1,622,810 Doll. veranschlagt, ihre Eintreibung aber sehr schwierig und so unverhltnissmssig kostspielig, dass sie fast den ganzen Nutzen verschlang. Sie veranlasste Spionage, Reibereien aller Art, Unterschleife und Bestechungen in grossem Umfange. Das Ausschenken von Schnaps durch bestallte, mit Prozenten am Verschleiss betheiligte Beamte beeintrchtigte das Ansehn der Regierung. Ueberdies lhmte die ungeschickte Steuer einige der wichtigsten Gewerbe des Landes, nicht nur die Ausbeutung der Palmen im freien Verkehr, sondern auch die Rohrzuckerbereitung, denn zu Gunsten ihres Monopols hatte die Regierung den Zuckerfabrikanten verboten aus den Melassen Rum zu destilliren, weshalb diese so werthlos waren, dass man in Manila die Pferde damit trnkte. Die Klagen der Zuckerfabrikanten bewogen endlich die Regierung, die Rumbereitung zu gestatten (Januar 1862), die Palmenbranntwein-Regie blieb aber bestehn. Die Indier tranken nun nichts als Rum, so dass man sich gezwungen sah, das ganze Monopol fallen zu lassen. (Januar 1864.) Seitdem zahlen die Rumfabriken eine nach der Grsse ihres allgemeinen Betriebes, aber nicht nach der Menge des Produktes normirte Gewerbesteuer; ausserdem wurde zur Deckung des Ausfalls ein kleiner Zuschlag zur Kopfsteuer (Recargo s. unten) eingefhrt. Das Branntweintrinken soll seitdem sehr zugenommen haben, ist brigens eine alte Gewohnheit. [75] Abgesehn davon ist die Maassregel vom gnstigsten Erfolge begleitet gewesen. In Sa. Cruz, einem lebhaften wohlhabenden Orte [1865: 11,385 E.] durchfurtheten wir den Fluss, der, zumal Sonntag war, von Badenden wimmelte, darunter viele Frauen in breiten Sonnenhten mit auffallend ppigem Haar. Nach der Furth biegt die Strasse in einem spitzen Winkel um, und zieht erst O. dann SO. ber Magdalena, wo die Landschaft bergig wird nach Majaiji, indem sie vor letzterem Ort (ber 9000 E.) auf einer Brcke eine tiefe Schlucht berschreitet, in welcher stattliche Baumfarne die grssere Meereshhe (ber 600') andeuten. Das von den Jesuiten erbaute gerumige Convento Majaiji, ist wegen seiner herrlichen Lage berhmt. Nach NW. dehnt sich der See von Bay aus, in der Ferne von der Halbinsel Jalajala und Insel Talim mit dem Vulcan Soson-dalga begrenzt. Vom Convento bis zum See hinab erstreckt sich nach O. und W. ein unabsehbarer Saum von Kokospalmen. Gen Sden wird der Abhang schnell steiler und hebt sich zu einem mchtigen, gerade abgestutzten, von tiefen Schluchten zerrissenen Kegelberge, dem Vulkan Banajo oder Majaiji, neben welchem der S. Cristoval mit schner glockenfrmiger Kuppe hervorragt. Da Alles mit Vorbereitungen zu einem Kirchenfeste beschftigt war, begab ich mich ber Lucban an die Ostkste nach Mauban, in tiefen Tuffschluchten, an Lavablcken vorber dem Fuss des Majaiji folgend. Der Pflanzenwuchs war von unbeschreiblicher Pracht, die sehr schadhafte Strasse angenehm belebt durch muntere zur Kirchweih ziehende Gruppen. [76] Nach drei Stunden erreicht man Lcban, einen wohlhabenden Ort von 13,000 E. im NO. des Majaiji (ein Jahr darauf brannte es gnzlich ab). Zwar ist der Ackerbau wegen des bergigen Gebietes, nicht bedeutend, es herrscht aber viel Gewerbfleiss, die Einwohner flechten feine Hte aus Blattstreifen der Buripalme (Corypha sp.) und Pandanusmatten und treiben ber Mauban eintrglichen Handel mit den Goldwschern von Nord-Camarines. Durch die in ihrer ganzen Breite mit Cement belegten Strassen floss ein klarer Bach in offener Rinne. Der Weg von Lucban nach Mauban, das in der Bucht von Lamn, der Insel Alabt gegenberliegt, fhrt im engen Thal des Rio Mpon durch tiefe Schluchten senkrecht gehobener Thone. Bei Lucban sieht man Reisfelder in Terrassen wie in Java [77], in den Philippinen eine Seltenheit. Bald betritt man den Wald. Fast alle Bume sind mit Aroideen und Kletterfarnen bedeckt, dazwischen Angiopteris, Pandanus, und einzelne grosse Fcherpalmen (Corypha) mit kronleuchterartiger Fruchtkrone. Drei Leguas von Lucban drngt sich der Fluss an einem grossen, aus prismatischen Sulen bestehenden Felsen vorbei und fliesst dann durch ein Konglomerat von nussgrossen vllig abgerundeten Gerllen aus vulkanischem Gestein und weissem marmorartigen Kalk, in welchem Spuren von Zweischalern und Korallen zu erkennen sind. Weiter flussabwrts tritt das vulkanische Gerlle zurck, das Konglomerat besteht nur noch aus Marmorkugeln durch Kalkspath an einander gekittet, es wechsellagert mit Bnken von Thon und grobkrnigen Tuffen, in denen sprlich schlecht erhaltene Blatt- und Muschelabdrcke vorkommen; doch gelang es eine zwar plattgedrckte aber doch noch erkennbare fossile Melania zu finden. Diese Bnke mgen wohl 500' ber dem Meeresspiegel liegen. Im Dunkeln setzten wir, eine Legua oberhalb Mauban, ber den schon ziemlich breiten Fluss, auf einem elenden durchlcherten Bambusfloss, das, mit den Pferden belastet, einen halben Fuss tief einsank und jenseits in einer Sumpfpftze strandete. Wegen des Kirchweihfestes am folgenden Tage war das Tribunal mit Menschen gefllt. Die Cabezas trugen, als Zeichen ihrer Wrde, ein kurzes Jckchen ber dem Hemd. An den Wnden standen bunt verzierte Tische voll Obst und Gebck, in der Mitte des Saales eine gedeckte Tafel fr 40 Personen. Ein Europer, der ohne Bedienten reist, (mein Diener hatte sich mit einigen Vorschssen geflchtet) gilt fr einen Landstreicher; ich wurde daher mit zudringlichen Fragen belstigt, liess sie aber unbeantwortet, suchte mir, da ich das geforderte Abendbrot nicht erhielt, in der Kche einige gute Bissen aus den Fleischtpfen, verzehrte sie von vielen Zuschauern umgeben, und streckte mich, da ich keinen bessern Platz fand, auf der Bank an der gedeckten Tafel, die sich zweimal mit Gsten fllte, zum Schlafen aus. Als ich am folgenden Morgen erwachte, waren schon wieder so viele Menschen anwesend, dass es mir nicht mglich war, mich umzukleiden. In schmutzigem Reiseanzuge begab ich mich zu einem in Pueblo ansssigen Spanier, der mich, sobald mein Pass das durch meinen Aufzug erschtterte Vertrauen hergestellt, auf das liebenswrdigste aufnahm. Mein freundlicher Hausherr trieb nicht unbedeutenden Handel; es lagen zwei englische Schiffe im Hafen, die er fr China mit Molve, einer dem Teak verwandten Holzart befrachtete. Auf der Rckkehr besuchte ich, wenig seitwrts vom Wege, zwischen Mauban und Lucban, einen schnen Wasserfall Butcan. Auf einer Sohle von vulkanischem, durch Obsidianmasse verkittetem Tuff, hnlich dem seltenen Piperno der Pianura bei Neapel, strmt zwischen dicht bewachsenen hohen Tuffwnden ein wasserreicher Fluss und strzt pltzlich in eine angeblich 360' tiefe Schlucht, in der er weiter fliesst; die Kluft ist aber so enge, die Vegetation so ppig, dass man ihm von oben nicht mit den Augen folgen kann. Dieser Wasserfall hat grosse Aehnlichkeit mit dem am Abhange des Semeru in Java (s. Reiseskizzen.) Hier, wie dort, bildet ein, ber gewaltige Tuffmassen geflossener Lavastrom eine horizontale Flche, die wiederum vom mchtigen Tuffablagerungen bedeckt ist. Der Fluss hat sich durch diese leicht sein Bett bis auf die harte Lavabank gegraben, bis an ihr Ende fliesst er zwischen hohen, engen, dicht bewachsenen Wnden und strzt dann jh in die, von ihm selbst ausgewaschene tiefe Schlucht. Strmender Regen verhinderte mich leider den schnen Wasserfall zu zeichnen. Im Regen erreichte ich das Convento von Majaiji und ebenso verliess ich es nach drei Tagen anhaltenden Regens, da auf Monate hinaus besseres Wetter nicht zu hoffen war. In Majaiji dauert die Regenzeit 8 bis 9 Monat, whrend welcher kaum ein Tag vergeht, ohne dass es in Strmen giesst (Estado geogr. S. 150). Eine Besteigung des Vulkans war unter solchen Umstnden nicht ausfhrbar. Nach den schriftlichen Aufzeichnungen des Pfarrers von Majaiji ist der Banajo am 22. April 1858 von den Herren Roldan und Montro, zwei tchtigen, mit Revision der Seekarte des Archipels beauftragten spanischen Marine-Offizieren erstiegen und gemessen worden. Sie peilten von der Spitze die Kathedrale von Manila, den Vulkan Myon in Albay, die Insel Polllo und bestimmten den Gipfel zu 7020 Fuss span., die Tiefe des Kraters auf 700'. Der Krater enthielt frher einen See, der bei dem letzten Ausbruch des Berges, 1730, durch die in der Sdwand entstandene Lcke abfloss. [78] Auf ausgehungerten Frohnkleppern, unter anhaltendem Regen, durch tiefaufgeweichten Thonboden watend, wurde Caluan erreicht; die Weiterreise nach Manila musste, da in Bay kein Boot zu haben, auf den folgenden Tag verschoben werden. Am nchsten Morgen waren keine Pferde zu bekommen, erst Nachmittags erhielt ich einen Karren und zwei Bffel zur Fahrt nach Sa. Cruz, von wo Abends das Marktschiff nach Manila abgehn sollte. Ein Bffel war vorgespannt, der andre zur Ablsung hinten angebunden. Da Bffel No. 1 nicht zieht, No. 2 auf ebener Strasse als Hemmschuh wirkt, so werden sie gewechselt. Kaum sprt No. 2 die Last hinter sich, als er sich niederlegt. Durch Schlge zum Aufstehn bewogen, geht er bedchtig, aber unaufhaltsam in eine nahe Pftze, und legt sich darin nieder. Nur mit grosser Mhe gelingt es den Karren los zu machen und rckwrts wieder auf die Strasse zu schieben, whrend die beiden Thiere ein Schlammbad nehmen. Das Gepck wird von Neuem aufgeladen, die Bffel wieder in die ursprnglichen Stellen eingesetzt, der Treiber legt sich mit dem Gewicht seines Krpers in das Nasenseil des vorgespannten Thieres und zieht. Der Bffel folgt langsam sammt dem Karren und dem Reservisten. In Pila erhielt ich ein besseres Gespann, mit dem ich spt Abends bei strmendem Regen eine Husergruppe Sa. Cruz gegenber erreichte. Das Marktschiff war abgegangen, alle Bemhungen ein Boot zur Ueberfahrt nach dem Dorf zu erlangen, fhrten nur zu unverschmten Prellversuchen; so ging ich denn in das gerumigste der Huser, das ich von einer Wittwe und ihrer Tochter bewohnt fand. Nach einigem Zaudern wurde mein Gesuch um Nachtquartier gewhrt, ich liess Oel zur Beleuchtung und Nahrungsmittel holen, die Frauen brachten einige Verwandte mit, die bei Zubereitung der Speisen halfen, und als Beschtzer im Hause blieben. Am nchsten Morgen ging ich zwischen muntern Gruppen von Badenden durch den Fluss nach Sa. Cruz und erhielt dort ein Boot um ber den See nach Pasig, von da nach Manila zu fahren. Gegenwind zwang uns aber auf der Spitze von Jalajala zu landen, und die vor Tagesanbruch eintretende Windstille abzuwarten. Zwischen der ussersten Sdspitze und dem Wohnhause sieht man an mehreren Stellen, 15 Fuss hoch ber dem Wasserspiegel, Bnke mariner Muscheln, (hauptschlich Tapes virgineus Lin. Phil. und Cerithium moniliferum Kien.) dieselben, die noch heut an der Meereskste sehr hufig sind; ein Zeichen dass auch an dieser Stelle Hebungen des Bodens stattgefunden haben. ACHTES KAPITEL SEEREISE NACH ALBAY. -- MARIVELES. -- SCHIFFFAHRT ZWISCHEN DEN INSELN. -- SAN BERNARDINO STRASSE. -- VULKAN BULUSAN. -- LEGASPI. -- SORSOGON. Gegen Ende August fuhr ich von Manila nach Albay in einem Schoner, der Abac gebracht hatte und in Ballast zurckkehrte. Wir liefen bei gutem Wetter aus, aber am folgenden Tage mehrten sich die Anzeichen eines herannahenden Sturmes in sehr bedenklicher Weise, der Kapitn beschloss umzukehren und in dem kleinen sicheren Hafen von Marivles, einer Lcke im Sdrand der Halbinsel Batan, welche die Bay von Manila westlich begrenzt, Schutz zu suchen. Wir erreichten ihn Nachts zwei Uhr, nachdem wir vierzehn Stunden vor der Einfahrt gekreuzt hatten. Hier mussten wir zwei Wochen vor Anker liegen, whrend es fast ununterbrochen regnete und draussen strmte. Ausflge auf das Land mussten sich daher auf die unmittelbare Umgegend beschrnken. Leider erfuhr ich erst in den letzten Tagen, dass in den Bergen eine Niederlassung von Negrito's bestehe, und erst kurz vor der Abfahrt gelang es mir, einen Mann und eine Frau zu sehen und zu zeichnen. Die Bevlkerung von Mariveles hat keinen guten Ruf. Das Oertchen wird fast nur von Schiffern besucht, die dort bei schlechtem Wetter einlaufen; die mssigen Mannschaften bringen dann die Zeit am Lande mit Trinken und Spielen zu. Auffallend war die Schnheit und weisse Farbe vieler jungen Mdchen, offenbar Mischlingen; wenn sie auch offiziell als Tagalinnen gelten. Dieselbe Erscheinung nimmt man in vielen Hfen und in der Umgebung von Manila wahr; in Gegenden, die fast nicht von Spaniern besucht werden, ist die Bevlkerung dunkler und von reinerer Rasse. Die Zahl der Schiffe, die hier Zuflucht suchten, stieg auf zehn, darunter drei Schoner. Ein kleiner Pontin [79] versuchte jeden Morgen auszulaufen, kaum aber hatte er sich die See draussen angesehen, als er wieder umkehrte und von den brigen mit hhnischem Jubel begrsst wurde. Der Hunger machte ihn so khn. Die Mannschaft, die ihre eigenen Produkte nach Manila gebracht, hatte den Erls der Ladung verspielt und war ohne Proviant ausgelaufen, in der Hoffnung, ihre Heimat schnell wieder zu erreichen, was wohl auch bei gnstigem Winde gelungen wre. Solche Flle kommen nicht selten vor. Mehrere Eingeborne miethen zusammen ein kleines Schiff, laden ihre Erzeugnisse ein und fahren sie nach Manila zum Verkaufe. Die Strasse zwischen den Inseln gleicht einem schnen breiten Strom mit entzckenden Uferlandschaften voll kleiner Niederlassungen. Gegen Abend finden die Seefahrer das Wetter hufig bedenklich und legen an, um den Morgen zu erwarten. Die gastliche Kste bietet ihnen Fische, Krabben, Muscheln in Flle, hufig auch ungehtete Kokosnsse; -- ist sie bewohnt, um so besser. Die Gastfreundschaft zwischen den Indiern ist sehr gross und umfassender als in Europa. Die Gste vertheilen sich in die einzelnen Htten. Nach gemeinschaftlicher Mahlzeit, bei der es nicht an Palmwein fehlt, werden die Matten auf den Boden des Hauses ausgebreitet, die Lampe, eine grosse Schnecke mit Binsendocht, verlscht und Alles schlft zusammen. Als ich einmal nach fnftgiger Fahrt in die Bay von Manila einlief, berholten wir ein Schiffchen, das aus derselben Gegend wie ich, abgefahren war, um Kokosl nach Manila zu bringen und sechs Monat auf seinem Argonautenzuge zugebracht hatte. Nicht selten wird dann die Ladung in der Hauptstadt verprasst, wenn es nicht schon unterwegs geschehn. Als sich der Sturm endlich gelegt, verlassen wir Abends den Hafen von Mariveles. Vor der Einfahrt liegt eine kleine vulkanische Felseninsel aus sulenfrmig abgesondertem Gestein von ganz auffallender Aehnlichkeit mit der Cyclopen-Insel bei Trezza (Sizilien). Wie dort, so auch hier eine spitze Pyramide, daneben ein kleines flaches Eiland. Wir fahren die Kste von Cavite entlang bis zur Punta Santiago, der SW. Spitze Luzon's, und wenden dann stlich, in die schne Seestrasse ein, die im Norden durch Luzon, im Sden durch die Bisaya-Inseln begrenzt wird. Mit Sonnenaufgang enthllt sich ein herrliches Bild vor unseren Augen. Im Norden erhebt sich der Vulkan Taal ber das Flachland von Batangas, im Sden die dicht bewaldete Felsen-Kste von Mindoro (anscheinend Kalk) mit ihrem Hafen Porto Galera, dem eine kleine davor liegende Insel als Wellenbrecher dient. Dichte Zge von Schiffen, die den Sturm in den Bisaya-Hfen abgewartet, kommen uns, auf ihrem Wege nach Manila, entgegen. Denn dies ist die grosse Verkehrsstrasse des Archipels, die sich von SO. nach NW. erstreckt, und das ganze Jahr fahrbar bleibt, da sie durch den nach SO. ausgestreckten Arm Luzon's und die in gleicher Richtung streichende Insel Smar gegen den Anprall der NO. Strme und gegen die aus SW. durch die Bisayas geschtzt ist. Die Inseln Mindro, Pany, Negros, Ceb und Bojl folgen auf einander, bilden den sdlichen Saum der Strasse und bieten in ihren Zwischenrumen eben so viele nach S. geffnete Queergassen zur Mindoro See, die im W. von Paluan, im O. von Mindanao, im S. vom Sulu(Jlo)-Archipel begrenzt wird. Vor das Ost-Ende lagern sich die Inseln Smar und Leyte die nur drei schmale Strassen zum grossen Ozean offen lassen: die Engen von S. Bernardino, S. Juanco und Surigo. Mehrere grssere und unzhlige kleine Inseln liegen innerhalb dieser flchtig angedeuteten Umrisse. Zwei grosse Buchten in der Sdkste von Batngas bieten den Schiffen Ankergrund, doch nur geringen Schutz, so dass diese bei schlechtem Wetter nach Porto Galra auf der gegenber liegenden Insel Mindro flchten. Taal, der Haupthafen der Provinz ist mit dem grossen Binnensee von Taal oder Bombn durch einen nur 1 1/2 Leguas langen Fluss verbunden, der frher schiffbar, jetzt so verschlmmt ist, dass nur bei Fluth kleine Schiffe in den See gelangen knnen. Durch Ausbaggern des Flsschens liesse er sich in einen grossen Binnenhafen verwandeln. Die Provinz Batngas liefert das beste Vieh nach Manila, und fhrt Zucker und Kaffee (1865 16,000 Picul) aus. Auf Luzon steigen Reihen von Bergen auf, deren schne Umrisse vulkanischen Ursprung vermuthen lassen. Die sdlichen Inseln scheinen meist aus geschichtetem Gebirge zu bestehn. Sie endigen gewhnlich in schroffen, bis an den Rand bewaldeten Klippen. Der weithin sichtbare, von allen Seiten gleiche, drehrunde Myon oder Alby bildet den Hauptpunkt der Landschaft. Abends erscheint uns auf der sdstlichen Spitze Luzon's der Bulusn, und alsbald wenden wir nrdlich in die enge San Bernardino Strasse, die Luzon von Samar trennt. Der Vulkan Bulusn, der lange erloschen schien, 1852 aber wieder zu dampfen begann [80], wiederholt in berraschender Weise die Formen des Vesuv. Wie dieser zeigt er zwei Spitzen, im Westen eine glockenfrmige Kuppe, den Eruptionskegel; im Osten, als Rest eines grossen Ringgebirges einen hohen Bergzacken, der dem Monte Somma entspricht; deutlich erkennt man daran die dem ussern Abhange parallele Schichtung. Wie beim Vesuv steht der Eruptionskegel im Mittelpunkte des alten Kraterwalles; der Zwischenraum, der ihn von der gegenberliegenden Bergwand trennt, der alte Kraterboden ist betrchtlich grsser und viel unebener als das Atrio del Cavallo am Vesuv. Die Strmung ist in der San Bernardino Strasse so stark, dass wir zweimal ankern mussten, um nicht zurckzutreiben. Wir hatten fortwhrend vor uns den schnen Vulkan, mit dem Drfchen Bulusn, das auf seiner Ostseite in einem Kokoshain hart am Strande liegt. Mit schwachen unstten Winden mhsam gegen die Strmung kmpfend, gelangten wir erst am folgenden Abend nach Legaspi, dem Hafen von Albay. Der Schiffskapitn war ein Spanier, und hatte sich bemht die Reise so schnell als mglich zu machen. Auf der Rckkehr von Leyte fuhr ich mit einem eingeborenen Kapitn. Da diese Fahrt manche Eigenthmlichkeiten darbot, so mgen des Vergleichs wegen einige bezeichnende Zge derselben aus meinem Tagebuch Erwhnung finden: ... Der Kapitn wollte Gemse fr mich mit nehmen, hat es aber vergessen. Er landet auf einer kleinen Insel und kommt nach einiger Zeit mit einem grossen Palmenkohl zurck, den er in Abwesenheit des Eigenthmers aus einer zu dem Zweck gefllten Kokospalme geschlt hat.... Ein andrer Theil der Mannschaft war inzwischen nach einem Drfchen, an der NW. Spitze von Leyte gefahren, um Lebensmittel zu kaufen. Anstatt sich im Hafen von Taclban, vor der Abfahrt zu verproviantiren, ziehn die Schiffer meist vor, es in irgend einem Dorf der schmalen Strasse zu thun, wo es billiger als dort ist, und sie zugleich Gelegenheit haben sich ein wenig am Lande umher zu treiben. Diese, kaum eine Seemeile breite, durch dazwischen liegende Inseln stellenweis auf weniger als tausend Fuss eingeengte San Juanico Strasse ist zwanzig Seemeilen lang; die Schiffe brauchen aber zuweilen eine Woche um durchzufahren; denn bei widrigen Winden und Strmungen wird geankert und ebenso Nachts an schmalen Stellen. Gegen Abend meint unser Kapitn, der Himmel she recht bedenklich aus; er luft daher in die Bucht von Nvo auf Masbte. Das Schiff geht vor Anker, er und ein Theil der Mannschaft gehn an's Land. Am folgenden Tag war Sonntag, der Himmel schien schon Nachmittags recht bedenklich, auch hatte der Kapitn Einkufe zu machen. Das Schiff ankerte vor Magdalena auf Masbte, wo die Nacht zugebracht wird. Am Montag fuhren wir mit gnstigstem Winde in schneller Fahrt an Marindque und der sdlich davor liegenden kleinen Felseninsel Elefante vorbei. Elefante scheint der Rest eines Kraters, hat dieselbe Form wie der Yriga, ist aber nicht halb so hoch, mit Futtergras bedeckt, und hat Baumgruppen in den Schluchten. Es sollen tausend Stck halbwilde Rinder darauf weiden. Ihr Preis ist 4 Doll., Fracht nach Manila 4 Doll., dortiger Werth 16 Doll. Durch die Schiffer wird viel Vieh gestohlen, da es fast ohne Aufsicht ist. Mein indischer Kapitn bedauerte sehr, dass der gnstige Wind ihm nicht zu landen gestatte -- vielleicht war ich ihm im Wege? Das schne Vieh! wie gut liessen sich ein paar Kpfe fr das Schiff einthun! Es hat kaum einen Herrn; die reichen Eigenthmer wissen gar nicht, wie viel sie besitzen, und der Bestand vermehrt sich fortwhrend ohne ihr Zuthun.... Man steckt sich ein paar Dollar in die Tasche, kommt ein Hirt, so giebt man ihm einen Dollar, und der arme Mann ist glcklich; kommt Niemand, um so besser, man kann auch allein fertig werden, ein Schuss oder eine Wurfschlinge reichen hin.... Ein Schiff Luisa kommt uns entgegen, es macht ein sonderbares Manver, bald hren wir lauten Jubel, denn es ist ihm gelungen einen, von den Fischern von Marinduque auf den Boden des Meeres hinab gelassenen Fischkasten zu stehlen, indem es mittelst herabgelassener Haken, das Tau der Boye geschickt zu packen wusste. Unser Kapitn ist ausser sich vor Neid. Legaspi ist der Haupthafen der Provinz Albay, weil er inmitten des Abacgebietes liegt. Seine Rhede ist aber sehr unsicher; in den Wintermonaten, weil sie den NO. Strmen offen, nicht zu benutzen. Der NNO. ist der herrschende Wind an dieser Kste; der SW. ist kaum zwei Monate, Juni und Juli, bestndig. Die strksten Strme finden zwischen Oktober und Januar statt. Sie beginnen meist mit schwachem Westwind, von Regen begleitet, gehn nach N. oder S., und erreichen ihre grsste Heftigkeit in NO. oder SO. Nach dem Sturm tritt gewhnlich Windstille ein, worauf der Wind des herrschenden Monsun wieder zur Geltung kommt. Die leicht gebauten, elastischen Huser der Gegend widerstehen den Strmen sehr gut, aber Dcher, auch schadhafte Huser werden hufig fortgerissen. Die Schifffahrt zwischen Manila und Legspi dauert hchstens von Januar bis Oktober, whrend der Herbstmonate hrt alle Wasserverbindung auf. Nur die Briefpost kommt dann ziemlich regelmssig jede Woche an. Schweres Gepck kann in dieser Jahreszeit nicht anders befrdert werden, als auf grossem Umwege mit bedeutenden Kosten zur Sdkste, von da zu Schiffe nach Manila. Viel gnstiger fr die Schifffahrt liegt der Hafen von Sorsogn, dessen nach Westen offene Bucht durch die quer davor liegende Insel Bagalo geschtzt ist. Ausser der Sicherheit hat er den Vortheil der schnelleren, nie unterbrochenen Verbindung mit der Hauptstadt des Archipels, whrend die Schiffe von Legspi, in den Monaten, wo Schifffahrt berhaupt mglich bei jeder Reise das stliche Ende Luzon's umkreisen mssen, bei der starken Strmung der S. Bernardino Strasse, oft ein sehr schwieriges Unternehmen. Kleinere Schiffe sind dann whrend sie ankern berdies in grosser Gefahr von Seerubern genommen zu werden. Aber Sorsogn hat kein so fruchtbares Hinterland wie Legspi. Ich brachte Empfehlungen an die beiden angesehensten Spanier der Provinz mit. Sie nahmen mich auf das liebenswrdigste auf, und waren mir, whrend der ganzen Dauer meines Aufenthalts in dieser Gegend, von grsstem Nutzen. Auch hatte ich das Glck hier einen Alkalden zu treffen, der dem Beamtenstande jedes Landes zur Zierde gereicht haben wrde. Von guter Familie, liebenswrdig im Umgang, ein chter Caballero. Um seine Rechtlichkeit zu bezeichnen wurde in Smar von ihm gesagt, mit einem Aktenbndel unter dem Arm sei er dort angekommen und ebenso wieder abgegangen. NEUNTES KAPITEL DER VULKAN MAYON ODER ALBAY UND SEINE AUSBRCHE. Durch Vermittelung meiner spanischen Freunde gelang es mir, ein bequemes Haus in Darga zu miethen, [81] einem wohlhabenden Pueblo von beinahe 20,000 E. am SSO. Fuss des Mayon 1 1/2 Leguas von Legspi. Dieser Vulkan galt fr unersteiglich bis zwei junge Schotten, Paton und Stewart, im April 1858 das Gegentheil bewiesen. [82] Nach ihnen waren mehrere Eingeborene oben gewesen, aber kein Europer. Ich brach am 25. Sept. Abends auf und bernachtete, auf Herrn Muoz Rath, in einer Htte 1000 Fuss ber dem Meere, um am folgenden Morgen die Besteigung mit frischen Krften zu beginnen. Aber zahlreiche Mssiggnger, die bis dahin gefolgt waren, vereitelten durch ihren Lrm im Biwuak die freundliche Absicht des Rathgebers; nur wenig erquickt trat ich um 5 Uhr Morgens den Weg an. Der Nachts am Gipfel wahrzunehmende Feuerschein verschwand mit Tagesanbruch. Nachdem man einige hundert Fuss weit durch 6' hohes Gras gestiegen, folgt kurzes Gras auf einer Strecke von etwa tausend Fuss, dann Flechten; auch diese hren bald auf. Der ganze obere Theil des Berges ist ein kahler Schutthaufen. So weit das Gras reicht, wachsen Casuarinen; sie bilden zuerst ein Gehlz, das sich aber nach oben in kleine Gruppen und einzelne, zwischen gewaltigen Felsblcken mhsam fortkommende Bumchen auflst. Um Ein Uhr erreichten wir den Gipfel. Er war nach allen Richtungen von Spalten zerrissen, aus denen heisse schwefligsaure und Wasser-Dmpfe in solcher Menge drangen, dass wir, um athmen zu knnen, Mund und Nase mit Tchern verbanden. An einer tiefen breiten Schlucht, wo die Dampfentwickelung besonders heftig und massig war, machten wir Halt; wahrscheinlich standen wir am Rande eines Kraters; doch konnte man keine klare Uebersicht der Verhltnisse erlangen, da die Dichtigkeit der aufsteigenden Dampfwolken es unmglich machte die Breite der Klfte zu bersehn. Die Kuppe bestand aus etwa zwei Fuss mchtigen Bnken festen Gesteins, unter einer von schwefliger Sure gebleichten Schlackenkruste. Viele regellos umherliegende prismatische Blcke zeigten, dass der Gipfel frher hher war. Auch wurden einigemale, als starke Windstsse Lcken in die Dampfwolke rissen, gen Norden mehr als hundert Fuss hohe Felsenpfeiler sichtbar, die der Verwitterung und dem Ausbruch von 1814 (s. unten) bisher widerstanden hatten. Spter fand ich Gelegenheit den Gipfel durch ein gutes Fernrohr bei sehr klarem Wetter von Darga aus zu beobachten; es ergab sich dabei, dass der Nordrand die Sdseite berragte. (Vergl. d. Zeichnung.) An mehreren Stellen, wo die Zersetzung besonders stark gewesen, waren breite Rinnen ausgewaschen, auf deren Boden sich gelbe und rothe Salze abgesetzt hatten. Ueber 20' lange, von der Kuppe herabgeglittene Steinplatten lagen am obern Abhange. Auf der Darga zugekehrten Seite war ein Lavastrom herabgeflossen, dessen Oberflche aus so feinen lockern Schlacken bestand, dass er wie ein Moosteppich aussah. Die Neigung dieses Stromes betrug ber 30, dennoch hat er unverkennbar eine zusammenhngende Masse gebildet, es kamen Stcke von 5 bis 6' Lnge vor, in der Regel freilich war durch Verschiebung des darunter liegenden Schuttes die 6 Zoll starke Lavadecke in kleinere Stcke zersprungen. An einer Stelle aber, etwa 600' tiefer, wo sich dieselbe Lava ber eine feste Steinplatte ausgebreitet hatte, bildete sie eine mehr als 40' lange zusammenhngende, nur durch kleine Sprnge zerborstene Platte von 45 Neigung. Wir hatten noch nicht zwei Drittel des Abhanges hinter uns, als es dunkel wurde. In der Hoffnung die Htte zu erreichen, wo unsere Lebensmittel zurckgeblieben, irrten wir noch bis gegen 11 Uhr hungrig und mde zwischen grossen Felsblcken umher und entschlossen uns endlich den Morgen zu erwarten. Dies Missgeschick war nicht durch Mangel an Vorbedacht, sondern durch die Unzuverlssigkeit der Indier veranlasst. Zwei zum Wasser- und Provianttragen mitgenommene Leute waren gleich Anfangs verschwunden, ein dritter zur Bewachung unserer Sachen im Biwuak zurckgelassener sehr zuverlssiger Mann, der den Auftrag hatte, uns bei einbrechender Dunkelheit mit Fackeln entgegen zu kommen, war schon Vormittags nach Darga zurckgekehrt. Mein Diener, der eine wollene Decke und einen Schirm fr mich trug, verschwand pltzlich im Dunkeln, als es zu regnen begann, und fand mich trotz alles Rufens erst am folgenden Morgen wieder. Wir brachten die regnerische Nacht auf den kahlen Steinen zu, und froren, als unsere sehr dnnen Hllen durchnsst waren, zum Zhneklappern. Mit Sonnenaufgang wurde es sogleich warm, die gute Laune stellte sich bei Allen wieder ein. Gegen 9 erreichten wir unsere Htte und erholten uns nach 29stndigem Fasten. In den Trabajos y Hechos notables de la Soc. econom. de los Amigos del pais ist angefhrt unter 4. September 1823: Das Mitglied D. Antonio Siguenza besuchte den Vulkan von Albay am 11. Mrz und die Gesellschaft befahl eine Denkmnze zu schlagen um die Thatsache festzustellen und besagten Siguenza und seine Gefhrten zu belohnen. In der Provinz Albay aber versichern Alle, dass die beiden Schotten die Ersten waren, denen es gelang den Berg bis zum Gipfel zu erklimmen. Eine Besteigung des Vulkans ist in obiger Notiz allerdings nicht ausdrcklich erwhnt, die Belohnung lsst es aber vermuthen. Arenas (Memorias 142) sagt: Der Mayon ist vom Capt. Siguenza gemessen worden. Vom Krater bis zu seiner Basis, die sich im Niveau des Meeres befindet, betrgt seine Hhe 1682 span. Fuss (= 468,66 Meter) und Seite 143: er habe in den Akten der Soc. economica gelesen, dass sie eine goldene Medaille schlagen liess zu Ehren Siguenza's (und seiner Gefhrten), der 1823 den Krater des Vulkan's untersucht, doch habe er seine Zweifel gegen letztere Leistung. Nach den Registern des Franziskanerordens sollen 1592 zwei Mnche, um die Eingeborenen von ihrem Aberglauben in Betreff des Vulkanes zu heilen, die Ersteigung versucht haben; der erste kam nicht weit, der zweite, Pater Estevan Solis erreichte zwar nicht den Gipfel, da drei tiefe Schlnde ihm den Weg versperrten, aber auf die blosse Erzhlung seiner Abenteuer bekehrten sich hundert Eingeborene zum Christenthum, er starb indessen noch in demselben Jahre an den Folgen der mannichfachen Temperaturen denen er bei Besteigung des Berges ausgesetzt gewesen. In manchen Bchern heisst es, der Berg sei betrchtlich hoch, in andern, auch noch im Estado geografico der Franziskaner von 1855, wo man die gedankenlose Wiederholung eines so groben Druckfehlers nicht erwarten sollte, ist zu lesen, dass seine Hhe nach den Messungen des Capt. Siguenza 1682 Fuss betrage. Die von diesem trefflichen Hydrographen wirklich ermittelte Hhe habe ich nirgends gefunden. Nach meinen Barometermessungen betrgt die Meereshhe der Gipfelplatte, die aber noch von einzelnen Pfeilern berragt wird, 2374 Meter = 8559 span. Fuss, = 7564 Rh. Fuss. Der erste Ausbruch des Mayon oder Albay, den Al. Perrey verzeichnet, ist vom Februar 1616: Anchoras suas 19. Februarij ad maximam insulam projecerunt, quae Lucon appellatur, et in qua sita est urbs Manila ..... videruntque incredibilis altitudinis montem perpetuo igne flagrantem, Albaca nomine, plenum sulphure (Nach Spilbergens Reise in Th. de Bry Americae t. XI.) App. p. 26 Francf. 1620 Fol. Am 23. October 1766 fand ein furchtbarer Ausbruch statt, der die Ortschaft Malino gnzlich zerstrte, und in Cagsua, Camlig, Budio, Guinobtan, Polngui und Ligo grosse Verheerungen anrichtete. Nach einem Brief des Alkalden der Provinz (Legentil II, S. 14 giebt eine Uebersetzung, Al. Perrey S. 71 einen Auszug aus dieser) entzndete sich der Berg am 20. Juli und brannte 6 Tage lang. Die Flamme hatte zuerst die Gestalt einer Pyramide, allmlig wurde sie niedriger, die Spitze erschien entflammt. Vom Gipfel ergoss sich nach Osten ein Lavastrom, der 120 Fuss breit zu sein schien, und 2 Monate lang beobachtet wurde. Am 23. October spie der Vulcan whrend eines sehr heftigen Sturmes, der gegen 7 Uhr Abends aus WNW. begann und um 3 Uhr Morgens pltzlich nach S. umsprang und dabei alle Htten des Dorfes zerstrte, eine so gewaltige Menge Wasser aus, dass zwischen Tbog und Alby mehrere Flsse von 30 Varas Breite entstanden, die mit grosser Wasserflle und Gewalt in das Meer liefen und bei Fluth nicht zu durchfurthen waren. . . . Zwischen Bacacy und Malino betrug die Breite der Flsse ber 80 Varas. Von Cemlig nach dem Innern von Sayaras Provinz Naya, ist das Land so verndert, dass man die Strassen nicht wieder erkennt. Malino ist gnzlich zerstrt, fast alle Htten fortgerissen, die Felder sind mit Sandhaufen bedeckt; ein Drittel von Cagsva ist gleichfalls vernichtet, der Ueberrest bildet eine Insel oder vielmehr einen von tiefen breiten Schluchten umgebenen Berg, durch welche der Strom von Sand und Wasser geflossen ist. Dieser Strom hat in Cemlig, Guinobatam, Liga und Bolangui noch grssere Verheerungen angerichtet. . . Im SW. sind die Palmen und andere Bume bis an ihre Wipfel begraben worden. . . . In Albay wurden 18, in Malino ber 30 Leichname gefunden. . . es hat allen Anschein, dass die ungeheuere Wassermasse aus dem Innern des Vulkans gekommen ist. . . 1800 fand abermals ein verheerender Ausbruch statt, der Berg schleuderte viel Steine, Sand und Asche aus (Fr. Aragoneses). Der Ausbruch vom 1. Febr. 1814 war aber bei weitem der schlimmste. Al. Perrey S. 85 giebt einen Auszug aus der Beschreibung eines Augenzeugen. [83] Um 8 Uhr Morgens warf der Berg pltzlich eine dicke Sule von Steinen, Sand und Asche aus, die sich schnell bis in die hchsten Luftschichten erhob. . . Die Seiten des Vulkans verschleierten sich und verschwanden vor unsern Blicken. Ein Feuerstrom strzte vom Berge herab und drohte uns zu vernichten. . . Alles floh und suchte die hchsten Punkte auf. Das gewaltige Gerusch des Vulkans setzte alles in Schrecken. Die Finsterniss nahm zu . . die Fliehenden wurden zum Theil von den herabfallenden Steinen erschlagen. . . die Huser gewhrten keinen Schutz, da die glhenden Steine sie in Brand steckten. So wurden die blhendsten Ortschaften von Camarines in Asche gelegt. Gegen 10 Uhr hrte das Herabfallen der grossen Steine auf, ein Sandregen trat an die Stelle; um halb zwei Uhr liess das Getse etwas nach, der Himmel klrte sich allmlig auf. . Der Boden war mit Leichen und Schwerverwundeten bedeckt, in der Kirche von Budio waren 200, in einem Hause desselben Ortes 35 Personen umgekommen. Fnf Ortschaften in Camarines sind gnzlich, Albay zum grossen Theil zerstrt. Zwlftausend Personen kamen um, viele sind schwerverwundet, die Ueberlebenden haben alles verloren. Der Anblick des Vulkans ist traurig und schrecklich, seine vorher so malerischen, reich bebauten Abhnge sind mit Sand bedeckt, furchtbar drr . . die Schicht von Steinen und Sand ist 10 bis 12 Varas dick. Wo frher das Dorf Budio stand, sind die Kokosbume bis an ihre Wipfel begraben. In den andern Drfern ist die Schicht nicht weniger als eine halbe Elle dick. . . Die Spitze des Vulkans hat, so weit ich es beurtheilen kann, ber 120 Fuss an Hhe verloren, an der Sdseite entdeckt man eine ungeheure Oeffnung; drei andre Mndungen haben sich in geringer Entfernung vom Hauptschlunde aufgethan; sie stossen noch Asche und Rauch aus . . . die schnsten Ortschaften von Camarines und der beste Theil der Provinz sind in eine unfruchtbare Sandwste verwandelt. -- Im Estado geogr. ist ein Auszug aus der Schrift eines andern Augenzeugen, Pater Franc. Tubino, aus Guinobtan von 1816 enthalten; es heisst darin: Nach hufigen Erdstssen am vorhergehenden Abend und starken Erschtterungen am Morgen spie der Berg pltzlich aus seinem Rachen etwas wie Schnee aus, das sich pyramidenfrmig erhob, und die Gestalt eines schnen Federbusches annahm. Da die Sonne hell schien, so gewhrte die vernichtende Erscheinung verschiedene schne Anblicke. Der Berg war an seinem Fuss schwarz, weiter aufwrts dunkel, in der Mitte bunt, oben aschfarben. Whrend der Betrachtung des Schauspiels wurde ein heftiger Erdstoss versprt, gefolgt von starkem Donner. Der Berg fuhr fort Lava mit Gewalt auszustossen, whrend die Wolke, die er bildete, sich allmlig vergrsserte. Die Erde wurde verdunkelt, die Luft brannte, man sah aus der Erde Blitze und Funken kommen, die sich durchkreuzten und ein furchtbares Gewitter bildeten. Darauf folgte unmittelbar ein Regen von grossen, brennenden und verbrannten Steinen, die alles was sie trafen vernichteten und verbrannten, bald darauf kleinere Steine, Sand und Asche. Dies whrte ber drei Stunden, die Dunkelheit etwa fnf. Die Stdte Camlig, Cagsua, Budio, die Hlfte von Alby und Guinobtan wurden verbrannt und zerstrt. Die Dunkelheit verbreitete sich sehr weit -- bis nach Manila und Ilcos, die Asche soll, wie einige versichern, bis nach China geflogen, der Donner in vielen Theilen des Archipels gehrt worden sein. 1827 brach in Manila (Luzon) ein Vulkan aus, in der Provinz Albay, der Ausbruch dauerte bis zum Februar 1828. (A. Perrey S. 93). Den Pfarrern der Ortschaften am Fuss des Mayon verdanke ich folgende Mittheilungen ber die Ausbrche des Vulkans, deren Zeugen sie gewesen sind: 1834 und 1835. In diesen beiden Jahren war der Berg fast ununterbrochen in Thtigkeit. Aschenausbrche wurden nicht wahrgenommen, aber fast jede Nacht sah man glhende Lava von der Spitze nach verschiedenen Richtungen in den oberen Schluchten herabfliessen. Im Monat Mai 1835 fand ein sehr starker Gipfel-Ausbruch statt, mit Aschen- und Steinregen; er begann um 6 Uhr frh, dauerte aber nicht bis zum Abend; man sah abwechselnd graue und weisse Sulen sich vom Gipfel erheben; in den grauen Sulen konnte man grosse Steine erkennen, die Erscheinung war von starkem Donner begleitet. Nach den Ausbrchen von 1835 blieb der Berg ruhig bis 1845, selbst Dampfwolken waren oft mehrere Monate lang nicht wahrzunehmen. Nach Capt. Wilkes (U. S. Expl. Exp. V 283) wre zu vermuthen, dass auch 1839 ein Ausbruch statt fand: ... aber viele (Vulkane) rauchten, besonders der im Gebiete von Albay, Ysarog genannt. Sein letzter Ausbruch fand 1839 statt, that aber wenig Schaden im Verhltniss zu dem von 1814 ... er liegt 150 Miles SO. von Manila und soll ein vollkommener Kegel sein. -- Statt des Ysarog ist hier der Mayon gemeint; die mit gesperrter Schrift gedruckten Stellen passen nur auf diesen, der Ysarog ist erloschen. Dieselbe Namenverwechselung wiederholt sich noch zweifelloser bei Dana. (U. S. Expl. Exp. Geology. 541): In der SO. Ecke (von Luzon) steht der hohe Kegelberg Albay, von den Eingeborenen Ysarog genannt. -- Der fragliche Ausbruch kann wohl nur unbedeutend gewesen sein, da die Pfarrer ihn nicht erwhnen. Am 21. Januar 1845 verkndete starkes Donnergerusch einen Gipfelausbruch, der indessen nur 10 Minuten whrte. Eine Viertelstunde darauf wiederholte sich dieselbe Erscheinung, dauerte abermals zehn Minuten und trat nach etwa einer Stunde zum dritten Mal ein. Um 9 Uhr aber fand mit starkem Getse ein Aschen-Ausbruch statt, der zwei Stunden ohne Unterbrechung anhielt und in dem Gebiet SW. vom Berge die Luft verfinsterte. In Darga blieb es hell und man konnte die schne Erscheinung, die in Guinobtan Alles in Schrecken setzte, ungefhrdet betrachten. Der Ausbruch hielt noch einige Tage an, aber schwcher; bei Tage gewahrte man eine dunkle Aschensule, Nachts erschien sie glhend. Auch sah man dann glhenden Sand in den Schluchten sich abwrts schieben; dies Schauspiel whrte eine Woche lang. Zugleich hrte man Nachts ein Rauschen wie von einem Sturzbach; bei Tage war nur das Gerusch der gegeneinander schlagenden Steine wahrzunehmen. Wegen des herrschenden NO.-Windes fiel die Asche in Guinobtan, Ligo und Camlig nieder, wo es bei Tage so finster war, dass man mit Laternen auf der Strasse ging. Auf dem Bergabhange berraschte Bffel und Rinder kamen um, sonst waren keine Unglcksflle zu beklagen. 1846 starker Ausbruch an einem Nachmittage. Von Camlig aus (im S.) erscheint der ganze Berg in eine Wolke gehllt, darber eine schwarze Aschensule. Mehrere Nchte starker Feuerschein am Gipfel. 1851 zwei Aschenausbrche, beide unbedeutend, der zweite im Juni. 1853, 27. Juli (13. Juli nach Estado geogr. S. 318). Grosser Ausbruch von zwlf Uhr Mittags bis drei Uhr. Er wird durch starkes Donnern, aber ohne Erdstsse eingeleitet. Aus dem Gipfel bricht eine hohe Aschensule hervor, welche die Gestalt eines Baumes annimmt; die Drfer im Umkreise mehrerer Meilen werden mit Asche bedeckt. Glhende Steine rollten bis an den Fuss des Berges herab und zerstrten mehrere Huser. 31 Menschen kamen in einer Abacpflanzung um (33 nach Estado 318.). Ein heftiger Ausbruch soll am 22. Mrz 1855 whrend eines Erdbebens in Manila stattgefunden haben. (A. Perrey S. 105 nach einer Mittheilung der Herren Meister und Kluge.) Nach Hochstetter (Sitzungsber. Wiener Akad. Bd. 36, S. 131) hat der Mayon 1857 so viel Asche ausgeworfen, dass alle Bienen der Umgegend getdtet wurden. 1858 war der Berg fast ununterbrochen thtig, doch fanden keine grossen Ausbrche statt, aber fast alle Nchte sah man am Gipfel glhende Lava in den Schluchten. 1859 und 1860 konnte man fast jede Nacht bei klarem Wetter einen Feuerschein am Gipfel wahrnehmen, Ausbrche fanden nicht statt. Erdbeben sind in dieser Provinz seltener als in Manila und gewhnlich wegen der Bauart der Huser unschdlich. 1840 und 1846 fanden zwei bedeutende statt, deren ersteres die Ortschaft Sorsogn zum grsseren Theil zertrmmerte. Im Anhang zur engl. Uebersetzung von Morga S. 373 wird ein furchtbares Erdbeben angefhrt, das am 19. Oct. 1865 in der Provinz Albay viel Hab und Gut zerstrte, wobei die Orte Malino und Tabco von der See berschwemmt wurden. Nach einer in Nature enthaltenen Notiz aus Manila brach Mitte Dezember 1871 der Mayon aus und spie mehrere Wochen lang Rauch, Steine und Lava aus. ZEHNTES KAPITEL CACAO. -- KAFFEE. -- KIRCHWEIHFEST. -- LEBEN IN DARAGA. Ein herabspringender Stein hatte mich auf dem Mayon so erheblich am Fusse verletzt, dass ich ber einen Monat nicht ausgehn konnte. Unter solchen Umstnden war es sehr angenehm eine gerumige bequeme Wohnung zu haben. Mein Huschen lag an einem klaren Bach von einem Garten umgeben, in welchem Kaffee, Cacao, Orangen, Bananen, Papayas in ppiger Flle zwischen hohem Unkraut wuchsen. Viele berreife Cacaofrchte waren unbenutzt abgefallen, ich liess die reifen sammeln, rsten und mit gleicher Menge Zucker zu Chocolade verarbeiten, eine Kunst, die hier in jeder grsseren Haushaltung verstanden wird; denn Chocolade vertritt bekanntlich bei den Spaniern die Stelle des Thee's und Kaffee's; auch die Mestizen und bemittelten Eingeborenen machen starken Gebrauch davon. Der Cacaobaum stammt aus dem zentralen Amerika, reicht dort von 23 N. bis 20 S. (von 30 N. bis 30 S. Rappt. Jury XI, 268), gedeiht aber nur in den heissesten, feuchtesten Erdstrichen. Nach Karsten setzt er bei einer mittleren Temperatur von unter 23.3 C. schon keine Frucht mehr an, von allen Kulturfrchten verlangt er die grsste Wrmemenge. In die Philippinen wurde er von Acapulco aus eingefhrt, entweder nach Camarines 1670 durch einen Steuermann, Pedro Brabo de Lagunas, oder nach Samar, unter Salcdo's Regierung (1663-1668) durch die Jesuiten. [84] Seitdem hat er sich ber einen grossen Theil der Inseln verbreitet, und, obgleich wohl nie Gegenstand besonderer Pflege, ist seine Frucht doch von vorzglicher Beschaffenheit. Der Cacao von Albay steht, wenn man den im Lande dafr gezahlten Preis als Maassstab gelten lsst, dem Carcas wenigstens gleich, der in Europa den ersten Rang behauptet und wegen seines hohen Preises gewhnlich zu drei Vierteln mit geringeren Sorten gemischt wird. [85] Man findet aber den Strauch meist nur in kleinen Grten, in unmittelbarer Nhe der Huser, und so gross ist die Trgheit der Indier, dass sie die Frchte hufig verfaulen lassen, ohne die kstlichen Saamen zu nutzen, obgleich der einheimische Cacao hher im Preise steht als der eingefhrte. Auf Ceb und Ngros wird etwas mehr gebaut, aber lange nicht ausreichend fr den Bedarf der Kolonie, die das Fehlende gewhnlich von Ternate und Mindanao einfhrt. Den besten Cacao der Philippinen erzeugt die kleine Insel Maripipi, NW. von Leyte; er ist schwer zu haben, gewhnlich schon voraus bestellt, das Liter wird gern mit 1 Dollar bezahlt; der von Albay gilt 2 bis 2 1/2 Doll. die Ganta (3 Liter). Der Indier steckt die zum Keimen bestimmten Kerne gewhnlich einzeln mit etwas Erde in dtenfrmig gefaltete Bltter und hngt sie unter seinem Dache auf. Sie wachsen schnell und werden, um die Entwicklung des Unkrauts zu hemmen, in sehr geringen Entfernungen von einander (6' bis 7') ausgepflanzt. Diesem Verfahren ist es wohl zuzuschreiben, dass sich die Pflanzen nur zu Struchern von 8 bis 10 Fuss Hhe entwickeln, whrend sie in ihrem Vaterlande bis 30', manche Arten selbst 40' hoch werden. (Nach Angabe des Paters von Borongan freilich kommen auf einer kleinen Insel bei Guiuan ausserordentlich grosse Cacaobume vor.) Dennoch soll ein solcher Strauch, der schon im 3ten oder 4ten Jahre die ersten Frchte trgt, vom 5ten oder 6ten Jahre an volle Ernten von je einer Ganta Cacao geben die, (wie oben bemerkt), 2 bis 2 1/2 Doll. gilt, und immer Kufer findet. [86] Der Nutzen einer in vollem Ertrage stehenden Pflanzung muss daher hchst betrchtlich sein. Trotz dem ist es bisher nicht gelungen den Cacaobaum im Grossen einzubrgern. Es heisst die konomische Gesellschaft habe eine erhebliche Geldprmie fr Jeden ausgesetzt, der eine Pflanzung von 10,000 tragenden Bumen aufweisen knnte, nur ein Einziger, der verdiente Oidor Azoala, soll sie gewonnen, die Pflanzung aber trotz der gebrachten Opfer wieder aufgegeben haben. (Im Bericht ber die Thtigkeit der Gesellschaft finde ich diese Prmie nicht erwhnt.) Das Haupthinderniss scheint in den fast alljhrlich wiederkehrenden gewaltigen Strmen zu liegen, die zuweilen in einem Tage eine ganze Pflanzung der nicht tief wurzelnden Bumchen zerstren. 1856 soll ein einziger Taifun mehrere bedeutende Plantagen kurz vor der Ernte von Grund aus vernichtet und dadurch allgemeine Entmuthigung hervorgerufen haben. [87] In Folge davon wurde eine Zeitlang die steuerfreie Einfhrung von Cacao gestattet und man konnte den von Guayaqul fr 15 Doll. den Quintl kaufen, whrend der einheimische mehr als das doppelte galt. Der Baum hat auch viel durch feindliche Insekten zu leiden, durch eine Krankheit deren Ursache unbekannt, [88] und wird, abgesehn von andern Raubthieren, besonders von Ratten heimgesucht, die zuweilen in solchen Schaaren einfallen, dass sie in einer Nacht die ganze Ernte vernichten. Gutgehaltene Cacaopflanzungen werden von amerikanischen Reisenden als sehr schn geschildert. In den Philippinen, wenigstens in Ost-Luzon, zeigt der enggepflanzte, vernachlssigte, von Flechten bedeckte Baum schon frh ein greisenhaftes Ansehn. Seine Lebensdauer ist kurz. Die zuweilen fast fusslangen ovalen Bltter hngen vereinzelt an den Zweigen, bilden keine dichte Krone, die Blthen sind sehr unscheinbar, nicht grsser als Lindenblthen, rthlich gelb, und brechen an langen Stielen einzeln, oder in kleinen Bscheln unmittelbar aus dem Stamm oder den strkeren Aesten hervor. Die Frucht reift in sechs Monaten, wird 5 bis 8'' lang, gleicht einer sehr warzigen Gurke und ist im reifen Zustand roth oder gelb. Zwei Spielarten scheinen auf den Philippinen nur gebaut zu werden. [89] Das Fleisch ist weiss, breiartig weich, schmeckt angenehm suerlich, und enthlt in fnf Reihen anderthalb bis zwei Dutzend Kerne, die so gross sind wie Mandeln und wie diese aus zwei Samenlappen und einem kleinen Keim bestehen, dies sind die Cacaobohnen, gerstet und fein gerieben geben sie Cacao, dieser mit Zucker und gewhnlich auch mit Gewrzen vermischt, Chocolade. Bis vor wenigen Jahren bereitete fast jede Haushaltung in den Philippinen ihre Chocolade selbst, nur aus Cacao und Zucker. Indier, die Chocolade geniessen, setzen oft gersteten Reis dazu. Jetzt ist in Manila eine Fabrik errichtet, die Chocolade nach europischer Art bereitet. Ein beliebter Zusatz zur Chocolade in den rtlichen Provinzen sind gerstete Pilikerne. [90] Die Europer lernten das aus dem Cacao bereitete Getrnk zuerst in Mexico unter dem Namen Chocolatl kennen. [91] Schon zur Zeit Cortes', eines leidenschaftlichen Chocoladentrinkers, war der Baum Gegenstand ausgedehnter Kultur. Die Cacaokerne vertraten bei den Azteken die Stelle des Geldes, Montezma empfing darin einen Theil seines Tributes. Bei den alten Mexicanern genossen aber nur die Reichen den Cacao ungemischt, die andern setzten, wegen des hohen Werthes der Bohne als Mnze, Mais- oder Mandioca-Mehl dazu. Noch heut dienen in Zentral-Amerika die Cacaobohnen als Scheidemnze, weil kein Kupfergeld vorhanden ist, die kleinste Silbermnze aber 1/2 Real betrgt. [92] Doch soll es im zentralen Amerika und am Orinoco noch jetzt undurchdringliche Wlder geben, die fast ganz aus wilden Cacaobumen bestehn. [93] Ein Theil ihrer Frchte wird auch gesammelt, ist aber von sehr geringem Werth. Schon an und fr sich weniger aromatisch als die kultivirten Sorten, knnen sie nicht mit Sorgfalt zur rechten Zeit gepflckt und getrocknet werden und verderben auf dem langen Transport durch die feuchten Wlder. Bis vor kurzem, als namentlich Franzosen sehr bedeutende Pflanzungen in Zentral-Amerika anlegten, hatte der Ertrag in den amerikanischen Produktionslndern seit Aufhebung der Sklaverei fast von Jahr zu Jahr abgenommen. Obgleich nach F. Engel eine gedeihende Cacaopflanzung bei geringer Mhe und Auslage mehr Ertrag giebt als jede andre tropische Kultur, so sind auch dort die Ernten, die berdies erst nach 5 oder 6 Jahren beginnen, wegen der vielen Feinde der Pflanze nicht sicher, die Kultur eignet sich daher nur fr grssere Kapitalisten oder ganz kleine Bauern, die den Baum in ihren Grten ziehen. Die grossen Pflanzungen sind aber nach Aufhebung der Sklaverei meist in Verfall gekommen und die frei gewordenen Sklaven sind zu unbetriebsam. In Europa mundete die ursprngliche Chocolade nicht allgemein; sie fand erst spter durch Zusatz von Zucker grssern Anklang. Das bertriebene Lob ihrer Verehrer rief den erbitterten Widerspruch der Gegner des neuen Getrnks hervor, auch regten sich bei den Geistlichen Gewissensskrupel wegen des Gebrauchs des nahrhaften Cacao als Fastenspeise. Der Streit dauerte bis zum 17. Jahrhundert fort, wo das Getrnk in Spanien zum allgemeinen Bedrfniss wurde. [94] In Spanien wurde der Cacao 1520 eingefhrt, die Chocolade zuerst heimlich bereitet, wegen des Monopols der Conquistadoren. 1580 war sie dort schon in allgemeinem Gebrauch, in England aber so unbekannt, dass 1579 ein englischer Kapitn eine weggenommene Ladung als nutzlos verbrannte (Kottenkamp I., 579). Nach Italien kam sie 1606, nach Frankreich wahrscheinlich durch Anna von Oesterreich. In London wurde 1657 das erste Chocoladenhaus erffnet. Deutschland folgte 1700 nach. [95] Mit dem Kaffee geht es in den Philippinen beinahe wie mit dem Cacao. Der Strauch gedeiht vorzglich, seine Frucht ist von so ausgezeichnetem Geschmack, dass geringer Manila-Kaffee wie guter Java bezahlt wird, dennoch ist die Kaffeeproduktion der Philippinen hchst unbedeutend und verdiente bis vor Kurzem kaum der Erwhnung. Nach dem Berichte eines Englnders von 1828 [96] war der Kaffeestrauch vierzig Jahre vorher unbekannt, nur durch wenige Exemplare in den Grten Manila's vertreten. Von dort nach Laguna verpflanzt, vermehrte er sich schnell durch Vermittelung eines kleinen Raubthiers (Paradoxurus Musanga), das nur die reifsten Frchte nascht und die harten Kerne (die Kaffeebohnen) unverdaut auswirft. [97] Die Sociedad economica bemhte sich ihrerseits durch Ertheilung von Preisen zur Anlage grsserer Kaffeepflanzungen zu ermuntern. 1837 gewhrte sie P. de la Gironnire eine Prmie von 1000 Doll., weil er ber 60,000 Kaffeepflanzen im Zustande der zweiten Ernte aufweisen konnte, und in den folgenden Jahren noch vier Prmien an Andre fr dieselbe Leistung. Aber sobald die Prmien gewonnen waren, liess man die Pflanzungen wieder verwildern. Daraus scheint hervorzugehn, dass die Unternehmungen bei den damaligen Marktpreisen und knstlich gesteigerten Frachten keinen hinreichenden Nutzen gewhrten. Was patriotische Bestrebungen vergeblich versucht, scheint jetzt die bedeutende Steigerung der Kaffeepreise bei gleichzeitiger Erleichterung des Verkehrs allmlig zu bewirken: 1856 betrug die Kaffeeausfuhr nicht ber 7000 Picos, 1865: 37,588 P., 1871: 53,370 Picos. Diese Steigerung giebt aber noch nicht das Maass fr die Zunahme der Pflanzungen, da diese in den ersten Jahren nach der Anlage keinen Ertrag liefern. In Kurzem darf wohl mit Zuversicht eine hhere Ausfuhr erwartet werden. Aber selbst diese drfte nicht als Maassstab fr die Leistungsfhigkeit der Kolonie gelten. Erst wenn europisches Kapital grssere Pflanzungen an geeigneten Oertlichkeiten hervorruft, werden die Philippinen den gebhrenden Rang unter den Kaffee erzeugenden Lndern einnehmen. Den besten Kaffee liefern die Provinzen Lagna, Batngas und Cavte, den schlechtesten Mindanao; letzterer ist in Folge nachlssiger Behandlung sehr unrein, enthlt viele schwarze Bohnen beigemischt. Die Mindanaobohnen sind gelblichweiss (pale), whrend die von Lagna grnlich und fast um die Hlfte kleiner sind als jene. Von Kennern wird der Manila-Kaffee sehr hoch geschtzt und stets entsprechend bezahlt, obgleich er nicht so sauber aussieht als Ceylon und manche andre sorgfltiger behandelte Sorten. Jedenfalls ist es bemerkenswerth, dass Frankreich 1865, ausser 105,000 Frcs. Manila-Hanf, fast nichts als Kaffee aus den Philippinen einfhrte, davon aber fr 1,042,000 Frcs., d. h. mehr als ein Drittel der Gesammternte. [98] In London wird Manila-Kaffee nicht besonders gewrdigt und nicht besser als guter Native Ceylon (60 Schillinge pr. Cwt.) bezahlt, [99] weil er dem englischen Geschmack nicht entspricht; dies ist aber kein Vorwurf fr den Kaffee, wie Jeder, der den englischen Kaffeegeschmack kennt, einrumen wird. Einer der Hauptabnehmer wird mit der Zeit wohl Californien werden, ein vortrefflicher Kunde der fr gute Waare gern ermunternde Preise zahlt. [100] 1868 galt der Kaffee in Manila selbst, mit sehr geringen Schwankungen 16 Doll. per Pikul [101] (1871: 13 Doll. 50 C.) d. h. nicht viel unter dem Londoner Marktpreise. In Java zahlt die Regierung den zum Kaffeebau gezwungenen Eingeborenen 9 fl. 20 c. (etwa 3 1/2 Doll. fr den Pikul). Wie unbedeutend die oben angefhrte Kaffeeproduktion im Verhltniss zur Produktionskraft der Kolonie ist, ergiebt sich am besten aus dem Vergleich mit der Ausfuhr anderer Lnder. Nach Scherzer, Fachmnnische Berichte, 71, betrug 1868 die Kaffeeausfuhr von Brasilien 4,262,000 Zoll-Ctr., Java und Sumatra 1,400,058, Ceylon 1,023,455 Zoll-Ctr. In meinen Reiseskizzen (S. 158) wurde die Abnahme der Kaffeeproduktion in Java unter dem Kultursystem, die Zunahme derselben in Ceylon bei freier Arbeit hervorgehoben und als Ertrag des Jahres 1858/59 67,500 Tonnen fr Java, 35,000 T. fr Ceylon angegeben. Beide Ursachen haben seitdem fortgewirkt und Niederlndisch-Indien erzeugte 1866 nur 56,000 T. (in 7 Jahren 11,000 T. weniger), Ceylon 36,000 T. (1000 T. mehr). [102] Whrend meines gezwungenen Aufenthalts in Darga brachten mir die Eingeborenen Muscheln und Kfer zum Kauf und eine Anzahl meldeten sich um in meinen Dienst zu treten, da sie Beruf zum Naturforscher in sich fhlten. Ich hatte ihrer endlich eine ganze Kche voll. Tglich gingen sie aus, um Insekten zu sammeln; freilich waren sie gewhnlich nicht glcklich, desto munterer ging es aber bei den Mahlzeiten zu. Fast tglich erhielt ich freundliche Besuche von benachbarten Spaniern. Auch mehrere eingeborene Wrdentrger und Mestizen besuchten mich, selbst aus grsserer Ferne, nicht sowohl um mich, als um meinen Hut zu sehn, dessen Ruf sich ber die Grenzen der Provinz verbreitet hatte. Er bestand aus Nito [103], hatte die landesbliche zweckmssige Pilzform, war aber mit einer Spitze zum Aufstecken einer kleinen stark leuchtenden Laterne versehn, auf deren Oellampe, wenn unbenutzt ein dicht schliessender Deckel, wie bei einer Lthrohrlampe geschraubt wurde, so dass man die Laterne in der Tasche tragen konnte. Die Einrichtung erwies sich namentlich beim Reiten im Dunkeln als hchst zweckmssig. Im benachbarten Publo, Tabaco, wurden aus demselben Stoff Zigarrentaschen geflochten. Sie kommen wohl kaum in den Handel, und werden nur auf vorherige Bestellung angefertigt. Um ein Dutzend zu erhalten, muss man sich an ebensoviele Individuen wenden, und es dauert gnstigen Falles mehrere Monate, bis eine Tasche vollendet wird. Der Stiel des Farn hat die Dicke eines Schwefelholzes, man sucht mglichst lange Stcke zwischen zwei Blattanstzen aus, spaltet sie in 4 Theile und jedes Viertel durch Aufschlitzen und Zwischenklemmen des Fingers noch einmal; dann nimmt der Arbeiter ein Messer in die fest aufliegende linke Hand, den Daumen auf den Rcken, die Schrfe gegen den Zeigefinger gerichtet, und zieht die Streifen so oft unter der Klinge durch, bis sie von den innern, weniger zhen Theilen befreit und hinreichend fein sind, eine viel Geduld und Geschick erfordernde Arbeit. Geflochten wird ber eine zwei Fuss lange zylindrische, nach unten spitz zulaufende Holzform. In der Mitte der geraden Endflche steckt ein Stift um welchen das Geflecht beginnt; ist der dem Durchmesser der Walze entsprechende Boden der Tasche vollendet, so wird mittelst eines Stiftes eine kleine Holzscheibe auf den Boden der Tasche gepresst, die ihn whrend des Flechtens der Seitenwand festhlt. Meine erste Ausfahrt war zur Kirchweih nach Legspi, wo die Indier Abends Theater spielten. Ein aus politischen Grnden verbannter Spanier hatte die Anordnung bernommen. Zu beiden Seiten der mit Palmenblttern berdachten Bhne befanden sich erhhte bedeckte Gallerien fr die Honoratioren; der dem grossen Publikum bestimmte mittlere Raum war oben offen. Es wurde ein grosses Schauspiel aus der Persergeschichte gegeben, in spanischer Sprache, mit Fantasiekostmen. Da das Theater an einer lebhaften Strasse lag, die selbst einen Theil des Zuschauerraumes bildete, so war der Lrm so gross, dass man nur hin und wieder ein Wort vernehmen konnte. Die Schauspieler marschirten bei dem Hersagen ihrer Rollen, deren Sinn sie nicht einmal sprachlich verstanden, von einer Seite zur andern, indem sie die Arme auf und abbewegten; am Rande der Bhne angekommen machten sie Kehrt und setzten ihren Marsch in entgegengesetzter Richtung fort, wie Schiffe, die gegen den Wind kreuzen; sie verzogen dabei keine Miene, und sprachen, wie Automaten. Htte man wenigstens den Text verstehn knnen, so wre der Kontrast desselben mit den maschinenartigen Bewegungen gewiss drollig gewesen; Lrm, Hitze und Qualm waren aber so gross, dass wir nur kurze Zeit blieben. Das Schauspiel sowohl als das ganze Fest trug das Geprge der Schlaffheit und Gleichgltigkeit, des unverstanden Nachgeahmten. Vergleicht man die ausgelassene Frhlichkeit bei den Kirchweihen in Europa mit den ausdruckslosen starren Gesichtern der Indier, so begreift man kaum warum dergleichen Feste mit so grossem Aufwande von Zeit und Geld gefeiert werden. Derselbe Mangel an Frhlichkeit wird von vielen Reisenden in noch hherem Grade bei den Indianern Amerika's bemerkt und von einigen aus einer geringeren Entwicklung des Nervensystems erklrt, daher auch der wunderbare Gleichmuth jener beim Ertragen von Schmerz. Das Gesicht des Indianers ist nach Tylor [104] so verschieden von dem unsrigen, dass der Europer erst nach Jahre langer Uebung seinen Ausdruck deuten lernt. Beide Ursachen mgen zusammenwirken. Wenn aber auch lebhafte Aeusserungen der Freude nicht wahrzunehmen waren, so findet doch der Indier grosses Vergngen schon an den wochenlang dauernden Vorbereitungen zur Ausschmckung des Dorfes, noch grsseres bei dem Feste selbst an den Prozessionen, bei denen jeder in seinem besten Putz oder den Abzeichen seiner Wrde erscheint. Der Kampf um den Vortritt, um die Ehre eine Fahne zu tragen, erfllt den also Begnstigten mit dem hchsten Stolz und erregt den Neid der Uebrigen. Aus allen nahegelegenen Ortschaften kommt Besuch, ganze Triumphbogen von Bambus und Laubwerk werden von benachbarten Gemeinden, mit der Inschrift Obsequio del publo de ... mitgebracht und aufgerichtet. Zuweilen wird auch stark gezecht. Die Filipinos haben Vorliebe fr geistige Getrnke; selbst junge Mdchen berauschen sich gelegentlich gern. Fr die Nacht finden die fremden Gste die entgegenkommendste Aufnahme in den Husern des Pueblo. Ueberhaupt strahlt die Gastfreundschaft bei solchen Gelegenheiten in hellem Licht. Jedes Haus steht Jedem offen. In den grsseren Ortschaften fehlt es auch nicht an Bllen, es tanzen aber gewhnlich nur Spanier und Mestizen mit Mestizinnen; blos ausnahmsweise wird eine begnstigte Indierin aufgefordert. Unter sich pflegen die Eingeborenen selten zu tanzen; in Samar sah ich aber einmal einen nicht ungrazisen, angeblich einheimischen Tanz auffhren, zu dem improvisirte Strophen gesungen wurden: der Tnzer verglich seine Dame mit einer Rose, und sie erwiderte, er mge sich hten sie zu berhren, da sie auch Dornen habe; was im Munde einer Andalusierin reizend geklungen htte, bei der Indierin aber nur den Ursprung der Improvisation verrieth. Das mssige Leben in Darga gefiel meinen Dienern und ihren zahlreichen Freunden so gut, dass sie es gern so lange als mglich geniessen wollten. Sie whlten dazu oft sinnreiche Mittel. Zweimal, als alles zum Aufbruch fr den nchsten Morgen gerstet war, wurden Nachts meine Schuhe gestohlen. Ein andermal stahl man mir mein Pferd. Hat ein Indier eine schwere Last zu befrdern, oder einen anstrengenden Ritt zu machen, so benutzt er dazu gern den wohlgenhrten Gaul eines Castila, und lsst ihn dann ungefttert laufen, bis ihn jemand auffngt und in das nchste Tribunal liefert. Dort wird er angebunden und muss so lange hungern bis ihn sein Herr reklamirt und den angerichteten Schaden ersetzt. Ich hatte einen Dollar zu zahlen, da mein Pferd, obgleich es sehr verhungert that, in der Zwischenzeit fr einen Dollar Reis genascht haben sollte. Kleine Diebsthle kamen sehr hufig vor, werden aber, wie mich ein freundlicher Gnner eines Abends belehrte, als ich ihm mein Elend klagte, nur gegen neue Ankmmlinge verbt; lange dort angesessene Leute, die sich der allgemeinen Achtung erfreun, sind solchen Ungelegenheiten nicht ausgesetzt. Ich weiss nicht, ob ein schalkhafter Eingeborener unsere Unterhaltung belauscht hatte, aber am nchsten Morgen sandte der freundliche Herr, der mir oft aus der Noth geholfen hatte, zu mir, und liess sich Chocolade, Zwieback und Eier holen, da man ihm in der Nacht Speisekammer und Hhnerstall ausgerumt hatte. Montag und Freitag Abend war Markt in Darga, -- bei gutem Wetter immer ein hbscher Anblick. Man sah dann die Frauen, die fast ausschliesslich den Verkauf besorgen, nett und sehr sauber gekleidet, in langen von Fackeln glitzernden Reihen sitzen, und auf den Abhngen der Berge bei Fackelschein nach allen Richtungen in ihre Wohnungen zurckkehren. Sie tragen ihre Waaren, darunter viele selbst gewebte Stoffe von Seide, Ananas- und Bananen-Fasern, auf dem Kopf; den jngern fehlt es aber selten an Liebhabern, die ihnen die Mhe abnehmen. ELFTES KAPITEL REISE NACH BULUSAN UND SORSOGON. -- STRASSENBAU. -- SEERUBER. Whrend ich in Darga das Zimmer hten musste, blieb das Wetter fast ununterbrochen schn und leider waren dies die letzten guten Tage, auf die ich rechnen konnte, da der NO. Monsun, der Regenbringer fr diesen Theil des Archipels, im Oktober einzusetzen pflegt. Trotz der vorgeschrittenen Jahreszeit machte ich noch einen Versuch den Bulusn zu besteigen. Man fhrt im Boot nach Bcon, im Busen von Alby (7 Leguas stl.), reitet von dort auf guter Strasse nach Gbat (3 Leguas) an der Ostkste, dann den Strand entlang, genau S. bis Bulusn, und, wenn man will, bis Matng, dem letzten Dorf an der Sdost-Spitze Luzons. Ein alter erfahrener Indier hatte Boot und Mannschaft besorgt und zehn Uhr Abends als die gnstigste Zeit fr die Abfahrt bestimmt. Als wir aber eben abstossen wollten, rief er uns zu, es seien vier Seeruberboote in der Bay gesehn worden. Im Nu war meine Mannschaft verschwunden, ich blieb allein im Dunkeln. Erst nach vier Stunden gelang es mir, mit Hlfe eines Spaniers, sie wieder herbei zu holen und zur Abfahrt zu bewegen. Um 9 Uhr erreichten wir Bcon, von wo der Weg durch flache Gegend ber S. Rque SW. in einem spitzen Winkel nach Gbat fhrt, zu beiden Seiten Reisfelder mit einzelnen Htten unter Kokos- und Arecapalmen. Zehn Minuten von Bcon stehn drei prachtvolle Feigenbume, die schnsten die ich in den Philippinen gesehn, einer der Arten angehrend, die sich aus zahllosen in einander geschlungenen und zusammengewachsenen Luftwurzeln, Stmme von riesenhaftem Umfange und phantastischer Gliederung aufbauen. Sie waren bedeckt mit chten und unchten Parasiten, darunter eine grosse Zahl blhender Orchideen. Der Boden besteht aus trachytischem Gerlle. SW. von S. Roque gabelt sich die Strasse, ein Arm fhrt S. nach Sorsogon, das wohlgeschtzt in der NO. Ecke einer tiefen Bucht liegt, der andre O. zu S. nach Gbat. Hinter S. Rque bemerkt man viele Abacpflanzungen in Waldlichtungen. Der letzte Theil des Weges ist schlecht und fhrt ber schlpfrige Thonrcken (verwitterten Trachyt) mit Gypskrystallen. Von Gbat luft die Strasse lngs des Strandes. An vielen Stellen stehn kleine verfallene oder verfallende viereckige Thrme aus Korallenblcken, von den Jesuiten zum Schutz gegen die Moros aufgefhrt. Moren werden hier die Seeruber genannt, weil sie, wie die ehemaligen Mauren in Spanien, Mohamedaner sind. Sie kommen aus der Solosee, von Mindanao und der Nord-Westkste von Borneo. Die Seeruberei stand zur Zeit meiner Reise noch in voller Blthe. Erst Tags vorher hatten Piraten einige Leute fortgeschleppt, die nicht weit von Gbat mit Aufstellen einer Fischreuse beschftigt waren. Dem Strande parallel und in geringer Entfernung luft ein Korallenriff, das im SW. Monsun bei Ebbe stellenweis entblst wird; zur Zeit aber staute der NO. Wind die Wogen des stillen Ozeans so hoch an der Kste auf, dass es nicht sichtbar wurde; es liefert den einen Bestandtheil des Bodens, der zur Hlfte aus Kalk, und aus vulkanischem Sand besteht. Die Strme hatten nebst vielen andern Resten von Seethieren, auch eine grosse Anzahl Schwmme ans Land geworfen, unter denen eine unserem Badeschwamme des Mittelmeeres (Spongia officinalis L.) durchaus hnliche Art und wohl derselben Gattung angehrend. Sie fhlen sich eben so weich an, sind dunkelbraun, ber faustgross, halbkugelfrmig, nehmen mit derselben Leichtigkeit Wasser an und wrden vielleicht einen Handelsartikel bilden knnen. Proben davon befinden sich im Berliner zoologischen Museum. Dem Strande zunchst wachsen verkmmerte Pandanus, weiter landeinwrts Casuarinen; daran schliesst sich hoher Laubwald, mit Abacpflanzungen in den hufigen Lichtungen. Die Strasse ist recht gut; ber viele der Flussmndungen fhren berdachte, hlzerne Brcken aus Molave, alle noch wohl erhalten. Von den steinernen Brcken aber sind die Bogen fast ausnahmslos eingestrzt. Man setzt in einem Nachen ber, das Pferd folgt schwimmend. Ein paar tausend Fuss vor Bulusn kommt man durch eine, mehrere hundert Fuss tiefe Schlucht aus weissem Bimsteintuff. Der Ort wird so selten von Fremden besucht, dass das Tribunal sich mit Neugierigen fllte, die mich betrachten wollten. Die Frauen hatten den Ehrenplatz und kauerten in mehreren konzentrischen Linien auf dem Boden, die Mnner drngten sich hinter ihnen. Als ich in einem von Bambusen nur undicht verschlossenen Schuppen ein Rieselbad nahm, sah ich pltzlich durch alle Oeffnungen neugierige Augen auf mich gerichtet; es waren ausschliesslich Frauen, die mich mit der grssten Neugier betrachteten, sich ihre Bemerkungen mittheilten und durchaus nicht gestrt sein wollten. Ein andres Mal als ich in der Provinz Laguna im Freien badete, lief eine Anzahl Weiber, alte, junge und kleine Mdchen herbei, die mir zusahen, whrend des Ankleidens dicht um mich hockten, mich aufmerksam besichtigten, und mit den Fingern auf alle Einzelheiten wiesen, die zu besonderer Besprechung Anlass gaben. Den letzten Theil des Weges nach Bulusn hatte ich in Sturm und Regen zurckgelegt; beide nahmen nach kurzer Pause whrend der Nacht zu, ein Theil des Tribunals wurde abgedeckt. Am andern Morgen lagen alle schadhafteren Huser des Dorfes am Boden, eine grosse Menge Dcher waren fortgeweht. Fast ohne Unterbrechung, wenn auch nicht mit gleicher Heftigkeit, dauerte das Wetter whrend der 3 Tage meines Aufenthaltes fort; den Vulkan, an dessen Fuss ich mich befand, bekam ich nicht auf einen Augenblick zu sehn, und da die Sachverstndigen in dieser Jahreszeit gutes Wetter nicht in Aussicht stellen konnten, wurde die Besteigung auf bessere Zeit verschoben und die Umkehr beschlossen. Der ehemalige Alkalde Peeranda soll den Berg etwa 15 Jahre frher bestiegen haben, nachdem angeblich 60 Menschen 2 Monate lang beschftigt gewesen, einen Weg zum Gipfel zu bahnen; die Besteigung soll 2 Tage gedauert haben. Der Teniente, ein aufgeweckter Indier, glaubt aber, dass in der trocknen Jahreszeit 4 Mann in 2 Tagen einen schmalen Pfad ffnen knnten bis nahe zur Spitze, die nur mit Leitern zu ersteigen sei. Am Tage nach meiner Ankunft traf der Strassenbau-Inspector und ein Begleiter hier ein, beide bis auf die Haut durchweht und durchnsst. Der freundliche Alkalde hatte sie hergesandt zu meiner Untersttzung. Unter den obwaltenden Umstnden mussten sie unverrichteter Sache mit mir umkehren. Als ich auf der Rckreise kaum in Bacon angekommen, ertnte ein Bllerschuss und Musiklrm: Es kommt der Seor Alcalde. -- Er fuhr in offenem Wagen, umgeben von einer regellosen Reiterschaar, Eingeborene und Spanier der Umgegend, erstere in festlich flatternden Hemden und vergilbten Seidenhten prangend. Der liebenswrdige Herr nahm mich in seinem Wagen nach Sorsogon mit, das wir in einer Stunde erreichten. Die Provinz Alby hat gute Strassen, sie werden aber schlecht unterhalten, und mssen, wenn die Unthtigkeit der Verwaltung fortdauert, allmlig wieder zu Grunde gehn. Der grsste Theil der steinernen Brcken ist eingestrzt. Statt ihrer muss man eine Furth oder ein Floss benutzen, oder in einem Nachen bersetzen und die Pferde schwimmen lassen. Die Strassen wurden in den vierziger Jahren durch den bereits erwhnten Alkalden Peeranda, einen ehemaligen Ingenir-Offizier angelegt, dem der Ruhm gebhrt, den Wohlstand der Provinz sehr gefrdert zu haben, indem er ihre damals unbedeutenden Mittel mit Umsicht und Eifer zu ntzlichen Anlagen verwendete. Er wachte darber, dass die schuldigen Frohnden wirklich geleistet oder in Geld abgelst wurden, und benutzte letzteres zur Beschaffung von Werkzeug und Material. Vor ihm bestanden grosse Missbruche, indem die der Principala Verwandten oder Befreundeten keine- oder Scheinarbeiten verrichteten, und die Ablsungsgelder nicht in die Gemeindekasse, sondern in die Tasche des Gobernadorcillos flossen, oft unter Mitwissenschaft und Betheiligung des Alkalden. Auch heut sind solche Missbruche ganz allgemein in den Provinzen, wo die Wachsamkeit des Alkalden es nicht verhindert. Bei der zahlreichen Bevlkerung und dem grossen Wohlstand, deren sich die Provinz jetzt erfreut, wre es ein leichtes die vorhandenen Strassen zu erhalten und zu vervollstndigen. An gutem Willen fehlte es dem trefflichen damaligen Beamten gewiss nicht, aber ihm waren die Hnde gebunden. Die jetzigen Alkalden bleiben nur 3 Jahr in einer Provinz (zu Peerandas Zeit 6 Jahr), ihre Zeit wird fast gnzlich durch die laufenden amtlichen und richterlichen Geschfte in Anspruch genommen; bevor sie ihre Provinz, deren Mittel und Bedrfnisse einigermaassen kennen lernen, mssen sie dieselbe schon wieder verlassen; so gross ist das Misstrauen der Regierung in ihre eigenen Diener. Ihre Macht ist auf das usserste Maass beschrnkt, sie haben fast keine Initiative. Unternehmen wie das Peeranda'sche durchzufhren, wre heut nicht mglich. Die fr Ablsung von Frohnden eingehenden Gelder, die ausschliesslich zum Nutzen der betreffenden Provinz verwendet werden sollten [105], mssen nach Manila abgeliefert werden. Schlgt der Alkalde eine dringend nothwendige Verbesserung vor, so hat er so viele Berichte, Eingaben, Anschlge einzureichen, die hufig unbeantwortet bleiben, dass ihm gewhnlich bald die Lust zu allen Verbesserungsvorschlgen vergeht. Bedeutende Werke aber, die grssere Ausgaben erfordern, werden fast ausnahmslos von der Zentralstelle, als nicht dringend, zurckgewiesen. Der Grund liegt nicht im bsen Willen der Kolonialregierung, sondern darin, dass die Caja de Comunidad in Manila fast immer leer ist, da sich die spanische Regierung in ihrer chronischen Finanznoth das Geld borgt und nicht im Stande ist es zurckzuzahlen. Sorsogon hat 1840 bedeutend durch Erdstsse gelitten, die mit Unterbrechungen 35 Tage lang anhielten. Ihre grsste Heftigkeit erreichten sie am 21. Mrz. Die Kirchen von Sorsogon und Casigran nebst den wenigen Steinhusern wurden zertrmmert, 17 Menschen kamen um und 200 wurden verletzt. Das Land senkte sich um 5 Fuss. Am folgenden Morgen begleitete ich den Alkalden in einer Fala mit 14 Rudern nach Casigran, das genau S. von Sorsogon in der Sdostecke der 2 Leguas breiten Bucht liegt; die Ueberfahrt dauerte 1 1/2 Stunde. Das Wasserbecken ist so still wie ein Binnensee, fast rings von Bergen umgeben und an der dem Meer geffneten Westseite durch die queer davor liegende Insel Bagalo (nicht Bagato, wie sie Coello nennt), geschtzt. Unter der Mannschaft war es sehr laut, da Jeder sich vor dem Seor Alcalde geltend machen wollte. Bei der Landung: Bllerschuss, Musik, flatternde Hemden und Fahnen. Die freundliche Einladung des Herrn T. ihn weiter zu begleiten, lehnte ich ab, da fr mich, ohne amtliche Geschfte die Reise fast nur aus Malzeiten, Zwischenmalzeiten und eingeschobenen Chocolates bestand mit fortwhrender Musik, Knallfeuerwerk und andrem Lrm. Im Jahre 1850 etwa ist an einer heut schon vom Meer verschlungenen Stelle des Strandes, der so weit ich ihn untersuchen konnte, aus 5 bis 6 Fuss Thon ber vulkanischem Sand mit Bimssteinbruchstcken besteht, Quecksilber gefunden worden. Ein in dieser Gegend des Archipels gestrandeter Englnder, derselbe, den ich in der Eisenhtte bei Angat besuchte, hatte begonnen es zu sammeln, und durch Schlmmen des Sandes etwa 2 Unzen gewonnen. Als aber der inlndische Priester erfuhr, dass Quecksilber Gift sei, schilderte er seinen Pfarrkindern, wie er mir selbst erzhlte, die Gefahren des neuen Erwerbszweiges in so grellen Farben von der Kanzel herab, dass sie davon abliessen. Seitdem ist nie wieder eine Spur von Quecksilber entdeckt worden; vielleicht stammte es von einem zerbrochenen Barometer. Abends waren der Bulsan in SO., der Mayon in NW. auf kurze Zeit sichtbar. Casigran liegt in einer geraden Linie mit denselben. Die Zerstrung der Ksten bei Casigran ist auffallend gross, die Berichte darber sehr abweichend. Nach dem Augenschein und den mssigsten Angaben zu urtheilen, mag sie doch wohl seit einer Reihe von Jahren jhrlich eine Elle betragen. Im Norden ist die Bucht von Sorsogon durch einen Bergrcken geschtzt, der sich O. von Bacon pltzlich verflacht, und dadurch dem Nordost eine schmale Gasse nach dem Winkel der Bucht von Casigran ffnet, wo zuweilen ein einziger Sturm sehr bedeutende Verwstungen in der aus Thon und Sand bestehenden Kste hervorbringt. Als ich Abends wieder in Legspi landete, erfuhr ich, dass der Alarm wegen der Seeruber, der meine Abreise verzgert hatte, in der That begrndet war. Aechte Moros waren es freilich wohl nicht, da solche in jener Jahreszeit nicht in diese Gewsser gelangen knnen, sondern Desertre und Vagabunden aus der Umgegend, die in dieser maritimen Provinz das Ruberhandwerk lieber zu Wasser als zu Lande treiben. Sie hatten whrend meiner Reise eine Anzahl Rubereien verbt und Personen fortgeschleppt. [106] Anfang November ist die Jahreszeit der Strme. Die Schifffahrt zwischen Alby und Manila hat vllig aufgehrt; selbst von der Sdkste wagte kein Schiff abzugehn. Am 9. luft aber noch der verloren geglaubte Casaisi ein; er hat starke Haverei gelitten, den grssten Theil seiner Ladung ber Bord geworfen. Schon zwlf Tage zuvor hatte er die Strasse von S. Bernardino geklrt, als ein Sturm ihn zwischen den Inseln Balicutro zu ankern zwang. Einer der Passagiere, ein neu angekommener Spanier, bestieg ein mit sieben Matrosen bemanntes Boot, und fuhr auf vier Pancs zu, die bewegungslos vor der Kste lagen. Er hielt sie fr Fischer, es waren aber Seeruber. Sie beschossen ihn, als er weit genug von seinem Schiff war, seine Mannschaft warf sich in's Wasser, wurde jedoch sammt ihm selbst gefangen genommen. Der Kapitn frchtend, dass die Ruber sein Schiff angreifen wrden, kappte das Ankertau, stach trotz des Sturmes wieder in See und entging nur mit genauer Noth und arg zugerichtet gnzlichem Schiffbruch. Die Gefangenen werden in der Regel nicht umgebracht, sondern zum Rudern benutzt. Europer kommen aber selten mit dem Leben davon, da sie die grossen Anstrengungen bei sprlichster Kost nicht ertragen. Man nimmt ihnen die Kleider ab, berlsst sie fast nackt jedem Wetter und giebt ihnen tglich kaum eine Hand voll Reis zur Bekstigung. ZWLFTES KAPITEL REISEN IN SD-CAMARINES. -- GLIEDERUNG DER PROVINZ. -- SPANISCHE PRIESTER. -- ALKALDEN UND MANDARINE. In Alby war vor Januar nicht auf besseres Wetter zu rechnen, es strmte und regnete tglich; ich ging daher in die westlich davon gelegene Provinz Sd-Camarnes, die, durch hohe Berge an ihrem NO. Rande gegen die herrschenden Winde geschtzt, gutes Wetter hatte. Abgesehn von der in NO. vorliegenden, nur durch eine vom Ysarg gebildete Landenge mit Camarnes verbundenen Halbinsel Caraman, streicht Camarnes NO. SW. und bildet eine im Mittel zehn Leguas breite an mehreren Stellen von tiefen Buchten ausgezackte Halbinsel. In ihrer nordstlichen Hlfte liegt eine Reihe von Vulkanen und Trachyt- und Doleritkuppen; der sdwestliche Rand besteht, so weit ich Gelegenheit hatte ihn zu untersuchen, aus Kalk, anscheinend gehobene Korallenriffe. Zwischen beiden Bergzgen dehnt sich ein vielfach gewundenes fruchtbares Thal aus, in welchem sich die von den innern Abhngen herabfliessenden Gewsser sammeln und einen schiffbaren Fluss, den Bicol, bilden, an welchem sich der Reihe nach eine Anzahl blhender Ortschaften angesiedelt hat. So reichlich ist die dem Bicol aus den stlichen Bergen zustrmende Wassermenge, so gering die Neigung der Thalsohle, die ein fast ununterbrochenes Reisfeld bildet, dass an vielen Stellen kleine Seen entstehn. Fast jede Ortschaft hat einen solchen; der bedeutendste ist der Batu-See, die kleinsten schrumpfen in der trocknen Jahreszeit zu blossen Wasserpftzen ein. Von Sdosten anfangend, liegen in dem nordstlichen Streifen die Vulkane Bulusn, Albay, Mazarga, Yriga, Ysarg und, jenseits der Bucht von S. Miguel, der Colsi, in einer geraden Linie, wie die ganze Landzunge selbst, von NW. nach SO. streichend. Der Vulkan Buhi oder Malino, auch Tikt genannt, tritt in NO. ein wenig ber diese Linie hinaus. Parallel dieser Vulkanenreihe sind die Ortschaften der Provinz in der Mittellinie geordnet; der sdliche Streifen ist sprlich bewohnt, und sendet in seiner ganzen Erstreckung nur wenige Bche in das Thal, was auch dafr zu sprechen scheint, dass er aus Kalk bestehe. Der vulkanische Bergwall hlt, wie erwhnt, die NO. Winde ab und verdichtet ihre Wasserdmpfe an seinem dem Meere zugewandten Abhang, so dass der sdwestlich davon liegende Theil der Provinz whrend des NO. Monsuns trocken ist, whrend des SW. Monsuns Regen hat. Die sogenannte trockene Jahreszeit, die fr Sd-Camarnes mit November beginnt, ist aber von hufigen Regenschauern unterbrochen; verhltnissmssig trocken sind nur die Monate Januar bis Mai. Im Mai und Juni findet der Monsunwechsel statt, der sich durch starke Gewitter und Strme aus SW. verkndet, die zuweilen eine bis zwei Wochen fast ohne Unterbrechung dauern und von starkem Regenfall begleitet sind. Sie leiten die eigentliche Regenzeit ein, die bis in den Oktober whrt. Die Strasse fhrt um den Sdostrand der Vulkane Myon und Mazarga, ber die Ortschaften Camlig, Guinobtan, Ligo, Oas, Polngui, die alle in einer geraden Linie SO. NW. an einem Flsschen, Qunali, liegen, das nach Aufnahme zahlreicher Bche bald hinter dem letzten Ort schiffbar wird. Es stehn dort einige Htten, die wie der Fluss selbst, Qunali heissen. Eine ausgenommen, haben alle genannte Ortschaften ber 14,000 Seelen, doch liegen sie meist weniger als eine Legua von einander entfernt. Die Conventos sind grosse stattliche Gebude, die damaligen Curas, grsstentheils ltere Leute, waren im hchsten Grade gastfrei und liebenswrdig. Bei jedem musste eingekehrt werden, worauf der Seor Padre anspannen liess und seinen Gast zum nchsten Amtsbruder fuhr. In Polngui wollte ich ein Boot miethen, um nach dem See von Batu zu fahren; es war aber keines vorhanden, nur zwei grosse aus einem Baumstamm gezimmerte Barotos von 80 Fuss Lnge lagen da, mit Reis aus Camarnes beladen. Damit ich nicht aufgehalten werde, kaufte der Padre den Inhalt des einen Bootes unter der Bedingung des sofortigen Ausladens, so dass ich Nachmittags meine Reise fortsetzen konnte. Steht der Reisende mit dem Cura gut, so kommt er nicht leicht in Verlegenheit. Ich wollte einmal mit einem Pfarrer eine kleine Reise gleich nach Tisch antreten, um 11 1/4 Uhr waren alle Vorbereitungen fertig. Ich usserte, dass es schade sei, die 3/4 Stunden bis zur Malzeit zu warten. Gleich darauf schlug es 12; alle Arbeit im Dorfe hrte auf; wir sowohl als unsere Trger setzten uns zu Tisch; es war Mittag. Dem Glockenschlger war die Botschaft zugegangen: Der Seor Padre liesse ihm sagen, er schliefe gewiss wieder, es msse lngst 12 Uhr sein, denn der Seor Padre habe Hunger. -- Il est l'heure, que Votre Majest dsire. Die grosse Mehrzahl der Geistlichen in den stlichen Provinzen von Luzon und Samar besteht aus Franziskaner-Mnchen (Religiosos menores descalzos de la regular y mas estrecha observancia de nuestro Santo Padre San Francisco en las Islas Filipinas de la Santa y Apostolica Provincia de San Gregorio magno), die in besonderen Seminarien in Spanien fr die Mission in den Kolonien erzogen werden. Frher stand ihnen frei, nach zehnjhrigem Aufenthalt in den Philippinen in ihr Vaterland zurckzukehren; seitdem aber in Spanien die Mnchsklster aufgehoben, ist ihnen dies nicht mehr gestattet, da sie gezwungen sein wrden, dort der Ordensregel zu entsagen und als Rentner zu leben. Sie wissen, dass sie jetzt ihre Tage in der Kolonie beschliessen mssen und richten sich danach ein. Bei ihrer Ankunft werden sie gewhnlich zu einem Priester in die Provinz gesandt, damit sie die Landessprache erlernen, erhalten dann zunchst eine kleine, spter eine eintrgliche Pfarre, in der sie meist bis an ihr Lebensende verbleiben. Der grsste Theil dieser Mnner ist aus den untersten Volksschichten hervorgegangen. Zahlreiche, in Spanien vorhandene fromme Stiftungen machen es dem Armen, der fr seinen Sohn nicht die Schule zahlen kann, mglich, ihn in das Seminar zu schicken, in welchem er ausser dem besonderen Dienst, zu dem er abgerichtet wird, nichts lernt. Wren die Mnche von feinerer Bildung, wie ein Theil der englischen Missionre, so wrden sie wohl ebenso wenig Neigung haben sich unter das Volk zu mischen und ebenso wenig Einfluss auf dasselbe erlangen wie diese in der Regel. Die frheren Lebensgewohnheiten der spanischen Mnche, ihr enger Gesichtskreis befhigen sie ganz besonders dazu, mit den Eingeborenen zu leben. Gerade dadurch haben sie ihre Macht ber dieselben so fest begrndet. Wenn dergleichen junge Leute eben frisch aus ihrer Pflanzschule kommen, sind sie unglaublich beschrnkt, unwissend, zuweilen auch ungezogen, voll Dnkel, Ketzerhass und Bekehrungseifer. Allmlig schleift sich diese rauhe Aussenseite ab; die geachtete Stellung, die reichlichen Einknfte, die sie geniessen, machen sie wohlwollend. Der gesunde Menschenverstand und das Selbstvertrauen, die den niedern spanischen Volksklassen eigen sind und sich bei Sancho Panza als Guvernr so ergtzlich offenbaren, haben in dem einflussreichen, verantwortlichen Posten, den der Cura einnimmt, volle Gelegenheit, sich geltend zu machen. Sehr hufig ist der Cura der einzige Weisse im Ort und meilenweit wohnt kein andrer Europer. Er ist dann nicht nur Seelsorger, sondern auch Vertreter der Regierung, das Orakel der Indier, dessen Ausspruch namentlich in Allem, was sich auf Europa und Zivilisation bezieht, ohne Appell ist; -- in allen wichtigen Angelegenheiten wird er um Rath gefragt und hat Niemand, bei dem er sich Rath holen kann. Unter solchen Verhltnissen kommen alle seine geistigen Fhigkeiten zur vollen Entfaltung. Derselbe Mensch, der in Spanien hinter dem Pflug hergegangen wre, fhrt hier grosse Unternehmungen aus; ohne technische Bildung, ohne wissenschaftliche Hlfsmittel baut er Kirchen, Strassen, Brcken. So vorteilhaft aber auch diese Verhltnisse fr die Entwicklung der Fhigkeiten des Geistlichen sind, so wre es doch fr die Bauten selbst besser, wenn sie von Fachmnnern ausgefhrt wrden; denn die Brcken strzen gern ein, die Kirchen sehn oft wie Schafstlle aus, die anspruchsvolleren haben zuweilen gar tolle Fassaden, und die Strassen verfallen bald wieder; aber Jeder macht es eben so gut, wie er kann. Fast Allen liegt das Wohl ihrer Ortschaft am Herzen, wenn auch der Eifer und die eingeschlagenen Wege, auf denen sie dieses Ziel verfolgen, nach den Persnlichkeiten sehr verschieden sind. Ich habe in Camarines und Alby viel Umgang mit den Curas gehabt und sie ausnahmlos liebgewonnen. Sie sind in der Regel ohne allen Dnkel und in den abgelegenen Orten so glcklich, wenn sie einmal Besuch erhalten, dass sie Alles aufbieten, um ihrem Gast den Aufenthalt so angenehm als irgend mglich zu machen. Das Leben in einem grossen Convento hat viel Aehnlichkeit mit dem bei einem Gutsbesitzer im stlichen Europa. Nichts kann zwangsloser sein. Man lebt so unabhngig wie im Gasthaus, und manche Gste betragen sich auch so, als wren sie in einem solchen. Ich habe einen Subalternbeamten ankommen sehn, der ohne Weiteres den Mayordomo vor sich beschied, sich ein Zimmer anweisen liess, sein Essen bestellte und nur beilufig fragte, ob der Pfarrer, mit dem er doch nur ganz oberflchlich bekannt war, zu Hause sei. Hufig wird den Priestern in den Philippinen ihre grosse Liederlichkeit vorgeworfen; das Convento stecke voll hbscher Mdchen, unter denen der Cura wie ein Sultan lebe. Auf die eingeborenen Priester mag dies oft passen; bei den zahlreichen spanischen Pfarrern, deren Gast ich war, habe ich nicht ein einziges Mal etwas Anstssiges in dieser Beziehung zu sehn bekommen, die Dienerschaft bestand nur aus Mnnern und vielleicht einem oder zwei alten Weibern. Ribadeneyra behauptet [107]: Die Indier, welche sehn, wie die Barfsslermnche ihre Keuschheit bewahren, sind in ihren Gedanken dahin gekommen, sie nicht fr Menschen zu halten. . . . und obgleich der Teufel sich bemht hat, viele, bereits verstorbene, keusche Geistliche zu verfhren und auch solche, die noch leben, indem er sich der Frechheit einiger Indierinnen als Werkzeug bediente, so sind sie dennoch zur grossen Beschmung der Indierinnen und Satans siegreich geblieben. Dieser Autor ist aber sehr unzuverlssig, sagt er doch (Kap. III. S. 13), die Insel Cebu hiesse mit anderem Namen Luzon! Jedenfalls passt seine Schilderung nicht auf die heutigen Zustnde. Der junge Geistliche lebt in seiner Pfarre wie ein Gutsherr frherer Zeit; die Mdchen rechnen es sich fr eine Ehre an, mit ihm umzugehn, die Gelegenheit ist fr ihn viel bequemer, da er durch keine eiferschtige Frau bewacht wird und als Beichtiger und geistlicher Rathgeber beliebig mit den Frauen allein zu sein Gelegenheit hat. [108] Die Beichte muss namentlich eine gefhrliche Klippe fr ihn sein. Im Anhange zur tagalischen Grammatik, der in den fr das Publikum kuflichen Exemplaren fehlt, ist zur Bequemlichkeit des jungen Pfarrers, welcher der Sprache noch nicht mchtig ist, eine Reihe von Fragen enthalten, die er der Beichtenden vorlegen soll; mehrere Seiten derselben beziehn sich auf den geschlechtlichen Umgang. Da die Alkalden nur drei Jahre in einer Provinz bleiben drfen, die Landessprache niemals verstehn, durch ihre amtlichen Geschfte sehr in Anspruch genommen sind und keine Zeit, gewhnlich auch keine Lust haben, die Eigenthmlichkeiten der Provinz, die sie verwalten, kennen zu lernen, whrend der Cura in der Mitte seiner Pfarrkinder lebt, sie genau kennt und auch ihnen gegenber die Regierung vertritt, so kommt es, dass er die wirkliche Behrde in seinem Distrikt ist. Die Stellung der Geistlichen, den Regierungsbeamten gegenber, spricht sich auch in den Wohnungen aus. Die Casas reales meist klein, schmucklos, oft baufllig entsprechen nicht dem Range des ersten Beamten der Provinz; das Convento dagegen ist gewhnlich ein sehr gerumiges, stattliches, wohleingerichtetes Gebude. Frher, als die Guvernr-Stellen an Abenteurer verkauft wurden, die nur darauf bedacht waren sich zu bereichern, war der Einfluss der Geistlichen noch viel grsser als gegenwrtig. [109] Folgende Verordnungen deuten ihre ehemalige Stellung besser an, als lange Beschreibungen: Obgleich einige frevelhafte Eingriffe (atentados) gerechten Grund zum Kapitel X. der Ordonnanzen gegeben haben, worin der Guvernr D. P. de Arandia befiehlt, dass die Alkalden und Justizbeamten nicht anders als schriftlich mit den Missions-Geistlichen verkehren, und sie nicht anders als in Begleitung besuchen sollen, so wird dennoch verordnet, dass dies nicht also geschehn soll . . . in der Voraussetzung, dass die Kirchenprlaten ihren ganzen Eifer aufwenden werden, um ihre Untergebenen innerhalb der Grenzen der Mssigung zu halten. . . Die Alkalden sollen dafr sorgen, dass die Pfarrer und Diener der Religion besagte Gobernadorcillos und Justizbeamte mit der nmlichen Achtung behandeln, ohne zu gestatten, dass sie dieselben prgeln, zchtigen oder misshandeln . . . noch sich bei Tische von ihnen bedienen lassen. [110] Die ehemaligen Alkalden, die ohne vorhergehende Uebung in amtlichen Geschften, oft ohne Bildung und Kenntnisse und ohne die zu einem so verantwortlichen einflussreichen Amte erforderlichen geistigen und moralischen Eigenschaften, ihre Stellen kauften oder sie durch Gunst erwarben, empfingen vom Staat ein nominelles Gehalt und zahlten ihm eine Patentsteuer fr die Berechtigung Handel zu treiben. Nach Arenas (S. 444) galt diese Patentsteuer als eine den Alkalden fr Uebertretung des Gesetzes auferlegte Geldstrafe: denn da ihnen durch verschiedene Gesetze [111] jede Art Handelsbetrieb untersagt war, so geruhte S. Majestt dennoch, ihnen die Erlaubniss dazu zu ertheilen. [112] Dieser Unfug wurde erst durch R. D. 23. September und 30. Oktober 1844 aufgehoben. Die Alkalden waren Guvernre und Richter, Befehlshaber der Truppen und zugleich die einzigen Hndler in ihrer Provinz. [113] Sie kauften in Manila die Sachen, die in ihrer Provinz gebraucht wurden, gewhnlich mit Geld der obras pias; (s. S. 14, Anmerkung 17) denn sie selbst kamen ohne alles Vermgen nach den Philippinen. Die Indier mussten dem Alkalden ihre Produkte verkaufen und seine Waaren abnehmen zu Preisen die er selbst feststellte. [114] Unter solchen Verhltnissen waren die Priester die Einzigen, welche die Indier gegen diese Blutsauger schtzten, wenn sie nicht, was auch zuweilen vorkam, mit ihnen gemeinschaftliche Sache machten. Gegenwrtig sendet die Regierung Rechtskundige als Alkalden in die Philippinen, die etwas besser besoldet sind, und nicht Handel treiben drfen. Ueberhaupt ist die Regierung bemht den Einfluss der Curas zu mindern, den der Zivilbehrden zu vermehren, was ihr indessen nur sehr unvollkommen gelingen wird, wenn sie nicht die Amtsdauer der Alkalden verlngert und letztere so stellt, dass sie nicht in Versuchung kommen Nebenverdienste zu machen. [115] Ich finde in Huc [116] eine Stelle ber die Folgen des schnellen Beamtenwechsels in China, die manche zu beherzigende Winke enthlt: ... Weil die Magistratur nicht mehr Personen anvertraut wird, die Freunde der Gerechtigkeit sind, sieht man dies ehemals so blhende und wohl regierte Reich von Tag zu Tag verfallen und einer furchtbaren, vielleicht nahen Auflsung entgegeneilen. Wenn wir die Ursachen dieser allgemeinen Zersetzung, dieser Verderbniss aufsuchen, die sichtlich alle Klassen der chinesischen Gesellschaft auflst, so glauben wir sie in einer wichtigen Abnderung des alten Regierungssystems zu finden, welche die Mantschu-Dynastie eingefhrt hat. Es wurde bestimmt, dass kein Mandarin sein Amt lnger als drei Jahre an demselben Ort ausben drfe, und dass Niemand in seiner eigenen Provinz Beamter sein knne. Man errth leicht den Gedanken, der ein solches Gesetz ersann. Sobald die Mantschu-Tartaren sahen, dass sie Herren des Reichs waren, erschraken sie ber ihre geringe Zahl, die in dieser unzhligen Menge von Chinesen wie verloren war ... Das Ansehn, welches die hohen Beamten in den Provinzen genossen, konnte ihnen grossen Einfluss geben um das Volk aufzureizen ... Die Magistratspersonen, die nur einige Jahre auf demselben Posten verbleiben drfen, leben darin wie Fremde, ohne sich um die Bedrfnisse der von ihnen regierten Bevlkerung zu kmmern, kein einziges Band verknpft sie mit derselben, ihre ganze Sorge besteht darin, so viel Geld als mglich zusammen zu schlagen, um spter an einem andern Orte dasselbe Geschft von neuem zu beginnen, bis sie endlich in ihre Heimat zurckkehren und ein Vermgen geniessen knnen, das sie nach und nach in den verschiedenen Provinzen erpresst haben ... Sie sind ja nur Vorbergehende -- was schadet es? morgen ziehen sie an das andre Ende des Reichs, wo sie das Schreien der von ihnen geplnderten Opfer nicht mehr hren... So sind die Mandarinen selbstschtig und gegen das Gemeinwohl gleichgltig geworden. Der Urgrundsatz der Monarchie ist vernichtet, denn der Magistrat ist nicht mehr ein Familienvater, der inmitten seiner Kinder lebt, sondern ein Marodr, der ankommt, ohne dass man weiss woher, und wieder abzieht, niemand weiss wohin? Daher stockt alles ... man sieht nicht mehr, wie ehedem, jene grossen Unternehmungen ... Heut wird nicht nur nichts Aehnliches ausgefhrt, man lsst die Werke frherer Dynastien gnzlich verfallen ... Der vorbergehende Mandarin sagt sich: Wozu soll ich unternehmen was ich doch nicht vollenden kann? warum sollte ich sen, damit ein Andrer ernte? ... Die Mandarinen sind niemals mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut. Am hufigsten sehn sie sich pltzlich inmitten einer Bevlkerung versetzt, deren Sprache sie nicht verstehn. Wenn die Mandarine in ihrem Mandarinat ankommen, so finden sie dort fest angesessene Dolmetscher vor, subalterne Beamte, die, weil sie mit den Angelegenheiten der Oertlichkeit vertraut sind, ihre Dienste unentbehrlich zu machen wissen; sie sind im Grunde die eigentlichen Verwalter. In den Philippinen ist letzteres Amt unentbehrlich, da der Alkalde nie die Landessprache versteht; zum Glck fr Spanien muss es in wichtigen Angelegenheiten der eingeborene Schreiber meist mit dem Cura theilen, der in vielen Fllen die eigentliche Behrde ist. Er kennt den Charakter der Insassen, und alle ihre Angelegenheiten, wobei ihm der intime Verkehr mit den Frauen sehr zu Statten kommt. Wie mir 1867 ein hoher Beamter in Madrid mittheilte, lag damals dem Minister ein Antrag zur Erwgung vor, wodurch die Beschrnkung der Amtsdauer auf drei Jahre aufgehoben werden sollte. [117] Die ihr zu Grunde liegende Furcht, dass der Beamte in einer entfernten Provinz zu mchtig, sein Einfluss dem Mutterlande gefhrlich werden knne, passt nicht mehr in die heutigen Verhltnisse. Die Verkehrserleichterungen haben die frhere Abgeschlossenheit der fernen Provinzen aufgehoben. Die neuen Zollgesetze, die wachsende Nachfrage nach Kolonialprodukten, das den Fremden gewhrte Niederlassungsrecht mssen eine bedeutende Steigerung des Landbaus, des Handels und einen entsprechenden Zuzug von Weissen und Chinesen zur Folge haben. Dann wird an Stelle jener Bedenken die Notwendigkeit treten, das Ansehn und den Einfluss der Beamten zu heben, durch Verminderung ihrer Zahl, sorgfltige Wahl der Personen, Befrderung nach Fhigkeit und Leistung, angemessene Besoldung und langen Verbleib in einer Stelle. Voraussichtlich werden besonders die Beziehungen mit Californien und Australien lebhaft werden. Aus diesen freien Lndern werden freie Ideen eindringen. Der Wohlstand der Mestizen wird betrchtlich zunehmen, um so ungeduldiger werden sie die wirkliche oder eingebildete Zurcksetzung der Regierung, den Hochmuth ungebildeter Spanier ertragen. Dann wird das Mutterland ernstlich zu erwgen haben, ob es klug ist, die Kolonie ferner durch Monopole und Geldentziehungen auszubeuten und einer unntzen, hungrigen Beamtenschaar preiszugeben. [118] Englische und hollndische Kolonialbeamte werden fr ihren schwierigen verantwortlichen Dienst besonders ausgebildet, erlangen ihre Anstellung durch ein strenges Examen in der Heimat, und rcken in der Kolonie nur allmlig je nach ihren Fhigkeiten in die hheren Stellen ein. Wie ganz anders werden die Philippinen mit Beamten versorgt. Ob es aber Spanien gelingen wird, einen den neuen Verhltnissen gewachsenen Beamtenstand zu schaffen, ist schwer vorauszusagen, werden doch in Spanien selbst die Aemter nicht sowohl durch Befhigung und Verdienst als durch politische Intriguen erlangt und eingebsst. [119] DREIZEHNTES KAPITEL REISEN IN SD-CAMARINES, FORTSETZUNG. -- BATU-SEE. -- INDISCHE PRIESTER. -- NIEDERLASSUNG VON WILDEN. -- FEIER DER KREUZBULLE. -- BUHI-SEE. -- VULKAN YRIGA. -- ANANASFASERN. -- PFEILGIFT. -- BLUTEGEL. -- SOLFATARE YGABO. -- KIESELSPRUDEL VON TIBI. Anderthalb Stunden nach der Abfahrt von Polngui erreichten wir den Ort Btu, in der NW. Ecke des gleichnamigen Sees. Die Leute, besonders die Frauen fielen mir wegen ihrer Hsslichkeit und geringen Reinlichkeit auf. Obgleich sie unmittelbar am See wohnen und tglich ihr Trinkwasser daraus schpfen, scheinen sie nur selten darin zu baden. Die Strassen des Dorfes sind gleichfalls schmutzig und vernachlssigt, was zum Theil wohl daran liegt, dass der Geistliche ein Eingeborner ist. Der Btu-See nimmt im November, zu Ende des Regenmonsun, einen viel grsseren Raum ein als in der trockenen Jahreszeit und ist dann, besonders in der SW. Ecke, weit ber seine flachen Ufer getreten. Eine grosse Menge von Wasserpflanzen wchst an den seichteren Stellen, namentlich aber ist eine zierliche Alge [120], nicht dicker als Pferdehaar, aber sehr verstelt und endlos durch einander fortwachsend, in so ungeheurer Flle vorhanden, dass sie eine hinreichend starke Decke bildet, um grosse Wasservgel zu tragen. Zu hunderten gehn sie darauf spazieren und fressen kleine Fische und Garnelen, welche zwischen den Maschen dieses Netzwerkes wimmeln und ihnen bequem zur Beute fallen. Auch von den Eingeborenen werden letztere massenhaft mit gestielten Netzen aus dem Wasser geschpft und theils frisch, theils wie alter Kse durch Fulniss pikanter gemacht, zum Reis gegessen. Diese kleinen Krebse sind durchaus nicht auf den Btu-See beschrnkt. Im Sss- und Brackwasser des philippinischen und indischen Archipels und hinterindischen Festlandes werden sie (oder verwandte Arten) in zahllosen Mengen gefangen und bilden gesalzen, gedrrt, in Salz- oder Gewrzbrhen eingemacht, auch in Form von Pasten wichtige Nahrungsmittel oder Kondimente. Sie fehlen auf keinem Markte und sind Gegenstand nicht unbedeutender Ausfuhr nach China. [121] Es gelang mir nicht von den Wasservgeln zu schiessen, da das dichte Pflanzengewirr den Nachen nicht hinreichend nahe kommen liess. Als ich denselben See im Februar wieder besuchte, fand ich sein Wasser so bedeutend gefallen, dass ringsum ein breiter Saum trocken lag, der an manchen Stellen ber 100' maass. Das Algengewirr war bei dem allmligen Zurcktreten des Wassers zu einem dichten, zolldicken, von der Sonne vllig gebleichten Filzteppich zusammengesunken, der sich als ein einziges grosses Tuch rings um den Rand des Sees ausspannte und ber die Strucher fort hing, die bei meinem ersten Besuch unter Wasser standen. Nie habe ich etwas hnliches gesehn oder erwhnt gefunden. Der Stoff, der in Streifen von beliebiger Lnge umsonst zu haben war, erwies sich so vortrefflich zu Flintenpfropfen, zum Ausstopfen von Vogelblgen und zum Verpacken, dass ich eine grosse Menge davon mitnahm. Diesmal war auch die Vogeljagd ergiebig. Der eingeborene Priester von Btu klagt sehr ber seine Pfarrkinder, die ihm nichts zu verdienen geben: Keine Messen Herr; ja dies ist ein so elendes Nest, dass kaum Todesflle vorkommen. In D. wo ich Coadjutor war, hatten wir tglich unsere zwei Beerdigungen zu drei Dollar das Stck, und Messen zu einem Dollar, mehr als wir lesen konnten; -- ausserdem Taufen und Trauungen, die doch auch etwas einbringen; hier aber ist nichts, gar nichts zu verdienen. Er hatte sich daher mit Eifer auf den Handel gelegt. Die eingeborenen Geistlichen machen ihrem Stande in der Regel wenig Ehre. Unglaublich unwissend, sehr liederlich, nur in den Aeusserlichkeiten ihres Dienstes unterrichtet, bringen sie einen grossen Theil ihrer Zeit mit Spielen, Trinken und andern sndhaften Dingen zu. Sie bemhen sich nicht einmal den ussern Anstand zu wahren, ausgenommen bei der Messe, die sie mit drolliger Wrde lesen, ohne ein Wort davon zu verstehn. Hufig sind Mdchen und kleine Kinder im Convento, Alles isst mit den Fingern gemeinschaftlich aus einer Schssel. Der hiesige Priester stellte mir unaufgefordert zwei hbsche Mdchen als seine beiden armen Schwestern vor, die er trotz seiner grossen Drftigkeit unterhielte; ihre Tchter wurden aber von den Dienern ohne Scheu Tchter des Cura genannt. Der Grundsatz der spanischen Kolonialpolitik, eine Kaste durch die andere in Schranken zu halten, damit keine zu mchtig werde, scheint die Ursache, warum ein grosser Theil der Pfarrstellen mit Eingeborenen besetzt wird (angeblich die Hlfte, nach einer gesetzlichen Bestimmung die ich vergeblich gesucht habe). Die Klugheit dieser Maassregel mag wohl zweifelhaft erscheinen. Der spanische Cura hat grossen Einfluss in seiner Gemeinde und bildet vielleicht das einzige feste Band zwischen der Kolonie und dem Mutterlande; in beiden Punkten gewhrt der einheimische Priester keinen Ersatz; er geniesst gewhnlich selbst bei seinen Landsleuten nur wenig Achtung; Anhnglichkeit an Spanien hat er nicht, namentlich hasst und beneidet er seine spanischen Amtsbrder, die ihm die schlechtesten Stellen brig lassen und ihn verachten. Von Btu reitet man auf guter Strasse N. b. O. in einer halben Stunde im Schritt nach Nbua. Das Land ist flach, zu beiden Seiten Reisfelder; whrend aber in Btu der Reis damals gepflanzt wurde, war er in Nbua fast reif. Ich habe ber diesen auffallenden Umstand keine gengende Auskunft erhalten knnen und weiss den dadurch angedeuteten schroffen klimatischen Unterschied zwischen zwei so nahe gelegenen, durch keine hohe Bergwand getrennten Orten nicht zu erklren. Die Menschen sind hsslich und schmutzig und unterscheiden sich darin merklich von den Tagalen. Nbua (10,875 E.) wird von mehreren kleinen Flssen durchschnitten, die aus den Bergen in Osten kommend hier einen kleinen See bilden, dessen Ausfluss bei Bo durch Aufnahme von Bchen abermals zu einem See anschwillt und sich dann in den Bcol ergiesst. Dicht vor der zweiten Brcke in Nbua wendet sich die Strasse ostwrts und fhrt in gerader Linie nach Yriga, im Sdwesten des gleichnamigen Vulkanes belegen. Auf dem Abhange des letzteren besuchte ich eine kleine Niederlassung heidnischer Eingeborenen. Von den Bewohnern der Ebene werden sie abwechselnd Ygorroten, Cimarronen, Remontados, Infieles oder Montesinos (Waldbewohner) genannt, keiner dieser Namen, mit Ausnahme der beiden letzten passt aber recht auf sie; der erste kommt eigentlich Stmmen im Norden der Insel zu, die fr Mischlinge