This book content was graciously contributed by the Gutenberg Projekt-DE. That project is reachable at the web site http://gutenberg2000.de. Dieses Buch wurde uns freundlicherweise vom "Gutenberg Projekt-DE" zur Verfgung gestellt. Das Projekt ist unter der Internet-Adresse http://gutenberg2000.de erreichbar. Friedrich Schiller Die Verschwrung des Fiesco zu Genua Ein republikanisches Trauerspiel. Nam id facinus inprimis ego memorabile existimo sceleris atque periculi novitate. Sallust vom Catilina. Vorrede. Die Geschichte dieser Verschwrung habe ich vorzglich aus des Cardinals von Retz Conjuration du Comte Jean Louis de Fiesque, der Histoire des Conjurations, Histoire de Gnes und Robertsons Geschichte Karls V.--dem dritten Theil--gezogen. Freiheiten, welche ich mir mit den Begebenheiten herausnahm, wird der Hamburgische Dramaturgist entschuldigen, wenn sie mir geglckt sind; sind sie das nicht, so will ich doch lieber meine Phantasieen als Facta verdorben haben. Die wahre Katastrophe des Komplotts, worin der Graf durch einen unglcklichen Zufall am Ziel seiner Wnsche zu Grunde geht, mute durchaus verndert werden, denn die Natur des Dramas duldet den Finger des Ohngefhrs oder der unmittelbaren Vorsehung nicht. Es sollte mich sehr wundern, warum noch kein tragischer Dichter in diesem Stoffe gearbeitet hat, wenn ich nicht Grund genug in eben dieser undramatischen Wendung fnde. Hhere Geister sehen die zarten Spinneweben einer That durch die ganze Dehnung des Weltsystems laufen und vielleicht an die entlegensten Grenzen der Zukunft und Vergangenheit anhngen--wo der Mensch nichts, als das in freien Lften schwebende Factum sieht. Aber der Knstler whlt fr das kurze Gesicht der Menschheit, die er belehren will, nicht fr die scharfsichtige Allmacht, von der er lernt. Ich habe in meinen Rubern das Opfer einer ausschweifenden Empfindung zum Vorwurf genommen.--Hier versuche ich das Gegentheil, ein Opfer der Kunst und Cabale. Aber so merkwrdig sich auch das unglckliche Project des Fiesco in der Geschichte gemacht hat, so leicht kann es doch diese Wirkung auf dem Schauplatz verfehlen. Wenn es wahr ist, da nur Empfindung Empfindung weckt, so mte, ducht mich, der politische Held in eben dem Grade kein Subject fr die Bhne sein, in welchem er den Menschen hintenansetzen mu, um der politische Held zu sein. Es stand daher nicht bei mir, meiner Fabel jene lebendige Gluth einzuhauchen, welche durch das lautere Product der Begeisterung herrscht; aber die kalte, unfruchtbare Staatsaction aus dem menschlichen Herzen herauszuspinnen und eben dadurch an das menschliche Herz wieder anzuknpfen--den Mann durch den staatsklugen Kopf zu verwickeln--und von der erfindrischen Intrigue Situationen fr die Menschheit zu entlehnen--das stand bei mir. Mein Verhltni mit der brgerlichen Welt machte mich auch mit dem Herzen bekannter, als dem Kabinet, und vielleicht ist eben diese politische Schwche zu einer poetischen Tugend geworden. Personen des Stcks. Andreas Doria, Doge von Genua. Ehrwrdiger Greis von 80 Jahren. Spuren von Feuer. Ein Hauptzug: Gewicht und strenge befehlende Krze. Gianettino Doria, Neffe des Vorigen. Prtendent. Mann von 26 Jahren. Rauh und anstig in Sprache, Gang und Manieren. Burisch-stolz. Die Bildung zerrissen. (Beide Doria tragen Scharlach) Fiesco, Graf von Lavagna. Haupt der Verschwrung. Junger, schlanker, blhend-schner Mann von 23 Jahren--stolz mit Anstand--freundlich mit Majestt--hflich-geschmeidig und eben so tckisch. (Alle Nobili gehen schwarz. Die Tracht ist durchaus altdeutsch.) Verrina, verschworner Republikaner. Mann von 60 Jahren. Schwer, ernst und dster. Tiefe Zge. Bourgognino, Verschworner. Jngling von 20 Jahren. Edel und angenehm. Stolz, rasch und natrlich. Calcagno, Verschworner. Hagrer Wollstling. 30 Jahre. Bildung gefllig und unternehmend. Sacco, Verschworner. Mann von 45 Jahren. Gewhnlicher Mensch. Lomellino, Gianettinos Vertrauter. Ein ausgetrockneter Hofmann. Zenturione, Zibo, Asserato, Mivergngte. Romano, Maler. Frei, einfach und stolz. Muley Hassan, Mohr von Tunis. Ein confiscirter Mohrenkopf. Die Physiognomie eine originelle Mischung von Spitzbberei und Laune. Deutscher der herzoglichen Leibwache. Ehrliche Einfalt. Handfeste Tapferkeit. Drei aufrhrerische Brger. Leonore, Fiesco's Gemahlin. Dame von 18 Jahren. Bla und schmchtig. Fein und empfindsam. Sehr anziehend, aber weniger blendend. Im Gesicht schwrmerische Melancholie. Schwarze Kleidung. Julia, Grfin Wittwe Imperiali, Dorias Schwester. Dame von 25 Jahren. Gro und voll. Stolze Kokette. Schnheit, verdorben durch Bizarrerie. Blendend und nicht gefallend. Im Gesicht ein bser moquanter Charakter. Schwarze Kleidung. Bertha, Verrinas Tochter. Unschuldiges Mdchen. Rosa, Arabella, Leonorens Kammermdchen. Mehrere Nobili, Brger, Deutsche, Soldaten, Bediente, Diebe. Der Schauplatz Genua.--Die Zeit 1547. Erster Aufzug Saal bei Fiesco Man hrt in der Ferne eine Tanzmusik und den Tumult eines Balls. Erster Auftritt. Leonore maskiert, Rosa, Arabella fliehen zerstrt auf die Bhne. Leonore (reit die Maske ab). Nichts mehr! Kein Wort mehr! Es ist am Tag. (Sie wirft sich in einen Sessel.) Das wirft mich nieder. Arabella. Gndige Frau-Leonore (aufstehend). Vor meinen Augen! eine stadtkundige Kokette! im Angesicht des ganzen Adels von Genua! (Wehmtig.) Rosa! Bella! und vor meinen weinenden Augen. Rosa. Nehmen Sie die Sache fr Das, was sie wirklich war--eine Galanterie-Leonore. Galanterie?--und das emsige Wechselspiel ihrer Augen? das ngstliche Lauern auf ihre Spuren? der lange verweilende Ku auf ihren entblten Arm, da noch die Spur seiner Zhne im flammrothen Fleck zurckblieb? Ha! und die starre tiefe Betubung, worein er, gleich dem gemalten Entzcken, versunken sa, als wr' um ihn her die Welt weggeblasen und er allein mit dieser Julia im ewigen Leeren? Galanterie?--gutes Ding, das noch nie geliebt hat, streite mir nicht ber Galanterie und Liebe. Rosa. Desto besser, Madonna. Einen Gemahl verlieren heit zehen Cicisbeo Profit machen. Leonore. Verlieren?--ein kleiner aussetzender Puls der Empfindung und Fiesco verloren? Geh, giftige Schwtzerin--komm mir nie wieder vor die Augen!--eine unschuldige Neckerei--vielleicht eine Galanterie? Ist es nicht so, meine empfindende Bella? Arabella. O ja! ganz zuverlssig so! Leonore (in Tiefsinn versunken). Da sie darum in seinem Herzen sich wte?--da hinter jedem seiner Gedanken ihr Name im Hinterhalt lge?--ihn ansprche in jeder Futapfe der Natur?--Was ist das? wo gerath' ich hin? Da ihm die schne majesttische Welt nichts wre, als der prchtige Demant, worauf nur ihr Bild--nur ihr Bild gestochen ist?--da er sie liebte?--Julien! O deinen Arm her--halte mich, Bella! (Pause. Die Musik lt sich von Neuem hren.) Leonore (aufgefahren). Horch! War das nicht die Stimme Fiescos, die aus dem Lrme hervordrang? Kann er lachen, wenn seine Leonore im Einsamen weinet? Nicht doch, mein Kind! Es war Gianettino Dorias burische Stimme. Arabella. Sie war's, Signora! Aber kommen Sie in ein anderes Zimmer. Leonore. Du entfrbst dich, Bella! du lgst--ich lese in euren Augen--in den Gesichtern der Genueser ein Etwas--ein Etwas. (Sich verhllend.) O gewi! diese Genueser wissen mehr, als fr das Ohr einer Gattin taugt. Rosa. O der Alles vergrernden Eifersucht! Leonore. (schwermthig schwrmend). Da er noch Fiesco war--dahertrat im Pomeranzenhain, wo wir Mdchen lustwandeln gingen, ein blhender Apoll, verschmolzen in den mnnlich-schnen Antinous. Stolz und herrlich trat er daher, nicht anders, als wenn das durchlauchtige Genua auf seinen jungen Schultern sich wiegte; unsere Augen schlichen diebisch ihm nach und zuckten zurck, wie auf dem Kirchenraub ergriffen, wenn sein wetterleuchtender Blick sie traf. Ach, Bella! wie verschlangen wir seine Blicke! wie parteiisch zhlte sie der ngstliche Neid der Nachbarin zu! Sie fielen unter uns wie der Goldapfel des Zanks, zrtliche Augen brannten wilder, sanfte Busen pochten strmischer, Eifersucht hatte unsere Eintracht zerrissen. Arabella. Ich besinne mich. Das ganze weibliche Genua kam in Aufruhr um diese schne Eroberung. Leonore (begeistert). Und nun mein ihn zu nennen! verwegenes, entsetzliches Glck! Mein Genuas grten Mann, (mit Anmuth) der vollendet sprach aus dem Meiel der unerschpflichen Knstlerin, alle Gren seines Geschlechts im lieblichsten Schmelze verband--Hret, Mdchen! kann ich's nun doch nicht mehr verschweigen!--Hret, Mdchen, ich vertraue euch etwas, (geheimnivoll) einen Gedanken--als ich am Altar stand neben Fiesco--seine Hand in meine Hand gelegt--hatt' ich den Gedanken, den zu denken dem Weibe verboten ist--dieser Fiesco, dessen Hand jetzt in der deinigen liegt--dein Fiesco--aber still! da kein Mann uns belausche, wie hoch wir uns mit dem Abfall seiner Vortrefflichkeit brsten--dieser dein Fiesco--Weh euch, wenn das Gefhl euch nicht hher wirft!--wird--uns Genua von seinen Tyrannen erlsen! Arabella (erstaunt). Und diese Vorstellung kam einem Frauenzimmer am Brauttag? Leonore. Erstaune, Bella! Der Braut in der Wonne des Brauttags! (Lebhafter.) Ich bin ein Weib--aber ich fhle den Adel meines Bluts, kann es nicht dulden, da dieses Haus Doria ber unsre Ahnen hinauswachsen will. Jener sanftmthige Andreas--es ist eine Wollust, ihm gut zu sein--mag immer Herzog von Genua heien, aber Gianettino ist sein Neffe--sein Erbe--und Gianettino hat ein freches, hochmthiges Herz. Genua zittert vor ihm, und Fiesco, (in Wehmuth hinabgefallen) Fiesco--weinet um mich--liebt seine Schwester. Arabella. Arme, unglckliche Frau-Leonore. Geht jetzt und sehet diesen Halbgott der Genueser im schamlosen Kreis der Schwelger und Buhldirnen setzen, ihre Ohren mit unartigem Witze kitzeln, ihnen Mrchen von verwnschten Prinzessinnen erzhlen--das ist Fiesco!--Ach, Mdchen! nicht Genua allein verlor seinen Helden--auch ich meinen Gemahl! Rosa. Reden Sie leiser. Man kmmt durch die Galerie. Leonore (zusammenschreckend). Fiesco kommt. Flieht! flieht! Mein Anblick knnte ihm einen trben Augenblick machen. (Sie entspringt in ein Seitenzimmer. Die Mdchen ihr nach.) Zweiter Auftritt Gianettino Doria maskiert im grnen Mantel. Ein Mohr. Beide im Gesprch. Gianettino. Du hast mich verstanden. Mohr. Wohl. Gianettino. Die weie Maske. Mohr. Wohl. Gianettino. Ich sage--die weie Maske! Mohr. Wohl! wohl! wohl! Gianettino. Hrst du? Du kannst sie nur (auf seine Brust deutend) hieher verfehlen. Mohr. Seid unbekmmert. Gianettino. Und einen tchtigen Sto! Mohr. Er soll zufrieden sein. Gianettino (hmisch). Da der arme Graf nicht Mohr. Um Vergebung--wie schwer mchte ungefhr sein Kopf ins Gewicht fallen? Gianettino. Hundert Zechinen schwer. Mohr (blst durch die Finger). Puh! Federleicht! Gianettino. Was brummst du da? Mohr. Ich sag' es ist eine leichte Arbeit. Gianettino. Das ist deine Sorge. Dieser Mensch ist ein Magnet. Alle unruhigen Kpfe fliegen gegen seine Pole. Hre, Kerl! fasse ihn ja recht. Mohr. Aber, Herr--ich mu flugs auf die That nach Venedig. Gianettino. So nimm deinen Dank voraus. (wirft ihm einen Wechsel zu.) In hchstens drei Tagen mu er kalt sein. (Ab.) Mohr (indem er den Wechsel vom Boden nimmt). Das nenn' ich Credit! Der Herr traut meiner Jaunerparole ohne Handschrift. (Ab.) Dritter Auftritt Calcagno, hinter ihm Sacco. Beide in schwarzen Mnteln. Calcagno. Ich werde gewahr, da du alle meine Schritte belauerst. Sacco. Und ich beobachte, da die mir alle verbirgst. Hre, Calcagno, seit einigen Wochen arbeitet etwas auf deinem Gesichte, das nicht geradezu just dem Vaterland gilt.--Ich dchte, Bruder, wir Beide knnten schon Geheimni gegen Geheimni tauschen, und am Ende htte Keiner beim Schleichhandel verloren--Wirst du aufrichtig sein? Calcagno. So sehr, da, wenn deine Ohren nicht Lust haben, in meine Brust hinunter zu steigen, mein Herz dir halbwegs auf meiner Zunge entgegen kommen soll--Ich liebe die Grfin Fiesco. Sacco (tritt verwundernd zurck). Wenigstens das htt' ich nicht entziffert, htte ich alle Mglichkeiten Revue passieren lassen--Deine Wahl spannt meinen Witz auf die Folter, aber es ist um ihn geschehen, wenn sie glckt. Calcagno. Man sagt, sie sei ein Beispiel der strengsten Tugend. Sacco. Man lgt. Sie ist das ganze Buch ber den abgeschmackten Text. Eins von beiden, Calcagno, gib dein Gewerb oder dein Herz auf-Calcagno. Der Graf ist ihr ungetreu. Eifersucht ist die abgefeimteste Kupplerin. Ein Anschlag gegen die Doria mu den Grafen in Athem halten und mir im Palaste zu schaffen geben. Whrend er nun den Wolf aus der Hrde scheucht, soll der Marder in seinen Hhnerstall fallen. Sacco. Unverbesserlich, Bruder! Habe Dank. Auch mich hast du pltzlich des Rothwerdens berhoben. Was ich mich zu denken geschmt habe, kann ich jetzt laut vor dir sagen. Ich bin ein Bettler, wenn die jetzige Verfassung nicht bern Haufen fllt. Calcagno. Sind deine Schulden so gro? Sacco. So ungeheuer, da mein Lebensfaden, achtfach genommen, am ersten Zehentheil abschnellen mu. Eine Staatsvernderung soll mir Luft machen, hoff' ich. Wenn sie mir auch nicht zum Bezahlen hilft, soll sie doch meinen Glubigern das Fordern entleiden. Calcagno. Ich verstehe--und am Ende, wenn Genua bei der Gelegenheit frei wird, lt sich Sacco Vater des Vaterlands taufen. Wrme mir Einer das verdroschene Mrchen von Redlichkeit auf, wenn der Bankerott eines Taugenichts und die Brunst eines Wollstlings das Glck eines Staats entscheiden. Bei Gott, Sacco! ich bewundre in uns Beiden die feine Speculation des Himmels, der das Herz des Krpers durch die Eiterbeulen der Gliedmaen rettet--Wei Verrina um deinen Anschlag? Sacco. So weit der Patriot darum wissen darf. Genua, weit du selbst, ist die Spindel, um welche sich alle seine Gedanken mit einer eisernen Treue drehen. An dem Fiesco hngt jetzt sein Falkenaug. Auch dich hofft er halbwegs zu einem khnen Komplott. Calcagno. Er hat eine treffliche Nase. Komm, la uns ihn aufsuchen und seinen Freiheitssinn mit dem unsrigen schren. (Gehen ab.) Vierter Auftritt Julia erhitzt. Fiesco, der einen weien Mantel trgt, eilt ihr nach. Julia. Lakaien! Lufer! Fiesco. Grfin, wohin? Was beschlieen Sie? Julia. Nichts, im mindesten nichts. (Bediente.) Mein Wagen soll vorfahren. Fiesco. Sie erlauben--er soll nicht. Hier ist eine Beleidigung. Julia. Pah! doch wohl das nicht--Weg! Sie zerren mir ja die Garnierung in Stcken--Beleidigung? Wer ist hier, der beleidigen kann? So gehen Sie doch. Fiesco (auf einem Knie.) Nicht, bis Sie mir den Verwegenen sagen. -Julia (steht still mit angestemmten Armen). Ah, schn! schn! sehenswrdig! Rufe doch Jemand die Grfin von Lavagna zu diesem reizenden Schauspiel!--Wie, Graf? wo bleibt der Gemahl? Diese Stellung taugte ausnehmend in das Schlafgemach Ihrer Frau, wenn sie im Kalender ihrer Liebkosungen blttert und einen Bruch in der Rechnung findet. Stehen Sie doch auf. Gehen Sie zu Damen, wo Sie wohlfeiler markten. So stehen Sie doch auf. Oder wollen Sie die Impertinenzen Ihrer Frau mit Ihren Galanterieen abben? Fiesco (springt auf). Impertinenzen? Ihnen? Julia. Aufzubrechen--den Sessel zurckzustoen--der Tafel den Rcken zu kehren--der Tafel, Graf! an der ich sitze. Fiesco. Es ist nicht zu entschuldigen. Julia. Und mehr ist es nicht?--ber die Fratze! und ist es denn meine Schuld, (sich belchelnd) da der Graf seine Augen hat? Fiesco. Das Verbrechen Ihrer Schnheit, Madonna, da er sie nicht berall hat. Julia. Keine Delicatesse, Graf, wo die Ehre das Wort fhrt. Ich fordre Genugthuung. Finde ich sie bei Ihnen? oder hinter den Donnern des Herzogs? Fiesco. In den Armen der Liebe, die Ihnen den Mitritt der Eifersucht abbittet. Julia. Eifersucht? Eifersucht? Was will denn das Kpfchen? (Vor einem Spiegel gesticulierend.) Ob sie wohl eine bessere Frsprache fr ihren Geschmack zu erwarten hat, als wenn ich ihn fr den meinigen erklre? (Stolz.) Doria und Fiesco?--ob sich die Grfin von Lavagna nicht geehrt fhlen mu, wenn die Nichte des Herzogs ihre Wahl beneidenswrdig findet? (Freundlich, indem sie dem Grafen ihre Hand zum Kssen reicht.) Ich setze den Fall, Graf, da ich sie so fnde. Fiesco (lebhaft). Grausamste, und mich dennoch zu qulen!--Ich wei es, gttliche Julia, da ich nur Ehrfurcht gegen Sie fhlen sollte. Meine Vernunft heit mich das Knie des Unterthans vor dem Blut Dorias beugen, aber mein Herz betet die schne Julia an. Eine Verbrecherin ist meine Liebe, aber eine Heldin zugleich, die khn genug ist, die Ringmauer des Rangs durchzubrechen und gegen die verzehrende Sonne der Majestt anzufliegen. Julia. Eine groe, groe, grfliche Lge, die auf Stelzen heranhinkt--Seine Zunge vergttert mich, sein Herz hpft unter dem Schattenri einer Andern. Fiesco. Oder besser, Signora, es schlgt unwillig dagegen und will ihn hinwegdrcken. (Indem er die Silhouette Leonorens, die an einem himmelblauen Bande hngt, herabnimmt und sie der Julia berliefert.) Stellen Sie Ihr Bild an diesem Altar auf, so knnen Sie diesen Gtzen zerstren. Julia (steckt das Bild hastig zu sich, vergngt). Ein groes Opfer, bei meiner Ehre, das meinen Dank verdient. (Sie hngt ihm die ihrige um.) So, Sklave! trage die Farbe deines Herrn. (Sie geht ab.) Fiesco (mit Feuer). Julia liebt mich! Julia! Ich beneide keinen Gott. (Frohlockend im Saal.) Diese Nacht sei eine Festnacht der Gtter, die Freude soll ihr Meisterstck machen. Holla! holla! (Menge Bediente.) Der Boden meiner Zimmer lecke cyprischen Nektar, Musik lrme die Mitternacht aus ihrem bleiernen Schlummer auf, tausend brennende Lampen spotten die Morgensonne hinweg--Allgemein sei die Lust, der bacchantische Tanz stampfe das Todtenreich in polternde Trmmer! (Er eilt ab. Rauschendes Allegro, unter welchem der Mittelvorhang aufgezogen wird und einen groen illuminierten Saal erffnet, worin viele Masken tanzen. Zur Seite Schenk--und Spieltische von Gsten besetzt.) Fnfter Auftritt Gianettino halb betrunken. Lomellin. Zibo. Zenturione. Verrina. Sacco. Calcagno. Alle maskiert. Mehrere Damen und Nobili. Gianettino (lrmend). Bravo! Bravo! Diese Weine glitschen herrlich, unsre Tnzerinnen springen merveille. Geh Einer von euch, streu' es in Genua aus, ich sei heitern Humors, man knne sich gtlich thun--Bei meiner Geburt! sie werden den Tag roth im Kalender zeichnen und drunter schreiben: Heute war Prinz Doria lustig. Gste (setzen die Glser an). Die Republik! (Trompetensto.) Gianettino (wirft das Glas mit Macht auf die Erde). Hier liegen die Scherben. (Drei schwarze Masken fahren auf, versammeln sich um Gianettino.) Lomellin (fhrt den Prinzen vor). Gndiger Herr, Sie sagten mir neulich von einem Frauenzimmer, das Ihnen in der Lorenzokirche begegnete? Gianettino. Das hab' ich auch, Bursche, und mu ihre Bekanntschaft haben. Lomellin. Die kann ich Eurer Gnaden verschaffen. Gianettino (rasch). Kannst du? Kannst du? Lomellin, du hast dich neulich zur Procuratorwrde gemeldet. Du sollst sie erhalten. Lomellin. Gndiger Prinz, es ist die zweite im Staat, mehr denn sechzig Edelleute bewerben sich darum, alle reicher und angesehener, als Euer Gnaden unterthniger Diener. Gianettino (schnaubt ihn trotzig an). Donner und Doria! Du sollst Procurator werden. (Die drei Masken kommen vorwrts.) Adel in Genua? La sie all ihre Ahnen und Wappen zumal in die Wagschale schmeien, was braucht es mehr, als ein Haar aus dem weien Bart meines Onkels, Genuas ganze Adelschaft in alle Lfte zu schnellen? Ich will, du sollst Procurator sein, das ist so viel als alle Stimmen der Signoria. Lomellin (leiser). Das Mdchen ist die einzige Tochter eines gewissen Verrina. Gianettino. Das Mdchen ist hbsch, und trutz allen Teufeln! mu ich sie brauchen. Lomellin. Gndiger Herr! das einzige Kind des starrkpfigsten Republikaners! Gianettino. Geh in die Hlle mit deinem Republikaner! Der Zorn eines Vasallen und meine Leidenschaft! Das heit, der Leuchtthurm mu einstrzen, wenn Buben mit Muscheln darnach werfen. (Drei schwarze Masken treten mit groen Bewegungen nher.) Hat darum Herzog Andreas seine Narben geholt in den Schlachten dieser Lumpenrepublikaner, da sein Neffe die Gunst ihrer Kinder und Brute erbetteln soll? Donner und Doria! diesen Gelust mssen sie niederschlucken, oder ich will ber den Gebeinen meines Oheims einen Galgen aufpflanzen, an dem sich ihre genuesische Freiheit zu Tod zappeln soll. (Die drei Masken treten zurck.) Lomellin. Das Mdchen ist eben jetzt allein. Ihr Vater ist hier und eine von den drei Masken. Gianettino. Erwnscht, Lomellin. Gleich bringe mich zu ihr. Lomellin. Aber Sie werden eine Buhlerin suchen und eine Empfindlerin finden. Gianettino. Gewalt ist die beste Beredsamkeit. Fhre mich alsobald hin; den republikanischen Hund will ich sehen, der am Bren Doria hinaufspringt. (Fiesco begegnet ihm an der Thr.) Wo ist die Grfin? Sechster Auftritt Vorige. Fiesco. Fiesco. Ich habe sie in den Wagen gehoben. (Er fat Gianettinos Hand und hlt sie gegen seine Brust.) Prinz, ich bin jetzt doppelt in Ihren Banden. Gianettino herrscht ber meinen Kopf und Genua; ber mein Herz Ihre liebenswrdige Schwester. Lomellin. Fiesco ist ganz Epikurer worden. Die groe Welt hat viel an Ihnen verloren. Fiesco. Aber Fiesco nichts an der groen Welt. Leben heit trumen; weise sein, Lomellin, heit angenehm trumen. Kann man das besser unter den Donnern des Throns, wo die Rder der Regierung ewig ins gellende Ohr krachen, als am Busen eines schmachtenden Weibs? Gianettino Doria mag ber Genua herrschen. Fiesco wird lieben. Gianettino. Brich auf, Lomellin! Es wird Mitternacht. Die Zeit rckt heran. Lavagna, wir danken fr deine Bewirtung. Ich war zufrieden. Fiesco. Das ist alles, was ich wnschen kann, Prinz. Gianettino. Also gute Nacht. Morgen ist Spiel bei Doria, und Fiesco ist eingeladen. Komm, Procurator. Fiesco. Musik! Lichter! Gianettino (trotzig durch die drei Masken). Platz dem Namen des Herzogs. Eine von den drei Masken (murmelt unwillig). In der Hlle! Niemals in Genua! Gste (in Bewegung). Der Prinz bricht auf. Gute Nacht, Lavagna! (Taumeln hinaus.) Siebenter Auftritt Die drei schwarzen Masken. Fiesco. Pause. Fiesco. Ich werde hier Gste gewahr, die die Freuden meines Festes nicht theilen. Masken (murmeln verdrielich durcheinander). Nicht Einer. Fiesco (verbindlich). Sollte mein guter Wille einen Genueser mivergngt weglassen? Hurtig, Lakaien! man soll den Ball erneuern und die groen Pokale fllen. Ich wollte nicht, da Jemand hier Langeweile htte. Darf ich Ihre Augen mit Feuerwerken ergtzen? Wollen Sie die Knste meines Harlekins hren? Vielleicht finden Sie bei meinem Frauenzimmer Zerstreuung? Oder wollen wir uns zum Pharao setzen und die Zeit mit Spielen betrgen? Eine Maske. Wir sind gewohnt, die mit Thaten zu bezahlen! Fiesco. Eine mnnliche Antwort, und--das ist Verrina. Verrina (nimmt die Maske ab). Fiesco findet seine Freunde geschwinder in ihren Masken, als sie ihn in der seinigen. Fiesco. Ich verstehe das nicht. Aber was soll der Trauerflor an deinem Arm? Sollte Verrina Jemand begraben haben und Fiesco nichts darum wissen? Verrina. Trauerpost taugt nicht fr Fiescos lustige Feste. Fiesco. Doch, wenn ein Freund ihn auffordert. (Drckt seine Hand mit Wrme.) Freund meiner Seele! wer ist uns Beiden gestorben? Verrina. Beiden! Beiden! O allzuwahr!--Aber nicht alle Shne trauern um ihre Mutter. Fiesco. Deine Mutter ist lange vermodert. Verrina (bedeutend). Ich besinne mich, da Fiesco mich Bruder nannte, weil ich der Sohn seines Vaterlands war. Fiesco (scherzhaft). Ah! ist es das? Also auf einen Spa war es abgezielt? Trauerkleider um Genua! und es ist wahr, Genua liegt wirklich in letzten Zgen. Der Gedanke ist einzig und neu. Unser Vetter fngt an, ein witziger Kopf zu werden! Calcagno. Er hat es ernsthaft gesagt, Fiesco! Fiesco. Freilich! freilich! Das war's eben. So trocken weg und so weinerlich. Der Spa verliert Alles, wenn der Spamacher selber lacht. Mit einer wahren Leichenbittersmiene! Htt' ich's je gedacht, da der finstre Verrina in seinen alten Tagen noch ein so lustiger Vogel wrde! Sacco. Verrina, komm! Er ist nimmermehr unser. Fiesco. Aber lustig weg, Landsmann. La uns aussehen wie listige Erben, die heulend hinter der Bahre gehen und desto lauter ins Schnupftuch lachen. Doch drften wir dafr eine harte Stiefmutter kriegen. Sei's drum, wir lassen sie keifen, und schmausen. Verrina (heftig bewegt). Himmel und Erde! und thun nichts?--Wo bist du hingekommen, Fiesco? Wo soll ich den groen Tyrannenhasser erfragen? Ich wei eine Zeit, wo du beim Anblick einer Krone Gichter bekommen httest.