Produced by Chuck Greif, Mrs. L. Buchsbaum and the Online Distributed Proofreading Team at http://www.pgdp.net Gebete fr Israeliten zum Gebrauche beim Gottesdienste, im Hause und auf dem Friedhofe von Prof. Dr. A. A. Wolff, Oberrabbiner in Kopenhagen. R. v. D. Fnfte vermehrte und verbesserte Auflage. Frankfurt a. M. Verlag von J. Kauffmann. 1908. Druck von M. Lehrberger & Co., Rdelheim. * * * * * Inhaltsverzeichnis. Zu Hause ehe man ins Gotteshaus geht Nach dem Eintritt ins Gotteshaus Desgleichen I. Gebete nach den vorgeschriebenen tglichen Gebeten zu lesen Allgemeines Morgengebet Allgemeines Abendgebet II. Gebete fr jeden Tag der Woche Am Sonntag. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 3.-4. Abendgebet Am Montag. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 6.-8. Abendgebet Am Dienstag. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 9.-13. Abendgebet Am Mittwoch. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 14.-19. Abendgebet Seite Am Donnerstag. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 20.-23. Abendgebet Am Freitag. Morgengebet Betrachtung ber 1. B. M. 1, 24.-31. Abendgebet Am Sonnabend. Am Sabbat-Morgen Beim Ausheben der Thora am Sabbat Bei der Verkndigung des Neumondes Ein anderes Gebet bei der Verkndigung des Neumondes Am Sabbat-Nachmittag Am Neumondstage Am Sabbat-Abend III. Gebete an den Feiertagen Abendgebet an den drei Festen: Peach, Schabuoth (Wochen-) und Succoth (Laubhttenfest) Morgengebet fr den ersten und zweiten Tag des Peachfestes Ein anderes Gebet fr den Peachmorgen Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Peachfestes Morgengebet am Wochenfeste Am Neujahrsfest. Am Vorabend des Festes Am Neujahrstag Beim Schofarblasen Am groen Vershnungsfeste. Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre) Zum Morgengottesdienst (Schacharis) Beim Mittagsgebet (Mussaph) Beim Nachmittagsgebet (Mincha) Zum Schlugebet (Nelah) Am Laubhttenfest (Succoth) Desgleichen als Erntefest Am Schlufeste (Schemini Azeres) Am Freudenfeste ber die Thora (Simchas Thora) Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest) Am Purimfest Am Tage der Zerstrung des Tempels (Tischoh b'ab) Schlugebet beim Gottesdienste (Olenu) Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlicher oder die Festlichter anzndet IV. Gelegenheitsgebete Am Geburtstage Am Verlobungstage Am Hochzeitstage In einer glcklichen Ehe, jhrlich am Hochzeitstage In einer kinderlosen Ehe In der Schwangerschaft Vor der Niederkunft Nach der Niederkunft Bei der Beschneidung Eine Whnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus Ebenso nach der Geburt eines totgeborenen Kindes Eine Ehegattin Eine Tochter fr die Eltern Im Witwenstande Eine Waise Im Alter Bei der Fortreise von der Heimat Fr einen Abwesenden, der auf der Reise ist Zusatz fr ein Kind, das auf der Reise ist Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst Gebete in Krankheit Eine Kranke In bedenklicher Krankheit Desgleichen in Bibelversen Vor einer gefhrlichen Operation Frbitte fr einen Kranken Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine kranke Mutter Dankgebet nach berstandener Krankheit Gebet in einem Krankheitsfalle (Nach dem Hebrischen) Gebet fr einen andern Kranken Gebete whrend einer ansteckenden Krankheit Bei Ausbreitung der Krankheit Gebet um Mut Trstung Ergebenheit in Gottes Willen Gebet um das Morgen und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu beschlieen Desgleichen Gebete auf dem Friedhofe ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten Am Jahrestage des Todes eines der Eltern Desgleichen Am Grabe des Vaters am Jahrestage " " der Mutter " " " " eines Kindes " " des Mannes " " eines gefallenen Vaterlandsverteidigers " " " Verwandten Am Ereb Rsch Haschonoh Dankgebet bei Vollendung eines Werkes Anhang. Esehu Mekmon (Betrachtung ber die Opfer) Bame Madlikin (Freitagabendbetrachtung) Pittum hak'tres (Betrachtung zum Mussaphgebet) Zu Hause, ehe man ins Gotteshaus geht. Israel! bereite dich vor, vor deinen Gott zu treten.(Amos 4, 12.) Es drstet meine Seele nach dir, o Gott, nach dir, dem lebendigen Gott, und ich will eilen nach deinem Heiligtume, wo dein Name angebetet wird, wo deine Gemeinde sich versammelt, um dich anzurufen, dir zu danken, dich zu loben und dich zu preisen. O! bereits auf dem Wege dahin lutere du meinen Sinn, heilige du meinen Geist, und znde du in meiner Brust die Andachtsflamme an, die mich und meine Brder an der heiligen, dir geweihten Sttte durchglhen soll. Denn wohl wei ich, da du, den die Himmel und aller Himmel Himmel nicht umfassen, nicht in dem Hause wohnest, das von Menschenhnden erbaut worden, da du, dessen Herrlichkeit Himmel und Erde erfllt, mir berall nahe bist, wo ich auch sein mag; wohl wei ich, da das fromme Gebet, welches meine Seele in meiner Einsamkeit stillen Kammer zu dir empor sendet, auch Gnade und Erhrung vor dir findet, aber auch dies wei ich, da der Geist des wahren Gebets, der nicht persnliches Wohl, sondern das Wohl und Heil aller sucht, der nicht blo das Glck und die Wohlfahrt der Erde, sondern auch das Nahen des himmlischen Reiches erfleht, der nichts begehrt, nichts fordert, sondern nur im Glauben und in der Erkenntnis sein Hchstes findet und sein treues Bekenntnis dieses Glaubens vor aller Welt ablegen mchte;--ich wei, da dieser Geist des wahren Gebets mir fehlen wrde, so dessen Flamme, die zuerst in der Mitte der Gottesgemeinde angefacht wurde, nicht auch in ihr stets Nahrung fnde. Was ich glaube, und um was ich bete, und wonach mein Herz sich sehnt, soll ja nicht in meinem Innern verborgen bleiben, es soll ja auch als ein freudiges Zeugnis auf meinen Lippen hervortreten und vor der Welt, so wie vor anderen Glaubensbrdern von mir als meines Lebens Schild und als ein kstlicher Schatz gepriesen werden. Ach, sind ja leider so viele, welche in Leichtsinn hinleben, so da sie die Bande lsen, die sie mit der Gemeinde innigst verbinden sollten, und welche jedes Kennzeichen auslschen, das sie an ihren vterlichen Glauben erinnern knnte; aber desto mehr will ich die Sttte aufsuchen, wo Israeliten sich sammeln, um dich in jdischer Weise zu verehren. Schon dies, da mein Gang nach dem Bethause gerichtet ist, schon dies soll ein Zeugnis sein, das ich vor der Welt ablege, da ich zu dieser heiligen Gemeinschaft gehre, und da ich ber den Spott und Hohn erhaben bin, womit jene, die sich die Weisen der Welt nennen, auf diejenigen sehen, die dich, o Ewiger, nach ihrer Vter Weise verehren. Und wie sehr wird nicht meine Andacht, meine fromme Sehnsucht durch den Gedanken erhht: Ich stehe nicht allein mit meinem Gebet vor dir, stehe nicht allein mit der Glaubensschar, die sich da versammelt, sondern stehe mit dieser als ein Glied der ganzen Gemeinde Israels da; denn wunderbar hast du, o Herr, es so gefgt, da meine Glaubensgenossen fast berall, in heier wie in kalter Zone, da, wo ihnen die Sonne der Freiheit zulchelt, wie dort, wo sie unter Druck seufzen, da sie fast berall sich doch vor dir zur selbigen Zeit und Stunde sammeln und dieselben bedeutungsvollen, Vertrauen und Demut atmenden Worte ihren Lippen entstrmen lassen, so da ein Laut in gemeinsamer Andacht und Seelenerhebung zu deinem Thron von dem ganzen jdischen Volke emporsteigt. Nein, nicht allein stehe ich da; denn unzhlige der hingeschwundenen Geschlechter erheben sich gleichsam vor meinem andchtigen Blick von ihren Ruhesttten, sowohl die, welche in unterirdischen Hhlen, als die, welche unter klarem Himmelszelte auf ihren Wanderungen dieselben Gebete gebetet, ja mit diesen auf den Lippen ihr Leben aushauchten, indem sie den Mrtyrertod erlitten;--mit allen diesen fhle ich mich vereint, indem ich die Worte ausspreche, die prophetische Zungen verkndigt, die heilige, von deinem Geist beseelte Snger gesungen, und die so viele Zeitalter hindurch uns unter so mannigfaltigen Versuchungen und Prfungen die Reinheit unserer heiligen Lehre, sowie die Einfalt und Eintracht im Glauben in unsrer Mitte bewahrt haben.--O, so leite du denn meine Schritte, wenn ich in dein Haus wandere, so strke du meinen Geist, da er dort von solchen Vorstzen erfllt werde, solche Eindrcke empfange und bewahre, da nie das innige Verlangen, dein Haus aufzusuchen, von mir weiche, und auch nicht die berzeugung und Gewiheit mir verloren gehe, da du an solch gemeinsamer Anbetung Wohlgefallen habest. Strke du mich, o Gott, auf da mein Glaube dem gleiche, der den Vater der Glubigen beseelte, als er sein Opfer dir brachte, und gib mir Kraft, da ich, wie er die Raubvgel,[1] die trben Zweifel, die verkehrten Einwendungen verscheuche, wenn sie meine Andacht mir rauben wollen; la darum mein Auge dort in deinem Hause nur auf das achten, was mich erheben und zur Andacht stimmen kann. La mich erkennen, da du uns nach unserm Herzen und unsern Gesinnungen richtest, auf da Frmmigkeit mich leite, Andacht mich entflamme, und meine Schritte dir wohlgefallen, wenn ich in zahlreicher Versammlung dich anbete;[2] ja sende mir, Vater im Himmel, dein Licht und deine Wahrheit, da sie mich fhren und leiten nach deinem heiligen Berge und zu deiner Wohnung.[3] Amen! [Funote 1: Buch Mosis 15.] [Funote 2: Ps. 26, 12.] [Funote 3: Ps. 43.] Nach dem Eintritt ins Gotteshaus. 2. Wie berwltigt werde ich von Gefhlen des Dankes und der Ehrfurcht, indem ich an dieser Sttte weile, Gefhle des Dankes, da du, o Gott, es dem Sohne des Staubes gestattest, sich zu dir zu erheben, da du in deiner Liebe ihn selbst dazu aufgefordert dein Antlitz zu suchen, da du uns eine Sttte gegeben hast, wo du deine Herrlichkeit unter uns thronen lassen willst.--O Unendlicher, welche Ehrfurcht durchbebet mich, da ich, ein Kind des Staubes, Zutritt zu deinem Hause habe und mich dir, dem Allheiligen, nhern kann, da ich vor dich alles bringen darf, was mein Herz beschwert, zu dir fr mein Wohl und das Wohl der Meinen, fr die Glubigen und mit ihnen, ja fr die ganze Menschheit beten kann! So hast du in deiner Gte uns gesegnet und uns erhoben. O, la mich dieser deiner Gnade nimmer vergessen und la mich whrend meines Betens stets eingedenk sein, vor wem ich stehe, auf da du mich wrdig findest, ein Trger deines Geistes zu sein. Entferne du von mir jeden fremden und unseligen Gedanken, da weder die Lust der Welt noch ihr Schmerz den reinen Aufschwung der Seele hindere. O, da alle, die mit mir hier versammelt sind, voll Demut dich in einem Geiste anbeten, und wir so eine echt israelitische, heilige Brudergemeinde bilden mchten, ber welche du selbst den Geist des Gebetes und der Gnade ausgegossen! Amen! Ein anderes Gebet. 3. So hast du, mein Gott, mich gestrkt und gewrdigt, dein Haus zu betreten, wo alles mir verkndigt:Hier ist die Pforte des Herrn, Gerechte treten da ein;[4] o, da ich zu diesen mich zhlen drfte! Ach, da dein Himmel mir offen stnde, wenn ich aus ganzer Seele dich im Gebete suche! O, gewhre mir Verzeihung, da ich rein werde, erschaffe in mir ein reines Herz, verjnge ein festes Gemt in meinem Innern, auf da jedes Wort, das ber meine Lippen geht, mich in heilige Gemeinschaft mit dir bringe! Erhebe mich ber die Lust und den Schmerz der Welt, befreie mich von jeder Sorge und jedem Kummer, auf da ich mich in dir und mit dir fhle, glckselig wie die Geister des Himmels in deiner Anbetung, und auf da ich es mit ganzer Seele empfinde, wie kstlich deine Huld den Menschenkindern ist, die im Schatten deiner Fittige sich bergen, auf da ich an deines Hauses Segen mich labe und an dem Strome deiner Gnade mich erquicke.[5] La mich auch diesen Segen mit hinaus aus diesem Hause nehmen, da ich berall deine heilige Nhe fhle und berall dir zum Wohlgefallen lebe! Amen! [Funote 4: Ps. 118, 20.] [Funote 5: Ps. 36, 8. 9.] I. Gebete nach den vorgeschriebenen tglichen Gebeten zu lesen. Allgemeines Morgengebet. Dein, o Herr, ist der Tag. (Ps. 74, 16.) 4. Alliebender Vater im Himmel! Wie kann ich dir genug fr all deine Gte danken, die du mit jedem Morgen mir erneuerst. Deine Gnade hat ber mich wiederum diese Nacht gewacht und mir in erquickendem Schlafe neue Kraft und Strke geschenkt! Whrend viele sie in Kummer und Unruhe haben zubringen mssen, hast du ber mich und die Meinigen gewacht! Gesund und froh gre ich wiederum diese Morgenstunde und freue mich des Anblicks meiner Teuren und Lieben. O, ich bin zu gering fr all die Gnade und fr all die Treue, die du mir erweisest, und doch drngt es mich, dich anzuflehen, da du auch heute mir deine Gnade und deinen Beistand schenkest. La auch diesen Tag mir Segen bringen und mich zu dir fhren. Dir seien meine Gedanken alle geheiligt, in deinem Namen werde mein Tagewerk durchgefhrt! Leite du mich mit deiner Hand, auf da ich nicht strauchle und von deinen gttlichen Geboten nicht weiche, da ich mit Gewissenhaftigkeit die Pflichten meines Berufes be und stets eingedenk sei, da du einst mich zur Rechenschaft ziehen wirst fr jegliche Stunde, die versumt worden. Lutere du darum mein Herz und breite ber meine Seele den stillen Frieden aus, auf da ich der Kmpfe nicht achte, die du uns in unserem Berufe auferlegst, und nicht ermatte unter den Mhen und Beschwerden, die mit diesem verbunden sind! Erneuere stets die Liebe zu dir in meinem Innern, auf da ich dich suche und dir diene mit allen meinen Krften! La mich unter meinen Mitmenschen mit einem liebenden Sinn wandeln, der niemanden beleidigt und der zum Verzeihen bereit ist, so da ich sanftmtig und vershnlich gegen jedermann sei, dem ich heute begegne! Gedenk, o Gott, da ich Staub bin, und la mich frei sein von schweren Prfungen. So du aber in deiner Weisheit es fr gut findest, solche ber mich zu verhngen, dann halte du mich aufrecht mit deiner Rechten, und leite du mich mit deinem Rate, auf da ich nicht wanke und nicht verzage.Gott, mein Gott, leite meine Schritte nach deinem Worte, sei mein Schild, meine Zuflucht den ganzen Tag; Lob und Preis dir in aller Ewigkeit![6] Amen! Allgemeines Abendgebet. Dein, o Herr, ist auch die Nacht. (Ps. 74, 16.) 5. Mein Gott! der Tag ist dahin; ich suche Erholung nach der Arbeit desselben, und bevor ich mich den Armen des Schlafes bergebe, fhrt mir die Stille der Nacht noch einmal alles vor die Seele, was ich heute gesehen und erlebt, alles, was ich heute getan und vollbracht habe. Ach! wie knnt' ich dir fr die vielen Wohltaten genugsam danken, die du heute wiederum mir und allen denen, die mir lieb und teuer sind, erwiesen hast. Du hast nicht nur ber meine Schritte gewacht, vor Gefahren mich beschirmt, zu meinem Werke mich gestrkt, und mit allem mich gesegnet, dessen ich bedarf, sondern du hast auch mit so mancher Gabe mich erfreut, mit so mancher Freude mich erquickt; aber auch selbst durch das, was mir fr einen Augenblick Kummer und Schmerz verursachte, hast du mich zu dir hingezogen und mich innerlich glckselig gemacht. O! wie demtiget es mich, wenn ich alles dessen gedenke und dann vor meiner Seele alles das vorberziehen lasse, was ich heute gedacht und getan. Wie oft habe ich nicht dein vergessen, wie oft wurde ich nicht von sndiger Lust erfllt, fr die meine Seele keinen Raum gehabt, wenn der Gedanke, da du allgegenwrtig seiest, und da du mein Inneres erforschest, mich ganz erfllt htte; ach, und wie wenig geben die Werke, die ich vollfhrt, wohl Zeugnis davon, da ich von Liebe zu dir beseelt bin, die mich eifrig und treu in meinem Berufe, unverdrossen und liebevoll gegen meinen Nchsten htte machen sollen. O, reuevoll schaue ich auf den verflossenen Tag zurck, und mit aufrichtiger Bue flehe ich um deine vterliche Vergebung. Ich will daher selbst, ehe mein Auge sich zum Schlafe schliet, allen denen vergeben, die mir zuwider gehandelt, und mich zu krnken und zu verletzen gesucht haben. Nimm du mich in deinen gndigen Schutz, schenke mir und den Meinigen nchtliche Ruhe, da wir durch einen ungestrten und erquickenden Schlaf fr den kommenden Tag gestrkt werden, der dir durch einen gerechten und frommen Wandel geheiligt sein mge! Ja, la die Nacht ihren erquickenden Schatten ber alle ausbreiten, da der Mde und Bekmmerte Kraft und Trost und der Gekrnkte und Leidende Beruhigung und Strkung in dem Segen des Schlafes finde; und jedem, der auf dem Schmerzenslager sthnend klagt, der in Krankheit oder Bekmmernis ngstlich fragt:Ist wohl die Nacht bald vorbei?[7] dem fhre lindernde Hoffnung, Geduld und inniges Vertrauen auf dich zu, auf dich, fr den die Nacht leuchtet gleich dem Tage! Bewahre mich vor Gefahr und Unglck und la mich nach der Erquickung der Nacht mit dem innigen Verlangen, dir zu dienen, erwachen!In deine Hand befehle ich meinen Geist, du beschirmst mich, wahrhafter und gndiger Gott![8] Amen! [Funote 6: Ps. 25, 5.] [Funote 7: Jes. 21, 11.] [Funote 8: Ps. 139, 12.] II. Gebete fr jeden Tag der Woche. Am Sonntage. Morgengebet. 6. Eine neue Woche hast du, o gnadenvoller Vater, fr mich erscheinen lassen, und eine neue Zeit schenkst du mir wieder, um fr mein Wohl zu leben und zu wirken. O, so beseele mich denn mit Ernst und Freudigkeit, auf da ich das Werk vollfhre, das du mir angewiesen. La mich die neue Woche damit beginnen, da ich die heiligen Vorstze ausfhre, die ich gestern gefat habe, la es mir trotz meiner Schwche gelingen, durch meine Frsorge und Arbeit das Wohl meiner Brder zu frdern und zum Wohle der menschlichen Gesellschaft mitzuwirken. Verleihe mir vor allem deinen Beistand, da ich denen ein gutes Beispiel gebe, in deren Mitte ich wirke; strke mich, da ich auf reinen Wandel achte, jedes meiner Worte wohl bedenke und auf jede meiner Handlungen wohl aufmerksam sei, und in der Freude wie im Schmerze mich als ein gottesfrchtiges und gottergebenes Kind zeige, das stets deinen Willen zu erfllen sucht. Stehe mir zur Seite bei den Mhen und Arbeiten dieser Woche, da die Mhsal des Tages mir zum Segen werde, und die Freuden, die du mir bereitest, mich unaufhrlich erinnern an den Dank, den ich dir schulde. Strke mich, da ich die Widerwrtigkeiten und Unannehmlichkeiten duldend ertrage und selbst denen mich liebevoll erweise, die mich in dieser Woche zu betrben suchen. Lehre mich deine Weisheit anbeten und deine Gte auch in der schmerzlichen Stunde preisen, die dein Wille mir auferlegen sollte, und jede glckliche, freudenreiche Stunde im Irdischen erinnere mich an die Ewigkeit, der ich entgegengehe. Herr!la mit jedem Morgen mich deine Gnade erfahren; denn auf dich hoffe ich; tue mir den Weg kund, den ich zu wandern habe, denn es sehnt sich mein Herz nach dir![9] Amen. [Funote 9: Ps. 143, 8.] Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 3-4. 7. Allmchtiger, allweiser Schpfer! Am ersten Schpfungstage nhert sich meine Seele dir und danket dir, da du die Finsternis hast schwinden lassen und wiederum, wie einst, da du ber die leblose Natur das: Werde Licht! riefst, mich von deinem Licht umstrahlt sein lt, das allem um mich her Kraft spendet und Reiz verleiht. Ach Herr, mein Gott! du, der du so unendlich bist, der du dich hllest in Licht wie in ein Gewand (Ps. 104), zerstreue du die Finsternis, die noch ber so viele ausgebreitet ist, auf da das Licht der Liebe die Herzen aller Lebenden erleuchte und erwrme! Hilf du mir, da ich den Weg des Lichtes wandre, da kein trber Zweifel meine Seele umschleiere, keine Versuchung mich auf die dunkle Bahn des Lasters fhre. La deine Gnade und Huld mir und den Meinigen zu teil werden, auf da wir unser tgliches Brot finden und es in Freuden genieen. Erleuchte mich mit deinem Lichte und deiner Wahrheit, da sie mich leiten, dich zu suchen, dir zu dienen mit allem, was ich in dieser Woche vornehme, da keiner meiner Gedanken und keine meiner Taten das Licht des Tages zu scheuen ntig habe. Verschone mich und die Meinigen von groen Sorgen, die den Sinn beschweren, ihn niederdrcken und irre leiten. Und so zuweilen die Aussichten trbe sind, und Angst mein Herz beschleicht, dann la mich eingedenk sein, da du gndig und barmherzig bist, und da den Frommen ein Licht in der Finsternis aufstrahlt (Ps. 112); la mich eingedenk sein, da wir hienieden nicht das volle Licht schauen knnen, da es aber in der Ewigkeit herrlich fr diejenigen strahlen wird, die dich in Wahrheit anbeten. So nimm mich denn in deinen Schutz, und mge all mein Streben in dieser Woche dazu beitragen, da ich einst wrdig werde, dieses Licht zu schauen,--sei mir gndig, segne mich und la das Licht deines Antlitzes mir leuchten![10] Amen! Abendgebet. 8. Wiederum habe ich einen Tag verlebt, an welchem du mir so viele Beweise deiner vterlichen Frsorge und deiner rettenden Gnade gegeben, da ich tief fhle, was ich dir schulde, und es tief erkenne, wie wenig ich so viel Gte verdient habe. O! mein Gott, gehe nicht ins Gericht mit mir; denn vor dir ist kein Lebender gerecht, sondern vergib in deiner Langmut und Barmherzigkeit meine Snden, meine Vergehen und Irrtmer, die ich mir im Laufe des Tages habe zu schulden kommen lassen. Erhre meine Seufzer, die ich in Demut emporsende, auf da ich getrost mich zur Ruhe legen, und nun zur Zeit, wo aller menschliche Beistand schlummert, auf deinen Schutz vertrauen kann. O du, vor dem die Nacht hell ist wie der Tag, sei du mein Beschtzer in jeglicher Gefahr, das Licht meiner Seele in der schaurigen Finsternis, bewahre mich vor den Schrecknissen der Nacht, halte jegliche Krankheit von meinem Lager fern, und la deinen Geist mich beseelen, auch wenn ich schlummere, auf da ich neue Kraft gewinne, um die Kmpfe des Lebens zu bestehen, und gestrkt werde, deinen Willen zu erfllen. Erbarme dich der Menschenkinder und la bald die Nacht vor deinem himmlischen Lichte weichen, das Friede und Liebe auf der ganzen Erde verbreitet; halte deine Hand ber die, die unter dem Dache meines Hauses schlafen, da niemand sndige, niemand strauchle! Dir empfehle ich alle meine Lieben, nahe und ferne, la mich in Frieden schlafen und wohl und gesund wieder erwachen, um dich zu loben und zu preisen, da du warst die Hilfe meines Antlitzes, mein Schild, mein Gott. Amen! [Funote 10: Ps. 67, 2.] Am Montag. Morgengebet. 9. So bin ich denn wieder erwacht, ich rege mich und lebe in dir, du Lebensspender, allgtiger Gott! Ach, mit welch drckenden Gedanken begab ich mich zur Ruhe! Kaum hoffte und erwartete ich, von den mannigfachen Sorgen befreit zu werden, die auf meinem Herzen lasteten und meine Seele so unruhig machten; aber du bereitetest mir einen erquickenden Schlaf, und mit den Schatten der Nacht, die vor dem Lichte des Morgens weichen, war alles, was mich drckte, verschwunden. Nun fhle ich mich wie neu geschaffen und schaue mit Vertrauen auf zu deiner unendlichen Gte, die ber mich wachet. Unschlssig war ich und frchtete den kommenden Tag; aber siehe, es ist als ob du im Laufe der Nacht Entschlossenheit meiner Seele eingegeben httest, da ich mit neuer Lust und freudigem Mute heute wieder an mein Werk gehe. O, mchte doch mein Vertrauen auf dich nie wanken, o, mchte es mich doch auch heute zu meinem Werke begleiten, da ich, was mir auch heute begegne, doch stets eingedenk bleibe und mit ergebenem Sinne erkenne, da du der Herr bist, und da du tuest, was gut in deinen Augen ist! Verleihe mir aber auch die Kraft, in meinem Streben und Wirken wrdig zu bleiben, das Auge zu dir erheben zu drfen, da ich stets auf deine vterliche Hilfe und auf deinen Schutz vertraue, da kein falsches Vertrauen sich in mein Herz schleiche, und da ich nicht durch unermdliches Jagen nach den vergnglichen Dingen, durch Eigennutz, Genusucht oder Eitelkeit das Glck und den Segen verscherze, den du allen denen verheien, die ihre Hoffnung auf dich setzen. So strke mich denn, da ich arbeite, ohne zu ermden, da ich mit dankbarem Sinn jede Freude geniee, die du mir schenktest, und ich zum Segen wirke! La mich nie rgernis und Ansto verursachen, sondern in der Zeit als einen leben, der die Ewigkeit vor Augen hat! O, du ewiger Gott, sei mir gndig, segne und bewahre mich! Ja, ich will nicht verzagen; denn meine Hilfe kommt von dir, der du geschaffen Himmel und Erde. Amen Betrachtung ber 1. B. M. 1, 6-8. 10. Allmchtiger Schpfer, alliebender Gott! Ich danke dir, da du mich wieder den zweiten Wochentag hast schauen lassen den Himmel, der sich noch ber mir wlbt, wie du ihn einst am zweiten Schpfungstage ber die Erde ausgespannt hast. So leuchtete sofort deine Herrlichkeit ber dem Staube, da wir dadurch erinnert wrden, da die Seligkeit des Himmels das Ziel fr den Erdenkampf sei, und in der Ruhe und in dem Frieden, der von dem sichtbaren Himmelsbogen widerstrahlt, spiegelt sich fr den Menschen der selige Friede des unsichtbaren Himmels ab. Bei aller Not und Sorge des Lebens soll der Mensch zum Himmel empor schauen und dort die Trstung und Erquickung suchen, die die Erde nicht zu gewhren vermag, und in den Versuchungen der Welt, in ihrem Kampf und Streit soll er von deinem Himmel Kraft und Freiheit holen. Aber darf auch ich wohl meinen Blick zum Himmel erheben?--O, nur der kann freudig empor in die Hhe sehen, der das tut, was dir wohlgefllig ist! Hab ich dieses getan? War ich stets eingedenk, da ich berall in deinem Heiligtum bin, da berall der Himmel ber mir ausgebreitet ist, der deine Herrlichkeit Tag fr Tag verkndet? Habe ich mich wohl auf Geistesschwingen zum Himmel gehoben, whrend mein Fu zur Erde gestellt war--leuchtete ein Himmel der Liebe aus meinem Auge, wenn ich mit meinen Menschenbrdern verkehrte? O Gott, sei mit mir heute, da ich jede Versuchung besiege, jede sndige Lust bezwinge, und da jeder meiner Gedanken, jedes meiner Worte und jede meiner Taten von der Klarheit des Himmels widerscheine, da mein Wandel dir wohlgefalle, und die Liebe des Himmels mich einst verklre bei dir, du, mein Gott, dessen Huld so erhaben ist, wie der Himmel ber der Erde, du, der du meine Snden vergibst und mich krnest mit Barmherzigkeit und Gnade.[11] Amen! Abendgebet. 11. Wie, o Gott, soll ich dir danken fr alle Wohltaten, die du mir heute erwiesen? O, nicht nur, da du in Gnade deine Hand ber mich gehalten und mich das tgliche Brot fr mich und die Meinigen hast finden lassen--nein, sieh in reichlichem Mae hast du mir dasselbe vergnnt, und vorzglich danke ich dir fr die besondere Trstung und Ermunterung, die mich heute so unerwartet erquickt hat. Ach wie glcklich machte mich nicht der geringste Dank, den ich durch deine Gnade erntete und die Freude, die der eine und andere meiner Mitwanderer hier im Leben, mir, gewi nach deiner gtigen Eingebung, bereitet hat. Nein! ich kann mich nicht in die Arme des Schlafes werfen, ohne dich um Vergebung zu bitten, da ich so oft ber die Brden des Lebens und ber den Undank und die Verkennung der Welt geseufzt habe! Sah ich nicht heute, wie hoch mein Herz sich freute und sich freuen mute bei dem geringsten Dank, bei dem aufmunternden Lohne, den ich zuweilen erntete, und wie solch' selige Augenblicke gerade in Stunden der Ermdung und Erschlaffung eintreten! Und wenn ich noch bedenke die himmlischen Augenblicke, in welchen es mir vergnnt war, die Hnde der Schwachen, die Knie der Wankenden zu strken, wo ich durch deinen Beistand es vermochte, zu trsten und zu beruhigen, durch meine Anerkennung der Wirksamkeit anderer imstande war, sie zu erneuetem Fleie anzuspornen,--o, dann berstrmt mein Herz von Dank und Freude; ich will nicht mehr klagen, ich will jede Stunde recht benutzen, um so meine Mitmenschen zu erfreuen, auf da auch ihre Seelen Ruhe in dir finden. Strke mich hierzu, o mein Gott, dazu empfehle ich meinen Geist deinem Schutze! Amen! [Funote 11: Ps. 103, 3.] Am Dienstag. Morgengebet. 12. Allgtiger Gott! Nimm das Morgenopfer meines Herzens als Dank entgegen fr die neuen Beweise deiner Gnade, die du mir in der verflossenen Nacht gegeben. Ach, wie viele haben diese nicht in Unruhe und Kummer verbracht, und von wie vieler Lager wurde nicht der Schlaf durch Angst und Sorge verscheucht; ich aber wurde verschont, die Meinigen hast du beschirmt! o, wie wenig habe ich doch so viele Gnade verdient! So manchen Morgen erwachte ich nur mit neuen Wnschen und verga es, wie sehr du mich bereits gesegnet, und wie vielen Dank ich dir schulde; doch heute steht deine Gte mir vor Augen, und o, wie glcklich macht mich dieser Gedanke! Ach, wie wenige fhlen doch das Gute, das sie unablssig von deiner Hand empfangen, und wie innig mu ich dir nicht danken, da du durch deine heilige Lehre in mir die Erkenntnis deiner Wohltaten geweckt hast! Und wenn ich ganz von deiner gttlichen Lehre erfllt wre, o wie glcklich wrde ich mich dann noch fhlen, welch ein Born der Freude wrde da unaufhrlich aus derselben fr mich flieen, selbst dann, wenn Kummer und Sorgen mich umgeben, welche Seligkeit wrde ich dann nicht aus jedem Gebote schpfen, das ich erflle! O, du Ewiger! la diesen Tag mich dem groen Ziele nher bringen, dem ich nachstreben soll! Sei mit mir in all meinen Bestrebungen, hilf mir in meiner Schwche, erleuchte mich in meiner Unwissenheit, umgrte mich mit der Kraft des Willens, la meine Seele alles in Klarheit schauen, mein Herz alles Edle und Heilige mit Wrme umfassen! Rste mich aus mit Standhaftigkeit und lege an diesem Tage reichen Segen in meine Arbeit. Bewahre du, Ewiger, meinen Ausgang und meinen Eingang, o, entziehe mir nicht deine Barmherzigkeit, sondern la deine Gnade und Treue mich stets beschirmen! Amen! Betrachtung ber 1. B. M. 1, 9-13. 13. Wie knnte ich wohl am dritten Tage der Woche mein Auge der Herrlichkeit des Tages ffnen, ohne dir fr deine unendliche Gte zu danken, mit welcher du die Erde erfllt hast und sie mit jedem Morgen aufs neue erfllst? An diesem Tage, so lieest du uns in der Schpfungsgeschichte verknden, riefst du Gras, Kruter und Bume hervor, die Frucht und Samen tragen, jegliches nach seiner Art. So hast du, allgtiger Gott, fr jedes lebende Geschpf seinen Bedarf bereitet, bevor es noch ins Dasein gerufen war, so hast du auch an mich gedacht, bevor ich noch das Tageslicht schaute, hast liebevolle Wesen bestellt, die fr mich sorgten, die mich kleideten und ernhrten, mich erzogen und leiteten, und die Erde, sie ist voll deiner Gaben. O, wie knnte ich da verzagen und bekmmert fragen: woher soll ich Brot fr meinen Lebensunterhalt nehmen? O, getrost bete ich zu dir: Gib mir und den Meinigen unser tgliches Brot, da wir nie der Gabe eines Menschen bedrfen, erhalte uns in Gengsamkeit, da wir in bescheidenem und prunklosem Wandel uns glcklich fhlen, jeglicher in seinem Berufe und jeglicher in seinem Stande. Wache ber die Bedrftigen und Notleidenden und gewhre mir die Seligkeit, ihnen wie ein herrlicher Baum zu sein, der Schutz und Erquickung ber sie ausbreitet, ja, la mich wie ein Baum sein, der an den Wasserbchen deines gttlichen Wortes gepflanzt, reiche Frchte trgt, und dessen Bltter nie welken. La, o Herr, mein Streben und Wirken dir wohlgefllig sein und auch meinen Mitmenschen. Mchte mein Sinn von dem Licht aus der Hhe erfllt werden, und meine Rede wie strkende, erquickende Nahrung jedem sein, der darauf hrt.--O, du, der du nie den Gerechten verlt und es ihm nie an Brot mangeln lt, erhre mich und la mich heute stark im Guten sein, errette mich von jeglicher Snde, auf da du auch ber mein Werk heute wie bei der Schpfung sagen knntest: es war gut,[12] gut fr das zeitliche und gut fr das ewige Leben. Amen! [Funote 12: Buch Moses 1, 12] Abendgebet. 