von Chinesen und Indiern gelten. [122] Cimarron, franzsisch Marron, den amerikanischen Sklavenkolonien entlehnt, bezeichnet dort einen entsprungenen in Freiheit lebenden Negersklaven, hier einen Eingeborenen, welcher die Bequemlichkeiten des Dorfes sammt seinen Steuern und Frohnden gegen die Entbehrungen und die Unabhngigkeit des Lebens in der Wildniss vertauscht hat. Die Bezeichnung Remontado (remont) erklrt sich selbst und ist gleichbedeutend mit Cimarron. Da der Gegensatz zwischen jenen beiden Zustnden wegen der Milde des Klimas und der Bedrfnisslosigkeit der Eingeborenen nicht entfernt so gross ist, als er bei uns sein wrde, so kommen solche Rcktritte fter vor, als man glauben sollte, gewhnlich in Folge eines Vergehens oder einer unbequemen Schuld, zuweilen aus blossem Widerwillen gegen Kopfsteuer und Frohndienste. Der Indier hat eine ausgesprochene Neigung, sich aus den Publos in die Einsamkeit zurckzuziehn, auf seinem Felde zu wohnen; und nur dem vereinten Eifer der fr die Kopfsteuer haftbaren Dorfltesten und der Geistlichen, die, abgesehn von andern Interessen, auch ihre nach der Kopfzahl berechneten Stipendien zu bercksichtigen haben, gelingt es zu verhindern, dass sich die Publos in Visitas, diese in Ranchos auflsen. Nachdem der Verkehr in andern Ranchos desselben Berges meine ersten Eindrcke bekrftigt, mchte ich die unabhngigen Bewohner des Yriga fr Mischlinge von Indiern und Negrtos halten. Die Hautfarbe ist dunkelbraun, nicht schwarz, wohl nicht dunkler als bei Indianern, die sich der Sonne sehr aussetzen. Einige, aber durchaus nicht Alle, haben krauses Haar. Whrend sowohl die in grsseren Truppen zusammenlebenden Negrtos wie die von mir vereinzelt bei Angat und Marivles angetroffenen keinen Ackerbau treiben, fast ohne Obdach im Freien hausen, sich von spontanen Naturerzeugnissen nhren [123], wohnen die Halbwilden des Yriga in bequemen Htten und bauen verschiedene Knollengewchse und etwas Zuckerrohr. Reine Negrtos kommen, so weit meine Erkundigungen reichen, in Camarines nicht vor. Ein zum grossen Theil dicht bevlkertes Gebiet, aus dem sich die hheren Berge nur in einzelnen Kuppen erheben, drfte wohl kaum fr ein herumschweifendes Jgerleben ohne Feldbau die erforderlichen Bedingungen darbieten. Die wenigen Ranchos des Yriga sind sehr zugnglich, sie stehn im freundschaftlichsten Verkehr mit den Indiern; andern Falls wren ihre Bewohner wohl lngst ausgerottet. Trotz dieser nachbarlichen Beziehungen hatten sie doch noch viel von ihrem ursprnglichen Wesen bewahrt. Die Mnner waren nackt bis auf ein Schamband, die Weiber gleichfalls oder trugen einen Schurz, von der Hfte bis zum Knie reichend. [124] In dem grssten Rancho waren die Frauen sehr dezent, nach Art der Indianerinnen bekleidet. Ihr Hausrath bestand aus Bambusgerth, Kokosschalen, einem irdenen Kochtopf, Bogen und Pfeilen. Bei letzteren, die sehr sorgfltig gearbeitet, war der Schaft aus Rohr, die Spitze aus einem scharfen Bambusschnitt oder aus Palmenholz, dreispitzig oder einspitzig; im letzteren Fall war um die Spitze oft eine spirale Rinne eingeschnitten; zur Schweinejagd werden vergiftete Pfeile mit eiserner Spitze benutzt. Obgleich die Ygorroten nicht Christen sind, hatten sie ihre Htten mit Kreuzen verziert, die ihnen als Talismane dienen. Wenn sie nichts ntzten, meinte eine Alte, wrden die Castilas sie nicht berall anbringen. [125] Die grsste der von mir besuchten Rancherien stand unter einem Kapitn, der aber nur wenig Macht hatte. Auf meinen Wunsch rief er einige nackte Bursche herbei, die mssig auf Baumstmmen hockten. Sie gehorchten ihm erst nach langen Errterungen. Kleine Geschenke, messingene Ohrringe und Kmme fr die Frauen, Zigarren fr die Mnner gewannen leicht ihre Gunst. Nach einem vergeblichen Versuch den Yriga von hier aus bis zum Gipfel zu besteigen, ging ich um seinen Sdwestrand nach Buhi im Sdwinkel des Buhi-See's. Zehn Minuten nach der Abreise von Yriga kommt man an eine Stelle, wo der Boden unter dem Hufschlag hohl klingt. Unzhlige kleine, im Mittel 50 Fuss hohe Hgel erheben sich aus der Ebene. Im Norden erblickt man den grossen Krater des Yriga, dessen dem See zugewendete Ostseite eingestrzt ist. Von Yriga her erscheint der Vulkan als ein geschlossener Kegel. Der See hat etwa 1 1/2 Meilen Umfang. Die Hgel bestehn an dieser Stelle aus Basalt, bei Buhi aus grobgeschichteten Rapilli, die Schichten fallen gegen den Yriga ein, der NW. davon liegt. Von einem der hchsten der Basalthgel betrachtet, sieht es aus als wren diese kleinen Anhhen Ueberreste eines grossen ehemaligen Kraters, der, vielleicht durch Erdbeben zertrmmert, spter durch Erosion in diese zahlreichen kleinen Kuppen umgestaltet wurde. In Buhi liess der freundliche Pfarrer durch Trommelschlag verknden, dass der eben angekommene Fremde allerlei Thiere zu haben wnsche, Thiere der Erde, der Luft und des Wassers, Thiere der Berge, der Wlder und Felder, und alles baar bezahlen wrde. Es wurden aber von den zahlreich herbeistrmenden Neugierigen nur Thiere der Huser und der Leiber, Schaben, Tausendfsse und andres Ungeziefer gebracht, die, nachdem sie zu Einlasskarten gedient, als seltene Waare verwerthet werden sollten. Am folgenden Tage sah ich einen bunten Aufzug: Voran die spanische Fahne, welcher die Dorfpauke, 74 Reiter in kurzen Jacken und flatternden Hemden, ein Dutzend Musikanten und schliesslich als Hauptfigur der Trger einer rothseidenen Standarte folgten; eine Ehre, die den Bevorzugten nicht wenig stolz macht und zu einem Schmaus mit reichlichen Spenden von Kokoswein verpflichtet. Er sass zu Pferde, affenartig aufgeputzt, auf dem Kopf einen Dreimaster, der statt goldener Tressen, mit buntem Papier beklebt war, ber dem Frack eine papierene Weiberpelerine, kurze enge gelbe Hosen, lange weisse Strmpfe und Schuhe. Rock und Hose waren gleichfalls statt der Tressen mit Papier benht. Auf hnliche Weise war das von zwei Cabezas gefhrte Pferd verziert. Nachdem der Zug sich durch die Strassen des Dorfes bewegt, machte er vor der Kirche Halt. Dieses Fest wird alljhrlich gefeiert zum Gedchtniss der von den Ppsten dem Knige von Spanien gemachten Konzession, die Ertrge der Kreuzbulle fr sich zu verwenden. Die spanische Krone besitzt in Folge davon das Recht, verschiedene Ablsse, auch fr schwere Verbrechen, im Namen des Papstes zu ertheilen. Sie hat dieses Recht gewissermassen im Grossen erworben und verschleisst ihren Kunden die Indulte im Wege des Kleinhandels, frher durch die Pfarrer, seit 1851 im Estanco, zugleich mit andern von ihr monopolisirten Artikeln: Tabak, Branntwein, Loterieloosen, Stempelpapier etc.; jedoch unter Mithlfe der Pfarrer. [126] Ohne letztere wrde das Geschft wohl wenig abwerfen. Die Einnahmen daraus haben immer sehr geschwankt; sie betrugen 1819: 15,930 Doll., 1839: 36,390 Doll., und waren fr 1860 auf 58,954 veranschlagt; in den beiden Jahren 1844/45 aber stiegen sie auf 292,115 Doll., weil die Ablassscheine damals den Familien zwangsweise aufgenthigt wurden, indem sie von den Barangayhuptern unter Beihlfe und Ueberwachung der Pfarrer und Untersteuerbeamten, die dafr, bezglich, 8% und 5% Prmie erhielten, in die einzelnen Huser vertheilt wurden; -- wohl eine der schamlosesten Anwendungen des Repartimiento Systems. [127] Der Buhi-See (92 Meter Meereshhe) ist malerisch schn, fast auf allen Seiten von ber tausend Fuss hohen Bergen umgeben; sein Westrand wird von dem noch vorhandenen Theil des Yriga-Kraters gebildet. Wie mir die Pfarrer der umliegenden Ortschaften mittheilten, soll der Vulkan bis zu Anfang des 17ten Jahrhunderts ein geschlossener Kesselberg gewesen, und als er bei einem grossen Ausbruch zur Hlfte einstrzte der See entstanden sein. Uebereinstimmend damit heisst es im Estado geogr. S. 247 (der wahrscheinlichen Quelle jener Mittheilungen): Am 4. Januar 1641, einem denkwrdigen Tage, weil zur selben Stunde alle damals in diesem Archipel bekannten Vulkane ausbrachen, strzte in der Provinz Camarnes ein grosser, von Unglubigen bewohnter Berg ein, und an seiner Stelle erschien ein schner See, an welchen die Bewohner des (damaligen) Dorfes Buhi bersiedelten, weshalb er fortan Buhi-See genannt ward. A. Perrey (S. 48) fhrt einen Ausbruch vom Jahre 1628 in Camarnes an, der gleichfalls auf jenes Ereigniss bezogen werden knnte: 1628 bebte die Erde; nach glaubwrdigen Zeugnissen, an einem Tage vierzehnmal in Camarnes; viele Gebude strzten ein, ein grosser Berg barst und es brach aus demselben eine solche Menge Wasser hervor, dass in den berschwemmten Gefilden die Bume ausgerissen, und eine Stunde vom Meer (die direkte Entfernung zum Meer betrgt 2 1/2 Leguas), die Ebene ganz mit Wasser bedeckt war. [128] Sonderbarer Weise aber stimmt der in einer Note gegebene Originaltext nicht zu A. Perrey's Uebersetzung. Jener erwhnt nichts vom Hervorbrechen des Wassers aus dem Berge und sagt im Gegentheil, dass die von der ungeheuren Gewalt umgestrzten Bume am Strande auf eine Stunde weit die Stelle des Meeres einnahmen, so dass auf dieser Strecke kein Wasser zu sehn war. [129] Die Angabe im Estado geogr. muss deshalb Misstrauen erregen, weil in dem amtlichen Bericht ber das grosse Erdbeben von 1641 die gleichzeitigen Ausbrche dreier Vulkane, zweier im Sden des Archipels, einer in Nord-Luzon ausfhrlich geschildert werden, Camarnes aber ganz unerwhnt bleibt. Das Misstrauen wird durch den Umstand vergrssert, dass derselbe Autor (Nierembergius), dem obige Angabe ber den Ausbruch von 1628 in Camarnes entlehnt ist, in einem andern Werke einen ausfhrlichen Bericht ber das Ereigniss von 1641 giebt, ohne dabei dieser Provinz zu gedenken. [130] Bei der grossen Gleichgltigkeit, mit welcher die Mnche Naturereignisse behandeln (waren doch selbst die am Fuss des Albay wohnenden Pfarrer nicht einmal ber die Daten seiner letzten Ausbrche einig), ist es nicht unwahrscheinlich, dass der Ausbruch von 1641, bei welchem in Nord-Luzon ein Berg einstrzte und ein See an die Stelle trat, im Lauf der Zeit auf den Yriga bertragen wurde. Auch von Tambong aus, einer kleinen zu Buhi gehrigen Visita am Seeufer, glckte es mir diesmal nicht die hchste Spitze zu erreichen. Wir gelangten Abends auf den sdlichen Zacken des Kraterrandes (1041 Meter nach meiner Bar. Beob.), wo uns eine tiefe Schlucht am weiteren Vordringen hinderte. Die Ygorroten verliessen mich, die Indier weigerten sich zu bivuakiren um am folgenden Tage die Reise fortzusetzen; ich musste umkehren. Spt Abends kamen wir durch eine Kokospflanzung am Fuss des Berges und fanden Obdach gegen ein Gewitter bei einer freundlichen Alten, der meine Diener so viel vorlogen, dass wir trotz unseres Misserfolges, als der Regen nachgelassen, mit Fackeln nach Tambong geleitet wurden und den Palmenhain um den kleinen Weiler mit hellstrahlenden Freudenfeuern von trocknen Kokosblttern zauberhaft schn erleuchtet fanden, zu Ehren der Conquistadores del Yriga. Ich musste die Nacht in Tambong bleiben, weil die Leute zu zaghaft oder zu faul waren ber den bewegten See zu fahren. Hier sah ich Ananasfasern fr Gewebe bereiten. Den zu diesem Zweck bestimmten Pflanzen wird gewhnlich der Fruchttrieb ausgebrochen, wodurch die Bltter an Lnge und Breite betrchtlich zunehmen. Eine Frau legt ein Brett auf den Boden, darauf ein Ananasblatt, die hohle Seite nach Oben gekehrt; sie hockt an einem Ende des Brettes, hlt das Blatt mit den Zehen fest, und schabt mit einem Tellerscherben, nicht mit der scharfen Bruchkante, sondern mit dem stumpfen Rande des Umfangs die oberste Schicht des Blattes ab, die sich in Fetzen lst; dadurch wird eine Lage grober Lngsfasern entblst, die Arbeiterin fhrt mit dem Nagel des Daumens darunter, hebt sie auf, zieht sie in einem zusammenhngenden Streifen ab und schabt abermals bis eine zweite feine Faserschicht blosgelegt ist; dann dreht sie das Blatt um, schabt etwa eine Handbreit vom untern Ende der jetzt oben liegenden Rckseite des Blattes bis zur Faserschicht ab, fasst diese mit der Hand und zieht sie der ganzen Lnge nach auf einmal vom Blattrcken ab. Nachdem die Fasern gewaschen, um sie von dem noch daran haftenden Parenchym zu reinigen, trocknet man sie an der Sonne. Spter werden sie mit einem gewhnlichen Kamm wie Frauenhaar gekmmt, nach ihrer Feinheit in vier Klassen sortirt, an einander geknpft und ebenso behandelt wie Lupifasern. [131] Auf diese rohe Weise gewinnt man die Fden fr die berhmten Gewebe, Nipis de Pia, die von Kennern fr die feinsten der Welt gehalten werden. Zwei Hemden aus diesem Stoff sind im Berliner ethnographischen Museum (unter 291 und 292), feinere Gewebe im Gewerbe-Museum ausgestellt. In den Philippinen, wo man die Feinheit der Arbeit am besten zu wrdigen versteht, sind reich gestickte Piakleider mit mehr als 2000 Thaler das Stck bezahlt worden. [132] In Buhi, das nicht hinreichend gegen den NO. gedeckt ist, regnete es fast so viel wie in Darga. Ich hatte mit den Ygorroten ausgemacht, dass sie einen Pfad durch das hohe Rohr bis zum Gipfel durchschlagen sollten, es unterblieb aber wegen des anhaltenden Regens, und ich entschloss mich ber den Malinao zu steigen, lngs der Kste in mein Standquartier zurckzukehren und neu ausgerstet den Bicolfluss bis Naga hinabzufahren. Bevor wir uns trennten bereiteten die Ygorroten noch Pfeilgift fr mich, aus zwei Baumrinden, von denen sich Proben unter B. 103 und B. 104 in der botanischen Sammlung der Berl. Universitt befinden. Ich bekam nur die Rinden zu sehn, weder Bltter noch Blthen. Die Bastschicht der Rinde B. 103 wurde zerklopft, ausgedrckt, angefeuchtet und noch einmal ausgedrckt. Dies geschah mit der blossen Hand, die aber nicht verletzt sein darf. Der Saft sieht wie dnne Erbsensuppe aus, er wird in einem Topfscherben ber schwachem Feuer eingedampft, wobei er an den Rndern gerinnt. Das Coagulum lst sich durch Umrhren wieder in der kochenden Flssigkeit. Ist diese zu Syrupsdicke eingedampft, so wird von der innern Oberflche der Bastschicht B. 104 eine geringe Menge, etwa 1/10 so viel als B. 103, abgeschabt und ber dem Topf ausgedrckt; dieser Saft ist dunkelbraun. Wenn das Gemenge die Konsistenz einer zhen Salbe hat, so wird es mit einem Span aus dem Scherben herausgekratzt und in einem mit Asche bestreuten Blatt aufbewahrt. Zum Vergiften eines Pfeils verwendet man ein Stck von der Grsse einer Haselnuss, das durch Erwrmen gleichmssig ber die breite eiserne Spitze vertheilt wird. Ein vergifteter Pfeil dient viele Male. Ende November verliess ich den schnen Buhi-See und fuhr, von seinem stlichsten Winkel aus, eine kurze Strecke den kleinen Sapafluss hinauf [133], dessen Anschwemmungen einen betrchtlichen Vorsprung im Umriss des Sees bilden. Ueber eine feuchte Wiese gelangt man an den Abhang des Malinao oder Buhi, der schlpfrige Thon des untern Abhanges geht weiter oben in vulkanischen Sand ber. In dem sehr feuchten Wald wimmelte es von kleinen Blutegeln; ich hatte sie nie zuvor in solcher Menge angetroffen. Die Thierchen, ausgestreckt nicht dicker als Zwirnsfden, sind ausserordentlich behende, setzen sich an alle Stellen des Krpers fest, dringen selbst in die Nase, in die Ohren, in die Augenlider und saugen sich, wenn man sie nicht bemerkt, so voll, dass sie kugelrund werden und wie kleine Kirschen aussehn. Whrend sie saugen empfindet man keinen Schmerz, aber spter jucken die angegriffenen Stellen oft noch tagelang. [134] An einer Stelle bestand der Wald berwiegend aus Feigenbumen mit sechs Fuss langen, an dem Stamm und den dickeren Aesten hngenden Fruchttrauben. Die Frchte von Kirschengrsse sassen vereinzelt an den sparrigen holzigen Stielen. Zwischen den Bumen wucherten kletternde Farne, Aroideen, Orchideen. Nach fast sechs Stunden erreichten wir um 12 1/2 Uhr die Passhhe (841 Meter) und stiegen am stlichen Abhang hinab. Der Wald ist auf der Ostseite des Berges noch prchtiger als auf der westlichen. Von einer Lichtung hatten wir eine Aussicht auf das Meer, die Insel Catanduanes und die Ebene von Tabaco. Mit Sonnenuntergang langten wir in Tibi an, wo ich mich in dem saubern, von starken Bambusen eingefassten Gefngniss einquartierte, dem wohnlichsten Raum eines langen Schuppens, der die Stelle des vor zwei Jahren durch Sturm zerstrten Tribunals vertrat. Von Tibi hatte ich Gelegenheit den Malinao (auch Buhi und Takt genannt,) zu zeichnen: der von dieser Seite als ein grosser Vulkan mit deutlichem Krater erscheint, vom Buhi-See aus ist er als ein solcher nicht mit voller Sicherheit zu erkennen. Nicht weit von Tibi, genau NO. vom Malinao, liegt eine schwache Solfatara, Igab genannt: in der Mitte einer rings von Bumen umgebenen Rasenflche ist eine kahle Stelle von ovaler Form, nahe hundert Schritt lang, 70 breit. Der ganze Raum ist mit kopfgrossen und grsseren, durch Zersetzung abgerundeten Steinen bedeckt, beim Zerschlagen lsen sich von der Oberflche dnne konzentrische Schalen, der Kern ist grau und besteht aus Trachyt. An einigen Stellen sprudelt aus dem Boden heisses Wasser, das sich zu einem kleinen Bach sammelt, einige Weiber waren beschftigt ihre Mahlzeit zu kochen, indem sie mittelst eines Netzes Caladiumschnitte in das dem Siedepunkt nahe Wasser hingen. An der untern Flche einiger Steine war ein wenig Schwefel sublimirt, von Alaun kaum Spuren wahrnehmbar; in einer Vertiefung hatte sich Kaolin angesammelt; es wird gelegentlich zum Anstrich benutzt. Von hier begab ich mich zu den nahegelegenen Sinterquellen von Naglegbeng. [135] Ich hatte Kalksprudel erwartet, und fand die prachtvollsten Kieselbildungen, in den manchfaltigsten Aggregatzustnden, in den verschiedensten Stufen der Ausbildung: flache Kegel mit zylindrischen Aufstzen, Stufenpyramiden, runde Becken mit geripptem Rande, kochende Teiche. Eine von Bumen entblsste Stelle zwei bis dreihundert Schritt breit und anderthalb mal so lang, ist, wenige mit Rasen bewachsene Lcken ausgenommen, mit einer Kruste von Kieselsinter bedeckt, die zuweilen grosse zusammenhngende Flchen bildet, gewhnlich aber durch vertikale Sprnge in fliesenartige Platten zerborsten ist. An unzhligen Stellen dringt siedend heisses, kieselsurehaltiges Wasser aus dem Boden, verbreitet sich ber die Flche und setzt sowohl durch Erkaltung als durch Verdampfung allmlig eine Kruste ab, deren Dicke mit der Entfernung vom Mittelpunkt regelmssig abnimmt; so entsteht mit der Zeit ein sehr flacher Kegel, mit einem Becken kochenden Wassers in der Mitte. Durch weiteren Sinterabsatz verengt sich der Zuflusskanal, es luft weniger Wasser ber, das schon in unmittelbarer Nhe des Beckenrandes verdampft und in jedem Tropfen ein feines Krnchen Kieselerde absetzt; dadurch wird nicht nur der obere Theil des Kegels steiler als seine Basis, es bildet sich auch zuweilen ein zylindrischer Aufsatz, dessen ussere Seite, weil das Wasser nicht vllig gleichmssig berfliesst, stalaktitisch gerippt ist. Ist der Kanal soweit verstopft, dass der Zufluss geringer ist als die Verdampfung, so luft kein Wasser mehr ber den Rand; der Sinter setzt sich dann bei der allmligen Abkhlung des Wassers mit der grssten Gleichmssigkeit am innern Umfang des Beckens ab; in dem Maasse aber als der Spiegel des Wassers sinkt, hrt die Sinterbildung im oberen Theil des Beckens auf; daher nimmt die innere Wand an Dicke zu, und wenn der Kanal gnzlich verstopft, alles Wasser verdampft ist, so bleibt ein glattes drehrundes, wie von Menschenhand ausgemeisseltes, umgekehrt glockenfrmiges Becken zurck. In der Abbildung des weissen Kegels sind drei Indierinnen auf dem Rande eines solchen stehend dargestellt, ein noch schnerer Beckenrand ist auf der rechten Kuppe des rothen Kegels wahrzunehmen. Das Wasser sucht sich nun einen neuen Ausweg, und bricht an der Stelle hervor, wo es den geringsten Widerstand findet, ohne den schnen von ihm aufgebauten Kegel zu zerstren. Solcher Beispiele sind mehrere vorhanden. Bei den grssten Kegeln aber, die aus einer bedeutenden Wassermasse, einem kleinen Teiche entstanden, erlangen die Dmpfe, wenn ihr Schlot verstopft ist, solche Spannkraft, dass sie die oberflchliche Kruste in konzentrisch strahlige Schollen zersprengen. Das Wasser sprudelt nun reichlich aus der Mitte hervor und richtet, indem es den Sand unter den Schollen zusammenschwemmt, diese steil, zuweilen fast senkrecht in die Hhe; so entstehen ringfrmige Stufen, deren horizontale Decke sich erst allmlig durch neue Abstze aus dem berstrmenden Wasser bildet. An den auf der Zeichnung dargestellten beiden grossen Kegeln, dem weissen und dem rothen, sieht man diese Stufenbildung vollendet, an vielen andern Stellen ist sie im Entstehn. Zuweilen bricht, nachdem die Stufenpyramide fertig, der Zufluss verstopft ist, das Wasser auf dem Abhang desselben Kegels aus, dann entsteht ein zweiter Kegel neben dem ersten auf derselben Basis, die vorstehende Zeichnung stellt eine solche Bildung im Entstehn dar, die folgende zeigt sie in der Vollendung. In der Nhe der Kieselbrunnen sieht man Ablagerungen, weisse, gelbe, rothe, graublaue Thone, in schmalen Bndern wie bunte Mergel einander berlagern, offenbar Zersetzungsprodukte vulkanischer Gesteine durch Regen dahingeschwemmt und durch die Oxyde des Eisens gefrbt. Vielleicht stammen diese Thone von denselben Gesteinen, aus deren Zersetzung die Kieselerde hervorgegangen, und sind die letzten festen Ueberreste derselben. Ihre Menge ist aber nur gering, sie liegen nicht an ihrer ursprnglichen Lagersttte und wrden nur einen kleinen Theil der ursprnglichen Masse darstellen. Ganz hnliche Verhltnisse kommen in Island und in Neuseeland vor, aber sehr viel mannichfaltiger, schner, reiner als die Produkte der islndischen Geyser sind die der Sprudel von Tibi. Es finden sich Lager von Pflanzen mit einer so feinen Kruste von Kieselsinter berzogen, dass alle Blattnerven deutlich zu erkennen, die Galvanoplastik knnte nicht zierlicher arbeiten. An andern Stellen wechsellagern dnne Schichten undurchsichtig weissen oder sehr schwach rthlichen Sinters mit Bndern durchsichtigen gelben Opals und Hyaliths. Zuweilen, wo die Kieselerde lange in gallertartigem Zustande geblieben, haben die durch die zhe Masse dringenden Gasblasen Reihen dnnwandiger Zellen gebildet, so dicht und regelmsig, als wren sie organischen Ursprungs, die Zellen sind leer oder mit Hyalith erfllt, der zuweilen in ununterbrochenen Strahlen die Sintermassen durchdringt. [136] An andren Stellen hat sich der Sinter in dnnen konzentrischen Schalen um feste Krperchen abgesetzt und Lager von Erbsenstein gebildet. Ueberraschend schn wirklich monumental aber ist der wunderbare Aufbau des rothen Kegels, der schwerlich irgend wo in der Welt seines gleichen haben drfte. VIERZEHNTES KAPITEL LEBENSWEISE UND SITTEN DER BICOLINDIER. Bei der zweiten Reise nach Camarnes, die ich im Februar unternahm, fuhr ich zu Wasser von Polngui ber Btu bis Nga. Der Quinli, der SO. in den Batusee fliesst, tritt am Nordrande als Bicolfluss wieder aus, und luft in NW. Richtung bis zur Bay von S. Migul. Er vermittelt einen nicht unbedeutenden Handel zwischen Alby und Camarnes, namentlich in Reis, da der in erster Provinz gewonnene fr die in Folge des Abacbau's sehr gestiegene Bevlkerung nicht ausreicht und Camarnes Ueberfluss davon hat. Der Reis wird in grossen Khnen flussaufwrts bis Quinli geschafft und von dort in Bffelkarren weiter verfhrt; die Boote gehn leer zurck. Die Breite des sehr windungsreichen Bicol betrgt in der trocknen Jahreszeit am Seeausfluss wenig ber 60 Fuss und nimmt nur sehr allmlig zu. Die Vegetation der Ufer bietet ziemliche Abwechslung, besonders anziehend ist das Thierleben, namentlich das Treiben der zahlreichen Affen und Wasservgel. Unter letzteren waren Plotus (P. melanogaster) besonders hufig -- aber schwer zu schiessen. Bewegunglos sitzen sie auf den Bumen am Ufer, nur ihr dnner Hals und Kopf ragt wie eine Baumschlange aus dem Laube hervor. Bei dem Annhern des Bootes strzen sie jh in's Wasser und erst nach vielen Minuten sieht man den dnnen Hals wieder empor tauchen, weit entfernt von der Stelle, wo der Vogel verschwunden war. Im Fliegen scheint der Plotus nicht minder gewandt als im Schwimmen und Tauchen. Halbwegs zwischen Batu und Bula steht ein Kalkofen; das Gestein, ein fester, gelblicher Kalk voll Steinkerne von Korallen (Seriatopora? und unbestimmbaren Zweischalern), kommt aus einem flachen Hgelzug, zwei Stunden Bffelschritt WSW, anscheinend einem gehobenen Korallenriff. Weiter stromabwrts wird die Gegend flacher, nur die grossen Vulkane ragen ber die von Reisfeldern eingenommene Ebene. In Nga, der Hauptstadt von Sd-Camarnes, stieg ich im Tribunal ab, wurde aber alsbald von dem wegen seiner Gastfreundschaft weit ber die Grenzen seiner Provinz berhmten Administrador in sein Haus geholt und mit Liebenswrdigkeit und Geflligkeiten berhuft. Der allgemein beliebte Herr setzte alles in Kontribution um meine Sammlungen zu bereichern, und that was er konnte um mir den Aufenthalt angenehm zu machen und meine Zwecke zu frdern. Nga ist die Hauptstadt von Sd-Camarnes, Sitz eines Bischofs und der Provinzial-Regierung. In amtlichen Dokumenten wird es Nueva-Cceres genannt zu Ehren des aus Cceres gebrtigen General-Kapitns D. Fr. de Sande, der 1578 neben dem Indierdorf Nga eine spanische Stadt grndete. Zu Anfang des 17ten Jahrhunderts zhlte sie gegen 100 spanische Einwohner (Morga f. 151), gegenwrtig kaum ein Dutzend. Schon Murillo Velarde (XIII, 272) bemerkt, dass, im Gegensatz zu Amerika, von allen in den Philippinen gegrndeten Stdten, mit Ausnahme Manila's, nur noch die Skelette, die Namen ohne die Substanz sich erhalten haben. Der Grund liegt, wie schon mehrfach hervorgehoben, darin, dass es bis jetzt an Pflanzungen und mithin an eigentlichen Ansiedlern fehlt. Frher war Nga Hauptstadt des ganzen stlich von Taybas gelegenen Theiles von Luzon, der bei zunehmender Bevlkerung in die drei Provinzen Nord- und Sd-Camarnes und Alby zerlegt wurde. Die Grenzen dieser Verwaltungsbezirke sind namentlich zwischen Alby und Sd-Camarnes ziemlich willkrlich gezogen, whrend das Gesammtgebiet, wie die Karte zeigt, geographisch sehr gut begrenzt ist. Im Verkehr wird es auch wohl noch gegenwrtig im Zusammenhang Camarnes genannt; am passendsten knnte man es das Land der Bicol nennen; denn es ist von einem Volksstamm, den Bicolindiern bewohnt, der sich sowohl durch seine Sprache, als durch manche Eigentmlichkeiten von seinen Nachbarn, den Tagalen im Westen und den Bisayern, auf den Inseln im Sden und Osten unterscheidet. Die Bicol sind auf das in Rede stehende Gebiet und einige kleine unmittelbar davor liegende Inseln beschrnkt. Ueber ihre Herkunft geben die umfangreichen, inhaltlosen Geschichten spanischer Mnche keinen Aufschluss. Morga hlt sie fr Eingeborene der Insel, dagegen sei durch Ueberlieferung bekannt, dass die Bewohner von Manila und Umgebung von vor Zeiten dort eingewanderten Malayen und Bewohnern anderer Inseln und ferner Provinzen abstammen. [137] So wie ihre Sprache zwischen der der Tagalen und Bisayer mitten innen steht, so scheinen die Bicols selbst auch in ihren Fhigkeiten und Sitten einen Uebergang zwischen beiden zu bilden, den Tagalen krperlich wie geistig im Allgemeinen nachzustehn, den Bewohnern der stlichen Bisaya-Inseln berlegen zu sein. Bicol wird nur in beiden Camarnes und Alby auf Luzon, und auf den Inseln Masbte, Buras, Tico, Catandunes und den kleinen benachbarten Eilanden gesprochen. Am reinsten sprechen es die Bewohner des Vulkanes Ysarg und seiner unmittelbaren Umgebung. Von dort gen Westen nimmt die Bicolsprache immer mehr tagalisch, nach Osten hin bisaya auf, und geht allmlig, wohl noch ehe sie die Grenzen ihres ethnographischen Gebietes erreicht, in diese beiden Nachbarsprachen ber. Es drfte zweckmssig sein, die hervorragendsten Zge in der Lebensweise der Bicolindier, deren Mehrzahl sie mit den Tagalen und Bisayern gemein haben, hier an einander zu reihen. Ein allgemeiner Ueberblick der geographischen Verhltnisse und der durch sie bedingten Vertheilung der trockenen und nassen Jahreszeiten ist bereits S. 94 gegeben worden. Die Aussaat des Reises in Beeten beginnt in Sd-Camarnes im Juni oder Juli, je nach dem Eintritt der Regenzeit; in knstlich berieselten Feldern frher, weil die Frucht dann zu einer Zeit reift, wo ihr Vorrath im Lande gering, ihr Preis hoch ist. Obgleich Rieselfelder sehr wohl zwei Ernten jhrlich liefern knnten, so werden sie doch nur einmal bestellt. Im August wird umgepflanzt mit handbreiten Zwischenrumen zwischen den Linien und den einzelnen Pflanzen, vier Monate spter ist der Reis reif. Die Felder werden nie gedngt und nur selten gepflgt, gewhnlich lsst man durch einige Dutzend Bffel das Unkraut und die Stoppeln in den schon durchweichten Boden eintreten, der dann nur noch mit einer stachlichten Walze gerollt, oder mit dem Sorod gelockert wird. Ausser den genannten Ackergerthschaften, sind noch die spanische Hacke (Azadn) und ein Rechen von Bambus (Kag-kag) in Gebrauch. Bei der Ernte geht es eigenthmlich zu. Der Reis, welcher zuerst reift, wird fr 10% geschnitten, d. h. der Arbeiter empfngt fr seine Mhe das 10te Bndel vom Eigenthmer. Um diese Zeit ist der Reis sehr knapp, oft ist Noth vorhanden und Arbeitskraft billig; je mehr Felder aber in Reife kommen, um so theurer wird der Schnitterlohn, er steigt auf 20, 30, 40 selbst 50%, ja die Behrden halten es zuweilen fr nthig, die Leute durch Krper- und Gefngnissstrafe zum Ernten zu zwingen, damit nicht ein grosser Theil auf dem Halm verfaule. Dennoch geht in sehr fruchtbaren Jahren immer ein Theil der Ernte verloren. Man schneidet den Reis Halm fr Halm (wie in Java), mit einem eigentmlich geformten Messer, oder in Ermangelung eines solchen, mit der scharfrandigen Klappe einer in den Grben der Reisfelder lebenden Muschel [138]; man braucht sich nur zu bcken, um sie aufzunehmen. Ein Quion bestes Reisland gilt 60-100 Dollars (8 bis 13 Thaler per Morgen). Am theuersten sind Rieselfelder auf Anhhen, die nicht wie die Felder in der Ebene verheerenden Ueberschwemmungen ausgesetzt sind, und so bewirtschaftet werden knnen, dass ihre Frucht zur Zeit der hchsten Preise reift. Auf vier Topones (1 Topon = 1 Loan) pflanzt man 1 Ganta und erntet 100 Manojos (Bndel), die je 1/2 Ganta Reis geben, also das fnfzigste Korn. Man darf die alte Ganta von Naga wohl = 1 1/2 Gantas setzen, dann berechnet sich der Ertrag auf 75 Cabanes per Quion, etwa 9 3/4 Scheffel per Morgen, ungefhr soviel wie in Preussen. [139] In Bchern werden gewhnlich 250 Cabanes als Ertrag eines Quion angegeben, als Durchschnitt wohl eine Uebertreibung. Die Ergiebigkeit der Felder ist allerdings eine sehr verschiedene, aber wenn man erwgt, dass die Aecker in den Philippinen nie gedngt werden, sondern zur Erhaltung ihrer Fruchtbarkeit ausschliesslich auf den durch die Ueberfluthungen aus den Bergen ihnen zugefhrten Schlamm angewiesen sind, so mgen obige Zahlen dem wirklichen Durchschnitt wohl eher entsprechen. In Java betrgt in vielen Provinzen die Ernte nur 50 Cabanes per Quion, in manchen freilich das Dreifache [140]; in China bei sorgfltigster Kultur und reichlicher Dngung 180 Cabanes. [141] Ausser Reis wird Camote (ssse Kartoffel, Convolvulus batatas) gebaut, die wie Unkraut wuchert, ja sie wird zuweilen sogar angepflanzt, um auf dem zum Kaffee-, Cacao- oder Abacbau bestimmten Boden das Unkraut zu vertilgen. Sie breitet sich zu einem dichten Teppich aus, und ist, da die Auslufer Wurzel schlagen und Knollen bilden, eine fast unversiegbare Vorrathskammer fr den Besitzer, der das ganze Jahr hindurch seinen Bedarf dem Felde entnehmen kann. Auch Gabi (Caladium), Ubi (Dioscorea), Mais und zwei Arum-Arten sind Gegenstnde des Feldbaus. Nach der Reisernte werden Bffel, Pferde und Rinder auf die Felder gelassen. Whrend des Reisbaues bleiben sie in den Gogonales, Rohrsteppen, die namentlich dort entstehn, wo fr den Bau von Bergreis gelichtete Stellen wieder verlassen werden. Gogo ist der Name eines 7 bis 8' hohen Rohres (Saccharum sp.). Transport findet dann fast nicht statt, weil whrend der Regenzeit die Wege nicht benutzbar sind und das Vieh nichts zu fressen fnde. Der Indier fttert sein Vieh nicht; er lsst es verhungern, wenn es sich nicht selbst erhalten kann. In der nassen Jahreszeit kommt es nicht selten vor, dass ein Bffel, whrend er den Karren zieht, vor Hunger zusammenstrzt. Ein Bffel kostet 7-10 Dollars, ein Pferd 10-20, eine Kuh 6-8. Sehr schne Pferde bezahlt man mit 30-50 Dollars, ausnahmsweise sogar bis 80 Dollar, doch werden die hiesigen Pferde in Manila nicht geschtzt, weil sie nicht aushalten; das schlechte Wasser, das schlechte Heu und die grssere Hitze daselbst, richten sie schnell zu Grunde, sonst wrde es vortheilhaft sein, Pferde in der guten Jahreszeit nach Manila zu verschiffen, wo sie etwa das Doppelte kosten. Nach Morga (f. 130) gab es weder Pferde noch Esel auf der Insel, bis die Spanier sie aus China und Neu-Spanien einfhrten. [142] Erstere waren klein und bsartig; auch aus Japan wurden Pferde bezogen, nicht schnell aber stark mit grossen Kpfen und dicker Mhne, wie Friesen aussehend. [143] Die Pferde vermehrten sich schnell, die im Lande geborenen, meist von gekreuzter Rasse, schlugen gut ein. Das Rindvieh ist gewhnlich in den Hnden Einzelner. Es giebt in Camarnes Individuen, welche 1000 bis 3000 Stck besitzen, in der Provinz ist es kaum verkuflich, doch wird es seit einigen Jahren mit Vortheil nach Manila ausgefhrt. Das Rindvieh der Provinz ist klein aber wohlschmeckend, zur Arbeit wird es nie benutzt, auch die Khe werden nicht gemolken. Die Indier ziehen das Bffelfleisch dem Rindfleisch vor, essen es aber nur an Festtagen, gewhnlich geniessen sie nur Fische, Krebsthiere, Muscheln und wilde Kruter zum Reis. Die alte, von den Spaniern vor Jahrhunderten eingefhrte Rasse von Schafen hlt sich gut und vermehrt sich leicht; die gelegentlich von Shanghai und Australien gebrachten stehn im Rufe, nicht so gut auszudauern; sie sollen unfruchtbar sein, gewhnlich bald sterben. In Manila ist Hammelfleisch tglich zu haben, im Innern aber, wenigstens in den stlichen Provinzen fast nie, obgleich die Schafzucht ohne Schwierigkeit, an manchen Orten mit grossem Vortheil getrieben werden knnte. Man ist aber zu nachlssig, um die jungen Lmmer zu hten, und klagt, dass sie von den Hunden zerrissen werden, wenn sie frei herumlaufen. Die Schafe scheinen sich schwer akklimatisirt zu haben. Morga (f. 130) sagt, dass sie viele male aus Neu-Spanien mitgebracht wurden, sich aber nicht vermehrten, so dass zu seiner Zeit diese Art von Hausthieren nicht vorhanden war. Schweinefleisch wird von wohlhabenden Europern nur dann gegessen, wenn das Schwein von Jugend auf im Hause erzogen worden ist. Um zu verhten, dass es sich herumtreibe, wird es gewhnlich in einen Bambuskfig, einen weitmaschigen zylindrischen Korb, eingeflochten, und geschlachtet, wenn es denselben ausfllt. Von den Schweinen der Eingeborenen zu essen ist zu ekelhaft; die Thiere leben unter dem Abtritt, der in manchen kleinen Husern nur aus den Zwischenrumen der aus Bambuslatten gebildeten Diele besteht und ernhren sich von seinen Abfllen, die sie gierig verschlingen; hufig sieht man sie im Dorfe herumlaufen, Kopf und Hals mit den Resten ihrer Malzeit besudelt. Crawfurd (338) bemerkt, dass die Namen aller Hausthiere in den Philippinen fremden Sprachen angehren. Hund, Schwein, Ziege, Bffel, Katze, selbst Huhn und Ente seien malayisch oder javanisch; Pferd, Ochs, Schaf, spanisch. Wenn jene Thiere erst von den Malayen eingefhrt wurden, so waren die Ureinwohner bler daran, als die Amerikaner, die doch das Alpaca, Llama und Vicua hatten. -- Auch die Namen der meisten Kulturpflanzen, Reis, Yams, Zuckerrohr, Kokos, Indigo seien malayisch, so wie die fr Silber, Kupfer, Zinn. Von den auf Gewerbe bezglichen Wrtern sei ein Drittel malayisch, von Handelsausdrcken die grosse Mehrzahl; auch die Benennungen fr Maasse, Gewichte, fr den Kalender, soweit ein solcher vorhanden, so wie die (sehr entstellten) Zahlwrter, die Wrter fr Schreiben, Lesen, Sprache, Erzhlung. Dagegen ist nur eine Minderzahl der Ausdrcke, die sich auf den Krieg beziehn, dem malayischen entlehnt. Aus den cht einheimischen Wrtern schliesst Crawfurd auf den Grad der Zivilisation, den die Philippiner vor ihrem Verkehr mit den Malayen besassen: sie baueten kein Getreide, ihre Pflanzenkost bestand in Bataten (?) und Bananen. Sie besassen nicht ein Hausthier, kannten Eisen und Gold, aber kein anderes Metall, und kleideten sich in selbst gewebte Baumwollen- und Abac-Stoffe. Sie hatten ein eignes phonetisches Alphabet erfunden. Ihre Religion bestand im Glauben an gute und bse Geister und Hexen, in Beschneidung und etwas Sterndeuterei. Somit waren sie den Bewohnern der Sdsee voraus durch den Besitz von Gold, Eisen und Geweben und standen ihnen nach, indem sie weder Hund, Schwein noch Huhn besassen. Lsst man die obige nur mit Hlfe mangelhafter sprachlicher Quellen entworfene Skizze des vorchristlichen Kulturzustandes gelten und vergleicht damit den gegenwrtigen, so ergiebt sich ein grosser Fortschritt, den die Philippiner den Spaniern verdanken. Insofern er die gesellschaftlichen Verhltnisse betrifft, ist er bereits mehrfach im Text hervorgehoben worden. Die Spanier haben das Pferd, das Rind, das Schaf, den Mais, den Kaffee, Rohrzucker, Cacao, Sesam, Tabak, Indigo, viele Frchte und wohl auch die Bataten eingefhrt, die sie unter dem Namen Camotli in Mexico vorfanden. [144] Daraus scheint die in den Philippinen allgemeine Benennung Camote entstanden zu sein, die Crawfurd wohl irrthmlich fr einheimisch hlt. (Wie mir Dr. Witmack mittheilt, neigt man neuerdings zu der Ansicht, dass die Batate nicht nur in Amerika, sondern auch in Ostindien heimisch sei, da sie im Sanskrit zwei Namen habe: Sharkarakanda und Ruktaloo.) In den Gewerben, ausgenommen in der Stickerei, im Weben und Mattenflechten haben die Eingeborenen nur geringe Fortschritte gemacht. Die Handwerke werden hauptschlich von Chinesen betrieben. Die Ausfuhr besteht in Reis und Abaca. Die Provinz fhrt etwa zweimal so viel Reis aus als sie verzehrt, hauptschlich nach Albay, das zum Reisbau weniger geeignet, fast nur Abac erzeugt. Ein Theil geht nach Nord-Camarnes, das sehr bergig und wenig fruchtbar ist. Nach Manila kann der Reis kaum verschifft werden, da eine Landstrasse nach dem der Hauptstadt nahen Sdrande der Provinz nicht vorhanden und der Wassertransport vom Nordrande und dem ganzen stlichen Theil von Luzon das Produkt zu sehr vertheuern wrde. Die Einfuhr beschrnkt sich auf das Wenige, was chinesische Krmer einfhren. Die Hndler sind fast alle Chinesen, sie allein besitzen Lden, in denen namentlich Kleiderstoffe und Tcher, theils inlndischer, theils europischer Fabrik, gestickte Frauenpantoffeln und unchte Schmucksachen zu haben sind. Das Gesammtkapital, welches in diesen Lden steckt, erreicht gewiss nicht 200,000 Dollar. In den brigen Pueblos von Camarnes giebt es keine chinesischen Handelsleute, sie mssen sich also aus Naga versorgen. Das Land gehrt dem Staat, wird aber einem Jeden, der es bebauen will, umsonst berlassen; der Niessbrauch geht auf die Kinder ber, und hrt nur dann auf, wenn der Boden zwei Jahre lang unbenutzt liegen bleibt. Es steht dann der Behrde frei, zu Gunsten eines Andern darber zu verfgen. Jede Familie besitzt ihr eignes Haus. Gewhnlich erbaut es der junge Ehemann mit Hlfe seiner Freunde. An manchen Orten kostet es nicht ber 4 bis 5 Dollar; zur Noth kann er es auch selbst herstellen, ohne Auslagen, ohne andres Handwerkzeug als das Waldmesser (Bolo) und ohne andres Material, als Bambus, spanisches Rohr und Palmbltter. Dergleichen Huser, die wegen der Feuchtigkeit immer auf Pfhlen stehn, und oft nur einen einzigen berdachten Raum haben, in welchem alle Verrichtungen vorgenommen werden, sind Ursache grosser Liederlichkeit und schmutziger Gewohnheiten; die ganze Familie schlft darin gemeinschaftlich und jeder Durchreisende ist ein willkommener Gast. Ein schnes Haus von Brettern fr die Familie eines Cabeza mag gegen 100 Dollar kosten. Das Vermgen einer solchen Familie an Immobilien, Mbeln, Schmuck u. s. w. (sie mssen jhrlich ein Inventarium einreichen) beluft sich auf 100 bis 1000 Dollars. Einige haben sogar ber 10,000, der Reichste der ganzen Provinz wird auf 40,000 Dollars geschtzt. Im Allgemeinen lsst sich behaupten, dass jedes Pueblo seine Bedrfnisse selbst erzeugt und wenig darber hervorbringt. Fr den indolenten Indier, namentlich fr den der stlichen Provinzen, ist das Dorf, in dem er geboren worden, die Welt. Er verlsst es nur unter dringenden Umstnden. Uebrigens wrde das von der Kopfsteuer unzertrennliche strenge Passwesen der Reiselust, falls sie vorhanden wre, grosse Schwierigkeiten in den Weg legen. Der Indier isst tglich dreimal: um 7 Uhr Vormittags, 12 und 7 oder 8 Abends; die krftigsten Arbeiter verzehren bei jeder Malzeit eine Chupa Reis, gewhnliche Individuen eine halbe zum Frhstck, eine zum Mittag, eine halbe zum Abend, zusammen 2 Chupas. Jede Familie erntet ihren Reisbedarf selbst und bewahrt ihn in Scheuern auf, oder kauft ihn enthlst auf dem Markt, und dann gewhnlich nur den Bedarf eines Tages oder einer Malzeit auf einmal. Der mittlere Einzel-Preis ist 3 Cuartos fr 2 Chupas (14 Chupas del Rey fr 1 r.). Fr jede einzelne Malzeit wird der Reisbedarf in einem hlzernen Mrser von den Frauen gestossen um ihn zu enthlsen -- aus alter Gewohnheit, und auch wohl aus Furcht, dass der Vorrath sonst zu schnell verschmaust werden wrde. Der Reis wird nur halb gar gekocht. Es scheint, dass dies berall geschieht, wo er einen wesentlichen Theil der Nahrung ausmacht; schon in Spanien und Italien ist dies wahrzunehmen. An Wrzen werden Salz und viel spanischer Pfeffer (Capsicum) genossen, der, ursprnglich aus Amerika eingefhrt, berall um die Huser wchst. Die Eingeborenen ziehn sogenanntes Steinsalz dem gemeinen Kochsalz vor; es wird durch Eindampfen von Meerwasser erhalten, das vorher durch Asche filtrirt worden. Eine Chinanta (12,6 Zoll-Pfund) kostet 1 1/2 bis 2 r. Der Salzverbrauch ist usserst gering. Die Genussmittel des Indiers sind Buyo [145] und Zigarren, eine Zigarre kostet 1, ein Buyo 0,1 cu. Die Zigarre wird fast nie geraucht, sondern in Stcke zerschnitten und mit dem Buyo gekaut, auch die Frauen kauen Buyo und Tabak, aber gewhnlich sehr mssig, sie frben sich auch nicht die Zhne schwarz, wie die Malayen, die jungen und hbschen putzen sich sogar dieselben fleissig mit der Hlle der Arecanuss, deren parallel und eng neben einander liegende starre Fasern im Queerschnitt eine vortreffliche Zahnbrste bilden, baden mehrere male tglich, und bertreffen an Sauberkeit die Mehrzahl der Europerinnen. Wohl jeder Indier hlt sich einen Kampfhahn; selbst wenn er nichts zu essen hat, findet er Geld zum Hahnenkampf. Hausrath: Zum Kochen dient ein irdener Topf fr 3-10 cu., beim Reiskochen wird er mit einem Bananenblatt fest zugebunden, so dass der Dampf einer sehr geringen Wassermenge hinreicht. Ein anderes Kchengerth ist bei Aermeren nicht vorhanden. Reichere haben auch einige gusseiserne Pfannen, irdene Tpfe und Schsseln. Der Heerd besteht in den kleineren Husern aus einer tragbaren irdenen Pfanne oder einem flachen Kasten, oft einer alten Zigarrenkiste voll Sand, mit drei Steinen, welche als Dreifuss dienen; in den grossen Husern hat der Heerd die Form einer Bettstelle, die statt einer Matratze mit Sand oder Asche gefllt ist. Das Wasser fr kleine Haushaltungen wird in dicken Bambusen geholt und aufbewahrt; Jedermann besitzt ausserdem in seinem Bolo (Waldmesser) ein Universalinstrument, das er in einer selbstgefertigten Holzscheide an einer aus Bastfaser nachlssig zusammengedrehten Schnur um den Leib trgt. Dies und der Reismrser (ein Holzklotz mit einer entsprechenden Vertiefung) sammt Stsser und einige Krbe bilden das gesammte Hausgerth einer rmeren Familie; zuweilen findet sich noch eine grosse Schnecke mit Binsendocht als Lampe. Man schlft auf einer Matte von Pandanus oder Buri (Fcherpalme, Corypha), wenn eine vorhanden, sonst auf den Bambusspliessen, womit das Haus gedielt ist. Oel zur Beleuchtung wird von den Armen fast gar nicht verwendet, sondern Harzfackeln, die je 1-2 Tage dauern und auf dem Markt fr 1/2 cu. verkauft werden. An Kleidung braucht eine Frau: Camisa de Guinara (kurzes Hemd von Abacfasern), ein Patadon (Rock der von der Hfte bis zum Knchel reicht), ein Tuch, einen Kamm. Ein Stck Guinara zu 1 r. giebt 2 Hemden, die grbsten Patadon kosten 3 r., ein Tuch hchstens 1 r., Kamm 2 cu, zusammen 4 Realen 12 cu = 24 Sgr. Die Frauen besserer Klasse tragen Camisa 1 bis 2 r, Patadon 6 r, Tuch 2-3 r., Kamm 2 cu. Der Mann trgt Hemd 1 r, Hose 3 r, Hut (Tararura), aus spanischem Rohr, 10 cu, oder Salacot (grosser Regenhut, hufig verziert) wenigstens 2 r, oft mit Silberbeschlag bis zum Werthe von 50 Dollar. Es werden jhrlich wenigstens drei, wohl eher vier Anzge verbraucht, die Frauen pflegen aber fast den ganzen Bedarf fr die Familie selbst zu weben. Arbeitslohn: Fr den gewhnlichen Arbeiter 1 r, kein Essen; Arbeitszeit von 6-12 und von 2-6 Uhr. Die Frauen verrichten in der Regel keine Feldarbeit, doch pflanzen sie den Reis um und helfen ihn ernten; in beiden Fllen ist ihr Lohn gleich dem der Mnner. Holz- und Stein-Arbeiter erhalten 1,5 r. per Tag, Kalfaterer 1,75 r. Ein ziemlich gebruchlicher Kontrakt bei dem Landbau ist der des Tercio: der Eigenthmer berlsst das nackte, aber urbar gemachte Land fr den dritten Theil der Ernte. Einzelne Mestizen besitzen viele Grundstcke, aber selten zusammenhngend, da sie ihnen gewhnlich als Schuldpfnder zu einem geringen Theil des Werthes zufallen. Verdienst einer kleinen Familie: Der Mann verdient tglich 1 r, die Frau, wenn sie grobe Stoffe webt 1/4 r. und Essen (1 Stck Guinara kostet 1/2 r. Weberlohn und erfordert 2 Tage Arbeit). Die geschickteste Weberin feinerer Stoffe erhlt fr das Stck 12 r. Arbeitslohn; und vollendet es in einem Monat, der aber wegen der vielen Feiertage im allerhchsten Fall gleich 24 Arbeitstagen zu rechnen ist, sie verdient also 1/2 r. per Tag und Essen. Fr das Aneinanderknpfen der Ananasfasern zur Pia-Weberei (Sugot genannt) wird nur 1/8 r. und Essen bezahlt. In allen Pueblos sind Schulen vorhanden. Der Schullehrer wird von der Regierung bezahlt, und erhlt gewhnlich 2 Dollars monatlich, weder Wohnung noch Bekstigung. In grossen Pueblos steigt das Gehalt auf 3 1/2 Dollars, davon muss aber ein Gehlfe besoldet werden. Die Schulen stehen unter Aufsicht des Ortsgeistlichen. Es wird Lesen und Schreiben gelehrt, die Vorschriften sind spanisch. Der Lehrer soll eigentlich seine Schler spanisch lehren, er versteht es aber selbst nicht, andererseits verstehn die spanischen Beamten nicht die Landessprache, die Priester aber haben keine Neigung an diesen Zustnden zu ndern, die ihrer Macht sehr frderlich sind. Es knnen fast nur solche Indier spanisch, die im Dienst von Europern gewesen sind. Gelesen wird in der Landessprache (bicol) zuerst eine Art religiser Fibel, spter die Doctrina cristiana, das Lesebuch heisst Casayayan. Durchschnittlich geht die Hlfte aller Kinder in die Schule, gewhnlich vom siebenten bis zehnten Jahr, sie lernen etwas lesen, einige auch ein wenig schreiben, vergessen es aber bald wieder; nur solche, die spter als Schreiber Dienst nehmen, schreiben gelufig und haben meist eine gute Handschrift. Einige Pfarrer dulden nicht, dass Knaben und Mdchen dieselbe Schule besuchen, in diesem Fall besolden sie noch eine besondere Lehrerin mit 1 Dollar monatlich. Rechnen lernen die Indier sehr schwer, sie nehmen gewhnlich Muscheln oder Steine zur Hlfe, die sie in Hufchen legen und dann zhlen. Die Frauen heirathen selten vor dem vierzehnten Jahre, -- zwlf Jahre ist der gesetzliche Termin. Im Kirchenbuche von Polangui fand ich eine Trauung (Januar 1837) verzeichnet zwischen einem Indier und einer Indierin, die den ominsen Namen Hilaria Concepcion fhrte und bei Vollziehung der Ehe, wie aus einer Randbemerkung hervorgeht, nur 9 Jahre und 10 Monate alt war. Es kommt vor, dass Leute ungetraut zusammen leben, weil sie die Kosten der Trauung nicht zahlen knnen. Mdchen, die als Geliebte von Europern Kinder bekommen, rechnen es sich fast zur Ehre. Noch mehr ist dies der Fall, wenn das Kind vom Pfarrer ist; der Cura erhlt immer seine Kinder, aber unter angenommenen Namen. In Fllen ehelicher Untreue, die nicht selten sind, wird die schuldige Frau gewhnlich geprgelt, der Verfhrer geht frei aus; fast nie gelangen Beschwerden an das Gericht. Die Mnner sind meist liederlich. Eine Frau brachte die Geliebte ihres Mannes durch Zureden zum Gestndniss ihrer Schuld, und schnitt ihr darauf mit einer bereit gehaltenen Scheere das ganze Haupthaar ab; dies ist das einzige Beispiel von Rache, das in den letzten Jahren vorgekommen war. Europerinnen, ja selbst Mestizinnen, lassen sich, nach Versicherung ihrer Mnner, nie mit Indiern ein. Die Frauen werden im Allgemeinen gut behandelt, verrichten nur leichte Arbeit, Nhen, Weben, Sticken, Besorgung des Haushalts; alle schwere Arbeit mit Ausnahme des Reisstampfens fllt den Mnnern zu. Oeffentliche Mdchen verkehren mit allen Frauen und verheirathen sich auch oft, zuweilen bieten Vter ihre Tchter Europern an, indem sie ein Darlehn erbitten und die Tochter dafr als Nherin in's Haus bringen. Flle von hohem Alter sind unter den Indiern, namentlich in Camarnes hufig. Das Diario de Manila vom 13. Mrz 1866 berichtet ber einen Alten in Darga (Albay) den ich wohl gekannt habe: Juan Jacob 1744 geboren, 1764 verheirathet, 1845 verwittwet, hat bis 1840 viele ffentliche Aemter bekleidet, hatte 13 Kinder, von denen 5 leben, 170 direkte Nachkommen, ist mit 122 Jahren noch rstig, hat gute Augen und Zhne; -- erhielt sieben mal die letzte Oelung! Die ersten Excremente eines neugeborenen Kindes werden sorgfltig aufbewahrt und unter dem Namen Triaca (Theriacum) als ein besonders auch gegen den Biss von Schlangen und tollen Hunden wirksames Universalheilmittel aufbewahrt. Es wird auf die Wunde gelegt und zugleich eingenommen. Eine grosse Anzahl Kinder stirbt in den ersten beiden Wochen nach der Geburt. Es fehlen darber alle statistischen Daten, aber nach Ansicht eines der ersten Aerzte in Manila kommt wenigstens ein Viertel um. Die Ursache soll allein in der grossen Unreinlichkeit und schlechten Luft liegen, da in den Stuben der Kranken und Wchnerinnen Thren und Fenster so dicht verschlossen werden, dass vor Gestank und Hitze Gesunde krank werden, Kranke schwer genesen. Frher verstopfte bei Geburten der Mann alle Oeffnungen des Hauses, damit Patianac nicht eindringe, ein bser Geist der den Wchnerinnen Unheil bringt und die Geburt zu hindern sucht. Der Gebrauch hat sich fort erhalten, bei Vielen wohl auch der Aberglaube ohne eingestanden zu werden; wo dieser erloschen, hat man in der Furcht vor Zugluft eine neue Erklrung fr einen alten Brauch gefunden: Beispiele solcher Anpassungen finden sich bei allen Vlkern. Eine sehr verbreitete Krankheit ist die Krtze, doch soll sie nach Versicherung des bereits erwhnten Arztes weniger allgemein sein, als Nichtrzte glauben, die jene Bezeichnung auf Hautausschlge berhaupt anwenden; an solchen haben die Eingeborenen in Folge schlechter Dit sehr zu leiden, Bicolindier mehr als Tagalen. [146] Unter gewissen Verhltnissen, welche die darber befragten Aerzte nicht genauer zu bestimmen vermochten, knnen die Eingeborenen weder Hunger noch Durst ertragen (davon bin ich mehreremale Zeuge gewesen). Sie sollen, wenn sie in solchem Zustande gezwungen sind, das Bedrfniss ungestillt vorber gehn zu lassen, bedenklich erkranken und oft an den Folgen sterben. Die krankhafte Sucht des Nachahmens, in Java Sakit-latar genannt, kommt auch hier vor und heisst Mali-mali. In Java glauben Viele, dass die Krankheit nur Verstellung sei, weil die angeblich damit Behafteten es vortheilhaft finden, sich vor neu angekommenen Europern sehn zu lassen. Hier aber beobachtete ich ein Beispiel, bei dem wohl keine Verstellung vorausgesetzt werden konnte; meine Begleiter benutzten den krankhaften Zustand einer armen Alten, die uns begegnete, um auf offener Strasse rohe Spsse mit ihr zu treiben. Die Alte ahmte alle Bewegungen nach, wie von einem unwiderstehlichen Drang getrieben, und usserte zugleich ihren lebhaftesten Unwillen ber die Leute, die ihre Schwche missbrauchten. In R. Maak's Reise nach dem Amur (Puteshestie na Amur pg. 83) heisst es: Nicht gerade selten, leiden auch die Maniagrer an einer hchst sonderbaren Nervenkrankheit, mit welcher wir schon grndlich bekannt waren durch die Beschreibungen vieler Reisenden. [147] Man begegnet dieser Krankheit bei der Mehrzahl der wilden Vlker Sibiriens, so wie auch bei den dort angesiedelten Russen. Im Gebiete der Jakuten, wo dieses Leiden sehr hufig vorkommt, sind die damit behafteten, sowohl bei den Russen als den Jakuten unter dem Namen Emiura bekannt; hier aber (d. h. in dem Theile Sibiriens, wo die Maniagri wohnen) werden dergleichen Kranke von den Maniagrern Olon, von den Argurischen Kosaken Olgandshi genannt. Die Anflle der von mir hier besprochenen Krankheit bestehn darin, dass ein daran leidender Mensch, wenn er in Schrecken oder Bestrzung gerth, unbewusst und oftmals ohne das geringste Schamgefhl alles nachahmt, was vor ihm geschieht. Wird ein solcher Mensch gergert, so gerth er in eine Raserei, die sich dadurch ussert, dass er ein wildes Geschrei ausstsst, auf andre Weise wthet und sich sogar mit einem Messer oder irgend einem andern Gegenstand, der ihm gerade in die Hnde fllt, auf diejenigen losstrzt, die ihn in diesen Zustand versetzten. Bei den Maniagrern leiden vorzugsweise Frauenspersonen an dieser Krankheit, besonders sehr alte; brigens sind mir auch Beispiele von Mnnern bekannt, welche damit behaftet waren. Bemerkenswerth ist, dass die von diesem Leiden heimgesuchten Weiber dessen ungeachtet krftig waren, und sich in allen brigen Beziehungen einer guten Gesundheit erfreuten. Es ist vielleicht nur ein zuflliges Zusammentreffen, dass in den Malayenlndern Sakit latar und Amok, wenn auch nicht bei demselben Individuum, doch bei denselben Vlkern neben einander bestehn. Beispiele von Amok scheinen auch in den Philippinen vorzukommen. [148] Folgenden Bericht finde ich im Diario de Manila vom 21. Februar 1866: In Cavite drang am 18. Februar ein Soldat vom 8. Regiment in das Haus eines Schullehrers, gerieth mit diesem in Streit und erstach ihn, mit einem zweiten Dolchstoss tdtet er den Sohn des Lehrers, strzt auf die Strasse, ersticht zwei junge Mdchen von 10 bis 12 Jahren, verwundet eine Frau in der Seite, einen neunjhrigen Knaben im Arm, einen Kutscher (tdtlich) im Unterleib, ferner noch eine Frau, einen Matrosen, drei Soldaten. An seiner Kaserne angekommen, und von der Schildwache angehalten, stsst er sich selbst den Dolch in die Brust . . . Leider steht der Fall nicht vereinzelt da . . . Es ist eine der grssten Beleidigungen ber einen schlafenden Eingeborenen zu schreiten, oder ihn schroff zu wecken. Sie wecken einander, wenn es durchaus geschehen muss, mit der grssten Rcksicht und ganz allmlig. [149] Der Geruchsinn ist bei den Indiern in so hohem Grade entwickelt, dass sie im Stande sind durch Beriechen der Taschentcher zu erkennen, welcher Person sie angehren, (Reisesk. pg. 39). Verliebte tauschen beim Abschied Stcke getragener Wsche aus, und schlrfen whrend der Trennung den Geruch des geliebten Wesens ein, ebenso bei dem Kssen. [150] FUNFZEHNTES KAPITEL VORGESCHICHTLICHE UEBERRESTE. -- HOHER WERTH ALTER GEFSSE. -- TROPFSTEINHHLEN IM YAMTIK. -- REISEN IN NORD-CAMARINES. -- BERGBAU. -- GOLD. -- BLEIGLANZ. -- ROTHBLEI. -- KUPFER. -- HTTENPROZESS DER YGORROTEN. -- ESSBARE VOGELNESTER. Von Naga aus besuchte ich den Cura von Libmnan (Ligmanan), der Dichtertalent und den Ruf eines Naturforschers besass. Er sammelte und taufte hbsche Kfer und Muscheln, und widmete den zierlichsten kleine Sonette. Er erzhlte mir Folgendes: 1851 wurde beim Anlegen einer Strasse etwas unterhalb Libmnan, an einer Stelle Poro genannt, 100' vom Fluss entfernt, unter 4' Dammerde ein Muschellager aufgegraben. Es bestand aus Cyrenen (C. suborbicularis Busch.) einer zur Familie der Cycladen gehrigen Gattung von Zweischalern, die nur in warmen Gewssern vorkommt und namentlich in den brackischen der Philippinen ausserordentlich hufig ist. Bei dieser Gelegenheit fand man in Tiefen von 1 1/2 bis 3 1/2 Fuss zahlreiche Ueberreste frherer Bewohner: Schdel, Gerippe, Knochen von Menschen und Thieren, ein Schenkelbein eines Kindes in einer Spirale von Messingdraht steckend, mehrere Hirschgeweihe, schn geformte Schsseln und Gefsse, zum Theil bemalt, wahrscheinlich chinesischen Ursprungs, gestreifte Armbnder aus einem weichen gypsartigen kupferrothen Gestein, glnzend, als wren sie gefirnisst [151]; kleine Messer von Kupfer, aber kein Eisengerth, mehrere in der Mitte durchbohrte breite, flache Steine; [152] auch einen Keil aus verkieseltem Holz in einem gespaltenen Baumstamme steckend. Die an einer Vertiefung noch deutlich zu erkennende Stelle drfte, bei planmssig fortgesetztem Nachgraben, noch manche interessante Ergebnisse liefern. Was nicht unmittelbar zum Gebrauch geeignet, wurde an Ort und Stelle vernichtet, das brige verzettelt. Trotz aller Bemhungen gelang es mir nur durch die Gte des Herrn Focios in Naga, ein kleines Gefss zu erhalten. An der Mndung des Bgajo, nicht weit von Libmnan sollen in eben solchem Muschellager hnliche Reste frherer Bewohner, und an der Mndung des Prlos, westlich von Stio de Pro, 1840 eine Urne mit einem menschlichen Skelet gefunden worden sein. Zur Zeit, als ich diese Angaben des Pfarrers niederschrieb, waren weder ihm noch mir die in Europa bereits seit einigen Jahren in den Pfahldrfern gemachten Entdeckungen gelufig, sonst wren diese Aufzeichnungen wohl ausfhrlicher, vielleicht aber weniger unbefangen ausgefallen. Mr. W. A. Franks, der die Gte hatte das Gefss zu untersuchen, ist geneigt es fr chinesisch zu halten und erklrt es fr sehr alt, ohne jedoch das Alter genauer feststellen zu knnen (hnlich sprach sich ein gelehrter Chinese der Burlingame'schen Gesandtschaft aus). Ihm ist nur ein Stck, nmlich ein von Kmpfer aus Japan mitgebrachter, im British Museum befindlicher Krug von noch festerer Masse bekannt, dessen Farbe, Glasur und Glasurrisse (Craquels) genau mit dem meinigen bereinstimmen. Nach Kmpfer fanden die Japanesen dergleichen Krge im Meer, und schtzten sie sehr hoch um ihren Thee darin aufzubewahren. Morga (f. 135) meldet: Auf dieser Insel Luzon, besonders in den Provinzen Manila, Pampnga, Pangasinn und Ylcos finden sich bei den Eingeborenen sehr alte Thonkrge von dunkelbrauner Farbe und nicht von gutem Ansehn, einige von mittlerer Grsse, und andre kleiner, mit Zeichen und Stempeln. Sie wissen nicht anzugeben, woher sie dieselben erhielten noch zu welcher Zeit; denn jetzt werden sie nicht mehr gebracht, noch werden sie in den Inseln angefertigt; die Japanesen suchen und schtzen dieselben, denn sie haben gefunden, dass die Wurzel eines Krautes, welches sie Tscha (Thee) nennen und welche heiss getrunken wird als grosse Delikatesse und Arznei, bei den Knigen und Herren in Japan, sich nicht hlt und konservirt ausser in diesen Krgen, die in ganz Japan so hoch geschtzt werden, dass es die grssten Kostbarkeiten ihrer Wohnzimmer und Kabinette sind, und hat ein solcher Krug einen hohen Werth und sie belegen sie auswendig mit feinem, mit grosser Kunst getriebenem Golde und sie stecken sie in Futterale von Brokat, und es giebt Krge die auf 2000 Tael zu 11 Realen, geschtzt und verkauft werden . . . Die Eingeborenen dieser Inseln verkaufen sie an die Japanesen so hoch sie knnen, und bemhen sich sie zu suchen, dieses Gewinnes halber, obgleich jetzt wenige gefunden werden wegen des Eifers, mit dem man sie aufgesucht hat. Als Carletti 1597 von den Philippinen nach Japan kam, wurden auf Befehl des Guvernrs smmtliche Personen an Bord sorgfltig untersucht und ward ihnen Todesstrafe angedroht, wenn sie zu verheimlichen suchten gewisse irdene Gefsse, die von den Philippinen und andern Inseln jenes Meeres gebracht zu werden pflegen, da der Knig sie alle kaufen wollte . . . Dergleichen Gefsse gelten bis fnf-, sechs- ja bis zehntausend Scudi das Stck, whrend man sie nicht auf einen Giulio (etwa 1/2 Paolo) schtzen mchte. -- 1615 traf Carletti einen als Gesandten von Japan nach Rom geschickten Franziskaner, der ihm versicherte, er habe einen der Knige von Japan 130,000 Scudi fr ein solches Gefss zahlen sehn -- seine Gefhrten besttigten es. -- Auch Carletti giebt als Grund des hohen Preises an, dass sich das Blatt Cia oder Thee, dessen Gte mit dem Alter zunhme, in jenen Krgen besser konservire als in allen andern Gefssen. Die Japanesen erkennen diese Gefsse sogleich an gewissen Schriftzeichen und Stempeln. Sie sind sehr alt und sehr selten und kommen nur aus Cambodia, Siam, Cochinchina, den Philippinen und andern benachbarten Inseln. Nach dem Aussehn wrde man sie auf drei oder vier Quatrini (ein paar Dreier) schtzen ... es ist durchaus wahr, dass der Knig und die Frsten jenes Reiches eine sehr grosse Zahl dieser Gefsse besitzen und sie als ihren kstlichsten Schatz, hher als andere Kostbarkeiten schtzen -- dass sie mit deren Besitz prahlen und aus Eitelkeit einander durch die Menge derartiger Gefsse die sie besitzen zu berbieten suchen. [153] Auch bei den Dayaks und den Malayen in Borneo werden von vielen Reisenden Krge erwhnt, die aus aberglubischen Ursachen sehr bertrieben, zuweilen auf mehrere tausend Dollars geschtzt werden. St. John [154] erzhlt, dass der Datu von Tamparuli (Borneo) Reis im Werth von fast 700 fr einen Krug hergab, und dass derselbe Datu einen zweiten Krug von fast fabelhaftem Werth bessse, dieses Gefss sei etwa zwei Fuss hoch, dunkel olivengrn. Der Datu fllt beide Krge mit Wasser, setzt Kruter und Blumen dazu, und debitirt es an alle Kranke der Umgegend. Der berhmteste Krug in Borneo ist aber wohl der des Sultans von Brunei, da er nicht nur alle schtzbaren Eigenschaften der brigen Krge besitzt, sondern sogar sprechen kann. St. John sah ihn nicht, da er immer im Frauengemach verwahrt wird; der Sultan, ein glaubwrdiger Mann, erzhlte ihm aber sehr ernsthaft, dass der Krug in der Nacht vor dem Tode seiner ersten Frau klglich geheult habe und bei bevorstehenden Unglcksfllen hnliche Tne von sich gbe. St. John ist geneigt die rthselhafte Erscheinung aus einer vielleicht eigenthmlichen Form der Mndung des Gefsses zu erklren, in welcher die darber hinstreichende Zugluft hnlich wie bei der Aeolsharfe in tnende Schwingungen versetzt wird. Gewhnlich ist das Gefss in Goldbrokat eingewickelt und wird nur enthllt, wenn es befragt werden soll, daher kommt es vielleicht, dass es nur bei feierlicher Gelegenheit spricht. St. John berichtet noch, dass frher sogar die Bisayer dem Sultan Geschenke brachten und dafr etwas Wasser aus dem heiligen Kruge erhielten um ihre Felder damit zu besprengen und sich dadurch reiche Ernten zu sichern. Als man den Sultan fragte, ob er seinen Krug wohl um 20,000 hergeben wrde, antwortete er, dass kein Gebot in der Welt ihn veranlassen knne sich davon zu trennen. Morga's Beschreibung passt weder auf das Gefss von Libmnan noch auf den Krug des British Museum, eher noch auf ein unserem ethnographischen Museum vor Kurzem aus Japan zugegangenes Gefss. Dieses ist aus braunem Thon, unansehnlich, doch von geflliger Form, aus vielen Bruchstcken zusammengekittet, die Fugen sind vergoldet und bilden auf dem dunklen Grunde eine Art Netzwerk. Wie hoch dergleichen alte Tpfe, selbst einheimischen Ursprungs noch heut in Japan geschtzt werden, zeigt das von einem Dolmetscher des deutschen Konsulats verfasste Begleitschreiben: Dieses irdene Gefss wurde in dem Porzellanfabrikorte Tschisuka in der Landschaft Odori, im sdlichen Idzumi gefunden, und ist ein zu den tausend Grbern gehriger Gegenstand . . . dasselbe ist von Giogiboosat (berhmtem Buddhisten-Priester) angefertigt, und nachdem es dem Himmel verehrt, von ihm begraben worden. Nach den Ueberlieferungen des Volkes wurde dieser Platz von Grabhgeln mit einem Gedenksteine versehn, das ist jetzt tausend und mehr Jahre her . . . Ich hielt mich zum Zweck meiner Studien lange Jahre in dem Tempel Sookuk jenes Dorfes auf und fand das Gefss. Ich brachte dasselbe dem Oberpriester Shakudjo, der sehr erfreut darber war, und es immer wie ein Kleinod bei sich trug. Als er starb, fiel es mir zu, doch konnte ich es nicht finden. Neulich nun als Honkai Oberpriester wurde, sah ich es wieder, und es war mir, als wre ich dem Geiste Shokudjos wieder begegnet. Gross war meine Erregung und staunend klatschte ich in die Hnde, und so oft ich das Kleinod betrachte, gedenke ich, dass es ein Zeichen ist, dass der Geist Shokudjos in Honkai wieder auflebt. Deshalb habe ich die Geschichte dieses Kleinods aufgeschrieben und gut gewahrt. Fudji Kuz Dodjin. Freiherr Alexander von Siebold macht mir noch folgende Mittheilung: Der Werth, den die Japaner auf derartige Gefsse legen, beruht auf deren Verwendung bei den geheimnissvollen Theegesellschaften Cha-no-yu. Ueber den Ursprung dieser, den Europern fast noch gar nicht bekannten Verbindungen bestehen verschiedene Legenden, ihre Hauptblthezeit aber war unter der Regierung des Kaisers Taikosama, der im Jahre 1588 die Gesellschaft der Cha-no-yu zu Kitano bei Myako, mit neuen Statuten versehn, wieder einfhrte. Seine Zwecke waren sowohl moralische als politische. In Folge der verheerenden Religions- und Brgerkriege war das ganze Volk entartet und verwildert, aller Sinn fr Knste und Wissenschaft untergegangen, nur die rohe Kraft geachtet, an Stelle der Gesetze herrschte das Faustrecht. Der tiefdenkende Taikosama begriff, dass er die rohen Gemther besnftigen, sie wieder an die Knste des Friedens gewhnen msse, um seinem Lande den Wohlstand, sich und seinen Nachkommen die Herrschaft zu sichern. In dieser Absicht rief er die Gesellschaft Cha-no-yu auf's Neue in's Leben, versammelte die Meister derselben und die Kenner ihrer Gebruche um sich. Der Zweck der Cha-no-yu ist, den Menschen den Einflssen des ihn umgebenden irdischen Treibens zu entziehn, in seinem Innern das Gefhl vollkommener Ruhe herzustellen, ihn zur Selbstbetrachtung zu stimmen; smmtliche Gebruche des Cha-no-yu sind auf dieses Ziel gerichtet. In luftige reine Gewnder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich die Mitglieder der Cha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm, nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens fr diese Versammlungen hergerichteten Pavillon gefhrt. Dieser besteht aus den kostbarsten Holzarten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die Gedanken abziehn knnte, ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine mit Pflanzen dichtbewachsene Fenster nur sprlich beleuchtet, und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehn kann. Die Gste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten, werden vom Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen, und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder Unterschied des Ranges hrt auf. Nun werden die alten Gefsse unter feierlichen Zeremonien aus ihren kostbaren Umhllungen hervorgeholt, begrsst und bewundert; mit eben so feierlichen genau vorgeschriebenen Formeln wird das Wasser auf dem dazu bestimmten Heerde gekocht, der Thee den Gefssen entnommen, und in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus den grnen zu Staub zerriebenen jungen Blttern des Theestrauchs, und wirkt sehr aufregend. Unter tiefem Schweigen wird der Trank genossen, whrend Weihrauch auf dem erhabenen Ehrenplatz toko brennt. Nachdem sich der Geist gesammelt, beginnt die Unterhaltung, die sich aber nur auf abstrakte Gegenstnde erstrecken darf (Politik soll indessen nicht immer ausgeschlossen bleiben). Der Preis der bei diesen Versammlungen verwendeten Gefsse ist sehr bedeutend, und stehn letztere im Werthe unseren theuersten Gemlden nicht nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen alten Gefssen, statt mit Lndereien, wie sonst blich. Auch nach der jngsten Revolution wurden einige der hervorragendsten Daimios (Frsten) vom Mikado dafr, dass sie ihm zum Thron seiner Ahnen verholfen, mit solchen Cha-no-yu-Gefssen belohnt. Die besten, die ich gesehn, waren nicht schn, es waren alte, verwitterte, schwarze oder dunkelbraune Krge mit ziemlich breitem Halse zum Aufbewahren des Thees, hohe Tassen aus Craquel-Porzellan oder Steingut zum Trinken des Aufgusses, tiefe breite Wasserbehlter, und alte verrostete eiserne Kessel mit Ringen zum Wasserkochen, alles hchst einfach von Ansehn, aber in die kostbarsten Seidenstoffe eingewickelt und in vergoldeten Lackkasten aufbewahrt. Unter den Schtzen des Mikado und des Taikun's, auch in einigen Tempeln werden unter den hchsten Kostbarkeiten dergleichen alte Gefsse mit Dokumenten ber ihre Herkunft aufbewahrt. Von Libmnan besuchte ich den SW. gelegenen Berg Ymtik (Amtik, Hantu) [155], der aus Kalk besteht und viele Hhlen enthlt. Flussaufwrts 6 Stunden W. und eine Stunde SSW. zu Fuss, bringen uns zu der kleinen von 1000' hohen Kalkbergen umgebenen Visita Bcal, von wo man im Bett eines Baches auf einer Sintertreppe zu einer kleinen Hhle emporsteigt, in welcher Schaaren von Fledermusen und grosse langarmige Spinnen von der als giftig verrufenen Gattung Phrynus hausen. [156] Ein dicker, queer ber den Weg liegender Baumstamm war von einer kleinen Ameise seiner ganzen Ausdehnung nach in Zellen zerfressen. Mehrere Eingeborene wagten gar nicht, die andern nur schchtern die Hhle zu betreten, nachdem sie einander die gegen Calapnitan zu beobachtenden Rcksichten eingeschrft. [157] Eine der Hauptregeln war, in der Hhle keinen Gegenstand zu nennen, ohne hinzuzufgen: Herrn Calapnitan's, also nicht schlechtweg: Flinte, Fackel, sondern Herrn C's Flinte, Fackel . . Tausend Schritt davon liegt eine andre Hhle San Vicente, welche dieselben Insekten, aber eine andre Art Fledermuse enthlt. Beide Hhlen waren nur von geringer Ausdehnung, in Libmnan hatte man mir aber von einer sehr grossen Tropfsteinhhle gesprochen, deren Beschreibung, trotz aller beigemischten Erdichtungen, wirkliche Anschauung zu Grunde liegen musste. Die Fhrer stellten sich unwissend. Erst nach zweitgigem Herumirren und vielen Errterungen entschlossen sie sich, da ich auf meinem Vorhaben bestand, zu dem Wagniss, und geleiteten mich zu meinem grossen Erstaunen nach Calapnitans Hhle zurck, von welcher eine enge, durch einen Felsenvorsprung verborgene Spalte in eine der allerprachtvollsten Tropfsteinhhlen der Welt fhrt. Ihr Boden ist berall fest und bequem zu betreten, meist trocken. Sie luft in viele Zweige aus, deren Gesammtlnge wahrscheinlich ber eine Meile betrgt, und machte die Beschreibung, dass sie ganze Reihen von Knigsslen und Kathedralen mit Sulen, Kanzeln und Altren enthalte, nicht zu Schanden. Knochen oder andre Reste waren darin nicht zu finden. Meine Absicht spter mit Arbeitern zurckzukehren um planmssig nachzugraben kam nicht zur Ausfhrung. Den Gipfel des Berges zu erreichen, auf dem ein See befindlich sein soll, wo kme sonst das Wasser her? gelang mir nicht. Zwei Tage versuchten wir mit grossen Anstrengungen von verschiedenen Seiten durch den dichten Wald zu dringen, der Fhrer, der in Libmnan dem Cura versichert hatte, den Weg zu wissen, erklrte jetzt das Gegentheil. Ich liess den bisher Unbelasteten nun zur Strafe einen Theil des Gepcks tragen, an der nchsten Wendung des Pfades aber warf er es ab und entsprang, so dass wir zur Umkehr gezwungen wurden. In diesen Wldern sind Hirsche und Wildschweine sehr hufig. Sie bildeten den Hauptbestandtheil unserer Malzeiten, zu denen sich, im Anfang unseres Zuges, bis gegen 30 Personen einfanden, die angeblich in den Zwischenzeiten Schnecken und Insekten mit erfolglosem Eifer fr mich suchten. Bei meiner Abreise aus Darga hatte ich einen muntern kleinen Jungen mitgenommen, der Beruf zum Naturforscher fhlte. In Libmnan kam er pltzlich abhanden, mit ihm zugleich ein Bund Schlssel. Alles Suchen war vergebens. Er war direkt nach Naga gegangen, hatte sich, durchs Vorzeigen der entwendeten Schlssel legitimirt, vom Mayordomo meines Gastfreundes einen weissen Filzhut ausliefern lassen und war damit verschwunden. Schon einmal hatte ich ihn, mit dem Hut sich im Spiegel bewundernd, stehn sehn. Die Versuchung war zu gross fr ihn gewesen. Anfang Mrz hatte ich das Vergngen den Administrador von Camarnes und einen spanischen Oberst, die ber Daet und Mauban zur Hauptstadt reisten, nach Nord-Camarnes zu begleiten. Um 5 Nachm. verliessen wir Butngan am Bicolfluss, 2 Leguas unterhalb Naga, in einer Fala von 12 Rudern, mit einem Sechspfnder und zwei Vierpfndern ausgerstet, von Bewaffneten begleitet, und erreichten Cabuso, am Ausfluss des Bcol, bald nach 6, von wo wir gegen 9 in See gingen. Die Fala gehrte der Steuerverwaltung und hatte im Verein mit einer andern, unter dem Befehl des Alkalden, die Nordkste der Provinz gegen Schmuggler und Seeruber zu schtzen, die in dieser Jahreszeit in den Schlupfwinkeln der Bay von San Migul herum zu liegen pflegen. Zwei hnliche Kanonenboote versahn den Dienst an der Sdkste der Provinz. Die Ufer des Bicolflusses sind auf beiden Seiten flach, und dehnen sich zu weiten Reisfeldern aus; im Osten sieht man gleichzeitig die schnen Vulkane Mayon, Yriga, Malinao und Ysarog. Mit Tagesanbruch erreichten wir die Barre von Daet und nach zweistndigem Marsche die gleichnamige Hauptstadt der Provinz Nord-Camarnes, wo wir im Hause des Alkalden, eines gebildeten Navarresen, vortreffliche Aufnahme fanden. -- Nur der zahme Affe, der auch die Gste seines Herrn bewillkommnen sollte, wandte ihnen mit angelernter unhflicher Geberde den Rcken und ging auf die Thr zu. Da stellte der Mayordomo einen Spiritusflakon mit einer kleinen giftlosen Schlange auf die Schwelle, schnell sprang der Affe zurck und verbarg sich zitternd hinter seinem Herrn. Abends war Ball, es waren aber keine Tnzer vorhanden, einige eingeladene Indierinnen sassen im besten Putz schchtern an einem Ende des Saales und tanzten mit einander, wenn sie dazu aufgefordert wurden, ohne von den Spaniern beachtet zu werden, die sich am andern Ende unterhielten. Nachdem Festlichkeiten und Regengsse die Abreise um zwei Tage verzgert, brachen wir auf und trabten in einer Stunde mit den muthigen Pferden des Alkalden auf ebener Landstrasse NW. nach Talisy, in einer andern Stunde nach Indang, wo Bad und Frhstck bereit standen. Bisher hatte ich nie in der Provinz ein Badezimmer im Hause eines Spaniers getroffen; bei Nordeuropern fehlt es nie. Die Spanier scheinen Bder als eine Art Heilmittel zu betrachten, das nur mit Vorsicht gebraucht werden darf, vielleicht halten es auch jetzt noch Manche fr nicht gut christlich; zur Inquisitionszeit galt bekanntlich hufiges Baden fr ein Kennzeichen der Mohren und war daher durchaus nicht ohne Gefahr. Nur in Manila machen die am Pasig Wohnenden eine Ausnahme; dort herrscht bei den Familien die Sitte, oder Unsitte mit den Freunden des Hauses zusammen in gerumigen Verschlgen Flussbder zu nehmen. In Indang endet die Strasse, wir fahren in zwei Khnen flussabwrts bis zur Barre, und erwarten an einer, durch die Liebenswrdigkeit des Alkalden reich besetzten Tafel die von unsern Dienern auf schlechten Wegen dahin gebrachten Pferde. An der den Barre erhebt sich, von zwei oder drei Fischerhtten und eben so vielen Casuarinen umgeben, ein Kastell gegen die Moros, die zum Glck fr dasselbe, selten so weit westlich gehn, denn es besteht nur aus einer offnen, mit Palmenblttern gedeckten Htte, einer Art Sonnenschirm, auf 15' hohen armdicken Stangen. Die dazu gehrigen Kanonen sollen, der Sicherheit wegen, vergraben sein. Wir folgen dem Seeufer, das aus kalkigem Sande besteht und mit einem Teppich kriechender Strandpflanzen in voller Blthe berzogen ist. Im Waldrande zur linken, viele blhende Strucher und Pandanus mit grossen scharlachrothen Frchten. Nach einer Stunde berschreiten wir den Fluss Longos auf einer Fhre, und kommen bald darauf an einen Sporn krystallinischen Gebirges, das uns den Weg versperrt und als Punta Longos in's Meer ragt. Die Pferde klettern mit Mhe hinber, jenseits finden wir die Fluth schon so hoch gestiegen, dass wir knietief im Wasser reiten. Nach Sonnenuntergang setzen wir einzeln mit grossem Zeitaufwand in einer elenden Fhre ber die breite Mndung des Pulundga, wo ein angenehmer Waldweg ber einen abermals quer vor uns in's Meer fortsetzenden Bergsporn Malangit uns in 15 Minuten an die Mndung des Paracli bringt. Die lange Brcke ist so schadhaft, dass wir die Pferde vorsichtig, durch weite Zwischenrume getrennt, hinber leiten mssen; jenseits liegt der Ort Paracli, von wo meine Gefhrten die Reise ber Mauban nach Manila fortsetzen. Paracli und Mambulo sind zwei, allen Mineralogen wegen der dort vorkommenden Rothbleierze wohlbekannte Oertlichkeiten. Am folgenden Morgen kehrte ich nach Lngos zurck. Es zhlt nur wenige elende Htten, von Goldwschern bewohnt, die fast nackt gehn; vielleicht weil sie den grssten Theil des Tages im Wasser arbeiten: sie sind aber auch sehr arm. Der Boden besteht aus Schutt, zersetzten Trmmern krystallinischen Gesteins, reich an Quarzbruchstcken. Die Arbeiter machen Lcher in den Boden 2 1/2 Fuss lang, 2 1/2 Fuss breit, bis 30 Fuss tief. 3 Fuss unter der Oberflche fngt das Gestein gewhnlich an, goldhaltig zu werden, der Gehalt nimmt bis 18 Fuss Tiefe zu und wird dann wieder geringer; doch sind diese Verhltnisse sehr unzuverlssig, daher viele fruchtlose Versuche. Das Gestein wird in Krben auf Bambusleitern aus den Lchern herauf getragen, das Wasser in kleinen Eimern; in der Regenzeit ist es aber nicht mglich die Lcher wasserfrei zu halten, da sie am Bergabhang liegen und sich schneller fllen, als sie ausgeschpft werden knnen; der Mangel an Wasserhebevorrichtungen ist auch schuld, dass die Gruben nicht tiefer gemacht werden. Das Pochen des goldhaltigen Gesteins geschieht zwischen zwei Steinen, deren einer als Ambos, der andre als Hammer dient. Jener flach, in der Mitte etwas vertieft, liegt am Boden, dieser von 4 8 8 Zoll, also von etwa 25 Pfund Gewicht ist mit Rotang an der Spitze eines schlanken Bumchens befestigt, das schrg in einer Gabel liegt und am entgegengesetzten Ende im Boden festgemacht ist. Der Arbeiter schnellt den als Hammer dienenden Stein auf das goldhaltige Gestein und lsst ihn durch die Federkraft des jungen Baumes wieder in die Hhe fahren. Eben so roh ist die Vorkehrung zum Zermahlen des gepochten Gesteines: Aus der Mitte einer kreisfrmigen Unterlage -- aus roh behauenen Steinen, die mit einem Kranz eben solcher Steine eingefasst ist, erhebt sich ein dicker Pfahl, oben mit einem eisernen Stift versehn, um welchen ein in der Mitte horizontaler, an beiden Enden abwrts gebogener Baum drehbar befestigt ist; durch zwei vorgespannte Bffel in Bewegung gesetzt, schleift er mehrere schwere Steine, die durch Rotang an ihn fest gebunden sind, im Kreise herum, und mahlt so das mit Wasser gemischte vorher gepochte Gestein zu feinem Schlamm. (Bei den mexicanischen Goldwschern ist dieselbe Vorrichtung unter dem Namen Rastra in Gebrauch.) Das Auswaschen des Schlammes geschieht durch Frauen. Sie knieen auf einer Seite einer schmalen bis an den Rand mit Wasser gefllten Holzrinne, an deren entgegengesetzter Seite, jeder Arbeiterin gegenber, ein schrges nach abwrts geneigtes Brett befestigt wird; die Rinne ist an diesen Stellen entsprechend ausgeschnitten, so dass ein sehr dnner Wasserstreifen ununterbrochen der ganzen Breite nach ber das Brett fliesst. Die Arbeiterin vertheilt den goldhaltigen Schlamm mit der Hand ber das am untern Rande mit einer Querleiste versehene Brett, der leichte Sand wird fortgewaschen, es bleibt eine dunkle, hauptschlich aus Eisen-Kiesen und -Erzen bestehende Schicht zurck, die von Zeit zu Zeit mit einem flachen Span aufgenommen, bei Seite gelegt, und zum Schluss des Tagewerks in einer flachen Holzschssel (batea), zuletzt in einer Kokosschale, ausgewaschen wird, wobei sich im glcklichen Fall ein feines gelbes Pulver am Rande zeigt. [158] Bei der letzten Wsche wird dem Wasser der schleimige Saft des Gogo zugesetzt, der feine schwere Sand bleibt darin lnger schweben als in blossem Wasser und lsst sich somit leichter vom Goldpulver trennen. [159] Es ist noch zu erwhnen, dass der aus den Gruben kommende Schutt am obern Ende der Wasserrinne gewaschen wird, damit der Sand, der den zum Pochen bestimmten Steinen anhaftet, sein Gold in der Rinne oder auf dem Waschbrett absetzen knne. Um das gewonnene Goldpulver zu einem Klumpen zusammen zu schmelzen, in welcher Form es die Hndler kaufen, wird es in die Schale einer kleinen Herzmuschel (Cardium) gesplt und von einer Handvoll Holzkohlen umgeben, in einen Topfscherben gestellt. Eine Frau blst durch ein enges Bambusrohr auf die entzndeten Kohlen; in einer Minute ist die Arbeit vollendet. [160] Nach vielfltigen Erkundigungen soll der Ertrag per Kopf durchschnittlich nicht ber 1 1/2 r. tglich betragen. Weiter SO. von hier im Berg Malagit sieht man die Reste eines zu Grunde gegangenen spanischen Aktienunternehmens, eine Schutthalde, eine 50' tiefe Grube, ein grosses zerfallenes Haus und einen 4' breiten 6' hohen Stollen. Das Gebirge besteht aus sehr zersetztem Gneiss mit Quarzgngen, im Stollen mit Ausnahme der Quarzbnder fast reine Thonerde mit Sand. An den Wnden hafteten einige essbare Salanganennester, aber nicht von derselben Art wie in den Hhlen der Sdkste von Java. [161] Die hiesigen, viel weniger werthvoll als jene, werden nur gelegentlich fr chinesische Hndler gesammelt, die das Stck angeblich mit 5 Cents bezahlen. Auch von den die Nester bauenden Vgeln, (Collocalia troglodytes Gray) gelang es einige zu fangen. [162] Ringsum liegt eine so grosse Zahl von Indiern bearbeiteter, dann verlassener kleiner Gruben, halb oder ganz zerfallen, mehr oder weniger bewachsen, dass man sich mit Vorsicht dazwischen bewegen muss. Einige Gruben werden noch betrieben, hnlich wie bei Longos, jedoch mit einigen kleinen Verbesserungen. Die Gruben sind doppelt so gross als jene, das Gestein wird mit einer Winde herauf gefrdert, einem walzenfrmigen Bambusgerippe, das von einem auf einer hheren Bank sitzenden Jungen mit den Fssen getreten wird. Zehn Minuten N. vom Dorf Malagit liegt ein Berg, in welchem Bleiglanz und Rothblei gewonnen worden sind. Das Gestein besteht aus sehr zersetztem glimmerreichem Gneiss. Es ist ein ber 100' langer Stollen vorhanden. Das Gestein scheint sehr arm gewesen zu sein. Auf der Kuppe dieses selben Hgels, N. 30 W. vom Dorf, sind die berhmten Rothbleierze gefunden worden. Die Grube war eingestrzt, vom Regen zugeschwemmt, so dass nur noch eine flache Vertiefung im Boden zu sehn war; nach langem Suchen gelang es zwischen dem darauf wachsenden Gestrpp einige kleine Bruchstcke zu finden, auf denen noch Chrombleierz deutlich zu erkennen war. Kapitn Sabino, der ehemalige Gobernadorcillo von Paracli, ein wohlunterrichteter Indier, der mich auf Veranlassung des Alkalden begleitete, hatte aber vor einigen Jahren graben lassen um Probestcke fr einen Spekulanten zu erhalten, der darauf ein neues Aktienunternehmen in Spanien zu grnden beabsichtigte. Die gefundenen Proben wurden indessen nicht abgenommen, da Philippinische Bergwerksaktien inzwischen an der Madrider Brse in Misskredit gerathen waren. Leider war, ausser einigen kleinen Drusen, nur noch ein Kistchen voll Sand vorhanden, bestimmt, zerklopft, als bunter Streusand verkauft zu werden. Durch Aussieben wurde alles Brauchbare gerettet. Auf diesem Hgel kommt eine besonders schne Fcherpalme vor; ihr Stamm ist 30 bis 40' hoch, zylindrisch, dunkelbraun mit 1/4 Zoll breiten weissen Ringen in Abstnden von 4 Zoll; und in gleichen Zwischenrumen kronenartige Bnder von 2 Zoll langen schwarzen Stacheln; gegen die Blattkrone geht der Stamm in das reiche Braun der gebrannten Sienna ber. Von Paracali fhrt ein trotz des sehr schlechten Weges angenehmer Ritt abwechselnd am Seestrand und durch schnen Wald in 3 1/2 Stunde nach Mambulo, das W. b. N. liegt. Ich steige im Tribunal ab und richte mich in dem Raum ein, worin die Munition aufbewahrt wird, dem einzigen verschliessbaren. Zur grssern Sicherheit soll das Pulver in eine Ecke getragen, mit einer Bffelhaut zugedeckt werden. Es geschieht, wie ich angeordnet; mein Diener hlt dabei ein brennendes Talglicht, sein Gehlfe eine Pechfackel in der Hand. Als ich den eingeborenen Priester besuche, werde ich von einem jungen Mdchen freundlich begrsst; ich will ihr die Hand geben, sie dankt mit einem Knicks: tengo las sarnas (ich habe die Krtze). Die in den Philippinen sehr verbreitete Krankheit scheint in dieser Gegend ihren Mittelpunkt zu haben. Ich glaube kaum hier eine Indierin ohne Krtzflecke gesehn zu haben. (Vergl. S. 130.) 1/4 Legua NNO. stsst man auf die Ruinen einer andern Aktienunternehmung, der Ancla de Oro. Schacht und Stollen waren eingefallen und dicht bewachsen; von den betrchtlichen Gebuden standen nur noch wenige dem Einsturz nahe Reste. Ringsum waren Indier beschftigt auf ihre Weise einige Goldkrnchen zusammen zu lesen. Das bis zur Unkenntlichkeit verwitterte Gestein ist Gneiss, einige tausend Schritt jenseits steht solcher deutlich krystallinisch an. 1/2 Legua N. b. O. von Mambulao liegt der Bleiberg Dininan. Auch hier waren alle Werke eingestrzt, zugeschlmmt, bewachsen. Erst nach langem Suchen wurden wenige Bruchstcke mit Spuren von Rothbleierz aufgefunden. Dieser Berg besteht aus Hornblendegestein, an einer Stelle sehr schner grosskrystallinischer Hornblendeschiefer. 1 1/2 Legua S. von Mambulao deutet eine flache Bodenvertiefung im dichten Walde die Stelle einer ehemaligen Kupfergrube an, die 84' tief gewesen sein soll. Kupfererze finden sich in Luzon an mehreren Orten. Proben gediegen vorkommenden Kupfers erhielt ich von der Bucht von Lyang nrdlich der Enseada de Patg, in Caraman. Sehr betrchtliche Lagersttten von Kupfererzen kommen bei Mancayn, im Distrikt Lepanto, im Zentralgebirge von Luzon zwischen Cagayn und Ilcos vor und werden seit Mitte der 50er Jahre von einer Aktiengesellschaft in Manila ausgebeutet. Das Unternehmen scheint indessen bis jetzt ziemlich erfolglos. 1867 hatte die Gesellschaft ein betrchtliches Anlagekapital verausgabt, Schmelzfen und hydraulische Betriebsmaschinen errichtet, es war ihr aber bis ganz vor Kurzem wegen der rtlichen Schwierigkeiten, namentlich des Strassenmangels, nicht gelungen Kupfer darzustellen. [163] 1869 hrte ich in London, der Betrieb sei ganz aufgegeben worden; nach den neuesten Nachrichten geht er zwar fort, die Aktionre haben aber nie eine Dividende in unserem Sinne erhalten, auch der Abschluss von 1872 ergiebt wieder Verlust oder wie die schnredenden Spanier sagen, einen dividendo pasivo. Was den Europern bisher nicht gelungen zu sein scheint, haben indessen die wilden Ygorroten, die jenes unwegsame Gebirge bewohnen, schon seit Jahrhunderten mit Erfolg und in verhltnissmssig grosser Ausdehnung betrieben und dies ist um so bemerkenswerther als das Metall in jenem Gebiete fast nur in Form von Kiesen vorkommt, die auch in Europa nur durch umstndliche Verfahren und nicht ohne Zuschlag verwerthet werden knnten. Man schtzt das von 1840 bis 1855 durch die Ygorroten in den Handel gebrachte Kupfer, theils roh, theils verarbeitet, auf jhrlich 300 Picos; auch die Ausdehnung der unterirdischen Erdarbeiten und die bedeutende Menge vorhandener Schlacken deuten auf einen lange bestehenden betrchtlichen Betrieb. Die Zeichnung stellt einen von jenen wilden Stmmen angefertigten kupfernen Kessel dar, der sich im Berliner ethnographischen Museum befindet. Meyen, der ihn mitgebracht, berichtet, dass er von den Negritos im Innern der Insel verfertigt sei, und zwar mit Hmmern von Porphyr, da ihnen das Eisen fehle, in der Sammlung des General-Kapitns der Philippinen habe sich noch ein grosser flacher Kessel von 3 1/2 Fuss Durchmesser befunden, der fr nur 3 Dollar gekauft worden, woraus zu schliessen sei, dass das Kupfer im Innern der Insel in grossen Massen vorkommen msse, vielleicht sogar gediegen, denn wie sollten jene ganz rohen ungebildeten Neger die Kunst das Kupfer zu schmelzen verstehn? Der Ort jener reichen Gruben war dem Guvernr noch unbekannt, obgleich die von dort kommenden kupfernen Gerthschaften nach einem amtlichen Berichte desselben Guvernrs (von 1833) schon seit zwei Jahrhunderten in Manila gebruchlich waren. Jetzt weiss man, dass die Kupferschmiede nicht Negritos sondern Ygorroten sind und zweifelt nicht, dass sie diese Kunst und die viel schwierigere, metallisches Kupfer aus Kiesen darzustellen, wohl schon lange vor Ankunft der Spanier bten; wahrscheinlich haben sie dieselbe von den Chinesen oder Japanesen gelernt. Der Ober-Ingenir Santos [164] und mit ihm viele Andere sind der Ansicht, dass jener Volksstamm von Chinesen oder Japanesen abstamme, von denen er nicht nur seine Gesichtszge (mehrere Reisende erwhnen die schiefstehenden Augen der Ygorroten), seine Gtzen und einige seiner Gebruche, sondern auch die Kunst Kupfer zu bereiten herleite. Jedenfalls ist die Thatsache, dass ein wildes, isolirt im Gebirge lebendes Volk in der Httenkunde soweit vorgeschritten sei, von so grossem Interesse, dass eine Beschreibung ihres Verfahrens nach Santos (im wesentlichen nur eine Wiederholung einer frheren von Hernandez, in der Revista minera I. 112.) gewiss willkommen sein wird. Das gegenwrtig von der erwhnten Aktiengesellschaft, Sociedad minero-metalurgica cantabro-filipina de Mancayan, erworbene erzfhrende Gebiet war bei den Ygorroten in grssere oder kleinere Parzellen, je nach der Volkszahl der anliegenden Dorfschaften eingetheilt deren Grenzen eiferschtig gehtet wurden. Das Besitzthum eines jeden Dorfes war wiederum unter bestimmte Familien vertheilt, weshalb jene Bergdistrikte noch heut den Anblick von Honigwaben darbieten. Zur Frderung des Erzes bedienten sie sich des Feuersetzens, indem sie an geeigneten Stellen Feuer anzndeten, um durch die Spannkraft des in den Spalten enthaltenen erhitzten Wassers, mit Zuhlfenahme eiserner Werkzeuge den Fels zu zerkleinern. Die erste Scheidung des Erzes wurde in dem Stollen selbst vorgenommen, das taube Gestein blieb liegen und hhete den Boden auf, so dass bei spterem Feuersetzen die Flamme der Holzstsse stets die Decke traf. Wegen der Beschaffenheit des Gesteines und der Unvollkommenheiten des Verfahrens fanden hufig sehr bedeutende Einstrze statt. Die Erze wurden in reiche und quarzhaltige geschieden, jene ohne weiteres verschmolzen, diese einer sehr starken und anhaltenden Rstung unterworfen, wobei nachdem sich ein Theil des Schwefels, Antimons und Arsen's verflchtigt, eine Art Destillation von Schwefelkupfer und Schwefeleisen stattfand, die sich als Stein oder in Kugeln an der Oberflche des Quarzes festsetzten und zum grssten Theil abgelst werden konnten. [165] Die Oefen oder Schmelzvorrichtungen bestanden aus einer runden Vertiefung in thonigem Boden und hatten 0m[P2: 0m] 30 Durchmesser bei 0m[P2: 0m] 15 Tiefe. Eine damit in Verbindung stehende 30 gegen die Vertiefung geneigte konische Rhre (Dse) von feuerfestem Gestein nahm zwei Bambusrohre auf, die in die unteren Enden zweier ausgehhlten Fichtenstmme eingepasst waren, in denen sich zwei an ihrem Umfange mit trocknem Grase oder Federn bekleidete Scheiben abwechselnd auf und ab bewegten, und die fr das Schmelzen erforderliche Luft zufhrten. Wenn die Ygorroten Schwarzkupfer oder gediegen Kupfer erblasen hatten, so beugten sie dem Verlust (durch Oxydation) vor, indem sie einen Tiegel aus gutem feuerfesten Thon in Gestalt eines Helmes aufsetzten, wodurch es ihnen leichter ward , das Metall in Formen zu giessen, die aus demselben Thone bestanden. Nachdem der Ofen hergerichtet, beschickten sie ihn mit 18 bis 20 Kg. reichen oder gersteten Erzes, das nach Hernandez wiederholten Versuchen ber 20% Kupfer enthielt, und verfuhren dabei ganz wissenschaftlich, indem sie das Erz stets an der Mndung der Dse also dem Luftzuge ausgesetzt, die Kohlen aber an den Wnden des Ofens aufgaben, die aus losen zur Hhe von 0m50 bereinander geschichteten Steinen bestanden. Nachdem das Feuer angezndet und das beschriebene Geblse in Gang gesetzt war, entwickelten sich dichte gelbe, weisse und oraniengelbe von der theilweisen Verflchtigung des Schwefels Arsens und Antimons herrhrende Rauchwolken, bis nach Verlauf einer Stunde, sobald sich nur durchsichtige schweflige Sure bildete, und die Hitze den hchsten, bei diesem Verfahren mglichen Grad erreicht hatte, das Blasen eingestellt und das Produkt herausgenommen wurde. Dies bestand aus einer Schlacke oder vielmehr aus den eingetragenen Erzstcken selbst, die wegen des Kieselgehaltes des Ganggesteines sich bei der Zersetzung des Schwefelmetalls in eine porse Masse verwandelten (und sich nicht verschlacken und kieselsaure Verbindungen eingehn konnten, weil es sowohl an Basen als an der erforderlichen Hitze gebrach); ferner aus einem sehr unreinen Stein von 4 bis 5 Kg. Gewicht und etwa 50 bis 60% Kupfergehalt. Mehrere solcher Steine wurden zusammen 12 bis 15 Stunden lang in starkem Feuer niedergeschmolzen und dadurch abermals ein grosser Theil der genannten drei flchtigen Krper entfernt. In denselben Ofen stellten sie die schon geglhten Steine aufrecht, und zwar ebenfalls so, dass sie sich im Kontakt mit der Luft, die Kohlen dagegen an den Wnden des Ofens befanden, und erhielten, nachdem sie eine ganze oder halbe Stunde geblasen, als Schlacken ein Silikat von Eisen mit Antimon und Spuren von Arsen, einen Stein von 70 bis 75% Kupfergehalt, den sie in sehr dnnen Scheiben abhoben (Konzentrationsstein) indem sie die Abkhlungsflchen benutzten. Im Boden der Vertiefung blieb, jenachdem die Masse mehr oder weniger entschwefelt war, eine grssere oder geringere Menge (stets aber unreines) Schwarzkupfer zurck. Die durch diesen zweiten Prozess gewonnenen Konzentrationssteine wurden abermals geglht, indem man sie durch Holzschichten trennte, damit sie nicht an einander schmelzen konnten bevor sie das Feuer von den Unreinigkeiten befreit hatte. Das bei der zweiten Beschickung erhaltene Schwarzkupfer und die bei eben dieser Operation niedergeschmolzenen Steine wurden in demselben (durch Bruchsteine verengten und mit einem Schmelztiegel versehenen) Ofen einer dritten Operation unterworfen, die eine Schlacke von kieselsaurem Eisen und ein Schwarzkupfer erzeugte, das in Thonformen ausgegossen wurde und in dieser Gestalt in den Handel kam. Dieses Schwarzkupfer enthielt 92 bis 94% Kupfer und war verunreinigt mit einer, durch ihre gelbe Farbe gekennzeichneten Kohlenstoffverbindung desselben Metalles, und das durch langsame Abkhlung an der Oberflche entstandene Oxyd, das sich stets bildete trotz der angewandten Vorsichtsmaasregel, die der Oxydation ausgesetzte Oberflche mit grnen Zweigen zu peitschen. Wenn das Kupfer zur Anfertigung von Kesseln, Pfeifen und anderem huslichen Gerth oder Schmuck dienen sollte, die von den Ygorroten mit so grosser Geschicklichkeit und Geduld ausgefhrt werden, so wurde es dem Luterungsprozess unterworfen, der sich nur dadurch von dem vorhergehenden unterschied, dass man die Kohlenmenge verringerte und den Luftstrom vermehrte, in dem Maasse als der Schmelzprozess sich seinem Ende nherte, was die Fortschaffung der Kohlenstoffverbindung durch Oxydation zur Folge hatte. Durch wiederholte Versuche fand Santos, dass selbst bei Erzen von 20% mittlerem Gehalt nur 8 bis 10% Schwarzkupfer aus der dritten Operation erzielt wurden, so dass also in den Schlacken oder porsen Quarzen der ersten Operation 8 bis 12% zurckblieben. Es war schwierig zur Rckreise nach Paracli die nthigen Transportmittel fr mein Gepck zu erlangen, da die Wege durch anhaltende Regen so aufgeweicht waren, dass Niemand sein Vieh hergeben mochte. In Mambulo ist der Einfluss der westlich angrenzenden Provinz schon sehr wahrnehmbar: Tagalisch wird fast besser als Bicol verstanden; unter der Bevlkerung macht sich das tagalische Element durch hbsche Frauen geltend, die mit ihrer Familie von Lucban und Mauban hierherkommen um Handel zu treiben. Sie kaufen das Gold auf und fhren dagegen Stoffe und andre Waaren ein. Das gewonnene Gold ist in der Regel 15 bis 16 kartig; der Strich entscheidet ber den Feingehalt. Die Hndler zahlen durchschnittlich fr die Unze 11 Dollar, wenn es aber wie gewhnlich, in geringeren Mengen als eine Unze feilgeboten wird, nur 10 Dollar [166]; sie wgen mit kleinen rmischen Wagen und stehn nicht im Ruf grosser Rechtlichkeit. Nord-Camarnes ist sprlich bewohnt, in den Bergbaudistrikten hat die Bevlkerung abgenommen, seitdem die vielen durch Aktienschwindel knstlich in's Leben gerufenen Unternehmungen zu Grunde gegangen. Die Goldwscher sind meist liederlich und verschuldet, sie hoffen fortwhrend auf reiche Funde, die nur usserst selten vorkommen und dann gewhnlich gleich verprasst werden, daher findet man auch Champagner und andre Luxusgegenstnde in den Lden der sehr rmlichen Drfer. Malagit und Matngo sollen in der trocknen Jahreszeit durch einen ziemlich guten Weg verbunden sein, jetzt trennte eine Schlammpftze, in welcher die Pferde bis zum Bauch einsanken, beide Ortschaften. In Lbo, einem Drfchen am rechten Ufer des Laboflusses, der dem gleichnamigen Berge entspringt, wiederholen sich die oben mehrfach geschilderten Verhltnisse: schnellverschwindende Spuren der Werke frherer Aktiengesellschaften, dazwischen kleine von Indiern bearbeitete Gruben. Rothblei ist hier nicht gefunden worden, aber Gold und besonders Platina, das sich aber durch Besichtigung einiger Proben als Bleiglanz erweist. Der Berg Labo scheint nach seiner Glockenform und den Geschieben im Flussbett aus Hornblendetrachyt zu bestehn. 1/2 Legua WSW. durch fusstiefen Schlamm watend erreichen wir den Berg Dallas, wo ehemals Bleiglanz und Gold von einer Aktiengesellschaft, jetzt Gold von wenigen Indiern auf die mehrfach erwhnte Weise gewonnen wurde. Es gelang mir weder in dieser Provinz noch in Manila nheres ber die Geschichte der vielen verunglckten Bergbauunternehmungen zu erfahren. So viel aber scheint festzustehn, dass sie nur von Spekulanten in's Leben gerufen, niemals mit gengenden Mitteln sachkundig betrieben worden sind und verfallen mussten sobald die Spekulanten ihre Aktien untergebracht hatten. Ausser dem wenigen von den Indiern auf so unergiebige Weise gewonnenen Golde, liefert Nord-Camarnes jetzt kein Metall. Anfnglich erhob der Knig von Spanien ein Fnftel, dann einen Zehnten vom Golde, spter hrte die Abgabe auf. Zu Morgas Zeit betrug der Zehnten durchschnittlich 10,000 Doll. (denn viel wird verheimlicht), die Ausbeute also ber 100,000 Doll. Gemelli Carreri (S. 443) erfuhr vom Guvernr von Manila, dass jhrlich 200,000 Doll. Werth an Gold, ohne Hlfe von Feuer oder Quecksilber gesammelt werde, und dass Paracli besonders goldreich sei. Zur Schtzung der gegenwrtigen Ertrge fehlen mir alle Daten. Die auf viele Anfragen erhaltenen Antworten verdienen keine Erwhnung. Sehr gering sind die Ertrge jedenfalls, sowohl wegen der Unvollkommenheit des Verfahrens, als der Unbestndigkeit der Arbeit, denn die Indier arbeiten nur, wenn die Noth sie dazu zwingt. In einem Nachen kehrte ich stromabwrts nach Indang zurck, einem verhltnissmssig blhenden Ort, mit geringerer Bevlkerung, aber bedeutenderem Handel als Daet; die Ausfuhr besteht vorzglich aus Abaca, die Einfuhr aus Reis. Nach den Mittheilungen eines alten Schiffers, der viele Jahre lang an dieser Kste fhrt, herrschen dieselben Winde von Daet bis zum Cap Engao, der NO. Spitze Luzons: Von Oktober bis Mrz der Nordost, hier der Regen-Monsun, mit Nordwinden beginnend, die von kurzer Dauer sind und bald in NO. bergehn; im Januar und Februar treten Ostwinde ein und beschliessen den Monsun; die strksten Regen fallen von Oktober bis Januar, im Oktober kommen zuweilen Taifune vor. Sie fangen an mit N. oder NO., gehn nach NW. wo sie am heftigsten sind, dann durch N. und O. zuweilen bis SO. und selbst S. -- Mrz, April, mitunter auch Anfang Mai wehen Wechselwinde, sie leiten den SW.-Monsun, die von Regenschauern unterbrochene trockene Jahreszeit ein. Am trockensten sind April und Mai. Gewitter kommen von Juni bis November, am hufigsten im August vor. Im SW.-Monsun ist das Meer sehr ruhig, in der Mitte des NO.