Produced by Louise Hope, Juliet Sutherland and the Online Distributed Proofreading Team at https://www.pgdp.net [Transcriber's Note: This e-text contains the introductory material and German text _only_ of the libretto of _Der Fliegende Hollnder_. The full version, with parallel translation, will be available separately. Typographical errors are noted at the end of the text.] * * * * * * * * * * * * * * PRICE 65 CENTS METROPOLITAN OPERA ASSOCIATION, INCORPORATED METROPOLITAN OPERA LIBRETTO The Original Italian, French or German Libretto with a correct English Translation FLYING DUTCHMAN FRED RULLMAN, Inc. _1425 Broadway, New York 18, N.Y._ THE ONLY CORRECT AND AUTHORIZED EDITION KNABE PIANO USED EXCLUSIVELY Printed in U.S.A. THE FLYING DUTCHMAN (DER FLIEGENDE HOLLAENDER) ROMANTIC OPERA IN THREE ACTS BY RICHARD WAGNER PUBLISHED BY FRED. RULLMAN, INC., NEW YORK, N.Y. ARGUMENT ACT I. A Norwegian brig is driven out of her course on the homeward voyage, and near the rockbound Norwegian Coast meets with the phantom ship of the "Flying Dutchman." Daland, the captain of the Norwegian vessel, enters into a compact with the "Flying Dutchman" whose identity, however, is unknown to him, to give him a home and his daughter, Senta, for a wife, in consideration of the rich treasures stored away in the "Flying Dutchman's" ship. ACT II. When the curtain rises, a bevy of Norwegian Girls, among whom are Daland's daughter, Senta and her nurse Mary, are discovered turning their spinning wheels and singing a spinning song. A picture of the "Flying Dutchman" adorns the wall, and Senta, after singing a ballad sketching in incoherent, passionate strains, a story of the subject of the picture, solemnly vows that she will become the means of terminating the torment, to which the "Flying Dutchman" is subjected, and who can only be saved by a woman unwaveringly constant in her love. During the confusion which ensues upon this avowal, the father's arrival is announced. In the time intervening between this announcement and Daland's arrival, Erik, Senta's lover, pleads for his love, and endeavors to persuade Senta that her infatuation for a phantom lover will lead to her irretrievable ruin; but to no avail. Daland arrives and presents the "Flying Dutchman" to his daughter. Senta accepts him as her affianced husband. ACT III. The curtain rises on the crew of the Norwegian brig singing a frolicking sailor song, and jesting with a bevy of girls, who bring them refreshments. The special object of their jest and fun (in which the girls also join), is the crew of the "Flying Dutchman," whom they cannot persuade to join in their merry-making. They finally conclude that the crew of the neighboring ship must be dead, and the suspicion gains belief that the "Flying Dutchman" is playing one of his ugly tricks. The crew of the "Flying Dutchman" sing a fantastic song to which the Norwegian sailors intently listen, and whose weird words they finally endeavor to drown in a song of their own. Erik pleads again with Senta, and the "Flying Dutchman" appears on the scene, and orders his crew to prepare for immediate departure, thinking Senta had proven as faithless and inconstant in the love she had vowed him, as the rest of womankind he had come in contact with. Senta, however, vows that she will be true to him, and even after the "Flying Dutchman" discloses his identity, she does not falter in her resolution. "Thine will I be, until death shall us part!" she passionately exclaims and the curtain falls. DRAMATIS PERSONAE DALAND _A Norwegian Navigator_ SENTA _His Daughter_ ERIK _A Huntsman_ MARY _Senta's Nurse_ THE MATE _Of Daland's Vessel_ THE FLYING DUTCHMAN. _Sailors of the Norwegian Vessel. The Crew of the Flying Dutchman. Girls._ SCENE: The Norwegian Coast ERSTER AKT. ERSTER AUFTRITT. MATROSEN. Hohoje! Hohoje! Halloho! u. s. w. DALAND. Kein Zweifel! Sieben Meilen fort Trieb uns der Sturm vom sichern Port. So nah' dem Ziel nach langer Fahrt, War mir der Streich noch aufgespart! STEUERMANN. Ho! Capitn! DALAND. Am Bord bei Euch, wie steht's? STEUERMANN. Gut, Capitn! Wir sind auf sicherm Grund. DALAND. 