Produced by Reiner Ruf, Sandra Eder and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net (This file was produced from images generously made available by The Internet Archive/American Libraries.) Anmerkungen zur Transkription: ############################## Dieser Text wurde auf Grundlage der ersten Auflage aus dem Jahre 1921 erstellt. Die damals bliche Schreibweise, insbesondere hinsichtlich der Gro- und Kleinschreibung wurden beibehalten, ebenso das Wort "Begriffssttzigkeit" (S. 24) als sterreichische Variante des Wortes "Begriffsstutzigkeit". Kursive Textstellen stehen zwischen Unterstrichen (_); fett gedruckter Text zwischen Rautenzeichen (#). Die Nummern zu den Funoten [74], [90] und [92] fehlten im Original. Diese wurden wiederhergestellt und zusammen mit den restlichen Funoten fortlaufend neu nummeriert. Folgende Ausdrcke wurden im Text korrigiert: # S. 19: "und darauf anwortet" --> "und darauf antwortet" # S. 20: "sterreich-ungarischen" --> "sterreichisch-ungarischen" DR. HEINRICH KANNER GEW. CHEFREDAKTEUR DER WIENER TAGESZEITUNG DIE ZEIT DIE NEUESTEN GESCHICHTSLGEN _Die Wahrheit kann nur Eine sein_ _Ranke_ _Das >gute Gewissen< in der Lge_ _Nietzsches Charakteristik des christlichen Junkers_ HUGO HELLER & CIE. WIEN UND LEIPZIG 1921 Alle Rechte vorbehalten Copyright by Hugo Heller & Co., Wien und Leipzig Druck der Offizin der Waldheim-Eberle A. G., Wien _Vorwort_ _Die scharfe Kritik, die auf den folgenden Blttern an den Rechtfertigungsschriften der deutschen Staatsmnner und damit auch an ihrer Politik vor dem Ausbruch des Weltkrieges gebt wird, zwingt den Verfasser zu einigen Worten persnlicher Einfhrung. Es ist nachtrglich sehr leicht, das Verhalten von Staatsmnnern zu kritisieren, wenn der Erfolg sein unzweideutiges Urteil gefllt hat, so wie es nicht viel Scharfsinn erfordert, Rtsel zu lsen, wenn man vorher die Lsungen nachgesehen hat. Diese bequeme, aber auch unfruchtbare Art der Kritik ist dem Geschichtsschreiber gestattet, ihr Ergebnis nennt man das unbestechliche Urteil der Geschichte. Dem zeitgenssischen Publizisten verwehrt man diesen Treppenwitz, mit Recht, weil seine Aufgabe eine hhere, fruchtbarere und um deswillen schwierigere ist. Jetzt, nach dem Abschlusse des Weltkrieges, wei natrlich jeder, wie es im Juli 1914 und in den Jahren vorher besser htte gemacht werden sollen, und gar mancher Publizist tut sich heute auf dieses nachtrgliche Besserwissen etwas zu Gute, der es in den entscheidenden Tagen, Wochen und Jahren auch nicht besser gewut hat als die jetzt durch ihren Mierfolg verurteilten Staatsmnner. Die vorliegende Schrift hat mit dieser den Ereignissen nachhinkenden Art von Weisheit nichts gemein. Ihr Verfasser hat die Verfehltheit und Gefhrlichkeit jener Politik der beiden Zentralmchte die zum Weltkrieg gefhrt hat, schon vor Jahren, mindestens seit der bosnischen Annexionskampagne 1908/9, in seinem Blatte, der damaligen Wiener Tageszeitung Die Zeit, blogestellt und insbesondere im Juli 1914 vor der Gefahr des Weltkrieges aufs Eindringlichste gewarnt, sich auch whrend des Weltkrieges mitten im herrschenden Kriegstaumel seine ablehnende und kriegsfeindliche Haltung bewahrt und, soweit es die Zensur zulie, publizistisch vertreten. Er hat dadurch das Mifallen der beiden zentralstaatlichen Regierungen und Heeresleitungen in einem so hohen Mae erregt, da er sich auf unweigerliches Verlangen der deutschen Obersten Heeresleitung im Dezember 1917 gentigt sah, seine publizistische Ttigkeit einzustellen. Wenn er nun in der vorliegenden Broschre die Wirksamkeit und die Rechtfertigungsschriften der deutschen Staatsmnner des Kriegsausbruches scharf kritisiert, kann ihn der Vorwurf des Treppenwitzes nicht treffen. Was auf diesen Blttern steht, ist nur eine konsequente Weiterentwicklung der Anschauungen, die der Verfasser schon zu einer Zeit gehegt und ffentlich ausgesprochen hat, wo die Kritik noch htte fruchtbar wirken knnen, wenn die Kritisierten auf sie htten hren wollen, wo noch manches htte gerettet werden knnen, was heute unwiederbringlich verloren ist._ * * * Die Kriegspropaganda, die in den anderen kriegfhrenden Lndern schon lngst zum Schweigen gekommen ist, wird von den deutschen Staatsmnnern des Kriegsausbruches nach dem Kriege mit vermehrtem Eifer fortgesetzt. Res venit ad Triarios. Nicht mehr untergeordneten Hilfskrften, beamteten Preleitern, willfhrigen Schriftstellern, abhngigen Journalisten, die im Kriege ihre ffentlichen Anwlte waren, berlassen sie die publizistische Vertretung ihrer Sache, sie treten in eigener Person in Bchern, die sich den Anschein von Memoiren geben, vor das Publikum, um mit wirkungsvollen, mit dem wirkungsvollsten Mittel ihrer eigenen amtlichen Autoritt das Werk der Irrefhrung des deutschen Volkes fortzusetzen, das die so hoher Autoritt entbehrende Propaganda whrend des Krieges schon mit so traurig groem Erfolg betrieben hat. Memoiren deutscher Staatsmnner! Man wei, wie das auf den Untertanengeist des deutschen Lesers wirkt! Ist ihm schon jedes Wort heilig, das im tglichen Lauf der Staatsgeschfte aus amtlichem Munde zu ihm dringt, wie ehrfurchtsvoll nimmt er erst ein Buch zur Hand, das einer seiner Staatsmnner, fern vom Zwang der Staatsgeschfte, in der Freiheit des Ruhestandes geschrieben hat, um aus der vom Deutschen jederzeit so bereitwillig angestaunten Flle seiner Kenntnis aller Amtsgeheimnisse heraus den deutschen Staatsbrgern ber Ereignisse der Vergangenheit jene letzten Aufklrungen zu geben, die whrend seiner Amtswirksamkeit zu gewhren die hohe Staatsraison ihm verboten hatte. Nur wenige deutsche Staatsmnner haben bisher Memoiren verffentlicht -- weit weniger als die englischen und franzsischen -- und zumeist auch erst zu einer Zeit, wo die Ereignisse, an denen sie mitzuwirken hatten, schon lngst jede nhere Beziehung zur Gegenwart verloren hatten. Jetzt aber treten die hohen und hchsten Beamten des Deutschen Reiches, die noch an dem letzten groen Ereignis, am Weltkrieg, mitgewirkt haben, in den Tagesstreit ber die Ursachen des Kriegsausbruches mit Bchern ein, in welchen sie anscheinend die letzte Scheu vor dem Amtsgeheimnis abgestreift haben, die sonst dem deutschen Beamten zeitlebens den Mund verschliet: der Reichskanzler Herr v. Bethmann Hollweg, der Staatssekretr des uern Herr v. Jagow, der Staatssekretr der Marine Herr v. Tirpitz, der Staatssekretr der Finanzen und Vizekanzler Herr Dr. Helfferich. Fnf schwere Kriegsjahre hindurch hat die ganze Welt die Erschlieung der deutschen Akten ber den Kriegsausbruch verlangt, erhofft, ersehnt, nachdem die gegnerischen kriegfhrenden Staaten, Englnder, Franzosen, Russen, Belgier, Italiener, Serben ihr Aktenmaterial, ohne erst eine Nachfrage abzuwarten, gleich bei Beginn des Krieges dem Urteil der ffentlichkeit vorgelegt hatten. Auf die deutschen Akten hatte man fnf Jahre lang vergebens gewartet. Und nun kommen statt dessen _im Frhjahr 1919_ die deutschen Staatsmnner selbst hervor und bieten der Welt statt toter Aktensammlungen lebendige Bcher dar, die schon um deswillen weitere Wirkungsmglichkeiten haben als Aktensammlungen, weil sie die Dinge im Zusammenhang erzhlen, die von ihnen selbst geschaffenen Tatsachen gleich mit dem Kommentar versehen, der ein authentischer ist, da er von ihnen, den Handelnden, selbst herrhrt. Wer aber drfte es wagen, in die Ehrlichkeit eines deutschen Staatsmannes bei der Wiedergabe von Tatsachen, in seine Zuverlssigkeit bei ihrer Ausdeutung Zweifel zu setzen? Es hat's auch bisher, in Deutschland wenigstens, niemand gewagt. Das deutsche Volk hat nicht einmal an Bismarcks Gedanken und Erinnerungen gerhrt, obzwar kein Geringerer als Bismarcks langjhriger vertrauter Mitarbeiter, der auch des Meisters Gedanken und Erinnerungen zu Papier gebracht und druckreif gemacht hat, Lothar Bucher selbst, in rcksichtslosester Wahrheitsliebe ihre Unzuverlssigkeit und Unaufrichtigkeit aufgedeckt hat. Hier aber stellen sich vier Erinnerungsbcher deutscher Staatsmnner ein, denen kein Lothar Bucher einen moralischen Steckbrief nachgeschickt hat, die das Verhalten der deutschen Staatsmnner in den Tagen des Kriegsausbruches so glnzend rechtfertigen und alles Anklagematerial, das die feindlichen -- eben nur die feindlichen! -- Aktensammlungen gegen sie aufgebracht haben, so wahrhaft autoritativ widerlegen. Da sind aber _Ende 1919_ ganz andere Aktensammlungen erschienen, keine feindlichen, nein, die Sammlungen der eigenen Akten der deutschen wie der sterreichisch-ungarischen Staatsmnner des Kriegsausbruches, von ihren Nachfolgern herausgegebene Zeugnisse, deren Beweiskraft hher steht als die irgend einer noch so autoritativen Selbstrechtfertigungsschrift irgend eines noch so hoch stehenden Staatsmannes. Und diese Zeugnisse zeugen wider ihre Urheber selbst und wider deren Memoirenbcher. Sie sind nicht wie diese Surrogate, seien es auch noch so gefllig ausgestattete Surrogate der amtlichen Akten, es sind die Akten selbst, die gegen die Surrogate sprechen, wenn auch diese Aktensprache nicht so flssig luft, wie die der Memoirenwerke. Aber wir mssen in diese Sprache eindringen, wir mssen sie von ihrer Schwere befreien, wir mssen sie mit der der Memoirenbcher vergleichen, wenn wir endlich die so lange gesuchte Wahrheit ber den Ausbruch des Weltkrieges erfahren wollen, der das deutsche Volk sich auf die Dauer nicht entziehen kann und der es niemals htte entzogen werden sollen. * * * Die Grundgedanken der Kriegsbcher der deutschen Staatsmnner, die sie jetzt jeder mit neuen Beweisgrnden und mit dem ganzen Aufwand seiner dialektischen Kraft zu sttzen beflissen sind, lassen sich in drei Thesen formulieren: 1. Da die deutsche Regierung das sterreichisch-ungarische Ultimatum an Serbien nicht vor seiner berreichung gekannt habe. 2. Da sie in den kritischen zwlf Tagen, die auf das Ultimatum folgten, auf Wien migend eingewirkt und bei diesem Druck sogar bis an das uerste Ma des Zulssigen gegangen sei. 3. Da sie von Ruland, England und Frankreich berfallen worden sei, die diesen Krieg prmeditiert, provoziert, ihr aufgezwungen haben. Nun, _diese Behauptungen sind jetzt endgltig widerlegt durch die eigenen amtlichen Dokumente der Berliner und Wiener Kriegsregierungen._ I. Die Vorbereitung des Ultimatums Die Berliner Regierung des Herrn v. Bethmann ist nicht, was sie spter den anderen Mchten gegenber vorgab, von der Wiener Regierung mit dem Ultimatum im Juli 1914 ebenso berrascht worden wie unter Blow im Oktober 1909 mit der Annexion Bosniens. Denn von der Annexion hat diese tatschlich erst gleichzeitig mit den anderen Mchten und dasselbe wie diese erfahren, an deren Vorbereitung auch in keinerlei Weise mitgearbeitet, wie sich aus dem Rotbuch des Grafen Aehrenthal und allen seitherigen uerungen der Beteiligten ergibt, zuletzt auch aus einem Brief des Kaisers Wilhelm II. an den Zaren vom 8. Jnner 1909[1]. Da aber die Wiener Regierung nach der Mordtat von Sarajevo, 28. Juni 1914, etwas, und zwar etwas Entscheidendes zu unternehmen beabsichtige, hat die Berliner Regierung schon am 2. Juli 1914 aus einem vom 30. Juni datierten Bericht ihres Wiener Botschafters Herrn v. Tschirschky erfahren, der besagte, man wnsche in Wien einmal mit den Serben grndlich abzurechnen[2]. In einer Unterredung mit dem Kaiser Franz Joseph vom 2. Juli stellte sich Herr v. Tschirschky bereits auf den Standpunkt, da Deutschland geschlossen hinter der Monarchie zu finden sein werde, sobald es sich um die Verteidigung ihrer Lebensinteressen handle. Die Entscheidung darber, wann und wo ein solches Lebensinteresse vorliege, msse sterreich selbst berlassen bleiben[3]. Das lie sich hren. Eine Kooperation unter solchen einseitigen Bedingungen, eine Art Lwenvertrag zu seinen Gunsten, bei dem er unternehmen durfte, was ihm beliebte, der andere aber von vorneherein verpflichtet war, blind seinen Schritten zu folgen, war ganz nach dem Geschmack Franz Josephs. In seinem Handschreiben vom selben Tage an Kaiser Wilhelm II., das diesem mit einem Memorandum Berchtolds am 5. Juli berreicht wurde, rckte er denn auch mit der Sprache ziemlich deutlich heraus, indem er die Isolierung und Verkleinerung Serbiens als Programm seiner Regierung erklrte und nichts weniger verlangte, als da Serbien als politischer Machtfaktor am Balkan ausgeschaltet werde[4], und er hatte die Genugtuung, da die Berliner, Kaiser wie Reichskanzler, ganz im Sinne des Herrn v. Tschirschky, auf sein Ansinnen ohneweiters eingingen. S. M. -- telegraphierte der Reichskanzler am 6. Juli an Tschirschky -- knne zu den zwischen sterreich-Ungarn und diesem Lande (Serbien) schwebenden Fragen naturgem keine Stellung nehmen, da sie sich seiner Kompetenz entzgen. Kaiser Franz Joseph knne sich aber darauf verlassen, da S. M. im Einklang mit seinen Bndnispflichten und seiner alten Freundschaft treu an Seite sterreich-Ungarns stehen werde, und Wilhelm II. selbst schrieb am 14. Juli an Franz Joseph, da Du auch in den Stunden des Ernstes mich und mein Reich in vollem Einklang mit unserer altbewhrten Freundschaft und unseren Bndnispflichten treu an Euerer Seite finden wirst. Dir dies an dieser Stelle zu wiederholen, ist mir eine freudige Pflicht[5]. Sie haben also auf jeden Einflu bei der Wahl der zu verwendenden Mittel verzichtet. Diesen Standpunkt hat auch spter der Kaiser in seinen intimen Randnoten zu den Berichten seiner Diplomaten, und die Berliner Regierung, zu ihrer Entlastung, in ihren Verhandlungen mit den anderen Mchten whrend der kritischen Tage wie spter in ihren zahllosen Verteidigungsreden und -schriften whrend des ganzen Krieges festgehalten. Diesen Standpunkt hat auch Herr v. Bethmann in der Bundesratssitzung vom 1. August 1914 als Ausdruck einer dreiigjhrigen Tradition definiert, indem er dem Bundesrat berichtete, er habe, als sterreich-Ungarn ihm mitteilte, da es gegen Serbien einschreiten msse, geantwortet: Darber, was ihr zu tun habt, maen wir uns kein Urteil an; das ist nicht unsere Sache. Aber es ist selbstverstndlich, da, wenn der Bndnisfall eintritt, wir treu an euerer Seite stehen[6]. Das war eine _Blanco-Vollmacht_ -- ein Ausdruck, den auch der bayrische Geschftstrger v. Schn