--Gesunkener Sohn der Republik! du wirst's verantworten, da ich keinen Heller um meine Unsterblichkeit gebe, wenn die Zeit auch Geister abntzen kann. Fiesco. Du bist der ewige Grillenfnger. Mag er Genua in die Tasche stecken und einem Kaper von Tunis verschachern, was kmmert's uns? Wir trinken Cyprier und kssen schne Mdchen. Verrina (blickt ihn ernst an). Ist das deine wahre, ernstliche Meinung? Fiesco. Warum nicht, Freund? Ist es denn eine Wollust, der Fu des trgen, vielbeinigen Thiers Republik zu sein? Dank' es Dem, der ihm Flgel gibt und die Fe ihrer mter entsetzt. Gianettino Doria wird Herzog. Staatsgeschfte werden uns keine grauen Haare mehr machen. Verrina. Fiesco?--ist das deine wahre, ernstliche Meinung? Fiesco. Andreas erklrt seinen Neffen zum Sohn und Erben seiner Gter, wer wird der Thor sein, ihm das Erbe seiner Macht abzustreiten? Verrina (mit uerstem Unmut). So kommt, Genueser! (Er verlt den Fiesco schnell, die Andern folgen.) Fiesco. Verrina!--Verrina!--dieser Republikaner ist hart wie Stahl!-- Achter Auftritt Fiesco. Eine unbekannte Maske. Maske. Haben Sie eine Minute brig, Lavagna? Fiesco (zuvorkommend). Fr Sie eine Stunde! Maske. So haben Sie die Gnade, einen Gang mit mir vor die Stadt zu thun. Fiesco. Es ist funfzig Minuten auf Mitternacht. Maske. Sie haben die Gnade, Graf. Fiesco. Ich werde anspannen lassen. Maske. Das ist nicht nthig. Ich schicke ein Pferd voraus. Mehr braucht es nicht, denn ich hoffe, es soll nur Einer zurckkommen. Fiesco (betreten). Und? Maske. Man wird Ihnen auf eine gewisse Thrne eine blutige Antwort abfordern. Fiesco. Diese Thrne? Maske. Einer gewissen Grfin von Lavagna. Ich kenne diese Dame sehr gut und will wissen, womit sie verdient hat, das Opfer einer Nrrin zu werden? Fiesco. Jetzt verstehe ich Sie. Darf ich den Namen dieses seltsamen Aufforderers wissen? Maske. Es ist der nmliche, der das Frulein von Zibo einst anbetete und vor dem Brutigam Fiesco zurck trat. Fiesco. Scipio Bourgognino! Bourgognino (nimmt die Maske ab). Und der jetzt da ist, seine Ehre zu lsen, die einem Nebenbuhler wich, der klein genug denkt, die Sanftmuth zu qulen. Fiesco (umarmt ihn mit Feuer). Edler junger Mann! Gedankt sei's dem Leiden meiner Gemahlin, das mir eine so werthe Bekanntschaft macht. Ich fhle die Schnheit Ihres Unwillens, aber ich schlage mich nicht. Bourgognino (einen Schritt zurck). Der Graf von Lavagna wre zu feig, sich gegen die Erstlinge meines Schwertes zu wagen? Fiesco. Bourgognino! gegen die ganze Macht Frankreichs, aber nicht gegen Sie! Ich ehre dieses liebe Feuer fr einen lieberen Gegenstand. Einen Lorbeer verdient der Wille, aber die That wre kindisch. Bourgognino (erregt). Kindisch! Graf? Das Frauenzimmer kann ber Mihandlung nur weinen--wofr ist der Mann da? Fiesco. Ungemein gut gesagt, aber ich schlage mich nicht. Bourgognino (dreht ihm den Rcken, will gehen). Ich werde Sie verachten. Fiesco (lebhaft). Bei Gott, Jngling! das wirst du nie, und wenn die Tugend im Preis fallen sollte. (Fat ihn bedchtlich bei der Hand.) haben Sie jemals etwas gegen mich gefhlt, das man--wie soll ich sagen?--Ehrfurcht nennt? Bourgognino. Wr' ich einem Mann gewichen, den ich nicht fr den ersten der Menschen erklrte? Fiesco. Also, mein Freund! einen Mann, der einst meine Ehrfurcht verdiente, wrde ich--etwas langsam verachten lernen. Ich dchte doch, das Gewebe eines Meisters sollte knstlicher sein, als dem flchtigen Anfnger so geradezu in die Augen zu springen--Gehen Sie heim, Bourgognino, und nehmen Sie sich Zeit, zu berlegen, warum Fiesco so und nicht anders handelt. (Bourgognino geht stillschweigend ab.) Fahr hin, edler Jngling! Wenn diese Flammen ins Vaterland schlagen, mgen die Doria fest stehen. Neunter Auftritt Fiesco. Der Mohr tritt schchtern herein und sieht sich berall sorgfltig um. Fiesco (fat ihn scharf und lang ins Auge). Was willst du, und wer bist du? Mohr (wie oben). Ein Sklave der Republik. Fiesco. Sklaverei ist ein elendes Handwerk. (Immer ein scharfes Aug auf ihn.) Was suchst du? Mohr. Herr, ich bin ein ehrlicher Mann. Fiesco. Hng' immer diesen Schild vor dein Gesicht hinaus, das wird nicht berflssig sein--aber was suchst du? Mohr (sucht ihm nher zu kommen, Fiesco weicht aus). Herr, ich bin kein Spitzbube. Fiesco. Es ist gut, da du das beifgst, und--doch wieder nicht gut. (Ungeduldig.) Aber was suchst du? Mohr (rckt wieder nher). Seid Ihr der Graf Lavagna? Fiesco (stolz). Die Blinden in Genua kennen meinen Tritt.--Was soll dir der Graf? Mohr. Seid auf Eurer Hut, Lavagna. (Hart an ihn.) Fiesco (springt auf die andere Seite). Das bin ich wirklich. Mohr (wie oben). Man hat nichts Guts gegen Euch vor, Lavagna. Fiesco (retiriert sich wieder). Das seh' ich. Mohr. Htet Euch vor dem Doria. Fiesco (tritt ihm vertraut nher). Freund! sollt' ich dir doch wohl Unrecht getan haben? Diesen Namen frchte ich wirklich. Mohr. So flieht vor dem Mann. Knnt Ihr lesen? Fiesco. Eine kurzweilige Frage. Du bist bei manchem Cavalier herumgekommen. Hast du was Schriftliches? Mohr. Euren Namen bei armen Sndern. (Er reicht ihm einen Zettel und nistet sich hart an ihn. Fiesco tritt vor einen Spiegel und schielt ber das Papier. Der Mohr geht lauernd um ihn herum, endlich zieht er den Dolch und will stoen.) Fiesco (dreht sich geschickt und fhrt nach dem Arm des Mohren). Sachte, Canaille! (Entreit ihm den Dolch.) Mohr (stampft wild auf den Boden). Teufel--Bitt' um Vergebung. (Will sich abfhren.) Fiesco (packt ihn, mit starker Stimme). Stephano! Drullo! Antonio! (Den Mohren an der Gurgel.) Bleib, guter Freund! Hllische Bberei! (Bediente.) Bleib und antworte! Du hast schlechte Arbeit gemacht; an wen hast du dein Taglohn zu fordern? Mohr (nach vielen vergeblichen Versuchen, sich wegzustehlen, entschlossen). Man kann mich nicht hher hngen, als der Galgen ist. Fiesco. Nein, trste dich! Nicht an die Hrner des Monds, aber doch hoch genug, da du den Galgen fr einen Zahnstocher ansehen sollst. Doch deine Wahl war zu staatsklug, als da ich sie deinem Mutterwitz zutrauen sollte. Sprich also, wer hat dich gedungen? Mohr. Herr, einen Schurken knnt ihr mich schimpfen, aber den Dummkopf verbitt' ich. Fiesco. Ist die Bestie stolz. Bestie, sprich, wer hat dich gedungen? Mohr (nachdenkend). Hum! so wr' ich doch nicht allein der Narr! --wer mich gedungen hat?--und waren's doch nur hundert magre Zechinen! --Wer mich gedungen hat?--Prinz Gianettino. Fiesco (erbittert auf und nieder). Hundert Zechinen und nicht mehr fr des Fiesco Kopf. (Hmisch.) Schme dich, Kronprinz von Genua. (Noch einer Schatulle eilend.) Hier, Bursche, sind tausend, und sag deinem Herrn--er sei ein knickiger Mrder! (Mohr betrachtet ihn vom Fu bis zum Wirbel.) Fiesco. Du besinnst dich, Bursche? Mohr (nimmt das Geld, setzt es nieder, nimmt es wieder und besieht ihn mit immer steigendem Erstaunen). Fiesco. Was machst, Bursche? Mohr (wirft das Geld entschlossen auf den Tisch). Herr--das Geld hab' ich nicht verdient. Fiesco. Schafskopf von einem Jauner! den Galgen hast du verdient. Der entrstete Elephant zertritt Menschen, aber nicht Wrmer. Dich wrd' ich hngen lassen, wenn es mich nur so viel mehr als zwei Worte kostete. Mohr (mit einer frohen Verbeugung). Der Herr sind gar zu gtig. Fiesco. Behte Gott! nicht gegen dich. Es gefllt mir nun eben, da meine Laune einen Schurken, wie du bist, zu etwas und nichts machen kann, und darum gehst du frei aus. Begreife mich recht. Dein Ungeschick ist mir ein Unterpfand des Himmels, da ich zu etwas Groem aufgehoben bin, und darum bin ich gndig, und du gehst frei aus. Mohr (treuherzig). Schlagt ein, Lavagna! Eine Ehre ist der andern werth. Wenn Jemand auf dieser Halbinsel eine Gurgel fr Euch berzhlig hat, befehlt! und ich schneide sie ab, unentgeldlich. Fiesco. Eine hfliche Bestie! Sie will sich mit fremder Leute Gurgeln bedanken. Mohr. Wir lassen uns nichts schenken, Herr! Unser eins hat auch Ehre im Leibe. Fiesco. Die Ehre der Gurgelschneider? Mohr. Ist wohl feuerfester als Eurer ehrlichen Leute: sie brechen ihre Schwre dem lieben Herrgott; wir halten sie pnktlich dem Teufel. Fiesco. Du bist ein drolligter Jauner. Mohr. Freut mich, da Ihr Geschmack an mir findet. Setzt mich erst auf die Probe, Ihr werdet einen Mann kennen lernen, der sein Exercitium aus dem Stegreif macht. Fordert mich auf. Ich kann Euch von jeder Spitzbubenzunft ein Testimonium aufweisen, von der untersten bis zur hchsten. Fiesco. Was ich nicht hre! (Indem er sich niedersetzt.) Also auch Schelmen erkennen Gesetzt und Rangordnung? La mich doch von der untersten hren. Mohr. Pfui, gndiger Herr! das ist das verchtliche Heer der langen Finger. Ein elend Gewerb, das keinen groen Mann ausbrtet, arbeitet nur auf Karbatsche und Raspelhaus und fhrt--hchstens zum Galgen. Fiesco. Ein reizendes Ziel. Ich bin auf die bere begierig. Mohr. Das sind die Spionen und Maschinen. Bedeutende Herren, denen die Groen ein Ohr leihen, wo sie ihre Allwissenheit holen; die sich wie Blutigel in Seelen einbeien, das Gift aus dem Herzen schlrfen und an die Behrde speien. Fiesco. Ich kenne das--fort! Mohr. Der Rang trifft nunmehr die Meuter, Giftmischer und Alle, die ihren Mann lang hinhalten und aus dem Hinterhalt fassen. Feige Memmen sind's oft, aber doch Kerls, die dem Teufel das Schulgeld mit ihrer armen Seele bezahlen. Hier thut die Gerechtigkeit schon etwas briges, strickt ihre Knchel aufs Rad und pflanzt ihre Schlaukpfe auf Spiee. Das ist die dritte Zunft. Fiesco. Aber, sprich doch, wann wird die deinige kommen? Mohr. Blitz, gndiger Herr! das ist eben der Pfiff. Ich bin durch diese alle gewandert. Mein Genie geilte frhzeitig ber jedes Gehege. Gestern Abend macht' ich mein Meisterstck in der dritten, vor einer Stunde war ich--ein Stmper in der vierten. Fiesco. Diese wre also? Mohr (lebhaft). Das sind Mnner, (in Hitze) die ihren Mann zwischen vier Mauern aufsuchen, durch die Gefahr eine Bahn sich hauen, ihm gerade zu Leib gehen, mit dem ersten Gru ihm den Grodank fr den zweiten ersparen. Unter uns! man nennt sie nur die Extrapost der Hlle. Wenn Mephistopheles einen Gelust bekommt, braucht's nur einen Wink, und er hat den Braten noch warm. Fiesco. Du bist ein hartgesottener Snder. Einen solchen vermite ich lngst. Gib mir deine Hand. Ich will dich bei mir behalten. Mohr. Ernst oder Spa? Fiesco. Mein vlliger Ernst, und gebe dir tausend Zechinen des Jahrs. Mohr. Topp, Lavagna! Ich bin Euer, und zum Henker fahre das Privatleben. Braucht mich, wozu Ihr wollt. Zu Eurem Sprhund, zu Eurem Parforce-Hund, zu Eurem Fuchs, zu Eurer Schlange, zu Eurem Kuppler und Henkersknecht. Herr, zu allen Commissionen, nur bei Leibe! zu keiner ehrlichen--dabei benehm' ich mich plump wie Holz. Fiesco. Sei unbesorgt! Wem ich ein Lamm schenken will, lass' ich's durch keinen Wolf berliefern. Geh also gleich morgen durch Genua und suche die Witterung des Staats. Lege dich wohl auf Kundschaft, wie man von der Regierung denkt und vom Haus Doria flstert, sondiere daneben, was meine Mitbrger von meinem Schlaraffenleben und meinem Liebesroman halten. berschwemme ihre Gehirne mit Wein, bis ihre Herzensmeinungen berlaufen. Hier hast du Geld. Spende davon unter den Seidenhndlern aus. Mohr (sieht ihn nachdenklich an). Herr-Fiesco. Angst darf dir nicht werden. Es ist nichts Ehrliches--Geh! rufe deine ganze Bande zu Hilfe. Morgen will ich deine Zeitungen hren. (Er geht ab.) Mohr (ihm nach). Verlat Euch auf mich. Jetzt ist's frh vier Uhr. Morgen um Acht habt Ihr so viel Neues erfahren, als in zweimal siebenzig Ohren geht. (Ab.) Zehnter Auftritt Zimmer bei Verrina. Bertha rcklings in einem Sopha, den Kopf in die Hand geworfen. Verrina dster hereintretend. Bertha (erschrickt, springt auf). Himmel! da ist er! Verrina (steht still, besieht sie befremdet). An ihrem Vater erschrickt meine Tochter? Bertha. Fliehen Sie! Lassen Sie mich fliehen! Sie sind schrecklich, mein Vater. Verrina. Meinem einzigen Kinde? Bertha (mit einem schweren Blick auf ihn). Nein! Sie mssen noch eine Tochter haben. Verrina. Drckt dich meine Zrtlichkeit zu schwer? Bertha. Zu Boden, Vater. Verrina. Wie? welcher Empfang, meine Tochter? Sonst, wenn ich nach Hause kam, Berge auf meinem Herzen, hpfte mir meine Bertha entgegen, und meine Bertha lachte sie weg. Komm, umarme mich, Tochter. An dieser glhenden Brust soll mein Herz wieder erwarmen, das am Todtenbett des Vaterlands einfriert. O mein Kind! Ich habe heute Abrechnung gehalten mit allen Freuden der Natur, und (uerst schwer) nur du bist mir geblieben. Bertha (mit ihn mit einem langen Blick). Unglcklicher Vater! Verrina (umarmt sie beklemmt). Bertha! mein einziges Kind! Bertha! meine letzte brige Hoffnung!--Genuas Freiheit ist dahin--Fiesco hin--(indem er sie heftiger drckt, durch die Zhne) Werde du eine Hure-Bertha (reit sich aus seinen Armen). Heiliger Gott! Sie wissen?-Verrina (steht bebend still). Was? Bertha. Meine jungfruliche Ehre-Verrina (wthend). Was? Bertha. Diese Nacht-Verrina (wie ein Rasender). Was? Bertha. Gewalt! (Sinkt am Sopha nieder.) Verrina (nach einer langen schreckhaften Pause mit dumpfer Stimme). Noch ein Athemzug, Tochter--den letzten! (Mit hohlem gebrochnem Ton.) Wer? Bertha. Weh mir, nicht diesen todtenfarben Zorn! Helfe mir Gott! er stammelt und zittert. Verrina. Ich wte doch nicht--meine Tochter! Wer? Bertha. Ruhig! ruhig! mein bester, mein theurer Vater. Verrina. Um Gotteswillen--Wer? (will vor ihr niederfallen.) Bertha. Eine Maske. Verrina (tritt zurck, nach einem strmischen Nachdenken). Nein! das kann nicht sein! Den Gedanken sendet mir Gott nicht. (Lacht gra auf.) Alter Geck! als wenn alles Gift nur aus einer und eben der Krte spritzte? (Zu Bertha gefater.) Die Person, wie die meinige, oder kleiner? Bertha. Grer. Verrina (rasch). Die Haare schwarz? kraus? Bertha. Kohlschwarz und kraus. Verrina (taumelt von ihr hinweg). Gott! mein Kopf! mein Kopf--die Stimme? Bertha. Rauh, eine Bastimme. Verrina (heftig). Von welcher Farbe? Nein! ich will nicht mehr hren!--der Mantel--von welcher Farbe? Bertha. Der Mantel grn, wie mich duchte. Verrina (hlt beide Hnde vors Gesicht und wankt in den Sopha). Sei ruhig. Es ist nur ein Schwindel, meine Tochter. (Lt die Hnde sinken; ein Todtengesicht.) Bertha (die Hnde ringend). Barmherziger Himmel! das ist mein Vater nicht mehr. Verrina (nach einer Pause mit bitterm Gelchter). Recht so! recht so! Memme Verrina!--da der Bube in das Heiligthum der Gesetze griff--diese Aufforderung war dir zu matt--der Bube mute noch ins Heiligthum deines Bluts greifen--(Springt auf.) Geschwind! rufe den Nicolo--Blei und Pulver--oder halt! halt! ich besinne mich eben anders--besser--Hole mein Schwert herbei, bet' ein Vaterunser. (Die Hand vor die Stirne.) Was will ich aber? Bertha. Mir ist sehr bange, mein Vater. Verrina. Komm, setzt dich zu mir. (Bedeutend.) Bertha, erzhle mir--Bertha, was that jener eisgraue Rmer, als man seine Tochter auch so--wie nenn ich's nun--auch so artig fand, seine Tochter? Hre Bertha, was sagte Virginius zu seiner verstmmelten Tochter? Bertha (mit Schaudern). Ich wei nicht, was er sagte. Verrina. Nrrisches Ding--Nichts sagte er. (Pltzlich auf, fat ein Schwert.) Nach einem Schlachtmesser griff er-Bertha (strzt ihm erschrocken in die Arme). Groer Gott! was wollen Sie thun? Verrina (wirft das Schwert ins Zimmer). Nein! noch ist Gerechtigkeit in Genua! Eilfter Auftritt Sacco. Calcagno. Vorige. Calcagno. Verrina, geschwind! Mache dich fertig. Heute hebt die Wahlwoche der Republik an. Wir wollen frh in die Signoria, die neuen Senatoren whlen. Die Gassen wimmeln von Volk. Der ganze Adel strmt nach dem Rathhaus. Du begleitest uns doch, (spttisch) den Triumph unsrer Freiheit zu sehen. Sacco. Ein Schwert liegt im Saal. Verrina schaut wild. Bertha hat rothe Augen. Calcagno. Bei Gott! das nehm' ich nun auch gewahr--Sacco, hier ist ein Unglck geschehen. Verrina (stellt zwei Sessel hin). Setzt euch. Sacco. Freund, du erschreckst uns. Calcagno. So sah ich dich nie, Freund. Htte nicht Bertha geweint, ich wrde fragen: geht Genua unter? Verrina (frchterlich). Unter! Sitzt nieder! Calcagno (erschrocken, indem sich Beide setzen). Mann! Ich beschwre dich! Verrina. Hret! Calcagno. Was ahnet mir, Sacco? Verrina. Genueser--ihr Beide kennt das Alterthum meines Namens. Eure Ahnen haben den meinigen die Schleppe getragen. Meine Vter fochten die Schlachten des Staats. Meine Mtter waren Muster der Genueserinnen. Ehre war unser einziges Capital und erbte vom Vater zum Sohn--oder wer wei es anders? Sacco. Niemand. Calcagno. So wahr Gott lebt, Niemand. Verrina. Ich bin der letzte meines Geschlechts. Mein Weib liegt begraben. Diese Tochter ist ihr einziges Vermchtni. Genueser, ihr seid Zeugen, wie ich sie erzog. Wird Jemand auftreten und Klage fhren, da ich meine Bertha verwahrloste? Calcagno. Deine Tochter ist ein Muster im Lande. Verrina. Freunde! ich bin ein alter Mann. Verliere ich diese, darf ich keine mehr hoffen. Mein Gedchtni lscht aus. (Mit einer schrecklichen Wendung.) Ich habe sie verloren. Infam ist mein Stamm. Beide. (in Bewegung). Das wolle Gott verhten! (Bertha wlzt sich jammernd im Sopha.) Verrina. Nein! Verzweifle nicht, Tochter. Diese Mnner sind tapfer und gut. Beweinen dich diese, wird's irgendwo bluten.--Seht nicht so betroffen aus, Mnner. (Langsam, mit Gewicht.) Wer Genua unterjocht, kann doch wohl ein Mdchen bezwingen? Beide (fahren auf, werfen die Sessel zurck). Gianettino Doria! Bertha (mit einem Schrei). Strzt ber mich, Mauern! mein Scipio! Zwlfter Auftritt Bourgognino. Vorige. Bourgognino (erhitzt). Springe hoch, Mdchen! Eine Freudenpost! --Edler Verrina, ich komme, meinen Himmel auf Ihre Zunge zu setzen. Schon lngst liebte ich Ihre Tochter, und nie durft' ich es wagen, um ihre Hand zu bitten, weil mein ganzes Vermgen auf falschen Brettern von Coromandel schwamm. Eben jetzt fliegt meine Fortuna wohlbehalten in die Rhede und fhrt, wie sie sagen, unermeliche Schtze mit. Ich bin ein reicher Mann. Schenken Sie mir Bertha, ich mache sie glcklich. (Bertha verhllt sich, groe Pause.) Verrina (bedchtlich zu Bourgognino). Haben Sie Lust, junger Mensch, Ihr Herz in eine Pftze zu werfen? Bourgognino (greift nach dem Schwert, zieht aber pltzlich die Hand zurck). Das sprach der Vater-Verrina. Das spricht jeder Schurk' in Italien. Nehmen Sie mit dem Abtrag von anderer Leute Gastung vorlieb? Bourgognino. Mach mich nicht wahnwitzig, Graukopf! Calcagno. Bourgognino, wahr spricht der Graukopf. Bourgognino (auffahrend, gegen Bertha strzend). Wahr spricht er? Mich htte eine Dirne genarrt? Calcagno. Bourgognino, nicht da hinaus. Das Mdchen ist engelrein. Bourgognino (steht erstaunt still). Nun! so wahr ich selig werden will. Rein und entehrt. Ich habe keinen Sinn fr das.--Sie sehen sich an und sind stumm. Irgend ein Unhold von Missethat zuckt auf ihren bebenden Zungen. Ich beschwre euch! Schiebt meine Vernunft nicht im Kurzweil herum. Rein wre sie? Wer sagte rein? Verrina. Mein Kind ist nicht schuldig. Bourgognino. Also Gewalt! (Fat das Schwert von dem Boden.) Genueser! bei allen Snden unter dem Mond! Wo--wo find' ich den Ruber? Verrina. Eben dort, wo du den Dieb Genuas findest.--(Bourgognino erstarrt. Verrina geht gedankenvoll auf und nieder, dann steht er still.) Verrina. Wenn ich deinen Wink verstehe, ewige Vorsicht, so willst du Genua durch meine Bertha erlsen! (Er tritt zu ihr, indem er den Trauerflor langsam von seinem Arme wickelt, darauf feierlich.) Eh das Herzblut eines Doria diesen hlichen Flecken aus deiner Ehre wscht, soll kein Strahl des Tages auf diese Wangen fallen. Bis dahin--(er wirft den Flor ber sie) verblinde! (Pause. Die brigen sehen ihn schweigend, betreten an.) Verrina (feierlicher, seine Hand auf Berthas Haupt gelegt). Verflucht sei die Luft, die dich fchelt! Verflucht der Schlaf, der dich erquickt! Verflucht jede menschliche Spur, die deinem Elend willkommen ist! Geh hinab in das unterste Gewlb meines Hauses. Winsle, heule, lhme die Zeit mit deinem Gram. (Unterbrochen von Schauern fhrt er fort.) Dein Leben sei das gichterische Wlzen des sterbenden Wurms--der hartnckige, zermalmende Kampf zwischen Sein und Vergehen.--Dieser Fluch hafte auf dir, bis Gianettino den letzten Odem verrchelt hat.--Wo nicht, so magst du ihn nachschleppen lngs der Ewigkeit, bis man ausfindig macht, wo die zwei Enden ihres Rings in einander greifen. (Groes Schweigen. Auf allen Gesichtern Entsetzen. Verrina blickt Jeden fest und durchdringend an.) Bourgognino. Rabenvater! was hast du gemacht? Diesen ungeheuren, grlichen Fluch deiner armen, schuldlosen Tochter? Verrina. Nicht wahr--das ist schrecklich, mein zrtlicher Brutigam?--(Hchst bedeutend.) Wer von euch wird nun auftreten und jetzt noch von kaltem Blut und Aufschube schwatzen? Genuas Loos ist auf meine Bertha geworfen, mein Vaterherz meiner Brgerpflicht berantwortet. Wer von uns ist nun Memme genug, Genuas Erlsung zu verzgern, wenn er wei, da dieses schuldlose Lamm seine Feigheit mit unendlichem Gram bezahlt?--Bei Gott! das war nicht das Gewsch eines Narren--Ich hab' einen Eid gethan und werde mich meines Kindes nicht erbarmen, bis ein Doria am Boden zuckt, und sollt' ich auf Martern raffinieren, wie ein Henkersknecht, und sollt' ich dieses unschuldige Lamm auf kannibalischer Folterbank zerknirschen--Sie zittern--Bla wie Geister schwindeln sie mich an.--Noch einmal, Scipio! Ich verwahre sie zum Geisel deines Tyrannenmords. An diesem theuren Faden halt' ich deine, meine, eure Pflichten fest. Genuas Despot mu fallen, oder das Mdchen verzweifelt. Ich widerrufe nicht. Bourgognino (wirft sich der Bertha zu Fen). Und fallen soll er--fallen fr Genua, wie ein Opferstier. So gewi ich dies Schwert im Herzen Dorias umkehre, so gewi will ich den Brutigamsku auf deine Lippen drcken. (Steht auf.) Verrina. Das erste Paar, das die Furien einsegnen. Gebt euch die Hnde. In Dorias Herzen wirst du dein Schwert umkehren?--Nimm sie, sie ist dein! Calcagno (kniet nieder). Hier kniet noch ein Genueser und legt seinen furchtbaren Stahl zu den Fen der Unschuld. So gewi mge Calcagno den Weg zum Himmel ausfindig machen, als dieses sein Schwert die Strae zu Dorias Leben. (Steht auf.) Sacco. Zuletzt, doch nicht minder entschlossen, kniet Raphael Sacco. Wenn dies mein blankes Eisen Berthas Gefngni nicht aufschliet, so schliee sich das Ohr des Erhrers meinem letzten Gebet zu. (Steht auf.) Verrina (erheitert). Genua dankt euch in mir, meine Freunde. Gehe nun, Tochter. Freue dich, des Vaterlands groes Opfer zu sein. Bourgognino (umarmt sie im Abgehen). Geh! Traue auf Gott und Bourgognino. An einem und eben dem Tag werden Bertha und Genua frei sein. (Bertha entfernt sich.) Dreizehnter Auftritt Vorige ohne Bertha. Calcagno. Eh wir weiter gehn, noch ein Wort, Genueser! Verrina. Ich errath' es. Calcagno. Werden vier Patrioten genug sein, Tyrannei, die mchtige Hyder, zu strzen? Werden wir nicht den Pbel aufrhren, nicht den Adel zu unsrer Partei ziehen mssen? Verrina. Ich verstehe. Hret also, ich habe lngst einen Maler im Solde, der seine ganze Kunst verschwendet, den Sturz des Appius Claudius fresco zu malen. Fiesco ist ein Anbeter der Kunst, erhitzt sich gern an erhabenen Scenen. Wir werden die Malerei nach seinem Palast bringen und zugegen sein, wenn er sie betrachtet. Vielleicht, da der Anblick seinen Genius wieder aufweckt--Vielleicht-Bourgognino. Weg mit ihm! Verdopple die Gefahr, spricht der Held, nicht die Helfer. Ich habe schon lngst ein Etwas in meiner Brust gefhlt, das sich von nichts wollte ersttigen lassen--Was es war, wei ich jetzt pltzlich (indem er heroisch aufspringt). Ich hab' einen Tyrannen! (Der Vorhang fllt.) Zweiter Aufzug Vorzimmer in Fiescos Palast. Erster Auftritt Leonore. Arabella. Arabella. Nein, sag' ich. Sie sahen falsch. Die Eifersucht lieh Ihnen die hlichen Augen. Leonore. Es war Julia lebendig. Rede mir nichts ein. Meine Silhouette hing an einem himmelblauen Band, dies war feuerfarb und geflammt. Mein Loos ist entschieden. Zweiter Auftritt Vorige. Julia. Julia (affectiert hereintretend). Der Graf bot mir sein Palais an, den Zug nach dem Rathhaus zu sehen. Die Zeit wird mir lang werden. Eh die Chocolade gemacht ist, Madame, unterhalten Sie mich. (Bella entfernt sich, kommt sogleich wieder.) Leonore. Befehlen Sie, da ich Gesellschaft hieher bitte? Julia. Abgeschmackt. Als wenn ich die hier suchen mte? Sie werden mich zerstreuen, Madame. (Auf und ab, sich den Hof machend.) Wenn Sie das knnen, Madame--denn ich habe nichts zu versumen. Arabella (boshaft). Desto mehr dieser kostbare Mohr, Signora. Wie grausam, bedenken Sie! die Perspectivchen der jungen Stutzer um diese schne Prise zu bringen? Ah! und das blitzende Spiel der Perlen, das Einem die Augen bald wund brennt.