Produced by Jens Sadowski Gesnge aus den drei Reichen Ausgewhlte Gedichte von Franz Werfel Kurt Wolff Verlag Leipzig Bcherei Der jngste Tag 29./30. Band Zweite Auflage Copyright 1917 by Kurt Wolff Verlag, Leipzig Aus Der Weltfreund Gedichte 1911 An den Leser Mein einziger Wunsch ist, Dir, o Mensch verwandt zu sein! Bist Du Neger, Akrobat, oder ruhst Du noch in tiefer Mutterhut, Klingt Dein Mdchenlied ber den Hof, lenkst Du Dein Flo im Abendschein, Bist Du Soldat, oder Aviatiker voll Ausdauer und Mut. Trugst Du als Kind auch ein Gewehr in grner Armschlinge? Wenn es losging, entflog ein angebundener Stpsel dem Lauf. Mein Mensch, wenn ich Erinnerung singe, Sei nicht hart, und lse Dich mit mir in Trnen auf! Denn ich habe alle Schicksale durchgemacht. Ich wei Das Gefhl von einsamen Harfenistinnen in Kurkapellen, Das Gefhl von schchternen Gouvernanten im fremden Familienkreis, Das Gefhl von Debutanten, die sich zitternd vor den Souffleurkasten stellen. Ich lebte im Walde, hatte ein Bahnhofsamt, Sa gebeugt ber Kassabcher, und bediente ungeduldige Gste. Als Heizer stand ich vor Kesseln, das Antlitz grell berflammt, Und als Kuli a ich Abfall und Kchenreste. So gehre ich Dir und Allen! Wolle mir, bitte, nicht widerstehn! O, knnte es einmal geschehn, Da wir uns, Bruder, in die Arme fallen! Kindersonntagsausflug Vom Quai steigt eine Treppe zu Dampfschiff und Booten. Oh, Kindersonntagsausflug! Wie abenteuerlich kam mir das alles vor. Strahlender Flu, Frhlingshimmel, Regattakhne, Eisenbahnbrcke, Gerste und Piloten, Blauer Rauch in der Luft. Oh dnnes Gewebe, oh schwacher Flor! Ein enges Brett -- schaukelnder Boden -- ich dachte an meine Seegeschichten. Worte wie Backbord, zwei Glas, Wanten, Lee, Marssegel fielen mir ein. An einen kleinen Schiffsjungen dachte ich, an Matrosengesang und Ankerlichten, An gieblige Hafenhuser und Schenken, in denen betrunkene Hollnder und Malayen schrein. Auf schmalem Platz sa ich in meine ganz exotischen Phantasien eingefangen. Meine Mama lste beim Kassier eine Kinderkarte fr mich. Ich seh noch, wie einige Nickelstcke wieder in ihr silbernes Tschchen sprangen, Dann ri ein Mann an der Glocke -- Die Maschinen unter uns stampften und rhrten sich. Was ich alles auf dem rotweien Dampfer erlebte: Wasserhosen, Zyklone, Am quator ri uns Champagner, Heimweh und Sternnacht zu lautem Wahnsinn fort, Am sdlichen Wendekreis aber warf man ohne Gebete und Trnen einen steinbeschwerten Leichnam ber Bord. -- Oft sahn wir Land, Vulkane, wei zugetrmte, Insulaner schossen um unser Schiff und krchzten zu uns empor. Und wenn das Meer glatt war, keine Wolke, kein Windvogel strmte, Warf man Geldstcke in die Tiefe, und Kinder tauchten danach und holten sie hervor. Und als die Rder langsamer schlugen und wir zum Landungsplatz glitten, Da erkannte kaum den einfachen Hgel mein Blick. Ich ging ans Ufer mit kleinen, ganz unsicheren Schritten, Und hrte wie im Traume vom Restaurationsgarten her die donnernde Militrmusik. Der dicke Mann im Spiegel Ach Gott, ich bin das nicht, der aus dem Spiegel stiert, Der Mensch mit wildbewachsner Brust und unrasiert. Tag war heut so blau, Mit der Kinderfrau Wurde ja im Stadtpark promeniert. Noch kein Matrosenanzug flatterte mir fort Zu jenes strengverschlossenen Kastens Totenort. Eben abgelegt, Hngt er unbewegt, Klein und mde an der Tre dort. Und ward nicht in die Kche nachmittags geblickt, Kaffee roch winterlich und Uhr hat laut getickt, Lieblich stand verwundert, Der vorher getschundert bers Glatteis mit den Brderchen geschickt. Auch hat die Frau mir heut wie immer Angst gemacht Vor jenem Wchter Kakitz, der den Park bewacht. Oft zu schnder Zeit, Hr im Traum ich weit Diesen Teufel sbelschleppen in der Nacht. Die treue Alte, warum kommt sie denn noch nicht? Von Schlafesnhe allzuschwer ist mein Gesicht. Wenn sie doch schon kme Und es mit sich nhme, Das dort oben leise singt, das Licht! Ach abendlich besnftigt tnt kein stiller Schritt, Und Babi dreht das Licht nicht aus und nimmt es mit. Nur der dicke Mann Schaut mich hilflos an, Bis er tieferschrocken aus dem Spiegel tritt. Im winterlichen Hospital Himmel wird sich bald entblttern, Aber Licht ist noch genug. Ach, und kleine Stimmen, die ans Fenster klettern Von Winterwind ein Flug. Und dunkle Sonne im Wasserkrug. Drauen gibt es Blumen zu kaufen, Da sind Kinder vorbergelaufen. Doch der Hof tnt von behutsamen Schritten. Die Erwachsenen haben zrtliche Sitten. . . O Verband, der erlst! -- Nicht regen, nicht rhren! Doch kann ich noch spren, Wie Bewutsein mit Ruderschlgen Vom Lande stt. Vorbei -- vorbei An Wildnis und Flche! Dort strzen Bche, Schon atmet die Steppe, Die ewige frei. . . Was tnt im Haus, Gedmpft ber die Treppe? Ist die Besuchsstunde schon aus? Jetzt liegen die kranken Brder da, Einen lieben Gegenstand in der Hand, Von Eau de Cologne ein frischer Flacon, Und, ach, ein neuer Engelhornband. Ich will nicht klagen, da niemand Im fremden Land Meine Tre aufgetan Freundlich mir zugewandt. Wer trat herein? So leicht und unbefangen, Mit einem lila Shawl Und tanzerregten Wangen, Wie bei der Damenwahl? Nun hat es sich doch erfllt! O Erinnerung! O Schlacht auf den katalaunischen Gefilden! O Geschichtsstunden, wo wir uns einbilden Erschlagene Krieger zu sein! Da kamst Du immer dem treuen, Dem Knaben Blumen zu streuen. So ist es wieder geschehn? Schon strzten die Speere und Schilde, Nun darf auch mein armes Gefilde In Abend und Trnen stehn. Schwester, so spt ist es schon? Ja, ich bringe die Abendbouillon. Treibe -- Treibe Im Strome von dannen. Rings breitet die Scheibe Sich weiter Savannen. An sandigen Stellen, Im Dunkeln, im Hellen, An niedrigen Feuern, Nach Abenteuern Gelagerte Mnner Bereiten ein Mahl. Sterben im Walde Im Himmel, Grn, Wind und Baumdunkel verfangen, Von Farren und Grsern umwachsen Glieder und Wangen Bin ich im Walde melodisch zu Grunde gegangen. Nun beginnt die se Verwesung mich zu verzehren. Ameisen und Raupen kriechen ber meine Augen. Und kein Wimperzucken will ihnen wehren. Unten auf der Promenade spaziert ein internationales Publikum. Entfernter Klang von Sand, Damenkleidern und Kinderstimmen. Ich wei: Viele elegante Leute gehen da herum. Nadeln, Laub, Zweige und Tannenzapfen fallen auf mein Gesicht, Und Fliegen, doch auch Bienen und Schmetterlinge verschmhen meine Lippen nicht. Oh jetzt! Leise und dennoch mchtig angeschwellt, Beginnt sich das unvergleichliche Rigolettoquartett auszubreiten. Und meine Seele fllt ein: _Du bist auf der Welt!_ Und verteilt sich jauchzend nach allen Seiten. Das Malheur Als das Mdchen die Schssel fallen lie, blieben alle Gste anfangs stumm, Nur die Hausfrau sagte etwas und drehte sich nicht um. Das Mdchen aber stand regungslos, wie in unnatrlichen Schlaf gesenkt, Krampfhaft die Arme zu einer rettenden Geste verrenkt. Jedoch dem Mitleid der Gste hatte sich scheues Erstaunen zugesellt. Denn sie sahen pltzlich Eine mitten in ein Schicksal gestellt. Kamen schon die Stubenmdchen mit Tchern und Besen, der Diener und selbst der Herr vom Haus. Sie aber ging ganz wunderschn von Kindheit und Heimweh hinaus. In der Kche setzte sie sich auf die Kohlenkiste, legte die Hnde in den Scho Und weinte vielfach, in allen Lagen, nach aller Kunst, voll Genu, laut und grenzenlos. Als man dann spt und geruschvoll Abschied nahm, War sie es, die wie aus Ehrfurcht das reichste Trinkgeld bekam. Erzherzogin und Brgermeister Die Erzherzogin hatte eine wunderschne, hohe und gerade Gestalt, Aber ihr Gesicht, wie war das schon enttuscht, schchtern und alt. Und der dicke Herr, der sie mit wehmtiger Verbeugung empfing, War so aufgeregt, da ihm manche Trne in den Wimpern hing. Die beiden schauten vorbei, und konnten einander nicht ins Auge sehn. Nein! Als wren sie Kinder, die vor Erwachsenen stehn. Die hohe Frau sagte etwas auf, wie einen Geburtstagswunsch, so leise und verzagt. Und er antwortete darauf, als wrde er in der Schule Vokabeln gefragt. Und whrend sie manches sprach, was dachte sie? Gott, Gott, Gott! Wie gemtlich ist doch abends meine Bridgepartie. Und er dachte traurig und gebckt, da er sogar einmal Hoheit zu sagen verga, Wie schn sichs sommermittags in Hemdrmeln bei Tische sa. Da wuten sie, da sie einander mten qulen und erkannten ihr bses Los, Und in diesen beiden Seelen wurde echte Demut gro. Und als der Empfang zu Ende, sagte ich mir: Gott sei Dank, Da es zu keinem Skandal kam und das Paar nicht auf die Kniee sank, Die Hnde hob, abbittend Mh und Trbsal, die eins dem andern schuf, Da doch Einanderfreudemachen schnster Menschenberuf. Der Patriarch Die Htte, Schiffsgeblk, llampen, Fisch- und Trangeruch. O knnt' ich hier -- ein Patriarch -- die atmende Gemeine lehren! Die harten Greise, hohen Bursche, all die Dirne und die schweren Schwieligen Schiffspatrone, kauend Priem und Fluch. Woher und wann ich kam, o Bardenlied, doch mein Besuch Heilt Kranke, meine Stimme schallt, die Seenot abzuwehren. Gttlich erglnzt mir Stirn und Bart. Das Volk wird beide ehren, In fernem Angedenken segnend Tat und Spruch. Und wenn ich einst auf meinem Steinsitz, wie in Sinnen strbe, Sie sollten mich begraben in der frostgeprften Erde, Wo ber meinem Hgel Renntierherden weiden! Nicht