in dem Bericht an seine Regierung vom 18. Juli 1914 gebraucht[7]. Es ist deswegen unwahr, wenn Herr v. Jagow jetzt nachtrglich in seiner Rechtfertigungsschrift behauptet, da er sich ber das Vorgehen sterreich-Ungarns gewissermaen die Kontrolle vorbehalten habe, unwahr, wenn er sagt: von einer carte blanche kann also nicht die Rede sein[8]. Ebenso unwahr, wenn Herr v. Bethmann in seiner Rechtfertigungsschrift leugnet, da seine Regierung dem Ballplatz einen Freibrief ausgestellt htte[9]. Skurril, wenn Herr v. Bethmann in einem Atem sich darauf etwas zugute tut, da er das Ultimatum nicht ausdrcklich gebilligt habe (das ist ja eben die Wirkung des Freibriefes!), unsinnig, wenn Herr v. Bethmann zur Begrndung sagt: Von Inhalt und Form eines einmal ausdrcklich gebilligten Ultimatums htten wir uns nicht wieder loslsen, wir htten dann die ganze Vermittlungsarbeit nicht verrichten knnen, die wir tatschlich verrichtet haben. Ja, hat er sich denn von dem nicht ausdrcklich gebilligten Ultimatum losgelst? _Hat er nicht im Gegenteil an Inhalt und Wortlaut dieses Ultimatums bis zuletzt festgehalten_, wie der Quker an dem Bibelwort? Hat er auch nur einen I-Punkt daran zu ndern sterreich-Ungarn, selbst nach dessen Erla, vorgeschlagen? Hat er nicht die anderen Gromchte wie ein Hofhund weggebellt, sowie sie in den ersten Tagen nach dem Ultimatum dessen Milderung verlangten? Und wann hat denn seine Vermittlungsttigkeit begonnen? Doch erst, nachdem die anderen Mchte, die Fruchtlosigkeit solchen Beginnens einsehend, auf eine nderung des Ultimatums verzichtet und andere Ausgleichsvorschlge gemacht hatten, durch die der Inhalt und die Form des unseligen Ultimatums unberhrt blieben. Wie unwahr, bewut unwahr die nachtrgliche Darstellung der Herren v. Bethmann und v. Jagow ist, ergibt sich aus einem Vergleich ihrer _nach_ dem verlorenen Krieg verfaten Rechtfertigungsschriften mit ihrem _vor_ dem Kriegsausbruch, zur Zeit der Siegeszuversicht, zusammengestellten amtlichen deutschen Weibuch. Dort sagten sie, weil sie damit ihre politische Einsicht zu beweisen glaubten, ganz richtig: Wir lieen sterreich vllig freie Hand in seiner Aktion gegen Serbien[10]. Das war der Sinn der von ihnen unterwrfig angenommenen Formel des Kaisers Franz Joseph und der dreiigjhrigen Bndnistradition, die Herr v. Bethmann wenigstens im Bundesrat am 1. August 1914 so definierte, die er aber in seiner Rechtfertigungsschrift nach dem Kriege vollstndig vergessen zu haben scheint. Nach dieser Kompetenzformel htte die Wiener Regierung der Berliner ber das Ultimatum bis zu dessen berreichung an Serbien ebensowenig zu sagen gebraucht wie den anderen Mchten. So hat es auch die Berliner Regierung den anderen Mchten dargestellt. Es ist aber nicht wahr. Die Wiener Regierung hat der Berliner, ber die Kompetenzformel hinausgehend, von ihren Absichten schrittweise Mitteilung gemacht, ihr dies auch durch den k. u. k. Botschafter in Berlin bereits am 9. Juli freiwillig in Aussicht gestellt[11], die _Berliner Regierung hat aber ihrerseits_, der zu ihrer Entmannung bestimmten Formel sklavisch gehorchend, _sich jeder Kritik begeben und die Wiener Regierung durch gute Ratschlge und durch Drngen bei der Ausfhrung ihrer wahnwitzigen Plne untersttzt, bestrkt, angefeuert_. Folgen wir den Ereignissen! Am 7. Juli fand in Wien der erste gemeinsame Ministerrat ber die serbische Angelegenheit statt. Diesen Programmpunkt verschwieg man in der ganzen ffentlichkeit. Der deutsche Botschafter in Wien Herr v. Tschirschky aber erfuhr, was dort verhandelt worden war, welche Stimmungen sich dabei gezeigt hatten, wie Graf Tisza den Plnen des Grafen Berchtold widerstrebt hatte, und ber all das berichtete er am 8. Juli der Berliner Regierung. In diesem Bericht teilte er der Berliner Regierung auch schon den ganzen jesuitischen Ultimatumsplan des Grafen Berchtold mit, genau wie dieser spter ausgefhrt worden ist, nmlich, da Graf Berchtold die Forderungen an Serbien so einzurichten beabsichtige, da _deren Annahme ausgeschlossen erscheint_[12]. Diese trefflichen Informationen hatte Herr v. Tschirschky aus dem Munde des Grafen Berchtold selbst. Zwei Tage spter, am 10. Juli, teilt Graf Berchtold dem Herrn v. Tschirschky den Verlauf seiner Audienz beim Kaiser Franz Joseph vom 9. Juli mit, und Herr v. Tschirschky berichtet darber sofort nach Berlin. Graf Berchtold skizziert ihm die Forderungen, die er an Serbien stellen wolle, ungefhr schon so, wie er sie spter im Ultimatum tatschlich gestellt hat, mitsamt der 48stndigen Galgenfrist. Er sinne, sagt Berchtold zu Tschirschky, noch darber nach, welche Forderungen man stellen knne, die Serbien eine Annahme vllig unmglich machen wrden.(!) Berchtold, berichtet Tschirschky weiter, wrde gerne wissen, wie man in Berlin darber denkt[13]. Nun htte, da Berchtold um Rat fragte, die Berliner Regierung die beste Gelegenheit gehabt, ohne sich auch nur dem Vorwurf einer Einmischung von Seite des Bundesgenossen auszusetzen, das zu tun, wessen sie sich spter berhmt hat und was ihre Pflicht gewesen wre, nmlich in Wien migend zu wirken. Was tut aber die Berliner Regierung? Sie ist noch ppstlicher als der Papst. Sie verweigert dem Grafen Berchtold den von ihm erbetenen Rat. Herr v. Jagow telegraphiert am 11. Juli an Herrn v. Tschirschky: Zur Formulierung der Forderungen an Serbien knnen wir keine Stellung nehmen, da dies sterreichs Sache ist. Und dann gibt er dem Grafen Berchtold die Anregung, gleichzeitig mit dem Ultimatum -- Herr v. Jagow nennt es als erster bereits in diesem Zeitpunkt so -- eine Sammlung von Materialien ber die groserbische Bewegung zu publizieren -- eine Anregung, die Graf Berchtold mit dem sogenannten Dossier spter befolgt hat[14]. Herr v. Jagow begann also schon in diesem frhen Zeitpunkte, an dem von Berchtold eingeleiteten Kriegskomplott mitzuarbeiten -- allerdings nur in untergeordneter Stellung -- als Handlanger Berchtolds, der sich in der Hauptsache jeder Einflunahme enthielt, durch allersubmisseste Regievorschlge aber das Gelingen des Berchtoldschen Planes zu sichern bestrebt war. Am 14. Juli sucht Graf Tisza unmittelbar nach einer Besprechung mit Berchtold den Herrn v. Tschirschky auf, teilt ihm mit, da er sich nun auch zu Berchtolds Kriegsplan bekehrt habe, da die Note an Serbien am Sonntag, den 19., im Ministerrat beschlossen, aber erst nach der Abreise Poincars von Kronstadt, die, wie Tisza flschlich glaubte, am 25. erfolgen werde, in Belgrad berreicht werden solle. Die Note, teilt Graf Tisza weiter dem Herrn v. Tschirschky mit, werde so abgefat sein, da deren Annahme so gut wie ausgeschlossen sei. Das alles gibt Tschirschky sofort nach Berlin weiter[15]. Berlin schluckt alles stumm hinunter. Unmittelbar nach Tiszas Besuch lt Graf Berchtold Herrn v. Tschirschky zu sich kommen, um diesen auch seinerseits ber das Ergebnis seiner Besprechung mit Tisza zu informieren, das Wichtigste ist die Mitteilung Berchtolds, da Graf Tisza in erfreulicher Weise dem Plane Berchtolds beigestimmt und sogar in manche Punkte eine Verschrfung hineingebracht habe. Auch darber gibt Tschirschky sofort genauen Bericht nach Berlin[16], Berlin schluckt auch diese erfreuliche Mitteilung stumm hinunter. Gegenber dem ungeduldigen Berlin entschuldigt sich noch Graf Berchtold bei Herrn v. Tschirschky, da lediglich die Anwesenheit Poincars in Petersburg der Grund fr den Aufschub der bergabe der Note in Belgrad sei. Am 17. Juli berichtet der Botschaftsrat der deutschen Botschaft in Wien, Prinz Stolberg, auf Grund einer Mitteilung des Grafen Berchtold dem Reichskanzler, da die berreichung der Note in Belgrad am Donnerstag, 23. Juli nachmittags, erfolgen werde, da Berchtold hoffe, da Serbien die Note nicht annehmen werde, da ein bloer diplomatischer Erfolg hierzulande (in sterreich-Ungarn) wieder eine flaue Stimmung auslsen werde[17]. Am 18. Juli schreibt Prinz Stolberg einen ausfhrlichen Brief mit denselben Mitteilungen an Herrn v. Jagow, frchtet aber, da Serbien die Forderungen sterreich-Ungarns annehmen knnte, und tut noch seine eigene Wohlmeinung hinzu, da sterreich-Ungarn es zum Bruch mit Serbien treiben msse und sich mit einem sogenannten diplomatischen Erfolg nicht begngen drfe. Er beruhigt sich aber schlielich mit der Versicherung des Grafen Hoyos, des Kabinettschefs Berchtolds, da die Forderungen (an Serbien) doch derart seien, da ein Staat, der noch etwas Selbstbewutsein und Wrde habe, sie eigentlich unmglich annehmen knne[18]. Wahrlich, Wien hat Berlin keinen Moment ber seine Absichten im Unklaren gelassen. Was hat aber Berlin auf diese sich immer ungeheuerlicher auswachsenden Gestndnisse Wiens hin unternommen? Migend eingewirkt? Wieder nicht! Am 20. Juli berreicht der serbische Geschftstrger in Berlin Herrn v. Jagow eine ausfhrliche Note, in der die serbische Regierung die Mordtat von Sarajevo aufs schrfste verurteilt, den Wunsch ausspricht, mit der Nachbarmonarchie freundschaftliche Beziehungen zu unterhalten, und den Willen kundgibt, allen etwaigen Forderungen sterreich-Ungarns entgegenzukommen, nur solche Forderungen ausgenommen, die auch jeder andere Staat, der auf seine Wrde und Unabhngigkeit bedacht ist, nicht erfllen knnte. Schlielich bittet die serbische Regierung die ihr freundschaftlich gesinnte Kaiserliche (deutsche) Regierung, im Sinne der Vershnlichkeit geflligst wirken zu wollen[19]. Was aber tut Herr v. Jagow darauf? Herr v. Jagow erwidert dem serbischen Geschftstrger, da er _es wohl begreifen knne_, wenn man jetzt dort (in Wien) energische Saiten aufzge. Die Forderungen, die sterreich-Ungarn stellen wolle, seien ihm nicht bekannt[20] -- fr welche Sprache Graf Forgach, in Vertretung des Grafen Berchtold, dem Herrn v. Jagow namens der k. u. k. Regierung dankt[21]. Der Staatssekretr wute am 20. Juli schon lngst aus Tschirschkys Bericht vom 10. Juli das Wesentliche der von sterreich-Ungarn beabsichtigten Forderungen, vor allem, da sie solche sein werden, die mit der Wrde und Unabhngigkeit eines Staates unvertrglich seien. Vom serbischen Geschftstrger erfuhr er nun, da die serbische Regierung solche Forderungen ablehnen werde. _Herr v. Jagow wute also am 20. aus authentischen Quellen ganz genau, da Graf Berchtolds Plan zum Kriege fhren msse._ Was tat er? Dem serbischen Geschftstrger spricht er im voraus seine prinzipielle Zustimmung zu den Berchtoldschen Forderungen aus, teilt dies der Wiener Regierung mit, die darin eine ausdrckliche Bestrkung ihrer Plne sieht und dafr dankt. Wenn aber Herr v. Jagow wirklich migend htte wirken wollen, htte ihm die Initiative der serbischen Regierung vom 20. Juli, also ehe noch die Kugel aus dem Lauf war, die beste Gelegenheit geben knnen, _zwischen Wien und Belgrad unter Ausschlu von Petersburg zu vermitteln_, nicht nur den Krieg zu vermeiden, sondern den Streit zu lokalisieren, anstatt Rulands Deutschland zur Vermittlungsstation zwischen Serbien und sterreich-Ungarn und _Rulands Protektorat illusorisch zu machen_. Das ist aber der Berliner Regierung gar nicht eingefallen. Nicht nur, da sie nichts tat, um die Wiener Regierung von ihren exzessiven Plnen zurckzuhalten, setzte sie vielmehr alles in Bewegung, um das Gelingen dieser Plne zu sichern. Mit einer geradezu subaltern zu nennenden Beflissenheit ging sie, sofort nach Empfang des dem Handschreiben Kaiser Franz Josephs an Kaiser Wilhelm beigelegten Berchtoldschen Memorandums vom 2. Juli, daran, dessen Ideen, ohne Widerrede, wie einen hheren Auftrag auszufhren. Die serbophobe und bulgarophile Balkanpolitik sterreich-Ungarns war bekanntlich im zweiten Balkankrieg in einen ausgesprochenen Gegensatz zu der Politik des Deutschen Reiches gekommen, die Rumnien, Serbien und Griechenland gegen Bulgarien untersttzte, und dieser Gegensatz hatte durch die Publizierung der anllich des Bukarester Friedens zwischen dem deutschen Kaiser und dem Knig von Rumnien gewechselten Telegramme sogar zu einem ffentlichen Eklat gefhrt. Nach Empfang des Memorandums sattelte nun Berlin vollstndig um und folgte getreulich den Spuren der Wiener Politik. Wie ein Hund, dem ein Stein ins Wasser vorausgeworfen wird, so entsprachen die Berliner Staatsmnner den Winken von Wien. Am 5. Juli war das Berchtoldsche Memorandum in Berlin berreicht worden, und schon am 6. sehen wir die Berliner Regierung an der Arbeit, die Ideen des Memorandums zu verwirklichen, nmlich Bulgarien und die Trkei an den Dreibund anzuschlieen, diese beiden Staaten durch ein Bndnis auch untereinander zu einigen und Rumnien und Griechenland, wenn mglich, von Serbien abzuwenden. Am 6. Juli beauftragt Herr v. Jagow den Geschftstrger in _Bukarest_, in diesem Sinne mit dem Knig von Rumnien zu sprechen, und den Gesandten in _Sofia_, die Schritte des sterreichisch-ungarischen Gesandten zu untersttzen[22]. Als sich Graf Berchtold nach wenigen Tagen die Sache mit Bulgarien anders berlegt und die Aktion zu vertagen fr gut findet, winkt Herr v. Jagow sofort auch seinen Leuten in Bukarest und Sofia ab[23]. Nach den Ultimaten an Ruland und Frankreich dringt nun Berlin am 1. August auf die Verstndigung mit Bulgarien, und diese nhert sich denn auch noch in den ersten Augusttagen ihrem Abschlu[24]. Beim Knig von Rumnien dagegen holt sich der deutsche Gesandte mit den Berchtoldschen Projekten einen Korb und eine unerfreuliche Lektion. Knig Carol sagt ihm am 10. Juli, in Wien scheine man den Kopf verloren zu haben, ber den Grafen Berchtold selbst sprach sich der Knig nicht gerade schmeichelhaft aus, die Hauptschuld an allem bel trgen die gewissenlosen Pretreibereien, auch in sterreich msse auf die Presse gewirkt werden, damit diese nicht allzusehr gegen Serbien hetze. Sasonow (mit dem der Knig kurz vorher im Juni in Constantza anllich des Zarenbesuches zusammengekommen war) habe ihm gesagt, Ruland denke nicht daran, einen Krieg zu fhren. Der Knig empfahl eine Demarche in Petersburg, damit von dort aus auf Serbien ernst eingewirkt werde. Er selbst erklrte sich gleichfalls bereit, einen Druck auf Serbien auszuben. Alle diese Warnungen und Anregungen des sonst in Berlin so hoch angesehenen Knigs Carol wurden von der deutschen Regierung in den Wind