Produced by Jens Sadowski, Richard Scheibel, and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net. This book was produced from images made available by the Open Repository Kassel. Ernst Koch's Gedichte, aus dessen Nachlasse gesammelt und herausgegeben von einem Freunde des Verstorbenen. Luxemburg. Druck und Verlag von _B. Bck_. 1859. Der Name _Ernst Koch_, dessen poetischen Nachla wir in dieser Sammlung der Oeffentlichkeit bergeben, hat in der Tagesliteratur bereits einen zu guten Klang, als da wir hier sein Lob unternehmen mten. Sein Prinz Rosa-Stramin, seine Erzhlungen und Novellen haben ihn auch in weitern Kreisen rhmlichst bekannt gemacht, und er drfte unter der Legion von Dichtern und Literaten, die in den letzten Decennien in allen Ecken und Winkeln Deutschlands wie Pilze emporwucherten, einer von den wenigen sein, die sich in der Geschichte der Nationalpoesie einen bleibenden Platz erobert haben. Darum wird denn auch die sptere Nachlese, die wir aus den zerstreuten Papieren des Verstorbenen nicht ohne Mhe zusammengetragen, allen Freunden der schnen Literatur eine willkommene Gabe sein. Nur bedauern wir, da ein so frhreifes reichbegabtes Dichtertalent uns verhltnimig so wenig Frchte und Proben seiner Produktionskraft hinterlassen hat. Gewi htte Koch der kstlichen Blumen noch unendlich mehr in den Blthenkranz deutscher Poesie hineingewunden, wenn er ihrer in Frieden und Mue htte warten knnen. Aber es ist ein untrgliches Kennzeichen von der Echtheit der ihm gewordenen Dichterweihe, da die harten Schlge des Schicksals und die Last der prosaischen Tagesgeschfte, die ihm oft auf der Brust lagen wie ein drckender Alp, den glimmenden Funken seines Genius nicht erstickt haben. Die Hauptdaten seines vielbewegten Lebens hat uns der Dichter selbst in einer biographischen Skizze, die wir einem seiner Manuscripte entnehmen, aufgezeichnet. Freilich sind es auch nur nackte Thatsachen, aus welchen unmglich ein vollstndiges Bild von seiner interessanten Persnlichkeit, wie sie mit ihrer Gemthlichkeit und Lebendigkeit und ihrem unverwstlichen Humor, dem bei allem Ernst des Lebens etwas jugendlich Frisches aus der frohen Burschenzeit geblieben war, im Geiste seiner Freunde und Schler noch in freudiger Erinnerung fortlebt, und noch viel weniger von seinem beraus reichen und geheimnivollen Seelenleben gewonnen werden kann. Am besten lernen wir ihn kennen in seinen Werken. In seinen Erzhlungen und Novellen, worin ein gut Stck aus dem eigenen Leben hineingewebt ist, hat sich der Dichter selbst geschildert, und besser, unendlich besser, als es ein Anderer vermchte. Aber auch was die innersten Tiefen seines Herzens bewegte, mgen wir am besten den Tnen ablauschen, welche die Saiten seiner Harfe durchzitterten. Ich wurde geboren am 3. Juni 1808 zu Singlis in Niederhessen, im Hause meines Grovaters, des Obervogts Murhard. Mein Vater Karl Georg Koch (1847 als pensionirter Regierungsrath zu Marburg gest.), war damals Friedensrichter zu Oberaula, zog 1814 nach Neukirchen, dann nach Waldkappel und 1816 als frstlich Rotenburgischer Oberschulthei nach Witzenhausen. Hier wuchs ich auf bis zum 14. Jahre, und erhielt in den Stadtschulen die Elementar- und die ersten humanistischen Kenntnisse. Die wundervolle, liebliche Natur des Werrathales und die Lectre der Schiller'schen, Krner'schen und Mathisson'schen Lyrik, fr die mein Vater schwrmte, bten ihren Einflu auf den lebhaften Knaben. 1821, als mein Vater als Kreisrath nach Kassel berufen wurde, trat ich dort in die 3. Klasse des Lyceums ein. Hier entwickelten und erweiterten bald der hhere Unterricht, der Besuch des Theaters und das Residenzleben die poetischen Anlagen des Lyceisten; hier dichtete ich schon in der Tertia, lieferte in Secunda himmelstrmende Aufstze, bei denen dem wrdigen Lehrer der Mastab der schulmigen Prosa versagte, und durchschwrmte in Prima alle Leiden und Freuden einer poetischen Gymnasiastenliebe. Siebzehn Jahre alt (1825), bezog ich die Universitt Marburg, dann Gttingen und wieder Marburg, wo ich 1829 als _Doctor juris_ absolvirte[1]. 1830 brachte ich den Sommer in Berlin zu, um mich dort als Privatdocent zu habilitiren. Inde riefen mich die damaligen Ereignisse nach Kassel zurck und ich trat in den hessischen Staatsdienst als Obergerichts-Referendar ein. Hier schossen die Vigilien unter Bescheid-Entwrfen und gelehrten Appellations-Relationen auf, und wandten mir, als ein Zufall den Verfasser verrieth, die Gnade und Liebe des aufgeregten Publikums zu. Diese erkaltete pltzlich, als ich die Ernennung zum Sekretr des Landtags-Commissars und 1832 die zum provisorischen auerordentlichen Referenten im Ministerium des Hrn. Hassenpflug annahm. Aus dieser Stellung wurde ich nachher an das Obergericht zurckgeschickt, um mich zur zweiten Staatsprfung vorzubereiten. Mit dem Publikum zerfallen, zerfiel ich bald mit mir selbst, und begann statt der Prfungsarbeiten, ein ungebundenes Leben, das mich in Schulden und allerlei Verwirrung strzte, und im Dezember 1834 zu dem Entschlu brachte, das Vaterland heimlich und ohne bestimmte Aussicht zu verlassen. Ich wendete mich nach Straburg. Verschiedene Plne, mir eine Existenz zu grnden, miglckten hier und in Paris, und schon nach einigen Monaten bestimmte mich der gnzliche Mangel an Subsistenzmitteln, in die franzsische Armee einzutreten. Man sandte die Freiwilligen ber Toulon nach Algier in die Fremdenlegion. Diese wurde noch in demselben Sommer (1835) nach Spanien als Hlfstruppe der Knigin Christine gegen die Carlisten bergefhrt, und ich theilte nun das Schicksal dieses Corps, das innerhalb zweier Jahre durch Kugeln und Krankheiten und Strapazen von 7000 auf 381 Mann herabschmolz, und 1837 ehrenvoll entlassen wurde. Nach einer schweren Krankheit im Lazareth zu Pamplona, wo ich zu der rmisch-katholischen Kirche bertrat, trug ich mein armes Herz, das nunmehr fest, aber auch kalt geworden, und aus dem der Sturm im fremden Lande alle kurhessischen Zaubereien und Trume hinausgefegt hatte, der heimathlichen Erde zu. So kam der verabschiedete Unteroffizier der Fremdenlegion nach sechswchentlicher Wanderung von Pamplona ber Metz und Sierk im September 1837 bei Marburg an, wo ihn ein Freund aus den Universittsjahren auf der Landstrae empfing, der ihm eine Stunde darauf aus Lewald's Europa Franz Dingelstedt's Worte vorlas: Kassel hat eigentlich nur einen einzigen Dichter geboren, und diesen nur zufllig, der ist Ernst Koch, der Verfasser des Prinz Rosa-Stramin. Seitdem er seine Vaterstadt verlassen, ist seine Spur verschwunden. Mge die Vorsehung ihn schtzen auf seinen dunklen Pfaden. Der Landesfrst verweigerte dem Zurckgekehrten, der sich bei seinen vershnten Eltern in ein einsames Leben zurckzog und eine Darstellung des althessischen Privatrechtes begann, das fast vollendet ist, jede Anstellung, und mit Mhe erschwang ich zwei Jahre lang als Mitarbeiter des Advokaten Rfing das Honorar, von dem ich meinem Vater den Unterhalt vergtete. Da rief mich 1839 der Civilgouverneur Hassenpflug nach Luxemburg, wo ich sofort als Regierungssekretr angestellt wurde, nach Hassenpflug's Abgang als Bureauchef in der Verwaltung blieb[2], mich mit einer Luxemburgerin, der Tochter des Eigenthmers Mllendorf, verheirathete und jetzt als glcklicher und geachteter Familienvater mit Erfolg das Amt eines Professors der deutschen Sprache und Literatur beim knigl. groherzgl. Athenum bekleide. Die Production ist mir zur unbedeutenden Nebensache geworden, fr die ich weder um Mue noch um Stoff werben mag. Auch die Novellen (1847) sind die Frucht weniger migen Wochen, da die erste und zweite derselben schon frher im Dingelstedt'schen Salon abgedruckt waren. Seine letzten Jahre verlebte Koch, geachtet und geschtzt, im stillen Kreise seiner Familie und seiner lieben Zglinge. Dem armen Dulder schien endlich, nach vielem Ringen und Herumirren, in seiner zweiten Heimath die langersehnte Friedenssonne aufgegangen zu sein. Aber kaum hatte sich unser Dichter mit der ihm eigenen Begeisterung in seinen neuen Beruf eingearbeitet, so zeigten sich auch schon, -- wohl die Nachwehen frherer Anstrengung -- nach einer Ferienreise in seine Hessenheimath im Herbste 1856, die ersten Anfnge eines chronischen Brustkatarrhs, von dem er nicht mehr genesen sollte. Die Strapazen und Entbehrungen des Legionars in der Sonnengluth Afrika's und in den Schreckensgrnden der spanischen Hochgebirge, die Sorgen und Leiden des Familienvaters, dem ein frher Tod sieben von zehn Kindern, und das letzte noch whrend seiner Krankheit entrissen hatte, waren nicht spurlos an ihm vorbergegangen, und die anhaltende Geistesthtigkeit und krperliche Anstrengung in seinem neuen Amte, die 18-21 Stunden wchentlichen Unterrichtes in einem Lehrfache, das bei der Feuergluth einer sanguinisch-cholerischen Natur, die alles, was sie unternahm, mit dem Schwung der hchsten Begeisterung angriff, die ganze Persnlichkeit des Lehrers allzusehr in Anspruch nahm, waren nicht geeignet, seine zerrttete Gesundheit wieder herzustellen. Bald erkannten die Aerzte die furchtbaren Symptome einer Lungenschwindsucht. Vergebens stellte Koch seine Curse am Athenum ein, um in Bad Ems noch einmal die siechenden Lebenskrfte zu verjngen. Krank und gebrochen kehrte er nach Luxemburg zurck, wo er nach langem Leiden und schwerem Kampfe am 24. November 1858, mit den Sakramenten und Trstungen der heiligen Kirche gestrkt, der er seit seiner Bekehrung in Liebe und Begeisterung ergeben war, vertrauensvoll in ein besseres Leben heimging. * * * * * Koch's Rckkehr zur katholischen Kirche, wodurch er bis auf wenige Ausnahmen mit seiner frheren Umgebung zerfallen war, hat hie und dort zu manchem schiefen und lieblosen Urtheil Anla gegeben und ist noch jngst als eine der dunklen Stellen in seinem Lebenslaufe bezeichnet worden. Eine Rechtfertigung aus des Dichters eigener Feder drfte darum hier ihren geeigneten Platz finden. Eine Bekehrung.[3] Whrend des neuesten Religionskrieges in Spanien war der Bischofssitz in Pamplona eine Zeit lang unbesetzt geblieben, und der bischfliche Palast zum Militrhospital fr die Christine'schen Truppen eingerichtet worden. Dieses Gebude, kaum noch kenntlich an der ber dem Haupteingange befindlichen berschrift, war in Folge dieser vernderten Bestimmung aus einem Hause des Glanzes und des geistlichen Friedens eine schmutzige Wohnung unbeschreiblichen Elendes und Jammers geworden. Im Jahre 1837 waren nicht blos die zwlf Sle, sondern auch die Gnge und Corridors zu Krankenzimmern eingerichtet, in welchem die tglich vom Heere dort ankommenden Verwundeten, Siechen, Fieberkranken und sonstigen Leidenden aufgenommen wurden. Die rztliche Behandlung war im hchsten Grade erbrmlich. Arzneien wurden gar nicht gegeben. Die Kranken wurden auf den drftigen Strohlagern vom Ungeziefer fast verzehrt. Da lagen die Armen, aus allen Provinzen des Reiches, der feurige Andalusier, der untersetzte Baske, der schlanke Catalone, der Sohn der fernen Mancha, sthnend und seufzend. Nur zwei Erscheinungen schwebten ber der ganzen Einrichtung wie die Engel. Es waren die barmherzigen Schwestern (_hijas de la caridad_), und der bischfliche Caplan, D. Raphael Salvador. Die ersteren besorgten die Wsche, die Kche u. s. w. und trsteten in ihrer bekannten liebevollen Weise. Der letztere, ein junger Mann von etwa 35 Jahren, wandelte durch die Sle mit dem Sacramente und trstete die Sterbenden. Am 15. Mrz 1837 ging durch das von Wachen besetzte Thor dieses Hospitals mit Tornister und Gewehr ein Unteroffizier der franzsischen Fremdenlegion (welche bekanntlich von Frankreich der Knigin Christine aus Algier herber zur Hlfe geschickt war, und binnen zwei Jahren durch Kugeln und Krankheiten von 7000 Mann auf 381 zusammenschmolz). Der Fremde zeigte das Eintrittsbillet vor, wankte mit zitternden Knieen die Treppe hinauf, und war schon nach wenigen Stunden der Besinnungslosigkeit und einem heftigen Nervenfieber zur Beute. Dieser Kranke war der Verfasser des Gegenwrtigen. Zum ersten Male nach 1 Jahren Kriegsleben, war ich in der Nothwendigkeit, Stunden weit, das Fieber in den Gliedern, nach dem Lazareth zu marschiren. Ich bin von protestantischen Eltern in einem protestantischen Lande geboren, und in der sogenannten reformirten Lehre, so wie es zu geschehen pflegt, erzogen worden. Vom Catechismus kannte ich hchstens nur noch die Unterscheidungslehren. Das in jedem Menschen wohnende Bedrfni des Glaubens hatte bei mir sich schon frher in ruhigen Stunden in der Art geregt, da ich mir vornahm, wenn ich einmal Zeit htte, mir mein vollstndiges Glaubensbekenntni aufzubauen, damit ich wte, woran ich wre. Denn am Ende mu man doch, dacht' ich, an etwas glauben, und mit sich in diesem wichtigen Capitel im Reinen sein. Aehnliches kam mir hier im Hospital in den Sinn, indem ich nach vier Wochen zum ersten Male mit ruhiger Besinnung aufgewacht war, dem Tode, wie es schien, durch Zufall entrissen. Aber warum fing ich nicht damit an, die Lehren, in denen ich erzogen war, wenn nicht unbedingt anzunehmen, doch wenigstens nher zu prfen? Eben darum nicht, weil ich darin erzogen war, und nach denselben es meinem forschenden Geiste frei stand, mich von einer Unterwerfung oder einer Prfung meiner Einsicht nach zu dispensiren oder nicht. Es wird keinem Katholiken einfallen, sich in einer Stunde der Mue seinen Glauben selber machen zu wollen, oder er tritt, wenn er wirklich diesen Entschlu fat, sofort auf das Gebiet des Protestantismus. Da ich nun die Idee, mir ein System meines Glaubens zu bauen (welches ich mir wahrscheinlich sehr bequem eingerichtet haben wrde) bald wieder aufgab, lt sich wohl glauben. Schon die Umgebungen waren zu erbrmlich und niederschlagend, um meinen Geist auf das hohe Pferd zu setzen. Da schon frher zweimal, einmal in meiner Heimath 1834, und spter in Spanien 1836, die Gnade Gottes mit dem flchtigen Gedanken, in die katholische Kirche zurckzukehren, bei mir angepocht hatte, daran dachte ich nicht mehr. Jener Gedanke war ohne Frchte geblieben, weil ich mich fragte: was wrden die Leute dazu sagen, wenn du den Glauben deiner Vter verlieest? -- Htte mir doch damals Jemand die Antwort F. L. v. Stolbergs erzhlt, welcher dem Knige von Preuen, als ihm dieser sagte: Ich kann die Leute nicht leiden, die von ihrem Glauben abfallen, erwiederte: Ich auch nicht, Majestt, und so auf den Abfall im sechszehnten Jahrhundert mit einer Ironie anspielte, die ein Protestant selten eher begreift, als bis er mit dem Kopfe darauf stt. Einige Stunden nach meinem Erwachen aus den Fieberphantasien, worin ich, ich wei nicht wie viele Tage gelegen hatte, trat folgendes Ereigni ein. Nicht weit von meinem Lager wurde ein eben angekommener spanischer Soldat, aus Andalusien, gebettet, welcher sich wie rasend geberdete, alle rztliche Hlfe verweigerte, den Arzt und die Nonnen insultirte, und endlich den Caplan unter Schimpfen und Blasphemien zurckwies. Der wrdige Caplan lie sich aber nicht abschrecken, und als es ihm gelungen war, sich auf einige Minuten dem Ohre des Kranken zu nhern, sank dieser langsam auf das Kissen zurck, und beichtete mit lammfrommer Ruhe zwei Stunden lang. Kurz nachher erklang die Schelle durch die Treppen und Gnge, Kranke und Gesunde knieten vor dem hochwrdigen Gute, welches jetzt der Caplan nach dem Bette des Andalusiers trug. Der richtete die groen Augen, aus denen noch vor wenigen Stunden die Teufel geblitzt hatten, mit einem unbeschreiblich sen Verlangen nach der Hostie. Wir andern zogen vorschriftsmig die Calotten vom Kopfe, und falteten die Hnde, whrend der Spanier die Hostie nahm, und wenig Augenblicke darauf in einem Frieden verschied, der sein Gesicht verklrte. Ich betete auch mit, wei aber nicht mehr was. Jedenfalls war's mir curios zu Sinne. Am anderen Morgen erwacht' ich, das Gesicht nach der Wand gekehrt, frhe, in jenem sen Gefhle der wachsenden Genesung, und gestrkt durch einen erquickenden Schlaf. Mein Auge fiel auf einen Sonnenstrahl, welchen der Frhling dicht neben meinem Gesichte an die Mauer sandte. Die Kranken schliefen alle ruhig. Als ich eine Zeitlang so auf den Sonnenstrahl gedankenlos meinen Blick geheftet hielt, erschallte auf einmal von allen Kirchen Pamplona's zu gleicher Zeit ein erhabenes Glockengelute. Es war ein Sonntag -- vielleicht Ostern? Nie hat ein Gelute einen so frappanten Eindruck auf mich gemacht. Eine halbe Stunde nachher verschaffte ich mir Tinte und Feder, und bat den Caplan schriftlich, mich an meinem Bette (Saal IV. Nr. 42) zu besuchen, um sich mit mir ber meinen Wunsch, in der katholischen Glaubenslehre unterrichtet zu werden, zu besprechen. Sogleich stand der Mann mit dem bleichen, schnen Gesichte vor mir. Die Erscheinung verwirrte mich. Sie hatte sogar etwas Furchtbares fr mich. Ich erschrack vor dem, was ich gethan. Es war mir, als htte ich die katholische Kirche vor mir. Wir verstndigten uns bald, da er mir sehr liebevoll zuredete, in franzsischer Sprache. Er gab mir zunchst eine zweibndige, lateinisch geschriebene Symbolik, deren Verfasser ich leider vergessen habe, hiernchst den franzsischen Catechismus, der unter Napoleon erschien (_de l'Empire franais_). Mit Begierde, mit einem Heihunger meiner Seele verschlang ich die geistige Speise, sitzend und betend auf meinem Lager. Nach etwa acht Tagen konnte ich aufstehen und tglich eine Stunde den Caplan auf seinem Zimmer besuchen, um mich von ihm prfen zu lassen. Am 27. April wurde ich fr reif erklrt, die Sacramente zu empfangen. Nach genommener Rcksprache mit dem Capitel nahm der Geistliche die mir als Protestant ertheilte Taufe, weil sie unter Ablution im Namen Gottes des Vaters, Gottes des Sohnes, und Gottes des heiligen Geistes geschehen war, als gltig an. Dieses Sacrament wurde daher nicht wiederholt. Noch denselben Abend beichtete ich meinem wrdigen Caplan (der fr mich ein wirklicher Salvador war), und am anderen Morgen empfing ich die heilige Communion, beides in der im Hospital wohlerhaltenen bischflichen Capelle. Eine frmliche Abschwrung ist nicht fr erforderlich gehalten worden. Der Rcktritt in die mtterliche Kirche erfolgte also blos durch die Sacramente der Beichte und Communion. -- Am folgenden Tage wurde ich vom Arzte fr curirt erklrt, und ging zu meinem Bataillon zurck. Im Monate Juni kam die unerwartete Nachricht, da der Rest der Fremdenlegion nach Hause geschickt werden sollte. Am ersten August ging ich mit Abschied von Pamplona weg und betrat im Anfang September den heimathlichen Boden. Zur Wrdigung dieser Umstnde drfte zu bemerken sein: 1. Anderthalb Jahre hatte ich dem Feldzuge in Spanien beigewohnt, ehe ich in das Hospital ging, viele Menschen sterben gesehen, viele Kirchen, gezwungen oder aus Laune besucht, und all den Pomp der spanischen Gotteshuser beobachtet, warum machte er nie vorher den Eindruck auf mich, den spter in Pamplona das Glockengelute auf mich machte? 2. Gewisse Leute sind bei der erfolgten Bekehrung eines Fremden in Spanien schnell mit dem Zweifel bei der Hand: ob nicht die Bekehrung die Folge eines geistigen Zwanges, der Ueberredung, oder gar der Aussicht auf zeitliche Vortheile gewesen? Wo aber hier Ueberredung? und die zeitlichen Vortheile, die mir Niemand in Aussicht stellte und stellen konnte, bestanden darin, da mein guter Caplan, der selbst so arm war wie eine Kirchenmaus, mich auf seine Kosten vor der Communion rasiren lie. 3. Konnte ich berhaupt hoffen, da ich als Katholik meine zeitliche Zukunft in irgend etwas verbessern wrde? Nein, denn fr den Fall der Rckkehr in mein Vaterland konnte ich als Convertit mir nur Nachtheil und Zurcksetzung, oder gar Verachtung versprechen, in Spanien selbst aber erwartete ich tglich den Soldatentod. 4. War es Furcht vor dem Tode, die mich bewog, katholisch zu werden? Nein, denn die Krankheit war berstanden, und als Protestant konnte ich ja berhaupt nicht annehmen, da man Katholik sein msse, um gut zu sterben. 5. War es Dankbarkeit gegen Gott fr die Genesung? Wie htte ich als Protestant denn annehmen knnen, da man Gott einen Gefallen erzeige, wenn man katholisch werde? 