Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Norbert Mller and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Anmerkungen zur Transkription Text, der im Original gesperrt gesetzt war, wurde #so# markiert. Text, der nicht in Fraktur, sondern in Antiqua gesetzt war, wurde _so_ markiert, auer bei Regentenzahlen, wie Ludwig XVI. Zeichensetzung und Rechtschreibung wurden weitgehend bernommen, auch dort, wo mehrere verschiedene Schreibweisen benutzt wurden, auer bei offensichtlichen Fehlern. Ein Blick in die Zukunft. Von Richard Michaelis, Redakteur der Chicagoer Freien Presse. Eine Antwort auf: Ein Rckblick von Edward Bellamy. Leipzig. Druck und Verlag von Philipp Reclam jun. Chicago and New York. Rand, McNally & Company, Publishers. Vor Nachdruck gesetzlich geschtzt. Alle Rechte sind vorbehalten. Vorwort. Jedes Streben nach der Wahrheit und Besserung unserer Zustnde verdient Anerkennung; selbst wenn wir die Richtung und die vorgeschlagenen Maregeln nicht billigen knnen. Herrn Edward Bellamys Buch, Ein Rckblick, stellt einen Versuch dar, die Lage der Menschheit zu bessern und ist deshalb lobenswert; aber wenn wir seine Verbesserungs-Vorschlge des schillernden Mantels entkleiden, mit welchem er sie umgeben hat, so bleibt nichts brig, als nackter Kommunismus. Und dieser hat sich berall, wo er ohne religise Grundlage eingefhrt wurde, als ein Fehlschlag erwiesen. Heute ist er nur noch bei Wilden und Menschenfressern Staatsform. Chicago war whrend der letzten vierzehn Jahre der Mittelpunkt der kommunistischen und anarchistischen Bewegung in den Ver. Staaten. Whrend ich in der Freien Presse die Grundstze, auf welchen das amerikanische Staatswesen beruht, gegen jene aus den berbevlkerten europischen Industrie-Lndern eingeschleppten Lehren verteidigte, wurde ich sowohl mit diesen sehr vertraut, wie auch mit den Schrullen und Sonderheiten der Gesellschaftsretter, die allen Ernstes glauben, sie seien im Besitz eines unfehlbaren Mittels, mit welchem sie nicht nur alle menschlichen Einrichtungen, sondern auch die Menschen selbst vollkommen machen knnten. Herr Bellamy vertritt allerdings gemigtere Ansichten, als diejenigen, welche Spies und Parsons lehrten; aber er hat dies mit den Anarchisten und Kommunisten von Chicago gemein, da er unfhig geworden ist, die Einrichtungen, Zustnde und Menschen der Jetztzeit gerecht zu beurteilen, da er die Schwierigkeiten unterschtzt, welche der Einfhrung von ihm vorgeschlagener nderungen entgegen stehen, da er wirklich glaubt, seine Staatsluftschlsser wrden im Handumdrehen greifbare Gebilde werden und da er sein Wolkenkuckucksheim mit engelgleichen Wesen bevlkert, welche alle menschlichen Schwchen abgelegt haben und unter keinen Umstnden ein Unrecht begehen wrden. Die Annahme, da die Mnner und Frauen in einem kommunistischen Staatswesen Selbstsucht, Neid, Ha, Eifersucht, Streitsucht und Herrschsucht gnzlich abstreifen wrden, ist ebenso vernnftig oder unvernnftig, wie die Annahme, da ein Mensch 113 Jahre schlafen und alsdann eben so jung und krftig aufstehen knnte, wie er sich niederlegte. Welch sonderbare Maregeln Gesellschaftsretter doch mitunter vorschlagen! Joh. Most mchte im Namen der Gleichheit erst alle diejenigen umbringen, die nicht in allen Dingen seiner Meinung sind. Dann wrde er alle Gesetze und alle Beamten abschaffen und dann der Natur ihren Lauf lassen! -- Herr Bellamy dagegen wrde, ebenfalls im Namen der Gleichheit, allen tchtigen und fleiigen Arbeitern einen namhaften Teil dessen rauben, was sie mit ihrer Thtigkeit geschaffen, das Geraubte wrde er den ungeschickten, dummen und faulen Arbeitern geben, und das wre dann, was Herr Bellamy Gerechtigkeit und Gleichheit nennt! Und um diese angebliche Gleichheit zu erringen, wrde Herr Bellamy natrlich den Wettbewerb opfern mssen, die Riesenkraft, welche uns alle und Herrn Bellamy mit uns auf die Hhe der Bildung und Gesittung erhoben hat, die das Menschengeschlecht jetzt einnimmt. Es ist wahr, da der Wettbewerb schwere Mibruche im Gefolge gehabt hat und noch heute hat. Aber jede Einrichtung kann zu Mibruchen fhren und der Umstand, da ein Ding gemibraucht wird, beweist durchaus nicht, da das Ding an sich schlecht ist. Niemand kann leugnen, da der Wettbewerb whrend der Jahrhunderte christlicher Civilisation die geistigen und krperlichen Krfte der Menschheit hoch entwickelt hat, da der Wettbewerb whrend dieser Jahrhunderte alle Menschen zur Einsetzung ihrer hchsten Leistungsfhigkeit angespornt und unser Geschlecht auf eine Hhe gehoben hat, auf welcher dem gewhnlichen Arbeiter mehr Bequemlichkeiten und Gensse zugnglich sind, als den Knigen, von welchen Homer singt. Jedes Geschlecht hat an groen Aufgaben zu arbeiten und uns liegt es ob, die Beziehungen des Kapitals zur Arbeit zu regeln, welche besonders schwierig geworden sind, seitdem durch die Entdeckung der Dampfkraft auf den Gebieten vieler Erwerbszweige groe Umwlzungen stattgefunden haben. Wir haben Mittel und Wege zu finden, nicht um die Arbeit zu vermeiden, von welcher Herr Bellamy stets als von einem bel spricht, sondern um den Hirnkrebs unserer Zeit zu heilen: die bestndige Unsicherheit und die Furcht vor Armut. Das knnen wir aber durch Zusammenarbeiten und durch Versicherungs-Gesellschaften, die auf Gegenseitigkeit begrndet sind, ohne da es fr uns ntig wird, in den Kommunismus zurck zu fallen, diese niedrigste Form der menschlichen Gesellschaft. Die Unvollkommenheit, welche der Menschheit anhaftet, mu naturgem auch alle ihre Einrichtungen kennzeichnen und nichts ist daher leichter, als in einem #Rckblick# die Unzulnglichkeit aller Menschen und Dinge nachzuweisen, und alsdann von Engeln bewohnte Luftschlsser zu bauen. Ich werde jetzt einen #Blick in die Zukunft# thun. Ich werde zeigen, wie Herrn Bellamys hbsche Geschichte enden mu, wenn sie fortgesetzt wird. Ich beabsichtige nachzuweisen, da Herr Bellamy den Versuch macht, einen Zustand unbedingter Gleichheit zu errichten; dann aber, an der Mglichkeit verzweifelnd, eine Ungleichheit befrwortet, welche in vieler Hinsicht drckender sein wrde, als die jetzigen Verhltnisse. Ich werde darlegen, da unter der Regierungsform, welche Herr Bellamy vorschlgt, Gnstlingswirtschaft und Korruption im ffentlichen und Erwerbs-Leben ppig wuchern mten. Ich werde beweisen, da in Herrn Bellamys Vereinigten Staaten von menschlicher Freiheit wenig zu finden sein und da das selbstbewute, unabhngige amerikanische Volk eine solche Knechtschaft nimmermehr ertragen wrde. Und ich werde ber jeden vernnftigen Zweifel hinaus nachweisen, da das Volk in dem von Herrn Bellamy angepriesenen Staatswesen viel rmer sein wrde, als heute. Ich bestreite durchaus nicht, da unsere Gesellschaft dringend umgestaltender Verbesserung bedarf; aber ich bin nicht bereit, Herrn Bellamy, Herrn Most oder irgend jemandem blindlings zu folgen, lediglich weil er behauptet, die Menschheit sofort von allen beln befreien zu knnen. Ich beabsichtige nicht, mich kopfber in die Dunkelheit zu strzen. Wenn Herr Bellamy und seine Anhnger sich so sicher fhlen, das tausendjhrige Reich menschlicher Glckseligkeit begrnden zu knnen, so mgen sie es versuchen, wie es die Kommunisten der Amana Society versucht haben, welche im Staate Iowa eine Gemeinde errichteten mit Gtergemeinschaft auf religiser Grundlage. Die Regierung der Vereinigten Staaten besitzt noch viele Tausende von Ackern guten Landes, wo Herr Bellamy und seine Freunde sich niederlassen und der Welt zeigen knnen, wie man die Menschheit im Handumdrehen vollkommen macht! Aber sie sollten vom Volke der Vereinigten Staaten nicht verlangen, da dieses seine jetzige Regierungsform und seine Gesellschaftsordnung aufgeben solle, ehe Herr Bellamy und dessen Freunde bewiesen haben, da ihre Heilmittel fr die Schden der Gesellschaft in der That unfehlbar sind. #Chicago#, April 1890. #Richard Michaelis.# Ein Blick in die Zukunft. Erstes Kapitel. Um mich selbst denjenigen Lesern vorzustellen, welche das von Herrn Edward Bellamy herausgegebene Buch _Looking Backward_ (Ein Rckblick)[1] nicht kennen, teile ich hier in Krze die bemerkenswerten Ereignisse meines Lebens mit, welche in jenem Werke erzhlt worden sind. Ich wurde am 26. Dezember 1857 in Boston geboren und Julian West getauft. Ich besuchte eine Schule und eine hhere Bildungsanstalt meiner Vaterstadt; da ich aber im Besitze eines bedeutenden Vermgens war, so widmete ich mich keinem Berufe oder Geschfte. Ich war mit Frulein Edith Bartlett verlobt, einer jungen Dame von groer Schnheit. Wir hegten die Absicht zu heiraten, sobald mein neues Haus in bewohnbarem Zustande sein wrde. Leider wurde aber der Bau vielfach durch Arbeitseinstellungen der Zimmerleute und Maurer unterbrochen und ich bewohnte immer noch das altvterliche Gebude, in welchem drei Geschlechter meiner Familie gelebt hatten. Da ich oft durch Schlaflosigkeit litt, hatte ich unter dem Fundamente meines alten Hauses ein Gewlbe herrichten lassen, in das der Lrm der Grostadt, meinen Schlummer strend, nicht dringen konnte. Das Gewlbe war ganz feuerfest und erhielt frische Luft durch eine eiserne Rhre, welche zum Dache des Hauses hinaufreichte. Um in Schlaf zu verfallen, war ich oft gentigt, mich der Hilfe eines Mesmeristen zu bedienen. So auch am 30. Mai 1887. Nachdem ich zwei Nchte schlaflos verbracht hatte, sandte ich meinen schwarzen Diener Sawyer zu einem Dr. Pillsbury, welcher sich bei hnlichen Gelegenheiten stets hilfreich erwiesen hatte. Der Arzt war gerade im Begriff die Stadt zu verlassen, um in New Orleans einen Wirkungskreis zu suchen, und es war daher die letzte Behandlung, die er mir angedeihen lassen konnte. Ich beauftragte Sawyer, mich am nchsten Morgen um 9 Uhr zu wecken und fiel dann unter den Manipulationen des Mesmeristen in einen tiefen Schlaf. Als ich erwachte, fand ich, da ich 113 Jahre, 3 Monate und 11 Tage geschlafen hatte. Ich entdeckte, da das alte Haus durch Feuer zerstrt worden war und da Sawyer in den Flammen seinen Tod gefunden hatte. Dr. Pillsbury hatte Boston verlassen, die Existenz des unterirdischen Gewlbes war meinen Freunden unbekannt gewesen, das Haus war nicht wieder aufgebaut worden und so hatte ich mehr als hundert Jahre in tiefem Schlafe verbracht, bis ein Dr. Leete, der Bewohner eines Hauses, welches auf einem Teile meines frheren Grundstckes errichtet worden war, im Jahre 2000 mit dem Bau eines Laboratoriums begonnen und bei dieser Gelegenheit mein Gewlbe sowie mich selbst entdeckt hatte. Ich erfuhr, da Edith Bartlett mich vierzehn Jahre lang betrauert und dann geheiratet habe, da Dr. Leetes Gattin Ediths Enkelin und da seine Tochter Edith demnach die Urenkelin der jungen Dame sei, welche ich vor 113 Jahren heiraten wollte. Meine ungebrochene Manneskraft widerstand dem gewaltigen Eindrucke, welchen diese Entdeckungen auf mich machten. Ich fhlte mich in dem Hause des Dr. Leete bald heimisch, um so mehr, als die junge Edith in meinem Herzen alsbald den Platz einnahm, welcher einst Edith Bartlett gehrt hatte. Und es whrte nicht lange, bis Edith Leete, ein romantisch und mitleidsvoll veranlagtes, liebenswrdiges Mdchen, mit Anmut ihre Zustimmung gegeben hatte, die Nachfolgerin ihrer Urgromutter, das heit, meine Braut zu werden. Aber noch bemerkenswerter als der Wechsel in meinem eigenen Schicksal, waren die Vernderungen, welche auf socialem Gebiete stattgefunden hatten. Dr. Leete erklrte mir die neue Ordnung der Dinge. Geschftliche Unternehmungen einzelner hatten aufgehrt. Der Staat besorgt am Ende des 20. Jahrhunderts alles, was frher einzelne Leute oder Gesellschaften und Krperschaften unternommen und geleitet hatten. Alle gesunden Leute, Frauen wie Mnner, im Alter von 21 bis 45 Jahren gehren dem Heere der Arbeiter an. Leute ber 45 Jahre werden nur ausnahmsweise, in Fllen dringender Notwendigkeit, wieder in Dienst gestellt. Geld ist abgeschafft worden; aber jeder Bewohner der Vereinigten Staaten erhlt einen gleichen Anteil an den Ergebnissen der Arbeit der industriellen Armee in Gestalt eines Guthabens-Scheines, eines Stckes Pappe, auf welchem Dollars und Cents verzeichnet sind. In jedem Stadtteile und in jedem greren Landbezirke befindet sich ein Lagerhaus, in welchem das Volk alles findet, dessen es bedarf. Der Wert der Waren, welche jemand kauft, wird aus seinem Guthabens-Schein herausgestochen und sein Guthaben in den Regierungsbchern wird mit dem Betrage der gekauften Waren belastet. Die Mahlzeiten werden von groen Kochhusern geliefert. Die Wsche wird in groen Anstalten gereinigt und ausgebessert. Es steht jedermann frei, seine Mahlzeiten daheim oder im Speisehause einzunehmen. Die Auswahl der Gerichte ist gro und man kann im Kochhause auch eigene Speisezimmer haben. Der Preis der Mahlzeiten richtet sich nach den bestellten Speisen, so wie nach dem Orte, wo diese genossen werden. Jede Familie bewohnt ein eigenes Haus. Die Einrichtung gehrt dem Bewohner. Die Miete richtet sich nach Gre und Einrichtung des Hauses und wird ebenfalls mit einem Kneifzngchen aus dem Guthabens-Schein herausgestochen. Alle Bewohner der Vereinigten Staaten sind verpflichtet die Schule zu besuchen, bis sie das einundzwanzigste Lebensjahr erreicht haben. Dann werden sie Mitglieder des Arbeiterheeres. Whrend der ersten drei Jahre ihres Dienstes werden sie Rekruten oder Lehrlinge genannt. Sie mssen die gewhnlichsten Arbeiten verrichten unter dem unbedingten Befehle ihrer Offiziere oder Aufseher. ber ihr Verhalten wird Buch gefhrt und die Befhigung wie das Betragen jedes Rekruten angemerkt. Nach den ersten drei Jahren seines Dienstes kann jeder Rekrut einen Beruf whlen. So viel wie mglich werden die Rekruten in solche Beschftigungszweige eingereiht, denen sie den Vorzug geben. Zuerst drfen diejenigen Rekruten whlen, welche die besten Zeugnisse haben. Manche mssen allerdings eine zweite, oder auch eine dritte Wahl treffen, wenn nach einzelnen Berufszweigen ein zu groer Andrang stattfindet. Und noch andere mssen mit solchen Stellungen vorlieb nehmen, welche ihnen von ihren Vorgesetzten angewiesen werden. Alle Mitglieder des Arbeiterheeres werden nach ihrer Befhigung und nach ihrem Betragen in drei Abteilungen geteilt und Lehrlinge mit besten Zeugnissen knnen nach dreijhriger Dienstzeit als Rekruten sofort in die erste Abteilung derjenigen Gilde oder Zunft treten, welcher sie sich anschlieen wollen. Der General einer Zunft oder Gilde ernennt alle Offiziere derselben. Die Leutnants mssen den Mitgliedern der ersten Abteilung entnommen werden. Die Hauptleute erwhlt der General aus den Reihen der Lieutenants, die Obersten aus den Hauptleuten. Der General selbst wird von den frheren Mitgliedern seiner Zunft erwhlt, das heit, von denjenigen, welche das fnfundvierzigste Lebensjahr berschritten haben. Die frheren Mitglieder aller Znfte whlen auch die Vorsteher der zehn groen Abteilungen oder Gruppen verwandter Znfte, in welche das Arbeiterheer eingeteilt ist. Diese Chefs oder Vorsteher werden aus den Generlen der Znfte gewhlt. Die frheren Zunftgenossen erwhlen auch den Prsidenten der Vereinigten Staaten, welcher frher Vorstand einer der zehn groen Abteilungen gewesen sein mu. Der Prsident, die Vorsteher der zehn groen Abteilungen des Arbeiterheeres und die Generle aller Znfte wohnen in Washington. Die Angehrigen der Arbeiterarmee haben nicht das Recht bei der Wahl der Offiziere, von welchen sie befehligt werden, mit zu stimmen. Whrend ihrer vierundzwanzigjhrigen Dienstzeit haben sie keine Vertretung; aber wenn sie gegen einen Vorgesetzten Beschwerde fhren wollen, so knnen sie ihre Klage vor einem Richter anhngig machen, dessen Entscheidung endgltig ist. Die Richter werden vom Prsidenten aus den Reihen der Zunftgenossen gewhlt, welche aus dem Arbeiterheere geschieden und mehr als 45 Jahre alt sind. Die Dienstzeit der Richter dauert fnf Jahre. Gerichtshfe, Rechtsanwlte, Gefngnisse, Sheriffs, Steuereinschtzer und -einnehmer, und viele andere Beamte sind abgeschafft worden. Verbrecher werden in Heilanstalten als Verstandeskranke behandelt. Die Bundesregierung regelt alle Thtigkeit. Wenn sie bemerkt, da nach irgend einem Berufszweige ein starker Andrang von Freiwilligen stattfindet, whrend andere Znfte ber Mangel an Freiwilligen klagen, so verlngert die Regierung die Arbeitszeit der bevorzugten Gilde und verringert die Zahl der Arbeitsstunden in denjenigen Berufszweigen, welche mehr Freiwillige brauchen. Die Frauen haben ihre eigenen Offiziere, Generale und Richter, und bilden ein Hilfsheer der Arbeit. Sie erhalten dieselben Guthabensscheine wie die Mnner, und da das Kochen, Waschen, sowie das Ausbessern von Haushaltungsgegenstnden auerhalb besorgt wird, so haben die Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts mehr Zeit fr Arbeit, welche Werte erzeugt, als die Frauen am Ende des neunzehnten Jahrhunderts. Rekruten, welche drei Jahre gedient haben, knnen in technische, medizinische und andere gelehrte Schulen eintreten; wenn sie aber auer Stande sind, mit ihren Klassen geistig Schritt zu halten, mssen sie wieder austreten. rzte, welche von Kranken nicht gengend in Anspruch genommen werden, mithin das Vertrauen ihrer Mitbrger nicht genieen, mssen es sich gefallen lassen, da ihnen andere Beschftigung zugewiesen wird. Wenn Leute die Herausgabe einer Zeitung wnschen, so knnen sie zusammentreten und gemeinschaftlich genug von ihren Guthabensscheinen an den Staat abgeben, um diesen fr den Verlust der Arbeit der Redakteure, Setzer und Drucker zu entschdigen. Wenn jemand ein Buch herausgeben will, kann er es in seinen Muestunden schreiben und es drucken lassen, indem er einen Teil seines Guthabensscheines als Bezahlung fr Satz, Druck und Papier an den Staat aufgiebt. Fr die verkauften Bcher erhlt er dann ein entsprechendes Guthaben. Geistliche werden in hnlicher Weise wie die Redakteure von solchen Leuten besoldet, welche deren Predigten zu hren wnschen. Krppel oder andere Leute, welche auer Stande sind, die den Mitgliedern des Arbeiterheeres obliegenden Pflichten ganz zu erfllen, erhalten nichtsdestoweniger ihren vollen Anteil an den Arbeitserzeugnissen. Die Thatsache, da sie Menschen sind, berechtigt sie zu einem vollen Teil an den guten Dingen, welche die Erde bietet; gleichviel ob sie selbst wenig oder gar nichts produzieren knnen. Die Staatsregierungen innerhalb des Gebietes der Union sind als nutzlos abgeschafft worden. Alle anderen civilisierten Vlker haben die Arbeit und den Verbrauch ihrer Brger hnlich geregelt, wie die Vereinigten Staaten und sie treiben freien Handel miteinander. Am Ende eines jeden Jahres wird das Guthaben der verschiedenen Lnder mit solchen Gegenstnden ausgeglichen, welche berall verwendbar sind. Die neue Ordnung der Dinge setzt die Vlker in den Stand, ohne alle Sorgen zu leben und die Folge davon ist, da die meisten Mnner und Frauen von gesunder Krperbeschaffenheit 85 bis 90 Jahre alt werden. -- So lautete die Schilderung, welche mir Dr. Leete von der neuen Gesellschaftsordnung in einer Anzahl von Unterredungen machte. Der Doktor spricht sehr begeistert von dem Staate, in welchem er lebt, und steht nicht an, ihn das tausendjhrige Reich zu nennen. Die Besorgnis und Unsicherheit, welche ich in Bezug auf meine eigene Thtigkeit in dem Arbeiterheere empfand, wurden von Dr. Leete beseitigt. Er teilte mir mit, da mir die Stellung des Professors der Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts am Shawmut Kollege in Boston offen stehe. Ich habe dieses Anerbieten angenommen und werde am nchsten Montag mein neues Amt antreten. Zweites Kapitel. Als ich zum erstenmale den groen Saal im Shawmut Kollege betrat, in welchem ich meine Vorlesungen halten sollte, gewahrte ich nahe der Saalthr einen Herrn im Alter von etwa vierzig Jahren. Er war zu alt, als da ich ihn htte fr einen Studenten halten knnen und da ich ihn nicht gesehen hatte, als Dr. Leete mich den Professoren der Anstalt vorstellte, so war ich einigermaen neugierig zu erfahren, in welcher Eigenschaft er meine erste Vorlesung mit seiner Gegenwart beehrte. Der herzliche Empfang, welcher mir von seiten der Professoren zu teil geworden war, die Thatsache, da die Studenten jeden Platz des groen Saales fllten, wirkten auerordentlich anregend auf mich und nachdem Dr. White, der Prsident der Universitt, mich mit einigen schmeichelhaften Bemerkungen als einen lebenden Zeugen der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts vorgestellt hatte, begann ich meine erste Vorlesung vom besten Geiste beseelt. Meine Rede stand naturgem unter dem Einflusse dessen, was Dr. Leete mir in unseren Unterredungen ber die vergleichsweisen Vorzge und Nachteile der Gesellschaftsordnung des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts gesagt hatte. Ich setzte auseinander, da meine Hrer von mir keine bersicht der eigenartigen Civilisation in beiden Jahrhunderten erwarten drften; auch keine Lobpreisungen der jetzigen Ordnung der Dinge. Ich wrde nur auf einige Bestimmungen und Einrichtungen verweisen, welche als kennzeichnend gelten knnen fr den Geist der beiden Zeitalter. Als Merkmal des Zeitgeistes des neunzehnten Jahrhunderts schilderte ich den wahnsinnigen Wettbewerb. In diesem ekelhaften Kampfe sei der Mensch gezwungen worden, zu bervorteilen, verdrngen, unter dem Werte kaufen und zu teuer verkaufen, das Geschft zerstren, durch welches sein Nachbar seine Kleinen ernhrte, die Menschen verleiten zu kaufen, was sie nicht sollten und zu verkaufen, was sie nicht durften, seine Arbeiter drcken, seine Schuldner peinigen, seine Glubiger hintergehen,[2] um diejenigen unterhalten zu knnen, welche er zu ernhren hatte. Ich zeigte, da es unter den Leuten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts viele gegeben habe, welche, wenn es sich um ihr eigenes Leben gehandelt htte, es lieber aufgegeben, als durch das Brot ernhrt htten, das sie anderen geraubt.[3] Ich setzte auseinander, da dieser wahnsinnige und vernichtende Wettbewerb bestndig an Geist und Krper der Menschheit gezehrt habe und da dieses zehrende Fieber noch vermehrt worden sei durch die bestndige Furcht vor gnzlicher Verarmung. Das Gespenst der Unsicherheit htte den Menschen des neunzehnten Jahrhunderts auf Schritt und Tritt verfolgt, es htte sich mit ihm zu Tisch gesetzt, und wre mit ihm zu Bett gegangen und htte ihm zugeraunt: Arbeite noch so tchtig, stehe frh auf und mhe dich ab bis zum spten Abend, raube listig oder diene treu -- du wirst nie die Sicherheit kennen. Du magst jetzt reich sein und doch kannst du einst in Armut geraten. Hinterlasse deinen Kindern noch so groen Reichtum -- du kannst dir nicht die Sicherheit erkaufen, da dein Sohn nicht einst der Diener deines Dieners wird, oder da deine Tochter sich nicht um Brot verkaufen mu.[4] Vor hundertunddreizehn Jahren arbeiteten die Menschen wie die Sklaven bis zur vlligen Erschpfung, ohne dadurch auch nur die Sicherheit vor Verarmung oder vor einem jammervollen Hungertode erwerben zu knnen. Heut, am Ende des gesegneten zwanzigsten Jahrhunderts, wandele die Menschheit im rosigen Lichte der Freiheit, Sicherheit, Glckseligkeit und Gleichheit. Die Jugend des zwanzigsten Jahrhunderts geniee in vorzglichen Schulen einen ausgezeichneten Unterricht und whle nach Durchmachung einer dreijhrigen Lehrzeit frei ihren Beruf. Selbst whrend ihrer Dienstzeit im Arbeiterheere erlaube ihnen die kurze Arbeitszeit an ihrer geistigen Ausbildung weiter zu bauen und dennoch bleibe ihnen zur Erholung mehr Zeit, als man vor hundert Jahren fr vereinbar gehalten htte mit dem Betriebe der Fabriken, der Landwirtschaft und anderer Berufszweige. Frei von allen Sorgen, in vlliger bereinstimmung mit den Nebenmenschen, ohne den strenden Einflu politischer Parteien, im Besitz eines Reichtums, wie er in der Geschichte der Vlker niemals erhrt wurde, knnten wir in der That sagen: Der lange, traurige Winter der Gattung ist vorber. Ihr Sommer hat begonnen. Die Menschheit hat ihre Puppenhlle durchbrochen. Der Himmel liegt vor ihr.