Produced by Jana Srna, Norbert H. Langkau, Norbert Mller and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Mein Lied Von Peter Rosegger Erstes bis zehntes Tausend Leipzig 1911 / Verlag von L. Staackmann Alle Rechte vorbehalten. _Copyright 1911 by L. Staackmann, Leipzig._ Druck von Grimme & Trmel in Leipzig. Inhaltsverzeichnis Seite Vorstellung 13 Heimat. Das Mutterherz 17 Mein Vaterhaus 18 Ich bin ein armer Hirtenknab'! 18 Ich bin daheim auf waldiger Flur 19 Kindesgebet 20 Das Kind in seiner jungen Zeit 20 Mein ses Kind, du weit noch nicht 21 Zum Weihnachtsbaum 22 Einst wirst du die Trne fliehen 24 Die Erweckung 25 Es kann einem wunderlich trumen 26 Ich bin ein groer Herre! 27 Habt Dank, ihr guten Leute! 28 Ich will nichts von dir 29 Urwaldstimmung 30 Wenn alle Wlder schlafen 30 Ruh' im Walde 31 Wollte heim in meine Berge 32 Alpenrose -- Edelwei 32 Meine Lust ist Leben 33 Gru aus Italien an die Heimat 34 Vergib mir, o Sden! 34 Ein Freund ging nach Amerika 36 Daheim! 37 Wir gren dich! 37 Steiermark 38 Echte Tracht 39 Singet, jauchzet eure Lieder! 39 Dem Heimatlande 40 Ein Lied, ein Schwert und einen Gott! 42 Heimatsegen 42 Gebet 43 Liebe. Amors Arsenal 47 Und sie gefielen mir beide 47 Eine Jungfrau wollt' er suchen 48 Das bestohlene Hannchen 50 Die Einfltigen 50 Er will mich nicht verstehen 51 Der Stern im See 52 Deine schnen Augen 53 Zur Rosenblhzeit 53 Wenn ich der Himmel wr' 54 Weit du, Mdchen, da ich sterbe? 55 Wenn ich durch den Winter geh' 56 Frage 56 Was du dir denkst 57 Waldabenteuer 57 Der Verlassenen Fluch 58 Amor, dieser Wicht 59 Diese Mdels! 61 Belehrung fr einen Dichter 62 Amors Rat 62 Gewohnheit 63 Schon dreiig Jahre bin ich alt! 63 Ein Rosenblatt 64 Was in deiner Seele spinnt ...? 66 Sie liebt dich von Herzen! 67 Rosen pflanzt man nicht auf Herzen 69 Heb dich weg und k mich nicht! 69 In alten grauen Tagen 70 Weib 70 Die Schrift im Sande 71 Huldigung 72 Bei mir stimmt's einzig nicht 72 Seelisch Liebe 72 Schon fleiig, lieber Goldschmied? 73 Wenn du gehst von mir 74 Halbverklungene Heldenkunde 75 Des Landmanns Saat 76 O sei mir gegret, du grnender Baum! 76 Gedenken 77 O Herrgott, wieviel an Liebe 78 Welt. Mein Ideal 81 Wir weichen nicht von unsren Idealen! 82 Mein Erz 82 Mein Ehrgeiz 83 Ein Becher, fllt ihn Gott mit Wein 84 Ewiges Lied 85 Die Harfe 86 Die Hand an meiner Rechten 86 Meine Taschenuhr 87 Ungeduld 87 Wilder Waldespsalm 88 Das Geheimnis 90 Allseliges Leid 90 Erprobter Rat 91 Dichters Wunsch 92 Welch ein Los! 93 Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm! 94 Nimmer will ich weinen! 95 Ein Eselslied 96 Einkehr 96 Miratener Fluch 98 Der Ber 99 Erbschaft 100 Erwartung 101 Gedenken 101 Stimmungen 102 Der Verbitterte 104 Der Glckliche 106 Wo wird es sein? 106 Der unbegreifliche Muskel 107 Es mahnt 108 Herbst 108 Der Tag, der wird schon spat 109 Wandlung 109 Ich bereue nichts 110 Erwgung 110 Ich bin Mensch geworden 110 Des Weltkindes Besinnen 111 Es kommt dereinst ein dunkler Tag 115 Grab ein! 115 Volkslied 117 Lorbeer und Palme 117 Davongeflogene Seelen 118 Klingende Funken 119 Hlle. Eines Snders Reuelieder 137 Herr Graf, du hast mich lieb gehabt 138 Neuer Sang mit altem Klang 139 Ein Streitgesang 140 Gott und Volk gehrt zusammen 141 An die Naturalisten 142 Leute gibt es allerlei 144 Der Schwindel an das Publikum 145 Der Besessene 147 Der Reiche 148 Der bermensch 149 Die Dichter und die Leute 153 Unterricht fr moderne Poeten 154 Des Sngers Verzweiflung 155 Eine Stimme in der Wste 157 Stndchen 159 Krftigung 160 Gen Himmel hinauf 160 Anklage 160 Frsprache 161 Dem Dichter 161 Himmel. Die Gottsucher 165 Willst du jene Hh' erreichen 166 Wie keimt dein Geschick 167 Stimmung 167 Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe? 167 Mir graut vor dem Gemeinen 168 Die Sehnsucht 169 Steigende Bahn 169 Zu Gastein am Wasserfall 170 Es war einmal ein Bettelmann 170 Der Blinde 171 Den Armen 173 Drei himmlische Schreine 174 Letzter Wunsch 174 Ruhendes Sein 175 Unfabar 176 Ewiges Sein 177 Auch der andre, der bist du 177 An Gottes Herz 178 Wanderlied 179 Die Stunde 179 Sei gegrt, du himmlischer Knabe! 180 In einer Waldkapelle 183 _Ora pro nobis_ 185 Ans Menschenherz 187 Hymne eines Glcklichen 189 Am Grabe eines Idealisten 191 Anhang. Das Singen des Tages. An Tirol 195 Das Erdbeben in Steiermark 197 An den Lehrer 198 Ahasver an seinen verklrten Dichter 198 Festgru 199 Wiens Genius 201 Heimgartens silberne Hochzeit 203 Sonnengru 204 Es zieht ein Segen von Haus zu Haus 205 Ruf zur Hilfe 207 Festgru 209 Zum Kongre der Schwachsinnigenfrsorge in Graz 211 Gru den Touristen 211 Dichter der Heimat 212 Dichtergassen 213 Musiksegen 214 Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz 214 Zwei Millionen! 216 Gru-Sprche und Allotrias 217 Einem dramatischen Volksfhrer 231 Flchtiges 231 Sylvester 232 Nagelprobe 232 Vorstellung. Mein Name ist Mensch, meine Losung ist Fried', Doch zeigen sich Feinde, so findet sich Rat, Meine Lust ist das Sein, meine Tat ist das Lied, Und singt man sich selbst, ist das Lied eine Tat. Und schrillet bisweilen ein falscher Ton Aus heiterer Kehle, das Lied ist doch echt. So singet der sndige Adamssohn Im Streiten und Siegen gleich schlecht und recht. Ich bin ein Geselle, der lacht und trutzt, Der weder nach Titel und Knittel hascht, Der nicht Magnaten die Stiefel putzt Und nicht Proleten die Hemden wascht. Der nicht vor Launen der Groen bebt Und nicht um Beifall der Menge wirbt, Der nicht fr die Gtzen des Tages lebt Und nicht fr die Schatten der Gtzen stirbt. Der Menschheit Herzschlag ist mein Motor, Der Menschheit Seheraug' mein Fanal; Ich seh' das Geheimnis durch jeden Flor, Und kenne die Snde mit ihrer Qual. Umhll dich mit Seiden, mit Kutten dicht, Stehst doch als nackter Adam vor mir. O Menschenbruder verbirg dich nicht, Ich wei es: du bist halb Gott, halb Tier! Ich krnze dein Elend mit Blumen des Hags, Und taumelst du nieder zu Nacht und Gericht, So heb ich dich jauchzend zur Hhe des Tags, Zur Freiheit, zur Liebe, zum seligen Licht. Heimat Das Mutterherz. *[A] Willst du auf die Erde, Sprach der Herr zu mir, Brauchst du Liebe, Die dich schtzet, Brauchst du Treue, Die dich nicht verlt. Doch du wirst auf Erden Finden nicht so bald Lieb' und Treue Echt und heilig; Darum geb' ich dir Von =meiner= mit. Und ich will sie legen, Liebes Menschenkind, Da du findest In der Trbsal Diese Gaben, In das Mutterherz! [A] Die mit * bezeichneten Gedichte stammen aus frher Jugendzeit des Verfassers. Mein Vaterhaus. Mein Vaterhaus ist alt und arm, Mein Vaterhaus ist klein, Und schliet doch meine ganze Welt Und meinen Himmel ein. Mir brennt ins Herz die Zhre, die Vom Mutterauge rinnt, Denn fort von heim, weit in die Welt Zieht hin ihr liebstes Kind. Der Platz ist leer am kleinen Tisch, Der Sohn ist in der Fern', Ihr Tischgebet gilt sein, und sie Empfiehlt ihn Gott dem Herrn. Dort drauen, wo die Snde lockt, Und viel Gefahren drohn! Sie kann nichts tun als weinen still Und beten fr den Sohn. O nein, ich will mich nicht der Welt Und ihren Lsten weihn; Das Vaterhaus, das Mutterherz Soll mir der Himmel sein. Ich bin ein armer Hirtenknab'! * Ich bin ein armer Hirtenknab', Der Wald, das grne Feld, Mein Brotsack und mein Birkenstab Ist meine ganze Welt. Und zieht mein Schflein grasend hin Auf grner, frischer Au, So gras' auch ich fr meinen Sinn Im hohen Himmelsblau. Und bricht die dunkle Nacht herein, So schau ich dort hinauf: Es blhet in der Sterne Schein Die Liebe Gottes auf! -- Ich bin daheim auf waldiger Flur. Ich bin daheim auf waldiger Flur, Mein Httchen ist ein grner Baum, Mein Ruhebett der Wiesensaum Am Herzen der Natur. Ein Rehlein kommt durch Zweige dicht, Mir dringt ans Ohr sein weicher Laut, Es sieht mich an, es spricht so traut, Und ich versteh' es nicht. Nun kommt ein blhend Mdchen noch, Und sinnend steht es auf der Flur; Es sieht mir stumm ins Auge nur, Und ich versteh' es doch. Kindesgebet. Da hat mir einmal ein Vglein erzhlt, Wenn fromm ein Kind im Abendgebet Voll Liebe fr Vater und Mutter fleht, Da klinge ein Lied durch die ganze Welt, Da susle ein Mai'n durch die Lfte hin, Da strahlten die Felsen im Alpenglhn, Da steige der Ewige niederwrts Und schliee Eltern und Kind ans Herz! Das Kind in seiner jungen Zeit. Das Grnen ist ein Auferstehn, Das Reifen ist ein Sinken. Drum la' das Kind zu seiner Zeit Die reinen Freuden trinken. Das Kind in seiner jungen Zeit Ist Brennpunkt aller Sonnen, Des Daseins hold begrenztes Ziel, Des heiligen Glckes Bronnen. Wchst es heran, ist nichts mehr sein, Mu um die Wette laufen, Mit jedem Tag und jeder Plag' Sein Leben neu erkaufen. Der erste Drang der Lieb' ist schon Des Todes erstes Fodern, Ein Korn, das junge Keime treibt, Fngt selbst schon an zu modern. Das Grnen ist ein Auferstehn, Das Reifen ist ein Sinken, Drum la' das Kind zu seiner Zeit Die reinen Freuden trinken. Mein ses Kind, du weit noch nicht ... Da hpft mein liebes, lockiges Kind Im grnen, sonnigen Rosenhag, Umblht von Knsplein schwellend hold, Umschallt von hellem Lerchenschlag. Sein uglein strahlt, sein Mndchen jauchzt In unbewuter Lebenslust. Mein ses Kind, du weit noch nicht, Wie bald du wieder sterben mut. Wie sieht sich doch im Wahn des ewigen Lebenstags ein Frhling an? Du fhlst, was aufblht -- doch was welkt? Zu Grabe sinkt? Du denkst nicht dran. Ein junger Gott bist heute noch; Wie wirst du dich entsetzen, Kind, Wenn dir die erste Botschaft kommt, Da alle Wesen sterblich sind. Ach, ich verschweig' dir, was ich wei, Nur blick mir nicht ins Aug' hinein, Es knnt' sich spiegeln drinnen noch, Was ich gesehn im schwarzen Schrein. -- O, leb in Glck, mein Kind! Und erst Wenn du von allem, allem satt, Erst dann vernimm, was Gott fr dich In seiner Lieb' bereitet hat. Zum Weihnachtsbaum. Ein Herzensgru allen kindlichen Gemtern. * Friede war im Wald und jeder Baum beglckt Durch schne, reife Frucht, womit der Herbst geschmckt Die ste all, da jeder Zweig sich bieget, Bis hoch hinauf, wo leis' die Krone wieget. Doch hret: wo's zum Segen will gedeihn, Da findet sich auch gern der Hochmut ein Und selbst der Neid. Und jeder wollt' sich prahlen, Da =seine= Frucht die schnste sei von allen; Und jeder hing an seine lngsten ste Als stolzes Aushngschild der Frchte beste. Es war ein herrlich Wogen bis zur Spitze, Ein Wetten, wer das Feinste wohl besitze. -- Nur Eines litt im Wald viel Weh und Gram Und barg sich ins Gestruch voll tiefer Scham. Ein Tannenbumchen war's, gar schmchtig, schlank, Wohl aller Frchte, auch der rmsten, blank; Und whrend andere stolz im vollen Prangen, Hatt' es an seinem Stamm nur Nadeln hangen, Nur dunkelgrne Nadeln, zart und spitz; Sie stachen leicht, doch schrfer stach der Witz Der andern, und ihr Hhnen, schal und widrig, Dieweil das Bumchen, ach, so arm und niedrig. Es flsterte der Wald sich in die Ohren Vom Taugenichts, der da umsonst geboren, Und warf ihm boshaft gar zu Spott und Schmach Die ersten gelben, drren Bltter nach. Das schnitt dem Bumchen tief ins junge Herz, Es wollte schier vergehn in Leid und Schmerz Und weinte, tiefbedrngt vom Weh, dem schweren, Das Harz heraus, die bittersten der Zhren. -- So duldete das Bumchen still und fromm; Da zog hernieder durch den nchtigen Dom Ein Engel aus des Himmels heiligen Hainen, Der sah den armen Dulder schmerzlich weinen. Er lie sich erdenwrts vom weiten Raum Zur armen Tanne, sprechend: Liebster Baum! Du warst bisher verachtet und verflucht, Doch tragen wirst du noch die schnste Frucht, Die je ein Baum getragen hier auf Erden, Du sollst der Baum der hchsten Freude werden! -- Wie wurde jetzt der Himmel trb und grau. Es blies ein kalter Wind auf Heid' und Au, Er heulte durch den Wald voll herber Hast Und rttelte die letzte Frucht vom Ast. Wie bald war jeder Baum, der einst geprahlt, Der Frucht und Bltter bar -- gar kahl und alt, Es fielen Flocken, und es krchzten Raben, Und sieh, der stolze Wald war wie begraben. Nur jenes Bumchen steht noch frisch und frei Und grnt und flstert sanft, wie einst im Mai. -- Und als die heilige Nacht gekommen war, Da schwebte durch den Wald die Engelsschar Zum Bumchen zart und trug es durch die Nacht In festlich aufgegangener Strahlenpracht. -- Wie Flammen sich zu Sternenkrnzen reihn! Und Frchte, die im Himmel nur gedeihn, Die reifen auf dem Baum, und Gottes Herz Sank liebevoll erlsend erdenwrts. -- So trgt der Baum, dereinst verschmht, verflucht Wie unser Heiland selbst, die schnste Frucht. Und wo er kommt, da kommt er nicht allein, Da bringt er Gaben mit fr gro und klein, Er fhrt den Jubel ein ins stille Haus Und streckt die hundert vollen Arme aus, Und bei dem Kindsgemt im trauten Raum, Da ist er recht daheim, der Weihnachtsbaum. -- -- O, hrt ihr suseln es in seinen Zweigen, O, hrt ihr klingen sie, die Himmelslieder? O, seht die Engelsschar in lichten Reigen, Sie steigt zum lieben Kindesherzen nieder. Dann grnt und blht sie auf, die Lieb', im reinen Allseligen, alleinzigen Erdentraum. O sei mir hoch gegrt, du Freund der Kleinen, Du Himmelsbote, heiliger Weihnachtsbaum! Einst wirst du die Trne fliehen. O weine, liebe Jugend, weine, Solang die Trne dir noch s ist, Ein Bote milder Herzensreine, Und nicht der herben Kmmernis ist. Denn einst wirst du die Trne fliehen, Und lachend laut, trotz innrer Peinen sein, Doch bittrer wird dein schrilles Lachen, Als heut dein stilles Weinen sein. Die Erweckung. Die Mutter schlft in der Friedhofsruh'. Da kommt ihr ltester Sohn auf Besuch Und ruft mit freudiger Stimme aus: Liebe Mutter, komm in mein schnes Haus, Ich habe ein holdes, ein frhliches Weib Und Kinder so frisch wie die Rosen im Mai, O Mutter, Mutter, ich lade dich ein, Komm, und hilf uns glcklich sein. Die Zypressen schweigen -- die Mutter schlft. Dann kommt der zweite Sohn geritten, Mit stolzer Wrde und feinen Sitten. O Mutter, knntest du auferstehn, Um selbst zu sehen, was mir ist geschehn. Der Knig hat mich zum Minister erwhlt, Es jubelt mir zu die halbe Welt. Mutter, o komm, nimm teil an der Ehr', Die deinem Sohn so reich widerfhrt. Die Zypressen schweigen -- die Mutter schlft. Da kommt der jngste Sohn gegangen, Hat rote Augen, fahle Wangen. Sein Ton ist heiser, sein Wort ist md, Er wei von Glck und Ehren kein Lied. O Mutter, ich bin so ganz allein, So seelenverlassen und ganz allein, Und Hunger -- Am Hgel rieselt der Sand -- die Mutter wacht auf. Es kann einem wunderlich trumen! Nun wollt' ich schlafen. Das Tagwerk ist recht hart gewesen. Bin ich erschaffen Fr Bauernbrot und Bauernnot? =Das= ist meine Frag' gewesen. Da seh' ich ein Huslein wohl schn gebaut, Und ein Weib in Huld zum Fenster ausschaut; Der Fenster waren eben drei, So schauten aus auch Kindlein zwei Und riefen: Vater! -- Ich tat mich heimen. -- Es kann einem wunderlich trumen! Dann ging ich dichten. Und die Leute taten mir Krnze winden. Und mu berichten: Eine Maid sagt: Du bist mein =allein=, Ich will dir Strulein im Lenze binden. Ich sag': Was soll mir dein Blumengru, Wenn ich ein Geheimnis verschweigen mu, Da Fraue du zu aller Frist Mein' herzallerliebste Freude bist! Drauf tat sie mit Kssen nit sumen. -- Es kann einem wunderlich trumen! Jetzt kamen Freunde Und taten mich in die Ferne fhren. Mein Lieb, das weinte. Ich steig' zum Glck, sie bleibt zurck Und klagt: Ich wollt' dich gerne fhren! -- Ich finde Freude, Gut und Geld Und alle hohe Ehr' der Welt. -- Endlich die Lieb' mich zur Heimat ruft, Da find' ich die Maid in der Totengruft. Drum sollst du dein Herz nicht versumen. -- Es kann einem wunderlich trumen! Ich bin ein groer Herre! Ich gebe mir die Ehre Und sing' ein Liedel fein, Ich bin ein groer Herre, Die ganze =Welt= ist mein. Der Landmann, der mag sen Und ernten Korn und Lein; Doch Feldesblhn und -wehen Zur Maienzeit ist mein. Die Karner mgen tauschen Und nutzen Baum und Stein, Doch Waldesgrn und -rauschen Und Waldesruh ist mein. Wie arm sind doch die Reichen, Vom Herzensfrieden fern, Oft Knechte sondergleichen Sind diese hohen Herr'n. Sie streiten sonder Labe Mit Schwert um Land und Meer; Ich zieh' mit meinem Stabe Erobernd hinterher. Wie lustig ist das Wandern, Die Sorgen sind ja klein; Die =schwere= Welt ist andern, Die =schne= Welt ist mein. Habt Dank, ihr guten Leute! Habt Dank, ihr guten Leute, Fr dieses reiche Mahl, Das ihr mir aufgetragen In buntbekrnzten Schsseln Und Goldpokal. Mein Herze drstet nimmer Nach Weltgenu und Ehr', Im stillen Dorf zu leben Als Mensch bei schlichten Menschen, Was soll ich mehr? Da ich im Frieden atme Und dankbar, angesichts Der heiligen Wunder Gottes Mich meines Lebens freue, Sonst will ich nichts. Ich werde nimmer mde, Des Himmels Glanz zu schaun, Auf seiner Wolken Spiele, Auf seiner Flocken Reigen Mein Lust zu baun. Der Lfte sanftes Wiegen Und wild gewaltige Macht, Der Wsser Steigen, Strzen, Hat stets mir Seligkeiten Ins Herz gebracht. Und sink' ich einst zu Grabe Von heitrem Tageslicht, Die Erde, ewig Rosen Aus ihrem Schoe sendend -- Ich frcht' sie nicht. Ich will nichts von dir. * Ich hab' mir erbaut Ein Huschen allhier, O Leben so laut, Was willst du von mir? O fhr mich nicht hin Ins friedlose Feld, Ich bleib', was ich bin, Mir selber die Welt. Mein Glck ist in mir, Behalte du dich; Ich will nichts von dir, Nur lasse mir -- mich! Urwaldstimmung. O ruhsamer Wald, wie bist du fein! Wie bist du in Ewigkeit jung und rein! Vom blutigen Kreuzweg der Menschenshne Entweiht keine Spur deine heilige Schne. Wohl heut wie zur Urzeit die Strme tosen, Und whlen im See und brechen den Baum. Wohl heut wie zur Urzeit blhen die Rosen Und funkelt der Tau am Bltensaum. -- In dir ist Ruh'. Mein Leib will liegen In blumiger Wiegen. Meine Seele kam her aus unendlichen Zeiten, Und wie der wandernde Vogel den Ast, So whlt diesen Leib sie zur kurzen Rast, Ehe weiter sie fliegt in die Ewigkeiten. Wenn alle Wlder schlafen. Wenn alle Wlder schlafen Und alle Quellen schweigen, Die Nebel stille steigen, Die Sterne leis' sich neigen, Da ist das einsam Leben Ein selig, selig Sein. Wenn alle Wipfel flstern Und alle Vgel singen, Wenn alle Geigen fiedeln Und alle Kehlen klingen, Da ist das einsam Leben Wohl eine harte Pein. Ob trumen still, ob jubeln Im lauten Kreis der Freuden, Das beste ist, vom Leben Ohn' allen Abschied scheiden. Drum sei das einsam Sterben Gesegnet nur allein. Ruh' im Walde. In der Berge Falten tief geschmiegt Und gewickelt in den weichen Wald, Wie das Kindlein in der Wiege liegt, Ist mein liebster Aufenthalt. Wie die Mutter sang, so singt der Bach, Und in Wipfeln muntre Vgelein Rufen mir der Jugend Mrchen wach, Singen mich zum Schlummer ein. Von den Kronen wehen Bltenreigen, Decken mich im khlen Schatten zu, Und ein Engel flstert's allen Zweigen: Leise rauschet seiner Ruh! La mich einstens, Gtterlieblingssohn, Finden in der Waldesruh mein Ziel, Krnz mir dort die Stirn, anstatt mit Mohn, Mit dem heiligen Asphodil. Wollte heim in meine Berge. Wollte heim in meine Berge, Um den Frieden zu umfassen, Den ich weltlusttrunken einst im Grnen Wald zurckgelassen. Gab ihn einem muntren Vglein In Verwahrung, bis ich kme, Und den sen Jugendfrieden Wieder an den Busen nhme. Hab' mit meinem heien Herzen Ruhlos nun den Wald durchzogen. Doch das liebe muntre Vglein Ist schon lngst davongeflogen. Alpenrose -- Edelwei. Edelwei und Alpenrose, Sinnbild ihr der Menschenlose, Sinnbild unsres hchsten Glcks. Blutige Rose! Liebe, Leben, Nimmermdes Lustanstreben, Flammenleuchte des Geschicks. Doch wie bald ist es geschehen, Da die Rose mu vergehen, Bald sind Erdenfreuden fern. Dann empor zu hchsten Zinken, Dort wird noch dem Wandrer winken Der Entsagung blasser Stern. Ach, an seinen heien Gluten Mu zu frh das Herz verbluten, Und zurck, als letzter Preis, Bleibt ein wunschlos khles Trumen In dem Haupt mit Silbersumen -- Ses, seliges Edelwei! Meine Lust ist Leben. Gute Nacht, ihr Freunde, Ach, wie lebt' ich gern! Da die Welt so schn ist, Dankt' ich Gott dem Herrn. Da die Welt so schn ist, Tut mir bitter weh, Wenn ich schlafen geh! Ach, wie mcht' ich einmal Noch von Bergeshhn Meine se Heimat Sonnbeleuchtet sehn! Und den Herrn umarmen In des Himmels Nh', Eh' ich schlafen geh. Wie man abends Kinder Ernst zu Bette ruft, Fhrt der Herr mich schweigend In die dunkle Gruft. Meine Lust ist leben, Doch sein Will' gescheh, Da ich schlafen geh! Gru aus Italien an die Heimat. Du treues Haus auf stiller Bergeshh', Von weichem Mondessilber mild umgossen, Wie gr' ich dich aus fernem welschem Land, Wo nirgends deine Tannenwlder sprossen. Wo nie ein Wort der heiligen Sprache klingt, Die du zum deutschen Erbe mir gegeben, Und wo man leicht im tollen Fastnachtstanz Verschachert und verjohlt sein heies Leben. Ein Land, so schn und reich und hochberhmt, Bewohnt von frohem Volk in Bettlerlappen, Das auf den Trmmern seiner groen Zeit Sich kindisch freut an bunten Narrenkappen. Ein Land, ein Mrchengarten auf dem Meer, Ein Eden, das sonst nichts mit dir gemein, Du Heimatsmatte auf der Bergeshh', Als Gotteshimmel mit dem Sonnenschein. Vergib mir, o Sden! Vergib mir, o Sden! Ich kann dich nicht lieben, Ich mu dich meiden, Meine Wnsche, meine Freuden Stehn auf dunklem Grund geschrieben. Meine blassen Taten Leuchten nur in nordischem Schatten. In Sturmessausen Und Wlderbrausen, In Schnee und Eiseskern, In dsteren Nebeln Glnzt mein Stern. Du, o Sden, Mit deines Lichtes Grelle, Versengst mir die Seele. Deine kahlen Berge und Schluchten, Deine schattenlosen Buchten, Deine heien Terrassen Und staubigen Straen, Deine gekochten Lfte, Deine einschlfernden Dfte Und belriechenden Dnste, Deiner schmutzigen Gassen Lautes Sichgehenlassen, Deiner Wirte Kniffe und Knste, All das zusammen Macht mich erlahmen. Wie soll im weltfremden Wesen Der Sohn des stillen Waldes genesen? Dazu des Meeres unendliche Weite, Die Lnder der Erde all besplend, Die Sehnsucht weckend und nicht erfllend. So mu man am fremden Eiland kleben Wie ein Verbannter, und tatlos leben. O sonniger Sden Mit deinen Rosen, mit deinen Maien! Weltumworbenes Paradies, Ich will dich benedeien; Wrst du meiner Kindheit Trautsame Heimat, Wie wollt' ich in Treuen Selig mich freuen. Doch ich bin Germane, Die sonnige Glut, Der se, sdliche Seim Zersetzt mir das Blut. =Meines= Glckes Kern und Keim Ist deutscher Wald, Und mein Paradies