--Beim gromchtigen Gott! haben Sie nicht das ganze Meer ausgeplndert? Julia (vor einem Spiegel). Das ist Ihr wohl eine Seltenheit, Mamsell? Aber hre Sie, Mamsell, hat Sie Ihrer Herrschaft auch die Zunge verdingt? Scharmant, Madame! Ihre Gste durch Domestiken becomplimentieren zu lassen. Leonore. Es ist mein Unglck, Signora, da meine Laune mir das Vergngen Ihrer Gegenwart schmlert. Julia. Eine grliche Unart ist das, die Sie schwerfllig und albern macht. Rasch! lebhaft und witzig! Das ist der Weg nicht, Ihren Mann anzufesseln. Leonore. Ich wei nur einen, Grfin. Lassen Sie den Ihrigen immer ein sympathetisches Mittel bleiben. Julia (ohne darauf achten zu wollen). Und, wie Sie sich tragen, Madame! Pfui doch! Auch auf Ihren Krper wenden Sie mehr. Nehmen Sie zur Kunst Ihre Zuflucht, wo die Natur an Ihnen Stiefmutter war. Einen Firni auf diese Wangen, woraus die mifrbige Leidenschaft krnkelt. Armes Geschpf! So wird Ihr Gesichtchen nie einen Kufer finden. Leonore (munter zu Bella). Wnsche mir Glck, Mdchen. Unmglich hab' ich meinen Fiesco verloren, oder ich habe nichts an ihm verloren. (Man bringt Chocolade, Bella giet ein.) Julia. Von Verlieren murmeln Sie etwas? Aber mein Gott! wie kam Ihnen auch der tragische Einfall, den Fiesco zu nehmen?--Warum auf diese Hhe, mein Kind, wo Sie nothwendig gesehen werden mssen? verglichen werden mssen?--Auf Ehre, mein Schatz, das war ein Schelm oder ein Dummkopf, der Sie dem Fiesco kuppelte. (Mitleidig ihre Hand ergreifend.) Gutes Thierchen, der Mann, der in den Assembleen des guten Tons gelitten wird, konnte nie deine Partie sein. (Sie nimmt eine Tasse.) Leonore (lchelnd auf Arabellen). Oder er wrde in diesen Husern des guten Tons nicht gelitten sein wollen. Julia. Der Graf hat Person--Welt--Geschmack. Der Graf war so glcklich, Connaissancen von Rang zu machen. Der Graf hat Temperament, Feuer. Nun reit er sich warm aus dem delicatesten Zirkel. Er kommt nach Hause. Die Ehfrau bewillkommt ihn mit einer Werkeltagszrtlichkeit, lscht seine Gluth in einem feuchten, frostigen Ku, schneidet ihm ihre Caressen wirthschaftlich, wie einem Kostgnger, vor. Der arme Ehmann! Dort lacht ihm ein blhendes Ideal--hier ekelt ihn eine grmliche Empfindsamkeit an. Signora, um Gotteswillen! wird er nicht den Verstand verlieren, oder was wird er whlen? Leonore (bringt ihr eine Tasse). Sie, Madame, wenn er ihn verloren hat. Julia. Gut. Dieser Bi sei in dein eigenes Herz gegangen. Zittre um diesen Spott, aber eh du zitterst, errthe. Leonore. Kennen Sie das Ding auch, Signora? Doch warum nicht? Es ist ja ein Toilettenpfiff. Julia. Man sehe doch! Erzrnen mu man das Wrmchen, will man ihm ein Fnkchen Mutterwitz abjagen. Gut fr jetzt. Es war Scherz, Madame. Geben Sie mir Ihre Hand zur Vershnung. Leonore (gibt ihr die Hand mit vielsagendem Blick). Imperiali!--vor meinem Zorn haben Sie Ruhe. Julia. Gromthig, allerdings! Doch sollt' ich's nicht auch sein knnen, Grfin? (Langsam und lauernd.) Wenn ich den Schatten einer Person bei mir fhre, mu es nicht folgen, da das Original mir werth ist? Oder was meinen Sie? Leonore (roth und verwirrt). Was sagen Sie? Ich hoffe, dieser Schlu ist zu rasch. Julia. Das denk' ich selbst. Das Herz ruft nie die Sinne zu Hilfe. Wahre Empfindung wird sich nie hinter Schmuckwerk verschanzen. Leonore. Groer Gott! Wie kommen Sie zu dieser Wahrheit? Julia. Mitleid, bloes Mitleid--Denn sehen Sie, so ist es auch umgekehrt wahr--und Sie haben Ihren Fiesco noch. (Sie gibt ihr ihre Silhouette und lacht boshaft auf.) Leonore (mit auffahrender Erbitterung). Mein Schattenri? Ihnen? (Wirft sich schmerzvoll in einen Sessel.) O der heillose Mann! Julia (frohlockend). Hab' ich vergolten? hab' ich? Nun, Madame, keinen Nadelstich mehr in Bereitschaft? (Laut in die Scene.) Den Wagen vor! Mein Gewerb ist bestellt. (Zu Leonoren, der sie das Kinn streicht.) Trsten Sie sich, mein Kind. Er gab mir die Silhouette im Wahnwitz. (Ab.) Dritter Auftritt Calcagno kommt. Calcagno. So erhitzt ging die Imperiali weg, und Sie in Wallung, Madonna? Leonore (mit durchdringendem Schmerz). Nein! das war nie erhrt! Calcagno. Himmel und Erde! Sie weinen doch wohl nicht? Leonore. Ein Freund vom Unmenschlichen--Mir aus den Augen! Calcagno. Welchem Unmenschlichen? Sie erschrecken mich. Leonore. Von meinem Mann--Nicht so! von dem Fiesco. Calcagno. Was mu ich hren? Leonore. O, nur ein Bubenstck, das bei euch gangbar ist, Mnner. Calcagno (fat ihre Hand mit Heftigkeit). Gndige Frau, ich habe ein Herz fr die weinende Tugend. Leonore (ernst). Sie sind ein Mann--es ist nicht fr mich. Calcagno. Ganz fr Sie--voll von Ihnen--da Sie wten, wie sehr--wie unendlich sehr-Leonore. Mann, du lgst--du versicherst, eh du handelst. Calcagno. Ich schwre Ihnen-Leonore. Einen Meineid. Hr' auf! Ihr ermdet den Griffel Gottes, der sie niederschreibt. Mnner! Mnner! wenn eure Eide zu so viel Teufeln wrden, sie knnten Sturm gegen den Himmel laufen und die Engel des Lichts als Gefangene wegfhren. Calcagno. Sie schwrmen, Grfin. Ihre Erbitterung macht Sie ungerecht. Soll das Geschlecht fr den Frevel des Einzelnen Rede stehn? Leonore (sieht ihn gro an). Mensch! ich betete das Geschlecht in dem Einzelnen an, soll ich es nicht in ihm verabscheuen drfen? Calcagno. Versuchen Sie, Grfin--Sie gaben Ihr Herz das erstemal fehl--ich wte ihnen den Ort, wo es aufgehoben sein sollte. Leonore. Ihr knntet den Schpfer aus seiner Welt hinauslgen--Ich will nichts von dir hren. Calcagno. Diesen Verdammungsspruch sollten Sie noch heute in meinen Armen zurckrufen. Leonore (aufmerksam). Rede ganz aus. In deinen--? Calcagno. In meinen Armen, die sich ffnen, eine Verlassene aufzunehmen und fr verlorene Liebe zu entschdigen. Leonore (sieht ihn fein an). Liebe? Calcagno (vor ihr nieder mit Feuer). Ja! es ist hingesagt. Liebe, Madonna. Leben und Tod liegt auf Ihrer Zunge. Wenn meine Leidenschaft Snde ist, so mgen die Enden von Tugend und Laster in einander flieen und Himmel und Hlle in eine Verdammni gerinnen. Leonore (tritt mit Unwillen und Hoheit zurck). Da hinaus zielte deine Theilnehmung, Schleicher?--In einer Kniebeugung verrthst du Freundschaft und Liebe? Ewig aus meinem Aug! Abscheuliches Geschlecht! Bis jetzt glaubte ich, du betrgest nur Weiber; das hab' ich nie gewut! da du auch an dir selbst zum Verrther wirst. Calcagno (steht betroffen auf). Gndige Frau-Leonore. Nicht genug, da er das heilige Siegel des Vertrauens erbrach, auch an den reinen Spiegel der Tugend haucht dieser Heuchler die Pest und will meine Unschuld im Eidbrechen unterweisen. Calcagno (rasch). Das Eidbrechen ist nur Ihr Fall nicht, Madonna. Leonore. Ich verstehe, und meine Empfindlichkeit sollte dir meine Empfindung bestechen? Das wutest du nicht, (sehr gro) da schon allein das erhabene Unglck, um den Fiesco zu brechen, ein Weiberherz adelt. Geh! Fiescos Schande macht keinen Calcagno bei mir steigen, aber--die Menschheit sinken. (Schnell ab.) Calcagno (sieht ihr betubt nach, dann ab, mit einem Schlag vor die Stirne). Dummkopf! Vierter Auftritt Der Mohr. Fiesco. Fiesco. Wer war's, der da wegging? Mohr. Marchese Calcagno. Fiesco. Auf dem Sopha blieb dieses Schnupftuch liegen. Meine Frau war hier. Mohr. Begegnete mir so eben in einer starken Erhitzung. Fiesco. Dieses Schnupftuch ist feucht. (Steckt es zu sich.) Calcagno hier? Leonore in starker Erhitzung? (Nach einigem Nachdenken zum Mohren.) Auf den Abend will ich dich fragen, was hier geschehen ist. Mohr. Mamsell Bella hrt es gern, da sie blond sei. Will es beantworten. Fiesco. Und nun sind dreiig Stunden vorbei. Hast du meinen Auftrag vollzogen? Mohr. Auf ein Jota, mein Gebieter. Fiesco (setzt sich). Sag denn, wie pfeift man von Doria und der gegenwrtigen Regierung? Mohr. O pfui; nach abscheulichen Weisen. Schon das Wort: Doria, schttelt sie wie ein Fieberfrost. Gianettino ist gehat bis in den Tod. Alles murrt. Die Franzosen, sagen sie, seien Genuas Ratten gewesen, Kater Doria habe sie aufgefressen und lasse sich nun die Muse belieben. Fiesco. Das knnte wahr sein--und wuten sie keinen Hund fr den Kater? Mohr (leichtfertig). Die Stadt murmelte Langes und Breites von einem gewissen--einem gewissen--Holla! Htt' ich denn gar den Namen vergessen? Fiesco (steht auf). Dummkopf! Er ist so leicht zu behalten, als schwer er zu machen war. Hat Genua mehr als einen Einzigen? Mohr. So wenig als zween Grafen von Lavagna. Fiesco (setzt sich). Das ist Etwas. Und was flstert man denn ber mein lustiges Leben? Mohr (mit ihn mit groen Augen). Hret, Graf von Lavagna! Genua mu gro von Euch denken. Man kann's nicht verdauen, da ein Cavalier vom ersten Hause--voll Talenten und Kopf--in vollem Feuer und Einflu--Herr von vier Millionen Pfund--Frstenblut in den Adern--ein Cavalier wie Fiesco, dem auf den ersten Wink alle Herzen zufliegen wrden-Fiesco (wendet sich mit Verachtung ab). Von einem Schurken das anzuhren-Mohr. Da Genuas groer Mann Genuas groen Fall verschlafe. Viele bedauern, sehr Viele verspotten, die Meisten verdammen Euch. Alle beklagen den Staat, der Euch verlor. Ein Jesuit wollte gerochen haben, da ein Fuchs im Schlafrock stecke. Fiesco. Ein Fuchs riecht den andern.--Was spricht man zu meinem Roman mit der Grfin Imperiali? Mohr. Was ich zu wiederholen hbsch unterlassen werde. Fiesco. Frei heraus! Je frecher, desto willkommener. Was murmelt man? Mohr. Nichts murmelt man. Auf allen Kaffeehusern, Billardtischen, Gasthfen, Promenaden--auf dem Markt--auf der Brse schreit man laut-Fiesco. Was? Ich befehl' es dir! Mohr (sich zurckziehend). Da Ihr ein Narr seid. Fiesco. Gut. Hier nimm die Zechine fr diese Zeitung. Die Schellenkappe hab' und nun aufgesetzt, da diese Genueser ber mich lachen; bald will ich mir eine Glatze scheeren, da sie den Hanswurst von mir spielen. Wie nahmen sich die Seidenhndler bei meinen Geschenken? Mohr (drollig). Narr, sie stellten sich wie die armen Snder-Fiesco. Narr? Bist du toll, Bursche? Mohr. Verzeiht! Ich htte Lust zu noch mehr Zechinen. Fiesco (lacht, gibt ihm eine). Nun, wie die armen Snder--? Mohr. Die auf dem Block liegen und jetzt Pardon ber sich hren. Euer sind sie Seel und Leib. Fiesco. Das freut mich. Sie geben den Ausschlag bei dem Pbel zu Genua. Mohr. Was das ein Auftritt war! Wenig fehlte, der Teufel hole mich! da ich nicht Geschmack an der Gromuth gefunden htte. Sie wlzten sich mir wie unsinnig um den Hals, die Mdel schienen sich bald in meines Vaters Farbe vergafft zu haben, so hitzig fielen sie ber meine Mondsfinsterni her. Allmchtig ist doch das Gold, war da mein Gedanke; auch Mohren kann's bleichen. Fiesco. Dein Gedanke war besser, als das Mistbeet, worin er wuchs--Die Worte, die du mir hinterbracht hast, sind gut, lassen sich Thaten daraus schlieen? Mohr. Wie aus des Himmels Ruspern der ausbrechende Sturm. Man steckt die Kpfe zusammen, rottiert sich zu Hauf, ruft Hum! spukt ein Fremder vorbei. Durch ganz Genua herrscht eine dumpfe Schwle-- Dieser Mimuth hngt wie ein schweres Wetter ber der Republik-- nur einen Wind, so fallen Schlossen und Blitze. Fiesco. Stille! horch! Was ist das fr ein verworrenes Gesumse? Mohr (aus dem Fenster fliegend). Es ist das Geschrei vieler Menschen, die vom Rathhaus herabkommen. Fiesco. Heute ist Procuratorwahl. La meine Carriole vorfahren. Unmglich kann die Sitzung schon aus sein. Ich will hinauf. Unmglich kann sie rechtmig sein--Schwert und Mantel her. Wo ist mein Orden? Mohr. Herr, ich hab' ihn gestohlen und versetzt. Fiesco. Das freut mich. Mohr. Nun, wie? wird mein Prsent bald herausrcken? Fiesco. Weil du nicht auch den Mantel nahmst? Mohr. Weil ich den Dieb ausfindig machte. Fiesco. Der Tumult wlzt sich hierher. Horch! Das ist nicht das Gejauchze des Beifalls. (Rasch.) Geschwind, riegle die Hofpforten auf. Ich hab' eine Ahnung. Doria ist tollkhn. Der Staat gaukelt auf einer Nadelspitze. Ich wette, auf der Signoria ist Lrm worden. Mohr (am Fenster, schreit). Was ist das? Die Strae Balbi herunter--Tro vieler Tausende--Hellebarden blitzen--Schwerter--Holla! Senatoren--fliegen hieher-Fiesco. Es ist ein Aufruhr! Spring unter sie. Nenn meinen Namen. Sieh zu, da sie hieher sich werfen. (Mohr eilt hinunter.) Was die Ameise Vernunft mhsam zu Haufen schleppt, jagt in einem Hui der Wind des Zufalls zusammen. Fnfter Auftritt Fiesco. Zenturione, Zibo, Asserato strzen strmisch ins Zimmer. Zibo. Graf, Sie verzeihen unserm Zorn, da wir unangemeldet hereintreten. Zenturione. Ich bin beschimpft, tdlich beschimpft vom Neffen des Herzogs, im Angesicht der ganzen Signoria. Asserato. Doria hat das goldene Buch besudelt, davon jeder genuesische Edelmann ein Blatt ist. Zenturione. Darum sind wir da. Der ganze Adel ist in mir aufgefordert. Der ganze Adel mu meine Rache theilen. Meine Ehre zu rchen, dazu wrde ich schwerlich Gehilfen fordern. Zibo. Der ganze Adel ist in ihm aufgereizt. Der ganze Adel mu Feuer und Flamme speien. Asserato. Die Rechte der Nation sind zertrmmert. Die republikanische Freiheit hat einen Todessto. Fiesco. Sie spannen meine ganze Erwartung. Zibo. Er war der neunundzwanzigste unter den Wahlherrn, hatte zur Procuratorwahl eine goldene Kugel gezogen. Achtundzwanzig Stimmen waren gesammelt. Vierzehn sprachen fr mich, eben so viele fr Lomellino! Dorias und die seinige standen noch aus. Zenturione (rasch ins Wort fallend). Standen noch aus. Ich votierte fr Zibo. Doria--fhlen Sie die Wunde meiner Ehre--Doria-Asserato (fllt ihm wieder ins Wort). So was erlebte man nicht, so lang der Ocean um Genua fluthet-Zenturione (hitziger fort). Doria zog ein Schwert, das er unter dem Scharlach verborgen gehalten, spiete mein Votum daran, rief in die Versammlung: Zibo. Senatoren, es gilt nicht! Es ist durchlchert! Lomellin ist Procurator. Zenturione. Lomellin ist Procurator, und warf sein Schwert auf die Tafel. Asserato. Und rief: Es gilt nicht! und warf sein Schwert auf die Tafel. Fiesco (nach einigem Stillschweigen). Wozu sind Sie entschlossen? Zenturione. Die Republik ist ins Herz gestoen. Wozu wir entschlossen sind? Fiesco. Zenturione, Binsen mgen vom Athem knicken. Eichen wollen den Sturm. Ich frage, was Sie beschlieen? Zibo. Ich dchte, man fragte, was Genua beschliee? Fiesco. Genua? Genua? Weg damit; es ist mrb, bricht, wo Sie es anfassen. Sie rechnen auf die Patrizier? Vielleicht weil sie saure Gesichter schneiden, die Achsel zucken, wenn von Staatssachen Rede wird? Weg damit! Ihr Heldenfeuer klemmt sich in Ballen levantischer Waaren, ihre Seelen flattern ngstlich um ihre ostindische Flotte. Zenturione. Lernen Sie unsere Patrizier besser schtzen. Kaum war Dorias trotzige That gethan, flohen ihrer einige Hundert mit zerrissenen Kleidern auf den Markt. Die Signoria fuhr auseinander. Fiesco (spttisch). Wie Tauben auseinander flattern, wenn in den Schlag sich ein Geier wirft? Zenturione (strmisch). Nein! wie Pulvertonnen, wenn eine Lunte hineinfllt. Zibo. Das Volk wthet auch, was vermag nicht ein angeschossener Eber? Fiesco (lacht). Der blinde, unbeholfene Kolo, der mit plumpen Knochen Anfangs Gepolter macht, Hohes und Niederes, Nahes und Fernes mit ghnendem Rachen zu verschlingen droht und zuletzt--ber Zwirnsfden stolpert? Genueser, vergebens! Die Epoche der Meerbeherrscher ist vorbei. Genua ist unter seinen Namen gestrzt. Genua ist doch, wo das unberwindliche Rom wie ein Federball in die Rakete eines zrtlichen Knaben Octavius sprang. Genua kann nicht mehr frei sein. Genua mu von einem Monarchen erwrmt werden. Genua braucht einen Souverain, also huldigen Sie dem Schwindelkopf Gianettino. Zenturione (aufbrausend). Wenn sich die grollenden Elemente vershnen und der Nordpol dem Sdpol nachspringt--Kommt, Kameraden! Fiesco. Bleiben Sie, bleiben Sie! Worber brten Sie, Zibo? Zibo. ber nichts oder einem Possenspiel, das das Erdbeben heien soll. Fiesco (fhrt sie zu einer Statue). Schauen Sie doch diese Figur an. Zenturione. Es ist die Venus von Florenz. Was soll sie uns hier? Fiesco. Sie gefllt Ihnen aber? Zibo. Ich sollte denken, oder wir wren schlechte Italiener. Wie Sie das jetzt fragen mgen? Fiesco. Nun, reisen Sie durch alle Welttheile und suchen unter allen lebendigen Abrcken des weiblichen Modells den glcklichsten aus, in welchem sich alle Reize dieser getrumten Venus umarmen. Zibo. Und tragen dann fr unsre Mhe davon? Fiesco. Dann werden Sie die Phantasie der Marktschreierei berwiesen haben-Zenturione (ungeduldig). Und was gewonnen haben? Fiesco. Gewonnen haben den verjhrten Proce der Natur mit den Knstlern. Zenturione (hitzig). Und dann? Fiesco. Dann? dann? (Fngt zu lachen an). Dann haben Sie vergessen zu sehen, da Genuas Freiheit zu Trmmern geht! (Zenturione, Zibo, Asserato gehen ab.) Sechster Auftritt Fiesco.--Getmmel um den Palast nimmt zu. Glcklich! glcklich! Das Stroh der Republik ist in Flammen. Das Feuer hat schon Huser und Thrme gefat--Immer zu! immer zu! Allgemein werde der Brand, der schadenfrohe Wind pfeife in die Verwstung! Siebenter Auftritt Mohr in Eile. Fiesco. Mohr. Haufen ber Haufen! Fiesco. Mache die Thorflgel weit auf. La hereinstrzen, was Fe hat. Mohr. Republikaner! Republikaner! Ziehen ihre Freiheit am Joch, keuchen, wie Lastochsen, unter ihrer aristokratischen Herrlichkeit. Fiesco. Narren, die glauben, Fiesco von Lavagna werde fortfhren, was Fiesco von Lavagna nicht anfing! Die Emprung kommt wie gerufen. Aber die Verschwrung mu meine sein. Sie strmen die Treppe herauf. Mohr (hinaus). Holla! holla! Werden das Haus hflichst zur Thre hereinbringen. (Das Volk strmt herein, die Thre in Trmmer.) Achter Auftritt Fiesco. Zwlf Handwerker. Alle. Rache an Doria! Rache an Gianettino! Fiesco. Hbsch gemach, meine Landsleute. Da ihr mir alle eure Aufwartung so machtet, das zeugt von eurem guten Herzen. Aber meine Ohren sind delicater. Alle (ungestmer). Zu Boden mit den Doria! Zu Boden Oheim und Neffen! Fiesco (der sie lchelnd berzhlt). Zwlf sind ein vornehmes Heer-Einige. Diese Doria mssen weg. Der Staat mu eine andere Form haben. Erster Handwerker. Unsre Friedensrichter die Treppen hinab zu schmeien--die Treppen die Friedensrichter. Zweiter. Denkt doch, Lavagna, die Treppen hinab, als sie ihm bei der Wahl widersprachen. Alle. Soll nicht geduldet werden! darf nicht geduldet werden! Ein Dritter. Ein Schwert in den Rath zu nehmen-Erster. Ein Schwert! Das Zeichen des Kriegs! im Zimmer des Friedens! Zweiter. Im Scharlach in den Senat zu kommen! Nicht schwarz, wie die brigen Rathsherrn. Erster. Mit acht Hengsten durch unsere Hauptstadt zu fahren. Alle. Ein Tyrann! ein Verrther des Lands und der Regierung! Zweiter. Zweihundert Deutsche zur Leibwach vom Kaiser zu kaufen-Erster. Auslnder wider die Kinder des Vaterlands! Deutsche gegen Italiener! Soldaten neben die Gesetze! Alle. Hochverrath! Meuterei! Genuas Untergang! Erster. Das Wappen der Republik an der Kutsche zu fhren-Zweiter. Die Statue des Andreas mitten im Hof der Signoria!-Alle. In Stcken mit dem Andreas! In tausend Stck den steinernen und den lebendigen! Fiesco. Genueser, warum mir Das alles? Erster. Ihr sollt es nicht dulden! Ihr sollt ihm den Daumen aufs Aug halten! Zweiter. Ihr seid ein kluger Mann, und sollt es nicht dulden, und sollt den Verstand fr uns haben. Erster. Und seid ein besserer Edelmann, und sollt ihm das eintrnken, und sollt es nicht dulden. Fiesco. Euer Zutrauen schmeichelt mir sehr. Kann ich es durch Thaten verdienen? Alle (lrmend). Schlage! Strze! Erlse! Fiesco. Doch ein gut Wort werdet ihr noch annehmen? Einige. Redet, Lavagna! Fiesco (der sich niedersetzt). Genueser--Das Reich der Thiere kam einst in brgerliche Ghrung, Parteien schlugen mit Parteien, und ein Fleischerhund bemchtigte sich des Throns. Dieser, gewohnt, das Schlachtvieh an das Messer zu hetzen, hauste hndisch im Reich, klaffte, bi und nagte die Knochen seines Volks. Die Nation murrte, die Khnsten traten zusammen und erwrgten den frstlichen Bullen. Jetzt ward ein Reichstag gehalten, die groe Frage zu entscheiden, welche Regierung die glcklichste sei? Die Stimmen theilten sich dreifach. Genueser, fr welche httet ihr entschieden? Erster Brger. Frs Volk. Alle frs Volk. Fiesco. Das Volk gewann's. Die Regierung ward demokratisch. Jeder Brger gab seine Stimme. Mehrheit setzte durch. Wenige Wochen vergingen, so kndigte der Mensch dem neugebackenen Freistaat den Krieg an. Das Reich kam zusammen. Ro, Lwe, Tiger, Br, Elephant und Rhinoceros traten auf und brllten laut zu den Waffen! Jetzt kam die Reih' an die brigen. Lamm, Hase, Hirsch, Esel, das ganze Reich der Insecten, der Vgel, der Fische ganzes menschenscheues Heer--alle traten dazwischen und wimmerten: Friede. Seht, Genueser! Der Feigen waren mehr, denn der Streitbaren, der Dummen mehr, denn der Klugen--Mehrheit setzte durch. Das Thierreich streckte die Waffen, und der Mensch brandschatzte sein Gebiet. Dieses Staatssystem ward also verworfen. Genueser, wozu wret ihr jetzt geneigt gewesen? Erster und Zweiter. Zum Ausschu! Freilich zum Ausschu! Fiesco. Diese Meinung gefiel! Die Staatsgeschfte theilten sich in mehrere Kammern. Wlfe besorgten die Finanzen, Fchse waren ihre Secretre. Tauben fhrten das Criminalgericht, Tiger die gtlichen Vergleiche, Bcke schlichteten Heirathsprocesse. Soldaten waren die Hasen; Lwen und Elephant blieben bei der Bagage; der Esel war Gesandter des Reichs, und der Maulwurf Oberaufseher ber die Verwaltung der mter. Genueser, was hofft ihr von dieser weisen Vertheilung? Wen der Wolf nicht zerri, den prellte der Fuchs. Wer diesem entrann, den tlpelte der Esel nieder. Tiger erwrgten die Unschuld; Diebe und Mrder begnadigte die Taube, und am Ende, wenn die mter niedergelegt wurden, fand sie der Maulwurf alle unstrflich verwaltet--Die Thiere emprten sich. Lat uns einen Monarchen whlen, riefen sie einstimmig, der Klauen und Hirn und nur einen Magen hat--und einem Oberhaupt huldigten alle--einem, Genueser--aber (indem er mit Hoheit unter sie tritt) es war der Lwe. Alle (klatschen, werfen die Mtzen in die Hhe). Bravo! Bravo! das haben sie schlau gemacht. Erster. Und Genua soll's nachmachen, und Genua hat seinen Mann schon. Fiesco. Ich will ihn nicht wissen. Gehet heim! Denkt auf den Lwen! (Die Brger tumultuarisch hinaus.) Es geht erwnscht. Volk und Senat wider Doria. Volk und Senat fr Fiesco--Hassan!--Hassan! Ich mu diesen Wind benutzen--Hassan! Hassan! Ich mu diesen Ha verstrken! dieses Interesse anfrischen!--Heraus, Hassan! Hurensohn der Hlle! Hassan! Hassan! Neunter Auftritt Mohr kommt. Fiesco. Mohr (wild). Meine Sohlen brennen noch. Was gibt's schon wieder? Fiesco. Was ich befehle. Mohr (geschmeidig). Wohin lauf' ich zuerst? wohin zuletzt? Fiesco. Das Laufen sei dir diesmal geschenkt. Du wirst geschleift werden. Mache dich gleich gefat; ich posaune jetzt deinen Meuchelmord aus und bergebe dich gebunden der peinlichen Nota. Mohr (sechs Schritte zurck). Herr?--das ist wider die Abrede. Fiesco. Sei ganz ruhig. Es ist nichts mehr, denn ein Possenspiel. In diesem Augenblick liegt Alles daran, da Gianettinos Anschlag auf mein Leben ruchbar wird. Man wird dich peinlich verhren. Mohr. Ich bekenne dann oder leugne? Fiesco. Leugnest. Man wird dich auf die Tortur schrauben. Den ersten Grad stehst du aus. Diese Witzigung kannst du auf Conto deines Meuchelmords hinnehmen. Beim zweiten bekennst du. Mohr (schttelt den Kopf, bedenklich). Ein Schelm ist der Teufel. Die Herren knnten mich beim Essen behalten, und ich wrde aus lauter Komdie gerdert. Fiesco. Du kommst ganz weg. Ich gebe dir meine grfliche Ehre. Ich werde mir deine Bestrafung zur Genugthuung ausbitten und dich dann vor den Augen der ganzen Republik pardonnieren. Mohr. Ich lasse mir's gefallen. Sie werden mir das Gelenk auseinander treiben. Das macht gelufiger. Fiesco. So ritze mir hurtig mit deinem Dolche den Arm auf, bis Blut darnach luft--Ich werde thun, als htt' ich dich erst frisch auf der That ergriffen. Gut! (Mit grlichem Geschrei.) Mrder! Mrder! Mrder! Besetzt die Wege! Riegelt die Pforten zu! (Er schleppt den Mohren an der Gurgel hinaus, Bediente fliehen ber den Schauplatz.) Zehnter Auftritt Leonore. Rosa strzen erschrocken herein. Leonore. Mord! schrieen sie, Mord! Von hier kam der Lrm. Rosa. Ganz gewi nur ein blinder Tumult, wie alltglich in Genua. Leonore. Sie schrieen Mord, und das Volk murmelte deutlich: Fiesco. Armselige Betrger! Meine Augen wollten sie schonen, aber mein Herz berlistet sie. Geschwind, eile nach, sieh, sage mir, wo sie ihn hinschleppen. Rosa. Sammeln Sie sich. Bella ist nach. Leonore. Bella wird seinen brechenden Blick noch auffassen! die glckliche Bella! Weh ber mich, seine Mrderin! Htte Fiesco mich lieben knnen, nie htte Fiesco sich in die Welt gestrzt, nie in die Dolche des Neids!