[5] Ich hatte mit Begeisterung, ja, mit tiefer Bewegung gesprochen und erwartete eine mindestens beifllige Aufnahme meiner Rede. Aber nur vereinzelte und khle Beifallsbezeugungen lieen sich hren, als ich meinen Vortrag beendet hatte. Kaum der vierte Teil der im Saale befindlichen Studenten hatte es der Mhe wert gefunden, bereinstimmung mit den von mir entwickelten Ansichten auszudrcken und auch diese Wenigen schienen mehr aus Hflichkeit, als aus herzensfreudiger bereinstimmung ihren Beifall kund gegeben zu haben. Diese frostige Aufnahme war fr mich eine solche Enttuschung, da ich nicht Mut genug sammeln konnte, mein Katheder zu verlassen und durch die Studenten zu schreiten, whrend diese den Saal verlieen. Ich machte mir daher an meinem kleinen Pulte zu schaffen, bis jedermann die Halle gerumt hatte, mit Ausnahme des Herrn, welcher bei meinem Eintritt meine Aufmerksamkeit erregt hatte. Er blieb an der Thr stehen, offenbar meinen Weggang erwartend. Sie gehren zur Universitt, fragte ich, um meine Befangenheit zu verbergen. Allerdings, antwortete er mit einem leichten Lcheln, welches zu weiteren Fragen herausforderte. Vermutlich habe ich das Vergngen, einen meiner Herren Kollegen kennen zu lernen, fuhr ich fort. Mein Name ist West. Bis vor einem Monate war ich Professor Forest, Ihr Vorgnger als Lehrer der Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts. Heut bin ich einer der Pedelle und mein Vorgesetzter ist so freundlich gewesen, meiner Sorgfalt gerade diesen Saal zu empfehlen. Ich hatte whrend der letzten Tage so vieles Neue und berraschende gesehen, da ich nicht so leicht in Erstaunen versetzt werden konnte. Aber die Mitteilung, da ein Universittsprofessor mit der Reinhaltung desselben Saales beauftragt werden knnte, in welchem er vorher gelehrt, klang so unglaublich und erffnete mir selbst fr meine weitere Laufbahn eine so unerfreuliche Aussicht, da ich meine Bestrzung nicht verbergen konnte. Und was hat diesen sonderbaren Stellungswechsel veranlat? fragte ich. In meinen Vergleichen betreffs der Civilisation und der Lage der Menschheit im Jahre 1900 und im Jahre 2000 kam ich zu andern Schlssen, als Sie, antwortete Forest. Sie wollen doch nicht etwa sagen, da die Menschen am Ende des vorigen Jahrhunderts besser gestellt waren, als das jetzige Geschlecht, fragte ich, gleichzeitig berrascht und neugierig. Das ist in der That meine Ansicht, sagte Forest. Diese sonderbare Anschauung kann ich mir nur dadurch erklren, da Sie persnlich keine Kenntnis von den Zustnden haben, welche Ihnen so schtzenswert erscheinen, rief ich aus. Ich mu natrlich zugeben, da ich meine Belehrung aus unserer Bcherei geschpft habe und da Sie zur Untersttzung Ihrer Ansichten ber die Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts Ihre persnliche Erfahrung geltend machen knnen, antwortete Forest. Dagegen sind Sie wohl nicht so gut vertraut mit dem gegenwrtigen Stande der Dinge. Die Quelle Ihrer Kenntnis des zwanzigsten Jahrhunderts ist #ein# Mann: Dr. Leete. Ich darf deshalb wohl behaupten, da meine Nachrichten ber die Civilisation Ihrer Tage besser sind, als Ihre Kenntnis unserer Zustnde, weil ich mich auf mehr Zeugen berufen kann, als Sie. Dann werden Sie auch die Ansichten mibilligen, welche ich in meinem Vortrage entwickelte. Ihre Vorlesung wird unzweifelhaft in allen Regierungs-Zeitungen verffentlicht werden, also in fast jeder Zeitung des Landes, entgegnete Forest, eine unmittelbare Antwort auf meine Frage vermeidend. Sie sprechen von Regierungszeitungen, fragte ich erstaunt. Hat die Regierung Zeitungen und braucht sie Organe? Freilich hat die Regierung Zeitungen. Und es ist ebenso schwierig wie unangenehm, eine Zeitung herauszugeben, welche die Regierung tadelt oder bekmpft. Wir haben deshalb nur sehr wenige solcher Zeitungen. Aber Dr. Leete sagte mir doch: Wir haben keine Parteien oder Politiker, und was das Demagogentum und die Bestechlichkeit anbetrifft, so sind das Worte, die nur noch eine historische Bedeutung haben.[6] Und nun sprechen Sie von Gegnern der Regierung sowie von Zeitungen der letzteren? Ich sagte dies mit dem Ausdruck des Zweifels in Stimme und Blick, aber Herr Forest wurde dadurch nicht beirrt. Er brach in ein lautes Gelchter aus und sagte dann: Entschuldigen Sie, bitte, meine Heiterkeit! aber Dr. Leete ist ein groer Spamacher und er ist immer sicher, durch seine Scherze eine Versammlung zum Lachen zu zwingen! In der That! Das ist zu gut! Ich wnsche, ich htte sein Gesicht sehen knnen, als er Ihnen diese Offenbarungen zu teil werden lie. Und Forest lachte von neuem, da ihm die Thrnen in die Augen traten. Ich bitte um Verzeihung, Herr West, fuhr Herr Forest fort, als ich seiner Heiterkeit mit Schweigen begegnete. Aber Sie wrden mich entschuldigen und wahrscheinlich in mein Gelchter einstimmen, wenn Sie Herrn Dr. Leete so gut kennen wrden, wie ich und dann hrten, da er von einem Mangel an Politikern gesprochen hat. Doch ich will gleich hier erklren, fgte Herr Forest in ruhigerem Tone hinzu, da ich keine geringe Meinung von Dr. Leete habe. Er ist ein etwas rcksichtsloser Spavogel und ein geriebener Politiker; im brigen aber ein so guter Mann, wie unsere Zeit ihn nur hervorbringen kann. Dr. Leete ist ein Politiker? fragte ich mit neuem Erstaunen. Allerdings. Dr. Leete ist der einflureichste Fhrer der Regierungspartei in Boston. Seinem Einflusse bin ich es schuldig, da ich immer noch mit der Universitt in Verbindung stehe. Forest nahm wahr, da ich nicht wute, wie ich diese Erklrung deuten solle und fgte daher hinzu: Als ich beim Vergleich der Civilisation der zwei Jahrhunderte zu dem Schlu gelangte, da der Kommunismus sich als ein Fehlschlag erwiesen habe, wurde ich als Verfhrer und Verderber der studierenden Jugend in Anklagestand versetzt. Das in solchen Fllen bliche Urteil: Einsperrung in ein Irrenhaus wurde gefllt. Denn nach Ansicht unserer Machthaber kann nur ein Irrsinniger sich gegen die beste gesellschaftliche Ordnung auflehnen, welche die Menschheit jemals hatte. Dr. Leete erklrte indes, mein Irrsinn sei ein so harmloser, da meine Einsperrung in ein Tollhaus berflssig erscheine, zumal sie auch zu kostspielig sei. Ich knnte immer noch meinen Lebensunterhalt verdienen, indem ich im Universittsgebude leichte Arbeit verrichte. Dadurch wrde ich den Professoren und Studenten als lebendige Warnung dienen, in ihren uerungen und Lehren vorsichtig zu sein. Die Studenten scheinen Ihre Ansichten zu teilen; denn sie nahmen meine Auseinandersetzungen recht khl auf, bemerkte ich, um der Unterredung eine andere Wendung zu geben und einer weiteren Besprechung der Eigenschaften meines Gastfreundes vorzubeugen. Forests durchdringende graue Augen blickten einen Augenblick forschend in die meinigen. Dann sagte er freundlich: Ich glaube, da Sie Ihrer berzeugung gem gesprochen haben, Herr West. Haben Sie aber nicht das Gefhl gehabt, da Sie Ihrer Zeit und Ihren Zeitgenossen keine Gerechtigkeit widerfahren lieen? Machte es der Wettbewerb, die Konkurrenz denn wirklich ntig, da jedermann seinen Nachbar betrog, seine Arbeiter ausprete, seinen Schuldnern die Kehle zuschnrte und anderen Leuten das Brot vom Munde wegri? Waren denn wirklich die meisten Menschen Ihres Zeitalters Betrger und Blutsauger? Waren die Arbeiter smtlich Sklaven, welche tagtglich arbeiteten, bis sie gnzlich erschpft waren? Ich wei aus Zeitschriften und Geschichtswerken recht wohl, da die Mitglieder groer Gewerkschaften in ihren Tagen oft die Arbeit einstellten, weil sie acht Stunden als ein Tagewerk ansahen und da sie sich weigerten, gegen gute Bezahlung neun oder zehn Stunden zu arbeiten. Danach hatten sie einen krftigen, stolzen und unabhngigen Arbeiterstand, und es erscheint fast wie eine Beleidigung, diese Leute als Sklaven zu bezeichnen. Und was die Mdchen anbelangt, so habe ich Klagen darber gelesen, da Hilfe fr Hausfrauen zu Ihrer Zeit nur schwer zu erlangen war und da Kchinnen und Stubenmdchen je nach ihrer Leistungsfhigkeit von 2 bis 5 Dollar wchentlich und Kost erhielten. Es lag also fr ein anstndiges Mdchen keine Entschuldigung vor, wenn sie sich fr Brot verkaufte. Allerdings war die Civilisation Ihrer Tage weit davon entfernt fehlerlos zu sein. In der That ist nichts auf Erden vollkommen. Aber Ihre Schilderung der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts war in so dsteren Farben gehalten, da unsere Studenten, welche mit der Geschichte jener Tage nicht ganz unbekannt sind, sich von Ihrer Vorlesung unmglich konnten begeistern lassen. Dies wre auch schon deshalb schwierig gewesen, weil viele dieser jungen Leute unsere jetzigen Einrichtungen durchaus nicht so unbedingt bewundern, wie Sie. Ich spreche ganz offen, Herr West, und ich hoffe, da Sie meinen Freimut entschuldigen werden. Ich mchte Ihnen einen Dienst leisten, indem ich Ihnen unsere Zustnde, Einrichtungen und Menschen genau so schildere, wie sie sind. Der warme Ton seiner Stimme und der freundliche Blick seiner Augen veranlaten mich beim Weggehen Forests Hand zu drcken; obschon alles, was er sagte, gegen meine Freunde und gegen meine eigenen Ansichten gerichtet war und mich daher sehr peinlich berhrte. Ich ging in gedrckter Stimmung nach Hause, in meinen Gedanken die Einwendungen erwgend, welche Forest gegen meine Vorlesung erhoben hatte. Ich traf Dr. Leete und die Damen beisammen. Edith fragte mich, ob mein erstes Auftreten als Professor sich meinen Erwartungen gem gestaltet habe. Es war immer mein Grundsatz offen und ehrlich zu sein. Ich teilte daher den Freunden meine Erlebnisse, den wesentlichen Inhalt meiner Vorlesung, deren khle Aufnahme und meine Enttuschung mit. Ich erwhnte auch Herrn Forests kritische Besprechung meiner Rede und gestand, da sein abflliges Urteil in so fern berechtigt gewesen wre, als ich die Auswchse, welche der Wettbewerb bei einzelnen Leuten meiner Zeit erzeugt hatte, der gesamten Menschheit des neunzehnten Jahrhunderts zuschrieb. Die Bemerkungen, welche Forest ber Dr. Leete gemacht hatte, erwhnte ich natrlich nicht. Mein Bericht machte offenbar auf Dr. Leete keinen unbedingt angenehmen Eindruck. Nach einer kurzen Pause sagte er: Ich meine, da die rcksichtslose Konkurrenz im letzten Teile des neunzehnten Jahrhunderts notwendiger Weise das ganze Volk mehr oder weniger verderben mute, -- in den meisten Fllen mehr. Deshalb halte ich Ihre Vorlesung fr eine ausgezeichnete Darlegung leitender Grundstze und ich glaube nicht, da Sie Veranlassung haben, auch nur einen Zoll breit von dem Standpunkte zurckzuweichen, den Sie eingenommen haben. Die khle Aufnahme, welche Ihnen wurde, darf Sie nicht beirren. Sie ist eine Folge der Forestschen Lehrthtigkeit. Er hat seine irrigen Ansichten in die Kpfe unserer Studenten geset, seine blinde Verehrung fr den Wettbewerb und seine Abneigung gegen die jetzige Ordnung der Dinge. Es ist jetzt Ihre Aufgabe, die jungen Leute ber den vergleichsweisen Wert der beiden Gesellschaftsordnungen aufzuklren. Herr Forest legt durch seine unablssigen Versuche, die Studenten zu verleiten, unserer Geduld schwere Proben auf. -- Hat er Ihnen gegenber den Umstand nicht erwhnt, da er Ihr Vorgnger war? Er that es, nachdem ich ihn gefragt hatte, ob er ein Mitglied des Lehrerpersonals sei. Er sagte, da er wegen Ketzerei entlassen wurde und da er seine verhltnismig milde Behandlung Ihrer Verwendung verdanke. Es ist nicht Forests Art, mit seinem Urteil zurckzuhalten und ich darf demnach annehmen, da er Ihnen eine nette Schilderung von Dr. Leete entworfen hat, sagte mein Gastfreund lchelnd. Unter den obwaltenden Umstnden schien es mir am zweckmigsten, die uerungen zu wiederholen, welche Forest ber Dr. Leete gemacht hatte, zumal dieselben nicht bsartig, sondern eher schmeichelhaft fr meinen Gastfreund waren. Ich kann wohl hinzufgen, da ich einigermaen neugierig war zu sehen, was Dr. Leete zu der Behauptung des Herrn Forest sagen wrde, da er ein Politiker und Fhrer der Regierungspartei wre. So sagte ich denn: Herr Forest lachte herzlich, als ich Ihre uerung wiederholte, da Sie weder Parteien noch Politiker htten. Er nannte Sie einen Spamacher, einen geriebenen Politiker, den Fhrer der Regierungspartei und einen braven Mann. ber Dr. Leetes Zgen flog ein etwas grimmiges Lcheln, als er antwortete: Das ist ein Charakterzeugnis, auf welches ich eigentlich stolz sein sollte, da es von einem zum Krittler gewordenen Kritiker herrhrt. Was Forests Behauptung betrifft, da ich ein Politiker sei, so habe ich darauf nur zu entgegnen, da ich noch nie ein Amt bekleidete; und da die Regierung mich in einzelnen Fllen zu Rate zog, macht mich noch nicht zum Fhrer der Regierungspartei, denn diese Auszeichnung wurde auch andern Brgern hufig zu teil. Politische Parteien haben wir nicht. Es giebt natrlich einige unverbesserliche Tadler, die, wie Forest, nie zufriedengestellt werden knnen, und einige radikale Krakehler. Ihnen wird aber wenig Beachtung geschenkt, so lange sie nicht den Frieden des Volkes stren. Thun sie dies, so senden wir sie in eine Heilanstalt, wo ihnen eine angemessene Behandlung zu teil wird. Obschon auch die letzten Worte im Tone leichter Unterhaltung gesprochen wurden, machten sie doch einen tiefen Eindruck auf mich. Thun sie dies, so senden wir sie in eine Heilanstalt, wo ihnen eine angemessene Behandlung zu teil wird. Besttigte das nicht Forests Behauptung, da die Urteile, welche ber Gegner des Kommunismus gefllt wrden, fast immer auf Einsperrung in eine Irrenanstalt lauteten? Meine unangenehmen Gedanken wurden durch Ediths weiche Stimme unterbrochen: Ich denke, lieber Vater, sagte sie, Herr Forest ist ein eben so ehrenhafter wie wohlmeinender Mann und man sollte ihm gestatten, seine Meinungen zu uern, selbst wenn diese irrig oder gar sonderbar sind. Die Studenten werden am Ende ohne Zweifel davon berzeugt werden, da unsere Gesellschaftsordnung so gut ist, wie sie nur gestaltet werden kann. Auerdem ist es auch so unterhaltend, gelegentlich einmal eine andere Ansicht zu hren. Mit dem Ausdruck vterlicher Liebe legte Dr. Leete seine rechte Hand auf Ediths reiches Haar und sagte: Die Damen am Hofe Ludwigs XVI. von Frankreich fanden auch die Ansichten sehr unterhaltsam, welche die Revolution veranlaten und vielen der unterhaltenen Damen und Herren ihre Kpfe unter der Guillotine kosteten. -- Gedanken sind Feuerfunken, die leicht eine Feuersbrunst veranlassen knnen, wenn sie nicht berwacht werden. Drittes Kapitel. Ich hatte mich niemals viel mit Volkswirtschaft befat und es war mir demgem auch nie in den Sinn gekommen, wirtschaftliche Grundstze auf ihren Wert zu prfen. Ob Wettbewerb oder Gtergemeinschaft der Menschheit zutrglicher sei -- diese Frage war mir noch nie in den Sinn gekommen. Als daher Dr. Leete in seiner ebenso bestimmten wie ansprechenden Weise erklrte, wie die Gesellschaft nach Beseitigung des Wettbewerbes geordnet wurde, hatte ich nicht einmal erkannt, da diese Ordnung auf kommunistischen Grundstzen ruhte. Ich meinte, die Menschheit htte das tausendjhrige Reich errungen und als Dr. Leete mir sagte, da seine bequeme, ja von berflu zeugende Lebensweise die des gesamten Volkes im letzten Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts sei, da zweifelte ich nicht, da jedermann mit der neuen Gesellschaftsordnung zufrieden sein msse. Meine khle Aufnahme seitens der Studenten und meine Unterredung mit Herrn Forest hatten mich aber belehrt, da nicht alle Bewohner der Vereinigten Staaten im zweitausendsten Jahre des Herrn die jetzige Gesellschaftsordnung fr das tausendjhrige Reich hielten und ich mu bekennen, da mich diese Wahrnehmung sehr schmerzlich berhrte. Denn ein ser Friede, eine nie vorher empfundene Ruhe waren in mein Herz gezogen, als Dr. Leete von der grenzenlosen Glckseligkeit erzhlte, deren sich die Menschheit im zwanzigsten Jahrhundert erfreute. Meine neue Stellung legte mir nun die Pflicht auf, mich eingehend mit volkswirtschaftlichen Fragen zu beschftigen. Allerdings htte ich einfach die gesellschaftlichen und politischen Zustnde in den Vereinigten Staaten am Schlusse des vorigen Jahrhunderts schildern und vor jenem Hintergrunde die neue Ordnung der Dinge loben knnen; aber das wrde mir selbst nicht gengt haben. Ich wollte selbst durch eingehende vergleichende Prfung erforschen, welche von beiden wirtschaftlichen Richtungen den Vorzug verdiene. Deshalb pflegte ich meine Bekanntschaft mit Herrn Forest, um dessen Grnde gegen die von Dr. Leete vertretenen Lehren kennen zu lernen. Dieser Umgang mit Herrn Forest war insofern fr mich kein angenehmer, als mich stets das Gefhl des Unbehagens bei dem Gedanken berkam, da Forests Anschauungen und Grundstze sich als die richtigeren erweisen knnten. Denn ein Sieg der von Forest vertretenen Ansichten kam einer Umkehr zu einem Stande der Dinge gleich, welcher mir so grndlich zuwieder war, wegen der Sorgen und Unbequemlichkeiten, die er im Gefolge hatte. Mir erschien Dr. Leetes Staatswesen als ein Paradies, aus dem Forest mich vertreiben wollte. In meinen nchsten Vorlesungen beschrnkte ich mich auf eine genaue Schilderung des Arbeitsmarktes in Boston im Jahre 1887. Alle bertreibungen sorgfltig vermeidend, zog ich aus den vorliegenden Thatsachen nur unbestreitbare Schlufolgerungen. Ich zeigte, wie Kapital und Arbeit gleichmig unter den zahlreichen Arbeitseinstellungen jener Tage gelitten hatten und pries die jetzige Ordnung der Dinge, weil sie solche unsinnige wirtschaftliche Kmpfe unmglich mache. Nach Beendigung meiner Vorlesungen unterhielt ich mich stets mit Herrn Forest, welcher ebenso bereitwillig war, ber die neue Gesellschaftsordnung zu sprechen, wie Dr. Leete. Die Freunde der Regierung nennen mich einen unverbesserlichen Krittler, sagte Forest, und sie haben recht, obschon sie ihr Urteil in etwas hflichere Worte kleiden und sagen knnten, da ich zur Prfung aller Dinge geneigt bin. Ich wrde jede Regierung, unter der zu leben mein Schicksal wre, prfen und mein Urteil aussprechen; gleichviel, wie gut, oder wie schlecht die Regierung auch wre. Ich hege keinen Groll gegen die Mnner, welche die Vereinigten Staaten heut regieren. Ich gebe sogar zu, da sie etwas mehr Klugheit, Thatkraft und Duldsamkeit zeigen, als die Mitglieder der Verwaltung, welche vor zwlf Jahren aus dem Amte schied. Es sind eben die leitenden Grundstze, welche falsch sind und demgem mssen auch die Folgen schlecht sein, was immer die Regierung thun mag, die blen Folgen eines schlechten Systems zu verkleistern. Sie meinen demnach, da das jetzige System durchaus falsch ist? fragte ich. Knnen Sie daran zweifeln? antwortete Forest. Blicken Sie um sich! Ist der leitende Grundsatz in der Schpfung Gleichheit oder Verschiedenheit? Sie finden oft hnlichkeit, nie Gleichheit. Pflanzenkundige haben Tausende von Blttern gesammelt, die auf den ersten Blick ganz gleich erschienen; aber bei sorgfltiger Prfung fanden sie ganz bestimmte Unterscheidungsmerkmale. Ungleichheit ist Naturgesetz und jeder Versuch, unbedingte Gleichheit herzustellen, ist demnach naturwidrig und unsinnig. Es haben deshalb auch alle derartigen Versuche sich als Fehlschlge erwiesen. Selbst als einige der ersten Christen, von Nchstenliebe geleitet, die Gtergemeinschaft unter sich einfhrten, war das naturwidrige Unternehmen nicht von Bestand. Selbst der selige Prokrustes konnte mit einer Bettstelle fr alle sein Geschft nicht betreiben; er brauchte deren zwei, fr die langen und fr die kurzen Opfer, welche ihm in die Hnde fielen. Wir knnten eben so wohl anordnen, da knftighin alle Mnner sechs Fu lang sein, zweiundvierzig Zoll um die Brust messen, eine griechische Nase, blaue Augen, blonde Haare und eine Tenorstimme haben mssen, wie wir versuchen knnen, alles Leben in einem kommunistischen Gemeinwesen in eine Gleichheitszwangsjacke zu stecken, in der Erwartung, da die Menschheit sich da wohl fhlen solle. -- Bercksichtigen wir doch nur in Verbindung mit der Verschiedenartigkeit der geistigen und krperlichen Anlagen die Verschiedenheit der Neigung und des Geschmackes, die Mannigfaltigkeit der Berufsthtigkeit und beantworten wir uns dann die Frage, ob die Begrndung einer Gesellschaftsordnung auf der Grundlage unbedingter Gleichheit dauern kann. Wenn ich mir eine richtige Ansicht von der Gliederung Ihrer Gesellschaft gebildet habe, wandte ich hier ein, so haben Sie das Anrecht aller Menschen auf einen Lebensunterhalt anerkannt, indem Sie jedermann einen gleichen Anteil an den Arbeitserzeugnissen zugestanden; aber Sie haben auch jedermann die Gelegenheit geboten, einen ihm zusagenden Beruf zu whlen. Sie haben ferner die zu einer Zunft gehrigen Arbeiter in Abteilungen und Grade geteilt, um den Ehrgeiz der Arbeiter nach Erreichung eines hheren Grades anzuregen und Sie haben so eine Verschiedenartigkeit der Stellungen geschaffen, welche der Ungleichheit der Menschen entspricht, die Sie vorhin hervorgehoben. So ist es, sagte Forest. Wir haben zuerst den Grundsatz der Gleichheit festgestellt und alsdann unsere Gesellschaft auf der Grundlage der Ungleichheit gegliedert, wodurch wir die ausdrckliche Anerkennung der Thatsache vermieden, da die neue Gesellschaftsordnung in der Lehre wie in der Wirklichkeit eine Fehlgeburt ist. Die Frage, welche uns vorliegt, ist eine sehr einfache: #Sind wir alle einander gleich?# Wenn wir es sind, dann ist der Kommunismus die allein richtige Gesellschaftsform und jedermann sollte alsdann einen gleichen Anteil von den Erzeugnissen der gemeinschaftlichen Arbeit erhalten. Sind wir nicht alle einander gleich, sind wir verschieden voneinander an geistigen und krperlichen Fhigkeiten, sind die Arbeitsergebnisse ungleich, dann liegt auch kein vernnftiger Grund vor, weshalb die Arbeitserzeugnisse gleichmig verteilt werden sollten. Wir aber verkndigen erst den Grundsatz der Gleichheit und behaupten, da wir besagter Gleichheit wegen die Arbeitserzeugnisse gleichmig verteilen; -- und dann teilen wir die smtlichen Arbeiter, je nach ihrer Fhigkeit, in solche ersten, zweiten und dritten Grades..... Und in vielen Fllen sind diese Grade noch in eine erste und eine zweite Klasse geteilt.[7] Hier sehen wir also, da die Arbeiter in sechs Abteilungen gegliedert werden und zwar aus dem ausdrcklich angefhrten Grunde: weil ihre Befhigung eine #verschiedene# ist. Da ihr Flei ebenfalls ungleich ist, wird nicht ausdrcklich zugestanden, ist aber nichtsdestoweniger eine Thatsache. Die #Ungleichheit# der Menschen wird also #ausdrcklich# anerkannt; aber die Arbeitsergebnisse werden im Namen der #Gleichheit gleichmig verteilt#! Nun hat ohne Zweifel, fuhr Forest mit groem Nachdruck fort, jedermann ein natrliches Recht auf die Frchte seiner Thtigkeit. Wir nehmen aber dem tchtigen Arbeiter des ersten Grades einen Teil seiner Arbeitserzeugnisse fort, um sie einem faulen Kerl aus der sechsten Abteilung zu geben. Das ist natrlich offenbare #Ruberei#, die sich nicht einmal unter dem schbigen Mntelchen eines Regierungsgrundsatzes verbirgt; denn durch die Einteilung der Arbeiter in sechs Abteilungen wegen verschiedener Befhigung erkennen wir ja ausdrcklich an, da es mit der Gleichheit nichts ist! -- Dennoch werden alle Diejenigen, welche diese Beraubung der Fleiigen zu Gunsten der Faulen nicht als Handlung hchster Staatsweisheit bewundern mgen, als Feinde der besten Gesellschaftsordnung verdammt, von welcher die Geschichte der Menschheit uns meldet. Sie sind bis zu einem gewissen Grade ein Verteidiger der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts, antwortete ich. Nun wurden aber zu unserer Zeit von manchen Wortfhrern der Arbeiter die Arbeitgeber Lohndiebe gehieen, d. h. sie wurden beschuldigt, sie htten einen zu groen Anteil von dem fr die Arbeitserzeugnisse vereinnahmten Gelde fr sich behalten und den Arbeitern zu geringen Lohn gegeben. Mir erscheint die gleiche Verteilung alles Eigentums viel empfehlenswerter, als eine Verteilungsart, bei welcher eine vergleichsweise kleine Anzahl von Arbeitgebern sich auf Kosten der Masse des arbeitenden Volkes bereichern konnte. Ich bin kein Verteidiger der Civilisation des neunzehnten Jahrhunderts, rief Forest. Ich behaupte nur, da der #Wettbewerb#, unter welchem die Menschheit vor hundert Jahren arbeitete, dem #Kommunismus#, unter welchem wir jetzt arbeiten, weit #berlegen# ist. Der ungerechte Gewinn der Arbeitgeber, von welchem Sie sprechen, htte leicht abgeschafft werden knnen, wenn Ihre Arbeiter sich zu Teilhaber- oder Genossenschaften vereinigt htten. Vor 100 Jahren gab es kein Gesetz, welches ein Dutzend Schuhmacher htte hindern knnen, sich ein Lokal mit Dampfkraft zu mieten, etliche Nh- und sonstige Maschinen zu kaufen und Schuhzeug fr eigne Rechnung und Gefahr zu machen. Und es gab kein Gesetz, welches alle anderen Arbeiter htte hindern knnen, ihr Schuhzeug nur in solchen Genossenschaftswerksttten zu kaufen. Wre dies geschehen, so htten die Genossen die Gewinne des Fabrikanten, des Grohndlers, des Kleinhndlers und des Arbeiters erhalten, d. h. allen Gewinn, der berhaupt in der Arbeit steckte. Die Arbeiter aller Geschftszweige htten sich allmhlich zu Genossenschaften vereinigen knnen, so Arbeitgeber und Arbeiter in einer Person darstellend. -- Wenn die Arbeiter es vorzogen, von diesem Recht und von dieser Gelegenheit keinen Gebrauch zu machen; wenn ihnen nicht daran lag, die Sorgen und das Wagnis einer selbststndigen Geschftsfhrung auf sich zu nehmen; wenn sie lieber fr einen Arbeitgeber thtig waren, diesem die Sorgen und das Wagnis der Geschftsleitung berlassend; dann hatten sie auch kein Recht, ber den Gewinn des Unternehmers zu klagen, der ihnen ja zugnglich war. Und wenn die Arbeiter Ihrer Zeit mit ihrem Lohn oder der Behandlung unzufrieden waren, so konnten sie sich andere Beschftigung suchen, was unsere Arbeiter nicht knnen, weil der Staat der einzige Arbeitgeber ist. Der Grundsatz, da jedermann ein gutes Recht auf das hat, was er hervorbringt, ist unter Ihrer Arbeitsweise nie in Frage gestellt worden. Aber wir haben im Namen der Gleichheit und Gerechtigkeit das Recht aufgestellt, den Fleiigen zu Gunsten des Faulen zu berauben. Wenn die Arbeiter des neunzehnten Jahrhunderts, anstatt an Arbeitseinstellungen Riesensummen zu opfern, einen Arbeitszweig nach dem andern auf genossenschaftlicher Grundlage eingerichtet htten, wrden sie mit verhltnismig geringen Schwierigkeiten das gelst haben, was sie die sociale Frage nannten. -- Uns aber wrden sie dadurch bewahrt haben vor der abscheulichen Form, in welcher die Gesellschaft jetzt gegliedert ist und verwaltet wird. Die Arbeiterorganisationen und die Ausstnde waren nur eine Wirkung der Konzentration des Kapitals, das sich in greren Massen als je zuvor aufgehuft hatte, sagte ich, die Ansichten des Dr. Leete betreffs dieser Frage wiedergebend. Ehe diese Konzentration begann, und als Handel und Industrie noch von unzhligen kleinen Geschften mit geringem Kapital, anstatt von einer kleinen Anzahl groer Geschfte mit groem Kapital betrieben wurde, hatte der einzelne Arbeiter dem Unternehmen gegenber eine verhltnismig wichtige und unabhngige Stellung. So lange ferner ein geringes Kapital oder eine neue Idee hinreichten, jemanden ein eigenes Geschft beginnen zu lassen, wurden Arbeiter bestndig zu Unternehmern und gab es keine feste Grenze zwischen den beiden Klassen. Arbeiterverbindungen waren damals unntig und allgemeine Ausstnde konnten nicht vorkommen.