Produced by Delphine Lettau and Gutenberg Projekt-DE This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfgung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Der Verschwender Ferdinand Raimund Original-Zaubermrchen in drei Aufzgen (1834) Personen: Erster Aufzug: Fee Cheristane Azur, ihr dienstbarer Geist Julius von Flottwell, ein reicher Edelmann Wolf, sein Kammerdiener Valentin, sein Bedienter Rosa, Kammermdchen, dessen Geliebte Chevalier Dumont, Flottwells Freund Herr von Pralling, Flottwells Freund Herr von Helm, Flottwells Freund Herr von Walter, Flottwells Freund Grndling, Baumeister Sockel, Baumeister Fritz, Bedienter Johann, Bedienter Dienerschaft Jger. Gste in Flottwells Scho. Genien Zweiter Aufzug (spielt um drei Jahre spter): Ein Bettler Julius von Flottwell Wolf, Kammerdiener Valentin, Bedienter Rosa, Kammermdchen Prsident von Klugheim Amalie, seine Tochter Baron Flitterstein Chevalier Dumont Herr von Walter Ein Juwelier Ein Arzt Ein altes Weib Ein Haushofmeister Ein Kellermeister Ein Diener Betti, Kammermdchen Max, Schiffer Thomas, Schiffer Gste. Bediente. Tnzer. Tnzerinnen Dritter Aufzug (spielt um zwanzig Jahre spter): Fee Cheristane Azur, ihr dienstbarer Geist Julius von Flottwell Herr von Wolf Valentin Holzwurm, ein Tischlermeister Rosa, sein Weib Ihre Kinder Liese, Michael, Hansel, Hiesel und Pepi (vier Jahre alt) Ein Grtner Ein Bedienter Bediente. Nachbarsleute. Bauern. Senner und Sennerinnen. Genien Erster Aufzug Erster Auftritt Vorsaal in Flottwells Schlo. Mit Mittel- und vier Seitentren, vorne ein Fenster. Dienerschaft in reichen Livreen ist im Saale beschftigt. Einige tragen auf silbernen Tassen Kaffee, Tee, Champagner, ausgebrstete Kleider nach den Gemchern der Gste. Fritz und Johann ordnen an. Ein paar Jger putzen Gewehre. Chor. Hurtig! Hurtig! Macht doch weiter! Holt Champagner! Kaffee! Rum! Bringt den Gsten ihre Kleider, Tummelt euch ein wenig um. Alles sei hier vornehm, gro In des reichen Flottwells Schlo. (Im Hofe ertnen Jagdhrner. Alle ab bis auf Fritz und Johann, welche ans Fenster treten.) Fritz. Ja blast nur zu! Da knnt ihr noch lange blasen. Die Herrschaften sind erst aufgestanden. Heute wird es eine spte Jagd geben. Johann. Das Spiel hat ja bis zwei Uhr gedauert. Fritz. Ja wenn sie nach dem Souper zu spielen anfangen! Da ist kein Ende. Johann (lachend). Aber heute Nacht haben sie den Herrn schn gerupft. Fritz. Ich kann mich rgern, da er so viel verspielt. Johann. Warum denn? Er wills ja nicht anders. Die reichen Leute sollen die Langeweile bezahlen, die sie andern verursachen. Fritz. Ah, ber den gndgen Herrn ist nichts zu sagen. Das ist ein wahrhaft nobler Mann. Er bewirtet nicht nur seine Freunde, er untersttzt die ganze Welt. Die Bauern, hr ich, zahlen ja fast niemals eine Abgabe. Johann. Er hat mir nur zu heftige Leidenschaften. Wart, bis du ihn einmal in Wut erblickst. Da schont er weder sein noch eines andern Glck. Da kann alles zugrunde gehen. Fritz. Aber wenn er sich besinnt, ersetzt ers sicher dreifach wieder. Johann (achselzuckend). Ja! Wenns nur immer so fortgeht. Fritz. Wer ist denn der junge Mann, der gestern angekommen ist? Ein scharmanter Mensch. Johann. Das wei ich nicht. Das wird sich schon noch zeigen. Fr mich gibt es nur zweierlei Menschen. Menschen, die Trinkgeld geben, und Menschen, die keines geben. Das bestimmt meine Dienstfertigkeit. Fritz. Ich finde, da er sehr hflich ist. Johann. Da wird er vermutlich sehr wenig geben. Wer mich mit Hflichkeit beschenkt, macht mich melancholisch. Aber wenn mir einer so einen Dukaten hinwirft und zuruft: Schlingel, heb ihn auf! da denk ich mir: Ha! welch eine Lust ist es, ein Schlingel zu sein! Zweiter Auftritt Vorige. Pralling. Pralling (tritt einen Schritt aus seinem Kabinett und ruft). He! Bediente! Beide (sehen sich um). Ja! Befehlen? Pralling. Ich habe schon zweimal geklingelt. Wollen Sie so gefllig sein, mir Rum zu bringen? Johann (vornehm nickend). Sogleich, mein Herr! (Zu Fritz.) Hast du den gehrt? Der hat mir in sechs Wochen noch keinen Pfennig Trinkgeld gegeben, und ein solcher Mann hat bei mir keinen Anspruch auf Rum zu machen. Den la ich warten. Fritz. Oh, auf den acht ich auch nicht. Der Herr hlt ja nicht viel auf ihn. Johann. Das ists, auf was man sehen mu. Auch der Kammerdiener mag ihn nicht. Fritz. Nun, wenn ihn der nicht mag, da kann er sich bald aus dem Schlosse trollen. Der wird ihn schon gehrig zu verleumden suchen. Johann. Ja, der reitet auf der Gunst des gndgen Herrn, und niemand kann ihn aus dem Sattel werfen. Fritz. Du kennst ja seinen Wahlspruch: Alles fr den Nutzen meines gndgen Herrn, und dabei stopft er sich die Taschen voll. Johann. Das wird aber auch eine schne Wsche geben, wenn dem seine Betrgereien einmal ans Tagslicht kommen. Ich kenne keinen raffinierteren Schurken. Da ist unsereiner gerade nichts dagegen. Dritter Auftritt Vorige. Wolf aus dem Kabinette rechts. Sein Betragen ist gegen Diener sehr nobel stolz, gegen Hhere sehr demtig. Wolf (hrt die letzten Worte). Schon wieder Konferenz? Von wem war hier die Rede? Johann. Von einem guten Freund. Wolf. Nu ihr seid solcher Freundschaft wert! Ist alles besorgt? Die Gste bedient? Johann. Auf das pnktlichste! Wolf. Der gndge Herr lt euch verbieten, von den Gsten Geschenke anzunehmen. Ihr habt sie von seiner Freigebigkeit zu fordern. Beide. Dann haben wir dadurch gewonnen. Wolf. Seid uneigenntzig. Das ist eine groe Tugend. Johann. Aber eine sehr schwere--nicht wahr, Herr Kammerdiener? Wolf. Wo ist der Valentin? Hat er die Quittung von der Sngerin gebracht? Fritz. Er ist noch nicht zurck, obwohl der gndige Herr befohlen hat, er mte bei der Jagd erscheinen, damit die Herren auf der Jagd etwas zu lachen htten. Wolf (lchelnd). Ein wahrhaft unschdlicher Bursche. Johann. Da sollten doch der Herr Kammerdiener ein Werk der Barmherzigkeit ausben und den gemeinen Kerl aus dem Hause bringen. Wolf. Gott bewahre mich vor solcher Ungerechtigkeit. Das wre gegen die Gesinnung meiner gndgen Herrschaft. Der Bursche ist zwar plump und roh, doch gutmtig und treu. Dann steht er in der Gunst des Herrn, der seine Diener alle liebt wie eigne Kinder. Ja das ist wohl ein seltner Mann, der in der Welt nicht seinesgleichen findet. Und wollte man sein Lob in Bchern schreiben, man wrde nie damit zu Ende kommen. Drum dankt dem Himmel, der euch in dies Haus gefhrt, denn wer ihm treu dient, der hat sich wahrlich selbst gedient. Das Frhstck fr den gndgen Herrn! Fritz. Sogleich! (Geht ab.) Johann (im Abgehen). Die Moralitt dieses Menschen wird mich noch unter die Erde bringen. (Ab.) Wolf. Das sind ein paar feine durchgetriebne Schufte. Die mu ich mir vom Halse schaffen. Vierter Auftritt Voriger. Baumeister Grndling. Grndling. Guten Morgen, Herr Kammerdiener, kann ich die Ehre haben, Herrn von Flottwell meine Aufwartung zu machen? Wolf. Herr Baumeister, ich mu um Verzeihung bitten, aber Seiner Gnaden haben mir soeben befohlen, Sie bei jedermann zu entschuldigen, denn Sie machen heute eine Jagdpartie. Grndling. Wissen Sie nicht, Herr Kammerdiener, ob Herr von Flottwell meinen Plan zu dem Bau des neuen Schlosses fr gut befunden hat? Wolf. Er hat ihm sehr gefallen. Nur hat sich der Umstand ereignet, da ihm auch ein anderer Baumeister einen hnlichen Plan vorgelegt hat und sich erbietet, das Schlo in derselben Gre um zehntausend Gulden wohlfeiler zu bauen. Grndling. Das tut mir leid, aber als ehrlicher Mann kann ich es nach seinen Anforderungen nicht wohlfeiler bauen. Ich bernehme diesen Bau berhaupt mehr aus Ehrgeiz als aus Gewinnsucht, hat aber Herr von Flottwell einen Knstler gefunden, von dem er sich Schneres oder Besseres verspricht, so werde ich mich zu bescheiden wissen. Wolf. Das heit, es ist Ihnen nichts daran gelegen. Grndling. Im Gegenteil, es ist meiner Ehre sehr viel daran gelegen. Wolf. Ja dann mssen Sie Ihrer Ehre auch ein kleines Opfer bringen. Grndling. Es wre sehr traurig fr die Kunst, wenn es mit ihr so weit gekommen wre, da die Knstler Opfer bringen mten, um Gelegenheit zu finden, ein Kunstwerk hervorzubringen. Die Kunst zu untersttzen, ist ja der Stolz der Groen, und eine konomische uerung wre an dem geldberhmten Herrn von Flottwell etwas Unerhrtes. Wolf. Sie verstehen mich nicht, Herr Baumeister. Grndling. Genug! Morgen will ich mit Herrn von Flottwell selbst darber sprechen. Glauben Sie aber nicht, Herr Kammerdiener, da ich ein Mann bin, der nicht zu leben versteht. Sollten Sie sich fr die Sache bei dem gndgen Herrn glcklich verwenden, so werde ich mich sehr geehrt fhlen, wenn Sie ein Geschenk von hundert Dukaten nicht verschmhen wollen. Wolf. Sie verkennen mich. Eigennutz ist nicht meine Sache, ich spreche nur zum Vorteil meines gndgen Herrn! Grndling. Den werden Sie durch mich besser bezwecken, als wenn das Schlo von einem andern wohlfeiler und schlechter gebaut wird. Wolf. Nun gut. Ich will versuchen, was mein geringer Einflu zugunsten eines so groen Knstlers vermag, und gelingt es mir, so werde ich Ihr Geschenk nur unter der Bedingung annehmen, da Sie mir erlauben, es auf eine wohlttige Weise fr andere zu verwenden. Grndling. Ganz nach Ihrem Belieben. (Beiseite.) Die Kunst mag mir diese Herabwrdigung verzeihen. (Laut.) Morgen erwarte ich einen gnstigen Bescheid. (Will ab.) Wolf (blickt zum Fenster hinaus). Teufel! der andere. (Schnell.) Wollen Sie nicht so gefllig sein, sich ber die Nebentreppe zu bemhen, weil die Bedienten auf der groen Mbel transportieren. Ich empfehle mich ergebenste (Lt ihn durch eine Seitentr hinausgehen. Wolf allein.) Diese Zitrone gibt wenig Saft, jetzt wollen wir die andere pressen. Fnfter Auftritt Voriger. Baumeister Sockel. Sockel. Guten Morgen, Herr von Wolf! Sie haben mich rufen lassen, ich wre schon gestern gekommen, aber ich hab ein Haus sttzen mssen, was ich vor zwei Jahren erst gebaut hab. Verstanden? Ich sag Ihnens, man mcht jetzt lieber Holz hacken als Huser bauen. Erstens brennen s' Ziegel, wenn man einen nur ein unbeschaffenes Wort gibt, so fallt er schon voneinander. Nachher wollen s' immer ein Million Zins einnehmen, lauter Zimmer, keine Mauern. Verstanden? Drum sind manche moderne Huser auch so dnn, als wenn s' bloe Futteral ber die alten wren. Hernach hat halt ein Baumeister vor Zeiten auf solide Einwohner rechnen knnen, aber jetzt zieht sich ja manchmal ein Volk hinein, das nichts als rauft und schlagt, Tisch und Sthl umwirft und das Unterste zu oberst kehrt. Ja wo soll denn da ein Haus die Geduld hernehmen, da wirds halt springgiftig, und endlich fallts vor Zorn zusamm. Verstanden? Wolf. Das ist alles ganz recht, aber jetzt lassen Sie uns vernnftig reden. Sockel. Erlauben Sie, aber meine Reden sind ein wahrer Triumph der Vernunft. Verstanden? Wolf. Ich habe Ihnen die unangenehme Nachricht zu sagen, da Sie den Bau des Schlosses nicht bekommen werden. Sockel. Hren Sie auf, oder ich strz zusamm wie eine alte Gartenmauer. Das ist ja nach unserer Verabredung nicht mglich! Verstanden? Wolf. Der gndge Herr will den Baumeister Grndling nehmen. (Ein Bedienter, der Flottwell das Frhstck gebracht hat, kommt zurck.) Sockel. Aber es war ja schon alles richtig. Ich hab Ihnen ja tausend G-- Wolf (rasch auf den Bedienten blickend). Nun ja, Sie haben mir da tausend Grnde gesagt, die-- Sockel. Nein, ich habe Ihnen versprochen-- Wolf. Ja (stampft unwillig mit dem Fu), Sie haben versprochen, gute Materialien zu nehmen. Fritz, dort hat jemand gelutet. (Der Bediente geht in ein Kabinett ab.) Aber ich kann nicht dafr, da ein anderer gekommen ist, der noch grere Versprechungen gemacht hat und das Schlo um zehntausend Gulden wohlfeiler baut. Sockel. Aber das ist ja ein elender Mensch, der gar nicht zu bauen versteht. Ein hergelaufener Maurerpolier, ein Pfuscher, und ich bin ein Mann auf dem Platz. Verstanden? Wolf. Es macht Ihnen sehr viel Ehre, da Sie so ber Ihren Kollegen schimpfen, aber das kann die Sache nur verschlimmern! Sockel. Aber Sie bringen einem ja zur Verzweiflung. (Beiseite.) Ich kann den Bau nicht auslassen, er trgt mir zu viel ein. (Macht gegen das Publikum die Pantomime des Geldzhlens.) Verstanden? (Laut.) Liebster Herr Kammerdiener, ich wei, es hngt nur von Ihnen ab. Der gndige Herr bekmmert sich nicht darum, er ist zu leichtsinnig. Ich geb Ihnen tausend Gulden Konventionsmnze. Wolf. Herr!--Was unterfangen Sie sich-- Sockel. Ich unterfange mich, Ihnen noch fnfhundert Gulden zu bieten. Wolf. Sie hufen ja Beleidigung auf Beleidigung-- Sockel. Freilich, ich bin der brutalste Kerl auf der Welt. Aber jetzt bin ich schon in meiner Grobheit drin, ich mu Ihnen noch fnfhundert Gulden antragen. Wolf. Halten Sie ein! Sie empren mich mit solchen unmoralischen Zumutungen! Sockel (beiseite). Ah, da mcht man sich selber kpfen. Wolf. Ich sehe ein, da Ihre Ehre-- Sockel. Ah was Ehre! Es ist einem gerade keine Schande, wenn man ein Schlo baut, aber in Feuer lassen s' einem auch nicht vergolden deswegen. (Beiseite.) Nur das Geld ist verloren! Wolf. Man wird Sie auslachen! Sockel. Freilich, es hats die ganze Stadt erfahren. Wolf. Wie war das mglich? Sockel. Weil ichs meiner Frau gesagt hab. Wolf. Ja sind Sie denn verheiratet? Sockel. Leider! Verstanden? Wolf (ngstlich). Haben vielleicht Kinder! Sockel. Jawohl. Wolf. Ach, das ist ja sehr traurig. Wie viele? Sockel. Mein Gott, soviel Sie wollen, verschaffen Sie mir nur den Bau. Wolf. Ja das mu ich wissen. Sockel. Fnf, und zwei noch zu erwarten! Verstanden? Wolf. Entsetzlich! Das rhrt mich! Sockel. Lassen Sie sich erweichen. Nehmen Sie die zweitausend Gulden. Wolf (mit Bedauern). Sie sind Familienvater! Sie haben fnf Kinder! Warum haben Sie das nicht gleich gesagt? Und der andere Baumeister hat vielleicht keine Kinder. Sockel. Kein einziges. Wolf. Ah, da mssen Sie ja den Bau erhalten. Das wre ja die hchste Ungerechtigkeit. Sockel. O Sie edelmtger Mann! Wolf. Jetzt kann ich Ihr Geschenk annehmen. Aber Sie mssen mir versprechen, ein Meisterstck fr die Ewigkeit hinzustellen-- Sockel. Zehn Jahre keine Reparatur-- Wolf. Denn der Vorteil meiner gndgen Herrschaft geht mir ber alles. Sockel (weinend). Groe Seele! (Beide in Flottwells Kabinett ab.) Sechster Auftritt Valentin. Valentin. Lied Heissa lustig ohne Sorgen Leb ich in den Tag hinein, Niemand braucht mir was zu borgen, Schn ists, ein Bedienter z' sein. Erstens bin ich zart gewachsen Wie der schnste Mann der Welt, Alle Sck hab ich voll Maxen, Was den Mdchen so gefllt. Zweitens kann ich viel ertragen, Hab ein lampelfrommen Sinn, Vom Verstand will ich nichts sagen, Weil ich zu bescheiden bin. Drittens kann ich prchtig singen, Meine Stimme gibt so aus, Denn kaum la ich sie erklingen, Laufen s' alle gleich hinaus. Viertens kann ich schreiben, lesen, Hab vom Rechnen eine Spur, Bin ein Tischlergsell gewesen-- Und ein Mann von Politur. Fnftens, sechstens, siebntens, achtens Fallt mir wirklich nichts mehr ein, Darum mu meines Erachtens Auch das Lied zu Ende sein. Ah! heut kann ich einmal mit Recht sagen: Morgenstund tragt Gold im Mund. Hat mir die Sngerin, die neulich bei unserm Konzert eine chinesische Arie gesungen hat, fr das Honorar, was ich ihr von dem gndigen Herrn berbracht hab, zwei blanke Dukaten geschenkt. Der gndige Herr hat ihr aber auch fr eine einzige Arie fnfzig Dukaten bezahlen mssen. Das ist ein schnes Geld. Aber das ist doch nichts gegen Engeland. In London, hr ich, da singen s' gar nach dem Gewicht. Da kommt eine von den groen Noten auf ein ganzes Pfund, drum heit man s' auch die Pfundnoten. Da verdient sich eine an einen einzigen Abend einige Zenten. Die mssen immer ein Paar Pferd halten, da sie ihnen das Honorar nachfhren. Aber es war auch etwas Gttliches um diese Sngerin. Ich versteh doch auch etwas von der Musik, weil ich in meiner Jugend fter nach den Noten geprgelt worden bin, aber im Distonieren kommt ihr keine gleich. Ich hab die ganze Arie nicht hren knnen, weil ich im Hof unten war und die Jagdhund besnftigt hab, damit s' nicht so stark dreingeheult haben, aber einmal hat sie einen Schrei herausgelassen--Nein, ich hab schon verschiedene Frauenzimmer schreien ghrt, doch dieser Ton hat mein Innerstes erschttert. Aber den schnsten Wohlklang hat sie doch erst gezeigt, wie sie die zwei Dukaten auf den Tisch geworfen hat, das macht sie unsterblich. Und wenn ich ein Theaterdirektor wr: die engagieret ich unter den schnsten Bedingungen. (Rosa schleicht sich herein, tritt langsam vor und steht bei den letzten Worten mit verscblungenen Armen neben ihm.) Und gelchelt hat sie auf mich--gelchelt hat sie-- Rosa. Nun und wie hat sie denn gelchelt? (Lchelt boshaft.) Wie denn? Hat sie so gelchelt--so? Valentin. Ah, hr auf! Das ist ja nur eine Travestie auf ihr Lcheln. Du wirst dir doch nicht einbilden, da du das auch imstand bist? Rosa. Warum? Warum soll sie besser lachen knnen als ich? Valentin. Nun, eine Person, die fr eine Arie fnfzig Dukaten kriegt, die wird doch kurios lachen knnen? Rosa. Ja, aber wer zuletzt lacht, lacht am besten, und die werd ich sein. Ich brauch keinen solchen Liebhaber, der in die Stadt hineinlauft und den Theaterprinzessinnen die Cour macht. Valentin. Ich mu tun, was mir mein Herr befiehlt. Punktum! Rosa. Du und dein Herr ist einer wie der andere. Valentin. Nu das wr mir schon recht, da wr ich auch ein Millionr wie er. Rosa. Du hast deine Amouren in der Stadt, und er hat s' im Wald draus. Und wie schaust denn wieder aus? Den ganzen Tag hat man zu korrigiern an ihm! Ist denn