--Bella kommt! Fort! Rede nicht, Bella! Eilfter Auftritt Vorige. Bella. Bella. Der Graf lebt und ist ganz. Ich sah ihn durch die Stadt galoppieren. Nie sah ich unsern gndigen Herrn so schn. Der Rapp prahlte unter ihm und jagte mit hochmthigem Huf das andrngende Volk von seinem frstlichen Reiter. Er erblickte mich, als er vorber flog, lchelte gndig, winkte hieher und warf drei Ksse zurck. (Boshaft.) Was mach' ich damit, Signora? Leonore (in Entzckung). Leichtfertige Schwtzerin! Bring sie ihm wieder. Rosa. Nun sehen Sie! jetzt sind Sie wieder Scharlach ber und ber. Leonore. Sein Herz wirft er den Dirnen nach, und ich jage nach einem Blick?--O Weiber! Weiber! (Gehen ab.) Zwlfter Auftritt Im Palast des Andreas. Gianettino. Lomellin kommen hastig Gianettino. La sie um ihre Freiheit brllen, wie die Lwin um ein Junges. Ich bleibe dabei. Lomellin. Doch, gndiger Herr-Gianettino. Zum Teufel mit Eurem Doch, dreistundlanger Procurator! Ich weiche um keines Haares Breite. La Genuas Thrme die Kpfe schtteln und die tobende See Nein dareinbrummen. Ich frchte den Tro nicht. Lomellin. Der Pbel ist freilich das brennende Holz, aber der Adel gibt seinen Wind dazu. Die ganze Republik ist in Wallung. Volk und Patrizier. Gianettino. So steh' ich wie Nero auf dem Berg und sehe dem possierlichen Brande zu-Lomellin. Bis sich die ganze Masse des Aufruhrs einem Parteignger zuwirft, der ehrgeizig genug ist, in der Verwstung zu ernten. Gianettino. Possen! Possen! Ich kenne nur Einen, der frchterlich werden knnte, und fr den ist gesorgt. Lomellin. Seine Durchlaucht. (Andreas kommt, Beide verneigen sich tief.) Andreas. Signor Lomellin! Meine Nichte wnscht auszufahren. Lomellin. Ich werde die Gnade haben, sie zu begleiten. (Ab.) Dreizehnter Auftritt Andreas. Gianettino. Andreas. Hre, Neffe! Ich bin schlimm mit dir zufrieden. Gianettino. Gnnen Sie mir Gehr, durchlauchtigster Oheim. Andreas. Dem zerlumptesten Bettler in Genua, wenn er es werth ist. Einem Buben niemals, und wr' er mein Neffe. Gndig genug, da ich dir den Oheim zeige; du verdientest den Herzog und seine Signoria zu hren. Gianettino. Nur ein Wort, gndigster Herr-Andreas. Hre, was du gethan hast, und verantworte dich dann--Du hast ein Gebude umgerissen, das ich in einem halben Jahrhundert sorgsam zusammenfgte--das Mausoleum deines Oheims--seine einzige Pyramide--die Liebe der Genueser. Den Leichtsinn verzeiht dir Andreas. Gianettino. Mein Oheim und Herzog-Andreas. Unterbrich mich nicht. Du hast das schnste Kunstwerk der Regierung verletzt, das ich selbst den Genuesern vom Himmel holte, das mich so viele Nchte gekostet, so viele Gefahren und Blut. Vor ganz Genua hast du meine frstlichen Ehre besudelt, weil du fr meine Anstalt keine Achtung zeigtest. Wem wird sie heilig sein, wenn mein Blut sie verachtet?--Diese Dummheit verzeiht dir der Oheim. Gianettino (beleidigt). Gndigster Herr, Sie haben mich zu Genuas Herzog gezogen. Andreas. Schweig--du bist ein Hochverrther des Staates und hast das Herz seines Lebens verwundet. Merke dir's, Knabe! Es heit-- Unterwerfung!--Weil der Hirte am Abend seines Tagwerks zurcktrat, whntest du die Heerde verlassen? Weil Andreas eisgraue Haare trgt, trampeltest du wie ein Gassenjunge auf den Gesetzen? Gianettino (trotzig). Gemach, Herzog. Auch in meinen Adern siedet das Blut das Andreas, vor dem Frankreich erzitterte. Andreas. Schweig! befehl' ich--Ich bin gewohnt, da das Meer aufhorcht, wenn ich rede--Mitten in ihrem Tempel spieest du die majesttische Gerechtigkeit an. Weit du, wie man das ahndet, Rebelle?--Jetzt antworte! (Gianettino heftet den Blick sprachlos zu Boden.) Andreas. Unglckseliger Andreas! In deinem eigenen Herzen hast du den Wurm deines Verdiensts ausgebrtet.--Ich baute den Genuesern ein Haus, das der Vergnglichkeit spotten sollte, und werfe den ersten Feuerbrand hinein--Diesen! Dank' es, Unbesonnener, diesem eisgrauen Kopf, der von Familienhnden zur Grube gebracht sein will--Dank' es meiner gottlosen Liebe, da ich den Kopf des Emprers dem beleidigten Staate nicht--vom Blutgerste zuwerfe. (Schnell ab.) Vierzehnter Auftritt Lomellin auer Athem, erschrocken. Gianettino sieht dem Herzog glhend und sprachlos nach. Lomellin. Was hab' ich gesehen? was angehrt? Jetzt! Jetzt! Fliehen Sie, Prinz! Jetzt ist Alles verloren. Gianettino (mit Ingrimm). Was war zu verlieren? Lomellin. Genua, Prinz. Ich komme vom Markt. Das Volk drngte sich um einen Mohren, der an Stricken dahin geschleift wurde; der Graf von Lavagna, ber die dreihundert Nobili ihm nach bis ins Richthaus, wo die Verbrecher gefoltert werden. Der Mohr war ber einem Meuchelmord ertappt worden, den er an dem Fiesco vollstrecken sollte. Gianettino (stampft mit dem Fu). Was? Sind heut alle Teufel los? Lomellin. Man inquirierte scharf, wer ihn bestochen. Der Mohr gestand nichts. Man brachte ihn auf die erste Folter. Er gestand nichts. Man brachte ihn auf die zweite. Er sagte aus, sagte aus--gndiger Herr, wo gedachten Sie hin, da Sie Ihre Ehre einem Taugenichts preisgaben? Gianettino (schnaubt ihn wild an). Frage mich nichts! Lomellin. Hren Sie weiter. Kaum war das Wort Doria ausgesprochen--lieber htt' ich meinen Namen auf der Schreibtafel des Teufels gelesen, als hier den Ihren gehrt--so zeigte sich Fiesco dem Volk. Sie kennen ihn, den Mann, der befehlend flehet, den Wucherer mit den Herzen der Menge. Die ganze Versammlung hing ihm odemlos in starren, schrecklichen Gruppen entgegen; er sprach wenig, aber streifte den blutenden Arm auf, das Volk schlug sich um die fallenden Tropfen, wie um Reliquien. Der Mohr wurde seiner Willkr bergeben, und Fiesco--ein Herzsto fr uns--Fiesco begnadigte ihn. Jetzt raste die Stille des Volks in einen brllenden Laut aus, jeder Odem zernichtete einen Doria, Fiesco wurde auf tausendstimmigem Vivat nach Hause getragen. Gianettino (mit einem dumpfen Gelchter). Der Aufruhr schwelle mir an die Gurgel!--Kaiser Karl! Mit dieser einzigen Silbe will ich sie niederwerfen, da in ganz Genua auch keine Glocke mehr summen soll. Lomellin. Bhmen liegt weit von Italien--Wenn Karl sich beeilt, kann er noch zeitig genug zu Ihrem Leichenschmaus kommen. Gianettino (zieht einen Brief mit groem Siegel hervor). Glck genug also, da er schon hier ist!--Verwundert sich Lomellin? Glaubte er mich tolldreist genug, wthige Republikaner zu reizen, wenn sie nicht schon verkauft und verrathen wren? Lomellin (betreten). Ich wei nicht, was ich denke. Gianettino. Ich denke Etwas, das du nicht weit. Der Schlu ist gefat. bermorgen fallen zwlf Senatoren. Doria wird Monarch, und Kaiser Karl wird ihn schtzen--Du trittst zurck? Lomellin. Zwlf Senatoren! Mein Herz ist nicht weit genug, eine Blutschuld zwlfmal zu fassen. Gianettino. Nrrchen, am Thron wirft man sie nieder. Siehst du, ich berlegte mit Karls Ministern, da Frankreich in Genua noch starke Parteien htte, die es ihm zum zweiten Mal in die Hnde spielen knnten, wenn man sie nicht mit der Wurzel vertilgte. Das wurmte beim alten Karl. Er unterschrieb meinen Anschlag--und du schreibst, was ich dictiere. Lomellin. Noch wei ich nicht-Gianettino. Setze dich! Schreib! Lomellin. Was schreib' ich aber? (Setzt sich.) Gianettino. Die Namen der zwlf Candidaten--Franz Zenturione. Lomellin (schreibt). Zum Dank fr sein Votum fhrt er den Leichenzug. Gianettino. Cornelio Calva. Lomellin. Calva. Gianettino. Michael Zibo. Lomellin. Eine Abkhlung auf die Procuratur. Gianettino. Thomas Asserato mit drei Brdern (Lomellin hlt inne.) Gianettino (nachdrcklich). Mit drei Brdern. Lomellin (schreibt). Weiter. Gianettino. Fiesco von Lavagna. Lomellin. Geben Sie Acht! geben Sie Acht! Sie werden ber diesem schwarzen Stein noch den Hals brechen. Gianettino. Scipio Bourgognino. Lomellin. Der mag anderswo Hochzeit halten. Gianettino. Wo ich Brautfhrer bin--Raphael Sacco. Lomellin. Dem sollt' ich Pardon auswirken, bis er mir meine fnftausend Scudi bezahlt hat. (Schreibt.) Der Tod macht quitt. Gianettino. Vincent Calcagno. Lomellin. Calcagno--den Zwlften schreib' ich auf meine Gefahr, oder unser Todfeind ist vergessen. Gianettino. Ende gut, Alles gut. Joseph Verrina. Lomellin. Das war der Kopf des Wurms. (Steht auf, streut Sand, fliegt die Schrift durch, reicht sie dem Prinzen.) Der Tod gibt bermorgen prchtige Gala und hat zwlf genuesische Frsten geladen. Gianettino (tritt zum Tisch, unterzeichnet). Es ist geschehen--In zwei Tagen ist Dogewahl. Wenn die Signoria versammelt ist, werden die Zwlf auf das Signal eines Schnupftuchs mit einem pltzlichen Schu gestreckt, wenn zugleich meine zweihundert Deutsche das Rathhaus mit Sturm besetzen. Ist das vorbei, tritt Gianettino Doria in den Saal und lt sich huldigen. (Klingelt.) Lomellin. Und Andreas? Gianettino (verchtlich). Ist ein alter Mann. (Ein Bedienter.) Wenn der Herzog fragt, ich bin in der Messe. (Bedienter ab.) Der Teufel, der in mir steckt, kann nur in Heiligenmaske incognito bleiben. Lomellin. Aber das Blatt, Prinz? Gianettino. Nimmst du, lssest es durch unsre Partei circulieren. Dieser Brief mu mir Extrapost nach Levanto. Er unterrichtet den Spinola von Allem und heit ihn frh acht Uhr in der Hauptstadt hier eintreffen. (Will fort.) Lomellin. Ein Loch im Fa, Prinz! Fiesco besucht keinen Senat mehr. Gianettino (zurckrufend). Doch noch einen Meuter wird Genua haben?--Ich sorge dafr. (Ab in ein Seitenzimmer, Lomellin fort durch ein anderes.) Fnfzehnter Auftritt Vorzimmer bei Fiesco. Fiesco mit Briefen und Wechseln. Mohr. Fiesco. Also vier Galeeren sind eingelaufen. Mohr. Liegen glcklich in der Darsena vor Anker. Fiesco. Das kommt erwnscht. Woher die Expressen? Mohr. Von Rom, Piacenza und Frankreich. Fiesco (bricht die Briefe auf, fliegt sie durch). Willkommen, willkommen in Genua! (Sehr aufgerumt.) Die Kuriere werden frstlich bewirthet. Mohr. Hum! (Will gehen.) Fiesco. Halt! Halt! Hier kommt Arbeit fr dich die Flle. Mohr. Was steht zu Befehl? Die Nase des Sprers oder der Stachel des Skorpions? Fiesco. Fr jetzt des Lockvogels Schlag. Morgen frh werden zweitausend Mann verkappt zur Stadt hereinschleichen, Dienste bei mir zu nehmen. Vertheile du deine Handlanger an den Thoren herum, mit der Ordre, auf die eintretenden Passagiers ein wachsames Auge zu haben. Einige werden als ein Trupp Pilgrime kommen, die nach Loretto wallfahrten gehen, andre als Ordensbrder, oder Savoyarden, oder Komdianten, wieder andre als Krmer, oder als ein Trupp Musikanten, die meisten als abgedankte Soldaten, die genuesisches Brod essen wollen. Jeder Fremde wird ausgefragt, wo er einstellet; antwortet er: zur goldenen Schlange, so mu man ihn freundlich gren und meine Wohnung bedeuten. Hre, Kerl! aber ich baue auf deine Klugheit. Mohr. Herr! wie auf meine Bosheit. Entwischt mir ein Lock Haare, so sollt Ihr meine zwei Augen in eine Windbchse laden und Sperlinge damit schieen. (Will fort.) Fiesco. Halt! noch eine Arbeit. Die Galeeren werden der Nation scharf in die Augen stechen. Merke auf, was davon die Rede wird. Fragt dich Jemand, so hast du von Weitem murmeln gehrt, da dein Herr damit Jagd auf die Trken mache. Verstehst du? Mohr. Verstehe. Die Brte der Beschnittenen liegen oben drauf. Was im Korb ist, wei der Teufel. (Will fort.) Fiesco. Gemach. Noch eine Vorsicht. Gianettino hat neuen Grund, mich zu hassen und mir Fallen zu stellen. Geh, beobachte deine Kameraden, ob du nicht irgendwo einen Meuchelmord witterst. Doria besucht die verdchtigen Huser. Hnge dich an die Tchter der Freude. Die Geheimnisse des Cabinets stecken sich gern in die Falten eines Weiberrocks; versprich ihnen goldspeiende Kunden--versprich deinen Herrn. Nichts kann zu ehrwrdig sein, das du nicht in diesen Morast untertauchen sollst, bis du den festen Boden fhlst. Mohr. Halt! Holla! Ich habe Eingang bei einer gewissen Diana Bononi und bin gegen fnf Vierteljahr ihr Zufhrer gewesen. Vorgestern sah ich den Procurator Lomellino aus ihrem Hause kommen. Fiesco. Wie gerufen. Eben der Lomellino ist der Hauptschlssel zu allen Tollheiten Dorias. Gleich morgen frh mut du hingehen. Vielleicht ist er heute Nacht dieser keuschen Luna Endymion. Mohr. Noch ein Umstand, gndiger Herr. Wenn mich die Genueser fragen--und ich bin des Teufels! das werden sie--wenn sie mich jetzt fragen: was denkt Fiesco zu Genua?--Werdet Ihr Eure Maske noch lnger tragen, oder was soll ich antworten? Fiesco. Antworten! Wart! Die Frucht ist ja zeitig. Wehen verkndigen die Geburt--Genua liege auf dem Block, sollst du antworten, und dein Herr heie Johann Ludwig Fiesco. Mohr (sich froh streckend). Was ich anbringen will, da sich's gewaschen haben soll, bei meiner hundsfttischen Ehre!--Aber nun hell auf, Freund Hassan! In ein Weinhaus zuerst! Meine Fe haben alle Hnde voll zu thun--und mu meinen Magen caressieren, da er mir bei meinen Beinen das Wort redt. (Eilt ab, kommt aber schnell zurck.) A propos! Bald htt' ich das verplaudert. Was zwischen Eurer Frau und Calcagno vorging, habt Ihr gern wissen mgen!--Ein Korb ging vor, Herr, und Das war Alles. (Luft davon.) Sechzehnter Auftritt Fiesco bei sich. Ich bedaure, Calcagno--Meinten Sie etwa, ich wrden den empfindlichen Artikel meines Ehebetts Preis geben, wenn mir meines Weibes Tugend und mein eigener Werth nicht Handschrift genug ausgestellt htten? Doch willkommen mit dieser Schwgerschaft. Du bist ein guter Soldat. Das soll mir deinen Arm zu Dorias Untergang kuppeln!--(Mit starkem Schritt auf und nieder.) Jetzt, Doria, mit mir auf den Kampfplatz! Alle Maschinen des groen Wagestcks sind im Gang. Zum schaudernden Concert alle Instrumente gestimmt. Nichts fehlt, als die Larve herabzureien und Genuas Patrioten den Fiesco zu zeigen. (Man hrt kommen.) Ein Besuch! Wer mag mich jetzt stren? Siebzehnter Auftritt Voriger. Verrina. Romano mit einem Tableau. Sacco. Bourgognino. Calcagno. Alle verneigen sich. Fiesco (ihnen entgegen, voll Heiterkeit). Willkommen, meine wrdigen Freunde! Welche wichtige Angelegenheit fhrt Sie so vollzhlig zu mir--Du auch da, theurer Bruder Verrina? Ich wrde bald verlernt haben, dich zu kennen, wren meine Gedanken nicht fleiiger um dich, als meine Augen. War's nicht seit dem letzten Ball, da ich meinen Verrina entbehrte? Verrina. Zhl' ihm nicht nach, Fiesco. Schwere Lasten haben inde sein graues Haar gebeugt. Doch genug hievon. Fiesco. Nicht genug fr die wibegierige Liebe. Du wirst mir mehr sagen mssen, wenn wir allein sind. (Zu Bourgognino.) Willkommen, junger Held! Unsre Bekanntschaft ist noch grn, aber meine Freundschaft ist zeitig. Haben Sie Ihre Meinung von mir verbessert? Bourgognino. Ich bin auf dem Wege. Fiesco. Verrina, man sagt mir, da dieser junge Cavalier dein Tochtermann werden soll. Nimm meinen ganzen Beifall zu dieser Wahl. Ich hab' ihn nur einmal gesprochen, und doch wrd' ich stolz sein, wenn er der meinige wre. Verrina. Dieses Urtheil macht mich eitel auf meine Tochter. Fiesco (zu den Andern). Sacco? Calcagno?--Lauter seltne Erscheinungen in meinen Zimmern. Beinahe mchte ich mich meiner Dienstfertigkeit schmen, wenn Genuas edelste Zierden sie vorbergehen--Und hier begre ich einen fnften Gast, mir zwar fremd, doch empfohlen genug durch diesen wrdigen Zirkel. Romano. Es ist ein Maler schlechtweg, gndiger Herr, Romano mit Namen, der sich vom Diebstahl an der Natur ernhrt, kein Wappen hat, als seinen Pinsel, und nun gegenwrtig ist, (mit einer tiefen Verbeugung) die groe Linie zu einem Brutuskopfe zu finden. Fiesco. Ihre Hand, Romano. Ihre Meisterin ist eine Verwandte meines Hauses. Ich liebe sie brderlich. Kunst ist die rechte Hand der Natur. Diese hat nur Geschpfe, jene hat Menschen gemacht. Was malen Sie aber, Romano? Romano. Scenen aus dem nervigten Alterthum. Zu Florenz steht mein sterbender Hercules, meine Kleopatra zu Venedig, der wthende Ajax zu Rom, wo die Helden der Vorwelt--im Vatican wieder auferstehen. Fiesco. Und was ist wirklich Ihres Pinsels Beschftigung? Romano. Er ist weggeworfen, gndiger Herr. Das Licht des Genies bekam weniger Fett, als das Licht des Lebens. ber einen gewissen Punkt hinaus brennt nur die papierne Krone. Hier ist meine letzte Arbeit. Fiesco (aufgerumt). Sie knnte nicht erwnschter gekommen sein. Ich bin heute ganz ungewhnlich heiter, mein ganzes Wesen feiert eine gewisse heroische Ruhe, ganz offen fr die schne Natur. Stellen Sie Ihr Tableau auf. Ich will mir ein rechtes Fest daraus bereiten. Tretet herum, meine Freunde. Wir wollen uns ganz dem Knstler schenken. Stellen Sie Ihr Tableau auf. Verrina (winkt den Andern). Nun merket auf, Genueser! Romano (stellt das Gemlde zurecht). Das Licht mu von der Seite spielen. Ziehen Sie jenen Vorhang auf. Diesen lassen Sie fallen. Gut. (Er tritt auf die Seite.) Es ist die Geschichte der Virginia und des Appius Claudius. (Lange ausdrucksvolle Pause, worin alle die Malerei betrachten.) Verrina (in Begeisterung). Spritz zu, eisgrauer Vater!--Zuckst du, Tyrann?--Wie so bleich steht ihr Kltze Rmer--ihm nach, Rmer--das Schlachtmesser blinkt--Mir nach, Kltze Genueser--Nieder mit Doria! Nieder! nieder! (Er haut gegen das Gemlde.) Fiesco (lchelnd zum Maler.) Fordern Sie mehr Beifall? Ihre Kunst macht diesen alten Mann zum bartlosen Trumer. Verrina (erschpft). Wo bin ich? Wo sind sie hingekommen? Weg, wie Blasen? Du hier, Fiesco? Der Tyrann lebt noch, Fiesco? Fiesco. Siehst du? ber vielem Sehen hast du die Augen vergessen. Diesen Rmerkopf findest du bewundernswerth? Weg mit ihm! Hier das Mdchen blick' an! Dieser Ausdruck, wie weich, wie weiblich! Welche Anmuth auch aus den welkenden Lippen? Welche Wollust im verlschenden Blick?--Unnachahmlich! gttlich, Romano!--Und noch die weie, blendende Brust, wie angenehm noch von des Athems letzten Wellen gehoben! Mehr solche Nymphen, Romano, so will ich vor Ihren Phantasieen knieen und der Natur einen Scheidebrief schreiben. Bourgognino. Verrina, ist das deine gehoffte herrliche Wirkung? Verrina. Fasse Muth, Sohn. Gott verwarf den Arm des Fiesco, er mu auf den unsrigen rechnen. Fiesco (zum Maler). Ja, es ist Ihre letzte Arbeit, Romano. Ihr Markt ist erschpft. Sie rhren keinen Pinsel mehr an. Doch ber des Knstlers Bewunderung vergess' ich das Werk zu verschlingen. Ich knnte hier stehen und hingaffen und ein Erdbeben berhren. Nehmen Sie Ihr Gemlde weg. Sollt' ich Ihnen diesen Virginiakopf bezahlen, mt' ich Genua in Versatz geben. Nehmen Sie weg. Romano. Mit Ehre bezahlt sich der Knstler. Ich schenke es Ihnen. (Er will hinaus.) Fiesco. Eine kleine Geduld, Romano. (Er geht mit majesttischem Schritt im Zimmer und scheint ber etwas Groes zu denken. Zuweilen betrachtet er die Andern fliegend und scharf, endlich nimmt er den Maler bei der Hand, fhrt ihn vor das Gemlde.) Tritt her, Maler! (uerst stolz und mit Wrde.) So trotzig stehst du da, weil du Leben auf todten Tchern heuchelst und groe Thaten mit kleinem Aufwand verewigst. Du prahlst mit Poetenhitze, der Phantasie marklosem Marionettenspiel, ohne Herz, ohne thatenerwrmende Kraft; strzest Tyrannen auf Leinwand;--bist selbst ein elender Sklave? Machst Republiken mit einem Pinsel frei;--kannst deine eignen Ketten nicht brechen? (Voll und befehlend.) Geh! Deine Arbeit ist Gaukelwerk--der Schein weiche der That--(Mit Gre, indem er das Tableau umwirft.) Ich habe gethan, was du--nur maltest. (Alle erschttert. Romano trgt sein Tableau mit Bestrzung fort.) Achtzehnter Auftritt Fiesco. Verrina. Bourgognino. Sacco. Calcagno. Fiesco (unterbricht eine Pause des Erstaunens). Dachtet ihr, der Lwe schliefe, weil er nicht brllte? Waret ihr eitel genug, euch zu berreden, da ihr die Einzigen wret, die Genuas Ketten fhlten? die Einzigen, die sie zu zerreien wnschten? Eh ihr sie nur fern rasseln hrtet, hatte sie schon Fiesco zerbrochen. (Er ffnet die Schatulle, nimmt ein Paket Briefe heraus, die er alle ber die Tafel spreitet.) Hier Soldaten von Parma--hier franzsisches Geld--hier vier Galeeren vom Papst. Was fehlt noch, einen Tyrannen in seinem Nest aufzujagen? Was wit ihr noch zu erinnern? (Da sie alle erstarrt schweigen, tritt er von der Tafel mit Selbstgefhl.) Republikaner, ihr seid geschickter, Tyrannen zu verfluchen, als sie in die Luft zu sprengen. (Alle, auer Verrina, werfen sich sprachlos Fiesco zu Fen.) Verrina. Fiesco!--Mein Geist neigt sich vor dem deinigen--mein Knie kann es nicht--Du bist ein groer Mensch!--aber--Steht auf, Genueser. Fiesco. Ganz Genua rgerte sich an dem Weichling Fiesco. Ganz Genua fluchte ber den verbuhlten Schurken Fiesco. Genueser! Genueser! Meine Buhlerei hat den arglistigen Despoten betrogen, meine Tollheit hat eurem Frwitz meine gefhrliche Weisheit verhllt. In den Windeln der ppigkeit lag das erstaunliche Werk der Verschwrung gewickelt. Genug. Genua kennt ich in euch. Mein ungeheuerster Wunsch ist befriedigt. Bourgognino (wirft sich unmuthig in einen Sessel). Bin ich denn gar nichts mehr? Fiesco. Aber lat uns schleunig von Gedanken zu Thaten gehn. Alle Maschinen sind gerichtet. Ich kann die Stadt von Land und Wasser bestrmen. Rom, Frankreich und Parma bedecken mich. Der Adel ist schwierig. Des Pbels Herzen sind mein. Die Tyrannen hab' ich in Schlummer gesungen. Die Republik ist zu einem Umgusse zeitig. Mit dem Glck sind wir fertig. Nichts fehlt--Aber Verrina ist nachdenkend? Bourgognino. Geduld. Ich hab' ein Wrtchen, das ihn rascher aufschrecken soll, als des jngsten Tages Posaunenruf. (Er tritt zu Verrina, ruft ihm bedeutend zu.) Vater, wach' auf! Deine Bertha verzweifelt. Verrina. Wer sprach das?--Zum Werk, Genueser! Fiesco. berlegt den Entwurf zur Vollstreckung. ber dem ernsten Gesprch hat uns die Nacht berrascht. Genua liegt schlafen. Der Tyrann fllt erschpft von den Snden des Tages nieder. Wachet fr beide! Bourgognino. Eh wir scheiden, lat uns den heldenmthigen Bund durch eine Umarmung beschwren. (Sie schlieen mit verschrnkten Armen einen Kreis.) Hier wachsen Genuas fnf grte Herzen zusammen, Genuas grtes Loos zu entscheiden. (Drcken sich inniger.) Wenn der Welten Bau auseinander fllt und der Spruch des Gerichts auch die Bande des Bluts, auch der Liebe zerschneidet, bleibt dieses fnffache Heldenblatt ganz! (Treten auseinander.) Verrina. Wann versammeln wir uns wieder? Fiesco. Morgen Mittag will ich eure Meinungen sammeln. Verrina. Morgen Mittag denn. Gute Nacht, Fiesco! Bourgognino, komm! Du wirst etwas Seltsames hren. (Beide ab.) Fiesco (zu den Andern). Geht ihr zu den Hinterthoren hinaus, da Dorias Spionen nichts merken. (Alle entfernen sich.) Neunzehnter Auftritt Fiesco, der nachdenkend auf und nieder geht. Welch ein Aufruhr in meiner Brust! welche heimliche Flucht der Gedanken--Gleich verdchtigen Brdern, die auf eine schwarze That ausgehen, auf den Zehen schleichen und ihr flammroth Gesicht furchtsam zu Boden schlagen, stehlen sich die ppigen Phantome an meiner Seele vorbei--Haltet! haltet! Lat mich euch ins Angesicht leuchten--ein guter Gedanke sthlet des Mannes Herz und zeigt sich heldenmig dem Tage.--Ha! ich kenne euch!--das ist die Liverei des ewigen Lgners--verschwindet! (Wieder Pause, darauf lebhafter.) Republikaner Fiesco? Herzog Fiesco?--Gemach--Hier ist der ghe Hinuntersturz, wo die Mark der Tugend sich schliet, sich scheiden Himmel und Hlle--Eben hier haben Helden gestrauchelt, und Helden sind gesunken, und die Welt belagert ihren Namen mit Flchen--Eben hier haben Helden gezweifelt, und Helden sind still gestanden und Halbgtter geworden--(Rascher.) Da sie mein sind, die Herzen von Genua? Da von meinen Hnden dahin, dorthin sich gngeln lt das furchtbare Genua?