Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net [Illustration: Holzschnitt von Lyonel Feininger] DADA VON ADOLF KNOBLAUCH KURT WOLFF VERLAG LEIPZIG BCHEREI DER JNGSTE TAG BAND 73/74 GEDRUCKT BEI POESCHEL & TREPTE IN LEIPZIG MIT EINEM HOLZSCHNITT VON LYONEL FEININGER COPYRIGHT BY KURT WOLFF VERLAG, LEIPZIG, 1919 LEO FEININGER waffenbrderlich zugeeignet Menschen, wie wir beide, verkennen mglicherweise unsere besten, echtesten Fhigkeiten und Kunstgaben, wenn wir den fr uns beide erprobten Hang zum Satirischen immer nur unterdrcken. Sie, wie ich, befassen sich mit den mystischsten Dingen; wir leben in einer Thrnenwelt (mit Th...) und unsere Gedanken sind vollgesttigt von dem gottverlassenen Treiben dieser Jahre; und tief in uns drin steckt doch auch die explosivste, rabiateste Bosheit und verlangt nach Bettigung und Befreiung. Wer wei, ob sie nicht gerade _die_ Kraft ist, die uns zur sieghaften Gestaltung prdestinierte. Feininger. Denn wir haben Mondungen fr die Erde mitgebracht. Wer zur Welt kommt, sammelt Abflle seiner fehlgeschlagenen Schaffung des Mondes. Theodor Dubler. ERSTER TEIL DER KARST. Das sonnergraute Rund des Karst steigt ber Dada empor, seine Stirn trgt vier Sulen roten Abendlichts, seine Hnde ruhen blau: Die Linke mit dem Schlssel Polas, die Rechte mit der goldenen Schale von Triest. Pola im Klirren der Arsenale, Rauch der Stahlfabriken, der Hafen voll grauer Stahlboote. Die zierliche Schnur der zum Hafen einbiegenden Panzerkreuzer ist vom Karst ins adriatische Blau herabgerollt. Triest das goldene Halbrund fraulichen Entzckens, Venezias rmere Schwester, aber gleich hold von Adria geliebt. Das sind die Gtter! und in Dadas schwingenden Nerven dichten seine Stdte aus der in den kargen Fels geschnittenen und gesprengten Flle eine graue und goldene Hymne, zu den Gttern singen die Stdte ihr in ihm geborenes Lob, auf da Er Europas Hauptstdte vor ihrem Bilde beuge. Dadas dichtender Leib ist auf kargem Karst ein lohender Abendnebel, ein Moos auf erhabenem Steine Ostlatiums, ein blauer, dann blasser Pilz. Ein etrurischer Silen, ohne Zentaurenzierde der Vorfahren, und von weier Leinfarbe der Haut, hat den Leib im Karst geborgen, ihn werden nie die leichtgebogenen Lufe des Hirsches davontragen. Unter dem beschattenden Stirnhaar blicken Dadas bla durchsichtige Augen auf das Meer gegen Abend. In Dadas Blut braut Polas Rauch, duftet die Zrtlichkeit der triestinischen Schale. Mge endlich die lateinische Mutter Adrias blaue Meerflut zerteilen, mgen das knigliche Venedig und das vterliche Rom ihre Wimpel senden und das verlorene Istrien befreien und belohnen! Dadas weiche Hnde sind zwei blaue Quallen, die in der Tiefe saugend mit den Fluten rollen und wiegen. Zu seinen Hupten stehen die vier roten Sulen im feinen telegraphischen Tnen der Arsenale von Pola. Diesem Tnen ist Dadas dichtendes Grohirn hingegeben. In der zehnten Stunde bebt der Karst von groer Woge, tagjung steht eine Wolke im Lohgelben gebaut. Adria ruht hochgewlbt, und ein blankes junges Weib springt von Adrias Rcken auf die Wolke, die sich blht und nach Osten wandelt. Dada eilt strahlend zur Felswand und breitet die Arme nach der Gttin Italia, nach der mchtigen, fruchtbaren Frau, die kommt, um den Karst zu segnen! Die Wolke steigt gen Triest. Italia streckt den vollen weien Arm aus dem wallenden Blau des Kleides und spendet ber die glckliche Stadt goldene Jubelmnzen. Danach wird die Wolke finster zusammengedrckt und rollt berm Karst nach Pola. Dada spht scharf aus dem Eck der haarverhangenen Stirn zum Zenith des weltenvollen Himmels, bis er das blaue Kleid seiner Trume erschaut. Aber das Kleid rollt auf den grauen Berg hernieder, denn die Gtter sind nackt, wenn sie einen Sterblichen liebenden Glanzes erfreuen. Italia schreitet herab, und der Silen starrt zu ihrem holden Jungreiz empor, zu den hohen Beinen, der gewlbten Hfte, auf der d'Annunzio die Harfe schlug, und dem stolz wallenden Busen. Dada kniet trunken weich vor der Gebieterin, mit schwerem, sehr qulend schwerem Bauch, zu den Fen von Rosamilch und bietet den Schlssel Pola und die Schale Triest huldigend der Lateinerin. Die Geliebte uralter Waldgtter, der sich einst Stier, Eber, Hirsch brnstig gewlzt hatten, die Umworbene teutonischer Knige, sie neigt sich gndig in Dadas Augen. Aus seinen Hnden lischt das Blau, die Lichtsulen verstummen und wenden sich ab, den entgttert Dmmernden kt die hohe Frau, freigebig gelaunt, mit der Koketterie der prchtigen, volkstmlichen Dame. Sie spricht: Dada, werde durch mich berhmt, wandle als mein Bote durch die Stdte Europas und sage, da ich ihnen aus meinem Schoe die Freiheit schenken will. Wenn du aufstehst unter ihnen, gebiete als mein Marschall, wenn du sitzest und ruhst, laste mit Italias vollen weiblichen Gliedern, massig, dick, Leib meiner Demokratie und erlsten Republik. Dein schner Silenskopf sei feurig gebrunt, es sei die Blsse vom Zeitungspapier aus den lateinischen Zgen getilgt. Dein Haarbusch ruhe schmachtend auf der goldenem Mittelma nicht entfliehenden Stirn, denn die schneren Hlften knftiger Republiken werden auf deine Locken mit Kssen sinken. Deine blassen, durchsichtigen Augen, die meine Brste umspannen mit der zart saugenden Nhe des Neugeborenen, bewahre mein Lieber, denn sie knden deinen Charakter. Eh sich Dada ermannt, Italias Hfte ergreift und die Schne an sich reit, hat die Wolke sich gesenkt. Unter neckenden Glockentnen entweicht die Gestalt und schwebt gen Abend. Triest zhlt das Gold im Schlafe, Pola schlgt tolle Hmmer, als wolle es in seinen Essen das Meer zu Stahl schmieden. Dada verneigt sich morgenlndisch und spricht zrtlich das Zauberwort: Freiheit! DEROBEA. Dada hat ein wunderbares Wort, um vor niederbeugenden Hemmnissen sich selbst wiederzufinden: elastisch sein! Dieser Zauber hilft ihm durch die unwirtlichsten Zeiten. Nachdem er Frau Italia geschaut, hat er Istriens Karst umkreist, sein karges Vaterland, das einst die heimatlichen Wlder rodete, um auf ihren Pfhlen Venedig zu errichten. In dieser Einde lebt er von der Ekstase jenes Zauberrufes, den die Gttin von den vollen zrtlichen Formen Tiepolos ihm schenkte. Aber nur unvollkommen die Bedeutung des Zauberrufes in der Wste ermessend, hat Dada ihn treulich nach Pola und Triest getragen, in jene Schenken armseliger Vorstdte und in winzige Arbeiterhtten, aus denen der im Reichtum geborene strenge Hauch der Freiheit zum schreckensvollen Orkane verwandelt hervorrast. Eines Nachts, beim Heimgange von der Druckerei des Polaer Generalanzeigers wird Dada berfallen, seine ungewhnliche Krperflle wird in einen Sack gepret, er wird auf ein Maultier gebunden, und so auf den Karst gebracht. Dort wird er seinem Schicksal berlassen, nicht ohne ihm eine Anzahl gut sterreichischer Schlge mit dem Knttel auf die weichsten Teile seines Leibes zu zhlen, die von der Schwere seines Leibes ganz besonders hart geprft wurden. Der Morgen erscheint in Adrias erhabenem Glanze und Adria hrt aus dem Sacke den leisen Seufzer: elastisch sein! Dada trennt die fesselnde Leinwand, barhuptig, gelenkig, schnellfig tritt er mit Zorn den grauen Schiefer des Felsens. Dann bckt er sich und fat das nchstbeste Stck Glimmerschiefer, zerdrckt es in beiden hohlen Hnden zu Staub, speit dreimal krftig drauf und bckt aus dem Ganzen einen Klo. Diesen Klo nun schleudert er mit Spottworten Pola zu, das drunten mit seinen Trmen und Dchern den Schlaf der Provinz hlt. Der Klo rollt zufllig auf das weie Hemd eines Mdchens, das Wsche auf dem flachen Dache ihres Hauses zum Trocknen aufhngt. Sie ist entsetzt, denn sie glaubt, da ein Stier vom Karst mit seinem Mist ihr Hemd verunreinigt habe. Und aus solcher Hhe! Dada lacht. Er ist frei. Er luft am Rand der Felsen entlang und schreit fnfmal seinen Namen. Diese eine Silbe fnffach gedoppelt wiederholt, stellen das erstaunte Aufmerken und Fingerweisen eines Suglings dar. Das fnffach gedoppelte Da! rollt aus Dada zauberhaft lieb und mit der Perligkeit eines Suglingsmundes -artig rund und mit den Hkchen des zartesten Hammellautes zu Adrias blauen Wohnungen, so da selbst die Gttin erwacht, die von frstlichen Rubern und Mrdern abstammt. ber die glsernen Kuppeln ihres Palastes fhrt ein schneeweier riesiger Kreuzer und hoch auf allen seinen Stricken, Masten, Stangen und Spieren flattern Italias Wimpel. Dada rast zum Strande. Das mchtige Schiff hat drauen ein schmales Boot niedergelassen. Mit zehn Ruderschlgen saust es an Land, whrend die Hymne Emanueles hoch ber der Adria zum Grue Istriens rauscht. Dada wird an Bord des Kreuzers geholt. Ein toskanischer Herzog soll dies Schiff zum Nordpol fhren und jene Lnder der Antarktis entdecken, von denen der Italiener im Namen der lateinischen Rassen Besitz ergreifen wird. Dada, dem Sack und den Kntteln entronnen, der Patriot, der letzte Italiener Ostlatiums, der Redakteur des istrianischen Proletariats, ist auserkoren zum Berichterstatter fr jenes umworbene Polarland, das seinen silbernen Gipfel ber dem erstaunten Europa mit der italienischen Flagge schmcken wird. Anstelle seiner verlorenen Mtze wird Dada ein mit langen Truthahnfedern geschmckter Bersaglieri-Hut auf die starke Stirnlocke gedrckt. * * * * * Eine gelehrte Aristokratie ist im Saale des Schiffes versammelt, als der Istrianer vorgestellt wird. Professoren, Literaten, Politiker und vereinzelte Damen gehren dem Unternehmen an, das in Schwung gebracht worden ist, um ein Ereignis von ebenso wissenschaftlichem wie weltpolitischem Charakter heraufzubeschwren. Der khne Dada hat sich nach einer allgemeinen Verbeugung, und nachdem die schnsten, ausgezeichnetsten Namen von Rom an ihm vorbergebeugt sind, sogleich in den nchsten Ledersessel sinken lassen, danach rutscht er ein wenig nach vorn, streckt die Beine lang von sich und spreizt die Knie, aber keineswegs, um die Zierde der Stiere unter seinem Kleide der Zivilisation zu zeigen, sondern um jenes Wort Frau Italias zu erfllen: Wenn du sitzt und ruhst, laste mit Italias vollen weiblichen Gliedern, massig, dick, Leib meiner Demokratie! Dada blinzelt aus dem Eck seiner lockenverhangenen Stirn zu den glnzenden Uniformen und den prchtigen Damen. An der Seite des Herzogs ruht