-Monsuns hrt alle Schifffahrt an der Ostkste auf. In der Umgegend von Balr wird der Reis im Oktober geset, im Mrz oder April geerntet. Bergreis wird nicht gebaut. SECHSZEHNTES KAPITEL REISE LNGS DER KSTE VON CAMARINES. -- ANDRINGEN DES MEERES. -- ZERSTRTER PALMENWALD. -- PASACAO. -- SCHLECHTE STRASSEN. Von Dat sandte ich mein Gepck in einem Schoner nach Cabuso und setzte den Weg dahin zu Fuss, an der Kste, dem Westrande der Bay von S. Migul, fort. Wir fuhren in einem Boote ber die Flussmndung, die Pferde folgten schwimmend, wurden aber bald wegen Untauglichkeit zurckgelassen. An der nchsten Flussmndung Scavin war das Wasser so hoch, dass sich die Trger nackt auszogen und das Gepck auf dem Kopfe hinbertrugen: in einfacher Jacke und Hose von Kattun fand ich diese Vorsicht berflssig; es ist im Gegentheil bei hoher gleichmssiger Temperatur nach meiner Erfahrung erfrischend und zutrglich in nassen Kleidern zu gehn, auch spart man dadurch manchen Sprung ber Grben, manchen Umweg um Pftzen, die man, einmal durchnsst, nicht mehr frchtet. Nachdem wir noch acht kleine Flsse durchwatet, mussten wir den Strand verlassen und auf steilen schlpfrigen Waldpfaden den Weg nach Colsi fortsetzen, das gerade in der Mitte des Westrandes der Bay liegt. Der Seestrand war sehr schn: statt eines einfrmigen, bei Ebbe belriechenden Rhizophorensaumes, der dort nie fehlt, wo das Land in's Meer hineinwchst, reichen hier die Wellen an den Fuss der alten Waldbume, deren viele unterwaschen sind. Am bemerkenswerthesten war ein Saum alter stattlicher, mit Orchideen und andern Epiphyten behangener Barringtonien, prachtvolle Bume wenn sie in Blthe stehn und die 5 Zoll langen rothen Staubfden mit goldgelben Antheren wie Quasten von den Zweigen herabhngen; durch ihre faustgrossen Frchte sind sie dem Fischer zwiefach ntzlich, der sie ihres geringen spezifischen Gewichtes wegen zum Flottiren der Netze, zerklopft zum Betuben der Fische verwendet. Die vordersten Bume standen schief gegen das Meer geneigt, und sind wohl schon lngst verschlungen, gleich vielen andern, deren Wrack noch aus dem Wasser hervorragte. Die Zerstrung dieser Kste scheint sehr betrchtlich zu sein. Unter den kletternden Palmen war eine eigenthmliche Art sehr hufig, deren armdicker Stamm sich bltterlos am Boden hinschleppte oder in Bgen ber die Aeste hing, und nur an seinem Ende eine Blattkrone trug. Eine andre, vom Habitus gewhnlicher Calamus, hatte Caryota-Bltter. Wildschweine sind hier sehr hufig; ein Jger bot uns deren zwei, das Stck zu einem Real an. Die Richtung der seit der Spitze von Dat NNW. SSO. streichenden flachen Kste wird hier durch den nach O. hinaus tretenden kleinen Pik von Colsi unterbrochen, der so schnell wachsen soll, dass alle lteren Leute ihn niedriger gekannt haben wollen. In der Visita Colsi, am Nordabhange des Gebirges, ist das Meer so wild, dass kein Boot sich halten kann. Die Bewohner treiben zwar Fischfang, ihre Fahrzeuge liegen aber am Sdabhange des Berges, in der geschtzten Bucht Lalaugan, die wir nach dreistndigem Marsche ber das Joch erreichten. Ein hier gemiethetes vierruderiges Baroto wollte uns, da das Wetter gnstig, in zwei Stunden nach Cabuso, dem Hafen von Naga bringen, aber der Wind schlug um, es strmte; durchnsst, nicht ohne Haverei, flchteten wir nach Barcelonta, einer im Drittel der Entfernung gelegenen Visita. Auch der hier angetroffene einsichtsvolle Teniente von Colsi besttigte das schnelle Wachsen des kleinen Piks. Gegen meinen Wunsch den Berg zu besteigen wurden grosse Schwierigkeiten geltend gemacht; schwerlich knne es in den nchsten Wochen geschehn, weil Alle mit Vorbereitungen zum Osterfest beschftigt seien. Da mich diese Einwendungen nicht berzeugten, so fand sich am nchsten Morgen ein triftigerer Grund. Inlndische Schuhe sind im Schlamm, namentlich zu Pferde, wohl zu brauchen; beim Bergsteigen aber, auf rauhem Boden, halten sie nicht einen Tag. Das einzige noch brige Paar starker europischer Schuhe, das ich fr besondere Zwecke aufgespart, hatte mein Bedienter, der nicht gern Berge stieg, verschenkt, weil er frchtete sie mchten viel zu schwer fr mich sein. Von Barcelonta bis Cabuso behlt der Strand denselben Charakter wie zwischen Dat und Colsi. Seine Richtung ist aber NS. Der Boden, sandiger Thon, ist mit einer dicken Schicht zerbrochener Zweischaler bedeckt. Der Weg war sehr beschwerlich, da die hohe Fluth uns zwang zwischen Bumen und dichtem Unterholz zu klettern. Unterwegs trafen wir eine unternehmende Familie, die von Dat abgefahren, um Kokosnsse nach Naga zu bringen, hier Schiffbruch gelitten hatte. [167] Von 5 Tinajas Oel hatten sie nur eine, die Nsse aber alle gerettet. Sie lebten in einer kleinen schnell erbauten Htte, von Kokosnssen, Reis, Fischen und Muscheln, auf gnstigen Wind zur Rckkehr wartend. Es giebt hier eine grosse Manchfaltigkeit von Strandvgeln, aber meine Flinte ging nicht los, obgleich sie mein Diener, in Aussicht auf die Jagd, mit besonderer Sorgfalt geputzt hatte; die Ladung konnte, da er beim Putzen den Ladestock verloren, erst in Cabuso herausgezogen werden, wobei sich ergab, dass beide Lufe unten bis ber das Zndloch voll Sand waren. Das Gestade war noch schner als am vorigen Tage, namentlich an einer Stelle, wo die Brandung gegen einen Wald von Fcherpalmen (Corypha sp.) anprallte. An der dem Meer zugekehrten Seite standen die Bume, ihrer Kronen beraubt, in Gruppen oder Reihen, oder lagen umgestrzt, wie Sulen gewaltiger Tempelruinen (einige derselben hatten drei Fuss Durchmesser). Der Anblick erinnerte unmittelbar an Pompeji. Ich konnte mir die Ursache der Kahlheit der Stmme nicht erklren, bis ich mitten unter den Palmen eine Htte entdeckte, in welcher zwei Mnner bemht waren den Wogen in ihrem Zerstrungswerk zuvor zu kommen, durch Bereitung von Zucker (tunguleh). Zu dem Zweck wird nach Entfernung der Bltter, da diese Palme terminal blht, das obere Ende des Stammes queer abgeschnitten, die Schnittflche ist ein wenig (etwa 5) gegen den Horizont geneigt und nach dem untern Rand hin zu einer sehr flachen Rinne ausgetieft. Der Saft quillt aus der ganzen Schnittflche, mit Ausnahme der durchschnittenen ussern Blattstiele, sammelt sich in der flachen Rinne und wird von da auf einem zwei Zoll breiten, vier Zoll langen Stck Bananenblatt in ein am Stamm hngendes Bambusrohr geleitet. Um den hervorquellenden Saft gegen Regen zu schtzen, ist jeder angezapfte Baum mit einer Kappe aus einem dtenfrmig zusammengebogenen Palmenblatt bedeckt. Der Saft hat einen schwachen, angenehm aromatischen Beigeschmack von Karamell. Ein Baum liefert tglich im Durchschnitt vier Bambusen voll Tuba, die Bambusen haben gegen 3 1/2 Zoll innern Durchmesser, und sind, wenn sie abgenommen werden, etwa 18 Zoll hoch gefllt, dies gbe etwas ber 10 Quart tglich. Der Ertrag der einzelnen Bume ist indessen sehr ungleich; er lsst allmlig nach und hrt nach 2, hchstens 3 Monaten gnzlich und fr immer auf [168]; aber das Verhltniss der frisch und vor lngerer Zeit angeschnittenen bleibt dasselbe, mithin auch der Durchschnittsertrag. Der Saft von 37 Palmen liefert bei jedem Einsammeln, nachdem er in einer eisernen Pfanne abgedampft, eine, tglich also vier, wchentlich 28 gantas oder 2 1/3 tinjas Zucker, der an Ort und Stelle 2 1/2 Doll. die tinja gilt. Diese, von den Leuten selbst herrhrenden Angaben stellen das Verhltniss vielleicht etwas ungnstiger dar, als in der Wirklichkeit; doch kann, nach der Ansicht eines kundigen Mestizen der Unterschied nicht sehr bedeutend sein. Lsst man obige Zahlen gelten, so wrde ein jeder dieser herrlichen Bume etwa 1 2/3 Doll., und nach Abrechnung des Arbeiterlohns (1 r. per Tag) etwa 1 2/3 Thaler geben, freilich nicht viel, doch mag es zum Troste dienen, dass er ohne die Dazwischenkunft des Menschen bald der Brandung anheim fiele, und selbst gegen alle ussern Feinde geschtzt, nach einmaligem Fruchttragen verdorren muss. Cabuso liegt im Sdwinkel der Bucht von S. Migul, die fast rings von hohen Bergen umgeben, den Schiffen einen sichern Ankerplatz gewhrt. -- Von hier begab ich mich ber Naga an die Sdkste. Vier Leguas von Naga, im Busen von Ragay, am Sdrande Luzons, liegt der kleine, aber tiefe Hafen von Pasaco. In zwei Stunden erreicht man zu Wasser die halbwegs liegende Visita Pamplna, von wo der Weg zu Lande fortgesetzt wird. Der noch vorhandene Rest der frheren Strasse befand sich in erbrmlichem Zustande, selbst in der damals trocknen Jahreszeit kaum passirbar; die Brcken ber die vielen kleinen Grben waren eingestrzt, an manchen Stellen lagen grosse Steine und Baumstmme queer ber den Weg, die, vor Jahren zum Ausbessern der Brcken herbeigeschafft, unbenutzt liegen blieben und seitdem die Strasse sperrten. In Quitang, zwischen Pamplna und Pasaco, wo sich zwei Bche zu einem, bei letztem Orte mndenden Flsschen vereinigen, hatte ein junger Franzose eine Hacienda gegrndet. Er war zufrieden und hoffnungsvoll, und lobte namentlich den Fleiss und guten Willen seiner Leute. Auslnder scheinen in der Regel mit den Eingeborenen besser auszukommen, als Spanier, wohl weil sie weniger Ansprche machen. Unter letzteren sind namentlich solche aus den untern Klassen sehr geneigt ungerechtfertigte Anforderungen zu stellen und bitter zu klagen, wenn sie nicht fr jede Arbeit sofort die nthigen Hnde finden, zu Lohnstzen, die dem gesteigerten Werthe der Produkte durchaus nicht entsprechen. Ginge es nach ihnen, so mssten die Eingeborenen von Amtswegen gezwungen werden fr sie zu arbeiten. [169] Freilich ist der Indier unabhngiger als der europische Arbeiter, weil er bedrfnissloser, und als geborener Grundbesitzer nicht gezwungen ist, sich als Tagelhner eines Anderen sein Brod zu erwerben, dennoch ist es fraglich, ob, in Bezug auf Lhne, irgend eine Kolonie dem Pflanzer gnstigere Verhltnisse darbietet, als die Philippinen. In Hollndisch Indien, wo Privatindustrie durch das Regierungsmonopol fast ausgeschlossen, erhalten freie Arbeiter 1/3 Gulden, etwas mehr als 1 r., den blichen Lohn in den wohlhabenden Provinzen der Philippinen (in den rmeren betrgt er nur die Hlfte) und die Javanen kommen den Filipinos weder an Kraft, noch an Intelligenz und Geschick gleich. Wie hoch der Tagelohn in allen ehemaligen Sklavenstaaten ist, ist bekannt. Mauritius und Ceylon mssen um Zucker und Kaffee zu bauen, fremde Arbeiter mit grossen Unkosten einfhren und theuer bezahlen, und stehn sich dennoch gut dabei. Von Quitang bis Pasaco ist der Weg noch schlechter als vorher und doch ist dies die wichtigste Strasse der Provinz! Bevor man Pasaco erreicht, sieht man an den Entblssungen der Kalkwnde deutliche Zeichen, dass sie frher vom Meer besplt wurden. Pasaco liegt malerisch am Ende des vom Ituln durchflossenen Thales, welches sich von Pamplona zwischen bewaldeten Kalkbergen bis an's Meer erstreckt. Die Ebben sind hier hchst unregelmssig. Von Mittag bis Abend war kein Unterschied wahrzunehmen, und als die Abnahme eben sichtbar wurde, stieg die Fluth schon wieder. Unmittelbar sdlich vor der Ortschaft war eine von den Wellen unterwaschene Bergwand von 2000' Hhe und ber 1000' Breite zwei Jahre vorher herabgerutscht. Der Fels besteht aus einer zhen Kalkbreccie voll Muschel- und Korallenbruchstcken; ich konnte es aber ohne Schuhe auf dem scharfen Gestein nicht lange genug aushalten, um es nher zu untersuchen. Aus demselben Grunde musste auch von dieser Seite die schon von Libmnan vergeblich versuchte Besteigung des Yamtik unterbleiben. Statt dessen fuhr ich in Begleitung des geflligen franzsischen Pflanzers im Boot nordwestlich die Kste entlang. Unser Nachen schwebte ber Korallengrten hin, von prachtvoll gefrbten Fischen umschwrmt. Nach zwei Stunden erreichten wir eine Hhle im Kalk Suminabng, so niedrig, dass man sich nur kriechend darin bewegen konnte. Sie enthielt einige Schwalben und Fledermuse. Am Flusse Calebyan, jenseits der Punta Tanun schlugen wir in einem einzeln stehenden Schuppen unser Nachtlager auf. Hier wird das Kalkgebirge durch einen am linken Ufer des Flsschens isolirt stehenden Felsen aus hornblendereichem krystallinischen Gestein unterbrochen, er ist, ausser an der, dem Wasser zugekehrten Seite, ringsum von Kalk umgeben. Die umliegenden Berge sollen von Wildschweinen wimmeln: unter dem Strohdach unserer Htte, die gelegentlichen Jgern zum Obdach dient, waren ber 150 Unterkiefer als Jagdtrophen aufgesteckt. Der Ort, an dem wir uns befanden, erschien wie zur Viehzucht geschaffen, sanfte mit Futtergras und einzelnen Baumgruppen bewachsen, von Bchen durchrieselte Abhnge, ziehn sich vom Meere aus in die Hhe und werden von einer steilen Felsenmauer im Halbkreis eingefasst. Das Vieh wrde dort Gras, Wasser, Schatten und den Schutz einer geschlossenen Umwallung finden. Lngs der Kste hinfahrend, hatten wir eine Reihe solcher Oertlichkeiten bemerkt, sie sind aber vllig unbenutzt, aus Mangel an Unternehmungsgeist, und aus Furcht vor Seerubern. Sobald unser Abendbrot bereitet war, lschten wir das Feuer sorgsam aus, damit es den Meerstrolchen nicht als Signal diene, und hielten Nachtwachen. Am folgenden Morgen wollten wir eine nie zuvor betretene Hhle besuchen, fanden aber zu unserm Erstaunen keine eigentliche Hhle, sondern nur eine wenige Fuss tiefe Hhlenpforte; weithin sichtbar, muss sie den Jgern oft aufgefallen sein, doch hatte sich, wie unsere ber die Tuschung erstaunten Begleiter versicherten, aus aberglubischer Scheu bisher Niemand hineingewagt. Wie mehrfach erwhnt, ist die nrdliche Kste von Camarnes im NO. Monsun fast unnahbar, whrend die durch vorliegende Inseln gedeckte Sdkste immer zugnglich bleibt. Die fruchtbarsten Gebiete der stlichen Provinzen, die im Sommer ihre Erzeugnisse durch die nrdlichen Hfen ausfhren, bleiben im Winter oft Monate lang von allem Verkehr mit der Hauptstadt abgeschlossen, weil kein Weg ber den schmalen Landstreifen zur Sdkste fhrt. Wie viel die Natur fr die Erleichterung des Verkehrs gethan, wie wenig die Menschen, wird recht deutlich, wenn man den eben geschilderten Zustand der Strasse nach Pasacao, in Zusammenhang mit den stlichen Verhltnissen betrachtet, wie sie die Karte zeigt. Zwei Flsse, der eine von NW., der andre von SO. kommend, beide schiffbar, bevor sie die Grenzen der Provinz erreichen, fliessen mitten durch dieselbe, in einer, wenn man die Windungen nicht bercksichtigt, mit den Ksten gleichlaufenden Linie und senden, nachdem sie zusammengetroffen, ihre Wasser gemeinschaftlich durch den Aestuar von Cabuso in die Bay von S. Migul. Die ganze Provinz wird also in ihrer Mittellinie von zwei schiffbaren Flssen durchstrmt, die in Bezug auf den Verkehr nur Einen bilden. Von ihrem Vereinigungspunkt, an der schmalsten Stelle der Provinz, betrgt die Entfernung bis zur Sdkste nur 3 Leguas. Der Hafen von Cabuso im Grunde der Bucht von S. Migul ist aber im NO. Monsun nicht zugnglich und hat den Nachtheil nur auf dem grossen Umwege um den ganzen stlichen Theil Luzons mit Manila zu verkehren. An der Sdkste dagegen liegt der Hafen von Pasaco, in welchen ein, ber eine Meile weit schiffbares Flsschen mndet, so dass die Entfernung zwischen dieser Wasserstrasse und dem nchsten Punkte des Bicolflusses wenig ber eine Meile betrgt. Die 1847 von einem thtigen Alkalden angelegte, bis 1852 erhaltene, beide Meere verbindende Strasse war aber zur Zeit meines Besuches so schlecht, dass der Pico Abac auf dieser kurzen Strecke in der trocknen Jahrszeit 2 r. Fracht zahlte, in der nassen aber selbst fr den doppelten Preis nicht befrdert werden konnte. [170] Es liessen sich viele hnliche Beispiele anfhren: 1861 berichtet der engl. Vize-Konsul, dass in Yloilo der Pico-Zucker um mehr als 2 r. vertheuert wird (so viel als die Fracht von Yloilo nach Manila betrgt) durch den schlechten Zustand der Strasse zwischen zwei Drfern, die nur 1 Legua auseinander liegen. Wren die Inseln nicht, abgesehn vom Seetransport, so ausserordentlich begnstigt durch unzhlige Flsse mit schiffbaren Mndungen, so wrde ein noch viel grsserer Theil ihrer Produkte nicht zu verwerthen sein. Die Eingeborenen haben kein Verlangen nach Strassen, die sie selbst durch Frohnarbeit bauen, und nachdem sie vollendet, durch Frohnarbeit erhalten mssen, auch die Lokalbehrden nicht, denn wo keine Strassen gebaut werden, sind die Frohnden um so leichter fr Privatzwecke zu ntzen. Eben so wenig sind die Curas in der Regel der Anlage von Verkehrswegen gnstig, durch welche Handel, Wohlstand und Aufklrung in's Land dringen, ihre Autoritt untergraben wird. Ja die Regierung selbst begnstigte bis vor Kurzem solche Zustnde, denn schlechte Strassen gehren zum Wesen der alten spanischen Kolonialpolitik, die immer darauf bedacht war, die einzelnen Provinzen ihrer grossen berseeischen Besitzungen zu isoliren, das Gefhl der nationalen Gemeinschaft nicht aufkommen zu lassen, um sie desto leichter vom fernen Mutterlande aus beherrschen zu knnen. In Spanien selbst sieht es brigens nicht viel besser aus; es fehlt dort so sehr an Verkehrswegen, dass z. B. die Waaren von Santandr nach Barcelna den Seeweg um die ganze iberische Halbinsel dem direkten, zum Theil mit Eisenbahn versehenen Wege vorziehn. [171] In Estremadura wurden die Schweine mit Weizen gefttert (lebendes Schweinefleisch kann ohne Strassen transportirt werden), whrend gleichzeitig die Seehfen fremdes Getreide einfhrten. [172] Der Grund dieser Zustnde liegt auch dort weniger in den zerrtteten Finanzen, als in der Regierungsmaxime, die einzelnen Provinzen zu isoliren. SIEBENZEHNTES KAPITEL DER YSAROG UND SEINE BEWOHNER. In der Mitte von Camarnes erhebt sich der Ysarog (sprich Issar), zwischen den Meerbusen von San Migul und Lagony. Whrend sein stlicher Abhang fast das Meer erreicht, ist er gegen Westen durch einen breiten Streifen fruchtbaren Schwemmlandes von der Bucht von S. Migul getrennt. Sein Umfang betrgt wenigstens 12 Leguas, seine Hhe 1966 Meter. [173] An seiner Basis sehr flach, schwillt er allmlig zu 16, weiter oben zu 21 Neigung und wlbt sich, von Westen gesehn, zu einer flachen, domfrmigen Kuppe. Betrachtet man ihn aber von der Ostseite, so gewahrt man ein durch eine grosse Schlucht zerrissenes Ringgebirge. Auf Coello's Karte ist diese Schlucht irrthmlich als von S. nach N. streichend dargestellt; ihre Richtung ist WO. Gerade vor ihrer Oeffnung liegt, 1/2 Legua S. von Goa, das winzige Drfchen Rungus; nach welchem sie benannt wird. Die usseren Seiten des Berges und die Trmmer seines grossen Kraters sind mit undurchdringlichem Wald bedeckt. Von seinen vulkanischen Ausbrchen meldet die Ueberlieferung nichts. Die hheren Abhnge dienen einem kleinen Volksstamme zum Wohnsitz, der in fast gnzlicher Abgeschlossenheit von den Bewohnern der Ebene, seine Selbststndigkeit und die Sitten einer frheren Zeit bewahrt hat. Gelegentlich mgen wohl einzelne Cimarronen (s. S. 106) zugezogen sein, doch hatte sich kein solcher Fall in der Erinnerung erhalten. Die Bewohner des Ysarg werden gewhnlich, wenn auch missbruchlich, Ygorroten genannt, dieser Name ist hier beibehalten, da ihre Nationalitt noch nicht gengend festgestellt ist. Sie selbst sind berzeugt, dass ihre Vorfahren immer dort gehaust haben. Sie sind es, die nach dem Urtheil der Pfarrer von Camarnes die Bicolsprache am reinsten sprechen (s. S. 120). Ihre Sitten und Gebruche sind in vielen Punkten denen, welche die Spanier bei ihrer Ankunft vorfanden, sehr hnlich, andererseits erinnern sie vielfach an diejenigen, welche noch heut bei den Dayaks in Borneo herrschen. [174] Diese Umstnde lassen vermuthen, dass sie der letzte Rest eines Stammes seien, der seine Unabhngigkeit gegen die spanische Herrschaft und wahrscheinlich auch gegen die kleinen Tyrannen behauptet hat, die vor Ankunft der Europer in der Ebene herrschten. Als Juan de Salcedo seinen Siegeszug um das nrdliche Luzon unternahm (s. unten), fand er berall an den Flussmndungen seefahrende, unter vielen Huptlingen lebende Vlkerschaften, die nach kurzem Kampf der hhern Mannszucht und besseren Bewaffnung der Spanier erlagen oder sich freiwillig der berlegneren Rasse unterwarfen; es gelang ihm aber nicht, die unabhngigen Stmme im Innern zu besiegen. Noch heut giebt es solche auf allen grsseren Inseln der Philippinen-Gruppe. Aehnliche Zustnde findet man vieler Orten im indischen Archipel: die Handel und Seeraub treibenden Malayen besitzen das Gestade, dort herrscht auch ihre Sprache; die Eingeborenen sind von ihnen unterjocht oder in die Wlder gedrngt, deren Unzugnglichkeit ihnen ein kmmerliches aber unabhngiges Leben sichert. [175] Um den Widerstand der wilden Stmme zu brechen, verbot die spanische Regierung ihren Unterthanen bei Strafe von 100 Schlgen und zwei Jahr Zwangsarbeit, Handel zu treiben und Umgang zu pflegen mit den Heiden in den Bergen, die seiner katholischen Majestt keinen Tribut zahlen; denn wenn diese ihr Gold, Wachs u. s. w. gegen andere Bedrfnisse austauschen knnen, so werden sie sich nie bekehren. [176] Vielleicht hat gerade dies Gesetz dazu beigetragen, die Wilden, trotz ihrer geringen Kopfzahl, Jahrhunderte lang vor gnzlicher Ausrottung zu schtzen; denn freier Verkehr zwischen einem Volke auf der Stufe des Ackerbaus und einem, das hauptschlich von der Jagd lebt, fhrt hufig zur Vernichtung des letzteren. Dennoch hat die Zahl der Ygorroten des Ysarog sehr abgenommen durch Todtschlgereien zwischen den einzelnen Ranchos, und durch die Raubzge, welche bis vor Kurzem die Steuerbeamten alljhrlich im Interesse des Regierungsmonopols gegen die Tabakfelder der Ygorroten unternahmen. Einzelne sind auch pazifizirt (zu Christenthum und Tribut bekehrt worden), in welchem Falle sie sich in kleinen Weilern mit zerstreuten Htten niederlassen mssen, wo sie gelegentlich vom Geistlichen des nchsten Ortes besucht werden knnen. Um ihnen den Uebertritt zu erleichtern, werden von dergleichen neugewonnenen Unterthanen eine Zeitlang geringere Steuern erhoben. Ich hatte die Besteigung des Berges auf den Eintritt der trockenen Jahreszeit verschoben, erfuhr aber in Naga, dass mein Wunsch dann kaum ausfhrbar sein drfte, weil um diese Zeit die schon erwhnten Expeditionen gegen die Ranchos des Berges stattzufinden pflegen. Da die Wilden nicht begreifen konnten, warum sie nicht auf ihrem eigenen Felde eine ihnen zum Bedrfniss gewordene Pflanze bauen sollten, so sahen sie in den Cuadrilleros nicht Beamte eines zivilisirten Staates, sondern Ruber, gegen welche sie sich nach Krften wehren mussten, und das Auftreten dieser trug nicht wenig dazu bei, jene in ihrem Irrthum zu bestrken; denn sie begngten sich nicht die Tabakpflanzungen zu zerstren; die Htten wurden niedergebrannt, die Fruchtbume umgehauen, die Felder verwstet. Solche Raubzge gingen nie ohne Blutvergiessen ab und arteten oft in einen kleinen Krieg aus, der dann von den Bergbewohnern noch lange nachher, auch gegen ganz unbetheiligte Personen, Indier und Europer, fortgesetzt wurde. Anfangs April sollte die diesjhrige Expedition stattfinden; die Ygorroten waren daher in grosser Aufregung und hatten einige Tage vorher einen jungen wehrlosen Spanier in der Nhe von Mabotobto, am Fuss des Berges, ermordet, indem sie ihn mit einem vergifteten Pfeil zu Boden streckten, und ihm dann noch 21 Wunden mit dem Waldmesser beibrachten. Glcklicher Weise traf bald darauf ein Gegenbefehl von Manila ein, wo man sich allmlig von der Schdlichkeit solcher Gewaltmassregeln berzeugt zu haben schien. Es war nicht zu zweifeln, dass diese Nachricht sich schnell unter den Ranchos verbreiten wrde und auf den Rath des Kommandanten, dem sehr gegen seine Neigung die Fhrung des Zuges zugefallen sein wrde, zgerte ich nicht, die zu erwartende gnstige Stimmung fr meine Zwecke zu benutzen. In der neuesten Zeit hat die Regierung das verstndige Mittel ergriffen, den Tabak, den die Ygorroten freiwillig bauen, nach dem allgemeinen Satze zu bezahlen und sie wo mglich zur Anlage neuer Felder zu ermuntern, statt die vorhandenen zu zerstren. Am nchsten Nachmittag ritt ich von Naga ab. Die Pueblos Mogaro, Canman, Quipyo und Calabnga folgen in diesem fruchtbaren Gebiet so dicht auf einander, dass sie eine fast ununterbrochene Reihe von Husern mit Grten bilden. Calabnga liegt 1/2 Legua vom Meer, zwischen zwei Flussmndungen, deren sdlichste 60' breit und tief genug fr grosse Lastboote ist. [177] Um den Fuss des Ysarg wendet sich die Strasse NO. dann O. Bald hren die blhenden Hecken auf; es folgt eine grosse, kahle Ebene, aus der sich zahlreiche flache Hgel erheben. Hgel und Ebene dienten damals als Viehweiden: vom August bis Januar sind sie mit Reis bestellt. Nur hin und wieder sieht man kleine Batatenfelder. Nach vier Stunden erreichten wir das Drfchen Maguring (Manguirin), dessen Kirche, ein dem Einsturz naher Schuppen, auf einem solchen kahlen Hgel stand und an ihrer Verwahrlosung erkennen liess, dass der Priester ein Eingeborener sei. Dieser Hgel, wie alle brigen, die ich untersuchte, bestand aus Schutt vom Ysarg, mehr oder weniger zersetzten hornblendereichen Trachyttrmmern, deren Zwischenrume durch rothen Sand ausgefllt waren. Die Zahl der Flsse, die der Ysarog in die Buchten von S. Migul und Lagony sendet, ist ausserordentlich gross: Auf der Strecke hinter Maguring zhlte ich in 3/4 Stunden 5 ansehnliche, d. h. ber zwanzig Fuss breite Aestuarien, dann bis Ga noch 26, zusammen 31; es sind aber mehr, da ich die kleinsten nicht aufzeichnete; und doch betrgt die Entfernung zwischen Maguring und Ga, in gerader Linie, nicht ber 3 Meilen. Dies lsst auf die enorme Menge von Wasserdampf schliessen, mit welcher dieser mchtige Kondensator gespeist wird. Bei keinem andern Berge ist mir diese Erscheinung in so auffallender Weise entgegengetreten. Ein sehr bemerkenswerther Umstand ist die Schnelligkeit, mit welcher die wasserreichen Bche in Aestuarien bergehn, die sie befhigen Lastboote, zuweilen selbst Schiffe zu tragen, in einem Alter, wenn dieser Ausdruck erlaubt ist, wo ihre auf die sprlichen Niederschlge in nrdlichen Breiten angewiesenen Verwandten kaum die Bedeutung eines Mhlbachs erlangt haben. Diese Gewsser erscheinen der Breite nach als kleine Flsse, ihrem Wesen nach bestehn sie nur aus einem Bache bis zum Fuss des Berges und einer Flussmndung in der Ebene; der Mittellauf fehlt ihnen. Die Landschaft gleicht hier dem merkwrdigen, von Junghuhn beschriebenen Hgelgebiete des Gelungng [178] in ganz auffallender Weise; doch ist der Ursprung dieser Anhhen einigermaassen von dem der javanischen verschieden, denn letztere verdanken ihre Entstehung dem Ausbruch von 1822, und schon die grosse, ihnen zugekehrte Lcke in der Kraterwand des Gelungng zeigt deutlich, woher die Stoffe zu ihrem Aufbau kamen; die grssere Kraterschlucht des Ysarg ist aber nach O. geffnet und steht daher zu den zahllosen Hgeln im Nordwesten des Berges in keiner Beziehung. Hinter Maguring rcken sie dichter zusammen, ihre Kuppen werden flacher, ihre Seiten steiler, sie gehn allmlig in einen sanft geneigten Abhang ber, zerrissen von unzhligen Klften, auf deren Boden eben so viele Bche thtig sind, die eckigen Umrisse dieser kleinen Inseln in jene abgerundeten Hgel umzuformen. Der dritte Fluss hinter Maguring ist bedeutender als die frheren; am sechsten liegt eine grssere Visita, Borobd, am zehnten die von Ragy. Die Reisfelder haben mit dem Hgelland aufgehrt: auf dem durch tiefe Rinnen wohldrnirten Abhange wachsen nur wildes Rohr und einzelne Baumgruppen. An vielen Weilern vorber, deren Htten so vereinzelt und versteckt liegen, dass man sie wohl bersehn kann, gelangten wir um 5 Uhr nach Tagnton, von wo eine, fr Bffelkarren fahrbare, zum Transport des in der Umgegend gewonnenen Abaca's dienende Strasse nach Goa fhrt. In diesem Ort, den wir Abends erreichten, miethete ich in Folge eines Ruhranfalles ein Huschen, in dem ich fast vier Wochen lag, da mir keine andre Heilmittel als Hunger und Ruhe zur Verfgung standen. Whrend dieser Zeit machte ich die Bekanntschaft einiger neu bekehrten Ygorroten, und gewann ihr Vertrauen, ohne sie wre es mir spter schwerlich gelungen den Berg zu ersteigen und ihre Stammesgenossen ungefhrdet in ihren Ranchos aufzusuchen. [179] Als ich endlich Goa verlassen konnte, begleiteten mich meine Freunde zunchst nach ihrer Niederlassung, wo ich leicht die nthige Zahl Begleiter fand, da ich schon vorher empfohlen war und erwartet wurde, um die fr mich gesammelten Thiere und Pflanzen in Empfang zu nehmen. Am folgenden Morgen wurde die Besteigung begonnen. Schon bevor wir den ersten Rancho erreichten, konnte ich mich berzeugen, welch guter Ruf mir vorausging: der Hausherr kam uns entgegen, und fhrte uns auf einem engen Pfade zu seiner Htte, nachdem er die schrg aus dem Boden ragenden, aber mit Reisig und Blttern geschickt verdeckten Fusslanzen daraus entfernt hatte. [180] Eine mit Weben beschftigte Frau setzte auf meinen Wunsch ihre Arbeit fort. Der Webestuhl war von der allereinfachsten Art, das obere Ende, der Kettenbaum, der in einem Stck Bambus besteht, wird an zwei Bumen oder Pfhlen befestigt; die Weberin sitzt auf dem Boden und hakt in die beiden eingekerbten Enden einer schmalen Latte, welche die Stelle des Zeugbaums vertritt, einen hlzernen Bgel, in dessen Wlbung ihr Rcken passt. Indem sie die Fsse gegen zwei Pflcke im Boden stemmt und den Rcken krmmt, spannt sie vermittelst des Bgels das Zeug straff. Statt des Weberschiffchens dient eine Netznadel, lnger als die Breite des Gewebes, die nur mit Ueberwindung bedeutender Reibung und nicht immer ohne Kettenfden zu zerreissen, durchgeschoben werden kann. Eine messerartig zugeschrfte Latte aus hartem Holz (Caryota) vertritt das Schlaggestell und wird nach jedesmaligem Anschlag auf die hohe Kante gestellt. Dann wird der Kamm vorgeschoben, ein Faden durchgesteckt, festgeschlagen und so fort. Das Gewebe bestand aus Abacfden, die nicht gesponnen, sondern an einander geknpft werden. Die von mir betretenen Htten verdienen keine besondere Beschreibung: aus Palmenblttern und Bambus zusammengefgt, unterscheiden sie sich nicht wesentlich von den Wohnungen armer Indier. In der Nhe waren kleine Felder mit Bataten, Mais, Caladium und Zuckerrohr bepflanzt; prachtvolle Baumfarne umgaben sie; einer der hchsten, den ich zu dem Zwecke umhauen liess, maass: Stamm 9m 30, Krone 2m 12, Gesammtlnge 11m 42 (36' 38 Rh.). Ein junger Bursche machte Musik auf einer Art Laute, Baringbau genannt; sie bestand aus dem trocknen Schaft einer Scitaminee, die statt der Sehne (Saite) durch eine dnne Ranke bogenfrmig gespannt war. In der Mitte des Bogens war eine halbe Kokosschale befestigt, die beim Spielen gegen den Bauch gesetzt wird und als Resonanzboden dient. Die Saite gab, mit einem Stbchen geschlagen, einen angenehm summenden Ton, (Lyra und Plectrum in einfachster Form). Einige begleiteten den Musiker auf Maultrommeln aus Bambus, genau wie die der Mintras auf der Malayischen Halbinsel. Ein Andrer spielte auf einer Guitarre, die er zwar selbst, aber nach einem europischen Muster gemacht hatte. Ausser Bogen, Pfeilen und Kochtopf enthielt die Htte kein Gerth. Wer Kleider besass, trug sie am Leibe. Die Frauen fand ich so dezent gekleidet wie christliche Indierinnen, sie trugen berdies ein Waldmesser. Als ein Zeichen vollkommenen Vertrauens fhrte man mich in die wohl verborgenen, durch Fusslanzen vertheidigten Tabakfelder, die mir sorgfltig gepflegt schienen. Was ich im Verkehr mit diesen Leuten bisher erfahren hatte und noch erfuhr, fasse ich kurz zusammen: Sie wohnen auf den hheren Abhngen des Berges, wohl nie unter 1500', jede Familie fr sich. Wie viel ihrer noch vorhanden sein mgen, ist schwer zu ermitteln, da unter ihnen nur geringer Verkehr besteht. Auf dem zum Gebiete von Goa gehrigen Theile des Berges wird ihre Anzahl auf etwa 50 Mnner und 20 Weiber mit Inbegriff der Kinder geschtzt. Vor 20 Jahren war die Bevlkerung zahlreicher. Ihre Nahrung besteht ausser etwas Gabi (Caladium), vorzglich aus Bataten. Auch ein wenig Mais wird gebaut, etwas Ubi (Dioscorea) und eine geringe Menge Zuckerrohr zum Kauen. Zur Anlage eines Batatenfeldes wird ein Stck Wald gelichtet, der Boden mit dem stumpfen Waldmesser gelockert, in diesen werden Knollen oder Ableger gepflanzt. Schon nach 3 bis 4 Monaten beginnt die Ernte und dauert ununterbrochen fort, da die auf dem Boden kriechende Pflanze Wurzeln schlgt und Knollen bildet. Nach 2 Jahren hat aber der Ertrag so abgenommen, dass man die alten Pflanzen ausreisst, um fr neue, aus den Auslufern entstandene Ableger Platz zu machen. Das Feld wird weder gewechselt oder mit andern Frchten bebaut, noch gedngt. Ein Stck Land, 50 Brazas lang, 30 breit, gengt fr den Unterhalt einer Familie. Nur in der nassen Jahreszeit versagt zuweilen diese Hlfsquelle, dann wird Gabi genossen, das auf trocknem und feuchtem Boden ziemlich gleich gut zu wachsen scheint, aber nicht so lohnend ist wie Bataten. Die jungen Schsslinge des Gabi werden in Entfernungen von einer Vara gepflanzt und drfen, wenn man sie ausgiebig nutzen will, nicht vor einem Jahre ausgebeutet werden. Jede Familie mag wchentlich ein oder zwei Wildschweine erlegen. Hirsche sind selten, doch erhielt ich ein schnes Geweih; ihr Fell wird nicht benutzt. Zur Jagd dienen Bogen mit Pfeilen und Lanzen (s. Zeichnung) theils giftfrei theils vergiftet. Jeder Rancho hlt Hunde, die hauptschlich von Bataten leben, auch Katzen um die Felder gegen Ratten zu schtzen. Einiges Geflgel ist ebenfalls vorhanden, aber keine Kampfhhne, die in den Htten der Indier fast nie fehlen. Hahnenkmpfe sind erst durch die Spanier in die Philippinen eingefhrt worden; die Ysarogbewohner sind noch frei von dieser Leidenschaft. Ihre geringen Bedrfnisse an Erzeugnissen einer fortgeschritteneren Zivilisation erlangen sie durch den Verkauf der freiwilligen Produkte ihrer Wlder, hauptschlich Wachs und Harze: Pili [181], Apnik, Dagiangan (eine Art Copal) und etwas Abac. Wachs, das wegen der Kirchenfeierlichkeiten sehr begehrt ist, wird mit 1/2 Dollar das Katti bezahlt; die Harze gelten durchschnittlich 1/2 Realen die Chinanta. Der Handel findet auf die Weise statt, dass ein Indier, der mit den Ygorroten im Verkehr steht, mit diesen einen Lieferungsvertrag schliesst; die Ygorroten sammeln die Produkte und bringen sie an einen bestimmten Ort, wo die Indier sie aufnehmen, nachdem sie den dafr bedungenen Preis niedergelegt haben. Aerzte, Zauberer oder Leute, denen geheime Krfte zugetraut werden, kennt man nicht; jeder hilft sich selbst. Um ber ihre religisen Ansichten in's Klare zu kommen, wrde lngerer Verkehr nthig sein; sie glauben an einen Gott, oder sagen es wenigstens, wenn sie von Christen zudringlich befragt werden, auch haben sie dem Katholizismus manche usserliche Gebruche aufs Gerathewohl entlehnt, die sie wie Zauberformeln anwenden. Jagd und schwere Arbeit ist Sache des Mannes wie in den Philippinen allgemein. Die fast allen rohen Vlkern eigene, aber auch noch bei manchen Nationen Europa's (namentlich Basken, Walachen, Portugiesen) bestehende Sitte, die Frau als Lastthier zu ntzen, scheint in den Philippinen schon zur Zeit der spanischen Entdeckung verschollen gewesen zu sein; auch bei den Wilden des Ysarog verrichten die Weiber nur leichte Arbeit und werden gut behandelt. Jede Familie erhlt ihre Greise und Arbeitsunfhigen. -- Als herrschende Krankheiten wurden mir angegeben Kopfweh und Fieber, als Heilmittel: braun gersteter Reis, der gestossen mit Wasser zu Brei angerhrt, genossen wird. Bei starkem Kopfweh macht sich der Leidende Einschnitte in die Stirn. Rhrt die Krankheit davon her, dass jemand erhitzt zu viel Wasser trank, so trinkt er grosse Mengen warmen Wassers, hatte er aber in solchem Zustande zu viel Kokoswasser getrunken, so trinkt er warmes Kokoswasser. Ihre Muskelkraft ist gering; mehr als 50 Pfund Gewicht vermgen sie nicht eine grssere Strecke weit zu tragen. Ausser Jagd und Feldbau beschrnken sich ihre Gewerbe auf die Anfertigung ziemlich roher Waffen, wozu sie das Eisen, falls solches dazu erforderlich, von den Indiern kaufen, und auf die von den Frauen verfertigten groben Gewebe und Flechtarbeiten. Jeder Familienvater ist Herrscher in seinem Hause und erkennt ber sich keine hhere Gewalt an. In Fllen von Krieg mit benachbarten Stmmen, oder bei den Raubzgen der Steuerbeamten, stellt sich der Tapferste an die Spitze, die andern folgen ihm, so lange sie eben mgen; Wahl eines Anfhrers findet nicht statt. Sie sind meist friedliebend und ehrlich unter einander; doch stehlen die Faulen zuweilen Feldfrchte. Wird der Dieb ertappt, so straft ihn der Bestohlene mit Rotangschlgen, ohne Rache dafr frchten zu mssen. Stirbt jemand, so ziehn die nchsten Verwandten aus, um den Tod durch den Tod irgend eines Andern zu vergelten. Fr einen gestorbenen Mann soll eigentlich ein Mann, fr eine Frau eine Frau, fr ein Kind ein Kind erschlagen werden, man pflegt aber das erste sich zufllig darbietende Opfer zu tdten, ausser wenn es ein Freund ist. In neuer Zeit soll dieser Brauch immer mehr in Verfall kommen, da es Mnnern von einigem Ansehn hufiger als frher gelingt, den Todesfall als ein unvermeidliches Geschick darzustellen, in welchem Falle die Verwandten ihn nicht zu shnen brauchen. Es gelingt dies namentlich, wenn der Verstorbene eine gleichgltige Person war, stirbt aber ein geliebtes Kind oder Weib, so wird gewhnlich auch jetzt noch Rache dafr genommen. Tdtet ein Mann eine Frau aus einem andern Hause, so sucht der nchste Verwandte der Erschlagenen eine Frau aus dem Hause des Mrders zu tdten; dem Mrder thut er nichts. Der Leichnam des als Todtenopfer Erschlagenen wird nicht verscharrt, auch wird ihm nicht der Kopf abgeschnitten. Die Familie des Erschlagenen sucht den Tod am Mrder zu rchen; dies ist das ehrenvollste; ist der Mrder aber zu stark, so wird zur Vergeltung irgend ein Schwcherer erschlagen, daher vielleicht die geringe Verhltnisszahl der Frauen. Vielweiberei ist gestattet, aber selbst die Tapfersten und Geschicktesten haben fast nie mehr als eine Frau. Ein junger Mann, der heirathen will, beauftragt seinen Vater mit dem Vater der Braut den Preis zu verabreden, der in neuer Zeit sehr gestiegen ist (durchschnittlich 10 Waldmesser zu 4 bis 6 r. und 10 bis 12 Doll. baar). Um eine so hohe Summe durch Verkauf von Wachs, Harz und Abac zu beschaffen, braucht der Brutigam oft zwei Jahre. Das Brautgeld geht theils an den Vater, theils an die nchsten Verwandten. Jeder der Letzteren erhlt einen gleichen Antheil. Sind ihrer Viele, so bleibt fast nichts fr den Vater brig, der einen grossen Schmaus zu geben hat, bei welcher Gelegenheit viel Palmenwein getrunken wird. Ein Mann, der gegen ein Mdchen Gewalt braucht, wird von deren Eltern getdtet. Ist ihm das Mdchen zu Willen gewesen und der Vater erfhrt es, so verabredet er mit jenem einen Tag, an welchem er den Brautschatz bringen soll; weigert er sich, so wird er von den Verwandten gefangen, an einen Baum gebunden und mit Rohr gepeitscht. Ehebruch findet fast nie statt; kommt er dennoch vor, so muss entweder die Frau den Brautschatz zurckerstatten, wodurch sie frei wird, oder der Verfhrer, dem die Frau dann folgt. Der Ehemann hat nicht das Recht, sie zurckzuhalten, wenn er das Geld annimmt, wohl aber, wenn er dasselbe ausschlgt. Der letzte Fall soll aber nie vorkommen, da sich der Mann fr dasselbe Geld eine neue Frau kaufen knne. Nachmittags erreichten wir, 973 Meter ber Uacloy, etwa 1134m Meereshhe, eine grosse Schlucht Basira zwischen hohen, steilen, bewaldeten Wnden, sie streicht SO. -- NW., ihre Sohle hat 33 Neigung, besteht aus einer nackten Felsbank und veranlasst nach jedem heftigen Regen einen Wasserfall, da sie schroff abbricht. Hier wurde biwuakirt; die Ygorroten bauten in der krzesten Zeit eine Htte und waren ausgelassen munter. Bei Tagesanbruch zeigte das Thermometer 13,9 R. Der Weg zum Gipfel ist sehr beschwerlich wegen des schlpfrigen Thonbodens und des zhen Pflanzengewirres, die letzten 500 Fuss aber sind unerwartet bequem, denn die sehr steile Spitze ist mit einem beraus dichten Wuchs von bltterarmen, knorrigen, bemoosten Thibaudien, Rhododendren und andrem Krppelholz bestanden, deren zahlreiche starke Aeste in geringer Hhe ber dem Boden und ihm parallel verlaufend, ein enges sicheres Gitterwerk bilden, auf dem man, wie auf einer schwach geneigten Leiter emporsteigt. Die Spitze, die wir erreichten, ist der auf der Zeichnung sichtbare hchste Zacken der hufeisenfrmigen Bergwand, welche die grosse Schlucht von Rungus im Norden begrenzt. Die Kuppe hat wohl kaum 50 Schritt Durchmesser, sie ist so dicht mit Bumen bestanden wie ich hnliches nie gesehn: wir hatten nicht Raum zum Stehn. Meine rstigen Gastfreunde gingen aber, obgleich ihnen die Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen, grosse Mhe verursacht hatte, sogleich an's Werk, kappten Aeste und baueten daraus auf den Wipfeln der abgestutzten Bume eine Warte, von wo aus ich eine weite Rundsicht und Gelegenheit zu Peilungen gehabt haben wrde, wre nicht alles in dichten Nebel gehllt gewesen. Nur auf Augenblicke erschienen die nchsten Vulkane, die Bucht von S. Miguel und einige Binnenseen. Gleich nach Sonnenuntergang zeigte das Thermometer 125 R. Auch am folgenden Morgen blieb es trbe, und als gegen 10 Uhr die Wolken immer dichter wurden, traten wir den Rckweg an. Ich wollte die Nacht in einem Rancho zubringen, um am nchsten Tage eine Solfatara zu besuchen, die eine Tagereise weiter gelegen sein soll; meine Begleiter waren aber von den Strapazen so angegriffen, dass sie wenigstens einige Tage Rast verlangten. Ausser Calamus bemerkte ich keine Palmen auf dem oberen Abhange, Baumfarne sehr hufig, und eine ausserordentliche Flle von Orchideen. An einer Stelle waren alle Bume in bequemer Hhe mit blhenden Arides behangen, man htte sie mhelos zu tausenden sammeln knnen, die schnste Pflanze war eine Medinella, von so weichem Gewebe, dass es nicht mglich war sie einzulegen. Eine Viertelstunde NO. von Uacloy sprudelt eine starke kohlensaure Quelle (28 R.) aus dem Boden und setzt reichlich Kalksinter ab. Brennende Fackeln verlschten schnell, und ein mit einer Zigarrenkiste zugedecktes Huhn starb in wenigen Minuten, beides zum grssten Erstaunen der Ygorroten, denen diese Erscheinungen bisher unbekannt geblieben waren. Meine armen Gastfreunde, die mich nach Uacloy zurckbegleitet hatten, fhlten sich auch noch am zweiten Rasttage so mde, dass sie zu keiner Unternehmung tauglich waren. Mit nacktem Kopf und Oberleib hockten sie sich in die glhende Sonne, um dem Krper die Wrme wieder zuzufhren, die er durch das Biwuak auf dem Gipfel verloren hatte; Wein aber mochten sie nicht trinken. Als ich sie endlich am nchsten Tage verliess, waren wir so gute Freunde geworden, dass man mir ein gezhmtes Wildschwein zum Geschenk aufnthigen wollte. Ein Trupp Mnner und Frauen begleiteten mich, bis sie die Dcher von Maguring schimmern sahen, worauf sie nach herzlichem Abschiede in ihre Wlder zurckkehrten. Die aus Goa mitgenommenen Indier hatten sich bei der Expedition so faul und mrrisch gezeigt, dass fast die ganze Arbeit einen Pfad durch den Wald zu schlagen, den Ygorroten zugefallen war; selbst das Trinkwasser hatten die indischen Trger aus Faulheit fortgeschttet, die Ygorroten mussten fr unser Biwuak auf dem Gipfel aus ziemlicher Entfernung frisches holen. Bei allen beschwerlichen Mrschen bin ich immer besser mit Cimarronen, als mit Indiern ausgekommen. Jene fand ich gefllig, zuverlssig, thtig, ortskundig, whrend diese gewhnlich die entgegengesetzten Eigenschaften zeigten. Es wre aber ungerecht daraus auf das beiderseitige Wesen schliessen zu wollen; denn die Wilden sind im Walde zu Hause, was sie thun, geschieht freiwillig, der Fremde wird, wenn er ihr Vertrauen besitzt, als Gast behandelt. Die Indier aber sind gezwungene Begleiter, Polistas, die selbst wenn man ihnen hheren Tagelohn giebt, von ihrem Standpunkte aus ganz richtig handeln, wenn sie so wenig als mglich thun. Es ist fr sie durchaus kein Vergngen, ihr Dorf zu verlassen, um als Gepcktrger oder Wegbahner anstrengende Mrsche in unwegsame Gebiete zu machen, und unter Entbehrungen im Freien zu kampiren. Fr sie, mehr noch als fr den europischen Bauer, ist Ruhe die angenehmste Erholung. Je weniger Bequemlichkeit Jemand zu Haus geniesst, um so schwerer verzichtet er darauf. In Europa kann man dieselbe Beobachtung machen. Da die Ygorroten, um nicht das Monopol der Hacienda zu beeintrchtigen, keine Kokospalmen zur Bereitung von Wein, Essig und Branntwein haben durften, so berreichten sie mir eine Bittschrift, damit ich ihnen diese Gunst erwirken mchte. Das Dokument ist von einem indischen Schreiber so drollig konfus verfasst, dass ich es als Probe philippinischen Kanzleistils mittheile [182]: Es hatte brigens den besten Erfolg, da den Bittstellern doppelt so viel bewilligt wurde als sie erbaten. Der SW. Monsun dauert in dieser Gegend (Gebiet von Goa) von April bis Oktober. Der April ist sehr windstill (navegacion de seoras) am bestndigsten sind die SW.-Winde von Juni bis August, am trockensten Mrz, April, Mai. Der NO.-Monsun herrscht von Oktober bis Ende Februar. Mrz und Anfang April Wechselwinde, Oktober bis Dezember ist die Zeit der Strme: San Francisco (4. Okt.) bringt schlechtes Wetter. Der Reis wird im September gepflanzt, im Februar geerntet. ACHTZEHNTES KAPITEL ERSTEIGUNG DES YRIGA UND DES MAZARAGA. -- SEE- UND STRASSENRUBER. -- WASSERPFLANZEN VON BERLIN NACH DEN PHILIPPINEN. -- MEIN DIENER PEPE. Vom Ysarg kehrte ich ber Naga und Nbua zum Yriga zurck, den es mir endlich zu ersteigen gelang. Der Huptling der Montesinos hatte tglich Rationen fr zweiundzwanzig Mann erhalten, mit denen er angeblich einen Weg zum Gipfel bahnte. Als er aber am Abend des dritten Tages selbst nach Yriga kam, um neue Vorrthe zu holen, da die Arbeit noch einige Zeit erfordere, erklrte ich, dass ich am folgenden Morgen versuchen wrde den Berg zu besteigen und forderte ihn zum Fhren auf. Er willigte ein, verschwand aber Nachts sammt seinem Begleiter, da die Indier im Tribunal sich das Vergngen gemacht hatten, ihnen schwere Strafen in Aussicht zu stellen falls die Leistung nicht den Arbeitstagen entsprche. Nach vergeblichem Bemhn um einen andern Fhrer, verliessen wir Buhi Nachmittags, und bernachteten im Rancho, wo man uns frher so freundlich aufgenommen hatte. Die Feuer brannten noch, aber die Bewohner waren bei unserer Annherung geflchtet. Am folgenden Morgen um 6 Uhr begann die Besteigung. Nachdem wir mit Benutzung der frher von uns gebahnten Pfade den Wald durchschritten, ging es durch 3 bis 4 Fuss hohes Gras mit scharfschneidenden Blttern, dann folgte 7 bis 8' hohes Rohr, vom Habitus unseres Arundo phragmites (es stand aber nicht in Blthe), das den ganzen oberen Theil des Berges bis zum Rande einnimmt; nur in den Schluchten reichten die Bume hoch hinauf. In den untern Gehngen waren sie mit Aroideen und Farnen, gegen den Gipfel zu mit Flechten und Moosen bedeckt. Ich fand hier eine schne neue eigenthmlich gestaltete Orchidee. [183] Die Cimarronen hatten etwas Rohr umgehauen, weiter bahnten wir uns mit Waldmessern den Weg und erreichten schon um 10 Uhr die Spitze. Es war sehr trbe. Auf einen klaren Abend oder Morgen hoffend, liess ich eine Htte bauen, wozu das Rohr sehr geeignet war. Fr sich selbst ein Obdach zu errichten und Brennholz zum Wachtfeuer herbeizuschaffen, waren die Indier zu faul. Sie kauerten, um sich zu erwrmen, dicht an einander gedrckt auf dem Boden, assen kalten Reis und dursteten dazu, da keiner Wasser holen wollte. Von zwei Wassertrgern, die ich mitgenommen, hatte der Eine sein Wasser unterwegs aus Versehn verschttet, der Andre es unten ausgegossen, weil er geglaubt, dass wir es nicht brauchen wrden. Ich fand die hchste Spitze des Yriga 1212 Meter, 1120 Meter ber dem Spiegel des Buhi-See's. Von Buhi ging ich nach Btu. Der Batu-See (111 Meter Meereshhe) war seit meinem letzten Besuch im Februar noch tiefer gesunken, der Algenteppich hatte an Breite betrchtlich zugenommen, sein oberer Rand war an vielen Stellen zerfetzt, der untere ging allmlig in einen dicken Wulst faulender Wasserpflanzen ber (Charen, Algen, Pontederien, Valisnerien, Pistien u. s. w.), der den Wasserspiegel ringsum einfasste und nur durch einzelne Lcken an das Ufer zu gelangen gestattete. Queer vor der Mndung des Quinali in den See lag eine Barre von schwarzem Moder, in welcher einige schmale Wasserrinnen die weichsten Stellen anzeigten. Da wir mit einem grsseren Boote nicht ber die Barre gelangen konnten, so wurden zwei kleine schmale Nachen durch einen Bambusrost verbunden, und mit einem Sonnendach versehn. Vermittelst dieser Vorrichtung, die von 3 krftigen Bffeln gezogen wurde, whrend die Mannschaft mit sichtlichem Behagen und lautem Jubel knietief im schwarzen Schlamm watend, schieben half, gelangten wir, wie auf einem Schlitten ber das Hinderniss in den Fluss, der bei meinem ersten Besuch an vielen Stellen die Felder berfluthete, so dass die Htten der Eingeborenen wie Schiffe aus dem Wasser ragten und jetzt (im Juni) nicht einmal sein Bett ausfllte. Wir mussten daher die Schlittenfahrt bis dicht vor Quinali fortsetzen. In Ligo stieg ich bei einem befreundeten Spanier ab, da seit meinem letzten Besuch ein grosser Theil der Ortschaft sammt Tribunal und Convento abgebrannt war. Nachdem die nthigen Vorbereitungen getroffen, ging ich Abends nach Barayong, einem kleinen Cimarronen-Rancho, am Fuss des Mazarga, mit dessen Insassen ich am folgenden Morgen den Berg bestieg. Auch die Frauen begleiteten uns eine gute Strecke und erhielten die Gesellschaft in munterer Laune. Unterwegs wurde einem zu dem Zweck mitgenommenen Indier eine Bambuse voll Wasser zum Tragen bergeben, er warf sie fort, und lief davon, eine Alte trat fr ihn ein und schleppte das Wasser unverdrossen bis auf den Gipfel. Dieser Berg war feuchter, als alle die ich je bestiegen, den Semeru in Java etwa ausgenommen. Auf halbem Wege fand ich einige angefaulte Rafflesien. [184] Zwei elend aussehende Cimarronenhunde jagten uns einen jungen Hirsch zu, den einer der Leute durch einen Schlag mit dem Waldmesser erlegte. Im Drittel der Hhe hrte der Pfad auf, doch war es nicht schwierig durch den Wald zu gelangen, der mit Rohr dicht bewachsene obere Theil des Berges verursachte wiederum grosse Schwierigkeiten. Gegen zwlf erreichten wir die Gipfelplatte, die von keinem Krater durchbohrt, flach gewlbt, fast horizontal, und dicht mit Rohr bestanden ist. Ihre Hhe ergab sich = 1354 Meter. In kurzer Zeit bauten die unermdlichen Cimarronen eine schne grosse Rohrhtte: ein Zimmer fr mich und das Gepck, einen grossen Vorsaal fr die Leute, ein besonderes Haus fr die Kche. Leider war das Rohr so nass, dass es nicht brannte. Um etwas Brennholz zum Reiskochen zu haben, wurden dicke Aeste aus dem Walde geholt, und ihr verhltnissmssig trockner Kern mhsam herausgeschlt. Die Schwefelhlzer waren so feucht, dass der Phosphor sich beim Reiben ablste; auf Lschpapier gesammelt, mit dem geschwefeltem Ende des Zndholzes geknetet, ward er trocken, und entzndete sich durch die Reibung. Von anstehendem festem Gestein war nicht eine Spur zu sehn. Alles, von da ab wo der Pfad aufhrte, war dicht bewachsen, der Boden mit einer hohen Schicht feuchter Walderde bedeckt. Der folgende Morgen war hell und gestattete eine weite Rundsicht, aber noch ehe ich sie fertig gezeichnet, ward es wieder trbe, und als nach mehrstndigem Warten der Himmel sich mit dichten Regenwolken bezog, traten wir den Rckweg an. Auf dem Gipfel schwrmten viele Schmetterlinge umher. Wir konnten aber nur wenige fangen, da das Gehn zwischen den hohen Rohrstoppeln fr nackte Fsse sehr beschwerlich war: von zwei Paar, aus Manila bezogenen neuen Schuhen hatten sich, noch ehe ich die Spitze erreichte, die nur leicht angehefteten Sohlen abgelst, so dass ich den Weg nach Ligao barfuss zurcklegen musste. Am folgenden Tage ging mein spanischer Gastfreund zweimal nach dem Tribunal, um mir die zur Befrderung meiner Sammlungen nthigen Bffelkarren zu verschaffen. Seine hflichen Bitten blieben ohne Erfolg; dem Befehl des Cura, der den Gobernadorcillo zu sich in's Haus beschied, wurde sogleich gehorcht. Fr spanische Privatleute haben die einheimischen Behrden in der Regel wenig Rcksichten, sie begegnen ihnen nicht selten mit deutlicher Geringschtzung. Eine amtliche Empfehlung des Alkalden ist gewhnlich wirksam, aber nicht in allen Provinzen, denn manche Alkalden schaden ihrem Ansehn, indem sie zur Frderung ihrer persnlichen Interessen die Mithlfe oder Verschwiegenheit der einheimischen Behrden in Anspruch nehmen. Ich schoss hier einige Pankes, grosse Fledermuse, mit Flgeln von fast fnf Fuss Spannweite, die im Tagesschlaf an den Aesten eines Baumes hingen (s. Reisesk. S. 216), darunter zwei Mtter mit unversehrten sugenden Jungen. Es sah rhrend aus, wie sich die Thierchen fester und fester an den Krper der sterbenden Alten klammerten und auch noch nach erfolgtem Tode sie zrtlich zu herzen schienen; der anscheinenden Innigkeit lag aber nur Selbstsucht zu Grunde, denn als ihr Milchvorrath erschpft, wurden die Alten rcksichtslos, wie leere Schluche behandelt. Sobald die Jungen abgenommen wurden, frassen sie Bananen und lebten mehrere Tage lang bis ich sie in Spiritus steckte. Frh Morgens ritt ich auf dem Gaule des Pfarrers nach Legaspi, und Abends durch tiefen Schlamm zum Alkalden nach Albay. Wir befanden uns jetzt (Juni) mitten in der sogenannten trocknen Jahreszeit, es regnet aber fast tglich. Der Weg zwischen Albay und Legaspi war schlechter als je. Whrend meines Besuches ging vom Kommandanten der Falas an der Sdkste die Meldung ein, dass er zwei Seeruberboote verfolgte als pltzlich sechs andre erschienen, um ihm den Rckweg abzuschneiden, weshalb er schleunig umkehrte. Die Falas sind zwar stark bemannt, und mit Kanonen versehn, aber die von den Ortschaften der Kste gestellte Mannschaft ist gnzlich ungebt im Gebrauch der Feuerwaffen, und hat solche Furcht vor den Moros, dass sie, wenn nur die geringste Hoffnung zur Flucht vorhanden, mit allen Krften das Land zu erreichen sucht um davon zu laufen. Die Kstenorte, ohne andre Waffen als hlzerne Piken, waren den Seerubern vllig preisgegeben, die in Catandunes, Biri, und mehreren kleinen Inseln festen Stand gefasst hatten und ungestraft Schiffe kaperten oder am Lande Menschen raubten. Fast tglich wurden neue Rubereien und Mordthaten aus den Stranddrfern gemeldet. Die whrend des Raubzuges zum Rudern verwendeten Gefangenen werden schliesslich als Sklaven verkauft. Bei der Theilung sollen je zwei dem Dato, der die Schiffe ausgerstet, einer der Mannschaft zufallen. [185] Zwar sind die Kstenfahrer in diesen Gewssern grsstentheils mit Geschtzen versehn, doch liegen diese gewhnlich im Schiffsraum, da Niemand an Bord damit umzugehn weiss. Sind die Kanonen auf Deck befestigt, so fehlen die Kugeln oder das Pulver, aber der Kapitn verspricht es das nchste Mal besser einzurichten. [186] Der Alkalde berichtete die Thaten der Seeruber mit jeder Post nach Manila, wies auf die grossen dem Handel zugefgten Verluste, und auf die Pflicht der Regierung ihre Unterthanen zu schtzen, um so mehr, als diesen keine Feuerwaffen gestattet sind. [187] Von den Bisaya-Inseln ertnten dieselben Hlferufe. Die Regierung war aber machtlos gegen das Uebel. Wurden die Klagen gar zu laut, so sandte sie in die am meisten heimgesuchten Gewsser ein Dampfboot, das fast nie einen Seeruber zu sehn bekam, obgleich diese dicht vor und hinter ihm ihr Wesen trieben. In der Hauptstadt Samars traf ich spter einen Regierungsdampfer, der seit vierzehn Tagen vergeblich gegen Piraten kreuzte; denn diese, gewhnlich schon durch ihre Spione gewarnt, sehn den Rauch des Dampfbootes frh genug, um mit ihren flachen Khnen zu entschlpfen. Die Offiziere wussten von vornherein, dass ihre Fahrt schwerlich andern Erfolg haben wrde, als den geschdigten Provinzen zu zeigen, dass ihr Nothschrei nicht unbeachtet blieb. [188] Es waren indessen damals schon 20 kleine Dampfkanonenboote von geringem Tiefgang in England bestellt und ihrer Vollendung nahe, sie wurden in Stcken um das Kap transportirt, die ersten beiden trafen bald darauf in Manila ein, die brigen folgten, und es gelang ihnen den Archipel auf einige Zeit von dieser schweren Plage fast zu befreien [189], wenigstens von den chten Moros, die jhrlich aus der Solosee meist von der Insel Tavi-tavi kamen, im Mai nach den Bisayas gelangten, und dann ihre Raubzge im Archipel fortsetzten, bis der Wechsel des Monsun im Oktober oder November sie zur Rckkehr zwang. [190] In den Philippinen erhielten sie neuen Zuwachs durch Vagabunden, Desertre, entlassene Strflinge, ruinirte Spieler. Aus denselben Elementen werden auch die Banden von Strassenrubern (Tulisnes) gespeist, die zuweilen sehr zahlreich auftreten und Streiche von ausserordentlicher Keckheit ausfhren. Nicht lange vor meiner Ankunft waren sie in eine Vorstadt Manila's eingefallen und hatten in den Strassen mit dem Militr gekmpft. Ein Theil des letzteren pflegt regelmssig durch den Dienst gegen Tulisanes in Anspruch genommen zu werden. Die Ruber sollen in der Regel gegen ihre Opfer nicht grausam sein, wenn kein Widerstand geleistet wird. [191] In Legaspi fand ich mehrere Kisten mit Blechfuttern, die mit der Ueberlandpost nach 16 Monaten, statt nach 7 Wochen, fr mich angekommen waren, da sie von Berlin ber Triest versandt, wegen des italienischen Krieges dort liegen geblieben. Ihr fast ausschliesslich zum Gebrauch in den Philippinen bestimmter Inhalt war mir jetzt zum grssten Theil berflssig. In einer Kiste befanden sich zwei mit Glasstpseln verschlossene Flschchen, die eine mit feuchtem Kohlenpulver, die andre mit feuchtem Lehm gefllt, beide enthielten Samen von Victoria regia und Knollen rother und blauer Nymphen. Die in der ersten Flasche waren verdorben -- wie sich erwarten liess; aber in der mit feuchtem Lehm gefllten hatten zwei Knollen 1/2 Zoll lange Keime getrieben und sahen ganz gesund aus. Ich pflanzte sie sogleich; in einigen Tagen entwickelten sie krftige Bltter. Eine dieser schnen, ursprnglich fr den Buitenzorger Garten in Java bestimmten Pflanzen blieb in Legaspi, die andre sandte ich nach Manila, wo ich sie spter in voller Blthe wieder sah. Im Kohlenpulver hatten zwei Victoriakerne ber einen Zoll lange Wurzeln gemacht, die aber abgefault, vielleicht auch bei der Zollrevision abgerissen und dann gefault waren, denn der Hals des Flschchens war zerbrochen; das Kohlenpulver sah aus als wre darin gerhrt worden. Ich theilte dem Inspektor des Berliner botanischen Gartens den glnzenden Erfolg seiner Verpackungsart mit; er machte eine zweite Sendung direkt nach Java, die im besten Zustande ankam, so dass nicht nur die Victoria, sondern auch die von einem afrikanischen Vater und einer asiatischen Mutter in Berlin erzeugten rothen Teichrosen jetzt die Wasserbecken Java's (letztere Pflanzen vielleicht auch die der Philippinen) schmcken. Wegen der anhaltenden Regen benutzte ich zwei Backfen, um meine Sammlungen vor dem Einpacken zu trocknen. Mein Diener verbrannte den grssten Theil, so dass der Rest in einer gerumigen Kiste Platz fand, die ich fr einen Dollar erstand. Leider fehlte der Deckel. Um diesen zu beschaffen, musste ich zuerst einen Zimmermann, der wegen einer kleinen Schuld gefangen sass, frei machen, dann Vorschuss geben, um ein Brett zu kaufen und Vorschuss um das versetzte Handwerkzeug auszulsen; die endlich begonnene Arbeit wurde mehrere Male unterbrochen, weil ltere Vorschsse ungestmer Glubiger durch Arbeit getilgt werden mussten. Nach fnf Tagen war der Deckel fertig; er kostete drei Dollar, hielt aber nicht lange, denn schon in Manila musste er durch einen neuen ersetzt werden. In Legaspi fand ich Gelegenheit einen kleinen Schoner nach der Insel Samar zu benutzen, die SO. von Luzon, jenseits der 3 Leguas breiten S. Bernardino-Strasse liegt. Im Augenblick der Abreise verliess mich mein Diener um ein wenig von den Strapazen auszuruhn -- zu meinem grossen Bedauern, -- denn Pepe war gutmthig, sehr anstellig und immer guter Laune. Er hatte in seinem Geburtsorte Cavite, wo viele spanische Soldaten und Seeleute leben, diesen manches abgesehn, und wurde scherzweis Espaol de Cavite genannt. Das Herumstreichen von einer Ortschaft zur andern gefiel ihm sehr, er machte schnell Bekanntschaft, und wusste sich bei den Frauen beliebt zu machen; denn er besass viele gesellige Talente, verstand auch Guitarre zu spielen und Bffelkhe zu melken. Kamen wir in ein Pueblo, wo eine Mestizin oder gar eine Landestochter (Kreolin) wohnte, so requirirte er, wenn es anging, sogleich eine milchende Bffelkuh, molk sie, brachte der Seora einen Theil der Milch und hielt, unter dem Vorgeben der Dolmetscher meiner Gesinnungen zu sein, eine so hfliche wohlgesetzte Rede, pries die Schnheit und Anmuth der Dame und liess sich mit demthigster Miene so ungeheuerliche Reiseabenteuer abfragen, dass Ritter und Knappe in hellem Glanze strahlten. Das Geschenk war immer willkommen, (und brachte uns manch Krbchen Orangen ein); denn Bffelmilch ist zur Chocolade sehr beliebt, es kommt aber, wie es scheint, nur selten jemand auf den Einfall eine Kuh zu melken. Leider mochte Pepe nicht Berge steigen, und bekam Bauchweh, wenn er mich begleiten sollte, oder er verschenkte meine starken Schuhe oder liess sie stehlen; die einheimischen aber blieben unangetastet; denn er wusste wohl, dass sie fast nur zum Reiten taugen, woran auch er Freude hatte. In meiner Gesellschaft arbeitete er schnell und gern, aber allein langweilte es ihn, er fand berall Freunde, die ihn abhielten; dann liess er bei dem Abbalgen der Vgel das Fleisch in den Beinen sitzen, so dass sie verfaulten und fortgeworfen werden mussten. Noch unangenehmer war ihm das Packen, darum that er es so schnell als mglich, doch nicht immer mit gengender Sorgfalt, wie einmal, wo er Schuhe, Arsenikseife, Zeichnungen und Chocolade in ein Tuch zusammenband. Trotz solcher kleinen Mngel war er mir sehr ntzlich und angenehm. Nach einer so unzivilisirten Insel, wie Samar, ging er aber nicht gern, und als er gar seinen Lohn fr acht Monate auf einmal erhielt, und pltzlich ein kleiner Kapitalist war, konnte er der Versuchung nicht widerstehn, ein wenig von den Strapazen auszuruhn. NEUNZEHNTES KAPITEL REISEN IN SAMAR. -- WETTER. -- BEAMTENWAHL. -- NORDKSTE. -- CATBALOGAN. -- FLATTERMAKIS. -- SCHLANGENBNDIGER. -- TERTIRVERSTEINERUNGEN. -- STROMSCHNELLEN DES LOQUILOCUN. -- GESPENSTERTHIER. Die Insel Smar, von beinahe rhombischem Umriss, mit wenig ausgezackten Rndern, erstreckt sich NW.--SO. von 12 37' bis 10 54' N., ist im Mittel 22 M. lang und halb so breit; ihr Flchenraum betrgt ber 220 quadr. M. Im Sden wird sie durch die schmale San Juanico-Strasse von der Insel Leyte getrennt, mit welcher sie frher zu einer Provinz vereinigt war. Jetzt steht jede Insel unter einem besondern Guvernr. Von ltern Schriftstellern wird die Insel Tendaya, Ybabo, auch Achan und Philippina genannt, spter hiess die stliche Seite Ybabo, die westliche Smar, welches jetzt die amtliche Benennung fr die ganze Insel ist; das stliche Gestade wird als die Contracosta unterschieden. [192] Der NO. Monsun berwiegt hier, wie an den Ostksten Luzon's, an Dauer und Strke den SW.-Monsun, dessen Gewalt durch die sdwestlich liegenden Inseln gebrochen wird; whrend die NO. Winde mit ihrer ganzen Kraft und der Wucht ihrer im grossen Ozean aufgesogenen Wassermasse gegen die Ksten dieser stlichen Inseln anprallen. Im Oktober treten zwischen NW. und NO. schwankende, vorherrschend nrdliche Winde ein, Mitte November wird der Nordost bestndig und dauert, nur selten von Nord unterbrochen, bis zum April. Dies ist auch die Regenzeit; am nassesten sind Dezember und Januar, wo es zuweilen vierzehn Tage ohne Unterbrechung regnen soll. An der Nordkste bei Luang dauert die Regenzeit von Oktober bis Ende Dezember. Januar bis April sind trocken; Mai, Juni, Juli Regen; August, September trocken. Es giebt also dort zwei nasse und zwei trockene Jahreszeiten. Von Oktober bis Januar kommen zuweilen heftige Strme vor (Baguios = Taifun); sie beginnen gewhnlich mit Nordwind, gehen nach Nordwest, von schwachem Regen begleitet, dann zurck nach N., mit zunehmender Strke nach NO. und O., wo sie ihre grsste Gewalt erreichen, und dann mit schwachem Winde nach Sden bergehen; zuweilen aber drehen sie schnell durch Ost nach Sd und erlangen erst dort ihre grsste Kraft. Von Ende Mrz bis Mitte Juni herrschen unbestndige stliche Winde (NO. O. SO.) mit sehr hoher See an der Ostkste. Der Mai ist gewhnlich windstill. Im Mai und Juni hufige Gewitter, welche den SW.-Monsun einleiten, der in den Monaten Juli, August, September zur Geltung kommt, aber nie so bestndig ist, wie der NO.. Die genannten drei Monate bilden die trockene Jahreszeit, sie wird aber von hufigen Gewittern unterbrochen. Es vergeht wohl keine Woche regenlos. In manchen Jahren findet an jedem Nachmittage ein Gewitter statt. In dieser Jahreszeit knnen Schiffe an der Ostkste anlegen; whrend des NO.-Monsun ist Schifffahrt dort nicht mglich. Diese allgemeinen Verhltnisse sind manchen rtlichen Abweichungen, namentlich an der Sd- und Westkste unterworfen, wo die Regelmssigkeit der Luftstrmungen durch die davor liegenden, bergigen Inseln gestrt wird. Nach dem Estado geogr. 1855 S. 345 tritt alljhrlich bei dem Monsunwechsel, im September oder Oktober eine ausserordentlich (unter Umstnden 60 bis 70 Fuss) hohe Fluth ein, Dolo genannt, die sich mit furchtbarer Gewalt gegen die Ost- und Sdkste wirft, grossen Schaden anrichtet, aber eine Gezeit nicht berdauert. Das Klima von Samar und Leyte scheint an den Ksten sehr gesund zu sein und zu den zutrglichsten des Archipels zu gehren. Ruhr, Durchfall und Fieber kommen seltener vor als in Luzon; auch Europer sollen ihren Anfllen hier weniger ausgesetzt sein als dort. Samar ist fast nur an seinen Rndern von zivilisirten Indiern bewohnt, und zwar von Bisayern, die durch Sprache und Sitten etwa in demselben Grade von den Bicols verschieden sind, wie diese von den Tagalen. Im Innern fehlen Strassen und Drfer beinahe gnzlich; es ist mit dichtem Walde bedeckt und dient unabhngigen Stmmen zum Aufenthalt, die etwas Ackerbau treiben (Knollengewchse und Bergreis), und die Produkte des Waldes sammeln, namentlich Harze, Honig und Wachs, woran die Insel sehr reich ist. Am 3ten Juli verliesen wir Legspi, schlichen, durch hufige Windstillen aufgehalten, am Nordrande von Alby bis zur Punta Montfar, dann an der kleinen Insel Viri vorbei, und erreichten Luang erst am 5ten Abends. Das Gebirge von Bcon (Pocdol bei Coello), das mir auf frheren Reisen durch Nacht oder Nebel verborgen geblieben, zeigte sich im Vorberfahren deutlich als ein Kegelberg, daneben ragte eine sehr schroffe tiefgefurchte Bergwand auf, anscheinend der Rest eines Ringgebirges. Nachdem der Steuermann, ein alter, aus der Gegend gebrtiger Indier, der die Reise schon oftmals gemacht, uns zuerst nach einem falschen Hafen gefahren, setzte er das Schiff auf der Barre fest, obgleich hinreichend Wasser vorhanden war, um bequem in den Hafen einzulaufen. Die Ortschaft Luang (Lhuan) von mehr als 4500 Einwohnern, liegt zusammengedrngt auf dem 40 Fuss hohen Sdwestrande der gleichnamigen kleinen Insel, durch einen Arm des Catbig von Smar getrennt. Nach einer verbreiteten Ueberlieferung lag der Ort frher auf Smar selbst, inmitten seiner noch heut dort vorhandenen Reisfelder, bis wiederholte Ueberflle von Seerubern die Einwohner bewogen sich trotz der damit verbundenen Unbequemlichkeiten zu ihrem Schutz auf der Sdkante der steil aus dem Meer emporsteigenden kleinen Insel anzusiedeln. [193] Diese besteht aus fast horizontalen, 8 bis 12 Zoll dicken Tuffbnken. Die an der Fluthgrenze von den Wellen fortwhrend benagten Schichten veranlassen die obern Bnke abzubrechen, so dass die ziemlich gleich dicken, durch vertikale Sprnge zerklfteten Schichtenkpfe wie Festungsmauern erscheinen. Die Kirche und das Convento haben des beschrnkten Raumes wegen jeden flachen Absatz des Felsens in verschiedenen Hhen benutzen, sich der Oertlichkeit anbequemen mssen und sind daher, wohl ohne Absicht des Erbauers, ganz malerisch geworden. Der Ort liegt hbsch, die Huser sind aber nicht, wie sonst hufig, von kleinen Grten umgeben, es herrscht grosser Wassermangel und bler Geruch. Zwei oder drei sprliche Quellen, fast im Meeresniveau, liefern ein trbes, brackisches Wasser, mit dem die trgen Leute sich begngen, so lange es eben ausreicht. Wohlhabende lassen ihr Wasser von Samar holen, wozu auch die Aermeren zuweilen durch das Versiegen der Quellen gezwungen werden. Zum Baden reicht das Quellwasser nicht aus, Seebder sind nicht beliebt, die Leute sind daher sehr schmutzig. Ihre Kleidung ist dieselbe wie in Luzon, die Frauen tragen aber keinen Tapis, sondern nur Camisa (ein kurzes, die Brste kaum deckendes Hemd) und Saya, meist aus grober, strriger Guinara, die hssliche Falten bildet und wenn nicht schwarz gefrbt, sehr durchscheinend ist. Schmutz und dezentes Wesen schtzen aber mehr als dichte Gewnder. Die Bewohner von Luang stehen wohl mit Recht in dem Ruf sehr trge zu sein. Ihr Gewerbfleiss beschrnkt sich fast auf etwas Landbau, selbst der Fischfang wird so vernachlssigt, dass es hufig an Fischen mangelt. Eigene Schifffahrt ist kaum vorhanden, obgleich es keine Landstrassen giebt. Der Handel wird meist durch Schiffer aus Catbalgan betrieben, die den Ueberschuss der Ernten gegen andere Erzeugnisse eintauschen. Vom Convento berblickt man einen Theil der Insel Samar, deren Bergformen die Fortsetzung der flachen Schichtung anzeigen. In der Mitte der Landschaft ragt in Entfernung einiger Meilen ein in der Geschichte der Gegend berhmter Tafelberg hervor. Dorthin hatten sich die Eingeborenen des nahen Dorfs Palpat, nachdem sie ihren Pfarrer, einen zu lsternen Jesuitenpater, ermordet, zurckgezogen und Jahre lang mit den Spaniern Guerillakrieg gefhrt, bis sie endlich durch Verrath berwltigt wurden. Das Innere der Insel ist schwierig zu bereisen, da keine Wege vorhanden sind; die Ksten werden sehr von Seerubern heimgesucht. In den letzten vierzehn Tagen waren mehrere Pontins und vier mit Abac beladene Schoner gekapert, die Mannschaft zum Theil grausam ermordet, ihre Leichname zerstckelt worden, -- eine Abweichung vom Brauch, denn gewhnlich werden die Gefangenen whrend der Dauer des Raubzuges zum Rudern benutzt und spter in den Inseln der Solosee als Sklaven verkauft. Es war gut, dass wir den Piraten nicht begegnet, denn obgleich wir vier kleine Kanonen an Bord fhrten, verstand Niemand ihre Behandlung. [194] Der zur Leitung der Wahlen fr die Gemeindemter erwartete Guvernr sandte, durch Krankheit verhindert, einen Stellvertreter. Da die Wahlen alljhrlich im ganzen Lande nach derselben Vorschrift vollzogen werden, so mag diese, der ich beiwohnte, als Beispiel beschrieben werden: Sie findet im Gemeindehaus statt; am Tisch sitzt der Guvernr (oder sein Vertreter), ihm zur Rechten der Pfarrer, links der Schreiber, der zugleich Dolmetscher ist. Smmtliche Cabezas de Barangay, der Gobernadorcllo und die es frher gewesen, haben auf Bnken Platz genommen. Es werden zuerst durch das Loos je 6 von den Cabzas, und von den Gobernadorcillo's zu Whlern ernannt; der fungirende Gobernadorcllo ist der dreizehnte, die Uebrigen verlassen den Saal. Nachdem der Vorsitzende die Statuten verlesen und die Whler zur gewissenhaften Erfllung ihrer Pflicht ermahnt, treten diese einzeln an den Tisch und schreiben drei Namen auf einen Zettel. Wer die meisten Stimmen hat, wird, wenn weder Pfarrer noch Whler begrndeten Einspruch erheben, sofort zum Gobernadorcllo fr das kommende Jahr ernannt, vorbehaltlich der Besttigung der Oberbehrde in Manila, die wohl immer erfolgt, denn schon der Einfluss des Cura wrde eine missliebige Wahl verhindern. Auf dieselbe Weise findet die Wahl der brigen Beamten statt, nachdem zuvor der neue Gobernadorcillo in den Saal gerufen, damit er etwaige triftige Einwendungen gegen seine aus der Wahl hervorgehende knftige Beamten machen knne. Die ganze Handlung ging mit grosser Ruhe und Wrde vor sich. [195] Am folgenden Morgen fuhr ich in Gesellschaft des geflligen Pfarrers, dem sich fast alle Knaben des Dorfes anschlossen, in einem grossen Boot nach Samar ber. Von elf krftigen Gepcktrgern, die der Vertreter des Guvernrs fr mich ausgewhlt hatte, bemchtigten sich vier einiger Kleinigkeiten und eilten damit voraus, drei andere verbargen sich im Gebsch, vier waren schon in Luang davongelaufen. Das Gepck wurde auseinandergenommen, unter die zurckgeholten vier Trger und die zum Vergngen mitgegangenen kleinen Jungen vertheilt. Wir folgten dem Seestrand in westlicher Richtung und erreichten sehr versptet die nchsten Visitas, wo es dem Cura nach vieler Mhe gelang, die fehlenden Trger zu ersetzen. Westlich von der Mndung des Pambjan springt eine Landzunge in's Meer, ein Lieblingsaufenthalt der Seeruber, da sie dort im Walde verborgen, den Strand bersehen knnen, der sich zu beiden Seiten in weiten Bogen ausdehnt und die einzige Strasse zwischen Luang und Catrman bildet. Schon viele Menschen sind hier geraubt worden und nur mit genauer Noth war der mich bis hierher begleitende Pater vor einigen Wochen dieser Gefahr entgangen. Der letzte Theil der Tagereise verlief sehr munter. Ein vorausgesandter Bote hatte an allen Flussmndungen Khne stellen lassen; da man in diesem Gebiet kaum andre Europer kennt, als Geistliche, so wurde ich in der Dunkelheit fr einen Kapuziner im Reiseanzug gehalten, die Mnner leuchteten mir mit Fackeln bei der Ueberfahrt, die Frauen drngten sich heran um mir die Hand zu kssen. Ich bernachtete unterwegs und gelangte am folgenden Tage nach Catrman (Caladman auf Coellos Karte), einem reinlichen, gerumigen Ort von 6358 Seelen, an der Mndung des gleichnamigen Flusses. Sechs Pontins aus Catbalgan lagen dort um Reis fr Alby zu laden. Die Bewohner der Nordkste sind zu schlechte Seefahrer, um ihre Produkte selbst auszufhren; sie berlassen es den Leuten aus Catbalgan, die, weil es ihnen an Reisfeldern mangelt, gezwungen sind, ihre Thtigkeit auf anderen Gebieten zu entfalten. Frher mndete der Fluss von Catrman weiter stlich und war sehr verschlmmt. Im Jahre 1851 bahnte er sich in dem lockeren, aus Quarzsand und Muscheltrmmern bestehenden Boden nach anhaltendem, heftigen Regen einen neuen, krzeren Ausgang zum Meer, den jetzigen Hafen, in welchem Schiffe von 200 Tonnen unmittelbar am Lande laden knnen, zerstrte aber dabei den grssten Theil des Dorfes, auch die steinerne Kirche und Priesterwohnung. In dem neuen Convento sind zwei Sle, der eine von 16,28,8, der andre von 97,6 Schritt Inhalt, mit Brettern aus einem einzigen Ast eines Dipterocarpus (guiso) gedielt. Den Schritt = 30 Zoll, die Dicke der Bretter mit Inbegriff der Abflle zu einem Zoll angenommen, entspricht dies einem festen Holzblock, so hoch wie ein Tisch (2 1/2'), ebenso breit und 18' lang, etwa 110 Cubikfuss. [196] Die Huser sind von Grten umgeben, zum Theil auch nur von Einzunungen, in denen Unkraut wuchert. Bei dem Neubau des Dorfes nach der grossen Wasserfluth wurde die Anlage von Grten befohlen; es fehlt aber oft der Fleiss, sie zu erhalten. Sdlich vom Dorf dehnen sich Weidepltze aus, mit feinem kurzem Grase bewachsen, doch ist mit Ausnahme einiger dem Cura gehrenden Rinder und Schafe, kein Vieh vorhanden. Immer noch ohne Diener, fuhr ich mit meinem Gepck in zwei kleinen Khnen den Fluss hinauf, an dessen beiden Seiten sich Reisfelder und Kokoshaine ausbreiten, die aber, durch einen dichten Saum von Nipapalmen und hohem Rohr verborgen, nur durch gelegentliche Lcken sichtbar sind. Die zuerst flachen, sandigen Ufer werden allmlig steiler, bald zeigt sich anstehendes Gestein, feste Bnke von sandigem Thon, mit seltenen Spuren undeutlicher Versteinerungen. Eine kleine Muschel [197] hat an der Wassergrenze so zahlreiche Lcher in die Thonbnke gebohrt, dass diese wie Honigwaben aussehn. Um 12 kochten wir unsern Reis in einer einzeln stehenden Htte bei freundlichen Leuten. Die Frauen, die wir in zerlumpten, schwarzen Guinragewndern berraschten, zogen sich beschmt zurck und erschienen bald darauf in sauberen bunten Sayas, messingenen Ohrringen und Schildkrtenkmmen. Als ich ein kleines nacktes Mdchen zeichnete, nthigte die Mutter sie ein Hemd anzuziehn. Um 2 bestiegen wir die Boote wieder, ruderten die ganze Nacht und erreichten um 9 Vormittags eine kleine Visita, Cobocbo. Nach Abzug der zweistndigen Mittagsrast hatten die Leute 24 Stunden ununterbrochen gearbeitet und waren guter Dinge, wenn auch etwas mde. Um 2 1/2 Uhr traten wir den Landweg ber die Salta Sangley (Chinesensprung) nach Tragbcan an, welches in gerader Richtung etwa eine Meile entfernt, an der Stelle liegt, wo der an der Westkste bei Punta Hibton mndende Calbyot fr Nachen schiffbar wird. Mittelst dieser beiden Flsse und des kurzen aber beschwerlichen Landwegs besteht eine Verbindung zwischen den bedeutenden Ortschaften Catrman an der Nordkste und Calbyot an der Westkste. Der Landweg, im besten Falle ein schmaler, von der Sonne nicht beschienener Pfad im dichten Walde, oft nur eine Richtung, fhrt ber schlpfrige Thonrcken, verschwindet in den Schlammpftzen der dazwischen liegenden Niederungen und luft zuweilen im Bett der Bche hin. Die Wasserscheide zwischen dem Catrman und Calbyot wird von der genannten Salta Sangley, einem flachen, aus Thon- und Sandsteinbnken bestehenden, nach beiden Seiten treppenfrmig absteigenden Rcken gebildet, von der das oben angesammelte Wasser in kleinen Kaskaden herabfllt. An den schwierigsten Stellen sind rohe Bambusleitern angebracht. Ich zhlte 15 Bche auf der NO. Seite, die den Catrman speisen und etwa ebenso viele Zuflsse des Calbyot auf der SW. Seite. Um 5 Uhr 40 Minuten erreichten wir den hchsten Punkt der Salta Sangley (etwa 90' Meereshhe). Um 6 Uhr 30 Minuten einen Fluss, den oberen Lauf des Calbyot, in dessen Bett wir wanderten, bis die zunehmende Tiefe uns zwang, im Dunkeln unsern Weg mhsam durch das Unterholz an seinem Rande zu bahnen; um 8 Uhr befanden wir uns der Visita Tragbcan gegenber. Der Fluss war hier bereits 6 Fuss tief, ein Nachen nicht vorhanden. Nach langem Rufen, Bitten und Drohen entschlossen sich die durch einen Revolverschuss aus dem Schlafe geschreckten Leute ein Bambusfloss zu bauen, auf dem sie uns und unser Gepck bersetzten. Das nur aus wenigen rmlichen Htten bestehende Oertchen liegt hbsch, von bewaldeten Hgeln umgeben, auf einer Sandplatte 50 Fuss ber dem schilfbesumten Fluss. Dank der Rhrigkeit des mich begleitenden Teniente von Catrman war in aller Frhe ein Boot herbeigeschafft worden, so dass wir um 7 Uhr die Reise fortsetzen konnten. Die Ufer blieben 20 bis 40 Fuss hoch. Ausgenommen das Schreien einiger Nashornvgel, die auf den hchsten Bumen von Ast zu Ast flatterten, nahmen wir keinen Laut, keine Spur von Thierleben wahr. Um 11 1/2 Uhr gelangten wir an eine kleine Visita, Taibgo, um 1 Uhr 35 Minuten an eine hnliche, Maguby, und nach zweistndiger Mittagsrast, um 5 Uhr an eine Stromschnelle, die wir geschickt, fast ohne Wasser zu schpfen, hinabglitten. Der bisher im Mittel 30 Fuss breite, wegen vieler hineingestrzter Baumstmme schwierig zu befahrende Fluss wird hier doppelt so breit. Gegen 11 Uhr Nachts erreichten wir das Meer und ruderten bei vlliger Windstille 1 Legua weit die Kste entlang nach Calbyot, dessen Convento eine herrliche Aussicht auf die davorliegenden Inseln gewhrt. Ein Gewittersturm zwang uns, die Fahrt nach der 7 Leguas entfernten Hauptstadt Catbalgan (oder Catbalnga) auf den Nachmittag zu verschieben. Wir fuhren in einem langen, aus einem Baumstamme gezimmerten, mit Ausriggern versehenen Boote am Strande hin, an welchem sich eine Reihe niedriger bewaldeter Hgel mit vielen kleinen Visitas hinzieht, und umschifften mit einbrechender Dunkelheit die Spitze Napalsan, einen Felsen aus trachytischem Konglomerat, der durch senkrechte Klfte mit abgerundeten Kanten in eine Reihe thurmartiger Vorsprnge gegliedert, 60 Fuss hoch wie eine Ritterburg aus dem Meere hervorragt. Nachts erreichten wir Catbalgan, die Hauptstadt der Insel (6000 E.) in der Mitte des Westrandes gelegen, in einer kleinen von Eilanden und Landzungen malerisch umgebenen Bucht, schwer zugnglich und dennoch wenig geschtzt. -- Nicht Ein Fahrzeug ankerte im Hafen. Die Huser, darunter viele von Brettern, sind zierlicher als in Camarnes, die Leute zwar trge, aber bescheidener, ehrlicher, gutmthiger und von reineren Sitten als die Bewohner Sd-Luzon's. Durch die gefllige Verwendung des Guvernrs erhielt ich schnell eine gerumige Wohnung und einen Diener, der Spanisch verstand. Auch traf ich hier einen sehr intelligenten Indier, der sich grosse Fertigkeit in den verschiedensten Handwerken angeeignet hatte. Mit dem einfachsten Werkzeug besserte er manches an meinen Instrumenten und Apparaten, deren Zweck er schnell begriff, zur vollstndigen Zufriedenheit aus und gab viele Proben bedeutender geistiger Fhigkeit. In Samar sind Flattermakis oder Lemure, Kguang der Bisayer, Galeopithecus, nicht selten. Die Thiere, von der Grsse einer Hauskatze, gehren zu den Vierhndern, sind aber, hnlich wie die fliegenden Eichhrnchen, mit einer am Halse entspringenden, ber Vorder-, Hinterglieder und Schwanz reichenden Flatterhaut versehn, vermittelst welcher sie von einem Baum zum andern in einem sehr stumpfen Winkel gleiten knnen. [198] Krper und Flatterhaut sind mit einem sehr zarten kurzen Pelz bekleidet, der dem Chinchilla an Feinheit und Weiche wohl kaum nachsteht, und deshalb sehr gesucht ist. Whrend meiner Anwesenheit trafen zum Geschenk fr den Pfarrer sechs lebende Kguangs ein (drei hellgraue, ein dunkelbrauner, zwei graubraune, alle mit kleinen weissen unregelmssig vertheilten Flecken), von denen ich ein Weibchen mit ihrem Jungen erhielt. Es schien ein harmloses ungeschicktes Thier. Als es von seinen Fesseln befreit war, blieb es am Boden liegen, alle vier Glieder von sich gestreckt, die Erde mit dem Bauch berhrend und hpfte dann in kurzen schwerflligen Sprngen, ohne sich dabei emporzurichten, nach der nchsten Wand, die aus gehobelten Brettern bestand. Dort angekommen tastete es lange mit den einwrts gebogenen scharfen Krallen seiner Vorderhnde umher, bis ihm endlich die Unmglichkeit an jener Stelle emporzuklettern klar geworden. Gelang es ihm in einer Ecke oder mit Benutzung einer gelegentlichen Spalte, einige Fuss aufwrts zu klimmen, so fiel es alsbald wieder herab, weil es die verhltnissmssig sichere Stellung seiner Hinterglieder aufgab, bevor die Krallen der vorderen festen Halt gefunden hatten; es nahm aber keinen Schaden, da die Jhheit des Falles durch die schnell ausgespannte Flughaut gebrochen wurde. Diese mit unerschtterlicher Beharrlichkeit fortgesetzten Versuche zeigten einen auffallenden Mangel an Urtheil, das Thier muthete sich viel mehr zu, als es ausfhren konnte; daher blieben seine Bemhungen erfolglos, stets aber fiel es ohne sich zu verletzen, Dank dem Fallschirm, womit die Natur es ausgestattet hatte. Wre der Kguang nicht gewhnt sich so ganz und gar auf diese bequeme Vorrichtung zu verlassen, so htte er wohl seinen Verstand mehr gebrauchen, seine Krfte richtiger beurtheilen gelernt. Das Thier hatte seine fruchtlosen Versuche so oft wiederholt, dass ich es nicht weiter beachtete, -- nach einiger Zeit war es verschwunden. Ich fand es in einem dunklen Winkel unter dem Dache wieder, wo es wahrscheinlich die Nacht erwarten wollte, um seine Flucht fortzusetzen. Offenbar war es ihm gelungen den oberen Rand der Bretterwand zu erreichen und zwischen dieser und der festaufliegenden elastischen Decke aus Bambusgeflecht seinen Krper durchzuzwngen. Das arme Geschpf, das ich voreilig fr dumm und ungeschickt gehalten, hatte unter den gegebenen Umstnden die grsstmgliche Geschicklichkeit, Klugheit und Beharrlichkeit gezeigt. Ein zum Besuch anwesender Padre aus Calbgan versprach mir so viele Wunder in seinem Gebiet, -- eine Flle der seltsamsten Thiere, hchst unzivilisirte Cimarronen, -- dass ich ihn am folgenden Tage auf seiner Heimreise begleitete. Eine Stunde nach der Abfahrt erreichten wir die kleine Insel Majva, die aus steil aufgerichteten Schichten eines festen, feinkrnigen vulkanischen Tuffes mit kleinen glnzenden Hornblendekrystallen besteht. Die Insel Buat (Coello's Karte) wird von unsern Schiffern Tubgan genannt. In 3 Stunden gelangen wir nach Umuas, einem Filial von Calbgan. Es liegt 50 Fuss ber dem Meer in einer Bucht, vor welcher sich, wie so oft an dieser Kste, eine Reihe kleiner malerischer Inseln hinzieht, 4 Leguas genau S. von Catbalgan. Calbgan aber, das wir gegen Abend erreichten, liegt von Reisfeldern umgeben 2 Leguas NNO. von Umuas, 40 Fuss hoch ber dem gleichnamigen Fluss, fast anderthalb Leguas von dessen Mndung. An den Ufern des Calbgan ist ein Baum mit schn violblauen Blthenrispen besonders hufig, er liefert das geschtzteste Bauholz der Philippinen, das dem Teak gleichgeachtet und wie dieses zu den Verbenaceen gehrt. Sein inlndischer Name ist Molave. (Vitex geniculata Blanco.) [199] Nach der Versicherung glaubwrdiger Mnner soll es in hiesiger Gegend Schlangenbndiger geben. Sie pfeifen die Schlangen angeblich aus ihren Schlupfwinkeln herbei, lassen sie nach ihrem Willen sich bewegen oder innehalten und hantiren sie nach Belieben, ohne von ihnen verletzt zu werden. Den berhmtesten derselben hatten aber die Seeruber vor Kurzem fortgeschleppt, ein zweiter war zu den Cimarronen in die Berge entwichen, ein dritter, dessen Ruf nicht recht begrndet schien, begleitete mich bei meinen Ausflgen, entsprach aber nicht den Schilderungen seiner Freunde. Zwei Giftschlangen [200], die wir unterwegs trafen, fing er, indem er sie geschickt, unmittelbar hinter dem Kopf packte, so dass sie wehrlos waren, und wenn er ihnen still zu liegen befahl, so setzte er ihnen zuvor den Fuss auf den Nacken. Ich verletzte mir auf der Jagd, an einem im Schlamm verborgenen spitzen Ast, den Fuss so erheblich, dass ich unverrichteter Sache nach Catbalgan zurckkehren musste. Die Bewohner von Calbgan gelten fr thtiger und umsichtiger als die brigen der Westkste, auch ihre Ehrlichkeit wird gerhmt. Ich fand sie sehr anstellig, das Sammeln und Zubereiten von Pflanzen und Thieren schien ihnen Freude zu machen, gern htte ich einen Diener von hier mitgenommen; sie trennen sich aber so schwer von ihrem Dorf, dass alle Bemhungen des Pfarrers, einen zur Mitreise zu bewegen, erfolglos blieben. In geringer Entfernung NW. von Catbalgan gewahrt man bei Ebbe in weniger als 2 Faden Tiefe einen der ppigsten Korallengrten. Auf einem bunten Teppich von Kalkpolypen und Schwmmen erheben sich wie Staudengewchse Gruppen von lederartigen, fingerdicken Stielen, deren oberes Ende dicht mit Polypen besetzt ist (Sarcophyton pulmo Esp.), die ihre in den schnsten Farben schillernden Tentakelrosen weit geffnet haben, so dass sie wie Blumen in voller Blthe erscheinen. Sehr grosse Serpeln strecken aus ihren Kalkrhren zierliche rothe, blaue und gelbe Fhlerkronen heraus, dazwischen wuchern fein gefiederte Plumularien; kleine Fische von wunderbar prchtigen Farben tummeln sich in diesen Nixengrten. Nachdem Strme und die Flucht meines Dieners, der das ihm anvertraute Geld beim Hahnenkampf verspielt hatte, mich einige Tage in der Hauptstadt aufgehalten, fuhr ich die Bucht hinauf, die sich im S. von Catbalgan, WO. bis Parnas erstreckt. Der Nordrand derselben besteht aus NS. streichenden, gleich hohen, regelmssigen, von W. sanft ansteigenden, nach O. steil abfallenden Erdwogen, die gegen das Meer scharf abschneiden; 9 kleine Drfchen liegen an dieser Kste zwischen Catbalgan und Parnas, sie ziehn sich unter Kokos- und Betelpalmen in vereinzelten Husergruppen von den Mulden aus die westlichen, sanften Abhnge hinauf und endigen, indem sie den Gipfel erreichen, mit einem kleinen Castillo, das schwerlich Schutz gegen die Seeruber, aber fast immer einen hbschen landschaftlichen Punkt gewhrt. Vor dem Sdrande der Bucht und nach SW. hin sieht man viele kleine Inseln und bewaldete Felsen, im Hintergrunde die Berge von Leyte, sich zu immer wechselnden Veduten verschieben. Da die Leute bei schwler Hitze, vlliger Windstille und fast wolkenlosem Himmel beinahe so viel schliefen als ruderten, so erreichten wir erst Nachmittags Parnas, ein sauberes zwischen 20 und 150 Fuss Meereshhe an einem Abhang gelegenes Dorf. Die am Meere senkrechten Wnde bestehn aus grauen gegen das Land einfallenden Thonbnken, und werden berlagert von einer Schicht Muscheltrmmer, deren Zwischenrume mit Thon ausgefllt sind; ber dieser liegt eine festere, durch Kalk verkittete Breccie, aus eben solchen Bruchstcken bestehend. In den Thonbnken finden sich wohlerhaltene Versteinerungen, in Farbe, Habitus, und Vorkommen manchen deutschen Tertirbildungen zum Verwechseln hnlich; die Breccien sind gleichfalls fossil, vielleicht auch tertir; jedenfalls liess sich die Identitt der wenigen darin erkennbaren Cerithien, Pecten und Venus mit lebenden Arten nicht feststellen. [201] Am folgenden Morgen fuhr ich nrdlich in einem schmalen Kanal durch einen stinkenden Rhizophorensumpf und setzte dann die Reise zu Lande nach einem kleinen, im Walde gelegenen Drfchen Loquilcun fort. Halbwegs durchfurtheten wir einen 20' breiten, OW. strmenden Fluss, mit steilen durch Leitern zugnglich gemachten Uferwnden. Da ich noch immer lahmte (Fusswunden heilen sehr schwer in heissen Lndern), liess ich mich einen Theil des Weges auf landesbliche Weise tragen: der Reisende liegt in einer an einem Bambusrahmen befestigten Hngematte; eine III versinnlicht die Vorrichtung: der mittlere Strich stellt die Hngematte, der Rest den Rahmen dar, dessen hervorragende Enden vier rstige Polistas auf die Schultern nehmen. Etwa alle zehn Minuten werden die Trger durch andre abgelst. Zum Schutz gegen Sonne und Regen ist der Rahmen mit einem leichten Pandanusdach versehn. Die Wege, die man nach Analogie von Unmensch und Unwetter Unwege nennen knnte, waren ziemlich so schlecht, wie die bei der Salta-Sangley; mit Ausnahme des zuweilen bequemen Seestrandes scheinen in Samar keine bessere vorhanden. Nach 3 Stunden gelangten wir an den Loquilcun, der von Norden kommend, dort seinen sdlichsten Punkt erreicht, dann NO. dem grossen Ozean zufliesst. Ich fand hier durch die liebenswrdige Frsorge des Guvernrs zwei kleine Nachen bereit, die durch je zwei in den ussersten Spitzen hockende Mnner mit bewundernswrdiger Gewandtheit getrieben zwischen den Baumstmmen und Felsen im Bett des reissenden Bergstromes durchschlpften. Unter lautem Jauchzen glitten beide Khne einen 1 1/2 Fuss hohen Fall hinab, ohne Wasser zu schpfen. Das Drfchen Loquilcun liegt in drei Husergruppen auf drei Hgeln. Die Bewohner waren sehr freundlich, gefllig, bescheiden und so erfolgreich im Sammeln, dass mein mitgefhrter Weingeist schnell verbraucht war; in Catbalgan konnten meine Boten nur einige Flaschen auftreiben, und meine eignen Vorrthe waren durch ungeschickte Zuvorkommenheit eines zu geflligen Freundes in falscher Richtung gesandt, und erreichten mich erst nach Monaten wieder; der in Samar kufliche Palmenwein war zu schwach. Tglich fuhren ein oder zwei Nachen aus, um fr mich zu fischen, doch erhielt ich nur wenige Individuen, die fast ebenso vielen Arten und Gattungen angehrten. Wahrscheinlich hat der Missbrauch, die Fische durch Vergiftung des Wassers zu tdten (es wird hier die zerklopfte Frucht einer Barringtonia dazu verwendet) den Fluss so fischleer gemacht. Nach einigen Tagen verliessen wir das Oertchen um 9 Uhr 30 Minuten Vormittags, enggepackt in zwei kleinen Nachen, und waren, als wir um 1 Uhr 7 Minuten Dini, eine bewohnte Htte im Walde erreichten, ber 40 Stromschnellen von 1 bis 1 1/2 Fuss und mehr Tiefe hinabgestiegen. Die bedeutendsten derselben haben Namen, die auf der Coelloschen Karte richtig angegeben sind. Folgendes sind ihre Abstnde nach der Uhr: 10 Uhr enge Felsenschlucht, an deren Ende das Wasser mehrere Fuss tief in ein grsseres Becken strzt. Die Khne, die bisher mit wunderbarer Geschicklichkeit, wie gewandte Pferde zwischen allen Hindernissen des Flussbettes und ber alle Sprudel und Schwellen, fast ohne Wasser zu schpfen, geglitten, werden ausgeladen, es bleiben nur 2 Mann in jedem Nachen zurck, die laut jauchzend hinabschiessen, wobei sich die Khne bis an den Rand fllen. Dem Wasserfall gegenber war eine Schuttbank angeschwemmt, in welcher sich, ausser Trmmern des anstehenden Gesteins, sehr abgeschliffene Gerlle von Porphyr und Jaspis, auch einige Stcke Kohle mit vielem Schwefelkies fanden, die wohl zur Regenzeit weiter oberhalb in den Fluss gelangen; ihr Ursprung war den Schiffern unbekannt. -- 11 Uhr 56 Minuten bis 12 Uhr: ununterbrochene Reihe von Schnellen, die mit grsster Gewandtheit, ohne Wasser zu schpfen, berwunden wurden. Etwas tiefer, um 12 Uhr 3 Minuten nahmen wir so viel Wasser ein, dass wir landen und ausschpfen mussten. Um 12 Uhr 15 Minuten die Fahrt fortgesetzt, der Fluss war nun durchschnittlich 60 Fuss breit. Im Waldrande machen sich eine kaum 10' hohe, schlanke Palme durch ihre Hufigkeit und viele Phalaenopsis durch seltene Blthenpracht bemerklich. Weder Vgel noch Affen noch Schlangen wurden wahrgenommen, doch sollen grosse, bis schenkeldicke Python nicht selten sein. Um 12 Uhr 36 Minuten gelangten wir an eine der schwierigsten Stellen, eine Reihe von Schwellen mit vielen aus dem Wasser aufragenden Felsen, zwischen welchen die in vollem Schuss befindlichen Nachen mit schnellen Wendungen glcklich durchschlpfen. Das Wagstck wurde von beiden Mannschaften mit gleicher Meisterschaft unter usserster Anspannung ihrer Krfte ausgefhrt. -- 1 Uhr 17 Minuten Ankunft bei Dini, dem bedeutendsten Wasserfall der ganzen Strecke. Hier mussten die Khne mit Zuhlfenahme der von den hohen Waldbumen wie Taue herabhngenden Lianen aus dem Wasser gezogen und ber die Felsen geschleppt werden. -- 2 Uhr 21 Minuten Fortsetzung der Reise. -- 2 Uhr 28 Minuten bis 2 Uhr 30 Minuten eine unregelmssige, aus vielen Stufen gebildete Treppe hinabgestiegen, viel Wasser geschpft. Bisher floss der Loquilcun in einem Felsenbett mit meist steilen Ufern, zuweilen auf lange Strecken unter einem dichten Laubgewlbe, von welchem mchtige Ranken und mehr als Klafter lange zierliche Farne herabhingen. Hier ffnet sich die Gegend etwas; es zeigen sich flache Hgel mit niedrigem Gebsch, im NW. hhere bewaldete Berge. Whrend der letzten zwei Stunden von einem Sturzregen begleitet, erreichen wir um 5 Uhr 30 Minuten ein einzelnes Haus mit freundlichen Leuten, wo Nachtquartier gemacht wird. Am folgenden Morgen wurde die Fahrt stromabwrts fortgesetzt. Nach 10 Minuten glitten wir den letzten Wasserfall hinunter, zwischen weissen marmorartigen mit herrlichstem Pflanzenwuchs beladenen Kalkfelsen. Ganze Aeste voll Phalaenopsis (P. Aphrodite Reichb. fls.) ragten ber den Fluss; wie grosse prchtige Schmetterlinge schwebten ihre Blthen ber der schumenden Fluth. Zwei Stunden spter ist der Strom 200' breit geworden und schleicht, nachdem er von Loquilcun eine 50 Meter hohe Treppe herabgesprungen, in gemchlichen Windungen durch flaches Schwemmland der Ostkste zu, ein breites Aestuar bildend, an dessen rechtem Ufer, eine halbe Legua vom Meer entfernt, die Ortschaft Jubsan oder Parc (2300 Seelen) liegt; sie giebt dem untern Lauf des Stromes ihren Namen. Hier verliessen mich die trefflichen Mnner von Loquilcun, um die sehr beschwerliche Rckfahrt anzutreten. Durch Sturm aufgehalten konnte ich mich erst am folgenden Tage nach Tbig (2858 E.), sdlich von Parc, einschiffen. Immer noch an anstrengenden Mrschen verhindert, fuhr ich im Ruderboot die Kste entlang von Tbig nach Borngan (7685 E.), bei dessen eben so intelligentem als geflligen Pfarrer ich einige Tage verweilte, und setzte dann die Fahrt nach Guuan (auch Guiuang, Guiguan) fort, der bedeutendsten Ortschaft Samars (10781 E.), auf einer schmalen von der SO. Spitze der Insel ins Meer ragenden Landzunge gelegen. Dicht am Strande bricht bei letzterem Ort aus fnf bis sechs Oeffnungen eine wasserreiche, schwach nach Schwefelwasserstoff riechende Quelle aus, die whrend der Fluth vom Meer bedeckt, bei Ebbe frei liegt, so dass sie dann kaum merklich salzig schmeckt. Zur Untersuchung des Wassers wurde durch Einsenken eines hohen bodenlosen Topfes ein Brunnen geschaffen und nachdem das Wasser eine halbe Stunde lang bergeflossen, eine Probe genommen, die leider spter abhanden kam. Wrme des Quellwassers 8 Uhr Vorm.: 277., der Luft: 287, des Meerwassers: 312 C. Die Quelle dient den Frauen zum Frben ihrer Sarongs. Die mit dem Absud einer gerbestoffreichen Rinde getrnkten Stoffe (Abaczeuge erhalten zuvor eine Kalkmilchbeize) werden, nachdem sie an der Sonne getrocknet, bei Ebbe in die Quelle gelegt, whrend der Fluth herausgenommen, getrocknet, in Rindenabsud getaucht und nass wieder in die Quelle gelegt; dies wird drei Tage lang wiederholt. Das Ergebniss ist ein dauerhaftes, aber hssliches Dintenschwarz (gallussaures Eisenoxyd). In Loquilcun und Borongan hatte ich Gelegenheit, zwei lebende Gespensterthiere [202] zu kaufen. Diese usserst zierlichen, seltsamen, zu den Halbaffen gehrenden Thierchen sollen, wie man in Luzon und Leyte versicherte, nur in Samar vorkommen und ausschliesslich von Holzkohle leben. Mein erster Mago musste anfnglich etwas hungern, denn Pflanzenkost verschmhte er, in Bezug auf Insekten war er whlerisch; lebende Heuschrecken frass er mit grossem Behagen. [203] Es sah usserst drollig aus, wie das Thier, wenn es bei Tage gefttert wurde, aufrecht stehend, auf seine beiden dnnen Beine und den kahlen Schwanz gesttzt, den grossen kugelrunden, mit gewaltigen gelben Uhuaugen versehenen Kopf nach allen Richtungen bewegte, wie eine Blendlaterne auf einem Statif mit Kugelgelenk. Nur allmlig gelang es ihm, seine Augen auf den dargebotenen Gegenstand richtig einzustellen; hatte es ihn aber endlich wahrgenommen, so reckte es pltzlich beide Aermchen seitwrts, etwas nach hinten aus, wie ein Kind, das sich freut, griff schnell zu, mit Hnden und Maul zugleich, und verzehrte bedchtig die Beute. Bei Tage war der Mago schlfrig, bldsichtig, und wenn man ihn strte, mrrisch; mit abnehmendem Tageslicht erweiterte sich seine Pupille, Nachts bewegte er sich lebhaft und behend mit geruschlosen schnellen Sprngen, am liebsten seitwrts. Er wurde bald zahm, starb aber leider nach einigen Wochen. Das zweite Thierchen am Leben zu erhalten, gelang mir auch nur kurze Zeit. ZWANZIGSTES KAPITEL REISEN IN SAMAR, FORTSETZUNG. -- SDSEE-INSULANER DURCH STRME VERSCHLAGEN. -- TODTENHHLEN UND LEICHENBESTATTUNG DER ALTEN BISAYER. -- KROKODILE. -- IGNAZBOHNE. -- KOKOSL. In Guuan erhielt ich Besuch von Mikronesiern, die seit vierzehn Tagen beschftigt waren, bei Sulngan auf der schmalen Landzunge SO. von Guiuan nach Perlmuscheln zu tauchen, und eigens zu dem Zweck die gefahrvolle Reise unternommen hatten. [204] Sie waren aus Uleai (Uliai 720 N. 14357 O. Gr.) in fnf Booten, jedes mit 9 Mann Besatzung ausgelaufen, jedes Boot enthielt 40 Krbis voll Wasser, Kokosnsse und Bataten. Jeder Mann bekam tglich eine Kokosnuss und zwei in der Asche der Kokosschalen gebackene Bataten. Sie fingen einige Fische unterwegs und sammelten Regenwasser auf. Bei Tage steuerten sie nach der Sonne, Nachts nach den Sternen. Ein Sturm zerstreute die Boote. Zwei derselben gingen sammt der Mannschaft vor den Augen der Uebrigen zu Grunde, nur eines, wahrscheinlich das einzige gerettete, erreichte zwei Wochen nach der Abfahrt Tandag an der Ostkste von Mindanao. In Tandag blieben die Leute zwei Wochen, verrichteten Feldarbeit fr Tagelohn und fuhren dann nordwrts die Kste entlang nach Cntilang 825' N., Banuan (bei Coello irrthmlich Bancuan) 91' N., Taganan 925' N., von da nach Surigo an der Nordspitze von Mindano und dann mit Ostwind in zwei Tagen gerade aus nach Guuan. In der deutschen Uebersetzung von Capt. Salmon's Historie der orientalischen Inseln ... Altona 1733 heisst es Seite 63: Man hat neuerlicher Zeit noch etliche andere Inseln Ostwerts von den Philippinischen entdecket und selbigen den Namen der neuen Philippinischen beigeleget, weil sie in der Nachbarschaft der alten und bereits beschriebenen liegen. Der Pater Clan (Clain) giebet in einem Brief aus Manila, welcher den Philosophical transactions ist einverleibet worden, folgenden Bericht von denselben: Es trug sich zu, als er in der Stadt Guivam auf der Insel Samar war, dass er daselbst 29 Palaos (es waren 30, einer starb bald darauf in Guiuan) oder Einwohner von gewissen erst neulich entdeckten Inseln antraff, welche von den stlichen Winden, welche hier vom December bis an den Majum wehen, dahin waren verschlagen worden. Sie hatten 70 Tage lang nach ihrem Bericht vor dem Winde geseegelt, ohne einiges Land in's Gesicht zu bekommen, bis sie vor Guivam angelndet waren. Als sie aus ihrem Vaterlande geseegelt, waren ihrer zwey Boote gestopft voll, und mit ihren Weibern und Kindern, in allen 35 Seelen gewesen: unterschiedliche aber waren von dem unter Weges erlittenen Ungemach crepiret. Als einer von Guivam zu ihnen an Bord kommen wolte, wurden sie in eine solche Angst gesetzet, dass alle Kerls, die in dem einen Fahrzeug waren, mit ihren Weibern und Kindern ber Bord sprungen. Wiewohl sie doch zuletzt am besten zu seyn befunden in den Hafen einzulaufen, so dass sie den 28. Decembris 1696 ans Land kamen. Sie assen Cocusnsse und Wurzeln; welche ihnen mildiglich zugetragen, und geschenckt wurden: aber den gekochten Reis, die allgemeine Speise der asiatischen Vlcker, wollen sie gar nicht einmal kosten. Zwo Weiber welche vormals aus denselben Inseln dahin verschlagen waren, dieneten ihnen zu Dollmetscherinnen .... ... Die Leute des Landes gehen halb nacket und die Mnner schildern (malen) ihre Leiber mit Flecken und machen allerhand Figuren darauf ... So lange sie auf der See waren, lebten sie von Fischen welche sie in einer gewissen Art von Fischkrben fiengen, die einen weiten Mund hatten, unten aber spitz zuliefen und hinter ihren Booten hergeschleppt wurden. Das Regenwasser so sie etwa auffingen (oder wie in dem Brief selber stehet, in den Schalen der Cocusnsse aufhuben) diente ihnen zum Getrnk. Als sie vor den Pater sollten gebracht werden, welchen sie wegen der Hochachtung, die man ihm erwiess, fr den Gouverneur hielten, frbeten sie ihren Leib ganz gelb, welches sie fr den grssten Staat halten in welchem sie fr ansehnlichen Leuten erscheinen knnen. Im Tauchen sind sie sehr erfahren und finden unterweilen Perln in den Muscheln, die sie herauf bringen, welche sie aber als unntze Dinge wegwerfen. Eine der wichtigsten Stellen in Pater Clains Brief hat Capt. Salmon ausgelassen: Der lteste dieser Fremdlinge war schon einmal an die Kste der Provinz Caragan auf einer unserer Inseln (Mindanao) geworfen worden, da er aber nur Unglubige gefunden hatte, die in den Bergen und auf dem den Strande wohnen, war er in sein Vaterland zurckgekehrt. In einem Briefe des Pater Cantova an den Pater d'Aubenton, Agdana (d. h. Agaa, Mariannen) 20. Mrz 1722, der die Carolinen- und Palosinseln beschreibt, heisst es: das vierte Gebiet liegt westlich. Yap (9 25' N. 1381' O. Gr.) [205] welches die Hauptinsel ist, hat ber 40 Leguas Umfang ... Ausser den verschiedenen Wurzeln, die bei den Eingeborenen der Insel die Stelle des Brodes vertreten, findet man Bataten, welche sie Camotes nennen und welche sie von den Philippinen erhalten haben, wie mir einer von unseren Carolinen-Indiern mittheilt, der von dieser Insel gebrtig ist. Er erzhlt, dass sein Vater, Namens Coorr ... drei seiner Brder und er selbst durch den Sturm nach einer der Provinzen in den Philippinen verschlagen wurden, welche man Bisayas nennt, dass ein Missionr unserer Gesellschaft (Jesu) sie freundlich aufnahm ... dass sie nach ihrer Insel zurckkehrend, Samen verschiedener Pflanzen dahin brachten, unter andern Bataten, die sich so sehr vermehrten, dass sie genug hatten, um die andern Inseln dieses Archipels damit zu versehn ... Murillo Velarde (f. 378) erwhnt, dass 1708 einige vom Winde verschlagene Palos in Palapag (Nordkste von Samar) ankamen. Ich hatte spter Gelegenheit in Manila eine Gesellschaft von Palos und Carolinen-Insulanern zu photographiren, die ein Jahr zuvor durch Strme an die Kste von Samar geworfen worden waren. Dies sind, abgesehn von der freiwilligen Reise, sechs ungesucht sich darbietende Beispiele von Mikronesiern, die nach den Philippinen verschlagen wurden. Es wrde vielleicht nicht schwer sein noch mehrere aufzufinden, aber wie oft mgen vor und nach Ankunft der Spanier Fahrzeuge von jenen Inseln in den Bereich der NO. Strme gerathen und von diesen unwiderstehlich an die Ostksten der Philippinen getrieben worden sein, ohne dass die Kunde davon aufbewahrt blieb. [206] Wie am Westrande des Archipels der lange Verkehr mit China, Japan, Hinterindien und spter mit Europa den Typus der Rasse beeinflusst zu haben scheint, so mgen wohl auch am Ostrande polynesische Beziehungen in hnlicher Weise gewirkt haben. Auch der Umstand, dass die Bewohner der Ladronen [207] und die Bisayer [208] die Kunst besassen ihre Zhne schwarz zu frben, scheint auf frhen Verkehr der Bisayer und Polynesier zu deuten. [209] In Guiuan schiffte ich mich auf einem unangenehm schwankenden, offenen, nur mit einem drei mal drei Fuss grossen Sonnendach versehenen Boote nach Tacloban, der Hauptstadt von Leyte, ein. Ein Windstoss brachte uns in einige Gefahr, sonst hatten wir fortwhrend Windstille, so dass die ganze Strecke rudernd zurckgelegt werden musste. Die Fahrt war fr die durch kein Dach geschtzte Mannschaft sehr ermdend (Wrme in der Sonne 35R., des Wassers 25R.) und dauerte 31 Stunden, mit kleinen Unterbrechungen fr die Malzeiten; denn die Leute krzten freiwillig die Pausen ab, um bald nach Taclban zu kommen, das in lebhaftem Verkehr mit Manila steht und fr die an der unzugnglichen Ostkste lebenden Mnner den Reiz einer ppigen Hauptstadt hatte. Es ist fraglich, ob das Meer irgendwo eine Stelle von so eigenthmlicher Schnheit besplt, als die enge Strasse, die Samar von Leyte trennt. Nach Westen hin ist sie von steilen Tuffbnken eingefasst, die keine Mangrove-Smpfe an ihrem Rande dulden. Dort tritt der hohe Urwald in seiner ganzen Erhabenheit unmittelbar an den Strand, nur stellenweis von Kokoshainen unterbrochen, in deren scharf gezeichneten Schatten einzelne Htten liegen. Die dem Meer zugekehrten steileren Hgel und viele kleine Felseninseln sind mit Kastellen aus Korallenblcken gekrnt. Am stlichen Eingang der Enge besteht die Sdkste von Samar aus weissem, marmorartigen, wenn auch sehr jungem Kalk, der an vielen Stellen steile Klippen bildet. [210] Bei Nipa-Nipa, einem kleinen Weiler 2 Leguas O. von Basey, setzen sie im Meere fort, in einer Reihe malerischer, ber hundert Fuss hoher Felsen, die oben domfrmig abgerundet, dicht bewachsen, an der Basis ringsum vom Seewasser benagt, wie riesige Pilze aus der Fluth hervorragen. Es weht ber dieser Oertlichkeit ein eigenthmlicher Zauberhauch, dessen Wirkung auf den eingeborenen Schiffer um so mchtiger sein muss, wenn er den draussen vom Nordost gepeitschten Wogen glcklich entronnen, pltzlich