Produced by Jens Sadowski and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net. This file was produced from images generously made available by The Internet Archive. Der Weihnachtsabend. Eine Erzhlung zum Weihnachtsgeschenke fr Kinder, Von dem Verfasser der Ostereyer. Landshut, 1825. in der Krll'schen Buchhandlung. Erstes Kapitel. Das Weihnachtslied. An dem heiligen Abende vor dem Weihnachtsfeste wanderte der arme Anton, ein holder Knabe von acht Jahren, noch durch die schneebedeckte Gegend hin. Der arme Kleine hatte seine blonden Locken, die von der Klte angeduftet waren, noch mit dem leichten schwarzen Strohhute vom letzten Sommer her bedeckt, und seine beyden Wangen glhten hochroth von Frost. Er war nach Soldatenart gekleidet und hatte eine niedliche scharlachrothe Husarenjacke an. In der Rechten fhrte er einen dicken Stecken von Schlehdorn, und auf dem Rcken trug er ein kleines Reisebndelein, in dem sich all sein Hab' und Gut befand. Er war aber frhlich und guter Dinge, und hatte an der schnen weien Winterlandschaft umher und an den bereiften Hecken und Gestruchen am Wege seine herzliche Freude. Inde ging die Sonne gluthroth unter. Die angedufteten Halme und Zweige umher flimmerten wie mit rthlichen Fnklein bestreut und die Gipfel des nahen Tannenwaldes strahlten im Abendgolde. Anton dachte das nchste Dorf, das jenseits des Waldes lag, noch leicht zu erreichen, und ging muthig in den dicken, finstern Wald hinein. Er hoffte in dem Dorfe gute Weihnachtsfeyertage zu bekommen; denn er hatte gehrt, die Bauern dort seyen sehr vermgliche und gutherzige Leute. Allein er war noch keine Viertelstunde gegangen, so kam er vom rechten Wege ab, und verirrte sich in die wildeste Gegend des rauhen, bergichten Waldes. Er mute fast bestndig durch tiefen Schnee waten, und einige Male versank er beynah in Gruben und Schluchten, die unter dem Schnee versteckt waren. Die Nacht brach ein und es erhob sich ein kalter Wind. Wolken berzogen den Himmel, und verdunkelten jedes Sternlein, das durch die schwarzen Tannenste funkelte. Es ward sehr finster und fing aufs neue an heftig zu schneyen. Der arme Knabe fand keine Spur mehr von einem Wege, und wute nicht mehr wo an und wo aus. Mde von langem Umherirren vermochte er nicht mehr weiter zu gehen. Er blieb stehen, zitterte vor Frost, und fing an schmerzlich zu weinen. Er legte sein Wanderbndelein in den Schnee, kniete darneben nieder, nahm seinen Hut ab, erhob seine starren Hnde zum Himmel, und bethete unter heien Thrnen: Ach Du lieber Vater im Himmel! Ach la mich doch nicht in diesem wilden Walde, in Nacht und Frost umkommen. Sieh, ich bin ja ein armes Waislein, und habe keinen Vater und keine Mutter mehr! Ich habe niemand mehr als Dich. Aber Du bist ja der Vater aller armen Waisen. O la mich nicht erfrieren; erbarme dich deines armen Kindes. Es ist ja heute die Nacht, in der dein lieber Sohn zur Welt geboren wurde. Um Seiner Willen erhre mich! Ach, la nicht in eben der Nacht, da sich alle Welt ber die Geburt des gttlichen Kindes freut, mich armen Knaben hier einsam im Walde sterben. Er legte sein mdes Haupt auf sein kleines Bndelein, und schluchzte und weinte bitterlich! Aber horch -- da erklang es mit einem Male, seitwrts von der Hhe herab, lieblich wie Harfentne, und ein wunderschner Gesang erhob sich und hallte von den Felsen wieder. Dem Knaben war es nicht anders, als hrte er die heiligen Engel Gottes singen. Er stand auf, horchte und faltete die Hnde. Der Wind hatte sich gelegt, und kein Lftchen regte sich. Unaussprechlich lieblich erklang der Gesang in der tiefen nchtlichen Stille des Waldes. Jetzt vernahm er deutlich die Worte: O sey getrost in jeder Noth, Denn sieh, den liebsten Sohn hat Gott Zum Heiland dir gegeben! Auf Ihn vertrau' und fasse Muth, Was schlimm ist, macht Er wieder gut; Er liebt dich wie sein Leben. Jetzt war es wieder stille; nur klangen noch wie ein leiser Wiederhall einige sanfte Harfentne nach. Dem guten Anton wurde es wunderbar um das Herz. Ach, sagte er, so mu es den Hirten zu Bethlehem gewesen seyn, als sie in jener heiligen Nacht den himmlischen Gesang vernahmen. Ich will wieder frischen Muth fassen und frhlich seyn. Sicher wohnen gute Menschen in der Nhe, die sich meiner annehmen; denn ich hoffe, da sie nicht nur so schn singen, wie Engel, sondern auch so gut und freundlich gesinnt seyen, wie die Engel! Er nahm sein Bndelein, und ging die Anhhe hinauf -- der Gegend zu, woher er den lieblichen Gesang vernommen hatte. Kaum war er einige Schritte durch das Gebsch gegangen, so glnzte ihm ein heller Lichtstrahl entgegen, der sogleich wieder verschwand, ber eine Weile aber wieder erschien, dann wieder auf einige Augenblicke verschwand, dann wieder heller glnzte, und so wechselweise. Anton ging freudig vorwrts, und kam an ein Haus, das einsam im Walde stand. Er klopfte zwei, drey Mal an der Hausthre; er hrte wohl mehrere frhliche Stimmen in dem Hause, aber niemand antwortete ihm. Er versuchte nun die Thre zu ffnen; sie war nur mit der Thrschnalle geschlossen. Er ging hinein, tappte lange in dem dunkeln Hausgange umher, und suchte die Stubenthre. Endlich fand er sie, machte sie auf -- und blieb hchst erstaunt stehen. Ein heller Glanz von mehrern Lichtern strahlte ihm entgegen. Es war ihm nicht anders, als blickte er in das Paradies, in den offnen Himmel. In der Ecke der Stube, zwischen den zwey Fenstern, war eine beraus schne Frhlingslandschaft ganz nach der Natur im Kleinen abgebildet -- eine gebirgige Gegend mit hohen bemoosten Felsen, grnenden Tannenwldern, lndlichen Htten, weidenden Schafen, nebst ihren Hirten, und einer kleinen Stadt oben auf dem Berge. In der Mitte der Landschaft war aber eine Felsenhhle -- da sah man das Kind Jesu -- die heilige Mutter -- den ehrwrdigen Joseph -- die anbethenden Hirten, und oben schwebten die jubelnden Engel. Die ganze Landschaft flimmerte von einem wundersamen Glanze; sie war wie mit unzhligen winzig kleinen Sternlein best, so wie etwa Laub und Moos an Bumen und Felsen schimmern, wenn sie an einem Frhlingsmorgen von reichlichem Thaue trpfeln. Die Einwohner des Hauses waren um die schne Vorstellung des Kindes Jesu in der Krippe versammelt. An einer Seite sa der Vater und hatte eine Harfe zwischen den Knieen stehen; an der andern Seite sa die Mutter mit dem kleinsten Kinde auf dem Schooe. Zwey liebliche Kinder, ein Knabe und ein Mdchen, standen zwischen den beyden Aeltern, blickten andchtig zur Krippe des Heilandes hinauf und erhoben die Hnde gleich den frommen Hirten, die vor der Krippe knieten. Jetzt griff der Vater wieder in die Harfe und die Mutter sang mit ihrer lieblichen Engelsstimme noch einmal das Lied, von dem Anton jene Worte gehrt hatte. Die zwey Kinder sangen mit ihren zarten, hellen Stimmchen freudig mit, und der Vater begleitete den Gesang mit seiner angenehmen Bastimme und dem lieblichen Harfenspiel. Sie sangen: Vor Dir, Du holdes Himmelskind, Dem Gottes Engel dienstbar sind, Fall' ich anbethend nieder -- Und freue mit Maria mich, Und preise mit den Engeln Dich, Und singe Jubellieder! * * * * * In Dir erscheint uns Gottes Heil, Dich lieben -- ist der beste Theil, Du Liebe ohne Gleichen! Zwar spricht noch deine Lippe nicht, Doch sagt dein mildes Angesicht Dem Armen wie dem Reichen: * * * * * O sey getrost in jeder Noth, Denn sieh, den liebsten Sohn hat Gott Zum Heiland dir gegeben! Auf Ihn vertrau' und fasse Muth, Was schlimm ist, macht Er wieder gut; Er liebt dich wie sein Leben. * * * * * Und kmmt ein armes Kind in Noth Vor deine Thr', sag' nicht: Helf Gott! Wollst seiner dich erbarmen! Fhlst du fr Gottes Liebe Dank, La liebreich es bey Speis und Trank An deinem Heerd erwarmen. Anton stand noch immer unter der geffneten Thre, und hielt die Thrschnalle in der einen Hand, und Hut und Stecken in der andern. Seine Augen waren bestndig auf die schne Vorstellung der Krippe Jesu gerichtet, und mit offenem Munde horchte er auf den Gesang und das Harfenspiel. Niemand bemerkte ihn. Jetzt fhlte aber die Mutter die Klte, die durch die offene Thre in die Stube drang und blickte nach der Thre: Lieber Gott, rief sie, wie kommt das Kind in der finstern Nacht durch den dicken Wald hieher? Armer, armer Knabe -- du hast dich gewi verirrt! Ach ja, sagte Anton, ich habe mich im Walde verirrt! Alle sahen jetzt nach der Thre. Die zwey Kinder hatten ein herzliches Mitleid mit dem verirrten Knaben, blieben aber etwas scheu stehen, weil er ihnen fremd war. Die Mutter ging mit ihrem Kinde auf dem Arm zu ihm hin, und fragte ihn freundlich: Wo bist du denn her, lieber Kleiner, wie heit du und wer sind deine Aeltern? O Du lieber Gott, sagte Anton mit Thrnen in den blauen Augen: Ich habe gar keine Heimath mehr. Ich heie Anton Kroner. Mein Vater ist in dem Kriege umgekommen und meine Mutter ist den letzten Herbst vor Jammer und Elend gestorben. Ich bin hier im Lande ganz fremd und irre in der Welt umher, wie ein verlornes Lmmlein. Er fing an zu erzhlen, wie er eben jetzt im Walde in so groer Noth gewesen, wie er da aber ihren Gesang gehrt und so den Weg zu ihrem Hause gefunden habe. Er wollte weiter reden; allein die Stimme versagte ihm; es fror ihn noch all zu sehr. In der warmen Stube fhlte er die Wirkungen der Klte erst recht. Er zitterte vor Frost und klapperte mit den Zhnen. Ach du armer Anton, sagte die Mutter; du kannst ja vor Frost kaum mehr reden; und hungerig und mde mut du auch seyn. Leg dein Bndelein ab, und sitz nieder; ich will dir eine warme Suppe geben, und was sonst noch von dem Nachtessen brig ist. Die zwey Kinder, Christian und Katharine, nahmen ihm nun voll Mitleid Hut und Stock und das Bndelein ab. Katharine legte das Bndelein auf die Bank; Christian legte den Hut oben darauf und lehnte den Stecken in eine Ecke. Hierauf fhrten sie ihren kleinen Gast an den Tisch. Die Mutter brachte Suppe und ein groes Stck Festkuchen nebst gekochten Pflaumen. Sie setzte sich an die andere Seite des Tisches, und lchelte freundlich, da Anton es sich so gut schmecken lie. Die Kinder aber theilten ihm reichlich von ihren Weihnachtsgeschenken mit -- schne rothwangige Aepfel, goldgelbe Birnen, und groe braune Nsse. Sogar das kleine Lieschen auf dem Schooe der Mutter schenkte ihm, auf Zureden der Mutter, das schne purpurrothe Aepfelein, das sie in dem kleinen Hndchen hielt, und mit den zarten Fingerlein kaum umspannen konnte. Die warme Suppe bekam dem erstarrten Anton sehr gut, und die liebliche Stubenwrme that ihm nunmehr sehr wohl. Er ward wieder munter und frhlich. Aber was ihr doch da in der Ecke eurer Stube Schnes habt! fing er jetzt an. Er hatte schon unter dem Essen bestndig nach der Krippe hinbergeblickt. Das ist ja ein Frhling mitten im Winter! sagte er. So etwas Wunderschnes hab' ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Ich mu es doch nher betrachten. Er sprang hin und die zwey Kinder folgten ihm. Weit du aber auch, was das alles vorstellt? fragte Katharine. Freylich wei ich das, sagte Anton. Es stellt die Geburt Jesu vor. Was das fr ein schnes, liebliches Kindlein ist! Sein Angesicht ist so schn wei und roth, wie Lilien und Rosen. Und was es fr glnzende Aeuglein hat, und wie freundlich es lchelt! Das ist aber nicht das rechte Jesuskindlein! sagte Katharine. Jesus ist jetzt kein Kind mehr; Er ist schon lange in den Himmel aufgefahren. Das wei ich wohl, sagte Anton. Meynst du denn, ich sey ein Heide? Es ist ja schon bald zwey tausend Jahre, da Jesus als ein Kind in der Krippe lag. Das alles hier ist nur so gemacht, damit wir Kinder uns alles besser vorstellen knnen. Das da oben ist, glaube ich, die Stadt Bethlehem. Nicht so? Katharine nickte. Siehst du nun, sagte Anton, da ich alles wei! Ich bin nicht so dumm, als du meynst. Die Kinder lachten und machten nun Anton noch auf allerley Kleinigkeiten aufmerksam, die ihnen aber hchst wichtig vorkamen. Sieh nur, Anton, sagte Katharine, das schne weie Schaf hier mit krauser Wolle, und die zwey allerliebsten kleinen Schflein daneben! Sieh, hier herum graset die brige Heerde, und dort steht der Hirt und blst auf der Schalmey. In dem niedlichen rothen Httchen mit Rdern schlft er zu Nacht. -- Siehst du auch, sprach Christian, wie da aus dem Felsen ein kleines Quellchen, so fein wie ein Silberfdchen, hervorspringt, und sich in den hellen See ergiet? Sieh, zwey weie Schwne mit schngebognen Hlsen schwimmen auf dem See und spiegeln sich in dem ruhigen, silberklaren Wasser. Dort, sagte Katharine, kommt ein Hirtenmdchen den steilen Weg am Berg herab, und trgt ein zugedecktes Krblein auf dem Kopf. Darin werden wohl Aepfel oder Eyer seyn, die sie zur Krippe trgt. Und sieh, sagte Christian, dort schiebt einer auf seinem Schiebkarren einen Sack die hohle Bergschlucht hinauf. Was aber in dem Sacke ist, wei ich nicht zu sagen. So unterhielten sich die Kinder hchst angenehm, und kein kleines streifiges Schnecklein, das an dem Felsen klebte, und kein buntes Mschelein am Ufer des Sees blieb unbemerkt. Nun wohl, sagte Anton, das ist alles sehr schn. Allein das Schnste ist doch die Abbildung des himmlischen Kindes! Das freut mich am meisten. Denn um jenes Kindes willen, das hier abgebildet ist, hat mich der himmlische Vater aus meiner groen Noth errettet. Zweytes Kapitel. Geschichte des armen Antons. Der Hausvater, in dessen Hause Anton so gut aufgenommen wurde, war ein Frster. Er sa, indessen die Kinder so mit einander plauderten, in seinem Lehnsessel am Ofen, und schien in Gedanken vertieft. Die Frsterin setzte sich, mit dem kleinsten Kinde auf dem Arm, neben ihn auf einen Stuhl, und sagte ber eine Weile: Warum bist du so stille, und ber was sinnest du nach? Ich sinne den letzten Reimen nach, die wir gesungen haben, sagte der Frster. Du hast nun freylich gethan, wie sie lauten, und den armen Knaben gespeiset und erwrmt. Ich denke aber, wir knnten doch noch mehr an ihm thun. Sieh, es ist heute die heilige Nacht. Wir feyern das Andenken jener Nacht, in der das gttliche Kind geboren wurde, das zu unserm und aller Menschen Heil in die Welt gekommen. Und nun schickt Gott uns eben heute Nacht ein Kind her, dem wir zum Heile werden knnen. -- Der Erlser kam als ein Fremdling in die Welt, und hatte nicht, wo er sein Haupt hinlege, als wollte er die Gastfreundlichkeit der Menschen auf die Probe stellen. Die Einwohner von Bethlehem bestanden in dieser Probe schlecht, und verstieen ihn gleich anfangs zu den Thieren des Stalles; sollten wir den Knaben da auch so verstoen? Sag mir aber deine Meynung aufrichtig, Elisabeth, was wir thun sollen! Den Knaben annehmen, sagte die Frsterin freudig und freundlich. Was ihr einem von diesen Mindesten thut, das habt ihr mir gethan, sagte ja Er, der in dieser Nacht geboren ward. Und der Anton scheint mir ein recht guter, sanfter Knabe, der ein edles Gemth hat. Er sieht so fromm und unschuldig aus, und, obwohl er bettelt, so ist er doch gar nicht keck und verwegen. Gewi ist er ehrlicher Leute Kind. Er hat so eine feine Aussprache, und obwohl seine rothe Jacke etwas abgetragen ist, so ist sie doch von recht gutem Tuche. Wo ihrer fnf essen, essen auch sechs. Wir wollen den Knaben behalten. Du bist doch eine gute, liebe Frau, sagte der Frster, und drckte ihr die Hand. Gott wird es dir vergelten, und was du an einem fremden Kinde thust, unsern eigenen Kindern zu gut kommen lassen. Doch mssen wir den Knaben zuvor erst prfen, ob er der Wohlthat werth ist. Anton, komm einmal daher! rief der Frster jetzt laut. Anton kam und stellte sich vor ihn hin, gerade und aufrecht, wie ein Soldat vor seinem Offizier steht. Dein Vater, fing der Frster an, war also ein Soldat, und starb den Tod frs Vaterland. Nun, das ist wohl traurig fr dich, allein fr ihn ist es schn und rhmlich. Aber erzhle uns doch mehreres von deinen Aeltern. Wo waret ihr vor dem Kriege? Wie kam dein Vater um? Wie starb deine Mutter? Wie kamst du hieher in unsern Wald? La einmal hren! Anton erzhlte: Meinen Vater, Gott habe ihn selig, nannten die Husaren ihren Herrn Wachtmeister. Unser Regiment lag, so lang ich denke, zu Glatz in Schleien in Garnison. Meine Mutter nhte immer sehr fleiig und verdiente vieles. Sie war sehr geschickt. Da kam der Vater eines Tages eilig nach Hause und sagte: Es ist Krieg; wir mssen morgen fort! Er war ein tapferer Mann