das ein Halstuch gebunden, du lockerer Mensch? Geh her! (Bindet es ihm.) Valentin. So hr auf, du erwrgst mich ja, schnr mich nicht so zusamm! Rosa. Das mu sein. Valentin. Nein, das Schnren ist sehr ungesund. Es wird jetzt ganz aus der Mod kommen. Du sollst dich auch nicht so zusammradeln. Rosa. Das geht keinen Menschen was an! Valentin. Aber wohl! Das Schnren htt sollen gerichtlich verboten werden, aber die Wirt sind dagegen eingekommen. Rosa. Wegen meiner! Ja apropos, du stehst ja da, als wann ein Feiertag heut wr? Wirst gleich gehn und dich anziehn auf die Jagd! Valentin. Jetzt mu ich wieder auf die verdammte Jagd. Rosa. Ja wer kann dafr, da du so ein guter Jger bist? Valentin. Ah, ich jag ja nicht, ich werd ja gejagt. Sie behandeln mich ja gar nicht wie einen Jger. Ich ghr ja unters Wildpret. Das letztemal hat der gndige Herr eine Wildente geschossen, und weil kein Jagdhund bei der Hand war, so hab ich sie mssen aus den Wasser apportieren, und wie ich mitten drin war, haben sie mich nimmer herauslassen. Rosa. Und das lat du dir so alles gfallen? Valentin. Ja weil ich halt fr meinen Herrn ins Feuer geh, so geh ich halt auch fr ihn ins Wasser. Rosa. Nu so tummel dich, es wird gleich losgehen. Valentin. Die verflixte Jagd! Wann man nur nicht so hungrig wrd, aber ich versichere dich: Ein Jger und ein Hund frit alle Viertelstund. Rosa. Schm dich doch! Valentin. Du glaubst nicht, was man auszustehen hat. Was einem die Gst alles antun. Meiner Seel, wenn mir nicht wegen dem gndigen Herrn wr, ich prgelt sie alle zusamm. Rosa. So red doch nicht immer vom Prgeln in einem vornehmen Haus. Da sieht man gleich, da du unterm Holz aufgewachsen bist. Valentin. Wirf mir nicht immer meinen Tischlerstand vor. Rosa. Weil du gar so pfostenmig bist. Valentin. Schimpf nicht ber mein Metier. Rosa. La mich gehn. Ich nehm mir einen andern. Ich wei schon, wem ich heirat. Duett Rosa. Ein Schlosser ist mein schwache Seit, Das ist der erste Mann, Der sorgt fr unsre Sicherheit Und schlagt die Schlsser an. Valentin. Mein Kind, da bist du schlecht bericht, Der Tischler kommt zuvor, Der Schlosser ist der Erste nicht, Der Tischler macht das Tor. Rosa. Ein Schlosser ist zu schwarz fr mich Und seine Lieb zu hei. Valentin. Verliebt sich ein Friseur in dich Der macht dir nur was wei. Rosa. Nein! nein! ein Drechsler! o wie schn! Der ist fr mich gemacht. Valentin. Der kann dir eine Nasen drehn, Da nimm du dich in acht. Rosa. Ein Bck, der ist mir zu solid, Ich frcht, da ich mich hrm. Valentin. So nimm dir einen Kupferschmied, Der schlagt ein rechten Lrm. Rosa. Mit einem Schneider in der Tat, Da km ich prchtig draus Valentin. Doch wenn er keine Kunden hat, So geht der Zwirn ihm aus. Rosa. Ein Klampfrer ist ein sichrer Mann, Dem fehlt es nie an Blech. Valentin. Ich ratet dir ein Schuster an Es ist halt wegnem Pech. Rosa. Ein Hutrer wr wohl nicht riskiert, Der hat ein sichres Gut. Valentin. Ja wenn die Welt den Kopf verliert, Da braucht kein Mensch ein Hut. Rosa. Ein Spekulant, o welche Pracht-- Doch htt ich kaum den Mut. Valentin. Ah, wenn er pfiffig Krida macht, Da gehts ihm erst recht gut. Rosa. Kurzum, ich wend im Kreis herum Vergebens meinen Blick. Drum kehr ich zu dem Tischler um, Er ist mein einzig Glck. Valentin. Verla dich auf den Tischlerjung, Der macht dir keinen Gram. Und kriegt das Glck einmal ein Sprung, Der Tischler leimts zusamm. Beide. Ein schner Stand ist doch auf Ehr Ein wackrer Handwerksmann. Seis Schneider, Schuster, seis Friseur, Ich biet das Glas ihm an. (Beide ab.) Siebenter Auftritt Helm, im Jagdkleide, tritt aus seinem Kabinett. Wolf aus Flottwells Zimmern. Helm. Nun wie stehts, Herr Kammerdiener, gehts bald los? Wolf (sehr geschftig). Jawohl, der gndge Herr wird gleich erscheinen. (Luft zum Fenster.) Heda, Jger, lat euch hren! Pagen, fhrt die Pferde vor! Bchsenspanner, schnell herauf! (Man hrt Jagdhrner.) Helm. Holla, holla, hurtig, meine Herren! kommt heraus, der Tanz geht an. (Mehrere Gste kommen teils zur Mitte, teils aus den Seitentren, auch Pralling. Valentin. Alle sind jagdmig gekleidet.) Pralling. Guten Morgen allerseits! Alles (gegenseitig). Guten Morgen! Gut geschlafen? Helm. Potz Donnerwetter, war das eine schlechte Nacht! Pralling. Mein Schlaf ist wie ein liederlicher Diener, wenn ich ihn rufe, kommt er nicht. Helm. Er ist ein freier Mann und kommt nur, wenn er will. Walter. Eine Kokette ist er, die sich ziert, bevor sie uns umarmt. Achter Auftritt Vorige. Chevalier Dumont im eleganten Jagdanzug. Dumont (blickt durch eine einfache Lorgnette). Ah bon jour, mes amis! (Er spricht gebrochen deutsch.) Wie aben Sie geschlafen? Alle. Ah, unser Naturfreund! Dumont. Ja, Messieurs, der Natur sein gro. Ick aben wieder geschwelgt in ihren Reizen. Der ganzen Nacht bin ick am Fenster gelegen, um der Gegend zu betrachten. O charmant! Neunter Auftritt Vorige. Flottwell. Sockel. Flottwell. Guten Morgen, edle Freunde! Alle. Guten Morgen! (Einige schtteln ihm die Hand.) Flottwell. Wir kommen spt zur Jagd. Ich hoffe, da die Herren, die heut zum erstenmal in meinem Schlo geruht, mit der Bedienung so zufrieden waren, als ichs nur immer eifrig wnschen kann. Gern htt ich Ihren Schlaf mit sen Trumen auch bewirtet, doch leider stehn die nicht in meinem Sold. Ein Gast. Mir hat von Lilien getrumt. Helm. Und mir von einer wilden Sau, der ich den Fang gegeben hab. Walter. Ich hab die Gastfreundschaft an einem goldnen Tisch gesehen, und deutscher Lorbeer hat ihr Haupt geschmckt. Pralling. Ich habe all mein Glck auf die Coeur-Dame gesetzt, und als ich es verloren hatte, bin ich aufgewacht. Flottwell. Und was hat dir getrumt, Freund Valentin? Valentin. Mir hat getrumt, Euer Gnaden htten mir vier Dukaten geschenkt. Flottwell (lachend). Das ist ein eigenntzger Traum, doch will ich ihn erfllen. Valentin. Ich k die Hand Euer Gnaden. Flottwell. Was mir getrumt hat, kann ich euch noch nicht entdecken. Es war ein ser Traum, dienstfertig meinem hchsten Wunsch, er hat mir meines Lebens Zukunft rosig abgespiegelt. Helm. Dir hat gewi von einem Rendezvous getrumt. Spitzbub! Was? Von Augen wie Rubin und solchem dummen Zeuch. Flottwell (lachend). Du kannst etwas erraten haben, Herzensbruder. Es soll ein Rendezvous frs ganze Leben werden. Doch still davon, mein Herz ist bermtig heut, es knnte sich verraten. Pralling. Wir kennen Ihre Schliche schon, Sie haben andre Jagd im Sinn als wir. Flottwell. So ist es auch. Jagt euren Freuden nach, um mich braucht ihr euch nicht zu kmmern. Wir haben jeder andre Leidenschaft. Pralling. Ich leide an der Gicht. Helm. Ich bin ein passionierter Jger. Walter. Ich spreche dem Champagner zu. Dumont. Und ick bewundre der Natur. Helm. Das nimmt mich wunder, Chevalier. Sie sind ja kurzsichtig. Dumont. Das sind der Menschen alle. Pralling. Und wenn Sie fahren, schlafen Sie im Wagen. Dumont. O, das macken nichts. Ein wahrer Naturfreund mssen ihrer Schnheit auch im Schlaf bewundern knnen. Helm. Das kann ich nicht. Mein Liebling ist die Jagd. Flottwell. Heda! bringt uns Bordeaux. Die Herren sollen sich begeistern. Dumont. Mackt mir der Fenster auf, da ick der Landschaft kann betrachten. (Sieht durchs Glas.) Wolf. Hier ist Bordeaux! (Er ordnet die Diener, welche schon bereitet standen und ihn in gefllten Stengelglsern auf silbernen Tassen prsentieren.) Walter (ruft). Herrlicher Wein! Dumont (am Fenster entzckt rufend). Himmlischer Wasserfall! Flottwell (schwingt das Glas). Auf ewge Freundschaft und auf langes Leben, meine Herren! Alle. Der reiche Flottwell lebe lang! Dumont (wie vorher, ohne ein Glas genommen zu haben). Ha! der Kirchhof macken sich dort gut. Flottwell. Oh, wr ich berreich! Ich wnscht es nur zu sein, um meine Schtze mit der Welt zu teilen. Was ist der Mammon auch! das Geld ist viel zu sehr geachtet. Drum ists so stolz. Es will nie in des armen Mannes Tasche bleiben und strmt nur stets dem Reichen wieder zu. Helm (enthusiasmiert). Wer ist so gut wie unser edler Flottwell hier? Walter. Ich kenne kein Gemt, das seinem gleicht. Alle. Jawohl! Dumont. Un enfant gt de la nature. Flottwell. Oh, lobt mich nicht zu viel. Ich habe kein Verdienst als meines Vaters Gold. Will mirs die Welt verzeihn, ists wohl und gut, und tut sies nicht, mag sie sich selbst mit ihrem Neid abfinden. Ich kmpfe nicht mit ihm. Mein Glck ist khn, es fordert mich heraus, darum will ich mein Dasein groartig genieen, und wollen Sorgen mich besuchen, la ich mich verleugnen. Dstern Philosophen glaub ich nicht. Nicht wahr, Freund Helm, man mu das Leben von der schnen Seite fassen? Der Himmel ist sein herrlichstes Symbol. Die glhnde Sonne gleicht dem heien Brand der Liebe, der mildgesinnte Mond der innigen Freundschaft, die reiche Saat der Sterne ist ein Bild der Millionen Freuden, die im Leben keimen. Die ernsten Wolken sind zwar kummervolle Tage, doch Frohsinn ist ein flchtger Wind, der sie verjagt. Sockel. Ein Gttermann! Ein wahrer Gttermann! Verstanden! Flottwell. Gebt doch ein Glas auch unserm wackern Baumeister. Oh, das ist gar ein wichtger Mann hier, meine Herren, der wird ein neues Schlo uns bauen, und diese Hallen wollen wir der Zeit nicht lnger vorenthalten. Flottwells Haus solls heien, noch ein Glas auf dieses Ehrenmannes Werk! (Zu Sockel, barsch.) Trinken Sie! Sockel (erschrickt, da er das Glas fallen lt). Verstanden! Alle (schwingen die Glser). Flottwells Haus! Lang solls bestehn! Flottwell (strzt ein Glas hinein). Und nun zur Jagd, Ihr Herren! Werft die Glser hin und nehmt 's Gewehr zur Hand! Der Wald ist euer Eigentum und all mein Wild. Doch hetzt mirs nicht zu sehr, ich kanns nicht leiden, denn der Hirsch weint wie ein Mensch, wenn er zu Tod gepeinigt wird. Und seit ich dieses Schauspiel sah, hab ich die Jgergrausamkeit verloren. Nun Glck zur Jagd! Der Abend fhrt uns wieder hier zusammen, dann wollen wir beim vollen Glas besprechen, wer eines edlern Sieges sich zu freuen hat? Ihr! oder ich! Alle. Holla zur Jagd! (Alles ab.) (Hrner tnen.) Dumont (verweilt noch am Fenster, bis die andern alle zur Tr hinaus sind, dann ruft er) Himmlische Natur! (und folgt den andern nach). Zehnter Auftritt Dann unter rauschender Musik Verwandlung in eine goldene Feenhalle, rckwrts die Aussicht in eine reizende Berggegend. In der Mitte der Halle ein groer runder Zauberspiegel, vor ihm ein goldner Altar mit einer Opferschale auf Stufen. Cheristane, in ein lichtblaues faltiges Gewand gehllt, welches mit Zaubercharakteren geziert ist, und das Haupt mit einer goldnen Krone geschmckt, kommt von der Seite, ein goldnes Buch und einen Zauberstab tragend. Cheristane. Der Kampf ist aus, ich habe mich besiegt. Beschlossen ists, ich scheide von der Erde. Wenn auch mein Herz dem Kummer unterliegt, Ich leide nur, da er gerettet werde. (Sie nimmt von dem mittleren Zacken ihrer Krone eine blaue Perle.) Komm, teure Perle, die den Geist umschliet, Den letzten der sich beugt vor meiner Macht, Die bald fr ihn in eitles Nichts zerfliet! Ich opfre dich in diesem goldnen Schacht. (Sie wirft die Perle in die goldne Schale. Eine blaue Flamme entzndet sich in ihr, der Donner rollt. Kurze passende Musik. Der Spiegel berzieht sich mit Rauch.) Nun zeig dein Haupt, umkrnzt von Zauberschein, Und blick mich an mit holden Demantaugen! Erschein! Es soll Azur dein Name sein! La Hoffnung mich aus deinen Worten saugen! (Musik.--Frchterlicher Donnerschlag. Der Rauch hebt sich und in dem Spiegel erscheint Azur, in Silberdock gyptisch gekleidet, das Haupt umhllt, die halbentblten Arme und das Antlitz ist mit blauer Folie berzogen, statt der Augen leuchten zwei glnzende Steine. Magische Beleuchtung.) Azur. Du! die du mich durch Zaubermacht geboren, Gebietest du mir Segen oder Fluch? Cheristane. Zu Flottwells Schutzgeist hab ich dich erkoren. Azur. Darf ich das sein? Blick in des Schicksals Buch! (jetzt folgt eine zitternde Musik darunter.) "Kein Fatum herrsch auf seinen Lebenswegen, Er selber bring sich Unheil oder Segen. Er selbst vermag sich nur allein zu warnen, Mit Unglck kann er selbst sich nur umgarnen, Und da er frei von allen Schicksalsketten, Kann ihn sein Ich auch nur von Schmach erretten." Cheristane. Mir ist bekannt des Schicksals strenger Spruch, Der, mich zu strafen, tief ersonnen ist. Empfange hier mein goldnes Zauberbuch. Es wird dich lehren, welche schlaue List Mein liebgequlter Geist erfunden hat. Doch ich mu machtberaubt von hinnen fliehn. Darum vollziehe du statt mir die Tat Und la mich trostlos nicht nach meiner Heimat ziehn. Azur (nimmt das Buch). Zieh ruhig heim, treu will ich fr dich handeln, Als Retter sollst du wieder mich erblicken. (Die Wolke schliet sich. Musik.) Cheristane. Oh, htt ichs nie gewagt auf Erd zu wandeln, Zu bitter straft sich dieser Lust Entzcken! (Sie sinkt aufs Knie und beugt ihr Haupt kummervoll vor dem Altar.) Elfter Auftritt Unter klagender Musik Verwandlung in einen kurzen Wald. An der Seite ein Hgel mit Gestruche. Jger ziehen ber die Bhne. Jagdchor. Gilts, die Wlder zu durchstreifen, Hebet freier sich die Brust. Khn den Eber anzugreifen, Ist des Jgers hchste Lust. Holla ho! Holla ho! Weidgesellen froh! Ist die Fhrte aufgefunden, Wlzt er sich im schwarzen Blut, Spiegelt sich in seinen Wunden Noch des Abends letzte Glut. Holla ho! Holla ho! Jgerbursch ist froh! Zieht man heim nach Jgersitte, Winkt die Nacht uns traut zur Ruh, Sucht man seines Liebchens Htte, Schliet das Pfrtlein leise zu. Holla ho! Holla ho! Jgersbraut ist froh! (Alle ab.) (Valentin, der im Gestruch versteckt war, kommt hervor.) Valentin. Wegen meiner jagt ihr fort, solang ihr wollt. Ich werd mich da so wildschweinmig behandeln lassen. Ich schieet alle zusammen, die Sappermenter, wenn ich nur einen Hahn auf der Flinten htt. Ich kann gar nicht begreifen, was denn die vornehmen Leut mit der verdammten Jagd immer haben. Lied Wie sich doch die reichen Herrn Selbst das Leben so erschwern! Damit s' Vieh und Menschen plagen, Mssen s' alle Wochen jagen. Gott verzeih mir meine Snden, Ich begreif nicht, was dran finden, Dieses Kriechen in den Schluchten, Dieses Riechen von den Juchten. Kurz, in allem Ernst gesagt: 's gibt nichts Dummers als die Jagd. Schon um drei Uhr ist die Stund Fr die Leut und fr die Hund. Jeder kommt mit seinem Stutzen, Und da fangen s' an zum putzen. Nachher rennen s' wie besessen, Ohne einen Bissen z' essen, Ganze Tage durch die Waldung, Und das ist a Unterhaltung! Ah, da wird eim Gott bewahrn, D' Jger sind ja alle Narrn. Kurz, das Jagen la ich bleiben. Was die Jgerburschen treiben, Wie s' mich habn herumgestoen, Bald htt ich mich selbst erschossen. ber hunderttausend Wurzeln Lassen eim die Kerls purzeln, Und kaum liegt man auf der Nasen, Fangen s' alle an zu blasen, Und das heien s' eine Jagd! Ach, dem Himmel seis geklagt. Md als wie ein ghetzter Has Setzt man sich ins khle Gras, Glaubt, man ist da ganz allein, Kommt ein ungeheures Schwein. Und indem man sich will wehren, Kommen rckwrts ein paar Bren, Auf der Seiten ein paar Tiger, Und wei Gott noch was fr Vieher, Und da steht man mitten drin! Dafr hab ich halt kein Sinn. (Luft ab.) Repetition Nein, die Sach mu ich bedenken. D' Jger kann man nicht so krnken. Denn, wenn keine Jger wren, Fren uns am End die Bren. 's Wildpret will man auch genieen, Folglich mu doch einer schieen. Bratne Schnepfen, Haselhhner, Gott, wie schtzen die die Wiener! Und ich stimm mit ihnen ein: Jagd und Wildpret mssen sein. (Ab.) Zwlfter Auftritt Verwandlung Eine reizende Gegend, im Hintergrunde ein klarer See, von lieblichen Gebirgen eingeschlossen. Rechts ein Fels, ber ihm der Eingang in Cheristanens Felsenhhle, vor welcher sie in ihrem frheren Kostm, doch ohne Krone steht und in die Ferne blickt. Cheristane. Nun hat er bald die steile Hh erklommen und wird den sen Blick nach Minnas Htte senden, von der er whnt, da sie sein Liebstes stets umschirme. So mag er denn zum letztenmal sich ihres Anblicks freuen. (Kurze Musik. Sie verwandelt sich in ein liebliches Bauermdchen, im italienischen Geschmacke zart gekleidet, und sinkt rasch in den Fels, welcher zu einer freundlichen Htte wird, die von Reben und Blumen umrankt ist und aus deren Tr sie schnell berraschend tritt. Zugleich verwandeln sich die Kulissen in orientalische hohe Blumen und goldgesumte Palmen, die noch praktikabel gegen die Mitte der Bhne reichen. Nachdenkend setzt sie sich im Vordergrunde auf eine mit Blumen behangene Rasenbank.) Ach! selber darf er sich nur warnen, Mit Glck und Unglck selbst umgarnen, Und da er frei von allen Schicksalsketten, Kann er nur selbst von Schmach sich retten. O trber Schicksalsspruch, der einem Kinde Flgel leihet und sie seinem Engel raubt. Dreizehnter Auftritt Vorige. Flottwell. Flottwell (froh). Heitern Tag, mein teures Mdchen, sei nicht bse, da ich selbst so spt erscheine, denn meine Sehnsucht ist schon lang bei dir. Doch--sag! was ist dir? Du bist traurig! Wer hat dir was zu Leid getan? Qult dich die Eifersucht? Bist du erkrankt? Betrbt? Sprich! Oder willst du mich betrben? Cheristane (steht bewegt auf). Dich? mein Julius, nein, das will ich nicht! (Schlingt ihre Arme um seinen Hals und legt ihr Haupt an seine Brust.) Flottwell. So bist du halb nur die, die mich sonst ganz beglckt. Die frohere Hlfte fehlt, und nur die trbe ruht an meiner Brust. Komm, la uns Frieden schlieen, trautes Kind. Du ahnest nicht, was mich so freudig stimmt. Du sollst nicht lnger hier in deiner Htte weilen. Du mut mir morgen schon nach meinem Schlosse folgen. Zu lange schmckt der Brautkranz deine seidnen Locken, er knnte sonst auf deiner Stirne welken. Die Welt mu als mein treues Weib dich gren, du darfst durchaus nicht lnger widerstreben. Cheristane. Oh, mehr' mein Leid nicht! Zieh mich nicht auf diese Hhe, sie zeigt ein Paradies mir, das ich nie betreten darf. Ich habe dich getuscht! ich bin nicht das Geschpf, das du in diesem Augenblick noch in mir suchst. Flottwell. Sei, was du willst. Hr nur nicht auf, die Liebenswrdigkeit zu sein. Drei Jahre sind es, als ich auf der Jagd mich bis hieher verirrt und dich zum erstenmal erblickte. Befremdend glnzte deine Schnheit in der niedern Htte wie ein Edelstein in eines Bettlers Hand. Du weihtest mir dein Herz. Doch durft ich niemals forschen, woher du kamst und wer du seist. Und sieh! ich war so folgsam wie ein Kind, nie hast du eine andre Frag gehrt, als ob du mich auch immer lieben wirst. Du hast die Gegend in ein Eden hier verwandelt und pflanztest Blumen wie sie nur des Indiers Trume schmcken. Ich hab dich nie befragt, woher dir solche Macht geworden ist, mir wars genug, da dus fr mich getan. Cheristane. Dir waren sie geweiht, doch blhten sie umsonst. Sie sollten dein Gemt in ihre duftgen Kreise ziehn und dich den wahren Wert des Glckes lehren. Ich hab es nicht erreicht. Zu wild ist deine Phantasie, zu hochbegehrend. Du willst, dein Leben soll ein schimmernd Gastmahl sein, und ziehst die Welt an deine goldne Tafel. Ach, mchte sie dirs einst mit Liebe lohnen! Flottwell. Sie wird es tun, zeig nicht so dstern Sinn. Komm, folg mir gleich, du bist durch Einsamkeit erkrankt. Cheristane. Umsonst. Zu spt! Du kannst mich lnger nicht besitzen, umarmst mich heut zum letztenmal. Flottwell (wild und heftig). Es darf nicht sein. Wer wagt den Raub an meinem liebsten Gut?