eine ungewhnliche korpulente, busengefildete Frau von hochrotem Angesichte, die Dada mit Lorgnon in Augenschein nimmt. Einen Augenblick lang will Dada sich beleidigt fhlen, er fhrt von der Tiefe des Sessels auf, und indem er mit seiner gewaltigen Leibesmasse gebieterisch aufrecht steht, zieht er die Blicke des ganzen Publikums auf sich. Er tritt frei vor das herzogliche Paar und bittet ihre gndige Laune, zu gestatten, da er eine seiner Hymnen auf die nationalen Aspirationen zum besten geben drfe. Die Lorgnons senken sich langsam, wie die Fittiche des Albatros, um den Schaum der Welle zu berhren, und Dada rezitiert seine istrianischen Hymnen. Im Mahagonirahmen des mit Gold bedeckten Salons ist dieser eintnig leiernde Lateiner eine Wohltat, eine Sanftheit und Trgheit langen Verdsens. Die Professoren sind eingenickt und die Damen in tiefste Korbsessel geflchtet zum Schlummer. Nur die unermdliche Begleiterin des Herzogs bleibt wach und bewundert Dada. Sie steht pltzlich auf, tritt zum Lesenden und legt den Arm in den seinen. Erst jetzt bemerkt der ganz in die Darstellung seiner urgefgten Laute gespannte Dichter die beraus vollbltige, starke Weibesgestalt, die ihn mit lustigem Zwinkern aus dem Saale und an Deck schiebt. Indem sie auf die rings um die herzogliche Hoheit Schlummernden deutet, sagt sie: Dada, Sie sind schon jetzt ein berhmter Mann, der Herzog ist unterrichtet von Ihrer politischen Khnheit und den gegen Sie geplanten Anschlgen. Aber die von ihren wissenschaftlichen Vorbereitungen zur Reise beranstrengten Hupter drfen Sie nicht im Sturm fr Ihre tiefsymbolischen Dichtungen zu gewinnen hoffen. Lieber Freund --! so darf ich Sie wohl schon jetzt nennen, denn Sie sind doch auch ein wenig sterreicher, und ich bin eine Deutsche -- ich will fr Sie werben, junge Dichter sind so auerordentlich unbeholfen. Geben Sie sich nur ganz in meine Hnde, in Freundeshnde --! Sie lchelt verliebt und ihr hochrotes Angesicht flammt vor ihm auf. Mit einem Blick umfat der feurige hbsche Silen den mchtigen Leib, den wuchtigen Busen dieser germanischen Fruchtbarkeit, und sie, von der Karstglut seiner Hymnen versengt, streicht ber seine Stirnlocken. Und Dada erinnert sich des Augenblicks, in dem die Gttin Italia ihm ihren Segen und ihre Sendung gab. Er hat noch kein Weib gefunden, das so sehr der Vollendung Italias gem gebildet ist, als diese Deutsche neben ihm. Ein glhendes Hinneigen zu diesem Weibe bemchtigt sich des Dichters, er pret den vollsten und strksten aller Weibesarme an seine heroische Hfte, die nicht zu den Beinen flach entflieht, sondern rund auf dem Gewlbe seines Bauches ruht. Sein braunes Silensgesicht wird noch dunkler von einer stolzen Erobererfreude, und er senkt den unverhllten Blick in das Auge der vollbltigen Aphrodite, die fest an seiner Hfte ruht, denn sie ruhen beide an die Reeling gelehnt, und sie flstert trumend: Mein Herr von Casanova! Ihren Augen entschwindet die Kste Italiens. Es ist Dada nicht mglich, den mchtigen Rcken neben sich mit dem Arm zu umfangen, schlielich biegt sie langsam seinen Kopf zu dem ihrigen und sie geben sich grndlich einen Ku. Dann lassen sie einander los. Die Professoren erscheinen, die Hoheit hat ausgeschlafen, und die beiden dicken neuen Freunde bilden den Mittelpunkt fr alle Liebenswrdigkeiten und Schmeicheleien. Jetzt erfhrt Dada auch den Namen seiner Gttin: sie wird Derobea genannt und ist die Frau eines kniglich schsischen Kommerzienrats, der Konsul in Rom ist. Als Freundin des Herzogs hat sie die Erlaubnis, die Nordpolfahrt zu seiner Linken mitzureisen. * * * * * Das Schiff verlt England und steuert zur skandinavischen Kste. Dada fhrt das Tagebuch des Herzogs und hat sich vorgenommen, den Walfischen und Seerssern der Polarzone ihre Urlaute abzulauschen und ein Epos von den Pinguinen zu verfassen. Er ist begeistert von seiner ersten Weltfahrt, die ihn zwar Italias Sendung, Europa die Freiheit aus ihrem Schoe zu bringen, abwegig macht, ihn als Freiheitsboten aber jenen dsteren Horden der Eskimos zufhrt, die in ihren Erdhhlen die holdesten Kulturreize Italiens fhlen sollen. Dada hat Derobea fr die nationalen Aspirationen in Niemandsland geworben. Wie die Jordaenssche Lebensflle beider die Pltzlichkeit, Offenherzigkeit ihres Liebesverstndnisses simultan durchsprht, so sind sie auch fr ihre knftigen Eroberungen eine Hand, eine Seele. Sie nhern sich nrdlicheren Breitengraden, Bergen, Trondhjem, als Dada jene Taktlosigkeit begeht, derzufolge die Hoheit glaubt, Derobea von ihrem neuen Freunde befreien zu mssen. Seinem eigenen feurigen Ungestm ist die schuldige Entdeckung zuzuschreiben, die die Hoheit macht, als sie zufllig Dada beim Verlassen von Derobeas Schlafzimmer betrifft. Dada wird bedeutet, sich an einem Kstenorte Norwegens ausschiffen zu lassen, und trotz Derobeas entrsteten Thrnen, die fr ihren dicken Schtzling mehr frchtet als fr das Wohl und Wehe der ganzen hoheitlichen Expedition, mu sie sich in die ernsten Vorhaltungen der Professoren fgen, die nur das rgernis entfernt wissen wollen. Ohne Gepck, mittellos, wie er vom Karst gekommen, nur mit einigem Reisegeld, dem Reisepa und den hoheitlichen Empfehlungsschreiben ausgerstet, steigt Dada in Hammerfest ans Land. Vom Nordkap schwenkt der Verlassene seinen wallenden Bersaglierihut, whrend Derobea vom weien Schiffe ein zartes Tchlein weht, und es immer wieder an die Augen fhrt. Das einzige, teure Wort, das ihm geblieben, murmelt Dada immerfort vor sich hin: Derobea! Dada! wo hast du deine Derobea?! DAS NORDLICHT. Ewige Feuchtigkeit, graue Wolken, jh vorbrechende Strme. Die Meereswste wird nur selten von einigen die kimerische Dmmerung durchbrechenden Sonnenstrahlen gefrbt. Den Tagen folgen wunderliche Nchte von gleicher Helligkeit. Eines Abends sitzt Dada wie gewhnlich am Meere, das ihm Derobea genommen hat und erwgt einen Satz aus dem Buche, das seiner Hand entglitten ist: Die berwindung der unsozialen, richtungslosen Ekstase durch die soziale Ziel-Ekstase, das himmlische Jerusalem aus irdischen Bausteinen. Es ist ihm, als unterhielte er sich mit Derobea ber den Sinn dieses Satzes. Der Wind schlft ein, die Wolken stehen reglos, und das Meer verndert fern hinaus seine Dsternis zur tiefsten Schwrze. Nur der Schall der gegen die Blcke des tiefen Strandes vorbrechenden Flut donnert im Gleichma fort. Unheimliche Finsternis der Antarktis steht undurchdringlich vor Dada. Nur das Land bleibt schattenhaft in seinem gespenstigen Eigenlicht sichtbar. In Hhe des Meeres beginnen einzelne gelbe Streifen ein zuckendes Spiel hinter einem unermelichen Vorhang finstrer Geschiebewinde, einzelne ferne Fanfarentne, dann tiefste Stille. Dicht berm Meere wird es in endloser Ausdehnung vom Licht lebendig, der Horizont glht an von geisterhaftem ruhigem Blau und Grn und strahlt auf, whrend ungeheure Fcher, Gardinen, schwere Vorhnge sich hell frben und aus durchsichtigem Kristall werden, um ein unerhrtes lohgelbes Flammen mit tiefstem Schweigen auszustrahlen. Endlich erhebt sich hinter den starren Falten der purpurne Riesenfcher eines ungeheuer starken Kernfeuers, das mit blutigem Licht durch die flammenden Kristalle hinaus aufs Meer in breiten Strmen rieselt. Ein unermeliches Blutergieen berflutet den geheimnisvollen Polarkreis. Die wilde Schnheit purpurner Grotten und Eismeere, ungeheurer Pflanzen und Wale und Berge von Eis, vom zartesten Splitter bis zu den Kristall-Stalaktiten antarktischer Riesendome in dsteren Gluten errtend und elektrisch funkelnd schauert tief in Dadas Herz und ttet mit Geisterhnden sein Liebesleid. Das Miramar des Nordpols steht vor seiner Seele, und von seinen Zinnen spricht Gott in tiefster Stille das Wort des neuen Jahrtausends aus. Es graut Dada vor dem erhabenen Nordlicht, von schrecklicherer Klte als alle grausamen Kulte Mexikos, Indiens und Karthagos. Das klteste und feurigste Wunder des Erdballs hat der Italiener geschaut. Das grausigste der Schpfungswerke, das der uersten Finsternis die blendendste Pracht des Lichtes beigesellte. * * * * * Das blutige Nordlicht, gewaltiger als je eins seit Menschengedenken, ist von vielen Lapplndern beobachtet worden. Dada hat das Fieber seit jener Nacht gepackt und liegt im Gasthofe zu Bett, wo er von einer Lapplnderin gepflegt wird. Und diese erzhlt ihm eines Tages vom Nordlicht und seiner Prophetie. Es kndigt einen Krieg an, in dessen weiglhenden Ring alle Vlker der Erde nacheinander ihre Shne hineinschmieden mssen, um sie in seiner unerlschlichen Glut fr ewig versinken zu sehen. Ein herrlicher Vorhang flammensprhend verbirgt wohlttig die Greuel denen, die warten, aber wenn ein Vorhang verzehrt ist, so stellt ein neuer noch herrlicher sich dar. Niemand vermag hineinzuspringen, die abscheulichen Gluten auszutreten oder die Geopferten ihnen zu entreien. Hier wird Retter, Henker und Opfer eines und gleich. Diese Schrecken verknden die prophetischen Falten des Nordlichts. DIE URLAUTE. Dada lernt die Sprache der Lapplnder, um Zunge und Gehr in der Urform des Menschenwortes kindlicher Rassen zu binden. In den Nchten des nassen, sturmumtobten Hammerfest sieht Dada die Grundlage einer Zukunftsdichtung, indem er die Sprachen alter Rassen nach Urworten und Lauten durchforscht, die Tne tausendjhriger Kindheit blumenhaft ffnen. Wie vordem die Urlaute der Kinder, versucht er jetzt die Urklnge der menschlichen Rassen in seinem System von Rhythmen zum schwingenden Rausche zu dichten, wie jener Ekstatiker in L-bas die substilsten Sorten des Kognaks zu einer Symphonie des Kognak-Rausches. Vom wilden Lappen, Eskimo, Tschungusen nimmt Dada den Urlaut, und lt ihn neu tnen in Dadas Wildheit, Trauer, Glck und Schmerz. Dada hebt die logische Sukzession der Worte in den Ursprachen der Fetischanbeter auf und sammelt ihre einzelnen Silben oder Laute, sperrt ihren beziehungsreichen Sinn in das Gefngnis seines nervs eilenden Rhythmus und senkt in ihre traurig gerupften Kelche die bleichen Leidenschaften des Urwalddurstigen verkrppelten Europers. Der Chinese, der gypter, der Druide sprachen durch Zeichen, die sie auf Seide, Stein oder Holz eingruben. Dada nimmt die gottgeweihten Zeichen, wiederholt sie auf mehreren Reihen des nervs