Produced by Norbert H. Langkau, Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Wilhelm Raabe Bcherei Erste Reihe Band 9 Wilhelm Raabe Bcherei Erste Reihe: Kleinere Erzhlungen Neunter Band Berlin-Grunewald Verlagsanstalt fr Litteratur und Kunst / Hermann Klemm Wilhelm Raabe Keltische Knochen Gedelcke Erzhlungen Dritte Auflage 11.-16. Tausend Berlin-Grunewald Verlagsanstalt fr Litteratur und Kunst / Hermann Klemm Gedruckt bei G. Kreysing in Leipzig Einbandzeichnung entworfen von Bernhard Lorenz Den Einband fertigte H. Fikentscher in Leipzig Keltische Knochen Festgeregnet!...... Wem steigt nicht bei diesem Worte eine gespenstische Erinnerung in der Seele auf? eine Erinnerung an eine Stunde -- zwei Stunden -- einen Tag -- zwei, drei, vier -- acht Tage, wo er oder sie ebenfalls festgeregnet war -- festgeregnet an einer Straenecke, unter einem Torwege, bei einem Freunde oder einer Freundin, in einer Dorfkneipe, auf dem Brocken, dem Inselsberge, dem Rigi oder dem Schafberge? Es ist eine leidige Vorstellung -- festgeregnet! Grau, greinend und griesgrmlich kriecht sie heran, streckt hundert frstelnd-kalte, feuchte Fangarme nach dem warmen Herzen aus und ist so schwer los zu werden, wie alles andere Unbehagliche, Unbequeme, Ungelegene in der Welt. In Ischl spazierten die schnen Damen auf der Esplanade im glnzendsten Sonnenschein, als wir ausfuhren, und smtliche arme Hmorrhoidarier, Drsen- und Skrofelkranke hatten ihren Jammer in die freie Luft getragen: auch die kniglich-kaiserliche Familie fuhr spazieren. In der Nhe von Laufen, im heiligen Bezirk der schnen, holdseligsten Maria im Schatten zog die allerschnste, aber auch allereigensinnigste Dame Natur den Nebelschleier ber das Gesicht, und als wir auf dem See schifften, wurde dieser Schleier und unsere Hoffnung auf einen schnen Tag vollstndig zu Wasser. Es scheint eben in den angenehmsten Gegenden am liebsten zu regnen; aber vielleicht war auch der fromme Dichter, welchen wir mit uns fhrten und welcher jedenfalls unter dem Zeichen des Wassermannes geboren war, schuld daran. Wir waren unserer drei, und trotz allem war der Dichter der Edelste von uns; er hie leider Krautworst und war aus Hannover, sagte natrlich beides nicht gern, sondern stellte sich meistens als den Verfasser der Lebensblten vor und dar; sonst nannte er sich auch wohl, glnzenden aber ebenfalls von der Prosa ihres Namens oder Geburtsortes erdrckten Beispielen folgend, Roderich von der Leine. Er hatte uns in Linz im Erzherzog Karl aufgegabelt, hielt krampfhaft wenigstens an mir fest, schwrmte fr Linz und lie nicht selten geheimnisvolle Andeutungen fallen, da er daselbst etwas erlebt habe. Seine ftere Geistesabwesenheit und Zerstreutheit gab Anla zur Vermutung, da er dieses Erlebte poetisch zu verwerten im Begriff sei; seine lyrischen Wehen hatten oft etwas Bengstigendes fr mich; affizierten jedoch den dritten in unserm Bunde weniger. Dieser dritte war, ohne sich dafr zu geben, ein Geheimnis, und ebenso verschlossen, wie der Poet offenherzig und mitteilungswtig war. In die Fremdenbcher zeichnete er sich kurz als Zuckriegel; ich hegte aber einigen Zweifel, ob dies wirklich sein Name sei; bis er in Wien in den drei Raben hchst unmotivierterweise in einen Streit geriet, der ihn und mich vor die kniglich-kaiserliche Polizei fhrte und ihn zwang, mit seinem Pa herauszurcken. Er hie in der Tat Zuckriegel, ohne sich dessen zu schmen, und war Prosektor an einer kleinen norddeutschen Universitt, hatte jedoch in seinem uern sowohl, als in seinem Innern sehr viel vom Scharfrichter. Nur ein schlechter Charakter, gleich dem seinigen, konnte es ber sich gewinnen, einen so guten Menschen wie den Dichter durch ein ewig wiederholtes Auftischen des gehaten Familiennamens Krautworst an allen Nervenenden zu zupfeln und zu kitzeln. Zuckriegels Reisezweck war, die Knochen des unbekannten Volkes am Rudolfsturm ber Hallstadt zu besuchen und womglich einen Schdel und einige sonst berflssige Gebeine fr seine osteologische Sammlung zu stehlen oder, wie er sich euphemistisch auszudrcken beliebte, an sich zu nehmen. Er liebte es, irgend etwas an sich zu nehmen, wie zum Beispiel den besten Platz im Wagen, die besten Stcke an der Wirtstafel, smtliche Zeitungen nach Tisch, und so weiter. Auf der Fahrt ber den Hallstdter See hatte er im Einbaum die Bank dicht hinter dem breiten Rcken und den Rcken des lieblichen Schiffermdchens eingenommen und sa sehr geschtzt gegen den Regen, welchen der Wind uns ins Gesicht trieb. Unser Kleeblatt hatte in Ischl trotz dem prchtigen Sommerwetter arg gelitten: der fromme Dichter an den reizenden Toiletten der Damen; Zuckriegel an sich selber und an einem amerikanischen Reverend nebst Familie, welche, nur durch eine dnne Wand von ihm getrennt, ihn durch nchtliche unendliche Gebete und nselnden Lobgesang sehr erbost hatten; ich hatte mich durch die Inschrift am Kurhause: ^In sale et in sole omnia consistunt^ verleiten lassen, das entsetzliche salzige Gesff und seine Wirkung auf meine gottlob gute Konstitution zu versuchen, und hatte mich nicht vergeblich in die Gefahr begeben. Die Inschrift an der Hygiea: Man nennt als grtes Glck auf Erden Gesund zu sein -- Ich sage nein! Ein grres ist, gesund zu werden gab mir nur einen mittelmigen Trost; das Gesundwerden nach diesem hllischen Schoppen war lngst nicht so angenehm als der behagliche Zustand vor meinem frwitzigen Anlecken an den Becher der Hekate. Wir mieteten den Einspnner, setzten Roderich von der Leine neben den Kutscher auf den Bock, fuhren, wie gesagt, an der holdseligen Jungfrau Maria im Schatten und -- Regen vorber und durch Goisern und Sankt Agatha zur Gosaumhle, wo wir feucht abstiegen, und wo Zuckriegel sich in einen Wortwechsel mit dem Kutscher verwickelte, in welchen wir beiden andern uns nicht einmischten, weil wir dem Rosselenker recht geben muten, und dieser sich selber zu helfen wute. Wir mieteten den Einbaum, das heit einen Kahn mit einer dicken Jungfrau und einem Jungen, und wurden von jener Schifferin, welche der Dichter der Lebensblten sich poetischer gedacht hatte, ber den See gerudert, und ich fr mein armes Teil bedauerte in diesem Augenblick nicht mehr, da der Tag dunkel war, denn er pate zu der Gegend. Wren meine beiden Begleiter, der Junge und das Schiffermdchen, nicht gewesen, so wrde hchstwahrscheinlich der Schatten Virgils aus den schwarzen Wassern emporgestiegen sein, um sich mir als Fhrer auf dem fernern Wege gegen die gebruchliche Taxe anzubieten. Ja, das Wasser des Sees war schwarz; schwarz waren die steilrechten Felsen, die sich im schwarzen Gewlk verloren; es konnte niemand von uns drei Touristen wissen, ob nicht hinter dem dstern Nebelvorhang die erweiterte Hlle mit _allen_ seit dem vierzehnten September Dreizehnhunderteinundzwanzig hinzugekommenen groen und kleinen Missettern ihren Anfang nehme und in Roderich von der Leine ihren neuen Schilderer erwarte. Der Name des Menschen, Krautworst, konnte dabei nicht hinderlich sein; denn ^Dante^ bedeutet in deutscher Zunge auch nichts weiter als Hirschleder; aber Krautworst selber war hinderlich, denn die wunderlich ergreifende Szenerie machte nicht den geringsten Eindruck auf ihn; ihn fror, er sprach vom Wechseln der Strmpfe, von rheumatischem Zahnschmerz und jammerte nach einer Tasse Tee. Zuckriegel war schon ein anderer Mann: die Nhe der keltischen oder sonstigen Gebeine und der Sitz hinter dem walfischhaften Rcken unseres weiblichen Charons stimmten ihn milde; er glich in diesem Augenblicke weniger einem Scharfrichter als einem vazierenden Metzger; ob sein Sitz ihn auch erotisch stimmte, kann ich nicht bestimmt behaupten, stellenweise schien es so. Nach einer Fahrt von zwei Stunden gewannen wir die berzeugung, da hinter dem Nebel- und Regenvorhang nicht ^l'inferno^ seinen Anfang nehme und seinen Eingang habe; sondern da daselbst Hallstadt liege oder vielmehr klebe, und da die Taxe fr die Fahrt nicht unbillig zu nennen sei. Der Einbaum scho beim Seeauer ans Land; und wie erotisch Zuckriegel durch unsere solide Schifferin gestimmt sein mochte, er fhlte sich keineswegs dadurch gehindert, beim Zahlen mit ihr in Konflikt zu geraten. Von einem weiblichen Kellner geleitet, stiefelten wir durch den triefenden Garten selber triefend in das gastliche Haus, und Roderich bestellte zhneklappernd eine Tasse heiester Kraftbrhe. Hinter ihm rauschte der See, jedoch ohne ihn als Opfer haben zu wollen; im Gegenteil schien er herzlich froh, ihn losgeworden zu sein. Ich trank Kaffee, Zuckriegel aber entschlo sich zu einem starken Grog, dessen Bereitung er dann in der Kche selbst berwachte, da er diesen abgelegenen Erdenwinkel nicht mit Unrecht der richtigen Mischung dieses angenehmen Getrnkes nicht gewachsen glaubte. Seinen Anzug wechselte er nicht; _er_ blieb, wie er war, und fing nur in der Atmosphre der geheizten Gaststube an, leise zu dampfen. Der Poet erschien nach einer Pause, whrend welcher man ihn nicht vermite, wie ausgewechselt. In blendendem Wei vom Kopf bis zu den Fen war er von Ischl ausgefahren, jetzt stellte er sich von den Fen bis zum Kopfe karriert dar, und wenn es seine Absicht war, in Hallstadt Aufsehen zu machen, so war dieses Kostm wahrlich geeignet, ihn seinen Zweck erreichen zu lassen; auf einem nach der Kirchturmspitze ausgespannten Seile wrde es das Natrlichste von der Welt gewesen sein. Smtliche in der Gaststube anwesende Augen sprangen fast aus ihren Hhlungen, und die Kellnerin sprang mit einem recht unzivilisierten Aufkreisch in die Kche, worauf einen Moment spter ein seltsames Gedrnge von plattgedrckten Nasen an den Scheiben des dunklen Schiebfensters neben dem Ofen zu sehen war. Der Poet konnte mit dem Eindruck, welchen er hervorbrachte, zufrieden sein. Er war es auch, und setzte die Gaststube zum zweiten Male dadurch in Verwunderung, da er seine Kraftbrhe wie jeder andere, gewhnliche, nicht karrierte Mensch trank; jedermann schien das Gegenteil erwartet zu haben. Der Himmel zeigte jetzt, da er es gut mit uns gemeint habe; wenn er whrend der Fahrt nur leise auf uns herabtrpfelte, so tat er jetzt, da er uns unter Dach und Fach wute, seinen Gefhlen keinen Zwang mehr an und zog seine Reserveschleusen. Es war zwei Uhr, und es regnete entsetzlich; der Wirt freute sich unseres Daseins in seinem Etablissement, und ein Autochthone trstete uns aus einem fernen Winkel, da wir nicht die ersten seien, die bei solchem Wetter in Hallstadt anlangten, und da wir wahrscheinlich auch nicht die letzten sein wrden, die bei ebensolchem Wetter es wieder verlieen. Den Faust kannte der Eingeborene nicht und verwunderte sich deshalb zum drittenmal ber den karrierten Dichter, welcher hohlugig und mit hohler Stimme rezitierte: Jammer! Jammer! von keiner Menschenseele zu fassen, da mehr als ein Geschpf in die Tiefe dieses Elends versank, da nicht das erste genug tat fr die Schuld aller brigen! Frech setzte der Prosektor das Geschft fort und fragte mit den Worten Mephistos: Warum machst du Gemeinschaft mit uns, wenn du sie nicht durchfhren kannst?... drangen wir uns dir auf oder du dich uns? Fahren Sie fort, Herr Krautworst und sehen Sie nicht so mrrisch aus! ich habe Sie doch nicht _kontrekarriert_? Herr Krautworst fuhr nicht fort, er rgerte sich sehr ber das Zitat Zuckriegels, konnte jedoch nichts dagegen machen und besann sich erst fnf Minuten spter, als der Prosektor dem Wirt das Kchenbulletin abverlangte, auf den emprten Ausdruck Fausts: Fletsche deine gefrigen Zhne mir nicht so entgegen! mir ekelt's! Es war zu spt, auch dieses Zitat noch anzubringen; -- und wir speisten zu Mittag und es gelang mir, einen mit Messer und Gabel bewaffneten Frieden zwischen dem Manne der Wissenschaft und dem Manne der Poesie herzustellen. Als aber nach Tisch der Prosektor bemerkte: Wahrhaftig, es regnet wahrhaft musenalmanachartig; das ist ein Wetter fr einen Dichter, Herr Krautworst! wenn es mir nur nicht meine Knochen fortschwemmt! da schob der Poet den Stuhl zurck, griff nach dem Regenschirm, hing das Plaid ber die Schultern und schritt mit einem vernichtenden Blick auf den Sptter aus der Tr. Es war, als ob Prometheus dem Geier mit titanenhafter Verachtung den Rcken zeige. Um Gottes willen, halten Sie ihn fest! rief mir Zuckriegel zu. Jetzt habe ich ihn in die rechte Stimmung versetzt; in einer halben Stunde ist er mit seinen gereimten Linzer Erlebnissen wieder da. Geben Sie Achtung, ob er sich nicht rcht; halten Sie ihn, bringen Sie ihn zurck, ich will Abbitte tun. Sie lobe ich mir als Reisegefhrten, sprach ich und ging dem guten Roderich nach. ^Solus cum solo^ war der Prosektor bei solchem Wetter doch nicht zu ertragen, die Last war zu schwer fr die Schultern eines einzelnen Menschen. Von der Tr aus sah ich noch, wie er sich so gleichmtig als lang auf drei Sthlen ausstreckte und seine Reiselektre, einen Band von Av-Lallemants Geschichte des deutschen Gaunertums, durch deren Studium er sich mit Eifer auf sein groes Unternehmen vorbereitete, hervorzog; -- durch einen dunkeln niedern Gang gelangte ich ins Freie, oder das, was man in Hallstadt das Freie nennen kann, und traf am Ausgang auf den Hospes, den ich fragte, was man bei solchem Regen am Hallstdter See sehen knne? Hallstadt! sagte der Wirt, und er hatte recht, dreifach recht; Hallstadt ist bei jedem Wetter eine Merkwrdigkeit. Nirgends in der Welt vielleicht gibt es so viel Treppen auf so engem Raume als hier. Der Flecken macht den Eindruck, als sei er von einer Riesenhand, tchtig durcheinander gerttelt und geschttelt, an den lotrecht aus dem schwarzen See aufsteigenden Felsen geworfen und kleben geblieben. Zwei Monate im Jahre soll ihn die Sonne nicht erreichen, und ich glaube es gern. Wo die Dcher aufhren, fangen die Straen an; in keiner Stadt der Erde mu es so gefhrlich sein, sich einen Rausch zu trinken, wie hier. Man schwindelt, wenn man empor-, und man schwindelt, wenn man hinuntergeht; -- man fhlt sich selbst ohne Rausch keineswegs sicher auf seinen Fen, und das Entzcken, mit welchem man zwischen zwei grauen Hauswnden, oder durch sonst eine Lcke in dem Mauer- und Felsenwerk auf den Spiegel des Sees und die Steierschen Alpen am jenseitigen Ufer sieht, ist stets von einer gewissen Beklemmung, einer nahen Cousine des Alpdrckens, begleitet. Die Huser haben in Hallstadt das Recht, betrunken zu sein; die Vorsehung wacht ber sie und behtet sie an den unmglichsten Orten vor Schaden; wenn aber, was ebengenannte Vorsehung jedenfalls verhten wird, einmal eins von diesen Husern einfallen sollte, so wird es unzweifelhaft seine smtlichen Genossen mit sich in den Abgrund reien, und das ganze Nest wird zusammenfallen wie ein Kartenhaus, jedoch mit mehr Gepolter. Sehr richtig bemerkt Baedecker, da in Hallstadt weder Pferd noch Wagen zu finden ist, und es kann einen nur wundern, da der groe Tourist hiesigen Orts danach gesucht hat. Ich erblickte nicht einmal einen Esel; als ich aber, vom Hospes auf den Mhlbach des Ortes aufmerksam gemacht, von zarter Hand zurechtgewiesen, an das romantische Wasser gelangte, stand Roderich von der Leine mit der Brieftasche in der Hand und dem Silberstift an den melodischen Lippen in einem dunklen Torbogen neben dem Gesprh und Gepltscher, umgeben von einem achtungsvollen, aber erstaunten Kreis lterer und jngerer Hallstdter von beiden Geschlechtern. Da ich weder ihm noch mir die Stimmung verderben wollte, so verschob ich die Besichtigung dieses berhmten Mhlbaches auf eine andere Stunde und lie den Dichter fr jetzt im unbestrittenen Besitz des Wasserlaufes; -- man soll weder Diana noch den Poeten im Bade stren, so verlockend die Gelegenheit dazu sein mag. Scheu wich ich zurck und geriet auf Umwegen zu der neuerbauten Kirche der Protestanten, die ihren Zweck erfllte und deren Entstehung nach langem Kampfe mich sehr befriedigen mute, welche ich jedoch, da sie verschlossen war, links liegen lie, um mich zu der katholischen Kirche zu wenden. Die katholischen Kirchen sind immer geffnet, und den Weg zu ihnen findet man auch, wenn man ihn recht sucht, wozu Roderich von der Leine, oder wie ich ihn hier nennen darf, Krautworst aus Hannover, merkwrdige Belege aus seinem Erfahrungskreise liefern konnte. Treppen, Treppen, Treppen! Hinauf, hinunter, hinauf! Feuchte, mit ppigen, sehr gesunden Mauerpflanzen bedeckte Mauern, trpfelndes berhngendes Gebsch aller Art -- ein Kirchhof mit prchtigem, beperltem Grn, alten und neuen Denksteinen, Kreuzen, verregneten natrlichen und knstlichen Blumen, Goldflittern und Bndern, ein Kirchhof mit Aussicht ber eine niedere Mauer, ein Kirchhof mit einer Aussicht ber den wunderbarsten See auf das Tote Gebirge! -- ich freute mich, da ich kein Gedicht zu machen brauchte und keinen Ruf aufrecht zu erhalten hatte, wie der Verfasser der Lebensblten; sondern nach einem trunkenen Blick auf all die keusch vom Regen verschleierte Schnheit ruhig meinen Regenschirm und meine sthetischen Fhlhrner einziehen konnte, um auch das Innere des trefflichen alten Kirchleins zu besichtigen. In welchem Jahre und von welchem Knstler der Altarschrein geschnitzt ist, wei ich nicht, und es geht mich auch gar nichts an, und das alte Weib, welches davor kniete, ging's ebenfalls nichts an. Ich setzte mich in einen dmmerigen Kirchstuhl und hrte dem Murmeln der Alten und dem Klingen der Tropfen drauen vor den Spitzbogenfenstern und dem Rauschen des Regens in den Bumen zu und duldete es ohne Widerstreben, da Zuckriegel und Krautworst in meiner Seele allmhlich immer mehr zu mythischen Personen wurden, und ich selber ein Ding ohne Bedeutung fr das reale Leben, die Geschftswelt und die Schreibstube. Ich entschwand mir selber in dieser mrchenhaften Minute, verwahre mich brigens ernstlich gegen jeden Gedanken an Einschlafen; ganz genau und ohne jedes schreckhafte Auffahren wute ich, was es bedeuten sollte, als die Alte nach beendigtem Gebet auf mich zu humpelte und mir die offene, kncherne Pfote unter die Nase hielt. Ich habe es nicht getrumt, da sie Dominika Schnrammer hie und ihr Sohn Seppel Schnrammer, und da sie mir zur Begrndung ihres Anspruchs an mein gutes Herz und meinen Geldbeutel die ngstliche und trnenvolle Mitteilung machte, wie genannter Seppel augenblicklich nicht daheim, sondern drben -- hinter den Bergen, -- drunten -- in Italien sei, um dem Kaiser das Land zu verteidigen. Nun wute ich auf einmal wieder, da wir Achtzehnhundertneunundfnfzig schrieben, und da ich nur deshalb Wien verlassen und mich in die Berge geflchtet hatte, um den Jammer wenigstens stundenlang von der Seele loszuwerden. Dies liederliche Wien! bei allem Elend konnte es einem doch noch Spa machen durch die Art, wie es sich unter den sich hufenden Kalamitten zu trsten suchte. Whrend das junge krftige Kind Italia seine Windeln sprengte und der alten grmlichen Wartefrau Austria das Saugflschchen an die Nase warf, studierte Wien, bekanntlich nicht die sittlichste Stadt der Welt, die statistisch-moralischen Tabellen Frankreichs, zog Trost aus der Auflockerung aller sittlichen Bande in der gallischen Nation, und erwartete sein Heil von der Abnahme der Bevlkerung, welche unausbleiblich die Folge solcher greulichen Verderbnis war. Was fr einen Orden jener kluge Mann erhalten hat, der zuerst dem denkenden sterreichertum dieses treffliche und einleuchtende Theorem in die Hnde gespielt hat, kann ich leider nicht sagen. Verdient hat er einen. Aber Seppel? Seppel Schnrammer?! Knnen wir uns diesen Joseph Schnrammer entgehen lassen? Ein Kirchhof mit der Aussicht auf den Hallstdter See, eine arme, alte Mutter unter dem weinenden Himmel -- eine bleiche, liebliche, lndliche Braut, welche die Stufen der Kirche emporsteigt, um der Jungfrau Maria eine geweihte Kerze zu bringen und der alten Mutter fr das Leben des Sohnes bitten zu helfen, -- -- drei Seiten Manuskript, welche, die pekuniren Vorteile ganz beiseite gelassen, die Aktien unseres schriftstellerischen Verdienstes in jeder milden Frauenbrust hochsteigen lassen wrden, -- -- o Roderich von der Leine, o Rodrigo, Rodrigo! Es ist traurig, nicht nur fr die Damen, sondern auch fr mich: eine novellistische Rhrung kann an dieser Stelle nicht statuiert