und wute sich gut darein zu schicken. Meine Mutter aber hatte einen groen Schrecken und weinte bitterlich. Sie wollte ihn nicht allein ziehen lassen; der Abschied fiel ihr gar zu schwer. Auf ihr vieles Bitten nahm er uns endlich mit. Wir zogen weit -- weit fort. Mit einmal hie es: Der Feind rckt an. Mein Vater und die Husaren muten ihm entgegen. Meine Mutter und ich blieben zurck. Da wurde uns nun wohl recht bange, als wir in der Ferne so frchterlich schieen hrten. Ach, sagte die Mutter zu mir, bey jedem Schu geht mir ein Stich durchs Herz. Denn ich wei ja nicht, ob die Kugel nicht das Herz deines Vaters durchbohrt. Wir weinten und betheten, so lange das Schieen whrte. Doch der Vater kam glcklich und unversehrt wieder zurck. So ging es nun fter. Allein eines Tages kam nach einem Gefechte ein Husar mit des Vaters leerem Pferde in das Dorf gesprengt und sagte, der Vater sey schwer verwundet; er liege eine halbe Stunde vom Dorfe auf der Wahlstatt und werde wohl sterben. Die Mutter und ich eilten sogleich zu ihm. Er lag unter einem Baume. Ein alter Soldat kniete bey ihm und hielt ihn sanft in den Armen, so, da der Vater den Kopf an die Brust des wackern Kriegers anlehnen konnte. Noch zwey andere Soldaten standen dabey. Mein armer Vater war durch die Brust geschossen und sah bereits so bla aus wie ein Sterbender. Wir sahen es ihm wohl an, da er uns noch etwas sagen wollte; allein er konnte nicht mehr reden. Da blickte er mich mit seinen sterbenden Augen noch einmal schmerzlich an, dann blickte er auf die Mutter, und dann zum Himmel. Wenige Augenblicke nachher verschied er. Die Mutter und ich weinten uns fast die Augen aus. Die Leiche wurde auf dem nchsten Kirchhofe begraben. Einige Herren Offiziere und viele Soldaten kamen und begleiteten die Leiche. Die Trompete klang mir so seltsam und so traurig, da mirs ist, ich hre sie noch immer. Sie erwiesen ihm noch die letzte Ehre, und schossen ihm noch in das Grab. Meine Mutter und ich wurden von dieser traurigen Ehrenbezeugung so erschttert, als wrde auf uns selbst geschossen. Viele Soldaten wischten sich die Augen, als sie vom Grabe zurckkehrten. Ich und meine Mutter aber zerfloen fast in Thrnen. Die Mutter wollte nun wieder in ihre Heimath zurck kehren. Ich habe dort freylich keine Verwandten mehr, sagte sie, aber doch noch eine gute Bekannte. Sie wird uns wohl in ihr Haus aufnehmen, und ich denke, dort von meiner Arbeit dich und mich zu ernhren. Allein wir hatten kaum einige Tagreisen zurck gelegt, da wurde die gute Mutter unterwegs krank. Mit Mhe erreichten wir noch ein kleines Weiler. Man wollte uns nirgend aufnehmen; endlich fanden wir in einer Scheure ein Unterkommen. Das ist wohl hart, sagte meine Mutter, allein Maria hatte es ja auch nicht besser. Auch sie wurde nirgends hinein gelassen und mute in einem Stalle bernachten. Meine Mutter wurde inde stndlich krnker. Sie lie einen Geistlichen rufen und bereitete sich zum Tode. Als es Nacht wurde, sagte die Burin, der die Scheure gehrte, zu meiner Mutter: Ihr seyd wohl recht krank; ich mu daher schon etwas Uebriges thun. Sie ging, brachte eine alte Stalllaterne, in der ein kleines Oellicht brannte, und hngte die Laterne an einem Balken auf. Das war alles, was sie that. Sie sagte uns nun gute Nacht und kmmerte sich weiter nicht mehr um uns. Ich blieb ganz allein bey der Mutter; ich sa so neben ihr auf einem Bund Stroh und weinte bitterlich. Gegen Mitternacht wurde sie, so viel ich bey dem trben Scheine der Laterne sehen konnte, immer blsser. Sie seufzte mehrmal sehr tief. Ich weinte immer heftiger. Sie both mir die Hand und sagte: Weine nicht, lieber Anton! Bleibe fromm und gut, bethe gern, hab' Gott vor Augen und thu' nichts Bses; so wird dir Gott einen andern Vater und eine andere Mutter geben. So sprach sie. Aber lieber Gott, sagte Anton, und die hellen Zhren floen ihm ber die blhenden Wangen -- eine solche gute Mutter bekomme ich doch nicht mehr. Nun, fuhr er fort, sie blickte nun lange zum Himmel, bethete in der Stille, segnete mich mit ihren sterbenden Hnden und verschied. Ich konnte nichts als weinen. Der Bauer und die Buerin hatten wohl meiner Mutter versprochen, sie wollen mich annehmen und mich wie ihr eigenes Kind halten. Sie nahmen das Wenige, was meine Mutter hinterlassen hatte, ihre Kleider und einiges Geld, auch wirklich zu sich; allein ehe drey Wochen vergingen, schickten sie mich fort, und sagten, ich htte schon dreymal so viel verzehrt, als die Hinterlassenschaft meiner Mutter werth sey. Ich ging und nahm mir vor, nach Glatz zu meinen Schulkammeraden zurck zu kehren. Allein die Bauern konnten mir nicht sagen, wo der Weg nach Schleien gehe. Da irre ich nun so im Lande hin und her und bettle; denn was soll ich sonst anfangen? Die Frsterin war sehr gerhrt, und sagte mit Thrnen in den Augen zu ihren Kindern: Seht, meine Kinder, so knnte es euch auch gehen. Auch ihr knnet Vater und Mutter verlieren, und was wollet ihr dann anfangen? Darum bittet Gott doch alle Tage, da Er euch eure Aeltern erhalte. Der Frster sprach: Du hattest, so viel ich sehe, sehr rechtschaffene Aeltern, lieber Anton. Allein hast du denn gar nichts Schriftliches aufzuweisen? O ja wohl! sagte Anton, und nahm eine Brieftasche aus seinem Pcklein. Diese Papiere, sagte er, hat mir meine Mutter noch auf ihrem Sterbebette bergeben. Sie befahl mir, wohl darauf Acht zu haben, und sie nicht aus der Hand zu lassen. Euch darf ich sie aber schon sehen lassen. Es waren der Trauschein seiner Aeltern, Antons Taufschein und der Todtenschein seines Vaters. Der Todtenschein war von dem Feldprediger ausgestellt. Der Oberst des Regiments hatte aber noch eigenhndig ein sehr rhmliches Zeugni von dem tapfern, edelmthigen Betragen des seligen Wachtmeisters und der tadellosen Auffhrung der hinterlassenen Wittwe beygefgt. Nun wohl, sprach der Frster, das ist alles gut. Jetzt sage mir aber, Anton, wie gefllts dir bey uns? Sehr gut, sagte Anton freundlich, so gut, da mir ist, als sey ich bey Euch zu Hause. Mchtest du wohl bey uns bleiben? fragte der Frster. -- O nirgends in der Welt lieber! sagte Anton. Eure Frau ist gerade so freundlich, wie es meine Mutter war, und Ihr seyd auch recht brav und habt gerade einen solchen Schnurrbart, wie ihn mein Vater trug. Der Frster lachte, und strich sich den Bart. Nun Knabe, sprach er, so bleibe denn bey uns. Ich will dein Vater seyn, und meine Frau wird als Mutter an dir handeln. Sey uns aber auch ein guter Sohn, und habe deine neuen Geschwister lieb und thu ihnen nichts zu leid. Hrst du -- du bist jetzt mein Sohn Anton! Der Knabe stand sehr betroffen da, und sah den Frster mit groen Augen an, ob das auch sein Ernst sey. Er war der harten Begegnung, die er von vielen Menschen erfahren mute, so gewhnt, da ers kaum glauben konnte, der Frster wolle ihn an Kindesstatt annehmen. Nun wie, Anton, sagte der Frster, und both ihm die Hand, schlgst du nicht ein? Jetzt brach Anton in Thrnen aus, both dem Frster die Hand, kte darauf die Hand der Frsterin, und grte beyde Kinder, ja auch das kleinste, wiewohl es noch nicht wute, was vorging, als seine neuen Geschwister. Christian und Katharine hatten eine groe Freude, da Anton da bleiben durfte. Jetzt ists erst recht lustig, sagte Christian; jetzt sind wir, wenn wir ein Spiel machen, doch unser drey. Der Frster fuhr aber ernsthaft fort: Sieh Knabe, so sorgt Gott fr dich. Der Segen deiner guten Aeltern ruht auf dir. Gott erhrte das Gebeth deiner sterbenden Mutter und -- auch dein Gebeth als du dort im Walde zitternd vor Frost im Schnee knietest. Er lenkte deine Tritte hieher! Er fhrte dich in unser Haus. Wenn du unsern Gesang nicht gehrt httest, so wrest du auf deinem Bndelein eingeschlafen und erfroren, und ich htte dich todt im Walde gefunden. Gott rettete dich gerade noch im rechten Augenblick. Er fhrte dich gerade in dieser heiligen Nacht, da unsre Herzen von der Liebe des Vaters im Himmel, der den Eingebornen fr uns dahin gab, besonders gerhrt waren, zu unserer abgelegenen Wohnung im Walde, die du sonst am Tage kaum gefunden httest. Gott und seinem lieben Sohne, der auch fr dich armen Knaben vor bald zwey tausend Jahren in der heutigen Nacht geboren ward, und auch fr dich gestorben ist, hast du es zu danken, da du jetzt wieder ein Obdach hast. Darum erkenne es, und vergi es in deinem Leben nicht, und habe immer ein dankbares Gemth gegen Gott und deinen Erlser. Hab' Gott dein Leben lang recht vor Augen und fhre dich immer christlich auf. Anton versprach es mit weinenden Augen. O Du guter Gott, sagte er, indem er zum Himmel blickte, Du hast die letzten Worte meiner sterbenden Mutter treulich erfllt und mir wieder Vater und Mutter geschenkt. Ich will aber ihre letzten Worte auch erfllen, deine heiligen Gebothe halten, und besonders das vierte Geboth gegen meine neuen Aeltern recht beobachten. Bravo, Anton, sprach der Frster, das thu, und es wird dir wohl gehen. Die Frsterin wies hierauf dem Knaben eine kleine Kammer mit einem reinlichen Bette an, und alle begaben sich vergngt zur Ruhe. Am andern Morgen waren die Kinder sogleich wieder um die Vorstellung des Kindes Jesu in der Krippe versammelt. Sie war an dem heiligen Weihnachtsfeste und den darauf folgenden Feyertagen und Festen ihre einzige Freude. Allein diese unschuldige Weihnachtsfreude wre bald gestrt worden. Ein gewisser junger Herr von Schilf, der ein groer Jagdliebhaber war, und den Frster fter besuchte, kam einmal in die Stube. Er machte ber diese Art, den Kindern die Krippe Jesu vorzustellen, allerley spttische Anmerkungen und konnte nicht finden, wozu dergleichen dienen sollte. Wozu? sprach der Frster. Schauen Sie da einmal zum Fenster hinaus, junger Herr! Sehen Sie, tiefer Schnee deckt die Erde und die Bume des Waldes krachen unter seiner Last. Man sieht keine Blume; nur hier an den gefrornen Fensterscheiben schimmern Blumen von Eis. An den Obstbumen, die mein Dach umgeben, hngen keine Aepfel und Birnen mehr, und es ist kein grnes Blatt mehr daran zu sehen; alle Aeste und Zweiglein sind wei angeduftet und ganz mit Reifen berzogen, und an dem Hausdache hngen lange Eiszapfen. Die armen Kinder hier sind in der Stube, gleich Gefangenen, eingesperrt und knnen kaum einen Tritt vor die Hausthre thun. Sollte es denn nun so bel seyn, wenn liebende Aeltern ihren Kindern zur rauhen Winterszeit in der wrmenden Stube gleichsam einen Frhling erschaffen? Wirklich ist diese Frhlingslandschaft im Kleinen mit den grnen Wldern, blumigen Wiesen, weidenden Schafen und deren Hirten fast die einzige Winterfreude der Kinder. Allein das ist noch das Wenigste! Die Hauptsache ist dies: Wir Christen freuen uns zur heiligen Weihnachtszeit, da uns in Christus die Menschenfreundlichkeit Gottes in Menschengestalt erschienen ist. Und da mchten wir denn auch unsre Kinder, soviel sie es verstehen, an dieser Freude Theil nehmen lassen. Nun wei ich zwar wohl, da die grten Mahler diese heilige Geschichte in Gemlden darstellten, die seit Jahrhunderten die Bewunderung der Welt sind. Ich selbst habe, da ich noch auf Reisen war, jenes berhmte Gemlde der Krippe Jesu zu Dresden, die heilige Nacht genannt, mehrmal bewundert. Allein die Einwendungen, die Sie gegen meine, freylich sehr unvollkommene Darstellung der Krippe Jesu hier machen, lieen sich, den Kunstwerth abgerechnet, gegen jenes herrliche Gemlde auch machen, und sind dehalb keiner Wiederlegung werth. Solche kostbare Gemlde sind brigens nur fr groe Herren, und wren bey Kindern gar nicht angewendet. Denn ich wette darauf, meine Kinder wrden ihre Krippe gegen jenes berhmte Gemlde zu Dresden sicher nicht vertauschen. Lassen Sie also, mein lieber Herr von Schilf, uns einfltige Leute hier im Walde immer bey der alten Sitte unserer Vter bleiben. Ich erinnere mich noch aus meinen eigenen Kinderjahren, da die Krippe meine beste Kinderfreude -- und nicht ohne Segen fr mich war. So mge sie denn auch meinen Kindern zur Freude und zum Segen gereichen. Drittes Kapitel. Die edle Frsterfamilie. Der Frster, der den armen Waisenknaben an Kindesstatt angenommen hatte, war ein sehr rechtschaffener, biederer Mann, und, wie er sich selbst ausdrckte, noch von altem Schrott und Korn. Er war sehr gottesfrchtig, gegen alle Menschen wohlwollend, und in dem Dienste seines Frsten unermdet und von unverbrchlicher Treue. Der ehrliche Frster hielt sich streng an die frommen Sitten seiner Groltern, die er noch gekannt hatte, und seiner Aeltern, die ganz so wie die Groltern gesinnt waren. Am Morgen war es immer sein erstes Geschft, mit Frau und Kindern das Morgengebeth gemeinschaftlich zu entrichten; eben so wurde auch der Tag mit dem Abendgebethe gemeinschaftlich beschlossen. Wie sollten wir, sagte er, nicht jeden Tag mit dem Gedanken an Denjenigen anfangen und beschlieen, der uns jeden Tag das Leben fristet, und uns Speis und Trank und alles Gute giebt? Es ist wohl auch, denke ich, selbst fr Engel ein rhrender Anblick, wenn Vater und Mutter in Mitte ihrer Kinder vor Gott knien, und alle, auch das Kleinste nicht ausgenommen, die Hnde bethend und dankend zum Himmel erheben. Der Vater im Himmel kann nicht anders als segnend auf sie herabblicken. Eben so andchtig und ehrerbiethig bethete der Frster mit allen den Seinigen vor und nach dem Tische. Eines Tages brachte er den jungen Herrn von Schilf von der Jagd mit nach Hause und lud ihn, da eben die Suppe aufgetragen wurde, zum Mittagessen ein. Der junge Herr setzte sich sogleich ohne Tischgebeth an den Tisch. Allein der Frster, der sich, wie er zu sagen pflegte, nie ein Blatt vor den Mund nahm, sagte sehr ernsthaft: Pfui, junger Herr! So machen es meine Wildschweine drauen im Walde; die verschlucken die Eicheln, ohne aufzuschauen, woher sie kommen. Der junge Herr wollte Einwendungen machen, und meynte, das Tischgebeth sey eben nicht so bedeutend. Allein der Frster sprach mit groem Nachdrucke: Was uns zu bessern Menschen macht, ist von groer Bedeutung. Die Gottseligkeit ist zu allem ntze; von der Gottvergessenheit hingegen habe ich noch keine guten Frchte gesehen, wohl aber schon sehr viele schlimme. Bethen Sie mit uns, wie es einem Christen und vernnftigen Menschen geziemt, oder Sie sind mit mir das letzte Mal auf der Jagd gewesen. Mit einem Heiden mchte ich nichts weiter zu thun haben. Ich mag nicht einmal mit ihm an Einem Tische essen. Doch, setzte der Frster gelassener hinzu, ich wei wohl, da Sie ber die Sache nie nachgedacht haben. Sie sahen etwa einige vornehme junge Herren nicht zu Tische bethen, und machten es ihnen ohne weitere Ueberlegung sogleich nach. Sie glaubten dadurch sich selbst ein vornehmes Ansehen zu geben. Allein, mein lieber junger Herr, obwohl Sie Schilf heien, so mssen Sie dehalb doch nicht dem Schilfe gleichen, das innen leer und ohne Mark ist und sich nach jedem Lftchen dreht. Der junge Herr stand wieder auf und bequemte sich mit zu bethen. Er that es aber nicht aus Andacht gegen Gott, sondern blos aus Liebe zur Jagd. Am frhlichsten war der ehrliche Frster immer, wenn er sich in der Mitte seiner Familie befand. Was soll ich die Freude auswrts suchen, sagte er, da ich sie zu Hause besser und wohlfeiler haben kann. Er trank daher nach vollbrachtem Tagewerk seinen Krug Bier, und Sonntags sein Glas Wein daheim, fhrte mit seiner Hausfrau vertrauliche Gesprche oder erzhlte den Kindern frhliche und lehrreiche Geschichten. Wenn er besonders aufgerumt war, nahm er seine Harfe zur Hand. Diese gilt uns, sagte er, bey den langen Winterabenden in unserm rauhen Walde anstatt Konzert und Oper. Er hatte in seiner Jugend zwar das Waldhornblasen angefangen; allein da der Arzt ihm es untersagte, so verlegte er sich, als ein groer Freund der Musik, auf die Harfe. Die Frsterin wute mehrere schne Lieder, und der Frster begleitete sie mit seinem Harfenspiel. Auch die Kinder hatten bald einige ihrem Alter angemessene Liedchen gelernt, und sangen zusammen, gleich den Zeisigen im Walde. Die Kinder des Frsters gingen nach Aeschenthal, dem nchsten Pfarrdorfe, in die Schule. Sobald die Weihnachtsfeyertage vorber und die Wege durch den Wald wieder gangbar waren, muten Christian und Katharine tglich dahin gehen. Anton ging mit tausend Freuden mit, und bertraf bald alle seine Mitschler. Sein Flei und seine Talente waren ausnehmend. Wenn der