E-text prepared by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Norbert Mller, and the Online Distributed Proofreading Team (http://www.pgdp.net) Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this file which includes the original illustration. See 45664-h.htm or 45664-h.zip: (http://www.gutenberg.org/files/45664/45664-h/45664-h.htm) or (http://www.gutenberg.org/files/45664/45664-h.zip) Anmerkungen zur Transkription Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt, fremdsprachliche Passagen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, sind _so_ gekennzeichnet. Text der im Original g e s p e r r t gesetzt ist, ist hier =so= gekennzeichnet. [Illustration: Friederike Kempner.] GEDICHTE von FRIEDERIKE KEMPNER. Sechste vermehrte Auflage. Berlin 1891. Verlag von Karl Siegismund. Mauerstrae 68. Meiner verewigten Mutter, der Frau Rittergutsbesitzer Marie Kempner geb. Aschkenasy. Das waren Tage des Glckes, als ich diese Gedichte einzeln schrieb, und jedes derselben, noch kaum entstanden, ihr vorlas. Ist's mglich, da solch reine Wonne gleich einem Schatten vorberziehen, oder gleich dem Untergange der Sonne nichts als ein in Gluth getauchtes Roth -- die Spur ihres leuchtenden Weges -- zurcklassen kann? -- Doch auch die Sonne geht nicht wirklich unter, und auch ihr reines Bild lebt hinter dem Vorhange unsrer Zeitlichkeit, und lchelt am Ufer dem noch auf den Wellen Spielenden.... Die Verfasserin. Vorwort zur 2. Auflage. Wenn ich der zweiten Auflage meiner Gedichte einige Worte voranschicken soll, so sind es Worte des Dankes an die liebe Lesewelt, welche der ersten Auflage ein so reges Interesse entgegenbrachte, da nach so kurzer Zeit eine zweite nothwendig geworden ist. Es freute mich unbeschreiblich, da aus allen Gegenden Deutschlands, von nah und fern, Anfragen und das Verlangen nach diesen Gedichten an mich schriftlich ausgesprochen wurden. Ich bin stolz darauf und ganz besonders davon gerhrt, da alle Farben und Parteien dabei vertreten waren; scheint es doch, als wenn Jeder im Innern fhlte, da es Aufgabe und Ziel der Poesie ist: die Wahrheit fr Alle zu veranschaulichen, -- und durch ihren Sieg dereinst Alle zu vershnen. =Friederikenhof=, 1882. Die Verfasserin. Vorwort zur 3. Auflage. Der dritten Auflage meiner Gedichte, denen ich viele neue hinzugefgt, schicke ich einige Worte des freudigsten Dankes voraus: Dank der liebenswrdigen Lesewelt, welche die 2. Auflage -- 1882 erschienen -- schon im Mai 1883 vergriffen hatte! Mge dieser dritten dieselbe Gunst zu Theil werden, eine Gunst, die das Glck und den Trost der Verfasserin ausmacht. =Breslau=, im April 1884. Die Verfasserin. Vorwort zur 4. Auflage. Nachdem die dritte Auflage dieser Gedichte, denen ich eine Anzahl neue zur vierten Auflage beifge, in etwa vier Monaten vergriffen, kann ich nur meinen lebhaftesten Dank wiederholen und nochmals sagen, da dieses Wohlwollen und diese Sympathie mich rhrt und wahrhaft beglckt. Ja, das Bewutsein, meine Gedanken getheilt zu wissen, erhebt mich zu der freudigen Erwartung, da auch meine humanen Bestrebungen sich in die Herzen der Menschen immer mehr Bahn brechen und den Sieg ber Inhumanitt und Unverstand davon tragen werden. =Berlin=, im November 1884. Die Verfasserin. Vorwort zur 5. Auflage Ich habe bei dieser fnften Ausgabe meiner Gedichte wiederum fr das berreiche Wohlwollen, welches der vierten Auflage zu Theil geworden ist, nur zu danken. Es fehlte freilich auch nicht an anonymer Feindschaft, ja an Ha und Verfolgung niedrigster und widrigster Art, und wie mancher Beherrscher von Ruland, sah ich mich fast tglich von anonymen Briefen heimgesucht, eine Ehre, die ich gar nicht erwartet htte, die ich aber zu wrdigen wute. Denn giebt es in der That ein einziges Streben oder eine einzige Schrift, welche Etwas will und nicht angefeindet worden wre? Und so kam ich zu der Ueberzeugung, da denn doch hie und da ein vorurtheilsloses, harmloses Gedicht, ein humaner Gedanke, objektiv zur Anschauung gebracht, frei von aller Parteilichkeit, gezndet, d. h. manchen Bsewicht aufgestachelt haben msse, so da er zu Dynamit und Gift greifen wollte. Aber Dynamit und Gift sind schlechte Waffen, die sich berlebt haben, und die unparteiische Wahrheit trifft Beides nicht, und so hat denn das liebenswrdige Publikum diese gemeinen Angriffe kaum seiner Entrstung gewrdigt und in seiner reichen Gunst sind die Gedichte ein bleibendes Buch geworden. =Friederikenhof=, den 12. Oktober 1887. Die Verfasserin. Zur sechsten Auflage. Mit regem Dankgefhl Send' ich euch wiedermal Euch Bltter ohne Zahl Ins menschliche Gewhl; Bringt meinen Gru der Welt Und habt ihr ihn bestellt, Verfolget euer Ziel Und -- gleichsam wie im Spiel. -- Verkndet allzumal: Auf Bergen und im Thal, In Htte und Knigssaal, Der Schnheit Ideal Der Wahrheit Erz und Stahl Der Tugend Gtterstrahl! =Friederikenhof=, im Januar 1891. Die Verfasserin. Inhalt. Seite Abdel-Kaders Traum 2 Ach, meine Mutter, fnd ich Dich wieder 156 Ach, Sternlein dort 207 Alles grnt und alles blht 103 Alles Trumen 100 Als ich heut so bitterlich 99 Als Jemand beim Anblick einer armen Frau den Kopf wegwendete 176 Am Rhein 42 Am Scheidewege 70 Amerika 56 An den Kaiser Friedrich 87 An denselben 89 An der Tugend nur genippet 141 An diejenige, welche immer das Bse von mir abwehrte 200 An einen Miggnger 144 An L. zu P. 91 An meine Mutter 151, 152 Ansicht 126 Antibrderlichkeit 3 Antwort 104 Arglos und harmlos 85 Atheismus 61 Auch Goethe war nicht unfehlbar 139 Auf allerlei Hetzen 143 Auf der Hhe stehen Bume 142 Auf des Lebens Ocean 183 Auf das Zimmer meines Vaters 172 Auf meinem Gesicht 187 Auf meinen dahingegangenen Papagei 240 An denselben 241 Auf und nieder steigt die Welle 10 August Bckh 171 Ausdauer 84 Aus dem Dunkel bricht das Licht 226 Barde, der 41 Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets 195 Besessen ist die Welt 196 Bitterbse ist das Leben 186 Bittrer als der Tod ist Leben 230 Blmlein, das rothe 51 Blmlein auf der Au 95 Brderlich, brderlich 138 Burschenlied, das 217 Daktylen, Jamben, Trochen 174 Das Paradies verschwand 85 Da die Sterne blsser werden 122 Dem Kaiser Wilhelm I. 86 Dem kleinen Prinzen B. von C. zum Geburtstage 96 Dem Priester-Philanthropen Franz Marson 173 Den Studenten 200 Der Dichter lebt im Traume 110 Der Himmel ist hell 197 Der Himmel so blau 124 Der Lorbeer spriet! 114 Der Mond erscheint 179 Der mde Wandrer sitzet am Steg 132 Der Tag so kurz, der Tag so lang 214 Der Traum der Poesie 187 Des Abends letztes Gold 203 Deutsche Bildung, deutsche Sitte 192 Die Aerzte Philosophen gleichen 147 Die Fenster sind gefroren 140 Die Nachtigall schlgt 190 Die Nemesis, sie waltet 132 Die Sonne geht strahlend unter 145 Die weie Rose am lngsten blht 143 Die Wolken sich thrmen 182 Dieselben Bume hier wie dort 144 Dorten aus der grnen Hecke 147 Dorten winkt ein neuer Morgen 105 Drei Schlagworte 22 Droschkau 165 Du siehst das Vglein in den Lften fliegen 113 Dunkle Veilchen, weie Blthen 104 Du willst verbinden, was sich ewig flieht 139 Edelwei 129 Egoist, der 178 Ein leeres Bauer, ein leeres Haus 136 Ein Meer von Balsam ist die Zeit 226 Ein purpurnes Rslein auf grner Au 98 Ein Reiter auf der Haide 178 Eine Blume ist gebrochen 242 Eine Blthe seh' ich prangen 156 Eine Mitternacht in Tyrol 208 Einen Vers soll ich Dir machen 199 Eingebung, die 127 Elisabeth 234 Es eilt der Flu 198 Es flammet das herrlichste Sonnengold 111 Es geht die Zeit den sichern Gang 137 Es grnen die Bume des Waldes 107 Es hat uns Gott gegeben 215 Es ist mir so federleicht ums Herz 93 Es ringt der Regen mit dem Winde 127 Es scheint der Mond in's Zimmer 121 Es scheint der Mond so helle 113 Es schlft die Welt 195 Es schwebt mir auf der Zung' ein Lied 116 Es sprechen nur noch die Affen 134 Es stimmen meines Herzens Saiten 119 Es strmt so viel auf mich herein 144 Es wankt der Boden 131 Fanatismus und Geld 19 Feldarbeit 178 Fernweh 37 Fest-Romanze 60 Frage 104 Franzensbad 160 Frauenbild 63 Freundlich gucken meine Blicke 143 Frhlingslfte wehen leise 101 Fr Ferdinand Freiligrath 163 Fr die Ostpreuen 83 Ganz gebrochen ist die Kraft 125 Gebet 206 Gedicht ohne r 237 Gefangenen, die 130 Gegen den Selbstmord 189 Gegen die Einzelhaft 11 Gegen die Vivisektion 66 Gehabt euch wohl, Gott segne euch 147 Gemlde 95 Geschichte 12 Giebt's ein Glck 197 Ginge es nach meinem Herzen 196 Goldfischer, der 246 Goldner Sonnenschein 189 Gott ist gro 140 Gott segne die Armen 146 Gretchen 227 Grne Saaten, grne Bltter 177 Grne Zweige, goldne Frucht 114 Hab' ich Dich bisher geleitet 99 Habt ihr mir es gar verleidet 102 Hannah Thorsch 161 Hast Du darum mich verstoen 225 Heimchen, die 40 Heinrich, der stolze, 134 Heinrich Heine 162 Heie Thrnen flieen, rauschen, 101 Herzog Georg Bernhard 149 Hoch auf der Berge Gipfel 106 Hoffnungsschimmer 77 Holden Trume, ging't verloren 176 Holdes Blmlein, du willst ntzen 9 Hundegebell im Fleischerladen 194 Ja, ja, es kommt noch nach 229 Jagd, die 54 Ich lehn' am Fensterkreuze 109 Ich meint es rechtschaffen und ehrlich 226 Ich ritt auf einem Pferde 224 Ich trumte schn und trumte viel 123 Ich trumte tausend Lieder 213 Ich wei eine groe Geschichte 190 Ideelle, das 112 Jetzt 154 Ihr wit schon, wen ich meine 165 Im Traume sah ich die Mutter heut 199 Immergrn 20 In der Schweiz 105 In die Wolken mcht ich fliegen 140 Innere Stimme 75 Invalide, der 5 Ist die Weihe denn gewichen 98 Ist's der Dichtung Loos 142 Judenkirsche, die 43 Kanarienvgleins Traum 65 Kalt ist's, eine trockene Klte 212 Klte 177 Kannst Du zweifeln, kannst Du zagen 107 Kennst Du das Land 59 Kennst Du nicht das Licht des Lebens 106 Kennst Du vielleicht ein Land 185 Kennt ihr sie nicht die bse bunte Schlange 201 Kind, das scheintodte 44 Klara Wuras 158 Kleine Blthen, Rselein 92 Knaben, die 17 Kontrast, der 13 Krnk Dich nicht 194 Lat mich in die Wste eilen 109 Lat mich schlafen, schlafen 125 Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens 141 Lawinenmasse 103 Leben, das 159 Leipziger Lerchen 164 Leuchtthurm, der 68 Lied 108, 184 Lied der braven Frau 170 Logik 46 Lord Byron 181 Mdchen an der Donau 49 Mdchen vom See 203 Mgdelein, das 205 Man sagt, die Liebe wre blind 175 Meiner Mutter lichtes Bild 155 Meiner Schwester Luise zum Geburtstage 168 Meine Thrnen flieen 124 Menschliche Hilfe ist bald kaput 186 Mich greift die Langeweile 185 Mir trumte, da ich stund 232 Misanthrop, der 35 Motto 4 Mtterlein, das 18 Nach dem Gesetz ber die Pensionirung der Arbeiter 243 Nach der Auffhrung Rudolfs II. in Berlin 136 Nach Sedan, an den Kaiser Wilhelm I. 135 Nachtigall und die Katze 215 Natur und Mensch 47 Nero 145 Nero's Angedenken 133 Nicht bei der Leidenschaft trbem Feuer 78 Nicht Farbe und nicht Glaube 139 Nicht im Reichthum wohnt das Glck 176 Nicht mehr sprechen die Sterne 133 Nur allein kann ich erstarken 75 O erklret mir das Rthsel 67 O Faust, Du Bild des Menschen 139 O gieb mir Laut und Stimme 117 O Gott, Du weit am besten 197 O ist's denn ganz unmglich 144 O mag ein Engel Dir die Schrift diktiren 115 O Mensch, Du trittst mit Fen 79 O sieh, wie sich's thrmt 93 O wit ihr, was ich denke 136 Oft ist verhat 175 Parteilichkeit, Parteienha 196 Phantasie 79 Poesie, die 90 Poesie ist Leben 92 Polterabend, der 26 Poniatowsky 48 Prall nicht an, prall nicht an 244 Purpurn glnzt die Abendrthe 102 Rhoswitha 26 Rosenbsche, dunkle Haine 228 Rselein, das 23 Sag', was hngst Du so daran 115 Scheintodte, der 140 Schner Stern, hab' Dich gern 146 Schwarze Wolken, graue Wolken 117 Seh' ich Euch wieder, goldne Sterne 215 Sei Dir Alles gleich, mein Kind 230 Sei ein Held, ertrag die Leiden 200 Selbst noch eine Menschenblthe 74 Sieg des Geistes 233 Siehst Du nicht die grnen Matten 123 Sinn der Ferne 81 'S ist ja Alles nur ein Trumen 112 Sonnenuntergang und Aufgang 234 Sperrt euch ein in groe Stdte 177 Spitzen-Klpplerin im Harz 204 Stimmung 62, 187 Sympathie und Antipathie 43 Tausend Mcken tanzen in der Sonne 82 Thierbndiger, der 219 Thrne, die stille 191 Tribun, der deutsche 53 Trstend senkt die Poesie 122 Tscherkessen, die 30 Ufergemlde 37 Und der Himmel lacht mir wieder 141 Und htte ich nicht im Herzen 121 Unntz lyrisches Gesinge 142 Unter den Linden 128 Unter mir die tausend Plagen 116 Untergeh'nde Sonne, sprich 138 Verschiedenheit ist nthig 201 Versunken ist das Glck 195 Vogelin-Prinze 72 Vglein, das 1 Vglein auf den grnen Zweigen 97 Von Moral ist keine Spur 194 Vor der Mutter Bild 157 Vor Hermann Bdekers Bildni 166 Vor meiner Mutter Bild 188 Vor demselben Bilde 188 Vor Nees von Esenbecks Bildni 148 Vor Schillers Denkmal in Berlin 145 Wahrheit 202 Wanderlied 245 Wldchen, das 57 Wr ich ein Vgelein 175 Was ich Hohes je getrumt 105 Was ist das Beste? 58 Was ntzen alle Lieder 126 Wehmthig, demthig 138 Weie Blthen, grne Zweige 228 Weit Du was, ich will Dir sagen 138 Welch' Schreckenstille herrschet hier 243 Welten-Chaos, Menschen-Chaos 67 Wenn man die Mtter 157 Wer die Bangigkeit 110 Wer einsam kam zu trber Hhe 214 Wer Niemand ber sich zum Richter 148 Wie ist das deutsche Vaterland 21 Wie niedrig lchelt die Dirne 141 Willst Du nach den Sternen fragen 77 Wintergemlde 193 Wirklichkeit 36 Wo sich Epheu schlingt 155 Wollte Gott 58 Wunderlieb, das 24 Zanket nicht, hetzet nicht 137 Zertrmmert das Leben 180 Zu allem Guten sage ja 143 Zu des Orkus finsteren Gewalten 97 Zu einem Gemlde Kaiser Friedrich des Dritten 90 Zugvgel, die 69 Zum 9. Juli, dem Todestage meiner Mutter 153 Zum 70jhrig. Geburtstage eines Onkels 174 Zur Erinnerung 72 Zustand der Gesellschaft 28 Zwecklos scheint mein Leben 130 Zwei Blmlein blhen am Aronstab 156 Das Vglein. Vglein, Vglein mit den Schwingen, Mit den Aeuglein schwarz und klein, La uns mit einander singen, La uns liebe Freunde sein! Vglein hpfte auf den Bumen, Endlich es mit Sang begann: Du kannst nur von Freiheit trumen, Dich seh' ich als Fremdling an! Mensch, auch Du hast Deine Schwingen, Aeuglein hell und klar und rein, Knntest Freiheit Dir erringen, Dann erst la uns Freunde sein! Abdel-Kaders Traum. Wolkenloses himmlisches Gewlbe, Unter grnen Palmen Purpur-Zelt Eine Reiter-Karavane hlt, Auf dem Boden Wstensand, der gelbe. Krachend unterirdisches Gewlbe, Fnfzehnhundert Leichen, tief entstellt, Jede Leiche war ein wackrer Held, Speit die Flamme rasselnd aus, die gelbe. Solch' ein Traumbild Abdel-Kader grte, Trunken er der Heimath Boden kte: Allah, Allah ruft er, meine Wste! Pellipssier, Dein frchterlicher Brand! -- Pltzlich sich der Held im Traum ermannt, Seine Blicke trafen Kerkerswand! -- Antibrderlichkeit. Sterne, knnt ihr freundlich glnzen, Wenn das Unerhrteste geschehen, Knnt ihr gleichgltig herniedersehen, Wenn das Bse sie bekrnzen? Wenn ein Funke in euch sprhet, Sterne lodert auf in helle Flammen, Nur mit Flammen knnet ihr verdammen, Was auf Erden hier geschiehet! Und Du Erde, stille, kalte, Birgst in Tiefen Du nicht Feuerschlnde? Hast Du keine fr die rgste Snde? Rttle Dich, Du krft'ge Alte! Spei sie aus mit einem Zuge, Unterwelt und heil'ges Himmelsfeuer, Schlag' zusammen ber Ungeheuer, Und geheuer wird's im Fluge! Motto. Sei ein Mensch, hab ein Herz Unter Millionen, Wie ein Fels, wie ein Stern, Stehe fest, leuchte fern, Setz' die Welt in Staunen! Sei ein Mensch, hab' ein Herz Fr die Millionen, Wenn's der Thor auch Wahnsinn nennt, Weil er keine Weisheit kennt, Kannst Du drber staunen? Sei ein Geist, schr' die Gluth Unter Millionen, Selber hei, selber glh', Frchte nie, raste nie, Setz' die Kraft in Staunen. Sei ein Geist, schr die Gluth Unter Millionen, La auf Erden eine Spur, Ahne sie und lchle nur, Es giebt sichre Kronen. Sei ein Geist, schr' die Gluth Unter Millionen, Wie am Himmel still ein Stern, Wirke lchelnd, scheide gern, Alles wird sich lohnen! Der Invalide. Ein alter Mann mit grauen Haaren, Tiefbraun von Hand und Angesicht, Aus dem, so stark die Glieder waren, Hohnfrei ein stilles Lcheln spricht. Mit blauen Augen, sanft, voll Leben, Wie mancher friedlich deutsche Strom, Und wie die Heil'gen sie erheben Im stolzen Vatikan zu Rom. Es spielt auf off'nem Markt die Leier, Der arme, alte Invalid', Von trber Zeit, von alter, neuer, Singt er dazu ein hbsches Lied: Oed' und verlassen Nah' ich dem Grab, Spielet ihr Lfte, Sanft mich hinab! Viel hab' ich gelitten, Gekmpft und gestrebt, Fr Deutschland gestritten, Fr Deutschland gelebt. Und eifrig that lieben Ich Menschen und Gott, Die Menschen, sie blieben Mir fern in der Noth! Oed' und verlassen Nah' ich dem Grab, Spielet ihr Lfte, Sanft mich hinab! -- Viel' Leute gehn an ihm vorber, Die meisten sehen gar nicht auf, Sein sanfter Blick wird trb und trber, Doch spielt er immer wacker auf. Der Abend naht, die Sonne sinket, Der Alte packt die Leier ein, Im Auge eine Thrne blinket, Er seufzt: man soll zufrieden sein. Ich dachte heute nicht zu fasten, Und hofft' auf frisches Lagerstroh! Komm', alter, lieber Leierkasten, Man denkt, doch geht's nicht immer so! Es waren freilich khne Plne, Doch niemand hat mich angeschaut, Man zahlt nun nicht mehr solche Tne: Was fang' ich an in meiner Noth? Und, spricht er stockend und verlegen, Ich wei nicht, red' ich Jemand an? Es ist an mir nicht viel gelegen, Doch ganz man nicht verhungern kann! Herr, fleht er endlich einen Reichen, Sie borgen wohl acht Pfenn'ge mir? Mein Freund, man borgt nicht eures Gleichen, Und Bettlern geben selten wir. -- Als Bettler ward ich nicht geboren, Ein Bettler wird man erst alsdann -- Lehrt sanft der Greis den tauben Ohren, Wenn man sich nicht mehr helfen kann! Ein Knabe zieht die Stra' herunter, Mit Rosenbscheln zum Verkauf, Der kleine Proletarier, munter, Horcht bei des Alten Stimme auf. Herr, spricht der Knabe sehr verlegen, Ich hab' den Greis zwar nie gekannt, Doch, wenn sie einen Argwohn hegen, So bleib' ich Ihnen gern zum Pfand! -- Der arme Mann, fleht er mit Beben, Er spielt den ganzen Tag schon hier, Und kann die Arme kaum mehr heben. Etwas verdient er schon dafr! Erbarmen Sie sich seines Lebens, Er bringt das Geld schon morgen her, -- So fleht der Knabe, ach vergebens, Der harte Reiche hrt nichts mehr. Hrt, spricht zum Invalid der Knabe, Ich bind' ein Struchen fr euch los, 's Ist freilich eine kleine Gabe, Doch dies allein besitz ich blo! Es wankt der Greis in seine Wohnung, Wirft matt sich auf das faule Stroh, Ach, -- seufzt er bitter -- ohne Schonung Behandelt man den Armen so? Die Nacht ging langsam ihm vorber, Es auf dem kalten Boden graut, Da leuchtet wunderbar herber Ein herrlich lichtes Morgenroth. Die Leier lag zu seinen Fen, Und dicht das Struchen rosenroth, Der schne Kopf auf grobem Kissen: Der brave Invalid war todt. -- Holdes Blmlein, Du willst ntzen? Auf der weiten grnen Au? Sieh', die Sonne scheint so golden, Und der Himmel, er ist blau! Hohe Plne, khne Plne Werden Dir das Blut erhitzen, Holdes Blmlein, um Dich schau: Plne werden meistens grau. Rselein sich tiefer bckte: Was das kleine Herz entzckte, Kalter Zweifel will's ihm rauben! An das Schne will ich glauben -- Sprach es -- ob auch Blttlein sich entlauben! -- Und dem Rslein Alles glckte. Auf und nieder steigt die Welle, Auf und nieder steigt die Nacht, Und der Sterne Glanz und Pracht