geschlagen. Selbst der Befehl des Kaisers, diesen Bericht des Bukarester Gesandten den Botschaften in Wien, Rom und Petersburg weiterzugeben, blieb unausgefhrt[25]. Die Berliner Regierung hat eine heilige Scheu, die Kreise des groen Staatsmannes am Ballplatz zu stren, und gar auf Serbien via Petersburg einzuwirken, wre eine schwere Krnkung fr den Grafen Berchtold gewesen, der auf eine berrumpelung Serbiens und dessen Intransigenz seine Rechnung gestellt hatte. Sehr aufregend gestalteten sich die Verhandlungen mit _Griechenland_, die der deutsche Kaiser selbst in einem Telegrammwechsel mit dem Knig von Griechenland fhrte. Knig Constantin lehnt zunchst am 27. Juli die Berliner Plne ab, mit der einfachen Begrndung, da er und sein Volk keinen Krieg wollen. Darauf beschwrt der Kaiser am 30. Juli seinen Schwager, den jngst ernannten preuischen Generalfeldmarschall Knig Constantin, beim Andenken seines ermordeten Vaters, nicht gegen meine Person und den Dreibund fr die serbischen Meuchelmrder Partei zu ergreifen, und droht ihm sogar fr den Fall des Widerstandes mit einer dauernden Schdigung ihrer persnlichen Beziehungen. Constantin wnscht aber, neutral zu bleiben, und strubt sich in seinem Telegramm vom 2. August mit aller Macht dagegen, nun pltzlich seine ganze politische Richtung zu ndern, dem Erbfeind Griechenlands, Bulgarien, zu einer Machterweiterung zu verhelfen, ber die Serben herzufallen, da sie einmal unsere Verbndeten sind, und den Bukarester Frieden, dessen Dauerhaftigkeit Wilhelm II. selbst in seinem solennen Telegrammwechsel mit Carol erst im August 1913 garantiert hatte, umzustoen. Von dem ist jetzt nicht mehr die Rede, schreibt der Kaiser, an dessen Wort man nicht deuteln soll, an den Rand dieses Telegramms, der Balkan marschiert, fgt der groe Friedenskaiser in befehlendem Ton hinzu, er antwortet dem griechischen Knig nicht mehr selbst, sondern lt ihm nur durch seine Regierung ankndigen, da, wenn er nicht jetzt sofort mitgeht, er als Feind behandelt werden wird[26]. Hier dient also der deutsche Kaiser persnlich als Zutreiber fr den kriegsschtigen Grafen Berchtold. Auch bei der _Trkei_ sieht der Vielgeschftige persnlich nach dem Rechten. Hier stt die papierene Kombination der Ballplatz-Weisen auf eine ganz neu erwachsene Schwierigkeit. Herr v. Jagow selbst, den Graf Berchtold am 14. Juli um seine Meinung fragen lt, ist nmlich entschieden dagegen, die Trkei in diesem Zeitpunkt an den Dreibund heranzuziehen[27]. Auch der deutsche Botschafter in Konstantinopel beeilt sich, am 18. Juli die Berliner Regierung davor zu warnen, indem er darlegt, _da die Trkei derzeit vollkommen bndnisunfhig sei_[28]. _Doch Graf Berchtold, der Tonangebende, siegt._ Der Kaiser entscheidet am 24. von der hohen See aus, wo er gerade seine Erholungsreise macht, selbstverstndlich, ohne seinen Ministern auch nur formell Gelegenheit zur Raterteilung zu geben, trotz bestehender Zweifel ber die Bndnisfhigkeit der Trkei, aus Opportunittsgrnden die Geneigtheit der Trkei zum Dreibundanschlu zu bentzen[29]. So wird denn dieses Bndnis auch am 2. August geschlossen[30]. Der Verlauf des Krieges hat die Zweifel des Konstantinopler Botschafters gerechtfertigt. Blind und taub folgt Berlin der Fhrung Wiens. Auch die Warnungen des deutschen Botschafters in London, ihres wichtigsten Berichterstatters, schlgt die Berliner Regierung in den Wind. Diesem kndigte bereits ein Erla vom 12. Juli ernstere Manahmen gegen Serbien an, die zu allgemeinen Komplikationen fhren knnten. Der Diplomat verstand, was die Euphemismen ernstere Manahmen und allgemeine Komplikationen zu bedeuten hatten: Krieg gegen Serbien und Weltkrieg. Der Londoner Botschafter Frst Karl Lichnovsky, der in allen seinen Berichten ein richtiges, durch die Tatsachen nachtrglich nur allzu traurig besttigtes Urteil zeigt, warnt die Berliner Regierung sofort am 14. Juli vor Illusionen ber die Haltung der englischen Regierung und der englischen Presse[31]. Herr v. Jagow repliziert am 15. Juli[32]. Lichnovsky verschrft am 15. Juli seine Warnungen[33]. Zu dieser Depesche schreibt Herr v. Jagow an den Rand: _Das ist leider alles richtig_, verfolgt aber -- noch mehr mssen wir nachtrglich leider sagen -- seine von Wien inspirierte, von ihm selbst als falsch erkannte Politik weiter, ohne Lichnovskys Warnungen auch nur nach Wien weiterzugeben. Ist das noch bona fides, ist das Treue, ist das Ehrlichkeit? Berlin erweist sich nach jeder Richtung des Vertrauens des Grafen Berchtold wrdig. Seine Eingeweihtheit in die Wiener Plne bentzt der Reichskanzler, um den Ententemchten bei den kommenden Verhandlungen einen kleinen Vorsprung abzugewinnen. Schon am 21. Juli, also zwei Tage vor berreichung des Ultimatums, erlt Herr v. Bethmann einen ausfhrlichen Zirkularerla an die Botschafter in Petersburg, Paris und London, worin er sie ber die Plne der Wiener Regierung -- irrefhrt. Er versichert ihnen, um sie fr die kommenden Verhandlungen zu instruieren, da die Forderungen der sterreichisch-ungarischen Regierung an Serbien als billig und mavoll angesehen werden knnen, und -- der Heuchler! -- spricht die Befrchtung aus, die bse serbische Regierung knnte diese mavollen Forderungen ablehnen und sterreich-Ungarn provozieren, wo doch der Reichskanzler sehr gut wei, da die Forderungen von Wien absichtlich unannehmbar formuliert worden sind, und Wien einen Krieg mit Serbien unter allen Umstnden will, den er selbst durch Bndnisverhandlungen mit den anderen Balkanstaaten und Passivitt gegenber Serbien gut vorzubereiten so eifrig bestrebt ist. Da _ein Reichskanzler die eigenen Botschafter irrefhrt_, um der Wiener Regierung zu helfen, geht doch wohl ber alles erdenkliche Ma von Nibelungentreue hinaus. Um brigens die Lge, da er das Ultimatum vor seiner berreichung nicht gekannt habe, aufrechterhalten zu knnen, hat Herr v. Bethmann diesen Erla vom 21. Juli 1914 im deutschen Weibuch vom Mai 1915 auf den _23. Juli nachdatiert_[34]! Das geht noch ber die Selbstverleugnung des Herrn v. Jagow! Dieser erachtete brigens ganz untergeordnete Gelegenheiten seiner nicht fr unwrdig, um sich dem groen politischen Denker in Wien, dem Grafen Berchtold, ntzlich zu erweisen. Eines Tages hrte Herr v. Jagow, da das Ultimatum erst unmittelbar nach der Abreise Poincars von Kronstadt in Belgrad berreicht werden sollte. Diese Schlauheit gefllt ihm. Sie mu gelingen. Aber Herr v. Jagow frchtet die bekannte Wiener Schlamperei. Deswegen erkundigt er sich selbst beim deutschen Botschafter in Petersburg und beim Admiralstab der deutschen Marine nach der Stunde der Abfahrt Poincars von Kronstadt und macht dann Wien darauf aufmerksam, da es sich tatschlich verrechnet hatte, da es die berreichung des Ultimatums fr 5 Uhr nachmittags am 23. Juli angesetzt hatte; denn dann wrde die Demarche noch whrend der Anwesenheit Poincars in Petersburg bekannt werden. Fr diesen Wink -- den zweiten des Herrn v. Jagow in diesem Stadium der Aktion -- erwies sich Wien dankbar und verschob in der Tat die bergabe des Ultimatums um eine Stunde, d. i. auf 6 Uhr abends[35]. Darnach kann man schon beurteilen, wie viel von der Behauptung des deutschen Weibuches (1914) zu halten ist, die Herr v. Jagow in seine Rechtfertigungsschrift bernimmt[36]: _Wir haben an den Vorbereitungen_ (zur Aktion sterreich-Ungarns gegen Serbien) _nicht teilgenommen_. Fast ein ganzer Band, der erste Band der von der republikanischen Regierung Deutschlands publizierten Dokumente zum Kriegsausbruch ist den diplomatischen Noten gewidmet, die die deutsche Regierung in Sachen der serbischen Aktion vor der berreichung des Ultimatums nach allen Windrichtungen ausgesendet und von berallher empfangen hat. Sogar Noten an die auswrtigen Vertretungen des Deutschen Reiches, die auswrtige Presse noch vor der berreichung des Ultimatums mit Geld und auf andere Art zu beeinflussen, finden sich in dieser Aktensammlung[37]. Ja, selbst ein Erla an den deutschen Gesandten in Belgrad ist darunter, in dem dieser bereits am 22. Juli, also einen Tag vor berreichung des Ultimatums, den vielsagenden Auftrag erhlt: Wenn sterreichischer Gesandter Belgrad verlt, wollen Euer Exzellenz Geschfte und Schutz sterreich-Ungarns Untertanen bernehmen[38]. II. Das Ultimatum an Serbien Noch in seiner 1919 erschienenen Rechtfertigungsschrift hlt Herr v. Bethmann die Legende aufrecht, das Ultimatum sei ohne unsere vorherige Kenntnis und ohne Billigung seines _Wortlauts_ und _aller_ seiner Einzelheiten[39] erlassen worden. Das ist wohl vorsichtiger verklausuliert als die Behauptung des Weibuches 1914, aber doch auch erweislich unwahr. Um diese Behauptung glaubwrdig zu machen, berichtet Herr v. Bethmann ganz bereinstimmend mit Herrn v. Jagow in dessen Rechtfertigungsschrift, wann und wie er und Jagow zur Kenntnis des Wortlauts und aller Einzelheiten des Ultimatums gekommen sind. Herr v. Jagow erzhlt: Am 22. Juli in den Abendstunden -- es war, so weit ich mich erinnere, zwischen 7 und 8 Uhr -- kam Graf Szgyeny zu mir, um mir das bekannte Ultimatum mitzuteilen ... Nach Kenntnisnahme des langen Textes sprach ich dem Botschafter sofort meine Ansicht aus, da der Inhalt mir als reichlich scharf und ber den Zweck hinausgehend erschiene. Graf Szgyeny erwiderte, da sei nun nichts mehr zu machen, denn das Ultimatum sei schon nach Belgrad gesandt und soll dort am nchsten Morgen bergeben und gleichzeitig durch den amtlichen Wiener Telegraphen verffentlicht werden. Ich sprach dem Botschafter mein Befremden aus, da uns die Entschlsse seiner Regierung so spt mitgeteilt wrden, da uns damit die Mglichkeit abgeschnitten wre, dazu Stellung zu nehmen. Auch der Reichskanzler, dem ich alsbald den Wortlaut des Ultimatums vorlegte, war der Ansicht, da es zu scharf sei[40]. Die Mitteilung des sterreichischen Botschafters, den Herr v. Jagow selbst als recht gealtert und von Wien aus schlecht informiert schildert[41], war gerade in dem Punkt, auf den es hier ankommt, falsch. Das Ultimatum wurde plangem nicht am Morgen, sondern am Abend des 23. Juli um 6 Uhr in Belgrad berreicht. Das wuten aber Herr v. Bethmann und Herr v. Jagow aus den Berichten des _sehr gut informierten Herrn v. Tschirschky_, ihres eigenen Botschafters in Wien, ganz genau und also besser als der senile und erfahrungsgem schlecht informierte Graf Szgyeny, der auch tatschlich, nach dem sterreichischen Rotbuch zu schlieen, von seiner Regierung ber die Stunde des Ultimatums nicht unterrichtet worden ist. Ja, die Stunde der berreichung war sogar _auf Betreiben des Herrn v. Jagow selbst_ von 5, wie es Wien geplant hatte, auf 6 Uhr verschoben worden. Das Telegramm des Herrn v. Jagow, durch welches die Wiener Regierung darauf aufmerksam gemacht wurde, da, wenn das Ultimatum in Belgrad um 5 Uhr nachmittags berreicht werden wrde, die Nachricht noch vor der Abreise Poincars in Petersburg bekannt werden knnte, wurde in Berlin am 22. Juli um 6 Uhr 5 Min. Nachm. dem Telegraphenamt bergeben[42]. Herr v. Jagow nahm also an, da die auf dieses Telegramm hin zu ndernde Disposition der Wiener Regierung noch rechtzeitig deren Gesandten in Belgrad erreichen wrde. Ein eine oder zwei Stunden spter abgesandtes Telegramm wegen Milderung der Note htte also auch noch rechtzeitig ankommen knnen. Jedenfalls konnte Herr v. Jagow, der noch um 6 Uhr 5 Minuten nachmittags gewut hatte, da die berreichung des Ultimatums fr Donnerstag 5 Uhr nachmittags geplant war, dieses Datum um 7 Uhr nachmittags, als ihm Graf Szgyeny das Ultimatum berbrachte, noch nicht vergessen haben. berdies erhielt er, wie er erzhlt, unmittelbar nach dem Besuch Szgyenys ein zweites Exemplar des Ultimatums von Herrn v. Tschirschky mit einem Briefe, in dem dieser ausdrcklich schrieb, da das Ultimatum am Donnerstag nachmittag in Belgrad bergeben werden solle[43]. Da ist es doch ein starkes Stck, da Herr v. Jagow sich jetzt nachtrglich darauf ausredet, da er dem Grafen Szgyeny geglaubt habe, das Ultimatum sollte schon am Morgen des 23. berreicht werden. Er und Herr v. Bethmann haben es besser gewut als der jederzeit schlecht unterrichtete Graf Szgyeny. Ihre bessere Sachkenntnis verschweigen aber die Herren Reichskanzler und Staatssekretr a. D. jetzt in ihrem durch ihre republikanischen Nachfolger so schwer getuschten Vertrauen auf das Geheimnis des Staatsarchivs und verstecken sich hinter der falschen Information des Grafen Szgyeny. Aber selbst, wenn die Information des Grafen Szgyeny richtig gewesen wre, htten sie von 8 Uhr abends bis zum nchsten Morgen, der ja doch fr diplomatische Aktionen vor 10, 11 Uhr nicht beginnt, noch mehr als 12 Stunden Zeit gehabt, um die von ihnen beklagte Schrfe des Ultimatums mildern zu lassen -- fr Herren, die acht Tage spter der russischen Regierung mitten in der Nacht ein zwlfstndiges Ultimatum gestellt haben, im Zeitalter der Telegraphen und Telephone Zeit genug zu einigen stilistischen nderungen, und um so mehr Zeit, wenn man den den beiden Herren wohlbekannten richtigen Termin der Ultimatumsberreichung, 6 Uhr abends, berechnet, bis zu dem sie _24 Stunden Zeit gehabt htten_, dem Grafen Berchtold einen Rat zu erteilen. Welche Heuchelei liegt in der nachtrglichen Verteidigung von Reichskanzler und Staatssekretr! Herr v. Bethmann sucht in seinem Rechtfertigungsbuch zu beweisen, da es die richtige Politik der Berliner Regierung war, da sterreich das serbische Ultimatum ohne unsere vorherige Kenntnis und ohne Billigung seines Wortlauts und aller seiner Einzelheiten habe erlassen drfen, denn von Inhalt und Form eines einmal ausdrcklich gebilligten Ultimatums htten wir uns nicht wieder loslsen, wir htten dann die ganze Vermittlungsarbeit nicht verrichten knnen ...