fiebernden Rhythmus, um die Empfindung des Urlaute-denkenden Dada flchtig schillernd auszudrcken. In einem lapplndischen Dorfe nahe der russischen Grenze findet Dada einen Dorfgtzen, vor dem er sich niederwirft, dann wieder aufrichtet, um von neuem niederzufallen. Mit schumendem Munde betet Dada in den drei Urlauten einer Hymne, die zum Gegenstande die komplizierte Idee der sozialen Zielekstase hat. Das Dorf um ihn ist nichts weiter als die materielle Gestalt seiner Idee, der er in der Hymne den Ausdruck des Urlautes verleiht. * * * * * Dada spricht: Ich bin der Orient. Er reist durch Finnmarken nach St. Petersburg; er geht durch das Geschlinge aller Rassen und Sprachen und er bildet das Gehr zur uersten Feinheit der Wahrnehmung, um die allertiefsten und allerfernsten Urklnge der lebenden Vlker zu verstehen und zu besitzen. Er betritt vom ersten Augenblick an jene Bahn, die jedermann whlt, wenn er weder Geld noch Beschtzer besitzt, um zum Erfolge zu gelangen. Dada tritt in die berhmte Organisation der russischen Geheimpolizei. Er wird beauftragt, einer Reihe revolutionrer Klubs als ordentliches Mitglied anzugehren. Auf Grund geflschter Zertifikate erlangt er Zutritt zu einer Reihe politischer Versammlungen, erwirbt sich Vertrauen und wird schnell berhmt auf Grund seiner persnlichen herkulischen Erscheinung, die an die Leibesflle des Begrnders russischen Terrors erinnert: Michail Bakunin. Dadas Vorname, bei dem ihn jetzt das Proletariat kennt, ist: Michail. Auf einer Werbereise zu den Muschiks eines westlichen Gouvernements kommt der erfolgreiche Istrianer in einem Provinzstdtchen mit zwei Mnnern zusammen, die Bauern und Arbeiterschaft ihrer Bezirke in Bewegung gesetzt haben, ohne eine Kopeke von den Geldern des Zentralkomitees zu brauchen. Der eine ist Klavierlehrer, der andere Angestellter der Stadtdruckerei. Mit diesen beiden Mnnern gert er in ein Gesprch ber ein Ereignis, das ganz Ruland erschttert. Ein junges Mdchen aus guter Familie, gut erzogen und von der Jugend der Charlotte Corday, hat einen General mit der Bombe gettet, weil er ein grausamer Gouverneur war. Dies Mdchen wird in der Untersuchungshaft von den berwachenden Offizieren vergewaltigt und am nackten Leibe gemartert. Sie lschten z. B. die Zigaretten auf ihrer Haut. Als sie vor ihren Richtern steht, erklrt sie, da sie aus dem Leben wolle. Eine dstere Tragdie folgt der anderen, diese glhenden Verfinsterungen einer Nation, in der die mechanische Cinma-Kultur Europas sich mit den asiatischen Triebkrften zur ungeheuren Selbstzerstrung vermischen. Dada sieht sich durch die Ochrana unheimlich verstrickt und weiter als je von Italias Freiheitssendung entfernt. Er schliet sich geqult den beiden Mnnern an, die eine fr ihre Schicht ungewhnliche politische Vernunft und khne Rcksichtslosigkeit in der Verfolgung ihrer Ziele besitzen, auerdem lernt Dada in ihnen zwei Freunde jener Terroristin kennen. Mit ihnen geht der Istrianer auf die Strae, sie halten die Vorbergehenden an und erklren jedem einzeln ihre Ideen. Sie flstern, versprechen geheimnisvoll, drohen, spotten -- sie werben mit unbezwinglicher berzeugungskraft. Die Polizei ist machtlos gegen sie. Auch Dada glaubt an die Revolution, die Demokratie und Kindlichkeit der Vlker. Er glaubt an das Werk der Freiheit. Er bittet seine Freunde, das erste groe Werk sozial zielvoller Ekstase den Muschiks und Proletariern vortragen zu drfen: Das Nordlicht! und begrndet: Die Kindlichkeit neuer Demokratien erfordert eine ihr geme neue Urform des Ausdrucks und des Stils. Erst der kindliche Mensch ist der wahrhaft Freie! ein ausgelassener unbndiger Junge ist das Urbild der Freiheit! Seine Stze brauche man nicht durch Kommas und Punkte eingeschachtelt zu hren, jedes seiner Worte sei ein Hauptwort, auf dem die Sonne der Urlandschaft spriee. Jede seiner Empfindungen habe nur einen Ausdruck: Den o- oder aj-Ausruf, den Schmerz oder die Freude. Sein Wille kenne nur eine Wortform von substanziellstem Wert. Vor dem gleichgltig rauchenden und trinkenden Publikum einer Arbeiterversammlung trgt Dada die Hymne des Nordlichts vor. Die Vlker beider Welthlften erzhlen selbst im eintnigen Chore von den Grausamkeiten, den Kriegen und den Kulten ihrer kindlichen Zeiten. Die Idole der Osterinsel, Perus und der grausamen Mexikaner erzhlen ihre paradiesischen Feste und ihre schndlichsten Greuel, Madagaskar, Indien, und endlich jene untergegangene Atlantis, von der die lateinischen Neu-Republiken nur blasse Revenants sind, blhen urwaldblumenhaft in ihren wenigen gewaltigen Urlauten aus Dadas Rhythmen auf. Tnze, Prozessionen, Orgien, Fratzen, Gtzen der alten Naturkulte leben magnetisch in einigen gelallten Silben Dadas, obgleich hier bereits die Grenzen des im Worte Darstellbaren erreicht werden. Diese Silben gleichen Kakteen oder Orchideen, die mrchenhafte Systeme von Stacheln oder farbigen Blttern entfalten und mit ihren knstlichen Gebilden das Entzcken der Sammler oder sthetischer Salons sind. Dadas sozial zielvolle Dichtung ist ein archologisches Museum der Seltsamkeiten des Vlkerlebens, ein Erotikon und Folklore aller Geschlechtskulte. Die Menschheit eilt mit dem eintnigen Summen eines vielgeschftigen Bienenstockes vorbei, ohne sich umzublicken, den Blick auf ihre erhabenen Idole geheftet. Immer auf dem Marsche nach Norden, immer von neuem ungeheuren Zuchtmitteln unterworfen, die aus Einden entsprangen und die Erschlafften geieln -- durch die Kriege, Opfer, Brnde, Seuchen, Untergnge wandeln die gleichmtig gereimten Hymnen Dadas, um endlich das Nordlicht anzubeten und aus seinen glhenden Falten die kalte Prophetie Europas zu empfangen. Dada verkndet die Zertrmmerung dieses Erdteils, und nach Niederlegung all seines Menschen- und Pflanzenwuchses den Triumph der Polarwste ber die verworfenen Reiche, den Sieg des Nordlichts! Seine Vorlesung schliet Dada mit dem Ausruf: Betragt euch _kindlich_, so fhlt ihr euch frei und ihr seid es auch! Eine drckende Stille liegt auf den Zuhrern. Die beiden Freunde fassen Dada an den Armen und zwingen den bequemen herkulischen Italiener aufzustehen und mit ihnen die Versammlung zu verlassen. Seit einiger Zeit ist Dada verdchtig des Einverstndnisses mit der Polizei, und bei seiner ungewhnlichen Vorlesung, die mit smtlichen Perversitten der brgerlichen Gesellschaft aller Vlker spielte, haben die Freunde das strkste Mitrauen der Versammlung bemerkt. Selbst die Freunde haben Dadas Werk nicht verstanden, das auf das Erscheinen irgendeines neuen brgerlichen Ssanin hinaus zu gehen schien, der auf Kosten der Arbeiter einem Geschlechtskulte im Zeichen des Nordlichts sich hingeben wird. Ein Jahr hat Dada in Ruland verbracht, ohne seine Aufgabe, die Freiheit auch diesem gequlten Lande zu bringen, erfllt zu haben, diesem mitrauischen, bis auf die Wurzeln verdorbenen Volke, das in dem Bewutsein stndiger Gefahr von Umsturz und Emprung sich dem Rausche ergeben hat, erregt von einer tief fressenden, stets sprungbereiten tierischen Sexualitt. Ihre Freiheitsideen verdammt Dada im selben Mae wie ihren Fortschritt vom Stumpfsinn des Mir zum Cinma und zum Alkohol. Die Macht der Idee selbst bei den armen russischen Bauern und Arbeitern ist das Wunder, das Dada rhrt, und er wnscht ihnen dazu die Vernunft des -- Nordlichts! Dada ahnt nicht, da er jene beiden Russen kennen gelernt hat, die nach dem Sturze des Zaren, nach Ausbruch unerhrtester Ereignisse, die gnstige Stunde des Weltkrieges benutzten und das Schicksal der russischen Republik in ihre Hnde nahmen, jene selben Mnner, die noch eine Zeitspanne weiter dieselbe Terroristin und Freundin fsilieren lieen, als sie sich _ihnen_ entgegen stellte. Der unglckliche Weltreisende mu sich von neuem entschlieen zu wandern. Dada soll ebenso sanft wie nachdrcklich nach Deutschland abgeschoben werden, dem Zion aller Juden und Emporkmmlinge Rulands und Polens. Mit Hilfe seiner herzoglichen Freibriefe entrinnt er rechtzeitig der russischen Polizei und gelangt nach Deutschland. DRESDEN. Dada wendet sich sogleich nach Dresden, um Derobeas Aufenthalt zu erkunden. Siehe da: auch sie ist nach einjhriger Abwesenheit in den Polarlndern zurckgekehrt, um von Dresden aus zum Gemahl nach Rom weiterzureisen. Sie hat die Expedition des Herzogs auf der Heimreise in Hamburg verlassen. Es ist ein kstliches Wiedersehen von Taubenzrtlichkeit, und sie beschlieen, ganz der Kunst und der intimsten Gesellschaft geweihte Wochen gemeinsam zu verleben. Die reiche, in Knstlerkreisen sehr wohlttige Dame veranstaltet eine Reihe groer Empfangsabende und Feste, um die Knstler Dresdens und Berlins einzuladen. Die glckliche Derobea versammelt Snger, Komponisten, Dichter, Rezitatoren, Maler, sie ruft Kunstausstellungen hervor, wirbt Zeitungen fr den Dienst der neuen Kunst, der sie ihre Salons zur Verfgung stellt. Zusammen sind Derobea mit Dada die berhmten Protektoren. Derobea und ihr Kreis bewundern die Hymnen des groen Istrianers aus Lappland und dem Reiche der Sarmaten und Tartaren: Das Nordlicht sowie die Hymnen und die Philosophie von den Urlauten der kindlichen Rassen. Smtliche Werke Dadas erscheinen im Druck, an ihrer Spitze die Hymnen an Derobea, der das Ganze in kindlicher Dankbarkeit zu Fen gelegt wird. Derobea ist glcklich. Dadas Genie ist in Deutschland entdeckt, er wird gemalt, wertvolle Liebhaberausgaben seiner Dichtungen werden subskribiert, seine Philosophie wird die Grundlage einer neuen Richtung der Ausdruckskunst. In khnen Vortrgen bemchtigen sich Doktoren der Kunstwissenschaft der Dadaschen Dichtung. Gestammelte, gelallte, gesthnte, gestaunte und geseufzte Empfindungsurlaute des Eskimos in Dadas Rhythmik haben die bisherigen Sprachgrenzen des Kulturmenschen berwunden, kein Verbum, kein Objekt fesselt den Strom der Dichtung, die wohlanstndig logische Frisur des Satzbaus ist zerstrt, das Subjekt allein bleibt im ewigen Einerlei seiner Abwandlungen bestehen: wunderbar entfesselt, ausgebreitet in einer Welt freier Leidenschaften, freien Liebens, Ttens und Gettetwerdens. Aus den Greueln Europas schreitet Dadas neues Subjekt hervor, um durch die Eisstrze des Polarkreises und die kalte Herrlichkeit des Nordlichts das Absolutum der