heit =Nebelheim=. Ein Freund ging nach Amerika. Ein Freund ging nach Amerika Und schrieb mir vor einigen Lenzen: Schicke mir Rosen aus Steiermark, Ich hab' eine Braut zu bekrnzen! Und als vergangen war ein Jahr, Da kam ein Brieflein gelaufen: Schicke mir Wasser aus Steiermark, Ich habe ein Kindlein zu taufen! Und wieder ein Jahr, da wollte der Freund, Ach, noch was anderes haben: Schicke mir Erde aus Steiermark, Mu Weib und Kind begraben! Und so ersehnte der arme Mann Auf fernsten, fremden Wegen Fr hchste Freud', fr tiefstes Leid Des Heimatlandes Segen. Daheim! Was dies Leben mir beschieden, Es war gut, ich bin's zufrieden. Knnt' ich eines noch erwerben: Nur Daheim, =Daheim= zu sterben. Nicht auf fernen Wanderswegen Mcht' ich mich zur Ruhe legen, Nirgends auf der ganzen Erde, Als Daheim am eignen Herde. Vor des Todes dunklen Schrecken Wollt' ich nimmer mich verstecken Wenn aus Augen schmerzbefeuchtet Liebe mir zu Bette leuchtet, Wenn die Meinen mich umgeben, Atmend mein entschwindend Leben, Und aus gottergebnem Sterben Meines Herzens Frieden erben. Wir gren dich! Wir gren dich, Bergland, du teure Heimat! Wir jauchzen dir zu, wie sehr wir dich lieben. Wir lieben die blhende Flur -- den Brautkranz der Jugend. Wir lieben des Kornes wogenden Feldplan -- den nhrenden Vater. Wir lieben der Weinhgel sonnigen Busen -- die sugende Mutter. Wir lieben den Wald, den dmmernden Garten der blauen Blumen. Wir lieben der stillen Heide traumvoll sinnende Muse. Wir lieben den friedlich gebetteten Alpsee, Wo mde gehetzt das Weltkind rastet Weich in des Kahnes schaukelnder Wiege. Wir singen ihm leise ein ses Schlaflied. -- Vor allem doch euch, ihr stillen Felsen, Ihr schneegekrnten Wchter der Heimat, Mit Ehrfurcht gren wir euch. Behtet mit ehernem Wall der Vorfahren heilige Sttte. Behtet, ihr ewigen Berge, den deutschen Enkeln Das Land der Treue und Freude! Steiermark. Gottbegnadet Land! Zur Maienzeit Sei dir, Styria, ein Strau geweiht. Du bist gttlich schn. -- Die Felsenstirn Stolz gekrnet mit diamantnem Firn! Leuchtend als dein Aug' die klaren Seen, Wo als Braun die heiligen Tannen stehn. Hier die goldnen hren, dort die Reben Froh um deinen Busen Krnze weben, Und allda, wo anderwrts der Spaten Nichts zu finden wei, als ewigen Schatten, Tief in deiner Berge treuem Herzen Bist du reich an unschtzbaren Erzen, Deren Kraft der Erde Frucht erneut, Deren Klang das reine Herz erfreut, Deren Droh'n die Feinde macht erbeben. -- Schn bist du und herrlich, mild und stark, Noch im Grabe weltaufbauend Leben Birgst du, hochgeliebte Steiermark. Echte Tracht. Mein Steirer, tracht', Da echte Tracht Wird angewandt Im Heimatland. Nicht kostmiert, Nicht falsch geziert; Im Stoffe echt, Dem Zweck gerecht, Die Form gewahrt Nach Vterart Und mit Bedacht Zu Haus gemacht. -- Ob alt, ob neu: Stets wahr und treu. So wie der Mann, So sein Gewand, Das ist der Brauch Im Steirerland. Singet, jauchzet eure Lieder! Singet, jauchzet eure Lieder, Hochgemute Steirerkehlen! In der Steirer Herzen wider Hallt der Jubel eurer Seelen. Deutscher Heimat se Snge Klingen in den lauen Lften, Schlagen an die Felsenhnge, Wehen ber Seen und Triften. Auf der weiten Gotteserden Wird kein schneres Land gefunden; Durch weigrne Bande werden Mit dem Himmel wir verbunden. Auf die Scholle sinkt der Snger, Da er fromm das Erdreich ksset: O geliebtes, heiliges Waldland Steiermark, sei uns gegret! -- Heimatfreude ist getragen Von des Liedes therschwingen, Unsre Lust ist nicht zu sagen, Darum mssen wir sie singen. Dem Heimatlande. Hrst du das Luten, Freund? Her aus den Weiten, Freund? Weckt es nicht wonnig des Wanderers Drang? -- Glaub diesen Glocken nicht, La dich verlocken nicht Von der Sirene Weltpreisendem Sang! Und mut du dennoch fort, Jagend von Ort zu Ort, Suchend die Ziele, die Nirgendwo sind: Kehre fein balde um, Freund, in dein Heiligtum, Wo du bist Gatte und Vater und Kind. Reie vom Strande dich, Eh' fremde Bande dich Festgewebt; nimmer ihr Sklave sollst sein. Denn deine grte Kraft Und deine Meisterschaft Sprot aus der heimischen Erde allein. -- Panzre mit Steirererz, Land, deines Sohnes Herz, Heb auf den Schild ihn Des leuchtenden Firn. Krnze mit Lrchenreis Und mit dem Edelwei Wrdig des lplers Teutonische Stirn. -- stlicher Rosenhauch, Sdlicher Lorbeerstrauch Gleicht nicht des Tannenbaums Duftendem Reis. Was auch in weiter Welt Herrliches aufgestellt, Heiliges Heimatland, Dir sei der Preis! Ein Lied, ein Schwert und einen Gott! Vom Ortler bis zum Kahlenberg Am reichen Donaustrand Ist unsrer deutschen Ahnen Haus, Ihr freies Heimatland -- Im Reich der Tannen. Ob's Bayern oder Steiern heit: Die Drau, die Traun, die Donau fleut Durchs Hochland der Germanen. Die wildgewaltige Felsenburg Stellt Ost und Westen gleich. Es pocht ein einig Volkesherz Durchs ganze Alpenreich. Erhebt die Fahnen! Es hat in Fried' und Streit und Not Ein Lied, ein Schwert und einen Gott Das Hochland der Germanen. Heimatsegen. Gott gr dich, teures Heimatland, Du Hort von hoher Alpenwand Bis an die nordischen Meere. Vom Murgestad' bis an den Rhein, O heilige Erde, bist du mein. Beht dich Gott der Herre! Er weck in dir die alte Treu, Die alte Kindlichkeit aufs neu Und milderer Tage Sitten, Fr die der Ahnen Heldenherz Im frommen Schauen himmelwrts Gelitten und gestritten. Und brch' ein bser Feind herein, Ich knnte nimmer frhlich sein, Ich mt' vor Wehe sterben. Ach, la der Vter Lehr und Ehr, Der Brder Freudigkeit und Wehr, O Herrgott, nicht verderben! Gebet. Behte Gott das deutsche Volk In seiner Ehr' und stolzen Kraft. Beht es Gott in seiner weisen Treuen Vlkerfhrerschaft! Auf seiner Wacht, da allerwrts Der Menschen Freiheit sich erneue: Das groe Volk, das deutsche Volk, Beht es Gott in seiner Treue! Behte Gott das deutsche Volk In seines Hauses frohem Rat, In seiner Herzensinnigkeit, In seines Fleies reicher Tat! Behte Gott, da nie der Zwietracht Grauser Dmon es bercke! Das freie Volk, das deutsche Volk, Beht es Gott in seinem Glcke! Behte du das deutsche Volk, O Gott, in deiner Liebe Huld Vor zagem Zweifel an sein Heil, Beht es, Herr, vor aller Schuld! Verleih ihm kindliche Zuversicht, Wie reinen Herzen sie beschieden. Das edle Volk, das deutsche Volk, Beht es Gott in seinem Frieden! Das deutsche Volk, beht es Gott! Bis es in der Vollendung Licht Den lzweig wahrer Menschlichkeit Erlsend um den Erdball flicht. In wilder Zeiten Sturm und Not, In Streit und Sieges Morgenrot, =Das schwergeprfte, hehre Volk, Mein deutsches Volk, beht es Gott=! Liebe Amors Arsenal. * Ich ging im Frhling aus, Da stachen die Grser hervor, Da schlugen die Bume aus, Da schossen die Halme empor. Ihr Herrn, ich lachte nicht, Ich kam verwundert zurck. Das ist -- ich wette! -- vom Wicht, Dem Amor, ein Schelmenstck! Und sie gefielen mir beide. Zur Morgenfrh' hab' ich erlebt Wohl eine liebe Freude, Zwei Mgdlein standen am Gartenzaun, Das eine war blond, das andere braun; Und sie gefielen mir beide. Das eine war ernst gegrtet und bla, Gehllt in dunkle Seide, Das andre leicht geschrzt und bunt, Mit Veilchenaug' und Rosenmund; Und sie gefielen mir beide. Da scholl von der Kirche Glockenklang Zum Jubel oder zum Leide, Die eine erglht und betet leis, Die andre trillert muntere Weis'; Und sie gefielen mir beide. Da scherzten zu Paaren in Liebeslust Die Schflein auf grner Weide, Die eine senkt das Auge mild, Die andre hpft und jauchzet wild; Und sie gefielen mir beide. Da kam ein Vglein geflogen herbei, Sich bergend im nahen Getreide, Die eine horcht dem frhlichen Sang, Die andre hebt den Arm zum Fang; Und sie gefielen mir beide. Da neigte ich, bettelnd um einen Ku, Mich ber des Zaunes Scheide; Die eine blickte mit strafendem Stolz, Die andere blinzelte gegen das Holz; Und sie gefielen mir beide. Eine Jungfrau wollt' er suchen. Ein Knab' ging hinaus Von Vaters Haus, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Er schritt frba Die Heeresstra', Auf der Straen lagen die Steine. Er nahm den Pfad Wohl in die Stadt, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Er sah mit Gier Viel goldne Zier, Viel hohe Trme ragen. Drauf zog er bald Zum grnen Wald, Eine Jungfrau wollt' er suchen. Im Schattenland Manch Blmlein stand, Auf den Bumen die Vgel sangen. Zu Berg und Tal, Auf Burg und Wall Eine Jungfrau wollt' er suchen. Sein Wanderstab, Der schliff sich ab, Neun Paar Schuh hat er zertreten. Mit bloem Fu Und mdem Gru Er ging in eine Htten. Er sah in der Wiegen Ein Mgdlein liegen, Die Jungfrau hat er gefunden. Das bestohlene Hannchen. O Herr, des Nachbars Valentin Der stahl mir gestern meinen Hafer, Er -- stahl ihn mir -- er -- stahl mir ihn, Es war nur -- eine Handvoll -- aber -- Am Hafer hing mein kleines Huhn, Es hat so gern von ihm geklaubt; So hat er mir den Hafer nun Und auch mein kleines Huhn geraubt. Mein ganzes Herz hing an dem Tier, Es war so fett und schwarz wie Kohlen: Jetzt hat der Strolch das Hhnchen mir Und auch -- mein ganzes Herz gestohlen. Die Einfltigen. Du fragst, warum ich gewinkt dir hab', Du fragst, warum ich das Rslein dir gab? -- Ei, das solltest du wissen! Du fragst, warum man jung sein mu, Du fragst, wozu so verstohlen der Ku? -- Ei, das solltest du wissen! Mein Knab', da Mgdlein fragen gern Und tun, als lg' ihnen alles fern -- Ei, das solltest du wissen! Er will mich nicht verstehen. Er will mich nicht verstehen. Und wenn ich ihm nicke Mit glhendem Blicke Den Morgengru zu; Und wenn ich ihm pflcke Ein Blmlein, und schicke Ein Bndchen dazu; So fragt er noch: Warum? Und will mich nicht verstehen! Er will mich nicht verstehen. Und wenn ich die lose Und blhende Rose Gar minniglich k'; Und ich ihm dann sage, Halb klage, halb frage: Ist kssen nicht s? So fragt er kalt: Warum? Und will mich nicht verstehen! Er will mich nicht verstehen! Und sag' ich auch innig: Ich habe so sinnig Getrumt von dir; Als htt' ich am Raine Das Huschen, das kleine, Bewohnt mit dir! So fragt er leis': Warum? Und will mich nicht verstehen! Er mag mich nicht verstehen. Und wenn ich die Arme Ihm reich', Gott erbarme! Er ist viel zu bld'! -- -- Ei! wre ich Mdchen Des Nachbars jung' Gretchen, Er tt nicht so sprd'; Er fragte nicht: Warum? Er wrde mich verstehen! Der Stern im See. Ein schner Stern Ganz lockend licht Erglnzt im See so wunderlich. -- Ein Mdchen lacht So s und spricht: Ich liebe dich! Gib acht, gib acht, Der See ist kalt, Er =spiegelt= nur Das Himmelslicht -- Ein falscher Stern, Ein falsches Herz; Vertrau ihm nicht! Vertrau ihm nicht, Wenn es zu bunt In fremder Pracht will blhen voll. Ein echtes Herz Darf funkeln nicht, Mu tief und still erglhen wohl. Deine schnen Augen. * Oh nichts gibt es auf Erden, Was mich so sehr entzckt, Als deine schnen Augen, Seit sie mich angeblickt. Sie sind meine Himmelssterne, Die ich so selig schau; Sie sind mein Sonnenschein; Sie sind mein Morgentau; Sie sind meine Frhlingsblumen; Sie sind mein Alpensee, Wo mein Schifflein schaukelt, Und wo ich untergeh'. Zur Rosenblhzeit. Noch nie ein so wster April, wie dies Jahr. Und nie ein so holder Mai. Und nie im Wandern so stolz ich war, So kniglich fessellos frei. Wie weit bleibt alles zurck, wie weit, Was sonst mich bekmmert, beschwert. Zur Rosenblhzeit, zur Rosenblhzeit Ist es nicht des Umschauens wert. Das Haupt blht wei, die Wange blht rot, Das Herz aller Freuden voll! Ich frag' mit dem Dichter fast bang, o Gott, Was da noch werden soll! Wenn ich der Himmel wr'. * Wenn ich der Himmel wr', Blieb' ich dir klar, Legt' dir die Sonne ins Goldige Haar. Kme der Abend dann, Tt' ich zu Ehrn, Mdchen, dir leuchten den Glnzendsten Stern. Wenn ich die Erde wr', Tt ich schn blhn; Gb' ich die holde Blum', Mdchen, dir hin! Htt' ich dann Frchte, recht S und recht gro, Legt' ich die schnsten wohl Dir in den Scho! Wenn ich die Hlle trg' Feurig in mir, Tt ich nur brennen aus Liebe zu dir: Mte dich holen der Teufel herein; Wrde die Hlle ein Himmelreich sein! Weit du, Mdchen, da ich sterbe? * Weit du, Mdchen, da ich sterbe, Sterben mu an deinem Blicke, Wenn er weg von mir sich wendet? Weit du, Mdchen, da ich sterbe, Da dein Mndchen mich vergiftet, Wenn es keinen Hauch mir sendet? Weit du, Mdchen, da ich sterbe, Und an deinen Armen sterbe, Wenn mich diese nicht umschlingen? Mdchen, schenke mir mein Leben, Da ich dir dasselbe schenke, Soll das deine ich erringen! Wenn ich durch den Winter geh'. Wenn ich durch den Winter geh', Denk' ich mir, es gibt auf Erden Doch nichts Schneres, als den Schnee, Und er mu zu Wasser werden. Ruht im Hag die Jungfrau mild, Denk' ich mir, es gibt auf Erden Doch nichts Schneres, als dies Bild! -- Und sie mu zum Weibe werden. Tau ich auf dem Rslein seh', Tau an ihrem Augenstern. Tauf' mit Wasser Freud' und Weh, So gewillt es Gott dem Herrn. Frage. Mdchen, wenn ich sehnend flehe, Hrst du nichts? Mdchen, wenn das Aug' du senkest, Siehst du nichts? Mdchen, wenn ich sterben gehe, Willst du nichts? Mdchen, wenn du mein gedenkest, Fhlst du nichts? Was du dir denkst ... Was du dir denkst, ist lngst gedacht, Was ich dich frag', ist lngst gefragt, Wenn Wange glht und Auge lacht, Ist alles, was uns blht, gesagt. Oh, sag nicht nein und sag nicht ja, Wenn ich an deinem Busen ruh', Zum Plaudern sind wir uns zu nah, Drum =schweig= mir deine Liebe zu. Waldabenteuer. Ich geh' durchs Tal am Waldessaum, Tief unten rauscht der Flu, Oh, wie ist doch das Wandern, traun, Im Wald ein Hochgenu! Dort seh' ich stehn ein Mdel fein, Ich wink' ihm meinen Gru Und ruf' es an: Feins Liebchen mein, Komm, gib mir einen Ku! Du hast ein braunes Rckel an, Es deckt kaum deinen Fu, Das zarte, runde Wdchen kaum, Geh, gib mir einen Ku. Du hast ein blaues Augenpaar Und Haare wie von Ru, Dein rosenroter Mund -- ich merk's -- Hat Durst nach einem Ku. Nur scheint die Sonne viel zu hei, Mir fllt was ein, ich tu's, Ich fhr' dich ins Gehege hin Und geb' dir -- -- fllt ein Schu. Juchhe! schreit jetzt das Mdchen auf, Das ist Hieronymus! Ihr Liebster war's, der Jgersmann, Und damit Schlu. Der Verlassenen Fluch. Vor des Ewigen Angesichte Klag' ich ihn, o Himmel, richte! Ach, wie hab' ich ihn geliebt, Whrend er den Tod mir gibt! Mge ihm in dunkeln Tagen Auch die grause Stunde schlagen! Mge er in Qual sich winden, Und kein Herz, kein treues, finden! Mg' der Mensch zum Teufel werden, Dem er hoffend sich auf Erden Voll Vertraun zu eigen gibt! -- Ach, wie hab' ich ihn geliebt! Ein Verworfner mg' er lungern Auf der Heide und verhungern. Welche Lust mir, wenn er schmachtet, Glckverlassen, notumnachtet! Und ich drfte ihm begegnen, Wie wollt' ich die Stunde segnen! Ihn an meinem Herzen haben, Ihn mit meinem Blute laben! -- Wrst du =meiner= Qual versunken, Httest =mein= Leid du getrunken, Wtest du, was Hlle ist. -- Wollte dich so lange kssen, Bis du wieder selig bist. Amor, dieser Wicht. Ich mach' in meinem Leben kein Gedicht mehr an ein Mdchen, Das ich nicht darf lieben. Es ist zu gefhrlich, um das Licht zu schwrmen, Das bestimmt ist, andere zu wrmen. Wer hatt' mich auch dazu getrieben? -- Wo Auserwhlter war mein liebster Freund, Und sie des liebsten Freundes Auserwhlte. Und ich? Ich war nebstbei so da, und wie es scheint Ein wenig lecker auch. Und sieh, da stellte Der Knirps von einem Amor mir die Falle. Dem Freund zulieb und seiner Maid zu Ehre Gedacht ich ein Gedichtchen ihr zu weihn. Aus Eigennutz war's nicht, denn ich begehre, So dachte ich, dafr das bichen Heiligenschein Des Ruhmes nur. War noch erklecklich eitel Und meint', mit einem Vers mt' ich beglcken Ein Mdel von der Zehe bis zum Scheitel, Und mindestens dem Erdball es entrcken. Gedacht, getan, ich schrieb ihr ein Gedicht In leichten Jamben. Fr eines andern Liebe Sind Jamben gut genug. Schweres tauget nicht. Was anders, wenn ich eine Ode schriebe Im tiefen Seufzertakte eines Romeo! Dann allerdings schwerschreitende Trochen. Doch, was wollt' ich nur sagen? -- Ei ja so! Ich schrieb der Liebsten meines Freunds, Um mich verbindlich bei ihr einzustellen. Sie war zu herzig, traun, sie war's wohl wert, Der holden Muse warm sie zu empfehlen. Begann zu dichten, wie's ein Herz begehrt, Beschrieb die zarten Reize, sagte ihr auf Ehre, Wie ich an ihrem Glcke Anteil nhme, Und da als Freund ich gar imstande wre, Dergleichen selber -- wenn die Stunde kme -- Zu gnnen mir. Doch mte auch mein Pppchen So lieblich sein wie sie. Es stnde immer Mein Sinn nach solchen Wnglein, solchen Grbchen Und solchen uglein auch, wie man sonst nimmer Sie gesehn auf dieser Welt, als -- im Vertrauen Nur sei's gesagt -- an ihr, der Treuen Meines lieben, einzigen Freundes, sind zu schauen. Unmglich, sang ich, wre zu bereuen Eine Wahl, wie diese. Lie es ihr auch merken, Da sie, nur sie allein, die Schnste sei der Schnen. Und es gelang mir, solches zu bestrken, So grndlich, da -- bevor ich es konnt' whnen -- Diese kunstvoll hbsch gedrehten Liebesphrasen Ich selber treulich glaubte. Und bevor Das Liedchen fertig noch, begann ich schon zu rasen, Aus purer Leidenschaft, die bis ans Ohr Mir tckisch hei tat steigen -- -- Was dann geschah! -- Ach, lat mich schweigen. -- Und hast du einen Freund, das lehret die Moral, So schicke seinem Liebchen nie ein Liedel, Auch wenn er's selbst erlaubt, wie's hier der Fall, Sonst gibt es einen Tanz nach seiner Fiedel. Und hast du weidlich Pfeile zu verschieen, Ich gratulier' dazu, doch mut du wissen, Auf welche Scheibe du mit Recht darfst zielen, Denn Amor, dieser Wicht, er lt mit sich nicht spielen. Diese Mdels! Als ich dem Liebel im Stbel gestand, Ich wrd' es kssen mssen, Da gab's ein Bildchen mir in die Hand, Da ich was htt' zum Kssen. Es war der heilige Antonius, Der Findpatron zum Glcke; Hatt' ich verloren des Liebchens Herz, So bracht' er mir's zurcke. Dann, als sie sah, wie glhend ich Das Amulett tat kssen, Da hat sie's heftig, zornig, wild Mir aus der Hand gerissen. Nun hab' ich gewut, was zu geschehn, Die Eifersucht zu khlen. Die Mdels, die mgen das Kssen nicht sehn, Aber fhlen, fhlen, fhlen. Belehrung fr einen Dichter. Du beklagst dich, da dein Weibchen Nicht will deine Lieder lesen. Schreib in Kssen, statt in Versen, Wird sie's immer wieder lesen. Bist du ferne, wird sie gerne Lieder unterm Flieder lesen. Doch, wenn selber singt der Vogel, Wozu im Gefieder lesen? Wisse, sie hat nicht die Richtung Literarisch weiser Richter; Lieber, als die grte Dichtung, Ist dem Weib der junge Dichter. Deshalb ist, seid ihr beisammen, Nicht die Zeit zum Liederlesen. Amors Rat. Wenn du, mein Freund, zur wonnigen Mundlust Den khlen Schnabel des Krugs an den Mund tust, So halte zur lieblichen, sen Geleitschaft Den glhenden Schnabel der Maid in Bereitschaft. Gewohnheit. Der Httenrauch[B], das Kssen auch, Das sind zwei schlimme Dinge. Wer's einmal tut genieen auch, Der kann es nicht mehr missen auch, Selbst wenn er am gewissen Brauch Zuletzt zugrunde ginge. [B] Arsenik. Schon dreiig Jahre bin ich alt! Schon dreiig Jahre bin ich alt, Und noch allein geblieben. Und seh' die Knaben mannigfalt Wohl ihre Schtzlein lieben. Ich seh', wie sie sich froh einand Die Hochzeitskrnze winden; Ich wandre durch das weite Land Und kann meinen Schatz nicht finden. Ich such' ihn, wo bei Herdesglanz Die holden Mdlein blhen, Ich such' ihn, wo bei Kirmestanz Die Dirnen alle glhen. Ich seh' die Jahre rascher ziehn Und fhl' die Jugend schwinden, Und suche ihn und rufe ihn, Und kann meinen Schatz nicht finden. Und sie, die mir bestimmt mu sein Fr meine Lebensfahrten, Wird irgendwo allein, allein Mit Bangen auf mich warten. Der Alte hier, die Alte dort Wird einsam einst begraben, Zwei, die sich treu und hei geliebt Und nie gesehen haben. Ein Rosenblatt. Was das Rosenblatt bedeutet, Das in sich zusammenkauernd Vor dem Hauch des Mundes schauernd Auf der Hand mir liegt gebreitet? Kann ich nicht dem toten, sen Rosenblatt mit Sehnsuchtsbeben Noch einmal ein junges Leben Minnend in die Adern gieen? Oh, vor meinem heien Kusse Wird es nimmer frischen knnen, Wird es, ach, nur still verbrennen, Asche, Asche sein zum Schlusse. Rosenblatt, warum alleine Kommst du mir von =ihr= geflogen, Ach, da du nicht mitgezogen Sie, die Holde, die ich meine! Jene Se, von den Musen Ahnend mir so lang verheien. Nchtig, wenn die Sterne gleien, Mcht' ich ruhn an ihrem Busen. Mcht' ins scheue Aug' ihr sehen, Ihr ins tiefe Herz mich graben, Mcht' in heier Glut mich laben Und in Liebeslust vergehen. ------ Soll ich warten, bis die Tage Wachsen und die Nchte schwinden, Die so lockend, Lieb' zu finden? Rosenblatt, flieg hin und frage. Soll ich warten auf die Tage, Wo zur Form wird, was heut Ku ist, Und zur Pflicht, was heut Genu ist? Rosenblatt, flieg hin und frage. Denk an deine Maientage, Rosenblatt, du kennst das Leben; Kennst der Liebe Pein und Beben. Nun, so flieg zu ihr und frage. Was in deiner Seele spinnt ...? Wie nah, mein schnes, ses Kind, Ist mir dein holdes Angesicht, Ich trinke deinen Atemhauch Und deines Auges lchelnd Licht; Doch was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt, Ich wei es nicht. Ich wei den von Jahrtausenden Emporgebauten Erdengrund, Ich kenne das mit Sternenwelten Reich geschmckte Himmelsrund; Doch was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt, Ist mir nicht kund. Entzckt von deiner Zunge Klang, Und doch in tiefster Einsamkeit, Mein Lippenpaar an deins gepret: Und dennoch mir unendlich weit Ist, was in deiner Stirne sinnt, Und was in deiner Seele spinnt Fr alle Zeit. Denn das, worauf ich wollte baun, Hat mich getuscht, die Trne dein. -- Es mte denn dein Herzblut, traun, Der opferfrohe Bote sein, Da Lieb' mir deine Seele spinnt Und Treu mir deine Stirne sinnt, Dann bin ich dein. Sie liebt dich von Herzen! Einst tat ich im Walde spazieren gehn, Da sah ich im Wald ein Malieb stehn. O Herzlieb, du bist mein Entzcken! Doch Maliebchen, die kann man pflcken. Ich tat's und fragt' es inniglich: Verrat's, mein Schtzel, liebt es mich? Da log es mir frech ins Angesicht: Dein feines Schtzel, das liebt dich nicht. -- Ich grub mit dem Messer ein tiefes Grab Und warf das bse Blmlein hinab, Und wlzte darauf einen schweren Stein, Sollst ewig und ewig vergessen sein. Dann tat ich sinnend weitergehn Und sah ein Schlsselblmlein stehn. O Mdel, du bist mein Entzcken! Und Blumen die kann man zerpflcken. Ich tat's und fragte inniglich: Verrat's, meine Traute, liebt sie mich? Die Blume in Sterbensschmerzen: Sie liebt dich, sie liebt dich von Herzen! -- Ich grub mit der Hand ein Beetlein auf Und tat die zerrissene Blume darauf. Doch als sie lag auf der Totenbahr, Da ward sie lebendig, erhob sich gar, Das eine Blttchen, es jauchzte aufs neu: Sie liebt dich von Herzen, sie liebt dich treu! -- Dann wuchsen der Blume in Kranzesflor Die Bltter all von neuem hervor, Schneeblendend wei, die Spitzen rot, Wie Unschuld und Liebesmrtyrertod. Und jegliches blinkte mir traulich zu: Sie liebt dich von Herzen! O Glcklicher, du! -- Nun kam ein Sturm und knickte die Bume, Und Blitze durchzuckten die himmlischen Rume; Die Blume wiegte ihr Haupt und rief mich: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich, sie liebt dich! -- Dann nahte der Winter und senkte im Schnee Auf alle Gefilde ein eisiges Weh. Doch sieh, die Blume hold und wei, Sie blhte hervor aus Schnee und Eis, Und nickte mir zu in Ernsten und Scherzen: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich von Herzen! -- Und als von neuem der Frhling kam, Da fhrte zum Wald mich ein tdlicher Gram, Ein tdlicher Gram, eine hllische Pein, O selig, glckselig, gestorben zu sein! -- Auf grnendem Beete die Blume stand, In ppiger Blte mir zugewandt, Und winkte und flsterte s und innig: Sie liebt dich von Herzen! Sie liebt dich unsinnig! -- Ich hob meinen Fu und trat sie tot, Die gleinerisch Blume, so wei und rot. Und ging noch tiefer in den Wald hinein, Und suchte das Grab mit dem schweren Stein, Und habe geweint und habe geklagt: =Du= hast es gesagt! =Du= hast es gesagt! Rosen pflanzt man nicht auf Herzen. Ach, du klagst, da deine Schne Nicht dein Herz auf Rosen bette, Sondern statt mit Blumenkette Es mit spitzen Dornen krne. Nur Geduld, einst wird sie kosen Deinen Strau bei Grabeskerzen, Rosen pflanzt man nicht auf Herzen, Nur auf =Erde= pflanzt man Rosen. Heb dich weg und k mich nicht! * Heb dich weg und k mich nicht! Du nicht, ich bitte dich, Ein Ku von dir -- o k mich nicht! Ein Ku, er wr' mein Tod. Kleine Schelmin, lchle nicht! Du nicht; -- blick mich nicht an! Das traute Du, o nenn es nicht! Sprich nichts, kein Wort zu mir! O la mich gehn, berhr mich nicht! Ich wei, mein Kind, du liebst mich nicht. Und ist nicht auch die Seele mein, Den Leib allein, den mag ich nicht. In alten grauen Tagen. In alten grauen Tagen, Da hat sich's zugetragen, Da tat ein Knab' das Maidlein schaun, Das Maidlein tat dem Knaben traun, In alten, grauen Tagen. Der Knab' tat nit lang bitten, Nahm 's Mdl um die Mitten Und hub mit ihr ein Tnzlein an, Der Atem tat ihr stille stahn In alten grauen Tagen. Und als er satt am Tanzen, Da nahm er seinen Ranzen, Und lie die Maid zu zwein -- allein. -- Das Mrchen soll geschehen sein In alten grauen Tagen. Weib. Schicksal im langen Haar, Herrin, mir graut vor dir! Rei von der Heimat mich, Raube die Freunde mir. Brich meinen Tatenmut. Hhne, verrate mich, Schnde die Ehre mir, Hass' und verkaufe mich. Foltere die Seele mir, Hetz in die hlichsten Laster des Lebens mich, Strz in die ewigen Peinen der Hlle mich: Anbeten! Anbeten! Anbeten mu ich dich, Wonniger, gttlicher Dmon -- ich liebe dich! Die Schrift im Sande. Als man dem Herrn Die Snderin verklagt, Da hat er blo gesagt: Wer selber sich wei rein, Der werfe seinen Stein! Dann schrieb er etwas in den Sand ... Sie gingen hin und guckten, was da stand. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Verstanden hat's wohl jeder, Der's geschaut. Doch keiner hat sich's Zu sagen getraut. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Mit erbarmendem Lieben Hat er es auf Sand geschrieben, Wo es der Wind verweht. Huldigung. Die Frauen, Sie bauen An unserm Vertrauen Im Spinnen Und Sinnen Am schneeweien Linnen. Die Sen, Wir mssen Sie ehren und kssen. Die Feinen Und Reinen Sind es, die wir meinen. Bei mir stimmt's einzig nicht. Bei mir stimmt's einzig nicht, was steht geschrieben, Da Lieb' und Leidenschaft sich einig wissen. Die ich geno, war mir zu schlecht, zu lieben, Und die ich liebt, zu =wert=, sie zu genieen. Seelisch Liebe. Ich lieb' an einem Weib Nicht blo den feinen Leib, Noch mehr die reine Seele. Ist ihre Seel' nicht mein, Auf ihren Leib allein Verzicht' ich leicht und schnelle. Als ich um sie gefreit War's fr die Ewigkeit Und nicht fr kurze Blte; Die wahre Liebe keusch Plangt nicht so sehr nach Fleisch, Vielmehr nach Herz und Gte. Wer fr Gestalt nur Sinn, Fr den sind bald dahin Des sen Glckes Triebe. Doch auf der Jahre Hhn Wird erst die =Seele= schn In Ahnung =ewiger Liebe=. Schon fleiig, lieber Goldschmied? Schon fleiig, lieber Goldschmied? Guten Morgen! Ein bichen, Herr Nachbar, guten Morgen! -- Klopf, klopf! Was wird denn geschmiedet so laut? Ich schmiede ein Ringlein meiner Braut. Das Ringlein wird glnzend und klar, Ich fhre sie bald zum Altar, -- Klopf, klopf, klopf! Noch fleiig, lieber Goldschmied, guten Abend! Ich bin nicht mehr Goldschmied, guten Abend! -- Klopf, klopf! Was wird denn geschmiedet so laut? Ich schmiede ein Kreuzlein meiner Braut, Ein eisernes Kreuzlein frs Grab, Wir senken sie morgen hinab. Klopf, klopf, klopf! Wenn du gehst von mir ... Wenn du gehst, wenn du gehst von mir, mein Lieb, So ist es aus mit mir, Ich wandre dir nach durch die halbe Welt, Und such' und ruf' nach dir. Ich frage den Jger im grnen Wald, Den Schfer auf blumiger Au: Hast du nicht gesehn eine schne Maid Mit hellen uglein blau? Ich frage den Vogel im Tannenhag, Den Fisch im Meeresgrund: Hast du nicht gesehn eine schne Maid Mit rosenrotem Mund? Ich frage den Grber am Kirchhoftor, Den Priester am hohen Altar: Hast du nicht getraut eine schne Braut Mit krausem, gldnem Haar? Und wei ich dich schlafen im tiefen See, Dann jauchz' ich mit hellem Mut, Und tauche, mein Lieb, zu dir hinab In die weiche, khlende Flut. Und wei ich dich eines andern Braut Mit runden Wngelein rot, Dann leg' ich mich auf die Erden hin Und weine, und weine mich tot. Und wenn ich an Lieb' gestorben bin, So graben sie ein tiefes Grab, Und legen ein Kreuz mir auf die Brust, Und senken mich still hinab. So hast du dich, Kind, von mir gewend't, Und ich bin blieben dein. Gott mit dir, Gott mit dir, du hartes Lieb! Ich leb' und sterb' allein. Halbverklungene Heldenkunde. Halbverklungene Heldenkunde Wei zu sagen von dem Paare, Das nach grausen Hunnenschlachten Auf dem Ro, dem kampfesmden, Vor den grimmen Trken fliehet. Unterwegen rast der Flchtling Ob des Vaterlandes Jammer. Angstvoll htet er sein Weib noch Vor der wilden Gier der Feinde. Sieh, da strzt das treue Rlein. O verdammt! so ruft der Reiter, Da sie hhnend mich ermorden, Ist beim Himmel nicht das Schlimmste, Doch in ihre Hnde fallend =Du=, mein Weib, du Heigeliebte ... Das wird nimmermehr geschehen, Ich bin dein und will's verbleiben! So das Weib, die Brust entblend. Zieh den Dolch und rette, Liebster, Freudig mich vor den Barbaren. Nchtige Brnde fester Burgen Glhn am schwerbewlkten Himmel. Schnaubend nahn die wsten Horden, Sehn zwei purpurrote Brnnlein Springen auf der drren Heide. Des Landmanns Saat. Der Landmann set das Weizenkorn. O Maid, ich bin dir gut! Er mht das reife Weizenkorn Und kt sie bis aufs Blut. Der Stein zermalmt das Weizenkorn, Die Maid liegt auf der Bahr'. Als Hostie thront das Weizenkorn Auf heiligem Altar. Wie stiegst du hoch, mein Weizenkorn! Und wer und wo blieb ich! O Brot, der ewigen Liebe Born, Erbarme dich! O sei mir gegret, du grnender Baum! O sei mir gegret, du grnender Baum, Wo ich mein Liebchen sah, Die Myrt' in den Locken, auf blumigem Saum, So nah! So nah! So nah! Wie kte ich hei ihren rosigen Mund! Am Baum ein Vglein sang. O Wonne des Herzens, glckselige Stund'! Wie lang, wie lang -- wie lang! Sie fllten den Baum, und sie bauten den Sarg, Im Mai, im holden Mai. Sie schlossen den Schrein, der mein Himmelreich barg. Vorbei, vorbei, vorbei! Gedenken. Aller Sonnenschein auf Erden Ist ein traurig Ding, Wenn nicht schwebt der Einzigen Schatten Auf dem Wiesenring. Knnt' ich einmal noch vernehmen Ihrer Stimme Klang, Wollt' ich gerne stumm und taub sein Auf mein Leben lang. Alle Rosendfte, welche Da den Mai durchziehn, Gbe ich fr einen Hauch Ihres Mundes hin. Alles, was ich noch geniee, Was ich bin und hab', Ist nicht wert des blassen Staubs Auf ihrem Grab. O Herrgott, wieviel an Liebe! Es sinken vom Baum die Bltter, Der Sommer ist vorbei. Mein Mund ist noch rot und will kssen Wie einst im Mai. Es fallen vom Haupt die Locken, Mich schrecket der Eule Schrei, Ich flchte bange zum Mdel, Wie einst im Mai. O Herrgott, wieviel an Liebe, Und ach, wie wenig Zeit! Die Lieb' ist nicht auszuschpfen In Ewigkeit. Welt Mein Ideal. * Ein schneres Ideal hat noch niemand getrumt, Als meine sehnende Seele es hegt, Ich seh' ein Paradies auf Erden erstehn, Das wieder die =Freude=, die =Liebe= trgt. Ich sehe die Vlker des Erdenballs Im Glanze der glorreichen Einheit stehn, Ich seh' auf den Zinnen der Treue, des Rechts, Der Bildung, die Fahne des Friedens wehn. Ich seh' nur die Waffe des Geistes gezckt Zum Trotze dem Mordblei, zum Trotze dem Schwert; Ich sehe das Eisen dem Baue des Felds, Der sausenden Werkstatt zugekehrt. Ich sehe die Frau am huslichen Herd, Keine Sklavin der Willkr, der Mode mehr. =Eine Priesterin, traun, der wrmenden Glut=, An der Liebe Altar, des Hauses Ehr'. Ich ahne -- ich sehe die herrliche Zeit, Ich sehe zur Wahrheit die Schnheit sich reihn, Die Vlker in Liebe verschlungen und frei, Ich sehe die Menschen -- =Menschen= sein! Wir weichen nicht von unsren Idealen! Wir weichen nicht von unsren Idealen, Sie schmcken, adeln dieses Erdenwallen, Sie ehren uns, Der Niedertrchtigen Hohn wird uns zum Ruhm. Ums welterlsende geweihte Heiligtum Wir wehren uns! Der Vlker, Rassen, Religionen Streit Vergeht im warmen Glanz der Menschlichkeit. Wir kehren uns Zum treuen, ewigen Geist, der alle zhlt, Und wehe dem, der Ha statt Liebe whlt! Wir wehren uns! Doch nicht mit Schwert und Feuer, wie Barbaren; Denn unsrer Philosophen heilige Scharen, Sie lehren uns, Trotz Korybantenlrms von Schelm und Wicht, Mit heiterer Ruh und lchelndem Gesicht Zu wehren uns. Mein Erz. Mein deutscher Sang ist euch zu zahm, Anstatt mein geliebtes Volk zu segnen, Soll fluchen ich der Feinde stramm, Dem Nachbar stets mit Trutz begegnen. Mein Herz ist froh, mein Erz ist rein, Es dient dem Tod nicht, nur dem Leben; Wie, mu denn alles Kanone sein? Mag's nicht auch klingende Glocken geben? Mein Ehrgeiz. Die Ehr' ist jenes Gut, Das mir am hchsten frommt, Doch nicht die flchtige Ehr', Die nur von auen kommt. Ein groer Dichter, traun, Das hrt sich s und fein; Doch hher stnd' mein Stolz: Ein groer Mensch zu sein. Die Ehre, flach geweht Hin ber Lnder weit, Ist nichts gleich eines Menschen Tiefer Dankbarkeit. Wer nur um Ehre schafft, Der ist zwar wert der Ehr', Der ueren bunten Zier, -- Doch sonst auch nicht viel mehr. Wenn einst ich sterben mu, Soll keine Trauerschar Von Gleisnern folgen mir Zu meiner stillen Bahr'. Nicht Nekrolog, nicht Stein, O Gott, man kennt die Weis'; Sie ehren Tote blo Zu ihrem eigenen Preis. -- Nur =eines= wollt' ich, da Ein Braver sagen kann An meinem schlichten Grab: Er war ein braver Mann. Ein Becher, fllt ihn Gott mit Wein ... Ein Vater lag im Sterben, Drei Shne sollten erben. Der eine war ein Bauersmann, Der pflgen, sen und ernten kann, Der erbte die Hfe, die Felder, Die Grten, die Wiesen, die Wlder. Der andre war ein Hammerschmied, Dem gab der Vater, als er schied, Die Hmmer und all die Gerte, Auf da er Werkzeug htte. Der dritte war ein munterer Knab' Mit Sngerkehl' und Wanderstab, Nach Vaterswill' dem verbliebe Sein Menschenherz voll Liebe. -- Und als vorbei der Jahre zehn, Da hat man schon das Ziel gesehn. Der eine sorgte Tag und Nacht, Bis endlich er's zu Geld gebracht; Der andre sorgte Stund' um Stund', Da nur sein Haufen Geld nicht schwund; Der dritte zog von Sorgen frei Mit Sang an Not und Geld vorbei, Und schpft' mit Wonne, teilt mit Lust Die Lieb' aus seiner Dichterbrust, Und streut' ohn End' von Haus zu Haus Die Gab' an Arm' und Reiche aus. -- Ein Becher, fllt ihn Gott mit Wein, Wird ewig unerschpflich sein. Ewiges Lied. Im tiefen, dunkeln Felsental, Da rauscht ein ewiger Wasserfall. Ein Wandrer horcht der Melodei, Es wird ihm wohl und weh dabei, Und kann doch nichts verstehen. Er macht ein feines Sinngedicht, Das klar die schnsten Worte spricht. Doch sieh, ob dieser Poesei Wird keinem wohl und weh dabei, Und kann es doch verstehen. Und -- eh das Jahr von hinnen zieht Ist schon verstummt des Sngers Lied. Was man verstand und nicht empfand, Das klingt nur einmal durch das Land. -- Ewig rauschen die Wasser. Die Harfe. Unser Herz ist eine Harfe, Eine Harfe mit zwei Saiten. In der einen jauchzt die Freude, Und der Schmerz weint in der zweiten. Und des Schicksals Finger spielen Kundig drauf die ewigen Klnge, Heute frohe Hochzeitslieder, Morgen dumpfe Grabgesnge. Die Hand an meiner Rechten. * Die Hand an meiner rechten Seiten Ist lobenswert zu jeder Stunde, Sie holt das Brot aus allen Weiten Und fhrt es zrtlich mir zum Munde. Und ballt die Linke, Unerzogne, Sich hinterm Rock, wenn Gste nahen, So wei die Rechte, Wohlgepflogne, Mit edlem Anstand zu empfahen. Und nahen schlechtgesinnte Mchte, So greift sie rhrig zu den Waffen, Und wei mit ritterlichem Rechte Mir Schutz und Frieden zu verschaffen. Und weil sie gtig von dem Hehren Als treue Freundin mir gesendet, So ist sie auch in allen Ehren Der Ksse wert, die man ihr spendet. Und trotzdem leider ist sie heute Der Linken weit zurckgeblieben, Denn dreist hat sie, und nicht gescheute, Ihr eigenes schales Lob geschrieben. Meine Taschenuhr. Wie fhl' ich dich an meinem Herzen schlagen, Du starkes, reges, goldnes Herz der Zeit! So wandern wir selbander sonder Zagen Den dunklen Stundenweg der Ewigkeit. Der Zeiger kreiset stetig in der Runde, Ein Sinnbild, wie das Weltenuhrwerk kreist; Dein =Herz=, o Mensch, ist endlich wie die Stunde, Unendlich wie die Runde ist dein =Geist=. Ungeduld. * O lieber Gott, wo werden jene Stunden sein, In welchen mir der Lorbeer wird gewunden sein! Ha, suche dir die Zweige! spricht die kluge Welt, Denn jedes Glck will mhevoll gefunden sein. Ich darf es nicht, die strenge Pflicht hlt mich zurck. Warum mu ich durch Sorg' und Not gebunden sein? Vielleicht, da man mir einst die schweren Bande lst, Doch wird bishin schon Kraft und Will' verschwunden sein. Und bis man mir zu Lab den milden Balsam beut, Oh, knnen wohl vernarbt die heien Wunden sein. Und wenn man jauchzend einst den vollen Becher reicht, Kann der Verschmachtete schon lngst tief unten sein. Der spte Tropfen, der sein einsam Grab benetzt, Wird, traun, vom Schlfer nimmermehr empfunden sein. Wilder Waldespsalm. Ihr Hupter in goldiger Morgenglut, O blicket aus Himmelshh' nieder Zum Snger, der sinnend im Moose ruht, Euch feiernd durch harmlose Lieder. Wie lodert dort oben der Gletscherschein, Wie flstert im Schatten die Quelle: O schenkt mir von eurer Herrlichkeit ein, Bis trunken die sehnende Seele. Als einst ich verloren die ganze Welt, Den Glauben, die Hoffnung, die Liebe, Und als mir die glitzernden Freuden vergllt Im wsten Weltgetriebe; Und als ich mein junges Leben verprat, Weil es ohne Reiz mir und Wert war, Und als ich den Mann auf der Strae gehat, Weil er wie ich auf der Erd' war. Da zog ich hinaus wie ein dachloser Hund, Mich selbst und das Dasein verfluchend, Da schritt ich verloren, im Waldesgrund Einen luftigen Baumast mir suchend. Doch siehe, da war kein Ast mir recht, Der war mir zu hoch, der zu nieder, Ein dritter zu gut, ein vierter zu schlecht, Ein fnfter mir anders zuwider. Und ein jeder tat so geheimnisvoll Und flsterte leis mit dem Nachbar; Sie machten sich ber mich lustig wohl, Da ich so elend und schwach war? -- O nein, nur die Welt verspotteten sie Und schmiedeten eine Verschwrung; Der Wald und die Welt, die vertragen sich nie, Ob letzterer tiefen Betrung. Drum sagten die Bume: 's wr alles wohl recht, Die Vorzeit, die Zukunft, das Heute, Selbst der Himmel ist gut und die Erde nicht schlecht, Doch die Leute -- die argen Leute! Die Leute, die liegen sich alle im Haar Und raufen, da es ein Skandal ist, Und spielen in bermut mit der Gefahr So lange, bis jeder am Fall ist. Und wenn sie zu Fen den Abgrund sehn, Dann schwindeln sie fluchend und taumeln, Ja, dann erst will mancher zum Walde gehn, Und -- da er nicht fallen kann -- baumeln. Oh, kmet ihr frher zu uns in den Wald Mit jugendlich heiteren Sinnen, Ihr wret mit Siebzig noch immer nicht alt, Und wtet gar zrtlich zu minnen! -- So sagten die Bume und flsterten fort, Erzhlten sich sondre Geschichten; Ich habe verstanden ein jegliches Wort Und wei mich darnach nun zu richten. Und kriegt mir die Frhlichkeit jh einen Sprung, So kratze ich Waldharz und leime, Und sprudle und jauchze und bin wieder jung, Und schmied' ein paar hinkende Reime. Das Geheimnis. Im Walde Frieden. Zwei Hummeln luten. Der Tag ist schon neigend. Da nahen Gestalten aus alten Zeiten, Die stille Reihe der alten Bekannten, Sie gren mich schweigend. Sie winken mir stumm ein Geheimnis zu Und schwanken vorbei. ... Ich hab' nichts verstanden. Allseliges Leid. Was glnzen doch dem die Augen so hell? Und birgt in der Brust eine dmmernde Seel', Und hllet in staubige Spinnenweben Geheimnisvoll sein glosendes Leben. -- Wei es einer, wie wohl sie tut, Die einsame Glut? Was brennen doch dem die Wangen so rot? Er ist ja kalt, er ist ja tot! Er scherzt nicht mit Freunden, er kost nicht mit Frauen, Er kann keine lustigen Leute schauen. -- Wei es einer, wie weh kann sein Die einsame Pein? Und wei es einer, wie wohl es tut, Wenn glhend das Herz in sich selber ruht, Und wei es einer, wie hart es kann sein -- Der schleiche vorber und la' ihn allein, Den Mann in seinem allseligen Leid Der Einsamkeit. Erprobter Rat. Magst du wissen, wann du sollst gesellig Und wann einsam sein? Willst du =Freude=, suche Menschen, Willst du =Glck=, so bleib mit dir allein. Wisse, wann dein Werk am schnsten Und am reinsten mag gedeihn: In der =Arbeit= suche Menschen, Doch im =Schaffen= bleib mit dir allein. Wie's auch jeder hlt nach seiner Weise, Lasse eins gesagt dir sein: Wenn du hassest, meide Menschen, Wenn du liebst, bleib =nicht= mit dir allein. Dichters Wunsch. Ach, wie gerne mcht' ich wissen Oft, zu wem mein Sprchlein spricht! Hunderttausend Leser hab' ich, Aber =einen= hab' ich nicht. Hunderttausend Leser heien Publikum, und ihre Zahl Wird willkommen der Verleger Heien hunderttausendmal. Einen mcht' ich, =einen= haben, Den ich kenn', von dem ich wei, Da er jede meiner Zeilen Liest mit Liebe und mit Flei. Einen einzigen ganzen Menschen, Einen ruft der Dichter an, Dem er all sein Denken, Dichten, Frohes Schaffen weihen kann. Einmal hatt' ich einen solchen, Habe nur an =ihn= gedacht, Habe nur fr =ihn= gedichtet Und mein Herz ihm aufgemacht. Also sprach der Mensch zum Menschen Traut mit leiser, warmer Stimm', Und die hunderttausend Leser Fanden sich in mir und ihm. Als ich redete fr einen, Standen alle rings herum, Red' ich allen, hab' ich keinen Menschen -- lauter Publikum. Welch ein Los! Welch ein Los! Im bunten Lebensgarten Frhlicher Genossen bin ich einsam. Hab' mit ihnen Ziel, Geschick und Leiden, Sprach' und Lied und Vaterland gemeinsam. Streuen scherzend Rosen unsren Pfaden, Lieben uns einander -- und bin einsam. Einsam, wenn das Blau der Fern' uns trennet Mitten unter ihnen bin ich einsam. Einsam, wie der Schiffbrchig' im Meere, Einsam, wie der Aar im Himmelskreise, Einsam, wie der Mann, den sie begruben Unter Nordlichtschein im den Eise. Brcken schuf Natur von Aug' zu Auge, Hngend auf des Lichtes goldnen Stben; Schiffe auf dem Wellenmeer des Klanges Zwischen Mund und Ohren heiter schweben. Und des Blutes ehern ewige Bande Flechten aneinander unsre Sinne; Aber von der =Seelen= freier Zinne, Auseinander fern sich ungemessen, Hat Natur zu baun den Weg vergessen. Nicht so einsam ist das Alpenrslein An des starren Eises kalter Schwelle; Nicht so einsam ist der Stern am Himmel, Als in ihrem Leib die sehnende Seele. Einsam, wenn dem Schnen sie und Reinen, Mai im Herzen, grne Krnze webet; Einsam, wenn sie selige Pfade suchet Nach dem Gottesreich, und ihnen lebet. -- Als in Tiefen mit Genossen kriechen Ist es besser, hoch zu schweben einsam. Grer, gttlicher gewi -- doch glcklich? =Glcklich= ist der Erdsohn nur gemeinsam. Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm! Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm! Wie bin ich so arm an Lieb und Lust! Ich fhle den Lorbeer ums Haupt herum, Und keine Rose an meiner Brust! Wie bin ich so reich an Ehr' und Ruhm! Aus Erde, die andern nur Dornen beut, Entsproten mir Lorbeern und flechten, traun, Ein Haus, wo kaum ich zu wohnen wei. Mit Lorbeern umrankt ist mein schlichter Tisch, Mit Lorbeern das einsame Lager bekrnzt, Zu khlen die heie, pochende Stirn, Und Lorbeern, zu stillen das sehnende Herz. Ich rief dich nicht, du prangender Zweig, Du hast dich ums Herz mir schmeichelnd gerankt, Und wirst du bald treulos verwelken mir, Dann steh' ich, Unseliger, grau vor Gram Auf schauerlich dem Lebensplan. Wie bin ich so arm an Lieb' und Lust! Ihr, die den Poeten beneiden scheel Um Frchte der Liebe, o hrt mich an: Den grnen, duftenden Lorbeerhain, Ich gb' ihn fr eine Rose hin. Der rosenbekrnzte Becher des Glcks, Er mied die durstige Lippe mein; Den heien Schwei auf der blassen Stirn, Ihn trocknet ermunternde Liebe nicht. Und Liebe nicht kt auf dem Katafalk Die letzte Trne vom Antlitz mir. Nimmer will ich weinen! * Ist das Glas des Fensterleins nicht helle, Ist das Aug' umflort von einer Trne, Schaut die Welt zu dster in die Seele. Nimmer will ich weinen, nimmer klagen, Niemand wischt vom Auge mir die Zhren. Einsam will ich tragen und entsagen. Nur dem Retter, wenn er wird erscheinen, Leis' mir winkend mit der Friedenspalme, Will ich eine Freudentrne weinen. Ein Eselslied. Willst du, Freundchen, doch einmal das hochgelobte Land erlangen, Wo es unserm alten Vater Adam einst so wohlergangen, Darfst du nicht gen Westen ziehn, wo aller Tage Sonnen fallen, Mut du, wo sie auferstehen, hin ins Land des Ostens wallen. Darfst du nicht das Dampfro, nicht das stolze Pferd des Ritters reiten, Selbst des Dichters Flgelhengste knnten leicht dich irreleiten. Nur das Eselein, das arme, das beharrlich voll Geduld Trgt auf seinem breiten Rcken eignes Kreuz und fremde Schuld, Nur das Eselein, das arme, kann ins Paradies dich tragen, Weit du, Freund, wie ich das meine, brauch' ich weiter nichts zu sagen. Einkehr. Tausend Formen hast du, Menschheit, Durchgeprobt in deinem Leben. Hier in Freiheit, dort in Knechtschaft, Hier in Trgheit, dort im Streben. Hier in stolzen Waffengngen, Dort mit weichen, frommen Sitten Bist du khn zugleich und zagend Durch die Nacht der Zeit geschritten. Doch, die Sterne, die da leuchten, Und die Blumen, die da sprossen, Und die Trauben, die da reifen, Hast du einst wie heut genossen. Ganz wie Adam seine Eva Sich gemacht zur Herzensbeute, Ganz wie Kain erschlug den Bruder, Ganz so liebt und hat man heute. Eins ist ewig; was du tun magst, Menschheit, streiten oder zagen, Lust und Leid, soviel in deinem Busen Platz hat, mut du tragen. Auch der Mchtige und Freie Ist die Beute eines Drachen. Und den Sklaven an der Kette Kann nur =Liebe= selig machen. Das, was dich auf deiner Wander Manchmal will zu Boden drcken: Nicht der Weg ist's, der dich schwchet, Nur die Last auf deinem Rcken. Ob der Knig, ob der Priester, Ob der Volksgewhlte fhret, Ob der Glaube, ob das Wissen, Ob die Kunst das Leben zieret, Es ist eins. Aus andern Tiefen Keimen, Mensch, dir Heil und Schmerzen, =Dein Geschick steigt gro und ehern Einzig nur aus deinem Herzen=. Miratener Fluch. Vor zwei Jahren, zu Sankt Marten, Habe ich in Nachbars Garten Einen schweren Fluch geset. Rachedrstend wollt' ich warten, Bis er in die Halme geht Und im sonnenfrohen Lenze Den verhaten Hof umkrnze Strppedicht mit Dornenranken. Sieh, und als am Maienbronnen Alle Lebewesen tranken, Haben Blten sich gesponnen Um das Haus des Nachbars Jocken, Der mir tat die Braut entlocken. Linde weie, rote Blten, An der Stirn des Hauses glhten; Rankten hold sich um die Dcher, Stiegen leis in die Gemcher, Alles zart in Blumen hllend Und mit sem Hauch erfllend -- Graunerregend wonnesam! -- Als die Zeit der Reife kam, Welch ein seltsam Frchteprangen! An den grnberankten Zweigen, Die sich um die Fenster neigen, Schwere goldne pfel hangen ... Doch, was seh' ich auf der Erden Schlangenhnlich sich gebrden! Unheildeutend grause Zeichen! Wste Dorngestrppe schleichen Meinem, =meinem= Hause zu! -- Sachte wird es eingewoben Von dem Erdgescho bis oben, Wo der Fahne stolzer Prang Glck verkndet jahrelang. Wst umstrickt das Haus zum Hohne Mit der kahlen Dornenkrone. -- Als sich so das Los gewendet, Klopft es leise an der Tr, Kommt der Nachbar Jock und spendet Trstend eine Rose mir. Eine jener sen, groen Rosen, die dem Fluch entsprossen. -- Ach, wie mir der Rose Gluten Meine arme Seele sengten! Und wie mir die milden, guten Worte weh das Herz bedrngten! -- Was dir, Mensch, auch mag begegnen, Nimmer sollst du Rache suchen. Bist ein Stmper doch im Segnen Und ein grerer noch im Fluchen. Der Ber. Rosen hasch' ich, Dornen fa ich, knieend dieser Welt zu Fen, Alle Snden, die ich tue, mu ich auf der Stelle ben. Lg' ich heute, da nur kleine, enge Stiefelchen mir taugen, Kommt schon morgen so ein Wichtling, tritt mir auf die Hhneraugen. Will ich heute trge trumend unter khlem Flieder sitzen, Mu ich morgen voll von Sorgen unter Doppellasten schwitzen. Schlrf' ich heute seliges Leben andachtsvoll aus goldnem Becher, Teil' ich morgen, ach, den Jammer wilder ausgelass'ner Zecher. Tu' ich heute einer Schnen froh mein hpfend Herzlein leihen, Kommt sie morgen schon, mich mahnend an die Pflichten, sie zu freien. Klingen heute Hochzeitsglocken, schallt schon morgen Grabgebimmel, Doch ich hoffe, meine Seele kommt vom Mund auf in den Himmel. Erbschaft. Der Winter, der starre, Er liegt auf der Sterbe, O lchelnder Erbe. Wie ppig du erbst! Den blhenden Frhling, Den leuchtenden Sommer, Den Kastenfller, Den goldenen Herbst. Erwartung. Nun wandle bers Morgensonnenfeld. In Ehrfurcht tritt zurck von deinem Weg Die Alltagswelt. Auf allen Auen heilige Ruh, ber deinem Haupte hoch Ein Falter fliegt im Kreise, Die Perlen auf den Halmen zittern leise, Und Blumen neigen ihren Kelch dir zu. -- O bebe, junge Brust, O bete, banges Herz, in ahnungsvoller Lust, Und la dich weihen, la dich segnen. -- Heute wird dein Schicksal dir begegnen. Gedenken. Auf Bergeshh' im Sonnenschein, Wo Alpenrosen, rot und rein, An Lust und Liebe mahnen; Auf Bergeshh' im Sonnenschein Bin ich mit meinem Leid allein Bei Rosen und Gentianen. Die Erde, die mir das Liebste nahm, Sie schaut mich, ach, so kindlich an Mit ihren Blumenaugen: Und hab' ich dir gleich weh getan, So denk, wie mu nach Qual und Wahn Die khle Erde taugen! Stimmungen. 1. Freier Hand seit Tausenden von Jahren Hat Natur an diesem Knochenkarren =Menschenleib= voll Flei und Kraft gebaut. Mit der Schpfung Knsten wohl vertraut Standen alle Stoffe ihr zur Wahl Und ein Riesenarsenal. Nimmermde schuf sie durch onen, Probte alle Formen, alle Zonen, Brach entzwei, was etwa doch milungen, Bis das Werk vollbracht, der Sieg errungen. Und in dieser herrlichen Gestalt Nahm die =Menschenseele= Aufenthalt. Jauchzend brachte sie das Werk in Gang, Und das heie Herz in Wonne sprang! -- -- Ach, wie balde hrte man im feinen Blutdurchwogten Tempel -- =leise weinen= .... 2. Der teure Kranke Ruht auf weichen Kissen, Und seine Lieben Hegen und pflegen Die mden Glieder In nimmer rastender, Zarter Sorgfalt, Und scheuchen bangend Trbe Schatten Emsig davon, Und haben milde, Schmeichelnde Worte Und frohen Trost Fr sich und ihn. Und pltzlich rollt Zwischen Kirchhofskreuzen Von kundigen Armen Stummer Mnner Rasch gesenkt Der Sarg zur Tiefe. Und hllenlos In furchtbarer Wahrheit, Die Herzen erdrckend, Wie Steine den Toten, Steht die kalte, unerbittliche, Dmonische Herrlichkeit Natur. 3. Das Leben ist ein bser Traum, Doch willst du ba erschrecken, Wenn jener mit der Hippe kommt, Dich pltzlich aufzuwecken. Und wenn der mit der Hippe kommt, Und mht die Nesseln nieder, Gleich bittest ihn um so viel Frist, Um sie zu sen wieder. Und wenn der mit der Sanduhr kommt, Dich mahnend, nicht zu sumen, So flehst: 's ist zwar ein bser Traum, Doch la mich weiter trumen. 4. Wie wird unser Himmel sich gestalten? Was wird unsre Seligkeit enthalten? Nichts von allem, was wir heute lieben, Das ist endlos weit zurckgeblieben. Heie Lust bringt immer heies Leid. -- =Schmerzlos Sein allein ist Seligkeit=. Der Verbitterte. Ach, wie ist mir wst und weh Auf der dummen Welt! Dort, wo ich am liebsten geh', Das, was ich am liebsten seh', Ist mir lngst vergllt. Nicht vom Feinde stammt mein Leid, Der macht mich nur stark. Solche, denen war geweiht Treu mein Herz zu aller Zeit, Trafen mich ins Mark. Was sie falsch mir angetan, Stumm sei's wie das Grab. Und des Grams geheimer Bann, Den mir niemand lsen kann, Drckt mich bald hinab. Sonst ein Jauchzen -- jetzt ein Schrei: O du dumme Welt! Wr' ich dieses Wahnes frei, Htt' ich nie auf Menschentreu' Herz und Glck gestellt! Htt' ich nie auf Weibessinn Nest und Not gebaut, Flg' ich vogelfrhlich hin, Freiheit wre mein Gewinn, Freude meine Braut. Lieb' und Treue, blder Wicht, Hast du dir gewhlt. Liebe stirbt, Vertrauen bricht, Was du meinst, das gibt es nicht Auf der dummen Welt. Einst war ich so froh und rein, Wie ein Maientag, Jetzt, o Nebel, hll mich ein, Weil ich Lust und Sonnenschein Nimmer sehen mag. Wie ein bltterloser Baum Steh' ich auf der Heid', Drres Laub vom Waldessaum, Starres Eis und Flockenflaum Ist mein Hochzeitskleid. Sterben ist ein' harte Bu', Wem es nicht gefllt. Mir ist's redlich zum Verdru, Da ich heut noch =leben= mu Auf der dummen Welt. Der Glckliche. Seit vielen Jahren genie' ich die Welt, Teils geistig und teils leiblich. Da so viel Glck ins Herz mir fliegt, Ich kann's und kann's nicht finden, wo's liegt, Es ist ganz unbeschreiblich. Wir lieben die Lieb', wir nennen die Lieb', Ob mnnlich oder weiblich. Wir fhlen die Seligkeit, fhlen die Pein, Und wissen nicht ja, und wissen nicht nein, Es ist ganz unbeschreiblich. Seit vierzig Jahren sann ich und schrieb -- Es war ganz unausbleiblich. Und als ich geschrieben der vierzig Jahr', Da stockt' mir das Herz, da seh' ich es klar -- 's ist alles unbeschreiblich. Wo wird es sein? Was hab' ich dich gesucht, du Unbekanntes, Auf Erden dich gesucht und nicht gefunden. Du mir Unfabares und doch Verwandtes. Ich habe dich gesucht. Im Gartenzelt und in der Felsenkrone, Im engen Wald und auf den Meeresrunden. In dunklen Nchten, in des Himmels Sonne, Wie hab' ich dich gesucht! In Einsamkeit, im prunkenden Gemenge, Bei Freunden und bei Frauen tat ich fragen, In stiller Lust, in rauschendem Gedrnge Wie hab' ich dich gesucht! Wie grnte, blhte es in vielen Zweigen, Doch keiner hat die heilige Frucht getragen. Hier mut' ich sinken, dort zur Hhe steigen, Ich hab' es nicht erreicht! Was war's, das ich gesucht? Ich kann's nicht sagen. Fr solche Gre ist das Wort zu klein, Das Allergrte kann die Welt nicht tragen. Wo wird es sein! Ich find' es doch, denn nichts ist =halb= gegeben. Wenn Sehnsucht ist, ist auch der Sehnsucht Stillung, Der demutsvollen Ahnung wird Erfllung. Und lebe ich, so mu auch =jenes= leben. Ich find' es doch. Der unbegreifliche Muskel. In Gluten und Fiebern lag ich dahin, Der Doktor kam jeden Tag, Befhlte den Puls und verschrieb mir Chinin, Behorchte des Herzens Schlag. Er horchte durchs Rhrchen, er legte das Ohr Zur Stelle, wo's seltsamlich schlug, Es zitterte leis, und es wogte so hei, Er wurde durchaus nicht klug. Der Muskel, er hmmert mit brutlicher Kraft, Und doch ist's ein Todesringen! Wie lt sich nur mit der Wissenschaft Das Ding in Einklang bringen? -- Und wenn ich dich soll belehren, Freund, Ich sag' es nicht zum Scherze, Was dir nur als ein Muskel erscheint: Das ist -- ein Dichterherze! Es mahnt. Der Wind vom Kirschbaum Bltenbltter streut, Der Frhling macht's dem Winter nach, es schneit, So mahnt in Wonnetagen leis das Leid. -- Der Buchenwald in roten Feuern glht. Der Sptherbst tut's dem Frhling nach, er blht, So weht der Traum von Glck in herber Zeit. Herbst. Jugendsonne kehrt nicht wieder. Legst dich abends mde nieder, Stehst du morgens trbe auf. Teilnahmslos fr all dein Walten Nimmt die Sonne durch den kalten Himmel ihren trgen Lauf. Der Tag, der wird schon spat. Der Tag, der wird schon spat, Mein Aug', das wird schon matt, All Menschentreiben ist ein Traum, Die Herrlichkeit, ich seh' sie kaum. Mein Aug', das wird schon matt. Mein Haar, das wird schon grau, Und welche Zier ich schau, Ob Lorbeerkranz, ob Dornenkron', 's ist beides wohlverdienter Lohn. Mein Haar, das wird schon grau. Mein Herz, das wird schon alt, Es wird schon hart und kalt, Es fhlt nicht Nadel, fhlt nicht Speer, Fhlt eure Bosheit nimmermehr. Mein Herz, das wird schon kalt. Wandlung. Ich bin ein sndiger Adam, Und habe vom Apfel gegessen, Und ber den ppigen Apfelbaum Des Kreuzes fast vergessen. Doch als die Frchte fielen, Die Bltter sacht verschwanden, Da sind die ste des Apfelbaums Als kahles Kreuz gestanden. Ich bereue nichts. Ich bereue nicht die Snden, die ich je begangen, Ich bereue nur die Snden, die nicht begangen. Wohl, der Weltmann spricht's. Ich bereue nicht die Snden, die ich je begangen, Ich bereue nicht die Snden, die ich nicht begangen. Ich bereue nichts. Nur das =Mu= ist Herr, und sein die Schuld am Irren. Erst die Reue wrde mich zur Mitschuld fhren. Ich bereue nichts. Erwgung. Mein Herz wollt' sein ein Edelstein Und sich im Feuer hrten. Der Edelstein kann schneiden ein, Doch nie geschnitten werden. Ins =harte= Bett wird trotzdem sich Der schlimmste Teufel legen, Ins harte Herz wird niemals sich Der Gottheit Bildnis prgen. Ich bin Mensch geworden ... Ich bin Mensch geworden in der weiten Welt, Keiner steht von allen, die da leben, Keiner ber mir, keiner unter mir, Ich bin jedem beigegeben. Ich bin frei geworden in der weiten Welt. Fesseln, die mich an das Leiden banden Oder an der Freude, an der Hoffnung Trug, Alle schlug ich sie zuschanden. Ich bin klug geworden in der weiten Welt, Legte meine Krfte und Gebresten Zu der Menschheit ewigem Kapital -- und schwieg, So fhrt sich's am allerbesten. Des Weltkindes Besinnen. Ein Traum? -- Vielleicht. Was wr' sonst das? Da trume ich nun schon seit sechzig Jahren Von Torheit, Bosheit, Lug und Ha, So lebhaft schauend grell und kra, Als htt' ich's am eigenen Leib erfahren. -- ------ Ach, bist du =wirklich=, du wahnvolle Welt, Dann hast du mir das Leben scheulich vergllt. -- Wie kam ich zu dir voll Lust und Vertrauen, Wollte nur Schnes und Braves bauen. Da heucheltest du: desselben beflissen, Und hast mir all Freud' beschmutzt und zerrissen. Nun hab' ich mich reichlich matt geritten, Satt gestritten, satt gelitten. -- Md bin ich .... ------ Vor kurzem war ich bei Gttern zu Tische. Dort lt man schweigend von allem decken; Das Faule schiebt man beiseit', das Frische Lt man sich schmecken. Man kann dabei gar viel profitieren, Wie man mit feinen, noblen Manieren Sich schicklich mag zu Ende fhren. Kein schrilles Schreien mehr, kein grelles Lachen. Ich will es von jetzt ab besser machen, Ein Leben fhren, wie es genehmer ist. Will sogar die Verse ohne Normen, Ganz nach eignen Launen formen. Weil es mir so bequemer ist. ------ Doch was andres will ich wagen Mit Verstattung noch zu sagen. Trotz des Sportes, aufzuklren, Ist es finster, bleibt es finster, Gute Lehren, Leut' bekehren, Das sind blaue Hirngespinster. Sagt's Mephisto oder Faust, Wie man auf der Erde haust, Es klingt nach in unserm Ohr, Und wir bleiben wie zuvor. Selbst Erfahrung wirkt bedingt Nur so lange, als sie zwingt. Wir sind hartgesottne Snder, Und ihr Frommen seid's nicht minder. ------ Doch, es wird spt. Ich trinke den garstigen Trank zur Neige, Und schweige. Wie schn zu schauen auch der Gtter Leben, Es ist verzweifelt schwer, ihm nachzustreben. Ich betracht' und beklag' als betrogener Zecher Noch einmal die Welt, Und schleudere den schillernden Becher An der Ewigkeit eherne Wand, Da er zerschellt. -- ------ Wie bin ich noch wirr, obschon aufgewacht. Ich merke wohl, der giftige Trank Hat mich betubt gemacht, Todesbetrbt und krank. Und sollte doch jauchzen, da er endlich leer ist, Der vertrackte Humpen, und nicht mehr schwer ist. Sollte ihn mit sanft laugendem Lethe aussplen, Ihn mit meiner eigenen Seele ausfllen, Mit der guten und schnen, Wie sie im trichten Whnen Sich selber so gerne tat nennen; Und sollt' mit solch kstlichem Inhalt Den Becher stolz himmelwrts tragen! -- Wer ist verwegen? Wer darf das wagen? Ich bin es nicht, kann es nicht sein. Meine Seele hat von Welt getrunken Und ist nicht mehr rein. Auch hat sie Liebe mit Undank betrogen, Hat Ha mit erknstelter Sanftmut belogen, Torheit mit Torheit aufgewogen. -- ------ O meine Seele, der Abend naht. Willst du mir nicht das Scheiden verschnen Mit herzfroher, tapferer Tat? Willst du dich nicht mit der Welt vershnen? Wenn es ihr recht ist Und du ihr nicht zu schlecht bist. Im Grunde seid ihr doch einander wrdig Und ebenbrtig. Gott Vater war schalkhaft, als er euch schuf, Nun ist Irrtum und Torheit euer Beruf. Ihr krochet hervor aus Sumpf und Schlamm, Woher auch die Lotosblume kam, Und ist doch der Sonne liebstes Kind. Lat euch nur den Spa nicht gereuen: =Verzeihen, erneuen, sich freuen!= Dann seid ihr, wie die Gtter sind. Nehmt nur nichts schwer und auch nichts krumm; Seid nicht zu klug und nicht zu dumm, Und bildet euch doch ja nicht ein, Das rechte so mit Klugheit zu erfragen. Ist schon die Weisheit zu erjagen, So kann's eher noch mit einer Torheit sein. Jeder forsche, was ihm tauge, Vor jeder Wahrheit, die dich qult, Verschliee ruhig Ohr und Auge, Und =dichte= dir die Welt Wie sie dir gefllt. Und trume weiter .... Es kommt dereinst ein dunkler Tag. O freue dich, mein Brderlein, An deines Lebens Sonnenschein, Doch trau ihm nicht. Es kommt dereinst ein dunkler Tag, Noch eh in unnennbarer Klag' Dein Auge bricht. Die Werke dein so stolz erstehn, Du wirst sie einst zerfallen sehn Und sein ein Mann; Doch schlft ein treues Herz im Schrein, Dem du sein kurzes Erdensein Hast weh getan: Dann wirst du frhlich nimmermehr, Wirst um des Toten Wiederkehr Vergeblich flehn. Am Grabe werden Rslein blhn, Dein armes Herz wird welken hin Und still vergehn. Grab ein! Grab ein, grab ein In unsrer Mutter reichen Schrein, Fr alle Sorge und Beschwerde Erliegt dein Lohn in treuer Erde. Grab ein, grab ein. Grab einen Schuh Mit starker Hand, so findest du Dein Stcklein Brot aus Halmen sprieen, Oh, mgest frhlich es genieen! Grab einen Schuh! Grab zwei Schuh ein, So wird dich einst ein Baum erfreun, Der hier so tief die Wurzel breitet, Und dessen Dach dir Schutz bereitet, Grab zwei Schuh ein! Grab drei Schuh ein, So sammelt sich darinen rein Vielleicht die Quelle frisch und helle, Zur guten Lab' fr Leib und Seele, Grab drei Schuh ein! Grab vier Schuh ein, So ist's der Grund zum ersten Stein, Wenn emsig du ein Haus dir bauest Und hoffend in die Zukunft schauest, Grab vier Schuh ein! Grab fnf Schuh ein, So blitzt wohl gar des Silbers Schein, Und tausend goldne Fden weben Sich herrlich durch dein ganzes Leben, Grab fnf Schuh ein! Grab sechs Schuh ein, Wie leer mag da die Grube sein; Oh, nimmermehr, da findest du Das Beste, eine sanfte Ruh', Grab sechs Schuh ein! Volkslied. Es springt ein guldener Bronnen Aus heiem Herzen auf, Und spiegelt in der Sonnen Des Menschen Lebenslauf. Es steigt ein ewiges Klingen Zu Gottes Himmel an, Das Hchste mu man singen, Weil man's nicht sagen kann. Kein Adler mag sich heben So hoch zum Himmelszelt, Als deine =Lust= am Leben Im Jauchzen aufwrts gellt. So tief legt sich der Mde Zur letzten khlen Rast, Als du dein =Leid= im Liede Zur Ruh' gebettet hast. Lorbeer und Palme. Strebst du nach Ruhm, o Snger, so reize die Mitwelt nicht. Siehe, im Fluch des Volkes welket der Lorbeerkranz. Gibst du den Lorbeer doch fr des Mrtyrers Palme hin, Dann erst gr' ich dich jauchzend, Sohn der Unsterblichkeit. Davongeflogene Seelen. Ich komme just vom Leichensaal, Dem schattengrauen, dem kalten. Dort liegen die Kadaver all, Die blassen Lehmgestalten. Die Freund und Bruder ich genannt Auf langen, frhlichen Fahrten, Die sind mir jetzt ganz unbekannt, Wie Erde aus fremdem Garten. So wird's im dunkeln Leichenhaus Ein erstes Mal uns helle: Die =Seele= macht den Menschen aus, Die ewige, heilige Seele. -- Die Nester leer, die Seelen fort Auf unbekannten Straen -- Wohin, wohin? Kein Sterbenswort Sie haben sagen lassen. Ich starre in der Blumen Glut, Ich horche der Vglein Lieder, Da wehet leis durch Lebensflut Ein Hauch der Toten wieder. Und whrend die Seelen ohne Rast Ich such' mit bangem Mute -- Sitzen im Herzen sie mir zu Gast Und trinken von meinem Blute. Klingende Funken. Immer glhen edle Herzen, Leidversunken, freudetrunken, Und selbst schnde Alltagskerzen Sprhen manchen Sternenfunken. Lasset uns mit therstrngen Glocken an die Sterne hngen, Damit sie die stillen Feuer Weitersenden in Gesngen. ------ Fr das, was uns am hchsten steht, Fr das, was uns am nchsten geht, Ward uns kein Lied zu eigen. Da hat man nur ein fromm Gebet Und -- Schweigen. ------ Ich bin ein Kind Und bleib' ein Kind, Weil ich nur so Den Himmel find'. ------ Dem wahren Spaziergnger schlgt keine Uhr. Ein Glcklicher ist er im Reich der Natur. Er denkt nicht an Zeit, und er frgt nicht nach Ziel, Seine Lust ist der Weg -- fhrt er hin, wo der Will'. ------ Durchs Kornfeld streicht der Stdter, Er kann sein Aug' nicht wenden Vom purpurroten Mohne. Die violette Rade, Die deutsche blaue Blume, Und all die bunten Blten Entzcken seine Seele. -- Der Bauer aber wettert: Der Teufel soll es holen, Das gottverdammte Unkraut! ------ Ich hol' mir die Ehren vom Felde! Sagt der Soldat; Da gibt es Mord und Brand. Ich hol' mir die hren vom Felde! Sagt der Bauer; Da gibt es Lust im Land. ------ Der Pflug und das Schwert sind feindliche Brder, Die Wag' ihrer Siege geht auf und nieder. Sie hungern nach Brot, sie drsten nach Ruhm Und tasten irrend im Kreis herum. Was ist doch des Feldes Ehrenzeichen? Sind's goldige Garben? Sind's blutige Leichen? O mchte die Menschheit sich whlen ganz Zum Ehrenkranz -- den hrenkranz! ------ Tut dein Herz dir Gottes kund, Nimm ihn nicht aus fremdem Mund, Bau sein Haus auf deinem Grund. ------ Was ich aus Trutz vollbracht, Wuchs voll Pracht ber Nacht Und ward -- verregnet. Was ich aus Lieb' geset, Keimte stt, reifte spt Und ist gesegnet. ------ Der opferfrohen Gte Gelingt auch kaum viel mehr, Als da sie das Gemt Nicht de lt und leer. Genieer deiner Labe Sind selten doch entzckt, Nur da gegebne Gabe Dein eigenes Herz beglckt. ------ Auf alle Wiegen sollt' man's schreiben, In alle Srge sollt' man's schneiden: Just so, wie's die Menschen treiben, Just so mssen sie's auch leiden. ------ * Was ist der Sinn und Endgewinn Der groen irdischen Sendung? Die Knigin und die Bettlerin, Sie haben die gleiche Endung. ------ Wissen ist Macht! Wie schief gedacht! Wissen ist wenig, Knnen ist Knig! ------ Wie wenig an Ungewhnlichkeit Verherrlicht die weite Erde! Das Genie nur ist Persnlichkeit, Alles andere ist Herde. ------ Geh khl vorber an des Reichtums Sttte. Der die Welt hat, ist rmer, Als der sie -- gern htte. Traue nicht den trgenden Gaben, Das Hoffen ist kstlicher als das Haben. ------ In jedem Haus Vor allem wert Drei Dinge sind: Eine starke Faust, Ein warmer Herd, Ein kleines Kind. ------ * Bleibe, o Musensohn, eigen, wie die Natur dich gemacht hat, Ziehe nicht fort mit dem Weltstrom des tglichen Lebens; Sonst geht es dir, wie dem starken, dem mchtigen Bergflu: Sobald er dem Strom sich ergiet, verliert er den Namen! ------ * Nach innen leben, Nach auen weben, Nach unten schauen, Nach oben streben. ------ Ich sag' dir, armes Vgelein: Der Liebling dieser Menschen sein Ist schwerer Fehl, und wird bestraft Mit lebenslanger Kerkerhaft. ------ O lat das Denkmalsetzen gehen, Bis letztes Wort gesprochen ist. Ein Bild aus Erz kann erst entstehen, Wenn das aus Ton zerbrochen ist. ------ Ich wrde mich mit Leuten nie vershnen, Die nicht dienen wollen und nicht herrschen knnen. ------ Wer noch die Menge nicht als Bestie kennt, Der seh' einmal die blutigen