14. Der Tag ist dahin gegangen, o, so schnell, so sehr schnell bei Arbeit und Freude und unter deinem beschirmenden Segen, allbarmherziger Gott und Vater! Und nun, da mein Tagewerk zu Ende ist, so kommt mir so vieles in den Sinn, was ich vornehmen wollte, aber zu tun vergessen, vieles, mit dem ich mich beschftigt habe, aber nicht auf die rechte Weise, so manches Wort, das ich gesprochen, das ich entweder lieber gar nicht ausgesprochen haben mchte, oder doch nicht so, wie ich es getan, mancher Mensch, dem ich begegnet, aber ohne darauf zu achten, wie ntzlich er fr mich und ich fr ihn htte sein knnen. Ach ich mu gestehen, wenn ich auch nur an eitlen Gewinn und eitle Lust denken wollte:--knnte ich meinen Tag aufs neue beginnen, so wrde ich meine Zeit anders einteilen, so wrde ich ganz anders mich verhalten; vieles, was geschehen, wrde ich ungetan lassen, vieles, was unterlassen ist, wrde ich zur Ausfhrung bringen--und wie viel mehr erst, wenn ich an das Werk meines Seelenheils denke. O, mu ich nicht frchten, da es einst, wenn mein ganzer Lebenstag dahingeschwunden ist, fr mich so sein wird, wie in dieser Stunde, mu ich nicht, weil es noch Zeit ist, bestrebt sein, da mein Lebenstag nicht vergeudet werde? Darum nhere ich mich dir, mein Gott, mit dem Gebete:tue mir kund den Weg, den ich gehen soll, lehre mich nach deinem Willen handeln, dein gtiger Geist fhre mich Tag und Nacht auf die rechte Bahn![13] La mich auch in dieser Nacht deine Gte erfahren, bewache, erquicke und segne sowohl mich, als alle die Meinigen, und la die Ruhe der Nacht aufs neue mir Kraft schenken, um gegen alles zu kmpfen, was im Streite ist mit der hohen Bestimmung meines Daseins, mit dem Werk, das ich zu vollfhren habe.Herr! dein will ich gedenken, wenn ich auf meinem Lager liege, ber dich sinne ich in den Nachtwachen, meine Seele hngt an dir, deine Rechte untersttzt mich. Amen! [Funote 13: Ps. 143, 8. 9.] Am Mittwoch. Morgengebet. 15.Wenn ich auf meinem Lager bin, so denke ich an dich, o Gott, und wenn ich erwache, spreche ich von dir, denn du bist mir eine Hilfe, und im Schatten deiner Flgel fhle ich mich so sicher,[14] frh suche ich darum dich, und meine Seele drstet nach dir, mein Gott. Ach, mchte doch meine Seele dir anhngen, und mchte deine Rechte mich untersttzen den ganzen Tag und mich leiten und aufrecht halten, wo ich auch wandre, und mit wem ich auch verkehre. Ich mchte so gern mit Milde und Sanftmut unter meinen Brdern wandern, aber feindlich Gesinnte, Haerfllte, Lieblose, denen ich begegne, knnten so leicht meinen Zorn aufflammen lassen; ich mchte so gerne einen innigen, festen Glauben an den Tag legen, aber Leichtsinnige und Gleichgltige knnten meinen Eifer khlen, und Scheinheilige all meinem frommen Streben in den Weg treten; es wird so schwer, die heilige Flamme auf dem Altar des Herzens vom Morgen bis zum Abend rein und jedes fremde Feuer fern zu halten; es wird so schwer, einen schuldfreien und heitern Sinn zu bewahren; die Freuden, die deine Gte uns bereitet, so zu genieen, da keine sndhafte Neigung oder Lust in die Seele dringe, und da diejenigen, welche auf uns sehen, nicht in ihrem Urteile ber uns irre geleitet werden; es ist so schwer, Freundlichkeit und Ernst, Nachsicht und Duldung mit unerschtterlicher Festigkeit im Glauben zu vereinen. Wie leicht artet nicht ein freundlicher, nachgiebiger Sinn zu einer eitlen Lust aus, den Menschen zu gefallen! Wenn ich den Beifall der Welt ernte, so macht es mich so hochmtig und stolz, und weniger vermag ich ihre Klte, ihren Spott oder ihre Geringschtzung zu ertragen, sie erbittert meinen Geist und lhmt meine Kraft, und doch soll ich im Kampfe nicht schwanken und nicht verzagen. Sieh! darum bitte ich: Herr, lehre mich deine Wege erkennen und leite mich auf die rechten Pfade, nicht nur meiner selbst wegen, sondern auch derentwegen, die auf mich schauen, und mit denen ich heute verkehre, ja meiner Freunde und Verwandten und meiner Hausgenossen wegen. Mchte ich in der Freude sowohl als im Schmerze, den du in deiner Weisheit mir zusendest, mich als echter Israelit bewhren, der dein gttliches Gebot in seinem Herzen trgt, da all mein Wirken auf Erden ein himmlisches Geprge an sich trage und Zeugnis gebe von meinem Streben, an deinem Reiche zu bauen. La einen freundlichen himmlischen Strahl sowohl meine Lust als meine Arbeit beleuchten, la den Tau des Himmels auch bei der Mhe und Hitze des Tages mich erquicken, in dem Kampfe des Lebens mich strken und zu jeglicher Zeit mein Herz erfreuen! O, so verla mich nicht, mein Gott, sondern segne mich und die Meinen heute, la mich nicht verzagen, wenn du mich vterlich zchtigest; sondern lege in meine Seele das rechte kindliche Vertrauen zu dir, und gib, da mein Wandel der Lobgesang wird, womit ich unablssig dich preise. Amen! [Funote 14: Ps. 63, 7. 8.] Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 14-19. 16. Herr, allweiser, allgtiger Schpfer! Ich danke dir, da du mich diesen vierten Tag der Woche hast erleben lassen, den Tag, der aus der Schpfungszeit Zeugnis gibt von deiner unendlichen Weisheit und Macht, mit welcher du die Gestirne auf ihren Bahnen leitest, die Sonne, den Mond und die zahllosen leuchtenden Welten, da sie mit himmlischem Glanze fr uns leuchten, die Erde erwrmen und befruchten und in den dunklen Nchten Wege auf dem den Meere zeigen, ja da sie uns dienen, um unsere Wanderungstage zu zhlen und unsere festlichen Zeiten zu bestimmen. Sieh, du hast ihnen Ziel und Grenze gesetzt, da sie nicht von ihren Bahnen weichen, sondern jeder Himmelskrper seinem vorgeschriebenen Gesetz folgt und nicht hinein schreitet in den Kreis eines andern; wenn er verschwunden zu sein scheint, so leuchtet er in einer anderen Welt oder beginnt aufs neue seinen Lauf, um deine Herrlichkeit an dem unermelichen Himmelsgewlbe zu verknden. O, mein Gott!wenn ich anschaue den Himmel, deiner Hnde Werk, den Mond und die Sterne, die du geschaffen,--was ist ein Sterblicher, da du sein gedenkst und der Menschensohn, da du auf ihn achtest?[15] Und doch bin ja auch ich von dir bestimmt, ein Glied in der Kette des All zu sein, und auch meiner Bahn hast du Gesetz angeordnet, dem ich folgen soll, und das ich nicht berschreiten darf. Ach, wie oft habe ich gerade den Weg verlassen, der mir vorgezeichnet ward, wie oft unternahm ich nicht gerade das, wozu ich nicht berufen war, und durchkreuzte da die Bahn eines andern und richtete da Verwirrung an, wo ich ber Gottes Ordnung und Gesetz wachen sollte! O! ich will darum zum Himmel empor schauen und zu seinem strahlenden Heere, da ich von ihnen lerne, fr meine Brder zu leuchten, und sie mit der vollen Liebe meines Herzens zu erwrmen; da ich vom Monde lerne, Erquickung, Trost und Friede in trbe und angstvolle Seelen zu bringen, von der Sonne, die fr alle, auch fr die Ungerechten aufgeht, lerne auch Sndern Mitleid zu zeigen und sie auf den rechten Weg zurckzubringen! Aber, o mein Gott! was vermag ich ohne deinen Beistand? Darum bitte ich dich: strke mich in meinem Vorsatz, hilf mir, mnnlich gegen alle Versuchungen zu kmpfen, stehe mir bei, da ich unermdlich in der Erfllung meines Berufes sei! Dein Geist und Wort zerstreue, der Sonne gleich, jede Wolke, die meine Umgebung verdunkeln will! Ja, all mein Tun und Wirken sei so, da ich hoffen darf, einst, wenn ich meinen Lauf hienieden vollendet, einzugehen in das wahre himmlische Licht bei dir in der Ewigkeit. Amen! [Funote 15: Ps. 8, 4. 5.] Abendgebet. 17. Allbarmherziger Vater! Auch diesen Tag habe ich unter deinem Schutz und Segen glcklich zu Ende gebracht und deiner Obhut meine Seele und meinen Leib anempfohlen; ja, in meinem Nachtgebet habe ich, wie es dem Israeliten geziemt, bevor ich mich zur Ruhe begab, mich zu dir zu erheben gesucht. Aber ach, je mehr ich mich selbst durchforschte, desto mehr werde ich innerlich betrbt, indem ich mich des Gedankens nicht erwehren kann, meine Aufgabe nicht erfllt zu haben; denn ich habe das heilige Bekenntnis des Israeliten abgelegt:da du der einzige, ewige Gott bist; aber habe ich auch heute dies in der Tat und in der Wahrheit bewiesen, da es das Bedrfnis meines Herzens war, dir fr alles zu danken, was mich erquickt, und deinen Namen zu preisen, und dich als den Einzigen, Alliebenden anzubeten, bei allem, was mir widerfahren? Und ich habe die Grundlage fr die heiligsten Verpflichtungen meines Lebens ausgesprochen, da ich dich lieben soll mit ganzer Seele, mit ganzem Herzen, mit all meinem Vermgen, aber wie oft hat nicht die Liebe zur Welt mich dich vergessen lassen, und wie wenig war ich bereit, aus Liebe zu dir alles zu opfern? Ja, in unerschtterlicher Liebe zu dir soll ich meinen Nchsten lieben; aber wie schwach glhte doch eine solche Liebesflamme in meinem Innern! Selbst wenn ich mich liebevoll gegen meine Mitmenschen zeigte, war es doch zuweilen eine Scheinliebe und nicht die heilige Flamme, die unaufhrlich auf dem Altar des Herzens brennen soll. Durch mein Wort und mein Beispiel soll ich den Meinigen (meinen Kindern, meinem Hausgesinde, meinen Freunden und meinen Angehrigen) dein Wort einschrfen, aber bald wurde ich durch Eitelkeit und Hochmut irre geleitet, bald verschlo Geiz, Zorn oder Neid das Herz und die Hand; denn das Feuer der Leidenschaft brennt in meiner Brust und betrt meinen Geist. Und wenn ich sehe, wie wenig noch die Welt dich, den Einzigen, kennt und anbetet, und wie wenig Liebe zu dir in der Menschen Brust lebt, wie wenig sie sich in gegenseitiger Liebe uert, ach, da mu ich fast verzagen; ich gedenke meiner Snden und der Schlaf weicht von meinem Lager. Woher, o Gott, soll ich Kraft nehmen, um im Kampfe zu bestehen? Und doch--mein Nachtgebet hat mich ja belehrt, da ein zerknirschtes Herz dir wohlgefllig ist, hat mich auch belehrt, auf wen ich meine Hoffnung setzen soll: Herr, auf dich allein!Du stehst zu meiner Rechten: Wer wie du![16] so barmherzig, du bist meine Strke[17] du bist mein Licht[18] und du bist mein Arzt[19] sowohl fr Leib als Geist; deine Herrlichkeit umschwebt mich. Zuversichtlich spreche ich darum:auf deine Hilfe hoffe ich, ja, ich warte in Geduld auf deine Hilfe und beuge mich in Demut vor dir, o Herr[20], der du ber mich wachen und mich wecken wirst, Amen! [Funote 16: Michael] [Funote 17: Gavriel] [Funote 18: Uriel] Am Donnerstag. Morgengebet. 18. Herr, mein Gott und Vater!Du erneuerst jeden Morgen deine Gte gegen mich, und deine Barmherzigkeit ist unendlich. Darum erhebe ich in der frhen Morgenstunde dankend meine Stimme zu dir, indem ich fhle und erkenne, da deine wachende Vorsehung in den Stunden der Finsternis meinen Geist bewacht und mich aus dem Schlummer der Nacht zu neuem Leben geweckt hat. O! mchte doch auch mein besseres Wesen mit jedem Morgen sich erneuern, und mchte ich bei meinem Tagewerk nie verzagen, sondern es vollenden, ohne zu ermatten; mchte ich doch jeden Tag mit neuer Lust auf dein gttliches Wort lauschen und aus deiner heiligen Lehre Seligkeit schpfen; mchten doch alle guten Krfte, die du in mich gelegt, jeden Morgen sich erneuern, so da ich nie mde werde, meinem Bruder zu helfen, ihn zu erquicken, zu trsten und zu untersttzen, nie mde werde, Sanftmut und Geduld gegen meine Freunde zu zeigen, und nie aufhre, Gutes denen zu erweisen, die mich hassen, und diejenigen zu segnen, die mir fluchen; mchte doch ein liebevoller Geist jeden Tag in mir erneuert werden, da ich demtig und liebevoll gegen die Armen, mild und nachsichtig gegen meine Diener mich zeige; ja, la mich auch heute aufs neue Kraft gewinnen, um gegen die Snde, meinen rgsten Feind, zu kmpfen! Mge sich stets auch mein kindliches Vertrauen erneuern, mit dem ich meinen Weg deiner vterlichen Frsorge empfehle! O, erhre mich denn, Allgtiger! wenn ich dich bitte, mir die Ausfhrung dieses meines heiligen Vorsatzes zu erleichtern. La keine drckende Sorge mir die Freudigkeit in meinem tglichen Berufe rauben; strke meinen Krper, da meine Seele sich frei zu dir erheben kann;entbiete mir deine Engel, mich zu behten auf meinen Wegen, da mein Fu nicht strauchle; la in jeder zeitlichen Freude sich fr meine Seele die ewige, selige Wonne abspiegeln und la mich froh sein mit den Frohen! Segne, o Gott, Volk und Land, segne alle, die mir lieb und teuer sind! Leite mich nach deinem Rat, und nimm mich einst auf zur ewigen Seligkeit. Amen! [Funote 19: Rephael] [Funote 20: lyshu'atcha (Auf deine Hilfe u. s. w.)] Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 20-23. 19. Mein Gott und Vater! Nimm mit Wohlgefallen meinen kindlichen Dank dafr entgegen, da ich diese Nacht sicher unter deinem Schutz geruht habe und mich wieder umgeben sehe von deinen Wohltaten, von den unzhligen Geschpfen, die du ins Leben gerufen, deren Anblick Ruhe in die gengstigte Seele mir senkt und mein Herz mit Bewunderung erfllt. Heute ist ja der Tag, an dem in der Schpfungszeit das Weltmeer mit einem unzhligen Gewimmel kleiner und groer Tiere sich fllte und die Luft mit dem zahllosen Geflgel, das unter der Wlbung des Himmels fliegt.Alle erwarten ihre Nahrung von dir, und du sttigst sie mit allem Guten.[21] O, wie kann ich da noch frchten, da du mich vergebens um deine guten Gaben vom Himmel beten lassen solltest, wenn ich nur treu arbeite, um sie zu gewinnen! Sieh', wie zahllos und wie mannigfaltig sind nicht die lebendigen Geschpfe des Himmels und des Meeres, und doch bilden sie alle einen groen Einklang, um deine Herrlichkeit zu verknden; ist nicht das geringste bunte Wrmchen eben so wundervoll wie das starke Tier im Walde, und preisen nicht die Millionen Geschpfe im Wassertropfen eben so sehr deine Allmacht und Wahrheit wie der Wallfisch im Meere? O, sollte ich da verstummen und nicht bestndig meinen Lobgesang darbringen, sollte ich nicht durch mein Leben, durch mein Tun deine Herrlichkeit verknden? Ach Herr! segne du mich, da meine Gedanken gelutert werden, und meine Taten dir gefallen. Sieh, der Fisch schwimmt so lebensfroh im Meere, aber, wenn im nchsten Augenblick ein Fischer ihn heraufzieht, da erlischt das Leben, so wei auch ich, da der Fischer stets sein Netz und seine Angel nach den Menschenkindern auswirft, um sie von dir, der Quelle alles Lebens, fort und hin in den Tod zu fhren; ach mchte ich doch der Lockspeise der Welt Widerstand entgegenzusetzen stark genug sein und mich von den lebenden Wassern nhren, die aus deiner himmlischen Lehre strmen! La mich deiner Liebe eingedenk sein, die meine Vter auf Adlerfittigen, getragen, und wenn die Sorge meinen Sinn umwlkt, wenn Leiden mich treffen und Feindschaft mich verfolgt, oder wenn Verfhrungen mich umringen, o, la mich da auf die Vgel des Himmels sehen, die ihre Zeit kennen, und la mich von ihnen lernen, da der Tag kommen wird, wo ich dorthin zurckwandern werde, wo eine wrmere Sonne scheint, und Freude, Wonne und Herrlichkeit weilt bei dir in aller Ewigkeit. Amen! [Funote 21: Ps. 145, 15.] Abendgebet. 20. Durch deinen Beistand, allgtiger Gott, habe ich wiederum meinen Tag zu Ende gebracht, und wie deine Gte mich heute vor jedem Unglck bewahrt hat, so wirst du mir auch Erquickung in meiner nchtlichen Ruhe verleihen. Im Schlaf will ich alle Mhe und Beschwerden, jeden Kummer und jeden Schmerz vergessen. So wird deine ewige Liebe nicht mde, mir Gutes zu erweisen, und doch erkenne ich dies so wenig. Ja, mu ich nicht in dieser Stunde deiner Gte danken, da, whrend du die Stille der Nacht um mich her verbreitest und meinem mden Krper Ruhe schenkst, du auch alles Toben der Leidenschaft und der Angst und Sorge in meiner Brust verstummen lt und meiner Seele Ruhe gibst? O so wehet dein schtzendes Panier in Liebe ber meinem Haupte,[22] und nur im Vertrauen auf diese Liebe wage ich es, dich zu bitten, mir Ruhe und Erholung in dieser Nacht zu schenken. Denn sollte ich Rechenschaft ber das Werk des verschwundenen Tages ablegen, o, dann mte ich ausrufen: Herr! gehe nicht ins Gericht mit mir!--Ach, die Stille auf Erden sagt mir:Du wachest in deiner Wohnung! Je weniger das Irdische meinen Geist zerstreut und meine Gedanken verwirret, desto tiefer fhle ich meinen Abstand von dir, doch ich wei, du gedenkst, da ich Staub bin und erbarmst dich ber mich wie ein liebender Vater, ich wei, da du gern den Seufzer deines reuigen Kindes hrst und das erfllst, was es begehret. O, so verla mich nicht, du Israels Hter, in dieser Nacht. Breite aus das Banner deiner Liebe ber mich (meine Gattin, meine Kinder, meine Eltern u. s. w.); bewahre unsere Stadt vor allen Schrecken, und erquicke mich mit einem ruhigen Schlafe, da ich morgen mit erfrischter Kraft erwache zu deiner Ehre. Nimm auch deinen Geist nicht von mir, und la mich noch lange Zeugnis ablegen, da deine Gnade, o Herr, von Ewigkeit zu Ewigkeit whrt denen, die dich frchten, und deine Huld ihren Kindeskindern. Amen! [Funote 22: Hohelied 2, 4.] Am Freitag. Morgengebet. 21.Preise meine Seele den Herrn und vergi nicht alle seine Wohltaten! so will ich heute, am letzten Arbeitstage der Woche, den Dank meines Herzens vor dir, Alliebender, aussprechen. Denn du hast mich diese Morgenstunde schauen lassen, und die ganze Woche hindurch habe ichs erfahren, da߻du mir am Tage deine Gte entbietest und deine Liebe ber mich des Nachts wacht; ja! ein Tag bezeugt es dem andern, und die Nacht verkndet es der Nacht.--Jede Tat, die mir gelungen, jedes Wort, das mich erfreut, jede Kraft zur Arbeit, die ich in mir gefhlt, und jeder Lohn, den ich empfangen, war ein unverdienter Segen aus deiner Hand, und selbst dann, wenn meine Seele in Sorge, Mimut und in Bekmmernis eingehllt war, wenn ich seufzte ber andere und ber mich selbst klagte, ber Mangel an Kraft in der Stunde der Sorge, die du ber mich verhngt, oder die ich mit meinem trauernden Bruder trug, selbst dann warst du, o Gott! mir ja nahe mit deinem Trost, und ich fhlte deinen Geist, wie er bei mir weilte, und die Nacht mit all ihrer Dunkelheit schien dem hellen Tage gleich fr meine Seele, die von deiner unendlichen Liebe berhrt wurde. O Ewiger! wie soll ich dir fr alles dieses danken, nun da die Woche bald zu Ende ist? Mu nicht das Bewutsein, da ich nicht in deinen Augen gewesen, was ich sein sollte, schwer auf meinem Herzen lasten? Ja, so schnell schwand die Woche hin, eine kurze Spanne Zeit sind meine Tage vor dir, und mein Leben ist wie nichts, so schnell schwand die Woche hin, da ich meine Vergnglichkeit fhlen und die Pilgerzeit auf Erden, die du mir zugemessen, benutzen mu. Ja, Herr, ich setze meine Hoffnung auf dich; befreie mich von all meinen Snden, leite du mich, da ich am letzten Arbeitstage der Woche zu deinem Wohlgefallen lebe, da ich heute demtig ergeben und dankbar gegen dich sei, liebevoll und vershnlich gegen meinen Nchsten mich zeige und mich als treuer und fleiiger Arbeiter in deinem Dienst bewhre, wie es dem ziemet, der nach deinem Namen genannt ist. (5. B. M. 28, 10.) Ja, mchte ich mit Recht noch Jude genannt werden, da das Zepter nicht aus meiner Hand weiche, ich vielmehr Herrschaft ber alle bsen Mchte gewinne, die um mich her ihr Lager aufschlagen, so da die Gleichgltigkeit der Welt mich nicht schlaff und lssig in deinem Dienst mache, und ihr Widerstand oder ihr Spott mich nicht in meinem Glauben erschttern; o, la mich die Woche damit schlieen, da ich den Kampf gegen den Verfhrer in meiner eigenen Brust bestehe, da der Name Israelit, Kmpfer fr das Gttliche, mir mit Recht gegeben sei, und mir seliger Lohn werde, wenn ich vom Kampfplatz der Erde zu ewiger Sabbatruhe im Himmel abgerufen werde. Amen! Betrachtung ber 1. Buch Mosis 1, 24-31. 22. Dir, ewiger Quell des Lebens, dir danke ich am letzten Arbeitstage dieser Woche, da du mich so wunderbar erschaffen, und da du mich bis zu dieser Stunde so treu und sicher bewahrt hast! Dieser Tag war es ja, an dem du in der Schpfungszeit alle lebenden Tiere auf der Erde geschaffen und zuletzt den Menschen, da er herrsche ber die Fische des Meeres und die Vgel des Himmels und alles, was da lebt und sich regt auf Erden. Ja, du hast den Menschen verherrlicht, indem du kund getan, da er nach deinem Bild und dir hnlich geschaffen ist;nur um ein Geringes hast du ihn den Engeln nachgesetzt, und mit Ehre und Wrde hast du ihn gekrnt.[23] Von dir erhielt ich die Kraft des Geistes, mich ber die Vergnglichkeit zu erheben und die Macht, mir die Erde untertnig zu machen, sie zu verschnen und zu verherrlichen, aber auch Macht, um die irdischen Begierden und die wilden Lste des Fleisches in mir zu bezwingen. O, mein Gott, ich kann Herrscher sein ber den rauhen, widerstrebenden Erdboden, ber die wildesten Tiere, die in der Wste rasen, ber die zgellosen, lieblosen Naturen in der Menschenwelt und ber die unbndigen Leidenschaften, die hier in meiner eigenen Brust sich regen! Ja, ich bin in deinem Bilde geschaffen, ich kann denken, glauben und beten und im Geiste mich zu dir emporschwingen; ich kann die Macht der Begierden brechen, mit Liebe jeden widerstrebenden Geist besiegen, mit Selbstverleugnung und Vershnlichkeit jede lieblose Gesinnung bezwingen, und mit Gedanken der Ewigkeit, die in meine Seele--dein Ebenbild--niedergelegt sind, kann ich Ruhe und Frieden in angstvollen Stunden und unter schweren Schicksalen gewinnen.--Aber, o mein Gott! je hher du mich erhhet hast, desto tiefer werde ich gedemtigt, und sehe beschmt auf alles, was ich in der verflossenen Woche getan und gedacht habe. Nicht war ich in meinem Denken, Sprechen und Streben so wie es dem geziemt, der in deinem Bilde geschaffen; ich habe es ausgelscht, so da es kaum noch kenntlich, da kaum noch in mir wahrzunehmen ist, da ich das Meisterwerk deiner Schpfung bin. O, mge dieser Gedanke neue Kraft meinem Geiste verleihen, und sei du selbst mit mir, da ich als Ebenbild des ewigen Vaters aller Geister nicht meinen Sinn auf eitles Streben richte, nicht an den leeren Freuden der Erde hnge und nicht von zeitlichen Bekmmernissen gengstigt werde! Mchte ich mit echter Liebe die heiligen Bande, die mich mit meiner Familie (meinem Gatten, meiner Gattin, meinen Freunden usw.) vereinen, noch fester knpfen, da ich sanftmtig und geduldig unter meinen Mitmenschen wandere. La mich eingedenk sein, da das Leben, wie der heutige Tag, nur eine Vorbereitung zur Sabbatruhe, jener seligen Ruhezeit bei dir, ist, und da daher von mir unermdliche, bestndige Arbeit und Wachsamkeit gefordert wird. Und wenn ich zweifeln sollte, weil ich nicht die Frucht des Fleies und den Segen der frommen Tat schaue, o, dann la mich erkennen, da der Lohn erst nach vollendeter Arbeit genossen werden soll, wenn der Sabbat sich einstellt. O du, der du mich geschaffen hast zu deiner Verherrlichung, hilf du mir auch, da ich dir aufrichtig diene und mein Lebenswerk vollende, und da ich vorwrts schreite von Kraft zu Kraft, bis ich einst gewrdigt werde, zu schauen dein Antlitz in der Ewigkeit. Amen! [Funote 23: Ps. 8, 6.] Abendgebet. 23. Alliebender Vater! Schau wieder auf dein Kind, das seinen Dank stammeln will, da du es diesen heiligen Abend hast erleben und diesen herrlichen Tag hast sehen lassen, der das Ziel der sechs Schpfungstage war, da dein vollendetes Werk von uns geschaut, und deine Allmacht von dem Wesen angebetet werden sollte, das du in deinem Ebenbild geschaffen. Und so der Mensch im Laufe der Woche dieses dein Bild entheiligt hat, suche er an diesem Tage es wieder zu heiligen und Seelenfrieden und Ruhe nach der Anstrengung der Tage zu finden, und hebe seinen Blick vom Staube empor zu dir! O, mein Gott! Wie soll ich alle deine Gte preisen und von deiner Gnade sprechen, die ber mir gewaltet hat? Wer bin ich, und was ist mein Haus, da du mich der Sabbatfeier teilhaftig werden lt, die du zur Heiligung des Menschen eingesetzt hast! O, mchte ich doch mit dem rechten Geist erfllt werden, den heiligen Tag nach deinem Willen zu feiern. Schenke mir und den Meinigen volle Erquickung diese Nacht, da wir sicher ruhen, und da unsre Seele gestrkt werde, die himmlische Wonne zu genieen, die aus dem beseligenden Quell des Sabbats strmt, da unsre Seele Ruhe und Frieden finde in dir, o Gott und Erlser. Amen! Am Sonnabend. Am Sabbat-Morgen. 24. Jeden Morgen fhlte ich den Drang, mich dir, Allgtiger, zu nhern, mit jedem neu erscheinenden Tage habe ich dir mein Dankopfer dargebracht;--und je mehr ich dadurch zu einem Leben in dir und mit dir geheiligt worden, je mehr ich dadurch gelernt, mitten unter den tglichen Arbeiten mich festlich gestimmt zu fhlen, desto mehr wird mein Inneres auch in dieser heiligen Morgenstunde zu dir emporgehoben. Ja, wenn ich alle Tage der Woche den Dank meines Herzens ausgesprochen fr die zeitlichen Gter, die du mir schenktest, um wie viel mehr mu ich diesen an diesem Tag verknden, den du zum Heil und zur Heiligung unseres Geistes bestimmt und zur Erinnerung deines Namens eingesetzt hast, und den du dadurch geheiligt, da du ihn ein Bundeszeichen nanntest zwischen dir, dem Unendlichen, und Israel, deinem treuen Diener. An diesem Tage kann und soll ich jegliches Erdenjoch von mir werfen, von jeder drckenden Last dieser Welt mich befreien und ber jeglichen Kummer und Schmerz des Lebens mich erheben; an diesem Tag soll alles in mir von hherer Freude erfllt sein, und alles um mich her himmlische Wonne atmen, ja in Wahrheit ein seliger Tag! Dazu hast du uns ja deine heilige Lehre (Thora) gegeben, da wir darin an diesem Tage lesen und forschen, damit wir in Gotteserkenntnis wachsen und in allen guten Gesinnungen gestrkt werden, damit wir das Leben in dir erneuern und in deiner Wahrheit beharren. O, so verleihe mir deine Gnade und bewahre mich vor vorstzlicher und unvorstzlicher Entweihung dieses Tages, la deinen Geist auf mir ruhen, auf da ich all die Herrlichkeit deiner gttlichen Lehre schaue und begreife, und strke mich, da ich den Sabbat auf die rechte Weise feiere und auch im Herzen meines Bruders rechten Sabbatsinn erwecke!--Ich will in meinem eignen Hause unter meinen Hausgenossen zeigen, da ich das himmlische Kleinod zu schtzen wei, welches ich im Sabbat besitze, auf da sie sehen, wie glcklich und froh es mich macht. Und diesen Sinn will ich in der andchtigen Versammlung der Gemeinde zu strken suchen, wo dein Name fr die Herrlichkeit dieses Tages gepriesen wird. O Ewiger, la diesen Tag um mich her Frieden und Freude ausbreiten; la ihn jeglichem Kranken Erquickung und allen Betrbten Trost bringen, la ihn die Irrenden auf den Pfad der Seligkeit fhren, und la ihn mich in einen immer innigeren Verkehr mit dir bringen und mir Seelenruhe und himmlischen Frieden schenken, der dem gleicht, welchen diejenigen jenseits genieen, die nach einem frommen Wandel hienieden von dir in die Wohnung der Seligen gerufen werden. Amen! Beim Ausheben der Thora am Sabbat. 25. Dein, o Herr, ist alle Gre; was unser Auge und unser Gedanke durchmessen kann, ist nichts vor dir. Dein, o Herr, ist alle Macht; alle Wesen und alle Welten sind von deinem Willen abhngig, dir dienen alle Krfte der Natur und gehorchen deinem Winke. Dein, o Herr, ist alle Herrlichkeit; der Himmel und die Erde und alles, was sie schmcket, ist dein Werk. Dein, o Herr, ist alle Majestt, die sich offenbaret in den Wolken droben, auf der Feste der Erde und in den Fluten des Meeres. Du bist Knig, dein ist die Herrschaft von Ewigkeit zu Ewigkeit. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch zum Staube vor ihm; denn er ist heilig. Erhebet den Ewigen, unsern Gott, und beuget euch vor dem Berge seiner Herrlichkeit; denn heilig ist der Ewige, unser Gott. O Vater der Barmherzigkeit! Erbarme dich des Volkes deiner Treuen, gedenke deines Bundes mit den festen Sulen der Glaubenstreue. Hte unsere Seele vor bsen Stunden; la an uns nicht herannahen bse Begierde und Versuchung, sei immerdar unser Retter aus Gefahren und erflle die Wnsche unseres Herzens, so sie dir angenehm sind. Amen! Bei der Verkndigung des Neumondes.[24] 26. Gott, Schpfer und Herr der Welt! Gib, da der kommende neue Monat uns langes Leben und Segen, Ruhe und Friede, Glck und Wohlfahrt bringe. Gewhre uns Nahrung und Unterhalt aus deiner vollen, offenen und milden Hand und bewahre uns vor jeder Sorge und jeder Not. Erhalte uns in Liebe und Anhnglichkeit zu dir, und lasse uns grer werden an Tugend und Weisheit. Behte uns in deiner Gnade vor allen bsen Zufllen, und erflle die frommen Wunsche unseres Herzens, wenn sie zu unserm Heile sind. Amen! [Funote 24: Neumondsgebet siehe S. 36.] Ein anderes Gebet bei der Verkndigung des Neumondes. 27. Mein Gott! La mich den Anfang und das Ende des kommenden Monats erleben in Kraft und Gesundheit! Sende mir (meinen Eltern) deinen Beistand, da ich (sie) an ihm fr meine (ihre) Bedrfnisse zu sorgen vermag (vermgen) in Redlichkeit und Ehren! Halte fern von mir und den Meinigen Gefhrdung und Beschmung! Mgen die Wnsche meines Herzens in ihm erfllet werden, so sie dir, o Herr, wohlgefallen. Dein Reich der Wahrheit und der Liebe werde im Laufe desselben gefrdert, auf da die Zeit der frohen Verheiung immer nher an uns heranrcke: ein Vater im Himmel, eine Bruderfamilie auf Erden! Amen! Am Sabbat-Nachmittag. 28. La mich abermals dir danken, o du Allgtiger, fr diesen schnen Tag, den du der Ruhe geweiht hast, und an dem meine ganze Seele in dir Ruhe finden soll. Keine Sorge und kein Schmerz beunruhigen mich; denn dieser Tag erinnert mich ja daran, da du die Welt aus nichts erschaffen, und er verkndigt mir deine Allmacht und deine Weisheit: wie sollte ich da mich nicht getrost deiner Leitung und Fhrung berlassen?--Du bist ja mit mir, was sollte ich da frchten? Und kann nicht auch das mich ber den Sklavensinn der Welt emporheben, da ich gedenke, da du uns aus dem Sklavenjoche gyptens befreit hast, auf da wir deine Diener wurden? Ja, in dir soll meine Seele Ruhe finden, und sie soll aus der Flle deiner Liebe schpfen, auf da ich einen jeden hoch schtzen lerne, der in deinem Bilde geschaffen worden, da auch seine Seele heute Erquickung finde. Ja, selbst die vernunftlosen Tiere sollen heute Ruhe genieen. In dir ruhen soll meine Seele, und du hast mich ja selbst gelehrt, wie deine Ruhe recht gefeiert werde; denn am Sabbat ertnte ja dein Wort vom Sinai, durch welches das Reich des Lichtes weithin ber die Erde sich ausbreitete. Ja, und wenn ich auch heute nichts an irdischen Schtzen gewinne, welch ein groer Reichtum ist mir doch im Sabbat zuteil geworden! Ist er es ja, der meine Seele von der Mhe des Lebens befreit, ein wahres Bild des ewigen Sabbats, an dem der Geist eine heilige, himmlische Ruhe in dir genieen soll.--O, mein Dank steige zu Gott empor! und du mein Gott, durchforsche mich und prfe meine Gedanken, und bin ich auf schlechtem Wege, so leite du mich auf den rechten Pfad hin, auf da ich dir in aller Ewigkeit danke. Gepriesen werde dein Name, Hallelujah! Amen! Am Neumondstage. 