werden. Seppel schien den schmelzenden Gefhlen der Liebe bis dato gnzlich fremd geblieben zu sein; auf _diesem_ unberhrten Klavier war der erste einweihende Silberton noch nicht erklungen. Seppel Schnrammer lie keine in Angst und Schmerz vergehende Braut hinter sich zurck; aber sakrisch geflucht hat er, als er mit Knappsack, Kuhfu und Feldkessel ausziehen mute, um das zu schtzen, was andere zusammengeheiratet hatten. Bse Ahnungen in betreff des Feldkessels bewegten seine sonst sehr ahnungslose Brust; ach, sie erfllten sich, der Blechtopf sollte leer bleiben wie Seppels Herz und Schdel und nur durch hohles Geklapper auf dem Tornister seine Unentbehrlichkeit zur Kriegsausrstung des tapfren sterreichischen ^miles impeditus^ auf dem Marsche wie in der Feldschlacht dartun. Wenn ich nun auch nicht hoffen darf, durch diese Episode meines Hallstdter Aufenthalts meine Leser und Leserinnen zu rhren, so rhrte mich selber doch die Erzhlung der Alten tief, und ich schenkte ihr einen von jenen Guldenzetteln, welche die Regierung, wenn auch nicht ber den Bedarf, so doch ber die Verabredung hatte drucken lassen. Mit den besten Wnschen fr einander und den Joseph in der Lombardei nahmen wir Abschied; nach einem letzten Blick ber die Mauer des Kirchhofs verlie ich ihn und stieg wieder abwrts dem Seeauer zu, getrieben von dem Bedrfnis, mich zu erkundigen, wie Zuckriegel whrend meiner Abwesenheit seines Daseins Last ertragen habe. Es regnete selbstverstndlich ruhig weiter. Mein trefflicher Ortssinn, der mir nirgend so sehr zu statten kam wie in Hallstadt am Hallstdter See, fhrte mich ohne viele Umwege zum Wirtshaus zurck, und durch die bereits erwhnte Hinterpforte und den dunkeln Gang gelangte ich wohlbehalten zur Tr der Gaststube. Aber lauschend stand ich still; -- Zuckriegel hatte drinnen die hchsten Register seiner Stimme gezogen, und eine andere Stimme sang die Antistrophe mit ihm zu gleicher Zeit, was von ausgezeichnet unharmonischer Wirkung war. Das Kchenpersonal drngte sich verschchtert-exaltiert auf dem Gange; ich aber, der ich bereits wute, da unser Reisegenosse sehr gern und sehr leicht in einen Wortwechsel geriet, ffnete die Stubentr und trat ein. Starr, zweifelnd blieb ich auf der Schwelle stehen und sperrte den Mund auf, ohne die Tre zu schlieen. Ich habe im Wiener Prater einen Tausendknstler gesehen, der ein lebendiges Kaninchen an den Hinterbeinen packte, es in der Mitte durchri und dem erstaunten und begeisterten Publiko nunmehr in jeder Hand ein lustig zappelndes Tierchen prsentierte. Ein ganz hnliches Experiment schien mit dem Prosektor Zuckriegel vorgenommen worden zu sein; -- er war zum zweitenmal in der Gaststube beim Seeauer vorhanden und -- zankte sich bereits aufs heftigste mit seinem Doppelgnger. Das Buch vom deutschen Gaunertum war verchtlich zu Boden geworfen, ebenso zwei von den Sthlen, auf welchen der nicht nur groe, sondern auch lange Mann seine Mittagsruhe gehalten hatte. Mit ihren Brieftafeln in den Hnden gestikulierten beide streitende, hagerne, lederfarbene, grau in grau kolorierte Gesellen aufeinander ein und suchten sich gegenseitig zu berschreien. Der Fremde dampfte, wie Zuckriegel gedampft hatte, -- ein Beweis, da er vor noch nicht langer Zeit eingetroffen sein konnte. Um Gottes Willen, Herr Prosektor! meine Herren! meine Herren! rief ich beschwrend, zwischen die beiden erhitzten Kmpfer springend. Migen Sie sich doch, Herr Zuckriegel! Was gibt es denn? was ist denn vorgefallen? Und ich sage Ihnen, Sie irren sich durchgngig! schrie Zuckriegel. Ich widerlege Ihre Aufstellung Punkt fr Punkt; -- -- wollen Sie mich endlich ruhig anhren? Nein! krchzte sein ihm so hnliches Gegenpart. Weshalb sollte ich Sie ruhig anhren, da Sie mich nicht aussprechen lassen wollen? Beharren Sie nur auf Ihrer Meinung; -- -- ich werde gegen Sie schreiben; ich werde der Welt Ihre Hypothesen vorlegen und in der rechten Beleuchtung zeigen. Zuckriegel scho auf und nieder, wie der Kerl mit dem langen Halse im Puppenkasten. Sein Hals entwickelte eine grauenerregende Dehnbarkeit; er mute jedenfalls aus einem elastischeren Stoffe als Gummielastikum bestehen. Schreiben Sie, schmieren Sie! Ich werde Sie niederschreiben, ich werde Sie platt schreiben wie eine Bettwanze. Ich werde Ihren krassen Ignorantismus vor der Welt ausklopfen, da die Motten herausfliegen sollen; ich werde -- Ich fate den emprten Reisegenossen um den Hals und schob ihn zurck; ich schob auch den nachrckenden grauen Fremdling zurck und hielt die beiden Streithhne mit meinem triefenden Regenschirm auseinander. Herr Prosektor, sagte ich, ich bitte jetzt hflichst, mir diesen Herrn vorzustellen -- Herr Prosektor, ich bitte Sie, sich zu beruhigen -- mein Herr, lassen Sie mich den Neutralen spielen, lassen Sie mich den Friedenskongre erffnen -- Ich bin Professor Steinbchse aus Berlin, sprach der Fremdling. Professor der Altertumskunde Steinbchse, auf einer wissenschaftlichen Reise zu den neuentdeckten Leichenfeldern am Hallstdter See im Salzkammergut begriffen. Ah! sagte ich, aber Zuckriegel schrie: Er behauptet, es seien keltische Knochen; jedes Kind sieht -- Ein Kind sieht hier germanisches Gebein, schrie Steinbchse, aber jeder unver-- Halt, halt, halt, meine Herren! schrie auch ich jetzt mit aller Kraft meiner Lungen. Keinen neuen Friedensbruch! keine unntigen Anzglichkeiten! keine gelehrten Redeblumen! Bitte, Herr Professor, kommen Sie soeben von diesen fraglichen Knochen zurck? Ich bin auf der Reise dorthin begriffen. Also haben Sie eben diese Knochen noch gar nicht gesehen? Nur durch das Medium der ffentlichen Bltter. Und Sie sind auch noch gar nicht oben am Rudolfsturm gewesen, Herr Zuckriegel? Bei diesem Wetter? Mte doch ein Narr sein! Die Knochen schwimmen nicht fort, und ich kann warten. Lag ruhig auf dem Rcken und las den Av-Lallemant, als ich berfallen wurde von diesem -- -- -- Der Rest der Rede ging in einem undeutlichen Gemurmel verloren, ich glaube etwas von botischem Hochstapler vernommen zu haben; heiser wie ein vermittelnder neutraler Gesandter auf einer Friedenskonferenz rief ich: Reichen Sie sich die Hnde, meine hochverehrten Herren. Ohne Umstnde -- seien Sie Brder, wie Sie Kollegen sind. Die Wissenschaft schreitet am besten durch das heitere Bndnis aller Krfte fort. Lassen Sie uns friedfertig zusammen zu Abend essen und morgen frh frisch, fromm, froh emporsteigen zu diesen geheimnisvollen Gebeinen, und den Streit an Ort und Stelle zum Austrag bringen. Durch mehrere verhngnisvolle Augenblicke sahen sich die beiden Gelehrten grimmig an; dann aber zeigte Steinbchse, da er noch nicht ganz dem Prosektor hnlich sei; er erklrte sich bereit, Frieden und den Mund zu halten bis morgen frh; setzte jedoch hinzu, da er morgen frh bei _jedem_ Wetter zum Rudolfsturm hinaufklettern werde. Knurrend nahm Zuckriegel sein Gaunerbuch wieder vom Boden auf, zu einem weitern Zugestndnis in bezug auf diese so mhsam errichtete ^treuga Dei^ lie er sich nicht herab. Da der fromme Dichter in diesem Augenblick ins Zimmer hpfte, trug mehr als alles brige dazu bei, die Gemter zur Ruhe zu bringen; der besnftigende Zauber der Poesie trat einmal wieder so recht klar zutage. Roderich von der Leine war sehr na, so na, da er sich am besten selbst auf die Leine zum Trocknen gehngt htte. Aber er dachte nicht daran. Seine Sehorgane rollten in dem bekannten schnen Wahnsinn; auch er hielt seine Brieftasche in der Hand, und es trpfelte aus ihr. Die Geburt war vollendet, der Verfasser der Lebensblten hatte seine Linzer Erlebnisse unter dem Einflu des erfrischenden Gestubes des Hallstdter Mhlbachs in Reime gebracht; Zuckriegel sthnte schwer. Ich stellte den Professor Steinbchse und den Dichter einander vor, und der Professor offenbarte eine neue Unhnlichkeit mit dem Prosektor; er war hflich, er war duldsam, ja er war sogar zuvorkommend gegen den Poeten und bat ihn herzlich, sich doch ja nicht durch seine Gegenwart abhalten zu lassen, sein Gedicht vorzutragen. Vielleicht war und tat er das alles nur, weil er die Grimassen, das Schnauben, Achselzucken, all die klglichen Windungen Zuckriegels bemerkte und deutete. Ja, lesen Sie, tragen Sie vor, sagte ich, nicht ohne den Spuren des Professors zu folgen. Wrde es nicht besser sein, wenn Sie erst den Anzug wechselten?! seufzte Zuckriegel. Sie knnen sich leicht sehr arg erklten, Herr Krautworst. Es wre doch recht schade, wenn Sie durch jugendliche Unbesonnenheit sich selbst um-, und die Nachwelt um Ihre noch unerschaffenen unsterblichen Werke brchten. Da die weien Gewnder noch immer na in der Kche am Herde hingen, so htte Rodrigo sich nur in das Kostm Adams werfen knnen, wenn er den zrtlichen, besorglichen Ratschlgen Zuckriegels htte Folge geben wollen. Die innere Aufregung hob ihn brigens ber alle rheumatischen, katarrhalischen Befrchtungen hinweg: Den hohen Gttern war er eigen, Ihm durft nichts Irdisches sich nahn. Wollen Sie nicht wenigstens andere Strmpfe anziehen? ich wrde sehr dazu raten. Junge Dichter sind so schon sehr zu Kongestionen nach dem Cerebralsystem geneigt, sagte Zuckriegel in wahren Fltentnen. Der Dichter schttelte nur zerstreut das Haupt; er bltterte heftig in seinem Notizbuche. Nun denn, in drei Teufels Namen, so lassen Sie's laufen! schnauzte Zuckriegel, zum uersten und um seine Kosten in Hinsicht auf die vorige Hflichkeit und Milde gebracht. Roderich von der Leine wendete sich zu uns: Haben Sie bereits den Mhlbach gesehen, meine Herren? Nein, sagte ich, und auch Steinbchse hatte noch nicht das Vergngen gehabt. Sie mssen ihn sehen! rief emphatisch der Poet. Originell, -- romantisch im hchsten Grade. Da ist ein alter dunkler Bogen mit einer Nische und einem Bilde, einem Bilde des heiligen -- wenn ich nicht irre, des heiligen Sebastian drin; ich habe ber zwei Stunden dort gestanden. Den Mhlbach sah ich nicht; Sie aber sah ich, liebster Freund, wollte Sie jedoch nicht stren. Dankend neigte Roderich das Haupt gegen mich, dann aber fuhr er mit der Brieftafel ruckartig gegen die Nase und begann, anfangs schchtern, dann aber immer mutiger, mit den bekannten Seitenblicken auf die Zuhrerschaft: Grau verschleiert schaun die Berge Auf die fremde Stadt herein, Unablssig rieselt's nieder, Und ich ghne klglich drein. Grade wie ich! knurrte Zuckriegel, der die verdrieliche Nase wieder in seinen Av-Lallemant gesteckt hatte. Gott, o Gott, ach woll es wenden, Gott, Erbarmen habe du! Sende mir in diesem Trbsal Einen deiner Engel zu! Mir auch! ich bitte dringend! seufzte Zuckriegel. Goldgelockt, mit blauen Augen, Schlank und wei von Angesicht La ihn sein, um mich zu trsten; -- Flgel, -- Flgel braucht er nicht. Ich aber knnte sie gebrauchen! seufzte Zuckriegel. Von dem Dome summt die Glocke, Und die frommen Christen schleichen Durch den Schmutz der Stadt zur Messe; Gott, o Gott, la dich erweichen! Was solch ein Mensch doch alles verlangt. Selber kennt er kein Mitleid, brummte Zuckriegel. Einen Engel send hernieder Oder einen Sonnenstrahl, Lasse mich nicht untergehen Hier in dieser Jammerqual! Auch mich nicht; ich flehe instndigst darum! sagte Zuckriegel; der Dichter aber machte uns darauf aufmerksam, da sein Gedicht durch feine Einschnitte gegliedert sei, da nunmehr eine neue Bilderreihe anhebe. Er fuhr fort: Blulich ringelnd, sanft verwehend Schwindet der Zigarre Duft; Unablssig rieselt's nieder, Und ich schnappe wild nach Luft. Zuckriegel chzte: Ich nicht weniger. Aus dem Fenster halben Leibes Hng' ich jetzt und hr' die Tropfen Drunten in der engen Gasse Auf die Regenschirme klopfen. Zuckriegel wute ganz genau, auf was _er_ am liebsten klopfen wrde. Und das Auge schlfrig mde, An dem Hause gegenber, Von dem Keller bis zum Dache, Kriecht's hinauf und senkt sich wieder. Zuckriegels Auge kroch auch unheilverkndend an dem Poeten in die Hhe und senkte sich erst wieder, als jener weiter sprach: An des Metzgers Tr dem Hammel, Ausgeweidet, halbzerfetzt, Ach, wie gleicht ihm schauderhaftig Meine arme Seele jetzt! Zuckriegel brummte: Ein schauderhaftiger Vers, sonst aber der einzige, der bis jetzt meine ganze Billigung hat. Laut rief er: Herr Krautworst, ich mache Ihnen mein Kompliment ber Ihre Kenntnis des menschlichen Innern. Bitte, tragen Sie die letzten Reime noch einmal vor; -- wem glich Ihre arme Seele in jenem denkwrdigen Moment und Seelenzustande? Abteilung drei! sagte Roderich von der Leine, den Prosektor verachtend. Hinter hohen Spiegelscheiben In dem blanken Messingbauer Kreischt ein grner Papageie Und erweckt mir neue Schauer. Aber es scheint doch eine gute Schule gewesen zu sein! akkompagnierte Zuckriegel. Eine Dam in rotem Sammet Fttert ihn mit Zuckerbrocken. ^Merci!^ kreischt er, klettert, flattert: -- Alle meine Pulse stocken; Denn ein neues Bild ist er mir Aus dem wildbewegten Leben; Denn mit Flattern, Mercisagen Hab' auch ich mich abgegeben. Die Verachtung Zuckriegels stieg zu einem solchen Grade, da er sie whrend der folgenden Verse nur noch durch Gesten, die nahe an Verrenkungen grenzten, auszudrcken vermochte. Und 'ne Dam in rotem Sammet Reicht' auch mir einst Sigkeiten; ^Merci! merci!^ rasend werd' ich, Denk' ich heute jener Zeiten. O du grner Papagoye In dem blanken Silberringe, Hng dich auf an deiner Kette: Sauer werden se Dinge. Sehr! seufzte Zuckriegel und fgte mit wahrhaft sezierenden Blicken hinzu: Ja, wenn er sich nur hngen wollte! Vierte Abteilung! sagte der Dichter. Und von neuem schlfrig ghnend, Heb' ich jetzt die Augenlider; Hoch und hher schweift das Auge, Nah dem Dache haftet's wieder. Nah dem Dache -- Gott, was seh' ich? Gott, o Gott, kann's mglich sein? In des Regens trostlos Pltschern Schiet ein Sonnenstrahl herein! Nah dem Dach ein offen Fenster, Ganz von Bohnenblt umwoben! Gott, o Gott, du hast gerettet! Dank dir, Dichtergott dort oben! Meine Komplimente an ihn, grunzte Zuckriegel, aber er htte etwas Besseres tun knnen. Nah dem Dach ein offen Fenster, Und darin ein Engelskpfchen, Blaue Augen, weie Arme, Rosig Mndlein, goldne Zpfchen! Nah dem Dach der ganze Himmel; O wie fern dem Erdenschmutz! Nah dem Dach die ewge Wonne! Schne Heilge, deinen Schutz, Deinen sen Schutz erfleh' ich, -- Nicht mit Winken -- kaum mit Blicken; Schne Heilge, schne Selge, Willst du nicht hernieder nicken? Sie wre doch rein verrckt, wenn sie dem Narren den Gefallen tte! grunzte Zuckriegel, sich ganz in die Situation versetzend. Ach, sie hebt sich von dem Sitze; Elfenhaft, im Bltenkranz, Um den Mund ein Engellcheln Steht sie hold im Sonnenglanz. Alle Teufel! Tod und Hlle! Gott, o Gott, was soll das wieder? Schnster Engel! Se Heilige! Gott, sie lt den Vorhang nieder. Brava! Brava! schrie Zuckriegel, grinsend in die Hnde klatschend; doch mit einem triumphierenden Blick auf ihn sprach Roderich von der Leine: Abteilung fnf! und der Prosektor versank wieder hinter dem deutschen Gaunertum. Unablssig rauscht's herunter, Und ich seufze klagend drein; Grau verschleiert sehn die Berge Auf die fremde Stadt herein. Und das rote Reisehandbuch Greif' ich auf und sink' zurck Schwer und mit gelsten Gliedern In den Sessel, und der Blick Sucht die Stelle, wo es lautet: >Linz ist eine schne Stadt, Die schlecht Pflaster, einige Menschen Und auch ein Theater hat.< Linz, o Linz am Donaustrande, Ewig, Linz, gedenk' ich dein; Deinem Ruhme und Theater Will ich diese Verse weihn. Linz, o Linz am Donaustrande, Linz in Obersterreich, Denk' ich deiner, wird das Auge Feucht, und wird das Herze weich. Jener weie, kleine Vorhang Vor dem Fenster nah dem Dach, -- Denk' ich sein, was wird da alles In dem dummen Herzen wach! Alle Gtter und Gttinnen Sind dem Dichter stets zur Seit, Geben ihm durch Blut und Flammen, Durch den Regen das Geleit. Jenen weien, kleinen Vorhang, Liebchen, Liebchen, la ihn zu; In der holden Gtterdmmrung, Liebchen, lieblicher bist du! Bedeutungsvoll klappte der Dichter seine feuchte Brieftasche zusammen, und es begab sich etwas, das einem Wunder glich. Zuckriegel warf das Buch vom deutschen Gaunertum zum zweitenmal auf den Boden, doch diesmal nicht im Zorn. Er erhob sich, schritt auf den Poeten los, drckte ihm mit verdchtiger Zrtlichkeit die Hand und sagte nun wiederum in seinem Fltenton: Herr Krautworst, ist dieses Poem wirklich von Ihnen? Haben Sie wirklich das selbst gemacht, Sie jugendlicher Heinrich Heine, oder wie der Mensch heit?! In der Tat, wenn Ihre bis jetzt mir leider gnzlich unbekannten Kneipenblt -- nein, Lebensblten smtlich aus hnlichem Stoff zugeschnitten und verarbeitet sind, so bitte ich Sie hflichst, mir ein Freiexemplar derselben zu schicken. Hier ist meine genauere Adresse -- portofrei, wenn ich so frei sein darf, Sie darum zu ersuchen. Wenn spter einmal die Rckenmarksdarre -- Herr, schrie Roderich jetzt auer sich vor Zorn, Herr, ich bin so frei, Sie zu ersuchen, mich ungeschoren zu lassen; Ihre Unverschmtheit berschreitet allmhlich alle Grenzen! Ruhig, ruhig, mein junger Freund, lchelte Zuckriegel, Sie haben freilich ein treffliches Gedicht hervorgebracht. Genial! Ein funkensprhendes kleines Meisterwerk! Unser Lob mu Ihnen sehr schmeichelhaft sein; aber ich bitte, sehen Sie nicht zu verachtend von der Hhe, auf welche unsere Bewunderung Sie erhebt. Ich wei, da dem ^furor poeticus^ etwas zu gut zu halten ist; in unserer Abteilung fr Geistesabwesende hatten wir -- Professor Steinbchse und ich erkannten zu gleicher Zeit, da es die hchste Zeit sei, einzuschreiten. Wir berhuften den Dichter mit ernstgemeinten und eben so ernst ausgesprochenen Lobeserhebungen. Ich machte ihn auerdem noch darauf aufmerksam, wie der Poet im schnen kalten Egoismus die Menschen nur als einen Ton, der fr ihn zum Kneten und Formen geschaffen sei, ansehen msse. Ich berzeugte ihn, da der Prosektor nur als Stoff, niemals als beleidigen knnendes Wesen fr ihn Bedeutung und Inhalt haben knne; -- Roderich von der Leine ma seinen Wert an Zuckriegels Unwert, und in ertrglicher Harmonie aen wir vier fr einander geschaffene Charaktere zu Nacht. Aber nach Tisch erhob sich eine ungeheuerliche Schwierigkeit. Als wir uns nmlich nach unsern Schlafgemchern erkundigten, verkndigte der Hospes, da er uns nur zwei Kammern zur Verfgung stellen knne, und da die Herren sich drein finden mten, zu zwei und zwei in einem Zimmer zu schlafen; die Betten aber seien ausgezeichnet und lieen nichts zu wnschen brig; beide Kammern seien auch nur durch eine Wand voneinander getrennt und htten beide die Aussicht auf den See. Worauf ich huste! sagte Zuckriegel. Herr Krautworst, wir beide schlafen zusammen, -- und am liebsten unter einer Decke. Wir haben uns noch nicht vllig gegeneinander ausgesprochen und werden nunmehr die angenehmste Gelegenheit dazu haben; ich pflege gewhnlich erst gegen Morgen einzuschlummern. Roderich sah auf den Prosektor wie die bse Stiefmutter auf das Fa voll scharfer Ngel und Ottern, in welches sie gesteckt werden sollte. Entsetzen, Abscheu, Ekel und Angst malten sich in seinen weichen Zgen. Wir bernachten natrlich zusammen, flsterte ich ihm zu. Sie sollen gercht werden, wie Sie es nur wnschen knnen; Steinbchse und Zuckriegel werden zusammengepackt. Der Dichter drckte mir gerhrt unter dem Tische die Hand und verlie ihn -- nmlich den Tisch -- so eilig als mglich, um fr mich und sich unter dem Vorleuchten des Wirtes Besitz von dem einen Schlafgemach zu ergreifen. Na, Professor, so mssen wir beide doch wohl zusammenkriechen, ich rieche es, sagte Zuckriegel, einen hohnlchelnden Blick auf mich schieend. Wir wollen aber die sen Hoffnungen dieser beiden jungen Mnner zuschanden machen; wir wollen den abgeschlossenen Waffenstillstand nicht brechen; schnarchen wollen wir. Versteht sich, sprach Steinbchse, vollkommen von der Festigkeit seines Willens und Charakters berzeugt. Ich denke einen guten Schlaf zu tun, setzte er mit Wallensteinschem Glauben an die Sterne hinzu, und ich gestehe, da ich mit Bedauern anfing, an den Vorsatz der zwei Gelehrten zu glauben. Wir wnschten uns gegenseitig eine angenehme Nachtruhe, und als ich mein Schlafgemach erreichte, fand ich den Verfasser der Lebensblten bereits behaglich in seinem Federbett eingekapselt. Nur sein mit einem roten seidenen Tuch umwickeltes unsterbliches Haupt sah