[8] An Ihrer Stelle, Herr West, wrde ich diese Aussprche des Dr. Leete nicht zu meinen eignen machen, sagte Herr Forest lchelnd. Der Doctor hat hufig Gelegenheit gehabt, sich betreffs dieser Angelegenheit eines Besseren belehren zu lassen; aber er besteht darauf, seine irrigen Behauptungen zu wiederholen. Ich und andere haben diese Auseinandersetzungen so oft widerlegt, da es uns schlielich langweilig wurde. Streiks sind nicht, wie Dr. Leete zu glauben vorgiebt, verhltnismig neue Erscheinungen auf volkswirtschaftlichem Gebiete. Eine der grten Arbeitseinstellungen, von welchen die Geschichte uns berichtet, die _Secessio in montem sacrum_, fand schon 494 vor Christi Geburt statt und whrend der Jahrhunderte des Mittelalters waren Arbeitseinstellungen zur Erlangung hherer Lhne sehr hufig; obschon in jenen Tagen die Arbeit viel besser zusammengegliedert war (in Gilden und Znfte) als die Geldmacht. Und was die Unmglichkeit der Arbeiter angeht, Arbeitgeber zu werden, so kann ich Ihnen in der Universittsbcherei eine deutsche Zeitung zeigen, die Freie Presse, welche im Jahre 1888 in Chicago erschien und in welcher der Redakteur, bei Widerlegung hnlicher Behauptungen der Kommunisten jener Tage, auf die Thatsache verweist, da im Jahre 1888 in Chicago 12000 Deutsch-Amerikaner wohnten, welche entweder Hausbesitzer, oder Fabrikanten, oder sonst selbstndige Geschftsleute waren. Alle diese Leute waren unbemittelt, meist der englischen Sprache unkundig, nach Chicago gekommen und dort zu Wohlstand, ja viele zu Reichtum gelangt. Dies widerlegt die Behauptung, da die Unbemittelten sich in der zweiten Hlfte des neunzehnten Jahrhunderts bereits rettungslos in den Krallen der Geldmchte befunden htten. -- Nichts ist leichter, als ins Blaue hinein Behauptungen aufzustellen. Diese Behauptungen zu beweisen, ist oft schwer. Und Dr. Leete ist gro in solchen wilden Angaben. Fhren Sie aber nicht ein hchst angenehmes Leben? fragte ich in der Hoffnung, Forests Angriffen auf die neue Ordnung der Dinge ein Ende zu machen, indem ich auf einige unbestreitbare Thatsachen verwies. Erfreuen Sie sich nicht eines nie dagewesenen Wohlstandes? Haben Sie nicht die Armut gnzlich ausgerottet? Und sind nicht diese Errungenschaften kleine Opfer wert? Wir fhren kein hchst angenehmes Leben. Wir erfreuen uns nicht eines nie dagewesenen Wohlstandes. Sie werden sehr bald entdecken, da Sie sowohl die Art, wie die Frchte unserer Civilisation bedeutend berschtzen. Und was die Vernichtung der Armut anlangt, so luft diese Errungenschaft im wesentlichen darauf hinaus, da wir die ungeschickten, dummen und faulen Leute mit den Arbeitsergebnissen der geschickten und fleiigen Frauen und Mnner bereichern. Das htten Sie vor 113 Jahren auch leisten knnen, aber Sie waren nicht so einfltig und ungerecht, eine derartige Ruberei zu begehen. Wenn das Volk mit der jetzigen Gesellschaftsordnung unzufrieden ist, so kann es ja eine nderung vornehmen, entgegnete ich. Ihren uerungen zufolge bilden die Gegner der Regierung keine Partei, die irgend welche Bedeutung hat: denn Sie sagten mir, da es nur einige Zeitungen giebt, welche die Regierung bekmpfen. Dies scheint mir ein Beweis dafr zu sein, da das Volk im wesentlichen mit der jetzigen Ordnung der Dinge zufrieden ist. Forest sah sehr ernst drein als er antwortete: Sie sind natrlich der Meinung, da wir uns derselben Freiheit erfreuen, welche Sie vor 113 Jahren genossen. Aber im politischen Leben ist seit jener Zeit alles anders geworden. Ihre Brger waren von der Regierung ganz unabhngig, die Beamten und solche Leute vielleicht ausgenommen, welche gerade Arbeiten fr die Regierung ausfhrten. Heut greift die Regierung in alles ein und fast jedermann ist mittelbar oder unmittelbar von der Gunst der hheren Beamten mehr oder weniger abhngig. Wer es wagt, die Regierung offen zu bekmpfen, der kann sicher sein, da ihn, seine Verwandten und seine Freunde der Zorn des Beamtentums trifft. Deshalb ist die Zahl derjenigen sehr klein, welche khn genug sind, den Grimm der Regierung offen herauszufordern, obschon vielen die jetzige Ordnung der Dinge entschieden mifllt. Weshalb whlt das Volk dann nicht Leute in den Kongre, welche die jetzige angeblich so unbefriedigende Ordnung der Dinge durch den Erla neuer Gesetze ndern? fragte ich, berzeugt, da Forest in seiner Krittelwut die dunklen Farben allzu dick aufgetragen hatte. Der Kongre hat heutzutage wenig Einflu, entgegnete Forest. Die Macht liegt fast ausschlielich in den Hnden des Prsidenten und der Vorsteher der zehn groen Abteilungen. Sie haben fast eine unumschrnkte Gewalt, die etwas an die Macht des Zehnerrates erinnert, welcher in Venedig zu der Zeit herrschte, als diese aristokratische Republik auf dem Gipfel ihres Ansehens stand. Da es in ihrer Willkr liegt, jeder Person auf die Dauer von 24 Jahren gute oder schlechte Stellungen anzuweisen, ja selbst Leute von mehr als 45 Jahren wieder in das Arbeiterheer zu stellen und auf diese Weise Miliebige wieder unter ihre Gewalt zu bekommen, so haben unsere hohen Regierungsbeamten eine Tyrannenmacht, von der auch nur zu trumen keinem Frsten Ihrer Zeit eingefallen wre. Sie wissen natrlich, fuhr Herr Forest fort, da alle Rekruten whrend der ersten drei Jahre ihrer Dienstzeit in die Reihe der gewhnlichen Arbeiter gestellt werden. Erst nach dieser Periode, whrend welcher sie fr jede Art der Arbeit ihren Vorgesetzten zur Verfgung stehen, drfen sie einen besonderen Beruf whlen![9] Sie werden einsehen, da die jungen Leute whrend dieser drei Jahre der Gnade oder Ungnade ihrer Vorgesetzten preisgegeben sind. Diese knnen einem Rekruten leichte und reinliche Arbeit zuweisen, sie knnen ihn aber auch an schmutzige, ungesunde Beschftigung schicken. Widerspruch wird nicht geduldet. Denn ein Mensch, der fhig ist Dienst zu thun, sich dessen aber hartnckig weigert, wird zu Isolierhaft bei Wasser und Brot verurteilt bis er sich willig zeigt.[10] Sie wissen ferner, da ber die Leistungen jeder Person Buch gefhrt, und die besondere Tchtigkeit erhlt ihre Auszeichnung whrend die Nachlssigkeit ihre Strafe findet.[11] Dr. Leete hat Ihnen auch ohne Zweifel gesagt, da wir es nicht fr weise halten zu gestatten, da jugendliche Sorglosigkeit oder Unbesonnenheit, falls sie keine erhebliche Schuld einschliet, die knftige Laufbahn der jungen Leute schdige und allen, welche jenen ersten Grad ohne ernstliche Vergehen durchgemacht haben, steht in gleicher Weise die Wahl des Lebensberufes, fr den sie die meiste Neigung haben, offen. Nun werden aber nicht nur Sitten- und Befhigungszeugnisse sorgfltig geprft, sondern es hngt auch von der Durchschnittsbeschaffenheit des Zeugnisbuches whrend der Lehrzeit der Rang ab, den er unter den vollen Arbeitern erhlt.[12] Obwohl die innere Organisation der verschiedenen Gewerbezweige in Industrie und Ackerbau, der Eigentmlichkeit ihrer besonderen Bedingungen gem, verschieden ist, stimmen sie doch in der allgemeinen Einteilung ihrer Arbeiter je nach ihrer Fhigkeit in solche ersten, zweiten und dritten Grades berein; und in vielen Fllen sind diese Grade noch in eine erste und eine zweite Klasse eingeteilt. Gem seinen Leistungen als Lehrling erhlt der junge Mann den Rang als Arbeiter ersten, zweiten und dritten Grades..... Die Feststellungen der Rangordnungen finden in jedem Gewerbezweige in Zwischenrumen statt.[13] .... Ein besonderer Vorteil eines hohen Grades ist das Recht, welches derselbe dem Arbeiter verleiht, sich innerhalb der verschiedenen Zweige oder Verrichtungen seines Gewerbes eine Specialitt auszuwhlen.[14] Dr. Leete hat Sie fernerhin wohl auch davon unterrichtet, da soweit wie mglich selbst die Neigungen des schlechtesten Arbeiters bercksichtigt werden. .... Aber obwohl auch die Wnsche der Arbeiter eines niederen Grades Bercksichtigung finden, so weit die Anforderungen des Dienstes es gestatten, so geschieht dies doch erst dann, wenn fr die Arbeiter der hheren Grade gesorgt worden ist und so mssen sie oft mit einer, ihnen erst an zweiter oder dritter Stelle zusagenden Wahl vorlieb nehmen, oder es wird ihnen sogar ohne weiteres direkt eine Arbeit bertragen, wenn dies ntig wird. Dieses Wahlrecht tritt bei jeder neuen Feststellung des Ranges in Kraft; und wenn jemand seinen Rang verliert, so luft er auch Gefahr, die Art Arbeit, welche er liebt, mit einer anderen vertauschen zu mssen, welche ihm weniger gefllt.[15] .... Die hohen staatlichen mter sind nur den Mnnern des ersten Grades zugnglich.[16] Diese Bestimmungen beweisen die Richtigkeit dessen, was ich ber die Gewalt der Regierung sagte. Die Lieutenants, die Hauptleute und die Obersten werden von den Zunftgeneralen ernannt, welche wiederum unter dem Befehl der zehn Vorsteher der zehn groen Abteilungen stehen. Diese Beamten knnen ihren jungen Freunden, welche als Rekruten in das Arbeiterheer treten, leichte Arbeit und gute Zeugnisse geben und sie knnen diese jungen Freunde in den Stand setzen auf Grund ihrer guten Zeugnisse, sobald sie die ersten drei Jahre ihrer Dienstzeit zurckgelegt haben, sofort in die erste Abteilung des ersten Grades einer Zunft zu treten. Und ein solcher Gnstling einflureicher Leute kann, nachdem er eine angenehme Rekrutenzeit verbracht hat und sofort in die erste Abteilung des ersten Grades einer Zunft befrdert worden ist, alsbald zum Lieutenant ernannt werden und die Laufbahn zu den hchsten Ehren in wenigen Jahren durchmachen. -- Sie knnen nicht leugnen, Herr West, da unsere gesetzlichen Bestimmungen eine solche Gnstlingswirtschaft ermglichen. Ich mute zugeben, da solche Vorkommnisse mglich wren. Herr Forest fuhr fort: Andererseits knnen solche jungen Leute, welche nicht die Shne oder Freunde unserer Regierungslichter sind, sich sehr glcklich schtzen, wenn sie in einer Stellung des zweiten Grades mit einem Zeugnis unterkommen, welches die Hoffnung auf weitere Befrderung nicht ausschliet. Verwandte von ausgesprochenen Gegnern der Regierung knnen in die zweiten Abteilungen der dritten Grade der verschiedenen Znfte gestellt und ihre Zeugnisse knnen so gefhrt werden, da alle Hoffnung auf Erlangung einer hheren Stellung ausgeschlossen ist. Und solche Gnstlingswirtschaft ist nicht nur mglich, sie besteht in vollem Umfange. Die Shne und Verwandten von Leuten, welche als Gegner der Regierung bekannt sind, fhren ein Dasein, schlechter als das von Sklaven und werden oft wie Fublle behandelt. Giebt es keinen Gerichtshof, vor welchem sie Klage fhren knnen? fragte ich. Ja. Ungerecht behandelte Frauen oder Mnner knnen vor einem Richter Klage fhren, antwortete Herr Forest. Aber die Richter niederen Grades sind einfach Leute, welche das fnfundvierzigste Lebensjahr zurckgelegt haben und vom Prsidenten auf fnf Jahre zu Richtern ernannt worden sind. Diese entscheiden, wie Dr. Leete Ihnen mitgeteilt haben wird, in allen Fllen, in welchen ein Mitglied des Arbeiterheeres gegen einen Vorgesetzten Klage wegen Ungerechtigkeit fhrt. Alle solche Fragen werden von einem einzelnen Richter #endgltig# entschieden; drei Richter werden nur in besonders schweren Fllen berufen.[17] -- Die vom Prsidenten zu Richtern ernannten Leute sind natrlich Vertrauensmnner und Freunde der Regierung und man kann von ihnen nicht erwarten, da sie bei solchen Klagen gegen die Beamten der Regierung und zu Gunsten eines Widersetzlichen entscheiden sollten. Und da solche Beschwerden endgltig entschieden werden, ohne da dem Klger das Recht zusteht, vor einem hheren Gerichtshofe Berufung einzulegen, so bleibt dem ungerecht behandelten Mitgliede des Arbeiterheeres nichts weiter brig, als auf seinen alten Posten zurckzukehren, wo sein Vorgesetzter, gegen den es geklagt hat, es natrlich nicht besser behandelt als zuvor. Im Gegenteile mu der Widersetzliche es in den meisten Fllen schwer entgelten, da er gegen einen Offizier Klage gefhrt hat. Bei der nchsten Neueinteilung in Abteilungen und Grade kann der Offizier den unglcklichen Menschen in die zweite Abteilung des dritten Grades stecken, wenn er nicht schon dahin degradiert war. Jedenfalls kann der erzrnte Offizier dem Mivergngten die schmutzigste, ungesundeste Arbeit zuteilen. Dieses von Forest entworfene Bild der Zustnde im Arbeiterheere erschien mir um so entsetzlicher, wenn ich es mit den rosenfarbenen Schilderungen des Dr. Leete verglich. Ich war davon so erschttert, da ich mich zu einem Versuch nicht aufraffen konnte, gegen die Schilderungen und Schlsse meines Vorgngers in der Professur anzukmpfen. Nach einer kurzen Pause fuhr der jetzige Pedell fort: Nun erwgen Sie in Verbindung mit den Thatsachen und Einrichtungen, die ich eben erwhnt habe, da die Arbeiter kein Stimmrecht ausben oder irgendwie bei der Wahl ihrer Vorgesetzten hineinreden drfen.[18] Der General eines Gewerbes vollzieht die Ernennung fr die Rangstufen unter ihm, aber er selbst wird nicht ernannt, sondern durch Stimmenmehrheit gewhlt, ... d. h. von denjenigen, welche in der Zunft gedient und ihre Entlassung erhalten haben.[19] So, mein lieber Herr West, sind also die Angehrigen des Arbeiterheeres vierundzwanzig Jahre lang der Gnade oder Ungnade ihrer Vorgesetzten gnzlich preisgegeben. Wenn sie whrend dieser Zeit leichten Dienst haben wollen, mssen sie allen Befehlen blindlings gehorchen und mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln nach Gunst streben. Sie mssen ihre stimmberechtigten Freunde beeinflussen, damit diese nicht nur fr die Regierung stimmen, sondern das auch in mglichst demonstrativer Weise thun. Gelegentliche Geschenke von Wein und Cigarren erregen bei manchen Offizieren freundliche Gefhle. Verabsumt das Mitglied des Arbeiterheeres alle diese Schritte und Maregeln, so kann es, unter Umstnden, vierundzwanzig Jahre lang ein Leben fhren, mit welchem verglichen das Schicksal eines Plantagensklaven oder eines Kohlengrbers vor 150 Jahren als beneidenswertes Dasein erscheinen mu. Denn ein Plantagenneger stellte fr seinen Eigentmer einen wertvollen Besitz dar, der nicht leichtsinnig gefhrdet werden durfte, whrend der Kohlengrber seine Arbeit aufgeben und sich anderswo Beschftigung suchen konnte, wenn ihm seine Arbeit oder die ihm widerfahrene Behandlung nicht behagten. Ein Mitglied des Arbeiterheeres dagegen, welches sich den Zorn des einen oder des andern Offiziers zugezogen hat, oder welches auf die Liste der Feinde der Gesellschaft gesetzt worden ist, weil seine stimmfhigen Verwandten gegen die Regierung gestimmt haben, -- ein solches Mitglied der industriellen Armee fhrt ein Leben, welches man sehr wohl vierundzwanzig Jahre der Hlle auf Erden nennen darf. Sie ersehen hieraus, Herr West, weshalb der Kongre keinen Einflu hat. Die groe Mehrzahl seiner Mitglieder ist bestndig bemht, fr sich selbst, fr Verwandte und fr Freunde Gunstbezeugungen dadurch zu erlangen, da sie der Regierung in jeder Weise entgegenkommen. Und dies ist die Gleichheit der besten Gesellschaftsordnung, deren die Menschheit sich jemals erfreute! Dies ist, was Dr. Leete das tausendjhrige Reich menschlicher Glckseligkeit nennt. Viertes Kapitel. Es steht durchaus im Einklange mit den Naturgesetzen und ist deshalb recht, begann Forest unsere nchste Unterredung, da ein Mann seinem Sohne, seinen Verwandten und seinen Freunden beisteht und ihnen im Leben vorwrts hilft. Einen Mann, der das thut, wrde ich nie tadeln; sondern im Gegenteile diejenigen, welche das unterlassen, was ich fr die Pflicht jedes Mannes halte. Selbstverstndlich mssen aber der Sohn, die Verwandten oder die Freunde befhigt sein, die Stellungen auszufllen, fr welche sie in Vorschlag gebracht werden. -- Ich entsinne mich, da einige Geschichtsschreiber ber die Gnstlingswirtschaft geschrieben haben, welche zu ihrer Zeit bei der Vergebung von Bundesmtern geherrscht haben soll und da besonders General Grant beschuldigt wurde, alle Zeit seine Verwandten und Freunde bei Anstellungen bevorzugt zu haben. Das aber gefllt mir gerade an dem groen Feldherrn, da er an seinen Freunden so unerschtterlich festhielt und ich entschuldige deshalb um so lieber die Migriffe, die er mitunter bei der Auswahl der Beamten machte. Denn diese Migriffe wurden veranlat durch sein gutes Herz, das seinen Freunden immer treu und mitunter geneigt war, deren Befhigung und Ehrenhaftigkeit zu berschtzen. Wenn die Bande des Blutes und der Freundschaft nicht mehr zusammenhalten, worauf sollen wir dann noch vertrauen? Und da jedermann naturgem die Gesinnung und die Befhigung seiner Verwandten und Freunde besser kennen mu, als die Eigenschaften andrer Leute, so ist es ganz in der Ordnung, da er die ihm Nahestehenden, deren Befhigung er kennt, zunchst anstellt. Einer der vielen groen Schden, an welchen unser ffentliches und gewerbliches Leben krankt, ist der Umstand, da unter ihm nicht nur die Gnstlingswirtschaft, sondern auch die Korruption im grten Umfange wuchern #mu#. Vor hundertunddreizehn Jahren konnten die Mnner, welche an der Spitze der Vereinigten Staaten standen, oder solche, die in den nchsten Regierungskreisen Einflu hatten, mitunter nach Willkr Stellungen besetzen, in welchen fr wenig Arbeit ein gutes Gehalt bezahlt wurde; aber solcher mter gab es nur verhltnismig wenige. Die Zahl der von der Bundesregierung angestellten Beamten betrug, wenn ich nicht irre, nur etwa 80000 und die Mehrzahl dieser 80000 mter bestand aus kleinen Postmeisterstellungen. Diese Postmeister in kleinen Drfern und Landbezirken erhielten gar kein Gehalt, sondern einen Teil des Geldes, welches sie fr verkaufte Briefmarken einnahmen und dieses Einkommen war ein so bettelhaftes, da nur Kaufleute, welche ohnehin den Tag ber in ihren Lden zubrachten und die Ehre nebst dem kleinen Gewinn so nebenbei mitnahmen, ein solches Bundesamt annehmen konnten. Dazu kam, da die verhltnismig geringe Anzahl solcher Bundesmter, welche als Sinekuren bezeichnet werden konnten, alle vier oder sptestens alle acht Jahre neu besetzt wurden. Unsere Regierungen haben aber ein lngeres Leben. Diejenige, welche zuletzt abwirtschaftete, hat sechsundzwanzig Jahre gedauert. Und die Zahl der Stellungen, welche unsere Regierung zu vergeben hat, ist sehr gro. Fr je zwlf Frauen oder Mnner haben wir einen Aufseher oder Lieutenant; von den Hauptleuten, Obersten usw. gar nicht zu reden. Und was wir gar auf dem Gebiete der Schreiberei leisten, ist einfach ungeheuerlich. Wie sie vermutlich wissen, fhren wir sowohl in der Arbeits- wie in den Verteilungsabteilungen Buch; ja noch mehr: jeder Bewohner und jede Bewohnerin der Vereinigten Staaten hat in den Regierungsbchern ein Soll und ein Haben![20] Angesichts unserer groen und bestndig wachsenden Bevlkerung ist das, wie Sie wohl einsehen werden, eine Riesenarbeit. Sie wissen ja, da das nordamerikanische Gebiet, welches frher unter englischer Regierung stand, mit den Vereinigten Staaten vereinigt wurde und da unsere Bevlkerung sich nach der Zhlung von 1990 auf 414000000 belief. Sie wird jetzt auf 500000000 Menschen geschtzt.[21] Die ungeheuer umstndliche Buchfhrung, welche durch den Kommunismus notwendig gemacht wird und die Krze der Arbeitszeit, welche die Buchhalterinnen und Buchhalter als Gnstlinge der Parteifhrer genieen, machen es notwendig, da fr je fnfzig Menschen ein Buchhalter angestellt wird. Unter der letzten Regierung hatten wir sogar fr je zweiundvierzig Einwohner einen Rechenknstler. Dies giebt der Regierung Gelegenheit, nach eigener Willkr 10 Millionen Frauen und Mnnern reinliche und bequeme Arbeit zuzuerteilen. Zu diesen 10 Millionen guten Stellungen mssen Sie noch etwa eben so viele Offiziersposten im Arbeiterheere und die Stellungen in den Warenniederlagen der Regierung rechnen; von andern begehrenswerten Anstellungen gar nicht zu reden. Hiernach knnen Sie ohne weitere Erklrung die auerordentliche Macht ermessen, welche die Regierung durch die Anstellungsgewalt allein ausbt und welche Versuchung die Ausbung dieser unerhrten Macht im Gefolge hat. Ist es denn nicht notwendig, fragte ich, da diejenigen, welche sich um eine an Verantwortlichkeit reiche Stellung, wie die eines Buchhalters, bewerben, die ntigen Studien machen und eine Prfung ablegen mssen, ehe sie so wichtige Pflichten bernehmen? Das Buchhalten bildet einen Teil des Lehrplans in unsern Schulen, antwortete Forest. brigens wird die Buchhalterei bei uns nicht sehr gewissenhaft besorgt. Deshalb lastet die Verantwortlichkeit nicht allzu schwer auf den Schultern der Gnstlinge unserer Regierung, und ich glaube nicht, da einer der Bevorzugten sich dieserhalb Sorgen macht. Es ist natrlich fr jemanden, der auerhalb des Regierungskreises steht, nicht mglich, mit Bestimmtheit zu sagen, wie schlecht die Bcher gefhrt werden. Als indes die letzte Regierung vor zwlf Jahren aus dem Amte schied, wurde ein schier unergrndlicher Pfuhl von Verderbnis und Betrgereien aufgedeckt. Der Wert aller vorhandenen Warenbestnde wurde festgestellt und es wurde ermittelt, da Gter im Werte von 432000000 Dollar fehlten. Die Mitglieder der abgesetzten Regierung erklrten allerdings, da diese Angaben falsch und nichts als bswillige Verleumdungen seien, da die neue Regierung Buchhalter eigens zu dem Zwecke angestellt habe, einen Diebstahl von mehr als vierhundert Millionen Dollars herauszurechnen, nur damit die Mitglieder der frheren Verwaltung als Schurken politisch tot gemacht wrden. Die abgegangenen Beamten gaben zu, da Waren fehlen knnten, weil die Angestellten in den Warenhusern stets reichliches Ma und Gewicht gegeben htten; doch knnte dieser Fehlbetrag nicht als ein Beweis der Unehrenhaftigkeit der letzten Regierung gelten und nimmermehr die Riesensumme von 432000000 Dollar erreichen. Andererseits bestanden aber die neuen Beamten auf ihren Angaben und schrieben den Fehlbetrag der Korruption unter der letzten Regierung zu, deren Mitglieder mehr Waren entnommen htten, als ihnen zukam, ohne da aus ihren Anteilscheinen der entsprechende Betrag herausgestochen wurde. Ich fragte Forest, was er von diesen Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen halte. Ich glaube, sie sind bis zu einem gewissen Grade nur zu wohl begrndet, sagte mein Amtsvorgnger. Die Versuchung unter unserem elenden System ist eben fr viele Menschen zu gro. Da die Fhrer der Regierungspartei ihren Verwandten und Freunden die besten Stellungen geben, wrde ich durchaus nicht tadelnswert finden, wenn die Angestellten die ihnen bertragenen mter gut verwalten knnten. Aber die 20000000 besten Stellungen im Lande sind durchaus nicht mit den besten und tchtigsten Frauen und Mnnern besetzt. So weit diese mter und Stellen nicht den Verwandten und nchsten Freunden der hchsten Beamten verliehen sind, werden sie an die Angehrigen der eifrigsten und einflureichsten Anhnger der Regierung vergeben. Und selbst das wrde ertrglich sein, wenn die Gnstlingswirtschaft da ein Ende erreichte, an der Grenze der Verderbtheit und drckenden Willkr. Aber sie geht noch viel weiter. Klagen Sie die jetzige Regierung und deren Freunde der Korruption und Tyrannei an? fragte ich, entschlossen, meinen weiteren Unterredungen mit Herrn Forest ein Ende zu machen, falls dieser entehrende Anklagen gegen meinen Gastfreund vorbringen sollte. Ich spreche von dem jetzigen Regierungssystem und erwhne nur Thatsachen, oder Handlungen, welche ich nachweisen kann, antwortete Forest. Ich klage niemanden an lediglich weil ich daran Vergngen finde. Ich fhle, da Ihre Frage auf Dr. Leete Bezug hat und obschon sie nicht unmittelbar gestellt wurde, werde ich sie doch offen beantworten. Ich halte Dr. Leete fr einen der besten und ehrenhaftesten unter unseren Parteifhrern, aber auch er macht von den Vorteilen Gebrauch, welche unter unserem System den Machthabern so leicht zugnglich sind. Wollen Sie die Gte haben, Ihre Behauptung zu beweisen, sagte ich ruhig, aber bestimmt. Ich werde es Ihrem Urteil berlassen, zu entscheiden, ob ich in meinen Behauptungen zu weit gegangen bin, fuhr Forest fort. Hat Dr. Leete Ihnen nicht mitgeteilt, da er schon seit langen Jahren vorhatte in dem groen Garten neben diesem Hause ein Laboratorium fr chemische Zwecke zu bauen?[22] Und hat er Ihnen nicht erzhlt, da er Arbeiter kommen lie, und da diese das Gewlbe ausgruben, in welchem Sie schliefen?