Frster Abends von der Jagd nach Hause kam und in seinem Lehnstuhle nchst dem wrmenden Ofen sa, muten ihm die Kinder erzhlen, was sie in der Schule gelernt hatten, und ihm ihre Schriften vorweisen. Anton wute immer am meisten zu erzhlen; seine Schriften waren immer die schnsten, und in dem Lesen brachte er es bald zu einer groen Fertigkeit. Nach dem Abendessen muten die Kinder abwechselnd vorlesen; allein alle im Hause hrten am liebsten dem Anton zu. Er liest am natrlichsten, sagte die Frsterin. Wenn man es nicht she, da er ein Buch vor sich habe, so meynte man sicher, da er die Geschichte nicht lese, sondern da er sie einmal gehrt habe, und sie uns nur so aus dem Kopfe erzhle. Der frhlichste Tag in der Woche war den Kindern immer der Sonntag. An diesem Tage ging der Frster nicht auf die Jagd und die Kinder konnten den ganzen Tag um ihn seyn. Ich bringe, sprach er, die sechs Tage der Woche unausgesetzt und unverdrossen in herrschaftlichen Diensten zu; allein der Sonntag ist dem Dienste eines grern Herrn gewidmet. Auch ist mir und meinen Holzhauern nach sechs Arbeitstagen wohl ein Ruhetag zu gnnen. Am Sonntage Morgens gingen Vater und Mutter in der lieblichen Sonntagsfrhe mit den Kindern nach Aeschenthal in die Kirche. Das war den Kindern, besonders im Frhlinge und im Sommer, eine groe Freude. Der Weg fhrte bald ber waldichte Berghhen hin, bald durch schmale Wiesenthlchen, die mit buschigen Felsen und hohen Bumen umgeben waren. O wie schn ists doch im Walde, sprach dann wohl Anton; wie herrlich grnen die Bume im Glanze der Morgensonne! Ja, am Sonntage kommt mir der Wald noch viel schner vor, als sonst. Mir ists, als htten alle Bume ein freundlicheres Grn. Die Vgelein auf den belaubten Zweigen singen viel frhlicher. Und auer ihnen schweigt alles! Man hrt keine Holzaxt, kein Wagenrad und keinen Schu; nur die Kirchenglocke ertnt in der Ferne. Es ist alles so still und ruhig, wie in der Kirche. So feyerlich, wie in einem Tempel, sagte der Frster. Auch der Wald ist ein Tempel des Herrn; Er, der Allmchtige, stellte diese Bume wie Sulen umher, und fgte ihre Zweige zu einem grnen Gewlbe zusammen. Alles, von der ungeheuren bemoosten Eiche dort bis zu den kleinen Mayblmchen hier zu unsern Fen, verkndet uns seine Allmacht und Gte. Ja die ganze Erde, so weit der blaue Himmel sich wlbt, ist ein Tempel seiner Herrlichkeit. Besonders am Sonntage sollen wir Ihn in diesem seinem Tempel anbethen und diese herrlichen Werke andchtig betrachten. In diesem prachtvollen Tempel, den Er selbst erbaute, knnen wir seine unermeliche, unbegreifliche Gre und Herrlichkeit wahrnehmen; in unsern Kirchen aber, wiewohl sie von Menschenhnden erbaut sind, lt Er seine Rathschlsse und seinen heiligen Willen uns nher offenbaren. Auch dehalb wurde der Sohn Gottes ein Mensch, lehrte uns Menschen und ordnete das Lehramt an. In hundert tausend Tempeln und Kirchen der ganzen Christenheit wird an dem heutigen Tage seine Lehre verkndet und von Millionen Menschen angehrt. Merkt daher auch ihr, meine Kinder, heute in unsrer Kirche andchtig auf jedes Wort des Lehrers und bewahrt es in eurem Herzen. Solche und hnliche Gesprche fhrte er mit den Kindern auf dem Wege zur Kirche; auf dem Heimwege aber redete er mit ihnen von der Predigt, und sie wetteiferten, ihm zu erzhlen, was sie daraus sich gemerkt htten. Bey Tische war der Frster Sonntags immer besonders frhlich. Die Freude, sprach er, mit euch zu Mittag zu essen, wird mir unter der Woche selten zu Theil; da verzehre ich mein Mittagsmahl meistens gleich im Walde aus der Faust, und es schmeckt mir, Gott sey Dank, immer sehr gut. Aber am Sonntage schmeckt es mir doch am besten, nicht weil die Mutter da eine bessere Mahlzeit bereitet, sondern weil ich die Speisen in eurer Mitte genieen kann. Er legte den Kindern mit dem herzlichsten Wohlwollen selbst vor. Esset, Kinder, esset, sprach er, und Danket Gott fr seine Gaben. Nach Tische ging er mit den Kindern im Walde umher, lehrte sie die mancherley Bume, Struche und Kruter kennen, und pries ihre mannigfaltige Schnheit und Brauchbarkeit. So, sprach er dann immer, hat Gott alles, auch das kleinste Krutlein, schn gebildet und zu dem Nutzen des Menschen eingerichtet. Auch der Wald ist ein Buch, in dem ihr auf allen Blttern von der Weisheit und Gte Gottes lesen knnet. Wenn im Frhlinge oder im Sommer der Abend schn war, so deckte die Frsterin unter der groen Linde, nicht weit vom Frsterhause, wo ein Tisch nebst einigen Bnken angebracht war. Nach dem Abendessen sangen sie noch einige schne und rhrende Abendlieder. Der Frster spielte dazu die Harfe, und die Vgel auf allen Bumen des Waldes umher stimmten in den Gesang und das Harfenspiel mit ein. Anton fhlte sich unter diesen edlen Menschen, bey denen wahre Frmmigkeit, Eintracht und Liebe, Flei, Ordnung und Zufriedenheit wohnten, hchst glcklich. Gott meynte es doch recht gut mit mir, sagte er fter. Er htte mich auf der ganzen Welt zu keinen bessern Menschen fhren knnen. Der gute Knabe war aber auch die lautere Dankbarkeit und Dienstfertigkeit gegen seine Pflegltern. Wenn der Frster Abends aus seinem Forstbezirke heimkam, eilte Anton sogleich, ihm den alten hechtgrauen Ueberrock mit grnen Aufschlgen, dessen sich der Frster als eines Schlafrockes bediente, und die Pantoffeln zu bringen. Wenn die Frsterin in der Kche am Heerde stand und kochte, trug er ihr ungeheien Holz zu oder lief, um ihr einige Schritte zu ersparen, in den Gemsgarten am Hause und holte Schnittlauch, Petersilien oder was sie sonst eben von grnen Krutern nthig hatte. Mancher ihrer Wnsche ward, bevor sie ihn aussprach, schon erfllt. Seinem guten Pflegvater erzeigte er aber noch ganz besonders gute Dienste. Der Frster verfertigte von allen ihm anvertrauten Waldungen Risse, und gab ihnen mit Farben ein schnes, geflliges Ansehen. In der Ecke jedes Blattes war der Namen des Waldes mit groen Buchstaben geschrieben, und, nachdem es ein Wald war, mit einem Kranze von Tannenzweigen oder Eichenlaube eingefat. Anton brachte es bald so weit, da er die grten Risse nett und genau nachzeichnen konnte. Die Verzierungen aber, die er dabey anzubringen wute, waren von ihm selbst erfunden und so gut ausgefhrt, da der Frster darber erstaunte. Anton zeichnete zum Beyspiele einen Eichbaum, an dem ein Schild mit dem Namen des Waldes lehnte, und seitwrts sah man ein Wildschwein, das nach Eicheln suchte. Oder der Name des Waldes stand in einen Felsen eingegraben, der mit Tannen gekrnt war, und unten am Felsen ruhte ein Hirsch mit zakigem Geweih. Ueberhaupt zeichnete und mahlte Anton in allen seinen freyen Stunden bald Landschaften, bald Thiere, und wo er nur ein Streifchen weies Papier oder einen leeren Briefumschlag fand, zeichnete er einen Vogel, eine Blume, oder einen Baumzweig darauf. Er konnte keinen Augenblick mig seyn. Der Frster und die Frsterin liebten den guten Knaben wie ihr eigenes Kind, ja ihre eigenen Kinder wurden, von Antons Beyspiel aufgemuntert, noch viel dienstfertiger und thtiger, als sie es zuvor waren. Viertes Kapitel. Antons fernere Geschichte. Eines Tages schickte der Frster den Anton mit einem Paar Schnepfen in das benachbarte frstliche Jagdschlo Felseck. Der Verwalter hatte eben einen Gast und wollte ihn damit bewirthen. Anton kam unterwegs an einem Wasserfall vorbey, der zwischen schwarzgrnen Tannen, wei wie Schnee, von einem hohen Felsen herabstrzte. Nicht weit davon sa ein fremder Herr in einem dunkelblauen Kleide, der den Wasserfall abzeichnete. Anton ging hin, schaute ber die Schulter des Fremden auf das Blatt, und konnte sich nicht enthalten, laut zu rufen: O wie schn! Ja das heit gemahlt! Er bath um Erlaubni, das schne Gemlde nher besehen zu drfen, und erhielt sie. Mir ists, sagte er, indem er es betrachtete, als wre das Blatt da ein Spiegel, in dem sich der Wasserfall, nebst Felsen und Bumen, im Kleinen abspiegelte. Wie silberhell das Wasser aus dem gespaltenen Felsen hervorschiet und wie schn sich der weie Schaum unten zwischen den bemoosten Steinen kruselt! Wie frisch und grn das zarte Moos an diesem Steine da ist! Man meynt, man knne es wegrupfen. Wie keck diese rauhen Tannen emporstarren! Und da haben Sie berdie noch einen Hirsch hergemahlt, der aus dem Bache trinkt. Wie leicht der auf den Fen steht! Man sieht es ihm an, wie flchtig er ber Stock und Stein wegsetzen kann. Die Hirsche, die ich mahle, stehen so lahm da, als wollten sie alle Augenblicke umfallen. Ich wei kein rechtes Leben in sie hinein zu bringen. Der Mahler hatte an den ungeheuchelten Lobsprchen des Knaben und noch mehr an dessen Gefhl fr Kunst ein groes Wohlgefallen. Er sagte lchelnd: Du bist also, wie ich merke, auch ein kleiner Mahler? Ach, sagte Anton, bisher meynte ich wohl gar, ich sey kein kleiner, sondern ein groer Mahler. Jetzt sehe ich aber wohl, da ich gar keiner bin. Der Mahler sagte: Ich wnsche deine Mahlereyen doch zu sehen. Ich werde dich nchstens besuchen, und da mut du mir sie zeigen. Wer sind deine Aeltern und wo bist du zu Hause? Ach, sprach Anton, ich bin ein armer Waisenknabe. Der Herr Frster Grnewald hat mich aber an Kindesstatt angenommen. Nun, sagte der Mahler, da bist du wohl mit ihm verwandt, ein Bruderssohn oder ein Schwestersohn? Nein, sagte Anton, ich kam ganz landfremd in sein Haus; er und seine Frau nahmen mich aber sogleich auf und hielten mich wie ihr eigenes Kind. Das ist viel, sehr viel, sagte der Mahler. Doch wie kam denn die? Anton erzhlte seine Geschichte ausfhrlich. Der Mahler hrte ihm aufmerksam zu und sagte am Ende: Der Frster und seine Frau mssen sehr edle Menschen seyn. Gre sie mir, und sage ihnen, morgen des Tages werde ich sie besuchen, um ihnen im Namen der Menschheit fr die Liebe, die sie dir erweisen, zu danken. Der Mahler hie Riedinger und war vor einem Paar Tagen auf dem frstlichen Jagdschlosse angekommen, um da einige alte Gemlde aufzufrischen. Er bentzte diese Gelegenheit, eine und die andere Waldgegend, die ihm besonders gefiel, abzuzeichnen. Sogleich am Abende des folgenden Tages besuchte er den Frster. Beyde biedere Mnner fanden bald, da sie Eines Sinnes waren, und wurden Freunde. Der Mahler wollte nun Antons Zeichnungen sehen. Die Frsterin lobte sie ausnehmend. Glauben Sie mir, sagte sie, sie sind unvergleichlich. Allein Anton stand errthend an der Thre und sagte: Herr Riedinger, Sie werden sehen, da sie ganz und gar nichts heien. Der Mahler ermunterte ihn aber, sie zu zeigen, und Anton brachte sie. Herr Riedinger betrachtete eine nach der andern sehr bedachtsam und lchelte einige Male. Wiewohl er vieles daran auszustellen hatte, so gefielen sie ihm dennoch sehr. Wahrhaftig, sagte er, es steckt ein Mahler in dem Knaben. Herr Grnewald, berlassen Sie ihn mir. Sie sollen Freude an ihm erleben. Topp! sagte der Frster und schlug ein. Ich habe schon lange nachgesonnen, was der Knabe werden solle. Er ist nun bereits in dem vierzehnten Jahre und in der Schule zu Aeschenthal ist fr ihn weiter nichts mehr zu lernen. Zu einem Jger ist er zu zart und zu mitleidig. Er artet mehr seiner sanften Mutter nach, als seinem tapfern Vater. Wenn Sie also meynen, er gebe einen guten Mahler ab, so nehmen Sie ihn immerhin in die Lehre. Wie viel verlangen Sie Lehrgeld? Lehrgeld! sagte der Mahler. Davon kann keine Rede seyn. Sie gaben mir zuerst ein Beyspiel, wie man sich armer Waisen annehmen msse. Eine edle That zieht immer andere nach sich, wie eine Kerze andere anzndet. Das ergiebt sich alles ganz natrlich. Lassen Sie es also gut seyn. Sobald ich mit meiner Arbeit auf dem Schlosse fertig bin, fhrt Anton, wenn er anders Lust hat, mit mir in die Stadt, und ich werde keine Mhe sparen, ihn zu einem Knstler zu bilden. Anton hpfte fast vor Freude. Als indessen nach einigen Tagen der Mahler in einer Kutsche vor das Haus gefahren kam, ihn mitzunehmen, weinte der gute Knabe doch recht herzlich. Allein der Frster sprach: Weine nicht, Anton. Es ist ja nur ein Sprung in die Stadt. Wir besuchen dich fter, und auch du kannst uns an Sonn- und Feyertagen leicht besuchen. -- Ja, das bedinge ich mir noch aus, sprach er zu Herrn Riedinger, da Anton uns manchmal besuchen, die Weihnachtsfeyertage aber allemal ganz bey uns zubringen drfe. Sie mssen ihm das erlauben. O recht gern, sagte der Mahler, recht gern; und wenn Sie und die Frau Frsterin nichts dagegen haben, so komme ich allemal mit. Sie gaben sich darauf die Hand. Anton dankte seinen Pflegltern. Sie ermahnten ihn, seinen Lehrmeister, der so vieles aus lauter Gte fr ihn thun wolle, als seinen Vater zu ehren. Unter den besten Segenswnschen seiner Pflegltern und Geschwister stieg Anton in die Kutsche und fuhr mit dem Mahler fort. Der treffliche Mahler hielt in allen Stcken Wort. Es war ihm eine Herzenslust, einen so fhigen Schler zu unterrichten. Auch kam er mit ihm zu dem Frster fter auf Besuch; ja manchmal blieben sie mehrere Tage, um in dem gebirgigen Walde schne Gegenden abzuzeichnen. Der Meister konnte seinen Schler jedesmal nicht genug loben. Unter uns gesagt, sprach er zum Frster, er wird ein Knstler, dem ich das Wasser nicht biethen darf. Nach einigen Jahren kam Herr Riedinger mit Anton, der nunmehr ein blhender Jngling war, wieder einmal zu dem Frster in die Weihnachtsfeyertage. Herr Riedinger blieb nach dem Abendessen mit dem Frster und der Frsterin etwas lnger auf. Anton und die Kinder des Frsters hatten sich lngst zur Ruhe begeben. Der Frster und die Frsterin merkten wohl, da der Mahler etwas auf dem Herzen habe, und es ihnen sagen mchte. Endlich fing er an: Was Anton bey mir lernen konnte, hat er gelernt. Er mu nun reisen; er mu Italien sehen. Allerdings wird das nicht wenig kosten; allein es lohnt sich der Mhe. Kein Kapital knnte besser angelegt werden. Ich stehe Ihnen dafr, es wird auch reichliche Zinsen tragen und seiner Zeit wieder ersetzt werden. Was eine solche Reise kostet, bersteigt freylich das Vermgen eines Privatmannes. Allein ich habe mir die Sache so ausgedacht: Es versteht sich, da Anton nicht ganz auf fremde Kosten reise. Er mu selbst etwas verdienen. Inde braucht er doch immer ansehnlichen Zuschu; denn er mu auch fr sich noch freye Zeit behalten, um in der Kunst weiter zu kommen. Was nun mich betrifft, so werde ich das Meinige redlich dazu beytragen. Ich habe mir es, von Ihrem Beyspiele ermuntert, nun einmal in den Kopf gesetzt, den Anton umsonst zu einem Mahler zu bilden. Seine Arbeiten, die er bisher lieferte, sind mir sehr gut bezahlt worden. Dieses Geld habe ich zurck gelegt, und werde es zu seiner Reise verwenden. Allein es reicht bey Weitem nicht zu. Wren Sie nun nicht geneigt, das noch Fehlende, das freylich eine nicht geringe Summe betragen kann, darauf zu legen? Ein gutes Werk, das man angefangen hat, mu man auch vollenden. Er both dem Frster die Hand hin, erwartend, er werde einschlagen. Der Frster hatte an Antons Wohlverhalten und seinen Fortschritten in der Kunst hohe Freude. Er besa ein ziemliches Vermgen. Er blickte seine Hausfrau an. Sie nickte. Der Frster schlug ein und sagte: Nun wohl, wenn die Summe mein Vermgen nicht bersteigt, so will ich sie ausbezahlen. Es wurde ein Ueberschlag gemacht, was die Reise kosten knnte, und einmthig beschlossen, Anton sollte knftigen Frhling die Reise antreten. Der Mahler fuhr am nchsten Morgen mit Anton im Schlitten zurck in die Stadt. Der Frster und die Frsterin machten aber den Winter ber Anstalten zu Antons bevorstehender Reise. Der Frster kaufte Tuch ein, um seinen Pflegsohn hinreichend mit wohlanstndiger Kleidung auszustatten. Auch suchte er seinen eigenen Reisekoffer hervor, und lie ihn mit Rehfell neu berziehen. Die Frsterin und ihre zwey Tchter nhten und strickten sehr emsig, den Anton reichlich mit Leinenzeug zu versehen. Zu Anfang des Frhlings mute Anton noch einige Tage bey seinen Pflegltern zubringen. Sein Pflegvater gab ihm in dieser Zeit noch viele gute Ermahnungen und Klugheitslehren, und war gegen ihn ganz ungemein liebreich. Der gute Mann nahm sich selbst die Mhe, den Koffer zu packen. So oft ihm die Frsterin ein neues Kleidungsstck hinreichte, wurde Anton aufs neue gerhrt. Ach wie vieles -- wie gar so vieles thun Sie an mir! sagte er. Meine eigenen Aeltern, wenn sie noch lebten, knnten nicht mehr fr mich thun! Der Koffer wurde an einen berhmten Mahler, dem der