's ist Sandwyk-Strand, genau kenn' ich die Bucht. -- Verwnscht! schon sah am Ufer ich mein Haus, Senta, mein Kind, glaubt' ich schon zu umarmen. Da blst er aus dem Teufels-Loch heraus.... Wer baut auf Wind, baut auf Satans Erbarmen! Was hilft's? der Sturm lsst nach, -- Wenn so er tobte, whrt's nicht lang. He! Bursche! lange war't ihr wach; Zur Ruhe denn, mir ist's nicht bang! Nun, Steuermann! die Wache nimmst Du wohl fr mich? Gefahr ist nicht, doch gut ist's, wenn Du wachst. STEUERMANN. Seid ausser Sorg'! Schlaft ruhig, Capitn! STEUERMANN. Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer -- Mein Mdel, bin dir nah'. ber thurmhohe Fluth vom Sden her -- Mein Mdel, ich bin da! Mein Mdel, wenn nicht Sdwind wr', Ich nimmer wohl kam' zu Dir; -- Ach, lieber Sdwind! blas' noch mehr, Mein Mdel verlangt nach mir! Hohohe! Jolohe! Hoho! Ho! Ho! etc. Von des Sdens Gestad', aus weitem Land' -- Ich hab' an Dich gedacht; Durch Gewitter und Meer vom Mohrenstrand Hab' ich Dir was mitgebracht. Mein Mdel, preis' den Sdwind hoch. Ich bring' Dir ein glden Band; -- Ach, lieber Sdwind, blase doch! Mein Mdel htt' gern den Tand. Hoho! Ho jolohe! etc. ZWEITE SCENE. HOLLAENDER. Die Frist ist um, und abermals verstrichen Sind sieben Jahr! -- Voll berdruss wirft mich Das Meer an's Land. . . Ha, stolzer Ocean! In kurzer Frist sollst du mich wieder tragen! Dein Trotz ist beugsam -- doch ewig meine Qual. Das Heil, das auf dem Land ich suche, nimmer Werd' ich es finden! Euch, des Weltmeers Fluthen, Bleib' ich getreu, bis eure letzte Welle Sich bricht und euer letztes Nass versiegt! Wie oft in Meeres tiefsten Schlund Strzt' ich voll Sehnsucht mich hinab, Doch ach! den Tod, ich fand ihn nicht! Da, wo der Schiffe furchtbar Grab, Trieb _mein_ Schiff ich zum Klippengrund, Doch ach! mein Grab, es schloss sich nicht! Verhhnend droht' ich dem Piraten, Im wilden Kampfe hofft' ich Tod:-- "Hier -- rief ich -- zeige deine Thaten! Von Schtzen voll ist Schiff und Boot!" Doch ach! des Meers barbar'scher Sohn Schlgt bang' das Kreuz und flieht davon! Nirgends ein Grab! Niemals der Tod! Dies der Verdammniss Schreck-Gebot. Dich frage ich, gepries'ner Engel Gottes, Der meines Heils Bedingung mir gewann, War ich Unsel'ger Spielwerk Deines Spottes, Als die Erlsung Du mir zeigtest an? -- Vergebne Hoffnung! Furchtbar eitler Wahn! Um ew'ge Treu' auf Erden ist's gethan! -- Nur _eine_ Hoffnung soll mir bleiben, Nur _eine_ unerschttert stehn! So lang' der Erde Keim' auch treiben, So muss sie doch zu Grunde gehn. Tag des Gerichtes, jngster Tag! Wann brichst du an in meiner Nacht? Wann drhnt er, der Vernichtungsschlag; Mit dem die Welt zusammenkracht? Wann alle Todten auferstehn, Dann werde ich in Nichts vergehn! Ihr Welten, endet euren Lauf! Ew'ge Vernichtung, nimm mich auf! CHOR. Ew'ge Vernichtung, nimm uns auf! DRITTE SCENE. DALAND. He! Holla! Steuermann! STEUERMANN. 's ist nichts! 's ist nichts! -- Ach, lieber Sdwind, blas' noch mehr, Mein Mdel. . . . . DALAND. Du siehst nichts? Gelt! Du wachest brav, mein Bursch! Dort liegt ein Schiff! -- Wie lange schliefst Du schon? STEUERMANN. Zum Teufel auch! -- Verzeiht mir, Capitn! Werda! Werda! DALAND. Es scheint, sie sind gerad so faul als wir. STEUERMANN. Gebt Antwort! Schiff und Flagge! DALAND. Lass sein. Mich dnkt, ich seh den Capitn. -- He! Holla! Seemann! Nenne Dich! Wess Landes? HOLLAENDER. Weit komm' ich her. Verwehrt bei Sturm und Wetter Ihr mir den Ankerplatz? DALAND. Beht' es Gott! Gastfreundschaft kennt der Seemann. -- Wer bist Du? HOLLAENDER. Hollnder. DALAND. Gott zum Gruss! -- So trieb auch Dich Der Sturm an diesen nackten Felsenstrand? Mir ging's nicht besser, wenig Meilen nur Von hier ist meine Heimath; fast erreicht, Musst' ich auf's Neu' mich von ihr wenden. -- Sag', Woher kommst Du? Hast Schaden Du genommen? HOLLAENDER. Mein Schiff ist fest, es leidet keinen Schaden. -- Durch Sturm und bsen Wind verschlagen, Irr' auf den Wassern ich umher; -- Wie lange? weiss ich kaum zu sagen, Schon zhl' ich nicht die Jahre mehr. Unmglich dnkt mich's, dass ich nenne Die Lnder alle, die ich fand: Das Einz'ge nur, nach dem ich brenne, Ich find' es nicht; mein Heimathland! Vergnne mir auf kurze Frist Dein Haus, Und Deine Freundschaft soll Dich nicht gereu'n, Mit Schtzen aller Gegenden und Zonen Ist reich mein Schiff beladen:-- willst Du handeln, So sollst Du sicher Deines Vortheils sein. DALAND. Wie wunderbar! Soll Deinem Wort ich glauben? Ein Unstern, scheint's, hat Dich bis jetzt verfolgt. Um Dir zu dienen, biet' ich, was ich kann; Doch -- darf ich fragen, was Dein Schiff enthlt? HOLLAENDER. Die seltensten der Schtze sollst Du sehn, Kostbare