aus dem Kissen hervor. Was beginnen sie? Sind sie zu Bett? fragte er. Jeder hat noch ein Glas Punsch bestellt. Ich frchte, die Nacht wird ruhiger vergehen, als wir hoffen. Ich glaube an das Gegenteil; -- schlafen Sie wohl, liebster Freund; ich will Sie wecken, wenn's Zeit ist. Meinen besten Dank im voraus. Gute Nacht! Dumpf hrte ich noch im ersten Schlummer den Dichter zitieren: ^Quam iuvat immites ventos audire cubantem,^ ^Et dominam tenero detinuisse sinu;^ -- aber ich ruhte, vom Gepltscher in den Schlaf gerauscht, zu sicher, um die ppigen lateinischen Schulreminiszenzen Roderichs noch weiter zu verfolgen; der See und der Regen bten denselben beruhigenden Einflu auf mich, wie der letztere einst auf den Elegiker Albius Tibullus. Wie lange ich geschlafen hatte, wei ich nicht; aber mir hatte schon lngere Zeit getrumt wie dem Ritter Don Quixote, da ich mich im Lager des Agramant befinde und gleich dem Knig Sobrino berufen sei, die ausgebrochene Verwirrung zu lsen, als ich pltzlich durch das Geflster Roderichs von der Leine geweckt wurde: Liebster Freund! bester Freund! Sie haben sich! Sie liegen sich in den Haaren! Horchen Sie! Hren Sie! ah! Eben noch hrte ich Messer Ludovico Ariosto beim Schreiben seines rasenden Rolands lachen und sah ihn sich den dnnen Bart streichen; nun lag ich wieder beim Seeauer am Hallstdter See im warmen Bett, eine Stunde nach Mitternacht, hrte den Regen vor dem Fenster, sah beim trben Schimmer des Nachtlichts den hannoveranischen Dichter aufrecht auf seinem Lager sitzen und vernahm hinter der dnnen Bretterwand der Kammer ein Kampfgetse, das nur von dem Aufeinanderfahren der Geister Steinbchses und Zuckriegels herrhren konnte. Wie viele Glser Punsch die beiden Trefflichen noch getrunken hatten, mute die Rechnung des folgenden Tages ausweisen; jedenfalls hatten sie genug und warfen sich die Knochen der Kelten und Germanen in einer Weise an die Kpfe, welche den unbefangenen Lauscher ergtzten, aber den befangenen, wie Roderich von der Leine, aufs hchste entzcken mute. Ob die beiden Helden bereits im Zank die Kammer beschritten hatten, oder ob der gelehrte Zwist sich erst von den Betten aus angesponnen hatte, wei ich nicht; Rodrigo behauptete das erstere; ich jedoch kann nicht recht daran glauben; denn Zuckriegel war nicht der Mann, der sich ruhig auf den Rcken legte, ehe er den Gegner darauf hingestreckt hatte, und Steinbchse, wenn auch in andern Dingen etwas weicher, milder, menschlicher, gab dem anatomischen Vorschneider auf dem Felde der Wissenschaft an hartnckiger Behauptung seiner Meinungen wenig oder nichts nach. Jetzt fhlte ich mich nicht mehr berufen, als Vermittler einzuschreiten, sondern vergngte mich kniglich, und das Gesicht des Verfassers der Lebensblten in der gedmpften Beleuchtung des Nachtlichtes war auch der Betrachtung wert. Diesmal vernahmen die Horcher hinter der Wand nicht ihre eigene Schande; die beiden bepunschten Mitglieder der ^universitas litterarum^ sagten sich die entsetzlichsten Grobheiten mit wahrhaft klassischer Naivitt. Je schwieriger es fr sie wurde, sich gegenseitig zu berbieten, desto genialer wurden ihre Eruerungen, und kein Wort des einen war zu hoch, da nicht der andere ein noch hheres darauf setzte. Sie spuckten sich moralisch ins Gesicht, und ich bin berzeugt, da Zuckriegel mehrmals nur um die Breite eines Haares von dem Schicksal, auf Jahrmrkten vor einem morittlichen Orgelbilde abgesungen zu werden, entfernt war. Jetzt beit er in den Bettpfosten! So wahr ich lebe, bester Freund, er beit vor Wut in den Bettpfosten! jauchzte der fromme Dichter in verhaltener Lust. Und der andere hat sich die Decke in den Mund gestopft. Wahrhaftig, lieber Freund, sie werden beide morgen am Gallenfieber krank liegen, wenn wir nicht mit dem Stiefelknecht an die Wand klopfen. Um alles in der Welt nicht! bat der Poet. Stren Sie ihre Kreise nicht! Gallenfieber? Bah, sehen Sie nur in die Jahrbcher fr Philologie, in ihre medizinischen Zeitschriften. Sie knnen viel vertragen, ohne Schaden an ihrer Gesundheit zu leiden. Hren Sie nur, da geht der Berliner wieder ins Zeug. So ist's recht! Fa ihn, Professor -- drauf! drauf! Hurrah, der Hieb sa! Das nenne ich ausgeschmiert! Ein Gepolter hinter der Wand folgte auf und unterbrach den Jubel des Dichters; auf das Gepolter erscholl ein dumpf drhnender Fall, mit beiden Fen fuhren Roderich und ich diesseits aus unseren Betten; denn nun schien es doch wieder Menschen- und Christenpflicht geworden zu sein, das Blutvergieen zu verhindern. Aber eine hhere Macht war bereits eingeschritten. Wohl sang Professor Steinbchse aus Berlin ^Io triumphe^; doch Prosektor Zuckriegel fate ihn nicht mit seinem guten Gebi an der Kehle. Wohl war Prosektor Zuckriegel vom Lager aufgesprungen, um den Gegner zu packen; doch der Geist besiegte den Geist, der wackere Anatom hatte viel zu viel Punsch getrunken; er ma den Boden seiner ganzen Lnge nach und schnarchte wie ein Kind an der Brust seiner Mutter, nur etwas lauter. Noch fnf Minuten gluckste der Professor triumphierend, dann entschlummerte auch er, alle Register seines Nasen-, Kehlkopf- und Gaumen-Systems ziehend. Nun hielten die beiden Wrdigen doch das sich selber und mir gegebene Versprechen; sie schnarchten, allein erst nach dem Kampfe. Diesseits der Wand horchten wir noch eine Weile, aber da das Sgen, Blasen und Raspeln immer regelmiger, wenn auch nicht melodischer wurde, so berlieen auch wir uns dem balsamischen Schlaf. Roderich entschlief mit einem Ach der unsglichsten Befriedigung. So war Zeus' Wille fr heute vollendet; wie sich aber die Dinge am nchsten Morgen gestalten sollten, das lag ebenfalls auf dem Scho des Wolkenversammlers. -- Warum regnete er uns fest am Hallstdter See? -- Ich hatte mir vorgenommen, frh wieder aufzuwachen, um beim ersten Erscheinen Zuckriegels und Steinbchses zugegen zu sein und pflichtmig als hflicher und auch jngerer Mann mich nach der Nachtruhe der beiden Herren zu erkundigen. Als ich aber die Augen aufschlug, merkte ich, da auch ich meine moralischen Krfte gleich den beiden Gelehrten ein wenig berschtzt hatte, und als ich halbbekleidet zum Fenster eilte, um mich auch durch den Augenschein zu berzeugen, da der Regen noch nicht zu Ende sei, erblickte ich zu meinem hchsten Erstaunen unter zwei Regenschirmen vier graue Beine, welche einander entgegen vor dem Gartenpavillon auf- und abliefen. Und als der Wind zu gleicher Zeit aus den Regenschirmen zwei Tulpen bildete, da sah ich mit zweifelnder Verwunderung, da sie es waren -- sie -- Zuckriegel und Professor Steinbchse. Der Dichter suchte hchstwahrscheinlich in seinem tiefen Morgenschlummer einen Reim auf Mensch; denn er sthnte frchterlich und griff ngstlich mit krampfhaftem Zucken der Hnde auf der Bettdecke umher. Ich fhlte mich nicht berufen, ihm aus dem Dilemma zu helfen; in beflgelter Eile machte ich Toilette, um mich den beiden grauen Lustwandlern im Garten anzuschlieen und zu erkunden, welch ein Geist diese Peripatetiker nach solcher strmischen Nacht in solcher Weise neben- und gegeneinander am nebelverhangenen Ufer des Hallstdter Sees auf- und abfhrte. Ich eilte die Treppe hinab, rief nach dem morgendlichen Kaffee, trat dann, ebenfalls unter aufgespanntem Regenschirm, in den Garten und schlo mich mit unbefangenster Miene den zwei Weltweisen an, um ihnen das, was ich ihnen freilich nicht geben konnte, zu bieten, nmlich einen guten Morgen. Sie sahen verstrt, bernchtig und verdrielich genug aus: aber bewundern mute sie jeder denkende Mensch; und ich, der ich fr jedes geniale Sichfinden in die Stunde und ihre Verhltnisse einen feinen und freien Blick habe, ich fhlte pltzlich eine Achtung fr sie, von welcher ich bis dahin keinen Begriff gehabt hatte. Wie sank Roderichs von der Leine kleinliche, aber unvershnliche Gereiztheit vor der wahrhaft groartigen Charakterentfaltung dieser beiden Mnner der Wissenschaft auf ihr rechtes Ma herab! Zuckriegel und Steinbchse hatten sich auch gegenseitig gereizt, hatten sich schne Dinge gesagt; aber was war ihre Persnlichkeit gegenber den hohen Zwecken ihres Daseins am Hallstdter See? Die gelehrten Leidenschaften, welche nchtlicherweise die Seelen der zwei streitbaren Helden so furchtbar gegeneinander emprt hatten, lagen geduckt, so weit es mglich war, am Boden. Die spirituosen Wolken, welche das Gehirn der Kmpfer fllten, hatten sich bis auf einen leichten, schleierartigen Dunst verzogen; Zuckriegel war zu gro, die Brausche seiner Stirn an dem Professor zu rchen, und Steinbchse aus Berlin war zu geistig-klar, um sich zu erinnern, da er um Mitternacht ein bldsinniger Esel genannt worden sei. Von den Erinnerungen des letzten Tages und der vergangenen Nacht waren nur die vertraulichen Mitteilungen der behaglichen Abendstunden, als der Punsch noch nicht gewirkt hatte, brig geblieben: Steinbchse hatte Zuckriegel ins Ohr geflstert, da auch er gekommen sei, um auf dem Leichenacker des unbekannten Volkes am Rudolfsturm sich nach etwas Brauchbarem umzusehen, und im Fall man es nicht willig, billig oder gegen gute Worte ablassen werde, sich seines gelehrten Rechtes zu bedienen. Da nun des Professors Blick mehr auf bronzene Fibulae, Nadeln, Schwertgriffe und Pfeilspitzen gerichtet war, der Prosektor aber nur Knochen, Knochen, Knochen fr seine Sammlung gebrauchen konnte, so kamen die beiden lsternen Gemter einander hier in keiner Weise ins Gehege. Sie hatten sich also ber ihren dampfenden Glsern innigst die Hnde geschttelt, und um einander die Jagd nicht zu verderben, gegenseitig geschworen, nur in Gemeinschaft darauf ausgehen zu wollen, und sich in allen Fhrlichkeiten des Unternehmens mit Beredsamkeit, List, ja mit Gewalt gegenseitig beizustehen. Die Vorgnge der Nacht konnten an diesem Feldzugsplane nichts ndern, und so liefen die gelehrten Verschwrer nach eingenommenem Kaffee im Garten am See auf und ab, und sahen sich bei jedem neuen Vorberstreifen mit finstern Blicken und Widerwillen, aber doch ohne Mordlust an. Um neun Uhr wollte man aufbrechen zu diesem neuen Argonautenzug, Raub der Helena oder Raubzug ohne Umschweife. Es schlug eben acht, ich hatte also vollkommen Zeit, in Behaglichkeit ebenfalls Kaffee zu trinken und das Erwachen des Poeten zu erwarten. Gegen halb neun Uhr erschien Roderich von der Leine, dieses Mal wieder in seinem weien Kostm. Jetzt hing der karrierte Anzug auf der Leine am Kchenherde, und wurde von vielen Gebirgsbewohnern, die in ebengenannter Kche sonst nichts zu suchen hatten, angestarrt, betastet und grinsend bewundert. Die Begrung zwischen dem Dichter und den beiden andern Herren hatte ihre Reize fr den aufmerksamen Beobachter; aber Zuckriegel hatte seine Galle und Bosheit in der Nacht so reichlich ausgestrmt, da er am frhen Morgen verhltnismig matt war; seine Stimmung war ungefhr die einer Brillenschlange, welcher der fromme, aber schlaue Hindu einen Flanellappen vor die Zhne geworfen hat, und welche ihr Gift daran losgeworden ist. Als ich jedoch dem trefflichen Jngling Hannovers meine Absicht, die beiden Gelehrten auf ihrem gefahrvollen, aber ruhmreichen Wege zu begleiten, mitteilte, da fuhr er, ohne der Zuckriegelschen Mildigkeit zu trauen, erschreckt vom Stuhle auf, warf ihn und den Milchtopf um, zog mich in einen Winkel und flsterte: Ich bitte, ich beschwre Sie! Was wollen Sie tun? Bleiben Sie bei mir, gehen Sie nicht mit diesen zwei seelenlosen Ungeheuern. Ich habe es mir berlegt, man kann Hallstadt nicht verlassen, ohne den Schleierfall, den Sprattenfall, den Waldbachstrub gesehen und einen entzckten Blick auf den Dachstein und das Karlseisfeld geworfen zu haben. Man wrde uns auslachen, wenn wir ohne diese Erinnerung heimkehrten; -- ich flehe Sie an, rennen Sie nicht in Ihr Verderben, gehen Sie mit mir; ich habe Ihnen noch so vieles zu sagen, wir sympathisieren so vortrefflich miteinander. Auf dem Wege nach dem Rudolfsturm regnet es ebenso sehr wie im Echerntal, o kommen Sie mit mir! Wenn mich etwas dazu htte bringen knnen, den glnzenden Fustapfen des gttlichen Sngers zu folgen, so wre es die letzte so unbeschreiblich wahre Bemerkung gewesen. Aber mein Entschlu stand fest; ich wollte mich lieber auf dem Wege nach den unbekannten Knochen als nach dem Waldbachstrub auswaschen lassen. Ich ziehe berhaupt der schnen Natur eine schne Menschenseele weit vor, und um Zuckriegels und Steinbchses Gesellschaft an diesem Morgen htte ich alle landschaftlichen Herrlichkeiten des Salzkammergutes samt dem himmlichsten Sonnenscheine mit tausend Freuden fahren lassen, und alle Singvgel und frommen Tiere des Waldes gratis zugegeben. Ich entzog mich also mit bedchtigem Hauptschtteln den umschlingenden Armen des Verfassers der Lebensblten und sagte: Teuerster Freund, ich kann Sie nicht zwingen, uns zu folgen, aber ich wollte, ich knnte es. Wann wird Ihnen ein besserer Stoff zu einem Lustspiel wieder vor die Fe laufen? Roderich von der Leine stutzte, sah auf, sah auf mich, sah auf die beiden Gelehrten, welche eben in grimmiger Entschlossenheit ihre Reisetaschen packten und Platz fr ihre Beute darin lieen; -- einen Augenblick glaubte ich, sein Schicksal an das unsrige gebunden zu haben; aber im nchsten Moment sank er wieder in sich zusammen und seufzte: Ich kann es nicht! Ich vermag es nicht! Ich kann _diesen_ Menschen nicht lnger ertragen. Heute beim Erwachen nach dem Triumph der Nacht glaubte ich fest, da es mir mglich sein wrde; aber ich habe mich getuscht; ich bin der Vogel, und er ist die Schlange, welche mich mit ihren giftigen Blicken verzaubert. Ich kann den Kerl nicht einmal mehr von hinten ansehen. Da ich sah, da alle weitern berredungsversuche vergeblich sein wrden, berlie ich den nervenschwachen Dichter seinen einsamen Wegen und wandte mich zu den beiden wissenschaftlichen Abenteurern; ihre wahrhaft antike Ruhe erfllte mich mit neuer Bewunderung. Niemals hatten zwei determiniertere Strauchdiebe sich die Korbflaschen vom Hospes mit Rum fllen lassen, als diese beiden akademischen Raubgenossen. Leonidas in den Thermopylen, Curtius, als er in den Schlund sah, ehe er hinabsprang, und aus neuerer Zeit Blcher, als er auf dem Wege von Ligny nach Waterloo sagte: Es ginge eigentlich nicht, aber es mu gehen! mochten hnlich geblickt haben wie Zuckriegel und Steinbchse in diesem feierlichen Moment. Auch ich reichte meine Reiseflasche dem Wirte, und dann -- dann brachen wir im ahnungsgrauen Morgennebel und hartnckigsten Platzregen todesmutig auf, und Roderich von der Leine sah uns frstelnd in unwillkrlicher widerwilliger Bewunderung nach. Vielleicht war er in seiner Hinflligkeit einen Augenblick lang sogar neidisch auf den gehaten, aber stahlherzigen anatomischen Reisegegner. Da Zuckriegel und Steinbchse jetzt die ersten Schritte in die wunderlichen Gassen Hallstadts taten (sie hatten es bis jetzt nicht der Mhe wert gehalten, die Nase aus dem Gasthaus herauszustecken), so uerten sie ebenfalls einiges Erstaunen ber die Treppen, und Steinbchse versicherte, so etwas kenne man gottlob in Berlin nicht. Im steilen Zickzack lief aber die Treppe von den letzten Husern aus weiter den Berg hinan, bis sie nach einer Viertelstunde in einen ebenfalls im Zickzack laufenden dichtbeschatteten Fuweg berging. Der Pfad nach dem Rudolfsturm ist schwer zu verfehlen, selbst fr zwei Gelehrte, deren Gedanken auerhalb ihres Pfades laufen. Munter, aber stumm stampften Steinbchse und Zuckriegel zu; unterhaltend war ihre Gesellschaft bis jetzt noch nicht. Beide hatten die Hte so tief als mglich auf die Nasen herabgezogen, beide hatten die Regenschirme so dicht als mglich auf die Filzdeckel herabgezogen, beide taten nicht einen einzigen Fehltritt, obgleich der Weg sehr aufgeweicht und schlpfrig vom Regen war. -- Beide sahen aber auch nichts von dem, was man durch die Lcken und Einschnitte in der triefenden Waldung erblicken konnte, nmlich den groartigsten Teil des Seekessels mit allen kochenden, wallenden Nebeln und Dnsten. Ihre Gedanken waren bei den Knochen und jeder berdachte bei sich die verschiedenen Strategeme groer Feldherren, die auch ausgezogen, um etwas an sich zu nehmen oder sich ihres Rechtes zu bedienen. So eilte ich denn den beiden wundervollen Burschen von Zeit zu Zeit ein wenig voraus, um dann das Recht zu haben, an der passenden Stelle stehen zu bleiben und die sich immer mehr erweiternde Aussicht zu genieen. Wenn die beiden Regenschirme dann allmhlich sich zu mir emporarbeiteten, stieg auch ich weiter. Pltzlich fiel auf halbem Weg, nicht des Menschenlebens, sondern des Saumpfades, mein Blick auf eine sehr nasse Bank, ber welche eine, wie es schien, nicht neue Inschrift zum Lesen und Nachdenken aufforderte; -- die beiden Regenschirme waren wieder ganz in meiner Nhe, und ich stand und las: Hier hat gerast der hochlbliche rmische Knig Maximilian, als er gangen ist, die Salzperg zu besehen, den fnften Tag Januarii Anno Fnfzehnhundertundvier. Wer hat hier gesessen? Wo hat wer gesessen? Wann hat wer hier gesessen? schrie in demselben Augenblicke Professor Steinbchse aus Berlin, tigerhaft heranspringend und mich ohne weitere Umstnde beiseite schleudernd, ehe ich antworten konnte: Kaiser Maximilian der Erste, sonst auch der letzte Ritter von Anastasius Grn in Wien. Professor Steinbchse berzeugte sich von der Wirklichkeit des Faktums, notierte die Inschrift in seinem Taschenbuch und setzte sich auf die nasse Bank, um auch diesen Eindruck an und in sich aufzunehmen. Zuckriegel aber schritt verachtungsvoll vorber, ohne einen Blick auf die ewig denkwrdige historische Stelle zu werfen. Mir ganz einerlei, wer da gesessen hat, ob Sie, Kollege, oder der Knig Maximilianus; wenn ich nur meinen Schdel bekomme, sagte er. Diese Bemerkung trieb auch den Professor frisch wieder vorwrts, und nach einer halben Stunde weitern Kletterns erreichten wir den Rudolfsturm und damit den Schauplatz der grten Abenteuer. An die Rippen pochte das Mnnerherz, als wir vor dem vom Kaiser Albrecht errichteten Gemuer standen und die Glocke des jetzt darin hausenden kniglich-kaiserlichen Salzinspektors zogen, um zuerst in das in dem Turm angelegte kleine Museum von aufgefundenen Altertmern, Ammoniten und sonstigen Merkwrdigkeiten eingelassen zu werden. Eine Maid beaufsichtigte uns dabei, und es interessierten mich vorzglich in dieser Sammlung die keltischen oder urgermanischen Punschbowlen, welche mit vielem Geschick und Geschmack gearbeitet, aber leider sehr verrostet waren. Hier versuchten wir noch nicht zu stehlen, denn es wre doch zu gewagt gewesen; aber Zuckriegel benutzte den Moment, in welchem die Aufmerksamkeit der Gebirgsmaid ganz von dem Vergngen an dem ber ein grn angelaufenes priapisches Scheusal in Entzcken geratenen Steinbchse in Anspruch genommen war, um mich am Knopf zu fassen und mir zuzuzischeln: Mein Bester, von Ihnen allein hngt's jetzt ab, ob ich den Zweck meiner Reise erreichen soll. Jedenfalls wird uns dieses Frauenzimmer zu der Grbersttte fhren; -- Sie sind ein hbscher, gewandter Mensch -- merken Sie auf -- Sie sind mein Freund, Sie sind -- die Person guckt her! -- kurz, fhren Sie sie ab -- halten Sie ihre Aufmerksamkeit nur einen kurzen Augenblick fest -- ich werde Ihnen ewig dankbar sein; -- das Mdchen ist gar nicht bel; lassen Sie sich einen Ku, nur einen einzigen Ku geben, wenn wir an den Knochen der Vorwelt stehen. Auf einen Ku kann es Ihnen doch nicht ankommen, wenn es einen so erhabenen Zweck wie die Osteologie gilt. Man sieht doch, da Sie aus Ihrer Reiselektre etwas gelernt haben; aber wollen Sie mich denn ohne alle Gewissensbisse Ihrem wissenschaftlichen Drange, Ihren wsten Begierden opfern? fragte ich vorwurfsvoll. Keineswegs, Verehrtester! Was riskieren Sie? Ich reie mit meinem Schdel aus; Steinbchse mag fr sich selber sorgen, und es wrde weder Sie noch mich krnken, wenn man ihn am Kragen nhme. Sie selber, Bester, kommen als unbeteiligter, harmloser Tourist unschuldig, khl und langsam nach. Am Seeufer, beim Seeauer treffen wir wieder zusammen und feiern den Sieg, und zu allem brigen schicke ich Ihnen auch gleich nach meiner Heimkehr meine Abhandlung ber die Schdelbildung der ltesten, alten, neuen und neuesten Vlkerstmme. Was