[44], und auf der nchsten Seite seines Buches berichtet er zustimmend, da Herr v. Jagow Herrn v. Szgyeny bei der berreichung des Textes des Ultimatums sein Befremden ausgesprochen habe, da uns durch die spte Notifizierung jede Mglichkeit genommen sei, zu einem so wichtigen Dokument Stellung zu nehmen. Welche doppelte und dreifache Heuchelei! Erstens erklrt es doch jetzt nachtrglich Herr v. Bethmann als seine vorbedachte Politik, zu dem Ultimatum im voraus keine Stellung zu nehmen. Zweitens hat er, bezw. sein Staatssekretr, dazu im voraus Stellung genommen, denn sie haben, wie gezeigt, schon aus den Berichten des Herrn v. Tschirschky vom 8. und 10. Juli erfahren, welche schwere Forderungen in der Hauptsache Graf Berchtold an Serbien zu stellen gedenkt, und vor allem, da es sich dem Grafen Berchtold darum handle, Forderungen zu stellen, die Serbien eine Annahme vllig unmglich machen wrden, Graf Berchtold hat sie gleichzeitig fragen lassen, wie man in Berlin darber denke[45], ihnen war also in der Zeit zwischen dem ersten Bericht ber die Berchtoldschen Forderungen, _8. Juli_, und der berreichung des Textes des Ultimatums, _22. Juli_, durch die oben bereits erwhnten spteren und genaueren Berichte der deutschen Botschaft in Wien ber die Berchtoldschen Forderungen _Gelegenheit genug und bergenug_ gegeben, ihre Schrfe zu mildern, wenn sie es gewollt htten. Aber sie haben es nicht gewollt, sie haben sterreich zum Krieg gegen Serbien verhelfen wollen und was sie nun nachtrglich gegen die allzu groe Schrfe des Ultimatums sagen, ist windige Ausrede. Ein Ultimatum, welches unannehmbar sein soll, kann gar nicht zu scharf und ber den Zweck hinausgehend sein. Der Zweck des Ultimatums war doch der Krieg. Gibt es noch einen ber diese ultima ratio regum hinausgehenden Zweck im Verkehr der Staaten? Wie kann Herr v. Jagow den Lesern seines Buches solchen Unsinn zumuten? Er kann dies nur im Vertrauen darauf, da die Leser seines Buches die geheimen diplomatischen Akten nicht kennen, aus welchen hervorgeht, da der Zweck des Ultimatums der Krieg war, und da Herr v. Jagow wie Herr v. Bethmann um diesen Zweck schon seit dem 5. Juli, an dem Kaiser Wilhelm das Handschreiben Franz Josephs erhalten hatte, gewut hatten und der Wiener Regierung bei ihrer diplomatischen Vorbereitung des Ultimatums -- bis auf die Formulierung der Forderungen -- jeden erdenklichen Rat und jede Untersttzung hatten angedeihen lassen. Herr v. Bethmann verrt brigens selbst seine und seines Kollegen Unaufrichtigkeit. Unmittelbar, nachdem er die neu erfundene Fabel erzhlt hat, da er und Jagow das Ultimatum zu scharf gefunden haben, auf derselbe Seite seines Buches[46] fllt er in seinen alten, wahren, brutalen Gedankengang der Gewaltpolitik zurck, indem er die Frage aufwirft: War nun das Ultimatum zu scharf? und darauf antwortet, sterreich mute scharf zupacken, sonst htte man besser die Hnde in den Scho gelegt. Herr v. Bethmann ist wie eine Kchin, die sich am Sonntag zum Ausgang Schminke auflegt, sie aber nicht vertrgt und sie auch wieder wegreibt, ehe sie noch das Haustor verlassen hat. Da ist sein Kollege Jagow doch schon mehr von der Kultur beleckt. Der lt sich beim -- Schminken nicht so leicht erwischen. Htten brigens die Herren v. Bethmann und v. Jagow wirklich damals das Ultimatum fr zu scharf gehalten und wren sie nur durch Zeitmangel verhindert worden, eine Milderung in Wien noch vor der berreichung durchzusetzen, so htten sie auch nach der berreichung genug Gelegenheit dazu gehabt. Von ihrer eigenen Initiative ganz abgesehen, telegraphierte ihnen schon am 24. Juli der deutsche Botschafter in London, Frst Lichnovsky, da der englische Staatssekretr Sir E. Grey den _Ton der Note_ wie die _kurze Befristung_ beklage. Diese Meldung geben sie wohl, da Grey es ausdrcklich wnschte, nach Wien weiter, aber ohne Greys Vorschlag zu untersttzen, im Gegenteil, mit dem dem kriegstollen Wiener Kabinett die Ablehnung frmlich suggerierenden Beisatz des Herrn v. Jagow: Ich glaube nicht, da Fristverlngerung mglich wre, was die Wiener Regierung natrlich sofort besttigt. Die Frage des Tons der Note bergeht er ganz mit Stillschweigen[47]. In seinem Buche behauptet aber Herr v. Jagow schlankweg, da er den Antrag einer Fristverlngerung in Wien untersttzt habe[48]. Sehr mutig im -- Behaupten ist Herr v. Jagow -- vor der Publizierung der deutschen Dokumente gewesen! Doch weiter! Am 26. Juli telegraphiert der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtals, Sasonow sucht nach Auswegen, gegen eine Reihe von Punkten des Ultimatums hat der Minister Bedenken, ber einige andere Punkte, sagte mir der Minister, knnte man sich vielleicht durch nderung der Formen der Forderungen einigen; es handle sich vielleicht nur um Worte. Pourtals macht dann selbst den Vorschlag, das Berliner Kabinett mge mit sterreich-Ungarn unverzglich Fhlung nehmen, um seine Forderungen in der Form etwas zu mildern[49]. Herr v. Jagow hat dieses Telegramm, dem Amtsschimmel entsprechend, den deutschen Botschaftern in Wien und London mitgeteilt. Da es auch der Wiener Regierung zur Kenntnis gebracht worden wre, ist nach den jetzt vollstndig publizierten Wiener und Berliner Akten nicht anzunehmen. Jedenfalls hat Herr v. Jagow dem Herrn v. Tschirschky keinen Auftrag erteilt, im Sinne der Vorschlge von Sasonow und Pourtals mit sterreich-Ungarn unverzglich Fhlung zu nehmen. Berlin hatte ebenso wie Wien angenommen, da Serbien die gepfefferten Forderungen sterreich-Ungarns einfach ablehnen werde, sie waren ja, wie Graf Hoyos dem Prinzen Stolberg sagte, absichtlich so formuliert, da ein Staat, der noch etwas Selbstbewutsein und Wrde hatte, sie unmglich annehmen konnte. Die Serben aber nahmen diese horrenden Forderungen, bis auf zwei, an und verdarben dadurch der Wiener Regierung das Konzept. Die Mitglieder der sterreichisch-ungarischen Botschaft in London waren, wie Frst Lichnovsky berichtete, beim Bekanntwerden der Antwort Serbiens geradezu niedergeschmettert[50]. Das war auch die Stimmung der Herren am Ballplatz. Sie hielten deswegen die Antwort Serbiens geheim und verffentlichten sie erst, nachdem sie sie durch einen perfiden Kommentar in so ziemlich das Gegenteil umgelogen hatten. Selbst ihrem Berliner Bundesgenossen wagten sie die serbische Antwortnote nicht ohne diese pervertierenden Zustze eigener Mache vorzulegen. Noch am 27. Juli mu der Reichskanzler dem Kaiser berichten, da er den Wortlaut der serbischen Note, die am 25. der sterreichisch-ungarischen Regierung bergeben worden war, noch nicht erhalten konnte.[51] Herr v. Jagow telegraphiert dem Herrn v. Tschirschky am 27. vormittags, er mge den Text der serbischen Antwort umgehend nach Berlin drahten[52]. Herr v. Tschirschky erbittet sofort am Ballhausplatz persnlich dringend den Text, er erhlt ihn aber erst in der Nacht vom 27. auf den 28. mit den erluternden Bemerkungen der sterreichisch-ungarischen Regierung zugestellt. Inzwischen hatte der serbische Gesandte bereits am Nachmittag des 27. Juli den Text der serbischen Antwortnote der Berliner Regierung berreicht, die ihn dem Kaiser weitergab. Auf den Kaiser, der sie am 28. frh in dieser serbischen Ausgabe las, machte die serbische Antwort offenbar auch einen gewissen niederschmetternden Eindruck, so sehr, da er, der bis dahin in unfltigen Randnoten immer nur gegen die serbischen Ruber und Frstenmrder zum Krieg gehetzt hatte, jetzt den Text der Antwortnote blo mit einer gegen die Wiener Politik gerichteten Randnote versieht: Damit fllt jeder Kriegsgrund fort, und Giesl htte ruhig in Belgrad bleiben sollen! Daraufhin htte ich niemals Mobilmachung befohlen[53]! Eine scharfe Wendung gegen den Kaiser von sterreich. Doch begngt sich der Kaiser nicht mit dieser Randbemerkung. Die Sache ist ihm zu wichtig. Um 10 Uhr vormittags setzt er sich an den Schreibtisch, um einen ausfhrlichen Erla an Herrn v. Jagow niederzuschreiben, in welchem er bereits einen positiven Vorschlag entwickelt, um der durch die unerwartete Nachgiebigkeit der Serben geschaffenen neuen Situation Rechnung zu tragen. Er wiederholt in dem Erla seine Ansicht, da nunmehr _die Wnsche der Donaumonarchie erfllt sind_ und _jeder Grund zum Kriege entfllt_. (Dies im Original unterstrichen.) Aber die Einhaltung der serbischen Versprechungen mte durch douce violence gesichert und auch die sterreichische Dynastie gegen die blen Nachwirkungen der dritten zwecklosen Mobilisierung der Armee geschtzt werden. Zu diesem Zwecke sollte sterreich Belgrad besetzen und so lange als Faustpfand besetzt halten, bis tatschlich die petita durchgefhrt sind. In gleichem Sinn lt der Kaiser an den Generalstabschef Grafen Moltke schreiben[54]. Ein lichter Moment in dem irrsinnigen Gerede, mit dem der Kaiser nach wie vor die groen und so folgenschweren Ereignisse dieser Zeit in den Akten begleitet! Wir werden spter sehen, wie diese vernnftige Anregung des Kaisers von seinen Ministern aufgenommen und ausgefhrt worden ist. Wie die serbische Antwortnote auf sie gewirkt hat, davon schweigen die Herren v. Bethmann und v. Jagow in ihren Bchern, _sie erwhnen die serbische Antwort gar nicht_. Aber da sie auch ihnen als befriedigend erschienen ist, beweist ein dringendes Telegramm des Reichskanzlers vom 28. Juli an Herrn v. Tschirschky, in welchem er von dem weitgehenden Entgegenkommen Serbiens ausgeht und die Gefahr schildert, die Deutschland droht, wenn es auch weiterhin gegenber den inzwischen von anderen Kabinetten ausgearbeiteten Vermittlungsvorschlgen seine bisherige Zurckhaltung bewahrt[55]. Am 30. Juli stellt er in der Sitzung des preuischen Staatsministeriums fest, da die serbische Antwort bis auf geringe Punkte den sterreichisch-ungarischen Desiderien _tatschlich zugestimmt_ habe[56]. Was aber denselben Reichskanzler, der sich gelegentlich im intimen Kreise ber des Grafen Berchtold Politik mit doppeltem Boden entrstet[57], nicht hindert, zwei Tage spter dem Bundesrat in der feierlichen Kriegssitzung vom 1. August zu erzhlen, da Serbien wichtige Forderungen _abgelehnt_ htte[58], und nach all dem perorieren die Herren v. Bethmann und v. Jagow gegen die Kriegshetzer Grey und Sasonow und wollen sich selbst als die Hter des Friedens aufspielen! III. Die Berliner Vermittlungsttigkeit Die Vermittlungsttigkeit der Herren v. Bethmann und v. Jagow, die den zweiten Punkt ihrer Rechtfertigung bildet, war nur eine sekundre. Sie beschrnkte sich im wesentlichen darauf, die Vermittlungsvorschlge der Herren Grey und Sasonow aufzufangen, einen Teil davon zur Schonung der ohnedies von ihnen sehr bezweifelten Energie des Bundesgenossen bei sich zu behalten, die anderen Vorschlge nach Wien weiterzugeben und sie dort mit mehr oder auch weniger Nachdruck zu empfehlen. Wenn man die deutsche mit der sterreichischen Aktensammlung, die beide vollstndig sind, daraufhin vergleicht, bemerkt man mit Befremden, da nur ein schwaches Echo der fieberhaften Vermittlungsttigkeit der Entente-Staatsmnner durch die Berliner Zwischenstation Wien erreicht hat. _Berlin diente als Schalldmpfer_, whrend Grey und Sasonow sich mit ihren Vorschlgen gerade deswegen an Berlin wandten, weil sie es flschlich fr ein schallverstrkendes Medium im Verkehr mit den harthrigen Wienern hielten. Unmittelbar nach dem Ultimatum, da die Gegner, die sich noch nicht gesammelt hatten, am nachgiebigsten waren, ist selbst von der brieftrgerhaften Vermittlungsttigkeit der Berliner Herren nichts zu bemerken. Den Vermittlungsvorschlag Greys vom 24. Juli, seinen Konferenzvorschlag vom 26. Juli lehnen sie, ohne Wien zu fragen, ab[59] und den Fristverlngerungsvorschlag Greys vom 24. Juli geben sie, wie oben gezeigt, nur mit einer negativen Empfehlung nach Wien weiter, Sasonows oben erwhnte Anregungen vom 26. Juli bleiben ohne Antwort. Erst nachdem Herr v. Bethmann am 27. Juli die fr die ausgesprochenen Wnsche sterreich-Ungarns in der Hauptsache befriedigende und deswegen gerade fr die unausgesprochenen Wnsche umso unbefriedigendere Antwort Serbiens gelesen, erwacht er aus der Ruhe, mit der er bisher das vermeintlich fein erklgelte Spiel des Grafen Berchtold verfolgt hat, und frchtet in dem schon angefhrten dringenden Telegramm an Herrn v. Tschirschky vom 28. Juli, da, wenn die deutsche Regierung an ihrer bisherigen Zurckhaltung gegenber den englisch-russischen Vermittlungsvorschlgen festhielte, das Odium, einen Weltkrieg verschuldet zu haben -- Herr v. Bethmann scheut dieses Odium, aber nicht den Weltkrieg selbst --, auf Deutschland fallen knnte. Er bermittelt auch gleichzeitig den Vorschlag des Kaisers Wilhelm auf vorbergehende Faustpfandbesetzung Belgrads zur Mitteilung an die Wiener Regierung, zunchst noch mit der beschwichtigenden Verwahrung, da er sterreich nicht zurckzuhalten wnsche[60]. Als er dann aber am 29. Juli nachmittags aus einem Telegramm des Londoner Botschafters -- man mu fast annehmen: zu seinem Schrecken -- erfahren hat, da Serbien sich sogar bereit erklrt hat, auch die Artikel 5 und 6 der sterreichischen Note, mithin also alle Forderungen zu schlucken[61]; als er dann am Abend desselben 29. Juli ein zweites Telegramm des Londoner Botschafters erhlt, in dem ihn Grey dringend bitten lt, die Vermittlung euphemistisch wieder aufzunehmen, Grey ferner einen dem des Kaisers hnlichen Vorschlag der vorlufigen Besetzung Belgrads macht, aber auch fr den Fall des Ausbruches eines Krieges zwischen den Gromchten, den er als die grte Katastrophe kennzeichnet, die die Welt je gesehen hat, die Beteiligung Englands an Seite Frankreichs und Rulands in Aussicht stellt[62], erst da fngt Herr v. Bethmann, indem er dieses Lichnovsky-Telegramm nach Wien weitergibt, an, so ernst mit Wien zu sprechen, als er es vom Anfang an htte tun sollen[63]. Es ist das jenes Telegramm, das Herr v. Bethmann zu seiner Entlastung in seiner Reichstagsrede vom 9. November 1916 ausgentzt hat. Am Abend des 29. erreichte die Berliner Regierung noch eine Hiobsbotschaft. Der Petersburger Botschafter meldete, da Sasonow sich darber beklagt habe, da das Wiener Kabinett den Wunsch der Petersburger Regierung nach direkten Besprechungen kategorisch abgelehnt habe, und da ferner Sasonow auf Befragen unmittelbar bevorstehende Mobilmachung nicht in Abrede gestellt habe[64]. Auch dieses Telegramm gibt der Reichskanzler noch in der Nacht vom 29. auf den 30. nach Wien weiter, diesmal aber mit einer ganz krftigen Apostrophe an die Wiener Regierung, wonach sich die Berliner nicht leichtfertig und ohne Beobachtung unserer (der Berliner) Ratschlge in einen Weltbrand hineinziehen lassen wolle, es ist das jenes Telegramm, auf das sich Herr v. Bethmann am 19. August 1915 im Reichstag zu seiner Entlastung berufen hat. Doch kamen diese beiden Vermittlungsaktionen _zu spt_, wie der Kaiser selbst in seiner Randnotiz zu der Meldung von der Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Wien und Petersburg am 30. Juli bemerkt[65]. Und fnf Jahre spter ist Herr v. Bethmann, der die Tadelnotiz des Kaisers am 1. August 1914 zur Kenntnis genommen hat, noch in der Laune, in seinem Buche zu behaupten: _Deutsche Versumnisse liegen also nicht vor_[66]. Man hat bei solchen uerungen des Herrn v. Bethmann wie des Herrn v. Jagow nur die Wahl zwischen der Annahme von Bswilligkeit und der von Begriffsttzigkeit. Es sind im ganzen drei Vermittlungserfolge in Wien, die die deutschen Staatsmnner im Stande der Verteidigung fr sich geltend machen: 1. Die nach langem Hngen und Wrgen am 27. Juli wiederholte Erklrung der Wiener Regierung, da sie in Serbien keine territorialen Eroberungen beabsichtige -- eine reservatio mentalis, da man in Wien nach wie vor, wie Graf Hoyos schon am 5. Juli in Berlin ausgeplaudert hatte, die Aufteilung Serbiens plante; das erfuhr v. Bethmann am 28. nochmals aus einem Londoner Bericht, zu dem er die Randbemerkung machte: _Diese Zweideutigkeit sterreichs ist unertrglich_[67]. Und das soll eine erfolgreiche Berliner Vermittlung sein! 2. Die Wiederaufnahme der direkten Besprechungen zwischen Wien und Petersburg, aber wieder mit dem den Vordersatz aufhebenden Nachsatz, da es sich dabei nur um Erluterungen zum Ultimatum handeln drfte und da Graf Berchtold _es bestimmt ablehnen msse_, ber die einzelnen Punkte der Note an Serbien -- deren Berechtigung usw. -- zu diskutieren[68]. Und dennoch schreibt wieder der gewesene Staatssekretr und Vizekanzler Dr. Helfferich in seinem Kriegsbuch, da es dem Kaiser und dem Reichskanzler gelungen sei, bei sterreich-Ungarn ein Einlenken in Sachen des Ultimatums durchzusetzen[69] -- wo doch Graf Berchtold dies bestimmt abgelehnt hat. Also wieder ein merkwrdiger Erfolg der Berliner Vermittlung! 