29. Du Gnadenreicher! Den ersten Tag eines jeden Monats hast du--wie unsere frommen Vter uns gelehrt--zur Sndenvergebung bestimmt, und ehemals, als noch auf Zion der heilige Tempel prangte, wurden an diesem Tage Shnopfer dargebracht, und der Reumtige fand Vergebung. Der Tempel steht nicht mehr, und Opfer sind nicht mehr der Ausdruck unserer Reue und Hingebung, aber unser Gebet ist uns geblieben, der Dienst des Herzens, der an allen Orten dir wohlgefllig ist. So nimm denn das Opfer meines Herzens wohlgefllig auf, erhre das Flehen, womit ich mich am heutigen Tage reuevoll dir nahe, und vergib mir meine Snden, die ich im verflossenen Monat gegen dich und meine Nebenmenschen begangen habe. Ich erkenne, o Herr! da ich von meiner Bestimmung abgewichen bin, wenn ich gefehlt habe; ich sehe es ein, da frher oder spter Vorwurf und Kummer mein ganzes Leben verbittern mten, und fasse darum den festen Vorsatz, mit dem neuen Monate meinen Lebenswandel ganz so einzurichten, wie es dein heiliges Gesetz befiehlt. O Vater, der du an Reue und Bue Wohlgefallen hast, stehe mir bei, da ich jederzeit ber mein Herz wache, da ich immer mehr Wahrheit und Tugend erstrebe und alle meine Gedanken und Handlungen richte auf das eine Ziel: heilig zu werden, wie du heilig bist.--Wache ber mich und alle meine Angehrigen auch in diesem Monate, auf da er uns werde zur Freude und Wonne, zum Segen und Frieden. Amen! Sabbat-Abend. 30. Alliebender Vater! Der herrliche Tag, mit welchem die Woche schliet, ist zu Ende, und ehe ich mich zur Ruhe niederlege, um wieder zur Arbeit der kommenden Woche gestrkt zu werden, durchforsche ich nun mein Inneres, ob der heutige Tag auch heilige Eindrcke auf mich zurckgelassen und mich in Wahrheit dir nher gebracht hat. O! du hast mich heute so mannigfaltig gesegnet, an Leib wie an Geist, und deine Gte hat mir sowohl irdisches als himmlisches Manna bereitet! Ich schpfte ja aus dem Quell deiner Liebe durch alles, was ich von der milden Hand der Natur empfangen, durch alles, was ich in dem Kreis meines eigenen Hauses genossen, durch das festliche Mahl und noch mehr in der Andachtsstunde durch dein gttliches Wort. Aber ach, mein Gott! habe ich dir in Wahrheit all meinen Dank gezollt? Wie manchen Vorwand habe ich benutzt, um mich allem zu entziehen, wozu mich der Tag rufen sollte; wie lie ich doch kleinliche Sorgen und Freuden mich davon abhalten, dich und dein Haus aufzusuchen; warum hatte ich Zeit zu allem, und nicht zu dem, was der Sabbat mir auferlegt? Und selbst im Verkehr mit dir--wie lau war gleichwohl meine Andacht, wie zerstreut waren meine Gedanken, whrend ich deinen Namen anrief; wie wenig wurde ich beim Hren deiner Worte entflammt! Verzeihe mir, o ewiger Vater, und entziehe mir deine Gnade nicht! Auch den frommen Vorsatz rechnest du ja dem schwachen Menschen als Tugend an, auch der gute Wille gilt ja vor dir als eine wohlgefllige Tat! Gib du mir Kraft, diese zu vollfhren, erneue in mir mit der neuen Woche einen festen Geist, und lege eine neue liebreiche Gesinnung in mein Herz, ein neues inniges Verlangen, dir anzugehren! Bewahre mich und die Meinigen in dieser Nacht und strke mich, da ich morgen neu gestrkt zu dem Werk eile, das du mir angewiesen fr die Tage meiner irdischen Wallfahrt, la deine Huld und Gnade mir zuteil werden, da ich mich vorbereite zu einem seligen Ende. Amen! III. Gebete an den Feiertagen. Abendgebet an den drei Festen: Peach, Schabuoth (Wochen-) und Succoth (Laubhttenfest). 31. Allgtiger und allheiliger Gott! Ich danke dir, da du mich diesen Abend hast erleben lassen, da ich wiederum ein heiliges Fest feiern kann, welches mich erinnert, wie du in deiner Weisheit den Kreislauf der Zeiten geordnet und wie du, o Allmchtiger! alles zu seiner Zeit geschaffen hast,--ein Fest, das mir deine mchtigen Wunder der Tage der Vergangenheit ins Gedchtnis ruft, deine Wohltaten gegen unsere Vter, wie du ihnen Hilfe sandtest, sie leitetest und fhrtest, Wohltaten, die sowohl das Heil Israels als auch das der Menschheit berhaupt gefrdert haben. Ich danke dir, da du mich dieses heilige Fest hast erleben lassen, das meine Gotteserkenntnis bewhren, meinen Glaubensbund erneuern und mich in demselben befestigen soll, und das mich an deine ewigen Verheiungen erinnert, die du an jede Festzeit geknpft hast. Ja, ich danke dir, da du, das unvollkommene Wesen des Menschen bercksichtigend, dieses dein Fest eingesetzt hast, damit die heilige Glaubensflamme in uns allen lebendig erhalten werde. O, mchte doch alles sowohl in mir als um mich her das heilige Festgewand anlegen, mchte ich in dieser Nacht mich von deinem vterlichen Schutze umschattet fhlen, mchte ich sowohl, als alle, die mir angehren, von dem seligen Gefhl ergriffen werden, mit welchen das Fest jeden erfllen sollte. Bewahre mich und meine Lieben vor allem, was den Frieden der Nacht und des Festes stren knnte, und la mich morgen in der versammelten Gemeinde festliche Freude und festliche Erbauung mit all denen genieen, die dich suchen, deine Gte empfinden und dich anbeten, dich, der du in Gnade und Barmherzigkeit festliche Erinnerungstage fr deine Wunder eingesetzt hast,[25] O sprich zu mir:Du bist mein Diener, von dem ich gepriesen werde.[26] Gepriesen sei dein Name in Ewigkeit. Amen! [Funote 25: Ps. 111, 4.] [Funote 26: Jes. 49, 3.] Morgengebet fr den ersten und zweiten Tag des Peachfestes. 32. Mit Dank erhebe ich mein Herz zu dir, o Ewiger, da du in der kalten, dunkeln Nacht des Winters mir Schutz gewesen bist, da die Winterzeit nun dahingegangen, und milde Lfte mich wieder anwehen. Alles, was im Schlummer gelegen, ist wiederum erwacht, die gefesselt gewesene Natur ist wieder befreit. O, mein Gott, rhrt sich wohl auch in mir dieses neue Leben? Bin auch ich frei geworden und wandre nicht mehr in der schmhlichen Knechtschaft der Welt? Hat nicht die himmlische Saat in meiner Brust auch im Schlafe gelegen vor der Klte der Welt, wie die Saat des Ackers vor dem Winterfrost? Habe ich wohl in den vielen langen Nchten nach dem himmlischen Lichte in deinem heiligen Gesetze gesucht, in stiller Zurckgezogenheit ber dein Wort geforscht und die dunkle Tiefe meines eigenen Herzens bei dem klaren Lichte deiner Lehre untersucht? Oder habe ich vielmehr durch allerlei irdische Lust und Freude nur noch mehr jedes hhere Gefhl in mir in Schlaf versenkt und durch die Menge weltlicher Zerstreuungen den klaren Funken von deinem Geiste, der in mir noch geglommen, vllig ausgelscht? Habe ich nicht manchmal Klte und Unwetter nur als Vorwand vorgeschtzt, um dein Haus nicht zu besuchen? O! dieses Fest ist es, das mir solche mahnende Erinnerungen gibt. An diesem Tage war es ja, da du unsere Vter aus dem Joche gyptens erlstest, da ihr Geist von dem Sklavensinne befreit ward, und sie anfingen, als freies Volk zu leben und sich als solches zu fhlen, da sie sich dazu erhoben, deine Diener zu sein. Im Glauben an dich traten sie ihre groe Wanderung durch die Erdenwste an, damit sie, dem Lichte gleich, in der Finsternis der Welt leuchten sollten, um sowohl in den Freuden als auch in den Leiden des irdischen Lebens, deinen Namen zu verehren und anzubeten, und das Lamm zu sein, welches seine Unschuld und Reinheit bewahrt und gerne das Opfer der Welt sein will, aber auch selbst der Priester ist, der es darbringt, um das Werk zu vollbringen, das du Israel aufgetragen: dein Reich auszubreiten, und es zu befestigen. O, ich fhle, wie weit entfernt ich noch davon bin, ein wrdiges Glied in Israels Gemeinde, wie weit entfernt davon, dein freigeborner Sohn zu sein, der das Joch der Welt abgeworfen, und dein Diener, der sich von jedem Joche des Vorurteils frei gemacht und weder von dem hohlen Wesen des Unglaubens, noch von den Irrtmern des Aberglaubens gefesselt ist. Ach, der Sauerteig der Snde fllt noch meine Brust, und Eitelkeit, Wollust und Habsucht betren mich. O, mchte ich doch, indem ich den Sauerteig aus meinem Hause fortrume, auch meinen Sinn lutern! Ja, ich will an diesem Feste meinen Lebenstag aufs neue beginnen und mich selbst wieder zum Glauben erwecken. Ich will die Erinnerungen aus den Tagen meiner Kindheit auffrischen, da fromme Eltern an diesem Feste die gute Saat in meine Seele ausstreuten; ich will mir Israels wunderbare Leitung wieder vor die Seele rufen, von der Zeit an, da es durch deine krftige Hand, o Gott! aus gypten gefhrt worden, bis auf diesen Tag, um immer mehr zu erkennen, da es unter deiner vterlichen Obhut steht, da es aber noch nicht seinen hohen Beruf erfllt und da jedes Mitglied der Gemeinde Israels dir und seinem hohen Berufe sein Leben und seine Kraft weihen soll. Aber was ich auch will,--nichts vermag ich doch ohne deinen gndigen Beistand. Dein Geist sei mit mir und den Meinigen in dieser festlichen Zeit, da wir sie feiern zu deinem Wohlgefallen, zur Verherrlichung deines Namens. Amen! Ein anderes Gebet fr den Peachmorgen. 33. Wie lange auch der Winter gewhrt, wie viele Sehnsuchtsseufzer in den dunkeln Nchten zu deinem Himmel emporgestiegen, so habe ich doch unter deinem Schutze, Allbarmherziger, den Anbruch der milden Jahreszeit erlebt. So gedenke ich auch heute, da durch deine Gte auf gleiche Weise vor Jahrtausenden die Morgenrte der Freiheit fr das Menschengeschlecht anbrach. Du beriefest Israel, deinen Erstgeborenen, eine Gemeinde zu deiner Anbetung zu bilden, damit die Nacht des Heidentums nach und nach verschwinde, und alle Unterdrckung aufhre. Ja, lange hatten meine Vorfahren in Druck und Elend geschmachtet und viele hatten schon jede Hoffnung auf Rettung aufgegeben, ja, hatten schon aufgegeben den Glauben an die Verheiungen, die ihnen von Geschlecht zu Geschlecht berliefert waren; doch die Stunde der Errettung kam, und sie kam frher, als selbst die Glubigsten geahnt hatten, sie kam in der tiefsten Finsternis der Nacht.--O, ich sehe wohl, noch seufzt die Welt unter dem Joche der Knechtschaft, noch bekmpfen Vlker einander mit blutigen Waffen, noch herrschen die Schrecken des Krieges und noch werden wir von Eigennutz getrieben. Menschenfurcht hlt noch den Geist gebunden und vllig machen wir uns zu Sklaven trichter Eitelkeit, und Gold und Ehre und Macht sind die Gtzen, die die Menge anbetet, und Laster und Leidenschaften ben eine mchtige Herrschaft aus, sowohl ber das ganze Menschengeschlecht, als ber jeden Einzelnen. Doch du, dessen Name von Ewigkeit zu Ewigkeit whrt, und der du unser Erlser bist, du wirst dennoch endlich die Erlsung kommen lassen, so gewi, als du sie verheien hast. Du wirst die Zeit kommen lassen, in der alle in Freundschaft mit einander wohnen, die Schwerter zu Pflugscharen schmieden werden und das Kind mit der Schlange spielet,[27] da das Gift der Snde von ihr genommen sein wird. Diese Hoffnung soll das Fest in meiner Brust erneuern, und ich wei, da auch mir ein wenig Kraft verliehen worden, in deinem Dienste fr das Kommen deines Reiches zu arbeiten. O, Herr! la mich denn das Joch brechen, das noch auf mir lastet, la mich von Hochmut und sndiger Lust gereinigt werden, und la mich erkennen, da nichts auf Erden mir als Eigentum angehrt, sondern da mein Besitz ein anvertrautes Gut, ein Darlehen von dir ist. Um nun von diesem Bewutsein durchdrungen zu werden, wird ja auch in Israel jede erste Gabe des Lebens dir geheiligt, deshalb gehrt dir ja die erste Erntefrucht des Jahres, und brachten eben ja am heutigen Tage unsere Vter das heilige Omer als Opfer der Erstlinge dir dar. So will ich denn gedenken, da alles eine unverdiente Gabe aus deiner Hand ist, und wie sehr ich auch dafr gearbeitet habe, so ist doch nur der Genu, wie von dem eines nur zur Benutzung anvertrauten Gutes mir davon gestattet, die Seele aber darf nicht daran hngen; denn es ist ja alles eitel und nichtig, die Seele aber schufst du fr das Ewige, und der hat schon jetzt das ewige Leben, der nur an dir festhlt. Gib, o du mein himmlischer Vater, da ich in solcher Hoffnung an diesem Feste wachse und wecke sie bei allen meinen Brdern, ja la die zuversichtliche Erwartung bald das Menschengeschlecht erfllen, da einst der Tag erscheine, da der Herr einzig sein wird und sein Name einzig. Amen! [Funote 27: Jes. 2, 4; Micha 4, 1--3, Jes. 11, 8.] Morgengebet an den beiden letzten Tagen des Peachfestes. (2. B. M. 24, 15.) 34. Wo ist wohl die Wohnung eines Frommen, in der man nicht heute mit Freuden Siegesgesnge anstimmt:die Rechte des Herrn ist erhaben, die Rechte des Herrn hat das Siegeswerk vollbracht! O, auch mein Haus soll von Siegesgesang erschallen und von Dank fr deine wunderbare Hilfe, da Israel so kurz nach der Befreiungsstunde, am Rande des Verderbens stehend, nur im Aufblick zu dir, im Gebete, Mut und Rettung fand. Auch hier in meinem Hause soll ein Dankfest gefeiert werden, dafr, da du an diesem Tage den Glauben an dich und an Moses, deinen Diener, in den Herzen unserer Vter befestigt hast. Und hat es nicht auch in meinem eignen Leben so manche Stunde der Gefahr gegeben, in der ich oder einer der Meinigen gleichsam ber einem Abgrunde schwebte, so manchen angstvollen Augenblick, in welchem ich verzagte und nicht fest in meinem Glauben war? Doch du halfst mir und du strktest meinen schwachen Glauben! O, indem ich dir nun danke, will ich auch nicht vergessen an diesem Dankfest denen zu danken, die du als Werkzeug gewhlt hast, mir zu helfen, mich zu strken und zu trsten oder auch zu belehren. Wenn so viele, weit entfernt solches anzuerkennen, undankbar sind, so will ich in der Feststunde mir aufs neue die Pflicht der Dankbarkeit und Erkenntlichkeit ins Gedchtnis rufen, will auf meinen Vater (meine Mutter, meine Gattin, meine Kinder usw.) mit Dank fr all das Gute, das mir von seiner (ihrer) Hand zuteil geworden, hinblicken und will mit Trnen der Dankbarkeit aller meiner Wohltter gedenken, wenn sie auch schon im Grabe schlummern; ja, derer will ich gedenken, die mich als Kind in ihre zrtlichen Arme geschlossen und meine Jugend geleitet haben; meines Lehrers, der meinen Geist erleuchtet und mir den Weg des Lebens gezeigt hat, und aller, die mir jemals Rat erteilt und mit ihrem Beistande mich in meinem Berufe untersttzt haben. Gib mir, o, Ewiger, Gelegenheit und Kraft, ihnen allen meinen Dank durch die Tat beweisen zu knnen! Und wenn ich so viele teure Wesen vermisse, denen ich nichts von der Schuld meiner Dankbarkeit habe abtragen knnen, wenn vielleicht einer meiner Brder gerade zur Festzeit den Verlust eines Freundes, eines Gnners oder Helfers beklagt, wenn der eine oder andere sich einsam und verlassen fhlt, o! so la in seiner wie in meiner Seele das trostreiche Wort laut ertnen:Stehe still und sieh die Hilfe des Herrn! Denn du, o Herr, bist ewig und immer, und ewig lenkst du meinen Weg. Dir will ich stets aus ganzem Herzen danken, und deinen Namen will ich ehren in aller Ewigkeit. Amen! Morgengebet am Wochenfeste. 35. Ewiger, hochgepriesener, einziger Gott!--O! wie knnte ich heute deinen heiligen Namen aussprechen, ohne dir zugleich dafr zu danken, da du den Menschenkindern dich offenbart und deinen heiligen Willen ihnen kund getan hast. Du hast ja zu ewigem Angedenken daran dieses Fest der Gesetzgebung und der Offenbarung eingesetzt! Deine grte Liebe gegen die Sterblichen zeigtest du an jenem Tage, da du uns deinen vterlichen Willen kund getan, da du das Himmlische dem Geschlechte der Erde offenbartest, da wir es erkennen und des himmlischen Reiches teilhaftig werden. Auch ich bin dazu berufen und kann zu den Glcklichen und Seligen gezhlt werden; auch fr mich hast du deine Worte verkndet. Ja, ihre Herrlichkeit leuchtet der ganzen Welt; obschon unbewut lebt, und atmet sie in derselben, und wrde sie ohne dein ewigstrahlendes Licht in Finsternis eingehllt sein. So soll denn der Unglauben eben so wenig wie der Aberglauben Herrschaft ber mich gewinnen. Aber ach! wenn ich mich im Lichte deines geoffenbarten Wortes prfe, mu ich da nicht beschmt bekennen, da es in mir oft verdunkelt worden und nicht in voller Kraft in all meinem Denken und Tun widerstrahlte? Nahm ich nicht oft den Schein fr die Wahrheit und Menschenklugheit und Blendwerk oder meine eigenen trichten Meinungen fr Gotteserkenntnis, und Vorurteil fr berzeugung?--War ich wohl fest in deinem Gesetze zu allen Zeiten, da es mit Flammenschrift auf den Tafeln meines Herzens eingeschrieben stand als ein ewiges Bundeszeugnis, als ein Zeugnis meiner Treue und meines Strebens, dich und deinen Willen immer klarer zu erkennen? War ich nicht zuweilen hartnckig und rhmte mich da der Festigkeit, oder hielt ich nicht zuweilen die Zweifel, die sich in meiner Brust erhoben und das Schwanken meines Geistes fr Fortschritt? Darum bitte ich dich, du, dessen Wort ewig ist, dessen Wahrheit fest steht von Geschlecht zu Geschlecht, o, leite meine Schritte auf die Bahn deines Wortes, da ich nie davon weiche, weder zur Rechten noch zur Linken, und la nicht die Snde und das Verderben Macht ber mich gewinnen! La mich erkennen, da der Mensch nicht vom Brote allein lebt, sondern von allem dem, was aus deinem Munde kommt,[28] und wecke in mir ein bestndiges Verlangen nach diesem Lebensbrot, da deine Zeugnisse mein ewiges Erbteil seien, meines Herzens wahre Freude, meiner Seele Seligkeit. Amen! [Funote 28: 5. Buch Mosis 8, 3.] 36. Heute, da ich der hchsten und heiligsten Gabe gedenke, mit welcher du, mein Gott, vom Sinai aus deine Menschenkinder begnadigt hast,--wie danke ich dir da, da ich Israels Glauben bekenne! Wie hilflos und verlassen wrde ich sein, wollte ich Licht und Leitung bei den Weisen der Welt suchen, die so oft einander widersprechen, und von denen der eine niederreit, was der andere als ein unerschtterliches Gebude aufgerichtet. Ja, ich danke dir, mein Gott, da ich ein Israelit bin, und ich die heiligen Stammvter und alle Propheten, die du mit deinem heiligen Geiste erflltest, zu Leitsternen fr mich auf meiner Bahn habe, und da du auch fr mich das Wort leuchten lieest, welches du selbst in deiner Gnade kund getan hast, das Wort, das felsenfest allen Strmen der Zeit Widerstand geleistet, und das der Spott der Leichtsinnigen, die Geringschtzung der Weltlichgesinnten nicht zu erschttern vermocht hat. Ja, wohl mu ich meines Glaubens wegen zuweilen Kummer und Beschwerden erdulden, und wo ich als ernster Israelit nach deinem Gesetze und deiner Lehre wandern will, da werde ich oft von auen und von innen von Feinden bedrngt;denn die, welche an deinem Worte festhalten und in seinem reinen Geiste wandern, mssen oft unter Kedars Htten wohnen, unter denen, die den himmlischen Frieden hassen. Aber du lt mich die Wahrheit deiner himmlischen Lehre erkennen, und nicht weltliche Freuden und nicht irdische Bande sind es, die mich an sie binden; denn du hast sie als Preis fr mannigfltige Kmpfe gegeben, und gerade unter diesen soll sie ihre Gotteskraft beweisen. O, so strke mich denn, wie du unsere Vorfahren gestrkt, da ich dieses Kleinod wie meinen Augapfel bewahre und es auf die kommenden Geschlechter vererbe. La seine Herrlichkeit immer mehr mir strahlen, und la mich darin unablssig fr mich und fr alle die Meinigen Leben und Licht, Trost und Frieden finden. Amen! Am Neujahrsfest (Rosch Haschana). Am Vorabend des Festes. 37. Herr, unvernderlicher, ewiglebender Gott! sieh gnadenvoll nieder auf dein Kind, das kaum sich aufrecht zu erhalten vermag unter den wechselnden Gefhlen, die es an diesem heiligen Abend berwltigen, der das hingeschwundene Jahr von dem neuen trennt, welches sich aufzurollen beginnt. Denn erscheine ich mir doch fast selbst ein Wunder, wenn ich mir alles in Erinnerung zurckrufe, was mir in dem dahingeschwundenen Jahre widerfahren und begegnet: Freuden und Sorgen, Erquickungen und Bekmmernisse, Leiden und Momente des Glcks. Ja, jede Stunde, jeder Augenblick gab das Zeugnis, da du mich auf den Armen deiner Liebe trgst, da deine Huld mich umschwebt. Und ach! wie wenig habe ich all dieser Gte entsprochen, wie oft verzagte ich, und wie oft strauchelte ich! Und sehe ich hin auf die vielen Wnsche und Erwartungen, die sich nun in meiner Brust regen, und die ich nun vor dir fr die kommende Zeit aussprechen will, o Herr und Vater, wo soll ich da beginnen und wo enden? O du, der du den Gedanken kennst, ehe er noch ausgesprochen wird, du weit ja, wessen ich bedarf, und was zu meinem Wohle und dem Wohle der Meinen dienen kann. Darum empfehle ich mich deinem gndigen Schutze und bitte nur um dieses: la mich mit dem hingeschwundenen Jahre auch aller meiner Snden ledig werden, und la fr mich ein Jahr beginnen, welches in Wahrheit ein neues ist, ein Jahr, in welchem ich mehr und mehr deine Weisheit, Gerechtigkeit und Liebe erkenne, ein Jahr, das von Anfang bis zum Ende Zeugnis gebe von meinem eifrigen Streben, dir zu gefallen, und von meiner Hingebung an deine vterliche Leitung. Und so will ich denn getrost das neue Jahr antreten, denn ich wei, da du, Allgtiger, mir nahe bist, und da du mein Gebet erhrest. Amen! Neujahrstag. 38.Lobsinge dem Herrn meine Seele und vergi nicht, was er dir Gutes getan hat, das ist mein erster Gedanke, mein erstes Gefhl an diesem Tage. Und dieses Sinnen taucht nicht in meinem Innern auf, ohne da meine ganze Seele sich zu der Bitte erhebt:Mein Gott, vergib mir meine Snden! Denn ich wei es gar wohl, da ich alle Zeit vor deinem Angesichte stehe, und da dein Auge mir folgt auf allen meinen Wegen. Aber heute, da ich so vieler Wohltaten mich erinnere, die du in einer langen Reihe von Tagen mir erwiesen hast, wie oft du meine Seele mit Freude erflltest, mir Stunden schenktest, in denen ich mich so glcklich fhlte, wie oft du mir halfst bei meiner Arbeit, mich erfreutest durch den Anblick meiner Lieben, durch die Umgebung liebevoller Herzen und froher, freundlicher Gesichter, mich strktest in schweren Augenblicken, mich Trost und Linderung finden lieest unter Schmerz und Sorge, ja mir so oft helfend zur Seite standest, mich, wenn die Versuchung mir nahte, und ich nahe daran war zu wanken, aufrecht hieltest in meiner Schwche--heute mu ich die Last aller meiner Snden um vieles schwerer fhlen, und all meine Schuld tritt mir vor die Seele. Jeder Tag, jede Stunde des verflossenen Jahres klagt mich ob meiner Versumnisse an; wie oft habe ich nicht meine Pflicht vergessen, meinen Beruf als Mensch, als Israelit! Heute, da ich nicht nur so viele deiner Wohltaten gegen mich vergessen habe, sondern auch so manchen sndigen Gedanken, so manche unrechte Tat, die ich mir habe zuschulden kommen lassen, heute fhle ich es mit Furcht und Beben, da ich von dir gerichtet werden soll, dir, dem Allwissenden, der all mein Tun und Lassen kennt, dem auch die verborgensten Gedanken meines Herzens offenbar sind und dessen Auge die Tat sieht, die keinen irdischen Zeugen hatte; o ja, heute erkenne ich vollkommen, wie ich all deiner Gte und Barmherzigkeit nicht wert gewesen bin. Und stehe ich nicht heute vor einer unbekannten Zukunft? Wie zahlreich sind meine Wnsche, wie mannigfaltig meine Hoffnungen, die ich an die kommenden Tage knpfe, und wie erbebe ich bei dem Gedanken, was sie vielleicht fr mich oder fr diejenigen in ihrem Schoe bergen, die ich mehr noch liebe als mich selbst! O, wie konnte ich wohl der Zukunft vertrauensvoll entgegen sehen, wenn nicht deine Verzeihung mir wrde auf meinem neuen Wege. O Allgtiger! Nimm mich und die Meinen in deine treue Hut, la deine Gnade mir leuchten in dem neuen Jahre, untersttze mich darin, da ich das Gute be, hilf mir, jede sndige Lust zu berwinden. Halte fern von mir jede Versuchung, und wenn du mir Kmpfe auferlegst, so verleihe du mir auch die Kraft, siegreich aus ihnen hervorzugehen, und strke mich, Ha und Neid, Rachsucht und der Sinne Lust zu bezwingen durch eine innige Liebe zu dir. Erneuere du selbst in mir das feste Vertrauen auf deine Hlfe, da ich fest stehen mge im Glauben, und lehre mich, an jedem Tage mit neuen Liedern dir zu lobsingen, und deinen heiligen Namen zu preisen. Amen! 39.Herr Gott, tausend Jahre sind ja vor dir, wie der Tag, der gestern vergangen ist, aber unsere Tage fahren dahin wie Rauch und verschwinden wie Schatten,[29] und ehe wir es merken, stehen wir vor den Pforten der Ewigkeit. So haben wir, ich und die Meinen, heute wiederum ein Jahr zurckgelegt, wir stehen an der Schwelle eines neuen, und wir wissen nicht, wie viele unter uns am heutigen Tage vielleicht zum letzten Male die Neujahrssonne aufgehen sehen. O, mein Vater, ich habe so viele, die meinem Herzen wert und teuer sind, und denen ich so gerne noch eine Weile meine volle Liebe erweisen mchte, o, erhalte du sie doch am Leben und schenke ihnen Freude und Segen! Erhalte am Leben (meine alten Eltern, meinen teuren Vater, meine geliebte Mutter, meinen guten treuen Gatten usw.) breite deine schirmende Hand aus ber (meinen Grovater, meine Gromutter, meinen Bruder, meine Schwester, Geschwister, Wohltter, Freunde usw.) O, himmlischer Vater, von ganzem Herzen bete ich auch zu dir fr die, welche ich mit mtterlicher Liebe umfasse: o, la meine Shne und Tchter leben, und la dieses Jahr ihnen Glck und Frieden bringen, fhre du sie den richtigen Weg, da auch meine Seele sich darber freuen mge; verleihe du ihnen Kraft und Gesundheit; la sie erzogen werden und aufwachsen in deiner Furcht und Erkenntnis, dir zum Wohlgefallen und den Menschen.--Allerbarmer! auch fr mich wage ich zu beten, wie sehr ich auch erkenne, da ich sndenbelastet bin. O, verleihe du mir Strke! Solltest du in diesem Jahre meiner Seele gebieten, zu dir einzukehren, so la sie dahinziehen in Frieden, ist es aber dein Wille, mir noch ein Lebensjahr zu schenken, so la es zum Segen fr mich werden. Ja, solltest du es mir vergnnen, die Tage zu erleben, da des Hauses Wchter erzittern, die Sttzen sich beugen und der Blick umdunkelt wird![30] so verwirf mich nicht, mein Gott, in meinem hohen Alter und verla mich nicht, wenn mein Haar grau wird und meine Krfte abnehmen![31] Und wenn die Freude an dieser Welt mir schwindet, so la du die Freude an dir und die Sehnsucht nach deinem Himmel um so strker in meinem Innern werden. Ach Herr! strke mich, da weder Glck noch Unglck, weder Freud noch Leid mich von dir entfernen mge, da alles dazu diene, mich meiner Vollendung nher zu bringen, und da auch ich dereinst ein freundliches Andenken hinterlassen mge, und mein Gedchtnis in Segen bleibe. Amen! [Funote 29: Ps. 90.] Beim Schofarblasen. 40. Dir, o allmchtiger und liebreicher Gott, will ich huldigen als dem Knig der Welt! Deshalb ruft mich heute Schofars (der Posaunen) Schall auf zum Kampfe wider den Feind, der in meiner eignen Brust hauset, siehe, alle die verflossenen Zeiten mit ihren denkwrdigen Begebenheiten ziehen an meiner Seele vorber, indem mein Ohr auf diese Tne lauscht. Im Geiste sehe ich des Widders Horn vom Gebsch festgehalten, mich daran erinnernd, wie jener Patriarch die schwere Prfung bestanden. Ach Herr, wie oft seufzte ich doch, selbst bei dem Geringsten das mich heimsuchte; wie werde ich bestehen, wenn du beschlossen haben solltest, meine Treue auf gleiche Art zu prfen? Und im Geiste hre ich gleichsam das Wort des Bundes, wie es verkndigt wird unter Posaunenschall, und ich erbebe; denn mit zerknirschtem Herzen mu ich es bekennen: Ich habe deinen heiligen Bund nicht gehalten. Es ist mir, als ob der Propheten gewaltige Stimme, ihre Warnungsrufe und Ermahnungen, ihre Predigt zur Bue und Umkehr und die Verkndigung des mahnenden Gerichts in dieser Stunde an mein Ohr dringe, und ich erbebe. O Ewiger! la diese Tne mich aus meinem Schlummer wecken, la sie mich mit Reue erfllen ber die Tage der Vergangenheit, welche ich nicht fr das ewige Leben benutzt habe, aber auch zugleich mit dem Trost, da du als ein huldreicher Herr mit Erbarmen auf deinen bufertigen Diener herabschauen, und da du, ein gtiger Vater, dein reuiges Kind in Liebe wieder zu Gnaden aufnehmen wirst. Strke mich in der Prfungszeit, la mich widerstehen allen Versuchungen der Welt, la mich siegen ber die sndige Lust und verachten den Spott der Unglubigen. Ja, la diese Stunde gnadenbringend sein fr mein Herz und meine Seele, da ich von dieser Zeit an wandern mge in dem Lichte deines Angesichtes. Amen! [Funote 30: Koheleth 12, 3. ff.] [Funote 31: Ps. 71. 9.] Am groen Vershnungsfeste (Jom hakippurim). Zu Anfang des Abendgottesdienstes (Kol nidre). 41. Barmherziger Vater! Wie erbebt mein Herz, wie zittert meine Seele, da ich mich dir an diesem heiligen Abend nahe, da des Himmels Tore sich vor dem bufertigen Snder, der um Vershnung bittet, auftun. So will ich denn mit all meinen Gedanken dich suchen und bei dir weilen, und mit aufrichtigen Worten der Reue deine Verzeihung mir erflehen. Ach Herr! Treten nicht meine Gedanken und Reden vor deinem Richterstuhle wider mich auf? Wer vermchte alle sndigen Gedanken zhlen, die in meiner Seele aufgestiegen; und wie oft hatten nicht unlautere, habschtige, rachgierige Wnsche und Begierden in meiner Brust sich geregt! Es tauchen verlangende Gedanken in meinem Herzen auf, vor denen ich selbst erschrecken mu, und doch habe ich ihnen damals Raum gegeben, anstatt sie zu verscheuchen, und habe so oft meine Seele mit ihnen befleckt!--Herr! Herr! Wie knnte ich wohl ohne Errten meine Gedanken jetzt zu dir erheben, und wie darf ich es wagen, meine Lippen jetzt zum Gebet zu ffnen, da ich doch wei, wie oft dieselben Lippen sich schon zur Schmeichelei oder zum Spott, zu Verleumdung, Hohn und Krnkung ffneten! O ewiger Richter! Ich habe leichtsinnige, zweideutige, heuchlerische, falsche, verfhrerische und unlautere Worte geredet, Worte die dich und dein Gesetz schmhten! Ich habe unberlegt Versprechungen gemacht, die ich nicht gehalten habe! Ach ich erinnere mich in dieser Stunde nicht nur der leeren Versprechungen, die ich meinen Nchsten gegeben, sondern ich denke auch daran, wie oft ich gelobt habe, mein Leben dir, mein Gott, zu weihen, und in Zucht und Rechtschaffenheit vor dir zu wandeln, wie oft ich gelobt habe, deine Gebote zu halten, und mich und mein ganzes Wirken zu heiligen, und da ich, ach, nicht minder oft mein Gelbde dir gebrochen habe! Darf da derselbe Mund nun wagen, um Gnade zu bitten, der so oft die Sprache, die Gabe deiner Gnade mibraucht hat? Ach, ich will an die Pforte deiner Gnade anpochen und um Eingang flehen, und sieh! die Schlssel, welche du mir gabst, des Himmels Tore mir zu ffnen, und mir den Weg zu dir zu bahnen: Gedanken und Worte, die treten anklagend wider mich auf. O! so vergib mir vor allen Dingen, was ich bis auf diese Stunde in Gedanken und Worten gesndigt! Sieh, Allgtiger, die tiefe Trauer, welche mich ergreift, und verbirg die Menge meiner Snden unter dem Mantel deines Erbarmens: reinige meine Seele von unlauteren Gedanken und la die Glut der Andacht hier in deinem Heiligtum alles Unlautere meines Geistes verzehren! La meines Herzens Angst und Reue eine glhende Kohle von deinem heiligen Altar sein, die meinen Mund berhrt, whrend mich deine Zusage trstet:Siehe! diese hat deine Lippen berhrt, dein Vergehen ist getilgt, und deine Snde soll geshnt sein![32] Vergib mir jedes bereilte Wort, das ich gesagt habe, und lehre mich von dieser Stunde an, meine lose Zunge zgeln; vergib mir die unbedachten Versprechungen, die ich gegeben habe, und erflle mich mit der Gewiheit, da du ein huldvoller Vater bist, der seinen Kindern gerne vergibt. Ja la mich dir danken, da du mich diesen Tag hast erleben lassen, und la mich ihn vom Abend bis zum Abend dazu benutzen, durch Gebet und Bue in innerliche Gemeinschaft mit dir zu treten. Amen! Zum Morgengottesdienst (Schacharis). 