Kinderlust, nicht Kruter wrden auf der Bschung mrbe, Wehmtter pflckten hier Salbei, zu nahender Beschwerde, Sich einen krftig-heiligen Teetrank zu bereiten Solo des zarten Lumpen Nun wieder eine Nacht durchjohlt Ist rings der Stadtpark aufgewacht. Allee, der Wasserfall, ein Vogelzwitschern ohne Mhe. In der durchsichtigen Frhe. Nach falschbekrnzter Nacht Hast Du mich eingeholt. Wie ich Dich gestern sah. . . Bewegte Strae glitt Dein Gang. Wer drfte frevelnd sagen, Da unter Rcken und Jackett, so leicht getragen, Sich mehr verbarg als Atemzug und Schritt, Du Schlanke fern und nah! Gefhl, geheimer Sinn Und ein Gedanke kam. Elysisch aufgeregt blick ich zum leichten Himmel hin, zur leichten Erden. Heiraten wirst Du, Du wirst Mutter werden! -- Warum zerschmilzt mich Scham? Was reit mich Wonne hin? Noch hher bist Du bald Und weiter mir entrckt. Denn was vergttlicht? Leiden! Du wirst leiden Im Erker sitzen seh ich Dich verstndig und bescheiden, Von Schmerz und Glck bedrckt, Nun mildere Gestalt! In die Natur und Pflicht Wchst lieblich Du hinein. Ich aber treibe mich herum in parfmierten Vestiblen, In berheizten Zimmern schwelge ich auf Pfhlen; Du denkst an Dinge rein, An Windeln, Kindgewicht. Drum soll es so geschehn! Von Wolken lieb umdrngt, Zieh mir vorbei in Wind und solchem Morgen oben! Ich will Dich bebend hochbeloben, Und Blick und Bart gesenkt Vor Dir in Andacht stehn. Der schne strahlende Mensch Die Freunde, die mit mir sich unterhalten, Sonst oft mimutig, leuchten vor Vergngen, Lustwandeln sie in meinen schnen Zgen Wohl Arm in Arm, veredelte Gestalten. Ach, mein Gesicht kann niemals Wrde halten, Und Ernst und Gleichmut will ihm nicht gengen, Weil tausend Lcheln in erneuten Flgen Sich ewig seinem Himmelsbild entfalten. Ich bin ein Korso auf besonnten Pltzen, Ein Sommerfest mit Frauen und Bazaren, Mein Auge bricht von allzuviel Erhelltsein. Ich will mich auf den Rasen niedersetzen Und mit der Erde in den Abend fahren. Oh Erde, Abend, Glck, oh auf der Welt sein!! Wanderlied Glaubst Du, Deine Schritte sind vergangen, Die einst kies- und straenber klangen? Deine schwergesenkten, Deine leichtgelenkten, Deine volksvermengten, Deine kindgedrngten, Deine Schritte laufen oder schleppen Ewig weiter ber Weg und Treppen. Glaubst Du, Deine Worte sind verloren, Die Dein wallendes Gemt geboren? Hangend in den Husern, unter Toren, Sinken sie in vorbestimmte Ohren, Bilden sich zu wunderlicher Stunde, Und entflattern neu dem Enkelmunde. Glaubst Du, Sohn, Du knntest Dein sie heien, Schritt und Worte, die ins Weite reisen? Oder whnst Du, da der graue, alte Ahnherr diese sprach und jene wallte? Und ist gar aus diesem Lied zu lesen, Da Du selbst der Brtige gewesen? Der kriegerische Weltfreund Schon bin ich voll und klar, Dem noch so arg zu Mut. Der bs und bitter war Nun ist er gut. Bosheit, die mich zerwirrt, Rache und falscher Sto, Ach, meine Gte wird An ihnen gro! Schumst Du noch, dunkles Blut, Wenn Hohn sich feig vermummt, Sternaufgebumte Wut, Bist Du verstummt? Der sich zu Boden schmi, Keuchend und krankgehetzt, Nachts in die Plster bi Wie tnt er jetzt? Bosheit und feigen Hohn, Alles, was falsch mich hat, -- O wie stark bin ich schon -- Lad ich zu Gast Dmonen in Erz und Stahl Wandeln sich, werden rein, Strze mit einem Mal In mich herein. Ich habe eine gute Tat getan Herz frohlocke! Eine gute Tat habe ich getan. Nun bin ich nicht mehr einsam. Ein Mensch lebt, Es lebt ein Mensch, Dem die Augen sich feuchten, Denkt er an mich. Herz, frohlocke: Es lebt ein Mensch! Nicht mehr, nein, nicht mehr bin ich einsam, Denn ich habe eine gute Tat getan, Frohlocke, Herz! Nun haben die seufzenden Tage ein Ende. Tausend gute Taten will ich tun! Ich fhle schon, Wie mich alles liebt, Weil ich alles liebe! Hinstrm ich voll Erkenntniswonne! Du mein letztes, sestes, Klarstes, reinstes, schlichtestes Gefhl! _Wohlwollen!_ Tausend gute Taten will ich tun. Schnste Befriedigung Wird mir zu Teil: Dankbarkeit! Dankbarkeit der Welt. Stille Gegenstnde Werfen sich mir in die Arme. Stille Gegenstnde, Die ich in einer erfllten Stunde Wie brave Tiere streichelte. Mein Schreibtisch knarrt, Ich wei, er will mich umarmen. Das Klavier versucht mein Lieblingsstck zu tnen, Geheimnisvoll und ungeschickt Klingen alle Saiten zusammen. Das Buch, das ich lese Blttert selbst sich auf. . . . . . . . . . . . . . . Ich habe eine gute Tat getan! Einst will ich durch die grne Natur wandern, Da werden mich die Bume Und Schlingpflanzen verfolgen, Die Kruter und Blumen Holen mich ein, Tastende Wurzeln umfassen mich schon, Zrtliche Zweige Binden mich fest, Bltter berrieseln mich, Sanft wie ein dnner, Schtterer Wassersturz. Viele Hnde greifen nach mir, Viele grne Hnde Ganz umnistet Von Liebe und Lieblichkeit Steh ich gefangen. Ich habe eine gute Tat getan, Voll Freude und Wohlwollens bin ich Und nicht mehr einsam Nein, nicht mehr einsam. Frohlocke, mein Herz! Aus Wir sind Neue Gedichte 1913 Die Unverlassene (Der Besuch aus dem Elysium) Es kommt die eine neue Nacht. Du bist von Ferne aufgewacht, Und neben Dir ist Schnarchen schwer. Und ach vom Gitterbettchen her Ein Weinen klein und unbewut. Da schlgst Du Deine Decke um, Nimmst ohne Glck und stumm Das Kind an Deine Brust. Wenn mhsam Tag sich nher drngt Und Dich in Erdenlos verfngt, Wird Scho und Lippe wissensschwer, Und kennt Dein Fu kein Schweben mehr, Wchst Dir ums Aug' der dunkle Strich, Gedenke und erinnere Dich, Da jener Bot' aus besserer Welt Dich seltsam in der Seele hlt! Weit Du, weit Du den Abendgang, Wo noch Dein Wesen glitt und sprang? Wer fhlte einst im Elternhaus, Wer Dich in Ewigkeit voraus? Wenn Du Dich einsam meinst, Wer kannte schon den Schmerzenston, In wessen Kehle brannte schon Das Weinen, das Du jetzt weinst?! Als mich Dein Wandeln an den Tod verzckte Als mich Dein Dasein trnenwrts entrckte Und ich durch Dich ins Unermene schwrmte, Erlebten diesen Tag nicht Abgehrmte, Mhselig Millionen Unterdrckte? Als mich Dein Wandeln an den Tod verzckte, War Arbeit um uns und die Erde wrmte. Und Leere gab es, gottlos Unerwrmte, Es lebten und es starben Niebeglckte! Da ich von Dir geschwellt war zum Entschweben, So viele waren, die im Dumpfen stampften. An Pulten schrumpften und vor Kesseln dampften. Ihr Keuchenden auf Straen und auf Flssen!! Gibt es ein Gleichgewicht in Welt und Leben, Wie werd' ich diese Schuld bezahlen mssen!? Vater und Sohn Wie wir einst im grenzenlosen Lieben Spe der Unendlichkeit getrieben Zu der Seligen Lust -- Uranos erschlo des Busens Blue, Und vereint in lustiger Kindertreue Schaukelten wir da durch seine Brust. Aber weh! der ther ging verloren, Welt erbraust und Krper ward geboren, Nun sind wir entzweit. Dster von erbosten Mittagsmhlern Treffen sich die Blicke sthlern, Feindlich und bereit. Und in seinem schwarzen Mantelschwunge Trgt der Alte wie der Junge Eisen hassenswert. Die sie reden, Worte, sind von kalter Feindschaft der geschiedenen Lebensalter, Fahl und aufgezehrt. Und der Sohn harrt, da der Alte sterbe Und der Greis verhhnt mich jauchzend: Erbe! Da der Orkus widerhallt. Und schon klirrt in unseren wilden Hnden Jener Waffen -- kaum noch abzuwenden -- Hllische Gewalt. Doch auch uns sind Abende beschieden An des Tisches hauserhabenem Frieden, Wo das Wirre schweigt, Wo wirs nicht verwehren trauten Mutes, Da, gedrngt von Wallung gleichen Blutes, Trne auf- und niedersteigt. Wie wir einst in grenzenlosem Lieben. Spe der Unendlichkeit getrieben, Ahnen wir im Traum. Und die leichte Hand zuckt nach der greisen Und in einer wunderbaren, leisen Rhrung strzt der Raum. Die Witwe am Bette ihres Sohnes Mit meinem verflackernden Lichte Besuche ich, Kind, Deinen Traum. Im Schlaf erstaunt Dein Gesichte, Doch faltet Dein Atem sich kaum. Da Du mich gestern verstieest, Hat nimmer Dich bitter gemacht. Da Du mich alleine lieest Die ngstliche Mitternacht. Und doch. Ich will Dich bewegen Zu Leben und nchtlichem Mut. Dein mchtiges Treiben und Regen Durchluft meinen Schatten mit Blut. O Sohn! Dein Zechen und Speisen Nhrt Deine Mutter, ich wei. Dein Lrmen und Becherkreisen Bewegt meinen Lebenskreis. Und wenn ich sitze und sticke, Dies Leben ist in Dich entrckt, Aus meinem vergehenden Blicke In Deine Augen gezckt. Wie ich Dich bebend getragen Im heilig erkannten Scho, Du wuchsest an bildenden Tagen Und schmerztest und wurdest gro. Und wie Du aus mir gemndet, In Himmel und Welt und Haus, Und wie Du in mir Dich entzndet, So lsche ich in Dir aus. Mein Leben ist ein Sichergieen In Dein gerundetes Licht, Im leidenden berflieen Erfll ich die weltliche Pflicht. Bald bin ich nichts als Dein Lachen Nichts als Deines Mundes Gebot. La mich Deinen Schlaf bewachen, Mein Kind, mein Dasein, mein Tod. Balance der Welt Ich klag' und klage: Harte Welt! Doch fhl' ich, wie's mich auch umstellt, Wie mir hier alles harte Welt, So bin ich allem harte Welt! Ja, Schuld ist das gewaltige Wort. Es dreht die alten Globen fort. Und eh' noch unsre Zeit beginnt, Werden wir schuldig, da wir sind! Da mich, o Freund, Dein Mordsto traf, Zerbrach ich meiner Mutter Schlaf, Fluchte der Vater seinem Sohn. Du Weltgesandter bringst den Lohn. Gott, ich erkenn' Dich Zug um Zug! Und Dich, Gesetz, in