-- Cheristane. Das Schicksal! Flottwell. Glaub es nicht! Mein Glck hat Mut, so schnell lt es sich nicht besiegen. (Umschlingt sie.) Ich la dich nicht aus meinem Arm, selbst wenn du treulos bist, ich will dich lieben, bis du zu mir wiederkehrst. (Musik.--In diesem Augenblick fliegt ein roter Adler mit einer goldnen Krone auf dem Haupte ber den See.) Cheristane. Hinweg von mir, (fr sich) schon fhl ich meiner Macht Vergehen. Siehst du den purpurroten Aar, der sein befiedert Haupt mit einer Kron geschmckt? Flottwell. Was sprichst du da? Kein Vogel regt sich hier! (Musik.--Eine Gruppe von Nebelgestalten, deren Auge drohend auf Cheristane gerichtet ist, fliegt ber den See.) Cheristane. Auch nicht die drohenden Gestalten, die mich an meine Heimkehr mahnen? Zieht nur voraus, ich folge bald. (Blickt starr nach.) Flottwell. Mein teures Kind, wie bist du schwer erkrankt! Sag an, was sind das fr Gestalten? und wer ist der gekrnte Aar? Cheristane (feierlich). Illmaha, die Feenknigin. (Sie sinkt nieder und beugt ihr Haupt. Dann fhrt sie fort.) Wisse denn, kein menschlich Wesen hast du an dein Herz gedrckt. Cheristane ist mein Name, ich bin aus dem Feiengeschlechte, meine Heimat sind die fernen Wolken, die in ewgen Zauberkreisen ber Persien und Arabien ziehen. Flottwell. Ist in den Wolken Lieb Verbrechen, straft sie dort des Schicksals Fluch? dann wr ja die Erd ein Himmel und die Ewigkeit Exil? Cheristane. Oh, hre mich, bevor du lsterst! Schon dreimal sind es sieben Jahre, da ich euren Stern betrat. Um Wohltat auf der Erd zu ben, sandte mich die Knigin. Sie drckte eine Perlenkrone auf mein ewig junges Haupt und sprach: In jeder dieser Perlen ist ein Zauber eingeschlossen, welchen du bentzen kannst in jeglicher Gestalt. Verwende sie mit Weisheit zu der Menschen Heil. Wenn du die letzte Perle hast geopfert, ist auch dein Reich zu Ende, und du kehrst zurck, um Strafe oder Lohn vor meinem Throne zu empfangen. Weh dir, wenn du Unwrdige beglckst und so den edlen Schatz dem Drftigen entziehst.--(Pause, in der sie Julius wehmtig und bedeutungsvoll anblickt.) Ob ichs getan, wird mir die Zukunft zeigen!--Ich hatte viele Perlen noch, als ich vor deines Vaters Schlo den siebzehnjhrgen Julius erblickte. Du warst so hold wie Frhlingszeit, und ich vermochte nicht, mein liebgereiztes Aug von dir zu wenden. Von diesem Augenblick hatt ich dein Glck in mir beschlossen, und viele Perlen lste ich von meiner Krone ab und streute sie auf dein und deines Vaters Haupt. Daher der unermene Reichtum, den er sich in kurzer Zeit erwarb. Oh, htt ichs nie getan! Er starb. Vom Undank nicht beweint, von dir allein. Du wardst der Gter Herr, und nun erkannt ich erst, da alles, was ich fr dein Wohl zu tun gedachte, durch deine Leidenschaft dir einst zum Unglck werden kann. Ich konnte meinem Herzen lnger nicht gebieten, ich fhrte dich hieher und hab seit dieser Zeit mein hchstes Glck in deiner Lieb gefunden. Nun ist der Traum vorber. Meine Perlen sind verschwendet, und die letzte mut ich heut noch deinem Wohle opfern. Einst hab ich nicht bedacht, da sie das Sinnbild bittrer Trnen werden knnte. Flottwell. O Cheristane! was hast du getan? Ich la dich nicht und werfe alles hin, wenn du mir bleibst. Und ziehst du fort, nimm auch mein Leben mit. Cheristane. Oh, du bist freigebig gleich einem Knig, du knntest eine Welt verschenken, um einer Mcke Dasein zu erhalten. Doch ich will deine Gromut nicht mibrauchen. Schenk mir ein Jahr aus deinem Leben nur. Ein Jahr, das ich mir whlen darf, auf das du nie mehr Anspruch machst. Flottwell. Oh, nimm es hin! Nimm alles hin! Nimm dir das glcklichste, das einzige, das die nichtswrdge Seligkeit umfngt, die ich noch ohne dich genieen kann. Cheristane. Ich danke dir, ich werde dich nicht hart berauben. Und nun bin ich gefat, fall ab, du irdscher Tand! Nur dieser Fels mag ein geheimnisvoller Zeuge sein, da Cheristane einst auf Erden hat geliebt. (Wehmtige Musik. Sie verwandelt sich in die Gestalt einer reizenden Nymphe. Zugleich verwandelt sich die Htte in einen Fels, der mit Blumen umwunden ist, von Palmen gleich Trauerweiden berschattet wird und in welchem der Name Cheristane eingegraben ist. Die praktikablen Blumen neigen sich, und aus den Gestruchen heben sich zarte Genien und sinken trauernd zu Cheristanens Fen.) Die Sonne sinkt, die Blumen neigen ihre Hupter, und meine Genien weinen still, weil sie mit mir die schne Erde meiden mssen. Die Zeit ist da! Verbannung winkt! (Musik.) Flottwell (strzt bewegt zu ihren Fen). O Cheristane! Tte mich! Cheristane. Hab Dank fr deine se Treu, mein teurer Erdenfreund! Was mich betrbt, ich darf es dir nicht sagen, darf dir nicht unser knftig Los enthllen, doch knntest du des Donners Sprache und des Sturms Geheul verstehen, du wrdest Cheristane um dich klagen hren. Oh, knnt ich meine Lieb zu dir in aller Menschen Herzen gieen, ich wrde reich getrstet von dir ziehn! (Sie geht in die Kulisse. Die Genien folgen ihr. Musik beginnt. Cheristane fliegt auf Rosenschleiern, die ein geschwelltes Segel formen, von Genien, welche zart gemalt sind, umgeben, so da das Ganze eine schne Gruppe bietet, langsam aus der Kulisse ber den See, in welchem sich pltzlich die ganze Gruppe abspiegelt. In diesem Augenblick blickt sie noch einmal wehmutsvoll auf Flottwell und ruft.) Julius, gedenke mein! (Dann verhllt sie sich schnell in den dunklen Schleier ihres Hauptes, das sie trauernd beugt, und pltzlich verwandeln sich die rosigen Segelschleier in Trauerflre, sowie die Gruppe der Genien nun in abendlicher Beleuchtung gemalt wie durch einen Zauberschlag erscheint. Der rosige Himmel umwlkt sich dster, und nur aus einem unbewlkten Feld schimmern ihr noch bleiche Sterne nach. Indem Cheristane in die entgegengesetzte Kulisse schwebt und) Flottwell (auf den Fels sinkt und ausruft) O Gott, la mich in meinem Schmerz vergehn! (fllt der Vorhang langsam.) Zweiter Aufzug Drei Jahre spter Erster Auftritt Morgen. Im Hintergrunde die Hauptfronte von Flottwells neuerbautem Schlosse. An dem Fue der breiten Stufen, welche zu dem palastartigen Portale fhren, sitzt ein Bettler. Abgetragne Kleider, doch nicht zerlumpt. Wanderstab. Sein Haar ist grau, und tiefer Gram malt sich in seinen Zgen. Die Morgensonne beleuchtet ihn. Seitwrts ist ein Gittertor, durch welches man in den Schlogarten sieht. In der Ferne erblickt man auf einem Hgel das frher bewohnte Schlo Flottwells. Die Fenster des neuen Schlosses sind geffnet, in dem groen Saale brennen noch Lichter. Flottwell und einige Gste lehnen am Fenster. Chor (im Tafelsaale). Lat brausen im Becher den perlenden Wein! Wer schlafen kann, ist ein erbrmlicher Wicht. Und guckt auch der Morgen zum Fenster herein, Ein rstiger Zecher lacht ihm ins Gesicht. Ha! ha! ha! ha! (Schallendes Gelchter.) Der Bettler (zugleich mit dem Chor). Oh, hrt des armen Mannes Bitte Und reicht ihm einen Bissen Brot! Der Reichtum thront in eurer Mitte, Mich drckt des Mangels bittre Not. (Das Gelchter beantwortet gleichsam sein Lied.) Chor. Die dsteren Sorgen werft all ber Bord! Ein Tor, der die Freude nicht mchtig erfat. Das Leben hlt ja nur dem Frhlichen Wort, Wer niemals geno, hat sich selber gehat. Ha! ha! ha! ha! Bettler. Oh, lat mich nicht vergebens klagen, Seid nicht zu stolz auf eure Pracht! Ich sprach wie ihr in goldnen Tagen, Drum straft mich jetzt des Kummers Nacht. (Er senkt sein Haupt.) (Valentin und Rosa kommen aus dem Garten.) Valentin. Ich hab dir schon hundertmal gesagt, da du mit dem Kammerdiener nicht so grob sein sollst. Du weit, was er fr ein boshafter Mensch ist, am End verschwrzt er uns beim Herrn. Rosa. Still sei und red nicht, wenn du nichts weit. Ich mu grob sein, weil ich eine tugendhafte Person bin. Valentin. Ah, das ist ja keine Konsequenz. Da mten ja die Sesseltrager die tugendhaftesten Menschen auf der Welt sein. Rosa. Bist du denn gar so einfltig? Merkst du denn noch nicht, da mir der Kammerdiener berall nachschleicht, da ich nicht einmal in der Kuchel a Ruh hab. Valentin. Ja was will er denn von dir? Rosa. Er will mich zu seiner Kammerdienerin machen. Valentin. In der Kuchel drau? Er soll in seiner Kammer bleiben, wenn er ein ordentlicher Kammerdiener ist. Du gibst ihm doch kein Gehr? Rosa. Du willst ja nicht, da ich ihm meine Meinung sagen soll. Valentin. Aber wohl! Das hab ich ja nicht gewut. Wirf ihm deine Tugend nur an Kopf! Es schadt ihm nicht. brigens ist das sehr schn von dir, da du mir das sagst. Rosa. Nun warum soll ichs denn nicht sagen? Ich mag ihn ja nicht. Wenn er mir gfallet, so saget ich nichts. Valentin. Bravo! Das sind tugendhafte Grundstze. Aber der duckmauserische Kammerdiener! Der geht mir gar nicht aus den Kopf. Rosa. Es ist nicht mehr zum Aushalten mit ihm. Alles will er dirigieren. Um die dmmsten Sachen bekmmert er sich. Valentin. Jetzt lauft er gar dir nach. Rosa. berall mu er dabeisein. Valentin. Nu neulich haben s' fr unsern Koch Stockfische gebracht, da war er auch dabei. Wenn nur mit unsern gndgen Herrn etwas zu reden wr, aber der ist seit einiger Zeit verstimmt als wie ein alts Klavier. Rosa. Weil nichts aus seiner Heirat wird. Der Herr Prsident von Klugheim gibt ihm seine Tochter nicht. Er kann ihn gar nicht leiden. Valentin. Wie soll er ihn denn nicht leiden knnen? Er kommt ja heut zur Tafel. Rosa. Ja wenn sich die Leute alle leiden knnten, die miteinander an einer Tafel sitzen, da wr die ganze Welt gut Freund. Was auer dem Herrn Prsidenten da in unser Haus hergeht, das heit man Tafelfreunde. Das sind nur Freunde von der Tafel, aber nicht von dem, der Tafel gibt. Valentin. Und der Herr Prsident? Rosa. Bei dem ists ganz ein andrer Fall. Das ist ein Ehrenmann. Der halt ein bessere Ordnung in sein Haus als unser Herr. Ich bin sehr gut bekannt dort, denn das Stubenmdel ist meine beste Freundin. Valentin. Ich auch. Der Kutscher schtzt mich ungemein. Und der fhrt das ganze Haus. Rosa. Ich hr fast jedes Wort. Der Herr Prsident mag unsern Herrn nur darum nicht, weil er so groen Aufwand macht, er frcht sich halt, er geht zugrunde Der Baron Flitterstein ist ganz ein anderer Mann und fast so reich wie unser Herr. Den mu das gndge Frulein heiraten. Valentin. Das darf nicht sein. Da mu ich mit dem Kutscher drber reden. Einen bessern kann sie gar nicht kriegen als unsern Herrn. Er ist so wohlttig, so gut. Rosa. Zu gut ist auch ein Fehler. Ich bin viel zu gut mit dir. Und kurz und gut, der Herr Prsident gibts halt nicht zu. Valentin. Sie ist ja wahnsinnig in ihm verliebt. Sie lat ihn nicht. Rosa. Sie mu. Da hats schon viele Auftritt geben. Sie kommen immer heimlich zusammen, der Herr Prsident darfs gar nicht wissen. Da du nur niemand etwas sagst. Valentin. Ich werd doch nicht meinen Herrn verraten. Aber warum ladet er denn den Baron Flitterstein heut ein? Er steht ja auf der Liste. Rosa. Weil er mu. Der Herr Prsident wr ja nicht gekommen ohne ihn. Drum war schon gestern groe Tafel, weil heut der Frulein Amalie ihr Geburtstag ist. Aber gestern sind sie nicht gekommen. Da war der gndge Herr desperat, hat einen langmchtigen Brief geschrieben an den Herrn Prsidenten. Der Kammerdiener ist damit in die Stadt geritten, ist ganz erhitzt nach Haus gekommen und hat die Nachricht gebracht, da sie heut erscheinen werden; aber der Baron kommt mit. Valentin. Das ist doch erschrecklich, was sie mit dem Herrn treiben. Wann ich nur wt, was da zu tun ist. Soll sich denn diese Sach gar nicht ausputzen lassen? Rosa. Putz du deine Kleider und deine Stiefel aus und kmmere dich nicht um Sachen, die sich nicht fr dich schicken. Valentin. Ich frcht nur, wenn ihm s' der Baron wegheirat, er tut sich ein Leid an. Am End wirds noch das beste sein, da ich selber mit dem Herrn Prsidenten vernnftig darber red. Rosa. Du? Nu das wrd ein schner Diskurs werden. Untersteh dich, das wr ja eine Beleidigung fr einen solchen Herrn. Valentin. Ja es ist nur, da man sich hernach keine Vorwrf zu machen hat. Wenn heut oder morgen ein solches Unglck passiert. Rosa. Nu geh nur, du einfltiger Mensch! Valentin. Ja man kann nicht vorsichtig genug sein, weil das eine groe Verantwortung wr. (Beide ab.) Zweiter Auftritt Flottwell und sein Haushofmeister aus dem Schlo. Flottwell. Wie stehts mit uns, mein alter Haushofmeister? Ist alles so, wie ichs befohlen habe? Ich will an Glanz durchaus nicht bertroffen werden, und fr Amaliens Freude ist kein Opfer mir zu gro. Haushofmeister. Jawohl ein Opfer, gndger Herr. Da sich das Gastmahl heute glnzender noch wiederholt, so wird die Rechnung ziemlich stark ausfallen. Flottwell. Drum ists ein Glck, da Er sie nicht zu zahlen braucht. Der reiche Flottwell wird doch keinen Heller schulden? Wie ist es mit dem Schmuck, den ich bestellt, hat ihn der Juwelier noch nicht gebracht? Haushofmeister. Noch wei ich nichts. Flottwell (auffahrend). Den Augenblick schickt nach der Stadt. Es ist die hchste Zeit, er sollte schon die vorge Woche fertig sein. Haushofmeister. Htten Euer Gnaden ihn bei dem braven Mann bestellt, den ich Euer Gnaden empfohlen habe, so wrden Sie ihn schon besitzen. Er wrde schn und billig ausgefallen sein. Allein der Kammerdiener hat-- Flottwell. Mir einen bessern anempfohlen. Ists nicht so? Haushofmeister. Das glaub ich kaum. Flottwell. Die Meinung steht Ihm frei. Doch lieb ichs nicht, wenn meine Diener mir als Lehrer dienen wollen. Dies fr die Zukunft. Nun den Juwelier. (Wendet sich von ihm.) Haushofmeister (fr sich, gekrnkt). O Treue, was bist du fr ein armer Hund, da Undank dich mit Fen treten darf. (Ab.) Dritter Auftritt Flottwell. Der Bettler, welcher immer mit unbedecktem Haupt erscheint. Flottwell. Ein altes Mbel aus des Vaters Nachla. Der Mann ist immer unzufrieden mit allem, was ich tue. Die alten Leute sind doch gar zu wunderlich. Ich bin so schlecht gelaunt. Heut wird ein heier Tag auf Flottwells Schlo, ein gro entscheidender. Ich kann Amalie nicht verlieren, sie nicht in eines andern Arm erblicken, ich hab es ihr geschworen; und gelingt es mir nicht, ihren Vater zu gewinnen, lt er nicht ab, sein Kind dem Starrsinn aufzuopfern, so mte ich zu einem bsen Mittel greifen. Schon gestern hab ich einen Brief erwartet. Gott! wenn sie wanken knnte. (Erblickt den Bettler, der nachdenkend mit seinem Stabe in den Sand schreibt.) Was macht der Bettler dort! Ich hab ihn heut vom Fenster schon bemerkt, und sein Gesang hat mich ganz sonderbar ergriffen. Mir wars, als htt ich ihn schon irgendwo gesehn und als wollt er meiner Lust ein Grablied singen. Mich wunderts, da ihn meine Dienerschaft hier sitzen lt. Was schreibst du in den Sand mit deinem Bettelstab? Bettler. Die Summen Goldes, die ich einst besa. Flottwell. So warst du reich? Bettler (seufzend). Ich wars. Flottwell. Da du Verlust betrauerst, zeigt die Trn in deinem Auge. Bettler. Was ich betraure, spiegelt sich in meiner Trne!-- Ein Palast. Flottwell (betroffen). Oho!