6. Es ist sonderbar, da ich gerade an jenem Tage nach meiner Bekehrung aus dem Hospital geschickt wurde. Wre es einen Tag frher geschehen, so wre das Werk unvollendet geblieben. Es war also eine _reine_ und _ganz unverdiente Barmherzigkeit_ des allmchtigen Vaters, welcher mich, nachdem sein Ruf in der Heimath nicht gefruchtet, in lange Entbehrungen und Leiden, und nachdem auch sein zweiter Ruf in Spanien unbeachtet geblieben war, endlich in das Lazareth in Pamplona warf, mich dort von einer schweren Krankheit rettete, und mir dann mit seinem Sonnenstrahle und dem Glockengelute seiner Kirchen die Gnade sandte. Wre der Ausdruck nicht so menschlich, so wrde ich sagen: _so viel Mhe gibt sich Gott, um ein strriges, eitles Kind, das nicht hren und nicht sehen will, zurckzufhren_. Der Herr sei gepriesen in Ewigkeit. Amen! * * * * * Das erste bedeutendere Werk, womit Koch seine literarische Laufbahn erffnete, war der aus den Vigilien entstandene Prinz Rosa-Stramin[4], dem noch nach zwei Decennien die seltene Gunst zu Theil ward, neu aufgelegt und in's Englische bersetzt zu werden. Wenn wir in dieser Lieblingsschpfung des Dichters -- der Frhlingsgabe seiner Muse -- eine klar durchdachte Anordnung des Stoffes, Einheit und Gre der Conception, Abrundung und Marmorgltte der Sprache vermissen, so werden wir um so freigebiger durch Originalitt, Scenenwechsel und Farbenreichthum entschdigt. Ruhig berlt sich der Dichter dem khnen Fluge seiner Phantasie, unbekmmert darum, wo ihn das kecke Flgelro hintragen wird. Wir sehen eine Gallerie der lebendigsten Gemlde, die in bunter, rascher Variation auf einander folgen, Bilder aus dem Studenten- und Philisterleben, in welchen sich berall des Verfassers reiche, gemthlich-schwrmerische Natur abspiegelt, und in die er meist seine eigenen Erlebnisse, seine jugendlichen Trume und Verirrungen, seine Freuden wie seine Leiden hineintrgt, aber mit einer Wrme des Gefhls, einer Frische des Colorits, einem sprudelnden Humor, die den Leser von einem Ende zum andern in fesselnder Spannung erhalten. Das Werk erschien zuerst pseudonym, wie alle seine frheren Erzhlungen und Aufstze, die er unter den Namen Leonhard Emil Hubert, Hubertus, Eduard Helmer herausgab, bis er erst in den, 1847 zu Kassel bei H. Hotop gedruckten Erzhlungen vor das Forum der Oeffentlichkeit trat, und alle seine frhern literarischen Versuche als sein Produkt und Eigenthum bescheiden vindizirte. Auch hier bilden des Dichters militrische Thaten, Kriegsscenen und Naturbilder aus Afrika und Spanien die stets wiederkehrende Staffage. Ausgezeichnet wie Prinz Rosa-Stramin durch Wahrheit, Naturwchsigkeit und jugendliche Frische, sind sie, gleich den sptern Novellen[5], mit grerer Klarheit und mehr einheitlicher Zusammenstellung angelegt: sie waren nach dem Urtheile competenter Kunstrichter das Beste, was seit langer Zeit auf dem deutschen Bchermarkt erschienen war[6]. Auer den vorliegenden Gedichten und einer Arbeit ber kurhessisches Recht haben wir unter der Nachlassenschaft des Verstorbenen noch zwei literarische Commentare, das eine zu Schiller's Wilhelm Tell, das andere zu Amaranth und Thomas Morus von Oscar v. Redwitz vorgefunden. Ein Theil dieses letztern ist in dem Programm des hiesigen Athenums, Schuljahr 1856-57, abgedruckt. Wer auer Schiller, Krner und Mathisson, den Lieblingsdichtern seiner Jugend, Koch am meisten beeinflut hat, mag nicht schwer zu errathen sein. Die berraschenden, oft brsken Wendungen und Katastrophen, die behagliche Ungebundenheit in Form und Manier, das Abspringen von dem Gegenstand, um sich mit dem Leser oder mit sich selbst und ber sich selbst in ein ironisch-humoristisches Zwiegesprch einzulassen, die eingestreuten komischen Situationen und Gedankenblitze erinnern an Jean Paul, zum Theil an den Verfasser der Reisebilder. Aber es wre eine Verkennung der ihm in hohem Grade angebornen Produktionsgabe, wenn man ihn mit Kuzkow der servilen Imitation Heine's bezchtigen wollte, wogegen sich Koch selbst in dem Vorwort zu seinen Erzhlungen energisch verwahrt hat. Sind wir auch mit dem Dichter selbst weit davon entfernt, alles und jedes in seinem Leben wie in seinen Schriften billigend und lobend anzuerkennen, so mten wir doch auch dagegen mit ihm in aller Entschiedenheit protestiren, wenn man ihn zum Gesinnungsgenossen des getauften Judenheiden herabwrdigen wollte. Die Gemeinheit, womit der Vater und Chorfhrer des jungen Deutschland alles Ernste und Heilige in den Koth seiner Leidenschaft herabzog, die Heuchelei des atheistischen Verstandesmenschen, der bei aller Gefhls- und Gesinnungslosigkeit mit Seelengre und Byronischem Weltschmerz kokettiren konnte, war ihm aus Grund seines Herzens verhat. Bei allen jugendlichen Irrungen und allen Strmen des Lebens hatte Koch den Adel seiner liebenswrdigen Seele bewahrt, und was er schrieb und sang, entstrmte als die eigne Sprache eigner Poesie den tiefsten Tiefen seiner beraus genialen und beraus gemthsvollen Dichternatur. Was die vorliegende Sammlung betrifft, so hielt es der Herausgeber fr eine Pflicht der Piett gegen den Verewigten, alle seine hinterlassenen Gedichte ohne Auswahl und Sichtung in dieselbe aufzunehmen, wenn ihm auch das eine oder andere in Anlage und Form minder vollendet und befriedigend schien: soll doch nur durch das Ganze und im Zusammenhang mit seinen brigen Produktionen ein vollstndiges Bild von der Individualitt des Dichters gewonnen werden. Mgen auch diese Bltter zur Wrdigung des Mannes beitragen, der, wie er selbst schrieb, in der Literatur nach keinem frstlichen Kleide gestrebt, aber auch hoffen durfte, nicht zu den literarischen Bettlern geworfen zu werden. Und so nehmen wir denn noch einmal Abschied von dem geliebten Snger, in das Trauerlied einstimmend, das wir auf die Gruft unseres Vorgngers als Schler und Freund in dankbarer Erinnerung niederlegten. Trost in Thrnen. _Grablied auf Professor Koch._ Nach der Harfe greif' ich wieder -- Und sie tnet Grabgesang, Bittern Schmerzes Klagelieder Zittern durch der Saiten Klang. Ernst, in Wehmuth hingegossen, Schwieg der Jnger Trauerschaar, Weib und Kind, in Schmerz zerflossen, Standen an der Leichenbahr'. Ach! der Snger, der gerungen Treu fr Gott und Vaterland -- Seine Saiten sind verklungen, Die er schlug mit Meisterhand! Der uns sang der Minne Sehnen Und des Helden Sturmesdrang, Und des Dulders stille Thrnen Und des Glaubens Siegessang! -- Mut so frh den Tod Du finden, Lebensmuthig, liederreich? Wollten Dir die Schlf' umwinden Mit des Ruhmes Lorberzweig. -- Nicht bei Menschen, nicht hienieden War Dein Hoffen, schn'res Loos Ist der Treue dort beschieden. Wo Du ruh'st in Gottes Schoo. Wo die Stirne wird umkrnzen Der Verklrung Siegeskranz, Und ein Engel Du wirst glnzen In der Sel'gen Sonnenglanz'. Luxemburg, 1. November 1859. Ludwig Housse, Prof. d. deutschen Sprache u. Literatur. Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825. Wie einst Memnon's Sule sanft ertnte Bei Aurorens erstem Strahlenkusse: So tnt mir auch dieses Jahres erster Morgenstrahl Gefhle in die Brust, Wie sie nur des Kindes Herz kann fhlen, Wenn es sich an das der Eltern drnget. Auf die Feder scheint die Morgensonne Mir und ladet mich zum frohen Grue. Kaum, Ihr lieben, kann ich sie erwarten, Die Minute, wo in Euren Armen Inniger mein Herz dem Eurigen Und der Zukunft ungewissen Tagen Freudig wnschend dann entgegenschlget! Nicht entweihen will ich durch die Feder, Was die dankerfllte Brust durchglhet, Sagen nicht, wie Eure Elternliebe Mich von meinem ersten bis zu diesem Morgen mit des Dankes Hochgefhlen Ewig an die treuen Herzen bindet; Sagen nicht, was ich aufzhlen weder, Noch Euch je vergelten kann, -- ach wenn ich Mir dies denke, alle die Wohlthaten, Mir zurck in meine Seele rufe: Dann zerfliet (doch nur in meiner Seele), Einer Thrne gleich, mein frommer Dank In dem Meer der elterlichen Liebe, Und das Ziel von allem meinem Streben Ist: mich Eurer Liebe werth zu machen. Schlummer nur sang einst ein Wiegenlied Auf den kleinen Knaben nieder -- und der Kinderjahre gold'nen Traum; -- er wute Noch nicht, wem er seine Freuden dankte: Jetzt tnt ihm die Harmonie der Welten, Der Natur, der heit're Frhlingshimmel Andere, erhabene Gefhle In die Jnglingsbrust; -- es wei der Jngling Nun fr wen des Dankes Zhre fliet! Der die Welten schuf und die Natur Und den heitern Frhlingshimmel, der das Leben seinen Menschen gibt und nimmt, Der auch diesen frohen Neujahrsmorgen Ueber unserer Erde aufgeh'n lie: Er nur kennt der Herzen heil'ge Tiefen, Hrt mit Huld ihr Wnschen, Hoffen, -- Beten! Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter (am 9. April 1827). Jubelnd kommt der frohe Lenz gezogen, Flur und Haine bau'n ihm Ehrenbogen, Ihn begrt der Lerchen Chor, Und der Engel treuer Kindesliebe, Der die Brust erfllt mit sem Triebe, Schwingt mit ihnen sich empor. Nimm es mit mein Herz zur ew'gen Ferne, Du, mein Engel, wo des Himmels Sterne Freundlich auf- und niedergeh'n, Wo die Brder dort in ser Wonne Und die heil'ge liebende Madonne Nieder auf die Menschen seh'n. Schwinge Dich zu ihrem lichten Throne, Fleh die Heil'ge um die schnste Krone Fr ein edles Mutterherz: Wenig Leiden und der Freuden viele, Langes Leben, und am spten Ziele Sanftes Scheiden himmelwrts. Am Geburtstage meines Vaters (whrend eines heftigen Gewitters geschrieben). Glhend in des Mittags Schwle Schickt die Sonne ihr Gescho, Keuchend zieht das matte Ro, Sucht der Bume Schattenkhle. Aller Lebensgluth beraubt, Steht der Hain mit schlaffen Zweigen, Und des Thales Blumen neigen Traurig, farbenlos, ihr Haupt. Einer Jungfrau gleich, die heimgegangen, Schon im Sarge, noch geschmckt, Wo der Tod von ihren Wangen Noch die Rose nicht gepflckt; Einem holden Frhling gleich Mit unendlicher Blumenflle; Ohne das ewige Schaffen und Streben, Ohne das blhende, liebende Leben, Eine abgestorbene Hlle Liegt der Erde weites Reich. Sieh, da kommt's in schwarzem Bogen Dort im Westen hergezogen, Wie das Schicksal, langsam, schwer, Wlzt es sich am Himmel her. Und des Aethers Azurschein Hllt in Nacht sich ein, Und der Ewige naht Auf dem Gewlke den Fu, Und die Sonnen und Welten auf seinem Pfad Bringen den Jubelgru. -- Da siehe, ganz helle, Ein zuckender Strahl Mit Gedankenschnelle Erleuchtet das Thal. Ein Funken seiner Glorie kndet Des Herren Angesicht, Der Herr sprach: zurck, die Htte nicht! Und der Funken hat nicht gezndet, Und der Mensch danket und betet an, Wie er sieht den Ew'gen nah'n. Horch, da murmelt's am fernen Himmel, Gleich einem rieselnden Felsenbach, Und murmelt nher und nher ohn' Ende, Und rollt jetzt lauter am Firmamente, Und bebt in des Berges Schluchten nach, Und donnert und kracht, Und heult in die Nacht, Als wren die Welten im Kampfgetmmel, Als wollt' im angstvollen Beben Die Erd' aus den Angeln sich heben, Und ein _Schlag_, da die Himmel zittern, Hemmet des Donners furchtbaren Lauf, Und des Eichbaums Aeste splittern: Dampfend zu dem Himmel auf Wallt des Haines Opfergluth Ihm, der uns mit treuer Hut. Schtzt in Ungewittern. Siehe, nun kommt der unendliche Segen, Und es ergiet sich der rauschende Regen, Ziehet dahin ber Felder und Auen, Sie mit erquickendem Leben zu thauen. Freudig erhebet die Blume das Haupt, Frisch hat der lachende Baum sich belaubt. Holde Nachtigallen Singen in dem Hain, Hrnerklnge schallen, Flten und Schalmei'n, Und es grnet die Weide, Und die Heerden zieh'n Mit harmonischem Gelute An dem Anger hin. Der Landmann sieht die Felder blh'n Und seiner Wiesen neu belebtes Grn, Und sieht auf seinen Fluren Des Vaters Segensspuren. Zum Himmel hebt er die Hnde gern Und dankt dem Herrn. Und ein Jngling schmiegt sich an seinen Arm, Drckt an die Brust ihn lieb und warm, Blickt empor zu des Himmels Blau, Sehnsucht im Auge und Thrnenthau, Will einen Kranz dem Vater winden, Kann fr das Herz nicht Worte finden, Er schaut in den Frhling und findet sie, Und beugt in kindlicher Andacht das Knie: Du in ew'gen Fernen, Vater ber'n Sternen, Hre mein Gebet! Geber aller Freuden, Du nur kannst es deuten, Was die Seele fleht. Herr, wie auf Dein Zeichen Die Gewitter weichen, Und die Wolken fliehen: Also winke liebend, Wenn Gewitter trbend Seine Stirn' umzieh'n. Schaffen, Wirken, Streben Sei das frohe Leben, Das Du ihm verlieh'n, Und durch Frhlingstage Ohne Schmerz und Klage Leite, Vater, ihn. Deine Huld und Gte, Ewiger, verhte, Kummer, Gram und Leid; Krfte gib dem Sohne Zu dem groen Lohne, Bis die Dankbarkeit Einst in spten Zeiten Unter Trauerweiden Feuchten Auges steht, Bis die Nebel sinken Und die Fluren winken, Wo die Palme weht! Am Anfange der Osterferien. 1826. Auf, auf, mein Herz, der Frhling ist da, La schweigen das nchtliche Sehnen, Hast wacker gekmpft, die Stunde sie naht, Wo Kronen der Liebe dich krnen! Auf, auf, mein Herz, die Lerche schwirrt, Es senket der Lenz seine Flgel, Auf, auf, nach der Heimath durch Wald und Flur, Hinaus ber grnende Hgel! Warum so still, wenn die Freude Dir lacht? Hast Du nicht dem Himmel vertraut? Und hat der beglckende Frieden in Dir Nicht gold'ne Pallste gebaut? Hast Du nicht errungen das Wonnegefhl, Gekmpft und gesieget zu haben? Hast du in den niederen Gngen der Lust Die Hoffnung der Eltern begraben? Warum so still, wenn der Frhling Dir lacht? Wenn himmlische Freuden Dir winken? Bald sollst Du an liebender Vaterbrust Die Wonne des Wiederseh'ns trinken! Wohl bin ich so still, ob die Freude mir lacht, Wohl hab' ich dem Himmel vertraut; Wohl hat der beglckende Frieden in mir Die gold'nen Dcher gebaut; Wohl schwirret die Lerche, es lchelt so klar Der Aether in freundlicher Blue, Wohl nahen die Freuden, die himmlischen all', Mit Krnzen der Liebe und Treue: Doch ach, mein Harren und Sehnen ist hin, Das innig und hei mich durchglhte, Ich kann nicht mehr wnschen, mein Hoffen ist hin, Gepflckt ist die kstlichste Blthe. _Ach! ser entfloh'n, und ich wute es nicht,_ _Im Harren und Sehnen die Stunden,_ _Die Frucht ist gereift, die Blthe verwelkt,_ _Die Krone der Freude empfunden!_ Am 8. December. Sieh, wie buntes Schneegewimmel Spielet durch den den Himmel, Und es heult der Strme Wuth. Ob auch mit erstorb'nen Lilienwangen Die Natur im Schlummer ruht, Ist mir doch ein Frhling aufgegangen, Und (ich fhl' es an dem Wogen Dieser bersel'gen Brust) In mein frohes Herz gezogen, Reich an Blthen, reich an Luft. War nicht heute, freudig tnt's die Laute, Beben's meine Saiten nach, War nicht heute jener frohe Tag, Wo Dein Blick dies schne Leben schaute? Ach, Geliebte, war's nicht heute? Wo ich, noch ein Knab', an Deiner Wiege sa, Und mein Lieblingsspiel verga, Und der Schwester kniglich mich freute, Selig dir ins Auge blickte, Ja, und dreimal glcklich war, Wenn ich auf Dein kleines Lippenpaar Dir den Ku der Bruderliebe drckte? Vierzehn Lenze sind geschwunden, Doch des Knaben Liebe nicht. Was ich damals schon empfunden, Fhl' ich noch in schnen Stunden, Wenn Dein sanftes Angesicht Treue Schwesterliebe spricht. Htt' ich Hlty's Lautenklang, Liee meine Saiten rauschen, Da die Engel mir im Himmel lauschen, Sng' ich meinen schnsten Hochgesang: Nimmer wrd' es mir gelingen, Meine Liebe Dir zu singen. Wandle froh und glcklich durch Dein Leben, Trau dem frommen, kindlich reinen Sinn, Von den Engeln, welche Dich umschweben, Sei die Sanftmuth Deine Fhrerin. Unschuld, an der Liebe Hand, Leite Dich zum bessern Land. Ach, noch keinem Menschen war's verliehen Immer glcklich, immer froh zu sein! Und soll ber Dir auch eine Wolke ziehen, Wohl, so sei's im rosenfarbnen Schein, Und sie senk' in Freudenthrnen sich In Dein stilles Leben nieder. Dann umlchle freundlich wieder Dein entwlkter Himmel Dich! Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels. So bist auch Du des Todes Beute! O namenloser Schmerz! Auch Du, mein Glck und meine Freude, Das einz'ge treue Herz? Da liegst Du kalt und ohne Leben, Geliebtes Thierchen Du, Um Dein gesunk'nes Kpfchen schweben Die Thrnen ser Ruh'. Der frohe Lenz er kehret wieder Mit seiner Blthenlust, Ihn gren nicht mehr Jubellieder Aus Deiner frohen Brust. Sonst, wenn die warme Frhlingssonne Durch's offene Fenster schien, Sangst Du Dein Glck und Deine Wonne In zarten Melodien. Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage. Spiele, holde Kleine Mit dem gold'nen Sinn, Durch Dein Rosenleben, Spiele immerhin! Schne Blumen blhen, Kleine, rings um Dich, Lilien und Rosen Duften rings um Dich! Holde Vglein singen, Dir im Blthenhain, Deine Sonne leuchtet Milden Purpurschein. Himmel steh'n Dir offen, Und herab zu Dir Schweben kleine Engel, Spielen gern mit Dir. Winden mit Dir Krnze. Deiner Locken Zier, Pflcken mit Dir Blumen, Freuen sich mit Dir. Rufen die Gespielen, Holde Kleine, Dir, Bleib', die Mutter weinet, Bleibe, Kind, bei ihr. Durch Dein Rosenleben, Mit dem Engelssinn, Mit dem frohen Herzen, Spiele immerhin! * * * * * Ist mit der Freude doch der Schmerz im Bunde, An Blthen hngt der Thrne Silberschein, Und mit der heitern schwingt die trbe Stunde Sich durch der Tage bunt bekrnzte Reih'n. Das Leben ist gewirkt auf dsterm Grunde, Es webt die Liebe nur die Blumen ein, Und, wie sie zart von ihrer Hand gestaltet, -- Zu Deinen Fen liegen sie entfaltet. Betritt es nun das knstliche Gebilde, Gern trgt die Blume Deinen zarten Fu, Es winkt die Rose Dir mit Frhlingsmilde, Die Lilie ladet Dich mit sanftem Gru, Aus beiden weben sich die Lenzgefilde, Durch die Dein Engel Dich geleiten mu. Und glnzen Thrnen je in Deinen Zgen, Er wird sie Dir zu Diademen fgen. Du hast ein ird'sches Leiden tief empfunden, Das fern von Deinen Lieben Dich geqult. Doch Kronen sind der Dulderin gewunden, Und jeder Deiner Schmerzen ist gezhlt. Nun stehst Du da in blhendem Gesunden, Von heller Jugend ist Dein Blick beseelt, Und in dem ros'gen Aether Deiner Wangen Ist uns ein neues Leben aufgegangen. Schon wrmer strahlt die Sonn' am Firmamente, Bald kommt der Frhling aus dem fernen Land Denn jugendlich, im Wechseltanz ohn' Ende, Umschweben uns die Horen Hand in Hand. O da der Lenz doch immer wiederfnde Im Kreise, die die Liebe Dir verband! Das Lied verklingt, der Tag gebar sein Leben, -- Die Herzen nur, sie bleiben Dir ergeben. Nachtwchter-Lied. 1831. Hrt, _Ihr Herrn und lat Euch sagen_, Ich bin der Nachtwchter von Freienhagen, Hab' Euch gesungen, wenn die Sternlein gelacht, Hab' Euch gesungen bei strmischer Nacht, Hrt mein Lied Ihr Herrn und wacht! Die Sternlein geh'n hinunter -- Halloh, Ihr Herrn, seid munter! _Die Glocke hat ein Jahr geschlagen!_ Viel hat sich im Alten zugetragen. Die Gemeinde hat sich ein neu Haus gebaut, D'rin wohnt eine schne Himmelsbraut, Und das Fhnlein lustig vom Giebel schaut -- Wer reit uns das Fhnlein herunter? Halloh, Ihr Herrn, seid munter! _Bewahrt das Feuer und auch das Licht!_ Und frevelt Ihr Herrn mit dem Funken nicht: Ein Heerd steht in dem Gemeindehaus, D'rin glht eine Flamme Jahr ein Jahr aus, Die bewahrt mir treu bei Sturm und Graus, Behtet den heiligen Zunder! Halloh, Ihr Herrn, seid munter! _Damit der Gemeinde kein Schaden geschicht!_ Bewahrt treu und fleiig und schret das Licht, Das Haus umschleichet die Diebesbrut: Sie wollen uns stehlen das heilige Gut, Die Nacht ist dunkel, seid auf der Hut! Die Sternlein geh'n hinunter -- Halloh, ihr Herrn, seid munter! _Und lobet Gott den Herrn!_ Er sendet den Morgenstern! Der lsset den Sturm auf der Erde weh'n, Und die Sternlein auf und nieder geh'n! Vertraut auf den Herrn in seiner Hhe, Denn unser Gott thut Wunder -- Halloh, ihr Herrn, seid munter! Es war mir heut' Abend so einsam, so leer, Als wenn ich von etwas geschieden wr'; Mir war so betrbt, so wunderbar Zu Muthe, wei selbst nicht, was mir war; Ich war verdrielich und wut' nicht warum; Aber ein Weh ging mir doch im Herzen herum, Und wie nun der Herbstwind die Fenster schlug Und das gelbe Laub durch die Lfte trug, Da blies fern, fern mit bebendem Ton, Ein uraltes Lied ein Postillon. Es handelt, ich hab's einmal aufgeschnappt, Vom Schatz, den einst der Postillon gehabt. Es war nur ein Posthorn und ging mich nichts an, Und des Postillons Schatz hat mir auch nichts gethan, Ueberhaupt auch den Postillon kenn' ich nicht, Und doch hielt ich mir das Tuch vor's Gesicht. Gru an die Heimath. 