diesen geschtzten stillen Ort erreicht. Kein Wunder, dass die fromme Einbildungskraft die Sttte mit Geistern bevlkerte. In den Hhlen dieser Felsen setzten die alten Pintados die Leichname ihrer Helden und Aeltesten bei in wohlverschlossenen Srgen, umgeben von den Gegenstnden, die ihnen im Leben am werthvollsten waren. Auch Sklaven wurden bei ihrem Begrbniss geopfert, damit es ihnen in der Schattenwelt nicht an Bedienung fehle. [211] Die zahlreichen Srge, Gerthschaften, Waffen und Geschmeide, welche diese Hhlen enthielten, waren durch Aberglauben geschtzt Jahrhunderte lang unangetastet geblieben. Kein Nachen wagte vorber zu fahren, ohne ein aus der heidnischen Zeit fortgeerbtes religises Zeremoniell gegen die Hhlengeister zu beobachten, die in dem Rufe standen, Unterlassungen durch Sturm und Schiffbruch zu bestrafen. Vor etwa 30 Jahren beschloss ein eifriger junger Geistlicher, dem diese heidnischen Gebruche ein Gruel waren, sie mit der Wurzel auszurotten. In mehreren Booten, wohlausgerstet mit Kreuzen, Fahnen, Heiligenbildern und allem beim Austreiben der Teufel bewhrten Apparat, unternahm er den Zug gegen die Geisterfelsen, die unter Musik, Gebeten und Knallfeuerwerk erklommen wurden. Nachdem zuvor ein ganzer Eimer voll Weihwasser zur Betubung der bsen Geister in die Hhle geschleudert worden, drang der unerschrockene Priester mit geflltem Kreuze ein, gefolgt von seinen durch das Beispiel angefeuerten Getreuen. Ein glnzender Sieg belohnte den wohlangelegten und muthig ausgefhrten Plan; die Srge wurden zertrmmert, die Gefsse zerschlagen, die Skelete in's Meer geworfen. Mit gleichem Erfolg wurden die brigen Hhlen erstrmt. Die Ursache des Aberglaubens ist nun zwar vernichtet, dieser selbst hat sich aber, wenn auch abgeschwcht, bis heut erhalten. Durch den Pfarrer von Basey erfuhr ich spter, dass in einem Felsen noch Ueberreste vorhanden seien, und einige Tage darauf berraschte mich der liebenswrdige Mann mit mehreren Schdeln und einem Kindersarg, die er von dort hatte bringen lassen. Trotz des grossen Ansehens, das er bei seinen Pfarrkindern genoss, hatte er doch seine ganze Beredsamkeit aufbieten mssen, um die muthigsten zu einem so khnen Wagstcke zu bewegen. Ein Boot mit 16 Ruderern bemannt war zu dem Zweck ausgerstet worden; mit weniger Mannschaft hatte man die Reise nicht zu unternehmen gewagt. Whrend der Heimfahrt brach ein Gewitter aus; die Schiffer betrachteten es als eine Strafe fr ihren Frevel und nur die Furcht, die Sache noch schlimmer zu machen, verhinderte sie, Sarg und Schdel in's Meer zu werfen. Zum Glck waren sie dem Lande nahe und ruderten mit aller Kraft demselben zu. Als sie angekommen waren, musste ich selbst die Gegenstnde aus dem Boote holen, da kein Eingeborener sie anrhren mochte. Trotzdem gelang es am folgenden Morgen einige entschlossene Leute zu finden, die mich nach den Hhlen begleiteten. In den beiden ersten, die wir untersuchten, fand sich nichts; eine dritte enthielt mehrere zertrmmerte Srge, einige Schdel, und Scherben von glasirtem, roh bemalten Steingut, es war aber nicht mglich auch nur zwei zusammengehrende Stcke zu finden. Ein enges Loch fhrte aus der grossen Hhle in einen dunklen, so kleinen Raum, dass man mit der brennenden Fackel kaum einige Sekunden hintereinander darin verweilen konnte. Dieser Umstand mag die Ursache gewesen sein, weshalb sich dort in einem sehr verrotteten, von Bohrwrmern zerfressenen Sarge ein wohl erhaltenes Skelet befand, oder eher eine Mumie, denn an vielen Stellen war das Gerippe noch mit ausgetrockneter Muskelfaser und Haut bekleidet. Es lag auf einer immer noch erkennbaren Pandanusmatte, unter dem Kopf ein mit Pflanzen ausgestopftes, mit Pandanusmatte berzogenes Kissen. Auch Reste von gewebten Stoffen waren noch vorhanden. Die Srge waren von dreierlei Gestalt, ohne alle Verzierungen. Die von der ersten Form aus vortrefflichem Molave-Holz (s. S. 196) zeigten keine Spur von Wurmstich oder Vermoderung, whrend die brigen bis zum Zerfallen zerstrt waren, die dritte Art, die hufigste, unterschied sich von der ersten nur durch weniger geschweifte Formen und schlechtes Material. Kein Mrchen htte eine verzauberte Knigsgruft mit einem passenderen Zugang ausstatten knnen, als den zur letzten dieser Hhlen: mit senkrechten Marmorwnden erhebt sich der Felsen aus dem Meer; nur an einer Stelle gewahrt man die kaum zwei Fuss hohe Oeffnung eines natrlichen Stollens, durch welchen der Nachen pltzlich in einen gerumigen, fast kreisrunden, vom Himmel berwlbten Hof gelangt, dessen vom Meer bedeckten Boden ein Korallengarten schmckt. Die steilen Wnde sind dicht mit Lianen, Farnen und Orchideen behangen, vermittelst deren man zur Hhle, 60 Fuss ber dem Wasserspiegel emporklimmt. Um die Situation noch mrchenhafter zu machen, fanden wir gleich beim Eintritt in die Grotte auf einem grossen 2 Fuss ber den Boden ragenden Felsblock eine Seeschlange, die uns ruhig anstarrte, aber getdtet werden musste, weil sie wie alle chte Seeschlangen giftig war. Schon zweimal hatte ich dieselbe Art in Felsenritzen im Trockenen gefunden, wo sie die Ebbe zurckgelassen haben mochte; auffallend war es aber sie hier in solcher Meereshhe anzutreffen. -- Jetzt ruht sie, als Platurus fasciatus Daud., im zoologischen Museum der Berliner Universitt. In Guuan hatte ich Gelegenheit, vier aus solcher Hhle stammende reich bemalte chinesische Schsseln zu kaufen und einen goldenen Ring zu zeichnen; er bestand aus dnnem Goldblech, das zuerst zu einer Rhre mit klaffender Naht von der Dicke eines Federkiels, dann zu einem nicht vllig schliessenden Reifen von Thalergrsse zusammengebogen war. Die Schsseln wurden in Manila gestohlen. Aehnliche Todtenhhlen befinden sich noch an manchen andern Orten in dieser Gegend: auf der Insel Andog bei Borongan (bis vor Kurzem enthielt sie Schdel); auch bei Batinguitan 3 Stunden von Borongan an den Ufern eines kleinen Baches; bei Guuan auf der kleinen, wegen der strmischen See schwer zugnglichen Insel Monhon. -- Bei Catbig sind goldene Geschmeide gefunden, aber in moderne Schmucksachen umgearbeitet worden. In der ganzen Gegend berhmt ist jedoch eine Hhle bei Lnang wegen der darin enthaltenen flachgedrckten Riesenschdel ohne Kopfnhte. [212] [213] Es wird nicht uninteressant sein die geschilderten Verhltnisse mit den Berichten lterer Schriftsteller zu vergleichen, weshalb hier einige Auszge folgen mgen: Mas (Informe I. 21) beschreibt ohne Quellenangabe die von den alten Bewohnern des Archipels bei der Todtenbestattung befolgten Gebruche: sie balsamirten ihre Todten zuweilen mit aromatischen Stoffen ein ... und legten die Vornehmen in eine Kiste, die aus einem ausgehhlten Baumstamme mit gut zugepasstem Deckel bestand.... Der Sarg wurde nach dem von dem Verstorbenen vor seinem Dahinscheiden ausgesprochenen Willen entweder in den obersten Raum des Hauses, wo sie Sachen von Werth verbargen, oder unter dem Wohnhause in eine Art Gruft gestellt, die nicht zugedeckt, aber mit einem Gitter umgeben wurde; oder in ein abgelegenes Feld, oder auf einen erhabenen Ort oder Felsen am Ufer eines Flusses, auf dass er von den Frommen verehrt werde. Sie stellten eine Wache dabei auf, damit whrend einer gewissen Zeit kein Boot vorberfhre, und der Todte nicht die Lebenden nach sich zge. Nach Gaspar (S. 169.) wurden die Todten in Tcher gewickelt, in einen groben, aus einem Holzblock ausgehhlten Kasten gelegt, mit Juwelen und goldenen Ringen und einigen Goldblechen ber Mund und Augen und unter ihren Husern mit Mundvorrthen, Schsseln und Npfen begraben. Auch pflegten sie Sklaven mit den Vornehmsten zu bestatten, um letztere in der andern Welt bedienen zu lassen. Ihr Hauptgtzendienst bestand darin, diejenigen ihrer Ahnen, die sich am meisten durch Muth und Geist hervorgethan hatten, anzubeten und fr Gtter zu halten.... Sie nannten sie humalagar, welches dasselbe ist was man lateinisch Manes nennt.... Die Greise selbst starben in dieser Eitelkeit, deshalb whlten sie einen ausgezeichneten Ort, wie Einer auf der Insel Leyte, der sich am Rand des Meeres beisetzen liess, damit die vorberfahrenden Schiffer ihn als Gott anerkannten und sich ihm empfahlen. (Thvenot Religieux S. 2.) Sie legten sie (die Todten) nicht in die Erde, sondern in Srge von sehr hartem unzerstrbaren Holz ... man opferte ihnen Sklaven und Sklavinnen, damit es ihnen in der andern Welt nicht an Bedienung fehle. Starb eine Person von Bedeutung, so wurde dem ganzen Volk Stillschweigen auferlegt, das je nach dem Range des Verstorbenen dauerte und unter gewissen Umstnden erst dann aufhrte, wenn seine Verwandte viele Andre getdtet hatten, um den Geist des Todten zu vershnen. (ibid. S. 7). Aus diesem Grunde (um als Gtter verehrt zu werden) whlten die Aeltesten unter ihnen zum Begrbniss einen bemerkenswerthen Ort im Gebirge, und besonders auf Vorgebirgen, die in das Meer hineinragen, damit sie von den Schiffern verehrt wrden. (Gemelli Careri S. 449). Von Taclban, das ich des bequemen Tribunals wegen und weil es gut verproviantirt ist, zum Standquartier whlte, kehrte ich am folgenden Tage nach Samar zurck, zunchst nach Basey, Taclban gegenber. Die Leute von Basey sind wegen ihrer Trgheit und geringen Begabung in ganz Samar berchtigt, sollen sich aber von den Bewohnern von Taclban durch Sittenreinheit vortheilhaft auszeichnen. Basey liegt im Delta des nach ihm benannten Flusses. Wir fuhren einen schmalen Arm hinauf in den Hauptstrom, der sich mit sehr geringem Geflle durch die Ebene windet; daher reicht das brackische Wasser und der es begleitende Nipapalmensaum mehrere Leguas landeinwrts. Hinter demselben breiten sich Kokospflanzungen aus, zwischen welchen die aus dem engen Felsenbett des obern Flusslaufes zuweilen hervorbrechenden Wasserfluthen (avendas) grosse Zerstrungen anrichten, wie die verstmmelten Palmen zeigen, die von ihrem Standort fortgerissen, mitten aus dem Fluss emporragen. Nach fnfstndigem Rudern gelangten wir aus dem Flachland in ein enges Thal mit steilen Marmorwnden, die immer mehr zusammenrcken und hher werden. Sie sind an vielen Stellen unterwaschen, zerklftet, bereinandergestrzt, und bilden mit ihren kahlen Seitenwnden einen schnen Gegensatz zu dem blauen Himmel, der klaren grnlichen Fluth und den ppigen Lianen, die sich an allen Unebenheiten wo sie haften knnen festgesetzt haben und in langen Guirlanden ber die Felsen hngen. Der Strom wird so reissend und so seicht, dass die Leute aussteigen und das Boot ber das steinige Bett ziehn. Auf diese Weise gelangen wir durch einen zwlf Fuss hohen, von zwei gegeneinander gestrzten Felsen gebildeten Spitzbogen in ein ovales stilles Wasserbecken, rings umgeben von 60 bis 70 Fuss hohen, nach innen einspringenden Kalkwnden, auf deren oberem Rande ein Ring von Bumen nur gedmpftes Sonnenlicht durch dichtes Laub schimmern lsst. Dem niedrigen Eingangsthor gegenber erhebt sich eine prachtvolle 50 bis 60 Fuss hohe, mit Tropfsteinen reich verzierte Felsenpforte, durch welche man den in Sonne gebadeten oberen Lauf des Flusses noch eine Strecke weit berblickt. In der linken Wand des ovalen Hofes, 40 Fuss ber dem Wasserspiegel, ffnet sich eine leicht zu ersteigende Hhle von 100 Fuss Lnge; sie endet mit einer schmalen Pforte durch die man auf einen von Tropfsteinen getragenen altanartigen Vorsprung tritt. Von dort berblickt man sowohl die Landschaft, als den Felsenkessel und erkennt letzteren als den Rest einer Tropfsteinhhle deren Decke eingestrzt ist. Die Schnheit und Eigenthmlichkeit des Orts wird auch von den Eingeborenen empfunden, er heisst Sogton (eigentlich eine Bucht im Meer). In dem sehr harten marmorartigen Kalk waren Spuren von Zweischalern und Seeigelstacheln in Menge wahrzunehmen, es gelang aber nicht, bestimmbare Reste herauszuschlagen. Der Fluss liess sich noch eine kurze Strecke weiter aufwrts verfolgen. In seinem Bett kommen Gerlle von krystallinischen Talk- und Chloritgesteinen vor. Mit vieler Mhe wurden einige kleine Fische erlangt; darunter eine interessante lebendig gebrende neue Art. [214] Eine verwandte Art (H. fluviatilis Bleeker), die ich zwei Jahre frher in einer Kalkhhle auf Nusa Kumbangan bei Java fand, enthielt gleichfalls lebende Junge. Das zum Fischen verwendete Netz schien der Oertlichkeit, einem seichten Fluss voll Geschiebe, wohl angepasst: ein feinmaschiges, lnglich viereckiges Netz, mit den langen Seiten an zwei Bambusstangen befestigt, die unten mit einer Art von Holzschuhen (krummen aufwrts nach vorn gerichteten Schnbeln) versehn waren. Der Fischer packt die obern Enden der Stangen und schiebt das schrg gehaltene Netz vor sich hin, das mittelst seiner Schnabelschuhe ber die Steine gleitet, whrend ein Anderer ihm die Fische entgegentreibt. Am rechten Ufer unterhalb der Hhle kommen 20 Fuss ber dem Wasserspiegel Bnke von fossilen Pectunculus, Tapes, Placuna vor, die zum Theil kaum an der Zunge haften, also sehr rezent sein mssen. Ich bernachtete in einer kleinen, schnell erbauten Htte und versuchte am folgenden Tage vergeblich flussaufwrts bis an die Grenze des krystallinischen Gesteins zu gelangen. Nachmittags traten wir die Rckfahrt nach Basey an, das wir Nachts erreichten. Basey liegt etwa 50' ber dem Meer, auf einer Thonbank, die im Westen des Orts in einen mehrere hundert Fuss hohen Hgel mit steilen Wnden bergeht. Ich fand darin in 25 bis 30' Meereshhe dieselben rezenten Muschelbnke wie bei der Tropfsteinhhle Sogton. Nach den Aussagen des Cura und Anderer scheint in dieser Gegend eine schnelle Hebung der Ksten stattzufinden: vor 30 Jahren konnten Schiffe bei Fluth in 3 Faden Wasser am Lande anlegen, jetzt betrgt die Tiefe dort nicht viel ber einen Faden. Dicht vor Basey liegen zwei kleine Inseln, Genamk und Tapontnan, die gegenwrtig bei tiefster Ebbe durch eine Sandbank verbunden erscheinen. Noch vor zwanzig Jahren war eine solche nicht wahrnehmbar. Die Richtigkeit dieser Angaben vorausgesetzt, wre zunchst zu ermitteln, wieviel zu diesen Niveauvernderungen die Strmungen, wieviel vulkanische Hebungen beigetragen haben, die nach der nahen thtigen Solfatara auf Leyte zu schliessen immerhin betrchtlich sein mgen. Im Baseyfluss sollen nach Versicherung des Pfarrers Krokodile von ber 30 Fuss Lnge vorkommen, und solche von mehr als 20' hufig sein. Der gefllige Pater versprach mir eines von wenigstens 24 Fuss, dessen Skelet ich gern mitgenommen htte, und sandte einige Leute aus, die im Fangen dieser Thiere so gebt sind, dass sie zu dem Zweck nach entfernten Orten geholt werden. Ihre Fangvorrichtung, die ich aber nicht selbst sah, besteht in einem leichten Bambusfloss mit einem Gerst, auf welchem mehrere Fuss ber dem Wasser ein Hund oder eine Katze angebunden ist. Lngs der Seite des Thieres ist ein starker eiserner Haken angebracht, der vermittelst Abacfasern an dem schwimmenden Bambus befestigt ist. Hat das Krokodil den Kder und damit zugleich den Haken verschlungen, so bemht es sich vergeblich loszukommen; denn die Nachgiebigkeit des Flosses verhindert das Zerreissen, die eigne Elastizitt das Durchbeissen des Faserbndels. Das Floss dient zugleich als Boye fr das gefangene Thier. Nach Angabe der Jger hausen die grossen Krokodile entfernt von menschlichen Wohnungen, am liebsten unter dichtem Gebsch, in weichem Sumpf, worin ihr schleppender Bauch Spuren zurcklsst, die sie dem Kundigen verrathen. Nach einer Woche meldete der Pfarrer, seine Leute htten drei Krokodile eingeliefert, deren grsstes aber nur achtzehn Fuss msse, er habe keines fr mich behalten, da er eines von 30 Fuss zu erlangen hoffe. Seine Erwartung ging aber nicht in Erfllung. In der Umgegend von Basey wchst die im Sden Samar's und wohl noch auf einigen andern Bisaya-Inseln vorkommende Ignazbohne ganz besonders hufig. Auf Luzon wird sie nicht angetroffen; vielleicht habe ich sie ohne meinen Willen dort eingefhrt. Ihr Verbreitungsbezirk ist sehr beschrnkt. Meine Bemhungen sie nach dem botanischen Garten von Buitenzorg zu bersiedeln, blieben erfolglos; einige dazu bestimmte, whrend meiner zeitweisen Abwesenheit in Daraga fr mich eintreffende grssere Pflanzen wurden von einem meiner Gnner seinem eignen Garten einverleibt. Von mir selbst gesammelte, nach Manila gebrachte kamen spter abhanden. Alle Versuche, die ber ganz Ostasien als Medikament verbreiteten Kerne zum Keimen zu bringen, misslingen, weil letztere, angeblich um sie gegen Verderben zu schtzen (vielleicht auch um das Monopol zu wahren), vor der Versendung gesotten werden. Nach Flckinger [215] enthlt die krbisartige Beerenfrucht des hochklimmenden Strauches (Ignatia amara L. Strychnos Ignatii Berg. Ignatiana philippinica Lour.) bis 24 zollgrosse, unregelmssig eifrmige Samen, die Ignatiusbohnen, die wie Brechnsse schmecken, aber noch giftiger sind. In diesen Samen wurde 1818 von Pelletier und Caventou das Strychnin entdeckt; (spter auch in den Brechnssen). Jene enthalten davon doppelt soviel als diese, nmlich 1 1/2%, da sie aber viermal so theuer sind, so wird es nur aus letzteren dargestellt. In den Philippinen ist die gefhrliche Drogue unter dem Namen Pepita de Catbalonga in vielen Haushaltungen als gepriesenes Heilmittel vorhanden. Schon Gemelli Careri (S. 420) erwhnt es und fhrt 13 verschiedene Verwendungen an. -- Dr. Rosenthal, (Synopsis plantarum diaphor. S. 363) sagt: In Indien hat man sie unter dem Namen Papecta gegen Cholera angewendet. Papecta ist wohl ein Schreibfehler; in K. Lall Dey's Indigenous drugs of India wird sie Papeeta genannt, was in der englischen Aussprache Pepita lautet. Pepita heisst auf Spanisch Fruchtkern. -- Auch als Gegenmittel bei Schlangenbiss steht sie in hohem Ruf. Padre Blanco (Flora de Filipinas 61) berichtet, er habe ihre sichere Heilkraft in dieser Hinsicht mehr als einmal an sich selbst erprobt; doch warnt er vor den Gefahren des innerlichen Gebrauchs, der schon sehr viele Todesflle veranlasste. Man solle sie nicht in den Mund nehmen, denn verschlucke man den Speichel, so sei der Tod, wenn nicht Erbrechen erfolge, unvermeidlich. Der Pfarrer von Tabco trug aber fast immer eine Pepita im Munde. Er hatte 1842, um sich gegen die Cholera zu schtzen, damit begonnen, von Zeit zu Zeit eine Ignazbohne in den Mund zu nehmen, und sich allmlig daran gewhnt. Als ich 1860 mit ihm verkehrte, befand er sich wohl und schrieb seine Gesundheit und Rstigkeit gern jener Gewohnheit zu. Nach seiner Mittheilung wurde bei Cholerakranken mit Erfolg der wsserige Absud in geringer Menge als Zusatz zum Thee, besonders aber, mit Brantwein vermischt, als Einreibung an den von Krampf ergriffenen Stellen angewendet. Auch Huc (Thibet I. 252) preist den wsserigen Auszug des kouo-kouo (Faba Ign. amar.) sowohl fr den innerlichen als usserlichen Gebrauch, und bemerkt, dass er in der chinesischen Medizin eine grosse Rolle spiele, in keiner Apotheke fehle. Frher galt die giftige Drogue (vielleicht auch jetzt noch bei Vielen) fr ein Zaubermittel; so erzhlt Pater Camel [216], die Catbalogan- oder Bisaya-Bohne, welche die Indier Igasur oder Mananaog (die siegreiche) nennen, werde u. a. als Amulet am Halse getragen, schtze gegen Gift, Ansteckung, jederlei Zauber und Zaubertrank, ja sogar der leibhaftige Teufel knne dem Trger nichts anthun. Besonders wirksam sei sie auch gegen ein Gift, das durch Anblasen beigebracht wird, indem sie nicht nur den Trger beschtze, sondern denjenigen tdte, der ihm das Gift beibringen wolle. Camel fhrt noch eine Reihe von Wunderthaten auf, die der Aberglaube der Ignazbohne zuschreibt. Auf der sdlichen Hlfte des stlichen Kstensaumes, von Borngan ber Lnang bis Guuan, sind betrchtliche Kokospflanzungen vorhanden, die in hchst unvollkommener Weise zur Oelgewinnung genutzt werden. Von Borngan und seinen Visitas gehn jhrlich 12000 Krge Kokosl nach Manila; die von Menschen und Schweinen verzehrten Nsse wrden wenigstens zu 8000 Krgen ausreichen. Da 1000 Nsse 3 1/2 Krug geben, so liefert die Umgegend von Borangan allein jhrlich 6,000,000 Nsse, wozu, den Durchschnittsertrag zu 50 Nssen angenommen, 120,000 volltragende Kokospalmen nthig sind. Die Angabe, dass ihre Zahl in dem oben erwhnten Gebiete mehrere Millionen betrage, drfte wohl bertrieben sein. Das Oel wird auf sehr rohe Weise dargestellt, indem man den aus der holzigen Schale der Nuss in groben Spnen herausgeraspelten Kern der Fulniss berlsst. Zu Behltern dienen schadhaft gewordene, im Freien auf Pfhlen stehende Khne, aus deren Spalten das Oel in darunter gestellte Krge abtropft. Schliesslich werden die Spne noch gepresst. Das Verfahren erfordert mehrere Monate Zeit und liefert ein so schlechtes, dunkelbraunes, dickflssiges, ranziges Produkt, dass in Manila der Krug nur 2 1/4 Dollar gilt, whrend besser bereitetes 6 Dollar kostet. [217] Seit einiger Zeit hatte ein junger Spanier in Borngan eine Fabrik errichtet, um nach einem bessern Verfahren Oel zu bereiten: ein durch zwei Bffel gedrehter Gpel setzt durch Zahnrder und Treibriemen eine Anzahl Raspeln in Bewegung. Sie haben etwa die Form eines Zitronenbohrers und bestehn aus fnf an ihrem Aussenrande gezhnten eisernen Blttern, die radial am Ende eines eisernen Stieles sitzen und vorn in eine stumpfe Spitze zusammenlaufen. Das andre Ende des Stiels geht durch den Mittelpunkt einer Scheibe, die ihm die drehende Bewegung mittheilt, ragt aber ber dieselbe hinaus. Der Arbeiter ergreift eine halbirte Kokosnuss mit beiden Hnden, hlt ihre innere mit dem lhaltigen Kern geftterte Wlbung gegen die rotirende Raspel, die er fest anpresst, indem er mit seiner durch ein gepolstertes Brett geschtzten Brust gegen das hervorragende Ende des Stiels drckt. Die feinen Spne des Kerns bleiben 12 Stunden in flachen Behltern liegen, damit sich die Zellenwnde theilweise zersetzen. Man presst sie dann leicht in Handpressen, fngt die aus 1/3 Oel 2/3 Wasser bestehende Flssigkeit in Kbeln auf, schpft nach 6 Stunden das oben schwimmende Oel ab und erhitzt es in eisernen Pfannen von hundert Liter Inhalt, bis alles beigemischte Wasser verdampft ist, was zwei bis drei Stunden erfordert. Um das Oel schnell abzukhlen, damit es sich nicht brune, giesst man zwei Eimer voll kalten wasserfreien Oels hinzu und entfernt schnell das Feuer. Die gepressten Spne werden abermals 6 Stunden der Luft ausgesetzt, dann unter starkem Druck gepresst. Nachdem beide Operationen noch zweimal wiederholt worden, hngt man das Geraspel in Scken zwischen zwei starke vertikale Bretter und presst es mittelst Klemmschrauben so viel als mglich aus, indem man es mehrere Male umschttelt. Der Rckstand dient als Schweinefutter. Das aus den Scken ablaufende Oel ist wasserfrei, daher sehr klar, und wird zum Abkhlen des zuerst erhaltenen benutzt. [218] Die Fabrik machte 1500 Tinjas Oel. Sie arbeitete nur 9 Monate. Vom Dezember bis Februar knnen wegen der hohen See keine Nsse zugefhrt werden; Landstrassen sind nicht vorhanden. Es war dem Fabrikanten nicht gelungen, whrend dieser Zeit Nsse aus der nchsten Umgegend in hinreichender Menge zu erhalten, um ununterbrochen arbeiten zu knnen, oder in der guten Jahreszeit Vorrthe fr die Wintermonate zu sammeln, obgleich er den verhltnissmssig hohen Preis von drei Dollar fr das Tausend zahlte. Indem die Eingeborenen nach der oben beschriebenen Weise Oel machten, erzielten sie aus 1000 Nssen 3 1/2 Krug zu 6 r. = 21 r., d. h. 3 r. weniger als ihnen fr die rohen Nsse geboten wurde. Diese vom Fabrikanten herrhrenden Angaben sind vielleicht bertrieben, im Wesentlichen mgen sie aber doch wohl begrndet sein. Wer in den Philippinen reist, hat oft Gelegenheit solche Verkehrtheiten zu beobachten. In Daet, Nord-Camarines, kaufte ich 6 Kokosnsse fr 1 cuarto = 960 fr 1 Dollar; dies ist dort ihr gewhnlicher Preis. [219] Auf meine Frage, weshalb man keine Oelfabrik errichte, erhielt ich zur Antwort, dass die Nsse im Einzelnen billiger seien als im Grossen. Im ersten Falle verkauft der Indier, wenn er Geld braucht; weiss er aber, dass der Fabrikant, um seinen Betrieb nicht zu unterbrechen, zu Opfern bereit ist, so beutet er diesen Umstand rcksichtslos fr Einmal aus, ohne daran zu denken, sich eine regelmssige Einnahmequelle zu sichern. In der Provinz Laguna, wo die Indier aus Zuckerrohr groben braunen Zucker bereiten, tragen ihn die Frauen Leguas weit nach dem Markte oder bieten ihn an der Landstrasse in kleinen Broden (Panoche) gewhnlich zugleich mit Buyo feil. Jeder Vorbergehende schwatzt mit der Verkuferin, wgt die Brode in der Hand, nascht davon und geht vielleicht ohne zu kaufen weiter. Abends kehrt die Frau mit ihrem Kram nach Hause zurck, um es am nchsten Tage ebenso zu machen. Die betreffenden Notizen sind mir verloren gegangen; ich erinnere mich aber, dass wenigstens in zwei Fllen der Preis des Zuckers in solchen Broden billiger war als im Pico. Die Regierung ging brigens den Indiern damals mit dem Beispiel voran und verkaufte Zigarren einzeln billiger als im Grossen. In Europa kann ein Unternehmer meist mit ziemlicher Sicherheit die Herstellungskosten eines Gegenstandes im Voraus berechnen; in den Philippinen ist dies nicht immer so leicht. Abgesehn von der Unzuverlssigkeit der Arbeit wird die Regelmssigkeit in der Lieferung von Rohstoffen nicht nur durch Trgheit und Launenhaftigkeit, sondern auch durch Neid und Misstrauen gestrt. Die Indier sehen es in der Regel nicht gern, wenn sich ein Europer unter ihnen niederlsst, um mit Erfolg die lokalen Reichthmer auszubeuten, die sie selbst nicht ausgiebig zu nutzen verstehn. Aehnlich verhalten sich die Kreolen den Auslndern gegenber, die ihnen durch Kapital, Geschftskenntniss und Thtigkeit gewhnlich sehr berlegen sind. Ausser dem Neide spielt auch das Misstrauen eine grosse Rolle, das der Mestize sowohl als der Castila dem Eingeborenen einflsst. Es kommen noch heut Flle genug vor, die dieses Gefhl durchaus rechtfertigen. Frher aber, als die verkommensten Subjekte Guvernrstellen kaufen konnten und ihre Provinzen schamlos ausbeuteten, sollen so arge Missbruche stattgefunden haben, dass sich das Misstrauen im Laufe der Zeit bei den Indiern zu einer Art Instinkt ausgebildet hat. EINUNDZWANZIGSTES KAPITEL INSEL LEYTE. -- HEUSCHRECKEN. -- SOLFATARA. -- SCHWEFELGEWINNUNG. -- BITOSEE. -- KROKODILE. Die Insel Leyte, zwischen 9 49' und 11 34' N., und 124 7' und 125 9' O. Gr., ist ber 25 Meilen lang, fast 12 Meilen breit und hat 170 quadr. M. Flcheninhalt. Von Samar ist sie, wie mehrfach erwhnt, nur durch die schmale San Juanico-Strasse getrennt. Die Hauptstadt Taclban oder Taclbang liegt am stlichen Eingang dieser Strasse, hat einen sehr guten Hafen und ununterbrochenen Verkehr mit Manila; daher ist sie zum Stapelplatz fr Leyte, Biliran, Sd- und Ost-Samar geworden. [220] Auch der hiesige Guvernr erwies mir viel liebenswrdige Aufmerksamkeit. Fast ausnahmlos sind mir von meinem Verkehr mit den spanischen Beamten die angenehmsten Erinnerungen geblieben. Um so unbefangener konnte ich, wo es mir am Platz schien, ber die Missstnde der Verwaltung sprechen. Am Tage nach meiner Ankunft in Taclban entstand Nachmittags ein Gerusch, wie das Brausen eines Wildbachs; die Luft verfinsterte sich, es schwebte eine grosse Heuschreckenwolke ber den Ort. [221] Ich will die oft beschriebene in allen Erdtheilen sich wesentlich gleichbleibende Erscheinung nicht noch einmal erzhlen und bemerke nur, dass der ber 500 Schritt breite, gegen 50' tiefe Schwarm, dessen Ende sich im Walde verlor, fr nicht sehr bedeutend galt. Er brachte Munterkeit statt Bestrzung hervor. Alt und Jung war eifrig bemht mit Laken, Netzen, Fahnen mglichst viele der leckeren Thiere zu fangen, um sie wie Dampier erzhlt in einer irdenen Pfanne ber Feuer zu rsten, bis ihre Beine und Flgel abfallen, und ihre Kpfe und Rcken die Farbe gesottener Krebse annehmen, in welcher Zubereitung sie ihm geschmeckt haben. In Birmah gelten sie noch heut bei Hof als Leckerbissen. [222] Die Heuschrecken sind eine der grssten Plagen der Philippinen und vernichten zuweilen die Ernte ganzer Provinzen. Die Legislacion ultramarina IV. 604 enthlt ein besonderes Gesetz ber die Vertilgung dieser verheerenden Kerfe. Sobald sie erscheinen, soll die Bevlkerung der betroffenen Ortschaften in grsster Anzahl unter Leitung der Behrden zu ihrer Vernichtung ausziehn. Die erprobtesten Mittel zur Erreichung dieses Zwecks sind in einer amtlichen Vorschrift enthalten und in der Verordnung, betreffend ausserordentliche Leistungen bei ffentlichen Nothstnden, stehn die Heuschrecken zwischen den Seerubern und Feuersbrnsten in der Mitte. Von allen ersonnenen Mitteln, die sich aber gegen die zuweilen in unglaublicher Menge erscheinenden verderblichen Thiere in den Philippinen ebenso unzureichend wie anderwrts erweisen, sei nur eines hier erwhnt: Am 27. April 1824 beschloss die Sociedad economica den Vogel Martin (Gracula sp.) einzufhren, der aus Instinkt Heuschrecken frisst. Im Herbst des folgenden Jahres traf die erste Sendung derselben aus China ein, 1829 eine zweite, 1852 findet sich abermals ein Posten von 1311 Dollar fr Martinvgel verausgabt. Am folgenden Tage fuhr ich mit dem Pater von Dagmi (in Leyte giebt es Strassen) von Taclban sdlich nach Plos und Tanuan, zwei blhenden Orten an der Ostkste. Kaum 1/2 Legua von letzterem ragt unmittelbar am Meer aus der bisher ganz flachen sandigen Ebene ein Felsen von krystallinischem Gestein hervor, graugrner quarziger Chloritschiefer, aus dem der unternehmende Pater mit bessern Erfolges wrdiger Beharrlichkeit versucht hatte, Kalk zu brennen. Nach reichlichem Frhstck im Convento fuhren wir Nachmittags nach Dagami und erst am folgenden Tage nach Buruen. [223] Die Gegend bleibt flach; Kokoshaine und Reisfelder unterbrechen stellenweis den dichten Wald, das Land ist sprlich bewohnt, die Menschen scheinen aufgeweckter und sind schner und reinlicher als in Samar. Sdlich von Buruen erhebt sich ein Gebirgszug Manacagan, an dessen jenseitigem Abhang eine grosse Solfatara liegt, die Schwefel fr die Pulverfabrik in Manila und den Handel liefert. Ein spanischer Seemann begleitete mich. Wir ritten, wo der Weg durch Sumpf fhrte, auf Bffeln; der Schritt der Thiere ist nicht unangenehm, aber das Spreizen der Schenkel auf dem breiten Rcken der riesigen philippinischen Bffel ermdend. Eine Viertelstunde hinter Buruen berschritten wir den SW. NO. fliessenden 100' breiten Dagitan, dessen Bett voll grosser vulkanischer Blcke liegt, bald darauf einen schmalen Fluss in einem breiten Bett, einige hundert Schritt weiter einen 150' breiten, beide letztere, Arme des Buruen; sie fliessen WO. und mnden bei Dulag. Der zweite Arm war erst im vorigen Jahr bei einer Ueberfluthung entstanden. Wir bernachteten in einer Htte am nrdlichen Abhang des Manacagan, welche die Besitzer, als sie uns ankommen sahen, mit Weib und Kind unaufgefordert gerumt hatten, um anderswo Unterkommen zu suchen. So erfordert es die Landessitte, wenn der Raum fr beide Theile zu klein ist -- dafr wird keine Entschdigung beansprucht und wohl nur selten gewhrt. Am folgenden Morgen um 6 Uhr brachen wir auf und berstiegen um 6 Uhr 30 Minuten auf angenehmem Waldpfade das Joch des aus hornblendereichem Trachyt bestehenden Manacagan, um 7 Uhr durchfurteten wir zwei kleine Flsse, die NW. fliessen und dann in einem Bogen angeblich bei Dulag die Kste erreichen. Vom Joch aus sieht man im Sden die grosse weisse Schutthalde des Berges Dnan durch die Bume schimmern. Um 9 Uhr kamen wir durch den dicht bewaldeten Krater des Kasiboi und weiter sdlich an einige Schuppen, in denen Schwefel ausgeschmolzen wird. Das aus der Solfatara kommende Rohmaterial wird nach drei Klassen bezahlt: 1o bereits zu Krusten zusammengeschmolzener Schwefel, 2o sublimirter, der in seinen Zwischenrumen noch viel Kondensationswasser enthlt, 3o im Thon mehr oder weniger reichlich vertheilter (aus dem die berwiegende Menge gewonnen wird). Man setzt zum Schwefelthon Kokosl, 6 Quart auf 4 Arroben, wirft ihn in flache eiserne Pfannen von 6 Arroben Inhalt und schmilzt unter bestndigem Umrhren. Nachdem der obenaufschwimmende entschwefelte Thon abgeschpft, wird neuer Schwefelthon in den Kessel geworfen und so fort. In 2 bis 3 Stunden gewinnt man auf diese Weise aus 24 Arroben Schwefelthon durchschnittlich etwa 6 Arroben Schwefel, der in hlzerne Kasten gegossen, zu Blcken von 3 bis 4 Arroben erstarrt. Die Hlfte des verwendeten Oeles wird wieder gewonnen, indem man den lgetrnkten Thon in ein Gestell aus zwei einen spitzen Winkel bildenden engen Bambusgittern wirft. Das Oel trpfelt in eine darunter befindliche geneigte Bambusrinne, und fliesst von da in einen Topf. Der Preis des Schwefels in Manila schwankt zwischen 1 1/2 und 4 1/2 Dollar per Pico. Ich sah die mit Thon gefllten Gestelle, aus denen das Oel abtropfte, das Verfahren selbst habe ich aber leider nicht mit angesehn, und weiss nicht zu erklren, weshalb das Oel zugesetzt wird. Nach einigen im Kleinen, also unter wesentlich andern Bedingungen und nicht einmal mit demselben Material angestellten Versuchen scheint es, dass das Oel die Abscheidung des Schwefels beschleunigt, den Zutritt der Luft zum Schwefel erschwert. Bei den Versuchen war der im Boden des Tiegels erhaltene Schwefel immer durch Ausscheidung von Kohle aus dem Oele schwarz gefrbt und wrde erst durch Destillation gereinigt werden mssen. Von einer solchen erwhnten indessen die Leyter Schwefelschmelzer nichts, auch waren Apparate dazu nicht vorhanden, ihr Schwefel war von rein gelber Farbe. Einige hundert Schritte weiter S. fliesst ein von O. kommender, 12' breiter heisser Bach (50R.), der an seinen Rndern Kieselsinter absetzt. Man folgt einer NS. streichenden Schlucht mit 100 bis 200' hohen Wnden; der Pflanzenwuchs hrt allmlig auf, das Gestein ist blendendweiss, oder durch sublimirten Schwefel gelb gefrbt. An zahlreichen Stellen dringen dichte Dampfwolken mit starkem Schwefelwasserstoffgeruch aus dem Boden, einige tausend Schritt weiter biegt die Schlucht nach links (O.) um und erweitert sich zugleich an der Bucht. Hier brechen zahlreiche Kieselsprudel durch den lockeren von Schwefel durchdrungenen Thonboden. Diese Solfatara muss frher viel thtiger gewesen sein als gegenwrtig; die durch Zersetzung des Gesteins von ihr gebildete Schlucht, voll hoher Schutthaufen, mag gegen 1000' breit und wohl fnfmal so lang sein; am stlichen Ende ist eine Anzahl kleiner kochender Schlammpftzen vorhanden, und rings um diese bricht, wenn man den Stock in den durchwhlten Boden stsst, Wasser und Dampf hervor. An einigen tiefen Stellen, weiter westlich, sind graue, weisse, rothe und gelbe Thone in schmalen Bndern ber einander geschwemmt; sie sehn wie Keupermergel aus. Im Sden, dem Joch, das nach Buruen fhrt, gerade gegenber sieht man in einer Hhle im weissen zersetzten Gestein ein 25' breites Becken, aus welchem kieselsurehaltiges inkrustirendes Wasser reichlich ausfliesst. Die Decke der Hhle ist mit Tropfsteinen behangen, die mit gediegenem Schwefel berzogen sind oder gnzlich daraus bestehn. Am oberen Abhange des Berges Dnan, nahe am Gipfel setzt sich so viel Schwefel aus den Schwefelwasserstoffdmpfen ab, dass er mit Kokosschalen abgenommen werden kann. In einigen gegen die khlende atmosphrische Luft geschtzten Spalten schmilzt er zu dicken braunen Krusten zusammen. Die Solfatara des Dnan liegt genau S. von jener unten am Ende der Schlucht des Kasiboi. Die nach Auslaugung der Kieselsure zurckbleibende Thonerde wird durch den Regen in das Thal geschwemmt, wo sie eine Ebene bildet, deren grsster Theil von einem kleinen schwach schwefelsauren See Malaksan (malaksan, sauer) eingenommen wird. Seinen Spiegel, der wegen der sehr flachen Ufer, je nach dem Wetter sich merklich verndert, fand ich etwa 500 Schritte lang, 100 breit. Von der Hhe der Solfatara erblickt man durch eine Kluft genau S. einen etwas grsseren Ssswasser-See von bewaldeten Bergen umgeben, er heisst Jarunan. Die Nacht wurde in einem verfallenden Schuppen an der SO. Ecke des Sees Malaksan zugebracht. Am folgenden Morgen stiegen wir ber das Bergjoch im Sden, dicht neben der Solfatara des Dnan vorbei, in 1/2 Stunde zum See Jarunan hinab. Dieser See, so wie der Malaksan flsst den Eingeborenen wegen der bedenklichen Nachbarschaft der Solfatara aberglubische Furcht ein; er war daher angeblich noch von keinem Schiffer, Fischer oder Schwimmer entweiht und sehr fischreich. Um seine Tiefe messen zu knnen, liess ich ein Floss aus Bambus bauen. Als mich aber meine Begleiter ungefhrdet im See schwimmen sahen, sprangen sie alle ohne Ausnahme hinein und tummelten sich im Wasser mit besonderem Behagen und grossem Jubel, als wollten sie sich fr die lange Zurckhaltung entschdigen. Das Floss wurde daher erst gegen 3 Uhr fertig. Die Sondirungen ergaben fr den mittleren Theil des Beckens, das am Sdrande etwas steiler als am Nordrande, 13 Brazas = 21,7 Meter Tiefe; die grsste Lnge des Sees betrgt gegen 800 Varas (668 Meter), die Breite etwa halb so viel. Indem wir Abends bei Fackelschein ber den Bergrcken nach unserm Nachtquartier am sauren See zurckkehrten, kamen wir an der sehr bescheidenen Wohnung eines Ehepaares vorber: drei aus gemeinschaftlichem Stamm auseinander strebende, in gleicher Hhe abgestutzte Aeste trugen eine Htte von Bambus und Palmenblttern, 8' im Geviert. Ein Loch im Boden bildete den Eingang, sie war in Zimmer und Vorzimmer getheilt; vier Bambusstangen trugen oben und unten eine Bambuslage, erstere diente als Balkon, letztere als Laden, in dem Betel verkauft wurde. Am Tage nach meiner Rckkehr in Buruen fuhr mich ein geflliger spanischer Kaufmann durch die mit Reis, Mais und Zuckerrohr bebaute fruchtbare Ebene von vulkanischem Sand nach Dlag, das gerade westlich am Strande des stillen Meeres liegt. Die Entfernung (bei Coello 3 Leguas) betrgt wohl kaum 2 Lg. Von hier erscheint Punta Guuan, die Sdspitze Samars, wie ein von der Hauptinsel getrenntes Eiland, und weiter sdlich (N. 102,4 bis 103,65 S.) als schmaler Streifen Jomonjol, die erste Insel des Archipels die Magellan (16. April 1521) erblickte. In Dlag stiess mein voriger Begleiter zu uns, um die Reise nach dem Bitosee mitzumachen. Die Beschaffung der Befrderungsmittel und des Proviants und mehr noch die rcksichtsvolle Berathung aller Vorschlge dreier Gleichberechtigter nahm viel Zeit und Geduld in Anspruch. Schliesslich segelten wir in einem grossen Casco (Lastboot) sdwrts die Kste entlang zur Mndung des Rio Mayo, der nach der Karte und den eingezogenen Nachrichten aus dem Bitosee herkommen soll. Wir fuhren in einem Nachen aufwrts, wurden aber an der ersten Htte belehrt, dass der See nur auf grossen Umwegen durch sumpfigen Wald zu erreichen sei. Die Mehrheit beschloss umzukehren. Verschiedene durch Mangel einheitlicher Leitung herbeigefhrte Abenteuer verzgerten unsere Ankunft in Abyog bis 11 Uhr Nachts. Wir hatten unterwegs zuerst einen kleinen Nebenarm des Mayo, dann den Bitofluss zu berschreiten. Die Entfernung des letztern von Abyog, auf Coello's Karte zu gross angegeben, betrgt nach einer Messung des Gobernadorcillo 1400 Brazas, was wohl richtig sein mag. [224] Der folgende Tag wurde, da es stark regnete, benutzt, um Erkundigungen ber den Weg zum Bitosee einzuziehn. Wir erhielten sehr abweichende Angaben ber die Entfernung, Alle stimmten aber berein, den Weg dahin abschreckend zu schildern. Eine beschwerliche Reise von wenigstens zehn Stunden schien uns das Wahrscheinlichste. Tags darauf gelangten wir in einer Stunde auf angenehmem Waldwege an den Bitofluss und fuhren in dort vorgefundenen Nachen flussaufwrts zwischen flachen, sandigen, mit hohem Rohr und Schilf bestandenen Ufern. Nach 10 Minuten zwangen uns queer ber den Strom gestrzte Bume einen Umweg zu Lande zu machen, der uns nach einer halben Stunde wieder an den Fluss oberhalb der Hindernisse fhrte. Hier bauten wir Bambusflsse, auf denen wir, da das Material sehr knapp bemessen, einen halben Fuss tief eintauchend, in 10 Minuten den See erreichten. Wir fanden ihn mit grnen Conferven bedeckt; ein Doppelsaum von Pistien und 6 bis 7' hohen breitblttrigen Riedgrsern fasste ihn ein, in S. und W. erheben sich niedrige Hgel, von der Mitte erscheint er fast kreisrund, ringsum Wald. Coello giebt den See viel zu gross an (4 statt 1 Sm.), seine Entfernung von Abyog kann nur wenig ber 1 Legua betragen. Mit Hlfe einer aus Lianen zusammengeknpften Schnur und alliniirter Stbe fanden wir seine Breite = 585 Brazas = 977 Met. (die breiteste Stelle drfte wenig ber 1000 Met. betragen); die Lnge berechnete sich nach einigen unvollkommenen Peilungen auf 1007 Brazas (1680 Met.), also weniger als 1 Sm. Sondirungen ergaben ein sanft geneigtes, in der Mitte 8 Braz. (13m.3) tiefes Becken. Gern htte ich die Verhltnisse genauer bestimmt, aber Mangel an Zeit, Unzugnglichkeit des Uferrandes und die elende Beschaffenheit unseres Flosses erlaubten nur einige rohe Messungen. Am Strande war keine Spur menschlicher Wohnungen wahrzunehmen, aber eine Viertelstunde Weges vom Nordrande fanden wir, von tiefem Schlamm und stacheligen Calamus umgeben, eine bequeme Htte, deren Insassen zwar als Cimarronen jedoch in Flle und mit grsserer Bequemlichkeit als manche Dorfbewohner lebten. Man nahm uns sehr gut auf, Fische waren reichlich vorhanden, auch Tomaten und Capsicum, um sie zu wrzen, und Teller von englischem Steingut, um sie zu verzehren. Die Hufigkeit der Wildschweine hatte die Einsiedler zur Erfindung einer eigenthmlichen Vorrichtung veranlasst, um selbst im Schlaf von deren Annherung unterrichtet und im Dunkeln auf ihre Spur geleitet zu werden. Ein ber tausend Fuss langes aus Bananenstreifen zusammengeknpftes Seil schleppt in gerader Linie am Boden hin, das eine Ende ist an einer mit Wasser gefllten, ber dem Schlafplatz des Jgers aufgehngten Kokosschale befestigt. Berhrt ein Schwein das Seil, so wird durch den Ruck das Wasser ber den Schlfer ausgeschttet, den das Seil, indem er es durch die Hand gleiten lsst, zu seiner Beute fhrt. Die Hauptbeschftigung unserer Wirthe schien der Fischfang zu sein, der so ergiebig ist, dass die rohesten Vorrichtungen gengten. Nicht einmal ein Nachen war vorhanden, sondern nur lose zusammengefgte Bambusflsse, auf denen die Fischer, wie wir auf unserem Floss, halbfusstief einsinkend, zwischen den Krokodilen umhertrieben, die ich nie in solcher Menge und in so betrchtlicher Grsse wie in diesem See gesehn habe. Einige schwammen an der Oberflche mit ihrem Rcken aus dem Wasser ragend langsam herum. Auffallend war die vllige Sorglosigkeit, mit welcher selbst zwei kleine Mdchen angesichts der grossen Ungethme im Wasser wateten. Zum Glck scheinen letztere sich mit ihren reichlichen Fischrationen zu begngen. Es sollen vier Arten Fische im See vorkommen, darunter ein Aal; wir erlangten aber nur eine. [225] Am folgenden Morgen waren unsere einheimischen Begleiter schon in aller Frhe betrunken. Dies fhrte zur Entdeckung eines andern Gewerbes der Einsiedler, das ich jetzt nach Aufhebung des Regierungsmonopols wohl verrathen darf. Sie destillirten heimlich Palmenbrantwein und trieben damit eintrglichen Handel. Nun begriff ich auch, warum man uns die Schrecknisse des Weges am Mayofluss und in Abuyog in so lebhaften Farben geschildert hatte. [226] Wir fuhren auf unsern Flssen bis zur Stelle zurck, wo wir sie gefunden hatten, eine Strecke von etwa 1500', gingen O. bei N. zu unsern Nachen, durch 16' hohes wildes Rohr (Saccharum sp.) mit sehr grossen silberweissen Blthenbscheln und fuhren zur Barre, von wo wir nach 1 1/2 stndigem Marsche Abuyog erreichten. Von dort kehrten wir zu Wasser nach Dulag, zu Lande nach Buruen zurck, wo wir Nachts eintrafen, frher als unsere Pferdeknechte erwartet hatten, weshalb wir sie in unseren Betten schlafend antrafen. Bis vor kurzem wurde in dieser Gegend viel Tabak gebaut, und sein Verkauf unter gewissen Beschrnkungen den Bauern gestattet. Neuerdings war verboten worden den Tabak anders als an die Regierung zu verkaufen, und zwar zu einem von ihr selbst bestimmten so usserst niedrigen Preise, dass der Tabakbau fast ganz aufgehrt hatte. Da aber die Tabakregie bereits Speicher errichtet und Einnehmer angestellt hatte, so sahen die Eingeweihten richtig voraus, dass demnchst der Zwangsbau eingefhrt werden wrde, wie es auf hnliche Weise an andern Orten geschehen war. -- Die Ostkste von Leyte soll sich heben, whrend an der Westseite das Meer die Kste zerstrt, bei Ormog soll es in 6 Jahren um 50 Ellen vorgedrungen sein. ZWEIUNDZWANZIGSTES KAPITEL LEBENSWEISE UND SITTEN DER BISAYA-INDIER. Die Bisayer, wenigstens die Bewohner der Inseln Samar und Leyte (andre habe ich nicht nher kennen gelernt) gehren Einem Stamme an. [227] Sie sind krperlich und geistig, in Charakter, Tracht, Sitten und Gebruchen so hnlich, dass meine ursprnglich an verschiedenen Punkten der beiden Inseln gemachten Aufzeichnungen durch Ausscheidung der zahlreichen Wiederholungen zu Einer verschmolzen, die ein vollstndigeres Bild und zugleich Gelegenheit giebt, kleine Verschiedenheiten, wo sie stattfinden, deutlicher hervortreten zu lassen. Negritos sind weder in Samar noch in Leyte vorhanden, aber viele Cimarronen, die keinen Tribut zahlen und nicht in Drfern, sondern unabhngig in den Wldern leben. Ich habe leider keinen persnlichen Umgang mit ihnen gehabt, und was ich von den christlichen Bewohnern Samar's ber sie erfahren, ist zu unzuverlssig, um wiederholt zu werden. Sicher scheint es aber, dass alle diese Cimarronen oder ihre Vorfahren schon mit den Spaniern verkehrt haben, und dass ihre Religion manche katholische Formeln aufgenommen hat. So pflegen sie bei dem Reispflanzen, wo sie nach alter Sitte etwas von der Saatfrucht absondern, um es an den vier Ecken des Feldes als Opfer darzubringen, gern einige verstmmelte katholische Gebete herzusagen, die sie fr wirksamer zu halten scheinen, als ihre alten heidnischen. Einige lassen sogar ihre Kinder taufen, da es nichts kostet, erfllen aber sonst keine christlichen oder brgerlichen Pflichten. Sie sind sehr friedlich, bekriegen einander nicht, haben auch keine vergifteten Pfeile. Beispiele von Cimarronen, die zum Christenthum und Dorfleben sammt Tribut und Frohnden bertreten, sind usserst selten. Umgekehrt ist auch die Zahl der Indier, welche sich in die Wlder zurckziehn, um Cimarronen zu werden, sehr unbedeutend, wohl noch geringer als in Luzon, da die Eingeborenen bei dem leidenschaftlosen, fast pflanzlichen Leben, das sie fhren, nicht leicht in den Fall kommen, ihr Dorf verlassen zu mssen, das mehr noch als in Luzon fr sie die Welt bedeutet. Der Reisbau richtet sich nach den Jahreszeiten. An einigen Orten, wo grssere Felder vorhanden sind, ist der Pflug (arado) und der Sodsod (hier surod genannt) in Gebrauch; fast allgemein aber lsst man das Reisfeld in der Regenzeit nur von Bffeln durchtreten. Man set an der Westkste im Mai und Juni, pflanzt im Juli und August und erntet von November bis Januar. Eine Ganta Aussaat giebt zwei, zuweilen drei bis vier Cabanes (d. h. 50, 75 bis 100 fach). Bei der Hauptstadt Catbalgan sind nur sehr wenige bewsserte Reisfelder (Tubigan, von Tubig, Wasser) vorhanden, deren Ertrag fr das Bedrfniss nicht ausreicht, das Fehlende wird aus andern Kstenpltzen der Insel ergnzt; Catbalgan fhrt dagegen Abaca, Kokosl, Wachs, Balate (essbare Holothurien), getrocknete Fische und Gewebe aus. An der Nord- und Ostkste set man von November bis Januar und erntet sechs Monate spter. Whrend der brigen sechs Monate dient das Feld als Weide fr das Vieh; an manchen Orten findet auch whrend dieser Monate, also von Juli bis Dezember Reisbau, aber auf andern Feldern statt. Von diesem Reis geht hufig wegen des schlechten Wetters ein grosser Theil verloren. Kufe von Land kommen nur ausnahmsweise vor; gewhnlich wird es durch Urbarmachen, Erbschaft oder als verfallenes Pfand erworben. Bei Catbalgan war bestes Reisland mit 1 Dollar fr eine Ganta Aussaat, und an der Nordkste bei Luang ein Feld, das jhrlich 100 Cabanes trgt, mit 30 Dollar bezahlt worden. Rechnet man wie bei Naga, 1 Ganta Aussaat auf 4 Loanes, und 75 Cabanes Ertrag auf 1 Quion, so kostet der Morgen Reisland im ersten Falle 3 1/3 Thaler, im zweiten 3 Thaler. Bei Verpachtungen leiht der Besitzer den nackten Grund und Boden und empfngt als Zins die Hlfte der Ernte. [228] Der Reisbau in Leyte ist von dem in Samar nicht verschieden, hat aber abgenommen, durch die Abackultur verdrngt, da die Guvernre als sie noch Handel treiben durften, die Eingebornen zwangen, einen Theil ihrer Felder und ihrer Arbeit auf diese zu verwenden. Der Reis zur Ausfuhr wird gewhnlich auf dem Halm zu einem vor der Ernte verabredeten Preise per Caban verkauft. Dergleichen Vertrge pflegen selbst im Falle der Vorausbezahlung pnktlich erfllt zu werden. Bleibt ein Bauer im Rckstand, so ist es im Lande allgemein geltender Brauch, dass er dem Hndler bei der nchsten Ernte das Schuldiggebliebene doppelt liefere. Bergreis (bei Catbalgan wird fast nur solcher gewonnen) erfordert kein andres Ackergerth als das Waldmesser, um den Boden etwas aufzulockern, und einen spitzen Stock, um Lcher in Entfernungen von 6 Zoll zur Aufnahme von je 5 bis 6 Reiskrnern zu machen. Man set von Mai bis Juni, jtet zweimal und schneidet nach 5 Monaten Halm fr Halm. Der Schnitter empfngt 1/2 Real Tagelohn und Kost. Der Ertrag ist 2 bis 3 Cabanes auf eine Ganta oder 50 bis 75 fach. Das Land kostet nichts, der Arbeitslohn betrgt gegen 5 Realen per Ganta Aussaat. Nach einer guten Ernte gilt der Caban 4 Realen. Kurz vor der Ernte steigt der Preis bis auf 1 Dollar, oft viel hher. Der Boden wird nur ein einziges Mal fr trocknen Reis benutzt; nach der Ernte pflanzt man Camote (Bataten), Abaca und Caladium darauf. Der Bergreis wird besser bezahlt als Wasserreis, etwa im Verhltniss von 9 zu 8. Nchst Reis sind die Hauptnahrungsmittel Camote (Convolvulus Batatas), Ubi (Dioscorea), Gabi (Caladium) Palun (ein grosses Arum mit gefingerten Blttern und geflecktem Stiel). Camote kann das ganze Jahr gepflanzt werden und reift in 4 Monaten; aber es geschieht gewhnlich, wenn der Reisbau vorber ist, da whrend desselben wenig Arbeitskrfte verfgbar sind. Wird der Camotebau beibehalten, so lsst man in der Regel die alten Pflanzen sich selbst durch ihre Auslufer vermehren und nimmt nur die Knollen aus dem Boden. Mehr Ertrag erhlt man aber, wenn man den Boden reinigt und neu pflanzt. Fr 1/2 Real erhlt man 8 bis 15 Gantas Camote, einen Scheffel etwa fr 3 bis 6 Sgr. [229] Abac, obgleich davon grosse Pflanzungen vorhanden sind, wurde zur Zeit meiner Anwesenheit, da der Preis nicht lohnend genug war, fast gar nicht ausgebeutet. Tabak wird auch gebaut; er durfte frher im Lande verkauft, muss jetzt aber an die Hacienda abgeliefert werden. In Samar und Albay, wahrscheinlich auch in andern Provinzen, wird ein harziges Oel, Balo oder Malapjo gewonnen; man erhlt es von einem Dipterocarpus (Apton), einem der hchsten Bume des Waldes, indem man ein breites Loch einen halben Fuss tief in den Stamm schlgt, es beckenartig aushhlt und von Zeit zu Zeit, um die verstopften Zuflusskanle wieder zu ffnen, Feuer darin anmacht. Das angesammelte Oel wird tglich ausgeschpft und ohne weitere Vorbereitung in den Handel gebracht. Seine interessanteste Verwendung ist zur Konservirung des Eisens bei dem Schiffbau. Vor dem Einschlagen in Balaol getauchte Ngel sollen, wie glaubwrdige Leute versicherten, noch nach zehn Jahren vllig rostfrei sein. Hauptschlich wird Balao als Firniss fr Schiffe benutzt, die sowohl innen als aussen damit angestrichen werden; es schtzt auch die Hlzer gegen Termiten und andre Insekten. Das Balao wird in Albay, die Tinaja von 10 Gantas zu 4 Realen, (das Liter zu 8 Pfennig) verkauft; nach Europa scheint es bis jetzt nur in Proben gekommen zu sein. Zum Schutz der Schiffsbden verwendet man auch ein Zement aus gebranntem Kalk, Elemiharz und Kokosl in solchem Verhltniss gemischt, dass es vor dem Auftragen einen dicken Schleim bildet. Der Anstrich hlt sich ein Jahr. [230] Wachs wird von den Cimarronen eingetauscht. Ganz Samar liefert jhrlich 200 bis 300 Picos, deren Werth 25 bis 50 Dollar per Pico betrgt; in Manila ist der Preis gewhnlich 5 bis 10 Dollar hher; doch schwankt er sehr, da dasselbe Erzeugniss von mehreren andern Lokalitten und in sehr unregelmssigen Zwischenrumen einkommt. Viehzucht ist trotz des ppigen Graswuchses und der Abwesenheit reissender Thiere fast gar nicht vorhanden. Pferde und Bffel sind sehr selten und sollen spt, angeblich erst in diesem Jahrhundert, eingefhrt sein. Da es in Samar kaum andre Landstrassen giebt als den Seestrand und seichte Flussbetten (im Norden von Leyte ist es besser), so wird der Bffel nur gebraucht, um alljhrlich einmal den Boden des Reisfeldes durchzutreten. Den Rest des Jahres bringt er frei auf der Weide zu, im Walde oder auf einer kleinen Insel, wenn eine solche in der Nhe. Nur gelegentlich werden mehrere Bffel vor einen grossen Baumstamm gespannt, um ihn nach dem Dorfe zu schleifen; ihre Zahl ist daher usserst gering. Bffel, welche Reisland gut durchtreten, werden bis zu 10 Dollar bezahlt. Der Mittelpreis ist 3 Dollar fr einen Bffelstier, 5 bis 6 Dollar fr eine Bffelkuh. Rindvieh wird nur zuweilen bei Festen als Schlachtvieh benutzt, ist in sehr geringer Menge vorhanden, unter viele Besitzern vertheilt, lebt halb verwildert in den Bergen. Handel findet darin kaum statt, aber drei Dollar fr Jungvieh, fnf bis sechs Dollar fr eine Kuh mag etwa der Mittelpreis sein. Fast jede Familie besitzt ein Schwein, einige deren drei bis vier. Ein fettes Schwein kostet sechs bis sieben Dollar, also mehr als eine Kuh. Rindfleisch wird von vielen Indiern gar nicht gegessen; bei ihren Schmausereien darf aber Schweinefleisch nicht fehlen. Auch wird das Schmalz so theuer bezahlt, dass daraus unter gnstigen Verhltnissen von einem fetten Thiere fr drei bis vier Dollar erlst werden. Schafe und Ziegen gedeihen vorzglich, vermehren sich leicht, sind aber auch nur in geringer Zahl vorhanden und werden fast gar nicht, weder der Wolle noch des Fleisches wegen, benutzt. Kreolen und Mestizen sind meist zu trge, um selbst Schafe zu halten, und essen lieber das ganze Jahr tglich Hhnerfleisch. Auch Shanghai-Schafe, die der Guvernr in Taclban eingefhrt hatte, gediehen und vermehrten sich sehr gut. Eine Eier legende Henne kostet 1/2 r., ein Hahn dasselbe; ein Kampfhahn bis drei Dollar, oft viel mehr. Man kauft sechs bis acht Hhner oder 30 Eier fr einen Real. Eine Familie von Vater, Mutter und fnf Kindern braucht tglich nicht ganz 24 Chupas Palay (Reis mit der Hlse), welcher enthlst ungefhr 12 Chupas giebt und zum Mittelpreise von 4 r. per Caban, etwa 1/2 r. kostet (nach der Ernte zuweilen 3 r. per Caban, vor derselben 10 r., in Albay 20 bis 30 r.); ausserdem 2 bis 3 cu. fr Zuspeise (Fische, Krabben, Kruter, etc.), die aber gewhnlich von den Kindern gesammelt werden, endlich fr Oel 2 cu., Buyo 1 cu., Tabak 3 cu. (3 Blatt fr 1 cu.); letzterer wird geraucht, nicht gekaut. An Buyo und Tabak verbraucht eine Frau halb so viel als ein Mann. Buyo und Tabak wird in Leyte weniger genossen als in Samar. An Kleidungsstcken verwendet ein Mann jhrlich: 4 grobe Hemden von Guinara zu 1 bis 2 r., 3 bis 4 Hosen zu 1 bis 2 1/2 r., 2 Kopftcher zu 1 1/2 r. (Hte werden an der Sd- und Westkste nicht getragen) und fr die Kirchweih gewhnlich: 1 Paar Schuhe 7 r., 1 feines Hemd 1 Dollar oder mehr, 1 feine Hose 4 r. -- Eine Frau hat 4 bis 6 Camisas von Guinara zu 1 r., 2 bis 3 Sayas von Guinara zu 3 bis 4 r. und 1 oder 2 gedruckte Kattunsayas aus Europa zu 5 r., 2 Tcher zu 1 1/2 bis 2 r., 1 oder 2 Paar Pantoffeln (Chinelas), um in die Messe zu gehen, zu 2 r. und mehr nthig. Ausserdem besitzen die Frauen fast immer einige feine Camisas zu wenigstens 6 r., eine Mantilla zum Kirchgang 6 r.; (sie dauert 4 Jahre), einen Kamm, 2 cu. Manche haben auch Unterrcke (nabuas), 2 Stck zu 4 r., Messing-Ohrringe und einen Rosenkranz, Sachen die nur einmal angeschafft werden. In den rmeren Ortschaften, in Luang z. B., werden nur im Hause gewebte Guinaras getragen. Dort bedarf ein Mann: 3 Hemden und 3 Hosen, die aus 3 Stck Guinara zu 2 r. geschnitten werden; einen Salacot (Hut) gewhnlich eigener Anfertigung, Werth 1/2 r. Eine Frau braucht jhrlich: 4 Sayas, Werth 6 r., Camisas, mit Einschluss einer feineren fr das Fest, 8 r. Unterrcke werden nicht getragen. Die Kleidung der Kinder kann etwa auf die Hlfte der obigen Preise veranschlagt werden. Hausrath: Ein Kochtopf -- die Kochtpfe, aus unglasirtem gebrannten Thon, werden von den Schiffen aus Manila mitgebracht; ihr Inhalt an Reiskrnern ist ihr Preis; [231] -- mehrere Bambusrohre; Teller, 7 Stck 2 bis 5 cu.; ein Carahai (eiserne Pfanne) 3 bis 4 r.; Kokosschalen statt der Glser; einige kleine Tpfe, zusammen 1/2 r.; 1 Sundang, 4 bis 6 r., oder Bolo (grsseres Waldmesser) 1 Dollar; 1 Scheere (fr die Frauen) 2 r. Der Webestuhl, den jede Haushaltung selbst aus Bambus zusammenfgt, veranlasst keine baare Auslagen. Der Tagelohn unter den Eingeborenen betrgt 1/2 r., keine Bekstigung. Europer mssen aber immer 1 r. und Kost geben, wenn sie nicht durch Begnstigung des Gobernadorcillo Polistas zu dem obigen niedrigen Tagelohn erhalten knnen, der dann ordnungsmssig in die Gemeindekasse fliessen soll. Ein Zimmermann verdient 1 bis 2 r., die besten 3 r. tglich. Der Arbeitstag ist von 6 bis 12 Mittags und von 2 bis 6 Uhr Abends. Fast jedes Dorf hat einen rohen Schmied, der Sundangs und Bolos zu machen versteht; es mssen aber bei jeder Bestellung das Eisen und die Kohlen dazu geliefert werden. Andre Metallarbeiten werden nicht angefertigt. Ausser etwas Schiffbau wird kaum ein andres Gewerbe betrieben als Weberei; der Webestuhl fehlt fast in keinem Hause. Es werden Guinara fabrizirt, d. h. Abaczeuge, auch etwas Pia und gemusterte Seidenstoffe; die Seide dazu wird aus Manila bezogen und ist chinesischen Ursprungs. Alle diese Gewebe werden in den einzelnen Husern gefertigt, eine Fabrik ist nicht vorhanden. An Orten, wo es an Reis mangelt, fischen die geringeren Leute, salzen und trocknen die Fische und tauschen dafr Reis ein. In den Hauptstdten wird gewhnlich fr baares Geld gekauft; im Innern sind Gewebe und getrocknete Fische sehr gebruchliche Tauschmittel. Geld ist dort fast nicht vorhanden. Salz wird durch Abdampfen des Meerwassers in kleinen eisernen Handpfannen (Carahais) ohne vorherige Verdampfung an der Sonne gewonnen. Die Schifffahrt zwischen Catbalgan und Manila dauert von Dezember bis Juli; von Juli bis Dezember liegen die Schiffe abgetakelt unter Schuppen. Ausserdem findet Kstenschifffahrt stlich bis Guuan, nrdlich bis Catarman, selten bis Luang statt. Die Mannschaft besteht zum Theil aus Einheimischen, zum Theil aus Fremden, da die Bewohner der Inseln sehr ungern zur See gehen, fast nur gezwungen ihr Dorf verlassen. Ausser der Ksten- und Flussschifffahrt besitzt Samar beinahe keine Verkehrsmittel; das Innere ist unwegsam, Lasten knnen nur auf der Schulter getragen werden. Ein starker Trger, der 1 1/2 r. ohne Kost erhlt, schleppt 3 Arrobas (75 Pfund span.) 6 Leguas weit in einem Tage, kann aber am folgenden Tage nicht dieselbe Arbeit verrichten und braucht wenigstens einen Tag Ruhe. 1 1/2 Arrobas trgt ein krftiger Mann tglich 6 Leguas weit eine ganze Woche lang. Mrkte finden in Samar und Leyte nicht statt; wer etwas kaufen will, sucht es in den einzelnen Husern; auf dieselbe Weise bietet der Verkufer seine Waaren an. Ein Indier, der Geld borgen will, muss reichliches Pfand geben und den Dollar monatlich mit 1 r. (12 1/2 % pro Monat) verzinsen. Mehr als 5 Dollar findet er nicht leicht zu borgen, da er gesetzlich nur bis zu dieser Summe haftbar ist. Im stlichen und nrdlichen Samar sind Handel und Kreditwesen noch weniger entwickelt als im westlichen Theile der Insel, der in regerem Verkehr mit den brigen Bewohnern des Archipels steht. Baares Geld wird dort fast gar nicht geliehen, sondern nur Waaren zu einem Real per Monat fr jeden Dollar des Werthes. Kann der Schuldner zur festgesetzten Frist nicht zahlen, so wird ihm hufig eines seiner Kinder genommen, das bis zur Tilgung der Schuld bei dem Darleiher ohne Lohn fr die blosse Bekstigung dienen muss. Ich habe einen jungen Mann gesehn, der wegen 5 Dollar, die sein Vater, ein ehemaliger Gobernadorcillo von Paranas, einem Mestizen in Catbalgan schuldete, 5 Jahre lang umsonst gedient hatte, um die Schuld zu tilgen, und an der Ostkste ein hbsches junges Mdchen, das wegen einer vterlichen Schuld von 3 Dollar schon seit 2 Jahren bei einem Eingeborenen diente, der im Ruf eines Wstlings stand. Man zeigte mir in Borongan eine Kokospflanzung von 300 Bumen; die vor etwa 20 Jahren wegen einer Schuld von 10 Dollar verpfndet, seitdem vom Glubiger wie sein Eigenthum genutzt worden war. Vor einigen Jahren starb der Schuldner, und es gelang den Kindern desselben nur mit vieler Mhe, gegen Zahlung der ursprnglichen Schuld das Eigenthum zurckzuerhalten. Es kommt vor, dass ein Eingeborener von einem andren 2 1/2 Dollar borgt, um sich von den 40 Tagen jhrlicher Frohnden loszukaufen, und dann seinem Glubiger ein ganzes Jahr lang dient, weil er nicht im Stande ist, das Geld pnktlich zurckzuzahlen. [232] Die Bewohner von Samar und Leyte sind trger, nicht so reinlich als die von Luzon, und scheinen hinter den Bicol eben so sehr zurckzustehn, als diese hinter den Tagalen. Bei Taclban, wo lebhafter Verkehr mit Manila stattfindet, sind diese Eigenschaften weniger ausgesprochen; die Frauen dort sind angenehm und baden viel. Uebrigens sind die Bewohner beider Inseln freundlich, gutmthig, folgsam und friedfertig. Schimpfreden oder Thtlichkeiten kommen fast nie vor; wird Einer beleidigt, so verklagt er seinen Gegner im Tribunal. An der Nord- und Westkste scheint grosse Sittenreinheit zu herrschen, aber nicht an der Ostkste und in Leyte. Die usserliche Frmmigkeit ist berall sehr gross; das haben sie von den Priestern gelernt. Die Familien sind sehr einig, die Frauen haben grossen Einfluss, verrichten vorzglich die huslichen Geschfte und sind zum Theil sehr geschickt im Weben, auf dem Felde fallen ihnen nur die leichteren Arbeiten zu. Das Ansehen der Eltern und des ltesten Bruders ist sehr gross; die jngeren Geschwister wagen nie, diesem zu widersprechen. Frauen und Kinder werden sehr gut behandelt. Die Eingeborenen von Leyte haften eben so sehr an dem heimathlichen Boden wie die von Samar, haben auch keine Lust zur Schifffahrt, wenn schon die Abneigung dagegen nicht ganz so ausgesprochen ist, wie bei den Bewohnern von Samar. [233] Anstalten der Wohlthtigkeit sind auf keiner der beiden Inseln vorhanden. Jede Familie erhlt ihre Armen und Krppel und behandelt sie gut. In Catbalgan, der Hauptstadt der Insel, mit 5 bis 6000 Einwohnern, gab es nur 8 Almosenempfnger (in Albay fehlte es nicht an Bettlern). In Luang hatte bei einer feierlichen Gelegenheit ein Spanier ausrufen lassen, dass er Reis unter die Armen vertheilen wolle; es meldete sich Niemand. Die Ehrlichkeit der Bewohner von Samar wird sehr gepriesen. Schulden sollen fast immer ohne schriftliche Dokumente kontrahirt und nie abgeleugnet, wenn auch nicht immer pnktlich bezahlt werden. Rubereien kommen auf Samar fast nie vor, Diebstahl hchst selten. Schulen giebt es auch hier in den Pueblos, sie leisten nicht viel weniger als in Camarnes. Unter den ffentlichen Vergngungen stehn die Hahnenkmpfe obenan, werden aber nicht so leidenschaftlich betrieben wie auf Luzon. An den Kirchweihfesten wird ein aus dem Spanischen bersetztes Schauspiel, gewhnlich religisen Inhalts aufgefhrt, die Kosten werden durch freiwillige Beitrge der Principalia gedeckt. Die Hauptlaster der Bevlkerung sind Spiel und Trunksucht; auch Weiber, selbst junge Mdchen betrinken sich gelegentlich. Bei den Heirathen dauern die Festlichkeiten, Gesang und Tanz oft mehrere Tage und Nchte hintereinander, so lange Speisen und Getrnke ausreichen. Der Freier muss im Hause der Brauteltern 2, 3, selbst 5 Jahre dienen, bevor er die Braut heimfhren kann. Durch Geld ist diese Last nicht abzukaufen. Er speist im Hause der Brauteltern, die den Reis liefern, hat aber die Zuspeise selbst zu beschaffen. [234] Zu Ende der Dienstzeit baut er mit Hlfe seiner Verwandten und Freunde das Haus fr die neu zu grndende Familie. Ehebruch ist hufig, Eifersucht selten und fhrt nie zu Gewaltthtigkeiten; der Beleidigte geht mit dem Schuldigen gewhnlich zum Pfarrer, der mit einer Strafpredigt fr den Einen und Trostworten fr den Anderen Alles wieder in's Geleise bringt. Ehefrauen sind leichter zugnglich als Mdchen, aber auch diesen wird die Aussicht auf Verheirathung durch Fehltritte im ledigen Stande kaum geschmlert. Mdchen unter vterlicher Gewalt werden in der Regel streng gehalten, schon um die Dienstzeit des Freiers zu verlngern. Der ussere Schein wird bei den Bisayern noch mehr gewahrt als bei den Bicols und Tagalen. Auch hier herrscht die irrthmliche Ansicht, dass die Zahl der Frauen die der Mnner bersteige (vergl. S. 45). Mtter von 12 Jahren kommen vor, aber selten. Frauen gebren 12 bis 13 Kinder; es sterben indessen viele derselben, und Familien mit mehr als 6 oder 8 Kindern sind usserst selten. Es herrscht viel Aberglauben. Ausser dem katholischen Marienbildchen, das jede Indierin an einer Schnur um den Hals trgt, haben Viele auch heidnische Amulete. Ich hatte Gelegenheit, ein solches zu untersuchen, das einem sehr khnen Verbrecher abgenommen worden war. Es bestand aus einem Unzenflschchen, vollgestopft mit feinen, anscheinend in Oel gebratenen Wurzelfasern, war von den heidnischen Stmmen bereitet und hatte die Eigenschaft, den Besitzer stark und muthig zu machen. Die Gefangennehmung des Letztern war sehr schwierig; sobald ihm aber das Flschchen entrissen war, gab er allen Widerstand auf und liess sich binden. Fast in jedem grssern Dorf giebt es eine oder mehrere Asun-Familien, die allgemein gefrchtet und gemieden, wie Ausgestossene behandelt werden und sich nur untereinander verheirathen knnen. Sie stehen im Rufe, Menschenfresser zu sein. Vielleicht stammen sie von solchen ab? -- Der Glaube ist sehr allgemein und festgewurzelt. Darber zur Rede gestellt antworteten alte einsichtsvolle Indier, sie glaubten allerdings nicht, dass die Asunen jetzt noch Menschen frssen, aber ohne Zweifel htten ihre Vorfahren es gethan. [235] Alte Legenden, Traditionen, Lieder sollen nicht vorhanden sein. Bei ihren Tnzen singen sie zwar; es sind aber Improvisationen ohne Geist, meist obszn. Denkmler frherer Zivilisation haben sich nicht erhalten. Tempel besassen die alten Pintados nicht, jeder machte sich seine Anitos im Hause selbst, ohne besondere Feierlichkeit. (Morga f. 145 v.). Pigafetta (S. 92) erwhnt zwar, dass der Knig von Cebu, als er Christ geworden, viele am Seestrande erbaute Tempel zerstren liess, es mgen indessen wohl nur Bauten sehr vergnglicher Art gewesen sein. Bei gewissen Gelegenheiten feierten die Bisayer ein grosses Fest Pandot, bei welchem sie ihre Gtter in eigens erbauten mit Blumen und Lampen geschmckten Laubhtten verehrten. Sie nannten diese Htten Simba oder Simbahan (so heissen jetzt die Kirchen) und dies ist das einzige, was sie haben, das einer Kirche oder einem Tempel hnlich sieht. (Informe I. 1. 17). Nach Gemelli Careri, (S. 449) beteten sie auch einige besondere, ihnen von ihren Vorfahren hinterlassene, von den Bisayern Davata (Divata), von den Tagalen Anito genannte Gtter an [236]; es gab auch einen See-Anito und einen fr das Haus, um die Kinder zu behten. Unter diese Anitos wurden ihre Grossvter und Urgrossvter versetzt, die sie in allen Nthen anriefen (s. S. 210), zu ihrem Gedchtniss bewahrten sie kleine hssliche Bildsulen von Stein, Holz, Gold und Elfenbein, welche sie Liche oder Laravan nannten. Auch zhlten sie zu ihren Gttern Alle, die durch das Schwert umkamen, vom Blitz getdtet, oder von Krokodilen gefressen wurden und glaubten, dass ihre Seelen gen Himmel stiegen auf einem Bogen, den sie Balangas nannten. Pigafetta (S. 92) beschreibt die von ihm gesehenen Idole folgendermaassen: Sie sind von Holz, konkav oder hohl ohne Hintertheile, ihre Arme sind geffnet, auch die Beine, die Fsse nach oben gekehrt. Sie haben sehr grosse Gesichter mit vier gewaltigen Zhnen, Eberstosszhnen hnlich, und sind ganz bemalt. [237] Zum Schluss eine kurze Nachricht ber die Religion der alten Bisayer nach Fr. Gaspar (Conq. 169): Den Teufel oder Genius, dem sie opferten, nannten sie Divata was einen Gegensatz der Gottheit, einen gegen dieselbe Emprten zu bezeichnen scheint ... die Hlle nannten sie Solad, den Himmel (in ihrer gebildetsten Sprache) Ologan ... die Seelen der Verstorbenen gehn auf einen Berg in der Provinz Oton, welcher Medias heisst, wo sie sehr gut bewirthet und bedient werden. Erschaffung der Welt: Ein Geier schwebt zwischen Wasser und Himmel, findet keine Sttte, um sich zu setzen, das Wasser steigt gen Himmel. Der Himmel wird zornig, erschafft Inseln. Der Geier spaltet einen Bambus, daraus entstehn Mann und Frau, sie zeugen viele Kinder und treiben sie als ihre Zahl zu gross geworden, mit Schlgen aus. Einige verbergen sich in der Kammer, dies werden die Datos, einige in der Kche, das werden die Sklaven, die brigen gehn die Treppe hinab und werden das Volk. DREIUNDZWANZIGSTES KAPITEL DIE NEUEN ZOLLHFEN. -- STEINKOHLE IN CEBU. -- YLOILO. -- AUFSCHWUNG DES ZUCKERBAUES. 1830 wurden versuchsweise sieben neue Hfen geffnet, wegen grosser Zolldefraudationen aber bald darauf wieder geschlossen. 1831 Errichtung eines Zollamtes in Zambonga, SW. Spitze von Mindano. 1855 wurden Sul im Golf von Lingayen, einer der sichersten Hfen auf der Westkste Luzon's und Ylolo auf Panay, 1863 Ceb auf der gleichnamigen Insel fr den direkten Verkehr mit dem Auslande geffnet. Schon 1635 hatten die Spanier ein Fort in Zambonga errichtet, das die Seeruberzge gegen die Kolonie zwar nicht ganz verhindern konnte, sie aber doch sehr einschrnkte. [238] Bis 1848 sollen von den Moros jhrlich 800 bis 1500 Personen fortgeschleppt worden sein. [239] Der Grndung dieses Zollamtes lagen daher mehr politische als kommerzielle Rcksichten zu Grunde: man wollte den Seeruberstaaten der Solosee einen leicht zugnglichen Platz zum Umsatz ihrer Produkte ffnen. Der Handel ist bis jetzt hchst unbedeutend; die Ausfuhr besteht hauptschlich in etwas Kaffee (1871 gegen 6000 Picos), der wegen seiner nachlssigen Behandlung 30% weniger als Manila-Kaffee gilt, und in eingesammelten Produkten des Waldes und Wassers (Wachs, Vogelnester, Schildpatt, Perlen, Perlmutter, und essbare Holothurien). Dieser Handel wird, so wie der mit Solo nur durch Chinesen betrieben, welche allein die dafr erforderliche Geduld, Geschmeidigkeit und Gewandtheit besitzen. Sul ist besonders fr Reisausfuhr wichtig. Sein Fremdhandel wird daher vom Ausfall der Ernten in Saigon, Birma, China beeinflusst. 1868, wo in obigen Lndern die Ernten gut ausgefallen, trieb Sul nur Kstenhandel. Ceb, 34,000 E., Hauptstadt der Insel desselben Namens, Sitz der Regierung und des Bischofs fr die Bisayas, in 48 Stunden von Manila im Dampfboot zu erreichen, hat eine eben so gnstige Lage fr den stlichen Theil der Bisaya-Gruppe, als Yloilo fr den westlichen und wird mehr und mehr zum Stapelplatz seiner Produkte. Von Bojl erhlt es Zucker und Tabak, von Panay Reis, von Leyte und Mindanao Abac, von Mismis (Mindanao) Kaffee, Wachs, spanisches Rohr, Perlmutter. Es ist von Samar 26, von Leyte 7 1/2 von Bojol 4, von Negros 18 M. entfernt. Die Insel Ceb hat 75 quadr. M. Flcheninhalt, ein hohes Gebirge durchzieht sie von N. bis Sd und scheidet die Ost- von der Westseite, ihre Einwohnerzahl wird auf 340,000 geschtzt, 4533 auf die quadr. M. Die Bewohner sind friedfertig und gefgig, Diebsthle kommen sehr selten, Rubereien nie vor. Die Gewerbe bestehn in Ackerbau, Fischerei und Weberei fr den eignen Gebrauch. Ceb produzirt Zucker, Tabak, Mais, Reis u. s. w., in den Bergen auch Kartoffeln, aber der gewonnene Reis deckt den Bedarf nicht, da nur wenig ebenes Land vorhanden ist, der fehlende Reis wird von Panay eingefhrt. Die Insel besitzt betrchtliche Kohlenlager, deren nachdrckliche Ausbeutung jetzt zu erwarten steht, da der Ausfuhrzoll durch Dekret vom 5. Mai 1869 aufgehoben worden ist. [240] Whrend in Luzon und Panay das Land grsstentheils Eigenthum der Bauern, gehrt es in Ceb meist Mestizen und wird von ihnen in ausserordentlich kleinen Parzellen nach dem Metayer-System verpachtet. Die Grundbesitzer wissen die Bauern durch wucherische Vorschsse in Abhngigkeit zu erhalten; eine der Folgen dieses Missbrauches ist, dass der Ackerbau auf dieser Insel tiefer steht als in irgend einem andern Theil des Archipels. [241] Der Gesammtwerth der Ausfuhr 1868 betrug 1,181,050 Dollar, davon 481,127 Dollar Zucker und 378,256 Dollar Abac nach England, 112,000 Dollar Abac nach Amerika, 188,260 Dollar Tabak nach Spanien. Die Einfuhr fremder Gter findet ber Manila statt, grsstentheils durch Chinesen, die von den fremden Importhusern in Manila kaufen. Der Werth dieser Einfuhren betrug 1868 182,522 Dollar, davon 150,000 Dollar fr englische Baumwollenstoffe. Die Gesammteinfuhr der Insel wurde auf 1,243,582 Dollar, die Lokalausfuhr auf 226,989 Dollar geschtzt. Unter den Einfuhren werden 20 Kisten Bilder, ein Zeichen des tief gewurzelten Marienkultus, aufgefhrt. Frher kauften die fremden Kaufleute die Ausfuhrprodukte meist durch chinesische Mestizen auf, jetzt unmittelbar von den Produzenten, welche nun, nach Wegfall der hohen Maklergebhren, hhere Preise erhalten. Diesem der Energie der fremden Kaufleute zu dankenden Umstande ist die allmlige Zunahme des Ackerbaues hauptschlich zuzuschreiben. Yloilo ist der wichtigste der neu erffneten Hfen, Zentralpunkt der Bisayas, in einer der volkreichsten, betriebsamsten Provinzen. N. Loney schtzt die Ausfuhr von Geweben aus Ananasfasern von Yloilo und den benachbarten Provinzen auf eine Million Dollar jhrlich. Der Hafen ist ausgezeichnet, vllig geschtzt durch eine queer davor gelagerte Insel. Die Fahrzeuge liegen in zwei Faden Tiefe (bei Ebbe) unmittelbar am Strande. Wegen der Barre mssen tiefgehende Schiffe ihre Ladung ausserhalb derselben vervollstndigen. Vor Erffnung der neuen Hfen waren alle Provinzen gezwungen, ihre fr die Ausfuhr bestimmten Produkte nach Manila zu bringen, und ihre auslndischen Bedrfnisse von dort zu beziehn, wodurch erstere namentlich wegen der doppelten Schifffahrts-, Umlade-, Makler- und Lagerkosten sehr erheblich vertheuert wurden. Aus einem handschriftlichen Bericht N. Loney's geht hervor, wie gnstig die Erffnung von Yloilo schon nach so wenigen Jahren auf die davon zunchst betroffenen Provinzen der Inseln Panay und Negros gewirkt hat. Die hheren Preise, die fr direkt ausgefhrten Zucker gezahlt werden konnten, die Leichtigkeit und Sicherheit des Geschfts, im Vergleich zu dem frher von Manila monopolisirten, hatte eine grosse Ausdehnung des Zuckerbaus zur Folge. Nicht nur in Yloilo, sondern auch in Antque und Negros entstanden viele neue Pflanzungen; die alten wurden so viel als mglich vergrssert. Nicht weniger bedeutend war der Fortschritt in der Fabrikation. 1857 gab es auf der ganzen Insel nicht eine eiserne Mhle; bei den vorhandenen hlzernen blieben im Rohr, nachdem es dreimal durch die Walzen gegangen, 30% Saft zurck. Jetzt verdrngen eiserne, durch Dampf oder Bffel getriebene Pressen die hlzernen. Ihre Anschaffung wird unbemittelten, auch eingeborenen Pflanzern sehr erleichtert, da diese jetzt aus den Niederlagen der englischen Importhuser auf Kredit kaufen knnen. Anstatt der alten chinesischen gusseisernen Pfannen werden bessere aus Europa eingefhrt. Mehrere grosse, mit allen Erfordernissen der Neuzeit ausgerstete, durch Dampf betriebene Fabriken sind entstanden, auch im Feldbau ist reger Fortschritt bemerkbar. Aus Europa bezogene verbesserte Pflge, Karren und Ackergerthe werden immer hufiger. Diese Vernderungen zeigen wie wichtig es war, an verschiedenen Punkten des ber 200 Meilen ausgedehnten Archipels Verkehrszentren zu schaffen, wo sich Auslnder niederlassen knnen. Ohne Letztere und die durch sie herbeigefhrten Krediterleichterungen wre der schnelle Aufschwung Yloilo's nicht mglich gewesen, denn die Handelshuser der Hauptstadt knnen ihnen unbekannten Pflanzern in fernen Provinzen nicht anders, als gegen baar verkaufen. Eine grosse Anzahl Mestizen, die frher mit in Manila gekauften Manufakturwaaren Handel trieben, vermgen, seitdem die dortigen fremden Firmen ihre Gter direkt in die Provinz senden, weder diesen, noch den chinesischen Kleinhndlern gegenber zu bestehn, und haben sich zu ihrem und des Landes grossen Vortheil auf Zuckerbau verlegt. So sind auf Negros bedeutende Pflanzungen entstanden, die mit Eingeborenen von Yloilo bewirthschaftet werden, da es auf jener Insel an Hnden fehlt. Auslnder knnen jetzt gesetzlich Grund und Boden erwerben und vollgltige Besitztitel erhalten, was bis vor wenigen Jahren nur durch Umgehung des in diesem Punkt sehr unbestimmt lautenden Gesetzes mglich war. Das Land wird durch Kauf oder, wenn es noch unbenutzt ist, durch Denuncia erworben. In diesem Falle bezeichnet der Denunziant den betreffenden einheimischen Behrden das Stck Land, das er bebauen will, und erhlt, falls kein Andrer Anspruch darauf erhebt, einen Schein darber ausgestellt, auf dessen Einreichung der Alkalde ohne andre Kosten als Stempel und Gebhren den Besitztitel ausfertigt. Manche Mestizen und Eingeborene, denen das nthige Kapital zum erfolgreichen Betriebe einer grossen Pflanzung fehlt, verkaufen ihre urbar gemachten Felder an europische Kapitalisten und bilden so einen Vortrab fr bemittelte Pflanzer. Die Kolonial-Regierung ist jetzt aufrichtig geneigt, die Anlage grosser Pflanzungen zu begnstigen. Es fehlt noch sehr an guten Strassen. Mit der Zunahme des Landbaus werden sie sich aber vermehren; auch liegen die meisten Zuckerfabriken in Negros an Flssen, die hinreichend tief fr flache Lastboote sind. Der Bodenwerth hatte sich in manchen Gegenden seit zehn Jahren verdoppelt. [242] Diese Ergebnisse sind der durch Ausfuhrfreiheit so lukrativ gewordenen Zuckerindustrie zuzuschreiben. Bis 1854 galt der Pico Zucker 1,25 Dollar bis 1,5 Dollar in Yloilo und selten ber 2 Dollar in Manila; 1866: 3,25 Dollar, 1868: 4,75 bis 5 Dollar per Pico in Yloilo. Schon zu 1,75 Dollar in Yloilo ist das Geschft lohnend. [243] Ende 1866 waren auf der Insel Negros allein, ausser zahlreichen Mestizen, 20 Europer als Zuckerpflanzer angesiedelt, von denen mehrere mit Dampfmaschinen und Vacuumpfannen arbeiteten. Der Tagelohn betrug 2,5 Dollar bis 3 Dollar monatlich. Auf einigen Pflanzungen sind Acsa (Antheil) Kontrakte in Gebrauch: der Eigenthmer berlsst ein Stck Land sammt Zugvieh und Ackergerth zur Bearbeitung an einen Eingeborenen, der das gewonnene Rohr in die Mhle zu liefern hat und einen Theil (gewhnlich ein Drittel) fr sich erhlt. In Negros wird violettes, bei Manila weisses (Otaheiti) Rohr gebaut; der Boden wird nicht gedngt. Auf neuem Boden wird das Rohr oft 13 Fuss hoch. Die grosse Zunahme des Wohlstandes ist auch an den Kleidern ersichtlich; Stoffe von Pia und Seide werden immer allgemeiner. Die Zunahme von Luxus ist ein gutes Zeichen: mit den Bedrfnissen wird der Fleiss steigen. Wie schon mehrfach erwhnt, scheinen Californien, Japan, China, Australien die naturgemssen Hauptabnehmer fr die Kolonial-Produkte der Philippinen. Gegenwrtig freilich ist England der beste Kunde, aber mehr als die Hlfte seiner Rechnung ist fr Zucker, in Folge eigenthmlicher Zollgesetze. Nur ein Viertel etwa der Zuckerernte wird hinreichend gereinigt, um in Californien und Australien mit den Sorten von Bengalen, Java, Mauritius konkurriren zu knnen; die brigen drei Viertel mssen sonderbarer Weise die weite Reise nach England machen, trotz der hohen Fracht und eines Gewichtverlustes auf der Seereise von 10 bis 12% (durch Auslaufen der Molasse). Gerade seine schlechte Beschaffenheit empfiehlt den philippinischen Zucker dem englischen Raffinr, der ihn nur mit 8 Sh. per Cwt. verzollt, whrend reinerer 10 bis 12 Sh. kostet. [244] So prmiirt das englische Zollgesetz die schlechte Zuckerfabrikation. Dasselbe that bis 1862 die Kolonial-Regierung, indem sie den Fabriken nicht gestattete ihre Molassen zu Rum zu destilliren (s. S. 58). Man hatte daher wenig Lust, dem Zucker mit Unkosten einen nicht zu verwerthenden Krper zu entziehn. Unter normalen Verhltnissen deckt die Rumfabrikation nicht nur die Kosten der Reinigung, sie liefert auch einen erheblichen Gewinn. VIERUNDZWANZIGSTES KAPITEL ABACA ODER MANILA-HANF. Eines der interessantesten Erzeugnisse jener Inseln ist der sogenannte Manila-Hanf, von den Franzosen, die aber fast keinen Gebrauch davon machen, wegen des seidenartigen Glanzes Pflanzenseide genannt. Bei den Eingeborenen heisst die Faser Bandla, im Handel gewhnlich Abac, wie die Pflanze von der sie gewonnen wird. Letztere ist eine in den Philippinen ursprnglich wild wachsende Banane, auch rbol de camo (Hanfbaum) genannt, Musa textilis Lin. Sie unterscheidet sich im allgemeinen Anblick nicht merklich von der essbaren Banane, M. paradisiaca, einer der allerwichtigsten Kulturpflanzen warmer Erdstriche, die als beliebte Zierpflanze unserer Treibhuser Jedermann bekannt ist. Ob die an andern Orten des indischen Archipels wild wachsenden Musen (M. troglodytarum, M. sylvestris und andere), hufig auch M. textilis genannt, derselben Art angehren, ist noch nicht festgestellt. Die Musen sind nur krautartige Pflanzen, der scheinbare Stamm besteht aus Blattstielen von mondsichelfrmigem Querschnitt, die einander umschliessend den dnnen zentralen Blthenschaft umgeben. Diese Blattstiele stecken voll Bastfasern und werden deshalb vielfach statt Bindfadens benutzt, bilden aber keinen Handelsartikel. Als solcher dienen bis jetzt ausschliesslich die in dem sdstlichen Theil der Philippinen gewonnenen Abacfasern. Besonders geeignet fr den Anbau dieser Pflanze sind die Provinzen Sd-Camarines und Albay, die Inseln Samar und Leyte und die umliegenden Eilande, auch Cebu; ein Theil des Cebu-Hanfs kommt aber von Mindanao. Auf Negros gedeiht die Bastbanane nur im Sden, nicht im Norden, und Yloilo, das die meisten Abac-Gewebe (Guinras) erzeugt, muss den Rohstoff von den stlicheren Distrikten einfhren, da er auf der Insel Panay nicht gedeiht (In Capiz wchst wohl etwas Abac, es ist aber von geringem Werth). Alle Versuche den Abacbau auch in den westlichen und nrdlicheren Provinzen heimisch zu machen -- es soll an ernstlichen Bemhungen nicht gefehlt haben -- sind bisher misslungen; die Pflanzen wurden kaum zwei Fuss hoch, ihr Ertrag deckte die Unkosten nicht. Als Ursache des Fehlschlagens gilt die dort mehrere Monate dauernde trockne Jahreszeit; in den stlichen Provinzen fallen das ganze Jahr reichliche Niederschlge. Der grosse Nutzen, den der Manilahanf seit einigen Jahren den Produzenten abwirft, ermuthigt aber zu immer neuen Versuchen, und so wird sich wohl bald zeigen, ob der Abacbau wirklich an sein bisheriges enges Gebiet gebunden ist, whrend die essbaren Arten sich innerhalb der Wendekreise ber die ganze Erde verbreitet haben. Auf den vulkanischen Bergen des westlichen Java wchst eine wilde Musa in grosser Ueppigkeit, die Regierung hat sie aber nicht zum Gegenstand nachhaltiger Kulturversuche gemacht, und der Privatunternehmungsgeist ist dort bis jetzt durch das Kultursystem gefesselt. In verschiedenen Schriften wird angegeben, dass im Norden von Celbes Abac gewonnen werde. Bickmore sagt aber ausdrcklich, dass die von den Residenten mit grosser Anstrengung gemachten Versuche wieder aufgegeben wurden, weil der Kaffeebau sich lohnender erwies. [245] Guadalupe soll auf vorhergehende Bestellung Abac (Fasern von M. textilis?) liefern knnen. [246] Pondichery und Guadalupe sollen Abacgewebe und Franzsisch-Guiana Stoffe von Fasern essbarer Bananen ausgestellt haben. [247] [248] Alles dies sind aber nur Versuche. Nach Royle [249] bertrifft die Abacfaser den russischen Hanf an Festigkeit, Leichtigkeit, Tragkraft und Billigkeit, und steht ihm nur darin nach, dass die daraus gefertigten Taue bei Regenwetter steif werden, was aber an der Art des Verspinnens liegen und durch zweckmssige Behandlung zu vermeiden sein soll. [250] In der That werden diese Uebelstnde jetzt z. Th. durch bessere Bereitung des Rohstoffs in Manila vermittelst geeigneter Maschinen beseitigt. Den Vortheil grsserer Billigkeit hat das Abac gegenwrtig nicht mehr, da die Nachfrage viel schneller zunimmt, als sie befriedigt werden kann. Whrend es 1859 in London 22 bis 25 per Tonne galt, kostete es 1868 45 bis 50 , russischer Hanf 31 , es war also in 9 Jahren auf das Doppelte gestiegen. In Albay werden etwa zwlf Abarten von Bastbananen gebaut, deren Wahl sich nach der Beschaffenheit des Bodens richtet. Die Kultur ist usserst einfach und von den Jahreszeiten unabhngig. Am besten gerathen die Pflanzungen auf den Abhngen vulkanischer Berge, woran Albay und Camarines so reich sind, auf Waldlichtungen, in denen jedoch schattengebende Bume in Entfernungen von etwa 60 Fuss stehn bleiben. Auf offenen Flchen gelingen sie weniger, in Sumpfland gar nicht. Zur Anlage einer neuen Pflanzung werden gewhnlich junge Triebe benutzt, die in solcher Flle aus der Wurzel sprossen, dass jedes Individuum bald zu einem Busch wird. Auf gutem Boden lsst man daher Abstnde von wenigstens 10 Fuss zwischen den Pflanzen, auf geringerem 6 Fuss. Die ganze Arbeit beschrnkt sich auf gelegentliche Vertilgung des Unkrautes und Unterholzes whrend der ersten Zeit; spter wuchern die Pflanzen so ppig, dass sie keine andere neben sich aufkommen lassen, dann sind auch schattengebende Bume nicht mehr nthig, da die jungen Triebe unter den wedelartigen Blttern der alten hinreichenden Schutz gegen die Sonnengluth finden. Nur in seltenen Fllen, bei Uebersiedelung in entfernte Gebiete, werden Pflanzen aus Samen gezogen. Zu dem Zwecke schneidet man die Frchte ab und trocknet sie, doch drfen sie nicht berreif sein, da die Kerne sonst nicht keimen. Letztere haben die Grsse von Pfefferkrnern (bei den essbaren Arten sind sie fast bis zum Verschwinden verkmmert). Zwei Tage vor dem Aussen werden die Kerne aus der Frucht genommen, ber Nacht in Wasser gelegt, am folgenden Tage im Schatten getrocknet, am dritten Tage ausgeset, in zolltiefe Lcher, auf frisch umgegrabenen hinreichend beschatteten Waldboden, mit 6 Zoll Abstand zwischen den Pflanzen und Reihen. Nach einem Jahre pflanzt man die dann etwa 2' hohen Smlinge um und behandelt sie weiter wie Wurzeltriebe. Whrend viele essbare Bananen schon nach einem Jahre Frchte tragen, einige sogar schon nach 6 Monaten, braucht die Abac im Durchschnitt 3 Jahre bis zur Bastreife, wenn sie aus Wurzeltrieben; vier Jahre, wenn sie aus ein Jahr alten Smlingen gezogen wird; unter den gnstigsten Verhltnissen 2 Jahre. Bei der ersten Ernte schneidet man von jedem Busch nur einen Stamm, spter nimmt der Nachwuchs so schnell zu, dass alle paar Monate geschnitten werden kann; [251] nach einigen Jahren wird die Pflanzung so dicht, dass es kaum mglich ist, durchzudringen. Am besten ist der Bast zur Zeit, wo die Blthe ansetzt, doch wird, wenn die Faser hoch im Preise steht, dieser Zeitpunkt nicht immer abgewartet. Pflanzen, die geblht haben, werden gar nicht ausgebeutet, angeblich weil ihre Faser zu schwach ist. Eine so zartfhlende Rcksicht fr den unbekannten Konsumenten jenseits des Weltmeers trotz dringender Nachfrage und mangelnder Aufsicht wre befremdend. Auch ist kein Grund ersichtlich, weshalb die Faser schwcher werden sollte durch den Vorgang der Fruchtbildung, der doch nur zu den Gefsszellen in Beziehung steht, die Umwandlung ihres Inhalts in lsliche Stoffe und ihre allmlige Entleerung zur Folge hat, whrend die Faserzellen dadurch nicht beeinflusst werden. Diese nehmen im Gegentheil mit dem Alter der Pflanze an Festigkeit zu; haften aber, weil die entleerten Zellen, durch Ablagerung harziger Stoffe an einander kleben, so fest zusammen, dass es nicht mglich sein wrde, sie ohne sehr vermehrten Kraftaufwand und unzerrissen zu gewinnen. So mag die irrige Meinung entstanden sein. Durch vorheriges Rsten, wie beim Hanf, liessen sich vielleicht auch die alten Pflanzen verwerthen, jedoch nicht ohne betrchtliche Erhhung des Arbeitslohns, der schon jetzt den grssten Theil der Darstellungskosten ausmacht. [252] Um den Bast zu erhalten, wird der Stamm dicht ber dem Boden abgeschnitten und von den Blttern und ussern Hllen befreit; dann lst man die einzelnen Blattstiele in Streifen ab, macht auf der innern, konkaven Seite einen Querschnitt durch die Haut und reisst sie sammt dem daran haftenden fleischigen Theil (dem Parenchym) ab, so dass nur die ussere Haut mglichst rein zurckbleibt. Oder man lst den Bast von dem unzertheilten Stamm. Zu dem Zweck macht der Arbeiter einen schrgen Einschnitt in die Haut am untern Ende des Stammes, fhrt mit dem Messer unter den Zipfel, zieht einen mglichst breiten Streifen der ganzen Lnge nach ab, und wiederholt dies so lange es lohnt. Dies Verfahren, ausgiebiger, aber zeitraubender als das zuerst beschriebene und daher nur selten angewendet, heisst: jagot, jenes: luni. Die Baststreifen werden dann unter einem drei Zoll hohen, sechs Zoll langen Messer durchgezogen, das mit einem Ende an einem elastischen Stock so befestigt ist, dass die Klinge senkrecht ber einem gegltteten Block schwebt, und am andern Ende, dem Griff, mittelst einer an einem Trittbrett angebrachten Schnur fest aufgedrckt werden kann. Der Arbeiter zieht die mehr oder weniger gereinigten Bastreifen zwischen Block und Messer durch, von der Mitte anfangend erst nach der einen, dann nach der andern Seite. Das Messer darf nicht schartig oder gar sgenfrmig gezhnt sein, wie Padre Blanco angiebt. [253] In Lohn arbeitend liefern 3 Mann gewhnlich 25 Pfd. per Tag. Einer haut den Stamm um, lst die Bltter ab und trgt zu; ein Zweiter, hufig ein Knabe, bereitet die Streifen, der Dritte zieht sie unter dem Messer durch. Es kommt vor, dass einzelne Pflanzen bis 2 Pfund Fasern liefern; der gnstigste Durchschnitt betrgt wohl nur selten ein Pfund, auf schlechtem Boden kaum den sechsten Theil. Der Besitzer beutet die Pflanzung entweder selbst aus, oder durch Tagelhner oder, bei sehr niedrigen Marktpreisen, indem er den Arbeitern die Hlfte des Ertrages berlsst. In diesem Fall soll ein tchtiger Arbeiter einen Pico in der Woche liefern knnen. Legt man den bei meiner Anwesenheit ausnahmsweise niedrigen Preis, 16,5 r. fr den Pico zu Grunde, so gewinnt der Arbeiter in 6 Tagen den halben Betrag = 8,25 r., tglich 1,375 r. Der Tagelohn war damals 0,5 r. und Bekstigung = 0,25 r., zusammen 0,75 r. im Tagelohn: auf halben Antheil: Der Arbeiter verdiente also tglich 0,75 r. 1,375 r. Der Arbeitslohn per Pico betrug 12,6 r. 8,25 r. Der Nutzen des Pflanzers nach Abzug des Arbeiterlohns 3,9 r. 8,25 r. Die Rnder der Blattstiele, die viel feinere Fasern enthalten als die Mitte, werden in zollbreiten Streifen besonders abgelst und mit starkem Druck mehrere Male unter dem Messer durchgezogen. Ihr Produkt heisst Lpis, steht hoch im Preise und wird zu feinen inlndischen Geweben benutzt, whrend die Bandla hauptschlich zu Tauwerk dient. [254] Das Lupis wird nach der Feinheit der Fasern in vier Klassen sortirt (1o Binani, 2o Totogna, 3o Sogotan, 4o Cadaclan) indem man ein Bndel davon in die linke Hand nimmt, und mit der rechten die drei ersten Sorten in die Zwischenrume der vier Finger einreiht, die vierte zwischen Daum und Zeigefinger behlt. Diese letztere ist fr sehr feine Gewebe nicht mehr verwendbar, und wird daher hufig mit der Bandla verkauft. Nachdem die feinen Sorten im Reis-Mrser gestampft worden, um die Fasern geschmeidiger zu machen, werden diese einzeln an einander geknpft und zum Weben verwendet. Gewhnlich wird die erste Sorte als Einschlag mit der zweiten als Kette, die dritte als Kette mit der zweiten als Einschlag verarbeitet. Dergleichen Gewebe sind fast so schn, wie Ananas-Stoffe (Nipis de pia), kommen den feinsten Batisten an Feinheit gleich, sind trotz der vielen kleinen vom Verknpfen der Fasern herrhrenden Kntchen, die man bei genauerer Beschauung entdeckt, noch klarer, auch starrer, und haben einen wrmeren gelblichen Ton. [255] In Bezug auf diese letzten drei Eigenschaften, Klarheit, Starrheit und Farbe, verhalten sie sich zum Batist etwa wie Pauspapier zu Seidenpapier. Die Herstellung solcher Stoffe auf sehr unvollkommenen Websthlen ist usserst mhsam, da die nicht gesponnenen, sondern geknoteten Fasern hufig reissen. Die feinsten Zeuge verlangen einen so grossen Aufwand von Geschick, Geduld und Zeit, und steigen dadurch so sehr im Preise, dass sie in Europa der billigen Maschinenarbeit gegenber keine Kufer finden wrden. Selbst ihr schner warmer Ton wird ihnen von den an stark geblute Wsche gewohnten Europerinnen zum Vorwurf gemacht. Im Lande dagegen werden sie von den reichen Mestizinnen, welche die Arbeit zu wrdigen verstehn, sehr hoch bezahlt. Die Fasern der innern Blattstiele, die weicher, aber nicht so stark sind als die der ussern, heissen Tupus und werden mit der Bandla verkauft, oder zu inlndischen Geweben, besonders zu Tapis benutzt. Auch die Bandla dient zu Geweben, und in dem Theil des Archipels, wo die Abackultur einheimisch, besteht oft der ganze Anzug beider Geschlechter nur aus grober Guinra. Noch grbere starrere Zeuge werden fr den europischen Markt bereitet, als Krinoline, oder zum Fassonniren fr Putzmacherinnen. Schon vor Ankunft der Spanier trugen die Eingeborenen Stoffe von Abac. Einen wichtigen Ausfuhrartikel bildet es erst seit einigen Jahrzehnten. Dies ist zum grossen Theil dem Unternehmungsgeist zweier amerikanischen Huser zu danken und wurde nicht ohne viel Beharrlichkeit und betrchtliche Geldopfer erreicht. Da die Pflanzen ohne Pflege fortwachsen, und nur die Gewinnung der Fasern Mhe macht, so scheut der durch die Freigiebigkeit der Natur gegen Noth geschtzte Eingeborene diese Mhe, wenn der Marktpreis nicht sehr lockend ist. Auf regelmssige Lieferungen wre bei niedrigen Preisen kaum zu rechnen, wenn der Leichtsinn der Indier den Hndlern nicht eine Handhabe bte, um sie zur Arbeit anzuhalten: man macht ihnen Vorschsse in Waaren oder Geld, die sie durch Lieferungen von Bandla aus der eigenen Pflanzung oder durch Arbeit in der des Glubigers tilgen mssen. [256] So lange das Produkt hoch im Preise steht, geht alles ziemlich gut, obwohl auch dann durch Unredlichkeit der Indier, Trgheit, Unwirthschaftlichkeit und Unfhigkeit der nicht kaufmnnisch geschulten Zwischenhndler zuweilen betrchtliche Verluste vorkommen. Sinkt aber die Waare bedeutend im Preise, so sucht der Indier auf jede Weise seine dann sehr unbequeme Verpflichtung zu umgehn; der nach Prozenten berechnete Nutzen der Zwischenhndler deckt kaum die Zinsen des geborgten Kapitals; dennoch mssen sie liefern, da sie kein andres Mittel zur Verzinsung ihrer Schuld besitzen. Dann fhren die Indier bittre Klage ber die Agenten, die sie durch Vorschsse unter wucherischen Bedingungen zu harter unergiebiger Arbeit zwingen, die Agenten (gewhnlich Kreolen und Mestizen) klagen ber die schlauen habgierigen Fremden, die sich nicht entblden, sie, die Herren der Kolonie, in ihre Schlinge zu locken um sie zu Grunde zu richten, die schlauen Fremden endlich verlieren betrchtliche Kapitalien. Nachdem auf solche Weise eine der bedeutendsten Firmen sehr hohe Summen eingebsst, soll es den an diesem Handel vorwiegend betheiligten Amerikanern gelungen sein dem bisher befolgten Vorschusssystem ein Ende zu machen, selbst Magazine und Pressen an den Bezugsquellen zu errichten, und durch ihre Kommis unmittelbar vom Produzenten zu kaufen. Alle frher dahin zielenden Bestrebungen waren an dem Widerstand der Spanier und Kreolen gescheitert, denn diese betrachten die Ausbeutung der Kolonie und besonders den Binnen- und Kleinhandel als ihr ausschliessliches Recht, sind sehr neidisch auf die fremden Eindringlinge, die sich auf ihre Unkosten bereichern und legen ihnen jedes Hinderniss in den Weg. Hinge es von diesen Leuten ab, so mssten alle Fremde aus dem Lande vertrieben, die Chinesen nur als Kulis zugelassen werden. [257] In derselben Weise werden die Chinesen als tchtige zuverlssige Arbeiter von den Indiern gehasst, und alle Versuche, grssere Unternehmungen mit chinesischen Arbeitern zu betreiben, sind bisher durch die inlndischen Arbeiter vereitelt worden, die jene nicht dulden, sie durch offene Gewalt oder heimliche Verfolgung vertreiben. Auch den Kolonialbehrden wird vorgeworfen, dass sie die Chinesen nicht wie sie sollten, gegen dergleichen Gewaltthtigkeiten beschtzen. Dass bisher in den Philippinen grssere Unternehmungen in der Regel nicht glckten, oder wenigstens keinen bedeutenden Nutzen abwarfen, ist nicht zu bestreiten, und wird von Vielen vornehmlich jenen Umstnden zugeschrieben. Manche freilich erklren die Misserfolge aus andern Ursachen und versichern, dass die Indier gut arbeiten, wenn sie pnktlich und angemessen bezahlt werden. Die Regierung scheint allmlig zu der Einsicht gekommen, dass die natrlichen Hlfsquellen der Kolonie nicht erschlossen werden knnen ohne das Kapital und den Unternehmungsgeist der Auslnder. Sie hinderte daher in neuer Zeit ihre Niederlassung in der Provinz durchaus nicht. 1869 ist den Fremden endlich das Niederlassungsrecht durch ein Gesetz zugestanden worden. Die nchste Zukunft scheint sich fr die Abackultur sehr glnzend zu gestalten. Seit Beendigung des amerikanischen Krieges, der ein bedeutendes Fallen im Werthe dieses hauptschlich in Amerika verwendeten Produktes zur Folge hatte, sind die Preise fortwhrend im Steigen. Mas (Informe) giebt an, dass 1840 136,034 Picos Abac zum Werth von 397,995 Dollar ausgefhrt wurden, wonach sich der Werth per Pico auf 2,9 Dollar berechnet. Der Preis stieg allmlig und hielt sich zwischen 4 und 5 Dollar; erreichte whrend des Krimkrieges, der die Ausfuhr des russischen Hanfs verhinderte, die enorme Hhe von 9 Dollar, was die Anlage vieler neuen Pflanzungen veranlasste, deren Produkt, als es nach 3 Jahren bei inzwischen wieder eingetretenen normalen Verhltnissen auf den Markt kam, die Preise auf 3 1/2 Dollar herabdrckte, wobei es sich eben noch lohnte, vorhandene Pflanzungen auszubeuten, nicht aber neue anzulegen. Diese Preise erhielten sich bis 1860, sind seitdem allmlig gestiegen (nur whrend des amerikanischen Krieges trat eine Stockung ein), stehn jetzt wieder so hoch wie whrend des Krimkrieges, und es scheint keine Aussicht vorhanden, dass sie fallen werden, so lange den Philippinen kein Konkurrent erwchst. 1866 kostete in Manila der Pico nie weniger als 7 Dollar, was noch 2 Jahre vorher als Maximum galt, und stieg bis auf 9 1/2 Dollar fr ordinre Sorten. Die Produktion hat in manchen Provinzen die usserste Grenze erreicht, eine Steigerung derselben ist fr das Erste wenigstens nicht mglich, da die ganze mnnliche Bevlkerung bereits an der Kultur betheiligt ist ... ein Beleg dafr, dass reichlicher Lohn die Faulheit der Eingeborenen zu berwinden vermag. [258] Nachstehende Tabelle scheint die Richtigkeit dieser Ansicht zu besttigen. Nach 1861 1864 1866 1868 1870 1871 Grossbritanien 198,954 226,258 96,000 125,540 131,180 143,498 N.-Amerik. Atlant. Hfen 158,610 249,106 280,000 294,728 327,728 285,112 Californien 6600 9426 14,200 15,900 22,500 Europa Continent 901 1134 200 244 640 Australien 16 5194 21,144 11,434 6716 Singapore 2648 1932 3646 1202 2992 China 5531 302 882 2294 ======= ======= ======= ======= ======= ======= Total 273,269 493,352 406,682 460,558 488,560 463,752 Balanza Preuss. Belg. Engl. Marktbericht mercantil. Konsul- Konsul- Konsul- T. H. & Co. Bericht. Bericht. Bericht. Der Verbrauch im Lande ist in obigen Zahlen nicht enthalten und schwer zu ermitteln, muss aber sehr bedeutend sein, da die Eingeborenen ganzer Provinzen in Guinara gekleidet sind; die Gewebe fr den Bedarf der Familie werden aber gewhnlich im Hause selbst angefertigt. Als Surrogat fr Abac kommt seit einigen Jahren in zunehmender Menge Sesal, auch Sesalhanf oder mexicanisches Gras genannt, in den Handel. Es sieht ungefhr so aus wie Abac, entbehrt aber den schnen Seidenglanz, ist schwcher, kostet 5 bis 10 per Ton weniger, wird nur zu Tauwerk verwendet; seine Abflle sind zur Papierfabrikation gesucht, als Zusatz zu besserem Papierzeug. Eine Notiz ber den Ursprung dieses Surrogates bringt The Technologist Juli 1865, einen davon wesentlich abweichenden ausfhrlichen Aufsatz mit Abbildungen der U. S. Agricultural Report Washington 1870. Bei der zunehmenden Wichtigkeit des Stoffes und der Unbekanntschaft, die selbst in London ber seine Herkunft herrscht, drfte ein kurzer Auszug daraus willkommen sein. Der Bericht erwhnt die grssere Schnheit der Abacfaser, aber nicht ihre grssere Festigkeit. [259] Der Sesalhanf, nach dem Ausfuhrhafen Sisal (im NW. der Halbinsel) benannt, ist bei weitem das wichtigste Bodenerzeugniss Yucatan's und scheint jenes felsige, von der Sonne verbrannte Land zur Hervorbringung dieser Fasern besonders geeignet. In Yucatan wird die Faser jenequem genannt, auch wohl die Pflanze, aus der sie gewonnen wird. Von letzterer sind 7 Arten oder Abarten Gegenstand des Anbaus, nur zwei derselben, die erste und siebente, kommen auch wild vor. 1o Chelem, wahrscheinlich identisch mit Agave angustifolia, sie nimmt den ersten Rang ein. 2o Yaxci (spr. yachki, yax = grn, ki = agave), die zweite im Range, sie wird nur fr feine Gewebe verwendet. 3o sacci (spr. Sakki, sac = weiss) die wichtigste, ergiebigste, liefert fast ausschliesslich die Fasern fr die Ausfuhr, jede Pflanze jhrlich 25 Bltter = 25 Pfd., davon 1 Pfd. reine Faser. 4o Chucumci, hnlich No. 3, aber grber. 5o babci, die Faser sehr gut, aber die Bltter klein, daher nicht ausgiebig. 6o citamci (spr. kitamki, kitam = Schwein) weder gut noch ausgiebig. 7o cajun oder cajum, wahrscheinlich Fourcroya cubensis, Bltter schmal, 4 bis 5' lang. Der Sesalbau wird erst in neuester Zeit schwunghaft betrieben, die Gewinnung der Faser aus den Blttern und ihr Verspinnen zu Tauwerk geschieht zum Theil schon durch grosse Dampfmaschinen. Vorzugsweise aber wird das ganze Gewerbe von den Mayaindianern ausgebt, Abkmmlingen der Tolteken, die es bei ihrer Einwanderung aus Mexico mitbrachten, wo es schon lange vor Ankunft der Spanier bestand. Der Sesalbau soll jhrlich 95% Nutzen abwerfen. Ein Mecate = 576 quadr. Varas enthlt 64 Pflanzen, giebt 64 Pfd. reine Faser, Werth 3 Doll. 84 C., nach Abzug der Kosten (1 Doll. 71) 2 Doll. 13 C. Gewinn. Die Ernten beginnen 4 bis 5 Jahre nach Anlage der Pflanzung und halten 50 bis 60 Jahre an. Da es in tropischen Lndern kaum eine Htte ohne Bananen giebt, so sind schon Viele auf den Gedanken gekommen, dass es sehr vortheilhaft sein wrde, die Fasern dieser Pflanzen zu verwerthen, die jetzt gnzlich verloren gehn und fr den blossen Arbeitslohn zu haben wren, denn die geringe Mhe des Anbaus vergelten die Bananen schon auf's reichlichste durch ihren Fruchtertrag. [260] Fr die Philippinen wrde diese Voraussetzung unter den bestehenden Verhltnissen wohl nicht zutreffen, da es nicht einmal lohnt den Bast der chten Abacpflanzen zu gewinnen, sobald diese Frchte getragen haben. Die Faser der essbaren Arten wre doch wohl nur als Papierstoff zu gebrauchen, ihre Gewinnung wrde mehr kosten als die der chten Bandla (s. S. 248). Im Sitzungsbericht der Society of Arts, London 11. Mai 1860 wird eine von F. Burke in Montserrat erfundene Maschine zur Erzielung von Bananen- und andern endogenen Pflanzenfasern besprochen. Whrend frhere Maschinen der Faser parallel wirkten, arbeitet jene queer gegen dieselben, wodurch sie vorzglich rein erhalten werden; man soll damit von der Banane 7 bis 9 % Faserstoff gewinnen. Die Tropical Fibre Company hatte solche Maschinen nach Demarara, auch nach Java und andern Orten gesandt in der Absicht, die Fasern der essbaren Bananen zu Gespinnst und Papierstoff zu verwerthen. Auch lagen bereits Proben also gewonnener Fasern aus Java vor, deren Werth fr den Spinner auf 20 bis 25 geschtzt wurde.