Herr Riedinger den Anton empfohlen hatte, voraus geschickt. Denn Anton wollte die ganze Reise zu Fu machen. Christian, Antons Herzensfreund, hatte aber noch fr ein kleines Felleisen gesorgt, in dem Anton das Nothwendigste zum tglichen Gebrauche mitnehmen konnte. Endlich kam der Abschiedstag; Anton wollte nach Tische zu Herrn Mahler Riedinger in die Stadt gehen, und von da aus dann weiter reisen. Die Frsterin bereitete ein Abschiedsmahl, und alle speisten noch einmal mit einander zu Mittag. Es war ein freundliches, rhrendes Familienfest. Der Frster blickte in dem kleinen Kreise umher. Es herrschte eine wehmthige Stille. Nicht doch, meine Shne und Tchter, sprach er, seyd nicht so traurig; und auch du, gute Mutter, trockne diese Thrne da ab. Es ist nun einmal so! Die Shne, zumal wenn sie bereits erwachsen sind, mssen hinaus in die Welt; und auch ihr, meine Tchter, seyd bald in dem Alter, wo ihr vielleicht das vterliche Haus verlassen werdet. Doch, wenn uns auch Berg und Thal dem Leibe nach trennen, im Geiste bleiben wir immer vereinigt. Und so traurig der Abschied immer seyn mag, das Wiedersehen, das uns hier oder dort nie ausbleibt, ist dann desto freudiger! Der edle Mann wute durch frhliche Gesprche alle wieder zu erheitern. Er lie eine Flasche guten Wein bringen, von dem er sonst nur an Festtagen trank. Er schenkte der Mutter und den beyden Tchtern, obwohl alle drey sich weigerten, davon ein. Den Traurigen gieb Wein! sagte er lchelnd. Anton und Christian bothen ihre Glser her, ohne sich lange nthigen zu lassen. Am Ende der Mahlzeit nahm der Frster sein Glas und sagte: Nun, Anton, sto an -- auf eine glckliche Wanderschaft und ein frhliches Wiedersehen! Das gebe Gott, sagte die Frsterin, stie an und trank ein klein wenig. Christian, Katharine und Luise stieen auch mit an. Allen standen die Thrnen in den Augen. Anton war am gerhrtesten. Er konnte die Thrnen nicht mehr zurck halten und sagte: O meine liebsten Aeltern, wie vielen Dank bin ich Ihnen schuldig! Was wre ich ohne Sie! Ach, ewig kann ich es Ihnen nicht vergelten, was Sie an mir gethan haben. Gott wolle Ihr Vergelter seyn! Er wolle mich einst in den Stand setzen, fr das unaussprechlich viele Gute, das Sie an mir thaten, Ihnen und meinen lieben Geschwistern meinen Dank durch die That zu bezeugen. Ja, lieber Anton, sagte der Frster, ich kann es dir nicht verhehlen, wir thun viel an dir; und wenn ich deine Geschwister hier so ansehe -- so mchte ich fast sagen, zu viel. Denn was mich und meine geliebte Hausfrau betrifft, so brauchen wir wohl wenig mehr. Unsere Haare sind bereits grau. So lange wir noch leben, haben wir wohl noch Brod. Allein, mein lieber Anton, wenn eines oder das andere deiner Geschwister einmal in Noth kommen sollte, so vergi nicht, wie wir dir aus der Noth geholfen haben, und la sie nicht in der Noth stecken. Gieb mir die Hand darauf, Anton! Nicht wahr, du verlt deine Geschwister nicht? O lieber Vater, rief Anton, indem er dem Frster die Hand reichte, ich mte ja der undankbarste Mensch von der Welt seyn, wenn ich Ihrer Wohlthaten je vergessen knnte. O gewi -- Ihre Liebe ist mir ewig unvergelich. Meine grte Glckseligkeit auf der Welt soll es seyn, Ihnen, lieber Vater, meiner besten Pflegmutter oder meinen lieben Geschwistern Gutes erweisen zu knnen. Ich glaube dir, Anton, sagte der Frster; doch -- nun ist es Zeit, da wir scheiden. Er stand auf und sprach: Knie nieder, lieber Sohn, damit ich dir noch den vterlichen Segen gebe. Anton kniete nieder. Der Frster erhob seine Augen zum Himmel; es war etwas Ehrwrdiges und Feyerliches in seinem Angesichte und seiner Gestalt. Er segnete den Jngling und sprach: Gott begleite dich auf allen deinen Wegen, bewahre dich vor Snde, und fhre dich gut und unverdorben wieder in unsere Arme zurck. Die Mutter und die Kinder standen alle mit gefalteten Hnden und weinenden Augen andchtig umher, und sagten mit gerhrtem Herzen: Amen! Der Frster hob den Anton auf, schlo ihn in die Arme und sagte: Nun -- zieh hin und Gott sey mit dir! Habe Ihn stets vor Augen -- und vergi nicht, da sein allsehendes Auge dich berall sehe. Halte dich fr zu gut, etwas Bses zu thun. Die Gter und Lste dieser Erde sind es nicht werth, da wir ihrethalben unser Gewissen beschweren. Gedenke, da wir nicht fr diese kurze Zeit, die wir auf Erden zu leben haben, geschaffen sind und da eine Ewigkeit sey. Meide nicht nur das Bse, sondern auch jede Gelegenheit, Bses zu thun. Besonders fliehe solche Menschen, die ber den frommen Glauben unserer Vorltern spotten und sich ber reine Sitten lustig machen. Noch einmal -- lebe wohl und Gott sey mit dir. Die Frsterin sagte mit Augen voll Thrnen: Anton! Sieh diese meine rothgeweinten Augen, diese meine nassen Wangen! Um dieser Thrnen willen bleibe Gott ergeben, gut und rechtschaffen. Gedenke dieser Thrnen, wenn du in Versuchung kommest, Bses zu thun. Bisher hast du uns nur Freude gemacht; betrbe uns nie. So herzlich ich jetzt weine, so fhle ich dabey doch vielen Trost! Aber wenn wir je etwas Unrechtes von dir hren sollten, dann wrden ich, und wir alle, die bittersten Thrnen weinen. Vergi unserer treuherzigen, vterlichen und mtterlichen Ermahnungen -- und der letzten Ermahnung deiner seligen Mutter -- in deinem Leben nicht, und lebe wohl. Die ganze Familie begleitete den tief gerhrten, traurigen Jngling noch eine weite Strecke Weges, fast bis zu Ende des Waldes. Endlich sagten sie ihm alle noch einmal Lebewohl! Anton ging -- sie aber blieben stehen. Er sah noch sehr oft um, und winkte ihnen mit dem Hute. Der Frster und Christian winkten ihm auch mit ihren Hten, und die Frsterin und die zwey Tchter mit ihren weien Tchern, bis er endlich mit seinem Wanderstab in der Hand und seinem Felleisen auf dem Rcken hinter einem waldichten Hgel verschwand. Fnftes Kapitel. Ein Weihnachtsgeschenk. Der heilige Weihnachtsabend war, seit Antons Abreise bereits das dritte Mal, wieder angebrochen. Der Frster kam heute mit seinem Sohne Christian frher aus dem Walde nach Hause. Es war sehr kalt. Der Abendhimmel strahlte glhendroth durch die Fenster in die Stube. Die runden Scheiben fingen schon an zu gefrieren und schimmerten in dem rthlichen Abendschein wie Edelsteine. Der Frster setzte sich in seinen Lehnsessel neben dem groen Ofen. Er legte mehr Holz zu; denn der Ofen war so eingerichtet, da man ihn auch in der Stube ffnen konnte. Die Flamme loderte bald hoch auf, verbreitete einen wallenden Schimmer durch die Stube, spiegelte sich in den Fenstern und vermehrte das Funkeln der gefrornen Fensterscheiben. Jetzt kam die Frsterin in die Stube. Ist kein Brief von Anton da? fragte der Frster. Nein! sagte sie mit betrbtem Angesichte. Wunderlich! sprach der Frster und schttelte den Kopf. Auf den Weihnachtsabend war sonst allemal richtig ein Brief von ihm da. Er schrieb immer sehr ausfhrlich und seine Briefe waren mir immer die angenehmste Weihnachtsfreude. Was treibt der Junge, da er nicht schreibt? Kaum hatte der Frster dieses gesagt, so trat ein Bothe mit weiangeduftetem Haare in die Stube. Er hatte einen Brief in der Hand und eine neue Kiste von Tannenholz auf dem Rcken, die zwar nur ganz flach, aber ziemlich breit und so hoch war, da der Mann sich bcken mute, um in die Stube zu kommen. In dem Kistchen wird wohl ein Spiegel seyn! sagte Katharine. Der Bothe berreichte dem Frster den Brief und lud die Kiste ab. Der Brief ist von dem Herrn Mahler Riedinger, sagte der Frster. Wie kommt das? Nun glaube ich bald, da dem armen Anton ein Unglck begegnete. Er ri den Brief eilig auf, und durchlief ihn am Glanze des Feuers, das aus dem Ofen strahlte, mit begierigen Blicken. Denkt nur, rief er freudig, Anton schickt uns bis aus Rom ein Gemlde zum Weihnachtsgeschenk. Er hat es, zusammengerollt, an Herrn Riedinger bermacht, und ihn ersucht, es in eine reiche goldene Rahme fassen zu lassen, und dafr zu sorgen, da wir es auf den heiligen Abend sicher bekmen. Das Gemlde sey ein wahres Meisterstck, schreibt Herr Riedinger. Der Anton ist doch ein trefflicher Junge; ich mchte ihn sogleich umarmen. Katharine! rief er jetzt, bring doch dem ehrlichen Bothen, bis das Essen kommt, einstweilen ein Glas Wein. Das wird ihm gut thun; denn es ist drauen wirklich grimmig kalt. Der Bothe nahm den Wein mit Dank an; verbath sich aber das Abendessen. Er habe, sagte er, zu Aeschenthal Anverwandte, und wolle bey diesen den Weihnachtsabend und den heiligen Tag zubringen. Auch gut! sprach der Frster, hie den Bothen austrinken, beschenkte ihn reichlich und entlie ihn. Nun, sprach der Frster, sitzt alle um mich her! Da ist in des Herrn Riedingers Brief auch noch ein Brief von Anton eingeschlossen; den will ich euch vorlesen. Luise sagte: Ich will nur noch zuvor ein Kerzenlicht holen. Wohl, sprach der Frster; ich kann dann den Brief mit mehr Bequemlichkeit lesen. Aber eile! Luise brachte die brennende Kerze sogleich auf einem glnzenden Leuchter von Messing. Alle saen bereits begierig im Kreise umher. Der Frster las: Liebste, beste Aeltern und Geschwister! Sie erhalten hier ein Weihnachtsgeschenk, ein Gemlde, das ich mit vielem Fleie gemahlt habe. Es stellt den neugebornen Heiland in der Krippe vor. Mehrere Knstler versicherten mich, das Bild sey mir sehr gut gelungen. Ich wnsche, da es Ihnen nur halb so viel Freude machen mchte, als mir die Vorstellung des Kindes Jesu in der Krippe machte, da ich das erste Mal in Ihr Haus trat. Gewi wrden Sie dann keine geringe Freude daran haben. Ach, da ich doch mit dem Bilde selbst zu Ihnen reisen, und es Ihnen berreichen knnte! Es ist zwar dahier ein herrliches Land! Jetzt, im Monate November, da ich dies schreibe, ist es bey Ihnen wohl schon lngst Winter, und Ihr Dach und die Tannen und Eichen umher seufzen unter der Last des Schnees. Aber hier prangen die Zitronen- und Pomeranzenbume noch mit silberhellen Blthen und goldenen Frchten. Dennoch sehne ich mich unter all diesen Herrlichkeiten nach Ihrem lndlichen Kaminfeuer zurck, an dem ich die seligsten Stunden meines Lebens zugebracht habe. Ihrer Gte habe ich es zu danken, da ich unter dem milden Himmel Italiens lebe, da ich, wenn ich je diesen Namen verdiene, ein Knstler bin. Jene gemthliche Vorstellung der Krippe Jesu fr Kinder, so unvollkommen sie auch seyn mochte, weckte mein Talent zuerst. Immer steht sie mir noch vor Augen, und was ich auch, allerdings ohne Vergleich Herrlicheres, von Kunstwerken sehe, so werde ich doch nicht so, wie damals, davon entzckt. Ach, die seligen Jahre der Kindheit gehen doch ber alles! Da erblicken wir alles umher wie verklrt vom goldenen Glanze der Morgenrthe. Schade, da sie so schnell vorber sind! Jetzt, in diesem Augenblicke, da Sie diesen Brief lesen und meine Mahlerey betrachten, bin ich im Geiste unter Ihnen zugegen. Ich erinnere mich mit gerhrtem Herzen, wie ich halb erstarrt unter Ihr lndliches Dach kam, wie mich die gute Mutter mit warmen Speisen erquickte, wie Sie mich zu Ihrem Kinde aufnahmen, wie Christian, Katharine und Luise ihre Weihnachtsgeschenke so freudig mit mir theilten. O liebster Vater! ich ksse dankbar Ihre und meiner Pflegmutter ehrwrdige Hnde. Ich umarme alle meine Geschwister. Ich freue mich jetzt schon im Voraus, Ihnen nach einigen Jhrchen nicht blos im Geiste und aus weiter Ferne, sondern von Angesicht zu Angesicht sagen zu knnen, wie von ganzem Herzen ich sey -- Ihr dankbarer, Sie innigstliebender Anton. Rom, den 15. November 1756. Das ist ein Brief, sagte der Frster und wischte sich die Augen; was wir auch an den Jungen gewendet haben, es ist alles noch zu wenig. Ich setzte zwar immer keine kleinen Hoffnungen auf ihn; allein er bertrifft sie alle bey weitem. Niemals htte ich geglaubt, eine solche Freude an ihm zu erleben. Doch, sagte er jetzt lchelnd, ich denke, das Nachtessen wartet auf uns. Nach Tische wollen wir das Gemlde besehen. O nein! riefen alle einmthig, jetzt gleich! Das geht nun ber das Essen! fgte Luise noch bey; ich will nur geschwind noch eine Kerze holen, damit wir das Gemlde besser betrachten knnen. Christian brachte Stemmeisen und Hammer, und ffnete die Kiste. O wie schn! Wie lieblich! riefen alle. Welche himmlische Gestalten! Welche unvergleichlichen Farben! Der Frster stellte das Gemlde auf ein Wandtischchen und die zwey hellleuchtenden Wachskerzen darneben. Aller Augen waren auf das schne Bild gerichtet. Die Frsterin faltete andchtig die Hnde und sagte: Wahrhaftig, man kann nichts Schneres sehen! Mir wird es, als wre ich wirklich bey der Krippe Jesu zugegen! Wie freundlich, wie holdselig das gttliche Kind uns anblickt, als wollte es bey seinem Eintritte in die Welt uns alle willkommen heien! Wie Maria, an der Krippe kniend, so zrtlich und liebreich auf das Kind niederblickt, es mit einem Arme umfat, die andere Hand auf ihr tiefgerhrtes Herz legt, und ber dem holden Kinde aller Drftigkeit des armen Stalles vergit! Wie ehrwrdig Joseph da steht und wie fromm er mit gefalteten Hnden zum Himmel aufschaut! Wie den Hirten die Redlichkeit aus den Augen sieht; wie ehrerbiethig und andchtig sie auf die Knie gesunken sind! Und die Engel oben, wie himmlisch schn! Wie leicht und schwebend! Und welch ein heller Glanz das Kind umgiebt, alles umher erleuchtet, und selbst den Schimmer der Engel berglnzt. Wahrhaftig, wer sich da der Geburt des Erlsers nicht freuen und mit den Engeln Gott loben und preisen wollte, der mte ein Herz von Stein haben. Der Frster hatte das Bild bisher mit unverwandten Augen stillschweigend betrachtet, ohne ein Wort zu sagen. Endlich sprach er, wie aus einem Traume erwachend: Ja, du hast Recht! Wenn wir diese heilige Geschichte, so schn gemahlt und in eine Rahme gefat, vor Augen haben, so macht sie einen neuen, ganz eigenen Eindruck auf unser Herz. Ich will es einmal versuchen, ob ich es euch sagen kann, was ich alles darin finde und wie es mir um das Herz ist. Er schob seinen Lehnsessel herbey, setzte sich in einer kleinen Entfernung von dem Bilde, in der es sich am besten ausnahm, und sprach dann: Wir wollen, meine lieben Kinder, unsre Augen zuerst auf das gttliche Kind in der Krippe richten! Wir wollen aber jetzt auf einige Augenblicke seiner gttlichen Abkunft noch nicht gedenken; wir wollen es zuerst nur als ein Menschenkind betrachten. Schwach und hlflos, in arme Windeln eingewickelt, liegt es auf ein wenig Heu und Stroh. Aber die liebvolle Mutter begrt es mit freundlichem Lcheln und voll der zrtlichsten Sorgfalt, es wohl zu verpflegen; und der treue Nhrvater steht theilnehmend dabey, bereit mit seinem strkern Arm Mutter und Kind zu schtzen, mit seiner arbeitsamen Hand beyde zu ernhren. Ein treuer Vater, eine liebvolle Mutter und ein Kind, das diese treue Liebe, sobald es zur Besinnung kommt, dankbar erwiedert, ist der schnste Anblick auf Erden, ber den sich Engel erfreuen mssen. Dieses liebliche Drey -- Vater, Mutter und Kind -- hat Gott so zusammen gefgt. O meine Kinder, denkt daher bey diesem Kinde in der Krippe: Als ein schwaches Kind bin auch ich einst so dagelegen, wo man mich hinlegte. Ich htte verschmachten mssen, wenn meine Aeltern sich meiner nicht liebreich angenommen htten. Allein mit Freude und Jubel wurde der kleine fremde Gast aufgenommen, und alles war schon zu seiner Ankunft bereitet. Meine Mutter hllte mich in meine erste Bekleidung, die Windeln, die sie wohl selbst gesponnen, gebleicht und genht hatte. All ihr Sinnen und Trachten Tag und Nacht ging nur darauf, da mir nichts abgehen mge. Sorgsam wachte sie an meiner Wiege, wenn ich schlief; manche Nacht brachte sie schlaflos zu, aus zrtlicher Liebe zu mir! Der treue Vater theilte ihre Sorge und arbeitete fr beyde. So denket und danket Gott, da Er euch gute Aeltern schenkte! Denn Er ist es, der aus Liebe zu euch etwas von seiner unaussprechlichen Liebe in das Herz eurer Mutter pflanzte, und eurem Vater von seinem treuen Vatersinne mittheilte und ihm das Vaterherz gab. Seyd aber auch nicht undankbar gegen eure Aeltern. Ein Sohn, eine Tochter, die es vergessen knnten, was die Mutter mit ihnen ausstand, was der Vater fr sie that, sie zu ernhren, zu kleiden, zu erziehen, wren ohne alles menschliche Gefhl. Lat uns nun, meine Kinder, nachdem wir die heilige Familie betrachtet, zu den heiligen Engeln, die dort oben schweben, hinaufblicken -- und einen Blick auf die