1838. O was bewegt mir denn den warmen Busen, Und warum schlgt mir denn das Herz so laut? Es sind nicht Weihegre meiner Musen, Nicht das Umfangen meiner lieben Braut. Was soll, o Wanderer, dieses Zagen deuten? Was trbt denn nun noch Deiner Freude Glanz? Hab' Muth, horch' jener Abendglocke Luten, Es sind ja Tne Deines Heimathlands. Wie oft hab' ich in ewig weiter Ferne Nach meinem Norden sehnsuchtsvoll geschaut, Bei Nachts des Wagen siebenfachem Sterne Die Gre meines Herzens anvertraut. Jenseit des Meeres dunkelblauen Wogen, Dort, wo das Allah durch die Wste klingt, Fragt' ich die Wolken, die nach Sden zogen: Ist keine, die mir Gru der Heimath bringt? Und in der Pyrenen Schreckensgrnden, Auf des Pelargus schauerlicher Hh', Im Schlachtgets von tausend Feuerschlnden, Verga die Seele nicht das tiefe Weh. Der Heerden Glocken auf den Felsenklippen, Der Wasserflle Sturz, der Vgel Chor, Gefall'ner Kameraden bleiche Lippen, Erzhlten mir von meiner Liebe vor. Doch jetzt, wo mich der Heimath Thler gren, Erneut sich alles Leid und alle Qual; Kein Balsamkraut, den Schmerz mir zu versen, Und keine Blume find' ich in dem Thal, Gestorb'ne Liebe und zerriss'ne Banden, Zerschlag'ne Freuden und zertret'ner Keim -- Kaum hat mich Einer hie und da verstanden: Ein Fremdling schied ich, Fremdling kehr' ich heim. Nur eins milang den finsteren Gewalten: Von allem, was das Leben mir zerbrach, Hab' ich doch meine Harfe noch behalten, Und manches Lied, das mir am Herzen lag. Im fremden Lande singt sich's nicht von Herzen, Und alles Leid und Lied geht Hand in Hand; Drum kommt, ihr meine Lieder, helft's verschmerzen; Sei mir gegrt, mein theures Vaterland! So send' ich Dir denn dieses ohne Zaudern, Verstehst doch Du mich bis zum Herzensgrund. La so mich oft mit Deinem Herzen plaudern, Und whre nicht geschwtz'gem Dichtermund! Mir ist als wrd' ich von des Lebens Schaudern, Von all dem Weh mit einemmal gesund, Als knnte mit dem wunderbaren Klingen Mein Herz sich alte Freud' und Lieb' ersingen. So ist's, schien einmal Dir mit Morgenrthen Das Ideal tief in die Brust hinein, So bleibt's Dir treu, das Leben kann's nicht tdten; Und bist Du elend, gramvoll und allein, Dann ruft es Dir mit fernen Himmelsblicken, Du siehst's verklrt in rosenfarb'nem Schein, Auf sonn'gen Hh'n weht seine heil'ge Fahne, Und Himmelswahrheit liegt in Sngers Wahne. Mein Engel. Heut' vor 'nem Jahr, in fremdem Land, Da hab' ich krank gelegen, Da that mich keine liebe Hand In meinem Fieber pflegen. Bei Nacht im dunkeln Krankensaal Hob ich die schwachen Hnde Und bat, da Gott mir endlich 'mal Den Todesengel sende. Der tht wohl auf und ab mit Ruh' Von Bett zu Bette wandern, Drckt hier und da die Augen zu Dem einen wie dem andern. Das meine ward -- ich war so froh -- Von Tag zu Tage trber, Doch ging an meinem Bett von Stroh Der Engel stets vorber. Wie gern ich auch die matte Hand Ihm hingegeben htte, Ein and'rer Bote Gottes stand An meinem Krankenbette. Er trocknet mit dem weien Tuch Den Schwei von meinen Wangen, Und hielt mir hin den irdnen Krug, That ich den Trunk verlangen. Er hielt mein Haupt, wenn ich es schwer Im stillen Kampfe neigte; Es war ja Niemand um mich her, Der mir den Dienst erzeigte. Hat mir erzhlt gar lieb und gut Von meinem Heimathlande, Als ich in einer Fiebergluth Der Mutter Namen nannte. Ich hab' den Engel nicht geseh'n, Und Niemand konnt' ihn schauen, Doch mu ich seit dem Aufersteh'n Auf seine Vollmacht bauen. Sehnsucht nach dem Tode. Sei mir gegrt mit Deinem herben Leide, Der trben Sehnsucht, die Dein Herz bewegt. So lieb nicht wrst Du mir im Brautgeschmeide, Als mit der Perle, die Dein Auge trgt. Die Thrne ward das Erbtheil fr uns beide, Schmerz gegen Schmerz sei liebend aufgewgt; So herzlich gr' ich einst mit bleichem Munde Den stillen Engel meiner letzten Stunde. Ich schmh' das Leben nicht, wenn ich's verlasse: Es war ein blthenreicher Frhlingstag; Glaub' nicht, da ich das se Traumbild hasse, Weil's mich belgend sein Versprechen brach, Und da mein Auge nicht, wenn ich erblasse, Zurck sich zrtlich zu ihm wenden mag. Schwur meine Braut doch bei des Himmels Pforten -- Sie log -- und bin ihr doch nicht gram geworden. Das Leben ladet uns zu frohen Festen, Den Bettler wie den Knig allzumal, Viel schne Blumen schenkt es seinen Gsten, Kredenzt mit Zauberlcheln den Pokal; Wie Nachtigallenlied aus Blthensten, Zieh'n Melodien durch den gold'nen Saal, Hrst sanfter Flten sehnsuchtsvolle Reigen, Weit nicht, von wannen sie herniedersteigen. Und wie sie zu Accorden sich gestalten, Da wird's Dir weh um's Herz, fhlst Dich allein, Und lauschest durch entzckend helle Spalten, Und siehst in rosenfarb'nem Morgenschein, Sich einen strahlenden Palast entfalten, Den tragen mit Gesang der Engel Reih'n; Sein Reich sind Sterne, Himmel seine Stufen, Von wo die Tne Deinem Herzen rufen. Du willst sehnschtig an die Bretter pochen, Weil Dir ein himmlisch Schauen nicht gengt, Mit einem Finger sind sie leicht zerbrochen, Ein armer Tischler hat sie einst gefgt. Ein Priester drber sein Gebet gesprochen, Und eine Brust war drunter eingewiegt. Zerbrich sie, glcklich Kind, mit Deinem Traum! Eil' hin zum blthenreichen Weihnachtsbaum. Sieh, darum lieb' ich dieses arme Leben, Weil's mir die Aussicht auf ein hh'res gibt, Ich dank' ihm, weil's die Ahnung ihm gegeben: Wei ich doch nun, was meine Seele liebt. Mit Sonnenpracht wird sich die Schranke heben, Wenn jenes Fest des Lebens einst zerstiebt, Und klopf' ich heimlich an die Gruft der Vter Mit mdem Finger an die morschen Bretter. Ach! Alles wird ja seinen schnen Lgen Zum Raub', es gibt Dir nichts an ihrer Statt; Trinkst Du aus seinem Kelch mit vollen Zgen, So macht es Dich noch rmer, leer und satt; Nahst Du mit still bescheidenem Begngen, Verspricht's Dir, was es nicht zu geben hat; Es lt Dich arm mit seinen Herrlichkeiten: Sieh', darum mcht' ich gerne von ihm scheiden. Und kommt sie einst, die ernste schne Stunde, Wo los mein Geist sich von dem Leben reit: Dann gebe Dir mein Engel davon Kunde, Damit Du, wenn ich scheide, bei mir seist, Mit einem Wort aus Deinem lieben Munde Der Seele, wenn sie zagt, den Aufschwung leih'st; Dann magst Du mir die mden Augen schlieen, Aus denen nunmehr keine Thrnen flieen. Trst' das gebeugte Haupt, wenn es im Jammer, Im Mutterschmerz an Deine Brust sich legt. Sag' meinen Schwestern, da in stiller Kammer Der Bruder nun nicht einen Schmerz mehr trgt; Du aber schaudre nicht, wenn Tischlers Hammer Noch vor dem Herzen Deines Freundes schlgt, Sieh aus dem Fenster ohne Thrn' und Klagen, Mich still an Deinem Haus vorber tragen. Reliquie eines Verschollenen. Es gibt geheime Schmerzen, Sie klaget nie der Mund, Getragen tief im Herzen, Sind sie der Welt nicht kund; Es gibt ein heimlich Sehnen, Es scheuet stets das Licht; Es gibt verborg'ne Thrnen, Der Fremde sieht sie nicht. Es gibt ein still Versinken In eine inn're Welt, Wo Friedensauen winken, Vom Sternenglanz erhellt; Wo auf gefall'ne Schranken Die Seele Hoffnung baut, Und jubelnd den Gedanken Den Lippen anvertraut. Es gibt ein still Vergehen, Ein stummer der Schmerz, Und Niemand darf es sehen, Das schwer geprete Herz. Es sagt nicht, was ihm fehlet, Und wenn's im Harme bricht, Verblutend und zerqulet, Der Fremde sieht es nicht. Es gibt ein sanfter Schlummer, Wo ser Frieden weilt, Wo stille Ruh' den Kummer Der mden Seele heilt. -- Doch gibt's ein schner Hoffen, Das Welten berfliegt: Da, wo am Herzen offen Das Herz voll Liebe liegt. * * * * * Wenn drauen Baum und Strauch im Wetter wanken, Und durch die Nacht des Sturmwinds Flgel weh'n: Dann fhlt mein Herz geliebte Traumgedanken, Gleich Todten in Kapellen, aufersteh'n. Drin seh' ich Heil'ge, die mir lngst versanken, Einher im Geisterlicht des Mondes geh'n; Drin mauert ungeschickt mit hellen Zhren Mein Engel an verfallenen Altren. Ich hre Tne, lange nicht gekannte, So lieblich, Stimmen gleich im Paradies, Doch frag' ich, wer mir aus dem Zauberlande Die Himmelstne wiederkehren lie? Und frug ich jene Heil'ge, wer sie sandte? Und meinen Engel, wer ihn mauern hie? Die Traumgedanken all', woher sie kamen? Nennt Traum und Ton und Engel Deinen Namen. Ach, jene Tn', aus Aether zart gewoben, Belauscht' ich einst mit hochentzcktem Ohr; Von Ahnung ihrer Gttlichkeit gehoben, Schwang meine Psyche selig sich empor: Da griff mich eine Riesenfaust von Oben, Hinab mich schleudernd, den verweg'nen Thor, Hinunter, wo sich chzend und erblindet, Tellurisches Gewrm im Staube windet. Du sollst verflucht sein und verdammt Dein Wesen, Und Bettler sollen auf Dich niederseh'n, Sollst keuchend Deinen Schritt, den schulgemen, Im Kreis des menschlichen Getriebes geh'n, Und nimmer in dem gold'nen Buche lesen, Wo Deiner Trume se Bilder steh'n; Was Du ges't mit kindischem Begreifen, Soll nicht im Staube Deiner Erde reifen. Da fate mich wahnsinniges Verirren, Der Geist verga die knechtische Geduld, Ich warf mich in der Sinne ses Wirren, Verhhnte Menschenwitz und Gtterhuld; Ich warf mich in der Schwerter wildes Klirren, Von Tod und Leben fordert' ich die Schuld: Sie blieben Schulden, weder Tod noch Leben Hat meine Traumwelt mir zurckgegeben. So kehrt' ich denn zur fernen Heimath wieder, Und fragte nach dem frh verlor'nen Pfad, Da, wo im Kindergarten fromme Lieder Sein erst' Gefhl mein Herz gestammelt hat, Bckt' mich zum Sande, wo ich spielte, nieder, Und zu den Blumen, die mein Fu zertrat, Und sucht' aus Asche von erstorb'nen Flammen Mit warmen Thrnen meine Welt zusammen. Da trat'st Du zu mir, nach so langem Meiden Erschienst Du mir wie aus dem Zauberland, Gabst mir die Klnge, die den Knaben weihten, Und meinen Heiligen ihr Megewand, Gabst mir das alte Spiel der gold'nen Saiten, Die Kelle meinem Engel in die Hand, Und gabst mir Alles, Alles freundlich wieder, Und neue Ahnung zeugte neue Lieder. * * * * * Was treibt mich hin zu Dir mit Macht? Was gab mich Dir zu eigen? Was hast Du in mir angefacht, Das ich Dir mu verschweigen? Ach, was zu Dir mich zieht, Kein Name nennt's, kein Lied, Und Tne knnen's nicht bekunden, Doch ewig hat's mich Dir verbunden. Und Deiner Stimm' und Deinem Wort, Wer gab ihm die Gewalten, An meines Herzens tiefsten Ort Gebieterisch zu schalten? -- Mich reit's mit trunk'nem Sinn Zu Deinen Fen hin. Darf's auch mein Auge nicht bekunden, Doch ewig hat mich's Dir verbunden. Ich wnsch' es mit geheimer Lust, Und frcht' es doch zu sagen, Wie lieb ich Dich in meiner Brust Seit Monden schon getragen. Verschmhtest Du mein Herz, Verging's im stummen Schmerz, Es liebte Dich mit tausend Wunden, Und ewig blieb es Dir verbunden. Im Namen eines dreijhrigen Kindes am Geburtstage seines Vaters. Ich habe geschlafen, Ein Kindlein s, Und habe getrumt Vom Paradies, Und habe getrumt Vom himmlischen Spiel, Und habe geseh'n Der Engel viel. Und einen mit langem Gelockten Haar, Der nahe dem Vater Zur Rechten war. Der hatte ein Auge So mild und fromm, Und sprach so freundlich: Mein Kindlein komm! Es sind die Kindlein Mir immer fern, Fr wen Du bittest, Den segn' ich gern! Ich schlug in die Hnde Und bat: Papa! Und darauf erwacht' ich, Und Du warst da. Die Waldmhle. Was rauschet dort unter des Waldes Eichen? Ein Giebach ist's mit geschwtzigem Mund, Und unten, da liegt, umschirmet von Zweigen, Die Mhl' im blumigen Wiesengrund. Da treibet des Wassers Strke Bei Tag und bei Nacht die Gewerke; Es wlzt, von der tobenden Welle gefat, Schwerfllig das Mhlrad seine Last. Und kommt des Weges, bei nchtlicher Weile, Der Wandrer gegangen, so hrt er alsbald Die Wasser schon rauschen in flchtiger Eile, Und hret der klopfenden Hmmer Gewalt, Und sieht im Mondschein die Wogen Zerstieben in glnzendem Bogen. Doch kommt er nher, da fat's ihn an, Ein leises Grauen den Wandersmann. Denn, wo sich die tosenden Rder schwingen Und whlen im ghrenden Wasserschlund, Da hrt' er mit lieblicher Stimme singen, Wie Geister tief unten im feuchten Grund. Drauf sieht er mit eignen Augen Einen Arm aus den Wellen tauchen. Und ziehet heim, von Gedanken schwer, Und erzhlet Niemand die schaurige Mhr'. Ein Tchterlein einst von wenig Jahren, Das hatte der Mller mit Liebe gepflegt, Er mochte das Kind als sein Kleinod bewahren, Es war ihm vom Himmel an's Herz gelegt. Das spielt' einst in friedlichen Trumen Ganz nah, wo die Wogen schumen, Und pflckte sich duftende Blmchen ab Am Rande vom tobenden Wellengrab. Und wie es sich bckt, zieh'n fremde Gewalten Das Kind tief hinab, wo die Strudel geh'n, Und die Himmlischen knnen's nicht mehr halten, Und es sinket hinab, und es ist gescheh'n! Schon wlzet das Mhlrad die Speiche Zermalmend ber der Leiche, Und siehe, des Kindes purpurnes Blut Frbt rthlich die schneeweie Wasserfluth. Dort, wo sich die Rder brausend schwingen, Und whlen im ghrenden Wasserschlund, Wo's der Wandrer hret so lieblich singen, Wie Geister tief unten im feuchten Grund, Ist des Waldmllers Kind begraben, Das die Rder zermalmet haben, Und spt, wenn die Wasser noch rauschen mit Macht, Da klinget die Stimme ganz hell durch die Nacht. Und es winket das Aermchen mit Liebesgeberde: Lieb' Vater, lieb' Mutter, was weinst Du so sehr? Hier unten ist's freundlich, ist khler wie Erde, Lieb' Vater, lieb' Mutter, o weine nicht mehr! Den Mller fat es mit Grausen, Wenn er hret die Stimme drauen. In nchtlicher Stunde, bei Wetter und Wind, Da singt das ertrunkene Mllerkind. Schweizers Sehnsucht. O wer khlt dies bange Sehnen, Das mich glhend hei erfllt, Und in stille warme Thrnen Meine matten Augen hllt? Nicht mehr kann ich sie verhehlen Diese Schmerzen, die mich qulen, Die sich ewig mir erneu'n. Wenn die junge Morgenrthe Freundlich von dem Himmel lacht, Hab' ich einsam, still und de, Eine bange Nacht durchwacht, Und der erste Purpurschimmer Hat den sen Frieden nimmer In des Schweizers Brust gesandt. Ach, ein Land nenn' ich mit Zhren, Wo der Morgen schner brennt, Auf der Alpen Hochaltren, Am entflammten Firmament; Wo die Andacht Blicke feuchtet, Wenn die groe Fackel leuchtet, In der Morgenrthe Gluth. Jene Hh'n, wo seit Aeonen In der Ewigkeiten Schoo', Jungfrau und Sanct Gotthard thronen, Der am Morgen, herrlich gro, Es der Erde froh verkndet, Da die Opfer angezndet Frommen Dankes fr den Herrn. Wo der Aar in reinern Lften Khner seine Schwingen hebt, Ueber bodenlosen Klften Ungewohnt der Wandrer bebt, Wo von friedlich stillen Matten, Bei des Abends khlem Schatten, Heerden mit Gelute zieh'n. Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen (von Hessen-Kassel). 1838. Es zieht die Welt in schimmernden Gestalten Mit Freude bald, und bald mit Nacht und Grau'n, Durch eine Brust, wo hhere Gewalten Der Poesie die lust'gen Zelte bau'n. Und wenn des Schicksals Hnd' ein Herz zerspalten, Und wenn die Engel d'rin im Fenster schau'n, Ist's allemal ein Herz, das unter Bangen Das Schmerzgeschenk von der Natur empfangen. Doch was ergreift das Lied mit mchtiger'm Tone, Als jene weithin leuchtende Gewalt, Die majesttisch stolz dem Frstensohne Mit Purpurstrahlen um die Schultern wallt? Als jenes Wort, das von erhab'nem Throne Wie Blitz durch Vaterlandes Thler hallt? Als jene Hand, von deren sanftem Winken Die Segnungen des Friedens niedersinken? Denn Engel in den lichten Bumen weben Mit frommen Hnden eines Knigs Kleid, Und droben, ber allem ird'schen Leben, Wird von dem Herrn der Frsten Haupt geweiht. Um ihren Scheitel, hellumleuchtet, schweben Wie Genien die Ideen der Heiligkeit, Und Gott, damit des Frevlers Blick entkrftet, Hat seinen Stern auf ihre Brust geheftet. Doch Du, den schchtern meine Worte nennen, So nah' mein Herz auch Deinem Throne ist, Wie mu fr Dich nicht die Begeist'rung brennen, Da Du mein Frst und mein Gebieter bist; Ein Land, das meine Kinderspiele kennen, Ein Volk, das seine Treue nicht vergit, Und Thler blh'n um Deines Thrones Stufen, Wohin mich Lieb' und Pflicht zurckgerufen? -- Vom Baierland, der hohen Rhn entwunden, Zieht stolz die Woge Deinem Schlo vorbei, Und wieder, mir der Schwester treu verbunden, Als ob es Beiden leid zu scheiden sei, Hat sie alsbald Dein schnes Land gefunden, Und pp'ger Segen, wie ein stolzer Mai, Begleitet sie, wo auf die reichen Auen Der Pagenburg Ruinen niederschauen. Die rasche Schwester, die ihr Sachsen sandte, Und der Kastal'sche Quell, der Marburg grt, Der sanfte Strom aus nahem Bruderlande, Die Welle, die auf gold'nem Grunde fliet, Und jener Strom, an dessen Blthenstrande Die Winzer singen und die Rebe spriet, Sie zieh'n dahin mit trumerischen Gren, Und winden schmeichelnd sich zu Deinen Fen. Aus Deinen waldigen Gebirgen drhnen Sturmwinde tausendjhrigen Gesang, Der seit den krftigen Cheruskershnen Durch alle vaterlnd'schen Wlder drang. Du neigst Dein Ohr, Du lauschest jenen Tnen, -- Es ist der Volkesliebe mcht'ger Klang, Von dessen weithin brausenden Chorlen Sie jetzt noch drben ber'm Rhein erzhlen. Wie Du da stehst in krft'ger Jugendflle, Von sechs und dreiig Lenzen ausgeschmckt, Von denen jeder in geweihter Stille Mit einer Tugend Deinen Geist beglckt, Und jeder seiner jugendlichen Hlle Sanft eine neue Schnheit aufgedrckt! Und so erhalte Dich in langen Jahren, Der hoch gebietet ber heil'ge Schaaren. Wie du mit Weisheit stest, also mchtig Entspriee nun die dunkel gold'ne Saat, Und fruchtbeladen schatte segenskrftig Der Baum, den Du gepflanzt auf Deinem Pfad! So oft durch Deine Berg' und Thler prchtig Der Lenz mit seinem neuen Jubel naht, So bring' er, wie des Orients Gesandten, Des Glckes Gaben Dir aus Himmelslanden! Und knnt' ein Irrthum Dir die Liebe rauben, Dir sagt's Dein Muth, da Du gefrchtet wirst. Stolz auf dem Wagen, wenn die Rosse schnauben, Stehst Du ein jugendlicher Trojafrst. Doch wenn Du Liebe und Vertrau'n als Tauben An Deinen kniglichen Wagen schirrst, So wirst Du unter siebenfarb'nem Bogen, Ein Friedensgott, von Deinem Volk gezogen. Nur klingend ist mein Lied dahin geflossen, Die Worte hat der Snger nicht bewacht, Ein treu Gedchtni hat er's unverdrossen Mit zagendem Gemthe dargebracht; Hat's willenlos sich aus der Brust ergossen: So zieh es hin, wo Deine Sonne lacht. Mein Frst! frag' nicht, woher die Tne kamen, Ich schrieb sie stolz in Deines Volkes Namen. Mein Wunsch. Ich wollte, ich htte ein Huschen im Thal, Und nahe dabei eine Mhle, Wo heimlich rauschet der Wasserstrahl, Mit kreisendem Rade im Spiele, Ein Grtchen mit Bumen und Blumen dazu, Mit Tischen und Bank eine Laube, Und vor mir die Birnen im Abendroth Beim gttlichen Nectar der Traube. Dann neben mir Rosen und, vernnftig und treu, Einen Freund an der traulichen Sttte, Ein lauschendes strickendes Weibchen dabei, Das wre, so wie ich's gern htte. Die letzte Rose. Wo sind sie, meine Schwestern, meine Brder? So strahlend, hell in jugendlichem Roth? Die Erde nahm zurck die stolzen Gter, Die Blume sank, weil sie der Sturm bedroht. Wird doch mein eig'nes Haupt zur Stunde mder, Um meine Wange haucht der frhe Tod. Was mit mir lebt' und blhte, sank darnieder, Hin ist der Lenz, gestorben sind die Lieder. Wo bist Du, schner Zephyr, der die Wangen So oft beim frhen Strahle mir gekt? Bist Du zu fernen Thlern hingegangen, Wo nicht Dein Ku die Trauernde vermit? Und wo bei Rosen, welche schner prangen, Dein leichter Sinn die Sterbende vergit? Komm einmal noch, eh' meine Bltter sinken, Die letzte Lieb' aus meinem Kelch zu trinken. Wo bist Du schnee'ge Jungfrau, Nievermhlte, Du schwesterliche Lilie, schnes Bild, Der ich so oft in stiller Nacht erzhlte, Was tief mir im geheimen Busen quillt? O wenn die Blume keine Freundin whlte, Gb's Jemand, welcher ihre Sehnsucht stillt? Gb's Jemand, welcher ihr Entzcken theilte, Wenn Lieb' und Freud' in ihrem Kelche weilte? Wo bist Du ses Lied der Nachtigallen, Das schmerzlich einst die Tne mir gereiht? Ich lauschte Dir, und in den Laubenhallen Verstandest Du mein Lieben und mein Leid. Komm, traute Sngerin, die Bltter fallen, Der Sturm raubt mir das brutliche Geschmeid'. Soll ich vergehen, einsam, unbesungen. Und ist Dein Lied auf ewig mir verklungen? Euch sei die letzte Thrne hingegossen, Die auf dem welken Blatte sich noch hlt, Mein Kelch ist unentfaltet, kaum entsprossen, In meinem Innern trag' ich eine Welt, Die unentweiht, geheimnivoll verschlossen, Mit mir hinab in's Reich des Todes fllt. Die Rose mag, von Lieb' und Lied verlassen, Mit unentweihtem Herzen frh erblassen. Weh mir! der Sturm mit mchtigem Getose, Er bricht hervor in unbarmherz'ger Wuth. Umsonst umhllen mich die weichen Moose, Der Paladin, in dem die Rose ruht. Wie? stamm' ich nicht aus kniglichem Schooe? Und fliet nicht tausendfach ein frstlich Blut In meiner Adern zierlichen Geweben, Die noch kein Vater wieder hat gegeben? Drum, die Du wandelst dort auf grnen Wegen, Die schlanke Huldgestalt, mir selbst verwandt! Eh' grausam mich entblttert Sturm und Regen, Komm, pflcke mich mit Deiner schnen Hand! So wird entzckend mich