(?) Es scheinen aber diese vielversprechenden Versuche noch nirgends zu nachdrcklichem Betriebe gefhrt zu haben, wenigstens wird in den mir zu Hnden gekommenen Konsularberichten nichts davon erwhnt. Bei der Bandalagewinnung in den Philippinen hat sich die Erfindung nicht Eingang verschafft; selbst noch in seinem neuesten Bericht (Aug. 1869) klagt der englische Konsul, dass alle bisher von den Ingeniren ersonnenen Maschinen sich als vllig unbrauchbar erwiesen. Der Nutzung des Bastes essbarer Bananen steht aber in den Philippinen auch noch der Umstand entgegen, dass diese Pflanzen dort, nicht wie an manchen Orten in Amerika, in grossen Grten, sondern vereinzelt um die Htten gezogen werden; die Heranschaffung des Rohmaterials, der Lokaltransport und die hohe Schiffsfracht wrden den doch immer nur mssig guten Stoff fr Europa zu sehr vertheuern, wenigstens wohl auf 10 per Tonne, whrend Spartogras (Lygaeum spartum Loeffl.), das seit einigen Jahren in steigender Menge als Papierstoff eingefhrt wird, in London nur 5 die Tonne kostet. [261] Einen andern billigen Papierstoff liefern die Kaffeescke aus Jute (Corchorus capsularis). Sie dienen namentlich zur Darstellung festen braunen Packpapiers, da es noch nicht gelingen will, die Faser zu bleichen. Nach P. Symmonds verwenden die Vereinigten Staaten in neuester Zeit viel Bambus. Ein sehr gutes Zeug soll die Rinde der Adansonia digitata geben; besondere Beachtung aber verdiene der Neu-Seeland-Flachs, da sich daraus gefertigtes Papier wegen seiner grossen Zhigkeit vorzglich fr Werthpapiere eigne. Es darf indessen nicht bersehen werden, dass die zur Papierbereitung verwendeten Lumpen von Leinen- und Baumwollenstoffen, die das vorzglichste Papier geben, ebenfalls fr die blosse Mhe des Einsammelns zu haben sind, dass sie die Kosten ihrer Herstellung schon in der Form von Kleiderstoffen gedeckt, und sogar durch die Abnutzung und durch vieles Waschen eine weitere Zubereitung erhalten haben, die sie zur Papierbereitung geeigneter macht. Je mehr brigens die Papierfabrikation fortschreitet, um so mehr verdrngen einheimische Holzfasern, namentlich Holz und Stroh, die schon gegenwrtig recht gute Pasten geben, jeden aus der Ferne eingefhrten Rohstoff. Dass England so viel Sparto bezieht, hat wohl mit darin seinen Grund, dass es nur sehr wenig Stroh erzeugt, weil es einen grossen Theil seines Getreidebedarfs in Krnern vom Auslande empfngt. FNFUNDZWANZIGSTES KAPITEL DAS TABAKMONOPOL. Fr die Regierung ist der Tabak das wichtigste aller Landesprodukte; sie hat den Anbau der Pflanze, ihre Verarbeitung und den Debit zum Gegenstande eines umfassenden, rcksichtslos gebten Monopols gemacht und zieht daraus einen betrchtlichen Theil ihrer Einknfte. [262] Soviel sich auch gegen die Zweckmssigkeit und Moralitt mancher anderer Einnahmequellen des Kolonialbudgets (Kopfsteuer, Spiel- und Opiumpacht, Handel mit Brantwein und Ablasscheinen) einwenden lsst, keine ist so gehssig und verderblich wie das Tabakmonopol. Oftmals ist im Laufe dieser Reiseberichte die Milde der spanischen Regierung in den Philippinen gerhmt worden; in grellem Widerspruch damit steht das Verfahren der Tabakregie: Sie nimmt den Bauern ohne jegliche Entschdigung die Aecker, die sie zum Anbau notwendiger Nahrungsmittel urbar gemacht hatten, zwingt sie durch harte Krperstrafen auf dem konfiszirten Eigenthum ein Produkt zu bauen, das sehr viel Mhe verlangt und unsichere Ernten giebt; sie klassifizirt die gewonnenen Bltter willkrlich ohne Appell und zahlt dafr im gnstigsten Fall einen von ihr selbst festgestellten nominellen Preis -- im gnstigsten Fall; ein solcher ist aber seit einer Reihe von Jahren nicht mehr vorgekommen, Spanien bleibt jetzt regelmssig den unglcklichen Bauern jenen krglichen Lohn Jahre lang schuldig; die Regierung prmiirt die Beamten, die von der verarmten Bevlkerung der Tabakdistrikte hhere Ertrge erpressen, und belohnt Denunzianten, die ihr zum Tabakbau geeignete Felder nachweisen, indem sie die Spione an Stelle der Eigenthmer in den Besitz der denunzirten Lndereien setzt. Zur Begrndung dieser Anschuldigungen mgen hier einige . der in Kraft bestehenden General-Instruktion [263] und weiter unten einige Auszge aus dem amtlichen Berichte des General-Intendanten Agius an den Kolonial-Minister folgen: [264] Kap. XXV. . 329. Die Zwangskultur in Cagayan, Neu-Vizcaya, Gapan, Ygorrotes und Abra bleibt bestehn. . 331. Die General-Direktion der Regie ist ermchtigt, die Zwangsarbeit auf andere Provinzen auszudehnen, oder da aufzuheben, wo solche eingefhrt ist ... sie darf diese Instruktionen ganz oder theilweise umndern, . 332 die Preise erhhen oder herabsetzen. . 337. Ansprche oder Prozesse, die ber den Besitz von Tabaklndereien vor den gewhnlichen Gerichten anhngig sind, hindern nicht, dass solche Lndereien zum Tabakbau verwendet werden, im Gegentheil soll der Besitzer verpflichtet sein, sie mit Tabak zu bebauen oder durch einen Stellvertreter bebauen zu lassen; geschieht es nicht, so ernennt der Alkalde oder Richter einen solchen Stellvertreter. . 351. Die Kollektoren haben Denuncias d. h. Anzeigen, dass zum Tabakbau fhiges Land brach liege, auch Privatlndereien betreffend, entgegenzunehmen, und falls der Boden zum Tabakbau geeignet ist, den Besitzer zur Bestellung desselben, vorzugsweise mit Tabak, aufzufordern. Nach Ablauf einer gewissen Frist wird das Land dem Denunzianten bergeben. Durch diese Verfgung geht der Besitz dem Eigenthmer zwar nicht verloren, doch verliert er auf 3 Jahre alle Rechte und allen Niessbrauch. Kap. XXVII. . 357. Eine Hauptpflicht der Kollektoren ist die grsstmgliche Ausdehnung des Tabakbaus auf alle geeigneten Lndereien, besonders aber auf den fruchbarsten, zutrglichsten Boden. Lndereien, die obgleich zum Tabakbau passend, vorher mit Reis oder Korn bestellt waren, sollen so weit thunlich durch Waldlichtungen ersetzt werden, um Theuerungen mglichst vorzubeugen und das Interesse der Eingeborenen mit dem der Renta in Einklang zu bringen. . 361. Damit die Eingeborenen, ohne die Arbeiten, welche der Tabak verlangt, zu vernachlssigen, auch die zu ihrem Unterhalt nthigen Feldarbeiten verrichten knnen, wird die Grsse des von je zwei Individuen zu bebauenden Tabaklandes auf 8000 quadr. Varas (= 2 1/5 Morgen) festgesetzt. . 362. Durch Alter oder Krankheit Unfhige und Wittwen trifft obige Vorschrift nicht, sie sollen sich mit dem Pfarrer verstndigen, der jedem so viel Arbeit berweisen wird, als seine noch vorhandenen Krfte oder die Zahl der noch kleinen Kinder gestatten. . 369. Ein Kollektor, der von seinem Gebiet 1000 Fardos mehr als in den frheren Jahren abliefert, erhlt fr den Ueberschuss doppelte Gratifikation; doch nur wenn sich das Verhltniss der Bltter I. Klasse zu den brigen nicht verringert hat. . 370. Desgleichen wenn die Menge im Ganzen nicht abgenommen und die der Bltter I. Klasse um 1/3 zugenommen hat. Es folgen . welche die Gratifikationen der Lokalbehrden regeln. . 379. Alljhrlich hat jeder Gobernadorcillo eine vom Pfarrer revidirte Liste smmtlicher Ortsangehriger beiderlei Geschlechts und der Kinder einzureichen, die alt genug sind um auf dem Felde zu helfen. . 430. Die Beamten sollen die Einwanderung nach Cagayan und Neu-Biscaya frdern und werden sogar angewiesen mit 5 Dollar die Schulden solcher Individuen zu bezahlen, die ihre Provinz schuldenhalber nicht verlassen drfen. . 436. denn da durch Verordnungen des Buen Gobierno bestimmt ist, dass ein Indier nicht in Anspruch genommen werden kann fr eine Summe die 5 Dollar bersteigt, und von einem Darlehn oder einer einfachen Schuld herrhrt, so kann die Beanspruchung einer hheren Summe kein Hinderniss fr die Auswanderung sein. . 437. Die Hacienda bestreitet die Reisekosten und den Unterhalt der Einwanderer von Ilocos, . 438. schiesst ihnen die Mittel zur Beschaffung von Vieh, Gerth etc. bis zur ersten Ernte vor (obgleich der Indier nur fr 5 Dollar haftbar ist!). . 439. Solche Vorschsse sind zwar persnlich, aber das ganze Dorf haftet dafr im Falle des Todes oder der Flucht des Schuldners. Der Tabak (Nicotiana tabacum L.) wurde in die Philippinen, bald nach Ankunft der Spanier durch Missionre eingefhrt, die den Samen aus Mexico mitbrachten. [265] Der Boden, das Klima, der Anklang, den sein Genuss bei den Eingeborenen fand, wirkten zusammen, um ihm schnell grosse Verbreitung zu verschaffen. Nach dem Tabak von Cuba (und einigen trkischen Gewchsen) [266] soll er der beste sein und in der Kolonie behaupten Sachverstndige, dass er selbst jenen bald bertreffen wrde, wenn die darauf begrndeten Gewerbe frei wren. Dass Gte und Menge des Produktes unter solchen Umstnden betrchtlich zunehmen wrden, wird wohl kein Unbefangener bezweifeln; manche verstockte Beamte behaupten freilich das Gegentheil. Es kann sich nur um die Frage handeln, bis zu welchem Grade die an eine solche Maassregel geknpften Erwartungen in Erfllung gehen wrden, wobei allerdings nicht bersehen werden darf, dass gerade die Sachverstndigen, vielleicht zu grosse Hoffnungen an die Abschaffung eines Systems knpfen, das sie verhindert ihre Fachkenntniss zu verwerthen. Thatsache ist aber, dass schon jetzt der heimlich gebaute Tabak, trotz aller vom verbotenen Betriebe unzertrennlichen Mngel, selbst von den Regiebeamten ihrem eigenen Fabrikat vorgezogen, von Vielen dem Habana gleichgeschtzt wird und dass die Regie-Zigarren der Philippinen in ganz Ostasien die beliebtesten sind. Reiche Kaufleute sogar, fr welche der Preisunterschied nicht in Betracht kommt, ziehen in der Regel die Manila- den Habana-Zigarren vor. Nach Agius, (Memoria 1871.) drfte der philippinische Tabak auf den europischen Mrkten keinen andern Nebenbuhler haben, als den der Vuelta abajo von Cuba, und msste in den Hfen von Asien und Ozeanien ohne Rivalen dastehen, (weil der Habana auf der langen Reise nach jenen Lndern an Gte einbsst), whrend er jetzt von Jahr zu Jahr an Ruf verliert. Wenn es den Manila-Zigarren bisher nicht gelingen wollte, sich in Europa einzubrgern, so liegt die Schuld daran, dass sie unter dem Einfluss der Zwangsarbeit und der Insolvenz des Kolonial-Fiscus immer schlechter werden, whrend das Produkt anderer Tabaklnder, in Folge der freien Konkurrenz sich verbessert. Ein wenig leidet ihr Ruf wohl auch durch den sehr verbreiteten irrigen Glauben, dass sie Opium enthalten. Wie sehr die Produktion durch Freigebung des Gewerbes zunehmen wrde, zeigt unter anderen das Beispiel von Cuba: Zur Zeit als die Regierung den Tabak dort monopolisirte, reichten die Ernten nur ein einziges Mal zur Deckung des innern Bedarfs, whrend sie gegenwrtig alle Mrkte der Welt versehen. [267] Hchst beachtenswerth in diesem Punkte ist auch der Ausspruch des General-Kapitns de la Gndara [268], in einer Denkschrift die Maassregeln zur Verschrfung des Monopols vorschlgt: ginge der Tabakbau an das Privatgewerbe ber, so wrde dieses vielleicht in wenigen Jahren dahin gelangen, fast alle Mrkte der Welt zu beherrschen. Fast smmtliche Inseln erzeugen Tabak; nach der Gte des Produktes nehmen die Tabakgebiete folgenden Rang ein: 1o Cagayan und Ysabel, 2o Ygorrotes, 3o Insel Mindanao, 4o Bisayas, 5o Neu-cija. Aus R. O. 20. Nov. 1625 (Razon general 11) ist ersichtlich, dass schon damals der Verkauf von Betel, Palmwein, Tabak u. s. w. Regierungsmonopol war. Es wurde aber wohl nicht streng durchgefhrt. Das Tabakmonopol in seinem jetzigen Umfang, welches das ganze Gewerbe von der Aussaat der Pflanze bis zum Verkauf der fertigen Produkte in die Hnde der Regierung legt, ist erst durch den General-Kapitn Jos Basco y Bargas eingefhrt. R. O. 9. Jan. 1780 (besttigt durch R. D. 13. Dec. 1781) verfgt, dass die Tabakregie, so wie in allen spanischen Besitzungen in dieser und jener Welt (de uno y otro mundo), auch auf die Philippinen ausgedehnt werden soll. Bis zur Verwaltung dieses sehr eifrigen Guvernrs, zweihundert Jahre lang, empfing die Kolonie jhrlich Zuschsse aus Neu-Spanien (Situado de Nueva Espaa). Um die spanischen Finanzen von dieser Last zu befreien, fhrte Basco, den damals herrschenden national-konomischen Ansichten entsprechend, die unmittelbare Ausbeutung der natrlichen Hlfsquellen durch den Staat, ein Vorbild des fnfzig Jahre spter in Java gegrndeten Kultursystems ein. In den Philippinen waren die Verhltnisse dafr aber weniger gnstig. Abgesehn von der geringeren Unterwrfigkeit der Bevlkerung, lagen zwei Haupthindernisse im Widerstand der Priester und im Mangel zuverlssiger Beamten. Von allen durch Basco knstlich in's Leben gerufenen lndlichen Gewerben hat sich nur die Indigobereitung als Privatindustrie, der Tabakbau als Regierungsmonopol erhalten. [269] Zunchst beschrnkte Basco das Monopol auf die unmittelbar um die Hauptstadt gelegenen Provinzen, in welchen der Tabakbau allen, von der Regierung nicht besonders dazu ermchtigten und verpflichteten Personen bei strenger Strafe verboten wurde. [270] In den brigen Provinzen blieb der Anbau Jedem gestattet, doch durfte das Produkt nach Abzug des Selbstverbrauchs nur an die Regierung verkauft werden. In den Bisayas kauften die Alkalden den Tabak fr die Regierung und lieferten ihn zu vorher festgesetzten Preisen an die k. Fabriken in Manila; es war ihnen gestattet die Ueberschsse der k. Kassen zu diesem Zwecke zu benutzen. Ein schlechteres System htte kaum ersonnen werden knnen: der nur auf seinen Privatvortheil bedachte Beamte duldete keinen Konkurrenten in seiner Provinz, benutzte seine amtliche Gewalt, um den Produzenten auf das hrteste zu drcken, und hemmte dadurch die Produktion; die k. Kassen aber erlitten hufige Verluste durch Bankerotte, da die Alkalden, welche 600 Dollar Gehalt bezogen, und fr die Berechtigung Handel treiben zu drfen, eine Patentsteuer von 100 bis 300 Dollar entrichteten, sich, um schnell reich zu werden, in die gewagtesten Unternehmungen einliessen. Erst 1814 ward diesem Unwesen ein Ende gemacht. Alsbald stiegen auch die Tabaklieferungen aus den Bisayas, da die Konkurrenz der Privathndler, denen nun erst thatschlich der Ankauf zufiel, obgleich ihn das Gesetz schon seit 1839 gestattete, dem Pflanzer hhere Preise verschaffte, als ihm die Habsucht des monopolisirenden Alkalden gewhrte. Gegenwrtig gelten im Allgemeinen folgende Bestimmungen, an deren Einzelheiten aber fortwhrend gendert wird: Durch R. D. 5. Sept. 1865 wird der Tabakbau in allen Provinzen gestattet, doch darf der Ertrag nur an die Regierung zu einem von ihr festgesetzten Preise verkauft werden. Der Aufkauf geschieht in Luzon und den angrenzenden Inseln nach Fardos [271] durch Colleccion, d. h. direkt durch die Finanzbeamten, welche den Bau der Pflanze von der Aussaat an zu leiten haben; in den Bisayas durch Acopio, indem Regiebeamte den ihnen angebotenen Tabak vom Bauer oder vom Spekulanten und zwar nach Quintales aufkaufen. In den Bisayas und in Mindanao ist Jedem erlaubt, Zigarren fr seinen eignen Bedarf selbst zu fabriziren, doch darf er keinen Handel damit treiben. Dort werden den Tabakbauern auch Vorschsse gemacht. In Luzon und den benachbarten Inseln theilt die Regierung Samen und Smlinge aus. In Luzon und den Nachbar-Inseln darf auf Land, das zum Tabakbau geeignet ist, nichts andres als Tabak gepflanzt werden. Da die Finanzverwaltung den Tabak nicht, wie freie Konkurrenz thun wrde, nach seinem wirklichen Werthe klassifiziren kann, so hat sie den Ausweg ergriffen, die Preise nach der Blattgrsse festzusetzen; auch soll die auf Erziehung der Pflanze verwendete Sorgfalt bis zu einem gewissen Grade die Grsse der Bltter bedingen, die demnach wenigstens ein Kennzeichen fr die sorgsame Behandlung, wenn auch nicht gerade fr die Gte ist. [272] Wohl weiss man in Madrid, wie sehr das Tabakmonopol das Gedeihen der Kolonie hemmt, die betroffene Bevlkerung drckt; dennoch sind bisher die Regierungsmaassregeln darauf gerichtet gewesen, immer hhere Einnahmen aus dieser bedenklichen Steuerquelle zu erpressen. R. O. 14. Januar 1866 befiehlt den Tabakbau in den Philippinen so viel als irgend mglich auszudehnen um dem Bedarf der Kolonie, des Mutterlandes und der Ausfuhr zu gengen, ohne dass Rcksichten untergeordneter Art, die einer spteren Lsung vorbehalten bleiben knnen, diese unbegrenzte Ausbreitung hemmen oder verzgern. In der bereits zitirten Memoria schlgt der General-Kapitn Reformen vor, die an die Geschichte der Gans mit den goldenen Eiern erinnern (Pfropfen neuer Monopole auf die schon bestehenden, Ausbeutung durch Generalpchter) und glaubt dadurch in weniger als drei Jahren den Tabakertrag von 182,102 Quintales (Mittel der Jahre 1860/67) auf 600,000 und selbst 800,000 Q. steigern zu knnen. Einstweilen aber solle die Regierung, um hhere Preise zu erzielen, ihren Tabak selbst nach den Konsumtionslndern exportiren und dort verkaufen. Im Jahre 1868 ist dieser Vorschlag wirklich ausgefhrt worden, der nach London gesandte fand einen so guten Markt, dass in Folge davon verordnet wurde, fortan in Manila keinen Tabak unter 25 Dollar p. Quintal loszuschlagen. [273] Diese Bestimmung kann sich aber nur auf Tabak der ersten drei Klassen beziehen, deren relative Menge in dem Maasse abnimmt, als der Druck auf die Bevlkerung gesteigert wird. Selbst aus den de la Gndara's Denkschrift beigefgten Tabellen ergiebt sich dies deutlich: Whrend die Gesammternte von 1867 (176,018 Quintales) nicht viel unter dem Mittel der Jahre 1860/67 (182,102 Q.) bleibt, ist der Tabak I. Klasse von mehr als 13,000 Q. 1862, auf weniger als 5000 Q. 1867, gesunken. Die IV., V., VI. Klasse, die frher grsstentheils verbrannt wurden, jetzt aber einen nicht unbetrchtlichen Theil der Gesammternte bilden, sind im freien Verkehr geradezu unverkuflich und knnen nur als Geschenk fr Spanien verwendet werden, das alljhrlich unter dem Titel atenciones a la peninsula ber 100,000 Zentner empfngt. Wre die Kolonie aber nicht gezwungen, die Hlfte der Fracht fr ihr Geschenk zu bezahlen, so wrde Spanien genthigt sein, sich diese Aufmerksamkeiten zu verbitten, denn nach dem Ausspruch des Chefs der Regie ist jener Tabak grssten Theils von solcher Beschaffenheit, dass er zu keinem Preise Kufer finden wrde, da sein Werth weder die Unkosten des Zolles noch der Fracht zu decken vermchte. Dennoch ist dieser Tabaktribut eine grosse Last fr das Kolonialbudget, das trotz seines Defizits nicht nur den Tabak zu beschaffen, sondern auch die Verpackung, den Lokaltransport und die Hlfte der Fracht nach Europa zu tragen hat. Vom Mrz 1871, der goldenen Zeit, im Fall de la Gndara's Vorschlge ausgefhrt worden, seine Verheissungen in Erfllung gegangen wren, liegt ein trefflicher Bericht des General-Intendanten der Hacienda an den Kolonial-Minister vor (s. S. 258 Anmerkung), der als Chef der Regie die Schden dieses Verwaltungszweiges schonungslos aufdeckt, und auf die schleunige Aufhebung des Monopols dringt. Zunchst wird auf amtliche Belge gesttzt, der Beweis gefhrt, dass der Gewinn am Tabakmonopol viel geringer sei, als gewhnlich angenommen wird. Das Mittel smmtlicher Einnahmen der Tabakregie fr die 5 Jahre 1865/69 betrug nach amtlichen Rechnungen 5,367,262 Dollar, (fr die Jahre 1866/70 nur 5,240,935 Dollar) die Ausgaben sind nicht genau festzustellen, weil darber keine Berechnungen vorhanden sind, addirt man aber die im Kolonialbudget aufgefhrten betreffenden Ausgaben zusammen, so erhlt man 3,717,322 Dollar, wovon 1,812,250 Dollar fr Ankauf des Rohtabaks. Zu obigen die Tabakregie ausschliesslich treffenden Ausgaben mssen aber noch verschiedene andere Posten gerechnet werden, an denen dieser Verwaltungszweig betheiligt ist, die sogar gnzlich oder zum grssten Theil wegfallen wrden, wenn der Staat das Tabakmonopol aufgbe. Die Summe der Unkosten muss wenigsten auf 4 Millionen Dollar veranschlagt werden, so dass dem Staate nur ein Reingewinn von etwa 1,367,000 Dollar verbliebe, aber selbst auf diesen ist in Zukunft nicht zu rechnen, denn wenn die Regierung nicht schleunigst diesen Gewerbebetrieb aufgiebt, so wird sie zu sehr bedeutenden unabweisbaren Ausgaben gezwungen sein. Namentlich mssten dann Fabriken und Magazine neu errichtet, oder verbesserte Maschinen gekauft, die Gehalte bedeutend erhht, vor Allem aber Mittel geschafft werden, nicht nur um die enorme Summe von 1,600,000 Dollar zu zahlen, welche die Regierung den Bauern fr die Ernten von 1869 und 70 schuldet, sondern auch um die Baarzahlung der knftigen Ernten sicher zu stellen, denn dies ist die einzige Mglichkeit, den Verfall des Tabakbaus in den betreffenden Provinzen in dem Maasse, als das Elend seiner unglcklichen Bewohner zunimmt, zu verhindern. Nachdem Agius nachgewiesen, wie gering in Wirklichkeit jene Ueberschsse sind, wegen welcher die Regierung die Zukunft der Kolonie preisgiebt, schildert er die aus dem Monopol hervorgehenden Uebelstnde, von denen ich hier nur einige in zusammengedrngter Krze zur Ergnzung des Eingangs Gesagten anfhre: Die Bevlkerung der Tabakdistrikte, die nach Aufhebung der Regie die reichste und glcklichste des gesammten Archipels sein wrde, befindet sich im tiefsten Elend. Sie wird grausamer behandelt als die Sklaven von Cuba, die, wenn auch aus selbstschtiger Absicht, gut genhrt und verpflegt werden, whrend erstere die Produkte der Zwangsarbeit dem Staate hergeben muss zu einem von ihm willkrlich bestimmten Preise, einem Preise den er zahlt, wenn die immer schwierige und bedrngte Lage des Schatzes es gestattet. Hufig fehlt es an Nahrungsmitteln, da ihr Anbau verboten ist. Die unglckliche Bevlkerung, die keine andere Mittel besitzt, um ihre dringendsten Bedrfnisse zu befriedigen, ist gezwungen mit ungeheuren Verlusten die Schuldverschreibungen eines Schuldners zu verussern, welcher ihm die Frucht der Zwangsarbeit zwar abkauft, aber nicht bezahlt. Wegen eines so geringfgigen Nutzens (1 1/3 Million) wird die Bevlkerung der reichsten Provinzen in furchtbares Elend gestrzt, tiefgehender Hass zwischen Regierten und Regierenden erzeugt, ununterbrochener Krieg zwischen Behrden und Unterthanen. Es wird eine hchst gefhrliche Klasse von Schmugglern erzogen, die sich schon jetzt nicht auf blosses Schmuggeln beschrnken, und um die sich bei der ersten Gelegenheit die brigen Unzufriedenen wie um einen festen Kern schaaren werden. Die Regiebeamten werden grober Bestechungen und Betrgereien beschuldigt, die wahr oder unwahr grosses Aergerniss geben und zunehmende Missachtung der Kolonialverwaltung sowohl, als des gesammten spanischen Volks erzeugen. [274] Dass obige Denkschrift nicht nur geschrieben, sondern auch gedruckt worden, scheint anzudeuten, dass man sich in Spanien allmlig auch in weiteren Kreisen von der Unhaltbarkeit des Tabakmonopols berzeugt. Trotz der vernichtenden Kritik von kompetentester Stelle ist es aber dennoch fraglich, ob es aufgehoben werden wird, so lange es auch nur Scheinertrge giebt. Im Kolonialministerium sind die gergten Schden lngst bekannt, aber wegen der hufigen Ministerwechsel und der zunehmenden Geldnoth, welche die Regierenden, so lange sie im Amte sind, zur rcksichtslosen Ausbeutung aller greifbaren Mittel zwingt, unterbleiben selbst die dringendsten Reformen, wenn dadurch augenblickliche Ausflle entstehn. In Bezug auf das Tabakmonopol pflegt man sich berdies mit der Hoffnung zu trsten, dass zunehmende Nachfrage die Preise fortwhrend steigern, einige besonders gute Ernten und gnstige Konjunkturen die Kolonialkasse von ihren Verlegenheiten befreien wrden, dann wolle man gern die Tabakregie aufgeben. Ein Umstand der in haushlterisch verwalteten Staaten zur Beseitigung, des Monopols treiben wrde, in Spanien aber vielleicht gerade umgekehrt wirkt, ist das zahlreiche Beamtenheer, welches die Tabakregie erfordert. Der Unzahl von Stellenjgern gegenber muss es den jeweiligen Ministern sehr willkommen sein, Gelegenheit zu haben, ihren Kreaturen eintrgliche Posten zu verschaffen, oder unbequeme Personen auf eine ehrenvolle, fr das Mutterland kostenfreie Art zu den Antipoden senden zu knnen. (Die Kolonie muss nicht nur die Besoldung, sondern auch die Kosten fr die Hin- und Rckreise tragen.) Jedenfalls machen sie so reichlichen Gebrauch davon, dass zuweilen in Manila neue Aemter erfunden werden mssen, um die Ankmmlinge unterzubringen. [275] Zur Zeit meiner Anwesenheit konnten die k. Fabriken nicht so viel Zigarren liefern als der Handel verlangte und es trat der sonderbare Fall ein, dass die Grosshndler, welche die Zigarren in bedeutenden Posten auf den Regierungs-Auktionen kauften, mehr dafr zahlten, als dieselben Zigarren, einzeln gekauft, im Estanco kosteten. Um nun zu verhindern, dass die Kaufleute ihren Bedarf den Estancos entnhmen, war fr diese ein Maximum festgesetzt, das kein Kufer berschreiten durfte und eine komplizirte Kontrolle mit Spionage hatte darber zu wachen, dass Niemand durch verschiedene Boten in verschiedenen Estancos grssere Mengen zusammenkaufte. Im Fall der Entdeckung konfiszirte man dem Uebertreter den ganzen Vorrath. Jedem stand frei Zigarren im Estanco zu kaufen, Niemand aber durfte einem Bekannten eine Kiste Zigarren zum Kostenpreise ablassen. Mehrere Spanier, mit denen ich ber diese auffallende Maassregel sprach, billigten sie ganz entschieden, da ihnen sonst die Fremden alle Zigarren fortholen wrden, und sie nicht einmal in ihrer eignen Kolonie eine preiswrdige Zigarre rauchen knnten. Es war aber, wie ich spter erfuhr, noch ein zweiter, triftigerer Grund fr diese Verordnung vorhanden. Da die Regierung in ihren Kassen die Goldunze zu 16 Dollar Silber annahm, whrend sie im Handel weniger galt und die Silberprmie einmal sogar auf 33 % gestiegen war, da ausserdem wegen der unzureichenden Menge von Kupfergeld fr den kleinen Verkehr, die Scheidemnze abermals eine Prmie gegen den Silberdollar genoss, so zwar, dass man bei jedem Einkauf der nicht wenigstens einen halben Dollar betrug, 5 bis 15 % Abzug erlitt, wenn man einen Dollar gab, so war es vortheilhaft im Estanco fr eine Goldunze Zigarren zu kaufen, und diese in kleineren Posten, wenn auch zum nominellen Preise des Estanco wieder zu verkaufen, denn beide Prmien zusammen konnten im extremen Falle 33 % + 10 % = 43 % betragen. [276] Eine Beschreibung des Tabakbaues nach eigener Anschauung kann ich nicht geben; ich lasse einen kurzen Auszug aus der amtlichen Anweisung (Cartilla agricola) folgen. Anweisung wie die Samenbeete anzulegen. Ein geeignetes Stck Land wird vierseitig abgegrenzt, zwei oder dreimal gepflgt, von Unkraut und Wurzeln gesubert, etwas abschssig gemacht, mit einem flachen Graben umgeben, durch Abzugsgrben in Beete von zwei Fuss Breite getheilt. Die Erde auf demselben muss sehr fein, fast zu Pulver zerrieben werden, sonst wrde sie mit dem usserst feinen Tabaksamen nicht in innige Berhrung kommen. Der Same wird gewaschen, zum Ablaufen des Wassers in Tchern aufgehngt, Tags darauf, mit gleicher Menge Asche gemischt, auf die Beete gestreut. Von der sorgfltigen Ausfhrung dieser Arbeit hngt der sptere Erfolg ab. Nach einer Woche keimt der Same, die Beete mssen sehr rein gehalten, bei trocknem Wetter tglich besprengt, durch Decken mit Dornen gegen Geflgel und andre Thiere, durch leichte Matten gegen Strme und starke Regen geschtzt werden. Nach etwa zwei Monaten haben die fnf bis sechs Zoll hohen Pflanzen gewhnlich vier bis sechs Bltter und werden umgesetzt. Dies geschieht, da die Samenbeete im September angelegt werden, Anfang oder Mitte November. Eine zweite Aussaat findet am 15. Oktober statt, sowohl aus Vorsicht gegen mgliche Misserfolge, als um Pflanzen fr die Niederungen zu erhalten. Von dem fr den Tabak zutrglichsten Boden und seiner Bestellung; vom Umpflanzen der Smlinge. Man whle Boden von mittlerem Korn, ziemlich schwer; besonders empfiehlt sich der kalkhaltige, wenn er reichlich mit verwesten Pflanzenresten gemischt und nicht weniger als zwei Fuss tief ist, denn je tiefer die Wurzel eindringt, um so hher erhebt sich die Pflanze. Daher sind in Cagayan diejenigen Lndereien fr den Tabakbau am besten, die alle Jahre durch die Ueberschwemmungen des dortigen grossen Stromes unter Wasser gesetzt werden, und alljhrlich neue Schichten fruchtbaren Schlammes erhalten. Auf solchem Boden angelegte Pflanzungen unterscheiden sich daher sehr merklich von hher belegenen, nicht also begnstigten. In jenen schiessen die Pflanzen, sobald sie Wurzel geschlagen, schnell empor, in diesen wachsen sie langsam und erreichen nur mittlere Hhe; dort entwickeln sie in Menge grosse starke saftreiche Bltter, die eine reiche Ernte versprechen, hier bleiben die Bltter kleiner und wachsen sprlich. Aber die Niederungen sind Ueberschwemmungen ausgesetzt, besonders im Januar und Februar, selbst noch im Mrz, wenn der Tabak schon umgepflanzt und ziemlich hoch geworden ist. In solchem Falle ist alles rettungslos verloren, namentlich wenn die Ueberschwemmungen zu einer Zeit eintreten, wann es zu spt ist neue Pflanzungen anzulegen. Desshalb mssen auch hochgelegene Felder bebaut werden, die bei gehriger Pflege vielleicht denselben Ertrag geben wrden. Solche Felder sollten im Oktober drei bis viermal gepflgt und 2 bis 3 mal geeggt werden. Die Felder in den Niederungen knnen wegen der Ueberschwemmungen nicht vor Ende Dezember oder Mitte Januar gepflgt werden, ihre Bearbeitung ist dann leicht und einfach. Man whlt nun die strksten Pflanzen in den Saatbeeten aus, und versetzt sie mit Ballen in Entfernungen von einer Elle in den zubereiteten Boden. Von der auf die Pflanzen zu verwendenden Sorgfalt. Im Osten jeder Pflanze ist ein kleiner Schirm aus zwei Erdschollen aufzurichten, damit sie gegen die Morgensonne geschtzt, den Thau lnger geniesse. Sorgfltige Vertilgung des Unkrauts, Entfernung der wilden Triebe. Besonders gefhrlich ist auch ein Wurm der zuweilen in Menge erscheint. Kurz vor der Reife sind Regen sehr schdlich, denn um diese Zeit ist die Pflanze nicht mehr im Stande, die fr den Tabak so wesentliche gummiartige Substanz auszuscheiden, die in Wasser lslich, ihr durch den Regen entzogen wird. Der dem Unwetter preisgegebene Tabak bleibt immer ohne Saft, ohne Gte und ist voll weisser Flecke, ein sicheres Zeichen seiner schlechten Beschaffenheit. Der Schaden ist um so grsser, je nher der Tabak seiner Reife. Die auf den Boden hngenden Bltter faulen, und werden entfernt. Ist der Untergrund nicht tief genug, so vergilbt eine gut gepflegte Pflanzung und vertrocknet fast. In nassen Jahren kommt dies nicht leicht vor, da die Wurzeln dann auch in geringer Tiefe hinreichende Feuchtigkeit finden. Abschneiden und Behandeln der Bltter im Trockenschuppen. Die obersten Bltter reifen zuerst, sie sind dann dunkelgelb und sprde. In dem Maasse als sie zeitigen, werden sie geschnitten, in Bndel gesammelt, in bedeckten Karren nach den Schuppen gebracht. An nassen, selbst an trben Tagen, wenn die Sonne den nchtlichen Thau nicht vllig verdampft, darf nicht geschnitten werden. In den Schuppen zieht man die Bltter auf Schnre oder gespaltenes spanisches Rohr mit gengenden Zwischenrumen zum Lften und Trocknen. Die trocknen Bltter werden in Haufen gelegt, die nicht zu gross sein drfen, und fter umgepackt. Es muss sorgfltig darauf geachtet werden, dass sie sich nicht zu sehr erhitzen und zu stark ghren. Diese fr die Gte des Tabaks usserst wichtige Behandlung verlangt grosse Aufmerksamkeit und Geschicklichkeit und muss so lange fortgesetzt werden, bis die Bltter nur noch einen aromatischen Tabakgeruch wahrnehmen lassen. Das nthige Geschick fr diese Hantirung ist aber nur durch lange Uebung, nicht durch Vorschriften zu erwerben. SECHSUNDZWANZIGSTES KAPITEL DIE CHINESEN. Es bleibt noch von einem wichtigen Theile der Bevlkerung zu sprechen, den Chinesen, die wohl bald eine bedeutendere Rolle spielen werden, da die vom zunehmenden Verkehr geforderte Entwickelung des Landbaues kaum anders als durch chinesischen Fleiss zu erlangen sein drfte. Von jeher ist Manila ein Lieblingsziel chinesischer Einwanderung gewesen, weder Feindseligkeit der Bevlkerung, noch Bedrckungen und Verbote seitens der Regierung, ja nicht einmal wiederholte Massenschlchtereien vermochten sie zu verhindern. Die Lage der Inseln S. O. der zwei seetchtigsten Provinzen China's musste schon frh den Verkehr zwischen beiden Lndern wachrufen, da Schiffe sowohl im S. W. als N. O. Monsun die Reise in jeder Richtung mit halbem Winde machen knnen. In einigen lteren Schriftstellern findet sich sogar die Angabe, dass die Philippinen einstmals der chinesischen Herrschaft unterworfen waren [277] und Pater Gaubil (Lettres difiantes) erwhnt, dass Joung-lo (Ming Dynastie) eine Flotte von 30,000 Mann hielt, die zu verschiedenen Zeiten nach Manila ging. Auch die bei Magellan's Ankunft selbst im ussersten Osten des Archipels vorhandenen, so wie die in den Grabhhlen gefundenen Porzellanschsseln und Thongefsse zeigen, dass der Handel mit China sich schon lange zuvor bis in die fernsten Inseln des Archipels erstreckte. Fr die junge spanische Kolonie bildete er die Hauptquelle und, nachdem die Encomiendas aufgehoben (s. folgendes Kapitel), fast die einzige Quelle des Wohlstandes. Es war zu frchten, dass die Junken ihre Frachten den Hollndern bringen wrden, wenn man ihnen in Manila Hindernisse in den Weg legte; auch konnte die Kolonie nicht ohne die Sangleyes bestehn, [278] die alljhrlich in grosser Zahl in den Junken aus China kamen und sich als Krmer, Handwerker, Grtner, Fischer ber Stadt und Land verbreiteten, denn sie waren die einzigen geschickten und fleissigen Arbeiter; da die Indier unter spanischem Priesterregiment sogar manche Gewerbe verlernten, die sie frher betrieben hatten (Morga). Trotzdem sind die Spanier von Anfang an bemht, die Zahl der Chinesen auf das usserste Maass zu beschrnken; denn damals wie heut wurden letztere von den Indiern beneidet und gehasst wegen ihrer grossen Betriebsamkeit, Sparsamkeit, Schlauheit, wodurch sie schnell reich wurden; den Geistlichen waren sie ein Gruel als verstockte Heiden deren Umgang die Eingeborenen hinderte, Fortschritte im Christenthum zu machen; die Regierung aber frchtete sie wegen ihres festen Zusammenhaltens und als Angehrige des grossen Reiches, dessen bedenkliche Nhe dem kleinen Huflein Spanier Verderben drohte. [279] Zum Glck fr letztere dachte die damals dem Untergange entgegeneilende Mingdynastie nicht an Eroberungen, aber selbst die bei ihrem Sturze frei werdenden bsen Mchte brachten die Kolonie in usserste Gefahr. Bei dem Angriff des grossen Seerubers Limahong 1574 entging sie nur wie durch ein Wunder der Vernichtung; neues Verderben drohte ihr bald darauf: 1603 kamen einige Mandarine nach Manila, unter dem Vorwande sehn zu wollen, ob der Boden bei Cavite wirklich von Gold sei? Man hielt sie fr Spione und schloss aus ihrer sonderbaren Mission, dass die Chinesen einen Angriff auf die Kolonie beabsichtigten. Der Erzbischof und die Priester schrten das Misstrauen gegen die zahlreichen in Manila angesiedelten Chinesen; Hass und Verdacht wuchsen auf beiden Seiten, beide Theile frchteten sich vor einander und rsteten sich. Die Chinesen griffen zuerst an, unterlagen aber den vereinten Spaniern, Japanern und Indiern; 23,000, nach andern 25,000 Chinesen wurden erschlagen oder in die Wildniss getrieben. Wie diese Metzelei in China aufgenommen worden, geht aus dem Brief des kaiserlichen Kommissars an den Guvernr von Manila hervor. Das merkwrdige Dokument zeigt in so berraschender Weise, wie hohl das grosse Reich damals war, dass ich es am Schlusse des Kapitels in wrtlicher Uebersetzung mittheile. Nach der Vertilgung der Chinesen fehlte es in Manila wegen der Unbetriebsamkeit der Indier an Nahrungsmitteln und allen andern Lebensbedrfnissen, aber schon 1605 hat die Zahl der Chinesen wieder so zugenommen, dass ein Gesetz [280] sie auf 6000 beschrnkt, denn diese reichen aus fr die Bebauung des Bodens; zugleich wird als Grund ihrer schnellen Zunahme der Eigennutz des General-Kapitns gergt, der fr die Erlaubniss zum Verbleib von jedem Chinesen 8 Dollar erhebt. 1639 ist die chinesische Bevlkerung auf 30,000 (nach Andern auf 40,000) gestiegen, sie revoltiren und werden bis auf 7000 niedergemacht. Die sonst so gleichgltigen Eingeborenen zeigten den grssten Eifer beim Todtschlagen der Chinesen, mehr aus Hass gegen dies betriebsame Volk als aus Liebe zu den Spaniern. [281] Schnell fllt die chinesische Einwanderung die entstandene Lcke wieder aus. 1662 droht der Kolonie aufs neue grosse Gefahr durch den chinesischen Seeruber Kog-seng, der ber 80 bis 100,000 Mann gebot und Formosa bereits den Hollndern entrissen hatte. Er forderte die Philippinen zur Unterwerfung auf; sein pltzlicher Tod rettete die Kolonie und gab zugleich das Zeichen zu einem neuen Wuthausbruch gegen die in Manila angesiedelten Chinesen; eine grosse Zahl wird in ihrem Ghetto niedergemetzelt [282], andre vertrieben, einige strzen sich vor Schreck in's Wasser, oder erhngen sich; eine grosse Zahl flchtet in kleinen Booten nach Formosa [283]. 1709 hat der Neid gegen die Chinesen abermals solche Hhe erreicht, dass sie der Emprung und besonders des Monopolisirens beschuldigt, mit Ausnahme der nothwendigsten Handwerker und solcher, die im Dienste der Regierung stehn, vertrieben werden. Spanische Schriftsteller preisen die Heilsamkeit dieser Maassregel: denn unter dem Vorwande des Ackerbaues treiben die Chinesen Handel, sie sind schlau und rcksichtslos, werden reich, und schicken ihr Geld nach China; so betrgen sie die Philippinen jhrlich um ungeheure Summen. Sonnerat klagt aber, dass Knste und Gewerbe sich nie von diesem Schlage erholt htten; zum Glck, fgt er hinzu, kehrten die Chinesen, trotz des Verbotes, durch Bestechung der Guvernre und Beamten zurck. Noch heut werden sie des Monopolisirens beschuldigt, besonders von den Kreolen, und in der That haben sie durch Fleiss und kaufmnnisches Geschick den Kleinhandel fast ganz an sich gerissen. Der Verkauf der von Europa eingefhrten Waaren ist ausschliesslich in ihren Hnden, den Aufkauf der Kolonialprodukte in den Provinzen fr die Ausfuhr theilen sie etwa zur Hlfte mit Indiern und Mestizen, da bis jetzt nur diesen letzteren gestattet ist, Schiffe zu halten, um die Produkte nach Manila zu fhren. 1757 erwirkt der Neid der Spanier einen neuen Befehl aus Madrid zur Vertreibung der Chinesen, 1759 werden die wiederholt ergangenen Verbannungsdekrete ausgefhrt. Da aber das Privatinteresse der Beamten mit dem der kreolischen Krmer nicht zusammenfllt, so strmen die Chinesen bald wieder in unglaublicher Menge herbei und machen bei der Invasion der Englnder (1762) gemeinschaftliche Sache mit diesen. Deshalb befiehlt Seor Anda [284], dass alle Chinesen in den philippinischen Inseln aufgehngt werden sollen, welcher Befehl sehr allgemein ausgefhrt wird. [285] Die letzte grssere Chinesen-Schlchterei fand 1819 statt, als die Fremden im Verdacht standen durch Vergiftung der Brunnen die Cholera erzeugt zu haben; auch der grsste Theil der Europer fiel damals in Manila der Volkswuth zum Opfer, die Spanier wurden meist geschont. Von jeher galt die Missgunst der Spanier und Kreolen besonders den chinesischen Handelsleuten, die sie in der bequemen Ausbeutung des Eingeborenen stren; daher waren die beschrnkenden Gesetze besonders gegen diese Klasse gerichtet. Zum Landbau mchte man Chinesen wohl zulassen, die Feindseligkeit der Indier verhindert es aber gewhnlich. Ein Gesetz von 1804 befiehlt alle chinesischen Handelsleute aus Manila binnen 8 Tagen auszuweisen, nur Verheirathete drfen in ihrem Parian einen Laden halten. Ausschliesslich um Ackerbau zu treiben, soll ihnen der Aufenthalt in den Provinzen gestattet werden; Alkalden die ihnen in ihrem Gebiet herum zu reisen gestatten, sollen 200 Dollar, Gobernadorcillos 25 Dollar Strafe zahlen, die betroffenen Chinesen aber 2, bezglich 3 Jahre Kettenstrafe erleiden. 1839 werden die Strafen gegen die Chinesen gemildert, die gegen die Alkalden aufrecht erhalten, was auf deren Bestechlichkeit schliessen lsst. 1843 werden die chinesischen Schiffe andern auslndischen Schiffen gleichgestellt. (Leg. ult. II. 476) 1850 versucht der General-Kapitn Urbiztondo chinesische Ackerbau-Kolonien einzufhren, indem er den zum Zweck des Landbaues Einwandernden Erleichterung der Abgaben verspricht. [286] Viele Chinesen benutzen den gebotenen Vorwand um der hohen Kopfsteuer zu entgehen, wenden sich aber gewhnlich bald dem Handel zu. In der neuesten Zeit werden die Chinesen nicht mehr in Massen geschlachtet oder vertrieben; man begngt sich damit, ihre Thtigkeit durch drckende Steuern zu hemmen. So wurde Ende 1867 den chinesischen Hndlern in Pangasinn ausser der bisherigen Gewerbesteuer von 12 bis 100 Dollar eine Abgabe von 60 Dollar jhrlich fr Beschickung der Wochenmrkte aufgelegt, und ihnen zugleich befohlen, ihre Bcher fortan spanisch zu fhren (engl. Kons. Ber. 1869). Die Chinesen bleiben wie berall, so auch in den Philippinen, ihren Sitten treu, ihr Christenthum, falls sie bertreten, ist nur usserlich angenommen, um zu heirathen oder aus andern weltlichen Rcksichten. Sie lassen es bei der Heimkehr nach China, zuweilen sammt ihrer Frau, in Manila zurck. Sehr viele aber grnden Familien, sind gute Hausvter und ihre Kinder bilden den unternehmendsten, fleissigsten, wohlhabendsten Theil der stehenden Bevlkerung. Durch den hrtesten Lebenskampf in ihrer bervlkerten Heimat erstarkt, scheinen die Chinesen unter jedem Himmelsstrich ihre Arbeitsfhigkeit ungeschwcht zu bewahren. Kein Volk kommt ihnen gleich an Fleiss, Gengsamkeit, Ausdauer, Schlauheit, Geschick und Rcksichtslosigkeit in brgerlichen Geschften. Wo sie einmal Fuss fassen, reissen sie allmlig den Handel an sich. In allen Lndern Hinterindiens verdrngen sie auf diesem Felde nicht nur die einheimischen, sondern mehr und mehr auch ihre europischen Mitbewerber. Nicht minder anstellig und erfolgreich sind sie im Betriebe des Ackerbaus und der Gewerbe. Die Auswanderung aus dem mit Menschen berfllten Riesenreich hat kaum begonnen, ist sie erst einmal in Fluss gekommen, so wird sie sich als ein gewaltiger Strom zunchst ber die tropischen Lnder des Ostens ergiessen, und alle kleinlichen Schranken fortschwemmen, die Neid oder ohnmchtige Vorsicht ihr entgegenstellen. Auf dem hinterindischen Festlande, in der Sdsee, im indischen Archipel, in den Sdstaaten Amerika's scheinen die Chinesen bestimmt, mit der Zeit jedes andere Element zu verdrngen, oder fruchtbare Mischrassen zu bilden, denen sie ihren Stempel aufdrcken. In den westlichen Staaten der Union ist ihre Zahl in schnellem Zunehmen begriffen, die Fabriken in Californien werden nur mit chinesischen Arbeitern betrieben, da europische unerfllbare Ansprche stellen. Eine der interessantesten unter den vielen Fragen von grosser Tragweite, die sich an das Eindringen der mongolischen Rasse in Amerika knpfen, das bisher als ein Erbtheil der kaukasischen betrachtet zu werden pflegte, ist die der relativen Leistungsfhigkeit dieser beiden grossen Rassen, die in den westlichen Staaten der Union zum erstenmale ihre Krfte im friedlichen Wettkampfe messen. Beide sind dort durch ihre thatkrftigsten Individuen vertreten. [287] Der Kampf wird mit Anstrengung aller Krfte gefhrt, denn kein anderes Land belohnt die Arbeit mit so hohen Prmien. Die Bedingungen sind aber nicht gleich, denn den Chinesen legt das Gesetz Hindernisse in den Weg, die Behrde schtzt sie nicht gegen rohe, zuweilen bis zum tckischen Morde gesteigerte Misshandlungen des Pbels, der sie als bescheidene Arbeiter tdtlich hasst. Dennoch nimmt die chinesische Einwanderung stetig zu. Die westliche Strecke der Pazifik-Bahn ist hauptschlich von Chinesen erbaut worden, die nach dem Zeugniss der Ingenire die Arbeiter aller anderen Nationalitten durch Fleiss, Nchternheit und gutes Betragen bertrafen; was ihnen etwa an Krperkraft abging, ersetzten sie durch Ausdauer und intelligentes Zusammenwirken. Die einzig dastehende, fast unglaubliche Leistung, dass am 28. April 1869 in 11 Arbeitsstunden 10 englische Meilen Eisenbahn auf einer durch keine Vorarbeiten zugerichteten Bodenstrecke ausgefhrt wurden, und zwar in einer den Anforderungen der Regierungs-Kommission gengenden Weise, ist von Chinesen vollbracht worden, und war nur durch sie ausfhrbar. [288] Im Gebiete der hchsten geistigen Thtigkeit ist das Uebergewicht der Europer wohl nicht zu bezweifeln; auf dem Felde der brgerlichen Gewerbe aber, wo Geschick und ausdauernder Fleiss den Ausschlag geben, scheint der Preis den Chinesen zu gebhren. Auch bis zu uns drfte sich der Einfluss der Chinesen in dem zwischen Kapital und Arbeit entbrannten Kampfe frher oder spter fhlbar machen und maasslos wachsenden Ansprchen Schranken setzen. Dem amerikanischen Staatsmanne drngt die sich mehrende chinesische Einwanderung schon gegenwrtig Fragen von hchster sozialer und politischer Bedeutung auf. Welchen Einfluss wird dieses neue gnzlich fremde Element auf die Gestaltung der amerikanischen Verhltnisse ben? Werden die Chinesen einen Staat im Staate bilden oder, den andern Brgern politisch gleichgestellt, in der Union aufgehn, sich mit dem kaukasischen Elemente zu einer neuen Rasse mischen? Welche Rckwirkung werden die chinesischen Kolonisten andererseits auf die Zustnde in China ben? Diese Probleme, die hier nur vorbergehend angedeutet werden knnen, hat Pumpelly mit Meisterschaft in seinem Werke Across America and Asia London 1870 behandelt. Brief des General-Kommissars von Chincheo an Don Pedro de Acuia, Guvernr der Philippinen. An den grossen General-Kapitn von Luzon. Da ich in Erfahrung gebracht, dass die Chinesen, die in das Knigreich Luzon gingen, um zu kaufen und verkaufen, von den Spaniern umgebracht worden sind, so habe ich nach der Ursache dieser Tdtungen geforscht und den Knig gebeten, Gerechtigkeit zu ben gegen diejenigen, die so grosses Uebel veranlasst, damit knftig Abhlfe geschafft werde und die Kaufleute Ruhe und Frieden haben. In den vergangenen Jahren, bevor ich als kniglicher Kommissar hierher gekommen, ist ein chinesischer Kaufmann Namens Tioneg sammt drei Mandarinen mit Erlaubniss des Knigs von China nach Luzon, nach Cabit gegangen, um Gold und Silber zu suchen, was alles erlogen war, denn er fand weder Gold noch Silber, und deshalb bat ich ihn (den Knig) diesen Betrger Tioneg zu bestrafen, damit kund werde die strenge Gerechtigkeit die in China gebt wird. Es war zur Zeit des Ex-Vizeknigs und Eunuchen, als Tioneg und sein Begleiter Namens Yanglion die erwhnte Unwahrheit sprachen, und ich bat spter den Knig, dass er sich alle Papiere in der Angelegenheit Tioneg's bersenden und besagten Tioneg sammt den Prozess-Akten kommen liesse und ich selbst sah die erwhnten Papiere ein und erkannte, dass alles, was besagter Tioneg gesprochen, erlogen war. Und ich schrieb an den Knig und sagte, dass wegen der Unwahrheit, die Tioneg gesprochen, die Castilier den Verdacht geschpft, wir wollten sie bekriegen, und dass sie deswegen mehr als 30,000 Chinesen in Luzon umgebracht htten; und der Knig that, wie ich gebeten und bestrafte den besagten Yanglion, indem er befahl ihn zu tdten; und dem Tioneg befahl er den Kopf abzuschlagen und in einen Kfig zu stecken, und die chinesischen Leute, die in Luzon umgekommen, hatten keine Schuld. Und ich und andre verhandelten dies mit dem Knig, damit er befinde was sein Wille sei, in dieser Angelegenheit und in einer andern; nmlich, dass zwei englische Schiffe an diese Ksten von Chincheo (Fukien) gekommen waren, eine sehr gefhrliche Sache fr China, und dass der Knig entscheide, was in diesen beiden so ernsten Angelegenheiten geschehen solle. Auch schrieben wir an den Knig, dass er Befehl geben mge, die beiden Chinesen zu bestrafen, und nachdem wir die beiden vorerwhnten Dinge dem Knig geschrieben, antwortete er uns, wegen der englischen Schiffe, die nach China gekommen, falls sie gekommen, um zu rauben, so solle man ihnen unverzglich befehlen, von dort nach Luzon zu gehn, und denen von Luzon solle man sagen, sie mchten Schelmen und Lgnern aus China keinen Glauben schenken, und unverzglich die beiden Chinesen umbringen, welche den Englndern den Hafen gezeigt htten, und in allem brigen, was wir ihm geschrieben, wolle er unsern Willen thun. Und nachdem wir diese Botschaft empfangen, der Vizeknig, der Eunuch und ich, senden wir jetzt diese unsere Botschaften an den Guvernr von Luzon, damit seiner Herrlichkeit kund werde die Grsse des Knigs von China und des Knigreichs; denn er ist so gross, dass er alles beherrscht, was Mond und Sonne bescheinen; und auch damit der Guvernr von Luzon wisse, mit wie viel Weisheit dieses grosse Reich regiert wird, welches grosse Reich seit langer Zeit Niemand zu beleidigen wagte; und obgleich die Japaner versucht haben, Coria zu beunruhigen, welches zur Regierung von China gehrt, sind sie damit nicht zu Stande gekommen, im Gegentheil sind sie daraus vertrieben worden, und Coria ist in grosser Ruhe und Frieden verblieben, wie die von Luzon von Hrensagen wohl wissen. Im vergangenen Jahre, nachdem wir erfahren, dass wegen der Lge Tioneg's so viele Chinesen in Luzon umgekommen, traten viele von uns Mandarinen zusammen, und beschlossen dem Knig anheim zu stellen Rache zu nehmen wegen so vieler Tdtungen; und wir sagten: das Land von Luzon ist ein elendes Land von geringer Bedeutung, und war vor Alters nur ein Wohnsitz fr Teufel und Schlangen und weil (seit einigen Jahren bis jetzt) eine so grosse Anzahl Chinesen dorthin gegangen, um mit den Castillas zu handeln, hat es sich so sehr veredelt, wobei die besagten Sangleyes viel gearbeitet, indem sie Mauern aufgefhrt, Huser und Grten angelegt, und andre Dinge von grossem Nutzen fr die Castillas; und da dies also ist, warum haben die Castillas nicht Rcksicht auf diese Dinge genommen, und diese guten Werke mit Dank erkannt, ohne so viele Menschen grausam zu tdten? und obgleich wir zwei oder dreimal an den Knig ber die besagten Angelegenheiten geschrieben, antwortete er uns, da er ber die oben erwhnten Dinge zornig war, und sagte: aus drei Grnden sei es nicht angemessen Rache zu nehmen, noch Krieg zu fuhren gegen Luzon. Der erste Grund, weil die Castillas (seit langer Zeit bis jetzt) Freunde der Chinesen sind, und der zweite Grund war, weil man nicht wissen knne, ob die Castillas oder die Chinesen den Sieg erlangen wrden, und der dritte und letzte Grund, weil die Leute, welche die Castillas getdtet hatten, schlechtes Volk wren und undankbar gegen China, ihre Heimat, ihre Aeltern und Verwandten, da sie schon seit so vielen Jahren nicht nach China zurckgekehrt, welche Leute, so sagte der Knig, er wenig achte, aus den oben erwhnten Grnden; und er befahl nur dem Vizeknig, dem Eunuchen und mir, diesen Brief durch diesen Gesandten zu schicken, damit die von Luzon wissen, dass der Knig von China ein grosses Herz hat, grosse Langmuth und viel Barmherzigkeit, denn er hat nicht befohlen die von Luzon zu bekriegen, und seine Gerechtigkeit tritt wohl zu Tage, da er auch die Lge Tioneg's bestraft hat. Und da die Spanier weise und verstndig sind, wie kommt es, dass es ihnen nicht leid thut, so viele Menschen umgebracht zu haben, und dass sie nicht Reue darber empfinden und milde sind gegen die Chinesen, die brig geblieben? Denn wenn die Castillas Wohlwollen zeigen, und die Chinesen und Sangleyes die vom Kriege brig geblieben, zurckkehren, und das schuldige Geld erstattet wird und das Eigenthum, was den Sangleyes fortgenommen worden, so wird Freundschaft bestehn zwischen diesem Knigreich und jenem, und alle Jahre werden Handelsschiffe kommen und wenn nicht, so wird der Knig nicht erlauben, dass Handelsschiffe abgehn, im Gegentheil wird er Befehl geben tausend Kriegsschiffe zu bauen, mit Soldaten und Verwandten der Getdteten bemannt und mit den brigen Leuten und Knigreichen, welche Tribut an China zahlen, und sie werden Krieg fhren ohne irgend Jemand zu schonen. Und darauf wird man das Knigreich Luzon an die Leute geben, welche Tribut an China zahlen. Der Brief ist geschrieben vom General-Visitadr am zwlften des zweiten Monats. Einen denkwrdigen Gegensatz bildet ein etwa gleichzeitiger Brief des Herrschers von Japan: Brief Daifusama's, des Herrschers von Japan, an den Guvernr Don Pedro de Acua im Jahre 1605. Ich habe von Eurer Herrlichkeit zwei (Briefe) erhalten und alle Gaben und Geschenke, entsprechend dem Verzeichniss. Unter dem was ich erhalten, war der Wein aus Trauben gemacht; ich habe mich daran sehr erfreut. In frheren Jahren bat Eure Herrlichkeit, dass sechs Schiffe kommen drften, und im vergangenen Jahre bat sie um vier, welche Bitten ich immer gewhrte. Das aber erregt mein grosses Missfallen, dass unter den vier Schiffen, um die E. H. bittet, eines von Antonio ist, welcher die Reise gemacht, ohne dass ich es befohlen; dies war eine Sache von grosser Keckheit, und eine Geringschtzung fr mich. Will E. H. etwa das Schiff, das sie nach Japan senden mchte, ohne meine Erlaubniss senden? Abgesehen davon haben E. H. und Andre vielemal wegen der Sekten in Japan verhandelt und viele Dinge diese betreffend erbeten, welches ich eben so wenig gestatten kann; denn dieses Gebiet heisst Xincoco, welches bedeutet den Gtzen geweiht, die seit unsern Vorfahren bis heut mit hchsten Lobpreisungen verehrt worden sind, deren Thaten ich allein nicht ungeschehn machen und vernichten kann. Weshalb es in keiner Weise statthaft ist, dass in Japan Euer Gesetz (Lehre) verbreitet und gepredigt werde; und wenn E. H. Freundschaft halten will mit diesen Reichen von Japan und mit mir, so thue sie das was ich will, und das was mir nicht gefllt, das thue sie niemals. Endlich haben mir Viele gesagt, dass viele Japanesen, schlechte, verdorbene Menschen, die in jenes Knigreich gehn und viele Jahre dort bleiben, darauf nach Japan zurckkehren, welches meinen grossen Unwillen erregt; und deshalb gestatte E. H. von jetzt fortan nicht, dass einer von den Japanesen in dem Schiffe mitkomme, welches hierher geht und in den brigen Dingen wolle E. H. mit Ueberlegung und Vorsicht verfahren und solcher Art, dass sie fortan nicht mein Missfallen errege. SIEBENUNDZWANZIGSTES KAPITEL KURZER ABRISS DER GESCHICHTE. -- SCHLUSSBETRACHTUNGEN. Die Philippinen wurden von Magellan am 16. Mrz 1521, dem S. Lazarus-Tage entdeckt, [289] aber erst 1564, nachdem mehrere frhere Versuche fehlgeschlagen, gelang es Legaspi, der mit fnf Schiffen von Neu-Spanien auslief, den Archipel fr Philipp II. in Besitz zu nehmen. Der Entdecker hatte die Inseln nach dem heiligen Lazarus getauft, dieser Name wurde indessen nicht gebruchlich; die Spanier nannten sie hartnckig die westlichen, islas del poniente (s. S. 2), die Portugiesen islas del oriente; Legaspi gab ihnen ihren gegenwrtigen Namen zu Ehren Philipps II., der ihnen seinerseits den spter wieder verschollenen Titel Neu-Castilien beilegte. [290] Zunchst nahm Legaspi Cebu, dann Panay in Besitz, erst sechs Jahre spter (1571) eroberte er Manila, damals ein von Palissaden umgebenes Dorf und begann sofort den Bau einer befestigten Stadt. Die Unterwerfung der brigen Gebiete geschah so schnell, dass sie bei Legaspis Tode (Aug. 1572) im Wesentlichen vollendet war. Zahlreiche wilde Stmme im Innern, die Muhamedaner-Staaten Mindanaos und der Sulugruppe haben bis heut ihre Unabhngigkeit bewahrt. Der Charakter der Bevlkerung sowohl als ihre politischen Einrichtungen begnstigten die Besitznahme. Es gab kein mchtiges Reich, keine alte Dynastie, keine einflussreiche Priesterkaste zu berwltigen, keine nationalstolzen Ueberlieferungen zu unterdrcken. Die Eingeborenen waren Heiden oder seit Kurzem oberflchlich zum Islam bekehrt und lebten unter vielen kleinen Huptlingen, die mit grosser Willkr herrschten, einander befehdeten und leicht berwunden wurden. Eine solche Gemeinschaft hiess Barangay; sie bildet noch heut, wenn auch in sehr vernderter Form, die Grundlage der Gemeindeverfassung. Die Spanier beschrnkten die Gewalt der eingeborenen Huptlinge, hoben die Sklaverei auf und verwandelten den Erbadel in einen Dienstadel; sie fhrten aber alle diese Vernderungen mit Vorsicht, sehr allmlig aus. [291] Die alten Gebruche sofern sie nicht gegen das natrliche Recht verstiessen, blieben zunchst bestehn und hatten bei Prozessen Gesetzeskraft; in Kriminalsachen galt spanisches Recht. Heut haben die Cabezas de Barangay ausser dem Titel Don und der Befreiung von Kopfsteuer und Frohnden keine Vorrechte; sie sind, abgesehn von Ausnahmen, zu unbesoldeten, aber mit ihrem Privatvermgen haftbaren Steuereinnehmern geworden, -- eine Maasregel, deren Klugheit bezweifelt werden mag; denn abgesehn davon, dass sie die Huptlinge zu Unterschleifen und Erpressungen verleitet, entfremdet sie der Regierung eine Klasse von Eingeborenen, die eine Sttze ihrer Macht sein knnte. Wenn die vorgefundenen Verhltnisse die Eroberung ausserordentlich erleichterten, so scheinen auch die ersten Guvernre und ihre Begleiter, die der Zeit angehrten, wo Spanien reich an Helden war, sich durch Muth und Klugheit ausgezeichnet zu haben. Legaspi besass beide Eigenschaften in hohem Grade. Angelockt wurden jene khnen Abenteurer, wie in Amerika, durch Privilegien, die ihnen die Krone gewhrte, und durch gehofften, zum Glck fr das Land aber nicht besttigten Goldreichthum. In Luzon, so meldet Hernando Riquel [292], sind viele Goldminen, an vielen Orten, die von Spaniern gesehn wurden; das Erz ist so reichlich, dass ich nicht darber schreibe, damit ich nicht in den Verdacht der Uebertreibung komme; aber ich schwre als Christ, dass auf dieser Insel mehr Gold ist als Eisen in Biscaya. Von der Krone erhielten sie keinen Sold, aber das frmliche Recht die von ihnen eroberten Lnder auszubeuten. Einige unternahmen solche Eroberungszge fr eigene Rechnung, andere waren zur Verfgung des Guvernrs und wurden von ihm je nach Verdienst mit Kommenden, Aemtern und Benefizien (Encomindas, ofcios y aprovechamintos) belohnt. Die Kommenden wurden anfnglich fr drei Generationen gewhrt (in Neu-Spanien fr vier), aber sehr bald auf zwei Generationen beschrnkt; denn schon di los Rios [293] hebt dies als eine der Krone sehr nachtheilige Maassregel hervor, da sich nur wenige bereit finden Sr. Majestt zu dienen, indem ihre Enkel in das usserste Elend gerathen. Nach dem Tode des Belehnten fielen die Encomiendas an den Staat zurck, der Guvernr verfgte von neuem darber. Das ganze Land war brigens gleich Anfangs in Encomiendas getheilt worden, deren bei Weitem grssten Theil die Krone zur Bestreitung ihrer Ausgaben behielt. Dergleichen Lehne bestanden in einem mehr oder weniger grossen Gebiet, dessen Bewohner dem Komthur (Encomendro) Tribut zahlen mussten; letzterer wurde aber in Produkten des Landbaues zu einem vom Lehnsherrn selbst festgesetzten sehr geringen Werth erhoben und mit grossem Vortheil an die Chinesen verkauft. Auch begngten sich die Lehnsherren nicht mit diesen Einnahmen, sondern hielten die Eingeborenen als Sklaven, bis es durch R. C. und Breve des Papstes [294] verboten wurde. Kaffern- und -Negersklaven, welche die Portugiesen ber Indien einfhrten, blieben noch gestattet. [295] Die alten Komthure beuteten ihre Lehne rcksichtslos aus. Schon vom Interims-Guvernr Labezares (1572-75) meldet Zuniga (S. 115), dass er die Bisayas besuchte und die Habgier der Encomendros zgelte, so dass sie wenigstens whrend seiner Anwesenheit in ihren Erpressungen nachliessen. Gegen Ende von Lasnde's Regierung (1575-80) bricht heftiger Streit zwischen Priestern und Komthuren aus, erstere predigen gegen die Bedrckungen der letzteren und berichten darber an Philipp II., der Knig befiehlt die Indier zu schtzen, da die Habsucht ihrer Lehnsherren alle Schranken bersteige. Es ward nun den Eingeborenen freigestellt ihren Tribut in Geld oder in natura zu entrichten. In Folge dieser wohlmeinenden Verordnung scheinen Ackerbau und Gewerbfleiss abgenommen zu haben, da die Indier ohne Zwang nicht ber das usserste Bedrfniss arbeiten mochten. In Krze mgen hier noch die Thaten Jun's de Salcdo erwhnt werden, des ausgezeichnetsten jener Conquistadoren. Von seinem Grossvater Legaspi mit 45 spanischen Soldaten untersttzt, rstete er auf eigene Kosten eine Expedition aus, schiffte sich im Mai 1572 in Manila ein, zog die ganze Westkste der Insel hinauf, lief in alle, seinen kleinen Schiffen zugnglichen Buchten und wurde an den meisten Orten von den Eingeborenen gut aufgenommen. Grsseren Widerstand fand er gewhnlich, wenn er in das Innere drang, doch unterwarfen sich auch viele Stmme des Binnenlandes, und als er die NW.-Spitze Luzon's, Kap Bogeadr erreichte, erkannten die ausgedehnten Gebiete, welche gegenwrtig die Provinzen Zambles, Pangasinn, Nord- und Sd-Ylcos bilden, die spanische Herrschaft an. Die Ermdung seiner Soldaten zwang Salcdo zur Umkehr. In Bgan, der jetzigen Hauptstadt von Sd-Ylcos, baut er ein Fort und lsst darin seinen Lieutenant mit 25 Mann zurck, er selbst aber kehrt um, begleitet von nur 17 Soldaten in drei kleinen Fahrzeugen. So erreicht er den Cagaynfluss an der Nordkste, und fhrt denselben hinauf bis die grosse Zahl feindlicher Eingeborener ihn zur Rckkehr an das Meer zwingt. Die Reise an der Ostkste fortsetzend, gelangt er endlich nach Paracali, von da zu Lande an den See von Bay, dort schifft er sich auf einem Nachen nach Manila ein, schlgt um und wird, dem Ertrinken nahe, durch vorberfahrende Indier gerettet. Inzwischen war Legaspi gestorben; von Labezares, der provisorisch die Regierung fhrte, erfhrt Salcdo krnkende Zurcksetzung. Als er ber seine Neider gesiegt, wird ihm die Unterwerfung von Camarines aufgetragen, die er in kurzer Zeit vollbringt. 1574 kehrt er nach Ylcos zurck, um seinen Soldaten Encomiendas auszutheilen und die ihm zufallenden zu bernehmen. Noch mit dem Bau von Bgan beschftigt, sieht er die Flotte des grossen chinesischen Seerubers Limahn, der sich der Kolonie bemchtigen wollte, 62 Schiffe mit zahlreicher Mannschaft, an der Kste vorberfahren. Sofort eilt er mit allen in der Nachbarschaft zusammengerafften Anhngern nach Manila, wo er an Stelle des bereits gefallenen Maestro de Campo zum Befehlshaber der Truppen ernannt, die Chinesen aus der von ihnen zerstrten Stadt vertreibt. Sie ziehn sich nach Pangasinn zurck, Salcedo verbrennt ihre Flotte; nur mit genauer Noth gelingt es ihnen zu entkommen. 1576 starb dieser Cortes der Philippinen. (Zuiga) Abgesehen von den Geistlichen, bestanden die ersten Ankmmlinge nur aus Beamten, Land- und Seesoldaten (Morga 159); ihnen fiel daher auch der hohe Gewinn am Chinahandel zu. Manila war der Stapelplatz desselben und zog einen grossen Theil des hinterindischen an sich, den die Portugiesen durch ihre Grausamkeiten aus Malacca verscheucht hatten. Die Portugiesen sassen zwar in Macao und in den Molukken, es fehlte ihnen aber die von den Chinesen fast ausschliesslich begehrte Remesse, das Silber nmlich, das Manila aus Neu-Spanien erhielt. 1580 fiel berdies Portugal mit allen seinen Kolonien an die spanische Krone. Der Zeitraum von diesem Ereigniss bis zum Abfall Portugals (1580-1640) bezeichnet zugleich die hchste relative Machtstellung der Philippinen. Der Guvernr von Manila gebot ber einen Theil von Mindanao, Sulu, die Molukken, Formosa, und die ursprnglich portugiesischen Besitzungen in Malacca und Vorderindien. Alles was vom Kap v. Sincapura bis Japan liegt, hngt von Luzon ab; seine Schiffe befahren die Meere, gehn nach China, nach Neu-Spanien, und treiben so reichen Handel, dass man ihn, wenn er frei wre, den bedeutendsten der Welt nennen knnte. (Grav 30). Es ist unglaublich, welchen Ruhm diese Inseln der spanischen Krone verleihen. Der Guvernr der Philippinen unterhandelte mit den Knigen von Cambodia, Japan, China, ersterer war sein Verbndeter, letzterer sein Freund, sowie der von Japan. Er erklrte Krieg und Frieden ohne Befehl aus dem fernen Spanien abzuwarten. -- Aber schon begannen die Niederlnder den Kampf, den sie gegen Philipp II. fhrten, in jenen fernen Erdwinkel zu tragen, und bereits 1610 klagt di los Rios, dass er seit 30 Jahren das Land wegen der Fortschritte der Hollnder sehr verndert fnde. Auch die Moros von Mindanao und Sulu wurden, von den Niederlndern untersttzt, immer unbequemer (Carillo 3). Mit dem Abfall Portugals gingen auch die portugiesischen Kolonien wieder verloren. Die spanische Politik, das Priesterregiment, der Neid der spanischen Kaufleute und Gewerbetreibenden that das Uebrige um die Entwickelung des Ackerbaus und des Verkehrs zu hemmen -- vielleicht zum Glck fr die Eingeborenen. Die sptere Geschichte der Philippinen ist in ihren Einzelheiten eben so uninteressant und unerfreulich als die der spanisch-amerikanischen Besitzungen. Fruchtlose Expeditionen gegen Seeruber, Streitigkeiten zwischen den geistlichen und weltlichen Behrden, bilden den Hauptstoff. [296] Als die ersten Zeiten des Glaubens und Waffenruhmes vorber waren, ergriff elende Selbstsucht die Gemther, Veruntreuungen wurden zur Regel, die meisten derjenigen, die spter nach diesen entlegenen Besitzungen gingen, pflegten aus der Hefe der Nation zu bestehen. [297] -- Die spanischen Schriftsteller sind voll von Schilderungen jener traurigen Gesellschaft, die hier nicht wiederholt zu werden brauchen. Von ussern Feinden, ausgenommen von Seerubern, ist die Kolonie kaum belstigt worden. In frhester Zeit unternahmen die Hollnder einige Angriffe gegen die Bisayas. 1762 (im Kriege ber den Bourbonischen Familienpakt) erschien pltzlich eine englische Flotte vor Manila und bemchtigte sich ohne Mhe der berraschten Stadt. Die Chinesen hielten zu den Englndern, unter den Indiern bricht ein grosser Aufstand aus, die Kolonie von einem schwachen Erzbischof interimistisch regiert, schwebt in grosser Gefahr. Einem energischen Patrioten, dem Kanonikus Anda gelingt es aber, die Indier der Provinz gegen die Fremden aufzureizen. Von den Geistlichen eifrig geschrt, wchst der Widerstand so, dass die thatschlich in der Stadt eingeschlossenen Englnder froh sind, abziehen zu knnen, als im folgenden Jahre die Nachricht des Friedensschlusses aus Europa eintrifft. Inzwischen hatten die durch die Invasion hervorgerufenen Aufstnde sehr an Ausdehnung gewonnen; erst 1765 gelang es durch Aufhetzen der verschiedenen Stmme gegen einander, ihrer Herr zu werden. Die Provinz Ylocos soll dabei 269,270 Personen, die Hlfte ihrer Bevlkerung, verloren haben. (Zuiga). Hrten und Taktlosigkeiten der Regierung und ihrer Werkzeuge, auch aberglubische Missverstndnisse haben unter den Eingeborenen manchen Aufstand hervorgerufen, wohl keinen indessen von ernster Gefahr fr die spanische Herrschaft. Die Unruhen blieben immer auf einzelne Gebiete beschrnkt, denn die Eingeborenen bilden keine einheitliche Nation, weder das Band Einer Sprache, noch das gemeinsamer Interessen verbindet die verschiedenen Stmme, die staatliche Gemeinschaft reicht bei ihnen kaum ber die Grenzen des Dorfes und seiner Filiale. Ein fr die ferne Metropole viel bedenklicheres Element als die gleichgltigen, der augenblicklichen Eingebung folgenden, politisch zerrissenen, ziellosen Indier sind die Mestizen und Kreolen, deren Unzufriedenheit mit ihrer Zahl, ihrem Wohlstande und ihrem Selbstgefhl zunimmt. Schon die 1823 ausgebrochene Militrrevolte, deren Hauptanstifter zwei Kreolen waren, htte leicht verhngnissvoll fr Spanien enden knnen. Viel gefhrlicher nicht nur fr die spanische Herrschaft, sondern fr die gesammte europische Bevlkerung scheint der jngste von Mestizen ausgegangene Aufstand gewesen zu sein: Am 20. Januar 1872 zwischen 8 und 9 Uhr Abends emprten sich in Cavite, dem Kriegshafen der Philippinen, die Artillerie, die Marine-Soldaten und die Zeughauswache und machten ihre Offiziere nieder. Ein Lieutenant, der die Kunde nach Manila bringen wollte, fiel einem Haufen von Eingeborenen in die Hnde; erst am nchsten Morgen gelangte die Nachricht nach der Hauptstadt. Sofort wurden die verfgbaren Truppen abgesandt, aber erst nach heftigem Kampfe glckte es am folgenden Tage die Zitadelle zu erstrmen. Ein furchtbares Blutbad folgte, alles wurde nieder gemacht, niemand verschont. In Manila wurden zahlreiche Verhaftungen vorgenommen. Nicht Ein Europer war unter den Verschworenen, aber viele Mestizen, darunter eine Anzahl Geistlicher und Advokaten. Wenn die unter dem Eindruck des Schreckens geschriebenen ersten Berichte vielleicht auch manches bertreiben, so stimmen doch amtliche sowohl als Privatbriefe berein, das Komplot als lange geplant, weitverzweigt und wohl angelegt zu schildern. Die gesammte Flotte und ein zahlreiches Truppenkorps befand sich damals auf dem Feldzuge gegen Solo abwesend (s. S. 181), ein Theil der Garnison von Manila sollte sich gleichzeitig mit der von Cavite erheben, und Tausende von Eingeborenen waren bereit sich auf die caras blancas (die weissen Gesichter) zu strzen und alle zu ermorden. Das Scheitern des Komplots war, wie es scheint, nur einem glcklichen Zufall zu danken, dem Umstnde nmlich, dass ein Theil der Verschworenen einige bei Gelegenheit eines Kirchenfestes abgebrannte Raketen fr das verabredete Signal hielt und zu frh losbrach. Zum Schluss sei es gestattet, einige meist schon im Text zerstreut vorkommende Bemerkungen ber das Verhltniss der Philippinen zum Auslande zusammenzustellen und kurze Betrachtungen daran zu knpfen. Spanien gebhrt der Ruhm, die auf niederer Kulturstufe vorgefundene, von kleinen Kriegen zerfleischte, der Willkr preisgegebene Bevlkerung in verhltnissmssig hohem Grade zivilisirt, ihre Lage erheblich verbessert zu haben. Wohl mgen die gegen ussere Feinde geschtzten, von milden Gesetzen regierten Bewohner jener herrlichen Inseln im Ganzen genommen whrend der letzten Jahrhunderte behaglicher gelebt haben als die irgend eines andern tropischen Landes unter einheimischer oder europischer Herrschaft. Die Ursache lag zum Theil an den mehrfach errterten eigentmlichen Verhltnissen, welche die Eingeborenen vor rcksichtsloser Ausbeutung schtzten. Einen wesentlichen Antheil an dem Erfolge hatten aber auch die Mnche. Aus dem niederen Volke hervorgegangen, an Armuth und Entbehrungen gewhnt, waren sie auf den nahen Verkehr mit den Eingeborenen angewiesen und daher besonders geeignet ihnen die fremde Religion und Sitte fr den praktischen Gebrauch anzupassen. Auch als sie spter reiche Pfarren besassen und ihr frommer Eifer in dem Maasse nachliess als ihre Einknfte zunahmen, hatten sie den wesentlichsten Antheil an der Gestaltung der geschilderten Zustnde mit ihren Licht- und Schattenseiten; denn ohne eigene Familie und ohne feinere Bildung blieb ihnen der intime Umgang mit den Landeskindern Bedrfniss, und selbst ihr hochmthiger Widerstand gegen die weltlichen Behrden kam in der Regel den Eingeborenen zu Statten. Die alten Zustnde sind aber unter den vernderten Bedingungen der Gegenwart nicht mehr haltbar. Die Kolonie kann nicht lnger gegen Aussen abgeschlossen werden. Jede Verkehrserleichterung ist ein Riss in das alte System und fhrt nothwendig zu weiteren freisinnigen Reformen. Je mehr fremdes Kapital und fremde Ideen eindringen, Wohlstand, Aufklrung und Selbstgefhl zunehmen, um so ungeduldiger werden die vorhandenen Misstnde ertragen. England mag seine Besitzungen unbekmmert dem Auslande ffnen, Fremde den Nationalen gleichstellen; die britischen Kolonien sind durch das Band gegenseitiger Vortheile, Erzeugung von Rohstoffen mit englischem Kapital, Austausch derselben gegen englische Fabrikate an das Mutterland gebunden, Englands Reichthum ist so gross, seine Einrichtungen zum Betriebe des Welthandels so vollkommen, dass die Auslnder in den britischen Besitzungen zumeist Agenten des englischen Handels werden, dessen altgewohnte Geleise selbst ein Aufhren des politischen Verbandes kaum merklich verrcken drfte. Anders ist es mit Spanien, das die Kolonie wie ein ererbtes Gut besitzt, ohne sie zweckmssig bewirthschaften zu knnen. Schonungslos gehandhabte Regierungsmonopole, krnkende Zurcksetzung der Kreolen und reichen Mestizen und das Beispiel der Vereinigten Staaten waren die Hauptveranlassungen des Abfalls der amerikanischen Besitzungen. Dieselben Ursachen drohen auch in den Philippinen. Von den Monopolen ist hinreichend im Text die Rede gewesen. Mestizen und Kreolen werden zwar nicht wie ehemals in Amerika von allen Aemtern ausgeschlossen, fhlen sich aber tief verletzt und geschdigt durch die Schaaren von Stellenjgern, welche die hufigen Madrider Ministerwechsel nach Manila fhren. Auch der Einfluss des amerikanischen Elementes ist wenigstens am Horizonte erkennbar und wird mehr in den Vorgrund treten, wenn die Beziehungen beider Lnder zunehmen. Gegenwrtig sind diese noch gering, der Handel folgt einstweilen seinen alten Bahnen, die nach England und den atlantischen Hfen der Union fhren. Wer indessen versuchen will sich ber die knftigen Geschicke der Philippinen ein Urtheil zu bilden, darf nicht einseitig ihr Verhltniss zu Spanien ins Auge fassen, er wird auch die gewaltigen Vernderungen bercksichtigen mssen, die sich seit einigen Jahrzehnten auf jener Seite unseres Planeten vollziehn. Zum ersten male in der Weltgeschichte beginnen die Riesenreiche zu beiden Seiten des Riesenmeeres in unmittelbaren Verkehr zu treten: Russland, fr sich allein grsser als zwei Welttheile zusammengenommen, China das ein Drittel aller Menschen in seinen engen Grenzen einschliesst, Amerika mit Kulturboden genug um fast die dreifache Gesammtbevlkerung der Erde zu ernhren. -- Russlands knftige Rolle im stillen Ozean entzieht sich zur Zeit jeder Schtzung. Der Verkehr der beiden andern Mchte wird voraussichtlich um so folgenschwerer sein, als der Ausgleich zwischen unermesslichem Bedrfniss an menschlichen Arbeitskrften einerseits und entsprechend grossem Ueberfluss daran auf der andern Seite ihm zur Aufgabe fallen wird. (s. S. 176). Die Welt der Alten war der Rand des Mittelmeeres, unserem Welthandel gengten der atlantische und indische Ozean. Erst wenn das stille Meer vom lebhaften Verkehr seiner Gestade wiederhallt, wird von Welthandel und Weltgeschichte im wahren Sinne die Rede sein knnen. Der Anfang dazu ist gemacht. Vor nicht langer Zeit war der grosse Ozean eine Wasserwste, den die einzige Nao alljhrlich Einmal in beiden Richtungen durchzog. Von 1603 bis 1769 hatte kaum ein Schiff Californien besucht, jenes Wunderland, das vor 25 Jahren, mit Ausnahme weniger Stellen des Kstensaumes, eine unbekannte Einde war, heut mit blhenden Stdten bedeckt, von Eisenbahnen durchschnitten, dessen Hauptstadt unter den Hfen der Union bereits den dritten Rang einnimmt, schon jetzt ein Zentralpunkt des Welthandels, und wahrscheinlich bestimmt bei Erschliessung des grossen Ozeans, eine der Hauptrollen zu bernehmen. In dem Maasse aber als die Schifffahrt der amerikanischen Westkste den Einfluss des amerikanischen Elementes ber die Sdsee ausbreitet, wird der bestrickende Zauber, den die grosse Republik auf die spanischen Kolonien bt [298], nicht verfehlen sich auch in den Philippinen geltend zu machen. Die Amerikaner scheinen berufen, die von den Spaniern gelegten Keime zur vollen Entfaltung zu bringen. Als Conquistadoren der Neuzeit, Vertreter des freien Brgerthums im Gegensatz zum Ritterthum folgen sie mit der Axt und dem Pfluge des Pioniers, wo jene mit Kreuz und Schwert vorangegangen. Ein betrchtlicher Theil des spanischen Amerika's gehrt bereits den Vereinigten Staaten an und hat seitdem eine Bedeutung erlangt, die weder unter der spanischen Herrschaft noch whrend der auf sie und aus ihr folgenden Anarchie geahnt werden konnte. Auf die Dauer kann das spanische System nicht neben dem amerikanischen bestehn. Whrend jenes die Kolonien durch unmittelbare Ausbeutung, zu Gunsten bevorzugter Klassen, die Metropole durch Entziehung der besten Krfte, bei ohnehin schwacher Bevlkerung erschpft, zieht Amerika aus allen Lndern die thatkrftigsten Elemente an sich, die auf seinem Boden von jeglicher Fessel befreit, rastlos vorwrtsstrebend, seine Macht und seinen Einfluss immer weiter ausdehnen. Die Philippinen werden der Einwirkung der beiden grossen Nachbarreiche um so weniger entgehn, als weder sie noch ihre Metropole sich im Zustande stabilen Gleichgewichtes befinden. Fr die Eingeborenen scheint es wnschenswerth, dass die oben ausgesprochenen Ansichten nicht schnell zu Thatsachen werden, denn ihre bisherige Erziehung hat sie nicht gengend vorbereitet um den Wettkampf mit jenen rastlos schaffenden, rcksichtslosesten Vlkern zu bestehn; sie haben ihre Jugend vertrumt. ANHANG. KOPFSTEUER UND FROHNDEN. (Tributo, Polos y servicios.) Der Tribut ist eine ehemals auch in Amerika bestehende Kopfsteuer, welche die der spanischen Herrschaft unterworfenen Eingeborenen zahlen. Die gleich nach der Eroberung eingefhrte Steuer hatte ursprnglich einen doppelten Zweck: 1. Dotirung von Encomiendas zu Gunsten von Spaniern, denen fr hervorragende Verdienste um die Krone eine Anzahl Indier berwiesen wurde, die ihnen Tribut zahlen mussten; 2. Bildung eines Fonds zur Bestreitung der Kolonial-Verwaltung. Ein ganzer Tribut umfasst immer zwei Personen, gewhnlich Mann und Frau, und ist daher ziemlich gleichbedeutend mit Familiensteuer. Die Einwohnerzahl der Ortschaften wird nach Tributen angegeben; frher wurden auf einen Tribut (wohl zu niedrig) 4 1/2 Seelen gerechnet, gegenwrtig 6 Seelen, was eher zu hoch sein drfte. Ein Einzelner bezahlt einen halben Tribut. Ursprnglich betrug ein voller Tribut 1 Dollar = 8 r., 1611 wurde er auf 10 Realen erhht (1 1/2 r. Zuschlag fr das Heer, 1/2 r. fr den Klerus [299]) und, trotz mehrfacher Gegenverordnungen, von den Provinzialbehrden meist in Produkten erhoben -- zu ihrem Nutzen, aber zum Schaden der einheimischen Bevlkerung und der Regierung; da die Einnehmer nur wenn der Markt ungnstig war, die Produkte mit grossen Unkosten belastet nach Manila schickten, wo die Flle sie noch werthloser machte. Erst 1841 wurden Baarzahlungen allgemein eingefhrt. Seit 1852 betrgt ein Tribut 12 r. (in einigen Distrikten gelten besondre Bestimmungen). Dazu kommen noch: Sanctorum 3 r., Comunidad 1 r., Recargo 1/2 r, so dass die Gesammtabgabe 16 1/2 r. oder fr den Einzelnen 1 Dollar + 1/4 r. betrgt. Sanctorum ist fr den Kultus, wird aber an die Regierung entrichtet, welche die Pfarrer nach dem Maassstabe von 180 Dollar fr 500 Tributos besoldet. Comunidad ist ein Zuschlag zum Gemeindefond (s. unten, Brgerliche Einrichtungen). Recargo ist ein seit Aufhebung des Brantweinmonopols eingefhrter Zuschlag zur Deckung des dadurch veranlassten Ausfalls. -- In Mindanao und den Bisayas wird kein Zuschlag erhoben. Nach Agius (Memoria, Documento 5) steuert der einzelne Tributant jetzt 6.25 r. + 0.55 r. Recargo, zusammen 6.s, abgesehen von Sanctorum und Comunidad. Die Bewohner von Abra, Ilocos, Union, zahlen ausserdem noch 1 1/2 bis 2 1/4 r. fr die Bewilligung ihren Tabak ausserhalb des Estanco's kaufen zu drfen. Jeder Eingeborene ohne Unterschied des Geschlechts ist tributpflichtig vom zurckgelegten 18. Jahre an, wenn unter vterlicher Gewalt, vom 16. falls selbststndig. Ausgenommen sind die Nachkommen der ersten Christen auf Cebu, Neubekehrte (letztere gnzlich oder fr eine Reihe von Jahren), Gobernadorcillos und ihre Frauen, Barangay-Vorsteher, ihre Frauen und Erstgeborene. So heissen die vom Barangay-Vorsteher erwhlten Assistenten, die zur Annahme des Amtes gezwungen und gleichfalls mit ihrem Vermgen haftbar sind, weshalb auch ihr Eigenthum jhrlich inventarisirt wird (s. S. 181). Manche ziehn sechs Monate und selbst ein Jahr Gefngniss solchem Ehrenamte vor. (Barrantes 51. Anm.) Ferner sind befreit Beamte mit festem Solde nebst Frau und Kindern unter vterlicher Gewalt; Mestizen und Abkmmlinge von Spaniern; Indierinnen die sich mit Chinesen verheirathen, weil sie auch als Wittwen wie Mestizinnen bezahlen, und verschiedene Andre; endlich Eingeborene die ber 60 Jahre alt sind; arbeitsunfhige Krppel; Kranke bis zu ihrer Wiederherstellung. Reservados: Die durch Privilegium (spanische Mestizen), durch Alter oder Krankheit von der Kopfsteuer Befreiten zahlen 1/2 Realen per Kopf an die Regierung, wofr diese die Unkosten fr ihr Seelenheil bernimmt, angeblich mit einem Schaden von 1/2 r. fr den Kopf, da der Pfarrer fr die Seele des Reservado dieselben Sporteln erhlt, wie fr die des Tributanten. Mestizen von einem Chinesen und einer Indierin zahlen seit 1852 jhrlich 3 Dollar an Tribut, frher weniger. Die mit einem solchen Mestizen verheirathete Indierin steuert wie dieser whrend der Ehe, als Wittwe aber nur wie eine Indierin. Mestizen, die wie Eingeborene eigenhndig Feldbau treiben, zahlen auch nur wie diese. Die Mestizen bilden eigene Barangays, wenn ihrer 25 bis 30 Tributos zusammenwohnen, andernfalls gehren sie zu dem nchst gelegenen Barangay der Eingeborenen. Jeder Chinese (Landbauer ausgenommen, von welchen nur 12 r. erhoben werden) zahlt seit 1852 6 Dollar Kopfsteuer und ausserdem eine Gewerbesteuer von 100 Dollar, 60 Dollar, 30 Dollar oder 12 Dollar. [300] Der Gesammtertrag der Kopfsteuer ergab 1862 1867 Indier 1,740,637 Dollar 1,814,850 Dollar Mestizen 141,206 - 149,900 - Chinesen 100,356 - 117,550 - Unglubige 11,998 - 11,750 - ========= ========= 1,994,197 Dollar 2,094,050 Dollar Der Tribut wird von den Alkalden oder Guvernren der Provinzen durch die Barangay-Vorsteher erhoben, unter der wirksamen Mithlfe des frommen und fiskalischen Eifers der Pfarrer, die ein direktes Interesse an der Zunahme der Kopfsteuer haben, da ihre Stipendien sich danach beziffern. Jeder Barangay-Vorsteher hat in der Regel 45 bis 50 Tribute einzuziehn und in die Hauptkasse der Provinz abzuliefern. Fr Erhebung der Kopfsteuer erhlt er 1 1/2%, der Gobernadorcillo 1/2% und der Deputirte der Hacienda (d. h. der Alkalde oder Provinzial-Guvernr) 3%. Die Barangay-Hauptmannschaften sind erblich und whlbar, bedrfen aber in beiden Fllen der Besttigung der Hacienda, die nur den zuverlssigsten und wohlhabendsten Leuten ertheilt wird. Die Amtsdauer ist drei Jahre, nach deren Ablauf dasselbe Individuum wieder gewhlt, aber niemals, ausser in Folge gesetzlich begrndeter Ursachen, abgesetzt werden kann. In Wirklichkeit ist das Amt freilich oft ein gezwungenes, (s. oben). Der Cabeza wird von der Regierung ernannt und whlt sich einen Erstgeborenen. Den Cabeza liegt ausser Eintreibung der Kopfsteuer das Aufrechthalten der guten Ordnung unter den Tributanten ihres Barangay ob. Sie haben auch alle Leistungen, welche die Gemeinschaft treffen, unter die Mitglieder derselben zu vertheilen und diese gesetzlich zu vertreten. Der Tribut wird jhrlich in drei Raten entrichtet, es finden dabei grosse Unterschleife, Ungerechtigkeiten und Bedrckungen seitens der Einnehmer statt. Ausser dem Tribut hat jeder Indier jhrlich 40 Tage ffentlicher Arbeiten zu leisten (Plos y servicios), eine Woche Dienst im Tribunal (Tanora), eine Woche Nachtwachen (Gurdia). Die Plos y servicios bestehn in Arbeiten und Leistungen fr Staats- und Gemeinde-Zwecke (Strassen- und Brckenbau, Botendienst u. s. w.). [301] Da die Arbeitskrfte aber nur zum Theil zur Verwendung kommen, so sind die Frohnden in Geld ablsbar; im Allgemeinen fr 3 Dollar. Die Summe ndert sich nach dem Wohlstande der Provinz; in den rmeren betrgt sie 2 Dollar, in einigen sogar nur 1 Dollar (42 1/2 Silbergr. fr 40 Arbeitstage). Die Tanora besteht in einer Woche Dienst im Tribunal, der sich in der Regel auf Reinhaltung des Gebudes, Bewachung der Gefangenen und hnliche leichte Leistungen beschrnkt. Die Semanros mssen aber eine Woche im Gemeindehause anwesend und verfgbar sein. Auch von der Tanora kann man sich loskaufen fr 3 r.; von den Nachtwachen fr 1 3/4 r. Von allen persnlichen Leistungen befreit sind die Principales (und ihre Familien) nmlich Ex-Gobernadorcillos, Juces-mayores und Cabezas von wenigstens 10 Jahren Amtsthtigkeit. Sie bilden einen inlndischen Adel und werden Don titulirt. Ein Gesetz vom 3. Novbr. 1863 (L. ult. III.) bestimmt zwar, dass alle mnnlichen Einwohner der Philippinen, Europer oder Eingeborene, Spanier oder Auslnder, jhrlich vier und zwanzig Tage persnliche Dienste zu verrichten oder deren Ablsung in Geld zu bewirken haben. Dieses Gesetz ist aber nicht zur Ausfhrung gekommen; Europer sind von allen Abgaben frei. Mestizen von einem Spanier und einer Indierin gleichfalls, zahlen aber 7 r. Sanctorum und 1/2 r. Diezmo fr die Regierung. Mit der Zahlung der Mestizen, namentlich der Mestizinnen wird es indessen nicht genau genommen. Noch grssere Missbruche als bei Einziehung des Tributes finden bei Vertheilung der Frohnden und ihrer Ablsung in Geld statt; da hierbei eine genaue Kontrolle um so weniger mglich ist, als die Vertheilung und Ueberwachung der Arbeit gnzlich von den inlndischen Ortsbehrden, die immer zusammenhalten, abhngt. Ueberdies wagt ein Plebejer nicht leicht gegen seinen Cabeza zu klagen. Hufig sollen auch spanische Beamte sich an jenen Unterschleifen und ihren Ertrgen betheiligen. Sehr allgemein ist die missbruchliche Verwendung der Polistas zu Privatdiensten. Die Gemeindeverfassung der Philippinen [302], welche die Spanier bei ihrer Ankunft schon vorgebildet fanden und geschickt abnderten, indem sie die erblichen Huptlinge mehr und mehr durch einen Adel ersetzten, der nur im Regierungsdienst erworben werden kann, dessen Mitglieder zwar von den Eingeborenen, aber doch nur nach den Wnschen der Regierung gewhlt werden, ist gewiss im Ganzen als eine glckliche Umgestaltung vorgefundener Verhltnisse zu betrachten. Die Regierung verkehrt nur mittelbar durch diesen unbesoldeten Adel mit den Eingeborenen; ihm liegt die Gemeindeverwaltung, die Polizei, die Eintreibung der Steuern ob. Das von Manchen bermssig gepriesene System hat aber auch grosse Nachtheile: die von ihren Genossen gewhlten inlndischen Beamten, welche von der spanischen Regierung keine Besoldung erhalten, keine Dienstbefrderung, zu erwarten haben, stehn dieser sehr unabhngig gegenber und der Verband ist um so loser, als die spanischen Beamten so schnell wechseln, dass es ihnen, wenn nicht an den brigen Eigenschaften, schon an Zeit mangelt, um das Vertrauen, die Zuneigung und Achtung der Eingeborenen zu erwerben. Da die unbesoldeten Cabezas berdies mit ihrem Vermgen fr die Kopfsteuer ihrer Barangays haften, so werden sie leicht verleitet, sich durch Unterschleife gegen mgliche Ausflle vorweg reichlich zu decken. Ein noch grsserer Uebelstand ist es, dass die Polizei whrend der Amtsdauer zwar von Kopfsteuer und Frohnden befreit bleibt, brigens aber weder von der Gemeinde, noch von der Regierung besoldet wird, und daher freigebigen Uebertretern des Gesetzes sehr zugnglich ist. Als der Tribut bei Grndung der Kolonie eingefhrt wurde, um zur Deckung der Verwaltungskosten beizutragen, war in den Philippinen kein besteuerbares Eigenthum vorhanden; seine Beibehaltung unter den gegenwrtigen Verhltnissen erscheint weder geschickt noch gerecht. Die Steuer nimmt keine Rcksicht auf die Erwerbsfhigkeit, ja sie trifft nicht einmal den Armen und den Reichen gleich, sondern lsst Letztern gewhnlich frei. Nur diejenigen Europer, die Lndereien besitzen, zahlen davon eine dem Zehnten des angeblichen Bruttoertrages entsprechende Abgabe (diezmos prediales). Der Gesammtertrag dieser Abgabe bersteigt nicht 7000 Dollar jhrlich! Andrerseits berechnet Herr Agius (General-Intendant der Hacienda) die Summe, welche der Staat den Krppeln, Altersschwachen und andern auf die ffentliche Wohlthtigkeit angewiesenen Individuen abpresst, auf 12,600 Dollar. Schon lange wnschen die einsichtsvolleren Beamten den Tribut durch eine Steuer auf Grundbesitz und Gewerbe zu ersetzen, und alle davon Betroffenen vom Tribut zu befreien. Die Ausfhrung einer so heilsamen Maassregel ist aber unmglich, so lange die Verhltnisse des Grundbesitzes nicht geordneter sind. Auch fehlen nicht nur alle statistischen Daten, sondern auch die Personen, von denen das mangelnde Material in irgend zuverlssiger Weise beschafft werden knnte. Die Schwierigkeit wird noch bedeutend dadurch vermehrt, dass wenige Spanier die Landessprachen, wenige Eingeborene spanisch verstehn, dass letztere im hchsten Grade misstrauisch sind und sich der Lge fast instinktmssig als einer immer bereiten Schutzwehr gegen Jeden bedienen, der sie ausfragen will. Um so schwieriger wrde es sein, richtige Angaben zu erlangen, wenn es sich um ihren Geldbeutel handelt. Ein Hinderniss sonderbarer Art, fr eine Volkszhlung in den Philippinen ist das fast gnzliche Fehlen aller Familiennamen und die geringe Manchfaltigkeit der angenommenen Namen. Frher scheint das Uebel noch grsser gewesen zu sein, wie aus folgendem Dekret des General-Kapitns vom Novbr. 1849 (Leg. ult. I. 449) hervorgeht: Die Indier haben gewhnlich keine Familiennamen, nehmen beliebige Namen meist von Heiligen an, wodurch die Polizei-Kontrolle und das Einsammeln des Tributes erschwert werden. Es werden daher an die Provinzialbehrden Verzeichnisse passender Namen geschickt, auch solcher aus dem Mineral-, Pflanzen- und Thierreich damit jeder Familie eines Pueblo ein Name ertheilt werde, den sie zu fhren und zu behalten hat. Die Eingeborenen welche bereits Familiennamen besitzen, behalten dieselben. Solche, die schon vier Generationen hindurch einen Heiligennamen gefhrt haben, knnen ihn behalten, ausgenommen sind aber Namen wie Sa. Cruz und los Santos u. s. w., die wegen ihrer grossen Hufigkeit Anlass zu Verwirrungen geben. BRGERLICHE EINRICHTUNGEN. (Nach einem handschriftlichen Aufsatz im Ultramar-Ministerium.) Es wrde eine sehr eingehende Durchforschung der im Kolonial-Ministerium vorhandenen Prjudizien nthig sein, um alle diejenigen, welche sich [L. ult. III. 64.] auf die brgerlichen Einrichtungen der Philippinen beziehen, vor Augen zu haben, und selbst dann wrde man vielleicht nicht dazu gelangen, sie vollstndig kennen zu lernen, da die provinzielle Einheit kaum besteht und die stdtische, mit der alleinigen Ausnahme von Manila, gnzlich unbekannt ist. Da aber diese Notizen nur zum Zweck haben in grossen Zgen zu schildern, welche Einrichtungen dort in Bezug auf lokale Fonds sowohl in ihrem Bestande, als in ihrer Verwaltung und Verwendung gelten, so soll hier nur summarisch besprochen werden, aus welchen Elementen das Ayuntamiento (Gemeinderath) der Hauptstadt besteht und durch welche Beamten in den brigen Ortschaften (pueblos) der Mangel stdtischer Krperschaften ersetzt wird. Das Ayuntamiento von Manila besteht aus zwei Alkalden und zwlf Regidoren, welche letztere unabsetzbar waren, bis durch R. C. 3. Dez. 1677 verfgt wurde, dass sie aus der freien Wahl der abtretenden Kapitulare (d. h. Regidoren) hervorgehn sollten. Diese am 1. Januar unter dem Vorsitz eines K. Rathes des obersten Gerichtshofes vereinigt, ernennen auch die beiden Alkalden, den Einen aus zwlf im Voraus bezeichneten Eingesessenen, nach Besttigung ihrer Befhigung durch eine von der Ober-Zivilbehrde genehmigte Ausfertigung, den Andern aus den Regidoren, die den neuen Gemeinderath bilden sollen. Falls sich bis Mitternacht die Regidoren nicht ber die Ernennung der Alkalden einigen knnen, so [L. ult. III. 129.] erfolgt dieselbe durch die Ober-Zivilbehrde; wenn letztere aus triftigen Grnden glauben sollte, den zu ihrer Kenntniss gebrachten Ernennungen die Besttigung versagen zu mssen, so setzt sie ihre Grnde dem Ayuntamiento auseinander, damit dasselbe beschliesse, was ihm sachgemss scheint. Zur besseren Verwaltung der verschiedenen stdtischen Geschfte und Leistungen werden diese unter die Regidoren vertheilt; drei der letzteren versehn die Aemter des Alferez real, Procurador und Obrero mayor. Zwei sind deputirt fr ffentliche Feste, zwei fr die Polizei, zwei andre fr die Verproviantirung. Es wrde natrlich erscheinen, dass das Ayuntamiento ber alle Angelegenheiten der Stadtgemeinde zu erkennen htte: dies ist indessen nicht der Fall, denn nur die Angelegenheiten innerhalb der Stadtmauern gehren zu seinem Wirkungskreise, die brigen zu dem des Ober-Alkalden von Tondo (jetzt Provinz Manila). Der Gobernador-Corregidor von Manila (ein durch R. D. Sept. 1859 gestiftetes Amt) fhrt den Vorsitz im Ayuntamiento, die Friedensrichter der Vorstdte handeln hinsichtlich der Zivilverwaltung als seine Abgeordnete. Er fhrt die Beschlsse besagter Krperschaft aus, und sorgt fr Alles was sich auf stdtische Polizei, Zufuhren, stdtische Anlagen bezieht, ernennt auf Vorschlag des Ayuntamiento die Beamten desselben, vertritt es vor Gericht und bringt dessen Vorlagen an die Oberbehrde. Seine Befugnisse darf er auf einen der Alkalden oder Regidoren bertragen. Als Zivil-Guvernr fhrt er die Anordnungen der Oberbehrde aus, ordnet den Gesetzen entsprechend alle Maasregeln an, welche die persnliche Sicherheit, das Eigenthum und die Erhaltung der ffentlichen Ordnung betreffen, ertheilt Psse und Erlaubnisscheine zur Fhrung von Waffen, untersttzt mit allen Krften die Einziehung des Tributes und vollstreckt die in der Polizei-Ordnung festgesetzten Strafen. Diese Strafen drfen nach R. D. 29. Sept. 1862 im Einzelfalle nicht bersteigen 600 Esc., wenn sie die Ober-Zivilbehrde, 300 Esc., wenn sie die Guvernre von Manila, Bisaya, Mindanao, und 100 Esc. wenn sie die politisch-militrischen Guvernre der Provinzen oder die Ober-Alkalden verhngen. Das Maximum der Arrest- oder Gefngnissstrafe soll 2 Monate sein, wenn sie von den obersten Behrden, einen Monat, wenn sie von den zweiten, 15 Tage, wenn sie von den dritten verfgt wird. Ursprung der Lokalfonds. Zur Bestreitung der rtlichen Bedrfnisse in den Philippinen dienen die [Leg. ult. III. 136.] Fondos de Propios, Arbitrios y Comunidad, Gemeinde- Eigenthum- und Geflle-Gelder. Die ersteren bestehn aus jeder Art beweglicher und unbeweglicher Gter und Gerechtsame, deren Eigenthum oder Niessbrauch den Stdten, Ortschaften und Weilern gehrt. Sie zerfallen je nach ihrem Ursprung in provinzielle und rtliche und werden demnach zu den Lasten einer Provinz oder einer bestimmten Oertlichkeit verwendet. Arbitrios nennt man das Produkt der Abgaben fr Schlachtvieh, Stempel, Wagen, Reitpferde, Wege und Brcken, Fhren, Billards u. s. w. Von diesen Abgaben sind einige zur Bildung eines Provinzialfonds bestimmt, andre, wie der Loskauf von den persnlichen Leistungen (Polos y servicios), Wege- und Fhrgelder und andre kleine Einnahmen, werden besondern Ortschaften oder Oertlichkeiten berwiesen. Frher hatten auch einige Abgaben den Zweck, ausschliesslich zur Deckung bestimmter Leistungen zu dienen, sie hiessen especiales; aber durch R. O. 21. Oct. 1858 wurde ihre Einzahlung in die k. Kassen angeordnet. Seitdem fllt ihre Erhebung sowohl, als die Leistungen, zu welchen sie bestimmt waren, der Verwaltungsbehrde zur Last. Zu dieser Klasse gehrten die Gebhren fr Lagerhuser, Reinigung des Hafens, Haverei, Leuchtthurm, der Aufschlag auf Reis u. s. w. Die Fondos de comunidad (Gemeinde-Fonds) entspringen aus dem Zuschlag zum Tribut, welchen die k. Kassen erheben. Dieser Zuschlag betrgt 1/2 Real fr Eingeborene und Mestizen von Chinesen, und 2 r. fr Chinesen. Aus den Fonds der Propios und Arbitrios wird eine einzige Masse gebildet, die ohne Unterschied zur Bestreitung der Ausgaben der lokalen, allgemeinen oder provinzialen Verwaltung, oder der der Pueblos dient, so weit das Kapital eines jeden dieser Verbnde reicht. Die Fonds der Gemeindekassen dagegen sind von denen der Propios und Arbitrios gnzlich getrennt und haben eine besondere Verwendung; sie tragen mit dem Staate (hier so viel als k. Kasse) und den Propios und Arbitrios je zu einem Drittheil die Kosten der Erbauung und Instandhaltung der Casas reales (R. O. 24. Mai 1855), betheiligen sich an der Unterhaltung der allgemeinen Asyle und Krankenhuser, kommen den Steuerzahlern bei allgemeinen Nothstnden zu Hlfe und entrichten fr dieselben den Tribut, wenn diese ihn aus eben dieser Ursache nicht zahlen knnen. Sollte indessen die Kasse der Propios und Arbitrios einer Provinz oder einer Ortschaft zur Bestreitung ihrer Ausgaben nicht hinreichen, so ergnzt die General-Kasse des Verwaltungszweiges das Fehlende; eben so wie diese, wenn sie nicht hinreichendes Kapital besitzt, um ihre Ausgaben zu decken, von den Gemeindekassen unter Bedingung der Rckzahlung untersttzt wird. Die General-Kasse, welcher, wie erwhnt, die allgemeinen Ausgaben der Verwaltung zur Last fallen, besteht aus zwei Theilen: erstens dem Kapital der Gemeindekassen, deren Verpflichtungen angefhrt worden sind, zweitens aus den Ertrgen dieses Kapitals und der zwei Prozente von den jhrlichen Einnahmen der drei Zweige. Obgleich in der Regel die Lokal-Kassen 2/3 der Unkosten fr die Wohnungen [Leg. ult. III. 480, I. 219.] der Provinzial-Guvernre trugen, wurde durch R. O. 4. und 21. Januar 1863 verfgt, dass genannte Beamte diese Unkosten aus den 2 Prozenten zu bestreiten htten, welche sie fr Erhebung der Abgaben erhalten. Desgleichen wurde verordnet, dass sowohl der Unterhalt als der Transport armer Gefangener aus den Munizipal-Fonds bestritten werde (R. O. 2. Oct. 1859); [Leg. ult. II. 11 & 113.] durch eine andre bereits angefhrte R. O. 24. Mrz 1855 wird verfgt, dass die [Leg. ult. IV. 260.] Ausgaben fr Erbauung und Instandhaltung der Gefngnisse von den Ortschaften aus den Fonds der Propios und Arbitrios bestritten werden, und in Ermangelung solcher aus den Gemeindekassen; durch R. D. 20. Dec. 1863 wird befohlen, dass die Normalschule von Manila aus der Zentralkasse der Propios und Arbitrios und die Provinzialschulen aus dem Lokalbudget erhalten werden. [303] Verwaltung der lokalen Fonds. Seit Publikation der R. O. 2. April 1846 galt in der Verwaltung der Grundsatz, dass die Fonds der Propios, Arbitrios und Comunidad auf die lokalen Bedrfnisse verwendet werden und eine von den Staatsfonds getrennte, der Verwaltungsbehrde anvertraute Masse bilden. Folge davon war die Bildung (R. O. 17. Mrz 1854 und 1. August 1856) einer Sektion fr Propios und Arbitrios in der Verwaltung der Tribute und einer Sektion in der Kanzlei der Ober-Zivil-Regierung, indem zugleich vorlufige Bestimmungen fr die gute Verwaltung dieser Fonds erlassen wurden. [Leg. ult. III. 135.] Spter gingen laut Verfgung vom 30. Aug. 1858 sowohl die Propios y arbitrios als die Gemeindefonds in die Verwaltung der Ober-Zivilbehrde ber; es wurde eine dirigirende Junta der lokalen Verwaltung gebildet, welche unter dem Vorsitze jener Behrde, aus dem Staatsanwalt und einem Rath des obersten Gerichtshofes, dem General-Administrator des Tributes und dem Direktor der Lokalverwaltung bestand, mit dem zuerst genannten Beamten als Schriftfhrer. Zugleich wurde das Personal des Letzteren und eine Rechenkammer fr die Lokalverwaltung, durch Umformen der im Sekretariat der Ober-Zivilbehrde und der General-Verwaltung des Tributs vorhandenen Sektionen geschaffen. [Leg. ult. III. 137.] Die Obliegenheiten dieser Direktion bestehn in Ermittelung der Propios und Arbitrios der einzelnen Ortschaften und Provinzen, der Abgaben fr den Gemeindefonds, und der auf diesen Fonds ruhenden Lasten; in Erforschung angemessener Vernderungen in diesen Abgaben, Revision der veranschlagten Einnahmen und Ausgaben, welche die Ortschaften und Chefs der Provinzen nach diesen Voranschlgen entwerfen und endlich in Ausarbeitung und Einreichung eines allgemeinen Planes (formar los generales) an die Zivil-Regierung, damit diese nach erfolgter Besttigung durch die dirigirende Junta der lokalen Verwaltung, der obersten Behrde Abschrift davon ertheile. Die Besttigung ist der Rechenkammer (tribunal de cuentas) der Inseln vorzulegen, welcher die monatlichen (halbjhrlichen laut R. O. 5. Okt. 1863) und die jhrlichen Rechnungen zur Prfung einzureichen sind, auf dass sie mit beiden gemss Instruktion vom 31. Okt. 1859 (besttigt durch R. O. 19. Mai 1861) verfahre. Desgleichen hat die genannte Direktion die Versteigerung der verpachtungsfhigen Abgaben zu verfgen, welche die Ober-Zivilbehrde besttigen oder verwerfen kann. Auch wird diese Behrde der hchsten Regierung die Einfhrung neuer Abgaben oder die Abnderung bestehender, wenn es angemessen erscheint, vortragen indem sie einstweilen den Ausfall einiger Provinzen, vorbehaltlich der gelegentlichen Rckgewhr, aus den Ueberschssen anderer deckt. Nach R. O. 29. April 1860 muss, so oft ein Werk mit den lokalen Fonds ausgefhrt werden soll, vorher der betreffende Anschlag gemacht werden, und wird die Ober-Zivilbehrde durch R. O. 23. Juli 1861 und 6. Juli 1863 ermchtigt, nach Vernehmung des Verwaltungsrathes Ausgaben zu bewilligen, welche 20,000 Dollar fr Einmal und 10,000 Dollar, wenn es sich um wiederkehrende Anweisungen handelt, nicht bersteigen, und sollen die Arbeiten in derselben Form wie die aus Staatsgeldern bezahlten, in ffentlicher Lizitation vergeben und die Regierung davon in Kenntniss gesetzt werden, jedoch ohne die Akten einzusenden, wie R. O. 24. Juli 1862 vorschrieb. Falls diese Behrde von dem Ermessen der dirigirenden Lokalbehrde abweicht, bleibt die Ausgabe bis zur Erlangung der k. Genehmigung, welche ebenfalls nthig ist fr Alles was eine fortdauernde Belastung dieser lokalen Fonds herbeifhrt, schweben. [Leg. ult. I. 164.] Durch andre R. O. 1. Aug. 1861 wurde die Bildung einer von der Regierungs-Kanzlei abhngigen Sektion genehmigt, welche in Angelegenheiten der Verwaltung der Propios und Arbitrios und der Ueberschsse der General-Kasse befindet, und ward ihr aufgetragen eine Verordnung fr die gute Verwaltung besagter Gelder zu entwerfen. In der Absicht diese zu sichern, und da die Kassen der Ortschaften, wo sie aufbewahrt wurden, keine Gewhr boten, verfgte die [Leg. ult. III. 224.] oberste Zivilbehrde (19. April 1858) ihre Zentralisirung in den Hauptstdten der Provinzen zu Lasten der Ober-Alkalden und politischen Militr-Guvernre. [Leg. ult. III. 215.] (Der Alkalde mayor sammelt die Gelder und schickt sie an die Haupt-Kasse in Manila.) Spter (R. O. 21. Oct. 1858) ward verfgt, dass die Einnahmen aus den Zweigen der sogenannten Agenos und der Propios und Arbitrios in den ffentlichen Schatz flssen. Fr diese Dienstleistung behlt der Staat 20 % von den Propios (der Staat erhebt auch in Spanien 20 % von jedem Verkauf eines Gemeinde-Grundstcks oder andern Propios) und 10 % von den Arbitrios und Gemeindegeldern der Ortschaften und Provinzen. Ausserdem beziehn die Chefs der Provinzen, welche Brgschaft geleistet haben, (R. O. 21. Dez. 1860) 2 % und die Gobernadorcillos 1/2 % fr die Mhe der Erhebung. In Folge dieser Maasregel trgt der Staatsschatz die Unkosten fr die Direktion und die Rechenkammer der lokalen Verwaltung. [Leg. ult. III. 256.] Voranschlge. Damit die Veranschlagung der Einnahmen und Ausgaben nach festen Regeln erfolge, sind solche durch R. O. 18. Mai 1861 aufgestellt und sollen jene nach den einzelnen Provinzen, und zwar die fr die Propios und Arbitrios getrennt von denen fr die Gemeindekassen entworfen werden. Letztere Fonds sind fr die besonderen Erfordernisse der Ortschaften bestimmt, die der Propios und Arbitrios fr die der Provinzen und Distrikte. Die Einnahmen zerfallen in ordentliche und ausserodentliche je nach ihrer Art; die Ausgaben in nothwendige und freiwillige. Zunchst bestimmte die oberste Zivilbehrde ber die Klassifikation der ersteren, unbeschadet der einzuholenden Besttigung Ihrer Majestt und der jhrlichen Einsendung ihrer Voranschlge (im Monat Juli) zur Kenntnissnahme der hchsten Regierung. Spter wurde angeordnet, dass die Veranschlagungen klar und in's Einzelne gehend abgefasst sein, dass die Ausgaben die Einnahmen nicht bersteigen, und dass am Schluss jedes Geschftsjahres die Ueberschsse der Gemeinde-, Propios und Arbitrios-Gelder in die betreffende Zentralkasse des Zweiges fliessen sollen. Die Verordnung des Intendanten von 1786 verfgt (Art. 47), dass jede Ortschaft ihre jhrlichen Ueberschsse aus den Propios und Arbitrios oder Gemeindegtern zum Ankauf von Immobilien und zinsbaren Anlagen verwende, um unnthige Geflle (Arbitrios) zu beseitigen oder, falls keine vorhanden, genannte Ueberschsse zur Frderung ntzlicher Anstalten fr den Ort oder die Provinz zu benutzen. Bisher sind die Regeln ber die Verwendung besagter Ueberschsse noch nicht festgestellt worden; R. O. 18. Mrz 1861 bestimmt nur, dass sie zentralisirt und ber ihre Anlegung durch die Ober-Zivil-Verwaltung oder die Staatsregierung je nach Umstnden, und gemss den in Kraft bestehenden Vorschriften verfgt werden soll. [304] UEBER DEN BODENKREDIT. (Nach Aufstzen im Diario de Manila, Dezember 1866.) Ausgenommen einige grosse, durch Schenkungen in frherer Zeit erworbene Besitzungen ist das Grundeigenthum meist durch das Recht der Besitzergreifung und Urbarmachung entstanden, welches noch jetzt durch die Gesetze von Indien (Leyes de India) zu Gunsten der Eingeborenen anerkanntes Gemeinderecht ist. In Ausbung dieses Gemeinderechts nimmt der Eingeborene das zu seiner Wohnung und zum Feldbau benthigte unbenutzte Land in Besitz und verliert es nur dann, wenn er es zwei Jahre lang nicht bearbeitet. Abgesehn von diesen geborenen und trotzdem sehr armen Grundeigenthmern, ist Grundbesitz gesetzlich auf folgende Weise zu erwerben: durch Kauf eines bestimmten Flchenraumes unbenutzten Kronlandes vom Staat; durch wirklichen Kauf von den Eingeborenen welche Lndereien besitzen; durch Vertrge, pactos de retro genannt, die mit den Eingeborenen geschlossen werden; durch Verpfndung oder Hypothezirung von Schuldverschreibungen, welche eben diese Eingeborenen besonders bei Handelsgeschften einzugehn pflegen. Das erste Mittel sollte eine Quelle von Reichthmern sein, ist es aber aus verschiedenen Grnden nicht. Nur Wenige sind heut mit der Gesetzgebung ber unbebautes Kronland vertraut, die aus einer Unzahl einzelner Beschlsse besteht und ein kasuistisches, unzusammenhngendes verwirrtes Durcheinander bildet. Es wurde daher durch R. O. 1864 der Entwurf einer Verordnung fr den Verkauf unbenutzter Lndereien befohlen, und mssen wir annehmen, dass diese Arbeit ziemlich weit vorgeschritten sei ... Nach einer Beschreibung der dabei stattfindenden Weitlufigkeiten heisst es weiter: das Ergebniss war, dass nach Verlauf von 2 oder 3 Jahren, wenn es gelang den Widerstand der Ortschaft zu besiegen, in deren Gerichtsbezirk das beanspruchte (pedido) Land lag, die betreffende Person einen Besitztitel darber ausgefertigt erhielt, gegen Erlegung der unbedeutenden Summe von 4 r. fr den Quion (weniger als 2 sgr. fr den Morgen), einer Summe die nicht sowohl die Bedeutung eines Kaufpreises, als einer Anerkennung des Besitzes hatte. Diese Bestimmung war in Anbetracht der grossen Unkosten erlassen, welche das Ausroden und Urbarmachen in den Philippinen verursacht. Durch R. O. 1857 wrde das Angebot fr unbebautes Kronland auf 50 Doll. per Quion festgesetzt, und konnte der Zuschlag (concesion) nicht ohne vorhergehende ffentliche Lizitation erfolgen. Von jener Zeit an hielten sich Privatleute von derartigen Gesuchen fern: zu den alten Uebelstnden gesellte sich der hohe Preis und die Gefahr berboten zu werden und dadurch Mhe und Kosten fr Untersuchung des Terrains zu verlieren. 