Deinem Lauf! Es bricht hier keine Wunde auf, Die ich mir nicht in andern schlug. Der Feind Mein Feind, dem ich entgegenspeie, In meiner Brust versammelnd kleine Schreie Und in den Hnden ohne Mut Zerkrampfte Ohnmacht, halberlschte Wut, Mein Feind, Du trittst auf einen Pflasterstein! Und da aus Deinem Auge fllt der Abendschein, Der niedertropft in blulich sen Flammen. Und weinend, unter Schwalben, ungeheuer sinke ich zusammen. In mir steht der Erzengel gro, Vershnung bricht unendlich los. Da wir uns schlugen und zerrissen, Mit dumpfem Witz und List beschmissen, Da wir dies trugen, jetzt erst kann ich's fassen, Dies Meucheln, dieses Auf-sich-tanzen-lassen. Dies schlechte Leiden, alter Rache Trick, Die Passion zu _diesem_ Augenblick! Nun braust der Himmel als Posaunenmeer, Triumphtrompeten schnellen drunterher. Aus mir strzt Liebe, Lieb', Weltsinn, der dunkel lag. Und golden durch mich donnert jngster Tag! Eine alte Frau geht Eine alte Frau geht wie ein runder Turm Durch die alte Hauptallee im Blttersturm. Schwindet schon, indem sie keucht, Wo um Ecken schwarze Nebel wehen. Wird nun bald in einem Torgang stehen. Laute Stufen langsam aufwrts gehen, Die vom trgen Treppenlichte feucht. Niemand hilft, wie sie ins Zimmer tritt, Ihr beim Ausziehn ihrer Jacke mit. Ach, sie zittert bald an Hnd' und Bein'. Schickt sich an mit schwerem Flgelschlagen Aufgehobene Kost von alten Tagen Auf des Kochherds armes Rot zu tragen. Bleibt mit ihrem Leib und sich allein. Und sie wei nicht, wie sie kaut, Da in ihr sich Shne aufgebaut. (Nun, sie freut sich ihrer Abendschuh') Was aus ihr kam, steht in andern Toren, Sie verga den Schrei, wenn sie geboren, Manchmal nur im Straendrang verloren, Nickt ein Mann ihr freundlich Mutter zu. Aber Mensch, gedenke Du in ihr, Ungeheuer auf der Welt sind wir, Da wir brachen in die Zeiten ein. Wie wir in dem Unbekannten hngen, Wallen Schatten mit gewaltigen Fngen Die ins letzte uns zusammendrngen. Diese Welt ist nicht die Welt allein. Wenn die Greisin durch die Stube schleift, Ach, vielleicht geschieht's, da sie begreift. Es vergeht ihr brchiges Gesicht. Ja, sie fhlt sich wachsender in allem Und beginnt auf ihre Knie zu fallen, Wenn aus einem kleinen Lampenwallen Ungeheuer Gottes Antlitz bricht. Nacht-Fragment. Bald hat dies, hat dies alles ausgeschlagen. Was mu ich noch im machtvoll einsamen Nachtbahnhof stehn Und sehn, da Lichter sind und Trger gehn, die Felsen tragen, und sehn die schon verblichenen Wagen? So vieles wei ich mit mir, Herz- und Atemschreiten. -- Ein Pikkolo schlft, ein Schutzmann schaut in den Wind. -- Wer wei es denn, wie sehr wir alle beisammen sind. Auch Deine leichten Schlafseufzer, Fernste, fhl' ich mit mir gleiten. Gestern, wie tauchtest Du in Astern Dein Gesicht! Und tanztest mit den Zhnen, tanztest mit den frechen Knien. Und ach, Dein Gemsenlachen, das mich zu hhnen schien, Nun ist es eingestimmt in mich, o Nacht, und wei es nicht! Auch Du Azucena, Mutter, von Traum zu Traum, Suche den klaren Jungen im Waldpensionat! Eng ist die Erd'. Wie fand ich Deinen Pfad? Wir seh'n uns an und schweigen im gleichen Raum. Ihr Unerreichbaren all', die wir voneinander wissen! Wie sind unsre gleichen Hnde uns fremd!! Das erkaltende Herz Geschwisterliebe war einst. Ich lief mit dem Mdi ber die Wege Und die Himmel, die vielen waren rege, Die unergrndlichen Berge standen weit -- Und im Zimmer die stndliche Zeit. Die Wagen und Reisen, Vergangene Speisen, Die Schmerzen und Strafen, Am Abend das Licht, Und unser Gesicht War ganz von Seele verschlafen. Und tiefe Furcht war da, da man einander strbe, Und manchmal weinte man wild in die Finsternis, Bis treu der andre Atem kam. Da war man so gewi, Da Gott sei und man niemals lahm Und niemals anders wrde. das waren Trnen und Brisen der Treue . . . . Geschwisterliebe war einst. Jetzt lieg ich oft auf meinem Kanapee. Am Abend werden die Fenster gro. Da lt mich mein Atem los, Und der Tod ist ganz in der Nh'. Und mu ich vor meinem Spiegel stehn, Da hat sich etwas gercht. Ich wei, wie mir die Haare ausgehn -- Und die Zhne sind worden schlecht. Und der Mund, der nichts lie, Jetzt kann er euch alle lassen Und das Herz kann nicht fassen, Wie es einst hie! Und wo hngen in den erstarrten Zimmern, Hinter welkendem Glas, Die ewigen Photographien? Der gttliche Portier Da ich an Dir vorberlief als Knabe, Wuchst Du ins Tor unendlich aufgehoben. Dein Dreispitz rhrte Wappensterne oben. Allmchtig sank Dein Bart. Mann mit dem Stabe! Wie ich mich kindlich auch vergangen habe, Gestickter Greis, Du tratst herein zu loben, Warst snftlich grausem Kindertraum verwoben, Wo ich mich gelb einstrzen sah im Grabe. Nun wieder, Bibelgott, erscheint Dein Bild! Aus Kindernchten wallt Dein breitgelockter Erzvterbart, der goldne Brust umquillt. Die winterlichen Tressen klingeln mild, Und tief beruhigt mich Dein weibeflockter Allgtiger Pelz, der durch die Sphren schwillt. Ein Lebens-Lied Feindschaft ist unzulnglich. Der Wille und die Taten, Ein erdbewutes Leben In sich, was sind sie, Welt? Es schwebt in jedem Schicksal, Im Schritt der Lust und Schmerzen, Im Morden und Umarmen, _Anmut des Menschlichen!_ Nur das ist unvergnglich! Sahst Du die wilden Augen Buckliger Bauernmdchen? Sahst Du, wie sie sich langsam Weltdamenhaft verschleiern, Sahst Du in ihnen blinken, Das Grn von Festestraden, Musik und Lampennacht? Sahst Du den Bart von Kranken, Ihr Wolken ber Pappeln, Wie er an Gott erinnert, Getaucht in einen Sturm? Sahst Du die groe Gte Im Sterben eines Kindes? Wie uns der holde Krper Mit Zrtlichkeit entglitt? Sahst Du das Traurigwerden Von Mdchen an, am Abend? Wie sie die Kchen ordnen Und fern, wie Heilige sind. Sahst Du die schnen Hnde Durchfurchter Nachtgendarme, Wenn sie den Hund liebkosen Mit grobem Liebeswort? Wer handelnd sich emprte, Bedenke doch!! Unsagbar Mit Reden und Gestalten Sind wir uns fern und nah! Da wir hier stehn und sitzen, Wer kann's beklommen fassen?! Doch ber allen Worten Verknd' ich, Mensch, _wir sind_!! Ein Anderes Da einmal mein dies Leben war, Da in ihm jene Kiefern standen Und Ufer schlafend sich vorberwanden, Da ich in Wldern aufschrie sonderbar. Da einmal mein dies Leben war! Wo Ufer schlafend sich vorberwanden, Was trug der Flu mit Schilf und Wolk' davon? Wo bin ich -- und ich hre noch den Ton Von Ruderbooten, wie sie lachend landen, Wo Ufer schlafend sich vorberwanden. Wo bin ich -- und ich hre noch den Ton Von Equipagen, dicht im Kies verfahren, Kastanien- und Laternensprache waren Noch da und Worte -- doch wo sind sie schon? Wo bin ich -- und ich hre noch den Ton? Kastanien- und Laternensprache waren Noch da und? Atem einer breiten Schar. Und mein war ein Gefhl von Gang und Haaren. O Ewigkeit! -- Und werd' ich es bewahren, Da einmal mein dies Leben war! Amore Wenn noch die Eitelkeit Das Auge Dir entweiht, Ist kommen nicht die Zeit. Solang Du noch willst stehn Auf Podien, gesehn, Kann Glck's Dir nicht geschehn. Wer sich noch nicht zerbrach, Sich ffnend jeder Schmach, Ist Gottes noch nicht wach. Wer noch mit Eifer spitzt, Da er ein Weib besitzt, Ist noch nicht ausgewitzt. Erst wenn ein Mensch zerging In jedem Tier und Ding, Zu lieben er anfing. Erst wer Erfllung floh, Wchst an zum Hchsten so, Wird letzter Sehnsucht froh. Erst wer sich jauchzend bot Der Schande und der Not Und zehnfach jedem Tod, Im heiligen Verzicht, Vor Liebe ihm zerbricht Sein irdisch Angesicht! Wohin schwillt er empor! Was schwingt er berm Chor Unendlich sein amor'!! Ich bin ja noch ein Kind O Herr, zerreie mich! Ich bin ja noch ein Kind. Und wage doch zu singen. Und nenne Dich. Und sage von den Dingen: Wir sind! Ich ffne meinen Mund, Eh' Du mich lieest Deine Qualen kosten. Ich bin gesund, Und wei noch nicht, wie Greise rosten. Ich hielt mich nie an groben Pfosten, Wie Frauen in der schweren Stund'. Nie mht' ich mich durch mde Nacht Wie Droschkengule, treu erhaben, Die ihrer Umwelt lngst entflohn! (Dem zaubrisch, zerschmetternden Ton Der Frauenschritte und allem, was lacht.) Nie mht' ich mich, wie Gule, die ins Unendliche traben. Nie war ich Seemann, wenn das l ausgeht, Wenn die tausend Wasser die Sonne verhhnen, Wenn die Notschsse drhnen, Wenn die Rakete zitternd aufsteht. Nie warf ich mich, Dich zu vershnen, O Herr, aufs Knie zum letzten Weltgebet. Nie war ich ein Kind, zermalmt in den Fabriken Dieser elenden Zeit, mit rmchen, ganz benarbt! Nie hab ich im Asyl gedarbt, Wei nicht, wie sich Mtter die Augen aussticken, Wei nicht die Qual, wenn Kaiserinnen nicken, Ihr alle, die ihr starbt, ich wei nicht, wie ihr starbt! Kenn' ich die Lampe denn, kenn' ich den Hut, Die Luft, den Mond, den Herbst und alles Rauschen Der Winde, die sich berbauschen, Ein Antlitz bse oder gut? Kenn' ich der Mdchen stolz und falsches Plauschen? Und wei ich, ach, wie weh ein Schmeicheln tut? Du aber, Herr, stiegst nieder, auch zu mir. Und hast die tausendfache Qual gefunden, Du hast in jedem Weib entbunden, Und starbst im Kot, in jedem Stck Papier, In jedem Zirkusseehund wurdest Du geschunden, Und Hure warst Du, manchem Kavalier! O Herr, zerreie mich! Was soll dies dumpfe, klgliche Genieen? Ich bin nicht wert, da Deine Wunden flieen. Begnade mich