3. Die Annahme des Faustpfandvorschlages. Auf diesen letzteren Punkt legt Herr v. Jagow in seinem Buche das Hauptgewicht. Wien ist auch unserem Ratschlage gefolgt, jubelt er.[70] Das ist aber gar nicht wahr. Am 31. Juli antwortete Kaiser Franz Joseph selbst dem deutschen Kaiser auf dessen Faustpfandvorschlag vom 30. Juli in rgerlichem Ton: Ich kann eine solche Intervention (des Zaren, auf dessen Telegramme Kaiser Wilhelm sich zur Untersttzung seines Vorschlages berufen hatte) _unmglich zugeben_. Ich bin mir der Tragweite meiner Entschlsse bewut[71]. In diesem Sinne meldete auch Graf Szgyeny am selben Tage dem Berliner Auswrtigen Amt: Auf Grund Allerhchster Entschlieung ist entschieden, Krieg gegen Serbien durchzufhren[72], whrend der Vermittlungsvorschlag, gleichzeitig von Kaiser Wilhelm und der englischen Regierung gestellt, dahin ging, den Krieg nicht durchzufhren, sondern sich mit der Besetzung des von den Serben gerumten Belgrad zu begngen. Im Wiener gemeinsamen Ministerrat vom 31. Juli, der ber diese dringendsten und nachdrcklichsten Berliner Vorschlge beriet, teilte Graf Berchtold mit, Seine Majestt habe den Antrag genehmigt, da wir es zwar _sorgsam vermeiden, den englischen Antrag in meritorischer Hinsicht anzunehmen_, da wir aber in der Form unserer Antwort Entgegenkommen zeigen und dem Wunsche des deutschen Reichskanzlers, die (englische) Regierung nicht vor den Kopf zu stoen, auf diese Weise entgegenkommen[73]. In diesem Sinne wurde dann auch ein einmtiger Beschlu gefat. Und da sagt dann Herr v. Jagow: Wien ist auch unserem Ratschlage gefolgt und fgt scheinheilig hinzu: Rulands Bedrohung unserer Sicherheit durch die gegen uns gerichtete Gesamtmobilmachung hat jede Verstndigung vereitelt, den Weltkrieg entfesselt[74]. Aber, wenn Ruland nicht am 31. Juli die Gesamtmobilmachung ins Werk gesetzt htte, _so wre die Verstndigung an Wiens Widerstreben gescheitert_. Statt ber sie zu klagen, htten die deutschen Staatsmnner allen Grund, die russische Gesamtmobilmachung zu preisen, denn nur sie hat es ihnen ermglicht, durch die ganzen fnf Kriegsjahre ihre These zu verfechten, da Wien am 31. Juli zur Verstndigung bereit gewesen sei. Htte Ruland nicht mobil gemacht, so wre im weiteren Verlauf der Verhandlungen gar bald die Wahrheit herausgekommen, die die Welt jetzt erst aus den versptet publizierten deutschen und sterreichisch-ungarischen Aktensammlungen erfhrt, da Wien am 31. Juli nur bereit war, der Welt Sand in die Augen zu streuen, in der Sache selbst -- Strafexpedition gegen Serbien -- sich nicht um Haaresbreite von seinen Absichten hat abbringen lassen. Doch auch auf deutscher Seite sieht es mit der vielgerhmten Vermittlungsttigkeit etwas schbig aus. Es handelt sich den deutschen Staatsmnnern gar nicht darum, Blutvergieen zu vermeiden, im Gegenteil, sie sind fr den Krieg gegen Serbien, drngen sogar sterreich-Ungarn, mglichst bald loszugehen und sind bitter enttuscht, da sie am 26. Juli vom Chef des sterreichisch-ungarischen Generalstabes Baron Conrad erfahren, da sterreich-Ungarn -- nur langsam voran -- erst am 12. August den Vormarsch gegen Serbien beginnen kann[75]. Die deutschen Staatsmnner sind nur fr die Lokalisierung des Krieges, d. h. die anderen Mchte sollen ruhig zusehen, wie der 52 Millionenstaat ber den 4 Millionenstaat herfllt. Die Lokalisierung war eine politische Unmglichkeit, ein Unding. Ruland war nach allem Vorausgegangenem moralisch verpflichtet, Serbien beizustehen. Wie oft hatten die sterreichisch-ungarischen Offizisen in frheren Jahren die Serben verhhnt, mit der Voraussage, da ihr Protektor sie doch im entscheidenden Moment wieder im Stiche lassen wrde, wie auf dem Berliner Kongre 1878! Kaiser Franz Joseph ebenso wie Graf Berchtold, hatten von allem Anfange an mit Rulands kriegerischem Eingreifen gerechnet. Auch die deutschen Staatsmnner setzten das noch im Weibuch vom August 1914 als selbstverstndlich voraus, woraus aber kraft des europischen Allianzsystems der Weltkrieg mit unaufhaltsamer Konsequenz sich von selbst ergab. In seiner Instruktion an die preuischen Gesandten bei den deutschen Bundesregierungen vom 28. Juli erklrte Herr v. Bethmann mit biederem Tonfall, Rulands Eintreten fr Serbien sei gewiß« sein (Rulands) gutes Recht[76], was ihn aber nicht verhinderte, gegenber Lichnovsky und Grey, die beide vom Anfang an vor dem Lokalisierungswahn gewarnt hatten, _am selben 28. Juli ebenso bieder das Gegenteil zu behaupten_: ... so wenig knnen wir ein Recht Rulands oder gar der Triple-Entente anerkennen, fr die serbischen Umtriebe gegen sterreich einzutreten[77]. Und dieser selbe Herr v. Bethmann regt sich in moralischer Entrstung gegen Berchtolds Politik mit doppeltem Boden und gegen seine Zweideutigkeiten auf! Wie wenig die Berliner Staatsmnner gegen den Krieg mit Serbien waren, mag man auch daraus ersehen, da Herr v. Jagow, als er am 25. Juli das schon frher erwhnte Telegramm des Londoner Botschafters mit Greys Bitte um Fristverlngerung des Ultimatums in der bereits besprochenen kontrasuggestiven Art nach Wien weitergab, _den Schluabsatz dieses langen Schriftstckes weglie_, wonach man im Foreign Office Grund zur Annahme habe, da sterreich die Widerstandskraft Serbiens sehr unterschtze; es werde auf jeden Fall ein langwieriger, erbitterter Kampf werden, der sterreich-Ungarn ungemein schwchen und an dem es sich verbluten werde[78]. Warum hat Herr v. Jagow gerade diese Stze gestrichen? Wohl, weil sie Wien, dessen Wankelmtigkeit man in Berlin immer frchtete, vom Feldzug gegen Serbien htten abschrecken knnen. Doch als man in Berlin endlich die Unmglichkeit der Lokalisierung des Krieges eingesehen hat, welchen Zweck hat dann die weitere Vermittlungsttigkeit der Berliner Staatsmnner? Wieder, nicht Blutvergieen zu vermeiden, sondern fr den Weltkrieg, dem sie nun gefat entgegensahen, Stimmung zu machen, das Odium dafr auf Ruland abzuwlzen. Als Herr v. Bethmann am 27. Juli zum ersten Mal einen von Grey gestellten Vermittlungsantrag, den er doch nicht wieder a limine abweisen kann, nach Wien weitergibt, begrndet er dies mit dem lediglich taktischen Argument, da wir als die zum Kriege Gezwungenen dastehen mssen[79]. Am 28. Juli befrwortet er gegenber Wien den kaiserlichen Faustpfandvorschlag damit, da _das Odium, einen Weltkrieg verschuldet zu haben_, sonst in den Augen des deutschen Volkes auf die deutsche Regierung zurckfiele; es handle sich bei der Graf Berchtold empfohlenen Demarche in Petersburg darum, die Bedingungen, unter denen der Weltkrieg, wenn dieser schlielich nicht zu vermeiden ist, fr uns nach Tunlichkeit zu verbessern[80], schliet Herr v. Bethmann in ganz geschftsmigem Ton -- corriger la fortune. Recht gelehrig verdolmetscht Herr v. Tschirschky am 29. Juli die Auftrge seines Chefs dem Grafen Berchtold mit den Worten, der Vermittlungsvorschlag des Reichskanzlers sei durchaus nicht dahin zu verstehen, als wrde der Reichskanzler damit einen Druck auf Wien ausben wollen oder als lge ihm der Wunsch nahe, sterreich-Ungarn von seiner Aktion zurckzuhalten, sondern im Fall des Weltkrieges solle Ruland allein die Schuld treffen[81]. Die Verweigerung jedes Meinungsaustausches mit Petersburg -- telegraphiert Herr v. Bethmann am 30. Juli mahnend an das saumselige Wien -- wrde ein schwerer Fehler sein[82], ein Kunstfehler, aber beileibe kein Verbrechen. Dem Kaiser sagte er am selben Tage, da sein Drngen in Wien den Zweck habe, die Schuld Rulands zu vergrern[83]. In einem aus anderen Grnden spter zurckgezogenen Telegramm an den Wiener Botschafter vom selben Tage sagt er gengstigt: Wenn Wien den letzten Greyschen Vorschlag ablehnt, ist es kaum mehr mglich, Ruland die Schuld an der ausbrechenden europischen Konflagration zuzuschieben[84]. Im preuischen Ministerrat vom selben Tage wiederholt er es zum vierten Mal an diesem 30. Juli, da der Grund seiner Vermittlungsttigkeit der sei: Es mte der grte Wert darauf gelegt werden, Ruland als den schuldigen Teil hinzustellen[85]. Die Schuld Ruland zuschieben, Ruland als den schuldigen Teil hinstellen, diese Ausdrcke sind nicht der Welt der Wahrheit, sondern der des Scheins und der advokatorischen Verstellungskunst entnommen. _Es ist die geschickte Regie des Weltkrieges_, um die es sich Herrn v. Bethmann handelt, _nicht aber die Vermeidung des Weltkriegs_, fr die sich wiederholt Grey in so eindrucksvollen, prophetischen Worten und gelegentlich auch Sasonow einsetzt. In demselben engen Geleise luft auch die persnliche Vermittlungsaktion des Kaisers _Wilhelm II._, von der in der ffentlichen Diskussion so viel Aufhebens gemacht worden ist. Er mutet dem Zaren in einem Telegramm vom 29. Juli zu, dem sterreichisch-serbischen Krieg gegenber in der Rolle des Zuschauers zu verharren, ohne Europa in den schrecklichsten Krieg hineinzuziehen, den es je gesehen hat[86] -- also wieder nur die Lokalisierung. Mit dem unabweislich pathetischen Ton, in dem Kaiser Wilhelm den Zaren und den Knig von England in seinen so oft zitierten Telegrammen zum Stillehalten beschwrt, vergleiche man den scheuen, eine Ablehnung von vornherein erleichternden Ton des einzigen, von des Kaisers Regierung wohlweislich nicht verffentlichten Telegramms, das Kaiser Wilhelm in der Vermittlungsaktion dem Kaiser Franz Joseph schickt. Es betrifft seinen eigenen und Greys Faustpfandvorschlag, ist vom 30. Juli datiert und lautet: Die persnliche Bitte des Zaren, einen Vermittlungsversuch zur Abwendung eines Weltbrandes und Erhaltung des Weltfriedens zu unternehmen, habe ich nicht ablehnen zu knnen geglaubt und Deiner Regierung durch meinen Botschafter gestern und heute Vorschlge unterbreiten lassen. Sie gehen unter anderem dahin, da sterreich nach Besetzung von Belgrad oder anderer Pltze seine Bedingungen kundgbe. Ich wre Dir zu aufrichtigem Danke verpflichtet, wenn Du mir Deine Entscheidung mglichst bald zugehen lassen wolltest. In treuer Freundschaft Wilhelm[87]. Nicht ein Wort der Empfehlung, geschweige denn der Beschwrung, wie in den Telegrammen an den Zaren und den Knig von England! Und darnach sagte Herr v. Bethmann in der Reichstagssitzung vom 4. August 1914, die Vermittlungsaktion in Wien sei von Berlin in Formen gefhrt worden, welche bis an das uerste dessen gehen, was mit unserem Bundesverhltnis noch vertrglich war! Zahmer, submisser, unsicherer hat der deutsche Kaiser wohl nie gesprochen als in diesem Telegramm. Kaiser Franz Joseph hat denn auch Wilhelm II., wie bereits in anderem Zusammenhang erwhnt, recht unwirsch einen Korb gegeben. IV. Der aufgezwungene Krieg Herr v. Bethmann glaubte, da ihm sein Regiestck gelungen sei. In der Sitzung des Bundesrates vom 1. August erklrte er bereits feierlich: Wir haben den Krieg nicht gewollt, er wird uns aufgezwungen[88], die Phrase, die er, wie der Kaiser und die anderen Berliner Herren, spter in der ffentlichkeit so oft wiederholt hat. Den Weltkrieg selbst haben sie nicht gewollt, wohl aber den Krieg sterreich gegen Serbien, und dieser mute zum Weltkrieg fhren, das wuten sie und wurde ihnen berdies vom Anfang an durch Grey, Sasonow und ihren eigenen Botschafter Lichnovsky mit zwingenden Argumenten, die sie auch nicht zu widerlegen versuchten, vor Augen gefhrt[89]. Als sie in extremis den Krieg sterreichs gegen Serbien im Sinne des Faustpfandvorschlags einschrnken wollten, stieen sie auf sterreichs Widerstand. Graf Berchtold hatte, wie er in seiner Note an Graf Szgyeny vom 20. Juli bereits feststellte, schon lange vor dem Ultimatum ein vollstndiges politisches Einvernehmen mit dem deutschen Kabinett erzielt[90] und auch mit dem deutschen Kaiser, wie Graf Berchtold wahrheitsgem htte hinzufgen knnen. An dieses hielten sich der Kaiser Franz Joseph und seine Regierung und deswegen lehnten sie #alle# ihnen nachtrglich von Berlin bermittelten Vorschlge auf Einstellung oder auch nur Einschrnkung ihres serbischen Krieges ab, komme, was da wolle, und daraus erklrt sich auch der bescheidene Ton, in dem Berlin diese Vorschlge Wien vortrgt. Wien blieb den Abmachungen mit Berlin treu und hielt Berlin an der Stange fest. Berlin konnte nicht mehr zurck, selbst wenn es ernstlich gewollt