--O ber die schlaue Snde, die einen Engel vor jeden Teufel stellt--Unglckselige Schwungsucht! uralte Buhlerei! Engel kten an deinem Halse den Himmel hinweg, und der Tod sprang aus deinem kreienden Bauche--(Sich schaudernd schttelnd.) Engel fingst du mit Sirenentrillern von Unendlichkeit--Menschen angelst du mit Gold, Weibern und Kronen! (Nach einer nachdenkenden Pause, fest.) Ein Diadem erkmpfen ist gro. Es wegwerfen ist gttlich. (Entschlossen.) Geh unter, Tyrann! Sei frei, Genua, und ich (sanft geschmolzen) dein glcklichster Brger! Dritter Aufzug Furchtbare Wildni. Erster Auftritt Verrina. Bourgognino kommen durch die Nacht. Bourgognino (steht still.)A wohin fhrst du mich, Vater? Der dumpfe Schmerz, womit du mich abriefst, keucht noch immer aus deinem arbeitenden Odem. Unterbrich dieses grauenvolle Schweigen. Rede. Ich folge nicht weiter. Verrina. Das ist der Ort. Bourgognino. Der schrecklichste, den du auffinden konntest. Vater, wenn Das, was du hier vornehmen wirst, dem Orte gleich sieht, Vater, so werden meine Haarspitzen aufwrts springen. Verrina. Doch blhet das, gegen die Nacht meiner Seele. Folge mir dahin, wo die Verwesung Leichname morsch frit, und der Tod seine schaudernde Tafel hlt--dahin, wo das Gewinsel verlorner Seelen Teufel belustigt, und des Jammers undankbare Thrnen im durchlcherten Sieb der Ewigkeit ausrinnen--dahin, mein Sohn, wo die Welt ihre Losung ndert, und die Gottheit ihr allgtiges Wappen bricht--dort will ich zu dir durch Verzerrungen sprechen, und mit Zhneklappern wirst du hren. Bourgognino. Hren? Was? ich beschwre dich. Verrina. Jngling! ich frchte--Jngling, dein Blut ist rosenroth--dein Fleisch ist milde geschmeidig; dergleichen Naturelle fhlen menschlich weich; an dieser empfindenden Flamme schmilzt meine grausame Weisheit. Htte der Frost des Alters oder der bleierne Gram den frhlichen Sprung deiner Geister gestellt--htte schwarzes, klumpigtes Blut der leidenden Natur den Weg zum Herzen gesperrt, dann wrst du geschickt, die Sprache meines Grams zu verstehen und meinen Entschlu anzustaunen. Bourgognino. Ich werde ihn hren und mein machen. Verrina. Nicht darum, mein Sohn--Verrina wird damit dein Herz verschonen. O Scipio, schwere Lasten liegen auf dieser Brust--ein Gedanke, grauenvoll, wie die lichtscheue Nacht--ungeheuer genug, eine Mannsbrust zu sprengen--Siehst du? Allein will ich ihn vollfhren--allein tragen kann ich ihn nicht. Wenn ich stolz wre, Scipio, ich knnte sagen, es ist eine Qual, der einzige groe Mann zu sein--Gre ist dem Schpfer zur Last gefallen, und er hat Geister zu Vertrauten gemacht--Hre, Scipio-Bourgognino. Meine Seele verschlingt die deinige. Verrina. Hre, aber erwiedre nichts. Nichts, junger Mensch! Hrst du? Kein Wort sollst du drauf sagen--Fiesco mu sterben! Bourgognino (mit Bestrzung). Sterben? Fiesco? Verrina. Sterben!--Ich danke dir, Gott! es ist heraus--Fiesco sterben, Sohn, sterben durch mich!--Nun geh--es gibt Thaten, die sich keinem Menschen-Urtheil mehr unterwerfen--nur den Himmel zum Schiedsmann erkennen--Das ist eine davon. Geh. Ich will weder deinen Tadel, noch deinen Beifall. Ich wei, was sie mich kostet, und damit gut. Doch hre--du knntest dich wohl gar wahnsinnig daran denken--Hre--sahest du ihn gestern in unsrer Bestrzung sich spiegeln?--Der Mann, dessen Lcheln Italien irre fhrte, wird er seines Gleichen in Genua dulden?--Geh. Den Tyrannen wird Fiesco strzen, das ist gewi! Fiesco wird Genuas gefhrlichster Tyrann werden, das ist gewisser! (Er geht schnell ab. Bourgognino blickt ihm staunend und sprachlos nach, dann folgt er ihm langsam.) Zweiter Auftritt Saal bei Fiesco. In der Mitte des Hintergrunds eine groe Glasthre, die den Prospect ber das Meer und Genua ffnet. Morgendmmerung.--Fiesco vom Fenster. Was ist das?--der Mond ist unter--Der Morgen kommt feurig aus der See--Wilde Phantasieen haben meinen Schlaf aufgeschwelgt--mein ganzes Wesen krampfig um eine Empfindung gewlzt--Ich mu mich im Offenen dehnen. (Er macht die Glasthre auf. Stadt und Meer von Morgenroth berflammt. Fiesco mit starken Schritten im Zimmer.) Da ich der grte Mann bin im ganzen Genua? und die kleineren Seelen sollten sich nicht unter die groe versammeln?--Aber ich verletze die Tugend? (steht still.) Tugend?--Der erhabene Kopf hat andre Versuchungen, als der gemeine--Sollt' er Tugend mit ihm zu theilen haben?--Der Harnisch, der des Pygmen schmchtigen Krper zwingt, sollte der einem Riesenleib anpassen mssen? Die Sonne geht auf ber Genua. Diese majesttische Stadt! (Mit offenen Armen dagegen eilend.) Mein! --und drber emporzuflammen, gleich dem kniglichen Tag--drber zu brten mit Monarchenkraft--all die kochenden Begierden--all die nimmersatten Wnsche in diesem grundlosen Ocean unterzutauchen?-- Gewi! Wenn auch des Betrgers Witz den Betrug nicht adelt, so adelt doch der Preis den Betrger. Es ist schimpflich, eine Brse zu leeren--es ist frech, eine Million zu veruntreuen, aber es ist namenlos gro, eine Krone zu stehlen. Die Schande nimmt ab mit der wachsenden Snde. (Pause, dann mit Ausdruck.) Gehorchen!-- Herrschen!--ungeheure schwindlichte Kluft--Legt Alles hinein, was der Mensch Kostbares hat--eure gewonnenen Schlachten, Eroberer-- Knstler, eure unsterblichen Werke--eure Wollste, Epikure--eure Meere und Inseln, ihr Weltumschiffer! Gehorchen und Herrschen!-- Sein und Nichtsein! Wer ber den schwindlichten Graben vom letzten Seraph zum Unendlichen setzt, wird auch diesen Sprung ausmessen. (Mit erhabenem Spiel.) Zu stehen in jener schrecklich erhabenen Hhe--niederzuschmollen in der Menschlichkeit reienden Strudel, wo das Rad der blinden Betrgerin Schicksale schelmisch wlzt-- den ersten Mund am Becher der Freude--tief unten den geharnischten Riesen Gesetz am Gngelbande zu lenken--schlagen zu sehen unvergoltene Wunden, wenn sein kurzarmiger Grimm an das Gelnder der Majestt ohnmchtig poltert--die unbndigen Leidenschaften des Volks, gleich so viel strampfenden Rossen, mit dem weichen Spiele des Zgels zu zwingen--den emporstrebenden Stolz der Vasallen mit einem--einem Athemzug in den Staub zu legen, wenn der schpferische Frstenstab auch die Trume des frstlichen Fiebers ins Leben schwingt.--Ha! welche Vorstellung, die den staunenden Geist ber seine Linien wirbelt!--Ein Augenblick Frst hat das Mark des ganzen Daseins verschlungen. Nicht der Tummelplatz des Lebens--sein Gehalt bestimmt seinen Werth. Zerstcke den Donner in seine einfachen Silben, und du wirst Kinder damit in den Schlummer singen; schmelze sie zusammen in einen pltzlichen Schall, und der monarchische Laut wird den ewigen Himmel bewegen--Ich bin entschlossen! (Heroisch auf und nieder.) Dritter Auftritt Voriger. Leonore tritt herein mit merklicher Angst. Leonore. Vergeben Sie, Graf. Ich frchte, Ihre Morgenruhe zu stren. Fiesco (tritt hchst betreten zurck.) Gewi, gndige Frau, Sie berraschen mich seltsam. Leonore. Das begegnet nur den Liebenden nie. Fiesco. Schne Grfin, Sie verrathen Ihre Schnheit an den feindlichen Morgenhauch. Leonore. Auch wt' ich nicht, warum ich den wenigen Rest fr den Gram schonen sollte. Fiesco. Gram, meine Liebe? Stand ich bisher im Wahn, Staaten nicht umwhlen wollen, hiee Gemthsruhe? Leonore. Mglich--Doch fhl' ich, da meine Weiberbrust unter dieser Gemthsruhe bricht. Ich komme, mein Herr, Sie mit einer nichtsbedeutenden Bitte zu belstigen, wenn Sie Zeit fr mich wegwerfen mchten. Seit sieben Monaten hatt' ich den seltsamen Traum, Grfin von Lavagna zu sein. Er ist verflogen. Der Kopf schmerzt mir davon. Ich werden den ganzen Genu meiner unschuldigen Kindheit zurckrufen mssen, meine Geister von diesem lebhaften Phantome zu heilen. Erlauben Sie darum, da ich in die Arme meiner guten Mutter zurckkehre? Fiesco (uerst bestrzt). Grfin? Leonore. Es ist ein schwaches, verzrteltes Ding, mein Herz, mit dem Sie Mitleiden haben mssen. Auch die geringsten Andenken des Traums knnten meiner kranken Einbildung Schaden thun. Ich stelle dewegen die letzten berbliebenen Pfnder ihrem rechtmigen Besitzer zurck. (Sie legt einige Galanterieen auf ein Tischchen.) Auch diesen Dolch, der mein Herz durchfuhr--(seinen Liebesbrief) auch diesen--und (indem sie sich laut weinend hinausstrzen will) behalte nichts, als die Wunde! Fiesco (erschttert, eilt ihr nach, hlt sie auf). Leonore! Welch ein Auftritt! Um Gotteswillen! Leonore (fllt matt in seinen Arm). Ihre Gemahlin zu sein, hab' ich nicht verdient, aber Ihre Gemahlin htte Achtung verdient--Wie sie jetzt zischen, die Lsterzungen! Wie sie auf mich herabschielen, Genuas Damen und Mdchen! Seht, wie sie wegblht, die Eitle, die den Fiesco heirathete.--Grausame Ahndung meiner weiblichen Hoffart! Ich hatte mein ganzes Geschlecht verachtet, da mich Fiesco zum Brautaltar fhrte. Fiesco. Nein, wirklich, Madonna! dieser Auftritt ist sonderbar. Leonore. Ah, erwnscht. Er wird bla und roth. Jetzt bin ich muthig. Fiesco. Nur zwei Tage, Grfin, und dann richten Sie mich. Leonore. Aufgeopfert!--La mich es nicht vor dir aussprechen, jungfruliches Licht! Aufgeopfert einer Buhlerin. Nein, sehen Sie mich an, mein Gemahl! Wahrhaftig, die Augen, die ganz Genua in knechtisches Zittern jagen, mssen sich jetzt vor den Thrnen eines Weibes verkriechen.-Fiesco (uerst verwirrt). Nicht mehr, Signora. Nicht weiter. Leonore (mit Wehmuth und etwas bitter). Ein schwaches Weiberherz zu zerfleischen! O es ist des starken Geschlechts so wrdig.--Ich warf mich in die Arme dieses Mannes. An diesen Starken schmiegten sich wollstig alle meine weiblichen Schwchen. Ich bergab ihm meinen ganzen Himmel--Der gromthige Mann verschenkte ihn an eine-Fiesco (strzt ihr mit Heftigkeit ins Wort). Meine Leonore! nein-Leonore. Meine Leonore?--Himmel, habe Dank! das war wieder echter Goldklang der Liebe. Hassen sollt' ich dich, Falscher, und werfe mich hungrig auf die Brosamen deiner Zrtlichkeit--Hassen? Sagte ich hassen, Fiesco? O glaub' es nicht! Sterben lehrt mich dein Meineid, aber nicht hassen. Mein Herz ist betrogen. (Man hrt den Mohren.) Fiesco. Leonore, erfllen Sie mir eine kleine kindische Bitte. Leonore. Alles, Fiesco, nur nicht Gleichgltigkeit. Fiesco. Was Sie wollen, wie Sie wollen--(Bedeutend.) Bis Genua um zwei Tage lter ist, fragen Sie nicht, verdammen Sie nicht! (Er fhrt sie mit Anstand in ein anderes Zimmer.) Vierter Auftritt Mohr keuchend. Fiesco. Fiesco. Woher so in Athem? Mohr. Geschwind, gndiger Herr-Fiesco. Ist was ins Garn gelaufen? Mohr. Lest diesen Brief. Bin ich denn wirklich da? Ich glaube, Genua ist um zwlf Gassen krzer worden, oder meine Beine um so viel lnger. Ihr verblat? Ja, um Kpfe werden sie karten, und der Eure ist Tarock. Wie gefllt's Euch? Fiesco (wirft den Brief erschttert auf den Tisch). Krauskopf und zehn Teufel! wie kommst zu diesem Brief? Mohr. Ungefhr wie--Euer Gnaden zur Republik. Ein Expresser sollte damit nach Levanto fliegen! Ich wittre den Fra, laure dem Burschen in einem Hohlweg auf. Baff, liegt der Marder--wir haben das Huhn. Fiesco. Sein Blut ber dich! Der Brief ist nicht mit Gold zu bezahlen. Mohr. Doch dank' ich fr Silber. (Ernsthaft und wichtig.) Graf von Lavagna! Ich habe neulich einen Gelust nach Eurem Kopf gehabt. (Indem er auf den Brief deutet.) Hier wr' er wieder--Jetzt, denk' ich, wren gndiger Herr und Halunke quitt. Frs Weitere knnt Ihr Euch beim guten Freund bedanken. (Reicht ihm einen zweiten Zettel.) Numero zwei. Fiesco (nimmt das Blatt mit Erstaunen). Wirst du toll sein? Mohr. Numero zwei. (Er stellt sich trotzig neben ihn, stemmt den Ellenbogen an.) Der Lwe hat's doch so dumm nicht gemacht, da er die Maus pardonnierte? (Arglistig.) Gelt! er hat's schlau gemacht, wer htt ihn auch sonst aus dem Garne genagt?--Nun? Wie behagt Euch das? Fiesco. Kerl, wie viel Teufel besoldest du? Mohr. Zu dienen--nur einen, und der steht in grflichem Futter. Fiesco. Dorias eigene Unterschrift!--Wo bringst du das Blatt her? Mohr. Warm aus den Hnden meiner Bononi. Ich machte mich noch die gestrige Nacht dahin, lie Eure schnen Worte und Eure noch schnern Zechinen klingen. Die letzten drangen durch. Frh sechs sollt' ich wieder anfragen. Der Graf war richtig dort, wie Ihr sagtet, und bezahlte mit Schwarz und Wei das Weggeld zu einem contrebandenen Himmelreich. Fiesco (aufgebracht). ber die feilen Weiberknechte!--Republiken wollen sie strzen, knnen keiner Metze nicht schweigen. Ich sehe aus diesen Papieren, da Doria und sein Anhang Komplott gemacht haben, mich mit eilf Senatoren zu ermorden und Gianettino zum souvernen Herzog zu machen. Mohr. Nicht anders, und das schon am Morgen der Dogewahl, dem dritten des Monats. Fiesco (rasch.) Unsere flinke Nacht soll diesen Morgen in Mutterleibe erwrgen--Geschwind, Hassan--meine Sachen sind reif--Rufe die Andern--wir wollen ihnen einen blutigen Vorsprung machen--Tummle dich, Hassan! Mohr. Noch mu ich Euch meinen Schubsack von Zeitungen strzen. Zweitausend Mann sind glcklich hereinprakticiert. Ich habe sie bei den Kapuzinern untergebracht, wo auch kein vorlauter Sonnenstrahl sie ausspionieren soll. Sie brennen vor Neugier, ihren Herrn zu sehen, und es sind treffliche Kerl. Fiesco. Aus jedem Kopf blht ein Scudi fr dich--Was murmelt Genua zu meinen Galeeren? Mohr. Das ist ein Hauptspa, gndiger Herr. ber die vierhundert Abenteurer, die der Friede zwischen Frankreich und Spanien auf den Sand gesetzt hat, nisteten sich an meine Leute und bestrmten sie, ein gutes Wort fr sie bei Euch einzulegen, da Ihr sie gegen die Unglubigen schicken mgt. Ich habe sie auf den Abend zu Euch in den Schlohof beschieden. Fiesco (froh.) Bald sollt' ich dir um den Hals fallen, Schurke! Ein Meisterstreich! Vierhundert, sagst du?--Genua ist nicht mehr zu retten. Vierhundert Scudi sind dein. Mohr (treuherzig.) Gelt, Fiesco? Wir Zwei wollen Genua zusammenschmeien, da man die Gesetze mit dem Besen aufkehren kann--Das hab' ich Euch nie gesagt, da ich unter der hiesigen Garnison meine Vgel habe, auf die ich zhlen kann, wie auf meine Hllenfahrt. Nun hab' ich veranstaltet, da wir auf jedem Thor wenigstens sechs Creaturen unter der Wache haben, die genug sind, die Andern zu beschwtzen und ihre fnf Sinne unter Wein zu setzen. Wenn Ihr also Lust habt, diese Nacht einen Streich zu wagen, so findet Ihr die Wachen besoffen. Fiesco. Rede nichts mehr. Bis jetzt hab' ich den ungeheuren Quader ohne Menschenhilfe gewlzt; hart am Ziel soll mich der schlechteste Kerl in der Rundung beschmen?--Deine Hand, Bursche! Was dir der Graf schuldig bleibt, wird der Herzog hereinholen. Mohr. berdies noch ein Billet von der Grfin Imperiali. Sie winkte mir von der Gasse hinauf, war sehr gndig, fragte mich spttelnd, ob die Grfin von Lavagna keinen Anfall von Gelbsucht gehabt htte? Euer Gnaden, sagt' ich, fragen nur einem Befinden nach, sagt' ich-Fiesco (hat das Billet gelesen und wirft es weg). Sehr gut gesagt; sie antwortete? Mohr. Antwortete, sie bedaure dennoch das Schicksal der armen Wittwe, erbiete sich auch, ihr Genugthuung zu geben und Euer Gnaden Galanterieen knftig zu verbitten. Fiesco (hmisch). Welche sich wohl noch vor Welt-Untergang aufheben drften--Das die ganze Erheblichkeit, Hassan? Mohr (boshaft). Gndiger Herr, Angelegenheiten der Damen sind es zunchst nach den politischen-Fiesco. O ja freilich, und diese allerdings. Aber was willst du mit diesem Papierchen? Mohr. Eine Teufelei mit einer andern auskratzen--Diese Pulver gab mir Signora, Eurer Frau tglich eins in die Chocolade zu rhren. Fiesco (tritt bla zurck). Gab dir? Mohr. Donna Julia, Grfin Imperiali. Fiesco (reit ihm solche weg, heftig). Lgst du, Canaille, lass' ich dich lebendig an den Wetterhahn vom Lorenzothurm schmieden, wo dich der Wind in einem Athemzug neunmal herumtreibt--die Pulver? Mohr (ungeduldig). Soll ich Eurer Frau in der Chocolade zu saufen geben, verordnete Donna Julia Imperiali. Fiesco (auer Fassung). Ungeheuer! Ungeheuer!--dieses holdselige Geschpf?--Hat so viel Hlle in einer Frauenzimmerseele Platz?--Doch, ich verga dir zu danken, himmlische Vorsicht, die du es nichtig machst--nichtig durch einen rgeren Teufel. Deine Wege sind sonderbar. (Zum Mohren.) Du versprichst, zu gehorchen, und schweigst. Mohr. Sehr wohl. Das Letzte kann ich, sie bezahlte mir's baar. Fiesco. Dieses Billet ladet mich zu ihr--Ich will kommen, Madame! Ich will Sie beschwtzen, bis Sie hieher folgen. Gut. Du eilst nunmehr, was du eilen kannst, rufst die ganze Verschwrung zusammen. Mohr. Diesen Befehl hab' ich vorausgewittert und darum Jeden auf meine Faust Punkt zehn Uhr hieher bestellt. Fiesco. Ich hre Tritte. Sie sind's. Kerl, du verdientest deinen eigenen Galgen, wo noch kein Sohn Adams gezappelt hat. Geh ins Vorzimmer, bis ich lute. Mohr (im Abgehen). Der Mohr hat seine Arbeit gethan, der Mohr kann gehen. (Ab.) Fnfter Auftritt Alle Verschwornen. Fiesco (ihnen entgegen). Das Wetter ist im Anzug. Die Wolken laufen zusammen. Tretet leis auf! Lat beide Schlsser vorfallen! Verrina. Acht Zimmer hinter uns hab' ich zugeriegelt; der Argwohn kann auf hundert Mannsschritte nicht beikommen. Bourgognino. Hier ist kein Verrther, wenn's unsre Furcht nicht wird. Fiesco. Furcht kann nicht ber meine Schwelle. Willkommen, wer noch der Gestrige ist. Nehmt eure Pltze. (Setzen sich.) Bourgognino (spaziert im Zimmer). Ich sitze ungern, wenn ich ans Umreien denke. Fiesco. Genueser, das ist eine merkwrdige Stunde. Verrina. Du hast uns aufgefordert, einem Plan zum Tyrannenmord nachzudenken. Frage uns. Wir sind da, dir Rede zu geben. Fiesco. Zuerst also--eine Frage, die spt genug kommt, um seltsam zu klingen--Wer soll fallen? (Alle schweigen.) Bourgognino (indem er sich ber Fiescos Sessel lehnt, bedeutend). Die Tyrannen. Fiesco. Wohlgesprochen, die Tyrannen. Ich bitte euch, gebt genau Acht auf die ganze Schwere des Worts. Wer die Freiheit zu strzen Miene macht, oder Gewicht hat?--Wer ist mehr Tyrann? Verrina. Ich hasse den Ersten, den Letzten frchte ich. Andreas Doria falle! Calcagno (in Bewegung). Andreas, der abgelebte Andreas, dessen Rechnung mit der Natur vielleicht bermorgen zerfallen ist? Sacco. Andreas, der sanftmthige Alte? Fiesco. Furchtbar ist dieses alten Mannes Sanftmuth, mein Sacco! Gianettinos Tolltrotz nur lcherlich. Andreas Doria falle! das sprach deine Weisheit, Verrina. Bourgognino. Ketten von Stahl oder Seide--es sind Ketten, und Andreas Doria falle! Fiesco (zum Tisch gehend). Also den Stab gebrochen ber Onkel und Neffen! Unterzeichnet! (Alle unterschreiben.) Das Wer? ist berichtigt. (Setzen sich wieder.) Nun zum gleich merkwrdigen Wie?--Reden Sie zuerst, Freund Calcagno. Calcagno. Wir fhren es aus wie Soldaten oder wie Meuter. Jenes ist gefhrlich, weil es uns zwingt, viele Mitwisser zu haben, gewagt, weil die Herzen der Nation noch nicht ganz gewonnen sind--diesem sind fnf gute Dolche gewachsen. In drei Tagen ist hohe Messe in der Lorenzokirche. Beide Doria halten dort ihre Andacht. In der Nhe des Allerhchsten entschlft auch Tyrannenangst. Ich sagte Alles. Fiesco (abgewandt). Calcagno--abscheulich ist Ihre vernnftige Meinung--Raphael Sacco? Sacco. Calcagnos Grnde gefallen mir, seine Wahl emprt. Besser, Fiesco lt Oheim und Neffen zu einem Gastmahle laden, wo sie dann, zwischen den ganzen Groll der Republik gepret, die Wahl haben, den Tod entweder an unsern Dolchen zu essen, oder in gutem Cyprier Bescheid zu thun. Wenigstens bequem ist diese Methode. Fiesco (mit Entsetzen). Sacco, und wenn der Tropfe Wein, den ihre sterbende Zunge kostet, zum siedenden Pech wird, ein Vorschmack der Hlle--Wie dann, Sacco?--Weg mit diesem Rath! Sprich du, Verrina. Verrina. Ein offenes Herz zeigt eine offene Stirn. Meuchelmord bringt uns in jedes Banditen Brderschaft. Das Schwert in der Hand deutet den Helden. Meine Meinung ist, wir geben laut das Signal des Aufruhrs, rufen Genuas Patrioten strmend zur Rache auf. (Er fhrt vom Sessel. Die Andern folgen. Bourgognino wirft sich ihm um den Hals.) Bourgognino. Und zwingen mit gewaffneter Hand dem Glck eine Gunst ab? Das ist die Stimme der Ehre und die meinige. Fiesco. Und die meinige. Pfui, Genueser! (Zu Calcagno und Sacco.) Das Glck hat bereits schon zu viel fr uns gethan, wir mssen uns selbst auch noch Arbeit geben--Also Aufruhr, und den noch diese Nacht, Genueser! (Verrina, Bourgognino erstaunen. Die Andern erschrecken.) Calcagno. Was? noch diese Nacht? Noch sind die Tyrannen zu mchtig, noch unser Anhang zu dnne. Sacco. Diese Nacht noch? und es ist nichts gethan, und die Sonne geht schon bergunter? Fiesco. Eure Bedenklichkeiten sind sehr gegrndet, aber lest diese Bltter. (Er reicht ihnen die Handschriften Gianettinos und geht, inde sie neugierig lesen, hmisch auf und nieder.) Jetzt fahre wohl, Doria, schner Stern! Stolz und vorlaut standst du da, als httest du den Horizont von Genua verpachtet, und sahest doch, da auch die Sonne den Himmel rumt und das Scepter der Welt mit dem Monde theilt. Fahre wohl, Doria, schner Stern! Auch Patroklus ist gestorben, Und war mehr als du. Bourgognino (nachdem sie die Bltter gelesen). Das ist grlich! Calcagno. Zwlf auf einen Schu! Verrina. Morgen in der Signoria! Bourgognino. Gebt mir die Zettel. Ich reite spornstreichs durch Genua, halte sie so, so werden die Steine hinter mir springen und die Hunde Zetermordio heulen. Alle. Rache! Rache! Rache! Diese Nacht noch! Fiesco. Da seid ihr, wo ich euch wollte. Sobald es Abend wird, will ich die vornehmsten Mivergngten zu einer Lustbarkeit bitten; nmlich alle, die auf Gianettinos Mordliste stehen, und noch berdies die Sauli, die Gentili, Vivaldi und Vesodimari, alle Todfeinde des Hauses Doria, die der Meuchelmrder zu frchten verga. Sie werden meinen Anschlag mit offenen Armen umfassen, daran zweifle ich nicht. Bourgognino. Daran zweifl' ich nicht. Fiesco. Vor Allem mssen wir uns des Meers versichern. Galeeren und Schiffsvolk hab' ich. Die zwanzig Schiffe der Doria sind unbetakelt, unbemannt, leicht berrumpelt. Die Mndung der Darsena wird gestopft, alle Hoffnung zur Flucht verriegelt. Haben wir den Hafen, so liegt Genua an Ketten. Verrina. Unleugbar. Fiesco. Dann werden die festen Pltze der Stadt erobert und besetzt. Der wichtigste ist das Thomasthor, das zum Hafen fhrt und unsere Seemacht mit der Landmacht verknpft. Beide Doria werden in ihren Palsten berfallen, ermordet. In allen Gassen wird Lrm geschlagen; die Sturmglocken werden gezogen, die Brger herausgerufen, unsere Partei zu nehmen und Genuas Freiheit zu verfechten. Begnstiget uns das Glck, so hrt ihr in der Signoria das Weitere. Verrina. Der Plan ist gut. La sehen, wie wir die Rollen vertheilen. Fiesco (bedeutend). Genueser, ihr stelltet mich freiwillig an die Spitze des Komplotts. Werdet ihr auch meinen weiteren Befehlen gehorchen? Verrina. So gewi sie die besten sind. Fiesco. Verrina, weit du das Wrtchen unter der Fahne?--Genueser, sagt's ihm, es heit Subordination! Wenn ich nicht diese Kpfe drehen kann, wie ich eben will--versteht mich ganz--wenn ich nicht der Souvern der Verschwrung bin, so hat sie auch ein Mitglied verloren. Verrina. Ein freies Leben ist ein paar knechtische Stunden werth--Wir gehorchen. Fiesco. So verlat mich jetzt. Einer von euch wird die Stadt visitieren und mir von der Strke und Schwche der festen Pltze Rapport machen. Ein Anderer erforscht die Parole. Ein Dritter bemannt die Galeeren. Ein Vierter wird die zweitausend Mann nach meinem Schlohof befrdern. Ich selbst werde auf den Abend Alles berichtigt haben und noch berdies, wenn das Glck will, die Bank im Pharao sprengen. Schlag neun Uhr ist Alles im Schlo, meine letzten Befehle zu hren. (Klingelt.) Verrina. Ich nehme den Hafen auf mich. (Ab.) Bourgognino. Ich die Soldaten. (Auch ab.) Calcagno. Die Parole will ich ablauern. (Ab.) Sacco. Ich die Runde durch Genua machen. (Ab.) Sechster Auftritt Fiesco. Darauf der Mohr. Fiesco (hat sich an ein Pult gesetzt und schreibt). Schlugen sie nicht um gegen das Wrtchen Subordination, wie die Raupe gegen die Nadel?--Aber es ist zu spt, Republikaner! Mohr (kommt). Gndiger Herr-Fiesco (steht auf, gibt ihm einen Zettel). Alle, deren Namen auf diesem Blatt stehen, ladest du zu einer Komdie auf die Nacht. Mohr. Mitzuspielen vermuthlich. Die Entre wird die Gurgel kosten. Fiesco (fremd und verchtlich). Wenn das bestellt ist, will ich dich nicht lnger in Genua aufhalten. (Er geht und lt eine Goldbrse hinter sich fallen.) Das sei deine letzte Arbeit. (Geht ab.) Siebenter Auftritt Mohr hebt den Beutel langsam von der Erde, indem er ihm stutzig nachblickt. Stehn wir so miteinander? Will ich dich nicht mehr in Genua aufhalten. Das heit aus dem Christlichen in mein Heidenthum verdolmetscht: Wenn ich Herzog bin, lass' ich den guten Freund an einen genuesischen Galgen hngen. Gut. Er besorgt, weil ich um seine Schliche wei, werd' ich seine Ehre ber mein Maul springen lassen, wenn er Herzog ist. Sachte, Herr Graf! das Letzte wre noch zu berlegen. Jetzt, alter Doria, steht mir deine Haut zu Befehl.--Hin bist du, wenn ich dich nicht warne. Wenn ich jetzt hingehe und das Komplott angebe, rett' ich dem Herzog von Genua nichts Geringeres, als ein Leben und ein Herzogthum; nichts Geringers, als dieser Hut, von Gold gestrichen voll, kann sein Dank sein. (Er will fort, bleibt aber pltzlich still stehn.) Aber sachte, Freund Hassan! Du bist etwa gar auf der Reise nach einem dummen Streich? Wenn die ganze Todtschlgerei jetzt zurckging' und daraus gar etwas Gutes wrde?--Pfui! pfui! was will mir mein Geiz fr einen Teufelsstreich spielen!--Was stiftet greres Unheil: wenn ich diesen Fiesco prelle?--wenn ich jenen Doria an das Messer liefre?--Das klgelt mir aus, meine Teufel!--Bringt der Fiesco es hinaus, kann Genua aufkommen. Weg! das kann nicht sein. Schlpft dieser Doria durch, bleibt Alles wie vor, und Genua hat Frieden--das wre noch garstiger!