sagen Sie _dazu_? Knnen Sie noch widerstehen? Nein! sagte ich. Hier haben Sie meine Hand darauf; an mir soll's nicht liegen, wenn Sie Ihres Herzens Wunsch nicht durchsetzen. Lassen Sie uns denn gehen. Nun, mein reizendes Kind, sagte Zuckriegel kosend, indem er leise wie eine Blindschleiche zu der bergbewohnenden Schnen schlpfte, nun, mein Engel, diese angenehmen Kleinigkeiten haben wir jetzt zur Genge betrachtet; wie wr's denn nunmehr mit den Grbern, meine Rose an den Grbern? Er wollte, um sich mehr einzuschmeicheln, der Holden die Wangen streicheln, doch sie wich bse vor seiner Prosektorhand zurck und suchte aus ihrer unter der Schrze hngenden Ledertasche einen verrosteten Schlssel hervor, indem sie mit einem Trinkgelderblick uns aufforderte, ihr zu folgen. Eine wirklich allerliebste Trhterin an der Pforte der Unterwelt, Herr Kollege! sagte Zuckriegel sehr laut zu dem Gelehrten aus Berlin; aber Steinbchse flsterte nur: Jetzt gilt es! Versumen Sie ja den gnstigen Augenblick nicht. Knnen Sie laufen? Mit meinem Schdel wie eine telegraphische Depesche. Ich auch! Das brige liegt in der Hand der Gtter, sagte Steinbchse selbstbewut, und durch Sumpf und Moos, tropfende Brombeerstauden und sonstige Hindernisse wanden wir uns dem Leichenacker zu. Man hat eine eigentmliche Vorrichtung getroffen, um die aufgedeckten Grber mit ihren Gerippen zu konservieren und sie dem neu- oder wibegierigen Publikum gegen eine Gratifikation vorweisen zu knnen. ber das vorsichtig aufgegrabene und in seiner Lage unverrckt erhaltene Skelett ist ein hlzerner Kasten in die Erde gesenkt, ein sarghnlicher Kasten mit einer Klappe und einem groen Vorlegeschlo. Publikus versammelt sich um diesen Kasten, die Gebirgsmaid versucht lngere Zeit vergeblich, den rostigen Schlssel in das Schlo zu zwingen; endlich springt der Deckel auf, Publikus reckt den Hals, stellt sich auf die Zehen und gibt seine Befriedigung, sein Interesse, seinen Abscheu und selten sein Mitleid in Worten und Gesten kund. Publika kreischt natrlich auf, weil sie keine Gerippe sehen kann. Diese armen toten Krieger, Weiber, Jnglinge und Jungfrauen! Es ist nicht angenehm, sich nach so vielen Jahrhunderten ruhigen, ungestrten Schlafes von einem so verzerrten, verkmmerten, nrrischen Geschlecht wecken und angaffen lassen zu mssen. Wie wre es, wenn pltzlich solch ein tausendjhriges zerfallendes Gebein sich rasselnd zusammenraffte, aufrichtete, den Schlaf aus den hohlen Augenhhlen riebe und rgerlich nach dem Bronzeschwert griffe, um unter die Hmorrhoidarier, die Krinolinen, Professoren und ghnenden Reisebummler zu fahren? Das wrde ein lustiges Laufen und Springen bergab werden; was wrde das neunzehnte Jahrhundert alles verlieren auf dem Schlangenwege nach Hallstadt hinunter! Was wrde der alte Kelte oder Germane alles aufraffen knnen an Brillen, falschen Locken, Schnupftabaksdosen, Sonnen- und Regenschirmen, Gummischuhen, Plaids, Lorgnetten! Hussah, was fr eine Reiseerinnerung wrde das sein, meine Herren und Damen, wenn man wieder sicher auf der Eisenbahn oder zu Hause se und des vorweltlichen Spukes gedchte! Aber ich schweife ab; ich habe ja auch noch von einem Bergunterlaufen und Springen zu erzhlen, bei welchem ebenfalls mancherlei auf dem Wege verloren wurde, was der verfolgende Rcher der Toten von Rechts wegen fr gute Beute erklrte. -- Das Mdchen vom Rudolfsturm kniete neben ihrem Kasten und mhte sich mit steigendem Verdru an dem widerspenstigen Schlo. Zuckriegel griff nach der Hand Steinbchses, drckte sie bedeutsam und ermutigend, lie sie fahren und flsterte: Bruder! Kollege! Jetzt gilt's! Mut, Mut! Jeder greift nach dem, was er packen kann -- ohne Unterschied der Wissenschaft! Bruder, unten am Berg sortieren und teilen wir brderlich! Mir rief er laut zu: ^Memento! cedo tibi puellam!^ zu deutsch: Achtung, mein Bester! fhren Sie die Jungfrau abseits! -- Mit einem Krach ffnete sich jetzt das Schlo; die Maid schlug den Deckel des Kastens zurck, mit gierig funkelnden Blicken schossen die zwei Gelehrten vor, -- da lag der Kelte oder Urgermane wohlerhalten, ruhig und behaglich auf der linken Seite, das Schwert zur Seite, auf der Brust eine grne Spange, die einer plattgesessenen Sofasprungfeder ungeheuer hnlich sah. Es war, als spiele ein schlaues Lcheln um das entblte Gebi des Skeletts, ein Ausdruck, wie: Komm und k mich! und Zuckriegel htte letzteres mit Wonne getan. Nun aber geschah es wieder einmal, da ein wohlerdachter, fein zurecht gelegter Angriffsplan von der Hast und Gewalt des Augenblicks ber den Haufen geworfen wurde. Die Gier der beiden wissenschaftlichen Leichenruber litt es nicht, da ich meinem Versprechen, die Aufmerksamkeit der Jungfrau durch Liebenswrdigkeit zu fesseln, nachkommen konnte. Mit einem Schrei, der aus dem Tierreich zu stammen schien, strzten sich Zuckriegel und Steinbchse auf den Kelten und griffen zu. Einen Schrei stie aber auch das Mdchen vom Rudolfsturm aus: Hilfe! Ruber! Diebe! Heilige Jungfrau! Maria und Joseph! Maxerl! Herr Inspektor! Franzel! Hilfe um Gott und Jesu, s' gehet mit's G'ripp durch! Und aus dem Loche sprangen Steinbchse und Zuckriegel, der erste nach des Geschickes Willen mit dem Schdel des Kelten in der einen Hand und mit zwei riesigen Armknochen und einem Rippenstck im andern Arm! der zweite hatte das Bronzeschwert, die Brustspange und verschiedene sonstige antiquarische Kleinigkeiten gegriffen. ber Moos, Gestein und Gestrpp flogen sie, die Regenschirme zurcklassend und die Hte verlierend. Ich sank, halb ohnmchtig vor Entzcken, auf den nchsten Baumstumpf. Aber ringsumher regte es sich. Von allen Seiten strmten auf den Hilferuf der Jungfrau rstige Nachkommen des fraglichen Kelten oder Germanen herzu, einige mit xten, andere mit mchtigen Knppeln. Einige atemlose Worte der Maid gengten, um sie den Spuren der Ruber, deren flatternde Rocksche eben in der Tiefe des Waldes verschwanden, nachzusenden. Fern verhallte der Lrm der Flucht und Verfolgung, und ich lie mich, ohne Widerstand zu leisten, als verdchtigen Spiegesellen der Knochendiebe durch den Regen vor den erstaunten Salzinspektor fhren. Nicht leicht wurde es mir, meine Unschuld an dem unglaublichen Vorfall zu beweisen. Man sprach davon, mich in Eisen nach Salzburg transportieren lassen zu wollen; man sprach in immer hherem und schrferem Ton, doch ich hielt gut, blieb khl und gelassen und verwies auf meine Papiere, welche mich als einen anstndigen Menschen und harmlosen Touristen und keineswegs als einen Gelehrten oder Leichenruber darstellten. Es wre auch sehr merkwrdig gewesen, wenn sich vor der hohen sittlichen Entrstung, die auch ich ber den schndlichen Vorgang an den Tag legte, die Zorneswogen des verstndigen Mannes und Beamten, der mich verhrte, nicht gesnftigt htten. Auch die zurckgelassenen Regenschirme und Hte, sowie das seidene Taschentuch Steinbchses, welches von einem loyal gesinnten Dornstrauch festgehalten war, trsteten. Verehrter Herr, sagte ich, Ihr antediluvianischer Leichenacker scheint sehr ausgedehnt zu sein; lassen Sie einen andern Urgermanen blolegen und Ihren Kasten mit Klappe, Schlo und Riegel darauf setzen. Was liegt Ihnen an dem _einen_ Kelten? Da Sie durch ruhiges Nachsehen der Wissenschaft, der Osteologie und Altertumskunde vielleicht einen unendlichen Dienst leisten, mu Sie auerdem warm anmuten. Wir wollen sehen, was die Leute zurckbringen, sprach der Beamte. Eher lasse ich Sie nicht los, Herr ... Ein rauhes Siegesgeschrei vor der Pforte des Rudolfsturmes unterbrach ihn; -- die Verfolger brachten _alles_ zurck, Schdel und Armknochen, Rippen, Schwert und Spangen, und auerdem die Percke Zuckriegels und die Brille Steinbchses. Steinbchse und Zuckriegel selbst hatten sie laufen lassen. S' habet alles hinter sich g'worfen, und d' Atzel und d' Brill habet s' verloren! jubelten die Unholde. So, sprach der frhlich lchelnde, sehr befriedigte Beamte, jetzt wollen wir dem Abgeschiedenen das Seinige zurckerstatten, und dann, mein lieber Herr, bitte ich, meine gehorsamsten Empfehlungen an Ihre gelehrten Freunde zu bestellen. Die zurckgelassenen Gegenstnde verbleiben natrlich den Leuten fr ihre gehabte Mhe. K' die Hand und bitt' mir auf ein andermal die Ehr aus. Damit empfahl sich der Inspektor und ging, seinen Kelten wieder zusammenzuflicken. Ich ging auch und stieg langsam nach Hallstadt hinunter, mute aber alle fnf Minuten stehen bleiben, um meiner inneren Heiterkeit Luft zu machen, und der Phantasie Freiheit zu lassen, sich das demnchstige Wiederfinden beim Seeauer auszumalen. -- Unter der Hinterpforte des Gasthauses stand Roderich von der Leine und sah, wie es schien, sehr aufgeregt in den Regen hinaus. Er hatte sich nach seinem Ausflug zum Waldbachstrub wieder ins karrierte Kostm werfen mssen und erwartete mich mit prickelnder Ungeduld. Als er meiner ansichtig wurde, begann er, mit erhobenen Hnden winkend, einen Tanz des Entzckens. Da sind Sie! da sind Sie endlich! O Freund, was fr eine Geschichte! Herrlich! prachtvoll, o ich kann nicht mehr! schrie er mir entgegen. Wo sind die beiden andern Herren? fragte ich mit mglichster Gefatheit, doch der Dichter war zu aufgeregt, um einen klaren Bericht erstatten zu knnen; nur das verstand ich zu meinem Leidwesen, da der Professor Steinbchse aus Berlin bereits, na wie ein Kater und in einer alten Mtze des Wirts, einen Einspnner gemietet habe und auer sich vor Wut nach der Gosaumhle abgefahren sei. O, wie haben sie sich noch gefat! O, was haben sie noch einander gesagt! O, wie sahen sie aus! schrie Roderich, und ich schritt, von ihm gefolgt, in die Gaststube. Da sa Zuckriegel! Ein Bild uerster, menschlicher Wut und ohnmchtigster Emprung. Er hatte seinen Anzug nicht gewechselt, und nur um den kahlen Kopf einige bunte Taschentcher gewickelt. Als er mich erblickte, stie er ein zischendes Geheul aus und umfate besagten Kopf mit beiden Hnden; zhneknirschend, wutwimmernd spie er mir, sozusagen, die Fragen entgegen: Wissen Sie's? Haben Sie's gehrt? Wissen Sie, wie's abgelaufen ist? Nur im Umri, Herr Prosektor. O der Halunke, der Halunke, der niedertrchtige Berliner Halunke! Ich sage Ihnen, wir wren durchgekommen; ich sage Ihnen, wir htten das Unsrige davongetragen, ohne den Jammermann! Was tut er in seiner erbrmlichen Angst, als uns das nachsetzende ^pecus^ an einer Stelle etwas nher rckt? Meinen Schdel wirft er den Verfolgern vor, hchstwahrscheinlich, um sie aufzuhalten, und damit ich mich mit seinem rostigen Blechwerk desto sicherer rette. Wtend werfe ich natrlich auch das alberne Ksemesser mit demselben Recht zum Henker und heie ihn im Rennen und in meiner Verzweiflung und Raserei einen Hornochsen oder dergleichen. Da schleudert die Bestie auch meine Armknochen und Rippen von sich und schreit: Hornochse? da! da! so mag denn alles zum Teufel gehen! Ich werfe ihm natrlich das andere alte Eisen an den Kopf, und hinter uns brllen die Lmmel wie der Satan; denn sie scheinen zu wissen, da sie nun alles wiederhaben, was wir mit so vieler Mhe aus ihrer verdammten Wildnis ihnen abgeholt hatten. Sie lieen uns laufen, und -- hier -- hier sitze ich, und meine Atzel ist auch zum Teufel. Herrgott, Herrgott, wenn es doch eine ewige Gerechtigkeit gbe! ^Oleum et operam perdidi^, das l auf dem verruchten Wege nach dem Rudolfsturm und die Gelegenheit, den Berliner Ignoranten und Hasenfu durchzuprgeln, eben jetzt. Den Tag vergesse ich nicht, und wenn ich tausend Jahre alt wrde; -- wenn ein Objekt, auf das ich von Rechts wegen als tot Ansprche htte, mir unter dem Seziermesser, vor dem ersten Schnitt wieder aufleben wrde, knnte ich keine blutigeren Trnen weinen. Ach, es gibt keine Gerechtigkeit -- keine Gerechtigkeit in der Welt! Der Prosektor Zuckriegel legte den Kopf auf das Buch vom Gaunertum, welches er bei seinem Ausmarsch zu den keltischen Grabsttten auf dem Tische hatte liegen lassen, und war von jetzt an fr uns tot. Wir nahmen ihn wie ein Paket wieder mit nach Ischl, wo wir im schnsten Sonnenschein anlangten. Roderich von der Leine verfiel hier natrlich wieder dem schnen Geschlecht, und ich setzte die Fahrt nach Salzburg allein fort. Auch Salzburg lag im schnsten Sonnenschein in seinem Kessel und brtelte; aber man hing soeben die Verlustlisten der ersten italienischen Gefechte an die Straenecken, und das warf einen bsen Schatten ber die reizende Stadt. Ich hatte freilich keinen Verwandten oder Bekannten, fr welchen ich zu sorgen brauchte, in der sterreichischen Armee, aber es fiel mir auf die Seele, als ich die unheilvollen Reihen der Toten und Verwundeten berblickte, da ich fglich ein Interesse an dem tapfern Jngling aus Hallstadt, Seppel Schnrammer, nehmen knne. Es wrde mir sehr leid getan haben, wenn ihn der Tod in der Blte seiner Jahre dahingerafft htte; glcklicherweise stand sein Name jedoch nur unter den Leichtverwundeten. Der junge Held hatte nur eine unbedeutende Kontusion von einem Schu durch den Feldkessel in den Tornister bekommen. Er mute sich also beim Eintritt dieses nicht allzu bedeutenden Unglcks bereits auf dem Rckzuge befunden haben. Gedelcke I. Von der Stadt Kopenhagen und dem Kurator Herrn Jens Pedersen Gedelcke. Teilweise auf der Insel Seeland und teilweise auf der Insel Amager liegt, wie mancher Schuljunge, aber nicht jeder Gelehrte wei, die Stadt Kopenhagen, die Hauptstadt des Knigreichs Dnemark, wohl versehen mit Fortifikationes sowohl auf der Land- wie auf der Seeseite, eine feine und schne Residenz, und seit uralten Zeiten durch mannigfache Handels- und sonstige Interessen mit Deutschland im, wenn auch nicht zrtlichen, so doch recht angenehmen und freundnachbarschaftlichen Verhltnis. In dieser Stadt lebte zu Ende des siebenzehnten und zu Anfang des achtzehnten Skulums christlicher Zeitrechnung ein Mann des Namens Jens Pedersen Gedelcke, und da er ebendaselbst starb, ist uns insofern erfreulich, als uns das Faktum den Hauptstoff zu gegenwrtiger in Wahrheit ungeschminkter, unverbrmter, unbefranzter, kurz ungelogener Relation geliefert hat. Denn wre er nicht gestorben, so htte man ihn auch nicht begraben knnen, und wre er nicht begraben worden, und zwar mehr als einmal, so wre auch nicht Anno 1731 zu Clln an der Spree die Historia von seinem sonderbaren Glauben, Leben, erstaunenden Tode und merkwrdigen Begrbnis zum erstenmal in Druck ausgegangen, und wir htten dieselbe nicht im Jahre 1865 zu Stuttgart auf dem Trdelmarkt um neun Kreuzer Furchtlos und trew erstehen und zu eifrigem nchtlichen Studium nach Hause tragen knnen. Da wre es uns denn auch ganz gewi nicht beigefallen, anderer Skribenten Zeugnis und Meinung ber den kuriosen Kasum einzuholen, um der Sache auf den Grund zu gehen, sintemalen es einen solchen Kasum gar nicht gegeben htte. Und wenn uns somit viele und arge Mhe erspart worden wre, so wrde das liebe deutsche Publikum im ganzen und groen doch den meisten Schaden davongetragen haben, denn wahrlich kein Autor htte ihm diesen Gedelcke erfunden; der heutige lichte Tag, so ber alle Maen duldsam und ohne Vorurteile, wrde es nicht gelitten haben. Doch was stehen wir an der Tr? Jens Pedersen Gedelcke fhrte whrend seines Lebens den Titel eines Kurators und wird also wohl auch einer gewesen sein, und da er ber andere Sorgen die fr seinen Leib nicht auer acht lie, ist ber allen Zweifel erhaben, und wurde, solange er sich des Daseins erfreute, durch seine wohltuende Erscheinung verbrgt. Denn wenn er von Statur mehr klein als gro war, so schob er doch ein ungemein behaglich Buchlein vor sich her; und da er nicht durch das Leben hastig und atemlos lief, oder mit Wrdigkeit und Bedachtsamkeit langsam schritt, sondern es zierlich, ja gewissermaen tnzelnd durchtrippelte, mute ebenfalls fr ein nicht zu verachtendes Zeichen innerlichster Satisfaktion genommen werden. Er trug, wie es sich fr ihn ziemte, ein wohlanstndiges, halbgelehrtes schwarzes Habit, eine wohlfrisierte, tadellose Percke und den Hut unter dem Arm. Er legte sowohl im Gehen wie in der Konversation das rundliche Haupt ein wenig auf die rechte Schulter, und ein gewisses Blinzeln der kleinen, doch sehr hellen Augen lie vermuten, da er ^a priori^ wie ^a posteriori^ den Kreis seiner Erfahrungen wohl zu erweitern wisse, und das Fltchen in den Mundwinkeln deutete darauf hin, da er seinen lieben Nachbarn, Freunden und Verwandten nicht alles kommuniziere, was er im Geiste bewege. Man wute in der Stadt Kopenhagen, da er mit dem kniglichen Professor der Geschichte, Herrn Ludwig Holberg, in einem sehr lebhaften Verkehr stehe, und was dieses zu bedeuten hatte, das konnte jedermann sagen, der sich an dem groen Gelehrten und kurieusen Humoristen ergtzte oder rgerte; denn des Mannes Neigung und Freundschaft waren nicht so leicht zu gewinnen, und es erhielten sie nur diejenigen, welche auch wieder etwas dagegen zu bieten hatten. Wenn aber sehr groe Leute auf den Kreuzwegen wie Wegweiser stehen, damit alles vorberwandelnde Hornvieh sich bequem und ohngehindert daran reiben knne, so gehrte Gedelcke nicht zu den sehr groen Leuten, denn an ihm rieb sich niemand ungestraft, weder im Hause noch in der Gasse, und in der Kneipe gar nicht. Er hatte ein feines Erbteil Mutterwitz mit auf den Lebensweg bekommen und zahlte gern und mit groer Freigebigkeit einem jeglichen, der dessen zu begehren schien, davon aus, -- einerlei ob ein mehr oder weniger selbstbewuter Schdel aus dem Wehr-, Lehr- oder Nhrstande in der gegnerischen Percke steckte. Am liebsten hatte er's, wenn er einem Mitgliede der hhern oder auch niedern Geistlichkeit in solcher Art einen kleinen berschu ber das antagonistische Guthaben auf den Tisch zhlen konnte, und die Konsequenzen davon hatte er ebenfalls zu tragen. Es verdichtete sich allmhlich der Nebel um den Leuchter und das Licht seiner Existenz, und wenn die hpfende Flamme dadurch vergrert wurde, so erschien sie doch auch ungewisser, undeutlicher. Was anfangs nur die nchste Nachbarschaft sich kaum ins Ohr zu flstern wagt, das schreien pltzlich die Ziegel von den Dchern, und der, welchem der Verdru auf den Kopf fllt, wundert sich wohl gar noch darob. Die Gerchte aber, so anfingen, ber den Kurator in Umlauf zu geraten, waren im Anfange, ehe sie sich zu der letzten, bestimmten Berchtigung zusammengezogen hatten, sehr verschieden und wechselnd in den Mulern der Leute, je nach der Persnlichkeit, welche sich mit Herrn Jens Pedersen Gedelcke im Widerspruch fand. Die, welche sich sehr weise dnkten, sprachen von alchymistischen Narreteien, von den blanken Reichstalern, die auf der Suche nach dem Philosophenstein und ^Menstruum universale^ sich im Rauchfange des Kurators verflchtigten, und zitierten mit bedchtlichem Kopfschtteln: O schdlich ^Acidum^, das Seelen ^corrodiret^! ^Sal sulphur^ und ^Mercur^ zur Hll' ^praecipitiret^! Er suchet ^Sol^ im Koth und ^Lunam^ in der Erden; Wie kann das ewig Licht ihm dort zu Theile werden? Die Giftigeren wollten wissen, er schlage seine Frau, Mette, geborene Niels, sei ein stinkender Geizteufel, welcher um desto rger daheim die Zhne fletsche, je manierlicher und komplsanter er in den Gassen einhertrete. Die Giftigsten aber hielten einander an den Rockknpfen fest oder steckten ber dem Kaffeetisch die Dormeusen zusammen und zischelten einander zu: Der Kurator Jens Pedersen Gedelcke sei auch ein Zeichen, da nicht nur dem dnischen Zion, sondern dem ganzen Universo die letzte und hchste Stunde nahe, ein Zeichen, wie die soeben von den Astronomis entdeckten Flecken am Sonnenball, so nach der Opinion aller frommen und nachdenklichen Leute ^ad prognostica propinqua^ des jngsten Tages gehrten. Diese guten Nachbarn und lieben Freunde wuten ganz genau und erfuhren immer besser: der Kurator streife allgemach sein Christentum ab, wie die Schlange ihre Haut; er gehe zu seinem grten Seelenschaden nur noch mit den verstockten Juden, ihren Lehrern, Rabbinern und Bchern um, zum Tische des Herrn sei er schon seit Jahren nicht mehr gegangen, den Sonntag halte er nicht mehr heilig, wohl aber der Juden Sabbat, und vor dem Fleisch der Schweine habe er einen unchristlichen Ekel. Es waren bald nur wenige Leute in der guten Stadt Kopenhagen, welche nicht an sich oder andere die Frage stellten, ob