Perlen, edelstes Gestein. Blick' hin und berzeuge Dich vom Werthe Des Preises, den ich fr ein gastlich Dach Dir biete! DALAND. Wie? Ist's mglich? Diese Schtze! Wer ist so reich, den Preis dafr zu bieten? HOLLAENDER. Den Preis? So eben hab' ich ihn genannt: Dies fr das Obdach einer einz'gen Nacht! Doch was Du siehst, ist nur der kleinste Theil Von dem, was meines Schiffes Raum verschliesst. Was frommt der Schatz? Ich habe weder Weib Noch Kind, und meine Heimath find' ich nie. All' meinen Reichthum biet' ich Dir, wenn bei Den Deinen Du mir neue Heimath giebst. DALAND. Was muss ich hren? HOLLAENDER. Hast Du eine Tochter? DALAND. Frwahr, ein theures Kind. HOLLAENDER. Sie sei mein Weib! DALAND. Wie? Hr' ich recht? Meine Tochter sein Weib? Er selbst spricht aus den Gedanken:-- Fast frcht' ich, wenn unentschlossen ich bleib', Er msst' im Vorsatze wanken. Wsst' ich, ob ich wach' oder trume! Kann ein Eidam willkommener sein? Ein Thor, wenn das Glck ich versume; Voll Entzcken schlage ich ein. HOLLAENDER. Ach, ohne Weib, ohne Kind bin ich, Nichts fesselt mich an die Erde. Rastlos verfolgte das Schicksal mich, Die Qual nur war mein Gefhrte. Nie werd' ich die Heimath erreichen; Zu was frommt mir der Gter Gewinn? Lsst Du zu dem Bund Dich erweichen, O, so nimm meine Schtze dahin! DALAND. Wohl, Fremdling, hab' ich eine schne Tochter, Mit treuer Kindeslieb' ergeben mir; Sie ist mein Stolz, das hchste meiner Gter, Mein Trost im Unglck, meine Freud' im Glck. HOLLAENDER. Dem Vater stets bewahr' sie ihre Liebe, _Ihm_ treu, wird sie auch treu dem Gatten sein. DALAND. Du giebst Juwelen, unschtzbare Perlen, Das hchste Kleinod doch, ein treues Weib. . . HOLLAENDER. Du giebst es mir? DALAND. Ich gebe Dir mein Wort. Mich rhrt Dein Loos; freigebig, wie Du bist, Zeigst Edelmuth und hohen Sinn Du mir:-- Den Eidam wnscht' ich so, und wr' Dein Gut Auch nicht so reich, whlt' ich doch keinen Andern. HOLLAENDER. Hab' Dank! Werd' ich die Tochter heut' noch sehn? DALAND. Der nchste gnst'ge Wind fhrt uns nach Haus. Du sollst sie sehn, und wenn sie Dir gefllt -- HOLLAENDER. So ist sie mein. . . Wird sie mein Engel sein? Wenn aus der Qualen Schreckgewalten Die Sehnsucht nach dem Heil mich treibt, Ist mir's erlaubt, mich fest zu halten An _einer_ Hoffnung, die mir bleibt. Darf ich in jenem Wahn noch schmachten, Dass sich ein Engel mir erweicht? Der Qualen, die mein Haupt umnachten, Ersehntes Ziel htt' ich erreicht. Ach! ohne Hoffnung wie ich bin, Geb' ich mich doch der Hoffnung hin! DALAND. Gepriesen seid, des Sturms Gewalten, Die ihr an diesen Strand mich triebt. Frwahr! Blos brauch ich festzuhalten, Was sich so schn von selbst mir giebt. Die ihn an diese Kste brachten Ihr Winde sollt gesegnet sein! Ja, wonach alle Vter trachten, Ein reicher Eidam, er ist mein. Dem Mann mit Gut und hohem Sinn Geb' froh ich Haus und Tochter hin! STEUERMANN. Sdwind! Sdwind! Ach! lieber Sdwind, blas' noch mehr! MATROSEN. Holloje! Hollajo! DALAND. Du siehst, das Glck ist gnstig Dir: Der Wind ist gut, die See in Ruh'. Sogleich die Anker lichten wir Und segeln schnell der Heimath zu. MATROSEN. Hohohe! Hohohe! Halloho! Jo! etc. HOLLAENDER. Darf ich Dich bitten, segelst Du voran; Der Wind ist frisch, doch, meine Mannschaft md', Ich gnn' ihr kurze Ruh', und folge dann. DALAND. Doch unser Wind? HOLLAENDER. Er blst noch lang' aus Sd', Mein Schiff ist schnell, es holt Dich sicher ein. DALAND. Du glaubst? Wohlan! Es mge denn so sein. Leb' wohl! mgst heute Du mein Kind noch sehn! HOLLAENDER. Gewiss! DALAND. Hei! Wie die Segel schon sich blh'n! Hallo! Hallo! Frisch, Jungen! Greifet an! MATROSEN. Mit Gewitter und Sturm aus fernem Meer. Mein Mdel, bin Dir nah! Ueber thurmhohe Fluth, vom Sden her -- Mein Mdel, ich bin da! Mein Mdel, wenn nicht Sdwind wr', Ich nimmer wohl km' zu Dir! Ach, lieber Sdwind, blas' noch mehr! Mein Mdel verlangt nach mir! Hohoje! Halloho! Hoho! Ho! Ho! Ho! ZWEITER ACT. ERSTE SCENE. MAEDCHEN. Summ und brumm, du gutes Rdchen, Munter, munter dreh' dich um! Spinne, spinne tausend Fdchen, Gutes Rdchen, summ' und brumm! Mein Schatz ist auf dem Meere draus, Er denkt nach Haus An's fromme Kind: Mein gutes Rdchen saus' und braus'! Ach, gbst du Wind, Er kam' geschwind! Spinnt, spinnt! Fleissig, Mdchen! Summ, brumm, Gutes Rdchen! MARY. Ei! Fleissig, fleissig, wie sie spinnen! Will jede sich den Schatz gewinnen. MAEDCHEN. Frau Mary, still! denn wohl Ihr wisst, Das