[23] In der That! Dr. Leete sagte, da er ein chemisches Laboratorium zu bauen beabsichtigte, gab ich zu. Gestattet ihm aber sein Guthabensschein nicht eine solche Ausgabe? Forest sah etwas erheitert aus, als er mich fragte, ob ich jemals gesehen htte, wie gro der Gesamtbetrag des Jahresguthabens wre. Ich gestand, da ich dies nicht wte. Die Lebensweise des Dr. Leete zeugte von berflu und erschien mir gut genug fr selbst hochgestellte Ansprche. Ich hatte mir deshalb noch nie die Frage nach dem genauen Betrage seiner Einnahmen vorgelegt. Wenn es Ihnen genehm ist, sagte Forest, wollen wir ber den Volkswohlstand zu einer anderen Zeit sprechen. Heut wollen wir uns darauf beschrnken, die Neigung des Kommunismus zur Erzeugung von Gnstlingswirtschaft, Bestechlichkeit, Knechtssinn und Tyrannei zu untersuchen. -- In Bezug auf Dr. Leete steht fest, da er sich ein chemisches Laboratorium bauen lt, trotzdem dies Unternehmen in offenbarem Widerspruch steht zu den Zwecken und dem Geist unserer Einrichtungen. In dem Erdgeschosse dieser Universitt befindet sich ein sehr gutes derartiges Laboratorium und Dr. Leete htte sicherlich nach Gefallen in demselben experimentieren knnen, wenn er um die Erlaubnis hierzu nachgesucht htte. Schon sein Einflu wrde ihm diese verschafft haben. Aber seine Eitelkeit veranlat ihn, ein berflssiges Gebude errichten zu lassen, welches den Radikalen als ein neuer und sichtbarer Beweis fr ihre Anklagen gegen die herrschende Parteisippe dienen wird. Von welchen Radikalen sprechen Sie? fragte ich. Ich rede von den radikalen Kommunisten, welche die jetzige Regierung bekmpfen, weil sie alle religisen Gebruche, die Ehe und das wenige persnliche Eigentum abschaffen wollen, dessen Besitz jetzt noch gestattet wird. Von unseren politischen Parteien und von deren Grundstzen werden wir spter sprechen. Ich wollte Sie nur von der Thatsache berzeugen, da Dr. Leete zu seinem eigenen Gebrauche und in offenbarem Widerspruch mit den kommunistischen Grundstzen ein chemisches Laboratorium errichtet, eine sehr kostspielige Anstalt, welche mit den Guthabensscheinen von zehn Leuten nicht hergestellt werden knnte und da er auf diese Weise den Tadel aller Regierungsgegner herausfordert. Kann Dr. Leete nicht eine angemessene Miete fr das Laboratorium bezahlen? fragte ich. Ich sollte meinen, da der vorhandene berschu der Arbeitskrfte nicht besser benutzt werden knnte, als zur Errichtung von Gebuden, deren Miete alsdann das Staatseinkommen erhht. Wir haben aber keinen berschu von Arbeitskrften, wie Sie alsbald erfahren werden, sagte Forest. Und stellen Sie sich nebenher einmal vor, was geschehen wrde, wenn jeder Brger einen hnlichen Aufwand fr Bauarbeiten und fr die Anschaffung von Instrumenten beanspruchen wrde. Sie werden einsehen mssen, da Dr. Leete eine Ausnahmestellung beansprucht, was nach Anmaung und Gnstlingswirtschaft aussieht. Er mibraucht die Macht seiner Stellung und erregt dadurch bses Blut. Ich konnte gegen diese Auseinandersetzungen Forests nichts Haltbares vorbringen und schwieg deshalb. Aber Gnstlingswirtschaft und gelegentlicher Mibrauch der Regierungsgewalt zu Gunsten von Leuten wie Dr. Leete sind noch nicht die schlimmsten Erscheinungen in unserem ffentlichen Leben, sagte Forest weiter. Auch die Thatsache, da einflureiche Mnner hufig Geschenke von Seide, Pelzen und goldenen Schmucksachen fr ihre Frauen und Tchter, sowie von Wein und Cigarren fr sich selbst seitens solcher Leute erhalten, welche die Frsprache der Einflureichen brauchen, knnte ertragen werden, obschon solche Vorkommnisse ein offenbarer Beweis fr eine gewisse Verderbtheit im ffentlichen Leben sind. Die schlimmsten Folgen dieses verdammenswerten Kommunismus sind die Tyrannei und rcksichtslose Verfolgung aller Gegner der Regierung auf der einen Seite, und der Knechtssinn, die Schmeichelei und Verleumdungssucht auf der anderen Seite. Jeder Mann und jede Partei, welche eine erstrebte Stellung erreicht haben, werden sich in derselben gegen alle Angriffe ihrer Gegner zu behaupten suchen. Sie werden die Freunde belohnen, von welchen sie untersttzt werden und ihre Gegner zurckzudrngen suchen. Deshalb ist es sehr gefhrlich, eine groe Regierung mit einer Gewalt zu bekleiden, welche die Herrschenden in den Stand setzt, das Volk in seiner tglichen Erwerbsthtigkeit sein Lebenlang in Abhngigkeit von der Gunst seiner Beamten zu erhalten. Nach Ihrer Beschreibung erscheint die gegenwrtige Ordnung der Dinge unertrglich, sagte ich. Wenn Sie unter den Mitgliedern der verschiedenen Znfte, besonders unter den Ackerbauern, Nachfrage halten, entgegnete Forest, so werden Sie finden, da ich die Zustnde genau so schildere, wie sie sind. Jedes Mitglied des Arbeiterheeres wei, da Befhigung und Flei allein nur in Ausnahmefllen gengen, um jemanden zu einer erstrebten Stellung zu verhelfen. Politischer Einflu ist der allmchtige Hebel, der allein uns zu hheren Stellungen hinaufbefrdern kann und um diesen Einflu zu erlangen, mu der Arbeiter zum Kriecher, zum Schleicher, zum Angeber seiner Kameraden und zum Bestecher seiner Vorgesetzten werden; ja er mu auch alle stimmfhigen Verwandten und Freunde beschwren, sich ihrer Selbstndigkeit zu entuern und alle Maregeln, sowie alle Mitglieder der Regierung zu untersttzen. Wenn die Mitglieder des Arbeiterheeres ihre Offiziere oder Aufseher whlen knnten, fuhr Herr Forest in seinen Auseinandersetzungen fort, dann wrde voraussichtlich die Disciplin in der industriellen Armee nicht so strikt sein; aber selbst eine gelegentliche Auflehnung der Leute gegen die Beamten wrde dem jetzigen Stande der Dinge vorzuziehen sein, unter welchem Alle, die sich den Groll ihrer Vorgesetzten zugezogen haben, ein entsetzliches Dasein fhren. Die Selbstmorde werden deshalb alljhrlich zahlreicher und die Zahl derjenigen, welche ihrem Leben ein Ende machen, ist jetzt viermal so gro, wie zu Ihrer Zeit. Vor 113 Jahren wurde auf die groe Zahl der Selbstmrder in den europischen Heeren aufmerksam gemacht, bemerkte ich nachdenklich. Diese Leute tteten sich, obschon sie in Bezug auf Kleidung, Nahrung und Wohnung keinen Mangel litten. Allerdings, besttigte Forest. Die notwendigen Lebensmittel ohne Freiheit haben nur geringen Wert. Viele Soldaten Ihrer Tage machten ihrem Leben ein Ende, weil sie ein Dasein ohne Freiheit nicht fhren mochten. Sie warfen das Leben von sich, trotzdem ihre Dienstzeit nur zwei, drei oder fnf Jahre dauerte und sie in Friedenszeiten einen verhltnismig leichten Dienst hatten. Der Dienst in unserem Arbeiterheere dauert die besten 24 Jahre unseres Lebens. Die Mnner und Frauen sind whrend dieser langen Zeit der Willkr ihrer Vorgesetzten preisgegeben und sie knnen, wie ich schon hervorhob, gegen jahrelange Mihandlung durch den einen Angestellten der Regierung nur bei einem andern Angestellten der Regierung Klage fhren. Und diese sogenannten Richter entscheiden solche Flle endgltig meist dadurch, da sie die Klger auffordern, wieder an ihre Arbeit zu gehen und sich mit der Zufriedenheit ihrer Vorgesetzten die Aussicht auf Befrderung zu erwerben. Sie sprachen von Politikern, Herr Forest, fragte ich. Nehmen viele Mnner thtigen Anteil am politischen Leben? Das will ich meinen, rief Forest; obschon allerdings in ihrer eigenen Weise. Viele Mnner und viele Frauen, welche das fnfundvierzigste Lebensjahr zurckgelegt haben, thun nichts weiter, als da sie sich mit Politik beschftigen. Mit ihrem Guthabensscheine knnen sie leben, wo sie wollen und viele ziehen es vor, ihre Zeit in Washington zu verbringen, wo sie eifrig und geschftig sind, fr ihre Freunde und Schtzlinge Gunstbezeugungen zu erjagen, sowie fr solche Leute, welche sich der Dienste dieser Politikanten versichert haben. Die Lobby, welche zu Ihrer Zeit in den Hallen des Kongresses ihr Unwesen trieb, wird als eine bse Gesellschaft raubschtiger, gewissenloser Abenteurer beschrieben, welche sich gegen gute Bezahlung dazu gebrauchen lieen, die Kongremitglieder zum Erla von Gesetzen zu Gunsten einzelner Personen und Krperschaften zu verleiten. Wenn man aber jene nicht sehr zahlreiche und im ueren Auftreten immerhin einigermaen anstndige Lobby mit den Washingtoner Wahlmachern unserer Tage vergleichen wollte, so wrde das etwa dasselbe sein, als wenn man eine Sonntagsschule mit einer Reformschule vergliche, wie solche zur Besserung junger Taugenichtse in Ihren Tagen unterhalten wurden. Millionen von Leuten, welche bessere Arbeit, oder Befrderung wnschen und sich von dem Einflu, den sie daheim geltend machen knnen, keine Wirkung versprechen, wenden sich an die Politikanten in Washington und sichern sich deren Dienste. Aber was kann derjenige, welcher Vergnstigungen sucht, denjenigen bieten, welche in Washington wohnen, um diese zur Aufbietung ihres etwaigen Einflusses zu veranlassen, fragte ich; heutigen Tages sammelt doch niemand Schtze? Das thut allerdings niemand, antwortete Forest lchelnd. Aber manche Leute wollen sich von Zeit zu Zeit vergngte Tage machen und zu diesem Zwecke brauchen sie vielleicht alljhrlich den fnf- oder zehnfachen Betrag ihres Guthabensscheines. Manche unserer politischen Lichter fhren das, was man ein groes Haus nennt. Sie empfangen viele Gste, bewirten dieselben mit feinen Speisen und guten Weinen und manche unserer hervorragenden Lobbyisten thun dasselbe. Wer von diesen Leuten eine Begnstigung verlangt, mu einen namhaften Teil seines Guthabensscheines abgeben und er mag sich, wenn er befrdert wird, an seine knftigen Untergebenen wegen eines reichen Ersatzes fr das nach Washington Abgegebene halten. Weshalb sind aber die Leute mit ihrem gesetzlichen Einkommen nicht zufrieden? fragte ich, schmerzlich berrascht davon, da jetzt die Wahlmacherei und die Verderbtheit noch ppiger zu wuchern schienen, als vor 113 Jahren. Ist nicht das Einkommen, welches ein Guthabensschein gewhrt, gengend zum Lebensunterhalte des Volks? Sie knnen die Menschen niemals zufriedenstellen, sagte Forest. Heutzutage wird der tchtige und fleiige Teil des Volks zu Gunsten der Faulen und Dummen beraubt. Selbst die Begnstigten mssen sich die Unverschmtheiten, die Erpressungen und Erniedrigung seitens ihrer Vorgesetzten gefallen lassen. Und selbst die Mnner und Frauen von den allergeringsten Fhigkeiten, welche aus der gleichmigen Verteilung der Arbeitsergebnisse den meisten Vorteil ziehen, sind nicht einmal smtlich zufriedengestellt. Manche derselben fordern die Abschaffung alles persnlichen Eigentums und abgesonderter Haushaltungen. In der That ist nur ein kleiner Teil unserer Bevlkerung wirklich zufrieden. -- Zur Bestreitung greren Aufwandes fr feine Speisen, kostbare Mahlzeiten, teure Weine und Havannacigarren reichen die Guthabensscheine nicht aus und Leute, welche dergleichen regelmig genieen mchten, mssen sich nach Menschen umsehen, welche unter Umstnden bereit sind, dafr zu bezahlen. -- In Washington leben aber nicht nur sogenannte Lebemnner, sondern auch viele Mdchen und junge Frauen, welche Liebeleien, ppige Mahlzeiten, feine Kleider und Juwelen, sowie den Strudel eines wilden, lderlichen Lebens der regelmigen Thtigkeit im Arbeiterheere oder in der Haushaltung vorziehen. Die Prostitution wuchert also in Washington nach wie vor? fragte ich erstaunt. Leider ist dem so, entgegnete Forest. Natrlich bekleiden jene Mdchen Schreiber- oder Buchhalterstellen in den verschiedenen Regierungsabteilungen; aber diese Posten sind nur Sinekuren. Von Freunden, welche aus eigner Anschauung diese Geheimnisse des Washingtoner Lebens kennen lernten (und man kann da eigentlich kaum noch von Geheimnissen reden, da dieses Treiben allgemein bekannt ist), habe ich die Ansicht aussprechen hren, da manche der hheren Beamten den fnfzigfachen Betrag ihrer Guthabensscheine mit leichtfertigen Frauenzimmern verausgaben. Dieses Geld erlangen sie teilweise dadurch, da sie den Leuten, welche Begnstigungen suchen, einen Betrag ihres Guthabenscheines abnehmen. Ein anderer Teil der vergeudeten Summen kommt aus den Warenlagern der Regierung, wo nur ein kleiner Betrag dessen, was diese hohen Beamten entnehmen, aus deren Guthabensscheinen herausgestochen wird. Denn die in den Warenlagern Angestellten wissen, da sie sehr bald ihre Stellungen verlieren und in die zweiten Abteilungen des dritten Grades einer Zunft versetzt werden wrden, falls sie sich beikommen lieen, die politischen Gren der Regierung, welche Waren entnehmen, wie gewhnliche Leute zu behandeln. Der Reiz, welchen dieses ppige Leben auf viele Mnner und Frauen ausbt, hat, wie ich schon erwhnt, die Bevlkerung Washingtons auerordentlich vermehrt und es ist demzufolge die volkreichste Stadt im Lande. Ich kann nicht begreifen, wie das Volk eine so verderbte und willkrliche Regierung wie die von Ihnen geschilderte dulden kann, sagte ich; und ich bin berzeugt, da Ihre zur Schwarzseherei neigende Lebensauffassung Ihr Urteil getrbt hat. Es liegt nur an Ihnen, wenn Sie in Zweifel darber bleiben, ob meine Angaben richtig sind, oder nicht, antwortete Forest. Wenn Sie um Urlaub zu dem Zwecke nachsuchen, unsern Herrschern in Washington einen Ihrer begeisterten Vortrge ber die Vorzge der jetzigen Gesellschaftsordnung zu halten, so wird man Ihnen hier mit Vergngen gestatten, Ihre Vorlesungen eine Zeitlang auszusetzen und in Washington wird man Sie glnzend empfangen. Denn die Begeisterung, mit welcher Sie unsere Einrichtungen gegenber denen des neunzehnten Jahrhunderts preisen, giet ja Wasser auf die Mhlenrder der Regierung. Sie werden dann den Stand der Dinge genau so finden, wie ich ihn geschildert habe und wenn Sie mit den Mitgliedern des Arbeiterheeres, sowie mit deren Freunden sprechen, welche die Regierung untersttzen, dann werden Sie erfahren, da dies lediglich deshalb geschieht, weil sie an der Mglichkeit einer Besserung unter dem jetzigen System verzweifeln und nur eine Verschlimmerung fr den Fall frchten, da die Radikalen ans Ruder kommen. Wie knnten die ffentlichen Angelegenheiten sich noch schlimmer gestalten, als sie Ihrer Schilderung nach schon sind? rief ich aus. Viele Leute frchten, da die Radikalen die Ehe beseitigen und freie Liebe mit allen ihren Folgen dem Volke aufdrngen wrden, erklrte Forest. In der That fordern die radikalen Zeitungen -- die einzigen Bltter, welche eine rcksichtslose Sprache gegen die Regierung fhren, und diese scharf angreifen -- Verbot aller religisen Gebruche, Abschaffung der Ehe, Aufhebung der Familie, der besonderen Haushaltungen und Abschaffung des geringen persnlichen Eigentums, welches zu besitzen, den Leuten heute noch gestattet ist. Aber wie lassen sich solche uerungen und Forderungen der radikalen Zeitungen in Einklang bringen mit dem, was Sie ber die Behandlung von Gegnern der Regierung erzhlten? fragte ich. Wenn es gebruchlich ist, die Gegner der Regierung in Irrenhuser zu sperren, so begreife ich nicht, wie den radikalen Zeitungen gestattet werden kann, so scheuliche Grundstze zu predigen. Forest lachte, als er entgegnete: Die radikalen Redakteure werden begnstigt und nehmen eine Ausnahmestellung ein; denn sie leisten der Regierung wertvolle Dienste, indem sie die Masse des Volkes in Unterwrfigkeit gegenber der Regierung hineinngstigen. Jedesmal, wenn eine Wahl der Zunftgenerale bevorsteht, drfen die Redakteure der Radikalen Zeitungen ihre volle Leistungsfhigkeit im Schimpfen und in der Stellung wahnsinniger Forderungen entwickeln. Einige Tage vor der Wahl drucken dann die Regierungszeitungen Auszge aus jenen unfltigen Angriffen auf Religion, Ehe und Familienleben nach und fragen das Volk, ob es solche nderungen wnsche. Dann wird das Volk aufgefordert, die Regierung zu untersttzen, welche zwar nicht alle Leute zufriedenstellen knne, immerhin aber die beste sei, welche auf Erden jemals bestanden habe -- und so weiter mit Grazie bis ins Unendliche. Die radikalen Redakteure werden also einfach als Popanze geduldet, welche das Volk einschchtern mssen, whrend es den gemigten Schriftstellern nicht gestattet wird, gegen die jetzige Gesellschaftsordnung oder gegen die Regierung einen Tadel auszusprechen? So ist es, besttigte Forest. Ich frchte indes, da die Regierung ein sehr gewagtes Spiel spielt. Die Radikalen gewinnen unzweifelhaft Boden und es giebt unter ihnen sehr viele verzweifelte Burschen, welche zu jeder Zeit bereit sind, die schwarze Fahne der Zerstrung zu entfalten. Wre das Volk frei und unabhngig, so wre die Gefahr nicht so gro. Dann wrden alle freien Mnner sich zur Verteidigung der von ihnen geschtzten staatlichen Einrichtungen sammeln. Wie aber die Dinge jetzt stehen, sind die Massen gewhnt, sich unter die Herrschaft einer Minderheit zu beugen. Der Aufstand eines Haufens zu Allem entschlossener Mnner wrde deshalb vergleichsweise geringen Widerstand von seiten der Brger finden, die bereit wren fr die Aufrechterhaltung der jetzigen Ordnung der Dinge zu kmpfen. Und es wird ein verhngnisvoller Tag fr die Menschheit werden, an welchem die Radikalen die Herrschaft gewinnen. Haben Sie mir nicht mitgeteilt, da vor zwlf Jahren die damalige Regierung die Wahl verlor und dadurch gestrzt ward? warf ich ein. Und beweist das nicht, da selbst eine Regierung mit einer Machtvollkommenheit wie die Ihrige schlielich doch geschlagen werden kann? Und sagten Sie nicht ferner, da die jetzigen Oberbeamten tchtigere, bessere Leute seien, als diejenigen, welche die letzte Regierung bildeten? Eine Besserung in der Leitung der ffentlichen Angelegenheiten ist nicht in Abrede zu stellen; aber diese Besserung ist nicht sehr wesentlich. Es hat in Wirklichkeit nur ein Wechsel der Beamten, nicht aber eine nderung des Systems stattgefunden. Gnstlingswirtschaft, Bestechlichkeit und Sittenverderbnis haben etwas abgenommen; aber sie sind nicht ausgerottet worden. Sie wuchern im Gegenteile noch immer viel zu ppig. -- Gerade diejenigen Leute, welche sich vor zwlf Jahren im Kampfe besonders hervorthaten, mit Begeisterung die Erwhlung der jetzigen Parteifhrer betrieben, weil sie von denselben die Reinigung unseres ffentlichen Lebens und die Abstellung aller belstnde erhofften; gerade diese Leute haben jetzt alle Hoffnung aufgegeben, da unter dem Kommunismus eine gerechte und ehrliche Regierung berhaupt bestehen knnte. Jener Wahlsieg hat also, eben weil er im wesentlichen nur auf einen Personenwechsel hinauslief, das Vertrauen des Volkes auf eine Besserung der Zustnde unter dem jetzigen System vernichtet. Mithin hat der Sieg mehr geschadet, als gentzt. Der strkste und verllichste Bestandteil unserer Bevlkerung in einem Kampfe fr vernnftige Regierungsgrundstze wrden unsere Bauern sein; aber trotz ihrer groen Zahlen bilden sie nur eine Zunft. Sie haben nur einen General und einen Abteilungsvorsteher stets in der Minderheit. Und weil sie Gegner der jetzigen Regierung sind, werden sie nicht so gut behandelt, wie die Mitglieder der anderen Znfte. Erhalten die Bauern nicht dieselben Guthabensscheine wie alle anderen Brger? Allerdings; aber sie beklagen sich, da sie die schlechtesten Waren erhalten und nicht den vollen Anteil an ffentlichen Einrichtungen oder Verbesserungen. Sie behaupten, da sie bestndig zurckgesetzt werden. -- Die Bauern wrden die verllichsten Kmpfer gegen die Radikalen sein; aber die Behandlung, welche ihnen von seiten der Regierung zu teil geworden ist, hat sie so mivergngt gemacht, da bei einem Kampfe fr die Aufrechterhaltung der jetzigen Regierung, oder auch nur des jetzigen Systems, durchaus nicht auf sie zu rechnen ist. Besonders klagen die Bauern darber, da die Stdter bei Anlage von Theatern, Musikhallen und anderen Vergngung- und Erholungspltzen entschieden bevorzugt wrden. Es ist natrlich unmglich, an jedem Kreuzwege im Lande ein Theater oder eine Konzerthalle zu bauen: aber wenn die Bevlkerungszahl in Stadt und Land in Betracht gezogen wird, so mu zugegeben werden, da die Bauern im Verhltnis zu ihrer Zahl recht kmmerlich bedacht werden. Die Regierung rechnet auf die Untersttzung der Stadtleute und solcher Znfte, welche hauptschlich aus Stdtern gebildet werden; deshalb werden die Stdter auf Kosten der Bauern bevorzugt. Eine andere Klage der Bauern geht dahin, da sie bei der Austeilung der Waren bervorteilt worden. Infolge des wechselnden Geschmacks, des jahreszeitwidrigen Wetters und verschiedener anderer Ursachen bleiben in den Warenhusern oft Reste liegen, welche mit Verlust verkauft werden mssen.[24] Diese Waren kann die Regierung verkaufen, wann sie will, d. h. wann sie meint, die besten Preise dafr erhalten zu knnen. Die Regierung kann aber auch allein darber bestimmen, welche Waren zu herabgesetzten Preisen verkauft werden sollen. Nun behaupten die Bauern, da verlegene, unmoderne und schlechte Waren den Landbewohnern als neu aufgeschwindelt werden; whrend Begnstigte Waren zu herabgesetzten Preisen erhalten, die ganz neu und fehlerlos sind. -- Ich will durchaus nicht behaupten, da alle Klagen unserer Bauern begrndet sind. Teilweise mag dies nicht der Fall sein. Aber die Klagen an sich sind ein Beweis der Unzufriedenheit und sie sind nur mglich, weil unsere Regierung mit einer Machtvollkommenheit bekleidet ist, welche in der Geschichte der Menschheit unerreicht dasteht. Es ist das System, welches alle diese belstnde erzeugt. Bestehen auer der radikalen und der Regierungspartei noch andere Organisationen, welche nach der Leitung der Staatsangelegenheiten streben? Wir haben eine Temperenzpartei, welche sehr thtig und gut organisiert ist; aber dieselbe sucht nur innerhalb der Regierungspartei und durch diese zur Macht zu gelangen. Die Regierung zeigt keine Feindseligkeit gegen die Mitglieder dieser Fraktion, sondern lt sie gewhren. Bisher haben sie keine nennenswerten Erfolge errungen. Ich sehe wohl, da Sie der jetzigen Gesellschaftsordnung nicht viel Anerkennung zu teil werden lassen fr irgend etwas, was unter ihr geschehen ist. Aber glauben Sie denn nicht, da die Beseitigung der Armut, die Erhebung aller Menschen auf den Standpunkt annhernder Gleichheit groe und unschtzbare Errungenschaften des Menschengeschlechtes darstellen? Ich entsinne mich nur zu wohl der unsagbaren Leiden, welche die Armen meiner Zeit zu erdulden hatten. Ich bin nicht gengend mit der jetzigen Ordnung der Dinge vertraut, um alle Ihre Mitteilungen und Ansichten gutheien oder ihnen widersprechen zu knnen. Aber ich betrachte die gnzliche Beseitigung der Armut als eine so groartige Errungenschaft, da ich trotz Ihrer Verdammung des jetzigen Systems die Hoffnung nicht aufgebe, es werde der jetzigen Gesellschaft gelingen, die Unzulnglichkeiten zu berwltigen, welche von allen menschlichen Anstrengungen und Einrichtungen unzertrennlich sind. Mein verehrter Herr West, es freut mich auerordentlich wahrzunehmen, da Sie in Ihren letzten uerungen zur Verteidigung des Kommunismus dieselben Grnde vorfhren, welche zu Ihrer Zeit die Verteidiger Ihrer Gesellschaftsform gegen die Kommunisten geltend machten. Es beweist das einfach zweierlei: Erstens, da uns unter Gottes Sonne auf der Erde nichts vollkommen ist und zweitens, da auch jede Regierung das zugestehn mu. Die Abschaffung der wirklichen Armut htte, wie ich spter ber jeden Zweifel hinaus beweisen werde, auch ohne den Rckfall in den Kommunismus durchgefhrt werden knnen. Dadurch wren uns die schauderhaften Folgen dieser elenden Gesellschaftsform erspart worden. Die Thatsache, da die Regierungsbeamten die im Arbeiterheere stehenden Freunde ihrer Gegner wie Sklaven behandeln knnen und da selbst solche Freunde von Gegnern der Regierung, die sich durch Tchtigkeit bereits emporgearbeitet hatten, bei der jhrlichen Neueinteilung in die zweite Abteilung des dritten Grades zurckversetzt werden knnen, die Gnstlingswirtschaft, welche die Regierung eingefhrt hat, haben eine unerhrte Schmeichelei, Knechtschaffenheit, Verlumdungssucht und Verderbtheit grogezogen. Nie hat es in der Geschichte der Amerikaner eine Zeit gegeben, in welcher im ffentlichen wie im geschftlichen Leben so wenig Unabhngigkeitssinn und Mannhaftigkeit zu Tage traten. Als vor zweihundertunddreiig Jahren England den Versuch machte, eine Theesteuer einzufhren, da erhoben sich die Amerikaner in Waffen, weil sie nicht gesonnen waren, der Regierung die Auferlegung einer Steuer zu gestatten, so lange die Amerikaner keine Vertretung in dem Parlamente hatten, welches diese Steuer ausschrieb. Heute verfgt die Regierung ber die Arbeit aller Mnner und Frauen whrend vierundzwanzig langer Jahre, ohne da der Blte des amerikanischen Volks auch nur eine Gelegenheit gegeben wrde, darber abzustimmen, wie die Regierung die Arbeit derjenigen leiten soll, welche alles das erzeugen, wovon das ganze Volk lebt! Diese elende Sklaverei, welche nie zuvor unter #civilisierten# Vlkern bestanden hat, kann nicht lange mehr dauern. Sie wird in einem Meere von Blut untergehen. Denn wahr ist das Wort Schillers: Vor dem Sklaven, wenn er die Ketten zerbricht; Vor dem freien Manne erzittere nicht. Fnftes Kapitel. Aus einem Himmel des Friedens und der Freude, aus einem nur von guten Menschen bewohnten Idealstaate, hatte Forest mich hinabgestrzt in das tiefe, dunkle Meer des Zweifels und des Trbsinns. Dr. Leete und dessen Familie entging natrlich mein gedrcktes, verstrtes Wesen nicht und whrend der Doctor offenbar darauf wartete, da ich aufs neue mit ihm soziale Fragen besprechen wrde, suchte Edith mich zu trsten. Sie schien zu glauben, da das Fremdartige meiner Umgebungen und meiner neuen Stellung einen geistigen Druck auf mich ausbe. Ich vermied indessen eine Erklrung. Ich hatte beschlossen, meine Unterredungen mit Herrn Forest fortzusetzen, mir aber durch Prfung der Zustnde eine eigne, klare Meinung zu bilden. Denn nur durch eigne Anschauung konnte ich zu einem selbstndigen Urteil darber gelangen, wie weit Dr. Leetes und wie weit Forests Darstellung die richtige sei. Deshalb schlenderte ich, wenn ich nach der Universitt ging, oder von