Wechseln mit des Tages Helle. Ew'ger Wechsel, Nacht und Helle, Grne Matten, dunkler Schacht, Sprich, was siehst Du auf der Wacht? Steigend auf die festen Wlle? Moder, aus den Grften, Blumendfte in den Lften, Manchen Geist, ach, schwergeprften. Eine Welt, die Alles preist, Was da Glanz und Schimmer heit, Und das Bse vorwrts reit! -- Gegen die Einzelhaft. Allein, allein -- doch nicht auf freier Erde, In einer Zelle dst'rem Raum allein -- Dmonen steigen auf im engen Schrein, Als Ton ein Schrei, -- als Bild wahnsinnige Geberde. Nacht -- Tag -- Nichts -- Nichts; die Zeit, sie stehet stille, Das Herz steht gleichfalls still -- im Innern lebt's, Von Auen Eis und Tod, im Innern bebt's Im Innern kocht und bumet sich des Menschen Wille! Des Menschen Wille! Gro und Furien hnlich, Kleinmthig, schwach! Barmherzigkeit, ich fleh': Werft mich hinab in schumend wilde See, Nach raschem Tod, nicht nach lebend'gem Grab begehr' ich sehnlich! Vom schroffen Fels stot mich mit Menschenhand hinunter! Lat mich dabei ein einzig Menschenantlitz seh'n, -- Ertdtet nicht den Blick -- die Sonne bleibt am Himmel stehn, Die Sinne, die gemordet, gehn fr immer unter! Geschichte. Tiefe Nacht und lange Schatten Ueber Land und ber Meer, Auf Europa's sumpf'gen Matten Tanzt das Irrlicht hin und her. Kohlengluthen auf dem Heerde, Gluthen in des Menschen Herz, Der mit gleichglt'ger Geberde, Schmiedet seiner Ketten Erz. Finst're Nacht und lange Schatten, Thrn'n und Blut auf jedem Steg, Auf Europa's dstern Matten Geht die Schlange ihren Weg. Und es steigen aus den Tiefen, Mit dem greisen Haupt und Haar, Ungeheuer, die sonst schliefen, Lautlos naht die Schreckensschaar. Flammen zischen, Strme brausen, Tritt aus Deinem Ufer aus, Meer, verwste und mit Grausen, Unsrer Erde grnes Haus! -- Der Kontrast. Im feinen weien Spitzenkleide, Im braunen Haar Kamelienkranz, Steht heut Madam', 'ne Augenweide Macht Toilett' beim Kerzenglanz. Vier Hnde sind bemht zu schmcken Ihr selig lchelnd Angesicht, Ihr Dies und Jenes recht zu rcken, Und auch die ihrigen ruhen nicht. Sie geht zum Ball, und dreist ich sage, Die Frau ist reizend, wunderschn, Da sie gefllt ist keine Frage, Das mu ihr selbst der Neid gesteh'n! Wenn auch nicht eingehllt in Flimmer, So spielt doch fast dieselbe Scen' Ihr Herr Gemahl im Nebenzimmer, Der freilich etwas minder schn. Sehr fein ist seine Toilette, Reich glnzt der Ring an seiner Hand, Er putzt die goldene Lorgnette, Steckt seine Cigarre in Brand. Er ist schon fertig, spricht mit Wrde: Der Wagen steht fr uns bereit, Du bist sehr schn, genug der Zierde, Mein Kind, es ist die hchste Zeit! Wie glcklich bin ich, ruft sie leise, Auch ich, sagt lauter ihr Gemahl, Es macht mich Deine Art und Weise Sehr stolz auf meine gute Wahl! Komm -- spricht er, froh an Faro denkend, -- Dir Alles, Alles herrlich steht, -- Und seinen Kopf bedenklich senkend -- Wir kommen wahrlich heut =zu= spt! Nur noch das Halsband mit Demanten, Nur noch die Broche mit dem Opal, Das Taschentuch mit den Brabanten, Den Blthenstrau und dann den Shawl! Zu End' ist nun die Toilette, In Wahrheit ein possierlich Bild, Solch Thorheitseifer um die Wette, Stets aus beschrnktem Geiste quillt. So jung, so schn, so voller Freuden, So voller Anmuth und so reich, Eilen hinunter nun die Beiden, An Eleganz sich selber gleich. Die reichen Menschenkindchen trumen In dem Moment von Unglck nicht, Da sieh, sich scheu die Rosse bumen Vor eines Mannes Angesicht. Ein armer Mann, die Stirn voll Falten, Mit stierem Aug' und hohler Wang', Mit Lippen, dnnen, bleichen, kalten, Die schon vertrocknet schienen lang; Stand an des heitern Hauses Schwelle, Verhungert und erstarret fast, Der Mond beschien an jener Stelle Das Elend unter seiner Last. Ich fleh' -- spricht er -- um ein Almosen, Und kt der schnen Frau die Hand, Sein schwacher Ku drckte die Rosen, Die an des theuren Handschuhs Rand. Mein Freund, sagt sie mit kalten Mienen, Erzrnt durch diese Frevelthat, Ich habe keine Zeit zu Ihnen, Ob Robert etwa Kleingeld hat? Robert zieht nun den vollen Beutel, Wie herrlich glnzt darin das Gold, Doch all sein Suchen war nur eitel, Denn Wen'ges war's, was er gewollt. Halt, halt, gieb etwas jenem Armen, Herrscht nun der Herr den Kutscher an, Des Letzteren Blick fllt voll Erbarmen Und Grauen auf den armen Mann. Er greift hinein in seine Taschen, Zwei- und Viergroschen sind darin. Schnell sucht er beide zu erhaschen, Und wirft sie rasch dem Armen hin. Hier Bruder, sind sechs Groschenstcke, 's ist Alles, was ich geben kann Und -- sagt er sanft mit feuchtem Blicke -- Fragt manchmal dort im Giebel an! Jetzt rollte fort der rasche Wagen, Der Kutscher wischt ein Aug' sich ab: Er denkt an all die groen Fragen, Die solch' Kontrast zu lsen gab. Die Knaben. Wie Du so viel Thrnen weinst! Ziehest fort, Du lieber Freund, Seh'n wir uns auch wieder einst? Weit zieh' ich, weit bers Meer, Und ob wir uns wiederseh'n: Zweifle, zweifle ich gar sehr! -- In die Lnder ziehst Du hin, Wo's so schn und schwl soll sein? Kennst Du auch die Kinder drin? Nach Amerika geht's hin, Drckend hei soll es dort sein, Und ein Fremdling dort ich bin! Mach' das Herz mir nicht so schwer, Einstens seh'n wir uns noch, ja: Einstens kommst Du wieder her! La mich schau'n Dir ins Gesicht, Denn wenn wir uns wiedersehn: Kinder sind wir dann doch nicht! -- Das Mtterlein. Was siehst Du, Kind, im Mondenschein? Ein Mtterlein am Wegestein, Viel Tausend Falten auf Stirn und Wang'! Ihr scheinet, ach, so weh, so bang! Viel Tausend Zhren sie leise verschluckt, Das matte Haupt zur Erde gebuckt. O, weine nicht, armes Mtterlein, Es blinkt so hell der Mondenschein! Die gold'nen Aehren auf Berg und Thal, Sie bcken und gren Dich allzumal! Und bis auf das kleine Goldkferlein, Kann Alles nicht schner und prchtiger sein. Wohl blinket so silbern der Mondenschein, Doch dster und eng ist mein Kmmerlein, Fr mich wchst nichts auf dem grnen Feld, Dem meine Hnde den Acker bestellt! Ach freilich konnt' es nicht anders sein, So seufzet das arme Mtterlein. Was sieh'st Du, Kind, im Mondenschein? Ich seh' die grnen Hgelreih'n, Die goldnen Aehren auf Berg und Thal, Sie gren und laden die Alte zum Mahl! Die Stirne in Hnden sie mchtig sinnt, Und Thrne auf Thrne zur Erde rinnt. Fanatismus und Geld. Auf der Kette wohlverschlung'ner Berge Steh'n zwei Gnomen, stolz und mchtig gro, Tausend Riesen knien vor jedem Zwerge, Ihre Arme mig bei dem eignen Loos; Nur wenn jene Gnomen es gebieten, Eilt die Arbeit, da die Funken sprhten. -- Jedem Zwerg ist unterthan die Erde, Krppelhaft gestaltet sich die Welt, Riesen wurden eine staub'ge Heerde, Vor den Gnomen: Fanatismus, Geld! Geist'gen Arme schttelt eure Kette, Und der Gnome wird zur Brandessttte. Immergrn. Immergrn trotz Zeit und Wetter, Pflnzchen zart und fest und schn, Smaragdfarben Deine Bltter, Knntest bei den schnsten stehn! Denn der Freieste von Allen, Dessen Blick man nie bestach, Rousseau fand an Dir Gefallen, Ward gerhrt, wenn er Dich brach. Wenn er Deinen zarten Stengel Selten froh in Hnden nahm, Zagend, forschend, suchend Mngel, Und zum Vorschein keiner kam! Pflnzchen, liebstes mir von Allen, Ewig bleibst Du theuer mir: Rousseau konntest Du gefallen, Dank fr seine Freuden Dir! Wie ist das deutsche Vaterland? Sieh, das Haus ward mir zu enge, Und es trieb mich in die Welt, In des Thales dunkle Gnge, Wo sich's wie im Traum verhlt. Rebenhgel, Tannenwlder, Mitten hin des Stromes Band, Schmucke Auen, Weizenfelder, Schnes deutsches Vaterland! Zu den blankgeputzten Htten Droben auf der Bergeshh', Zog es mich mit raschen Schritten Und verwundert still ich steh'. Eine Stimme ruft von innen, Eine Stimme klar und hell: Guter Jngling, geh' von hinnen, Schreit' nicht ber diese Schwell'! Steig' auf Burgen, steig' auf Zinnen, Sieh' von auen an das Land, Was Du sehen kannst da drinnen, Es verwirrt Dir den Verstand. Unsrer Htten trbe Weise Pat nicht zu der schmucken Au, Guter Jngling, wirst zum Greise, Und Dein Lockenhaar wird grau. Blmlein ranken um die Mauer, Schn bepflanzt von welker Hand, Und benetzt von Thrnenschauer Grnt das deutsche Vaterland! Drei Schlagworte. Wie heit das Wort, das in der halben Welt Man gleichbedeutend mit dem Gelde hlt, Doch mit dem Geld, das stets im Sckel bleibt, Und schon von selbst die besten Zinsen treibt? Es ist, es heit, die, die, die, die, Die theure Bourgeoisie! Wie heit das Wort, das in der halben Welt Man gleichbedeutend mit dem Elend hlt, Doch mit dem Elend, das mit wack'rem Muth Die schwere groe Arbeit thut? Es ist, es heit, der, der, der, der, Es heiet: Proletarier! Wie heit das Wort, das in der halben Welt Man gleichbedeutend mit Utopien hlt, Doch mit Utopien, hnlich Morgenlicht, Das hell und warm zu jedem Herzen spricht? Es ist, es ist mein Ideal, Das groe Wort, es heit: social. Das Rselein. Gr Dich Gott, mein Rselein, Schn und klein und sanft Du bist: Wie sie so anmuthig ist! Rselein, gern seh ich Dich! Bleib so still und lieb und rein: Bleib so ewig jung und mein! Rslein mein, o denk an mich! Purpurroth und grn Dein Stiel: Geist und Anmuth hat sie viel! Rslein, Dich, Dich liebe ich! Zart drck' ich Dich an den Mund: Nehme Abschied, bleib gesund! Blttlein klein, o bleibet frisch, Ihres Zweiges dunkelgrn: Ach, ich mu von dannen zieh'n! Rslein, nein, es war nur Scherz: Ewig, ewig bleib ich Dein! Ewig bleibst Du lieb und fein! Rselein, o gr Dich Gott, Schn und frisch und mein Du bist: Voll mein Herz vor Freuden ist! -- Das Wunderlieb oder die Bucht in Wckelsdorf. Tief unten zwischen Bergen Da liegt ein Fischerkahn, Den lenkt das Wundermdchen, Die 's Vielen angethan. Ihr Aug' so blau und strmisch, Wie aufgeregte Fluth, Halb traurig und halb schaurig Still auf der Gegend ruht. Der braunen Flechten Lnge, So gro wie Schilf im Flu, Drauf, sagt man, drckt die Nixe Allnchtlich einen Ku. Den Strohhut auf den Haaren, Das Ruder in der Hand, So fhrt sie auf und nieder Doch niemals bis an's Land. Die Thrnen in den Augen Der Jungfrau sind erstarrt, Und ihre weien Arme Sind Marmor, kalt und hart. Den Jngling fat Entsetzen: Das Wunderliebchen sein, Der Nachen samt dem Ruder Und alles ist von Stein. Es dunkelt auf den Bergen, Des Fischerkahns Gestalt Samt Jngling und samt Jungfrau Umschlingt die Tiefe bald. Das schne Wundermdchen Samt Ruder und samt Boot Sind noch in Stein zu sehen, -- Den Jngling fand man todt. Rhoswitha. In stiller Klosterzelle sa Ein ernstes Frauenbild, Tief eifrig schrieb und dacht' und las Rhoswitha, sanft und mild. Ein dunkel hrenes Gewand Bis an den Hals sie trgt, Ein groes Buch von Pergament Liegt vor ihr aufgelegt. Der Polterabend. Herab von seiner stolzen Feste Lehnt sich ein Rittersmann, Tief unten aus dem Felsengrunde Schwingt's lautlos sich hinan. Schwarzbraune Locken auf dem Nacken, Rothsammtnes Prachtgewand, Den erznen Panzer um die Hfte, Das Visir in der Hand, So lehnt er an dem Erkerfenster Im hochzeitlichen Schmuck, Was stierst Du, Ritter, in die Tiefe Das Irrlicht zeigt nur Trug! Ruht Laura nicht im stillen Grabe? Kein Schatten kehrt zurck, Vergi die Schuld, zum Hochzeitsmahle Ruft bald Dein froh Geschick! Ha, immer stiert er noch herunter, Den feur'gen Blick hinab, Das Irrlicht steht an jener Stelle, Wo sie den Tod sich gab. Sein Grund ist leer, o weh, der Schrecken! Was singt dort am Gestein? Was schwingt sich hoch von Fels zu Felsen Im weien Heil'genschein? Noch grauet nicht Dein Hochzeitsmorgen, Noch schaust Du nicht Dein Glck, O, harter Ritter, schau' lieb' Laura, Ihr Schatten kehrt zurck! -- Den stolzen Mann erfat ein Grausen, Als er das Lied gehrt, Von Geisterarmen fortgerissen Er in den Abgrund fhrt. Horch, da ein namenloses Poltern Im felsigten Gestein, Als wenn auf einmal tausend Donner In's Burgthor schlgen ein. Drum soll am Abend vor der Hochzeit Ein Polterabend sein Denn, heit es, wo viel Licht und Freude Wagt sich kein Geist hinein. Der Zustand der Gesellschaft. Die Erde bebt, gro und gewaltig wird ihr inn'res Wthen, Und schwarz und finster war's und keine Sonnen glhten. Ach, keine Blten, und kein Rauschen, und kein Frhlingswehen Die groe Nacht war dster, schauerlich mit anzusehen. Da erschallt des Donners Stimme und erweckt die stumme Nacht. Des Blitzes Schein erhellt die Erde, die Menschheit, sie erwacht. Sie ffnet halb das mde Auge, vom Schein zurckgeschreckt, Und schlfrig bleibt die Wimper liegen, die ihr das Licht versteckt. Doch durch die zarten, kleinen Hrchen, der groe Lichtstrahl dringt. Und golden es dem langen Schlfer ins trbe Auge blinkt. Es folgt ein Blitz dem ersten Strahle, mit voller Blitzeskraft, Die ganze Welt, sie steht in Flammen, und hat sich aufgerafft. Die Menschheit mit den edlen Zgen, sie sieht den jungen Tag, Und macht sich auf vom finstern Lager, wo sie im Schlafe lag. Noch fhlt sie nicht den Rausch der Wonne, sie schreckt die Gegenwart, Sie fhlt sich schwach, denn sie ist feige, und ahnt, was ihrer harrt: Sie konnt' das Finst're ja nicht schauen, was that es ihr zu Leid? -- Jetzt sieht sie es, vom Licht erhellet, und sieht es weit und breit! Ich soll die Finsterni verscheuchen, so ruft der Mensch und weint, Die Finsterni wird gro und grer, je nher sie erscheint; -- Ich will ihr nicht ins Auge sehen, der schwarzen Hllenbraut, In diesen Abgrund, der verzehret, wenn man hinunter schaut! -- Die Menschheit mchte wieder schlafen, und drckt ein Auge zu, Doch auch im Herzen brennt die Flamme; und ihr wird keine Ruh'. Die Tscherkessen. Sieh, drei Reiter, glnzend, prchtig, Wie sie nur im Traume! Scharlachroth, auf schwarzen Rossen, Und mit gold'nem Zaume. Schwarz und golden, herrlich flimmert's, Wie sie blitzschnell eilen, Funken stuben gleich Raketen, Und es schwinden Meilen. Purpurfedern auf Baretten, Dolche an den Seiten, Schienen sie die schnelle Runde Um die Welt zu reiten. Und die Rosse, wie arabisch Ihre Blicke leuchten, Wie die glnzend schwarzen Haare Helle Tropfen feuchten! Dreimal kam die Nacht gezogen, Dreimal sah man's tagen, Und noch immer Rosseshufe Samt den Herzen schlagen. Dreimal kam die Nacht gezogen, Dreimal sah man's tagen, Und es konnten Feuerkugeln Sie noch nicht erjagen! Endlich sieh' im Mondenscheine Die drei Reiter knieen, Brck und Wasser hinter ihnen Eine Linie ziehen. In dem Grenzort auf dem Berge Steht des Marktes Menge, Und Bewunderung, Staunen, Rhrung, Wechseln im Gedrnge: Seht ihr, seht ihr die Tscherkessen, Herr Gott! wie die reiten: Feuer sprhen ihre Blicke Hin nach allen Seiten! Sie entfloh'n aus tiefem Reuen, Heldenmut im Blute, -- So tnt's in des Volks Geflster -- Wie den' auch zu Muthe? Vor des Preu'schen Rathhaus Schwelle Stehet die Behrde, Und die Reiter, hei und glnzend, Ruhen auf der Erde. Ihre Zeichen, ihre Mienen, Blicke, freudetrunken, Streicheln sie die prcht'gen Rosse, Wie im Traum versunken. Ihre Zeichen, ihre Mienen, Ihre dunklen Worte, Sie entrthselt halb ein Dolmetsch, Tief gerhrt am Orte. Wir Cirkassien's freie Shne In der Sklaven-Ferne Hrten rhmen eure Freiheit, Dienten Freien gerne! Durch des groen Gottes Fgung Nun auf freier Erde, Flehen wir zum freien Preuen, Da uns Hilfe werde! Dreimal vier und zwanzig Stunden Ohne Rast geflohen, Bieten wir uns, uns're Schwerter Euch an voll Vertrauen! Dreimal vier und zwanzig Stunden Ohne Rast geritten, Wir um edle, groe, deutsche Gastlichkeit nun bitten! -- Also klangen ihre Worte, Und mit starrem Munde Still vernahm des Ortes Vorstand Diese selt'ne Kunde. Selbe Nacht noch, sieh', pechfinster, Trotz des Vollmonds Lichte, Lautlos durch die tiefe Stille Lauschet die Geschichte. Horch, zwei preuische Schwadrone, Die Tscherkessen mitten, Ziehen auf dem dunklen Boden Hin mit festen Tritten. Wieder sieht man durch die Gegend Rosseshufen sprhen, Brck' und Wasser diesmal ihnen Vorn die Grenze ziehen. Horch, da ffnet sich der Schlagbaum, Und am Brckenkopfe Nicken durch die hohle Oeffnung Russen mit dem Kopfe. Dumpf Gemurmel vom Kartelle, Freundschaft, ungeschwchten, Und man bergiebt die Helden Den Kosakenknechten! Dster graut der vierte Morgen, Einzeln leuchten Sterne, Russen bilden einen Halbkreis, Wetterleuchten ferne: Dster flimmern die Laternen, Donner westwrts grollen, Von der Helden Haupt, gebcktem, Groe Thrnen rollen: Niederknien alle Dreie, Und vom Regimente Dreimal tnt die Russische Salve, Da die Erde drhnte! Der Misanthrop. O Einsamkeit, Du stilles Land, Der Trume und des Friedens Du, Die Dankbarkeit mich Dir verband, Dir dank' ich meine se Ruh'! Du gabst mir wieder alles das, Was ich verloren hielt, Die Liebe, die ich schon als Ha In meiner Brust gefhlt. All das, was Edles ich geglaubt, Dir dank' ich's nun allein, =Den= Glauben mir nun keiner raubt, Denn einsam will ich sein! Wer wei, ob nicht in jener Welt Ein Geist wird einsam sein, Ob jedem Geist nicht eine Welt Beschieden auch wird sein. Es lebe stille Einsamkeit! Du gabst mir se Ruh! Ich weihe mich der Dankbarkeit, Mein einziger Freund sei'st Du. Wirklichkeit. Grne Matten, Staub und Asche, Menschenauge, schn und gro, Ist es wahr, da solchem Glanze Drohet der Vernichtung Loos? -- O verwesen und vernichten! Doch Vernichtung ist es nicht Nur verpuppen wie die Raupe Soll der Mensch sein Angesicht. Sag', was ist Dir, ses Kindchen, Und was widert jetzt Dich an? Macht's die Aehnlichkeit der Raupe, Da Dir geht ein Ekel an? Ses Kindchen, Menschenrupchen, Mach kein bitterbs Gesicht, Und verbitt're drum das Leben Deinen Mite-Raupen nicht. -- Fernweh. Gold'ne Sonne mit den Strahlen, Komm und nimm mich an Dein Herz Und von Deinem Licht getragen, Steige mit mir himmelwrts! Zeige mir dort Deine Wesen, Deinen groen Wunderraum, Und damit ich's nicht verrathe, La mich's schauen wie im Traum! Oder nimm mich in die Hhe Nur ein tausend Meilen mit, Da von dort aus ich es sehe, Wie die Erde klein aussieht! Ufergemlde. Es heulet der Sturm, Es tobet die See, Es peitschet der Wind Die See in die Hh. Es steuert ein Fahrzeug Am seegrnen Strand, Es steiget die Mannschaft Mit Beben ans Land. Ein Weib ist dazwischen, Das Kind auf dem Arm, Drckt's fester und flehet: Da Gott sich erbarm'! Gerettet, bewahret Von gttlicher Hand, Bewahrt vor dem Abgrund, Der Tiefe Gestrand. Am Ufer ich bete, Mit Blumen geschmckt, Mein Kind ist kalt, Mein Haupt ist gebckt. Sie sagen, 's wr todt, O Vater, o nein, Du lssest nicht halb nur Gerettet uns sein! Im Schrecken nur schlo es Die Aeugelein zu, O rettender Gott Gelobet seist Du! Belebe mein Kindlein, Mein Herz und mein Blut, Sonst wollte ich lieber Hinab in die Fluth; Zurck in die Tiefe, In Wassers Gewalt, Wo unser Nothschu In Klften verhallt'. Das Auge sie hebet Zum Himmel empor, Da schlaget, horch pltzlich Ein Schrei an ihr Ohr. Ei, sieh' da, das Kindlein, Das Kind ist erwacht, Sein Mund hat geschrieen. Sein Aug' hat gelacht! Es sinkt in die Kniee Die Mutter am Strand Und rufet ganz trunken! O sehet doch Gottes Hand! Die Mnner, sie wenden Verwundert sich um Und geben das Kindlein In die Runde herum. Sie heien es Jeder Willkommen am Land! Und murmeln dazwischen O sehet doch Gottes Hand! Die Heimchen. Hrst Du, wie die Heimchen zirpen? Wird es Dir nicht heimlich so? Ist es nicht, als wenn Dir riefen Freundesstimmen irgendwo? Dst're Nacht