der Traum bewegen, Da ich die schwesterliche Lilie fand. Dem Dichter gib die welke dann zum Erbe, Da unbesungen nicht die Rose sterbe. Sonett. Wenn ein Sonett auf Dich doch Jemand schriebe? Wohl, _Dir allein_ gehren diese Zeilen. Vertrau' ich gern doch dem Sonett zuweilen Die heimlichen und die enthllten Triebe. Doch mein' ich, da es unvollkommen bliebe, Je mehr ich auch an dem Sonette feile. -- Da ich Dir lieber in die Arme eile Mit einem Kusse meiner Bruderliebe. Wohl geht's mir fters so mit solchen Dingen, Die ich im Liede nimmer sagen mag, Obwohl sie seit des Lebens erstem Tag Wie angeboren meine Brust durchdringen. Sie klingen ewig mir im Herzen nach, Und doch kann ich sie nicht im Liede singen. Sonett. So eilst Du denn der Knigsstadt entgegen, Wird sich, wenn ihre Reize Dich umzweigen, Zur Heimath liebend dein Gedanke neigen, Und wirst Du deutschen Sinn im Busen pflegen? Wo die Empfindung fremde Stempel prgen, Wo Deines Vaterlandes Klnge schweigen, Wird sich Dein Herz empfnglich fr sie zeigen? Und bleibt es treu den heimathlichen Schlgen? O lebe wohl, viel hast Du hier erfahren, Und trbe war, was auch Dir blhen mag, Ich wei es, Deiner Jugend Frhlingstag. Doch Deiner Freunde Liebe folgt Dir nach, Und bitten zu des Himmels heil'gen Schaaren, Da sie Dein Herz Dir und sich selbst bewahren. Die Johannisblume. Mein Leben glich einer Blume, Dran hing manch schner Tag, Und jeder Tag war ein Blttchen, -- Bis das Schicksal die Blume brach. Es pflckte meine Blttchen Eins nach dem andern ab. Sieh her, ob Dir Dein Mdchen Die Liebe wieder gab: Sie liebt Dich, Sie liebt Dich nicht, Sie liebt Dich, Sie liebt Dich nicht, Sie liebt Dich doch. O mein Geschick, wie dank ich Dir! Doch ach, warum spielst Du so grausam mit mir? Nun steht mein Leben kahl und leer, Kein Blttchen hat meine Blume mehr. In der Ferne Wohnt mein Glck, Wie der Sterne Gold'ner Blick. In der Ferne Wohnt mein Schmerz, Ringt zum Sterne Himmelwrts. In der Ferne Wohnt ihr Bild, Und die Sterne Gren's mild. In der Ferne Wohnt mein Leid, Sagt's ihr, Sterne: Lieb' verzeiht. In die Ferne Schaut' ich oft, Hab' zum Sterne Treu gehofft. Weit und ferne Wohnest Du, Ueber'm Sterne, Meine Ruh'. In der Ferne, Dort und hier Lieb und gerne Bist Du mir. Lieb und gerne Du allein, Ueber'm Sterne, Wirst Du mein. Ihrer Erlaucht der Grfin von Schaumburg, am 18. Mai 1839. An Deiner Wiege standen hh're Boten, Ein jeder mit Geschenken fr Dein Leben. Sie schrzten den geheimnivollen Knoten; Dich sanft berhrend mit den Zauberstben, Befahlen sie dem Glanz, dem morgenrothen, Mit Schnheit Deine Glieder zu umschweben, Und jeder hat die Tiefen Deiner Seele Geschmckt mit einem himmlischen Juwele. Der Engel Gaben sind Dir treu geblieben, Sie strahlen hell, gleich Sternen in den Nchten; Doch einer weihte Dich mit zarten Trieben, Und eine Vollmacht trug er in der Rechten, D'rin war Dein knftiger Beruf geschrieben: In eine Krone Blumen einzuflechten. Die Vollmacht schlo er sammt dem heil'gen Worte Still ein an Deines Herzens tiefstem Orte. -- Einst gab ein Frst, umbraust von Sturm und Wetter, Die Zgel seinem jugendlichen Sohne, Und stolz, wie zum Olymp der Sohn der Gtter, Stieg er empor zum vterlichen Throne. Er ward mit Weisheit seines Volkes Retter, Lieb' und Bewund'rung wurden ihm zum Lohne, -- Doch einsam, unter'm Frstenstern verborgen, Trug er sein Glck, sein Lieben und sein Sorgen. Da kamen still in Deines Herzens Grunde Die Engel, Deine Vollmacht zu entfalten, Sie gaben Dir von Deinem Loose Kunde: An uns'res Frsten Seite mild zu walten, Mit ihm vereinigt zu dem ew'gen Bunde, In Liebe neu sein Leben zu gestalten. Du folgtest muthig jenem heil'gen Rufe, Trat'st gottvertrauend zu des Altars Stufe. Nun, wenn das Wort vom Throne niederrauschet, Schnell wie ein Wetterstahl aus Himmelsweiten, Und still gewrtig jedes Ohr ihm lauschet, Sind's Deine Blicke, die es sanft begleiten; Und wenn das Volk vom Frsten Liebe lauschet, Dann bist Du freudelchelnd nahe Beiden, Dein Beruf, Dein Wirken und Dein Lieben, Stand in den Sternen, als Du wardst, geschrieben. Und heute wieder ist der Tag erschienen, Wo einst zuerst Dich Lenz und Leben fanden. Wie einst an Deiner Wiege, Dir zu dienen, Die hehren Boten aus dem Himmel standen: So gren jetzt Dich mit holdsel'gen Mienen Geliebte Pfnder segensvoller Banden, Und ber dem erlauchten Haupte weben Wie einst Gestirne Dein zuknft'ges Leben. D'rin ist kein Schmerz, d'rin waltet keine Klage, Ein Ton der Freude wird es hell durchklingen. Wenn um des Frsten Bild doch spte Tage Die Lorber seines Ruhmes prchtig schlingen, Wird in dem Vaterland der Enkel Sage Das fromme Lied von Deinem Namen singen. Denn was da lebt in eines Volks Gemthe, Das lebt unsterblich fort in seinem Liede. Und wenn bei Deines Tages Freudenkerzen Mein Lied es wagt, sich vor Dir hin zu gieen, So wehr' ihm nicht (es kam aus tiefem Herzen) Das anspruchlose Spiel zu Deinen Fen. Doch frag' die Tne nicht nach meinen Schmerzen, Wenn sie Dich huldigend, bescheiden gren. Mein Lied darf khn um Deine Blicke werben, -- Des Dichters Leid mu mit dem Dichter sterben. An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels. O gebiete Deinen Thrnen Und erheit're Deinen Blick, Denn es fhrt kein banges Sehnen Deinen Flchtling Dir zurck. Deine Liebe so zu lohnen, Mochte freilich treulos sein, Doch die Schuld wird dem Entfloh'nen Gern Dein Edelmuth verzeih'n. Sieh', wie's drauen in den Auen Dort und dort so freundlich wird, Und wie lieblich in den blauen Hhen schon die Lerche schwirrt. Sieh nur, wie die Knospen schwellen, Wie das Leben neu erwacht, Wie aus den enteisten Wellen Uns der Lenz entgegen lacht. Hat Dir nie in solchen Tagen, Wenn der Frhling aufgeblht, Schneller auch Dein Herz geschlagen, Wrmer Deine Brust geglht? O dann richte nicht zu strenge, Denn auch ein Kanarienherz, Glaube mir, ist nicht zu enge Fr der Sehnsucht bangen Schmerz. Denke Dir den armen Kleinen, Male Dir sein hartes Loos: Fern von den geliebten Seinen, Schmachtend, seufzend, hoffnungslos! Und nun schwebt der Lenz hernieder; Drauen in der freien Welt Rufen tausend frohe Brder, Die kein enger Kfig hlt. Schon verschwunden war sein Hoffen, Ach! bis jetzt sein einz'ges Glck, -- Ha! da blieb das Thrchen offen, -- O, ersehnter Augenblick! Freundlich, in der Freiheit Schooe Winkte Wonne, winkte Lust, Und es reifte jener groe Entschlu in der kleinen Brust. O, nun konnt' er freudig singen, Hpfend bald von Baum zu Baum, Bald die ungewohnten Schwingen bend in dem freien Raum. Doch, wie kurz war nur die Freude! Als das junge Morgenroth Purpur auf die Fluren streute, Fand es ihn erstarrt und todt. Ach! und Wald und Flur vereinte Sich zur Trauer und zum Harm, Jedes kleine Hlmchen weinte Eine Thrne, hell und warm. 's ist gescheh'n! Er ist geschieden! Seine zarte Stimme schweigt, Und hinab zum ew'gen Frieden Ist das kleine Haupt geneigt! Drum gebiete Deinen Thrnen, Und erheit're Deinen Blick, Denn es fhrt kein banges Sehnen Deinen Liebling Dir zurck! Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komdie, welche die Kinder aus dem Wimez'schen Institute auffhrten. Aengstlich treten wir und schchtern In der Muse Tempel ein, In der Gttin Heiligthume Den bescheid'nen Kranz zu weih'n. Welch gewagtes Unternehmen! Krnze von so kleiner Hand, Die ein Chor von khnen Mdchen Am Altar der Knste wand! O verzeiht, auf Eure Gte Hat das bange Herz vertraut, Und auf Eurer Milde glubig All sein Hoffen aufgebaut. Hebt auch schchtern und mit Zagen Sich empor der scheue Blick, Gern vertraut die Seele wieder, Und die Hoffnung kehrt zurck. Darum tuschet, Ihr Geliebten, Nicht dies kindliche Gefhl! Muthig haben wir gerungen Nach dem hei ersehnten Ziel. Und verkndet Euren Beifall Nur ein Lcheln, sauft und leicht, O dann ist ja tausendfltig Dieses schne Ziel erreicht. Wo der Seligkeiten hchste, Wo nur Dank und Freude wohnt, Wo mit diamant'nen Kronen Euer Beifall uns belohnt. Gesang der Sterne. Wir ziehen ber Berg und Thal Und ber's weite Meer; Wir ziehen ber Menschenqual Und Menschenglck daher. Wir kennen, was in stiller Brust Sich vor der Welt verhllt, Und was mit namenloser Lust Ein einsam Auge fllt. Und wenn der Schmerz die Seele qult, Wir geben ihr die Ruh', Und wenn die Lieb' ihr Glck erzhlt, So hren wir ihr zu. Wir schau'n auf manches khle Grab, An dem ein Mensch sich hrmt, Und schimmern in die Laub' hinab, In der die Liebe schwrmt. Wir reden mit dem Gram und sind Stets mit dem Kummer wach; Die Thrne des Entzckens rinnt Gern unter unserm Dach. Wir schlingen in den luftigen Hh'n Den stillen frohen Reih'n, Und scheinen Ruh' und Wiederseh'n In jedes Herz hinein. -- Der Liebe Sehnen. (Einer andern Melodie untergelegt.) Wer deutet mir dies bange Sehnen, Das mir so warm im Herzen glht, Das nur nach Dir mich ewig zieht, Und oft das Auge fllt mit Thrnen? Verschwunden ist mein froher Sinn, Mein gold'ner Frieden ist dahin. Heraus mein Herz, aus Deinem Kerker Voll Schmerz und doch voll ser Lust! Was pochst Du an die enge Brust So bang und ngstlich immer strker? Knnt' ich zerbrechen, was mich hlt, Und eilen in die freie Welt! Dir mcht' ich stets in's Auge seh'n Und in Dein Antlitz, engelrein; Wie selig, selig mu es sein, In Deinem Anschau'n einst vergeh'n, Und flieh'n im fessellosen Lauf Vom Himmel zu dem Himmel auf. Dort zu den Sternen ew'ger Liebe O knnt' ich schwingen mich empor, Und suchen in der Welten Chor Das Ziel von meinem Sehnsuchtstriebe! Ach, selbst die Unermelichkeit Ist fr mein Sehnen nicht zu weit. Ich seh' den Frhling niederschweben. Heran mit Deiner Blthenlust, Heran an meine enge Brust, Du Lenz mit Deinem jungen Leben! Die Knospe schwillt, das Jnglingsherz Ergreift der Sehnsucht Wonneschmerz. Ihr Nachtigall'n im Blthenhaine, Ihr Fluren im verjngten Grn, Ihr Blumen, die so freundlich blh'n, O sagt es mir, warum ich weine? Warum, seitdem ich _sie_ erblickt, Kein Frieden meine Brust beglckt? Veilchenstrau. Kauft, schner Herr, die Veilchen! Zwei Kreuzer gebt ihr mir! Ich steh' ein langes Weilchen Bereits vergebens hier. Mein Vater liegt im Grabe, Meine Mutter liegt im Grab. Herr, fr die kleine Gabe Kauft mir die Veilchen ab! Geh, kleine Dirne, raff' Dich! Die so viel Geld begehrt! Das Struchen ist wahrhaftig Kaum einen Kreuzer werth. A heut' noch keinen Krumen, Und, Herr, mich hungert sehr. D'rum nehmt sie, nehmt die Blumen! Gebt mir den Kreuzer her. Das Mdchen gab die Veilchen, -- Da fiel 'ne Thrne darauf -- Der Herr, der nahm die Veilchen, Die Thrne mit in Kauf. Und wie er kommt nach Hause -- 's ist kaum 'ne Stunde her -- Da blhet an dem Straue Kein einzig Veilchen mehr. Die Farben, die sie trugen, Sie sind verwelkt und bla. Er will den Duft versuchen, -- Da sind die Veilchen na. Da fat's ihn erst mit Leide, Und d'rauf unheimlich an, Er legt den Strau bei Seite, Sieht nie ihn wieder an. -- Tag der Vereinigung. Wann kommst Du Tag mit Deinem heitern Glanze, Der mir das Kleinod meines Lebens bringt? Wann kommst Du Tag, der mit dem Myrthenkranze Das theure Haupt der Einzigen umschlingt? Wann wirst Du mir, Du sel'ger Tag gewhren, Was meine heie Liebe lang' ersehnt? Tag meiner Tage, der mit Freudenzhren, Gleich Demantkronen, meine Sehnsucht krnt? Ziel meiner Wnsche, meines ganzen Strebens! Du Sohn des Himmels, wann begr' ich Dich? Tag meiner Liebe Du, Tag meines Lebens, Wann schttest Du das Fllhorn ber mich? Ach, wann mit Deiner leuchtenden Aurore Flammst Du herab auf meinen dunkeln Pfad? Wann ffnest Du mir jene gold'nen Thore, Durch die dem Gttlichen der Mensch sich naht? Wann wird der Seelenbund geheiligt werden? Wann werd' ich, Vater in den ew'gen Hh'n, Mit Allem, was mir theuer ist auf Erden, Vor Deinem heiligen Altare steh'n? Dich bittend: segne Deine frohen Kinder, La ber ihrem Glck Dein Auge sein! Wann wird, Allmcht'ger, Deines Worts Verknder Das ird'sche Bndni durch den Himmel weih'n? Ja, Gott, in Deinem Haus, in Deinen Hallen, Wo die Gebete mit dem frommen Lied In groen Tnen zu dem Himmel wallen, Wo Glck und Schmerz, und Lieb' und Bue kniet, -- An heil'ger Stufe, wo in sanftem Weinen, Der Knab' einst seinen Glauben aufgebaut, Wann wirst Du dort auf ewig uns vereinen, Wann giebst Du, Herr, dem Jngling seine Braut? Komm schner Tag, nach dem die Wnsche ringen! Denk' ich an Dich, bin ich ein sel'ges Kind. O zgre nicht, weil Deine bunten Schwingen Mit Himmeln ach, so reich! beladen sind. Du wirst den Muth dem heien Streben lohnen, Der fernen Sehnsucht den geduld'gen Schmerz. Komm, sel'ger Tag, mit Deinen gold'nen Kronen, Schtt' Deine Himmel in mein glcklich Herz. -- Siehst Du, wo im Abendgolde Feurig dort die Berge glh'n, Wo im stillen Aether holde, Leuchtende Gewlke zieh'n, Dort liegt der ersehnte Strand, Meiner Liebe Vaterland. Und wo auf den fernen Hgeln Dort ein Traum der Wehmuth liegt, Wo die Taub' auf weien Flgeln Schwebend sich im Azur wiegt, -- Hinter dem Gebirge weit, Meiner Sehnsucht schmerzlich Leid. Der Brgergardist. Seht dort den Mann mit Waff' und Wehr! Er schreitet so mnnlich und fest einher; Ihm schmckt eine weiblaue Binde den Arm, Ihm blitzt das Auge nicht toll und wild, Er schaut so ernst, er schaut so mild, Als trg' er's im Herzen gro und warm. Wer bist Du, Krieger, ich sah in der That So einfach im Schmucke nie einen Soldat? Wem dienst Du, sprich, Du ernsthafter Mann? Mir blhet ein einfach und schnes Loos, Still herrscht meine Knigin, heilig und gro, Ihr gehr' ich im Leben und Sterben an. Wo liegt das Land Deiner Knigin? Hat's viele der Mnner von Deinem Sinn? Stellt's viele Regimenter in's Feld hinaus? Das Land meiner Knigin ist nicht weit. D'rin schaffet und baut sie fr jegliche Zeit Geruschlos dem Frieden ein goldenes Haus. So ist Deine Knigin reich an Gold? Was erhltst Du, glcklicher Mann, an Sold? Wie stark an der Zahl ist das stehende Heer? Reich ist uns're Knigin, reich unser Lohn; Wir sttzen als fleiige Brger den Thron Und greifen als Krieger fr ihn zur Wehr. So sprich denn, Du Mann in schwarzer Tracht, Wer ist Deine groe auslndische Macht? Nenn mir Deiner Knigin heiliges Land. Die Ordnung ist meine Knigin, Fr sie geb' ich Glck und Leben hin, Und das Land ist Dein eig'nes Vaterland. Die Natur. Ist auch der Mensch voll Tck' und Lgen Ist doch die Erde wunderschn! Und grinst der Ha aus Menschenzgen, Die Liebe lacht von Thal und Hh'n. Wie bist Du sanft, Du stiller Frieden, In dem die Erde grnt und blht, So fern von allem Schmerz geschieden, Der in der Brust des Menschen glht! Wie bist Du sanft, Du Lied im Haine, Du Zephyr, der die Aeste wiegt, Du Grn der Saat im Abendscheine, Du Blau, das auf den Bergen liegt! Nimm Du mich auf mit Deiner Liebe, Mit Deinem Frieden Du, Natur, Wenn auch kein Herz auf Erden bliebe, Er htte Trost, bliebst Du ihm nur! Das Deine schlgt so warm und ewig, Und seiner Reinheit sich bewut, Natur, Du heil'ge, in Dir leb' ich, Und ruh' im Tod' an Deiner Brust. -- Vaterfreude.[7] Juchheisa, mein Junge, komm, gieb mir die Hndchen! Juchheisa, mein Bbchen, nun hat's keine Noth! Auf'm Ohr die Haube mit rosigem Bndchen, Vom Trinken die andere Wange roth. Juchhe, nun tanzen wir, gelt? Du bist froh, Wenn ich mit Dir tanze und singe so so, Und erzhl' Dir vom Wolf und vom Schaf', Und wiege mein _Paul_'chen in Schlaf. Horch, 's war 'mal ein Mann, und ein Lmmchen, ein kleines, Und der Mann, der hatte das Lmmchen so lieb, Es hatt' ein wei Kleidchen, so schneeig wie Deines, Und es war auch ein Wolf, ein gar arger Dieb, Der wollte das Lmmchen gern kaufen fr Geld. Nein, sprach der Mann, nicht fr die ganze Welt! Papa kennt das Lmmchen gar wohl, Es ist ja sein lieblicher _Paul_. Und wenn dann mein Jngchen ist grer geworden, Dann kriegt er 'nen Sbel, den hngt er sich um, Und kriegt eine Mtze mit goldenen Borden, Und auch eine Trommel, und trommelt trum trum! Und auch eine Flinte und Pulver und Schrot, Dann schieen wir beide den Wolf maustodt, Und schlafen dann ruhig und wohl, Nicht wahr Du, mein herziger _Paul_? Und marschier'n, wie die Preuen, durch die Gassen, Gehst aber nicht fort in den Krieg hinaus? Willst aber nicht Vater und Mutter verlassen? Sonst grmt sich Papa und Mama zu Haus. Wollen lieber Schildwacht zu Hause steh'n, Damit der Mama kein Leids mag gescheh'n, Denn lieb hat Mama Dich, mein _Paul_, Nun schlafe, mein Bbchen, schlaf wohl! Dann reist auch Papa und Mama mit dem Kinde In 'nem groen Wagen in's deutsche Land, Und _Paul_ nimmt den Sbel mit und auch die Flinte, Und schlgt seinem Gropapa derb in die Hand, Und sagt: ich bin zwar von kleinem Schrot, Doch schie' ich die Wlfe, wie Spatzen, todt. Puff, puff! schiet der liebliche _Paul_, Nun schlafe, mein Bbchen, schlaf wohl! Nun schlafe und trume vom deutschen Lande, Und trume vom Mann und vom Wolf und vom Schaf, Und trume vom Sbel mit goldenem Bande, Und reise und reise im sesten Schlaf. Wir schieen die Wlfe, ja ja, sei still! Wir schieen so viel, als mein Junge nur will. Nun schlafe, mein herziger _Paul_, Schlaf, schlafe, mein Bbchen, schlaf wohl! Am Geburtsfeste S. M. des Knigs der Niederlande, _Groherzogs von Luxemburg_. 1840. Der Winter naht, es brausen Sturm und Wetter, Verblht sind lngst die Wlder und die Flur, Und eingesammelt hat die welken Bltter Und schlafen geht die liebende Natur. Ein Land nur gibt es, das wir alle kennen, Da weht ein Frhling, still und ungeschaut, Der, statt im Blthenwalde der Ardennen, In unsern Herzen seine Tempel baut. Und dieser Frhling da ist uns're Liebe, Mit der das Land stolz seinen Knig nennt, Das sind des Volkes kindlich frommen Triebe, Die's jetzt und ewig seinem Herrn bekennt. Das ist die Hoffnungssaat, die aller Orten Jung, grn und herrlich in dem Lande steht, Und die Er jngst mit kniglichen Worten, Mir reicher Huld in unser Herz ges't. Du altes Land, das nach so bitterm Harme Sich zu des Thrones Fen treu gelegt; Du stolze Mutter, die auf Riesenarme Die Wiege seines Knigshauses trgt; Du tapf'res Land, das einst so gro gestritten, Du schnes Land, wo Reb' und Aehre blh'n; Du treues Land, das einst so viel gelitten, Was sind die Wnsche, die Dein Herz durchglh'n? Du Herr der Welten, wollst dem Knig geben Den mcht'gen Segen Deiner Vaterhand! Du woll'st bekleiden Sein geliebtes Leben Mit Deiner Gnade kstlichem Gewand, Und Sein Gemth durch Kraft und Weisheit segnen, Damit Sein Ruhm erblhe weit und breit, Damit Sein Heil und uns'res sich begegnen, Und wir Dich loben bis in Ewigkeit! Was sonst noch unser Herz bedrngt, wir sprachen's Noch jngst an Seiner Thronen Stufen aus. Frag' Keiner, was uns Noth thut, denn es sagen's Ein Mann dem andern sich von Haus zu Haus. Es thut uns Noth ein krftiges Beschirmen Der alten Halle, die uns einst gebar, Des heil'gen Hauses, das in mcht'gen Strmen Die Wohnung Luxemburger Treue war. Dies Haus sind uns're Bruche, uns're Sitten, Und jene Einheit, die daraus ersteht; Das ist der Dom, fr den wir oft gestritten, Von dem die Fahne uns'res Volkes weht. Da Gott den Blitz von diesem Hanse leite, Und da der schlaue Feind es nie entweiht! Denn eines Volkes kstlichstes Geschmeide, Das ist des Volkes Eigenthmlichkeit. Und steht es fest in seinen guten Fugen, Dann schleicht vergebens sich der Feind hinein, Dann kmmern nicht uns jene Wunderklugen, Die uns verbieten, was wir sind, zu sein. Doch, was wir lieben und was uns erkannte, Das komm' herein, dem sei der Weg gebahnt. Willkommen d'rum, erhab'ner Frst, im Lande, Wenn Dich der Mai an Dein Versprechen mahnt! Ludwig Philipp.