42.Herr! Herr! allmchtiger, barmherziger und gndiger Gott, langmtiger und von groer Gte und Treue, der die Liebe bewahrt bis ins tausendste Geschlecht, bertretungen und Snden vergibt und doch nichts ungestraft lt![33] Du unerschpflicher Quell der Gnade! ich beuge mich vor dir in den Staub und bete deinen Namen mit unendlichem Danke an, denn du hast mir diesen Tag zur Rettung meiner Seele geschenkt. Was wre ich doch, und wie sollte ich die schwere Brde aller meiner Snden tragen knnen, wenn du nicht diesen heiligen Tag dazu bestimmt httest, sie von mir zu nehmen, von meinen bertretungen mich zu reinigen und meine Schuld zu shnen, oder wie knnte ich mich davor retten, tiefer und tiefer zu sinken, wenn ich nicht durch Fasten, Gebet und Bue am heutigen Tage an alle meine Sndenschuld erinnert wrde, und deine liebende Vaterstimme mich heute nicht von meinem Irrweg zurckriefe und mir den Tag des Gerichts vor Augen stellte, der einst fr jeden Sterblichen erscheinen wird, aber mir auch zugleich wiederum deine Gnade zeigte, die gerne verzeiht und mir zuruft, da ich, dich suchen und leben soll. Wohl wei ich, o Gott, da du stets alle meine Wege schaust, und da deine Stimme mich ohne Unterla zu warnen sucht, aber das ist ja gerade mein Vergehen, da ich darauf nicht achte. Ja gewi, meiner Snden Menge wrde zuletzt allen Frieden und jegliche Ruhe aus meiner Brust verjagen, sie wrde mich tiefer und tiefer ins Verderben strzen und niemals zur Prfung meiner selbst kommen lassen, wenn du nicht diesen groen Sabbat[34] eingesetzt httest, der meiner Seele den heiligsten Frieden und die seligste Ruhe verschaffen soll. Siehe, indem ich diesen heiligen Tag in deinem Heiligtum zubringe, so werde ich daran erinnert, da ich selbst heilig sein soll, denn du, o Gott, bist heilig und in deinem Lichte soll ich mich, meinen Sinn und meinen Wandel lutern.--Ach, Herr, wenn ich alle meine Versndigungen bekennen wollte, wo sollte ich da anfangen und wo aufhren? O! so oft ich an diesem Tage mit der Gemeinde das Sndenbekenntnis (Viduj) widerhole, so la mich tief in das Innere meines Herzens schauen und mich selbst prfen, ob die Snden mich nicht in ihr Garn gelockt haben. La mich untersuchen, ob ich auch unverrckbar ein sittlich heiliges Ziel bei all meinem Tun und Handeln vor Augen habe, das ich vor den Menschen dereinst zeigen und mir selber auch gegenber stellen darf, wenn ich im Gebete vor deinem Angesicht stehe. Schaue gndig auf die Trnen meiner Reue herab, und la die Zerknirschung meines Herzens dir ein angenehmes Shnopfer sein. Schenke mir deine Verzeihung fr jedes Mal, da ich meine Pflicht als Mensch (als Mutter, Tochter, Schwester, Verwandte usw.), als Israelitin versumt habe, vergib mir, da ich so oft die Menschen mehr als dich gefrchtet habe, verzeihe mir, da ich rasch zur Lust der Welt und zgernd zu deinem Dienste, da ich eifrig zum Schlechten und langsam zum Guten, verschwenderisch fr den Genu und geizig fr Wohltaten gewesen bin. Gerechter Gott! Verfahre nicht mit mir nach meinen Snden, sondern nach deiner groen Barmherzigkeit welche gern vergibt. Ja, erbarme dich ber mich und hilf mir in deiner Liebe, da ich an diesem Tage der Vershnung von neuem geheiligt werde; fhre du mich selbst zurck auf deinem Wege, da ich zum Guten und zur Wahrheit Umkehr halten mge, denn du bist Herr, mein Gott. Amen! [Funote 32: Jesaias, Kap. 6.] [Funote 33: 2. Buch Mosis, 34, 6. ff.] [Funote 34: Schabbos Schabboaun.] Beim Mittagsgebet (Mussaph). 43. Je lnger ich heute in deinem Haus verweile, Allheiliger, je mehr ich mich selbst betrachte, indem die Quelle jeder Sinneslust gehemmt ist, und das Brausen der Leidenschaften in meiner Brust erstirbt, je klarer ich mir bewut werde, da ich hier vor deinem ewigen Richterstuhle stehe, wo nicht nur die Snden, welche alle Welt sieht und verurteilt, mir vorgehalten werden, sondern wo eine jede sndige Neigung, jede gottlose Begierde, jedes unntze Wort, ja selbst die geringste Versumnis in der Ausbung des Guten, die ich mir habe zu schulden kommen lassen, als Zeugen gegen mich auftreten, mich ohne Schonung vor dich zu Gericht bringen, dem alles offenbar ist, und mich meiner Selbsttuschung entreien, die meinen Geist sonst gefangen hlt, um so mehr mu ich wieder und wieder dein Erbarmen anflehen: O, vergib, vergib mir, Allbarmherziger, wende mir deine Gnade wieder zu, da ich in meinen Snden nicht verderben mu! Aber darf ich mein Angesicht wohl zu dir erheben und deine Verzeihung mir erflehen, so lange noch die Stimme eines gekrnkten Bruders meine Stimme bertnt, und so lange dies mein Herz noch nicht erfllt ist mit der Liebe, welche alle Vergehen zudeckt?[35] ber wie manchen habe ich nicht in Blindheit und Leidenschaft ein ungerechtes Urteil gefllt, wie oft habe ich meines Nchsten Absicht verkannt, wie oft ihm feindlich entgegengestrebt! Herr! soweit ich meiner eigenen Lieblosigkeit Snde kenne, will ich mich bestreben das Meinige zu tun, um meines Bruders, meiner Schwester Verzeihung zu erlangen, aber, ach, wie viel habe ich nicht vergessen, wie manche sind nicht von mir geschieden, ohne da ich damals ihre Verzeihung erhielt oder sie jetzt noch erhalten knnte. So la mich denn vor deinem Angesicht fr mein Vergehen, das ich gegen diese begangen habe, Abbitte tun. Dein ewiger Geist, der in ihnen wirkt, tilge meine Schuld in ihrem Andenken. Und mich, o Herr, mich erflle du mit dem reinen Geiste der Vershnung. O, ich will allen Groll und allen Ha aus meiner Seele ausmerzen! Ich will jede Krnkung fr nicht geschehen erachten und jedes Versehen gegen mich verzeihen, und wenn jemand auch noch so schlecht gegen mich und die Meinigen gehandelt htte, und wer versucht hat, mir zu schaden und meine Ehre zu beflecken, ja, Herr, selbst meinem Todfeinde, ich will ihnen allen verzeihen, und sollte es mir schwer fallen, so will ich mich daran erinnern, da gegen mich sich doch keiner so schwer vergangen hat, als ich mich gegen dich, Allgtiger, versndigt habe, und da ich doch auf deine Verzeihung hoffe, weil du meine Schwche kennst, und will mir ins Bewutsein rufen, da meines Bruders Versehen gegen mich auch aus derselben Quelle der Schwche und des bsen Willens flieen. Ich will eingedenk sein dessen, was unsere Weisen sagen, da wir von dir mit demselben Ma gemessen werden, mit dem wir andere messen und andere richten, und da[36] des Menschen schnster Schmuck darin besteht, alle Verschuldung zu bersehen und zu vergessen!--O gnadenreicher Richter! so schaue denn herab auf meine Seele, die erfllt ist mit Gefhlen der Vergebung, in der ein himmlischer Friede wohnt, den kein bitteres Gefhl gegen irgend einen Menschen mehr strt! Erhre du auch meine Bitte um Vergebung meiner Snden und erflle meinen Geist mit der beseligenden Verkndigung: Heute sollen deine bertretungen getilgt werden und du sollst rein sein von allen deinen Snden wider den Ewigen.[37] Mit diesem Trost will ich mich heute vor dir in den Staub niederwerfen, vor dir, der du selbst verzeihst und gerne die Vergehen tilgst. Amen! [Funote 35: Spr. Sal. 10, 13.] Beim Nachmittagsgebet (Mincha[38]). 44. Hilf, o Ewiger, denn der Frommen Anzahl ist geschwunden und der Glubigen sind wenig, erhre mein Gebet fr die Snder, welche frech ihr Haupt erheben, und vergib die schweren bertretungen, die so zahlreich und hufig sind. Ach, der Himmel umdunkelt sich vor meinen Blicken, wenn ich daran denke, wie schamlos Wollust und Unmigkeit auftreten und die jungen Seelen bestricken, wie sie die schnsten Verhltnisse vergiften, das Wohl der Familien untergraben und so manche den wilden, unmigen Lsten zum Opfer fallen lassen, whrend sie zugleich ihre Laster unter beschnigenden Namen verbergen, oder wenn ich an den Trotz gedenke, mit dem man deine Gebote bertritt, dein mildes himmlisches Joch verhhnt, ja sich sogar rhmt, es abgeworfen, und dafr das Joch auf sich genommen zu haben, welches die Welt in ihrer Verderbnis geschmiedet hat! O du, mein Gott, dessen Barmherzigkeit kein Ende nimmt, ich bitte dich: Vergib meinen Brdern ihren Abfall und ihre Schuld, gehe nicht mit ihnen ins Gericht und strafe uns nicht in deinem Zorn um ihrer bertretung willen! Und doch, darf ich wohl eine Frbitte fr die Snder zu dir emporsenden, ohne da mich mein eigenes Gewissen als Teilnehmer an ihren Vergehen anklagt? Wie oft bin ich es vielleicht gewesen, der Veranlassung zum Sndigen gab, oder habe ich stets hinreichend meine Abscheu vor dem Laster zu erkennen gegeben und all den Kummer sehen lassen, von dem ich ergriffen wurde, wenn die Snde ohne Errten auftrat? War meine Betrbnis nicht viel grer ber den geringsten Verlust an zeitlichen Gtern, als darber, da sich die Frechheit und die Ruchlosigkeit meinen Blicken darstellten, oder da ich sah, wie eine Menschenseele verloren ging! Entflammte mein Zorn nicht weit mehr ber die geringste Beleidigung, die mir widerfuhr, als wenn ich Zeuge war, wie dein Name und dein Haus entweiht wurden! Ach, Herr, flossen Trnenstrme aus meinen Augen, weil deine Gesetze nicht beobachtet wurden? Wurde ich von Kummer verzehrt, weil deine Worte vergessen wurden?[39] Habe ich freimtig dich und deine Lehre bekannt, wenn der Gottlosen Hohn mich mit Schmerz erfllte? O, es ist so schwer, ohne Fehler zu wandeln, selbst wenn auch der Edlen und Heiligen Beispiel mir stets voranleuchtet, wenn meine Augen jederzeit sehen, allenthalben, was dir verhat ist, und mein Ohr bestndig hrt, was Sinne und Gedanken irreleitet und strt. O du, der du dich ber uns erbarmest, wie ein Vater ber seine Kinder, la deine Gnade gro sein gegen die sndige Welt und hilf mir, mit Sorgfalt alles zu vermeiden, was mir zu einer Schlinge werden knnte. Errette mich bei den ernsten und heiligen Erinnerungen dieses Tages, o Herr, errette auch (meine Kinder, meine Angehrigen, meine Verwandten und Freunde, meine Dienstboten), da kein sndiger Umgang sie von dir entfernen mge.Lutere mich, o Allgtiger, erforsche mein Herz, prfe meine Gedanken, sieh, ob der Weg, den ich wandle, zum Verderben, fhrt, und leite mich auf den Weg zur Ewigkeit![40] Mchten alle Snder bedenken, wie nahe ihnen ihr Ende ist, wie bald das Leben ihnen verronnen, da sie zur Zerknirschung gefhrt werden und zu dir umkehren mchten.Verwirf mich nicht vor deinem Angesichte, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir, sondern la mich deiner Gnade wieder froh werden, und schenke mir einen neuen und willigen Geist, da ich den bertretern deine Wege kund tue, und die Snder sich zu dir bekehren mchten.[41] [Funote 36: Spr. Sal. 19. 11.] [Funote 37: 3. B. M. 16, 30.] [Funote 38: Nach dem Thora-Lesen, 3 B. Mos. 18] [Funote 39: Ps. 119, 139.] [Funote 40: Ps. 139, 23.] [Funote 41: Ps. 51.] Zum Schlugebet (Nelah). 45. Vater, barmherziger Vater im Himmel! Es ist die letzte Stunde des heiligen Tages, welche jetzt naht. O, da doch meine ganze Seele in diesem Augenblick sich von der Erde hin zu dir erheben mchte, als ob des Lebens letzte Stunde mir erschienen sei. Mit Gebet und Bue habe ich nun heute die Gelste und Begierden meines Leibes besiegt, und doch, wie leicht ist nicht die Sehnsucht nach des Lebens Lust selbst mitten in meiner Andacht bei mir wach geworden, und selbst whrend ich reuevoll meine Snden bekannte, konnte das Verlangen nach ihnen in meiner Brust nicht erstickt werden; ja, ja, vielleicht hat mich sogar der Wunsch erfllt, da dieser Tag schon berstanden sein mchte, gerade als ob dieser Tag an sich durch Fasten und Bue mir Abla fr meine Snden verschaffen knnte, und als ob ich alsdann frei wieder den Weg meiner alten Verirrungen betreten knnte, wenn er geendet habe. O, la mich deshalb noch einmal aus allen meinen Krften meine Gedanken und mein Inneres lutern, und la meine heien Trnen die Aufrichtigkeit meiner Reue bezeugen und dir ein angenehmes Shnopfer sein, mit dem ich meines Herzens Gelbde besiegele, da ich dich stets vor Augen haben will, und da die Erinnerung an diesen Tag mit unverlschbarer Schrift in die Tafeln meines Herzens eingegraben und mir nahe sein soll in jeder Stunde der Versuchung.--Herr! Zrne mir nicht, da ich noch dieses letzte Mal zu dir bete; die Schatten des Abends breiten sich schon aus, und die dunklen Schatten meiner Snden verfolgen mich; ich will sie verjagen und noch einmal meine Schuld bekennen, ich will an die Tre deiner Gnade anklopfen und deinen Namen anrufen, du einziger, ewiglebender Gott! Ich will mich unter dieser Anrufung dir heiligen mit Leib und Seele, und ich gelobe feierlichst, mich selbst in Liebe zu opfern. O, la mich deiner Gnade Stimme vernehmen:Ich, ich selbst tilge deine bertretungen und will deine Snden vergessen[42] O la meine Seele beim Ende dieses Tages mit heiliger Freude erfllt sein, da sie jubeln knne:Selig, selig ist der, dem seine bertretung vergeben und dessen Snde getilgt ist! Selig ist der Mensch, dem der Herr seine Schuld nicht anrechnet, und selig der Geist, den der Herr von der Last seiner Snden befreit hat![43]--Ja, la meine erlste Seele deinen Namen in alle Ewigkeit lobpreisen, du, mein Herr und mein Gott. Amen! Am Laubhttenfest (Succoth). 46. Herrscher der Welt, der du die Liebe bist! Heute erinnere ich mich, wie wunderbar du unsere Vter durch die Wste fhrtest, da du sie in Htten wohnen lieest, und vertrauensvoll rufe ich aus:Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln[44] O, Dank sei dir gebracht, da du mir dieses Freudenfest verliehen hast, das mich jedes Jahr in der Zuversicht bestrken soll, niemals vor der unbekannten Zukunft mich zu ngstigen, und niemals mich von den mannigfachen Sorgen berwltigen zu lassen, die ja oft in den Menschenherzen auftauchen. Denn meine Htte ist in deinem Namen erbaut, und wenn ich auch jetzt nichts she als die de Wildnis, so wei ich doch, da du dein Manna herniederfallen lassen kannst, da du mir alles, dessen ich bedarf, verleihen und da du deinen Schatten ausbreiten kannst ber meine Wohnung. Und, wenn auch Strme tosen und sie umzustrzen drohen, so will ich doch mit frohem Mute durch die Wlbung der Laubhtte zu deinem Himmel aufschauen, der seine Strahlen in meine Wohnung hernieder sendet und ich will mein Vertrauen auf dich setzen, der gerade unter den brausenden Strmen die Saaten reifen lt und den Bumen die Kraft gibt, Frucht zu tragen, und der da will, da auch der innere Mensch unter den Strmen der Geschicke und der Zeit reifen und Kraft gewinnen soll, edle Frucht zu tragen. Aber auch daran will ich heute denken, da gerade dieses Fest dazu eingesetzt ist, mich an die Pflicht zu erinnern, auch eine gebhrende Sorge fr meinen Krper zu hegen, und ich will froh sein, da ich mich zu einem Glauben bekenne, der nicht von mir fordert, da ich mein Fleisch mit selbstverursachten Martern peinige oder mir jede Freude versage, die du auf meinem Wege mir erblhen lt, noch da ich ganz der Welt entsagen und abgeschieden von ihr leben soll; nein, vielmehr einen Glauben, der gerade will und mich durch diese Feier dazu auffordert, da ich die Freuden der Erde mit meinen Verwandten und Freunden genieen soll und mich freuen all des Guten, das du mir gegeben hast, so da jeder sinnliche Genu dadurch geheiligt wird, da er in dir genossen wird und so, da ich mich selber bei allem, was meinen Leib erquickt und freut, in deinem Dienste fhle, als einer, der dein heiliges Gebot erfllt. So gib denn du, mein Gott, da so selbst jede irdische Lust, die du mir bereitest, mich dir nher fhren und da ich, indem mein Vertrauen auf dich gekrftigt wird, erfahren mge, da߻wer auf dich baut, mit Gnade umgeben werden und sein Haus und seine Htte in Frieden stehen soll.[45] Amen! [Funote 42: Jes. 43, 25.] [Funote 43: Ps. 32.] [Funote 44: Ps. 23, 1.] [Funote 45: Ps. 32, 10.] Am Laubhttenfest als Erntefest.[46] 47. Ewiger, der du sowohl in der Hhe als in der Tiefe die verborgenen Quellen ffnest und aus unerschpflicher Flle Segen niederstrmen lt ber alle Geschpfe, dir bringen jetzt alle ihren Dank, weil ihre Vorratskammern wiederum gefllt sind,--wie knnte ich da allein schweigen? Sollte ich dir meinen Dank nicht bringen, der du deine milde Hand aufgetan und allem, was lebt, seine Nahrung gegeben hast? Nein, und wenn auch alle Welt schwiege, ich mte doch in dieser Stunde die Stimme meiner Dankbarkeit erheben, denn du hast ja selber dieses Fest in deiner Gte dazu geweiht, da es in der Brust des Israeliten die Stimme des Dankes wecken soll, auf da, wie unsere Vter in der Wste jeden Tag der Woche, so auch wir jetzt zu diesen festlichen Stunden erkennen, da das Brot vom Himmel kommt, und da wir nicht sein sollen wie diejenigen, welche ber die Gabe den allgtigen Geber vergessen. Und kann ich auch nicht wie der Landmann zur Erntezeit, in meine Scheuern gehen, um den reichen Segen zu sehen, so hast du doch mir und den Meinen eine nicht minder reiche Ernte verliehen. Die Tat, welche ich vollfhre, der Beruf, den ich erflle, das ist ja der Acker, den ich pflge und bese, und wie reich hast du mich ernten lassen! Und htte ich auch nur wenig geerntet, flossen auch die Quellen der Nahrung nur sprlich, so ist doch selbst dieses Geringe eine unverdiente Gabe aus deiner Hand. Aufs neue wird mir die Gewiheit, da du deinen Bund hltst, da Saat und Ernte niemals aufhren und der Fleiige gesegnet werden soll. Wieder habe ich tausende von Erquickungen empfangen, und jede einzelne von ihnen lehrte mich, da, wenn auch junge Lwen schmachten und hungern, so soll doch denen, die dich von ganzem Herzen suchen, nichts Gutes mangeln.[47] So will ich mich denn heute in diesem Troste freuen, und ich will meine Freude erhhen, indem ich Freude nah und fern verbreite, und meinen Dank will ich dir dadurch beweisen, da ich jedem meiner Brder und jeder meiner Schwestern mit freundlichem Angesicht, mit mildem, wohlttigem Sinn entgegenkommen will, da auch ihr Dank fr alles, womit du uns gesegnet hast, zu dir aufsteige. Nun bitte ich dich, allen schne, festliche Tage zu bereiten, ich bitte dich, Frieden und Freude ber mich und mein Haus auszubreiten, da es von deinem Lob bestndig widerhallen mge. Geheiliget sei dein Name! Amen! [Funote 46: Einsammlungsfest 2. Mos. 23, 16, 34. 22.--5. Mos. 16, 13.] 48. Dir danke ich, o mein Gott, da dein Name nahe ist, und da, der du deine hohe Wohnung dir im Himmel erbaut hast, du auch deinen Bund auf Erden gegrndet und deine Htte unter den Kindern der Menschen aufgeschlagen hast, da auch mein Leben in der Gemeinschaft der Frommen geheiligt wird. Denn heute ist es ja das Fest, welches du dereinst angeordnet hast, um dem gemeinsamen Leben der Glubigen Nahrung zu geben, und noch jetzt ist es diesem Zweck geweiht; und wie vormals alle diejenigen an ihm vereinigt wurden, welche in zahlreichen Scharen zur heiligen Stadt hinzogen, deinen Namen zu preisen und deiner Lehre zu lauschen, auf da sie neu belebt wrden und mit des Glaubens heiligen Gaben in ihre Huser heimkehrten, also umschlingt dasselbe Fest noch immer mit einem heiligen Band alle diejenigen, die ber die weite Erde zerstreut und zersplittert sind, aber eine geistige Gemeinschaft sich bewahrt haben. Es verbindet uns alle als Brder im Glauben, die wenig Begabten mit den an Kenntnis Reichen, und die, welche durch ihre frommen und edlen Handlungen sich einen Namen und guten Ruf erworben haben, mit denen, die nur wenig vollfhrt, aber doch zur Grndung des Himmelreiches auf Erden mitgewirkt haben, wenn sie nur treu geblieben sind und sich dem heiligen Bund von ganzem Herzen angeschlossen haben. Es sind ja nicht nur die Mchtigen und Groen, die hie und da nur sprlich zu finden sind, durch welche die Aufgabe, die du deinem Volke gestellt hast, erfllt werden soll; auch nicht allein diejenigen, welche die Menschen dazu bestellt haben, deinen Weinberg zu hten und zu pflegen, nein, es sind auch diejenigen, welche mit geringen Krften Stein auf Stein zu dem heiligen Bau tragen, die Geringen, welche in einfltiger Frmmigkeit das Ihrige zu seinem Wachstum beitragen, und berall sich finden, wo der Lebensstrom deiner Lehre fliet, gleich der unansehnlichen Weide, die an jedem Strom wchst und die ganze Erde ziert, whrend die Palme nur ein Schmuck der sdlichen Lnder ist. O Gott, la auch mich ein lebendiges Glied in diesem Bunde sein, mich, der ich mit ganzem Herzen mich deiner Gemeinde anschliee; und kann ich auch nichts Groes wirken, so erflle mich doch mit der freudigen Gewiheit, da selbst durch das Wenige, welches ich beizutragen vermag, das Ganze und Groe auch gefrdert werde. Strke mich in dem Vorsatz, mit Bereitwilligkeit mein Scherflein fr alles zu geben, was zum Bedarf der Gemeinde sowohl, wie deines Hauses dient, und fr alles, was die Gemeinschaft mit dir frdert. Und Herr, mit Sorgfalt will ich alles vermeiden, was Zwistigkeit erregen knnte, und was dazu dienen mchte, das Band zu lsen, welches uns alle in einem Gedanken und in einem Sinne vereinen soll. La nun dieses Fest ber mich und die Meinigen seine erquickenden Schatten breiten, da ich von seiner Freude gesttigt werde, als von dem Vorgeschmack der Seligkeit. Amen! [Funote 47: Ps. 31, 11.] Am Schlufeste (Schemini Azeres). 49. Ewiger Gott! Das Fest und die Natur vereinen sich, um mir zu predigen;Alles ist eitel, alles ist ganz eitel![48] Wohin ich jetzt meine Blicke wende, berall in der Natur treten mir die Zeichen der Vergnglichkeit entgegen. Die Schnheit der Ebene ist geschwunden, der Schmuck der Fluren ist dahingewelkt, auf drre, welke Bltter tritt mein Fu, und ich fhle mich tief von dem Gedanken ergriffen:Des Menschen Leben ist wie Gras, er blht wie eine Blume des Feldes, ein Wind fhrt darber hin und sie ist nicht mehr und ihre Sttte kennt man nicht lnger;[49] bald welkt die Schnheit des Lebens dahin, ach, gar bald werde ich dastehen wie ein entlaubter Baum, von dem Blatt nach Blatt herunterfllt. Und wird mir nicht dasselbe von diesem heiligen Schlufest gepredigt, das mich daran erinnern soll, wie bald meine Tage zu Ende sind und mein Tagewerk abgeschlossen werden soll? Noch einmal will ich mich in dir und vor deinem Angesichte freuen, o Ewiger, und in meiner Seele alle die beseligenden Eindrcke sammeln, welche diese vielen Festtage auf mich gemacht haben, und ich will mich hten, da ich nichts von der mir noch vergnnten Zeit verliere. So will ich mich denn beeilen, ehe des Lebens Winter herannaht und die Krfte mir versagen, das zu vollfhren, wozu ich berufen worden bin, und ich will die wenigen Tage, welche mir zugemessen sind, noch mehr dazu benutzen, ein Leben zu fhren, dir angenehm und den Menschen segenbringend. Mein himmlischer Vater! Nimm das Opfer meines Herzens gndig an, das fromme Gelbde, da ich in dem Vergnglichen das Ewige erfassen will, damit ich einst, wenn du mich rufst, ein Schlufest bei dir in Seligkeit und ewiger Freude feiern mge. Amen! [Funote 48: Prediger Sal. 1, 2.] [Funote 49: Ps. 103, 15-16.] Am Freudenfeste ber die Thora (Simchas Thora). 50.Das Gras verdorrt und die Blumen welken dahin, aber dein Wort, o Gott, bleibt in alle Ewigkeit.[50] Das ist mein Freudenruf, mein Psalm, mein Lobgesang, mit dem ich mich dir am heutigen Tage, an dem Israel die heilige Thora beendigt und von neuem wieder beginnt, nahe. Alles Irdische vergeht, nur dein Wort besteht in Ewigkeit, und die, welche es uns verkndigt haben, leben ewig in unserer Erinnerung. Das flammende Wort, welches Moses Lippen entstrmte, ist die unvergngliche Richtschnur unseres Lebens, ein ewiges, das aller Zeiten Strme doch nicht zu vernichten vermochten. O Vater, ich danke dir, da dieses Wort des Lebens noch mein Eigentum ist, und da ich es rein und unverflscht besitze, wie es ursprnglich lautete. Ich danke dir, da du mir den Zugang zu demselben erffnet hast, ja, du hast es ja einem jeden Israeliten zur Pflicht gemacht, sich recht vertraut damit zu machen, in seine Tiefen einzudringen und Leben und Geist daraus zu schpfen, die Wahrheit darin zu suchen, zur Liebe dadurch erwrmt zu werden, und Trost und selige Hoffnung darin zu finden. Ich danke dir, da du in den 24 Bchern der heiligen Schrift (Thora, Nebiim und Kethubim) auch mir die reine Quelle des Lebens fr alle Zeiten und Geschlechter hast strmen lassen. Und indem ich dir fr deine geschriebene Lehre danke, sende ich auch meinen Dank fr die mndliche zu dir empor, welche uns den Inhalt der Schrift erst verstehen und richtig erfassen lt. O, mein Gott, wie oft habe ich nicht dieses dein Wort gering geachtet, wie oft eine Gelegenheit versumt, darin belehrt zu werden oder die Zeit verschlafen, da ich seiner Verkndigung lauschen sollte, whrend ich meine beste Zeit fr Schriften vergeudete, welche den Geist beflecken und Herz wie Sinn verderben! O lehre du selbst mich den Schatz hten, den du mir geschenkt hast, da ich in Zukunft mchte sagen knnen:Ich hasse Fabel und Tand, aber ich liebe deine Lehre![51] Die langen Winterabende will ich dir weihen, indem ich bei deinem heiligen Wort verweile, ich will aufmerken auf die mndlichen Auslegungen desselben und dahin eilen, wo ich es in lebendiger Verkndigung hren kann, da meine Seele errettet werde.[52] Ich will ein waches Auge ber alle die Meinigen haben, da sie nicht die giftigen Bcher lesen, welche ihre Gedanken beflecken und will sie den Wert deines Wortes erkennen lassen, welches uns von dem Irdischen zum Himmlischen emporhebt. Nun breite du deinen Frieden ber mich und die Meinigen aus, den Frieden, welcher denen versprochen ist, die dein Wort lieben, da ich niemals straucheln mge und meine Seele in dir lebe und dich in alle Ewigkeit preise.[53] Amen! [Funote 50: Jes. 40, 8.] [Funote 51: Ps. 119, 113, 163.] [Funote 52: Jes. 55, 3.] [Funote 53: Ps. 119, 175.] Am Feste der Tempelweihe (Chanuka, Lichterfest). 51. Lieber Gott! Wie soll ich dir genugsam danken und dich preisen fr all die Freude und all die Hoffnung, welche mir aus den Lichtern entgegenstrahlen, die wir in diesen Tagen zum Gedchtnis an den Kampf der Makkaber anznden, die fr das hchste Gut, fr den Glauben, stritten; zum Gedchtnis an den Sieg, welchen du sie gewinnen lieest, zum Gedchtnis an die Mrtyrer, die um des Glaubens willen, und um das ewige Leben zu retten, freudig in den Tod gingen. So hast du Israel nicht nur dazu erkoren, deinen Bund zu schlieen und deine Gotteslehre zu bewahren, sondern du hast es auch dazu gewrdigt, das erste Volk zu sein, welches ein Beispiel zur Nachahmung gegeben, fr die hchsten und heiligsten Gter des Menschen, fr die Freiheit des Glaubens und des Geistes zu kmpfen und alles Irdische zu verachten, wenn der Glaube in Gefahr schwebt, ja bereitwillig selbst lieber das Leben opfern, als die heilige berzeugung aufzugeben. Das erzhlt uns ja die Geschichte unseres Festes, wie unsere Vter in jenen Schreckenszeiten allen Drohungen und Verlockungen trotzten; wie sowohl Frauen als Mnner, sowohl Greise als Kinder standhaft alle Marter ertrugen; wie sie den Scheiterhaufen bestiegen und selbst im Tode noch ihren Glauben bezeugten. Und wenn auch alles dem Glauben Israels den Untergang verkndete, so ging er doch durch deine allmchtige Hilfe gerade aus jenen Tagen siegreich hervor, und du hast aller Welt gezeigt, da die Kraft des Geistes mchtiger ist, als gewaltige Heere. O Herr! Ich danke dir, da die Zeit der blutigen Verfolgung um des Glaubens willen ein Ende genommen hat; aber ach, mein Gott! wie oft sind nicht Hohn und Spott weit schneidendere und giftigere Waffen, und selbst die Mutigsten, die sich nicht frchten wrden, fr den Glauben in den Tod zu gehen, zittern vor der Verachtung der Welt und den Pfeilen des Spottes. Wie viele sind nicht dem Falle ausgesetzt durch die Schlinge, welche der Versucher ihrer Frmmigkeit legt, wenn er ihnen sowohl zuflstert, als auch laut entgegenruft, da sie noch in einer veralteten Lehre befangen sind, und wie mu es nicht mein Herz mit Sorgen und Bekmmernis erfllen, wenn ich die Lssigkeit im Glauben sehe, die berall hervortritt und mich fast frchten lt, da derselbe ganz auf Erden untergehen knnte.--Doch nein, nein! Indem ich der Zeit der Makkaber gedenke, will ich mich zugleich daran erinnern, wie oft das Verderben gedroht hat, wie oft es geschienen, als ob das heilige Licht des Glaubens erlschen sollte, und doch flammte es von neuem auf und strahlte nur um so klarer und heller. Ich will beim Anblick dieser Lichter meinen Eifer entflammen und meine Treue in deinem Dienste strken, sowohl ich, wie auch mein Haus, ja, ich will auf die Fahne meines Lebens die Inschrift setzen:Wer unter den Mchtigen kann sich vergleichen mit dir, und sicher und ruhig werde ich im Glauben wandeln.Ewiger, du bist mein Licht und meine Hilfe, wen sollte ich da wohl frchten? Du bist die Kraft meines Lebens, vor wem sollte mir da wohl grauen? Hre mein Flehen, sei mir gndig und erhre mich.[54] Amen! Am Purimfest. 52.Mein Mund lobsinge dem Herrn und preise ihn unter vielen, denn er steht zur Rechten des Unschuldigen, um ihn von denen zu erretten, die seine Seele richteten.[55] Du machst des Listigen Anschlge zu schanden, so da sie keine Macht haben, ihre Absicht auszufhren, du fngst die Boshaften in ihrer eigenen Tcke und vereitelst die Plne des Bsen.[56] So errettetest du ja unsere Vter von Tod und Verderben, als der Mchtige die Unschuldigen anklagte und in gekrnktem Hochmut einen Plan schmiedete, deine Treuen aus dem Lande zu vertilgen. Du, Israels Schirmherr, der niemals schlummert und niemals schlft, du lieest die Ruhe das Lager jenes Knigs fliehen, du ffnetest sein Auge, den Anschlag des Verrters zu erkennen; ja du hattest schon zuvor das Mittel zur Errettung Israels bereit, jene fromme Seele, die ihr Leben opfern wollte, fr das Heil ihres Volkes! So wurde selbst das schlimme Los uns zu Glck und Ehre, du lieest es zu Israels Rettung und Wohl fallen, und die Sorge ward in Glck, der Kummer verwandelt in Freude.--O, weshalb erschrecke ich da, wenn schlimme Nachricht mein Ohr erreicht, weshalb erbeben die Menschen, wenn von Ruchlosen Plne gegen ihr Wohl geschmiedet werden? Du regierst ja alles, du lenkst jeden Anschlag zu seinem Ausgang und lst die Verwickelungen des Lebens, und die Schandtat des Bsen mu ebenso gut meinem Wohle dienen, als die Segnungen der Edlen und Frommen. So werde meine Seele denn froh in dir, und Freude umgebe mich diesen Tag. So weit ich vermag, will ich den Unterdrckten auch selber helfen, und meine Freude mir dadurch erhhen, ich will mit meinen Gaben manchen Armen untersttzen, und mein Hallelujah soll den ganzen Tag vor dir erschallen. Amen! [Funote 54: Ps. 27.] [Funote 55: Ps. 109, 30.] 53. Mein Gott! Mein Mund vermag nicht all den Dank und all die Freude auszudrcken, die mein Herz fhlt, so oft dieser Tag der Errettung wiederkehrt.Wenn du nicht mit uns gewesen wrest, als die Menschen sich wider uns erhoben, so htten die Gottlosen uns in ihrem Zorn verschlungen. Ihr Glck wrde dann wie die Wellen in rasendem Sturm uns berflutet haben. Dir sei Lob und Preis, o Gott, der uns nicht zu einem Raub ihrer Zhne werden lie. Wir entgingen unsern Verfolgern; denn unsere Hilfe ruht in dem Namen des Allmchtigen, der Himmel und Erde erschaffen hat.