dort zurckkehrte, die Straen entlang und sprach mit allen Leuten, die ich kennen lernte. Es erschien mir hchst befremdend, da alle sehr zurckhaltend wurden, ja ngstlich und mitrauisch erschienen, sobald ich an sie Fragen stellte ber die Verwaltung der ffentlichen Angelegenheiten, ber die Grundstze, auf welchen unser Staatswesen ruht, ber das Benehmen der Offiziere, ber die Verwaltung der Warenlager, sowie darber, ob das Volk sich glcklich fhle oder nicht. Selten wurde mir eine entschiedene Antwort zu teil, aus welcher ich auf freudige Zufriedenheit oder auf grollende Unzufriedenheit schlieen konnte. Nur einige Radikale sprachen sich in den allerstrksten Ausdrcken gegen die jetzige Ordnung der Dinge aus, sowie gegen die hchsten Beamten des Landes, und einige Frauen wurden so weit mitteilsam, da sie erklrten, sie fnden an der Arbeit in den Fabriken gar keinen Gefallen. Aber obschon die Leute im allgemeinen sehr zurckhaltend in dem Kundgeben ihrer Stimmungen und Meinungen waren, so wurde es mir doch klar, da Zufriedenheit in dem Garten des Kommunismus eine ebenso seltene Pflanze ist, wie sie es vor 113 Jahren in den Ver. Staaten war. Das rohe Schelten der Radikalen gegen die hchsten Beamten des Landes konnte mich natrlich nicht berzeugen, da die erhobenen Beschuldigungen begrndet wren. Bemerkenswert erschien es mir aber, da die Frauen und Mnner des Arbeiterheeres, mit welchen ich ber jene Anklagen sprach, sich auf keine Verteidigung der Angegriffenen einlieen. Sie wollten es offenbar vermeiden, irgendwo anzustoen, so lange sie nicht von ihren Vorgesetzten aufgefordert wurden, fr die Regierung einzutreten. So drngte sich mir die berzeugung auf, da auch die Gtergemeinschaft nicht die allgemeine Glckseligkeit und Zufriedenheit geschaffen hatte, welche ich nach den Schilderungen des Dr. Leete zu finden hoffte. Aber ich war zu der Annahme geneigt, da die Leute im allgemeinen recht angenehm lebten, ohne groe Sorgen, nicht gerade besonders zufrieden mit ihrem Lose, aber auch nicht entschlossen, den Stand der Dinge zu ndern. Es schien mir ferner, als ob die Masse des Volkes geistig trge und schwerfllig wre, als ob nur wenige an irgendwelchen Dingen regen Anteil nhmen. Eines Tages, als ich nach einem Spaziergange durch die Straen Bostons nach Dr. Leetes Haus zurckgekehrt war und den Hausflur betreten hatte, hrte ich aus einem anstoenden Zimmer, dessen Thr offen stand, eine in sehr lautem Tone gefhrte Unterhaltung. Schon die ersten Worte fesselten unwillkrlich meine Aufmerksamkeit. Sie wurden von einer tiefen, vor Erregung zitternden Stimme gesprochen und lauteten: Frulein Edith hat mich zur Fortsetzung meiner Besuche ermutigt. Wir alle sind immer erfreut, Sie bei uns zu sehen, Herr Fest, antwortete Dr. Leete. Wir alle haben Sie eingeladen, Ihre Besuche zu wiederholen. Allerdings haben Sie das gethan; aber Sie verstehen wohl, was ich meine, fuhr die Stimme fort. Ich bin so oft in Ihr Haus gekommen und habe heut Frulein Edith gefragt, ob sie mein Weib werden will, weil Ihre Tochter meine Hoffnung, ihre Liebe zu gewinnen, ermutigt hat. Jetzt aber wird mir in khler Weise erffnet, da ich mich irrigen Hoffnungen hingegeben habe und ich sehe meinen Verdacht besttigt, da der Bostoner des neunzehnten Jahrhunderts, den Sie aus einem Keller in Ihrem Garten ausgraben lieen, der Mann ist, den Frulein Edith allen andern vorzieht -- selbst demjenigen, den sie bis vor einigen Tagen ermutigte. Herr Fest, ich wnsche, da Sie die Bildung und Gesittung des zwanzigsten Jahrhunderts mit mehr Anstand vertreten, wenn Sie von meiner Tochter und von meinem Gaste sprechen, sagte Dr. Leete etwas erregt. Natrlich mu ich vor allen Dingen den Anstand bewahren, nachdem ich durch herzlose Koketterie ein Jahr lang genarrt worden bin und nun die Entdeckung mache, da das Mdchen, welches ich liebe, mir ein 143 Jahr altes Menschenkind vorzieht, sagte Fest bitter und hhnisch. Wie knnen Sie nur so beleidigende, unwahre Reden fhren! rief Edith in zorniger Aufregung. Niemals whrend unserer zehnjhrigen Freundschaft ist mir der Gedanke gekommen, da Sie andere Gefhle fr mich hegen, als die eines Bruders. Es ist an der Zeit, dieser Unterredung ein Ende zu machen, erklrte jetzt Dr. Leete. Nach den stattgehabten Erklrungen wird Herrn Fest ohne Zweifel sein Gefhl sagen, da die bisherigen Beziehungen nicht fortgesetzt werden knnen. Natrlich knnen unsere Beziehungen nicht fortgesetzt werden, schrie Fest im hchsten Zorne. Ich verlasse Sie jetzt und erklre Ihnen hiermit, da ich Ihr Haus nicht wieder in freundlicher Absicht betreten werde. Sollte ich je zurckkehren, so werde ich als Feind kommen, um Rache zu suchen fr die Zerstrung meines Lebensglckes und Herzensfriedens. Hten Sie sich vor jenem Tage! Die Sprache, welche dieser Mensch gegen Edith und deren Vater fhrte, emprte mich und, in das Zimmer tretend, sagte ich: Bitte, sparen Sie Ihre hochtnenden Redensarten auf, bis Sie vielleicht einmal auf einem Liebhabertheater einen Bsewicht spielen und verlassen Sie sofort das Zimmer. Der Mann vor mir war sechs Fu und drei Zoll hoch, hatte breite Schultern und gewaltige Fuste. Er blickte spttisch auf mich nieder und sagte: Siehe da! Der ausgegrabene Greis. Diesmal will ich Sie noch schonen, altes Mnnchen; aber wenn Sie mir noch einmal mit unverschmten Redensarten in den Weg treten, dann stecke ich Sie in einen Sack und werfe Sie in die Massachusetts-Bay. Ehe ich auf diese Drohung antworten konnte, hatte Fest die Stube und das Haus verlassen. Wer ist der Mann? fragte ich, mich an Dr. Leete wendend, ohne da ich versucht htte, mein Mivergngen zu verbergen. Er ist ein Maschinenbauer, ein sehr tchtiger Mann in seinem Gewerbe und Hauptmann im Arbeiterheere, erklrte der Doktor. Seine Eltern lebten im nchsten Hause und als er ein Knabe war, pflegte er mit Edith zu spielen. Wenn ich die Bildung, sowie die Umgangsformen der Offiziere des Arbeiterheeres nach den Erfahrungen dieser Stunde beurteilen wollte, dann mte ich sagen, da die Gesittung eher Rckschritte als Fortschritte gemacht hat, bemerkte ich. Es ist ein auerordentlicher Fall von Atavismus, erklrte Dr. Leete. Solche Hitzkpfigkeit ist in unserem Zeitalter sehr selten und nur durch Vererbung erklrlich. Ich mochte diese Unterhaltung, die ein sehr unerfreuliches Ende nehmen konnte, jetzt nicht fortsetzen. Ich konnte die Betrachtung nicht unterdrcken, da die Sitten und Umgangsformen vor 113 Jahren zwischen beiden Geschlechtern eine Linie zogen, die zwar unsichtbar, aber von jedermann anerkannt war, der eine Ahnung von Schicklichkeitsgefhl hatte und da zu meiner Zeit kaum ein Mann den Eindruck haben konnte, da ein Mdchen ihn ermutigt hatte, wenn dies nicht der Fall war. Ich hegte nicht den geringsten Zweifel, da Edith sich in dieser Angelegenheit so gut benommen hatte, wie das beste Mdchen ihrer Tage. Dieser peinliche Auftritt war auch eine Folge der Gleichmacherei, welche allberall bemerklich ist und welche wahrscheinlich bis zu einem gewissen Grade die feine Scheidelinie verwischt hatte, welche vor 113 Jahren die sittlich erzogenen Mitglieder beider Geschlechter trennte. Ich erinnerte mich der Frage, welche ich einst an Dr. Leete stellte: Und so erklren also die Mdchen des zwanzigsten Jahrhunderts ihre Liebe? Worauf Dr. Leete antwortete: Wenn es ihnen gefllt. Sie haben nicht mehr Grund als die sie liebenden Mnner ihre Gefhle zu verbergen.[25] Ja freilich! Wenn die Mdchen ihre Liebe ebenso erklren, wie die Mnner das thun, dann mu freilich die feine Scheidelinie zwischen den beiden Geschlechtern verwischt werden. Ein Gefhl der Unruhe, ja des Widerwillens berkam mich. Vielleicht wre es doch zweckmig, Herrn Fest wenigstens auf einige Monate unter rztliche Behandlung zu stellen, sagte Dr. Leete nachdenklich. Er befindet sich ohne Zweifel in einer hochgradigen Aufregung und es ist nicht unmglich, da er eine unberlegte Handlung begeht, welche er spter bereuen wrde. Vor hundert und dreizehn Jahren wrden wir solch einen Menschen einfach unter Friedensbrgschaft gestellt haben, sagte ich, da mir der Gedanke Entsetzen einflte, da ein Mann lediglich deshalb in ein Tollhaus gesperrt werden sollte, weil er im Zorne einige Drohungen ausgestoen hatte. Was thaten Sie aber mit einem Manne, der trotz seiner Brgschaft den Frieden brach? fragte der Doktor. Wir bestraften ihn nach den Gesetzen, welche auf den Fall Bezug hatten; entweder mit einer Geldstrafe, mit Gefngnishaft, oder, im Falle eines Mordes, mit Ttung. Wir bringen einen Mann, in welchem der Atavismus zum Durchbruch kommt, in ein Hospital, wo tchtige rzte ihn so lange in Behandlung nehmen, bis sie ihn fr gengend hergestellt erachten und seine Entlassung verfgen, sagte Dr. Leete mit dem Ausdruck groer Selbstzufriedenheit und Gte, whrend er eine frische Havannacigarre anzndete. Ich glaube nicht, da du viel wagst, Papa, sagte Edith, wenn du dem Manne erlaubst, seiner Berufsthtigkeit nachzugehen. Er braust schnell auf; aber er wird sich auch bald wieder beruhigen. Dessen bin ich nicht so sicher, antwortete Dr. Leete nachdenklich. So weit ich ihn kenne, sind seine Gefhle, wenn einmal erregt, tief und nachhaltig. Vielleicht beruhigt er sich; vielleicht auch nicht. Jedenfalls ist es gefhrlich, den Stimmungen eines solchen Menschen ausgesetzt zu sein. Widerstreitende Gefhle und Gedanken fllten mir Herz und Hirn. Ich war berzeugt, da eine Fortsetzung der Unterredung zu einem ernstlichen Streit mit Dr. Leete fhren knnte und ich war nicht in der Stimmung, eine lngere Errterung mit ihm zu fhren. So schtzte ich denn starkes Kopfweh vor und trat einen Spaziergang an. Die Erfahrungen der letzten Stunde schmeckten durchaus nicht nach dem tausendjhrigen Reiche menschlicher Glckseligkeit, von welchem Dr. Leete wiederholt gesprochen hatte. Ein Mann, welcher eine Offiziersstelle in dem Arbeiterheere bekleidet, beschuldigt Edith in der rohesten Weise der Koketterie. Sein Betragen entsprach sicher nicht dem hohen Lobe, welches Dr. Leete der Bildung und Erziehung junger Leute im zwanzigsten Jahrhundert zollte. Jedenfalls bewies dieser Streit zwischen Fest und der Familie des Dr. Leete, da die Zufriedenstellung der Menschheit durch die Einfhrung des Kommunismus, d. h. durch gengende Beherbergung, Kleidung und Abftterung aller Leute, auch nicht erreicht wird. Ha und Eifersucht bedrohten meine Liebe und Fest schien mir ganz der Mann zu sein, um mir sein Mibehagen klar zu machen. Das Mittel, durch welches Dr. Leete eine Gewaltthat des enttuschten Liebhabers verhindern wollte, erschien mir noch viel widerwrtiger, als die Aussicht auf einen Kampf mit Fest. Und wieder stieg die Frage in mir auf, ob wohl Edith Bartlett, meine Verlobte im Jahre 1887, einem Manne auch nur die Mglichkeit der Klage offen gelassen htte, da sie mit ihm kokettiert oder ihn zu einer Liebeserklrung ermutigt htte. Als ich Herrn Forest nach meiner nchsten Vorlesung traf, warf ich die Frage hin: Wenn ich recht unterrichtet bin, so haben sich viele Mdchen des zwanzigsten Jahrhunderts zu dem entwickelt, was wir emancipierte Damen zu nennen pflegten? Forest warf einen schnellen, prfenden Blick auf mein blasses Gesicht, welches von einer schlaflos verbrachten Nacht zeugte und entgegnete dann: Der bldsinnige Versuch, die in der Natur begrndete Verschiedenheit durch Gleichmachereibestrebungen zu verwischen, hat auch die Beziehungen zwischen Frauen und Mnnern nicht verschont. Beide Geschlechter gehren dem Arbeiterheere an, beide haben ihre Offiziere und Richter, beide erhalten die gleiche Bezahlung. Die Knigin Ihres altvterlichen Haushaltes ist entthront worden. Wir nehmen unsere Mahlzeiten in groartigen Dampfabftterungsanstalten ein und wenn unsere Radikalen (die wahrhaft folgerichtig denkenden Kommunisten) einmal siegen sollten, dann werden wir alle in groen Kasernen leben, welche Tausende von Menschen beherbergen knnen. Die Ehe und das Familienleben werden abgeschafft sein, ebenso wie Religion und persnliches Eigentum; freie Liebe wird das Losungswort sein und wir werden ein Dasein fhren wie eine Kaninchenherde. -- Das natrliche Schicklichkeitsgefhl, welches eine hervorragende Eigenschaft des zarteren Geschlechts ist, hat es glcklicherweise verhindert, da die Mehrzahl unserer Frauen und Mdchen den gemeinen und erniedrigenden Lehren des Kommunismus zum Opfer gefallen ist. Aber das echte Mdchen unserer Zeit ist ein sehr merkwrdiges, wenn auch nichts weniger als angenehmes Geschpf. Haben Sie schon Frulein Cora Delong, eine Base des Frulein Leete, kennen gelernt? Bisher ist mir das Vergngen versagt gewesen. Sie werden ihr nicht entgehen, weissagte Forest mit einem heiteren Lachen. Frulein Cora ist eine begeisterte Vorkmpferin fr die unbedingte Gleichheit von Weib und Mann. Und da manche junge Mnner den jungen Mdchen ihrer Bekanntschaft den Hof machen, so hlt es Frulein Cora fr recht und billig, da sie den jungen Mnnern die Cour schneidet. Sie nimmt keinen Anstand, ihnen zu sagen, da sie deren Schnheit bewundert, da sie sie liebt, ja anbetet; sie sucht ihnen Ksse zu rauben und ladet sie zu einem Schnaps ein; so etwa, wie junge Mnner die Damen ihrer Bekanntschaft zu einer Schale Eiskreme einladen. Sie raucht Cigarren und spielt mit ihren jungen Freunden Billard, kurz, sie thut alles, den Unterschied des Geschlechts zu verwischen. Und bitter beklagen sich Cora Delong und Mdchen ihresgleichen, da sie nicht alle Unterschiede zwischen Mnnern und Frauen beseitigen knnen. Ich brenne durchaus nicht vor Verlangen, die Bekanntschaft des Frulein Delong zu machen, gestand ich. Und auf Grund meiner persnlichen Erfahrung mu ich sagen, da mir die frhere Art des Haushaltens viel angenehmer erscheint. Fhren aber die Frauen des zwanzigsten Jahrhunderts nicht ein viel bequemeres Leben als selbst die reichen Frauen meiner Zeit? Und wirtschaften Sie nicht mehr Arbeit aus Ihren Frauen heraus als wir? Dr. Leete sagte mir das.[26] Dr. Leete ist ein groer Optimist; wenn immer es gilt dem Kommunismus das Wort zu reden, antwortete Forest Es ist einfach unmglich, mit einiger Sicherheit festzustellen, welchen Wert die Arbeit aller Mdchen und Frauen im Jahre 1887 hatte. Aber ich bezweifle die Richtigkeit der Angaben Ihres Gastfreundes, da wir mehr Arbeit aus den Frauen herauswirtschaften (wie Dr. Leete sich ausdrckt) als Sie aus den Frauen Ihrer Zeit. Das besondere Kochen, Waschen und Pltten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts mu doch entschieden bedeutend mehr Arbeit verursacht haben als die Art und Weise, in welcher diese Verrichtungen heute besorgt werden, bemerkte ich. Dazu kommt, da, wie Dr. Leete versichert, es heute keine Hausarbeit mehr giebt.[27] Das ist wieder einmal eine jener Behauptungen, in welchen Dr. Leete so stark ist, antwortete Forest. Wer fegt die Zimmer, macht die Betten, reinigt die Fenster, staubt die Mbel ab und scheuert den Fuboden? Ohne Zweifel bildet die Familie des Dr. Leete eine Ausnahme; denn die Frauen des Arbeiterheeres verrichten jedenfalls die meisten, wenn nicht alle Arbeiten im Hause des einflureichsten Vertreters der Regierung in Boston. Haben Sie jemals Frau Leete oder Frulein Edith Hausarbeit oder berhaupt welche Arbeit verrichten sehen? Ich mute diese Frage verneinen; denn in der That hatte ich nur gesehen, da Edith einen Blumenstrau gewunden hatte. Sonstige Arbeit irgend welcher Art hatte ich sie oder ihre Mutter nie verrichten sehen. Wenn sie ein Mitglied des Arbeiterheeres war, mute sie eine Stellung einnehmen, in welcher ihre Arbeit wenig Zeit in Anspruch nahm. Sie hatte mir gegenber niemals davon gesprochen, da ihr irgend welche Pflichten oblgen und ich erinnerte mich recht wohl, da Dr. Leete gleich in den ersten Tagen meines Verweilens in seinem Hause sagte, da Edith eine unermdliche Bazarbesucherin sei,[28] dadurch andeutend, da sie viele mige Stunden habe. In den Husern, welche die Mitglieder des Arbeiterheeres bewohnen, haben die Frauen keine Hilfe von andern Mitgliedern des Hilfscorps, d. h. von den Frauen der industriellen Armee. Sie mssen alle die Arbeit, welche ich erwhnte, selbst verrichten, und fr sie ist das Kochen in den groen Speisehusern keine so groe Zeitersparnis, wie Sie zu glauben scheinen. Diese Frauen mssen dreimal des Tages ihre Kleider wechseln; denn sie knnen nicht in dem Anzuge bei Tische erscheinen, in welchem sie Haus- oder Fabrikarbeit verrichten. Und wenn sie kleine Kinder haben, mssen sie dieselben ebenfalls dreimal sorgfltiger ankleiden, als dies notwendig wre, wenn die Kinder daheim essen wrden. Bei dem Kochen in den groen Speisehusern, fuhr Forest fort, wird erfahrungsgem mit den Stoffen nicht gespart, und ich glaube deshalb, da die Massenkocherei durchaus nicht billig ist. Ferner mssen diese groen Kosthuser einen langen Speisezettel zusammenstellen, und je mannigfacher die Kost, desto grer ist auch die Menge der berbleibsel, welche nicht mehr verwendet werden knnen. -- Aus den angefhrten Grnden haben die verheirateten Frauen, welche Mitglieder des Arbeiterheeres sind, in der That wenig Zeit, auer der Haushaltungsarbeit viel zu schaffen, und die Mehrheit derselben wrde lieber zu Hause kochen. Sie knnten dann, whrend sie mit ihrem Haushalte beschftigt sind, die Mahlzeiten bereiten, ohne damit mehr Zeit zu verlieren, als jetzt mit dem Umziehen fr die gemeinschaftlichen Abftterungen. Besonders die Familien mit vielen Kindern wrden lieber zu Hause kochen. Auch bei Krankheit in der Familie ist es eben so schwierig, wie umstndlich, in den groen Koch- und Abftterungsanstalten geeignete Kost fr die Kranken zu erlangen. Eine Frau Hosmer sagte mir vor einigen Tagen, da sie und ihre sieben Kinder schon um manche Mahlzeit gekommen sind, weil es ihr nicht immer mglich war, sich selbst und ihre sieben Kleinen rechtzeitig frisch umzukleiden und zu waschen. Wie beschftigen Sie die verheirateten Frauen? fragte ich. Dies ist ein wunder Punkt in unserer vielgepriesenen gesellschaftlichen Ordnung, antwortete Forest. Die meisten verheirateten Frauen finden an der Thtigkeit im Arbeiterheere durchaus kein Gefallen und suchen sie auf jede Weise zu vermeiden. Die Arbeit, welche die Kinder veranlassen, und persnliches Unwohlsein werden am hufigsten als Entschuldigungsgrund geltend gemacht fr die Abwesenheit der verheirateten Frauen von ihren Stellungen im Arbeiterheere. Ich glaube, da es selbst fr einen Arzt sehr schwierig ist, festzustellen, ob die vorgebrachten Entschuldigungen begrndet sind, oder nicht, bemerkte ich. Ganz gewi. In den meisten Fllen ist es fr den Arzt unmglich, die Frauen zu beschuldigen, da sie Unwohlsein heucheln und diese Beschuldigung zu erweisen, fuhr Herr Forest fort. Diese Schwierigkeiten, welche die verheirateten Frauen veranlassen, und die Thatsache, da die Sorge fr ihre kleinen Kinder Frauen oft jahrelang verhindert, im Arbeiterheer Dienst zu thun, -- diese Umstnde werden von den radikalen Kommunisten zur Untersttzung ihrer Forderung geltend gemacht, da die Familienhaushaltung ganz abgeschafft werden msse. Die Radikalen behaupten, da ihr System ein viel gedeihlicheres sein wrde, als das unsrige. Es wrde viel billiger sein, Hunderte oder Tausende in einem Gebude unterzubringen und zu bekstigen, als Huser zu unterhalten, in welchen nur eine, zwei oder drei Familien wohnen knnen. Sie behaupten ferner, da nach Beseitigung der Ehe und nach der Einfhrung der freien Liebe als Gesetz zur Regelung des geschlechtlichen Umganges die flchtigen Verbindungen von Mann und Weib bessere Nachzucht liefern wrden, als die Ehe. Diese Kinder wrden in groen Kinderbewahranstalten untergebracht werden, so da die Mtter, von der Kinderpflege befreit, den ganzen Tag dem Dienste des Arbeiterheeres widmen knnten. Wie gemein! rief ich. Alle menschlichen Einrichtungen, die Beziehungen beider Geschlechter zu einander, sollen wir nur auf die Berechnung grnden, was sich am besten bezahlt! Und wir sollen die Kinder von der Mutter trennen, nur weil es billiger ist, die jungen Zweihnder hundertweise aufzufttern, obschon bei der Massenaufzucht die Sterblichkeit unter denselben zehn oder zwanzig Prozent grer wre. Dennoch sind die Radikalen die folgerichtigen Denker unter den Kommunisten, sagte Forest. Der Grundstein, auf welchem der Kommunismus ruht, ist die Gleichheit. Sie knnen die Forderung, da die Arbeitsergebnisse gleichmig geteilt werden sollen, nur mit der Behauptung rechtfertigen, da wir alle gleich sind, und wenn wir es sind, dann liegt kein Grund vor, weshalb wir in Husern von verschiedener Gre und Bauart leben, weshalb wir uns nicht gleichmig kleiden und dieselben Gerichte essen sollen. Wenn wir alle gleich sind, dann hat jedermann ein ebenso gutes Recht auf die Liebe eines Mdchens, als jeder andere Mann und eben so hat jedwedes Mdchen einen ebenso guten Anspruch auf die Liebe eines Mannes, als das andere. Und es giebt keinen Grund, weshalb in einem kommunistischen Staatswesen das eine Kind mehr Abwartung haben sollte, als das andere, und weshalb die eine Mutter mehr Zeit bei ihrem Kinde verbringen sollte, als die andere, -- dadurch kostbare Augenblicke vertrdelnd, welche der Gesamtheit gehren und zum Kartoffelschlen ntzlich verwendet werden knnten. -- Die Radikalen sind die allein waschechten Kommunisten. Es kann doch nicht wohl jedes Mdchen alle Mnner lieben und heiraten; ebenso wenig wie jeder Mann alle Mdchen lieben und heiraten kann, warf ich ein, etwas belustigt durch den grimmigen Hohn Forests, obschon ein tiefempfundener Widerwille gegen die von den Radikalen gepredigten scheulichen Grundstze meine Heiterkeit nicht recht aufkommen lie. Unsere radikalen Weltbeglcker sind bis jetzt nicht imstande gewesen, es mir ganz klar zu machen, wie sie die freie Liebe regeln wollen, falls von einer Regelung derselben berhaupt die Rede sein kann, antwortete Herr Forest. Wahrscheinlich wird die Schwierigkeit, diese Frage vllig zu beleuchten, durch den Umstand erklrt, da die Weltbeglcker untereinander noch nicht klar darber sind, wie frei die freie Liebe sein soll. Einige Radikale scheinen geneigt zu sein, ein Zusammenleben zweier Personen beiderlei Geschlechts so lange zu dulden, wie die Neigung der beiden freinander whrt. Die wahrhaft aufgeklrten und folgerichtig denkenden Kommunisten knnen aber eine dauernde Verbindung nicht dulden, da sie in schroffem Widerspruch zu unserem Grundsatze der unbedingten Gleichheit steht. Wahrscheinlich werden sie sich dahin einigen, da man sich tglich neu begattet und, damit beide Geschlechter gleichgestellt werden, kann man den Frauen das Recht der Auswahl an jedem Montag, Mittwoch und Freitag, den Mnnern an jedem Dienstag, Donnerstag und Sonnabend geben. Die Sonntage werden vielleicht aus Hflichkeit noch den Damen zugestanden. Und um alle Streitigkeiten fr den Fall zu vermeiden, da eine Anzahl von Menschheitsbeglckern dasselbe Mdchen whlt, oder da mehrere Jungfrauen und Frauen denselben Zeitgenossen heiraten wollen, kann man Lotterien veranstalten oder die Reihenfolge auskegeln. Auch durch Skatspiel oder Wrfeln lt sich die Reihenfolge feststellen. So wird man allen gerecht! Ich kann mir nicht vorstellen, sagte ich, wie Mnner, welche das freie Denken als ein besonderes Vorrecht in Anspruch nehmen mchten, solche viehische Lebensgrundstze entwerfen und dieselben als fortschrittlich der Menschheit empfehlen knnen. Das Schicksal der Frauen wrde in der That beklagenswert werden, wenn diese Grundstze jemals den Sieg erringen sollten. Freie Liebe mte die Stellung der Frauen erniedrigen, weil sie dem Manne der alternden Frau das Recht geben wrde, sich von dieser zu trennen. Die Menschheit im allgemeinen aber wre zu beklagen, wenn die Pflege der Kinder den Mttern entrissen und andern Menschen anvertraut werden sollte. Ich wrde es als den furchtbarsten Schlag ansehen, der jemals gegen die Menschheit gefhrt wurde, entgegnete Forest, wenn die Pflege und die erste Erziehung der Kinder ihren Mttern entrissen werden sollte. Keine Frau, kein Mann, wie gut und edel sie auch sein mgen, knnen fr ein fremdes Kind die unendliche Liebe und Geduld hegen, welche das Elternherz erfllen. Die Gefhle, welche Mann und Frau, sowie die Familie verbinden, sind selbst von den kommunistischen Gesetzgebern bisher geachtet worden. Die Menschheit wird in Barbarei zurckfallen an dem Tage, an welchem die Familie zerstrt, die Mutter vom Kinde und der Mann von der Frau getrennt wird. Man raube der Ehe den veredelnden Einflu, welchen das gemeinschaftliche Tragen von Freud und Leid, der bestndige Austausch aller Gedanken und Gefhle den Beziehungen beider Geschlechter zu einander verleiht, und man wird den Verkehr von Mann und Frau zu einem wesentlich tierischen erniedrigen. Viele der besten Eigenschaften aller Menschen knnen wir zurckverfolgen zu ihrer Quelle: der unendlichen Liebe und Geduld unserer Mtter in ihrem Bestreben, die geliebten Kinder zu guten und tchtigen Menschen zu erziehen. Fast alle groen Mnner hatten gute Mtter. Nichts auf Erden kann dem Kinde den Verlust der Mutter ersetzen; nichts knnte die Menschheit fr den wohlthtigen Einflu entschdigen, welchen die Mtter auf die heranwachsenden Geschlechter ausben. Glauben Sie, da Ihre Radikalen jemals Macht genug erlangen werden, um die Mtter entthronen und die Ehe abschaffen zu knnen? fragte ich mit einiger Neugierde. Forests Antwort lautete freudiger und