--Aber das Spektakel, wenn die Kpfe der Rebellen in die Garkche des Henkers fliegen? (Auf die andere Seite.) Aber das lustige Gemetzel dieser Nacht, wenn Ihre Durchlauchten am Pfiff eines Mohren erwrgen? Nein! aus diesem Wirrwarr helf' sich ein Christ, dem Heiden ist das Rthsel zu spitzig--Ich will einen Gelehrten fragen. (Ab.) Achter Auftritt Saal bei der Grfin Imperiali. Julia im Neglig. Gianettino tritt herein, zerstrt. Gianettino. Guten Abend, Schwester. Julia (steht auf). Etwas Auerordentliches mag es auch sein, das den Kronprinzen von Genua zu seiner Schwester fhrt? Gianettino. Schwester, bist du doch stets von Schmetterlingen umschwrmt und ich von Wespen. Wer kann abkommen? Setzen wir uns. Julia. Du machst mich bald ungeduldig. Gianettino. Schwester, wann war's das letztemal, da dich Fiesco besuchte? Julia. Seltsam. Als wenn mein Gehirn dergleichen Nichtigkeiten beherbergte. Gianettino. Ich mu es durchaus wissen. Julia. Nun--er war gestern da. Gianettino. Und zeigte sich offen? Julia. Wie gewhnlich. Gianettino. Auch noch der alte Phantast? Julia (beleidigt). Bruder! Gianettino (mir strkerer Stimme). Hre! Auch noch der alte Phantast? Julia (steht aufgebracht auf). Wofr halten Sie mich, Bruder? Gianettino (bleibt sitzen, hmisch). Fr ein Stck Weiberfleisch, in einen groen--groen Adelsbrief gewickelt. Unter uns, Schwester, weil doch Niemand auflauert. Julia (hitzig). Unter uns--Sie sind ein tolldreister Affe, der auf dem Credit seines Onkels steckenreitet--weil doch Niemand auflauert. Gianettino. Schwesterchen, Schwesterchen! Nicht bse--Ich bin nur lustig, weil Fiesco noch der alte Phantast ist. Das hab' ich wissen wollen. Empfehl' mich. (Will gehen.) Neunter Auftritt Lomellin kommt. Lomellin (kt der Julia die Hand). Verzeihung fr meine Dreistigkeit, gndige Frau. (Zum Gianettino gekehrt.) Gewisse Dinge, die sich nicht aufschieben lassen-Gianettino (nimmt ihn bei Seite. Julia tritt zornig zu einem Flgel und spielt ein Allegro). Alles angeordnet auf morgen? Lomellin. Alles! Prinz. Aber der Kurier, der heute frh nach Levanto flog, ist nicht wieder zurck. Auch Spinola ist nicht da. Wenn er aufgefangen wre!--Ich bin in hchster Verlegenheit. Gianettino. Besorge nichts. Du hast doch die Liste bei der Hand? Lomellin (betreten). Gndiger Herr--die Liste--ich wei nicht--ich werde sie in meiner gestrigen Rocktasche liegen haben-Gianettino. Auch gut. Wr' nur Spinola zurck. Fiesco wird morgen frh todt im Bette gefunden. Ich hab' die Anstalt gemacht. Lomellin. Aber frchterlich Aufsehen wird's machen. Gianettino. Das eben ist unsre Sicherheit, Bursche. Alltagsverbrechen bringen das Blut des Beleidigten in Wallung, und Alles kann der Mensch. Auerordentliche Frevel machen es vor Schrecken gefrieren, und der Mensch ist nichts. Weit du das Mrchen mit dem Medusakopf? Der Anblick macht Steine--Was ist nicht gethan, Bursche, bis Steine erwarmen. Lomellin. Haben Sie der gndigen Frau einen Wink gegeben? Gianettino. Pfui doch! die mu man des Fiesco wegen delicater behandeln. Doch, wenn sie erst die Frchte verschmeckt, wird sie die Unkosten verschmerzen. Komm! ich erwarte diesen Abend noch Truppen von Mailand und mu an den Thoren die Ordre geben. (Zur Julia.) Nun, Schwester, hast du deinen Zorn bald verklimpert? Julia. Gehen Sie! Sie sind ein wilder Gast. (Gianettino will hinaus und stt auf Fiesco.) Zehnter Auftritt Fiesco kommt. Gianettino (zurckfahrend). Ha! Fiesco (zuvorkommend, verbindlich). Prinz, Sie berheben mich eines Besuchs, den ich mir eben vorbehalten hatte-Gianettino. Auch mir, Graf, konnte nichts Erwnschters als Ihre Gesellschaft begegnen. Fiesco (tritt zu Julien, kt ihr respectvoll die Hand). Man ist es bei Ihnen gewohnt, Signora, immer seine Erwartungen bertroffen zu sehen. Julia. Pfui doch, das wrde bei einer Andern zweideutig lauten--Aber ich erschrecke an meinem Neglig. Verzeihen Sie, Graf. (Will in ihr Kabinet fliegen.) Fiesco. O bleiben Sie, schne gndige Frau! Das Frauenzimmer ist nie so schn, als im Schlafgewand, (lchelnd) es ist die Tracht seines Gewerbes--Diese hinaufgezwungenen Haare--Erlauben Sie, da ich sie ganz durcheinander werfe. Julia. Da ihr Mnner so gerne verwirret! Fiesco (unschuldig gegen Gianettino). Haare und Republiken! Nicht wahr, das gilt uns gleichviel?--Und auch dieses Band ist falsch angeheftet--Setzen Sie sich, schne Grfin--Augen zu betrgen versteht Ihre Laura, aber nicht Herzen--Lassen Sie mich Ihre Kammerfrau sein. (Sie setzt sich, er macht ihr den Anzug zurecht.) Gianettino (zupft den Lomellin). Der arme, sorglose Wicht! Fiesco (an Juliens Busen beschftigt). Sehen Sie--dieses verstecke ich weislich. Die Sinne mssen immer nur blinde Brieftrger sein und nicht wissen, was Phantasie und Natur mit einander abzukarten haben. Julia. Das ist leichtfertig. Fiesco. Ganz und gar nicht, denn, sehen Sie, die beste Neuigkeit verliert, sobald sie Stadtmrchen wird--Unsre Sinne sind nur die Grundsuppe unsrer innern Republik. Der Adel lebt von ihnen, aber erhebt sich ber ihren platten Geschmack. (Er hat sie fertig gemacht und fhrt sie vor den Spiegel.) Nun, bei meiner Ehre! dieser Anzug mu morgen Mode in Genua sein. (Fein.) Darf ich Sie so durch die Stadt fhren, Grfin? Julia. ber den verschlagenen Kopf! Wie knstlich er's anlegte, mich in seinen Willen hineinzulgen! Aber ich habe Kopfweh und werde zu Hause bleiben. Fiesco. Verzeihen Sie, Grfin--das knnen Sie, wie Sie wollen, aber Sie wollen es nicht--Diesen Mittag ist eine Gesellschaft florentinischer Schauspieler hier angekommen und hat sich erboten, in meinem Palaste zu spielen--Nun hab' ich nicht verhindern knnen, da die meisten Edeldamen der Stadt Zuschauerinnen sein werden, welches mich uerst verlegen macht, weil ich die vornehmste Loge besetzen soll, ohne meinen empfindlichen Gsten eine Sottise zu machen. Noch ist nur ein Ausweg mglich. (Mit einer tiefen Verbeugung.) Wollen Sie so gndig sein, Signora? Julia (wird roth und geht schleunig ins Kabinet). Laura! Gianettino (tritt zu Fiesco). Graf, Sie erinnern sich einer unangenehmen Geschichte, die neulich zwischen uns Beiden vorfiel-Fiesco. Ich wnschte, Prinz, wir vergen sie Beide--Wir Menschen handeln gegen uns, wie wir uns kennen, und wessen Schuld ist's, als die meinige, da mich mein Freund Doria nicht ganz gekannt hat? Gianettino. Wenigstens werd' ich nie daran danken, ohne Ihnen von Herzen Abbitte zu thun-Fiesco. Und ich nie, ohne Ihnen von Herzen zu vergeben--(Julia kommt etwas umgekleidet zurck.) Gianettino. Eben fllt es mir bei, Graf, Sie lassen ja gegen die Trken kreuzen? Fiesco. Diesen Abend werden die Anker gelichtet--Ich bin eben darum in einiger Besorgni, woraus mich die Geflligkeit meines Freundes Doria reien knnte. Gianettino (uerst hflich). Mit allem Vergngen!--Befehlen Sie ber meinen ganzen Einflu! Fiesco. Der Vorgang drfte gegen Abend einigen Auflauf gegen den Hafen und meinen Palast verursachen, welchen der Herzog, Ihr Oheim, mideuten knnten-Gianettino (treuherzig). Lassen Sie mich dafr sorgen. Machen Sie immer fort, und ich wnsche Ihnen viel Glck zur Unternehmung. Fiesco (schmollt). Ich bin Ihnen sehr verbunden. Eilfter Auftritt Vorige. Ein Deutscher der Leibwache. Gianettino. Was soll's? Deutscher. Als ich das Thomasthor vorbeiging, sah ich gewaffnete Soldaten in groer Anzahl der Darsena zueilen und die Galeeren des Grafen von Lavagna segelfertig machen-Gianettino. Nichts Wichtigers? Es wird nicht weiter gemeldet. Deutscher. Sehr wohl. Auch aus den Klstern der Kapuziner wimmelt verdchtiges Gesindel und schleicht ber den Markt; Gang und Ansehen lassen vermuthen, da es Soldaten sind. Gianettino (zornig). ber den Diensteifer eines Dummkopfs! (Zu Lomellin zuversichtlich.) Das sind meine Mailnder. Deutscher. Befehlen Euer Gnaden, da sie arretiert werden sollen? Gianettino (laut zu Lomellin). Sehen Sie nach, Lomellin. (Wild zum Deutschen.) Nur fort, es ist gut! (Zu Lomellin.) Bedeuten Sie dem deutschen Ochsen, da er das Maul halten soll. (Lomellin ab mit dem Deutschen.) Fiesco (der bisher mit Julien getndelt und verstohlen herbergeschielt hatte). Unser Freund ist verdrielich. Darf ich den Grund wissen? Gianettino. Kein Wunder. Das ewige Anfragen und Melden! (Schiet hinaus.) Fiesco. Auch auf uns wartet das Schauspiel. Darf ich Ihnen den Arm anbieten, gndige Frau? Julia. Geduld! Ich mu erst die Enveloppe umwerfen. Doch kein Trauerspiel, Graf? Das kommt mir im Traum. Fiesco (tckisch). O, es ist zum Todtlachen, Grfin! (Er fhrt sie ab. Vorhang fllt.) Vierter Aufzug Es ist Nacht. Schlohof des Fiesco. Die Laternen werden angezndet. Waffen hereingetragen. Ein Schloflgel ist erleuchtet. Erster Auftritt Bourgognino fhrt Soldaten auf. Bourgognino. Halt!--An das groe Hofthor kommen vier Posten. Zwei an jede Thre zum Schlo. (Wachen nehmen ihren Posten.) Wer will, wird hereingelassen. Hinaus darf Niemand. Wer Gewalt braucht, niedergestochen. (Mit den brigen ins Schlo. Schildwachen auf und nieder. Pause.) Zweiter Auftritt Wachen am Hofthor (rufen an). Wer da? (Zenturione kommt.) Zenturione. Freund von Lavagna. (Geht quer ber den Hof nach dem rechten Schlothor.) Wachen (dort). Zurck! Zenturione (stutzt und geht nach dem linken Thor). Wachen (am linken). Zurck! Zenturione (steht betreten still. Pause. Darauf zur linken Wache). Freund, wo hinaus geht's zur Komdie? Wache. Wei nicht. Zenturione (auf und ab mit steigender Besorgnis, darauf zur rechten Wache). Freund, wann geht die Komdie an? Wache. Wei nicht. Zenturione (erstaunt auf und nieder. Wird die Waffen gewahr. Bestrzt). Freund, was soll das? Wache. Wei nicht. Zenturione (hllt sich erschrocken in seinen Mantel). Sonderbar. Wachen am Hofthor (rufen an). Wer da? Dritter Auftritt Vorige. Zibo. Zibo (im Hereintreten). Freund von Lavagna. Zenturione. Zibo, wo sind wir? Zibo. Was? Zenturione. Schau' um dich, Zibo! Zibo. Wo? Was? Zenturione. Alle Thren besetzt. Zibo. Hier liegen Waffen. Zenturione. Niemand gibt Auskunft. Zibo. Das ist seltsam. Zenturione. Wie viel ist die Glocke? Zibo. Acht Uhr vorber. Zenturione. Puh! es ist grimmkalt. Zibo. Acht Uhr ist die bestellte Stunde. Zenturione (den Kopf schttelnd). Hier ist's nicht richtig. Zibo. Fiesco hat einen Spa vor. Zenturione. Morgen ist Dogewahl--Zibo, hier ist's nicht richtig. Zibo. Stille! stille! stille! Zenturione. Der rechte Schloflgel ist voll Lichter. Zibo. Hrst du nichts? Hrst du nichts? Zenturione. Hohles Gemurmel drinnen und mitunter-Zibo. Dumpfiges Rasseln, wie von Harnischen, die sich an einander reiben-Zenturione. Schauervoll! Schauervoll! Zibo. Ein Wagen! Er hlt an der Pforte! Wachen am Hofthor (rufen an). Wer da? Vierter Auftritt Vorige. Vier Asserato. Asserato (im Hereintreten). Freund von Fiesco. Zibo. Es sind die vier Asserato. Zenturione. Guten Abend, Landsmann. Asserato. Wir gehen in die Komdie. Zibo. Glck auf den Weg! Asserato. Geht ihr nicht mit in die Komdie? Zenturione. Spaziert nur voran. Wir wollen erst frische Luft schpfen. Asserato. Es wird bald angehen. Kommt. (Gehen weiter.) Wache. Zurck! Asserato. Wo will das hinaus? Zenturione (lacht). Zum Schlo hinaus. Asserato. Hier ist ein Miverstand. Zibo. Ein handgreiflicher. (Musik auf dem rechten Flgel.) Asserato. Hrt ihr die Symphonie? Das Lustspiel wird vor sich gehen. Zenturione. Mich ducht, es fing schon an, und wir spielen die Narren drin. Zibo. brige Hitze hab' ich nicht. Ich gehe. Asserato. Waffen hier. Zibo. Pah! Komdienwaaren. Zenturione. Sollen wir hier stehen, wie die Narren am Acheron? Kommt zum Kaffeehaus! (Alle Sechs eilen gegen die Pforte.) Wachen (schreien heftig). Zurck! Zenturione. Mord und Tod! Wir sind gefangen! Zibo. Mein Schwert sagt: nicht lange! Asserato. Steck' ein! steck' ein! Der Graf ist ein Ehrenmann. Zibo. Verkauft! Verrathen! Die Komdie war der Speck, hinter der Maus schlug die Thre zu. Asserato. Das wolle Gott nicht! Mich schaudert, wie das sich entwickeln soll. Fnfter Auftritt Schildwachen. Wer da? (Verrina, Sacco kommen.) Verrina. Freunde vom Hause. (Sieben andere Nobili kommen nach.) Zibo. Seine Vertrauten! Nun klrt sich Alles auf. Sacco (im Gesprch mit Verrina). Wie ich Ihnen sagte. Lescaro hat die Wache am Thomasthor, Dorias bester Officier und ihm blindlings ergeben. Verrina. Das freut mich. Zibo (zu Verrina). Sie kommen erwnscht, Verrina, uns allen aus dem Traume zu helfen. Verrina. Wie so? Wie so? Zenturione. Wir sind zu einer Komdie geladen. Verrina. So haben wir einen Weg. Zenturione (ungeduldig). Den Weg alles Fleisches. Den wei ich. Sie sehen ja, da die Thren besetzt sind? Wofr die Thren besetzen? Zibo. Wofr die Waffen? Zenturione. Wir stehen da, wie unter dem Galgen. Verrina. Der Graf wird selbst kommen. Zenturione. Er kann sich betreiben. Meine Geduld reit den Zaum ab. (Alle Nobili gehen im Hintergrunde auf und nieder.) Bourgognino (aus dem Schlo). Wie steht's im Hafen, Verrina? Verrina. Alles glcklich an Bord. Bourgognino. Das Schlo ist auch gepfropft voll Soldaten. Verrina. Es geht stark auf neun Uhr. Bourgognino. Der Graf macht sehr lang. Verrina. Immer zu rasch fr seine Hoffnung. Bourgognino, ich werde zu Eis, wenn ich mir etwas denke. Bourgognino. Vater, bereile dich nicht. Verrina. Es lt sich nicht bereilen, wo nicht gezgert werden kann. Wenn ich den zweiten Mord nicht begehe, kann ich den ersten niemal verantworten. Bourgognino. Aber wann soll Fiesco sterben? Verrina. Wann Genua frei ist, stirbt Fiesco! Schildwachen. Wer da? Sechster Auftritt Vorige. Fiesco. Fiesco (im Hereintreten). Ein Freund! (Alle verneigen sich. Schildwachen prsentieren.) Willkommen, wertheste Gste! Sie werden geschmhlt haben, da der Hausvater so lange auf sich warten lie. Verzeihen Sie. (Leise zu Verrina.) Fertig? Verrina (ihm ins Ohr). Nach Wunsch. Fiesco (leise zu Bourgognino). Und? Bourgognino. Alles richtig. Fiesco (zu Sacco). Und? Sacco. Alles gut. Fiesco. Und Calcagno? Bourgognino. Fehlt noch. Fiesco (laut zu den Thorwachen). Man soll schlieen! (Er nimmt den Hut ab und tritt mit freiem Anstand zur Versammlung.) Meine Herren! Ich bin so frei gewesen, Sie zu einem Schauspiel bitten zu lassen--Nicht aber, Sie zu unterhalten, sondern Ihnen Rollen darin aufzutragen. Lange genug, meine Freunde, haben wir Gianettino Dorias Trotz und die Anmaungen des Andreas ertragen. Wenn wir Genua retten wollen, Freunde, wird keine Zeit zu verlieren sein. Zu was Ende glauben Sie diese zwanzig Galeeren, die den vaterlndischen Hafen belagern? Zu was Ende die Allianzen, so diese Doria schlossen? Zu was Ende die fremden Waffen, die sie ins Herz Genuas zogen?--Jetzt ist es nicht mehr mit Murren und Verwnschen gethan. Alles zu retten, mu Alles gewagt werden. Ein verzweifeltes bel will eine verwegene Arznei. Sollte Einer in dieser Versammlung sein, der Phlegma genug hat, einen Herrn zu erkennen, der nur seines Gleichen ist?--(Gemurmel.)--Hier ist Keiner, dessen Ahnen nicht um Genuas Wiege standen. Was? bei Allem, was heilig ist! was? was haben denn diese zween Brger voraus, da sie den frechen Flug ber unsere Hupter nehmen?--(Wilderes Gemurre.)--Jeder von Ihnen ist feierlich aufgeforderet, Genuas Sache gegen seine Unterdrcker zu fhren--Keiner von Ihnen kann ein Haarbreit von seinen Rechten vergeben, ohne zugleich die Seele des ganzen Staats zu verrathen-(Ungestme Bewegungen unter den Zuhrern unterbrechen ihn; dann fhrt er fort.) Sie empfinden--jetzt ist Alles gewonnen. Schon hab' ich vor Ihnen her den Weg zum Ruhme gebahnt. Wollen Sie folgen? Ich bin bereit, Sie zu fhren. Diese Anstalten, die Sie noch kaum mit Entsetzen beschauten, mssen Ihnen jetzt frischen Heldenmuth einhauchen. Diese Schauder der Bangigkeit mssen in einen rhmlichen Eifer erwarmen, mit diesen Patrioten und mir Eine Sache zu machen und die Tyrannen von Grund aus zu strzen. Der Erfolg wird das Wagstck begnstigen, denn meine Anstalten sind gut. Das Unternehmen ist gerecht, denn Genua leidet. Der Gedanke macht uns unsterblich, denn er ist gefhrlich und ungeheuer. Zenturione (in strmischer Aufwallung). Genug! Genua wird frei! Mit diesem Feldgeschrei gegen die Hlle! Zibo. Und wen das nicht aus seinem Schlummer jagt, der keuche ewig am Ruder, bis ihn die Posaune des Weltgerichts losschliet. Fiesco. Das waren Worte eines Mannes. Nun erst verdienen Sie die Gefahr zu wissen, die ber Ihnen und Genua hing. (Er gibt ihnen die Zettel des Mohren.) Leuchtet, Soldaten! (Nobili drngen sich um eine Fackel und lesen.) Es ging, wie ich wnschte, Freund. Verrina. Doch rede noch nicht so laut. Ich habe dort auf dem linken Flgel Gesichter bleich werden und Kniee schlottern gesehen. Zenturione (in Wuth). Zwlf Senatoren! Teuflisch! Fat alle Schwerter auf! (Alle strzen sich auf die bereit liegenden Waffen, zwei ausgenommen.) Zibo. Dein Name steht auch da, Bourgognino. Bourgognino. Und noch heute, so Gott will, auf Dorias Gurgel. Zenturione. Zwei Schwerter liegen noch. Zibo. Was? was? Zenturione. Zwei nahmen kein Schwert. Asserato. Meine Brder knnen kein Blut sehen. Verschont sie! Zenturione (heftig). Was? was? Kein Tyrannenblut sehen? Zerreit die Memmen! Werft sie zur Republik hinaus, diese Bastarde! (Einige von der Gesellschaft werfen sich ergrimmt auf die Beiden.) Fiesco (reit sie auseinander). Haltet! haltet! Soll Genua Sklaven seine Freiheit verdanken? Soll unser Gold durch dieses schlechte Metall seinen guten Klang verlieren? (Er befreit sie.) Sie, meine Herren, nehmen so lang mit einem Zimmer in meinem Schlo vorlieb, bis unsre Sachen entschieden sind. (Zur Wache.) Zween Arrestanten! Ihr haftet fr sie! Zwei scharfe Posten an ihre Schwelle! (Sie werden abgefhrt.) Schildwachen am Hofthor. Wer drauen? (Man pocht.) Calcagno (ruft ngstlich). Schliet auf! Ein Freund! Schliet um Gotteswillen auf! Bourgognino. Es ist Calcagno. Was soll das um Gotteswillen? Fiesco. Macht ihm auf, Soldaten. Siebenter Auftritt Vorige. Calcagno auer Athem, erschrocken. Calcagno. Aus! aus! Fliehe, wer fliehen kann! Alles aus! Bourgognino. Was aus? Haben sie Fleisch von Erz, sind unsre Schwerter von Binsen? Fiesco. berlegung, Calcagno! Ein Miverstand hier wre nicht mehr zu vergeben. Calcagno. Verrathen sind wir. Eine hllische Wahrheit. Ihr Mohr Lavagna, der Schelm! Ich komme vom Palast der Signoria. Er hatte Audienz beim Herzog. (Alle Nobili erblassen. Fiesco selbst verndert die Farbe.) Verrina (entschlossen gegen die Thorwachen). Soldaten! streckt mir die Hellebarden vor! Ich will nicht durch die Hnde des Henkers sterben. (Alle Nobili rennen bestrzt durcheinander.) Fiesco (gefater.) Wohin? Was macht ihr?--Geh in die Hlle, Calcagno--Es war ein blinder Schrecken, ihr Herrn--Weib! Das vor diesen Knaben zu sagen--Auch du, Verrina?--Bourgognino, du auch?--Wohin du? Bourgognino (heftig). Heim, meine Bertha ermorden und wieder hier sein. Fiesco (schlgt ein Gelchter auf). Bleibt! Haltet! Ist das der Muth der Tyrannenmrder?--Meisterlich spieltest du deine Rolle, Calcagno!--Merktet ihr nicht, da diese Zeitung meine Veranstaltung war?--Calcagno, sprechen Sie, war's nicht mein Befehl, da Sie diese Rmer auf die Prob' stellen sollten? Verrina. Nun, wenn du lachen kannst?--Ich will's glauben, oder dich nimmer fr einen Menschen halten. Fiesco. Schande ber euch, Mnner! In dieser Knabenprobe zu fallen! --Nehmt eure Waffen wieder--Ihr werdet wie Bren fechten, wollt ihr diese Scharte verwetzen. (Leise zu Calcagno.) Waren Sie selbst dort? Calcagno. Ich drngte mich durch die Trabanten, meinem Auftrag gem die Parole beim Herzog zu holen--wie ich zurcktrete, bringt man den Mohren. Fiesco (laut). Also der Alte ist zu Bette? Wir wollen ihn aus den Federn trommeln (Leise.) Sprach er lang mit dem Herzog? Calcagno. Mein erster Schreck und Eure nahe Gefahr lieen mich kaum zwei Minuten dort. Fiesco (laut und munter). Sieh doch! wie unsre Landsleute noch zittern. Calcagno. Sie htten auch nicht so bald herausplatzen sollen. (Leise.) Aber um Gotteswillen, Graf! was wird diese Nothlge fruchten? Fiesco. Zeit, Freund, und dann ist der erste Schreck jetzt vorber. (Laut.) He! an soll Wein bringen! (Leise.) Und sahn Sie den Herzog erblassen? (Laut.) Frisch, Brder, wir wollen noch eins Bescheid thun auf den Tanz dieser Nacht! (Leise.) Und sahn Sie den Herzog erblassen? Calcagno. Des Mohren erstes Wort mu Verschwrung gelautet haben; der Alte trat schneebleich zurck. Fiesco (verwirrt). Hum! Hum! der Teufel ist schlau, Calcagno--er verrieth nichts, bis das Messer an ihre Gurgel ging. Jetzt ist er freilich ihr Engel. Der Mohr ist schlau. (Man bringt ihm einen Becher Wein; er hlt ihn gegen die Versammlung und trinkt.) Unser gutes Glck, Kameraden! (Man pocht.) Schildwachen. Wer drauen? Eine Stimme. Ordonnanz des Herzogs. (Die Nobili strzen verzweifelnd im Hof herum.) Fiesco (springt unter sie). Nein, Kinder! Erschreckt nicht! erschreckt nicht! Ich bin hier. Hurtig! Schafft diese Waffen weg. Seid Mnner! ich bitte euch. Dieser Besuch lt mich hoffen, da Andreas noch zweifelt. Geht hinein. Fat euch. Schliet auf, Soldaten. (Alle entfernen sich. Das Thor wird geffnet.) Achter Auftritt Fiesco, als km' er eben aus dem Schlo. Drei Deutsche, die den Mohren gebunden bringen. Fiesco. Wer rief mich in den Hof? Deutscher. Fhrt uns zum Grafen. Fiesco. Der Graf ist hier. Wer begehrt mich? Deutscher (macht die Honneurs vor ihm). Einen guten Abend vom Herzog. Diesen Mohren liefert er Euer Gnaden gebunden aus. Er habe schndlich herausgeplaudert. Das Weitere sagt der Zettel. Fiesco (nimmt ihn gleichgltig.) Und hab' ich dir nicht erst heut die Galeere verkndigt? (Zum Deutschen.) Es ist gut, Freund. Meinen Respect an den Herzog. Mohr (ruft ihnen nach). Und auch meinerseits einen, und sag' ihm--dem Herzog--wenn er keinen Esel geschickt htte, so wrd' er erfahren haben, da im Schlo zweitausend Soldaten stecken. (Deutsche gehen ab. Nobili kommen zurck.) Neunter Auftritt Fiesco. Verschworene. Mohr trotzig in der Mitte. Verschworene (fahren bebend zurck beim Anblick des Mohren). Ha! was ist das? Fiesco (hat das Billet gelesen, mit verbissenem Zorn). Genueser! die Gefahr ist vorbei--aber auch die Verschwrung. Verrina (ruft erstaunt aus). Was? Sind die Doria todt? Fiesco (in heftiger Bewegung). Bei Gott! auf die ganze Kriegsmacht der Republik--auf Das war ich nicht gefat. Der alte schwchliche Mann schlgt mit vier Zeilen dritthalbtausend Mann. (Lt kraftlos die Hnde sinken.) Doria schlgt den Fiesco. Bourgognino. So sprechen Sie doch! Wir erstarren. Fiesco (liest). Lavagna, Sie haben, ducht mich, Ein Schicksal mit mir--Wohlthaten werden Ihnen mit Undank belohnt. Dieser Mohr warnt mich vor einem Komplott--Ich sende ihn hier gebunden zurck und werde heute Nacht ohne Leibwache schlafen. (Er lt das Papier fallen. Alle sehen sich an.) Verrina. Nun, Fiesco? Fiesco (mit Adel). Ein Doria soll mich an Gromuth besiegt haben? Eine Tugend fehlt im Stamm der Fiesker?--Nein! so wahr ich ich selber bin!--Geht auseinander, ihr! Ich werde hingehen--und Alles bekennen. (Will hinausstrzen.) Verrina (hlt ihn auf). Bist du wahnsinnig, Mensch? War es denn irgend ein Bubenstreich, den wir vorhatten? Halt! oder war's nicht Sache des Vaterlands! Halt! oder wolltest du nur dem Andreas zu Leibe, nicht dem Tyrannen? Halt! sag' ich--ich verhafte dich als einen Verrther des Staats-Verschworne. Bindet ihn! werft ihn zu Boden! Fiesco (reit Einem ein Schwert weg und macht sich Bahn). Sachte doch! Wer ist der Erste, der das Halfter ber den Tiger wirft?--Seht, ihr Herrn--Frei bin ich--knnte durch, wo ich Luft htte--Jetzt will ich bleiben, denn ich habe mich anders besonnen. Bourgognino. Auf Ihre Pflicht besonnen? Fiesco (aufgebracht, mit Stolz). Ha, Knabe! Lernen Sie erst die Ihrige gegen mich auswendig, und mir nimmer das!--Ruhig, ihr Herrn--es bleibt Alles wie vor.--(Zum Mohren, dessen Stricke er zerhaut.) Du hast das Verdienst, eine groe That zu veranlassen--Entfliehe! Calcagno (zornig). Was? was? Leben soll der Heide? leben und uns alle verrathen haben? Fiesco. Leben und euch allen--bang gemacht haben. Fort, Bursche! Sorge, da du Genua auf den Rcken kriegst, man knnte seinen Muth an dir retten wollen. Mohr. Das heit, der Teufel lt keinen Schelmen sitzen!--Gehorsamer Diener, ihr Herrn!--Ich merke schon, in Italien wchst mein Strick nicht. Ich mu ihn anderswo suchen. (Ab mit Gelchter.) Zehnter Auftritt Bedienter kommt. Vorige ohne den Mohren. Bedienter. Die Grfin Imperiali fragen schon dreimal nach Euer Gnaden. Fiesco. Potz tausend! Die Komdie wird freilich wohl angehen mssen! Sag' ihr, ich bin unverzglich dort--Bleib--Meine Frau bittest du, in den Concertsaal zu treten und mich hinter den Tapeten zu erwarten. (Bedienter ab.) Ich habe hier euer Aller Rollen zu Papier gebracht; wenn Jeder die seinige erfllt, so ist nichts mehr zu sagen--Verrina wird voraus in den Hafen gehen und mit einer Kanone das Signal zum Ausbruch geben, wenn die Schiffe erobert sind.