[57]--Zu allen Zeiten und berall hast du, unser Vater, uns beschirmt; und dieser Tag ruft uns nicht nur den Sieg Israels ber Haman ins Gedchtnis, sondern alle die Ereignisse, da deine Vorsehung unsere Vter errettet hat, da du ihre Betrbnis in Jubel, den Ruf ihrer Angst und ihres Schmerzes in Trnen der Freude und der Dankbarkeit verwandelt hast. Ja sicherlich, Herr unser Gott, Israel ist ein lebendes Zeugnis deiner ewigen Treue:Die, welche auf dich hoffen, sollen niemals zu schanden werden. Israel wurde verachtet und gedemtigt, aber sein Vertrauen auf dich war strker als seine Leiden, und du hattest Mitleid mit seinem Schmerze; hellere und freundlichere Tage sind ja gefolgt auf die Zeit des Hasses und der Verfolgung. Allvaters Stimme hat den Geist aller seiner Kinder durchdrungen, ihre Herzen erreicht, und Israel findet berall unter den Nachkommen seiner Unterdrcker nunmehr Brder. Ja, die Erinnerung an das, was unsere Vter gelitten haben, erhht in unsern Herzen nur die Freude ber unser Vaterland, das all unsere Wunden geheilt hat, all unsere Schmach getilgt und unserm Glauben seine Freiheit und seinen Glanz zurckgegeben hat. Gelobt seiest du, unser Gott, unser Erretter! O, da doch das Bewutsein all der Freuden, die wir in diesem unsern Geburtslande genieen, unsere Herzen zu brderlicher und liebevoller Gesinnung gegen alle Menschen, unsere Brder, erwecken mchte!--Sei gelobt, du Ewiger, unser Gott, fr all die Wunder, welche du an unsern Vtern vollfhrt hast und fr den ewigen Schutz, den du ihren Kindern angedeihen lt. Amen! [Funote 56: Ijob. 5. 12, 13.] [Funote 57: Ps. 124.] Am Tage der Zerstrung des Tempels (Tischoh b'ab). 54. O du, dessen Liebe ohne Ende ist und dessen Barmherzigkeit ohne Grenzen, heute werde ich erinnert an die Stunde, da du Israels Schmuck vom Himmel zur Erde strztest und am Tage der Heimsuchung den Schemel deiner Fe nicht achtetest,[58] und meine Bitte wird von Wehmut erfllt, und Sorgen erfassen mein Herz. Wie knnte es auch anders sein? Ist nicht das gerade das Groe und Erhabene der heiligen Gedchtnistage meines Glaubens, da ich nicht nur die glcklichen Zeiten, die Tage der Errettung, des Sieges und der Freude mir vor die Seele rufen soll, sondern auch jene, die ein trauriges Zeugnis fr die Snde und den Abfall der Vter ablegen, wie sie es selbst verschuldeten, da du nicht einmal dein Heiligtum schontest, welches ber alle Ebenen der Welt sein Licht verbreiten sollte, da Zion, von wo die Thora ausgehen sollte, wie ein Acker gepflgt wird, und da Jerusalem, die Sttte, welche zur Verkndigung deines Namens geheiligt war, zu einem Steinhaufen wurde.[59] Mit Sorgen stimme ich in die Klage des Propheten ein:Unsere Vter haben gesndigt und sind nicht mehr, und wir tragen ihre Snde.[60] Sie hrten nicht auf den Ruf deiner Gnade, und vergebens zeigtest du ihnen deine Langmut; ja, sie gruben sich mit eigner Hand ihr Grab, indem sie gegen einander wteten und sich durch eigenen Streit in die Hnde ihrer Feinde gaben. Da wurde der heilige Bau zerschmettert und zermalmte in seinem Falle alle, die ihm anhingen. Ach Herr! Bitterlich weine ich ber diesen Fall, und um so bitterer, weil die Snden der damaligen Zeit noch immer unter uns herrschen. Aber je mehr ich mir das Innerliche zu Herzen nehme, um so fester ist auch meine Hoffnung,[61] und je tiefer meine Sorge ist, um so gewisser ist auch mein Vertrauen auf dich und deinen Trost. Ja, so gewi, wie jenes Gotteswort in Erfllung ging, welches dem sndigen Volke seinen Untergang verkndigte, und da die Tage des Zornes kommen sollten, so gewi wird auch jene Zeit erscheinen, wo es wieder zu Gnaden aufgenommen wird und sich erfllt, was der Prophet verkndet:Und in den letzten Tagen soll es geschehen, da soll der Tempelberg des Herrn ber alle Hhen erhoben werden, und alle Vlker sollen dahin strmen und sagen: Kommet! lat uns hinaufziehen zu dem Herrn, zum Hause des Gottes Jakobs, auf da er uns seine Wege lehre, da wir in seinen Futapfen wandern mgen, und Freude soll ber alle sich verbreiten, die in Sorgen leben ob seines Falles.[62] Ewiger! strke du mich in dieser meiner Hoffnung und la mein Leben ein Zeugnis davon sein, da ich Wahrheit und Frieden liebe. Amen! [Funote 58: Klagelieder 2, 1.] [Funote 59: Micha 3, 12.] [Funote 60: Klagelieder 5, 7.] [Funote 61: Klagelieder 3, 21.] [Funote 62: Micha 4.] Schlugebet beim Gottesdienste (Olenu). 55. Uns geziemt es dich zu loben und dich zu verehren, o Herr des Weltalls, und deine Gre und Herrlichkeit zu bezeugen, da du uns berufen hast, deine Worte und deine Taten in der bung frommer Werke zu verknden und dich durch unseren Lebenswandel zu heiligen. Darum verneigen wir uns ehrfurchtsvoll vor dir, und bekennen dich als den Herrn des Himmels und der Erde. Ja wir hoffen auf dich und glauben in fester und unerschtterlicher Treue, da deine Gre und Allmacht, o Gott, immer mehr erkannt werde und sich sichtbar verbreite nach allen Richtungen der Erde, damit aller Irrtum hienieden verschwinde und alle Wesen erkennen, da du nur allein Gott und Herr bist ber alle erschaffenen Dinge. Alsdann werden alle Bewohner des Weltalls vor dir sich neigen und deiner Herrschaft sich willig unterwerfen, deinen Namen die Ehre geben und so den wahren Frieden allseitig hienieden begrnden. So lehren ja auch deine Propheten mit ihrem hellen Seherblicke in die Zukunft.Gottes Reich ist ein ewig dauerndes. Und an anderer Stelle heit es:Und Gott wird Knig sein ber die ganze Erde, alsdann wird der Ewige einzig sein und sein Name einzig.! Amen! Die Hausfrau, wenn sie Chala nimmt. 56. Wie du einst unsere Vter in der Wste speistest und sie am Tage alles zum Unterhalte ihres Lebens finden lieest, dessen sie bedurften, so bist du, o mein Gott, mit meinem Gatten, (meines Hauses Versorger) gewesen und hast seinen Flei gesegnet, da wir den Unterhalt unseres Lebens nicht entbehren. Bevor nun der heilige Tag beginnt, will ich nach Vorschrift auf bildliche Weise dir meinen Dank darbringen, und als ein echtes Weib Israels will ich unsern Glauben bekennen, da selbst jeder sinnliche Genu, den du uns gewhrst, durch fromme Gedanken geheiligt werden soll. Denn du lieest es zum hohen Beruf des Weibes werden, den Segen des Glaubens in das schne Heim zu bringen; ihr legtest du die Pflicht auf, das tgliche Brot zu heiligen. O, mein Gott, so la es denn dir gedeckt sein, was ich bereite, und segne du unsers Lebens Brot. Amen! Die Hausfrau, wenn sie die Sabbatlichter oder die Festlichter anzndet. 57. Freude soll alle Zeit in Israels Wohnungen leuchten; das israelitische Weib soll die Wolke der Bekmmernis zerstreuen, die sich zeitweilig ber den Gatten ausbreitet und den huslichen Kreis verdunkelt. Mit dem warmen und reinen Glauben in ihrer Brust soll sie trsten, ermuntern und erquicken. O! habe Dank, o Vater, da ich jetzt wieder an meinen schnen und heiligen Beruf dadurch erinnert werde, da ich die Sabbat-(Fest-)Lichter anznde, durch aufopfernde Ttigkeit, Freude zu verbreiten und das Licht des Glaubens zu bewahren. Amen! IV. Gelegenheitsgebete. I. Am Geburtstage. Aus meines Herzens tiefstem Grunde sende ich heute mein Gebet zu dir empor, allgtiger Gott und Vater, dessen Huld und Gnade ber mich gewacht und heute mich in mein (--) Lebensjahr treten lt. Leben und Liebe hast du mir zuteil werden lassen und deine Vorsehung hat meinen Geist bewahrt. Ja, ich bin allzu schwach und zu geringe, um dir meinen Dank auszusprechen fr jeden Segen, mit dem du mich begnadigt hast seit der Stunde, da ich zum ersten Male das Licht der Welt erblickte.--Es kommen heute meine Lieben mit ihren Glckwnschen mir entgegen, aber ach Herr, der du Herz und Nieren untersuchst, kann ich wohl diese Wnsche fr meine Zukunft hren, ohne da mein Herz mir Vorwrfe macht fr die Zeiten, welche vergangen sind? Kann ich mir selbst Glck wnschen, weil ich lter geworden, wenn die Erfahrungen und Prfungen des Lebens mich nicht weiser, besser und frommer gemacht? Wenn ich heute auf die dahingeschwundenen Geburtstage schaue, die ich bereits erlebt habe, und wenn ich an die vielen Hoffnungen denke, die sich an jene knpften, an die Erwartungen, mit welchen meine Eltern mich umarmten, und ich da mich selbst frage: Habe ich diese Hoffnungen und Erwartungen erfllt? Habe ich den Arbeitstag, den der Herr der Zeiten mir vergnnte, mit Eifer und im Dienste des Allheiligen angewendet, so da ich auf seinen Beifall und auf seinen Lohn hoffen darf, wenn die Abendstunde kommt? O mein Gott, was darf ich dann antworten?--Sieh, du hast in diesem Jahre mir in deiner Gnade viel Freude gesendet, und in deiner Weisheit hast du mich mit Schmerzen heimgesucht,--alles, um mich zu erinnern, da ich unter deiner vterlichen Leitung stehe, und da ich nur ein Pilger bin, der einen mhsamen Weg zu wandern hat, bevor er die himmlische Heimat erreicht. Dunkel ist fr mich der Weg, den ich noch zurckzulegen habe, aber du, dessen Auge mich geschaut vom Lebensanfang, und in dessen Buch alle meine Lebenstage verzeichnet waren, ehe ich noch da war,[63] nimm du mich ferner in deinen Schutz, beschirme und segne alle, die mir teuer sind, und bilde du mein Herz nach deinem Wohlgefallen! O, da ich in der festen berzeugung gestrkt werde, da mir keine Brde auferlegt wird, zu der du mir nicht auch die Kraft verleihest, sie zu tragen, und da ich Tag und Nacht eingedenk sein mchte, da alles Fleisch Gras ist, da hingegen jegliche Tat auf Erden, selbst die geringste, eine Saat ist, die ihre Frchte in der Ewigkeit trgt; ja da ich dessen stets eingedenk sein mchte, auf da ich meine Hoffnung nicht auf das Vergngliche baue, und nimmer verzage und verzweifle unter Widerwrtigkeit und Unglck, sondern selbst in Leiden und Schmerzen mich dir dankbar zeige; da die berzeugung mich stets beselige, da dein gtiger Geist mich berall leitet, segnet und strkt, und da deine Huld und Gnade mich erfllt und bewahrt, auf da ich dir treu bleibe im Leben und im Tode.--Ja, du bist der Gott meines Herzens, getrost bergebe ich mich deiner Hand und frchte nichts, du, Herr, bist meine Strke, dir lobsinge ich, du bist meine Hilfe und meine Zuflucht, in dir findet meine Seele Heil in aller Ewigkeit. Amen! II. Am Verlobungstage. Herr, du mein Fels, meine Zuflucht, leite du mich und fhre du mich um deines Namens willen! Entschieden ist es heute worden, wem mein Herz angehrt, an wen ich mein ferneres Geschick knpfen, mit wem ich durchs Leben wandern soll. Allzu schwach bin ich, o Herr, und allzu kurzsichtig, um das Innere eines anderen Menschen zu durchschauen, oder um zu wissen, was in den kommenden Tagen zu meinem wahren Heil und Wohl dienen kann und soll, darum sende ich mein Gebet zu dir empor: O la deinen Segen auf meiner Wahl ruhen! Gib, da der, welcher mir heute sein Gelbde gegeben, solches nicht leichtsinnig getan haben mge, sondern zuvor, wie ich, zu Rat gegangen sei, nicht blos mit den Angehrigen, sondern vor allem mit dir, mein Gott. La die kommenden Tage von dir gesegnet sein, da eine reine und lautere Liebe, die auf Gottesfurcht gegrndet ist, in unsern Herzen Wurzel schlage. Ja, Allgtiger, du, der du mit so vieler Huld meinen Weg gebahnt und mich mit so vieler Gnade umgeben hast, la diese Tage fr mich eine Vorbereitungszeit sein, da ich, wenn die Zeit nahet, vor deinen Augen wrdig gefunden werde, den Bund der Ehe zu schlieen. O, sei du mein Hirt und Leiter, und fhre mich auf den rechten Weg um deines Namens willen. Amen! [Funote 63: Ps. 139, 16.] III. Am Hochzeitstage. Gekommen ist nun der Tag, an dem der Bund meines Herzens in deinem Namen besiegelt werden soll, du ewiger, alliebender Vater, der Tag, der das Weh und Wohl meiner ganzen Zukunft in seinem Schoe trgt. O, wie knnte ich mich wohl dem heiligen Augenblick nhern, wie knnte ich hintreten, um dem Auserwhlten meines Herzens meine Hand zu reichen, ohne dir zuvor zu danken fr all deine vterliche Gte gegen mich, fr deinen Schutz bis auf diesen Tag, fr die geliebten Wesen, mit welchen du mich bisher umgeben, und die mit Zrtlichkeit und Sorgfalt ber mich gewacht und mich geleitet haben, ja, ohne dir dafr zu danken, da du mich den hast finden lassen, mit dem ich die wechselnden Geschicke des Lebens teilen soll, ohne dir zu danken fr die himmlische, beseligende Freude, die mich nun umstrmt, da das Band der Ehe uns verbinden soll. Wie knnte ich wohl all deine Gte empfangen und bereits heute die heiligen Pflichten der Ehe bernehmen, die der Ehestand mir auferlegt, wenn ich nicht zuvor mit reuigem Sinne mein Herz vor dir ausschtte, ehe ich den wichtigsten und meine ganze Zukunft entscheidenden Schritt meines Lebens tun und dich um deine gnadenvolle Vergebung bitte. Wenn ich aber in dieser Stunde meinen Blick auf die hingeschwundene Zeit richte, o welche schwere Klage erhebt sich da in meiner eigenen Brust gegen mich! Sndenvoll waren meine Gedanken, und meine Taten, wie wenig konnten sie dir wohlgefallen. Habe ich wohl gelebt, wie ich sollte? Habe ich als Kind von ganzem Herzen Vater und Mutter geehrt? Habe ich die weisen Lehren meiner Lehrer befolgt? Habe ich als Israelitin in meiner Jugend an meinen Schpfer gedacht und mit Wrme meinen Glauben umfat? O, vergib sowohl mir, Allgtiger, als der Seele, die nun mit der meinigen sich verbinden soll, jedes Vergehen und Versehen. Sieh auf uns in Gnade, wenn wir nun einander vor deinem Antlitze im Geiste gegenseitig das Gelbde der Treue geben, und la deinen Segen mit diesem Bunde sein. Heilige unsere Liebe in der Liebe zu dir, da wir, indem wir dich lieben, unsere gegenseitige Hingebung und Liebe nhren und strken. Hre, o Gott, mein Gelbde, das ich hier ablege. In glcklichen, wie in trben Tagen, will ich eine treue Gattin sein, die Geduld, Kraft und Selbstverleugnung zeigt, die als echte Israelitin durch den Glauben an dich stark ist, alles zu besiegen, auch sich selbst; stark ist, alles fr den zu tragen und zu dulden, den ihre Seele auserkoren hat. Gib, da wir, die von dieser Stunde ab mit einander wandern sollen, in Sanftmut und Milde einander begegnen, und uns gegenseitig unsere Schwchen in Liebe nachsehen! Ja, sei du mit uns, da wir einander zum Heil und Segen werden, und da durch diesen unsern Bund dein Name verherrlicht werde. Dazu hilfst du uns, o Gott. Amen! IV. In einer glcklichen Ehe. (Jhrlich am Hochzeitstage.) Unendliche Liebe! Allgtiger Gott! Was kann wohl mit dem Glcke verglichen werden, das du mich hast finden lassen, indem du mir die Glckseligkeit meiner Ehe zuteil werden lieest!--Wo fnde ich wohl ein irdisches Gut, das hheren Wert htte, als das, welches du mir in meinem teuren Gatten verliehen hast, mit dem ich des Lebens Freuden und Leiden teile. Mit jedem Tage lerne ich mehr und mehr schtzen, was ich an ihm besitze, als Ratgeber und Helfer; wie verste er mir sogar des Lebens bittere Stunden, wie hielt er mich unter mancherlei Prfungen aufrecht! O, mein Gott, jedes Jahr, das verfliet, knpft uns noch fester an einander; in den freudigen, wie in den kummervollen Tagen bewahrheitet es sich immer mehr an uns, da Liebe ein Paradies voll Segnungen ist, die so schn, so friedlich und freudenvoll. Ja, ich fhle alle Segnungen, die der Besitz eines treuen Gatten in sich schliet. Alliebender, wodurch habe ich so viel Glck verdient? Und doch soll auch dieses mich so beglckende Band einmal zerrissen werden, und dann wird die Stunde der Rechenschaft kommen, da du mich fragen wirst, ob ich die Zeit des Glcks auch dazu bentzt habe, selbst geheiligt zu werden und die Seele zu heiligen, welche du mit mir vereinigt hast. Deshalb, o Ewiger, bitte ich dich, indem ich dir fr all mein Glck danke, erhalte in uns denselben liebevollen treuen Sinn, la uns die freundliche Frsorge fr einander verdoppeln, wie unsere innerliche Ergebenheit gegen einander, und gib mir Kraft, meinen teuren Ehegatten nicht nur zu beglcken, sondern auch zu veredeln und zu heiligen, da wir, in Frmmigkeit vereint, dereinst in den Wohnungen der Seligen mit einander das Glck und den Frieden der Seligkeit genieen mgen. Wache ber uns, da wir einander in Hoffnung und Treue unter den Sorgen des Lebens strken mgen, und da wir in des Lebens frohen Tagen vor deinem Angesichte wandeln. Halte deine schirmende Hand ber meinen geliebten Ehegatten, und la mich ihm lange, lange noch Freude bereiten. Ewig danke ich dir, du reicher Gott voll Gnaden und mein allmchtiger Beschtzer. Amen! V. In einer kinderlosen Ehe. Ewiger!Kinder sind ja deine Himmelsgabe und Leibesfrucht eine Segnung, die von deiner Hand kommt![64] Wie sollte ich da nicht von ganzer Seele wnschen, mit Kindern gesegnet zu werden, die meines Herzens Freude sein und zu deiner Ehre erzogen werden sollten? O Herr! Wie der Vorzeit fromme Vter und Mtter bitte ich dich, mir diesen Segen zu verleihen, und mich noch Mutterfreuden genieen zu lassen. Aber wenn es in deinem unwandelbaren Rat beschlossen ist, mir dieses Glck zu versagen, so erflle mein Herz mit innerlicher Ergebung in deinen Willen und mit vermehrter Liebe zu meinem Gatten, da ich darin zehnfltigen Ersatz finde. Es sei ferne von mir, meinen Trost in dem Gedanken zu suchen, welch' eine schwere Brde oft die Erziehung und die Versorgung der Kinder ist, wie viel Kummer sie nicht selten verursachen,--dient doch das gerade zu der Eltern Heil, o Herr! da diese erst aus der Mhe und Sorge, die ihnen ihre Kinder machen, erkennen, welchen Dank sie ihren Eltern schuldig sind.--In dieser meiner Sehnsucht nach Kindern will ich einen vterlichen Wink erkennen, den du mir gibst, die mir verliehenen irdischen Krfte und Besitztmer zum Wohle derer anzuwenden, die in Bedrngnis sind. Ich will meinen Beistand der Kinderschar des Armen zuwenden, ich will ihnen zur Erkenntnis der heiligen Lehre frderlich sein, da sie zur Rechtschaffenheit und Gottesfurcht aufwachsen, ich will den Verwaisten eine Mutter sein und reichen Beitrag spenden zum Besten jeder Wohlttigkeit, wie zu deinem heiligen Hause. Ich will in Frmmigkeit und Liebe wandeln, da ich dadurch vielleicht eine Seele zur Tugend, zur Wahrheit und zum Glauben fhren kann, da sie geistig zu meinem Kinde werden mge. Ach Herr! Strke mich in diesem Vorsatz und gib mir Kraft, ihn auszufhren, da jene Worte, die du den Propheten verkndigen lieest, einst wie himmlischer Gesang vor meinen Ohren erschallen mgen:So spricht der Herr zu den Unfruchtbaren, welche meine Sabbattage halten und whlen, was mir angenehm, und an meinem Bunde festhalten,--diesen will ich in meinem Hause und in meinen Mauern Hand und Namen geben, was da besser ist, als Shne und Tchter; einen ewigen Namen gebe ich ihm, der nicht ausgetilgt werden soll.[65] Ja, o Gott, gib mir einen ewigen Namen im Buche des Lebens, und ich fhle mich getrstet. Amen! [Funote 64: Psalm 127, 3.] [Funote 65: Es. 56, 5-10.] VI. In der Schwangerschaft. Heiliger, allmchtiger Schpfer, allbarmherziger Vater im Himmel! Ich danke dir fr die beseligende Hoffnung, mit der du mich begnadigt hast. Wie glcklich hast du mich gemacht, indem du mir des Weibes hchste Freude verliehest, die Gewiheit, da ich Mutter werden soll! Siehe, schon hast du mir des Weibes hchste und heiligste Pflicht auferlegt, mtterliche Frsorge fr den noch Ungeborenen zu hegen. O, was vermag ich ohne dich! Erhre deshalb mein Gebet: La auch fr mich das Wort gesprochen sein, welches du einst Israel verknden lieest: Gesegnet sei die Frucht deines Leibes![66] Hte du meine Schritte, da das Kind, welches ich unter meinem Herzen trage, jeder Gefahr entgehen mge; beschirme mich um des Kindes willen, da nicht Schrecken noch Angst, nicht Furcht noch Aufregung mir nahe. Strke mich darin, ber mich selbst zu wachen, da nicht der Mutter Unvorsichtigkeit, trichter Genu oder sndiger Wandel schon dem Ungeborenen schaden mge. Ja, je mehr ich mir bewut bin, da selbst meine Gedanken und Gefhle auf den Sprling hier unter meinem Herzen ihre Wirkung ausben, um so mehr bitte ich dich, mir dazu helfen zu wollen, da ich mich selbst beherrschen mge.--O Herr! Durch Frmmigkeit will ich diese Tage heiligen, bis ich sie berstanden habe, durch Gebet und fromme Werke will ich meine Seele erheben und reinigen, und treulich will ich deine Wege wandeln.--Schenke du mir nun einen ruhigen Sinn, unerschtterlich im Vertrauen auf deine unendliche Vatergte, da ich frhlichen, getrosten Mutes und guter Hoffnung der Stunde der Entscheidung entgegen gehe, in dem zuversichtlichen Glauben, da߻den, der sich auf dich verlt, deine Gnade umgeben soll.[67] Amen! [Funote 66: 5. Mos. 28, 3.] VII. Vor der Niederkunft. Lieber Gott, du Gott der Gnade! Siehe, die Zeit nhert sich, da ich gebren soll, und ich wei, da du in deiner Weisheit meinem Geschlecht bestimmt hast, da wir in Schmerzen gebren sollen; o, willig unterwerfe ich mich deinem Vaterwillen; doch bitte ich: Vergilt' mir nicht nach meinen Snden, sondern la dein Erbarmen ber mich wachen; strke mich, da ich in Kraft gebren mge, sei mir nahe mit deiner Hilfe, da mein Herz bald froh werde, wenn ich den Neugeborenen gesund und frisch erblicke. La mich deine freundliche Stimme hren, die mir zuruft: frchte dich nicht, denn ich bin mit dir; bebe nicht, denn ich bin dein Gott; ich strke dich, ich helfe dir und sttze dich mit meiner Rechten, ich selbst erlse dich![68] Ja, Ewiger, du bist meine Sttze, meine feste Burg, meine Zuflucht in der Not, zu dir will ich mit Andacht aufschauen, da du mir Kraft gebest, die Schmerzen der Geburt zu ertragen, du, meine ganze Hoffnung. Amen! [Funote 67: Ps. 32, 10.] [Funote 68: Jes. 41, 10. 43, 1.] VIII. Nach der Niederkunft. La den schwachen Dank der Beglckten zu deinem Thron aufsteigen, du Beschtzer meines Lebens, mein geliebter Vater im Himmel! da du mich erhrt und dein starker Arm mich untersttzt hat.Von meinem ganzen Herzen will ich dir danken und alle deine Wunder verknden, ja ich will froh sein und mich freuen in dir, und deinen Namen will ich lobsingen, dem Namen des Allerhchsten. Amen! IX. Bei der Beschneidung. Sieben Schpfungstage sind nun glcklich ber dem Leben meines neugeborenen Knaben verronnen, und heute am achten soll es nach deinem unverbrchlichen Gesetz, o du Allheiliger, der du deinen Bund und dein Erbarmen denen bewahrst, die dich lieben und deine Gebote halten, vor dich gebracht werden und das Siegel der Gnade durch die Beschneidung erhalten; heute soll er in den ewigen Gnadenbund aufgenommen werden, den du mit Abraham und seinen Nachkommen geschlossen hast, da sie zum Segen werden sollen fr alle Geschlechter der Erde und das himmlische Reich erwerben.--O, nimm dieses mein Kind gndig an, da es treu dem Bunde leben mge, la den geringen und rasch verschwundenen Schmerz, den es erleiden soll, eine Erinnerung und ein Zeichen sein, da das Hohe und Ewige nur durch Mhe und Schmerzen erreicht werden kann, da der Mensch sich das Himmelreich nur erringen kann, indem er gegen die Lust des Fleisches streitet, und da ein treuer Israelit bereit sein soll, mit Leben und Blut fr seinen Glauben zu kmpfen, da er deinen Namen heilige. Beschtze mein Kind von dieser Stunde an, da es wohl gedeihen und krftig wachsen mge, fr das Zeitliche, wie fr das Ewige gesegnet, dir zur Ehre und mir und meinem Gatten zur Freude. Amen! X. Eine Wchnerin beim ersten Gang ins Gotteshaus. Gehet ein zu Gottes Tor mit Danksagungen und in seinen Vorhof mit Lobsingen! Dankt ihm und preiset seinen Namen! So ermahnt mich eine heilige Stimme, und es ist ja nur durch deine vterliche Gte, o Gott, da ich heute wieder deinem Hause nahen kann. Hast du selbst ja geboten, da jede glckliche Wchnerin, nachdem sie ihre Gesundheit wiedergewonnen hat, deinem Altar mit Dank und Shnopfer,[69] mit Gebet und frommen Gelbden sich nahen soll. Und wie sehr mu ich dir nicht danken, nicht nur fr deine Gabe, fr das Kind, das du mir geschenkt hast, sondern auch fr deine Hilfe und deinen Beistand, fr die Kraft, die du mir verliehen hast, alle Schmerzen zu ertragen, fr deinen Schutz in der Stunde der Gefahr und fr meine Genesung, da ich wieder vor dein Angesicht treten kann und mit meinem Gatten dir meinen Dank zu bringen im Stande bin. O, womit habe ich doch so viel Gnade verdient! ach, hab' ich mich denn nicht oft und schwer gegen dich versndigt, bin ich nicht manches Mal verzagt und schwach in meinem Vertrauen auf dich gewesen; wie oft versumte ich nicht meine Pflicht, die du mir auferlegt hast? O Herr, vergib mir und halte mich auch fernerhin in deiner vterlichen Gnade. La mich mein Kind deinem Schutze anbefehlen (bei einem Mdchen fge man hier hinzu: und wie es heute vor dir in deinem Hause genannt wird, so zeichne du es in das Buch des Lebens ein, da seines Namens Unvergnglichkeit zu wahrem Schmuck und wahrer Ehre ihm gereiche); wache du ber das Neugeborene, strke du mich, an ihm die Mutterpflicht vollkommen zu erfllen. Ja, mit mtterlicher Sorge will ich mein Kind pflegen und ihm meine ganze Obhut widmen, und gerne selbst Entbehrung auf mich nehmen zu seinem Wohlergehen. Segne, o Herr, auch das Streben meines Gatten, den Lebensunterhalt uns zu erwerben, und sobald die Schwingen des Geistes sich bei dem Sugling zu entfalten beginnen, so soll es unsere grte Sorge sein, ihn zum Guten zu lenken und ihn mit Abscheu gegen alles zu erfllen, was bse ist, da es bei Zeiten deinen Namen kennen lerne und in Gottesfurcht und Tugend aufwachse. Ewiger, dir will ich angehren; o, la deinen Segen von deinem Hause zu meinem Herd mir folgen, und la meinen huslichen Kreis frh und spt von herzlichem Dank widerhallen fr all das Glck, welches du mir zuerteilt hast. Amen! [Funote 69: 3. Mos. 12.] XI. Beim ersten Gang ins Gotteshaus nach der Geburt eines totgeborenen Kindes. Blicke gndig herab, o, du allweiser und gerechter Schpfer, auf deine Dienerin, die sich dir in Demut und Anbetung naht, um dir zu danken, weil du ihr das Leben erhalten, und ihr Strke verliehen hast, da sie wieder in die Versammlung der Glubigen hat kommen knnen, um deinen Namen zu preisen. Ist mein Herz auch noch betrbt darber, da das Kind, welches ich zur Welt brachte, nicht des Lebens Tag gesehen hat, und meine so lange gehegte Hoffnung sich nicht erfllte, so wei ich doch, da eine Israelitin deinen Namen lobt, magst du nur geben oder nehmen.[70] O, hre mich, Allerbarmer! Wenn ich durch eigene Unvorsichtigkeit es bewirkt habe, da mein Kind hienieden nicht das Licht der Welt sehen sollte, o, so bedenke meine Schwche und vergib mir; rechne mir es nicht als Snde an, sondern schone meiner um deiner groen Barmherzigkeit willen. Aber war es in deiner unwandelbaren Weisheit so beschlossen, da ich die Mutterfreuden ahnen, aber nicht genieen sollte, o, so lehre mich, mein Los in Geduld tragen, und fle mir den Trost ein, da dieses Kind in der Stunde, wo es zur Welt kommen sollte, bereits bestimmt war zu einem seligeren Zustand einzugehen, ohne den Kampf der Welt bestehen zu mssen, ohne ihre Sorge und Qual kennen zu lernen, und da es dereinst in der Ewigkeit mir die Schmerzen erstatten soll, mit denen ich es getragen und geboren habe, ohne durch sein Leben beglckt zu werden. O Allgtiger, la mit meines Herzens Dank meine Bitte um reichen Segen vereinen, la die Freude wieder in meiner Seele erwachen, und la mich Freude und Glck ber meinen teuren Gatten ausbreiten. Amen! [Funote 70: Ijob. 1, 21.] XII. Eine Ehegattin. Allgtiger! du, dessen Antlitz in Gnade ber alle leuchtet, die dich frchten, o, blicke in Gnaden herab auf mich, da ich in dem Lichte deines Angesichtes wandeln und von dir beschirmt werden mge. O! breite die Schwingen deiner Barmherzigkeit ber meinen Gatten und meine Kinder aus. Sei mit ihm, den mein Herz liebt auf allen seinen Wegen, behte ihn vor Krankheit, Schmerz und Kummer, erhalte ihm die Lust und Liebe zu seinem Geschfte, und la keine Sorgen ihm sein Leben verbittern. Lehre mich, stndig an dem Vorsatz festzuhalten, ihm ein freundliches Heim zu bereiten, so da er am liebsten bei mir an unserm gemeinschaftlichen Herd verweile, und huslicher Friede und Freude ihm von demselben entgegenstrahlen mge, und da unser schnster Genu der sei, mit unsern Kindern in freundlicher und milder Vertraulichkeit bei einander zu sitzen. La uns niemals die hohen und heiligen Pflichten vergessen, welche wir gegen die Kinder zu erfllen haben, mit denen du uns gesegnet hast. O, la uns nicht nur fr ihre leibliche Wohlfahrt Sorge tragen, sondern in und durch unsere Gebete ihren Seelenfrieden deiner Obhut anbefehlen. Ach, lieber Vater im Himmel! das ist doch der Eltern heiligstes, aber auch zugleich schwerstes Wirken in der Brust ihrer Kinder die Gottesfurcht zu wecken und des Glaubens reine Flamme anzufachen, zu hten und zu nhren. So hilf uns denn, da wir uns fern von trichter Weichlichkeit halten, und da wir mit Freundlichkeit und liebevollem Ernst ihnen die ntigen Ermahnungen und Erinnerungen geben, da wir eintrchtig einander bei dieser Arbeit in deinem Dienste uns zur Seite stehen mgen! Mit Trnen befehle ich dir meine Kinder, da keines von ihnen miraten mge, und mein Herz durch Snde wider dich verwunde! Bewahre sie vor schlechten Freunden, und la Vater und Mutter ihnen eine Leuchte sein, die ihnen auf ihren Wegen leuchte, da sie nicht fallen; aber wenn sie im Gewirr des Lebens verfhrt werden, ach, so la du die Erinnerung an uns sie wieder zurck auf deinen Weg fhren! Herr, setze du eine Schutzwehr um unser Haus, da es von keiner Schlechtigkeit befleckt werde. La deinen Namen ber unsere Wohnung genannt sein zum Leben und zur Seligkeit. Amen! XIII. Eine Tochter fr die Eltern. Unsichtbarer, alliebender Gott! Wie soll ich dir danken fr die unendliche Liebe, die du mir bewiesen hast und mir noch jeden Augenblick erweist, und deren Strahlen sich in der Freundlichkeit und Liebe abspiegeln, womit mich die umfangen, welche mir das Leben gegeben haben. Ach ja, mein geliebter Vater, meine teure Mutter sind mir wie zwei Engel, denen du befohlen hast, da sie mich hten sollen auf dem Wege, da sie mich auf ihren Armen tragen und alle meine Schritte bewahren sollen, die sowohl fr mein zeitliches, wie fr mein geistiges Wohl Sorge tragen. Welche Segnung hast du nicht durch sie ber mich ausgebreitet, wo gibt es wohl Eltern, die mit grerer Obhut fr ihre Kinder sorgen knnten? Versagen sie sich nicht alles, um mir nur Freude und Glck zu bereiten? O mein Gott! indem ich dafr meines Herzens wrmsten Dank emporsende, bitte ich dich zugleich: Belohne du sie fr alles mit deinem reichsten Segen. Verleihe ihnen viele und lange Lebenstage, da sie noch lange meines Lebens Schmuck und Ehre seien; bewahre ihnen die Gesundheit und bereite ihnen eine Flle der Freude. La sie in der Liebe und in der Hingebung ihrer Shne und Tchter Ersatz fr alle Bekmmernisse eines Vaters und einer Mutter finden, Ersatz fr jeden mhevollen Tag und jede schlaflose Nacht, die wir ihnen bereitet haben. O, mchte es auch in mein Los fallen, ihnen Freude zu bereiten! Strke mich, auf einen jeden Wink ihrer Hand acht zu geben, in Liebe und Gehorsam auf ihre Warnungen und Ermahnungen zu hren, und nach meinem ganzen Vermgen ihnen Freude zu bereiten. Erleichtere ihnen jede Brde, und gib, da sie selbst in ihrem hohen Alter, glcklich im Schutz der Liebe ihrer Kinder und Kindeskinder lebend, dir fr deine gnadenreiche Fhrung bei vollen Geisteskrften danken mgen. Amen! XIV. Im Witwenstande. Allerbarmer, du, der du gerecht bist in allen deinen Wegen und barmherzig in allen deinen Handlungen, blicke in Gnaden auf eine tief betrbte Seele herab, die ihre Zuflucht zu dir nimmt. Jetzt stehe ich, verlassen von dem, der meine Sttze, mein Trost und mein Ratgeber war; jetzt mu ich alle Brden des Lebens allein tragen und den vermissen, der mich durch sein ermunterndes Wort strken konnte, mich in der Hitze des Tages erquickte und, wenn das Dunkel der Nacht meinen Geist erschreckte, mir Licht verbreitete;--ach, meines Herzens Angst ist gro, und es wird mir schwer, kindliche Ergebung in deinen Willen zu zeigen. O, so errette du mich selbst aus meiner Not, lege den beseligenden Trost deines Wortes in meine Seele und zeige dich mir als den rechten Helfer. Sieh, hier bin ich mit den Kindern, die du mir gegeben hast, o, la mich in Gnaden erfahren, da du in Wahrheit der Witwen Verteidiger und Beschtzer und der Verwaisten Vater bist! Strke mich, da ich unter den doppelten Verpflichtungen nicht erliege, die auf mir ruhen, sondern da ich vielmehr mit Geduld in fester Hoffnung und lebendigem Glauben fr dein Haus sorge, im Vertrauen darauf, da die, so mit Trnen sen, dereinst mit Freuden ernten sollen. Erbarme dich meiner Kinder; hilf und rette, beschtze und segne uns. Ja, o Ewiger, sei du meine Strke, meine Burg und mein Fels, auf dich hoffe ich und mir ist geholfen. Amen! XV. Eine Waise. Ewiger, gerechter Gott! hart ist die Prfung, die du mir auferlegt hast, ich bin elend und verlassen; denn meinen Vater, den du mir zum treuen Fhrer und Versorger gabst und meine Mutter, deren Obhut und Liebe mich zu dir leiten sollte, ich sehe sie nicht mehr!