dieses nicht unerhrt sei, und ob nicht zum allgemeinen Salut und zur Abwendung von Gottes Zorn das hochlbliche Polizeigericht sich der Sache anzunehmen habe? Da dieses dritte Gercht den meisten Anklang und Widerhall in der Stadt fand, war nicht zu verwundern; die besten Freunde hielten dagegen nicht stand, und wre auch wohl schon frher von oben her ein Einsehen getan, wenn solches bei Lebzeiten seiner kniglichen Majestt Herrn Friedrichs des Vierten tunlich gewesen wre. Dieser Monarch aber war zur Betrbnis aller gottseligen Leute nicht so leicht dazu zu bringen, in solchem Falle einen Spezialbefehl ergehen zu lassen; er war ein feiner, lustiger und polierter Herr, welcher seine Freude am Leben hatte, und jeglichen Untertan fr das Heil seiner Seele selber sorgen lie. Wie konnte er, der sogar das Privilegium fr das erste dnische Nationaltheater gab und den politischen Kannegieer selbst darin belachte, welcher von seinen franzsischen Komdianten mit sehr merkwrdigem Gusto den Tartffe des Monsieur Molire agieren lie, -- dazu gebracht werden, einem Untertan ins Haus zu rcken, weil die Nachbarschaft behauptete: der Mann verrichte seine Andacht mit Gebrden, Neigungen des Hauptes und in einem leinenen Kragen, welche dem lutherischen christlichen Ritus und Zeremonial ein Greuel seien? Er tat's nicht, und der Kurator blieb in dem, was er tat, und dem, was er unterlie, insoweit unangefochten; aber es war ein Glck fr ihn -- Herrn Jens Pedersen Gedelcke, -- da er, -- als knigliche Majestt in dem Jahre 1730 das Zeitliche segnete, ber jegliche Anfechtung sich ebenfalls schleunigst erhob. Herr Christianus des Namens der Sechste stieg auf den dnischen Thron, der dnischen Komdie Leichenbegngnis wurde aufgefhrt; die dnische Welt vernderte in jeder Weise ihr Gesicht; doch das ist unsere Geschichte. II. Von den Herren Doktores Primus ^et^ Sekundus, imgleichen der Frau Mette Gedelcke und dem ehrwrdigen Herrn Hieronymus Moekel von der Trinitatiskirche. Es war an einem Nachmittag im unfreundlichen Monat Februar des Jahres 1731, als zwei rzte, zu gleicher Zeit eilends herbeibeschieden, vor der Tr des Kurators anlangten und beim gegenseitigen Anblick die perckenbedeckten Hupter erhoben und jenes Lcheln erzwangen, welches so viel schwerer zu prstieren ist, als ein Futritt oder ein Faustschlag. Die Namen der beiden Herren sind unsern genauesten Nachforschungen entgangen; so wollen wir denn jenen, der in einer Snfte durch die strmenden Regenfluten heranschwankte, den Doktor Primus, und jenen, welcher in seiner stattlichen Karosse eine halbe Minute spter anlangte, den Doktor Sekundus nennen. Sie waren beide glnzende Lichter in ihrer Kunst und Wissenschaft, und es war eine Freude, ihren gelahrten Diskussionen zuzuhren, vorausgesetzt, da der Hrer ihnen nicht selber die Zunge zu zeigen hatte. Wenn Herr Jens Pedersen Gedelcke sie beide zu sich gebeten hatte, so konnte dies fr ein Zeichen genommen werden, da es freilich zum Schlimmsten und Letzten gekommen sei, denn er wute sonst ziemlich genau, was er tat; es fand sich aber, da sie nicht auf seine eigene Einladung kamen. Die beiden gelehrten Herren begrten einander auf dem Hausflur des Kurators, wie es sich schickte, mit einem ^bonus dies, Collega!^ einem ^Serviteur!^ und ^quid agis?^ --, neigeten lngere Zeit an der untersten Stufe der Treppe um den Vortritt die Hupter gegeneinander, hoben und senkten deprezierend die Achseln und schritten sodann in gleicher Linie nebeneinander aufwrts zum Zimmer des Patienten, vor dessen Tre sie Madame mit betrbtem Kompliment in Empfang nahm, und zwar mit dem Finger auf dem Munde, zum Zeichen, da Frsicht und Stillschweigen das erste sei, was sie von den Herren erbitte. Aus dem Krankenzimmer vernahm man einen merkwrdigen Gesang, und auf den Zehen schreitend fhrte die Frau Mette Gedelcke die beiden Doktoren in ein Nebengemach, allwo sie zu ihrer nicht geringen Verwunderung den Pfarrherrn der Trinitatiskirche, Herrn Hieronymus Moekel, in tiefes kummervolles Nachsinnen und in einen sehr groen Armstuhl versunken, bereits vorfanden. Da geschah wiederum jenes wrdige und zierliche Begren, welches von dem achtzehnten Jahrhundert zu solcher Blte und Vollkommenheit gebracht worden ist, dessen Wissenschaft und Ausbung aber im neunzehnten Skulum leider verloren ging und im zwanzigsten vielleicht wiedergefunden wird. Die beiden hochpreislichen Fakultten taten einander alle gebhrenden Ehren an, whrend die hochbetrbte Hausfrau mit dem Nastuch vor den Augen dazu knixte und sich mit Wimmern und Geschluchz um die groe Ehre und Hilfsbereitschaft, so ihr und ihrem Hause von den Herren erwiesen wurden, einmal ber das andere bedankte. Erst als der Sitte und dem ^decoro^ in jeder Weise genug getan war, konnte, unter fortwhrendem Horchen auf den fremdartigen Gesang hinter der Wand, die Konversation auf das Wichtigere geleitet werden, und der Doktor Primus tat dieses, indem er bemerkte: Brauche ich Madame leider kaum zu befragen, wie es dem Herrn Eheliebsten am heutigen Tage ergehe. Solches ist das rechte Wetter, die ^salia^ zu koagulieren, solches ist die Witterung derer Podagristen; aber der Herr Kollega werden mir beifallen, wenn ich Madame die Versicherung gebe, da der Patienten Ungebrdigkeit nicht das Schlimmste ist, was der Medikus auf seinem Wege zu sehen und hren wnschet. Und Madame darf sich keine unntigen Sorgen machen, des Herrn Kollegen Sekundi ^Tinctura solis^ wird auch heut schon das Acidum obtundieren; der Herr Ehegemahl befindet sich in guter Hand. Die da sndigen, werden dem Arzt in die Hnde fallen, sprach der Herr Hieronymus, das Haupt mit drohender Betrbnis senkend, whrend die Doktoren schnell die Kpfe in die Hhe warfen, und der gelahrte Herr Sekundus die Gelegenheit nahm, mit einer neuen tiefen Reverenz sich bei Seiner Ehrwrden nach dem Verlauf des jngsten Konsistorialessens und der darauf erfolgten Indigestion zu erkundigen, worauf Herr Hieronymus das Gesprch abermals nher zum Zweck fhrte: Messieurs belieben doch Platz zu behalten. Madame hat uns zu einer wichtigen Konsultation zusammenberufen in dieses Haus, allwo leider der Arzt des Leibes und der Arzt der unsterblichen Seele zu gleicher Zeit zu tun haben. Wahrlich, Madame hat als ein fromm christlich Eheweib gehandelt und ihre Brde mit Trnen auf sich genommen. Dieses ist ein Haus worden, dessen Lieblichkeit zu belm Geruch sich wandelte, ein Haus, dessen Tr belagert ist von unheiligen Geistern, so mit Zhnefletschen, Schweifringeln und Schlagen, mit verhaltenem Gebell und Geheul bei Tag und Nacht Einla begehren, lblicher Stadt und allem christlich lutherischen Volk zum Skandalum, zum allerschrecklichsten rgernis. Ja, die Herren wissen bereits, da der bse Feind allbereits eingedrungen ist und neben dem Lager des Hausherrn sitzet und sich ber ihn beuget und die Zhne mit Triumph blecket. Es klinget ein absonderlicher Sang in unser Ohr; aber Madame mge reden, und Messieurs mgen hren und uns sodann ihre treffliche Opinion mitteilen. Ich bitte! fiel der Doktor Primus vorerst dazwischen. Es ist vor allem weitern die Frage zu stellen, ob wir hieher berufen seien als Medici oder als Theologi? Was saget der Herr Kollega? Ich stimme dem Herrn Kollega bei und stelle mit ihm dieselbe Frage. Messieurs, rief der Pfarrherr mit groem Ernst, wir sind hier in der dnischen Stadt Kopenhagen, allwo kein Inquisitionsgericht Sitzung hlt ber die Meinungen, doch wei hochehrwrdiges knigliches Konsistorium sich auch verpflichtet vor Gott und Seiner Majestt, unserm kniglichen Herrn Christian dem Sechsten. Man spreche, wie man zu sprechen wei; es wird an andern liegen, die Conclusiones zu ziehen. Ihr Herren, ihr liebe Herren, jammerte die Frau Mette, in ganz Kopenhagen, auf ganz Seeland gibt's keine unglcklichere, geschlagenere Seele, denn meine. Sie weisen in der Kirche und in den Gassen mit den Fingern auf mich: >Sehet, da gehet das Weib des christlichen Juden!< -- ich wei mir am Ende nicht mehr zu helfen, und kann's nur ertragen, weil mich der Herr Jesus Christus darzu erschaffen hat. Ich bin von lutherischen frommen Eltern allhier geboren, und mein Mann ist aus Helsingr und auch von christlichen Eltern geboren, solches ist ja von der Kanzel abgelesen bei unserer Trauung. Ich will auch in meinem lutherischen Glauben sterben; aber die Zungen der Leute bringen mich vor der Zeit um, und -- drinnen liegt er, und der Juden Vorsnger, Meister Henrich Israel, sitzet neben seinem Bett und mu ihm psalmodieren, und es wird von Tage zu Tage schlimmer, wie er mit seiner ewigen Seligkeit umgehet, und kein christlich Wort mehr annehmen will, und mit den Rabbinern und jdischen Schriftgelehrten mehr Gemeinschaft pflegt als mit seinem ehrlichen Eheweibe, so ihm doch bei Tag und Nacht den Fu in Wolle schlagen und des Herrn Doktors Sekundi preiswrdige Medikamente eingeben mu. Ich habe es getragen, getragen, getragen; aber es hat alles sein Ende, und so habe ich es zuletzt zum Herrn Hieronymus Moekel von Trinitatis getragen, und vor seiner Weisheit, Tugend und Gottesfrchtigkeit meine Last abgeleget -- Und Madame hat gar wohl daran getan, fiel der Pfarrherr wieder ein; und die Herren belieben wohl Achtung zu geben und auf jenen Gesang hinter der Wand mit Bedacht zu horchen. Wahrlich, es handelt sich hier darum, christliche Gemeinschaft der Heiligen und ein reines Evangelium vor einem groen und unersetzlichen Schaden und einem stinkenden rgernis zu bewahren. Messieurs haben den Herrn Kuratorem dem Leibe nach in allen frhern ^Morbis^ und Hinflligkeiten behandelt; nunmehro aber handelt es sich um eines angesehenen und wohlbekannten Mannes besseres Teil, und die Herren mgen wohl in Obacht nehmen, da ihr Wort gewogen wird vor einem hochwrdigen Konsistorio, vor kniglicher Majestt erhabenem Thron und zuletzt droben mit der allerletzten Wagschale. So sprechen denn die Herren und sagen, ob der Kurator Herr Jens Pedersen Gedelcke ^mentis compos^, bei gesunden Sinnen sei und ein verlorener, verruchter Snder, einer so die Schafe lsset und sich zu den Bcken gesellet; -- oder ob ihn des Herrn Hand mit Wahnsinn geschlagen und nur das Irrenhaus mit einem Hirntollen abzurechnen habe?! Herr Hieronymus und liebwerte Madame, sprachen beide Doktoren mit bedchtigem Kopfneigen; es ist unsere feste berzeugung und Meinung, da der Herr Jens Pedersen Gedelcke nur am Podagra laborieret, und da, wenn es, was der Himmel verhten mge, zum Schlimmsten gehen sollte, viel mehr Expektanz vorhanden ist, die Krankheit steige ihm in den Magen, denn in den Kopf; als welchen letzteren es nach unserer Bekanntschaft in dieser erleuchteten Stadt Kopenhagen kaum einen zweiten gleich hellen gibt. So ist dieses Haus auserlesen, fr alle Zeiten im feurigen Lichte des Verderbens zu scheinen! rief der geistliche Herr mit erhobenen Hnden; und von dem Manne hinter der Wand wird's heien: Die, so den groen Gott und seiner Botschaft spotten, Verschlingt der Schwefelpfuhl wie Kor- und Satans Rotten! Es ist der Juden Vorsinger, Henrich Israel, so ihm jetzo seine Leibstcklein vorpfeifet, -- wahrlich ein Psalm fr einen, so in der reinen Lehre geboren, erzogen und aufgewachsen ist. Wehe, wer wird ihm singen, wenn die Seele den krperlichen Leib verlassen hat? O Frau, Fraue, wahrlich ist Ihr ein schwer Schicksal auferlegt worden! Der ehrwrdige Herr redete sich in immer grere Emotion, die Frau Mette rang mit Wimmern und Winseln die Hnde, und beide Doktoren hatten das Kinn auf den Stockknopf gesttzt und starrten ins Graue. Da schwieg die Stimme Judas, und still ward's auch im betrbten Konklave, als ein hager und gelb Gesicht sich in die leise geffnete Tr schob und ein breiter Mund sich vernehmen lie: Madame, der Herr Kurator wnscht die plsierliche Kompanie, so allhier bei Ihr versammelt ist, auch bei sich zu bekomplimentieren! Sotane Visage eignete Herrn David Bleichfeld, dem Famulo des Herrn Pedersen Gedelcke, und zog sich ebenso schnell zurck, als sie sich langsam vorgeschoben hatte. III. Von dem Famulo Herrn David Bleichfeld. In einem ziemlich groen, dunkelgrn ausgeschlagenen Gemach stand das Bett des Kurators, zu Hupten vor allem bsen Zugwind durch eine spanische Wand geschirmet, auf welcher allerlei chinesisches Volk Tee trank, auch in Gartenhusern sich erlustierte oder mit groen Sonnenschirmen spazieren ging. Von dem Kurator selber erblickte man wenig mehr, als die mchtige Zipfelmtze, das rote, indische Tuch, mit welchem die Stirn umwunden war, und die blaue Nase, welche eine nicht geringe hnlichkeit mit der einer dnischen Bulldogge hatte, deren Konterfei dem Bett gegenber an der Wand zu sehen war. Beim Eintritt der Gattin, des geistlichen Herrn und der beiden rzte erhob sich die Nase um ein weniges; der Famulus schob dem Kranken noch ein Kissen unter den Kopf, worauf die hohe Nachtmtze mit recht freundlichem Nicken den Besuch begrte, und der Kurator sprach: Ei guten Tag Messieurs; ich gratuliere mir zu dieser schnen Gesellschaft. Davide, setze Er Sthle; ^mon coeur^, frage, womit wir aufwarten knnen; ein Glschen spanischen Weines wird eine Annehmlichkeit um diese Zeit des Tages sein, wie ich selber eine hufige Erfahrung davon habe. Der Doktor Primus rusperte sich mit einem wrdigen Lcheln, und der Doktor Sekundus klrte seine Kehle auf dieselbe Weise, allein Herr Hieronymus sprach mit abwehrender Handbewegung: Wir danken dem Herrn Kuratori, doch gelstet unserer Zunge nicht nach irdischem Wohlschmack. Diese zwo Herren fhrt ihr leiblicher und mich mein geistlicher Beruf hieher. Ei, ei, sagte Jens Pedersen Gedelcke. Ehrwrden verpflichtet mich immer mehr; doch -- was saget ^mon coeur^, meine Eheliebste? Welch einen Beruf wendet sie fr? O Jens! rief die Frau Mette, du weit, da es immerdar nur meine Liebe und meine Sorge fr dein irdisch und ewig Heil ist, welche mich bei dir festhlt! Ei, ei, ei! wiederholte der Kurator und setzte hinzu: Davide, was stehet Er und gaffet! Sein Gesicht wird dummer von Tag zu Tage; -- lasse er den Hispanischen bringen, die Herren Doktores werden mir nicht den Trost in meinem Jammer versagen. Man mu denen Patienten ihren Willen lassen, Herr Hieronymus, sprach der Doktor Sekundus mit einem freundlichen Lcheln zum Pastor der Trinitatiskirche, und der Doktor Primus sah dem Famulo mit einem beiflligen Kopfneigen bis zur Tre nach. Dann, als der Wein gekommen war, ein jeglicher, -- selbst der Pfarrherr -- sein Spitzglas auf dem Knie hielt, und David Bleichfeld wiederum das Zimmer verlassen hatte, erhob sich der Kurator Gedelcke auf den linken Ellenbogen, blickte im Kreise umher und verglich im Innersten die drei schwarzen Herren und die in ein trbes Grau gekleidete Gattin mit drei Raben und einer ltlichen Mantelkrhe, und sich selber in seinem Leiden mit einem podagristischen Mops, welcher sich bewut war, was er im Leben geno, und deshalb die Kondolenzvisite mit Geduld und Humor annehmen konnte. Mit groer Gewalt, Beredsamkeit und Salbung rckte Ehrn Hieronymus Moekel von der Trinitatiskirche dem wunderlichen Heiligen auf den Leib, und die Frau Mette begleitete jeglichen Angriff mit leisem Gewimmer und lautem Beifall; die beiden rzte aber hielten sich mehr passiv und an den Spanischen, bis sich der Kampf auf ein Terrain wlzte, das weniger Gelegenheit gab, sich zu kompromittieren. Was den Famulus David Bleichfeld anbetraf, so stund derselbe drauen vor der Tre, hatte seine lange drre Gestalt rechtwinklig eingeklappt und wechselte mit dem Auge und dem Ohr vor dem Schlsselloch und begleitete das Spiel im Innern des Gemaches auerhalb desselben mit den verwunderlichsten Grimassen, Gesten und den allerkuriosesten Paraphrasen, Noten und Zitaten. Da er ein recht gelehrter Mensch war und seinen Herrn liebte, so wollen wir uns mit dem begngen, was er aus der Unterhaltung der andern abzog; sintemalen es auch wohl nicht lohnen wrde, ein jedes Wort der Konversation dem eiligen, atemlosen Publiko von neuem vor die Nase zu rcken. Philister ber dir, Simson! murmelte der Horcher an der Wand. Heia, jetzt haben sie ihn zwischen den Kneifzangen, wie den Strzebecher auf dem Markt zu Hamburg. Horch, da ist der Pfarrherr schon auf dem Wege gen Damaskon, und das Gleichnis vom schnaubenden Saulo passet wie die Faust aufs Auge. Drauf, ^pro libertate christiana^, gebt es ihm, Herr Kuratore. Ha, ha, an den Tod glubet Ihr, sintemalen er alle Eure Vorfahren verschlucket hat? Ein hohes Konsistorium htte es Euch nicht zugetraut, aber ein alter Heide und gyptier bleibt Ihr doch und nehmet Eure Gerippe auf Eure Gastmhler nur deshalb mit, um bei ihrem Anblick desto vergngter das Leben zu genieen! Noch ein Glschen Alikante, Herr Doktor Primus? Ist es keine ^ratio theologica^, da man die, so in der christlichen Kirche christlich gelebet, auch in der Versammlung der Kirchen, welche der Tempel ist, ehrlich begrabe? O Gedelcke, Gedelcke, du willst nicht durch die Gewlbe und Steinplatten verdampfen und jeglicher frommen Nase zum rgernis und Leibesschaden werden?! O Gedelcke, welch ein heidnischer Jud bist du, da es dir einerlei ist, ob die Auferweckung der Auferstehung vorgehe: ist es dir nicht bekannt, da geschrieben stehet: ^resuscitatio est causa resurrectionis?