Lied noch nicht zu Ende ist. MARY. So singt! dem Rdchen lsst's nicht Ruh'. Du aber, Senta, schweigst dazu? MAEDCHEN. Summ und brumm, du gutes Rdchen, Munter, munter dreh' dich um! Spinne, spinne tausend Fdchen, Gutes Rdchen, summ und brumm! Mein Schatz da draussen auf dem Meer Im Sden er Viel Gold gewinnt. Ach, gutes Rdchen, braus' noch mehr! Er giet's dem Kind, Wenn's fleissig spinnt. Spinnt, spinnt! Fleissig, Mdchen! Summ, brumm, Gutes Rdchen! MARY. Du bses Kind, wenn Du nicht spinnst, Vom Schatz Du kein Geschenk gewinnst! MAEDCHEN. Sie hat's nicht noth, dass sie sich eilt, Ihr Schatz nicht auf dem Meere weilt; Bringt er nicht Gold, bringt er doch Wild, Man weiss ja, was ein Jger gilt! MARY. Da seht Ihr's! Immer vor dem Bild! -- Wirst Du Dein ganzes junges Leben Vertrumen vor dem Conterfei? SENTA. Was hast Du Kunde mir gegeben, Was mir erzhlet, wer es sei! Der arme Mann! MARY. Gott sei mit Dir! MAEDCHEN. Ei, ei! Ei, ei! Was hren wir? Sie seufzet um den bleichen Mann. MARY. Den Kopf verliert sie noch darum. MAEDCHEN. Da sieht man, was ein Bild doch kann! MARY. Nichts hilft es, wenn ich tglich brumm': Komm', Senta! wend' Dich doch herum! MAEDCHEN. Sie hrt Euch nicht, -- sie ist verliebt. Ei, ei! Wenn's nur nicht Hndel giebt! Erik ist gar ein heisses Blut, Dass er nur keinen Schaden thut! Sagt nichts, er schiesst sonst wuthentbrannt Den Nebenbuhler von der Wand. SENTA. O schweigt! Mit Eurem tollen Lachen Wollt Ihr mich ernstlich bse machen? MAEDCHEN. Summ und brumm, du gutes Rdchen, Munter, munter dreh' dich um! Spinne, spinne tausend Fdchen, Gutes Rdchen, brumm und summ! SENTA. O macht dem tollen Lied ein Ende, Es summt und brummt mir vor dem Ohr! Wollt Ihr, dass ich mich zu Euch wende, So sucht was Besseres hervor! MAEDCHEN. Gut, singe Du! SENTA. Hrt, was ich rathe. Frau Mary singt uns die Ballade. MARY. Bewahre Gott! das fehlte mir! Den fliegenden Hollnder lasst in Ruh'. SENTA. Wie oft doch hrt' ich sie von Dir! Ich sing' sie selbst, hrt, Mdchen, zu. Lasst mich's Euch recht zu Herzen fhren, Des Aermsten Loos, es muss Euch rhren. MAEDCHEN. Uns ist es recht. SENTA. Merkt auf die Wort'! MAEDCHEN. Dem Spinnrad Ruh'! MARY. Ich spinne fort. SENTA. Johohoe! Johohohoe! etc. etc. Traft ihr das Schiff im Meere an, Blutroth die Segel, schwarz der Mast? Auf hohem Bord der bleiche Mann, Des Schiffes Herr, wacht ohne Rast. Hui! Wie saust der Wind! -- Johohe! Hui! Wie pfeift's im Tau! -- Johohe! Hui! Wie ein Pfeil fliegt er hin -- ohne Ziel -- ohne Rast' -- ohne Ruh! Doch kann dem bleichen Manne Erlsung einst noch werden, Fnd' er ein Weib, das bis in den Tod getreu ihm auf Erden. Ach, wann wirst du bleicher Seemann, sie finden! Betet zum Himmel, dass bald Ein Weib Treue ihm halt'! Bei bsem Wind und Sturmes Wuth Umsegeln wollt' er einst ein Cap; Er flucht' und schwur in tollem Muth: "In Ewigkeit lass' ich nicht ab!" -- Hui! -- Und Satan hrt's -- Johohe! Hui! -- Nahm ihn bei'm Wort! -- Johohe! Hui! Und verdammt zieht er nun durch das Meer, ohne Rast, ohne Ruh'. Doch, dass der arme Mann noch Erlsung fnde auf Erden, Zeigt' Gottes Engel an, wie sein Heil ihm einst knne werden! Ach! mchtest Du, bleicher Seemann, es finden! Betet zum Himmel, dass bald Ein Weib Treue ihm halt'! -- Vor Anker alle sieben Jahr, Ein Weib zu frei'n, ging er an's Land. Er freite alle sieben Jahr, Noch nie ein treues Weib er fand. -- Hui! "die Segel auf!" -- Johohe! Hui! "den Anker los!" -- Johohe! Hui! falsche Lieb', falsche Treu'! Auf in See! Ohne Rast, ohne Ruh! MAEDCHEN. Ach, wo weilt sie, die Dir Gottes Engel einst knne zeigen? Wo triffst Du sie, die bis in den Tod Dein bliebe treueigen? SENTA. Ich sei das Weib! Meine Treu' soll Dich erlsen! Mg' Gottes Engel mich Dir zeigen; Durch mich sollst Du das Heil erreichen! MARY UND DIE MAEDCHEN. Hilf Himmel! Senta! Senta! ERIK. Senta! Senta! Willst Du mich verderben? MAEDCHEN. Hilf uns, Erik, sie ist von Sinnen! MARY. Vor Schreck fhl' ich mein Blut gerinnen! Abscheulich Bild, Du sollst hinaus, Kommt nur der Vater erst nach Haus! ERIK. Der Vater kommt. SENTA. Der Vater kommt? ERIK. Vom Fels sah ich sein Schiff sich nahen. MARY. Nun seht, zu was Euer Treiben frommt! Im Hause ist noch nichts gethan. MDCHEN. Sie sind daheim! -- Auf, eilt hinaus! MARY. Halt! Halt! Ihr bleibet fein im Haus! Das Schiffsvolk kommt mit leerem Magen! -- In Kch' und Keller! Sumet nicht! Lasst Euch nur brav die Neugier