--Was warst du, und wie heiest du? Bettler. Es ist die letzte Aufgabe meines Lebens, beides zu vergessen. Das einzge Mittel, das mich vor Verzweiflung retten kann. Flottwell. Sonderbar. (Wirft ihm ein Goldstck in den Hut.) Hier nimm dies Goldstck! (Will nach dem Garten gehen.) Bettler (springt auf und strzt zu seinen Fen, ohne ihn je zu berhren). O gndger Herr, schenken Sie mir mehr, schenken Sie mir eine Summe, welche Ihrer weltberhmten Gromut angemessen ist. Flottwell. Bist du beweibt, hast du so viele Kinder? Bettler. Ich bin allein, nur Gram begleitet mich. Flottwell (wirft ihm noch ein Goldstck hin). So sttge dich und jag ihn fort. Bettler. Er lt sich nicht so leicht verjagen als das Glck. Flottwell. Er ist nur Wirkung, heb die Ursach auf. Bettler. Vermgen Sie die Ursach Ihrer Lieb zu tilgen? Flottwell. Wer sagt dir, da ich liebe? Bettler. Wer denket gro und liebet nicht? Flottwell. Willst du mir schmeicheln, Bettler? Schme dich! Bettler. Soll Schmeichelei denn nur ein Vorrecht reicher Menschen sein? Sie stammt von Bettlern ab, weil sie von Geistesarmut zeigt. Flottwell. Ich frag dich nicht, um deines Mimuts Spott zu hren. (Beiseite.) Mir ist so bang in dieses Mannes Nhe. Du kannst mit dem Geschenk zufrieden sein. (Will gehn.) Bettler (flehend). Nein, gndger Herr! ich bin es nicht, ich darfs nicht sein. Erbarmen Sie sich meiner Not. Nicht Habgier ists. Nicht Bettlerlist. Beschenken Sie mich reich, ich werde dankbar sein! Flottwell. So nenn mir deinen frhern Stand. Bettler. Ich nenn ihn nicht. Der Armut Rost hat meinen Schild zernagt, wer frgt darnach, was ihn einst fr ein Sinnbild zierte. Ich wei es, ich begehre viel, und meine Forderung kann mich in Verdacht des Wahnsinns bringen. Doch ist er fern von meinem Geist, und werd ich noch so reich bedacht, so hab ich einst viel grere Summen selbst gegeben. Flottwell. Oh, schm dich, so um Geld zu jammern, es ist das Niedrigste, was wir beweinen knnen. Du hast genug fr heut, ein andermal komm wieder. Bettler. Ich bin ein Bettler und gehorche. (Verbeugt sich und geht langsam fort.) (Ein Diener eilig mit einem Brief.) Diener. Gndger Herr! ein Brief. (bergibt ihn und geht wieder fort.) Flottwell (sieht die Aufschrift). Von Amalie, von meiner himmlischen Amalie. (Liest.) "Mein teurer Julius! Verzeih, da ich Dir gestern nicht geschrieben habe, allein der groe Kampf in meinem Herzen mute erst entschieden sein. Doch nun gelob ich Dir, Dich niemals zu verlassen. Ich willge nicht in meines Vaters strenge Forderung, und kann kein Flehen sein sonst so edles Herz erweichen, so mag geschehen, was wir beschlossen haben."--Amalie mein! oh, knnt ich doch die Welt umarmen! He du! (Der Diener kommt.) Ruf mir den Bettler dort zurck, der eben sich in jene Laube setzt. (Zeigt in die Kulisse.) Diener. Ich sehe keinen Bettler, gndger Herr! Flottwell. Bist du denn blind! Geh fort! (Bedienter ab. Ruft.) He Alter, komm! Bettler. Was befehlen Sie, mein gndiger Herr! Flottwell. Ich habe eine frohe Botschaft hier erhalten, und Flottwell kann sich nicht allein erfreun. Verzeih, ich habe dich zu karg behandelt. Nimm diesen Beutel hier, auch diesen noch. (Wirft sie ihm in den Hut.) Nimm alles, was ich bei mir habe. Was ich verschenken kann, hat eines Sandkorns Wert gen den unendlichen Gewinn, der mir durch diesen Brief geworden ist. (Nach dem Garten ab.) Bettler (allein). O Mitleid in des Menschen Brust! Wie bist du oft so krnkelnder Natur, als htte dich ein weinend Kind gezeugt. Begeistrung ists, die alles Edle schnell gebiert, sie hat mit des Verschwenders Gold des Bettlers Hut gefllt. (Geht ab.) Vierter Auftritt Dumont, elegant gekleidet, kommt aus dem Schlo. Dumont. Ach, wie sein ick doch vergngt! Ein ganzer Jahr hab ich der Gegend nicht gesehen. Die Nacht war mir zu lang. Ich hatte fnfzig Dukaten auf eine Karte gesetzt, hatt sie gewonnen, da schlug der Nachtigall, ich lief davon, der Geld blieb stehn und war perdu. Doch was sein Dukatenglanz gegen Morgenrot! Prchtiger Tag! Die Natur legen heut aller ihrer Reize zur Schau. (Blickt durch die Lorgnette in die Szene.) Da kommt ein altes Weib! Fnfter Auftritt Voriger. Ein altes zahnloses Mtterchen, zerrissen gekleidet, auf dem Rcken einen groen Bndel Reisig. Dumont. Bon jour, Madame! Wo tragen du hin das Holzen? Weib. Nach Haus. Gleich ins Gebirg, nach Blunzendorf. Dumont. Blonsendorf? O schner Nam! Du wohnen wohl sehr gerne im Gebirge? Weib. Ah ja, 's Gebirge wr schon schn. Wenn nur die Berg nicht wren! Man steigt s' so hart. Dumont. Das sind der Figuren, die der Landschaft beleben. O, mir gefallen das Weib sehr. Weib (beiseite). Ich gfall ihm, sagt er. Ja, einmal htt ich ihm schon besser gfallen. Dumont. Sie sein so malerisch verlumpt. Ich kann sie nicht genug betrachten. (Er sieht durch die einfache Lorgnette und drckt das linke Auge zu.) Weib. Er hat im Ernst ein Aug auf mich; aber 's andre druckt er zu. Dumont. Du seien wohl verheiratet? Weib. Schon ber dreiig Jahr. Dumont. Und bekmmern sich dein Mann doch noch um dich? Weib. Ah ja. Er schlagt mich fleiig noch. Dumont. Er slagen dich? O! Das sein nick schn von ihm. Weib. Ah, es is schon schn von ihm. Das ist halt im Gebirg bei uns der Brauch. Ein schlechter Haushalt, wo s' nicht raufen tun. Dumont. Unschuldige Freuden der Natur. Von dieser Seit mu sich das Bild noch schner machen. Stell dich dort hin. Ich will dich gans von ferne sehen. Weib. Hren S' auf! Was sehen S' denn jetzt an mir? Htten S' mich vor vierzig Jahren angschaut. Jetzt bin ich schon ein altes Weib. Dumont. Das machen deiner Schnheit eben aus. Du sein vortrefflich alt. Au contraire, du sollen noch mehr Falten haben. Weib. Warum nicht gar. Mein Mann sein die schon zu viel. Dumont. Du sein wahrhaft aus der niederlndischen Schule. Weib. Ah beleib. Ich bin ja gar nie in die Schul gegangen. Dumont. Ick hab einer ganzer Sammlung solcher alter Weiber zu Haus. Weib. Jetzt ists recht. Der sammelt sich die alten Weiber, und die andern wren froh, wenn sie s' losbringeten. Dumont (nimmt einen runden kleinen schwarzen Spiegel aus der Tasche, dreht sich um und lt die Gegend abspiegeln). O quel contraste! Das Schlo! Der Wald! Der Weib! Der Ochsen auf der Flur! O Natur, Natur! Du sein gro ohne Ende. Weib. Der Mensch mu narrisch sein. Jetzt schaut er sich in Spiegel und sieht Ochsen drin. Dumont. Hier hast du einen Dukaten. Jetzt hab ich dich genug gesehen. (Gibt ihr ein Goldstck.) Weib (rasend erfreut). Ah Spektakel! Ah Spektakel! jetzt schenkt er mir gar ein Dukaten. Euer Gnaden, das ist ja z'viel, ich trau mir ihn gar nicht zu nehmen. Fr was denn? sagen S' mirs nur. Dumont. Dein Anblick hat mir sehr viel Vergngen verschafft. Weib. Nein, das htt ich meinen Leben nicht geglaubt, da ich mich in meinen alten Tagen sollt noch ums Geld sehn lassen. Ich dank vieltausendmal. (Kt ihm die Hand.) Euer Gnaden verzeihen S'--Ich bitt Ihnen--hab ich Ihnen denn wirklich gfallen? Dumont (mu lachen). O, du gefallen mir auerordentlich. Weib (verschmt). Hren S' auf. Sie konnten ein altes Weib vllig verruckt machen. Nein, wenn das mein Mann erfahrt, der erschlagt mich heut aus lauter Freud. Ich sags halt. Wenn man einmal recht schn war und man wird noch so alt, es bleibt doch allweil noch a bissel was brig. (Trippelt ab.) Dumont (sieht ihr nach). Ha! wie sie schwankt. Wie ein alter Schwan! Ich sein so aufgeregt, da mir jeder Gegenstand gefallen. Sechster Auftritt Voriger. Rosa will mit einem Kaffeegeschirr nach dem Garten. Dumont. Ah ma belle Rosa! Rosa. Guten Morgen, Herr Chevalier! Dumont (hlt sie auf). O, Sie kommen nicht so schnell von mich. Der Alt sein charmant, aber der jung gefallen mir doch noch besser. Das sein Malerei fr der Aug, das sein Malerei fr der Herz. Rosa. Herr Chevalier, ich hab kein Zeit, der gndige Herr wnscht noch Kaffee zu trinken. Dumont. Ah! Schne Ros'! (Umfat sie zrtlich.) Rosa (windet sich los). Ah was generos. Was hab ich von Ihrer Generositt. Ich mu in Garten hinaus. Dumont. O, Sie drfen nicht. Ich sein zu enchant. Dieser Wangen! Dieser Augen! Dieser Augenblicken! O Natur, was haben du da geschaffen, ich kann mick nicht enthalten. Ich mussen Sie embrasser. Rosa. Herr Chevalier, lassen Sie mich los, oder ich schrei. Dumont. Ich will den Mond versiegeln. (Will sie kssen, sie schreit und lt das Kaffeegeschirr fallen.) Siebenter Auftritt Vorige. Flottwell und Wolf aus dem Garten. Flottwell. He, he, Herr Chevalier! Was machen Sie denn da? Dumont. Ich bewundre der Natur! Flottwell. Bravo! Sie dehnen Ihre Liebe zur Natur auf die hchsten und auf die gemeinsten Gegenstnde aus. Wolf. Schn oder hlich, das gilt dem Herrn Chevalier ganz gleich. Dumont. Was sagen Sie da von Hlichkeit! Der Natur sein der hchster Poesie, und wahre Poesie kann nie gemein noch hlich sein. Ich wollen mich fr ihrer Schnheit schlagen, und schlagen lassen; und fallen ick, so schreib der Welt mir auf mein Grab: Es schlafen unter diesem Stein Chevalier Dumont hier ganz allein, Er haben nur gemacht der Cour Auf Erd der himmlischen Natur. Nun seien tot. Welch glcklick Los! Er ruhn in der Geliebten Scho Und wird, kehrt er im Himmel ein, Naturellement willkommen sein. (Geht stolz ab ins Schlo.) Rosa (lest das Geschirr zusammen). Abscheulich! Allen Zudringlichkeiten ist man ausgesetzt in diesem Haus. Flottwell. Weich Sie den Gsten aus, wenn sie Champagner getrunken haben. Ich bin sehr unzufrieden mit Ihr, Herr Wolf hat sich auch beklagt, da Sie sehr unartig mit ihm ist und ohne Achtung von mir spricht. Rosa. Der gndige Herr Kammerdiener? Ah, jetzt mu ich reden-- Wolf (fein). Das soll Sie nicht, mein Kind, Sie soll nur Ihren Dienst versehen. Rosa. Ich stehe bei dem gndgen Herrn in Diensten und nicht bei gewissen Leuten. Wolf. Schweig Sie nur-- Rosa. Nein, nichts will ich verschweigen. Alles mu heraus. Wolf. Welche Bosheit! Flottwell. Still! die Sache wird zu ernsthaft. Rosa. Wissen Euer Gnaden, was der Kammerdiener gesagt hat? Flottwell. Was hat er gesagt? Rosa. Er hat gesagt-- (Valentin schnell.) Valentin. Der Juwelier ist da. Flottwell. Ah bravo! Nur geschwinde auf mein Zimmer. (Geht schnell ab.) (Der Juwelier tritt von der Seite ein, und) Wolf (fhrt ihn ins Schlo, vorher sagt er zu Rosa). Wir sprechen uns, Mamsell. (Ab.) Rosa (steht wie versteinert). Da steh ich jetzt! Valentin. Da steht sie jetzt. Rosa. An wem soll ich nun meinen Zorn auslassen? Valentin. Wart, ich besorg dir wem. (Will fort.) Rosa. Du bleibst! An dir will ich mich rchen, du verhngnisvoller Mensch. (Geht auf ihn los.) Valentin. An mir? Das ging' mir ab. Ich hab ja gar nichts gesagt als: Der Juwelier ist da. Rosa. Still sei! oder--(Reibt auf und will ihm eine Ohrfeige geben, wird aber pltzlich schwach.) Weh mir! mich trifft der Schlag. Valentin. Das ist ein Glck, sonst htt er mich getroffen. Rosa (springt). Der Juwelier soll hingehn, wo der Pfeffer wchst. Valentin. Das kannst ihm selber sagen. Ich wei nicht, wo er wchst. Rosa. Schweig! ich wei mich nicht zu fassen. Valentin. Nu schimpf nur zu, der Juwelier wird dich schon fassen. Rosa. Gleich geh mir aus den Augen (tut, als wollt sie ihm die Augen auskratzen), du bist an allem schuld! Valentin. Ich hab ja gar nichts gsagt als: Der Juwelier ist da. Rosa. Das ist ja dein Verbrechen eben. Du httest gar nichts sagen sollen, wenn du siehst, da meine Tugend auf dem Punkt steht, ihre Rechte zu verteidigen. (Ab.) Valentin. Das ist schrecklich. Da darf ja eine noch so viele Untugenden haben, so kann man nicht soviel Verdru haben als wegen derer ihrer unglckseligen Tugend. Und ich wei mich gar nichts schuldig. Ich mu nur grad das Gesetzbuch aufschlagen lassen, um zu erfahren, was denn das fr ein Verbrechen ist: Wenn einer sagt, der Juwelier ist da! (Ab.) Achter Auftritt Verwandlung Kurzes Kabinett Flottwells. Durch die Fenster sieht man in eine Kolonnade und durch diese ins Freie. Flottwell und der Juwelier treten ein. Flottwell (sehr frhlich.). Wo haben Sie den Schmuck? Geben Sie! Ich freue mich schon wie ein Kind! Wie wird sich erst Amalie freuen! Juwelier. Hier ist er! Flottwell (besieht ihn und wird ernst). Mein Gott, was haben Sie denn gemacht? Juwelier. Wieso? Flottwell. So kann ich ihn nicht brauchen! Juwelier. Er ist nach Ihrer Angabe, gndger Herr! Flottwell (wird immer heftiger). Nein, nein! das ist er nicht! Juwelier. Ganz nach der Zeichnung, ich versichere Sie! Flottwell. Nein, nein, nein, nein. (Mimutig.) Er ist zu altmodisch, auch sind es nicht die Steine, die ich ausgewhlt. Juwelier. Herr von Flottwell! das betrifft ja meine Ehre. Flottwell. Die meine auch, ich kann den Schmuck nicht brauchen. Juwelier. Ich nehm ihn nicht zurck. Flottwell. Das mssen Sie. Juwelier. Ich will ihn ndern. Flottwell. Zu spt. Er ist ja ein Geschenk zum heutgen Fest. Sie haben meine schnste Freude mir gemordet durch Ihre Ungeschicklichkeit. Juwelier (etwas beleidigt). Herr von Flottwell--(Fat sich) Ich versichere Sie, es ist nur eine Grille. Flottwell. Versichern Sie mich nicht, der Schmuck ist schlecht. Juwelier. Betrachten Sie ihn nur. Flottwell. Nein, er ist mir so zuwider, da ich ihn zum Fenster hinauswerfen knnte. Juwelier. Das werden Sie wohl bleibenlassen, denk ich! Flottwell. Das werd ich nicht. Da liegt er! (Schleudert ihn zum Fenster hinaus.) Juwelier (erschrocken). Ums Himmels willen! der Schmuck betrgt zweitausend Taler! Flottwell (stolz). Ist Ihnen bange? Lumpengeld! Sie sollen es erhalten! Warten Sie! (Er eilt ins Kabinett.) Juwelier. Das ist ein Wahnsinn, der mir noch nicht vorgekommen ist. Ich hol den Schmuck herein! (Luft ab.) (Man sieht den Bettler vor dem Fenster, welcher den Schmuck aufgehoben hat, ihn gen Himmel hlt und singt.) Bettler. Habt Dank, habt Dank, ihr guten Leute, Da ihr so reichlich mich beschenkt, Mein Herz ist ja des Kummers Beute, Durch eigne Schuld bin ich gekrnkt. (Er entfernt sich durch die Sulen und wiederholt noch die letzten Worte in der Ferne.) Juwelier (kommt bestrzt zurck). Der Schmuck ist fort, ich find ihn nicht. (Flottwell aus dem Kabinett. Er hat sich Besinnung geholt, und sein Betragen zeigt, da er seine Heftigkeit bereut und sich ihrer schmt. Er trgt zwei Rollen Gold.) Flottwell (edel freundlich). Hier haben Sie Ihr Geld, mein Herr! Juwelier (artig). Herr von Flottwell, ich bedaure sehr-- Flottwell. Bedauern Sie nichts--An mir ist das Bedauern meiner unverzeihlichen Heftigkeit. Mein Blut spielt mir manch tollen Streich. Ich mu zur Ader lassen nchster Tage. Juwelier. Ein gtig Wort macht alles wieder gut. Flottwell (drckt ihm gutmtig die Hand). Nicht wahr, Sie nehmen es nicht bel, lieber Freund--und Sie vergessen es--Sie sprechen auch nie mehr davon? Ich wnschte nicht, da Sie es irgendwo erzhlen mchten. Juwelier. Ich geb mein Ehrenwort-- Flottwell. Ja, ja, ich wei, ich kann mich ganz auf Sie verlassen. Auch werd ich Ihre Kunst gewi sehr bald in Anspruch wieder nehmen. Gewi, gewi, ich werde bald etwas bestellen lassen. Sehr bald. Und nun Adieu, mein Freund, und keinen Groll. Juwelier (mit einer tiefen Verbeugung). Wie knnt ich das, ich bin so tief gerhrt. (Im Abgehen.) Wenn er doch nur bald wieder etwas machen liee! (Ab.) Flottwell (allein). Ein sturmbewegter Tag! Wr er doch schon vorber. (Wirft sich vor sich hinstarrend in einen Stuhl.) (In der Ferne klingen die letzten Verse von des Bettlers Gesang.) Bettler. Mein Herz ist stets des Kummers Beute, Durch eigne Schuld bin ich gekrnkt. Flottwell (springt auf). Welch Gesang-- (Wolf tritt ein.) Wolf. Ach liebster gndger Herr! Wie hat der Juwelier doch seine Sache schlecht gemacht, ich hab ihn eben ausgezankt. Doch stellen Sie sich vor, der Schmuck ist weg, und niemand will ihn aufgehoben haben. Flottwell. Das wre mir sehr unlieb--denn er kostet viel. Wolf. Er mu sich finden, ich sah ihn aus dem Fenster fliegen. Niemanden gewahrt ich in der Nhe als das Kammermdchen Rosa. Ich eilt sogleich herab, da war sie fort, und als ich sie befragte, wollt sie nichts gesehen haben. Flottwell. Das kann ich doch nicht von ihr glauben. Wolf. Man mu die Sache untersuchen lassen. Flottwell. Nur heute nicht. Das macht zu groes Aufsehen; und dann wer wei, ists wahr. Wolf. Gewi, ich hab es ja beinahe gesehen. Flottwell. Wenn es wahr ist, mu sie fort, sonst wnsch ich keine Strafe. Wolf. Wie der Himmel doch die Menschen oft verlt! Es ist schon alles zu dem Fest bereitet, die Gste sind im Gartensaal versammelt. Ich habe die schne Aussicht nach dem Tal mit Traperien verhngen lassen. Wir wollen warten, bis die Sonne untergeht, und wenn sie pltzlich schwinden, wird es einen imposanten Anblick geben. Flottwell. Sind die Tnzer schon bereitet? Wolf. Ja. Der Herr Prsident ist auch schon hier. Flottwell. Amalie hier! Was sagst du das erst jetzt? Wolf. Ich habe sie in das blaue Zimmer gefhrt, der Baron ist aber nach dem Garten gegangen. Flottwell (auffahrend). Der Baron? Schndlich, da ich meinen Nebenbuhler noch zu Gaste bitten mu. Was soll ich nun Amalien verehren, der Schmuck ist fort. Wolf. Schenken Sie ihr die kostbare Vase, die Sie erst gekauft haben, das ist doch ein Geschenk, das eines Millionrs wrdig ist. Flottwell. Sie ist von groem Wert, doch eben recht, der Prsident ist ein Freund der Knste. Vielleicht gewinnt ihn das. Wolf (fr sich). Da irrst du dich. Flottwell. La sie mit Blumen schmcken, kurz, besorge alles. Ich mu zu ihr, zu ihr.