1859 wurde das Dekret abgendert, der alte Preis von 4 r. per Quion als Angebot wieder eingefhrt; dieses Dekret ist aber noch nicht publizirt. Damit dem Ackerbau Kapitalien zufliessen, ohne welche er sich unmglich entfalten, Korn und Kolonialwaaren fr die Ausfuhr erzeugen kann, ist es durchaus nthig alle Hindernisse zu beseitigen, die Vermgende abschrecken. Unter diesen Hindernissen stehn in erster Reihe die Lokalgerichtsbarkeit bei Bewilligung unbebauter Kronlnder; in zweiter die Hindernisse, welche Nationalen sowohl als Auslndern, die in Landgemeinden Niederlassungs- und Brgerrecht (radicacion y vecindad) erwerben wollen, in den Weg gelegt werden. Ausser der Schwierigkeit grosse Besitzungen zu erwerben, sind noch andre vorhanden. Der Pflanzer kann leicht Arbeiter finden, denen er bedeutende Vorschsse an Kleidern, Korn, Vieh und Geld machen muss; aber die Indier halten ihre Kontrakte schlecht; die dem Pflanzer zu Gebot stehenden gesetzlichen Mittel, um sie zur Erfllung der eingegangenen Verpflichtungen zu zwingen, sind so schwerfllig und so verderblich wie das Aufgeben des Rechtes selbst. Wenn der Alkalde nicht thtig ist und guten Willen zeigt, so ziehn die Pflanzer gewhnlich vor, ihre Ansprche nicht geltend zu machen; sie tragen den Verlust und manche werden dadurch bewogen ihre Unternehmungen aufzugeben. Dieser Krebsschaden der Landwirtschaft wird verschwinden, sobald jeder Indier einen Brgerbrief (cedula de vecindad) besitzt. Ist das erste Jahr berstanden, so sind spter Strme, Heuschrecken, Handelskrisen, die den Preis der Produkte herabdrcken, zu gewrtigen. In solchen Fllen wird es fr den Pflanzer zum grossen Uebelstand, dass kein Kredit vorhanden. Hypotheken giebt es nicht, wenigstens keine obligatorische Hypothekenregister; daher wagt Niemand sein Geld auf dergleichen Grundstcke auszuleihn, oder thut es nur gegen erdrckende Wucherzinsen. Eine Besserung in dieser Beziehung wird in den Philippinen von der grossen und kleinen Landwirthschaft, vom Handelsstand, vom grossen und kleinen Besitz dringend verlangt; sie wrde dem Pacto de retro so wie den wucherischen Vertrgen, die in Luzon tacalanan, in Bisaya alili heissen (Darlehn auf den Ertrag der nchsten Ernte) und denen an vielen Orten das herrschende Elend, das Zurckbleiben zugeschrieben werden muss, fr immer ein Ziel setzen. Es mssen klare, schnell ausfhrbare Bestimmungen erlassen werden, durch welche die mit den Kolonen geschlossenen Vertrge zur Wahrheit werden; den Eigenthmern muss durch Eintragung ihrer Grundstcke in ein Hypothekenbuch die Mglichkeit gegeben werden, Darlehen ohne andre Sicherheit unter mssigen Bedingungen zu erlangen. Pacto de retro ist eine der gebruchlichsten Formen durch welche lndliche Besitzungen aus den Hnden der Eingeborenen an Andre bergehn. Ein betrchtlicher Theil von Pampnga, Batan, Manila, Laguna, Batngas und anderen Provinzen hat innerhalb weniger Jahre auf diese Weise die Besitzer gewechselt. Auf diese Weise erwerben gewhnlich die unbeschreiblich schlauen und sparsamen Mestizen ihre Lndereien, deren Kultur sie dann verbessern; was aber nicht hindert dass dieser Gebrauch fr den Volkswohlstand verderblich ist. Der Eingeborene, der ein Stck Land durch Urbarmachung und Besitzergreifung, aber fast nie oder sehr selten durch Kauf von einem andern Eigenthmer inne hat, bietet, wenn er sich in drckender Geldnoth befindet, sein Land zum Pfande fr ein vom Kapitalisten begehrtes Darlehn, da er aber keine Urkunde besitzt, um sein gutes Recht zu beweisen und zu zeigen, dass es von allen Lasten und Verpflichtungen frei ist, so ist keine Grundlage fr ein hypothekarisches Darlehn unter billigen Bedingungen vorhanden. Der Kapitalist sucht daher seine Sicherheit im unmittelbaren Besitz. Die Hypothek verwandelt sich in ein antichretisches Pfand (prenda pretoria), und da es sehr schwer ist, oder wenigstens sehr selten vorkommt, dass der Indier, der das Geld empfngt, es freiwillig zur festgesetzten Zeit zurckzahlt, und es nicht im Interesse des Darleihers liegt, ihn zur Zahlung zu zwingen, so geschieht es, dass fr die einem hypothekarischen Darlehn entsprechende Summe, d. h. fr den halben oder drittel Werth des Pfandes, das Grundstck definitiv den Besitzer wechselt; nicht selten geschieht es, dass der ehemalige Eigenthmer dann als Kolon (Arbeiter, thatschlich Schuldsklave) auf dem Grundstck verbleibt. Hufig wird der Indier in Folge seiner Sucht fr Hahnenkmpfe und Hasardspiele zu dergleichen Kontrakten verleitet. Die Landesgesetze verlangen, dass die Indier in Ortschaften leben, ihre Gehfte zu Drfern vereinigen, damit sie berwacht und ihre Leistungen erhoben werden knnen. Unter gewhnlichen Umstnden baut sich der Indier eine Htte auf seinem Acker, wo er zur Zeit der Feldarbeiten wohnt, und geht Samstag Abend nach dem Dorf um am Sonntag die Messe zu hren. Sein Feld hat fr ihn keinen grossen Werth, da er immer wieder ein andres Stck urbar machen kann; so gross ist der Ueberfluss an Land bei allen von der Hauptstadt entfernten Ortschaften. Die Leichtigkeit, mit der ein Grundstck aufgegeben, ein andres in Besitz genommen werden kann, ist der Entwicklung des Landbaus sehr schdlich. Ein kleiner Grundbesitzer, der ohne Jemand um Erlaubniss zu fragen ein wstes Stckchen Land mit Reis oder Bataten bepflanzt hat, erhebt ein Geschrei, wenn es von einer Kuh oder einem Pferde, das seit Jahren dort graste, betreten wird, und lsst sich, da das Gesetz zu seinen Gunsten lautet, vom Eigenthmer des Viehs einen oftmals imaginren Schadenersatz zahlen, whrend doch der Schaden von demjenigen getragen werden sollte, der sein Feld baut, ohne es einzuhegen. Derselbe kleine Eigenthmer macht zu seinen Gunsten alle Vorrechte und Gerechtsame eines ganzen Dorfes voll Indier geltend, wenn ein vermgender Mann in seiner Nachbarschaft eine Pflanzung anlegen will. Oft findet der zu solcher Anlage entschlossene Kapitalist, dass in dem vorher vllig unbebauten oder wsten, gegen Zahlung einer gewissen Summe nach langen Weitlufigkeiten von der Hacienda erworbenen Gebiete einige Indier ein Saatfeld angelegt haben und durch Zeugnisse, die mit Unterschriften bedeckt aus dem Tribunal kommen, bekrftigen, dass sie dieselben von ihren Vtern geerbt und nie unterlassen haben, sie zu bearbeiten. Eine Abhlfe dieser Missbruche wrde in der Begrenzung des Gebietes und der Gerichtsbarkeit der Gemeinden liegen, so dass zum Behuf der Vermehrung des lndlichen Eigenthums, fr die Insassen eines Pueblo so viel Land frei bliebe, als sie gegenwrtig vernnftiger Weise beanspruchen knnen; mehr oder weniger, als die sogenannte Gemeinde-Feldmark (legua comunal), deren brigens kein Gesetz Erwhnung thut. Alles brige im Gerichtsbezirk belegene Land msste aber fr Kronland erklrt, alle gegenwrtig ausserhalb des Gemeindegebiets belegene Besitzungen fr rechtsgltig erworben; in der Folge aber alles nicht nach den vorgeschriebenen Regeln Besessene fr ungltig erklrt werden; innerhalb des Gemeindebezirkes oder rechtmssigen Eigenthums der Ortschaften, welches nicht ber die Schallweite der Kirchenglocke hinausreichen darf, muss dem einheimischen Bauer gestattet sein, ausserhalb des Pueblo in Mitten des von ihm bebauten Landes zu wohnen; und nur falls er letzteres verussert oder aufgiebt, muss er gezwungen sein, im Pueblo zu leben; die Eingeborenen mssen innerhalb des Gemeindegebietes neue Grundstcke urbar machen und erwerben knnen, indem sie einen kleinen Erbzins an die Gemeinde-Kasse, oder eine mssige Summe fr Einmal erlegen. Dergleichen Beleihungen mssen von der Gesammtheit der Dorfltesten (Principales) mit voller Oeffentlichkeit, unter Mitwirkung des Pfarrers erfolgen und in ein von jedem Pueblo zu haltendes Buch eingetragen werden; sie drfen nie mehr Raum umfassen, als der Bewerber mit seinen eignen Bffeln bearbeiten kann. Wenn solche Beleihungen von Staatslndereien nicht ber ein Quion betragen, so sollen sie nach vorgeschriebenen Formen vom Alkalden der Provinz, wenn von grsserem Umfange, in der Hauptstadt der Kolonie ausgefertigt werden. Alle aber mssen in das Grundbuch der betreffenden Provinz und des betreffenden Pueblo eingetragen werden. Die zur Begnstigung der Eingeborenen und zur Frderung der Viehzucht erlassenen, aber das Gegentheil bewirkenden Bestimmungen mssen aufgehoben werden. Der Landbau bedarf, wie jedes andre Gewerbe keines Schutzes, als Klarheit und Sicherheit in seinen Lebensbedingungen. -- DIE GEMEINNTZIGE GESELLSCHAFT DER LANDESFREUNDE. (Sociedd de los Amgos del pas.) Der Schpfer des Tabakmonopols Basco y Vargas, der durch knstliche Reizmittel die Trgheit der Kolonisten zu berwinden und Sinn fr das Gemeinwohl zu erwecken hoffte, grndete 1781 die Sociedd econmica de los Amgos del pas zur Frderung des Ackerbaus und der Gewerbe. Die von der Gesellschaft selbst 1860 verffentlichten Akten ber ihren Ursprung und ihre denkwrdigen Thaten (hechos notables) sind so bezeichnend fr die Erfolglosigkeit derartiger Bestrebungen in einer Kolonie, wo es gnzlich an Gemeinsinn fehlt, dass ein Auszug gerechtfertigt scheint. Bald nachdem die Gesellschaft ihre Statuten entworfen, gerieth ihr Eifer in's Stocken und 1797 fasste ihr Prsident auf eigene Hand den Beschluss, die Sitzungen einzustellen und das 6000 Dollar betragende Gesellschaftsvermgen dem Handelsgericht zu bergeben. Erst 1820 gelang es einem Generalkapitn, sie wieder in's Leben zu rufen. Bei ihrer Stiftung war der Gesellschaft das Vorrecht eingerumt worden, in der Nao von Acapulco (siehe S. 14) bis zum Betrage von 2 Tonnen Handel zu treiben oder dieses Privilegium zu verkaufen. Der daraus erzielte Gewinn war bei der Wiedererffnung auf 41,749 Dollar, beinahe 60,000 Thaler, angewachsen. Die wiederentstandene Gesellschaft revidirte ihre Statuten, theilte sich in 4 Sektionen: Naturgeschichte, Ackerbau, Gewerbe, Handel, jede mit Vizedirektor, Vizezensor, Vizeschatzmeister, und stellte abermals ihre Thtigkeit ein. 1822 ermunterte sie sich noch einmal und gab auch whrend einer Reihe von Jahren fast alljhrlich einige Lebenszeichen s. S. 219. Neuerdings ist sie indessen wiederum mde geworden, denn in ihrer Sitzung vom 24. August 1866 beschloss sie, ihr Vermgen als patriotisches Geschenk den von der Bombardirung Callao's zurckkehrenden Schiffen darzubringen, und diese besonders gnstige Gelegenheit zu benutzen, um einen Akt patriotischer Aufopferung zu begehn und dem Staate einen Dienst zu leisten. Die Gesellschaft besitzt 25 bis 30,000 Dollar; aber Reichthum macht Sorgen. Von diesem Vermgen, dessen genauer Betrag den Mitgliedern unbekannt, ist seit vielen Jahren nicht die geringste Summe auf Frderung des Gemeinwohls verwendet worden, obgleich die Gesellschaft nur zu diesem Zweck besteht. Der grsste Theil der fr die Sitzungen bestimmten Zeit geht gewhnlich mit Fragen, betreffend die Anlage und Einziehung dieser Kapitalien, verloren. Frmlichkeiten und Rechnungsfhrung haben Jahre lang die ganze Aufmerksamkeit der Gesellschaft beschftigt. Auch ist es vorgekommen, dass einige mit dem Zensorenamte beehrte Mitglieder die Schlssel der Kasse nicht annehmen wollten, welche letztere seit vielen Jahren nicht geffnet werden konnte wegen der Schwierigkeit, die brigen Inhaber der Schlssel (conclaveros) zu vereinigen. Der damalige eifrige Generalkapitn Don Jose de la Gandara tadelte die Gesellschaft in einer Ansprache vom 17. Januar 1867 fr ihren patriotischen Beschluss und forderte sie auf, ihr Geld zur Grndung eines botanischen Gartens verbunden mit einer Ackerbauschule zu verwenden und eine zur Verbreitung im Auslande bestimmte Denkschrift auszuarbeiten, worin die Fruchtbarkeit der Philippinen, die Leichtigkeit mit welcher dort Pflanzungen angelegt werden knnten, hervorgehoben werde, um Familien, welche das nthige Kapital und praktische Kenntnisse besitzen, zur Einwanderung zu veranlassen. Die wahrscheinlich aus einem sehr ausgebildeten Schicklichkeitsgefhl hervorgegangene Kunst, fr etwas, das man zu thun oder zu unterlassen entschlossen, einen schnen Beweggrund aufzufinden, offenbart sich fter in amtlichen spanischen Dokumenten. Auch das folgende Stck ber Einfhrung der Opium-Regie kann als Beispiel dienen. EINFHRUNG DER OPIUM-REGIE. Die Opium-Regie ist seit 1. Januar 1844 in den Philippinen eingefhrt, nachdem die Mehrheit einer zur Berathung dieser Maasregel berufenen Junta sich dafr ausgesprochen hatte. In der Einleitung zu dem betreffenden Gesetz (Autos acordados I. 392) lobt der Generalkapitn diese Mehrheit und tadelt die dissentirende Minderheit, die sich, durch veraltete Vorurtheile und gemeine Ueberlieferungen irre geleitet, gegen alle Verbesserungen, selbst die ntzlichsten, strubt, whrend die Fortschritte der Volkswirthschaft und das Beispiel der zivilisirten Nationen dergleichen Bedenken lngst beseitigt haben. In einem Bericht des Consejo pleno an den Generalkapitn vom 22. September 1864 ber dieselbe Angelegenheit heisst es (im Auszuge): Nachdem der Rath alle Grnde fr und gegen die Opium-Regie wohlerwogen, kommt er zu dem Schluss, dass das Opiumrauchen zu erlauben sei.... Zuerst werden die gegen die Maasregel sprechenden Ansichten von eilf bedeutenden Aerzten, Volkswirthen und Gesellschaften angefhrt; gegen alle diese Autoritten aber giebt der Ausspruch des spanischen Konsuls in China [305] den Ausschlag, wonach die Chinesen, die nach Belieben Opium rauchen, dennoch stark und arbeitskrftig sind. Auch sei das Opium in der Trkei, in ganz Britisch-Indien, Cochinchina und China gesetzlich erlaubt. Ferner sage Dr. Pedro Mata in seiner Medicina legal y toxicologia 1846, welche in den medizinischen Anstalten Spaniens als Lehrbuch diene, geistige Getrnke, gewisse Medikamente und zu angestrengtes Studiren fhrten zur Impotenz; das Opium erwhne er aber nicht. Der Consejo schliesst weiter: fhrte das Opium zur Impotenz, so wrden es die reichen Chinesen gewiss nicht rauchen; in Europa seien mehrere Personen von grossen Fhigkeiten Opiumraucher gewesen, Opium sei nicht schlimmer als Brantwein, verbiete man das Eine, so msse man auch das Andere verbieten ... In der Antwort des Generalkapitns auf diesen Bericht heisst es unter Anderem ... Beim Abwgen der Grnde fr und gegen die Zulassung des Opiums hat der Rath die Zeugnisse gegen diese Maasregel angefhrt und ihnen andere, wenigstens so achtbare aber amtlichere gegenbergestellt ... Sicherlich, wenn das Opium gegen die Religion, die Moral, die Humanitt verstiesse, so wrden Nationen wie Frankreich und England, die einen so hohen Rang in der allgemeinen Zivilisation einnehmen, es nicht gestatten; da aber das Gegentheil stattfindet, so msse man natrlich zu dem Schluss kommen, dass jene aller wichtigsten und heiligsten Dinge nicht, wie Manche andeuten mchten, davon betroffen werden; der Trkei und China's solle hier gar nicht gedacht werden ... Weiter heisst es: Da keine Statistik vorhanden ist, welche nachweist, dass Chinesen in Singapore vom Opiumgebrauch gestorben sind, so mssen die Grnde der Opiumgegner offenbar bertrieben sein, und kann man ihre, der Renta nachtheilige Meinung nicht gelten lassen. Wre das Opium so giftig, wie sie sagen, so mssten die Chinesen daran zu Dutzenden sterben, was jedoch nicht zutrifft ... Es sind aber auch wichtige politische Grnde fr die Gestattung vorhanden: Die Chinesen sind jedenfalls in unsern Archipel gekommen in der Voraussetzung, dass sie hier Opium rauchen drfen; wollte man nun das Opium pltzlich verbieten, wie in den frheren Eingaben vorgeschlagen worden, und die Uebertreter mit Geld- und Gefngnissstrafen belegen, wie dies vor Einfhrung dieser Renta geschehn, so wrden die meisten Chinesen in die Gefngnisse kommen oder auswandern, was gewiss nicht recht und billig wre und auf keinen Fall geschehen darf. Eine so unzweckmssige Maasregel wre gerade gegenwrtig hchst unpolitisch. Wir wollen mit China Vertrge schliessen zur Erleichterung des Handels; was wrde die chinesische Regierung sagen, wenn wir mit ihren Unterthanen also umgingen? ... Fr unsere Kassen ist die Opiumrente unentbehrlich. Dennoch tritt diese Erwgung ganz in den Hintergrund gegen die volkswirthschaftliche und politische Frage, betreffend die Einwanderung der Chinesen, fr welche der Opiumgebrauch eine Lebensnothwendigkeit ist .. Durch Gesetz vom 29. September 1864 wird die Beibehaltung der Opium-Regie genehmigt. Mestizen und Indier drfen nicht Opium rauchen. In einer vertraulichen Comunicacion des Generalkapitns de la Gandara an den Kolonial-Minister, Februar 1867, die mir im Ultramar-Ministerium vorgelegt worden, klagt derselbe, dass das Opiumrauchen sehr zugenommen habe, was grossentheils den ungeschickten Maasregeln oder der Unehrlichkeit der Beamten zuzuschreiben sei. Entweder um die Einnahmen aus dieser unlautern Steuerquelle zu vermehren, oder aus Eigennutz haben jene Beamten ausser den 478 ffentlichen Opiumlden (Fumaderos) wahren Heerden der Immoralitt und immer mit Chinesen angefllt, Hunderten von chinesischen Privaten die Erlaubniss verkauft, zu Hause Opium zu rauchen, was durchaus dem Gesetz und den Absichten der Regierung widerspricht. Nach dem Presupuesto betrug die Einnahme der Opium-Regie 1860 98,000 Esc., 1865/66 140,000 Esc. und 1866/67 207,000 Esc. Wie wenig Opium die Chinesen brauchten, bevor es ihnen von den Englndern aufgedrungen wurde, zeigt folgende Stelle aus dem Briefe des Pater Parennin v. 20. Sept. 1740: Was die indischen Gummi betrifft, so machen die chinesischen Aerzte und Chirurgen fast keinen Gebrauch davon. Ich glaube nicht, dass in Pekin in einem ganzen Jahre ein halbes Pfund Yapien (Opium) verwendet wird. (Lettres difiantes). BESCHREIBUNG DER SCHIFFE, BARANGAY GENANNT, DIE BEI ANKUNFT DER SPANIER IN GEBRAUCH WAREN. Nach Morga 128 v. Ihre Schiffe und Fahrzeuge sind von vielerlei Art, denn in den Flssen und ihren Mndungen gebrauchen sie sehr grosse Khne aus Einem Baumstamm und Bancas von Planken mit einem Kiel, und Vireyes und Barangayes welches schnelle, leichte Schiffe sind, niedrig von Bord, mit hlzernen Bolzen zusammengefgt, hinten so spitz wie vorn, zu beiden Seiten viele Ruderer fassend, die mit Paddeln und Rudern ausserhalb Bord rudern und den Schlag nach dem Schall einiger andern regeln, welche in ihrer Sprache passende Dinge singen, wodurch sie sich verstndigen ob das Rudern beschleunigt oder verlangsamt werden soll. Ueber den Ruderern ist eine Gallerie aus Bambus welche die streitbaren Mnner trgt, ohne jene zu belstigen, und auf welche eine, der Grsse des Fahrzeuges entsprechende Schiffsmannschaft steigt. Von da wird das Segel, welches viereckig und von Segeltuch ist, an einem Krahn aufgezogen, der aus zwei grossen Bambusen besteht, und als Mast dient. Wenn das Schiff gross ist, hat es auch einen Vormast von derselben Gestalt; und beide Krhne haben ihr Takelwerk, um die Masten auf die Gallerie niederzulassen, wenn der Wind entgegen ist, und Steuermnner auf dem Hintertheil um es zu lenken. Es trgt noch ein Gerst von Bambus auf der Gallerie, ber welches wenn die Sonne scheint oder wenn es regnet, ein Zelt von Matten, Kayanes genannt, gespannt wird, die aus Palmenblttern sehr dick und dicht geflochten sind, wodurch das ganze Schiff und die Mannschaft desselben bedeckt und geschtzt wird. Es ist noch ein andres Gestell aus dicken Bambusen auf beiden Seiten des Schiffes in seiner ganzen Lnge angebracht, und stark befestigt, welches das Wasser eben berhrt ohne im Rudern zu hindern und als Gegengewicht dient, damit das Schiff nicht kentern oder scheitern kann, wie hoch auch die See gehe, und wie stark der Wind in das Segel blase. Es kommt vor, dass sich das Schiff mit Wasser fllt, sein ganzer Rumpf, (denn sie sind ohne Verdeck) und bis es ausgeschpft ist zwischen zwei Wassern schwimmt, ohne unterzugehn, wegen der Gegengewichte (Ausrigger). DAS TAGALISCHE VATER UNSER. Ama namin sung ma sa langit ca, sambahin ang ngala Vater unser der bist im Himmel du, werde geheiligt der Name mo, napa sa amin ang cahavian mo. sundin ang loob mo dein, komme zu uns das Reich dein. geschehe der Wille dein aqui sa lupa para nang sa langit, Bigyan mo desgleichen auf Erden so wie im Himmel, werde gegeben von dir cami ngaion nang amin canin sa arao arao at patavarin uns jetzt von unserem Brod von Tag (fr) Tag und werden vergeben mo cami nang aming manga otang pava nang pagpapatravar von dir wir von unseren Schulden ebenso wie vergeben namin sa nangag caca otang sa amin at hovag mo caming wir denen welche haben Schulden an uns und nicht von dir wir ipahintolot sa tocso at iadya mo werden gelassen fallen in Versuchung und werden erlst von dir cami sa dilan masama. wir von allen Uebeln. Amen. DAS NEUE ZOLLDEKRET. Zu S. 9. Das Seite 9 gepriesene freisinnige Zolldekret ist bereits durch ein anderes ersetzt, das wiederum Differenzialzlle einfhrt und die wichtigsten Erzeugnisse der Kolonie mit Ausfuhrabgaben beschwert. Gegen die alte Zollordnung ist die neue am 1. Juli 1872 in Kraft getretene immerhin ein bedeutender Fortschritt. Ihre Hauptzge sind: Vereinfachte Nomenklatur; statt 766 zhlt der Tarif nur noch 122 zollpflichtige Artikel auf. -- Erhebung des Zolles vom Gewicht statt vom Taxwerth der Waaren (fr einige Artikel sind ad valorem Zlle beibehalten). -- Zollfreiheit spanischer Waaren, in spanischen Schiffen, -- Zollrabatt fr fremde Waaren in spanischen Schiffen. Der Rabatt betrgt 25%, soll nach je 2 Jahren um 5% ermssigt werden und Juli 1879 aufhren (vorausgesetzt natrlich, dass bis dahin der Einfluss der spanischen Rheder aufgehrt hat). -- Baumwollengarne ohne Unterschied der Nummern, der Zahl der Drhte (und der Farbe) zahlen 10 Cents per Kg. -- Eiserne sowohl als hlzerne Fahrzeuge knnen gegen Erlegung einer Abgabe eingefhrt werden. -- Zollfreiheit fr allen Bedarf zu Schiffbau- und -Ausbesserung, wogegen die Prmie fr grssere in Manila gebaute Schiffe wegfllt. -- Die wichtigsten Ausfuhrzlle sind: Zucker 14 Cents, Abaca 20 Cents, Indigo 100 Cents, flssiger desgl. 10 Cents, Reis 5 Cents, Kaffee 30 Cents, Farbehlzer 4 Cents per 100 Kg. (durchschnittlich etwa 2% vom Werth.) -- Alle Abgaben fr Leuchtthurm, Hafenreinigung u. s. w. werden in eine einzige, nach dem Tonnengehalte der ausgeladenen Gter zu entrichtende Ausladegebhr umgewandelt. Schiffe in Noth und solche die ihre Fracht in andere Fahrzeuge umladen, oder lschen um sie wieder einzunehmen, sind frei, Dampfboote die periodisch verkehren gleichfalls. Die Einfuhr hlzerner und eiserner Schiffe ist gegen Erlegung eines Eingangszolles gestattet. Jedes spanische Schiff kann in jedem fremden Platz frei gekielholt und besichtigt werden. Einige Erluterungen werden die Wichtigkeit der im neuen Tarif enthaltenen Reformen deutlicher machen: Der Zoll auf weisse, schwarze und rosa Baumwollengarne betrug 40 Proz. vom Werth in spanischen, 50 Prozent in Schiffen fremder Flagge. Dieser hohe Zoll war vor mehr als 30 Jahren eingefhrt worden zum Schutz einer kaum vorhandenen, spter aber durch Zuckerpflanzungen fast ganz verdrngten Baumwollenkultur und einer, von einem Mestizen eingerichteten Maschinenspinnerei, die aber bald darauf wieder einging. Der Zoll blieb fortbestehn und traf gerade den blhendsten Gewerbzweig der Philippinen, die Weberei; er wrde ihn vernichtet haben, wenn die Kaufleute nicht Mittel gefunden htten, die Zlle zu umgehen. Das spanische Sprichwort sagt: Quien hizo la ley, hizo la trampa (wer das Gesetz macht, macht auch das Schlupfloch). Garne von gewissen Farben zahlten nur den allgemeinen Zoll von 7, beziehungsweise 14 Prozent. Man frbte daher die Garne in England so, dass die Farbe leicht auszuwaschen war, oder umgab einen Ballen weisser Garne mit einer Kruste gefrbter, oder webte Stoffe mit so losem, sprlichem Einschlag, dass die Kettenfden leicht herausgezogen und als Garn benutzt werden konnten. 50 Prozent Steuer konnten die Garne nicht tragen, daher wurde fast nicht ein Stck zu diesem Satz eingefhrt. Schon Dampier bemerkt: die Spanier knnen und wollen schmuggeln so gut als irgend eine Nation, die ich kenne. (Pinkerton XI. 3). Ein anderer Uebelstand war, dass die Zlle nicht nach dem jeweiligen Werthe der Waaren, sondern nach einem vor mehr als 30 Jahren festgesetzten, in den meisten Fllen hheren Werth, als heut, berechnet wurden. Auch hiervon hatte die Regierung keinen Vortheil, denn da solche Gegenstnde, fr welche im Tarif keine Werthbestimmung enthalten war, wirklich abgeschtzt wurden, so benutzten die Kaufleute diesen Umstand, um zu hohe Schtzungen zu umgehen. Waren z. B. feste Werthe fr Shirting von 36'' und 37'' Breite angegeben, so wurden solche von 36 1/2'' eingefhrt, deren Zoll nach den wirklich geltenden Marktpreisen viel geringer ausfiel. Zum Schutz des ganz unbedeutenden, einheimischen Schiffsbaues durfte kein hlzerner Dampfer von weniger als 400 Tonnen eingefhrt werden, ein sehr schlimmes Gesetz fr eine Kolonie, in welcher fast der ganze Verkehr zu Wasser stattfindet, deren schmale Meeresstrassen das Kreuzen gegen den Wind sehr erschweren; es kam einem Verbot gleich da grosse Dampfer den gegenwrtigen Bedrfnissen des Verkehrs nicht entsprechen. Die kleinen aber knnen in unzhlige Flussmndungen und Buchten dringen, um Produkte zu holen oder vor einem pltzlichen Sturm Schutz zu suchen. Eiserne Dampfschiffe mussten eine hohe Summe zahlen fr das Recht, die spanische Flagge zu fhren. Sehr verderblich fr den Wohlstand der Kolonie ist die Wiedereinfhrung der durch R. D. 5. April 1869 aufgehobenen Differenzial- und Ausfuhrzlle. Von ersteren hat ausser den spanischen und kolonialen Rhedern Niemand Vortheil. Handel zwischen den Philippinen und dem Mutterlande ist kaum vorhanden. Nach der Balanza mercantil betrug 1863 zwischen Spanien und den Lndern stlich vom Kap, die Einfuhr in Spanien 650,000 Doll., die Ausfuhr weniger als 500,000 Doll., zusammen 1,150,000 Doll., wovon 61,000 Doll. nach englischen und hollndischen Besitzungen. Nach den Philippinen gehen vorzglich Bcher und Papier 150,000 Doll., Gemse, Frchte, Eingemachtes 168,000 Doll., Spirituosen 125,000 Doll. (Diario 23. 7. 66.) Die berwiegende Menge der Einfuhren kommt aus England, aber ein betrchtlicher Theil derselben (von Einigen wird er auf die Hlfte geschtzt) ist deutschen und schweizer Ursprunges. Unmittelbar aus deutschen Hfen wird nichts verschifft, da die spanischen Schiffe, denen bis jetzt allein die Einfuhr zufllt, nur in England laden. Die Differenzialzlle waren es, welche die Peninsular- und Oriental-Company veranlassten, den Postdienst, den sie so regelmssig im Anschluss an die grosse Ueberland-Post besorgt hatte, trotz des Zuschusses von der Kolonial-Regierung, aufzugeben. Aus demselben Grunde weigerten sich die Messageries impriales den Dienst zu bernehmen. Die Regierung bertrug ihn ihren eignen Dampfern, die denselben aber, wenigstens im Anfange, auf eine Weise versahen, dass die Kaufleute vorzogen, sogar ihre Briefe mit Segelschiffen zu senden. Packete, ja selbst Muster, wurden gar nicht befrdert; hufig auch keine Passagiere. Damals kam es auch vor, dass ein Kapitn, der mehrere Tage in Hongkong auf eine versptete Ueberland-Post gewartet hatte, in dem Augenblicke wo sie eintraf, als stolzer Castilier nach Hause dampfte, ohne die Briefe und den brigen geschftlichen Plunder mitzunehmen. Die Ausfuhrzlle htten lngst aufgehoben werden sollen. Schon wegen der durch die Differenzialzlle verteuerten Manilafrachten konnten die Landeserzeugnisse nur schwer mit denen anderer Kolonien konkurriren, welche durch Kapital, verbesserte Produktionsmethoden, westlichere Lage und freisinnigere Handelspolitik bevorzugt waren. Mehr aber als die Ausfuhrzlle wirkte vielleicht die rgerliche Art ihrer Erhebung nachtheilig auf den Verkehr. Dieser Umstand wurde im Vergleich zur Schnelligkeit und Leichtigkeit, mit der die Schiffer in Singapore und China abgefertigt werden, doppelt empfunden und hat den Hafen von Manila in Verruf gebracht. HANDEL MIT CHINA VOR ANKUNFT DER SPANIER. Zu S. 9. Vor Ankunft der Spanier scheint der Handel zwischen Manila und China unbedeutend gewesen zu sein. Alonzo Barrera (Sevilla 1574; Hakluyt Morga 390) berichtet aus Manila: seit einem Jahre wo das Lager auf der Insel Luzon aufgeschlagen, sind drei Schiffe aus China angekommen, welche einige Gter von dort brachten wie ihre Gewohnheit ist . . da sie alle Jahre nach diesen Inseln kommen um zu handeln . . sie brachten aber nur Kleinigkeiten in geringer Menge; denn die Moren gebrauchen hauptschlich grosse Krge, grobe Thonwaaren, Eisen und Kupfer, dieses in Flle; die Huptlinge einige Stck Seide, feines Porzellan, feine Thonwaaren. HANDEL MIT CHINA NACH ANKUNFT DER SPANIER. Zu S. 10. Morga (Bl. 161 v.) giebt folgendes interessante Verzeichniss der zu seiner Zeit von den Chinesen eingefhrten Waaren: Diese (chinesischen) Schiffe kommen an mit Waaren beladen und bringen grosse Kaufleute, denen sie zugehren, und Diener und Agenten Anderer, die in China verbleiben. Und sie kommen von dort mit Erlaubniss und Bewilligung ihrer Vizeknige und Mandarine, und was sie gewhnlich mitbringen und an die Spanier verkaufen, ist: Rohseide in Ballen, feine (Seide) von zwei Strhnen (?) und andere von geringerem Gehalt; feine Stickseide, weiss und von allen Farben in kleinen Strhnen, viel Sammet, glatt und gestickt, von allerlei Art und allen Farben und Mustern, und Goldstickerei auf Goldgrund, Stoffe und Brokate von Gold und Silber auf Seide von verschiedenen Farben und Mustern; viele Gold- und Silberfden in Strhnen, auf Zwirn und Seide, aber der Ueberzug von Gold und Silber ist falsch und auf Papier (diese Goldfden bestehen aus einem schmalen Streifen Goldpapier, das spiralfrmig um einen Faden gerollt ist; im Deutschen Gewerbe-Museum in Berlin sind solche Stickereien ausgestellt), Damast, Atlas, Taffet und Govarane, Picote (dies kann Stoff aus Ziegenhaar oder sehr glnzendes Seidenzeug heissen) und andere Zeuge von allen Farben, einige feiner und besser als die andern; eine grosse Menge Grasleinen (aus den Fasern der Boehmeria nivea) und weisse baumwollene Decken verschiedener Gattungen und Sorten zu allen Zwecken; Bisam, Benzoe, Elfenbein, viele Verzierungen fr Betten, Vorhnge, Decken und Gardinen, auf Sammet gestickt; Damast und Govaran in Schattirungen, Tischdecken, Kissen und Teppiche, dergleichen Pferdegeschirre und mit Glasperlen und Samenperlen gestickt; einige Perlen, Rubine, Saphire und Krystallsteine; Becken, Kessel und andere Gefsse von Kupfer und Gusseisen; viele Ngel von allen Sorten, Eisenblech, Zinn, Blei, Salpeter und Pulver; Weizenmehl, Konfekt von Orangen und von Pfirsich; Skorzoneren, Birnen, Muskatnuss, Ingwer und andre chinesische Frchte; Schinken und Rauchfleisch, lebendige Hhner von guter Rasse und sehr schne Kapaune, viel frisches Obst, Orangen von allen Sorten, sehr gute Kastanien, Wallnsse, Birnen und Chicueyes, frische und getrocknete, welches eine sehr kstliche Frucht ist [306]; viel feinen Zwirn von allen Sorten, Nhnadeln, Nippssachen, Kstchen und Schreibzeuge, Bettstellen, Tische und Sthle, Bnke, vergoldet und mit Marmor eingelegt, mit vielen Verzierungen; zahme Bffel, Gnse wie Schwne, Pferde, einige Maulthiere und Esel, und selbst Vgel in Kfigen, deren einige sprechen und andre singen, und sie lassen sie tausend Kunststckchen machen; und tausenderlei andre Spielereien und Flittern von geringem Werth und Preis, die von den Spaniern geschtzt werden; ausserdem viel feine Thonwaaren von allerlei Art, Canganes und Sines; schwarze und blaue Umschlagetcher; Tacley, d. h. Glasperlen von allen Sorten, aufgezogene Karniole und allerlei andre Perlen auf Schnren, und Steine in allen Farben; Pfeffer und andre Gewrze und Kuriositten; sie alle aufzhlen, hiesse nie fertig werden, und viel Papier wrde dazu nicht ausreichen. HAUPT-AUSFUHR-ARTIKEL AUS DEN HFEN MANILA, CEBU UND YLOILO, 1871. =============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+================== |Atlantische | Gross- |Californien.|Kontinent|Australien.|Singapore.|China, Japan,| |Hfen der |Britanien.| | von | | | Molucken | Total. |Ver. Staaten.| | | Europa. | | | und Habana. | =============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1871 | 1870 | | | | | | | | | Abac Picos | 285112 | 143498 | 22500 | 640 | 6716 | 2992 | 2294 | 463752 | 488560 Zucker ,, | 545929 | 555907 | 99844 | 57476 | 139787 | ,, | 491 | 1399434 | 1251416 Sapanholz ,, | 10520 | 5301 | 320 | 660 | ,, | 1631 | 58050 | 76482 | 176924 Zigarren Tausende | 1453 | 10080 | 378 | 13 | 2930 | 35089 | 26849 | 76792 | 77526 Kaffee Picos | 1451 | 31434 | 3700 | 10653 | ,, | 1415 | 4717 | 53370 | 34120 Tauwerk ,, | ,, | 220 | 484 | 87 | 114 | 2640 | 8389 | 11934 | 11307 Indigo Quintales | 3390 | 1715 | ,, | ,, | ,, | 186 | ,, | 5291 | 5662 Bltter-Tabak Picos | ,, | 27773 | ,, | 25775 | ,, | ,, | ,, | 53548 | 136680 Perlmutter ,, | 2037 | 503 | ,, | ,, | ,, | ,, | 45 | 2585 | 3022 Schildpatt Kattis | ,, | 100 | ,, | ,, | ,, | ,, | 902 | 1002 | 1043 Hute Picos | 777 | 1053 | ,, | ,, | ,, | 325 | 971 | 3126 | 3859 Desgl. Abflle ,, | 5833 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1908 | 7741 | 4303 Almciga-Harz ,, | ,, | 9506 | ,, | ,, | ,, | 309 | ,, | 9815 | 11028 Cowries | | | | | | | | | (Cypraea moneta) ,, | ,, | 1577 | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 1577 | 3887 Reis Cabans | ,, | ,, | 1805 | 6370 | ,, | 130 | 28522 | 36807 | 28560 Flssiger Indigo Quintales | ,, | ,, | ,, | ,, | ,, | 416 | 19328 | 19744 | 14262 =============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== Uebersicht Abaca. | 1869 | 293692 | 94568 | 22000 | 60 | 13458 | 2396 | 174 | 426348 der | 1868 | 294728 | 130060 | 14200 | 200 | 21144 | 3646 | 1102 | 465080 Ausfuhr | 1867 | 287570 | 113030 | 17602 | 1318 | 12100 | 2398 | 786 | 435804 von | 1866 | 278888 | 96432 | 15120 | 1614 | 12244 | 1250 | 1156 | 406704 | 1865 | 289444 | 79316 | 13600 | 3342 | 9550 | 1100 | 1445 | 397797 ========+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== Zucker | 1869 | 343959 | 512578 | 120741 | 6992 | 115239 | 136 | 1436 | 1101081 | 1868 | 185613 | 819462 | 44050 | 10559 | 96980 | ,, | 28627 | 1185291 | 1867 | 98502 | 507432 | 81783 | 28610 | 121871 | ,, | 194758 | 1032956 | 1866 | 85842 | 470676 | 131749 | 10959 | 57709 | 88 | 120444 | 877467 | 1865 | 68640 | 324676 | 131235 | 15026 | 184686 | ,, | 158568 | 882826 =============================+=============+==========+============+=========+===========+==========+=============+=========+======== FLCHENINHALT DER GRSSEREN INSELN DES PHILIPPINISCHEN ARCHIPELS [307]. Zu S. 39. ==================+=======================+============+==================== | Berechnet nach | | Nach dem Anuario | | der | Nach | estadistico de | Coello's | hydrogra- | Engelhardt | Espaa 1858. | Karte | phischen | [308] | Behm's geograph. | | Karte | | Jahrbuch I. 1869. | q. M. | q. M. | q. M. | q. M. | q. Kilom. ==================+===========+===========+============+=========+========== Luzon | 1934.2 | 1932.9 | 1937.31 | 2014.8 | 110.940 Mindano | 1569.9 | 1625.7 | | 1538.8 | 84.730 Paluan (Pargua) | 265.8 | 235.4 | | 251.5 | 13.850 Smar | 236.5 | 228 | 229.50 | 221.1 | 12.175 Pany | 223.2 | 317.4 | 233 | 214.1 | 11.790 Mindro | 185.3 | 182 | 188 | 175.3 | 9.650 Ngros | 163.7 | 227.8 | 174.33 | 158.1 | 8.705 Lyte | 168.9 | 163.3 | 192 | 172.5 | 9.500 Ceb | 104.2 | 76.1 | 88.8 | 107.6 | 5.925 Bojl | 55.9 | 55.9 | 59.6 | 59 | 3.250 Masbte | 62.3 | 55.6 | | | 3.637 Catandunes | 30.4 | 29.7 | | | Polllo | 14.2 | 16.8 | | | Marindque | 14.1 | 13.8 | | | Tblas | 13.2 | 15.2 | | | Buras | 11.3 | 8.6 | | | Tico | 6.8 | 6.4 | | | ==================+=======================+============+==================== Der ganze Archipel| 5293[309] | 5392.7 | | 5368 | 295.585 1867 BERSICHTS-TABELLE DER METEOROLOGISCHEN VERHLTNISSE zu S. 41. Luftdruck: Mittel 755,50 Millimeter. Maximum 760,75 Millimeter. (13. Dez.) Minimum 746,77 Millimeter. (24. Sept.) Aeusserster Unterschied 13,96 Millimeter. Luftwrme: Mittel 27.9 C. Maximum 37.7 C. (15. Apr.) Minimum 19.4 C. (14. Dez. 30. Jan.) Aeusserster Unterschied 18.3 C. Feuchtigkeit der Luft: Mittel 63,93% Maximum 97,81% (21. Aug.) Minimum 22,12% (16. Mai). Aeusserster Unterschied 75,69%. Regenmenge 3072,8mm Regentage 168 Mittlere Verdunstung in 24 Stunden 6,3mm. Gesammt-Verdunstung 2307,3mm. Heitere Tage 49 theilweis heitere 144 bedeckt 172 Winde NO 554 Winde SO 561 Winde SW 512 Winde NW 453 Mittlere Geschwindigkeit der Winde in der Sekunde NO 2,1 Meter. SO 3,1 Meter. SW 3,6 Meter. NW 2,8 Meter. Mittel der Jahre 1865/1869. Januar. Februar. Mrz. April. Mai. Juni. Juli. August. September. Oktober. November. Dezember. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. mm. Barometer: 757,19 756,78 756,58 755,30 751,5 753,95 753,50 753,07 752,02 754,78 755,75 756,37 Spannkraft der Dmpfe: 14,71 14,27 15,53 16,25 18,48 20,42 20,70 20,92 21,77 18,53 17,41 15,24 Trockene Luft. (Barometerstand minus Spannkraft der Dmpfe): 742,48 742,51 741,05 739,05 734,69 734,32 733,33 732,89 729,75 733,08 736,25 738,87 Regen: 24,2 13,46 14,56 16,46 110,3 243,08 255,08 281,22 723,42 236,9 143,97 11,47 2074,84 (1867: 3072,8). Verdunstung: 17,18 18,25 250,35 273,32 217,67 243,33 171,27 186,77 163,53 196,7 189,0 201,35 2402,14. Temperatur C. 26,39 27,02 28,6 30,1 29,25 27,85 27,38 27,95 27,48 28,1 26,83 26,33 UEBERSICHT DER VOLKSMENGE, DER ORTSCHAFTEN U. S. W. IN DEN PHILIPPINEN. Vergl. S. 43. (Nach den neuesten amtlichen Erhebungen mitgetheilt von Dr. A. B. Meyer.) Unter den Ortschaften sind 81 Rancherien (Ansiedelungen) Neubekehrter mitgezhlt. Die Seelenzahl ist (abgesehn von Schreibfehlern), = 6 mal Zahl der Tribute angenommen. Frher galt 4 mal Zahl der Tribute = Seelenzahl. (S. 43). Ein Plan zur bessern Eintheilung der Philippinen liegt der Madrider Regierung vor. Er lautet: . 1. Das Gebiet der philippinischen Inseln wird in 18 Provinzen getheilt, die nach ihrer Wichtigkeit in drei Rangstufen zerfallen. Die Inseln Mindanao, Basilan, Iolo, Samales, Balabac werden nach besondern Gesetzen regiert und sind in obiger Eintheilung nicht einbegriffen (die spanische Herrschaft ist nmlich in jenen Gebieten, mit Ausnahme einiger Distrikte Mindanao's, nichts weniger als begrndet). . 2. Provinzen I. Klasse sind: Manila, Yloilo, Ceb, Ilcos und Cagayn. II. Klasse: Pangasinn, Pampnga, Lagna, Cavte, Batngas, Alby, Neu-cija. III. Klasse: Bulacn, Camarnes, Cpiz, Ngros, Leyte und Marinas. . 3. Die heut bestehenden, im vorgehenden nicht aufgefhrten Provinzen werden mit den neu zu errichtenden verschmolzen. . 4. Die Provinzen knnen in so viele Distrikte getheilt werden als ihre zweckmssige Verwaltung erfordert. Insel Luzon. Namen der Provinzen. Zahl der der der Seelen. Tribute. Ortschaften Frohnarbeiter (Pueblos.) (polistas.) Abra 8 4678 6211 37266 Alby 38 44050 56915 1/2 341493 Batan 12 10865 11227 67362 Batngas 21 64482 72084 432504 Bulacn 24 45783 57719 1/2 346317 Cagayn 19 19059 19066 114396 Camarnes Norte 9 6327 7087 1/2 42525 Camarnes Sur 34 29558 72336 434016 Cavte 19 26031 28865 1/2 173193 Ilcos Norte 15 30449 36673 220038 Ilcos Sur 21 38821 44205 1/2 265233 Isabla 9 5461 7844 1/2 47067 Lagna 28 29921 36072 1/2 216435 Lepnto 81 9384 . . 56088 Manila 29 44138 59058 354348 Morng 12 11333 12180 73080 Nueva cija 23 28780 27887 1/2 167325 Nueva Vizcya 6 3399 3578 1/2 21471 Pampnga 29 36409 50094 1/2 300567 Pangasinn 30 65036 71948 1/2 431691 Taybas 17 20856 25880 155280 Unin 13 18885 22242 133452 Zambles 23 16284 18174 109044 Inseln zwischen Luzon und Mindanao. Antque 19 15231 21981 131886 Bojl 36 18853 47252 1/2 283515 Buras 1 420 405 2430 Cpiz 32 29780 45382 272292 Ceb 51 35369 71226 427356 Ilolo 41 80325 108068 648408 Leyte 43 46069 47582 1/2 285495 Masbte und Tico 9 2573 2865 17190 Mindro 18 9630 11821 10926 Ngros 43 32204 42645 1/2 255873 Rombln 9 4909 5689 1/2 34137 Smar 35 41363 41677 250062 Mindanao. Cotabat 1 200 200 1200 Mismis 32 12574 16733 100398 Surigo 28 12295 12295 73770 Zambonga 2 2303 2429 14574 Davo 1 332 310 1860 Basiln 1 95 100 600 Fernere Inseln. Batnes 6 2000 2000 12000 Calamines 5 940 4531 1/2 27189 === ======= ========= ========= 933 957,427 1,232,544 7,451,352 Von den S. 43 genannten Distrikten sind einige in vorstehender Liste als Provinzen erwhnt, andre scheinen ihre Selbststndigkeit verloren zu haben. Bei Mindanao ist die kleine Insel Basilan selbststndig aufgefhrt, die frher zur Verwaltung von Zambonga gehrte. Unter den Ferneren Inseln fehlt die Bevlkerung der Mariannen; in einer Anmerkung wird sie auf 8 bis 9000 geschtzt, indem man wahrscheinlich die Zahl der Tribute mit 6 statt mit 4 multiplizirte. BEVLKERUNG VON MINDANAO. Die folgenden Angaben sind noch weniger verlsslich, als die obigen, aus amtlicher Quelle stammenden, auch nicht mehr ganz neu. 1) Unglubige: Negritos, zerstreut in den Wldern (unsicher ob unvermischt) etwa 10,000 Manobos, in der Nhe von Butuan ,, 10,000 Manguangas, von Tingog bis Mismis und in den Wldern bis an den See von Buhayen oder Maguindanao ,, 80,000 Mandayas, von Linao bis an die Seen von Liguasin und Butuan ,, 40,000 Mischlinge aus den beiden letzten in der Nhe des Meerbusens von Davao ,, 7000 Guiangas und Bagobos, vom Vulkan Apo (?) bis an die Ebenen des Meerbusens von Davao ,, 12,000 Tagacaolos, Sanguiles, Bilanes, vom Vulkan Apo bis an die SO.-Kste ,, 76,000 Subanos, von Msamis bis Zamboanga ,, 70,000 ------- ,, 305,000 2) Moros (Mohamedaner): Meerbusen von Davao 6000; Meerbusen von Sarangani 15,000 ,, 21,000 Am Fluss Painan und an den Seen im Sden ,, 45,000 Bay von Illana bis Sibugnay 30,000; Bay von Sindangan und Iligan 40,000 ,, 70,000 Misamis nach Osten 10,000; See v. Buhayen und an den aus dems. fliessenden Flssen 60,000 in 30 Orten ,, 70,000 Im Innern, im Sden der Prov. Misamis viele Unglubige welche zum Islam hinneigen ,, 30,000 ------- ,, 541,000 3) Christen in 64 Ortschaften: ,, 191,802 ======= Zusammen ,, 732,802 GLEICHZEITIGER AUSBRUCH DREIER VULKANE 1641. (Zu S. 110.) Die ber dieses Ereigniss vorhandenen Angaben sind sehr ungengend. A. Perrey giebt S. 53 eine ausfhrliche Beschreibung nach J. E. Nierembergius, dessen Obras filosoficas einen Abdruck des amtlichen Originalberichtes enthalten. Da letzterer usserst selten (ich verdanke seine Mittheilung dem Professor Don P. de Gayangos), und auch Perrey's Documents (Mm. Acad. Dijon) wenig verbreitet sind, so lasse ich eine genaue Uebersetzung der wesentlichen Stellen jenes interessanten Schriftstckes folgen; das Nebenschliche ist abgekrzt oder ausgelassen. Wo Perrey's Uebersetzung nicht mit dem Originaltexte bereinstimmt (unwesentliche Abweichungen sind nicht hervorgehoben), ist der spanische Text sowohl als der franzsische in [] beigefgt. Der Titel lautet: Succeso raro de tres Volcanes dos de fuego, y uno de agua, que rebentaron a 4 de Enero deste ao de 641 a un mismo tiempo, en diferentes partes de estas islas Filipinas, con grande estruendo por los ayres, como de artilleria y mosquetaria. Averiguado por orden y comission del Seor Don Fray Pedro Are obispo de Zebu y Gobernador del Arobispaso de Manila JHS en la compaia de Jesus. Manila Ao MDCXXXXI por Raymundo Magisa. Ende Dezember 1640 fiel zweimal Asche bei Zamboanga und bedeckte die Felder leicht wie Reif. Am 1. Januar legte ein von Manila nach Ternate bestimmtes Geschwader mit Hlfstruppen dort an. Am 3. Januar um 7 Uhr Nachm. vernahm man pltzlich in Zamboanga ein anscheinend 1/2 Stunde entferntes Gerusch, das Besorgniss erregte. Es klang wie Arkebusier- und Artilleriefeuer, man glaubte ein Feind wolle die Kste beunruhigen, und bereitete sich darauf vor. Der General der Ruderflotte sandte ein leichtes Boot aus um zu sehn ob es etwa eines der Schiffe des Hlfsgeschwaders sei, das zu Grunde ginge: es fand nichts. Am folgenden Tage, dem 4. gegen 9 Uhr Vm. [el dia siguiente a 4, como a las 9 de la maana -- le lendemain quatre heures et neuf heures du matin] nahm das (vermeintliche) Geschtzfeuer so zu, dass man frchtete das Hlfsgeschwader sei auf hollndische Galeonen gestossen. Es dauerte etwa eine halbe Stunde. -- Aber bald berzeugte man sich, dass das Gerusch von einem Vulkan herrhre, der sich aufgethan; denn gegen Mittag sah man von Sden her eine grosse Finsterniss hereinbrechen, die sich allmlig ber jene Hemisphre verbreitete und das ganze Gesichtsfeld verdeckte, so dass man sich um 1 Uhr NM. in wahrer Nacht, und um 2 Uhr in so dichter Finsterniss befand, dass man nicht die Hand vor Augen sehn konnte . . . grosse Bestrzung, Alles luft in die Kirchen, betet und beichtet, zndet Kerzen an. Diese Finsterniss, whrend welcher im ganzen Gesichtskreis kein Licht wahrzunehmen, dauerte bis 2 Uhr Morgens, als sich etwas Mondschein blicken liess [se commenzo a descubrir alguna claridad de la luna -- ce ne fut qu'alors qu'on commena dcouvrir la Laguna] zur grossen Freude der Spanier und Indier die befrchtet hatten, unter der Menge von Asche begraben zu werden, welche seit 2 Uhr [que desde las dos -- qui ds le deux] begonnen hatte auf sie herabzufallen. Dieselbe Nacht brachte zur selben Stunde auch das Geschwader in Verwirrung, welches der Kste von Mindanao folgend, sich bereits unfern Cap San Agustin befand, in der Nhe einer Insel Sanguil genannt (Pater Nieremberger schreibt Sanguiz) wo der Vulkan [el volcan -- un volcan] ausgebrochen war. Fr sie wurde es frher Nacht als in Zambonga, denn um 10 Uhr Vormittags befanden sie sich in so dichter Dunkelheit und schrecklicher Finsterniss, dass sie den Tag des jngsten Gerichts gekommen glaubten. Es begann so viele Steine, Erde und Asche zu regnen, dass sich die Schiffe in Gefahr sahen und genthigt waren Licht anzuznden, und sich schnell der schweren Last von Erde und Asche zu entledigen; und die Galera nahm ihr Zelt ab und zndete Laternen an, als ob es Nacht wre. Man beobachtete geraume Zeit von den Schiffen aus, wie aus besagter Insel Sanguil schnell nach einander feurige Federbsche und Sulen hervorbrachen die sich gen Himmel erhoben und im Herabfallen die benachbarten Wlder in Brand steckten. Die Finsterniss verbreitete sich ber den grssten Theil besagter Insel Mindanao, welche sehr gross ist, die Asche flog bis nach Zebu, Panay und andern umliegenden Inseln, und besonders nach der von Jolo, die wohl mehr als vierzig Leguas von Sanguil, wo der Vulkan ausgebrochen, entfernt sein mag; und obgleich man zur Zeit wegen der Finsterniss und des Aufruhrs des Wetters, in Jolo nicht wahrnahm, wo das was vom Himmel herabstrzte, herkam, so bemerkte man, als es hell wurde, dass um dieselbe Zeit wo in Mindanao und Sanguil der erste Vulkan ausgebrochen [y aunque entonces por la escuridad y revolucion del tiempo, no repararon en Jolo de donde les venia lo, que el cielo arrojava, despues de sereno advertieron que al mismo tiempo que en Mindanao y Sanguil avia rebentado el primer volcan -- quoique l'obscurit eut empch les navires d'observer ce qui se passait alors l'le d' Jolo (die Schiffe waren ja ber 100 Leguas von Jolo entfernt!) au dessus de laquelle le ciel paraissait tout rouge, ils ont appris depuis, que dans le mme moment, o le premier volcan faisait ruption Sanguiz et lanait ses cendres jusqu' Mindanao] sich auch dort die Elemente emprt, und noch ein zweiter Vulkan aufgethan hatte, auf einer kleinen Insel, welche der Barre des Hauptflusses von Jolo, wo sich unser Presidio befindet, gegenber liegt. Dort ffnete sich (wie spter festgestellt) die Erde unter grossen Erschtterungen und spie feurige Flammen aus und dazwischen Bume und grosse Steine [Llamas de fuego y entre ellas -- des flammes de feu, qui entranrent avec elles des arbres]. So gross war der Aufruhr der Elemente, dass er, durch die Eingeweide der Erde bis in die des Meeres dringend, durch eben den Mund, der sich auf dem Lande aufgethan, eine Menge grosser Muscheln und verschiedene andre Dinge ausspie, die das Meer auf seinem Boden erzeugt. Heute steht die Mndung dieses Vulkans offen; sie ist sehr weit, und hat die ganze Umgebung jener Insel verbrannt. Aber was am meisten Bewunderung erregt, ist, dass in der Provinz Ilocos, auf der Insel Manila, die wenigstens 150 Leguas in gerader Linie von der Stelle entfernt ist, an demselben Tage und zur selben Stunde, wo die erwhnten beiden Feuervulkane ausbrachen, in einigen Ortschaften der Igoloten, welche letztere noch unglubig sind, ein anderer Sturm stattfand und der dritte Vulkan ausbrach, welcher von Wasser war und so furchtbar, wie man aus einem Kapitel des Briefes von Fray Gonzalo de Palma, General Procurators der Augustiner, ersehn wird, welches im Wesentlichen lautet: Bei den Igoloten, die in Bezug auf die Ilocos fnf Tagereisen weiter stlich landeinwrts wohnen, erlitt die Erde am 4. Januar ein so furchtbares und erschreckliches Erdbeben wie der vorausgegangene wthende Orkan es angekndigt. Die Erde verschlang 3 Berge von denen einer, an dessen Abhang drei Ortschaften lagen, unzugnglich war. Diese ganze aus ihren Grundfesten gerissene Masse flog in die Luft zugleich mit vielem Wasser, so dass die Lcke einen weiten See bildete ohne irgend ein Zeichen zurckzulassen, weder der Ortschaften noch der hohen Berge, die dort gestanden hatten. Wind und Wasser zersprengten die Eingeweide der Erde mit so ausserordentlicher Wuth, dass Bume und Berge (montes) in Bruchstcken zwlf Piken hoch geschleudert wurden und bei dem Aneinanderstossen in der Luft und im Herabfallen ein so furchtbares Gerusch machten, dass es viele Stunden weit gehrt wurde. Nach langen religis-aberglubischen Errterungen heisst es weiter: Das letzte ausserordentlichste und allgemeinste Wunder dieses 4. Januartages ist das in diesem Briefe hervorgehobene Getse, welches zwischen 9 und 10 Uhr in der Luft entstand und nicht nur in Manila und den wohl 130 Leguas entfernten Provinzen Ilocos und Cagayan, sondern auch in smmtlichen philippinischen Inseln und den Molukken gehrt wurde. Und es drang bis in das Festland von Asien, in die Reiche von Cochinchina, Champa, Cambodia, wie durch verschiedene Geistliche und andre glaubwrdige Personen, die aus diesen Reichen nach Manila gekommen, kund wurde. Eine Entfernung die wohl einen Kreis von mehr als 300 Leguas Durchmesser und 900 Leguas Umfang bildet, und in dieser ganzen Entfernung hrte man das Gerusch gleichmssig an demselben Punkte und demselben Orte. Alle vermutheten, dass es starkes Artillerie- und Gewehrfeuer sei, und glaubwrdige Leute fgen hinzu, dass sie einen Schall wie von Trommeln unterschieden [discernieron sonido como de caxas de guerra -- distingaient le son comme celui de botes d'artifice] und alle hrten es solcher Art, und in solcher Entfernung, dass sie meinten es sei 2 oder 3 Leguas von der Stelle wo sie sich befanden. In Manila whnten sie, es sei im Hafen von Cavite, und in Cavite, dass es in Manila sei, . . . und es wurden Depeschen von einem Ort zum andern gesandt. . . . Und so geschah es in allen Inseln, Stdten und Ortschaften innerhalb des Umkreises von 900 Leguas, eine wunderbare Sache, die, wie es scheint die Grenzen der Natur berschreitet und den Grundstzen der Philosophie widerstrebt . . . Es folgen wieder aberglubische Betrachtungen, darunter eine von chronologischem Interesse: Da nmlich Malacca, das am 13. Januar von den Hollndern erobert wurde, am 4. schon hart bedrngt war, so meinten viele, als sie spter die Kunde erhielten, der Himmel habe durch die Vulkane Lrm schlagen lassen, um die Spanier auf den grossen Schaden aufmerksam zu machen den der Verlust dieser vornehmen Stadt allen jenen Archipelen, Ksten und davorliegenden Inseln bringen wrde. Auch wird angefhrt dass der 5. Januar in Macao dem 4. in Manila entspricht, weil die Portugiesen von W. nach O., die Spanier von O. nach W. nach ihren indischen Kolonien gehn. Die Missionre von Cochinchina gaben nmlich den 5. Januar als Datum der Ausbrche. Perrey kommt zu dem Schluss, dass Nieremberg's Sanguiz ident sei mit Sanguil oder Sanguir (man findet auch Sangin, Sangi, Sanghir, Sangir, Sangil, Sanguili) und dass derjenige der drei Ausbrche der das Geschwader in Gefahr brachte, auf der Insel Sanguir stattfand, die etwa 36 Leguas S. von Mindanao liegt. Die erste Annahme wird durch den Originalbericht besttigt, gegen die zweite aber erheben sich manche Bedenken. Dafr scheint der Name der Insel zu sprechen und ihre Lage zwischen Zamboanga und Ternate. Aber nur gar zu hufig sind in jenen Lndern verschiedene Oertlichkeiten mit demselben Namen benannt, wodurch grosse Verwirrung entsteht. (Ein auffallendes Beispiel davon wird am Schluss dieses Artikels mitgetheilt.) Auch auf der Insel Mindanao ist zweifellos wenigstens ein Vulkan Sanguil vorhanden den indessen verschiedene Schriftsteller an verschiedene Stellen versetzen. Im Originaltext heisst es nicht, wie in der Uebersetzung, dass der erste Vulkan in Sanguil ausbrach und seine Asche bis Mindanao schleuderte, sondern dass er in Mindanao und Sanguil ausbrach, eine schwer zu verstehende Stelle, die aber nach Ansicht spanischer Autoritten nur bedeuten kann: in Mindanao und zwar in Sanguil. Der Umstand, dass unter den Bewohnern von Mindanao Sanguiles aufgefhrt werden (s. unten), lsst vermuthen, dass noch heut ein Gebiet Sanguil dort vorhanden ist. Nach Berghaus (Hydro-geog. Mem. 62) liegt der Vulkan Sanguili auf der Halbinsel Sarangani, der Sdspitze Mindanao's; auf einer M. S. Karte aus Forster's Nachlass (Neue berichtigte und verbesserte Karte der Philippinischen Inseln 1772, K. Bibliothek Berlin) ist ein Vulkan Sanguil ungefhr an der Stelle eingetragen wo Berghaus den Gunong Tibangan setzt, etwa 6 30' N., 124 30' O. Gr. Nach Magisa liegt der Vulkan auf einer Insel (?) Sanguil bei Kap San Agustin, welches nach Allg. Historie (s. unten) Kap Serangani sein kann; nach Perrey auf der Insel Gross-Sangir. Nach Combes im Gerichtsbezirk von Mindanao (was sich nach Semper nicht auf den sdlichen Theil der Insel beziehen kann), der Vulkan aber, der (1641) den furchtbaren Ausbruch hatte, im Gerichtsbezirk von Buhayen, 60 Leguas von Zamboanga, was recht gut auf den der Sdspitze Mindanaos, Kap Sarangani passt. Nach Murillo Velarde S. 124 giebt es in Sanguil, welches im Sden von Mindanao liegt, einen Vulkan. Prof. Semper identifizirt S. 5 und auf seiner Karte den Sanguil mit dem Serangani, bezweifelt aber die Identitt in einer Anmerkung S. 92. Gegen Perreys zweite Annahme spricht ferner der Umstand, dass sich das Geschwader lngs der Kste bewegte. Befand es sich wirklich bei Kap S. Agustin so war es sehr aus seinem Kurs gekommen, wofr kein Grund ersichtlich ist, da Strme vor dem Ausbruch nicht gemeldet werden. Dem angegebenen Kurse wrde es besser entsprechen, dass sich das Geschwader zur Zeit des Ausbruches an der Sdspitze von Mindanao bei Kap Sarangani in unmittelbarer Nhe des dortigen Vulkanes befand und dass die Namen der Kaps verwechselt sind. Auch in der Allgemeinen Historie der Reisen, XVIII, 391 ist zu lesen, dass das unter 5 30' N. liegende Kap den Namen Sarangan oder des heiligen Augustin trage. Indessen weder in dem einen, noch in dem andern Fall konnte sich das Geschwader gleichzeitig in solcher Nhe der 52, bezglich 36 Leguas entfernten Insel Gross-Sanguir und der ber 100 Leguas entlegenen Insel Jolo befinden um von ersterer aus mit Erde und Steinen beschttet zu werden und wahrnehmen zu knnen was auf letzterer vorging. Perrey fhrt zwar auch noch einen dritten Grund an, den Umstand nmlich, dass sich in Zamboanga die Finsterniss von Sden aus verbreitete; die Insel Gross-Sanguir liegt aber SO. Wahrscheinlicher ist es, dass der in Zamboanga beobachtete Aschenregen von Jolo kam, wo gleichzeitig ein Ausbruch stattfand. Dr. Neumayer macht mich darauf aufmerksam, dass der Januar in jenen Meeren frei von Strmen ist, dass in den Berichten nur lokale Strme und Unwetter erwhnt werden, das zur Zeit herrschende Windsystem, der NO.-Monsun, also wohl nicht allgemein gestrt war. Die Asche des Joloausbruches konnte also wie solches bei andern gewaltigen Eruptionen vorgekommen, durch den untern Luftstrom in den darber SW. oder WSW. wehenden Aequatorialstrom geschleudert und von diesem nach Zamboanga und den Bisayas getragen werden. Gegen Perrey's Annahme muss es auch Bedenken erregen, dass Valentyn Beschrijving der Moluccos S. 2 in Oud en Nieuw Oost Indie der eine ausfhrliche Beschreibung der Insel Gross-Sanguir giebt, und alle spteren hollndischen Schriftsteller keinen frheren Ausbruch dort erwhnen als den von 1711. Doch war die Insel den Hollndern lange bekannt: 1625 hatten sie das Schiff Trouw daselbst verloren, 1664, nur 23 Jahre nach den drei gleichzeitigen Ausbrchen kam berdies Ternate und damit auch die Insel Sanguir in ihren Besitz. Am wahrscheinlichsten ist wohl der Vulkan auf der sdlichsten Spitze Mindanao's (Halbinsel Sarangani) als der Heerd des Ausbruchs anzunehmen, doch ist es nach dem Bericht des Jesuiten Magisa nicht mglich den Ort mit Bestimmtheit festzustellen. Die Position des Geschwaders ist unklar, die Richtung in welcher es die Erscheinungen beobachtete nicht angegeben. Die angefhrten Entfernungen bekannter Punkte, meist um die Hlfte zu gering, zeigen nur dass diese Angaben werthlos sind. Der Verfasser berichtet vom Hrensagen, seinem Stande und seiner Zeit entsprechend, nicht geologisch sondern theologisch. Durch eine hnliche Betrachtung muss man sich trsten wenn in der sechsbndigen Historia de los P. P. Dominicos en las islas filipinas (Madrid 1870) mit Stolz hervorgehoben wird, dass allein Aduarte (der Dominikaner war) ein am 30. November stattgefundenes grosses Erdbeben beschreibe und dann seine Schilderung abgedruckt wird, jedoch mit der Jahrszahl 1619 statt 1610 (s. S. 6). In Geschichten von Mnchsorden sind solche Irrthmer hufig und ziemlich unschdlich. Schlimmer ist es wenn sehr gelesene Zeitungen falsche Angaben in einer Form verbreiten, die den Stempel hchster Zuverlssigkeit trgt. Die Illustrated London News 7. Oktober 1871 giebt die Abbildung eines neuen auf der Insel Camiguin in den Philippinen entstandenen Vulkanes und dazu folgende Erluterung: Der ehrenwerthe F. C. P. Vereker, Lieutenant zur See, Kommandr des zu hydrographischen Aufnahmen detachirten K. Grossbrit. Schiffes Nassau erfreut uns mit einer Skizze des vulkanischen Ausbruchs auf der kleinen Insel Camiguin, einer der nrdlichsten der Philippinen in 19 N. und etwa 122 O. Gr. Darauf folgt eine kurze Beschreibung des Ausbruches vom 1. Mai 1871 ohne Angabe des Datums . . Als der Nassau den Vulkan im Juli besuchte war er noch thtig, grosse Massen Dampf und Rauch drangen aus den Seiten und dem Gipfel, hin und wieder wurden auch Steine ausgeworfen. Zwei Offiziere die den Vulkan ersteigen wollten, mussten es wegen der Hitze des Bodens aufgeben. Der Bericht hat einen fast amtlichen Klang, ist aber dennoch falsch; denn die gesperrt gedruckte Stelle ist vom Redaktr nach eigenem Ermessen eingeschoben, die vom Nassau besuchte und skizzirte Insel Camiguin liegt 9 N. 124 20' O. Gr., d. h. ber 200 Leguas von der gleichnamigen Insel der Babuyanesgruppe entfernt, nach welcher der Redaktr das Ereigniss verlegt. Nach Berichten aus Manila besteht sie aus drei Bergrcken: Catarman, Sigay und Maginog. Schon am 17. Februar wurden heftige Erdstsse mit starkem unterirdischen Gerusch wahrgenommen. Am 1. Mai 1871 bemerkten die Bewohner des kleinen Bergdorfes Catarman eine aus dem Boden aufsteigende Rauchsule; um 7 Uhr NM. desselben Tages hrten sie pltzlich einen lauten Knall, und sahen sich von einer Wolke von Feuer und Steinen umgeben. Einige die sich in grsserer Entfernung befanden, wurden von dieser Wolke erreicht und an verschiedenen Stellen des Krpers verbrht und verbrannt. Alles flchtete an die Kste um die Insel zu verlassen, es waren aber nur wenige Fahrzeuge vorhanden. Die Zahl der Opfer muss sehr betrchtlich gewesen sein. Noch am 12. spie der Vulkan aus fnf Oeffnungen Rauch und Flammen aus. Es scheint auf dem Gipfel des Berges von Catarman ein Kratersee vorhanden gewesen zu sein, dessen Wasserstand grossen Schwankungen unterlag. Zuweilen trocknete der See ein, einigemale floss er ber und berschwemmte die Umgebung, so namentlich in den Jahren 1827 und 1862. Hufig wurde er durch Gasausstrmungen in Wallung versetzt. Ein eigentlicher Ausbruch hatte in geschichtlicher Zeit nicht statt gefunden. ZUSTZE UND BERICHTIGUNGEN nach Dr. A. B. Meyer und einigen andern krzlich aus den Philippinen zurckgekehrten Freunden. Zu S. 4. Es existirt jetzt direkte Dampfschiffahrt zwischen Spanien und Manila, die Gesellschaft ist eine englische, die Schiffe gehn von Liverpool nach Spanien und durch den Suezkanal nach Manila; es sind grosse Dampfer von 2-3000 Tons. Diese Linie wird jetzt meist zu Aus- und Heimreisen von den spanischen Beamten benutzt. Zu S. 4 Anm. 5. Auch zwischen Singapore und Manila ist jetzt eine direkte Dampfschiffverbindung vorhanden. Alle 14 Tage trgt ein Schiff die Post von Manila nach Singapore und bringt die europische zurck. Dieses ist jetzt auch die meist benutzte Passagierlinie: Die Ueberfahrt soll in 6 Tagen gemacht werden. Die Regierung zahlt der Gesellschaft 5000 Doll. fr jede Reise, bt aber kein Aufsichtsrecht. Die Schiffe sind oft nicht seetchtig. Dr. A. B. M. war 13 Tage statt 6 unterwegs. Sein Schiff musste zwei Tage in den Cuyo-Inseln Schutz suchen und wurde auf der nchsten Fahrt im Hafen von Labuan, den es mit Mhe erreichte, kondemnirt. Ausserdem gehn noch von Zeit zu Zeit Handelsdampfschiffe zwischen verschiedenen Hfen Chinas (Amoy, Hongkong etc.) und Manila. Die Passagierbefrderung mit spanischen Kriegsschiffen hat daher ganz aufgehrt. S. 5 unten. Noch 1872 sieht man sehr viele Trmmerhaufen an den verschiedensten Orten in Manila und Vorstdten, herrhrend von dem Erdbeben von 1863. Der Hauptplatz ist noch in demselben Zustande, wie auch die Brcke an deren Herstellung (s. Anm. S. 19) ich zweifle. Zu Seite 6. Erdbeben in den Philippinen von Oktober 1871 bis Mrz 1872. 1871: 8-9. Oktober Mindanao, Pollok; es entstanden neue Schwefelquellen. 1871: 8-14. Dezember Mindanao, Cotabatu zerstrt. 1871: Dezember Provinz Albay, Ausbrche des Mayon. 1872: Januar ,, Albay, desgleichen. 1872: 29. Januar ,, Manila 7 Uhr Nm. O. W. schwach. 1872: 29. ,, ,, Zambales O. W. stark. 1872: 7. Februar ,, Camarines sur 2 Mal. 1872: 5. Mrz ,, Manila 9 Uhr Vm. 1872: 6. ,, ,, Laguna 9 Uhr Vm. (vielleicht auch am 5.) 1872: 22. ,, ,, Manila, stark. 1872: 22. ,, ,, Batangas. In der Epoca vom 20. und 21. Mrz 1872 werden die Erdbeben von Pollok und Cotabatu als furchtbar in ihren Wirkungen geschildert. Am 8. Dezember 1871 um 6 Uhr 10 Minuten Nachm. war Cotabatu ein frhliches Dorf, um 6 Uhr 20 Minuten ein Schutthaufen. Ein viel heftigeres Erdbeben fand am 9. um 7 1/2 Uhr Vorm. statt, die Erde schien zu kochen; dies wiederholte sich noch 5 Mal. Zu S. 23. Botanischer Garten. Er ist in demselben Zustand wie Sie ihn sahen. Der Direktor bekommt zwar 2000 Dollar Gehalt oder mehr, aber seine einzige Thtigkeit besteht darin, Blumen zu Strussen zu ziehen. Der grssere Theil des Bodens ist mit Mais und Bananen bestanden. Wieder ein Beweis fr den Mangel an Kontrolle. Zu S. 59. Die Strasse zwischen Majaijai und Lucban und zwischen Lucban und Mauban ist jetzt in so schlechtem Zustande, dass ich sie nur mit Lebensgefahr passirte, und dennoch herrscht zwischen Mauban und St. Cruz sehr viel Handel und Verkehr. Zu S. 61. Der Wasserfall ist zwischen Lucban und Majaijai, nicht zwischen Mauban und Lucban. -- Ich machte eine grosse Anzahl von Versuchen dort um durch Herabwerfen von Steinen die Hhe des Falles zu messen und fand das Mittel von 5 Secunden. Darnach wrde die Hhe 390'5 betragen. Zu S. 76. Die Philippinen produziren jetzt mehr Cacao und gengend fr ihren eignen Gebrauch, so dass die Sendungen von Ternate sehr schlechte Preise erzielen. Nur durch die Rckfracht von Zigarren knnen die Kaufleute sich bezahlt machen. Der Cacao muss aber auf Celebes und Batjan fast ebenso theuer eingekauft werden, wie er in Manila verkauft wird. Von Ternate kommt er nur indirekt; Kaufleute von Ternate senden Schiffe nach Batjan, nach der Bucht von Tomini (Celebes) und nach den Togian oder Schildpattinseln in der Bucht von Tomini und tauschen dort Cacao ein, den sie entweder direkt nach Manila schicken oder an Manilahndler in Ternate oder Menado verkaufen. Die Anpflanzungen in der Bucht von Tomini und auf den Togianinseln sah ich, sie sind in sehr schlechtem Zustand und die Ausfuhr drfte in kurzer Zeit ganz aufhren, wenn die Verhltnisse sich nicht ndern. Der Celebes-Cacao ist von besonderer Gte, leidet aber seit Jahren ebenfalls an einer Krankheit. Zu S. 123. Hammelfleisch ist in Manila nicht tglich zu haben, sondern nur wenn jemand Hammel aus Shanghai kommen lsst. Zu S. 251. Das Vorschuss-System schleicht sich wieder ein und wird schwerlich dauernd zu beseitigen sein, so lange es an regelmiger, sttiger Lohnarbeit mangelt. Daran wird es aber wohl immer fehlen so lange jedermann Eigenthmer sein kann. ABGEKRZT ZITIRTE SCHRIFTEN. 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Die von Herrn Dr. Jagor 1859 und 1860 auf einer Reise durch die Philippinen gesammelten und mir zur Untersuchung mitgetheilten Gesteine gestatten Einiges schrfer anzugeben als es bisher geschehen konnte. Die geologische Literatur ber die Philippinen ist nicht berreich. Ausser einzelnen Angaben von A. von Chamisso [310], E. Hofmann [311], Meyen [312], Sainz de Baranda [313], Chevalier [314], Dana [315] sind zunchst zu nennen die Aufzhlung der Vulkane durch L. von Buch in seinem Werke ber die Canarischen Inseln, die Berichte von Hochstetter's [316] bei Gelegenheit der Novara-Reise, der Aufsatz von Richthofen's ber das Vorkommen der Nummulitenformation [317], die Aufstze von C. Semper [318] und dessen 6 Skizzen: die Philippinen und ihre Bewohner. Wrzburg 1869. Im Folgenden habe ich versucht, Alles zusammenzustellen, was sich aus den bisherigen Beobachtungen ergiebt. Als einem Stck des grossen Vulkangrtels des stillen Meeres hat sich schon frh die Aufmerksamkeit den Vulkanen der Philippinen zugewandt, dem Verbindungsgliede der Reihe Kurilen-Japan-Formosa und der Reihe, welche ber Mindanao und die Sangirinseln in die Molucken fortsetzend dort einen Zweig westlich nach Java hinsendet, einen anderen nach Osten, die seit L. von Buch sogenannte westaustralische, bis nach Neuseeland sich erstreckende Reihe. Viel geringer ist die Kenntniss der auf den Philippinen vorhandenen neptunischen Ablagerungen, und auch hier werden nur wenige Beitrge dazu geliefert. Es ergiebt sich als Resultat des bisher Bekannten, dass in den Philippinen auf einen Grundstock krystallinischer Schiefer junge, z. Th. sicher tertire (eocne) und reichlich noch jngere Ablagerungen folgen, gehobene Kstenbnke und Korallenriffe mit den noch heut im stillen Ocean lebenden Mollusken. Die gehobenen Korallenriffe schliessen sich den lebenden vollstndig an und reichen zu betrchtlichen Hhen, nach Dana's Angabe bei Punta S. Diego, S. von Manila, bis zu 600 Fuss Meereshhe. Dass die Hebung noch jetzt fortdauert, ist zwar nicht durch genaue Messungen sicher gestellt, erscheint aber hchst wahrscheinlich. Nach von Richthofen ist ein Theil der vulkanischen Gesteine jnger als der Nummulitenkalk, welcher mit den Trachyten grobe Breccien bildet und von ihnen eingeschlossen wird. In und auf den vulkanischen Gebilden liegen jngere Sedimente, deren Bildung ebenso wie die vulkanische Thtigkeit bis jetzt fortdauert. Die letztere ussert sich in heftigen und hufigen Erdbeben. Im grossen Ganzen eine gute Parallele zu dem Bau der Insel Java. Von lteren Formationen liegen von den durch Herrn Dr. Jagor bereisten Inseln Luzon, Samar und Leyte keine Gesteine vor. Nach Semper scheinen im Norden Luzon's und in Cebu vorkommende Petrefakten ein etwas hheres Alter anzudeuten. Aeltere Eruptivgesteine, von denen A. von Humboldt [319] Granit im nrdlichen Theile von Luzon erwhnt, wurden von Herrn Dr. Jagor beobachtet, aber nur in Geschieben. Diese Eruptivgesteine durchbrechen wohl die krystallinischen Schiefer [320]. Wie berall, wo die vulkanische Thtigkeit noch heut in grsserem Maassstabe auftritt, wo also Ausbrche von Lava aus den Feuerbergen stattfinden, sieht man daneben auch auf den Philippinen erloschene Vulkane, entweder ganz unthtig oder in dem Zwischenzustande der Solfatara verharrend. Man darf annehmen, was sich aus den Gesteinsproben und den Angaben nicht ausmachen lsst, dass es an modernen Eruptivgesteinen nicht gefehlt hat, an Auftreten von Trachyten -- diesen Ausdruck im weitesten Sinne genommen -- und Doleriten in der Weise der alten Eruptivgesteine, also ohne vulkanisches Gerst, wofr namentlich einzelstehende Kegelberge zu sprechen scheinen. Bei manchen der erloschenen Vulkane ist es schwer Sicherheit zu gewinnen ber die Zeit und die Grsse der Ausbrche, ja ber die Thatsache, ob in historischen Zeiten Eruptionen stattfanden. Abgesehen von Mindanao [321] und Negros, auf welcher Insel Semper den nach seiner Schtzung mindestens 5000 Fuss hohen, im Nordtheil der Insel befindlichen Vulkan (Malespina der hydrogeographischen Karte der Philippinen) stark rauchen sah, sind nur auf Luzon, den nrdlich von Luzon gelegenen Babuyanes-Inseln und auf der kleinen Insel Camiguin (zwischen Mindanao und Siquijor) thtige Vulkane bekannt. Auf Camiguin fand nach einem Briefe aus Manila (Spenersche Zeitung 1871. No. 167) am 1. Mai 1871 ein vulkanischer Ausbruch statt. Seit Monaten htten auf Bojol, Cebu und Camiguin wiederholte Erdbeben stattgefunden, Camiguin war von dem grssten Theil seiner Bewohner verlassen worden. Am 1. Mai um 5 Uhr Abends spaltete sich unter Donnergetse und heftigen Stssen ein ber dem Dorf Catarman gelegener Berg. Rauch, Asche, Erde und Steine wurden ausgeworfen; der Krater hatte bei einer Lnge von etwa 1500 Fuss eine Breite von 150 und eine Tiefe von 27 Fuss. Um 7 Uhr Abends erfolgte ein zweiter Ausbruch. Von einem Lavastrom ist nicht die Rede. Noch im Juli 1871 war der Krater thtig. Auf der Insel Babuyan Claro liegt ein wie es scheint in bestndiger Eruption begriffener Vulkan [322] und auf der sdstlichsten Insel der Babuyanes, auf Camiguin, ein im Solfatarazustand befindlicher. Auf den stlich von Camiguin gelegenen Didicaklippen, die nach Semper wohl nichts Anderes sind als Ueberbleibsel des Kraterrandes eines frheren Vulkans, hat sich 1856 ein im October 1860 mindestens 700 Fuss hoher Vulkan gebildet. Nachdem zwischen zwei Klippen Rauch aufgestiegen war, hat sich zwischen ihnen, deren obere Hlfte eingestrzt war, eine kleine Insel gebildet, welche sich durch Aufschttung vergrsserte. Begleitet von heftigen Erdbeben fand dort 1857 ein starker Ausbruch statt. Don Claudio Montero hat auf der Nordspitze von Luzon nahe unter dem Cabo Engao (Provinz Cagayan) einen 2489 p. Fuss hohen Vulkan aufgefunden, den Monte Cagua [323]. Semper sah ihn im October 1860 von Aparri aus rauchen. In weitem Abstande von diesen vier auf engen Raum zusammengedrngten Vulkanen, getrennt von einander durch weite Strecken, aber durch eine Reihe erloschener Vulkane verbunden, liegen die brigen drei noch thtigen Vulkane Luzon's: der Taal, der Albay oder Mayon und auf der ussersten Sdspitze der Insel der Bulusan, an dessen Fuss nach von Hochstetter heisse Quellen entspringen. Herr Dr. Jagor sah ihn rauchen, leider sind die dort gesammelten Gesteinsproben verloren gegangen. Viel zahlreicher sind die erloschenen Vulkane. Nach Semper finden sie sich auf allen Inseln der Philippinen mit Ausnahme von Cebu und Bojol, welche nach ihm aus gehobenen Korallenriffen und neptunischen Schichten gebildet scheinen. Auch auf Panay sah Dana nichts an vulkanische Berge Erinnerndes. Die Angaben lassen jedoch oft Zweifel, ob man erloschene Vulkane oder ungeffnete Dome vor sich hat. An der Ostseite der Insel Leyte ist ein erloschener Vulkan, der Dagami, sicher gekannt, an dessen Ostfuss eine Solfatara sich findet; auf Samar kennt man keinen, eine ganze Reihe dagegen auf Luzon. Mit der Sdspitze der Insel beginnend den M. Pocdol bei Bacon, zwischen dem Bulusan und dem Albay gelegen; nordwestlich vom Albay den Mazaraga, von welchem nrdlich der Malinao oder Buhi und der Yriga auftreten. Ihnen folgt im Norden der mchtige Ysarog. In der Provinz Camarines norte sind der Labo und der Pic von Colasi zu nennen; sdlich der Laguna de Bay der Majayjay, der Sosoncambing und der Malarayat, der von diesen sdlich gelegene Tanabon (wohl Monte Tombol bei von Hochstetter), endlich der Maquiling [324], durch grosse Solfataren ausgezeichnet. An seinem Fusse treten die heissen Schwefelquellen von los Baos, der Kesselsee Dagatan, der Schlammvulkan von Nataos, der Krater von Maicap u. s. w. auf. Zwischen ihm und dem Majayjay liegt das vulkanische Gebiet von San Pablo mit zahlreichen kleinen Kraterseen. Nordstlich vom Majayjay finden sich zwischen Lucban und Mauban Dolerite und Tuffe. Die Doleritlaven der Insel Talim in der Laguna de Bay und die der Halbinsel Jalajala, die Obsidianstrme der Halbinsel und Bucht von Binangonan deuten dort einen grossen vulkanischen Mittelpunkt an. Die Bay von Manila wird westlich durch die Kette des Pico Butilao und die Sierra de Mariveles, letztere mit Doleritlaven begrenzt; auf der Insel Corregidor sah von Kotzebue [325] einen alten Krater. Die Umgebung von Manila zeigt mchtige Tuffmassen, welche auch als niedriger Damm die Laguna di Bombon vom Meer trennen. Ob die bei S. Mateo und die stlich zwischen Antipolo und Bosoboso mit dem Kalk zusammenkommenden, bei von Richthofen als Trachyt bezeichneten Gesteine, ebenso die von ihm bei Zamboanga mit Kalk zusammen gesehenen einfach eruptiv sind oder Laven angehren, ist nicht zu ermitteln. Aus der kaum 90 Fuss hoch ber dem Meere erhabenen Ebene von Pampanga, NW. von Manila, steigt steil und schroff der 3150 Fuss hohe trachytische Doppelkegel des Monte Arayat auf, an dessen Fuss heisse Quellen hervortreten. Im Norden der centralen Ebene von Luzon zwischen dem M. Arayat und S. Toms steigen, isolirt von allen Bergketten, vier kleine vulkanische Berge auf, darunter der M. Cujaput. Gehren diese Berge, der Arayat, der M. Data bei Mancayan (NW. Luzon), der Subig in der Kette von Zambales zu den erloschenen Vulkanen? Am 4. Januar 1641, dem Tage des Ausbruches des Sanguir [326] (ob am Sdcap von Mindanao oder auf der sdlich gelegenen Sanguirinsel?) entstand nach spanischen Berichten zugleich ein Vulkan auf der Insel Sulu [327] (Jolo) und ein Vulkan Aringay oder Monte Santo Toms am Golf von Lingayen. Wenn dort wirklich ein Vulkan sich bildete, so ist er jetzt erloschen. Nach Claudio Montero's Messung ist er 6948 Fuss hoch. Ein Versuch, die Vulkane, die thtigen wie die erloschenen, auf ein oder mehrere Spaltensysteme zurckzufhren, scheitert an der mangelnden Kenntniss, nicht nur von Luzon, sondern namentlich der brigen Inseln. Dass die Nord-Sdrichtung vorwiegend erscheint, folgt aus der topographischen Configuration der gesammten Inselkette. Von den thtigen Vulkanen Luzon's ist der kaum 840 Fuss hohe Taal, der demnach zu den niedrigsten [328] thtigen Vulkanen gehrt, ausgezeichnet durch seine Lage auf einer aus Schlacken gebildeten Insel in der sehr tiefen Laguna die Bombon und durch einen Kratersee, aus welchem der Ausbruchskegel mit einem zweiten Krater sich erhebt. A. von Chamisso [329] fand den Vulkan 1818 schwach thtig, E. Hofmann 1825, Wilkes [330] 1842 sahen ihn in voller Thtigkeit. Delamarche [331], der ihn am 25. October 1842 unthtig fand, hat eine genaue Beschreibung des Berges gegeben. Semper, der den Taal am 30. April 1859 bestieg, sah den Krater bestndig rauchen. Der Kraterboden, auf dem zahlreiche kleine Erhhungen hervortraten, war mit Thon und Gypskrystallen bedeckt, berall brach heisser saurer Wasserdampf hervor; Alaun, Schwefel und hnliche Bildungen waren reichlich vorhanden, kleine Bche kochenden Wassers traten an einzelnen Stellen aus. Den Krater fand Semper mit kochendem milchweissem Wasser erfllt, es entstiegen ihm schweflige Dmpfe. Demnach befand sich der Taal in dem Solfatarazustand. Am Nordwestende der Insel liegt ein ganz erloschener, aus Tuff bestehender regelmssiger Kegelberg mit Krater, der Binintiang grande, am Sdende liegt der kleine Binintiang. Das Gestein des Berges zeigt nach L. von Buch [332] in dunkelbrauner, feinsplittriger Grundmasse kleine Feldspthe. Ob es zu den Sanidintrachyten oder zu den Gesteinen mit triklinen Feldspathen gehrt, lsst sich nach den vorliegenden, stark zersetzten Gesteinsproben nicht bestimmen, wahrscheinlich ist es Dolerit. Der Hauptausbruch des Berges 1754 (der letzte Ausbruch hatte 1716 stattgefunden) war ein heftiger Aschenausbruch, dem spter viele kleine Eruptionen gefolgt sind. Lavastrme scheint der Berg seit langer Zeit nicht gegeben zu haben. Im Gegensatz dazu liefert der 7000 Fuss hohe Albay oder Mayon nicht nur Aschenausbrche und die sie begleitenden zerstrenden Schlammstrme, sondern auch Strme von Lava. Seine Hauptausbrche fallen in die Jahre 1766, 1800 und 1814. Er warf 1857 viel Asche aus, 1858 war der Krater voll Dampf, Herr Dr. Jagor fand ihn 1859 erfllt mit heissen schwefligsauren Dmpfen. Wie berall mit thtigen und erloschenen Vulkanen stehen auch hier mit ihnen Tuffe in Verbindung. Weiter unten ist ihr Vorkommen genauer erwhnt. Von ihrer grossen Verbreitung um Manila war schon die Rede. Diese graugrnen Tuffe, fest genug um als Baustein zu dienen, bilden am Flussufer des Pasig nach der Laguna de Bay hin an manchen Stellen 40 bis 60 Fuss mchtige Ablagerungen. Es sind nach G. Rose (Meyen Reise II. 202) Bimsteinconglomerate, die in rauher, grauer, leicht ritzbarer Grundmasse eckige, brunlich-graue Bimsteinstcke umschliessen. Sie fuhren nach Dana Blattabdrcke und verkieselte Hlzer, meist Palmen und zwar lebende Arten. In der Nhe der thtigen Vulkane treten lose vulkanische Sande auf, in der Umgebung der erloschenen sind sie verkittet zu mehr oder minder festen Massen, hie und da auch umgelagert und mit der Unterlage gemengt oder am Meeresstrande durch Kalk, den Muschelschalen entnommen, cementirt. Das Korn wechselt in hohem Maasse, ebenso die Zahl und die Grsse der eingeschlossenen Gesteinstrmmer. Wo sie und die Tuffe durch Verwitterung oder Fumarolenwirkung gelitten haben, werden aus ihnen Thone ausgewaschen, die, im nchsten Verband stehend, bisweilen mchtige Ablagerungen bilden. Unter den sehr zahlreichen vulkanischen Gesteinen, die vom sdlichen Luzon, Samar und Leyte vorliegen, und in den zu ihnen gehrigen Tuffen sind, mit sehr geringen Ausnahmen, nur zwei und noch dazu einander sehr nahe stehende Gesteinstypen vertreten: beide mit triklinem Feldspath, einer mit Hornblende, einer mit Augit, Hornblendeandesit und Augitandesit oder Dolerit. Die Analyse der Feldspthe wird zeigen, ob man in manchen Gesteinen, wie man nach dem Habitus und der Aehnlichkeit mit Aetnalaven schliessen darf, Labrador oder einen kieselsurereicheren Feldspath vor sich hat. In den Amphibolandesiten ist noch Magneteisen und meist Olivin vorhanden, bisweilen tritt noch sparsamer grner Augit dazu. Diese Gesteine finden sich in der Berggruppe des Labo, Colasi, Ysarog, auf der Insel S. Miguel, am Dagami und Danaan auf Leyte und zwar meist mit sehr hnlichem, porphyrischem Habitus. Zu den Doleriten gehren die Laven des Albay, Yriga, Mazaraga, Malinao und der ganzen Umgebung der Laguna de Bay. Neben dem Augit treten in ihnen Olivin und Magneteisen, seltener noch dunkle Glimmerblttchen auf. In den entsprechenden Tuffen und Sanden kehren die Mineralien der Gesteine wieder. Wenn auch einzelne Bimsteinstcke in jenen sich finden, so gehren doch grssere Ablagerungen rein aus Bimstein bestehend zu den Ausnahmen. Ebenso ist Mandelsteinbildung und Auftreten von Zeolithen sehr sparsam vorhanden. Glasige Gesteine kommen kaum vor; v. Hochstetter sah an der in die Laguna de Bay hineinragenden Halbinsel Binangonan sulig zerklftete Obsidianstrme. Ob berhaupt in dem genannten Gebiet chte Sanidintrachyte auftreten, erscheint zweifelhaft. Ueber das relative Alter der beiden Andesite lsst sich ebensowenig eine Vermuthung aussprechen als ber die chronologische Folge der einzelnen vulkanischen Berge. Auch hier ergiebt sich eine gute Parallele mit Java, in so fern die Andesite dort reichlich, wenn nicht ausschliesslich, vertreten sind. Es liegen jedoch von Luzon, Samar und Leyte dichte basaltische Gesteine, die in Java so hufig sind, nur von einer Stelle vor, und zwar, wie die Uebergnge beweisen, von Amphibolandesit. Als hchst bezeichnend ist ferner hervorzuheben, dass bei der hufigen Fumarolenthtigkeit nur Einwirkungen von Schwefelwasserstoff, resp. schwefliger Sure und Sublimation von Schwefel beobachtet sind; daneben die diesen Agentien entsprechende Bildung von Gyps, Alaun, Alunogen, Bianchetto; je nach der Strke und der Dauer der Einwirkung die vollstndige Entfernung der Thonerde oder ihre Umwandlung in schwefelsaure Salze. Die reiche Gypsbildung erklrt sich aus dem Kalkgehalt der Hornblende, des Augites und des Feldspathes. Ebenso wenig fehlt die Bildung basischschwefelsaurer Eisenoxyde, und die Rthung des Rckstandes durch Eisenoxyde, endlich die durch Bunsen's schne Versuche erluterte Bildung von Schwefelkies, dessen Verwitterung die Zerstrung der Gebirsgsarten untersttzt. Dagegen mangelt jede Spur salzsaurer Fumarolen. Wenn auch der Absatz leicht lslicher Chlorverbindungen nicht zu erwarten war, so erscheint doch keine Spur von sublimirtem und zu Eisenglanz zersetztem Chloreisen. Auch Bildung von Palagonit ist nirgend beobachtet, wozu die (freilich oft grobkrnigen) Tuffe Gelegenheit zu bieten scheinen. Zahlreich dagegen sind Abstze von Kieselsinter, Opal und Hyalith aus der letzten Phase der vulkanischen Thtigkeit, aus Kohlensure und Alkalibikarbonat enthaltenden Quellen, hnlich wie in Island, Madeira, Neuseeland, Californien, Nevada, Montana-Wyoming u. s. w., Abstze, die ihre Erluterung in den Arbeiten Bunsen's ber Island finden. Auf denselben Ursprung mssen auch die Jaspisvorkommen der vulkanischen Gegenden zurckgefhrt werden. Geisirhnliche Erscheinungen wurden nicht beobachtet. Der Antheil der vulkanischen Bildungen an dem Aufbau der Philippinen darf jedoch nicht zu hoch angeschlagen werden, rumlich sind sie untergeordnet gegenber den krystallinischen Schiefern und den Sedimenten. Gneiss, Glimmerschiefer, Hornblendeschiefer, Hornblendegneiss, Talk- und Chloritschiefer, Serpentin sind von den ersteren beobachtet. Im nrdlichen Theil von Luzon sind sie verbreitet. Meyen beobachtete in S. Mateo und bei Balate (N. von S. Mateo) feinkrnigen Hornblendeschiefer, auf dem der Kalk von S. Mateo aufliegt. Die von Semper erwhnten Goldwschen im Flussthal des Agno grande im Land der Ygoroten deuten ebenfalls auf krystallinische Schiefer, hnlich wie die Eisenerze bei Angat (Provinz Bulacan); nach Chevalier giebt es Serpentin in der Provinz Bataan (W. der Bai von Manila). Die Nordostkste der Provinz Camarines norte zwischen Paracali, Mambulao und Lungos wird von Gneissen und den dazu gehrigen Hornblendeschiefern, Talkschiefern und Serpentinen gebildet, welche bis nach Indang und Labo fortsetzen, wahrscheinlich auch die jenseits der Bai von S. Miguel gelegenen Sierra de Caramuan zusammensetzen. An der Sdkste derselben Provinz bei Pasacao treten Hornblendegneisse und Hornblendeschiefer auf. Im Nordwesttheile der Insel Samar, ferner bei Loquilocun, bei Basey und auf der Insel Leyte bei Tanauan (Ostkste) sind sie ebenfalls beobachtet. Nach Sainz de Baranda tritt Serpentin auf in Mindanao bei Camahat, Provinz Caraga und bei Pigtao, Provinz Misamis. Am Westende bei la Caldera (NW. von Zamboanga) sah Dana Geschiebe von Hornblende und Talkschiefer, auf der Insel Lubang (SW. von Manila) Talk- und Chloritschiefer, die nach der Insel Mindoro fortsetzen und dort in Serpentin bergehen. In S. Jos, Westkste von Panay, sah Dana Geschiebe von Talkschiefer und Quarz. Nach Meyen (l. c. 245) ist Talkschiefer auf Cebu besonders hufig. Nach ihrer Zertrmmerung und Verwitterung gaben die krystallinischen Schiefer das Material zu sedimentren Abstzen, welche, mehr oder minder sandig und thonig, und petrographisch zwischen Thonlagern und Sandsteinen schwankend, die Mineralien der ursprnglichen Gesteine, zunchst Quarz, Feldspath, Glimmer, Magneteisen erkennen lassen. Die Angaben ber das Vorkommen lterer Eruptivgesteine auf den Philippinen erscheinen wenig genau. In Nordluzon wird Granit und Porphyr angegeben. In Pual (Sual der Karte, 16 10' N. B. am Golf von Lingayen) wechsellagern nach Callery [333] Euphotid, Serpentin und Petrosilex. Itier [334] fand bei Angat (Provinz Bulacan) Geschiebe von Diorit, Mandelsteinen, Spiliten, Epidot und Porphyren. Unter den Sedimenten treten neben Kalken Sandsteine und Thonschichten hervor, deren Ursprung, wie erwhnt, z. Th. auf krystallinische Schiefer, z. Th. auf vulkanische Tuffe zurckzufhren ist. Die von Semper beobachtete schnelle Umwandlung der gehobenen, weithin sich erstreckenden Korallenbnke in sehr harten, dichten Korallenkalk lehrt, dass die dichten sprden Kalke wenigstens nicht berall, wie von Richthofen annimmt, diese Umwandlung den Trachyten verdanken. In manchen der dichten Kalke lassen sich noch Spuren der Korallen auffinden, obwohl in Folge der Umwandlung die Erhaltung der organischen Reste in den Kalken eine sehr schlechte ist. Bei Binangonan (N. der Laguna de Bay) fand von Richthofen in den dort gebrochenen Kalken neben undeutlichen Austern zahlreiche Nummuliten [335]. Im Kalk von S. Mateo suchte Meyen vergeblich nach Versteinerungen. Zwischen beiden Punkten sah von Richthofen den Kalk zwischen Antipolo und Bosoboso einen allseitig schroff ansteigenden, zerklfteten, oben verebneten Berg bilden. Wahrscheinlich bestehen aus demselben Kalke die schroffen Gipfel der Sierra de Zambales (NW. der Pampanga, NW. Manila). Callery (l. c.) sah 4 Lieues von Sual ein zwei Lieues breites Band von Grobkalk und Travertin horizontal auf dem Euphotid lagern. Er fand im Grobkalk die decapoden Kruster Portunus leucodon Desmarest und Noptacus Latreillei. Im Thal von Benguet und in der Provinz Batangas (Nordluzon), an der Nord- und Ostkste von Luzon, an der Ostkste von Camiguin (Babuyanes) fand Semper Korallenkalk. An der Westseite der grossen Cordillere in Nordluzon sammelte Semper in etwa 800 Fuss Meereshhe mitten im Lande mrbe Sandsteine mit marinen Muscheln (Conus sp.), im Oberlauf des Agno (Nordluzon) in etwa 400 Fuss Meereshhe Korallen in einem porphyrischen Gestein, dessen Hauptbestandtheile granitische und trachytische Rollsteine waren [336]. An der Sdspitze des westlichen Theils von Mindanao bei Zamboanga fand v. Richthofen in den Kalken Massen von Austernschalen. Daneben kommen dort unreine Sandsteine mit Pflanzenabdrcken, blaue Kalkmergel und dunkle weiche Schiefer vor. Auch an manchen anderen Punkten enthalten Thone und Sandsteine Blattabdrcke; die Sandsteine fhren bisweilen Braunkohle: bei Mauban ist sie kiesig und kommt auch in der Gegend von Aringay nach D. Jos de Santos (Citat bei Semper) vor. Auch in Caramuan soll Kohle sich finden. In Samar wurde bei Loquilocun angeschwemmte Braunkohle gefunden; auf Cebu findet sich im Gebiet von Naga im Gebirge Alpaco (Revista minera 1863. 17. 244) Braunkohle; ebenso nach von Richthofen auf Mindanao stlich von Zamboanga im Seno de Sibugey, nach Sainz de Baranda auf der Insel Siargao (Nordostende von Mindanao). Die Sedimente sind also nur z. Th. marinen Ursprungs. Als Vergleich fr die Sedimente mchte die durch von Hochstetter (Novara-Reise. Geol. Theil. Bd. II.) aufgestellte Gliederung in Java heranzuziehen sein. Von den auf den Philippinen vorkommenden Erzen gehren die Eisenerze den krystallinischen Schiefern an: das Magneteisen am Fuss der Sierra de Bacacay (S. von Paracali) und die Eisenerze in der Nhe von Angat-Kupang, Provinz Bulacan. Ueber das reiche Vorkommen von Kupfererzen in Nordluzon ist nichts Genaueres bekannt. Sehr betrchtliche Lagersttten von Kupfererzen liegen dort bei Mancayan im Distrikt Lepanto zwischen Cagayan und Ylocos. Nach Zerrenner (Berg- und Httenm. Zeit. 28. 105 und 113. 