im Krankenzimmer, Strme drauen, Strme drin, Feuersbrunst am dunklen Himmel, Heie Gluth um Herz und Sinn. Sehnend mich nach neuer Schpfung, Mich nach ros'gem Morgenlicht, Sa ich still beim Lampenscheine, Kummer in dem Angesicht. Horch da, pltzlich Heimchen sangen, Traulich, heimlich ward es so, Als wenn Freundesstimmen riefen, Trstend, hoffend irgendwo! Heimchentne, Heimchenworte, Klangvoll fing's zu sprechen an: =Wer die= Kehlchen singen lehrte, =Der= auch Heilung schaffen kann! -- Der Barde. Fr eine Dame schn und hold, Fr Minnetreu und Minnesold, Des Barden hchstes Gut, Verspritzen wir das Blut. Der Barde liebet Ehr' und Recht, Er ist der Erste im Gefecht, Fr Mortimer von Lewellyn[1] Bis in den Tod die Barden ziehn. Fr Wales, unser Vaterland, Gesegnet schn von Gottes Hand Fr seine Berge und grne Seen Die Barden Alle fr Einen stehn. Anmerkung: [1] Der letzte der selbststndig regierenden Frsten von Wales. Am Rhein. Auf Bergeshh' Den Pfad entlang, Auf off'ner See Beim Harfenklang. Im Frhrothschein, Bei blauer Luft, Am Rhein, am Rhein Beim Kruterduft. Im Himmelsraum Den Vgelschwarm, Im Hirn den Traum, Ganz sonder Harm. Im Abendroth Das Thal hinab, Und dann, dann todt, Allein, im Grab. Die Judenkirsche. (_Physallis Alkekengi_). Ein kleines, ernstes Bumlein, Streckt seine Zweige aus, Es lie nicht gern sich essen Und Ha war drum sein Loos! Roth sind die schnen Frchte, Die Blthen wei wie Schnee, Es zeuget die Geschichte Von Bumchens Schmerzensweh! Sympathie und Antipathie. O, menschliche Wohlfahrt und menschliche Freiheit, Euch beide die Seele mit Liebe umfat, O menschliches Elend und menschliche Bosheit, Wie seid ihr mir beide so tief doch verhat. Und sollt ich die Ersten auch niemals erblicken, Und schlgen die Letzten mir stets ins Gesicht, Ich hng' an den Ersten mit ew'gem Entzcken, Im Leben verlocken die Letzten mich nicht! -- Das scheintodte Kind. _Nocturno._ Strmisch ist die Nacht Kind im Grab erwacht, Seine schwache Kraft Es zusammenrafft. Machet auf geschwind Ruft das arme Kind, Sieht sich ngstlich um: Finster ist's und stumm. Ueberall ist's zu, Mutter, wo bist Du? Stoet aus den Schrei, Horchet still dabei; Und in seiner Qual Klopft es noch einmal Sieht sich grausend um: Finster ist's und stumm. Streckt die Aermlein aus, Hmmert schnell drauf los, Ruft entsetzt und laut: Hrt, ich bin nicht todt! Lehnt sein Haupt am Arm: Da sich Gott erbarm', Lebt man ewig so? Und wo stirbt man, wo? Ach, man hrt mich nicht, Gott, ach nur ein Licht! Sieht sich nochmals um! Finster bleibt's und stumm. Stier und starr es tappt, Und am Sarg' es klappt, Horch, da strmt sein Blut Durch des Nagels Hut; Aus dem warmen Quell, Sprudelt's rasend schnell Endlich stirbt das Kind, Froh die Engel sind! Strmisch ist die Nacht, Bltter rauschen sacht, Niemand sah sich um: Finster blieb's und stumm! Logik. Es hrt ein wack'rer Kriegersmann Sich dies Geschichtchen einmal an, Dem Tod konnt er ins Antlitz sehn, Doch jetzt im Aug' ihm Thrnen stehn. Ein Leichenhaus, ein Leichenhaus, Ruft er aus vollem Halse aus, Wir wollen nicht auf bloen Schein Beseitigt und begraben sein! Wir wollen, alle Wetter auch, Nicht halten an dem dummen Brauch, Da man mit uns zu Grabe rennt, Als wenn man's nicht erwarten knnt'! Fr Todte haben Gelder wir, Und um Lebend'ge handelt's hier! Man shnt wohl solche Grausamkeit Nicht mehr in aller Ewigkeit. Fr Tnzer giebt es Raum und Zeit -- O, tiefbethrte Menschlichkeit! So lang' nicht Leichenhuser sind, Seid alle ihr so schlecht als blind! Natur und Mensch. Es blinken die Sterne hinab auf das Moos Es regt sich das Blttlein im Moose, Im Schatten der Palme dort riesengro, Dort wchst eine purpur'ne Rose: O Blttlein mein, so frisch und klein, O duftiges, purpurnes Rselein! Es blinken die Sterne hinab auf das Moos, Es hpfet ein Vglein im Moose, Im Schatten der Palme dort riesengro, Erblhet die Wundermimose: O Rslein mein, Mimslein mein, Und lustiges, hpfendes Vgelein. Es funkeln die Sterne hinab auf das Moos Es birgt ein Gesicht sich im Moose, Ein weinend Gesicht, und riesengro Die Thrne, allberall groe: -- Und Thrne und Blut bis zum Himmel reicht, Und allerlei Schnheit auf einmal erbleicht. Poniatowsky. Ich sa am Fu des Berges Und trumte mancherlei, Die kleine, frische Elster, Sie pltscherte vorbei. Was hast Du zu erzhlen, Du schmales Silberband, Was wir nicht schon gehret, Was uns nicht schon bekannt? Was Dir bekannt geworden, Durch der Geschichte Mund, Das waren bunte Muscheln, Doch Perlen beut mein Grund. Ich sa am Fu des Berges, Und trumte mancherlei Die kleine frische Elster, Sie pltscherte vorbei. Komm her, la Dir erzhlen, Du fremdes Menschenkind, Einstmalen Ro und Reiter In mir versunken sind. Versteh' mich recht, dem Polen, Die Hoffnung gnzlich sank; Er strzt sich in die Tiefe, Es hie: da er ertrank; Er =lebt= in meinen Fluthen, Singt nchtlich einen Sang, Wie ein Gebet so klingt es, Doch traurig, weh und bang; Er =lebt= in meinen Fluthen, Und weint um's Vaterland, Die Thrnen werden zu Perlen, Man fischt sie an das Land. Das Mdchen an der Donau. Genrebild. Frischer strahlt im Morgenglanze Uns're junge Erde noch, Und das Mdchen pflckt zum Kranze, Klettert auf der Berge Hoch. Schn ist's auf der Berge Rcken, Schn im schatt'gen Thalesgrund, Und es lchelt voll Entzcken Still des Mdchens kleiner Mund. Auf der Hhe steh'n noch Reben, Von der Trauben Zahl gebckt, Und ein Krbchen dicht daneben, Dem das Mdchen nher rckt. Schnell sie nimmt und stecket denkend Von den Beeren in den Mund, Und das kleine Kpfchen senkend, Blickt sie abwrts in den Grund. Bricht noch saft'ge Trauben viele, Vollgepflckt schon's Krbchen steht, Doch sie ist noch nicht am Ziele, Still und rasch sie weiter geht. Zu dem Strome, der hinunter In die weite Eb'ne eilt, Unser Mdchen, rasch und munter, Gern beim wilden Strom verweilt. Heller strahlen ihre Blicke, Frhlich frbt die Wange sich, Und auf ein'ge Augenblicke Setzt das wilde Mdchen sich. Stiert hinunter in die Welle, Stiert hinunter in die Fluth, In den Augen spiegelhelle, Eine schne Thrne ruht. Das rothe Blmlein. Ein rothes Blmlein auf grner Au, Ein kleines Wlkchen an Himmels Blau, Ein feines Mgdlein im leichten Kahn, Es eilet, es eilet die Fluth hinan. Das Blmlein zittert auf grner Au, Das Wlkchen am Himmel wird schwarz und grau Das Mgdlein bebet im leichten Kahn, Und mchtiger eilet die Fluth hinan. Das Blmlein zerstoben auf grner Au, Das Wlklein verschwunden am himmlischen Blau. Das Mgdlein versunken im leichten Kahn, Es steiget die Fluth die Hhen hinan. Was strmst Du, Fluth, den Himmel hinan? Was willst Du, Du grulicher Wassersmann? -- O stolzer Knabe, sei ruhig, sei still, Dein Spiel und Dein Traum und Dein Lieb ich will! -- Mein Spiel ist hin, und mein Traum ist hin, Was kmmt Dir thrichter Mann in den Sinn! Mein Lieb lebt unter der brausenden Fluth, Und nimmer verlischt uns're Liebesgluth. Das rothe Blmlein, das war mein Spiel, Dem Wlkchen am Himmel traut' ich so viel, Dem Mgdlein folgte mein ganzes Herz, Durch Htte und Kerker und Noth allerwrts: Und schlgt die Woge auch ber ihm her, Das Mgdlein erstehet aus Nacht und Meer. Ich seh' es behalten so wohl auf dem Grund, Als wie es mir noch vor den Augen stund. Der deutsche Tribun. Es stand ein zierlicher Jngling Auf einem Hgel von Stein, O drfte ich, rief er, hinber -- Hinber bis ber den Rhein! Der Strom zu meinen Fen, Mit seinem lieblichen Grund, Steh' trumerisch ich am Ufer, Schon manche so lange Stund'! Wohl bin ich ein echter Deutscher, Verbannet, doch ohne Grund, Ein Deutscher schon tausend Jahre --! Und spttisch gar lchelt sein Mund. Ein Deutscher, trotz schwarzer Locken, Der Falte in Mitten der Stirn, Dem trbe und bleichen Antlitz, Und einem so glhenden Hirn! -- Wer war's, der sich so sinnig An jenen Fels hat gelehnt? So wahrhaft sich und so innig Nach Deutschland hat gesehnt? Er war es, der wackere Brne, In dessen Brust es so schwl, Der Deutschland so ernsthaft liebte, Mit sdlichem Gefhl! -- Den Deutschland einst verstoen, In Deutschland einst verpnt, Und der sich darum nicht minder Nach Deutschland hat gesehnt. Die Jagd. Hell der Himmel ist erleuchtet. Sonnenstrahlen hin und her, Frischer Thau den Rasen feuchtet, Silbern glnzt das Jagdgewehr. Eine Jagd ist's! Blutig jagend Eilt der Jger durch den Wald, Fr das Bse Alles wagend, Mordruf weit und breit erschallt! Aufgescheucht flieh'n junge Rehe, Von dem blut'gen Schauplatz fort, Doch der Jger Todes-Nhe Eilet nach von Ort zu Ort. Mit der Hast, dem wilden Grimme Der das Bse gern beschnt, Der betubend jene Stimme Ernsten Mahnens nicht verhhnt. Bei dem blut'gen Reh daneben Steht der Schtze blutig roth: Rche, Gott, mein schuldlos Leben, Fleht das Thier vor seinem Tod. Trotzig glnzt des Waidmann's Miene Bei des jungen Rehes Blut, Und es war, als wenn's ihm schiene Heute htt' er Glck und Gut! -- O da ich den Bock erwische! Und so sprengt er rasend fort, Und bleibt hngen im Gebsche, Und das Ro trabt weiter fort. Schleift den Jger zu der Haide, Wo das Thier getroffen liegt, Still am Boden liegen Beide, Schuldlos Reh hat obgesiegt! Endlich macht es eine Runde, Endlich steht das muth'ge Ro, Und in selbiger Sekunde Geht des Jgers Bchse los. Trifft des Jgers stiere Blicke, Schmerz durchzuckt sein Angesicht: Jger, traue Deinem Glcke, Deiner wilden Jagdlust nicht! Amerika. Amerika, Du Land der Trume, Du Wunderwelt, so lang und breit, Wie schn sind Deine Kokosbume, Und Deine rege Einsamkeit! Mit Deinen blau und rothen Vgeln, Mit Deinem stolzen Blumenheer, Mit Deinen tausend Schiff' und Segeln, Von denen voll Dein weites Meer! Mit Deinen smaragdgrnen Blttern, Mit Deiner duftig khlen Nacht, Zu nahn Dir auf des Schiffes Brettern, D'ran hab' als Kind ich schon gedacht! Trotz Deiner prchtig bunten Schlangen, Trotz Deiner heien Sonnengluth, Gilt Dir mein eifriges Verlangen, Das mchtig nun und nimmer ruht! Das Wldchen. Ein Wldchen sich erhebt, Sprot frhlich himmelan, Ob unser eins noch lebt, Wenn einst die Axt daran? Man pflanzt den Berg mit Wein, Der Muskateller bringt, Ob wir noch lebend sein, Wenn er im Becher blinkt? Ein Rosenknspchen blht, Und morgen auf es bricht, Ob es mein Aug' noch sieht Wei Gott, ich wei es nicht! Wollte Gott. Die dunkelgrnen Tannen Auf grnem Rasenland, Darber Sonnenstrahlen Und Himmel ausgespannt. Die Sonne ist gesunken, Die Senner gehn nach Haus, Zerlumpte, bleiche Leute, Sie sehn gespenstisch aus. Ihr schnen grnen Tannen, Ihr glnzt im Abendroth, O wollte Gott, so hinge An euren Zweigen Brot! Was ist das Beste? Ein Liedlein tnt von Ferne: Was ist das Liebste Dir? -- Die Augen und die Sterne, Sie sind das Liebste mir. Ein Liedlein tnt von Ferne: Was ist das Schnste hier? -- Das Schnste und das Liebste, Das ist der Himmel mir! -- Und sprich, was ist das Grte Und Allertreu'ste Dir? -- Das Grte ist der Glaube, Das Treu'ste Tugend mir. Und weiter tnt es ferne: Was ist das Beste hier? Das Beste ist die Mutter, Das Allerliebste mir! Kennst Du das Land Wo die Lianen blhn Und himmelhoch Sich rankt des Urwalds Grn? Wo Niagara aus dem Felsen bricht, Und Sonnengluth den freien Scheitel sticht? -- Kennst Du das Land Wohin Mrtyrer ziehn, Und wo sie still Wie Alpenrslein glhn? Kennst Du das Land, kennst Du es nicht? Die zweite Heimath ist's, so mancher spricht! Fest-Romanze. Reich bekrnzet glnzt die Stadt, Bunte Fahnen, Flaggen wehen, Ehrenpforten blhend stehen, Und des Frsten Stirn ist glatt. Gases Flammen, wie im Traum, Bllerschsse und Raketen, Macht die Gegend rings errthen, Und das Jauchzen endet kaum. Ueber'm Knotenstock gebckt, Steht ein Greis mit langen Haaren, Dster seine Zge waren: Thor und Thoren sind geschmckt -- Spricht er lchelnd -- doch frwahr, Ehrenhafter wrd' es klingen, Wrde Dir ein Vivat bringen Unsrer Bettler groe Schaar! Atheismus. Es gleitet das Schiff durch pechschwarze Klippen, Schon ghnt es der bannende Abgrund an -- O wollte die Mannschaft den Himmel erblicken -- Der Himmel allein sie erretten kann. Nichts and'res kann retten -- verhllen die Sterne Weinend ihr Haupt und strahlen euch nicht -- Und Wetterwolken bedecken am Tage Der heiteren Sonne weitreichendes Licht. -- Auch auer dem Wetter, im eigenen Herzen Beginnt ein Kampf um das Ja und das Nein -- Um Hhe und Tiefe und Helle und Dunkel, Um hheres oder niederes Sein. -- Um Leben fr immer, um Sterben fr immer -- Um ewigen Unsinn und ewigen Zweck -- O verlscht nicht das Licht bei der finsteren Brandung -- Das Schiff der unglcklichen Menschheit ist leck. Stimmung. Dster liegt die Welt mir da, Wie ein des Meer. Und der Abgrund ist so nah, Und er reizt mich sehr. Drin vergessen und versenken, Selbst das Schne mit, Nichts mehr fhlen, nichts mehr denken, Erde, wir sind quitt! -- Keine Lust ist's, keine Wonne, Aber mehr als das! -- Keinen Schatten, keine Sonne, -- Keine Lieb', kein Ha! -- In dem Nichts die Freiheit lieget, Nicht Notwendigkeit -- Und von fern es schon besieget Alles Muß« und Leid. Dster liegt die Welt mir da, Wie ein des Meer, Aller Welten End' ist nah, Und es reizt mich sehr. Ein Frauenbild. Auf dem weichen grnen Rasen Kniet ein Frauenbild, Ihre Arme gegen Himmel, Lchelt sie so mild; Sanft sich ihre Lippen regen, Lispeln hrbar kaum, Ihre Blicke schweifen trunken In des Himmels Raum! Groer Gott, Du hast willfahret Meinem still' Gebet, Groer Gott, nur Dank und Freude Sei von Dir gefleh't. Englein steigen auf und nieder, Und der Morgen graut, Und das Herz der Jungfrau bebet, Und die Rose thaut. Einen Blick noch zu dem Himmel, Einen Dankesblick, Einen Blick erhab'ner Klarheit, Ruh' und Seelenglck. Und das Haupt die Jungfrau birget In dem weichen Gras, Andachtsschauer hebt die Seele, Und ihr Aug' wird na. Gieb mir eins noch, Gott der Gnade, La mich =dankbar= sein, Treu und dankbar, Gott der Gnade, Und mein Herz bleib' rein! Wit ihr wohl, wer so erglhet Sprach das Dankgebet? Die's gewesen, lieber Leser, Selber vor Dir steht. Kanarienvgleins Traum! Es bettet sich das Vgelein In seinem eignen Flaum, Es hllet sich das Kpfchen ein, Und trumt den schnsten Traum. Vom blauen Himmel -- lebenslang -- Vom dunkelgrnen Hain, Von seinem eigenen Gesang, Harmonisch klingend, rein; Von einer schnern bessern Welt Bei stetem Sonnenschein, Aus Morgenroth gewebt ein Zelt, Darunter Gro und Klein; Des Sngers gleichgestimmte Brust, So treu und hochgesinnt, In Wonne, berird'scher Lust, Vereint die Knstler sind: Ein schn Duett, so khn, so zart, Wird aufgefhret bald, Kein einz'ger Miton, rauh und hart, Aus ihren Kehlen schallt: Nur himmlisch Licht, Gerechtigkeit, Nur Klarheit, Himmels Bild, Verschwunden Unbill, Neid und Leid, Nur Englein strahlend mild! Kanaria's Flug, Kanaria's Traum Im Himmel Sieben schwebt, Erwachend aus dem eignen Flaum Das Vglein sich erhebt. Des Kfigs Wand, des Kfigs Luft! -- Das Vglein fat sich schnell: Die Wirklichkeit ist enge Kluft, Der Traum ein Lebensquell. Gegen die Vivisektion. Ein unbekanntes Band der Seelen kettet Den Menschen an das arme Thier, Das Thier hat einen Willen -- _ergo_ Seele -- Wenn auch 'ne kleinere als wir. Ein Mensch, mibrauchend die Gewalt und Strke, Ein lebend Herz zerreien -- wie? Wer gleicht denn hier dem wilden Thiere, Ist es der Mensch, ist es das Vieh? -- O erklret mir das Rthsel Der umringenden Natur, Zu den Wundern, zeiget, gebet Mir nur eine einz'ge Spur! Unbegriffen, unverstanden, Seh ich sehnsuchtsvoll mich um, Fragend all das Welten Chaos: Und das Chaos bleibet stumm. Welten Chaos, Menschen Chaos Chaos in des Menschen-Brust, Heil'ge Liebe, glhend Hassen, Dster Gram und heit're Lust! Wie es lodert, wie es flammet, Finstre Wolke, schwanker Kahn, Heil'ger Muth und ses Hoffen: Bleibet in dem morschen Kahn! Der Leuchtthurm. Ein Morgen, ein schner Morgen bricht an, Ein Morgen voll goldener Sonnen! Es reifen die herrlichsten Frchte alsdann, Von ewiger Dauer umsponnen. Ein Morgen, ein schner Morgen bricht an, Ein Morgen voll goldener Sonnen! Wann bricht er, wann bricht jener Morgen an, Dess' Roth noch heut nicht begonnen? Der Morgen, der goldne, dem Welttheil gleicht, Entdeckt in groen Gedanken, Der muthige Denker, der khn ihn erreicht, Er trat mit der Welt in die Schranken. Der Morgen, der goldne, dem Leuchtthurm gleicht, Ersphet auf brandigen Wogen, Ob Brandung das Schiff, das Schiff ihn erreicht -- Das Licht, es hat nimmer gelogen! Die Nacht ist da und die Brandung ist da, Der Leuchtthurm, er strahlet von ferne, Ob wir uns ihm nahen, ihn sehen von nah -- Dran zweifle ich, Gott wei es, nicht gerne! Doch da ihn dereinst, doch da ihn dereinst Das Schifflein noch jubelnd begre, O knftige Mannschaft, ich wei es, -- Du weinst -- Alsdann erst die Thrne, die se: Der frheren, vorigen Mannschaft geweiht, Die strandend das Licht noch erblickte: Das herrliche Licht der Brderlichkeit, Trotzdem sie die Finsterni drckte. Die Zugvgel. Lieben Vglein, singet ihr, Was und welches Lied? Ob vom kalten Norden hier, Ob vom heien Sd, Ob von Schneelawinen nur, Wo die Raben schrei'n, Oder wo auf Kaktus Flur Kolibris gedeih'n? Ob wo Eichenbltter weh'n, Herbstlich rosenroth, Oder wo auf Baumes Hh'n Wchst das Wunderbrod? Heier Sden, kalter Nord, Sag't wo's besser ist, Sag', mein Vglein, sag' auf's Wort: Wo du lieber bist! Am Scheidewege. Weicher wurden meine Saiten, Dstrer ward mein Blick, Sprich, wie soll ich Dich mir deuten, Rthselhaft Geschick? Bessere Gefhle ringen Sich in meiner Brust, Besserem wird schwer Gelingen --, Schadenfrohe Lust! Nicht mehr grad' wie Pol zum Pole, Fass' ich's im Begriff, Von dem Scheitel bis zur Sohle, Gleicht's unsich'rem Schiff. Aus dem positiven Grunde Ward ein Frhrothschein, Trau' mein Urtheil kaum dem Munde, Knnte irrig sein. Als da leuchteten die Sterne, Holden Glckes Schein, Kannt' ich in der weitsten Ferne Jeden Punkt allein. Wie mit Seherblick begabet, Traf ich Alles recht, Ob ihr Falsches, Bses gabet, Kannt' es gleich fr schlecht. Helle Sterne untergingen, Dunkel mich umgiebt, Wolken lagern auf den Dingen, Kenn's nicht, was mich liebt. Kann es schwer nur unterscheiden Was da falsch, was echt --, In der Finsterni der Leiden, Wird das Auge schlecht. Kehret wieder, goldne Sterne, Holden Glckes Schein -- Da ich finde in der Ferne Jeden Punkt allein. Zur Erinnerung. Vergimeinnichtblthen Zu pflcken am Strand Dem Bchlein gebieten Mit kindischer Hand, Den Nachen umlenken, Und wieder zurck, Die Blthen verschenken Mit gromth'gem Blick: Das waren die Spiele, Das kindliche Glck, O ruft mir Gefhle Der Kindheit zurck! Vogelin-Prinze. Es war einmal ein Vgelein, Kanaria von Geschlecht, Es war so schn, so gelb, so fein, Wie's Vgeln eben recht. Doch ach, das arme Vgelein Im goldnen Kfig sa, Und mit den kleinen Aeugelein Den groen Himmel ma. Ein frecher Sperling flog vorbei, Und sang ihr zum Exce: Ich lieb' Dich bis zur Raserei, O, Vogelin-Prinze! O, Vogelin, Dein Kpfchen klein Gefllt mir gar zu gut! Da kocht des stolzen Vgelein Kanarisch heies Blut! Ich mag Dich nicht, ich brauch' Dich nicht, Mir ist nach Dir nicht bang, Wohl sehn' ich mich nach Himmelslicht, Und nach des Knstlers Sang! Doch nach des frechen Sperlings Lied War mir noch niemals bang, Denn -- singt sie himmlisch -- nie erglht Mein Herz bei nied'rem