--Ach, wo soll ich denn jetzt hingehen, wo Trost und Rat suchen? O, wie sehr habe ich mich nicht versndigt, da ich das Glck, einen lieben Vater, eine liebe Mutter zu besitzen, nicht hinreichend zu wrdigen wute, und da ich nicht dankbar genug war fr alles, was du mir in ihnen gegeben hast. Ach, wie einsam und niedergeschlagen fhle ich mich jetzt! O, du selbst, Allgtiger! ffne du mir den Schatz deines Trostes! Noch hast du ja niemals eine Seele verlassen, welche dich nicht verlie, sondern du halfst dem Elenden, der dich um deinen Beistand bat, und auch mir wirst du helfen. Du verkndigst mir in deinem Worte, da, wenn auch Vater und Mutter mich verlassen haben, so willst du dich, mein ewiger Gott und Vater, doch meiner annehmen. Leite mich denn und fhre mich; la im Geiste mich stets umschwebt fhlen von jenen geliebten und verklrten Seelen, und la mich durch einen gottesfrchtigen Wandel ihr Andenken ehren und ihnen so den schuldigen Dank darbringen. Sei du nun selbst mein Vater, der mich auf den Armen seiner Liebe trgt und mir den Bedarf des Lebens spendet. O gib, da die Menschen, die sich freundlich an Stelle meiner Eltern meiner annehmen, auch Sorge tragen fr das Wohl meiner Seele, und vergilt du ihnen all das Gute, welches sie in deinem Namen mir erweisen. Wohne du in meinem Herzen, und lenke meinen Weg so, da ich mit Recht mich dein Kind nennen kann, mein himmlischer Vater, das Wohlgefallen vor dir und in den Augen der Menschen findet. Erhre mein und aller Waisen Gebet; o gnadenreicher Gott, du ewiger Helfer. Amen! XVI. Im Alter. Treuer, ewig lebendiger Gott, der den Mden Kraft verleiht und dem Ohnmchtigen groe Strke, du, der versprochen hat, bis zum Alter mit uns zu sein, o, du hast gndig diese Zusage fr mich gehalten, und ich bringe dir meinen Dank, da du mich von meiner Jugend an geleitet und mich mit Barmherzigkeit und Gnade umgeben hast, bis ich alt geworden bin.--O, verla mich denn nun auch jetzt nicht, da ich fhle, da meine Krfte schwinden und meine Sinne stumpf werden.Erinnere dich der Snden und bertretungen meiner Jugend nicht, aber gedenke meiner nach deinem Erbarmen um deiner Liebe willen.[71] Verleihe mir Kraft, die Brden des Alters mit Geduld zu tragen, und la mich durch fromme Ergebung fr alle, die um mich her wohnen, eine lebendige Ermahnung sein. Und je schwcher meines Leibes Augen werden, um so mehr la mich den Blick nach Innen wenden, da ich mein Inneres lutere und in den Gedanken an dich Ruhe gewinne. Ja, la es mir in den paar Tagen, die mir noch zugemessen sind, glcken, dem jngeren Geschlecht ein gutes Beispiel zu geben, da die Worte, welche ich rede, zur Verherrlichung deines Namens dienen mgen, und die Handlungen, welche ich vollbringe, ein Zeugnis seien der Reinheit und Treue meines Glaubens und der Liebe in meinem Herzen. Und strke so mich in des Lebens letztem Streit, da ich dann deutlich den Ruf deiner Liebe vernehme:Frchte nichts, denn ich erlse dich; ich rufe dich bei deinem Namen, denn du bist mein, und da ich noch mit meinem letzten Atemzug deinen Namen bekennen und preisen mge. Amen! [Funote 71: Ps. 25, 7.] XVII. Bei der Fortreise von der Heimat. Allgtiger Gott, der du unsere Schritte lenkst und einem jeden Menschen seinen Weg bahnst, la mich in deinem Namen diese Reise antreten und beendigen. Sei du in deiner Gnade mein Begleiter, da ich sicher wandern und Ziel und Zweck erreichen mge. Beschtze mich auf meinem Wege, da mich kein Unheil treffe, entferne jede Gefahr von mir, jedes Hindernis, da ich meine Reise gesund und rasch zurcklege, da ich ungestrt ausziehen und in Frieden wieder heimkehren knne. Aber whrend ich in der Ferne bin, nimm du meine Lieben (meinen Vater, Mutter, meinen Mann, meine Kinder usw.) in deinen Schutz, da ich sie in Freuden wieder umarmen kann, wenn ich zurckgekehrt bin. Deine Rechte leite mich, wo ich auch gehe, und dein Gotteswort sei mir ein leuchtender Stern auf meinem Pfade. Es preise dich mein Mund und stimme froh an als Wanderlied:Gottes Name ist eine feste Burg, in ihm pilgert der Fromme und ist geschtzt.[72] Amen! [Funote 72: Spr. Sal. 18, 10.] XVIII. Fr einen Abwesenden, der auf der Reise ist. Lieber Gott! Mit Vertrauen wende ich mich an dich, um dich um deinen Schutz fr den zu bitten, mit dem meine Seele so fest verbunden ist, fr meinen teuren Gatten (meinen Vater usw.), der so fern von seiner Heimat ist. Wie meine Gedanken bei ihm verweilen, so wache du ber ihn auf allen seinen Wegen; wenn er reist und wenn er sich ausruht, so sei du sein Beschtzer und sein Schirmer, schtze ihn vor des Tages Hitze und den Gefahren der Nacht, halte jedes bel fern von ihm und la all sein Vorhaben gelingen. Fhre du, von dem allein alle Hilfe und aller Segen kommt, ihn glcklich zurck, und wir wollen dich einmtig preisen und dir danken, du Gott der Barmherzigkeit, mein Schild, auf den ich mich verlasse. Amen! XIX. Wenn ein Kind auf Reisen ist, fge man hinzu: Ewiger, du, vor dessen Angesicht meine Vter gewandelt sind, du, der du bis auf diesen Tag mein Hter gewesen bist, segne du mein Kind auf seinem Wege und la deinen Engel ihn (sie) leiten, da er (sie) Wohlgefallen vor deinen und der Menschen Augen finden mge. Fhre ihn (sie) sicher und ruhig, wo er (sie) vielleicht einen gefhrlichen Weg wandelt, la ihn (sie) an Kenntnis, Einsicht und ntzlicher Erfahrung wachsen, da sein (ihr) Werk gesegnet werde. Lenke seinen (ihren) Fu auf den Pfad der Frommen, wo Leben und Wahrheit ist, da er (sie) nicht auf den Weg des Unrechts gerate, und da er (sie) den Versuchungen und Verfhrungen entgehe, die seine (ihre) Tugend und seinen (ihren) Glauben bedrohen. La seinen (ihren) Gedanken oft die Erinnerungen und Ermahnungen vorschweben, die ich ihm (ihr) gegeben habe, lenke oft seine (ihre) Schritte in dein Haus, da er (sie) in der Versammlung der Gemeinde dich anbete und das Bekenntnis seines (ihres) Glaubens erneuere, da meine Seele dereinst, sei es hier auf Erden oder dort in der Ewigkeit, Freude an ihm (ihr) habe.Auf dich, o Gott, setze ich alle meine Hoffnung, du wirst mich erhren. Amen! XX. Gebete in jeder Art der Not und Seelenangst. (Heimlicher Kummer, Verfolgung, Verleumdung, Untreue der Freunde und Anfechtungen.) 1. O, Gott der Liebe, der du so oft meine Gebete erhrt hast, verstoe mich nicht von deinem Angesichte, wenn ich in heimlicher Bekmmernis und Betrbnis mich zu dir wende. Du allein kennst meine Sorge; du kennst die Angst, die mich erdrcken will, und du weit, was es ist, das mich qult. Du weit, unter welcher Brde mein Herz seufzt, und du bist Zeuge meiner Trnen, die ich heimlich weine; denn du bist es ja, der selber mir diese Prfung geschickt hat. O du, mein Gott, auf den ich von Jugend an meine Sorge geworfen habe, sei du dann auch mein Trost und hilf mir. Sei mir nicht ferne, sondern komm und stehe mir bei, o Herr, mein Helfer, da ich dir danken mge, wenn die Betrbnis von meiner leidenden Seele wieder gewichen ist. Amen! 2.Wie lange, Herr, willst du mich so ganz vergessen? Wie lange willst du dein Angesicht vor mir verbergen? Wie lange soll ich in meiner Seele sorgen und tgliche Trauer in meinem Herzen fhlen?[73] Vergebens wende ich mich zur Rechten und vergebens zur Linken; ach Herr, mein Gott, die Menschen sind nur schlechte Trster, die fassen meinen Schmerz nicht und wollen meine Klagen nicht hren, ja, selbst die, auf deren Freundschaft ich rechnete, sind mir untreu geworden, und ihre Gunst und Hingebung war nur auf flchtigem Sand gebaut. O du, der du ewig derselbe bist, mein Herz bringt vor dich dein eigen Wort.Suche mein Angesicht! Nun suche ich dein Angesicht, Herr, und du hast ja gelobt, da du den nicht verlassen willst, der dir vertraut, und da du deine Hand nicht von ihm ziehen willst; o, so la mich deine vterliche Liebe zu mir auch in der Zchtigung erkennen, und ich will schweigen und meinen Mund nicht auftun, denn du bist es ja, der es getan hat.[74] Ja ich will stille sein und auf dich hoffen und dadurch wahre Strke gewinnen.[75] O, so zeige mir deine Gnade wieder; sprich zu mir:Ich bin bei dir in der Not; frchte dich nicht, zage nicht, denn ich bin dein Gott, ich strke und erhalte dich. Amen! [Funote 73: Ps. 13, 1-2.] [Funote 74: Ps. 27, 8.] [Funote 75: Ps. 39, 9.] 3. Ewiger,[76] du bist mein Licht und meine Seligkeit, vor wem sollte ich mich da frchten? Du bist meines Lebens Kraft, o Herr, vor wem sollte mir wohl grauen? La nur meine Feinde sich wider mich erheben und wider meine Seele strmen; denn sie werden strzen. Wenn auch rings um mich her Heere lagern, so soll mein Herz doch nicht verzagen; denn du birgst mich in deiner Htte in der schlimmen Zeit, und du ffnest deine feste Burg mir als Zufluchtssttte, da ich ruhig und sicher leben kann trotz aller Gefahr. Bse Zungen erheben sich wider mich und suchen mit ihren giftigen Pfeilen mich zu treffen; aber du, o Gott, bist mein Schild, so da ich frei mein Haupt erheben kann, und du willst mich zu Ehren bringen. O, so la mich denn deine Gnade im Land der Lebenden erfahren; la mich ruhig meinen Weg wandeln und erflle meine Seele mit Geduld, da ich auf dich vertraue, da ich nicht verzage, und da auch dieses Ungemach meinem Geist zum Frommen und zur Rettung diene.La jedes unfreundliche Urteil, das ber mich gefllt wird, jede Verkennung, die mich trifft, eine ernstliche Erinnerung daran sein, da ich einst zur Rechenschaft gefordert werden soll, so da ich Selbstprfung ber meinen Sinn und meinen Wandel anstelle; la mich einen Beweis darin sehen, da ich Wohlgefallen vor deinen Augen gefunden habe, und strke mich so in der sicheren Hoffnung, da du mich hier auf Erden erhltst und mich einst zu ewiger Seligkeit bei dir erheben wirst.[77] Amen! [Funote 76: Nach Ps. 27.] [Funote 77: Ps. 41, 12-13.] 4. Trbe Gedanken umdunkeln meine Seele, und Angst und Verwirrung berkommen mich. Ach Herr, was hab' ich doch getan, da ich keinen Frieden finden kann? Es ist, als wenn am Tage bse Geister mich bei allen meinen Handlungen verfolgten und als ob sie bei Nacht mein stilles Lager umschwebten und sich eindrngten, wenn ich meine Seele zu dir erheben will. Vergebens kmpfe ich, alle die bsen und schrecklichen Vorstellungen zu verjagen, aber es gibt nichts, das mich erretten kann.O, so erhre du mein Flehen, und la mein banges Seufzen nicht unerhrt von dir zurckkehren, du, Allmchtiger, denn du allein nur kannst alle meine Plagen enden. O, sei mir nicht ferne, sondern gib mir durch deinen Geist Kraft, diesen finstern und bsen Gedanken zu widerstehen. Auf dich setze ich meine ganze Hoffnung, ach, la sie nicht zu schanden werden, sondern la das Licht deines Angesichtes mir leuchten, wenn die bsen Stunden kommen, da ich mich von deiner Vaterliebe umgeben fhle und errettet werde. Amen! XXI. Gebete in Krankheit. Eine Kranke. 1. Ewiger, der du lauter Erbarmen und Wahrheit bist, gar vielfach sind die Wege, auf denen du den Menschen zu dir ziehst, wenn wir nur wten, uns ihrer mit Nutzen zu bedienen. Lange hast du in deiner Gte mir gesunde Tage geschenkt; ach, vielleicht habe ich dir nicht genugsam dafr gedankt; vielleicht habe ich die Krfte meines Krpers nicht gebraucht, wie ich sollte, und habe nicht geachtet der Seufzer und Klagen der Leidenden, da ich ihnen zur Hilfe eilte und ihre Not linderte; vielleicht achtete ich die eitlen Gter zu hoch;--siehe, da fhrst du mich jetzt andere Wege. Krankheit hat meinen Leib ergriffen und in Schmerzen liege ich danieder auf meinem Lager und wlze mich hin und her in der schlaflosen Nacht und finde am Tage keine Ruhe. Du, der du nur das Gute willst, hast mich vielleicht von Krankheit heimsuchen lassen, damit ich, der in den Zerstreuungen der Welt sich verlor, mein eigenes Herz lutere und prfe und auf des Schmerzes hartem Lager lernen sollte, dich zu suchen. Siehe des Fiebers Glut, die mich verzehrt, soll mich vielleicht an meine Lauheit und Klte in deinem Dienste erinnern, in dem Beruf, den ich erfllen sollte, in der Anbetung deines Namens, und der brennende Durst meiner Zunge an die Versumnis, die ich mir zu schulden kommen lie, da ich nicht tglich den Labetrunk aus der reichen Quelle deines Wortes schpfte. Der eiskalte Schauer, der mich schttelt, soll vielleicht die glhende Leidenschaft strafen, mit der ich die Befriedigung meiner Fleischeslust suchte, und diese Schwche und Ohnmacht soll meine Hrte gegen die Schwachen und Bedrngten strafen, denen ich keine hilfreiche Hand reichte; mein Bedrfnis nach der Pflege und den Beistand anderer soll meine Seele mit Scham ber all mein trichtes Selbstvertrauen und meinen eitlen Stolz erfllen, mit denen ich geringschtzend auf andere herabsah. O Herr, ich unterwerfe mich mit Ergebung deinem Willen und bitte nur: Gehe nicht hart mit mir ins Gericht, sondern la mich deine Gnade erfahren. Habe ich mich versndigt, und ich verdiene deine Zchtigung, o, so erbarme dich ber mich, wie ein Vater, der sein Kind zchtigt; fle mir den Trost ein, da der Herr mich wohl zchtigt, aber mich nicht dem Tode berliefert.[78] Mache du selbst, o mein Vater, mein Krankenlager zu einer Schule der Weisheit fr mich und la durch die Leiden meines Leibes meine Seele genesen. Herr, ich werfe mich in deine Arme, strke mich, lehre mich mein Inneres lutern und mich mit meinem ganzen Herzen zu dir zu wenden; schenke sowohl mir Geduld in den Stunden der Schmerzen, als auch denen, die mich freundlich pflegen;vergib mir alle meine Snden, und la mich deine Gnade wieder schauen, die so gro ist ber den Staubgeborenen, und ein Wandel, der dir gefllt, soll Zeugnis davon sein, da die Krankheit mich auf den rechten Weg zurckgefhrt hat, wie er in den Tagen der Gesundheit von denen betreten werden soll, die dich suchen und lieben. Amen! [Funote 78: Ps. 118, 18.] Besonders in bedenklicher Krankheit. 2. Alliebender, ewiger Vater, du, der alle Snden vergibt und alle Krankheiten heilt,[79] auf mein Krankenlager niedergestreckt, sende ich meine Gebete hinauf zu dir, o, sende mir Linderung und stehe mir bei in der Stunde der Gefahr! Du, der kein Wohlgefallen an dem Tod des Snders findet, sondern darin, da er auf seinem Wege umkehre und lebe, o, la es dein Wille sein, mir die Gaben der Gesundheit wieder zu geben, da ich noch in dem Lande der Lebenden wirken mge. Ach, ich bitte dich nicht wegen meiner, nein, vielmehr um derer willen, die so innig an mir hngen, und deren Herzen bluten wrden, wenn du mich abriefest. (Ich bitte dich um meines geliebten Gatten willen, um meiner unmndigen Kinder willen, ich bitte dich um meiner alten Eltern willen, um der heiligen Pflichten willen, die ich zu vollfhren habe, errette mich!) Ich wei, da die Menschen nichts vermgen, und da alle irdische Kunst und Wissenschaft nichts ntzt, wenn du nicht, o himmlischer Arzt, die Genesung von oben sendest. Ach, so la es dir denn gefallen, mich zu retten; o, sei mir gndig und heile meine Seele; denn ich habe wider dich gesndigt![80] Sollen meine Leiden noch lange whren, so sei du mir nahe mit deinem Geiste, la ihn am Tage ber mich schweben und mir Strkung und Khlung zufcheln und la ihn in der Nacht um mich sein, da fromme Gedanken mir die Stunden der Dunkelheit verkrzen, und die Schmerzen durch die Gewiheit, da sie die Mittel meiner Seelenrettung seien, gelindert werden. Aber sollte es der Wille deiner unerforschlichen Weisheit sein, mich abzurufen, o, so erflle meine Seele mit Gedanken der Ewigkeit und strke mich in meinem letzten Kampf durch die Gewiheit des Trostes, da du mein Leben an dem Grabe erlsen und mich mit Gnade und Barmherzigkeit[81] krnen willst, da du, der du alles versorgst, was da lebt, in deiner Frsorge dich der Meinen annehmen und sie in den Schutz deiner Fittige nehmen mgest. Herr tue mit mir nach deinem Willen!Heile mich und ich bin geheilt, hilf mir und mir ist geholfen, denn du bist mein Hort.[82] Du wirst mich erlsen, Herr, du treuer Gott. Amen! [Funote 79: Ps. 103, 3.] [Funote 80: Ps. 41, 5.] [Funote 81: Ps. 103, 4.] [Funote 82: Jer. 17, 14.] Bei derselben Veranlassung in Bibelversen. 3. Aus der Tiefe ruf ich zu dir, o Herr, neige dein Ohr meinem Rufe, du Ewiger, hre meine Klage und mein Flehen. Schwer ruht deine Hand auf mir, und meine Schmerzen suchen mich heim alle Zeit; von Angst und Seufzer wird mein Fleisch verzehrt. Am Tage verschmachte ich, und viele leidenvolle Nchte fallen in mein Los; o Allerbarmer, sieh meinen Jammer und mein Elend. Wie Mutterlose, niedergeschlagen und verlassen, stehen meine Kinder um mein Lager, und ich sehe Trnen die Wangen meines Gatten netzen, wie sehr er es auch vor mir verbirgt. Ach Herr, warum so lange? Am Tage rufe ich zu dir, aber ich bekomme keine Antwort und in der Nacht hre ich nicht auf zu flehen. Wie ein Sklave, der nach Schatten seufzt und wie ein Taglhner, der sich nach der Ruhe des Abends sehnt, habe ich Monate (Wochen) in Kampf und Schmerzen zugebracht. O Herr, lindre meine Not und mein Leiden! Sollte keine Heilkraft in Gilead sein, du ewiger Arzt, da ich errettet wrde? Ja, gewi, wer auf dich hofft, ist nicht verlassen! Du wirst in deiner Gte mich sttzen und alle meine Krankheit heben. Du hast mich ja so oft groe Bedrngnis, Angst und Not schauen lassen und mich doch aufs neue belebt und mich aus dem Abgrund der Erde emporgezogen. Ja, ich sagte in meiner Qual: Ich bin vor deinen Augen verstoen; aber du hrtest meine verborgene Stimme, da ich zu dir rief, und du trstetest mich wieder. Und wenn auch noch mehr Weinen uns bevorsteht, so werden ich und die Meinen am Ende doch deine Hilfe erfahren, und die mit Trnen sen, werden mit Freuden ernten. Ja, du wirst mich von aller Sorge befreien, unter den Frommen hienieden oder bei den Verklrten dort; ja, ich soll deine Taten verknden! Amen! Vor einer gefhrlichen Operation. 4. Mein Gott, meine Strke und meine Hoffnung!Du, in dessen Hand die Seelen aller Lebenden und der Geist ist, der das Fleisch eines jeden Menschen belebt, du hast mir heute eine Stunde gesandt, voller Schmerzen und Gefahr, in der versucht werden soll, mir meine Gesundheit zurck zu gewinnen, (in der ich ein Glied meines Krpers verlieren soll, um wo mglich mir dadurch das Leben zu erhalten), o, sei mir denn mit deiner Liebe in diesen Augenblicken nahe. Strke meinen Mut und lehre mich den schwersten Schmerz in dem Gedanken ertragen, da du es bist, der sowohl Wunden schlgt als auch sie verbindet, da deine Weisheit es also beschlossen hat und es deshalb zu meinem Heile dienen soll. Ach, da du mich deines Beistandes und Trostes in diesem Kampfe wrdig hieltest! Vergib mir, o, vergib mir alle meine Snden, (hier lese man das Sndenbekenntsis, Oschamnu), la meine Seele zu dieser Stunde sich mit aller Welt vershnen und la mich alle Bitterkeit aus meinem Herzen tilgen! La mich erfahren, da߻nur eine kleine Stunde ber deinen Zorn verrinnt, aber das Leben deine Lust ist. Du verlt den Menschen nur eine kurze Weile, aber du nimmst dich seiner mit groem Erbarmen wieder an. Rufe mir ins Gedchtnis, wie viele sich den schwersten Martern unterworfen, um deinen Namen zu heiligen, und durch ihren festen Glauben sich die Herrschaft ber den Schmerz errungen haben, wie viele Mut und Standhaftigkeit in den herbsten Leiden zeigten und unter deinem Segen fr ihre fromme Standhaftigkeit durch eine freundliche Zukunft belohnt worden sind. La die Liebe und das Vertrauen zu dir, Allgtiger und Allbarmherziger, mich keinen Augenblick verlassen; la deine Rechte mich halten. Nun wohlan denn! in deinem Namen!In deine Hnde befehle ich meinen Geist mit meinem irdischen Leibe. Gott ist mit mir, ich frchte mich nicht! Schma Jisroel Adnai Elhenu Adnai Echod!--Hre Israel, der Herr unser Gott ist ein einziger Gott! Gelobt sei er in alle Ewigkeit! Amen! Frbitte fr einen Kranken. 5. Herr! du selber hast gesagt:Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen. O, la denn das Gebet meines bekmmerten Herzens zu dir aufsteigen. Bei dir sollte ich wohl Strke finden unter der schweren Krankheit, die meinen lieben... (hier wird der Name des Kranken genannt) an das Lager fesselt. Wohl wei ich, da deine Wege nicht unsere Wege und da die Ratschlsse deiner Weisheit unerforschlich sind und verborgen unserer Kurzsichtigkeit, und da auch diese Schmerzen, unter denen der Teure leidet, von dir gesandt sind; aber ich wei auch, da du gndig auf die herniederblickst, die in ihrer Angst zu dir rufen, und da die Trnen, die meinen Augen entstrmen, dir nicht mifallen.--Du, der du selbst uns hast verknden lassen, da du unser Arzt sein willst, wenn wir auf deinen Wegen wandeln, o, vergib dem Kranken alle seine bertretungen, tilge das Andenken seiner Snden und la es dein Willen sein, da mein....... wieder rasch geheilt werden und noch lange leben mge zur Verherrlichung deines Namens. Lindre sein (ihr) Leiden und la ihn (sie) Erquickung und Ruhe finden. Erhre die Gebete, die er (sie) zu dir sendet und schenke mir ihn (sie) wieder, da ich dir danken mge, mein Helfer und Gott. Amen! Der Kinder Gebet fr einen kranken Vater oder eine kranke Mutter.[83] 6.Erhre, o Gott, mein heies Gebet, und schweige nicht zu meinen Trnen,[84] siehe den Kummer meiner Seele und mein angsterflltes Herz! Denn ach, die Gter meines Lebens sind in steter Gefahr, mein Vater (meine Mutter) liegt auf dem Krankenbette!--O Herr, welche Wehmut erfat mich, da ich ihn (sie) leiden sehe, wie graut mir vor dem Gedanken ihn (sie) zu verlieren.Strafe mich nicht in deinem Zorn und zchtige mich nicht in deinem Groll,[85] sondern vergib mir alle meine Snden und sende mir Hilfe von deinem Himmel. O Herr nimm meinen Vater (meine Mutter) nicht von mir. Vergib mir alles, worin ich mich gegen ihn (sie) vergangen habe, und la ihn (sie) noch den Tag erleben, wo ich ihm (ihr) meine ganze kindliche Liebe und Hingebung beweisen kann. O Herr, errette ihn (sie) um deines heiligen Namens willen, du, mein Gott, der ein Gott der Errettung ist, der Herr, der Ewige, der vom Tode errettet,[86] und erflle so fr mich (und meine Geschwister) deine Zusage, da dein Name nicht von uns weichen und der Bund deines Friedens dem Geschlechte der Frommen erhalten werden soll. Amen! [Funote 83: Dieses Gebet kann auch von einer Gattin fr den Gatten bei dessen Krankheit gebetet werden, wenn die Worte darnach verndert werden.] [Funote 84: Ps. 39, 13.] [Funote 85: Ps. 6, 3.] [Funote 86: Ps. 68, 21.] Dankgebet nach einer berstandenen Krankheit. 7.Wie soll ich dir danken, o Herr, fr alle deine Wohltaten,[87] da du nicht nach meinen Snden mit mir verfahren und mir nicht nach meinen Missetaten vergolten, sondern dich ber mich erbarmt hast, wie ein Vater sich ber seine Kinder erbarmt? Wie soll ich dir danken, da du meine Sttze in all meiner Schwche warst!Siehe, ich kam der Pforte des Todes nahe; da rief ich zu dir, und du sandtest mir dein Wort und heiltest mich.[88] O, la den geringen Dank meines Herzens fr jede Linderung, fr jede Trstung und Erquickung als ein Rauchopfer zu dir emporsteigen.Ja, Du gabst mich dem Leben zurck, und alle Tage meines Lebens will ich dir dafr danken, indem ich demtig deine Wege wandle und stetig mir vergegenwrtigen will, da du es gewesen, der mich aus dieser Gefahr und Seelenangst errettet hast. Verleihe mir deinen Beistand zur Erfllung meiner Gelbde, da ich mein Leben deinem Dienste weihe (und der Erziehung meiner Kinder in deiner Furcht) und deinen Namen und deine Gte vor meinem Geschlechte preise. La mich stets mit einem dankbaren Sinn mich aller Hilfe, Teilnahme und Trstungen erinnern, welche treue Verwandte und Freunde mir auf meinem Krankenlager zuteil werden lieen, und alle Freundlichkeit und Sorgfalt und Geduld, die selbst bezahlte Diener mir bewiesen. Jetzt habe ich vollkommen das Weh der Krankheit kennen gelernt; jetzt verstehe ich den Schmerz der Armen, welche auf dem Siechbette seufzen; ach wollest du, o Gott, mir deinen Geist und deine Kraft mir dazu verleihen, sie zu pflegen, ihren sinkenden Mut aufrecht zu halten und ihre Hoffnung durch dein Wort zu beleben! O, Allbarmherziger, la meine Krankheit meinen Geist gelutert und mich von den Snden gereinigt haben, da ich auch ferner deines vterlichen Schutzes wrdig sein mge! Behte du meine Wege, und niemals wird meine Seele aufhren, dir Lob und Dank und Preis zu bringen. Amen! [Funote 87: Ps. 103, 31.] [Funote 88: Ps. 107, 17-22.] Gebet fr Kranke. (Nach dem Hebrischen) In einem Krankheitsfalle bete man folgende Schriftstellen: Ein Leidender, wenn er verschmachtet und seine Klage ausschttet vor dem Herrn. (Ps. 102, 1.) 8. Herr! o hre mein Gebet und la meine Klage vor dich kommen; verbirg dein Angesicht nicht vor mir, sondern neige dein Ohr mir zu in der Stunde der Not, und erhre mich rasch an dem Tage, da ich zu dir rufe. Ja, zu dir, o Herr, bete ich; demtig flehe ich zu dir; o, sei du auch mein Schild, erhebe mein Haupt und erhre mich von deinem heiligen Berge. O, hre mich, wenn ich bete, du mein gerechter Gott, der mich in der Not errettet, sei mir gndig und erhre mein Gebet. Lausche meiner wehmtigen Klage, o mein Knig und Gott, denn zu dir bete ich. In meiner Not rufe ich zum Herrn, bete zu meinem Gott, und er hrt meine Stimme von seinem hohen Himmel; meine demtige Bitte erreicht sein Ohr. Ja, hre meine Stimme, o Herr, nun ich dich anrufe, sei mir gndig, und erhre mich. Ich rufe zu Gott und der Herr errettet mich. Hre, o Herr, meinen Ruf und lausche meinem Gebet. Sei mir gndig, o Herr, den ganzen Tag rufe ich zu dir; erflle die Seele deines Dieners mit Freude, denn zu dir, o Herr, erhebt sich mein Geist, und du, o Herr, bist gut und gndig und erbarmst dich ber den, der dich anruft. Mit lauter Stimme bete ich zum Herrn, und ich schtte vor ihm meine Klage aus und erzhle ihm meine Drangsale. Herr, du kennst mein Sehnen und mein Seufzer ist dir nicht verborgen, o erinnere dich nicht meiner Jugendsnden, sondern sei gnadenreich gegen mich um deiner Gte willen, o Herr! Reinige mich von meinen Snden, lutere mich von meiner Schuld. Ja, gedenke nicht der Snden meiner Vorzeit, sondern la dein Erbarmen mir rasch zuteil werden, denn ich bin sehr elend. Um deines Namens willen, o Herr, vergib mir meine Snden, denn sie sind sehr schwer, und wolltest du nach der Snde bestrafen, o Herr, wer knnte da vor dir bestehen? Behandle uns nicht nach unserer Schuld und strafe uns nicht nach unserer Snde. Und zeugen unsere Snden wider uns, o Herr, so achte nicht darauf, um deines Namens willen, denn ich kenne meine Snden und bin bekmmert ob der Schuld meiner Vergehen. Errette mich von den Folgen aller meiner bertretungen, da ich nicht zum Spott der Toren werde. Ich bitte, o Herr, sei mir gndig, heile meine Seele, denn ich habe wider dich gesndigt; sei mir gndig in deiner Barmherzigkeit und tilge meine Schuld in deinem unendlichen Erbarmen, denn ich bekenne meine Schuld und habe stets meine Snden vor Augen. Ja, so wende dein Angesicht von meiner Schuld ab und tilge meine Snde. Ich mu erliegen unter meiner Sndenschuld, aber vergib du sie mir, denn du Allbarmherziger vergibst die Schuld und vernichtest nicht; so manches Mal hast du deinen Zorn besnftigt, o, so la deinen Groll denn auch ber mich nicht entflammen! Hilf mir, errettender Gott, um der Ehre deines Namens willen. Htte ich auch Unrechtes in meinem Herzen gedacht, in dem Wahn, da du es nicht wissest, du, der Allwissende, o Gott, so hre doch nur auf meine betende Stimme: Strafe mich nicht in deinem Zorn, o Herr, denn ich welke dahin; heile mich Herr, denn meine Glieder werden matt und meine Seele ist gar mde! Ach Herr! Wie lange soll es whren? Wende dich wieder zu mir, o Herr! Rette meine Seele, hilf mir um deiner Gnade willen, meine Augen schauen mit Sehnsucht aus nach deiner Hilfe, nach der Vergebung deiner Gnade; o la dein Erbarmen sich mir nahen, o Herr, sende mir die Hilfe, die du versprochen hast. Ich will wieder umkehren zu dem Herrn, denn er verwundet wohl, aber er heilt auch wieder, und wie er verletzt, so verbindet er auch. Ja, du, o Herr, bist barmherzig und gndig, schenke deinem Diener Kraft und hilf dem Kinde deiner Dienerin. Schtze mich vor Not, umgib mich mit dem Jubel der Errettung. Vertraue dem Herrn auf ewig, denn der Herr ist der ewige Fels. Der Herr gibt seinem Volk den Sieg und segnet es mit Frieden. Gott der Heerscharen! Glcklich ist der Mensch, der sein Vertrauen auf dich setzt; Herr, errette mich, mein Knig! erhre mich, wenn ich zu dir rufe. Herr der Welt! Ich wei, da dein Urteil gerecht ist: Du hast mich vor deinen Richterstuhl gerufen, aber ich bin nicht rein vor dir, und keiner kann mich vor dir rechtfertigen. Aber du willst meine schlafende Seele retten, da sie sich wende zu dir; o siehe ich trete vor dich im Vertrauen auf deine heilige Zusage, da ich durch Gebet mir Linderung und Errettung bereiten soll, um gerechtfertigt vor deinen Richterstuhl treten zu knnen. O, wende du in deiner groen Gnade das strenge Urteil von mir ab und befiehl dem Engel des Verderbens, da seine Hand von mir ablasse! Vergib mir alle meine Schuld in deiner groen Barmherzigkeit, denn ich halte Umkehr und tue Bue und sehe vollkommen meine Schuld ein und bereue sie von ganzer Seele. Siehe, mein Herz wird von Scham erfllt und mein Angesicht wird rot vor Beschmung, denn ich habe gar sehr gesndigt, und deshalb eile ich, zu dir zurckzukehren. Schaue denn, o Herr, meine Not an und rechne sie mir zur Vershnung; o, wache ber mich und alle Meinen und sprich: Es sei genug! Im Namen des Ewigen! La doch meine Leiden ihr Ende nehmen und wende mein Los zum Guten und sende mir und allen Kranken in Israel baldige Heilung. Zeige mir ein Zeichen der Errettung und erbarme dich ber mich um deiner Gnade willen, denn deine Barmherzigkeit ist so hoch wie der Himmel, und deine Treue reicht weiter, denn die Wolken gehen. O Herr! Ewig will ich dir dann danken und deine Wunder verknden. Ich beuge mich in Demut vor dir, und ehre deinen Namen. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit. Amen! Betet man fr einen andern, so fge man hinzu: Erbarme dich ber meinen kranken (Gatten, Sohn usw.), denn du bist barmherzig und gndig, und sende ihm (ihr) und allen Kranken in Israel vollkommene Genesung. Herr, zeige mir ein Zeichen der Errettung zum Guten, erbarme dich ber mich um deines Namens willen, denn deine Gte und Treue reichen hinauf zum Himmel und so weit die Wolken gehen. Ewig will ich dir dann danken und alle deine Wunder verknden. Gelobt seist du, o Herr, in aller Ewigkeit[89]. Amen! XXII. Gebete whrend einer ansteckenden Krankheit. Gebt dem Herrn, Eurem Gott, die Ehre, bevor er es finster werden lt, und bevor eure Fe anstoen gegen die dunkle Hhe. (Jer. 13, 16.) 