1869) kommt dort auf Quarzgngen in Trachytporphyr Kupferkies mit Enargit vor. In Spanischen Schriften wird das Gestein als Trapp bezeichnet. Auf der Insel Lubang (SW. von Manila) enthalten nach Dana die Talk- und Chloritschiefer Kupferkies. Quarzgnge, die in den krystallinischen Schiefern, zumeist in Talkschiefer und Serpentin auftreten, fhren neben Schwefelkies, Bleiglanz und Kupferkies gediegen Gold und Chrombleispath. So wenigstens ist das Vorkommen bei Mambulao und Paracali (Provinz Camarines norte, Luzon). Das Vorkommen entspricht also ganz dem uralischen von Beresowsk. Goldhaltige Sande, reich an Magneteisen, aus krystallinischen Schiefern werden an vielen Orten gewaschen. Nach Sainz de Baranda [337] kommt Gold ausser auf Luzon auch in Mindanao, Sibuyan, Panay, Dinagat vor; Quecksilber angeblich in Leyte; Kupfer (cobre nativo en polvo finisimo y pirita de cobre) auf Mindanao. Er giebt ferner schne Krystalle von Rutil auf der Insel Bigat an, wohl ein Beweis fr das Vorkommen krystallinischer Schiefer. Nach dieser allgemeinen Uebersicht ist in dem Folgenden die specielle Beschreibung der von Herrn Dr. Jagor gesammelten Gesteine gegeben. I. Luzon. Provinz Bulacan. Das Ufer des Rio Quingoa bei Angat (N. von Bulacan) bilden feste, gelbgraue, conglomeratische Tuffe mit grsseren grauweissen Bimsteinstcken, kleineren dunklen Schlacken- und Lavastckchen, einzelnen triklinen Feldspathen, Augiten und Magneteisen. Sie sind bisweilen fest genug um als Bausteine zu dienen und werden bei Tubagan und Buenavista (zwischen Balinag und Angat) gebrochen. An einzelnen Stellen wird das Gestein etwas dunkler durch Zunahme der Schlacken- und Lavastcke. Der Bach Banavon zeigt N. von Angat nach Kupang hin viele Gerlle eines Kalkes mit Korallenresten und eines sehr verwitterten, plutonischen, Quarzbnder fhrenden Gesteins [338] .. In der Nhe kommen Eisenerze vor. An den Uferbnken des Rio Quingoa bei Calumpit (W. von Angat) lsst sich auf lange Strecken hin ein Thonabsatz mit Cyrena verfolgen. Provinz Bataan. Die grossen Blcke, welche an der Kste von Mariveles sdlich vom Dorf liegen, sind Doleritlaven, usserst hnlich den jngsten Laven des Aetna und der Insel Stromboli. In etwas porser, feinkrniger, blulichgrauer Grundmasse sind trikline Feldspathe, Augit, Magneteisen und Olivin ausgeschieden. Vorzugsweise sind die Augite von bedeutender Grsse. Ein Quarzkorn wurde als Einschluss beobachtet. Man darf wohl annehmen, dass die ganze Gebirgskette, zu welcher der Pico Butilao, die Sierra de Mariveles, die Insel Corregidor und der sdlich gelegene Pico de Loro gehren, aus demselben Gesteine besteht. Nach Chevalier (l. c. 222) findet sich bei Mariveles eine Bank faserigen, rthlichen Aragonites ber den Laven. Provinz Laguna. Das Sdende der Halbinsel Jalajala, welche in die Laguna de Bay hineinragt, wird von festen gelbgrauen Tuffen gebildet, welche graue Bimstein- und Lavastcke einschliessen. Die grsseren Lavastcke enthalten in matter, feinkrniger, von Parallelrissen durchzogener Grundmasse trikline Feldspathe und wenige grne, durch Verwitterung braun gewordene Augite. Magneteisen ist nur sparsam vorhanden, Olivin auch unter dem Mikroskop nicht zu finden. Diese Tuffe streichen h. 12 und fallen 20 W. Der Westabhang des in Nordsdrichtung durch die Halbinsel fortlaufenden Bergrckens wird von hnlichen Tuffen und durch Schwefelwasserstoff zersetzten Doleriten gebildet, hnlich denen der nahen Insel Talim. In den Tuffen kommen an beiden Punkten bis 3/4 Zoll grosse, mandel- bis kugelfrmige, concentrisch schalige Gebilde vor, welche ganz aus denselben hellgelbgrauen Tuffen bestehen und keinen festen Kern zeigen. Die auf der Hhe des Joches frischen, dunkelblaugrauen, Feldspath, Augit und Magneteisen fhrenden Dolerite sind weiter abwrts an vielen Punkten durch Schwefelwasserstoff zersetzt und bisweilen mit rothen, durch Eisenoxyd gefrbten Bndern durchzogen. Schliesslich werden sie vollstndig gebleicht und in eine thonige Masse umgendert, aus welcher Natronkarbonat reichlich Kieselsure lset. In den ersten Stadien der Zersetzung lassen sich bisweilen noch einzelne kleine frische Feldspthe und grssere grne Augite erkennen oder man sieht einen unzersetzten Augitkern in weicher gelber Hlle; endlich sind die Augite vollstndig in eine gelbe, weiche Masse umgewandelt. In den gebleichten und zersetzten Gesteinen findet sich Schwefelkies in feinen Pnktchen, oder in den Spalten dnne, bisweilen faserige Gypslagen, deren Bildung aus dem Kalkgehalt der Augite und des Feldspathes sich erklrt. Die aus diesen zersetzten Gesteinen ablaufenden Gewsser setzen reichlich Vitriolocker (basisch schwefelsaures wasserhaltiges Eisenoxyd) ab, und das Wasser des Baches schmeckt adstringirend. Aus diesen Gesteinen hat sptere Einwirkung von Alkalibikarbonat enthaltenden Lsungen Eisenkiesel geliefert, welche aus einem Gemenge von gelben und blutrothem Quarz bestehen, aber auch noch etwas Opal fhren. Ebenso kommen grosse Blcke grauweissen dichten Quarzes mit Schwefelkiespartien vor, deren Drusen Quarzkrystalle enthalten. Weiter abwrts findet sich rothbrauner Jaspis mit Drusen und Adern, welche mit Quarzkrystallen erfllt sind. Man sieht 1/4 Meile ONO. von der Hacienda auf dem Tuff grobes vulkanisches Gerll 3-4 Fuss mchtig lagern, darber folgt 5 Fuss Dammerde. Das ist die Formation der Strandebene, zwischen der Hgelkette und der Laguna. Endlich sieht man auf der Westseite der Sdspitze der Halbinsel Muschelbnke, und zwar 15 Fuss ber das jetzige Niveau der Laguna gehoben. Von den Arten, welche alle den lebenden angehren, und von Dr. von Martens bestimmt wurden, ist neben Tapes virgineus L. Phil. Cerithium moniliferum Kien. sehr hufig. Am Strande der Insel Talim erhebt sich eine 20 Fuss hohe Tuffbank, auf dem Plateau wurden nur Tuffe gesehen. Am Strande liegen grosse vulkanische Blcke gereihet. Diese Dolerite enthalten in dichter blaugrauer Grundmasse triklinen glasigen Feldspath, grnen Augit und Magneteisen. Das keineswegs frische Gestein fhrt zahlreiche grosse rundliche Hohlrume, welche theilweise mit Eisenoxydhydrat (aus ausgelaugtem Eisenkarbonat entstanden) erfllt sind. Spuren von Schwefelkies, den auch G. Rose in den Gesteinen von Talim beobachtete, deuten auf Einwirkung von Schwefelwasserstoff hin und erklren den Absatz von Eisenverbindungen; von Hochstetter beobachtete auf der nur durch einen schmalen Canal von der Insel Talim getrennten Halbinsel von Binangonan sulenfrmig zerklftete Obsidianstrme. Der Dolerit, welcher 1/4 Meile sdlich von los Baos (Sdufer der Laguna) als Gerll im Bach Malauin vorkommt, also weiter oben ansteht, enthlt in feinkrniger, dunkelblaugrauer, mit feinen Parallelrissen durchzogener Grundmasse glasigen triklinen Feldspath, grnen Augit, einige dunkle z. Th. sechsseitige Glimmerblttchen, etwas Magneteisen und Olivin. Die Lngsaxe der 3-4 Millimeter langen Feldspathe ist meist nach derselben Richtung orientirt. Der zugehrige, graugelbe, wenig feste, feinkrnige Tuff, welcher die Uferbank des Baches Malauin bildet, enthlt neben erbsengrossen, rundlichen, grauen Bimsteinstcken sparsam rundum krystallisirte grne Augite, zahlreiche Augittrmmer, triklinen Feldspath, Olivin, Glimmer und Magneteisen. Die frischen Dolerite des Schlammvulkans Nataos, 2 1/2 Leguas S. von Los Baos, sind von derselben Beschaffenheit wie die von dort erwhnten, nur etwas dunkler gefrbt, wohl eine Wirkung des etwas grsseren Gehaltes an Magneteisen. Wie die z. Th. vollstndig gebleichten Gesteine bezeugen, wurde die Zersetzung durch Schwefelwasserstoff bewirkt. An manchen Stellen ist das Gestein in eine brckliche, thonige, gelbgraue oder auch durch Eisenoxyd braun gefrbte Masse umgewandelt, in deren Hohlrumen und Klften Opal sich findet. Auf dem Gestein hat das Wasser rindenfrmigen Sinter abgesetzt, dessen Oberflche wellig ist. Die blaugrauen Lagen des zunchst aus lslicher, wasserhaltiger Kieselsure und geringen Mengen basisch schwefelsauren Eisenoxydes bestehenden Sinters wechsellagern mit eisenreicheren rothgelben Lagen. Die blaugraue Farbe rhrt von feinem eingemengtem Gesteinsstaub her, wie man sich durch Behandlung mit Sure und Alkali berzeugt. Der Sinter ist demnach hnlich zusammengesetzt wie der von Bickell untersuchte Kieseltuff von Island; eine weitere Besttigung fr die an beiden Orten hnlich vor sich gehenden Prozesse. Das eben erwhnte gelbgraue zersetzte Gestein giebt an Wasser Gyps, das rothbraune Gestein an Salzsure eine reichliche Menge Schwefelsure ab, das Eisen ist also als basisch schwefelsaure Verbindung vorhanden. Nrdlich vom Schlammsee von Nataos bildet graublauer, etwas rissiger Dolerit die Ufer des Baches Malauin. Die Risse sind mit gelbbraunem, kurzfaserigem Bimstein ausgekleidet. In der feinkrnigen Grundmasse ist glasiger trikliner Feldspath, grner Augit, etwas Olivin und Magneteisen ausgeschieden. Den Rand des kleinen Kesselsees Dagatan bei los Baos bildet ein lockerer, grauer, grobkrniger Tuff, der neben kleinen Doleritstcken Feldspath und Augit fhrt. Grosse, lose, wahrscheinlich vom Berge Maquiling herabgerollte Doleritblcke, zusammengesetzt wie die von Nataos, sind durch Schwefelwasserstoff gebleicht und enthalten Hyalith in den Klften. Von C. Semper am Maquiling gesammelte Handstcke zeigen, dass dort Schwefelwasserstofffumarolen und nach ihnen alkalische Bikarbonate enthaltende, Kieselsure lsende und absetzende Quellen in grossem Maassstabe thtig sind. Dafr legen gebleichte, z. Th. mit Eisen durchzogene, und bis zu Bianchetto zersetzte Tuffe und Gesteine, Bildung von Gyps, z. Th. in schnen Krystallen, atlasglnzender faseriger Alunogen und Alaun, Abstze von Kieselsinter und weissem Opal sicheres Zeugniss ab. Sdlich von los Baos bei Calauan liegt ein Eruptionskrater, dessen Wnde mehrere hundert Fuss hoch sind, (Llanura de Imuc) mit einer Kaffeepflanzung des Herrn Scott. Vom Sdwestrand und vom Boden des Kraters liegen Rapilli vor: bis zollgrosse, unregelmssig begrenzte Bruchstcke schlackiger Doleritlava, welche triklinen Feldspath, Augit und Magneteisen erkennen lassen. Die zugehrigen, feinkrnigen, grauen Doleritlavastrme von der gewhnlichen mineralogischen Beschaffenheit und ohne Glimmer bilden neben der Hacienda eine 100 Fuss hohe Felswand, in welcher neben compakteren rissigen auch porse Laven vorkommen. Die zugehrigen, feinkrnigen, grauen, zwei Fuss mchtigen Tuffe mit Blattabdrcken von lebenden tropischen Pflanzen, deren Arten sich jedoch nicht sicher bestimmen lassen, liegen horizontal ausgebreitet in der Ebene von Calauan. Sie werden von 3 Fuss Dammerde bedeckt und ruhen auf einer ber 5 Fuss mchtigen Thonschicht. Der obere Rand des zur Hlfte von einem See eingenommenen, 100 Fuss tiefen Kraters Mar de Tigui (neben der Strasse von Calauan nach dem sdlich gelegenen San Pablo) wird von Lapilli gebildet, die den oben beschriebenen gleichen. Das Plateau, in welchem der Krater aufgebrochen ist, besteht aus einem feinkrnigen, gelbbraunen Tuff, in dem einige stark verwitterte Gesteinsstcke zu erkennen sind. Die Tuffe, welche den Krater Macap, eine Legua SO. von Calauan, und den Krater Palacpacan bilden, sind grobkrniger, enthalten zahlreiche Doleritstcke, z. Th. bimsteinartig aufgeblht und lassen einzelne glasige trikline Feldspathe und grne Augite erkennen. Beide Krater enthalten Seen. Weiter stlich am Wasserfall Butucan am Abhang des Vulkans Banajao bei dem Dorf Majayjay tritt zwischen zwei mchtige Tuffmassen eingeschaltet eine schwache Bank eines dem Piperno hnlichen Gesteins auf. Unregelmssig begrenzte Streifen schwarzen Obsidians, dessen dnne Splitter gelbbraun durchsichtig sind, durchziehen ein feinkrniges, gelbgraues Gestein, in dem man einzelne Stckchen grauen feldspathhaltigen Gesteins, trikline Feldspathe, etwas dunklen Glimmer und grnen Augit erkennt. Man darf wohl annehmen, dass dieses Gestein durch Eindringen einer feurigflssigen Masse in die Tuffe entstand. Provinz Tayabas. An der neuen Strasse, welche am rechten Ufer des Flusses Mapon von Lucban nach Mauban fhrt, stehen, bevor sie den Fluss erreicht, in grosse prismatische Blcke abgesondert feinkrnige, compakte, dunkelblaugraue Dolerite an. Ihre Grundmasse enthlt ausgeschieden zahlreiche kleine trikline Feldspathe, etwas Augit und reichlich Olivin. Das Gestein wirkt stark auf die Magnetnadel. Weiter am Weg finden sich stark verwitterte, wenig feste, graue bis gelbgraue, sehr feinerdige, thonige Tuffe, welche, ausser undeutlichen Resten, Blattabdrcke und nach der Bestimmung des Herrn Dr. von Martens Melania asperata Lam. var. M. dactylus Lea enthalten. Diese Melania stimmt am meisten mit lebenden Exemplaren aus Samar (Loquilocun) berein. Sie kommt auch auf Luzon, Mindanao, Guimares, Leyte vor. Diese Tuffe wechsellagern mit Kalkgerllen, welche an einigen Stellen durch grobkrystallinischen Kalkspath zu grobem Kalkconglomerat verkittet sind. Hie und da sieht man in dem feinkrnigen gelblichgrauen Kalk undeutliche organische Reste. Inmitten der verwitterten Tuffe und der Kalkgerllbnke kommt ein lockeres hellfarbiges Gestein vor, dessen Kalkbindemittel abgerundete erbsen- bis nussgrosse Kalkstcke und die Mineralien des vulkanischen Gesteins verkittet. Unter den oben angefhrten verwitterten Tuffen liegen etwas grbere und festere, grnlichgraue Tuffe mit Kalkbindemittel, in denen Feldspath, Augit, Olivin, z. Th. in verwittertem Zustande, zu erkennen sind. Dieselben Tuffe liegen weiter stlich auch ber den verwitterten Tuffen. Provinz Camarines norte. An der Nordostkste der Provinz wird der Landstrich zwischen Paracali und Mambulao von Gneissen und Hornblendeschiefern gebildet, in denen Quarzgnge mit reicher Erzfhrung auftreten. Der Berg 1/4 Legua N. von Mambulao und der Berg NNO. von Mambulao, durch den Bach vom Berg Dinaan getrennt, bestehen aus Gneiss, in welchem die weissen, aus feinkrnigem Quarz und Feldspath gemischten Lagen mit einzelnen weissen Orthoklasen und triklinen Feldspathen durch schwache, nicht continuirliche und wechselnd breite Lagen von tombakbraunem Glimmer gesondert werden. Das Gestein soll goldhaltig sein. Der Berg 1/2 Legua NW. von Paracali, der Berg Dinaan und der Strich zwischen Paracali und Mambulao werden von Hornblendeschiefer gebildet. Das frische Gestein des Berges Dinaan ist dunkel gefrbt durch die berwiegende, ziemlich grobkrnige Hornblende, in welcher schmale, nicht zusammenhngende Lagen meist kleinkrystallinischen, weissen, triklinen Feldspathes weisse unterbrochne Streifen bilden. Ausserdem tritt noch etwas Schwefelkies und brauner Glimmer auf. Aus dem Pulver zieht der Magnetstab kein Magneteisen aus. Das verwitterte Gestein, dessen Streichen zwischen Paracali und Mambulao als ostwestlich, dessen Fallen als 40 nach Sd bestimmt wurde, ist graugrn, weich, reichlich mit Magneteisen durchzogen, und bald als serpentinhaltiger Talkschiefer, bald als talkhaltiger Serpentinschiefer umgebildet. Den Ursprung aus Hornblende verrth der Kalkberzug der Klfte. Gelblichgrne, weiche, scharf begrenzte Partien scheinen verwitterte Feldspthe zu sein. In diesen Serpentingesteinen vorzugsweise (ob im Gneiss ebenfalls steht nicht fest) treten Quarzgnge auf, z. Th. mit schnen Quarzdrusen, meist mit Schwefelkies, oft mit Kupferkies und Bleiglanz und den Verwitterungsprodukten dieser Mineralien (wie Brauneisen, manganhaltiges und mit Salzsure und Chlor entwickelndes Eisenoxyd, Kupferindig u. s. w.), in denen Gold dendritisch vorkommt. Aus den zelligen verwitterten und dann eisenschssig gewordenen Quarzgngen wird das Gold durch Waschen gewonnen. Von denselben Mineralien begleitete und durchaus hnliche Quarzgnge (z. B. am Berge Dinaan) fhren Chrombleispath [339]. Dieser ist nicht selten mit einem zeisiggrnen, amorphen, pulverigen Ueberzuge von Vauquelinit versehen. Das Vorkommen entspricht also dem Uralischen. Bisweilen nimmt der Gehalt an Kupferkies so sehr zu, dass das Kupfer den Betrieb der Gruben bedingt; an anderen Stellen berwiegt der Bleiglanz. Am Strande zwischen Paracali und Mambulao bildet sich aus zertrmmerten Muschelschalen, Korallentrmmern, einzelnen Quarzen ein Conglomerat. Oestlich von Paracali bei Lungos steht weisser, specksteinartiger Talkschiefer an, dessen frheren Eisen- und Kupfergehalt, wohl in Form von Kiesen, braune und grne Frbungen einiger Partien beweisen. Die Indier waschen daraus Gold. Bei Lungos treten goldfhrende Quarze auf, ebenso wird aus dem magneteisenreichen Sande des Strandes Gold gewaschen. Nach den in der Visita Colasi im Bach Colasi gesammelten Geschieben besteht der grosse Berg Colasi (nicht der kleine Pic von Colasi) aus Amphibolandesiten. In grauer, feinkrniger, fast dichter Grundmasse liegen neben triklinen Feldspathen grosse, braune, sparsame Hornblenden und etwas Magneteisen. Die Gesteine sind sehr wenig frisch, strker verwitterte nehmen einen rthlichen Schein an. Aus denselben Gesteinen besteht der Hgel, welcher die sdlich, etwa auf dem Drittel des Weges nach Cabuso gelegene Visita Barceloneta trgt. Sie gehren demnach mit den Gesteinen des NW. liegenden Labo in dieselbe Gruppe. Die Grenze der an der Nordwestkste beobachteten krystallinischen Schiefer mit den Tuffen des sdlich weiter landeinwrts gelegenen Vulkanes Labo wird etwa zwischen Indan und Labo zu suchen sein. Der Labofluss fhrt dort neben zertrmmerten krystallinischen Schiefern die Mineralien des vulkanischen Gesteins: glasigen triklinen Feldspath, Hornblende und kleine Geschiebe von Amphibolandesit. Im Fluss selbst stehen feste, rothbraune Tuffe an mit meist zersetzten, gebleichten Amphibolandesitstckchen, aber auch mit rundlichen Quarzgeschieben und einzelnen rundum auskrystallisirten Hornblenden. Der Tuff macht nicht den Eindruck eines umgelagerten, auf sekundrer Lagersttte befindlichen Gesteins. An dem zweiten Aestuar zwischen der Barre von Dat und Colasi, gleich hinter dem Rio Fungbo, treten Felsen an's Meer, die bis dahin flache, mit zertrmmerten Muscheln bedeckte Kste steigt an. Es sind vulkanische, gelbgraue, lockere Tuffe gemengt mit Muscheltrmmern. Geschiebe des Flusses Labo, in Pueblo Labo gesammelt, geben Auskunft ber die Zusammensetzung des 1 1/2 Tagereisen sdlich liegenden Berges Labo. Es sind zunchst Amphibolandesite. In weissgrauer, etwas bimsteinig aufgeblhter, den Ausscheidungen etwa das Gleichgewicht haltender Grundmasse liegen rundliche oder doch schlecht begrenzte glasige trikline Feldspthe, deren Lngsaxe bis 6 Millimeter erreicht, in etwas grsserer Menge als die etwas kleineren dunkelbraunen Hornblenden. Ausserdem sind einzelne grssere Blttchen tombakbrauner Glimmer vorhanden, Augit, Titanit und Olivin scheinen nicht aufzutreten. In einigen Handstcken tritt die Hornblende fast ganz zurck, die blaugraue dichte Grundmasse wird stark berwiegend und sieht z. Th. wie durch Fumarolenwirkung zersetzt aus. In noch anderen Handstcken liegen in gelbbrauner, schaumiger, reichlicher Grundmasse grssere, glasige, trikline Feldspthe neben kleineren sparsamen braunen Hornblenden und einzelnen grossen tombakbraunen Glimmerblttchen, die z. Th. eine Vernderung der Farbe durch erhhte Temperatur erlitten haben. Endlich finden sich vereinzelt ganz dichte, schwrzlichgraue Gesteine, in denen man mit der Loupe kaum noch die Gemengtheile unterscheiden kann. Vermge der Uebergnge lassen sich diese Gesteine als dichte Amphibolandesite auffassen. Das Vorkommen dichter weissgrauer, rthlicher und graublauer Quarzmassen mit einzelnen Quarzkrnern deutet hin auf Absatz heisser Kieselquellen. Das 1/2 Legua SSW. vom Pueblo Labo im Bach am Hgel Dalas vorkommende Gestein ist durch die Verwitterung des darin reichlich vorhandenen Schwefelkieses ziemlich unkenntlich geworden. Man darf es wohl fr Gneiss nehmen; fr quarz- und feldspathhaltigen Hornblendeschiefer die ebenfalls durch verwitterte Schwefelkiese zersetzte, behufs der Goldgewinnung am Berge Dalas gefrderten Gesteine. Der daselbst gefrderte Sand enthlt neben Schwefelkies nicht wenig Bleiglanz und Blende. Aus einer andern jetzt verlassenen Grube Lugas wurde zum Zweck der Gold- und Bleigewinnung ein blaugrauer Thon gefrdert, der neben Schwefelkies verwitterte Kupferkiese enthlt. Festere Gesteinsstcke eben daher sind reich an Bleiglanz. Provinz Camarines sur. Die Umgebung des Vulkans Ysarog ist ausgezeichnet durch das Auftreten von Amphibolandesiten. Es sind hellfarbige, mit nur sehr wenig Grundmasse ausgebildete, feldspathreiche, etwas porse Gesteine mit grsseren oder kleineren, ziemlich unregelmssig begrenzten, dunkelbraunen Hornblenden, etwas Magneteisen und wenig Olivin. An manchen Punkten wie z. B. an dem Hgel, auf dem die Kirche von Maguiring steht, findet sich neben der Hornblende sparsam grner Augit vor. Die Uferwnde des Flusses Goa am Fuss des Ysarog werden von sehr lockeren, bimsteinartig aufgeblhten, einzelne Augite fhrenden, rthlichgrauen Amphibolandesiten gebildet, die leicht zu einem rthlichweissen Sande zerfallen. Dieser Sand fllt die Zwischenrume zwischen den grsseren Gesteinsstcken aus; dasselbe Gestein kommt auch am Fuss des Ysarog bei Ra-Ra und Uacloy vor. Aus den sehr zersetzten, lockeren, porsen, gelblichen Gesteinen bei der Visita Uacloy tritt eine heisse Quelle hervor, welche eisenhaltigen, brunlichweissen Kalksinter absetzt. Die Schluchten zwischen Maguiring und Ra-Ra, welche die hgelige Ebene zerschneiden, enthalten dieselben lockeren zersetzten Gesteine, die jedoch nicht das Ansehen von Tuffen haben. Aus dem Fluss von Uacloy liegen graue, feste, wenig porse Amphibolandesite vor, welche neben brauner Hornblende etwas grnen Augit fhren, deren Zersetzung oder Verwitterung jene lockeren Gesteinsmassen geliefert haben wird. Von der halben Hhe des Ysarog bis zum Gipfel herrscht dasselbe hellgrne, schwach porse Gestein, das neben brauner Hornblende untergeordnet grnen Augit und etwas Olivin erkennen lsst. Es erscheint nicht wahrscheinlich, wenn auch mglich, dass die Analyse der Feldspathe aus den Gesteinen des Ysarog neben dem herrschenden glasigen triklinen Feldspathe Sanidin nachweisen wrde. Mit diesem Nachweis wrde die Einordnung des Gesteins unter die Amphibolandesite fraglich werden und eine Nherung an die Trachyte gegeben sein. Die gewaltige Bergmasse des Ysarog nimmt den ganzen Raum zwischen der Bai von S. Miguel und dem Meerbusen von Lagonoy in einer Breite von 18 Seemeilen ein oder hat nach v. Hochstetter den Isthmus erst gebildet, indem sie die Insel, welche einst die wahrscheinlich aus krystallinischen Schiefern bestehende Sierra di Caramuan [340] bildete, mit Sdcamarines verband. Weiter sdlich vom Ysarog folgt der am See von Buhi gelegene erloschene Vulkan von Yriga. Der isolirte Hgel westlich von Yriga an der Strasse nach Nabua besteht aus blaugrauem, etwas porsem Dolerit, in dessen feinkrniger Grundmasse neben kleinen, triklinen, glasigen Feldspathen reichlich gelblicher Olivin, ausserdem grner Augit und Magneteisen ausgeschieden ist. Der Augit kommt in den Rapilli in losen rundum ausgebildeten Krystallen vor, welche durch die grade Endflche (hnlich wie die Krystalle vom Bufaure und vom Forstberg) ausgezeichnet sind. Manche dieser Krystalle sind in der Richtung der Hauptaxe so stark verkrzt, dass die Krystalle fast als Tafeln erscheinen, in denen die Sulenflchen deutlich, aber klein ausgebildet sind. Die bald compakten, bald porsen Doleritlaven des Vulkans Yriga sind z. Th. rmer an Olivin, die Feldspthe erreichen jedoch grssere Dimensionen. An einigen dieser Laven ist die Oberflche stellenweise geschmolzen, so dass man auf Wirkungen des Blitzes gefhrt wird. Die etwas schlackigen Laven von der Visita Tambong am See Buhi zeichnen sich durch reichliche und grosse Olivine aus. Rothe Doleritschlacken mit triklinen Feldspthen und grnen Augiten bilden eine Wand von 250 Fuss unter dem Gipfel des Yriga, den ziemlich frische, compakte, graubraune, an Olivin reiche Dolerite zusammensetzen. Die Blcke auf dem westlichen hchsten Zacken des Kraterrandes sind grobkrniger und porser. Aus denselben Doleriten, meist mit grossen Augiten und kleineren triklinen Feldspthen bei wechselndem Gehalt an Olivin, bestehen die vielen kleinen etwa 50 Fuss hohen Hgel zwischen Yriga und Buhi. Am Wege zwischen diesen beiden Orten tritt weisser Bimsteintuff auf, welcher sparsam unregelmssig begrenzte, dunkle Glimmerblttchen enthlt. Der Feldspath scheint Sanidin zu sein und somit das Gestein dem Trachyt anzugehren. Die Hgel nchst Buhi bestehen aus grobgeschichteten Rapilli, die gegen den Ysarog einfallen, sich also auf ein anderes Eruptionscentrum beziehen. In dem am Ostfuss des Yriga liegenden See von Buhi wird die Felsinsel von einem hellgrauen, porsen, feinkrnigen Gestein gebildet, in dessen berwiegender Grundmasse neben brauner Hornblende grner Augit, Olivin, Magneteisen und trikliner Feldspath sichtbar ist. Die im grossen Ganzen nach Einer und derselben Richtung langgestreckten Poren des Gesteins, das von den brigen des Yriga abweicht, sind oft mit dnnen Tafeln triklinen Feldspathes ausgekleidet. Dnnschliffe zeigen die Grundmasse berwiegend aus dem Feldspath zusammengesetzt, daneben Hornblende, Augit, Olivin und Magneteisen. In Folge des Hornblendegehaltes findet sich im Sande des Strandes des Buhisees Hornblende neben Augit. Der Bergrcken zwischen Buhi und Tibi d. h. der Abhang des erloschenen Vulkans Malinao oder Buhi besteht aus Dolerit, welcher am Joch frisch, weiter abwrts nach Sdwest hin sehr stark durch Schwefelwasserstoff zersetzt auftritt. Sie werden nach Buhi hin von vulkanischen, z. Th. zersetzten Sanden bedeckt. Der frische, nicht sehr feste, hellgraue, etwas porse, feinkrnige Dolerit zeigt triklinen Feldspath, grnen Augit, etwas Olivin und Magneteisen. In den ziemlich groben vulkanischen Sanden findet sich ausserdem noch braune Hornblende, die in dem Dolerit nicht zu sehen ist. Einzelne Augite des Sandes sind rundum auskrystallisirt. Die durch Schwefelwasserstoff zersetzten Dolerite haben durch das ausgeschiedene Eisenoxyd einen rthlichweissen Schein erhalten. Die Grundmasse und die Feldspathe sind viel strker angegriffen als die Augite, welche ihre grne Farbe noch bewahrt haben. Von Olivin ist in ihnen nichts mehr zu sehen. An der Sdwestkste der Provinz sind westlich von Pasacao bei Calbajan die krystallinischen Schiefer wieder beobachtet. Sie treten hier als sehr grobkrnige, nicht schiefrige Gesteine auf, welche aus vorherrschender, schwarzer, sehr schn spaltbarer Hornblende, weisslichgrauem, nicht sehr deutlich spaltbarem, triklinem Feldspath, etwas Magneteisen und Schwefelkies bestehen. Der Feldspath zersetzt sich mit kochender Salzsure behandelt vollstndig, gehrt also den basischen an, gelatinirt jedoch nicht. Neben diesem grobkrnigen Hornblendegneiss kommt feinkrniger, ebenso zusammengesetzter, ebenfalls nicht schiefriger Hornblendegneiss vor. Andere verwitterte Gesteine eben daher, im Niveau der Ebbe und Flut wunderbar zerfressen, bestehen aus dichtem Feldspath mit etwas Quarz; die Spalten sind mit Kalkspath erfllt. Darauf legt sich ein junges Conglomerat mit Kalkbindemittel, das von zertrmmerten Conchylien herrhrt. Man erkennt darin weisse rundliche Quarze, Hornblendeschiefer, Kalkstckchen und einzelne braune Glimmerblttchen. Oestlich des Hhenzuges, welcher an der Sdwestseite der Provinz hinzieht, tritt (N. von Pasacao) am Ufer des Flusses Libmanan zwischen Libmanan und Naga ein gelblichweisses, lockeres Gestein auf. Nach Abschlmmung des reichlichen Thones bleiben gelblichbraune Glimmerblttchen, etwas Magneteisen, sparsam grner Augit, etwas mehr braune Hornblende und durchsichtige Quarzsplitter zurck. In der Umgebung von Libmanan stehen mrbe, gelblichgraue vulkanische Tuffe an, in denen Hornblende und Feldspath hervortritt. Diese Beschaffenheit weiset auf den Ysarog als Ursprungsort hin. SW. von Libmanan bietet der aus grauweissem, kleinkrystallinischem Kalkstein bestehende Berg Iamtik viele Tropfsteinhhlen dar. Die Uferbnke des Flusses Bicol bei Visita Sibucat bestehen aus mrben, gelbbraunen, vulkanischen Tuffen mit Geschieben an Amphibolandesit, unter denen wiederum das eben angefhrte mrbe, gelblichgraue Gestein liegt. Es ist hier viel thonreicher als zwischen Naga und Libmanan, der Rckstand nach Abschlmmung des Thones ist daher viel geringer und besteht aus Hornblende, Glimmer, Magneteisen, etwas grnem Augit und Quarzsplittern. Weiter oben stehen am Rio Bicol Thone mit Muschelresten an. Der ziemlich feste, fein porse, gelbweisse, rundliche Massen von weissem feinkrnigem Kalkspath fhrende Kalkstein, der am Kalkofen Palsong (zwischen Naga und Batu) gesammelte Kalkstein steht SSW. an und enthlt undeutliche Versteinerungen, von denen sich manche mit Wahrscheinlichkeit auf Abdrcke der Korallenzweige der noch im indischen Ocean lebenden Gattung Seriatopora beziehen lassen. Ein angeblich von Montecillo bei Libon (S. vom See von Batu) herrhrender, gelblichgrauer, feinerdiger, bituminser Kalkstein fhrt ktenoide Fischschuppen. Er wird auf dem Rio Quinali als Baustein verfhrt. Provinz Albay. Die durch die schwache Solfatara von Igabo (NO. vom Gipfel des oben angefhrten erloschenen Vulkans Buhi oder Malinao gelegen und etwa 250 Fuss im Durchmesser haltend) zersetzten, vllig abgerundeten und schalig gewordenen Steine, welche den ganzen Boden der Solfatara bedecken, bestehen, wie die frischen Kerne der Steine zeigen, aus einem hellgrauen Dolerit. Er fhrt neben berwiegendem triklinem Feldspath grnen Augit, sparsam Olivin und dunkeln Glimmer. Schliesslich wird das Gestein zu einem weissen, mit Eisenoxyd durchzogenen oder rothen Kaolin zersetzt, in welchem Schwefel und Gyps sich findet. Der bei Tibi liegende Kieselbrunnen Naglegbeng liefert sehr schne Kieselsinter, z. Th. mit Blattabdrcken. In dem lockeren porsen Gestein kommen einzelne Anhufungen von Hyalith vor. Nach einer geflligen Analyse von Herrn Professor Rammelsberg enthlt das Wasser in 100000 Theilen 7,5 Kieselsure, 25,4 Kalk mit Spuren von Eisen, 0,2 Magnesia, eine reichliche Menge von Chloriden, aber keine Sulphate. Das Wasser hatte eine geringe Menge (0,02) Kieselsure (ohne organische Formen) in der Flasche abgesetzt. Manche der Kieselsinterabstze bilden schalige Rhren, deren rundliche Enden der Oberflche das Aussehen eines Erbsensteines geben. Man darf ihre Bildung wohl von aufsteigenden Gasblasen ableiten. Wo sie schliesslich mit gelblichweissem Hyalith erfllt werden, geben sie dem Absatz eine gewisse Aehnlichkeit mit Korallenbildungen, die freilich verschwindet, wenn die ganze Bildung in Hyalith umgesetzt ist. Bei strkerem Erhitzen sieht man in der scheinbar homogenen Hyalithmasse die ursprnglichen Rhren wieder hervortreten, indem ihre Frbung eine etwas andere ist als die der Fllmasse. Von den Doleriten des Mazaraga S. von Malinao und N. vom Vulkan Albay liegen von der halben Hhe entnommen compakte, brunlichgraue, feinkrnige, feldspathreiche, an Olivin und Augit arme Gesteine vor. Die etwas porsen, sonst hnlich beschaffenen Dolerite des Gipfels sind gebleicht und zersetzt durch saure Fumarolen. Die Rapilli eines grossen Barranco weisen grssere trikline Feldspathe, z. Th. rundum krystallisirte Augite, aber kaum Olivin auf. Insel S. Miguel. Die stlich von Malinao und Tabaco gelegene Insel S. Miguel zeigt an der Sdkste einen sehr schmalen, mit vulkanischem Sand bedeckten Kstenstreifen. Der Sand besteht entweder vorzugsweise aus Magneteisen mit wenig Augit und Olivin oder aus Feldspath, grnem, z. Th. rundum auskrystallisirtem Augit, etwas Olivin und Magneteisen, dessen Oktaeder bisweilen deutliche Granatoederflchen zeigen. Um den ganzen Strand bilden grosse Blcke von frischem, compaktem, hellgrauem Amphibolandesit, weiter NW. von blaugrauem compaktem Dolerit einen Saum. Der Andesit zeigt in feinkrniger Grundmasse neben zahlreichen, grossen, braunen Hornblenden glasige trikline Feldspathe, einzelne Augite und Magneteisen. Das Gestein gleicht ganz dem des Ysarog. Der Dolerit enthlt in der feinkrnigen Grundmasse vorzugsweise triklinen Feldspath neben grnem Augit und etwas Magneteisen. Hinter dem Kstenstreifen erheben sich Bnke eines wenig festen, grngelben, sandigen, etwas thonigen, tuffhnlichen Gesteins mit Kalkcement. Ausser bimsteinartigen grauweissen Partien sieht man Feldspath, gelbe und dunkle Glimmerblttchen, etwas Magneteisen. Im Rckstand nach Behandlung mit Sure erkennt man etwas Augit und Stckchen eines grauen dichten, feldspathfhrenden Gesteins. Eingelagert in diese Bnke sind blulichgraue, ziemlich homogene und feste Thonbnke mit einzelnen gelblichen Glimmerschuppen. Sie werden in Tabaco als Fliesen benutzt, die oberste, weisse, 2 Fuss mchtige, einzelne gelbe Glimmerschuppen und Bimsteinfragmente fhrende Bank als Baustein. Nach oben geht diese Bank in einen gelbe Glimmerschuppen, Stckchen grauen feldspathhaltigen Gesteins, glasigen Feldspath und weisse Bimsteinfragmente fhrenden, wenig festen, weissen Tuff ber, der auch weiter nordwestlich mit faustgrossen Geschieben ansteht. Alle diese wechsellagernden Thon- und Tuffbnke streichen h. 4 und fallen nach Nord. Weiter sdstlich stehen ltere, gelblichgraue, feste Thonbnke mit einzelnen gelblichen Glimmerschuppen an. Die Mitte der Insel besteht aus eisenschssigem Sand und aus Kies. An der Nordkste liegen Sande, vulkanische Blcke und thonige Bnke hnlich wie an der Sdkste. Ueber den Ursprungsort der vulkanischen Gesteine von S. Miguel lsst sich vorlufig nichts Genaueres angeben. Der stlich vom Mazaraga gelegene, noch thtige Vulkan Albay oder Mayon hat hell- bis dunkelgraue, compakte bis porse Doleritlaven geliefert, welche in der feinkrnigen Grundmasse hellgrauen triklinen Feldspath, grnen Augit, etwas Olivin und Magneteisen zeigen. Sie sind z. Th. den Doleriten von Mariveles und also auch denen des Aetna zum Verwechseln hnlich. Durch grsseren Gehalt an Feldspath wird das Gestein bisweilen heller, ebenso sinkt die Menge des Olivins bisweilen auf ein Minimum. Die Laven des Gipfels sind durch die mchtigen Fumarolen -- heisse Wasserdmpfe und Schwefelwasserstoff -- stark zersetzt; Gyps findet sich daher dort in reichlicher Menge. Eine Variett von faseriger bimsteinhnlicher Struktur gemengt mit zersetzten Silikaten analysirte de la Trobe, Rammelsberg Handb. d. Mineralchemie 263. Das untere Ende eines nahe am Gipfel beginnenden Lavastroms, liegt etwa am obersten Viertel des Berges. Es hat sich hier etwas aufgestauet und beim Erkalten in concentrisch schalige Bnke von etwa 1 Fuss Strke abgesondert. Die Kluftflchen stehen senkrecht auf dem unterliegenden Gestein und gehen, Bogen bildend, allmhlich in 20-30 Neigung gegen den Horizont ber. Der grobe vulkanische Sand vom Sdabhang zeigt nur Bruchstcke von Feldspath, Augit, Olivin, Magneteisen, keine rundum ausgebildeten Krystalle; daneben finden sich kleine Schlackenstcke und in geringer Menge Scherbchen braunen vulkanischen Glases. Am Sdfuss des Vulkans bei Camalig treten durch Schwefelwasserstoff gebleichte und mit Gyps erfllte Gesteine auf. Der isolirte Hgel zwischen Legaspi, Daraga und Albay besteht aus dunkelem, etwas schlackigem Dolerit von der gewhnlichen Zusammensetzung. Unter den Lapilli von der Oberflche des Hgels finden sich hufig lose, rundum auskrystallisirte Augite in der gewhnlichen Form. Diese, die gewhnlichen Augitzwillinge und mit Flchen versehene Olivine kommen, mit triklinem Feldspath verbunden, in einzelnen festeren helleren Gesteinsstcken vor, aus denen die losen Krystalle wahrscheinlich durch Verwitterung hervorgehen. In einem Wasserriss des Hgels stehen rothe schlackige Dolerite an mit kleinen verwitterten Feldspathen und grossen grnen Augiten. Auf der schmalen Landzunge zwischen dem Meerbusen am Albay und von Sorsogon liegt der wahrscheinlich vulkanische Berg Pocdol, der etwa die Mitte zwischen den thtigen Vulkanen Albay und Bulusan einnimmt. Um Bacon, stlich von Pocdol, liegt vulkanischer Schutt und Thon, letzterer Zersetzungsprodukt durch vulkanische Gase. Die gypsfhrenden Thone aus dem grossen Bergrcken zwischen Bacon und dem sdstlichen gelegenen Gubat lassen schliessen, dass dort doleritische Tuffe durch Fumarolenthtigkeit zersetzt wurden. Vor dem thtigen, wenigstens dampfenden Vulkan Bulusan wurden an 100 Fuss hohe Bimsteintuffe beobachtet. II. Samar. Im Rio Catarman (Nordkste der Insel [341]) stehen zwischen Catarman und Cobo-Cobo Bnke eines ziemlich festen, eisenschssigen hellbraunen, kalkfreien Thones an mit Resten verkohlter Pflanzen und zahlreichen Bohrlchern, welche nach Dr. von Martens von der noch oft in den Bohrlchern vorhandenen Modiola striatula Hanley herrhren. Nach dem Abschlmmen hinterlassen die Thone wechselnde Mengen eines Rckstandes, der aus Quarz, zum Theil in eisenschssigen, rundlichen Krnern und eckigen Splittern, etwas Magneteisen, weissem, braunem und grnem Glimmer, und aus Feldspath besteht. Einzelne eisenhaltige, braune, fast rein sandige Lagen von ziemlich grobem Korn zeigen dieselbe Zusammensetzung. Aehnliche, aber grnliche, sandige Schichten stehen weiter oberhalb im Rio Catarman an. Nach Behandlung mit Salzsure sieht man im Rckstand neben etwas Magneteisen reichlich weissen Quarz, hie und da mit etwas dunkelem Glimmer, ferner Feldspath, weisse und dunkle Glimmerblttchen. An der weiter sdlichen Salta Sangley kommen blaugraue Thone mit sandigen, grnlichen Lagen vor, welche die eben angefhrten Mineralien enthalten. Aus dem weiter sdlich und nahe der Salta Sangley entspringenden Fluss, der von Visita Tragbukan nach Calbayog fhrt, liegen, dem Ursprung des Flusses entnommen, gerundete mrbe Geschiebe eines ganz verwitterten Gesteins vor. Man erkennt in ihnen weissen und etwas dunkeln Glimmer und erhlt nach Abschlmmen des Thones einen Rckstand mit zum Theil eisenschssigem Quarz, Feldspath und etwas Magneteisen. Darnach rhren diese Geschiebe wohl von Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer her. Weiter flussabwrts unterhalb der Visita Tragbukan stehen wieder grne und braune, eisenschssige, wenig feste Sandsteine von grobem Korn und der angefhrten Beschaffenheit an, welche Bnke wie die oben genannten von verwittertem Gneiss oder feldspathreichem Glimmerschiefer herzuleiten sind. In allen diesen Thon- und Sandsteinlagen ist kein grsseres Gesteinsbruchstck zu finden, das weitere Auskunft gbe. Noch weiter unten folgen braune, feinerdige, feste, kalkhaltige Thonbnke mit undeutlichen Versteinerungen. Der Rckstand nach Behandlung mit Sure zeigt nur einige Glimmerblttchen und Quarzkrner. Weiter sdstlich an der Kste treten bei Catbalogan und auf der nahen Insel Majava vulkanische Tuffe auf. Die letzteren sind ziemlich fest, wenig thonig, grobkrnig und grnlich grau. Sie enthalten neben den zahlreichen Augitbruchstcken einige rundum auskrystallisirte Augite, reichlich Magneteisen, weissen Feldspath und sparsam kleine Gesteinsstcke, welche ident sind mit einzelnen vorliegenden grsseren Gesteinstrmmern. Das graue, dichte und compakte Gestein enthlt in Feldspathgrundmasse zahlreiche grne Augite und Magneteisen ausgeschieden. Nach Behandlung mit kochender Salzsure wird die Grundmasse weiss und ist stark angegriffen. Dieses Verhalten und die sehr sparsamen, kleinen, triklinen Feldspathe des Gesteins zeigen, dass man einen porphyrisch ausgebildeten Dolerit oder Pyroxenandesit vor sich hat. Ein denselben Conglomeratblcken entnommenes gerundetes Geschiebe fhrt in dichter brauner Grundmasse grnen Augit. Die zahlreichen rundlichen Hohlrume sind mit Strahlzeolith und Opal erfllt, die Tuffe streichen h. 2,5 und fallen 80 N. Bei Catbalogan stehen graue und braune, etwas thonige, zum Theil sehr feinsandige Bnke an. Das Pulver gibt an den Magnetstab Magneteisen ab. Sie enthalten sparsam triklinen Feldspath, Augit und Bimstein hnliche Trmmer, bisweilen auch Bruchstcke eines ganz dunkeln, dichten Gesteins, in welchem einzelne trikline Feldspathe zu erkennen sind. Im Anschluss an das Vorkommen von Majava darf man diese Bildungen wohl betrachten als aus doleritischen Gesteinen entstanden. Diese Bnke werden von z. Th. mrbem gelblichgrauem, feinkrnigem Kalkstein berlagert. Er hinterlsst nach Behandlung mit Salzsure einen aus vielen thonigen Partikeln, etwas Feldspath, Augit und Magneteisen und kleinen, grauen Gesteinstheilchen bestehenden Rckstand; z. Th. sind die Kalke, welche h. 5-5 1/2 streichen und 35 N. einfallen, dicht, fest, weisslichgrau. Die unteren Schichten sind aus vulkanischen Tuffen und Kalk gemengt. Hart am Meeresstrande bei dem am Ostende der Bucht gelegenen Paranas sieht man harte Muschelbreccie, durch Kalk verkittete Muscheltrmmer, in grossen zertrmmerten Schollen auf weicheren Bnken derselben Art liegen. Aus letzteren lsst sich unter den vielen Bruchstcken nach Dr. von Martens die im indischen Ocean lebende Plicatula depressa Lam. erkennen. Die unter diesen horizontal ausgebreiteten Schichten liegenden gelblichgrauen Thone fallen landeinwrts. Von ihren ziemlich wohlerhaltenen Muscheln und Pteropoden lsst sich nach Herrn Dr. von Martens ein Theil bestimmen als den noch im indischen Ocean lebenden Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Creseis, Dentalium angehrig. Die Pleurotoma-Art stimmt mit keiner lebenden berein. Mit lebenden Arten stimmen berein: Venus (Hemitapes) hiantina Lam.; Venus squamosa L.; Arca (Scapharca) Cecillei Phil.; Arca inaequivalvis Brug. var. [342]; Arca chalcanthum Rv.?; Corbula crassa Rv.; Natica unifasciata Lam. var. lurida Phil. Im Walde zwischen Paranas und dem nach NO. landeinwrts gelegenen Loquilocun stehen Felsen an aus einem festen, graulichweissen, mit Kalkspathadern durchzogenen, breccienartigen Kalkstein, in dem undeutliche organische Reste, wohl von Korallen, zu erkennen sind. Im Loquilocunfluss, der seinen Lauf nach NO. an die Ostkste der Insel richtet, stehen unterhalb der Visita Loquilocun in grossen ungeschichteten Massen stark verwitterte, mrbere, brunlichgelbe Kalke an. Die bei der sechsten Stromschnelle unterhalb Loquilocun angeschwemmte, schwefelkiesreiche, mit Gyps durchzogene Kohle gleicht den Hlzern der Braunkohle. Sie lsst die Holzstruktur mit blossem Auge erkennen und giebt ein braunes Pulver. Aus einer grossen Anschwemmung von Kies und Gerllen gegenber der Stromschnelle unterhalb Loquilocun, wo zum ersten Mal die Khne entleert und das Gepck ber Land getragen werden muss, liegen vor: ein stark verndertes, mit Epidot durchzogenes, krniges, rothgraues Gestein, in dem neben Quarz und triklinem Feldspath ziemlich viel Magneteisenpunkte zu sehen sind; es macht nicht den Eindruck eines Eruptivgesteins und mchte der feldspathigen Reihe der Hornblendeschiefer angehren; ein blaugraues, porphyrisches Gestein, dessen glasige, nicht doppelbrechende Grundmasse mit kleinen Sphrulithen erfllt ist und sparsam kleine Quarzkrner und Magneteisen neben grsseren mattweissen Feldspathen enthlt. Nur an einem der Krystalle liess sich mit Sicherheit trikline Streifung erkennen. Ist wohl das Gestein ein jungeruptives, so bleibt doch die weitere Bezeichnung zweifelhaft; immerhin ist das Auftreten von Quarz in der glasigen Grundmasse von Interesse. Als Einschlsse kann man die Quarzkrner nicht auffassen. Ferner milchweisser Achat, der einer Mandelsteinerfllung angehrt hat, wie die Oberflche nachweiset; rothbrauner Jaspis mit feinen Quarzadern durchzogen. Geschiebe aus dem Baseyflusse (Sdkste der Insel) an der Grotte Sogoton gesammelt bestehen aus einem alten Eruptivgestein. Es fhrt in feinkrniger, dunkelgraugrner Grundmasse mattweisse trikline Feldspathe, sparsam Magneteisen und einige undeutliche grnliche Krystalle, die man fr Augit halten darf. Nach diesem Bestande und dem Verhalten des Gesteins und der Feldspathe gegen kochende Salzsure wird man das Gestein den Oligoklasaugitporphyren zuzhlen. Das neben demselben vorkommende, rothbraune, eisenschssige, mit Suren brausende, mrbe Gestein mit einem durch Sure ganz zersetzbaren Feldspath mag ein Tuff eines hnlichen Porphyrs sein. Im Bett des Flusses Sogoton N. von Basey finden sich Gerlle von Talk- und Chloritgesteinen. Die Grotte Sogoton wird von Kalkfelsen gebildet, in denen man Spuren von Zweischalern und Echinitenstacheln erkennt. Vor der Grotte liegen 20 Fuss hoch ber dem Fluss am rechten Ufer Bnke mit marinen Muscheln. Es sind noch lebende Arten; nach Herrn Dr. von Martens Venus (Hemitapes) hiantina Lam., Arca (Scapharca) Cecillei Phil., Arca uropygmelana Bory; Placuna placenta L. Die Schalen haften z. Th. kaum an der Zunge, die Ablagerung muss also sehr recent sein. An einer der kleinen Inseln bei Nipa-Nipa (Basey) finden sich in den 60 Fuss hoch ber dem Meer liegenden, gehobenen Muschelbnken nach Herrn Dr. von Martens die noch lebenden Arten: Chama sulfurea Rv., Pinna cf. nigrina Lam. Ostrea denticulata Born; O. Cornucopiae Chemn.; O. rosacea Desh. Am Strand westlich von Basey steht ein lockeres Aggregat von Muscheltrmmern mit einzelnen gerundeten, kleinen Geschieben an. III. Leyte. Von der Ostkste der Nordspitze der Insel liegen aus der Gegend von Dagami und Tanauan Gesteine vor. Am Joch des Berges Dagami steht frischer Amphibolandesit an. Die fast compakte, feinkrnige, graulichweisse Grundmasse, welche sich durch Verwitterung brunlichgrau frbt, enthlt zahlreiche, grosse braune Hornblendesulen, kleinere trikline glasige Feldspathe, etwas Magneteisen; die in dnnen Splittern grnlich durchscheinende Hornblende schliesst oft Feldspath ein. Das Gestein gleicht dem vom Ysarog vollstndig. Daran schliesst sich nrdlich ein Rapilliberg und weiter unten vulkanischer Sand. Am Ostfuss des Dagami liegt eine Solfatara, aus welcher ein Bach mit 50 R. hervortritt. Den Rand des Baches umsumen rthliche Kieselsinterkrusten, deren Oberflche stige Fortstze trgt: hnliche, mit braunem basisch schwefelsaurem Eisenoxyd berzogene Abstze finden sich am Rande des Kieselsprudels Nol. In den einerseits bis zu Bianchetto, andererseits zu Thon zersetzten Gesteinen der Solfatara fehlt es nicht an Ueberzgen von basisch schwefelsaurem Eisen und an Ablagerungen von Schwefelkrystallen. Die weniger zersetzten Gesteine zeigen noch Ueberzge von Gyps. Neben den fast intakten Hornblenden zeigt sich die Grundmasse viel strker angegriffen als Magneteisen und Feldspath. Die Solfatara am Berg Danaan zeigt dieselben Erscheinungen: einen Kieselsprudel, Schwefelabstze und Alaunbildung in den gebleichten und zersetzten Amphibolandesiten. Am Meer bei Tanauan sdlich vom Pueblo stehen jenseits des Aestuars graugrne quarzige Chloritschiefer an, in welchen Epidotadern auftreten. UEBER ALTE UND NEUE SCHDEL VON DEN PHILIPPINEN von Rud. Virchow. (Hierzu Taf. I-III.) Herr Jagor hatte die grosse Gte, mir die von ihm auf den Philippinen gesammelten und von dort mitgebrachten Schdel zur Bearbeitung zu berlassen. Ich legte die erste Reihe derselben in der Sitzung der Berliner anthropologischen Gesellschaft am 15. Januar 1870 vor und bemerkte darber Folgendes: Als Herr Jagor mir die Mittheilung machte, dass er eine grssere Anzahl von Schdeln von den Philippinen mitgebracht habe, welche er meiner Untersuchung unterbreiten wolle, machte ich mich alsbald daran, um wenigstens Einiges ber ihre anatomische Beschaffenheit seinem Vortrage hinzufgen zu knnen. Der erste Blick zeigte, dass eine der seltensten knstlichen Verunstaltungen des Schdels, welche berhaupt bekannt ist, in ausgezeichneten Exemplaren hier vorliegt, und dass diese Schdel ein ganz besonderes Interesse in Anspruch nehmen. Ein Theil von ihnen hat wesentlich dieselbe Form, welche sich im nordwestlichen Nordamerika findet, und unter dem Namen des Flachkopfes (Flathead) bekannt ist. Namentlich einer der von Herrn Jagor mitgebrachten Schdel aus der Hhle von Lanang ist ein Flachkopf von musterhafter Ausbildung; er ist von oben und vorn her flachgedrckt, wie ein Kuchen, und von den weit nach hinten geschobenen Seitenbeinhckern (Tubera parietalia) luft das fast ganz abgeplattete Hinterhaupt in einer Ebene schrg nach unten gegen das grosse Hinterhauptsloch (Taf. I. fig. 3-4). Einige der anderen Schdel verhalten sich hnlich, wenngleich ihre Verunstaltung keinen so hohen Grad erreicht hat. Dass auf den Inseln Asiens hnliche Gebruche geherrscht haben, wie in Amerika, ist allerdings, wie sich bei genauerer Nachforschung gezeigt hat, von einzelnen Schriftstellern berichtet, indess ist die Thatsache doch so verborgen geblieben, namentlich ist sie so wenig durch authentische Funde belegt worden, dass davon auch in den Werken der Specialschriftsteller kaum die Rede ist. Nur Thvenot, dessen Werk [343] am Ende des 16. Jahrhunderts erschienen ist, lsst einen Geistlichen in einer Beschreibung der Philippinen berichten, dass die Eingebornen auf einigen dieser Inseln die Gewohnheit htten, den Kopf ihrer neugebornen Kinder zwischen zwei Bretter zu legen und so zusammenzupressen, dass er nicht mehr rund bliebe, sondern sich in die Lnge ausdehne. Er fgt hinzu, dass sie auch die Stirn abplatteten, indem sie glaubten, dass diese Form ein besonderer Zug von Schnheit sei. Eine genauere Betrachtung der vorliegenden Schdel ergiebt in der That deutlich die doppelte Compression, welche einerseits schrg von hinten und unten her, andererseits von vorn und oben her auf den Schdel ausgebt ist, und man braucht sich diese beiden Druckflchen nur verlngert zu denken, so bekommt man die nach vorn zusammengehende Stellung der Druckbretter, welche noch heute bei gewissen wilden Stmmen der nordamerikanischen Westkste im Gebrauch ist. Die Sache hat gegenwrtig eine ganz besondere Bedeutung, weil die Zahl der Fundstellen solcher verunstalteter Schdel im Laufe der letzten Jahre immer grsser geworden ist, und zwar auch in Europa. Was insbesondere Deutschland anbetrifft, so sind am meisten bekannt die in der Nhe von Wien gefundenen difformen Schdel, ber welche lange und gelehrte Streitigkeiten stattgefunden haben, indem die eine Partei meinte, es handele sich um Awarenschdel, mglicher Weise um direkte Ueberreste der alten Hunnen, whrend auf der anderen Seite sogar die Frage auftauchte, ob nicht bei der grossen Aehnlichkeit, welche diese Schdel mit gewissen Peruaner-Schdeln zeigen, anzunehmen sei, dass durch die Beziehungen der alten Habsburger zu Peru Schdel von da nach Deutschland gekommen und hier verloren gegangen sein knnten. Diese letzte Frage, die immerhin discussionsfhig war, hat ihren Boden gnzlich verloren, seitdem in den letzten Zeiten hnliche Funde auch an anderen Orten Europas gemacht worden sind. Nachdem schon Blumenbach in seiner berhmten Schrift De generis humani varietate nativa, 1776, p. 63 eines derartigen Schdels aus einem Gttinger Grabe gedacht hat, ist neulich von Hrn. Ecker in Freiburg im ersten Bande des Archives fr Anthropologie S. 75 ein solcher Fund aus Rheinhessen genauer beschrieben worden. Der Schdel wurde gefunden in der Nhe von Niederolm, zwischen Mainz und Alzey, innerhalb einer grsseren Grberreihe, welche dort aufgedeckt worden ist. Diese Beschreibung hat Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, auf einen schon frher von ihm in seinen Crania britannica bezeichneten Schdel aufmerksam zu machen (Archiv f. Anthropologie II. S. 17), welcher auf einem seiner Meinung nach angelschsischen Kirchhofe zu Harnham bei Salisbury, Wiltshire, aufgefunden worden ist. Es wird daher wohl kaum noch zweifelhaft sein knnen, dass in der That auch in Europa einheimische Stmme hnliche Gebruche gehabt haben, und wenn wir nun auf der anderen Seite das Gebiet dieser Difformitten sich weit ber die bisher gekannten Grenzen auf die Inseln Ostasiens ausdehnen sehen, -- bisher war Tahiti der von Osten her am meisten vorspringende Punkt, von welchem derartige Schdel bekannt waren, -- wenn wir sehen, dass dasselbe Verfahren auf den Philippinen gebt worden ist, so wird man sich wohl darein finden mssen, anzunehmen, dass durch eine gewisse Uebereinstimmung des menschlichen Geistes, wie sie uns auch sonst oft genug berrascht, derartige Gebruche sich an den verschiedensten Orten festgestellt haben, ohne dass man daraus Folgerungen auf einen direkten Zusammenhang der Vlker ziehen darf, und ohne dass man, was meiner Meinung nach das Wichtigste ist, von dem Vorkommen gewisser Schdel-Difformitten berechtigt ist auf die Abstammung der Vlkerschaften und auf prhistorische Wanderung derselben zurckzuschliessen. Ich betone dies namentlich gegenber den Ausfhrungen des Herrn Gosse (Mm. de la soc. d'anthrop. de Paris. 1861 T. II. p. 567), welcher aus gewissen bereinstimmenden Verunstaltungen der Schdelform darthun will, dass von Florida eine alte Bevlkerung in Mexiko eingewandert sei und sich spter bis nach Peru ausgebreitet habe. Von besonderem Interesse sind die sehr hnlichen Schdel, welche in der Krim gefunden worden sind, und die Herr v. Baer zum Gegenstande einer besonderen Abhandlung [344] gemacht hat. Es ist dies eine klassische Gegend, denn schon Hippokrates hat uns Nachrichten von einer Vlkerschaft an der stlichen Ecke des schwarzen Meeres hinterlassen, welche er Makrocephalen nennt, die sich nach seiner Aussage durch die Gestalt ihres Schdels vor allen anderen Vlkern auszeichnete. Durch Anlegung von Binden und Maschinen zwangen sie, wie er sagt, schon den Kopf des neugebornen Kindes, in die Lnge zu wachsen, und zwar deshalb, weil sie die Lnge des Kopfes fr ein Zeichen des Adels hielten. Nach Hippokrates haben verschiedene andere Schriftsteller ber diese Vlkerschaft berichtet. Ueberall, von wo wir seitdem Nachrichten ber die Entstehung dieser Difformitt erhalten haben, kommen sie darin berein, dass die neugebornen Kinder entweder auf ein Brett gelegt werden und ihnen dann durch Binden der Kopf gegen dasselbe angezogen wird, oder dass ihr Kopf zwischen zwei Bretter gezwngt und dadurch ein Druck auf zwei Punkte desselben ausgebt wird, oder endlich, dass an bestimmte Stellen des Kopfes Compressen angelegt und darber Binden in allerlei Zirkeltouren um den Kopf herumgefhrt werden, so dass durch die Compresse eine Abplattung, durch die Binden circulre Eindrcke hervorgebracht werden. Die ersten ikonographischen Mittheilungen ber diese Verhltnisse hat der berhmte amerikanische Reisende Catlin verffentlicht; bei ihm finden wir auch Abbildungen der Compressionsmaschine. In seiner Beschreibung der Chinook's an der Westkste Nordamerikas zeichnet er auf der einen Tafel eine flachkpfige Dame, welche ihr neugebornes Kind im Druckapparate hlt, auf der nchstfolgenden Tafel ein kleines kahnartiges Werkzeug, in welchem das Kind eingewickelt liegt, und welches so eingerichtet ist, dass es auf den Rcken gehngt werden kann, um so die Wanderungen mitzumachen, welche diese wenig sesshaften Vlkerschaften unternehmen. Dass hnliche, wenn auch nicht so complicirte, aber doch nicht minder wirksame Operationen noch gegenwrtig in Europa vorgenommen werden, ist namentlich durch verschiedene Beobachtungen in sdfranzsischen Departements festgestellt worden. Man kennt 3-4 solche Gegenden, wo noch gegenwrtig durch Druckeinwirkungen der Kopf der Neugebornen verunstaltet wird. Da nun auch in verschiedenen Gegenden Deutschland's hnliche Schdel gefunden worden sind, so erlaube ich mir ganz besonders die Aufmerksamkeit auf diesen Punkt zu lenken, da es wnschenswerth wre, darauf Acht zu geben, ob etwa Rckstnde dieser Gebruche auch in der norddeutschen Bevlkerung anzutreffen sind, worauf eine Notiz bei Blumenbach (De generis humani varietate nativa, p. 60) speciell fr Hamburg hindeutet. Nachdem wir die Analogie der difformen Schdel von den Philippinen mit denen der Chinooks und verschiedener anderer flachkpfiger Bevlkerung constatirt haben, so fragt es sich: Was mag der Volksstamm, welchem diese Schdel angehrten, fr eine primre Gestaltung des Schdels besessen haben? wie wrden diese Schdel ausgesehen haben, wenn sie nicht knstlich missgestaltet worden wren? In dieser Beziehung bemerke ich, dass Herr Gosse, ein Genfer Arzt, der eine sehr verdienstvolle Abhandlung ber die knstliche Verunstaltung des Schdels [345] geschrieben hat, die schon von Hippokrates aufgestellte Meinung wiederholt hat, es knne sich allmhlich eine erbliche Fortpflanzung dieser Form einstellen, und es bedrfe in der Folge der Generationen nicht mehr einer ausgiebigen Einwirkung, um sie zu erzeugen; sie erhalte sich von selbst auf dem Wege der Hereditt. Dagegen sprechen alle sonstigen Erfahrungen: bei Catlin sind Chinook-Indianer abgebildet aus der neueren Zeit, wo diese Bruche nicht mehr herrschen, deren Schdel sich nicht difform zeigt; ja, unter den stlicheren Stmmen Amerika's giebt es einzelne, wie die Choctaws, die ursprnglich mitten in dem jetzt cultivirten Nordamerika gewohnt haben, unter denen frher hnliche Sitten herrschten, und in deren Grbern man noch abgeflachte Schdel gefunden hat, bei denen jedoch jetzt jede Spur dieser Schdelform geschwunden ist, nachdem sie die Compression aufgegeben haben. Dazu kommt, dass in manchen Stmmen die Verunstaltung ein Vorzug der mnnlichen und zwar der adeligen mnnlichen Bevlkerung war und dass ausser den Sklaven auch die Frauen davon ausgeschlossen waren, -- ein Umstand, welcher der Vererbungstheorie keineswegs gnstig ist. Man darf daher nirgends annehmen, dass sich diese Difformitt von selber fortgepflanzt hat, und es wird berall, wo man sie antrifft, die Frage aufgeworfen werden mssen: giebt es Schdel, aus welchen man die ursprngliche Form erkennen kann? Fr die Errterung dieser Frage an den Philippinen-Schdeln ist ein Umstand von besonderem Nutzen. Ausser dem Eingangs erwhnten Muster-Schdel gehren noch 4 andere demselben Fundorte an. Sie sind smmtlich in der Hhle bei Lanang unter Verhltnissen gefunden, welche ein grosses Alter andeuten. Ich erwhne zuerst einen ringsum mit starken Kalkmassen incrustirten und dadurch colossal vergrsserten Schdel, welcher ein ganz formidables Aussehen darbietet und als richtiger fossiler Schdel erscheint. Trotz der Kalkmassen, die ihn umhllen, kann man sehr wohl erkennen, dass er wesentlich derselben abgeplatteten Form angehrt oder ihr jedenfalls sehr nahe steht. An einem dritten Schdel dagegen ist keine Spur jener knstlichen Form vorhanden, so dass durchaus kein Zweifel darber bestehen kann, dass er niemals einem Druckverfahren unterlegen hat, und da er an derselben Stelle mit den anderen gefunden worden ist, so ist meiner Meinung nach auf dies Verhltniss ein grosser Werth zu legen. Endlich die letzten beiden Schdel, obwohl sie deutliche Spuren der Abplattung an sich tragen, zeigen dieselbe doch in abnehmendem Maasse, so dass man, wenn man einen nach dem andern mit jenem ersten vergleicht, eine ziemlich regelmssige Stufenfolge der Verunstaltung erkennt. Ich habe von diesen letzteren Schdeln den Kalkberzug grossentheils abgesprengt, worauf sich ergab, dass man schon auf eine mehr natrliche Form gelangt, welche weit davon entfernt ist, eine augenfllige Aehnlichkeit mit den Chinook-Kpfen darzubieten; freilich der schnelle und ebene Abfall des Hinterhauptes deutet immer noch darauf hin, dass eine knstliche Einwirkung stattgefunden hat (Taf. I, fig. 1-2). Noch wichtiger ist es, dass aus einer anderen und zwar aus einer von der eben erwhnten ziemlich entfernten Lokalitt, nmlich aus der von Herrn Jagor (Zeitschrift fr Ethnologie I. S. 80) beschriebenen Felsklippe von Nipa-Nipa, welche in der Strasse zwischen Samar und Leyte gelegen ist, zwei andere Schdel (Taf. I, fig. 5-6) von ihm mitgebracht worden sind, von denen der eine dieselbe Verunstaltung, wie die besprochenen, in hohem Maasse darbietet (fig. 6). Ich erwhne nur aus der Mittheilung des Herrn Jagor, dass vom Meere aus eine Art Thor in die Klippe hineingeht, durch welches man in eine innere Bucht gelangt, die von steilen Felswnden umgeben ist; an einer der letzteren befindet sich hoch ber dem Meere die schwer zugngliche Hhle, aus welcher die Schdel genommen sind. Auch an diesen beiden Schdeln aus der Hhle von Nipa-Nipa zeigt sich eine entschiedene Differenz: an dem einen bemerken wir eine positive Abplattung, einen steilen Abfall, von den Tubera parietalia nach unten, wie er niemals an einem natrlichen Schdel vorkommt (Taf. I, fig. 5), und von unmittelbar derselben Lokalitt rhrt ein anderer Schdel von brigens ganz hnlicher Frbung und Beschaffenheit der Knochen her, der vielleicht einer leichten Abplattung unterlegen hat, worauf eine gewisse Verschiebung nach der einen Seite hin deutet, der aber im Uebrigen ganz offenbar dem gewhnlichen oder ursprnglichen Zustande sich nhert (Taf. I, fig. 6). Auf diese Weise kann man, wie mir scheint, seinen Weg von den knstlich erzeugten zu den ursprnglichen Verhltnissen zurckfinden, und es ist mglich, zu Schdelformen zu gelangen, bei welchen man wenigstens annhernd richtig gewisse Verhltnisszahlen aufstellen kann, welche zur Vergleichung mit anderen Befunden dienen drfen. Unsere Zuversicht in die Richtigkeit der Schlussfolgerungen ist um so grsser, als die Zahlen beider Beobachtungsreihen sich gegenseitig controliren. Fr diejenigen, welche nicht Anatomen sind, bemerke ich, dass es in neuerer Zeit Gebrauch geworden ist, die ethnologisch wichtigsten Maassverhltnisse des Schdels zunchst in der Weise zu bestimmen, das man Verhltnisszahlen zwischen Lnge, Breite und Hhe des Schdels sucht, in der Art dass die Lnge = 100 gesetzt und Breite und Hhe darnach reducirt werden. Der Krze wegen kann man die gefundene procentische Zahl fr die Breite als Breitenindex, diejenige fr die Hhe als Hhenindex bezeichnen. Das Verhltniss von Hhe zu Breite wird gleichfalls auf eine Breite von 100 berechnet und die Zahl fr die Hhe als Breitenhhenindex aufgefhrt. Thut man dies nun an den am wenigsten difformen Schdeln der Philippinen, so kommt man immer noch auf einen Breitenindex, welcher nach den bisher bekannten Erfahrungen fr die ostasiatische Inselbevlkerung ganz unerhrt ist. Bei dem einen relativ normalen Schdel aus der Hhle von Nipa-Nipa betrgt der Breitenindex 89,1, der Hhenindex 78,9, der Breitenhhenindex 88,5; bei dem einen Lanang-Schdel ist der Breitenindex 80,1, der Hhenindex 77,8, der Breitenhhenindex 97,1. Solche Breitenverhltnisse sind berall ungewhnlich; z. B. die usserste Grenze der Breitenverhltnisse in Europa finden wir bei den Lappen, wo sie zwischen 82 und 83 schwankt. Es ergiebt sich zunchst aus diesen Verhltnissen in ganz unzweifelhafter Weise, dass diese in ausgezeichnetem Sinne brachycephale Bevlkerung, die doch, wie es scheint, einer lange vergangenen [346] Zeit angehrt, nichts zu thun hat mit den Negritos, insofern diese, soviel bis jetzt angenommen wird, mit den Melanesiern in Beziehung stehen, welche sich alle auszeichnen durch die relativ geringe Breite ihres Schdels im Vergleich zu einer relativ betrchtlichen Lnge. Einige andere polynesische Stmme sind geradezu ausgezeichnet durch die geringe Breite des Schdels bei einer ungewhnlichen Hhe und Lnge (Hypsistenocephali). Man ist daher fr unsere Schdel darauf angewiesen, andere Verwandtschaften aufzusuchen, und die nchste Frage, welche sich hier aufwirft, ist die: ist es eine malaische Bevlkerung gewesen, mit der wir es zu thun haben? Auch fr die malaische Rasse im Ganzen liegen die angefhrten Verhltnisse ausser aller Erfahrung. Es giebt allerdings ein paar Punkte im Gebiete der Malaien, an welchen erheblich breite Schdel gefunden worden sind. Welcker (Archiv fr Anthropologie II. S. 154-156) hat die extremsten Verhltnisse an den von Madura, einer nrdlich von Java gelegenen Insel, hergebrachten Schdeln nachgewiesen, bei denen aber doch solche Verhltnisse nicht vorkommen, wie wir sie hier vor uns finden. Nach seinen Mittheilungen betrug der Breitenindex der Maduresen, der brigens dem Hhenindex gleich war, 82 [347]. Nchstdem stehen in der Liste von Welcker die Menadaresen mit einem Breitenindex von 80 und einem Hhenindex von 81. Fr die Javanesen berechnet er einen Breitenindex von 79, whrend freilich andere Autoren 82-84 haben. Immerhin ist durch die neuere Untersuchung constatirt, dass innerhalb der malaischen Reihe eine gewisse Breite der Schwankungen nach Stmmen existirt, und dass man bei einzelnen derselben zu Breitenindices kommt, welche denen der Lappen nahezu analog sind. Unter den vorliegenden Schdeln stammt nur einer, derjenige nmlich, welchen Herr Jagor am Ysarog auf der Insel Luzon ausgegraben hat, nach den Nachrichten, welche er erhielt, von einem der heutigen Eingebornen; es war bekannt, dass der betreffende Mann, ein Cimarrone, durch einen Hieb am Hinterhaupte sein Leben verloren hat. Dieser Schdel ist unglcklicherweise der einzige unter den von Herrn Jagor mitgebrachten, von welchem man sicher ist, dass er einer noch jetzt bestehenden Race angehrt, und da wir auch sonst wenig Nachrichten ber die Craniologie der Philippinen [348] haben, so bin ich nicht in der Lage, etwas Bestimmtes ber seine Stellung zu sagen. Sein Breitenindex betrgt 76,9, der Hhenindex 76,1, der Breitenhhenindex 98,9, die Capacitt 1315 Cub.-Cm. Auch wenn man die einzelnen Schdelknochen mit denen der Lanang- und Nipa-Nipa-Schdel vergleicht, so sind seine Verhltnisse so wesentlich abweichend, dass in der That keine Beziehungen des modernen Schdels zu den Hhlen-Schdeln aufgefunden werden knnen. Dagegen kann ich allerdings nach den sonst vorliegenden Messungen sagen, dass der Cimarronen-Schdel eine gewisse Aehnlichkeit mit Malaien-Schdeln von den benachbarten Sunda-Inseln, namentlich mit Dajak-Schdeln [349] darbietet. Es bleibt aber noch eine Reihe von Schdeln, 6 an der Zahl, zu betrachten, welche zwar smmtlich aus einer anderen Hhle genommen sind, als die bisher besprochenen, aber doch von demselben Felsencomplex von Nipa-Nipa stammen, in welchem die eine der vorhin erwhnten Hhlen liegt. Diese Schdel (Taf. II, fig. 1-3) haben namentlich durch die hufige Erhaltung der Unterkiefer einen besonderen Werth. Sie gehren ihrer ganzen Erscheinung nach einer anderen Kategorie an und machen, namentlich durch ihre gute Erhaltung, den Eindruck einer mehr modernen Gruppe. Fr das chronologische Datum, welches man ihnen beilegen kann, tragen sie noch ein besonderes Indicium an sich: es sind nmlich zwei derselben exquisit syphilitisch, so dass sie wirklich als Musterspecimina in einem pathologischen Museum aufgestellt zu werden verdienen. An dem einen findet sich eine Durchbohrung des harten Gaumens und eine Zerstrung im Umfange des Naseneinganges an dem Oberkiefer und den Nasenbeinen, welche jedoch offenbar geheilt gewesen ist; der andere (Taf. II. fig. 3) bietet ein mustergltiges Beispiel von Caries sicca, welche die Gegend der Stirn einnimmt und von da auf die Nasenwurzel bergreift, so dass kein Zweifel sein kann, dass es sich um eine chronische Periostitis gummosa des Stirnbeines und der Nasenbeine gehandelt hat. Nun giebt es freilich ber das Alter der Syphilis verschiedene Meinungen, indess ist bis jetzt weder die Meinung aufgestellt worden, dass die Syphilis ursprnglich auf den Philippinen geherrscht habe, noch ist irgend eine Thatsache an einem alten Schdel entdeckt worden, welche darthte, dass syphilitische Vernderungen in der alten Zeit bestanden htten. Man wird also immerhin annehmen knnen, dass diese Schdel erst zu einer Zeit in die Hhle gebracht worden sind, als schon ein lngerer Contact mit europischen Vlkern stattgefunden hatte, also wahrscheinlich nach dem Anfange des 16. Jahrhunderts. Andererseits darf man nicht wohl annehmen, dass eine christianisirte Bevlkerung noch diese Hhle benutzt habe, da, wie Herr Jagor berichtet, die christlichen Priester mit grosser Heftigkeit gegen diese Ueberreste gewthet haben. Es lsst sich daher wohl mit ziemlicher Sicherheit schliessen, dass die Zeit, innerhalb deren diese Leichen in der Hhle von Nipa-Nipa deponirt worden sind, nicht allzu lange nach demjenigen Zeitpunkte zu suchen ist, in welchem eine hufigere Beziehung mit Europern hergestellt worden war, und man wird vielleicht annehmen drfen, dass die Schdel dem Ende des 16. oder dem Anfange des 17. Jahrhunderts angehren; denn diese Zeit ist es, wo die spanische Herrschaft sich ausbreitete, und es ist nicht wahrscheinlich, dass derartige Bestattungs-Gebruche von dieser Zeit ab gerade unter der Kstenbevlkerung, von der ein grosser Theil vorher muhamedanisirt worden war, weiter fortbestanden haben. Da nun die Stmme, welche an der Kste ihren Sitz haben, mit denjenigen im Innern des Landes in loserer Berhrung stehen, so wird in der Regel wohl der Fundort der Schdel dem Sitze der Bevlkerung, von welcher sie stammen, entsprechen. Handelt es sich also, wie bei der Hhle von Nipa-Nipa, um eine Ksten-Lokalitt, so wird man auch annehmen knnen, dass der betreffende Volksstamm an der Kste gewohnt hat. Es liegt daher nahe zu schliessen, dass diese Gruppe von Schdeln eine Beziehung zu den noch jetzt vorhandenen Stmmen der Kste hat, und in der That, wenn man diese Schdel betrachtet und damit die Physiognomien der Leute auf den Abbildungen des Herrn Jagor vergleicht, so zeigen sich gerade bei den Bisayos gewisse Eigenschaften, welche an allen diesen Schdeln wiederkehren: die verhltnissmssige Krze bei relativer Breite der Schdel findet sich bei der Vergleichung der Profil- und Frontalansichten der Bisayerinnen leicht wieder; dazu kommt die charakteristische Bildung der Stirn- und Nasengegend, die von der kaukasischen gnzlich verschieden ist, insofern die strkste Wlbung der Stirn gerade da liegt, wo bei uns eine flache Vertiefung (Glabella) besteht; endlich sind die ungewhnliche Niedrigkeit der Nase und der stark prognathe Zustand der Kiefer berall deutlich zu erkennen. Wenn man die Profile mit einander vergleicht, so ist so viel Aehnlichkeit vorhanden, wie man berhaupt zwischen einem Schdel und einem lebendigen Gesichte nur erwarten kann. Auch diese Schdel besitzen eine ungewhnliche Breite; sie haben im Mittel gerechnet einen Breitenindex von 83,3 bei einer Hhe von 76,5, ein nach den Messungen von Davis und Schetelig auch bei Bisayos-Schdeln gefundenes Verhltniss, welches sonst noch von keiner andern hinterasiatischen Bevlkerung bekannt ist. Noch weniger findet es sich bei der Bevlkerung der polynesischen Inseln; in Australien, Neukaledonien, Neuseeland, Tahiti treten ganz andere Stammeseigenthmlichkeiten hervor, so dass dieser Theil der Bevlkerung der Philippinen als ein ganz eigenthmlicher und charakteristischer erscheint. Ich bemerke zu ihrer Charakteristik noch, dass sie eine Hhlung von durchschnittlich 1282 Cub.-Cm. Inhalt besitzen, dass der Breitenhhenindex ihrer Orbitae 94,7, der Hhenbreitenindex ihrer Nasen 41,3 und der Breitenhhenindex ihrer Schdel berhaupt 91,7 betrgt. Auch ist erwhnenswerth, dass weder an diesen Schdeln, noch an den brigen etwas von knstlicher Feilung der Zhne zu bemerken ist, die doch sonst bei Malaien so hufig vorkommt und die auch auf den Philippinen von Thvenot noch erwhnt wird. Nur an einzelnen zeigen die Zhne die Betelfrbung. Ich verzichte auf die weiteren Details der Schdelfrage; ich will nur noch auf ein besonders wichtiges Verhltniss hinweisen. Wenn es sich feststellen lassen sollte, dass innerhalb des Gebietes der malaischen Rasse eine in so eminentem Grade brachycephalische Bevlkerung an einer verhltnissmssig gut gegen fremde Einwanderung geschtzten Stelle sich lange erhalten hat, whrend nicht bloss auf den benachbarten Inseln (Borneo, Java, Sumatra) eine sich mehr den Dolichocephalen annhernde Bevlkerung vorkommt, sondern auch dicht daneben im Innern von Luzon noch jetzt nicht civilisirte, dolichocephalische Stmme leben, wie der beschriebene Cimarronen-Schdel zu beweisen scheint, so wrde man anerkennen mssen, dass in einer und derselben Rasse die ussersten Schwankungen der Schdelformen vorkommen, und es wrde damit ein sehr erheblicher Einwand gegeben sein gegen die Bemhungen, ganzen Rassen durch die Aufstellung der Breitenindices ihre Stelle anzuweisen; es wrde vielmehr auf das Unzweideutigste dargethan sein, dass nur durch eine grssere Menge von Vergleichungszahlen die ethnologische Position eines Schdels gefunden werden kann. Es sind endlich noch zwei Schdel zu erwhnen, welche von den bisher besprochenen wesentlich verschieden sind. Der eine ist in der zweiten Hhle von Nipa-Nipa unmittelbar bei einem Holzsarge gefunden worden, welchen Herr Jagor mitgebracht hat, und in welchem noch ein zum Theil mit mumificirten Resten von Weichtheilen und Fetzen zerfallender Bekleidung bedecktes, jedoch schdelloses Skelet liegt [350]. Dieser Schdel zeichnet sich durch eine grssere Lngenentwicklung aus, aber nichtsdestoweniger betrgt sein Breitenindex 80,2 (bei einem Hhenindex von 76); er schliesst sich auch sonst in vielfacher Beziehung, namentlich wegen seiner betrchtlichen Capacitt von 1450 Cub.-Cm., der zuerst besprochenen Gruppe an. Der andere Schdel ist ungewhnlich klein; seine Capacitt betrgt nur 1160 Cub.-Cm. Er ist nebst anderen Knochen in einem Walde auf Samar, 1 Legua landeinwrts von Borangan, ausgegraben worden und von unbekannter Abkunft. Manches trennt ihn in seiner Entwicklung von den anderen Schdeln, aber auch sein Breitenindex betrgt 79,3 bei einem Hhenindex von 75,7. Diese ziemlich grosse Reihe untereinander verschiedener Schdel hat jedoch, von dem Cimarronen abgesehen, in sich eine nhere Beziehung, als sie zu irgend einer der benachbarten Rassen hat, und wenngleich die einzelnen Gruppen wieder so viele Differenzen haben, dass ich wohl geneigt bin, anzunehmen, dass die Stmme, von welchen sie stammen, unter sehr verschiedenen Verhltnissen gelebt haben mssen, so wird man doch nicht umhin knnen, sie einer grsseren Familie zuzurechnen. Von den beiden Hauptgruppen der Hhlenschdel kann man sagen, dass die aus der zweiten Nipa-Nipa-Hhle, welche durchweg geringere Dimensionen haben, den Eindruck einer zarteren, sesshaften und mehr civilisirten Bevlkerung machen, whrend an den Schdeln aus der ersten Nipa-Nipa- und denen aus der Lanang-Hhle sich eine grosse Energie, eine gewisse Massenhaftigkeit und Krftigkeit der Entwicklung zeigt, welche einem mehr wilden Volke anzugehren scheint. Was die Grssenverhltnisse betrifft, so zeigt der erste Blick, dass die Schdel der letzteren Gruppe bei ihrer grossen Breite auch eine relativ grosse Hhe haben. Auch die knstliche Verunstaltung hebt dies Verhltniss nicht ganz auf, denn selbst der am strksten abgeplattete Schdel hat bei einem Breitenindex von 94,8 noch immer einen Hhenindex von 80. Dies begrndet einen wesentlichen Unterschied von den Chinook-Schdeln. Mit dieser Grsse hngt zusammen die betrchtliche Capacitt der Philippinen-Flachkpfe. Die in der That makrocephalen Schdel von Lanang besitzen eine durchschnittliche Capacitt von 1510 Cub.-Cm., die aus der ersten Hhle von Nipa-Nipa von 1380, whrend die mehr runden Schdel aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa, wie erwhnt, im Durchschnitt nur 1282 Cub.-Cm. fassen. Es sind dies Grssen-Differenzen, deren Bedeutung nicht unterschtzt werden darf. Ich will fr diesmal nicht genauer darauf eingehen, inwiefern die knstlichen Vernderungen des Schdels einen Einfluss auf das Gehirn haben. Ganz kurz erwhne ich, dass derselbe Herr Gosse, welcher die schon erwhnte Monographie geschrieben hat, die Meinung vertritt, welche sich hauptschlich auf tahitische Tradition sttzt, dass es mglich sei, durch die Gestaltung des Schdels den psychischen Eigenschaften eines Individuums eine ganz bestimmte Richtung zu geben. Es wird nmlich erzhlt, dass man auf Tahiti zwei Arten von Deformation des Schdels erzeugt habe; den Kriegern habe man die Stirn eingedrckt, dagegen, wie sich ein Redner in der anthropologischen Gesellschaft zu Paris ausdrckte, den Senatoren das Hinterhaupt. Herr Gosse erklrt dies so, dass man beabsichtigt habe, bei den Kriegern die energischen Eigenschaften des hinteren, bei den Staatsmnnern die mehr intellektuellen Eigenschaften des vorderen Abschnitts des Gehirns ganz besonders zur Ausbildung zu bringen, und er ist ernsthaft der Meinung, dass dieser Versuch als Muster fr moderne Pdagogik empfehlenswerth sei. Ich kann dieser Ansicht nicht beistimmen, insofern die Erfahrung ergiebt, dass auch das Gehirn so gut wie der Schdel dislocirt werden kann, dass also das Vorderhirn sich zurckschiebt, wenn die Stirn zurckgedrngt wird, und ebenso die hinteren Theile des Gehirns sich vorschieben bei einer Abflachung der hinteren Partie des Schdels. Wie ich frher nachgewiesen habe, pflegt einer Verkrzung des Schdels eine compensatorische Verbreiterung und umgekehrt zu entsprechen. Es kann wohl kein Zweifel darber bestehen, dass eine Abflachung einzelner Schdeltheile an sich eine Verminderung der Hirnmasse nicht zur nothwendigen Folge hat, und es stimmt damit berein die Angabe namhafter Beobachter, dass die Flatheads in der That keinen Mangel an Intelligenz wahrnehmen lassen. Diese Mittheilung hatte das glckliche Ergebniss, die Aufmerksamkeit auf die so lange vernachlssigte Craniologie jener entfernten Inseln zu lenken. Zunchst erhielt unsere anthropologische Gesellschaft von dem hollndischen Residenten in Gorontalo auf Celebes, Hrn. Riedel die Mittheilung, dass noch gegenwrtig bei den Bewohnern der Landschaften Buool, Kaidipan und Bolaangitam die Sitte der knstlichen Verunstaltung des Schdels bei den neugebornen Kindern gebt wird (Zeitschr. fr Ethnologie Bd. III. S. 110. Taf. V.). Sodann besprach Hr. Barnard Davis eingehender die Negrito-Schdel. Da mir selbst inzwischen neues Material zugegangen war, so machte ich in der Sitzung der Gesellschaft am 10. Dezember 1870 folgende weiteren Mittheilungen: Die interessanten Mittheilungen aus Celebes, welche uns heute von Hrn. Riedel zugegangen sind, haben dargethan, dass mein erster Bericht ber die Philippinen-Schdel in der Sitzung vom 15. Januar 1870 zu rechter Zeit die Aufmerksamkeit auf ein Gebiet gelenkt hat, welches gerade in ethnologischer Beziehung die hchste Wichtigkeit hat und welches doch noch so wenig erforscht ist. Nichts konnte mehr berraschend sein, als dass fr eine Weltgegend, aus der seit lnger als zwei Jahrhunderten keine Nachricht ber knstliche Verunstaltungen der Schdel zu uns gelangt ist, durch eine in Europa ausgefhrte craniologische Untersuchung die Thatsache des Fortbestehens einer solchen Sitte gleichsam erschlossen worden ist. Leider benimmt uns der Brief des Hrn. Riedel alle Aussicht, entsprechende Schdel von Celebes zu erhalten, denn er besagt, dass die dortige Volkssitte dem zu sehr widerstrebe. Wir werden uns daher vor der Hand noch an die Philippinen-Schdel halten mssen. Glcklicherweise habe ich seit der Zeit, wo ich zuerst ber die Philippinen zu sprechen die Ehre hatte, Gelegenheit gehabt, meine Erfahrungen zu vervollstndigen. Zunchst hatte Hr. Jagor noch eine gewisse Zahl zertrmmerter Schdel aus einer grossen Hhle von Caramuan auf der Insel Luzon. Dieselben waren so vielfach zerbrckelt, dass es kaum mglich schien, daraus etwas zu machen. Es ist mir jedoch gelungen, den grsseren Theil der Stcke wieder zusammenzusetzen und auf diese Weise wenigstens die vorderen Hlften von drei Schdeln, mit Einschluss des grssten Theils des Gesichtes, wiederherzustellen. Dieselben sind von etwas verschiedener Beschaffenheit: zwei (E. 319-20) sind mit einer rauhen Kalkschicht berzogen, welche an vielen Punkten durch Eisenbeimischung brunlich erscheint; die Knochen selbst sind sehr brchig, kleben an der Zunge und sehen auf dem Bruche kreidig aus; ein anderer (E. 318) ist viel glatter, die Knochen selbst sind tief braun geworden, ja am rechten Theil der Stirn sehen sie vollstndig grnlich aus. Alle drei zeigen sehr deutliche Spuren knstlicher Abplattung. Es ist dadurch das Vorkommen dieses Gebrauches, welchen wir bis dahin nur von der Insel Samar kannten, auch fr die Insel Luzon dargethan. Am strksten ist die Abplattung an den beiden erstgenannten. Bei dem einen (E. 319) ist freilich nur der Vorderkopf vorhanden, indess beginnt die Abflachung sofort hinter den Superciliarbogen; die Stirnhcker sind fast ganz verschwunden, die Stirn selbst sehr breit und erst kurz vor der Kranznaht endet die knstlich hergestellte Flche mit einer rundlichen Wlbung. Obwohl nicht so stark, so doch ungleich mehr charakteristisch ist der zweite Schdel (E. 320), bei welchem glcklicherweise die Basis cranii und der Anfang der Hinterhauptsschuppe erhalten sind. Hier lsst sich deutlich die doppelte Abplattung erkennen: eine ziemlich steile hintere und eine schrg zurckgehende vordere. Bei dem dritten Schdel (E. 318) ist die Stirn so rundlich gewlbt, dass man ohne Kenntniss der anderen Formen schwerlich eine Abplattung vermuthen wrde, obgleich doch auch hier die Breite der Stirn und die geringe Prominenz der Stirnhcker sehr auffllig sind. Dagegen lsst sich am Hinterhaupte, trotzdem dass der Schdelgrund fehlt, eine sehr starke, steil abfallende Deformation erkennen, welche eine fast winklige Einbiegung der Seitenwandbeine hervorgebracht hat. Ganz besonders interessant ist jedoch das Stirnbein eines etwa zweijhrigen Kindes, welches aus derselben Hhle stammt, usserlich gleichfalls einen gelbbraunen Beschlag zeigt, brigens sehr stark an der Zunge klebende Oberflchen besitzt. Innerlich zeigt dasselbe sogenannte osteophytische Auflagerungen als Zeichen einer inneren Entzndung und dem entsprechend ist es verhltnissmssig dick. Ganz deutlich lassen sich die Spuren der Abplattung erkennen. Bis zu den niederen Hckern ist die Stirn wenig verndert; oberhalb derselben weicht sie aber sofort, fast unter einem Winkel, zurck, und was besonders charakteristisch ist, kurz vor der Kranznaht liegt eine strkere Wlbung, von der aus gegen die Naht zu die Flche sich wieder senkt. Ob diese Schdel einer Zeit und einem Stamme angehrt haben, wage ich nicht zu entscheiden. Der erstgenannte zeigt eine solche Uebereinstimmung mit einem der frher von mir beschriebenen Hhlenschdel aus Lanang (Z. 842), dass ihre Zusammengehrigkeit kaum bezweifelt werden kann. Aehnlich verhlt sich der zweite Schdel von Caramuan (E. 320), der mit einem Schdel aus der Hhle von Nipa-Nipa (Z. 873) parallel gestellt werden kann. Dagegen gleicht der dritte Schdel (E. 318) weit mehr den neueren Schdeln aus der grossen Hhle von Nipa-Nipa, welche Zeichen der Syphilis tragen. Namentlich stimmt mit diesen die Gesichtsbildung sehr berein. Dasselbe gilt von dem kindlichen Stirnbein, sowie von einem zarten Unterkiefer (E. 322), der vielleicht zu dem Schdel E. 318 gehrt und der sich durch den colossalen Prognathismus seines Mittelstckes auszeichnet, whrend ein anderer, nach Form und Incrustation zu E. 319 gehriger Unterkiefer von grosser Strke ganz wenig prognath ist und eine ganz andere, weit gerumigere Ausrundung zeigt. Ich mchte es daher fr wahrscheinlich halten, dass auch in der Hhle von Caramuan lngere Zeit hindurch Beerdigungen stattgefunden haben und dass daselbst neben einander Personen verschiedener Stmme niedergesetzt worden sind. Was die Form der Abplattung betrifft, so entspricht sie in hohem Grade einer peruanischen, wie ich spter darthun werde; keines der Beispiele erreicht jedoch die Verhltnisse, welche wir frher an Beispielen aus der Hhle von Lanang kennen gelernt haben. -- Eine zweite Gruppe von Philippinen-Schdeln wurde mir durch die Gte des Hrn. Dr. Schetelig, der gleichfalls lngere Zeit in Asien war, zur Verfgung gestellt. Es sind dies 8 Schdel, grossentheils gut erhalten, darunter 4 mit Unterkiefern; zu dem einen gehrt ein vollstndiges Skelet. In Verbindung mit den von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdeln ergiebt diese Sammlung ein recht bedeutendes Material. Nach den Mittheilungen des Hrn. Schetelig stammt der grssere Theil seiner Schdel, nmlich 5, von Kirchhfen. Er bemerkt in seinem Briefe, dass man dort in den spanischen Lndern die Sitte habe, die Grber alle 3 Jahre zu leeren, falls nicht die erforderliche Zahl von Seelenmessen gelesen oder die Kirchhofsteuer jhrlich entrichtet werde. Wie es scheint, huft man dann die Schdel auf, wie es auch in manchen katholischen Lndern Europas geschieht. Dann unterliegen sie natrlich manchen atmosphrischen Einflssen. Hr. Schetelig verweist auf diese wegen der Verschiedenheit in dem usseren Verhalten der Schdel. Ich hatte namentlich die Frage aufgeworfen, ob nicht einer dieser Schdel, der usserlich mit einer weissen, hier und da grnlichen Incrustation berzogen ist, gleichfalls aus der Kalkschicht einer Hhle stamme; er hat es aber in Abrede gestellt. Vier Schdel sind von ihm im Mai 1867 in Tabaco (Provinz Albay, Luzon) gesammelt; nach seiner Angabe sind es ganz bestimmt Bicol-Schdel. Darunter ist ein jugendlicher, wahrscheinlich weiblicher, mit noch nicht hervorgetretenen Weisheitszhnen und noch offener Synchondrosis spheno-occipitalis. Ein anderer Schdel, mit einer gut erhaltenen Sutura frontalis, scheint einem erwachsenen Weibe angehrt zu haben. (Es ist der oben erwhnte incrustirte.) Der fnfte (April 1867) stammt ebenfalls von einem Kirchhofe und zwar aus Tibi, einem Orte in der Nhe von Tabaco; Hr. Schetelig erklrt ihn auch fr einen Bicol-Schdel. Sodann finden sich zwei, an der Oberflche stark vernderte, sehr leichte und vielfach verletzte Schdel, welche als Cimarronen-Schdel [351] bezeichnet sind, aus der Nhe von Albay; auch sie stammen aus der Erde. Hr. Schetelig schreibt sie einer Mischlingsrace von Negritos und Bicols zu. Endlich der letzte Schdel ist derjenige, welcher das grsste Interesse beansprucht, insofern er einem Negrito-Huptling angehrt haben soll. Dazu ist auch das in seinen Haupttheilen erhaltene Skelet vorhanden. In seinem Vortrage vom 15. Januar hatte Hr. Jagor erwhnt, dass im Innern und an der Nordostkste der Insel Luzon noch ein schwarzer Menschenstamm von kleiner Statur und mit krausem Haar existirt, der ganz verschieden von den Kstenvlkern ist, von denen wiederum verschiedene Stmme (Tagalen, Bicols, Bisayos u. s. w.) unterschieden werden. Die ethnologische Stellung jener sogenannten Negritos war bis jetzt vllig dunkel geblieben. Gewhnlich hat man sie den Papuas zugerechnet. In diesem Sinne hatte sich auch Hr. Semper (Die Philippinen und ihre Bewohner. Wrzb. 1869. S. 48) ausgesprochen, indem er zugleich eine eingehende Schilderung von ihnen entwarf. Seine Angaben sowohl, als die in unserer Gesellschaft gemachten Mittheilungen haben Hrn. Barnard Davis Veranlassung gegeben, in dem Journal of Anthropology (Lond. 1870, Oct., p. 139) eine kritische Besprechung ber die Negrito-Frage zu veranstalten. Er betont darin mit Recht, dass alle frheren Angaben ber diese Rasse willkrlich gewesen seien, weil man sich nur auf Aeusserlichkeiten eingelassen habe und daraus allerlei verwandtschaftliche Verhltnisse mit anderen ostasiatischen und australischen Vlkern hergeleitet habe. Er macht auch mir, und wohl mit Recht, den Vorwurf, dass ich mich von diesem Vorurtheile habe leiten lassen; ich muss wenigstens anerkennen, dass nach dem, was er selbst ber Negrito-Schdel von Luzon berichtet, und nach dem, was die von Hrn. Schetelig mitgebrachten Schdel ergeben, keine Beziehung zwischen den Schwarzen der Philippinen und denen Melanesiens und Australiens aufrecht erhalten werden kann. Ihre Schdel sind ganz verschieden von einander, und, wenn sie als massgebend angesehen werden drfen, so kann auf sonstige verwandtschaftliche Verhltnisse kein Werth mehr gelegt werden. Diese Frage hat aber ein beraus grosses wissenschaftliches Interesse, da nach den bisherigen Vorstellungen es in der That nahe lag, wie auch Hr. Semper angenommen hat, in den Negritos das Urvolk der Insel zu sehen, welches sich im Innern der Gebirge noch erhalten habe, nachdem es durch eine sptere Einwanderung von den Ksten mehr und mehr zurckgedrngt sei. Erinnert man sich, dass auf den benachbarten Inseln anthropoide Affen vorkommen, die in ganz hnlicher Weise in die Gebirge zurckgedrngt sind, so kann sich leicht der Gedanke daran schliessen, dass im Sinne der Descendenztheorie gerade hier eine Uebergangs-Rasse construirt werden drfe. Allein schon Hr. Jagor hat sein Bedenken ber jene Auffassung der Negritos ausgedrckt, und Hr. Davis schliesst aus den von mir gegebenen Beschreibungen der Hhlen-Schdel, dass eben so viel Grund vorhanden sei, gewisse weisse Stmme, welche sich von der malaischen Rasse unterschieden, mindestens neben den Negritos als autochthon anzunehmen. Es scheint mir, dass dies zu weit gegangen ist. Nachdem Hr. Jagor dargethan hat, ein wie weiter Seeverkehr von Alters her zwischen den Inselgruppen stattgefunden hat, welcher mit den gebrechlichsten Fahrzeugen bewerkstelligt wurde, so wird man sich dem Gedanken Forster's nicht verschliessen knnen, dass die Wahrscheinlichkeit eines Zurckdrngens der Urbevlkerung in die Gebirge durch eine eingewanderte Kstenbevlkerung nahe liegt. Mag man immerhin zwei Aboriginer-Stmme annehmen, so kann dies doch zunchst nur soviel heissen, dass das Kstenvolk schon vor sehr langer Zeit eingewandert ist und dass im historischen Sinne beide als Urbevlkerung gelten mssen. Ich will jedoch zugestehen, dass dies lauter Wahrscheinlichkeitsrechnungen sind, denen man, ehe man nicht genauere Kenntniss ber die Einzelheiten hat, keinen zu grossen Werth beilegen darf. Hr. Davis hat in seiner Besprechung einen Negrito-Schdel von Panay auf Luzon abbilden lassen, und er erwhnt, dass er ausserdem noch zwei andere besitze. Er findet, was brigens schon d'Omalius d'Halloy (Des races humaines ou lments d'ethnographie. Brux. 1869. p. 103.) angenommen hatte, am meisten Uebereinstimmung mit den Schdeln der Andamanen-Insulaner, jedoch auch Verschiedenheiten genug, um beide Rassen von einander zu trennen. Seiner Abbildung nach zu urtheilen, hat der von Hrn. Schetelig mitgebrachte Schdel in seinem Kopftheile manche Aehnlichkeit mit dem von Hrn. Davis erwhnten, aber die Gesichtsbildung erscheint ziemlich verschieden. Der letztere hat einen starken Unterkiefer und ist sehr bedeutend prognath; der erstere zeigt, trotz einer gewissen Verletzung am Oberkiefer, das Gegentheil. Hier kommt nun freilich die schwierige Frage nach der Reinheit der Race in Betracht. Hr. Dr. Schetelig theilt mir mit: Ich habe das Skelet dieses mir von seinem Stamme verkauften Huptlings eigenhndig am Abhange des malerischen ausgestorbenen Vulkans von Buhi, des Arituktuk [352] ausgegraben. Der Stamm ist, wie die meisten der sogenannten Negritostmme, nicht mehr rein-melanesisch, sondern betrchtlich mit Bicol-Elementen versetzt. Doch haben die Leute noch sehr krauses Haar, das keine Eigenthmlichkeit der Malaien bildet. Hr. Davis giebt ber die Herkunft seiner Negritos-Schdel nichts Genaueres an. Es ist das um so mehr zu bedauern, als dieselben unter sich verschieden sind. Zwei davon sind dolichocephal und einer brachycephal, so dass der eigentliche Rassen-Typus schwer gefolgert werden kann. Hr. Davis selbst schwankt daher ber die Bedeutung der Form. Es liegt auf der Hand, dass, wenn es sich um einen exquisit dolichocephalen Typus handelte, die Aehnlichkeit mit den brigen schwarzen Rassen gross sein wrde. Was nun den Schdel von Arituktuk (oder Yriga) betrifft, so gehrt er einem ausgewachsenen, aber wahrscheinlich jngeren Manne an. Es fand sich freilich an dem zugehrigen Skelet, dass die Knorpelfuge zwischen dem Handgriffe des Brustbeins und dem Krper desselben noch offen war, allein dies war die einzige Stelle, welche sich so verhielt. Ausserdem war ein mit betrchtlicher Verkrzung (um 3,5 Centim.) geheilter Knochenbruch am rechten Oberschenkel vorhanden. Nicht unwahrscheinlich trgt der beraus zarte und gracile Knochenbau einen Theil der Schuld an der Fraktur. Die Knochen sind nmlich durchweg wenig ausgebildet [353] und von nahezu kindlichem Aussehen. Zugleich zeigen einzelne leichte Krmmungen, jedenfalls strkere, als wir sonst zu sehen gewohnt sind, so dass mancher, namentlich der franzsischen Ethnologen, auf eine rachitische Form derselben zurckzugehen geneigt sein mchte. Ich will in dieser Beziehung besonders darauf aufmerksam machen, dass bei den Debatten ber die prhistorische Bevlkerung Frankreichs vor allen anderen Knochen das Schienbein die Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Auch bei der Negrito-Tibia hat die seitlich comprimirte Form ihrer oberen Hlfte etwas sehr Aufflliges. Der Knochen ist hier fast so platt, wie eine Sbelscheide; er hat eine hintere Crista, welche beinahe so beschaffen ist, wie sonst die vordere. Dagegen ist die Fossa supracondyloidea humeri undurchbohrt. Besonders abweichend von den bekannten Formen ist die Gestalt des vorderen Randes des Darmbeines; hier steht die Spina ant. inferior so stark nach innen (hinten) und die ber ihr liegende Incisura iliaca minor ist so betrchtlich, dass dadurch eine ganz specifische Bildung entsteht. Der Schdel besitzt dem entsprechend eine nur mssige Capacitt; er hat nur 1350 Ccm. Gehalt, immerhin genug, um ihn von den Australierschdeln zu trennen. Seine Gestalt ist eine ziemlich gleichmssig rundliche: die Stirn ist voll, der Scheitel hoch gewlbt, die Schlfengegend ausgelegt, die Hinterhauptsschuppe stark gerundet. An letzterer findet sich rechts ein besonderer Processus paracondyloideus mit berknorpelter Gelenkflche; da der Atlas leider fehlt, so lsst sich nicht genau sagen, in welcher Weise die Verbindung mit dem Querfortsatze des Atlas stattgefunden hat. Bei der Messung hat der Schdel sich als wesentlich brachycephal ergeben; der Breiten-Index betrgt 83,4 bei einem Hhen-Index von 77,10 (Hhe zu Breite = 93,2 : 100). Obwohl er sich in diesen Verhltnissen den frher von mir vorgelegten Philippinen-Schdeln, namentlich den jngeren aus der Hhle von Nipa-Nipa nhert, so bietet er doch Manches dar, was ihn von jenen unterscheidet. Insbesondere ist die Bildung des Gesichtsskelets hchst abweichend; nur einer der frheren Schdel (Z. 865) steht ihm nher. Ich erwhne hier vor Allem die ungewhnliche Zartheit der Knochen des Gesichts, die selbst, wenn man eine jugendliche Entwicklung annehmen wollte, sehr auffllig sein wrde. Wenn man jedoch die Zhne vergleicht, so ergiebt sich eine sehr merkliche Abschleifung der Schneide- und Mahlzhne, welche beweist, dass das Individuum nicht im Jugendalter gewesen ist. Ausserdem sind die Synchondrosis spheno-occipitalis vollstndig, der untere Abschnitt der Sutura coronaria links und die unteren Abschnitte der Sutura lambdoides beiderseits verknchert; der Processus styloides rechts hat eine ungewhnliche Lnge und Strke; alle Muskelinsertionen sind durch tiefe Unebenheiten, Gruben und Vorsprnge bezeichnet; die Superciliargegend ist durch dicke und porse Wlste ausgezeichnet, welche ber der Nase zusammengehen. Nimmt man zu diesen anatomischen Merkmalen die Angabe des Hrn. Schetelig, dass der Mann ein Huptling gewesen sei, so wird kein Zweifel bleiben knnen, dass dieser Schdel einem vollkommen ausgewachsenen Individuum angehrte. Keiner von den anderen Schdeln hat eine so verkmmerte Gesichtsbildung, wie dieser; sie erinnert fast an die von mir beschriebene Physiognomie des Lappengesichts. Die ganze Hhe (Nasenwurzel bis Kinn) betrgt nur 103 Millim., die Hhe der Nase 46, die mediane Hhe des Unterkiefers 25, der Maxillar-Durchmesser 60. Nur die Orbita (37,4 breit und 34,6 hoch) ist stark entwickelt und ihre mehr quer-viereckige Gestalt unterscheidet sie wesentlich von den Augenhhlen aller anderen Philippinen-Schdel. Dem entsprechend ist auch die Nasenwurzel schmal, der Nasenrcken scharf vortretend und scheinbar eine Adlernase andeutend. Der Oberkiefer hat leider in der Mitte des Alveolarrandes einen kleinen Defect; trotzdem kann man ziemlich sicher erkennen, das nur ein sehr geringer Prognathismus des Oberkiefers vorhanden war. Am Unterkiefer fehlt derselbe gnzlich. Dies ist wohl der grsste Unterschied von den vorliegenden Bicol-Schdeln. Es ist weiterhin in der Schdelbildung dieses Mannes auffallend, so wenig Uebereinstimmung mit den gewhnlichen Verhltnissen der wilden Rassen zu finden: die Plana semicircularia reichen nicht weit hinauf, die obere Wlbung zwischen den Anstzen der Schlfenmuskeln ist sehr gross, die Jochbeine treten nicht sehr stark hervor, der Kieferast ist von geringer Strke. Es lsst sich daher nicht verkennen, dass die ganze Form den usseren Verhltnissen nach nichts Wildes an sich trgt, und wenn man hinzunimmt, dass auch die Lnge der Schdelknochen ziemlich gute Verhltnisse darbietet, so muss man sagen, dass die Schdelform sich deutlich den civilisirten annhert. Schon aus diesem Grunde muss eine mgliche Verwandtschaft mit der australischen Rasse entschieden abgelehnt werden. Andererseits ist es gewiss bemerkenswerth, dass in Beziehung auf die Zartheit der Gesichtsbildung wohl die jngeren Schdel aus der Nipa-Nipa-Hhle eine gewisse Uebereinstimmung darbieten, aber keineswegs die Kirchhofsschdel von Tabaco und Tibi. Bei allen diesen ist das Gesichtsskelet sehr stark entwickelt, namentlich die Jochbeine sehr vorspringend, der Oberkiefer und die Nasenwurzel breit, das Gesicht hoch und vor allen Dingen ein beraus starker Prognathismus des Ober- und Unterkiefers, so dass besonders am Oberkiefer der Alveolarfortsatz sich fast der horizontalen Stellung nhert. Selbst der jugendliche, im Ganzen sehr zarte und kleine Schdel von Tabaco zeigt in Beziehung auf die Gesichtsbildung die grsste Differenz, und namentlich die vorspringenden Zhne bilden den geraden Gegensatz gegenber den Verhltnissen bei dem Arituktuk-Schdel. Bei den Bicols ist in der That eine affenartige Construction der Fresswerkzeuge vorhanden. Im Uebrigen bilden diese Kirchhofs-Schdel eine vortreffliche Ergnzung des von Hrn. Jagor mitgebrachten Materials, insofern sie uns die Osteologie der neueren Bevlkerung kennen lehren. Alle fnf bieten unter sich eine grosse Uebereinstimmung dar: neben einem hchst aufflligen Prognathismus zeigen sie eine Brachycephalie, so stark, wie wir sie nur irgend an ostasiatischen Vlkern kennen. Der Schdel von Tibi hat einen Breitenindex von 80,2 bei einem Hhenindex von 78,5; die 4 Schdel von Tabaco haben Breiten-Indices von 81,1 -- 83,3 -- 83,1 --84,6 bei Hhen-Indices von 79,7 -- 82,4 -- 80,5 -- 80,5. Dabei hat der Tibi-Schdel eine Capacitt von 1595, die Tabaco-Schdel von 1505, 1330, 1350 und der jugendliche von 1290 Ccm. Dem entsprechend betrgt die Circumferenz bei dem Tibi-Schdel 514, bei den Tabaco-Schdeln 514, 490, 478, 495. Smmtliche Schdel sind schn gewlbt, haben volle Stirnen und Schlfen, sehr hohe und stark ausgelegte Hinterhauptsschuppen und grosse Plana semicircularia. Ueber ihre Gesichtsbildung habe ich schon vorher gesprochen und die relative Grsse und namentlich Breite derselben hervorgehoben. Der Tibi-Schdel hat einen formidablen Unterkiefer von 18,5 Centim. Umfang und 34,5 Centim. medianer Hhe. Vergleichen wir nun diese Bicol-Schdel mit den frher beschriebenen Hhlen-Schdeln, so zeigt sich eine nicht geringe Aehnlichkeit zwischen dem Schdel von Tibi und dem von Hrn. Jagor neben einem Holzsarge in der Hhle Nipa-Nipa gefundenen, whrend die Tabaco-Schdel den jngeren und zum Theil syphilitischen Schdeln der Nipa-Nipa-Hhle nher stehen. Nur der weibliche Tabaco-Schdel schliesst sich an die mehr brachycephalen Schdel aus der anderen Hhle von Nipa-Nipa (Z. 873. 874), welche Spuren knstlicher Missstaltung zeigen, und es ist bemerkenswerth, dass gerade bei ihm gleichfalls derartige Zeichen hervortreten. Das Hinterhaupt fllt nmlich unmittelbar hinter den Tubera parietalia ab, die Gegend der hinteren seitlichen Fontanellen ist abgeplattet, und daher die Hinterhauptsgruben fr das Kleinhirn und fr die Hinterlappen des Grosshirns strker vorgewlbt. Die gleiche seitliche Compression zeigt auch der Mdchenschdel von Tabaco. Ein noch erhhtes Interesse haben die Cimarronen-Schdel von Albay, welche ihrem usseren Ansehen nach lter sind und einige Analogie mit den Schdeln von Lanang bieten, welche Hr. Jagor mitgebracht hat. Die beiden sind allerdings unter sich sehr verschieden. Ob diese Differenz sich nur durch das verschiedene Geschlecht erklrt, ist mir in hohem Maasse zweifelhaft; handelt es sich um ein Mischvolk, so liesse sich die Vererbung wohl mit mehr Recht anrufen. Der Schdel des Weibes (Omang) ist kurz und breit, der des Mannes (Baringeag) breit und lang; beide lassen aber deutlich eine knstliche Deformation erkennen. Der weibliche Schdel schliesst sich einerseits den Lanang-Formen, andererseits dem weiblichen Tabaco-Schdel und den ihm verwandten Nipa-Nipa-Formen an. Er hat einen Breitenindex von 87, einen Hhenindex von 79,7, eine Circumferenz von 488, eine Capacitt von 1380. Das Gesicht ist breit, die Nase abgeplattet, der Oberkieferrand stark vorspringend. Dabei zeigt sich eine starke Vernderung des Hinterhauptes, welche aber anders ist als die an den alten Flachschdeln von Lanang. Whrend an diesen eine einfache Abplattung der Stirn und des Hinterhauptes vorhanden ist, bemerkt man bei der Cimarrona, hnlich wie bei dem Tabaco-Weibe, jedoch viel strker, dass jederseits ein seitlicher Druck von hinten und oben her eingewirkt hat; ja, es ist sehr merkwrdig zu sehen, wie der Druck nur auf die Gegend ausgebt worden ist, wo die Lambda-Naht mit der Mastoidal- und Schuppen-Naht zusammenstsst, also dort, wo die seitliche hintere Fontanelle liegt. Die Folge davon ist gewesen, dass sich nach drei Richtungen, nach oben in der Mitte, nach unten rechts und links, also gleichsam kleeblattfrmig, kuglige Protuberanzen gebildet haben, welche offenbar dadurch entstanden sind, dass das comprimirte Gehirn genthigt gewesen ist, sich anderweit Raum zu verschaffen. Es ist dies eine sehr auffllige Form. Sehr bezeichnend ist brigens, dass der laterale Druck ausserdem noch schief gewesen ist, rechts strker, als links, so dass das ganze Hinterhaupt dadurch verschoben worden ist. Der mnnliche Schdel (Baringeag) ist lang und entschieden dolichocephal. Bei ihm betrgt der Breitenindex 75,4, der Hhenindex 77,7, der grsste Umfang 515, die Capacitt 1470. Alle Muskelanstze sind sehr stark, das Gesicht eher etwas schmal, der Nasenrcken gleichfalls schmal, der Kieferrand jedoch stark vorspringend. Dieser Schdel bietet entschiedene Beziehungen mit dem von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdel eines Ygorroten vom Berge Ysarog, der 1856 mit einem Taco (Waldmesser) erschlagen war. Auch bei ihm muss man annehmen, dass ein seitlicher Druck stattgefunden hat; denn es erstreckt sich jederseits von den Tubera parietalia eine ganz steil abfallende Seitenflche herab, und es sind ausserdem hnliche, wenngleich kleinere kuglige Vortreibungen an der Schuppe des Hinterhaupts. Die obere ist nur dadurch maskirt, dass eine ungewhnlich starke Protuberantia occipitalis externa darber sitzt. Ich bin daher der Meinung, dass man in beiden Fllen, trotz ihrer ursprnglichen Verschiedenheit, genthigt ist anzunehmen, dass eine gewisse Deformation stattgefunden hat, welche jedoch wesentlich anders angelegt gewesen ist, wie bei den Flachkpfen von Lanang. Stammen sie, wie Hr. Schetelig angiebt, gleichfalls von einem Negrito-Mischvolk, so wird man kaum zweifeln knnen, dass der dolichocephalische Mannesschdel dem erblichen Typus der Ygorroten entspricht, dass dagegen der brachycephale Weiberschdel und der Huptlingsschdel, obwohl unter einander nicht wenig verschieden, sich mehr dem Bicol-Typus annhern. Was in dem einen oder andern Falle speciell Negrito-Eigenthmlichkeit ist, kann ich nicht sagen; indess mchte bis auf Weiteres der Huptlingsschdel als der reinere angesehen werden drfen, zumal da die Architectur des Skelets im Ganzen mit den Beschreibungen der Reisenden von der usseren Gestalt der Negritos am meisten harmonirt. Werfen wir nunmehr einen kurzen Rckblick auf die gewonnenen Resultate, so zeigt sich uns, mit Ausnahme zweier dolichocephaler Schdel von Cimarronen, eine durchweg brachycephale Reihe mit mehr oder weniger ausgesprochenem Prognathismus. Am meisten tritt dieser in den Hintergrund bei dem auch sonst in vielen Beziehungen abweichenden Schdel des sogenannten Negrito-Huptlings. Die modernen Bicol-Schdel fllen dagegen die frher bemerkte Lcke zwischen den lteren und mehr oder weniger deformirten Lanang-Schdeln und den offenbar jngeren, durch Syphilis ausgezeichneten Schdeln von Nipa-Nipa, zumal wenn man die Hhlenschdel von Caramuan hinzunimmt. Eine durchgehende Verwandtschaft lsst sich nicht verkennen. Hchst auffllig bleibt dabei die grosse Verschiedenheit in der Gesammt-Architectur. Die Lanang-Schdel zeigen einen sehr starkknochigen, die jngeren Nipa-Nipa-Schdel einen ebenso ausgeprgt schwachknochigen Stamm. Die modernen Bicols stehen auch hier in der Mitte, so dass man nicht mehr berechtigt ist, wie frher, aus der blossen Zartheit der Formen auf einen Fortschritt in der Civilisation zu schliessen. Mglicherweise drfen wir in dem schwachknochigen Stamme den Bisayer-Typus annehmen, indess fehlt es fr diese feineren Entscheidungen noch immer an dem nthigen Material, das erst von weiteren Zusendungen erwartet werden darf. Fr einen wirklichen Stammes-Unterschied spricht natrlich auch die verschiedene Art der Abplattung, welche wir constatirt haben. Whrend die Hhlenschdel von Lanang und Caramuan eine vordere und hintere Abplattung erfahren haben, zeigen die modernen Kirchhofsschdel eine seitliche, so dass die Beschreibung von Thevnot im Ganzen weit mehr fr sie zutrifft. Ich habe noch zu erwhnen, dass Hr. Davis in Beziehung auf das Alter der Funde, die ich frher besprochen habe, einen Zweifel aufgeworfen hat, der dahin fhren wrde, die fraglichen Schdel um ein Jahrhundert jnger zu machen. Ich hatte nmlich angenommen, dass die Flachschdel sptestens dem Ende des 16. Jahrhunderts angehren mchten. Ich war dabei auf die einzige Nachricht ber knstliche Verunstaltung des Schdels, welche uns noch erhalten ist, die von Thvenot [354] zurckgegangen. Hr. Davis sagt nun, dass das Buch von Thvenot zwischen 1663 und 1672 erschienen sei, und er folgert daraus, dass die Schdel erst aus dem Ende des 17. Jahrhunderts stammten. Ich muss hier allerdings einen Fehler zugestehen: ich war verleitet dadurch, dass ein sonst sehr zuverlssiger Autor, Gosse (Annales d'hygine publique et de mdecine lgale. 1855. Juill. p. 375.) folgendes Citat giebt: Relations de divers voyages curieux, par Melchisdec Thvenot. Nouvelle dition, 2 vol. in-fol., Paris 1591. Ich habe mich nun berzeugt, dass Melchisedek Thvenot ( 1692) erst gegen 1620 geboren, das Citat von Gosse also offenbar falsch ist. Indessen folgt daraus doch noch keineswegs, dass die fragliche Beobachtung erst der zweiten Hlfte des 17. Jahrhunderts angehrt. Thvenot giebt in seinem grossen Sammelwerk den Bericht eines Geistlichen, der 18 Jahre auf den Philippinen gelebt hatte. Letzterer spricht an einer Stelle davon, dass vor drei Jahren die Einnahme der Insel Mindanao durch Don Sebastian Hurtado de Corcuera erfolgt sei (p. 3.) Diese Einnahme muss nach einem folgenden Berichte (p. 15) um das Jahr 1636 geschehen sein: es ergiebt sich also, dass der Geistliche in der ersten Hlfte des 17. Jahrhunderts schrieb. Damit stimmt auch die Bemerkung am Schlusse der Relation, wonach dieselbe die Uebersetzung einer 1638 in Mexico gedruckten spanischen Schrift ist. Nun findet sich aber darin ausser der Angabe, dass die Leute ihren Kindern die Kpfe verdrckten, noch der andere Gebrauch erwhnt, dass sie die Zhne feilten und mit schwarzem und glnzendem oder feuerfarbenem Firniss frbten [355], und da keiner der von Hrn. Jagor mitgebrachten Schdel diese Zeichen darbot, so hatte ich geschlossen, dass die Leichen beigesetzt sein mssten zu einer Zeit, als diese noch jetzt auf den benachbarten Inseln sehr verbreitete Sitte noch nicht bestand. Denn es schien mir weniger wahrscheinlich, dass die Leute eine derartige Sitte schnell aufgegeben haben sollten, als dass dieselbe erst spter von den benachbarten Malaien importirt worden sei. Indess muss ich zugestehen, dass auch diese Argumente zweifelhafter Natur sind, und nachdem wir durch Hrn. Riedel erfahren haben, dass auf einer benachbarten Insel die Deformirung der Schdel noch heute betrieben wird, so liegt die Frage nahe, ob nicht auch die Lanang-Schdel einer neueren Zeit angehren, als ich angenommen hatte. Immerhin ist es bemerkenswerth, dass jene starke Abplattung, wie sie sich bei den Schdeln aus der Hhle von Lanang findet, unter der ganzen Reihe der brigen Schdel nicht wiederkehrt, und wenn man dazu die brigen, sehr bemerkenswerthen Charaktere der Lanang-Schdel nimmt, so halte ich es immer noch fr sehr wahrscheinlich, dass sie ein hohes Alter haben. Zum Schlsse will ich noch auf einen Punkt aufmerksam machen, worauf ich bei einer spteren Besprechung der Peruanerschdel noch zurckkommen werde. Es findet sich nmlich bei dem Mdchen-Schdel von Tabaco, der auch deutliche Zeichen der seitlichen Abplattung darbietet, jenes grosse Schalt-Stck zwischen den Scheitelbeinen und der Hinterhauptsschuppe (Os epactale) vor, welches man mit dem Namen Os incae belegt hat. Dasselbe ist fast vollkommen dreieckig und misst an der Basis 115, an den Schenkeln 76-78 Millim. Ich urgire dieses Vorkommen deshalb, weil in der neueren Zeit durch Gosse (Bull. de la soc. d'anthropol. de Paris 1860, Vol. I. p. 549. Mmoires de la mme soc. T. I. p. 165) und Jacquart (Bullet. 1865. T. VI. p. 720) der Bedeutung dieses Knochens meiner Meinung nach etwas zu wenig Werth beigelegt worden ist. Man hat sich bemht zu zeigen, dass diese Trennung in einer einfachen Entwicklungs-Hemmung beruhe, weil in einer frheren Zeit des Ftallebens diese Trennung stets vorhanden sei. Allein daraus folgt meiner Meinung nach nichts Erhebliches fr die Bedeutung eines solchen Vorkommens nach der Geburt. Ich habe in der letzten Zeit eine grosse Anzahl von Schdeln neugeborner Kinder maceriren lassen; es war kein einziger darunter, bei welchem eine solche Trennung noch existirte. Diese ist eine solche Raritt, dass jedesmal, wo sie vorkommt, die Frage nach der Ursache derselben aufgeworfen werden muss. Nun ist es doch nicht gering anzuschlagen, dass unter 8 Philippinen-Schdeln sich einer mit einem solchen Beine befindet. Noch bedeutungsvoller wird dieser Fund dadurch, dass auch unter den von Hrn. Jagor mitgebrachten 16 Schdeln ein gleicher ist und zwar einer aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa auf Samar (Z. 865). Er gehrt einem erwachsenen, krftigen Manne an. Der Zwischenknochen ist 50 Millim. hoch, an der Basis 115, an den Schenkeln 25-28 Millim. lang, reicht bis dicht ber die Protuberantia occipitalis externa und ist hier durch eine starke Zackennaht abgesetzt. Was aber noch merkwrdiger ist, der einzige Negrito- oder Aita-Schdel von Manila, der sich in der anthropologischen Gallerie des Jardin des Plantes zu Paris befindet, besitzt nach Jacquart gleichfalls ein Os epactale. Das Alles mag Zufall sein, aber es wre doch ein sonderbarer Zufall. So hat man auch Zweifel ber die Bedeutung des Os incae bei den Peruanern aufgestellt. Wir haben neulich aus Peru zwei alte Schdel bekommen; einer davon hat das Schaltbein in vollster Ausbildung. Nirgends sonst, soweit es uns bekannt ist, zeigt sich dasselbe in einer solchen Hufigkeit, und ich mchte daher wohl annehmen, dass hier eine ethnologische Eigenthmlichkeit hervortritt, die nicht als eine gewhnliche und nichtssagende Erscheinung aufgefasst werden darf. Es wird ein Gegenstand unserer spteren Betrachtung sein, wie dieses Vorkommen zu erklren ist und ob daraus irgend welche Aufschlsse in Bezug auf die Vlkerbeziehungen ber den stillen Ocean zu gewinnen sind. Seit der Zeit dieses Vortrages ist nun das Material noch ungleich mehr angewachsen, indem Hr. Dr. A. B. Meyer eine grssere Anzahl von Philippinen-Schdeln und Skeleten mitgebracht und der Gesellschaft berlassen hat. In der Sitzung vom 15. Juni 1872 konnte ich ber 6 Negrito-Skelete und einen Ygorrotenschdel berichten (Correspondenzblatt der deutschen anthropologischen Gesellschaft 1872. No. 8). Eine sptere Sendung brachte hauptschlich moderne Schdel von einem Kirchhof bei Manila. Von diesen Objekten stimmt zunchst der Ygorrotenschdel mit dem durch Herrn Jagor berbrachten vom Ysarog (und dem einen Cimarronen-Schdel von Albay aus der Sammlung des Hrn. Schetelig) am meisten berein, obwohl er in einem noch viel hheren Maasse lang und zugleich schmal ist. Er besitzt einen Breitenindex von 68,8 bei einem Hhenindex von 73,1, ist also in hchstem Grade dolichocephal und zugleich niedrig. Die Verhltnisse der drei Schdel werden am besten durch eine Zusammenstellung der Zahlen sich ergeben: Breitenindex. Hhenindex. Capacitt. Cimarrone vom Ysarog 76,9 76,1 1315 Cimarrone vom Albay 75,4 77,7 1470 Ygorrote (Meyer) 68,8 73,1 1400 Sehr bemerkenswerth sind bei dem letztern Schdel ferner der geringe Prognathismus des Alveolarrandes, die verhltnissmssig hohen Augenhhlen, die hohe Nase mit schmaler Wurzel und der starke Wulst ber der letzteren. Giebt dieser Wulst dem Schdel den Ausdruck einer gewissen Wildheit, so wird diese gesteigert durch die stark abstehenden Jochbogen und die bedeutend hinaufgerckten Plana temporalia, deren Abstand, ber den Schdel gemessen, an der Kranznaht nur 105 Millim. betrgt: also eine colossale Entwickelung der Kaumuskeln. Es besttigt sich demnach die Existenz einer wilden dolichocephalen Rasse, welche den Hypsistenocephalen der Inseln Polynesiens und der Sundagruppe nher steht. Die Negrito-Schdel sind davon gnzlich verschieden. Ich beschrnke mich darauf, die entsprechenden Zahlen fr 4 derselben zu geben: Breitenindex. Hhenindex. Capacitt. I. 90,6 77,6 1310 II. 80,8 75,6 1200 III. 83,8 77,8 1250 IV. 86,7 82,3 1150 Von diesen ist No. II. ein mnnlicher und, wie mir scheint, verhltnissmssig typischer Schdel, whrend vornmlich bei No. I. knstliche Deformation bemerklich ist. Man sieht hier eine ausgezeichnet brachycephale Rasse, deren Schdel eine mssige Hhe und durchschnittlich eine geringe Capacitt besitzen. Zugleich sind sie stark prognath, jedoch betrifft die Vorschiebung mehr die Alveolarfortstze, whrend die Ansatzstelle des unteren Nasenstachels dem grossen Hinterhauptsloche nher liegt, als die Nasenwurzel. Letztere befindet sich fast senkrecht unter der Nasenwurzel. Die Zusammengehrigkeit dieser Negritoschdel wird in deutlichster Weise dargelegt durch ein hchst characteristisches Zeichen, nmlich durch die vermittelst Feilung in eine Sgenform gebrachten Zahnreihen. Es sind die Zhne, namentlich die vorderen und von diesen wieder am meisten die des Oberkiefers seitlich abgefeilt, so dass sie in scharfe Spitzen, wie Raubthierzhne, auslaufen, -- eine Art der Feilung, welche der bisher bekannten malaischen gerade widerstreitet, indem diese auf der vorderen Flche der Zhne stattfindet und zugleich der untere Rand der letzteren geebnet wird. Hchst merkwrdig ist es, dass beide Arten der Feilung schon von dem alten Thvenot angegeben sind: les vns rendent les dents gales, les autres les affilent en pointes, en leur donnant la figure d'une scie. Nur von der mit Gold gefllten Oeffnung in der oberen Zahnreihe, welche er gleichfalls beschreibt, ist nichts wahrzunehmen. Indess mag das lngst aufgegeben sein, da Gold unter den Negritos wohl eine Seltenheit ist. Jedenfalls stammen die Schdel, welche Hr. Dr. Meyer selbst unter grosser Gefahr auf dem ihm bekannt gewordenen Begrbnissplatze eines Negrito-Stammes in der Provinz Bataan (Zambales), im Nordwesten von Luzon, ausgegraben hat, aus neuer Zeit [356]. Spuren knstlicher Verunstaltung finden sich an der Mehrzahl der Schdel, jedoch erreichen sie auch nicht entfernt das Maass, wie diejenigen an den Hhlenschdeln von Lanang und Caramuan. In der Regel ist das Hinterhaupt sehr steil und die Seitenwandbeine sind dicht hinter den Tubera parietalia fast rechtwinklig herab gebogen. Nur der eine und zwar mnnliche Schdel zeigt gar nichts von Deformation: sein Hinterhaupt springt stark vor, und zwar findet sich die strkste Vorwlbung an der Schuppe oberhalb der Linea nuchae suprema (vgl. Taf. II, fig. 5-6). Wenn dieser letztere Schdel gegenber den weiblichen und deformirten (Taf. II, fig. 4) als der am meisten typische angesehen werden darf, so knnte es doch sein, dass ihm an einer andern Stelle die knstliche Verunstaltung nicht fehle. Er zeigt nmlich eine ungemein breite und platte Nasenwurzel, und die Nasenbeine sind seitlich mit den Processus nasales des Oberkiefers verwachsen. Da sich dieselbe Synostose noch bei einem andern Negrito-Schdel findet, so entsteht die Frage, ob hier eine blosse Rassen-Eigenthmlichkeit oder ein pathologisches Ereigniss vorliegt. Wenn nun an sich der ganze Habitus der Stelle diesen Eindruck hervorbringt, so hat mich eine Mittheilung des franzsischen Missionrs Montrouzier noch mehr fr diese Ansicht gewonnen. Derselbe berichtet nmlich, dass in ganz Neu-Caledonien nach der Geburt eines Kindes Wasser heiss gemacht, die Finger in dasselbe getaucht und mit denselben die Nase des Neugebornen zerquetscht wird. Freilich ist von den Philippinen bis jetzt nichts Aehnliches bekannt, aber vielleicht wird es damit, wie mit der Schdelverunstaltung, gehen. Ich muss endlich noch eine besondere Eigenthmlichkeit der Negrito-Schdel erwhnen, nmlich die ausgezeichnet ogivale Form, welche sowohl in der Stirn-, als Hinterhaupts-Ansicht bemerkbar wird und welche auch in den Photographien (Taf. III.) zu Tage tritt. Namentlich bei der mnnlichen Bevlkerung ist die dachfrmige Gestalt des Vorderkopfes leicht erkennbar. Die Glabella ist an diesen Schdeln ungewhnlich voll, die Stirnhcker schwach entwickelt, in der Mitte fter die Andeutung einer Crista frontalis. Damit hngt zusammen die auffllige Hhe der Plana temporalia, welche sich bei dem Manne (Taf. II, fig. 5 und 6) bis ber die Tubera parietalia erstrecken und hinter der Kranznaht nur 95 Millim. von einander entfernt sind. Es lsst sich daher nicht verkennen, dass der Schdeltypus der Negritos etwas Bestiales, wenn man will, etwas Affenartiges an sich hat. Die grosse Breite der unteren Theile der Nase, welche in den Photographien (vergl. die Tafel III.) so auffllig hervortritt, trgt nicht wenig dazu bei, den Eindruck der Hsslichkeit zu erhhen. Hr. de la Gironire (Aventures d'un gentilhomme breton aux les Philippines. Paris 1855 p. 321) mag daher wohl einen ersten Eindruck, richtig wiedergeben, wenn er in seiner lebhaften und etwas bertreibenden Weise sagt: Les hommes -- me paraissaient plutt une grande famille de singes que des cratures humaines. Um das osteologische Bild zu vervollstndigen, will ich noch hervorheben, was auch die brigen Skeletknochen bezeugen und alle Reisende berichten, dass die Negritos von niedrigem und gracilem Bau sind. Ihre Schienbeine sind seitlich abgeplattet, wie zusammengedrckt. Ihre Oberarmbeine haben fters ein Loch ber den Gelenktheilen der Ellenbeuge und zeigen berdiess eine andere Drehung in der Continuitt, als die europischen. Kurz, alles vereinigt sich, um uns das Bild einer niedrigeren Entwickelung zu geben, aber einer Entwickelung, welche weder mit derjenigen der afrikanischen Neger, noch mit denen der Papuas und der Australneger, soviel bis jetzt ersichtlich, irgend eine Aehnlichkeit zeigt. Wenn wir nun, nachdem wir im Innern der Philippinen sowohl dolichocephale, als brachycephale wilde Stmme kennen gelernt haben, zu der Kstenbevlkerung zurckkehren, so mchte ich zuerst daran erinnern, dass nach dem Zeugnisse der verschiedensten Reisenden hier zahlreiche, durch Einwanderung bedingte Kreuzungen stattgefunden haben. Namentlich werden chinesische und japanesische Beimischungen als sehr einflussreich geschildert. Es wird daher nothwendig sein, hier sehr vorsichtig zu sein, und ich mchte namentlich darauf aufmerksam machen, dass auch Mischungen zwischen der wahrscheinlich malaiischen Kstenbevlkerung und den erwhnten Bergstmmen sorgfltig in Betracht gezogen werden mssen. Gerade in dieser Beziehung drften die von Hrn. Jagor mitgebrachten Hhlenschdel von Samar sowohl wegen ihres Alters, als auch wegen der Kstenlage der Hhlen und der mehr sdlichen Lage dieser Insel eine besondere Bedeutung beanspruchen, da sie vermuthlich reineren Elementen der Bevlkerung angehrten, als die Kirchhofsschdel, nach denen wir die heutige Kstenbevlkerung meist zu beurtheilen haben. Auf den beigegebenen Tafeln sind geometrische Linearzeichnungen der 3 Hhlengruppen von der Insel Samar zusammengestellt, welche ausreichen werden, um ein bersichtliches Bild dieser Kstenschdel zu geben und deren Vergleichung mit den Negrito-Schdeln anschaulich zu machen. Es sind dies folgende: 1) Aus der Hhle von Lanang ist auf Taf. I, fig. 3-4 (z. 841) der am meisten verdrckte Flachkopf, fig. 1-2 (z. 839) ein nur massig vernderter Schdel abgebildet. Es sind dies Beispiele eines ungewhnlich grosskpfigen und wahrscheinlich starken Stammes, welcher, obgleich brachycephal, doch nur mssig prognath ist und am weitesten von den Negritos abweicht. 