[8] Frieden, um den Preis der Erde Frieden! Manche Nacht -- Europa ist's bekannt -- Wenn der Schlaf die Millionen Mden In die Fesseln seiner Macht gebannt, Und die Sterne Frankreichs niederschieden, Hing die Wage noch in meiner Hand, -- Da wirft Gott mit einem Wetterstrahle Meines Sohnes Leichnam in die Schale. Frankreich! siehe jenen Tempel zittern, Dem ich deine Zukunft anvertrau't! Sieh, wie klagend unter den Gewittern Von der Zinne hoch der Genius schaut! Mu _mein eigner todter Sohn_ erschttern, Was auf _deiner Shne_ Grab gebaut? Und ein unerklrliches Vergelten Opfern meinen Sohn fr deine Helden? Auf dem _Pflaster_, das in Juliwettern Du erzrnt zum Thron geschleudert hast, _In den Tagen_, die wir gern vergttern, Und wo deine eig'nen Shn' erblat, Mu ein Schlag das liebe Haupt zerschmettern, Das, wie du, die Despotie gehat? Frankreich, Frankreich, deine Tempel beben, Und es bebt, ich fhl's, mein eig'nes Leben. Diesmal hat's getroffen! Unter sieben Traf nicht Einer das ersehnte Ziel: Meine Brust ist unversehrt geblieben Bei dem mrderischen Wrfelspiel. Gott hab' ich's mit Danke zugeschrieben, Bis das Haupt von meinem Kinde fiel: _Da_ just war der Fleck, _da_ stirbt mein Hoffen! Sieben Kugeln! _Diesmal_ hat's getroffen! Fahre wohl denn, du geliebte Leiche, Bis wir ewig bei einander sind. Auf die Wange, wo vom Todesstreiche Noch das Blut entsetzlich niederrinnt, -- Einen Ku noch auf die Stirn, die bleiche, -- Dann leb' wohl, mein liebes, liebes Kind! O! da mir des Weinens Trstung wre! Gott! ein Knigreich fr eine Zhre! Ja, ich fhl's an meiner Pulse Schlgen, Du nimmst meine letzte Kraft dahin. Willenlos auf meinen dunkeln Wegen Folg' ich, wie ein Kind, der Fhrerin. Ferdinand, ich zittre dir entgegen, Ahnung sagt es meinem tiefsten Sinn. Lebe wohl, und da dich Gott verklre! O! ein Knigreich fr eine Zhre! Frieden, den ich Frankreich oft erhalten, Meiner eignen Brust versagt ihn Gott. Wie dies Haupt, wird Frankreich sich zerspalten, Und der Julithron der Welt zum Spott. Neue Kugeln warten auf den Alten, _Rchend steigt der Bourbon vom Schaffot_. Frieden, um den Preis der Erde Frieden! Und der Alte scheidet gern hienieden! Was ist des Deutschen Vaterland?[9] Wie hat das Lied so schn geklungen, Das einst Herr Arndt, der Dichter, sang, Und das wir Alle mitgesungen Bei drei und dreiig Jahre lang? Das Lied vorn deutschen Vaterlande, Wo an dem Rhein die Rebe blht, Und wo, dem deutschen Rhein zur Schande, Am fernen Belt die Mve zieht. Und wo wir mit Vergngen sehen, Da alle Lnder, gro und klein, Wie sie im Buch bei Deutschland stehen, Das Vaterland des Deutschen sein. Der Deutsche Bund -- Gott geb' ihm Friede -- Hat immer, seit der Vlkerschlacht, Bei diesem geograph'schen Liede Ein frchterlich Gesicht gemacht. Und als der Deutsche Bund entschlafen, Wie ist das Lied dahergebraust! Wie ist's den Frsten und den Grafen Gleich Sturmwind um den Kopf gebraust! Boch-Buschmann, unser Deputirte, Sang's oft zu Frankfurt auf der Zeil, Und wenn er jetzt sich nicht genirte, Er sng' das Lied noch alleweil. Gesungen ward's in allen Stdten, In allen Gassen ist's erschallt, Auch haben zwischendurch Musketen Als Accompagnement geknallt. Wohin ich mocht' durch Deutschland wandern, Am Rhein und an der Donau Strand, Hat einer stets gefragt den andern: Was ist des Deutschen Vaterland? Da sprach an einem schnen Tage Zu Wien Herr Raveaux frank und frei: Da nunmehr auf die ew'ge Frage Die Antwort schon gefunden sei. Doch dieses war nur eine Flause, -- Noch heute ist es unbekannt, Noch singen sie bei jedem Schmause: Was ist des Deutschen Vaterland? Arndt sa hernach im Parlamente -- Inzwischen war ergraut sein Haar -- Sein Votum zeigte, da am Ende Sein Lied auch eine Lge war. Ja, eine rechte schne Lge, Viel schner als die Verse sind. Ich wnsche wohl, da ich mich trge, Wenn mir die Thrn' vom Auge rinnt. Blau, wei, roth. (Melodie: _Les Girondins._) Gott gr' euch Vaterlandes Farben! Du stolze Fahne, blau, wei, roth! Fr die einst uns're Vter starben, Mit Dir geh'n wir in Kampf und Tod. Dreifarbig Band, umschling' das Land, Fhr' uns zum Sieg an Gottes Hand, Zum Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, wei, roth! Das Blau bedeutet Treu und Glauben, Treu Gott und unserm Vaterland, Den Ruhm soll keine Macht uns rauben, Wir dulden weder Schimpf noch Schand'. O kstlich Gut! o heil'ge Glut! Vernichtung der Tyrannenbrut, Uns Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, wei, roth! Wei glnzt das Kleid der Seelenreinheit, Drum sei verdammt der Lug und Trug! Noch Keiner schwang sich auf zur Freiheit, Wenn er die Schuld im Herzen trug. Rein sei die Hand zu Gott gewandt, Die Rettung heischt fr's Vaterland. Uns Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, wei, roth! Blutroth, Du letzte uns'rer Farben! Wenn Du uns rufst in Schmerz und Noth, Wie andere litten, wie andere starben, So geh'n auch wir in Kampf und Tod. Nimm unser Gut, nimm unser Blut, Nimm's hin, du niedertrchtige Brut! Ja, Sieg oder Tod! Hurrah, es lebe blau, wei roth! Bei Sebastopol. 1855. Die Geschtze krachen, die Schlacht erbraust, Das Gewehrfeuer rollt, die Rakete saust, Der Tod zermalmet die Braven. _En avant!_ Seht, Brder, die Mine springt, _En avant!_ Vom Malakoffthurme winkt Die Tricolorfahne der Zuaven. Die Nacht bricht an, der Tod ist nicht md', Die Redouten springen, und roth erglht Der Nebel ber dem Hafen. Und unten die Stadt ist ein Feuermeer, Und droben steh'n auf den Bergen umher Die Linien, Garden und Zuaven. Da bringen sie eben von Brck' zu Brck' Die Verwundeten in das Lager zurck, Die zerstmmelten blutenden Braven, Und vor jeder Bahre, die kommt daher, Prsentiren im Flammenschein das Gewehr Die Linien, Garden und Zuaven. Da tragen sie einen Sergeant-Major, Der in der Courtine den Arm verlor, Und den halben Schdel im Graben, Und am Malakoffthurme commandirte er Halt, Und richtet sich aufrecht, die blut'ge Gestalt, Der Sergeant-Major von den Zuaven. Von der brennenden Stadt der rothe Schein Und das Licht, das die springenden Forts ausspei'n, Beleuchten sein Antlitz erhaben. Er entblt sein Haupt, da die Wunde klafft, Und nimmt zusammen die letzte Kraft, Der Sergeant-Major von den Zuaven. Nun fahr' ich mit Freud' in die and're Welt, Der Feind entflieht, Sebastopol fllt, Im Flammenmeere begraben! Lebt wohl, Cameraden! _Vive l'Empereur!_ Er stirbt, und es prsentiren das Gewehr Die Linien, Garden und Zuaven. Ferienweihe. I. Ich sitz' im Garten, die gold'nen Schleier Des Morgens rauschen um mich her, Und Alles prangt in stolzer Feier, Als ob's ein heil'ger Sonntag wr'. Nichts hr' ich hier vom Weltgetriebe, Und hinter'n Bumen liegt die Stadt, Mit ihrem Ha und ihrer Liebe, Und Allem, was sie Schnes hat; Mit ihrem Verdru und ihren Freuden, Mit ihren Straen grad' und krumm, Mit ihren groen und kleinen Gebuden -- Und vor Allem mit dem Gymnasium. Und hinter'n Bumen liegt die Stube, Die stille Zeugin meiner Geduld, Der Wissenschaft Gold- und Silbergrube, Mit dem tintenbefleckten Schreibepult, Und mit den Prfungs-Exercitien, Und zumal mit den Bchern rings herum, Den tiefgelehrten und den witz'gen Und dem ganzen heiligen Classikerthum. Dagegen blhen mir hier die Rosen, Und auf jeder strahlt ein Diamant; Hier reifen die Pflaumen und Aprikosen Und die Trauben an der Raketenwand. Und ein Heer von Astern und Georginen Und die Sonnenblumen stolzen Wink's, Sie gren mich mit gnd'gen Mienen, Und die Schwalben pfeifen rechts und links. Und Lorbern mehr, als wir Dichter haben, Sie schieen aus braunen Kisten empor, Und ein freies Bienchen verlie die Waben, Und singt melodisch mir um das Ohr; Und erzhlt mir alte Geschichten, die wut' ich Schon, als ich noch ein Knabe war -- Ich glaube, sie machen sich ber mich lustig, Die Blumen, die Schwalben und der Lorber gar! Ach, freilich ist ja der ganze Garten Eine groe lebendige Poesie, Und ach, es bleiben die Dichtungsarten Bei der Biene summender Melodie! Curies! ich habe keine Schule heute: D'rum glaubt' ich, da es Sonntag wr', Und horch! es bringen fernes Gelute Die Morgenwinde zu mir her. So lutet denn, ihr fernen Glocken Mir feierlich meine Ferien ein, -- Dann will ich mit der Biene frohlocken Und frhlich und frei mit den Schwalben sein. II. Schwalben und Bienen. Die Biene lebt in engem Kreise, Der Garten nur ist ihre Welt -- Die Schwalben, sie sausen moderner Weise Wie der Blitz durch die Luft ber Stadt und Feld. Die Schwalbe badet in Wolkenlften Und verzehrt die Mcken im Sonnenstrahl -- Die Biene badet in Rosendften Und schwelgt in ihrem therischen Mahl. Verleb' ich die Ferien in Schwalbenweise? Versumm' ich sie einsam in Bienenmanier? Adieu, ihr Schwalben! und glckliche Reise! Meine Welt ist der Garten, ich bleibe hier. III. Der Schwalben Spott. Wohl denn! rief auf diese Begrung Spottend die Schwalbe: Herr Professor, Ihre Entschlieung Ist nur 'ne halbe. Whrend Sie so mit der Biene summen, Welken die Blthen, Und wenn Sie wieder in der Schule brummen, Sind wir im Sden. Whrend Sie zur Verzweiflung bringt das Schneegewimmel, Lacht mir -- und wie anders klingt das! -- Blau der Himmel. Und ihr Bienchen, von dem Sie prahlen, Seh' ich erstarren, Whrend der Sonne warme Strahlen Meiner harren. Haben Sie Gre nach Oestreich und Schwaben? Und nach Algirien? Bis die Grten wieder Blthen haben, Sind wir die Ihrigen. Von der Luxemburger Mosel. Eile durch die Blumenauen, Holde Mosel, nach dem Rhein, La mir meine deutschen Gauen Tausendmal gegret sein! Trage mit dreifarb'ger Fahne Meiner Sehnsucht Schifflein fort, Sei behutsam mit dem Kahne, Bring' mir ihn zu sicherm Port! Eilt, ja eilt, ihr grnen Wogen! Seid _noch nicht_ im deutschen Land, Wenn man's euch auch vorgelogen -- Lngst zerrissen ist das Band. Glaubt es nicht dem Klang der Zungen, Der da rechts und links erklingt, Nicht dem Lied des Fischerjungen, Der am Ufer drben singt! Glaubt es nicht der deutschen Htte, Die im Dorfe drben steht; Glaubt es nicht der deutschen Sitte, Die in ihren Mauern weht; Drft's auch nicht den deutschen Trauben, Nicht einmal dem Bettlerkind, Noch dem Meilenzeiger glauben, Da wir hier in Deutschland sind. Flieht, o flieht, ihr grnen Wogen, Thut's dem Vater Rheine kund, Was sie hier euch vorgelogen: Hat getrumt dem Deutschen Bund, Und im Schlaf, -- da Gott erbarme! -- Stahlen sie ihm Land und Leut', Und Franzosen sind wir heut'. Will es nicht gerad' verdammen: Wer sein Kind von Haus' entfernt, Gibt's hinaus zu welschen Ammen, Da der Bub' franzsisch lernt. -- Aber da das Kind, das deutsche, Man zu Schimpf und Spott verkehrt, Da man's die Beamtenpeitsche Auf franzsisch tragen lehrt! -- Das in wilden Wellenschlgen, Das erzhlt dem deutschen Land, Macht's von Vaterlandes wegen An dem ganzen Rhein bekannt! Und verget mir nicht das eine: Meiner wrmsten Liebe Kahn, Legt mir ihn am schnen Rheine Bei dem schnsten Ufer an. Es lag mir schon sehr lange nah', Der Welt eins aufzuspielen Von jener Himmelsmusica, Die ich wohl hrt', doch nimmer sah, Und die die lieben Engelein An jedem Tag, Jahr aus, Jahr ein, In meinem Herzen singen. -- Nun mein' ich wohl, ich htt's gethan, Erhalt auch Lob von Vielen, Doch hr' ich's recht genau mir an, So klingt's doch nimmermehr, nein, nein, Doch nimmer, wie die Engelein In meinem Herzen singen. Die Fische. In einer Kugel von Krystall Zwei gold'ne Fischlein wohnten, Die theilten ihre Schmerzen all Seit vielen vielen Monden. Doch war dem kleinen gold'nen Paar Der Kfig nicht zum Leide, Denn weil so eins beim andern war, War's eine Welt fr beide. Und weil Gelbd' und frommer Schwur Die kleinen Zungen banden, So haben, Aug' in Auge nur, Die Fischlein sich verstanden. Und grte drauen froh und laut Das Vglein in den Zweigen, Hat eins das and're angeschaut Mit wehmuthsvollem Schweigen. Und schienen in's Krystall hinein Der Abendrthe Strahlen, That sich der Liebe heller Schein In Fischleins Auge malen. Sie trumten wohl von Meeresgrund, Von ferner Wogen Schumen, Doch keines that dem andern kund Sein Lieben und sein Trumen. Und weil nun eins mit so viel Schmerz Um's and're hat geworben, Da ist gebrochen Fischleins Herz, Und Fischlein ist gestorben. Und weil's mit Sprache nicht begabt, Mu still das and're klagen: Ich hab' Dich doch so lieb gehabt, Und konnt's Dir doch nicht sagen. Morgenlied von dem Schfchen. Schlaf', Kindlein, schlaf', Der Vater ht't die Schaf', Die Mutter schttelt's Bumelein, Da fllt herab ein Trumelein -- Schlaf', Kindlein, schlaf'. Schlaf', Kindlein, schlaf', Am Himmel zieh'n die Schaf': Die Sternlein sind die Lmmelein, Der Mond, der ist das Schferlein -- Schlaf', Kindlein, schlaf. Schlaf', Kindlein, schlaf', Christkindlein hat ein Schaf', Ist selbst das liebe Gotteslamm, Das um uns all' zu Tode kam -- Schlaf', Kindlein, schlaf. Schlaf', Kindlein, schlaf', So schenk ich Dir ein Schaf' Mit einer goldnen Schelle fein, Das soll Dein Spielgeselle sein -- Schlaf', Kindlein, schlaf. Schlaf', Kindlein, schlaf', Und blck' nicht wie ein Schaf', Sonst kommt des Schfers Hndelein Und beit mein bses Kindelein -- Schlaf', Kindlein, schlaf'. Schlaf', Kindlein, schlaf'. Geh' fort und ht' die Schaf', Geh' fort, du schwarzes Hndelein, Und weck' mir nicht mein Kindelein! Schlaf', Kindlein, schlaf'. Maria und der Doctor. Es ist Nacht. Die dst're Lampe scheint; Am Bettchen sitzet die Mutter und weint, Und das Fenster rasselt vom Wetter und Wind, Und im Bettchen liegt das kranke Kind, Und erzhlt im Fieberbrande Vom Engel im weien Gewande. Und die Mutter ringt sich die Hnde wund: Mach' heil'ge Maria mein Kind gesund; Wenn Du nur willst, hilft Dein Sohn geschwind, Ein Wort von Dir, es rettet das liebe Kind. Ich bau' auf Deinen Namen, So ist es gewilich, Amen. Kaum naht der Tag im Dmmerschein, Da trat der gelehrte Doctor herein. Der prfet das Kind allberall, Und schttelt den Kopf: ein bedenklicher Fall, Den ich nimmer in Praxi erlebt. Und verschreibt ein groes Recept. D'rauf standen allerhand Sprchelein In Zeichen und Wrtern in Latein; Der Apotheker hat d'rber zwei Stunden geschwitzt, Bis alles gestoen, gemischt und gehitzt. Sogleich hat der Trank das Leben Dem Kinde zurckgegeben. Die Mutter in freud'gem Herzensdrang Ruft: Dank euch, Herr Doctor, mein Leben lang, Ich kann euch nicht lohnen, was Ihr mir thut, Und da Ihr gerettet mein liebstes Gut; Der Himmel in hheren Welten, Der mg' es euch reichlich vergelten! Der Doctor streichelt sich stolz das Kinn, Entlt die Mutter mit frohem Sinn. Die aber hurtig schlieet sich ein In's heimliche Krankenkmmerlein, Und wirft sich mit Schluchzen und Weinen Auf die Knie beim Bette des Kleinen. Es ist Nacht, und die dst're Lampe scheint, Am Bettchen noch kniet die Mutter und weint. Warum weinst du Mutter noch himmelwrts, Der Doctor hat ja getrstet dein Herz? Doch nein, ich will dich nicht fragen: Nicht alle Dinge lassen sich sagen. Des armen Kindes heiliger Christ.[10] Die Nacht war kalt und schaurig -- Du arme kleine Marie! Sie wandert' allein und traurig, Und haucht' in die Hndchen und schrie. Und sinket ermattet nieder, Vom Froste starret das Blut. O knnt' ich die bebenden Glieder Beleben in wrmender Gluth! Wie blinket das schne Gebude, Erleuchtet vom Kerzenschein! Da kehrte mit kstlicher Freude Der heilige Christ wohl ein. Er kam aus dem Feenlande, Mit goldener Kron' im Haar, Im prchtigen Purpurgewande, So herrlich und wunderbar. Und bracht' ein flimmerndes Bumchen, Und Aepfel und Nsse daran. Ach! wer doch beim flimmernden Bumchen Heut' Abend sich freuen kann! Nichts bracht' er mir, nichts mir Armen! Wie strmet der brausende Wind! Ach, wer, wer hat doch Erbarmen Mit dem armen Bettlerkind? Und wie sie die mden Glieder Nun ruhet auf kaltem Stein, Und senket die Augenlieder, Und schlummert ermattet ein: Da kam er zu ihr im Traume, Mit goldener Kron' im Haar, Im Kleide mit purpurnem Saume, So herrlich und wunderbar. Und schttete kstliche Gaben, Und goldene Frchte aus: Das Alles, Marie, sollst Du haben, Willst Du mit mir geh'n in mein Haus. Ich geb' auch ein Bumchen mit vielen Hell flimmernden Lichtern Dir, Und die Engel soll'n mit Dir spielen, Komm, liebliches Kind, mit mir. Da that das Kind Millionen Hell leuchtender Lichtchen seh'n, Und es denkt, dort mu er wohnen! Und es will mit dem Christe geh'n. Und als nun die goldene Frhe Verscheuchet die schaurige Nacht, Da ist die kleine Marie Nicht wieder aufgewacht. Des Schweizers Heimweh. Ewig Bangen, ewig Sehnen Nach dem theuren Vaterland, Nie das Auge ohne Thrnen Nach der Ferne hingewandt, O wer khlt mein Gluthverlangen, Wer mein Sehnen, wer mein Bangen, Ach, mit jedem Morgen neu! Bei des Tages erstem Schimmer, Bei der Sonne erstem Blick, Freud' und Leben kehrt doch nimmer In des Schweizers Brust zurck; Heerden blcken, Glcklein klingen, Vglein, die im Walde singen, Ach, sie knnen frhlich sein! Wo die Alpenrschen blhen, Wo am Morgen, herrlich gro, Schreckhorn und die Jungfrau glhen, Ach! der Heimath stillen Schoo, Knnt' ich euch, geliebte Hhen, Nur noch einmal wiedersehen, Eh' das arme Herz mir bricht! Wo der Aar in reinen Lften Khner seine Schwingen hebt, Ueber bodenlosen Klften Ungewohnt der Wandrer bebt, Wo von friedlich stillen Matten, Bei des Abends khlen Schatten, Lutend Heerden heimwrts zieh'n. Wenn am Abend es sich rthet, Und im still geword'nen Hain Nur die Nachtigall noch fltet, O wie bin ich dann allein! Hr' ich ihre sanften Lieder, Kehret meine Sehnsucht wieder Und das Herz will mir vergeh'n. Ja, nach Dir ruft mich mein Sehnen, Vaterland! Du bist gemeint, Land, wo die Schalmeien tnen, Wo mein Liesli um mich weint, Du mein Thal, geliebte Hhen, Knnt' ich euch noch einmal sehen, Eh' das arme Herz mir bricht! Der Morgen im Garten. Wie herrlich! Ach, so sah ich nimmer Die Blumen blh'n, So sah ich nie im Rosenschimmer Den Garten glh'n! Wie jubelt's in den blauen Lften! Der Freude Hauch, Er weht in tausend Balsamdften Vom Blthenstrauch. Wohl sa ich oft in jener Htte; Wenngleich allein, Konnt' ich in meiner Blumen Mitte So glcklich sein. Und was des Abends stille Feier Zum Herzen sprach, Wehmthig tnte meine Leier Das Echo nach. Jetzt weint die Seele vor Entzcken, Zum Himmel steigt Sie mit der Rhrung feuchten Blicken, Die Lyra schweigt. O gold'ner Morgen, Blick der Liebe Im Lenzgewand, Vom Auge ew'ger Huld und Gte Herabgesandt! Wie will der Sterbliche Dich singen, Der betend kniet? Wenn Weltenharmonie'n erklingen, Dann schweigt mein Lied! Am Abend. Senke Deine gold'nen Flgel, Holder Abend Du, Send' auf Fluren und auf Hgel Stille se Ruh'! Milden Trost auf herbe Thrnen, Guter Genius; Schlgt mein Herz in bangem Sehnen, Deinen Friedensku! Alles ruht in Wonnetrumen, Jedes Auge blickt Dankbar zu des Himmels Rumen, Der den Frieden schickt. Hll' auch mich in Deinen Schleier, Seel'ger Abend ein, La auch mich von Deiner Feier Still gegret sein! Dann bring' ich Dir meine Gabe, Tief von Dank durchglht, Bringe freudig, was ich habe, Dir ein sanftes Lied. Nach Durchlesung _des vom Herrn Bischof zu Chersones und apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes._ 1842. Was fhl' ich leis' in meiner Seele beben? Ist's Deines Briefes krft'ger Redeflu? Ist's Deiner Worte prcht'ges Bilderleben? Der Sprache, meiner liebsten, eh'rner Gu? Ist's die Bewund'rung, die ich Deinem Streben? Die Deinem Herzen mein Herz zollen mu? Das Alles sagen Dir wohl tausend Zungen, Mit Hherm aber hast Du mich durchdrungen. Hoch auf den Bergen steht, auf grnen Matten, Dem Himmel nahe, und die Seele frei, So steht der Hirt im Wetterwolkenschatten, Und fernhin klingt die liebliche Schalmei. Da kommen, die sich frh verloren hatten, Verirrte Lmmer aus dem Thal herbei. Das sind die Tne, jene freien, sen, Die mich aus Deinem Hirtenbriefe gren. Als ich ihn las, da glaubt' ich weh'n zu hren, Den warmen Hauch, der von dem Himmel dringt, Den chten Geist, der wie mit Engelchren Durch jedes Deiner frommen Worte klingt, Den Silberquell, der aus den gold'nen Rhren Melodisch in das ew'ge Leben springt[11], -- Des Hirten Tne, die zu heil'gen Stufen Verirrte Kinder seiner Heerde rufen. Du fragst, ob ich bekannt mit jenen Tnen? Kann ich verleugnen, was in's Herz mir tief Die Ladung, meinem Herrn mich zu vershnen, Einst an dem heil'gen Ostertage rief? Und was mit ew'gem Heile mich zu krnen, Mich auferweckte, als mein Leben schlief? Nun ich die Tne hab' von Dir vernommen, Ist Dir zu danken dieses Lied gekommen. Der Katholik. Ich bin ein wahrer Katholik, Ich sag' es frei mit khnem Blick, Ich bin's nicht blos im Gotteshaus, Ich bin es auch im Weltgebraus'; Ich leugn' es nie und nimmermehr, Und wr' der Teufel hinterher: Bei Gott ist meine Hlfe. Ich bin ein wahrer Katholik, Zum Lgen hab' ich kein Geschick; Bin ich im Gotteshaus gekniet, Was kmmert's mich, ob's einer sieht; Schwtz' ich nicht Jedem nach dem Bart, Was thut's? Ist Katholikenart: Bei Gott ist meine Hlfe. Ich bin ein wahrer Katholik, D'rauf thu' ich mir von Herzen dick; Der Priester hat's mich frh gelehrt: Da sich im Sturm der Christ bewhrt, D'rum, tret' ich aus dem Gotteshaus, Dann ford'r' ich khn die Welt heraus: Bei Gott ist meine Hlfe. Ich bin ein wahrer Katholik In Freud' und Leid, in Schmerz und Glck, Ich bin's im Friede und im Streit; Und wenn der Teufel Feuer speit, Und wenn die Welt in Trmmer bricht -- Ich wanke nicht und weiche nicht: Bei Gott ist meine Hlfe. Ich bin ein wahrer Katholik, Nicht blos fr einen Augenblick; Es geh' uns gut, es geh' uns schlecht, Ich halte bei katholisch Recht; Sag's jedem Heuchler in's Gesicht, Ein Sohn der Kirche bist du nicht: Bei Gott ist meine Hlfe. Ich bin ein wahrer Katholik, Ich bin kein eigenntz'ger Strick, Der, wenn der Wind von Norden weht, Fr Gott und seine Kirche steht, Doch wenn der Wind von Sden blst, Gott und die Kirch' im Stiche lt: Bei Gott ist meine Hlfe. In einer protestantischen Kirche.