Thiere des Stalles werfen. Da wird uns die Wrde und die Bestimmung des Menschen klar. -- Schaut erst noch einmal der heiligen Jungfrau in das milde Angesicht voll himmlischer Unschuld und unaussprechlicher mtterlicher Zrtlichkeit! Betrachtet die aufrechte Gestalt des ehrwrdigen Josephs, wie er so voll Geist und Andacht die Augen zum Himmel erhebt! Sehet das holde Kind an, dessen Angesicht so lieblich lchelt, dessen Augen wie Sterne leuchten! Und nun schauet auf die rauhen haarigen Thierkpfe -- des Ochsen und des Esels hin. Wie dumm und vernunftlos sie darein sehen! Wie das Maul hervorsteht, und uns zu erkennen giebt, da sie nur auf Futter bedacht sind und von nichts Hherem und Besserem wissen. Sie sind nicht einmal eines freundlichen Lchelns fhig! O, wem erscheint bey dieser Vergleichung der Mensch nicht als ein hheres Wesen? Wahrhaftig, er gehrt einer hhern Reihe von Geschpfen an. Der roheste Mensch hielte sich ja fr beschimpft, wenn man zu ihm sagte: Du bist um nichts besser, als der Ochs, der deinen Pflug zieht, als der Esel, der deine Scke zur Mhle trgt und dann verfault. Nein, der Mensch gleicht vielmehr den heiligen Engeln Gottes, die ihren Schpfer erkennen, sich Seiner freuen und Ihm lobsingen. Der Mensch ist das einzige Geschpf auf Erden, der die auch kann. Sey es, da er einige Aehnlichkeit mit den Thieren hat; er ist doch den Engeln des Himmels nher verwandt. Sey es, da er weinend und wimmernd zur Welt kommt, da er vieles ausstehen, vieles leiden mu, bis er in seiner vollen Blthe dasteht, da er dann nach kurzer Zeit wieder gleich einer Blume dahinwelkt, gleich den Thieren dahin modert -- nur seine Erdengestalt zerfllt zu Staub. Es ist ein unsterblicher Geist in ihm; er ist ein Engel in schwaches Fleisch und Blut verhllt. Sobald diese Hlle abfllt, ist der Engel vollendet -- wenn anders der Mensch seine Bestimmung auf Erden erfllt und dem Willen des Schpfers gem gelebt hat. Sehr gut hat der Mahler, auer den grern Thieren noch ein Lamm und ein Krblein voll Frchte angebracht, die man als ein Geschenk fr das neugeborne Kind am Fue der Krippe erblickt. Dem Menschen sind alle brigen Geschpfe der Erde unterworfen. Er bezhmt die strksten Thiere und sie mssen ihm dienen; ihm giebt das Schaf Milch und Wolle; ihm bringt die Erde ihre schnsten Frchte hervor. Nur ein weniges hat Gott den Menschen den Engeln nachgesetzt, hat ihn mit Ehre und Hoheit gekrnt, hat ihn zum Herrn seiner Werke gemacht und alles ihm zu Fen gelegt. Auch der Ort, an dem wir dieses Kind und seine Aeltern erblicken, die arme Krippe und der drftige Stall, sind nicht ohne Bedeutung. Der Mensch bedarf keines Palastes, um hier auf Erden seine Bestimmung zu erreichen. Er kann in der elendesten Strohhtte zufrieden leben und selig sterben. Wir erblicken in dem Stalle nur Armuth und Mangel. Allein um wahrhaft glcklich, aller wahren Ehre wrdig und von chtem Menschenadel zu seyn, braucht der Mensch weder Sammet noch Seide, weder Gold noch Silber. Gerade im Wichtigsten hat Gott keinen Unterschied unter den Menschen gemacht. Ein armer Stall beherbergt hier die heiligsten, die seligsten, die ehrwrdigsten Menschen, die je auf Erden gelebt haben. Doch -- meine Kinder, was ich euch bisher gesagt habe, ist fr uns wohl sehr erfreulich und trstlich. Allein es gilt nur von dem Menschlichschnen dieser Geschichte. Die gttliche Abkunft und die hohe Bestimmung dieses gttlichen Kindes ist erst das Allerwichtigste. Denn Jesus Christus, der menschgewordene Sohn des Allerhchsten, ist in diese Welt gekommen, die Menschen, die von Gott und ihrer ursprnglichen Wrde abgefallen und dehalb verloren waren, zu retten. In Ihm erschien uns die Menschenfreundlichkeit Gottes sichtbar; in Ihm erblicken wir Gott in Menschengestalt. Er ward zwar in tiefster Armuth geboren, lag als ein Kind in einer Krippe, hatte in dieser Welt nicht so viel Eigenes, wo er nur sein Haupt hinlegen konnte, und starb gleich einem Uebelthter am Kreuze. Allein ohne alle irdische Hlfsmittel, ohne Reichthmer und bewaffnete Macht, hat Er durch seine gttliche Weisheit, Liebe und Allmacht die Gestalt der Erde verndert, das Menschengeschlecht erleuchtet, veredelt, dem Verderben entrissen -- und so seine gttliche Abkunft bewhrt. Darauf wird in diesem Gemlde, so wie in der Geschichte, sehr schn gedeutet. Seht, ringsumher ist es Nacht; tiefes Dunkel deckt die nchtliche Gegend; nur das Licht, das von dem gttlichen Kinde ausgeht, erhellt alles mit seinem Glanze. So bedeckten bey der Geburt Jesu die Finsternisse der _Unwissenheit_ und des _Heidenthums_ die Erde; in Jesus Christus ist aber der Welt ein Licht aufgegangen, das jeden Menschen erleuchtet, der in die Welt kommt. Die Menschen waren in _Snde_ und _Laster_ versunken, viele glichen an Rohheit -- den Thieren des Stalles; manche hatten sich durch Lasterhaftigkeit sogar unter das Vieh herabgewrdigt; allein durch Christus wurden alle, die wahrhaft an Ihn glaubten, zu besseren Menschen, zu Heiligen, zu Engeln in Menschengestalt neu umgeschaffen. So unwissend und sndig die Menschen waren, so _elend_ waren sie auch. Allein seht, wie selig sind schon die Menschen, die seine Krippe umgeben und sich seiner Geburt freuen! Maria, Joseph, die Hirten fhlen im Anblicke des neugebohrnen Erlsers sich ber allen Erdenjammer erhoben. Er, der in die Welt gekommen, die Menschen von allem Elende zu erlsen, ihnen wahre Freude und den gttlichen Frieden vom Himmel zu bringen, machte schon bey seiner Geburt damit den Anfang. Die Worte des Engels erschallen noch immer an alle Menschen: Ich verknde euch groe Freude; es ist euch ein Erlser geboren, der da ist Christus, der Herr. Zu Ihm steht jedem Menschen der Zutritt offen. Er offenbarte sich zuerst armen, einfltigen Landleuten -- den Hirten, auch seine Mutter ist arm, sein Nhrvater ein Handwerker, der mit harter Arbeit sein Brod erwirbt. Schon bey der Krippe Jesu wird uns gezeigt, da Reichthum, hoher Rang und Erdenweisheit vor Ihm nichts gelten. Er will nur Menschen um sich sammeln, die eines guten Willens sind, wie Maria, die heiligste Jungfrau, wie Joseph, der Gerechte, wie die Hirten, diese frommen Mnner voll Gottesfurcht und Rechtschaffenheit. Doch weiset Er auch den grten Snder nicht zurck, der seine Snden bereut und sich ernstlich bessern will. Darauf deutet schon der Namen des gttlichen Kindes. Dewegen verkndete der Engel Marien den gttlichen Befehl: Ihm sollst du den Namen Jesus geben! Dehalb wiederholte er diesen Befehl dem Joseph: Jesus, das heit Erlser, sollst du Ihn nennen, denn Er wird sein Volk von Snden erlsen. Das sndige Menschengeschlecht sollte sein Volk, ein heiliges Volk Gottes werden. Dewegen sehen wir ber der Krippe Jesu den offnen Himmel. Er wollte den Menschen den verschlossenen Himmel wieder ffnen, ein Himmelreich auf Erden grnden, und so Himmel und Erde wieder vereinigen. Darber freuen sich die heiligen Engel Gottes, jubeln und frohlocken, preisen Gott in der Hhe und wnschen den Menschen Glck zu dem Heile, das Ihnen durch Christus bereitet ward. Was uns bey der Krippe Jesu verkndet wird, das hat Jesus Christus erfllt, so groe Hindernisse Ihm auch der Unglaube und die Hartnckigkeit der Menschen entgegen setzte; an so vielen seine Geburt und sein Tod verloren war. Er grndete ein Himmelreich auf Erden, und sein Werk bestand. Manche Welteroberer stifteten indessen Weltreiche; allein sie berlebten ihre Reiche nicht lange, oder sahen wohl noch lebend sie in Trmmer zerfallen. Das Reich Jesu allein -- das wahre Christenthum -- breitete sich immer weiter aus und bestand bis auf diese Stunde. Ganze Vlker kamen zum Glauben an Ihn und Knige zierten ihre Kronen mit seinem Kreuze. Die alten heidnischen Gruel, Menschenopfer und dergleichen, verschwanden aus den christlichen Lndern der Erde. Eine Menge von Tempeln und Kirchen erhoben sich, in denen der wahre Gott angebethet und gttliche Wahrheit gelehrt wird. Unzhlige Schulen, Armenanstalten, Krankenhuser kamen durch die christliche Liebe zu Stande. Wie viele Kinder, Arme und Kranke mten ohne diese milden Stiftungen in Unwissenheit, Lasterhaftigkeit und Elend umkommen! Millionen von Menschen haben im Glauben an Christus Beruhigung ber begangene Snden gefunden, und sind durch Ihn edle Menschen geworden. Und noch jetzt, so sehr auch der Unglaube und das Verderben ber Hand nehmen, schlagen Ihm unzhlige Herzen und finden in Ihm Trost in Noth und Tod. Noch immer wird das Evangelium, die Freudenbothschaft von Ihm, den Heiden verkndet, und wilde Vlker bekehren sich zum Glauben an Ihn, freuen sich der himmlischen Wahrheit und nehmen sanftere Sitten an. Der Geburtstag Jesu ist daher der wichtigste Tag in der Weltgeschichte, und mit Recht fingen die weisen Alten von diesem Tage eine neue Zeitrechnung an. Jede Jahrszahl soll uns daran erinnern, der Geburtstag Jesu sey der Geburtstag des Lichtes und Heiles fr alle Menschen, die Ihm Augen und Herzen ffnen wollen -- der Geburtstag des wahren Menschenglckes, der Erleuchtung und Veredlung des Menschengeschlechtes. Lat uns denn, meine Kinder, an diesem Abende und am morgigen Tage dem Erlser aufs neue huldigen und in den Lobgesang der Engel mit einstimmen. So sprach der Frster; die Frsterin sagte gerhrt: Ja, Kinder, das wollen wir! Das schne Gemlde, das Anton uns schickte, ist das schnste Weihnachtsgeschenk, das Anton oder irgend ein Mensch -- ja wohl ein Frst! -- uns htte machen knnen. Die Andacht, mit der Ihr die frommen Bemerkungen eures Vaters angehrt habt, ist die schnste Weihnachtsfeyer, mit der wir den heiligen Abend feyern knnen. Wir wollen das Heil, das uns Gott durch den neugebornen Heiland bereitete, dankbar annehmen. Dann ist der Geburtstag des Erlsers auch der Geburtstag unsers Heils. Sechstes Kapitel. Widerwrtige Schicksale des Frsters. Der treffliche Frster hatte mit den Seinigen seit Antons Abreise mehrere Jahre in Ruhe und Zufriedenheit verlebt. Seine Kinder waren erwachsen; der Sohn ein rstiger junger Mann, die Tchter blhende Jungfrauen; alle sehr gut erzogen und von untadelicher Auffhrung. Allmhlig empfand der gute Vater aber die Beschwerden des herannahenden Alters. Er war darauf bedacht, seinen Dienst dem Sohne abzutreten. Der Frst des Landes besuchte jhrlich im Herbste auf einige Tage das frstliche Jagdschlo Felseck; denn die Jagd war ihm bey seinen vielen Geschften immer einige Erholung. Er war ein sehr leutseliger Herr; jeden seiner Unterthanen, auch den Geringsten, hrte er liebreich an und redete freundlich mit ihm. Als der Frst wieder auf dem Jagdschlosse angekommen, und die Jagd in dem Walde des alten Frsters besonders gut ausgefallen war, nherte sich ihm der Frst, klopfte ihm sehr zufrieden auf die Schulter und sagte: Nun wie gehts, mein lieber Frster? Eure Durchlaucht, sprach der Frster, diesen alten Schultern will die Last des Tages zu schwer werden; ich wnsche sie jngern Schultern bertragen zu drfen. Nun, sprach der Frst, doch wohl Eurem Sohne, dem Christian dort? Er ist ein braver Jger, und, was ich ohne Vergleich mehr schtze, ein sehr guter Forstmann. Die Waldungen sind, wie ich auf der Jagd gar wohl bemerkte, im besten Zustande. Verlat Euch darauf; kein Anderer bekommt den Dienst. Er mag ihn auch einstweilen versehen. Inde ist mirs lieb, wenn Ihr noch eine Zeit die Oberaufsicht und den Frstertitel beybehaltet. Auch die besten jungen Leute werden leicht bermthig und nachlig, wenn ihr Rockkragen zu frhe mit goldenen Brtchen verbrmt wird. Es ist mein und Euer Vortheil, wenn Ihr noch eine Zeit Frster bleibt. Der Frster bezeugte dem Frsten fr die gndige Zusicherung seinen Dank, und sagte dann: Es ist aber noch ein anderer Umstand dabey. Mein Sohn knnte sich eben jetzt gut verheirathen -- mit der Tochter meines Jugendfreundes, des lngst verstorbenen Frsters Busch. Das Mdchen hat erst krzlich auch ihre Mutter verloren, und wei nun nicht wohin. Sie ist arm -- aber sehr fromm, fleiig und die lautere Unschuld, Gte und Bescheidenheit. Nun wohl, sprach der Frst; ich lobe es sehr, da ein braver Mann bey seiner Wahl mehr auf Unschuld und Tugend, als Geld und Gut sehe. Ich gebe ihm die Erlaubni zu heirathen mit Vergngen -- und die Anwartschaft auf den Frsterdienst dazu. Ich werde sogleich Befehl geben, damit das Dekret ausgefertigt werde. Der Frstersohn, der voll banger Erwartung in einiger Entfernung stand, kam auf den Wink seines Vaters herbey, und dankte dem Frsten. Die Heirath kam zu Stande. Mit der jungen sanften Frau kam neuer Segen in das Haus; Friede und Eintracht wohnten unter dem Dache des guten Frsters. Dem alten Manne wurde noch die Freude, seine Enkel auf seinem Schooe zu sehen, und die alte Frsterin wurde wie verjngt, nun ihre kleinen Enkel pflegen und tragen zu knnen. Die Tchter des Hauses lebten mit der jungen Frsterin wie mit einer Schwester. Alle waren sehr glcklich. Allein bald kam ber dieses glckliche Haus eine groe Widerwrtigkeit. Sie entspann sich aus einer alten Geschichte, die der alte Frster beynahe vergessen hatte. Jener junge Herr von Schilf, der ehemals mit dem Frster fter auf die Jagd gegangen war, hatte bald darauf sich herausgenommen, allein und ohne Erlaubni des Frsters in den Wald zu gehen, und alles, was ihm zu Gesicht kam, ohne Erbarmen niederzuschieen. Der Frster traf ihn im Walde und sagte: Das Wildschieen ist sehr strenge verbothen. Haben Sie, mein lieber junger Herr, Lust zur Jagd, so kommen Sie, wie bisher, zu mir. Ich nehme Sie dann gern mit mir, und weise Ihnen die besten Pltze an, wo Sie dann nach Herzenslust schieen knnen. Allein das darf ich nicht zugeben, da Sie eigenmchtig in dem mir anvertrauten Forste schalten und walten. Wer aber nach wie vor auf die Jagd ging, war der junge Herr. Der Frster traf ihn wieder, nahm ihm das Gewehr und sagte: Gott wei es, ich thu es ungern. Allein ich mu. Die Befehle sind streng; ich kann nicht anders. Wenn ich Sie nochmals treffe, mu ich weitere Anzeige machen, und dann -- geht es Ihnen nicht gut. Der brave Frster ging berdie noch zu dem alten Herrn von Schilf, und bath ihn, dem jungen Herrn das Jagen zu verbiethen. Der alte Herr lie zwar sonst seinem Sohne alles hingehen. Allein dieses Mal ward er doch sehr aufgebracht; er frchtete die frstliche Ungnade. Er drohte seinem Sohne mit der Enterbung, wenn er noch ein einziges Mal auf die Jagd gehen wrde; es sey denn, der Frster gehe mit ihm. Allein der junge Herr war es schon gewohnt, seinem Vater nicht zu gehorchen. Bald darauf hrte der Frster einen Schu, eilte hin und traf den jungen Herrn bey einem erlegten Hirsch. Der Frster machte die Anzeige. Der alte Herr von Schilf reisete selbst zum Frsten und flehte um Gnade. Der Frst sagte: Nach den Gesetzen sollte der junge Herr in das Zuchthaus wandern. Ich will ihn zwar begnadigen; allein lt er sich noch einmal treffen, so schicke ich ihn sicher dahin -- und da begreifen Sie wohl, da ich mir denn einmal keinen Rath oder andern Diener aus dem Zuchthause nehmen kann. Die Sache wurde so beygelegt. Der junge Herr von Schilf fate aber einen grimmigen Ha gegen den ehrlichen Frster, und glhte, wiewohl inde viele Jahre verflossen waren, noch immer von Rache gegen ihn. Jetzt starb der Frst sehr unerwartet; der Erbprinz war noch minderjhrig und befand sich eben auf Reisen. Es wurde eine Vormundschaft angeordnet und in dem Lande ging manche Vernderung vor. Der junge Herr von Schilf, der sehr reich war und angesehene Verwandte hatte, wurde Oberfrster. Mit groer Pracht zog er in das frstliche Jagdschlo Felseck ein, von dem ihm ein Theil zur Wohnung angewiesen wurde. Er war nunmehr der Vorgesetzte des guten Frsters, und qulte den alten Mann unsglich. Des Tadelns war kein Ende. Der Frster konnte ihm nichts recht machen. Der Erbprinz hatte zwar nunmehr die Regierung angetreten. Allein der Oberfrster von Schilf, der sehr abgeschliffen, gewandt und beredt war, wute den obersten Forstmeister, der bey dem neuen Frsten sehr viel galt, ganz fr sich einzunehmen, und ward nun gegen den guten Frster noch bermthiger und feindseliger, als zuvor. Ihr taugt nicht mehr zum Dienste, sagte er einmal zu ihm; ich werde darauf antragen, einen brauchbareren Mann fr den schnen Forst zu bekommen. Der Frster sagte: Herzlich gern lege ich mein Amt nieder. Ich htte es schon lngst gethan, wenn der hochselige Frst es zugegeben htte. Es ist