zuversichtlicher als irgend eine uerung, welche ich bisher von ihm gehrt hatte. Die Radikalen mgen sich erheben und die jetzige Regierung niederwerfen; sie mgen mancherlei vollbringen, ohne viel Widerstand bei den Massen zu finden, welche das jetzige System nur eben dulden und fr dessen Verteidigung keine groen Anstrengungen machen werden. Aber unsere radikalen Weltverbesserer wrden sehr unangenehme berraschungen erleben, wenn sie es versuchen wollten, den Mann von seinem Weibe, die Mutter von ihrem Kinde zu trennen. Fast jede Mutter wird wie eine Lwin um ihre Kleinen kmpfen, und ich kenne einen Mann, der keinen Strohhalm opfern mchte, um die Niederlage der jetzigen Regierung zu hindern, der aber bis zum Tode kmpfen wrde, ehe er sich von dem Weibe seines Herzens trennen liee. Denn ein gutes, liebendes Weib ist das Hchste, was Gott dem Manne gewhren kann, und kein Mann von Mut und Ehre wird sich sein Weib rauben lassen, so lange noch ein Tropfen Blut warm durch seine Adern rollt. Sechstes Kapitel. Nun, Herr Forest, sagte ich, als ich wiederum mit meinem Vorgnger in der Professur zusammentraf, teilen Sie mir doch freundlichst mit, wie gro das Jahreseinkommen jedes Bewohners der Ver. Staaten von Amerika ist. Das Einkommen wurde letztes Jahr auf 204 Dollars berechnet, antwortete Forest. Zweihundertundvier Dollars sagen Sie? rief ich erstaunt. Ist das Alles? Nach den Angaben des Dr. Leete und nach seiner Lebensweise hatte ich angenommen, da der Betrag mindestens dreimal so gro sein mte. Forest lchelte. Wie hoch war das durchschnittliche Jahreseinkommen der Bewohner der Ver. Staaten zu Ihrer Zeit? fragte er. Ich mute gestehen, da ich keine Vorstellung davon hatte. Es betrug 165 Dollars, sagte Herr Forest, doppelt so viel, wie das Durchschnittseinkommen der Bewohner Deutschlands und Frankreichs. Ich wurde durch diese Zahlenangaben ganz verwirrt. Ich hatte mich niemals mit volkswirtschaftlichen bersichten beschftigt und jhrlich wohl zwanzigmal 165 Dollars verausgabt. Ich erinnerte mich nur, einmal in den Zeitungen gelesen zu haben, da der Jahresverdienst aller arbeitenden Mnner, Frauen und Kinder sich auf mehr als vierhundert Dollars beliefe und ich hatte eine dunkle Vorstellung, da das Jahreseinkommen der Mnner durchschnittlich etwa 600 Dollars war. Ich teilte dies Herrn Forest mit. Sie haben bei Ihrer Berechnung die Frauen und Kinder nicht bercksichtigt, welche nichts verdienten, sondern von dem Einkommen ihrer Gatten, Vter oder Brder lebten, erklrte Forest. Ein Jahreseinkommen von 204 Dollars fr alle Mnner, Frauen und Kinder wrde demnach eine erhebliche Zunahme des Volksreichtums anzeigen, wenn die Zahl richtig berechnet wre. Das ist aber nicht der Fall. Um den Volkswohlstand recht gro erscheinen zu lassen, wird der Wert aller Arbeitserzeugnisse viel hher angegeben, als in Ihren Tagen. Die natrliche Folge ist, da die Kaufkraft des Dollars auf unseren Guthabensscheinen geringer ist, als der des Dollars zu Ihren Zeiten. Ich habe die Preise aller Lebensbedrfnisse und Luxusgegenstnde in den Jahren 1900 und 2000 miteinander verglichen und gefunden, da die Preissteigerung sich auf nahezu 95 Prozent beziffert. Das wirkliche Jahreseinkommen unserer Bevlkerung beluft sich demnach nur auf etwa 112 Dollars; es hat also nicht um 24 Prozent zugenommen, sondern ist um 33 Prozent geringer geworden. Wie erklren Sie diese aufflligen Angaben? fragte ich. Diese Frage ist leichter gestellt, als beantwortet, meinte Forest. Ich bin sehr gespannt auf Ihre Erklrung, bemerkte ich. Dr. Leete hat so viele annehmbare Grnde gegeben fr die Armut, welche die Folge unseres absonderlichen Wirtsschaftssystems war,[29] da ich von dem greren Reichtum Ihres Volkes ganz berzeugt wurde. Er erwhnte die hufigen verfehlten Unternehmungen im neunzehnten Jahrhundert, den Verlust durch Konkurrenz, die periodische berproduktion von Werten aller Art, mit darauffolgenden Arbeitsstockungen, den Verlust, den die Nichtbeschftigung von Kapital und von Arbeitskraft zu allen Zeiten verursacht[30] und er hob besonders hervor, da von fnf Unternehmungen im neunzehnten Jahrhundert vier fehlschlugen, ehe eine erfolgreiche kam.[31] Ja! Ich kenne die Ansichten und Grnde, welche Dr. Leete geltend macht, aus seinen gelegentlichen Reden, sowie aus den Aufstzen, die er zuweilen fr Regierungszeitungen liefert, entgegnete Forest. Und er hat unzweifelhaft noch andere Ursachen geltend gemacht, welche die Arbeit Ihrer Zeit schdigten. Wahrscheinlich hat er Sie auch aufmerksam gemacht auf die Kosten, welche das Heer und die Flotte veranlaten, sowie die Zoll- und Steuerbeamten, die Steuereinschtzer und Einnehmer, die vielen Richter und andere Beamte, welche Sie brauchten. Er wird auf die viele Arbeit verwiesen haben, welche das Waschen und Kochen in den einzelnen Haushaltungen verursachte, sowie auf die groe Anzahl von Zwischenhndlern, welche die Waren durch ihre Hnde gehen lieen, ehe die Arbeitserzeugnisse von den Arbeitern zu denjenigen gelangten, welche sie gebrauchten. Und Dr. Leete wird auch die Rechtsanwlte, Bankiers, sowie deren Gehilfen erwhnt haben, welche zwar in ihrer Art arbeiteten, aber keine Werte hervorbrachten. Alle die Arbeitskrfte, welche in jenen Berufszweigen beschftigt waren, sind jetzt dem Arbeiterheere einverleibt worden. In der That, sagte ich, Dr. Leete hat die meisten Ursachen fr die Armut unseres Zeitalters, welche Sie da namhaft machten, mir aufgezhlt. Und da jene bel jetzt wegfallen, erscheint es mir ganz natrlich, da unter Ihrem Arbeitssystem das durchschnittliche Jahreseinkommen des Volkes ein greres sein mu, und es wundert mich nur, da die Zunahme des Wohlstandes nicht noch grer ist. Ich werde keine Zeit damit verschwenden, begann Forest wieder, eine eingehende Untersuchung darber anzustellen, wie gro der Verlust war, welcher aus all' jenen Ursachen fr die Arbeit des neunzehnten Jahrhunderts entstand. Es scheint mir aber, da Sie die Wirkung derselben berschtzen. Unglckliche Spekulationen schdigten beispielsweise allerdings die Unternehmer, aber in den meisten Fllen erzeugten sie doch Werte, welche den Volksreichtum vermehrten und schlielich anderen zu gute kamen. Der wahnsinnige Wettbewerb dagegen machte die Waren billiger, vermehrte dadurch deren Verbrauch und dadurch wieder deren Herstellung und gereichte somit der Menschheit doch auch wieder zum Nutzen. Die Behauptung, da vier Unternehmungen im neunzehnten Jahrhundert fehlschlugen, ehe eine Erfolg hatte, ist eine jener Angaben des Dr. Leete, welche der vereinte Glaube von zehn der strksten Mnner nicht verdauen knnte. Sie mssen selbst am besten beurteilen knnen, da das eine unsinnige bertreibung ist. Die Ersparnisse, welche aus dem gemeinschaftlichen Kochen entstehen, haben wir bereits untersucht, fuhr Forest fort. Wenn in der That ein Vorteil daraus entsteht, so ist er in den Stdten gering, auf dem Lande noch geringer und keinenfalls bietet er Entschdigung fr den Verlust an huslichem Behagen, welcher daraus entsteht. Ferner mssen wir bercksichtigen, da viele Richter, Rechtsanwlte, Bankiers, Beamte und Zwischenhndler, sowie deren Gehilfen Mnner waren, welche das einundzwanzigste Lebensjahr noch nicht erreicht, oder das fnfundvierzigste Lebensjahr bereits zurckgelegt hatten. Diese Leute, welche auerhalb des Dienstalters des Arbeiterheeres standen, sind also abzurechnen von denjenigen, deren unproduktive Thtigkeit als ein Verlust angesehen werden mu. Dennoch mssen die Verluste, welche aus schlecht angelegtem Kapital und schlecht geleisteter Arbeit, sowie aus vielen andern Ursachen entstanden, ganz ungeheuer gewesen sein, sagte ich. Und diese Verluste machen die groe Armut des Volkes am Ende des vorigen Jahrhunderts sehr erklrlich. Unzweifelhaft wrde dem so sein, meinte Forest, wenn nicht andere Ursachen fr eine Abnahme unserer Leistungsfhigkeit wirksam wren. Aber solcher Ursachen giebt es mehrere und Sie werden deren Tragweite wohl erkennen, wenn ich Sie darauf aufmerksam mache. Die Hauptursache, welche den bestndigen Rckgang in der Menge, wie in der Gte unserer Arbeitserzeugnisse verschuldet, liegt in der Beseitigung des Wettbewerbes. Diese Riesenkraft war es, welche whrend der ersten neunzehn Jahrhunderte christlicher Civilisation jedermann antrieb, seine besten Geistes- und Krperkrfte einzusetzen. Seit aber der Kommunismus eingefhrt worden ist, seitdem der faulste Arbeiter ebenso viel erhlt, wie der fleiigste, d. h. seitdem der Fleiige zu Gunsten des Faulen um einen Teil seiner Arbeitsergebnisse beraubt wird, seitdem jedermann sicher ist, einen gleichen Anteil von den Arbeitsergebnissen zu erhalten, gleichviel ob er viele und gute, oder wenige und schlechte Arbeit geliefert hat, -- seitdem werden die Massen des Volks von Jahr zu Jahr gleichgltiger und trger. Sie setzen nicht mehr ihre besten Krfte ein, um gute und viele Arbeit zu liefern. Sie machen sich das Leben bequem. Die geistigen wie die krperlichen Fhigkeiten sind in bestndiger Abnahme begriffen. Das Volk der Ver. Staaten, einst berhmt wegen seiner Findigkeit und Thatkraft, entartet. Die Befrderung der Tchtigsten htte vielleicht als Sporn dienen knnen, htte nicht die Gnstlingswirtschaft der Politiker alle guten Stellungen fr die Verwandten jener Wahlzutreiber in Anspruch genommen, welche die Helfershelfer der Regierung sind. Ein anderer Grund fr die Abnahme des Volkswohlstandes ist die Verkrzung der Arbeitszeit, sowohl der Jahre, wie der tglichen Arbeitsstunden. Es ist sehr schwierig festzustellen, wie viele Menschen beiderlei Geschlechts in den verschiedenen Lebensaltern zu Ihrer Zeit in nutzbringender Thtigkeit beschftigt waren. Die letzte Volkszhlung, welche in den Ver. Staaten veranstaltet wurde, ehe Sie in Ihren hundertjhrigen Schlaf fielen, fand im Jahre 1880 statt. Der Bericht ist ein sehr ausfhrlicher sowohl in Bezug auf die Zahl der Leute verschiedenen Lebensalters, sowie auch in Hinsicht auf ihre Abstammung u. s. w. Aber in Bezug auf das Alter der Arbeiter giebt der Bericht nur drei Abteilungen. Die erste umfat alle Leute unter 15 Jahre, die zweite alle Menschen zwischen 16 und 59 und die dritte alle Arbeiter ber 60 Jahre. Von Mdchen und Knaben unter 15 Jahren wurden 1118356 beschftigt; im Alter von mehr als 60 Jahren 1004517 Leute, von welchen 70873 Frauen waren. Von 50155783 Bewohnern der Ver. Staaten gehrten nicht weniger als 17392099 dem Arbeiterheere an, wovon 2647157 weiblichen Geschlechts waren, die Dienstmdchen eingerechnet. Ich erinnere mich, diese Zahlen gelesen zu haben, bemerkte ich. Der Census von 1880 zeigt also, da ber 12 Prozent der Bevlkerung in den Ver. Staaten, welche zur Arbeiterarmee gehrten, unter 15 oder ber 60 Jahre alt waren, rechnete Forest weiter. Das ist allerdings ein recht trbseliger Ausweis. Mdchen und Knaben unter 15 Jahren sollten noch Schulen besuchen und Leute, welche das sechzigste Lebensjahr zurckgelegt haben, sollten ein gengendes Auskommen besitzen und nicht mehr zur Arbeit gezwungen sein. Darber kann aber kein Zweifel bestehen, da am Ende des letzten Jahrhunderts das Arbeiterheer verhltnismig viel strker war, als es heute ist. Denn nach der Zhlung von 1880 lebten in den Ver. Staaten 15527215 Menschen im Alter von 21 bis 45 Jahren, das Arbeiterheer zhlte aber 17392099 Menschen; mithin beschftigten Sie 2173184 Leute mehr, als sich in dem Alter befanden, welches wir zum dienstpflichtigen gemacht haben. Dabei wre denn angenommen, da alle Leute, welche sich bei uns im dienstpflichtigen Alter befinden, auch wirklich Dienst thun; was aber bekanntlich nicht der Fall ist. Denn die Kranken, die Bldsinnigen, die Krppel, die Mtter kleiner Kinder und andere verrichten keine Arbeit im Heere. Sie werden hiernach zugestehen mssen, da Ihre Zeitgenossen eine verhltnismig viel grere Arbeiterarmee aufstellten, als wir dies thun. Das scheint mir unbestreitbar zu sein, antwortete ich. Forest zog nun ein Blatt Papier aus der Tasche und rechnete weiter: Hier ist ein Verzeichnis aller derjenigen Berufszweige, welche ich dem Census von 1880 entnommen habe und welche Sie als unproduktiv bezeichnen knnen. Ich habe manche Thtigkeiten als unproduktiv angefhrt, ber deren Ntzlichkeit und selbst Notwendigkeit sich streiten liee. Viele dieser Leute haben durch ihre Arbeit zum mindesten solchen Menschen Zeit gespart, welche Werte hervorbrachten. Manche Frauen htten sich vielleicht nicht als Knstlerinnen, Sngerinnen oder dergleichen ausbilden lassen und spter in ihrem Berufe wirken knnen, wenn sie nicht Hilfe im Haushalte gefunden htten. Diese Dienstboten eingeschlossen, waren aber im Jahre des Herrn 1880 in den Ver. Staaten 1654319 Menschen mit Arbeiten beschftigt, welche Dr. Leete als unproduktiv bezeichnen wrde. Wenn wir diese 1654319 Menschen von den 2173084 Leuten abziehen, welche Sie ber die Zahl der im dienstpflichtigen Alter befindlichen Personen hinaus dem Arbeiterheere eingereiht hatten, so stellten Sie immer noch 518765 mehr Leute, als 1880 in den Ver. Staaten im Alter zwischen 21 und 45 Jahren lebten. Ich ermunterte Herrn Forest, in seinen Auseinandersetzungen fortzufahren und er sagte: Sie hatten also im Jahre 1880 unzweifelhaft viel mehr Leute in nutzbringender Thtigkeit beschftigt (im Verhltnis zu Ihrer Bevlkerungszahl natrlich) als wir. Nun bedenken Sie noch, da die Arbeiter Ihrer Tage smtlich durch den Wettbewerb angespornt wurden, da sie danach strebten, einmal unabhngig zu werden, um ein sorgenfreies Alter genieen zu knnen und da sie zur Erreichung dieses Zieles ihre besten Krfte einsetzten. Ihre Zeitgenossen arbeiteten also mehrere Jahre lnger als wir, die tgliche Arbeitszeit war eine lngere, der Sporn des Wettbewerbes wirkte mchtig auf alle ein und so war es denn nur natrlich, da zu Ihrer Zeit verhltnismig viel mehr und viel bessere Arbeit geliefert wurde, als heutzutage. Das werde ich wohl zugeben mssen, sagte ich. Und die Art unserer Gesellschaftsordnung drngt immer mehr darauf hin, da die Arbeitszeit noch weiter verkrzt werde und da die Arbeitsergebnisse noch geringer und schlechter werden, als sie schon sind, setzte Forest seine Darlegung fort. Da sind z. B. die Bauern, welche mit der jetzigen Gesellschaftsordnung so unzufrieden wie mglich zu sein scheinen. Sie beklagen sich bitter darber, da sie in Bezug auf die Anlage von Theatern, Museen, Konzerthallen und anderen ffentlichen Anstalten gegen die Bewohner der Stdte zurckgesetzt werden. Auch behaupten unsere Bauern, da ihre Arbeit viel schwerer sei, als die der Stdter. Die Folge der Unzufriedenheit war ein Andrang der Landbevlkerung nach den Stdten, der viel grer ist, als der, ber welchen schon zu Ihrer Zeit geklagt wurde. Das Land wrde sehr bald an allen Ackerbauerzeugnissen Mangel gelitten haben, wenn die Regierung dem Andrange des Landvolks nach den Stdten nicht Einhalt gethan htte. Aber man hie die Ankmmlinge nicht willkommen. Es wurde ihnen einfach befohlen, Landarbeit zu thun. Damit war ihrem Wunsche, in der Stadt zu leben, ein Ende gemacht; aber auch ihrem Ehrgeiz und ihrem Arbeitstriebe. Die Landleute sind jetzt davon berzeugt, da ihnen andere Stellungen verschlossen sind, da sie Zeit ihres Lebens die Acker bauen mssen und da die Stdter auf ihre Kosten ein besseres Leben fhren. Die Folge ist, da sie so wenig und schlecht wie mglich arbeiten und da die Ackerbauerzeugnisse immer weniger werden. Schon wiederholt haben Leute aus der zweiten Abteilung des dritten Grades der stdtischen Znfte als Hilfsarbeiter auf das Land geschickt werden mssen, um eine Hungersnot abzuwenden. Teilen Sie mir das Schlimmste mit, sagte ich mit einem erzwungenen Lcheln; denn ich sah das herrliche Luftschlo, welches Dr. Leete vor mir errichtet hatte, unter dem Artilleriefeuer der Forestschen Logik zusammenstrzen. Wir haben gesehen, nahm Forest den Faden seiner Auseinandersetzungen wieder auf, da das Arbeiterheer im Jahre 1880 verhltnismig viel strker war, als das unsrige ist, da die Arbeitszeit eine lngere war, und da die Arbeiter durch den Wettbewerb angeregt wren, ihre ganze Leistungsfhigkeit zu entwickeln. Sie mssen aber auch bercksichtigen, da wir eine ungeheure Arbeitskraft mit der Aufsicht und mit der Buchhalterei vergeuden. Ihr Kleinhandel wurde grtenteils gegen Barzahlung betrieben und die kleinen Geschftsleute besorgten ihre geringe Buchhalterei abends nach Schlieung ihrer Lden. Wir dagegen haben fr jeden Mann, fr jede Frau und fr jedes Kind ein Soll und Haben in den Bchern der Regierung eingerichtet[32]. Wir haben eine Kanzlei, wo die rzte ber ihre Thtigkeit regelmig Bericht zu erstatten haben.[33] Wir haben eine andere Kanzlei, wo Buch gefhrt wird ber die Hilfe, welche jemand von der Arbeiterarmee in Anspruch nimmt; sei es fr Hausarbeit oder fr andere Zwecke. Dort wird das Konto desjenigen belastet, welcher die Hilfe in Anspruch nimmt und das Konto desjenigen wird kreditiert, der die Hilfe leistet.[34] Wir haben Kanzleien fr jeden Zweig der menschlichen Arbeit und dieselben drfen als Musteranstalten fr die beste Art gelten, in welcher eine Regierung menschliche Arbeitskraft vergeuden kann. Das ganze Feld der produzierenden Arbeit ist, wie Sie wissen, in zehn groe Abteilungen abgegrenzt worden. Jede dieser letzteren umfat eine Gruppe verwandter Thtigkeitszweige. Jede dieser Unterabteilungen hat wiederum ihre eigne Kanzlei und diese Kanzlei fhrt genau Buch ber alles was in der betreffenden Zunft geschieht, ber vorhandene Betriebsmittel, die geleistete Arbeit und so weiter, sowie ber die jetzige Leistungsfhigkeit und ber die Mglichkeit, letztere zu erhhen. Eine besondere Abteilung, welche den Warenversandt besorgt, ermittelt auch den mutmalichen Verbrauch und nachdem diese Ermittelungen von der Regierung gut geheien worden sind, erhlt jede der zehn groen Abteilungen ihre Arbeit zugeteilt, diese zehn Abteilungen vergeben die Arbeit an die einzelnen Znfte und diese setzen ihre Leute in Thtigkeit. Jedes Betriebsamt ist fr die ihm zuerteilte Arbeit verantwortlich und seine Thtigkeit wird durch die betreffende Berufsgenossenschaft und die Generalverwaltung kontrolliert. Das 'Verteilungsamt nimmt keine Warenlieferung an, ohne sich selbst von der Beschaffenheit derselben berzeugt zu haben', und so genau ist die Durchfhrung, da ein Gegenstand, der sich in den Hnden des Verbrauchers als unbefriedigend erweist, bis zu demjenigen Arbeiter zurckverfolgt werden, welcher mit der Herstellung des speziellen Stckes betraut gewesen war.[35] Diese ungeheure Buchhalterei und Aufseherei, welche die Regierung in den Stand setzt, die Arbeiter zu ermitteln, welche eine schadhafte Nadel oder eine schlechte Cigarre gemacht haben, ermglicht es ihr auch, fr ihre Gnstlinge zahllose gute Stellungen offen zu halten; aber die Produktionskraft des Volkes und die Menge der erzeugten Werte werden natrlich dementsprechend vermindert. Dazu kommt, da die Zahl der Verbraucher grer ist als frher. Wie erklren Sie das? fragte ich. Hat Dr. Leete Ihnen nicht mitgeteilt, da Leute von gewhnlicher Konstitution in der Regel 85 bis 90 Jahre alt werden?[36] Allerdings. Nun wohl. Dies erklrt die vermehrte Anzahl von Verbrauchern, welche smtlich ihren vollen Anteil an den Arbeitserzeugnissen in Gestalt eines Guthabensscheins beanspruchen, erklrte Forest. Die Leute leben heut lnger, als Ihre Zeitgenossen. Sie machen sich das Leben bequem und whrend die Geistesschrfe, die Thatkraft und der Unternehmungsmut bestndig abnehmen, vegetiert der Krper lnger. Endlich gestehen Sie doch einmal eine Errungenschaft des jetzigen Systems zu, rief ich. Wenn das berhaupt eine Errungenschaft ist, meinte Forest, auf Kosten des geistigen Lebens und Wirkens eine Lebensverlngerung des verdummenden Menschen zu erzielen. -- Und nach einer kurzen Pause schlo Forest seine Auseinandersetzungen ber die kommunistische Gesellschaftsordnung am Ende des zwanzigsten Jahrhunderts folgendermaen: Ich glaube nachgewiesen zu haben, da unser Staatswesen mit seinen auf die angebliche Gleichheit aller Menschen begrndeten Einrichtungen ein Fehlschlag ist, da die in der Natur begrndete Ungleichheit jetzt in mancher Hinsicht viel drckender ist, als zu Ihrer Zeit, da Gnstlingswirtschaft und Korruption heut ebenso wuchern, wie vor 113 Jahren, da von persnlicher Freiheit fast keine Spur mehr vorhanden und an deren Stelle eine unertrgliche Knechtschaft verbunden mit Kriecherei und Augendienerei gegenber den Vorgesetzten getreten ist, da die Angehrigen des Arbeiterheeres, des Stimmrechts beraubt, der Gnade oder Ungnade ihrer Offiziere preisgegeben sind, da diejenigen Mitglieder der industriellen Armee, welche als Gegner der Regierung gelten, ein elendes Leben fhren mssen, das man wohl als eine vierundzwanzigjhrige Hllenpein auf Erden bezeichnen kann, und da die Abschaffung des Wettbewerbes sowohl einen Rckgang der Geisteskrfte, wie des Volkswohlstandes zur Folge hatte. In der That haben die Beseitigung des Wettbewerbes, die Abkrzung der Arbeitsjahre sowohl wie der Arbeitsstunden und die Erschaffung zahlloser Sinekuren fr faulenzende Gnstlinge und Maitressen der einflureichen Politiker die Produktion dermaen vermindert, whrend die Zahl der Verbraucher sich bestndig vermehrt hat, da unser durchschnittliches Jahreseinkommen heut kaum noch grer ist, als das eines gewhnlichen Arbeiters Ihrer Tage. Es gewhrt uns nur ein sehr miges Auskommen. Und es kann meiner Ansicht nach keinem Zweifel unterliegen, da die Menschheit, wenn sie unter diesem System weiter lebt, in einigen Jahrhunderten in Barbarei zurckversinken mu. Siebentes Kapitel. Sie waren so liebenswrdig, mir Ihre Ansichten ber die jetzige Gesellschaftsordnung vorzutragen, begann ich meine nchste Unterredung mit Herrn Forest; Sie haben aber auch gelegentlich die Meinung geuert, da die Gesellschaft am Schlusse des neunzehnten Jahrhunderts mancherlei Verbesserungen bedurfte. Wrden Sie mir wohl jetzt mitteilen, durch welche Maregeln Sie den beln meines Zeitalters entgegen gewirkt htten? Forest lchelte. Ich halte mich nicht fr einen Weltverbesserer, der die Menschheit und deren Einrichtungen vollkommen machen kann. Vergessen Sie niemals, da wir alle mit Wasser kochen mssen, d. h. da alles, was wir unvollkommenen Menschen leisten knnen, den Stempel menschlicher Unvollkommenheit an sich tragen mu. Wie jeder denkende Mensch habe auch ich meine Ansichten ber die gesellschaftlichen Einrichtungen, und wenn Sie diese Ansichten hren wollen, will ich sie Ihnen gern mitteilen. Ich bitte darum. Was viele Leute die sociale Frage nennen, ist unlsbar, begann Forest. Die von der Natur begrndete Verschiedenartigkeit wird sich bei den Menschen stets fhlbar machen. Jeder Versuch zur Gleichmacherei mu fehlschlagen. Es wird stets kluge und dumme, fleiige und faule Leute geben. Tchtige Frauen und Mnner werden nie damit zufrieden sein, da man die Arbeitsergebnisse gleichmig verteilt und ihnen dadurch einen Teil der Frucht ihrer Thtigkeit raubt. Werden aber die Arbeitserzeugnisse nach Verdienst verteilt, so werden viele derjenigen, welche weniger erhalten, unzufrieden sein. Deshalb ist es unmglich, alle Menschen zufrieden zu stellen, gleichviel, wie die Frchte der Arbeit verteilt werden. Aber die Unmglichkeit, jeden ganz zufrieden und glcklich zu machen, entbindet uns nicht von der Verpflichtung, mit allen Krften eine Verbesserung unserer Zustnde zu erstreben. Ich begreife Ihre Stellung. Aber lassen Sie mich hren, welche Verbesserungen Sie vorgeschlagen haben wrden, wenn Sie am Schlusse des letzten Jahrhunderts gelebt htten. Die Gesellschaft Ihrer Tage krankte vornehmlich an der planlosen Arbeitsweise, an der Monopolwirtschaft, welche die Anhufung riesiger Reichtmer ermglichte, und an einem einsichtslosen Arbeiterstande, der sich lieber der Ausbeutung unterwarf, oder die Thtigkeit ganz einstellte, anstatt einfach durch Begrndung von Arbeitergenossenschaften nach und nach alle Zweige menschlicher Thtigkeit auf Gegenseitigkeit zum besten der Arbeitenden zu bernehmen. Ein groer belstand war auch die Ungerechtigkeit Ihrer Besteuerung. Auf fast allen Gebieten menschlicher Thtigkeit wurden Werte erzeugt, ohne da jemand eine klare Vorstellung von dem wirklichen Verbrauche hatte. Die Landwirtschaft lieferte alljhrlich einen groen berschu ihrer Erzeugnisse und letztere waren daher meist so billig, da die Bauern ein ziemlich kmmerliches Leben fhren muten. Viele Fabriken arbeiteten Tag und Nacht, bis der Markt mit ihren Waren berfllt war. Dann wurden diese zu jedem Preise losgeschlagen, manchmal unter den Herstellungskosten, zahlreiche Bankerotte folgten, die Fabriken wurden geschlossen und die Fabrikanten, wie Ihre Arbeiter, erlitten schwere Verluste durch ihre unfreiwillige Unthtigkeit, bis der berschu an Waren aufgebracht war. Dann begann aufs neue eine fieberhafte Thtigkeit. Wie wrden Sie diese belstnde bekmpft haben? fragte ich. Ein Bundesamt htte feststellen mssen, wie gro der durchschnittliche Jahresverbrauch der verschiedenen Lebensbedrfnisse war und wie sich die Leistungsfhigkeit der betreffenden Berufszweige zur Erzeugung solcher Waren zum Verbrauch verhielt. Und was dann? Htte dann die Regierung den verschiedenen Berufszweigen einen Auftrag zur Herstellung gewisser Erzeugnisse geben sollen? Und wie htten diese Auftrge so verteilt werden knnen, da die Arbeiter damit zufrieden gewesen wren? Die Bundesregierung htte einfach den