mit Martern, Stich um Stich! Ich will den Tod der ganzen Welt einschlieen. O Herr, zerreie mich! Bis da ich erst in jedem Lumpen starb, In jeder Katz und jedem Gaul verreckte, Und ein Soldat, im Wstendurst verdarb. Bis, grauser Snder ich, das Sakrament weh auf der Zunge schmeckte, Bis ich den aufgefrenen Leib aus bitterm Bette streckte, Nach der Gestalt, die ich verhhnt umwarb! Und wenn ich erst zerstreut bin in den Wind, In jedem Ding bestehend, ja im Rauche, Dann lodre auf, Gott, aus dem Dornenstrauche. (Ich bin Dein Kind.) Du auch, Wort, prale auf, das ich in Ahnung brauche! Geu unverzehrbar Dich durchs All: Wir sind!! Aus Einander Oden Lieder Gestalten 1915 Lcheln Atmen Schreiten Schpfe Du, trage Du, halte Tausend Gewsser des Lchelns in Deiner Hand! Lcheln, selige Feuchte ist ausgespannt All bers Antlitz. Lcheln ist keine Falte, Lcheln ist Wesen vom Licht. Durch die Rume bricht Licht, doch ist es noch nicht. Nicht die Sonne ist Licht, Erst im Menschengesicht Wird das Licht als Lcheln geboren. Aus den tnenden, leicht, unsterblichen Toren, Aus den Toren der Augen wallte Frhling zum erstenmal, Himmelsgischt, Lchelns nieglhender Brand. Im Regenbrand des Lchelns sple die alte Hand, Schpfe Du, trage Du, halte! Lausche Du, horche Du, hre! In der Nacht ist der Einklang des Atems los, Der Atem, die Eintracht des Busens gro. Atem schwebt ber Feindschaft finsterer Chre. Atem ist Wesen vom hchsten Hauch. Nicht der Wind, der sich taucht In Weid, Wald und Strauch, Nicht das Wehn, vor dem die Bltter sich drehn . . . Gottes Hauch wird im Atem der Menschen geboren. Aus den Lippen, den schweren, Verhangen, dunkel, unsterblichen Toren, Fhrt Gottes Hauch, die Welt zu bekehren. Auf dem Windmeer des Atems hebt an Die Segel zu brsten im Rausche, Der unendlichen Worte nchtlich beladener Kahn. Horche Du, hre Du, lausche! Sinke hin, kniee hin, weine! Sieh der Geliebten erdenlos schwindenden Schritt! Schwinge Dich hin, schwinde ins Schreiten mit! Schreiten entfhrt Alles ins Reine, alles ins Allgemeine. Schreiten ist mehr als Lauf und Gang, Der sternenden Sphre Hinauf und Entlang, Mehr als des Raumes tanzender berschwang. Im Schreiten der Menschen wird die Bahn der Freiheit geboren. Mit dem Schreiten der Menschen tritt Gottes Anmut und Wandel aus allen Herzen und Toren. Lcheln, Atem und Schritt Sind mehr als des Lichtes, des Windes, der Sterne Bahn, Die Welt fngt im Menschen an. Im Lcheln, im Atem, im Schritt der Geliebten ertrinke! Weine hin, kniee hin, sinke! Das Jenseits Wir kommen wieder, wir kehren heim In Dich, Du gute Mutter unser. Schon hngt uns, hngt uns ber die Stirn, Mild ber die Stirne des Todes Flieder. Wo fahren die feurigen Wolken hin, Wo tanzen die mutigen Flsse her, Was will der Meere Spiel, Das Laub an der Wand des Himmels gerankt? Nun kehren wir heim, nun kehren wir ein, Mehr ist als Dasein -- Gewesen sein, Stark ist der Tod, doch siehe das Strkste, Strker als Tod ist Musik. In unsere Mutter kehren wir ein . . . Gott fhrt ber uns, der gute Mann, Da heben wir an, und heben uns auf, Arien selige schweben wir hin, Und hngen im Herzen der Sterblichen, Und locken die ewigen Trnen. Trne, klarer Planet! Hier leben wir, Leben in Gnade, sind nichts als Lied. Warum mein Gott Was schufst Du mich, mein Herr und Gott, Der ich aufging, unwissend Kerzenlicht, Und dahin jetzt im Winde meiner Schuld, Was schufst Du mich, mein Herr und Gott, Zur Eitelkeit des Worts, Und da ich dies fge, Und trage vermessenen Stolz, Und in der Ferne meiner selbst Die Einsamkeit?! Was schufst Du mich zu dem, mein Herr und Gott? Warum, warum nicht gabst Du mir Zwei Hnde voll Hilfe, Und Augen, waltend Doppelgestirn des Trostes? Und eine Stimm aprilen, regnend Musik der Gte, Und Stirne berhangen Von ser Lampe der Demut? Und einen Schritt durch tausend Straen, Am Abend zu tragen alle Glocken der Erde Ins Herz, ins Herze des Leidens ewiglich?! Siehe es fiebern So viele Kindlein jetzt im Abendbett, Und Niobe ist Stein und kann nicht weinen. Und dunkler Snder starrt In seines Himmels Ausgemessenheit. Und jede Seele, fllt zur Nacht Vom Baum, ein Blatt im Herbst des Traumes. Und alle drngen sich um eine Wrme, Weil Winter ist Und warme Schmerzenszeit. Warum, mein Herr und Gott, schufst Du mich nicht, Zu Deinem Seraph, goldigen, willkommenen, Der Hnde Kristall auf Fieber zu legen, Zu gehn durch Trenseufzer ein und aus?! Gegret und geheien: Schlaf, Trne, Stube, Ku, Gemeinschaft, Kindheit, mtterlich?! Und da ich raste auf den Ofenbnken, Und Zuspruch bin, und Balsam Deines Hauses, Nur Flug und Botengang, und mein nichts wei, Und im Gelock den Frhtau Deines Angesichts! Die Tugend Die Lge ist das Weib des Potiphar, Mit schleppentrgem Kleide angetan. Das ist bemalt mit allem, was da war, Und ist, und sein wird. Mond und Sternenbahn, Mit Frucht und Jahreszeit und Hof und Hahn, Und Stadt und Meer und Schiff und Berg und Schar. Und alles das, auf dem Gewande kreisend, Hltst Du fr wahr und fr Dich unterweisend! Die Welt ist Abfall. Und der Satan legt Den Himmelsmantel an, mit Stern und Zeit. Was durcheinander Ding an Ding bewegt Ist Todesangst und letzte Eitelkeit. Des Bsen Rechnung, Welt, ist stogefeit, Sie scheint zu sein, weil sie kein Sein zerschlgt. Wo Gottes Wahrheit weicht vor einem Kinde, Und in die Knie bricht im geringsten Winde. Doch ist Gesetz dadurch, da man es bricht! Die Welt ist Bruch und Schuld auf immerdar. Allein darin verbrgt sie uns das Licht, Und in der Snde wird es offenbar. Durch unser Leiden werden wir gewahr, Wie Gott in uns durch eitles Tun zerbricht. Und Sehnsucht wchst aus berstrmten Tagen, Zu opfern uns, uns selbst ans Kreuz zu schlagen. So ist nur eins, das Opfer, was uns bleibt, Im Sturm der Rume, und im Tanz der Uhr! Die Stunde grinst herbei, die uns entleibt, Und wir sind ohne Lohn und ohne Spur. O Liebe, Opfer! Ttend, was uns treibt, Sind wir erst, sind wir gegen die Natur. Und ich bin Mensch, in meinem Menschenleben, Dem Schein ein Sein, dem Unsinn Sinn zu geben. Veni creator spiritus Komm heiliger Geist, Du schpferisch! Den Marmor unsrer Form zerbrich! Da nicht mehr Mauer krank und hart Den Brunnen dieser Welt umstarrt, Da wir gemeinsam und nach oben Wie Flammen ineinander toben! Tauch auf aus unsern Flchen wund, Delphin von aller Wesen Grund, Alt allgemein und heiliger Fisch! Komm reiner Geist, Du schpferisch, Nach dem wir ewig uns entfalten, Kristallgesetz der Weltgestalten! Wie sind wir alle Fremde doch! Wie unterm letzten Hemde noch Die Schattengreise im Spital Sich hassen bis zum letzten Mal, Und jeder, eh' er ostwrts mndet, Allein sein Abendlicht entzndet, So sind wir eitel eingespannt, Und hocken bs an unserm Rand, Und morden uns an jedem Tisch. Komm heiliger Geist, Du schpferisch, Aus uns empor mit tausend Flgen! Zerbrich das Eis in unsern Zgen! Da trnenhaft und gut und gut Aufsiede die entzckte Flut, Da nicht mehr fern und unerreicht Ein Wesen um das andre schleicht, Da jauchzend wir in Blick, Hand, Mund und Haaren, Und in uns selbst Dein Attribut erfahren! Da, wer dem Bruder in die Arme fllt, Dein tiefes Schlagen s am Herzen hlt, Da, wer des armen Hundes Schaun empfngt, Von Deinem weisen Blicke wird beschenkt, Da alle wir in Kssens berflssen Nur Deine reine heilige Lippe kssen! Abschied Ein Fragment Stimme War Dein Gang in groer Sonne verschwebend, War Dein windiges Kleid, mir vorberlebend, War der tiefe Atemzug Dein Gesicht, War das alles ein Letztesmal, Und ich ahnte den Abschied nicht? Die Strae hat Deinen Fu vergessen, Erde und therstrahl gaben Dein verschttetes Lachen aus. Die boshafte Treppe im Haus, Wo aufwrts das Letztemal Dein Antlitz durch mich brach, Wie das dunkelselige Licht Durch erhabene Fenster der Tempel bricht, Wissend hhnt mir die Treppe, nach. Denn ich atmete nicht, Da Dein ferner Atem sich nicht mehr in meinen flicht. Antwort Es gibt nicht eine Stelle, Die Du durch Dich nicht abgestellt. Es gibt nicht eine Helle, Die von Dir nicht ins Finster fllt. Alle Welt ist Letztesmal Abschied heit jedes Tal. Mit mden Straenbumen bin ich weggeglitten, Aus vielen Trumen bin ich abgeschritten. Und doch, es eint, Da wir uns vorbeigeweint, Und da wir arm sind, ohne Gleichen, Niemals zu uns hinberreichen! _O Abschied, Brunnen aller Worte!