2) Aus der ersten Hhle von Nipa-Nipa stammen zwei Schdel Taf. I, fig. 5 (z. 873) und fig. 6 (z. 874), beide stark brachycephal und mehr prognath, beide, namentlich fig. 6 betrchtlich, von hinten her abgeplattet. 3) Aus der zweiten Hhle von Nipa-Nipa zwei Schdel Taf. II, fig. 1-2 (z. 867) und fig. 3 (z. 870). Sie gehren jenem zarten und mehr kleinkpfigen, brachycephalen und eminent prognathen Stamme an, unter dem die Syphilis verbreitet war. Ich stelle auch hier, wie frher, einige Zahlen zusammen, indem ich zugleich die modernen, von Hrn. Schetelig mitgebrachten Kirchhofsschdel bercksichtige: Lanang Breitenindex. Hhenindex. Capacitt. No. 839 93,0 78,6 1510 No. 841 94,8 80,0 1470 Nipa-Nipa B. No. 873 89,1 78,9 1360 No. 874 96,2 83,6 1400 Nipa-Nipa A. No. 867 78,4 74,5 1210 No. 870 86,6 77,0 1351 Tabaco No. III. 83,3 82,4 1320 No. IV. 81,1 79,7 1505 Tibi 80,2 78,5 1595 Man ersieht leicht, dass die Brachycephalie durch die ganze Reihe durchgeht und dass auch die Hhe verhltnissmssig berall betrchtlich ist. Am meisten schwankt die Capacitt, weniger jedoch in den einzelnen Gruppen der Hhlenschdel, als unter den modernen. Eine endgltige Entscheidung ber die Stellung der verschiedenen Gruppen zu einander drfte daher noch immer verfrht sein. Die Schwierigkeit, welche durch die knstliche Deformation so vieler diese Schdel herbeigefhrt wird, ist zu gross, um fr die einzelnen Gruppen sichere gesetzliche Normen zu finden. Wie ich schon frher anfhrte, so zeigen die Indices fr die modernen Kirchhofs-Schdel, welche von Bicols stammen, am meisten Uebereinstimmung mit den Hhlenschdeln von Nipa-Nipa A, welche jedoch weit hinter ihnen zurckbleiben in Bezug auf die Capacitt. Allein die hier in Betracht kommenden Hhlenschdel sind auch am wenigsten durch knstliche Verunstaltung betroffen und es liegt daher nahe, dass jeder von ihnen den Typus deutlicher wiedergiebt, als die Schdel der beiden anderen Hhlengruppen. Hoffentlich wird eine weitere Durchforschung des nun reichlicher zustrmenden Materials bald eine vollstndigere Darlegung gestatten, und so eines der interessantesten ethnographischen Gebiete klar legen. ANMERKUNGEN [1] Navarrete IV. 97. Obs.2a. [2] Nach Albo's Schiffsjournal wurde er den Unterschied an den Capverdischen Inseln gewahr, am 9. Juli 1522. y este dia fue miercoles, y este dia tienen ellos por jueves. [3] In einer Anmerkung zu Seite 18 der meisterhaften englischen Uebersetzung Morga's finde ich die auffallende Angabe, dass gleichzeitig eine hnliche Berichtigung in Macao vorgenommen wurde, wo die Portugiesen, die von Osten gekommen waren, den entgegengesetzten Fehler von einem Tage hatten. [4] Zu Ende des 16ten Jahrhunderts belief sich die Abgabe von den aus China eingefhrten Waaren auf 40,000 Doll., die Einfuhr also wenigstens auf 1 1/3 Million. 1810 nach 250-jhriger ungestrter Herrschaft der Spanier war letztere auf 1.150.000 Doll. gesunken. Seit dem steigt sie allmlig und betrug 1861: 2.130.000 Doll. [5] Navarrete IV. 54. Obs. 1a. [6] Nach Gehler's Phys. Lex. VI, 450 wird das Log zuerst von Purchas auf einer Reise nach Ostindien 1608 erwhnt. Pigafetta fhrt es nicht an in seinem Trattato di Navigazione, aber S. 45 seiner Erzhlung heisst es: Secondo la misura che facevamo del viaggio colla cadena a poppa, noi percorrevamo 60 a 70 leghe al giorno. Das wre so viel wie unsere schnellsten Dampfer, 10 Knoten. [7] Die europische Post geht ber Singapore und Hongkong nach Manila. Ersteres ist von beiden Orten etwa gleich entfernt. Man konnte die Briefe also eben so schnell in den Philippinen haben als in China, wenn man sie direkt aus Singapore holte. In diesem Falle wrde aber die Dampfverbindung mit Hongkong beibehalten werden mssen, doch ist bis jetzt der Verkehr noch zu unentwickelt, um die doppelte Ausgabe tragen zu knnen. Nach dem Bericht des engl. Konsuls (Mai 1870) luft gegenwrtig ausser dem Regierungsschiff auch ein Privat-Dampfer zwischen Hongkong und Manila. Die Zahl der Passagiere nach China betrug 1868: 441 Europer. 3048 Chinesen, zusammen 3489. Nach Manila 330 Europer, 4664 Chinesen, zusammen 4994. Der Fahrpreis ist 80 Doll. fr Europer, 20 Doll. fr Chinesen. [8] Zuiga, Mavers I. 225. [9] Zuiga XVIII, M. Velarde f. 139. [10] Capt. Salmon, Goch. S. 33. [11] Die Oeffnung dieser Hfen hat sich so erspriesslich erwiesen, dass darber einige interessante Thatsachen in einem besonderen Kapitel mitgetheilt werden sollen, -- grsstentheils nach mndlichen und schriftlichen Bemerkungen des vor drei Jahren verstorbenen englischen Vizekonsuls N. Loney und nach spteren Konsulatsberichten. [12] 1868 liefen 112 fremde Schiffe von 74,054 Tonnen, 93 spanische von 26,762 Tonnen in Manila ein; erstere kamen fast alle in Ballast, und verliessen den Hafen mit Ladung; letztere kamen und gingen beladen. (Ber. d. engl. Konsuls 1869.) [13] 1868 14,013,108 Doll. Gesammtausfuhr, England 4,857,000 Doll., das ganze brige Europa 102,477 Doll., wobei freilich der von der Kolonie nach Spanien gesandte Tabakstribut (3,169,114 Doll.) nicht mitgerechnet wird (Ber. engl. Kons. 1869). [14] Laprouse nennt Manila die vielleicht am glcklichsten gelegene Stadt der Welt. [15] Nheres ber das Zollwesen s. im Anhange. [16] Sapn oder Sibucao, Caesalpinia Sappan. Das Fernambuk- oder Brasilholz, dem das Kaiserreich Brasilien seinen Namen verdankt, kommt von C. echinata und C. brasiliensis. (Die lteste Karte von Amerika bemerkt vom Lande des Brasil[holzes]: hier giebt es weiter nichts brauchbares als Brasil.) Das Sapan der Philippinen ist reicher an Farbstoff als die brigen ostasiatischen, steht aber dem von Brasilien nach. In neuer Zeit hat es seinen Ruf verloren, da es aus Unverstand hufig zu frh geschnitten wird. Es geht vorzglich nach China, dient zum Rothfrben und -drucken. Das vorher mit Alaun gebeizte Zeug wird dort zum Schluss in ein schwach alkoholhaltiges Alkalibad getaucht. Das in den Kleidern der rmeren Chinesen so hufige Braunroth ist mit Sapan dargestellt. [17] Ein interessantes Verzeichniss der zu jener Zeit von den Chinesen eingefhrten Waaren findet sich im Anhang. [18] Schon damals gingen grosse Mengen kleiner Muscheln (Cypraea moneta) nach Siam, wo sie noch heut als Mnze dienen. [19] Berghaus Geo-hydrogr. Memoir. [20] Manila wurde erst 1571 gegrndet, aber schon 1565 glckte es Urdaneta, Legaspi's Steuermann, den Rckweg durch das Stille Meer zu finden, indem er in hheren nrdlichen Breiten N.W. Winde aufsuchte. Genau genommen war brigens Urdaneta nicht der Erste, dem die Rckfahrt gelang; denn eines der fnf Schiffe Legaspi's, unter dem Befehl Don Alonso de Arellano's, das einen Mulatten, Lope Martin, als Steuermann an Bord hatte, trennte sich von der Flotte, nachdem diese die Inseln erreicht, und kehrte nach Neu-Spanien auf einem nrdlichen Kurs zurck, um die fr diese Entdeckung ausgesetzte Belohnung zu verdienen, was durch das baldige Eintreffen Urdaneta's vereitelt wurde. [21] Grav. No. 6. [22] Vgl. Kottenkamp I. 1594. [23] Gesttzt auf Leyes de India 1a u. 6a, C. 4, L. 9. [24] Zuerst wurde nur die Einfuhr durch Festsetzung eines Werthmaximums beschrnkt, die Manila-Kaufleute halfen sich durch Angabe viel zu geringer Werthe; um diesem Missbrauch ein Ende zu machen, wurde ein Maximum fr Silberausfuhr festgesetzt. Nach Mas (Informe I, 3, 60) betrug aber das geschmuggelte Silber sechs bis acht Mal soviel. [25] Informe Hist. 2. [26] Informe I. 4. 6. [27] Laprouse (358) erwhnt 1787 ein franzsisches Handelshaus (Sebis), das seit mehreren Jahren in Manila etablirt war. [28] Informe, Comercio 2. [29] R. Cocks to Thos. Wilson (Calendar of State Papers (India) No. 823) . . the English will obtain a trade in China, so they bring not in any padrese (as they term them) which the Chinese cannot abide to hear of, because heretofore they came in such swarms and are always begging without shame. [30] Noch 1857 werden ltere, gegen die Niederlassung von Auslndern gerichtete strenge Erlasse durch ein Gesetz (L. ult. II 512) erneut. Eine R. O. von 1844 (L. ult. II 465) verbietet, Fremde unter irgend welchem Vorwande das Innere der Kolonie betreten zu lassen. [31] Pinkerton XI, 85. [32] II, 201. [33] Von 5 2 1/2 1 1/2 = 18,75 span. Cub.-Fuss (St. Croix II, 360). [34] Comercio exterior 47. [35] Die Obras pias sind fromme Vermchtnisse, bei denen in der Regel bestimmt war, dass zwei Drittel zu kaufmnnischen Unternehmungen im Seehandel gegen Zinsen ausgeliehen werden sollten, bis durch die Prmien, die fr das Risiko nach Acapulco 50 Prozent, nach China 25 Prozent, nach Indien 35 Prozent betrugen, das ursprngliche Kapital auf eine gewisse Summe angewachsen war, deren Zinsen dann, fr das Seelenheil des Stifters, zu frommen oder wohlthtigen Zwecken verwendet wurden. (Arenas hist. 397.) Ein Drittel blieb gewhnlich als Reservefond zurck, zur Deckung etwaiger Verluste. (Diese Reservefonds sind lngst von der Regierung als Zwangsanleihen fr sich in Anspruch genommen, werden aber noch als vorhanden angesehn.) Als der Acapulcohandel ein Ende nahm, konnten die Kapitalien nicht mehr nach der Bestimmung der Stifter angelegt werden, und wurden anderweitig auf Zinsen ausgeliehen. Durch R. O. 3. Novbr. 1854 (Leg. ult. II, 205) wird eine Junta administradora eingesetzt, um die Gelder der Obras pias zu verwalten. Das Gesammtkapital der fnf Stiftungen (eigentlich nur vier, da eine derselben kein Kapital mehr besitzt) betrgt etwas weniger als 1 Million Dollars. Der aus den Darlehen erzielte Gewinn wird nach Hhe des Einlagekapitals vertheilt, welches aber nicht mehr baar vorhanden ist, weil die Regierung darber verfgt hat. [36] Thevenot Religeux 12. [37] 14-15 Morga 171. [38] Nach Legentil 32-34. [39] De Guignes, Pinkerton XI, Anson X. [40] Anson X. [41] Edmund Randolph, Hist. of California. [42] Zu Morga's Zeit 70 Tage bis zu den Ladronen, 10-12 Tage bis Cap Espiritu Santo, 8 Tage bis Manila. [43] Eine sehr gute Beschreibung der Naofahrten findet man in Anson Kap. X. Dasselbe Werk enthlt die Kopie einer an Bord der Cavadonga erbeuteten Seekarte, auf welcher die Reise dieser Galeon von den Philippinen nach Acapulco und zurck eingetragen ist. [44] de Guignes. [45] Dem Befehlshaber, der den Titel General hatte, war ein Kapitn untergeordnet, dessen Gewinn auf jeder Reise 40,000 Doll. betrug. Fr den Steuermann belief sich der Nutzen auf 20,000 Doll. Der erste Lieutenant (Maestre) hatte 9 Prozent vom Verkauf der Waaren und lste daraus und aus seinem besonderen Handel ber 350,000 Doll. (Arenas hist. 394.) [46] Die von Anson erbeutete Ladung betrug 1,313,000 Doll., abgesehen von 35,682 Unzen Feinsilber und Cochenille. Die von Drake mitten im Frieden zwischen England und Spanien geraubte 1 1/2 Millionen Doll. Th. Candish (s. oben) verbrannte die reiche Ladung der Sa. Ana, da er keinen Raum mehr fr sie hatte. [47] So fand z. B. 1786 die Nao S. Andrs, die fr 2 Millionen Doll. Fracht enthielt, keinen Markt in Acapulco; ebenso erging es 1787 der S. Jos, und 1789 abermals der S. Andrs. (Informe 1. 4. 33.) [48] 1855: 586 Spanier aus Europa, 1378 Kreolen, 6323 Indier und Mestizen, 332 Chinesen, 2 Hamburger, 1 Portugiese, 1 Afrikaner. (Com. centr. de Estadistica. Heft I.) [49] Das Erdbeben von 1863 zerstrte die alte Brcke, sie wird jetzt wieder hergestellt; die Pfeiler sind vollendet, das eiserne Gerst soll demnchst aus Europa eintreffen (April 1872). [50] Vergl. Roscher's Kolonien. [51] Folgende Maasse werden einen Schluss auf den Gehalt der Zeitungen erlauben: ich whle nicht das Boletin oficial, da es zu amtlichen Ankndigungen bestimmt ist und diesen gegenber sein sonstiger Inhalt nicht in Betracht kommt. Die mir vorliegende Nummer des wchentlich 6 mal erscheinenden Comercio (vom 29. Nov. 1858) hat 4 Seiten, deren bedruckter Raum je 1117, im Ganzen also 748 Quadratzoll betrgt. Sie vertheilen sich wie folgt: Titel, 27 1/2 Quadratzoll; Aufsatz ber die Volksmenge in Spanien, aus einem Buche abgedruckt, 102 1/2 Quadratzoll. -- Unter dem Titel: Nachrichten aus Europa, ein Artikel, abgedruckt aus den Anales de la Caridad, ber die Zunahme der Barmherzigkeit und des katholischen Unterrichts in Frankreich, 40 1/2 Quadratzoll; ber die Kunst und ihren Ursprung (allgemeine Redensarten), 1. Abschnitt, 70 Quadratzoll; Auszug aus dem amtlichen Blatt, 20 1/2 Quadratzoll; alte Anekdote, 59 Quadratzoll. -- Religiser Theil: dieser zerfllt in eine amtliche und eine nichtamtliche Abtheilung, in der ersten werden die Heiligen des Tages und die des folgenden, sowie die Kirchenfeste bekannt gemacht; der zweite Theil enthlt die Anzeige einer glnzenden Prozession und den 1sten Abschnitt einer 3 Jahre frher, bei Gelegenheit desselben Festes gehaltenen Predigt, die so schn war, dass sie den Lesern unverkrzt mitgetheilt werden soll, 99 Quadratzoll. -- Stck eines alten Romans in vielen Kapiteln, 154 und Anzeigen, 175, zusammen 748 Quadratzoll. In den letzten Jahren enthielten die Zeitungen zuweilen gediegene Aufstze, jedoch nur usserst selten. [52] Pigafetta 111. [53] In den Ordenanzas de Buen Gobierno von Hurtado Corcuero, Mitte des 17ten Jahrhunderts, werden Kampfhhne nicht erwhnt. 1779 wurden sie zuerst als Steuerquelle ausgebeutet; 1781 verpachtete die Regierung das Recht, Eintrittsgelder zu den Galleras (von Gallo, Hahn) zu erheben fr 14,798 Doll. jhrlich. 1863 ist der Ertrag der Galleras mit 106,000 Doll. im Budget ausgeworfen. [54] Es giebt eine besondere Verordnung von 100 . ber die Hahnenkmpfe (Madrid, 21. Mrz 1861). 1 bestimmt, dass die Kmpfe, da sie eine Staatseinnahme bilden, nur auf ffentlichen Schaupltzen stattfinden drfen; 6. sie sind an Sonn- und Festtagen zu gestatten; 7. von Schluss der Hauptmesse bis Sonnenuntergang; 12. mehr als 50 Doll. drfen nicht auf einmal gewettet werden. 38. Jeder Hahn darf nur ein Messer und zwar am linken Sporn tragen. 52. Der Kampf ist beendet, wenn beide Hhne oder einer derselben stirbt, oder wenn einer von beiden aus Feigheit davonluft. In Daily News vom 30. Juni 1869 findet sich die Notiz, dass in Leeds, fnf Mnner jeder zu 2 Monaten Gefngniss verurtheilt wurden, weil sie sechs, mit metallenen Sporen bewaffnete Kampfhhne gegen einander hatten kmpfen lassen. Danach scheint in England das frher sehr beliebte Schauspiel nicht mehr gestattet zu sein. [55] Der Pflanzer de la Gironire hat den Rohstoff, Al. Dumas angeblich die Ausschmckung dazu geliefert. [56] Botanische Grten scheinen unter Spaniern nicht zu gedeihen. Chamisso (S. 71) klagt, dass zu seiner Zeit von dem vom gelehrten Cuellar bei Cavite angelegten botanischen Garten keine Spur mehr vorhanden war. Der Madrider Garten ist in einem traurigen Zustande, die Glashuser stehen meist leer. Auch der von einem reichen Patrioten in Orotava (Teneriffa) mit grossen Kosten geschaffene, der als Akklimatisations-Station wichtige Dienste leisten knnte, geht schnell zu Grunde. Es soll alljhrlich eine nicht unbetrchtliche Summe dafr im Budget ausgeworfen werden, von der aber nur selten Spuren bis Orotava gelangen. Bei meiner Anwesenheit 1867 hatte der Grtner seit 22 Monaten keinen Gehalt bekommen, alle Arbeiter waren entlassen, sogar der unumgnglich nthige Zufluss des Wassers war eingestellt worden. [57] Proben im Berl. ethnogr. Mus. No. 294. 295. [58] Bertillon (Acclimatement & Acclimatation, Dict. encycl. des sc. md.) schreibt die Fhigkeit der Spanier, sich in heissen Lndern zu akklimatisiren, vorzglich ihrer starken Vermischung mit syrischem und afrikanischem Blut zu: die alten Iberer scheinen aus Chaldaea ber Afrika gekommen zu sein, Phoenizier und Carthager hatten blhende Kolonien in Spanien, in neuerer Zeit haben die Mauren Jahrhunderte lang das Land besessen und grossen Glanz entfaltet, was der Kreuzung frderlich sein musste. So hat sich zu drei Malen afrikanisches Blut reichlich mit spanischem gemischt. Das heisse Klima der Halbinsel mag wohl auch dazu beitragen, ihre Bewohner fr das Leben in den Tropenlndern geschickt zu machen. Unvermischten Indo-Europern ist es nie gelungen, am Sdrande des Mittelmeers sich fortzupflanzen, noch weniger in heisseren Lndern. In Martinique, wo 8-9000 Weisse von der Ausbeutung 125,000 Farbiger in Flle leben, nimmt die Bevlkerung trotzdem nicht zu, sondern ab. Die franzsischen Kreolen haben die Eigenschaft verloren, sich im Verhltniss der vorhandenen Lebensmittel zu erhalten und zu vermehren. Familien, die nicht von Zeit zu Zeit durch Zufhrung neuen europischen Blutes gestrkt werden, erlschen in drei bis vier Generationen. Ebenso geht es in den englischen Antillen, nicht aber in den spanischen, obwohl Klima und natrliche Verhltnisse dieselben sind. Nach Ramon de la Sagra ist die Zahl der Todesflle unter den Kreolen geringer, die der Geburten grsser als in Spanien; die Sterblichkeit bei der Garnison aber sehr bedeutend. Danach scheint bei der spanischen Rasse eine chte Akklimatisation durch Auswahl stattzufinden: die ungeeigneten Individuen sterben, die andern gedeihen. [59] Ueber die in Amerika zu demselben Zweck angewendeten Mittel bemerkt Depons S. 171: Man ist von jeher davon berzeugt gewesen, dass man der christlichen Religion auf keine andre Weise bei den Indianern Eingang verschaffen knnte, als wenn man ihre eigenen Neigungen und Gewohnheiten mit dem Christenthum vermischte; dies ist so weit gegangen, dass sogar in frheren Zeiten die Theologen die Frage aufgeworfen haben, ob es wohl erlaubt wre, Menschenfleisch zu essen? Das allersonderbarste aber hierbei ist, dass die Frage wirklich zu Gunsten der Anthropophagen entschieden worden ist. [60] Thatschlich ist urbares Land freilich immer in festen Hnden und an manchen Orten hoch im Preise. Bei Manila und in Bulacn ist der Morgen schon vor Jahren ber 150 Thaler bezahlt worden. [61] Journ. Ind. Arch. IV. 307. [62] Im Buitenzorger Garten, Java, sah Verfasser einige in Ssswasser gezogene Exemplare. [63] Boyle (Adventures among the Dayaks, S. 67) fand sogar pneumatische Feuerzeuge aus Bambus bei den Dayaks in Gebrauch, Bastian traf solche in Birma. Auch sah Boyle einen Dayak etwas Zunder auf einen Porzellanscherben legen, ihn mit dem Daumen fest halten und einen scharfen Schlag damit gegen ein Bambusrohr fhren: der Zunder fing Feuer. Dieselbe Art Feuer zu schlagen beobachtete Wallace in Ternate. [64] Eine Berechnung des Flcheninhalts der einzelnen Inseln befindet sich im Anhange. [65] Eine Uebersichtstabelle der Witterungsverhltnisse, und eine zweite, enthaltend die aus fnfjhrigen Beobachtungen (1865-69) gewonnenen Mittel, befinden sich im Anhange. [66] Reiseskizzen S. 143. [67] Nach Tylor (Anahuac 227) petlatl (mexikan.) eine Matte, in den Philippinen: petate; petla-calli mexikanisch. Mattenhaus, davon petaca, geflochtene Zigarrentasche. [68] Voyage en Chine II, 33. [69] Informe II, 37. [70] Nach dem Berichte eines Ingenirs sind die Barren dadurch entstanden, dass der Rio S. Mateo, der bald nach dem Ausfluss des Pasig aus der Laguna rechtwinklig auf diesen stsst, ihm in der Regenzeit eine grosse Menge Schlamm zufhrt, welcher durch die dann herrschenden SW. Winde aufgestaut wird. Es wrde daher wenig ntzen die Barre fortzurumen, ohne zugleich durch Ablenkung der S. Mateo in den See, die Ursache ihrer Entstehung zu beseitigen. [71] .. ils se baignent aussi dans leurs maladies et ont des sources d'eau chaude pour cet effet, particulirement au bord de l'Estang du Roy (Laguna del Rey statt de Bay offenbar in Folge eines Lesefehlers) qui est dans l'le de Manille. Thvenot, Religieux. [72] Vom Maquiling bis zu der Stelle Bacon genannt, die im Osten von Los Baos liegt, kann man kaum 30 Schritte gehn, ohne auf sehr verschiedenartige Wasserbche zu stossen: sehr heisse, lauwarme, natrliche und sehr kalte. In einer in unserm Archiv aufbewahrten Beschreibung dieser Ortschaft, vom Jahre 1739 heisst es: dass SSO. 1/4 S. vom Dorf ein Hgel Natognos liegt, auf dessen Platte eine Stelle von 400 quadr. Fuss in fortwhrender Bewegung ist wegen des heftig ausstrmenden Dampfes. Der von den Dmpfen durchdrungene Krper ist eine ausserordentlich weisse Erde, die zuweilen 1 bis 1 1/2 Ellen hoch geschleudert wird, und wenn sie die Klte fhlt, in kleinen Stcken herabfllt. (Estado geogr. 1865). [73] Laurineen, Scitamineen, Fcherpalmen, Dombeyaceen, Araliaceen. [74] Pigafetta sagt (S. 55), dass man, um den Kokoswein zu gewinnen, den Wipfel der Palme bis auf das Mark (den Trieb), durchbohrte und den aus der Wunde quellenden Saft auffing. Nach Regnaud (Hist. nat. du cocotier p. 120) befolgen die Neger von St. Thomas noch heut ein hnliches Verfahren, das dem Baum sehr schdlich ist und ein weniger gutes Produkt liefern soll. Hernandez, I, 344, beschreibt ein eigenthmliches Verfahren, um aus der Sacsac-Palme, deren kurze Charakteristik so ziemlich auf Arenga saccharifera zu passen scheint, Wein, Honig und Sago zu gewinnen. Sie wird dicht an der Blattkrone gekappt, der Stamm, jedoch nur so weit er zart ist, ausgehhlt, in der Vertiefung sammelt sich der ssse Saft. Ist aller Saft abgezapft, so lsst man den Baum vertrocknen, zerschneidet ihn dann in dnne Stcke, die an der Sonne gedrrt zu Mehl zerrieben werden. [75] Schon Pigafetta erzhlt, dass die Eingeborenen aus den Kokospalmen Oel, Essig, Wein und Milch bereiteten und viel Kokoswein tranken, die Knige berauschten sich mehreremale bei den Gelagen. [76] In der Londoner Illustrirten Zeitung von Ende 1857 oder Anfang 1858 befindet sich eine drastische Darstellung des Reisens auf dieser Strasse von einem talentvollen Knstler unter dem Titel: a macadamized road in Manilla. [77] Vergl. Reiseskizzen. [78] Erd und Pickering. (U. S. Expl. Exp. V 314,) fanden die Hhe = 6500' engl. also 7143' span., bei ihren unvollkommenen Hlfsmitteln kein unbefriedigendes Resultat. Im Estado geogr. Manila 1865 S. 150 wird ohne Quellenangabe die Hhe = 7030' 7'' gesetzt. An derselben Stelle heisst es: der grosse Vulkan ist seit 1730 erloschen, in welchem Jahre sein letzter Ausbruch stattfand; er barst an der Sdseite, stiess Strme von Wasser und brennender Lava aus und Steine von ungeheurer Grsse, deren Spuren bis zum Dorf Sariaya zu verfolgen sind. Der Krater mag gegen eine Legua im Umfang haben, ist im Norden hher, hat im Innern die Form einer Eischale; diese Vertiefung scheint die Hlfte der Berghhe zu betragen. [79] Von Ponte, Verdeck, zweimastige Schiffe mit Mattensegeln von etwa 100 Tonnen. [80] Estado geogr. S. 314. [81] Amtlich Cagsua genannt, denn das alte, hher am Berge belegene durch den Ausbruch von 1814 zerstrte Cagsua wurde an dieser Stelle wieder aufgebaut, wo frher ein unbedeutendes Oertchen, Darga stand. [82] Wie mir Herr Paton brieflich mittheilt, hatte man ihnen in Albay das Unternehmen als unausfhrbar dargestellt. Weder einem Spanier noch einem Indier sei es jemals gelungen den Gipfel zu erreichen, sie wrden trotz aller Vorsichtsmaassregeln vom Sande verschttet werden. Von einem grossen Reiterzuge begleitet, brachen sie um 5 Uhr auf und gelangten bis an den Fuss des Schlackenkegels, von wo sie in Begleitung zweier Landsleute, die aber unterwegs zurckblieben, den Berg zu erklimmen begannen. Auf halber Hhe rastend, sahen sie in hufigen Gipfelausbrchen ausgestossene glhende Lava den Berg hinabgleiten. Mit grosser Anstrengung erreichten sie zwischen 2 und 3 Uhr den Gipfel, konnten aber wegen der schwefligen Gase nur 2 oder 3 Minuten verweilen. Beim Hinabsteigen erfrischten sie sich durch Nahrungsmittel, die ihnen Herr Muoz entgegen gesandt, und gelangten Abends nach Albay, wo sie whrend der paar Tage ihres Aufenthalts als Helden gefeiert wurden, und ber ihre Conquista ein amtliches Beglaubigungsschreiben erhielten, fr welches sie mehrere Dollar zu erlegen hatten. [83] Francisco Aragoneses Suceso espantoso y memorable acaecido en la provincia de Camarines el dia 1de Febrero 1814. [84] Blanco Flora 420. [85] [Der Cacaoverbrauch in Europa betrgt jhrlich 36 bis 40 Millionen Pfd. (Humboldt schtzte ihn 1818 auf 23 Millionen Pfund--H. und Bonpl Reise III., 206), wovon 1/3 fr Frankreich, dessen Bedarf sich von 1853 (6,215,000 Pfd.) bis 1866 (12,973,534 Pfd., Werth 2,681,000 Thaler) mehr als verdoppelt hat. Venezuela liefert den feinsten Cacao fr den europischen Markt: Porto Cabello und Carcas; am besten und theuersten ist der Carcas in 4 Sorten: 1 Chuao, 2 Ghoroni, 3 O'Cumar, 4 Rio chico; sie werden auf vorzglich gepflegten Pflanzungen von lange dort angesiedelten Basken gewonnen. England verbraucht den in seinen eigenen Kolonien erzeugten Cacao, obgleich der Zoll (1 d. per Pfund) fr alle gleich ist; Spanien, das bedeutend konsumirt, bezieht seinen Bedarf besonders aus Cuba, Portorico, auch Ecuadr, Mexico, Trinidad. Sehr betrchtliche neue Pflanzungen sind neuerdings in Nicaragua von Franzosen angelegt worden: 250,000 Bume von denen 60,000 1867 schon trugen. (Rapp. du Jury XI, 268.) Mehr noch als die feinsten Venezula-Sorten sind die Bohnen von Soconusco (Zentr.-Amer.) und Esmeraldas (Ecuadr) geschtzt; sie werden aber im Lande selbst verbraucht, kommen kaum in den Handel. Deutschland begngt sich mit geringeren Sorten; Guayaqul, der im Mittel etwa halb soviel als Carcas kostet, wird bei uns am meisten, mehr als von allen brigen Sorten zusammen, eingefhrt. (Vergl. A. Mitscherlich S. 39-46, wo reiches Material ber den Cacaohandel in bersichtlicher Krze zusammengestellt ist.) [86] [Nach C. Scherzer, Central-Amerika p. 554 giebt der Baum 20 Jahre lang je 30 bis 40 Loth Ertrag; 1000 Pflanzen 1250 Pfund Cacao = 250 Doll. (zu 20 Doll. der Zentner) also 1 Baum 1/4 Doll. -- Mitscherlich nimmt 4 bis 6 Pfd. frische Bohnen als den mittleren Ertrag an. Ein Liter Cacaobohnen wiegt lufttrocken 630 Gr., gerstet und geschlt 610 Gr. (Jordan und Timus). [87] 1727 zerstrte ein Orkan die durch langjhrige Bemhungen geschaffenen bedeutenden Cacaopflanzungen von Martinique mit einem Schlage; dasselbe geschah auf Trinidad. Mitscherlich S. 14. [88] F. Engel (Unsere Zeit 1. Dez. 67) nennt auch eine Krankheit (Mancha), welche in Amerika an der Wurzelbasis mit Zerstrung der Cambiumschicht beginnend, den Baum schnell tdtet und sich so rasch verbreitet, dass ganze Cacaowlder niedergehauen und in Weidepltze fr das Vieh verwandelt wurden, um ihr Einhalt zu thun. Selbst in den begnstigsten Gebieten wurden nach langem ruhigen Besitz in einer einzigen Nacht kurz vor der Ernte, tausende von Bumen durch diese Krankheit getdtet. Ein fast ebenso gefhrlicher, den Anbau einschrnkender Feind ist eine Motte, deren Larve die fertigen Cacaobohnen gnzlich zerstrt; man kennt nur ein Mittel sie zu tdten, Klte und Luftzug. Schon Humboldt fhrt an, dass Cacaobohnen, die ber den kalten Kamm der Cordilleren gefhrt wurden, auf immer von dieser Plage frei blieben. [89] G. Bernoulli (Uebersicht der bis jetzt bekannten Arten von Theobroma. Zrich 1869) fhrt im Ganzen 18 Arten an; fr die Philippinen nur eine: Theobroma Cacao, Lin., nach Blthen und Frchten aus meinem Garten in Darga bestimmt. [90] Pili, ein Canarium, dessen Species wohl noch nicht gengend feststeht, ist in Sd-Luzon, Samar und Leyte sehr verbreitet, es fehlt dort wohl in keinem Dorfe. (Die vom Verfasser eingesandten Blthen sind im Berliner Herbar bei dessen vielen Wanderungen von einem Ort zum andern aus massig gerumigen in immer engere Lokalitten verlegt worden.) Die Frucht von der Grsse einer Pflaume, aber spitzer, enthlt eine harte Mandel, deren Kern roh, in Syrup eingemacht, oder kandirt genossen wird, wie Pinienkerne, denen sie im Geschmack sehr hnlich ist. Die von Pigafetta (S. 55) auf Jomonjol angetroffenen grossen Bume mit Frchten etwas kleiner als Mandeln, Pinienkernen hnlich, sind wohl Pili gewesen. Aus den Kernen wird ein Oel gepresst, dem aus sssen Mandeln vergleichbar. Aus Einschnitten des Stammes erhlt man reichlich ein weiches, angenehm riechendes, weisses Harz, das unter dem Namen Piliharz, oder Brea blanca, im Lande zum Kalfatern der Schiffe, mit Reishlsen durchknetet zu Fackeln verwendet wird. Auch als Pflaster steht es bei Rheumatischen in gutem Ruf. Seit etwa zwanzig Jahren kommt es nach Europa. Die ersten Sendungen brachten grossen Gewinn, da das in seiner Heimath sehr billige Produkt bei uns als ein neues beliebtes Elemiharz Stellung nahm. [91] Der allgemeine Name war aber Cacahoa-atl (Cacao-Wasser), Chocolatl bezeichnete eine besondere Sorte. F. Hernandez (opera omnia II, 155, vergl. auch E. Nierembergius Cap. XV.) kannte bei den Azteken vier Cacaoarten, (eine fnfte Pflanze, die er nennt, lieferte wohl nur ein Surrogat) und beschreibt vier Sorten daraus bereiteter Trnke, deren dritte Chocolatl hies, und angeblich auf folgende Weise bereitet wurde: Gleiche Maasstheile von Fruchtkernen des Baumes Pochotl (Bombax ceiba) und cacahoatl (Cacao) wurden fein gerieben, in einem irdenen Gefss erhitzt, das oben sich ansammelnde Fett abgesondert. Zum Rckstand setzte man gequollenen zermalmten Mais, und bereitete daraus einen Trank, der warm genossen wurde, nachdem das vorher abgesonderte Fett wieder beigemischt worden. [92] M. Wagner, Centr. Amer. 146. [93] Rappt. du Jury XI. [94] Nheres bei Mitscherlich und F. Engel. [95] Berthold Seemann (Nicaragua pg. Ausland 16.7.67) berichtet von einem Baum mit fingerfrmigen Blttern und kleinen runden Kernen, die zuweilen von Indianern zum Verkauf angeboten werden. Man macht Chocolade daraus, die an Wohlgeschmack die gewhnliche aus Cacao bereitete bertrifft. Der Baum wird gewiss mit der Zeit von Europern in grosser Menge angepflanzt werden. [96] Remarks on the Philippine Islands, Calcutta 1828. [97] Reiseskizzen S. 157. [98] Bericht des franz. Konsuls v. 1866. [99] Mysore und Mokka erzielen die hchsten Preise: ersterer 80 bis 90 Sch., Mocca, wenn 5 bis 6 Jahr alt, bis 120 Schilling. [100] Kaffeeeinfuhr in S. Francisco 1865, 66, 67 = 3 1/2, 8, 10 Million Pfd., davon 2, 4, 5 Million Pfd. Manila-Kaffee. 1868 soll England die grsste Menge Kaffee eingefhrt haben. [101] Rappt. Cons. Belge. [102] Kaffee ist ein so vorzglichstes Getrnk und wird so selten gut bereitet, dass folgende von Sachverstndigen gegebene Winke [Rappt. du Jury] gewiss nicht unwillkommen sein werden: 1) Wahl guter Sorten, 2) Mischung derselben im besten, durch Erfahrung festgestellten Verhltniss, 3) Vollstndiges Austrocknen der Bohnen, da sonst der whrend des Brennens aus ihnen entwickelte Wasserdampf einen Theil des Aromas mit fortreisst, 4) Brennen in heisser Luft, wobei der Hitzegrad genau bemessen werden kann. Jede Sorte muss fr sich gebrannt werden, 5) schnelles Abkhlen der Bohnen. Wer seinen Kaffee aus einer allen diesen Bedingungen entsprechenden Quelle beziehn kann, thut wohl am besten, die gebrannten Bohnen in Tagesrationen zu kaufen. Mit Ausnahme der 4ten sind aber die obigen Vorschriften in jeder Haushaltung zu erfllen, und die kleinen in Berlin kuflichen Brennapparate, die ohne Unbequemlichkeit, sehr geringe Mengen ber der Spiritusflamme zu rsten und dabei zu berwachen gestatten, bieten einigen Ersatz. Der Vorschrift 3. gengt man am besten, wenn man den Kaffee vor dem Gebrauch mehrere Jahre lang an einem trocknen Orte aufbewahrt. [103] Lygodium circinatum (?) Swartz, nicht ein kletternder, sondern ein wirklich rankender Farn, wohl die einzige Gattung in der Familie. [104] Anahuac p. 24. [105] Siehe Anhang Brgerliche Einrichtungen. [106] Nach amtlichen, in der Alkaldie erhaltenen Nachrichten 21 Menschen in den beiden letzten Wochen. [107] Histor. de las islas. Cap. XI. [108] St. Croix (II, 157) erzhlt, dass sich zu seiner Zeit die Curas von jungen Mdchen bedienen liessen. Ein Franziskaner am See von Bay hatte deren zwanzig zu seiner Verfgung, von denen ihm immer zwei zur Seite waren. [109] Die Mnche sind Herren in den Provinzen . . . regieren dort als Herrscher . . . sind so unumschrnkt, dass kein Spanier sich dort niederzulassen wagt. . . Die Mnche wrden ihm zu viele Schwierigkeiten bereiten. Legentil 1, 183. [110] Leg. ult. I, 266 . 87, 89. [111] Namentlich durch No. 26 Tit. 6, 54 Tit. 16, Bch. II. und 5 Tit. 2 Recop. [112] R. C. 17. Juli 1754. [113] St. Croix II, 124. [114] St. Croix II, 336. [115] Die Alkaldien zerfallen in 3 Rangstufen: entrada, ascenso, termino. (R. O. 31 Mrz 1837 Tit. I, 1.) In jeder dient der Alkalde 3 Jahre. (Tit. II, Art. 11, 12, 13) Niemand darf unter irgend einem Vorwand in der Magistratur der Provinzen von Asien lnger als 10 Jahre dienen. (Art. 16.) [116] Chine I, 360. [117] Das Gesetz rhrt aus der frhesten Zeit der Kolonisation Amerika's her, daneben bestanden noch eine Anzahl argwhnischer Vorkehrungen, um zu verhindern, dass die hheren Beamten in ein freundschaftliches Verhltniss zu den Kolonisten trten. Weder sie noch ihre Shne durften in der Kolonie heirathen, liegende Grnde erwerben etc. vergl. Kottenkamp I, 509. [118] Ein Weltgeistlicher in den Philippinen erzhlte mir ganz unbefangen, was ihn zur Wahl seines Berufes veranlasst habe. Als Unteroffizier spielte er einst Karten auf einem schattigen Balkon: Seht, rief einer seiner Kameraden, wie die Esel dort schwitzen, damit wir hier faulenzen knnen, indem er auf die Bauern wies, die in voller Sonnengluth den Acker bestellten. Der glckliche Gedanke die Esel fr sich arbeiten zu lassen, machte einen so tiefen Eindruck auf ihn, dass er sofort beschloss, Geistlicher zu werden, wobei ihm sein ehemaliger Besuch einer lateinischen Schule zu Statten kam. Derselbe Gedanke hat wohl auch manchen mittellosen Caballero zur Wahl des Beamtenstandes gefhrt. Die geringe Achtung der brgerlichen Arbeit in Spanien und Portugal, die Aussicht auf Nebenverdienste namentlich in den Kolonien tragen das Ihrige dazu bei. [119] Ausbeutung des Staates durch die Parteien, Ausbeutung der Parteien durch die Personen . . . das eigentliche Geheimniss aller Revolutionen, ein ber alle Maassen widerwrtiger Aemterkrieg . . . Man mag nicht arbeiten und will doch glnzend leben. Man kann es nur auf Kosten des Staats, den man gewissenlos ausbeutet. . . Es gab Orte wo (nach Vertreibung Isabela's) das Amt eines Alkalden dreimal an einem Tage gewechselt wurde. . . (Preuss. Jahrb. Januar 1869.) [120] Nach Grunow, der sie bestimmt hat, Cladophora anisogona Ktzing. = Conferva anisogona Montagne. [121] Giebel und Siewert Ztschrft. f.d. ges. Naturw. 1870 Bd. 1, 377 enthlt einen interessanten Aufsatz von Rob. Pott ber Javanische Fleisch-, Fisch- und Krebsextrakte. [122] Dr. Semper, der sie nach eigner Anschauung schildert (Skizzen 57), scheint bei den Ygorroten eine solche Mischung nicht anzunehmen. [123] S. Semper 52. [124] Genau eben so fand Pigafetta die Musikmdchen des Knigs von Cebu ganz nackt oder mit einem Schurz aus Baumrinde bekleidet (S. 82). Die Hofdamen trugen ausser Hut und kurzem Schleier nur ein kleines Schamband. (S. 89.) [125] Aus denselben Grnden haben vielleicht die Chinesen bei ihrem ersten Verkehr mit den Portugiesen den spter wieder aufgegebenen Gebrauch der Kreuze angenommen. Pigafetta (187) bemerkt: Die Chinesen sind weiss und tragen Kleider, sie essen von Tischen, wie wir. Sie haben Kreuze, man weiss aber nicht wozu. [126] Die Kirchenprlaten sollen ihren Untergebenen ausdrcklich vorschreiben, den Indiern hufig zu predigen, und sie zu berreden ... dass es Pflicht der Gerechtigkeit und des Gewissens sei, ihren Tribut zu zahlen, und dass sie eine Flle von Ablass gewinnen, indem sie die heilige Kreuz-Bulle kaufen, ... wegen der geringen Aufklrung und Wissenschaft besagter Indier ber diese beiden, fr ihre Erlsung eben so wichtigen, als dem Sinne unseres katholischen Monarchen entsprechenden Punkte. Leg. ult. I, 266 . 90. [127] Der Ursprung dieser Bullen liegt in den von den Ppsten des zwlften und dreizehnten Jahrhunderts zu Gunsten derjenigen Personen erlassenen geistlichen Gnaden, die sich persnlich oder durch Spenden an den Kreuzzgen betheiligten. Julius II. berliess die Einnahmen daraus auf drei Jahre den spanischen Knigen, sptere Ppste verlngerten den Termin; 1750 erhielt Ferdinand VI. fr sich und seine Nachfolger das Recht die Ertrge der Kreuzbulle selbststndig zu erheben und zu verausgaben. Die Kreuzbulle besteht in einer Bulle fr Lebende (de vivos), deren Besitzer durch jeden Priester sogar wegen verheimlichter Verbrechen frei gesprochen werden knnen; einer Bulle fr Todte (de difuntos) zur schnelleren Erlsung aus dem Fegefeuer; einer Bulle den Genuss von Milch, Eiern und Fleisch an Fasttagen gestattend (de lacticinios), Abfindungsbullen (de composicion), wodurch u. a. Diebe, Betrger, Erbschleicher, Alle, die fremdes Gut nehmen oder behalten, wenn ihnen der eigentliche Besitzer unbekannt ist, Buhler, solche die um Geld falsches Urtheil sprechen, Frauen, die fr Geld Ehebruch treiben, falsche Zeugen u.s.w. vollkommenen Ablass erhalten, und das schlecht erlangte Gut in gutem Glauben und mit ruhigem Gewissen als rechtmssig erworbenes Eigenthum behalten drfen. Doch drfen jene Verbrechen nicht begangen sein mit der Absicht, sich durch den Kauf der Bulle von der Schuld frei zu machen; denn in solchem Falle msste der Kasse der heiligen Kreuzbulle das Ganze herausgegeben werden. Nach dem ersten amplifizirten spanischen Text des ppstlichen Kommissars gengte ein Ablasschein von 2 r. fr Veruntreuungen bis zur Hhe von 2000 Maravedis. Fr solche von ber 100,000 Maravedis war mit dem Kommissar zu akkordiren. (R. P. And. Mendo Bullae Sanctae Crucis Elucidatio.). Seit 1801 gilt in den Philippinen ein bedeutend hherer Tarif. [128] En 1628, d'aprs des rapports dignes de foi, la terre trembla 14 fois le mme jour dans les Camarnes; beaucoup d'difices furent renverss, une grande montagne se fendit et il en sortit une telle quantit d'eau, que dans les campagnes inondes les arbres furent arrachs et qu' une lieue de la mer la plaine tait toute couverte d'eau. [129] Apud Camarines quoque terram eodem die quatuor decies contremuisse, fide dignis testimoniis renuntiatum est: multa interim aedificia diruta. Ingentem montem medium crepuisse immani hiatu, ex immensa vi excussisse arbores per oras pelagi, ita ut leucam occuparent aequoris, nec humor per illud intervallum appareret. Accidit hoc anno 1638. S. Eusebius Nierembergius, Historia Naturae lib. XVI, 383. Antwerpiae 1635 Fol. (1638 ist bei Perrey, nicht aber im Original verdruckt fr 1628). [130] Siehe Anhang: Succeso raro. [131] Siehe weiter unten bei Abac. [132] Im Fort William, Calcutta, angestellte Versuche haben die ausserordentliche Festigkeit der Ananasfaser dargethan. Ein Kabel von 8 Cm. Umfang zerriss erst bei einem Gewicht von 2850 Kilogr. (Rappt. Exp. Lond. II. 62.) [133] Sapa heisst flach. [134] Hooker (Himalayan Journ. I, 167) schreibt der ausserordentlichen Hufigkeit dieser Annulaten in Sikkim den Tod vieler Thiere zu, auch das fr Rinderpest geltende Viehsterben, wenn es nach einer sehr nassen Jahreszeit eintritt, in deren Folge die Blutegel in unglaublichen Mengen erscheinen . . . Es ist eine bekannte Thatsache, dass diese Wrmer Tage lang in den Nasenlchern, im Schlund und Magen von Menschen gelebt, unsgliche Schmerzen und den Tod veranlasst haben. [135] Gemelli Careri erwhnt sie schon. [136] In ausserordentlicher Schnheit und Ausdehnung fand ich diese Aggregationsform bei den grossen Kieselablagerungen von Steamboat Springs, Nevada Territory. [137] Arenas (Memorias 5. 9) glaubt, dass vielleicht die alten Jahrbcher der Chinesen, da dieses Volk schon frh mit dem Archipel verkehrte, Aufschluss ber die Herkunft seiner heutigen Bewohner enthalten. Ist dies aber nicht der Fall, so drfen wir nicht danach forschen, denn Gott will uns den Ursprung dieser Indier verbergen, und seine Beschlsse mssen wir achten. [138] Wahrscheinlich Anodonta purpurea Val. nach v. Martens. [139] Das Mittel der Durchschnittsernten in den zwlf preussischen Provinzen ist 9,211 Scheffel Getreide per Morgen. (Nassau und Hohenzollern nur 7,98 und 7,19). [140] 650 Pfund per Bnder. -- De Rijst, Maatsch. tot nut S. 13. [141] Scherzer, Fachmnnische Berichte A. 91. [142] Mehr als hundert Jahre spter berichtet Pater Taillandier: die Spanier haben aus Amerika Khe, Pferde und Schafe kommen lassen, aber diese Thiere knnen dort nicht leben, wegen der Feuchtigkeit und der Ueberschwemmungen. Letzteres soll sich wohl nur auf die Schafe beziehen. -- (Taillandier au pre Willard, Lettres difiantes.) [143] Gegenwrtig sollen die chinesischen Pferde plump, grosskpfig, buschig, behaart, die japanischen zierlich, ausdauernd, den arabischen hnlich sein. Gute Manilapferde entsprechen letzterem Typus und werden in den chinesischen Hafenpltzen von den Europern sehr geschtzt. [144] Vergl. Hernandez Opera omnia; Torquemada, Monarchia Indica. [145] Buyo nennt man in den Philippinen die mundgerechte Zurichtung des Betels. Ein Blatt Betelpfeffer (Chavica betel) von der Form und Grsse eines Bohnenblattes, wird mit einem erbsengrossen Stckchen gebrannten Kalkes bestrichen, und von beiden Rndern nach der Mittellinie hin zusammengerollt; dann wird das eine Ende der Rolle in das andere gesteckt, so dass ein Ring entsteht; in diesen wird ein flaches Stck Arecanuss von entsprechender Grsse eingepasst. [146] Im Lande glaubt man, dass Fleisch von Schweinen, die sich auf die S. 124 angegebene Weise nhren, oft diese Krankheit hervorrufe; ein befreundeter Physiologe vermuthet die Ursache eher in reichlichem Genuss sehr fetten Schweinefleisches -- Indier essen aber gewhnlich nicht viel Fleisch und die Schweine sind selten sehr fett. [147] Vergl. A. Erman Reise um die Erde durch Nordasien. Abth. I. Bd. 3, S. 191. [148] Nach Semper S. 69 in Zamboanga und Basilan. [149] Die Scheu den Schlafenden zu wecken beruht wohl auf dem sehr verbreiteten Aberglauben, dass im Traume die Seele den Krper verlasse (zahlreiche Beisp. davon in Bastian's Werken). Bei den Tinguianes (Nord-Luzon) lautet der rgste aller Flche: mgest Du schlafend sterben (Informe I, 14). [150] Lewin, (Chittagong Hill tracts 1869. S. 46,) erzhlt von den dortigen Bergvlkern: Ihre Art zu kssen ist sonderbar: statt Lippe an Lippe zu pressen, legen sie Mund und Nase auf die Wange, und ziehn den Athem stark ein. In ihrer Sprache heisst es nicht: Gieb mir einen Kuss, sondern: rieche mich. [151] Vielleicht Topfstein, der in China zur Anfertigung billigen Schmucks dient; gypsartig bezieht sich wohl nur auf den Hrtegrad. [152] In der Christy'schen Sammlung in London sah ich an einer Vorrichtung aus den Schifferinseln einen derartigen Stein geschickt verwendet, um Vorrthe gegen Ratten und Muse zu schtzen: man zieht eine Schnur durch den Stein, befestigt das eine Ende derselben an der Decke der Wohnung, hngt am andern die aufzubewahrenden Gegenstnde auf. Ein Knoten in der Mitte der Schnur verhindert ihn weiter hinabzugleiten, jede Berhrung bringt ihn aus dem Gleichgewicht, es ist den Ratten nicht mglich ber ihn fort zu klettern. Eine hnliche auf den Viti-Inseln gebruchliche Vorrichtung, aber von Holz, ist im Atlas zu Dumont d'Urville Voy. au Pole sud I. 95 abgebildet. [153] Carletti Viaggi 2. 11. [154] Life in the Forests of the Far East 1. 300. [155] Nach Pater Camel (Philos. transact. London vol. XXVI. pg. 246): hantu schwarze Ameise von der Grsse einer Wespe, amtig kleinere schwarze, hantic rothe Ameise. [156] Nach Dr. Gerstcker wahrscheinlich Phrynus Grayi Walck Gerv., lebendig gebrend. S. Sitzungsb. Ges. Naturf. Freunde Berl. 18. Mrz 1862 und Abbildung und Beschreibung in G. H. Bronn Ord. Class. Bd. V. 184. [157] Calapnit, tagal. und bicol: die Fledermaus, Calapnitan also wohl: Herr der Fledermuse. [158] Von mehreren in der Berliner Bergakademie untersuchten Proben Goldsand enthielt nur eine 0,014 Gold, auch in einer Probe des auf dem Schlammbrett zurckgebliebenen schweren Sandes fand sich kein Gold. [159] Der Gogo ist eine in den Philippinen sehr hufige kletternde Mimose (Entada purseta) mit grossen Schoten; der zerklopfte Stamm wird wie die chilenische Seifenrinde (Quillaja saponaria) beim Waschen verwendet und fr manche Zwecke, z. B. beim Baden und Waschen des Haupthaares der Seife vorgezogen. [160] Ein auf diese Weise gewonnenes Goldkgelchen bestand nach einer in der Berliner Bergakademie angestellten Analyse aus: Gold 77,4 Silber 19,0 Eisen 0,5 Kieselerde 3,0 Verlust 0,1 ===== 100,0 war also ber 18 kartig. [161] S. Reiseskizzen S. 198. [162] Nest und Vogel sind in Gray's genera of birds abgebildet; das Nest entspricht aber nicht den hier gefundenen. Diese sind halbkugelfrmig und bestehn zum grossen Theil aus Coir (Kokosfaser); wahrscheinlich von Menschenhand zubereitet, das ganze Innere ist mit einem unregelmssigen Netzwerk feiner Fden der glutinsen, essbaren Substanz berzogen, ebenso der obere Rand, der von der Mitte nach den Seiten hin, allmlig anschwillt und sich zu zwei einander berhrenden flgelartigen Fortstzen ausbreitet, womit das Nest an der Wand festgeheftet ist. -- Die Zeichnung ist in 1/3 Grsse der Originale ausgefhrt die sich unter B 3333 im Berl. Zool. Mus. befinden. Dr. v. Martens vermuthet, die Bezeichnung Salangane komme von langayan, Schwalbe, und dem malayischen Praefix sa und bedeute eigentlich das Nest als etwas von der Schwalbe herrhrendes. (Journ. f. Ornith. Jan. 66. S. 19). [163] Spanischer Katalog der Pariser Ausstellung 1867. [164] Informe sobre las minas de Cobre, Manila 62. [165] Nach dem Katalog kommen folgende Erze vor: Buntkupfererz (cobre gris abigarrado), Arsenkupfer (c. gris arsenical), Kupferglas (c. vitreo), Kupferkies (pirita de cobre), gediegen Kupfer (mata cobriza), Schwarzkupfer (c. negro). Die am hufigsten auftretenden Erze haben folgende Zusammensetzung, A nach einer in der Escuela de Minas in Madrid analysirten Probe, B nach Santos' Analysen, Mittel mehrerer verschiedenen Stellen entnommener Proben: A B Kieselsure 25,800 47,06 Schwefel 31,715 44,44 Kupfer 24,640 16,64 Antimon 8,206 5,12 Arsen 7,539 4,65 Eisen 1,837 1,84 Kalk Spuren (Verlust) 0,263 0,25 ======= ====== 100,000 100,00 [166] Nach den bei uns geltenden Preisen wrde sich der Werth auf etwa 12 Dollar berechnen, der Werth der analysirten Probe (S. 143) auf 14 1/4 Dollar. [167] In Dat galten damals 6 Nsse 1 cuarto, in Naga, das zu Wasser nur 15 Leguas entfernt, hofften die Leute 2 fr 9 c. zu verkaufen (das 27fache); eine Nuss kostete damals in Naga 2 c., 12mal so viel als in Dat. [168] Seitlich blhende Palmen knnen eine lange Reihe von Jahren ununterbrochen oder indem man sie zeitweis Frchte tragen lsst, abgezapft werden. [169] N. Loney versichert in einem seiner trefflichen Berichte, dass es bei angemessener Bezahlung nie an Arbeitern fehle. Als beispielsweise zum Ausladen von Schiffen in Yloilo viele Leute auf einmal gebraucht wurden, lockte die geringe Lohnerhhung von 1 auf 1 1/4 r. deren mehr herbei als beschftigt werden konnten. Der belgische Konsul berichtet seinerseits, dass in den Provinzen, wo das Abaca wchst, die gesammte mnnliche Bevlkerung bei dieser Kultur betheiligt ist in Folge einer geringen Lohnerhhung. [170] Ein unvollendeter Kanal soll vom Bicol- zum Pasacaofluss fhren, wie man glaubt vor Zeiten von Chinesen gegraben, deren Schiffe dort zahlreich verkehrten. (Arenas S. 140.) [171] La Situation conomique de l'Espagne, Delmarre pg. 7. [172] Lesage Coup d'oeil, in Journ. des Economistes Sept. 68. [173] Nach meinen Barometermessungen: Goa am Nordabhang des Ysarog 32m. Uacly, Ygorroten-Ansiedlung 161m. Schlucht Basira 1134m. Gipfel des Ysarog 1966m. [174] Ein von einem erschlagenen Ygorroten herrhrender Schdel hat nach Prof. Virchow's Untersuchung eine gewisse Aehnlichkeit mit Malayen-Schdeln von den benachbarten Sundainseln, namentlich mit Dayakschdeln. [175] Pigafetta fand Amboina von Mohren (Muhamedanern) und Heiden bewohnt aber die ersten sitzen am Seegestade, die zweiten im Innern. Im Hafen von Brune (Borneo) sah er zwei Stdte, eine von Mohren, und eine, grsser als jene und ganz in Salzwasser stehend, von Heiden bewohnt. Wie der Herausgeber bemerkt, fand Sonnerat spter (Voy. aux Indes) dass die Heiden vom Meer verdrngt, sich in die Berge zurckgezogen hatten. [176] Leg. ult. I. 256 . 75. [177] Auf Coello's Karte sind diese Verhltnisse falsch angegeben. [178] Java, seine Gestalt, .. II. 125. [179] Auch ein intelligenter Mestize besuchte mich fter whrend meiner Krankheit. Nach seiner Aussage wird dicht bei Caraman ausser dem bereits S. 145 erwhnten Kupfer, an drei Stellen Kohle gefunden; auch Gold und Eisen soll vorhanden sein. Demselben Manne verdanke ich auch die von Prof. Virchow im Anhange besprochenen Schdel von Caraman, die angeblich aus einer Hhle bei Umang, 1 Legua von Caraman stammen. Auch auf der Spitze der Halbinsel, bei der Visita Paniniman und auf einer kleinen Insel, dicht bei der Visita Guilo, sollen hnliche Schdel vorkommen. [180] Sie bestehn aus Bambus. [181] Der wild wachsende Pili hat ungeniessbare Frchte. Vergl. Anm. 48 S. 79. [182] Sor Inspector por S. M. Nosotros dos Capnes actuales de Rancerias de Lalud y Uacloy comprension del pueblo de Goa prova de Camarines Sur. Ante los pies de vmd postramos y decimos. Que portan de plorable estado en que nos hallabamos de la infedelidad recienpoblados esta visitas de Rancerias ya nos Contentamos bastantemente eu su felis ilegada y suvida de este eminente monte de Ysarog loque havia con quiztado industriamente de V. bajo mis consuelos, y alibios para poder con seguir a doce ponos (i. e. arboles) de cocales de mananguiteria para Nuestro uso y alogacion a los demas. Ygorotes, o montesinos q. no quieren vendirnos; eta utilidad publica y reconocer a Dios y a la soberana Reyna y Sora Doa Isabel 2a (que Dios Gue) Y por intento. A. V. pedimos, y suplicamos con humildad secirva, proveer y mandar, si es gracia segun lo q. imploramos etc. Domingo Tales . Jose Laurenciano . [183] Dendrobium ceraula n. sp. Reichenbach fil. [184] Rafflesia Cumingii R. Brown nach Dr. Kuhn. [185] Nach E. Bernaldez (Guerra al Sur) betrug die Zahl der innerhalb 30 Jahren geraubten und getdteten Spanier und Indier 20,000. [186] Die reichbeladene Nao machte es eben so. s. S. 16. [187] Auszug aus einem Brief des Alkalden an den Generalkapitn 20. Juni 60: Seit 10 Tagen liegen zehn Seeruberboote ungestrt auf der Insel S. Miguel, 2 Leguas von Tabaco, und unterbrechen den Verkehr mit der Insel Catanduanes und dem stlichen Theil von Albay .. sie haben viele Rubereien begangen, 6 Menschen fortgeschleppt .. Es ist ihnen nichts anzuhaben, da es den Drfern gnzlich an Feuerwaffen fehlt; die beiden einzigen Falas sind in der San Bernardino-Strasse durch Strme zurckgehalten. Brief vom 25. Juni: Ausser den obigen Seeruberbooten sind 4 grosse Pancos und 4 kleine Vintas in der Bernardino-Strasse erschienen ... ihre Besatzung betrgt 450 bis 500 Mann, sie haben ... zusammen 16 Menschen getdtet, 10 geraubt, 1 Schiff gekapert. [188] Zu Chamissos Zeit war es schlimmer: Die Expeditionen auf bewaffneten Booten, die von Manila aus geschickt werden um gegen den Feind (die Seeruber) zu kreuzen, ... frhnen nur dem Schleichhandel und Christen und Mauren weichen dabei einander aus mit gleichem Fleiss (v. Ch. Bemerkungen und Ansichten S. 73). Mas (I. IV. 43) berichtet dasselbe nach Notizen aus dem General-Sekretariat in Manila und fgt hinzu, dass die Kreuzer sogar die ihnen anvertrauten knigl. Waffen und Munitionen verkauften, wovon viel in die Hnde der Mohren gelangte. Die Alkalden sollten die Befehlshaber der Kreuzer, diese die Alkalden berwachen, sie machten aber gewhnlich gemeinschaftliche Sache. -- Laprouse erzhlt sogar (II. S. 357), dass die Alkalden eine sehr grosse Anzahl der von den Seerubern (in den Philippinen) gemachten Sklaven kauften, so dass diese nicht nach Batavia gebracht zu werden brauchten, wo sie viel weniger galten. [189] Nach dem Diario de Manila 14. Mrz 1866 hat die Seeruberei zwar abgenommen, aber nicht aufgehrt. Paragua, Calamines, Mindoro, Mindanao, die Bisayas, haben noch darunter zu leiden. Hufig werden auch Rubereien und Menschenraub von Handelsprauen ausgefhrt, wenn die Gelegenheit gnstig. Solche Gelegenheitspiraten sind am schwersten auszurotten. Nach meinen neuesten Berichten ist die Seeruberei wieder im Zunehmen. [190] Die Spanier versuchten die Eroberung der Suluinseln 1628, 1629, 1637, 1731, 1746. Spter haben hufig Expeditionen stattgefunden, um Repressalien zu ben. Auch im Oktober 1871 wurde eine grosse Expedition gegen Sulu ausgesandt, um die in neuer Zeit wieder sehr berhand nehmende Seeruberei zu bndigen, ein oder zwei Jahre vorher hatten sich die Piraten bis in die Nhe von Manila gewagt. Im April dieses Jahres (1872) kehrte die Flotte aber wiederum unverrichteter Sache nach Manila zurck. Die Spanier hatten zu dieser Unternehmung fast die ganze Seemacht der Kolonie, vierzehn Schiffe, meist Kanonendampfer, aufgeboten; sie bombardirten die Hauptstadt, ohne besonderen Schaden anzurichten, die Moros zogen sich in's Innere zurck und erwarteten die Spanier, die indessen nicht zu landen wagten, mit einem wohl ausgersteten Heer von 5000 Mann. Nach monatelanger Unthtigkeit brannten die Spanier einen wehrlosen Kstenplatz nieder, verbten dabei viele Grausamkeiten, zogen sich aber zurck, als die Krieger zum Kampfe heranrckten. Die Hfen des Suluarchipels sind jetzt durch Dekret dem Handel verschlossen, doch ist es fraglich ob alle Schiffer dies bercksichtigen werden. Vor nicht langer Zeit hat der Sultan von Sulu dem Knige von Preussen die Oberherrschaft ber sein Gebiet angetragen, sein Anerbieten ist abgelehnt worden. [191] Das Diario de Manila vom 9. Juni 1866 berichtet: Gestern hat die durch Verordnung vom 3. August 1865 eingesetzte Militrkommission ihre Thtigkeit eingestellt. Es funktioniren wieder die ordentlichen Gerichte. Die zahlreichen Banden von 30, 40 und mehr, bis an die Zhne bewaffneten Individuen, die ihre Spuren von Blut und Feuer an den Thoren von Manila und an so vielen andern Orten zurckgelassen, sind vernichtet ... Mehr als 50 Ruber haben ihr Verbrechen am Galgen gebsst, 140 sind zum Presidio (Zwangsarbeit) oder zu andern Strafen verurtheilt worden. [192] Nach Arenas (Memorias 2 1) hiess Albay frher Ibalon; Tayabas, Calilaya; Batangas, Comintan; Negros, Buglas; Cebu, Sogbu; Mindoro, Mait; Samar, Ybabao; Basilan, Taguima, Mindanao wird von B. de la Torre Cesarea; Samar in R. Dudleo, Arcano del mare (Florenz 1761) Camlaia genannt. In Hondiv's his map of the Indian Ilands, (Purchas 605) wird Luzon Luconia; Samar, Achan; Leyte, Sabura; Camarines, Nebui genannt. In Albo's Tagebuch heisst Cebu Suba, Leyte Seilani. Pigafetta erwhnt eine Stadt Cingapola auf Zubu, Leyte ist auf seiner Karte im Norden Baybay, im Sden Ceylon benannt. [193] Im Estado geogr. der Franziskaner, Manila 1855, ist nichts davon erwhnt. [194] Kleine Schiffe, die keine Kanonen haben, sollen Krge, mit Wasser und den Frchten der Arenga sacharifera gefllt an Bord nehmen, in der Absicht mit der tzenden, heftiges Brennen verursachenden Brhe, die Seeruber bei einem etwaigen Angriffe zu bespritzen. Dumont d'Urville erzhlt, dass die Bewohner von Solo bei seinem Besuch die Brunnen mit dergleichen Frchten vergiftet hatten. Die in Zucker eingemachten Kerne sind ein angenehmes Konfekt. [195] Es wurden noch gewhlt ein Teniente mayr (Stellvertreter des Gobernadorcillo), ein Juz mayr (Oberrichter) fr die Felder, immer ein Excapitan, ein zweiter Richter fr die Polizei, ein dritter Richter fr Streitigkeiten, die das Vieh betreffen, ein zweiter und dritter Teniente und erster und zweiter Polizeidiener; endlich noch fr jede Visita ein Teniente, ein Richter, ein Polizeidiener. Alle drei Richter knnen Excapitano's sein, kein Excapitan kann Teniente werden. Der erste Teniente muss aus der Principala sein; die brigen knnen dieser oder der Plebe angehren; die Polizeidiener (Alguacls) sind immer aus letzterer. [196] G. Squier (States of Central Amerika 192) erwhnt einen Mahagonyblock, 17 Fuss lang, der im unteren Queerschnitt 5 Fuss 6 Zoll im Geviert, im Ganzen 550 Cubikfuss maass. [197] Nach Dr. v. Martens: Modiola striatula Hanley, der denselben Zweischaler auch zu Singapore in Brackwasser bedeutend grsser fand. Reeve bildet die von Cumming in den Philippinen, ohne nhere Ortsangabe gesammelte Art auch grsser ab (38 mm), die vom Catarman hat 17mm. [198] In Sumatra sah Wallace in der Dmmerung einen Lemur einen Baumstamm hinauf laufen, und dann in schiefer Richtung durch die Luft nach einem andern Stamm gleiten, den er nahe dem Boden erreichte; die Entfernung beider Bume betrug 210 Fuss, der Hhenunterschied nicht ber 35 oder 40 Fuss, also weniger als 1 : 5. (Malay Archipelago I. 211.) [199] Die dem Berliner Herbar eingesandten Exemplare sind nicht aufzufinden. [200] Nach W. Peters Tropidolaenus philippinensis Gray. [201] v. Martens erkannte unter den Tertir-Muscheln der Thonbnke die noch jetzt im indischen Ozean lebenden Arten Venus (Hemitapes) hiantina Lam., V. squamosa L., Arca cecillei Phil., A. inaequivalvis Brug., A. chalcanthum Rv. und die Gattungen Yoldia, Pleurotoma, Cuvieria, Dentalium; ohne ihre Uebereinstimmung mit lebenden Arten verbrgen zu knnen. [202] Tarsius spectrum Tem., in der Landessprache: Mago. [203] Schon der alte Pater Camel fhrt an, dass das Thierchen angeblich nur von Kohlen lebe, dies sei indessen ein Irrthum, es frsse Ficus indica (worunter hier wohl Bananen zu verstehn) und andere Frchte. (Camel de quadruped. Philos. trans. 1706/7 London). -- Auch ber den Kaguang (s. S. 194) giebt Camel einen interessanten noch heut passenden Bericht. ibid. 2. S. 2197. [204] Nachstehende Mittheilung ist zuerst in den Sitzungsberichten der Berliner Anthropologischen Ges. erschienen, nur waren meine Besucher dort Palosinsulaner genannt. Da aber Prof. Semper, der lngere Zeit auf den eigentlichen Palos (Pelew)-Inseln zugebracht hat, im Corresp.-Bl. f. Anthropol. 1871 No. 2 mit Recht hervorhebt, dass Uliai zur Gruppe der Carolinen gehre, so habe ich hier den allgemeineren Ausdruck Mikronesier gewhlt, obwohl jene Mnner, ber deren Herkunft aus Uliai kein Zweifel bestand, sich nicht Carolinen-Insulaner, sondern Palos nannten. Wie mir Dr. Grffe mittheilt, der viele Jahre in Mikronesien verweilte, ist Palos ein hnlich loser Begriff wie Kanaka und so viele andere und bezeichnet durchaus nicht ausschliesslich die Bewohner der Pelewgruppe. [205] Dumont d'Urville, Voy. pole sud. V. 206 bemerkt, dass die Eingeborenen ihre Insel Gouap oder Ouap, aber niemals Yap nennen, und dass der Ackerbau dort alles bertreffe, was er je in der Sdsee gesehn hatte. [206] Die Reisen der Polynesier wurden auch durch die Tyrannei der siegreichen Parteien veranlasst, welche die Ueberwundenen zur Auswanderung zwangen (Ausland 29. Jan. 70.). [207] Pigafetta S. 51. [208] Morga f. 127. [209] Die Bisayer berziehn ihre Zhne mit glnzend schwarzem oder feuerfarbenem Firniss, und so werden ihre Zhne schwarz oder roth wie Zinnober, und in der oberen Reihe machen sie eine kleine Oeffnung und fllen sie mit Gold, das auf dem schwarzen oder rothen Grunde um so mehr glnzt (Thvenot, Religieux 54). Ein Knig aus Mindanao, der Magellan auf Massana besucht: in ogni dente haveva tre machie d'oro, che parevano fosseno legati con oro, woraus Ramusio gemacht hat: in ciascun dito avea tre anelli d'oro. (Pigafetta S. 66). Vergl. auch Carletti Viaggi 1. 153. [210] In einer dieser Klippen, 60 Fuss ber dem Meer, fanden sich Muschelbnke: Ostrea, Pinna, Chama .. nach Dr. v. M.: O. denticulata Bron., O. cornu copiae Chemn., O. rosacea Desh., Chama sulfurea Reeve, Pinna nigrina Lam.(?). [211] Im Athenaeum 7. Jan. 71 ist nach Capt. Ullmann eine Todtenfeier (Tiwa) der Dayaks beschrieben, die in vielen Punkten mit der der alten Bisayer bereinstimmt. Der Sarg wird vom nchsten mnnlichen Anverwandten aus einem Baumstamme ausgehhlt, so eng, dass der Leichnam hineingepresst werden muss, damit nicht bald darauf ein andres Familienglied sterbe, um die Lcke zu fllen. Es werden mglichst viele Habseligkeiten auf den Todten gehuft, um seinen Reichthum darzuthun, und sein Ansehn in der Geisterstadt zu erhhen, unter den Sarg wird ein Gefss mit Reis, eines mit Wasser gestellt. Eine der Hauptfeierlichkeiten des Tiwa bestand vormals (auch jetzt noch an einigen Orten) in Menschenopfern. Wo die hollndische Regierung gebietet, knnen solche nicht stattfinden, es werden aber zuweilen Bffel oder Schweine auf grausame Weise getdtet, mit deren Blut die Hohepriesterin Stirn, Brust und Arme des Familienhauptes bemalt. Aehnliche Opfer von Sklaven oder Schweinen mit eigenthmlichen Zeremonien durch Priesterinnen (Catalona's) fanden bei den alten Philippinern statt. (s. Informe I. 2. 16.) [212] Ein Aufsatz von Professor Virchow ber die von mir aus den Philippinen mitgebrachten Schdel befindet sich im Anhange. [213] In dem Kapitel de Monstris et quasi monstris ... des Pater Camel, Lond. Philos. Trans. Bd. XXV. p. 2269 wird erwhnt, dass in den Bergen zwischen Guuan und Borongan Fusstapfen, dreimal so gross, als die gewhnlicher Menschen, gefunden worden seien. Vielleicht haben die sehr breit gedrckten, mit einer dicken Kalksinterkruste berzogenen Schdel von Lnang, die Riesenschdel, Veranlassung zur Sage der Riesenfussspuren gegeben. [214] Hemiramphus viviparus W. Peters (Berl. Monatsb. 16. Mrz 1865). [215] Lehrbuch der Pharmakognosie des Pflanzenreichs S. 608. [216] Philos. trans. 1699 No. 249. S. 44, 87. [217] In Borngan kostet die Tinja von 12 Gantas 6 r. (ein Quart etwa 10 Pfennige), das Gefss 2 r., die Fracht nach Manila 3 r., oder wenn der Produzent als Matrose mitgeht, 2 1/2 r. Der Preis in Manila bezieht sich auf die Tinja von 16 Gantas. [218] Frisch bereitetes Kokosl dient zum Kochen, es wird aber schnell ranzig. Als Brennl findet es sehr allgemeine Verwendung. In Europa, wo es selten flssig erscheint, da es erst bei 16 R. schmilzt, dient es zur Darstellung von Kerzen, besonders aber von Seife, wozu es vorzglich geeignet; denn Kokosseife ist sehr hart, glnzend-weiss und leichter als alle andre Seifen in Salzwasser lslich. In neuerer Zeit wird auch der lhaltige Kern unter dem Namen Copperah, namentlich aus Brasilien in England eingefhrt und heiss ausgepresst. [219] In Legaspi, dem besuchtesten, im Sommer leicht zugnglichen Hafen kostete im Juni 1 Kokosnuss 8 bis 10 c., d. h. 50 bis 60 mal so viel als in Daet oder Buhi, Pltze die leicht zu erreichen sind. [220] Auf Pigafetta's Karte ist Leyte in zwei Theile getheilt, der nrdliche heisst Baibay, der sdliche Ceylon. Als Magellan in Massana (Limasana) nach den bedeutendsten Handelspltzen der Gegend fragt, nennt man ihm Ceylon (d. h. Leyte), Calagan (Caraga) und Zubu (Cebu). Pigaf. 70. [221] Nach Dr. Gerstcker: Oedipoda subfasciata de Haan, Acridium manilense Meyen. Meyen's Name, den die Systematiker bersehn haben mssen, hat die Prioritt vor dem de Haan's, msste aber in Oedipoda manilensis umgendert werden, da die Art nicht zur Gattung Acridium im modernen Sinne gehrt. Sie kommt auch in Luzon und in Timor vor und ist nahe verwandt mit unserer europischen Wanderheuschrecke, Oedipoda migratoria. [222] Nachdem sich der Knig zurckgezogen, .. wurde Zuckerwerk und Kuchen in Flle gebracht, auch gebratene Heuschrecken, die den Gsten als grosse Delikatessen aufgenthigt wurden. (Col. Fytche Mission to Mandalay Parlament. Papers June 1869.) [223] Die Namen dieser beiden Ortschaften sind auf Coello's Karte vertauscht, Buruen liegt S. von Dagami. [224] 950 Brazas sdlich vom Kastel von Abuyog mndet ein kleiner Fluss. [225] Gobius Giuris Buch. Ham [226] Der See hatte damals nur einen Ausfluss; in der nassen Jahreszeit mag er aber wohl mit dem Mayo in Verbindung stehn, da sein NO-Rand ganz flach ist. [227] Pintados oder Bisayos, nach einem einheimischen Worte, welches dasselbe bedeutet, sollen die Bewohner der Inseln zwischen Luzon und Mindanao von den Spaniern genannt worden sein, weil sie die Gewohnheit hatten sich zu tatuiren. Crawfurd (Dict. 339) meint, diese Thatsache stehe nicht fest, sicherlich werde sie von Pigafetta nicht erwhnt. Pigafetta sagt aber S. 80: Egli (il re di Zubu) era ... dipinto in differente guisi col fuoco. -- Purchas (Pilgrimage fol. I. 603): the king of Zubut had his skinne painted with a hot iron pensill, und Morga f. 4: traen todo el cuerpo labrado con fuego. Danach scheinen sie sich nach Art der Papuas, durch Einbrennen von Flecken und Streifen in die Haut, tatuirt zu haben. Aber an einer andern Stelle (f. 138) berichtet Morga: Sie unterscheiden sich (von den Bewohnern Luzons) durch ihr Haar, das die Mnner zu einem Zopf schneiden nach der alten spanischen Art und bemalen ihre Krper mit vielen Mustern ohne das Gesicht zu berhren. Der Gebrauch des Tatuirens, der mit Einfhrung des Christenthums aufgehrt zu haben scheint, denn schon der oft zitirte Geistliche (Thvenot S. 4) erwhnt ihn als verschollen, kann aber nicht fr ein Kennzeichen der Bisayer gelten; Stmme des nrdlichen Luzons tatuiren sich noch heut. [228] Mezzeria, (Italien), Metayer, (Frankreich). [229] Bei uns kostet der Scheffel Kartoffeln durchschnittlich auf dem Lande 10, in der Stadt 20 Sgr. [230] In China wird aus den Samen von Vernicia montana ein Oel gewonnen, das durch Zusatz von Alaun, Bleigltte und Steatit bei gelinder Wrme leicht in einen kostbaren Firniss bergeht, der, mit Harz vermischt, zum Wasserdichtmachen der Schiffsbden verwendet wird. (P. Champion Indust. anc. et mod. de l'Emp. Chinois 114.) [231] Petzholdt (Kaukasus I, 203) erwhnt, dass in Bosslewi so viel Maiskrner als ein Thongefss fassen kann, seinen Preis bestimmen. [232] Wie allgemein derartige Missbruche, geht aus einem auf dem Papier vorhandenen, aber nicht in die Praxis gedrungenen Gesetz von 1848 (Leg. ult. I. 144) hervor, welches wucherische Kontrakte mit Dienern oder Gehlfen verbietet, und diejenigen mit strengen Strafen bedroht, die unter dem Vorwande, Vorschsse geleistet, oder Schulden oder die Kopfsteuer, oder Ablsung von Frohnden gezahlt zu haben, Eingeborene oder ganze Familien in immerwhrender Abhngigkeit bei sich erhalten, und ihre Schuld fortwhrend erhhen, indem sie ihnen fr ihre Leistungen keinen hinreichenden Lohn gewhren. [233] Frher scheinen sie anders gewesen zu sein: Diese Bisayer sind Leute, dem Ackerbau weniger zugethan, gewandt in der Schifffahrt, lstern nach Krieg und Seezgen, wegen der Plnderungen und Prisen, welche sie Mangubas nennen, was dasselbe ist, wie Ausziehn um zu stehlen. Morga f. 138. [234] Der Missbrauch dauert fort, obwohl ein strenges Gesetz ihn verbietet und die Alkalden, welche unterlassen es anzuwenden mit 100 Dollar Geldbusse fr jeden einzelnen Fall bedroht werden. In manchen Provinzen zahlt der Brutigam, ausser der Aussteuer, eine Entschdigung an die Mutter der Braut fr die von letzterer genossene Muttermilch (Bigay susu). Nach Colin (Labor evangelico S. 129) betrug der Penhimuyat, das Geschenk, welches die Mutter fr die Nachtwachen und Sorgen bei Erziehung der Braut empfing, ein Fnftel der Aussteuer. [235] Eigentliche Menschenfresser werden in den Philippinen von den alten Schriftstellern nicht erwhnt. Pigafetta (S. 127) hat gehrt, dass an einem Fluss, am Cap Benuian (N.-Spitze von Mindanao), Leute wohnen, die von ihren gefangenen Feinden nur das Herz und zwar mit Zitronensaft essen. Dr. Semper (Philippinen 62) fand denselben Brauch mit Ausnahme des Zitronensaftes an der Ostkste von Mindanao. [236] Der Anito kommt bei den Vlkern des malayischen Archipels als Antu vor, der Anito der Philippinen ist aber wesentlich ein Schutzgeist, der malayische Antu mehr dmonischer Art. [237] Mir sind dergleichen Gtzenbilder nie vor Augen gekommen. Die in Bastian und Hartmann's Zeitschrift fr Ethnologie B. I. Tafel VIII. abgebildeten Idole aus den Philippinen, deren Originale sich im Berliner ethnographischen Museum befinden, sind zwar in den Philippinen erworben, gehren aber nach A. W. Franks unzweifelhaft den Salomons-Inseln an. Im Katalog des Prager Museums Abth. II-VIII S. 46 sind aufgefhrt: vier hlzerne Gtzenkpfe von den Philippinen, welche der bhmische Naturforscher Thaddus Hnke, der im Auftrage des Knigs von Spanien im Jahre 1817 die Sdseeinseln bereiste, mitgebracht hat. Die auf meinen Wunsch von der Direktion des Museums gtigst hergestellten Photographien entsprechen aber durchaus nicht obiger Beschreibung, deuten vielmehr auf die Westkste von Amerika, das Hauptfeld der Thtigkeit Hnke's. Auch die aus seinen nachgelassenen Papieren hervorgegangenen Reliquiae botanicae geben keinen Aufschluss ber die Herkunft jener Idole. [238] Als beispielsweise wegen des erwarteten Angriffes von Cogseng (s. unten), alle verfgbaren Krfte, auch die von Zambonga, um Manila zusammengezogen worden waren, fielen die Moros mit 60 Schiffen ber die Inseln her, whrend sonst ihre Ausrstungen 6 bis 8 Schiffe nicht zu bersteigen pflegten. Torrubia S. 363. [239] Hakl. Morga Append. 360. [240] Nach der Revista minera, Madrid 1866 XVII. 244 sind die Kohlen vom Berge Alpac, im Gebiet von Nga in Ceb, trocken, rein und fast frei von Schwefelkiesen; sie brennen leicht und mit starker Flamme. Bei den, im Laboratorium der Bergschule zu Madrid angestellten Versuchen gaben sie 4% Asche und eine Heizkraft von 4825 Calorien, d. h. durch Verbrennung von 1 Gewichtstheil wurden 4825 Gewichtstheile Wasser um 1 C. erwrmt -- gute Steinkohle giebt 6000 Cal. Die ersten Kohlengruben in Ceb wurden im Massngathal betrieben, die Arbeiten aber 1859, nachdem bedeutende Kosten darauf verwendet, wieder eingestellt. Spter entdeckte man im Thal von Alpac und im Berg Oling bei Nga vier Schichten von betrchtlicher Mchtigkeit.... Die Kohle von Cebu ist anerkannt besser, als die von Australien und Labuan, besitzt aber nicht hinreichende Heizkraft um ungemischt fr lngere Seereisen verwendet zu werden. Nach dem Katalog der Produkte der Philippinen (Manila 1866) haben die Kohlenschichten in Ceb an vielen Stellen des NS. durch die ganze Insel streichenden Gebirges eine durchschnittliche Mchtigkeit von 2 m. Die Kohle ist von mittlerer Gte, sie wird in den Regierungsdampfern, mit Cardiffkohle gemischt, verbrannt. Ihr Preis in Ceb ist durchschnittlich 6 Dollar per Tonne. [241] Engl. Konsular Bericht 217. [242] In Jar hat sich der Pachtzins in 6 Jahren verdreifacht, Vieh, das 1860 10 Dollar galt, kostete 1866 25 Dollar. Grundstcke an der Ria von Yloilo sind in wenigen Jahren von 100 Dollar auf 500, sogar auf 800 Dollar gestiegen (Diario Febr. 1867). [243] 1855 fhrte Yloilo, einschliesslich 3000 Picos von Negros, 11,700 Picos aus, 1860 schon 90,000 P., 1863: 176,000 P. (in 27 auslndischen Schiffen), 1866: 250,000 P., 1871: 312,379 Picos von beiden Inseln. [244] Der fr den englischen Markt bestimmte Zucker kostete in Manila 1868/69 15 bis 16 per Ton und stellt sich in London auf 20 . Best gereinigter, wie ihn Manila fr Australien bereitet, wre in London wegen des hheren Zolles nur 3 per Ton mehr werth, aber 5 theurer als der schlechte, der mithin eine Prmie von 2 geniesst. Manila exportirt hauptschlich den Zucker von Pangasinn, Pampnga und Lagna. (Nach Privatberichten.) [245] The Islands of the East-Indian Archip. 1868. S. 340. [246] Catalogue de l'Expos. perman. des Colonies franaises 1867. S. 80. [247] Rapport du Jury, Exp. 1867 IV. 102. [248] Die Indier Sd-Amerika's verwenden angeblich schon lange die Bananenfaser zur Anfertigung von Kleiderstoffen (The Technologist Sept. 1865 S. 89. ohne Quellenangabe.) und in Lu-tschu soll von der Banane fast nur die Faser benutzt werden. (Faits commerciaux No. 1514 S. 36.) [249] Fibrous plants of India. [250] Das Abac nimmt auch keinen Theer an, und kann daher nur zu laufendem nicht zu stehendem Tauwerk gebraucht werden. [251] Eine Pflanzung im vollen Betriebe liefert jhrlich 30 Zentner Bandla vom Preuss. Morgen. Vom Morgen Lein gewinnt man nur 2 bis 4 Ztr. reinen Flachs, 2 bis 8 Ztr. Samen. Lein kann aber, da er den Boden erschpft, nicht alle Jahre gebaut werden. [252] Wie mir Dr. Wittmack mittheilt, kann man auch vom Hanf nur Fasern oder Samen gewinnen, da der reife Hanf zu sprde, grobe Fasern besitzt. Beim Flachsbau wird freilich hufig Same und Faser verwerthet, doch sind dann beide von geringer Gte. [253] Flora de Filipinas. [254] Lupis wurde 1868 in London 100 per Tonne bezahlt, jedoch nur in geringer Menge, etwa 5 Tons jhrlich, eingefhrt und angeblich in Frankreich zu einer besonderen Art von Unterrcken verwendet; die Mode soll bald wieder aufgehrt haben. Quitol, eine geringe Sorte Lupis, soll 75 bezahlt worden sein. [255] Die Starrheit ist allen Fasern von Monokotyledonen eigen, weil sie aus dickwandigeren Zellen bestehn, whrend die eigentlichen Bastfasern der Dikotyledonen (Flachs z. B.) geschmeidiger sind. [256] Auch bei andern Ackerbauerzeugnissen pflegen Mestizen und Indier sich die Arbeit ihrer Landsleute zu sichern, indem sie diesen Vorschsse machen und sie erneuern, bevor die alten abgetragen sind. So gerathen Unbesonnene immer tiefer in Schulden und werden thatschlich zu Sklaven ihrer Glubiger, wenn es ihnen nicht gelingt, zu entfliehn. Dasselbe findet bei Antheilkontrakten statt, wo der Grundbesitzer dem Bauer Boden, Ackergerth und Zugvieh zu liefern hat, oft schiesst er dann auch noch Kleidung und Nahrungsmittel fr die ganze Familie vor; bei Theilung der Ernte deckt der Antheil des Bauers nicht seine Schuld. Gesetzlich sind die Indier freilich nur bis zu 5 Dollar haftbar, ein besonderes Gesetz verbietet berdies ausdrcklich dergleichen wucherische Geschfte, sie sind aber allgemein in Gebrauch. s. S. 234 Anm. 127. [257] Dieser Neid htte beinahe die Schliessung der neuen Hfen (s. Kap. 23) bald nach ihrer Erffnung zur Folge gehabt. [258] Rapport Consulaire Belge XIV. 68. [259] Im Agricultural Report fr 1869, S. 232 wird eine andre Faser sehr gepriesen, die von einer dem Sesal sehr nahe verwandten Pflanze (Bromelia sylvestris) stammt, vielleicht nur eine Abart derselben; ihren einheimischen Namen jxtle soll sie wegen der Aehnlichkeit ihrer flachen, stacheligen Bltter mit den gezhnten Obsidianmessern (iztli) der Azteken erhalten haben. [260] Die Bananen sind bekanntlich eine der allerwerthvollsten Pflanzen fr den Menschen, sie liefern unreif Strkemehl, reif eine angenehme nahrhafte Frucht, die selbst in Menge genossen weder widerlich wird, noch nachtheilige Folgen hat. Einige der besten essbaren Abarten tragen schon Frchte 5 oder 6 Monate nachdem sie gepflanzt worden und treiben immer neue Schsse aus der Wurzel, so dass sie eine unausgesetzte Fruchtfolge geben und die Mhe des Menschen fast auf das Umhauen der alten Pflanzen und das Pflcken der Frchte beschrnkt ist. Die breiten Bltter gewhren andern jungen Pflanzen den in tropischen Lndern so nthigen Schatten, werden vielfach in der Haushaltung verwendet und manche Htte hat es nur ihrem Bananengrtchen zu danken, wenn sie die Feuersbrunst bersteht, die gelegentlich das Dorf in Asche legt. Ich mchte hier auf einen Irrthum aufmerksam machen, der einige Verbreitung erlangt hat. In Bischof Pallegoix's trefflichem Werke Description du royaume Thai on Siam I. 144 heisst es: L'arbre vernis, qui est une espce de bananier et que les Siamois appellent rak, fournit ce beau vernis qu'on admire dans les petits meubles qu'on apporte de Chine. -- Als ich in Bangkok den fast neunzigjhrigen liebenswrdigen Greis ber diese auffallende Angabe zur Rede stellte, meinte er kopfschttelnd, das knne er nicht geschrieben haben; -- ich zeigte ihm die Stelle. -- Ma foi j'ai dit une btise; -- j'en ai dit bien d'autres, flsterte er mir in's Ohr, indem er die Hand vorhielt, als frchtete er behorcht zu werden. [261] 1862 bezog England aus Spanien 156 Tons, 1863: 18,074 t., 1866: 66,913 t., 1868: 95,000 t. Die Lumpeneinfuhr fiel von 24,000 t., 1866; auf 17,000 t., 1868. In Algier wchst auch sehr viel Sparto (Alfa), der Transport nach Frankreich ist aber zu theuer, um es dort zu verwenden. [262] Der englische Konsul schtzt die Einnahme aus diesem Monopol fr das Jahr 1866/67 auf 8,418,939 Dollar, smmtliche Ausgaben auf 4,519,866, den Reinertrag also auf 3,899,075 Dollar. Im Kolonialbudget fr 1867 war der Gewinn am Tabak auf 2,627,976 Dollar, die Gesammtausgaben der Kolonie, nach Abzug der durch die Tabakregie veranlassten, auf 7,033,576 veranschlagt. Nach den amtlichen Tabellen des Chefs der Regie, Manila 1871 betrugen die Gesammteinnahmen der Tabakregie in den Jahren 1865/69 durchschnittlich 5,367,262 Doll., die wegen mangelnder Spezialrechnungen nicht genau festzustellenden Ausgaben wenigstens 4 Million Dollar, so dass nur ein Reingewinn von 1,367,262 verbleibt. [263] Instruccion general para la direccion, administracion y intervencion de las rentas estancadas 1849. [264] Memria sobre el desestanco del tabaco en las islas filipinas .. Don J. S. Agius Binondo (Manila) 1871. [265] Von den Philippinen scheint der Tabak nach China gekommen zu sein: Die von Wang-tao entdeckten Notizen lassen keinen Zweifel, dass er zuerst in Sd-China im 16. und 17. Jahrhundert von den Philippinen aus eingefhrt wurde; wahrscheinlich ber Japan. (Notes & Queries China und Japan, May 31 67.) Nach Schlegel, Batavia, wurde er 1573-91 von den Portugiesen nach Japan gebracht, und verbreitete sich in China so schnell, dass schon 1638 der Verkauf mit der Strafe des Kpfens bedroht wurde. Nach N. & Q. Chin. Jap. 31 Juli 67, war der Gebrauch des Tabaks 1641 im Mantchu-Heer allgemein. In einem chinesischen Werk Naturgeschichtliche Miscellen heisst es: Yen-t'sao (die Rauchpflanze) wurde gegen Ende der Regierung Wan-li zwischen 1573-1620 in Fukien eingefhrt und auch Tan-pa-ku (von Tombaku) genannt. [266] West-Cuba erzeugt den besten Tabak, die berhmte Vuelta abajo 400,000 Ztnr. zu 20 bis 140 Thlr. Ausgewhlte Sorten werden bis zu 800 selbst 1000 Thlr. p. Zentner bezahlt. Cuba produzirt 640,000 Ztnr. Die in Paris 1867 ausgestellten Zigarren waren im Werth von 35 bis 570 Thlr. das Tausend. Die jhrliche Zigarren-Ausfuhr wird auf 500 Million geschtzt. (Rappt. Jury V. 375) ... In Jenidje-Karasu (Salonich) werden jhrlich 17,500 Ztnr. gewonnen, wovon 2500 erster Qualitt, 2 Thlr. 12 Sgr. die Oka (etwa 1 Thaler das Pfd.) gelten. Ausgewhlte Sorten werden bis 5 Thlr. per Pfd. und hher bezahlt. Salaheddin Bey La Turquie l'Exposition S. 91. [267] In Cuba ist die Tabakindustrie durchaus frei. Der ausserordentliche Aufschwung des Gewerbes, die zunehmende Gte der Waare werden zum grossen Theil dem regen Wetteifer der Fabrikanten zugeschrieben, die von der Regierung keinen andern Schutz als den ihrer Fabrikzeichen erhalten. (Rappt. Jury 67. V. 375.) [268] Handschriftlicher Bericht an den Kolonial-Minister, Mrz 1868. [269] Basco fhrte auch den Seidenbau ein und pflanzte in Camarnes 4 1/2 Million Maulbeerbume, die man alsbald nach seinem Rcktritt wieder eingehn liess. [270] Nach Laprouse rief diese Maassregel auf allen Punkten der Insel Emprungen hervor, die durch bewaffnete Macht unterdrckt werden mussten. Ebenso veranlasste das um dieselbe Zeit in Amerika eingefhrte Monopol gefhrliche Aufstnde, brachte Venezuela an den Bettelstab und wurde eine Hauptursache des spteren Abfalls der Kolonien. [271] Ein Fardo (Pack) enthlt 40 Manos (Bund). 1 Mano = 10 Manojtos, 1 Manojto = 10 Bltter. Reglement . 7. [272] Reglement fr alle Sammelstellen von Luzon: . 1. Der Tabak wird nach vier Klassen bezahlt. . 2. Zur I. Klasse gehren Bltter von wenigstens 18 Zoll von Burgos (0m 418) Lnge, zur II. solche von 18 bis 14 Zoll (0m 325), zur III. von 14 bis 10 Zoll (0m 232) zur IV. Bltter von wenigstens 7 Zoll (0m 163); kleinere werden nicht angenommen. (Letztere Beschrnkung ist jetzt aufgehoben. Da sich die Qualitt des Tabaks in den Hnden der Regie immer mehr verschlechtert, so sind jetzt noch zwei geringere Klassen (V. und VI.) eingefhrt). -- Ein Fardo I. Kl. wiegt 60 Pfd. und wurde von der Regierung (1867) bezahlt 9 Doll 50 C. ,, ,, II. Kl. ,, 46 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 6 ,, - C. ,, ,, III. Kl. ,, 33 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 2 ,, 75 C. ,, ,, IV. Kl. ,, 18 Pfd. ,, ,, ,, ,, ,, ,, ,, 1 ,, - C. (Bericht engl. Kons.) Folgende Tabelle giebt die von der Regierung fabrizirten Sorten, und die Preise, zu welchen sie 1867 im Estanco zu haben waren. Menas (Klassen). Folgenden PREIS Zahl der Habana-Klassen einer von 1000 einer Zigarren assimilirt. Arroba Zigarren Zigarre in einer Doll. Doll. Cents. Arroba. Imperiales derselben Klasse 37,50 30 4,80 Prima veguro do. do. 37,50 30 4,80 Segunda do. Regala 26 Prima superir filipino Regala 26 Segunda do. do. ohne Assimilirung 38 19 3,4 Tercra do. do. Lndres 15 Prima filipino Superir habano 21 15 2,40 1400 Segunda do. Segunda superir habano 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800 Prima corldo derselben Klasse 21 15 2,40 1400 Segunda do. derselben Klasse 24 8,57 1/8 1,37 3/8 2800 Mista Segunda batdo 20,50 Prima batdo lrga ohne Assimilirung 18,75 1,66 2/3 1800 Segunda do. do. do. do. 18,75 0,80 3750 [273] Es gehn im Mittel 407 1/2 Million Zigarren und 1,041,000 Kg. Rohtabak jhrlich in's Ausland, zusammen dem Gewichte nach etwa 56,000 Quintales, abgesehn von dem geschenkten Tabak. [274] ... Der in diese Lage gebrachte Bauer findet es schwer seine Familie zu erhalten, ist gezwungen Geld zu bertriebenen Zinsen zu borgen und gerth immer tiefer in Schulden und Elend .. die Furcht vor Geld- und Krperstrafen, mehr als die Aussicht auf hohe Preise, ist die Haupttriebfeder, durch welche die Lieferungen aufrecht erhalten werden knnen .. (Bericht des engl. Konsuls.) [275] Von Dezember 1853 bis November 1854 hatte die Kolonie 4 General-Kapitne (2 effektive und 2 provisorische). 1850 soll ein neu ernannter Oidor, (Mitglied des obersten Gerichtshofes) mit seiner Familie den Weg nach Manila um das Kap genommen und bei seiner Ankunft bereits seinen inzwischen ber Suez gereisten Nachfolger im Amte getroffen haben. Solche Zustnde werden nicht befremden, wenn man damit vergleicht, wie es in Spanien selbst zugeht. Nach einem Aufsatz in der Revue nationale April 1867 hat Spanien von 1834 bis 1862, d. h. seit dem Regierungsantritt Isabella's 4 Konstitutionen, 28 Parlamente, 47 Premierminister, 529 Minister mit Portefeuilles, darunter 68 Minister des Innern gehabt, so dass jeder der letztern durchschnittlich nur 6 Monate im Amte war. Die Finanzminister sollen seit 10 Jahren nicht lnger als 2 Monate geblieben sein. Seitdem und namentlich seit 1868 erfolgen die Wechsel viel schneller. [276] Der Grund des hohen Silberagios lag darin, dass die Chinesen alle spanischen und mexikanischen Dollar aufkauften, um sie nach China auszufhren, wo sie mehr gelten als andre Dollar, weil sie, von den Reisen der Nao her, seit alten Zeiten bekannt sind und auch in den innern Provinzen Kurs haben. (Am hchsten werden dort Carlos III. bezahlt). Eine seitdem in Manila errichtete Mnzanstalt, die sich selbst erhlt, wenn sie auch der Regierung keinen andern Nutzen abwirft, hat jenen Uebelstand gnzlich beseitigt. Die Chinesen pflegen das Silber und Gold gewhnlich als Geld mit auslndischem Geprge nach Manila zu bringen, indem sie Landesprodukte dafr kaufen, die einheimischen Kaufleute lassen es umprgen. Anfnglich waren in Manila fast nur Silberunzen vorhanden, Goldunzen usserst selten. Das hohe Agio, das sie genossen, hatte eine so starke Einfuhr zur Folge, dass sich das Verhltniss umkehrte, in den Regierungskassen wurde aber die Goldunze immer der Silberunze gleich gerechnet. [277] Es haben vor der Zeit diese Insulen alle in gemein gehrt vnder die kron China, sie haben sich aber umb gewisse vrsachen daruon abgesondert, Dannen her kein Regiment oder Policey ordnung vnder ihnen war, vnd diejenige welche am mchtigsten waren, behielten die Oberhandt, lebten vndereinander wie dz Viehe ... Die von China treiben in den Insuln gross Gewerb. (J. H. Lindschotten 1596, deutsch Gebr. Brey Frkft. 1613 S. 58). Vergl. auch The Dutch memor. Embassies I. 140; Morga Hakl. 18, Anm.; Purchas 602; Don Juan Grav y Monfalcon Mem. al Rey No. 6; Calendar of State Papers, China & Japan No. 266; Manrique Itinerario de las Misiones, Roma 1653 S. 282. [278] In den Philippinen werden die Chinesen gewhnlich Sangleyes genannt. Nach Professor Schott: sang-li (im Sden szang-li auch senng-li) mercatorum ordo; sang heissen besonders die ambulanten Hndler, im Gegensatz zu den K, tabernarii. [279] .. Es ist ein schlechtes lasterhaftes Volk, .. und da ihrer so viele, und sie grosse Esser sind, so vertheuern sie die Lebensmittel und verzehren sie ... es ist wahr, dass die Stadt ohne die Chinesen nicht bestehn kann, denn sie sind die Arbeiter in allen Beschftigungen, sie sind sehr fleissig und schaffen um geringen Lohn, aber dafr wrde eine geringere Anzahl ausreichen. (Morga f. 349.) [280] Recopilacion Lib. IV. Tit. XVIII. ley 1. [281] Informe I, III. 73. [282] Die Chinesen durften nicht in der Stadt, sondern nur in einem besondern Bezirk Parian wohnen. [283] Velarde 274. [284] s. folgendes Kapitel. [285] Zuniga XVI. [286] Autos acordados II. 272. 279. [287] Kein einzelnes Volk in Europa kann sich auch nur entfernt mit der Bevlkerung Californiens messen, die aus allen Lndern auserlesen, in den ersten Jahren wenigstens nur aus strebsamsten Mnnern in der Flle ihrer Kraft bestand, ohne Greise, ohne Weiber, ohne Kinder, -- deren Thtigkeit in einem Lande, wo alles geschaffen werden musste, (da auf hunderte von Meilen kein zivilisirter Nachbar wohnte) und wo alles Schaffen mrchenhaften Gewinn brachte, auf die usserste Grenze des Mglichen gesteigert war. Ohne hier auf Einzelheiten ihrer Leistungen einzugehn, mag nur daran erinnert werden, dass sie in 25 Jahren einen mchtigen Staat gegrndet, dessen Ruf die ganze Welt erfllt, an dessen Rndern ringsum junge Territorien krftig aufsprossen, deren zwei schon zu Staaten herangewachsen sind. Nachdem die Californischen Goldgrber die Konfiguration des Bodens ganzer Provinzen gendert, indem sie mit Titanengewalt die Erdmassen ausgedehnter Hgellandschaften ins Meer schwemmten, um sich durch sinnreich ersonnene Vorrichtungen die feinsten darin enthaltenen Goldstubchen anzueignen, setzen sie die Welt jetzt in Erstaunen als Ackerbauer, deren Erzeugnisse auf die fernsten Mrkte gehn und berall unbestritten den ersten Rang einnehmen. So Grosses hat ein Volk geleistet, dessen Gesammtzahl heut wohl kaum eine halbe Million bersteigt, und dennoch wird es ihm nicht leicht, den Wettkampf mit den Chinesen zu bestehn. [288] Smmtliche Schienen in einer Gesammtlnge von fast 103,000 Fuss Rh. und von 20,000 Ztr. Gericht wurden von acht Chinesen gelegt, die in Gruppen von vier Mann einander ablsten. Aus zehntausend Arbeitern waren sie als die tchtigsten ausgewhlt. [289] Am 27. April fiel Magellan, von einem vergifteten Pfeil getroffen, auf der kleinen Insel Mactan, vor dem Hafen von Cebu. Sein Lieutenant Sebastian de Elcano umschiffte das Kap der guten Hoffnung, brachte am 6. September 1522 eines der fnf Schiffe, mit denen Magellan 1519 aus San Lcar ausgelaufen, und 18 Mann, darunter Pigafetta, nach demselben Hafen zurck und vollendete so die erste Weltreise, in 3 Jahren weniger 14 Tagen. [290] Morga f. 5. -- Nach spteren Schriftstellern sollen sie schon von Villalobos 1543 also benannt worden sein. [291] Nach Morga (f. 140 v.) gab es in jenen Inseln weder Knige noch Herren, sondern in jeder Insel und Provinz viele Vornehme, deren Anhnger und Unterthanen in Quartiere (Barrios) und Familien eingetheilt waren. Solchen Huptlingen wurden Abgaben von der Ernte (Buiz) und Frohnden geleistet, ihre Verwandten aber waren von den Leistungen der Plebejer (Timauas) befreit. Die Huptlingschaften waren erblich, der Adel ging auch auf die Frauen ber. Zeichnete sich ein Huptling besonders aus, so folgten ihm die Uebrigen, behielten aber die Herrschaft ber ihre durch besondere Beamte verwaltete Barangays. Ueber das unter den Eingeborenen bestehende System der Sklaverei berichtet Morga (f. 141 -- abgekrzt): Die Bewohner dieser Inseln zerfallen in drei Klassen: Adelige, Timauas oder Plebejer, und Sklaven der Adeligen und der Timauas. Es giebt verschiedene Arten von Sklaven, einige in ganzer Sklaverei (Saguiguilires); sie dienen im Hause, ihre Kinder desgleichen. Andre bewohnen mit ihren Familien eigene Huser und leisten ihrem Herrn Dienste zur Saat- und Erntezeit, auch als Ruderknechte und beim Hausbau etc. Sie mssen kommen so oft sie gerufen werden, und diese Dienste leisten ohne Bezahlung oder Entschdigung, sie heissen Namamahayes, ihre Verpflichtungen gehn auf ihre Nachkommen ber. Von diesen Saguiguilires und Namamahayes sind einige Vollsklaven, andre Halbsklaven und andere Viertelsklaven. Wenn nmlich der Vater oder die Mutter frei war, so wird der einzige Sohn halb frei und halb Sklave; bei mehreren Shnen erbt der erste den Stand des Vaters, der zweite den der Mutter, bei unpaarigen Kindern, ist das letzte halb frei und halb Sklave; die Nachkommen solcher Halbsklaven mit einem oder einer Freien sind Viertelsklaven. Die Halbsklaven, gleichviel ob Saguiguilires oder Namamahayes, dienen ihrem Herrn einen um den andern Monat. Halb- und Viertelsklaven knnen auf Grund des freien Theiles, der in ihnen ist, ihren Herrn zwingen sie fr einen festgesetzten Preis frei zu lassen. Vollsklaven haben dieses Recht nicht. Ein Namamahaya gilt halb so viel als ein Saguiguilir. Alle Sklaven sind Eingeborene. f. 143 v.: Eine Sklavin, die von ihrem Herrn Kinder hatte, wurde dadurch frei sammt diesen Kindern. Letztere galten aber nicht fr wohlgeboren, nahmen nicht an der Erbschaft Theil, auch die Vorrechte des Adels, falls der Vater diesem Stande angehrte, gingen nicht auf sie ber. [292] Sehr wahrhafte und gewisse Beschreibung von dem, was neulich bekannt geworden ber die neuen Inseln des Westens ... von H. R. Sekretr der Regierung dieser Inseln. Sevilla 1574. Morga Hakl. 389. [293] Relation et Mm. de l'estat des isles Ph. Thvenot 28. [294] Bulle Gregor XIV. 18. Apr. 1591. [295] Morga Hakl. 328. [296] v. Chamisso (Bemerkungen und Ansichten S. 72) weiss es dem Uebersetzer des Zuiga Dank, dass er ihn der Pflicht berhoben bei dieser eklen Geschichte zu verweilen; doch ist Zuiga's Erzhlung immer noch verhltnissmssig kurz und sachlich; die mit Recht abgekrzte engl. Uebersetzung enthlt viele Fehler. [297] Herzog von Almodovar Informe I. III. 199. [298] Ich erlaube mir ein Beispiel anzufhren: Als ich mich 1861 an der Westkste von Mexico befand, bestand der zur Zeit durch die Invasion europischer Mchte vereitelte Plan ein Dutzend nordamerikanischer Hinterwldlerfamilien im Yaquithal (Sonora), einer Oase in der Wste, anzusiedeln. Grosse einheimische Hacendros erwarteten die Ankunft dieser Einwanderer, um sich unter ihrem Schutz anzusiedeln. Der Bodenwerth war nach Verlautbarung des Projektes betrchtlich gestiegen. [299] Morga f. 156. [300] 1867 wurde die Zahl der gewerbesteuerpflichtigen Chinesen auf 2589 geschtzt, davon gehrten 30 zur 1ten, 517 zur 2ten, 812 zur 3ten, 746 zur 4ten Steuerklasse. Von einer Gesammtbevlkerung von 18600 waren etwa 525 Landbauer. (Engl. Kons. 1869.) [301] Zu Morga's Zeit wurde den spanischen Beamten und Geistlichen wchentlich eine Anzahl Leute zugewiesen (Polistas), die ihnen fr geringen Lohn (1/4 r. tglich und Reis) husliche Dienste verrichten mussten.. Alle brigen, Spaniern geleisteten Dienste, auch bei der Schifffahrt, bei Bauten u. s. w. waren freiwillig und nach Verabredung zahlbar. (Morga 156 v.) [302] Crawfurd (Dict. 345) verweist auf die Aehnlichkeit der Barangays mit den angelschsischen Hundreds and tithings. [303] Diese Zentralkasse (caja central = caja del ramo = caja real) enthlt zu Zeiten bis 40 Millionen Realen (fast 3 Millionen Thlr.). Dieser, aus den Ueberschssen entstandenen Kasse entlehnt die spanische Regierung Geld, wenn sie es gebraucht, beispielsweise war der Bestand der Kommunalkasse im Oktober 1866 = 83,137 Esc., der der Propios und Arbitrios = 413,534 Esc., zusammen = 4,966,710 Realen. Eine mir zur Einsicht mitgetheilte R. O. vom 6. Mrz 1866 befahl Anstalt zu treffen, um eine vom Staatsschatz geschuldete Summe von 2,250,364 Realen an die Zentralkasse der Kolonie zurckzuzahlen. [304] Die Verordnung von 1786 ist nie zur Ausfhrung gekommen, weil sie dem Wesen der spanischen Kolonialpolitik widerspricht; thatschlich werden solche Ueberschsse nach Madrid gesandt und dort zur Deckung der dringendsten Bedrfnisse verwendet. In den Philippinen wird fast nichts, wie bereits mehrfach erwhnt, fr produktive Anlagen verausgabt. [305] (Sinibaldo Mas) La Chine et les puissances chrtiennes, Paris 1861. [306] Vermuthlich Lei-tschi, Nephelium litchi Wight. [307] Es schien angemessen hier nur den Flcheninhalt der grsseren Inseln zu geben. Die mehrere Seiten umfassende, von einem Hlfsarbeiter des Generalstabes, auf Grundlage der Coello'schen und der spanischen hydrographischen Karte ausgefhrten Berechnungen smmtlicher Inseln haben nur fr Geographen Interesse, und sollen daher unverkrzt in einem der nchsten Hefte der Berliner Zeitschrift der Gesellschaft fr Erdkunde erscheinen. [308] F. B. Engelhardt, Der Flchenraum der einzelnen Staaten in Europa und der brigen Lnder auf der Erde. Berlin 1853. [309] Rechnet man hierzu, wie im Anuario, die thatschlich unabhngigen Inseln Basilan 23.2, Sulu 14.5, Taui-taui etc., zusammen 27.5 quadr. M., so erhlt man 6365.5 quadr. M. [310] Bemerkungen und Ansichten auf der Entdeckungsreise von O. von Kotzebue 1821. [311] Geognostische Beobachtungen auf der Reise von O. von Kotzebue 1829. [312] Reise um die Erde. Berlin 1835. [313] Constitucion geognostica de las Islas filipinas. Anales de minas. 2. 197-212. 1841. Sptere Bnde habe ich nicht einsehen knnen. [314] Voyage de la Bonite. Gologie. Paris 1844. [315] U. S. Exploring expedition under the command of C. Wilkes. Geology by Dana. Philadelphia 1849. [316] Wiener Akad. Ber. 36. 121. 1859. [317] Zs. geol. Ges. 14. 358. 1862. [318] Zs. f. allgem. Erdkunde. N. F. 10. 249. 1861 u. 13. 81. 1862. [319] Kosmos. Bd. 4. 405. [320] Auch auf Java fand L. Horner (J. Miner. 1838. 2) in einigen der Sdsee zufallenden Flssen granitische, syenitische und dioritische Gesteine, ber welche ich bei Junghuhn keine Angabe finde. Vgl. Jahrb. geol. Reichsaust. 9. 291 und 294. 1858. [321] Die Lage des Serangani in oder bei Mindanao erscheint nicht sicher festgestellt. Ob der Vulkan von Davao, an der Bai von Davao oder Tagloc, und der von Sujut (O. der Bai von Ilana) thtig sind oder nicht, ist ungewiss. Von einem Vulkan auf der zwischen Mindanao und Negros gelegenen Insel Siquijor oder de Fuegos ist nichts Genaues bekannt. [322] Semper Skizzen, p. 14. [323] Horsburgh (Citat in Berghaus, geohydrographischem Memoir von den Philippinen 1832) spricht von einer Lava oder Cap islet genannten Insel mit Lavamassen, nrdlich vom Cabo Engao. Bezieht sich diese Angabe auf Camiguin? [324] Vom Mainit, der eng verbunden zu sein scheint mit dem Maquiling, sagt de la Gironire (Citat in Perrey Documents sur les tremblements de terre dans l'archipel des Philippines), dass er bisweilen Flammen und Rauch ausstsst. Dieser Berg wre demnach in die Reihe der thtigen Vulkane zu stellen. [325] Entdeckungsreise. II. 137. [326] Vgl. auch Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 6. 71. 1859. [327] Dana l. c. 545 sah dort Blcke zelliger Lava und graue Tuffe, denen von Manila hnlich. [328] A. von Humboldt. Kosmos IV. 522 u. 287. [329] S. die Abbildung in Choris Voyage pittoresque. 1820. [330] U. S. Explor. Expedition V. 317. [331] Bull. soc. gogr. 19. 79. 1842, im Auszuge in d'Archiac hist. d. progrs de la gologie. 1. 544. 1847. [332] Description physique des les Canaries. Paris 1836. 437. [333] Citat bei Chevalier p. 227. [334] d'Archiac histoire de la gologie 3. 520. [335] Die Nummuliten von Borneo beschrieb Verbeek im Jahrb. Miner. 1871. 1. [336] Zs. f. allg. Erdkunde. N. F. 13. 86. [337] l. c. 204. [338] Vgl. die Angabe von Itier. S. 7. [339] Vgl. die krystallographischen Bestimmungen von Dauber. Wien. Akad. Ber. 42. 26. [340] Es liegt dort gewonnenes Kupfer vor. [341] Weiter stlich sollen 6 Stunden von Lauang flussaufwrts bei Binontuan marmorartige Kalke anstehen. [342] Die Zhne sind etwas zahlreicher und schmaler als bei A. inaequivalvis Brug. [343] M. Thvenot, Rlations de divers voyages curieux. Paris 1591. (Wie spter angefhrt wird, war die Jahreszahl irrig.) [344] Die Makrocephalen im Boden der Krym und Oesterreichs. Mm. de l'acad. imp. des sciences de St. Ptersbourg. Sr. VII. T. II. No. 6. [345] L. A. Gosse, Essai sur les dformations artificielles du crne. Annal. d'hygine publique et de md. lgale. Paris 1855. Juill. [346] Da seit Thvenot kein neuerer Autor von der Flathead-Mode auf den Philippinen spricht, so wird man diese Schdel mindestens nicht hinter das 16. Jahrhundert verlegen. Die Kalkincrustation konnte sich in einigen Jahrhunderten ganz wohl gebildet haben, doch ist es auch denkbar, dass nach ihrer Bildung die Schdel beliebig lange unverndert bleiben, und dass sie dennoch einer sehr viel lteren Zeit angehren. [347] Fr zwei Schdel von Madura bei J. van der Hoeven (Catal. craniorum p. 38) berechne ich den Breitenindex zu 80,4 und 78,4, den Hhenindex zu 79,7 und 84,6. [348] Meyen (Nova Act. Acad. Leop. Car. 1834. Vol. XVI. suppl. I. p. 47), der auch den Schdel einer Tagalin von Manila abbildet, rechnet diesen Stamm nebst den Bewohnern der Carolinen, Marianen u. s. w. zur Rasse der Oceanier. Schetelig (Transact. Ethnol. Soc. 1868. VII.) stellt die Luzonesen bestimmt zu den Malaien. Nach seinen Messungen hat ihr Schdel einen Breitenindex von 83,5 bei einem Hhenindex von 77; Davis habe bei Bisayer-Schdeln 80 und 79 berechnet. [349] Welcker berechnet fr diese einen Breitenindex von 75 bei einem Hhenindex von 77. Einer der Dajak-Schdel bei van der Hoeven hat einen Breitenindex von 75,2, ein zweiter von 78,7. [350] Schdel und Skelet gehren jedoch offenbar nicht zusammen. [351] Der eine trgt die Inschrift Semarrona Ilamada Omang, der andere Semarron Ilamado Baringeag (?). [352] Die von Hrn. Jagor geusserte Meinung, dass dieser Berg identisch mit dem Vulkan Yriga sein msse, der in der Provinz Camarines auf Luzon am See Bugi oder Buhi liegt, ist spter von Hrn. Schetelig besttigt worden. In einem frheren Briefe nennt Hr. Schetelig den Huptling Capitn Juan Galapnid. [353] Das Os femoris ist 38 Centim. lang, die Tibia 30,5, das Os humeri 27, der Radius 21. [354] Die Stelle steht in Relations de divers voyages curieux, Paris 1664, II., und zwar in der Relation des Isles Philipines, faite par un religieux qui y a demeur 18 ans, p. 6. Es heisst daselbst: ils auoient accoustum dans quelques-unes de ces Isles, de mettre entre-deux ais la teste de leurs enfans, quand ils venoient au monde, et la pressoient ainsi, afin qu'elle ne demeura pas ronde, mais qu'elle s'estendit en long; ils luy applatissoient aussi le front, croyant que c'estoit un trait de beaut de l'auoir ainsi. [355] Pour ce qui est des dents, elles (les femmes) imitent en tout les hommes: ils se les liment ds leur plus tendre jeunesse, les vns les rendent par l esgales, les autres les affilent en pointes, en leur donnant la figure d'une scie, et ils couvrent d'un vernis noir et lustr, ou de couleur de feu, et ainsi leurs dents deuiennent noires ou rouges comme du vermillon; et dans le rang d'en haut, ils font vne petite ouuerture qu'ils remplissent d'or, qui brille d'avantage sur le fond noir ou rouge de ces vernis. [356] Nach einer Mittheilung des Hrn. Semper feilen nur die Negritos von Mariveles und der Nachbarbezirke die Zhne in der angegebenen Weise. Bei den brigen Negrito-Stmmen, welche er besuchte, fand er diese Sitte nicht. End of Project Gutenberg's Reisen in den Philippinen, by Andreas Fedor Jagor License: Share Alike