plagen, Vor Allem geht an Eure Pflicht! ZWEITE SCENE. ERIK. Bleib', Senta! Bleib' nur einen Augenblick! Aus meinen Qualen reisse mich! Doch willst Du -- Ach! so verdirb mich ganz! SENTA. Was soll's, Erik. . . ? ERIK. O Senta, sprich, was aus mir werden soll? Dein Vater kommt, -- eh' wieder er verreist Wird er vollbringen, was schon oft er wollte. . . SENTA. Und was, Erik? ERIK. Dir einen Gatten geben. -- Mein Herz voll Treue bis zum Sterben, Mein drftig Gut, mein Jgerglck:-- Darf so um Deine Hand ich werben, Stsst mich Dein Vater nicht zurck? Wenn sich mein Herz in Jammer bricht, Sag', Senta, wer dann fr mich spricht? SENTA. O schweige jetzt, Erik! Lass mich hinaus, Den Vater zu begrssen! Wenn nicht, wie sonst, an Bord die Tochter kommt, Wird er nicht zrnen mssen? ERIK. Du willst mich fliehn? SENTA. Ich muss zum Port. ERIK. Du weichst mir aus? SENTA. Ach! lass mich fort! ERIK. Fliehst Du zurck vor dieser Wunde, Die Du mir schlugst, den Liebeswahn? O hre mich zu dieser Stunde, Hr' meine letzte Frage an! Wenn dieses Herz in Jammer bricht, Wird's Senta sein, die fr mich spricht? SENTA. Wie? zweifelst Du an meinem Herzen? Du zweifelst, ob ich gut Dir bin? -- Doch sag', was weckt Dir solche Schmerzen? Was trbt mit Argwohn Deinen Sinn? ERIK. Dein Vater -- ach! nach Schtzen geizt er nur. . . Und Senta, Du! Wie drft' auf Dich ich zhlen? Erflltest Du nur eine meiner Bitten? Krnkst Du mein Herz nicht jeden Tag? SENTA. Dein Herz? ERIK. Was soll ich denken. Jenes Bild. . . SENTA. Das Bild? ERIK. Lsst Du von Deiner Schwrmerei wohl ab? SENTA. Kann meinem Blick Theilnahme ich verwehren? ERIK. Und die Ballade, heut noch sangst Du sie! SENTA. Ich bin ein Kind und weiss nicht was ich singe. . . ! Erik, sag'! frchtest Du ein Lied, ein Bild? ERIK. Du bist so bleich. . . sag', sollt ich es nicht frchten? SENTA. Soll mich des Aermsten Schreckensloos nicht rhren? ERIK. Mein Leiden, Senta, rhrt es Dich nicht mehr? SENTA. O! schweige doch. Was kann Dein Leiden sein? Kennst jenes Unglcksel'gen Schicksal Du? Fhlst Du den Schmerz, den tiefsten Gram, Mit dem herab auf mich er sieht? Ach, was die Ruh' ihm ewig nahm, Wie schneidend Weh durch's Herz mir zieht! ERIK. Weh' mir! Es mahnt mich ein unsel'ger Traum! Gott schtze Dich! Satan hat Dich umgarnt. SENTA. Was schreckt Dich so? ERIK. Senta, lass Dir vertrau'n:-- Ein Traum ist's, -- hre ihn zur Warnung an: Auf hohem Felsen lag ich trumend, Sah unter mir des Meeres Fluth; Die Brandung hrt' ich, wie sich schumend Am Ufer brach der Wogen Wuth:-- Ein fremdes Schiff am nahen Strande Erblickt ich, seltsam, wunderbar:-- Zwei Mnner nahten sich dem Lande, Der Ein', ich sah's, Dein Vater war. . . SENTA. Der Andre? ERIK. Wohl erkannt' ich ihn: Mit schwarzem Wams und bleicher Mien'. SENTA. Und dst'rem Aug'. . . ERIK. Der Seemann, er. SENTA. Und ich? ERIK. Du kamst vom Hause her, Du flogst den Vater zu begrssen; Doch kaum noch sah ich an Dich langen, Du strztest zu des Fremden Fssen -- Ich sah Dich seine Knie umfangen. . . SENTA. Er hob mich auf. . . ERIK. An seine Brust; -- Voll Inbrunst hingst Du Dich an ihn, Du ksstest ihn mit heisser Lust -- SENTA. Und dann. . . ? ERIK. Sah ich auf's Meer Euch fliehn. SENTA. Er sucht mich auf! Ich muss ihn sehn! Mit ihm muss ich zu Grunde gehn! ERIK. Entsetzlich! Ha, mir wird es klar; Sie ist dahin! Mein Traum sprach wahr! SENTA. Ach, wo weilt sie etc. etc. DRITTE SCENE. DALAND. Mein Kind, Du siehst mich auf der Schwelle. . . Wie? kein Umarmen? keinen Kuss? Du bleibst gebannt an Deiner Stelle. . . Verdien' ich, Senta, solchen Gruss? SENTA. Gott Dir zum Gruss! -- Mein Vater sprich! Wer ist der Fremde? DALAND. Drngst Du mich? Mgst Du, mein Kind, den fremden Mann willkommen heissen! Seemann ist er, gleich mir, das Gastrecht spricht er an; Lang' ohne Heimath, stets auf fernen, weiten Reisen. In fremden Landen er der Schtze viel gewann. Aus seinem Vaterland verwiesen, Fr einen Herd er reichlich lohnt; Sprich, Senta, wrd' es Dich verdriessen, Wenn dieser Fremde bei uns wohnt? Sagt, hab' ich sie zu viel gepriesen? Ihr seht sie selbst, -- ist sie Euch recht? -- Soll noch vom Lob ich berfliessen? Gesteht, sie zieret ihr Geschlecht! Mgst Du, mein Kind, dem Manne freundlich Dich erweisen! Von Deinem Herzen auch spricht holde Gab' er an. Reich' ihm die Hand, denn Brutigam sollst Du ihn heissen; Stimmst Du dem Vater bei, ist morgen er Dein Mann. Sieh' dieses Band, sieh' diese