Kunst zu finden, die letzte demantharte Kristallisierung, die Reinigung der kulturbefleckten Menschheit. * * * * * In ihren Salons hat Derobea eine Reihe Spielzeuge fr Kinder aufgestellt: einen Garten mit Arche Noah aus Pappe und bemalten Hlzchen, Postkutschen, Lokomotiven, Mllerwagen, Puppen und Dreiertieren mit mechanischem Antrieb. Alle Spielzeuge sind mit den Urlauten Dadas versehen. Man drckt auf einen rosa Gummipfropfen und die Figur stt den ihrem Charakter angepaten Urlaut aus, den Dada einem Lapplnder, Samojeden oder Tartaren abgelauscht hat. Mit diesen Spielzeugen erheitert Derobea ihren Kreis, nachdem Dada eine seiner leiernden Hymnen vorgetragen hat. Da erschallen die Sle Derobeas von wunderlichem Geplrr und Geschrei, die Gste versuchen selbst die Urlaute nachzuahmen, es ist, als ob eine ganze Mdchenschule eingesperrt ist und in allen Stimmlagen ihre Lehrer fft. Durch Passanten aufmerksam gemacht, erscheint eines Tages die Polizei in Derobeas Hause, um dem revolutionren Lrm nachzuforschen. Alles lacht und der errtende Dada verschwindet hinter Derobeas mtterlicher Statue. Denn ein Plastiker hat Derobea und Dada in Jordaenscher Flle aus Marmor gehauen. * * * * * Eine neue furchtbare Stimme hat sich aus Berlin erhoben und droht wie einer der sagenhaften Gaskogner der Iliade dem Istrianer mit Herausforderung auf Urlaute. Ein Kreis von tyrtischen Knstlern hat sich unter Fhrung von drei auserwhlten Mnnern auf den Marsch begeben: mit dem Programm eines organisierten Orkans der erneuerten Knste und einer lffelartigen Fortbildung ihrer Sprechwerkzeuge. Vor ihnen her geht die neue furchtbare Dichterstimme Hackhacks aus dem Schall einer verstrkten Kindertrompete, neben ihm denkt der Philosoph mit Augen von Tetradern, geschliffen aus gewhnlichem Kiesel und lacht erotisch ber den eigenen und Hackhacks Bombast. Der Direktor des Ganzen springt ber sie, rhrt besessen die Hacken und tanzt in dnnster Luft. An jedes seiner langen langen Haare ist ein Heft des tyrtischen Orkans geknpft und fliegt rund mit solchem Babygrinsen, solcher Dummdreistigkeit, als wre sein Dasein wichtiger als das der restlichen Schpfungswerke. Diese drei starken Mnner haben die Kunst ethisch gedrillt und unter Polizeiaufsicht genommen. Gelenkt von einer Mnade von internationalem Blondschein, gengt Berlin keineswegs ihrem teutonischen Eroberungsdrange. Sie ziehen eines Abends in Dresden ein und Hackhack veranstaltet eine Orgie seiner Dichtungen in Derobeas Salon. Unter Chagalls Bild des Gehrnten lernt Dada Hackhack kennen. Der Vortragende, ein Mrtyrer der Kunst Hackhacks, donnert in ununterbrochener Ekstase die Berliner Dichtungen, mit der Eintnung der heraufgestemmten Urlaute, die seltsam von fern an die Leier Dadas erinnert. Es sind Dichtungen in mediumistischem Trance und spiegeln den zerwhlten Zustand hindmmernden Weltlebens, zersetzter, geschwchter und zur schpferischen Ohnmacht verdammter Vlker. Gleich Dada hat Hackhack das Objekt und Prdikat ausgerodet. Das Subjekt strmt hartnckig seine unaufhrlichen Interjektionen in einem Niagara von Verben, die weder Logik noch Satzgefge hemmen, und sich in eine furchtbare de strzen, die nur einige trbe Berlinismen erquicken. Dada wrde gern den neuen Mann aus Preuen als seinen Doppelgnger von der nrdlichen Hlfte Europas begrt haben, wenn ihn nicht eine furchtbare Anomalie gegen Hackhack eingenommen htte: das sind die seltsam zerhackten Wortreste der deutschen Sprache zum hheren Ruhme des neuen Gottes, der Kunst! Ausgerodeten, bleichenden Wurzelknorren oder Brocken von groen Stmmen gleichen diese armseligen sinnberaubten Wortreste, die in einer unermdlich quellenden, gurgelnden, schubbsenden, zappelnden Flutung eines furchtbar sthnenden, schwer Atem ringenden Subjekts kreisen, dem Gesetz der Beharrung unterworfen gleich ihrem Schpfer. Dada ergreift eines dieser vergewaltigten Worte, die aktivische Vorsilbe ist ihm abgesgt, und der bloe Schwanz als leidenschaftslose Urerscheinung aus der Kindheit germanischer Rasse zeigt die Hoheit des Dichters. Der in den Urlauten vlkischer Suglingstage tiefbohrende Dada steht entsetzt vor diesen Urformen berliner Hackhacks. Wird Dada auf seine sinnlichen Urlaute verzichten, und jene Lautempfindungen aus ihnen hacken, die Dadas teuerstes Gut sind? Wird er dies Verbrechen seinen Wrtlein antun, damit sie schnell an der Oberflche mitschwimmen knnen? Oder wird Hackhack sich seiner Dichtersiege und seiner unzhligen Krppel von Worten freiwillig begeben, die seinen frchterlichen Berserkeranfllen von pedantischer Wortschrauberei und Klgelei entsprossen sind? Die Hexerei, Taschenspiegelei aus Berlin und ihre dekadente Wstheit betrbt Dadas katholische Seele und italienisch formgebildeten Kunstgeist. Auch er ist begehrlich nach den wildesten Urgenssen, dafr ist er moderner Silen. Aber Hackhack ist auch Hackhack in der Seele und das taugt Dada nicht. Am Morgen nach dieser Berliner Gassenjugend begibt er sich mit Derobea zum ersten Male seit Jahren zu einer Messe in die Liebfrauenkirche. Er besprengt sich mit geweihtem Wasser, beugt das Knie und betet aufrichtig fr die Reinheit seiner Seele und seiner der menschlichen Befreiung geweihten Kunst. * * * * * Im selben Sommer, der Derobeas und Dadas Mrchenglck sieht, bricht der Krieg aus, der allen Aspirationen des Istrianers ein Ziel setzt und den Konsul aus Rom in die Arme seiner Gattin zurckfhrt. Dada wird nach sterreich zum Heere eingezogen, macht einige Mrsche mit und bleibt dann als Badewrter in einem Lausoleum Galiziens hngen. ZWEITER TEIL DIE SERBIN. Dada trgt Tschako, Bluse und Habsburgs Doppeladler. Sein Blick steht schrg, und auf die bewaffneten Horden, die gen Osten ziehen, fllt sein Schatten dumpfer Hrte, mrrischer Unlust; verstaubt, verdorrt, verwest in den Wirbeln der Menschende, die bis ins ferne Morgenland schumen. Der jngst weltweite Horizont, den Dada zu erobern ausgezogen war, hat sich verkrochen, liegt in der Kriegswildnis im Hinterhalt, bestckt mit zehntausend Drohungen. Das Standbild der Freiheit, in den verzehrenden Flugsand irgendeiner Wste Gobi gestrzt, wonneglnzt ihm nimmer zu den Mondungen seiner Seele, und das hellste der irdischen Festlnder ist finster geworden. Zu einem runden Silbervollmond der Steppe steigt Dada auf dem Damm der Bahnlinie, die Wien mit dem goldenen Kiew bindet. Hell, zart leuchtend ist die nchtliche Ebene. Dada steht lauschend und sinnt gen Osten. Auf den im Monde blulichen Schienen schreitet hoch und anmutsvoll ein Weib, den Rock geschrzt, und bleibt vor Dada still, die entblten Arme ber dem starken Busen gekreuzt. Das stattliche Weib ist von Angesicht und Haltung frei der knechtigen Plumpheit trger Halbslawen. Sie spricht leise im Wind der Sommernacht im Sieden der Erde: Mich trug Istriens armer Karst, durch das tote Europa bin ich in alle Lnder bis zu den letzten aller Slawen gewandert, um sie den Klauen des Doppeladlers zu entreien. Du bist mde und schwer geworden, seit dich Italia zu ihrem Geliebten machte und sie dich zu den kraftvollen Spannungen der Freiheit erkor. Gib acht, ob du noch taugst zu der Sendung, die dich in die Freiheit pflanzte. Du warst geschmckt mit dem Adel Etruriens und gebotest mit dem Lockklang Pans ber die Horden. Aus Galiziens Kriegswildnis schmachtest du nach dem Orient und verhllst Abtrnnigkeit und weibische Zagheit mit dem Lack Chinas und Krischnas Liebesblumen. Weil beflissene Knechte die Vlker in Kriegsgert, Panzer und Flugzeug schnrten, glaubst du, da die Freiheit verliegt und fault? Einst gefrstet von Csaren empfing ich Legionen in der Kraft meiner kimerischen und dacischen Vlker. Ungebeugt, roh, von Brenkraft und Pantheranmut, geno ich die rmische Freiheit und senkte sie meinen Jungbrtigen in Hirn und Herz. Grnder neuer Reiche und Pflger neuer Grenzen zogen ihre dstren ergebenen Fahnen nach Norden und zeugten das neue Europa. Dada, ich wei, dir fehlt Garibaldis Feuerblick, Magnet der Freischar, wahrer Gott der armen ruhmbelohnten Kmpfer. Du hast viele Geliebte ntig gehabt, und schlielich hat eine Kchin, die einem Deutschen gehrt, dich um dein entartet lateinisch Blut betrogen. Mit einer braven Zweischichtigen, Zweischlfrigen wurdest du bettgewhnt und hast die Freiheit verschlafen. Als es dann zu spt war, als alle um dich aus dem Rausch erwachten, und Mnnerblut und Weibertrnen ihnen bis an den Hals in roter Sintflut stand, frchtetest du dich und du verhlltest die Seelennot mit deines furchtsamen Verstandes bunter Wortkunst. Aber es ist keine Schonzeit fr die Furchtsamen. Nimm die Schiene, lse ihre Schrauben und trage die starken Stahlglieder beiseite, damit das Gleis zerbrochen sei. Und an das Ende des westlichen Schienenkrpers befestige diesen eisernen Topf mit hohen Explosiven. Das Weib lst vom Grtel ein kleines schwarzes Gef und Dada nimmt es schweigend. Ein Balken starken weien Lichtes quert den Bauch der Geheimnisvollen. Sie lchelt. Dada kniet und birgt den treuen Zentaurenkopf in den groben Falten des Bauernrocks. Ein Bumchen mit dicken, grnen Blttern und drei dunklen Granatpfeln spriet aus der Erde und wlbt um Dadas am Bauch der Serbin ruhendes Haupt betubende Wollust. Das Weib entfernt sich unmerklich, auf bleichen Schienen entwandelnd. Dada liegt quer ber die Schienen gestreckt und kt in blinder Inbrunst den schrecklichen Stahl. Dada biegt die Schrauben, lockert sie mit Steinschlgen, trgt die Schienen auf dem Rcken beiseite und befestigt, gehorsam der Slawin, das Hochexplosiv. Danach macht er sich fertig und wandert gen Osten in der Tracht kroatischer Bauern. KIEW. Durch die Serbin zu serer Qual entzndet als von allen Derobeas eilt Dada Ruland zu. Als ukrainischer Bauer kommt er nach Kiew. Entsandt von der neuen Einheitsrasse, die Europas blutgedngter Erde entspro, seinem erstickenden Vlkergefngnis entsprungen, entkettet, entbunden, entrollt zu Wirrsalen des Staatenumsturzes, fernster Vlkersicht, zu Strmen, Himmeln, Bindungen erneuerten Festlandes. Im Dom zu Kiew kniet Dada vor den Bildern des Weltgerichts. Nachtdunkle Augenmale der weltverschlingenden Propheten starren auf das Meer Europas, in dessen Abgrunde brnstige Ungeheuer rollen. Jo, die Sklavin roher verderblicher