1. Allmchtiger Gott! Du erinnerst uns Menschenkinder daran, da wir Staub und Asche sind; denn ber unsere Stadt ist die schlimme Zeit hereingebrochen, von der es heit: Das Volk soll gengstigt werden und umhergehen wie Blinde, weil es gegen mich gesndigt hat(Zeph. 1, 17). Ach, schon hren wir das Seufzen der Angst und bemerken die Zeichen des Schreckens auf dem Antlitz vieler Leute, whrend unser Inneres bebt und fragt: wer kann oder wird uns doch retten? Wir tappen umher in der Finsternis, die sich ber uns gelagert hat.--O du, dessen Barmherzigkeit ohne Ende ist, dessen Gte sich mit jedem Morgen erneuert, sieh unsere Bekmmernis, ffne unsere Augen und lehre uns begreifen, da du es bist, der Allbarmherzige, der diese Zeit ber uns geschickt hat, auf da wir unsere Ohnmacht erkennen und uns berzeugen, da du dich gegen dein sndiges Kind als ein lieber Vater zeigst, der es wieder in Gnaden annehmen will. Sende uns deinen Geist, da diese Zeit der Heimsuchung zu unserer Heiligung diene; denn ach, wir mssen bekennen, da wir dich lange nicht ber alles in der Welt geliebt haben, wie wir es dir schulden. Nicht auf dich haben wir unser Vertrauen gesetzt, sondern auf vergngliche Dinge, auf schwache Menschen. Eitelkeit und Habsucht, Hochmut und Ha, Neid und Wollust beherrschen uns. O lieber Gott, la uns deine Gte in dieser schlimmen Schickung erkennen, da sie uns lutere und reinige, und la sie auch mich also rhren, da ich zu dir wieder mit getrostem Mute aufschauen kann, wie ein Kind zu seinem Vater, in der Gewiheit, da du mich nur strafst, aber nicht auch dem Tode hingibst. O du, der du gut bist und gerne vergibst, der du Erbarmen gegen den zeigst, der dich anruft, o vergib mir meine Snden und la mich deine Vaterstimme hren, die mir zuruft:Du bist nicht verlassen, ich bin bei dir in der Not, ich will mich ber dich erbarmen und will dich aus derselben erlsen! Erschaffe in mir ein reines Herz und einen neuen, bestndigen Geist erneuere in meinem Innern. Du, der du mein Vater bist, mein ewiger Erlser, gelobt sei dein Name. Amen! [Funote 89: Ps. 57, 11. 108, 2.] Gebet um Mut. Wenn ich mitten in Angst wandere, so erquickst du mich. (Ps. 138, 1.) 2.Zu dir, o Gott, rufe ich, und bete, o, la mein Seufzen nicht unerhrt zurckkehren. Dich suche ich auf in dieser Zeit der Not und nach dir strecke ich meine Hand aus in der Nacht, wenn nichts meine bange Seele erquicken will, denn rings um mich her verbreitet der Tod seine Schrecken, und der Mut verlt mich. O, mein Vater, du bist bisher mit mir gewesen, verla mich auch jetzt nicht, sondern erneuere in mir deine gnadenreiche Verheiung:Frchte dich nicht, denn ich bin bei dir in der Not; verzage nicht, ich bin dein Helfer; ich strke dich und behte dich, ich untersttze dich mit der Hand meiner Gerechtigkeit. Fle mir Mut ein, da ich, umringt von den Schrecknissen des Todes, sicher ausrufen mge:Der Herr ist mit mir, deshalb frchte ich nichts! O, nicht nur um meinetwillen sondern auch fr die, welche verzagt und in des Todes ngsten wandeln, bitte ich dich: gib mir Mut, da ich sie in ihrer Furcht beruhigen, da ich zur Hilfe eilen knne, wo jemand niedersinken will, und da ich ihre angsterfllten Herzen strken knne.--Ich bitte um Mut und Kraft fr die, deren Beruf es ist, die Kranken zu besuchen, da sie auf dich vertrauen und es erfahren, wie du ihren Mut und ihre Kraft vermehrst, da sie gehen und nicht ermatten, da sie laufen und nicht mde werden! Wir sind ja in deiner Hand, wie sehr wir auch bedroht sind, und nichts kann uns widerfahren, ohne da es von dir geschickt ist, und niemand stirbt, bevor seine Zeit verflossen, die du ihm zugemessen hast! Soll ich da Furcht hegen in den bsen Tagen, in denen meine Treue ja recht geprft werden soll, wenn ich glaube, da es ein weiser und liebevoller Lenker ist, dessen Augen offen sind ber den Wegen aller Menschenkinder, und der ber Leben und Gesundheit eines jeden wacht; wenn ich glaube, da wir einen Gott haben, der da hilft, und den Herrn, der vom Tode errettet! O, Herr, vergib mir meine sndige Schwche, la mich schpfen aus der Quelle des Lebens, aus der Gottesfurcht und den Schlingen des Todes entgehen. So sei denn ruhig, meine Seele; weshalb bist du so niedergebeugt und strmst in mir? Warte auf den Herrn, denn ich soll ihm noch danken, da er mein Helfer war! O Herr, strke mich, durch Unerschrockenheit deinen Namen zu verherrlichen und ihn vor den kommenden Geschlechtern zu preisen. Zeige dich gtig gegen mich, da ich leben mge und deine Gebote halte. Amen! Trstung. Gott, wir hren deine Stimme durch die Welt erschallen--und beben:--o Ewiger, erhalte deine Geschpfe, denke im Zorn daran, dich zu erbarmen, bevor die Jahre verrinnen, da der Himmel mit deiner Herrlichkeit erfllt und die Erde deines Ruhmes werde. (Hab. 3.) 3. Der Herr ist meine Strke, mein Schild! Auf ihn hofft mein Herz, und mir ist geholfen; deshalb freut sich mein Geist, und auch meine Glieder wohnen in Sicherheit. Wenn auch ein Unwetter rast, und giftige Dnste sich ausbreiten, mein Herz frchtet sich doch nicht, denn der Herr stillt das brausende Meer und das Getse der verheerenden Wogen. Ja, du, Herr! hltst deine Hand ber mich, da kein bel mich vernichte, wie gro und gewaltig es auch sei. In deiner Hand, o Ewiger, ruhen ja meine Lebenstage; welche Gefahr kann mir wohl drohen, wenn du mein Felsen bist, an dem ich mich festhalte? Du bist ja mein Hirt, dessen Stab mich leitet; du birgst mich in deiner Htte zu der schlimmen Zeit und bewahrst mich und alle die Meinigen vor Krankheit und Plage; denn wenn du auch im Himmel thronst, so schaust du doch mit holdem Vaterblick auf deine Menschenkinder herab. Du scheinst sie wohl fr eine kleine Stunde zu verlassen, aber wendest dich ihnen bald in deiner groen Barmherzigkeit wieder zu. Deshalb will ich auf dich bauen, da du mich wie mit einer Mauer von Feuerflammen umgibst und mich errettest, da ich alle deine Wundertaten verknden kann. Amen! Ergebenheit in Gottes Willen. Und sie riefen zum Herrn in ihrer Not, und er half ihnen aus ihrer Angst. (Ps. 107, 13.) 4. Umgeben von den Schrecknissen des Todes, umringt von den ngsten der Drangsale und der Betrbnis, sucht mein bekmmertes Herz dich, du Herr des Lebens und des Todes, der die Stunde bestimmt hat, in der wir von hier scheiden sollen, und ich bete zu dir, da du meine Seele mit Ergebung in deinen Willen erfllen mgest, so da ich vertrauensvoll mich dir hingebe und spreche:Siehe, hier bin ich, Allgtiger, tue mit mir, wie dir am besten scheint!(1. Sam. 15, 26.) Ach rings um mich her rast ja die verheerende Krankheit, und der kalte Flgelschlag des Todes trifft so viele, die noch so frisch und froh ins Leben dreinschauen; er schont weder das Alter, noch die kraftvolle Jugend. Was kann da mein Herz strken, wenn es verzagen und verzweifeln will, als nur allein der Gedanke, da meine Zukunft, mein Schicksal in deiner lieben Hand ruht? Du hast mir das Leben verliehen, und in deiner Macht steht es, dasselbe wieder zurckzunehmen, aber gewi wirst du es nicht tun, ohne da auch darin deine Liebe, deine Gnade sich mir offenbart.Herr, in deine Hand befehle ich meinen Geist; du wirst mich erlsen, wenn du es fr gut findest, du wahrhaftiger, getreuer Gott!--Mit Sorgfalt will ich mich vor allem hten, wodurch ich leichtsinnig mein Leben in Gefahr bringen knnte, und will suchen, dasselbe durch Migkeit, durch Ordnung in meinem Lebenswandel, durch einen wohlzufriedenen und ruhigen Sinn und durch die Kunst und Klugheit des Arztes zu beschtzen. Aber ich will auch bereit sein, von hier zu scheiden und mich deshalb im Geiste mit allen vershnen, die irgendwie mich gekrnkt oder beleidigt haben, und ich will alle ueren und inneren Angelegenheiten meines Lebens ordnen und eine innige Gemeinschaft mit dir suchen, da ich nicht unvorbereitet vor dein Angesicht treten mge, wenn du mich zur Ewigkeit rufen solltest.--Allgtiger! deinem Schutze und deiner Leitung befehle ich mich und diejenigen, welche mir lieb und teuer sind. Dir berantworte ich mein und ihr zeitweiliges und ewiges Wohl, und mein Herz ist ruhig und gefat. Weshalb sollte mir vor dem Tode und seiner vernichtenden Hand grauen? Mein Leben und meine Seligkeit ist ja in deiner Hand und wird von deiner Liebe behtet, die strker ist als der Tod. Deshalb verzage nicht, meine Seele, sondern befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, denn er wird's wohl machen. Amen! Gebet um das Morgen-und Abendgebet im Gotteshause oder daheim zu beschlieen. 5. Herrscher der Welt! Ewiger, barmherziger Gott, der voll Gte und Erbarmen ist, und in dessen Hand die Seelen aller Lebendigen ruhen, o, gehe nicht ins Gericht mit uns, denn kein Menschenkind kann sich vor dir rechtfertigen. Wie sollen wir, o Allmchtiger, unsere Schuld abbitten, und womit uns vor dir verantworten? Wenn du uns unsere Snde anrechnen willst, wer knnte da vor deinem Zorn bestehen, aber erhre uns um deines heiligen Namens willen und blicke gndig vom Himmel auf uns nieder und la mein und aller Gebete, die in dieser Zeit zu dir aufsteigen, dir angenehm sein wie das reinste Rauchopfer, welches uns in frheren Tagen deine Vershnung und Errettung gewann. Vergib und verzeihe diesem Volke seine Snden in deinem groen Erbarmen, o du, der du allen denen nahe bist, die dich in Wahrheit anrufen! Neige dein Ohr unserer heien Bitte und wende jede Krankheit und Seuche von uns ab; errette alle, die in dieser Stadt und diesem Lande wohnen von Pest und Plage! La deine Barmherzigkeit ber uns alle, nah und fern, wachen, und sende deinen Engel vor uns her, da wir unerschrocken im Vertrauen auf dich wandeln, und keine Plage sich unserer Wohnung nhere; heile uns, so sind wir geheilt, hilf uns, so ist uns geholfen, denn du allein bist unser Ruhm und unsere Zuflucht. Allerbarmer, treuer Arzt, alliebender Vater! verbirg dein Angesicht nicht vor uns, sondern lausche in unserer Not auf unsern Angstruf; schweige nicht zu unsern Trnen und zchtige uns nicht in deinem Zorne; suche uns nicht heim in deinem Grimme, verla uns nicht in unserem Kummer, verwirf uns nicht, wenn unsere Krfte schwinden, sondern erinnere dich deiner unendlichen Gte und behalte zurck das schlimme Verhngnis; strke die Schwachen, da unsere Herzen mit Mut erfllt werden, und sei uns gndig um deines heiligen Namens willen. O, eile uns zu Hilfe, da wir nicht unter dem Drucke der Leiden erliegen, befreie uns von allem Bsen, und la uns nicht unerhrt von deinem Angesichte gehen, sondern la dein Antlitz uns in Gnade leuchten, auf da ich und wir alle uns deiner Hilfe freuen und durch deine Rettung froh werden mgen. Amen! Danach lese man abwechselnd 2 von folgenden Psalmen Davids. 6. 20. 23. 25. 27. 30. 32. 33. 34. 38. 41. 88. 86. 90. 91. 102. 103. 116. 118. 121. 130. 143. Ein anderes Gebet, um die Morgen-und Abendandacht zu beschlieen. 6. Alliebender Vater! getreuer Gott, der du in deiner Langmut uns unsere Snden vergibst und alle unsere Krankheiten heilst, der du unser Leben vom Grabe errettest und uns mit Gte und Barmherzigkeit krnst, o, neige dein Ohr meinem und aller Gebet in dieser Zeit der Heimsuchung und sende Heilung fr mein zerknirschtes Herz! In Demut bekenne ich vor dir, da meine Snden gro und zahlreich sind, ach, und da keiner von uns vor dir wrde bestehen knnen, wenn du uns unsere Schuld anrechnen wolltest; aber du vergiltst uns nicht nach unseren Missetaten! Denn so hoch der Himmel ber der Erde ist, so hoch erhebt sich deine Gnade ber uns; du erbarmst dich ja ber uns, wie sich ein Vater ber seine Kinder erbarmt, o la denn deine Gte mit uns sein und zeige uns das Zeichen der Errettung! Hilf uns unter allen schlimmen Heimsuchungen, unter all den schweren Schickungen und Strafgerichten, welche du ber die Welt verhngst; sei uns nahe, whrend wir beten, zerteile die dunkle Wolke, die sich ber uns gelagert hat, und entferne von uns jede Krankheit und Plage, ja errette uns von der bsen Seuche, die sich ber so viele Lande verbreitet hat! O, nimm dieses Unheil fort von deiner Erde und la das Verderben unsere Wohnung nicht erreichen; befreie uns von aller Angst, vor der Pest, die im Dunkel einherschleicht, und vor der Plage, die in der hellen Mittagsstunde Verderben bringt. Erflle an uns deine Zusage, da du denjenigen Speise und Trank segnen und von denen jede Krankheit abwenden willst, die dir dienen! Und sind wir auch nicht wrdig, erhrt zu werden, o, so tue es um der Unmndigen und Suglinge willen, die dein Reich auf Erden befestigen sollen, und die nicht gesndigt haben! O, siehe unsere Reue, hre auf unser Seufzen, und la es uns erfahren, da du keine schlimme Krankheit ber uns kommen lassen willst, wenn wir deiner Stimme gehorchen und tun, was recht vor deinen Augen ist und deine Gebote halten, denn du, Allwissender, Ewiger, bist unser Arzt! O, so heile denn mein zerknirschtes Herz, heile die Wunden aller! Erbarme dich ber alle diejenigen, welche von Bekmmernis, Leiden oder Schmerzen ergriffen sind, sei allen denen nahe, die da krank sind, untersttze sie auf ihrem Lager, la sie gesunden, verlngere die Zahl ihrer Tage und schenke ihnen wieder ein freudenreiches Jahr! La die Stimmen des Frohsinnes in unserem Lande wieder laut werden, la die Stunde der Freude aufs neue fr diese Stadt erscheinen, da wir in dein Haus eilen und dir Dankopfer fr die Errettung, die du uns gesandt hast, darbringen knnen. Schenke mir und schenke uns allen Leben und Kraft, deinen Namen zu preisen und zu bekennen, da auch dieser bittere Kelch zu unserm Seelenfrieden gedient, uns vom Verderben gerettet hat; denn du warfst alle unsere Snden hinter uns. O, la die Worte meines Mundes, die Gedanken meines Herzens dir gefallen, Herr, mein Erretter. Amen! XXIII. Gebete auf dem Friedhof. ber die Sitte, die Grabstellen zu besuchen und dort zu beten. Siehe, ich lege dir Leben und Tod vor, whle das Leben!(5. B. Mos. 30, 15. 19) So lauten die Worte der Schrift: Whle das Leben, denn alle Lehren und Gebote in der heiligen Thora gehen nur auf das Leben (Ezech. 20, 11.), und des Glaubens Kraft soll sich fr das Leben und in demselben wirksam zeigen. Diese Worte geben uns den Grund dafr an, warum der Israelit seine Heiligtmer nicht auf Grabeswlbungen baut, nicht das Tote zum Grund fr die Saat des Glaubens whlt und keinen Reliquien-Dienst kennt; und wie hoch er auch den entseelten Leichnam achtet, als die Hlle, die einst gewrdigt gewesen ist, den gttlichen Geist zu tragen, so da die Geringschtzung einer Leiche als Gotteslsterung bezeichnet wird (Berachoth 19), so verbietet seine Religion doch, eine Leiche zur Schau zu stellen oder Prunk mit derselben zu entfalten, um der Eitelkeit Nahrung zu geben, wenn die Verwesung schon davon zeugt, da sie eine Beute des Grabes ist. Bei jedem Todesfall soll das Gefhl von dem Ernst des Lebens und seinem raschen Entschwinden bei uns geweckt werden, so da wir aufs neue unser Dasein zur ntzlichen Wirksamkeit unter den Menschen heiligen, zu einem heiligen Wandel vor dem Unsichtbaren, und wenn man auch die Sttten bezeichnen soll, wo teure Entschlafene ruhen (Ezech. 39, 15.), so soll es doch nicht durch kostbare Denkmler geschehen; denn gute Werke sind die schnsten Monumente, welche die Hinterbliebenen fr die Verklrten errichten und edle Handlungen die schnsten Blumen, die auf ihren Grabeshgeln gepflanzt werden.[90] [Funote 90: Wenn man in der spteren Zeit auch auf jdischen Friedhfen prachtvolle Grabmler, sogar mit heidnischen Sinnbildern geschmckt, hervorragen sieht, so kann man nur beklagen, da der erhabene Geist der jdischen Religion so wenig erkannt wird; denn dieser gebietet einen bescheidenen Wandel im Leben, um wie viel mehr verbietet er also das Entgegengesetzte im Grabe. Man mu beklagen, da die Kurzsichtigen nicht einsehen wollen, da alle diese Denkmler zuletzt verwittern werden, so da niemand die Sttte mehr kennt, wo sie gestanden haben. Wie viel besser, wenn die Summen, welche darauf verwendet worden sind, zu Wohltaten gespendet worden wren. Und ist es auch nur eine geringe Summe, so knnte doch die Rente davon einer armen Familie jhrlich eine frohe Woche verschaffen, und da wrden Freudentrnen als dankbare Beweise dem Gedchtnisse eines lngst Entschlafenen flieen.] Wenn es demnach eine uralte Sitte ist, an gewissen Tagen im Jahre die Grber zu besuchen, besonders, wenn der Tag wiederkehrt, an dem man einen seiner Verwandten verloren hat, oder wenn Sorgen und Bekmmernis unsern Sinn darniederdrcken,[91] so ist es eine Selbstfolge, da eine jede aberglubische Vorstellung davon fern gehalten werden mu, jene schwrmerischen Gedanken, als ob man mit den Toten verkehren oder sie sogar anbeten knne, was ganz und gar wider die Grundstze unserer erhabenen Religion streitet (5. Mos. 18, 9. 11.); denn die, denen Gott sich offenbart hat, heit es bei den Propheten (Jes. 8, 19.), die sollen sich zu ihm wenden, der einen jeden erhrt, der ihn in Wahrheit anruft, und nicht die Toten fr die Lebenden fragen. [Funote 91: Cir. Taanith. Fol. 16 u. 23, wonach in lteren Zeiten die ganze Gemeinde in Zeiten der Bedrngnis, z. B. bei Miernte, in Kriegszeiten, u. s. w. sich auf dem Friedhofe zum Gebet versammelte.] Nein! Ganz andere Gesichtspunkte sind es, von denen aus der Besuch der Grber bei den Juden verstanden und begriffen werden soll. Zuerst und vor allen Dingen soll er den Namen Gottes heiligen und es laut verknden, da der Allgtige gerecht ist, wie unerforschlich auch seine Wege sind. Dort legt er, wenn einer seiner Lieben zur Erde getragen wird, das Bekenntnis ab, da des Allmchtigen Schpfers Werk vollkommen und alle seine Wege gerecht sind (5. Mos. 32, 4). Je mehr es uns in dem schweren Augenblick, wo der Leichnam eines unserer Lieben versenkt wird, vorkommen knnte, als ob manches Menschen Dasein unvollendet geblieben sei, und wir in der Bitterkeit des Schmerzes versucht werden knnten, Gottes Gerechtigkeit zu bezweifeln, destomehr sollen wir unsere wahre Ergebenheit in Gottes Willen, unsern unverrckbaren Glauben beweisen, und indem wir der knftigen Welt gedenken, es bekennen, da der Herr gerecht ist. Und diesen Glauben sollen wir jedesmal strken, da wir die Grber besuchen. Sowohl das Leben als der Tod scheinen uns in Wahrheit rtselhaft. Wir sehen hier nicht nur Menschen jeden Alters und Standes bestattet, und scheinen oft Grund zu der Frage zu haben, weshalb es diesen oder jenen treffen mute, sondern wir sehen auch solche, deren Wirksamkeit uns von der grten Wichtigkeit zu sein schien, in der Blte der Jugend fortgerissen, whrend die, welche nach unserer Meinung fr die Welt ganz entbehrlich waren, erst hochbetagt zu den Ihrigen versammelt wurden. Mtter wurden von den Kindern fortgerissen, whrend diese noch der mtterlichen Pflege bedrftig waren, und die Hoffnung der Zukunft, die lebendige Jugend, ging den Weg alles Fleisches, whrend schwchliche Greise erst spt ihr Haupt zur Ruhe legten. Aber je rtselhafter hier uns alles erscheint, desto innerlicher sollen wir das Wort des Glaubens erfassen, da der Herr wohl wunderbar in seinem Rate ist, aber doch herrlich in seiner Tat, und da das, was er geschaffen hat, vollkommen ist, und das, was uns als gestorben erscheint, begonnen hat, seiner Vollendung entgegenzugehen. Denn beide Welten stehen in Verbindung mit einander; das ewige Leben nimmt seinen Anfang schon mit diesem, und was der Unerforschliche bestimmt, mu gerecht sein. Bereits hier auf Erden nimmt das ewige Leben seinen Anfang, und gerade dieser Gedanke ist es, der dadurch lebendig in uns werden soll, da wir die Grabstellen der Entschlafenen besuchen,[92] wo aller Stolz und alle Eitelkeit uns verlassen sollen und die Macht der Sinnlichkeit gebrochen wird. Nur allzu leicht vergessen wir unsere wahre Bestimmung im Taumel des Lebens, allzu leicht betrachten wir Reichtum, Ehre und Vergngungen als die Gter, welche wir zumeist erstreben sollen, als ob sie uns niemals entfliehen wrden, aber hier auf dem Friedhof: Hier zeiget deutlich uns das Grab, Wie Glanz und Reichtum nichts als Staub, Der Jugend Blten fallen ab, Und Weltenruhm welkt hin wie Laub! Hier sehen wir wie schnell alle Herrlichkeit verschwindet, wie der Ehrgeizige mitten in seinem hochstrebenden Vorhaben gehemmt wird, und die stolzesten Plne im Nu vernichtet sind. Und hier, wo Gro und Klein gleich sind, (Ijob 3, 19.), wo wir erfahren, da deren Namen im Dunkeln verborgen bleiben (Pred. 6, 14.), die mit Eitelkeit kommen und im Finstern gehen, hier beschlieen wir, im Licht zu wandeln und nach einem guten Namen zu streben (Pred. 7, 1.), denn der Mensch in all seiner Herrlichkeit ist nichts, wenn er nicht durch seine Taten und Handlungen darnach strebt, das ewige Leben zu erreichen. [Funote 92: Der Friedhof wird deshalb nicht nur das Haus der Grber (Beit Hakvarot]) sondern auch das Haus der Lebenden (Beit Hachayim) (Beit Olam)] genannt oder das Haus der Ewigkeit.] Und zu einem solchen Streben soll der Gang nach den Grbern uns entflammen. Wir sind die Arbeiter, die der Herr in seinen Weinberg gestellt, da sie ihr Tagewerk verrichten sollen; ob wir frh oder spt davon abberufen werden, das ist nicht unsere Sache, nur das ist unsere Sache, da wir vollfhren, so viel wir vermgen. Aber der Tag ist kurz, und die Arbeit ist gro (Ijob 7, 1-6), und nur allzu oft glauben wir, da noch Zeit genug ist, zur Ttigkeit und zur Umkehr. O, hier werden wir erinnert, wie viele Menschen in ihrer Bltezeit starben, wie wenige auch nur einen Teil ihres Berufes haben erfllen knnen, wie wenige, deren Arbeit fr die Zeit gengte, die ihnen zugemessen war; hier werden wir daran erinnert, da das irdische Leben dahinfhrt wie ein Schatten, und wir werden zu eifriger Ttigkeit ermuntert, die Zeit zu benutzen, ehe sie verronnen ist. Wie viel tragen hierzu nicht die Gedanken an den frommen und wohlttigen Wandel der Verklrten bei! Wohl sollen wir uns im Leben nach Vorbildern umschauen und ihnen nachzuahmen suchen; aber so lange die Hlle des Staubes die Seele umgibt, bemerken wir nur zu leicht die Mngel, die an jener kleben. Erst wenn wir die irdische Gestalt nicht mehr sehen, dann steht die lautere Tugend der Heimgegangenen, ihrer Seele reiner Adel klar vor unseren Blicken; rein ist jetzt unsere Liebe zu ihnen, und mit grerer Liebe umfassen wir am Grabe die Teuren, ber deren Gegenwart wir uns noch freuen knnen, und wir erfahren in Wahrheit, da das Gedchtnis der Frommen zum Segen ist. Denn unser Sinn weilt nicht nur bei den auf dem Friedhof schlummernden Abgeschiedenen, sondern auch bei den schon lngst Heimgegangenen, bei allen Vtern und Mttern, den Propheten und Mrtyrern, den Lehrern und Fhrern, die einstmals gelebt haben und deren Andenken uns heilig ist. Nicht als ob wir an sie dchten, wie an Heilige, die angebetet werden sollten, denn des grten Propheten Moses Grab wurde gerade verborgen, damit es nicht ein Gegenstand aberglubischer Anbetung und Wallfahrt werde, sondern wir gedenken ihrer hier, um uns ins Gedchtnis zu rufen, wie sie fr die Wahrheit gelitten und gestritten haben, um uns zu erinnern an die Verfolgungen, die sie um des Glaubens willen geduldet haben, wir gedenken ihrer, weil ihr Leben ein Zeugnis fr die Unsterblichkeit ablegt. Hier erinnern wir uns auch der Liebe, welche die Heimgegangenen zu uns hegten, whrend sie noch in der Hlle des Staubes wandelten, einer Liebe, die gewi im Reich der Ewigkeit erhht werden mu, die bei uns die berzeugung eines Wiedersehens jenseits des Grabes weckt, und Balsam in das wunde Herz trufelt. Ja, der Gang zum Grabe soll uns besonders Trstung und Frieden verschaffen, wenn der Weg des Lebens rauh wird, wenn irdisches Weh uns ergreift und unsre Seele Ruhe sucht. Am Jahrestage des Todes eines der Eltern. 1. Herr des Lebens und des Todes, der du dem Menschen das Leben gibst und ihn zur bestimmten Zeit und Stunde wieder abrufst, hier stehe ich vor dir an dieser Sttte, die eines der teuersten Gter meines Lebens in sich birgt; hier liegen meines teuren Vaters (meiner geliebten Mutter) Gebeine; hier schlfst du den ewigen Schlaf, du, dem (der) ich meines Lebens ganzes Glck schulde, du meines Herzens schnster Schmuck, meiner Seele kostbarster Schatz. O! erst jetzt, da ich dich fr immer vermisse, fhle ich, was du mir gewesen bist, was ich fr dich htte sein sollen, o, wie oft habe ich schon als Kind deine treue Liebe verkannt, mit Undank dir deine freundliche Frsorge vergolten. Siehe, deshalb will ich hier an deinem Grabe meine Reue vor Gott aussprechen, da er mir vergeben mge, so ich gegen dich gefehlt habe, will ihn bitten, da er ber deine Asche Frieden walten lassen mge, und ihm geloben, da ich, da ich dich verloren habe, noch nach deinem Tode die Pflichten kindlicher Liebe gegen dich dadurch erfllen will, da ich deinen Namen stets in Ehren halte. O Gott! strke du mich, da ich fest am Glauben halte, da ich als frommer und gottesfrchtiger Israelit (meinen..........) im Himmel Freude bereiten mge, verleihe mir Kraft, da ich mir ein reines Herz bewahre, um das Andenken (meines....) durch gute Werke und durch gottgefllige Handlungen zu verewigen. Und wenn du mich einst aus diesem Leben abrufst, la mich dann ohne Scham vor die Seele treten knnen, die jetzt bei dir weilt. Dazu sei dieser Todestag mir eine Triebfeder, o himmlischer Vater, gewhre mir, was ich von dir erbitte, o Gott. Ich bete fr die Errettung der Seele meines gestorbenen (.........), la ihn (sie) in den Bund des Lebens aufgenommen sein, la den frommen Entschlu, den ich heute fasse, dir wohlgefallen und nimm mich einst in Gnaden auf. Amen! Ein anderes Gebet bei derselben Veranlassung. 2. Herr, o allgtiger Vater im Himmel, hier bei diesem stillen, bescheidenen Grabeshgel, der die Asche eines so teuern Verwandten bedeckt, hier erhebe ich, dein schwaches, sterbliches Kind, mein zerknirschtes Herz zu deinem Himmel, wo die unsterblichen Seelen, deren Staub hier ruht, wie die Sterne leuchten. O Gott der Liebe! gedenke mit vterlichem Erbarmen der Seele, an deren Scheiden dieser Tag mich mit so tief innerlicher Wehmut erinnert. Noch schwebt mir die wehevolle Stunde vor, da du diese teure Seele (meinen Vater, meine Mutter) von mir riefst. Ach, wie ganz anders war doch mein Leben, da sie noch als mein leuchtendes Vorbild hier auf Erden wandelten; wie manche Freude haben sie mir bereitet! Wie oft strkten sie mich durch ihren weisen Rat! O! ich erinnere mich ferner, welche Hoffnung (der liebe Vater, die gute Mutter) auf mich setzte, wie ich voll Hoffnung zu ihm, (ihr) aufschaute, wie ich darnach strebte, seines (ihres) Alters Sttze zu sein, und wie er (sie) so rasch von meiner Seite hinweggerissen wurde, ehe diese Hoffnungen noch in Erfllung gehen konnten. Doch mein Glaube lehrt mich, da, was du Allmchtiger tust, gerecht, weise und heilbringend ist, er belebt mich mit der Hoffnung auf ein Wiedersehen jenseits des Grabes, wo mir offenbar werden soll, da des Menschen hheres Hoffen erfllt wird. O, vergnne mir denn heute, da ich mich deinem Throne nhere und dich um Kraft dazu anflehe, da es mir glcke, auf meiner Pilgerreise etwas zu wirken, das von dem frommen Geist zeugen mge, den der Heimgegangene in meiner Seele gepflegt hat. Stehe mir bei, da ich die Gaben, welche du mir verliehen hast, dazu anwende, durch meine Handlungen dem Verklrten ein ewiges Angedenken in der Gemeinde zu grnden. O, Herr leite mich, da meine Wege dir gefallen mgen, und nimm mich zuletzt mit Ehren auf. Amen! Am Grabe des Vaters, am Jahrestage seines Todes. 3. An diesem Tage, der mich so lebhaft an die Sorge erinnert, die mein Herz erfllte, als du zur Ewigkeit abgerufen wurdest und nur der Gedanke an die Unsterblichkeit, den du, mein heimgegangener Vater, mir eingeprgt hast, mir Trost verleihen konnte,--an diesem Tage nahe ich mich deinem Staube, um meinem niemals gengend ausgesprochenen Dank zu uern, den ich dir fr all deine vterliche Frsorge, die du mir mit so vieler Aufopferung bewiesen hast, schuldig bin. Der alliebende Vergelter wird dort gewi deine Seele dafr belohnen, und sie wird himmlische Freude und Glckseligkeit in dem Bewutsein finden, da dein Kind darnach strebt, den Weg der Frommen zu gehen, auf dem es die Vollkommenheit erreichen kann. Dein Andenken soll mir deshalb stets heilig und unvergelich sein; oft will ich der guten Lehre, der liebevollen Ermahnungen und ntzlichen Warnungen mich erinnern, die ich aus deinem Munde empfangen habe. Wenn die Versuchung kommen sollte, will ich mich damit wider sie krftigen und sie besiegen, da ich mich frage: entspricht deine Handlung wohl der frommen Weisung, die du von deinem Vater erhalten, stimmt sie mit seinem rhmlichen und wohlttigen Wandel berein? Wrde er sie billigen knnen und ihr seine Zustimmung verleihen? Wrdest du ihn nicht damit betrbt und das Herz verwundet haben, welches stets fr dein Wohl schlug? Ja, geliebter Entschlafener! Dein Leben soll mir ein leuchtendes Vorbild auf meiner irdischen Laufbahn sein. Ich will der unerschtterlichen Standhaftigkeit gedenken, mit der du an deinem Glauben hieltest, der innigen Teilnahme, mit der du dich in der Schar der Betenden einfandest, der Sparsamkeit, die du bewiesest, wenn es die Gensse des Lebens galt, und der Freigebigkeit, womit du den Bedrngten halfest. O, du Allmchtiger im Himmel! der du gewi der Seele meines verstorbenen Vaters das Reich der Ewigkeit aufgetan hast, la auch meinen Wandel mehr und mehr dazu beitragen, da sie froh werde, dein Angesicht in voller Klarheit zu schauen; erhre die verklrte Seele, wenn sie vor deinem Thron ihre Frbitte fr mich niederlegt. Zeige du mir den Weg des Lebens, denn bei dir ist die Quelle des Lebens, in deinem Lichte sollen wir Licht und Seligkeit schauen in Ewigkeit. Amen! Am Grabe der Mutter, am Jahrestage ihres Todes. 4. Mutter! Liebe Mutter! Das Kind, welches du einst unter deinem Herzen getragen und das du so treulich mit innigster Liebe gepflegt hast, als du noch unter den Sterblichen wandeltest, dieses dein Kind kommt an diesem heiligen Gedchtnistage zu deinem Grabe, indem Trnen der Wehmut und der Liebe seine Augen fllen. O, da dein Geist dorten wahrnehme die dankbaren Gefhle, die mich in diesem Augenblick durchstrmen. Ach, wie wenig war ich doch imstande, meine kindliche Erkenntlichkeit dir zu beweisen; kaum verstand ich die mtterliche Liebe zu schtzen. Aber seit ich dich nicht mehr habe, habe ich erst recht die Gre meines Verlustes kennen gelernt, seit der Zeit, da du nicht mehr auf Erden wandelst, werde ich tglich daran erinnert, wie viel Dank ich deiner mtterlichen Frsorge schulde, wie du Selbstverleugnung btest, um das Glck und Wohl deines Kindes zu frdern. Ich wei nicht, wie ich meine Schuld bezahlen soll, auer da ich mich bestrebe so zu leben, da ein Jeder, der meinen Wandel auf Erden sieht, ausrufen mu:Heil dem Weibe, das ihn geboren hat, und da ich so deinen Namen mit Ruhm verewige. Deine Seele sei ein unsichtbarer Engel, der mich stets umschwebe, mich von Snden und Lastern fern halte, und mich stets an die heilige Andacht erinnere, mit welcher du in deinem Heim, wie im Gotteshause zu dem Herrn betetest, soda mein Herz dadurch fromm und mein Sinn milde werde.