Bahnen, Die unsere Weltgeschichte trauernd nennt, Er wird es ahnen. Den Volksbefreier preist sie jubelnd heut, Und morgen den Tyrannen. ------ Zur Bndigung des Pbels, lat mal sehen, War hllisch schwer des Teufels zu entraten. Der Teufel kam auch billiger zu stehen Als jetzt -- die Million Soldaten. ------ Sei nie blo Parlamentarier, Sei schaffender Autokrat. Worte sind Proletarier, Und Frstin ist die Tat. ------ In wichtigen Dingen indifferent, Um nichtige schweifen und keifen, Ein solches Geschlecht soll man -- mordselement! -- Statt salben und tufen -- ersufen. ------ Zur Grndung von Vereinen Sind die Deutschen stets bereit. Nur fr eines grnden sie keinen, Fr -- deutsche Einigkeit. ------ Feste feiern, Lieder singen, Reden halten, Glser klingen, Spielen, sporten und flanieren, Tanzen, flirten und charmieren -- Ist mit solchen guten netten Dingen unser Volk zu retten? -- Arbeit, Arbeit ohne Ruh', Taschen auf und Fuste zu! Trotzig dem Geschicke stehen, Oder -- feig zugrunde gehen! ------ La dich nicht ein mit der Kanaille, Die dir auf irdischer Wander Das Leben verdirbt, Man setzt sich mit ihr Hflich und klipp auseinander, Indem man stirbt. ------ O nein, mein Freund, das will ich nicht, Auf Menschenherzen ziel' ich nicht. Mit Lust und Leiden spiel' ich nicht. Viel lieber mit dem eiteln Tropf, Dem aufgeblasenen hohlen Kopf, Den nehm' ich manchmal gern beim Schopf. ------ In Fieberdurst lechz' ich nach khler Labe, Nach einem Tropfen edler Rebengabe, Ein Freund erhebt den Becher schumend voll Und -- trinkt auf mein Wohl! ------ Wenn du den Leuten bles tust, So hngen sie dich, Oder im groen Gutes tust, So kreuzigen sie dich; Und wenn du ihnen gar nichts tust, Verdrieen sie dich. ------ Wenn dich die Leut' verdrieen Und Wehmut dein Herz beschleicht, So tu ihnen rasch was Gutes, Dann ist dir wieder leicht. Wenn du dich selber verdrieest, Dein Herz ist lahm und wirr, So wart' auf ein groes Leiden, Das bringt dich wieder zu dir. ------ Wer heute Herr, ist morgen Knecht. Wie Armut strkt, so Reichtum schwcht. ------ * Feinde zu verderben Ist ein froher Ritt; Um das Brutchen werben Ist ein banger Schritt; Sterben, sterben, sterben Ist ein' bittre Freud'; Erben, erben, erben Ist ein ses Leid. Ses Leid, ich mag dich nicht, Bittre Freud', ich klag' dich nicht, Banger Schritt, ich wag' dich nicht, Mit Menschenbrdern schlag dich nicht. ------ Wen stets die Gte und die Freude flieht, Der wird sich bald gealtert sehen. Wer seine Stirne oft in Falten zieht, Dem bleiben sie beizeiten stehen. ------ Ist dir dein Bett nicht recht, So kannst du dir's besser richten, Ist dir die Welt zu schlecht, So magst du dir eine bessere dichten. ------ Idealismus allein Ist weder gut noch klug. Vom Realen das beste Ist ideal genug. ------ Der siegfrohe Herr, der rde Gesell, Sie herrschen nach ihrer Weise; Der Feldwebel, traun, der schreit den Befehl, Der Knig -- der sagt ihn leise. ------ Ach, die Lyriker sind eigen, Wenn sie nichts zu sagen finden, Mssen sie es laut verknden, Da -- sie schweigen. ------ Im Leben es bunt zu treiben Ist Brauch bei der Jugend; Das Streben, gesund zu bleiben, Ist auch eine Tugend. ------ Wie jagt der Mann nach fernsten Dingen Und strebt und strebt ohn' Unterla, Doch nimmer wird das Ringen bringen, Was einst er ohne Mh' besa. ------ Alles Leben ist ein Wunder, Alles Totsein ein Geheimnis. Lebst du ewig, ist ein Weilchen Grabesschlummer kein Versumnis. ------ Auf Hhen, wo die Sonne quillt Aus Gottes Angesichte, Hab' ich mein Herz mit Glut gefllt Und mein Aug' mit Lichte. Nun find' ich mich talaus, talein Zurecht auf dunkeln Straen Und hoffe wieder stark zu sein Zum Lieben und zum Hassen. ------ Wer dieser Erde Pracht und Macht, Befreit und rein, verachten mag, Dem wird zur Weihnacht jede Nacht Und jeder Tag zum Ostertag. ------ Vater unser! diesen Ruf senden wir den Sternen zu. Mutter unser! damit sinken mde wir zur Erdenruh'. Mutter unser! la uns schlafen s an deiner warmen Brust, Vater unser! weck uns wieder auf zu Licht und Himmelslust. Eines in des andern Arme legt die Kindlein treu und weich. Vater unser! Mutter unser! Zu uns komme euer Reich! ------ Als Kind hab' ich gespielt mit Scherben Und bunte Steinchen froh geschichtet. Als Mann hab' ich den Bau, den derben, Des Lebenszieles aufgerichtet. Und wenn nach Kmpfen und nach Kmmern Der stolze Bau zugrunde fiele? Dann werd' ich wieder Kind und spiele Gar frhlich mit des Glckes Trmmern. ------ Ihr spaltet Haare, Ich kitte Steine, Wer tut das Wahre Fr die Gemeine? Geistig Verfeinern Lhmt alle Strke, Trennen, Zerkleinern Gibt keine Werke. Jedoch, das meine Steht tausend Jahre, Ich kitte Steine, Ihr spaltet Haare. ------ Ihr met mich mit den Kleinen, Da besteh' ich. Ich me mich mit den Groen, Da vergeh' ich. Aus der Tiefe aufgeschwungen, Doch die Hhe nicht errungen, Soviel seh' ich. ------ Soll die jngste Literatur man lesen? Trinken jungen Wein, eh er verjesen? Wartet, bis es zehnmal sich gejhrt hat, Was dann brig bleibt und sich geklrt hat. ------ Seit auf dem Sarg ich des redlichen Schusters Den Lorbeer gesehen, Flstert jeglicher Lorbeerkranz, Den sie mir spenden: Freund, du hast -- Stiefel geschrieben! ------ Vor deiner Nasen Soll ich Nesseln grasen; Hinter deinem Rcken Will ich Trauben pflcken, Solltest um dich wenden, Will ich' s rasch vollenden: Und vor deiner Nasen Wieder Nesseln grasen. ------ Schwarz-rot-gold immerdar! Schwarz ist ihr Augenpaar, Rot ist ihr ser Mund, Gold ist ihr Haar! ------ Ich bat das schne Weib um einen Ku, Es hat versagt. Ich zielt' nach meiner armen Brust den Schu, Er hat versagt. Ich dachte, was das erstemal nicht wird, Ist blo vertagt. Und war, als da ich's noch einmal probiert, Viel zu verzagt. ------ Das Weib ist eine Nu, Die man aufbeien mu, Dem Mann Gott genad, Der keine Zhne mehr hat! ------ Das Schwert will nicht geschossen, Es will geschliffen sein. Das Lied will nicht verschlossen, Es will gepfiffen sein. Der Pfeil will nicht geschliffen, Vielmehr geschossen sein. Die Welt will nicht begriffen, Sie will genossen sein. ------ Zu Straburg trinkt man Schlechtesten und Besten, Zu Danzig bin ich nchtern nie geworden. Getrunken wird im Osten und im Westen, Gesoffen wird im Sden und im Norden. Der Deutsche schwingt sich nicht mehr in die Sphre Der hohen Musen Thalia, Urania; Ein goldner Becher kreist vom Fels zum Meere, Und im Becher badet Frau Germania. ------ Wohlan, wer einstens drute Und nur den Waffen traute, Sich selbst als Mensch nicht scheute, Mit Trotz auf jeden schaute, Und seiner Ehre Beute Auf Sbelschneiden baute. Doch Gassenbub', wer heute Aus Vorwitz um sich haute. -- Ich schlage nicht die Leute, Ich schlage nur die Laute. ------ * Heute pocht sein Herze metrisch, Heute klingelt seine Zungen, Heute tanzen alle Musen Um den ruhmesdurstigen Jungen. Heute steigt er zum Parnasse, Heute, glaubt er, glckt es sicher. Sieh, da drehn sie ihm die Nase Und entfliehen mit Gekicher. ------ Manches Genie Ist vernnftig nie, Immer Genie. In Geistesbeschwerden Ruft's ach und weh aus, Fhlt sich fremd auf Erden Und daheim -- im Kaffeehaus. ------ In einem Eisenbahngela Ein altes, stilles Mnnlein sa. Und neben ihm zwei schwarze Herren, Die wollten fleiig ihn bekehren, Mit feinem Witz, mit leisem Hohn, Und dann mit dringlichem Sermon; Gestanden es auch endlich ein, Da sie -- schon um den Heiligenschein -- Von der Gesellschaft Jesu sei'n. Von der Gesellschaft Jesu, fragt Der Alte, dem das nicht behagt, Doch von der ersten, ihr Geschtzten, Oder etwa von der letzten? Wieso? darauf die klugen Herrn. Der Alte, der erklrt sich gern: Nun, Ochs und Esel oder Schchern, Den welchen mgt nach Art und Fchern Ihr gern euch fglich zugesellen? -- Und was geschah? Sich zu empfehlen Beeilten sich die beiden schnelle, Schon bei der nchsten Haltestelle. Kecklich mit dem Schelm zu spaen Sollten Schelme bleiben lassen. ------ * Siehe, Siziliens sdliche Sonne Scheint schn! So strahlt sie, Schnee schmelzend, seit Sommern. Sentimentale Seelen sind selig, Sehen sie solcher Sonne schweren Schaden? Segenslos sengt sie smtliche Saaten, Schadet schmchtigen Setzlingen sehr, Selbst starken, strotzenden Stmmen. Schmachtende Snger -- sonst singend -- Siechen, sinken, schreien sterbend: Schreckliche Sonne! Wieder ist ein Jahr verflossen In das Meer der Ewigkeit! Also dichten Dichterlinge Jedes Jahr zur selben Zeit. Doch dem Geist im Setzerkasten Ward das Spchen endlich fade, Heimlich tat er in der Lade Nach den falschen Staben tasten. Wieder ist ein Meer verflossen In das Jahr der Ewigkeit. -- Ob des niedertrchtigen Wichts Hat der Dichter sich erschossen, Doch die Leser -- merkten nichts. ------ Wie die Welt verschieden richtet, Habt ihr's schon einmal erwogen? Lgen wir, so heit's gedichtet, Dichtet ihr, so heit's gelogen. Hlle Eines Snders Reuelieder. I. Die seste von allen meinen Snden, Die hab' ich, schnes Kind, mit dir begangen; Die hrteste von allen harten Strafen, Die hab' ich, bses Weib, um dich empfangen. Geblendet von der Schnheit deines Leibes, Und dann verzehrt von deiner Liebe Gluten, So starb ich hin und lie den Geist verlschen, Und lie in Seligkeit das Herz verbluten. Der Jngling starb, das Weib gebar den Mann Zu neuer Sehnsucht und zu neuer Lust, Doch fand er keine mehr, so sen Wehs, Als jenes Sterben war an deiner Brust. Und hei durchwhl' ich alle Lebenstiefen, Den Funken Glcks noch einmal zu ergrnden, Und b' mit ewig unerfllter Sehnsucht Die seste von allen meinen Snden. II. Ach, da ich den ersten reinen Engelfrommen Ku im Leben Einem Mdchen hab' gegeben, Schuldbefleckt, und nicht dem meinen! Was soll ich dem Brutchen sagen, Wenn es schuldlos, reingesittet Um den ersten Ku mich bittet, Den ich schon zu Grab getragen! Ach, ich will mit meinen Lippen Nun den scharfen Dornstrauch kssen, Um das giftige Blut zu ben, -- Dann erst an den ihren nippen. III. Ich fand in dieser Nacht dein Bette leer. -- Beim kranken Kinde httest du gewacht. Ich hab' gelobt dir Liebe bis zum Tod; Mein Herz, das starb in dieser Nacht. Die Stunden, da das Kind allein verschmacht, Hat sie bei einem fremden Mann verbracht. Ich hab' gelobt ihr Liebe bis zum Tod; Mein Herz, das starb in dieser Nacht. Ein Srglein fr mein Herz und fr mein Kind. Und in der Jasminlaub' ein glcklich Paar! Als Gott, der liebe Herr, das Weib erschuf, Ob er wohl auch bei Troste war? Herr Graf, du hast mich lieb gehabt. Herr Graf, du hast mich lieb gehabt, Das arme Bauernkind, Und dort, wo junge Dirnen auch Von altem Adel sind. Ich war dein lieber ser Schatz, Und du mein trauter Franz, Jetzt trgst du deine goldne Kron' Und ich den Dornenkranz. Herr Graf, du hast mich lieb gehabt, Wir hatten zwei ein Bett. Wenn ich von deinen Hunden jetzt Den Bretterkobel htt'! Du hast der Kche zwei und drei, Der Kellermeister vier; Wer reicht die harte Krume Brot, Den Wassertrofen mir? O Herr, du hast mich lieb gehabt, Und unser Kind verschmacht, Der Vater fhrt ins hohe Schlo, Die Mutter in den Schacht. Wenn einst sich auf die Grber tun, Die Schlsser strzen ein, Dann wird, du stolzer Brutigam, Wohl unsre Hochzeit sein? Neuer Sang mit altem Klang. Ich wei ein Lied zu singen Von einer schnen Maid, Die hat ein weies Hemde Und gldenes Geschmeid. Das gldene Geschmeide, Das tat mir nichts zuleide. Das Hemde war so lind. Ich such' am linden Hemde Da ich den Herzschlag find', Dann sto' ich in den Busen Das Messer ihr geschwind. Der harte Stahl tat klingen, Das heie Blut tat springen Mir in das Angesicht. Dann beicht' ich meine Snden Und gehe zum Gericht, Um meinen Lohn zu finden Auf hohem Blutgerst. Vom Leben will ich scheiden, Statt Liebespein zu leiden Ob einer falschen Maid. Ein Streitgesang. Die grte Schmach, die je mir werden kann, Vermaledeit sei sie, tut der mir an, Der von mir sagt, ich htte keinen Feind. So klglich arm, zu haben keinen Feind! Hat je gelebt so arm ein braver Mann? Ich hasse keine Seele. Denn mir weiht Den Erdensohn das allgemeine Leid. Doch, alles Schlechte, Falsche, was da baut An diesem Leid, ich hass' es tief und laut. Um eitel Liebe buhl' ich nicht, ist sie Durch fremden Schwchen huldigende List Zu wohlfeil mir auf jedem Markt zu haben. An heiem Ha der Schlechten mich zu laben Ist meine Lust. Es mssen alle, alle Die Schurken, Schleicher mich mit bittrer Galle, Die Wichte mich mit giftigem Hohn begeifern, Die Finsterlinge meiner fluchend eifern, Die Knechte fliehen mich, die frevlen Herren, Die hochmutswtigen, mir Krieg erklren. Denn was ich will: die Menschheit neu Verjngt zu sehn, und sich getreu. Dem Menschen nicht, dem Laster knd' ich Krieg, Und sollt es selbst im eigenen Busen sein: Der ewige Herr im Himmel, der ist mein. Mein auch der Streit -- und sein der Sieg. Wenn Gott mich fragt am Tage des Gerichts: Wo sind sie, die dich lieben? -- sag' ich nichts. Doch zeig' ich zum Ersatz ihm, die mich hassen. Und bitt' ihn um die Prfung des Gewichts. Ich hoff', er wird es gelten lassen. Gott und Volk gehrt zusammen. Eurer Flche Blitzesstrahlen Schlendre ich zurck auf euch, Foder' Rechenschaft von allen, Die gefhrden Gottes Reich. Pfaffen, die sich drngen zwischen Gott und Menschheit, sie zu trennen, Die hier flschen und dort fischen, Ihnen will ich Wahrheit nennen: Gott und Volk gehrt zusammen, Heut und alle Tage, Amen. Und auch jene Phariser, Die mit ihrem flachen Wissen Spielen sich auf groe Seher Und den Himmel wollen schlieen, Die dem Volke frech vernichten Seinen Gott und seine Seele -- Weltgeschichte wird sie richten Und es zeigen grausig helle: Gott und Volk gehrt zusammen, Heut und alle Tage, Amen. An die Naturalisten. Geister dieser Zeit, wer soll verstehen Euch nach menschlicher Vernunft Gesetzen? Pessimistisch hat ihr dieses Leben, Will jedoch die Kunst ein schnres schaffen, Hei, wie ihr sie geifernd gleich verlstert! Das, was aus dem Leben ihr verwnscht, Mchtet in der Kunst ihr wiederfinden, Nur nichts Froheres, um Gotteswillen, Nichts, was unsre Seele knnt erfreuen, Denn die reine Freude soll verpnt sein; Nichts, was Lieb' und Hoffnung knnte wecken Zu der Menschheit. Und erst Ideale! Ideale hat nur der Philister. Sonst ist Kunst auf lichten Hhn geschritten, Heiter reigend um die ernstre Schwester Religion. Sonst hat sie in Erz und Marmor Mit des Lieds erhabnen Weiheklngen Unsere Helden zur Unsterblichkeit geleitet, Unseren ungezognen Leidenschaften Mavoll edlere Gestalt gegeben, Und im Spiel ein Gottesreich gestiftet, Munter Schnippchen schlagend der Materie. Und dies lichte Reich wollt ihr vernichten? Just den gttlichsten der Sinne ihr verlschen? Phantasie! Wozu denn ward sie euch? Wollt ihr schon verstmmeln euer Wesen: Raubt das Aug', das Ohr, die Sprache euch, Nicht jedoch die Kraft, die aus dem Staub uns hebt. Frei nach allen Keimen soll entwickeln Sich der kleine Mensch. Schildert, Realisten, Genial den Kot, die feuchte Fulnis, Whlt und schwelgt darin, Naturalisten, Nach Belieben; auch nach dieser Seite Mu ausleben sich die Menschheit. Dngt den Baum, auf da er wachse, grne. Warum ihn verspotten, wenn er blht? Menschenbaum braucht Erdreich nicht allein, Auch Sonnenschein. Und ohne ppig Blhen Keine Frucht. Die Jugend sei gepriesen Mit ihrem heitern, hoffnungsfrischen Herzen! -- Gern sei euch der Wrmer Reich gelassen, Achtet, wie sie kriechen, bohren, pissen, Schildert, bitten wir, nur recht dramatisch Und genau, man will ja alles wissen. Uns doch sei gegnnt, als Schmetterlinge Hoch die sonnigen Blten zu umgaukeln, Dieses Sein mit Phantasie zu schmcken, Und mit freier Seel' die Totengrber, Die aus Knochen Kunstgebilde machen, Manchesmal ein wenig auszulachen. Leute gibt es allerlei. Leute gibt es allerlei Auf der weiten Gotteswelt. Wem die Sache nicht gefllt, Wer da ausmarschiert, um jeden, So nicht sein ist, zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden. Juden, Slaven, Atheisten, Welsche, Philosophen, Christen, Japanesen, Deutsche, Heiden, Und wie noch die Massen scheiden, Kasten, Sekten, Nationen, Die in Gottes Licht sich sonnen, Alles rollet hin und her, Wie der Wellenschwall im Meer. Wie die Wsser und die Winde, Strmisch hier, und da gelinde, Ewig um den Erdball kreisen, So in den Naturgeleisen Wogt die Menschheit hin und wieder; Schranken, die du heute aufstellst, Brechen morgen krachend nieder. Gter, die durch Krieg errungen, Frieden, so durch Krieg erzwungen, Reifen neuerdings die Saaten Aus zu neuen Schreckenstaten. Nicht einander jagen, schlagen, Sondern mit Geduld ertragen Nach dem Rate der Natur, Ist das Omega und Alpha Aller Bildung und Kultur. Wer da ausmarschiert, um jeden Fremdgesinnten zu befehden, Der wird nimmermehr auf Erden Mit der Fehde fertig werden. Wr' der letzte Feind zertreten, Mte er sich selber tten Als den Rest in dem Planeten. Der Schwindel an das Publikum. Von allen Rdern unserer Zeit, In Werkstatt und auf Eisenbahn, Steht als Regiererin der Welt Das Glcksrad obenan. Das braucht man nicht zu treten erst Das dreht sich selber um, Ich kann es dir empfehlen sehr, Verehrtes Publikum. Pack an, pack an, ist morgen leicht Die halbe Welt schon dein, Und bist du klug, mein guter Freund, Wird's bald die ganze sein. Ei, komm doch, ich verspreche dir Die stolzesten Palste, Mit Viergespann, Lakaien d'ran, Und knigliche Feste. Der Bacchus wird als Portier Die Gste nicht verscheuchen, Die Venus macht im Haus Honneurs, Ist huldvoll ohnegleichen. Mit Aktien und Lotterie Mut du dein Glck beginnen; Verdienen ist philisterhaft, Doch vornehm ist gewinnen. Da ruht man auf dem Sofa aus Und schmaucht die feinsten Zigarren, Und lt fr sich den Pbel, traun, Hbsch arbeiten und sparen. Ei, was Gewissen, Ideal! Das Leben ist ein Spielchen, Und hochperzentige Wertcoupons Sind unser hchstes Zielchen. Was Arbeit, Narr, das Glcksrad her, Das dreht sich selber um, Ich kann es dir empfehlen sehr, Verehrtes Publikum! Der Besessene. Mir graut, ich bin besessen, Besessen von dem Gelde hier, Mein Schaffen, selbst mein Sinnen, Mein Trumen wird zu Gelde mir. Was meine Hand berhret, Wird mrchenhaft zu Gelde mir, Die Sehnsucht meines Herzens Wird eingelst mit Gelde mir. Ich drst' nach Lieb' und Freundschaft, Nach Mut, nach Frohsinn, Ehr' und Ruhm, Mein heier Drang nach Tugend, Er setzt sich schnd in Gelde um, Vor meiner Tre wimmern, ach, Die Hungernden und Armen, Und ich bin nicht imstande, ach, Mich ihrer zu erbarmen. O Brder, liebe Brder, Wie teil' ich euch von berflu, Da ich doch selber mitten Im schnden Gelde darben mu. Das Geld als Segen Gottes, Das habe nie besessen ich, Doch bin von schlechtem Mammon Seit Jahr und Tag besessen ich. Und weil vor dem Verlieren In Angst und Sorg' ich beben mu, So hab' ich Not und Elend Vom Geld, solang ich leben mu. Und wenn ich's einst verlassen soll, Wird doppelt hart das Sterben, Und schmhen einen Geizhals mich Die tief verhaten Erben. -- O grauenhaftes Schicksal, du, Den Mammon zu verfluchen, Und ihn mit Hungers Hast und Gier Doch immer mssen suchen. Dem Armen das Verschmachten Fr seine Seele frommen mu, Dieweil die meine jmmerlich Im goldnen Bann verkommen mu. O Gott, wie wird das enden noch, Was soll mich rmsten laben, Wenn ich den goldnen Becher leer In lahmer Hand werd' haben! Noch einmal mcht' fr Gttliches Auf Erden ich erwarmen. Erlse von den Banden mich, Erbarmen, Herr, Erbarmen! Der Reiche. Ach, wir armen Reichen werden Oft der Lsterzungen Beute! Und wir sind, bei Licht betrachtet, Doch die allerbesten Leute. Was! ich nicht getreu der Pflicht? Hab' geschworen, reich zu werden; Schuft, der seinen Eidschwur bricht Und verachtet Gott auf Erden! Was! ich htt' nicht Religion? Gott ist auf die Welt gekommen, Glaub' ich fromm, und hat im Gold Irdisch Wesen angenommen. Was! ich hielt' auf Ehre nicht? Darum brauch' ich Geld in Haufen, Da ich, wo die Waare feil, Auf dem Markt kann Ehre kaufen. Also ist es lustig leben! Meine Schden zu verhllen Eilt der eine, und der andre Meine Wnsche zu erfllen. Hei, wie ist's doch schn auf Erden! Wo man alles kann erwerben. -- Einer nur lt lang sich suchen, Einer, der fr mich will sterben. Der bermensch. Da sitzt ein armer Snder Auf einer harten Bank, Wie Rosen blhn die Wangen Des Jnglings, stark und schlank. Ein freies Leben fhrte Der junge Nimmersatt, Er tat zwar nichts aus Liebe, Doch liebte er die Tat. Er hat geraubt, gemordet, Sonst Unheil viel getan, Ein Berg von Missetaten Begrbt den jungen Mann. Ein Meer von heien Trnen Ist ber ihn geflossen, Und wo sein Fu gewandelt, Kann keine Blume sprossen. Nun steht er vor den Richtern In aller Ruhe da. Man fragt: Hast du's begangen? Er sagt gelassen: Ja. Er weint nicht und er lacht nicht. Und einer, der noch glaubt, Fragt: Ob er nicht bereue? Er schttelt khl das Haupt. Man fhrt herein die Mutter, Der er den Sohn erschlagen, Sie stummt und starrt ins Leere, Kann nimmer weinen, klagen. Man fhrt herbei die Schwestern, Die nach dem Bruder schrein; Man trgt den zarten Sugling, Den mutterlosen, herein. Der Jngling, kalten Auges Blickt er die Opfer an, Als fragte er: Was weiter? Ihr seht, ich hab's getan. Nur einmal strahlt sein Auge, Das kalte Auge, licht, Als die Gerichtsverhandlung Der Abend unterbricht. Wohlan, jetzt kommt das Spplein Und dann der gute Schlummer, Er schlft die sieben Stunden, Ohn allen Gram und Kummer. Die Qualen unsrer Seele, Dir sind sie nicht bewut, Beneidenswertes Untier Mit deiner hohlen Brust. Der Erde heie Herzglut, Sie kann dich nicht erreichen, Des Lebens wilde Schmerzflut Dich nimmermehr erweichen. Das wilde G'jaid der Not, Das um den Erdball hetzet, An dem sich jedes Herz Langsam zum Tod verletzet, Du bist davor gefeit. Das Sthnen in der Brust Des Nchsten ist dir, traun, Ergtzlichkeit und Lust. Dich bindet keine Sitte Und keine Menschlichkeit. Immun bist gegen Liebe, Immun auch gegen Leid. Dein Sittensprchlein lautet: 's gibt weder Gut noch Schlecht. Wer siegt, das ist der Herrscher, Wer stark ist, der hat recht. -- Des andern Tags die Richter Errtern das Gesetz; Dich langweilt dieses de Und mige Geschwtz. Von Gut und Bse jenseits Bist du durch nichts beenget, Kein Mitleid, kein Gewissen Je dein Gemt bedrnget. Die Macht war deine Gottheit. -- Nun hat sie sich gewandt, Der Strkre hat den Schwchern Vor das Gericht gebannt. Wirst du es auch nicht spren, Du eisenharter Mann, Wenn sie an dir vollfhren, Was andern du getan? Vielleicht kommt doch zum Vorschein Bei dir ein bichen Herz, Wenn du dich hebst das erstemal Im Leben -- himmelwrts. Im Saale auf die Richter Das Volk mit Bangen harrt. Der Knab' schaut in die Runde Und streicht den jungen Bart. Es will ihn fast befremden, Da jetzt die Frauen weinen Und bangen, als die Richter Zum Urteilsspruch erscheinen. Nun wird es dumpf und schwl Als wie in einem Grab. Der Richter hebt sich hoch -- Tritt vor -- und bricht den Stab. Zum Tod! haucht es, zum Tode! Dann alles stumpf und stumm. -- Der Mrder blickt mit Staunen: Zum Tode? -- Wen? -- Warum? Zum Tode mich?! er ruft's, Zum Tode durch das Strngen? Der einzige starke Mensch -- Und wollen ihn jetzt hngen! Die Dichter und die Leute. Wir sen Samen, Es wachst nix. Wir schreiben Dramen, Es wirkt nix. Wir erzhlen Geschichten, Es tut nix. Wir dichten Gedichten, Es hilft nix. Wir sprechen Sprche, Es nutzt nix. Wir fluchen Flche, Es schad't nix. Unterricht fr moderne Poeten. Dichter, wenn du fr die Leute Dichten willst, so sei gescheute, Baue, sollst du etwas gelten, Ihnen pappendeckne Welten, Helden, die mit Spagatschnren Hbsch sind durch den Plan zu fhren. Dichte Grten, wo die Grillen Statt zu zirpen Flten spielen. Und zur schnen Augenweide Dichte Rosen fein aus Seide, Da sie duften, Herr Verfasser, Dichte Tau aus Klnerwasser. Mit Magie und Zauberstcken Magst du ihren Kopf bercken. Lorbeerkranz wird zwar nicht echt sein, Doch aus Gold wird er dir recht sein. -- Eins nur, la die Leute schauen Nie in deines Herzens Auen. Deines Gartens schnste Blte, Holde Rosen im Gemte Wrden sie auf Graswert messen Und mit plumpen Schnauzen fressen. Des Sngers Verzweiflung. Whrend eines blutigen Krieges. Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier! -- Zerberste, zerschelle in schnde Scherben, Sthne, schrille im Sterben zum letztenmal falschen Gesang! -- Da sangen die Saiten Von grnender Erde! -- Rot mu sie sein, von Menschenblut rot sein! Schiet und stecht und schlaget sie nieder Die Menschen, die elenden, wo ihr sie findet! Auf furchigen Feldern, Bei goldenen Garben, Heiteren Herzens im Schferhaine; In brausender Werkstatt voll regen Fleies, Auf rollenden Rdern, Auf wogenden Wellen in Handel und Wandel; Auch zwischen den Wnden der Schule, des Wissens, Im Tempel der gttlichen Kunst, erglhend Im Schnen und Wahren. Wo ihr sie findet, trotzig sich freuend, die Menschen, Schiet und stecht und schlaget sie nieder! Was soll sie, die flackernde Flamme Am huslichen Herde? Befreit sie und pflanzt die lebendigen Fahnen Auf Trme und Dcher, Auf prangende Zinnen stolzer Palste! Was lohet und leuchtet entfachet zu Lunten, Gebilde der Menschen schmelzt ein in den Gluttopf. Da sangen die Saiten Von blauem Himmel voll Sonnen und Sterne! Rot mu er sein, der herrliche Himmel mu rot sein! Tauchet die Pinsel in brennende Stdte Malet mit lohen Gluten den Himmel; Wlbet mit Wolken des wogenden Rauches Den Flammenofen ber der Erde, Da keine der sengenden Sonnen, der stechenden Sterne Keiner uns trbe das Schauspiel! Da sangen die Saiten Von rosigem Antlitz der Jugend. Sie sangen von Liebe im Herzen, von Lust in der Brust wohl, Von trautester Treue, bis einstmals der Tod trennt. -- Fehde den lugvollen, trugvollen, gleienden Saiten! Im Herzen ist Ha. In der Brust brausen Brnde! O reit auseinander die liebetrumenden Leben. Das Weib mag weinen und welken, Der Mann mu erbleichen -- und brechen die Liebe. Reiet den Sohn vom sehnenden Herzen der Mutter, Einsam sollen sie sterben und starrenden Auges verwesen! Ha dem Guten, dem gttlich Gerechten, Ha dem Hohen und Holden! Im Herzen ist Ha, Entfachet zur flammenden Tat ihn: Die Lebenden ttet, die Toten rchet, Da ewige Rache die Menschheit richte! -- Da sangen die Saiten Von Leben und Liebe, Von Friede und Freude, Von wahrer, erhabener Menschenvollendung! -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Am erstbesten Eichbaum zerschlag' ich die Leier! Eine Stimme in der Wste. Es mut' ein wildes Schlachten kommen, Du, Welt, vertrgst den Frieden nicht, Du schreist nach ihm, und naht er schchtern, So schlgst du ihm ins Angesicht. Ich sah noch keinen Tag erstehen, Der nicht entfacht vom Reinen war, Und keine Sonne sah ich sinken, Die trb nicht vom Gemeinen war. O dummes, bettelhaftes Prahlen Mit deines Fortschritts groen Siegen, Wenn unter den brutalen Fen Zermalmt der Seele Schtze liegen. Zermalmt ist mit den Gtzenbildern Auch Jovis hehre Lichtgestalt, Und deine neuen Lichter leuchten, So wie der Fulnis Phosphor strahlt. Du weit so viel und bist nicht weise, O sage, Welt, ob dir denn wohl ist Bei deiner krausen Hochkultur, die Auen bunt und innen hohl ist? Den Hexentanz des Lebens tanzt Die Kunst getreulich mit; die Taube Entsank den reinen Himmelshhen Und flattert halbbetubt im Staube. Die Gte und die Menschenwrde, In heien Kmpfen dir errungen, Ist fremd geworden deinem Herzen, Ein Schmuck nur wortelustiger Zungen. O, nichts vom vorigen Jahrhundert Hast du dir, Welt, gemacht zu Nutzen, Als blo die Kunst, mit frechem Flunker All deine Torheit aufzuputzen. Die graugelockte Weisheit schweiget, Die unerfahrne Jugend spricht; Besiegt, ruft sie, sind Elemente! -- Die Leidenschaften sind es nicht. Von Hohn und Geifer der Parteien Seh' ich mein Vaterland beflecket, Die Fhrer blind und taumelnd, bis sie Ein grauses Menetekel wecket. Dann mitten in der wilden Drangsal Wird mnniglich die Welt verfluchen, Doch ringend mit den Nachtdmonen Den Flug in lichtere Hhn versuchen. Das stete Glck macht Snder, Toren, Und kleines Unheil Weltverhhner. Die malos schwere Not allein ist Der groe Shner und Vershner. Stndchen. In einer Winternacht Hab' ich dies Lied erdacht, Es sei als Minnesang Der Mitwelt dargebracht. -- Ihr Menschen seid nicht wert, Da man euch liebt und ehrt, Da man sein Herzblut gibt Fr das, was ihr begehrt, Denn euer Wunsch ist Wahn, Und schief ist eure Bahn, Und jeden steinigt ihr, Der euch ein Gut gewann. Der euch ein Gut gewann, Und euch ein Heil ersann; Und es geschieht ihm recht, Denn er hat schlecht getan. Wer eure Laster schrt Und euch zum Abgrund fhrt, Dem euer schndendes Und falsches Lob gebhrt. Fr dies Geschlecht des Kain Kann Abscheu nur allein, Statt Lieb' und Opferlust, Die rechte Gabe sein. Krftigung. Was ich suchte, konnt' ich lang' nicht finden, Was ich liebte, tat zu schnell entschwinden, Was ich hate, wollt' mich berwinden. Doch, was linde Lieb' nicht mochte wagen, Da hat droher Trotz zurckgeschlagen, Und der Kampf hat mich zur Kraft getragen. Gen Himmel hinauf. Die Menschen bauen, die Menschen zerstren, Sie lieben, umarmen und schlagen sich tot; Sie schwrmen von Schnheit, Tugend und Ehren, Sie klimmen hinan mit groer Not. Doch sind sie oben nahe dem Ziele, So stirbt der Drang, es kehrt sich der Wille -- Sie strzen sich wieder hinab in den Kot. Das ist der Geschichte ewiger Lauf, Wir knnen's nicht wenden, Nicht ndern und enden, Unsre Bestimmung ist ewiges Ringen Gen Himmel hinauf. Anklage. Wenn die wilden Wetter schlagen Und die giftigen Seuchen toben, Welch ein grauses Heulen, Klagen, An den hohen Himmel oben! Groer Gott, fr solche Armen Htt' ich wahrlich kein Erbarmen. Hemmest du die bsen Wetter Und die giftgeschwellten Seuchen, Machen sie mit Kriegsgeschmetter Aus sich selber tausend Leichen. Frsprache. Doch, was auf Erden keimt, O la es reifen, Und was im Menschen ruht, Das la erstehn. O Gott, la dieses irrende, Nach deinen Hhen ringende, Dies arme, herrliche Geschlecht Nicht untergehn! Dem Dichter. Mein Snger, la' den Widerpart Und sing' ein lustig Liedel, Und lade sie zur Himmelfahrt Mit einer hellen Fiedel. Es ruft den einen zwar der Herr Mit dumpfem Donnerkrachen, Den andern lockt er noch vielmehr Mit heiterem Sonnenlachen. Der eine folgt den Elegie'n, Der andre frohen Stanzen; Man kann wohl in den Himmel knien Man kann auch hinein tanzen. Himmel Die Gottsucher. Unendlich der Raum, Unendlich die Zeit, Kein Ziel und Halt In Ewigkeit. Die Kinder des Leides, sie sehnen und rufen, Sie irren und zweifeln in Nacht und Not Und suchen nach Gott. Sie suchen im Buchstaben, Sie suchen im Bild, Sie beten und bluten, Sie streiten wild, Entznden die Scheiter zur lodernden Fackel, Sie suchen im Kelch und suchen im Brot: Wo bist du, Gott? Sie suchen im Leben, Sie suchen in Kunst, Sie suchen in Grbeln Und Liebesbrunst, Sie suchen im dsteren Schatten der Tempel, Sie rufen in der Freiheit Morgenrot: Wo bist du, Gott? Die Armen, sie wandern Am Pilgerstab, Die Weisen, sie suchen Die Himmel ab, Sie suchen im schuldlosen Kindesherzen, Und fragen mit Grauen den starren Tod: Wo bist du, Gott? Und sieh, im Suchen Und heien Streit Steht immer der Herr An ihrer Seit', Und klopft ihnen lchelnd wohl auf die Achsel: Ihr Kinder, schaut euch doch einmal um! Seid nicht so dumm. Willst du jene Hh' erreichen ... Willst du jene Hh' erreichen, Wo im Schatten khler Eichen Sndenlos die Helden stehn: La dich nicht von Lust bercken, La dich nicht vom Weib umstricken, Oder du mut untergehn. Whne nicht, das Blut zu dmmen, Blut entstrmt gleich andern Strmen Von der Hh' ins tiefe Tal. Willst du aufwrts, mut dich klammen An des Geistes reine Flammen, Streben nach dem Ideal. Wie keimt dein Geschick. Wie keimt dein Geschick Dir, Mensch, in der Brust? Aus dem Lichte das Glck, Aus dem Dunkel die Lust. Wenn pltzlich ein Blitz Das Dunkel erhellt, Bist du in Besitz Von Gott und Welt. Stimmung. Das Schnste, was im Innern ich empfunden, Das ist so rein und zart, lt sich kaum denken, Und will ich mich im Sinnen, traun, versenken, So ist mir das Gefhlte schnd verschwunden. Und was es ist, das mir so zart entsprossen? Ich wei es nicht und kann es nicht enthllen; Der Seele reinster Teil nur kann es fhlen, Und tief in meinem Herzen liegt's verschlossen. Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe? * Ist der Mensch nicht wie die Schwalbe? -- Mit dem Lenze fliegt er an Und verjubelt einen Frhling; -- Heier Sommer qult den Mann. Wie die Schwalbe an dem Neste, Baut er flink an seinem Glck, Mu um seine Reiser, Bltter Ringen mit dem Migeschick. -- Leise kommt der Herbst geschlichen; Von des Lebens reifem Baum Reit der Sturm die Frucht des Schaffens, Und der Mensch erwacht vom Traum. Sieh, am Scheitel seines Hauptes Wird es wei -- der erste Schnee; Matt und dster blickt das Auge, Ach, es friert der klare See. -- Und er fhlt ein eigen Heimweh, Fremd wird ihm die Bruderhand; -- Wie im Herbst die Schwalbe, zieht er Heim ins ewige Frhlingsland. Mir graut vor dem Gemeinen. Ach, mir graut vor dem Gemeinen, Das mich stets durch neue Peinen Und durch alte Snden schleift. Heimweh, Heimweh nach dem Reinen, Nach den khlen Friedenshainen, Wo die Seele gttlich reift. Ach, wo soll sie gttlich reifen! Nur im Schwalle wster Trufen Lernst du das Gemeine fliehn. Nur mit Kmpfen kannst du siegen, Und im Fallen lernst du fliegen Zu den seligen Gttern hin. Die Sehnsucht. Die Berge je hher, Dem Himmel je nher, Dem Herzen je weher, Weil's nicht kann hinein; Weil es an die schwere, Die trge Matere Wie an die Galeere Geschmiedet mu sein. Was lst unter Peinen Uns los vom Gemeinen? Die Sehnsucht nach Reinen, Die Sehnsucht allein. Steigende Bahn. Um aus der Wirrnis die Vlker zu retten Hellet oft pltzlich der Blitz des Propheten Knftigen Helden die steigende Bahn. Was noch die Vter sumig beraten, Steigt in der Shne mutigen Taten Frhlich und siegreich zur Hhe hinan. Rufe den Menschen, Prophetenwort, rufe Ihn aus der Tierheit von Stufe zu Stufe, Bis er erwacht vor des Heiligsten Thron, Schauend die Wahrheit im Kranze der Sonnen, Trinkend die Liebe aus feurigen Bronnen -- Ewig des Ewigen seliger Sohn. Zu Gastein am Wasserfall. Wie du, o Mensch, mut fallen Zu Schuld und Gram und Grab, So fallen wirbelnd und weinend Die heiligen Wasser hinab. -- Doch sieh, aus dunkelm Abgrund Steigen in stiller Ruh' Die lichten Nebel kreisend Dem Himmel zu -- Den Weg dir weisend. Es war einmal ein Bettelmann. Es war einmal ein Bettelmann, Der hatt' einen goldenen Ring, Sein einzig Eigen war dies Ding Noch von der Mutter her. Das Eigentum ward ihm zu schwer. Er wankte fort zur Morgenstund', Zu schleudern in den tiefen Grund Sein Kleinod, da in Glck und Mai Die Gottheit ihm nicht neidisch sei. Ein Weiser siehet voll Erbarmen Den alten Mann, den siechen, armen, Und fragt: Du guter Bruder mein, Um was soll sie dir neidisch sein, Die Gottheit? Sprich! Um was? Um was denn sonst? Um mich. Sonst hab' ich nichts, weil ich nichts brauch'; Was Glut ihr nennt, das ist blo Rauch. Was Gut ihr nennt, erstickt die Lust; Doch unermelich ist der Reichtum Meiner Brust. Der Weise blickt den Bettelmann Mit gut gespieltem Mitleid an. Der andre merkt's und lchelt so, Als wr' er seiner Armut froh: Ich dauere euch, ihr dauert mich! Ihr sagt auch, ich sei lahm und siech. Ich wei es nicht. Mein froher Sinn Fliegt selig durch die Himmel hin. Der Weise spricht: Dein Reichtum gro Kam nicht dir aus der Erde Scho. Und was die Gtter dir geschenkt, Das nehmen sie nicht mehr zurck, Und neidlos bleibt zu eigen dir Dein erdenfreies Glck. -- Nur wer, der rohen Triebe Knecht, Aus irdischer Hand sein Heil empfing, Der opfere bang und demutsvoll Den Gttern seinen Ring. Der Blinde. Als Gott der Herr die Welt erschuf, Da war sein erster, heiliger Ruf: Es werde Licht! Das Gnadenmeer vom Himmel flo Und sich in alle Herzen go, -- In meines nicht. Und auf zum ewigen Sternenzelt Blickt jedes Aug', dem Herrn der Welt Ins Angesicht. Und jedes Blmlein auf dem Plan Lacht eure Augen freundlich an, -- Das meine nicht. Der Mutterblick, der holde Stern, Er blieb mir unermelich fern. Dem rmsten flicht Der Herr aus goldnem Sonnenglanz Ums Haupt den bunten Farbenkranz, -- Um meines nicht. Du treuer Engel Gottes, sag, Was hab' an diesem Erdentag Ich denn vollbracht, Da mitten unter Strahl und Schein Verstoen ich bin ganz allein In ewige Nacht? Der Engel sprach: Der Strahl, das Licht Von auen ist das Hchste nicht Zur Menschen Lust. Statt Glanz die Glut, ein warm Gemt, Das wie ein sonniger Frhling blht In deiner Brust. Wohl mu in deinem Aug ich sehn Als einzigen Glanz die Trne stehn. Doch weine nicht! Noch leben treue Menschen hier, Und Gottes Ruf erschallt auch dir: Es werde Licht! Den Armen. Um Mitternacht, als alles schlief, Nur meine Zweifel wachten, Und Weltverdru mir drohte tief Die Seele zu umnachten, Da schlug ich auf ein altes Buch, Zu sphn nach einem Labespruch, Um ganz nicht zu verschmachten. Und sieh, da hat mich sanft ein Wort Befreit von bangen Banden: O suche die Erlsung dort, Wo sie schon viele fanden; Nicht was du haschest, wird dein Teil, Aus Opferfreude kommt dein Heil. -- Doch hab' ich's falsch verstanden. Ich stieg in Sehnsucht himmelwrts, Den Heiland zu verehren. Der winkte mir, ich sollt' mein Herz Zurck zur Erde kehren: Was du den Armen Gutes tust, Das dringt zu meiner Vaterbrust. Kannst du mir es verwehren? Die Botschaft war's. Und seitdem mag Es sonnen oder regnen, So kann mir doch an jedem Tag Der liebe Gott begegnen. Aus jedem Kind und armen Mann Blickt mich mein treuer Heiland an, Bereit, mein Werk zu segnen. Wenn keines Kindes Aug' einst schwimmt In Dankesfreudenzhren, Wenn keines Bruders Hand mehr nimmt, Was du ihm willst bescheren, O, dann erst hat sich Gott vom Land Des Sndenfluches abgewandt, Und wird auch nimmer kehren. Drum lat, solang' noch Arme flehn, -- Uns lindern ihre Leiden, Die Hungernden bei Tische sehn, Die Frierenden bekleiden! Dann wird fr Reich und Arm zumal Dies grabdurchfurchte Jammertal Zur Quelle reiner Freuden. Drei himmlische Schreine. Drei heilige Rume Unter himmlischen Sonnen Stehen hienieden: Eine Wiege voll Trume, Ein Bett voll Wonnen, Ein Sarg voll Frieden. Letzter Wunsch. Was wre wohl mein letzter Wunsch, Wenn ich dereinst zur Grube fahr'? Auf lichter, khler Bergeshh' Eine traute, einsam stille Bahr'. Auf jener Hh', wo ich als Kind Gehrt den ersten Lerchenschlag, Gesehn den reinen Sonnenstern An einem sen Maientag. Doch jenes Kreuz, das ewig klagt Die Menschheit ihres Frevels an, Mir pflanzt es nicht, weil ich am Pfahl, An dem er litt, nicht rasten kann! Mir pflanzet einen jungen Baum, Der frisch und frei gen Himmel steigt, Und der, wenn einst die Menschheit reif, Zu ihr sein Haupt in Freude neigt. Vielleicht kommt noch ein Zimmermann, Der ihn zu einer Wiege schlgt, Vielleicht kommt eine Mutter, die Ihr Kindlein in die Wiege legt. Ihr Kind, das als des Menschen Sohn Die Welt erlst ein zweites Mal, Und nicht dafr in Ha und Hohn Erhhet wird zum Marterpfahl. Denn nicht, da mein Erlser starb, Ist meines dunkeln Grabes Licht, Doch da er lebt und ewig lebt, Ist meiner Seele Zuversicht. Ruhendes Sein. Die Lust wie das Leiden, Sie qulen die Seele; Sie sind wie die Unrast Auf strmischer Welle; Sie sind eine Botschaft Vom nahen Vergehen. Ein Eilen zum Ende Ist alles Geschehen. Nach Rast strebt der Pendel Und jegliche Regung. Und Sehnsucht nach Ruhe Ist alle Bewegung. Die Seele der Gottheit Ist ruhendes Sein, Ist wunschlos und streitlos, Ist raumlos und zeitlos, Ist Frieden allein. Unfabar. Nahe ist Werden und Leben und Sterben beisammen, Frher die endlose Zeit -- spter die endlose Zeit, Kurz vor den Tagen, in welchen ich fhle und denke, War ich ein formloses Nichts, war es von Ewigkeit her. Kurz nach den Tagen, in welchen ich walte und webe, Bin ich ein formloses Nichts, werd' es in Ewigkeit sein. Wie er doch sein kann, der winzige Punkt, wo ich stehe, Wie es nur mglich, denselben zu fhlen just jetzt? War es nicht immer der gleiche, weltenumgaukelte Schwerpunkt? Wut' ich's nicht ewig, fhl' ich's nicht ewig: Ich bin? Ewiges Sein. Wer soll sich nicht heute Noch freuen des Lichts? Wir sinken schon morgen Ins ewige Nichts. Hat je sich der Galgenfrist Einer gefreut, Der unwendbar morgen Dem Henker geweiht? Die Freude an heute Hat nur einen Wert, Wenn ewig und ewig Sie uns wiederkehrt. Im Hasten des Tags Wird das Herze bald matt, Des inneren Glcks Wirst du nimmermehr satt. Das Nichtige freut sie Am flchtigen Schein, Das Echte an dir Verlangt ewiges Sein. Auch der andre, der bist du. Was die Erde mir geliehen, Fordert sie schon jetzt zurck. Naht sich, mir vom Leib zu ziehen Sanft entwindend Stck fr Stck. Um so mehr, als ich gelitten, Um so schner ward die Welt. Seltsam, da, was ich erstritten, Sachte aus der Hand mir fllt. -- Um so leichter, als ich werde, Um so schwerer trag' ich mich. Kannst du mich, du reiche Erde, Nicht entbehren? frag' ich dich. -- Nein, ich kann dich nicht entbehren, Mu aus dir ein' andern bauen, Mu mit dir ein' andern nhren, Soll sich auch die Welt anschauen. Doch getrste dich in Ruh'. Auch der andre, der bist du. An Gottes Herz. Wir Eintagsfliegen spielen heut Gern mit dem Wrtlein: Ewigkeit. Man frgt: warum? wozu? was dann? Und manchen geht das Grausen an. -- O Menschenseele, leg dich du An Gottes Herz zur trauten Ruh' Und la nicht kmmern deinen Sinn, Da du nicht weit, woher, wohin. Wanderlied. Mein Leib ist schon dem Tod geweiht, Die Seele noch voll Lebensfreud'. Mein Sterben ist ein Wandern Eine Reis' im Kreis, von Stern zu Stern, Von euch zu euch, vom Herrn zum Herrn, Von einem Himmel zum andern. Die Stunde. * Tick-tack! Tick-tack! Die Stunde geht in Zickzack. In Zickzack geht die Stunde, Der Zeiger schreibt die Runde. Es nachtet und es tagt, Es wintert und es frhet, Die Zeit entfliehet Und ist doch immer da. Der Zahn der Zeit Nagt an der Zeit. Er nagt umsunst, Die Zeit, die Stund' um Stunde reiht, Ist ewige, ewige Ewigkeit. Tick-tack! Tick-tack! Das Schicksal geht in Zickzack. Ein Vorwrts und ein Rckfall, In Zickzack geht das Schicksal. Der Zahn der Zeit, Man sagt, er nagt An meinem Sein. Er nagt schon lang, Mir ist nicht bang, Er nagt umsunst, Das Sein ist mein. Mein Sein war einst, mein Sein ist heut, Mein Sein ist ewige Ewigkeit. Sei gegrt, du himmlischer Knabe! Eine Weihnachtsandacht. Christkind, bist da; bist endlich nach langen traurigen Tagen wiedergekommen zu uns herab. Ich hab' dich ersehnt als wie ein Kind; denn ich bin ein Kind mit weien Haaren. Nun hr' ich dich rauschen in diesen Zweigen; vor deinem sen, warmen Odem flackern die Lichter des heiligen Weihnachtsbaums. O, sei gegrt, du himmlischer Knabe, der du mit den sonnigen uglein die schweren Nebel durchleuchtest, die hier im Tale des Trnentaues nimmermehr wollen schwinden. Ich mchte dich wrmen an meinem Herzen, und mu mich frchten, der menschlichen Leidenschaft strmische Gluten knnten versengen dein lockiges Haar. Denn du bist gewohnt des ewigen Frhlings milden Hauch; o Gotteskind, bei dir daheim mu es schn sein! Oft hr' ich es leis in den Lften klingen, als wie ein Luten und Gren von oben. Dann fat mich das Heimweh, und wie ein verirrtes Kind in der Nacht ruf' ich und such' ich den Weg zu den Wohnungen Gottes. Erzhl nun, erzhle, du holder Bote des Himmels, was waltet dein Vater, der ewige Herr? Fast frcht' ich, der Vater htt' unser vergessen, denn wie den Sonnenstrahl vor Wetterstrmen, seh' ich auf Erden das Gttliche schwinden. Gerechtigkeitsfreude ging uns verloren und reiner frhlicher Sinn. Die Kunst whlt im Staube, die kindlichen Herzen verkmmern. Wenn du, o mein ser, heiliger Christ, von Zeit zu Zeit nicht kmest gesandt, es mte der Pfad zwischen Himmel und Erden doch gnzlich verwildern. Und mich verlangt es so hei nach Kunde von oben, was all die Teueren, die uns verlieen, denn machen im Lande der ewigen Liebe. Mein Mtterlein treu; sie mu schon vor Zeiten angelangt sein auf mhevollen Krcken. Zwar war sie fast blind, doch hat sie -- das wei ich -- den Weg nicht verfehlt. Wie geht's ihr? Singt sie noch immer die lustigen Lieder? Was werden die Engelein horchen und lachen! Was war das ein Spa, wenn sie hat erzhlt und gesungen! Und ernsthaft blieb sie dabei, denn taub war sie vllig und hat -- wie ich meine -- ihr frhliches Singen und Sagen selbst nicht vernommen. Und da ich noch frage: Habt ihr ein Krankes im Himmel? Wenn sie nicht Kranke kann warten, die Mutter, wachen die Nchte und sorgen und sich von dem Munde die Bissen abkargen, so ist sie nicht glcklich. Sie wird es schon sein. Denn sag ihr, sie htte auf Erden jetzt Enkelein s; dieselben, die heute, o Christkind, dein strahlendes Bumchen umjauchzen. Und sag es der