-- (Beide ab.) Neunter Auftritt Verwandlung in ein nobles Gemach. Der Prsident von Klugheim und Amalie. Klugheim. Beruhige dich doch, meine Tochter, und la mich nicht bereuen, da ich so schwach war, deinen Bitten nachzugeben. Amalie (ihren Schmerz bekmpfend). Ja, mein Vater, ich will ruhig sein. Klugheim. Nun seh ich erst, du hast mich durch erzwungne Frhlichkeit getuscht. Du solltest ihn nicht wiedersehen. Amalie. Im Gegenteil, mein Vater, es wird auf lange Zeit mich strken, meine Leiden zu ertragen. Klugheim. Vergi nicht, da wir in Gesellschaft sind und da dich der Baron mehr als sein Leben liebt. Zehnter Auftritt Vorige. Flottwell. Flottwell (mit Herzlichkeit). Mein verehrungswrdiger Herr Prsident! Die hchste Gunst, die ich vom Glck erlangen konnte, ist die Ehre, Sie auf meinem Schlosse zu begren. Mein holdes Frulein! Flottwell wird es nie vergessen, da Ihr edles Herz es nicht verschmhte, seines kleinen Festes Knigin zu sein. Amalie (sich verbeugend). Herr von Flottwell-- Klugheim. Genug der Zeremonie. Es kommt der Freund zum Freunde. Flottwell. Ist das wirklich so, Herr Prsident? Klugheim. Zweifeln Sie daran? Dann wr es nur zur Hlfte so. Flottwell. Ach, wie sehnlich wnscht ich, da es ganz so wre! Da ich Sie-- Klugheim (fein). Herr von Flottwell, jeder Ausfall auf frhere Verhltnisse ist gegen die Bedingung, unter welcher ich Ihre heutige Einladung angenommen habe. Amalie. Bester Vater, lassen Sie sich doch erweichen! Wenn Ihnen das Leben Ihres Kindes etwas gilt. Klugheim. Was soll das sein? Ist ein Komplott gegen mich im Werke? hat man mich hieher geladen, um eine Sache zu erneuern, die ich fr beendet hielt? Flottwell. Sie irren sich, Herr Prsident. Ihr Frulein Tochter-- Klugheim. Ist eine Schwrmerin. Ihres Lebens Glck ist mir von Gott vertraut, und niemand kann es mir verargen, wenn ich sie nicht in ihres Unglcks Arme fhre. Flottwell. Herr Prsident, Sie verkennen mich zu sehr. Klugheim. Ich sehe klar, was Ihnen erst die Zukunft einst enthllen wird. Flottwell. Ich bin verleumdet. Klugheim. Durch niemand-- (Flitterstein ffnet die Tr.) Flottwell. Durch den hinterlistigen Baron Flitterstein-- Baron Flitterstein (mit Erstaunen, ohne den Anstand zu verletzen). Ist hier von mir die Rede? Flottwell (frappiert). Nein-- Flitterstein (fat sich und lchelt fein). Ah so. Also von einem Verwandten von mir. Das wollte ich als Edelmann nur wissen. Flottwell (verlegen). Herr Baron! Ich bin erfreut-- Flitterstein (schnell). Ich verstehe. Meine Freundschaft zu dem Herrn Prsidenten-- Flottwell. Ist die Ursache, da Sie mir die Ehre Ihres Besuches schenken. Ich bin von allem unterrichtet. (Nach einer Pause, durch welche sich die Verlegenheit aller ankndigt.) Ist es nun gefllig, sich zur Gesellschaft zu begeben? Flitterstein. Nach Belieben. Flottwell (reicht Amalien den Arm). Mein Frulein! (Fhrt sie fort.) (Flitterstein folgt.) Klugheim. Ich frchte, wir haben den Frohsinn gerufen und dem Mimut unsre Tore geffnet. (Ab.) Elfter Auftritt Verwandlung Herrlich mit Gold und Blumen geschmckter Gartensaal. Die Hinterwand geschmackvoll traperiert. Alle Gste sind versammelt. Nobel gekleidete Herren und Damen. Dumont. Walter. Whrend des Chores treten der Prsident, Flitterstein, Flottwell und Amalie ein und setzen sich. Wolf. Chor. Froh entzckte Gste wallen Durch die reich geschmckten Hallen. Will sich Lust mit Glanz vermhlen, Mu sie Flottwells Schlo sich whlen. Nur in seinen Slen prangt, Was das trunkne Herz verlangt. (Tnzer und Tnzerinnen im spanischen Kostm fhren einen reizenden Tanz aus, und am Ende bildet sich eine imposante Gruppe, bei welcher Kinder in demselben Kostme die Vase, mit Blumen geschmckt, auf ein rundes Postament in die Mitte des Theaters stellen.) Flottwell (fr sich). Was hat doch Wolf gemacht, jetzt sollte sie sie nicht erhalten. Klugheim. Sehen Sie doch, Baron, hier die berhmte Vase, welche ein Franzose dem Minister um zwanzigtausend Frank anbot. Flitterstein. Wahrhaftig, ja, sie ist es. Mehrere Gste (betrachten sie). Wirklich schn! Walter. Sehn Sie doch hier, Chevalier, die Vase aus Paris. Dumont (in einem Stuhl hingeworfen, ohne hinzusehen). O charmant! Sie sein ganz auerordentlick. Walter. Sie haben sie ja gar nicht angesehen. Dumont. Ick brauchen sie gar nick zu sehen, ick brauchen nur zu hren de Paris, kann gar nick anders sein als magnific. Flitterstein. Frwahr, Sie sind um dieses Kunstwerk zu beneiden, Herr von Flottwell. Flottwell (fr sich). Nun kann ich nicht zurck. (Laut.) Es ist nicht mehr mein Eigentum. Ein unbedeutendes Geschenk, das ich der Knigin des Festes weihe. Amalie (erfreut). Ach Vater! wie erfreut mich das. Klugheim (strenge). Nicht doch, mein Kind! Verzeihen Sie, Herr von Flottwell, das geb ich nicht zu. Das Geschenk hier ist durchaus zu kostbar, um es anzunehmen. Flitterstein. Ja, ja, es ist zu kostbar. Flottwell. Das ist es nicht, mein Herr Baron. Die Welt erfreut sich keines Edelsteines, der zu kostbar wre, ihn diesem Frulein zum Geschenk zu bieten. Klugheim. Auch wei ich nicht, wie wir zu solcher Ehre kommen. Flitterstein (halblaut). Die mehr beleidigend als-- Flottwell (fngt es auf). Beleidigend? Flitterstein. Ich nehm es nicht zurck! Flottwell (verbissen). Wie kmmt es denn, mein Herr Baron, da Sie das Wort so eifrig fr des Fruleins Ehre fhren? Klugheim. Er spricht im Namen seiner knftgen Braut. Einige Gste. Da gratulieren wir! Flottwell (vernichtet). Dann hab ich nichts mehr zu erwidern! Klugheim. Nehmen Sie die Vase hier zurck, so beschenkt ein Frst, kein Edelmann. Flottwell (stolz). Ich beschenke so! ich bin der Knig meines Eigentums. Dieses Kunstwerk hatte seinen hchsten Wert von dem Gedanken nur geborgt, da diese schne Hand es einst als ein erfreuend Eigentum berhren werde, es soll nicht sein! Ich acht es nicht. Wolf! (Wolf tritt vor) nimm sie hin! Ich schenke diese Vase meinem Kammerdiener. (Wolf macht eine halbe verlegene Verbeugung. Die Vase wird weggebracht.) Flitterstein. Welch ein Tollsinn! Klugheim. Unbegreiflich! Dumont. Der Mann sein gans verrckt. Amalie. Wie kann er sich nur so vergessen! Die Gste (klatschen). Bravo! so rcht sich ein Millionr! Flottwell. Dies soll unsere Freude nicht verderben. Da Frankreichs Kunst so schlechten Sieg errungen, will ich vor Ihrem Auge nun ein deutsches Bild entrollen, dessen Schnheit Sie gewi nicht streitig machen werden. Sie sollen sehen, was ich fr eine vortreffliche Aussicht habe. (Klatscht in die Hand.) (Musik.--Der Vorhang schwindet, und ber die ganze Breite des Theaters zeigt sich eine groe breite ffnung, durch deren Rahmen man eine herrliche Gegend perspektivisch gemalt erblickt. Ein liebliches Tal, hie und da mit Drfern beset, von einem Flu durchstrmt und in der Ferne von blauen Bergen begrenzt, erstrahlt im Abendrot. Die Basis des Rahmens bildet eine niedre Balustrade. Im Vordergrunde links von dem Zuschauer sitzt wie eine geheimnisvolle Erscheinung unter dunklem Gestruch, von der untergehenden Sonne beleuchtet, der Bettler mit unbedecktem Haupte und gegen Himmel gewandtem Blick in malerischer Stellung. So da das Ganze ein ergreifendes Bild bietet.) Flottwell (ohne genau hinzusehen). Gibt es eine schnere Aussicht? (Er erschrickt, als er den Bettler sieht.) Ha! welch ein Bild. Ein sonderbarer Zufall! (Diese Worte spricht Flottwell schon unter der leise beginnenden Musik.) Chor von Gsten (fr welche smtlich der Bettler nicht sichtbar ist). Oh, seht doch dieses schne Tal, Wo prangt die Erd durch hhern Reiz? Dem Kenner bleibt hier keine Wahl, Der Anblick bertrifft die Schweiz. Bettler. Nicht Sternenglanz, nicht Sonnenschein Kann eines Bettlers Aug erfreun. Der Reichtum ist ein treulos Gut, Das Glck flieht vor dem bermut. Flottwell (welcher immer nach dem Bilde hingestarrt hat, zu Wolf). Jagt doch den Bettler fort, warum lat ihr ihn hier so nah beim Schlo verweilen? (Der Bettler steht auf und geht an der Seite, wo er sitzt, ber den Hgel durch das niedere Gestruche in die Szene.) Wolf. Welch einen Bettler? Wir bemerken keinen. Flottwell. Da geht er hin! (Starrt ihm nach.) Wolf. Er spricht verwirrt. (Amalie wird unwohl.) Klugheim. Gott im Himmel! meine Tochter. Flottwell. Amalie? Was ist ihr? (Alle Gste in Bewegung.) Klugheim. Sie erbleicht! Flottwell (strzt zu ihren Fen). Amalie, teures Mdchen! hre deines Julius Stimme. Flitterstein (schleudert ihn entrstet von ihr). Zurck, Verfhrer! nun entlarvst du dich! Flottwell (ergreift ergrimmt seine Hand). Genugtuung, mein Herr! Das geht zu weit. Flitterstein. Ists gefllig? (Zeigt nach dem Garten.) Flottwell. Folgen Sie! (Beide links ab.) Mehrere Gste. Haltet! (Eilen nach.) Klugheim. Holt den Arzt! (Bediente fort.) Wolf. Ins Kabinett! Mehrere. So endet dieses Fest. (Die andere Hlfte gehen mit Klugheim und Wolf, welche Amalie nach dem Kabinett rechts fhren, ab. Nur) Dumont (welcher sich whrend der Verwirrung an das Fenster begeben hat und durch das Gewhl der Gste verdeckt war, bleibt zurck, er hat sich in der Mitte des Fensters in einen Stuhl geworfen, springt, wenn alles weg ist, auf, lehnt sich auf die Fensterbrstung, sieht durch die Lorgnette und ruft begeistert). Gttliche Natur! Zwlfter Auftritt Kurzes Kabinett fllt vor. Valentin und Rosa. Valentin. So la mich aus, ich mu ja sehen, was geschehen ist. Alles lauft davon, und die Frulein Amalie, sagen s', ist umgefallen wie ein Stckel Holz. Sie hat Konfusionen kriegt. Rosa. Da bleibst. Mein Schicksal ists, um das du dich zu kmmern hast. (Weint bitterlich.) Ich bin die gekrnkteste Person in diesem Haus. Valentin. Was haben sie dir denn schon wieder getan? Rosa. Aber nur Geduld! Morgen geh ich zu Gericht. Alles wird arretiert. Der gndge Herr, der Kammerdiener. Alle Gst, das ganze Schlo und du. Valentin. Mich lt s' nicht aus. Was hats denn gegeben? Rosa. Ohrfeigen htts bald gegeben. Valentin. Ah, da bin ich froh, da ich nicht dabei war. Rosa. Der Kammerdiener hat mir Ohrfeigen angetragen. Hat mich eine Diebin geheien, hat einen Schmuck von mir verlangt. Uns im Namen des gndgen Herrn den Dienst aufgekndigt und hat mich wollen durch die Bedienten hinauswerfen lassen. Valentin. Das ist ja eine ganze Weltgeschichte. Wann ist denn das alles geschehen? Rosa. Vor einer Viertelstund, wie sie die Vasen im Saal oben geholt haben. Valentin. Das ist schrecklich! Rosa. Der Mensch glaubt ja, man hat seine Ehr und Reputation gestohlen. Valentin. Und den Schmuck auch dazu. Nein! das kann man nicht so hingehn lassen. Rosa. Du mut dich annehmen. Ich bin ein Weib. Ich bin zu schwach. Valentin. Auf alle Fll. Du bist zu schwach. Rosa. Du bist ein Mann, dir ist die Kraft gegeben. Valentin. Freilich, mir ist die Kraft gegeben, drum werd ich mirs auch berlegen. Rosa. Ich geh noch heut, und morgen klag ich. Valentin. Und ich geh morgen, und klag heut noch! und wo? beim gndgen Herrn, denn das ist eine Beschuldigung, die man nicht auf sich sitzenlassen darf! Rosa (weinend). Nicht wahr, du glaubst es nicht, da ich die Diamanten genommen hab? Valentin. Nein! Du bist zu tugendhaft. Du gehst nur auf die Augen los, nicht auf die Diamanten. Doch jetzt mach dich auf. Rosa. Wir packen zusamm und gehen. Valentin. Die Livree bleibt da, die gehrt dem Herrn. Mir ghrt mein Tischlerrock, den ich mit hergebracht hab. Die andere Bagage brauch ich nicht, ich bin mit dir allein zufrieden. Rosa. Wir bringen uns schon fort. Valentin. Ich geh zu meiner Tischlerei zurck. Aber vorher will ich mein Meisterstck noch machen. Rosa. Was wirst denn tun? Valentin. Den Kammerdiener werd ich in die Arbeit nehmen. Ah, der ist zu ungehobelt. ber den mu ein Tischler kommen. Rosa. Nimm dich zusamm. Valentin. Oh, du kennst mich nicht, ich bin der beste Mensch, aber wenn es sich um Ehr und Reputation handelt, so kann ich in eine Wut kommen wie der rollende Rasand. Ich will dem Kammerdiener zeigen--(Der Kellermeister eilt ber die Bhne.) He! Herr Kellermeister, wo gehn Sie hin? Kellermeister. Mir ist am groen Fa ein Reif abgesprungen, ich mu den Wein abziehen. Valentin. Ha! Das ist ein Wink des Schicksals. Mann! Ich folge dir. (Geht tragisch mit dem Kellermeister ab.) Rosa (allein). Ah Spektakel! jetzt mu sich der ein Spitzel antrinken, wenn er eine Courage kriegen will. Nein, was das fr miserable Mannsbilder sein bei der jetzigen Zeit, das ist nimmermehr zum Aushalten. (Ab.) Dreizehnter Auftritt Verwandlung Ein anderes Kabinett. Amalie. Der Arzt. Prsident Klugheim. Arzt. Fhlen Sie sich leichter, Frulein? Klugheim. Wie ist dir, liebes Kind? Amalie. Ganz wohl, mein Vater! es ist schon vorber. Klugheim. Ein Unstern hat uns in dies Haus gefhrt. Vierzehnter Auftritt Vorige. Betti. Betti. Zu Hlfe! Ach Herr Doktor, der Baron ist schwer verwundet. Man suchet Sie! Klugheim. Heilger Gott, mein Freund! Bleib Sie bei meiner Tochter hier! Kommen Sie, Herr Doktor! Ach, ich bin an allem schuld. (Eilt mit dem Doktor ab.) Amalie. Was ist vorgegangen? Betti. Sie haben duelliert! der gndge Herr und der Baron. Amalie. Ist Julius auch verwundet? (Flottwell tritt aus einer Tapetentr. Er ist bleich und spricht halblaut und schnell.) Flottwell. Nein, er ist es nicht. (Zu Betti.) Geh auf die Lauer! (Betti geht vor die Tr.) Amalie. Gott, wie siehst du aus! Flottwell. Wie ein Mann, der seinem Schicksal trotzt. Doch noch ist nicht mein Glck von mir gewichen, weil ich dich nur sprechen kann. Jede Minute droht. Du mut mit mir noch diese Nacht entfliehn. Amalie. Unmglich, nein! ich kann den Vater nicht verlassen. Flottwell. Du hasts geschworen. Denk an deinen Eid. Amalie. Doch heute, und so pltzlich-- Flottwell. Heute oder nie! Schon lang ist deine Dienerschaft von mir gewonnen. Nimm Laura mit und nichts von deinem Eigentum. Dein Vater ist erschpft, er wird sich bald zur Ruhe legen, und wenn auch nicht, verbotne Liebe ist erfinderisch. Ich harr auf dich, nah an der Stadt, bei der verfallenen Kapelle, wo wir uns oft getroffen haben. Amalie. Wird sich mein Vater je vershnen? Flottwell. Er wirds. Das weite Meer, das seiner Rache trotzt, wird seinem Stolz gebieten. Entschliee dich. Amalie. Oh, knnt ich leben ohne dich-- Flottwell. Wenn dus nicht kannst, so sind wir ja schon einig. Amalie. Und doch-- Flottwell. Ja! oder Nein! Nein! ist ein Dolch, den du ins Herz mir drckst. Ja! eine Sonn, die uns nach England leuchtet. Amalie. Nur eine Frage noch! (Betti schnell.) Betti. Der Prsident! Flottwell. Sprich schnell! Amalie. Erwarte mich. Fnfzehnter Auftritt Prsident Klugheim. Vorige. Klugheim (emprt, strenge). Was wollen Sie bei meiner Tochter hier? Flottwell. Ich war besorgt. Klugheim (nimmt Amalie auf die linke Seite. Kummervoll). Sie sind zu gtig gegen mein Haus. Komm, meine Tochter, der Wagen wartet, dann geleit ich den Baron. Mein Herr! Sie haben uns zu einem Fest geladen, (mit Wehmut) und wir danken Ihnen mit gebrochenem Herzen fr die groen Freuden, die Sie uns bereitet haben. (Fhrt seine Tochter ab.) (Betti folgt.) Flottwell (allein). O Starrsinn eines alten Mannes! Was rufst du doch fr Unglck auf so vieler Menschen Haupt. (Wolf tritt ein.) Ha Wolf! Gut, da du kommst. Der Augenblick ist da, wo du mirs danken kannst, da ich dir mehr ein Freund als Herr gewesen bin. Ich will in dieser Nacht noch mit Amalien nach England fliehen. Es steht dir frei, ob du uns auf der Flucht begleiten willst. Wolf. O mein gtger Herr! Mein Wille ist an Ihren Wunsch gekettet. Und wo Sie hinziehn, find ich meine Heimat. Flottwell. Ich habe groe Summen in der englischen Bank liegen. Was ich von Gold und Kostbarkeiten retten kann, will ich jetzt zu mir nehmen. Was ich in meinem Pulte zurck noch lasse, verteilst du unter meine Diener doch ohne etwas zu verraten. Ich wnsche, da sie einen Herrn finden mgen, der es so gut mit ihnen meint als ich. Die beiden Schiffer an dem See, die ich auf diesen Fall seit lngerer Zeit gedungen habe, sollen sich bereit halten. In einer Stunde lngstens mu alles geordnet sein. Dann erwart ich dich bei der alten Kapelle. Dein Geschenk bring in Sicherheit, sein Wert ist dir bekannt. Sei vorsichtig. Ich baue ganz auf deine Treue. (Ab.) Sechzehnter Auftritt Wolf. Wolf (allein). Du schiffst nach England. Gnstgen Wind! Ich bleibe hier und will mein Schifflein in den Hafen lenken. Wie doch die Sonne auf und nieder geht! Wer ist nun zu beneiden? Er? der stolze, der gepriesene Mzen, der seines Glckes Reste, mit zerfallenem Gemt, dem ungetreuen Meer vertrauen mu? oder ich, der sanfte, der bescheidene Kammerdiener, der sein still erworbnes Schfchen demtig ins trockne bringen kann. Und wem verdank ich diesen Sieg? (schlgt sich an die Stirn) dir, Klugheit! vielseitigste der Gttinnen! Die Natur hat mir nur eine starke Gallenblase gegeben, die nicht zerplatzt ist bei all dem Unsinn, den ich seit fnf Jahren in diesem Haus hab sehen mssen. Aber die Klugheit hat mich lcheln gelehrt. Oh, es ist eine groe Sache um das Lcheln! Wie viele Menschen haben sich ihr Glck erlchelt, und ein Schwachkopf kann eine Minute lang fr einen vernnftigen Mann gelten, wenn er mit Anstand zu lcheln wei. Darum will ich lcheln ber die Erbrmlichkeit, solang ich noch zu leben habe, und dann eine laute Lache aufschlagen--auf welche Grabesstille folgt. (Ab.) (Als er schon in der Kulisse ist, drngt ihn Valentin zurck. Er hat seinen Tischlerkaputrock an und einen wachsleinwandenen Hut auf. Ein Parapluie und einen Spazierstock zusammengebunden unter dem Arm und ein kleines Felleisen auf dem Rcken, aus dem Sack steht ihm das kurze Tabakrohr seiner eingesteckten Pfeife. Er ist benebelt, ohne zu wanken oder zu lallen.) Valentin. Halt! Barbar, wo willst du hin? Du kommst nicht von der Stell. Wie kannst du dich unterstehen, meine Geliebte zu verleumden? Was hat sie dir getan? Sie hat deine Liebesantrge nicht angenommen, weil du ihr zu hlich bist. Kann es eine grere Tugend geben? Sie ist meine Verlobte, und du hast geglaubt, ich bin der Gfoppte! Sie soll einen Schmuck gestohlen haben. Diese schmucklose Person? Pfui, schme dich! Wolf. Jetzt hast du die hchste Zeit, aus dem Hause zu gehen, du Trunkenbold! Valentin. Oh, ich hab Zeit genug! Ich hab eigentlich gar nichts mehr zu tun auf dieser Welt, als Ihnen meine Meinung zu sagen. Glauben Sie mir, Herr von Kammerdiener--ich will Ihnen nichts Unangenehmes sagen, ich versichre Sie, Sie sind ein niedertrchtiger Mensch. Sie haben zwei arme Dienstboten aus dem Haus gebracht, die von ihrer Herrschaft treu und redlich bedient worden sind. (Schluchzt.) Aber