also mein Sohn Frster. Das wre! sagte Herr von Schilf hhnisch lchelnd. Da mte ich auch etwas davon wissen. Der Frster berief sich auf jenes frstliche Dekret, dem zu Folge sein Sohn geheirathet hatte. Pah, rief Herr von Schilf, ich kenne es wohl. Er wute es sehr knstlich auszulegen. Es ist, sagte er, blos ein Versprechen auf Wohlverhalten; nichts weiter. Der Junge taugt aber nichts. Ich werde meinen Mann besser zu whlen wissen. Der alte, graue Frster bemhte sich vergebens, eine Thrne zu verhehlen und sagte: Seyn Sie nicht ungerecht, Herr Oberfrster! Sie glaubten sich einmal von mir beleidigt. Dehalb sollten Sie sich zweyfach in Acht nehmen, mir wehe zu thun. Was, rief Herr von Schilf, und seine Augen funkelten von Zorn; Ihr selbst erinnert mich an Eure Grobheiten! Ihr selbst mahnt mich daran, da Ihr mir mein einziges Jugendvergngen geraubt und mich bey Hofe angeschwrzt habt. Ihr seyd ein ungeschliffner, bermthiger Kerl. Von jeher hattet Ihr keine Achtung fr hhere Stnde, und hieltet Euch nur an Bettlergesindel. Eurem Sohne habt Ihr gestattet, ein Mdchen ohne Heller und Pfennig, eine wahre Bettlerin zum Weibe zu nehmen. Euer hbsches Vermgen habt Ihr an den Bettelbuben, den Anton, weggeworfen. Ihr wutet Euer eigenes Vermgen nicht zu verwalten, wie solltet Ihr fremdes Eigenthum und das Interesse des Frsten gut besorgen? Geht, geht, mit Euch ist nichts anzufangen. Ich hoffe, wir werden bald wenig mehr mit einander zu thun haben und Ihr sollet mir bald gar nicht mehr unter die Augen kommen. Der Frster ging. Hum, dachte er auf dem Heimwege, der Oberfrster mag sagen, was er will. Meine Waldungen sind in der besten Ordnung. Er kann, so abgeneigt er mir auch ist, mir nichts anhaben. Ich lasse es darauf ankommen. Er sagte indessen zu Hause den Seinigen von allem, was der Oberfrster gesagt hatte, nichts, um sie nicht ohne Noth zu betrben. Allein bald darauf, da der alte Mann eben aus dem Walde zurckgekommen war und in seinem Lehnsessel ausruhte, trat ein Bothe in die Stube, und berreichte ihm ein Schreiben vom Oberforstamte. In dem Schreiben stand: Der bisherige Frster Grnewald sey vermg hchsten Befehls, wegen Altersschwche und davon herrhrender Unfhigkeit, seines Dienstes entlassen und der Forst bis zur Wiederbesetzung einstweilen dem benachbarten Frster zu Waldenbruch zur Verwaltung bergeben worden. Von einem Ruhegehalt fr den verdienten alten Mann, von einer andern Anstellung seines Sohnes war keine Rede. Nur wurde noch bemerkt, der abgekommene Frster solle sich von dem Augenblick an, da er dieses Schreiben erhalte, nicht mehr unterstehen, im Walde einen Schu zu thun oder sich auch nur mit einem Gewehre blicken zu lassen, bey Strafe, da es ihm abgenommen werde. Der alte Frster ffnete das Schreiben und ward sehr bestrzt; seine Hand zitterte, in der er es hielt. Indessen fate er sich wieder und las den Seinigen, die in der Stube mit allerley Arbeiten beschftigt waren, das Schreiben laut vor. Die alte Frsterin und ihre zwey Tchter wurden bleich vor Schrecken. Der junge Frster glhte vor Zorn ber die Bosheit des Oberfrsters. Die junge Frsterin stand eine Weile sprachlos da und fing dann an, laut zu weinen. Ihre Kinder, die in der Stube spielten, und die Mutter weinen sahen, weinten auch. Es entstand ein allgemeiner Jammer. Nur der alte ehrwrdige Frster stand ruhig in ihrer Mitte, und sprach: Verget nicht, da der alte Gott noch lebt. Du, Gromutter, hre zuerst auf zu weinen, und gieb unsern Kindern und Enkeln ein Beyspiel von Vertrauen auf Gott. Gegen seinen Willen knnen bse Menschen uns nicht schaden. Diese Prfung kommt von Ihm; sie wird uns einmal zu unserm Besten gereichen. Also Muth gefat! Gott ist unser mchtiger Beschtzer. Er verstot uns nicht, wenn uns auch alle Welt verstoen sollte. Er, der gute, reiche Vater wird es uns, seinen Kindern, nie an Brod fehlen lassen. Auf Ihn wollen wir vertrauen und unverzagt und getrost seyn. Inde, fuhr er fort, will ich nichts von dem unterlassen, was ich thun kann. Ich reise Morgen des Tages zum Frsten. Er ist so edelmthig, als sein hochseliger Vater. Er wird mich hren, so berhuft er auch jetzt, bald nach dem Antritte seiner Regierung, mit Geschften seyn mag. Er ist gerecht; er wird nicht zugeben, da man einen alten Diener, der dem Frstenhause ber vierzig Jahre treu und redlich diente, so ohne Weiters mit Weib, Kindern und Enkeln dem Mangel und dem Hungertode preis gebe. Du, Christian, mut mich begleiten. Wir knnen ja jetzt beyde abwesend seyn, ohne den Oberfrster um Urlaub zu bitten. Wir machen die Reise zu Fu; das Reiten oder Fahren wre fr unsre jetzigen Umstnde zu kostbar; ist auch gar nicht nothwendig. Die nthigen Kleidungsstcke fr die Reise finden in unsern Jagdtaschen wohl Platz. Macht nur Anstalt, da Morgen frhe alles bereit sey. Der alte Frster war am folgenden Morgen schon vor Anbruch des Tages aufgestanden und weckte seinen Sohn. Es wird mir zu lange, auf den Tag zu warten, sagte er; es ist ja Mondschein und wir kennen alle Wege. La uns gehen! Die alte Frsterin legte die grne, goldbordirte Uniform hbsch zusammen, und schlug ein reines Leinentuch darber, um sie bequemer in die Jagdtasche zu packen. Katharine brachte Weizeug und einige Lebensmittel fr die Reise. Die junge Frsterin und Luise machten das Frhstck zurecht und kamen damit in die Stube. Die Kleinen schliefen noch. Und bis wann gedenkst du denn wieder zurck zu kommen? fragte die alte Frsterin ihren Mann. Das wei ich selbst noch nicht genau, sprach er; vor acht Tagen schwerlich. Morgen ber vierzehn Tage ist der heilige Weihnachtsabend, sagte die alte Frsterin; bis dahin kommst du doch gewi? Wills Gott, morgen ber acht Tage, sagte der Frster. Uebrigens gehe es, wie es will, den heiligen Weihnachtsabend mu ich mit Euch feyern. Gott gebe, in Freuden! sagte die Frsterin. Bethet indessen, sagte der Frster noch, und vertraut auf Gott. Er wird machen, da die Sachen gehen, wie es heilsam ist. Alle begleiteten die zwey Mnner unter die Hausthre. Es war noch vllig Nacht und man sah noch nicht das Geringste von der Morgenhelle. Sie gingen indessen in der kalten schauerlichen Dezembernacht getrost weiter. Alle im Hause waren nun um die lieben Reisenden, besonders um den alten Vater sehr besorgt. Die ersten acht Tage wuten sie sich zwar immer zu trsten. Als aber weiterhin ein Tag nach dem andern verging und die Witterung hchst unfreundlich und strmisch wurde, und es fast unaufhrlich regnete, wurden sie sehr unruhig. Ach, sprachen sie, der Christian, so rstig er ist, wird genug auszustehen haben; wie aber wird der alte Vater durchkommen? Die zwey Kinder des jungen Frsters liefen alle Augenblicke vor die Hausthre, um zu sehen, ob der Vater und der Grovater denn noch nicht kmen. So verfloen zu den ersten acht Tagen noch acht Tage in Kummer und Sorgen. Ueberdie hatte bald nach der Abreise der beyden Frster ein Jgerbursch des Oberfrsters ein amtliches Schreiben gebracht. Die Frsterin getraute sich zwar nicht, es zu ffnen; allein sie frchtete, da es nichts Gutes enthalte. Denn der Jgerbursch hatte noch mndlich mit hhnischer Miene gesagt: Es ist toll, da der alte Mann mit seinem jungen Brausekopf in die Residenz lauft. Der Herr Oberfrster ist seiner Sache gewi. Sie richten sicherlich nichts aus und kehren mit Schand und Spott zurck. Alle im Hause betheten inde tglich, Gott wolle die beyden Reisenden bey dem Frsten ein gndiges Gehr finden lassen und sie glcklich wieder nach Hause fhren! Auch die Kinder betheten ungeheien mit. Siebentes Kapitel. Wie es mit dem Frster weiter gegangen. Unter diesen traurigen Umstnden brach der heilige Weihnachtsabend an. Es wurde heute frher Nacht als sonst. Denn der ganze Himmel war mit schweren Wolken bedeckt. Der Sturmwind brauste durch die alten Eichen und die schwankenden Tannen des Waldes. Es schneyete und regnete sehr heftig und die Dachrinne rauschte gleich einem Regenbach, der von einem Felsen strzt. Ach Du mein Gott, sagte die alte Frsterin, nachdem sie lange zum Fenster hinaus gesehen hatte, sie kommen noch nicht. Wenn sie heute, am heiligen Christabende, ausbleiben, so ist ihnen sicherlich ein Unglck begegnet. Mir ist ganz unaussprechlich bange. Es ist ja ein Wetter, man sollte keinen Hund vor die Thre jagen, und die Wege sind zum Versinken schlecht. Ach, wenn sie nur wieder da wren, gehe dann alles Uebrige, wie es wolle! Sie ffnete wieder das Fenster, sah hinaus und rief: O Gottlob, nun kommen sie! Alle eilten ihnen vor die Hausthre entgegen; alle fragten: Nun, wie ist es in der Stadt gegangen? Ich hoffe, es soll noch alles gut gehen! sagte der alte Frster. Ihr werdet aber unsertwegen Kummer gehabt haben. Wir blieben lange aus. Allein ich war auf der Reise nicht ganz wohl, und konnte nicht mehr weiter; und da es wieder besser ging, waren von dem vielen Regen die Fle und Bche so angeschwollen, da wir noch einige Tage aufgehalten wurden. Nun Gottlob, da wir wieder da sind! Er trat in das Haus, kleidete sich um, und setzte sich in seinen Lehnsessel an den wrmenden Ofen. Die alte Frsterin brachte eine Flasche Wein, zwey Glser und die brennende Oellampe. Erquickt euch doch beyde ein wenig, sagte sie, indem sie einschenkte; ihr werdet es beyde sehr nthig haben. Das Essen wird bald fertig seyn. Wohl! sprach der Frster, beym Scheine des hellen Oellichtes umher schauend; es ist doch gut, wieder zu Hause zu seyn, unter den lieben Seinigen, wo man lauter freundliche und frhliche Gesichter um sich erblickt. Der junge Frster hatte aber inde seiner Frau im Vertrauen gesagt: O, es steht gar nicht gut; wir kommen wahrscheinlich um den Dienst. Diese erschrak sehr, und sagte es heimlich den brigen. Der alte Frster sah, wie sich auf einmal alle Gesichter verfinsterten, und von Schrecken und Angst zeigten. Hat Christian schon geplaudert? sagte er; je nun, es ist da nichts zu verhehlen. Ihr sollet alles hren; doch werdet mir nicht zu traurig. Es ist uns ja heute Nacht ein Erlser geboren; ber dieser groen Freude mssen wir unsere kleinen Erdensorgen vergessen; wenigstens sie uns nicht zu sehr zu Herzen nehmen. -- Als wir, sprach er hierauf, Abends spt in der Residenz ankamen, ging ich noch zu dem alten Forstrath Mller. Er ist ein sehr biederer Mann, dachte ich; er war vor alten Zeiten mein Oberfrster und immer mein Freund. Die brigen Rthe, die mich kannten, sind alle todt oder in Ruhe versetzt. Wiewohl auch er sich Alters halber von Geschften zurck gezogen hat, so kann er mir doch den besten Rath geben. So dacht' ich. Der edle Mann nahm mich auch in der That mit groer Herzlichkeit auf. Ich sagte ihm mein Anliegen. Er sprach: Sie haben an dem Oberfrster einen sehr schlimmen Feind, der dahier mchtige Freunde hat. Er will Ihren Dienst einem jungen Menschen, der sein Bedienter war, zuschanzen und sendet immer die nachtheiligsten Berichte ber Sie und Ihren Sohn ein. Ich frchte sehr, er dringe durch, und bringe den guten Christian um das vterliche Brod. Ach, sagte ich, es wird ja nicht so weit kommen! Inde bin ich Willens, selbst zum Frsten zu gehen. Thun Sie das, sagte der Forstrath. Ich gehe mit. Inde kommen Sie eben jetzt zu der ungelegensten Zeit. Der Herr hat zu viele Geschfte. Sie werden kaum vorkommen. Auch zu dem obersten Forstmeister und den Forstrthen mssen Sie gehen. Allein ich frchte, da finden Sie keine gute Aufnahme. Herr von Schilf hat sie alle ganz verblendet. Ich fand auch, da der Forstrath vollkommen Recht hatte. Ich machte manchen sauren Gang. Der oberste Forstmeister nahm mich sehr kalt auf und fertigte mich kurz ab. Die andern Rthe behandelten mich nicht viel besser; ich sah nur finstere Gesichter und mute manche harte Rede anhren. Bey dem Frsten aber wurde ich, da der oberste Forstmeister eben um ihn war, gar nicht vorgelassen. Der Oberfrster wute mich und den Christian sehr schlau zu verleumden. Ich mag euch die jetzt nicht ausfhrlich erzhlen; es betrifft ohnehin Geschfte, die ihr nicht versteht. Alles, was wir hoffen knnen, ist eine Untersuchung; allein es ist zu frchten, da sie in solche Hnde kommen werde, von denen wir wenig Gutes zu erwarten haben. -- Doch diese Gesprche machen uns zu traurig, und heute Abend sollten alle Menschen in der ganzen Christenheit frhlich seyn. Es ist ja der heilige Weihnachtsabend; wir wollen der Geburt unsers Erlsers gedenken. Das wird unsern trben Sinn erheitern. Er richtete seine Blicke auf das Gemlde von der Geburt Jesu, das Anton einst geschickt hatte. Es hing in der Stube an jener Stelle, wo vorhin der Spiegel gehangen, und war, damit es nicht Schaden nehme, mit einem Flor verhllt. Die kleinen Enkel des alten Frsters, zwey liebliche Kinder, Franz und Klara, hatten sich schon seit mehreren Wochen auf die Feyer des heiligen Weihnachtsabend gefreut. Sie sprangen auf und trockneten sich schnell die Thrnen von ihren erheiterten Gesichtchen. Gromutter, sagte der kleine Franz, nimm den Flor weg von dem Bilde und znde, wie im vorigen Jahr, die Kerzen an, damit man es auch recht sehe. Und du, Grovater, sagte die kleine Klara, hole deine Harfe; wir wollen unser Weihnachtsliedchen singen, das uns die Mutter gelehrt hat. Nun wohl, sprach der Frster; wir wollen ein Weihnachtslied singen. Doch, sagt zuvor noch, hat sich, whrend wir fort waren, nichts besonders ereignet? Nichts, sagte die alte Frsterin; nur ist leider, bald nach eurer Abreise, wieder ein Schreiben von dem Oberforstamte angekommen. Was es wohl seyn mag! Sie reichte ihm das Schreiben verschlossen hin. Er ffnete es -- erblate -- und sagte mit einem Blick zum Himmel: Nun, Herr, dein Wille geschehe! Alle schauten erschrocken und erwartungsvoll auf ihn. Was ist es denn? fragte die Gromutter. Wir sollen aus diesem Hause fort, sagte er; ja wir sollten schon fort seyn. Der Oberfrster befiehlt in diesem Schreiben, das Frsterhaus msse lngstens bis zum Weihnachtsabende gerumt und gereiniget seyn, damit der neue Frster auf die Weihnachtsfeyertage einziehen knne. Er droht, wenn wir ihm nicht gehorchen wrden, uns durch die Amtsdiener abfhren zu lassen. Mich wundert, da sie noch nicht da sind; wir sind keinen Augenblick sicher, da sie uns aus dem Hause werfen. Ach Gott! rief die junge Frsterin, jetzt, in dieser frchterlich strmischen Nacht! Hrt ihr, wie drauen der Sturmwind braust? Wie es regnet? Wo werden wir gegen Sturm und Regen ein Obdach finden! Sie sank auf einen Sessel und umfate ihre zwey Kinder. Guter Gott, seufzte sie, ach erbarme Du Dich dieser Unschuldigen! Der junge Frster stand mit gefalteten Hnden sprachlos vor ihr, und blickte sie und seine zwey Kinder mit Augen voll Thrnen an. O Du mein Gott, sagte die Gromutter schluchzend und die Hnde ringend, in unsern alten Tagen mit Kindern und Enkeln aus dem Hause vertrieben zu werden, in dem ich gebohren bin, in dem mein Vater und mein Grovater lebten -- ach, es ist schrecklich! Guter Gott, la mich in diesem Hause, in dem ich geboren ward, vollends absterben. Katharine weinte stille Thrnen; Luise stand zitternd und bebend da, wie ein Lamm, das man schlachten will. Der alte Frster aber mit seinem ehrwrdigen Angesichte, der hohen kahlen Stirne und den grauen Seitenlocken, blickte lange schweigend zum Himmel, und sprach dann ruhig und gefat: Ja, meine liebsten Kinder, es ist an dem, da wir dieses Haus verlassen mssen. Ich wei keinen Menschen, der uns alle zugleich in sein Haus aufnehmen knnte. Wir werden jetzt wohl von einander getrennt werden. Ich hoffte zwar, in eurer Mitte ein ruhiges Alter zu genieen -- hoffte, ihr wrdet, so wie ihr jetzt um mich versammelt seyd, in diesem Hause einst alle an meinem Sterbebette stehen. Gott beschlo es anders -- wir wollen uns in seinen heiligen Willen ergeben. Er blickte auf seine Enkel und sprach weiter: Unser Herz regt sich, wenn wir diese weinenden Kinder betrachten. Gott hat noch ein liebvolleres Vaterherz gegen uns. Schickt Er ein so schweres Leiden ber uns, so hat Er gewi die weisesten Absichten dabey. Auch diesen Jammer wird Er zu unserm Besten lenken. Wenn es einmal auf das Aeuerste gekommen, mu es wieder besser gehen. Die Alten sagten ja aus wohlbewhrter Erfahrung: Ist die Noth am hchsten, so ist Gottes Hlfe am nchsten. -- Wir haben in dieser Stube viele Weihnachtsabende in Freuden zugebracht, lat uns auch den Einen traurigen von Gottes Hand willig annehmen. Du hast