[12] (Bruchstck aus einem ungedruckten Drama: Der Katholik.) Kind. Sieh Vater, offen ist die Thre, la Zum erstenmal mich eine Kirche sehen. Wie herrlich mu es sein in Gottes Hause! (Sie treten ein.) O Vater, sieh wie hoch die Bogen dort Sich wlben und sich himmelaufwrts heben! Sieh, wie die riesig groen Pfeiler streben. Man sieht wohl gleich, da hier ein heil'ger Ort. 's ist schauerlich so hoch hinauf zu schauen. Wer mochte, Vater, doch die Kirche bauen? Vater. O, das Gebude ist schon alt, mein Sohn! In finstern Zeiten, vor dreihundert Jahren, Als berall noch Aberglauben herrschte, Und alle Leute noch katholisch waren. Da hat dies Gotteshaus schon hier gestanden, Das sie zu Uns'rer Lieben Frauen nannten. Kind. Da waren's wohl die Heiden, die's gebaut? Vater. Nein, Katholiken haben's aufgefhrt. Kind. Hu, Katholiken! Spter, wie ich denke, Erhielten wir's von denen zum Geschenke? Vater. Nein, Kind, wir haben's ihnen weggenommen. So ist die Kirche nun auf uns gekommen. Kind. Oh! und wer ist denn Uns're Liebe Frau? Vater. Das ist die heilige Maria, Kind, Die Jesum Christum unsern Herrn geboren. Die Katholiken glaubten auch an _die_, Und warfen sich vor ihrem Bild' auf's Knie. Kind. Maria? Ei so hie auch meine Mutter, D'rum war sie auch so eine liebe Frau, Wie ich's noch heut' in ihrem Bilde schau'. Sie hatte mich so lieb, sie war so milde, Und d'rum, Papa, hast du vor ihrem Bilde Oft selbst geweint und auf den Knie'n gelegen. Doch was mir, Vater, nicht gefllt, das ist, Da hier kein Schmuck und keine Bilder sind. Vater. Wir sind ja keine Katholiken, Kind! Wir beten nur zu unserm Gott allein, Zu keinem Bild, das wrde Snde sein. Kind. Es wr' auch gar zu dumm, zu Bildern beten, Ein Bild kann ja nicht hren und nicht reden. Und dennoch ist's so schn in deiner Stube, Wo du die hohen Gste gern empfngst, Auch einsam wohl an meine Mutter denkst. Ich wei, obgleich ich noch ein kleiner Bube, Da mir's einmal gelang, hinein zu schauen. D'rin hngen Bilder, viel, mit gold'nen Rahmen. Auch sah ich d'rinnen Uns're Liebe Frauen, Und wie sie Jesus von dem Kreuze nahmen. Von allen Husern htt' ich auf der Welt Mir Gottes Haus am schnsten vorgestellt. Vater. Du mut nicht denken, da hier Gottes Wohnung. Gott ist an jedem Orte, kein Revier, Kein Raum und keine Mauer schliet ihn ein. Er ist sowohl in meiner Stub' als hier. Kind. Wenn ich Gott wr', ich wr' am liebsten hier, Und prchtig schmcken lie' ich Alles mir. Weit du noch Vater, als du meiner Mutter Die schne neue Laub' im Garten bautest, Die wir so gern nach ihrem Namen nennen, Und die ihr so gefiel, weil du sie _ihr_ Gewidmet und geschmckt; wo sie am liebsten An jedem Abend mit uns Kindern weilte? Da weilst du auch nun stets am liebsten, da, So sagst du, ist sie dir noch immer nah. Ja, wenn ich Gott wr', unter allen Zonen Tht' ich am liebsten in der Kirche wohnen. Da mten an der Wand und in den Gngen, Wie bei'm Papa, die schnsten Bilder hngen, Und meine Mutter mte bei mir sein. Doch was bedeutet das Gef von Stein, Dicht bei der Thre zierlich eingemauert? Ein Becken scheint's, um Wasser zu bewahren, Doch ist es nicht benutzt seit vielen Jahren, Denn siehe, einsam haben Spinnen oben Die grauen Schleier d'rber her gewoben. Vater. 's ist ein Gef, aus dem sie Wasser nahmen, Benetzend sich, wenn sie zur Kirche kamen, In Vaters, Sohns und heil'gen Geistes Namen. Kind. Warum? Vater. Ich wei nicht, 's war so hergebracht, Und darum haben wir's nicht nachgemacht. Kind. Sieh, Vater, hier das groe Eisengitter, Dahinter seh' ich der Verwstung Spuren, Und Mrtel, Steine, Bretter und Figuren, Im Wirrwarr liegt's vergessen und verlassen. Unheimlich dmmrig ist's an diesem Orte, Wr' ich allein, mich wrde Furcht erfassen. Vater. Mein Kind, da stand der alte Hochaltar, Nebst Tabernakel, wie's gebruchlich war. Auf eines Heil'gen Grab ein groer Stein, Geweiht zum Dienst des heil'gen Opfers ein. Mit Blumen reich geschmckt von frommen Hnden, Und Bildern, Crucifix und Ornamenten; Im gold'nen Megewand und Cingulum Beging der Priester das Mysterium, Und Alles bend sich zur Erde neigte, Wenn er die Hostie dem Volke zeigte. Nun liegt das Ding zerbrochen und zerschlagen, Ein traurig Denkmal aus vergang'nen Tagen. Kind. Sieh, ein zerschlag'ner Arm ist noch zu schauen, Von Stein, zwei groe Schlssel in der Hand. Wer that das, Vater? Immer sagtest du, Altre seien heilig, und in Ruh' Soll man die Grber und Altre lassen. Du lehrtest mich tief in der Seele grauen, Als du erzhltest, wie das Rmervolk Die christlichen Altre einst zerschlagen, An denen fromme Menschen betend lagen. O sicher strzten dieses Heiligthum Die Katholiken oder Rmer um. Vater. Wir selber, Kind, die Protestanten thaten's, Und der Altar war ein katholischer. Kind. Wie Schade! da erblick' ich unter Trmmern Ein schnes Antlitz, fein aus Holz geschnitzt. Wie lieblich seine sanften Zge schimmern! Auch Brust und Arm, und auf dem Arme sitzt Ein kleines Kind, dem sie die Hand zerschlagen. Was ist das fr ein Bild, es gleicht der Mutter? Vater. Das ist das Bildni Uns'rer Lieben Frauen. Nun komm! da wir den Kster nicht verdrieen. Kind. La mich noch einmal dieses Bild beschauen, Dann mag der Kster seine Kirche schlieen. Bei diesem Bilde schwindet alles Grauen. Wie blickt es mich so wunderlieblich an! Du liebe Frau, was hast du denn gethan, Da sie dich brachen, und dein Kind zerstieen? Gern nhm' ich's mit in unser Haus, und trumte: Ich she meine Mutter, und ich leimte Dem Jesuskind' ein and'res Hndchen an. Vater. So willst du dennoch, Karl, ein Schreiner werden? (Der Kster zieht die Thurmglocke.) Kind. Noch eins! sag', warum, wenn die Sonne scheidet, Die Glocke dreimal drei vom Thurme lutet. Es wei es Niemand, was der Gru bedeutet. Vater. Das schreibt sich auch noch her aus alter Zeit. Als nmlich Alles noch katholisch war, Da hat man so das Angelus gelut. Und wenn die Glocke dreimal drei erklungen, Dann nahmen alle Leut' von jedem Stande, Der Stdter, wie der Bauer auf dem Lande, Der Bettler auf dem Feld, der Prinz im Schlosse, Der arme Pilger, wie der Graf zu Rosse, Von ihrem Haupt den Hut, und beteten Ein still Gebet zu Uns'rer Lieben Frauen. (Das Kind sinkt auf die Knie.) Was bet'st du Junge, bist du nicht gescheid? Ein protestantisch Kind hier auf den Knien? Kind. O, la mich beten wie kathol'sche Leut'. Lagst du doch vor der Mutter auf den Knien. La mich bei Uns'rer Lieben Frauen beten! Das Schreinerhandwerk will ich nicht betreten, Doch bitt' ich, Vater, da ich auf der Erden Weit lieber noch ein Katholik soll werden. Vater. Nun komm, die Nacht bricht ein, hier ist kein Zaudern. Du plauderst grade, wie die Kinder plaudern. (Sie verlassen die Kirche.) Maria![13] O Du sester von allen Namen! Wie so sanft durch meiner Harfe Saiten, So melodisch, Deine Tne gleiten! Wie Accorde, die von jenseits kamen, Die aus unbekannten Herrlichkeiten Leise Lfte zu mir her geleiten, -- Lieblich, wie ein fernes sel'ges Amen, Tnst Du, Name der Gebenedeiten: Maria. Dunkel ist die Nacht. Verirrt und mde Hebt empor der Pilger seine Hnde, Da ein Stern ihm Licht und Trstung sende. Da, wie wenn der Osten Purpur sprhte, Wie wenn die Natur in Lieb' entbrennte, Wie das Morgenroth am Firmamente, -- Also flammt Dein Nam' in mein Gemthe, Und ich nenn' ihn tausendmal ohn' Ende: Maria. Ja, den Morgen fhl' ich in mir tagen, Meine Seele glht in heil'ger Freude, Wenn Du einziehst, lieblichste der Brute, Wie ein Knigsweib auf gold'nem Wagen. Meine Blumen steh'n im Festgeschmeide, Alle Berge steh'n in ros'gem Kleide, Und die Glocken meines Innern schlagen Ein unendlich liebliches Gelute: Maria! O Du Heil'ge! Sieh in anderm Bilde (Denn wie Du bist, singen keine Lieder) Nahst Du schner meiner Seele wieder. Nacht und Graus bedecken die Gefilde, Mit dem Racheschwert aus Blitzen zieht er Hoch einher der Herr und Weltgebieter, -- Pltzlich unter Donnerwetter, milde, Blickst Du, Mond der Liebe, auf mich nieder, Maria! Wenn ich so die alten Lieder zhle, Die ich frisch, von Melodien durchdrungen, Froh und weinend in die Welt gesungen, Fhl' ich schmerzlich eine schwere Fehle. Wo ein Kranz mir rund und schn gelungen, Fr die Welt nur hatt' ich ihn geschlungen; Keiner hat geheiligt meine Seele, Kein Lied, keines ist fr Dich erklungen, Maria! Sieh, mein Gtze war ein ird'sches Lieben, Ruhm und Ehre meine gold'nen Sterne, All mein Dichten, Blthen ohne Kerne, Mein Talent im Dienst von eiteln Trieben. Deine Bilder hatt' ich lieb' und gerne, Doch Du selber bliebst mir ewig ferne. Ferne? Nein, Du bist mir nah' geblieben: Meine Harfe tnt', ich lausch', ich lerne: Maria! Nun und ewig nur zu _Deinem_ Ruhme, Will ich rauschend meine Saiten schwingen, Will sie _Dir_ zum Weihgeschenke bringen, Segne sie zu Deinem Heiligthume! Wenn sich tnend Reim' um Reime schlingen, Soll _Dein_ ser Name sie durchklingen, Und mein letztes Lied, Du Himmelsblume, Jubelnd Deine Herrlichkeiten singen, Maria! O, ein Psalm ist schon allein Dein Name, Und er tnt in allen Erdenkreisen. Also la auch mich Dein Snger heien, Sei Du, Jungfrau, meine heil'ge Dame! Lehr' mein Lied nur einen einz'gen leisen Wiederhall von jenen Himmelsweisen, Meine Stimme, da sie nicht erlahme, Deine Schnheit fr und fr zu preisen, Maria! Du dagegen wollest fr mich bitten! Des Allmcht'gen donnernde Gewalten Htten lngst mein snd'ges Herz zerspalten, Wenn nicht Jesus an dem Kreuz gelitten. Bitt' fr mich, damit sie gndig walten, Und den Fluch von meinem Haupte halten! La zu Jesus sich die Lieb' inmitten Meiner Seele wie die Blum' entfalten! Maria! Und zum andern woll'st Du mir erflehen, Da ich spt und frhe _Dein_ gedenke, Treu und warm Dir meine Andacht schenke, Und auf Dich stets meine Augen sehen. Da _Dein_ liebes Bild sich zu mir senke, Wenn mit Gaukelbildern mir die Rnke Einer eiteln Welt den Sinn verdrehen, Da ich nimmer Deine Liebe krnke, O Mutter! Mutter! welch ein Schmerz in diesem Worte! Ach, ich seh' Dich mit den bleichen Wangen, Wie die Sldner ihre Geieln schwangen, Seh' Dich dringen durch die wilde Horde, Und vergeh'n in jammervollem Bangen, Als die heil'gen Lippen: Mutter! klangen, Seh', wie bei dem blut'gen Gottesmorde Dir das Schwert durch's keusche Herz gegangen, O Mutter! Dennoch gibt dies Wort mir Trost und sen Muth, verherrlicht und geehrt wie Keine, Thronst Du ja in ew'gem Glorienscheine, Und die Engel ruh'n zu Deinen Fen. Mutter! o wie ich vor Freude weine, Da Du, Mutter Gottes, auch die meine, Da ich Dich mit diesem Namen gren, Zu Dir sagen darf, Du himmlisch Reine: O Mutter! Bitt' fr mich, bei Deines Sohnes Wunden! La nicht seine Liebe von mir weichen, La mich mehr und mehr Dir, Mutter, gleichen! Und dann, in der letzten meiner Stunden, Mutter, gib mir dann ein freundlich Zeichen, Da ich froh Dir mag die Hnde reichen, Und mein Herz dem ew'gen Licht gesunden, Maria! Maria in der Seele.[14] O heil'ge Mutter, wie ich mich betrbte, Und mich in Unruh' qulte Nacht und Tag! Eh' meine Seele Dich, wie jetzo, liebte, Und wie ich Dir's zu sagen nie vermag! Wie fhl' ich, gleich dem mutterlosen Kinde, Mein ganzes Leben so verwaist, so halb, Und wie erbrmlich hab' ich mit der Snde Gerungen, gleich dem Schfer mit dem Alp. Sieh, meine Seele war wie eine Htte, Die nur mit Mhe noch zusammenhlt. Der Felsen drohte, da er sie verschtte, Und durch die Fenster zog der Sturm der Welt. Der Blitz, wie wenn's den Untergang gegolten, Umzingelte das Haus, und angstgepret Hielt d'rinnen zitternd, wenn die Donner rollten, Mein Glaube sich an Erdenhlfe fest. Nun aber, seit Du Jungfrau eingezogen, Ist meine Seel' ein knigliches Haus. Zum Himmel wlben sich die stolzen Bogen, Und seine Giebel trotzen Sturm und Graus. Du wandelst durch die duftigen Gemcher, Darinnen Flten klingen und Schalmei'n, Die Engel steigen nieder auf die Dcher, Und Gottes Sonne scheint durch's Fenster 'nein. Wie kam's doch? Hab' ich oft zu Dir gebetet, Freiwillig meine Seele Dir geschenkt? Hab' ich mich oft vor Deinem Bild versptet, In Deine Herrlichkeiten mich versenkt? Du Kn'gin, hat mein Herz Dich eingeladen? Rief meine fromme Khnheit Dich herab? Da Deine Liebe mir so se Gnaden, So unverdiente Seligkeiten gab? Ach nein, Maria, Du bist ungebeten, Und aus Erbarmen mit des Snders Last, In meiner Seele dunkles Haus getreten; In Scham erglht sie vor dem hohen Gast. Du kamst Dein Kind, Du treue Mutter, suchen, Du hast's gefunden, o wie wohl ist mir! Nun mag der Sturm weh'n und die Hlle fluchen, Mein Herz ist Dein, ich halte fest an Dir. Dies Herz -- Dein Frieden, Heilige, bewohnt es, Und Du zerstreutest seine Angst und Qual. Sieh, wie ein Wurm am sanften Licht des Mondes, Erfreut es sich an Deinem milden Strahl. O Heil'ge, bleibe bei mir jetzt und immer! Und, Mutter, wenn der Tod mein Auge bricht, Dann leuchte mir mit Deinem heiligen Schimmer, Und fhre rettend mich zum ew'gen Licht! Die Verfolgung. Halt ein! ihr Schergen diabol'scher Mchte, Was soll das wste Waidwerk Tag fr Tag? Ein Greis steht vor euch, hebt zu Gott die Rechte, Vernichten knnt't ihr ihn mit Einem Schlag. Ist einer unter euch, ihr feigen Knechte, Der ihm den weien Schdel spalten mag? Ich ruf' euch zu mit aufgehob'nen Hnden: Halt ein mit eurer Treibjagd, eurem Schnden! Ja, eine Treibjagd, denn mit frecher Stirne Jagt ihr das Wildpret ber Berg und Thal; Gefangen schleppt ihr's in die Fleischerschirne, Und freut euch wohlgefllig seiner Qual. Verwirrt hat euch der Teufel die Gehirne, Woraus er lachend die Vernunft euch stahl. Nun seid ihr seine herrschaftlichen Jger. Pfui! dreimal pfui fr solche Wrdentrger! Doch hrt! vielleicht noch respectirt ihr Schranken, Vielleicht in eurer Brust ist noch ein Trieb. Ein Klang aus frhern Jahren, der dem kranken, Dem sturmbewegten Herzen theuer blieb. -- Dann thut es diesem einzigen Gedanken, Thut's dem, was euch noch heilig ist, zu lieb: Halt ein! beendigt eure Jagd zur Stunde, Gebt das Signal und koppelt eure Hunde! Und thut ihr's nicht, so hret mit Entsetzen, Was dann geschieht, ich sag's euch, ich, ein Greis. Ihr denkt, das Wild wrd' sich zur Wehre setzen, Mit Nimrod kmpfen die verfolgte Geis; In euern Lanzen sich den Leib zerfetzen, Und Rettung suchen um des Lebens Preis? Wir wrden euch, wie Tilly einst den Schwed'schen, Den Zorn mit blut'gen Worten zukarttschen? Aufspringen, denkt ihr, wrden die Ementen, Und rchend hoch auf Barricaden steh'n, Die Glaubensbanner unter Sturmesluten, Wie Oriflammen, von den Bergen weh'n, Und wir mit Stolz, gleich jenen Himmelsbruten, In Kampf und Tod fr uns're Kirche geh'n. Ihr denkt's? dann denkt es auch mit allen Schauern, Malt eures Meisters Bild nicht an die Mauern! Doch nein, dem edlen Hochwild gilt das Jagen, Dem Hirsch, der stumm und ohn' Empfindung scheint. Nur wenn das Blei ihm in das Herz geschlagen, Und tdtlich ihn verwundet hat der Feind, Dann lt er hr'n ein leises ses Klagen, Und was er nie gekonnt und that: er weint. So leiden wir, so weinen wir und klagen, Wenn eure Bleie uns in's Leben schlagen. Des Wildes Klageton stirbt unter Zweigen, Der unsrige fliegt rasch zum Herrn empor. Wenn eure Flch' hinab zur Hlle steigen, Dringt uns're Stimme bis zu Gottes Ohr. Kein menschlich Tribunal bringt sie zum Schweigen, Posaunengleich sprengt sie das Himmelsthor. Gott schreibt sie in die groen Jagdannalen, Um Wild und Jger einst den Lohn zu zahlen. 's war eine Zeit -- vielleicht in stillen Nchten Habt ihr sie wie ein Traumbild noch erblickt; Es war die Zeit, eh' ihr von finstern Mchten Die Waffen lehrtet, die ihr auf uns zckt, Eh' ihr's gelernt, mit Gott und Kirche rechten, Und eh' der Satan euern Geist berckt -- Ach! diese Zeit mit ihren Seligkeiten, Sie ist verklungen wie ein Spiel der Saiten. Ein festlich majesttisches Gelute Rief euch, noch Kinder, in das Gotteshaus. Ihr gingt mit Freudigkeit, wie wir noch heute, Ihr trugt, wie's Brauch ist, einen Blumenstrau; Wie Glanz des Himmels, wie der Engel Freude, Sah euch die Unschuld aus dem Aug' heraus -- Und ihr gelobtet euch im Sacramente Dem lieben Heiland bis an's Lebensende. Noch seh' ich euch am Tisch des Herren essen, Und wie die Gnade euer Herz durchbrannt. Noch seh' ich euch die keuschen Lippen pressen Auf's Kruzifix in eurer reinen Hand. O sagt, habt ihr die Thrne ganz vergessen, Die damals euch im frommen Auge stand? Wie weit ist's doch, seit jenen schnen Tagen Bis zu dem heut'gen mrderischen Jagen? Und bringt euch, Buben, nichts mehr zu Verstande, So denkt an jenen einz'gen heil'gen Tag -- Und dann -- schlagt zu! dann lat sie los, die Bande, Dann schiet und mordet durch Gebsch und Hag. Noch nie gab's so viel Edelwild im Lande, Ein Jagen, wo's geduldiger erlag. Schlagt zu, ihr Herrn, und macht mir's nicht gelinder! Mein Weib ist todt, doch hier sind meine Kinder. 1848. Ein wilder Sturm ist in die Welt gefahren, Durchwhlt die Vlker, wie ein brausend Meer. Prophetenstimmen aus verklung'nen Jahren Zieh'n wie Posaunentne vor ihm her. Entfesselt sind der Geister wilde Schaaren Und die Emprung schwingt den blut'gen Speer. Es ist ein Toben und ein wildes Kmpfen, Als wlzte sich die Zeit in schweren Krmpfen. Wer ist der Steuermann in solchen Wettern, Wer ist der Geist, der ber'n Wassern schwebt? Ein Herrscher, der das Schiff aus morschen Brettern Maschinenmig durch die Wellen hebt? Ein Feldmarschall, der unter Bombenschmettern Sich in die Weichen der Emprung grbt? Kann Menschenweisheit jenem Sturm gebieten, Gibt uns ein Machtwort den verlor'nen Frieden? Wohl mag ein _Stern_ uns aus den Wogen retten, Doch keiner, der auf Uniformen blinkt, Wohl eine _Hand_ vermag uns warm zu betten, Doch keine, die ein irdisch Scepter schwingt. Und fr das Schiff gibt's neue, sich're Ketten, Doch keine, die uns um die Freiheit bringt. Wo Geister kmpfen mit der wilden Brandung, Fhrt nur ein Geist die Ringenden zur Landung. Der _Stern_, die _Stella maris_, die wir kennen, Wir seh'n ihn hehr und schn vom Himmel schauen, 's ist kein Pilot, der ihn nicht wei zu nennen, Den sen Namen Uns'rer Lieben Frauen. Wo gibt's Fanale, die so glnzend brennen, Wenn uns die Nacht umfngt und Tod und Grauen? Das ist der Stern, vor dem in Sturmesreigen Die Wogen ihre stolzen Hupter neigen. Die _Hand_, das ist die Hand der Braut des Herren, Die lehrend sich herab zum Schiffer neigt, Die, wenn sich Fels auf Fels entgegensperren, Ihm winkt und ihm die Fahrt zum Hafen zeigt, Und, da die Wogen ihn nicht abwrts zerren, Den Segen ihres hohen Brut'gams reicht. Wo _diese_ Hand regiert, von Gottes wegen, Da geht das Schiff dem sichern Port entgegen. Die _Kette_, die es hlt fr alle Zeiten, Reicht von der Erde in die Ewigkeit, Die Kette zweier Welten, die in beiden Uns zur Gemeinschaft aller Heil'gen reiht -- Im Siegen, wie im Sterben und im Leiden, In Nacht und Trbsal, Gnad' und Herrlichkeit -- Das ist die Kette von Demant und Eisen, Die keine Strme dieser Welt zerreien. O ser Meerstern, der vom Himmel d'roben So mild und freundlich auf uns niederschaut, O zarte Hand, der, wenn die Wellen toben, Der Schiffer demuthsvoll den Kahn vertraut, O diamantnes Band, von Gott gewoben, -- Ja, wenn es uns in Nacht und Strmen graut -- Und wenn wir nichts mehr hoffen, nichts mehr lieben, Wir glauben noch, denn _ihr_ seid uns geblieben. Komm! O komm, still' unser heiestes Verlangen, O zeige Dich dem sehnsuchtsvollen Blick; O wtest Du nur unsers Herzens Bangen, Lngst wrst Du bei den Trauernden zurck. Mit Dir ist Fried' und Freud' hinausgezogen; Seitdem Du fehlst, fehlt unser liebstes Glck. So harrt die Braut nicht ihres Auserwhlten, Wie wir bisher die Tag' und Stunden zhlten. O komm, o komm, ein Jammer ist's im Lande; Seitdem Du gingst, war's eine schwere Zeit, Ein Hurrah ber's and're schreit die Bande, Der Teufel machte sich noch nie so breit; Doch wer sich zu der Mutter Gottes wandte, Hat Dir schon manch Gebet geweiht. O komm, du kannst's ja, von Sanct Peter's Stufen, Hat Dir es Pius freundlich zugerufen. O komm, Dir harren tausend Herzen: Die Kirche mit der Glocken Jubelton, Die Hochaltre mit dem Schmuck der Kerzen, Die Glub'gen mit Gesang und Prozession; Empfang' die Lieb' als Balsam Deiner Schmerzen, Und fr die uns'rigen sei Du der Lohn, Damit uns so, mit Gott verbunden, Das Leid vergeht, vernarben uns're Wunden. Gott sei geklagt, die Jungen und die Alten, Sie fragen sich, was Deine Schritte hemmt? Der Vater wei, mit welchen Trotzgewalten Der bse Geist sich Dir entgegenstemmt; Doch wenn die Kinder ihre Hndchen falten Und Abends fragen, wann ihr Bischof kmmt, Dann sagt die Mutter leise wieder: Morgen. Das Kind entschlft, die Mutter wacht in Sorgen. O komm, steh, alle Tage wird es trber, Die alte Zeit scheintodt stieg aus dem Grab, Nicht ist, seitdem Du gingst, der Sturm vorber, Kein Retter uns erschien, der Frieden gab. So komm denn Du, den Hermelin wirf ber, Gebiet dem Sturm mit Deinem gold'nen Stab, La auf die Wogen, die wir bang durchlenken, Sich Dein gewohnter Segen niedersenken. Das Marienbild zu Rimini. 