Jahresverbrauch der verschiedenen Waren und die Leistungsfhigkeit der Berufszweige zur Erzeugung der erforderlichen Waren feststellen sollen. Sache der Berufsgenossenschaften wre es dann gewesen, die Produktion zu regeln. Solche Ermittelungen der Regierung, welche den ungefhren Bedarf feststellten, htten der arbeitenden Menschheit eine ziemlich klare Vorstellung von ihren Aufgaben gegeben. Jeder Berufszweig htte sich organisieren, Vertreter zu einer Nationalkonvention whlen und auf dieser die Arbeit verteilen knnen. Die Arbeit ins Blaue hinein, die berfllung der Mrkte mit ins Massenhafte erzeugten Waren, htte so vermieden werden knnen; und doch wre der #Wettbewerb#, sowohl zwischen den verschiedenen Fabriken, wie zwischen den einzelnen Arbeitern #aufrecht erhalten# worden, der Wettbewerb, durch den allein tchtige und reichliche Arbeitsleistungen erzielt werden. Wenn aber trotzdem mehr Waren hergestellt worden wren, als verbraucht wurden, wandte ich ein. Das wrde natrlich der betreffende Berufszweig verschuldet haben und die beln Folgen wrden auf ihn gefallen sein, entgegnete Forest. Angenommen aber, da smtliche Angehrige eines Gewerbes sich zu dem Zwecke verstndigt htten, fr ihre Erzeugnisse einen unverhltnismig hohen Preis zu verlangen und das zu bilden, was man zu meiner Zeit einen 'Trust' nannte, fragte ich. Wie wren Sie einer solchen Ausbeutung des Volkes begegnet? Ein Bundesgesetz htte das Volk gegen jeden solchen Raubversuch schtzen knnen, welches verordnete, da alles Eigentum der an solchen Raubplnen beteiligten Leute, Genossenschaften und Gesellschaften von den Ver. Staaten beschlagnahmt und an den Meistbietenden verkauft werden solle, sobald ein annehmbares Gebot erfolge. Bis dahin htte die Regierung durch Verwalter den Betrieb besorgen lassen oder letzteren einstellen knnen. Die Einfuhr htte unter Umstnden den Bedarf gedeckt, bis der volle Betrieb wieder aufgenommen worden wre. Und wie wrden Sie die vielen Arbeitseinstellungen gehindert haben, welche die Erwerbsthtigkeit unserer Tage so oft strten? fragte ich weiter. Durch Ermutigung der Arbeiter zur Begrndung von Produktivgenossenschaften, antwortete Forest. Ich habe bereits auseinander gesetzt, wie leicht solche Teilhaberschaften begrndet werden konnten. Ein Dutzend Schneider oder Schuhmacher konnten einen Flur mit Dampfkraft mieten, einige Nh- und sonstige Maschinen anschaffen und ihre Arbeitserzeugnisse dann unmittelbar an andere Arbeiter verkaufen. Dadurch htten sie sich den Gewinn der Fabrikanten, Grohndler, Kleinhndler und Arbeiter gesichert, d. h. allen Gewinn, der berhaupt in ihren Erzeugnissen steckte. Und es gab im Jahre 1887 kein Gesetz, welches die Arbeiter hinderte, derartige Produktivgenossenschaften zu begrnden, oder ihre Bedrfnisse an Kleidern, Schuhwerk, Mbeln u. s. w. nur von Produktivgenossenschaften zu kaufen. Die Fabrikanten wrden, sobald es offenbar geworden, da die Arbeiter nur von Produktivgenossenschaften kaufen wollten, sehr gern bereit gewesen sein, ihre Einrichtungen billig herzugeben, billiger, als die neuen Gesellschaften sie htten einrichten knnen. Ich meine, es msse kein Vergngen gewesen sein, zu ihrer Zeit ein Geschft zu leiten, in welchem viele Leute arbeiteten. Denn die vielen Arbeitseinstellungen mssen es den Geschftsleitern fast unmglich gemacht haben, Voranschlge fr das nchste Jahr zu berechnen, oder Kontrakte abzuschlieen. Deshalb wrden, wie ich mir vorstelle, die Eigentmer von Fabriken froh gewesen sein, wenn sie ihre Einrichtungen zu einigermaen gnstigen Preisen htten verkaufen knnen. Und die Arbeiter htten nichts Gescheiteres thun knnen, als die Fabrikanten zu veranlassen, die Leitung der Geschfte gegen eine angemessene Bezahlung weiter zu fhren. Dies wrde den ferneren erfolgreichen Geschftsbetrieb wesentlich erleichtert haben. Bei einem solchen Abkommen wrden die Arbeiter durch monatliche Abschlagszahlungen Eigentmer geworden sein, sie wrden sich dadurch die volle Bezahlung fr ihre Arbeit gesichert haben, der frhere Eigentmer htte fr seine Einrichtungen einen angemessenen Preis erhalten, wre aller Sorgen ledig und erhielte fr seine Arbeit auch eine angemessene Bezahlung. Ich glaube, da den meisten Fabrikanten und Geschftsleuten meiner Zeit durch die unaufhrlichen neuen Forderungen und Streiks ihrer Leute die Leitung groer Unternehmungen so verekelt war, da sie ihren Besitz gern verkauft htten, bemerkte ich. Aber was wre aus den Gro- und Kleinhndlern geworden? Sie htten ihre Waren verkaufen und sich dann entweder einer Genossenschaft anschlieen oder den Laden einer solchen verwalten knnen. Auch stand es ihnen frei, sich eine andere Berufsthtigkeit zu suchen, entgegnete Forest. Die Arbeiter Ihrer Tage htten in der angedeuteten Weise einen Berufszweig nach dem andern auf genossenschaftlicher Grundlage organisieren knnen, bis die gesamte Industrie durch groe, in Nationalverbnde vereinte, Genossenschaften betrieben worden wre. Aber unsere Arbeiter wollten die Verantwortlichkeit, die Sorgen und Wagnisse nicht bernehmen, welche von der Fhrung eines eigenen Geschftes unzertrennlich sind. Sie zogen es vor, fr Lohn zu arbeiten und versuchten es, diesen von Zeit zu Zeit zu erhhen, indem sie die Arbeit einstellten und andere Leute verhinderten, die Pltze der Streiker einzunehmen, sagte ich. Ihnen sind diese Verhltnisse jedenfalls bekannt. Allerdings, erwiderte Forest, und es mu auf den unbeteiligten Beobachter einen trbseligen Eindruck gemacht haben, da tchtige Arbeiter, die ihr Geschft grndlich verstanden, anstatt auf gemeinschaftliche Kosten eigene Geschfte zu begrnden, Lohnarbeiter blieben und aus ihren Arbeitgebern mehr Geld zu erpressen versuchten, als diese zahlen wollten oder konnten, dabei andere Leute gewaltsam verhindernd, fr den vom Fabrikanten bewilligten Lohn zu arbeiten. Der Umstand, da die Arbeiter am Ende des neunzehnten Jahrhunderts nicht Unternehmungsmut, geistige Befhigung und Unabhngigkeitssinn genug besaen, fr eigene Rechnung zu arbeiten, hat die menschliche Gesellschaft in den Kommunismus gestrzt. Da diese fluchwrdige Staatsform ein klglicher Fehlschlag werden mute, war eine aus der menschlichen Natur erwachsende Notwendigkeit. Ein Geschlecht, welches noch auf einem so niedrigen Standpunkte der Entwicklung stand, da die Schuhmacher nicht einmal thatkrftig und klug genug waren, fr eigene gemeinschaftliche Rechnung Schuhe und Stiefel zu machen, sondern viel lieber 'Lohnsklaven' blieben, streikten und andere Arbeiter prgelten, welche fr den gebotenen Lohn arbeiten wollten; ein so kmmerliches Geschlecht war natrlich geistig durchaus unfhig, ein Staatswesen zu bilden, welches alle menschliche Thtigkeit und den Verbrauch aller Arbeitserzeugnisse regelt. Jedenfalls ist die Thtigkeit der Arbeiter auf gemeinschaftliche Rechnung die vernnftigste Lsung dessen, was viele Arbeiter auch heut noch die sociale Frage nennen, fuhr Forest fort, nachdem er eine kurze Pause gemacht hatte. Solche Genossenschaften sichern den Arbeitern den vollen Lohn fr ihre Thtigkeit und erhalten den Wettbewerb aufrecht, die mchtige Triebkraft zur Entwicklung der Menschheit. Ob wir aber diese Lsung der Arbeiterfrage erleben werden, erscheint sehr zweifelhaft. So weit die in Fabriken und Werksttten beschftigten Arbeiter in Frage kommen, erscheint mir Ihr Vorschlag in der That recht gut, gab ich zu. Wie wrden Sie aber die Arbeit auf dem Lande geregelt haben, die Thtigkeit der rzte und Rechtsanwlte, der Eisenbahnbeamten und -Arbeiter, der Angestellten an den Straenbahnen, der Kaufleute, Bankiers und vieler anderer Berufszweige? Lassen Sie uns schrittweise vorgehen, entgegnete Forest lchelnd. Beschftigen wir uns zunchst mit der agrarischen Frage, welche seit Menschengedenken jeder Umgestaltung der Gesellschaft die grten Schwierigkeiten bereitet hat. Unter der jetzigen kommunistischen Wirtschaft hegen die Ackerbauer nur wenig Liebe fr den Boden, den sie bewirtschaften. Das Land gehrt ihnen ebenso wenig, wie das, was sie demselben abgewinnen. Sie glauben, da sie fr die Stdter arbeiten mssen, welche auf Kosten der Landbevlkerung bevorzugt werden. -- Htte man mich am Ende des neunzehnten Jahrhunderts gefragt, wie ich die Landfrage behandeln wolle, so wrde ich ein Gesetz befrwortet haben, nach welchem niemand mehr als 40 Acker besitzen drfte. Diejenigen Bauern, welche damals mehr Land besaen, htten dasselbe behalten, aber nach ihrem Tode htte niemand mehr als 40 Acker erben drfen. Auf einem 'Vierzig-Ackerstck' kann ein Bauer sehr gut leben und obschon in Ihren Tagen die Ackerbauer unter der Zuvielerzeugung von Vieh, Getreide und Frchten aller Art schwer zu leiden hatten, so entschdigte die Farmer doch die Aussicht auf die bestndige Vermehrung der Bevlkerung, verstrkt durch Einwanderung, fr die kmmerliche Gegenwart; denn die Bevlkerungsvermehrung steigerte natrlich den Wert der Farmlndereien. Aber wie htten Sie der berproduktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse Einhalt thun knnen, wodurch die Landbevlkerung im Jahre 1887 so schwer litt? fragte ich. Das Bundesamt fr Ermittelungen, auch statistisches Bureau geheien, wrde den Bauern ebenso gedient haben, wie dem brigen arbeitenden Volke, versetzte Forest. Die Bauern htten einen Nationalverein bilden und dieser htte die Produktion regeln sollen nach der Leistungsfhigkeit der Ackergter des ganzen Landes. Und wenn es sich herausstellte, da die Farmer ungleich mehr Ackerbauerzeugnisse hervorbringen konnten, als der Bedarf erforderte, dann htten die Bauern einen Teil ihres Landes zum Anbau neuer Nutzpflanzen verwenden knnen, fr welche sich vielleicht ein Markt gefunden htte; oder sie htten einfach Arbeit sparen knnen, indem sie einen Teil des Bodens brach liegen lieen. Nach Ihrer Ordnung der Dinge htte nicht jedermann ein Anrecht an den Grund und Boden gehabt? warf ich ein. Doch! Jedermann, welcher den Preis zahlen wollte und konnte, den der Eigentmer dafr forderte, entgegnete Forest. Es kann nicht jedermann ein Landgut besitzen. Besaen Sie eins? Nein. Nun wohl! Unter der kommunistischen Wirtschaft besitzt niemand auch nur so viel Land, da man einen Stock hinein stecken knnte. Wie wrden Sie die Thtigkeit der rzte und Rechtsanwlte geregelt haben? Durch gesetzmige Feststellung einer Gebhrentaxe. Und die Gesetze selbst wrde ich sehr vereinfacht haben durch Beseitigung des schauderhaften Wirrwarrs, welcher aus einer sogenannten Rechtspflege entstand, die aus der Entscheidung zahlloser frherer Flle hergeleitet wurde. Lange habe ich es nicht glauben wollen, bis ich ganz unzweifelhafte Angaben darber fand, da eine so viel Handel treibende Nation, wie die amerikanische es gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts war, weder ein einheitliches Kriminalgesetz, noch ein einheitliches Handelsgesetz besa. Diese Thatsache und der Wirrwarr, welcher aus den einander widersprechenden Entscheidungen hnlicher Flle in frheren Prozessen folgte (Entscheidungen, welche stets von den Rechtsanwlten beider Parteien in einem Rechtsstreite vorgefhrt werden konnten), mssen die Ver. Staaten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts zu einem Paradiese fr Schwindler und fr solche Advokaten gemacht haben, welchen es weniger um die Feststellung des Rechts zu thun war, als um einen mglichst hohen Ehrensold; oder, besser gesagt, Sndenlohn. Solche Anklagen wurden zu meiner Zeit vielfach gegen die Rechtspflege und gegen die Rechtsanwlte erhoben, schaltete ich ein. Aber nun sagen Sie mir, was Sie mit den Angestellten der Eisenbahn- und Telegraphenlinien gethan htten; mit .... Fragen Sie geflligst etwas langsamer, ersuchte mich Herr Forest. Ich wrde alle Eisenbahn- und Telegraphenlinien des Landes zu einem angemessenen Preise aufgekauft und Bundesschuldscheine zur Bezahlung ausgegeben haben. Die Einnahmen der Eisenbahnen- und Telegraphenlinien wrde ich zur Zahlung der laufenden Ausgaben und zur Verzinsung der ausgegebenen Schuldscheine benutzt haben, die berschsse im Bundesschatzamte aber zur Bezahlung der ausgegebenen Bonds. Mir scheint, als stnde dieser Vorschlag im Widerspruche mit dem, was Sie in Bezug auf die schauderhaften Zustnde sagten, die eine Folge der Ansammlung zu groer Macht in den Hnden der Regierung sein sollen, fragte ich. Nein, antwortete Forest. Zur Herbeifhrung solcher Zustnde, wie die jetzigen, wren die Eisenbahn- und Telegraphenmter nicht zahlreich genug, abgesehen davon, da #jetzt# alle Arbeiter von der Regierung ganz abhngig sind, keine Stimme bei der Erwhlung der Beamten haben, und ihre Arbeitgeber nicht wechseln knnen, weil der Staat der einzige Arbeitgeber ist; whrend zu Ihrer Zeit alle Beamten das Wahlrecht hatten und ihre Stellungen mit andern vertauschen konnten, wenn sie unzufrieden wurden. Auch erinnere ich mich, da man zu Ihrer Zeit mit der Reformierung des Beamtenwesens begonnen hatte. Ich habe darber widersprechende Urteile gelesen. In manchen Aufstzen wurde behauptet, da die Sicherheit der republikanischen Einrichtungen einen hufigen Wechsel der Beamten erfordere; whrend in andern Schichten diese Ansicht als lcherlich verspottet wurde. Jeder vernnftige Mensch wrde einen Mann, der ihm treu und umsichtig diene, so lange wie mglich behalten. Das Volk solle dasselbe thun, und seine Angestellten so lange behalten, wie sie ihre Schuldigkeit thten; gleichviel welcher politischen Partei sie angehrten. Nur dadurch knnte eine gute Verwaltung der ffentlichen Angelegenheiten erzielt werden. Ich entsinne mich gelesen zu haben, da Brieftrger und andere im Postdienst Angestellte nicht entlassen werden durften, wenn man ihnen keine Pflichtverletzung nachweisen konnte. Wenn diese Grundstze auf alle Angestellten des Eisenbahn- und Telegraphenwesens angewendet worden wren, von dem Augenblick an, da diese Einrichtungen in die Verwaltung der Ver. Staaten bergingen; wenn alle Angestellten mit denselben Gehltern, die sie frher bezogen, beibehalten worden wren, so lange sie ihre Schuldigkeit thaten, so htte die bernahme des Eisenbahn- und Telegraphenwesens und die Vereinigung dieser beiden Verkehrsanstalten mit dem Postdienste nur geringe Schwierigkeiten veranlat. Uncle Sam htte natrlich ebenso gute, wenn nicht bessere Gehalte zahlen knnen, als die Aktiengesellschaften, welche frher den Eisenbahn- und Telegraphendienst leiteten. Das klingt ganz annehmbar. Und es ist annehmbar. Deutschland hatte mit der Vereinigung des Post-, Eisenbahn- und Telegraphendienstes unter Staatsleitung bereits eine erfolgreiche Probe zu der Zeit gemacht, da man 1887 schrieb. -- Es ist in der That hchst bemerkenswert, da ein so weltkluges, thatkrftiges und handeltreibendes Volk, wie das der Ver. Staaten am Ende des neunzehnten Jahrhunderts, die Hauptverkehrsmittel in den Hnden von Krperschaften lie, welche dieselben natrlich zu dem Zwecke verwalteten, mglichst groen Gewinn herauszuwirtschaften; mitunter auch einen Nebengewinn fr einen Direktorenring. In manchen Geschichtswerken Ihrer Zeit, fuhr Forest fort, begegnet man uerungen des Erstaunens und des Zorns darber, da im vierzehnten und fnfzehnten Jahrhundert in manchen europischen Lndern sogenannte Raubritter ihr Unwesen treiben durften. Diese Biedermnner hielten die unter ihren Schlssern vorbeiziehenden Kaufleute und Reisenden an, forderten einen Zoll und lieferten ihnen unter Umstnden dafr Schutz innerhalb gewisser Grenzen. Dies waren die Geschftsgrundstze der anstndigen Raubritter. Die unanstndigen plnderten die Reisenden einfach aus, unterschieden sich also in keiner Weise von gewhnlichen Straenrubern. Wir haben es hier nur mit den Rittern zu thun, welche fr die Benutzung der ber ihr Gebiet fhrenden Straen eigenmchtig einen Zoll erhoben. Diese Herren wagten ihre gesunden Gliedmaen, ja ihr Leben an die Eintreibung eines Wegezolles; denn die Kaufleute wuten mit Schwert und Lanze umzugehen, hatten oft bewaffnete Knechte mit sich und leisteten hufig erfolgreichen Widerstand. Mehr als ein Ritter fiel bei seinem Versuche, Zoll zu erheben, im Kampf auf der Landstrae, manches Raubschloß«, dessen Insassen den benachbarten Stdten besonders beschwerlich geworden waren, wurde von den Brgern gestrmt, und der Herr Raubritter bte seine Gelste nach Zllen mit dem Tode. Anders war es zu Ihrer Zeit. Die Herren, welche damals Zlle von den Reisenden und von den Waren erhoben, die ber die Hauptverkehrsstraen befrdert wurden, konnten das ohne alle Gefahr thun. Sie durften diese Zlle auch fast nach Belieben steigern. Alles, was sie zu diesem Zweck zu thun hatten, war die Veranstaltung einer Zusammenkunft der Eisenbahnprsidenten da oder dort und die Annahme des Beschlusses, da sie die Preise fr die Befrderung von Reisenden und Frachtgtern erhhen wollten. Solche Zusammenknfte hatten nur dann ble Folgen, wenn der Champagner schlecht war, welcher bei diesen Gelegenheiten getrunken wurde. Es war ein fast lcherlicher Zustand, da ein handeltreibendes Volk den gesamten riesigen Personen- und Frachtverkehr des Landes der Willkr von Dividenden machenden Gesellschaften preisgab, und es legt ein gutes Zeugnis fr das Billigkeitsgefhl der Eisenbahnbeherrscher im Jahre 1887 ab, da dieselben das Volk so gut behandelten, wie es geschah; da sie ja eigentlich thun und lassen konnte, was ihnen beliebte. Die Gas- und Wasserwerke, sowie die Straenbahnlinien htten Sie vermutlich unter die Leitung der Stadtverwaltungen gestellt, fragte ich. Allerdings, antwortete Forest. Aber ehe ich mich mit stdtischen Angelegenheiten befat htte, wrde ich unter die Bundesverwaltung auch noch diejenigen Wald- und Bergwerkslndereien gestellt haben, welche damals den Ver. Staaten noch gehrten, d. h. ich wrde eine geordnete Forst- und Bergwerkswirtschaft eingefhrt haben. Wenn das Volk der Ver. Staaten einigermaen vernnftig mit den ungeheuren Wldern gewirtschaftet htte, welche frher weite Gebiete dieses groen Landes bedeckten, so wrden wir jetzt, im Jahre 2000, nicht an Holzmangel leiden. Was wrden Sie mit den Bankiers und mit den Kaufleuten angefangen haben? Nichts, entgegnete Forest. Die zahlreichen Produktivgenossenschaften htten nicht nur Mnner gebraucht, welche den Betrieb der Fabrik leiten konnten, sondern auch Geschftsfhrer und Buchhalter. Denn die Arbeiter wrden sehr bald die Entdeckung gemacht haben, da die Handarbeit allein nicht gengt, um ein groes Unternehmen mit Erfolg und zum Nutzen aller Beteiligten zu betreiben. Als Geschftsleiter und Buchhalter htten viele Bankiers und Buchfhrer wieder Anstellung gefunden. Die Eigentmer von Lden aller Art htten, falls von den Produktivgenossenschaften Verbrauchsvereine begrndet worden wren, die alle Waren hielten, wie zu Ihrer Zeit die sogenannten Country Stores, sehr leicht Anstellung finden knnen, nachdem sie ihren Warenvorrat verkauft hatten. Ich glaube, da unter Ihrem System alle Lden gezwungen worden wren, ihre Thren zu schlieen, bemerkte ich. Denn die verschiedenen Gewerkschaften htten ganz sicher eigne Lden eingerichtet, alle Waren im groen gekauft und den Mitgliedern der Genossenschaften mit kleinem Gewinn wieder verkauft. Mit solchen Geschften htten die Kaufleute natrlich nicht konkurrieren knnen. Diejenigen Ladenbesitzer, welche nicht imstande gewesen wren, Anstellungen in den Geschften der Genossenschaften zu erlangen, htten sich nach anderer Arbeit umsehen mssen -- fr viele derselben ein hartes Los! Der bergang von dem Betrieb der Industrie auf Rechnung einzelner Leute oder Aktiengesellschaften zu dem Betrieb durch Produktivgenossenschaften wre sicher kein pltzlicher gewesen, sondern allmhlich geschehen, erklrte Forest. Dadurch htten die Kaufleute vielleicht dreiig oder fnfzig Jahre Zeit gefunden, sich in die neue Ordnung der Dinge zu schicken. Ihre Kinder htten sich, anstatt Kaufleute zu werden, den Gewerkschaften anschlieen knnen. Auerdem liegt kein Grund zu der Annahme vor, da aller kaufmnnischen Thtigkeit einzelner durch die Lden der Verbrauchsgenossenschaften ein Ende gemacht werden mte. Die Billigkeit einer Ware allein sichert ihr nicht unter allen Umstnden die Kufer. Der Geschmack beim Einkaufe hat sehr viel damit zu thun und viele Leute zahlen lieber fr einen Gegenstand, der ihnen gefllt, etwas mehr, als fr einen andern, der eben so zweckentsprechend, aber nicht so hbsch ist. Deshalb htten Kaufleute, die beim Einkauf ihrer Waren feinen Geschmack entwickelten, immer auf Kundschaft zhlen knnen, allen Genossenschaftslden zum Trotz. -- Auch in vielen Landbezirken htten sich Lden einzelner Kaufleute wohl halten knnen. Sie sagten, Sie wrden ein Bundesgesetz erlassen haben, demzufolge niemand mehr als 40 cker Land besitzen sollte, sagte ich. Htten Sie auch das Recht der Stdter auf Besitz von Grundeigentum beschrnkt? Der Besitz eines Hauses htte jeden billig denkenden Menschen befriedigen sollen, entgegnete Forest. Niemand kann in Abrede stellen, da die Ansammlung von Reichtmern, die sich in die Millionen beliefen, in den Hnden einzelner, whrend andererseits viele nicht die ntigsten Lebensbedrfnisse hatten, diesem verdammenswerten Kommunismus vorarbeitete, ihn ermglichte. Wie htten Sie aber die Ansammlung von groen Reichtmern verhindern wollen? fragte ich neugierig. Durch nderung des Steuerwesens, antwortete Forest. An Stelle mancher Steuern, welche Sie erhoben, und welche groenteils den Unbemittelten mehr belasteten als den Reichen, htte ich eine Erbschaftssteuer eingefhrt, die zur Aufrechterhaltung der Bundes-, Staats- und Gemeinderegierungen beigetragen htte. Ich wrde eine Steuer von einem Prozent auf jede Erbschaft vorgeschlagen haben, welche jemandem zufiel und sich auf nicht mehr als 10000 Dollars belief. Eine Erbschaft von 20000 Dollars wrde ich mit zwei Prozent besteuert haben, 30000 Dollars mit drei Prozent, 100000 Dollars mit zehn Prozent, 200000 Dollars mit zwanzig Prozent, 500000 Dollars mit fnfzig Prozent. Htte jemand ein so groes Vermgen hinterlassen, da auf jeden Erben mehr als 500000 Dollars (d. h. nach Abzug der Erbschaftssteuer 250000 Dollars) entfallen wren, so wrde der berschu als ein Erbteil der Menschheit angesehen zur Bestreitung der Bundes-, Staats- und Gemeindeausgaben verwendet worden sein. Wrde ein solches Gesetz nicht als ein Abkhlungsmittel auf den Unternehmungsgeist gewirkt und den Wettbewerb gelhmt haben, den Sie stets als den Urquell alles menschlichen Fortschritts preisen? fragte ich. Es htte nur die Ansammlung ungeheurer Vermgen verhindert und den Wettbewerb nicht gehindert, sondern im Gegenteile geschtzt, gab Forest zur Antwort. Leute, welche zwanzig, oder fnfzig Millionen Dollars besaen und diese groen Geldmittel rcksichtslos im Kampfe um das Dasein verwendeten, waren gefhrlicher, als Diebe und Einbrecher. Sie konnten jede Konkurrenz weniger bemittelter Bewerber vernichten und oft bedienten sie sich erbarmungslos ihrer Macht. Sie traten den Wettbewerb tot, vermehrten ihre Millionen und bahnten dem fluchwrdigen Kommunismus den Weg. War es nicht ein groes Unrecht, da ein Mensch, welcher durch allerlei Mittel ein groes Vermgen angesammelt hatte, dieses unverkrzt einem Sohne hinterlassen konnte, letzteren in den Stand setzend, die Abschlachtung der Konkurrenten und die Vermehrung der Millionen fortzusetzen? Was konnte der tchtigste Mensch in vielen Berufszweigen erzielen, wenn er auf einen anderen Menschen stie, der vielleicht geringere Fhigkeiten, aber viel Geld und kein Gewissen besa und seine Millionen in der rcksichtslosesten Weise zum Verderben seiner Konkurrenten bentzte. -- Nein! Reiche Eltern mgen immer fr ihre Kinder ein ansehnliches Vermgen hinterlassen, welches ihre Lieblinge gegen Nahrungssorgen sicher stellt; aber sie sollten ihre Kinder nicht in den Stand setzen, die Kinder rmerer Eltern im Kampfe ums Dasein an die Wand zu drcken und im Wettbewerb tten. Eine solche Erbschaftssteuer wrde in meiner Zeit erbitterten Widerstand gefunden haben, bemerkte ich. Wohl mglich, entgegnete Forest. Wahrscheinlich htten jene kurzsichtigen Millionre, welche durch ihr Treiben den Kommunismus heraufbeschworen, Einwand dagegen erhoben. Ich bin nichts destoweniger der Meinung, da solch ein Gesetz nicht nur der Menschheit im allgemeinen, sondern auch den Kindern der Millionre gentzt haben wrde. Nur ein Gesetz dieser Art, welches die Zertrmmerung der Riesenvermgen bewirkt haben wrde, htte den Ansturm des Kommunismus und der Anarchie zurckwerfen knnen. Jemand, der 250000 Dollars erbte, htte mit dieser Summe wohl zufrieden sein und den berschu der Erbschaft dem Gemeinwesen willig abgeben knnen. Durch Aufopferung eines Teiles der Erbschaft htten die Erben jener Riesenvermgen den Rest gerettet und den Kommunismus geschwcht. Auerdem erscheint es mir sehr zweifelhaft, da der Besitz groer Reichtmer deren Eigentmer gut, oder glcklich machte. Wenn im Jahre 1887 in den Ver. Staaten ein solches Gesetz erlassen worden wre, wrden die meisten Millionre ihren Besitz zu Gelde gemacht haben und nach Europa ausgewandert sein, wendete ich den Auseinandersetzungen Forests gegenber ein. Dieser erwiderte: Das glaube ich auch. Aber derjenige, der einen groen Besitz antritt, den er nicht erworben hat, kann sehr wohl eine hohe Abgabe an die Gemeinde entrichten und die durch eine derartige Erbschaftssteuer bewirkte Zerstcklung der groen Vermgen htte den kommunistischen Whlereien die Spitze abgebrochen. Selbstverstndlich htte eine solche Steuer nach