_ Der Erkennende Menschen lieben uns, und unbeglckt Stehn sie auf vom Tisch, um uns zu weinen. Doch wir sitzen bers Tuch gebckt, Und sind kalt und knnen sie verneinen. Was uns liebt, wie stoen wir es fort? Und uns Harte kann kein Gram erweichen. Was wir lieben, das entrafft ein Ort, Es wird hart und nicht mehr zu erreichen. Und das Wort, das waltet, heit: Allein! Wenn wir machtlos zueinanderbrennen. Eines wei ich: Nie und nichts wird mein. Mein Besitz allein: Das zu erkennen. Sieh den Freund, der Deine Speise teilt, Hinter Stirn und Antlitz sich versammeln. Wo Dein Blick ihm auch entgegeneilt, Weilt ein Fels, den Eingang zu verrammeln. Wenn ich walle durch den Lampenbann, Meine Schritte hre, bse Wandrer, Dann erwach ich, und bin nebenan, Und mir selbst ein Grinsender und Andrer! Ja, wer niederfhrt zu diesem Stand, Wo das Einsame sich teilt und spaltet Der zerrinnt sich selbst in seiner Hand, Und nichts lebt, was ihn zusammenfaltet. Keinem Schlaf mehr ist er einverleibt, Immer fhlt er, wie wir selbst uns tragen. Und die Nacht, die ihm, des Lebens bleibt, Unabwendlich ist ein Wald zum Klagen. Romanze einer Schlange Wo von den aufwrtsatmenden Vulkanen Erhaben strzet Gold um Gold, Unter dem Blau, das in Orkanen Tiefdrhnend durcheinander rollt, Roll ich mich im Gerlle, In meiner Quader Hlle, Und starre stolz nach den Alleen, Wo Bume wehn, und weie Fe wehn, Und Sonne, Strom und Sommer toben hold. Weh euch! Ich wurde wach als Schlange, Und Feindschaft, Stolz und Ha sind mein Gebot. Die Nachtigall zerbricht sich im Gesange, Und strzet ab in ihren Tod, Wenn ich mit meinem Blicke Sie banne und bestricke. Das Liebliche entgeht mir nicht! Ich bin im Licht der Bsewicht, Vernichtung und Gericht, das euch bedroht. Unendlich singen Amseln in den Kronen, Und an den Quellen tnt die Kreatur. Es ist mein Teil in Stein und Stolz zu wohnen, Und die Gestalt zu sein, in die ich fuhr. Sind alle guten Wesen Zu Mttern auserlesen, So hat mit Wut mich meine Brut, Und krmmt sich fort in dumpfem Mut, Und ich gewunden auf dem Grunde starre nur. Ich frage nicht, warum bin ich erschaffen Zum Wurm in dem umblauten Reich?! Denn keine Sehnsucht lebt, mich hinzuraffen, Und ich allein will sein mir selber gleich. Der Hlle siebentiefste Flammen, Sie qulen nicht, den sie verdammen! Mich schmerzt mein Kriechen nicht, wenn durch Alleen Sich Bume wehn und weie Fe wehn, Ich kann nicht weinen, liebe keinen, Wehe euch! Tempel-Traum Wenn die Stunde saust, Und die Frhe sumt, Wacht der Schlfer schwer Wie Ertrunkner auf. Schlamm weilt auf der Stirn, Und ins Haargewirr Flechten Tang und Gras Braunen Bettelkranz. Und es ist ein Haus Voll von Sang und Hall. Lampe lebt in Rauch ber Treppen hin. Eine Mutter geht. . . Und er wei nicht wo, Duft und Stimme wird In der Hhe s. Doch ein Priester ernst Schreitet in die Fern' Seinem Stabe nach, Goldnem Vogelknauf. Und Vestalin sitzt Bei dem Flammentier, Springt ein Wind herein, Htet sie den Scho. Wo der Tempelbau Oben offen ist, Schwebt ein Adler gro Unterm Morgenmeer. Und die Schlferstirn Lset ein Gesang, Und das Herze wchst Mit der Flut des Nils. Ein Abendgesang Nun uns zu Hupten die Fledermuse und graue Adler streichen, Und wir im Dunste einer vergehenden Wiese stehn, Geschiehts, da atemeins wir uns flchtige Hnde reichen, Eh wir ins Gestrpp und das Licht des Schlafes eingehn. Das ist die Stunde, wo alles erwacht, und Erstaunen In unsere wirr berwachsenen Herzen fllt, Da wir sind -- und da gute und bse Launen Des Unverstndlichen uns in die Welt gestellt! Wer hat mich gewollt, da ich Bosheit im Busen wlze, Wer hat es gefgt, da mich Gte, s berschwemmt, Wer gab mir die Demut -- und wer mir den Stolz und die Stelze, Wer hat es vermocht, da ich wandle mir selber so fremd? Und wie uns zu Hupten verderbliche Vgel jagen, Wir trben uns alle und werden leichter und klein. Und sinken wir hin, so regnen von ziehenden Tagen Ferne Gefhle unseren Odem ein. Da schwebt das Schiff im Schaume der Schrauben wieder, Eh unser Auge ins Leere hinberreift. Seligkeit naht -- -- wie wenn schon erlschende Lider S die unmenschliche Lippe des Dichters streift. Mondlied eines Mdchens Fr meine Schwester Hanna Ich liege in glsernem Wachen, Gelst mein Haar und Gesicht. Am Boden in langsamen Lachen Schwebt Mond, das unselige Licht. Und wie mir die tdliche Helle Die Stirn und das Auge befhlt, Zerrinn ich und bin eine Welle, Gekruselt, entfhrt und gesplt. Die Mutter atmet daneben, Der Vater schlft auf und ab. Ich habe Attest um das Leben Von allen, die ich lieb hab. Jetzt gehn durch verwachsene Zimmer Erzengel mit schrecklichem Schwert. Ins Ohr weint mir immer, mir immer Ein Kind, das mir nicht gehrt. Nachtlampe von tausend Betten Des Leidens, der Mond mir scheint. Ich mchte viel Schluchzendes retten, Und bin es doch selbst, die weint. All Ding im Zimmer verlassen, Der Schuh, und der Tisch, und die Wand. Ich mchte das Ferne anfassen, Nur sein eine streichelnde Hand! Ich mchte mit Frstelnden spielen, Und halten die Kalten im Arm! Ich fhle, die Reichen und Vielen Sind Kinder vor mir und so arm! Fr alle mu ich mich sorgen, Mein Schlaf ist glsern und schwebt . . Ich horche, wie in den Morgen Der Atem von allen sich hebt. Im Fenster wehn Bume zerrissen, Viel Himmel sind windig in Ruh. Ich decke mit meinen Kissen Die frierenden Welten zu. Eines alten Lehrers Stimme im Traum Durch einen Traum der Strae oder gar Durch eine Strae im Traum . . . . . . . . Von fern kam Deine Stimme wunderbar. Ich hrte kaum, gro zogen durch den Raum Die goldenen Begrbnisse, Turm und Baum Traten im Himmel ein -- und tiefer Schaum Von Winter, Blum' und Damen regnete mich ein. In einem Traum der Strae hrte ich Dich sein, Im Straentraum die Stimme aus begrabnem Jahr, Die Stimme, die einmal in einer alten Wohnung war. Ich hrte Deine Stimm' und wie Du heit, Und dachte an des Vaters Gestalt, Der mit Dir sprach, und dachte an der Ahne Geist. Die unter Sternen reisen, mild und kalt, Und da auch mich der Wind in Kreise reit, Im Traum der Strae, die mein Vater vor mir wallt, Im Straentraum dacht ich an einen Bart, An eine Hand, vereist und brauner Art. An ungeheure Worte dacht ich: _war_ und _alt_. Im Straentraum, da Gold vorberfuhr, Und liebend ein Sonntagswind, Von fern erfuhr ich Deine Spur, Und drehte mich nicht um, vom Trumen blind. Ich wei nicht, wo Du wandelst, wei und nicht geschwind. Und ob Du bist, oder im Traume nur. Doch von den Kerzen lind, die in mir sind, Hub eine in der Kirche an und ist entbrannt, Und ein Gefhl, verloren und noch unbenannt, Begann, o Straentraum, im Wind unterm Azur. Zwiegesprch an der Mauer des Paradieses Adam Mde in den schmerzensreichen Schuhn, Durch den Tag der Straenqual gegangen . . . Fang mich, Abend, auf, in Dir zu ruhn, Ser Ort, aus dem ich angefangen! Meinen Pack von alten Schultern nun Werf ich ab mit einem langen, langen Atem, um mich ganz in Dich zu tun. Ja ich tauche auf aus allem Staub, Se Mauer, traumwrts hergebaute, Tiefer Wind, der sich ins Haar mir staute, Als der Engel loderte im Laub! Ja ich komme mit den schweren Rinnen, Scharfen Trnenschluchten im Gesicht. Grtner mit dem Bart, versto mich nicht, Hre auf, mich zu beginnen! La zum Tor verstrzen das Gemuer. Schlage eine kleine Bresche ein, Da ich sanft in einem Weidenfeuer, Oder kruselnd mich am Bach ein scheuer Windgefhrte hebe an zu sein. Stimme aus dem Garten Ich darf Dich nicht lassen ein, Und darf mich nicht lassen aus, Ich mu mich fassen ein, Und giee Dich in Gassen aus. Mein Haus ist wst, Meinen Garten hast Du versandet, Ich bins, der fr Dich bt. Kein Schwan mehr landet In meinem See, der hohlgeht und brandet. Die alten Bume sind verbrannt, Die schnen Tiere starben in Gestruchen, Und ich vermag die Wrmer nicht zu scheuchen, Aus meinem Beet und Rebenstand. Im Herbst, wie eine alte Frau Wall ich vorbei an eingesunkenen Malen, So bettelhaft. Dein ist die Kraft. Mach, da ich mge neu erstrahlen, Aus dieser Wste weggeworfener Schalen, Den guten Garten wieder auferbau! Adam Durch tausend abgespannte Stunden Hab ich zu Dir mich hergefunden, Du wirfst mich fort. Stimme auf dem Garten Wir sind, mein Sohn, so sehr verbunden, Da Du Dich triffst mit Deinem eigenen Wort. Adam Erbarm Dich mein! Stimme aus dem Garten Erbarm Dich mein! Adam Mir Abgebckten mit zerrissenen Fen, Willst Du die Tr des Schlafengehns verschlieen? Ist Gnade nicht Dein Gut zuhchst erlaucht? Stimme aus dem Garten Ich habe meine Gnade ausgegeben, Sie waltet unerschpft in Deinem Leben, Fr Dich hab ich sie ganz, Du nie fr mich gebraucht. Adam So wird dies Altern nimmer enden, Und keine Heimat macht mich wieder klein? Stimme aus dem Garten Bestelle mich mit Deinen Hnden, Und Heimat werden wir uns beide sein, Und kehren ein! Adam Weh, da kein andres Wort mich trste, Und dies zurcke mich in Stdte stt! Stimme aus dem Garten Kind, wie ich Dich mit meinem Blut erlste, So wart' ich weinend, da Du mich erlst. Luzifers Abendlied Wenn ich ber die nchtlichen Stdte fahre, Flatternder Mantel auf Nebel und Wind, der mich trgt . . . Unter mir ist ein Abend der Tage und Jahre, Stuben sind hell und Fenster von Schatten bewegt. Und den Fluch im Genick mu ich all die Leidenden schauen. Wie das lebt, wie das schlgt, und Worte bildet und glaubt. Weinen und Sehnsucht zu all diesen Mnnern und Frauen Fat mich und beugt mein schwarzes, mein ewiges Haupt. Und dem furchtbaren Blick erscheint in der alternden Kammer Lehrerin, bitter und steif, die sich elend zu Ende fhrt. Mutter, das Schwert im Herzen, die all ihren Jammer Heilig ertragend im Hause die Hnde rhrt. Jugend geht in den Krieg und schweiget. Geizige Knochen Schrecklicher Greife klappern von Ha verzehrt. Selbst die Unschuld, geboren aus blutigen Wochen Hat den Leib einer lieblichen Frau verheert. Und sie tragen sich selbst mit Worten. Elend ist Glaube! Manche ahnen die Lge, Gefhrten von meinem Fluch. Doch eine se Schwester mit weier, edelster Haube, Htet den Kranken, und ebnet das fiebrische Tuch. Und sie nehmen es hin, da sie sind, und zum Sterben geboren. Manchmal lcheln sie gut, und tragen im Auge das Heil. Und dann fhle ich weh: Ich bin verloren. Stolz