recht, liebster Mann! sagte die alte Frsterin; wir wollen alles Gott berlassen und in unserm groen Jammer getrost seyn. Ach, ich dachte oft daran, wie es Marien seyn mute, als sie nicht nur in dem Stalle bernachten mute, sondern bald darauf ihre Wohnung bey dunkler Nacht -- wie jetzt wir -- gar verlassen, und mit ihrem gttlichen Kinde fortziehen sollte in ein anderes Land. O so gro ihr Glauben, ihr Vertrauen war, ich denke doch, da ihr, wo nicht um ihrer selbst, doch um ihres Kindes willen, Thrnen in die Augen traten! Ich wei, was es um ein Mutterherz ist! Ihre Leiden waren gewi herzzerschneidend. Jeder Mensch auf Erden aber mu in hnliche Lagen kommen. Gott lt keines seiner Kinder ungeprft. Jene alten Geschichten werden auf eine gewisse Art an uns erneuert. Allein Derjenige, Der Marien, in dem armen Stalle und auf ihrer traurigen Flucht, trstende Freunde und leitende Engel zuschickte, wird auch uns nicht ohne Trost lassen. Er wird zu rechter Zeit Hlfe schicken. Nun wurde mit einem Male an der Hausthre geklopft. Jetzt kommen sie, sagte der alte Frster, und werden uns aus dieser Stube vertreiben. Der Frstersohn fuhr auf, blickte nach seinem Gewehr, und rief: Das sollen sie sich nicht unterstehn, meine grauen Aeltern, mein liebes Weib, meine Kinder, meine Schwestern aus dem Hause zu werfen. Den Ersten, der an sie Hand anlegt, den -- -- O nein, nein, mein Sohn, sprach der alte Vater, sprich diese schrecklichen Worte, die du auf der Zunge hast, nicht vollends aus. Keine Widersetzlichkeit; nichts von unrechtmiger Gewalt! Gott ist ber uns und ihnen. Er allein ist unser Schutz und unsre Zuflucht. Wenn unsre Bitten und Vorstellungen ber diese Mnner, die uns zu vertreiben kommen, nichts vermgen, so gehen wir willig aus dem Hause, und flchten uns, bis die Nacht vorber ist, in jene Hhle des Waldes, in der wir bey strmischer Witterung auf der Jagd oft eine Zuflucht gefunden. Ach, sprach er, indem er aus seinem Lehnsessel aufstand, ich wollte, ein jedes aus euch knnte mit mir altem, vielgeprftem Manne sagen: Um mich hab' ich mich ausbekmmert, Und alle Sorg' auf Gott gelegt, Wrd' Erd' und Himmel auch zertrmmert, So wei ich doch, da Er mich trgt; Und hab' ich meinen treuen Gott, So frag' ich nichts nach Noth und Tod. Achtes Kapitel. Ein unerwarteter Besuch. Indessen wurde wiederholt geklopft, und noch strker, als zuvor. Geh, Christian, sagte der alte Frster, und ffne die Thre. Christian ging. Nach einigen Augenblicken trat ein schner, ansehnlicher Herr, den sie nicht kannten, in einen dunkelgrnen Mantel gehllt und mit einer Pelzmtze bedeckt, zur Thre herein. Das ist der neue Frster! dachten alle mit erschrockenen Herzen. Der Unbekannte schien aber selbst erschrocken, so viele rothgeweinte Augen und schreckenblasse Angesichter zu sehen. Er nahm seine Mtze ab, stand einige Augenblicke still und sagte: Kennen Sie mich denn nicht mehr? Ach Gott, rief Luise, es ist Anton! Anton! rief Katharine, ists mglich? Was fllt euch ein, sagte die alte Mutter; dieser Herr da ist ja viel grer und strker als Anton. Wahrhaftig, er ist es, sprach Christian, es ist Anton! Um des Himmels willen, Bruder, wie kommst du hieher? Ich htte dich in Rom gesucht, mehrere hundert Stunden von hier! Der alte Vater rieb sich die Augen, als traute er ihnen nicht, trat langsam nher, eilte aber pltzlich mit weitausgestreckten Armen auf Anton zu, schlo ihn in die Arme und konnte nichts mehr sagen, als: O mein Sohn Anton! Sie umarmten sich lange und innig. Nun grte Anton seine ehrwrdige Pflegmutter, seine Geschwister, Christian, Katharinen und Luisen, voll der herzlichsten Freude des Wiedersehens. Auch die junge Frsterin und ihre Kinder, die er das erste Mal sah, grte er mit groer Freude und Herzlichkeit. So tief betrbt alle noch vor wenigen Augenblicken waren, so hoch erfreut waren jetzt alle. Die unerwartete Freude hatte alle Traurigkeit verscheucht, wie die aufgehende Sonne die nchtlichen Schatten zerstreut. Jetzt aber fing die alte Mutter an: Ach Anton, du findest uns in sehr traurigen Umstnden. Du hast ja unsere Thrnen noch gesehen, als du in die Stube herein kamest. Ach, la dir unsern Jammer doch erzhlen. Ich wei alles, sprach Anton; seyen Sie aber vollkommen ruhig, liebste Aeltern! Ihre Angelegenheiten stehen aufs Beste. Ich komme eben vom Frsten. Er grt Sie, liebster Vater, auf das freundlichste. Mich? rief der alte Vater? Wie kamst du zum Frsten? Das begreife ich nicht. Wahrhaftig, ich frchte, dieses alles ist nur ein glcklicher Traum. Nein, sprach Anton, nichts weniger als ein Traum, sondern die gewisse Wahrheit. Setzen Sie sich einmal in Ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, liebste Mutter, nehmen Sie hier Platz, und lassen Sie sich alles ausfhrlich erzhlen. Er legte seinen Mantel ab und holte noch ein Paar Sessel herbey. Die erfreuten Pflegltern nahmen ihn in ihre Mitte. Alle brigen standen umher und sahen voll Verwunderung und Erwartung auf ihn. Anton erzhlte: Unser jetziger gndigster Frst war, wie Sie wissen, noch vor Kurzem als Erbprinz in Italien. Da wurden nun einmal zu Rom die Gemlde junger Knstler zur Schau ausgestellt. Er ging hin, und unter den vielen Gemlden gefiel ihm eines ganz vorzglich. Man sagte ihm, ein junger Mahler aus seinem Frstenthume, Anton Kroner, habe es gemahlt. Der Prinz lie mich rufen, lobte mich sehr und war gegen mich ganz ungemein gndig. Er fragte mich, was ich fr das Gemlde fordere, und bezahlte mir mit frstlicher Gromuth viel mehr, als ich verlangt hatte. Da er die berhmtesten Gemlde zu Rom sehen wollte, so mute ich ihn fter begleiten, durfte neben ihm in seinem Wagen sitzen, ja sogar einige Male bey ihm speisen. Nun wurden zu Rom mehrere alte Gemlde von ganz vorzglicher Schnheit zum Verkauf ausgebothen. Der Prinz fuhr mit mir hin, sie zu besehen. Er fragte mich bey jenen Stcken, die ihm besonders gefielen, um meine Meynung, und beschlo sie zu kaufen. Es war ein Tag bestimmt, an dem sie ffentlich sollten versteigert werden. Der Prinz konnte aber nicht mehr so lange bleiben; er mute nach Hause reisen, und die Regierung bernehmen. Er gab mir daher den Auftrag, die Gemlde zu kaufen, und dafr zu sorgen, da sie ihm sicher und unbeschdigt berliefert wrden. Er bestimmte, wie viel ich im uersten Falle fr die Gemlde geben drfte, und wies mir eine Summe Geldes an. Dieser fr mich so ehrenvolle Auftrag lag mir nun sehr am Herzen. Ich war auch so glcklich, die Gemlde fr eine bedeutend geringere Summe, als er mir gestattet hatte, zu erhalten. Da ich bereits alles, was fr einen Mahler in Italien vorzglich sehenswerth ist, gesehen hatte, und da eben ein Schiff zum Absegeln bereit lag, so schiffte ich mich sammt den Gemlden ein. Ich kam mit meinem kostbaren Schatze glcklich an das Land. Da miethete ich nun fr die Gemlde einen besondern Wagen, und fuhr, damit sie ja keinen Schaden nehmen mchten, selbst mit, bis wir auf dem Wagen zusammen in der Residenz anlangten. Ich eilte sogleich nach Hofe und lie mich melden. Der Frst war eben von der Mittagstafel aufgestanden und befand sich in seinem Kabinette. Ich kam sogleich vor. Nun, willkommen in Deutschland, sprach der Frst sehr freundlich; was bringen Sie mir Gutes aus Italien? Die Gemlde, sagte ich, die ich Eurer Durchlaucht hchstem Befehle gem gekauft habe. Nun, sprach der Frst, und wie viele davon? Alle! sagte ich. Alle! rief er sehr erfreut; das ist ja ganz vortrefflich. Er gab sogleich Befehl, da die Bilder ausgepackt und aufgestellt wrden. Ich legte auch mit Hand an. Alle waren vollkommen unbeschdigt. Der Frst war in seinem grten Vergngen. Denn er ist nicht nur ein Liebhaber, sondern auch ein Kenner von Gemlden. Ich berreichte ihm die Quittungen fr die bezahlten Gemlde. Die Summe, sprach er, betrgt ja ein Merkliches weniger, als ich Ihnen gestattete. Ich sagte: Eure Durchlaucht wollen befehlen, wo ich das brige Geld abzugeben habe. Ach, sagte er sehr gndig, davon kann keine Rede seyn. Ich bin Ihnen Dank schuldig. Wenn Sie mit mir zufrieden sind, so bin ich es mit Ihnen noch viel mehr. Doch -- Sie sind mde von der Reise und haben sich mit Auspacken noch mehr abgemattet. Sie bedrfen der Ruhe. Er befahl, mir ein Zimmer in der Residenz anzuweisen. Als ich Abends in meinem Zimmer sa, fiel mir pltzlich ein, den alten Forstrath Mller zu besuchen. Er war ja, auer dem Frsten, der einzige Mann, den ich in der Residenz kannte, und ich erinnerte mich sehr wohl, wie er ehemals als Oberfrster Sie, bester Vater, fter besuchte und mit Ihnen in der herzlichsten Freundschaft lebte. Er fragte mich, wie ich hieher komme. Ich sagte es ihm. Sie kommen zur glcklichsten Stunde! sprach er, und fing nun sogleich an, mir zu erzhlen, wie es Ihnen, liebster Vater, gehe, wie viel Verdru Ihnen der Oberfrster mache, wie Sie dehalb selbst in die Residenz gekommen, wie Sie aber einige Tage vor meiner Ankunft unverrichteter Sache wieder abgereiset wren. Ich wollte sogleich wieder zum Frsten. Nicht doch! sagte der Forstrath, das geht nicht. Morgen frhe mssen Sie um eine besondere Audienz bitten. Ich werde Sie begleiten. Die Sache ist jetzt schon so vorbereitet, da wir ein geneigtes Gehr finden werden. Wir wurden am folgenden Morgen sehr bald vorgelassen. Ich fing sogleich von Ihnen an, und redete mit groem Eifer. Ich erzhlte, wie ich in Ihr Haus gekommen, und was Sie alles an mir gethan haben. Ich war sehr ausfhrlich. Der Forstrath sagte einige Male: Zur Sache, zur Sache! Der Frst aber lchelte nur und sagte: Lassen Sie! Die Dankbarkeit des guten Sohnes gegen seine alten Pflegltern gefllt mir. Wir werden ja am Ende finden, wo das alles hinaus will. Ich kam nun auf den Herrn von Schilf und sagte es gerade zu, warum er Ihnen so aufsig sey, und da er als ein Wilddieb in das Zuchthaus gekommen wre, wenn der hochselige Frst nicht zu gndig gewesen wre. Nicht doch, sagte der Forstrath ernsthaft zu mir, Sie vergessen den schuldigen Respekt. Frsten knnen kaum zu gndig seyn. Der Oberfrster war damals ein junger Mensch, und es konnte dehalb immer einige Schonung eintreten. Nur weiter, nur weiter! sagte der Frst zu mir. Ich zeigte ihm nun die Briefe, die Sie, liebster Vater, mir nach Italien geschrieben. Ich hatte sie noch in der Nacht aus meinem Koffer hervor gesucht. Da ist auch nicht ein einziger darunter, in dem nicht fr den Durchlauchtigen Erbprinzen, der mit mir damals in einem Lande lebte, die besten Segenswnsche enthalten wren. Der Frst las nicht nur die Stellen, die ich ihm zeigte, sondern, nachdem er mich zuvor, mit zu vieler Gnade, um Erlaubni gefragt hatte, die ganzen Briefe. Nun wohl, sprach er, ich erinnere mich jetzt, da Sie mir schon in Italien von dem wackern Manne gesagt haben; ein Mann, der so schreibt und einen so guten Sohn erzog, kann kein schlechter Mann seyn. Dehalb, sagte ich, mssen Eure Durchlaucht den Oberfrster bestrafen, und dem Sohne des Frsters den vterlichen Dienst geben. Der Forstrath blickte mich unwillig an und sagte: Spricht man denn auch einmal so mit dem gndigsten Herrn. Der Frst sprach aber mit Lcheln: So schnell geht es freylich nicht, wie Sie meinen, junger Mann. Ich mu den Oberfrster erst auch hren. Er winkte den Forstrath an ein Fenster und redete einige Zeit besonders mit ihm. Der Forstrath setzte sich hierauf und schrieb. Der Frst sagte aber zu mir: Seyen Sie ruhig, es wird recht werden. Er redete nun, whrend der Forstrath schrieb, mit mir von Gemlden. Mein seliger Vater, sagte er, hat mir eine ganz artige Sammlung hinterlassen. Ich bin begierig, was Sie dazu sagen. Inde mssen alle Gemlde wieder in bessern Stand gesetzt werden. Diese Arbeit bertrag ich hiemit Ihnen. Wollen Sie das Geschft bernehmen? Mit dem grten Vergngen, sagte ich; aber erst nach den Weihnachtsfeyertagen. Am heiligen Weihnachtsabende habe ich meine ehrwrdigen Pflegltern das erste Mal gesehen; an dem Weihnachtsabende mu ich sie wieder sehen; besonders da sie in einer so traurigen Lage sind, und ich ihnen erfreuliche Nachrichten bringen kann. Das ist nicht mehr als billig! sagte der Frst. Der Dankbarkeit gegen Aeltern will ich gerne nachstehen. Der Forstrath war indessen mit Schreiben fertig geworden und berreichte dem Frsten das Blatt. Der Frst unterzeichnete es. Gren Sie mir Ihren guten Pflegvater, sprach er zu mir, und sagen Sie dem braven, alten Manne, er solle auer Sorgen seyn. Aber wie frey Sie doch mit dem Frsten sprachen, sagte der Forstrath, indem er mich auf mein Zimmer begleitete. Ich wehrte Ihnen immer, aber Sie achteten nicht darauf. Nun, Ihrer Liebe zu Ihren Pflegltern ist dieses zu verzeihen. Auch finde ich, der geradeste Weg ist immer der krzeste. Ich fragte nun den Forstrath, was der Frst mit ihm gesprochen und was er ihm zu schreiben befohlen. Nach vielem Bitten gestand er mir endlich, der Frst habe gesagt: Bald htte man mich zu einer Ungerechtigkeit verleitet. Dort liegt ein Dekret, in dem an die Stelle des alten Frsters ein andrer Mann ernannt wird. Ich fand jedoch einige Bedenklichkeiten dabey und habe, so sicher man auch darauf rechnete, es noch nicht unterzeichnet. Ich werde nun die Sache zuvor noch grndlicher untersuchen. Was der Forstrath schreiben mute, war ein besonderer Befehl an den Oberfrster, ohngefhr dieses Inhalts: Seine Durchlaucht htten mit allergrtem Mifallen vernommen, wie unwrdig der Oberfrster den wrdigen Frster Grnewald behandle; der Oberfrster erhalte hiemit die geschrfteste Weisung, bis auf weiters weder den alten Frster noch dessen Sohn im Geringsten zu beunruhigen. Den Befehl mute der Forstrath sogleich durch eine Staffete absenden. Denn, hatte der Frst gesagt, es liegt mir sehr daran, dem alten ehrlichen Manne, sobald mglich, Ruhe zu verschaffen. Der Forstrath gab mir nun noch auf, Sie zu gren und Ihnen zu sagen: Die Untersuchung, die der Frst anordnen werde, falle zuverlig zu Ihrem Besten aus, und Ihr Sohn erhalte sicher den Frsterdienst. Der alte Frster wischte sich, so wie alle brigen, whrend dieser Erzhlung fter die Augen. Jetzt stand er auf, umarmte Anton, nahm den Flor von dem Gemlde der Geburt Jesu hinweg, blickte dankend zum Himmel, und rief: Nun lat uns in den Lobgesang der Engel einstimmen: Ehre sey Gott in der Hhe und Friede auf Erden den Menschen, die eines guten Willens sind. Neuntes Kapitel. Der Weihnachtsbaum. Nachdem Anton seine Erzhlung geendet hatte, erkundigte er sich sehr angelegentlich nach dem Befinden seiner lieben Aeltern. Er hatte nicht ohne Schmerzen bemerkt, wie sehr beyde seit seiner Abreise gealtert hatten. Ihre grauen Haare und ihre vielen Falten preten ihm beynah Thrnen aus. Inde lie er sich davon nichts merken, um sie nicht zu betrben. Gar sehr mute er sich hingegen verwundern, seine Geschwister, Christian, Katharine und Luise nun in der vollen Blthe des Lebens zu erblicken. Er rief Christians beyde Kinder freundlich herbey. Mein Gott, sagte er, so verfliet die Zeit! Ach, vor achtzehn Jahren waren Christian, Katharine und ich Kinder wie diese hier; Luise noch kleiner. Jetzt sind diese Kinder in unsre Stelle eingerckt. Er betrachtete die zwey Kinder mit Wohlgefallen. Nun, sprach er, habt ihr aber auch eure Weihnachtsgeschenke schon bekommen? Ach nein; sagte der kleine Franz. Der Oberfrster hat uns den Spa verdorben; er ist ein rechter Herodes. Die Mutter verwies ihm diese Rede. Die kleine Klara sagte: Anton, dich hat gewi ein Engel hieher geschickt. Hast du uns aber auch ein Weihnachtsgeschenk mitgebracht? O ja wohl, sagte er, ich habe eurer nicht vergessen. Nur mt ihr warten, bis meine Kutsche nachkommt. In dieser ist alles. Die Kinder gaben sich zufrieden. Hierauf wurde das Abendessen aufgetragen. Es wurde aber mehr geredet, als gegessen. Nach Tische verlangten die Kinder in das Bett. Alle brigen blieben aber noch bey einander auf. Den lieben Kleinen, sagte Anton, mssen wir morgen frhe noch eine besondere Freude machen. Wir mssen ihnen einen Weihnachtsbaum zurichten. Denn wie in einigen Gegenden die Krippe, so ist in andern der Weihnachtsbaum Sitte. Christian mu sich aus Liebe zu seinen Kindern schon bequemen, noch diese Nacht aus dem nahen Walde eine junge Tanne zu holen. Das Nthige, den Baum zu schmcken, bringe ich mit. Ich habe meinen Kutscher, dessen Pferde fast erlegen waren, in Aeschenthal zurckgelassen, und bin auf dem Fusteig ber alle Berge hieher geeilt; morgen