^ -- Also um 9976 Meilen ist das Firmament jngsthin eingesunken, Herr Doktor Sekundus? -- Das ist freilich ein erfreulich Zeichen des kommenden Jngsten Gerichtes; aber Er ist doch ein heimlicher Jude, Herr Jens Pedersen Gedelcke, und wird dahin fahren, wohin Ihn der Herr Hieronymus von der Dreifaltigkeit dirigieret. O, ruchlose Seele, ist die Hlle nicht so hei, wie man sie machet? Gedelcke, Gedelcke, wie hast du den rechten Weg verfehlet mit deinem metaphorischen Feuer; -- wo Rauch ist, Apokalypse, vierzehntes Kapitel am zehnten und elften Vers -- da ist auch Flamme -- Lukas im sechzehnten Stck, Vers vierundzwanzig! Was soll's nunmehro mit unserm Meister Henrich Israel? O ha, anjetzo fangen wir an und ziehen erst die rechten Register. O Gedelcke, o Herr Kuratore, jetzt geht's mit Ihme um die Ecke und kopfber in den Pfuhl der Verdammnis; einen guten Stilum magst du schreiben, mit dem Mund magst du spitz und scharf auf den rechten Fleck zufahren; aber besser wr's dir doch gewesen, so du nicht der Gelehrten, Weltweisen und verfhrerischen Rabbinen Schriften studieret httest, sondern bei der lautern Milch des Evangelii geblieben wrest! Das ist keine Sache fr einen glubigen Christen, da er seinen Braten immerdar beim jdischen Schlachter einkaufe; wer aber das Schwein und alles, was von ihm kommet, verachtet, der mag sich wahren, da er nicht selber -- Der Famulus schnellte im jachen Schreck zurck und in die Hhe; im Gemache seines Herrn hatte sich urpltzlich ein gewaltiger Tumult erhoben. Sthle wurden mit Gepolter zurckgeschoben; die Glocke des Kurators lutete gellend Sturm; die Stimme der Madame mischte sich schneidend in das dumpfe Gebrumm der Mediziner und den rollenden geistlichen Donner: Gedelckes Stimme aber klang klar gleich einem Trompetensto durch die Schlacht: Davide! Davide! wo steckt Er? Davide, eile Er herbei; komme Er seinem geschlagenen Herrn zu Hilfe, Davide, Davide! Mit einem Sprunge stand der Gerufene im Krankenzimmer. Drauf, Davide, schrie der Kurator. Fhre Er die Herren die Treppe hinunter, und sorge Er, da niemand Schaden leide. Da -- da, bei Moses und allen groen und kleinen Propheten, bei der schnen Judith und dem grausamen Feldhauptmann Holofernes, beim Bel zu Babel, beim Drachen zu Babel, bei der keuschen Susanne im Bade, die Herren werden's verzeihen, da ich ihnen nur meine Nachtmtze auf den Weg mitgebe. Herr Jens Pedersen Gedelcke sa hochrot und tiefblau vor rger und Aufregung im Bett und lie seinem Worte die Tat im nmlichen Moment folgen. In bedrohlichster Nhe flog die Zipfelmtze des Kranken an der Nase des Pastors vorber, und Herr Hieronymus Moekel erhob die Hnde, um den Himmel zum Zeugen dieser Verruchtheit aufzurufen, schttelte den Staub von den Fen und verlie das Haus des Kurators mit dem festen Entschlu, drauen noch einige Worte in dieser Angelegenheit zu reden. Die beiden rzte folgten dem Beispiele des geistlichen Herrn, nachdem noch der Doktor Sekundus in seiner Eigenschaft als Haus- und Leibarzt des Kurators versucht hatte, eine vershnlichere Stellung ihm gegenber einzunehmen. Die Frau Mette verschlo sich mit ihren Krmpfen und Konvulsionen in ihr Kmmerlein, und der heillose Snder und Verchter jedes menschlichen und gttlichen Rechtes, Jens Pedersen Gedelcke, lie sich von seinem Famulus die Kissen zurechtschieben und sprach tiefaufatmend: Schenke Er Ihm auch ein Glas Spanischen ein, Davide, da ich doch Einen anstndlichen Menschen derer Gottesgabe genieen sehe. Tausend lapplndische Donnerwetter! Ihr zeitliches und ewigliches Heil und Wohlsein, Herr Kurator! sprach der Famulus, mit tonloser Gravitt das gefllte Glas an die Lippen fhrend. Ich danke Ihm, Monsieur Bleichfeld, sagte Gedelcke. Hoffentlich hat Er nach Seiner Gewohnheit an der Tr das Notwendige erhorchet; -- Herr Ludovikus hat keine bessere Komdie auffhren lassen, und Er hat's gratis gehabt, Davide. Ei, ei -- riechet Er noch den Schwefel? -- hat der Pfaff mir eingeheizt, wie der Knig Nebukadnezar den drei Mnnern im feurigen Ofen! Jetzt sage Er mir selber, Davide, bin ich ein Jud oder keiner? Ich will Ihm alles glauben. Ich halte Ihn so wenig fr einen Juden, Monsieur, als fr den Verfertiger der Berleburger Bibel oder sonst einen Chiliasten! sprach der Famulus mit berzeugung. -- -- Der Regen fuhr in immer heftigeren Strmen hernieder; im Innern des Hauses des Kurators Gedelcke vernahm man keinen Laut. Die Mgde und der Knecht kauerten verschchtert um den Kchenherd, und Madame mit ihrem Tchterlein rhrte sich nicht; -- auf den groen Sturm war das tiefste Schweigen gefolgt. Ein schwarzer Kater stieg wie der Geist des Hauses langsam vom Bodenraum herab, schritt ber den Gang und kratzte oder klopfte vielmehr an der Tre des Kurators. ffne Er dem Mutz, Davide, sagte Herr Jens; das Vieh wird auch kommen, um wegen der Emotion und des Tumultes zu kondolieren. Hierher, mein Kater, mein guter Kerl, ja, ja, es ist eine tugendsame und fromme Welt. Ja, ja, mein armer Mutz, die Totenkuze waren da, und es stehet dahin, wie lange Er mir noch den Magen wird wrmen drfen. Mit Geschnurr sprang der Schwarze auf das Bett seines Herrn, der ihm ganz zrtlich den Pelz streichelte, und als das Tier sich zum behaglichen Schlummer zusammengerollt hatte, pltzlich recht ernsthaft gegen seinen Famulus begann: Davide, es ist eine alte Geschichte und nicht viel Besonderes daran; aber Er wei, was ich an Ihm getan habe; wie ich Ihn von der Gasse in mein Haus nahm, Ihn wrmte, kleidete und ftterte und Ihm seine Kollegia umsonsten verschaffte. Ich wei auch, da Er mir zugetan ist von ganzem Herzen, und Ihm ist's nicht unbekannt, welch ein Trost mir Seine lngliche Figur und hohe Sapienz zu jeder Zeit gewesen ist. Zur Lustigkeit ist Er nie geneiget gewesen; also wird Er auch anjetzt wohl ein bedchtiges Wort mit Ihme reden lassen. Famule, es ist aus und zu Ende mit dem kniglich dnischen Untertan Jens Pedersen Gedelcke, und der Kurator berlt der Welt Cura und Gaudium denen, so nach ihm kommen. Ihm, Davide, habe ich meine Bibliotheka und zweitausend Reichstaler vermacht. Madame und das Kind werden das Ihrige erhalten -- lasse Er das Heulen, Davide! der Meister Henrich Israel ist ja gar nichts gegen Ihn! -- meine Seele gebe ich dem, welcher sie dem Erdenklo einblus; was den Erdenklo selber aber anbetreffen mag, das ist in diesem mit meinem Handsiegel pitschierten Skriptum enthalten, und lege ich solches mit Vertrauen in Seine Hnde, auf da Er es, sobald der Kurator Gedelcke, Sein alter Patron, abgelaufen ist, und Zeiger und Pendulum still stehen, an die richtige Adresse abliefert. Was darauf zu tun ist, das wird sich finden, und mag auch Er, Davide, Seine Stimme ^in consilio^ haben als ein treuer Diener und ein prudenter Kopf. Den Mutz vermache ich Ihm auch und wei, da Er fein lieblich mit ihm umgehen und sich keine Winterkappe aus seinem Pelz machen lassen wird. Nun gebe Er mir auch ein Glas Spanischen, einem jeglichem, so etwas dagegen zu sagen wei, zum Trotz; -- ^pereat materia peccans cum titulo pleno!^ Lege Er mir die Kissen zurecht, und lasse Er mich ein Stndlein allein; wenn der Mensch es also khl gegen den Magen heraufsteigen spret, so hat er so mancherlei zu bedenken, da ihm seine allerbesten Freunde zum berflu werden mgen. Herr Kuratore, sprach der Famulus; ich liebe Ihn von ganzem Herzen und von ganzer Seele; Er ist mir mehr als ein Vater gewesen, und sein Vermchtnis rhret mich mehr als zu sagen ist. Ich verhoffe, da ich Ihm noch lange Jahre mit Kopf und Hand und Herzen, mit der Feder und mit dem Maule zu Diensten sein darf; diesen Brief aber werde ich zur richtigen Stunde, wenn es nicht anders sein kann, an den Herrn Obristen von Knorpp abgeben, verlasse Er sich drauf. ^Optime!^ sprach Gedelcke, das Gesicht der Wand zukehrend. Es ist eine kuriose Welt; bestelle Er mein Kompliment an den Benediktus, Davide; das Regiment ist auf dem Marsch von Altona her. IV. Von dem Herrn Obristen Benediktus von Knorpp. Von den soeben beschriebenen Stunden an flossen natrlich nunmehr alle die verschiedenen bedenklichen Gerchte ber den Kurator in der einen entsetzlichen Gewiheit von der grausamen, abscheulichen und verruchten Apostasie des Mannes zusammen, und mit schauderndem Wohlbehagen sah ihm die Stadt Kopenhagen in die Fenster. Nun kamen die absonderlichsten Histrchen zu Haufen hervor wie die Regenwrmer beim Laternenschein, und hundert Leute, welche den Kurator in ihrem Leben nicht gesehen hatten, erinnerten sich an Dinge und Worte aus jeder Epoche seines Daseins, die wohl geeignet waren, die allgemeine christliche Betrbnis zu begrnden und zu steigern. Die Herren Doktores segneten ihren abtrnnigen Patienten nach jeglicher Krankenvisite; denn wenn auch ihre Kunst sie dann und wann im Stiche lassen mochte, Jens Pedersen Gedelcke ging ihnen nimmer aus, und wie ntzlich und annehmlich ein solcher stets frischer Gesprchsstoff sein mag, das wei der wohl, so selber eines solchen in seinem Beruf bedrftig ist. Auch der ehrwrdige Hieronymus zog nach bestem Vermgen seinen Vorteil aus dem halsstarrigen rationalistischen Snder und wute ihn an jedem Sonntag in seiner Trinitatiskirche in einer andern und stets feurigeren Beleuchtung als abschreckend Exempel auf die Kanzel zu bringen, und fand nur einen Dorn an der Rose, nmlich den frommen Eifer der Kollegen, so den Kuratorem zu eigenem Gebrauch entlehnten, ohne das ^ius primae possessionis^ im geringsten zu achten. Was den Famulus David Bleichfeld anbetraf, so konnte derselbe nicht mehr ber die Gasse gehen, ohne da sich Mann und Weib an seinen Mantel oder Rockscho hingen, um ihn mit Fragen, Kopfschtteln und guten Ratschlgen bis aufs uerste zu torquieren. Im Hause selber hockte Frau Mette im Sack und in der Aschen, hielt ihr Tchterlein zwischen den Knien, geno wie die Stadt Kopenhagen den kitzelnden Schauder des unerhrten Zustandes und nahm dazwischen in zerknirschter Gehobenheit die wunderlichsten Kondolenzbesuche an. Es kamen Leute aus den hchsten wie aus den niedrigsten Stnden zu ihr: gottesfrchtige Kammerherrn und Hofdamen vom erleuchteten Hofstaat Seiner Majestt des Knigs Christians des Sechsten; theologisierende Geheimerte, mystische Schuster, wohlmeinende Brgerfrauen, besonders aber viele Pastorenwitwen mit den gedruckten oder ungedruckten Predigten ihrer Seligen, also mehr als ein inspiriertes Waschweib. Die hohe und niedere Geistlichkeit hielt das Haus blockiert, wie der Trk den Russen Anno Eilf am Pruth; im Scho der Universitt summte und brummte es wie in einem Bienenkorb, der sich zum Ausschwrmen rstet, und es war kein Teetopf, kein Bierkrug und keine Bettgardine, hinter welchen nicht das ^Pro^ und ^Contra^ in Sachen Gedelcke mit Eifer abgewogen wurde. Gedelcke selber verbi seine leiblichen Schmerzen hinter verriegelter Tr, lie sich von seinem getreuen Famulo das Buch Koheleth, welches wir den Prediger Salomonis nennen, vorlesen, schlug noch einen Hauptsturm der Kopenhagener Prediger ab und machte am ersten Ostertage des durch ihn so denkwrdigen Jahres 1731 sein Wort wahr, und ging mit dem Gefhl, als ob ihm ein eiskalter Teller auf den Magen gedrcket werde, hinber in eine bessere Welt, um vor einer andern Stelle als dem dnischen Oberkonsistorio und dem Kopenhagener Polizeimeister und obern und untern Publiko von seinem Leben, Taten und Meinungen Rechenschaft zu geben. Er ersoff, verstockt wie Pharao, elendig im Roten Meere seiner Snden, wie der Pastor Hieronymus Moekel sagte. Er zeigte, da er zur richtigen Zeit seinen Abtritt zu nehmen wute, wie der Professor Ludwig Holberg mit einem noch vieles andere sagenden Achselzucken bemerkte. Er schlug sich dreimal an die Brust und rief: Ich wei, da ein allmchtiger Gott ist! und verschied -- wie Monsieur David Bleichfeld spter auf dem Polizeiamt berichtete. Nun wei man aus der Geschichte, da um die Stunde, da der gromchtige, grausame Tyrann und verruchte Knigsmrder Olivier Cromwellius, so sich auch den Protektor von England heien lie, den Atem verhauchte, ein erschrecklich Unwetter sich erhob, welches viele Fensterscheiben und Schornsteine zerschlug, auch manchen Baum umwarf und sonst vielerlei betrbtes Unheil anrichtete: um die neunte Abendstunde des ersten Ostertages 1731, als der Kurator Gedelcke seine Rechnung abschlo, entstand nur ein trockenes Wehen, das kaum den Staub und die Abflle in den Gassen von Kopenhagen umherwirbelte, aber spterhin so gut wie das engellndische Sturmwetter zu den Zeichen gerechnet wurde. Es rasselte der Wind ein wenig an dem Fenster, als klopfe eine Hand an die Scheiben. So lasse ich dich dem, welchem du angehren willst, Jens Pedersen Gedelcke! rief der Prediger von der Dreifaltigkeitskirche und entfernte sich mit seinem Kster Jesse Brgge; das Gesinde strzte fort, die Frau verbarg sich mit dem Tchterlein in ihrem Gemache. Niemand harrte bei dem toten Manne aus, als sein Famulus und sein Kater, welcher letztere spter natrlich ebenfalls zu den Zeichen gezhlt wurde. Und als David Bleichfeld eine halbe Stunde nach dem Tode des Patrons in sein Kmmerlein hinaufstieg, um aus dem verborgensten Schubfach seines Schreibpultes das an den Herrn Obristen von Knorpp gerichtete Schreiben des Kurators hervorzunehmen, hielt der Kater die Leichenwache frs erste ganz allein. Mehr instinktartig und mechanisch, als in klarer berlegung dessen, was geschehen mte, richtete der Famulus den letzten Auftrag seines Herrn aus; aber selbst die Gewiheit, nur der letzten Grille des Verstorbenen Vorschub zu leisten, wrde ihn auf seinem Wege nicht aufgehalten haben. Er verlie das Haus und trug das versiegelte Papier in beiden Hnden vor sich her durch die finstern Gassen. An einer Ecke traf er auf die ehrwrdigen Herren von der Trinitatis- und der Frauenkirche, welchen ein Diener mit der Laterne vorleuchtete. Sie hielten den Verstrten an und sprachen, indem sie eine lngere Zeit hindurch an seiner Seite schritten, heftig und hitzig auf ihn ein, ohne da er sie anfangs verstand. Als er aber allmhlich ihre Meinung und die Wege, welche sie gingen, begriff, da schob er das Schreiben Gedelckes hastig in die Brusttasche und knpfte mit zitternden Fingern jeden Knopf darber zu; noch hastiger nahm er sodann seinen Abschied von den zwei Pastren und beschleunigte seine Schritte dergestalt, da er fast gnzlich auer Atem vor der Wohnung des Obristen Benediktus von Knorpp anlangte und vor bermchtiger Aufregung und Mangel an Luft kaum imstande war, daselbst Einla zu begehren und seinen Namen zu nennen. Da stand er denn auf dem Hausflur und murmelte: Ah, so ist es gemeint! so ist es -- o, ich konnte es mir denken! o, Jens Pedersen Gedelcke! o, Herr Kurator! o, mein guter, guter Herr und Patron! und aus dem obern Gestock des Hauses drang ein rauher kriegerischer Gesang herab, welcher sein erschttert Gemte auch wenig krftigte und festigte. Nun fhrte ihn eine uralte, hexenartige Dienstmagd die Treppe hinauf; nun trat er aus der Khle in die Hitze, nun stand er zwischen gepackten Soldatenkoffern in einem dichten Nebel von Tabaksqualm, und das Lied von der Schlacht bei Kige pate frtrefflich zu dem Manne, so in hohen schwedischen Stiefeln, mit der Tonpfeife im Munde zwischen dem Fenster und dem hohen Steinkrug auf dem Tische hin- und herschritt und jedesmal, wann er die Nase und den Schnauzbart in dem Kruge versenkte, wute, was er tat. Der Herr Obrister sind heute mittag von Altona angelanget und gehen bermorgen mit dem Regiment nach Frederikshall, hatte die Wirtschafterin auf der Treppe dem Famulo mitgeteilt, und der Herr Obrister kommandierten sich selber Halt! und Front, standen stocksteif vor dem Boten des Kurators Jens Pedersen Gedelcke und schnarrten: ^Bonsoir^, Monsieur Bleichfeld; ist Er's denn, oder ist Er's nicht? Bei allem, was lebet, wie siehet Er aus, Herr Studio! Ist Ihm der General Stenbock, der Knig Karl oder der Teufel selbst begegnet? Was bringet Er mir von Sich oder Seinem Herrn? Der Herr Kurator lassen sich dem Herrn Obristen allergehorsamst rekommandieren; -- vor einer Stunde sind Sie sanft entschlafen. Halt! schrie der Kriegsmann, beide Hnde wie Klauen dem zusammenknickenden Famulus auf die Schulter schlagend, und ihm die scharfe dnne Habichtnase so nahe als mglich unter die Augen rckend: Ruhe im Glied! Was hat Er gesaget, Monsieur? Der Famulus wiederholte stotternd seine Nachricht, die hellen Trnen liefen ihm dabei jetzo ber die hagern Backen, und der Kriegsmann lie seine Schulterbltter frei, leerte im jhen Schrecken und Schmerz seinen Krug bis zum Grunde, setzte sich auf den nchsten Holzschemel und seufzte in tiefster Zerknirschung: O David Bleichfeld, das verdirbt mir mehr als diesen Abend! O Bleichfelde, mit diesem Wort hat Er mir mehr in der Hand zerbrochen, als diese tnerne Pfeife, und Famule -- holla -- ich kenne den Jens Pedersen -- und ich glaube Ihm noch nicht, Monsieur David! Er ist geschickt worden, mich anzulgen zum Willkommen, Kamerade -- sehe Er mir noch mal in die Augen. Noch einmal packte der Kriegsmann den Unglcksboten und sah ihm in das klgliche Gesicht. Als er ihn aber zum zweiten Male frei lie, zweifelte er nicht lnger, sondern seufzte: O Jens, Jens, du halsstarriger, widerborstiger, nrrischer Bursch, so hast du mir denn den letzten Schabernack gespielt und bist vom Posten abgezogen, ohne Losung und Rapport zu hinterlassen. O du fahnenflchtiger Bsewicht, die Hand httest du wenigstens mir noch einmal drcken sollen! Monsieur Bleichfeld, ich sage Ihm, das hat mir nicht geschwanet, da ich zu einem solchen Feste aus Holstein einrcken solle. O Jens, eine solche Freundschaft wie die unsrige ist nie erhret worden, und nimmer haben zwo menschliche Kreaturen in solchem Hader, Ekel und Widerwillen miteinander gelebet, denn wir zwei beide! Monsieur Bleichfeld, seit wir uns vor unserer Vter Tren zu Helsingr um Ball und Kreisel die Kpfe blutig schlugen, seit wir in Rosenborg-Have Anno 1695 um die Mamsell Spegelmann einander in die Haare gerieten, sind wir wie zwo Zwillingsbrder gewesen und haben kein Jahr verstreichen lassen, ohne uns gegenseitig aufs Eis zu fhren, und nun ist er fortgegangen, Meister Bleichfeld, und hat seinen alten Kumpan allein im dnischen Dreck gelassen! Ich habe schon lngst in Altona auf seine diesjhrige Schnurre gewartet; aber solches geht doch ber allen Spa, -- ohne ein Aviso, -- ohne ein Wort zum Abschied -- Nicht ohne ein Wort zum Abschied, Herr Obrister! rief der Famulus, das Schreiben seines Patrons hervorziehend. Dieses ist fr Euch, Herr von Knorpp, und mir auf die Seele gebunden. Leset und lasset mich Eurer Opinion, Eures Rates und Trostes genieen; es ist seine letzte Meinung also gewesen. Mit eilfertiger, ein wenig zitternder Hand hatte der Oberst nach dem wohlversiegelten Brief gegriffen, ihn mehrfach von jeder Seite beaugt und endlich erbrochen. Da sa er am Tisch, die Skriptur auf Armeslnge von sich abhaltend, und das wechselnde Spiel der Muskeln auf seinem runzligen, zhen, verwetterten Ledergesicht war wohl eines feinen und gewandten hollndischen Pinsels wrdig. Betrbnis, Erstaunen, Zornigkeit und helle Wut zerrten in solcher blitzesschnellen Folge Stirn und Nase, Schnauzbart, Kinn, Backen und Mundwinkel durcheinander, da der kummerbelastete Famulus ob des mirakulosen Anblicks betroffen Schritt fr Schritt zurcktrat, und zuletzt, als der Kriegsmann mit einem wilden Fluch und einem donnernden Faustschlag auf den Tisch verkndete, da dieses das Tollste und Heilloseste sei, was ihm seit dem Travendahler Frieden vorgekommen, -- wie von dem Faustschlag selber getroffen zusammenfuhr und schier in sich selber verschwand. Wei Er, David Bleichfeld, was er mir hier schreibt? schrie der Obrist und brllte, als der Famulus den Kopf schttelte: Er wendet sich an mich und an Ihn, Davide, um sechs ungehobelte Bretter und ein stilles Loch in der Erde! Er wei, was fr schwarzes Gevgel ihm ber dem Kopfe fliegt und herabstoen will! Wir beide sollen ihn begraben, Monsieur, bei Nacht und Nebel, still und fein suberlich, Monsieur. Er hat uns seinen armen stinkenden Leichnam vermacht, Meister David Bleichfeld. Seinem Hausdrachen trauet er nicht ber die Gasse und noch viel weniger bis auf den Kirchhof, und was den ehrwrdigen Herrn Hieronymus Moekel anbetrifft, so -- -- Himmel und Hlle, bei allen Gruben, an denen ich je auf einem dnischen ^champ de bataille^ gestanden habe, Jens Pedersen Gedelcke, es soll geschehen, wie du es wnschest, und sollte ich das Haus mit meinen Fsilieren im Sturm nehmen mssen! Auch der Famulus las nunmehro das Schreiben des Kurators und rief sodann: O Herr Obrister, er hat recht, und Eile tut wahrlich not! Der Herr Oberprediger von Trinitatis ist freilich schon auf dem Wege, ein hochehrwrdiges Konsistorium ist bereits zusammenberufen, und was die Dunkelheit dieser Nacht gebiert, das wird am Morgen gar schn und propre daliegen -- Und bermorgen segeln wir auf alt Norge! rief der Kriegsmann, den Dreimaster auf die Percke stlpend; Gewehr ber! Marsch auf der ganzen Linie! O Jens, Jens, wie magst du von deiner Wolke herablachen, denn also hast du mich in deinem ganzen Leben noch nicht zum Narren gehalten; aber wer zuletzt lacht, -- ach Gott, es ist eine elende, nichtsnutzige Welt, marsch, Meister David, lasse Er die schwarzen Vgel nur zu Haufen fliegen; wir holen meinen Regimentsfeldscher Herrn Snorro Skalholt aus seinem Garnisonsspital; dann knnen wir ihnen die Volte zu drei schlagen, und, Monsieur David Bleichfeld, wann Er bermorgen mit mir und meinem Regiment an Bord des Sjlland gehen will, so soll Er mir hochwillkommen sein, und zu berlegen wr's! Jawohl, zu berlegen wr's! seufzte der Famulus; aber der Gedanke an das Testament des Kurators Gedelcke, an die herrliche Bibliothek und die zweitausend dnischen Reichstaler legte sich ihm wie ein spanischer Reiter in den Weg; mit einem Ruck der Verzweiflung zog er den Hut in die Stirn, folgte unsicheren Schrittes dem Kriegsmann, welcher bereits die Treppe hinunterstapfte, und fand sich zwanzig Minuten spter vor dem Spital der Kopenhagener Garnison unter dem Fenster des islndischen Doktors, welches der lange Oberst, auf den Zehen stehend mit dem Stockknopf grad erreichte. Wach ist er; aber Danziger Goldwasser ist auch ein liebliches Getrnke, sprach der Herr von Knorpp. Da werden wir ihm doch wohl die Scheibe einschlagen mssen. Hallo, holla, da ist er! Auf das wiederholte Gepoch wurde mit einem grimmigen Getse das Fenster in der Hhe aufgerissen, und, beleuchtet von einer flackernden Kerze, schob sich der dickste Kopf der dnischen Monarchie in die Nacht vor. Ist das nicht wie ein Nordlicht? fragte der Oberst, seinen Ellenbogen dem Begleiter in die Seite stoend. Gut Freund, Meister Snorro Skalholt! Steige Er hernieder, Kamarado, man hat eine Arbeit fr Ihn! ^Eheu, dux legionarius!