htte. Es hat aber nicht gewollt. Denn was es gewollt hat, _den serbischen Krieg ohne Weltkrieg, das war praktisch unmglich_, und Unmgliches, Unerreichbares kann man mchten, aber zurechnungsfhiger Weise nicht wollen[91]. Wenn einer etwa in ein Fenster hineinschiet und einen sichtbar am Fenster sitzenden Mann erschiet, wird er sich doch nicht nachher vor dem Richter darauf ausreden knnen, da er nur das Fenster gemeint habe, nicht aber den Mann. Doch zu den Eigentmlichkeiten der Berliner Staatsmnner hat es immer gehrt, da sie wohl forsch hinberschieen wollten, den andern aber es belnahmen, wenn sie zurckschossen. Auch die Niederlage haben sie nicht gewollt und nicht den inneren Zusammenbruch, und gewi auch nicht den Sturz der Hohenzollern, der Habsburger und der anderen deutschen Dynastien, und sind doch fr all das vor der Geschichte verantwortlich, nach demselben Kausalgesetz, nach dem sie berhaupt fr den Weltkrieg verantwortlich sind. Das Eintreten Rulands fr Serbien und die europischen Komplikationen waren brigens schon in dem Handschreibenwechsel der beiden Kaiser im Anfang des Monates Juli vorausgesehen. Fr diesen Fall auch nur verlangte sterreich-Ungarn Deutschlands Untersttzung und sagte sie ihm Deutschland zu. Denn einen Krieg blo gegen Serbien zu fhren, dazu brauchte sterreich-Ungarn keine Hilfe. Als beliebtestes Argument fr den aufgezwungenen Krieg hat den deutschen Staatsmnnern whrend des ganzen Krieges die offizielle _russische Gesamtmobilisation_ vom 31. Juli gedient, welche nach ihrer Darstellung den Krieg bedeutete und von Deutschland mit dem Ultimatum beantwortet werden mute. Dieses Argument tritt Herr v. Bethmann auch in seinem Buche noch breit[92]. Da man sich dabei immer auf die Ansicht des deutschen Groen Generalstabs berufen hat und vor diesem bisher jede Kritik verstummte, nahm man das Argument glubig an, obzwar es dem gesunden Menschenverstand nicht einleuchtete, warum Mobilisierung gleich Krieg sein mu, wo doch so viele Mobilisierungen aus der Geschichte der neuesten Zeit bekannt sind (so auch die zwei russisch-sterreichischen Mobilisierungen von 1909 und 1912), die nicht zum Krieg gefhrt haben. Dieser Anschauung des gesunden Menschenverstandes hat frher auch Herr v. Bethmann gehuldigt und sie bei einer sehr wichtigen und entscheidenden amtlichen Gelegenheit, als schon inoffizielle Nachrichten vom Beginn der russischen Mobilisierung in Berlin vorlagen und sogar sich huften, ausgesprochen, nmlich in der Sitzung des preuischen Staatsministeriums vom 30. Juli 1914. Die Mobilisierung Rulands, sagte er, sei zwar erklrt, seine Mobilisierungsmanahmen seien jedoch mit den westeuropischen nicht zu vergleichen. Die russischen Truppen knnten in diesem Mobilisierungszustande wochenlang stehen bleiben. Ruland beabsichtige auch keinen Krieg, sondern sei zu seinen Manahmen nur durch sterreich gezwungen[93]. Damals hoffte Herr v. Bethmann offenbar noch, da er bis zum Kriegsausbruch genug Zeit haben werde, um durch seine Vermittlungsaktion Ruland als den schuldigen Teil hinzustellen, wie er in jenem preuischen Ministerrat noch sagte. Als aber am nchsten Tag, wie Herr v. Bethmann in seinem Buche ausplaudert, der Chef des Generalstabs Graf Moltke pltzlich, im Gegensatz brigens zu dem Kriegsminister v. Falkenhayn, die Kriegserklrung an Ruland verlangte[94], sattelte Herr v. Bethmann um, fand, da die russische Mobilisierung auch nicht zwlf Stunden lnger ertragen werden knne, da sie Rulands Kriegswillen beweise, und so wurde die russische Mobilisation in Ermangelung eines Besseren, das ausgeblieben war, das Mittel, um Ruland als den schuldigen Teil hinzustellen -- was ja der einzige und wahre Zweck der ganzen diplomatischen Arbeit in den letzten Julitagen gewesen war. Ein anderes Argument gegen den Kriegswillen der Berliner Regierung hat der unermdlich Weltkriegsbcher schreibende ehemalige Staatssekretr und Vizekanzler Dr. Helfferich herausgefunden. Es muß« -- schreibt er[95] -- jedem tiefer in die Dinge eintretenden Beobachter auffallen, da bei unserem italienischen Verbndeten vor der berreichung des Ultimatums in Belgrad offenbar keinerlei Versuche gemacht worden sind, ihn auf eine -- -- -- Neutralitt -- -- -- festzulegen. Das schrieb Herr Dr. Helfferich im Mrz 1919, als ihn noch niemand mit amtlichen Akten der Zentralmchte widerlegen konnte. Jetzt wissen wir aus dem sterreichischen Rotbuch, da man in Berlin und Wien erwogen hat, ob Italien als Dritter im Bunde in die Kriegskonspiration eingeweiht werden solle, aber, weil man Italien mitraute und seiner Verschwiegenheit nicht ganz sicher zu sein glaubte, beschlo, es nicht einzuweihen, sondern vor eine unabwendbare Situation zu stellen[96]. Ein ganz kurioses Argument fr die Unschuld der Berliner Regierung hat der gewesene Staatssekretr der Marine, Herr v. Tirpitz, das Verdienst, gefunden zu haben. Er behauptet nmlich, der Kanzler habe den Ernstfall so wenig vorbereitet, da Gesamterwgungen zwischen den politischen und militrischen Spitzen niemals stattgefunden hatten, weder ber die politisch-strategischen Probleme der Kriegfhrung, noch ber die Aussichten eines Weltkrieges berhaupt[97]. Herr v. Tirpitz hat das im April 1919 geschrieben, ohne wohl zu ahnen, da jemals die Blasphemie begangen werden knnte, die geheimen Akten des Auswrtigen Amtes den Blicken der profanen Welt preiszugeben. Obzwar der Verkehr zwischen Generalstab und Auswrtigem Amt sich loco Berlin berwiegend mndlich und telephonisch abgespielt haben wird, enthalten doch die Akten der Wilhelmstrae genug, um Herrn v. Tirpitz' Harmlosigkeitslegende zu widerlegen. Der Generalstab wird von allen wichtigen diplomatischen Schritten informiert. So beruft sich der Reichskanzler in einem am 26. Juli an den Kaiser gerichteten Telegramm auf die Zustimmung des soeben aus Karlsbad zurckgekehrten Chefs des Generalstabes, Grafen Moltke, zu seiner Haltung[98]. Ebenso teilt der Kaiser am 28. Juli seinen neuen Faustpfandvorschlag, wie bereits oben erwhnt, gleichzeitig mit dem Staatssekretr v. Jagow dem Grafen Moltke mit[99]. Graf Moltke beschrnkt sich brigens seinerseits durchaus nicht auf sein Ressort. Er ergreift die Initiative, um auch ungefragt dem Auswrtigen Amt seine Meinung in politicis zu sagen, whrend der umgekehrte Fall, da dieses eine Meinung in militrischen Dingen je geuert htte, nicht vorkommt. So berschickt er am 29. Juli dem Reichskanzler eine lange Abhandlung, welche den bezeichnenden Titel fhrt: Zur Beurteilung der politischen Lage, die mit der bis zur Schwche gehenden Langmut sterreichs gegenber Serbien anfngt, sich ber die Einmischung Rulands beschwert, von den tiefgewurzelten Gefhlen der Bundestreue, einem der schnsten Zge des deutschen Gemtslebens singt, um schlielich mglichst bald Klarheit darber zu wnschen, ob es zum Krieg mit Ruland und Frankreich kommt[100]. Am 2. August entwickelt Graf Moltke dem Auswrtigen Amt in peremptorischen Ausdrcken ein langes Programm ber das, was dieses angesichts des Krieges in allen feindlichen und nichtfeindlichen Lndern zu tun htte, z. B. Japan ist aufzufordern, die gnstige Gelegenheit zu benutzen, um seine smtlichen Aspirationen im fernen Osten jetzt zu befriedigen, am besten unter kriegerischer Aktion gegen das im europischen Kriege gefesselte Ruland[101]. Graf Moltke scheint keine Ahnung von der politischen Stellung Japans zu haben, was ihn aber nicht hindert, darber zu politisieren. Noch bierbankmiger schwtzt er am 4. August vor der Kriegserklrung Englands, wo er vom Auswrtigen Amt verlangt, da es England belehre, da es sich in diesem Kriege um die Wahrung und Erhaltung germanischer Kultur und Sitte der slavischen Unkultur gegenber[102] handle. Aber ehe das Auswrtige Amt noch Zeit gehabt hat, diese Kulturbotschaft nach London weiterzubefrdern, hat England schon den Krieg erklrt, und Graf Moltke vernichtet nun England, indem er in einer Note vom 5. August von dem unglcklichen Auswrtigen Amt nichts weniger verlangt als die Insurrektion Indiens, gyptens, auch des Kaukasus, whrend er seinerseits lapidar meldet: Die Insurrektion Polens ist eingeleitet[103]. Sogar ganze Entwrfe von Noten an die belgische und die hollndische Regierung schreibt Graf Moltke dem Auswrtigen Amt vor, das sie auch pflichtschuldigst zurichtet und weiterbefrdert[104], und es sind nicht etwa militrische oder untergeordnete Angelegenheiten, um die es sich dabei handelt, sondern es ist die verhngnisvolle Note, mit der die deutsche Regierung der belgischen den Neutralittsbruch ankndigt, nchst dem serbischen Ultimatum das verhngnisvollste diplomatische Schriftstck des Weltkrieges -- und da will Herr v. Tirpitz die Welt glauben machen, da Gesamterwgungen ber den Ernstfall zwischen den politischen und militrischen Spitzen niemals stattgefunden haben! Doch Herr v. Tirpitz hat noch einen anderen quasi militrischen, vollgltigen Beweis dafr, da unsere Reichsleitung den Krieg nicht gewollt hat. Sie war nmlich vom Anfang an berzeugt, da wir nicht siegen wrden[105]. Man denke! Das mu sie doch bei der damals in Berlin allgemein anerkannten militrischen Allwissenheit und Unfehlbarkeit des Groen Generalstabs von diesem gehrt haben. Wie hat aber Graf Moltke ber die Aussichten des Krieges in den kritischen Tagen geurteilt? Darber hat der bayrische Gesandte in Berlin, Graf Lerchenfeld, seiner Regierung berichtet. _Schon vor Monaten (!)_, schreibt er am 31. Juli in einem Privatbrief dem bayrischen Ministerprsidenten Grafen Hertling, hat der Herr Generalstabschef Graf v. Moltke sich dahin ausgesprochen, da der Zeitpunkt _militrisch so gnstig sei, wie er in absehbarer Zeit nicht wiederkehren kann_[106]. Am 31. Juli telephoniert er nach Mnchen: Preuischer Generalstab sieht Krieg mit Frankreich mit groer Zuversicht entgegen, rechnet damit, Frankreich in vier Wochen niederwerfen zu knnen[107]. Am 2. August meldet Graf Lerchenfeld: Man kann heute sagen, da bei dem bevorstehenden Krieg Deutschland und sterreich der ganzen Welt gegenberstehen werden. Trotzdem ist die Stimmung der hiesigen militrischen Kreise eine absolut zuversichtliche[108]. Am 5. August berichtet Graf Lerchenfeld dem Grafen Hertling den folgenden Ausspruch des Grafen Moltke vom selben Tage: _Man knne es als ein Glck betrachten_, da durch den Mord in Sarajevo die von den drei Mchten (Ruland, England, Frankreich) angelegte Mine schon in einem Zeitpunkt aufgeflogen sei, in dem Ruland nicht fertig und die franzsische Armee sich in einem bergangszustand befinde. Gegen die drei vollkommen gersteten Staaten wrde Deutschland einen schweren Stand gehabt haben[109]. Selbst sterreich ist siegesgewi. sterreich hat hier mitgeteilt, berichtet Graf Lerchenfeld weiter am 5. August, da es jedem Angriff an seiner Grenze vllig gewachsen und sogar numerisch der gegen Galizien versammelten Armee berlegen sei[110]. Alle diese grosprecherischen Voraussagen der Militrs in Berlin und Wien haben sich leider nicht bewhrt. Um so strkeren Beweis bilden sie fr den Kriegswillen der beiden Mchte nicht nur gegenber Serbien, sondern gegenber der ganzen Welt, Beweis auch gegen den Tirpitzschen Geschichtsflschungsversuch. Dabei sind wir vorlufig nur auf die schwachen Reflexe der Anschauungen und Plne der Militrs in den Akten der Diplomaten angewiesen. Der Eindruck wird sicher noch verstrkt werden, wenn -- was jetzt zu wnschen wre -- auch die auf die Vorbereitung des Krieges bezglichen Akten der Generalstbe und Kriegsministerien von Berlin und Wien der ffentlichkeit bergeben werden wrden. Und nun stelle man diesem Bild von Kriegszuversicht und Kriegslust der einen Seite das der anderen gegenber. Wir vermeiden es dabei wie bisher, die von den Ententestaaten schon im Beginn des Krieges herausgegebenen Aktenbcher, die whrend des Krieges allein zur Beurteilung der Absichten beider Kriegsparteien bentzt werden konnten, heranzuziehen, da ihre Zuverlssigkeit -- wenn auch wahrscheinlich mit Unrecht -- von den deutschen Staatsmnnern bestritten wird[111]. Als argumentum ad hominem beschrnken wir uns auf die Aktensammlungen der beiden Zentralmchte, deren Vollstndigkeit und Richtigkeit nicht bestritten werden kann. Was da die Botschafter der Zentralmchte ihren Regierungen ber die Absichten und Ansichten der Ententemchte melden, sind selbstverstndlich nur subjektive Eindrcke der Berichterstatter, die bis zu einem gewissen Grad von ihrem feindlichen Standpunkt aus voreingenommen und eher geneigt gewesen sein drften, den Gegnern, die sie zu beobachten verpflichtet waren, bse Plne zuzumuten als gute, eher ihren eigenen Regierungen, in deren Gedanken sie eingeweiht waren, zu helfen, als sie zu stren. Gerade deswegen sind aber diese Berichte der deutschen und sterreichisch-ungarischen Diplomaten um so beweiskrftiger. Denn sie berichten, was ihnen nach Hause zu melden sicher sehr schwer geworden ist, was sie gewi nur nach sorgfltiger Prfung und auf die Gefahr, daheim Mifallen zu erregen, weiterzugeben sich entschlossen haben, sie berichten nmlich durchaus nur Gnstiges ber _die mangelnde Kriegslust und die Friedensabsichten der Ententemchte_. Nach ihnen sind Ruland, besonders aber auch England unablssig bemht, Vermittlungsvorschlge auszusinnen, die zwar immer wieder von den Zentralmchten abgelehnt, von den Ententemchten aber unverdrossen immer wieder durch andere ersetzt werden. Diese Vorschlge bilden den Hauptstoff der Ttigkeit der Diplomatie der Zentralmchte in den kritischen zwlf Tagen zwischen dem serbischen Ultimatum und dem Ausbruch des Weltkrieges. Sir Edward Grey ist darin besonders eifrig. Herr v. Bethmann hat das noch in seiner Reichstagsrede vom 3. August und in dem gleichzeitig erschienenen Weibuch anerkannt. Um seinen Vorschlgen mehr Nachdruck zu geben, macht Grey der deutschen Regierung die Hlle hei, indem er ihr keinen Zweifel darber lt, da der serbische Krieg sterreich-Ungarns einen groen europischen Krieg zur notwendigen Folge haben werde, und indem er die Nachwirkungen dieses Krieges in den schwrzesten Farben schildert, die damals noch als bertreibungen angesehen worden sein mochten, durch die Tatsachen aber leider vollstndig besttigt worden sind. Um aus seinen und seiner Mitarbeiter zahlreichen uerungen nur eine zu zitieren, sei seine Aussprache zum deutschen Botschafter unmittelbar nach Empfang des sterreichisch-ungarischen Ultimatums am 24. Juli erwhnt: Die Gefahr eines europischen Krieges sei, falls sterreich serbischen Boden betrete, in nchste Nhe gerckt. -- Die Folgen eines solchen Krieges zu vier (an England und Italien dachte er dabei noch nicht) seien vollkommen unabsehbar. Wie auch immer die Sache verlaufe, eines sei sicher, da nmlich eine gnzliche Erschpfung und Verarmung Platz greife, Industrie und Handel vernichtet und die Kapitalskraft zerstrt wrden. Revolutionre Bewegungen wie im Jahre 1848 infolge der darniederliegenden Erwerbsttigkeit wrden die Folge sein. Da er sterreich gleichzeitig vor dem Kriege gegen Serbien warnt, an dem es sich verbluten werde, haben wir schon erwhnt. Hinzugefgt sei nur, da der berlegene Geist des Kaisers Wilhelm II. zu dieser Stelle an den Rand nur ein Wort schreibt: Unsinn. Der Minister -- fgt Frst Lichnovsky seinem Bericht aus eigenem hinzu -- ist sicherlich bestrebt, alles zu tun, um einer europischen Verwicklung vorzubeugen, und konnte sein lebhaftes Bedauern ber den herausfordernden Ton der sterreichischen Note und die kurze Befristung nicht verhehlen[112]. Von seiner ersten Unterredung mit Sasonow nach dem Ultimatum berichtet der deutsche Botschafter in Petersburg, Graf Pourtals, am 25. Juli, da der Minister sehr erregt war und sich in malosen Anklagen gegen sterreich-Ungarn erging[113]. In einem zweiten Gesprch am 26. Juli findet Graf Pourtals Herrn Sasonow viel ruhiger und vershnlicher. Er betont mit der grten Wrme, da Ruland nichts ferner liege, als Krieg zu wnschen ... und er bte uns dringend, eine Brcke zu finden ...