Mutter: wir lassen sie gren! Dann wirst du, mein himmlischer Knabe, auch einem Frauenbild noch sein begegnet, jung wie der Mai, hold wie ein Engel; wirst es kaum glauben, da sie auf Erden geboren. Im Reigen der Reinsten und Seligsten, der treuen, opferfreudigen Seelen ist sie zu finden. Du lchelst, mein Christkind, sahest sie schweben im weien, myrtendurchwirkten Kleide. Ein Antlitz, so zart, wie Kirschbaumblh' -- sie ist's! -- und Augen, so sanft und seelentief -- es mu sich darin ja Gatte und Kind noch spiegeln? So bist ihr begegnet im himmlischen Land, wie einsam vielleicht sie gewandelt in stillen Hainen, und wartend. Denn dann erst, wenn Gatte und Kinder bei ihr sind, will freudig sie eingehn zur Seligkeit. Diese Frau, mein gttliches Kind, wenn du heimkehrst, wird fragen dich mit weinendem Lcheln, wie es doch war, als du den Weihnachtsbaum stelltest in das verwaiste Haus den jubelnden Kindern? O, sag ihr, wie frisch in den jungen Gemtern die frh uns verwelkte Lust dieser Welt wieder aufblht. Und sage, wie selig ich bin in den Kleinen, wie hei ich ihr danke! Und das, wie ich immer noch weinen mu -- Bote der Liebe -- das sag ihr nicht. In einer Waldkapelle. Aus Todesbanden Ist der Sohn erstanden, Und sie, das heiligste Weib der Schmerzen, In der ewigen Jugend Strahl, Stieg empor auf Rosenwolken Zum himmlischen Knigssaal. -- O, Dank den Zungen, Die dies Lied gesungen Das erstemal in Glauben und Hoffen. Unser Leib sinkt der Erde zu, Doch dir, o Herz, steht im Lichte Heiliger Dichtung der Himmel offen! In Lebensstrmen verlischt der Schimmer, Der kindliche Glaube vergeht wie Tau. Und kommt wie Tau. Denn eins la ich nimmer: Das glorreiche Anbild der gttlichen Frau. Maria, Maria, Mit deinen Schmerzen, Mit deinen Freuden! In meinem Herzen Bist von allen Den Idealen, Den herrlichen, sen, lieben, Mir du noch geblieben. Deines Gedchtnisses Segen Mge uns retten Aus der Verzweiflung finsteren Wegen, Aus der Leidenschaft ehernen Ketten. -- O, ewigen Preis Der Gebenedeiten, Der Gnadenreichen! Erd' und Himmel zu allen Zeiten Haben nichts, dir zu vergleichen. Die Knige ruhen zu deinen Fen, Die Scharen der heiligen Engel kssen Den Saum deines leuchtenden Kleides; Und in den Kammern Des Elendes jammern Die lichtlosen Kinder des Leides; Die Gefallenen weinen Zu dir, der Reinen, Die gebrochenen Herzen, Die verlornen Seelen Drsten nach deinen labenden Quellen. Auf Schutt und Trmmern Irdischer Freuden, Auf teuren Grbern, Unter Trauerweiden Blicken Augen trnenumhllt, Suchen, Maria, Du Mutter der Liebe, Dein himmlisches Bild. -- O, la uns Kinder der Erde nimmer Verlieren ganz deiner Minne Schimmer. Maria, Maria, dies bitten wir! Und wenn Felsen strzen Und die Himmel beben, Huldreiche Frau, La bestehen, la leben Im Menschenherzen Das se Bild von dir! Ora pro nobis. Gedanken in der Kirche zu Zell. Bei Maria zu Zell an der heiligen Sttte, da kannst du Wunder schauen christliche Seele. Da kommen gezogen Vlker aus vielen Lndern und lasten ab auf den Marmorstufen ihr schweres Herz, ihr vielfaches Leiden, und rufen in fremden Zungen des Heilands selige Mutter, und klagen und schreien mit wilden Gebrden, und fhren zerrissen in Wehmut die Sprache, so alle Menschen verstehen: sie weinen. Sie weinen, da Trn' um Trne perlet ber die Wangen -- der Perlenschnre schnste, die sie der himmlischen Frau mgen weihen. Sie weinen und beten mit hochgefalteten Hnden, wie so brnstig auf keiner Sttte im irdischen Tale sonst sie knnen beten. Eherner Bildsule gleich knien sie da, oder wandeln, das flackernde Licht in der Hand, wohl leichenbla in langen Reigen den Kreuzgang dahin, oder wallen kniend im Bugewand um den Altar, oder liegen auf kaltem Stein hingestreckt wie leblos, die Arme zum Kreuze gebreitet. Unter solchen Gebrden bangend und hoffend, schreit das zitternde Herz: Maria! Zuflucht der Snder, Heil der Kranken, Trost der Betrbten, Licht der Sterbenden, bitte fr uns: _Ora pro nobis_! Und siehe! Vom stillen, uralten Bildnis nieder trufelt die Gnade, der Beter Gemt ist erleichtert, wie Berghauch frisch weht Hoffnung und Zuversicht durch das schwle Herz. Aufrecht wieder steht der irdische Leib, im Aug' die Trne der Freude: Erhrt! Erhrt zu Zell von Maria! Im Schatten des Pfeilers dort steht finster und bla ein Fremdling. Seine Zunge ist kundig der Sprachen des Erdballs -- Maria hrt ihn in keiner. Der Bitterkeit voll ist sein Herz, und schweres Weh schleppt er mit sich seit vielen Tagen, es fllt nicht ab an den Stufen der Gnade, es klammert sich wrgend an seinen wogenden Busen, er flucht dem dunkeln Geschick, er drstet nach Freude und Trost, verzehrt sich in lahmem Neid, da sie dort, die Beter, vor einem geschnitzten Stck Holz erlangen, was ihm in der weiten lebendigen Welt versagt ist. Mit starkem Mute gehen die Pilger dem Heim zu, sei es zu ferneren Widerwrtigkeiten des Lebens, sei es zur Bahre -- sie gehen getrost, Maria geht ihnen zur Seite und fhrt sie durch Jammer und Grab als treue Mutter zum ewigen Leben. Auch dort dem Fremdling pocht schon der Tod ans liebehaschende Weltherz. Sein Wesen schauert im Anblick der Grauen des ewigen Grabes. Einen Ruf nach Rettung erpret der Verzweiflung Gewalt ihm, der Schrei gellt hohl in den Hallen des Tempels, da flattert erschreckt aus dem Nest die Schwalbe. Das uralte Holz in der Zelle ist taub. O armes, geliebtes, von allen Himmeln verlassenes Weltkind! Das uralte Holz in der Zelle hilft niemand. Maria, des Heilands se, barmherzige Mutter, die jene wallenden Beter =lebendig= im Herzen tragen, des Glaubens innere Wirklichkeit -- sie wirket Wunder. Es ist keine Mr, Maria wirkt jeden Tag Wunder im Menschengemte und bt eine gttliche Kraft, die irdischer Macht nicht vergleichbar. O Fremdling im Schatten des Pfeilers! Wenn dir ein ernstes Geschick den kindlichen Glauben genommen und nicht mehr zurckgibt -- es ist des Weltkindes Mrtyrtum, trage es mnnlich. Doch wehe dir, wenn du ans Heiligtum tastest, das andere hegen im blutenden Herzen! La brennen im Menschengemte die Ampel, die ihnen erleuchtet des Erdenlebens finstere Pfade, des Grabes Schatten mit Morgenrot hellet, und schweig in Ehrfurcht, wenn auf wildem Meere weint und schreit und betet der Menschen glubiges: _Ora pro nobis_! Ans Menschenherz. Lebensgenosse, verbirg mir dein Herz nicht. Ich wei es, ich kenn' es, ich seh's an dem meinen. Du hast dich =gefrchtet=. Dir graute vor Schatten; an Krpern, die sie geworfen, gingst du sorglos vorber. Der Kindheit ses Blut haben gesogen Vampyre der Angst in stillen Nchten. Schaudernd vor Geistern nahmst du den strksten nicht wahr -- den im eigenen Haupte. Nun ruhn die Gespenster, doch inne bist du des Weltalls Mchte, die dich im Augenblick knnen vernichten. Solange du nur fr dich wolltest sein, war Angst dein Teil; seit du willig der Schpfung lebst in gemeinsamer Sache, stehst du in Demut, doch furchtlos den Mchten, mit offener Stirn. Du hast =gehofft=. Das Hoffen ist das beste Haben des Sterblichen. Doch der trstenden Mutter Hoffnung boshaftes Kind heit: Enttuschung. Wohl dir, wenn die Hoffnung dich treu zum Grab trgt; wehe dir, wenn unterwegs sie dich fallen lt auf sandigen Boden, wo unter Disteln und Dornen Verzweiflung wchst! Ich spotte der Hoffnung nicht, sie ist das Gedicht meiner Seele, des kindischen Herzens liebliches Spielzeug. Du hast =gehascht=. Von Sinnen gestachelt wie toll gejagt nach Genssen -- nach Geld, nach Ruhm und anderen Dingen, die das Leben zieren, aber nicht erfllen. Wie leicht ist dir manches geworden, zur Wirklichkeit wuchs der Gedanke, bevor er noch Wunsch war. Mit Schmerz und Entbehrung verglichen nur waren es Gter, nur mit dem Mastab des Leides gemessene Freuden. Von andern beneidet, fragst du befremdet das Schicksal: Ist denn das alles? Mehr als erwartet und doch nicht befriedigt! Es mu in den prunkenden, allumworbenen Gtern der Welt etwas faul sein. Du hast =gehat=. O nichts vergiftet das Herz mehr, als leidiges Hassen. Die Gier, sich zu rchen, verzehrt das eigene Leben. Nie geht der Herzschlag so wild, als wenn er Waffen schmiedet gegen den Feind; die lohende Esse der Brust versengt den heiteren Frieden. Ich habe die Lust zu hassen dem Teufel zurckgegeben, sie mag der Verdammten Seligkeit sein. Der Erdsohn wandelt auf Grbern, sein Haupt reifet hehrer Vollendung entgegen im Lichte des Himmels. Du hast dich, Lebensgenosse, der =Liebe= ergeben. Die Lieb' zu dir selbst, mit der fing es an, und bald kam die Liebe zu zweien; diese gebar dir schmerzlich und vielfach die Lieb' zu den Kindern. Die selige, zitternde Liebe voll Glck und voll Bangen. Armes gepeinigtes Herz! Heute trotzend in Panzern von Eis, morgen fiebernd in Gluten, an solcher Liebe Glck sachte verblutend. Und das nennt man Leben! Wie du, so wir alle -- lcheln nach auen und schluchzen im Innern. -- Nun kommt das Erbarmen. Die selbstlose Liebe, die am Kreuz ihre Hnde noch ausstreckt, die Welt zu umarmen. Liebreich und gut sein mit jedem. Gibt man dir Liebe, gib Liebe zurck. Fgt man dir Leid zu, so gib dafr Liebe. Lhme die Feinde mit Liebe, grer, gewaltiger rcht sich auch Gott nicht. O milde Liebe! Wer anderen wohlwill und wohltut, erlset sich selber. Der Unfried in dir geht zur Ruh, wenn du Fried' hast mit anderen. Die tiefste Wunde des eigenen Herzens vernarbt, wenn du sie anderen heilest. In deines Gemtes ppigem Garten, tief unter Unkraut keimet ein Pflnzlein; heute noch zart mit tauender Blte, kann es bei treuer Pflege morgen ein herrlicher Baum sein. Ein Baum der wahren Erkenntnis, an welchem die Frchte reifen, nach denen wir lechzen. O haltloser Mensch, von Furcht und von Hoffnung betrt, von Gier und von Ha gehetzt, mtest du strzen, vergehn, wie der Hirsch, das Blei in der Brust, verblutet im Moorgrund. Zur Urkraft steh! Gesell dich im Streite der gttlichen Siegerin zu. Dich rettet die Liebe. Hymne eines Glcklichen. Heiliger Gott, ich mchte beten, preisen dich in gttlicher Sprache, und jauchzen, singen, wie Engel jubeln im Schauen deiner Schnheit. Ich mchte weinen, wie Selige schluchzen, die du aus der finsteren Drangsal der Erde in deine ewigen Himmel aufnimmst. Nur das ist mein Schmerz, mein wonnig Verzagen, da ich nicht kann sagen, wie glcklich ich bin. -- Ich hab' dich gefhlt am Busen der Mutter, im Auge des Freundes dein Lcheln gesehn; und als ich die einzige fand, die Geliebte, da warst du es ganz, der niederstieg und mich, den Schwachen, in Wonneschauer Bebenden, mit heiem Ku an seine Brust gedrckt hat. Und als ich mein Ebenbild, nein, das deine, in meinem Arm hielt, das se Kind, da warst es du, der mit erneuter Huld im jungen Auge mich angeblickt. -- Die heien Freuden haben mein Herz erschttert; der Frost der Grber hat mein Haar gebleicht. Einsam nennen sie mich und wollen mich trsten mit ihren kleinen Gaben, die Guten, die Armen, die nicht wissen, wie reich, nicht ahnen, wie glcklich ich bin. Denn seit die heiligen Bilder deiner persnlichen Gottheit mir verweht sind, stehst du aufgedeckt vor mir in Alleinheit deiner unendlichen Schpfung. O, da ich so vergebens in deinem Reich den Namen suche, dich zu nennen, du nimmerruhender Auf- und Niedergang, im Sturm und Sonnenlcheln ewige Harmonie, aus der mir die Stimme der Mutter, der Gattin Hauch und des Kindes Lcheln treu wieder entgegengrt. Was einst mich beglckt in einzelnen Wesen, in einzelnen Wnschen und Hoffen beseelt, das find' ich nun, vereint mit dir, mit mir vereinigt zum ewigen Sein. Die Leidenschaft schweigt -- gestillt ist die Sehnsucht; erlst an dein Herz, o Natur, sink' ich hin. Die Blumen der Erde, die Sterne des Himmels, sie mgen verknden, wie glcklich ich bin. Am Grabe eines Idealisten. Ein glcklicher Mensch steigt hier zur Ruh', Von einem Himmel zum andern; In hehren Gestalten zieht er durchs All, Wie selige Geister wandern. Er hat ein reicheres Dasein gefhrt, Als all ihr Schlemmer und Prasser, Er hat ein edleres Feuer genhrt, Als alle die Hetzer und Hasser. Er hat das Elend in Liebe geweiht, Der Jmmerlichkeit sich verschlossen, Er hat mit dem Blut von eurem Blut Ein hheres Leben genossen. Er hat genossen in frhlicher Ruh', Was ihr selbst im Kampf nicht erjagtet! Er hat gebetet, gehofft und gejauchzt, Dieweilen ihr klagtet und zagtet. Dieweilen ihr geifernd das Leben verflucht Und geifernd danach habt gehastet, Hat er sich im Lichte des Himmels gesonnt, Im Schatten des Waldes gerastet. Ihm war ein heiterer Traum dieses Sein, Das euch ein drckender Alp ist; Das kommt, weil euch der Magen beschwert Vom Frae am goldenen Kalb ist. Dieweil ihr auf allen Vieren kriecht, Er fuhr auf dem Sternenwagen, Ihn hat die gttliche Phantasie Durch Ewigkeiten getragen. Ihr sinket als Aas ins finstere Grab, Als Samenkorn fllt er zur Erde. -- Hab' einst ich im neuen Sein die Wahl, Mit wem ich's wohl halten werde? Ein glcklicher Mensch steigt hier zur Ruh', Von einem Himmel zum andern; In hehren Gestalten zieht er durchs All, Wie selige Geister wandern. Anhang Das Singen des Tages An Tirol. Zum Erffungstag der Arlbergbahn. (1884.) Tirol, du schnes, stolzes Land, Du hllest dich in Festgewand Und jauchzest laut. Durch Berg und Tal der Posthornschall, Er tnet heut das letztemal So weh und traut. Das Posthorn klingt, wie Vogelsang Dereinst auch an das Herz dir klang In Sommernacht, Als es -- ein sehnend Walter-Lied -- Vom Liebsten, der in Treuen schied, Den Gru gebracht. Es blies in schwer bedrngter Zeit Das Notsignal zum Freiheitsstreit Von Tal zu Tal; Und auf dem blutigen Felde klang's Erschtternd, wie des Grabgesangs Posaunenschall. Dem Spielmanns-, Senn- und Jgerhorn Entstammt, ward es zum heiligen Born Fr Lust und Schmerz. War's Willkomm', war es Scheidens Mu, Das Horn, es hatte wilden Gru Fr unser Herz. Das Lerchenlied -- es ist vorbei. Doch hrst du nicht des Geiers Schrei Und schrillen Pfiff? Ein schwarzer Drache schnaubt heran, Und Feuer speit auf eherner Bahn Das Lokomotiv. Der Tler Frieden ist dahin, Und bald der Welt Parol': Gewinn! Wird herrschend sein. Doch nimmer klagt und nimmer bangt; Was eine groe Zeit verlangt, Wird sie auch weihn. Solang noch Schwert und Kugel droht, Der Vlkerha gen Himmel loht, Solang, solang Die weite Welt nicht ist befreit, Gibt's keine Rast in Einsamkeit, Trotz Lerchensang. Die neue Bahn, der weder Sprung Noch hoher Berge berschwung Jemals gefiel: Durch Nacht und Graus, auf khnem Steg, Geradeaus den Mittelweg, Kommt sie ans Ziel. Ans groe Ziel, dem ich und du Mit heier Sehnsucht streben zu, Und weher Not: Dem Bruderbund von Hand zu Hand, Von Herz zu Herz, von Land zu Land, Das walte Gott! Das Erdbeben in Steiermark in der Nacht zum 1. Mai 1885. Der sanfte Mai! So herb an unsere Mauern Hat er noch nie gepocht, als diese Nacht. Aus tiefem Winterschlafe jh erwacht, Erbebt die Erde in Empfngnisschauern? Wir fuhren auf in mitternchtigem Schrecken, An mondbestrahltem Fenster stand der Mai Und lchelte herein: Ich war so frei, Ein wenig eure Herzen aufzuwecken, Da hren sie, was schallt in allen Lften, Da sehen sie, was ich mit Blumen schrieb: Wie kurz die Lebenszeit! O habt euch lieb, Die Toten pochen laut in ihren Grften. An den Lehrer. (Zum Lehrertag in Graz 1888.) Als Sparta einst ein groes Fest beging, Da kam ein Bote aus Athen gezogen, Man hie ihn treten in der Krieger Ring Und fragte grend ihn mit Pfeil und Bogen: Was ist dein Zeichen, Freund, wir wollen's sehn! Gesittung, Friede! sprach der von Athen. Und so wie damals der Athener trat, Der edle Geist, ins Land der rohen Sitten, So bist auch du, mein Freund, nun in den Rat Der rauhen, kampfeslustigen Zeit geschritten. Es kocht der Ha der Vlker und Partein Und ldt zum blutigen Mahl der Rache ein. Doch du erziehst mit Mut ein neu Geschlecht, Und da aus Wissen sein Gewissen tage, Zu messen mit Gewissen, Pflicht und Recht, Gibst du ihm in die Hand die heilige Wage. Gesittung, Friede seh' ich neu erstehn. O sei willkommen, Brger von Athen! Ahasver an seinen verklrten Dichter. (Zum Tode Robert Hammerlings 1889.) Bist es du, der mich entshnet als den Brudermrder Kain, Welcher, weil des Todes Vater, nimmer dessen Kind kann sein? Weh, das war ein banges Wandern durch die wilde, finstre Zeit, Whnend, hastend, niemals rastend, um den Ring der Ewigkeit. Seit jedoch der gttergleichen Schnheit leuchtend Gloriol Aufgestellt zum Straenzeiger, wo ich rasten darf und soll, Seitdem will ich leben, leben, maienfroh zur Lust erwacht. Liebe hat die Welt erlset, Schnheit selig sie gemacht. Du, mein Wanderbruder, standest einsam auf des Lebens Firn, Als der Schnheit Hochpropheten einer, mit der Jovisstirn; Nun sind beide wir unsterblich, wandern durch das bunte Nichts, Ich im Schattenreich der Erde, du im ther ew'gen Lichts. Festgru zur zwanzigjhrigen Grndungsfeier des Lesevereines in Krieglach am 23. Juli 1893. Es pflegen die Menschen im irdischen Tal, Die Streitenden, Hoffenden, Edlen zumal Sich leuchtende Tempel zu bauen, Auf da im alltglichen Drang ein Asyl Uns winke und weise das hhere Ziel Zum inneren Leben und Schauen. Denn nicht in des Krpers gebrechlichen Schrein Sind uns hinterlegt die Schtze allein, Und auch nicht in eisernen Truhen; Die grten, bestndigsten Gter der Welt, Sie sind wohl auf Geist und Gemt gestellt, Wo selig die Gtter ruhen. Zu strken die Krfte, die schaffenden, Zu wecken die Gtter, die schlafenden, Das war unser heiliges Streben, Als einstens, vor zweien Dezennien, Beseelt und geleitet von Genien, Dies Bndnis wir riefen ins Leben. Wir grndeten mutig den frohen Verein Und luden die Geister des Erdkreises ein Ins bescheidene Dorf an der Fresen. In Bchern und Blttern sie kamen heran, Und mancher verdienst- und ruhmreiche Mann Ist wohl unser Gast gewesen. Wir hielten zusammen in treuer Pflicht, Wir zankten nicht viel und wankten auch nicht In guten und schlimmen Jahren. Und hier in diesem gastlichen Haus Hat unser Verein jahrein und jahraus All Schutz und Schirm erfahren. Wie mancher Gesang der Weihestund', Wie manches Lustjauchzen der Tafelrund' Hat hier gebraust und geklungen. Wie mancher Funke und Bildungskeim Ist siegreich aus diesem Geistesheim Ins weite Tal gedrungen. So wird man dem immer noch frischen Verein Das Fest der Erinnerung gerne verzeihn, Der treuen Verharrung zum Lohne. Die Einigkeit war unser Grund und Fach, Die Einigkeit war unser Turm und Dach, Die Einigkeit sei unsre Krone. Wiens Genius. Am Grabe Anzengrubers. (Zur Enthllungsfeier seines Denkmals 1895.) Ich singe hell an seiner Gruft Und spiele froh die Leier; Am Grabe des Unsterblichen Gibt's keine Todenfeier. Ihr in der Ferne seht des Meisters Herrliches Vollbringen; Ich wei von seinem Menschentum Ein rhrend Lied zu singen. Sein Haupt ist schn, auch wenn ich es Des Lorbeerzweigs entble, Wohl, Dichterknnen preis' ich hoch, Noch hher Menschengre. Wir Freunde sein, wir denken still Zu dieser Stund' aufs neue An seines Wesens schlichte Art, An seine Mannestreue. Die Wahrheit, die im Worte er Gefeiert und gespiegelt, Im Leben durch Wahrhaftigkeit Hat er sie, traun, besiegelt. Sein Leben war ein harter Kampf, Sein pltzliches Erliegen Erst hat die Welt ihm aufgeschreckt; Sein Fallen war sein Siegen. Sein Erdentag war wolkentrb, Das lichte Ziel zu ferne, Nun leuchten, seit die Sonne sank, Die Werke hell wie Sterne, Sie leuchten ber die weite Welt, Doch jetzt will ich erinnern: Sein Wiegenhaus, sein Schaffensheim, Sein Grab gehrt den Wienern. An solchen Sttten blicket auf Sein Volk in Stolz und Schauern; Ein Jauchzen hat es, da er kam, Und da er ging, ein Trauern. -- O spte Liebe, die wir anders Nimmer stillen knnen, Als da wir dankend, shnend Seine Lebenssttten krnen. Wir graben ein in Marmelstein Den Namen, den wir lieben. Er selbst hat sich mit Loderbrand Dem Volk ins Herz geschrieben. Heimgartens silberne Hochzeit. 1900. Seit sich der Grtner mht Und dieser Garten blht, Nie Gold und Silber das Leitmotiv war. Doch als die Zeit verstrich, Sachte das Haupthaar blich, Nahet dem Werke das silberne Jahr. Silberne Hochzeit hlt Mit seiner Lesewelt Heimgarten jetzt, zum Jahrhundertbeginn. Altern nicht wehe tut; War nur die Ehe gut, Wird selbst dem Silberhaar goldner Gewinn. Seit einst im Steirerland Schlicht dieses Blatt entstand, Liegen, wie immer, die Geister in Streit. Und dieser Garten hier War teils ein Kampfrevier, Teils ein Idyll auch in strmischer Zeit. Oft fiel das Samenkorn Freilich auf Sand und Dorn, Oft hat gester Wind Sturm auch gebracht. Ist es auf Bergeshhn Nicht der befreite Fhn, Der aus dem Eise den Frhling entfacht? Doch nicht der Lenz allein Soll ewig Herrscher sein; Fruchtbarer Herbst, wie erwart' ich dich gern! Was wir im Lenz gest, Ahnend schon aufersteht: Freude den Menschen und Ehre dem Herrn! Dann -- wird im Abendfried' Einst auch der Grtner md, Reichend den Spaten dem andern zur Hand, Wird das Vermchtnis sein: Treuet den Garten mein, Heimgarten ewig dem steirischen Land! Sonnengru. Den Deutschen in Amerika. 