und geflgelt und hart, und unbeugsam und steil. Ich bin der Geist ihrer Klage, der Gnadenlose und Klare, Der sich gegen den Fluch despotischer Gnade bumt! Rein will ich sein und Geist, das ist Schmerz. Und heie der Wahre, Der umsonst an das Tor der Vershnung und Liebe schumt. Aber seh ich am Abend die so geliebten Gestalten, Reit mich Schluchzen dahin, und es sinket und schwebt Aller Trnen die reinste, und ruht als Stern in den Falten Kalten Himmels, Stern, der meinen unseligen Namen lebt. Held und Heiliger Prophezeiung an Alexander Held Du Entfachter auf dem Scheiterhaufen, Dem die Feuer um die Stirne laufen, Sprich, was drckst Du die gepechten Drachen An Dein Antlitz, berschwemmt von Lachen? Heiliger Reiter Du auf dem bebuschten Pferde, Sieh mich an. Ich bin die Schuld der Erde! Und ich zahl mich! Wie die Aschen sinken, Brllt schon Gott vor Lust, mich auszutrinken. Held Nennst Du Trank Dich und zerbrichst den Becher, Sieh mich an! So nenne ich mich Zecher. Dieses Da ist da, da ich es saufe, Und wer mich suft, meiner berlaufe! Heiliger Eitelster, der auf dem Rosse reitet, Deinem Pferd ist mehr die Welt bereitet! Ohne Opfer soll Dir Gott gehren? Wen Gott will, den mu er sich zerstren! Held Kann dies Jetzt denn ohne mich geraten? Gibt es Leben auer meinen Taten? Du und Er und alle sieben Reiche Sind, wenn ich sie in die Tasche streiche. Heiliger Nennst Du Leben die verruchten Stunden? Erst die Stunde, die Dich berwunden, Erst das Weh, zu dem Er Dich erkoren Hebt in Gnad Dich an. Du wirst geboren . . . Held Schon verbrennst Du, Mann, in Deinem Brennen. Brand, der nicht verbrennt, will ich mich nennen. Wer nicht liebt, kann nicht zugrunde gehen. Sterben alle, bleib ich doch bestehen. Heiliger (schon als Asche zusammensinkend) Alexander ber tausend Meeren, Hr die Flammen an, die sich verzehren! Hr den Staub, zu dem ich mich vermische! Liegt ein Freund bei Dir an Deinem Tische, Ist sein Blut bestimmt, Dich zu bespritzen. Du vergit, auch Du kannst nur besitzen. Schwer in Hnden bleibt, was Du errungen, Im Besitz schon hat Dich Gott bezwungen! Da er furchtbar seine Gnade whle, Rste die noch nicht verdammte Seele! Alte Dienstboten In dem sanften Wallen der alten Frhlinge Stehn die alten Dienerinnen von Haus zu Haus. Der ausgebrannte Himmel schwebt dem Mond entgegen, Der Sonntag fllt mit seinem zarten Tod die Strae aus. Sein letzter Odem trgt den Schall von Ruderschlgen, Von Ufer, Hgelton und Klang von Weggesprchen her. Die alten Mgde haben gtige Hte auf, Mild von Vergangenheit und kaum entlchelnd mehr. Nur manche Masche oder khne Rose schlgt zum Flug die Flgel auf. Gestrickten Handschuh tun sie ab mit treuem Gru und altem Nicken, Eh sie sich in das Dunkel ihrer Tore schicken. Ach diese alten Frauen tragen ewig auf den alten Hnden Das erdenlose schluchzende Traumlicht vom frhen Tag. Wohin sie auch ihr Gehen wenden, Klirrt ein Geschirr, ist Kche um sie, Stiege, alter Uhrenschlag. Im Hof ist Lrm, im Herd die ewige Kohle. Sie hren auf dem Gang das Schlrfen ihrer Sohle, Sie haben keinen Sohn und kein Geschick, Kein Bett zum Sterben breit. Nur kleinen Klatsch im Flur. Schon keift die Herrin auf, die aus der Tre fuhr . . . . Unwandelbar in Ehrfurcht, so mit scheu gebeugtem Rcken Sind sie bereit, sich neu zu ewigem Dienst zu bcken. Doch ich Verworfener der Lust und Eitler in der Zeit, Ich wei, da diese alten geisterhaften Leben Sich ohne Ende ber meins erheben, Das voll von Hoffart Worte machen mag. Nur uns zu prfen gab uns Gott den Tag, Allein des Tages Sinn heit Heiligkeit. O heiliger Dienst, o Dienst, der niemals schliet, O Einfalt, die nichts wei und nichts geniet, O Licht am Abend berm Tisch gebckt! Gepriesenes Leben, Dienst! Mit abgeschundenen Hnden, Sich irdisch tilgend, himmlisch zu vollenden! Jesus und der ser-Weg Und als wir gingen von dem toten Hund, Von dessen Zhnen mild der Herr gesprochen, Entfhrte, er uns diesem Meeres-Sund Den Berg empor, auf dem wir keuchend krochen. Und als der Herr zuerst den Gipfel trat, Und wir schon standen auf den letzten Sprossen, Verwies er uns zu Fen Pfad an Pfad, Und Wege, die im Sturm, zur Flche schossen. Doch einer war, den jeder sanft erfand, Und leiser jeder sah zu Tale flieen. Und wie der Heiland s sich umgewandt, Da riefen wir und schrieen: Whle diesen! Er neigte nur das Haupt und ging voran, Indes wir uns verzckten, da wir lebten, Von Luft berhrt, die Grn in Grn zerrann, Von Eich' und Mandel, die vorberschwebten. Doch pltzlich bumte sich vor unserem Lauf Zerfrene Mauer und ein Tor inmitten. Der Heiland stie die dumpfe Pforte auf, Und wartete bis wir hindurchgeschritten. Und da geschah, was uns die Augen schlo, Was uns wie Stmme auf die Schwelle pflanzte, Denn greulich vor uns, wildverschlungen flo Ein Strom von Aas, auf dem die Sonne tanzte. Verbissene Ratten schwammen im Gezcht Von Schlangen, halb von Schrfe aufgefressen, Verweste Reh' und Esel und ein Licht Von Pest und Fliegen drber unermessen. Ein schweflig Stinken und so ohne Ma Aufbrodelte aus den verruchten Lachen, Da wir uns beugten bers gelbe Gras Und uns vor uferloser Angst erbrachen. Der Heiland aber hob sich auf und schrie Und schrie zum Himmel, rasend ohne Ende: Mein Gott und Vater, hre mich und wende Dies Grauen von mir und begnade die! Ich nannt' mich Liebe, und nun packt mich auch Dies Wrgen vor dem scheulichsten Gesetze. Ach, ich bin eitler, als die kleinste Metze Und schnder bin ich, als der letzte Gauch! Mein Vater Du, so Du mein Vater bist, La mich doch lieben dies verweste Wesen, La mich im Aase Dein Erbarmen lesen! Ist das denn Liebe, wo noch Ekel ist?! Und siehe! Pltzlich brauste sein Gesicht Von jenen Jagden, die wir alle kannten, Und da wir uns geblendet seitwrts wandten, Verfing sich seinem Scheitel Licht um Licht! Er neigte wild sich nieder und vergrub Die Hnde ins verderbliche Geziefer, Und ach, von Rosen ein Geruch, ein tiefer, Von seiner Weie sich erhub. Er aber fllte seine Haare auf Mit kleinem Aus und krnzte sich mit Schleichen, Aus seinem Grtel hingen hundert Leichen, Von seiner Schulter Ratt und Fledermaus. Und wie er so im dunklen Tage stand, Brachen die Berge auf, und Lwen weinten An seinem Knie, und die zum Flug vereinten Wildgnse brausten nieder unverwandt. Vier dunkle Sonnen tanzten lind, Ein breiter Strahl war da, der nicht versiegte. Der Himmel barst. -- Und Gottes Taube wiegte Begeistert sich im blauen Riesen-Wind. Neue Gedichte 1916 (In Buchform noch nicht verffentlicht) An den Richter Ich habe meine Lampe ausgelscht und mich zu Bette gelegt in mein fremdes Bette. Da wallte mir durchs Fenster die bleiche Welt der Nacht, und der aufgebaute Berg beugte sich ber meine Brust und wankte. Die reienden Hunde bellten in den schattenlosen Hfen des mondreichen Dorfes und ich Verwarf mich und stand auf und zndete die unwillige Lampe wieder an. Ich will nichts von den Frchten und Speisen genieen, die noch auf meinem Tische stehn, obgleich es mich gelstet. Ach die Befriedigung vertritt uns Deinen Weg, und wer weich kniet, betet heiser. Mit dem Apfel lockt der Arzt das kranke Kind von seinem Weinen ab, um Fieber zu messen; Weh uns, verheert von Lockung und Genu, allzubereit die edle Sttte des ewigen Erkenntnisschmerzes zu verlassen!! O mein Richter! Meine Feinde haben mich entrtselt, durchschaut und geschlagen. Sie verwarfen mich, und ich mute mich mit ihnen verbnden. Sie schalten mich: Scheinmensch, charakterlos, eitel, trge, gleichgltig, zu klein zur Snde, zu gering zur Wohltat, schwach im Frevel und wertlos in der Reue, Und ich hrte sie, und fuhr gegen mich, und gab ihnen Recht -- mein Richter -- und mu mich hassen! Ich bekenne -- und wenn auch dies Eitelkeit ist, weh, vermag ich nichts dagegen, bekenne dennoch: Ich war an diesem einzigen Tage so klein und niedrig, mittelmig und schwach, wie nicht einer! an meinem Tisch -- Hflich war ich aus Angst, lobsprecherisch aus Feigheit, aus Trgheit zweizngig und ohne Halt, Liebe vergalt ich mit bser Hoffnung, Sorge mit sorglosem Schwachsinn. Es ist nicht die Lust der Zerknirschung, wenn ich mich dem weidenden Vieh vergleiche. Wie kstlich ist der kommende Tag, mein Richter, wie trumt man sich wandeln im Gebirg, wie hoffend auf Gre. Aber der abgestorbene Tag ist schrecklich, man sieht sich ungern nach ihm um, wie nach einem Kbel voll Kehricht. Wird es immer so sein? Mein Tag immer so sein, bis zum letzten Tage? Und wird sich im schmutzigen Kranken noch die alte Sturmglocke der Schuld empren?! Mein Richter, ich wei nichts vom kommenden Tag, von jenem Tag, nicht ob Du wirst zu Gerichte sitzen, mein Richter. Aber Deinen Gerichtstag frchte ich nicht, Deine Erhabenheit nicht, Dich nicht, mein Richter, mich frchte ich, ich frchte mich, Mich. Meine lahme Seele frchte ich, mein stummes Herz, den unverzweifelten Blick, den Leichtsinn, das So und So, das leere Achselzucken! Ich wei nicht, ob Du bist, mein Richter, aber ich wnsche, da Du bist, mein Richter, und will Deine gute Rute besprechen. Ich sitze in diesem kalten Zimmer vor meiner Lampe. Horchst Du an meinem Fenster? Ich kann die Sterne sehn. Ich wende meinen Kopf scheu zum Fenster, und rufe Dir diesen Gesang zu, und mache diesen Gesang