^ schnarrte die Erscheinung im Fenster, das zerwhlte, flachsartige Haar zurechtschttelnd. Seid Ihr es, Herr von Knorpp? Was habet Ihr fr Euern Gehorsamsten? Mit oder ohne Messer, Obrister? Herunter mit dir, Island! schrie der Kriegsmann. Das weitere wird man dir schon auf dem Wege sagen! Das Fenster schlo sich; der Doktor Snorro Skalholt trat in die Gasse und erfuhr, um was es sich handle. Frderhin lachte er nur von Zeit zu Zeit grimmig in den Bart und rieb sich die Hnde unter dem Mantel. Bereit, auch das uerste fr ihre Pflicht zu nehmen, erreichten die drei Verbndeten das Haus des Kurators Jens Pedersen Gedelcke. V. Von dem islndischen Regimentsfeldscherer Herrn Snorro Skalholt und von Mynheer van der Tromp, weiland zu Leyden. Halt! kommandierte wiederum der Obrist. In keinem Scharmtzel, in keinem Treffen bin ich mit einem solchen Gefhl im Magen in die Schlachtlinie gerckt, und Er, Skalholt, lasse Er das abscheuliche Gegrunz und Gelach; htt' Er den Gedelcke gekannt, wie wir, es wrde Ihme auch schwler ums Herz sein. He, he, he, ich lache nicht ber den Herrn Kurator, ^monsieur le colonel^; mich lchert Mynheer van der Tromp, den wir zu Leyden stahlen zur Ehre der Wissenschaft. Lasset mich sehen, -- Lemort, Hotton, Boerhave und ich teilten uns in ihn; -- ja, ja, die drei andern sind als groe ^lumina^, als weltberhmte Lichter ausgegangen, und ich bin ein armer Feldscher worden; aber was hat der Mensch von aller Gloria, wann er tot ist? ^Barbati praecedant^, marschiere Er voran, Herr von Knorpp, doch trete Er leise auf: Mevrouw van der Tromp bot fnfhundert hollndische Dukaten dem, so ihr ihres Eheliebsten Leib retourniere, und wir loffen schier an der Wand hinauf vor rger; denn wir hatten ihn allbereits verwrfelt und ausgeteilet, jeglichem nach seiner Fortun. Das ist ja eine recht jokose Historia, Meister Snorro, sprach der Oberst Benediktus. Courage, Monsieur Bleichfeld! Eine recht jokose Historia! murmelte der Famulus und scho in die halbgeffnete Haustr, in welcher niemand ihm und seinen Begleitern entgegentrat. Niemand zu sehen und zu hren? sagte der Obrister. Wahrlich, das siehet de und kalt aus. O Jens, Jens, du hast uns sonsten hier in anderer Weise salutieret! Haben sie denn alle Reiaus genommen? Brr, im Schwedenlager vor Frederikshall, Anno Achtzehn konnt's nicht khler sein; -- o Gedelcke, Gedelcke, was ist aus deinem lustigen Quartier geworden! Nichts regte sich in dem groen weitluftigen Hause. Auf einer Treppenstufe stand eine schwelende Kchenlampe, und dem Famulo schlugen die Knie aneinander vor innerlichem Frost, als er die Hand nach dieser Lampe ausstreckte, um den beiden Herren den Weg zu zeigen. Auch in dem obern Gestock rhrte und regte sich nichts, auer den Musen hinter dem Wandgetfel; die Tr des Sterbezimmers stand gleich der Haustr ein wenig geffnet, doch brannte kein Licht in dem Gemache, und die kleine qualmende Flamme, welche David Bleichfeld auf Armeslnge zitternd vortrug, schien die Finsternis nur dichter und undurchdringlicher zu machen. Nun, Mann, da wir soweit sind, so rcket weiter, sagte der Oberst, doch nicht mit der gewohnten rauhen Kommandostimme. Die Toten beien nicht, und den Lebendigen kann man die Zhne weisen; -- da! Der islndische Regimentsdoktor hatte den zaudernden Famulus durch einen jhen Sto in das Gemach gedrngt; der Schein der Lampe fiel ber das Bett des Kurators, und aus dem Lehnstuhl neben dem Bette erhob sich fauchend der Kater Mutz und sah mit grnleuchtenden, wilden Augen auf die Eintretenden. Unter dem weien Laken, so man ber den Leichnam geworfen hatte, guckte nur der rote Zipfel der Nachtmtze Gedelckes hervor; der Lichtschein tanzte ber dem Tische mit den Arzneiglsern, Schalen und Bechern; auf der spanischen Wand grinsten die bunten Chinesen wie phantastische Kobolde, und in dem kuriosen Gezweig schienen die kuriosen Vgel in dmonischer Lustigkeit mit den Flgeln zu schlagen. Schon aber hatte Herr Snorro Skalholt die Leinwand von dem Gesicht des Toten gezogen, und whrend die beiden andern noch in Betrbnis und Grauen bewegungslos standen, betastete er mit gierig-kundiger Hand den Leichnam, wandte sich um und sprach: Herr Obrister von Knorpp, der Mann spielt Euch sicher keinen Possen mehr. Ich wte nichts, so mir schwerer einginge! seufzte der Oberst. O Jens, Jens, das gehet noch ber die Mamsell Spegelmann im Garten zu Rosenborg, -- ah, bah, hab' ich damals meinen Willen gehabt, so sollst du jetzo den deinigen haben, Jens Pedersen Gedelcke! Vorwrts im Schritt; -- gebet Euer Wort dazu, Ihr Herren! Messieurs sind also fest entschlossen, mit hier vorliegendem Korpus ^per fas et nefas^ denen, so ein mehreres Recht daran haben mchten, die ^elatio^, will sagen, die Leichaustragung vor der Nase hinweg vorzunehmen? fragte der Doktor Snorro, sich von der Inspektion des Leichnams aufrichtend. ^Per fas et nefas^, es war seine Meinung, und es soll so geschehen! rief schluchzend der Famulus, und der Oberst von Knorpp streifte stumm, mit grimmigem Ernst, die weiten rmelaufschlge zurck, zu jedem Anpacken mit Fusten und Zhnen bereit. So ist mein Avis, sagte der Regimentsfeldscher, die Herren halten allhier gute Wacht mit Ober- und Untergewehr; ich aber bringe vom Spital die Vespillones, will sagen, meine Bahrtrger. Da gehen wir dann mit dem Herrn Kurator fein still und sittsam die Treppe hinunter, machen an der Tr dem Haus unser Kompliment, und hab' ich ihn, will sagen, den Herrn Kuratorem, im Spital, so -- Der Doktor brach ab und zeigte nur sein Gebi; der Herr von Knorpp und Herr David Bleichfeld gaben nickend ihre Beistimmung kund, jedoch mit der geheimen Reservation einer kleinen Unterschiedlichkeit zwischen den allerletzten Schicksalen Mynheers van der Tromp und des Kurators Jens Pedersen Gedelcke. Auf den Zehen schlich der Islnder aus dem Zimmer; der Obrister setzte sich zu Hupten des Lagers nieder, und der Famulus hielt Wacht an der Tr, nachdem er vorher noch eine Wachskerze, die er auf einem Nebentische fand, angezndet hatte. Schnurrend aber ging der Kater jetzo, nachdem er sich berzeugt hatte, da Freunde seines toten Herren gekommen waren, von einem der beiden Mnner zu dem andern und rieb knisternd sein Fell an ihren Schienbeinen und Waden, bis er pltzlich ganz ^improviso^ mit einem Satz dem Obristen auf das Knie sprang und gravittisch daselbst seinen Posten behauptete. Htte der Kurator sich aufrichten und einen Blick in das weite, dunkle Gemach, auf den rotrckigen Herrn Benedikt von Knorpp, den schwarzen, bleichgesichtigen, zhneklappernden David Bleichfeld und den Mutz werfen knnen, er wrde dessen gewi merkwrdiglich froh geworden sein. Von Zeit zu Zeit unterbrach ein langes Geseufz, ein dumpferes Knurren und Brummen des Kriegsmannes die Stille der Nacht. Der Wind zischte vor den Fenstern, es rieselte der Ru im Schornstein hernieder, einmal wurde drauen auf dem Gange eine Tr schnell geffnet und noch schneller wieder zugeschlagen. Da lob' ich mir jeglichen Posten ber jeder Flattermine, murmelte der Obrister, und der Famulus lobte noch manche andere Dinge und Zustnde, welche behaglicher waren, als dieses mitternchtliche Harren auf den islndischen Doktor Snorro Skalholt und seine Bahrtrger. Endlich um zwlf Uhr weniger zehn Minuten legte der Herr von Knorpp die Hand ans Ohr, und David schlich zum Fenster und flsterte: Da sind sie! der Himmel sei gepriesen! Amen! sprach der Obrist. Taktmige Schritte mehrerer Mnner ertnten in der stillen Gasse und hielten vor dem Hause des weiland Kurators Gedelcke an. Courage, Famulissime! flsterte der Herr von Knorpp. Jetzo fasset einmal all Euern dnischen Heldenmut zusammen; denket an den ehrwrdigen Herrn Hieronymus Moekel und das hochehrwrdige knigliche Konsistorium; nehmt das Licht und haltet es hoch, ich nehme den Kurator! Courage, Jens Pe -- wollte ich sagen David Bleichfeld! O Jens, Jens Pedersen Gedelcke, ich hab' schon manch einen also aufgegriffen vom Feld, aber keinen mit mehr rgernis und Jammer als dich! Komm, Alter, es war doch ein ander Ding, als wir in Rosenborg-Have uns im Sonnenschein unsere Meinung und die Mamsell Spegelmann um die Kpfe schlugen! Er hatte whrend dieser Stoseufzer das Leinentuch fest um den Leichnam geschlagen und erhob denselben nun mit einem wilden Ruck von dem Pfhle. Im hchsten Schrecken fuhr David Bleichfeld gegen die Wand, und zischend, mit emporgestrubtem Pelz, scho der Kater auf und sah mit allen Zeichen des Entsetzens von einem hohen Eckschrank seinem toten Herrn nach. Horch, Island auf der Treppen! Hinaus, Monsieur, in des Satans Namen! -- Leuchtet vor, -- Courage! rief der Obrist, keuchend unter seiner absonderlichen Last; der Famulus ri die Tr auf, und der Herr von Knorpp sprang mit dem Leichnam auf den Korridor hinaus. In demselben Momento aber wurde auch die Tr der Frau Mette am Ende des Ganges geffnet, und eine Magd, ein Teebrett mit Tassen und Tpfen in den Hnden tragend, trat herfr, um einen Augenblick versteinert die verwunderliche Gruppe anzustarren und mit dem nicht ungerechtfertigten gellenden Gekreisch: Er holt ihn! er holt ihn! er hat ihn! Der Teufel! der bse Feind! der Teufel holt den Herrn! der Teufel holt den Herrn Kurator! zu Boden zu strzen. Auf sie und die Trmmer ihres Porzellans sank mit eben solchem Geschrei die herzugeeilte trauernde Wittib. Da haben wir's, Jens Gedelcke, da hast du's! drin sind wir! Vorwrts, Monsieur Bleichfeld. Zehntausend finnische Nordlichter, wird das morgen einen Lrm geben in der Stadt Kopenhagen! Greift zu, Herr Snorro, und vorwrts im Galopp! Ja, vorwrts im Galopp, das sagte Hermann Boerhave auch, als wir Mynheer van der Tromp durch die Hoftr zwngten, murmelte der Islnder. ^De drommel^, das war im Jahr Neunundachtzig, Obrister! Der Famulus sagte nichts; denn zuletzt trug er doch am schwersten an dem Gewicht seines guten toten Patrons. Wie Frau und Magd im obern Stockwerk des Hauses, so schrien nun Knecht und Kchin im Erdgescho auf und strzten im fernsten Winkel bereinander; aber vor der Tr warteten ein Gefreiter und vier Fsiliere mit der Spitalbahre: Viktoria, heran ihr Leute! rief der islndische Feldscher. Packt auf und sehet euch nicht um; greift aus, Herr von Knorpp, greift aus, Monsieur Bleichfeld, in meinem Quartier mgen wir das weitere besprechen. Schnell nahmen die Trger die Bahre auf, und im eilenden Laufe wurde der Leib des Kurators Jens Pedersen Gedelcke durch die Gassen gefhret. Weit ausschreitend, erffnete der Obriste Herr Benediktus von Knorpp den Zug, und der Famulus mit dem Islnder beschlossen ihn. Scheu wich zur Seite, wer dem gespenstischen Wesen begegnete, und mehr als ein guter Kopenhagener Brger, an welchem das Ding vorbergefahren war, sprach nachhero mit absonderlicher Inbrunst sein Vaterunser und zog die Bettdecke hoch ber die Nase hinauf. Am andern Morgen in der grauesten Frhe, vor Erffnung der Festungstore, rasselte ein Fuhrmannswagen gegen das Ostertor heran, und ein tief in seinen Mantel gehllter Mann wies dem wachthabenden Korporal den Passierzettel vor, worauf die Gitter ohne Anstand geffnet wurden, und das Fuhrwerk ohngehindert seinen Weg durch die Osterbrogade fortsetzen durfte. Am Garnisonskirchhof hielt der Wagen abermals, drei Mnner stiegen herab und trugen mit Hilfe des Fuhrknechts einen schlecht gezimmerten kniglich dnischen Soldatensarg im tiefsten Schweigen durch den dichten Nebel ber den Gottesacker zu einer Grube, an deren Rand der Totengrber mit seinem Gehilfen bereits wartete. Im tiefsten Schweigen wurde der Sarg in die Erde hinabgesenkt; wie die drei Mnner mit die Stricke gehalten hatten, so griffen sie auch mit zu den Schaufeln, und in krzester Frist war die traurige Arbeit vollendet. Nachdem sich die Totengrber entfernt hatten, blieben die drei Leidtrger allein an dem neuen Grabe; der Famulus des Herrn Kurators Jens Pedersen Gedelcke, David Bleichfeld, schluchzte laut hinter dem vorgehaltenen Hute; der islndische Doktor Snorro Skalholt murmelte etwas von Mynheer van der Tromp, und der Obriste Herr Benediktus von Knorpp drckte mit einem Faustschlag den befiederten Dreimaster tief in die Stirn und sprach: So hast du denn wenigstens ein ehrlich Soldatengrab gekriegt, Jens, und Gott schenke dir und uns allen eine frhliche Urstnd! Wir haben unser Bestes getan, Messieurs, und fr jetzt das Beste gewonnen; aber -- Bleichfelde, nehme Er Vernunft an; gehe Er morgen mit mir und meinen Fsilieren nach Norwegen. Bringe Er Seinen eigenen Leichnam in Sicherheit, Famule; gehe Er mit uns nach Friedrichshall; die Kommodit soll seit der schwedischen Berennung Anno Achtzehn mchtig zugenommen haben; ich geb' Ihm meine Parol, auf Fort Gldenlwe soll Er sitzen wie in Abrahams Scho, und wir wollen lachen ber das Krchzen und Flgelschlagen jenseits des Wassers. Seine, meine Bibliotheka! seufzte der Famulus. Die zwotausend Reichstaler lass' ich hinter mir wie einen Sack Nsse; aber hat er Raum an Bord fr ^Opera omnia^ Lutheri, Melanchthonis, Brentii, Walleri, Erasmi, Clerici, Calvini, Cocceii, Launoii ... Hr Er auf, hr Er auf! schrie der Obrist. Hat er Platz fr des Cornelii a Lapide Bibelkommentare, sechszehn Folianten? Hat Er -- Herr Benediktus von Knorpp hielt sich beide Ohren zu, und stiefelte eilig ber die Grber der Kirchhofspforte zu, und verdrielich folgte ihm der islndische Doktor. Der arme Famulus stand allein an dem traurigen Grabe des Kurators Jens Pedersen Gedelcke, schlug die Hnde zusammen und rief: O mein guter Patron, mein Freund, mein Vater, was werden sie aus mir machen? Was soll ich ohne Ihn anfangen in dieser rgerlichen giftigen Welt? O Herr Kurator, Herr Kurator! Auf den Zaun des Garnisonfriedhofes aber legten sich zwei hagere, haarige, knochige Fuste, eine lange, schwarze Gestalt hob sich auf den Zehen, und eine spitzige, gertete Nase roch in den Nebel hinein. Ei, ei! so, so, Monsieur Bleichfeld, sprach Meister Jesse Brgge, der Kster der Trinitatiskirche. Solches wird man freilich ein Begrbnis Jojakims nennen! ^o profanatio^, was werden wir dazu sagen im hochwrdigsten Konsistorio! Hat man Ihn, Monsieur? Ei, ei, ei, das war freilich ein lieblich Werk und wird einen guten Geruch geben. VI. Von der Stadt Friedrichshall, der Feste Friedrichstein und dem dnischen Postschiff. Im Norwegenschen Amt Smaalehnen, Stift Christiania, an der Mndung des Tistedal-Elfs in den Idefjord, Swinesund, liegt die Stadt Friedrichshall und daneben auf einem dreihundertundfnfzig Fu hohen Felsen die in alle Zeiten berhmte und berchtigte Feste Friedrichsstein mit ihren beiden Forts Oberberg und Gldenlwe, vor welchem letztern, wie jedermann wei, in der Nacht vom elften auf den zwlften Dezember 1718 der tapfere Knig Karolus, des Namens der Zwlfte, von einer Falkonetkugel durch den Kopf getroffen, das Leben lie, und Schwedens Macht und Herrlichkeit ein jh und schrecklich Ende nahm. Wir setzen den Fu auf diesen hochtragischen Boden im Herbste des Jahres 1731, als Herr Benediktus von Knorpp Kommandante auf Friedrichsstein war, und noch sind nicht alle Spuren der schwedischen Belagerung in der den, felsigen Umgebung verwischt. In diesen wenig bevlkerten, rauhen Gegenden hielt es schwer, selbst nur das Notwendigste wieder aufzurichten, und berall zeigten noch die Rudera verbrannter oder zerschossener Gehfte, die zu Laufgrben und Schanzen aufgewhlte Erde, wie Bellona hier Hof gehalten hatte. Wie Trauerflor berzog das dunkle Gewlk den Himmel, mit klagendem Getn fuhr der Wind ber Land und Sund: immer noch schwebte ber den schwarzgrnen spiegelnden Wellen, dem dstern regungslosen Felsen und den Ruinen das Gespenst des gloriosen, wilden, nutzlosen Daseins, das hier in dieser Einde, nach so gewaltigem Lrm und Leuchten in der Welt, in nichts versank; -- noch immer schien die knigliche Leiche mit der blutigen Stirn unter den Mauern von Gldenlwe zu liegen, und die frostige, graue Landschaft nur die Trauerdekoration des schwedischen Niederfalls zu sein. Auf einer Bastion der Festung, von welcher aus man eine weite Aussicht ber den Swinesund, die Stadt und die Berge hatte, stand an ein Wallgeschtz gelehnt der Kommandant, und neben ihm sein Regimentsdoktor Herr Snorro Skalholt der Islnder; whrend eine Schildwacht, ohngefhr zwanzig Schritte ab, mit geschulterter Muskete auf und nieder ging. Beide, der Gouverneur wie der Feldscherer, ghnten sehr, und dann sprach der Herr von Knorpp: Da man am Abend, wann man die Nachtmtze ber die Ohren ziehet, seine Kinnladen noch beieinander findet, ist doch ein Mirakul, Meister Snorro; und wann man hier vom Parapet herunterguckt, pfui Teufel, man mchte der ganzen zahmen, lumpigen, lausigen Welt auf den Kopf speien. Aus Wams und Hosen mchte man fahren vor Ungeduld! 's war doch eine andere Zeit, als vor dreizehn Jahren der tolle Karl sein Hauptquartier da drben zu Tistedalen hatte. Gebe Er Frieden, Kommandante; was hilft Ihm der Skandal und Lrmen? Die Jahre ziehen einem jeden zu seiner Zeit die Stiefeln aus, sagte der Islnder. Sollte doch vermeinen, Er hab' der wilden Wirtschaft genug gehabt in den dreiig Jahren, welche hindurch Er mich hinter sich fortschleppt! Man wird eben alt und kahl und -- ^plus le singe s'lve, plus il dcouvre^ -- Ihr wisset wohl, was. ^Sat, satis!^ was fehlet dem bescheidenen, friedlichen Sinn und Gemt allhier auf dieser hochgelobten kniglichen dnischen jungfrulichen Feste Friedrichsstein? Lasse Er mir und lasse Er ihm selber Ruhe, das Postschiff kommt heut auch von Christiania, und ich fr mein Teil verlange nicht mehr von dem ^theatro mundi^ zu erfahren, als was es uns in seinem Neuigkeitensacke mitbringt. Jawohl, das Postschiff, das ist auch solch ein leidig Labsal, brummte der Oberst. Was spinnen und haspeln sie anders, als ihre elende pragmatische Sanktion! Wann der richtige Tanz darob beginnt, Meister Snorro, werden wir zwei beide wohl still genug liegen. Na, wie ist's mit dem Schiffe, Mann? Diese letzte Frage galt der Schildwacht, welche salutierend den Kolben der Muskete auf den Boden stie und prompt rapportierte: Lief vor einer Viertelstunde allbereits in den Fjord! ^Bon^, sagte der Kommandant, steiget hernieder, Doktor, ich glaub', wir haben fr diesmal genug von diesem angenehmlichen ^point de vue^; man kennt die Kuriositt zur Genge. Was gibt es, Korporal? Der aus dem Innern der Festung emporsteigende Unteroffizier richtete sich ordonnanzmig und griff an den Hut: Hab' dem Herrn Gouverneur zu vermelden, da von der Stadt ein Subjektum sich heraufgeschleppt hat, so mit dem Boot von Christiania angelangt sein will, und am Tor in Ohnmchtigkeit verfallen ist. Sitzet miserabel jetzt in der Kommandantur, winselt nach dem Herrn Gouverneur, -- halten zu Gnaden, ein erbarmungswrdig Stck Menschheit, -- nennet sich Monsieur David Bleichfeld, und -- Mit offenem Munde blickte der Korporal Peter Pomperson seinem Vorgesetzten und dem Doktor Skalholt nach. Bleichfeld?! Gedelcke?! hatte der Oberst geschrien, und schon hallten seine Schritte in dem nchsten bedeckten Wege, und der Islnder folgte ihm im Trabe auf den Fersen. Gegen alle soldatische Wrde langten in hastiger Atemlosigkeit die beiden Herren in der Behausung des Gouverneurs an, und David Bleichfeld, der Famulus des weiland Kurators Jens Pedersen Gedelcke, wankte ihnen entgegen, wahrlich ein Bildnis des Jammers und aller Perdition des Leibes und der Seele! In Lappen und Fetzen hing dem Armen sein schwarz Schulmeisterhabit um die Knochen, im Frost schlugen die Knie aneinander, der bitterste Mangel starrte aus den gerteten, tief eingesunkenen Augen, und zu einem grimmen Hohn ward der Versuch der ausgemergelten Kreatur, dem Obristen und dem Doktor Skalholt entgegenzulcheln. Abermals sank der Exfamulus David Bleichfeld in Schwachheit zusammen. Packt ihn! rief der Islnder. Greifet dem Jammer sanfte unter die Arme, Herr von Knorpp! Ins Bett mit ihm! Den Grtztopf ans Herdfeuer, ^agite, agite^! Das nennet man ^in extremis^ sein! He, he, he, Meister Bleichfelde, haben sie Euch das Fell ber die Ohren gezogen? Habt Ihr Haare gelassen? Greifet zu, Herr Kommandante, habet Ihr Euch nicht gleich vorgestellet, da es also kommen werde? Es ist ein bs Ding, in der Wespen Nest zu greifen, und es ist doch ein gut Ding um diese sichere und edle Feste Friedrichsstein. Bringet den Narren zu Bett, Herr Obrister von Knorpp! VII. Von dem Teufel, dem Herrn Polizeimeister und Seiner glorwrdigen kniglichen Majestt, Christiano dem Sechsten. Erst am folgenden Tage hatte sich der Famulus insoweit erholet, da er, durch Kissen untersttzet, aufrecht im Bett sitzen und seine klglichen Erlebnisse seit dem zweiten Ostertage