[114]. Aber in den russischen militrischen Kreisen? ber deren Stimmung berichtet der deutsche Militrattach v. Chelius, derselbe, auf dessen Mobilisationsmeldungen sich die ganze Argumentation der deutschen Staatsmnner ber die russische Mobilisierung sttzt. Herr v. Chelius teilt am 26. Juli mit, da man in den Kreisen dem Frieden geneigter, monarchisch gesinnter hherer Offiziere der Umgebung des Zaren als bestes Mittel den Frieden zwischen den Gromchten zu erhalten, Telegramm S. M. des Kaisers und Knigs an Kaiser Nikolaus ansieht, dessen monarchistischen Tenor er auch angibt[115]. Ein solches Telegramm wird daraufhin im Berliner Auswrtigen Amt am 26. abends oder am 27. Juli entworfen, aber nicht abgesendet[116]. Warum nicht? Darber belehrt uns eine Randbemerkung des Reichskanzlers vom 27. Juli zu dem die Cheliussche Anregung enthaltenden Telegramm des Grafen Pourtals. Sie lautet: _S. M. will einstweilen keine Depesche an den Zaren schicken_[117]. Erst am folgenden Tage, am 28., wird ein Telegramm des Kaisers an den Zaren dem Telegraphen bergeben -- das erste der Serie, auf die sich spter die deutschen Staatsmnner mit so viel Emphase berufen haben. Es ist also _auf die Initiative hherer russischer Offiziere aus der Umgebung des Zaren_ zurckzufhren, was allerdings die Aufrichtigkeit der deutschen Staatsmnner verschwiegen hat, weil sonst die Emphase gelitten htte. Herr v. Bethmann ist in seinem Buche sogar khn genug, es der eigensten Initiative Wilhelms II. entspringen zu lassen[118] -- wo doch _die eigene Randbemerkung des Reichskanzlers_ auf dem erwhnten Aktenstck das genaue Gegenteil bezeugt! Das erste Telegramm des deutschen Kaisers an den Zaren hat sich bekanntlich mit einem hnlichen Telegramm des Zaren gekreuzt. Man hat aber nichts davon gehrt, da Berliner Militrs aus der Umgebung des Kaisers dazu die Anregung gegeben htten. Als das Telegramm des Kaisers am 29. Juli in Petersburg ankommt, sagt der russische Generalmajor la suite des Zaren, Trubetzkoi, zu Chelius: Gottlob, ein Telegramm Ihres Kaisers, aber ich frchte, es ist zu spt. Chelius spricht dann mit Trubetzkoi ber die bereits erfolgte russische Mobilisierung gegen sterreich-Ungarn und gewinnt dabei den Eindruck, da Trubetzkoi im Grunde berzeugt war, da Ruland zu eilig gehandelt habe. Als ich ihm sagte -- berichtet v. Chelius weiter -- er mge sich nicht wundern, wenn die deutsche Streitmacht mobilisiert werde, _brach er entsetzt ab_ und sagte, er msse sofort nach Peterhof (zum Zaren, um ihm diese Hiobspost zu melden). Den langen Bericht ber diese und seine sonstigen Beobachtungen in Militrkreisen schliet Herr v. Chelius mit den Worten: Ich habe den Eindruck, da man hier _aus Angst vor kommenden Ereignissen mobilisiert hat ohne aggressive Absichten_ und nun erschreckt ist darber, was man angerichtet hat, wozu Kaiser Wilhelm an den Rand schreibt: _Richtig, so ist es_[119], was aber den Kaiser wieder nicht gehindert hat, ffentlich das Gegenteil zu behaupten. Noch eine Stimme, die des deutschen Botschafters in Paris! Herr v. Schoen berichtet ber seine erste Unterredung nach dem Ultimatum am 24. Juli: Der den (abwesenden) Ministerprsidenten vertretende (franzsische) Justizminister war sichtlich erleichtert von unserer Aufforderung, da sterreichisch-serbischer Konflikt lediglich zwischen den beiden Beteiligten zum Austrag zu bringen[120]. Nach diesen Berichten der deutschen Diplomaten nun noch einige Stimmen von sterreichisch-ungarischer Seite ber die Absichten der Ententemchte. Wir whlen, der Ergnzung wegen, solche aus den spteren Phasen der kritischen Zeit. So aus London den Bericht des sterreichisch-ungarischen Botschafters Grafen Mensdorff vom 4. August, also schon nach der Kriegserklrung Englands an Deutschland. Sir E. Grey sagte mir -- telegraphiert der Botschafter -- er sei _ganz verzweifelt_ ber die Notwendigkeit eines Krieges ... Sir Edward Grey, der eminent friedlich ist und den Krieg hat, war _ganz gebrochen_[121]. Und noch spter am 7. August: Grey ist _verzweifelt_ darber, da seine Bestrebungen, Frieden zu erhalten, gescheitert sind. ber den Krieg sagte er mir wiederholt: I hate it, I hate it ... Er hatte ernstlich gehofft, da, wenn auch die jetzige schwere Gefahr berwunden werde, man den Frieden auf Jahre sichern knne ... Nun sei alles das gescheitert, und der allgemeine Krieg mit seinen scheulichen und widerwrtigen Folgen ausgebrochen. Ich glaube, der Angriff auf die Neutralitt Belgiens hat alles verdorben usw.[122]. Und wie urteilt der sterreichisch-ungarische Botschafter in Petersburg, Graf Szapry, ber den russischen Minister des uern, Herrn Sasonow, der neben Grey der zweite der schwarzen Mnner war, die die Staatsmnner der Zentralmchte ihren Vlkern spter als die Anstifter des Krieges denunzierten? Am 29. Juli berichtet Graf Szapry nach einem Gesprch mit Sasonow: Meine Impression ging dahin, da der Minister bei der _vorherrschenden Unlust, mit uns in Konflikt zu geraten, sich an Strohhalme klammert_, in der Hoffnung, doch noch der gegenwrtigen Situation zu entkommen[123]. Das war schon nach der offiziellen Mobilisierung Rulands gegen sterreich-Ungarn. Am 30. Juli telegraphiert Graf Szapry: Minister scheut den Krieg ebenso wie sein Kaiserlicher Herr[124]. Als ihm Graf Szapry am 31. Juli die Meldung berbringt, da Graf Berchtold sich endlich habe erweichen lassen und in die von Sasonow und Grey gewnschte Wiederaufnahme direkter Besprechungen mit ihm ber das Ultimatum einwillige, war Herr Sasonow durch meine Erffnungen -- berichtet der Botschafter -- wesentlich erleichtert und schien denselben eine bertriebene Bedeutung beizumessen[125]. Aus Paris wieder lt sich der sterreichisch-ungarische Botschafter Graf Szcsen am 30. Juli vernehmen: Viele Leute hier, auch in Regierungskreisen, wnschen Frieden und mchten Argumente haben, die sie russischen und hiesigen Hetzereien entgegenstellen knnen[126]. Und der _deutsche Kaiser selbst_ sagt am 1. August zum sterreichisch-ungarischen Botschafter, Grafen Szgyeny: _er habe den Eindruck, da Frankreich ber die Mobilmachung Deutschlands in hohem Grade erschrocken sei_. Unter diesen Umstnden ... sei er (Kaiser Wilhelm II.) entschlossen, mit Frankreich abzurechnen, was ihm hoffentlich vollkommen gelingen werde[127]. Also, nicht Frankreich will mit Deutschland abrechnen, sondern Kaiser Wilhelm II. will mit Frankreich abrechnen, Frankreich den Krieg aufzwingen, und zwar gerade deswegen, weil Frankreich diese Abrechnung, diesen Krieg frchtet! Das sagt der deutsche Kaiser am 1. August einem Eingeweihten, der es geheim hlt. Aber was sagt er ffentlich, drei Tage spter, am 4. August, im Reichstag, vor der ganzen Welt, in der feierlichsten Form, in der Thronrede, mit der er die amtlichen Kriegskundgebungen einleitet? In aufgedrungener Notwehr, mit reinem Gewissen und reiner Hand ergreifen wir das Schwert. Damit beginnt bereits, noch ehe ein Kanonenschu gefallen ist, unter Vorantritt des Kaisers, jene Fabrikation von Geschichtslgen, die im Kriege durch eine weltumspannende geistige Propagandaarbeit fortgesetzt worden ist und mit dem Kriege noch lange nicht ihr Ende gefunden hat, im Gegenteil nach der Niederlage von den schuldigen Staatsmnnern und Militrs mit vermehrtem Eifer fortgesetzt wird und die auch nach den Absichten ihrer Urheber kein Ende htten finden sollen und so bald keines gefunden htte, wenn nicht ein unerwartetes Ereignis, berraschender noch als alle sonstigen berraschungen dieses Krieges, als Niederlage und Revolution, unvorhergesehener als alles andere dazwischen getreten wre: die nach langem Struben und Zgern unter dem Druck der ffentlichen Meinung der ganzen Welt erfolgte Verffentlichung der geheimen Akten der Staatsarchive von Berlin und Wien. V. Das Ende der Kriegslgen Warum haben die deutsche und die sterreichisch-ungarische Regierung nicht gleich der englischen, franzsischen, russischen, belgischen, italienischen, serbischen sofort im Anfang des Krieges ihre Akten ber dessen Vorgeschichte in einer einigermaen vollstndigen Sammlung verffentlicht? Weil sie ihr Skelett im Hause kannten, und das waren ihre eigenen Geheimakten, weil sie wuten, was in diesen Akten stand, weil ihr schlechtes Gewissen ihnen verbot, die Welt Einblick in diese ihre Akten nehmen zu lassen. Deswegen war das Wort in der Thronrede Wilhelms II. vom 4. August 1914, die seine und berhaupt die letzte deutsche Thronrede werden sollte, in dieser Lgen-Thronrede, das Wort von der aufgezwungenen Notwehr, dem reinen Gewissen und der reinen Hand, die erste und die fundamentale Geschichtsflschung in diesem Kriege. Ihr reines Gewissen war eine Lge, und auf der Lge beruhte ihr reines Gewissen. Mit schlechtem Gewissen und unsauberer Hand sind Wilhelm II. und seine Berater in diesen Krieg eingetreten, der ihnen nicht aufgedrungen, nicht eine Handlung der Notwehr war, sondern ein Prventivkrieg, durch den die militrischen Gelegenheitsmacher vom Groen Generalstab die ihres Erachtens militrisch gnstige Lage ausntzen wollten. Das mute schon whrend des Krieges jedem unbefangenen kritischen Beobachter klar werden, heute steht es aktenmig fest. Damit ist auch der Feldzug der Geschichtslgen, der am 4. August vom Kaiser in seiner Thronrede eingeleitet und von seinen Ministern bis lange nach dem Kriege, noch in ihren Memoirenbchern, fortgesetzt worden ist, zu einem endgltigen Abschlu gelangt, der von gleicher Art ist wie der des Krieges selbst: Wilhelm II. und sein Regime haben diesen Krieg der Geister ebenso verloren wie den der Kanonen. Sie sind geistig geschlagen, nicht von den Feinden, deren Aktensammlungen wir hier absichtlich auer Betracht gelassen haben, sondern _durch ihre eigenen Akten, durch ihre geheimen Selbstbekenntnisse_, durch ein argumentum ad hominem, gegen das sie keinen Widerspruch erheben knnen. Sie haben sich selbst moralisch gerichtet, sie haben sich selbst berfhrt. Zwischen ihren Behauptungen und denen der feindlichen Staatsmnner hatten bisher unberbrckbare Widersprche geklafft, und aus diesen hatte sich eine Zweiteilung der geschichtlichen Wahrheit ber den Ursprung des Krieges ergeben; ebenso unverbrchlich wie das deutsche Volk an die ihm von seinen Staatsmnnern gebotene Darstellung, glaubten die Vlker der Entente und mit ihnen die meisten Neutralen an die der Entente-Staatsmnner, jeder von beiden Teilen beschuldigte den anderen der Lge und Flschung, und es gab kein anerkanntes Kriterium der Wahrheit. Mit der von den alten deutschen Staatsmnnern nicht vorhergesehenen Verffentlichung der deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch und der sterreichischen Rotbcher ist dieses Kriterium nun pltzlich gegeben, und die deutschen Staatsmnner sind mit ihren voreiligen Memoirenbchern auf der Lge ertappt. Die Aktensammlungen der Mittelmchte und die der Feinde stimmen in der Darstellung der Haupt-Tatsachen miteinander berein, die Kluft zwischen der Auffassung hben und drben hat sich geschlossen, ber die Vorgeschichte des Weltkrieges existiert nur mehr eine Wahrheit, die von Freund wie Feind aktenmig bezeugt wird. Das ist gut und recht so. Welch schneidender Widerspruch htte in jedem Menschenfreund jeden Glauben an die Menschheit, jede Hoffnung auf die Kraft der Wahrheit und Gerechtigkeit vernichten mssen, wenn die Geschichtslgen der Wilhelm II., v. Bethmann, v. Jagow, v. Tirpitz, Helfferich und wie sie alle ihre unzhlbaren Mithelfer heien, unwiderlegt geblieben wren, wenn es den Geschichtslgnern gelungen wre, die Geschichte zu flschen und die Legende aufrecht zu erhalten, da in diesem grten aller Kriege die Wahrheit und Gerechtigkeit, das gute Gewissen und die reine Hand von dunklen bermchten besiegt, zerschlagen, vernichtet worden sind! Welch unberbrckbarer Zwiespalt htte sich unter den Vlkern erffnet, wenn es dauernd zwei Wahrheiten ber diesen Krieg, zwei gegeneinander streitende Geschichtsdarstellungen gegeben htte, wie die Geschichtslgner es wollten! Welche Mutlosigkeit htte sich aller guten Geister bemchtigt, wenn sie htten erkennen mssen, da die Menschen sich nicht einmal ber eine Reihe von so groben, greifbaren Tatsachen verstndigen und einigen knnen, wie es die der Vorgeschichte des Krieges sind! Wre die doppelte Geschichtsschreibung, die Geschichtsschreibung der Zentralmchte und die der Ententemchte, nicht eine geistige Fortsetzung dieses grauenvollen Krieges bis ans Ende geworden, htte sie nicht Deutschland, als