der Himmel wird Sie dafr bestrafen. Siebzehnter Auftritt Vorige. Rosa, auch zum Fortwandern gerstet, mit einigen Bndeln, einem Sonnenschirm. Rosa. Was tust denn, Valentin? So la ihn gehn. Ich hab ja ghrt, du bist betrunken? Valentin. Wer hat dir das entdeckt? Ha! ich bin verraten. Wolf. Jetzt packt euch! Beide. Valentin. Sollen wir uns selber packen? Nein! wir packen ihn. Rosa. Schm dich doch! Wolf. He Bediente! (Bediente kommen.) Jagt dieses Lumpenpack hier aus dem Haus. Ich befehl es euch im Namen unsres gndigen Herrn. (Geht ab.) Valentin (geht auf einen Bedienten los, welcher mit dem Kammerdiener hnlichkeit in der Kleidung haben mu). Was? hinauswerfen willst du uns lassen? du schndlicher Verrter! Rosa. Was treibst denn da? Valentin. La mich gehn. Der Kammerdiener hier mu unter meinen Hnden sterben. Rosa. Es ist ja nicht der Kammerdiener! Valentin. Nicht? das macht nichts. Es wird schon ein anderer Spitzbub sein. (Bediente lachen.) Rosa (will ihn fortziehn). So geh doch nur! Valentin. Er soll sich nicht fr den Kammerdiener ausgeben. Dieser Mensch, der in die Kammer gar nicht hinein darf. Bediente. Jetzt fort! wir haben mehr zu tun. Chor. Fort, nur fort! Packt euch hinaus! Ihr gehrt nicht in dies Haus. Denn das heit man zu viel wagen, So gemein sich zu betragen, So zu trinken Bis zum Sinken. Fort hinaus Aus dem Haus! Rosa. Da ein wenig Saft der Trauben, Einen Menschen, sanft wie Tauben, Des Verstandes kann berauben, Um ihn so hinaufzuschrauben, Da er 'n Hut nicht von der Hauben Kann mehr auseinanderklauben, Das ist stark doch, wenn S' erlauben. Valentin. Glaubt mir doch, ihr lieben Leutel, Auf der Welt ist alles eitel, Denn kaum trinkt man vierzehn Seidel, Hat man schon kein Geld im Beutel, Schnappt vom Fu bis zu dem Scheitel Zsamm als wie ein Taschenfeitel, Alles eitel. Noch ein Seidel! Chor. Ei, was ntzt denn dieses Gaffen, Fort mit euch, ihr dummen Laffen! Rosa. Geh und leg dich lieber schlafen! Valentin. Ich hab einen schnen Affen. Chor. Macht uns nicht so viel zu schaffen, Ihr mt euch zusammenraffen, Denn das wird uns schon zu kraus, Fort mit euch zum Schlo hinaus! (Fhren sie hinaus.) Achtzehnter Auftritt Verwandlung Musik. Das Innere einer ganz verfallenen gotischen Kapelle. Es stehen nur die Mauern noch. Der Mond leuchtet am bewlkten Himmel, und sein Licht strahlt gerade durch das Eingangstor, so da der Bettler, wenn er die letzte Rede spricht, von ihm beleuchtet wird. Der Bettler sitzt an der Ecke der Hinterwand im Dunklen auf einem niedern Stein. Flottwell, in einen Radmantel gehllt, tritt ein. Flottwell. Die Nacht ist khl. Auch zieht in Westen ein Gewitter auf. Wenn es nur bald vorbergeht! Was rauscht? Bin ich hier nicht allein? Wer kauert in der Ecke dort? Hervor! Der Bettler (steht auf). Ich bins, mein gndger Herr, und habe Sie schon lang erwartet. Flottwell. Was tritt mir dieser Bettler heut zum drittenmal entgegen? (Der Bettler tut einen Schritt vor, nun bescheint ihn der Mond.) Ha! wie der Mond sein Antlitz gra beleuchtet. Was willst du hier von mir, du grauenhaftes Bild des selbstgeschaffnen Jammers? Bettler (kniet). Ach, das verzweiflungsvolle Los meines geheimnisvollen Elends und meine Herzensangst, da Sie dies Land verlassen, zwingen mich, den morschen Leib aufs neue in den Staub zu werfen. Sie sind der einzige in dieser unbarmherzgen Welt, auf dessen Gromut ich noch bauen kann. Flottwell. Hinweg von mir! je lnger ich dich schaue, je greulicher kommt mir dein Anblick vor. Dring ihn nicht auf, ich will dich nie mehr sehen. Bettler. Es steht bei Ihnen, gndger Herr, mich gnzlich zu verscheuchen. Doch mten Sie dafr ein groes Opfer bringen. Oh, geben Sie die Hlfte dieses Schatzes nur, den Sie auf Ihrer Brust verbergen, und niemals hren Sie mich mehr zu Ihren Fen wimmern. Flottwell. Habgieriges Gespenst! Hat Satan dich verflucht, da du der Erde Gold sollst nach der Hlle schleppen? So ein frech Begehren kann ja Wahnsinn kaum erfinden. Ein Bettler, der um Millionen flehet! Bettler. Vernnftger ists, sie zu begehren, als sie wie du vergeuden. Flottwell. Wie wagst dus, mich zur Rechenschaft zu ziehen? Du undankbarer Molch, den ich so reich beschenkt! Bettler. Nie wird ein Bettler md, den Reichen zu beneiden. Flottwell. Wie Hundgeklaffe bei des Diebs Erscheinen schallt sein Gebelfer durch die Nacht! Bettler (gegen den Eingang rufend). Oh, hr es, Welt! Oh, hrt es, Menschen alle! Der berreiche Mann lt einen Bettler darben. Flottwell (halblaut). Dies grliche Geschrei wird mich am End verraten. Schweig doch und nimm dies Gold, um deine Gier zu stillen. (Er wirft ihm einen Beutel hin.) (Ferner Donner.) Bettler (hebt ihn auf. Laut jammernd) Zu wenig ists fr mich, mein Elend ist zu gro. Ich la nicht ab, der Welt mein Leid zu klagen (zwischen dem Eingang) und ruf die Menschheit zwischen uns zum Richter auf. Flottwell. Verstummst du nicht durch Gold, so mach dich Stahl verstummen. Schweig! oder ich durchbohre dich! (Er zieht den Degen und durchsticht ihn.) Bettler (bleibt stehen). Mrder! Dein Wten ist umsonst! Du hast mich nicht verwundet. Was ich begehrt, kann mich vershnen nur. (Nochmal bittend.) Oh, mchtest du doch jetzt in meine Bitte willgen. Flottwell (hartnckig). Du willst mich zwingen? Nie! Bettler (halblaut rufend). So flieh, Verschwender, flieh! Doch mir entfliehst du nicht, und an der Themse sehen wir uns wieder! (Ab.) (Der Mond verbirgt sich hinter den Wolken. Man hrt den Wind brausen. Blitze leuchten.) Flottwell. Als ich ihm dort im Mondlicht in das bleiche Antlitz starrte, ergriff es mich, als sh ich meines Vaters Geist. Die Nacht wird strmisch. Ha! Ein Schatten fliegt daher! Neunzehnter Auftritt Voriger. Amalie, in einen Mantel gehllt, den Kopf mit einem Mnnerhut bedeckt, tritt atemlos ein. Flottwell. Bist du es, Wolf? Amalie (strzt erschpft in seine Arme). Nein, ich bin es, mein Julius! Flottwell (entzckt). Amalie! Teures Mdchen! Kommst du so allein? Amalie. Ich konnte keine meiner Dienerinnen bewegen, das ungewisse Los mit der Gebieterin zu teilen. Mein Vater wacht bei dem Baron. Drum la uns schnell entfliehen, wenn er nach Hause kommt, so wird er mich zu sprechen wnschen. Flottwell. Es tut mir weh, den treuen Wolf zurckzulassen. Doch drngt uns die Gefahr. Wenn wir nur das Gewitter nicht zu frchten htten! (Donner. Beide ab.) Zwanzigster Auftritt Verwandlung Das Gestade des Sees. Auf einem Felsen eine Schifferhtte. Max und Thomas, zwei Schiffer, ziehen einen Kahn mit einem Segel ans Ufer. Die Wellen des Sees gehen hoch. Es ist nicht gnzlich finster, sondern falbes Licht. Thomas (steht auf dem Fels und zieht das Schiff). Max, zieh das Segel ein, der Wind zerreit es sonst. Max (tut es). Das Hundewetter hat auch kommen mssen, um armer Leut Verdienst zu schmlern. Thomas. Wenn man am Morgen gleich ein altes Weib erblickt, die brummt, da fhrt der Henker stets ein Wetter her. Max. Fluch nur nicht so, sonst geht die See noch immer hher. Einundzwanzigster Auftritt Vorige. Flottwell. Amalie. Flottwell. Ha, seid Ihr da? Nun lat uns schnell von hinnen! Thomas. Was fllt Euch ein, wer wird in solchem Wetter fahren! Flottwell. Wir mssen fort. Ich hab euch ja gedungen! Max. Zum berschiffen. Ja! Allein was zahlt Ihr uns denn frs Ertrinken? Thomas. Der Sturm schmeit uns den leichten Kahn ja zehnmal um. Max. Wir segeln nicht! Flottwell (verzweiflungsvoll). Ihr mt. Thomas, Max. Wir wollen nicht! Amalie (fr sieh). O Gott, du strafst mich schon in dieser Stunde. Flottwell. Ich brenn dir diese Kugel durch den Kopf. (Hlt ihm ein Terzerol vor.) Thomas (schlgt ihm das Pistol mit dem Ruder aus der Hand). Lat doch das dumme Zeug. Das Wetter wird schon knallen lassen. Max. Da mt Ihr uns auf andre Weise zwingen. Flottwell. Wohlan, ich gebe euch zweihundert Louisdor, wenn wir den See im Rcken haben. Thomas. Das ist ein Wort! (Zu Max.) Willst du dein Leben wagen? Max. Warum nicht? Wenn ich hin bin, bin ichs nicht allein. (Schlgt ein.) Thomas (schlgt in Flottwells Hand). Potz Sturm und Klippen denn, es gilt. Doch hrt, da uns das Frauenzimmer da nicht etwa schreit. Die See ist wie mein bses Weib, wenn man sich frchtet, treibt sies immer rger, doch schlgt man mit dem Ruder tchtig sie aufs Maul, da gibt sie nach. Nun kommt! Flottwell. Nun auf gut Glck! (Sie gehen alle vier nach dem Schiff. Musik beginnt. Nach einigem Herumwerfen des Kahns steuern sie fort. Das Gewitter wtet. Es schlgt ein. Dies drckt die Musik aus. Seemven fliegen ber die Bhne. Doch pltzlich lt der Sturm nach, die Wogen gehen niedrer. Der Mond wird zur Hlfte zwischen den Wolken sichtbar und wirft seinen Schein auf den Bettler, welcher auf einem kleinen kaum bemerkbaren Kahn mit einem vom Sturme zerrissenen Segel gebeugt sitzend sachte vorberfhrt. Die Musik spielt die Melodie seines Bettlerliedes. Wenn er fort ist, vermehrt sich der Sturm, und die Kortine fllt.) Dritter Aufzug Zwanzig Jahre spter Erster Auftritt Flottwells Schlo, wie zu Anfang des zweiten Aktes, nur das Stammschlo in der Ferne ist zur Ruine verfallen. Flottwell, ganz aussehend wie der Bettler, sitzt beim Aufgeben der Kortine an demselben Platz, wo der Bettler sa. Wenn die Eingangsmusik, welche bei Erffnung der Bhne noch mehrere Takte fortdauert, geendet ist, steht er auf. Flottwell. So seh ich dich nach zwanzig Jahren wieder, du stolzer Freudentempel meines sommerlichen Lebens. Du stehst so ernst und sinnend da, gleich einem Monument ins Grab gesunkener Glckseligkeit. Die alte Frhlichkeit scheint auch aus dir gewichen. Einst schallte Jubel aus den Fenstern dieses Marmorsaales. Silberne Wrfel kollerten noch auf dem grnen Tisch. Berauschte Spieler strzten auf mein Wohl die goldnen Becher aus, und bermtge Freude schwang die riesgen Flgel. Nun ist es stumm und still geworden. Der Morgen hat schon lang sein frohes Lied gesungen, und jene Pforte ist noch immer fest verschlossen. Oder blickst du nur in diesem Augenblick so ernst, weil dein Begrnder so dich wieder grt? Seit ich dich nicht gesehen, hat sich mein Schicksal sehr gendert. Ich habe Gattin, Kind und all mein Gut durch eigne Schuld verloren. Verfolgung hab ich hier wohl nimmermehr zu frchten, denn Flitterstein, mein grter Feind, ist in der Schlacht gefallen. Doch wo soll ich in dieser Lage nun um Beistand flehen? Der edle Prsident-- er hat uns ja vor seinem Tode noch verziehn--ist lang hinber. An einige Freunde hab ich schon geschrieben, doch niemand will den armen Julius mehr kennen. Drum will ich noch das letzte wagen. Ich will nach Bettlerweise einem Fremden mich vertrauen. Will dem Besitzer dieses Schlosses sagen, da ich der erste war, dessen Aug mit Herrenblick in diesem holden Eigentum geschwelgt, und da ich nun nichts mein zu nennen hab als diesen Bettelstab. Vielleicht, da ihn die Gre meines Unglcks rhrt. Hier kommt der Grtner auf mich zu! den will ich doch befragen. Zweiter Auftritt Voriger. Grtner mit einer Giekanne, er ist phlegmatisch und etwas roh. Flottwell. Guten Morgen! Grtner (sieht ihn verdchtig an). Guten Morgen. (Fr sich.) Mu doch den groen Hund von der Kette loslassen, weil gar so viel Gesindel immer kommt. Flottwell. Mein lieber Freund, wollt Ihr so gut sein, mir zu sagen, wie Euer gndger Herr wohl heit und wie lang er dieses Schlo besitzt? Grtner. Ihr wollt ihn wohl um etwas bitten? Flottwell. Ich wnsche ihn zu sprechen. Grtner (fr sich). Scheint doch nicht, da er etwas stehlen will. (Laut.) Es mag jetzt ohngefhr zwlf Jahre sein. (Rechnet nach) Der Flottwell hats gebaut, der wischt nach England durch. Da kaufts ein Graf, der starb, und dann nahms unser Herr, und der wirds wohl auch bis an seinen Tod behalten. Flottwell. Seid Ihr schon lang in seinem Dienst? Grtner. Ziemlich lang, aber gestern hat er mich persnlich abgedankt-- Flottwell. Wie tituliert man ihn? Grtner (unbedeutend). Herr von Wolf-- Flottwell. Von Wolf? Von der Familie hab ich nie gehrt. Grtner. Ja mit der Familie ists auch nicht weit her. Er war des Flottwells Kammerdiener. Flottwell (rasch). Mein Kammerdiener? (Fat sich.) Nicht doch-- Grtner (macht groe Augen). Was fllt Euch ein? (Fr sich.) Der Mann mu nicht in Ordnung sein? (Deutet aufs Hirn.) Jetzt will der Lump gar einen Kammerdiener haben. (Laut.) Bei Flottwell, sagt ich, der in Amerika gestorben ist. Flottwell. Da hat Euer Herr vermutlich eine sehr groe Erbschaft gemacht? Grtner. Nichts hat er gemacht! Den Flottwell hat er tchtig bers Ohr gehauen. Da kommt sein Reichtum her. Der war so dumm und hat ihn noch dafr beschenkt. Hat ihn gehtschelt, und Unserer hat ihn dann brav ausgelacht und sagt ihm noch im Tod nichts Gutes nach. So gehts den jungen Herrn, die nur vertun und nichts verdienen knnen. Da hngen sie den Schmeichlern alles an, die andern Leute sind nicht ihresgleichen, und wenn sie in die Not dann kommen, lacht sie alles aus. (Gibt ihm Tabak.) Wollt Ihr eine Prise nehmen? Flottwell. Ich danke! (Nach einigem Nachdenken.) Ich will ihn dennoch sprechen! Grtner. Nun wenn Ihr ihn in guter Laune findet, vielleicht schenkt er Euch etwas. (Greift in den Sack.) Ich will Euch auch auf ein Glas Branntwein geben. Flottwell (spttisch). Ihr seid zu gut. Ich bin Euch sehr verbunden. Grtner. Ei, seht einmal! Wenn man ein armer Teufel ist, da mu man jeden Groschen nehmen. Doch Ihr werdet wohl am besten wissen, wie Ihr mit Eurer Kassa steht. Flottwell. Ich dank Euch sehr fr Euren Unterricht. Mich wundert aber, da Ihr das so alles ungescheut von Eurem Herrn erzhlt. Grtner. Frher htt ich nichts gesagt. Jetzt geh ich aber so in einigen Tagen fort. Da liegt mir nichts mehr dran! Flottwell. Sagt mir nur eins noch: Ist Herr von Wolf im Besitze dieses ungerechten Gutes glcklich? (Das Tor ffnet sich.) Grtner. Ob der wohl glcklich ist? Da schaut ihn an und berzeugt Euch selbst. Dritter Auftritt Vorige. Wolf. Er ist sehr gealtert, sieht sehr krank aus, ist in Pelz gekleidet und geht an einem Stock. Drei Bediente mit ihm. Flottwell (fhrt zurck). Himmel! ich htt ihn nicht erkannt. Wolf (sein Betragen ist sehr dster und sinnend). Ich habe eine ble Nacht gehabt. Die Sonne kommt mir heut so trbe vor. Grtner. Gndger Herr! Es will ein armer Mann Sie sprechen. Flottwell. Du lgst. Ich bins nicht mehr. (Fr sich.) In solcher Nhe macht mich mein Bewutsein reich. Wolf. Er kann nicht rmer sein als ich. Wo ist er? Flottwell (tritt vor). Flottwell nennt er sich. Wolf (fhrt zusammen). Flottwell? (Fhlt in die Seite.) Das hat mir einen Stich gegeben. Die bse Gicht ist doch noch unbarmherziger, als es die Menschen sind. (Fr sich.) Er lebt noch. Und kommt so zurck? So straft der Himmel seine Snder. Grtner. Das ist der reiche Flottwell? Gute Nacht, da will ich lieber Grtner sein. (Geht ab.) Wolf. Herr von Flottwell, ich fhle mich sehr geehrt, da Sie sich Ihres alten Dieners noch erinnern, und bedauere nur, da meine Krankheit, die mich schon seit vielen Jahren qult, mir nicht erlaubt, meine Freude ber Ihre Ankunft so glanzvoll an den Tag zu legen, als Sie von mir es fordern knnten. Flottwell. Ich habe nichts zu fordern, gar nichts mehr. Was ich mit Recht zu fordern hatte, ist mir durch einen Hhern (blickt gegen Himmel) schon geworden. Ich wollte nur den Besitzer meines Schlosses sehen. Wolf (lchelnd). Ja, es ist ein ganz besondrer Zufall. Ich habe dadurch eine wahre Anhnglichkeit an Ihr Haus bewiesen. Der Himmel hat mich mit Gewinn gesegnet, aber ich habe jetzt groe Verluste erlitten. Verzeihen Sie, der Arzt erlaubt mir nicht, so viel zu sprechen; ich wei die Ehre Ihres Besuches sehr zu schtzen. (Zu den Bedienten.) Geleitet mich zu jener Aussicht hin. Doch nein! Ins Schlo zurck. Auch das nicht. Nach dem Garten. Der Garten ist so schn. Nur schade, da die Rosen schon verwelken. (Wird nachdenkend.) Wie oft werd ich sie wohl noch blhen sehen? (Schauert.) Heut ist ein kalter Tag. Flottwell. Mir scheint die Sonne warm. Wolf. Mich friert. Geht doch hinab ins Dorf und ruft den frommen Mann, den ich so gern jetzt um mich habe. Da er mir ein moralisches Buch vorliest. Ich hr so gern moralische Bcher lesen. Die Welt ist gar so schlecht, und man kann seinen Trost nur in der Zukunft suchen. (Schleicht in den Garten.) (Die Bedienten folgen ihm.) Flottwell (zu dem letzten der Diener). Der Herr ist schwer erkrankt! Ist er geliebt? Wnscht man ihm langes Leben? Diener (schttelt den Kopf und sagt gleichgiltig). Er ist ein geiziger Filz, den niemand leiden kann, und in einigen Wochen wirds wohl mit ihm zu Ende gehn. Adieu! (Folgt den andern in den Garten nach.) Flottwell (sieht gegen Himmel und schlgt die Hnde zusammen). O Flottwells Schlo, was beherbergst du fr Menschen jetzt! Was soll ich nun beginnen? Die wenigen Taler, die ich noch besa, hab ich auf meiner mondenlangen Wanderung verzehrt. Ich hab gespart und trocknes Brot gegessen, und doch besitze ich nicht einen Pfennig mehr. Dort mein altes Schlo! (Sieht nach der Ruine in der Ferne.) Es ist zum Sinnbild meines jetzgen Glcks zusammgestrzt. (Er bleibt mit verschrnkten Armen nachdenkend stehen.) Vierter Auftritt Voriger. Valentin, in brgerlicher Tracht als Tischlermeister, einen Hobel im Sack, kommt trillernd. Er hat schon dunkelgraues Haar. Valentin. Wenn ein Tischler frh aufsteht, Tralalala-- (Sieht Flottwell.) Schau, schau, da ist ein armer Mann. Ich mu ihm doch was schenken. (Er nimmt einen Groschen aus dem Sack und will ihn Flottwell reichen, doch stutzt er, als er ihn erblickt.) He Alter! (Flottwell kehrt sich gegen ihn.) Was ist--Ich wei nicht, dieses Gsicht--das Gsicht ist