Klang! -- Selbst noch eine Menschenblthe, Trug ich Kummer im Gemthe, Gro genug fr eine Welt. Jeder Wahn, der sie bethrte, Den sie -- grausam -- hoch verehrte, Diese kleine Menschenwelt. -- Sieh, er ward in mir zur Wunde, Blutend, schmerzend, Tag und Stunde, Immer tiefer dringend ein. -- Fremden Ha und eigne Schmerzen, Trug ich in dem weichen Herzen, Wandte aufwrts meinen Blick: Helfen mcht' ich, lindern, retten, Glck an dieses Weltall ketten, Rosig bilden sein Geschick. Diese Freuden, diesen Segen, Betend sich die Lippen regen, Gott mich's ahnen lie! Innere Stimme. Der sonnige Morgen, der bluliche Teich, Die lock'gen bethaueten Reben, Sie spiegeln mir wieder, an Reizen so reich, An Wundern, das herrliche Leben. Den Gott im Herzen, die eherne Macht, So wandle ich voll Hoffnung auf Erden, Es spricht in mir laut, die Allmacht sie wacht, Die Hoffnungen werden Dir werden! Nur allein kann ich erstarken, Nur allein spriet mir die Kraft, Tret' ich in des Kampfes Marken, Mit des Muthes Eigenschaft. Sag' ich los mich jenem Jammer, Jenem tiefen Seelenweh -- Meine Lenden grt' ich strammer Und gepanzert fest ich steh! Fest wie eine Memnonsule Unter mir den Staub der Welt, -- Ob mein Blick auch drauf verweile -- 's ist der Blick von einem Held. Fest wie eine Memnonsule, Schwarzer Marmor ist mein Kleid, Doch nicht mig ich verweile, In der Wsten Einsamkeit. Pflegend nicht wie jener Knig Von Aegypten feiger Ruh', Der ist gar nichts oder wenig, Der dem Bsen siehet zu. In die Enge, ins Gedrnge Strz' ich mich mit lautem Klang, Singe vor der ganzen Menge Ew'ger Wahrheit groen Sang. Willst Du nach den Sternen fragen, Werden sie Dir Antwort sagen? Schnheit freilich ist es nicht, Was nur aus dem Staube spricht; Schn ist nur das Groe, Reine, Meer und Feuer, Sonnenschein, -- Schn ist auch Vergimeinnicht, Und ein treues Augenlicht! Alles Gute, Freie, Biedre! Aber alles andre Niedre, Hlich, scheulich, ekel ist: Duftig nimmer ist der Mist. -- Hoffnungsschimmer. Hoffnungsschimmer, Licht des Lebens, Lsche niemals gnzlich aus, Dunkler wird's sonst in dem Herzen Als im dstern Erdenschoo! Sieh der Frhling ist Dein Abbild! Wenn das erste Grn erspriet, Dann die Seele, hell vor Freuden, Dich in ihre Arme schliet. Lockst selbst Kinder in die Weite. Sei ihr Wnschen auch gering, Sei's auch nur ein kleines Blmlein, Dem das Aug' mit Lieb' anhing. Sprichst Du nur: ihr werdet's finden, Freudig sind sie gleich bereit! Liebe Hoffnung tusch' sie nimmer, Mit den Kindern hab' Mitleid! Leucht' auch mir voran auf Erden, Leit' mich bis zum Jenseits hin, Zum Gestade voller Hoffnung, -- Wo enthllt der Hoffnung Sinn! Nicht bei der Leidenschaft trbem Feuer, Nur bei der Weisheit strahlendem Licht, Schaue die Dinge, die Gott geschaffen, Das wie und wann, -- das ergrndest Du nicht. Schaue die Wunder, die groen und kleinen: Leuchtende Sterne in dsterer Nacht! Doch verschmh' ob des Glanzes von tausend Sonnen Keinerlei Rsleins bescheidene Pracht. O Mensch, Du trittst mit Fen tausend Wunder, Und tausend Wunder sie umgeben Dich, Und tausend Wunder in den Lften fliegen, O Mensch, und Du beklagest Dich? Knie' nieder in dem weiten Welten-Raume, Ist's Tag, so knie' im goldnen Sonnenschein, Ist's Nacht: hoch ber Dir die Sterne leuchten, -- Und Dein Gebet sei Dank allein! Phantasie. Die sanften blauen Lfte, sie flsterten mich ein, Mir trumte, ich sei auf Erden ganz mutterseelenallein: Es war so bunt und ppig, es war so frisch und grn, Ich sah zum ersten Male purpurne Rosen blhn! Ein buntes Heer von Blthen umgab das Rasenland, Vergimeinnicht und Epheu sich um die Felsen wand, Und tief aus hohem Grase, da schauten lieblich scheu Hervor die blauen Veilchen, so schchtern und so treu. Es wiegten in den Wipfeln der hohen Palmen sich Die schnsten Papageien und grten jubelnd mich; Mein Herz schlug laut und lauter, doch ich vernahm es nicht, Denn voller Freud' und Staunen sah ich ins Sonnenlicht! Sah ich zur Erde nieder, zu allen Blumen hin, Und fhlte wonnetrunken, da ich so selig bin. Die frischen, jungen Rosen, die Lilien wei und schlank, Die tausend kleinen Blthen, und all der Vgel Sang. Sie schienen mir zu sagen, sie htten auch ein Herz, Sie wollten mit mir fhlen und theilen Freud' und Schmerz! Zwei Nachtigallen riefen einander liebend zu, Und dem Gesange folgte harmonisch tiefe Ruh'! Ich sah die Sonne scheiden mit trbem Angesicht, Ich wut' nicht, was es wre, und sah ins Mondenlicht, Die Schmetterlinge flogen zu Myrthenbschen auf, Ich blickte immer hher und sah der Sterne Lauf. Verwundert und erhoben, schaut' endlich ich ins Herz, Und fhlte drin vereinigt die Sehnsucht, Lieb' und Schmerz, Da fragt' ich mich ganz ernsthaft, wer schuf das Schne, sprich, Sprich, Seele, Herz, o sage: erschufst Du selber Dich? Da rauscht es in den Palmen, mich fat ein selig Weh! Wer schuf mich und was bin ich, wer schuf das, was ich seh'? Mein Auge hatte Thrnen, vernehmlich rief's in mir: Er schuf aus Liebe alles, er schuf das Herz in Dir! Gerecht ist er und weise, die Gre ist nur er, Und heilig ist sein Name, er lautet: Ewiger! Erhebe Dich, erkenne wie er unendlich gut, Doch mehr kannst Du nicht wissen, Du klebst an Fleisch und Blut! Du kannst das nie ergrnden, was unergrndlich ist, So wie Du nicht ergrndest wie tief die Tiefe ist. -- Nur leise wehten Zweige durch blaue Frhlingsluft, Des Mondes bleiche Helle schien in die Felsenkluft. Ich war bewegt und setzte mich an des Meeres Strand, Sah in die Hh' und Tiefe, sah in der Wellen Brand; Gerhrt und dankerglhet, rief ich: o Allmacht mein, Die Gnade und Erbarmen und Liebe, sie sind Dein! Ich weinte Freudenthrnen, schon schien das Dmmerlicht, Der Thau sank auf die Palmen, wie auf's Vergimeinnicht, Da kam der Morgen wieder, vorber war die Nacht, Mich dnkt, als wenn ich schliefe -- ich war erst aufgewacht! Der Sinn der Ferne! Erd' und Himmel rollen in einander, Nur ein einzig Sternlein blinket noch, Wie ein blaues Aug' im dunklen Wetter, Strahlt es an dem Himmelszelte hoch. Jenes Sternlein birget ferne Welten, Und Dein Blick, er trgt Dich sonnenweit: Wer rief Stern' und jenen Sinn der Ferne In das Leben unsrer Wirklichkeit? Mast und Segel schwimmen auf dem Meere, Wer schafft dieses Ungewitters Sturm? Und die Schlange in den schwarzen Wolken, Und den kleinen rothen Todtenwurm? Menschheit, unter Wrmern steh' mir Rede, Armes undankbar-verwhntes Kind: Trgt der Zufall meilenweit die Blicke, Ist's nur Zufall, da wir sterblich sind? Unser Jammer brgt fr Ewigkeiten, -- Und das offne nimmersatte Grab! Doch ein Gott erschuf den Sinn der Ferne, Und wir sinken drum getrost hinab. -- Tausend Mcken tanzen in der Sonne, Tausend Sonnen in des Himmels Raum, Brgt fr Wirklichkeit nicht das Gescheh'ne? Ist die Gre klein genug zum Traum? O selbst Traumgebilde, sie sind Wahrheit, Trum'risch nur von uns zusamm'gestellt, -- Was nie war, wird von uns nicht geschaffen -- Aus dem Nichts schuf Gott nur eine Welt! -- Fr die Ostpreuen. Dstre Nacht und lange Schatten Ueber Land und ber Meer, Auf des Vaterlandes Matten Schleicht das Elend hin und her; Dstre Nacht und lange Schatten Ueber Land und ber Meer, Die Gestalten, bleichen, matten, Rcken immer, immer nh'r! -- Da -- ein Leuchten lngs des Meeres -- Ach, der Liebe Sonnenschein, Strker als die Macht des Heeres -- Rcket in die Nacht hinein. Spricht zum Elend: horch, ich lehr' es, Da zuletzt der Sieg doch mein! Ausdauer. Wenn ich so in Unruh' lebe, Zwischen Angst und Hoffnung schwebe, Sagt mir Etwas: habe Muth, Noch 'ne Weile, dann wird's gut. Einst noch, ja auf Erden hier, Wird ein Ruhehafen Dir, Wie Oase in der Wste, Leuchtet Dir die schne Kste! Und zu diesem sichern Port, Auf zu diesem Wonneort, Wird Entsetzen, Qual und Bangen -- Diese Fluthen nie gelangen! Dort Du auf vergang'ne Strme, Die vor Dir einhergebraust, Wie auf kleine Kartenthrme Gleichgltig herniederschau'st. Ja, es wird Dir Freiheit, Frieden, Wonn'ge Ruhe noch hienieden, So ward es von Gott beschieden: Sei inde damit zufrieden! Das Paradies verschwand, Die Erde vor mir stand Ganz schwarz und anzubaun: Mich fat ein tiefes Grau'n. Doch fat' ich mich geschwind, Und rasch, wie Seltne sind, Ward ich ein Ackersmann Und fing die Arbeit an; Bald ward die Erde grn, Und tausend Blthen blhn, Das Paradies von Neu Erstand, bei meiner Treu! Arglos und harmlos, Durchs Leben hin, Kommt mir das Bse Nicht in den Sinn! Arglos und harmlos, Glcklich ich bin, Hr' ich das Bse, Denk' ich nicht hin! Und kaum ist's verhallt, Vergess' ich es bald, Vergesse um zu vergeben, Vergebe, um zu erheben. Zum reinen Leben, Durch gt'ge Gewalt. Dem Kaiser Wilhelm I.[2] Sonett. Staunest ob der Alpenhhe, Sinkest nieder vor den Sternen, Vor dem Glanz des Meteores Aus den unbegriffenen Fernen; Staun' nicht ob der Alpenhhe, Sink' nicht nieder vor den Sternen, Vor dem Glanz des Meteores Aus den unbekannten Fernen: An und fr sich sind sie wenig -- Wahre Gre wohnt im Geist -- Staune an den groen Knig, Den mit Recht man Ersten heit -- Jeder Zoll ein Kaiser-Knig, Der die Vlker mit sich reit! -- Anmerkung: [2] Als in Folge der Einreichung meiner Denkschrift ber die Notwendigkeit einer lngeren Frist vor der Bestattung an den hochseligen Kaiser smmtliche Regierungen veranlat wurden, =schleunigst= darber zu berichten, in welchem Umfange in den Ortschaften ihres Verwaltungs-Bezirkes fr die Einrichtung von Leichenhusern Sorge getragen ist. (Denkschrift bei W. G. Korn, Breslau, sechste Auflage.) An den Kaiser Friedrich, damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm. Eilst von Sieg zu Siege Pfeilschnell wie Achill, Held in jedem Kriege, Sprichst Du nur: ich will! Fliehen Feindesheere Und ergeben sich, Werfen weg die Speere, Unterwerfen sich! Doch in Deinem Ruhme, Dicht im Lorbeer, wchst Noch 'ne groe Blume, Menschlichkeit zunchst. Drum gewhre heute Was der Dichter fleht: Wenn des Todes Beute- Feld voll Leichen steht. -- Die Gefallnen lasse, Ob auch scheinbar todt -- Oft der Todten Masse Manch Lebend'gem bot; -- Die Gefallnen lasse Nicht vergraben bald, Heldenmienen, blasse, Sterben nicht sobald; Da nicht in der Tiefe Solch ein Held erwacht, Und nach Hilfe riefe In dem finstern Schacht! An Denselben. Die groen Bltter der Geschichte fallen, Das eine, Prinz, es ist ganz voll von Dir, Und alle Herzen, sie erobert's Dir, Und spter Nachwelt wird es noch gefallen. Wer sich des Schicksals, wie des Sieg's bemeistert, Gekrntes Leben in die Schanze schlgt, Ein groes Herz im Heldenbusen trgt, Zu aller Zeit der Menschen Sinn begeistert. Drum Heil dem Tage, Prinz, der Dich geboren, Du selber gleichst frwahr dem goldnen Tag, Dem Sonnengott vor Akropolis Thoren! Doch auch dem Aar vor unsern Siegesthoren: Da Dich die Siegesgttin stets begleiten mag! Die Poesie. Die Poesie, die Poesie, Die Poesie hat immer Recht, Sie ist von hherer Natur Von bermenschlichem Geschlecht. Und krnkt ihr sie, und drckt ihr sie, Sie schimpfet nie, sie grollet nie, Sie legt sich in das grne Moos, Beklagend ihr poetisch Loos! Zu einem Gemlde, welches nach dem Tode Kaiser Friedrich des Dritten erschien. Bist als Meteor erschienen Unsrer kalten Wirklichkeit, Ach erschienen und entschwunden All zu frh zur Ewigkeit. Gabst die Liebe zur Parole, Zum Panier Gerechtigkeit, Da sie eine Wahrheit werde Die ertrumte Menschlichkeit. Und erwrmet ward die Erde, Aufgericht't das Ideal Von des dritten Friedrichs Geiste, Seines Herzens warmen Strahl. Dritter Friedrich Du wirst leben, Hier und dort der Edle lebt, Unvergessen bleibt auf Erden Wer schon hier zum Himmel schwebt. An L. zu P., welche unbekannter Weise meine Handschrift oder einen Vers von mir wnschte. Einen Vers hast Du bestellt, Poesie scheint Deine Welt, Denn Wer selber Poesie Liebet und verehret sie. Zeige Du Dein eigen Sein, La mich in Dein Leben ein, Auch das Herz ist stammverwandt -- Sympathie von Gott gesandt. Kleine Blthen, Rselein, Alle unschuldsvoll und rein, Whlte tief bewegt ich aus Ach, zu einem Abschiedsstrau. Ferne sang ein Vgelein: Menschenherz, so gro und klein, Buntester Gefhle Strau, Schau'st so treulich heute aus! Vgelein, Dein Lied ist wahr, Dankestreue in mir weilt, Beten werd' ich immerdar: Jenen, der heut von uns eilt, Gott im Himmel ihn bewahr Aller Orten, wo er weilt! Poesie ist Leben, Prosa ist der Tod, Engelein umschweben Unser tglich Brod. O sieh, wie sich's thrmt, Die Welle sich bumt, Das Ufer ergrnt, Von Blumen besumt. Es nh'rt sich das Boot, Die Woge, sie schumt. Das Mgdlein, da drin, Das Mgdlein, es trumt! Und ber dem Haupt, Am Himmel aufwrts Ein Zeichen von Gold, Ein flammendes Herz! -- Es ist mir so federleicht ums Herz, Versunken ist der wilde Schmerz, Und wenn's mir so im Innern glht, Sing' ich euch bald ein neues Lied: Ein blaues Aug', ein goldner Stern, Ein rothes Wlkchen nah und fern, Ein Freundesherz, ein treuer Blick, Ein menschlich rhmliches Geschick. Die Welle steigt, die Welle sinkt, Ein brauner Nachen freundlich winkt, Ein frischer Ruderschlag ertnt! Wie man sich dort nach Sngern sehnt! Ade, ade, Du grne Welt, Der Snger ist der wahre Held, Greift er in seine Saiten ein, Stimmt bald die ganze Seele ein! Die ganze Welt, sie stimmt mit ein, Die Welt ist sein, die Menschen sein, Ade, ade, Du grne Welt, Der Snger ist der wahre Held! Die ganze Welt, sie stimmt mit ein, Die Welt ist sein, die Menschen sein, Ade, ade, Du grne Welt, Der Snger ist der wahre Held! Gemlde. Siehst Du die grnen Thler, Das dunkle Abendroth? Die schumend weien Wellen, Darauf das kleine Boot? -- Drin sitzet die Geliebte, Ein Engel wunderhold, Mit klaren groen Augen, Das Haar so licht wie Gold. Blmlein auf der Au, Blmlein, wunderblau, Sag' was zitterst so? Strmt es irgendwo? -- Bchlein silberblau, Bchlein durch die Au, Grtel ziehest so, Mndest irgendwo? Fischlein auf dem Grund, Mit den Aeuglein klein, Fischlein schlank und bunt; Wag' es Fischlein mein, Wag's zur guten Stund, Schwimm in's Meer hinein! Dem kleinen Prinzen B. von C. zum Geburtstage. Kleiner Prinz, wirst grer werden, Wandle wohlgemut auf Erden Dein sei Freude, dein sei Glck, C...land kehre Dir zurck. Deiner Ahnen hohe Ziele Waren keine Kinderspiele Menschenfreunde gab's dabei: Prinz, ein Freund der Menschen sei! Hebe hoch die freien Schwingen, La Dich nicht vom Feind bercken, Hlfe kann der Morgen bringen, Und die Bosheit geht in Stcken. Zu des Orkus finsteren Gewalten Lege ich mein lebensmdes Haupt, Ungeheuer, ffne Deine Falten, Viel hab' ich gestrebt und viel geglaubt! Jung und krftig und vom Muthe strahlend, Lebenswarm die Brust, das weiche Herz: Mitwelt, Deine Schuld bezahlend, Grbt die Nachwelt einst mein Bild in Erz. Vglein auf den grnen Zweigen, Die sich auf- und abwrts neigen, Freude hebet eure Brust, Klopfen hr' ich sie vor Lust! Frhlingswonne, Schwalben, Lerchen, Laut Geklapper unter Strchen, Wiedersehen, Reiselust, Hohe Freude in der Brust. Gnnet mir die Freudenfeier, Meine Seele athmet freier, Herr im Himmel, habe Dank Fr den innern Festgesang! Ein purpurnes Rslein auf grner Au, Ein gldenes Sternlein am himmlischen Blau, Ein singendes Vglein auf schwankendem Ast, Sag' an, was Du Schnres zu zeigen hast? Gar schn ist das Rslein auf grner Au, Gar prchtig das Sternlein am himmlischen Blau, Gar frei ist das Vglein auf schwankendem Ast, Und Freiheit und Schnheit zusammen wohl pat! Ist die Weihe denn gewichen Sind die Blumen all' verblht? Ist der duft'ge Schmelz gestrichen? Ach, ein dichter Nebel zieht! Und in diesen eingehllet Lichtlos scheint der Horizont -- Keine Sehnsucht wird gestillet, Keine Blthe, die sich sonnt! Hab' ich Dich bisher geleitet, Wanke nicht an meiner Hand, Sieh', der Teppich ist gebreitet, Und es grt das Uferland. Und es lcheln alle Sterne, Und die schn're Sonne winkt, -- In der Nhe, in der Ferne Dich der Allmacht Arm umschlingt. -- -- Als ich heut so bitterlich, Tief vor Gott geweinet, Da -- ein kleines Vgelein Meinem Schmerz sich einet; Flog zu mir bis an den Sims Meines Fensters treulich: Weine nicht, Du Herzensmaid, Schrecklich ist es freilich. Also sprach das Vgelein, Mit den braunen Blicken: Einstens wird es besser sein! -- Und mit Kopfesnicken, Breitet es die Flgelein, Und entfloh den Blicken. Alles Trumen Tauget nichts, Werth ist's kaum Des Stckchen Lichts. Alles schwindet Um uns her, Gro ist nur der Vergangenheit Meer. -- Tief gelegen Hinter mir, Ist der Traum, Der goldne, mir. Alles Trumen Tauget nichts, Werth ist's kaum Des Stckchen Lichts. Heie Thrnen flieen, rauschen, Ueber mein Gesicht, Ob die Englein ihnen lauschen? O, ich zweifle nicht! Bin so de, bin so trbe, Melancholische Gestalt, Wenn es nur nicht also bliebe, Glhend hei und kalt! Frhlingslfte wehen leise, Traurig ist das Herz, In der unbewuten Weise, Doch verwandt dem Schmerz. Bunte Schmetterlinge fliegen Zu den Blthen auf, Nchst der Blthe kriecht das Wrmlein, Lauert schon darauf! -- Ist auch schn die Auenseite, Inn'res ist nicht -- s: In der Welten Lnge und Breite Bitter -- man es hie! Habt ihr mir es gar verleidet, Dieses kleine Leben, ach, Wenn mein Geist einst von euch scheidet, Sag' ich euch nichts Gutes nach; Denn das Aller-Allerbeste, Trug ich glcklich in der Brust, Freudig glich sie einem Feste, Tglich feiernd neue Lust! Und die frohen Blthen alle, Breitete ich vor euch aus: Wieder gab't ihr mir nur Galle, Machtet traurig, ach mein Loos! Purpurn glnzt die Abendrthe, Still der Prosna zugekehrt, Man ein Frau'nbild beten hrt: Warum weint Frau Margarethe? Fremdling frgst, warum ich bete? Hast von der Legion gehrt, Die vom Schwerte ausgezehrt, Polens Boden blutig ste? Lieber Sohn war mit dabei, Hochgelehrt und achtzehn Jahr, Strker war die Tyrannei; Reichte das Schwert ihm selber dar, Fremdling, eine Thrne weih': Polens Asche, sei fruchtbar! -- Alles grnt und alles blht, Aber nicht in meinem Herzen, Ach, in meinem Herzen glht Nur das Morgenroth der Schmerzen; Seine Blthe, Rselein, Purpurrselein genennet, Das erschliet sich gro und klein, Wenn 'ne schlimme Wunde brennet. Lawinenmasse. Wie Lawinenmasse strzet Sich die Sorge auf das Herz. Gleicht des Weltmeers finsterer Welle, Schwarz und wei, und grau wie Erz. -- Kummer steigst Du auf und nieder, Und verschlingst die Freude wild, Und entrollst mit Sturmesschnelle Der Verzweiflung wirres Bild. Frage. Dieses Leben liebst Du noch? Diese wechselvolle Pein? Dieses schmerzerfllte Sein? Antwort. Ach, man liebt es heimlich doch! -- Dunkle Veilchen, weie Blthen, Aller Seelen Freudenfest! Stimmen aus dem Saitenspiele Nie verklungner Harmonie! -- Thrnen knnet ihr entlocken Aus der tiefsten Seele mir, Doch gemischt sind diese Thrnen: Freuden auf des Schmerzes Grund! -- Dorten winkt ein neuer Morgen, Dorten bin ich wieder ich, Nicht allein und ganz geborgen Find' ich, meine Mutter, Dich! Was ich Hohes je getrumt, Was ich Sinniges gedacht, Was sich mir im Geist gereimt, Wenn die Seele hat gelacht. Alles, Alles ist verklungen, Sieht mich fast gespenstisch an, In den Abgrund ist's gesprungen, Funkelt wie ein Feuermann! -- In der Schweiz. Unter Felsen wandelst Du, Unter Trumen wirkest Du, Wandle, wirke immer zu, Doch das Herz find't keine Ruh. Nicht die Wste, nicht der Strand, Nicht die Kste, nicht das Land Bringen es zum Schweigen Wenn der Schmerz sein eigen. Kennst Du nicht das Licht des Lebens, Kennst Du seine Schatten nur, Nicht des Lebens goldne Sonne, Nur des dstern Nebels Spur? Zage nicht, die Truggestalten Schwinden hin gleich eitlem Schein, Dorten wird die Tugend leuchten, Und das Blendwerk dunkel sein! Hoch auf der Berge Gipfel Verge' ich die ganze Welt, Der Selbstsucht bunte Wipfel, Die Bosheit und das Geld. In kleiner mosiger Htte, Da leb' ich so wohlgemuth, Voll Gottesfurcht im Herzen, Im Herzen froh und gut. Der Morgen hret mich beten, Der Abend den Gottes Dank, Es ernten Diejenigen, die sten, Ihr ganzes Leben lang. Es grnen die Bume des Waldes, Es kndigt der Frhling sich an, Hinweg mit dem frostigen Winter, Der Frhling ist ein sanfter Mann! Die langen goldnen Strahlen, Sie sind wie ein langes Haar! Die Veilchen im tiefen Grase, Sind blau wie ein Augenpaar! Kannst Du zweifeln, kannst Du zagen? Blick' nach jenem groen Wagen, Wovon jeder Himmelszoll Von Myriaden Welten voll. Myriaden Welten, Sonnen Ewigkeiten, ew'ge Wonnen, Heilge Gottheit, hre mich, Tief im Staube preis ich Dich! Lied. Wird auch das Leben Manchmal so schwer, Lchelt die Liebe Von oben doch her! Lchelt die Liebe Von oben hinein, Drfen die Herzen Nicht kummervoll sein! Ich lehn' am Fensterkreuze, Es schmerzet tief in mir, Die alt' und frischen Wunden Sie alle bluten mir. Doch Eines, sanft balsamisch, Es ziehet drber hin, Da ich an allen Wunden Unschuldig bin. Lat mich in die Wste eilen, Wo die siebzig Palmen sind, Dort in =der= Oase weilen Wo die Quelle ewig rinnt.