Spangen! Was er besitzt, macht dies gering. Muss, theures Kind, Dich's nicht verlangen? Dein ist es, wechselst Du den Ring? Doch -- Keines spricht. -- Sollt' ich hier lstig sein? So ist's! Am besten lass ich sie allein. Mgst Du den edlen Mann gewinnen! Glaub' mir, solch Glck wird nimmer neu. Bleibt hier allein; ich geh' von hinnen. Glaubt mir, wie schn, so ist sie treu! HOLLAENDER. Wie aus der Ferne lngst vergang'ner Zeiten Spricht dieses Mdchens Bild zu mir; Wie ich getrumt seit langen Ewigkeiten, Vor meinen Augen seh' ich's hier. Wohl hob auch ich voll Sehnsucht meine Blicke Aus tiefer Nacht empor zu einem Weib: Ein schlagend Herz liess, ach! mir Satans Tcke. Dass eingedenk ich meiner Qualen bleib'! Die dst're Gluth, die hier ich fhle brennen, Sollt' ich Unseliger sie Liebe nennen? Ach nein! die Sehnsucht ist es nach dem Heil! Wrd' es durch solchen Engel mir zu Theil! SENTA. Versank ich jetzt in wunderbares Trumen, Was ich erblicke, ist es Wahn? -- Weilt' ich bisher in trgerischen Rumen, Brach des Erwachens Tag heut an? -- Er steht vor mir mit leidenvollen Zgen, Es spricht sein unerhrter Gram zu mir; Kann tiefen Mitleids Stimme mich belgen? Wie ich ihn oft geseh'n, so steht er hier. Die Schmerzen, die in meinem Busen brennen, Ach! dies Verlangen, wie soll ich es nennen? Wonach mit Sehnsucht es ihn treibt -- das Heil, Wrd es, du rmster, dir durch mich zuteil! HOLLAENDER. Wirst Du des Vaters Wahl nicht schelten? Was er versprach, wie? drft' es gelten? -- Du knntest Dich fr ewig mir ergeben, Und Deine Hand dem Fremdling reichtest Du? Soll finden ich nach qualenvollem Leben In Deiner Treu' die lang ersehnte Ruh? -- SENTA. Wer Du auch seist, und welches das Verderben, Dem grausam Dich Dein Schicksal konnte weih'n: Was auch das Loos, das ich mir sollt' erwerben: Gehorsam stets werd' ich dem Vater sein. HOLLAENDER. So unbedingt, wie? knnte Dich durchdringen Fr meine Leiden tiefstes Mitgefhl? SENTA. O, welche Leiden! Knnt' ich Trost Dir bringen! HOLLNDER. Welch holder Klang im mchtigen Gewhl! -- Du bist ein Engel! -- Eines Engels Liebe Verworf'ne selbst zu trsten weiss! -- Ach, wenn Erlsung mir zu hoffen bliebe, Allewiger, durch diese sei's! SENTA. Ach! wenn Erlsung ihm zu hoffen bliebe, Allewiger, durch mich nur sei's! HOLLNDER. O knntest das Geschick Du ahnen, Dem dann mit mir Du angehrst: Dich wrd' es an das Opfer mahnen, Das Du mir bringst, wenn Treu' Du schwrst. Es flhe schaudernd Deine Jugend, Dem Loose, dem Du sie willst weih'n: Nennst Du des Weibes schnste Tugend, Nennst heil'ge Treue Du nicht Dein! SENTA. Wohl kenn' ich Weibes hohe Pflichten, -- Sei d'rum getrost, unsel'ger Mann! Lass ber die das Schicksal richten, Die seinem Spruche trotzen kann! In meines Herzens hchster Reine Kenn' ich der Treue Hochgebot: Wem ich sie weih', schenk' ich die Eine; Die Treue bis zum Tod! HOLLNDER. Ein heil'ger Balsam meinen Wunden, Dem Schwur, dem hohen Wort entfliesst! SENTA. Von mcht'gem Zauber berwunden, Reisst mich's zu seiner Rettung fort: HOLLNDER. Hrt' es: mein Heil hab' ich gefunden, Mchte, die ihr zurck mich stiess't! Du Stern des Unheils, sollst erblassen! Licht meiner Hoffnung, leuchte neu. Ihr Engel, die mich einst verlassen, Strkt jetzt dies Herz in seiner Treu'! SENTA. Hier habe Heimath er gefunden, Hier ruh' sein Schiff im ew'gen Port! Was ist's, das mchtig in mir lebet? Was schliesst berauscht mein Busen ein? Allmcht'ger, was mich hoch erhebet, Lass es die Kraft der Treue sein! DALAND. Verzeiht, mein Volk hlt draussen sich mehr; Nach jeder Rckkunft, wisset, giebt's ein Fest:-- Verschnern mcht' ich's, komme deshalb her, Ob mit Verlobung sich's vereinen lsst? -- Ich denk', Ihr habt nach Herzenswunsch gefreit? -- Senta, mein Kind, sag', bist auch Du bereit? -- SENTA. Hier meine Hand, und ohne Reu' Bis in den Tod gelob' ich Treu'! HOLLAENDER. Sie reicht die Hand: gesprochen sei Hohn Hlle dir, durch ihre Treu'! DALAND. Euch soll dies Bndniss nicht gereu'n! Zum Fest! heut muss sich Alles freu'n! DRITTER AKT. ERSTE SCENE. CHOR DER NORWEGISCHEN MATROSEN. Steuermann, lass die Wacht! Steuermann, her zu uns! He! He! Je! Ha! Hebt die Segel auf! Anker fest! Steuermann, her! -- Frchten weder Wind noch bsen Strand, Wollen heute 'mal recht lustig sein! Jeder hat sein Mdel auf dem Land, Herrlichen Tabak und guten Branntewein. Hussassahe! Klipp' und Sturm draus -- Jallolohe! Lachen wir aus! Hussassahe! Segel