--Ich gehe; mich ruft noch eine groe Verrichtung. Ihr werdet ein Glckchen hren und alle miteinander in meinen Concertsaal kommen--Inde geht hinein--und lat euch meinen Cyprier schmecken. (Sie gehen auseinander.) Eilfter Auftritt Concertsaal--Leonore. Arabella. Rosa. Alle bengstigt. Leonore. In den Concertsaal versprach Fiesco zu kommen, und kommt nicht. Eilf Uhr ist vorber. Von Waffen und Menschen drhnt frchterlich der Palast, und kommt kein Fiesco? Rosa. Sie sollen sich hinter die Tapeten verstecken--Was der gndige Herr damit wollen mag? Leonore. Er will's, Rosa, ich wei also genug, um gehorsam zu sein. Bella, genug, um ganz auer Furcht zu sein--Und doch! doch zittr' ich so sehr, Bella, und mein Herz klopft so schrecklich bang. Mdchen, um Gotteswillen! gehe keines von meiner Seite. Bella. Frchten Sie nichts. Unsre Angst bewacht unsern Frwitz. Leonore. Worauf mein Auge stt, begegnen mir fremde Gesichter, wie Gespenster hohl und verzerrt. Wen ich anrufe, zittert wie ein Ergriffener und flchtet sich in die dichteste Nacht, diese grliche Herberge des bsen Gewissens. Was man antwortet, ist ein halber heimlicher Laut, der auf bebender Zunge noch ngstlicher zweifelt, ob er auch kecklich entwischen darf.--Fiesco?--Ich wei nicht, was hier Grauenvolles geschmiedet wird--Nur meinen Fiesco (mit Grazie ihre Hnde faltend) umflattert, ihr himmlischen Mchte! Rosa (zusammengeschreckt). Jesus! Was rauscht in der Galerie? Bella. Es ist der Soldat, der dort Wache steht. (Die Schildwache ruft auen: Wer da? Man antwortet.) Leonore. Leute kommen! Hinter die Tapete! Geschwind! (Sie verstecken sich.) Zwlfter Auftritt Julia. Fiesco im Gesprch. Julia (sehr zerstrt). Hren Sie auf, Graf! Ihre Galanterieen fallen nicht mehr in achtlose Ohren, aber in ein siedendes Blut--Wo bin ich? Hier ist Niemand als die verfhrerische Nacht. Wohin haben Sie mein verwahrlostes Herz geplaudert? Fiesco. Wo die verzagte Leidenschaft khner wird, und Wallungen freier mit Wallungen reden. Julia. Halt ein, Fiesco. Bei Allem, was heilig ist, nicht weiter! Wre die Nacht nicht so dichte, du wrdest meine flammrothen Wangen sehen und dich erbarmen. Fiesco. Weit gefehlt, Julia! Eben dann wrde meine Empfindung die Feuerfahne der deinigen gewahr und lief' desto muthiger ber. (Er kt ihr heftig die Hand.) Julia. Mensch, dein Gesicht brennt fiebrisch, wie dein Gesprch. Weh, auch aus dem meinigen, ich fhl's, schlgt wildes, frevelndes Feuer. La uns das Licht suchen, ich bitte. Die aufgewiegelten Sinne knnten den gefhrlichen Wink dieser Finsterni merken. Geh! diese ghrenden Rebellen knnten hinter dem Rcken des verschmten Tages ihre gottlosen Knste treiben. Geh unter Menschen, ich beschwre dich. Fiesco (zudringlicher). Wie ohne Noth besorgt, meine Liebe! Wird je die Gebieterin ihren Sklaven frchten? Julia. ber euch Mnner und den ewigen Widerspruch! Als wenn ihr nicht die gefhrlichsten Sieger wret, wenn ihr euch unsrer Eigenliebe gefangen gebt. Soll ich dir Alles gestehen, Fiesco? da nur mein Laster meine Tugend bewahrte? nur mein Stolz deine Knste verlachte? nur bis hieher meine Grundstze Stand hielten? Du verzweifelst an deiner List und nimmst deine Zuflucht zu Julias Blut. Hier verlassen sie mich. Fiesco (leichtfertig dreist). Und was verlorst du bei diesem Verluste? Julia (aufgeregt und mit Hitze). Wenn ich den Schlssel zu meinem weiblichen Heiligthum an dich vertndle, womit du mich schamroth machst, wenn du willst? Was hab' ich weniger zu verlieren, als Alles? Willst du mehr wissen, Sptter? Das Bekenntni willst du noch haben, da die ganze geheime Weisheit unsers Geschlechts nur eine armselige Vorkehrung ist, unsere tdtliche Seite zu entsetzen, die doch zuletzt allein von euren Schwren belagert wird, die (ich gesteh' es errthend ein) so gern erobert sein mchte, so oft beim ersten Seitenblick der Tugend den Feind verrtherisch empfngt?--da alle unsere weiblichen Knste einzig fr dieses wehrlose Stichblatt fechten, wie auf dem Schach alle Officiere den wehrlosen Knig bedecken? berrumpelst du diesen--Matt! und wird getrost das ganze Brett durcheinander. (Nach einer Pause mit Ernst.) Du hast das Gemld' unsrer prahlerischen Armuth--Sei gromthig! Fiesco. Und doch, Julia--Wo besser als in meiner unendlichen Leidenschaft kannst du diesen Schatz niederlegen? Julia. Gewi nirgends besser, und nirgends schlimmer--Hre, Fiesco, wie lang wird diese Unendlichkeit whren?--Ach! schon zu unglcklich hab' ich gespielt, da ich nicht auch mein Letztes noch setzen sollte--Dich zu fangen, Fiesco, muthete ich dreist meinen Reizen zu; und ich mitraue ihnen die Allmacht, dich festzuhalten--Pfui doch, was red' ich da? (Sie tritt zurck und hlt die Hnde vors Gesicht.) Fiesco. Zwei Snden in einem Athem. Das Mitrauen in meinen Geschmack, oder das Majesttsverbrechen gegen deine Liebenswrdigkeit--was von beiden ist schwerer zu vergeben? Julia (matt, unterliegend, mit beweglichem Ton). Lgen sind nur die Waffen der Hlle--die bracht Fiesco nicht mehr, seine Julia zu fllen. (Sie fllt erschpft in einen Sopha, nach einer Pause feierlich.) Hre, la dir noch ein Wrtchen sagen, Fiesco--Wir sind Heldinnen, wenn wir unsere Tugend noch sicher wissen:--wenn wir sie vertheidigen, Kinder; (ihm starr und wild unter die Augen) Furien, wenn wir sie rchen--Hre. Wenn du mich kalt wrgtest, Fiesco? Fiesco (nimmt einen aufgebrachten Ton an). Kalt? kalt?--Nun, bei Gott! was fordert denn die unersttliche Eitelkeit des Weibs, wenn es einen Mann vor sich kriechen sieht und noch zweifelt? Ha, er erwacht wieder, ich fhle, (den Ton in Klte verndert) noch zu rechter Zeit gehen mir die Augen auf--Was war's, das ich eben erbetteln wollte?--Die kleinste Erniedrigung eines Mannes ist gegen die hchste Gunst eines Weibs weggeworfen! (Zu ihr mit tiefer, frostiger Verbeugung.) Fassen Sie Muth, Madame! Jetzt sind Sie sicher. Julia (bestrzt). Graf? Welche Anwandlung! Fiesco (uerst gleichgltig). Nein, Madame! Sie haben vollkommen recht, wir Beide haben die Ehre nur einmal auf dem Spiel. (Mit einem hflichen Handku.) Ich habe das Vergngen, Ihnen bei der Gesellschaft meinen Respect zu bezeugen. (Er will schnell fort.) Julia (ihm nach, reit ihn zurck). Bleib! Bist du rasend? Bleib! Mu ich es denn sagen--heraussagen, was das ganze Mnnervolk auf den Knieen--in Thrnen--auf der Folterbank meinem Stolz nicht abdringen sollte?--Weh! auch dies dichte Dunkel ist zu licht, diese Feuersbrunst zu bergen, die das Gestndni auf meinen Wangen macht--Fiesco--O, ich bohre durchs Herz meines ganzen Geschlechts--mein ganzes Geschlecht wird mich ewig hassen--Ich bete dich an, Fiesco! (Fllt vor ihm nieder.) Fiesco (weicht drei Schritte zurck, lt sie liegen und lacht triumphierend auf). Das bedaur' ich, Signora. (Er zieht die Glocke, hebt die Tapete auf und fhrt Leonoren hervor.) Hier ist meine Gemahlin--ein gttliches Weib! (Er fllt Leonoren in den Arm.) Julia (springt schreiend vom Boden). Ah! unerhrt betrogen! Dreizehnter Auftritt Die Verschwornen, welche zumal hereintreten. Damen von der andern Seite. Fiesco. Leonore und Julia. Leonore. Mein Gemahl, das war allzu streng. Fiesco. Ein schlechtes Herz verdiente nicht weniger. Deinen Thrnen war ich diese Genugthuung schuldig. (Zur Versammlung.) Nein, meine Herrn und Damen, ich bin nicht gewohnt, bei jedem Anla in kindische Flammen aufzuprasseln, Die Thorheiten der Menschen belustigen mich lange, eh sie mich reizen. Diese verdient meinen ganzen Zorn, denn sie hat diesem Engel dieses Pulver gemischt. (Er zeigt das Gift der Versammlung, die mit Abscheu zurcktritt.) Julia (ihre Wuth in sich beiend). Gut! Gut! Sehr gut, mein Herr! (Will fort.) Fiesco (fhrt sie am Arm zurck). Sie werden Geduld haben, Madame--Noch sind wir nicht fertig--Diese Gesellschaft mchte gar zu gern wissen, warum ich meinen Verstand so verleugnen konnte, den tollen Roman mit Genuas grter Nrrin zu spielen-Julia (aufspringend). Es ist nicht auszuhalten! Doch zittre du! (Drohend. ) Doria donnert in Genua, und ich--bin seine Schwester. Fiesco. Schlimm genug, wenn das Ihre letzte Galle ist--Leider mu ich Ihnen die Botschaft bringen, da Fiesco von Lavagna aus dem gestohlenen Diadem Ihres durchlauchtigsten Bruders einen Strick gedreht hat, womit er den Dieb der Republik diese Nacht aufzuhngen gesonnen ist. (Da sie sich entfrbt, lacht er hmisch auf.) Pfui, das kam unerwartet--und sehen Sie! (indem er beiender fortfhrt) darum fand ich es fr nthig, den ungebetenen Blicken Ihres Hauses etwas zu schaffen zu geben; darum behngt' ich mich (auf sie deutend) mit dieser Harlekinsleidenschaft, darum (auf Leonoren zeigend) lie ich diesen Edelstein fallen, und mein Wild rannte glcklich in den blanken Betrug--Ich dank' fr Ihre Geflligkeit, Signora, und gebe meinen Theaterschmuck ab. (Er berliefert ihren Schattenri mit einer Verbeugung.) Leonore (schmiegt sich bittend an den Fiesco). Mein Ludovico, sie weint. Darf Ihre Leonore Sie zitternd bitten? Julia (trotzig zu Leonoren). Schweig! du Verhate-Fiesco (zu einem Bedienten). Sei Er galant, Freund--biete Er dieser Dame den Arm an; sie hat Lust, mein Staatsgefngni zu sehen. Er steht mir davor, da Madonna von Niemand incommodiert wird--drauen geht eine scharfe Luft--der Sturm, der heute Nacht den Stamm Doria spaltet, mchte ihr leicht--den Haarputz verderben. Julia (schluchzend). Die Pest ber dich, schwarzer heimtckischer Heuchler! (Zu Leonoren grimmig.) Freue dich deines Triumphs nicht, auch dich wird er verderben, und sich selbst und--verzweifeln! (Strzt hinaus.) Fiesco (winkt den Gsten). Sie waren Zeugen--Retten Sie meine Ehre in Genua! (Zu den Verschwornen.) Ihr werdet mich abholen, wenn die Kanone kommt. (Alle entfernen sich.) Vierzehnter Auftritt Leonore. Fiesco. Leonore (tritt ihm ngstlich nher). Fiesco?--Fiesco?--Ich verstehe Sie nur halb, aber ich fange an zu zittern. Fiesco (wichtig). Leonore--ich sahe Sie einst einer Genueserin zur Linken gehen--Ich sahe Sie in den Assembleen des Adels mit dem zweiten Handku der Ritter vorlieb nehmen. Leonore--das that meinen Augen weh. Ich beschlo, es soll nicht mehr sein--es wird aufhren. Hren Sie das kriegerische Getse in meinen Schlo? Was Sie frchten, ist wahr--Gehn Sie zu Bette, Grfin--morgen will ich--die Herzogin wecken. Leonore (schlgt beide Arme zusammen und wirft sich in einen Sessel). Gott! meine Ahnung! Ich bin verloren! Fiesco (gesetzt, mit Wrde). Lassen Sie mich ausreden, Liebe! Zwei meiner Ahnherrn trugen die dreifache Krone; das Blut der Fiesker fliet nur unter dem Purpur gesund. Soll Ihr Gemahl nur geerbten Glanz von sich werfen? (Lebhafter.) Was? Soll er sich fr all seine Hoheit beim gaukelnden Zufall bedanken, der in einer ertrglichen Laune aus modernden Verdiensten einen Johann Ludwig Fiesco zusammenflickte? Nein, Leonore! Ich bin zu stolz, mir etwas schenken zu lassen, was ich noch selbst zu erwerben wei. Heute Nacht werf' ich meinen Ahnen den geborgten Schmuck in ihr Grab zurck--Die Grafen von Lavagna starben aus--Frsten beginnen. Leonore (schttelt den Kopf, still phantasierend). Ich sehe meinen Gemahl an tiefen tdtlichen Wunden zu Boden fallen--(Hohler.) Ich sehe die stummen Trger den zerrissenen Leichnam meines Gemahls mir entgegen tragen. (Erschrocken aufspringend.) Die erste--einzige Kugel fliegt durch die Seele Fiescos. Fiesco (fat sie liebevoll bei der Hand). Ruhig, mein Kind. Das wird die einzige Kugel nicht. Leonore (blickt ihn ernsthaft an). So zuversichtlich ruft Fiesco den Himmel heraus? Und wre der tausendmaltausendste Fall nur der mgliche, so knnte der tausendmaltausendste wahr werden, und mein Gemahl wre verloren--Denke, du spieltest um den Himmel, Fiesco. Wenn eine Billion Gewinnste fr einen einzigen Fehler fiel', wrdest du dreist genug sein, die Wrfel zu schtteln und die freche Wette mit Gott einzugehen? Nein, mein Gemahl! wenn auf dem Brett Alles liegt, ist jeder Wurf Gotteslsterung. Fiesco (lchelt). Sei unbesorgt, das Glck und ich stehen besser. Leonore. Sagst du das--und standest bei jenem geisterverzerrenden Spiele--ihr nennt es Zeitvertreib--sahest zu der Betrgerin, wie sie ihren Gnstling mit kleinen Glckskarten lockte, bis er warm ward, aufstand, die Bank forderte--und ihn jetzt im Wurf der Verzweiflung verlie--O mein Gemahl! du gehst nicht hin, dich den Genuesern zu zeigen und angebetet zu werden. Republikaner aus ihrem Schlaf aufzujagen, das Ro an seine Hufe zu mahnen, ist kein Spaziergang, Fiesco. Traue diesen Rebellen nicht. Die Klugen, die dich aufhetzten, frchten dich. Die Dummen, die dich vergtterten, ntzen dir wenig, und wo ich hinsehe ist Fiesco verloren. Fiesco (mit starken Schritten im Zimmer). Kleinmuth ist die hchste Gefahr. Gre will auch ein Opfer haben. Leonore. Gre, Fiesco?--Da dein Genie meinem Herzen so bel will! --Sieh! Ich vertraue deinem Glck, du siegst, will ich sagen--Weh dann mir rmsten meines Geschlechts! Unglckselig, wenn es milingt! wenn es glckt, unglckseliger! Hier ist keine Wahl, mein Geliebter! Wenn er den Herzog verfehlt, ist Fiesco verloren. Mein Gemahl ist hin, wenn ich den Herzog umarme. Fiesco. Das verstehe ich nicht. Leonore. Doch, mein Fiesco! In dieser strmischen Zone des Throns verdorret das zarte Pflnzchen der Liebe. Das Herz eines Menschen, und wr' auch selbst Fiesco der Mensch, ist zu enge fr zwei allmchtige Gtter--Gtter, die sich so gram sind. Liebe hat Thrnen, und kann Thrnen verstehen; Herrschsucht hat eherne Augen, worin ewig nie die Empfindung perlt--Liebe hat nur ein Gut, thut Verzicht auf die ganze brige Schpfung: Herrschsucht hungert beim Raube der ganzen Natur--Herrschsucht zertrmmert die Welt in ein rasselndes Kettenhaus, Liebe trumt sich in jede Wste Elysium.--Wolltest du jetzt an meinem Busen dich wiegen, pochte ein strriger Vasalle an dein Reich--Wollt' ich jetzt in deine Arme mich werfen, hrte deine Despotenangst einen Mrder aus den Tapeten hervorrauschen und jagte dich flchtig von Zimmer zu Zimmer. Ja, der grougige Verdacht steckte zuletzt auch die husliche Eintracht an--Wenn deine Leonore dir jetzt einen Labetrank brchte, wrdest du den Kelch mit Verzuckungen wegstoen und die Zrtlichkeit eine Giftmischerin schelten. Fiesco (bleibt mit Entsetzen stehen). Leonore, hr auf! Das ist eine hliche Vorstellung-Leonore. Und doch ist das Gemlde nicht fertig. Ich wrde sagen, opfre die Liebe der Gre, opfre die Ruhe--wenn nur Fiesco noch bleibt--Gott! das ist Radsto!--Selten stiegen Engel auf den Thron, seltner herunter. Wer keinen Menschen zu frchten braucht, wird er sich eines Menschen erbarmen? Wer an jeden Wunsche einen Donnerkeil heften kann, wird er fr nthig finden, ihm ein sanftes Wrtchen zum Geleite zu geben? (Sie hlt inne, dann tritt sie bescheiden zu ihm und fat seine Hand; mit feinster Bitterkeit.) Frsten, Fiesco? diese mirathenen Projecte der wollenden und nicht knnenden Natur--sitzen so gern zwischen Menschheit und Gottheit nieder;--heillose Geschpfe! schlechtere Schpfer! Fiesco (strzt sich beunruhigt durchs Zimmer). Leonore, hr' auf! Die Brcke ist hinter mir abgehoben-Leonore (blickt ihn schmachtend an). Und warum, mein Gemahl? Nur Thaten sind nicht mehr zu tilgen. (Schmelzend zrtlich und etwas schelmisch.) Ich hrte dich wohl einst schwren, meine Schnheit habe alle deine Entwrfe gestrzt--du hast falsch geschworen, du Heuchler, oder sie hat frhzeitig abgeblht--Frage dein Herz, wer ist schuldig? (Feuriger, indem sie ihn mit beiden Armen umfat.) Komm zurcke! Ermanne dich! Entsage! Die Liebe soll dich entschdigen. Kann mein Herz deinen ungeheuren Hunger nicht stillen--o Fiesco! das Diadem wird noch rmer sein. --(Schmeichelnd.) Komm! ich will alle deine Wnsche auswendig lernen, will alle Zauber der Natur in einen Ku der Liebe zusammenschmelzen, den erhabenen Flchtling ewig in diesen himmlischen Banden zu halten--dein Herz ist unendlich--auch die Liebe ist es, Fiesco. (Schmelzend.) Ein armes Geschpf glcklich zu machen--ein Geschpf, das seinen Himmel an deinem Busen lebt--sollte das eine Lcke in deinem Herzen lassen? Fiesco (durch und durch erschttert). Leonore, was hast du gemacht? (Er fllt ihr kraftlos um den Hals.) Ich werde keinem Genueser mehr unter die Augen treten-Leonore (freudig rasch). La uns fliehen, Fiesco, la in den Staub uns werfen all diese prahlenden Nichts, la in romantischen Fluren ganz der Liebe uns leben! (Sie drckt ihn an ihr Herz mit schner Entzckung.) Unsre Seelen, klar, wie ber uns das heitre Blau des Himmels, nehmen dann den schwarzen Hauch des Grams nicht mehr an--Unser Leben rinnt dann melodisch wie die fltende Quelle zum Schpfer--(Man hrt den Kanonenschu. Fiesco springt los. Alle Verschwornen treten in den Saal.) Fnfzehnter Auftritt Verschworne. Die Zeit ist da! Fiesco (zu Leonoren, fest). Lebe wohl! Ewig--oder Genua liegt morgen zu deinen Fen. (Will fortstrzen.) Bourgognino (schreit). Die Grfin sinkt um. (Leonore in Ohnmacht. Alle springen hin, sie zu halten. Fiesco vor ihr niedergeworfen.) Fiesco (mit schneidendem Ton). Leonore! Rettet! um Gotteswillen! Rettet! (Rosa, Bella kommen, sie zurecht zu bringen.) Sie schlgt die Augen auf--(Er springt entschlossen in die Hh'.) Jetzt kommt--sie dem Doria zuzudrcken. (Verschworne strzen zum Saal hinaus. Vorhang fllt.) Fnfter Aufzug Nach Mitternacht.--Groe Strae in Genua--Hie und da leuchten Lampen an einigen Husern, die nach und nach auslschen--Im Hintergrund der Bhne sieht man das Thomasthor, das noch geschlossen ist. In perspectivischer Ferne die See.--Einige Menschen gehen mit Handlaternen ber den Platz, darauf die Runde und Patrouille--Alles ist ruhig. Nur das Meer wallt etwas ungestm. Erster Auftritt Fiesco kommt gewaffnet und bleibt vor dem Palast des Andreas Doria stehen. Darauf Andreas. Fiesco. Der Alte hat Wort gehalten--im Palast alle Lichter aus. Die Wachen sind fort. Ich will luten. (Lutet.) He! holla! Wach' auf, Doria! Verrathner, verkaufter Doria, wach' auf! Holla! Holla! Holla! Wach' auf! Andreas (erscheint auf dem Altane). Wer zog die Glocke? Fiesco (mit vernderter Stimme). Frage nicht! Folge! Dein Stern geht unter, Herzog, Genua steht auf wider dich! Nahe sind deine Henker, und du kannst schlafen, Andreas? Andreas (mit Ehre). Ich besinne mich, wie die zrnende See mit meiner Bellona zankte, da der Kiel krachte und der oberste Mast brach--Andreas Doria schlief sanft. Wer schickt die Henker? Fiesco. Ein Mann, furchtbarer als deine zrnende See, Johann Ludwig Fiesco. Andreas (lacht). Du bist bei Laune, Freund. Bring deine Schwnke bei Tag. Mitternacht ist eine ungewhnliche Stunde. Fiesco. Du hhnst deinen Warner? Andreas. Ich dank' ihm und geh zu Bette. Fiesco hat sich schlfrig geschwelgt und hat keine Zeit fr Doria brig. Fiesco. Unglcklicher alter Mann--traue der Schlange nicht! Sieben Farben ringen auf ihrem spiegelnden Rcken--du nahst--und ghlings schnrt dich der tdliche Wirbel. Den Wink eines Verrthers verlachtest du. Verlache den Rath eines Freundes nicht. Ein Pferd steht gesattelt in deinem Hof. Fliehe bei Zeit! Verlache den Freund nicht! Andreas. Fiesco denkt edel. Ich hab' ihn niemal beleidigt, und Fiesco verrth mich nicht. Fiesco. Denkt edel, verrth dich, und gab dir Proben von Beidem. Andreas. So steht eine Leibwache da, die kein Fiesco zu Boden wirft, wenn nicht Cherubim unter ihm dienen. Fiesco (hmisch). Ich mchte sie sprechen, einen Brief in die Ewigkeit zu bestellen. Andreas (gro). Armer Sptter, hast du nie gehrt, da Andreas Doria Achtzig alt ist, und Genua--glcklich? (Er verlt die Altane.) Fiesco (blickt ihm erstaunt nach). Mut' ich diesen Mann erst strzen, eh' ich lerne, da es schwerer ist, ihm zu gleichen? (Er geht einige Schritte tiefsinnig auf und nieder.) Nun, ich machte Gre mit Gre wett--Wir sind fertig, Andreas, und nun, Verderben, gehe deinen Gang. (Er eilt in die hinterste Gasse--Trommeln tnen von allen Enden. Scharfes Gefecht am Thomasthor. Das Thor wird gesprengt und ffnet die Aussicht in den Hafen, worin Schiffe liegen, mit Fackeln erleuchtet.) Zweiter Auftritt Gianettino Doria in einen Scharlachmantel geworfen. Lomellin. Bediente voraus mit Fackeln. Alle hastig. Gianettino (steht still). Wer befahl, Lrmen zu schlagen? Lomellin. Auf den Galeeren krachte eine Kanone. Gianettino. Die Sklaven werden ihre Ketten reien. (Schsse am Thomasthor.) Lomellin. Feuer dort! Gianettino. Thor offen! Wachen in Aufruhr! (Zu den Bedienten.) Hurtig, Schurken! Leuchtet dem Hafen zu! (Eilen gegen das Thor.) Dritter Auftritt Vorige. Bourgognino mit Verschwornen, die vom Thomasthor kommen. Bourgognino. Sebastian Lescaro ist ein wackrer Soldat. Zenturione. Wehrte sich wie ein Br, bis er niederfiel. Gianettino (tritt bestrzt zurck). Was hr' ich da?--Haltet! Bourgognino. Wer dort mit dem Flambeau? Lomellin. Es sind Feinde, Prinz! Schleichen Sie links weg. Bourgognino (ruft hitzig an). Wer da mit dem Flambeau? Zenturione. Steht! Eure Losung! Gianettino (zieht das Schwert, trotzig). Unterwerfung und Doria. Bourgognino (schumend, frchterlich). Ruber der Republik und meiner Braut! (Zu den Verschwornen, indem er auf Gianettino strzt.) Ein Gang Profit, Brder! Seine Teufel liefern ihn selbst aus. (Er stt ihn nieder.) Gianettino (fllt mit Gebrll). Mord! Mord! Mord! Rche mich, Lomellin! Lomellin. Bediente (fliehend). Hilfe! Mrder! Mrder! Zenturione (ruft mit starker Stimme). Er ist getroffen. Haltet den Grafen auf! (Lomellin wird gefangen.) Lomellin (knieend). Schont meines Lebens, ich trete zu euch ber! Bourgognino. Lebt dieses Unthier noch? Die Memme mag fliehen. (Lomellin entwischt.) Zenturione. Thomasthor unser! Gianettino kalt! Rennt, was ihr rennen knnt! Sagt's dem Fiesco an! Gianettino (bumt sich krampfig in die Hh). Pest! Fiesco--(Stirbt.) Bourgognino (reit den Stahl aus dem Leichnam). Genua frei und meine Bertha--Dein Schwert, Zenturione. Dies blutige bringst du meiner Braut. Ihr Kerker ist gesprengt. Ich werde nachkommen und ihr den Brautku gegen. (Eilen ab zu verschiedenen Straen.) Vierter Auftritt Andreas Doria. Deutsche. Deutscher. Der Sturm zog sich dorthin. Werft Euch zu Pferd, Herzog. Andreas. La mich noch einmal Genuas Thrme schauen und den Himmel! Nein, es ist kein Traum, und Andreas ist verrathen. Deutscher. Feinde um und um! Fort! Flucht ber die Grenze! Andreas (wirft sich auf den Leichnam seines Neffen). Hier will ich enden. Rede Keiner von Fliehen. Hier liegt die Kraft meines Alters. Meine Bahn ist aus. (Calcagno fern mit Verschwornen.) Deutscher. Mrder dort! Mrder! Flieht, alter Frst! Andreas (da die Trommeln wieder anfangen). Hret, Auslnder! Hret! das sind die Genueser, deren Joch ich brach. (Verhllt sich.) Vergilt man auch so in Eurem Lande? Deutscher. Fort! Fort! Fort! inde unsre deutschen Knochen Scharten in ihre Klingen schlagen. (Calcagno nher.) Andreas. Rettet euch! Lat mich! Schreckt Nationen mit der Schauerpost: die Genueser erschlugen ihren Vater-Deutscher. Mord! Zum Erschlagen hat's noch Weile--Kameraden, steht! Nehmt den Herzog in die Mitte! (Ziehen.) Peitscht diesen welschen Hunden Respect vor einem Graukopf ein-Calcagno (ruft an). Wer da? Was gibt's da? Deutsche (hauen ein). Deutsche Hiebe! (Gehen fechtend ab. Gianettinos Leichnam wird hinweggebracht.) Fnfter Auftritt Leonore in Mannskleidern. Arabella hinter ihr her. Beide schleichen ngstlich hervor. Arabella. Kommen Sie, gndige Frau, o kommen Sie doch-Leonore. Da hinaus wthet der Aufruhr--Horch! war das nicht eines Sterbenden chzen?--Weh! sie umzingeln ihn--Auf Fiescos Herz deuten ihre ghnenden Rohre--Auf das meinige, Bella--Sie drcken ab--Haltet! haltet! Es ist mein Gemahl! (Wirft ihre Arme schwrmend in die Luft.) Arabella. Aber um Gotteswillen-Leonore (immer wilder phantasierend, nach allen Gegenden schreiend). Fiesco!--Fiesco!--Fiesco!--Sie weichen hinter ihm ab, seine Getreuen--Rebellentreue ist wankend. (Heftig erschrocken.) Rebellen fhrt mein Gemahl? Bella? Himmel? Ein Rebell kmpft mein Fiesco? Arabella. Nicht doch, Signora, als Genuas furchtbarer Schiedsmann. Leonore (aufmerksam). Das wre Etwas--und Leonore htte gezittert? Den ersten Republikaner umarmte die feigste Republikanerin?