--Und du, himmlischer Vater, der so gerne die Gebete seiner Kinder erhrt, o! erhre mich, wenn ich bete: schenke meiner heimgegangenen Mutter dort, wo nur Liebe und Friede herrscht, jene beseligende Wonne, die du deinen Heiligen bereitet hast, zu denen auch sie ja sicher zhlt, da sie es wissen, wenn ihre Nachkommen in Reinheit und Frmmigkeit vor dir wandeln. Strke mich dazu, da ich einst, wenn die Bande des Staubes fallen, und der Geist zu dir emporsteigt, mit heiliger Freude einer seligen Wiedervereinigung mit meiner verklrten Mutter und allen Edlen, die bei dir sind, gewi sein kann. Dein Name sei gepriesen in aller Ewigkeit. Amen! Am Grabe eines Kindes. 5. Allweiser! du, dessen Gedanken weit hinausreichen ber die unseren, vergib, wenn mein betrbtes Herz hier am Grabe eines geliebten Kindes seufzt, an das meine Seele so fest geknpft, das meines Lebens Stolz, Freude und Hoffnung war. Ach, so oft ich mich seiner Asche nhere, werden die traurigen Betrachtungen erneuert, die sein Verlust verursachte; ach, welch freudige Aussichten wurden durch seinen Tod vernichtet, welche Hoffnungen mit ihm bestattet! Doch es ist deine Weisheit, erhabenes Wesen, das ich anbete; du weit ja besser, als die schwachen Sterblichen, was zu ihrem Heile dient. Die fernste Zukunft liegt ja vor deinem Blicke offen da, und du kennst die Tage deiner Frommen, wenn sie zum ewigen Erbe und Lohn erfllt sind. (Ps. 36, 18.) Du wolltest vielleicht meinen so frh heimgegangenen Liebling vor groen Gefahren und Versuchungen, vor unzhligen Beschwerden bewahren. Wohl rinnen meine Trnen bei dem Gedanken, da ich niemals mehr hier auf der Erde dem begegnen soll, was meine Augenweide war, aber ich will in dem Gedanken Trost suchen, da die Unschuldigen, welche frh sterben, doch lange gelebt haben; denn ihre Prfungszeit war bald vorber, ihre Seele gefiel dem Ewigen, deshalb beeilte er sich, dieselbe von dem sndigen Leib zu befreien und sie dorthin zu versetzen, wo sie besser der Vollkommenheit entgegenreisen kann. Ich will Trost in der berzeugung finden, da ich durch Ergebenheit in deinen Willen deinen Namen heiligen soll, du Heiliger!--O, mein geliebtes Kind, sehe ich dich auch nicht mehr um mich, ewig will ich dich doch mein nennen und in der Hoffnung leben, da ich dich einst verklrt unter den Engeln in der Ewigkeit wiedersehen werde. O, wenn ich nur nichts versumt habe in der Ausbildung deines unvergnglichen Geistes! (Dein frhzeitiger Tod soll mich noch mehr bestimmen, deine Geschwister nicht nur fr die Welt, sondern auch fr den Himmel zu erziehen, indem ich in ihrem Herzen den Glauben befestige und so dieselben zur Seligkeit vorbereite.) O Herr! vergib mir, wenn ich je meine mtterlichen Pflichten vergessen habe, und la die teure Seele, die jetzt bei dir ist, schon mehr und mehr deinem Reiche entgegenreisen! Erhre mich, o himmlischer Vater, und la Trost, Ruhe und Seligkeit mein Inneres erfllen, so da ich freudig deinen Namen in aller Ewigkeit preisen kann. Amen! Eine Witwe am Grabe ihres Mannes. 6. Friede sei mit deinem Staube, du meines Lebens leitender Stern, du meiner Kinder Versorger und Fhrer![93] Ach, wenn auch viele Tage verflossen sind, seit der Allweise in seinem unerforschlichen Ratschlu dich von mir rief, so fhle ich doch jedesmal, wenn ich mich deiner Ruhesttte nhere, meinen tiefen Schmerz und erinnere mich mit ser Wehmut unseres glcklichen Zusammenlebens, von dem Augenblick an, da du mir freundlich entgegen lcheltest und den Frhling meines Lebens mir verherrlichtest, da deine Gedanken nur darauf zielten, mir Glck und Frieden zu bereiten, fr das Wohl unserer Kinder zu sorgen, bis zu der Stunde, da dein Auge brach, und das Licht, das mein Haus erhellte, verdunkelt wurde, und Sorge und Bekmmernis fr meine Kleinen mein Herz berwltigten. O, ich kann nicht ohne Trnen fragen: weshalb, o Herr, sollte er mir genommen werden? Aber gerade dieser Schmerz ber deinen Verlust lst sich in dem seligen Bewutsein auf, da du mir nahe bist! Ja, ich habe, ich besitze dich noch. In meines Herzens Tiefe schliee ich dich ein, denn das, was uns vereinigt hat, ist unsterblich. Das leibliche Auge sieht dich nicht mehr, aber mein geistiges Auge erblickt dich noch, und es ist mir, als ob deine ermunternde Stimme mich strke. Zeige du mich hin zu ihm, der den Witwen ein Fhrer und den Vaterlosen ein Vater ist, der die heimsucht, welche er liebt, und dessen Wege all zu erhaben sind, als da wir Sterbliche sie verstehen knnten, die aber sicherlich zum Guten fhren. Ja, Allheiliger! Strke mich zur Ergebung in deinen heiligen Willen, giee Balsam in mein wundes Herz, vergib mir meine Snden und erbarme dich ber meine Kinder. Gib mir Kraft sie zu allem Guten zu erziehen, und wecke du in ihrem Innern eine fromme Denkungsart, da sie dir um Wohlgefallen, mir zur Freude und meinem heimgegangenen Gatten zum rhmlichen Gedchtnis werden mchten. Beschirme die Tage meiner Zukunft und gedenke stets der teuren Seele, deren Verlust ich beweine, zum Guten und zur ewigen Glckseligkeit. Amen! [Funote 93: Wenn sie keine Kinder hat, mu natrlich alles, was darauf hindeutet, aus diesem Gebet weggelassen werden.] Am Grabe eines gefallenen Vaterlandsverteidigers. 7. Mit Ehrfurcht und Dankbarkeit nahe ich mich diesem Grabe, o Ewiger! wo der Staub dessen ruht, der heldenmtig sein Leben geopfert hat, um des Vaterlands Recht und Wohlfahrt zu schtzen. O, Allgerechter, wie sein Andenken ewig teuer ist und sein mu fr einen jeden, der es aufrichtig mit seinem Volke und Vaterlande meint, und wie seine Ruhesttte allezeit von den Trnen heiligster Erinnerung benetzt werden wird, so belohne du ihn dort fr seine fromme Tat, wo allein wahre Treue und Aufopferung fr die Mitmenschen vollkommen belohnt werden kann. Ja, du, der du hier schlummerst, du hast es gezeigt, da, so kostbar auch das Gut des Lebens ist, doch noch ein hheres Gut vorhanden ist, fr das man jenes hingeben mu. Du tuschtest das Vertrauen nicht, das man in der Stunde der Gefahr auf dich setzte; unerschrocken tratest du dem Tode entgegen, und welch se Bande dich auch fesselten, du rissest dich von ihnen los und kmpftest mit Mut und Kraft, wie die Helden des Altertums, sicher, da nur der vergngliche Teil des Menschen berwunden werden und fallen kann, der unvergngliche aber siegen mu. An deinem Grabe soll sich die Jugend fr Vaterlandsliebe begeistern, soll der Mut in den Shnen des Landes entflammt werden, ja, hier will ich mich begeistern, jedes Opfer, das in meinen Krften steht, fr das Vaterland, fr die Brder, fr die Gemeinde zu bringen. Hier will ich lernen, fr meinen Glauben zu dulden und zu streiten, hier will ich als ein treuer Brger lernen, alles zu bekmpfen, was dem Wohle des Vaterlandes schaden kann, und als ein wahrhafter Diener Gottes in jedem Kampfe fr mein himmlisches Vaterland bis zum Letzten ausharren. Hilf du mir, Allheiliger, da meine Seele den Tod der Gerechten sterben und mein Ende dem der Frommen gleichen mge. Sei mit mir, Allgegenwrtiger, und la meinen Wandel dir stets wohlgefallen. Amen! Beim Grabe eines Verwandten. (Nach einem lteren hebrischen Gebet.) 8. Hier an dieser Sttte, wo der Gedanke an ihn, der zum Tode wie zum Leben fhrt, in unserm Innern lebendig wird, hier erhebe ich meinen Geist zu dem Unendlichen und sage: mein Gott, du mein teuerstes Gut, das mir ber alles geht, nchst dir strebt meine Sehnsucht nach jenen wahrhaft Frommen, welche jetzt die Erde deckt, und hier weilt die Asche eines mir teuren Krpers; Mutter oder Gromutter am Grabe eines Kindes: Siehe, ich deine Mutter, welche dich (geboren), gepflegt und geliebt hat, mit treuer mtterlicher Sorge mit inniger Zuneigung, * * * * * Kinder oder Enkel am Grabe der Eltern oder der Groeltern: Siehe, ich deine Tochter (Enkelin), die durch die heiligen Banden des Blutes mit dir verbunden ist; * * * * * Am Grabe eines Ehegatten: Siehe, ich, deine treue Gattin, welche dich innigst liebt! * * * * * Am Grabe eines Bruders oder eines sonstigen Angehrigen: Siehe, ich deine Schwester, (Schwiegertochter, Freundin, Schlerin usw.) * * * * * besuche deinen Grabeshgel! Ehre sei Gott in der Hhe! Friede mit deinem Staub! Die Freude der Seligkeit mit deiner Seele! Innige Liebe zu dir, die eben so warm ist, als damals, wo du noch am Leben warst, durchdringt mich, fhrte mich hierher zu deiner Ruhesttte, wo ich vor dem Gott der Geister meine Seele ausschtten und ihn bitten will, dir gndig zu sein und deine Seele im Eden im Verein mit deiner Stammvter verklrten Seelen zu erfreuen, da du in Seligkeit das ewige Gut genieen mgest, das Er seinen Frommen vorbehalten hat. Mgest du von dem Tau der Seligkeit im ewigen Leben erquickt werden, wie der Tau des Himmels die Pflanze erquickt.--Und sollte in jenem Leben die Liebe, welche einst dein Herz bewegt hat, denn aufhren knnen? Nein, so innig, wie ich deiner gedenke, und wie meine Gebete fr deine Seligkeit aufsteigen, eben so innig gedenkt deine Seele der meinigen, wnscht mir alles Gute und betet fr meine Wohlfahrt zu dem Allerbarmer. O, da unsere gemeinsamen Gebete ihm wohlgefallen mchten, und er in seiner Gte alles Bse von mir und allen deinen Angehrigen abwenden wollte. Gott der Liebe! du, in dessen Hand die Seelen aller Toten und Lebendigen stehen, erhre unsere Gebete, die zum Throne deiner Herrlichkeit aufsteigen, segne mich, da ich ein dir wohlgeflliges Leben fhren mge, zur Ehre und zum Ruhm fr den, dessen ich heute gedenke, und da ich also glcklich hier auf Erden sei und einst selig werde dort in der Ewigkeit, wenn ich in das gttliche Reich bei dir aufgenommen werde, mein Vater und mein Richter. Amen! Am legten Tage im Jahre. (Ereb Rsch Haschonoh.) Herr! tue mir mein Ende kund, und was das Ma meiner Tage sei, da ich erkenne, wie vergnglich ich bin. 10. Nach uralter heiliger Sitte besuche ich am letzten Tage des Jahres die Sttte, wo viele Grabhgel an lngst vergangene Geschlechter und die frisch aufgeworfenen an die Teuren erinnern, die in diesem Jahre entschlafen sind. Wie knnte ich wohl an diesem Tag, der so lebhaft den Gedanken an des Lebens Vergnglichkeit erweckt, und der mich dazu auffordert, Rechenschaft darber abzulegen, wie weit ich mich der erhabenen Bestimmung meines Lebens genhert habe und in Glauben und Tugend vor dem Herrn gewandelt bin,--wo knnte ich besser eine erhebende, vershnende Stunde zubringen, als hier, wo ich meinen Blick auf diejenigen richte, welche in diesen Grbern ruhen, ach, zum Teil solche, die nach dem Eitlen jagten und ihre Befriedigung in dem Zeitlichen suchten, und die nun Moder bedeckt, oder wenn ich am Grabe derjenigen weile, welche in ihrem vergnglichen Leben das Ewige suchten und nun die Flle der Freude bei dem Unendlichen genieen. Ach Herr, da fragt mein Geist: unter welchen von diesen werde ich einst gefunden werden, wenn des Lebens letzter Tag gekommen ist? Hier trete ich deshalb hervor und ergreife das Ewige; denn hier, wo ich von Tod und Moder umgeben bin, verliert alles Gold seinen Schein, alle Ehre ihre Strahlen, alles Ansehen bei den Menschen seine Macht, alle Schnheit ihren Zauber, alle Sinneslust ihren Reiz; hier fhle ich tief, da meinen Tagen ein Ziel gesetzt ist, da ich von hier fort mu, und meine Tage wie ein Schatten sind. Ach sollten sie wirklich dahin schwinden, ohne etwas Licht ber meinen irdischen Wandel zu verbreiten, ohne da sie ein Andenken zum Segen hinterlieen?--Ach, der Strom der Zeit eilt so rasch dahin und reit auf seinem schnellen Wege alles mit sich fort, was mir teuer und wert ist! Wie manche Freunde habe ich schon verloren, wie mancher ging fort im Jugendalter, wie mancher, der sein Ende noch nicht erwartete, und heute ruft mir die Erinnerung daran zu: auch deine Stunde kann unerwartet kommen; willst du unvorbereitet vor den Allerheiligsten treten? Ja, ich will heute mit Trnen eurer in der Ewigkeit gedenken, die meines Lebens Ehre und Schmuck waren, eurer, meine Eltern usw. (ob euer Staub nun hier ruht, oder weit entfernt in fremder Erde); Jahre sind darber hingegangen, seit ich euch verloren habe, und die Hoffnung auf Wiedersehen war mein einziger Trost; aber habe ich auch so gelebt, da der Gedanke an eine Wiedervereinigung mit euch mich mit himmlischer Freude erfllen kann? Knnte ich euch mit einem sndhaften Sinn gegenbertreten, mit einem unreinen Herzen mich der ewigen Klarheit nhern, welche die Frommen umgibt? O! indem ich euch heute meine Trnen der Erinnerung weihe, will ich ber meine Snden weinen, will ich im Vorausgefhl meines endlichen Heimganges alles abwerfen, was mich als Menschen entwrdigt, was mir nicht ziemt als Israelit; ich will die Ketten brechen, welche mich an das Zeitliche fesseln und den Wahn bannen, als sei das, was die Welt mir bietet, etwas Bestndiges, und ich will mich bestreben, dir anzuhangen, du Ewiger und Unwandelbarer!--Allerbarmer! vergib mir meine Snden und meine bertretungen und strke mich in meinem frommen Vorsatz, behte mich vor einem jeden Fehltritt, der Beschmung ber meine Tage bringen knnte; schirme mich wider jede Versuchung, da weder Eitelkeit noch Habsucht, noch Ehrgeiz Macht ber mich gewinne, sondern da ich, geleitet von deiner heiligen Lehre, so rein werden mge, als ich an dem Tage war, da ich geboren wurde. La die frommen Handlungen meiner teuren Seligen meine Frsprecher sein vor deinem heiligen Throne, auf da meine Gebete fr das neue Jahr erhrt werden. La, o Quell der Liebe, meine (meines Gatten, meiner Kinder usw.) Bue dir wohlgefallen und verleihe uns ein Jahr voll Segen und Glck, ein Jahr, in dem deine Versprechungen an Israel zu seinem und der ganzen Menschheit Heil sich erfllen mgen. Bewahre mich und die Meinen vor Drangsal und Not, vor Armut und Schande, auf da wir mit freiem Geiste dir dienen knnen. La mich und meine Lieben erfahren, da ich noch deine Segnungen im Lande der Lebenden sehen soll(Ps. 27, 15.), da ich noch in dem Lichte der Lebendigen vor deinem Angesichte wandeln soll(Ps. 56, 14.). Deine Gnade sei mit mir und allen, welche dich mit einem treuen Herzen anbeten, da wir auf unserer Pilgerreise noch viel Gutes wirken knnen und ein Wohlgefallen bei dir finden in alle Ewigkeit. Amen! XXIV. Schlu Dankgebet bei Vollendung eines Werkes. Ewiger, allgtiger Gott! Wie ich in deinem Namen diese Arbeit begonnen habe, so la mich sie auch damit schlieen, da ich zu dir aufschaue und dir meinen Dank fr deinen Beistand darbringe. Du warst es ja, der die Gedanken in meine Seele legte, und dein allmchtiger Schutz hielt meine Kraft aufrecht, es war dein Geist, der mich trieb, so da ich stets mit Freudigkeit und Lust zur Arbeit schritt. O, wie oft verzagte ich, wie oft erfllte sich meine Seele mit Furcht, da ich mein Vorhaben nicht zu vollenden vermgen wrde, und siehe, da hrte ich gleichsam eine erweckende Stimme von oben; mein Geist belebte sich aufs neue, und du erfreutest mein Herz dadurch, da meine Arbeit gedieh und vorwrts schritt.--O, nimm mein Dankopfer an;denn es stammt ja alles von dir, und was ich selbst von dir empfangen habe, das gebe ich dir wieder zurck.[94] Nun erhre du denn mein Gebet, da du diesem Werke dein Siegel aufdrcken wollest, auf da es fr viele zu einem Segen werde. Gelobt seist du, o Herr, in Ewigkeit. Amen! [Funote 94: 1. Chron. 29, 14] XXV. Anhang. Esehu Mekmon. (Betrachtung ber die Opfer, anstatt einer bersetzung). Meine Gedanken, o Herr, weilen bei den Opfergesetzen, welche du unsern Vtern gabst, und mein Herz wird voll des Dankes, indem ich deine Gnade erkenne, da du durch diese deine Gebote hast Israel fest an dich knpfen wollen; mgen sie deshalb mir auch zur Richtschnur dienen bei der Anbetung deines heiligen Namens. Wenn nun gleichwohl auch bei mir der tiefere Sinn verborgen ist, und ich die gttlichen Geheimnisse nicht zu erforschen vermag, die mit den Opfern, welche du befahlst, verbunden sind, und nicht ergrnden kann, weshalb du sie mit so vielen Vorschriften anordnetest, und wie sie dazu dienen sollen, den Sohn des Staubes mit dir, dem Unendlichen, zu vereinen, ihn deiner Gnade gewi zu machen, denn dir gehrt das Verborgene, o Ewiger, aber was du offenbart hast, ist fr uns,[95] und wie herrlich ist nicht das, was uns offenbart worden ist! Wenn ich all der Scheulichkeit gedenke, die mit der Opfermahlzeit der Heiden verbunden war, durch welche sie ihre Schuld shnen wollten, wie sie von dem Blute des Opfers tranken und sich zu Wollust und Blutdurst reizten, wie sie Menschenleben opferten, whrend sie das Tier als heilig betrachteten, o, wie knnte ich da wohl anders, als erkennen, da bei Israels Opfer alles nur dazu dienen sollte, die Reinheit des Glaubes zu beschtzen, Sittlichkeit und Gerechtigkeit zu wahren und alles fern zu halten, was Sinnenlust und trichten Aberglauben frdern knnte. Deshalb verbotest du in deiner Weisheit jeden Gebrauch des Blutes, verbotest jedem, der unrein war, zu opfern, deshalb konnte eine absichtlich begangene Snde nicht durch ein Opfer geshnt werden, deshalb muten die Vergehen wider den Nchsten erst gut gemacht werden, bevor das Opfer gebracht werden konnte. Ja, du lehrtest uns, da ein Opfer fr sich allein nichts ntzt, wenn es nicht in Wahrheit von einem innern frommen Sinne zeugt, und du und deine Propheten straften die, welche da meinten, da sie durch Darbringung eines Opfers allein geheiligt werden knnten. Du lieest deine Propheten verkndigen, da Gehorsam besser als Opfer ist,[96] da Opfer bei einem sndigen Wandel dir zuwider sind,[97] da du Wohlgefallen an der Liebe findest, und nicht am Opfer, und da die Erkenntnis deiner mehr ist, als Brandopfer.[98] [Funote 95: 5. Mos. 29, 28.] [Funote 96: 1. Sam. 15, 22. Ps. 40, 7. Spr. Sal. 21, 3.] [Funote 97: Spr. Sal. 15, 8. Es. 11-17 Jer 6, 21. Amos 5, 22.] [Funote 98: Hos. 6, 6] Aber besonders sind es die tglichen Opfer, welche den Mnnern der groen Synode[99] zum Muster dienten bei der Anordnung des Morgen-und Abendgottesdienstes, deren ich gedenken soll, und whrend ich mich an ihr Wesen und an ihre Bedeutung erinnere, erwecke ich in meinem Innern eine wahrhafte Erbauung und die Sehnsucht darnach, dich bestndig und richtig durch meine Gebete zu verehren. Da tritt mir denn zuerst der Gedanke entgegen, da es--ein Opfer war, und da mein Gebet deshalb auch ein Opfer sein soll. Ja, ich will im Gebet mich selbst zum Opfer darbringen, will mich mit all meinen Wnschen, meinen Gelsten und Sehnen, mit all meiner Furcht und all meinem Hoffen ganz und ohne Rckhalt dir hingeben, und wie das tgliche Opfer ganz dargebracht wurde, so will ich jeden Morgen und jeden Abend, wenn ich zu dir bete, mich dir auch ganz hingeben und mich vllig deinem Willen unterordnen.[100] [Funote 99: Ansche keneseth hagdolo (ecclesia magna) setzten im Hinblick auf die stndigen Opfer das Schacharith--, Mincha--, und Maarib Gebet fr jeden Tag, das Mussaph--Gebet fr Sabbat-und Festtage und das Nelah--Gebet fr den Vershnungstag ein.] [Funote 100: Taanith 27. Sanhedrin 43.] Jenes Opfer konnte von keinem dargebracht werden, der nicht vollstndig rein war, der nicht durch seinen Willen alle strenden Gedanken zu beherrschen und unangefochten von der ueren Welt, ganz mit seiner vollen Seele sich der heiligen Handlung hinzugeben vermochte; denn das Opfer wurde verworfen, wenn nicht sein eigentlicher Zweck, die rechte Andacht, den Opfernden erfllte. So will denn auch ich mich zuvor prfen, ob ich rein bin, ob ich wrdig bin, vor dich, den Allheiligen hinzutreten, will deshalb zuvor Bue tun, will mich von allen weltlichen Gedanken losreien, will die tierischen Triebe in mir tten und den irdischen Sinn abwerfen, jedesmal da ich vor dich hintrete, da ich vor deinem Angesicht in meinem, wie in der ganzen Gemeinde Namen erscheine. Denn das tgliche Opfer wurde ja im Namen der ganzen israelitischen Gemeinde gebracht und sollte dazu dienen, was man so oft vergit, fr all das Gute zu danken, das bestndig in so reicher Flle dem Menschen zuteil wird; dir dafr zu danken, da du ber ihn in der Nacht wachtest und ihm neues Leben schenktest, wenn des Morgens Licht ihn auf seinem Lager weckte, und da du ihn den ganzen Tag alles finden lt, dessen er bedarf. Dieses Opfer sollte in Israels Heiligtum ein Lamm sein, das dir als Dankopfer dargebracht wurde, der du durch den Schlummer der Nacht alle gestrkt, und wiederum am Abend, wenn es dunkelt als Dankopfer fr den glcklich verlebten Tag. Und es war begleitet von einem Speiseopfer, wohl um fr das Brot zu danken, welches der Mensch wiederum gefunden hatte, fr Kraft und Schnheit des Krpers, was durch das l bezeichnet wurde, fr die Gabe und den Vorzug des Geistes, was bildlich der Wein andeutete. So will auch ich, o Herr, jeden Morgen und jeden Abend deiner Wundertaten eingedenk sein und dir danken, weil du meinen Geist und meinen Krper erhltst, so will auch ich dir fr alle zeitlichen Gter, die du mir verleihst, fr die Sonne, welche ihre Strahlen auf meinen Weg sendet, fr den erquickenden Schatten der Nacht, wie fr das himmlische Licht, das Wort des Lebens, welches du mir gegeben hast, das Dankopfer meines Gebets darbringen. Aber das tgliche Opfer war ja auch ein Shnopfer, welches tglich fr die Gesamtheit Israels, wie fr den Einzelnen, dargebracht werden sollte, nicht offenbare Vergehungen, sondern fr diejenigen, deren der Mensch sich schuldig macht, ohne da er sie sich zur Snde anrechnet, und so sollte tglich das Bewutsein der Snde in der Brust des Israeliten geweckt werden. Dein, o Herr! ist der Tag und dein, o Herr! ist die Nacht, und bestndig sollen wir dich vor Augen haben; unsere Arbeit wie unsere Ruhe soll von dem Gedanken an dich begleitet sein. Aber, wenn der Schlummer der Nacht uns in seine Arme schlieen will, bevor der Schlaf unsere Sinne und Gedanken gebunden hlt, da denken wir nicht an dich, da benutzen wir die ruhigen Augenblicke nicht dazu, dich zu erkennen und zu suchen; und in des Tages geschftigem Treiben richten sich nicht die Gedanken auf dich, und wir vergessen es, deiner zu gedenken. Deshalb soll am Morgen ein Opfer gebracht werden fr die Snde der Nacht und am Abend fr des Tages Snde. Aber auerdem kann die ganze Gemeinde auch dem nicht entgehen, da sie bestndig sndigt, und jede einzelne Seele ist mitschuldig der Sndenschuld der groen Gesamtheit, und wer sich fr unschuldig hlt wie ein Lamm, ist sndig. Aber was ehemals das tgliche Opfer fr mich wirkte, das soll jetzt durch mein tgliches Gebet erreicht werden, da ich nicht in Leichtsinn wandeln mge, sondern das Bewutsein der Snde in mir wecke, die Erkenntnis dessen, wie weit meine Gedanken und Handlungen, meine Arbeit und meine Ruhe, im Groen wie im Kleinen von der Pflicht Israels abweichen, soda ich jeden Morgen und jeden Abend aufs neue geheiligt werde und den Vorsatz fasse, deinem Dienste zu leben, o Herr! ob ich nun meinen Erwerb mir suche, oder danach trachte, meines Hauses oder meines Namens Ansehen zu erweitern, oder ob ich in Freude und Frohsinn weile, wo der Wein des Menschen Herz erfreut. Und endlich sollte das tgliche Opfer von Bestndigkeit im Glauben und in Gottergebenheit ein Zeugnis sein, und jeden Morgen und jeden Abend sollten Israels Kinder die Lebendigkeit dieses Glaubens zu erkennen geben, ob nun das Glck ihnen zulchelte oder ob Unglck sie in das Dunkel der Nacht hllte. Ebenso will auch ich es frh und spt an den Tag legen, da, welches Schicksal du mir auch sendest, ich stets mit Vertrauen mich dir nhern will und es soll stets nach Vorschrift am Morgen und am Abend geschehen; und indem ich mich an die heilige Ordnung binde, will ich den Geist des Gebetes in mir wecken und bewahren. Denn wenn auch die Pflicht zu beten, das Opfer des Herzens darzubringen, nicht an Ort oder Zeit gebunden ist, sondern wir stets und berall beten sollen, so oft wir uns dazu gedrungen fhlen, so sollen wir doch zu den festgesetzten Zeiten beten, wenn auch unser Herz uns nicht dazu drngt, weil wir sonst in dem Gewirre der Welt vielleicht niemals dazu veranlat wrden. Aber gerade durch das tgliche Gebet, dadurch, da wir mit aller Kraft unseres Willens darnach streben, von dem Geiste des Gebetes durchdrungen zu werden, sollen wir die Unlust zum Gebete berwinden, die Hindernisse besiegen, welche sich zwischen dich und uns stellen, o Gott, und den Geist der Welt ertten, der uns den hchsten Schatz unserer Seele rauben will,--die Anbetung deines Wesens. So will ich denn dir mein tgliches Opfer darbringen, mein Gott, will meinen Willen dir ergeben, will jeden Morgen meinen Dank zu dir aufsteigen lassen und mich deiner Leitung anvertrauen und mich jeden Abend sorglos deiner Fhrung hingeben. Ich will Krnkungen ertragen, will das Schlechte nicht vergelten, das mir zugefgt wird, will um deinen Schutz bitten fr alle, die auf Erden wandeln, will darnach streben von jeder sndigen Lust mich zu reinigen, will fest in meinem Glauben verharren, und will, wenn auch die Menge der Versuchungen mich umringt, wie manchen Kampf ich auch zu bestehen habe, meine Standhaftigkeit als Israelit zeigen, der nicht nach dem Lohne und der Ehre der Welt trachtet, sondern allein darnach strebt, dir wohlzugefallen und der gewi ist, da du den errettest, der dir bestndig dient.[101] [Funote 101: Dan. 6, 27.] XXVI. Freitagabendbetrachtung. Bame madlikin. (Eine Betrachtung anstatt der bersetzung.) Der letzte Tag in dieser Woche nhert sich seinem Ende und wieder schliet mit ihm ein Abschnitt meines Lebens ab, in dem ich deine Gte erfahren habe, du, mein Schpfer, whrend ich meiner huslichen Ttigkeit oblag. Die heilige Stunde ist nahe, mit welcher der Sabbat beginnt, der dazu da ist und da sein soll, eine heilige Ruhe in dir zu suchen und zu finden, indem ich auf das hinblicke, was du fr mich vollfhrst hast, und indem ich prfe, was ich vollbracht, und mit welcher Gesinnung ich gehandelt habe. O, schaue ich hin auf deine Liebe und Gte gegen mich in den sechs verflogenen Tagen, wie kann ich da Worte finden dir zu danken, der du wiederum das Werk der Schpfung vor meinen Augen erneuert hast, der du am Tage deine Gnade ber mich ausstrmen und mich bei Nacht in deinem Schatten weilen lieest und der du mich mit so unendlich vielen Gnadenbeweisen, Wohltaten und Segnungen berschttest hast, da ich sie nicht zu zhlen vermag! Du hast dich ber mich erbarmt, mich jeden Tag zu meiner Ttigkeit gestrkt und hast mich durch so vieles erfreut; Du warst in trben Stunden meine Kraft und mein Schild und du hieltest mich aufrecht im Unglck. O Herr! Ich bin nicht wert so groer Gte; denn gedenke ich meiner Aufgabe, die mir in diesen Tagen der Arbeit zu vollfhren auferlegt war,--ach, wie oft war ich da nicht schlaff und nachlssig; wie oft verga ich nicht in meiner Ttigkeit zu dir aufzuschauen, zu wirken und zu schaffen, wie einer, der sich in deinem Dienste fhlt, der bei all seinem Tun dich stets vor Augen hat, da er den rechten Weg nicht verliere und dir wohlgefalle. Ich wei, da ich leben soll, um das Wohl meiner Mitmenschen zu frdern und mit liebevollem Sinne ihnen Wohltaten zu erweisen; ach, und ich erkenne wie viel eigenntzige und eitle Zwecke mich noch gebunden halten. Als Israelitin soll ich, was auch mein Beruf sei, beweisen, da ich von einem Glauben beseelt bin, der voll Ergebung und Geduld ist, und deshalb ein Leben fhren, das allen denen, die mir nahe stehen, heilbringend sei,--aber wie wenig schwebte solch ein Ziel mir bei all meinem Wirken vor! Wohl habe ich in der vergangenen Woche Zeit gefunden zu allem, was mein Herz begehrte, aber habe nicht, so wie ich sollte, mich bestrebt, mich als ein Glied der Genossenschaft zu beweisen, welche dein offenbartes Wort bewahren und das Licht, das gttliche Licht, der Welt leuchtend erhalten soll, und wenn ich auch einige flchtige Augenblicke dazu anwandte, so konnte das doch nur wenig bedeuten fr den, welchem die Sorge fr die Bedrfnisse des Lebens keine Zeit lassen, frei zu atmen und an deine heiligen Wahrheiten zu denken. O Herr, deshalb bete ich zu dir: la den heiligen Sabbat mir anbrechen, da er meiner Seele Frieden bringe, auf da ich deine unendliche Gte erkennen mge und aufs neue zu allem Guten erglhen und dazu beseelt werden mge, im Verein mit deinen wahren Anbetern dir zu dienen, den Glauben zu pflegen, zu frdern, was der Gesamtheit zum besten dient, mich allem fern zu halten, was den Israeliten entheiligt und mit neuer Lust aus der Quelle des Lebens zu schpfen, in deinem Wort zu forschen, da es mich in deiner Wahrheit strke und wie eine reine Flamme voller Klarheit ber die Erde leuchte und mich auf meinem Pilgerwege begleite, bis ich es in Herrlichkeit aufleuchten sehe, wenn die ewige Sabbatruhe kommt, wo seliger Friede und himmlische Ruhe mich bei dir erwarten! Amen! XXVII. Betrachtung zum Mussaphgebet. (Das Nachfolgende ist ein Abschnitt aus dem Talmud (Tractat Kritth), welches die Art und Weise behandelt, in der das Rauchopfer zubereitet wird. Anstatt einer wortgetreuen bersetzung wird folgendes Gebet gegeben). Pittum hak'tres. So nhert sich denn die Zeit des Verweilens in deinem Hause ihrem Ende, und die angeordneten Gebete haben wir verrichtet; aber ach, wie mancher Augenblick weckte nicht einen Gedanken in uns, der wider den Geist des wahren Gebetes stritt! Wie oft regten sich nicht sndige Gefhle in unserer Brust; wie oft strten wir durch unser Benehmen nicht die Andacht anderer, wie oft wankten wir nicht beim Gebet im Glauben an Erhrung; wie oft rgerten wir uns nicht ber die Herrlichkeit und den Glanz der Gottlosen und lieen den Nchsten, lieen den Abgefallenen aus unserm Gebete ausgeschlossen sein, so da unsere Anbetung dir nicht zum Wohlgefallen sein konnte! Deshalb, o Allerbarmer, wollen wir des Rauchopfers gedenken, das vormals im Heiligtum dir zu einem wohlgeflligen Dufte dargebracht wurde, auf da es alles Widerliche vom Opfer entferne. Wir wollen uns an die vier Hauptbestandteile des Rucherwerks erinnern, da jede Andachtstrne, die heute flo, wie ein Balsamtropfen sein, jeden bekmmerten Sinn heilen und von wahrer und innerlicher Bue hervorgerufen sein mge; da des Herzens harte Schale zermalmt werde, und wir keinen Zweifel nhren mgen, da du das Gebet eines zerknirschten Herzens[102] nicht verachtest. Und wir wollen uns erinnern, da man dem Weihrauch auch Galban, eine Substanz von unangenehmen Geruch, zusetzte, eine Erinnerung fr uns daran, da du selbst die Tiefgefallenen erhrst, welche bereuend ihre Gebete in das Gebet der Gemeinde mischen, ja eine Erinnerung daran, da unsere eigene, fromme Erbauung[103] dadurch vermehrt wird, wenn wir diese in unser Gebet einschlieen, wenn wir uns selbst zu ihnen rechnen und in Demut deinen Namen anflehen; eine Versicherung, da wenn wir auch eine Stunde vergaen, da wir vor dir stehen und andachtslos hier weilten, du uns doch vergeben willst, wenn wir mit heiligem Sinne kommen und unsere Gebete wie Weihrauch zu dir aufsteigen lassen, und wenn wir noch zum Schlu recht innig unsern Geist zu dir erheben. O, Allheiliger, erhre uns und la unser Gebet vor dir wie ein Rauchopfer ein.[104] Amen! [Funote 102: Ps. 51, 19.] [Funote 103: Kritth Fol. 6, 66.] [Funote 104: Ps. 141, 2.] End of the Project Gutenberg EBook of Gebete fr Israeliten, by A. A. Wolff License: Share Alike