1850. Wunder! Leben giet sich in das Todte. Durch des Menschen Machwerk zuckt der Geist, Zuckt der Strahl, der als ein Himmelsbote Die Gesetze der Natur zerreit. Seht, das Auge ffnet sich und milde Strahlt es den unmittelbaren Gru, Und das Volk fllt nieder vor dem Bilde -- _Signa dantur infidelibus_. Nun vom Volk zu des Allmcht'gen Throne Hebt der Blick der Heiligen sich empor. Gott allein die Ehr' und seinem Sohne, Der zur Himmelskn'gin mich erkor! _Sursum corda!_ und zum Herrn und Meister, Mit des Auges seligstem Ergu, Reit sie aufwrts die erschrock'nen Geister -- _Signa dantur infidelibus_. D'rauf der Heil'gen Auge senkt sich nieder, Und zurck zu Staube sinkt das Erz, Und das Volk wird seiner Snde wieder, Seines Fluchs bewut das Menschenherz. Lat uns beten, beten tief im Staube: Herr zertritt mich nicht mit Deinem Fu. Lat uns einig sein in Lieb' und Glaube -- _Signa dantur infidelibus_. An Maria. O Maria, la gelingen, Und sei meine Helferin, La mich gut und recht vollbringen, Was ich jetzt gesonnen bin. Mutter Gottes, alle Tage Warst Du bei mir, sonst und jetzt, Und ich habe keine Klage, Da Du mich verlassen htt'st. Hilf mir auch bei diesem Werke, Gib, wofern Du mich noch liebst, Da ich mir die Winke merke, Die Du deinem Diener gibst. Wenn's dann geht, wie ich begehre, Dann sei Dir das Werk geweiht, Dir allein zu Ruhmes Ehre, Mutter aller Herrlichkeit. Dem hochwrdigen Herrn Pater Zobel, _Direktor des Jnglingsvereines_, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet. Wenn ringsumher die Bsen uns umschleichen, Dem Lwen gleich, der seine Beute sucht; Wenn der Gesellschaft Fundamente weichen; Wenn schlecht, was fromm, und gut ist, was verrucht; Wenn Brder, statt die Hnde sich zu reichen, Im Hasse einer wild dem andern flucht -- Wohin mit deinem sen Himmelstriebe, Wohin willst du dich flchten, heil'ge Liebe? Wenn ringsumher die Vlker sich befehden, Von West nach Ost die Kriegsdrommete klingt; Wenn seinen Schlachtgesang auf fernen Rheden Der Tod aus tausend Feuerschlnden singt, Und, wo noch jngst des Friedens Palmen wehten, Der Ha die Fackel der Vernichtung schwingt -- O Liebe dann, zu welchen Freiheitssttten Willst du, der flcht'gen Taube gleich, dich retten? Da ffnen sich die groen Geisterhallen, Die ein Granit auf seinem Haupte trgt, Wo ewig neu die Wogen niederprallen Der Brandung, die an ihre Mauern schlgt. Dort ist die Sttte, dorthin magst du wallen, Dort, wo kein Streit des Menschen Herz bewegt, Wo keine Ketten dich der Erde binden, O se Liebe, deine Ruhe finden. Und hat dies heil'ge Dach zur rechten Stunde Auch uns vereinigt, eine junge Schaar, Zu Lieb' und Treu', zu brderlichem Bunde, Ein Obdach gegen Sturm und Tod'sgefahr: So drngt es sich vom Herzen nach dem Munde, Zu danken dem, der unser Leitstern war, Der uns'rer Seelen trges Feuer schrte, Und uns zum Tempel heil'ger Liebe fhrte. Und alle Gnaden, die wir uns erwerben, Und jeder Blick vom lieben Jesuskind; Und jede Huld, im Leben und im Sterben, Die aus den Hnden der Maria rinnt, Und jede Rettung, die aus dem Verderben Der heil'ge Joseph unserm Bund gewinnt, Ja, alles Gute, was uns Gott gesendet, Sei dankbar unserm Fhrer zugewendet. Lied fr den Jnglingsverein. 1854. Im Waffenkleid, in blankem Stahl Vom Kopf bis zu den Waden, Umsteh'n den tapfern General Die muthigen Soldaten. Im Auge blitzt der Heldenmuth, Verachtung fr die Schande. Sie rufen laut -- und schwenken den Hut -- Ein Hoch! dem Vaterlande. Und Hoch! dem General, der sie So oft ins Feld gefhret, Und gegen manche Schlachtbatt'rie Die Truppen commandiret. Der sitzt mit seinem Ordensband Auf seinem stolzen Pferde, Und dankt, an seinem Hut die Hand, Mit freudiger Geberde. Auch _wir_ sind eine strk're Armee, Als manche Contingente. Es hngt uns zwar kein Portepee, Kein Schwert um uns're Lende; Doch unser Schwert und uns're Wehr, Das ist der gute Glaube, Der heil'ge Schutz von Oben her Ist uns're Pickelhaube. Auch unser Herz durchglht der Muth, Auch wir verachten die Schande, Und rufen auch -- und schwenken den Hut -- Ein Hoch! dem Vaterlande. Das ist noch grer als Oesterreich, Als Preuenland und Polen, Man mit's nicht aus, und lief man gleich Auf Siebenmeilen-Sohlen. Und alle Menschen wohnen d'rin, Die Groen und die Kleinen, Das Land umschliet als Hterin Eine Mauer von Edelsteinen. Und unser Herrgott hat gesagt: Mit Strmen und Gewittern Soll nicht die Hlle, wenn sie's wagt, Dies Vaterland erschttern. Es leb' auch hoch der General, Der uns zu Felde fhret, Und der uns nicht zum ersten Mal Zum Kampfe commandiret. Der sitzt nicht mit dem Ordensband Auf einem stolzen Pferde: Er trgt ein einfach schwarz Gewand Und geht auf rauher Erde. Nicht streng ist sein Commandowort, Es dringt aus sanfter Kehle, Und dennoch reit's wie Sturmwind fort, Und dringt uns durch die Seele. Er droht uns nicht mit Haft und Strang, Der Feind nur kriegt die Hiebe, Und unser ganzes Reglement Ist guter Will' und Liebe. Sein Hauptquartier und Marschallzelt Ist eine stille Klause, Dort stnd' ein jeder, wenn es glt', Als Schildwach vor dem Hause. Wir halten bei ihm allzumal, Im Frieden wie im Streite. Es lebe unser Feldmarschall In seinem Ordenskleide. Der Jnglingsverein an seinen Director, _bei dessen Abreise nach Rom_, am 10. April 1855.[15] Groer Jubel ist in Sion, und die Glocken rings im Land Bringen uns die frohe Kunde, da der Herr vom Tod erstand. Und mit ihm aus langer Trauer ist erwacht die Creatur, Wird's lebendig in den Herzen und lebendig in der Flur. O das ist ein Tag, da lt sich wohl verwinden manches Weh, Und der Erde Leid und Kummer schmilzt dahin wie Frhlingsschnee. Zeigt sich dann im Menschenauge eine Thrne hell und klar, Das ist der verwund'ne Kummer, der vor Gott zerschmolzen war. Darum sind wir nicht zu klagen hier erschienen im Verein, Nicht dem Schmerze, nur dem Wunsche wollen wir die Sprache leih'n. Geh mit Gott, doch bleibe bei uns! In der Ferne bleib' uns nah! Deiner Kinder hier im Lande denk' im Land Italia! Wo Du weilest in der Ferne, fliegst auf rascher Eisenbahn, Schaukelst auf der Strme Wellen, oder auf des Meeres Plan, Wandelst auf dem welschen Boden, unter'm blauen Himmelszelt, Oder durch die ew'gen Hallen in der groen Stadt der Welt: -- Unsre betenden Gedanken geben treu Dir das Geleit, Und die Heil'gen, die wir rufen, steh'n als Garde Dir zur Seit'. Jesus, Maria und Joseph steigen mit Dir ein und aus, Und zu Wasser und zu Lande fliegt ein Engel Dir voraus. Aber, wenn Dein Werk vollendet und erfllt ist Deine Pflicht, Heim aus Roma's Herrlichkeiten, heimzukehren zgre nicht. Wenn Du an der reichen Quelle, an dem Born des Lebens trinkst, Dann vergi nicht Deiner Durst'gen, da Du ihnen Labung bringst. O dann zhlen wir die Stunden, wo das Boot die Rder schlgt, Das, vom lauen Sd beflgelt, den Geliebten zu uns trgt. Und die Heiligen begleiten wieder Dich zu Land und Meer. Zgre nicht! der Herr schickt wieder seinen Engel vor Dir her. Segne uns noch, eh' Du scheidest! Deine Schaar ist nicht verwaist, Rufst Du betend auf sie nieder Vater, Sohn und heil'gen Geist. Dann leb' wohl auf Wiedersehen! und zum Liebespfand, Da sie aus der Fern' uns leite, reich uns deine theure Hand. Der Lehrer an seine Schler. Es ist ein heilig Band, das um die Herzen Der Lehrer und der Lernenden unsichtbar Die Wissenschaften und die Knste winden -- Ein Band, gar oft entweiht, doch unvergnglich, Wenn die Gemther sich einander finden. Dies Band zu weben, sind geheime Geister Mit raschen Hnden frh und spt geschftig. Bald kommen sie auf Sternenhh'n des Glaubens, Die nicht des Menschen Auge schauen kann; Bald aus den Rumen der geschaffenen Naturwelt, die sein khner Blick durchdringet; Bald aus den Tiefen der Philosophie; Bald aus dem bunten Reiche fremder Zungen, Die der Verstand zur Harmonie gezwungen: Bald aus des Alterthums entleg'nen Welten, Von denen Weise jener Tage melden; Bald aus den Wldern weit entfernter Zonen, Wo weder Thiere noch die Menschen wohnen. So kommen sie, mit alt' und neuem Leben, Die unsichtbaren Geister, gleich den Elfen, Aus allen Elementen, um zu helfen, Geheimnivoll der Liebe Band zu weben. Doch kenn' ich zwei von jenen kleinen Webern, Gar sehr geschftig, mchtig, flink Geschwister. Die eine, ernst, mit blauem deutschem Auge, Von reichem und harmonischem Gemthe, -- Die Schwester, eine schne Himmelsblthe, Die einst als Mdchen aus der Fremde kam, Mit einem Fllhorn berird'scher Gaben. Die erste trgt die Tafeln der Gesetze, Wonach die Muttersprache tnt und klingt; Die and're mit dem Amaltheahorne, Sie trgt die gold'nen Schlssel zu dem Borne, Aus welchem in melod'schen Wellen Die Lieder uns'rer Dichter quellen. Was hab' ich diesen Schwestern zu verdanken, Wenn jetzt auch uns mit Amaranthenzweigen Die Frchte und die Lieb' umranken, Die sich so schn in diesem Straue zeigen? Dann bin ich glcklich, denn, wie jene Schwestern, Zu allen Zeiten, heut' wie gestern, Ein ewig jugendlicher Hauch durchdringt: So wird auch immer leben, was sie schufen, Und oft den Freund, der ferne von euch geht, Und jetzt bewegten Herzens vor euch steht, In euer liebendes Gedchtni rufen. Lebt wohl, ich dank euch fr die schnen Stunden, Wo ihr der Muttersprache Melodien Ein freundlich und empfnglich Ohr geliehen, -- Wo ich fr kurze Zeit das Glck gefunden, Mit euch durch jene Blumenflur zu ziehen, In der wir manchen schnen Strau gebunden. Lebt wohl, und lat der Welt ihr eitles Treiben! Was uns verknpft, mu ewig bleiben! Epilog nach der Preisevertheilung _im K.-G. Athenum zu Luxemburg_ am 21. August 1853. Verklungen sind die brausenden Accorde, Die durch den glanzerfllten Saal getnt; Verhallt die Lieder, die gewalt'gen Worte, Und all der Pomp, der dieses Fest verschnt. Es schliet Athene ihres Tempels Pforte, Heim zieht die junge Welt, von ihr gekrnt, Und unter'm Jubel ist entzckter Wogen Das hohe Frstenpaar dahin gezogen. Wir fragen, ist es Tuschung nur gewesen? War's nur ein Traum aus dem romant'schen Land? Und haben wir ein Mhrchen nur von Wesen, Die uns die Zauberwelt der Feen gesandt, Vom Mdchen aus der Fremde nur gelesen, Die den Geliebten ihres Herzens fand, Und nun beglckend Alles, die Beglckte, Mit Lorbern uns'rer Shne Hupter schmckte? Ach, so ist unser Dasein ein Entbehren, Da Aug' und Herz sich selber nicht mehr trau'n, Wenn ungetrbt mit seligem Verklren Entzckungs-Stern' in uns're Thler schau'n. Wer uns besucht, war nicht ein Prinz der Mhren, Nicht eine Knigin der Elfenfrau'n -- Sie selber sind's, und uns're Herzen brennen, Vor Freude, da wir sie die unsern nennen. Und konnten wir nicht fesseln die Sekunden, Gebieten nicht dem Pendelschlag: halt ein! Soll darum die Erscheinung ganz verschwunden Und, wie ein Traumgebild, vergessen sein? Herbei ihr Knste, die den flcht'gen Stunden Unsterblich Leben bei der Nachwelt leih'n! Ihr Maler mit der Dichtung um die Wette, Herbei die Leinwand, Pinsel und Palette! Malt mir ein Meisterbild -- euch wird zum Lohne Ein Ruhm, der durch's Jahrhundert wiederhallt -- Malt mir auf sammtgeschmcktem Blumenthrone Ein Wesen von therischer Gestalt, Ein frstlich Weib, und aller Frauen Krone. Der Schnheit majesttische Gewalt Lat mit der Anmuth Grazie sich vereinen, Und ber sie der Jugend Frhling scheinen. Malt ihr zur Seite, mit der brt'gen Wange Im kriegerischen Schmuck den Heldensohn, Den Admiral von kniglichem Range, Der uns're Flagge, wenn Gefahren droh'n, Vertheidigt in der Strme wildem Drange, Zum Trotz den Wogen und dem Feind zum Hohn, Dann lat sich ber beide Huldgestalten Der Gattenliebe milden Glanz entfalten. Malt mir das Paar von seinem Hof' umgeben, Und von der Wrdentrger dichter Schaar -- Von Haus und Kirch' und Staat ein buntes Leben -- Mischt Krieg und Frieden, Feder und Altar. Lat Sterne sich und Kreuze blitzend weben In Seid' und Sammt, auf Kriegskleid und Talar, Und legt in all die Augen und Gesichter Der patriotischen Begeist'rung Lichter. Dann lat die Wnde beim Fanfarenschalle Aus Blumenflor und Fahnen sich erbau'n. Bevlkert mir die schn geschmckte Halle Mit einem Meer von Jnglingen und Frau'n, Mit tausend Kpfen, jung und frisch, die alle Entzckt hinauf zum Frstenpaare schau'n -- Und ber's Ganze lat der Sonne Strahlen Durch's off'ne Fenster eine Glorie malen. Doch jetzt -- verstummt sind die Orchesterklnge -- Die Palme winkt, um die die Jugend stritt -- Und siehe, zagend aus der bunten Menge Ein schmucker Jngling nach dem andern tritt. Sein Auge glnzt, die Brust wird ihm zu enge, Zur Frstin lenkt er ungewohnt den Schritt, Und dem Erglh'nden reichen ihre Hnde Mit Grazie der Athene Lorberspende. Mag dir dies Alles, Maler, wohl gelingen -- Ein and'res Reich gehrt dem Snger zu, Wo die Empfindung fleugt auf Adlerschwingen, Und nicht des Raumes Schranken kennt, wie du. Das Geisterreich, wo die Gefhle ringen, Ist uns'rer Brust geheimnivolle Truh. Die Thrne kann kein Pinsel wiedergeben -- Was sie gebar, kann nur im Liede leben. O diese Thrn', ich sah sie blitzend scheinen Aus deinem Auge, Jngling, saphirblau; Und schlecht verbarg ein Tuch sie in den deinen, Als man ihn krnte, du glcksel'ge Frau. Verhll' sie nicht, dich ehrt dein stilles Weinen -- Der stolzen Mutterliebe selt'ner Thau. Mit solchen Perlen mag sich keine messen, Die dir Tragdien durch die Wimper pressen. Auch Vater du? o eine Manneszhre Trifft wie ein Schwert das Herz, das sie verstand. Zerdrck sie nicht, du wrd'ger Greis, und wehre Dich nicht gewaltsam, wenn's dich bermannt, Und vom Empfindungs-Sturmwind gleich dem Meere, Das kein ohnmchtig Wort der Sitte bannt, Dein altes Herz, im Fundament erschttert, Unter'm Ungestm des Augenblicks erzittert. Wie habt ihr, seit ihr an des Knaben Wiege Mit ihm gespielt und kummervoll gewacht, Um ihn gesorgt, gelitten, dann im Kriege Mit seiner Leidenschaften wilder Macht Ihn im Gebet begleitet bis zum Siege, Und nun -- nach all der Zweifel banger Nacht -- Die reiche Ernte mit den gold'nen Halmen, Und solch ein Sonnentag mit seinen Palmen! Und wenn ich Dir, erhab'ne Frstin, heute, Was uns're Seele hat so tief bewegt, In Deinen mtterlichen Klngen deute, Khn will ich's sagen, was die mein'ge hegt: Wird Dir einst eine Brgschaft Deiner Freude, Ein ses Pfand der Lieb' an's Herz gelegt, Dann wird's darin mit Fltenstimmen tnen: Nur Elternfreude mag die Welt verschnen. (Nach gegebenen Endreimen.) Die Herzen knpfen schneller ein Bndni, als die _Staaten_. -- Ein junger Grtner machte im Garten den _Besuch_, Und sah nach seinen Blumen, mit vorgebund'nem _Tuch_, Die Aermel aufgewickelt, und in der Hand den _Spaten_. Die Rosentpfe standen gereiht auf der _Estrade_ Nah' bei dem Strom -- da pltzlich, jenseits am andern _Strand_, Erschien ein lieblich Mgdlein, die bunte Krnze _wand_. Er warf ihr eine Rose hinber an's _Gestade_. Das Kind war schn -- so malet kein Pinsel, keine _Kreide_ -- Die feinste Huldgestalt, wie gewebt aus Blthen_duft_. Er schwur in seinem Innern: ja, ja, ich bin ein _Schuft_, Sah ich in meinem Leben 'ne schn're Augen_weide_. Sogleich umschlangen beide der Liebe seidne _Stricke_, Sie steckt' in ihre Flechten die Ros' aus seinem _Topf_, So ward der Bund geschlossen -- die Ros' in ihrem _Zopf_ Ward so der Liebe Sprache, der Liebe Pfand und _Brcke_. An P. Klein's Grabe. (15. Oktober 1855.) Auch Du? so jung, so frisch, die Brust voll Lieder, Das Herz voll Hoffnung, das Gemth so traut! Und nun erstarrt die Augen, die so bieder, So froh und glubig in die Welt geschaut! Leb' wohl, o Freund -- schon rollt die Scholle nieder -- Leb' wohl! ach, mit der Scholle dumpfem Laut Hr' ich den letzten ird'schen Klang verschweben Von Deinem reichen und geliebten Leben! Doch wen beklag' ich? Wenn _uns_ Todesmahnen Und Klagelieder hier am Grab' umweh'n; Wenn Deine Schler mit beflorten Fahnen, Mit Thrnen Deine Freunde Dich umsteh'n -- Sieht unser Glaube Dich auf Sonnenbahnen, Ein freud'ger Held, dem Ziel entgegengeh'n. Und rein die Freude droben zu erfassen, Hast Du der Erde Leib und Schmerz gelassen. Dort ist erfllt Dein Sehnen und Verlangen. Was Du hier unten trumtest halbbewut, Ist Dir im Lichte Gottes aufgegangen. Und Kindern gleich umspielen Dich mit Lust, Die hier nur unverstndlich in Dir klangen, Die Ideale Deiner Dichterbrust. Ein jedes Leiden, jeder Schmerz hienieden, Wird eine Krone Dir im ewg'en Frieden. Leb' wohl! Wir seh'n Dich -- wenn im finstern Thale Auch uns der Engel einst zur Ruhe winkt -- Wir seh'n Dich wieder, wenn im Abendstrahle, Wie jetzt Dein Sarg, der unsre niedersinkt. Vielleicht ist's bald, vielleicht zum nchsten Male! O wohl uns, wenn dann auch der Lobspruch klingt: Da wir wie Du gerungen und geworben, Da wir wie Du gelebt, wie Du gestorben. Die Schutzengel. Vor einem Muttergottes-Bilde Lag im Gebet ein frommer Mann, Empfehlend ihrer Lieb' und Milde Vor Allem seine Kinder an. Du Quell so vieler Gnadengaben, Sprach er, sei ihre Helferin, Und nimm die beiden kleinen Knaben Als Deine eig'nen Kinder hin. Da ihnen nichts zu Leid geschehe, Erleuchte sie mit Deinem Strahl. Bewahre sie vor Schmerz und Wehe, Vor Fall und Krankheit allzumal. Vor Allem aber ihre Seele La, Heilge, Dir empfohlen sein. Bewahre sie vor jeder Fehle, Fl' ihnen Deine Liebe ein, Maria hrt die fromme Bitte, Die ihr ein Engel bergab, Und ordnet aus der Engel Mitte Zwei himmlische Gesandten ab. Geht hin und thut, wie ich euch heie, Damit erfllt die Bitte sei. Gesellt euch still in eurer Weise Den Geistern jener Knaben bei. Nun hret, was darauf geschehen, Der Kindlein Vater hat's geschaut, Ein And'rer htt's auch nicht gesehen, Der nicht auf sein Gebet vertraut, -- All berall, wo die Knaben waren, Da standen ihnen Engel nah'. Und immer waren in Gefahren Zwei unsichtbare Hnde da. Der Kleinste baut sich Kartenhuser, Und siehe keines fllt ihm ein; Der Aelt'ste, schon ein wenig weiser, Baut ein Kapellchen sich von Stein. Als hlfen Meister und Gesellen, So hurtig war das Werk gethan. Er klebt' in Mitten der Kapellen Ein Muttergottes-Bildchen an. Mit Steinen spielen sie, und stellen Die bunten Steinchen in die Reih' -- Die schnsten Kiesel aus den Wellen, Sie kommen wie von selbst herbei. Der Ball fliegt an die hohen Wnde, Und in die Bum' auf gutes Glck -- Doch werfen unsichtbare Hnde Den Knaben ihren Ball zurck. Sie spielen Reiter und sie jagen In's Feld und ber Stock und Stein, Als wrden sie im Flug getragen -- Ein And'rer brche Hals und Bein. Der eine fiel auf Fels herunter, Und gab sich einen Todesstreich, Ein Engel hielt seine Hndchen d'runter, Das Kind fiel wie auf Moos, so weich. Ja, wenn die beiden Knaben spielten, So war's, als wren ihrer vier, Zwei Brder schtzten sie und hielten Den einen dort, den andern hier, Und als der and're, dem's gerathen, Ein Zndholz strich, allein im Haus, Da bliesen ihm die Kameraden Ein jedesmal die Flamme aus. Sie wurden nicht gelehrt, die Jungen, Doch sieh, ich wei nicht, wie's geschah -- Das erste Wort von ihren Zungen, Das war der Name Maria. Vermuthlich haben die Kameraden Sie auch dies erste Wort gelehrt, Und so der Mutter Gottes Gnaden An diesen Kindern neu bewhrt. Der Clibat. Also gefllst Du mir, wenn die Soutane, Das Kleid der Demuth, Deinen Leib umschmiegt, Und wenn Dein Auge strahlt, als wenn es ahne Den Himmel, der in Deiner Zukunft liegt, Und wenn Dein Blick begeist'rungsvoll der Fahne, Die der Erlser schwingt, entgegenfliegt; Wenn Deine Seele schmachtet in Verlangen, Zum Dienst des Heil'gen dorthin zu gelangen. Freund, eine