ein! Anker fest! Klipp' und Sturm lachen wir aus! Steuermann her, trink' mit aus! MAEDCHEN. Nein! Seht doch an! Sie tanzen gar! Der Mdchen bedarf's da nicht frwahr! MATROSEN. He! Mdel! Halt! wo geht ihr hin? MAEDCHEN. Steht euch nach frischem Wein der Sinn? Eu'r Nachbar dort soll auch was haben, Ist Trank und Schmaus fr euch allein? STEUERMANN. Frwahr, trgt's hin den armen Knaben, Vor Durst sie scheinen matt zu sein. MATROSEN. Man hrt sie nicht? STEUERMANN. Ei, seht doch nur! Kein Licht! Von der Mannschaft keine Spur. MAEDCHEN. He! Seeleut'! He! Wollt Fackeln ihr? Wo seid ihr doch? Man sieht nicht hier. MATROSEN. Weckt sie nicht auf; sie schlafen noch. MAEDCHEN. He! Seeleut'! He! Antwortet doch! STEUERMANN UND MATROSEN. Haha! Wahrhaftig, sie sind todt. Sie haben Speis' und Trank nicht noth. MAEDCHEN. Wie, Seeleute? Liegt Ihr so faul schon im Nest? Ist heute fr Euch denn nicht auch ein Fest? STEUERMANN UND MATROSEN. Sie liegen fest auf ihrem Platz, Wie Drachen hten sie den Schatz. MAEDCHEN. Wie, Seeleute? Wollt Ihr nicht goldenen Wein? Ihr msset wahrlich doch auch durstig sein. STEUERMANN UND MATROSEN. Sie trinken nicht, sie singen nicht, In ihrem Schiffe brennt kein Licht. MAEDCHEN. Sagt, habt Ihr denn nicht auch ein Schtzchen am Land? Wollt Ihr nicht mit tanzen auf freundlichem Strand? MATROSEN. Sie sind schon alt und bleich statt roth, Und ihre Liebsten, die sind todt. MAEDCHEN. He, Seeleut'! Seeleut'! wacht doch auf! Wir bringen Euch Speis' und Trank zu Hauf! MATROSEN. Sie bringen Euch Speis' und Trank zu Hauf! MAEDCHEN. Wahrhaftig! Ja, sie scheinen todt. Sie haben Speis' und Trank nicht noth. MATROSEN. Vom fliegenden Hollnder wisst Ihr ja! Sein Schiff, wie es leibt, wie es lebt, seht Ihr da. MAEDCHEN. So wecket die Mannschaft ja nicht auf, Gespenster sind's, wir schwren drauf! MATROSEN. Wie viel hundert Jahre schon seid Ihr zur See? Euch thut ja der Sturm und die Klippe nicht weh! MAEDCHEN. Sie trinken nicht, sie singen nicht! In ihrem Schiffe brennt kein Licht! MATROSEN. Habt Ihr keine Brief', keine Auftrag' fr's Land? Unsern Urgrossvtern wir bringen's zur Hand. MAEDCHEN. Sie sind schon alt und bleich statt roth; Ach! ihre Liebsten, die sind todt! MATROSEN. Hei! Seeleute! Spannt Eure Segel doch auf! Und zeigt uns des fliegenden Hollnders Lauf! MAEDCHEN. Sie hren nicht, -- uns graust es hier! Sie wollen nichts, -- was rufen wir? MATROSEN. Ihr Mdel, lasst die Todten ruh'n! Lasst's uns Lebend'gen glcklich thun! MAEDCHEN. So nehmt, Eu'r Nachbar hat's verschmht! STEUERMANN UND MATROSEN. Wie? Kommt Ihr denn nicht selbst an Bord? MAEDCHEN. Ei, jetzt noch nicht, es ist nicht spt. Wir kommen bald, jetzt trinkt nur fort. Und, wenn Ihr wollt, so tanzt dazu, Nur lasst dem mden Nachbar Ruh'! MATROSEN. Juchhe! Juchhe! da giebt's die Flle! Ihr lieben Nachbarn, habet Dank! STEUERMANN. Zum Rand sein Glas ein Jeder flle! Lieb Nachbar liefert uns den Trank! MATROSEN. Halloho! Halloho! Ho! ho! ho! Lieb Nachbarn, habt Ihr Stimm' und Sprach', So wachet auf, und macht's uns nach! Steuermann, lass die Wacht! Steuermann, her zu uns! Ho! He! Je! Ha! Hisst die Segel auf! Anker fest! -- Steuermann, her! -- Wachten manche Nacht bei Sturm und Graus, Tranken oft des Meer's gesalz'nes Nass; -- Heute wachen wir bei Saus und Schmaus, Besseres Getrnk giebt Mdel uns vom Fass! Hussassahe! Klipp' und Sturm draus! etc. etc. CHOR DER MANNSCHAFT DES FLIEGENDEN HOLLNDERS. Johohe! Johohohoe! hohohohoe! Hoe! Hoe! Hoe! Huissa! Nach dem Land treibt des Sturm -- Huissa! Segel ein! Anker los! Huissa! In die Bucht laufet ein! Schwarzer Hauptmann, geh' an's Land! Sieben Jahre sind vorbei; Frei' um blonden Mdchens Hand; Blondes Mdchen, sei ihm treu! Lustig heut', Brutigam! Sturmwind heult Brautmusik, Ocean tanzt dazu. Hui! -- Horch, er pfeift! -- Capitn, bist wieder da? -- Hui! -- "Segel auf." -- -- Deine Braut, sag', wo sie blieb? -- Hui! "Auf in See!" -- Capitn! Capitn! Hast kein Glck in der Lieb'! Hahaha! Sause, Sturmwind, heule zu! Uns'ren Segeln lsst du Ruh': Satan hat sie uns gefeit, Reissen nicht in Ewigkeit! NORWEGISCHE MATROSEN. Welcher Sang! Ist es Spuk? Wie mich's graut! Stimmet an unser Lied! Singet laut! Steuermann, lass die Wacht etc. ZWEITE SCENE. ERIK. Was musst' ich hren? Gott! was musst' ich sehen! Ist's Tuschung? Wahrheit? Ist es That? SENTA. Frag' nicht, Erik! Antwort darf ich nicht geben. ERIK. Gerechter Gott! Kein