mir bekannt-- jetzt trau i ihm fast den Groschen gar nicht zu geben-- Flottwell. Was wollt Ihr denn? Valentin (noch gereizter). Die Stimm--das wird doch nicht? (Er zittert.) Sie, hren S'--das wr entsetzlich Bitt um Verzeihung! Sie, kennen Sie das Schlo? Flottwell (gerhrt). Ob ich es kenne, Freund? Es war ja einst mein Eigentum! Valentin (schreit rasch). Mein gndger Herr! (Eine Mischung von Freude, Wehmut und Erstaunen macht ihn erzittern, er wei sich nicht zu fassen. Ruft noch einmal.) Mein gndger Herr! (Die Trnen treten ihm in die Augen, er kt ihm stumm die Hand.) Flottwell. Wer bist du, Freund? Valentin. Der Valentin. Kennen mich Euer Gnaden denn nimmermehr? Der Tischlergsell, der einmal bei Ihnen gearbeitet hat und den Sie als Bedienten aufgenommen haben, weil er Ihnen so gut gfallen hat. Flottwell (gutmtig). Valentin? der gute ehrliche Valentin. Und du erinnerst dich noch meiner? Valentin. Ob ich mich erinnere? O Gott! Euer Gnaden waren ja so gut mit mir und haben mir ja so viel geschenkt. Einen Dukaten hab ich mir noch aufgehoben, (gutmtig) aber die andern hab ich alle ausgegeben. Flottwell. Und geht es dir gut? Valentin. Nu mein! Wies halt einen armen Tischler gehn kann. Auf dem Land ist ja nicht viel zu machen. Ich bin zufrieden. Flottwell. Dann bist du glcklich! Valentin. Nu, man nimmts halt mit, solang als Gott will. Aber Euer Gnaden scheinen mir gar nicht zufrieden zu sein. Flottwell. Nicht wahr, ich hab mich sehr gendert? Valentin (verlegen). Ah nein! nein! Euer Gnaden schauen gut aus-- gut--recht gut. A bissel strapaziert, aber--(Beiseite.) Das kann man ja einen solchen Herrn nicht sagen. Flottwell. Mein guter Valentin, nun kann ich dich nicht mehr beschenken. Valentin. Beschenken? Euer Gnaden werden mich doch jetzt nicht mehr beschenken wollen. Da mt ich Euer Gnaden richtig vllige Grobheiten antun. (Fat sich.) Bitt um Verzeihung! Ich red manchmal, als wenn ich Hobelschatten im Kopf htt. Seit ich wieder Tischler bin, hab ich mein ganze Politur verloren. Flottwell (fr sich). Soll ich mich ihm entdecken? Valentin (fr sich). Ich trau mir ihn gar nicht zu fragen. Mir scheint, er ist voll Hunger. Flottwell. Gehst du nach Hause? Valentin. Nein! Ich soll im Wirtshaus drben die Tr zusammnageln, weil s' gestern einen hinausgeworfen haben, und da ist er ihnen a bissel angekommen an die Tr, und da hat s' einen Sprung kriegt. Und dann hab ich der Schulmeisterin eine neue Linier machen mssen. Sie hat s' an ihren Mann abgeschlagen, weil sie ihn manchmal liniert. Flottwell (kmpft mit sich, seufzt, greift sich an die Stirne und sagt dann). Nun so leb wohl! (Will gehn.) Valentin (hlt ihn auf). Wo wollen denn Euer Gnaden hin? Euer Gnaden werden mir doch nicht wieder davonlaufen? Jetzt hab ich ja erst die Ehr gehabt zu sehen. (Beiseite.) Wann ich nur wte, wie ich das Ding anstellen soll? Flottwell (seufzt). Was willst du denn noch? Valentin. Euer Gnaden verzeihen--Aber--Sagen mir Euer Gnaden aufrichtig: Sein Euer Gnaden heut schon eingeladen? Flottwell (lchelt). Nein, lieber Mann! Valentin. Drft ich wohl so frei sein und drft mir die Ehr ausbitten, auf eine alte Hausmannskost? Flottwell (gerhrt). Ich danke dir. Rechtschaffener Mensch! Ich komme. Valentin. Nichts kommen. Ah beleib. Ich la Euer Gnaden nimmer aus. Die sollen sich ihre Tr selbst zusammennageln. Ich mu mit meinen gndigen Herrn nach Haus gehn jetzt. Flottwell. So komm! Valentin. Aber das sag ich gleich, so gehts bei mir nicht zu, wies einmal bei uns da (aufs Schlo deutend) zugegangen ist-- Ah--(Schlagt sich aufs Maul.) Schon wieder so ein Hobelschattendiskurs. Flottwell. Ich werde mit allem zufrieden sein. Valentin. Nichts! Nein! Wird nicht so schlecht ausfallen, ich koch ja selbst. Ah, wir werden uns schon zusammnehmen, ich und meine Alte. Wird sich schon wo ein bertragens Geflgelwerg finden. Solang der Valentin was hat, werden Euer Gnaden nicht zugrund gehen. Jetzt werden wir unsern Einzug halten. Ah, so kanns nicht ablaufen. Euer Gnaden mssen eine Auszeichnung haben. Ich geh voraus, und Euer Gnaden kommen nach; und alle meine Kinder mssen Spalier machen, und wie Euer Gnaden eintreten, mssen s' schreien, da ihnen die Brust zerspringen mchte: Vivat! unsern Vatern sein gndiger Herr soll leben! Flottwell. Guter Valentin. Valentin. Das ist ein Leben auf der Welt! (Flottwell geht Arm in Arm mit ihm ab.) Fnfter Auftritt Verwandlung Tischlerstube. Eine Hobelbank. Tischlerwerkzeuge hangen an der Wand. Tisch und Sthle. Links ein Fenster. Rechts eine Seitentr. Liese jagt den Michael, der eine Pudelmtze aufhat und Bcher mit einem Riemen zusammengeschnrt, aus dem Kabinett heraus. Hiesel sgt bei der Hobelbank. Liese. Wart, du Spitzbub, wann die Mutter nach Haus kommt! Ich werd dir naschen lernen. Kaum kommt er nach Haus, so hat man schon wieder Gall. Michael (weinend). Die Mutter hat mirs erlaubt. Liese (reit dem Hiesel die Sge aus der Hand). Stehn la, sag ich. Wenn du den Vatern was ruinierst. Hiesel. Ich arbeit schon so gut als wie der Vater. (Hmmert.) (Pepi will aus dem Kabinett herausgehn, fllt aber nieder und weint.) Liese. Den Buben hebts auf! (Sie hebt ihn auf, er hat noch das Kinderrckchen an, und stellt ihn auf den Tisch.) Jetzt ist er noch nicht angezogen. (Sie zieht ihm sein Kamisol an.) Michael (zupft sie am Kleid). Den Schlssel gib mir, da ich meine Schulbcher aufheben kann. Liese. La mich gehn, ich mu den Buben anziehn. Wann die Mutter kommt! Es ist schon elf Uhr. Hansel. Hiesel, komm heraus, wir steigen in Taubenkobel hinauf. Liese. Nein, wenn die Buben aus der Schul zu Haus kommen, ists nicht zum Aushalten. (Hiesel hmmert.) Hrst nicht zum hammern auf? (Eine Gans lauft herein und frit.) Michael (der nach dem Ausgang deutet). Das Fleisch geht ber. Liese (setzt den kleinen Buben mitten ins Zimmer, der schreit). Auf den kleinen Buben gebts acht! (Luft hinaus.) Hansel (ruft). Hiesel, aussa geh! Sechster Auftritt Vorige. Valentin. Flottwell. Valentin. Spazieren Euer Gnaden nur herein! (Hansel geht vom Fenster weg.) Fallen Euer Gnaden nicht ber den Buben. Wer hat ihn denn da mitten ins Zimmer hergesetzt? Ich bitt um Verzeihung, es ist alles in Unordnung. Einen saubern Sessel heraus! (Michael lauft ins Kabinett und bringt einen holzernen Stuhl.) Jagts die Gans hinaus! die Hobelschatten weg! (Hiesel tut es. Valentin zu Michael.) Einen Polster bring! (Michael luft fort und stolpert.) Jetzt wirft er das Leimpfandel um. Wie gfallt Euer Gnaden denn die Wirtschaft? (Michael bringt einen Bettpolster.) Was treibst du denn, httest gar eine Tuchet gebracht. (jagt ihn fort damit. Zu Flottwell.) Ich bitt, Platz zu nehmen. Lieserl, wo bist du denn? Komm doch herein. Alle Kinder! (Liese, alle Kinder bis auf Hans.) Wo ist denn der Hansel? Liese. Der ist schon wieder drauen. Valentin (wirft einen Blick durchs Fenster). Da hab ich die Ehre, meine Familie aufzufhren. Eins--zwei--drei--vier, und der fnfte sitzt auf den Taubenkobel oben. Mein Weib wird gleich nach Haus kommen. Die wird ein Vergngen haben. Hansel! komm herein geschwind. Hansel (innen, ruft). Ich kann ja nicht so geschwind heruntersteigen! Valentin. So fall herunter. Jetzt da gehts her, Kinder. Da stellt euch im Kreis herum! (Hansel kommt.) Da schauts den Herrn an. Das ist mein lieber guter gndiger Herr, von dem ich euch so viel erzhlt hab. Der hat euren Vatern und viel hundert Menschen Gutes getan. Gehts hin und kt ihm alle die Hnd. (Die Kinder tun es. Unterdessen sagt) Hansel. Vater, der sieht ja gar nicht aus als wie ein gndiger Herr. Valentin. Bist still. Du bist kein Kenner. Was verstehst denn du von gndigen Herren. (Hansel tut es auch.) Pepi. Euer Gnaden, Pepi auch Hand kssen. Valentin. Das jngste Kind meiner Laune, Euer Gnaden. Liese (verlegen). Euer Gnaden! Unser Herr Vater hat uns halt so viel Gutes, Liebes und Schnes von Euer Gnaden gesagt, da wir uns recht freuen, Euer Gnaden kennenzulernen. Flottwell. Gott! (Sinkt von Schmerz und Scham berwltigt in den Stuhl und verhllt mit beiden Hnden das Gesicht.) Liese (leise). Vater, der Herr bedauert mich recht. Dem mu ja gar schlecht gehn! Valentin (ebenso). Tuts nichts dergleichen, wir werden schon darber reden! (Liese geht ab.) Gehts jetzt, Kinder, gehts ein wenig in den Hof hinaus. (Zu Hiesel.) Du schaust dich drau um die fetteste Enten um. (Zu Michael.) Und du suchst dein Mutter auf. Sie soll gleich nach Haus kommen. (Kinder ab.) Mein Gott, die Kinder, die wissen noch nichts von der Welt. (Seufzt.) Ja ja! Sein Euer Gnaden nicht so betrbt. Ich hab selbst nicht zuviel. Aber Euer Gnaden drfen mir nicht zugrunde gehen. Aber erzhlen mir Euer Gnaden doch einmal, wie ist denn das Unglck so gekommen? Flottwell. Ich lebte durch acht Jahre mit meiner edlen Gemahlin, die mir in London einen Sohn geboren hatte, ganz glcklich. Jedoch auf einer Reise nach Sdamerika, von welcher sie mich vergebens abzuhalten suchte, als htte sie mein Unglck geahnet, entri mir der Tod beide. Ich ging nach London zurck, suchte Zerstreuung. Mein Aufwand stieg. Ich lie mich in groartige Spekulationen ein, die mir nur Ruhm, aber keinen Gewinn bringen konnten, und nach mehreren Jahren sah ich mein Vermgen bis auf einen kleinen Rest geschmolzen. Nun ward mir bange, ich beschlo, nach meinem Vaterland zurckzukehren, mit dem festen Vorsatz, mich in jeder Hinsicht einzuschrnken. Ich kam nach Deutschland--ein unglcklicher Gedanke hie mich Wiesbaden besuchen. Hier war die Grenze meines Leichtsinns. Nach zwanzig Jahren spielte ich wieder einmal in der Hoffnung, mein Vermgen zu vermehren, ich gewann, spielte fort und verlor alles. Alles. Mute meine Garderobe zurcklassen und mit zwanzig Talern die weite Reise nach meiner geliebten Heimat, wohin es mich mit unwiderstehlicher Gewalt zog, zu Fue machen, und so bin ich zum Bettler nun verarmt. Valentin. Das ist freilich eine traurige Geschichte, aber es ist halt notwendig, da man s' erfahrt. Aber verzeihen mir Euer Gnaden, Euer Gnaden sein doch ein bissel selber schuld. Es schickt sich nicht, da ich das sag. Aber ein Herr, der so dagestanden ist wie Euer Gnaden--Es ist zum Totrgern--Ich kann mir nicht helfen, ich red halt, wie ichs denke. Flottwell. Du hast recht. Oh, jetzt erst treten alle Warnungen vor meine Seele, die ich aus Stolz und bermut verschmhte, Cheristane und das grauenvolle Bild des geheimnisvollen Bettlers, der mich so lange Zeit verfolgt und dessen Abkunft ich wohl nie entrtseln werde. Valentin. Nun sein Euer Gnaden nur beruhigt. Wie ich gesagt hab. Alles, was in meinen Krften steht. Haben Euer Gnaden nur die Gnad und gehen Euer Gnaden derweil allergndigst in das andere Zimmer hinein, da wir da ein wenig zusammenrumen knnen. Es schaut gar so innobel aus. Schauen sich Euer Gnaden ein wenig um drinnen. Da werden Euer Gnaden etwas darin sehen, was Euer Gnaden gewi erfreuen wird. (Er geleitet ihn bis an die Tr.) Flottwell. O Dienertreu, du gleichst dem Mond, wir sehen dich erst, wenn unsere Sonne untergeht. (Ab.) Valentin. Das ist eine schne Rede, aber ich hab sie nicht verstanden. Lisi, Kinder, gehts herein! (Liese. Hiesel. Hansel.) Liese. Was befiehlt der Vater? Valentin. Habt ihr euren Vatern gern? Alle drei. Ja! Valentin. Wollt ihr ihm eine Freude machen? Alle drei. Ja, lieber Vater! Valentin. Verdru habt ihr mir schon genug gemacht. Seid mit dem Herrn da drin recht gut und hflich. Er wird bei uns im Haus bleiben. Ich la ihn nimmer fort. Und redet der Mutter auch zu, sie ist eine gute Frau, aber manchmal ein wenig gh. Kinder. Wir wissens am besten, wir haben genug auszustehen mit ihr. Valentin. So? Ja was die Eltern jetzt den Kindern fr Kummer und Sorgen verursachen, das ist auerordentlich. Also geht hinein zu ihm. Ich komm gleich wieder, ich mu nur die Tr in Wirtshaus machen. Und verget nicht, was ich gesagt hab. Er ist unglcklich. Mit unglcklichen Menschen mu man subtil umgehen. Die glcklichen knnen schon eher einen Puff aushalten. (Kinder ab ins Kabinett.) Valentin (allein). Nein, wenn man solche Sachen erlebt, da wird man am Glck vllig irre. Was nutzt das alles! Der Mensch denkt, der Himmel lenkt. Lied Da streiten sich die Leut herum Oft um den Wert des Glcks, Der eine heit den andern dumm, Am End wei keiner nix. Da ist der allerrmste Mann Dem andern viel zu reich. Das Schicksal setzt den Hobel an Und hobelt s' beide gleich. Die Jugend will halt stets mit Gwalt In allen glcklich sein, Doch wird man nur ein bissel alt, Da find man sich schon drein. Oft zankt mein Weib mit mir, o Graus! Das bringt mich nicht in Wut. Da klopf ich meinen Hobel aus Und denk, du brummst mir gut. Zeigt sich der Tod einst mit Verlaub Und zupft mich: Brderl, kumm! Da stell ich mich im Anfang taub Und schau mich gar nicht um. Doch sagt er: Lieber Valentin! Mach keine Umstnd! Geh! Da leg ich meinen Hobel hin Und sag der Welt Adje. (Ab.) Repetition Ein Tischler, wenn sein War gefllt, Hat manche frohe Stund, Das Glck ist doch nicht in der Welt Mit Reichtum blo im Bund. Seh ich soviel zufriednen Sinn, Da flieht mich alles Weh. Da leg ich nicht den Hobel hin, Sag nicht der Kunst Adje! (Ab.) Siebenter Auftritt Flottwell mit einem Bilde in der Hand, sein Bild in jungen Jahren vorstellend. Liese. Hans. Hiesel. Flottwell. Wie freut mich das, mein Bild in eurem Haus zu finden. Ich knnt es nicht in bessern Hnden wissen. Wie ist es an euren Vater gekommen? Liese. Der Vater hat uns erzhlt: Er hats im Schlo gekauft. Wie alles gerichtlich lizitiert ist worden. Flottwell (seufzt). Ja so! Hansel. Und es hat nicht viel gekostet. Es hat kein Mensch was geben wollen dafr. Flottwell (fr sich). Schndlich! Liese (heimlich). Bist still! Weit du nicht, was der Vater gesagt hat? Hiesel (deutet an den Rand des Bildes). Da steht der Datum, wenn Euer Gnaden geboren sein. Liese (sieht nach). Den letzten Julius. (Freudig.) Da ist ja heute Ihr Geburtstag? Ah! das ist schn. Gerade fnfzig Jahr. Alle drei. Wir gratulieren! (Liese luft fort) Flottwell. Als die Sonne sank, ward ich geboren. Wenn sie wieder sinken wird? Wo werd ich sein? (Versinkt in Nachdenken.) Hiesel (zu Hans). Du, da bin ich vergngter, wenn mein Geburtstag ist. Hansel. Ja, er ist ja schon fnfzigmal geboren. Da gwhnt mans halt. Liese (fahrt Pepi herein, der jetzt als Knbchen reinlich gekleidet ist und einen groen Blumenstrau trgt). Da bring ich noch einen Gratulanten. Hansel (sieht zum Fenster hinaus). Just kommt die Mutter! (Luft hinaus.) Liese (herzlich). Mchten Euer Gnaden noch viele solche Blumen auf Ihrem Weg erblhen! Das wnschen wir Ihnen alle von ganzem Herzen. Flottwell (nimmt tief ergriffen den Blumenstrau, sagt) Ich dank euch, liebe Kinder! (und legt ihn auf den Tisch.) Ach, warum kann ich euch nur mit Worten danken! Achter Auftritt Vorige. Rosa, schlicht brgerlich gekleidet, gealtert. Sie trgt einen bedeckten Korb. Hans und Michael mit ihr. Rosa (erzrnt zu Hans). Was dableiben? Erhalten ein fremden Menschen? Wenn man so viel Kinder zu ernhren hat! Ist dein Vater nrrisch? Das ging' noch ab! (Erblickt Flottwell.) Da ist er ja. (Fr sich.) Nu, der sieht sauber aus! Flottwell (der am Tische sa und auf Rosas Reden nicht horchte, steht auf). Guten Tag, liebe Frau! Rosa (boshaft grend). Guten Tag, Herr von Flottwell! Freut uns, da Sie Ihre alte Dienerschaft aufgesucht haben. So knnen Sie sich doch wenigstens berzeugen, da wir arme, aber ehrliche Menschen sein. In unserm Haus hat nie ein Schmuck existiert, wie Sie sehen. Wir haben uns auch in Ihrem Dienst nicht so viel erwirtschaften knnen als wie gewisse Personen, die sich ein Schlo davon gekauft haben. Ich glaub, Sie werden mich verstanden haben. Flottwell. Ich verstehe Sie nicht ganz, liebe Frau. Ich erinnere mich nicht genau an alle Ereignisse meines Hauses. Nur das wei ich gewi, da keinem meiner Diener, mit meinem Willen, eine Ungerechtigkeit widerfahren ist. Rosa (fein). Ah was! Verhltnisse bestimmen die uerungen der Menschen. Ich kann Ihnen gar nichts sagen, Herr von Flottwell, als: Sehen Sie sich bei uns um! Knnen Sie von uns fordern, da wir in unserer eingeschrnkten Lage noch einen Mann erhalten, dem wir nichts zu danken haben als unsern richtigen Lohn, so steht es Ihnen frei, bei uns zu bleiben. Mein Mann ist ein guter Lappe, der lt sich zu allen berreden. Der nhmet die ganze Welt ins Haus, aber ich bin die Hausfrau, ich hab zu entscheiden, ich kenn unsere Verhltnisse, unsere Ausgaben und unsere Einnahmen. Ich mu fr meine Kinder sorgen, wenn sie nichts zu essen haben, und ich kann meine Einwilligung nicht geben. Es wird uns freuen, wenn Sie uns heut auf Mittag beehren wollen. Wir werden uns nicht spotten lassen. Aber fr immer? Verzeihen S'! das kann ich nicht zugeben! Heut in meinem Haus und nimmer! Flottwell (mit emprtem Erstaunen). Nein! Ich hab es nicht gehrt! Es war ein Traum! So sprach sie nicht zu Julius von Flottwell, ihrem einstgen Herrn. Zu jenem Flottwell, der im goldumstarrten Saale hundert Schmeichler an der Tafel sah! Zu dem gepriesnen Vater seiner Diener! Zum edelsten der Freunde! Zum besten, schnsten, geist- und goldbeglcktesten der Menschen, und wie die Lgen alle heien, die ihre Sigkeit ans volle Glas hinschrieb. So sprach sie nicht zu mir, den dieser Blumenstrau schon zu so heilger Dankbarkeit entflammen konnte, als htte ihn ein Engel in des Paradieses Scho gepflckt? O Weib! Knnt ich den zehnten Teil meines verlornen Glcks zurckbeschwren und zehnfach Elend auf dein altes Haupt hinschmettern, das dich zu meinen Fen fhren mte, dann sollte meine Gromut dich belehren: wie ungerecht du warst, da du in meinem Unglck mich so bitter hast gekrnkt. (Gebt ab.) Liese (betrbt). Das htt die Mutter aber doch nicht tun sollen. Rosa (zornig). Still sei und marsch in die Kuchel hinaus! (Liese geht ab. Zu den Buben.) Nu habt ihr nichts zu tun? Hansel (schluchzt). Das sag ich den Vatern, wann er zu Haus kommt. (Geht mit den andern ab.) Rosa (allein). Das wr eine schne Wirtschaft! Und wie der Mensch schreit in einem fremden Zimmer! Und er hat ja was von einem alten Haupt gsagt. Hab denn ich ein altes Haupt? Der Mensch mu gar keine Augen im Kopf haben. Das nutzt einmal alles nichts, reden mu man um seine Sach. Wer 's Maul nicht aufmacht, mu den Beutel aufmachen. Ah, da kommt mein Mann nach Haus, den werd ich meine Meinung sagen. Neunter Auftritt Vorige. Valentin. Valentin. So! Jetzt ist die Tr auch wieder in der Ordnung. Ah, bist schon zu Haus, liebes Weib? Das ist gscheid. Rosa. Ja zum Glck bin ich noch zur rechten Zeit zu Haus gekommen, um deine voreiligen Streiche wieder gutzumachen. Valentin. Was denn fr Streich? Wo ist denn der gndige Herr? Rosa. Wo wird er sein? Wo es ihm beliebt. Valentin. Was? Was hast gesagt? Ist er nicht in der Kammer drin? Rosa. Such ihn! Valentin (schaut hinein). Wo ist er denn? (Heftiger.) Wo ist er denn? Rosa. Was gehts denn mich an? Was kmmern mich denn fremde Leut? Valentin. Fremde Leut? Hast denn nicht gesprochen mit ihm? Rosa (unwillig). Ah was! Valentin. Was ist denn da vorgegangen? Kinder! Kommt alle her. (Liese. Hans. Hiesel. Michael, der den Pepi fhrt.) Valentin. Wo ist der gndige Herr? Liese (verlegen). Ja ich-- Rosa (keck). Nun, was stockst? Fort ist er. Was ists weiter? Valentin. Fort ist er? Wegen was ist er fort? Wann ist er fort? Wie ist er fort? Um wieviel Uhr ist er fort? Liese. Ja die Mutter-- Valentin. Heraus damit! Rosa. Nu sags nur! Was frchtest dich denn? Liese. Die Mutter hat zu ihm gsagt: Sie behalt ihn nicht im Haus. Hansel (weinend). Und der Vater machet lauter so dumme Sachen. Valentin. Das hast du gesagt? Hiesel. Drauf ist er fortgelaufen und hat geweint. Valentin (bricht in ein ironisches Lachen aus). Ha! ha! (Klatscht in die Hnde.) Rosa. Nu was sein das fr Sachen? Valentin. Still sei! Kinder, gehts hinaus. Rosa. Warum nicht gar-- Valentin. Still sei--da setz dich nieder! Rosa. Du!