1904. Aus deutschem Morgenlande Der Sonnenball Flicht tglich Bruderbande, Und grt euch all! Was uns die dunkle Welle Des Westens nahm, Das euch in Lichteshelle Von Osten kam. Des Ostens heiliges Feuer, Des Westens Mut Fhrt euch mit Kraft das Steuer Durch hohe Flut. Die Sonne ist's, die gleiche, Die uns bescheint; Die Liebe ist's, die reiche, Die uns vereint. Die Sterne fliegen munter Von uns zu euch; Die Sonne geht nicht unter Im Deutschen Reich. Es zieht ein Segen von Haus zu Haus. Zum Schillertag 1905. Es zieht ein Segen von Haus zu Haus; Es klingt in den Lften und klingt nie aus, Es rauscht in den tiefen Gewssern. Es ruht in der Erde und keimt empor, Es blht aus den holden Maien hervor Und glht in den Herzen der Bessern. Es leuchtet und tost ein gewaltiger Strom Dahin durch des Himmels ewigen Dom, Da der Erde Urgrund erbebet. Es tnet ein zarter, ser Gesang Wie Saitenzittern, wie Nachtigallklang, Der alles weckt und belebet. Wir fhlen im Herzen der Liebe Hauch, Das Sehnen nach Groem, die Hoffnung auch Zu schauen einst glckliche Zonen. Ein heiliger, glhender Geist durchzieht Wie Sonnenleuchten das dunkle Gemt, Die hchste der Religionen. -- Sein Sterben doch mach' uns nicht zag, Hie Todestag -- hie Ostertag, Der Geist wird freigegeben. Wenn groe Menschen schlafen gehn, So ist es ein neues Auferstehn Zu wahrem, wirkendem Leben. Und wie die Glocke auf dem Turm Durch dieses Lebens Fried' und Sturm In Freud' und Leid uns lutet, So Friedrich Schillers hehrer Sang Dem Menschensohn auf lebelang Viel Trost und Heil bedeutet. Sein Lied ist es, sein Dichterwort -- Schon tnt's ins zweite Jahrhundert fort Und hallet im dritten wieder. Der Hirt in der Alpen Himmelsnh', Der Schiffer auf ferner, wildwogender See Empfindet und singt seine Lieder. Sein Lied ist es, der schmetternde Ruf, Der Sklaven den Drang zur Freiheit schuf Und sie zu Menschen erkoren. O kennt ihr des Sngers wildweckenden Schrei: Der Mensch ist frei geschaffen, ist frei, Und wr' er in Ketten geboren! Sein Lied ist es, das weist uns die Bahn: Ans Vaterland, Brger, schlie dich an, Bleib treu deinem Lande und Blute! Dann deutet er mahnend himmelwrts: Nicht an die Gter hnge dein Herz! Hng es allein an das Gute! Sein Lied ist es, der wonnige Hall: Die Tugend, sie ist kein leerer Schall, Der Mensch kann sie ben im Leben! -- Und was die innere Stimme spricht, Das tuscht die hoffende Seele nicht In ihrem heiligen Streben. -- O Dichterknig! Du lieest zurck Ein Gut, der Deutschen Stolz und Glck, Ein flammendes Gotteszeichen; Das Erbe der Nibelungen und Die Schtze all in Kyffhusers Grund Sind nicht damit zu vergleichen. So schlieen wir heute zur Weihestund' Des Dichtererbes den treuen Bund Auf allen unseren Wegen: In Gte treu, in Frieden frei, Ein einzig Volk von Brdern sei Des deutschen Dichters Segen! Ruf zur Hilfe bei einer Elementarkatastrophe in Steiermark. Hrt ihr den Ruf erschallen? Der Charitas Gesang. Seht ihr die Menschen wallen Die Straen froh entlang? Sie ziehen, traun, dem Rufe nach, Durch Tler, ber Berg und Bach, Dem Weihesang zu lauschen. Die Tannenwlder rauschen -- Es wogt der blaue See, Und Minnelaute tauschen Das Bcklein und das Reh. Es schwillt und knospet Trieb um Trieb, Es blht die heilige Bruderlieb' Im schnen Lande Steier. Wie ernst ist unsere Feier! -- Des Schicksals dunkle Hand Senkt nieder grause Schleier Mit Sturm und Blitzesbrand. Des Landmanns Haus und Feldeshab' Verwandelt sich zum Wstengrab. -- Gehrt das auch zum Feste? Ihr hochgeschtzten Gste, Ein wohlerwogner Rat: Der Heimatsehren beste Ist eine gute Tat. Hit auf die Fahnen wei und grn, Und lat das Alphorn schallen hin, Die Brder all zu rufen. Und zu des Altars Stufen, Die wir der Styria In heier Liebe schufen, Kommt her aus Fern und Nah. Der Mund fr Sang und Bechersrand, Das Aug' dem Licht, die offne Hand Den armen Landsgenossen. Aus Zeiten, lngst verflossen, Ist uns der Vter Art Ins warme Herz gegossen, Da sie die Scholle wart'. So danken wir in Tat und Spiel, Da dieses Land vom Himmel fiel Und unser Heim geworden. Und da nicht durch die Pforten Zieh' fremder Geist herein, Der Ahnen Kraft zu morden, Die Brder zu entzwein -- Des lat in Einigkeit uns stark Der heigeliebten Steiermark, Der heiligen Heimat walten. Und damit nicht erkalten Die Heimatliebe mag, Soll nunmehr sich gestalten Ein froher Steirertag, Zu zeigen, da in Glck und Not, Und wenn den Brdern Unheil droht, Wir treu zusammenhalten. Festgru. Geweiht dem Wiener Sngerbunde zu seinem fnfzigjhrigen Jubilum. Ein Herold im freien Alpenland Naht brderlich deutschen Shnen, Zu gren als Snger mit schlichtem Wort Die Snger mit klingenden Tnen. Gr Gott! Gr Gott! erschall aufs neu Des Vaterlandes Ehr' und Treu! Es grt euch, Snger, die blhende Stadt Mit frohem Festesrauschen, Bereit, der Menschheit hohem Lied Von eurem Mund zu lauschen. In ernster Zeit aus Mannesbrust Ein froher Sang ist Trost und Lust. Das Jauchzen des Glcks, das Drohen des Zorns, Das Gelbnis zum Bruderbunde, Es klinge hinaus im dreifachen Lied Der hehren Weihestunde; Es wecke Freude, Mut und Kraft Und dmpfe rohe Leidenschaft. Den ersten Sang, o singet ihn froh Im seligen Ahnen und Sehnen, Er gilt dem Geiste der Ewigkeit, Er gilt dem Guten und Schnen. Die Guten und Schnen auch unserer Wahl, Begret sie minnig im Liedesschall! Den zweiten Sang, o singet ihn laut, Er braus' von Geschlecht zu Geschlechte, Das Schwert in der Hand, so weihet ihn, traun, Fr heilige Menschheitsrechte. Der Unschuld Schutz, der Freiheit Wehr, Der Falschheit Trutz, der Wahrheit Ehr'! Den dritten Sang, Walkrenruf, Die Schilder khn geschwungen! Des Vaterlandes Hochgesang Erschall von allen Zungen. Dem deutschen Volk in Fried' und Streit Mit Herz und Hand in Ewigkeit. Der Gott, der Eisen wachsen lie, Erschuf auch klingende Kehlen, Und manches, was das Schwert zerri, Das Lied kann's wieder vermhlen. Der Schnheit Band, der Freude Gru Die Menschen brderlich einen mu. Zum Kongre der Schwachsinnigenfrsorge in Graz. 1908. Auf dem Wege zum Licht lasset keinen zurck. Fhret jeden mit euch, der vergessen vom Glck. Dem die Ampel verlosch, dem die Glut nie gebrannt, Das Kind, das den leitenden Stern nie gekannt, Sie taumeln in Nacht und Verlassenheit. -- Ihr begnadeten Pilger der Ewigkeit, Fhrt alle mit euch in Liebe und Pflicht. Lasset keinen zurck auf dem Wege zum Licht! Gru den Touristen. Den schnsten Blick in das Weltenrund Hat man -- ich ward es inne -- Vom tiefen, khlen Kellersgrund Und von der Alpenzinne. Das Leben kann vertieft, erhht Den Erdenpilger beseelen, Gott schtz uns gndig vor flacher d' Und flachen Alltagsgesellen! Des Menschen Geist gleich der Blume spriet Aus dunkler Tiefe nach oben, Und unsere Jakobsleiter ist Aus Fels und Gletschern gewoben. Die Bergesspitze, sie sei jedoch Als Endziel nicht unser Eigen, Wohl ungeahnte Hhen noch Die Menschheit hat zu ersteigen. Ihr wandert gehobenen Herzens zu Fu Auf himmelansteigenden Wegen. Ich reite auf hinkendem Pegasus Dem leuchtenden Ziele entgegen. Und dort auf der Hhe, wo herrschen zumal Der Menschlichkeit Taten und Lieder Im reinen gttlichen Sonnenstrahl, Dort oben sehn wir uns wieder. Dichter der Heimat. Gottfried Ritter von Leitner. (Zum 90. Geburtstag.) Der teueren Steiermark hast du dein reiches Leben In Rat und Tat, in Sag' und Sang gegeben, Darum der Landesfarbenschmuck in hohen Jahren, Der grne Lorbeer auf den weien Haaren. Robert Hamerling. Das hchste Ideal, die glhend heie Phantasie, Die grte Lust, den tiefsten, unbegrenzten Schmerz, Schon eins zu schwer fr schwache Erdenpilger, Gott' legt sie alle in dies Dichterherz. Ludwig Anzengruber. (Redakteur des Figaro.) Der grte Tragiker unserer Zeit, Der mu ein Witzblatt machen, Ein tragischer Witz, bei meiner Seel', Man mchte Trnen lachen! Karl Morre. Ungezhlt und ungewogen Gab dir Gott mit voller Hand, Ungezhlt und ungewogen Streust du Schtze in den Sand, Doch gezhlt und wohlgewogen Wird dein Name sein im Land. Dichtergassen. Bauet ihr den Dichtern Gassen, Baut sie nicht an Husermassen, Nicht in staubdurchqualmter Enge, Wo nach Mammon hetzt die Menge. Bauet sie durch grne Auen, Wo die khlen Wlder tauen, Bauet sie nach Bergesspitzen, Wo beim Mahl die Gtter sitzen. Und wenn euch in Niederungen Fast ersticken Herz und Lungen, Lat den Plunder liegen, stehen, Folgt den Dichtern zu den Hhen! -- Wer dies Mrchen nicht kann fassen, Der soll alles Dichtergassen-, Dichterstraentaufen lassen. Musiksegen. (An meinen Sohn.) Die Musik, sie ist dein Heiland, Sie ist ein Heiland auch mir, Wenn sie als treuer Engel Dich fhrend bleibt bei dir. Wenn sie, mein Kind, dich behtet Vor Lastern, den gemeinen, Wenn sie dich hebt und leitet Zu Freuden, zu den reinen. Zieh unterm Lorbeerzweige Auf klingendem, seligem Eiland, Voll Dornen zwar sind die Steige, Und ein Kreuz trgt jeder Heiland. Dem Tiere zu Schutz und dem Menschen zu Nutz. * Ich hr eine alte Satzung lehren: O Mensch, du sollst deine Eltern ehren! Und ein neues Gesetz die Weisung gab: O Mensch, du stammst vom Tiere ab! Die Moral davon, die liegt nicht weit, Du sollst achten die Tiere zu aller Zeit. Und erkennst du sie schon als Stammeltern nicht, So ist es als Mensch deine heilige Pflicht, Den Tieren, die dir ihr Dasein weihn, Ein gtiger, milder Schutzherr zu sein. Das Tier hat ein fhlendes Herz wie du, Das Tier hat Freude und Schmerz wie du. Das Tier hat einen Hang zum Streben wie du, Das Tier hat ein Recht zum Leben wie du. Nicht viel sind dir, Mensch, der Tage gegeben, Doch krzer noch ist des Tieres Leben. Und mu es dein armer Sklave schon sein, In dunkler Nacht wie im Sonnenschein, Und opfert es dir seine Kraft und Ruh' Und wendet dir all seine Neigung zu, Oder flieht es dich angstvoll, weil es ihm scheint Du seiest sein allergrter Feind: O sei sein Schutzherr! Es kann nicht klagen Den Schmerz, kann dir seinen Dank nicht sagen. O sieh sein flehendes Auge an, Es blickt dich eine verwunschene Seele an. Schon vor vieltausend Jahren die Alten Haben deutsam an dem Glauben gehalten: Die Menschenseele msse wandern, Von Tier zu Tier, von einem zum andern. 's ist Wahres dran; der Mensch ist geschaffen Aus hnlichem Stoff wie Vgel und Affen. Die Tierexistenz und das Menschenleben Ist einem und demselben Geschick untergeben; Wir haben mit jedem Wurm gemein Das Kmpfen und Ringen ums irdische Sein, Und wenn wir auch manches Hohe erwerben, Wir haben mit jedem Tiere gemein: Das Leiden und Sterben! Das Leiden und Sterben! O glaubt mir doch, es nimmt besseren Lauf, Der Mensch hebt das Tier zu sich hinauf, Als, er stiege durch Roheit und unreine Taten Zum niedrigsten Tiere hinab in den Schatten. Zwei Millionen! (Gelegentlich der Nationalsammlung[C]). 2000 Kronen = zwei Millionen! Die Rechnung ergrimmt sie? Wenn in deutschen Landen auch Deutsche wohnen, Dann stimmt sie. 2000 Kronen = zwei Millionen! Darf man das sagen? Die Deutschen haben das Spiel gewonnen, Wenn sie es wagen. 2000 Kronen = zwei Millionen! Die Rechnung ist richtig. Ich kann auch die Reichen nicht ganz verschonen, Die Sache ist wichtig. Zwei Millionen! ffnet die Brsen Mutig und heiter! Sonst dichte ich in diesen erhabenen Versen Erschrecklich weiter. [C] Aufforderung, vermgende Deutsche mchten sich verpflichten, dem deutschen Schulverein in Wien zur Grndung deutscher Schulen an den bedrngten Sprachgrenzen je 2000 Kronen zu spenden, fr den Fall als 1000 solcher Spender sich melden. -- Innerhalb zweier Jahre waren fast 3 Millionen Kronen gezeichnet. Gru-Sprche und Allotrias[D]. [D] Fr diese Abteilung wrde der Verfasser sich besonders zu entschuldigen haben. Er wollte aber mit dem Bchlein nichts Literarisches machen, wollte sich in demselben nur geben wie er ist, auch im Alltag. Auf den Wunsch, Neujahrsgratulationen zu dichten. Die Dichter sollen, traun, mit ihren Lichtern Dem Volk zum neuen Jahre gratulieren? O lausche, deutsches Volk, den deutschen Lyren, Dann gratulier dir selbst zu deinen Dichtern. Der Meisterschtz. 1889. Einen Schu in Ehren Kann mir niemand verwehren, Etwas treff' ich immer. Treff' ich schon die Scheibe nimmer, Schie' ich halt der Luft ein Loch, Etwas treff' ich doch. -- Bcke schie' ich mir zum Preis, Fllt der Bock nicht, fllt die Gei, Oder gar ein junges Kitz, Treffen, treffen tu ich immer, Denn ich bin der Meisterschtz'. An Alexander Girardi. 1899. Ich gratulier' zum kleinen Bubn, Ist Glck nicht ser noch als Ruhm? Buchwidmung an die Schwiegermutter. 1899. In diesem Buch man finden kann, Wie der Schwiegersohn schn dichten kann. Er dichtet frh, er dichtet spat, Und wenn er just Courage hat, So dichtet er, der tapfre Mann, Sogar -- die Schwiegermutter an. Die Schwieger --? Wie? Gemach, gemach, Sie ist danach. Nachhall. 1899. In deiner schnen Heimatstadt Da blieb ich ber Nacht, Und als das Mhlrad rauschend ging, Und als mich milder Traum umfing, Da hab' ich deiner gedacht. In deiner schnen Heimatstadt Da gab es einst frhliche Zeit, Die Jugend hat uns angelacht, Die erste Liebe war erwacht, O selige Tage -- wie weit! In deiner schnen Heimatstadt Es ewigen Frhling gibt, Und was, o Freund, einst unser war, Geniet heut eine junge Schar Und lebt und lacht und liebt. Zum 28. August 1900. Du dnkst dich alt, so klagst du mir, Und ist doch so viele Jugend in dir. Das Klagen, das magst du sparen! Eine vierzigjhrige junge Frau, Die gibt -- ich rechne ganz genau -- Zwei Mdchen von zwanzig Jahren. Auf die Einladung zu einer Kirchenbaufeier auf dem lberg in M. (1900.) Am lberg sein, um Blut zu schwitzen, Da blieb' ich allwegs lieber fern, Doch in Bethanien Festwein blitzen Am Ostertag, das tt ich gern. Indessen, wollen wir nicht warten, Eh' aus dem Hals der Stoppel springt, Bis auf des lbergs hehrem Garten Vom Turm die erste Glocke klingt? Zwar tt es not, da wir uns laben Zu dieser kampfesheien Frist. Doch Feste wollen wir erst haben, Wenn unser Werk vollendet ist. An T. Sch. 1900. Zu dir bin ihs gonga, Zu dir hots mih gfreit, Zu dir geh ihs fter, Koa Weg is ma z weit. Koa Weg is ma z weit Und koa Steg is ma z krum, Koa Glos is ma z tiaf Und koa Gspoa is ma z dum. Koa Gspoa is ma z dum Und koa Red is ma z gscheit, Mei Toni, ba dir Hots mih ollemol noh gfreut. Schlaraffia. 1901. Schlaraffenbrder, lu lu! Ich bring' euch den Humpen, ehe! Ihr merkt es schon, Sassen, aha! Ich mchte ins Reich Uhu Und kann nicht zu euch, oho! ------ Willst du, Freund, der Weisheit viel erfahren, Geh' zu Seiner Majestt, dem Narren. Was dich lehrt bombastisch der Lektor, Das =lebt= der =Narr= dir lachend vor. Dem Verein der Knstler in Wiesbaden auf eine Sendung. O heiliger Becher goldenen Weins! Bist du nicht zwei, so bist du mir Eins. Nun sei auch mein flinker Pegasus, Der froh berbringt den Dankesgru Bis nah den Gestaden von Mainz. Dort lasse dich nieder auf Wiesbadens Flur, Und biet einen Bruderku dar von der Mur Den Mnnern des Knstlervereins -- O Tropfen, der mich erquickt und beglckt, O Flamme, die mich berckt und entzckt, Im seligen Taumel des Seins. Kein Trunk hat mich jemals so lodernd entfacht, Als du, mich den Gttern so nahe gebracht, Voll wonnig olympischen Scheins. -- Ich trinke euch zu, ich jauchze euch zu! Ich preise dich, feurige Labe du, Allheitere Seele des Rheins! Der Tischgesellschaft. 1901. Ach wie wr's im Kruge lustig, Doch zu Hause bleiben mut' ich, Hab's ein bichen auf der Brust ich. Traun, die halben Nchte pfauch' ich Und die andern halben hust' ich. Abschied vom Krug. Es war einmal 'ne schne Zeit, Da saen wir zu zehnt, zu zweit In Kleinoscheggers Weinlokal. Es war einmal. Nun bin ich traun ein Patient Und frcht', der Krug, der hat ein End', Er ging zum Brunnen sonder Zahl. Er war einmal. Es war einmal wird immer neu, Was wir erlebt, das bleibt uns treu In dichtender Erinnerung Damit genung. Einem mit dem Verdienstkreuz Ausgezeichneten. 1901. Wer oft und treu das schwere Kreuz Mit andern hat getragen, Den mu man an der Ehre Kreuz Mit goldnen Ngeln schlagen. An einer Wiege. 1902. Die alten Zeiten Kehren wieder, Wo mir erklungen Die sen Lieder. Ein kleines Kindlein Tat ich liegen, Nun schlft ein anderes In dieser Wiegen. Ich seh's im Traume Lieblich lachen, O mcht' es nimmer Daraus erwachen! Wegen einer Vorlesung. 1902. Wenn ich schon lesen soll, Les' ich am Sonntag. Wann wr' ich gnzlich wohl? Wann htt ich Schontag? Husten und schnaufen ist Jetzt mein Beruf, Hoff', da es besser wird, Freund Toni Schruf. Sollt sich's verschlimmern, so Schreibt dir der Peter, Dann geh zum Tischl du Als sein Vertreter[E]. [E] Entgegnung. So sei denn vom Himmel die Gnade erbeten: Es mg' mein' Gesundheit Dein Kranksein vertreten. Vertreten in dir, du Mein Herzherzensdichter, Man hrt nicht gern mir zu, Wenn's heit: Heute spricht er. Und nun kmmt die Hauptsach' (Die soll auch dabei sein): Man hrt mich wohl an, doch, Der Eintritt mu frei sein! Dein Toni. Sehnsucht nach Bayreuth. 1902. Die sitzen jetzt beim Gttermahle Und atmen Liebe hehr und rein, Wie mcht' ich dort im Speisesaale Beim groen Tor -- der grte sein. Der grte Tor, der grte Weise, Der heilige Weltbesieger Christ, De' Herzenskraft und Seelenspeise Die Einfalt und die Liebe ist. Zur Urkunde im Schlustein des Veitscher Schulhauses. 1903. Wir bauen dies Haus in strmischer Zeit, Die Geister gren und liegen im Streit. Die Seelen sinken und suchen nach Licht, Durchwhlen den Erdball und finden es nicht. Wir weihen dies Haus dem gttlichen Geist, Der wieder die Menschheit gen Himmel weist. Widmung in ein Buch. 1903. Ein neues Buch. Doch brauchst du's nicht zu lesen. Man kann auch so zur Weltweisheit genesen. Man sagt dem edeln Spender besten Dank! Und stellt's, statt in den Kopf, blo in den Schrank. An Ferdinand v. Saar. 1903. Im irdischen Tal Sind wir uns begegnet Ein einziges Mal, Doch das war gesegnet. Seither entschwunden Bist du mir nimmer, Und jene Stunden Whren noch immer. Einzig nur trennen uns (Lt sich's ereilen?) Zehen der Jahre, Zwanzig der Meilen. Der Knigin Elisabeth. 1906. Gtige Frau und Frstin, Wie mte die Krone dich drcken, Lg' drunter der Lorbeerkranz nicht Auf der glhenden Stirn. Der Urania in Wien. Das Ntzliche weihet mit Schnheit, Die Schnheit mit Wrde, So grndet auf Erden ihr khn Der Urania Reich. Auf Einladung zu einer Scheffelfeier. 1903. Ich ehre den Dichter nach meiner Art, Und das ist die schnste Scheffelfeier. Weit du, worin sie besteht, mein Treuer? Ich lese zu Hause den Ekkehardt. Einem Sprachvereinsfeste. Nun schrfet den Spaten Und furchet sein wacker Den siechenden Acker Der kahlkpfig glatten Vertrockneten Sprache. Und streut in die Brache Papierner Mache Die krftigen Saaten Lebendiger Mundart. So wie sie uns kund ward Von ackernden Alten, So sollen sie erndende Enkel erhalten! Widmung ins Snderglckel. 1903. Wenn das Snderglcklein lutet, Brauchst du, Freund, nicht zu erschrecken, Zwar, die Schelme soll es necken; Arme Snder soll es wecken; Aber keinen soll's verletzen, Und die Guten soll's ergtzen. Einem Knstler. Die Natur ist des Stoffes gefesselte Sklavin, Sie mu wahr sein, auf Kosten der Schnheit. Die Kunst ist des Himmels freiwaltende Tochter, Sie darf schn sein auf Kosten der Wahrheit. An Martinelli zum 70. Geburtstag. 1904. Du grtest mich zu Sechzig, Denn was sich liebt, das neckt sich. Ich gre dich zu Siebzig, Denn was sich neckt, das liebt sich. An Frulein E. B. 1905. Dein Hans ist ernannt nun zum Doktor der Rechte. Und ist er fr dich auch der Doktor, der rechte, So reicht euch, wie's recht ist, frs Leben die Rechte. An die Kritik der Kritik. 1905. Die Kritik kritisieren? Den Lwen beien? Dummes Schaf, er wird dich zerreien. Nichts ist so wtig, so impertinent, Als ein kritisierter Rezensent. Richard und Luise. Zum hlzernen 10. Hochzeitstag 1905. Die diamantne Hochzeit ist die beschwerlichste, Weil sie so hoch in den Jahren hngt, Die goldne Hochzeit ist die herrlichste, Weil in dem Gold noch die Myrte prngt. Die silberne Hochzeit ist die entbehrlichste, Weil noch die Liebe zusammenzwngt, Die eiserne Hochzeit ist die begehrlichste, Weil noch das Blut in den Adern drngt. Die =hlzerne= Hochzeit ist die gefhrlichste, Weil sie am leichtesten Feuer fngt. Hochzeitsgru. Ich seh' die lieben jungen Leut' Mit seligsem Blick lachen, Man kann aus kurzer Seligkeit Ein lebenlanges Glck machen. Die Lieb' allein ist nicht genug, Man mu es mit Geschick machen. Und seid ihr liebevoll und klug, So wird euch Gott die Brck' machen. Habt Nachsicht mit Roseggers Gru, Er kann kein schneres Stck machen. Tafelgru zu einer Vermhlung. So steht's geschrieben denn: Heil sei den Liebenden, Die heut im siebenten Himmel frohlocken. Lasset nun diese Zwei Im Paradiese frei Wundersam se Mai- Blmlein brocken. Doch ist's leicht selig sein, Wenn uns den Himmel ein Andrer gebaut. Denk' ich dein, lobesams Stammhaus des Brutigams, Denk' ich dein, Stammhaus Der lieblichen Braut. Segle nun frohgemut, Schifflein, auf hoher Flut, Unter den Sternen der Liebe und Treu. Ich will zu dieser Stund' Preisen der Eltern Bund, Leuchtendes Vorbild der glcklichen Zwei Preise, mein Weihgesang, Waldsngers Treugesang, Preise den Schpfer Der knftigen Welt. Was einst in Flei und Recht Erntet ein neu Geschlecht, Haben weitschauende Ahnen bestellt. -- Grenzstein der neuen Zeit Und der Vergangenheit Ist der zur Trauung Geschmckte Altar. Wenn ich des Rheines Reb' Urdeutschen Wein erheb', Gr ich dich, junges, Dich, lterlich Paar. Heil sei den Preislichen, Die hier am huslichen Herde warm hocken! Heil sei den Liebenden, Die heut im siebenten Himmel frohlocken! Euch eint, ihr Ziehenden, Der mit dem glhenden Hammer des Herzschlags Geschmiedete Ring. Haltet den Talisman, Der euch das Glck gewann, Nimmer den goldnen Hter gering. Segle nun, frohgemut, Schifflein, auf hoher Flut, Segle ins wogende Leben hinaus. Unsere Liebe zieht, Paar, als dein Engel mit Ein in dein alpen- Umfriedetes Haus. Einem dramatischen Volksfhrer. 1905. Das Volk bringst leicht du Zum Lachen und Weinen, Zum Jubeln und Greinen; Zum launigen Spiele, Es hpft und es kriecht. Froh dorthin, o Dichter, =Wo= du es haben willst, =Wo= du es retten kannst, Bringst du es nicht. Flchtiges. Eine kurze Zeit wohl mcht' ich leben Auf der Erde und dann selig sein. Ohne Leid zu kennen, drfte eben Wahre Lust mir nicht recht stellig sein. Auch der Himmel braucht vom Gegensatze, Will er uns so ganz gefllig sein. ------ Das Heute war gestern: morgen, Und morgen ist es schon: gestern. Es lohnt sich nicht, um zu sorgen, Nicht, um zu loben, zu lstern. Die Freude an gestern, die Sorge um morgen, Sind zwei mige Schwestern. Sylvester. Wie? Zur mitternchtigen Stunde Hr' ich laute Kreise tagen? Sylvesterglser klingen, Sylvesteruhren schlagen. Essen, trinken, spielen, scherzen! Ohne Sorge, ohne Reue Taumeln sie von Jahr zu Jahre, Und vom alten in das neue. Ob auch ich dabei bin? -- Nein. Lasset mich mit mir allein. Einsam in der Scheidestunde Will ich Glcks und Leids gedenken, Mu ich doch ein Stck von meinem Leben in die Grube senken, Mu ich doch mein wundes Herze In die fremde Zukunft tragen. Ist's denn mglich, da man scherze, Wenn verhllte Zeiten tagen? -- Diese Weihestund' ist mein. Lasset mich mit mir allein. Nagelprobe. Die irdene Schale ist nun leer. Ich hab' mich restlos euch gegeben. Ich legte mich in euer Leben, Dem Tode bleibt nichts brig mehr. Anmerkungen zur Transkription Im Original gesperrt gesetzter Text wurde mit = markiert. Text, der im Original nicht in Fraktur, sondern in Antiqua gesetzt war, wurde mit _ markiert. Zeichensetzung und Rechtschreibung wurden bernommen. Nur offensichtliche Druckfehler wurden berichtigt. End of the Project Gutenberg EBook of Mein Lied, by Peter Rosegger License: Share Alike