frhe aber vor Anbruch des Tages wird die Kutsche mit meinem Koffer und brigem Gepcke hier eintreffen. Am folgenden Morgen, sehr frhe, da die Kinder noch s und sanft schliefen, waren schon alle Erwachsene im Hause mit Aufstellung und Ausschmckung des Weihnachtsbaumes beschftigt. Ein junger schner Tannenbaum mit dichten grnen Aesten wurde in der Stubenecke zwischen den Fenstern angebracht. Anton ffnete, nachdem die Kutsche abgepackt war, eine groe Schachtel, die fast mit allem, was Kinder freuen kann, gefllt war. Er hngte die kleinen Geschenke -- schnes Obst, allerley buntes Zuckerwerk, niedliche Krbchen voll verzuckerter Mandeln, Krnze von knstlichen Blumen mit rosenfarbenen oder himmelblauen Bndern geziert, nebst allerley flimmernden Spielzeugen an den Baumzweigen auf. Er wute alles sehr mahlerisch zu ordnen. Nun nahm er auch ein Paar Dutzend kleine blecherne Lampen hervor, die mit Wachs eingegossen waren. Er hngte sie vorsichtig, damit sie den Baum schn beleuchten, aber nicht anbrennen konnten, an den Zweigen auf. Da alles fertig war, gingen Katharine und Luise, die Kinder zu wecken. Sie drfen aber nicht frher kommen, sagte Anton, als bis ich mit dem Anznden der Lampen fertig bin und bis die Mutter ruft. Als die Kinder von den Weihnachtsgeschenken hrten, verging ihnen sogleich aller Schlaf. Man konnte sie nicht schnell genug ankleiden. Endlich rief die Mutter: Jetzt kommt! Die Kinder sprangen eilig in die Stube -- blieben aber von Glanz und Schimmer geblendet pltzlich stehen. Vor Erstaunen und Entzcken ber den unerwarteten Anblick konnten sie Anfangs nicht reden. Sie staunten den wundersam schimmernden Baum mit starren Augen und offnem Munde unverwandt an. Der grne Glanz der Zweige, die Lichter, die dazwischen wie Sterne schimmerten, die hochroth strahlenden Aepfel, die goldgelben Birnen, die vielen bunten und funkelnden Sachen kamen ihnen wie Zauberey vor. Sie wuten nicht, ob sie wachten oder trumten. Endlich riefen sie hchst entzckt: O wie schn, o wie herrlich! Franz sagte: Einen solchen Baum, der so schn ist und im Winter so vielerley Frchte trgt, giebts in unserm ganzen Walde nicht. Ey, sagte Klara, solche Bume wachsen nur im Paradiese, oder gar nur im Himmel. Nicht wahr, Mutter, das Christuskindlein hat uns den Baum geschickt? So, wie er da ist, sprach die Mutter, nun eben nicht. Inde hat doch Christus, der einst als ein Kind in der Krippe lag und nun im Himmel ist, euch diese Freude beschert. Denn wre Er uns nicht geboren, so wten wir nichts von Weihnachtsfreuden und Weihnachtsgeschenken. Nun gut, sagten die Kinder, wir wollen Ihn schon recht lieb haben und Ihm recht folgen. Er ist doch gar so gut, und hat die Kinder gar so lieb. Eine solche Freude, wie Er uns macht, hatte noch kein Mensch in der Welt. Die Gromutter sprach: Es ist wohl wahr, ein erwachsener Mensch kann kaum eine solche Freude empfinden, wie ihr Kinder. Schuldlose Kinder sind die seligsten Geschpfe auf Erden; ihre Freuden sind rein und lauter. Gott erhalte euch unschuldig und gut! -- Ach, sagte sie zu den brigen, die Freuden der Erwachsenen werden nur zu oft von Kummer und Sorge, von Ehrsucht, Geiz, andern bsen Leidenschaften, wohl gar von Gewissensbissen verbittert. Darum ist es ein schnes, wahres Wort unsers gttlichen Erlsers: Wenn ihr euch nicht bekehret und nicht werdet wie die Kinder, so knnet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Der Grovater sagte: Der Gebrauch mit dem Weihnachtsbaume gefllt mir sehr wohl. Es war klug und weise von unsern Vorltern, da sie darauf bedacht gewesen, die schnen christlichen Freudenfeste auf mancherley Weise den Kindern zu Tagen der Freude zu machen. Diese kindliche Freude macht ihnen die Festtage des Herrn lieb und werth, und bereitet ihr Herz vor, an der hheren Festfreude, dem Heile, das uns allen geworden, Theil zu nehmen. Von nun an soll in diesem Hause an jedem Weihnachtsfeste den lieben Kleinen immer ein Weihnachtsbaum grnen. Wenn er auch nicht so prchtig geziert seyn sollte, wie dieser, so wird er ihnen doch nicht weniger Freude machen. Es braucht wenig, Kinder zu erfreuen; einige Aepfel, Birnen, vergoldete Nsse reichen schon hin, wenn man etwa nichts Besseres hat. Auch wird wohl niemand knickern wollen, wenn es darauf ankommt, Kindern eine schuldlose und heilsame Freude zu machen. Ich denke auch, der Weihnachtsbaum kann uns bey der Kinderzucht groe Dienste leisten; er kann uns, wenigstens sehr oft, die Ruthe ersparen. Kinder, die einmal einen Weihnachtsbaum gesehen haben, freuen sich gewi das ganze Jahr wieder darauf, und werden gewi mehr auf die Worte achten: Wenn ihr nicht gehorcht, bekommt ihr keinen Weihnachtsbaum! -- als wenn man ihnen mit Schlgen drohte. Die Aeltern und Groltern dankten nun dem Anton fr die viele Freude, die er ihren Kindern und Enkeln gemacht hatte. Es ist eine Kleinigkeit, sagte er, die nicht der Rede werth ist. Inde mu ich Sie bitten, da auch Sie einige kleine Weihnachtsgeschenke von mir nicht verschmhen. Er schlo seinen Koffer auf, der in einer Ecke der Stube stand. Diesen Koffer, sagte er, haben Sie mir einst reichlich gefllt mit auf die Reise gegeben; es ist nicht mehr als billig, da Sie ihn nicht ganz leer wieder zurck erhalten. Er berreichte der alten Frsterin kostbares Pelzwerk und Seidenzeug. Es ist ja die Pflicht guter Kinder, sagte er, ihre alten Aeltern bey der rauhen Jahrszeit warm zu halten. Der jungen Frau und den zwey Jungfrauen gab er grnen Tafet zu Kleidern, seidene Halstcher aus Mayland und andern Frauenzimmerputz. Der junge Frster bekam eine vortreffliche Doppelflinte, deren Schaft von Nubaumholz sehr schn mit Silber eingelegt war. Sie, liebster Vater, sagte Anton zu dem alten Frster, mssen nun nicht mehr auf die Jagd gehen; Sie mssen nun von Ihren vielen Beschwerden ausruhen. Sie brauchen Strkung in Ihren alten Tagen. Der Korb dort ist mit Flaschen vom besten alten Rheinwein gefllt. Und hier ist ein Becher dazu. Anton berreichte ihm einen silbernen Becher, der innen prchtig vergoldet war. Auen auf dem Becher waren in einem Kranze von Eichenlaub die Worte eingegraben: Meinem lieben Vater Friedrich Grnewald zur Erinnerung an den Weihnachtsabend 1740., berreicht am Weihnachtsfeste 1758. von dessen dankbarem Sohne Anton Kroner. Der alte Frster umarmte Anton mit Thrnen in den Augen. Allein Anton bergab ihm ber die noch eine Rolle Gold. Sie, liebster Vater, sagte er, haben groe Summen auf mich verwendet. Es wre nicht recht, wenn Ihre brigen Kinder und Ihre Enkel dadurch sollten verkrzt werden. Der edle Greis erstaunte und wollte das Geschenk nicht nehmen. Allein Anton sagte: Es ist nichts weniger, als ein Geschenk von mir. Der gndigste Frst hat mich so reichlich beschenkt, und sein Geschenk freute mich zweyfach, weil ich dadurch in den Stand gesetzt wurde, Ihnen an einer alten Schuld, die ich nie werde ganz bezahlen knnen, wenigstens Einiges abzutragen. Alle Umstehenden waren hchst erstaunt. Die alte Frsterin aber sagte: Ach Anton, wie htten wir an jenem Weihnachtsabende, an dem du das erste Mal in unser Haus kamest, denken knnen, da du uns dereinst einen so frhlichen Weihnachtsabend bereiten, uns durch die Verwendung bey Seiner frstlichen Durchlaucht aus so groer Noth retten, und uns alles, was wir an dir thaten, so reichlich vergelten wrdest! Das hat Gott gethan, sprach Anton. Er fhrte mich in Ihr Haus, um Sie und mich reichlich zu segnen. Sein Name sey gepriesen. Doch, sprach jetzt Anton, erlauben Sie nun, da ich sogleich abreise. Was, wie, warum? riefen alle erstaunt. Allein Anton sagte: Ich fahre jetzt zu Herrn Riedinger. Ich hoffe dort noch dem Gottesdienste beywohnen zu knnen, meinem vortrefflichen Lehrmeister durch meinen Besuch eine unerwartete Freude zu machen, und ihn auf den Abend hieher zu bringen. Dann wollen wir die brigen Weihnachtsfeyertage, ja alle Tage des noch brigen Jahres recht frhlich beschlieen. Alle begleiteten Anton an die Kutsche. Am Abende kam Anton mit seinem Lehrmeister an, und das alte Frsterhaus in dem dstern Walde beherbergte in diesen Tagen so selige Menschen, als je auf Erden gelebt haben. Was von Antons Geschichte noch weiter bemerkt zu werden verdient, ist kurz dieses. Anton bath den alten Frster und dessen Hausfrau, ihm ihre Tochter Luise zur Ehe zu geben. Beyde bewilligten es mit Freuden. Ach Luise, sprach die alte Gromutter, damals, als du dem Anton jenes Aepfelein zum Weihnachtsgeschenk gegeben hast, dachte ich wohl nicht daran, da er dich dereinst als seine Braut zum Altare fhren wrde. Das Hochzeitfest war erst noch das freudigste Fest, das je in dem Frsterhause gefeyert wurde. Anton aber kaufte sich in der Residenz ein eigenes Haus, hatte als ein sehr geschtzter Mahler immer sehr viel zu mahlen, und lebte mit Luisen in der seligsten Eintracht. Im folgenden Frhlinge kam der Frst ganz unerwartet auf dem frstlichen Jagdschlosse Felseck an, und brachte den alten Forstrath Mller und einen auswrtigen forstverstndigen Mann mit sich. Der Oberfrster war sehr bestrzt und versprach sich von diesem gndigen Besuche wenig Gutes. Sie haben meine Befehle berschritten, sagte der Frst zu ihm. Ich hatte zwar, durch Ihre Berichte verleitet, den alten Frster seiner Geschfte berhoben, und war Willens, den jungen Frster auf einen sehr geringen Frsterdienst zu versetzen; allein die ganze Familie so unmenschlich aus dem Forsthause zu verstoen, wie Sie es im Sinne hatten, war nie mein Wille. -- Doch wir wollen vorerst die Waldungen in Augenschein nehmen. Des Oberfrsters eigener Bezirk befand sich in einem klglichen Zustande. Auf den Papieren, die er einschickte, sprach der Frst, fand ich alles vortrefflich. Da war alles so schn geschrieben und linirt, wie gestochen. Allein im Walde finde ich es anders. Auf manchem Platze ist offenbar ohne Vergleich mehr Holz gestanden, als in den Rechnungen steht. Er hat mich betrogen. Der Oberfrster hatte, wie sichs in der Folge zeigte, an eine benachbarte Eisenschmelze nach und nach einige tausend Klafter Holz mehr abgegeben, als er in Rechnung brachte. Er hatte, um seinen groen, beynah frstlichen Aufwand zu bestreiten, nicht nur sein eigenes Vermgen verschwendet und sich in Schulden gesteckt, sondern sich berdie noch Untreue gegen seinen Frsten erlaubt. Der Frst setzte ihn ab, und verurtheilte ihn, den Schaden zu vergten. Der arme Herr von Schilf lebte von nun an auf seinem kleinen Landgute in sehr drftigen Umstnden. Den Waldbezirk des alten Frsters fand der Frst im trefflichsten Zustande. Er kam in eigener Person zu ihm in das Haus, bezeugte dem alten Manne seine Zufriedenheit, lie sich dessen ganze Familie vorstellen und redete mit allen sehr freundlich. Bevor er seinen Schimmel bestieg, den ein Reitknecht vor dem Frsterhause am Zaume hielt, sagte er zu dem Frstersohne: Er ist hiemit Frster; mache Er seine Sache ferner so gut! Sie, sprach der Frst zu dem alten Frster, sind nun wohl etwas alt, aber noch lange nicht der abgelebte Greis, fr den Herr von Schilf Sie ausgab. Sie sind trotz Ihres Alters noch sehr wohl bey Krften; ich kann Sie meiner Dienste noch nicht entlassen. Sie werden mich verstehen, wenn ich Ihnen sage: Leben Sie wohl, Herr _Oberfrster_. Bei Philipp Krll in Landshut ist zu haben _Genovefa._ Eine der schnsten und rhrendsten Geschichten des Alterthums, neuerzhlt fr alle guten Menschen, besonders fr Mtter und Kinder. 3te rechtmige Auflage. m. 1 Kupf. 8. 1817. 24 kr. oder 6 gr. _Ostereyer_, die, eine Erzhlung zum Ostergeschenke fr Kinder, von dem Verfasser der Genovefa. 2te Auflage. 12. 1818. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr. _Wie Heinrich von Eichenfels_ zur Erkenntni Gottes kam; eine Erzhlung fr Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der Ostereyer. 2te verbesserte Auflage. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr. _Blhten_, dem blhenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer. 8. 1819. 18 kr. 5 gr. _Erzhlungen_ fr Kinder und Kinderfreunde, von dem Verfasser der Ostereyer. 18 Bndchen. 12. 1821. 9 kr. gr. 12. 12 kr. 3 gr. -- -- desselben Werks 2s Bndchen. 12. 1825. _Blumenkrbchen_, das, eine Erzhlung dem blhenden Alter gewidmet, von dem Verfasser der Ostereyer; mit 1 Titelkupfer. 8. 1823. 24 kr. 6 gr. Velinpap. 1 fl. 48 kr. Rthl. 1. _Rosa_ von Tannenburg. Eine Geschichte des Alterthums, fr Aeltern und Kinder. Erzhlt von dem Verfasser der Genovefa; mit 1 Kupf. 8. 1823. 30 kr. 8 gr. _Itah_, Grfin von Toggenburg; eine sehr schne und lehrreiche Geschichte aus dem 12ten Jahrhundert, neu erzhlt fr alle guten Christen, besonders fr unschuldig Leidende. Ein Seitenstck zur Genovefa; mit 1 Kupfer. 5te Auflage. 8. 1823. 24 kr. 6 gr. _Geschichten_, biblische, fr Kinder. 3 Thle. (von Christoph Schmidt). 8. 1820. netto 1 fl. 9 kr. 18 gr. -- -- dieselben im Auszug. 2 Thle. 8. 1821. netto 30 kr. 8 gr. _Engelbrecht, A._, Aufstze pdagogischen Inhalts; ein Buch fr Seelsorger und Volksschullehrer, zur angenehmen und belehrenden Unterhaltung; mit 1 Kupfer. 8. 1821. 1 fl. 30 kr. Rthl. 1. _Hausaufgaben_ fr Schreib- und Rechnungsschler in Volksschulen, oder Aufgaben zur Selbstbeschftigung der Schler. 2te verbesserte Auflage. 8. 1823. 15 kr. 4 gr. _Diktirbungen_ nach den Regeln der Orthographie geordnet, nebst einem Diktir-Surrogat fr Volksschulen; ein Hand- und Lesebuch fr Elementarschulen, vom Verfasser der Hausaufgaben. 8. 1822. 12 kr. 3 gr. _Maurer, K._, Lesebuch fr gebtere Leseschler. 8. 1818. 15 kr. 4. gr. -- -- kleine lehrreiche Erzhlungen und Lesestze, nebst einigen Gleichnissen und Denksprchen aus dem Munde Jesu. Ein Geschenk fr Kinder. 8. 1820. 8 kr. 2 gr. -- -- Briefe fr Kinder, nebst einigen Anreden bei ffentlichen Schulprfungen. 3te Auflage. gr. 12. 1824. 12 kr. 3 gr. -- -- Tabelle zur Kenntni der Buchstaben. 8. 1817.; auf Pappendeckel gezogen 2 kr. -- -- Lesebuch fr Anfnger im Lesen. 3 Abtheilungen. 12. 1817. 7 kr. 2 gr. _Alte_, der, von den Bergen; eine Erzhlung fr Kinder. 2te verbesserte Auflage. 12. 1822. 9 kr. 3 gr. _Heilingbrunner_ und _Zeheters_ drittes Elementarbuch der nthigsten Sach- und Sprachgegenstnde fr Volksschulen. 3. 1822. 30 kr. 8 gr. _Jais, P. A._, schne Geschichten und lehrreiche Erzhlungen, zur Sittenlehre fr Kinder und wohl auch fr Erwachsene. 2 Bndchen. 10 kr. 3 gr. _Fabeln fr unsere Zeiten und Sitten._ 2 Bndchen. 8. 1821. 1 fl. 16 gr. Anmerkungen zur Transkription Die Schreibweise der Buchvorlage wurde weitgehend beibehalten. Offensichtliche Fehler wurden korrigiert wie hier aufgefhrt (vorher/nachher): [S. 10]: ... oben auf dem Berge. In Mitte der ... ... oben auf dem Berge. In der Mitte der ... [S. 44]: ... Menschen geziemt, oder sie sind mit mir ... ... Menschen geziemt, oder Sie sind mit mir ... [S. 44]: ... sahen etwa einige vornehme jungen Herren ... ... sahen etwa einige vornehme junge Herren ... [S. 55]: ... suchte. Oder der Namen des Waldes ... ... suchte. Oder der Name des Waldes ... [S. 72]: ... umher, und sagten mit gerhrten ... ... umher, und sagten mit gerhrtem ... [S. 92]: ... alle brige Geschpfe der Erde unterworfen. ... ... alle brigen Geschpfe der Erde unterworfen. ... [S. 100]: ... Kinder, Armen und Kranken mten ... ... Kinder, Arme und Kranke mten ... [S. 102]: ... mit der ihr die frommen Bemerkungen ... ... mit der Ihr die frommen Bemerkungen ... [S. 126]: ... Freunde hat. Er will ihren Dienst ... ... Freunde hat. Er will Ihren Dienst ... [S. 126]: ... und ihren Sohn ein. Ich frchte sehr, ... ... und Ihren Sohn ein. Ich frchte sehr, ... [S. 134]: ... hnliche Lagen kommen. Gott lat keines ... ... hnliche Lagen kommen. Gott lt keines ... [S. 136]: ... mir altem, vielgeprften Manne sagen: ... ... mir altem, vielgeprftem Manne sagen: ... [S. 140]: ... ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ... ... Ihren Lehnsessel, liebster Vater, und Sie, ... [S. 148]: ... auch hren. Er winkte dem Forstrath ... ... auch hren. Er winkte den Forstrath ... [S. 149]: ... habe ich meine ehrwrdige Pflegltern ... ... habe ich meine ehrwrdigen Pflegltern ... [S. 164]: ... reichlich zu segnen. Sein Namen sey ... ... reichlich zu segnen. Sein Name sey ... [S. 168]: ... hiemit Frster; mache er seine Sache ... ... hiemit Frster; mache Er seine Sache ... End of Project Gutenberg's Der Weihnachtsabend, by Christoph von Schmid License: Share Alike