[A] Dort in jenen schlanken Bumen Mit dem groen Geist allein, Will ich Alle glcklich trumen Und will selber glcklich sein. Der Dichter lebt im Traume, Er spielt im Weltenraume Mit Zeit und Ewigkeit -- Verscherzet Glck und Zeit! Und wenn er nichts erzielet Als das, was er gespielet, So bleibt's doch immer Viel, Denn werthvoll ist sein Spiel! Wer die Bangigkeit Jemals hat gefhlt, Jene Ewigkeit, Die im Schmerze whlt -- Der nur, der allein Kennt die ew'ge Macht: Ueber seinem Sein Hat sie doch gewacht. -- Es flammet das herrlichste Sonnengold Im Westen -- die Sonne geht unter -- Der grnende Teppich ist aufgerollt, Er strotzet voll Blumen, voll bunter. Ein Mensch in Gedanken im Schatten steht Und fhlet im Herzen ein froh Gebet. Er kehrte zurck aus dem Menschen-Gewhl Der Stdte -- das Herz entzweit und zerrissen, Verletzt und verwundet sein innigst Gefhl, Gerettet allein sein Gewissen. -- Und kaum, da er einsam drei Tage weilt -- Sein Herz, sein Gefhl sind pltzlich geheilt. Das Ideelle. Wie die Rose unter Dornen Steht das Ideelle jetzt, Nur das Scheulich-Materielle, Kommt zuerst und kommt zuletzt! Wird gepredigt aller Orten, Als Vernunft, Gebot der Zeit, Und mit Beispiel und mit Worten Macht es berall sich breit. Aber, wie die Rslein blhen Ungetrbt und ewig rein. Trotz der Dnste, die da ziehen, -- Bleibet alle Schnheit sein. -- 'S ist ja Alles nur ein Trumen, Nur ein silberweies Schumen Von dem Meere, das erst wird; Wie ein Degen, der da klirrt, Eh er aus der Scheide irrt Zu den thatengroen Rumen: Wie der Aar die Schwingen hebt, Wenn er noch im Neste lebt, Eh' er auf gen Himmel schwebt. Du siehst das Vglein in den Lften fliegen, Die kleinen Blthen auf dem Rasenland, Die Kfer schwirrend in den blauen Lften Und mitten hin des Stromes Silberband! O freue Dich! denn nur durch Wunder Schwebt in der Luft das Vgelein, Die Blthen und der Strom sind Wunder! Wo Wunder sind, mu Gottes Tempel sein! -- Es scheint der Mond so helle, So silbern strahlt der Mond, Ich stehe auf der Schwelle, Wo all' mein Lieben wohnt. Ich stehe still und segne Den Platz, das Haus, die Luft, Da niemals drin begegne, Was Schmerz und Thrnen ruft. Der Lorbeer spriet! Sei mir gegrt, Du liebes Blatt! Erkoren bist Was edel ist Zu krnen Du! Der Bse hat, Das Laster prat, Der Dichter denkt -- Im Traume schenkt, Im Traume senkt Dies Blatt sich seinem Haupt! Grne Zweige, goldne Frucht! Wer sie findet, wer sie sucht! Kennst du ihren tiefen Sinn? In der Seele wohnt er drin. -- Grne Zweige, goldne Frucht! Wer sie findet, wer sie sucht! Suchen, finden wirst Du sie, Brechen, ach, auf Erden nie. -- Sag', was hngst Du so daran, An dem ird'schen Wahn? Sieh das Glck in Wahrheit an, Gleicht es schwankem Kahn. -- Schaukelt auf den Wellen sich, Gleitet hin und her, Schwebet leicht vernderlich Auf des Lebens Meer. O mag ein Engel Dir die Schrift diktiren, Da jedes Wort mir Wonne sei und Lust, Ein Engel Deine Feder fhren, Ein Zauber drinnen leben unbewut! Damit, wenn ich das Siegel lse, Das Glck sich ungetrbt daraus ergiet, Und keine Wolke, keine bse, Mein Geist von Deinem Geiste liest. Unter mir die tausend Plagen Unsrer Kleinlichkeit, Ueber mir die tausend Fragen Unsrer Ewigkeit. Neben mir der Rosenschimmer Goldner Poesie, Schlag't das Saitenspiel in Trmmer, Sie zerstrt ihr nie! -- Es schwebt mir auf der Zung' ein Lied, Ein frohes sinnig Lied, Es wchst so rasch, es grnt, es blht, Ging ich, so ging's, schied ich, es schied. O goldnes Lied, geboren kaum, Gedankenschwerer junger Traum, Frwahr Du bist von Gott gesandt, Des Himmels ses Unterpfand. Das Leben trumt, der Traum er lebt, Seht, wie er hoch am Himmel schwebt, Des Dichters Traum, des Dichters Sang, Es ist der Wahrheit goldner Klang! -- Schwarze Wolken, graue Wolken, Grau der Kummer, schwarz der Kampf, Sieh, dort unter grnen Bumen Steigt herauf ein weier Dampf. Blauer Himmel, goldne Sterne, Gt'ger Allmacht Zauberlicht, Strahlend, wachend in der Ferne: Herr und Gott verla mich nicht! O gieb mir Laut und Stimme, O gieb mir Wort und Sang, Da ich ein Lied anstimme Fr Dich zum Lobgesang. La mich Dein Geist durchdringen, Dein hoher Gottesgeist, Ich will's den Menschen singen, Wie man Dich, Hchster, preit! Ich will's der Menschheit singen, Da Du die Welten lenkst, Da Du das Licht erschaffen, Da Du die Meere trnkst. Da Du im tiefsten Abgrund Das kleinste Wesen nhrst, Da Du vom tiefsten Kerker Den stillsten Seufzer hrst! Da Du mit Deiner Schne Die Sonnen hast geschmckt, Doch auch das kleinste Blmlein An Deine Brust gedrckt; Bevor Du sie erschaffen Bevor Du uns sie giebst, Nimmst Du die kleine Blthe Und zrtlich Du sie liebst! Du giebst ihr Glanz und Leben, Du machst sie zart und schn, Du giebst ihr Licht und Sonne, Und lt sie Sonnen seh'n. Da Du die blauen Himmel, Die goldnen Sterne schufst, Da Du mit Deiner Stimme Der Berge Echo rufst: Damit man endlich wisse Da jeder Laut Dir kund, Da unterdrckter Seufzer Durchdringt der Tiefe Grund; Durchdringt der Meere Klippen, Dringt hin zum Himmelszelt, Zu Gott dem Allerhchsten, Dem Schpfer aller Welt; Da er den Seufzer stille, Dem Schwachen Kraft verleih', Da er das Recht bewhre, Der Unschuld Schutzfels sei. Es stimmen meines Herzens Saiten, O Herr, Dir an ein Dankgebet, Und tausend Stimmen mich begleiten, Ich sing' es frh und spt. Was sing ich denn? Ich singe: Erhaben, Hoch ber Zeit und Raum, Bist Du, o Herr, und Deine Gaben Sind Wirklichkeit, nicht Traum! Ich halte still, und juble weiter: Das goldne Leben gleicht Nur einer Sprosse auf der Leiter, Die bis zum Himmel reicht; -- Die Jakobsleiter, voller Wesen -- Jahrtausende der Grund -- Aus dem sie werden, sind gewesen, Ein Chaos, schn und bunt! Ein Chaos, Herr, von tausend Sonnen, Von Sternen, Mondschein-Pracht, Von kleinen Blthen, Millionen Wonnen, Dazwischen Dmm'rung, Traum und Nacht! Dazwischen milde Frhlingslfte Und Thrnenschauer liegt, Und ses Hoffen, Himmelsdfte, Und was das Herz besiegt! Ich juble laut und singe weiter, Hab' Dank, o Herr, dafr: Wie auf dem Gipfel jener Leiter, -- So preis ich Dich schon hier! Und htte ich nicht im Herzen Den groen Trost aus der Hh, Ich wre ja lngst vergangen Vor Kummer und schwerem Weh! Und htte ich nicht den Glauben An Gottes Barmherzigkeit, Ich wre ja lngst erlegen Der Bosheit, dem albernen Neid! Es scheint der Mond in's Zimmer, Ein Sternlein strahlt in's Haus, Ich denke nach, wie immer, O nicht an Saus und Braus. Ich denk' an all das Schne -- Die groe Illusion -- Der Tuschung Meistertne -- Ein Jeder kennt sie schon. Was ihr das Herz erzhlte, Das se Mrchen, schn, In Worten, lieb gewhlte, -- -- Doch wild auch gleich dem Fhn Wie Saiten, hart gesthlte -- Ein flsterndes Gesthn. Trstend senkt die Poesie Sich auf meine Seele, Ihren Schleier hebet sie, Wenn ich's euch erzhle. Goldne Leyer, bleibe mein, Hng' Dich um die Seele, Deine Tne, klar und rein, Liebend ich sie stehle. Da die Sterne blsser werden, Wenn das Herz vor Leiden glht, Htte nimmer ich gedacht! Wenn das Herz vor Freuden lacht, Jedes Sternlein Feuer sprht, Und die Sterne dunkler werden. Ich trumte schn und trumte viel, Das Leben schien ein Kinderspiel, Das Gute schien so federleicht, Als htte man es bald erreicht! Das Leben ist ein Kampfesspiel, Und bot der Wunden schwer und viel, Das Gute, ach, ein goldner Traum, Erreichbar selten oder kaum! Siehst Du nicht die grnen Matten, Und das blaue Himmelszelt, Und der Bume lange Schatten Und die ganze Frhlingswelt? All die Bche und die Quellen, Und die Wiesen gelb und grn, All die Knospen, die da schwellen, Und die Dfte, die da ziehn? Der Himmel so blau, Die Erde so grn, O la uns ein wenig Nach Sden hin ziehn! Dort blhet die Myrthe, Orangen sind frisch, Dort decken die Blthen Dir freundlich den Tisch. Meine Thrnen flieen Brennend hei, Gott nur wei, Was fr Segnungen d'raus sprieen. Wenn im Innern verletzet Stolzes Herz, Seelenschmerz Seine Stacheln wetzet. La die Thrnen flieen Brennend hei, Gott nur wei, Was fr Segnungen d'raus sprieen. Lat mich schlafen, schlafen, Trumen lange Zeit, Damit ich vertrume Halbe Ewigkeit! -- Ewigkeit hat keine Hlfte, Stets erneuernd sich -- Stets auf's Neu beginnend, Whrt sie ewiglich. Nun, so lat mich schlafen, Trumen ew'ge Zeit, Da ich schn vertrume Ganze Ewigkeit! Ganz gebrochen ist die Kraft, Und entmuthigt ist der Sinn, Weltumfassend khne Trume, Fahret alle, alle hin. Goldbesumte Wolken lagen Ueber wonnig Morgenroth, Dst're Nacht ist's. Nimmer tagen Wird das Licht: Das Licht ist todt! Was ntzen alle Lieder, Was ntzt das beste Herz? Dmonen kehren wieder, Mit Zungen hart wie Erz. Dmonen kehren wieder, Im Aug' den gift'gen Strahl, Was soll das blau Gefieder, Des Dichters Ideal? O schweigt ihr goldnen Lieder, Halt stille, Poesie: Du fielst vom Himmel nieder, Hier wirst Du heimisch nie! Ansicht. In Abenddmm'rung schwanken Die Lilien hin und her, Und frische Rebenranken Besplt das glatte Meer. Die Schatten steigen nieder, Der Mond mit weiem Strahl Bescheint die Hhen wieder Rings um das stille Thal. Von einer jener Stellen, Gelehnt an Felsenwand, Sieht man des Jordans Wellen, So wei wie ein Gewand. Es ringt der Regen mit dem Winde, Es ringt der Segen mit dem Fluch, Es ringt das Alter mit dem Kinde, Es ringt die Sage mit dem Buch. Es ringt die Tugend mit dem Bsen, Es ringt die Arbeit mit dem Gold, Es ringt ein jeglich, jeglich Wesen: Ob es, und ob es nicht gewollt! Die Eingebung. Die Vgel singen ihr Morgenlied, Man hrt den Jubel im ganzen Gebiet, Im Ost die purpurne Sonne glht Und sendet Strahlen nach West und Sd. Allein in meinem stillen Gemach, Umrankt von ppigem Bltterdach, So sa ich trumend -- ach, trumend wach -- Und dachte und sann gar eifrig nach -- -- Den Kopf auf beide Hnde gesttzt: -- Hat es gezndet, hat es gentzt? Was ich geschrieben, so frei und frisch? Und kindisch schlug ich auf den Tisch. Ist dies der Lohn fr alle Mh', Fr Wirklichkeit und Poesie? Wen kmmert's wohl, wer steht mir nah, Steht Alles nicht noch feindlich da? Da horch, da sieh! Was sprengt heran? Welch prchtiges, glnzendes Viergespann! Apollo selber im Sonnenwagen: Kannst Du Dich jetzo noch beklagen? Unter den Linden. Die Bltter der Bume fallen Die herrlichen Linden entlang, In allen Farben und Formen Bestreut ist der reizende Gang. Ihr Bltter und Bume und Menschen, Verschieden an Farbe so sehr: Ein Windsto weht Alles zusammen, Man merkt keinen Unterschied mehr! Edelwei. Von den hchsten Bergen Kommst Du so weit her! Weie, sammtne Blume Intressirst mich sehr. Hast gar viel gesehen, Fels und Berg und Thal, All' die grnen Seen, Wunder ohne Zahl. Und des Eises Grotte, Und des Gletschers Wand, Rauschende Luzzine, Schwarz und wei genannt. Und den Savoyarden, Streckend aus die Hand, Seine dunklen Blicke, Flehend, festgebannt. Viel hast Du gesehen, Fels und Berg und Thal, Eis und Schnee und Seen, Wunder ohne Zahl. Deine Heimath, Blmlein, Edelwei genannt, Ist ein kleines Eden, Schn das Schweizerland. Zwecklos scheint mein Leben Ohne Zweck mein Sein, Doch ein einzig Streben Hllt's in Dunkel ein. -- Ist's dereinst gelungen. Wird vielleicht gesungen: Viel hat sie gethan, Wenige sahn's ihr an. -- Die Gefangenen. Ihr Vglein, die ihr in Freiheit, Ihr Vglein, jubelt laut, Wir Andern leben in Knechtschaft, Vor Kummer frh ergraut; Die Menschen leben im Wahne, Wir wren nur fr sie da, Zu ihrem Spiel und Vergngen, Zu ihrem Essen, ja! Wir sind nicht zu ihrem Vergngen, Wir sind fr uns selber da, Die Menschen sind unsre Verwandte Im Essen und Trinken so nah. -- Ihr Vglein, die ihr in Freiheit, O singet den Menschen nichts vor: Die Menschen sind schlechte Verwandte! So sangen die Vglein im Chor! Es wankt der Boden unter unsren Fen, Des letzten Morgenrothes heilige Parole, Gesegnet schn und anerkannt von Pol zu Pole: Die Menschlichkeit ist aus und Thrnen flieen. Es zieht die Nacht hinaus, die Schwerter blitzen, Das Irrlicht sprht, kein einzig klares Sternlein glht, Das zarte Blmlein unter Rosseshuf verblht, -- Die Pulse glhn, die Leidenschaften sich erhitzen. Was wird aus dieser spten Nacht entstehen? Das Schnste, was man glaubt, es wird zum Raube, Und Lieb' und Duldung liegen tief im Staube, Was bleibt von allen Erdengtern da noch stehen? Der mde Wandrer sitzet am Steg, Vorber eilet der Flu, Am Ufer lehnend, die Hnde gekreuzt, Und badet den mden Fu. Die Hnde so braun und braun ist der Fu, Noch brauner ist das Gesicht, Wo kam er nur her, der mde Gesell? Wahrhaftig, ich wei es nicht. Die Nemesis, sie waltet Bei Allem, was man thut, Nehmt euch in Acht, ihr Menschen, Die Nemesis nie ruht. Nero's Angedenken. Wo bist Du hin, Du liebes Thier, Das mir so treu gewesen, Das sich vor Freuden nicht fassen konnt', Durft' es in meinen Blicken lesen; Das hoch hinauf zum Wagen sprang Mit wonnigem Geschreie Wenn ich nach Haus zurckgekehrt: Ein solches Herz ist Weihe! Ein solches Herz vergehet nicht, Es lebt zu allen Zeiten, Die Seele nur erkennt und liebt, Nur Thoren es bestreiten. Nicht mehr sprechen die Sterne, Nicht mehr die Sonne zu mir, Verstummt ist, ach, die Sprache, Die allerschnste hier. Es sprechen nur noch die Affen, Die Masken alle zu mir, Algebra der Dummheit sie reden, Die hlichste Sprache hier! Die Bltter lautlos, die Vgel, Ganz ohne Lied und Ton, Die Reifen der Rcke nur klirren, Wie Schimpf und Schande und Hohn. Der stolze Heinrich. Zartes Blmlein wunderhold, Zogest aus der Gartenwelt, In das freie, offne Feld, Helles Blmlein, duftend Gold! Liebtest's nicht, im engen Raum Einzeln, mig dazustehen, Steif und nutzlos auszusehen Wie ein stilles Bild im Traum! -- Nach Sedan, an den Kaiser Wilhelm I. Ist das des Jahrhunderts schne Erde, Strme Blut's und Berge voller Leichen! Wird das Bse nicht dem Guten weichen? Wr's nicht Zeit, da endlich Frieden werde? Frevelnd ward der Krieg heraufbeschworen, Der Urheber Anseh'n ging verloren, Ausgekmpfet ist der Krieg, genug gethan Ist's an Allem, was Europas Augen sah'n! Doch nicht Rache will der groe Sieger, Menschlich fhlt der ruhmgekrnte Krieger, Theuer ist ihm seines Volkes Blut, Das vertrauensvoll in seinen Hnden ruht! Und die weisen Lehren der Geschichte treten, Und das Wort, um das die Vlker beten, Das =Erbarmen=, es tritt vor ihn hin, Leuchtet heute seinem Kniglichen Sinn! Und des Ahnherrn wohlbekannte Sympathien -- Unbegrndet -- in der Sprache im Gedicht -- Steigen auf vor seinem Angesicht, Und des Knigs Blicke Segen sprhen: Wollen aller Welt den Frieden geben, Einen langen Sonntag uns'rem Vaterland, Das um uns wie Heldenmauer stand, -- Und -- bestraftem Uebermuthe sei vergeben! -- Nach der Auffhrung Rudolfs II. in Berlin. Der Lorbeer liegt in meinem Zimmer, Der Himmel mir ihn gab! Ich will ihn nchstens tragen Auf meiner Mutter Grab. O wit ihr, was ich denke? O nein, ihr wit es nicht! Wenn ich mich ganz versenke, Dann denk ich ein Gedicht! Ein leeres Bauer, ein leeres Haus, Das sieht so triste und traurig aus, Wo sind Deine Bewohner, Du leerer Raum? Entschwunden, versunken, ein seliger Traum! Es geht die Zeit den sichern Gang, Den Gang zur Ewigkeit. Die Zeit ist kurz, die Zeit ist lang -- Der Weg bald schmal, bald breit! =Motto=: Der Weg zur neuen Bildung geht Von Humanitt Durch Nationalitt Zur Bestialitt. (Grillparzers Gedichte.) Zanket nicht, hetzet nicht, Friedlich scheint das Sonnenlicht, Lat die Juden und die Christen Ungekrnkt ihr Leben fristen. Zanket nicht, hetzet nicht, Jedem scheint das Sonnenlicht, Lat die Christen und die Juden, Muselmnner, Botokuden; Lasset Alle ungestrt, Jede Feindlichkeit zerstrt Harmonien nah und fern! Lobet Alle Gott, den Herrn, Dessen gt'ge Vorsicht hrt Solch Geznke gar nicht gern! Wehmthig, Demthig, Viel verkannt und tief gebeugt, Ist der Mensch, vom Weib erzeugt. Untergeh'nde Sonne, sprich, Wird es ewig dauern, All das dstere Migeschick, Alt das dumpfe Trauern? Brderlich, brderlich, Nennt die Welt das Ideal, Die Utopie, die einstmal Sich verwirklicht feierlich! Weit Du was, ich will Dir sagen, Was die Weltgeschichte ist: Ein Gemisch von Thrn' und Klagen, Falschheit, Grausamkeit und List. Auch Goethe war nicht unfehlbar, Was auch die Goethe-Jnger meinen: Was sich nicht schickt, schickt sich fr Keinen, Fr Jeden das, was recht und wahr. O Faust, Du Bild des Menschen, Bald gro und klar, bald dster wild Wer Dich gemalt, er war an Kunst ein Riese, Gigantisch war der Stoff, und schn gelang das Bild. Nicht Farbe und nicht Glaube, Sie trennen uns nicht mehr, Es fiel der Zeit zum Raube, Was uns geschmerzt so sehr. Du willst verbinden, was sich ewig flieht, Die Tugend mit dem ird'schen Glck? Wie sich Dein Geist auch drum bemht: Eins weichet vor dem Anderen zurck. Gott ist gro, Dein Sinn kann ihn nicht fassen, -- Kannst Du Sterne zhlen, des Meeres Wellen? -- Lieb' und Gte, Gnade, die er Dir erweist, Notir' so viel Du kannst, wenn's auch unzhlbar ist. Der Scheintodte. Und er schlief und schlief so lange, Da ihn keine Macht mehr weckte -- Unsichtbar beim Grabgesange Sich der Todtgeglaubte streckte. In die Wolken mcht' ich fliegen, In die Sonne mcht' ich sehen! Jedes Vorurtheil besiegen Und als Sieger vor euch stehen. Die Fenster sind gefroren, Wie eis'ge Blmlein, schau: Das sind die falschen Menschen, Auf menschlich schner Au! Wie niedrig lchelt die Dirne, Wie spiegelt sich drin ihr Herz, Kein Lcheln ist's der Gestirne, Nur Glanz von gemeinem Erz. -- Und der Himmel lacht mir wieder, Und die Sonne scheinet hell, Und es tauchen auf die Lieder Wie ein unversiegter Quell. An der Tugend nur genippet, Und die Bosheit ausgetrunken, -- Also sind die armen Menschen In ihr liebes Ich versunken. Lauter Zank, 's ist eine Zeit des Leidens, Alles