--Geh, Arabella--wenn die Mnner um Lnder sich messen, drfen auch die Weiber sich fhlen. (Man fngt wieder an zu trommeln.) Ich werfe mich unter die Kmpfer. Arabella (schlgt die Hnde zusammen). Barmherziger Himmel! Leonore. Sachte! Woran stt sich mein Fu? Hier ist ein Hut und ein Mantel. Ein Schwert liegt dabei. (Sie wgt es.) Ein schweres Schwert, meine Bella; doch schleppen kann ich's noch wohl, und das Schwert macht seinem Fhrer nicht Schande. (Man lutet Sturm.) Arabella. Hren Sie? hren Sie? das wimmert vom Thurm der Dominicaner. Gott erbarme! wie frchterlich! Leonore (schwrmend). Sprich, wie entzckend! In dieser Sturmglocke spricht mein Fiesco mit Genua. (Man trommelt strker.) Hurrah! Hurrah! Nie klangen mir Flten so s--Auch diese Trommeln belebe mein Fiesco--Wie mein Herz hher wallt! Ganz Genua wird munter--Miethlinge hpfen hinter seinem Namen, und sein Weib sollte zaghaft thun? (Es strmt auf drei andern Thrmen.) Nein! Eine Heldin soll mein Held umarmen--Mein Brutus soll eine Rmerin umarmen. (Sie setzt den Hut auf und wirft den Scharlach um.) Ich bin Porcia. Arabella. Gndige Frau, Sie wissen nicht, wie entsetzlich Sie schwrmen. Nein, das wissen Sie nicht. (Sturmluten und Trommeln.) Leonore. Elende, die du Das alles hrst und nicht schwrmst! Weinen mchten diese Quader, da sie die Beine nicht haben, meinem Fiesco zuzuspringen--Diese Palste zrnen ber ihren Meister, der sie so fest in die Erde zwang, da sie meinem Fiesco nicht zuspringen knnen--Die Ufer, knnten sie's, verlieen ihre Pflicht, gben Genua dem Meere Preis und tanzten hinter seiner Trommel--Was den Tod aus seinen Windeln rttelt, kann deinen Muth nicht wecken? Geh!--Ich finde meinen Weg. Arabella. Groer Gott! Sie werden doch diese Grille nicht wahr machen wollen? Leonore (stolz und heroisch). Das sollt' ich meinen, du Alberne--(Feurig.) Wo am wildesten das Getmmel wthet, wo in Person mein Fiesco kmpft--Ist das Lavagna? hr' ich sie fragen--den Niemand bezwingen kann, der um Genua eiserne Wrfel schwingt, ist das Lavagna?--Genueser! Er ist's, werd' ich sagen, und dieser Mann ist mein Gemahl, und ich hab' auch eine Wunde. (Sacco mit Verschwornen.) Sacco (ruft an). Wer da? Doria oder Fiesco? Leonore (begeistert). Fiesco und Freiheit! (Sie wirft sich in eine Gasse. Auflauf. Bella wird weggedrngt.) Sechster Auftritt Sacco mit einem Haufen. Calcagno begegnet ihm mit einem andern. Calcagno. Andreas Doria ist entflohen. Sacco. Deine schlechteste Empfehlung bei Fiesco. Calcagno. Bren, die Deutschen! pflanzten sich vor den Alten wie Felsen. Ich kriegte ihn gar nicht zu Gesicht. Neun von den Unsern sind fertig. Ich selbst bin am linken Ohrlappen gestreift. Wenn sie das fremden Tyrannen thun, alle Teufel! wie mssen sie ihre Frsten bewachen! Sacco. Wir haben schon starken Anhang, und alle Thore sind unser. Calcagno. Auf der Burg, hr' ich, fechten sie scharf. Sacco. Bourgognino ist unter ihnen. Was schafft Verrina? Calcagno. Liegt zwischen Genua und dem Meer, wie der hllische Kettenhund, da kaum ein Anchove durch kann. Sacco. Ich lass' in der Vorstadt strmen. Calcagno. Ich marschiere ber die Piazza Sarzana. Rhr dich, Tambour! (Ziehen unter Trommelschlag weiter.) Siebenter Auftritt Der Mohr. Ein Trupp Diebe mit Lunten. Mohr. Da ihr's wit, Schurken! Ich war der Mann, der diese Suppe einbrockte--Mir gibt man keinen Lffel. Gut. Die Hatz ist mir eben recht. Wir wollen eins anznden und plndern. Die drben baxen sich um ein Herzogthum, wir heizen die Kirchen ein, da die erfrornen Apostel sich wrmen. (Werfen sich in die umliegenden Huser.) Achter Auftritt Bourgognino. Bertha verkleidet. Bourgognino. Hier ruhe aus, lieber Kleiner. Du bist in Sicherheit. Blutest du? Bertha (die Sprache verndert). Nirgends. Bourgognino (lebhaft). Pfui, so steh auf! Ich will dich hinfhren, wo man Wunden fr Genua erntet--Schn, siehst du? wie diese. (Er streift seinen Arm auf.) Bertha (zurckfahrend). O Himmel! Bourgognino. Du erschrickst? Niedlicher Kleiner, zu frh eiltest du in den Mann--Wie alt bist du? Bertha. Fnfzehn Jahr. Bourgognino. Schlimm! Fr diese Nacht fnf Jahre zu zrtlich--Den Vater? Bertha. Der beste Brger in Genua. Bourgognino. Gemach, Knabe! Das ist nur Einer, und seine Tochter ist meine verlobte Braut. Weit du das Haus des Verrina? Bertha. Ich dchte. Bourgognino (rasch). Und kennst seine gttliche Tochter? Bertha. Bertha heit seine Tochter. Bourgognino (hitzig). Gleich geh und berliefre ihr diesen Ring. Er gelte den Trauring, sagst du, und der blaue Busch halte sich brav. Jetzt fahre wohl! Ich mu dorthin. Die Gefahr ist noch nicht aus. (Einige Huser brennen.) Bertha (ruft ihm nach mit sanfter Stimme). Scipio! Bourgognino (steht betroffen still). Bei meinem Schwert! Ich kenne die Stimme. Bertha (fllt ihm um den Hals). Bei meinem Herzen! Ich bin hier sehr bekannt. Bourgognino (schreit). Bertha! (Sturmluten in der Vorstadt. Auflauf. Beide verlieren sich in einer Umarmung.) Neunter Auftritt Fiesco tritt hitzig auf. Zibo. Gefolge. Fiesco. Wer warf das Feuer ein? Zibo. Die Burg ist erobert. Fiesco. Wer warf das Feuer ein? Zibo (winkt dem Gefolge). Patrouillen nach dem Thter! (Einige gehen.) Fiesco (zornig). Wollen sie mich zum Mordbrenner machen? Gleich eilt mit Spritzen und Eimern! (Gefolge ab.) Aber Gianettino ist doch geliefert? Zibo. So sagt man. Fiesco (wild). Sagt man nur? Wer sagt das nur? Zibo, bei Ihrer Ehre, ist er entronnen? Zibo (bedenklich). Wenn ich meine Augen gegen die Aussagen eines Edelmanns setzen kann, so lebt Gianettino. Fiesco (auffahrend). Sie reden sich um den Hals, Zibo! Zibo. Noch einmal--Ich sah ihn vor acht Minuten lebendig in gelbem Busch und Scharlach herumgehn. Fiesco (auer Fassung). Himmel und Hlle--Zibo!--den Bourgognino lass' ich um einen Kopf krzer machen. Fliegen Sie, Zibo--Man soll alle Stadtthore sperren--alle Felouquen soll man zu Schanden schieen--so kann er nicht zu Wasser davon--diesen Demant, Zibo, den reichsten in Genua, Lucca, Venedig und Pisa,--wer mir die Zeitung bringt: Gianettino ist todt--er soll diesen Demant haben. (Zibo eilt ab.) Fliegen Sie, Zibo! Zehnter Auftritt Fiesco. Sacco. Der Mohr. Soldaten. Sacco. Den Mohren fanden wie eine brennende Lunte in den Jesuiterdom werfen-Fiesco. Deine Verrtherei ging dir hin, weil sie mich traf. Auf Mordbrennereien steht der Strick. Fhrt ihn gleich ab, hngt ihn am Kirchthor auf. Mohr. Pfui! Pfui! Pfui! Das kommt mir ungeschickt--Lt sich nichts davon wegplaudern? Fiesco. Nichts. Mohr (vertraulich). Schickt mich einmal zur Prob auf die Galeere. Fiesco (winkt den Andern). Zum Galgen. Mohr (trotzig). So will ich ein Christ werden! Fiesco. Die Kirche bedankt sich fr die Blattern des Heidenthums. Mohr (schmeichelnd). Schickt mich wenigstens besoffen in die Ewigkeit. Fiesco. Nchtern. Mohr. Aber hngt mich nur an keine christliche Kirche. Fiesco. Ein Ritter hlt Wort. Ich versprach dir deinen eigenen Galgen. Sacco (brummt). Nicht viel Federlesens, Heide! Man hat noch mehr zu thun. Mohr. Doch--wenn halt allenfalls--der Strick brche?-Fiesco (zum Sacco). Man wird ihn doppelt nehmen. Mohr (resigniert). So mag's sein--und der Teufel kann sich auf den Extrafall rsten. (Ab mit Soldaten, die ihn in einiger Entfernung aufhenken.) Eilfter Auftritt Fiesco. Leonore erscheint hinten im Scharlachrock Gianettinos. Fiesco (wird sie gewahr, fhrt vor, fhrt zurck und murmelt grimmig). Kenn' ich nicht diesen Busch und Mantel? (Eilt nher, heftig.) Ich kenne den Busch und Mantel! (Wthend, indem er auf sie losstrzt und sie niederstt.) Wenn du drei Leben hast, so steh wieder auf und wandle! (Leonore fllt mit einem gebrochenen Laut. Man hrt einen Siegesmarsch. Trommeln, Hrner und Hoboen.) Zwlfter Auftritt Fiesco. Calcagno. Sacco. Zenturione. Zibo. Soldaten mit Musik und Fahnen treten auf. Fiesco (ihnen entgegen im Triumph). Genueser--der Wurf ist geworfen--Hier liegt er, der Wurm meiner Seele--die grliche Kost meines Hasses. Hebet die Schwerter hoch!--Gianettino! Calcagno. Und ich komme, Ihnen zu sagen, da zwei Drittheile von Genua Ihre Partei ergreifen und zu Fieskischen Fahnen schwren-Zibo. Und durch mich schickt Ihnen Verrina vom Admiralschiff seinen Gru und die Herrschaft ber Hafen und Meer-Zenturione. Und durch mich der Gouverneur der Stadt seinen Commandostab und die Schlssel-Sacco. Und in mir wirft sich (indem er niederfllt) der groe und kleine Rath der Republik knieend vor seinen Herrn und bittet fufllig um Gnade und Schonung-Calcagno. Mich lat den Ersten sein, der den groen Sieger in seinen Mauern willkommen heit--Heil Ihnen--Senket die Fahnen tief!--Herzog von Genua! Alle (nehmen die Hte ab). Heil, Heil dem Herzog von Genua! (Fahnenmarsch.) Fiesco (stand die ganze Zeit ber, den Kopf auf die Brust gesunken, in einer denkenden Stellung.) Calcagno. Volk und Senat stehen wartend, ihren gndigen Oberherrn im Frstenornat zu begren--Erlauben Sie uns, durchlauchtigster Herzog, Sie im Triumph nach der Signoria zu fhren. Fiesco. Erlaubt mir erst, da ich mit meinem Herzen mich abfinde--Ich mute eine gewisse theure Person in banger Ahnung zurcklassen, eine Person, die die Glorie dieser Nacht mit mir theilen wird. (Gerhrt zur Gesellschaft.) Habt die Gte und begleitet mich zu eurer liebenswrdigen Herzogin! (Er will aufbrechen.) Calcagno. Soll der meuchelmrderische Bube hier liegen und seine Schande in diesem Winkel verhehlen? Zenturione. Steckt seinen Kopf auf eine Hellebarde! Zibo. Lat seinen zerrissenen Rumpf unser Pflaster kehren. (Man leuchtet gegen den Leichnam.) Calcagno (erschrocken und etwas leise). Schaut her, Genueser! Das ist bei Gott kein Gianettinogesicht. (Alle sehen starr auf die Leiche.) Fiesco (hlt still, wirft von der Seite einen forschenden Blick darauf, den er starr und langsam unter Verzerrungen zurckzieht). Nein, Teufel--Nein, das ist kein Gianettinogesicht, hmischer Teufel! (Die Augen herumgerollt.) Genua mein, sagt ihr? Mein--(Hinauswthend in einem grlichen Schrei.) Spiegelfechterei der Hlle! Es ist mein Weib! (Sinkt durchdonnert zu Boden. Verschworne stehen in todter Pause und schauervollen Gruppen.) Fiesco (matt aufgerichtet mit dumpfer Stimme). Hab' ich mein Weib ermordet, Genueser?--Ich beschwre euch, schielt nicht so geisterbleich auf dieses Spiel der Natur--Gott sei gelobt! Es gibt Schicksale, die der Mensch nicht zu frchten hat, weil er nur Mensch ist. Wem Gtterwollust versagt ist, wird keine Teufelqual zugemuthet--Diese Verirrung wre etwas mehr. (Mit schrecklicher Beruhigung.) Genueser, Gott sei Dank! Es kann nicht sein. Dreizehnter Auftritt Vorige. Arabella kommt jammernd. Arabella. Mgen sie mich umbringen, was hab' ich auch jetzt noch zu verlieren?--Habt Erbarmen, ihr Mnner--Hier verlie ich meine gndige Frau, und nirgends find' ich sie wieder. Fiesco (tritt ihr nher mit leiser bebender Stimme). Leonore heit deine gndige Frau? Arabella (froh). O da Sie da sind, mein liebster, guter, gndiger Herr!--Zrnen Sie nicht ber uns, wir konnten sie nicht mehr zurckhalten. Fiesco (zrnt sie dumpfig an). Du Verhate! von was nicht? Arabella. Da sie nicht nachsprang-Fiesco (heftiger). Schweig! wohin sprang? Arabella. Ins Gedrnge-Fiesco (wthend). Da deine Zunge zum Krokodil wrde--Ihre Kleider? Arabella. Ein scharlachner Mantel-Fiesco (rasend gegen sie taumelnd). Geh in den neunten Kreis der Hlle!--der Mantel? Arabella. Lag hier am Boden-Einige Verschworne (murmelnd). Gianettino ward hier ermordet-Fiesco (todesmatt zurckwankend zu Arabella). Deine Frau ist gefunden. (Arabella geht angstvoll. Fiesco sucht mit verdrehten Augen im ganzen Kreis herum, darauf mit leiser, schwebender Stimme, die stufenweis bis zum Toben steigt.) Wahr ist's--wahr--und ich das Stichblatt des unendlichen Bubenstcks. (Viehisch um sich hauend.) Tretet zurck, ihr menschlichen Gesichter--Ah, (mit frechem Zhnblecken gen Himmel) htt' ich nur seinen Weltbau zwischen diesen Zhnen--Ich fhle mich aufgelegt, die ganze Natur in ein grinsendes Scheusal zu zerkratzen, bis sie aussieht wie mein Schmerz--(Zu den Andern, die bebend herumstehen.) Mensch!--wie es jetzt dasteht, das erbrmliche Geschlecht, sich segnet und selig preist, da es nicht ist wie ich--Nicht wie ich! (In hohles Beben hinabgefallen.) Ich allein habe den Streich--(Rascher, wilder.) Ich? Warum ich? Warum nicht mit mir auch diese? Warum soll sich mein Schmerz am Schmerz eines Mitgeschpfs nicht stumpf reiben drfen? Calcagno (furchtsam). Mein theurer Herzog-Fiesco (dringt auf ihn ein mit grlicher Freude). Ah, willkommen! Hier, Gott sei Dank! ist Einer, den auch dieser Donner quetschte! (Indem er den Calcagno wthend in seine Arme drckt.) Bruder Zerschmettert! Wohl bekomm die Verdammni! Sie ist todt! Du hat sie auch geliebt! (Er zwingt ihn an den Leichnam und drckt ihm den Kopf dagegen.) Verzweifle! Sie ist todt! (Den stieren Blick in einen Winkel geheftet.) Ah, da ich stnde am Thor der Verdammni, hinunterschauen drfte mein Aug auf die mancherlei Folterschrauben der sinnreichen Hlle, saugen mein Ohr zerknirschter Snder Gewinsel--Knnt' ich sie sehen, meine Qual, wer wei, ich trge sie vielleicht? (Mit Schauern zur Leiche gehend.) Mein Weib liegt hier ermordet--Nein, das will wenig sagen (Nachdrcklicher.) Ich, der Bube, habe mein Weib ermordet--O pfui, so etwas kann die Hlle kaum kitzeln--Erst wirbelt sie mich knstlich auf der Freude letztes glttestes Schwindeldach, schwtzt mich bis an die Schwelle des Himmels--und dann hinunter--dann--o knnte mein Odem die Pest unter Seelen blasen--dann--dann ermord' ich mein Weib--Nein, ihr Witz ist noch feiner--dann bereilen sich (verchtlich) zwei Augen, und (mir schrecklichem Nachdruck) ich--ermorde--mein Weib! (Beiend lchelnd.) Das ist das Meisterstck! (Alle Verschwornen hngen gerhrt an ihren Waffen. Einige wischen Thrnen aus den Augen. Pause.) Fiesco (erschpft und stiller, indem er im Zirkel herumblickt). Schluchzt hier Jemand?--Ja, bei Gott, die einen Frsten wrgten, weinen. (In stillen Schmerz geschmolzen.) Redet! Weint ihr ber diesen Hochverrath des Todes, oder weint ihr ber meines Geistes Memmenfall? (In ernster, rhrender Stellung vor der Todten verweilend.) Wo in warme Thrnen felsenharte Mrder schmelzen, flucht Fiescos Verzweiflung! (Sinkt weinend an ihr nieder.) Leonore, vergib--Reue zrnt man dem Himmel nicht ab! (Weich mit Wehmuth.) Jahre voraus, Leonore, geno ich das Fest jener Stunde, wo ich den Genuesern ihre Herzogin brchte--Wie lieblich verschmt sah ich schon deine Wangen errthen, deinen Busen wie frstlich schn unter dem Silberflor schwellen, wie angenehm deine lispelnde Stimme der Entzckung versagen (Lebhafter.) Ha! wie berauschend wallte mir schon der stolze Zuruf zu Ohren, wie spiegelte sich meiner Liebe Triumph im versinkenden Neide!--Leonore--die Stund' ist gekommen--Genuas Herzog ist dein Fiesco--und Genuas schlechtester Bettler besinnt sich, seine Verachtung an meine Qual und meinen Scharlach zu tauschen--(Rhrender.) Eine Gattin theilt seinen Gram--mit wem kann ich meine Herrlichkeit theilen? (Er weint heftiger und verbirgt sein Gesicht an der Leiche. Rhrung auf allen Gesichtern.) Calcagno. Es war eine treffliche Dame. Zibo. Da man doch ja den Trauerfall dem Volk noch verschweige. Er nhme den Unsrigen den Muth und gb' ihn den Feinden. Fiesco (steht gefat und fest auf). Hret, Genueser!--die Vorsehung, versteh' ich ihren Wink, schlug mir diese Wunde nur, mein Herz fr die nahe Gre zu prfen.--Es war die gewagteste Probe--jetzt frcht' ich weder Qual, noch Entzcken mehr. Kommt! Genua erwarte mich, sagt ihr?--Ich will Genua einen Frsten schenken, wie ihn noch kein Europer sah--Kommt!--dieser unglcklichen Frstin will ich eine Todtenfeier halten, da das Leben seine Anbeter verlieren und die Verwesung wie eine Braut glnzen soll--Jetzt folgt eurem Herzog! (Gehen ab unter Fahnenmarsch.) Vierzehnter Auftritt Andreas Doria. Lomellin. Andreas. Dort jauchzen sie hin. Lomellin. Ihr Glck hat sie berauscht. Die Thore sind blogegeben. Der Signoria wlzt sich Alles zu. Andreas. Nur an meinem Neffen scheute das Ro. Mein Neffe ist todt. Hren Sie, Lomellin-Lomellin. Was? noch? noch hoffen Sie, Herzog? Andreas (ernst). Zittre du fr dein Leben, weil du mich Herzog spottest, wenn ich auch nicht einmal hoffen darf. Lomellin. Gndigster Herr--eine brausende Nation liegt in der Schale Fiescos--Was in der Ihrigen? Andreas (gro und warm). Der Himmel! Lomellin (hmisch die Achsel zuckend). Seitdem das Pulver erfunden ist, campieren die Engel nicht mehr. Andreas. Erbrmlicher Affe, der einem verzweifelnden Graukopf seinen Gott noch nimmt! (Ernst und gebietend.) Geh! mache bekannt, da Andreas noch lebe--Andreas, sagst du, ersuche seine Kinder, ihn doch in seinem achtzigsten Jahre nicht zu den Auslndern zu jagen, die dem Andreas den Flor seines Vaterlandes niemals verzeihen wrden. Sag' ihnen das, und Andreas ersuche seine Kinder um so viel Erde in seinem Vaterland fr so viel Gebeine. Lomellin. Ich gehorsame, aber verzweifle. (Will gehen.) Andreas. Hre! und nimm diese eisgraue Haarlocke mit--Sie war die letzte, sagst du, auf meinem Haupt und ging los in der dritten Jnnernacht, als Genua losri von meinem Herzen und habe achtzig Jahre gehalten und habe den Kahlkopf verlassen im achtzigsten Jahre--die Haarlocke ist mrbe! aber doch stark genug, dem schlanken Jngling den Purpur zu knpfen (Er geht ab mit verhlltem Gesicht. Lomellin eilt in eine entgegengesetzte Gasse. Man hrt ein tumultuarisches Freudengeschrei unter Trompeten und Pauken.) Fnfzehnter Auftritt Verrina vom Hafen. Bertha und Bourgognino. Verrina. Man jauchzt. Wem gilt das? Bourgognino. Sie werden den Fiesco zum Herzog ausrufen. Bertha (schmiegt sich ngstlich an Bourgognino). Mein Vater ist frchterlich, Scipio! Verrina. Lat mich allein, Kinder--O Genua! Genua! Bourgognino. Der Pbel vergttert ihn und forderte wiehernd den Purpur. Der Adel sah mit Entsetzen zu und durfte nicht Nein sagen. Verrina. Mein Sohn, ich hab' alle meine Habseligkeiten zu Gold gemacht und auf dein Schiff bringen lassen. Nimm deine Frau und stich unverzglich in See. Vielleicht werd' ich nachkommen. Vielleicht--nicht mehr. Ihr segelt nach Marseille, und (schwer und gepret sie umarmend)--Gott geleit' euch! (Schnell ab.) Bertha. Um Gotteswillen! Worber brtet mein Vater? Bourgognino. Verstandst du den Vater? Bertha. Fliehen, o Gott! Fliehen in der Brautnacht! Bourgognino. So sprach er--und wir gehorchen. (Beide gehen nach dem Hafen.) Sechzehnter Auftritt Verrina. Fiesco im herzoglichen Schmuck. (Beide treffen auf einander.) Fiesco. Verrina! Erwnscht. Eben war und aus, dich zu suchen. Verrina. Das war auch mein Gang. Fiesco. Merkt Verrina keine Vernderung an seinem Freunde? Verrina (zurckhaltend). Ich wnsche keine. Fiesco. Aber siehst du auch keine? Verrina (ohne ihn anzusehen). Ich hoffe, nein! Fiesco. Ich frage, findest du keine! Verrina (nach einem flchtigen Blick). Ich finde keine. Fiesco. Nun, siehst du, so mu es doch wahr sein, da die Gewalt nicht Tyrannen macht. Seit wir uns Beide verlieen, bin ich Genuas Herzog geworden, und Verrina (indem er ihn an die Brust drckt) findet meine Umarmung noch feurig wie sonst. Verrina. Desto schlimmer, da ich sie frostig erwiedern mu; der Anblick der Majestt fllt wie ein schneidendes Messer zwischen mich und den Herzog! Johann Ludwig Fiesco besa Lnder in meinem Herzen--jetzt hat er Genua erobert, und ich nehme mein Eigenthum zurck. Fiesco (betreten). Das wolle Gott nicht! Fr ein Herzogthum wre der Preis zu jdisch. Verrina (murmelt dster). Hum! Ist denn etwa die Freiheit in der Mode gesunken, da man dem Ersten dem Besten Republiken um ein Schandengeld nachwirft. Fiesco (beit die Lippen zusammen). Das sag du Niemand, als dem Fiesco. Verrina. O natrlich! Ein vorzglicher Kopf mu es immer sein, von dem die Wahrheit ohne Ohrfeige wegkommt--Aber Schade! der verschlagene Spieler hat's nur in einer Karte versehen. Er calculierte das ganze Spiel des Neides, aber der raffinierte Witzling lie zum Unglck die Patrioten aus. (Sehr bedeutend.) Hat der Unterdrcker der Freiheit auch einen Kniff auf die Zge der rmischen Tugend zurckbehalten? Ich schwr' es beim lebendigen Gott, eh die Nachwelt meine Gebeine aus dem Kirchhof eines Herzogthums grbt, soll sie sie auf dem Rade zusammenlesen! Fiesco (nimmt ihn mit Sanftmuth bei der Hand). Auch nicht, wenn der Herzog dein Bruder ist? wenn er sein Frstenthum nur zur Schatzkammer seiner Wohlthtigkeit macht, die bis jetzt bei seiner haushlterischen Drftigkeit betteln ging? Verrina, auch dann nicht? Verrina. Auch dann nicht--und der verschenkte Raub hat noch keinem Dieb von dem Galgen geholfen. berdies ging diese Gromuth bei Verrina fehl. Meinem Mitbrger konnt' ich schon erlauben, mir Gutes zu thun--meinem Mitbrger hofft' ich es wett machen zu knnen. Die Geschenke eines Frsten sind Gnade--und nur Gott ist mir gndig. Fiesco (rgerlich). Wollt ich doch lieber Italien vom Atlantermeer abreien, als diesen Starrkopf von seinem Wahn. Verrina. Und abreien ist doch sonst deine schlechteste Kunst nicht, davon wei das Lamm Republik zu erzhlen, das du dem Wolf Doria aus dem Rachen nahmst--es selbst aufzufressen.--Aber genug! Nur im Vorbeigehen, Herzog, sage mir, was verbrach denn der arme Teufel, den ihr am Jesuiterdom aufknpftet? Fiesco. Die Canaille zndete Genua an. Verrina. Aber doch die Gesetze lie die Canaille ganz? Fiesco. Verrina brandschatzt meine Freundschaft. Verrina. Hinweg mit der Freundschaft! ich sage dir ja, ich liebe dich nicht mehr; ich schwre dir, da ich dich hasse--hasse wie den Wurm des Paradieses, der den ersten falschen Wurf in der Schpfung that, worunter schon das fnfte Jahrtausend blutet--Hre, Fiesco--nicht Unterthan gegen Herrn--nicht Freund gegen Freund--Mensch gegen Mensch red' ich zu dir. (Scharf und heftig.) Du hast eine Schande begangen an der Majestt des wahrhaftigen Gottes, da du dir die Tugend die Hnde zu deinem Bubenstck fhren und Genuas Patrioten mit Genua Unzucht treiben lieest--Fiesco, wr' auch ich der Redlichdumme gewesen, den Schalk nicht zu merken, Fiesco! bei allen Schauern der Ewigkeit, einen Strick wollt' ich drehen aus meinen eigenen Gedrmen und mich erdrosseln, da meine fliehende Seele im gichtrischen Schaumblasen dir zuspritzen sollte. Das frstliche Schelmenstck drckt wohl die Goldwage menschlicher Snden entzwei, aber du hast den Himmel geneckt, und den Proze wird das Weltgericht fhren. (Fiesco erstaunt und sprachlos mit ihn mit groen Augen.) Verrina. Besinne dich auf keine Antwort. Jetzt sind wir fertig. (Nach einigem Auf- und Niedergehen.) Herzog von Genua, auf den Schiffen des gestrigen Tyrannen lernt' ich eine Gattung armer Geschpfe kennen, die eine verjhrte Schuld mit jedem Ruderschlag wiederkuen und in den Ocean ihre Thrnen weinen, der wie ein reicher Mann zu vornehm ist, sie zu zhlen--Ein guter Frst erffnet sein Regiment mit Erbarmen. Wolltest du dich entschlieen, die Galeerensklaven zu erlsen? Fiesco (scharf). Sie seien die Erstlinge meiner Tyrannei--Geh und verkndige ihnen Allen Erlsung. Verrina. So machst du deine Sache nur halb, wenn du ihre Freude verlierst. Versuch' es und gehe selbst. Die groen Herren sind so selten dabei, wenn sie Bses thun; sollten sie auch das Gute im Hinterhalt stiften?--Ich dchte, der Herzog wre fr keines Bettlers Empfindung zu gro. Fiesco. Mann, du bist schrecklich, aber ich wei nicht, warum ich folgen mu. (Beide gehen dem Meer zu.) Verrina (hlt still, mit Wehmuth). Aber, noch einmal umarme mich, Fiesco! Hier ist ja Niemand, der den Verrina weinen sieht und einen Frsten empfinden. (Er drckt ihn innig.) Gewi, nie schlugen zwei grere Herzen zusammen; wir liebten uns doch so brderlich warm--(Heftig an Fiescos Halse weinend.) Fiesco! Fiesco! du rumst einen Platz in meiner Brust, den das Menschengeschlecht, dreifach genommen, nicht mehr besetzen wird. Fiesco (sehr gerhrt). Sei--mein--Freund! Verrina. Wirf diesen hlichen Purpur weg, und ich bin's--Der erste Frst war ein Mrder und fhrte den Purpur ein, die Flecken seiner That in dieser Blutfarbe zu verstecken--Hre, Fiesco--ich bin ein Kriegsmann, verstehe mich wenig auf nasse Wangen--Fiesco--das sind meine ersten Thrnen--Wird diesen Purpur weg! Fiesco. Schweig! Verrina (heftiger). Fiesco--la hier alle Kronen dieses Planeten zum Preis, dort zum Popanz all seine Foltern legen, ich soll knieen vor einem Sterblichen--ich werde nicht knieen--Fiesco! (indem er niederfllt) es ist mein erster Kniefall--Wirf diesen Purpur weg! Fiesco. Steh auf und reize mich nicht mehr! Verrina (entschlossen). Ich steh' auf, reize dich nicht mehr (Sie stehen an einem Brett, das zu einer Galeere fhrt.) Der Frst hat den Vortritt. (Gehen ber das Brett.) Fiesco. Was zerrst du mich so am Mantel?--er fllt! Verrina (mit frchterlichem Hohn). Nun, wenn der Purpur fllt, mu auch der Herzog nach! (Er strzt ihn ins Meer.) Fiesco (ruft aus den Wellen). Hilf, Genua! Hilf! Hilf deinem Herzog! (Sinkt unter.) Siebzehnter Auftritt Calcagno. Sacco. Zibo. Zenturione. Verschworne. Volk. (Alle eilig, ngstlich.) Calcagno (schreit). Fiesco! Fiesco! Andreas ist zurck, halb Genua springt dem Andreas zu. Wo ist Fiesco? Verrina (mit festem Ton). Ertrunken! Zenturione. Antwortet die Hlle oder das Tollhaus? Verrina. Ertrnkt, wenn das hbscher lautet--Ich geh' zum Andreas. (Alle bleiben in starren Gruppen stehn. Der Vorhang fllt.) Ende dieses Projekt Gutenberg Etextes "Die Verschwrung des Fiesco zu Genua", von Friedrich Schiller. License: Share Alike