Gtter, nimmt gepeitscht durch kimerische Lnder ihren qualvollen Lauf zu den Zinnen des Kaukasus. ber prometheischer Zwiesprache zrnt das feurige Antlitz des Stiergottes durch die Wolken und beschattet das junge Europa mit endloser Zwietracht und Krieg, gleich Blitzen unter Wolken gestreut. Die furchtbaren Tiere regen sich markzehrend in Europas Tiefen: Plage, Seuche, Hunger, Aufruhr, Gewalttat, Verfolgung, Mord. Die Heiligen des Pantokrators, erhht ber Verbrechen und Schwchen, gewaffnet mit Jovis Blitzen und dem Bannfluch, um jede Seele botmig zu machen, starren glhend in den unermelichen Abgrund, ber dem sie ihre Macht errichtet haben. Heulende Gewalten werfen sich in den Staub, Zerknirschte tun Bue, das Schwert zerschellt, seine Schrecken enden am glsernen Meere, das unwandelbar von Gottes Stuhl ber Europa fliet. Die Gottesmutter nimmt die Gestalt der Serbin an. Sie stiehlt das goldene Vlies des Orients. Dada wird in Kolchis seinen Bock den alten Gttern schlachten und er wehrt es nicht den neuen, ihr Mahl am frischen Lamme zu halten und das Opferblut zu trinken. Dada sieht den Transportzug in der hellhrigen, zartleuchtenden Nacht, die Explosion und den Zusammensto: die Raserei der Verwundeten, die Schreie der Getteten, die Schande des Mordes haben seine Seele erreicht. Das Lamm ist zerrissen, das Blut dampft um Rache im strengen Licht von Patmos -- das die Stufen beglnzt, auf denen die schwarzen Vter thronen. KAUKASUS. Brcken, Stahlschienen, Wagen tragen den Leib des glcklich dem wolhynischen Gemetzel Entronnenen. Bche, Strme, Hgel beugen ihre breiten Rcken, Wlder setzen ihren schwarzen Fu zgernd in die endlose Steppe und nehmen endlich Abschied von Dada. Russische Dome heben ihre Trme mit Zimbeln der goldenen Kuppeln und zrtlichen Kreuzen. Rosa-Lmmer mit Glckchen um den Hals springen auf zum Silbermond in grner Abendaue, und ein Lcheln betaut Dadas Angesicht. Eines der Rosalmmer hpft auf die gewlbte Mondsichel, und Dada fat hinauf in dem zrtlichen Bedrfnis, als der gute Hirte das Tier auf den Arm und an seine Brust zu nehmen. Da schwillt die zarte Rosagestalt ungeheuer an zum blutroten Mastodon, dessen Wanst langsam ber den kleinen Mond sinkt und ihn mit blauen Riesenschatten verhllt. Die himmlischen Eisdiamanten des Kaukasus erscheinen am Himmelsgewlbe, kniglich ber den Reichen des Lebens. Keine Absolution durch Handauflegen, keine Gnade durch Messe und Rosenkranz -- erdwurzelnder Glaube, strenge Ordnung, Riesenkreis sulenstarker Offenbarung. Die feierlichen Stimmen der Berge dulden keine versteckten Winkel voller Trgheit und keine Schlammfelder voll anarchischer Mordtaten. Die Berge wandeln erhaben, senken sich, ruhen, steigen an und neigen schwarze Riesentafeln ber Dada. Eisige Windstrme stoen von nchtlichen Hngen, reien und klten ins Mark. Dster geduckt harrt Dada zwischen Bauern gekauert, auf den Ausbruch des roten Wahnsinns, wenn vom Riegel des Orients die Trompete schallt und die Nie-Entshnten zum Weltgerichte ladet. * * * * * Durch die Stdte des Hafis gelangt Dada zum Indischen Ozean. Mit englischen Khakis, die zur Front nach Grz eingeschifft werden, geht Dada an Bord eines mit Rauten und Rechtecken bermalten Kreuzers. Anders als er in Pola ber die Adria emporflog zur Eroberung des Poles, belastet, verdumpft, zugeschttet, kehrt er endlich heim von seiner Europareise zu Italia: zu ihr, die ihn als ihren Marschall aussandte, kehrt er mde und ohne sein schimmerndes Schild heroischer Taten zurck und keine Hymne Emanueles rauscht heimatskndend dem vielbewanderten Dada. Krank, zerrttet verbringt der Flchtling die Reise im Bette. Im Fiebertraum steigt der Kaukasus immer drohender, in schrecklicher Schnheit empor. Dada klimmt an dstren Hngen auf und hmmert hilflos einsam riesige kubische Glastafeln an die Felswnde. Aber sie lockern sich schnell und strzen in die Tiefe, aus der furchtbare Windstrme die Krfte seiner Arme saugen. Qualgeblendet steigt Dada zu den prometheischen Firnen auf, um ihnen seine antiseptischen Glastafeln aufzuhmmern, aber die mchtigen Berge spotten seiner kindischen Anstrengungen. Als das Fieber von Dada weicht, bemchtigt sich des Dichters ein dmonischer Glaswahn: mit riesigen Glastafeln will er Berge, Ksten und Hochflchen bedecken und sie schtzen vor der Fulnis und Verderbnis des kriegfhrenden Europas durch eine Erdarchitektur des Glases. * * * * * In Brindisi betritt Dada das gelobte Land unter den Huldigungen der weiblichen Bevlkerung, die einen Helden vermutet. Die gewaltige Gestalt, gehllt in einen schweren Mantel von Kardinalsrot, zieht aller Blicke an. Whrend Dada die Terrassen vom Meere heraufschreitet, wird er mit Blumen berschttet, Krbe mit Frchten Siziliens werden ihm nachgetragen. Dada wlbt die athletische Brust und spricht zu den italienischen Frauen: Der Held trumte unter den Blumen des Orients vom armen Karst im Norden, den die lateinische Flagge seit Jahrhunderten nicht mehr kte. Der Held fhrt zu der schaurigen Hlle zu Fen der Alpen, die eure lebendigen Shne frit. Dadas Ruhm beginnt. In Neapel und Rom wird er interviewt und gefilmt, Barzini schildert seine antarktische Reise. Jenes dunkle Attentat auf die ukrainische Eisenbahnlinie, das vielen Tschakos den Garaus gemacht, und das der Dichter der Urlaute in einem molligen Interview zum besten gegeben hat, wird in der ganzen Kriegspresse abgedruckt zur Frderung einer gesunden Akzentuierung der Heeresberichte. Seine Hymnen werden als patriotische Kundgebung fr den Sieg Italiens ber den Nordpol verherrlicht, und die um Bissolati trumen von seinem Denkmal auf dem Karst. Nur der Avanti erklrt sich gegen eine ffentliche Geldsammlung fr die Statue Dadas. Der Gefeierte im roten Kardinalsmantel aber trumt von hheren Ehren und von einem andern Ruhm, der ihm nicht von seinem Nebenbuhler d'Annunzio und der Rache der Anarchisten streitig gemacht werden kann. VENEDIG. Aus dem kriegsrasenden Rom flchtet Dada nach Toskana und kommt eines Nachts in Venedig an. Er legt seinen roten Mantel ab, und in Arbeitsbluse, unter angenommenen Namen tritt er in einer der alten Glasfabriken von Murano ein. Er lernt die erste Stufe der Erzeugung reiner Glas- und Kristallflsse, das Schmelzen, Brennen und Schleifen untadliger Glser, kstlicher Spiegel und Sichtglser, die den Weltraum zu zarten funkelnden Brennpunkten verdichten. Dada trumt davon, ein Glas von Dauer und Hrte der Steine herzustellen, das gegen alle Erschtterungen gefestigt ist, ohne jedoch den natrlichen Verwitterungen ausgesetzt zu sein wie jene. In riesigen kubischen Platten soll es geschnitten werden, und es soll lodern von feurigen Flssen oder Bndern in den Spektralfarben. Sonnen, Wolkenschlachten und Liebesmahle sollen zum leuchtenden Schmuck der Erdringe werden. Er will die Erde panzern mit antiseptischem Glas, indem er den Drohungen des Kaukasus trotzt. Die dstren Kalkhalden und vegetationslosen Hochflchen des istrischen Karst sollen geschnitten, geteilt, und durch Gltten und Schleifen in drei- und rechteckigen Formen gegeneinander gesetzt werden und die Berge als polygonale, pyramidale und kubische Felskrper eine ungeheure Raumgestalt in den Himmel trmen. Auf dem geschliffenen Gebirge sollen Italiens Arbeiter die Flchen auslegen und vernieten mit den dauerhaften und farbigen Glaspanzerplatten seines kaukasischen Traums. Hoch ber der Adria soll das neue Kap Sunium, das glasgepanzerte Vorgebirge Istriens funkeln als der Diamant Europas und die Lateiner in Ravenna und Rimini an heiteren Tagen brderlich gren: Denkmal der Freiheit und Verkndung und Triumph der Lateiner ber den rohen Weltkrieg. An beweglichen Stahlgestellen sollen riesige Refraktoren bis ber die letzte terrestrische Luftschichtung hinaufstoen und mit einsamen, stillen Augen das Leben des Himmels, des Festlandes und des Meeres beobachten. Von riesigen, sehr schlanken, witterungsbestndigen Glastrmen sollen leuchtende Explosionen von Radium ber die magnetische Sphre der Erdrinde hinausfahren, und sich zur Selbstbewegung nach glnzenderen Brennpunkten des Alls entfalten, um sich zu ergieen oder strmisch mitzureien und zum Karst zurckzukehren und aus kosmischer Vermischung den durch Jahrhunderte zur Drre verdammten Fels mit brennender Erde zu befruchten. Das aus dieser Befruchtung neu erstehende Vaterland soll mit Venedig durch eine Brcke aus sturmhartem Kristall in ungeheuren schneeweien Bgen ber die Adria verbunden werden, und die Brcke wird die Statuen der Dogen tragen, die durch den Ring der Adria vermhlt waren. Dada sucht den Kristall zu gewinnen, durch den die kosmische Schnheit der Erde verwirklicht wird: Er bereitet eine Metallbindung mit Email vor, um die Glassteine zu mrteln. Auf istrischem Karst soll der Klotz von Glas wachsen, der die Last der weien Glasbgen auf ihren hohen Feuertrmen bers Meer hebt und ihre letzte sanfte Wlbung vor Venedigs Markusturm entladet zur unlslichen Vereinigung Istriens mit Italien. Der kristallspannende Blick des Erdarchitekten erhebt sich ber Europa und mit das lateinische Reich, von Venedig bis zur Kreidewand von Dover, und vom Libanon bis zum schwarzen Felsenhaupte Gibraltars und ber die Sdsee zum lateinischen Amerika. ENGADIN. In der Fabrik erhlt der Arbeiter Dada den Befehl, sich zum italienischen Heere zu stellen. Der unglcklich die Freiheit Istriens liebende Glaspionier wird unter Emanueles Fahnen gerufen. Er meldet sich zum Flugdienst und wird in der Fhrung eines roplanes ausgebildet. Eines Tages darf er emporsteigen und in den Wolken gen Triest fahren. Er jubelt Miramar zu und der ganzen Kste und wirft tausende Drucke seiner Hymnen ber die Stdte bis Abbazia. In einer spteren Nacht wagt er den ersten Flug mit Bombenabwurf auf die Arsenale von Pola. Aus Todesschauern der schtteren Erde und Feuerwirbeln, die das Festeste zerstren, nimmt Dada das Steuer zum Mittelmeer, und Italia fliegt brausend neben ihm als sein gttlicher Albatros. Dada unternimmt einen Bergflug vom Gardasee ber die Tiroler Alpen bis ins Herz Bayerns. Er wandert ganz einsam in die blaue Luft gehngt, mit unbeflecktem Fu ber Schrnde, Spalten, Grate, Zinnen, Firne, Gletscher auf der Sonnenbahn nach Norden. Die Firne glnzen: blau, grn, scharlach, ocker. Bergtler ffnen sich zu ungeheuren Blten des Enzian. Klfte, Spalten, Schrnde mit Gletscherstrzen entfalten schmale, nie gelesene Buchrollen der Tiefe aus ewigem Kristall. Berggrate sind berwlkt von Silberrosen, Edelwei auf Mammuthrcken. Heftige Windstrme saugen um die Klippen, und der Flieger wehrt sich um sein Leben. Schsse prallen rings, von schlagenden Granaten bebt Trafoi. Dada biegt nach Westen, um nicht vom Tiroler Feuerringe gefat zu werden. An der Schweizer Grenze wird er durch erdstrzenden Windstrom herabgezwungen. Er landet auf einer Halde ber dem Tale von Pontresina, sprengt das Flugzeug und flchtet in die Klfte des Corwatsch, denn die Tler sind voll Soldaten. Von Hirten bekommt er Nahrung und Bauernkleider und endlich wagt er sich als deutscher Flchtling aus Zrich in das Engadin. * * * * * Das obere Engadin mit breiten tiefgrnen Bergseen zu Fen wohlgeformter Schneegebirge ist eine ungeheure Enzianblte. Im Anblick der himmlischen Eisdiamanten sucht Dada die Einsamkeit, ewige Frische und Reinheit der Luft von Chast auf. Das ist kein Karst. Gewaltige Lrchen, Bergfichten, Eichen steigen bis zur Gerllzone in mchtigen Waldungen auf. So war einst Attika von den Hainen des Zeus bedeckt. Nebel und Wolken schweben mit Riesenschatten wandernder Legionen feierlich um die Bergzinnen, und diese tauchen schneeblitzender in der tiefsten Blue auf. Dada mietet ein Gehft am Ufer des grnen Bergsees. Einsame Zrtlichkeit schreibt er ber die Tr seines Hauses. Kein Zaun umschrnkt es, kein Hofhund strt, und das Gezwitscher der roten Schweizer Wschermdels tief am grnen See erquickt sein Geborgensein. Der hlzerne Oberbau mit dem giebeligen Dach ist fortgenommen und auf den viereckigen Granitunterbau ein hoher, flchig polygonaler Glasbau gesetzt worden. Das ist der Hauswohnraum Dadas zu ebener Erde, und drber die glserne Allwarte in Gestalt eines spitzen Hutes. Von den Urlauten der Kinder und der Primitiven wendet sich der Dichter dem terrestrischen Magnetismus zu. Er arbeitet an der Herstellung eines absoluten Kristalls, das Feuer, Sprengung und Wasser widersteht. Er schmilzt ein Glas von uerster Empfindlichkeit fr Farben und Schatten der Luft. An heiteren Tagen steigt aus dem Glaspilz am sthlernen Gelenk der groe Luftspiegel in die Hhe, mit dem Dada bildtelegraphisch Himmel und Firn beobachtet in ihren unerhrten Wandlungen. Glcklich das kleine Stck Felsland, das vor der unreinen berschwemmung des europischen Reisepublikums durch die schtzende Lohe des Weltkriegs noch eine Weile bewahrt blieb. Zahnradbahn und Massenwanderungen zum Gletscher verfinstern nicht das Eis der Gipfel, das Schweigen und die herbe Glut der Felsen. Der mchtige Sturzklang der Quellbche am Granit der Hochwnde wird nicht von den Brllaffen der Mode, des Sports und Flirts zertreten. Der Anblick der Gestirne, elektrisch zitternder Nachtglanz des Alls, Belauschung des stillen Streits kosmischer Todeskrfte, werden nicht roh unterbrochen durch Sprechwerkzeuge, die leider nicht die der Grille und Nachtigall sind. Dadas Zrtlichkeit: Das Sausen des Windes, des mitternachtgeborenen, in den Seewellen am Hain von Chast, die heien Felswnde in wechselnden Schatten und der Firn. Den mondrunden Spiegel hat Dada ber den kaiserlichen Firn gehngt, um das hohl geschwollene, weggreifende Ich fortzutzen und die Erde von unreiner tierischer Kruste der fulenden Ichs zu befreien. Dadas Freuden: Versenkung, Innendienst mit Herz und Hirn, Beobachtung, freie gttliche Bewegung der schaffenden, messenden, wgenden Hand. Diese Freuden dauern, ohne schal zu werden. Das neue Vaterland der Idee ist erschienen, das Engadin der Alliebe, die Bergheimat zrtlicher Innquellen, bereit zum Schmuck der Erdrinde mit geschliffenem Kristall. Europas Arbeiter sollen nicht mehr Europas Kriege fhren, sondern Europas Berge meieln und die rauhsten Werke mit Juwelen gottbeseelter Erdheimat schmcken. In den Gerlleinden des roten Corvatsch lt Dada durch Arbeiter einen Stuhl in die Felsen meieln. Den obersten Teil des Gipfels mit seinem Zinnenriff lt er in mchtigen kubischen Flchen arbeiten zu einem unregelmig polygonalen Riesenblock. Und seine Flchen lt er mit Platten geflammten Glases bedecken, so hart und dauerhaft, wie die Schweizer Glasfabrik sie nach seiner Vorschrift hat machen knnen. Den Sitz seines Felsenstuhles lt Dada aus Glas in der Form einer gewlbten Schildkrtenschale befestigen, und die hohe Lehne ist ein Mantel starr gefalteten Glases von tiefer Blaustrahlung. ber dem Mantel steht der mondrunde Spiegel. Habicht, Falke, Steinadler umkreisen das hohe Auge, und vor dem blauen Mantel sinken in die Tiefe mitbrgerlicher Argwohn und tdlicher Ha gegen den Eindringling auf uralten Heimatfels. Reiner, tiefer, prchtiger sind die Farben der Erdtiefe. Das mchtige Weltherz pulst in den Bildern des Spiegels. Massensterben in Grben, qualenbedecktes Getrmmer, blutiger Tierjammer wutzerrissener Millionengesichter, Todesfratzen mit schrecklichem Wundtod. Die Katharsis nimmt den bedingten tragischen Lauf ihrer Greuel. Aber wer vermag zu ertragen, wie auch nur _ein_ menschliches Herz bricht -- und mu ohnmchtig daneben stehen! Dada lenkt seinen Spiegel ber den Firn, machtlos, die Wut der Menschenschlchterei anzuhalten, und diejenigen zur Freiheit zu lenken, die noch immer nur das Opfer vor den Gttern des Blutes kennen. Dieselben, die Flugzeuge lenken, Bomben werfen und Menschen tten. DER SPIEGEL EUROPAS. Dem Monde ist eine magnetische Kraft zu eigen, deren Strahlung die Meere der Erde folgen. Ein Flutberg steigt zu gemessener Zeit empor und berrollt den Ozean auf seinem zum Horizont hinangewlbten Rcken. Ein Flutberg menschlicher Seelenkraft erscheint ber dem Meer der Vlker: die Idee fr die Omnes ruft die Seelen zur unlslichen Verschmelzung. Der verbindende sanfte Mond der Vlker erscheint und wandelt hin im Strahlenkleid der menschlichen Ekstasen. Mit seinem allgegenwrtigen Licht umfat er die Landschaft der Krfte und Bezauberungen. Leidenschaftlich empfunden, stark erlebt ist die Idee nur wenigen geistig sichtbar. Ein Haupt denkt diese Idee: der zornige rote Christus betritt die Wolken zum Gerichte und strzt die Gste der Welt in die Tiefe. Auf der Flut von Morgen gen Mitternacht drckt sie ihre leuchtende Spur in die Millionen Geistigen. Und aus der Flut erhebt sich die Tat, die den Erdball in ungewisse Zukunft schleudert und die Freiheit in ihrem blutigen Wirbel beschwrt. Ein unsichtbarer Flutberg bricht aus den feindseligen Fronten empor, aus Krampf und Leid von Millionen Todbedrohter und Verdammter. Er rollt von Osten heran und pflanzt seine schwarzen Wimpel auf Deutschland und Frankreich, und bedeckt die Gtzenbilder der zerbrochenen Vlker mit seiner stillen, mchtigen Woge: den russischen Pantokrator, die Kriegsgtter Germaniens und den Gladiatorenhelm Frankreichs. Vergeblich haben die Gtter schrankenlosen Wahnes Kriegsmaschinen in die Finsternis eingebaut: Die Idee des einen Hauptes, die Idee im mchtigen Schweigen, in dem unauflslichen Licht von Millionen Geistigen lebt fruchtbar und wirkt. Ewige Blutnacht Bartholomi ber Europa! Die Idee steht reinster Sonne in dem einen Herzen auf, im gemeinsamen Herzen der tdlich Gelockerten und Opfergekrmmten. Weihnacht des knftigen Europa, du beschwrst die Schande der Vlker, du wehklagst und ttest. Ruhelosigkeit, geheime Furcht, fieberige Schrecken bewltigen die Mchtigen. Sie wechseln die nchtliche Schlafsttte, sie verlieren den ursprnglichen Stolz der berzeugung, sie frchten gewaltsamen Tod, sie haben die persnliche Ehre verloren, sie gleichen dem gehetzten Napoleon, der den Giftbecher nimmt, ihn aber fortstt und sich ergibt, um Ruhe zu haben. Auch sie, die jetzt Furcht haben, ergeben sich den Giftmischern, um Kirchhofsruhe zu haben, um den Qualen zu entrinnen. Der Gladiator Frankreichs, der Dilettant des Thrones, der sich selbst als Friedensfrst bezeichnete, samt seinen Teutonen, Emanuele, der Knig der heiligen National-Selbstsucht -- vor ihnen erscheint der makellose Spiegel Dadas und zeigt ihnen im weien Rund das Bild des armen Zaren, der unter einer Salve von Narren glcklich verscheidet. Mit kundiger Macht sendet Dada die Strahlung in die Nchte der Machthaber und Ehrschtigen. Auf Tribnen, im Auto, inmitten ffentlicher Ansprachen, bei der Fahrt durch die Stdte, bei militrischen Schaustellungen, bei stdtischen Prunkaufzgen, inmitten von Banketten, Militrs und Deputierten: erscheint die Grimasse des glcklich Verschiedenen. Das Scharren eines Stuhles im Saale, das Knirschen eines Schuhes oder seidenen Kleides, ein elektrischer Schlag, schauernd vom Ganglion des Grohirns bis in die Eingeweide -- das Gottesauge schaut auf den Gladiator. Das Fieber des Tigers wird wei und kalt. Die Teutonen tauschen im starren Krampf Puppenbewegung der steifen quadratischen Hupter. Allen, die Feinde sind, Feinde sich, dem All, allen, allen Soldaten, die dem Schlamm des Krieges entronnen sind, selbst den Kindern des neuen Raubtiers aus Atlantis erscheint die schreckliche Idee im Spiegel: die Drohung der Selbstzerstrung. Der Flutberg naht. Er berrollt den Ozean, er hat seine Breite, niemand ist ausgenommen, wo ist Gang und Richtung zu erkennen! Vor dem Kristall am Corvatsch steht der Beschwrer und betrachtet den Gang eines Kfers auf seiner Hand. Und der die Tiere in Menschen sieht und die Gtter in den Tieren, sinkt in die Kniee und betet. DER FIRNDOM. Dada hat kein Vaterland. Er meidet und frchtet, das trunken und satt vom Blut ist: Patriotismus, Nationalniedertracht, Irredenta, Pbelwahn, Heroismus des stumpfen, irrsinnigen Maschinentodes. Schutz und Hhe der Felsen, leichte stille Lfte und reines Blau der Idee Europa -- in ihrer Hut bildet sich das Wunder der Freiheit. Die Eisbrenflanken des Berninafirns erglhen im zartesten Gold- und Weinrot, und zu seinen Fen ruhen die Felsen in scharlachner Tiefe: eisig rot, lila, blau. Auf diesen Alpenbergen will Dada die erste Schpfung eines erneuerten Europa der Arbeit und wiedergeborener Knste errichten. Noch ruhen die Gletscher und Firne in mondlicher Sanftheit der Hnge, in Stille von dnnster Klarheit, in der das Herz scharf drhnt, als hbe es sich selbst aus der