dem Gouverneur von Friedrichshall und dem trefflichen Doktor Snorro Skalholt kommunizieren konnte. O meine lieben Herren, seufzte er, wie sind die Wasser ber meinem Haupte zusammengegangen, wie haben sie mich geducket in die Tiefe! Und die allmchtige Bibliotheka? fragte der Kommandant. Ist versunken mit allem, was an Fleisch und Philosophie, Mut und Lebendigkeit an mir war, und ist nichts brig geblieben, als was Messieurs vor Ihnen sehen; -- horch, was war das? Der Wind im Schornstein und des Kapitns Storlands zahmer Br. Frchtet Euch nicht vor Gespenstern; man fordert denenselben schon am Tor die Parol ab. Referier Er weiter, Famulissime; nehme Er sich aber fortan Seinen eigenen Weg und Seine Zeit -- Und nehme Er noch einen Schluck Schiedam, fgte der Doktor bei; und David Bleichfeld lie das Gesicht in die Hnde sinken; befolgte dann auch des Herrn Skalholt rsonnabeln Rat und erzhlte weiter; hatte aber seinen eigenen Weg doch nicht ganz fr sich allein: wie es denn auch von dem Obristen Benediktus von Knorpp nicht zu verlangen war, da er whrend der lamentabeln Historia stillsitze und sich mit Wort und Gebrde nicht rege. Herr Gouverneur und Herr Doktor, sprach der Famulus, es ist wohl das beste, da ich dem Faden nach erzhle; mein Gedchtnis ist gar schwach geworden durch die bermenschliche Trbsal und groe Verfolgung; aber so wird sich wohl eins aus dem andern geben: wo lieget der Kurator Herr Jens Pedersen Gedelcke begraben, Herr Obrister? Auf dem Garnisonskirchhof vor dem Ostertor, antwortete der Gefragte; aber der Famulus schttelte sich fast den Kopf ab; der Kommandant fuhr mit einem sehr bedenklichen Fluch in die Hhe, und der Feldscher rckte mit Gekrach seinen Stuhl nher an das Bett und horchte mit weit vorgestrecktem Halse. Jawohl auf dem Garnisonskirchhof! winselte der Famulus. Ein jeglich alt Weib hatte den Teufel, so den Herrn Kuratorem fortgefhret, rumoren hren in der Nacht; ein schweflicht Leuchten war ber die Stadt hingezogen, und das Gewsser im Kallebrostrand wie im Sund hat gesiedet und gebrodelt wie die Suppe im Hafen. Vom Drei-Kronen-Fort aus hatte man den Bsen auf einem schwarzen Gaul hoch in der Luft gesehen, und den Herrn Kuratorem hatte er wie einen Sack vor sich ber den Sattelknopf geworfen, und bis nach Schoonen hinber konnte man den feurigen Hufschlag in den Wolken verfolgen. Das war gut, und wenig war dagegen zu sagen, und ich lag im Fieber in meinem Kmmerlein, und die Wittib mit dem Kind und alles Gesinde war vom Hause geflohen, ich hatt' es allein mit dem Mutz, des seligen Herrn Kater. Und das Fieber hatte mich, und war ich wie der Vogel Strau, so den Kopf in den Sand stecket, und hatte eine groe Furcht. Das Volk in der Gasse stund zu Haufen, steckte die Kpfe zusammen, flsterte und deutete mit den Fingern, und als ihr Herren vielleicht mit Skagen in Sicht segeltet, da klopften der geistliche und weltliche Arm ^a tempo^ an meine verriegelte Tr, und der Herr Polizeimeister kam in Persona, begleitet von Herrn Hieronymus Moekel und dem Kster Jesse Brgge; da war ich wie der Maulwurf auf dem Spaten! Sie drangen herein im Namen kniglicher Majestt und riefen Wehe ber mich im Namen ^summi episcopi^ und in ihrem eigenen Namen, und Ihn, Herr Obrister von Knorpp, und Ihn, Herr Snorro, htten sie gar zu gerne zurckgehabt; aber ich hab' den Kelch allein saufen mssen bis zur Hefen. Die halbe Stadt Kopenhagen ist vors Verhr gezogen, und die geistlichen Herren haben natrlich das letzte und das hchste Wort gehabt und klar dargetan, da Jens Pedersen Gedelcke nicht als ein glubiger Christ, sondern als ein unglubiger Jud gestorben sei, da ihm nicht gebhre ein christlich Begrbnis, und also ist das Zeugenverhr und Gutachten vom hochlblichen Polizeigericht Kniglicher Majestt untertnigst unterbreitet, und am Dreiundzwanzigsten Maji ist Kniglicher Majestt allergndigste Resolution dem Herrn Polizeimeister zugestellet worden. Da haben wir's! Himmel und Hlle, jetzt sehe ich es kommen! O Gedelcke, Gedelcke! schrie der Obrist. O Mynheer van der Tromp, welch ein gutes Los ist Euch zuteil worden! sprach grinsend der islndische Doktor. Weiter, weiter, Monsieur Bleichfelde, auch ich sehe es kommen, und es brauet dick in der Hhe. Wre dem Herrn Ludovico Holbergio nicht der Fuchsschwanz hintenan gebunden, er knnte ein fein Stcklein darber in Reime bringen. Und am fnfundzwanzigsten Maji, fuhr der Famulus fort, bei Sonnenaufgang holten sie mich herfr aus dem Loch und stieen mich mit den Kolben durch die Gassen, und ganz Kopenhagen schwarmete vor, zur Seiten und hinterher, schrie Zeter und warf nach mir mit Kot und Steinen. Da hatten nach allergndigstem hohen kniglichen Befehl der Herr Polizeimeister die ltesten der jdischen Nation zu ihme beschieden, und wurde ihres Volkes eine Menge von denen Polizeibedienten und Stadtwchtern zusammengeholet aus ihren Husern, Schulen und Synagogen, und muten sie auch die Trauerkutschen zahlen. Deren hielten eine Menge vor dem Polizeihaus, und als nun das neue Leichgeleit beieinander war, da zogen sie mich in die erste Kutsch als frnehmsten Pullatum oder Leidtrger, und der Juden lteste setzeten sie zu zwei oder drei in die nachfolgenden Wagen mit Polizeibedienten zur Wacht untermenget. Dann fhrete die Miliz mit Ober- und Untergewehr die junge Judenschaft nach, und mit einer besonderen Wacht kam der Fuhrmann, so mit uns den Herrn Kuratorem zum Garnisonskirchhof fuhr; der Scharfrichter zu Pferde und seine Knechte mit dem Schinderkarren beschlossen den Zug. So zogen wir wieder zum Ostertor hinaus, und als wir auf dem Kirchhof ankamen, da war der Herr Polizeimeister schon angelanget, und es marschierte ein Kommando Grenadiers unter einem Oberoffizier heran. Da wurden drei Kreise um das Grab geschlossen, so wir unserm Freund und Patron dem Kurator Jens Pedersen Gedelcke gemacht hatten; der erste von den Grenadiers, der zweite von den Wchtern mit ihren Morgensternen, der dritte und Hauptkreis von denen Beamten und Offizieren. Und wie alles in der Ordnung war, da wurde unter Trommelschlag das Gewehr prsentiert und vom Polizeimeister allergndigste hohe knigliche Resolution verlesen, wie da Jens Pedersen Gedelcke, der, obwohl vorhero ein Christ, als ein Jude starb, nicht wrdig und wert sei, auf christlichem Gottesacker zu ruhen unter denen christlichen Kriegesleuten, und da er, Jens Pedersen Gedelcke, derowegen von den ltesten der jdischen Nation sollte wiederum aufgegraben, nach ihrem eigenen Kirchhof transportieret und daselbsten von neuem beigesetzt werden; -- mit Hilfe des Scharfrichters und seiner Knechte, wann sie -- die Juden -- es nicht alleine verrichten knnten und wollten. Da wurden die Schaufeln dem Rabbiner vor die Fe auf das Grab geworfen, und wie es geschrieben stand, ist es geschehen, der Sarg ist aufgewhlet und mit Hammer und Zange erffnet, und sie haben mich herzugerissen, den Leichnam zu erkennen, und unter Hohn und Spott, Lachen und Geschrei, ist der Kurator fortgetragen bis zu dem jdischen Leichenwagen, so auf vieles Flehen und Bitten anstatt des Schinderkarrens zugestanden war. Nun mute der Rabbi als frnehmster Sorgmann hinter dem Wagen gehen, dann trieben sie paarweise das andere verspottete Volk nach dem Alter, und die Miliz und die Polizeibeamten schritten zur Seiten, auf da keiner ausweiche, und die Wchter mit den Morgensternen beschlossen den Kondukt. So ist mein teurer Herr zum zweiten Male beigesetzet worden auf dem Judenkirchhof und sein Testament kassieret. In bser Krankheit hab' ich im Spital gelegen, und als ich des Bewutseins wieder mchtig war, haben sie mich mit Schande aus der Stadt gejaget, und in Christiania hab' ich wieder krank gelegen, und nun bin ich hier -- Heule Er nicht, Bleichfelde, sprach der Obriste Benediktus von Knorpp, welchem die Pfeife lngst ausgegangen war. Wir wollen Ihn schon wieder auf die Beine bringen; was aberst den Jens Pedersen betrifft, so mcht' ich selbsten grad heraus heulen; denn niemalen sind vier so anstndige und wackere Gesellen, wie er und ich, und Er, Meister David, und Er, Doktor Snorro, so heillos und miserabel abgetrumpfet und mit der Nasen in den Sumpf gestoen worden! O Gedelcke, Gedelcke; -- was saget Er, Snorro? Ehe der islndische Doktor seine Opinion kundmachen konnte, wurde die Tr aufgerissen, und wieder stand der Korporal Peter Pomperson da, griff an den Hut und rapportierte -- VIII. Zum Beschlu: Vermelde dem Herrn Gouverneur zu Gnaden, da wiederum ein Subjektum von der Stadt heraufgestiegen ist. Kam mit dem Schoner Margareth von Gthaborg, sitzet mit seinem Sack und mit Zhneklappen auf der Trepp und nennet sich mit seinen Namen Henrich Israel, weiland der Juden Vorsinger zu Kopenhagen. Dieses Mal tat der Doktor Snorro einen langen Pfiff; der Famulus David Bleichfeld schnellte gleich einem Lachs aus seinen Kissen auf, und der Obrist von Knorpp chzte: Herein, herein, ich lasse alles ber mich ergehen, und wo man mich in meinen Snden vergraben wird, ist mir auch einerlei: Marsch, Korporal, bringe Er den Juden. Der Korporal trat ab, und nach einer Minute vernahm man drauen ein Zerren und Schlurfen und eine weinerliche Stimme, so sich hchlichst entschuldigte der groen Strung und Molesten halber; dann wurde die Tre zum zweiten Male geffnet, und von der krftigen Faust Peter Pompersons vorgestoen, flog der Meister Henrich Israel in das Gemach: Gott Abrahams und Jakobs, welch ein Schicksal! Es vermag aber keine Feder das gegenseitige Anstarren zu schildern. Seid Ihr es? Seid Ihr's im Fleisch und Gebein, Meister Israel? rief der Exfamulus. Wie sehet Ihr aus? Wer hat denn Euch also mitspielen knnen? ^Eheu, eheu^, welch ein Schauspiel, welch eine Wehmut! Meine eigene Mutter mcht' mich wohl nicht wiedererkennen; -- was haben die Herren ntig, -- feine Seif', Haarband, den Zopf zu wickeln? Tausend Lieblichkeiten; -- soll ich aufmachen den Kasten? soll ich aufbinden den Sack? Wer schicket Ihn dergestalt durch das Land? fragte der Doktor Skalholt. Was ist aus seinem Vorsingertum worden? wer hat Ihn also in den Klauen gehabt? Des armen Teufels Standhaftigkeit hielt nicht lnger; in lautes Weinen brach der wandernde Krmer Henrich Israel aus, und mit Hnderingen rief er: Bin ich noch lnger Vorsinger an der Synagog' zu Kopenhagen, wie ich es bin gewesen an die zwanzig Jahr? Nein, ich bin es nicht. Der arme Jd hungert und friert auf der Landstra'; sie haben ihn ausgestoen um den Kurator Jens Pedersen Gedelcke; sie haben ihm den Ehrenrock ausgezogen und ihm den Bettelsack angehngt. Gott meiner Vter, weil er ein Gelehrter im Tempel war und Bescheid wut' im Gesetz und reden konnt' darber, haben sie ihn gestoen vom Stuhl und seinem Gesang ein Ende gemachet -- Hoho, ich riech's, ich riech's, rief der Kommandant, da haben wir das Schwanzende! Auf Ihn, Henrich Israel, ist's zu allerletzten ausgegangen, und weilen er mit dem Kurator den Mosen und die Propheten traktieret und ihm vorgesungen hat, hat seine Nation Ihm den Greuel in den Schuh geschoben, und ist ber Ihn hergefallen mit den Fingerngeln! Denn sintemalen nun der Jens begraben lieget auf der Jden Kirchhof -- Lieget er begraben auf der Jden Kirchhof? schrie der Meister Israel im hchsten und klglichsten Diskant. Mit nichten lieget er auf der Jden Kirchhof! Auf dem freien Felde liegt er, und das Vieh weidet ber seinem Grabe. Der Exfamulus hatte seine Bettdecke von sich geschleudert und stand mit den nackten Fen auf dem Boden; der Obriste Benediktus von Knorpp hatte seine tnerne Pfeife an die Wand geworfen und hielt den Exvorsinger an der Gurgel; der islndische Doktor Snorro Skalholt aber -- griff ruhig nach dem Krug Schiedammer und sprach mit Gelassenheit: ^Simplex sigillum veri^, sagte mein Freund, Herr Hermann Boerhavius zu Leyden; verzhle Er weiter, Monsieur Israel. Mit einem tiefen Seufzer hatte der Obrist die Kehle des unglcklichen Hebrers losgelassen und war kraftlos auf den nchsten Stuhl gefallen; der Famulus des weiland Kurators Jens Pedersen Gedelcke hatte die Fe von den kalten Platten wieder in die Hhe und die Decke ber sich gezogen; der Exvorsinger von Kopenhagen sprach mit Zittern weiter: Bin ich nicht gekommen deshalb ber Fels und Wasser, durch die Wste und den Wald, zu sagen, wie es ausgegangen ist mit dem Herrn Kuratore? Mein, wie konnten sie ihn lassen liegen unter ihren Vtern, da er doch nicht ein Jd war, sondern ein christlicher Mann, wie es keinen bessern gab im Knigreich Dnemark und Norwegen?! Wohl haben sie mich aufgegriffen, um da ich den Spott ber sie gebracht htt', und sind ber mir zu Gericht gesessen, weilen mich der Verstorbene fr seinen Freund hielt und mit mir das Gesetz und die Zeremonien beredete. Es war ein gro Wehklagen und Wimmern in unserm Volk ob der Unreinigkeit, so auf es geleget war; und alt und jung hat im Sack und in der Asche gesessen bei Tag und Nacht und zum Herrn geflehet, wie die Vter vordem fleheten gegen den Antiochus, gegen Assyria und Babylon, gegen den Knig aus dem Land Chitim und die Stadt Rom. Und der Gott Abrahams hat den Jammer angesehen und sein Volk erlset aus der Schmach um hundert Dukaten, die hat man erleget an den Konvent, so auch das Seidenhaus genennet ist. Ist um solche hundert Dukaten eine neue Resolution ergangen, des Sinnes, da, weilen auch die Jden des weiland Kuratoris Jens Pedersen Gedelcken Leichnam nicht wollten, sie ihn zum zweiten Mal wieder aufgraben drften und zum dritten Mal ihn beisetzen zweihundert Schritte von ihrem Totenacker auf dem allgemeinen Feld. Haben die Rabbiner und ltesten mich herfrgezogen aus dem Winkel und mir die Schaufeln auf die Schulter geleget und mich hingefhret zu dem Ort der Unreinigkeit; da hab' ich mit Trnen die steinichte Erd aufgegraben, und mit Stricken ist der vermoderte Sarg aufgezogen und dann zum dritten Mal verscharret. Da hat die Stadt wiederum ihr Gaudium gehabt; ich aber bin mit Trnen hinausgegangen aus der Gemeinde, und sie haben mir nachgespieen in das Elend. Ich bin ausgestoen worden aus der Gemeinschaft meines Volkes; wenn ich lge, wo der Herr Kurator lieget, so wrde es besser um mich bestellet sein. Hat einer hierzu noch irgend etwas zu sagen? rief der Doktor Snorro Skalholt, und als niemand den Mund auftat, sprach er selber: Wenn ich in Bedacht nehme, wie alt der Mensch werden kann, ohne aufzuhren, ein Esel zu sein, so mchte ich mir selber zu einem Greuel werden. Da bin ich jung geworden zu Reikiawik im alten, klugen Island, und war auch meine Frau Mutter eine merkwrdig gescheite Frau. Da hab' ich studieret mit dem weltberhmten Boerhavius zu Leyden auf der glorreichsten Universitt, und sie haben mir ins Testimonium geschrieben, da es nichts Geringes sei um mein Ingenium, hab' mir auch sonsten zu Paris, Bologna und in Teutschland mit Finessen, Schlauheit und guter Kapazitt fortgeholfen; bin mit offenem Aug' an die dreiig Jahr hinter diesem hier gegenwrtigen Herrn Benediktus von Knorpp, ^pro tempore^ Gouverneur von Friedrichshall, hergezogen, einerlei ob zur Viktoria oder Retirade. Hab' mir fortgeholfen bis zu dem heutigen Tage, sintemalen ich mich immer ans Messer gehalten hab' und niemalen an die Fiduz auf die Menschheit. O Jens Pedersen Gedelcke, wie hat die Narrheit dem Snorro Skalholt das Bein gestellet! Pardauz, da stolpert der Tropf ber deinen Leichnam und schlgt hin auf die kluge Nase, da es krachet. Ja, der kluge, kluge Snorro Skalholt, dem Mynheer van der Tromp und ganz Holland nicht zu viel waren, wie hat er sich durch Ihn und fr Ihn bertlpeln lassen, Herr Gedelcke! O Kommandante, wie sind sie ber uns gekommen, Christen und Juden, der Herr Hieronymus Moekel wie Meister Jakob Jakobson, der Oberrabbiner! Pfui, Pfui, das ist noch siebenmal schlimmer denn die Bataille bei Helsingborg, wo wir so wacker vor dem Stenbock liefen; -- was saget Er jetzo zu diesem stillen Winkel hinter den Leuten, Obrister von Knorpp? Hat Er Lust, seine frwitzige Nase noch einmal hinauszuschieben in die Welt nach solcher Blamage? Tornea und Wardoehuus wren mir lieber! sthnte der Gouverneur von Friedrichshall. O Jens, Jens, o Jens Pedersen Gedelcke, du magst wohl lachen da drben; aber unsereinem wird's doch schwarz vor den Augen, und wer nicht rabiat wird, wie der alte Benedikt Knorpp, der setzet sich in die Jammerecke wie dort der David, oder ziehet mit Winseln durch das Land, wie der dort mit dem Bettelsack. Holla, an die Gewehre; auf Schlo Friedrichsstein bin ich Gouverneur, und wer sich hinter mich stellet, der soll frs erste fein sicher stehen. O Gedelcke, Gedelcke, es war doch ein lustiger Sommertag in Rosenborg-Have; -- rcke Er an den Tisch, Monsieur Henrich Israel, stelle Er den Stock hinter den Ofen; -- o Jens Pedersen Gedelcke, wer lange lebt, kann vieles erleben; schiebe Er den Krug herzu, Meister Snorro, die Welt will einmal Fangball spielen, und wir knnen's nicht hindern; morgen geb' ich's ihm ^manu propria^ schriftlich, da er mit meinem abgelegten Pelz nach Seiner Kunst und Begierde anfangen mag, was Ihm beliebet! Hierauf sah der islndische Feldscherer Snorro Skalholt zum ersten Mal in dieser Historie aus wie ein Mensch; und mit sonderbarer Vergnglichkeit schmunzelnd sprach er: Kommandante, da hat er doch endlich einmal einen verstndigen Einfall! Htt's Ihme fast nicht mehr zugetrauet. Anmerkungen zur Transkription Der Originaltext ist in Fraktur gesetzt. Hervorhebungen, die im Original g e s p e r r t sind, wurden mit Unterstrichen wie _hier_ gekennzeichnet. Fremdsprachige Textstellen, die im Original in Antiqua gesetzt sind, wurden ^so^ markiert. Einfache Anfhrungszeichen wurden durch ">" und "<" ersetzt. Offensichtliche Druckfehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt (vorher/nachher): [S. 15]: ... Baedecker, da in Hallstadt weder Pferd noch- ... ... Baedecker, da in Hallstadt weder Pferd noch ... [S. 18]: ... und trnenvolle Mittelung machte, wie genannter ... ... und trnenvolle Mitteilung machte, wie genannter ... [S. 25]: ... Die Kochen schwimmen nicht fort, und ich kann warten. ... ... Die Knochen schwimmen nicht fort, und ich kann warten. ... [S. 27]: ... einander vor, und der Profsseor offenbarte eine neue ... ... einander vor, und der Professor offenbarte eine neue ... [S. 28]: ... wechselten?! seufzte Zuckriegel. Sie knnen sich ... ... wechselten?! seufzte Zuckriegel. Sie knnen sich ... [S. 31]: ... Auch mich nicht; ich flehe instndigst darum! sagte ... ... Auch mich nicht; ich flehe instndigst darum! sagte ... [S. 42]: ... Don Quixote, , da ich mich im Lager des Agramant ... ... Don Quixote, da ich mich im Lager des Agramant ... [S. 50]: ... Um neun Uhr wolllte man aufbrechen zu diesem ... ... Um neun Uhr wollte man aufbrechen zu diesem ... [S. 58]: ... ab -- halten Sie ihre Aufmerksakeit nur einen kurzen ... ... ab -- halten Sie ihre Aufmerksamkeit nur einen kurzen ... [S. 63]: ... Maid schug den Deckel des Kastens zurck, mit ... ... Maid schlug den Deckel des Kastens zurck, mit ... [S. 87]: ... uns sodann ihre treffliche Opinion mitteilen. ... ... uns sodann ihre treffliche Opinion mitteilen. ... [S. 96]: ... Paraphrasen, Noten und Zitaten. Da er ein recht gegelehrter ... ... Paraphrasen, Noten und Zitaten. Da er ein recht gelehrter ... [S. 101]: ... kauerten verschchtert um den Kchenherd, und Madam ... ... kauerten verschchtert um den Kchenherd, und Madame ... [S. 104]: ... Herr Kuratore, sprach der Famulus; ich liebe ... ... Herr Kuratore, sprach der Famulus; ich liebe ... [S. 107]: ... 1731 sein Wort war, und ging mit dem Gefhl, als ... ... 1731 sein Wort wahr, und ging mit dem Gefhl, als ... [S. 115]: ... Wei Er, David Bleichfeld, was er mir hier schreibt? ... ... Wei Er, David Bleichfeld, was er mir hier schreibt? ... [S. 118]: ... Gut Freund, Meister Snorro Skaholt! Steige Er ... ... Gut Freund, Meister Snorro Skalholt! Steige Er ... [S. 118]: ... Herunter mir dir, Island! schrie der Kriegsmann. ... ... Herunter mit dir, Island! schrie der Kriegsmann. ... [S. 119]: ... in die Schlachtlinie gerckt, und Er, Skaholt, lasse Er ... ... in die Schlachtlinie gerckt, und Er, Skalholt, lasse Er ... End of Project Gutenberg's Keltische Knochen/Gedelcke, by Wilhelm Raabe License: Share Alike