den Schlafenden kund. Meine Lampe erfriert. In das Grab des schrecklichsten Todes sehe ich, ich sehe den geistigen Tod, ich fhle das fieberlose bel, Trgheit des Herzens! Mit kalten Fingern sitze ich da, ohne Hilfe, und vllig ratlos. Bald werde ich mich unter meine Decke legen, meinen Leib dehnen, und ruhig atmen. La es nicht zu, mein Gott, dieses Stunde um Stunde, dies Heute und Gestern, dies Immer und Ewig! Aber vielleicht hast Du keine Macht ber mich, wie ich keine Macht ber diesen Gesang habe, der in seiner Wahrheit noch gleisnerisch ist. Und nicht einmal den Wahnsinn darfst Du mir mit seinen Sperberschwrmen und groen Steppen schenken! Gebet um Reinheit Nun wieder, mein Vater, ist kommen die Nacht, die alte immergleiche. Sie durchschreitet all uns die Wunderblinden mitten im Wunder. Und die Stunde ist da, wo die Menschen, unwissend des tiefen Zeichens, Vor ihr Wasser treten, den Kopf eintauchen, und die beschmutzten Hnde splen. O heilig Wasser der Erde, doppelt bestimmt, zu trnken und zu reinigen! O mein Gott, o mein Vater, heilig Wasser der Geisterwelt! Ist nicht meine Sehnsucht nach Deiner Khle Gewhr, das Du springst und splst, Ist nicht mein Zweifel noch das Hinlauschen nach Deinem sen Geflle? Ich senke meinen Kopf und tauche ihn in die Feuchte des Lampenkreises. Ich halte Dir meine beschmutzten Hnde hin, wie ein Kind, das am Abend der Waschung wartet. Nach einem lgnerischen Tage will ich mich sammeln, um in dieser Spanne wahr zu sein. Ich will mich in meiner Hrde zusammendrngen, bis das Geheul meiner Eitelkeit verstummt. Dein Psalmist, mein Vater, hat wider seine Feinde gesungen, Und ich, mein Vater, folge ihm, und singe einen Psalm hier wider meinen Feind! Ach, ich habe keine Feinde, denn wir Menschen lieben einander nicht einmal sosehr, um uns Feinde zu sein. Aber ich habe einen Feind, einen gewaltigen Feind, der mich berennt, und an alle meine Tore pocht. Ich habe einen Feind, mein Vater, der an meinem Tisch sitzt und Vllerei treibt, Whrend ich meine verdorrten Hnde falte und darbe, und sich am Fenster die Hungrigen drngen. Ich habe einen Feind, der aufstoend nach der Mahlzeit seine Zigarre raucht und fett wird, Whrend ich immer geringer werde, und zusehn mu, wie er das Gut meiner Seele verprat. Ich habe einen Feind, mein Vater, der meine edle Rede in Geschwtz verkehrt und in Selbstbetrug. Ich habe einen Feind, der mein Gewissen liebedienerisch macht, und meine Liebe mit Trgheit erstickt, Ich habe einen Feind, der mich zu jeder Niedrigkeit verleitet, zur Wollust des Sieges an den Spieltischen, Der ich doch ein Meister der gttlichen Gensse bin. Warum hast Du mich mit diesem Feind erschaffen, mein Vater, warum mich zu dieser Zwieheit gemacht? Warum gabst Du mir nicht Einheit und Reinheit? Reinige, einige mich, o Du Gewsser! Siehe, es wehklagen all Deine wissenden Kinder seit eh und je ber die Zahl Zwei. Ich tauche meinen Kopf ins Licht und halte Dir meine Hnde hin zur Waschung. Befreie mich, reinige mich, mein Vater, tte diesen Feind, tte mich, ertrnke diesen Mich! Wie selig sind die Einfachen, die Unwissenden, selig die einfach Guten, selig die einfach Bsen! Aber unselig, unselig die Entzweiten, die Zwiefachen, die zu- und abnehmenden Gegenspieler. O heilig Gewsser, um Dein und meiner Gre willen, hilf mir! Einem Denker Dein Blick, mein Bruder, hat mich erschreckt. Ich habe um Deinen Mund und ber Deinen Brauen einen bsen Mangel entdeckt. Meine Sphre war traurig, Ihr mifiel Deine Art An der Spitze des Tisches zu sitzen, zierlich geduckt, Mit gekreuzten Armen, freundlich, listig, ktzchenhaft. Tu dieses Ducken aus Deinen, Augen, mein Freund! La ab von der barbarischen Bereitschaft des Anklgers und Angreifers! Wie deute ich mir, Wie verstnd ich's, Da Du den feurigen Talar des Richters unverbrannt durch die gleichgltigen Rume trgst, Da Dein Wort Dir gelingt, Dein Schlaf Dir gelingt, Du Schlfer an Dir vorbei, Du nicht Erwachter!? Wie soll ich Dein Gebrechen nennen, Schlfer? Ich will Dein Gebrechen Selbstgerechtigkeit nennen, Schlfer! Denn wer zu Gericht sitzt, ber die Snder, Sitzt hinterm Kreuz, ist im Recht, braucht seiner Schuld nicht zu gedenken, darf sein Wesen vergessen, Und der Henker erspart die Pflicht, sich selbst den Kopf abzuhaun. Ich bitte Dich mit der Hand auf dem Herzen, ich beschwre Dich, la ab davon! Es ist mir sehr wohl bekannt, was uns alle zur Anklage treibt, zu Urteil, Bannstrahl, chtung und zu der Seligkeit des Hohns. Du aber bist wie ein Knabe, Und scheinst nicht zu wissen, Da Du nur angreifst, um Dich vor Dir zu verteidigen, da Du mit Deinem Schilde _Deine_ Ble bedeckst . . . Aber vergi nicht, da Aussatz und Rude dereinst unsern erhabensten Triumphschrei zum Gesptt machen. Ich will Dir ein Wort sagen, das Du nicht begreifen wirst. Ich sage Dir: die Selbstbehauptung im Geiste ist Selbstvernichtung, die Selbstvernichtung im Geiste aber ist Selbstbehauptung. Kennst Du die starke Waffe Der wirklichen Sieger? Sie verachten das Wort, sie ziehn die Niederlage dem Sieg vor, sie ergeben sich, sie lassen sich gefangen nehmen . . . Denn furchtbar ist der Demtige, furchtbarer der Reine, der sich erkennt, und ein Tamerlan, wer sich aufgibt! Ich tadle Deine Philosophie, mein Bruder, weil sie die Philosophie der Gerichtshfe ist. Sie ist dialektisch, forensisch, sie betet das Wort an und die Unterscheidung der Worte. Aber die Worte sind Bedingter noch als die Dinge. Die Dinge verstellen den Geist, die Worte verstellen die Dinge, und der Geist der Worte Ist wundersam und angenehm zu fassen in seinen Gefgen und Reimen, aber eitel und trostlos fr die Leidenden. Sprich, o sprich mir nicht von all dem Frevel, der Dir widerfhrt und Dich vereinsamt. Glaube mir, die Unvollkommenheit, die uns trennt, ist lange nicht so gro, wie die Unvollkommenheit, die uns vereint. In Dir ist aber noch Der alte Adam allzusehr! So hngst Du Dich an Ehre, Mut und Mannheit, an die Tugenden der Bestie und ihre Vollkommenheit, Vergissest, da die Vollkommenheit die Lilie der gttlichen Vernichtung ist. Du bist zu schnell an den Betten vorbergegangen, auf denen die gelben Sterbenden rasten, Du warst, mein Bruder, mit Gerichtsakten beschftigt, als die Strflinge ihren einstndigen Marsch im Hof anhuben. Du kennst jene Weisheit nicht, Hher als alles Mitleid! Du kennst nicht jenes Hindurcherkennen, pltzlichen Aufgang andern Lichts, die Demokratie der Ungleichheit, und das Bewutsein, da wir alle Hnde haben, Du kennst noch nicht jene kostbaren Trnen, deren man wenig in einem Leben vergiet. Ballade von Wahn und Tod Im groen Raum des Tags Die Stadt ging hohl, Novembermeer, und schallte schwer, Wie Sinai schallt. Vom Turm geballt Die Wolke fiel. -- Erstickten Schlags Mein Ohr die Stunde traf, Als ich gebeugt sa ber mich zu sehr. Und ich entfiel mir, rollte hin, und schwankte da auf einem Schlaf. Wie deut' ich diesen Schlaf, Wie noch kein Schlaf mich je trat an, da ich verrann In Dunkelheit, so mich eine Zeit In mein Herz traf? Und als ich kam empor, In Traum auftauchend Atemgang begann, Trat ich in mein vergangnes Haus, in schwarzen Flur durchs winterliche Tor. Nun hret, Freunde, es! Als ich im schwarzen Tage stand, schlug mich eine leichte Hand. Ich stand gebannt an kalter Wand. O schwarzes, schreckliches Gedenken, da ich ihn nicht fand, Den Leichten, der mich so ging an Und mich im schwarzen Tag des Tors geschlagen leicht mit seiner leichten Hand. Es fgte sich kein Schein, Und selbst das kleine schnelle Licht, das sich in falsche Rosen flicht, Und unterm Bild vergeht und schwillt, Das kleine Licht ging ein. Es trat kein schwarzer Engel vor, Kein Schatten trat, kein Atem trat aus dem kalten Stein! Doch hinter mir in meinem Traum, aufschluchzend kaum versank das Tor. Und auch kein Wort erscholl. Doch ganz mit meiner Stimme rief ein Wort in meinem Orkus tief. Und wie am Eichenort ein Blatt war ich verdorrt. Weh, trocken, leicht und toll Fiel ich an mir herab und fuhr in Herbst und groem Sto. Mich nahm ein Wort und Wind mit fort, Das Wort, das durch mich stie, das Wort mit dreien Silben hie, das Wort hie: rettungslos. O letzte Angst und Schmerz! O Traum vom Flur, o Traum vom Haus, aus dem die Frau mich fhrte aus! O Bett im Dunkel aufgestellt, auf dem sie mich entlie zur Welt. Ich stand in schwarzem Erz, Und hielt mein Herz und konnte nicht schrein, Und sang ein -- Rette mich -- in mich ein. Der Raum von Stein baute mich ein. Ich hrte schallen den Flu und fallen, den Flu: Allein Und da es war also, Tat sich mir kund mein letztes Los, und ich stieg auf aus allem Scho. Im schwarzen Traum vom Flur zerri und klang die Schnur. Und ich erkannte so, Warum da leicht und fein die Hand mich schlug, Die schwach an meine Stirne fuhr, Und meinen Gang geheim bezwang, da ich nicht wankte mehr, und kaum mich selber trug. Und als ich ihn erkannt, Den Augenblick, der mich trat an, da war ich selbst der andre Mann, Und der mir hart gebot, ich selber war mein Tod. Und nahm mir alles unverwandt, Und wand es fort aus meiner Hand und hielts gepackt -- Genu und Liebe, Macht und Ruhm und jammernd die Dichtkunst zuletzt. Und stand entsetzt und ausgesetzt und ohne Wahn und aufgetan und vllig nackt. O Tod, o