freilich, es hat seine Zeit -- Zeit des Zankens -- Hetzenzeit -- des Meidens: Bet' und zanke heit's in neuester Zeit! Auf der Hhe stehen Bume Groe Menschen haben Trume, Trume, die im Himmel schweben, Die nicht an der Scholle kleben. Ist's der Dichtung Loos Traurig sein? Schmerzen klein und gro Ziehn ins Herz hinein. Schmerzen, klein und gro, Ziehet endlich aus, Nicht der Dichtung Loos Ziemet Weh und Graus. Unntz lyrisches Gesinge, Unntz lyrisches Geklinge Gehst Du mir nicht aus dem Sinn, Schreib' ich auf's Papier Dich hin. Auf allerlei Hetzen. Das ist ein helles Zanken, Ganz ohne Unterla, Fr dieses kurze Leben Hat man nicht Zeit zum Ha! -- Die weie Rose am lngsten blht, Am stillsten das weie Rslein glht, Am tiefsten fhlet ein reines Gemth: Da Gott alle Beide vor Schaden beht'! Freundlich gucken meine Blicke, Hoffnungsvoll den Himmel an, Einem freundlichen Geschicke Harrt getrost der fromme Mann. Zu allem Guten sage ja, Zu allem Bsen sage nein, Das Eine dort, das And're da: Beisammen knnen sie nicht sein. Dieselben Bume hier wie dort, Dieselben Grslein hier wie dort, Dieselbe Sprache hier wie dort, Und dennoch bleibt's ein fremder Ort. Es strmt so viel auf mich herein, Mag sein, mag sein, Das Gute find't ja doch Gedeih'n, Und einmal sehn es Alle ein. O ist's denn ganz unmglich, -- Was doch nicht ganz unsglich -- Da Alles glcklich wr? O, wenn's doch mglich wr! Auf einen Miggnger. Was ist das Hlichste auf Erden? Das Hlichste bist Du! Du willst nicht wachsen, willst nicht werden, Du pflegst der sen Ruh'! Vor Schillers Denkmal in Berlin. Hast erhoben die Nation, Groer, deutscher Volkessohn, Klein im Leben ward dein Lohn -- Kleiner noch in Gyps und Thon. Die Sonne gehet strahlend unter, Nur scheinbar, Freund, nicht in der That -- Der Vorhang fllt so rasch herunter, -- Da man nur ihn gesehen hat. -- Nero. In den Augen meines Hundes Liegt mein ganzes Glck, All mein Innres, krankes, wundes Heilt in seinem Blick. Schner Stern Hab' Dich gern, Schau'st in's Fensterlein, Und ins Herz hinein. Schnste Zier Strahle mir, Bist so ganz allein, Stolzes Sternelein. Gott segne die Armen, Gott segne sie, Sein reiches Erbarmen Verlasse sie nie! Die Armen, die Armen An Glauben so reich, An Gottesvertrauen Den Glcklichsten gleich. -- Dorten aus der grnen Hecke An des Gartenzaunes Ecke Schaut mein Schatz heraus: Haare braun, nicht kraus; Klein Gesichtchen rund, Kirschenrother Mund; Augen braun, nicht blau: Wird bald meine Frau! Gehabt euch wohl, Gott segne euch, Euch All' im Sonnenlicht, Dich Vglein, Rslein, Immergrn, Die Dornen und die -- Wrmer nicht! -- Die Aerzte, Philosophen gleichen -- Der groe staunt und betet an, Der kleine sieht in Gottes Reichen Sich selbst als grtes Wunder an. -- Beschrnktheit absolut dictiret! Die Weisheit bleibt ihr fremd und fern -- Wen nie der Genius berhret, Ein solches Mnnchen tuscht sich gern. Wer Niemand ber sich zum Richter, Wer niemals sagt: ich wei es nicht, -- Der taugt zu keinem hh'ren Richter Mit seinem unfehlbaren Licht. Vor Nees von Esenbecks Bildni. Stillschweigend ruht der Blick auf der Geschichte Menschlichen Treibens, menschlich Mhn, Und dster wie vorber ziehn, Den bittern Unmuth im Gesichte; -- Nur gleich Oasen in verbrannter Wste Und krftig schmucken Blttergrn, Und wie die Meteore glhn An Nordpols eisig rauher Kste. So einzeln steht im Blatte der Geschichte Das Groe da auf seinen Hh'n -- Wir bleiben lange vor ihm stehn, Gleich wie beim Sonnenaufgangslichte! -- So stehn wir lange, Nees, vor Deinem Bilde, Und stolzer unsre Wangen glhn, Und unsre Blicke Funken sprhn, Dir, hoher Meister, gro und milde! Laut schlgt das Herz hier unter Deiner Bste, Horch, Allen, Allen -- ungestillt -- Stark wie gigantisch Sulenbild, In Thebens prcht'ger Tempelwste! Doch stauntest Du, wenn Deinem sonn'gen Blicke Entgegen niedre Sklavenschaar? Es folgt die Schnecke nicht dem Aar, Sie klebt an ihres Staubes Stcke. -- -- Herzog Georg Bernhard. Blauer Himmel, Bergesluft, Dunkler Hain und Blumenduft, Zitternd glnzt auf grner Au Schon der frische Abendthau. Kunstgebilde, Saitenklang, Bei der Sonne Untergang, Ganz allein an Waldessaum Steht der Herzog wie im Traum. Ja, des Herzogs Seele trumt, Seine Lippen sind gereimt, Und der Abendsonne Schein Fat sein schlichtes Bildni ein Trumet er vom Wstensand, Von des Meeres grnem Strand, Von der Welten-Harmonie Und der Wahrheit Poesie? Trumet er von einem Licht, Einstens strahlend -- sichtbar nicht -- Jenes Wunderbild, es lebt, Ueber ihm im Himmel schwebt. Einst. An meine Mutter. Komm Geliebte, meiner Seele, Komm und still' die Sehnsucht mir, Meinen Schmerz ich nicht verhehle, Wenn Du, ach, so fern von hier! Dieses Hoffen, dieses Bangen, Diese ew'ge Qual und Lust, Dieses mchtige Verlangen, Dieses Klopfen meiner Brust. Doch es ist kein leeres Sehnen, Ja, Du kehrst, Du kehrst zurck, Schaust in meine Freudenthrnen, Mit dem schnen, lieben Blick! Wirst schon nie mehr von mir weichen, Wirst schon niemals fort von hier, Ach, es giebt nicht Deines Gleichen, Mir ist doch nur wohl bei Dir! Einst. An meine Mutter. Ich wnsche Dir alles Gute, Und wnsche Dir alles Glck! Des Schicksals eiserne Ruthe, Sie weiche vor Dir zurck. Ich wnsche Dir schne Trume, Und schnere Wirklichkeit, Und ppige Blthenbume Und stete Frhlichkeit. Ich wnsche Dir ein Jahrhundert, Und Frische der Jugend dabei, Damit sich ein Jeder verwundert Wie rstig die Edle sei! Doch was ich fr mich ersehne, Das rathest Du alsobald: Mein Ohr vernehm' Deine Tne, So lang ihm noch etwas schallt! So lange es fhig, zu hren! -- Mein Auge, so lange es sieht -- Sie mgen Dich sehen und hren! -- Mein Herz, das fr Dich erglht; Es mge Dich wonniglich fhlen, Bevor es von hinnen zieht! Dann scheid' ich mit Dankesgefhlen, Mit einem zufriednen Lied! Zum 9. Juli, dem Todestage derselben. Erde stehe still, Sonne scheine nicht, Frchterlich ist dieser Tag! Jenes Engelsangesicht Sterbend mir vor Augen lag. Sonne scheine dort, wo dorten sie erschien -- Strahlen wirf auf ihren Pfad. Englein alle mt entgegen ziehn, Wenn die Allereinste naht! Ewig, ewig waren wir vereint, Eins in Wort, Gedanke, That, Uns nur Gott geschieden hat! -- Da er unser Fleh'n verneint, Uns im Tode nicht vereint, Ist verhllt in seinem Rath! -- Jetzt. Grt mich mein Mutterlieb? Ist ihr nicht bang? Ach, schon so lang Ist's, da sie fortblieb: Dort in der Ferne Kreisen die Sterne, Sphrische Lieder, Rauschend Gefieder, Dorten ihr Bild, Sehn wir uns wieder, Tnen die Lieder, Mutterlieb, mild! Wo sich Epheu schlingt, Eine Hand mir winkt, In der Mutter Gruft Eine Stimme ruft: Dich hab' ich geliebt! -- Weine nicht, mein Kind, Unsterblich wir sind, Seh'n uns wieder einst, Unwrdig Du weinst, Gott uns wieder giebt! Meiner Mutter lichtes Bild, Meiner Mutter sanft Gesicht Meiner Mutter braune Augen, Alles dieses seh' ich nicht. Aber tief im Busen lebt, All der unversehrte Glanz, Ihres Wesens Schnheit schwebt Ueber mir im Himmel ganz! Zwei Blmlein blhen am Aronstab, Ach, Beide berdauern das Grab; Das weie liebliche Blmelein, Das schenkte mir mein Mtterlein. Mein Mtterlein, so hold und rein, Wie dieses lichte Blmelein: Ihr Blmlein berdauert das Grab, Im Jenseits grnet der Aronstab! Eine Blthe seh' ich prangen, Eine Blthe rosenroth, Hlt mein ganzes Herz gefangen, Ach, mein Herz -- ich glaubt' es todt. Ach, meine Mutter, fnd' ich Dich wieder -- Ach, in der Welten unendlichem Raum, So wrd' ich Dich suchen mit allen Krften, Wie jetzt ich Dich suche im Wachen und Traum. Vor der Mutter Bild. Fast strenge sah sie zu mir nieder -- Gefallen Dir nicht meine Lieder, Die ich ja oftmals von Dir singe? Bin ich nicht gut und treu und bieder? Und thu' ich jemals schlechte Dinge? Antwort. Du thuest gut, doch nicht so, wie du's solltest, Und lange nicht so gut, als wie du's wolltest -- Dir ward das hchste, schwerste Ziel: Erringe Es ganz! Sonst sieht es aus, als wenn Du schmolltest, Da aufgegeben Dir die grten Dinge! Wenn man die Mtter aus der Erde graben knnte, Dann wrden alle Menschenhnde graben, Mit einer Eil', als wenn es brennte: Denn Jeder will die Mutter wieder haben. Wenn man die Mtter aus der Erde knnte graben, Dann wre Sonnenschein bei Tag und Nacht auf Erden, Und Alle wrden wieder frohe Kinder werden, Wenn sie die Mtter wrden wieder haben. Ein Jubelschrei, er wrde rings ertnen, Ein Glck bei Armen und bei Reichen, Ach, reich sind Alle, welche nie vom Mutterherzen weichen. -- Ein Lieben ohne End' und Gleichen -- Das Wiedersehen nach lang' getrag'nem Sehnen, Nach stillen, lauten, heien Thrnen! -- Klara Wuras. Klara Wuras, lebst nicht mehr, Bist der Welt so ganz entrckt? Eine Blthe, schon geknickt -- Ach, an Tnen warst ein Meer. -- Tausend Melodien strmten, Brausten, Klara, auf's Klavier -- Lieest Deine Saiten hier? Deiner Tne Schmelz -- verschmten? -- Venetianisch se Lieder -- Deiner Brautfahrt Melodei -- Klinget in dem Herzen wieder. -- Goldne Wogen strmt herbei -- Rauschen wie des Aars Gefieder -- Klara's groe Phantasei. Das Leben. Schwestern, Brder, lat uns leben, Leben ist gar hohes Gut, Machet stark die freie Seele, Frischet auf den Lebensmuth! Ist das Herz euch so verdorben, Da das Leben euch nicht lieb? Ist das Feuer schon erstorben, Da der Geist euch schwach und trb? O vergeudet nicht die Krfte In der eitlen Sinnenlust! Werfet ab den Staub zur Erde, Wenn ihr euch des Staub's bewut! Schliet das Leben in die Arme, Bis es euch zum Herzen dringt, Lat den Arm nicht kraftlos hngen, Der das =Gute= gern vollbringt! O die Macht, die uns gegeben, Wer wei, ob sie wiederkehrt? Ob die Macht, die klein uns dnket Einst uns auch noch angehrt? Brder, Kindheit ist das Leben Eines hhern Lebens dort. Lat der Kindheit wrdig leben: Gott hlt uns dort droben Wort! Franzensbad. Auf der Franzensbader Hhe Steht ein prchtig Sulenbild, Franz der Kaiser, wie im Leben, Wrdig, sinnig, ernst und mild. Welcher Meiel, welcher Zauber Hlt die Blicke festgebannt, Schnes letztes Werk des Knstlers, Schwanenthalers Meisterhand. Graf von Mnch von Bellinghausen, Dessen Name einst ein Glanz, Weihte jenes groe Denkmal Seinem Freunde Kaiser Franz. Hannah Thorsch. Eine Blthe abgefallen! -- Ach, die lieblichste von allen, Unsre Hannah fiel, Hin ist Lust und Spiel. Alle Freuden jh verhallen, Klagen berall erschallen, Ach, noch oft und viel, Ohne Zweck und Ziel. -- Klaget nicht, die Seelen leben, Glcklicher sie sich erheben, Und von Welt zu Welt sie schweben -- Ganz entrckt dem niedren Staube, Keinem Schmerze je zum Raube: Das ist des Deisten Glaube! Heinrich Heine. Ruh' in Frieden, groer Dichter, Ruh' in Frieden, Dichtergeist, Ruh' in Frieden, Herz voll Saiten, Das kein Miton mehr zerreit. Oder singe, spiele weiter, In der selbstgeschaff'nen Art Jener Lieder se Worte, Unvergleichlich, geistvoll, zart: Von des Fichtenbaumes Trumen In des Nordens kalter Hh', Von der armen Snderblume, Von Ramiro's dstrem Weh'! Singe in des Himmels Sphre, Alle Engel stimmen ein, Witzli Putzli sei vergeben -- Alle Poesie ist rein! Fr Ferdinand Freiligrath. Liebt die Dichter! Seh't, sie geben Euch das Beste, was es giebt! Sie verschnern euch das Leben, Dankbar Gegenliebe b't! Blmlein wachsen, Wolken ziehen, Im Verborgenen wchst Metall, Eisen brechen, Sonnen glhen, Im Kontrast gedeiht das All! Jedes soll vom Seinen geben, Schnheit wird zur Harmonie, Reicher, edler wird das Streben, Es entsteht die Poesie! -- Kennt ihr nicht der Blumen Rache? Nicht des Schwarzwalds braune Maid? Eines Volkes Ehrensache Ist des Dichters Feierkleid! -- Leipziger Lerchen. Die lieblichen Snger des Feldes, Ach, nackt, und zum Frae bereit, Ihr werdet doch Lerchen nicht essen? Mein Gott, ihr wr't nicht gescheidt! Die Lerche, die wahre Poetin, Zum Himmel schwingt sie sich auf, Ihr Nestlein sorglos am Boden, Die Senner treten darauf. Allein der Bauer vom Lande, Er hat ein natrliches Herz, -- Mit Schonung schwingt er die Sense, Die Sense von Stahl und Erz. In Leipzig aber schlachten Die singenden Kehlchen sie, -- Ach, nackt und klein zum Erbarmen -- Ein Schlachten der Poesie! Droschkau. Gott im Himmel, sei gndig, Schtze dieses Dorf! Schtze diese grnen Auen, Diesen Moor und Torf. Diese Wiesen, diese Felder, Dieses stille Thal, Diese dunklen Fichtenwlder, Sngers Ideal! Ihr wit schon, wen ich meine, Die Stadt liegt an der Seine, Entschieden ist's die schnste Stadt Die man wohl je gesehen hat, Die man wohl je gesehen hat. Sie hat ein wunderbar Gesicht, Ihr Haar ist lang und ist auch dicht, Und zauberhaft wie ein Gedicht Ihr Wort zu meinem Herzen spricht, Ihr Wort zu meinem Herzen spricht. Du kennst ach, die Geschichte nicht, Und wie das Herz ihr brach und bricht, Der Mond strahlt kalt und reine, Die Stadt liegt an der Seine, Die Stadt liegt an der Seine. Vor Hermann Bdekers Bildni. Von Goethes Anblick berrascht, Nach Worten einst ein Kaiser hascht, Er sah ihn lange forschend an, Und rief dann aus: Das ist ein Mann! Ein wahrer Mensch -- ja, ja, ganz recht! Des Menschen Typus, ganz und echt, Trgt an der Stirn ein geistig Mal Von seinem innern Ideal: Wenn Wahrheit kndend die Gestalt Das Schne zeigt mit Allgewalt, -- Und thatverkndend vor uns tritt Mit menschlich schnem Heldenschritt, Dann sind wir tief und froh bewegt, Und unser Herz nur Segen hegt: Denn selten ist der Anblick nur In unsrer kleinlichen Natur. Man rhmt als groe Seltenheit Das Gtterfeuer Menschlichkeit, -- (Es reiht Geschlecht sich an Geschlecht, Selbstschtig, kleinlich, ungerecht!) Ihr Funken hat fast ausgesprht, Er lodert nicht, und nicht er glht -- Als Irrlicht nur noch auf dem Plan, Stirbt er im Sumpf -- im dunklen Wahn -- Wie ander's ist's bei Dir: hinauf Zum Himmel schlgt die Flamme auf, Als Leuchte spendend rings ihr Licht, Dein Name, er verlschet nicht! Es sitzt der Dichter zu Gericht, Sein Urtheil schreibt er im Gedicht, Und wer dem Ideale gleicht, Begeistert er die Palme reicht. Meiner Schwester Luise zum Geburtstage. Bltter rauschen Wunderreigen, Vgel lauschen In den Zweigen Und das Purpurrslein blht. Maienwonne Herrlich milde; Vor der Sonne Zauberbilde Singt das Vgelein ein Lied: Lautre Schne, Strahlend Feuer, Horch, die Tne Meiner Leier Hat mein Herz fr Dich entbrannt! Deinem Glanze, Purpurlichte, Weih' ich ganze Sinngedichte, Die der Himmel mir gesandt. Khne Trume, Rebenranken, Blthenbume Der Gedanken, Eine ungezhlte Schaar! -- Vogellieder, Vogelweise, Klangen wieder Ernst und leise Tief in meiner Brust. Und ich dachte: Poesien, Vgleins sachte Melodien, Sie besitzen, welche Lust. Einer Holden, Strahlend prchtig, Haare golden, Mien' andchtig, Lippen schn und treu und wahr. Ihre Blicke, Zge, milde, -- Wie Antique Auf dem Bilde -- Wrd' ich bringen den Gesang! -- Das Lied der braven Frau.[3] Ein Jeder kennt im deutschen Gau Das Lied vom braven Mann. Mit Recht so mancher fragen kann: Gieb's keine brave Frau? -- Die brave Frau ist mir bekannt: Wer khn das Vorurtheil zertritt, Voraus uns geht mit Riesenschritt -- Ein Beispiel fr das ganze Land; -- Was uns're Zeit begriffen kaum, Was Mancher kaum zu denken wagt, Die brave Frau gab unverzagt In wackrer That der Wahrheit Raum! -- Der Wahrheit Raum, der erste Schritt Im Kampf fr Alle, Aller Wohl -- Das ist das Allerbravste wohl -- Wo mancher Held schon seitwrts glitt. -- Dies Lied sing ich der braven Frau, Die einfach Christel Wiesen heit, Gefeiert sei ihr Herz und Geist, Als Vorbild hoch im deutschen Gau. Anmerkung: [3] Frau Wiesen auf Egestorf erklrte sich zuerst fr die Leichenverbrennung. A. d. V. August Bckh. Bckh ist todt! Aeolsharfen spielet, Trauerweide, senke Dich hinab! Grner Lorbeer, schlanke Palme, Werfet Schatten auf des Griechen Grab! Geist des Bckh! Offen sind die Hallen, Freude herrschet im Elysium! Lauten Jubel hrt man drinn erschallen, Horcht, man feiert seinen Ruhm! Chor der Griechen! dankbar froh, vor Allen Drcken die Athener ihm die Hand, Gtter zeigen ihm ihr Wohlgefallen, Psyche selber einen Lorbeer wand. Bckh ist todt, Aeolsharfen spielet, Trauerweide, senke Dich hinab. Grner Lorbeer, schlanke Palme, Werfet Schatten auf des Weisen Grab! Auf das Zimmer meines Vaters, des Rittergutsbesitzers Joachim Kempner auf Droschkau. Fast verfallen ist das Fenster. Keiner wohnt im Zimmer drin, Der Erinnerung Gespenster, Sie umnebeln meinen Sinn. -- Wohnt' der Vater nicht leibhaftig, Wie das Leben selber drin? Wnschend, wollend, einzig-krftig, Stets mit =einem= frischen Sinn? -- Blaue Augen, braune Haare, Stark und gro, ein Riese fast, Ungebleicht trotz sechzig Jahre, Urgeschftig ohne Rast! Und verschwunden ist das Alles, Die lebendige Gestalt, Und kein Nachhall eines Schalles, Mehr aus diesen Fenstern schallt!! O, die Trume nur, sie leben, Und die Wirklichkeit, sie stirbt, -- Nur der Dichtung Reich entschweben Geister, die kein Hauch verdirbt! Dem Priester-Philanthropen Franz Marson. Gleich selten auf dem Throne, Wie im geweihten Kleid, Ein Rthsel fr die And'ren, Wer And'ren sich geweiht. Zum 70jhrigen Geburtstage eines Onkels. Was auch die Menschen trennt, die Geister scheidet, Eins giebt's, was alle Welt verehrt, Die Tugend mit dem reinen Strahlenkranze, Die uns sich selbst vergessen lehrt. Wer so wie Du in ihr gelebt, gewandelt, Sie liebend keinen Augenblick verlie, Mit aller Kraft und Lust nur gut gehandelt, Zu jeder Zeit man gerne pries! Ob viel geprft, gekmpft, ob viel gelitten: Bewutsein heit das inn're Glck, Den Allerbesten ward nicht mehr beschieden -- Kein hh'res strahlt vom Thron zurck. -- Daktylen, Jamben, Trochen, Sie schlie' ich in einen Bund, Die Regel sie ewig zu trennen Hat keinen vernnft'gen Grund! Nicht Stnde giebt es und Kasten Im Reiche der Poesie, Das Mannigfache im Schnen, Es bildet die Harmonie! Oft ist verhat Und gilt als Last Wer engelsrein, Denn nur der Schein Und der Bombast Er gilt allein. Wr' ich ein Vgelein Und wr' ich noch so klein, Flg' ich von Feld zu Feld Rasch durch die ganze Welt! Man sagt, die Liebe wre blind, Ich sage: Ha und Groll es sind: Von Einsicht seh' ich keine Spur Die Hasser hassen eben nur. -- Holden Trume, ging't verloren, In des Lebens Dunkelheit, Bleibt zum Traume auserkoren! Traum ist keine Wirklichkeit. -- Nicht im Reichthum wohnt das Glck, Ach, es weichet scheu zurck Vor den vielen Eitelkeiten, Die sich rasch durch's Geld bereiten: Nicht im Reichthum wohnt das Glck, Ach! es weichet scheu zurck Vor dem vielen Ueberflusse Und dem dummen Scheingenusse. Als Jemand beim Anblick einer armen Frau den Kopf wegwendete. Wendest Deinen Blick Du nicht Weil das Mitleid zu Dir spricht? Spricht von Deiner Menschenpflicht? Mensch, o tusch' Dich selber nicht, Wende nur den Kopf zurck: Helfen ist das grte Glck! -- Grne Saaten, grne Bltter, Braune Stmme, gelbes Schilf, Ach, der Landmann mit den Sorgen, Gott, dem armen Landmann hilf! Sperrt euch ein in groe Stdte, Athmet ein die dicke Luft, Die ein And'rer ausgeathmet -- Unbeschreiblich ser Duft! Brauchet dann noch eine Kur Eine Morphium-Mixtur, Und ihr bauet eine Kluft Zwischen euch und der Natur: Ach, ihr bauet eure Gruft! Klte. Klte, eis'ge Klte Wrme nur belebt! Auf so manchem Antlitz Ganzes Eismeer schwebt. -- Der Egoist. Und schliefest Du, Schlfer, noch einmal so lang, Erwachen wirst Du schwer und bang Im