vorangegangenen internationalen Verhandlungen in allen greren Kulturstaaten gleichzeitig eingefhrt werden mssen. Die Versuchung, die hohe Abgabe zu vermeiden, wrde sehr gro gewesen sein, machte ich geltend. Viele Leute wrden es versucht haben, die Steuer teilweise zu umgehen, indem sie die Erbschaften den Behrden gegenber kleiner angaben, als sie wirklich waren; oder indem sie schon bei Lebzeiten ihren Kindern und Verwandten einen Teil der Erbschaft schenkten. Der Versuch der Steuerbetrgerei htte mit Wegnahme des gesamten Eigentums bestraft werden knnen, sagte Forest, die Geschenke dagegen htten ebenso besteuert werden knnen, wie die Erbschaften. Angesichts der Gerechtigkeit und der wohlthtigen Wirkungen eines solchen Gesetzes htte man einige Beschwerlichkeiten in der Durchfhrung schon mit in den Kauf nehmen knnen; zumal diese Schwierigkeiten sich nur anfangs schroff geltend gemacht haben wrden. Sobald der Betrieb der Eisenbahn- und Telegraphenlinien an die Ver. Staaten, der Betrieb der Industrie und der Handel mit Lebensbedrfnissen dagegen an die Genossenschaften bergegangen wre, wrden Vermgen im Betrage von 50 oder 100 Millionen Dollars zu den gewesenen Dingen gehrt haben; denn alle diese Einrichtungen htten ebenso wohl der Verarmung wie der Anhufung groer Reichtmer entgegen gewirkt. Die Zahl der Agenten und Zwischenhndler wrde bedeutend vermindert worden sein, jeder Mann wre zu einer nutzbringenden Thtigkeit ermutigt worden und wrde einen Lohn empfangen haben, welcher der Gte und Menge seiner Leistungen entsprochen htte. Wrden nicht solche Cliquen und Sippen sich gebildet haben, wie diejenigen, welche nach Ihrer Behauptung Ihre Regierung beeinflussen? fragte ich. Und wrden diese Sippen nicht die Leitung der Fabrikations- und Verbrauchsgenossenschaften an sich gerissen haben? Htten nicht Cliquen den guten Arbeiter zu gering, den begnstigten schlechten Arbeiter zu hoch bezahlen knnen? Solche Flle htten wohl eintreten knnen, wrden aber zur Folge gehabt haben, da die tchtigen Arbeiter eine Genossenschaft verlassen htten, in welcher sie zu Gunsten der Faulenzer und Pfuscher betrogen wurden. Sie htten leicht Aufnahme in einer andern Genossenschaft gefunden; denn gute Arbeiter werden berall da gewrdigt, wo der Wettbewerb herrscht. Dagegen wrde eine Genossenschaft, welche ihre tchtigsten Arbeiter vertrieben htte, in ihren Leistungen zurckgegangen und unfhig geworden sein, den Wettbewerb ferner auszuhalten. Derartige Schwierigkeiten wrden sich also sehr leicht ausgeglichen haben. Natrlich mssen Sie auf Gegenseitigkeit beruhende Versicherungsgesellschaften unter den Berufsgenossenschaften befrworten, Gesellschaften, welche alle Beteiligten gegen Unflle, Krankheiten, Arbeitsunfhigkeit jeder Art sicher stellten und in einem gewissen Alter eine Pension gewhrten, sagte ich. Und wahrscheinlich wrden diese Versicherungsgesellschaften auch Feuer- und Lebenspolicen ausgestellt haben. Dies wrde allerdings eine Folge des Systems gewesen sein, welches die wenigen Vorteile, die der Kommunismus bietet, mit den Wohlthaten vereint, die aus dem Wettbewerbe erwachsen, antwortete Forest. Wrden Sie die Einwanderung ermutigt haben? fragte ich weiter. Am Ende des neunzehnten Jahrhunderts waren viele ehrliche, wohlmeinende, durchaus nicht engherzige Leute, die niemand des Fremdenhasses beschuldigen durfte, der Ansicht, da die Ver. Staaten alle fremden Elemente aufgenommen htten, welche sie allenfalls verdauen konnten und da der Rest der Bundeslndereien fr die Kinder der Bewohner der Ver. Staaten aufgehoben werden sollte. Die Abneigung gegen weitere Einwanderung war groenteils durch die deutschen und irischen 'Dynamiteriche' verschuldet worden. Ich kann mir vorstellen, entgegnete Forest, da manche Sitten und Schrullen der Einwanderer Ihrer Zeit den eingeborenen Amerikanern anstig erschienen, und da die Verbrechen der Dynamitwteriche gegen die Gesetze des Landes, das sie gastfrei aufgenommen hatte, eine tiefe Entrstung bei den Angloamerikanern hervorgerufen haben muten. Nichts destoweniger glaube ich, da Ihre Zeitgenossen alle Ursache hatten, die Einwanderung zu ermutigen. Strenge Handhabung der Gesetze gegen #alle# bertreter derselben, gegen die #eingeborenen# sowohl, wie gegen die #eingewanderten#, wrde dem Lande sehr wohl gethan und alle Versuche berflssig gemacht haben, die Einwanderung zu beschrnken. Die wirklich anstigen Einwanderer htte man doch nicht aus dem Lande halten knnen, wenn sie hinein wollten; denn diese Leute wren, falls man ihnen die Hfen der Ver. Staaten verschlossen htte, ber Mexico oder Canada eingewandert. Dieselben Grnde wurden zu meiner Zeit vielfach geltend gemacht, bemerkte ich zustimmend. Das vergleichsweise geringe Unheil, welches die Einwanderer anrichteten, wurde ganz in den Schatten gestellt durch den groen Nutzen, welcher dem Volke der Ver. Staaten aus dem europischen Menschenstrom erwuchs, fuhr Forest fort. Die einfache Thatsache, da Hunderttausende gesunder Menschen, deren Aufzucht und Erziehung den europischen Lndern mehrere hundert Millionen Dollars gekostet hatte, den amerikanischen Boden betraten, war ein groer Gewinn fr die Ver. Staaten. Die bloe Anwesenheit dieser Mnner und Frauen erhhte den Wert des Landes da, wo sie sich niederlieen; so die Grundeigentmer bereichernd. Viele der Einwanderer waren geschulte Arbeiter und Handwerker, andere Knstler und Gelehrte. Alle diese Mnner und Frauen waren aber mit den Sitten, den Geschftsgebruchen, den Landesverhltnissen und oft auch mit der englischen Sprache nicht vertraut. Sie muten daher fast ausnahmslos beim #Beginn# ihrer amerikanischen Thtigkeit die untersten Pltze im amerikanischen Erwerbsleben einnehmen. Dadurch erhoben sie naturgem alle diejenigen, welche schon in den Ver. Staaten wohnten, zu mehr oder weniger hheren Stellungen im Leben. Viele dieser Leute, welche aus allen Teilen Europas hierher kamen, waren befhigte und gebildete Menschen, welche mit der Zeit erfolgreiche Mitbewerber der lteren Ansiedler wurden. Aber der bestndige Menschenstrom, welcher sich aus den europischen Lndern nach den Ver. Staaten ergo, bereicherte und erhob doch bestndig das amerikanische Volk und alle die Schlge, welche gegen die Einwanderung gerichtet wurden, waren deshalb unklug. Die Gesetzgeber, welche solche Maregeln befrworteten, erinnern mich an den Mann, welcher eine Gans schlachten wollte, die jeden Tag ein goldenes Ei legte. Nach einer kurzen Pause schlo Forest seine Auseinandersetzungen folgendermaen: Es ist natrlich ganz unmglich, irgend welche Vorschlge zur Umgestaltung der Gesellschaft zu entwickeln, welche sich allgemeiner Zustimmung erfreuen knnten. Ich behaupte indes, da alle solche Vorschlge zwei leitende Grundstze verkrpern mssen. Alle Verbesserungsvorschlge sollten den Zweck haben, #aus der menschlichen Gesellschaft die unverschuldete Armut zu verbannen#, indem sie die Furcht vor derselben durch zweckmige Versicherungseinrichtungen beseitigen und sie sollten den #Wettbewerb erhalten#, die gewaltige Kraft, welche bestndig jedermann anspornt, seine besten Krfte einzusetzen, um sich selbst und die Menschheit auf einen hheren Standpunkt zu erheben. Achtes Kapitel. Als ich Herrn Forest nach unserer letzten Unterredung verlassen hatte, war ich teils durch seine Auseinandersetzungen, teils durch meine eigenen Wahrnehmungen berzeugt worden, da der Kommunismus nicht, wie Dr. Leete behauptete, das tausendjhrige Reich menschlicher Glckseligkeit herbeigefhrt, sondern im Gegenteil die Menschheit in vielen Beziehungen erniedrigt hatte. Es war mir klar, da ich mit Dr. Leete offen ber den Wechsel meiner Ansichten sprechen und meine Stellung als Professor im Shawmut-College aufgeben mute, ohne Rcksicht auf die jedenfalls unausbleiblichen beln Folgen. Dr. Leete hatte mich mit groer Gte behandelt. Ich war berzeugt, da mein liebenswrdiger Gastfreund mir auch dann seine Freundschaft geschenkt haben wrde, wenn ich mich nicht gleich vom Anbeginn fr den Kommunismus begeistert htte. Er wrde andere Ansichten sicherlich geduldet haben, wenn ich nur die Regierung nicht offen bekmpft htte. Vielleicht htte er sogar in meine Verbindung mit Edith gewilligt. Ganz anders lagen aber die Verhltnisse jetzt. Der Wechsel meiner Ansichten mute fr Dr. Leete im hchsten Grade unangenehm werden. Er hatte mich als einen Mann empfohlen, der sich besonders zum Nachfolger Forests als Professor der Geschichte des neunzehnten Jahrhunderts eigne. Meine Ernennung war lediglich eine Folge seiner Empfehlung und mein Abfall vom Kommunismus mute notwendigerweise das Ansehen schdigen, dessen Dr. Leete sich bisher erfreute. Es war mir nicht zweifelhaft, da mein Gastfreund das tief empfinden wrde. Mein pltzlicher Meinungswechsel in Bezug auf die Gesellschaftsordnung war ja nur eine Folge meiner Unkenntnis volkswirtschaftlicher und gesellschaftlicher Lehren und Erfahrungen. Nichts destoweniger mute mein Abfall mir in der Leete'schen Familie und in den politischen Kreisen auerordentlich schaden. War man nicht gezwungen, mich fr einen oberflchlichen, faden und undankbaren Menschen zu halten, der sich nicht nur in wenigen Wochen aus einem begeisterten Anhnger der Gtergemeinschaft in einen entschiedenen Gegner dieser Lehre verwandelt, sondern durch sein Verhalten auch seinen wohlwollenden Freund in eine sehr peinliche Lage gebracht hatte? Und was mute Edith von meinem Gesinnungswechsel und von meinem Rcktritt aus der Professur denken? Sie liebte und verehrte ihren Vater. Wrde ihre junge Neigung zu mir sich in diesem schweren Kampfe lebenskrftig zeigen? Meine blinde Begeisterung fr die neue Ordnung der Dinge war von der Regierungspresse dem ganzen Lande verkndet worden. Man hatte besonderes Gewicht darauf gelegt, da gerade ich, ein lebender Zeuge der frheren Gesellschaftsordnung, ein fanatischer Anhnger des Kommunismus geworden wre. Mein Abfall von dieser Lehre, gleich nachdem ich mit ihr und den Folgen ihrer Durchfhrung nher vertraut geworden war, versetzte die Presse der Regierung in eine sehr peinliche, fast komische Lage. Es war vorauszusehen, da man mich als einen grundsatzlosen Demagogen, vielleicht sogar als einen gefhrlichen Schurken behandeln wrde. Ich mute natrlich erwarten, da man mich in die zweite Abteilung eines dritten Grades stecken und mir die denkbar unangenehmste Arbeit zuerteilen wrde; -- wenn man mich nicht gar in ein Tollhaus brachte. Konnte ich noch daran denken, Edith Leete, welche im Hause ihres angesehenen Vaters wie eine Blume in einem wohlgepflegten Garten aufgewachsen war, aufzufordern, das Schicksal eines Mannes zu teilen, der von den Menschen entweder als ein flachkpfiger Schwtzer oder als ein grundsatzloser Heuchler angesehen werden mute, fr den eine Stellung in der zweiten Abteilung des dritten Grades eigentlich noch viel zu gut war? Die Furcht, Ediths Liebe zu verlieren, drngte eine Zeitlang alle meine andern Gedanken in den Hintergrund; denn in Edith Leete liebte ich Edith Bartlett und die Vorstellung, da Edith sich von mir abwenden knnte, legte sich wie ein Alp auf mein Herz. Niemals in meinem Leben hatte ich mich so hoffnungslos elend gefhlt, wie auf meinem Wege zum Hause des Dr. Leete nach meiner letzten Unterredung mit Herrn Forest. Einen Augenblick erwog ich den Gedanken, meinem elenden, aussichtslosen Dasein mit eigener Hand ein Ende zu machen; dann aber entschlo ich mich, mein Schicksal wie ein Mann zu tragen. So schritt ich denn Dr. Leetes Hause zu, entschlossen, meine Freunde nicht zu tuschen und meine Schuldigkeit als Mann von Ehre zu thun. Ich fand Dr. Leete, der sonst immer freundlich und gefat erschien, in aufgeregter Stimmung. Er blickte sorgenvoll und drohend zugleich drein. Ehe ich ihn anreden konnte, blieb er auf dem Wege durch das Zimmer vor mir stehen und sagte: Ich habe die glaubwrdige Nachricht erhalten, da unser gemeinschaftlicher Freund Fest einen Aufstand der Radikalen veranlassen mchte. Whrend der letzten Tage haben mehrere geheime Versammlungen stattgefunden und ich wei, da Fest die Absicht hat, den Anfang hier in Boston zu machen. Wie wollen Sie sein Vorhaben vereiteln? fragte ich. Wollen Sie die Brger aufrufen und die Verschwrer verhaften lassen? Ich stehe jedenfalls zu Ihren Diensten, fgte ich hinzu, sehr froh, meinem Gastfreunde wenigstens gegen die Radikalen dienstwillig sein zu knnen. Denn ich verabscheute deren Lehren noch mehr als deren Fhrer. Ich bezweifle, da es politisch klug wre, einen Aufruf an die Brger zu erlassen, entgegnete der Doktor. Durch einen solchen Schritt wrde man der Verschwrung zu viel Bedeutung verleihen. Ich wollte, ich htte diesen Fest unter rztliche Behandlung gestellt, gleich nachdem er zum letztenmale mein Haus verlie. Er allein ist gefhrlich. Sein Anhang bedeutet an sich nicht viel. Aber unter der Fhrung eines Menschen, der, wie Fest, eine gewisse rohe Beredsamkeit mit Khnheit und persnlicher Kraft verbindet, kann eine Emprung immerhin gefhrlich werden. Um das zu verhten, habe ich Auftrag gegeben, den Hauptverschwrer zu verhaften und ihn an einem sichern Platze unter rztliche Behandlung zu nehmen. Ich konnte diesen Schritt nicht gutheien, obschon derselbe Erfolg versprach. Unangenehm berhrte es mich, da man einen politischen Feind nicht offen als solchen behandeln und unschdlich machen wollte, sondern da man auch hier wieder von Heilanstalt und rztlicher Behandlung faselte. Ich hielt es indes fr nutzlos, in diesem Augenblicke meine Ansichten ber diese Behandlungsart politischer Gegner auseinander zu setzen und fragte Herrn Leete nur, ob er einige Minuten fr meine Angelegenheiten brig habe. Ich hielt es fr meine Pflicht, nunmehr offen mit Ediths Vater zu sprechen. Mit seiner gewhnlichen Gte wandte Dr. Leete sich zu mir und bat mich, wenn es mir nicht unangenehm sei, die Unterredung auf den nchsten Morgen zu verschieben. Ich gab meine Zustimmung. Wir gingen in das Speisezimmer und setzten uns zu Tische. Frau Leete hatte aus dem Kochhause ein leichtes Abendbrot holen lassen; aber niemand bekundete irgendwelche Elust. Wir alle waren in unruhiger Stimmung. Dr. Leete blickte auf seine Uhr. Fest sollte sich jetzt bereits unter der Obhut der Beamten und rzte befinden, sagte er. Ich erwarte einen Bericht. Nachdem einige weitere Minuten in unruhiger Erwartung vergangen waren, hrten wir Lrm auf der Strae. Eine groe Volksmenge schien sich dem Hause zu nhern. Die Hausthr wurde geffnet und ein lrmender Volkshaufe fllte den Flur sowie das Speisezimmer. An der Spitze befand sich Fest, welcher offenbar einen heien Kampf bestanden hatte. Sein wollenes Hemd war zerrissen und das Schlchterbeil, welches er in seiner Rechten hielt, triefte von Blut. Hier bin ich wieder, Dr. Leete, rief er mit seiner mchtigen, etwas heisern Stimme. Ich habe Sie gewarnt und Ihnen gesagt, da ich Ihr Haus nie wieder als Freund betreten wrde. Und da Sie, verfluchter alter heuchlerischer Tyrann Befehl gegeben haben, mich gesunden Menschen in ein Tollhaus zu sperren, so habe ich beschlossen, da Sie heute Abend noch sterben sollen. Das Volk von Boston soll von Ihrer Tyrannei befreit werden. Ich ergriff ein Messer und trat an Dr. Leetes Seite, entschlossen, ihn mit meinem Leibe zu decken. Aber in diesem Augenblicke wurde die Aufmerksamkeit des Menschenhaufens durch Forest in Anspruch genommen, der sich durch die Menge drngte, auf den Etisch sprang und ohne Zeitverlust rief: Ihr alle kennt mich und wit, da ich ein Feind dieses Mannes bin. Dabei wies er auf Dr. Leete. Weil ich unsere elende Regierung nicht verteidigen wollte, wurde ich aus meiner Professorenstellung verdrngt und Dr. Leete war es, der mir eine Hausknechtsstelle in der Universitt anwies. Das sieht dem miserablen alten Kerl hnlich, schrie ein schmutzig aussehender Bursche. Deshalb sage ich: Nieder mit einer Regierung, welche die freie Rede erwrgen wollte! redete Forest weiter. Nieder mit der Tyrannei! Aber lat uns diesen jmmerlichen alten Snder nicht abschlachten. Es ist krftiger, bewaffneter Mnner, wie wir es sind, ganz unwrdig, einen unbewaffneten, alten Menschen zu tten. Wir wollen ihn in dasselbe Tollhaus sperren, in welches er unseren Freund Fest schicken wollte. Ja! So ist es recht! Sperrt ihn in ein Tollhaus! brllten die Radikalen. Es war klar, da Forest versuchte, Dr. Leetes Leben zu retten. Mein Blick glitt zu Edith hinber. Sie war totenbleich, aber gefat. Sie hatte ihren linken Arm um ihren Vater geschlungen und ihr Auge begegnete dem meinigen freundlich wie immer. Unglcklicherweise bemerkte Fest diesen Blick Ediths und seine Eifersucht brach mit erneuter Wut los. Ihr verdammten Narren, schrie er mit vor Grimm fast erstickter Stimme. Merkt ihr denn nicht, da dieser Forest den Versuch macht, das Leben jenes verschmitzten und gefhrlichen alten Tyrannen zu retten? Aber das soll ihm nicht gelingen. Als meinen Anteil an der Beute verlange ich das Leben Leetes und seine lebendige Tochter. Thue, was du willst, Bob, riefen einige aus dem Haufen. Verlassen Sie dieses Haus, Forest, befahl Robert Fest. Ich hege keinen Groll gegen Sie. Wenn Sie aber meinen Weg kreuzen, werden Sie die Folgen zu tragen haben. So lange ich lebe, sollen Sie in diesem Hause und an diesem alten Manne nicht zum Mrder werden, entgegnete Forest. Sie sollten sich schmen, Fest! Ihr Benehmen ist eines Mannes von Ehre ganz unwrdig. Schweig, du Narr, schrie Fest wtend. Der heuchlerische Schurke Leete hat das Volk lange genug geknechtet. Er mu sterben und wenn du dich nicht aus dem Wege machst, wirst du mit ihm zur Hlle fahren. Ein Zorn, wie ich ihn nie zuvor empfunden, ri mich hin. Was hat dieser alte Mann gethan, um deinen Blutdurst zu erregen, du gemeiner, grausamer Feigling, rief ich, auf Fest zuspringend, um ihm mein Messer in die Brust zu stoen. Aber ein Dutzend Fuste entwaffnete mich, whrend Fest befahl: Steckt den Jubelgreis in einen Sack und werft ihn in den Hafen. Obschon ich in den Augen des Professors kein Mann von Ehre bin, halte ich doch mein Wort und ich habe dem ausgegrabenen Gespenst versprochen, da ich es wie einen jungen Hund ersufen wrde, wenn er mir wieder zwischen die Beine luft. Er erhob seine blutige Axt und schritt auf Dr. Leete zu, der bewegungslos dastand, seine grauen Augen auf den rohen Feind gerichtet. Noch einmal versuchte Forest das Leben des alten Herrn zu retten, indem er sich vor diesen stellte; aber ein Kerl mit struppigem Bart und kleinen, viehisch funkelnden Augen begrub ein langes Messer in Forests treuer Brust. Mit den Worten: Wir sind quitt, Leete, strzte er zu Boden. Edith rang mit zwei Mnnern, welche versuchten, sie von ihrem Vater fortzufhren, als Fests Fleischeraxt auf das graue Haupt Dr. Leetes niederfiel. Ohne einen Laut von sich zu geben, brach er tot zusammen. Edith stie einen lauten Schrei aus und verlor die Besinnung. Fest fing sie in seinem mit dem Blute ihres Vaters bespritzten Arme auf. Sie weigerte sich, mein Weib zu werden, sagte er mit einem gleichzeitig rohen und boshaften Grinsen. Jetzt ist sie mein, ohne die alberne Eheschlieerei. Und whrend er, Edith forttragend, zur Thr schritt, rief er seinen Genossen zu: Schlagt alle Freunde der Regierung tot, meine Jungen! In einer Stunde werde ich euch auf dem Rathause treffen. Ich machte eine letzte, verzweifelte Anstrengung, die Mnner von mir abzuschtteln, welche mich festhielten und -- erwachte am 31. Mai 1887 in meinem Bette. An meiner Seite befanden sich ein Arzt und mein Diener Sawyer, welche lngere Zeit vergeblich versucht hatten, mich aus meinem tiefen durch den Mesmeristen veranlaten Schlaf zu erwecken. Mehr als eine Stunde verging, bis ich mein Denkvermgen wieder erlangt hatte; dann aber machte ein tiefer Seufzer meiner Beklemmung ein Ende. Mit Blitzesschnelle jagten alle Einzelheiten meines anziehenden und doch auch schrecklichen Traumes an meinem Geiste vorber. Wiederum wog ich die Grnde, welche Dr. Leete und Forest fr ihre Ansichten vorgefhrt hatten, gegen einander ab und ich fhlte mich unendlich glcklich bei dem Bewutsein, da ich im neunzehnten Jahrhundert und nicht in dem Kommunistenstaate lebte, der mir wie ein riesiges Zuchthaus am Abende vor einem Aufstande der Strflinge erschien. Lieber will ich doch in der Freiheit schwer arbeiten, als tglich in einem gefngnisartigen Dasein einige Stunden mehr mig zu gehen, sagte ich, in Betrachtungen versunken, zu mir selbst. #Denn die Arbeit ist kein bel!# Und ehe ich mich unter die kommunistische Sklaverei beuge, will ich lieber einige Jahre lnger thtig sein und auf einige Lebensannehmlichkeiten verzichten. Die meisten Gensse, nach welchen wir streben, erscheinen ohnehin am begehrenswertesten, solange wir uns ihrer nicht erfreuen. Wenn wir das Erstrebte erreicht haben und an den Genu gewhnt sind, verliert er fast immer jeden Reiz. Ich beschlo, knftighin mein bestes Knnen fr die Frderung alles dessen einzusetzen, was der Menschheit zum Heile gereichen mu; vor allem aber zur Zufriedenheit zu mahnen, welche die einzige verlliche Grundlage fr menschliches Wohlbehagen bildet. Glckseligkeit ist ja viel unabhngiger von Wohlstand, als viele glauben; ja in Wirklichkeit scheitert das Wohlbehagen nur zu oft an Ruhm und Reichtum. Ob wir uns glcklich fhlen, oder nicht, das hngt groenteils von unserer Lebensauffassung ab. Ende. FUSSNOTEN: [1] S. Reclam's Universal-Bibliothek Nr. 2661/62. [2] Einzelne Stellen aus Bellamy's Buch, #Ein Rckblick# welche kennzeichnend fr die Art und Weise sind, wie er Gegenwart und Zukunft beurteilt, teile ich in Anfhrungszeichen mit und gebe die Seiten an, auf welchen diese Stze enthalten sind, wobei die in der #Universal-Bibliothek# (#Verlag von Philipp Reclam jr., Leipzig#) erschienene bersetzung von #G. v. Gizycki# als Grundlage dient. Die als Funoten gegebenen Seitenzahlen weisen daher immer auf die erwhnte bersetzung hin. Obiges ist auf Seite 224 zu finden. [3] Seite 224. [4] Seite 261. [5] Seite 237. [6] Seite 49. [7] Seite 99. [8] Seite 42 und 43. [9] Seite 57. [10] Seite 102. [11] Seite 98 und 99. [12] Seite 98 und 99. [13] Seite 99. [14] Seite 100. [15] Seite 100. [16] Seite 101. [17] Seite 165-167. [18] Seite 152. [19] Seite 152 u. 153. [20] Seite 70. [21] Die erste amtliche Zhlung in den Vereinigten Staaten wurde 1790 vorgenommen; man zhlte 3929314 Einwohner. Im Jahre 1880 belief sich die Bevlkerung auf 50155738 und 1890 wird sie auf ber 65000000 Seelen geschtzt. In hundert Jahren hat sie sich versechzehnfacht. Sollte der Zuwachs in gleichem Mae fortdauern, so wrden 1990 in den Vereinigten Staaten und in Canada 1040000000 Menschen leben. Ich habe die jhrliche Bevlkerungszunahme aber auf nur zwei Prozent berechnet, wonach die Vereinigten Staaten und Canada im Jahre 2000 ungefhr 500 Millionen Einwohner haben wrden. [22] Seite 28. [23] Seite 28. [24] Seite 150. [25] Seite 216. [26] Seite 208. [27] Seite 95. [28] Seite 79. [29] Seite 35. [30] Seite 187. [31] Seite 188. [32] Seite 70. [33] Seite 97. [34] Seite 97. [35] Seite 147. [36] Seite 159. Philipp Reclam's billigste Classiker-Ausgaben. Brne's gesammelte Schriften. 3 Bnde. Geh. 4 M. 50 Pf. -- In 3 eleg. Leinenbnden 6 M. Byron's smmtliche Werke. Frei bersetzt v. #Adolf Seubert#. 3 Bnde. Geheftet 4 M. 50 Pf. -- In 3 eleg. Leinenbnden 6 M. Goethe's smmtliche Werke in 45 Bnden. Geh. 11 M. -- In 10 eleg. braunen Leinenbnden 18 M. -- In 10 eleg. rothen Leinenbnden 19 M. Goethe's Werke. Auswahl. 16 Bnde in 4 eleg. Leinenbnden 6 M. -- In 4 eleg. #rothen# Leinenbnden 6 M. 50 Pf. Grabbe's smmtliche Werke. Herausgegeben von #Rud. Gottschall#. 2 Bnde. Geh. 3 M. -- In 2 eleg. Leinenbnden 4 M. 20 Pf. Hauff's smmtliche Werke. 2 Bnde. Geheftet 2 M. 25 Pf. -- In 2 eleg. Leinenbnden 3 M. 50 Pf. Heine's smmtliche Werke in 4 Bnden. Herausgegeben von #O. F. Lachmann#. Geh. M. 3.60. -- In 4 eleg. Ganzleinenbdn. 6 M. Herder's ausgewhlte Werke. Herausgegeben v. #Ad. Stern#. 3 Bnde. Geheftet 4 M. 50 Pf. -- In 3 eleg. Leinenbnden 6 M. H. v. Kleist's smmtliche Werke. Herausgeg. v. #Ed. Grisebach#. 2 Bnde. Geh. 1 M. 25 Pf. -- In 1 eleg. Leinenband 1 M. 75 Pf. Krner's smmtliche Werke. Geh. 1 M. -- In eleg. Lnbd. 1 M. 50 Pf. Lenau's smmtliche Werke. Herausgeg. v. #G. Emil Barthel#. 2. Aufl. Geh. 1 M. 25 Pf. -- In eleg. Leinenband 1 M. 75 Pf. Lessing's Werke in 6 Bnden. Geheftet 3 M. -- In 2 eleg. Leinenbnden 4 M. 20 Pf. -- In 3 Leinenbnden 5 M. Lessing's poetische und dramatische Werke. Geheftet 1 M. -- In eleg. Leinenband 1 M. 50 Pf. Longfellow's smmtliche poetische Werke. Uebersetzt v. #Herm. Simon#. 2 Bde. Geh. 3 M. -- In 2 eleg. Leinenbnden 4 M. 20 Pf. Mignet, Geschichte der franzsischen Revolution. Deutsch v. _Dr._ #Fr. Khler#. Mit 16 Illustrationen. In eleg. Leinenband 2 M. Milton's poetische Werke. Deutsch v. #Adolf Bttger#. Geh. 1 M. 50 Pf. -- In eleg. rothen Leinenband 2 M. 25 Pf. Molire's smmtliche Werke. Herausgegeben v. #E. Schrder#. 2 Bnde. Geh. 3 M. -- In 2 eleg. Leinenbnden 4 M. 20 Pf. Schiller's smmtliche Werke in 12 Bnden. Geh. 3 M. -- In 3 Halbleinenbdn. M. 4.50. -- In 4 eleg. Leinenbdn. M. 5.40. -- In 4 eleg. Halbfranzbdn. 6 M. -- In 4 eleg. #rothen# Ganzleinenbdn. 6 M. Shakespeare's smmtliche dramatische Werke. Deutsch von #Schlegel#, #Benda# und #Vo#. 3 Bnde. Geheftet 4 M. 50 Pf. -- In 3 eleg. Leinenbnden 6 M. End of Project Gutenberg's Ein Blick in die Zukunft, by Richard Michaelis License: Share Alike