Brust, um in ungeheurer Hhe zu kreisen und sein Blut zu vergieen. Die Erdrinde erhebt die rauhste und erhabenste Sprache zur Feier und zum Triumph der Menschheit. Dada sieht beglckt seinen hchsten Traum. Er erhlt das Recht, auf dem Bernina einen Dom der Schnheit aus Glas zu errichten zu Ehren der freien Demokratien Europas. Er wirbt eine Arbeiterarmee an. Glasschmelzen und Schleifereien werden gegrndet, elektrische Motore arbeiten und treiben Bohrmaschinen, um die Fundamente des Glasdoms in den Felsgrund zu senken. Gewaltige Stahlhmmer klopfen und pltten die Felswnde zu geschrgten kubischen oder dreieckigen Flchen, die in khnen Falzen und Winkeln aneinanderstoen. Das ganze Massiv bis zur Schneegrenze wird von Gerll gesubert, und in einen kolossalen, vielflchigen Kunstblock verwandelt, von dem jede Vegetation entfernt bleibt. Unwegsame Schluchten werden flchig ausgemeielt und als Hohlwege bis zur Firngrenze ausgebaut. Drahtseilbahnen senden ihre Frderwagen zum Firn hinauf. Das Gebirge drhnt vom Lrm der elektrischen Schleifarbeit, dem Hmmern der Arbeitermassen und den Sprengungen mit Dynamit. Noch ruhen die sanft gewlbten Hgel des ewigen Firns im makellosen Urlicht und im nchtlichen Schmuck der schimmernden, augengroen Sterngehnge. Aber Dadas Heer dringt rastlos aufwrts, baut den Firnschnee mit Hilfe der Frderwagen ab, berbrckt die schneetiefen Klfte mit Glasgewlben, bis der Gipfel in eisiger Herrlichkeit erreicht ist. Das grne Firneis wird in riesigen Blcken abgelst und talab geseilt, und mit ihm werden unten die Dampfkessel gespeist. Die Abplattung des gesamten Gipfels ist rasch im Gange und die Zerstrung des alpinen Urriesen ist in wenigen Monaten geschehen. Eine ungeheure, nackte Hochflche bleibt als Grundlagerung des vormaligen Firns. Nichts an dem nackten Riesenkegel soll unbewut bleiben, das Ganze soll in Form, Flche und Farbe gegliedert werden. Dada klettert in jede Felsritze, in die engen Betten schumender Gebirgsbche, die bald versiegen mssen, da ihnen das mtterliche Firn fehlt. Er lt all diese kleinen Schnheitsfehler der Natur mit Glas berwlben und in den Klften sanft ansteigende, berwlbte Treppen anlegen, die wie Tunnels elektrisch erleuchtet werden. Dada kmpft unter unerhrten Schwierigkeiten vorwrts. Seine Leute strzen in Abgrnde oder gehen an raschen Krankheiten zugrunde. Die Bergnebel verdunkeln tagelang jeden Schritt seiner Maultiere und Arbeiter. Der Fhn, furchtbare Unwetter, gegen die es auf den gepltteten Felswnden keinen Schutz gibt, vernichten die Arbeiterhtten, Menschen und Werkzeuge. Der ganze Bernina gleicht nur noch einer unermelichen Baustelle von Kriegsgewinnlern, ein Kegel armseligen Graus inmitten der Eiswildnis. Die erste farbige Platte von dauerhaftem, sturmhartem Glas wird feierlich unter Dadas Hnden an den Fels genietet. berall wird der Berg geplttet, poliert, gekantet, heroisiert, um schlielich ganz bekleidet zu werden mit grnen, schwefelgelben, scharlachnen, azurnen und irisierenden Glasplatten. Die Kunstnatur in Email geistert wunderlich ins Gebirge. Auf der platten Hochflche lt Dada einen Wald von riesigen, goldroten Sulen errichten und ihre Spitzen durch Glasbgen zur Gestalt einer kristallenen Rose verbinden. Das ist der Rosendom, von dem Dada getrumt hat. Das ist die Krnung des ungeheuren Werkes, des unerbittlichen Glasfirnes, der den Schwei von Arbeiterheeren und das Vermgen Dadas gekostet hat. Als der Dom in kindlichem Geglitzer und in der Konfektarchitektur eines Ausstellungspalastes frmlich strahlt, ist Dada rmer als der bronzene Hammelhirt am Roseggletscher. Er hat die Genugtuung, unter den Schwibbgen des Rosendomes die groe weie Glastafel aufgehngt zu sehen, auf der Dadas Aufruf an die knftige Brderschaft freier Architekten Europas geprgt ist. Kein Gert befindet sich in der weiten Halle aus rosenfarbigem Glas, das Licht dmmert sanft durch die Wnde, und das Blau des Himmels dringt allein durch die klaren Glasflchen im Zenith des Domes. In den Wnden sind die Glaszeichnungen Dadas eingelassen, er, der sich selbst in diesem Dome als Prsidenten der Menschheit bezeichnet, hat hier seinen wunderlichen kaukasischen Glastraum niedergelegt. Das ist der Traum von Pyramiden, Domen, Olympias und hngenden Grten aus Glas, vom Schliff des Matterhornes, des Monte Cristallo. Alle Bergwnde sind geplttet, jede Kante ist stilisiert, jeder sanfte Abhang zur Terrasse ausgespreizt, Klfte, Schrnde, Hhlen, Abgrnde werden von Glasbgen mit Windharfen berspannt, darauf der Fhn Urlaute spielt. Die Tler werden zu geffneten Enzian- oder Oleanderblten oder gespaltenen Granatpfeln aus Glas. Die heroischen Hochalpen zieren Versailler Rosenlauben mit Rokokogrten aus Glas, die nachts von elektrischem Innenlicht zu feenhaften Girlanden aufstrahlen. Auf die Blcke und Zacken uralter Wildgletscher sind Glasfelsendome gebaut. ber die Seen des Engadins und des Kantons Luzern sind Feststdte und Tempel auf Glassulen bis zu den Berggipfeln erhht, ber den Bodensee bis zum Sntis hngende Grten und Festterrassen mit trmenden Sllern und Slen fr Zusammenknfte ganzer Stdte und Provinzen. In diesen Tempeln und Festpalsten wird die Musik Mozarts von verborgenen mechanischen Instrumenten jederzeit tnen: alles ist leicht, spielend, heiter, still. Es gibt nur die Pflicht, zu schweigen und das Glas zu verehren. Dada ruft die Architekten zu den Entzckungen des Glases und Europas Arbeiterheere zu dem mnnlichen, rauhen Werke der Erdbezwingung. Gemeinsame Opfer, Qualen, Kmpfe, Arbeiten, gemeinsame Werke, Frucht, Belohnung, Genu in den Glasdomen der Alpen. Danach dehnt Dada den Zauberkreis aus. Die Erdrinde erscheint, die Sdsee, das farbige aber dunkle Asien. Die Nchte dieser kosmischen Meere sind durchglht von riesigen Lingams oder Hrnern. Otaheiti, Neuseeland, Guinea sind durch Glasbgen auf Feuertrmen im Meere verbunden. Im Meere schweben Glastrme, denen roplane sich nhern. ber den Erdball von Nord nach Sd sind gestaltete, farbige Weltnebel gewlkt, um nchtlich diejenigen zu erfreuen, die der Plakate von Liebigs Fleischextrakt und Zuntz' Kaffee mde geworden sind. Aufschieende Sternkristalle, rote Diskusse, grne Saturne, gelbe Oktoder aus sphrischem Quarz bindet Dada magnetisch zwischen Pol und dem Gleicher und furcht den Tageshimmel mit dem Fluge kubischer Projektile, anderer, als die der Zerstrung! Sie streuen aus den Lften farbige Flugbltter zur Verherrlichung gemeinsamer Arbeit, gemeinsamen Genusses im Park Europa. Dada verheit Wunder dem armen Menschenwurm des Erdsternes, ihm, der von hrtester Fabrikfron erschpft ist und sich in Kriegen zerfleischt, die seinen Fabriken entspringen. Der Prsident der Menschheit ist an den Rand des schumenden Wahnes gelangt, die Menschen durch Glas zu erlsen. Verarmt, unfhig, das Glaswerk fortzusetzen, ohnmchtig vor der gepanzerten Gleichgltigkeit demokratischer Regierungen, die schlielich nur der abgesonderten vaterlndischen Selbstsucht zu leben verstehen. Dada mu den Firndom dem Verfall berlassen. Langsam, aber unbezwinglich ist die Rache des kastrierten Bernina. Die Schnee- und Eisgeschiebe erneuern sich, die Verankerungen lockern sich, Eisbche sprengen die Glastunnels, der Sturm bricht die Glasbgen, und die Glasplatten werden vom Eis bedeckt und strzen in die Tiefe ab. Neugierige Fremde aus St. Moritz kommen und starren auf die unermeliche Narrheit aus finstrer Kriegszeit und spotten ihrer. Eines Tages steigen Bewohner des Engadin zum Corvatsch auf und verjagen Dada mit Steinwrfen von seinem Felsensitz wie einen rudigen Hund und zertrmmern seinen Spiegel. GRAUBNDEN. Selbst die republikanische Schweiz mit ihrer zwieschlchtigen Seele und ihren innerpolitischen Fehden ist nicht die Sttte jener Freiheit, die Dada vergebens sucht. Er hat Hymnen auf ein Vaterland gedichtet, das Slowaken und hnliche Halbslawen unter sich teilen. Er hat Glasdome fr ein Europa bauen wollen, von dessen Rumpf kstliche Glieder abgeschnitten wurden, und dem der Jugendsaft verluderte und giftig wurde. Sein Ruf nach einer antiseptischen Glasarchitektur der Alpen verhallt ohnmchtig vor dem Emprergeschrei der von Kriegsknechtschaft befreiten Vlker. Wo wird Dada eine Nation finden, die seine magnetische Erleuchtung und Erwrmung der Erdrinde zur Reife bringen wrde! Wo soll er Helfer werben, um den Plan der Ausgleichung der kosmischen Klimate und der Vermondung des Erdkrpers zu verwirklichen. Aus den wilden Eitelkeiten des Rosendomes mute er zurckweichen und zu spt einsehen, da fr die Erhabenheit eines Gebudes seine Hhenlage unwichtig ist. Der Azursaal des Rosendomes htte dasselbe Blau des Himmels gezeigt, wenn er auf einer geringen Anhhe am Vierwaldstttersee oder am Rhein bei Basel gebaut worden wre. Das Parthenon brauchte keinen alpinen Sockel, und fr Paestum gengte das Mittelmeer. Nachdem Dada den Bernina zerstrt hat mit der Gedankenlosigkeit, die kein Bewutsein hat von dem innigen Zusammenhange des ganzen Naturlebens, machte er es sich von neuem bequem auf einer Gerllhalde des Steinreichs, inmitten der verkarsteten Riesenalpen Graubndens. Eine Herde von Ziegen, Hammeln und Rindern, sowie allerlei ntzliches Kleinvieh und Hunde nennt er sein eigen, er htet selbst seine Arche und nhrt sich von ihr. Er hat eine Almenmatte und ein Felsenhaus aus Gerllsteinen, fr Hirten hergerichtet, gepachtet und betreibt Viehzucht und Milchhandel. Inmitten seiner Tiere fhrt er tglich das genlich phallische Dasein eines Ketzers von Soana, das ein modischer Dichter erotisch-geistlich seiner grostdtischen Lesewelt dargestellt hat. Dada liegt den ganzen Tag ausgestreckt herkulischen Leibes im saftigen Wrzgras der Alm. In den Alpenkrutern blht der tiefugige Enzian, und starke Felsen ber ihm halten dichte Kissen von Sonnenglut um die regungslose Halde, auf der die Hammel fressen. Der istrische Apoll im blauen Leinenkittel liegt trg auf dem Bauche und bestaunt seine eigenen vom Sonnenlicht goldgefrbten Beine und Arme. Die Schwingung des tiefen Tals rndet sich sanft empor gleich dem Bauch seiner guten sattgefressenen Rinder, die nach ihm brllen, um ihm die Lasten anzukndigen, die sie im Leibe fr ihn tragen. Dada liebt dankbar und zrtlich seine ernhrenden Freunde, und strker