liebeleeren Raume -- Aus Deiner Selbstsucht Traume -- Dein ich so traurig und so bang -- Und das Erwachen whret lang. Feldarbeit. Arme Menschen, arme Thiere, Ist's noch finster, mt ihr raus! Arme Thiere, arme Menschen, Lang' ist's finster, geht's nach Haus. -- Ein Reiter auf der Haide, Er trgt ein Wams von Seide, Ein weies Wams, 'n schwarzen Hut, Er scheinet noch ein junges Blut, Er scheinet noch ein junges Blut. Er fhrt sein Pferd zur Weide, Zu einer Trauerweide, Dort harret, ach, die Liebste sein Mit Augen frisch, wie Bchelein, Mit Augen frisch wie Bchelein. Du, meine Augenweide, Mein Blmlein auf der Haide, Du gleichst dem Reh im dichten Wald, An wunderlieblicher Gestalt, An wunderlieblicher Gestalt! So schmeichelt auf der Haide Der Ritter in der Seide, Der schlanken frischen Bauernmaid: Er hat sie aber nie gefreit, Er hat sie aber nie gefreit. Der Mond erscheint, Er hat geweint. Man sieht es ihm an Dem traurigen Mann. Aus jenen Hhn Hat er gesehn Des Bsen so viel -- Gefhrliches Spiel. -- Die Menschen all', Sie spielen Ball Mit jeglichem Gut, Mit Flamme und Gluth; Der Weisheit taub, Der Thorheit Raub, Dem Bsen so hold, Und so hold dem -- Gold. Der Mond erscheint, Ach, ganz verweint, Er sah zu viel Vom bsen Spiel. -- Zertrmmert das Leben, Zertrmmert das Glck, Die Freuden, sie schweben, Ach, niemals zurck. Geopfert das Leben Der hchsten Idee -- Umsonst es gegeben -- Wem tht' es nicht weh? Geopfert das Leben Dem menschlichen Glck, Sie schlugen das Streben, Zerschlugen's in Stck'. -- Geopfert das Leben Der hchsten Idee -- Umsonst es gegeben: Wem tht' es nicht weh! Lord Byron. Eine Blume blhet Dunkler Horizont -- Bei dem schweren Wetter Schwerlich sie sich sonnt. Eine Blume blhet -- Dunkler Horizont -- Schwarze Wellen peitschet, Schumt der Hellespont; Eines Mannes Hand Tauchet oben auf In der Fluthen Lauf. Byron schwamm an's Land Wo die Blume stand Gab den Geist er auf. Die Wolken sich thrmen Am himmlischen Zelt, Gepeitschet von Strmen Ein Strahl sie erhellt; Ein Sonnenstrahl eilet Zerstreuet sie bald, Im Nu sie zertheilet Des Lichtes Gewalt. Im menschlichen Leben Erleuchtet ein Strahl Des Friedens manchmal Die menschliche Qual: Die Wolken entschweben, Die Freuden sich heben. Auf des Lebens Ocean Fhrt der Dampfer stolz geehrt, Mancher, ach, im schwanken Kahn Stehend jeder Welle wehrt. Seht das Schiff mit sichrer Hast Fast im Hafen liegt -- Und der Nachen ohne Rast Auf den Wogen fliegt. Himmelhoch und Abgrundstief -- Gott, der Mensch zu Hilfe rief -- Endlich er vor Anker lief; Doch es rennt des Dampfers Last An der Klippen mcht'gen Ast Und zerschellet Kiel und Mast. -- Lied. An Waldes Saum, an Waldes Saum, Da trumt das Blmlein einen Traum, Da trumt das Blmlein einen Traum. Mir ist so weh, mir ist so bang Drum sing' ich diesen Minnesang Drum sing' ich diesen Minnesang; Ihr Zauberblick, ihr Riesenschritt, Er nahm mir all die Ruhe mit, Er nahm mir all die Ruhe mit. Zu Ende war des Blmleins Lied, Das Blmlein sang's und es verschied -- Das Blmlein sang's und es verschied -- Wen es wohl so geliebet hat, Das blaue Blmlein todesmatt? Das blaue Blmlein todesmatt? Ich wette, ihr errathet's nicht, Drum sag' ich's euch ins Angesicht, Drum sag' ich's euch ins Angesicht: Das Blmlein hat die Pflicht geliebt -- Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt, Die Pflicht hat seinen Kelch zerstiebt. Und als man ihm ins Herze sah, Da lag das Herz entblttert da, Da lag das Herz entblttert da. Kennst Du vielleicht ein Land Wo keine Bsen sind? Das wr' mein Heimathland, Ich ginge hin geschwind. Kennst Du vielleicht ein Land, Wo Niemand Bses thut? Das wr mein Heimathland, Fr Das gb' ich mein Blut! Bitterbse ist das Leben, Und vergeblich alles Streben Nach dem hh'ren Ziel: Alles bleibt ein Spiel, Illusionen es umschweben, Die sich nie als Wahrheit geben. Menschliche Hilfe ist bald kaput, Gttliche Hilfe allein es thut. -- Mich greift die Langeweile, Ich schreibe keine Zeile, Kein Vogel gedeiht in solcher Luft, Wo Alles nur nach Gelde ruft; Wo Alles raset nach Gewinn, Kommt einem gar kein Lied in Sinn; Die Bume stehen d' und leer, Man hrt kein einzig Zwitschern mehr! Stimmung. Kalt von auen und von innen, Alles kalt und freudlos nur, Und von Wrme und von Sonne Und von Freude keine Spur. Auf meinem Gesicht Steht ein Gedicht, Drin ist zu lesen, Wie 's stets gewesen. Der Traum der Poesie, Der Reiz der Phantasie, Der Kindheit Glck: Nichts kehrt zurck. Vor meiner Mutter Bild. Ich sah Dich heut im Traume An eines Waldes Saume, Du sprachst ein groes Wort: Mein Kind, geh' eilig fort. Auf, zgere nicht mit Sumen, In lieblos engen Rumen Versteht man kein Gedicht Und auch -- Dich selber nicht! Vor demselben Bilde meiner Mutter. Wenn Du noch wrst am Leben, Dann lohnte sich's frwahr -- Doch da du nicht am Leben, So lohnt sich's nimmerdar. Goldner Sonnenschein Steigt zum Fenster ein: Weil Du so allein Will ich bei Dir sein. Gegen den Selbstmord. Hinab in die Fluth, hinab in den Tod, In das sehnlichst erwartete Nichts, Kein neues Tagen, kein Morgenroth Und kein Funken lebendigen Lichts. -- Betrogener Wahn, ach, allberall Ein neues Tagen, ein Morgenroth, Stets kreiset ein neuer Sonnenball: Und es giebt, ach, gar keinen Tod. Die Nachtigall schlgt, Der Frhling ist da, Das Herz ist bewegt, Die Freude ist nah! Die Freude ist nah, Das Herz ist bewegt, Der Frhling ist da, Die Nachtigall schlgt! Ich wei eine groe Geschichte, Die meisten =fhlen= sie nur: Das Leben ist ein Gedichte, -- Und oft eine schwere Kur. -- Verschieden sind ja Gedichte, Das eine rosig und licht, Das andere hat Blei-Gewichte, Und macht ein bittres Gesicht. Die stille Thrne. Die Thrne, ach, die stille, Nur sie brennt hei, In ihr wohnet der Wille: Da Niemand davon wei -- Da Niemand ahne, she, Wie sie dem Aug' entquillt, Ein Aug' in hchster Hhe Sie dennoch sieht und -- stillt. Nicht immer ganz -- nicht immer -- Oft bleibt zurck ein Schimmer, Ein glnzend feuchter Glanz -- Wie Perlen oder Glimmer -- Doch trocknen alle Thrnen, Winkt jh ein Lorbeerkranz! Deutsche Bildung, deutsche Sitte, Deutsche Hetze, Kampfkultur, Kultivirte Kmpfe nur, Humanisten, schweigt, ich bitte, Denn im goldnen Reich der Mitte Ist von Hetze keine Spur, Und ob solcher Unnatur, Lacht Franzose, Dne, Britte. Groer Friedrich, armer Kant, Leibniz, Lessing, Hufeland, Jh vergessen von der Welt, Wenn Sophist und Kter bellt Wird das deutsche Vaterland, Gar mit Ruland gleichgestellt. Wintergemlde. Es schneit im Wald Unheimlich kalt, Ein Mann versinkt im Schnee; Sein Ach, sein Weh Verhallet bald Im groen Wald. Die Jagd, sie naht, Zertritt die Saat; Ein angeschossen blutend Reh Versinkt im Schnee, Die Bchse knallt, Der Schu verhallt. Unschuldig verurtheilt sein Ist ein Unglck, das nicht klein, Doch natrlich ist es fast Trifft den Richter keine Last -- Keine Schuld -- ach unfehlbar! Ob ein Richter stets es war? Straflos darf ein Richter sein? Darauf sagt ein Jeder nein! Hundegebell im Fleischerladen. Mit Hunden hetzen sie das arme Thier, Mit Kolben stoen sie's zu Tod! Ist's nicht genug an Wein und Brot? Nach Blut lechzt die Begier. Von Moral ist keine Spur, Alles strebt nach Schlauheit nur, Jeden listigen Betrug Nennt man Usus, oft auch klug. Krnk' Dich nicht, Grm' Dich nicht, Pltzlich scheinet Sonnenlicht, Auch die Finsterni wird hell, Auch das Glck, es schreitet schnell -- Und verstummt ist das Gebell! Versunken ist das Glck In bodenlose Tiefe, Nichts bringt's zurck: Es ist, als wenn die Gottheit schliefe. -- Beim Anblick eines prachtvoll gewesenen Bouquets. So sieht es aus das Irdische Nach kurzer Zeit! Das sind die blendenden Irrwische Der Zeitlichkeit! Es schlft die Welt, es ruhen alle Herzen, Nur meines nicht -- Ob Bsewichter Herzen haben? Bei mir brennt Licht: Wie ist solch dunkeln Rthsels Sinn zu lsen? Sie denken nicht -- Und nur Phantome, ferne Schreckensbilder, Sind ihnen Recht und Pflicht. Besessen ist die Welt Von Eigennutz und Geld, Und Alles zum -- Verzweifeln dumm! Parteilichkeit, Parteienha, Das schaut so grn und wird so bla -- Von Schlang' und Nesseln ein Gewhl! -- Welch unnatrliches Gefhl! Welch unnatrliches Gefhl! O kurze Zeit, des Lebens Zeit Noch krzer durch Parteilichkeit In Confession und Politik: Parteienha hat keinen Schick! Parteienha hat keinen Schick! Ginge es nach meinem Herzen, Wrde Allen ich vergeben, Allen Denen, welche leben: Jene tausend Qual und Schmerzen, Welche sie mich lieen leiden, Kann sie darum nicht beneiden -- Wlzten sich im goldnen Koth -- Doch -- vom Leben geht's zum Tod. O Gott, Du weit am Besten was uns frommt, Und gut ist Alles, was von Deiner Gte kommt, Allein die Menschen sind so schwach: Sieh' ihnen lieber Alles nach! Giebt's ein Glck? Gab's ein Glck? Ich bezweifl' es sehr! Giebt es ohne Sturm und Angst Irgendwo ein Meer? -- Der Himmel ist hell, Das Feld es ist wei, Es leuchten so kalt in der Ferne Unzhlige silberne Sterne. Die Nacht ist lang Der Traum ist bang Viel Geister, sie fehlen hienieden, Geb' Gott den Fehlenden Frieden! Es eilt der Flu Die Wiese entlang, Ein Vglein hpft Dabei und sang, Doch da der Flu Kein Ende nahm Das Vglein md' Zurcke kam, Und sang nicht mehr Und grmt sich sehr, Weil's, ach, so schwer -- Ach, gar so schwer, Und freut sich nie: Weil alle Mh Ihm nicht gedieh -- Ihm nicht gedieh. Im Traum sah ich die Mutter heut, O golden ser Traum! -- Ich sah sie so schn und wunderbar, Wie oft im Leben kaum. Was kommst Du zu verknden mir Du liebes Engelsbild? -- Mein Kind, vergieb die Snden all, Sei immer gut und mild! Sei auch den Sndern gut gesinnt, Die Lge ist ihr Brauch -- Ein tglich wiederkehrend Gift -- Vergieb den Sndern auch. Einen Vers soll ich Dir machen; Verse, Freund, sie sind verschieden Wie das Leben ist hienieden Oft sehr ernst und oft zum Lachen -- Will 'nen heiteren Dir machen: Heiterkeit sei Dir beschieden, Allen Denen, die hienieden, Man kein X fr U kann machen; -- Den Studenten, Die nie flennten, Die mit eignen Ohren hren, Nie auf eine Dummheit schwren, Nimmer slich sich bethren, Nie in falsche Schlingen rennten. -- An Diejenige, welche immer das Bse von mir abwehrte. Vom Himmel schau hernieder, Und segne meine Lieder, Und halte Bosheit fern, Ich meide sie so gern; Die Bosheit eilt mir nach, Ist ewig fr mich wach, Verfolgt mich schon so lange: Die dumme gift'ge Schlange! Sei ein Held, ertrag' die Leiden, La Dein Aug' daran sich weiden, La Dein Aug' daran sich weiden, Sei ein Held, ertrag' die Leiden. _Depuis qui je suis ne, j'ai vu la calomnie Exhaler le venin de sa bouche impunie_. _=Voltaire=_. Kennt ihr sie nicht die bse bunte Schlange, Die vom Gebsch die Ferse sticht? Sie schleicht verderbend auf dem Gange, Und tretet nie vor's Angesicht. Ihr Weg ist Mord, allein ganz ungefhrdet Vergiftet sie aus dem Versteck, Horch, zischend sie im Staube sich geberdet: O Menschen, schafft das Monstrum weg! Verschiedenheit ist nthig. Ach wren All' von einem Glauben! Ach gb's nur eine Sorte Trauben, Auch gelbe nicht und blaue nicht, Und gb's nur einerlei Gedicht -- Und einerlei sei das Gesicht, Und berall ein dunkel Licht, Ach, wren All' von einem Glauben Und gb's nur eine Sorte Trauben! Wahrheit. Der Abend dmmert weich und mild, Nichts strt des Schweigens Stille, Da tritt der Mond hervor aus seiner Hlle, Beleuchtend ein erhabenes Bild. Die Kokospalme blht und der Granatbaum brennt Im frischen menschenhohen Grase, Ist dies die menschliche Oase, Wo man nicht Ha, noch Liebe kennt? Im Schatten eines Palmenhains, Im weien Kleid mit langen Haaren Da kniet die Priesterin von achtzehn Jahren, Bestrahlt vom Licht des Mondenscheins. Sie spricht ein wunderbar Gebet, Horch, was sie leise innig fleht: =Verbann', was Deine Welt entstellt, Verbann' die Lge von der Welt.= Das Mdchen vom See. Es toben die Wellen des Meeres, Sie heben ein Weib in die Hh', Wer bist Du, lichtes Bildni, Bist Du das Mdchen vom See? Ich bin einstmals versunken Im tiefen Meeresschlund, Doch wenn die Sonne goldig Bestrahlt den tiefen Grund, Dann steig' ich in die Hh': Denn =mir= gehrt die See. Des Abends letztes Gold, Es spiegelt sich im Rhein, Still kniet das Mgdelein Am Ufer, wunderhold! Ihr Haar, so licht wie Gold, Ihr Aug' so himmelsrein, Was kniest Du so allein, Komm Maid, das Wetter grollt! -- Still winkt die Jungfrau mir: Ein Opfer ruhet hier, Auf einem Grab' sind wir; Lieblosigkeit ist Mord -- Entfliehe diesem Ort', Doch sprich ein segnend Wort! Die Spitzen-Klpplerin im Harz. Im weien Gewande von Spitzenzeug, Die Blthen in braunen Locken, So sieht man das Bildni, das schne Weib, Dort oben hoch thronen am Brocken. Was ist Dir denn heut, und was weinest Du Kind? Ich liebe nur lustige Leute, Dein Auge ist na, und Dein Lcheln ist trb, Du bist ja so schwermthig heute. -- Mein Auge ist na und mein Lcheln ist trb, Ich bin, ach, so schwermthig heute, Mich plaget ein Leid, ach, ein mchtiges Leid, Ich hasse den Ballanzug heute. Ich hasse die Spitzen aus Thrnen gewebt, Drin werden zu Wasser die Freuden, Ein Wehe, ein Seufzen da drinnen lebt, Ein Chaos von bittersten Leiden! -- Das Mgdelein. Ich traf einmal im fremden Land, Ein Mgdlein zierlich und gewandt; Wo kommst Du her, wo weilest Du? Ich find' im fremden Land nicht Ruh'! Bist Du ein deutsches Mgdelein? Geboren an dem deutschen Rhein? -- Mein Vater war ein Kriegersmann, Die Mutter keine Seide spann! -- Wie kamst Du in das fremde Land? An eines Fremden falscher Hand. Die Treue wohnt in Deutschland nur; Von ihr ist hier, ach, keine Spur! -- Gebet. O, la mir die Welt der Erscheinungen stehn, sie ist so schn, O, la mich die Sonne immer sehn, Die Bume unter Bltter wehn, Die Blumen, die auf Erden stehn, Die Sterne in den lichten Hhn, O, la' mir das Licht, das herrliche Licht, Ein anderes Glck begehr ich nicht. Du gabst's jedem Wurme, den Wesen all, Auf jedem Erd- und Sonnenball, O, schliee mich nicht, nicht mich g'rade aus Aus Deines Lichtes glcklichem Haus, O, la mich die Sonne immer sehn, Die Berge und die grnen Seen, Die Bume unter Bltter wehn, Die Blumen, die auf Erden stehn. Ach, Sternlein dort, Am Himmelsort, Du glnzest so alleine Und scheinest uns so kleine. Doch sprich, was geht denn dorten vor, Doch mach' mir keine Wippchen vor, Ist es denn dort erquicklich? Und lebt man dorten glcklich? Ach, Mgdelein Im grnen Hain, Du glnzest so alleine Und scheinest nur so kleine. Was geht in Deinem Herzen vor, Doch mach' mir keine Wippchen vor, Ist es darin erquicklich, Und lebt sich's drinnen glcklich? Eine Mitternacht in Tyrol. Die groen Kaiser sind alle erwacht, Stehn aufrecht da in der Gruft, Sie tragen die deutsche Reichskrnungstracht, Es glhet und zischt in der Luft. Der Reichsverweser schlft ein in Tyrol, Die Uhr schlgt Mitternacht, Da wecket ihn dumpf, da wecket ihn hohl Der Ahnherr'n gespenstische Pracht. Wie bist Du so klein, wie bist Du so schwach, Du kleinlicher Enkelsohn, Du brachtest dem Reich, Du brachtest uns Schmach, So hallt es in grollendem Ton. Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach! Und Rudolf von Habsburg mit Hoheit begann: Du Reichsverweser Erzherzog Johann, Bewahre, Du bist mir kein Rittersmann, Ich schleudere Dich in Acht und Bann. Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach. Und Karl der fnfte in seiner Art: Wer unehrlich, sei klug, Johann, Und weil Ihr nicht klug und nicht ehrlich war't, So thun wir Euch in Acht und Bann. Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach. Und Maximilian spricht, Schmerz im Gesicht, Fluchwrdig, wer die Treue bricht, Wer wei, ereilt Dich kein Gottesgericht. In Bergen Tyrols verbirg Dich nicht! -- Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach! Und Joseph der Gute wehmthig klagt: In Wien ein Stand- und Kriegsgericht? Das Beste, das Schnste hast Du gewagt, Die Mutter -- sie vergit Dir's nicht! Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach. Und Marie Theresia, die schnste Frau, Mit unmuthiger Miene spricht sie, Mit der Rechten zeigt sie Brigittenau: Auch dieses verge' ich Dir nie! Die Shne Arpads, sie schtzten mein Haus, Das Reich und des Habsburgers Thron, Und -- ruft mit Beben die Kaiserin aus, Verderben war darum ihr Lohn. Im weien Gewand, das Haar in die Hh', Die Rechte zum Himmel hinan: Den Feinden Arpads sei ewiges Weh, Vergelichen Enkeln mein Bann! Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als ob Fels an Felsen sich brach. Dem Reichsverweser wird bang um das Herz, Die Ahnen, sie haben vollend't, Die Worte lasten wie Panzer von Erz, Der Bannstrahl das Hirn ihm verbrennt. -- Und scheu, aus den Armen des schweren Alp, Reit entsetzt und matt er sich auf, Da sieh da, nach Schatten ein blutiger, halb, -- Er steigt aus der Erde herauf! Ein Jngling, das lockige Haupt in der Hand, Um die Stirne den Streifen von Blut: An Deiner Statt -- ruft er, mein wr' das Land, Dir fehlte mein reichlicher Muth! -- Ein Nu, der blutige Schatten war hin, Es lachte noch jugendlich auf: Nicht Jeder, nicht Jeder ist Konradin, Nicht Jeder ein Hohenstauf'. Und die Berge Tyrols, die Stein' in Tyrol, Sie hallen es tausendfach nach, Das tnet so dumpf, das tnet so hohl, Als wenn Fels an Felsen sich brach. Den Erzherzog schwindelt, zur Erd' er fllt, Und siehe, es war nur ein Traum, O Volksmann Johann, die Meinung der Welt, Sie fand in dem Traume den Raum. Kalt ist's, eine trockene Klte, Aus modernen Burgen schallt Tadel fr das Holz, den Heizer Durch die weiten Sle bald. Aber in des Armen Htte Ist von Tadel keine Spur, Eingefroren ist das Wasser Und man weint und zittert nur. Ich trumte tausend Lieder Und alle schn und hold, Sie hatten blaue Augen Und Haare licht wie Gold. Die Welt lag mitten drinnen, Ein Purpurrslein rein, Unangehaucht vom Menschen, Bestrahlt vom Sonnenschein. Jetzt trum' ich viele Lieder, Doch all' mit dunklem Haar, Mit groen dunklen Augen, Und thrnenvoll wohl gar. Die schattigen Gestalten, Sie schwanken hin und her, Wie sturmbewegte Wellen, Auf sturmbewegtem Meer. Ihr groen dunklen Augen, Mit tief und ernstem Blick, Ihr gleicht an Ernst und Wunder, Dem tragischen Geschick. Ihr schattigen Gedanken, Die Wahrheit Euch verzehrt, Ihr zeigtet mir im Rslein Den Wurm, der es zerstrt. -- Wer einsam kam zu trber Hhe, Oft unverstanden angegafft, Dem rauschet jedes Lftchen Wehe Und jedes Blttchen: halte Kraft. Ja Kraft soll dem die Gottheit geben, Wer selbstlos nur das Gute will, Mit seinem Herzblut, seinem Leben, Und sich verblutet einsam still. Der Tag so kurz, der Tag so lang, Die Stunde so froh, die Stunde so bang, Das Leben so kurz, das Leben so lang, Die Freude so kurz, ach, und niemals lang. Seh' ich euch wieder, goldne Sterne, Hab' euch lange nicht gesehn, Wut' euch freilich in der Ferne Unsichtbar am Himmel steh'n! Es hat uns Gott gegeben Das menschliche Gefhl, Der Tugend nachzustreben, Sei unser Lebensziel. Barmherzigkeit zu ben, Das sei das Losungswort, Die Menschen all' zu lieben, An jedem, jedem Ort. Die Nachtigall und die Katze. Die Nachtigall sie schlaget In Blitz und Donner fort, So lang' ein Baum noch stehet, Bleibt jubelnd sie am Ort. Sie jauchzet auf am Morgen, Sie bliebt das Tageslicht, Doch Katzen, ihre Feinde, Vertragen solches nicht. Die Katze webt im