Welt liegt vor Dir ausgebreitet, Doch nicht die Welt, an die die Welt gewhnt, Zu heil'gen Bergen wirst Du hingeleitet, Die kein Pallast der Residenz verschnt; Hoch auf die Alpe, wo der Hirte weidet, Und wo sein Horn das Thal herniedertnt; Dort steig' hinauf, in's freie Reich der Geister, Ein treuer Diener ihrem Herrn und Meister. Denn auf der Hh' des Lebens steht der Priester; Um seinen Scheitel glnzt des Frhroths Strahl; Den Schrein des Himmels ffnet und erschliet er, Und speis't die Glub'gen mit dem Opfermahl, Und wie der frische Thau des Morgens giet er Des Himmels Gnade hoch herab in dieses Thal, Und alle Glub'gen sich verneigend beben, Wenn seine Hnd' empor die Hostie heben. Und weil Du nun bereit, hinaufzusteigen, Legst Du darum dein menschlich Herz nicht ab; Es mag sich ferner zu der Liebe neigen, Der Gott die Heiligung in Christo gab, Und was wir lieben, blieb auch Dir treu eigen, Das Priesterkleid ist nicht der Freuden Grab: Ein einz'ges nur von allen schnen Loosen Mut Du zurck in die Entsagung stoen. Und doch dies Eine hat der Herr gesegnet, Zum Sakramente hat's sein Wort gemacht, Es ist ein Band, auf das die Gnade regnet, Wenn's fromm im Geiste Gottes wird vollbracht; Ein ser Reiz, dem schon Dein Blick begegnet, Als Du zum ersten Mal der Welt gelacht; Den strksten Frsten irdischer Gewalten Sollst Du mit strkerm Fu im Staube halten. Die milde Liebe sollst Du stumm verachten, Auf ihre Zauber stolz herniederseh'n; Vergeblich soll mit ihrem sen Schmachten, Sie an der Pforte Deiner Seele steh'n; Ein ros'ges Glck sollst Du im Herzen schlachten, An seiner Wonne kalt vorbergeh'n; Und, wie den Weihrauch am Altar, verbrennen, Was wir der Erde hchste Schtze nennen. Kein schnes Auge soll Dein Herz durchdringen, Kein ser Traum, der Deine Seel' umspinnt; Kein schner Arm sich um den Dein'gen schlingen, Kein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, Von keiner Lippe Dir melodisch klingen Das Wort mit dem des Herrn Gebet beginnt, Und Deine Seele, Freund, bleibt unbetheiligt An einem Glck, das uns entzckt und heiligt. Denn wie der Herr vom Himmel ist gestiegen, So sollst auch Du, ein jungfrulicher Mann, Hinauf zu seinem heil'gen Dienste fliegen, Ein freier Jngling, den kein Weib gewann, Dem nie die Sehnsucht nach verbot'nen Siegen In feigen Thrnen vom Gesichte rann, Der, was dem Herrn geweiht ist, Dienst und Leben, Nicht allzufrh der Creatur gegeben. Nur eine Jungfrau hat der Christ erkoren, Ein jungfruliches Weib der Perle gleich; Aus einer Jungfrau ist der Herr geboren, Gleichwie die Lotosblum' auf Hesper's Teich. Hast Du dem Geiste Deinen Dienst geschworen, Bekriegst das Fleisch und seiner Lste Reich, Schmckst Deine Seele mit den Myrthenzweigen: So magst Du auf zu jenen Hhen steigen. Mehr als vom Laien wird von Dir gefordert: So lang' Dein Puls dem Weib entgegenschlgt, So lang' die Flamm' in Deinem Blute lodert, Die losgelassen Dich in Asche legt, So lang' die gift'ge Lust noch unvermodert Mit Angst und Sehnsucht Deine Brust bewegt: Magst Du mit Laien sein und beten, Doch nimmermehr zum Tabernakel treten. Zwar sind's nur wenige, die so hoch berufen, Doch wenn auch _einer_ nur, der also denkt, Ein einz'ger Priester, der an heil'gen Stufen Die ird'sche Liebe hinter sich versenkt, Den frei von Schuld die Hnde Gottes schufen, Zu Gott die jungfruliche Seele lenkt: Sie sollen strmen aus entfernten Zonen, Um seinem reinen Opfer beizuwohnen. Wohl soll ein schnes Auge Dich durchdringen, Und eine Sehnsucht, die Dein Herz umspinnt, Ein schnes Weib soll Deine Seel' umschlingen, Ein Weib Dich lieben, das Dich selbst gewinnt, Von ihren Lippen wird's melodisch klingen: Du bist mein Brutigam, mein Kind! Um _diese_ Heil'ge sollst Du frei'n und werben, Dann wird Dein Herz in Wonn' und Liebe sterben. Auch jene Worte sollen Dich entzcken, Die mir der Knab' auf meinen Knien lallt: Denk Dir die Seele, die sich lie bercken, Die sich von Gott gewendet, todt und kalt -- Du kannst mit neuem Leben sie beglcken, Und im Triumph, mit geistiger Gewalt, Aus ihrer Nacht zu jenen gold'nen Thren Der Gnade und des Lichts zurckefhren. Und wenn dann jene Seel' in sanftem Weinen, Ein dankbar Kind, sich an Maria schmiegt, Und vor dem Bilde Deiner Braut, der Reinen, Entzckt in jubelndem Gebete liegt: Schau hin, mein Priester, das ist eins der Deinen, Das ist ein Kind, das Gott entgegenfliegt, Dein neugebor'nes Kind, dem Du das Leben, Dein Sohn, dem Du die Mutter hast gegeben. Kennst Du die Jungfrau in dem Schweizerlande, Den Berg, den ehrfurchtsvoll der Fhrer zeigt? Frh morgens, eh' noch hinterm Alpenrande Empor die schne Fackel Gottes steigt; Wenn rings noch still, in nchtlichem Gewande, Die Gletscher schlafen und die Erde schweigt, Glht still und einsam, wie in Andachtwonne Die Jungfrau dort im frhen Ku der Sonne. Also dort oben, auf der Menschheit Hhen, Wenn Nacht im Thal und rings die Erde schweigt, Dort oben, wo die rein'ren Lfte wehen, Und wo sich keine Sorge hin versteigt, Sollst Du ein _jungfrulicher_ Priester stehen, Der hoch herab uns Gottes Fackel zeigt; Wie jene Alpe soll in heil'gen Frhen Ein jungfrulicher Glanz Dein Haupt umglhen. Arion. 1850. Es rauschet das Meer, es schlagen die Wogen, Stolz kommen die Segel einhergezogen Mit herrlicher Fracht von Hesperiens Strand. Sie bringen den Freund dem Freunde wieder, Dem Knig den Snger der gttlichen Lieder, Sie fhren Arion zum Heimathland. Hoch steht er am Bord im Abendglanze, Sein Blick folgt trumend dem Wellentanze, Schon seit zwei Tagen verlie er Tarent. O Freund! da dich nicht mehr die Sorge bercke! Nun kehr' ich dir wieder im grten Glcke, Mit Schtzen, wie sie kein Knig kennt. Da sieht er die Wolken den Himmel umdstern, Und hret der Schiffer heimliches Flstern. In die grollenden Fluthen ruft er hinab: Poseidon, schtz' uns, du Wogendrnger! Poseidon, du mchtiger, schtze den Snger, Und la mir in heiliger Erde mein Grab! Jetzt pltzlich heran tritt der Schiffer Rotte: Und willst du erhrt sein vom nahenden Gotte, So tdte dich selbst an des Schiffes Bord. Uns verlangt nach den Schtzen, die wir geladen, Lebendig wirst du uns dem Knig verrathen, Den Leichnam bringen wir sicher in Port. Und jener bittet und flehet vergebens. Erbarmet sich Niemand des jungen Lebens? Und soll ich verderben auf einsamer Fluth? So gebt mir mein Festgewand, lat mich mit Tnen Begren den Tod und den Hades vershnen, Und wenn ich gesungen, dann strme mein Blut. Die eben noch unerbittlich waren -- Arion zu hren, reizt die Barbaren. Er kleidet sich d'rauf in kstlich Gewand. Den Kranz auf dem Haupte, im Purpurtalare, Mit goldenen Spangen, mit fliegendem Haare, So steht er, die Cither in seiner Hand. Rauschet meine letzten Klnge! Rauschet wie Triumphgesnge Meiner Lieder schnstes Lied! Khn, wie zu des Himmels Bogen Sturmbewegt die Welle flieht, Schlage deine groen Wogen, Jubelharmonienmeer, Majesttisch um mich her! Denn ich geh' zu meinen Gttern. In des Sturmes Donnerwettern Gren sie Arion schon. Durch der Wogen wildes Brausen Hr' ich Orpheus sen Ton. Hin, wo uns're Helden hausen, Sink' ich, hellumstrahlt vom Ruhm, Selig in's Elysium. Rauschet, meiner Cither Klnge, Rauschet, wie Triumphgesnge, Meiner Lieder letztes Lied! Du Thalassa, die den Bogen Um der Menschen Lnder zieht, Schlage deine groen Wogen, Wie ein Harmonienmeer, Majesttisch um mich her! Nun springt er hinaus in der Wellen Toben, Die sich bei dem Klange des Liedes erhoben. Und, gelockt von seinem erhabenem Spiel', Umschwimmen erstaunt, und umhpfen munter Der blulichen See lebendige Wunder, Nereiden, Tritonen und Fische, den Kiel. Und sieh! ein Delphin beut Arion den Rcken, So zieht er dahin; mit Gesang zum Entzcken Durchrudert er stolz die beruhigte Fluch. Als der Fhrmann kommt zu Tnaros Strande, Da steiget Arion gerettet zum Lande. -- Der Snger steht in der Gtter Hut. Militr-Toast. 1850. Wie glnzt der Tisch im festlichen Geprnge, Geschtz erschallt, das Echo hallt, Das Herzblut wallt, der Pfropfen knallt, Und vom Orchester strmen lust'ge Klnge, Wer sagt's noch, da das Herz ihm schwer und enge? Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Augen blinken! Reicht ihm das Glas mit dem goldenen Winken, Und lat's ihn aus bis auf den Boden trinken! Kennt ihr das Bild dort aus dem Lorberkranze? Ihm klingt das Mahl, klingt der Pokal, Und allzumal die Lust im Saal. Wer beugt sich nicht vor seinem hohen Glanze? Wer schlgt fr ihn sein Blut nicht in die Schanze? Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, auf von den Sitzen, Und fllt die Glser mit den gold'nen Blitzen, Gebt das Signal den donnernden Geschtzen. Gott gr dich, Vaterland, du uns're Wiege! Das Auge glht, die Seele sprht, Das Herz durchzieht ein heilig Lied! Gott schtze dich im Frieden und im Kriege! Wer schmht dich, deinen Ruhm und deine Siege? Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, die Hand zum Stahle! Und fllt mit schaum'gen Regen die Pokale, Hoch lebe Preuen, hoch! im Siegesstrahle! Und wenn du rufst mit feierlichem Mahnen Vom Memelstrand bis hier in's Land, Ein einiges Band, 'ne einz'ge Hand -- So steh'n wir auf, werth uns'rer tapfern Ahnen! Wem ist sein Blut noch lieb fr deine Fahnen? Wer sagt's, wer wagt's? Hurrah, Tod sei der Schande, Und lat die Glser schumen bis zum Rande: Treu unserm Knig und dem Vaterlande! Ja treu! das ist der Wahlspruch, den wir whlen; Vom Feind bedroht, vom Brand umloh't, In Sturm und Noth, bis in den Tod, Soll Frst und Land auf seine Shne zhlen. Wer zweifelt an dem Schwur von Mnnerseelen! Wer sagt's, wer wagt's? Wer will uns dort verdammen? Reicht mir den Becher mit den gold'nen Flammen; Wir bleiben treu, und brch' die Welt zusammen. Ein Geister-Stndchen. Zum sechzigjhrigen Dienstjubilum Sr. Exc. des Herrn Militr-Gouverneurs, Generals der Cavallerie, _von Wedell_, zu Luxemburg, am 15. April 1856. Die Nacht war still, kein Lftchen ging, Es war zwlf Uhr, und am Himmel hing Der Mond wie eine bleiche Laterne. Die Welt schlief fest, kein Laut war wach, Als die knarrende Fahne vom Kirchendach Und der Posten Ruf in der Ferne. Da pltzlich tnt von der Schlowacht her Ein lautes Werda, sie tritt in's Gewehr -- D'rauf ein Rasseln und Rauschen ohn' Ende -- Ein blut'ges Regiment, ein bleiches Corps, Als kmen sie just aus den Grbern hervor, Dringt ber den Fischmarkt behende. Mit Bchsen und Flinten, mit Lanz' und mit Schwert Das trippelt und trappelt, zu Fu und zu Pferd, Und stehet nicht Antwort und Rede. Sie drngen sich links, sie wissen wohin, Und schwenken sich auf vor St. Maximin, Ein junger Major an der Tete. Sie tragen von allerhand Farben Gewand, Und Keinem ist die Montirung bekannt Der blutigen Geisterschaaren. Auf Manchen hngt sie in Fetzen nur -- Doch trgt der Major die Parade-Montur Der brandenburg'schen Husaren -- Und trgt auf der Brust, wie als er noch stritt, Das stattliche Ordenskreuz _pour le mrite_, Mit der kleinen Krone von Perlen. D'ran haben sie den Feldherrn wieder erkannt, Als er todt da lag am Ostseestrand, Zerfetzt von den dnischen Kerlen. Und er winkt, der Trompeter blst zum Appell, Compagnien und Schwadronen sie ordnen sich schnell, Und erheben die blut'ge Standarte. Der Feldherr ruft die Schlachtfelder auf, Und es treten hervor aus dem dstern Hauf, Die man dort im Sande verscharrte. Beim Ruf _Dodendorf_ vor die Fronte tritt Diezelsky, geschmckt mit dem Kreuz du mrite, Auch Stssel und Voigt auf den Rossen, Und Kettenburg, Stankar, auch Stock der Lieutenant, Mit dem Parlamentrtuch in seiner Hand, Den sie meuchlerisch todt geschossen. Auch siebenzig Gemeine folgen dem Ruf, Sie reiten herbei auf leichtem Huf -- Zerhau'ne, verweg'ne Gesichter. D'rauf von _Dmitz_ und _Dammgarten_ rckt's herbei, Was dorten durchbohret vom Schwert und vom Blei, Und der Haufen wird immer dichter. Da ffnet der Feldherr wieder den Mund, Und schwingt den Sbel und ruft: _Stralsund!_ Und es melden sich tausend Mnner. Voran ein wilder Husarenschwarm, Ohne Rosse, mit Binden am rechten Arm, Die Andern auf luftigem Renner. Auch Billerbeck, Eyb und Halletius, Und Heiligenstedt, welche getroffen ein Schu Zu Stralsund am Knieperthore, Von Alvensleben auch, der wackere Held, Und der tapfere Wachtmeister Sommerfeld, Sie treten hervor aus dem Chore. Da ruft der Major: _Sanct Leonhard!_ D'rauf kommen sie, die man bei Braunschweig verscharrt, Die vierzehn gefangenen Krieger. Sechs Kugeln trgt jeder in seiner Brust, Sie starben sich ihres Ruhmes bewut, Und waren im Tode Sieger. Nun bleiben noch elf Offiziere zurck -- Der Major ruft: _Wesel!_ und verhllt den Blick, Und die Elfe beschlieen die Schaaren -- Gar edle Jnglinge, hingestreckt, Wo jetzt sie ein einziger Sarg bedeckt, Die im Leben nur Ein Herz waren. Und als sie versammelt sind Mann fr Mann, Da heben die Trompeter zu blasen an Die schnste der Serenaden, Ein Jubellied, das zum Herzen dringt Und hell majesttisch die Nacht durchklingt, _Zum Gru ihrem alten Kameraden_. Und ein Hurrah, dreifach wie aus einem Mund, Ein Hurrah, wie dazumal zu Stralsund, Ein Hurrah folgt auf die Fanfaren. So schauerlich hrte die Stadt noch keins -- Da schlug die Uhr vom Kirchthurm _Eins_ -- Und zerstoben war Schill mit den Schaaren. Die St.-Helena-Medaille.[16] Weis' her die wlsche Medaille! Wie funkelt so neu das Ding! Und so alt schon ist die Bataille, Wo Dein Arm zum Teufel ging. Wr' weiter nichts mitgegangen, Nicht Dein Herz, Dein grter Schatz, Sie htten Dir nicht gehangen Die Medaille an seinen Platz. Sie htten es nicht probiret, Nach fnfzig Jahren auf's Neu', Und zweimal speculiret Auf Deine Kaisertreu'. Der Kaiser liegt im Grabe Und seine Garde dazu. Gott geb' ihm und seinem Stabe Pardon und die ew'ge Ruh'. Viel Jahre sind gezogen Wohl ber die Gruft daher. Kaum rauschen noch die Wogen Die blutige Kaisermhr. Und Gras ist viel gewachsen Ueber Ehr' und ber Schand', In Preuen und in Sachsen Und im Franzosenland. Nun kommen sie wieder und ffen Und schmcken sich mit dem Ding Und werben Dich fr den Neffen Um einen Silberling. Kmen sie im Schlachtgebrause Zu hunderttausend Mann, Wir schickten sie nach Hause, Wie wir es schon gethan. Und Du greifst nach dem Bande? Du heftest Dir es an? Du brstest Dich mit der Schande! O, schme Dich, alter Mann! Testament. (November 1858.) Wenn ich ausgelitten hab' Und mich von euch wende, Macht mir doch mit meinem Grab' Nicht viel Complimente. Setzt mir keinen Stein daher, Der's den Leuten sage: Freut euch, da ich keinen mehr Auf dem Herzen trage. Auch mit Rosen bleibt mir fort, Krnzen oder Kronen, Flechtet sie, wo hier und dort Frohe Menschen wohnen. Weder Schutt noch Blumenfeld, Scherben oder Kruter, Machen mir die and're Welt Lnger oder breiter. Viel Poeten haben's gern Wenn sich Vglein's Flgel Um die Zeit vom Abendstern Senkt auf ihren Hgel, Oder wenn vom nahen Baum Nachtigallen pfeifen, Whrend durch den stillen Raum Laue Weste streifen. Nichts begehr' ich von dem All'n Wollt' auch eh'r erdolcht sein, Als von Mond und Nachtigall'n Bis in's Grab verfolgt sein. Im November jedes Jahr Soll't ihr mich besuchen, Dort, wohin mich auf der Bahr Fremde Schultern trugen. Ob vielleicht schon Schnee und Frost Mich bedeckt da drauen, Ob die Strm' aus Nord und Ost Durch die Felder brausen -- Grade wenn's recht strmisch ist, Sollt ihr zu mir treten, Vater unser, der du bist, Herzhaft fr mich beten. So befohlen und gestift't Hier in dem Gedichte, Auf da Jeder, den's betrifft, Demgem sich richte. Inhaltsverzeichni. Vorwort mit der Biographie des Dichters III Meinen Eltern, am Neujahrsmorgen 1825 3 Am Geburtstage meiner innigst geliebten Mutter 5 Am Geburtstage meines Vaters 6 Am Anfange der Osterferien 11 Am 8. December 13 Elegie auf den Tod meines Kanarienvogels 15 Meiner kleinen Schwester, an ihrem Geburtstage 16 Nachtwchter-Lied 19 Es war mir heut' Abend so einsam, so leer 21 Gru an die Heimath 22 Mein Engel 25 Sehnsucht nach dem Tode 27 Reliquie eines Verschollenen 31 Im Namen eines dreijhrigen Kindes am Geburtstage seines Vaters 36 Die Waldmhle 38 Schweizers Sehnsucht 41 Am Geburtsfeste Seiner Hoheit des Kurprinzen von Hessen-Kassel 43 Mein Wunsch 47 Die letzte Rose 48 Sonett 51 Sonett 52 Die Johannisblume 53 In der Ferne wohnt mein Glck 54 Ihrer Erlaucht der Grfin von Schaumburg 56 An Betty nach der Flucht ihres Kanarienvogels 59 Worte, gesprochen vor dem Anfange der Komdie, welche die Kinder 63 aus dem Wimez'schen Institute auffhrten Gesang der Sterne 65 Der Liebe Sehnen 67 Veilchenstrau 69 Tag der Vereinigung 71 Siehst Du, wo im Abendgolde 73 Der Brgergardist 74 Die Natur 76 Vaterfreude 78 Am Geburtsfeste S. M. des Knigs der Niederlande, Groherzogs 81 von Luxemburg Ludwig Philipp 84 Was ist des Deutschen Vaterland? 87 Blau, wei, roth 90 Bei Sebastopol 92 Ferienweihe 94 Von der Luxemburger Mosel 99 Es lag mir schon sehr lange nah' 102 Die Fische 103 Morgenlied von dem Schfchen 105 Maria und der Doctor 107 Des armen Kindes heiliger Christ 109 Des Schweizers Heimweh 112 Der Morgen im Garten 114 Am Abend 116 Nach Durchlesung des vom Herrn Bischof zu Chersones und 118 apostolischen Vikar, Johann Theodor Laurent, bei seinem Amtsantritte in Luxemburg erlassenen Hirtenbriefes Der Katholik 120 In einer protestantischen Kirche 122 Maria! 130 Maria in der Seele 135 Die Verfolgung 138 1848 142 Komm! 145 Das Marienbild zu Rimini 147 An Maria 149 Dem hochwrdigen Herrn Pater Zobel, Direktor des 150 Jnglingsvereines, zu seinem Namenstage, den 7. December 1854, vom Vereine gewidmet Lied fr den Jnglingsverein 152 Der Jnglingsverein an seinen Director, bei dessen Abreise nach 155 Rom Der Lehrer an seine Schler 158 Epilog nach der Preisevertheilung im K.-G. Athenum zu Luxemburg 161 Nach gegebenen Endreimen 166 An P. Klein's Grabe 167 Die Schutzengel 169 Der Clibat 173 Arion 179 Militr-Toast 182 Ein Geister-Stndchen 184 Die St.-Helena-Medaille 188 Testament 190 Funoten. [1] Meine Inaugural-Dissertation (_De jure ejus, qui speciem ex aliena materia fecit_) findet sich in den Pandektencompendien citirt. [2] Als in Folge der schon am 12. Oktober 1841 im Haag unterzeichneten Constitution die Verwaltung des Landes auf franzsischem Fue eingerichtet wurde, fing auch Koch's Stellung an zu schwanken. Mit dem Aufhren der s. g. Landesregierung fiel auch der bisherige Sekretr derselben weg, und man ernannte unsern Dichter zum Bureauchef (_chef de division_) bei der neuen Regierung (28. Dezember 1842), dann zum Rendanten beim hiesigen Hauptzollamte (1. Januar 1844), welcher Stelle er aber schon im Januar 1846 entbunden wurde. Von dieser Zeit an geno Koch ein Wartegehalt und blieb, auer der geringen Beschftigung als beeideter Uebersetzer des Memorial, fr das er den deutschen Text zu besorgen hatte, ohne Amt und Anstellung, bis er vor elf Jahren erst provisorisch, dann definitiv zum Professor der deutschen Sprache und Literatur am knigl. groherzgl. Athenum ernannt wurde. Anm. d. H. [3] Abgedruckt aus den Mainzer Katholische Sonntagsbltter, Jahrgang 1846, Nr. 28. D. H. [4] Kassel. Luckhardt 1834, und Gttingen bei Georg H. Wigand 1857. Bei dem Letztern ist so eben auch die englische bersetzung erschienen: _E. Helmer, Prinz Rosa-Stramin. Translated from the latest german edition by A. v. Beresford. 8._ [5] Seine Novellen erschienen in verschiedenen Zeitschriften, spter bei Hotop in Cassel (Salon-Novellen 1851, ferner Drei Novellen), einzelne bei Wigand in Gttingen in der Sammlung Was ihr wollt. [6] Vgl. Morgenblatt 1847, Telegraph fr Deutschland, Hamburg 1847, Nr. 111. D. H. [7] Aus dem Salon Jahrg. 1842, Nr. 40 abgedruckt. D. H. [8] Abgedruckt aus dem Salon 1842. Nr. 60. D. H. [9] Abgedruckt aus dem Lux. Wort, Jahrg. 1849. D. H. [10] Vgl. Des fremden Kindes heiliger Christ von Rckert. D. H. [11] Joh. VI. [12] Abgedruckt aus den Mainzer Katholische Sonntagsbltter, Jahrgang 1846, Nr. 31. D. H. [13] Abgedruckt aus den Mainzer Katholische Sonntagsbltter, Jahrgang 1846, Nr. 33. D. H. [14] Abgedruckt aus den Mainzer Katholische Sonntagsbltter, Jahrgang 1846, Nr. 33. D. H. [15] Abgedruckt aus der _Quotidienne Luxembourgeoise_, Jahrgang 1855, Nr. 83. D. H. [16] Abgedruckt in der Kln. Ztg., Jahrgang 1857, Nr. 287. D. H. Anmerkungen zur Transkription Funoten wurden am Ende des Buches gesammelt. Offensichtliche Fehler wurden stillschweigend korrigiert. End of the Project Gutenberg EBook of Ernst Koch's Gedichte, by Ernst Koch License: Share Alike