als je von Italias und Derobeas Gnaden hllt seine Glieder schwelgerisch mstende Flle in der Sommerfrische Graubndens. Dada bewundert die Tiere, und ihr Leben wandelt als ein endloses Schauspiel an seinem migen Gaffen vorbei: Sie fressen, darum mssen sie sich regen, spielen, sich vertragen oder sich bekmpfen. Sie lagern sich, flchten, begatten sich, sind grausam und leidenschaftlich, ungestm und feurig boshaft. Dada liebt besonders das unverschmte Glck und die sachliche Einfachheit der Begattung seiner Tiere. Er hrt das schwere Ruhegebrll der Rinder, die den Schatten in der Mittagsglut und das klare Bchlein lieben. Dada spricht mit den Tieren, gem dem verschiedenen Charakter ihrer Laute, und folgt mit seiner Erkenntnis den Bahnen ihrer instinktiven Bewegungen, um die Rtsel ihrer Sprechzeichen und vielgestaltigen Stimmen zu entziffern. Er hat einmal jeder groen Sprache des europischen Menschen wahlverwandt angehrt, und er meidet fortan die Menschenworte und was ihresgleichen, um in den Tierlauten gleichen Sinn und Trieb zu erkennen, nur mtterlich traulicher und treuer. Dada lebt entzckt in den hymnisch-orphischen Krften der Tiere, in der strahlenden Energie ihres natrlich Bsen, in der furchtbaren Schpferkraft, die frit, ttet, zeugt und schweigt. Er lebt ihren Alltag, ihre Feiern, ihre herdenhaften Beziehungen, die er mit denen des antiken Menschen vergleicht. An kalten oder regnerischen Tagen schliet er sich mit den Tieren in dem gemeinsamen groen Wohnraum des Felsenhauses ein, und diese in Jahrtausenden familienhafter Hausgenossenschaft erzogenen Tiere sind Tag und Nacht sein Trost, mitleidsvoll und sorgend lebt er in ihren Augen, ihren Freuden, ihrem Kranksein und Sterben. ber die Laute der Felsen und Bume und Erdtiere werfen Habicht, Geier, Adler und Falke ihre Mordschreie empor in die Lfte bis zum Bereich, wo die tierischen Laute verlschen vor dem freien Genius des Schweigens, der im stillsten Glanze der feinsten Bindung ferner Erdkrfte schwebt. Die magnetische Rinde hlt wohlttig die Sonnenstrahlung in ihrem Bereich gesammelt, hllt sich mit ihr, und lt sich durchdringen und wrmen von ihr zu immer erneuerter Fruchtbarkeit, um das Traulich-Wohlbewohnte zu begrnden. Erde und Gebirge haben lange auf den Menschen gewartet. Das Tier, das zrtlich geliebt wird, hat die Felsen mit warmen Vliesen bedeckt, um sich in der Sonne liebkosen zu lassen. Die Felsen trumen gern von den guten glcklichen Tieren und beschwren Gemse und Steinbock, Albatros und Adler zu ihren Wchtern und Sphern. Vor der Frhe bedecken sie sich mit Tau und sie frchten die eisige Vernichtung und den Ha der Menschheit. Dada ist unter den letzten einer sterbenden Erdrasse, die Tiere genannt werden, weil die Menschen ihren Ha auf sie abgeladen haben. Die Gipfel Graubndens nehmen die Formen riesig ruhender Tierhupter an. bertierische Gestalten von Kranich, Hund und Widder stehen hochaufgerichtet in die Felsen gemeielt. ber den Felsen erheben sich die Gttergestalten der groen Tierrassen, sitzend ber dem Erdkreis gegrndet: Lwe und Stier. Das brummende Moo der Stiere, das erzene Geschmetter der Bcke, die Urstimmen aller Geschpfe, die von den Seen bis zu den Schneezinnen Graubndens schweifen, dichtet Dada, und bildet in ihren Lauten die Veden und die gyptischen Gebete, die Stier und Widder als Gtter anriefen. In die milden Hammellaute bersetzt Dada die Brnste, ngste, Untergnge der Tiere in Urwut und Urklang. DER ROTE WIDDER. Der feurige Widder, der trotzende Liebling der Herde, der Gott seiner Rasse wird in Dadas Felsenhaus geboren. Zur Kraft erwachsen, tritt er eines Morgens rot und stark auf die letzte Felsenstufe und geht auf ber Dadas Felsgipfel: Sonne der Tierheit, die nicht mit Blut gemstet und nicht von den dstren Flecken der Verwesung angefat ist. Sein Gehrn ist edel geschweift, der Bart feurig und zngelnd, die feinen, bergharten Gelenke sind zum Sprung gestrafft. Sorglich schreitet Dada mit der gewlbten Brust und den milden Armen des Vaters der Tiere auf dem Grate und tritt dicht zum Widder. Er legt beide breiten Hnde auf das honigglnzende Geweih und spricht ruhig und stark in den wenigen Urlauten, in denen er das Geheimnis der Tiersprachen gefunden hat. Dada bringt langgezogene, wohltnende, weibliche Laute hervor, denen der Bock mit gemessen kriegerischem Geschmetter antwortet. Die harte Trompete des Bockes beherrscht den Gipfel, marschiert, befiehlt, hlt Ordnung, whrend Dada hineinzutnen versucht und mit verschmtem Verlangen um Gleichberechtigung wirbt, nicht etwa fr den Bock, sondern fr sein Menschen-Ich. Hier folgt das Gesprch bersetzungsweise, das Dada kunstgem mit wenigen, aber immer verschieden gefalteten Tierlauten durchgefhrt hat. Lieber Sohn, ich will dir die schne weie Zuckerkante schenken, die drben auf den Bergen hngt, und die feinen rosa Wolkenlmmer, die im tiefen Blau grasen, verlocken feurige Hammelbeine zu Galopp und Sprung. Willst du zu ihnen, mein Widder? Der Widder erwidert in Urlauten, feurige Blitze seiner Bosheit fahren zum Talgrund: Ich sehe viel weiter und will viel weiter, als du willst, lieber Herr. Deinen Zuckerkant lecke ich bald mit roter Zunge, und auf die rosa Wolkenlmmer setze ich meinen Bockstritt. Versuch mal diesen Galopp. Der Bock zieht zehn scharfe Bogen hart um Dada auf dem gefhrlichen Felsgrat, aber schlielich gesellt er sich wieder neben seinen Gebieter und Dada legt von neuem die Hand auf das honigglnzende Gehrn. ber hundert Gipfel im Norden setzest du mit harten Lufen und dann gelangst du in das tiefe Land, das der Krieg beschattete mit Zerstrung und Verwesung. In diesem Lande wurde tglich und jahrelang das unzhlbare Menschenfleisch von kstlichen Nationen der ganzen Erde mit Feuer und Stahl gemahlen, und die eklen Smpfe wurden mit Blut gedngt. Der tna, der Sudan, die Kalahari, keine Wste der Erde droht vergiftet von Greueln wie dies Land. Auch dein armer Vater Dada war in diesem Lande gefangen, bis ich entwich! Der Widder mit honigglnzendem Gehrn schttelt Dadas Hnde fort, springt im Ruck vor Dada und senkt drohend das Horn zum Angriff, seine Augen brechen Feuer aus, seine Stimme donnert von Urlauten: Du dicker Butterschlegel, hochtrabendes Fa voll Regen, Susler von Zuckerkant, kamst zu Anfang mit deinem Zweifel an dir selbst. Und als alles vorbei war, schlugst du an deine stumpfe Brust und schriest Meine Schuld. Wohlan, Dada, der Widder aus dem Sternenbild, nicht der Nachtmahr deiner Verbrechen im Kaukasus, die ewige Jugend der Welt emprt sich und stt dich fort, weil du dick, erstickend trg von Worten schwillst, weil die Freiheit auf gewlbter Sonnenbahn erglnzt und dich verwirft. Du hast geduldet, da jene sich zerfleischten, die du trsten und vereinigen solltest. Du mitsamt der Helena, um derentwillen du gettet hast, habt die Wrfel geworfen um des Lebens willen, du bist der antiken Hure nachgelaufen, dem lateinischen Popanz und einer dacischen Mnade. Mit Mummenschanz von Urlauten, Glasbergen und Ziegensprache hast du genlich das Leben beklebt und deinen Bastardsinn verraten. Wenn ich dich mit den Hrnern hinabstiee, was wrde es den bsen Tlern schaden, denen du entlaufen bist! Unsere Schuld! ruft ihr. Ein Chor der Unmndigen zeugt von sich selbst. Die sich selbst nicht zu befehlen vermgen, treten unter die ratlosen Besserwisser der Vlker und verwirren die geringe Vernunft, die nach ihren Verbrechen und Blutruschen erwachen will. Hohle Raketen der Wortkunst schleudert ihr unter sie und ihr schmt euch nicht und gebt euch preis, die ihr unfhig zu einer Welt ohne Blut und Trnen seid. Unschuld, Unverwelklichkeit der edlen Seelen habt ihr nicht gekannt! Im heftigen Sprung schlgt der Bock mit dem Gehrn den Istrier zu Boden und entweicht nach Norden. Dada erhebt sich vom jhen Sturz, zerschunden, bleich, gepeitscht von kreisenden Schwnzen der aufgerufenen Schrecken. Er erhebt die dicken Arme, um sie auf den eigenen Schdel niederwirbeln zu lassen. Stierlaute qulen seine Kehle. Die hundert Tschakos seines ukrainischen Attentats zertrmmern seinen Verstand. Er bricht in Klagen menschlicher Worte aus. Meine Schuld! Wann wird uns Zuchtlose, Gehorsam Entwhnte die Liebe binden. Wann werden wir fhig zur sittlichen Erlsung sein, wir Betrger und Mrder. Wann werden wir im engsten frei sein, im Schaffen bestndig! Du Widder hast mich aus der Schmach meines genlichen Zuschauertums aufgerissen. Du hast mich schaudern gemacht vor der baren Trgheit und der mrderischen Leere. Denn durch die Leere mordete ich das Leben. Ich habe noch nie ein Volk gefhrt, ich habe mich noch nie im tna gebadet, ich habe noch nie einen Sohn gezeugt, wahnsinnig vor Entzcken und Schmerz. Ich habe mich im Abgrund des Todes an den rmsten aller Gedanken geklammert und ich habe gezagt. Ich habe des Menschenwurms letzte Furcht und schmhlichste Ohnmacht erlitten und ich habe nur nach neuen Unterpfndern meines liebelosen, armseligen Daseins gespht. Du Widder hast mich niedergeschlagen in dem bescheidenen Stolze meiner Tierfreundschaft, darum grolle ich dir nicht. Denn ich will mich umwenden zu der niederen Behausung und mich aufrichten zu schaffender Arbeit, die mich zu der glcklichen Pforte des Ausganges leiten wird. Glcklicher Ausgang, zu dir steige ich empor und ich feiere dich, indem ich lebe. Flchtig und ruhelos war ich von Europa krank. Von jetzt ab werde ich glcklich an dir, Europa, neues Vaterland, das ich gegrt habe mit frher, heiliger Liebe. Ich werde arbeiten fr dein Glck, lichtes Europa, mit dem schaffenden Werk, das die Vlker vershnt. INHALTSBERSICHT Erster Teil Der Karst 11 Derobea 15 Das Nordlicht 22 Die Urlaute 25 Dresden 32 Zweiter Teil Die Serbin 41 Kiew 44 Kaukasus 46 Venedig 50 Engadin 53 Der Spiegel Europas 58 Der Firndom 61 Graubnden 67 Der rote Widder 72 Anmerkungen zur Transkription Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt (vorher/nachher): [S. 70]: ... Gemse und Steinbock Albatros und Adler ... ... Gemse und Steinbock, Albatros und Adler ... [S. 72]: ... Bock mit gemessen kriegerischen Geschmetter antwortet. ... ... Bock mit gemessen kriegerischem Geschmetter antwortet. ... End of the Project Gutenberg EBook of Dada, by Adolf Knoblauch License: Share Alike