Dunkeln Ist Knigin der Nacht, Doch Nachtigall trotzt singend Nchtlich der finstern Macht. Die Dichter alle dichten, Trotz Nacht, Verrat und Spott, Inmitten ihrer Feinde Ruhig getrost auf Gott! -- Von jedem Platz der Erde, Von dem er nicht verbannt, Hat stets der wahre Dichter Sein Veto ausgesandt. Und Beide, Beide hren Zu singen niemals auf: Ihr Katzen und Philister, Mein Ehrenwort darauf! -- Das Burschenlied. Die Poesie ist ein Gebiet, Wo alle Blthen treiben. Jetzt soll ich gar ein Burschenlied Fr die Studenten schreiben. Wohlan, es sei, ich fange an, Und schreib', so gut ich schreiben kann. Ich lob' mir die Studentenschaft, Die brav, fidel und bieder, Mit hellem Geist und Muth und Kraft Hoch hlt die deutschen Lieder. Mit Liedern zieht er in die Welt, Ein solcher Bursche ist ein Held. Im schmucken, reichgestickten Kleid, Mit Humpen und mit Degen Ist gern gesehn er weit und breit, Auf allen deutschen Wegen. Ein solcher Bursche ist ein Held, Er zieht als Sieger durch die Welt. Und zeigt man ihm ein bses Weib, Die Braut ihm zu ersetzen, Weicht tausend Schritte er vom Leib, Er lt sich nichts verhetzen. Mit achtzehn Jahr' hat er gefreit, Und damals war er grundgescheidt. Studenten, unsere Zukunft einst Hngt ab von eurem Werden, Ob's freund- und friedlich wird dereinst, Ob's heimlich wird auf Erden. Und Eins noch hnget von euch ab, Ob man lebendig mu in's Grab. -- Ob Nacht, ob Finsterni, ob Licht, In eurer Hand wird's liegen. Verget der groen Ahnen nicht, Dann wird das Rechte siegen. Die Burschenschaft, sie ist ein Held, Und ihr gehrt die ganze Welt. Der Thierbndiger. Des Thierbndigers Bude ist drckend voll, Die Menge lauscht lautlos andchtig schier, Da tritt zornig herein das Pantherthier, Und stattlich der Lwe und wrdevoll, Und mit grausigen Tnen dicht hinterdrein Zwei schwarze Hynen hinein in die Reih'n. Des Bndigers Tochter von hoher Figur, Von lieblich rundem, rosigem Gesicht Von glnzend hellbraunem Augenlicht, Das schwarze Kpfchen in Mannesfrisur, Betritt grend den Kreis, im Miederchen nett, Um schneeige Schultern und lchelt kokett. Johanna, gewappnet mit festem Blick, Schwingt behend' sich hinauf auf den Leu, Mit sanftem Muth und mit selt'ner Treu Ertrgt sie das knigliche Genick, Stolz kreuzt sie die Arme und lchelt dabei Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei. Die Jungfrau steigt ab und mit Heldenmuth Fhrt in des Panthers Rachen ihr Arm, Drinn braust's gewaltig wie Bienenschwarm Und wilder tobt es in Heihungers Gluth, Sie reicht ihm das Becken mit Blut gefllt Und gierig, doch langsam den Durst er nun stillt. Inzwischen sieht man die Knigin der Wuth Gefrig, schnaubend, sphen ringsum, Das Mdchen bieget den Nacken krumm, Und hinten hinauf steigt die wilde Brut: Den Mrder am Halse, sie lchelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei. Die zweite Hyne eilt nun hinan, Die erste klettert rckwrts hinab, Johanna Beiden die Ftterung gab, Ihr strahlender Blick, er hlt sie in Bann. Und dankend entflieht sie dem strm'schen Applaus, Der Bndiger fhret die Thiere hinaus. Hierauf tritt herein das gehrnte Pferd, Das seltsam geformte, seltene Gnu Und leicht hpft herein das Knguruh. Ein Ach des Staunens im Kreise man hrt, Denn des Knguruh's seitwrts laufender Sprung Erregt die allgemeinste Bewunderung. Der Bndiger fhrt nun auch Affen hinein, Die Thiere ledig der keuschen Scham, Die Menge es demthigend berkam Beim Schattenbilde vom menschlichen Sein -- Die thrichten Knaben nur jubeln dazu, Der Bndiger benennet die Thiere im Nu. Ich sparte, ruft laut er, trotz niederm Preis, Was am meisten die Augen ergtzt, Das Allerschnste Euch auf, auf zuletzt; -- Johanna, getrocknet schon ist Dein Schwei, Wir zeigen nun endlich die zwanzig Fu lange Und hundert Pfund schwere Riesenschlange. Und siehe, man treibt aus dem Seitenstall Hinaus ein schneeweies junges Lamm, Ach, zaghaft das Auge in Thrnen ihm schwamm, Doch vorwrts drhnt ihm der Peitsche Geknall. Das Lmmchen, das heute zum Tode bestimmt, Die Unschuld zu retten, kein Mensch unternimmt. Nun trgt man hinein die riesige List, Mit Kraft und Schnheit herrlich geschmckt, Und drohend und schlau sie rings um sich blickt, Und aus der Menge ertnet ein lautes Pst! Johanna daneben, sie lchelt dabei Und zeigt' ihrer Zhne hell glnzende Reih'. Die prchtige Riesin, sie wendet sich um, Raubgierig sphend und unheilvoll, Man sah, wie am Kopfe das Blut ihr schwoll, Und windet sich um das Mdchen herum. Die mnnliche Jungfrau, sie lchelt dabei, Und die Menge lohnt ihr mit Bravogeschrei. Nun holt sie das Lamm, das niedliche Thier, Hlt's geschickt vor ihr hin in der Hand, Die Schlange blickt glhend unverwandt Und zischend hascht sie darnach mit Begier, Da zittert das Mdchen, das Antlitz entstellt, Das Haar sich ihr strubt, und das Lamm ihr entfllt. Schnell will sie's erhaschen, den Kopf sie senkt, Doch im Zug sich das Unthier befand, Ein Nu, ein Schrei, das Kpfchen verschwand, Und die schne Gestalt am Rachen hngt. Noch hebt sich die Brust, noch zuckt es darin, Und dem starren Vater luft's wild durch den Sinn. Er zieht ein Terzerol, er feuert es los Rasch in den giftigen Schlund hinein, Die Tochter will er vom Frae befrein. Und richtig er traf, denn richtig er scho: Es wlzt sich in schwrzlichen Strmen von Blut, In schumenden Geifer die furchtbare Brut. Nun ffnet der Bndiger den riesigen Mund, Sein stierer Blick sprht funkelnden Glanz, Johanna ist todt, doch sie ist ganz, Nur rund um den Hals, da ist es wie wund. Die grausame Schlange nahm langsam sich Zeit, Fast schien's, als tht's um die Jungfrau ihr leid. Der Bndiger blickt scheu im Kreise herum Da dringt kein einziger Laut an sein Ohr Die Menge sich fhllos lngst verlor, Und im Bretterzelt ist's entsetzlich stumm, Der Mond durch die Spalten bescheinet darin Den Thierbndiger zu Fen der Thierbndigerin. Ich ritt auf einem Pferde, Den grnen Wald entlang Voll Blthen war die Erde, Ich rasch hinunter sprang. Vor mir auf grner Aue, Viel hundert Vgelein, So hbsche, kleine graue, Mit schwarzen Aeugelein. Ihr singet goldene Lieder, Nach Mozart'scher Manier, Seid Ihr denn alle Brder, Da Ihr versammelt hier? Die Antwort lautet leise: Wir sind nur gleichgesinnt, Ha ist der Brder Weise Einfltig Menschenkind. Sieh, es grnt an allen Hecken, Und auf allen Lnderein, Und es tummeln sich die Gecken In des Frhlings Sonnenschein! Nachtigallen singen, flten, Lerchen steigen jubelnd auf, Doch die Frsche und die Krten Hemmen der Begeist'rung Lauf! Hast Du darum mich verstoen, Weil ich Deinen Eltern fern? Schau, ein unbekannter, fremder, Aber glnzend heller Stern. Oder hast Du mich verstoen, Weil Entsagen Dir 'ne Lust? Ewig wird Dich Lgen strafen Deine lebenswarme Brust. Antwort. Es geschah aus andrem Grunde, Weil fr mich ich niemals Zeit, Sieh, das Leben whrt 'ne Stunde, Warte bis zur Ewigkeit. Aus dem Dunkel bricht das Licht, Neu erstrahlet mir die Welt, Und verstoen bin ich nicht, Gott, aus Deines Lichtes Zelt. Welche Wonne, welches Glck, Welcher Jubel kehrt zurck! Einzig Glck wohnt nur im Licht, Gott, ich lese ein Gedicht. Ich meint' es rechtschaffen und ehrlich, Doch zu mir selber nicht gut -- Mit jeglichem Wesen viel besser -- Und schrieb meine Verse mit Blut. Ein Meer von Balsam ist die Zeit, Was hat sie Alles nicht geheilt! Die falschen und die wahren Schmerzen, Die man zu schaffen sich beeilt. Gretchen. Mdchenthrnen, Schmerzlich Sehnen, Perlen aus des Himmels Thau, Werden wei und werden grau. Einer Seele weiches Sehnen, Eines Herzens schmerzlich Dehnen, Hui, das ist so warm und kalt Wie gespenstische Gestalt. Eisig schmckt es alle Wnde, Starr und freudlos alle Hnde, Alles schweigend, alles stumm, Nur der Bse geht herum. Weie Blthen, grne Zweige, Unschuld, Gte fesselt mich, Sicher leiten eure Steige, Abseits geht es frchterlich. Rosenbsche, dunkle Haine, Duftig blhende Sinnlichkeit, Nennest niemals mich die Deine, Falsch ist Deine Sigkeit. Deine Strme, Deine Wogen, Deine ahnungsschwere Lust, Sicher haben sie betrogen Manche unschuldsvolle Brust. -- Ja, ja, es kommt noch nach, Das Schne kommt noch nach, Es rufen Freudentne Die Herzenslust Dir wach. Ja, ja, es kommt das Gute, Das Gute kommt noch nach, Die Tugend mit dem Muthe, Sie ruft das Rechte wach. Ja, ja, es kommt der Glaube, Auch er, er kommt noch nach, Er ruft dem Sohn vom Staube Einst das Gewissen wach! -- Sei Dir Alles gleich, mein Kind, S' ist ja alles gleich, Jedes Ding vergeht geschwind In dem flchtigen Reich. Freud und Leiden, Schmerz und Glck, Eis und Schnee und Sonnenblick, Alles trifft ja ein Geschick, Kommt auf eins zurck. -- Inn'res Glck nur wechselt nie, Das Bewutsein bleibt, Ewig gleich der Poesie Seine Blthen treibt. Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein stolzes Herz verletzt, -- Sieh', die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hlle wetzt. O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten stille schmht, Sah man jemals einen Knig Der um Schwarzbrot betteln geht? In dem lichten Sonnenglanze, Wandelnd durch das Leben hin, Schaffend, wirkend fr das Ganze, Treu mit heiem, festen Sinn. Wer fr jedes Glied des Ganzen, Gerne gb' sein Herzensblut, Liebend, selbst das Thier, die Pflanzen, Dessen Herz ist rein und gut. Bittrer als der Tod ist Leben, Wenn ein solches Herz verletzt, Sieh' die Furien sich erheben, Deren Stahl die Hlle wetzt. O, Der kennt die Seelen wenig, Der die besten wagt zu schmhn, Sah man jemals einen Knig, Einen Knig betteln gehn! Mir trumte, da ich stund An eines Teiches Grund, Und sieh', mein Mutterlieb, Es schaute drinn so trb'. Was machst so trb Gesicht -- Fragt ich, ich fass' es nicht. Bist gut, -- sprach sie, -- mein Kind, Weit nicht, wie bs' sie sind; -- Du fat das Bse nicht, D'rum mach' ich trb' Gesicht. So sprach mein Mutterlieb Und ich erwachte trb'. Der Sieg des Geistes. Hast Du den Schmerz schon einst empfunden, Den Seelenschmerz, der tief im Innern nagt, Und hast in diesen trben Stunden Du nie und nimmermehr trostlos verzagt? Auch bei des Krpers groen Leiden, Wenn Grauen schon Dein Aug' bedeckt, Du fhlst das Leben von Dir scheiden Und bist auch dann nicht aufgeschreckt? Wohl Dir, du bist nicht berwunden, Es endet alles Erdenleid, Glck auf! Es nahen bessere Stunden, Und Du erhltst fr Alles einst Bescheid. Bescheid vom ewigen Richter droben, Wofr Du Edler denn gelitten hast. -- Es hret auf des Herzens Toben, Weg ist sie, die schwere Sorgenlast. Der Geist ist Sieger, er sieht heiter, Ja, sieht mit froh' und unumwlkten Blick Auf die Vergangenheit zurck, Und schreitet ewig immer weiter. Elisabeth. Aus jenem Tro von Kniginnen Ragt hoch empor dein tugendhaftes Sein, Den Glanz der Throne kann das Haupt entbehren, Doch nie der Tugend Heiligenschein. Dem Knig brach das Herz, in dir gefunden Hat er o, eine Welt voll Herrlichkeit, Hat ihn des Undanks Pfeil auch tief getroffen, In Dir vershnte ihn die hhere Menschlichkeit. Sonnenuntergang und Aufgang. Ein Sonnenuntergang, der Untergang Desjenigen Volk's, das einst so hoch gestrahlt, Siehst du die Streifen, purpurroth und lang, Den jeder Untergang am Himmel malt -- _El fresco_, blutig halb, halb rosenroth, Als zgen Schmerz und Unschuld Hand in Hand -- Ein strmisch Leben, ein erhabner Tod -- Ein siegreich Dulden, das nichts berwand. Welch groes Bild! im Hintergrunde Tag, Im Vordergrunde tiefe Nacht man sieht, Ein Volk, das tief im Staube kniet -- Hoch ber seinem Haupt die Prfung lag -- Und Thrnen, Dornen, Ketten allerart -- Und harte, gift'ge Zungen lauern dort -- Und Herzen, ihnen gegenber, hart Wie Stein, und wie der stille Mord. Und Angst und jhe Flucht und bleiche Noth Mit tausend Schrecken, Qualen, wechseln ab, -- Ein Schatten-Leben und ein rascher Tod, -- In dstern Flammen-, frischem Wellengrab. Das Volk sieht lange sich die Prfung an: Das Unglck, wie es leibt und lebt und stirbt, Und wie es, demthig auf steilem Pfad hinan, Um einen kalten Blick des Mitleids wirbt! Im Vordergrunde Nacht -- im Herzen Licht, Im Herzen jenes Morgenroth Des Glaubens und der Zuversicht -- Erhaben ber Finsterni und Tod -- Sie berdauernd, berdauernd Raum und Zeit, Sie umgestaltend in den ew'gen Tag -- Sie umgestaltend in Unsterblichkeit: Das glub'ge Volk hofft es bei jedem Schlag; Das Volk sieht in den Abgrund tief hinab, Und ruft: ich werde leben! Gott mit mir! Geb't mir zur Reise um die Welt den Stab -- Den Glauben -- ihn allein nehm ich mit mir. Und berall verknd' ich Gottes Wort, Ein Weltalls-Prediger bewhrt durch That, Als Glaubensbild weil' ich an jedem Ort, Ein Gotteslehrer, und -- der Vlker Rath. -- Hier steht das Migeschick, doch dicht der Glaube, Dort steht das irdsche Glck, mit ihm das Nichts -- Hier bist Du jedem irdischen Schmerz zum Raube, Allein Du bleibst ein Sohn des ew'gen Lichts --! So rief ein Engel unter Lorbeerzweigen Und zeigte nochmals Tag und Nacht zugleich, Und todesmuthig sie die Hupter neigen, Und rufen laut: =wir whlen ew'ges Reich=. Gedicht ohne r. Wie viel Licht im Sonnenball, Wie viel Staub im Weltenall, Wie viel Staub und wie viel Sand Giebt's nicht schon im Heimathland! Wie viel hohes, schnes Licht Hat's im deutschen Lande nicht! Wie viel Angst in Blitzes Schein, Wie viel Lust im Glase Wein! Doch ganz komisch ging man um, Alles schaffend, meistens stumm; -- Blos den Menschen ausgenommen, Lebt sonst Alles still beklommen, Dem Menschen allein die Kunst man gab Zu zhlen all' sein Gut und Hab', Zu sagen wie's und was ihm thut, Und wie ihm jetzt und je zu Muth: Wenn ihn die Habsucht voll gefllt, Und wenn die heie Sucht gestillt! Wie wonneathmend das Gefhl, Wenn nah' man einem hohen Ziel. Khn Manche, dies in's Auge nehmen, Ohn' des Milingens sich zu schmen, Weil edle Pflanzen oft eingehen, Wenn sie auf sand'gem Boden stehen! -- Ja, all' dies ist Jenen nicht gegnnt, Die man nach uns Geschpfe Gottes nennt: Das edle Wild kann es nicht sagen, Wie Jagd und Hunde ihm behagen, Und wenn man den Hals des Fisches sticht Denkt man, die Fische empfinden's nicht! Ei, sehet doch, wie doppelt unbillig, Die Fische zucken ja, doch bswillig, Will man sie dennoch gefhllos nennen, Weil sie nicht seufzen und klagen knnen; Und so geht's bis zum Elephanten hin, Still behlt es den unabhngigen Sinn, Das gute, weise, edle Vieh, Denn Sklavendienst beugt seine Weisheit nie, Stolz denkt es an das heimathlich Gebiet, Sanft duldend, was im Ausland ihm geschieht. Aus all diesem ziehe ich den Schlu, Da die Sagekunst man haben mu, Nicht um zu klagen stets Leid und Weh', Da ich Elephanten standhaft seh'; (Und ach, wie langweilig ist man, Wenn man niemals von sich schweigen kann); Deshalb denk' ich lediglich alsdann, Wenn man etwas sagt, was ntzen kann, Was man weise nennt, und Edles denkt, Wenn man dies dem Geist des Nchsten schenkt. Bses so zum Besten wendet: Wenn dann die Lippe niemals endet, Sie hat sich damit nicht geschndet, Dazu hat sie ein Gott gespendet; Da das Aug', das Wahn geblendet, Sich dem hellen Tag zuwendet; Seelen schwachen, schon im Sinken, Heil und Hoffnung zuzuwinken! Und die Besten und Gescheidten, Mit den edlen Geistesgaben, Die zu thun im Sinne haben, An die Thaten zu gewhnen, An die guten, menschlich schnen; Ja, und mchtig hohen Seelen, Die Gott Lob auch niemals fehlen, Zu dem Hchsten zu geleiten! -- Auf meinen am 15. November 1890 dahingegangenen Papagei. Allgeliebter Vogel Du, Gingest auch zur ewigen Ruh Liebenswrdig, zahm und zart Und von selten geistiger Art! Warst mir zweiundzwanzig Jahr, Was kein Anderer mir war, Steter Freund, ach lebenslang, Nehme meinen heien Dank. Mancher hat Dich arg betrbt, Weil Du allgemein beliebt, Gnnte diesen Trost mir nicht, -- Das ist Wahrheit im Gedicht -- Nochmals Dank fr Deine Treu! Lebe dorten auf, auf's Neu -- Jeder Geist er lebet fort Glcklich sei an jedem Ort! An denselben. Den ersten Gru am Morgen Empfing ich stets von Dir, Und Herz und Geist und Seele Lag in dem Ton zu mir. Du wirst mir immer fehlen, Stets bange bleibt's nach Dir Du ser Jakob, Kobusch Bleibst unvergessen hier. Seit zweiundzwanzig Jahren Seit meiner Mutter Tod Warst Du mein treu' Gefhrte In Freude, Schmerz und Noth! Du bist nicht fortgewichen Von ihrem Totenbett Und warst Dein ganzes Leben Stets geistvoll, klug und nett. Du wirst mir immer fehlen Stets bange bleibt's nach Dir Du ser Jakob, Kobusch Bleibst unvergessen hier. Und mehr warst Du beweinet, Als mancher Mensch vor Dir O, Koberle, o Jakob Bleibst unvergelich mir. Eine Blume ist gebrochen, Hier fr immerdar, -- Und die edle Frstin zhlte Vierundzwanzig Jahr. Wer des Lebens Glck gekostet, Und dann rasch entflieht, Kennt nicht seine Dissonanzen, Hrte nur sein Lied. Und mich dnkt, in solcher Jugend Enden leichter sei, Wie die Tne leicht sich lsen Einer Melodei. Nach dem Gesetz ber die Pensionirung der Arbeiter. Das Echo schall' es weit Es tagt Gerechtigkeit Es lauschet Menschlichkeit: Kommt eine bessere Zeit? Ob Noth und Elend flieht Aus mchtigstem Gebiet. Es war ein Hohenzollernwort, -- Und Kaiser Friedrich freut sich dort. Welch' Schreckenstille herrschet hier, Bin ich allein, ich bin allein! Entsetzen, ach, ein Grauen schier Erfat mich, so allein zu sein. -- Du nahmst mir Viel, fast rthselhaft Ist des Geschickes Grausamkeit, Beeil dich, Mut, beeil dich, Kraft, Zu krzen mir die de Zeit. Der Menschheit Traum -- die Kunst -- verhindert hin -- Nichts als des Daseins anspruchsvoller Sinn! Doch halt, doch nein; das Grte ist bei Dir: Gott ist, ist berall, und ist auch hier. Prall nicht an, prall nicht an, Steine giebt es berall, Und man kann, und man kann Haben einen bsen Fall; Sto nicht an, sto nicht an, Bse Menschen giebt es viel, Und man kann, und man kann Kommen in ein bses Spiel; Halt zurck, halt zurck Deine Meinung, deinen Blick Und die Klugheit, und das Glck Leiten weise dein Geschick. Wanderlied. Thre auf, Thre zu, Niemals Rast, niemals Ruh', Schne Damen, liebe Herr'n Kaufet freundlich, kaufet gern, Brauch's auf Brot, und brauch's auf Bier, Und das gnnt ihr sicher mir. Thre auf, Thre zu, Niemals Rast, niemals Ruh, In der Klte, in der Glut, Keiner meiner Fe ruht, Such' am Heerde einen Platz, Finde keinen, keinen Schatz. Schne Damen, liebe Herr'n Kaufet freundlich, kaufet gern, Komm aus fernem Lande her Und dem Fremdling wird's so schwer: Thre auf, Thre zu Niemals Rast, niemals Ruh'. Der Goldfischer. Am Rande des Meeres Am Rande der Fluth, Da weilet der Knabe, Gar freundlich und gut; Er stahl seinem Vater Die Goldfischlein sein Und wirfet sie wieder Ins Meer hinein. Der Vater, er jaget Dem Ufer entlang, Da wird, ach, dem Knaben So ngstlich und bang; Er frchtet den Vater, Es sinkt ihm der Muth, Fast mchte er lieber Hinab in die Flut. Da frbt sich das Wasser, Wird schwarz und wird grn Und weie Gespenster Darber hinziehn; Die Tiefe, sie donnert, Der Abgrund geht auf Die Fluten beginnen, Den rasenden Lauf. Sie stoen den Knaben Den Goldfischlein nach: Das rufet des Vaters Gewissen erst wach. =Ed. Freyhoff='s Buchdruckerei, Oranienburg. * * * * * * Anmerkungen zur Transkription Rechtschreibung und Zeichensetzung des Originaltextes wurden bernommen, nur offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert. License: Share Alike