die einzige berlebende der Zentralmchte, auf immer geistig von der brigen Welt abgetrennt, zu ihr in einen unheilvollen Gegensatz gebracht? Htte sie nicht zum physischen und wirtschaftlichen Ruin, den dieser Krieg ber die Menschheit verhngt hat, auch noch die Zermrbung der menschlichen Intelligenz gefgt, die Auflsung des Grundbegriffs alles menschlichen Denkens, des Glaubens an eine einzige, allen Menschen gemeinsame Erkenntnisfhigkeit, des Glaubens an die Wahrheit? Deswegen ist die Verffentlichung der deutschen und sterreichischen Kriegsdokumente eine erlsende Tat, die allein schon die Revolution rechtfertigen knnte, ohne die sie gewi nicht mglich gewesen wre, -- rechtfertigen knnte oder, besser gesagt, rechtfertigen wird, wenn das deutsche Volk diese nicht ganz freiwillige und zweifelfreie Tat seiner Regierung zu seiner eigenen macht, wenn es die Dokumente, die da aus dem Staub der Archive ans Licht des Tages gehoben worden sind, nicht unbentzt in den Bibliotheken modern und wieder zu Staub werden lt. Sache des deutschen Volkes ist es, sich den die Menschheit vershnenden Inhalt dieser Dokumente zu eigen zu machen, ihn in das allgemeine Bewutsein aufzunehmen! Damit gewinnt das deutsche Volk eine mit seinen Kriegsfeinden gemeinsame moralische berzeugung ber die Entstehung des Krieges, es berbrckt die von seinen Kriegsmachern geschaffenen und vertieften Gegenstze zwischen sich und den anderen Vlkern und schliet so mit einem neuen festen Kitt den Ring der Kulturnationen wieder zusammen, der durch den Weltkrieg gesprengt worden ist. Das ist die hohe Aufgabe, die dem deutschen Volke erwchst. Es wird sie nur dann erfllen knnen, wenn seine geistigen Fhrer, seine Geschichtsforscher, Politiker, Lehrer, Schriftsteller sie richtig erkennen und das ihrige dazu tun, wenn sie den Schatz von geschichtlicher Wahrheit und Gerechtigkeit, der in diesen amtlichen deutschen Dokumenten steckt, durch vielfache, dem Verstndnis aller Volkskreise angepate Darstellungen den weitesten Schichten des deutschen Volkes zugnglich zu machen sich bemhen werden. Zu diesem groen Werk der Vlkeraufklrung und Vlkerverstndigung, das nun anheben mge, soll diese Schrift in ihrer Art ein kleiner Beitrag sein. FUSSNOTEN: [Funote 1: Briefe Wilhelms II. an den Zaren, 1894-1914, herausgegeben von Prof. Dr. Walter Goetz, Seite 241.] [Funote 2: Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch. Vollstndige Sammlung der von Karl Kautsky zusammengestellten amtlichen Aktenstcke ... herausgegeben von Graf Max Montgelas und Prof. Walter Schcking, Charlottenburg, 1919, 4 Bnde (im nachfolgenden kurz als Die deutschen Dokumente zitiert), Nr. 7.] [Funote 3: Die deutschen Dokumente, Nr. 11.] [Funote 4: Die deutschen Dokumente, Nr. 13.] [Funote 5: Die deutschen Dokumente, Nr. 15 und 26.] [Funote 6: Die deutschen Dokumente, Nr. 553.] [Funote 7: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, Nr. 2.] [Funote 8: v. Jagow: Ursachen und Ausbruch des Weltkriegs, S. 103/4.] [Funote 9: v. Bethmann Hollweg: Betrachtungen zum Weltkrieg, Seite 138.] [Funote 10: Denkschrift (der deutschen Regierung), vorgelegt dem deutschen Reichstag am 3. August 1914 (in Aktenstcke zum Kriegsausbruch, 1914).] [Funote 11: Von allen zu treffenden Entscheidungen wrde die hiesige (Berliner) Regierung seinerzeit sofort in Kenntnis gesetzt werden. Die deutschen Dokumente, Nr. 23.] [Funote 12: Die deutschen Dokumente, Nr. 19.] [Funote 13: Die deutschen Dokumente, Nr. 29.] [Funote 14: Die deutschen Dokumente, Nr. 31.] [Funote 15: Die deutschen Dokumente, Nr. 49.] [Funote 16: Die deutschen Dokumente, Nr. 50.] [Funote 17: Die deutschen Dokumente, Nr. 65.] [Funote 18: Die deutschen Dokumente, Nr. 87.] [Funote 19: Die deutschen Dokumente, Nr. 86.] [Funote 20: Die deutschen Dokumente, Nr. 91.] [Funote 21: Die deutschen Dokumente, Nr. 95.] [Funote 22: Die deutschen Dokumente, Nr. 16 und 17.] [Funote 23: Die deutschen Dokumente, Nr. 21 und 22.] [Funote 24: Die deutschen Dokumente, Nr. 549 und 865.] [Funote 25: Die deutschen Dokumente, Nr. 41, Anm. 2.] [Funote 26: Die deutschen Dokumente, Nr. 243, 466, 702.] [Funote 27: Die deutschen Dokumente, Nr. 45.] [Funote 28: Die deutschen Dokumente, Nr. 71.] [Funote 29: Die deutschen Dokumente, Nr. 144.] [Funote 30: Die deutschen Dokumente, Nr. 733.] [Funote 31: Die deutschen Dokumente, Nr. 36 und 43.] [Funote 32: Die deutschen Dokumente, Nr. 48.] [Funote 33: Die deutschen Dokumente, Nr. 52.] [Funote 34: Die deutschen Dokumente, Nr. 100, Anmerkung 1.] [Funote 35: Die deutschen Dokumente, Nr. 50, 93, 96, 108, 112, 127.] [Funote 36: v. Jagow, a. a. O., S. 100.] [Funote 37: Die deutschen Dokumente, Nr. 29, 36, 44, 97, 128, 143, 167.] [Funote 38: Die deutschen Dokumente, Nr. 114.] [Funote 39: Bethmann Hollweg, a. a. O., S. 137.] [Funote 40: v. Jagow, a. a. O., S. 109, 110, v. Bethmann, a. a. O., S. 138, 139.] [Funote 41: v. Jagow, a. a. O., S. 105.] [Funote 42: Die deutschen Dokumente, Nr. 112.] [Funote 43: Die deutschen Dokumente, Nr. 106.] [Funote 44: Bethmann, a. a. O., S. 137, 138.] [Funote 45: Die deutschen Dokumente, Nr. 29.] [Funote 46: v. Bethmann, a. a. O., S. 139, 140.] [Funote 47: Die deutschen Dokumente, Nr. 157, 171.] [Funote 48: v. Jagow, a. a. O., S. 117.] [Funote 49: Die deutschen Dokumente, Nr. 238.] [Funote 50: Die deutschen Dokumente, Nr. 301.] [Funote 51: Die deutschen Dokumente, Nr. 245.] [Funote 52: Die deutschen Dokumente, Nr. 246.] [Funote 53: Die deutschen Dokumente, Nr. 271.] [Funote 54: Die deutschen Dokumente, Nr. 293.] [Funote 55: Die deutschen Dokumente, Nr. 323.] [Funote 56: Die deutschen Dokumente, Nr. 456.] [Funote 57: In einem Briefe an Jagow. Die deutschen Dokumente, Nr. 340.] [Funote 58: Die deutschen Dokumente, Nr. 553.] [Funote 59: Die deutschen Dokumente, Nr. 157, 236, 248.] [Funote 60: Die deutschen Dokumente, Nr. 323.] [Funote 61: Die deutschen Dokumente, Nr. 357. -- Ich habe in der Zeit vom 24. Juli 1914 den Serben geraten, das Ultimatum ohne jede Abnderung mit guter Miene sofort vollstndig anzunehmen. Auch heute noch bin ich der Meinung, da dies das beste gewesen wre. Denn das Ultimatum war praktisch unausfhrbar. Es wre gerade in seinen schwersten Forderungen auf dem Papier stehen geblieben und, soweit ausfhrbar, htte es der Wiener Regierung unendliche Schwierigkeiten bereitet, nicht nur gegenber Serbien und den Gromchten, sondern auch vor allem im eigenen Lande gegenber smtlichen slavischen Nationalitten. Aber immerhin wre der Weltkrieg, wenigstens bei diesem Anla, vermieden worden, und das sdslavische Problem der sterreichisch-ungarischen Monarchie, das von den Sbelpolitikern zu einer Frage der ueren Politik gemacht worden war, wre wieder auf das Gebiet der inneren Politik zurckgekehrt, wo es eine unblutige Lsung htte finden knnen, fr die ich auch noch whrend des Monats Juli 1914, wie vorher, in der Zeit eingetreten bin.] [Funote 62: Die deutschen Dokumente, Nr. 368.] [Funote 63: Die deutschen Dokumente, Nr. 395.] [Funote 64: Die deutschen Dokumente, Nr. 365.] [Funote 65: Die deutschen Dokumente, Nr. 433.] [Funote 66: v. Bethmann, a. a. O., S. 146.] [Funote 67: Die deutschen Dokumente, Nr. 301. sterr. Rotbuch, II. Teil, Nr. 75.] [Funote 68: Die deutschen Dokumente, Nr. 448, sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 45.] [Funote 69: Helfferich: Die Vorgeschichte des Weltkriegs, S. 181.] [Funote 70: v. Jagow, S. 101.] [Funote 71: Die deutschen Dokumente, Nr. 482.] [Funote 72: Die deutschen Dokumente, Nr. 498.] [Funote 73: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 79.] [Funote 74: v. Jagow, a. a. O., S. 101.] [Funote 75: Die deutschen Dokumente, Nr. 213.] [Funote 76: Die deutschen Dokumente, Nr. 307.] [Funote 77: Die deutschen Dokumente, Nr. 279.] [Funote 78: Die deutschen Dokumente, Nr. 157 und 171.] [Funote 79: Die deutschen Dokumente, Nr. 277.] [Funote 80: Die deutschen Dokumente, Nr. 323. -- Diese Note hat die deutsche Regierung zu ihrer Entlastung schon im Beginn des Krieges in der Norddeutschen Allgemeinen Zeitung vom 12. Oktober 1914 verffentlicht, aber gerade diesen charakteristischen Schlusatz der Note, der die wahren Absichten der Berliner Staatsmnner verriet, _weggelassen_, auerdem in den vorletzten (dort letzten) Satz der Note die Wendung hineingeflscht, da es sich Berlin darum handle, einen Weltkrieg zu verhindern. Und Herr v. Jagow nimmt kein Bedenken, diese Note in der so verstmmelten und geflschten Form in seinem Buch (Seite 122) neuerdings als Entlastungsdokument zu zitieren!] [Funote 81: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 24.] [Funote 82: Die deutschen Dokumente, Nr. 396.] [Funote 83: Die deutschen Dokumente, Nr. 407.] [Funote 84: Die deutschen Dokumente, Nr. 359.] [Funote 85: Die deutschen Dokumente, Nr. 456.] [Funote 86: Die deutschen Dokumente, Nr. 441.] [Funote 87: Die deutschen Dokumente, Nr. 437. -- Wilhelm II. ist von den deutschen Pazifisten ganz falsch aufgefat worden. Dr. A. H. Fried, der verdienstvolle pazifistische Schriftsteller, hat im Jahre 1910 ein eigenes Buch: Der Kaiser und der Weltfrieden geschrieben, worin er die pazifistische Aera Wilhelm II. und die pazifistische Wirksamkeit seiner Regierung preist und die Hoffnung ausspricht, da Wilhelm II. das pazifistische Ideal verwirklichen werde. Im Krieg erst hat Dr. Fried die Wahrheit erkannt.] [Funote 88: Die deutschen Dokumente, Nr. 553.] [Funote 89: So durch Lichnovsky selbst schon am 23. Juli, vor Bekanntwerden des sterreichischen Ultimatums, in einem Privatbrief an Jagow. Die deutschen Dokumente, Nr. 161, und in der Note Nr. 218 vom 26. Juli, Greys uerungen in Nr. 236, 266 usw. Der damalige Vertreter Italiens bei der rumnischen Regierung, Fasciotti, sprach schon am 20. Juli gegenber dem deutschen Geschftstrger in Bukarest die Ansicht aus, da ein Krieg sterreichs gegen Serbien in einen Weltkrieg ausarten knne, es sei begreiflich, sagte er dann, da sterreich gegebenenfalls in Belgrad Genugtuung fordere, allein -- fgte er ahnungsvoll hinzu -- dieselbe msse so beschaffen sein, da sie fr Serbien annehmbar sei (Die deutschen Dokumente, Nr. 177). Der italienische Diplomat durchschaute also damals schon von Bukarest aus das nicht gerade feinerdachte Stratagem Berchtolds, und die Berliner Staatsmnner wollen es noch heute beschnigen!] [Funote 90: sterr. Rotbuch, I. Teil, Nr. 30.] [Funote 91: Dieses widerspruchsvolle Wollen pat ganz gut zu der nach seinem Sturze von zwei Schriftstellern, Tesdorpf und Lutz, unabhngig voneinander verffentlichten geistigen Charakteristik Wilhelm II., wonach er an periodischem Irrsinn und geistigen Defekten leiden soll. Aber was soll man von den Bethmann, Jagow und den anderen, den Tausenden Deutscher halten, die fnf Jahre lang diesen irrsinnigen Widerspruch nachgebetet haben?] [Funote 92: Bethmann, a. a. O., S. 148 u. ff.] [Funote 93: Die deutschen Dokumente, Nr. 456.] [Funote 94: v. Bethmann, a. a. O., S. 156.] [Funote 95: Helfferich: Die Vorgeschichte des Weltkriegs, S. 185.] [Funote 96: sterr. Rotbuch, I. Teil, Nr. 16, Depesche des Grafen Berchtold an den sterreichisch-ungarischen Botschafter in Rom vom 12. Juli 1914, Die deutschen Dokumente, Nr. 46, 87.] [Funote 97: v. Tirpitz: Erinnerungen, S. 228.] [Funote 98: Die deutschen Dokumente, Nr. 197.] [Funote 99: Die deutschen Dokumente, Nr. 293.] [Funote 100: Die deutschen Dokumente, Nr. 349.] [Funote 101: Die deutschen Dokumente, Nr. 662.] [Funote 102: Die deutschen Dokumente, Nr. 804.] [Funote 103: Die deutschen Dokumente, Nr. 876.] [Funote 104: Die deutschen Dokumente, Nr. 376 und 426.] [Funote 105: Tirpitz, a. a. O., S. 236.] [Funote 106: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, Nr. 27.] [Funote 107: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, S. 158.] [Funote 108: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, Nr. 32.] [Funote 109: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, Nr. 35.] [Funote 110: Die deutschen Dokumente, Anhang IV, Nr. 34.] [Funote 111: Helfferich: Die Entstehung des Weltkriegs, 1915, S. 3.] [Funote 112: Die deutschen Dokumente, Nr. 157.] [Funote 113: Die deutschen Dokumente, Nr. 160.] [Funote 114: Die deutschen Dokumente, Nr. 217.] [Funote 115: Die deutschen Dokumente, Nr. 229.] [Funote 116: Die deutschen Dokumente, Nr. 233.] [Funote 117: Die deutschen Dokumente, Nr. 229, Anm. 3.] [Funote 118: Bethmann, a. a. O., S. 147.] [Funote 119: Die deutschen Dokumente, Nr. 445.] [Funote 120: Die deutschen Dokumente, Nr. 154.] [Funote 121: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 132.] [Funote 122: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 159.] [Funote 123: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 16.] [Funote 124: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 46.] [Funote 125: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 97.] [Funote 126: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 105.] [Funote 127: sterr. Rotbuch, III. Teil, Nr. 41.] Von dem Verfasser dieser Broschre erscheint demnchst ein Buch: Die Kriegskonspiration Wien-Berlin welches in streng logischem Aufbau zeigt, wie die uere und innere Politik der beiden Mittelmchte in den letzten dreiig Jahren zum Weltkrieg fhrte. Als langjhriger Redakteur und Korrespondent der Frankfurter Zeitung, als Herausgeber und Chefredakteur der von ihm mitbegrndeten Wiener Wochenschrift, spteren Tageszeitung Die Zeit hat der Verfasser in dieser Zeit reichlich Gelegenheit gehabt, die uere und innere Politik der beiden Mittelmchte und ihre fhrenden Persnlichkeiten von einer bevorzugten Stelle aus zu beobachten. Sein Buch ist das Ergebnis dreiigjhriger publizistischer Ttigkeit. Schritt fr Schritt belegt der Verfasser seine historische Darstellung durch Anfhrung seiner Zeitungsartikel aus der kritischen Zeit, in denen er auf die Fehler und Gefahren dieser Politik in allen Stadien ihrer Entwicklung hingewiesen hat. Wie es in den letzten dreiig Jahren zu dem gekommen ist, was in der vorliegenden Broschre dargestellt ist, wird in dem demnchst erscheinenden Buch gezeigt. * End of Project Gutenberg's Die neuesten Geschichtslgen, by Heinrich Kanner License: Share Alike