-- Valentin (drngt sie auf den Stuhl). Nieder setz dich! Kinder, gehts hinaus. (Die Kinder geben ab.) Hansel (im Abgehen). Nein, wies in unserm Haus zugeht, das ist schrecklich. (Ab.) Rosa (springt auf). Jetzt was solls sein? Valentin. Nur Geduld! Ich hab dich nicht vor den Kindern beschmen wollen, wie du mich! Was ist dir jetzt lieber? Willst du meinen gndigen Herrn im Haus behalten, oder ich geh auch fort. Rosa. Was? Was willst du fr Geschichten anfangen, wegen einem fremden Menschen? Valentin. Ist er dir fremd? Mir nicht! Einen Menschen, den ich Dank schuldig bin, der kann mir gar nicht fremd werden. Rosa. Du bist Vater. Du mut auf deine Kinder schauen. Valentin. Er ist auch mein Kind, ich hab ihn angenommen. Rosa. Nu das ist ein junges Kind. Valentin. Ja, so jung als du ist er freilich nicht, denn du betragst dich, als ob du vier Jahr alt wrst. Rosa. Kurz und gut: Ich leid ihn einmal nicht im Haus. Valentin. Du leidest ihn nicht? Kinder! kommts herein. (Alle Kinder.) Alle Kinder. Was befiehlt der Vater? Valentin. Ziehts euch an, ihr geht mit mir! Hiesel. Wohin denn, Vater? Valentin. Das werds schon sehen. Auf die Schleifen gehn wir nicht. Nehmt alles mit. Eure Studien. Das Namenbchel. Die ganze Bibliothek. Den Hobel. Das ganze Arbeitszeug. Alles! Rosa. Ah, das ist mir ja noch gar nicht vorgekommen! Valentin. Gelt? Oh, es gibt Sachen, wovon sich unsere Philosophie nichts trumen lt. Hansel. Aber heut nimmt sich der Vater zusammen, das ist gscheidt. Rosa (stemmt die Hnde in die Seite). Du willst die Kinder aus dem Haus nehmen? Valentin. Ich bin die Ursach, da sie ins Haus gekommen sind, folglich kann ich s' auch aus dem Haus nehmen. Liese. Aber Vater, was soll denn das werden? Das wr ja ganz entsetzlich. Valentin (zu Liese). Willst du bei deiner Mutter bleiben? Liese. Ja, das ist meine Schuldigkeit. Valentin. So geh zu ihr! (Liese geht hin.) Buben, gehts her zu mir! (Die Buben treten auf seine Seite.) Das sind die Sttzen meines Reiches. Die gehren mir zu. Machts euch fertig! (Die Buben nehmen alles.) Hiesel. Was soll denn ich noch nehmen? Valentin. Den Zirkel, runder Kerl. Rosa. Er macht wirklich Ernst. Das htt ich meinen Leben nicht geglaubt. Liese. Liebe Mutter, gib die Mutter nach. Valentin. So, jetzt ist der Auszug fertig. Jetzt gebts acht. Jetzt werd ich kommandieren: Rechtsum, kehrt euch, marsch! (Will fort.) Rosa (ruft ihm reumtig nach). Du Mann! Halt! Valentin. Was gibts? Rosa. Ich mu dir noch was sagen! Valentin (fr sich). Aha! jetzt fangen die Unterhandlungen an. (Laut.) Nur kurz! das sag ich gleich. Rosa (leise). La die Kinder hinausgehn. Valentin. Kinder, gehts hinaus! Liese (fr sich). Nu Gott sei Dank! Hansel. Mir scheint, die Mutter gibt doch nach. Ja, wann wir Mnner einmal anfangen, da mu es brechen oder gehn. (Die Kinder ab.) Valentin. Also was willst du jetzt? Rosa (gutmtig). Schau, berleg dirs doch, du wirst dich berzeugen, ich hab recht. Valentin. Still sei, sag ich. Oder ich ruf die Kinder herein. Rosa. So la doch drau. Sie zerreien ja zu viel Schuh, wenn sie immer hin und wieder laufen. Valentin. Das nutzt dir alles nichts. Aut Aut! Oder, entweder-- Rosa. Gut, ich will mirs berlegen. Valentin. Nichts berlegen. Heut mu er noch ins Haus, und eine Mahlzeit mu hergerichtet werden, da die ganze Menschheit die Hnd ber den Kopf zusammenschlagen soll. Rosa. Nu mir ists recht! Aber er verdients um uns nicht. Valentin. Was sagst? Er verdients nicht? Wer ist denn schuld, da wir so friedlich miteinander leben? Da ich hab Meister werden knnen und das Husel da gebaut hab, als die zweihundert Dukaten, die ich so nach und nach von ihm zu schenken gekriegt hab. Wem haben wir also unser bissel zu verdanken? Rosa. Mich hat er aber nie mgen. Valentin. Ist nicht wahr! Der Kammerdiener hat dich nur verschwrzt bei ihm. Sonst wren wir noch in seinem Haus. Rosa. Ja wenn er eines htte. Valentin. Ja so. Da hab ich ganz vergessen drauf. Rosa. Er hat mich bei jeder Gelegenheit heruntergesetzt. Einmal hat er sogar vor einer ganzen Gesellschaft gesagt-- Valentin. Was hat er denn gesagt? Rosa. Das sag ich nicht. Valentin. Geh, sag mirs, liebe Alte. Geh! Wer wei, ists wahr? Rosa. Ja es ist auch nicht wahr. Er hat gesagt: ich bin ausgewachsen. Valentin. Das hat er gsagt? Und das hast du dir seit zwanzig Jahren noch gemerkt. Rosa. Oh, so etwas vergit ein Frauenzimmer nie. Valentin. Nu das mut ihm halt verzeihen. Mein Himmel! Ein junger Mensch. Er hat halt damals lauter so schiefe Ansichten gehabt. Dann ists ja auch nicht wahr. Du bist ja gebaut wie eine gyptische Pyramiden. Wer knnt denn dir in deiner Gestalt etwas nachsagen? Das wr ja wirklich eine Verleumdung erster Gattung. Rosa. Nu, der Meinung bin ich auch. Valentin. Gelt, Alte, ja, wir behalten ihn da im Haus. Du wirst es sehen, ich werd recht fleiig arbeiten. Es schadt uns nichts. Im Gegenteil, 's geht mir alles besser von der Hand. Rosa (nach einem kurzen Kampf). Nu meinetwegen. So solls denn sein. Valentin (springt vor Freude). Bravo Rosel! das hab ich auch von dir erwartet. Ich htt dich nicht verlassen, wenn ich auch heut fortgegangen wr. Oh! morgen auf die Nacht wr ich schon wieder nach Haus gekommen. Jetzt ist aber alles in der Ordnung. Kinder! kommts herein zum letzten Mal. (Alle Kinder.) Kinder, legt alles wieder hin. Wir ziehen nicht aus. Ich hab mit der Hausfrau da einen neuen Kontrakt abgeschlossen. Vater und Mutter sind vershnt. Der gndige Herr kommt ins Haus. Kinder (alle freudig). Das ist gscheid! das ist gscheid! Valentin. Drum lauft, was ihr knnt. Kein Mensch darf zu Haus bleiben. Ich nehm den kleinen Buben mit. (Er nimmt Pepi auf den Arm.) Geht zu alle Nachbarn. Fragt, ob sie ihn nicht gesehen haben. Sie sollen euch suchen helfen. Und wenn ihr ihn findet, so bringt ihn her. Rosa. Der Mann wird nrrisch vor lauter Freuden. Kinder. Bravo! jetzt gehts lustig zu. (Ab.) Hansel. Vater, verla sich der Vater auf mich. Wenn ich ihn pack, mir kommt er nimmer aus. (Geht stolz ab.) Valentin. Der Bub kann einmal ein groer Mann werden, wenn er so fortwachst. Weib, jetzt komm! Du hast mir viel Verdru heut gmacht, aber jetzt ist dir wieder alles verziehen. Kein Mensch ist ohne Fehler, wenn einem nur zur rechten Zeit der Knopf aufgeht. Wer wei, wers noch vergilt, und ich denk mir halt, wenn ich einmal recht alt werd, so mcht ich doch auch andere Erinnerungen aufzuweisen haben, als da ich einen Stuhlfu geleimt hab und einen Schubladkasten gemacht. Jetzt komm! (Beide ab.) Zehnter Auftritt Verwandlung Die Ruine des alten Schlosses Flottwell. Zerfallne Gemcher und Trme, auf Felsen gebaut, zeigen sich rechts. Links die Aussicht, gleichsam von der Hhe des Schloberges, auf entferntere gegenberstehende Berge, hinter welchen die Sonne untergeht. Flottwell in Verzweiflung. Klettert ber einen der Felsen, als kme er aus dem Tal. Flottwell. Ich bin herauf! Ich habe sie erreicht, Die letzte Hhe, die in dieser Welt Fr mich noch zu erklimmen war. Ich steh auf meiner Ahnen Wieg und Sarg, Auf Flottwells altem edlen Herrenschlo. Wir sind zugleich verhngnisvoll gestrzt. Htt ich dich nicht verlassen, stndest du Und ich. Zu spt! (Wirft den Hut und Bettelstab von sich.) Verfaule, Bettelstab! Mein Elend braucht nun keine Sttze mehr. Ich kehre nie zu eurer Welt zurck, Denn mein Verbrechen schliet mich aus dem Reich Des Eigennutzes aus. Ich habe mich Versndigt an der Majestt des Goldes. Ich habe nicht bedacht, da dies Metall Sich eine Herrschaft angemat, vor der Ich htt erbeben sollen, weil es auch Mit Schlauheit, die bewundrungswrdig ist, Das Edle selbst in seinen Kreis gezogen. Wer fhlt sich glcklich, der durch Wohltun einst Ein Arzt der Menschheit war, und dem es nun Versagt, weil ihm die gldene Arznei Gebricht, wodurch die kranke Welt genest. Ich stand auf dieser segensvollen Hh, Ich konnte mich erfreun an anderer Glck, Wenn freudenleer mein eigner Busen war. Ich hab mich selbst von diesem heilgen Thron Gestrzt. Dies Einzge ists, was ich mit Recht Beweinen darf, sonst nichts. Zum Kinderspott, Zum Hohngelchter des gemeinen Pbels Darf nie ein Edler werden, drum fahr hin Mein Leben, dessen Pulsschlag Ehre war. Ich knnte mich in jenen Abgrund strzen, Doch nein! des letzten Flottwells Haupt, es beug Sich nicht so tief. Mein Leben ist ja noch Das einzge Gut, das mir Verschwendung lie, Mit dem allein will ich nun sparsam sein, Der Hunger soll mich langsam tten hier. Aus Straf, weil ich die undankbare Welt Zu viel gemstet hab. O Tod, du bist Mein einzger Trost. Ich hab ja keinen Freund-- (Ein Stein weicht zurck, und der Bettler ohne Hut und Stab steht vor ihm, spricht.) Bettler. Als mich! Flottwell (erschrickt). Als wen? Ha! schreckliche Gestalt, Die ich seit zwanzig Jahren nicht gesehen Und die ich nun fr meine erst erkenn, Weil mich die Zeit auf gleiche Stufe stellt Und ich wie du in jeder Hinsicht nun Bejammernswert und elend bin. Weh mir! Nun wird mirs klar, du solltest mir Ein schauervolles Bild der Warnung sein. Bettler. Dies war mein Zweck. Du hast mich nicht erkannt, Weil Leidenschaft nie ihre Fehler sieht. Erkenne mich nun ganz, ich bin ein Jahr Aus deinem viel zu rasch verzehrten Leben, Und zwar dein fnfzigstes, das heute noch Beginnen wird, wenn jene Sonne sinkt. Du hast an Cheristanen einst ein Jahr Verschenkt, und diese edle Fee, die sich Fr dich geopfert hat, sah in dem Buch Der Zukunft, da, wenn du zurck nicht kehrst Von der Verschwendung Bahn, das fnfzigste Jahr deines Lebens dir den Bettelstab Als Lohn fr deinen Leichtsinn reichen wird. Glaub nicht, da du geendet httest hier. Wer so wie du gestanden einst und auf So niedre Stufe steigt, sinkt tiefer noch Als einer, der im Schlamm geboren ist. Zu warnen warst du nicht, drum konnte ich Dich nur von deinem tiefsten Sturz erretten. Bis jetzt hat niemand noch dir eine Gab Gereicht: Ich hab fr dich bei dir gebettelt. Ein Jahr lang hab ich den Tribut durch List Und schaudervolle Angst von dir erpret. Die letzte Stunde hab ich aufbewahrt, Sie schlief in diesem Stein und spricht zu dir: (Ein Stein teilt sich, und ein Haufen Gold und der Schmuck zeigt sich in einem silbernen Kstchen.) Nimm hier dein Eigentum, das du mir gabst, Zurck. Du wirst es besser schtzen nun, Weil du die Welt an deinem Schicksal hast Erkannt. Was du dem Armen gabst, du hasts Im vollen Sinne selber dir gegeben. Leb wohl! Ich hab vollendet meine Sendung. (Versinkt.) Flottwell (allein). Ists Traum, ists Wahrheit, was ich sah und hrte? Woher die berirdische Erscheinung? (Sanfte Musik. Die Ruinen verwandeln sich in eine Wolkengruppe mit vielen Genien. Cheristane in reizender Feenkleidung in der Mitte auf einem Blumenthron.) Cheristane (sanft). Mein Julius! Es war Azur, der Geist Der letzten Perle, die ich einst fr dich So freudig hingeopfert hab, als ich Die se Lieb zu dir mit bitterer Verbannung ben mute. Ach! Mir wars ja Vom Schicksal nicht gegnnt, dich zu erretten, Er hat fr mich erfllt, was meine Treu Dir einst gelobt. Flottwell (kniet). O Cheristane! Dich Erblicke ich auf dieser Erde wieder? Du Himmelsbild aus meiner Rosenzeit! Kaum wagt mein welkes Aug den Blick zu heben Zur Morgenrte deiner ewgen Jugend. Oh, zieh nicht fort, verweile noch! Sieh, wie Die Wehmut um vergangne Zeit mich ttet. Cheristane. Verzweifle nicht, mein teurer Julius, Und dulde noch dein kurzes Erdenlos. Wir werden uns gewi einst wiedersehen Dort! in der Liebe grenzenlosem Reich, Wo alle Geister sich begegnen drfen. (Sie fliegt unter klagender Musik ab. Die Ruinen zeigen sich wieder. Flottwell sieht Cheristane nach.) Elfter Auftritt Voriger. Liese. Dann Valentin, Rosa, Kinder. Nachbarsleute. Bauern. Liese (ist die erste auf der Szene). Vater! Vater, nur herauf! Da ist der gndige Herr, ganz gesund und wohlbehalten noch. Flottwell. Wer sucht mich hier? (Schliet das Kstchen.) Valentin (kommt). Wir alle, gndiger Herr. Das ganze Dorf ist in der Hh. Flottwell. Was willst du, guter Valentin? Valentin. Was ich will? Mein Wort will ich Euer Gnaden halten und um Verzeihung bitten fr mein ungeschliffnes Weib. Gehst her, Verbrecherin, und kniest dich nieder da. Rosa (herzlich). Lieber gndiger Herr! Ich hab mich sehr vergessen heut. Doch mach ich meinen Fehler wieder gut. Sie drfen nimmermehr aus unseren Haus. Ich werd Sie gwi wie eine Tochter pflegen. Die Kinder. Verzeihen S' ihr, gndiger Herr! Pepi (kniet nieder). Lieber Herr, sei wieder gut, Die Mutter wei nicht, was sie tut. Valentin (weint). Das hab ich gedichtet, Euer Gnaden. Flottwell. Steht auf, ihr guten Leute! Ich habe schon verziehen. Und freue mich, da ich euch eure Treue nun vergelten kann. Ich bin kein Bettler mehr. Unter diesen Mauern hab ich einen kleinen Schatz gefunden, den mein Vater hier fr mich bewahrte. Valentin. Ah, das ist ein Malheur, und ich hab mich schon gefreut, da Euer Gnaden nichts haben, damit ich Euer Gnaden untersttzen kann. Flottwell. So ist es besser, lieber Valentin. Du kannst dein Leben nun in Ruh genieen. Ich nehme dich und deine Frau nun in mein Haus und will fr die Erziehung deiner Kinder sorgen! Rosa, Liese (erfreut). Wir danken herzlich, gndger Herr! Hansel (zu den Kindern). Buben, jetzt werden wir lauter gndige Herrn! Valentin. Ich werd der Haustischler bei Euer Gnaden. Ich wix und politier das ganze Haus. Aber eins mu ich noch sagen. Ein Menge meiner alten Nachbarn haben sich auch hier angetragen, Euer Gnaden zu untersttzen. Und freuen sich, ihren vorigen Gutsherrn wiederzusehen. Euer Gnaden haben ja allen Guts getan, und einen guten Herrn vergit man nicht so leicht. Alle. Vivat, der gndige Herr soll leben! Schlugesang Valentin. Wie sind wir doch glcklich, wir stehn auf dem Berg, Jetzt zeigt sich der Kummer so klein wie ein Zwerg. Und kommt er uns wirklich auch noch mal ins Haus, Der Valentin jagt ihn zum Tempel hinaus. (Der Chor wiederholt die zwei letzten Verse.) Chor. Und kommt er uns wirklich auch noch mal ins Haus, Der Valentin jagt ihn zum Tempel hinaus. (Auf den Bergen sieht man, wie in der Ferne die Senner und Sennerinnen die Khe von den Alpen treiben, und sie singen wie Echo.) Senner und Sennerinnen. Dudeldide dudeldide! Die Kh treibts von der Alm. Valentin. Die Kh treibn die Sennrinnen just von der Alm. Gengsamkeit bleibt doch die kstlichste Salm, Der Reiche liegt schlaflos im goldenen Saal, Doch kummerlos schlummert die Kuh in dem Stall. Chor. Der Reiche liegt schlaflos im goldenen Saal, Doch kummerlos schlummert die Kuh in dem Stall. Senner und Sennerinnen (in der Ferne). Dudeldide dudeldide! Wie freut die Kuh der Stall. Valentin. Jetzt gehn wir zur Tafel, die macht erst den Schlu. Fr heut ist beendet ein jeder Verdru. Doch heb ich bei Tische den Ehrenplatz auf, Vielleicht setzt sich Ihre Zufriedenheit drauf. Chor. Doch hebn wir bei Tische den Ehrenplatz auf, Vielleicht setzt sich Ihre Zufriedenheit drauf. Senner und Sennerinnen (in der Ferne). Dudeldide dudeldide! Zufrieden mu man sein. Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes Der Verschwinder, von Ferdinand Raimund. End of the Project Gutenberg EBook of Der Verschwender, by Ferdinand Raimund License: Share Alike