Zweifel! Es ist wahr! Welch unheilvolle Macht riss Dich dahin? Welche Gewalt verfhrte Dich so schnell, Grausam zu brechen dieses treuste Herz? Dein Vater? ha, den Brut'gam bracht er mit, -- Wohl kannt' ich ihn, -- mir ahnte, was geschieht. Doch Du? Ist's mglich! -- reichest Deine Hand Dem Mann, der Deine Schwelle kaum betrat! SENTA. Nicht weiter! Schweig'! Ich muss! Ich muss! ERIK. O des Gehorsams, blind wie Deine That! Den Wink des Vaters nanntest Du willkommen, Mit _einem_ Streich vernichtest Du mein Herz! SENTA. Nicht mehr! Nicht mehr! Ich darf dich nicht mehr seh'n! Nicht an Dich denken. Hohe Pflicht gebeut's! ERIK. Welch hohe Pflicht? Ist _Hh're_ nicht zu halten, Was Du mir einst gelobet, ew'ge Treue? SENTA. Wie? Ew'ge Treue htt' ich Dir gelobt? ERIK. Senta! O Senta! Lugnest Du? Willst jenes Tags Du nicht Dich mehr entsinnen, Als Du zu Dir mich riefest in das Thal? Als, Dir des Hochlands Blume zu gewinnen, Muthvoll ich trug Beschwerden ohne Zahl. Gedenkst Du, wie auf steilem Felsenriffe Vom Ufer wir den Vater scheiden sah'n? Er zog dahin auf weiss beschwingtem Schiffe, Und meinen Schutz vertraute er Dich an:-- Als sich Dein Arm um meinen Nacken schlang, Gestandest Du mir Liebe nicht aufs Neu'? Was bei der Hnde Druck mich hehr durchdrang, Sag', war's nicht die Versich'rung Deiner Treu'? HOLLAENDER. Verloren! Ach! verloren! Ewig verlor'nes Heil! ERIK. Was seh' ich? Gott! HOLLAENDER. Senta, leb' wohl! SENTA. Halt ein, Unsel'ger! ERIK. Was beginnst Du? HOLLAENDER. In See, in See! In See fr ew'ge Zeiten! Um Deine Treue ist's gethan, Um Deine Treue, um mein Heil. Lebwohl, ich will dich nicht verderben! ERIK. Entsetzlich, dieser Blick! SENTA. Halt ein! Von dannen sollst Du nimmer flieh'n. _Der Hollnder gibt ein gellendes Zeichen auf seiner Pfeife und ruft der Mannschaft seines Schiffes zu._ HOLLAENDER. Segel auf! Anker los! Sagt Lebwohl auf Ewigkeit dem Lande! SENTA. Ha, zweifelst Du an meiner Treue? Unseliger, -- was verblendet Dich! Halt ein! Halt ein! Halt ein! Das Bndniss nicht bereue, Was ich gelobte, halte ich. Halt ein! Halt ein! ERIK. Was hr' ich, Gott, was muss ich sehn! Muss ich dem Ohr, muss ich dem Auge traun! Was hr' ich, Gott, Senta! Willst Du zu Grunde gehen? Zu mir, zu mir: Du bist in Satans Klau'n! HOLLAENDER. Erfahre das Geschick, vor dem ich Dich bewahr'! Verdammt bin ich zum grszlichsten der Loose! Zehnfacher Tod wr' mir erwnschte Lust. Vom Fluch ein Weib allein kann mich erlsen, Ein Weib, das Treue bis in den Tod mir hlt. Wohl hast Du Treue mir gelobt, Doch vor dem Ewigen noch nicht, dies rettet Dich! Denn wiss'! Unselige, welches das Geschick, Das Jene trifft, die mir die Treue brechen, Ewige Verdammniss ist ihr Loos! Zahllose Opfer fielen diesem Spruch durch mich. Du aber sollst gerettet sein. Lebwohl, fahr hin, mein Heil in Ewigkeit. ERIK. Zu Hlfe, rettet, rettet Sie! SENTA. Wohl kenn ich Dich! Wohl kenn ich Dein Geschick; Ich kannte Dich, als ich zuerst Dich sah! Das Ende Deiner Qual ist da! Ich bin's, durch deren Treu Dein Heil Du finden sollst! ERIK. Helft Ihr, Sie ist verloren! MARY. Was erblicke ich? DALAND. Was erblicke ich? Gott! HOLLAENDER. Du kennst mich nicht, Du ahnst nicht, wer ich bin! Befrage die Meere aller Zonen. Befrage den Seemann, der den Ocean durchstrich; Erkenn' dies Schiff, der Schrecken aller Frommen. Den: "Fliegenden Hollnder" nennt man mich. DIE MANNSCHAFT DES FLIEGENDEN HOLLAENDERS. Jo ho, hoe! MARY, ERIK, DALAND. Senta, Senta, was willst Du thun? SENTA. Preis Deinen Engel und sein Gebot, Hier steh' ich treu Dir bis zum Tod. (_Sie strzt sich in das Meer; -- zugleich versinkt das Schiff des Hollnders mit aller Mannschaft. Das Meer schwillt hoch auf und sinkt in einem Wirbel wieder zurck. Im Glroth der aufgehenden Sonne sieht man ber den Trmmern des Schiffes die verklrten Gestalten Senta's und des Hollnder's sich umschlungen haltend dem Meere entsteigen und aufwrts schweben._) ENDE. * * * * * * * * * * * * * * Druckfehler ERSTER AKT : ZWEITER ACT : DRITTER AKT [_ungendert_] ERSTER AUFTRITT : ZWEITE SCENE usw. [_ungendert_] STEUERMANN. ... Mit Gewitter und Sturm [_ungendert: Fehler fr DALAND?_] SENTA. ... Ach, wo weilt sie etc. etc. [etc .etc.] Du bleibst gebannt an Deiner Stelle... [Stelle..] Wrd es, du rmster, dir durch mich zuteil! [_ganze Linie fehlt im Text_] End of Project Gutenberg's Der Fliegende Hollaender, by Richard Wagner License: Share Alike