Tod, ich sah Zum erstenmal mich wahrhaft sein, mich ohne Willen, Wunsch und Schein, Wie Trinker nchtlich spt sich gegenber steht. -- -- Er lacht und bleibt sich fern und nah -- -- Ich stand erstarrt in erster Gegen-Wart allein zu zwein. (Ach, was wir sagen lgt schon, weil es spricht) Ich fand mich, ohne Wahn mich sein, und starb in mein Erwachen ein. Im groen Raum des Tags Hob ich mein Haupt auf aus dem Traum, und sah auf meinen Fensterbaum. Die Stadt ging hohl, Novembermeer, und schallte schwer, Der Himmel glhte noch kaum. Ich aber ging hinab mit groem Haupt und Hut, Und ging durch Straen, rtliches Gebirg und Pa . . . Mein Haupt vom Traum umlaubt noch. Ging mit dumpfem Blut. Ich ging, wie Tote gehn, Ein abgeschiedner Geist, verwaist und ungesehn. Ich schwebte fern und khl durch Heimkehr und Gewhl, Sah Kinder rennen und sah Bettler stehn. Ein Buckliger hielt sich den Bauch, und eine Greisin schwang den Stock und schrie, Leicht eine Dame lchelte. Ein Mdchen kte sich die Hand . . . Und ich verstand, was sie verband, und schritt in groer Alchimie. Der Tempel O Tempel, in die Zarteste Stunde gebaut, Wenn schon die unermdlichen Schmetterlinge Die kreisenden welken an Der alten Lampe des Weisen und Die Trumer pltzlich das Haupt Tauchen aus tausend Fenstern. Tempel, In solcher Stunde erschallend, Lt Du uns gehn ber die Treppe. Aber wenig leuchtet Die Laterne voran des Priesters, Wenn tief der Tierkreis Brllet und leis im Schlaf. Wie bald doch steh ich Und schon im Kuppelsaal. Dort aber rundet Der offne Himmel. Ein Morgen Macht ihn schon fast Zum verschwommenen Knaben. Doch in dem hellen Boden Findet er sich bemessen Zu unseren Fen wieder Genau Im bildenden Wasserteich. Wie da ruhen ber unseren Schultern Die einhaltenden Vgel, Die Planeten sich aus. Sitzen sanft eine Weil' nur, Geschlossene Flgel Auf atemlosen Sulen. Trllert einer im Schlaf. Aber als letzter Luzifer schwirrend Hebt sich hinweg Morgender Stern. Mit fernem Gelchter Spiegelnd Gefieder Im schon helleren Bassin. Nun aber seh ich Wolken grnen im Wasser. Sehe dreifach Das Strandgut treiben Im kleinen Umkreis Des Brunnenteichs. Wohl wei ich, Und nimmer tuschet mich wer, Mattes und Morsches. Drei Dinge schwimmen, Kleines Brett Noahs, Binsenkorb Mosis, Holzspahn der Krippe Drei Schatten schwimmen Auf wachsendem Himmel. Nun aber schreiten -- (Da es doch bald mehr Frhe ist) Die Mnner hinaus, Die herrlichen Nach der Abfertigung. ber den Brauen Schimmern die Glatzen vor Osten Sie neigen und schreiten, Die Heiligen schreiten Hinter Planeten. Frhe Arbeiter Und khl Von diesem Himmel und Frische. So schreiten sie, Ohne zu wecken, Gesenkte Stirnen, Aus allen Tren zugleich Hinaus aus diesem Kuppelkreis, Die Verschmher der Speise. Die heilige Elisabeth fr Gertrud Spirk Wie sie geht Die Schwester der fnften Stund und der Lerchen, Unter dem noch versagenden Himmel, Dem atmenden Osten voraus! ber Stufen Steigend nieder Am Klirren vorbei des frhen Frhlings . . . Aber es wehen noch, es fliegen Die wahrhaft glubigen Trumer Durch Trume auf schlagenden Fittichen, ber den unzhligen Morgen, Strzen sich in die Meere, Brust und Haar voll Auferstehungswind. Ihre Fe lcheln ber die Steine nieder. Doch in den harten Gebeizten Hnden Hlt sie, die Dienende, Den gedeckten Korb. Nun drngen schon Hunde und rudige Krppel, Krhende Tolle Sich an das Jenseits ihres Knies. Bettler mit Npfen Heben sich auf, Gestreifte Kranke, Lampe in Hnden, Hustende Kinder, Betrunkene Greise, Huren, Gelichter, sterbende Snder, Wanken geschlossenen Auges ihr nach. Schon heult die Stadt auf Und chzt in ihren Morgen ein. Durch den Nebel der Kaserne Bricht die entsetzliche Trompete. In den Asylen krchzt Der Greis, gewlzt von der Bettstatt. Flerruf! Die schweren unseligen Pferde Neigen in Hfen ihr Haupt. Sie geht noch, Eh sie verfliet, Eh ihr Aufwrtslcheln Sich einmischt in die Antwort des Himmels, Sie geht noch die Magd, Sie weht noch die hohe Deutsche . . . O Dmmerung ihres Haars, O Schritt, o Blick, Wie sie geht, die Schwester der fnften Stunde! Der Ruf So stand sie schon vor dem groen Nachmittagstor, Und hielt mit ihrer Hand den Durchblick zu. Ihr Kleid sang westlich im tiefen Wind. Dort aber war der Tag, Wo Munde abwrts ernster werden, Und Hnde hart, die nicht mehr streichelnden. Des Auges Willen geht dort nicht mehr aus vor Herz. Nicht rast das Antlitz mehr dort, Die se Flche ebbet, weh flieht in sich. Der Schritt verwaltet keinen Tanz mehr dort. Schritt schreitet Arbeit, Arbeit, dort und Verlust. Ihr Fu so stand auf dem Schwellenstein. Doch ihre Hand vor ausblickendem Aug. Das Haar im Zephyr leicht . . . Ich rief sie an. Doch wie sie sich wandte, Wie sie horchte nach dem Rufenden hin, Hob in den Lften um sie ein Kampf an. Die ernsten Dmonen des Ausgangs taten sich in Wind, Rafften mahnend vorwrts Kleid ihr und Haar. Aber die jauchzenden Gtter des Ausgangs Warfen sich in die Saiten der Sonne, Tneten, sangen die Leichte zurck. Da aber wankte ihr Antlitz unter den Schatten, Und sie sah mich stehn im rollenden Tag, Sah mich unter den brllenden Festen: Ruhm, Mittag, Lge, Gesang und Blauheit! Sie selbst war Wachsen schon der Brst', Aufbruch des Munds. Ich rief noch einmal . . . . Wie im leichten Schmerze, Zgernd, Wehte sie ihre edle Mdchenheit mir zu. Vergessen An dieses Flusses Walten wachend, Hinberruhend Nach des Eilands, nach des Schilfes nrdlichem Drang, Habe ich Dein vergessen. Verga Dein Antlitz, Deiner Zge Niederwehn In die offenen harten armen Hnd'. Vergessen hab' ich Deinen Abendschmerz in diesem Abend . . . Niedrige Mven schnellen ber Wirbel hin. Das Gras braust in die Nacht. Weh mein Gesicht ist Snde! Mdigkeit Tiefe Schwester der Welt Weilt auf bewimpeltem Bord, Schtzt ihren Krug vor dem Glanz, Der schon im Westen zerstrzt. Mit dem Gelchter des Volks Lst sich das Schifflein und schumt. Aber die Gttin und Gold Rollt mit den Wellen noch lang. Herz und Atem versinkt, Woge, in welchen Schlag? Mischt schon die Fledermaus Elemente und Mohn? Abendgestade und Blick Schwinden hin. Kiel und Delphin. Lebt noch ber der Bucht Maulbeer, Limone und l? Schrei Es wandeln oben vielleicht die reinen Dmonen, Ernste Frauen, Weilende Augen ohne Ebbe, Mit abwrts schon wachsendem Mund . . . Aber wir unten Wir Knechte In diesem Pfuhl von Luft! Ausatmend, einatmend, Die Zeit vertreibend, Gute Vergesser . . . Und dennoch Von uns befallen, Von uns befallen. Im Hals den groen Skorpion, Der an den Gaumen juckt. Den gebundenen Teufel, Mit Stachel und Scher', Den mordenden Asmodi, Der zum Mund ausfhrt, Verbindlich, eitel, wohlgestalt, Der Lgenvater ber unsere Edle Von Wahrheit blutende Lippe. Wir unten, wir, Hilflos wie Knechte! Erstickt von Betrgen Erwrgt von Verraten, Gebeugte Auswandrer Wir aus uns selber, Verbrecher, verfolgt Von gemordeten Worten. Wettlufer ins Aus, Preisspringer ins Ende, Von den Trmen der Stunden -- Zerekelt, ewiglich, elend, -- Trge uns schleudernd in Schlaf. Der Dichter Ah! Ich habe mich ausverraten. Mein entsetzliches Geheimnis und mein gtiges, Aus den Kasernen der Verstellung ausgebrochen!! Das gepflegte Antlitz meiner Lge, Das blatternarbige Antlitz meiner Wahrheit, Entrtselt sich zur Wahrheit. Ich schrieb mir unbekannte Chiffernschrift, Unerbittlich log ich Wahrheit. Nun beginne ich mich zu bedeuten, Nun beginne ich hinter meinem Wei hervorzukommen, Nun baue ich mich auf mit abgehackten Hnden . . . Hilflos Hhn ich mich Hilflosen von fern an. Inhalt Aus: _Der Weltfreund_ An den Leser 4 Kindersonntagsausflug 5 Der dicke Mann im Spiegel 7 Im winterlichen Hospital 9 Sterben im Walde 11 Das Malheur 12 Erzherzogin und Brgermeister 14 Der Patriarch 15 Solo des zarten Lumpen 17 Der schne strahlende Mensch 18 Wanderlied 19 Der kriegerische Weltfreund 20 Ich habe eine gute Tat getan 21 Aus: _Wir sind_ Die Unverlassene 26 Als mich Dein Wandeln an den Tod verzckte 27 Vater und Sohn 28 Die Witwe am Bette ihres Sohnes 29 Balance der Welt 31 Der Feind 32 Eine alte Frau geht 33 Nacht-Fragment 35 Das erkaltende Herz 36 Der gttliche Portier 37 Ein Lebens-Lied 38 Ein Anderes 40 Amore 41 Ich bin ja noch ein Kind 42 Aus: _Einander_ Lcheln Atmen Schreiten 48 Das Jenseits 50 Warum mein Gott 51 Die Tugend 53 Veni creator spiritus 54 Abschied 56 Der Erkennende 57 Romanze einer Schlange 58 Tempel-Traum 60 Ein Abendgesang 62 Mondlied eines Mdchens 63 Eines alten Lehrers Stimme im Traum 65 Zwiegesprch an der Mauer des Paradieses 67 Luzifers Abendlied 70 Held und Heiliger 72 Alte Dienstboten 75 Jesus und der ser-Weg 77 _Neue Gedichte_ An den Richter 82 Gebet um Reinheit 85 Einem Denker 88 Ballade von Wahn und Tod 92 Der Tempel 96 Die heilige Elisabeth 100 Der Ruf 102 Vergessen 103 Mdigkeit 104 Schrei 105 Der Dichter 106 Kurt Wolff Verlag, Leipzig Von _Franz Werfel_ sind erschienen: _Der Weltfreund._ Gedichte. _Wir sind._ Neue Gedichte. _Einander._ Oden, Lieder, Gestalten. _Die Troerinnen des Euripides._ In deutscher Bearbeitung von Franz Werfel. Geheftet je M 2.50, gebunden in Halbleder M 4.50, in Pappband M 3.50. _Die Versuchung._ Ein Gesprch. Geheftet M -.80; gebunden M 1.50. End of Project Gutenberg's Gesnge aus den drei Reichen, by Franz Werfel License: Share Alike